дв 82: Die heilige Familie. Vollständiges, Andachtsbuch katholische Christen. Worin Morgen-, Abend-, Meß-, Beicht-, Communion und viele andere auserlesene Gebethe, auch die Andachtsübungen auf alle Zeiten und Feste unsers Herrn, seiner gebenedeyten Mutter und der lieben Heiligen enthalten sind. exololo Dritte Original- Auflage. Mit Erlaubniß der P. P. Bücher- Cenfur und Genehmhaltung des hochwürdigsten St. Pöltner Ordinariates. St. Pölten, 1836. Gedruckt und zu haben bey Anna Lorenz, G& 829 Univ.- Bibl. Giessen nöthige Vorerinnerung. Gebethbücher sind dazu gemacht, daß sie uns Anweifung zum Bethen geben, das so nothwendige Nachdenken dabey erleichtern, uns auf unsere wichtigsten Angelegenheiten, und unser Verhältniß gegen Gott aufmerksam machen, und nicht so sehr Worte in den Mund, als gute Gedanken und Gesinnungen ans Herz legen, in welchen die wahre Undacht besteht. - Das Herablesen und Nachfprechen ist nicht gebethet.- Bedenke und überlege wohl, was du liefeft, ob es auch dich angeht? ob du es mit Wahrheit fas gen kannst, und ob du es wirklich so im Sinne haft? Findest du etwas, das dich besonders angeht, so mache das Buch zu, wende es auf dich an, fasſe einen guten Vorfah, rede aus deinem eigenen Herzen von deinen Angelegenheiten zu Gott.- Sege hinzu, was im Buche nicht stehen kann, was du nur allein wissen und empfinden kannst. So wirst du endlich selbst, auch ohne Buch aus deinem eigenen Herzen bethen lernen. 212 0 Dieses Nachdenken ist die Hauptfache beym Gebethe. Gewöhne dich recht daran, so wird es dir immer leichter werden. Dazu sollen dir besonders gegenwärtige Andachtsübungen dienen, wo vieles in fruchtbarer Kürze enthalten ist. Weil ein Gebethbuch so oft zur Hand genommen wird, so soll es auch so eingerichtet seyn, daß man immer etwas zum Nachdenken habe. Was man etwa das erste Mahl nicht gleich faffet, wird ein anderes Mahl klärer; heute wird dieß, morgen jenes näher ans Herz gehen. Eile nur nicht! Besser einen guten Gedanken recht zu Gemüthe gefaßt, als ein ganzes Buch ohne Nachdenten durchlesen. Bey der heiligen Messe kannst du dich auch anderer hier enthaltener Andachtsübungen bedienen. Immer einerley Gebeth lernt man bald auswendig, und plappert es ohne Aufmerksamkeit her. Darum sollte fogar mit den Gebethbüchern selbst gewechselt werden. Zur Hausandacht würde das Vorbethen einer Litaney, eines Theils der Rosenkranzerklärung, oder eines Festgebethes sehr nüßlich seyn. ** D - nevoie sasnisd Sun kaput mis C @ 00000 Morgenandacht. Befleiß dich, mein Chrift, jeden Tag gut anzufangen, wenn du ihn gut fortsegen, und gut enden willst. Gewöhne dich nur, sobald es möglich ist, dein Herz zu Gott zu erheben. Steh hurtig auf, und zaudre nicht lange. Das durch kommt es dir immer schwerer an. Frühaufste= hen verlängert das Leben. Kleide dich sogleich ehrbar an, und bethe dann kniend dein Morgengebeth. Mein Gott und Vater! zu dir erhebe ich meine ersten Gedanken, und bethe dich mit kindlicher Ehrfürcht an. Ich danke dir, daß du mich diese Nacht erhalten, durch den Schlaf gestärket, und diesen Tag haft erleben lassen, den ich nun mit deinem Beystande so anwenden will, wie es dein Wille ist; damit ich ja keine Sünde und Thorheit begehe, und Niemand über mich zu klagen Ursache habe. Das Angedenken 6 an dich begleite mich auf allen Wegen, halte mich vom Bösen ab, und treibe mich zum Guten an, auch wenn mich Niemand sieht. Du siehest, du stärkest, du belohnest mich. Mit Freuden gehe ich an meine Geschäfte, welche du mir in meinem Stande angewiesen hast. Segne mich, mein Vater! Deiner Fürsorge empfehle ich mich und alle meine lieben Mitmenschen. Amen.. m Merke dir dieses Gebeth, nicht ſo fast den Wor ten, als dem Inhalte nach, damit du auch ohne Buch bethen lernest. Das Nähmliche gilt auch vom Abendgebethe. Wenn du das Kreuz machest, oder ein Crus cifipbild anblickest, so denke: Jesu! was hast du gethan und gelitten, auch für mich! Ich bin dein Erlöster, ich bin ein Christ. Als ein solcher will ich heute leben und dir folgen auf dem Wege, den du uns zum Himmel vorgezeigt hast. Amen. Beym Andenken an Maria, an die lieben Engeln und Heiligen stelle dir vor, sie laden dich ein, ihrem Beyspiele zu folgen, nähmlich: Gottes Willen zu thun, wie sie ihn gethan haben, und noch thun, ( welches die wahre Heiligkeit ist,) damit du einst auch in ihre himmlische Gesellschaft kommeft. Nun denke an das, was dir diesen Tag zu thun 7 Am obliegt, wie du es anfchicken, und gut pollbringen mögeft. Denke im voraus, welche Gelegenheiten sowohl zum Guten, als zum Bösen dir heute kommen könnten, um jene zu benügen, und diese zu vermeiden. Mache gute Vorfäße, und nimm dir besonders vor, dich vor der Sünde möglichst zu hûthen, welcher du am meisten ergeben bist. Du weißt, was dir am gefährlichsten ist; davor nimm dich in Acht; sey vor: fichtig und standhaft. Sage zu Gott und zu dir felbft: Heute, heute will ich doch meinen Vorfah halten. Thust du das täglich, so hast du es mit deiner Besserung fo viel als gewonnen; du wirft nicht mehr leichtsinnig fündigen, und deine llebereilungen fogleich erkennen und bereuen. - 1 Mit folchen Gedanken geh an die Arbeit, sie geht dir dann noch so gut von Statten. Die gute Meinung ist so viel als guter Wille oder Vorfah, Alles so gut zu thun, als man kann, aus Gehorsam und Liebe zu Gott. Aber mit dem Gutmeinen allein ist's noch nicht ausgerichtet; der gute Wille muß ernstlich und vernünftig seyn, und sich in der That zeigen; es muß was man gut meint, auch mit Fleiß und Uleberlegung geschehen, so gut mans fann. Hast du das Deinige gethan, so stelle den Ausgang Gott anheim. Vertrau auf ihn, und sey getroft. Gott sieht auf den redlichen Willen, und nimmt ihn fürs Werk an, wenn das nicht in deiner Macht steht. Die zwey Heller, welche jene arme Witwe gegeben hat, waren vor Gott M 8m mehr, als die reichen Opfer, welche die damit prahlenden Pharisäer in den Opferkasten legten. Seine Gedanken, Worte und Werke Gott auf= opfern, ist nichts anders, als das kräftige Vorhaben, immer so zu denken, so zu reden und zu handeln, wie es Gott wohlgefällt, und weil er es so haben will. Was sündhaft und thöricht ist, kann man Gott nicht aufopfern.- Alles mit den Verdiensten Jefu vereis nigen heißt: Alles fo thun wollen, wie es Jesus gethan hat, aus Gehorsam und Liebe gegen Gott. Dann geschieht es im Namen Jesu. Daran soll dich das Kreuzzeichen erinnern, mit welchem fromme Christen gern ihre Arbeit anfangen. Du zeigest dadurch, daß du ein Christ seyn, und thun willst, was sich für einen Christen geziemt. - Aufmunternde Gedanken bey der Arbeit. ,, Wie gut ists, daß ich gesund und stark bin, um arbeiten zu können, und mein Brot zu verdienen. Gott! wie kann ich dir genug dafür danken. Wie gern wollten so viele arme Kranke und Elende arbeiten, sich anstrengen und schwißen! Wie glücklich bin ich gegen sie. Gott! du willst, daß ich arbeiten soll, dazu hast du mir Glieder und Kräfte gegeben. Das ist mein Tagwerk, das du mir auflegst. Dir diene 9 ich, wenn ich andern redlich diene. Du siehst, du belohnest mich, wenn mich auch sonst niemand sieht oder belohnt. O wenn nur du Wohlgefallen an mir Haft! Jesus, Maria, Joseph haben gemeine Handarbeit verrichtet. Alle Heiligen sind durch Mühe und Arbeit in den Himmel gekommen. So kann und muß ihn auch ich mir verdienen." Enthalte dich bey der Arbeit vom Zorn und Fluchen, von allen Reden, die wider die Cittsamkeit oder wider die Liebe des Nächsten sind. Thu nichts nur halb oder nachlässig, sondern verrichte alles fleis ßig und ordentlich. Verschieb nichts auf morgen, was heute geschehen kann. Greif alles frisch an; muntere Arbeit gefällt Gott und Menschen, und geht noch so gut von Statten. Ein gutes, frohes Lied muntert sehr bey der Arbeit auf. Gebeth vor dem Essen. Aller Augen warten auf dich, o Herr, und du gibst ihnen Speise zur rechter Zeit; du öffnet deine milde Hand, und sättigest alles, was da lebt, mit Segen und Wohlgefallen. Amen. Vater unser. X 10 m O Gott himmlischer Vater! segne uns und diese deine Gaben, welche wir durch deine milde Güte zu uns nehmen, durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen. M Gebeth nach dem Effen. O Gott himmlischer Vater, wir danken dir für alle deine Gaben und Wohlthaten, die wir jetzt von dir empfangen haben, der du lebest und regierest in Ewigkeit. Amen. Vater unser. 3) Abendandacht. Mein Gott! ich danke dir für alle Wohlthaten, die du mir und meinen lieben Mitmenschen diesen Tag erwiesen haft. Du höreft nicht auf, Vater zu seyn, und uns Gutes zu thun. Aber wie habe ich, dein Kind, mich 11 m heute verhalten? wie habe ich meine Zeit und Kräfte- deine Gaben angewendet? Hier denke nach, so viel es die Zeit oder die Müdigkeit zuläßt.. ,, Was du heute Gutes oder Nügliches gethan haft und wie?- mit welcher Absicht. - Wie du deine guten Vorsäge gehalten? ob du keine deiner Schuldigkeiten unterlassen? Ob du Niemanden beleidigt, gehaffet, beneidet, beschädiget, oder zu einer Sünde verleitet? Ob du nie gegen dein Gewissen gehandelt? Ob deine böse Neigung oder Gewohnheit dich nicht wieder zu Sünden verleitet hat? was Ursache daran gewefen feyn mag. Danke Gott, wenn es dir gelungen ist, etwas Gutes auszurichten, und dich vor Sünden zu hüthen. Findest du dich aber schuldig, so sprich in deinem Herzen: get! Vater! ich habe wieder gesündiMit reumüthigem Herzen bitte ich dich um Verzeihung, und Hilfe zur Besserung. Ich will künftig vorsichtiger seyn, das Versäumte hereinbringen, und das Uebel wieder gut machen, so viel mir möglich ist. Mein Jesu, wie muß ich mich schämen, daß ich heute in deiner Nachfol M 12 ge wieder so weit zurückgeblieben bin. Erbarme dich meiner! O Maria! und ihr seligen Bewohner des Himmels! preiset Gott für mich, da ich jetzt ruhe, bis ich ihn einst mit euch ewig preise. Laß auch, o Gott! die abgeschiedenen Seelen in Frieden ruhen, und das ewige Licht leuchte ihnen! O wie gut ists, wenn man mit gesundem Leibe schlafen gehen kann! Wie süß ist die Ruhe! Gott! ich danke dir dafür, und empfehle mich und alle meine lieben Mitmenschen deinem Schuße. Ich schlafe ruhig ein, Denn, Vater! ich bin dein, Und du willst bey mir seyn. Beym Auskleiden fey ehrbar und schamhaftig gegen dich selbst. Gott sieht dich im Finstern. Der Schlaf ist ein Vorbild des Todes. Denle wie dir zu Muthe seyn wird, wenn du einst auf dem Sterbebette da liegen wirst. Was wirst du da bereus en und wünschen? Du weißt nicht, ob du den Morgen erleben wirst. Viele, die sich gefund niederlegten, hat man 1odt im Bette gefunden. Wenn es auch dir so erginge, wie würde es um dich stehen? Wie schrecklich ist 13 M es, mit bösem Gewissen einzuschlafen! Eine schlaflose Stunde wird schon so lang. Wie traurig muß den Verdammten die lange Ewigkeit seyn? Sonntagsandacht am Morgen. So habe ich nun wieder eine Woche, voll deiner Wohlthaten, o Gott! durchlebt, und kann nun abermahl diesen heiligen Ruhetag feyern. Dank sey dir für beydes, mein Vater! O, daß ich die verflossenen Tage so gut zugebracht haben, und den heutigen so würdig heiligen möge, wie es meine Pflicht, und dein Wille ist! - Du schenkest mir diesen Tag, daß wie der Leib von der Arbeit, so auch die Seele ausruhen soll, vom allzuheftigen Trachten nach vergänglichen Dingen, damit sie freyer von Zerstreuungen, sich zu dir erheben, und über sich selbst nachdenken möge. Wenn gleich meine tägliche Geschäftigkeit nicht sündhaft, ja sogar Pflicht ist: so M 14 soll ich doch öfter stille stehen auf dem Wege meiner Wanderschaft; auf das Vergangene zurück- und auf das Künftige vorwärts sehen, ob ich nicht mein Ziel, vielleicht durch allzuheftiges Trachten, doch verfehlet habe. Ich soll mich selbst fragen: was ich denn durch all mein Trachten und Ehun Gutes ausgerichtet habe, wie viel ich dadurch besser, zufriedener geworden bin; und wo es wohl fehlen mag, wenn ich es noch nicht bin. Du verlangest nicht, daß ich den ganzen Tag betrachte und bethe. Aber ich kann doch auch außer der Kirche viel Gutes und Nüßliches thun, wozu ich sonst nicht Zeit und Gelegenheit habe durch ein lehrreiches Buch oder Gespräch mich selbst und andere belehren, und gut unterhalten und Liebswerke thun, welche dir besser gefallen, als Opfer. Unsere gewöhnliche Arbeit höret heute nicht darum auf, daß wir dem allezeit schändlichen Müssiggange nachhängen, sondern dafür uns anders und besser beschäftigen sollen. ma - S M 15 Du hast uns diesen Tag auch zur Erholung unserer Kräfte gegeben, und gönnest deinen Kindern gern unschuldige Freuden. Du hast ja deine Welt so schön gemacht, und spendest deine Gaben so reichlich aus. Das Andenken an dich, mein Vater, soll sie mir noch lieblicher machen, und mich stets in den Schranken der Zucht und Mäfigkeit halten. Ach, an diesen heiligen Tagen ge schieht oft mehr Böses, als die ganze Woche hindurch. Davor bewahre mich Gott! Das Beyspiel anderer soll mich nicht verführen, etwas zu thun, was wider die christliche Sittsamkeit wäre. Vielmehr will ich andere davon abzuhalten suchen, und durch jene heitere Fröhlichkeit, welche ein reines Gewissen gibt, die Zugend überall lieb- und ehrwürdig machen. So will ich diesen Sag heiligen. Amen. Die Predigt gehört zum pfarrlichen Gottesdienste, und zur Heili gung des Sonntags; man soll sie eben so wenig ohne wichtige Ursache versäumen, als die heilige Messe. Diejenigen thun also nicht recht, welche lieber mehre 16 rere Messen, als die Predigt hören, oder während derselben bethen, sich zur Beicht richten, oder etwas anderes vornehmen. Da kannst du nichts Besseres thun, als aufmerken. Im Gebethe redest du mit Gott; in der Predigt redet gleichsam Gott selbst mit dir. Denn die christliche Wahrheit, die da verkündiget wird, kommt von Gott, und heißt darum Gottes Wort. Wer aus Gott ist, sagt Chriftus: wer Gottes Kind seyn will, der höret sein Wort gern an; darum möget ihr es nicht hören, weil ihr nicht aus Gott seyd. Aber es kommt nun darauf an, wie du es ans höreft, merfest und anwendest. Höre jede Predigt mit einem redlichen Vorhaben, etwas Gutes daraus zulernen, und dadurch besser zu werden. Es ist keine Predigt so schlecht, aus der du nicht etwas lernen konntest; und die Beste ist dir unnüß, wenn du sie dir nicht selbst zu Nugen machen willst. Aus jeder Predigt kannst und sollst du dir herausnehmen, das dich besonders angeht. Was du jetzt nicht brauchst, kannst du dir für die Zukunft merken. - Thu dir Gewalt an, wenn dich der Schlaf plagt, steh auf, oder bitte deinen Nachbar, daß er dich erinnere. Denke oft an das Gleichniß vom Saamen, der nur dann reichliche Früchte bringt, wenn er auf eis nen guten Acker fällt. Auch die nachmittägige Christenlehre ist nicht bloß für Kinder, sondern auch für Erwachsene, m 17 und ihnen oft nüglicher als manche Predigt, und foll daher auch von diesen fleißig besucht werden. Viele sind auch nicht besser unterrichtet, als Kinder. Weltern sollen daraus lernen, wie sie ihre Kinder zu lehren haben. Gebeth vor der Predigt. Gott! du redest zu mir durch die Lehre der Wahrheit, die mir in deinem Namen vorgetragen und erkläret wird. Ich will nun mit aufmerksamer Lehrbegierde anhören, was von dir und deinem heiligen Willen gesagt wird; es nachdenkend zu Herzen nehmen, um mein Leben darnach einzurichten. Erfülle mit deinem heiligen Geiste den Prediger, und alle Lehrer der Wahrheit, auf daß dieselbe in die Herzen dringen, und der gute Saame vielfältige Frucht bringen möge. Laß den Jrrenden Licht, den Sündern Warnung, den Frommen Stärkung, den Leidenden Trost aus deinem Worte schöpfen. Laß uns Alle erfahren, wie selig die sind, die es hören und halten. Amen. 18 Nach der Predigt. Frage dich selbst. Was habe ich aus dieser Predigt gelernt, das ich bisher nicht gewußt, oder nie recht überlegt habe? Was kann ich für Nußen oder Trost daraus schöpfen? Wie kann ich es in meinen Umständen brauchen und ausüben? - Bin auch ich dieser Sünde ergeben? Steh auch ich in dieser Gefahr? Könnten nicht auch mich diese Uebel treffen, davor der Prediger gewarnet hat? Macht mir mein Gewissen keine Vorwürfe. Habe ich bisher aus Unwissenheit, oder aus Leichtsinn gesündiget? Wie soll ich es verbessern? - Habe ich auch das, was ich hörte, nicht schon selbst erfahren? Muß ich nicht dem Prediger Recht geben? Was habe ich also zu thun? Welche Lehre hat mich insonderheitlich betroffen, die ich also meinem Herzen recht tief einprägen muß, damit ich die Woche hindurch öfter daran denke, und mich darnach verhalte? 19 Dante nun Gott für die guten heilfamen Lehren, und nimm dir nun ernstlich vor, dieß oder jenes, besonders aber Eins von dem, was du eben gehört haft, zu thun oder zu meiden. So wirst du von den Predigten Nugen haben, und ein immer besserer Christ werden. Du kannst felbst unter dem darauf folgenden Umte nichts Besseres thun, als dich mit dergleichen guten Gedanken beschäftigen. 0000 Drey Sonntags- Betrachtungen. I. Erkenntniß Gottes aus der Beschaffenheit der Welt und des Menschen. Wir können Sott zwar nicht ſehen, noch begreifen. Aber schon die Vernunft sagt uns, daß ein höchstes Wesen, ein Gott seyn muß, der Himmel und Erde erschaffen hat, erhält und regieret. Die Welt und Alles, was da ist, kann ja nicht sich selbst gemacht haben, nicht von sich selbst entstanden seyn. Alles Pommt von Gott her, es ist sein Werk. Lerne also, o Mensch, deinen Schöpfer, wie den Meifter aus seinen Werken, kennen. Geh nicht so unacht 20 m sam durch seine schöne Welt hindurch; öffne die Aus gen, brauche deinen Verstand. Betrachte dieses große erstaunliche Weltgebäude, diese unzählige Menge so verschiedener Geschöpfe; sieh und bedenke, wie alles so ordentlich, so núglich, so schön eingerichtet ist. Nichts ist von ungefähr, alles hat seine Ursache und Absicht, wenn wir sie schon gleich nicht einsehen. Seit mehres ren tausend Jahren geht alles in der besten Ordnung fort; Sonne, Mond und Sterne haben noch nie ihren Weg verfehlt. Sommer und Winter, Tag und Nacht Arbeit und Ruhe folgen immer auf einander. Die Er de bringt ihre Früchte nicht auf Ein Mal hervor, das mit eine Arbeit mit der andern, eine Wohlthat und Freude mit der andern abwechseln könne. Die Pflanzen führen ihren Samen bey sich; aus einem Apfelkern erwächst ein großer fruchtbarer Baum; der Getreidsame vermehrt sich so häufig, daß viele tausend Menschen davon Brot bekommen. Ein Blümlein, das wir mit Füssen treten, ist so sein, so künstlich, so bea wunderungswürdig, daß es keine menschliche Kunst und Pracht nachmachen kann.- So viel taufend Thieren hat Gott ihre Nahrung angewiesen, auf dem Fel de und im Walde, im Wasser und in der Luft; jedes hat seine eigene Beschaffenheit, Lebensart, Kleidung, Wohnung und Waffen. Noch ist keine Gattung gänzlich ausgestorben, oder von der Andern vertilgt wor den. Alles verdient deine Aufmerksamkeit und Bewuns derung. Nicht bloß, was dir groß vorkommt, fon= dern auch, was dir klein und unbedeutend scheint der Junke, der aus dem Feuersteine fährt, wie der 1 m 21 M brennende Sonnenstrahl der Thau: Tropfen, der die auf der Blume glänzt, wie die ungeheure See Eiche, wie der Grashalm, die Distel, wie die Nose; der Wurm im Staube, wie das stolzeste Roß die Biene und meife, wie der größte Künstler und der verachteste unter den Menschen, wie der geehrteste. - — 1 - Gewohne dich an diese Aufmerksamkeit, und du wirst die Allmacht, Weisheit und Güte des Schöpfers immer besser erlennen; sie wird dir in Allem, was du siehest und genießest, gleichsam sichtbar und handgreiflich werden. Du weißt noch das Wenigste. Je mehr du kennen lernest, desto mehr Vergnügen und Nugen wirst du davon haben. Vor allem betrachte dich selbst, o Mensch! Wie wundervoll und künstlich ist dein Leib gebildet! Wie fest und gelentig sind deine Glieder; wie stark und doch fo fein und bequem! Dein Angesicht unterscheidet dich nicht nur von allen Thieren, sondern auch von allen übrigen Menschen. Das Auge oben, um Alles weit umher zu übersehen, so leicht zu öffnen, und zu verschließen, durch die Augenlieder und Hirnschale ge= deckt und geschüßt. Nicht weniger bewunderungswürdig ist das Ohr zum Hören, der Mund zum Reden, und zugleich zum Essen und Uthemholen gemacht. Was kann die menschliche Hand nicht alles machen. Welche Kraft ist im 2rme, welche Stärke in den Schultern, welche Behendigkeit in den Füffen! Wie elend ist ein Blinder, tauber und krüppelhafter Mensch, wenn er auch alles im Ueberfluße hätte! Wie reich bist du dagegen! Du gäbest ihm ja deine Augen, Hände und Füsse um alles Geld nicht hin.- - - 22 Reines deiner Glieder ist dir überflüßig, jedes ist am rechten Orte, brauchbar und nüglich.- Wie! wenn du nur eine Hand, oder weniger Finger hättest; wenn fie staar und unempfindlich wären? So ifts in allem; dein Schöpfer hat alles recht und gut gemacht. Wenn du erst die innerliche Einrichtung deines Körpers und Kopfes, und alle die hundertfachen Be= wegungen, die in dir vorgehen, sehen könntest: wie würdest du darüber erstaunen? - Und nun erst deine Seele!- Du hast nicht bloß Leben und Empfindung, wie die Thiere; du kannst denken und deine Gedanken auch andern sagen: du Fannst dich des Vergangenen erinnern, und das Zukünftige oft wahrscheinlich voraussehen; das Abwesende, und was nicht ist, dir so vorstellen, als wenn es wirklich da wäre. Du hast Verstand und freien Willen, du weißt, was gut und bös, was recht Was jeder und unrecht, löblich und schändlich ist. Mensch thun und meiden muß, fagen die Vernunft und Gewissen. Durch diese innere Stimme redet Gott zu dir und allen Menschen, und verkündigt uns feinen heiligen Willen oder sein Geseg. Hast du stets Uchtung für diese göttliche Stimme, und folgest du ihr, so wirst du ein guter, tugendhafter Mensch. Und das follst du werden. Dazu hat dich Gott erschaffen, und mit Vernunft begabt; dadurch wirst du Gott felbft immer ähnlicher; darum heißt die menschliche Seele ein Ebenbild Gottes! Lerne also an dir selbst deinen Schöpfer erkennen. - 23 II. Gottes Regierung und Vorschung. Wenn du ferner nachdenkeft, wie es in der Welt zugeht: so wirst du auch einsehen, daß nothwendig ein Gott feyn muß, der alles regiert, anordnet und vorsieht, für alles väterlich forget, und jeglichem ertheilt, was er braucht und verdient. Jeder Mensch wünscht, daß es ihm wohl gehen möge; aber er muß es auch durch Wohlverhalten vers dienen. Wir halten uns selbst darüber auf, wenn es Einigen besser oder schlechter geht, als sie es nach unserer Meinung verdienen. Es wäre auch wirklich unrecht, wenn es immer so ginge. Es muß also noch ein anderes Leben, eine andere Welt geben, wo das Gute nach Verdienst belohnt, und das Böse bestraft wird. Es muß ein gerechter Nichter seyn, der zu gleich allmächtig und allwissend ist, um Jeden einst zu vergelten, was er verdient hat. So nothwendig es ist, daß wir uns durch Tugend der Glückseligkeit würdig machen, so nothwendig müssen wir an Gott glauben, der sie Jedem nach Verdienst ertheilt. Laß dich also in diesem Glauben nicht irre machen, durch die mancherley Ulebel, die es in diesem Leben gibt, und die oft den linschuldigen, wie den Schuldigen treffen. So schön und gut unsere Welt 24 M ist, so ist sie doch so eingerichtet, daß wir schon hier vollkommen glückselig, oder nach Verdienst belohnt würden. Wenn zeitliches Glück oder Unglück allezeit die gewisse Belohnung der Tugend oder Strafe des Lasters wären, so würden wir mehr aus Eigennug Gutes thun, und aus Furcht das Bose meiden, als weil es Pflicht ist. Gott will aber, wir follen nicht so sehr darauf sehen, was uns angenehm, oder zuwider ist, sondern was recht oder unrecht ist, dann will er uns Alles, was wir um der Tugend Willen thun, leiden, oder verlieren, einst reichlich wieder vergelten. Es ist auch weit mehr Gutes als llebels in der Welt, und wir haben gewiß immer mehr Ursache, Gott zu danken und froh zu seyn, als zu klagen und zu murren. Wir empfangen und genießen täglich so viel Gutes, daß das llebel gar nicht in Vergleich damit kommt. Immerfort wohlgehen kann es uns freylich nicht, so wie nicht immer die Sonne scheinen lann. Nicht Alle können gleich reich, aber Jeder fann rechtschaffen, und in seinem Stande zufrieden feyn. Das Gute, das man immer hat, gewöhnt man bald, achtet es nicht mehr, und mißbraucht es wohl gar zum Bösen. Erst durch das Ilebel lernen wir das Gute recht erkennen und schäßen. Auf dem Krankenbette erfahren wir, welch eine Wohithat die liebe Gesundheit ist. Nach Sturm und Wetter ist uns der heitere Himmel noch so schön; und nach überstandener Gefahr ist unsere Freude desto grösser. - 1 Vieles kommt auch nur unserer Einbildung und Empfindlichkeit als ein llebel vor, was doch nothwendig, nüglich und gut ist. Es ist gewiß gut, daß der 25 Mensch arbeiten, feine Kräfte anstrengen, und im Schweiße seines Angesichtes fein Brod verdienen muß. lleberfluß und beständiges Wohlleben würde nur träg, ungenügsam und übermüthig machen. Der arbeitsame Arme ist viel gefünder, zufriedener und froher, als der reiche Prasfer. Die Noth hat schon viele gebef= fert, fleißiger, gescheider und frömmer gemacht. Geduld, Sanftmuth, Barmherzigkeit und andere schöne Tugenden könnten gar nicht ausgeübt werden, wenn gar kein llebel in der Welt wäre. - Die meisten Uebel ziehen wir uns selbst zu. Nicht Gott, sondern die Unvorsichtigkeit, Thorheit und Sünden der Menschen sind Schuld daran. Wir könnten uns gegen vieles Uebel verwahren, uns davon befreyen, oder es doch sehr erleichtern, wenn wir die Vernunft und die Kräfte, die uns Gott dazu gab, recht gebrauchten, uns in die Umstände schicken, geduldiger und zufriedener wären. Wollte Gott mit Gewalt alle Thorheiten und Sünden der Menschen verhindern: so müßte er ihnen den größten Vorzug, den freyen Willen nehmen. Wo es unmöglich gemacht ist, Böses zu thun, wo man zum Guten gleichfam genöthiget ist, und keine Versuchung zu überwinden hat: da ist auch feine Tugend, kein Verdienst, keine Belohnung. Indeffen hat Gott die ernstlichen Anstalten gemacht, das Böse zu verhindern. Er gab uns Vernunft und Ge wissen, Gefes und Unterricht, uns davon abzuhalten, er warnet davor und bestraft es und endlich muß es oft sogar zur Ausführung seiner wohlthätigen lbsichten dienen, und Gutes aus dem Bösen entstehen. 23 - 26 1 Denke: wie es mit dem egyptischen Joseph, mit Mofes mit Christo selbst ging. Die Menschen meins ten es böse. Aber wider ihren Willen hat Alles den besten Ausgang gewonnen. Das kannst du noch oft an dem, was in der Welt vorgeht, bemerken. Bedente ferner, wie groß die Haushaltung Gottes ist. Er hat nicht bloß für dich, sondern für alle seine Kinder zu sorgen. Er weiß und gibt, was Jedem gebührt und nothwendig ist. Was einer wüns schet, würde oft andern schaden: und was vielen nüts zet, thut oft einigen weh; aber ihr Schmerz und Vers luft wird ihnen wieder von anderen Seiten vergütet, wenn sie sich vernünftig und rechtschaffen dabey vers halten. Mancher ist durch Unglück zu desto grösserem Glücke gekommen. Hast du das nicht schon auch an dir und Anderen erfahren? Wenn du dir also manches oft nicht recht er= klären kannst, so denke: Gott versteht es beffer, er macht alles recht, und leitet alles aufs Beste. Mit der Zeit, und noch mehr dort in der Ewigkeit wird es sich aufklären- Gott hat schon so lange, fo gut regiert und hausgehalten; wir können uns auch ferner darauf verlaffen. Er sieht nicht bloß, wie wir, aufs Gegenwärtige; er sieht auch die Zukunft vor; und darum wird seine Regierung insgemein Vorse: hung genannt. m Sey also mit der Einrichtung, welche Gott zum allgemeinen Besten gemacht hat, zufrieden; und fordere nicht, daß er sie, so du es wünschest, abändern und Wunder thun soll. Laß es Gott über, wie er dir helfen will. Thu, was du kannst und sollst; und es wird Alles recht werden. Univ.- Bibl. Giessen 27 III. M Art und Weise, Gott zu verehren. Vor Zeiten lebten die meisten Menschen in der größten Unwissenheit, weil sie ihre Vernunft nicht brauchten, und keinen rechten Unterricht hatten. Sie glaubten zwar ein höchstes Wesen; aber sie verehrten es nur aus Furcht und Eigennus. Sie zitterten vor seiner Macht, und riefen feine Gnade an; aber seine Heiligkeit, Weisheit und Gerechtigkeit erkannten sie nicht. Sie stellten sich Gott wie einen großen Herrn vor, der nach Belieben mit feinen Unterthanen schaltet und waltet, der nur um seine Macht und Herrschaft zu zeigen, strenge Befehle gibt, und große Forderungen macht; der bloß aus Gunst Gnaden ertheilet, aber im Zorne fürchterlich darein schlägt, und oft Unschuldige mit den Schuldigen strafet. Man glaubte, sein Zorn könne nur durch Opfer und Blut, wohl gar durch Menschenblut befänftiget, feine Gunst nur durch ängstliches Flehen und Geschenke gewonnen werden; dadurch hoffte man ihn noch zu bewegen, feine Entschlüße zu ändern, die Strafen nachzulassen, und die Wünsche der Menschen zu erfüllen. So stellte man sich Gott vor, als wäre er, wie die Menschen beschaffen, eigensinnig, ehrgeizig, rachgierig, bald so, bald anders gesinnt. Man meinte, Gott wohne in feinem Tempel, wie ein König in seinem Pallaste, wo er sich auf32 M 28 warten und bedienen laffe. Sein Haus prächtig aus: jieren, Feste feyern, und viele Zeremonien und Gevränge machen, das hielt man für die Ehre, die man Gott erweisen müffe, das nannte man Gottesdienst, in der Meinung, daß man Gott dadurch einen Dienst thue, den er wieder vergelten sollte. Ganze Völker betheten die Bilder an, als wenn diefe selbst die Gottheit wären. Sie machten oft weite Reisen zu solchen Tempeln und Bildern, in der Hoffnung, dort gewisse Hilfe zu erlangen.- Sie glaubten, Gott müsse erst durch recht dringende Bitten an ihre Anliegen erinnert und zum Mitleiden bewogen, und seine Wohlthaten müßten ihm gleichsam abgenöthiget, oder erkauft werden. - Wie ein König viele Beamten braucht, so glaubte man, Gott habe die Regierung der Welt unter viele mindere Götter und Schuggeister vertheilet, bey denen man zuerst in jedem besonderen Anliegen Hilfe suchen, und sich durch Opfer und Gaben in Gunst sehen müsse. Die Juden waren stolz darauf, daß sie den ein= zigen wahren Gott anbetheten; aber sie bildeten sich ein, er sey nur ihr Gott, alle übrige Völker,( welche Heiden hießen) wären also seine Kinder nicht. - So schlecht waren die meisten Menschen, ehe Christus auf die Welt kam, unterrichtet, und solche falsche Gedanken machen sich noch wirklich Unzählige, welche feine göttliche Lehre nicht kennen, oder nicht verstehen. Durch die Lehre Jesu ließ uns Gott ein neues Licht aufgehen, welches unserer schwachen Vernunft m 20 m zu Hilfe kommt, und sie erleuchtet, daß wir nun Got: tes Eigenschaften beffer erkennen, und ihn recht vers ehren können. Weil wir uns ein höchstes, unsichtbares Wesen nie recht denken können, so stellet uns Jesus Gott als den besten und heiligsten Vater vor, dem wir mit findlicher Liebe und Ehrfurcht gehorsamen und vertrauen sollten. Gott ist ein Geift, fagt Jefus, und zwar der vollkommenste Geift, er will also im Geifte und in der Wahrheit angebethet feyn. Das heißt: Man muß erkennen und bedenken, wie groß und gut Gott ist; was man ihm vorträgt, muß von Herzen gehen, und durch ein Gott gefälliges Leben bewiesen werden.- Es kommt bey der Gottes- Vers ehrung weder auf Ort und Zeit, noch auf gewisse Gebräuche, fondern auf den guten Willen an. Das Niederknien, das Handaufheben, das laute Lob Gottes, und was sonst in der Kirche geschieht, soll nur dazu dienen, unsere Ehrfurcht gegen Gott zu erwecken und zu bezeigen. C Was insgemein Gottesdienst heißt, foll eine Vorbereitung zum beständigen Gottesdienste feyn, welcher darin besteht, daß wir überall Gottes Willen thun, und seine Gebothe halten. Gott gewinnt durch unsere Verehrung nichts. Wir sollen ihn auch nicht bloß um seiner Wohltha: ten Willen ehren und lieben; sondern weil er als das höchste, beste und heiligste Wesen unsere ganze Ehre furcht und Liebe verdient; weil wir dadurch selbst beffer, getroster und seliger werden. 30 M Zur Uebung und Anweisung, wie man Gott recht verehren soll, diene die folgende Anbethung Gottes. Gott! ich bethe dich an! Was bin ich, armer fündiger Mensch, was ist die ganze Welt vor dir, ihrem Schöpfer und Herrn!- Doch du fichest auch die redliche Anbethung deiner Kinder auf Erden, wie jener im Himmel, mit Wohlgefallen an, kommst uns mit Vaterliebe entgegen, und erhebest uns selbst zu dir. Web.com - Alles, was schäßens- und liebenswerth ist, was ich mir Gutes und Vortreffliches denken kann, alles ist in dir vereiniget; alles Gute kommt von dir. Ich erstaune über deine Allmacht, bewundere deine Weisheit, freue mich deiner Güte; aber vorzüglich deine Seiligkeit ist es, welche ich anbethend verehre. So wenig ich noch von dir weiß, so ist mir doch schon das Wenige überaus aufmunternd, erfreulich und trostreich!- Die dich nicht erkennen und lieben, dir nicht gehorsamen, und sich nicht bessern wollen, 31 M mögen vor deiner Alwissenheit und Gerechtigkeit zittern. Deine guten Kinder freuten sich ihrer. O wie gut ist es mir, daß ich unter deiner Gewalt und Aufsicht stehe, daß ich dir gehorchen muß, und dir vertrauen kann daß du meine geheimsten Gedanken und Anliegen weißt- daß du, großer, lieber Gott, der höchste Regent der Welt, mein Vater, Herr und Richter bist. Mein Gott! ich bethe dich an!- Du bist nicht, wie Menschen, die aus Stolz und Eitelkeit geehrt seyn wollen, aber nur äußerliche Ehrenbezeigungen erzwingen können, und sich auch damit begnügen müssen. Du fieheft aufs Herz und aufs Leben; ob es mit dem, was wir dir vortragen, und äußerlich zeigen, übereinstimmt. Nur was mit Verstand und gutem Willen geschieht, was gut und löblich ist, was uns selbst besser macht das gefällt dir, das gereicht dir zur Ehre. Wie ein guter Vater willst du durch das Wohlverhalten deiner Kinder geehret seyn. Wenn ich erkenne und' bedenke, daß ich alles, was ich bin und habe, - M 32 wenn was ich genieße und ausrichte, dir zu verdanken habe wenn ich gewöhnt bin, immer nach deinem heiligen Willen, nach Vernunft und Gewissen zu handeln, und die Pflichten meines Standes redlich zu erfüllen ich durch mein ganzes Betragen zeige, wie hoch ich dich schätze und liebe: so verehre ich dich.- ind so soll mein ganzes Leben eine immerwährende Anbethung, ein beständiger Gottesdienst seyn. - - — So unermeßlich der Abstand zwischen mir und dir ist; so kann und soll ich mich doch durch möglichste Nachahmung deiner Vollkommenheiten als deinen wahren Verehrer erzeigen, wenn ich meine Kräfte( wie du deine Allmacht) allezeit weislich und nüßlich anwende- Wahrheit und Tugend liebe, wie du und lieber nicht leben, als nicht rechtschaffen und liebreich seyn wollte; wie du nicht Gott seyn würdest, wenn du nicht der Heiligste, wenn du die Liebe nicht wärest. Gott! wie erhebt diese Anbethung mich selbst, da ich in all meiner Niedrigkeit deine Größe denken, empfin 33 den, und deine höchsten Vollkommenheiten nicht nur bewundern, sondern auch nachahmen kann. Wie selig wird mich erst jene himmlische Anbethung machen, zu welcher die gegenwärtige mich vorbereiten soll. Amen. d Wie wir uns Gott als das höchste, vollkommenste Wefen, als unfern größten Wohlthäter, und weifesten Regenten der Welt vorstellen sollen, um ihn recht anzubethen, ihm zu danken, und zu vertrauen, das ist in folgenden Litaneyen ents halten, welche daher oft mit Andacht vor- und nachgebethet werden sollen. PITONG Litaney von den göttlichen Vollkommenheiten. Heilig, beilig, heilig ist der Herr, unser Gott. B. Himmel und Erde sind deiner Herrlichkeit voll. Unendlich großer Gott! Dich Einziger und Höchster! bethen wir voll Ehrfurcht an! B. Wir bethen dich voll Ehrfurcht an! )( a 334 m Du bist der Schöpfer, der Erhalter, und der höchste Herr Himmels und der Erde. Alles ist und lebt durch dich; der König, wie der Bettler, ist dein Unterthan. Wir bethen dich voll Ehrfurcht an! Allmächtiger! Was du willst, muß geschehen. Wer kann sich, Herr, dir widerseßen? Du hast die höchste Macht, zu schüßen und zu retten, zu belohnen und zu strafen. Wir bethen dich voll Ehrfurcht an. Allwissender! Du kennest aufs Genaueste Alles was wir denken, reden, thun und leiden auch das Geheimste bleibt dir nicht verborgen. Allgegenwärtiger! Stets überall bist du bey uns. In jede Gegend, in jeden Winkel erstreckt sich deine Allmacht und Allwissenheit. Wer könnte deinem Auge und Arme entfliehen? Allweisefter! Du machst und ordnest alles mit unendlichem Verstande. Wie gut, wie schön ist alles von dir eingerichtet! Wie unverbesserlich regierst du deine Welt. - - Wir bethen dich voll Ehrfurcht an. m 35 Mw Allgütiger! Du wendest deine Macht und Weisheit nur zu unferm Besten an. Wohlthun ist deine Freude. Die ganze Welt umfasfest du mit Liebe. Allerheiligster! Du willst und liebest nur das Gute, und nur, weil es gut ist. Darum befiehlst du es auch uns; darum verbiethest und verabscheuest du alles Böse. Wir bethen dich voll Ehrfurcht an. Gerechtester! Du richtest, lohnst und strafest jeden unparthenisch nach Verdienst. Nichts Gutes oder Böses läßest du unvergolten. Barmherzigster! Wie sich ein Vater seines Kindes erbarmet, so erbarmest du dich unser-nimmſt auch den Sünder liebreich auf, sobald er sich bekehrt. Das Alles warst und wirst du immer seyn. Wenn alles um uns her fich ändert und vergeht, so bleibst du, Ewiger, uns unveränderlich der Nämliche. Wir bethen dich voll Ehrfurcht an. So einen großen, guten Herrn und Vater haben wir an dir, o Gott! 36 Deß freuen wir uns. O daß wir immer besser dich erkennen, um dich auch würdig anzubethen! R. Gott! das geloben wir. Wie gute Kinder wollen wir dich, unsern besten Vater lieben, und durch ein frommes Leben ehren. Nicht in der Kirche nur zu Haus und Feld soll unser Herz mit einem Blick gegen Himmel sich oft zu dir erheben. Was wir genießen, sehen und thun, erinn're uns an dich! Stets sey uns deine unsichtbare Gegenwart, dein heiliges Gesetz vor Augen! Das halte uns vom Bösen ab, treib uns zum Fleiß und allem Guten an! Dir zu mißfallen, dein Geboth zu übertreten davor wollen wir - uns mehr als vor dem größten Unglück fürchten. Dein Wille und Wohlgefallen gilt uns mehr, als alle Lust der Welt. Mit freudigem Gehorsam wollen wir vollziehen, was du befiehlst; und meiden, was du uns verbietheft. Gott! das geloben wir! m 37 Zufrieden, dankbar wollen wir aus deiner Hand empfangen, was du schickst; und gern entbehren, was du uns versagst; uns dir in Allem ganz ergeben. In Allem weislich und rechtschaffen handeln; Gutes thun, nach unsern Kräften; lieben, wie du liebst, um dir stets ähnlicher zu werden- das wollen wir zu deiner Ehre. V. Ehre sey Gott dem Vater, dem Sohne, und dem heiligen Geiste! B. Als wie vom Anfange, jetzt und allezeit bis in Ewigkeit. Amen. Schlußgebeth. So sollst du von uns durch einen heiligen Sinn und Lebenswandel verehret werden, du Allerheiligster. Segne unser schwaches Bestreben, bis wir dich einst, mit allen Engeln und Heiligen im Himmel ewiglich preisen. Am. Dankbarkeit gegen Gott. Wenn wir betrachten, wie gut Gott ist, wie viel Gutes wir unaufhörlich und unverdient von ihm Gott! das geloben wir. m 38 mm empfangen, fo wird uns gewiß unfer eigenes Herz dringen, ihm dafür zu danken. Die wahre Danks barkeit besteht aber darin, daß wir 1) die göttlichen Wohlthaten erkennen und schäßen, nicht bloß die uns wichtig und neu sind, sondern auch die alltäglis chen und geringscheinenden, die leiblichen und geiſtli chen, auch die selbst erworbenen, oder von anderen empfangenen, oder durch sogenanntes Glück erhaltenen Güter. 2) Daß wir beym Gebrauche und Genuße der Gaben Gottes öfter an ihn gedenken, uns feiner Güte erfreuen, und auch, wenn wir manche entbehren müssen, zufrieden bleiben; vorzüglich aber 3) daß wir sie gut anwenden, nach seinem Willen, wozu er sie uns verliehen hat, als ein anvertrautes Gut, mit dem wir Nugen schaffen sollen, und das wir ihm einst zu verantworten haben. - DON O Litaney zur une Danksagung für die Wohl thaten Gottes. 59 m Gott, unser Vater! fiche deine Kinder hier versammelt, um dich, als den Geber alles Guten, mit frohem Danke zu ehren. Wir danken dir, o Gott! DIG Der Himmel und die Erde ist deiner Güte voll. Was Aug und Herz erfreut was wir genießen und bealles kommt von dir. Wir sizzen danken dir, o Gott! Wie schön hast du die Welt gebaut! Du hast sie nicht zum Jammerthal geschaffen; nur die Menschen machen sie dazu. Was du gemacht hast, o Herr, ist gut. Wir danken dir, o Gott! - - M 40 Der Sonne Licht und Wärme der Erde Fruchtbarkeit- der Thiere Leib und Leben Alles um uns her hast du zu unserem Nußen und Vergnügen eingerichtet, - KANS Gesundheit, Kräfte, Sinn und Glieder gabst du uns, womit wir so viel Gutes thun, erfahren und genießen können. Wie süß schmeckt Speis und Trank, und Schlaf; wie viele Freuden werden uns durch jeden Sinn zu Theil. Wie viele frohe Tage und gute Stunden hast du uns geschenkt! Mit jedem Athemzug erzeigest du uns neue Wohlthat. Das Gute zu erkennen und zu lieben gabst du uns Verstand und freyen Willen. Zu deinem Ebenbilde hast du uns erschaffen. So viele gute Menschen lieben uns, und stehen uns bey mit Rath und That, mit Lehr und Hilf und Trost, und machen uns das Leben angenehm. Wir danken dir, o Gott! 41 Vor wie viel Unglück hast du uns bewahret, wie oft uns aus Gefahr und Noth geholfen, und vom Verderben uns gerettet. Wie viel Geduld hast du mit unserm Leichtsinne. Auch unser Undank macht dich nicht im Wohl= thun müde. Uns Sünder ziehest du mit Lieb' an dich, und nimmst uns mit Erbarmen auf. Als Auch wenn du Leiden schickst, geschiehts aus weiser Güte. Vater züchtigest du uns zur Besserung und Seligkeit. Wie groß, o Gott, ist deine Liebe! Ueberall erscheinet und umgibt sie uns. Für alles Gute, das du an uns und allen deinen Kindern, im Himmel und auf Erden gethan hast, und thun wirst in Ewigkeit. Für alles Gute, das wir nicht erkennen, nicht zu schäßen wissen, und, ach! so oft zum Sündigen mißbrauchen! Auch für den kleinsten Tropfen aus der Quelle deiner Liebe- für Wir danken dir, o Gott! 42 m jeden Bissen Brot Wassertrunk. für jeden Für Alles Alleso wer kann es zählen oder überschauen, was wir dir Alles zu verdanken haben. Wie können wir dir würdig danken! Doch siehst du gnädig an das schwache, aber redliche Bestreben. - - B. Ja, das sey unser Dank. Nicht bloß der Mund- auch unser Herz und unser ganzes Leben danke dir. Der Dank, den du von uns verlangst, ist Rechtthun- Liebe Folgsamkeit- Zufriedenheit nüßliche Anwendung deiner Gaben. und Dir können wir nichts geben, noch vergelten. Aber was wir unsern Brüdern Gutes thun, das nimmst du an, als wäre es dir geschehen. Wie du uns alle liebst, und deine Sonne über Gute und Böse aufgehen läsfest; so wollen wir als deine Kinder uns einander ohne Ausnahme lieben. Wir dank. dir, o Gott. Ja, das sey unser Dank! 43 Barmherzigkeit und Sanftmuth üben, verzeihen und Gutes thun, soviel uns möglich ist- das wollen wir, o Gott, um deine Güte nachzuahmen. Nie wollen wir uns über Andere stolz erheben, nie minder Glückliche verachten, nie des Gefallenen spotten- nie vergessen, daß wir Alles dir zu danken haben. So lieb uns deine Gaben sind; so lieb seyen uns auch deine heiligen Gebothe! Denn beyde gibst du uns aus gleicher Güte. Durch willigen Gehorsam wollen wir als gute Kinder uns erweisen; und durch unser Wohlverhalten dir zu gefallen suchen. Mit dem zufrieden, was du uns verleihst, wollen wirs in Unschuld froh genießen, und dabey an dich gedenken. Zur Zeit der Trübsal stärk' uns die bisherige Erfahrung deiner Güte, im Vertrauen für die Zukunft. Ja, das sey unser Dank! 44 Schlußgebeth. Ja! So sey dir für deine unzähligen Wohlthaten gedankt, o Gott! Sie sollen uns desto werther seyn, da wir sie als Beweise deiner Liebe, und als ein anvertrautes Gut betrachten, das wir nicht anders, als nach deinem heiligen Willen anwenden dürfen. Einst wirst du darüber Rechenschaft fordern, ur) unsere Treue im Gebrauch deiner zeitlichen Gaben mit ewigen, himmlischen Gütern belohnen. Dort werden wir deine Güte in ihrer ganzen Größe erkennen, und im Besiße der ewigen Seligkeit preisen. Amen. - M 45 m Litaney von der O göttlichen Vorschung zur Bestärkung des wahren Vertrauens. Wir bethen dich, o Gott! mit kindlichem Vertrauen, und ganz ergebnem Herzen an. Gott! dir vertrauen wir. B. Gott, dir vertrauen wir. Vem können wir so fest vertrauen, als dir! Wer liebt uns mehr, als du! Wer ist so mächtig, und so reich, uns alles Gute zu verschaffen. Gott! dir vertrauen wir. Du, Herr der Welt! bist unser Freund und Vater! Wie sicher ruhen die Frommen unter deinem Schuße. Gott! dir vertrauen wir. 46 M Alles Was ist und seyn wird steht in deiner Hand. Von dir kommt Alles, was uns helfen oder nüßen kann. 10 Nur was du willst, geschieht- und du willst allezeit nur das Beste. Die höchste Macht, mit der du herrschest, übest du durch Wohlthun aus. Mit weiser Liebe regierst du deine Welt. CA Was du geschaffen hast, erhältst du auch. Als Vater sorgest du für dein Geschöpf. Du öffnest täglich deine unerschöpflich reiche Hand, und sättigst alles, was da lebt, mit Segensfülle. Du nährest den Vogel in der Luft, und kleidest die Blumen auf dem Felde. Ohne deinen Willen fällt uns kein Haar vom Haupte. Du, Vater! weißt, was deinen Kindern fehlt, was ihnen nüßlich ist. Von ferne hörst du unsere stillen Seufzer.midlaner Vom Anbeginn der Welt hast du aufs Beste alles angeordnet, alle Anstalt zu unserer Seligkeit gemacht. Gott! dir vertrauen wir. m- 47 Was du bisher an uns gethan, beruhigt uns auch für die Zukunft. Gott! dir vertrauen wir. Veränderlich, wie Menschen, bist du nicht. Wenn auch die Welt zertrümmerte; wir halten fest an dich. Gott dir vertrauen wir. Du bist bey uns im Ungewitter, wie im milden Sonnenscheine: was soll uns zaghaft machen? Gott! dir vertrauen wir. Und doch wie bald kann dieß Vertrauen wanken! Wie oft wirds blinde, träge und vermeßne Sicherheit. B. Davor bewahre uns, o Herr! Daß wir in Kummer und Gefahr nicht gleich kleinmüthig werden, und verzagen. Daß wir nicht unzufrieden klagen, oder murren gegen dich, wenn es nicht nach unserm Wunsche geht. Daß wir uns nicht aus Leichtsinn oder Stolz zu sehr auf eigene Kraft, auf Geld und Menschengunst verlassen. - Daß wir uns selbst zu helfen nicht versäumen, indem wir träg' auf deine Hilfe warten. Bewahre uns, o Herr! 48 Daß wir nicht thöricht Wunder von dir fordern, nicht Unmöglichkeiten, nicht alles, was unser Herz nur wünscht. Bewahre uns, o Herr! Daß wir uns nicht durch Unvorsichtigkeit und Leichtsinn deines Segens selbst berauben, und das Vertrauen zu dir vergeblich machen. Bewahre uns, o Herr! Nur dann erst können wir recht fest auf dich vertrauen, wenn wir als gute Kinder deinen Willen thun. Und das geloben wir. B. Dein Wille, o Herr! geschehe. Du willst, wir sollen uns an deine Ordnung halten, und emsig thun, was uns Vernunft und dein Geset befiehlt. Dein Wille, o Herr! geschehe. TELEPO Wir sollen ohne Aengstlichkeit für das, was unsere Pflicht ist, sorgen; dann aber dir die Sorge für den Ausgang überlassen. Dein Wille, o Herr! geschehe. Wenn wir das Unsrige gethan, dann können wir getrost erwarten, daß du auch gewiß das Deinige thun werdest. Dein Wille, o Herr! geschehe. 49 M Du segnest und belohnest unsern Fleiß, hilfft unserer Schwachheit fort, und wirkest, was wir nicht vermögen. Dein Beystand und dein Wohlgefallen gibt uns Muth und Kraft, ist unser Trost, wenn auch die beste Absicht fehlschlägt, alle Mühe mißlingt. Wie thöricht sind oft unsere Wünsche! Wohl uns, daß du sie nicht erfüllest. Du weißt es, was uns wahrhaft gut ist. Du gibst uns mehr, als wir begehren, und verstehen. Du überschauest die ganze Welt, siehst auch die Zukunft vor, und sorgst für Einen, wie für Alle. Was wir für Unglück halten, ist oft unser größtes Glück. Du machest, daß auch aus dem Uebel Gutes kommt. So unerforschlich uns jetzt deine Wege find, so ruhig können wir fie wandeln, da deine Hand uns leitet. C Dein Wille, o Herre geschehe. m 50 M Mag immerhin der Schmerz an unserm Leib und Herzen nagen; mag manche schwere Last uns drücken: einst werden wir uns desto mehr erfreuen. Dein Wille, o Herr! geschehe. Schlußgebeth. Allmächtiger Gott! Schöpfer und Erhalter der Welt! Du hast uns durch deinen Sohn deine väterliche Vorsehung bekannt gemacht; an seinem Leben, Leiden und Tod haben wir das theuerste Unterpfand deiner großen Liebe zu uns. Dein heiliger Geist, der uns antreibt, dich als Vater anzurufen, bestärket uns in diesem Vertrauen, und ist unser Tröster. So wollen wir dann mit allen deinen Schickungen und Anordnungen zufrieden seyn, bey Allem, was geschieht, uns dir ergeben, und getrost der Zukunft entgegen sehen. Es geschehe mit uns und von uns dein heiliger Wille. Amen. So besteht also das christliche Vertrauen darin, daß du von Gott, als deinem besten Vater und den weifeften Regenten der Welt, alles Gute zu erwarten haft, wofern du nur auch selbst gut bist, und das 51 M Deinige thust, fo gut du kannst. Mit diesem feften Vertrauen und Vorhaben trage Gott deine Wünsche vor; alsdann sind es wahre Christliche Bitten, wie sie beschaffen seyn sollen. Gott! mein Herz liegt vor dir offen, du siehst meine Wünsche, ehe ich sie als Bitten dir vortragen will. O möchten sie auch so beschaffen seyn, daß sie dir gefallen, und erfüllt werden können! Herr! du hast gesagt: ,, Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgethan." Ja, mein Gott, Alles, was ich brauche, um gut und selig zu werden, kann ich von deiner Güte erwarten und hoffen; wenn ich es mit ernstlichem Willen verlange, auf den rechten Wegen suche, und mit anhaltendem Ernste mich darum bestrebe. Das Allerbeste, was ich mir wünschen kann, was mein eifrigstes Gebeth und Verlangen seyn soll, ist- meine Besserung, Tugend und ewige Seligkeit! Dazu willst du mir treulich ver€ 2 m 52 helfen, mein Vater! und das gefällt dir am besten, wenn ich dich um deinen Beystand dazu bitte.- Ohne dich vermag ich nichts. Von dir kommt alles Gute her, und alle Kraft, es zu vollbringen. Darum rufe ich zu dir: ,, Mein Gott! erleuchte, stärke, regiere mich! Verleih mir deine Gnade und Hilfe! Gib mir Weisheit und Tugend! Bewahre mich vor Thorheit und Laster! Laß mich nicht in Versuchung und Sünde fallen! Erlöse und rette mich vom Verderben." So ein Gebeth bestärket mich im Vertrauen auf dich, und macht mir neuen Muth; aber es muß zugleich ein ernstlicher, guter Vorsaß seyn. Träg und leichtsinnig darf ich mich nicht auf deine Gnade verlassen, daß du mir die Tugend gleichsam eingießen, und mich mit Gewalt in den Himmel ziehen werdest. Ohne mein eigenes Wollen und Trachten kannst und willst du mich weder heilig noch selig machen; ich muß selbst freywillig und ernstlich mitwirken, und thun, was ich kann, und so gut ichs erkenne. Dann darf ich getrost auf dich vertrauen und hoffen. Auch um mein zeitliches Wohlergehen darf ich dich bitten, mein Vater. Aber da muß ich erst bedenken, ob das, was ich wünsche, auch wahrhaft gut ist ob es mir schon jetzt und in der Zukunft ersprießlich seyn wird, ob es mich selbst besser machen kann? Denn, wie oft werde ich vom Scheine geblendet? wie oft schon hat mich meine Einbildung und Erwartung betround wie dürfte ich etwas vergen? langen, das zwar mir vortheilhaft, aber meinem nächsten nachtheilig seyn könnte, der auch dein Kind ist, wie ich; und für den du auch, wie für mich väterlich sorgest? Vielmehr soll ich ja nur darum meinen Zustand zu verbessern wünschen, damit ich auch Andern dadurch nüglich werden möge. Aber auch bey der besten Meinung und Absicht darf ich nicht fordern, oder erwarten, daß du meinetwegen Wunder thun, und deine weise Einrichtung in der Welt abändern, oder unterbrechen sollst. Das hast du mir niemahls verheißen, sondern du hast mir Vernunft gegeben, um nachzudenken: wie ich mir erst selbst helfen, oder wo ich - 53 - M 54 M Hilfe suchen soll welche Mittel und Vorsichten ich anzuwenden- welche Hindernisse ich zu überwinden welche wahrscheinliche Aussichten ich vor mir habe- damit ich mich nicht mit vergeblichen Wünschen und Hoffnungen aufhalte und quäle. Merce G Vater, nicht mein, sondern dein Wille geschehe! dieß Gebeth deines Sohnes sey auch allezeit das meinige. Es ist das beste, das sicherste und tröstlichste. Kein Eigenfinn, keine Kleinmuth und Ungeduld mische sich darein. Ich bin ein kurzsichtiges Kind, das oft selbst nicht weiß, was es begehrt. Du, Vater, verstehst und meinst Alles aufs Beste; dir überlasse ich getrost den Ausgang, wenn ich mein Möglichstes gethan habe. Erhalte ich nicht, was ich suche; kann ich mit aller Mühe und Vorsicht doch nichts ausrichten: so will ich doch nicht murren noch zagen, sondern mich damit trösten, daß du, o Gott! es nicht gewollt- nicht für gut gefunden hast, daß es mir vielleicht wenigstens jest noch nicht nüßlich, oder nicht möglich war, daß du mir dafür ein grö 55 Beres Glück bereitest, wenn ich es durch fortgesetzte Besserung, durch Fleiß und Tugend zu verdienen suche. Daß endlich unter deiner weisen Regierung auch aus dem Uebel Gutes entsteht. So unterwerfe ich meine Wünsche und Bitten mit kindlicher Ergebung deinem heiligen Willen. Und so hoffe ich, nach der Anweisung Jesu recht gebethet zu haben, wie es dir gefällig, und mir heilsam ist. Ileberdenke dieses Gebeth oft, mein Chrift, und lerne daraus, was du zu bedenken, und zu thun haft, wenn du Gott um etwas bittest. Was dir zu deiner Besserung und Seligkeit nöthig ist, erhältst du gewiß, wenn du es nur selbst ernstlich willst.- Um was du dich Gott nicht zu bitten getraust, das ist gewiß nichts Gutes. Kurzer und leichter Unterricht vom Gebethe. Bethen heißt: feine Gedanken zu Gott er. heben, oder mit Gott reden. Das Gebeth ist ein Gespräch des Herzens mit Gott. Und 56 m das sollte ja wohl für keinen Chriften, der Gott recht erkennt, etwas Schweres seyn. Oder kommt es denn ein Kind schwer an, mit seinem Vater zu reden? Hat man seinem besten Freunde und Wohlthäter nicht immer etwas zu sagen? spricht man nicht gern von feinen Anliegen?- Und nur dem lieben Gott follte man nichts zu sagen wissen? Sieh, mein Chrift; Wenn du nur Gott, als deinen besten und heiligsten Vater erkennest, und ihn dir als gegenwärtig vorstelleft; so werden deine Gedanken an ihn schon zum Gebethe. Betrachtest du, wie mächtig, wie weis se, wie heilig, wie unendlich gut Gott an sich selbst ist, so wird Ehrfurcht, Bewunderung, Hochachtung und Liebe in dir entstehen, und das ist Anbethung. Bedenkest du, wie gut Gott gegen uns ist, und wie alles Gute von ihm tommt, fo wirst du dich ja seiner Güte erfreuen, und seine unzähligen Wohlthaten dans ten, das ist Dankgebeth. Du wirst ihm mit kindlichem Vertrauen deine Anliegen vortragen, und dich seiner väterlichen Fürsorge empfehlen, ihn um Hilfe in der Noth, um Beystand und Segen, um dein geistliches und leibliches Wohl, das du dir selbst nicht ge= Du wirst ben kannst, bitten, das ist Bittgebeth. auch dabey deine Mitmenschen, besonders die dich näs her angehen, oder denen du fonst nicht helfen kannst, auch deine Feinde in dein Gebeth einschließen, und also für sie fürbitten, das ist christliche Fürbitte. Du wirst endlich deine Sünden bereuen, und mit eis nem festen Vorsage, dich zu beffern, Gott um Vers zeihung bitten, das ist Bußgebeth. Siehe da, was du Gott im Gebethe zu sagen - ww 1 M 57 M haft, obgleich nicht Alles auf Ein Mahl. Du fies heft also auch, daß das Gebeth nicht lauter Bitten feyn müssen, wie viele meinen. Das wäre ein gar eigennügiges Gebeth. Fordere nicht immer von Gott, was du willst; versprich ihm vielmehr zu thun, was Er will. Wenn du beym Gebethe oft mit den Gedanken zu Hause bey deinen Geschäften bist, fo überlege vor Gott, wie du fie mit deinem Beyftande recht anschis cken und besser machen sollst. Die Erfüllnng deiner Pflichten soll dir deine wichtigste Angelegenheit seyn. Ein vernünftiger Mensch bedenkt, was er spricht. Wer anders redet, als er denkt, der lügt. Wolltest du auch Gott vorlügen? Wenn du mit Gott redeft, so kommt Alles nicht auf die Worte, sondern auf die guten Gedanken und Vorfäße an, die du dabey faffest. Jedes stille oder laute Lob Gottes, jede herzliche Freude an ihm und seinen Werken, jede Dantfagung, Ergebung und Aufopferung; jeder gute Vorfag; jeder fromme Uh. blick und Gedanke zu Gott ist Gebeth. Habe nur immer Gott vor Augen und im Herzen, fo wirst du immerzu, und gewiß gut bethen. Je mehr du Gott erkennest und liebest, desto besser und leichter wird dir das Gebeth von Statten gehen. - Wenn du mit Undern bethest, so gib ihnen ein gutes Beyspiel, und laß es fein gleißnerisches Geplap: per seyn. Schäme dich der Andacht nie. Wer sich der Pflicht zu bethen schämt, der schämt sich Gottes Freund ju seyn. X( 132 58 Andacht nennt man die frommen Empfindungen, welche das lebhafte Andenken an Gott in uns erweckt. Die wah re Undacht kennt man am sichersten aus ihren Früch ten; wenn man nämlich gebeffert, getroft, gestärkt, Gott ergebner, liebreicher und fleißiger wird. Andacht allein ist noch nicht Tugend; aber ein gutes Hilfss mittel zur Tugend, wenn sie recht beschaffen ist. Da die wahre Undacht im lebendigen Unden Pen an Gott befteht, so foll sie besonders bey dem Ges bethe Statt finden; da soll man sich in seinen Gedanten nur mit Gott beschäftigen, und alle fremdartigen Gedanken, die man Zerstreuungen nennt, von sich fern halten. Ilm andächtig zu seyn, darf man aber nicht sei: ne Pflichten versäumen, da uns Gott zur Arbeit berufen hat. Alles hat feine Zeit; es gibt eine Zeit zum Bethen, und eine zum Arbeiten; aber der fromme Christ weiß auch seine Arbeit auf eine Gott gefällige Weise zu verrichten, nach dem alten Sprichworte: Die Hand bey der Arbeit, das Herz bey Gott. Er verbindet seine Arbeit mit dem Andenken an Gott, und arbeitet nun desto fleißiger und eifriger, um Gott ju gefallen. M 59 M Gebeth, um recht und gut zu bethen. Ueberall bist du bey mir, mein Gott! zu jeder Stunde gibst du mir Gehör. Auch außer der Kirche, mitten in meinen Geschäften, zu Hause und auf freyem Felde, wenn ich meine Wege gehe, oder mich zur Ruhe lege; wenn ich zu Tische size, oder davon aufstehe; wenn ich zu Nachts oder Morgens erwache; wenn ich allein, oder bey Andern bin; in fröhlichen und traurigen Stunden kann ich meine Gedanken zu dir erheben. Alles, ja Alles kann und soll mich an dich erinnern; zum Lobe und Danke und Vertrauen ermuntern. Wenn ich etwas anfange, so sey mein erster Gedanke, ob es vor dir auch recht gut ist; und dann gehe ich mit Muth daran, im Vertrauen auf deinen Beystand und Segen. Ist es vollendet, so sey es dir gedankt und heimgestellt. Geht es mir wohl, so preise ich dich dafür, und freue mich deiner Güte. Steht mir Gefahr oder Noth bevor: Warum soll ich zagen? Gott! mein 60 Vater! du bist bey mir. Ich stehe in deiner Hand. Du verlangst keine langen Gebethe, weil mein schwacher Geist bald ermattet, und zerstreut wird. Du willst nicht, daß ich viele Worte brauchen soll. Desto öfter und inniger soll sich mein Herz zu dir erheben, und in findlicher Einfalt mit dir reden. Ich darf nicht erst auf Worte sinnen, sondern darf mit dir reden, wie ein Kind mit seinem Vater, wie ein Freund mit dem Andern. Und das sollte mir schwer ankommen? Dir, mein bester Vater, Wohlthäter und Freund! sollte ich nichts zu sagen wissen? dir nicht meine Hochschäßung und Liebe bezeigen können? Habe ich dir denn nichts zu danken? nichts abzubitten? nichts von dir zu hoffen? Habe ich dir kein Anliegen vorzutragen, keinen Trost bey dir zu suchen? - CUPARE Gott! wie muß ich mich schämten, daß ich so wenig Lust am Bethen habe; daß ich oft nur aus Zwang, aus Gewohnheit, dem Scheine nach bethe, aber mit dem Gedanken ganz anderswo bin, und selbst nicht weiß, was ich sa M 61 M ge; oder dir deine Gebethe gleichsam vorzähle, und mehr darauf sehe, wie viel, und wie lang, als wie gut ich gebethet habe. Ach, ich erkenne und liebe dich noch allzuwenig, mein himmlischer Vater! Deiner täglichen Wohlthaten bin ich schon zu gewohnt; die größten Gnaden, die wahren Güter, die du mir bereitest, weiß ich nicht genug zu schätzen, und spüre also auch nicht viel Verlangen darnach; was mir das Angelegenste seyn soll, ist es mir oft am wenigsten; es dringt immer nur das Zeitliche, das Gegenwärtige vor. Darum wird es meinem Herzen so schwer, sich von der Erde gegen Himmel, vom Sichtbaren zum Unsichtbaren zu erheben, darum habe ich so wenig Eifer zum Gebethe, so wenig Andacht dabey. Wann werde ich doch einmal diese Trägheit überwinden! Mit deinem Beystande, o Gott! wird es mir gelingen, wenn ich dich mir allezeit als gegenwärtig vorstelle, und wohl bedenke, was ich thue, wenn ich bethe; mit wem ich rede; wie groß, wie gut, wie heilig du bist! Dieß wird mich 1110 m 62 mit Ehrfurcht, Zutrauen und Liebe erfüllen, und vor dem Frevel bewahren, dir etwas vorzusagen, oder zu versprechen, das mir nicht vom Herzen ginge um Güter zu bitten, die ich mir nicht ernstlich erwerben und zu Nußen machen will. - Zerstreuungen, die mir selbst unlieb sind, rechnest du mir nicht zur Schuld. Ich will, nur, sobald ich sie merke, meine Gedanken sammeln, und das, was ich bethe, wohl überlegen. Wenn es mir gleich nicht allezeit, wie ich wünsche, von Statten geht, wenn ich schon den süssen Trost des Gebethes oft nicht empfinde; so soll mich das nicht verdrossen machen. Du siehst auf den Willen; und es kommt Alles darauf an, wie ich vor dir gesinnt und beschaffen bin. O daß du mich immer so finden mögest, wie ich seyn soll, um dir zu gefallen! Werden will ich es durch das Gebeth immer mehr. Amen. M 63 Gebeth, um die wahre Absicht Kraft und Frucht des Gebethes zu erkennen. Gott! du brauchst mein armes Gebeth zu deiner Verherrlichung nicht. ch kann dir dadurch keinen Dienst oder Gefallen erweisen, den du mir vergelten solltest. Du bist auch nicht wie Menschen, die sich erst durch schöne Worte und Bitten bewegen, und ihre Wohlthaten abschmeicheln und abnöthigen lassen. Du gibst uns aus eigener Güte Alles, was wir nöthig haben; du weißt es, ehe wir dir es sagen, oder ehe wir dich anrufen, ist es uns schon bereitet. Nur darf ich nicht hoffen, daß du mir Alles bloß schenken werdest, was ich nach deiner Anordnung und mit deinem Beystande durch eigenen Fleiß erwerben und verdienen soll. Mit Wünschen und Bitten allein kann ich weder Verzeihung, noch Seligkeit erlangen. Du hörest das Gebeth des Sünders nicht, es kann dir nicht gefal len, weil es ihm nicht von Herzen - 1 64 geht, weil er das Gute, was du willst, nicht ernstlich will. Aber das Gebeth selbst soll mich auf den Weg der Besserung und Tugend bringen, wenn es aufrichtig ist. Durch jede Anbethung und Anrufung bekenne ich, daß du mein Gott und Vater bist, dem ich angehöre, und Alles zu verdanken habe; den ich also über Alles lieben, und durch willigen Gehorsam ehren soll. So kann also kein besseres Gebeth seyn, als der Herzliche Wunsch, dir in all meinem Thun und Lassen wohlgefällig zu werden. Meine guten Vorsäge werden desto fester und dauerhafter seyn, wenn ich sie vor deinen Augen mache, und dir verspreche, fie treulich zu halten. Je tiefer ich das Andenken an deine Gegenwart und an deine Heiligkeit meinem Herzen eindrücke; desto weniger werde ich zur Stunde der Versuchung deiner vergessen. So wird mich das Gebeth vor Sünden bewahren, und in meinen guten Gesinnungen stärken. Ich nenne dich meinen Vater im Himmel! Dieß erhebt mein Herz über die Kleinigkeiten dieser Erde; und 65 macht es ruhig, so, daß ich mich über nichts Zeitliches, weder unmäßig freue, noch kleinmüthig betrübe, nichts zu heftig verlange, noch ängstlich fürchte. Wenn ich in meinem Gebethe das Sute, das ich besiße und erlange, als Gabe, und als Mittel Gutes zu thun, betrachte; so lerne ich es erst recht schätzen, gut anwenden, und dankbar froh genießen. So werde ich, wenn es mir wohlgeht, nie leichtsinnig und übermüthig werden. Und wie könnte ich gegen meinen nächsten hartherzig, neidisch und feindselig werden, wenn ich bedenke, wie gut und mild du gegen mich bist. Mit heiterem Muthe gehe ich vom Gebethe an meine Arbeit und Pflicht, aufgemuntert durch den Gedanken, daß du sie mir angewiesen hast, und du mich dafür belohnen willst, wenn ich sie recht nach deinem Willen thue. Will fie mir zu schwer werden, so schaue ich zu dir hinauf, wie du auf mich herabſiehest; und schöpfe neue Kraft. Du wirst meine wohlüberlegten und gutgemeinten Unternehmungen einen guten Ausgang gewinnen, und die Mittel gedeim - - 66 m hen lassen, die ich dazu nach deiner Anordnung gebrauche. So kann auch dein zeitlicher Segen eine Frucht des Gebethes seyn, wenn es mich aufmuntert, fleißig und rechtschaffen zu handeln, und meine Pflichten emsig zu erfüllen. In Trübsal und Leiden nehme ich meine Zuflucht zum Gebethe; und es wird mir schon besser, wenn ich recht gebethet habe. Ist es doch schon Erleichterung, wenn man einem Freunde seine Noth klagen kann! Welcher Trost für mich, daß du, o Gott, meine Klagen und Seufzer hörst, daß ich mein Herz vor dir ausschütten, und seines Kummers entladen kann. So wird mir dann leichter ums Herz, heiterer im Gemüthe, ich bin beruhigt, gestärkt, und auf Alles gefaßt, was du mein Gott mit mir machen wirst. Voll Vertrauens auf deine väterliche Fürsorge und Hilfe übergebe ich mich in deinen Willen, und fasse neuen Muth. Darum willst du, daß wir bethen sollen; nicht deinet, sondern unsertwegen: nicht auf dich, sondern M 67 m auf uns soll es wirken. Darum ermunterst du uns durch so trostvolle Verheißungen zum steten Gebethe. Sollte ich es noch für eine beschwerliche Pflicht halten können? Muß ich mich nicht freuen, daß ich armes Geschöpf mein Gemüth zu dir erheben kann, und mit dir von meinen Angelegenheiten reden darf, wie ein Kind mit seinem Vater? O daß ich nur die wahre Absicht und Weise des Gebethes nicht verfehle, damit ich auch Frucht und Nußen davon habe, und selbst dadurch besser werde! Jedes Gebeth bringe einen guten Vorsatz in mir hervor, oder bestärke mich darin. So werde ich erfahren, was das Gebeth vermag. Amen. 1 Christliche Fürbitte. Warum und wie wir für einander bitten sollen. Gott, unser Vater! Du willst, daß wir, als gute Geschwister, uns einander lieben, wie du uns als deine Kin 68 der liebst. Wie uns selbst, so wünschen, bitten und hoffen wir auch für unsere Mitmenschen alles Gute von deiner unermeßlichen Güte! Gott, du kennest sie Alle; und forgest für sie väterlich, ohne erst von uns daran erinnert zu werden. Wir können dir nichts sagen, das du nicht wüßtest, nichts von dir begehren, das du nicht schon beschlossen und bereitet hättest, wenn es wahrhaft gut ist. Du kannst und thust mehr, als wir bitten und verstehen. Aber du siehest es doch gern, daß wir in unserem Gebethe unserer Mitmenschen gedenken, und ihr Glück wie unser eigenes uns zu Herzen nehmen. Unsere Liebe gefällt dir, die durch ein solches Gebeth geübt und erwärmet wird. Wir ehren dich dadurch, als den besten Vater, und machen uns deiner Wohlthaten werther, indem wir selbst desto bessere Menschen werden, je mehr wir andere lieben. Wir wollten oft gern, aber können nicht helfen; nicht unser Herz den Abwesenden öffnen; nicht allezeit unsere Liebe im Werke erweisen. Da wenden wir uns an dich, unsern allmächtigen, m 69 liebenden Vater; deiner weisen Fürforge empfehlen wir sie, deine Kinder. Dir stellen wir heim, was wir nicht vermögen. Du kannst, du wirst Alles zu ihrem Besten lenken. Dieß ist unser Trost, und beruhigt unser Herz. Sollte sich in unsere Wünsche und Bitten etwas einmischen, das nur uns gut dünkt, so laß dir wenigstens unsere gute Meinung gefallen; so wie wir uns deine Anordnungen, auch wo wir ihren Nußen nicht einsehen, gefallen lassen. Wir vertrauen deiner Weisheit und Güte.- Wir wünschen, daß des Uebels immer weniger, und des Guten mehr werde in deiner Welt, o Gott! Darum bitten wir dich: Führe die Menschen immer näher zur Erkenntniß der Wahrheit, zur Besserung und Tugend, zur wahren Glückseligkeit. Laß deine unverfälschte Lehre mit wohlthätiger Kraft auf die Herzen wirken. Verdränge den thörichten Aberglauben und jeden schädlichen Frrthum. Erfülle die Hirten und Lehrer mit deinem Geiste, segne ihr Wort und Werk, damit der gute Saame auch viele gute Früchte bringe. Vereinige alle, die an 70 dich glauben, durch das Band der Liebe. Rette die Unschuld aus der Hand des Verführers und des Verfolgers; stärke die Schwachen, hebe die Gefallenen auf; führe die Verirrten auf den rechten Weg zurück. Segne unsern Landesvater. Beglücke die Völker durch gute Obrigkeiten; laß ihre Anstalten zum allgemeinen Besten gereichen. Segne den Schweiß des Landmannes, und des Bürgers Gewerbe, daß jeder sein Brot ehrlich verdiene, und dankbar froh genieße. Laß in den Häusern stille Tugend, Eintracht und Zufriedenheit wohnen. Versöhne die Feindseligen; wehre dem Uebel, das böse Zungen anrichten. Erhalte in allen Ständen Ordnung und Frieden. Verbinde die Untergebenen und Vorgesetzten durch Treue und Liebe; laß sie bey de nie vergessen, daß sie Dich zum Herrn und Vater haben. Leite und segne die Erziehung der Kinder, damit einst die Aeltern Freude an ihnen erleben, ihre Mühe belohnt, ihre Hoffnung erfüllet sehen. - 71 M Den Leidenden sey du der Gott des Trostes! Stärke sie zur Geduld und Ergebung im Vertrauen auf dich, lindere ihren Schmerz, erheitere ihr Gemüth durch die bessere Zukunft, und den seligen Ausgang aller christlich ertragenen Leiden. Laß sie erfahren, daß deinen Freunden Alles zum Besten gereichen muß. Lege dem Reichen Demuth und Mitleid ins Herz, dem Armen Zufriedenheit und frohen Muth. Mache auch dem Taglöhner bey seinem harten Brote eine freudige Stunde. Sen den Witwen und Waisen ihr Vater, und der Verlassenen Zuflucht. Steh den Sterbenden bey, und nimm sie zu dir auf. Unsern Aeltern, Wohlthätern und Freunden vergilt du, reicher Belohner, was sie Gutes an uns gethan haben, und laß uns ihrer Liebe nicht unwerth seyn. Auch für unsere Feinde und Beleidiger bitten wir dich, nach dem Gebothe und Beyspiele Jesu, um allen Segen, den wir uns selbst wünschen. Verzeih' ihnen, sie wissen nicht, was sie thun. Auch von uns sey ihnen herzlich verziehen, wie wir wünschen, daß M 72 mw du uns verzeihest. O laß es uns bald gelingen, daß wir durch Sanftmuth und Klugheit und liebreiches Entgegenkommen ihr Herz gewinnen, und den Frrungen ein Ende machen. Gott! du kennst unser Herz, weißt, ob es aufrichtig gebethet hat. O so.zeige sich dann unsere Liebe durch unser ganzes Betragen jede Gelegenheit, unſerm Nächsten zu dienen, und Gutes zu thun, sey uns willkommen! Wie könnten wir gegen einen Menschen kaltsinnig oder feindselig seyn, wenn wir uns daran erinnern, daß wir auch für ihn gebethet haben? Was gälten unsere Wünsche und Bitten, wenn wir nicht auch selbst zu ihrer Erfüllung nach unsern Kräften das Unsrige beytragen wollten? So soll dann unsere Liebe immer allgemeiner, aufrichtiger und thätiger werden. Wie lieb, o Gott, sollen uns unsere Mitmenschen werden, wenn wir denken, wie gut du bist! Ertheile uns dann allen deinen väterlichen Segen, und führe uns einst dort zusammen, wo wir uns ewig lieben, ewig uns mit einander erfreuen werden. Amen. M 75 m Siehe da, mein Christ, wie und warum roir für Andere bethen follen. Wir sollen dadurch nebst unserm Vertrauen auf Gott, unsere Nàchstenlie be erweifen und üben. Wenn wir im Gebethe an unsere lieben Mitmenschen denken, die alle auch Kinder Gottes find, wie wir, so werden sie uns stets lieber und schäßbarer werden. Wo wir nicht helfen Pönnen, da wenden wir uns an Gott; aber desto bereitwilliger werden wir auch seyn, selbst so viel Gutes zu thun, als wir können; sonst wären unsere Wünfche nicht aufrichtig gewesen.- Wenn Weltern, Kinder, Eheleute, Vorgesetzte und Untergebene herzlich für einander bethen, so werden sie gewiß auch ihre Pflichten gegen einander lieber und besser erfüllen.- Wir werden gegen alle Menschen liebreicher, vertraglicher, dienstfertiger werden, wenn wir für fie recht gebethet haben.- Wenn dir dein Feind begegnet, und du erinnerst dich, daß du erst bey Gott für ihn gebethet hast, wirst du noch einen Haß gegen ihn haben können? -- Darum will Christus, daß wir Alle für einander, und besonders für unsere Feinde bethen sollen. Das Vater unfer ist ein Gebeth für alle Menschen. Ein solches Gebeth ist auch allezeit besser und Gott wohlgefälliger, es mifchen sich keine fo eigen finnige, unverständige Wünsche ein, als wenn wir bloß für uns allein bitten. Denke also nicht, du habest für dich selbst genug zu bethen. Wenn du für Andere, ja für alle Menschen bethest, so bist du ja auch eingef.bloffen.- - Verlaß dich aber auch nicht leichtsinnig darauf, 1 74 daß Undere für dich bethen; das ist ihr, nicht dein Verdienst. Ein Anderer kann dich in den Himmel nicht hineinbechen, deine Sünden nicht abbüßen, deine Trägheit nicht ersegen. Du selbst mußt wollen und thun, was du kannst. M Kurze Herzensgebethe und Seufzer. Wenn die Uhr schlägt. Wieder eine Stunde dahin, die ewig nicht mehr wieder kommt. Wie habe ich sie zugebracht? Wieder eine Stunde näher am Grabe. Wie stände es um mich, wenn diese meine lebte wäre. Ich will die folgende, und jede, die du mir noch schenken wirst, mein Gott, so zubringen, wie ich es in meiner letzten wünschen werde. Gott! dir will ich leben und sterben! 1 onverunne Nach einem begangenen Fehltritte.. Ach! So habe ich nun wieder dieß Unrecht gethan. Mein Gott! wie reuet es mich. Aber nun nimmermehr. m 75 M Meine Schwachheit soll mich nicht kleinmüthig, sondern vorsichtiger, demüthiger machen.- Stärke mich, mein Gott. Im Augenblicke einer Versuchung.. richten. Gott sieht mich, Gott wird mich Sollte ich das große Uebel thun, und vor seinen Augen sündigen? Gott bewahre mich. Was werde ich davon haben, wenn ich meiner bösen Lust folge. Wie theuer werde ich sie einst büssen müssen. Wie müßte ich mich vor mir selbst schämen. Wie wird mir im Todbette, in der Ewigkeit seyn. O wie wohl wird mir seyn, wenn ich überwunden haben werde. - Wer will, der kann. Mein Gott! mein Jesu! Ich will, stärke mich. Wenn du beleidiget wirst.. Bater, verzeih' ihnen; sie wissen nicht, was sie thun! Vielleicht war es auch nicht so übel gemeint: nur Uebereilung, Jrrung vielleicht gab D 2 - -- 76 m ich selbst dazu Anlaß. Wie oft fehle auch ich.- Wie ich wünsche, daß mir Gott und Menschen verzeihen, so sey auch von mir alles herzlich verziehen. Besser Unrecht leiden, als thun. Jesu! Du lehrest mich auch meine Feinde lieben, und Böses mit Gutem vergelten. Wie könnte ich noch einen Funken Haß in meinem Herzen behalten, wenn ich dich am Kreuze betrachte! Mit dergleichen guten Gedanken fannst du ime merzu dein Herz zu Gott erheben. Und dieß Gebeth des Herzens ist das Beste. 77 Die täglichen Gebethe, Glauben, Vater unser, und EngelsGruß. Mit kurzer Erklärung, und guten Gedanken, um sie recht zu verstehen, und andächtig zu bethen. Das Glaubensbekenntniß. Ich glaube an Gott den Bater, den allmächtigen Schöpfer des Himmels und der Erde. Ja, ich glaube an einen Gott, der Alles, was da ist, erschaffen hat, erhält und regieret. Himmel und Erde. verkündigen seine Allmacht, Weisheit und Güte. Dieser große Gott ist auch mein Vater, der mich dazu erschaffen hat, daß ich gut und selig werden soll. Durch willigen Gehorsam und kindliches Vertrauen erzeige sich mein Glaube an Ihn. 78 Und an Jesum Christum, seinen einigen Sohn, unsern Herrn. Wie ich an Gott den Vater glaube, so glaube ich an seinen göttlichen Sohn, den er uns zum Lehrer, Erlöser und Seligmacher gegeben hat. Der Name eines Christen, den ich von ihm habe, erinnert und verpflichtet mich, meinen Glauben an ihn durch ein wahrhaft christliches Leben zu bekennen. -- Der empfangen ist von dem heiligen Geiste, ge= boren aus Maria der Jungfrau. ten. Wunderbarer Weise ist der Sohn Gottes als ein Menschensohn in die Welt gekommen, damit wir ihm ähnlich, gute Kinder Gottes werden sollEr hat unsere Natur angenommen, um ihr vom Sündenfall wieder aufzuhelfen, und ihre verlorne Würde wieder zu geben. Wie liebreich ist uns die Gottheit, wie ehrwürdig die Menschheit in Jesu erschienen. 79 Gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuziget, gestorben und begraben. - Er hat sein Leben aufgeopfert aus Liebe zu uns auch mir zum Heile, zum Beyspiele und Troste. Der Anblick seines Kreuzes stärke mich zur standhaften Besserung, zur Geduld und Liebe, zum Vertrauen und Gehorsam bis ans Ende. Dann kann ich durch ihn Gnade und Seligkeit hoffen. - Abgestiegen zu der Hölle, am dritten Tage wie der auferstanden von den Todten. Er hat den Tod und die Hölle überwunden. So wahr er, wie er es vorhergesagt hat, wieder von Todten auferstanden ist, so sicher können wir an ihn glauben, und hoffen, daß wir auch erlangen werden, was er verheißen, wenn wir halten, was er gebothen hat. Aufgefahren in dem Himmel, sitzt er zur rechten Hand Gottes. Dort lebt und regiert er mit ſeinem Vater, zur Seligmachung Aller, m 80 welche ihm folgen. Er ist uns vorangegangen, um uns den Weg dahin zu zeigen, und uns einen Plaß zu bereiten im Hause seines Vaters. Wo er ist, da will er, sollen auch seine Getreuen seyn; will mit ihnen seine Herrlichkeit theilen. Wie selig kann ich einst werden. - Von dannen er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Todten. Wir werden einst Alle vor unserm Richter stehen, um unser Urtheil zu empfangen, wie wir seiner heiligen Lehre nachgelebt haben. Da wird auch das Geheimste ans Licht kommen, und seinen Lohn erhalten. Da wird der Richter die Guten von den Bösen auf ewig scheiden; jene in sein himmlisches Reich einführen, diese zu den höllischen Strafen verdammen. Wie wird es einst mir ergehen, auf ewig? Nicht anders, als wie ich es mit meinem Lebenswandel verdient haben werde. - Ich glaube an den heiligen Geist. Es ist der Geist des Vaters und des Sohnes, der von beyden ausgeht, 81 und mit beyden eins ist, der Geist der Wahrheit und Liebe, der unsern Verstand erleichtet, unser Gewissen leitet, unser Herz und Leben heiligt; der uns tröstet und stärket. O daß ich mich ganz von ihm leiten, bessern und beruhigen lasse. Eine heilige allgemeine christliche Kirche; Gemeinschaft der Heiligen. Ich glaube, was diese allgemeine Kirche, die ganze rechtgläubige Christenheit, als Gottes Wort glaubt und lehrt. Dieser Glaube führt mich nicht irre, aber er verpflichtet mich auch, heilig zu leben, damit ich mich der Gemeinschaft der Heiligen, in dieser und jener Welt, theilhaftig mache. Ablaß der Sünden, Die Hoffnung der Sündenvergebung soll mich nicht kleinmüthig, aber auch nicht leichtsinnig werden lassen. Mein Bestreben, mich zu bessern, soll desto eifriger seyn, je getroster ich da)( 82 bey auf Gottes Barmherzigkeit hoffen darf. Auferstehung des Fleisches. Der fromme, gebesserte Chrift darf den Tod nicht fürchten. Wenn gleich sein Leib wie das Samenkörnlein in der Erde verwesen muß, so wird er doch, gleich seinem Erlöser, wieder auferstehen, und eingehen in Ein ewiges Leben. Freudeu und Seligkeiten ohne Ende, die Alles weit übertreffen, was wir uns als das höchste Glück wünschen, und denken können, werden die Belohnung der Jugend seyn. Wer sollte eine Mühe scheuen, um sie zu verdienen? Wer sollte nicht für die Zugend Alles thun, leiden und aufopfern, da Alles wieder so reichlich vergolten wird? Alles Zeitliche ist ja nur ein Augenblick gegen das himmlische Leben. Je mehr ich jetzt Gutes thue, desto größer wird meine Seligkeit seyn. 83 Amen. M Ja, das Alles ist gewißlich wahr. Ich glaube es auf Gottes untrügliches Wort. Wie trostreich ist mein Glaube! Aber nur dann ist er allein seligmachender Glaube, wenn ich darnach lebe.- Und das gelobe ich. Dieses Glaubens, auf den ich getauft bin, will ich leben und sterben. Dazu helfe mir Gott und sein heiliges Evangelium. Amen. Das Gebeth des Herrn wird also genannt, weil es unser Herr selbst gelehret hat, um zu zeigen, wie man lurz und gut bea then kann, und was hauptsächlich unser Vertraus en und Trachten seyn soll. Durch folgende Erklärung wird dir Alles deutlich werden, damit du mit Undacht und Nugen bethen lernest. Vater unser, der du bist in dem Himmel. Gott, unser Vater! Wir und alle Menschen deine Kinder. Mit Kinder 84 und Brudersinn bethen wir zu dir. Wie deine Liebe uns alle umfasset, so schließen wir alle in unser Herz und Gebeth ein. Allen wünschen und erbitten wir Gutes von dir, wie uns selbst. Du, Herr des Himmels, bist auch bey deinen Kindern auf Erden, und hörst das Gebeth unsers Herzens. Geheiliget werde dein Name. O möchten wir, und Alle, die deinen Namen aussprechen, Allerheiligster, dich immer besser kennen, ehren und lieben. Die ganze Welt sey deiner Ehre voll, und bethe dich mit tieffter Ehrfurcht an. Bukomme uns dein Reich. Du Höchster Regent der Welt. willst uns durch die göttliche Lehre deines Sohnes zur Tugend und Seligkeit leiten. Dieß ist dein Reich auf Erden, daß sich immer weiter unter uns verbreiten soll. Wir wollen auch durch unser Bestreben und gutes Beyspiel dazu beytragen; wollen uns jetzt als m 85 deine treuen Unterthanen und Nachfolger Jesu erzeigen, damit wir einst Miterben seines himmlischen Reiches zu werden verdienen. M Dein Wille geschehe, wie im Himmel also auch auf Erden. Die seligen Geister im Himmel vollziehen deinen heiligen Willen, o Gott, mit Freuden, und aufs Genaueste. O wenn es doch auch bey uns auf Erden so wäre. Wie gut würde es seyn. Du willst ja nichts anderes, als was recht und gut ist; Alles ordnest du aufs Beste an. So geschehe also in Allem himmlischer Vater, dein heiligster Wille. Gib uns heute unser tägliches Brod. Vater, du weißt, was wir heute und täglich brauchen; und du gibst es uns, wenn wir uns mit rechtschaffenem Fleiße darum bewerben. Wir bitten dich mit kindlichem Vertrauen um deinen Segen dazu. Zufrieden mit dem Allen, was du uns schickst;- bereit 86 willig auch den Nothleidenden davon mitzutheilen und mäßig im Begehren und Genießen, wollen wir uns für die Zukunft nicht ängstlich kümmern. Der Morgen steht in deiner Hand. Du wirst immer väterlich für uns sorgen. 1 Bergib uns unsere Schulden, gleichwie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Reumüthig bekennen wir unsere Schuld vor dir. Vater, wir rufen deine Barmherzigkeit an, und versprechen dir Besserung. Laß uns die Uebel, die wir uns durch unsere Sünden zugezogen haben, nicht zum Verderben, sondern zur heilsamen Warnung gereichen. Wie wir wünschen, daß du uns verzeihest, so verzeihen wir auch herzlich Allen, die uns beleidigt haben, und bitten für sie, wie für uns selbst.- Deine Liebe, o Vater! soll immer das Muster der unsrigen seyn. Führe uns nicht in Versuchung. O daß wir nur nicht wieder in neue Sünden verfallen. Gott, du 1 M 87 M kennest unsre Schwachheit. Laß uns nicht in Versuchung und Unglück gerathen, wo du vorher siehst, daß wir unterliegen würden. Wir wollen uns vorsichtig in Acht nehmen, und hüthen, aber auch nicht verzagen, wenn wir schwere Versuchungen auszustehen haben. Du willst unsere Zugend dadurch prüfen, um uns dafür zu belohnen. Das Andenken an dich, unsern Vater und Richter, stärke uns im harten Kampfe. Verlaß uns nicht. Sondern erlöse uns von dem Uebel. Wenn wir nur von dem größten Uebel- der Sünde, immer mehr los würden, Dazu hilf uns Gott. Dann wird auch unsers Elends in der Welt immer weniger werden, und selbst die Trübsale zu unserm Heile gereichen, bis du uns endlich von allem Uebel erlöset, und vollkommen auf ewig selig machest. - Amen. Es geschehe, wie wir gebethet haben. Ist es uns von Herzen gegangen, 88 und trachten wir selbst ernstlich darnach: so können wir es von dir mit tröstlicher Gewißheit hoffen, durch Jesum Christum, auf dessen Namen und Anweisung wir gebethet haben. Amen. Der Engelsgruß erinnert uns an die gnadenreiche Menschwerdung Je= su aus Maria. Erkenne dankbar die Wohlthaten der Erlösung, mache dabey einen guten Vorsatz, damit sie dir auch zu Nugen komme. Beym Ave Maria- Läuten besinne dich, wie du dich den Tag über bisher verhalten hast, bereue deine Fehltritte, und nimm dir sogleich vor, sie zu vera beffern. Auf solche Weise wird es erst ein wahres Gebeth, eine nügliche Andacht seyn. Gegrüßet seyst du Maria 2c. Gegrüßt seyst du auch uns, gnadenvolle Jungfrau! Wir freuen auch uns der glücklichen Bothschaft, die dir verkündigte, was der Herr mit dir vorhatte, zum Heile der Welt. Du bist die Gebenedeyte unter den Weibern, die Gesegnetste - - 89 aus allen Müttern. Die ganze Christenheit preiset dich selig. Du hast uns den größten Segen gebracht durch die gebenedente Frucht deines Leibes. Mutter Jesu Christi! Wie liebund verehrungswürdig bist du uns seinetwegen. Du zeigest ihn uns auf deinen Armen, und weisest uns mit unserer Andacht auf ihn hin; ihm sollen wir vertrauen und folgen; so werden wir felig. Heilige Maria 2c. Deine Heiligkeit machte dich der hohen Ehre deiner Mutterschaft würdig, und fordert uns zur Nachfolge auf. Du bittest auch für uns arme Sünder, daß wir uns jest durch Besserung und christliches Leben auf eine glückselige Sterbstunde bereiten, und einst der Seligkeit theilhaftig werden, die uns dein Sohn verheißen hat. Amen. 90 M Die 15 Geheimniſſe des heiligen Rosenkranzes. Freudenreiche. Den du, o Jungfrau, vom heiligen Geiste empfangen hast. Aus dir, o heiligste Jungfrau, ist durch die Wirkung des heiligen Geistes der Heiligste zu uns Sündern gekommen, damit wir heilig und selig werden sollten. So sey dann mein ganzes Bestreben, mich von Sünden zu reinigen, und fromm zu leben, damit mir die Gnade seiner Menschwerdung zu Nußen komme. Den du, o Jungfrau zu Elisabeth getragen hast. Jhn unter deinem Herzen tragend eiltest du über das Gebirge zu deiner m 91 m frommen Freundin Elisabeth hin, um mit ihr deine Freude zu theilen, und Gottes Güte lobzupreisen. So will auch ich das Andenken an Gott und Jesum beständig in meinem Herzen tragen, es soll mich auf allen oft beschwerlichen Wegen begleiten; zum frohen Danke und Vertrauen ermuntern, und alles Gute, das mir und Andern zu Theil wird, noch erfreulicher machen. Den du, o Jungfrau, geboren hast. Zum Heile der Welt hast du ihn geboren. Aber wie könnte ich ihn als Heiland verehren, wenn ich umsonst, oder gar zum Schaden in der Welt lebte? Nein, auch ich bin dazu geboren, daß ich ein guter, nüßlicher Mensch werden soll, nach meinem Stande und Vermögen. Wo ich etwas Gutes thun kann, da soll es mit Freuden geschehen, jede Gelegenheit dazu sey mir willkommen. Den du, o Jungfrau, im Tempel aufgeopfert hast. Auch ich bin Gott aufgeopfert worden in der Taufe. Mein ganzes Leben m 92 soll ein Gott geheiligtes Opfer seyn, durch kindlichen Gehorsam durch Ergebung und Liebe durch treue Erfüllung meiner Pflichten durch gute Anwendung der Gaben Gottes und meiner Kräfte. Dadurch opfere ich mich, mit Jesu und Maria, dem himmlischen Vater auf. - - 1 Den du, o Jungfrau, im Tempel wieder gefunden hast. - O daß auch ich mich allezeit da finden lasse, wo ich als Nachfolger Jesu seyn soll, der von seiner Kindheit an immer im Dienste seines Vaters gefunden wurde. Da, wo nichts Gutes zu thun und zu lernen ist wo ich nicht mit ruhigem Gewissen an Gott denken kann wo ich mich fürchten und schämen müßte- da will ich mich nie antreffen lassen. - M 93 Schmerzhafte Geheimnisse. Der für uns Blut geschwitzet hat. Ach, wie viel Schweiß hat ihn unser Heil gekostet; am Ende sogar blutigen Angstschweiß. So schwer macht mir Gott meine Schuldigkeit nicht, die er mir auflegt. Aber Mühe und Anstrengung darf ich nicht scheuen, nicht ungeduldig nicht kleinmüthig werden. Es geschehe, was Gott will. Er wird auch mich stärken. Der für uns ist gegeißelt worden. Auch unter blutigen Geißelstreichen blieb Jesus geduldig und standhaft. So will dann auch ich lieber allen Schmerz erdulden, als mein Gewissen verlegen. Sollten mich deßwegen die Geißelhiebe der Verfolgung und Schmähsucht treffen, so will ich. an meinen gegeißelten Jesus gedenken, und mich so wenig als er, vom Guten abwendig machen lassen. 94 Der für uns mit Dörnern ist gekrönet worden. Unser König und Oberhaupt trug eine Dörnerkrone. Sollte ich, sein Unterthan, nur eitle Ehre und schnöde Freude suchen? Nein, lieber will ich Spott und Schmerz mit Jesu tragen. Einst werde ich dafür die himmlische Krone erlangen. Der für uns das schwere Kreuz getragen hat. Wie schwer war das Kreuz, das Jesus hat tragen müssen. Sollte ich murren und zagen, wenn mich etwas schwer ankommt, was Pflicht und Gehorsam fordert? Nein, Gott, mein Vater leget mir nicht mehr auf, als was mir angemessen, nothwendig und nüßlich ist. Er führt mich auf den Weg, den mir mein Sohn vorgezeigt hat. Der für uns ist gekreuziget worden.. Der Sohn Gottes am Kreuze stirbt für Sünder- des bittersten Todes- aus Gehorsam und Liebe- mit - 11 M 95 so standhafter Geduld und Ergebung. So vollendete er das Werk unserer Erlösung von Sünd' und Tod. O daß ich auch an mir vollende, was mir noch abgeht, und obliegt.- Was sollte mir zu schwer seyn, da Jesus so viel für mich gethan und gelitten hat. Glørreiche Geheimnisse.. Der von Todten auferstanden ist. Der Gekreuzigte lebt. Sein herrlicher Sieg über seine Feinde, über Schmerzen und Tod stärke meinen Muth zur Ueberwindung aller Beschwernisse und Leiden, auf dem Wege der Tugend, durch die selige Hoffnung des ewigen Lebens, das uns die Auferstehung Jesu versichert. Der in den Himmel aufgefahren ist.. So darf ich mich also nicht so ins Zeitliche vertiefen, als wenn kein anderes Leben zu hoffen wäre. Nur gut 7 96 anwenden und zubringen muß ich das Gegenwärtige, um mich auf jenes himmlische Leben vorzubereiten, welches mir die Himmelfahrt Jesu verkündigt. m Der den heiligen Geist gesendet hat. Der heilige Geist ist und wirkt auch in mir, wenn ich als Kind Gottes seine Gebothe halte, meinen Nächsten brüderlich liebe, immer verständiger und besser zu werden, und den Trost des Glaubens und eines guten Gewissens in mir zu erhalten trachte. Heiliger Geist, erleuchte, regiere und stärke mich. Der dich in den Himmel aufgenommen hat; Dahin wird er auch uns alle aufnehmen, wenn wir Gottes Willen thun, denn er sagte: Wer Gottes Willen thut, der ist mir wie meine Mutter, und Bruder und Schwester. Meine Andacht zu dir, heilige Jungfrau, soll mich ermuntern, Gottes Willen zu thun, wie du ihn gethan hast, um einst auch zu dir in den Himmel zu kommen. 97 M Der dich in dem Himmel gekrönet hat. Er selbst, dein Sohn, setzte dir die Ehrenkrone auf, die deiner Zügend gebührte. Nun stehst du zunächst an ſeinem Throne, und empfängst die größten Beweise seiner belohnenden Liebe. Wie freuest du dich nun aller überstandenen Beschwerden und Leiden, durch welche dich Gott zu so hoher Seligkeit führte. Auch mir ist die himmlische Krone verheißen; sie zu verdienen, sey mein ganzes Bestreben. - SICE Schlußgebeth. Gott, unser Vater, dessen Eingeborner uns durch sein Leben, Leiden und Auferstehen ewiges Heil erworben hat: hilf, daß wir diese heiligen Geheimnisse, welche uns bey Abbethung des Rosenkranzes zu betrachten vorgestellt werden, so zu Herzen fassen, daß wir, was darin zu unserm Beyspiele enthalten ist, nachahmen, und was uns darin verheißen ist, erlangen mögen, durch eben denselben Jesum Christum unsern Herrn. Amen. & 98. m Der heilige Nosenkranz ist in den Zeiten, da die wenigsten Leute lesen konnten, eingeführt worden, und bleibt noch das liebste Volkszebeth. Der Name Rosenkranz will so viel sagen, daß es ein recht schönes Gebeth ist, wenn man nur wahre Andacht das ben hat. Die guten Vorsäge, die man bey der Abbes thung erwecket, gefallen Jefu und Mariä weit beffer ,. als wenn man sie mit dem schönsten Kreuze beehrte.. Aber gar oft wird diefes schöne Gebeth ohne Andacht und Aufmerksamkeit herab gemurmelt; man eilet nur um mit der gesetzten Zahl fertig zu werden; man zählet nur, und bethet nicht. Viele wissen nicht einmahl, was sie aussprechen.. Es wäre also gewiß gut, wenn obige andächtige Erklärungen oft beherziget, und auch in Häufern, wo der Rosenkranz, gewöhnlich ist, vorgebethet würden. Die Worte des Glaubens, Va= ter unsers und Engelsgrußes könnten von allen Verfammelten einstimmig nachgebethet, die Erklärung aber von dem Vorbether deutlich und erbaulich vor geleſen werden. Man darf auch nicht alles auf einmahl, sondern man kann bald die Auslegung des Glaus bens, des Vater unsers nehmen; oder statt 10, nur 5 oder 3 Ave Maria, aber defto andächtiger wiederholen. Es kommt ja nicht darauf an, wie viel, fon dern wie gut wir gebethet haben. Beffer einmahl recht, als zehnmahl schlecht. m 99 Erkenntniß und Anbethung Jesu Christi, bey der heiligen Messe, und den gewöhnlichen Stundgebethen.. Viele nennen sich Christen, und kennen doch Chris ftum nicht recht, an dem sie zu glauben vorgeben. Sie kommen zur heil.. Messe und öffentlichen Anbethung, fallen auf die Knie, und klopfen an ihre Brust: und doch, wenn man sie fragte: Wer ist der, dem zu Ehren Alles geschieht, so wüßten sie es nicht recht.. Lerne also, mein Chrift, deinen Jesus immer beffer erkennen; bedenke, wer Er ist, und wer er die ist, wie viel du ihm zu verdanken hast, und was du durch ihn werden kannst und sollst. Bowmor Stelle dir Alles, was du von Jefu weißt, öfter ,. besonders bey der heiligen Messe ,. fo lebhaft vor, daß es dir auch zu Herzen gehe. Und wie könntest du dabey gleichgültig bleiben, wenn du erkennst und glaubst, wie lieb- und verehrungswürdig er ist; wie viel er für uns gethan hat, und thun wird.. € 2 100 Aber das Wichtigste ist, daß du auch nach seinen Lehren und Gebothen le best. Sonst nügt dir alle Erkenntniß und Empfindung nichts, und alle äuBerliche Verehrung und Andacht wäre bloße Gleißnerey. Zu diefer rechten Erkenntniß und Anbethung Jefu soll dir folgende Andachtsübung dienlich seyn. Vorbereitungsgebeth. Einiger Gott! ich bethe dich in Jesu, deinem göttlichen Sohne an, durch den du dich uns geoffenbaret hast. Wer ihn kennet und ehret, der kennt und ehret dich selbst. O daß ich dich und ihn immer besser erkenne und verehre. Das soll die Frucht und Absicht meiner Andacht seyn. Wie lieb- und verehrungswürdig ist uns Jesus Christus als unser göttlicher Lehrer. Durch ihn ging der Welt das wahre Licht auf. Durch ihn kennen wir dich, o Gott! als den heiligsten und besten Vater, der uns wie seine Kinder liebt, und durch Gehorsam geehrt seyn will. Durch ihn haben wir Vertrauen zu dir, und zu deiner väterlichen 101 M Fürsorge. Er sagt uns, wie wir gute tugendhafte Menschen werden, uns dadurch sein Wohlgefallen, und wahre Glückseligkeit verdienen, und durch Besserung die Verzeihung unserer Sünden erlangen können. Er erklärte uns unsere Schuldigkeiten, als deine väterlichen Gebothe, und Gottes- und Menschenliebe als Hauptgeboth. Seine Lehre ist Anweisung und Aufmunterung zur reinsten Tugend, die nicht bloß darin besteht, daß wir einen vor der Welt unsträflichen, ehrbaren Lebenswandel führen, sondern daß wir auch unser Herz von sündhaften Neigungen und eitlen, eigennüßigen Absichten rein erhalten, sie verbiethet alle böse, schändliche Lüste, und gibt uns dafür die reinen, beständigen Freuden des guten Gewissens, des Recht- und Wohlthuns, der Zufriedenheit und tröstenden Hoffnung. Sein Joch ist sanft, und seine Bürde leicht; nur gut und selig will er uns machen. - Zu deiner Ehre, göttlicher Lehrer, will ich die Wahrheit überall lieben und suchen, damit ich den Werth und die Wohlthat deiner Lehre erken 102 nen und schäßen lerne. Zu deiner Ehre will ich sie mit größter Aufmerksamkeit als Gottes Wort zu Herzen nehmen, und so auf mich selbst anwenden, daß mein Verstand dadurch erleuchtet, mein Herz gebessert, mein Leben geleitet, und mein Gemüth beruhiget werde. Zu deiner Ehre will auch ich mein Möglichstes beytragen, daß deine seligmachende Lehre auch von andern befolgt, und immer weiter fortgepflanzt werde. Zu deiner Ehre glaube ich, als göttliche Wahrheit, Alles, was du gesagt haft, wenn ich gleich keine Wunder mehr sehe. Mein eigenes Herz sagt mir schon, wie wahr und gut deine Lehre ist, und ich kann es selbst erfahren, wie gut und selig sie machet, wenn ich sie treulich befolge. Wie lieb- und verehrungswürdig ist uns Jesus Christus als das vollkommenste Muster der Tugend. Den Weg, den er uns zeigte, ging er selbst voran. Sein ganzes Leben war eine beständige Ausübung der innigsten Gottes- und Menschenliebe. 103 Deinen Willen zu thun, o Gott, war sein einziges Geschäft auf Erden. Durch standhaften Gehorsam bis zum Tode, durch festes Vertrauen, auch in der größten Verlassenheit, ehrte er dich, als dein wahrer Sohn, an dem du dein Wohlgefallen hattest. Um deinetwillen, o Bater, liebte er die Menschen als seine Kinder, wie noch keiner geliebt hat. Den Mühseligen rief er zu: Kommet zu mir, ich will euch erquicken! Keiner ging trostlos von ihm weg. Seine Wunderkraft wendete er Wie liebnur zum Wohlthun an. reich nahm er die Sünder auf, und führte die Frrenden auf den rechten Weg. Unermüdet war sein Eifer, aber mitleidig und sanft; nur den Heuchlern und Verführern furchtbar. Der hartnäckigste Widerstand ermüdete seine Liebe doch nicht. Zu den empfindlichsten Beleidigungen schwieg er, oder wenn er auch nicht schweigen konnte, blieb er doch gelassen und sanftmüthig; und that Gutes seinen ärgsten Feinden. Freywillig führte er ein armes, beschwerliches Leben, und verzehrte seine Kräfte in rastloser Anstrengung zum - Book ^^ 104 M Besten der Menschen. Mitten in einer verderbten Welt lebte er so heilig, daß ihn auch seine Feinde keine Sünde vorwerfen konnten. Er hat nichts als Gutes gethan; und wo ist eine Kugend, davon er uns nicht das schönste Beyspiel gab? - Zu deiner Ehre, heiligster Jesus, sey mir dein schönes Beyspiel als Muster zur Nachahmung stets vor Augen, und die Welt soll mich daran als deinen Verehrer und Nachfolger erkénnen, daß ich liebe, wie du geliebt hast. Zu deiner Ehre will auch ich andern ein gutes Exempel geben, meinen Eifer fürs Gute zuerst an mir selbst ausüben, ihn mit Bernunft leiten, und mit Sanftmuth mäßigen. Zu deiner Ehre will ich die Gaben und und Kräfte, die mir Gott verliehen, nach seiner Absicht, zum Nußen meiner Mitmenschen anwenden, und im stillen täglichen Wohlthun mich üben. Nicht große, sondern gute Thaten verlangst du von mir. Zu deiner Ehre will ich mich von den verderbten Sitten der Welt desto gewissenhafter enthalten, je gefälliger ich mich in erlaubten und 105 billigen Dingen erzeigen will. 3 udeiner Ehre will ich mich bestreben, stets so gesinnt zu seyn, wie du gesinnt warst; so zu denken, zu reden und zu handeln, wie du in meinen Umständen gedacht, geredet und gehandelt haben würdest, damit dir die Aufführung deines schwachen Nachfolgers zur Ehre gereiche. Wie lieb- und verehrungswürdig ist uns Jesus Christus als unser Erlöser. Du hast ihn uns, o Gott, zum Erlöser gegeben, der uns von Sünden befreyen, vom Verderben retten, durch Besserung und Tugend zur ewigen Seligkeit führen sollte. Das hätte er schon durch seine Lehren und Beyspiele bewirken können. Aber er wollte auch sein Leben für unser Heil aufopfern. Freywillig nahm er, der Unschuldige, die Strafe der Verbrecher auf sich, und stellte sich als das Versöhnungsopfer für unsere Sünden dar, um uns die trostvolle Versicherung zu verschaffen, daß du, o Gott, dem gebesserten Sünder verzeihen, und gnädig seyn X 106 M willst. Wie er um unserer Sünden willen starb, so lebt er nun zu unserem Troste und Heile. Er hat uns von der Furcht des Todes befreyet, und uns den Eingang zum Himmel eröffnet. Dort ist er im Besiße seines Reiches, dahin er alle treuen Nachfolger aufnehmen will, wenn er als Richter kommen wird. m - Zu deiner Ehre, göttlicher Erlöser, will ich mir Alles, was du für uns gethan und gelitten hast, was du uns bist, und ewig seyn wirst, so zu Herzen fassen, daß ich dadurch vom Sündigen abgehalten, auf dem Wege der Besserung und Zugend fortgeleitet, und endlich der Seligkeit theilhaftig werde, welche du uns zu verschaffen auf die Welt kamst, starbst, und nun ewig lebest und regierest. Zu deiner Ehre will ich dir meine dankbare Liebe und meine ehrerbiethigste Ergebenheit durch getreue Folgsamkeit beweisen, und meinen Glauben an dich durch ein frommes Leben bekennen, damit ich dir einst, als meinem Richter getrost entgegen kommen möge. Dann werde ich dich in deiner liebvollen Herrlich 107 M keit sehen, preisen und lieben. Wie selig wirst du mich machen, wenn ich dir folge, wie selig. Litanen). Gelobtsey Jesus Christus. B. Er sey gelobt in Ewigkeit. Laß unser schwaches Lob dir wohlgefallen, Jesus Christus, unser Herr. Du wahrer Gottes Sohn. Eins mit dem Vater- der auch unser Vater ist. Wie liebenswürdig ist die Gottheit uns in dir erschienen. Wie tief steigst du zu uns herab, damit du uns zu dir erheben möchteft. Du wurdest unser Bruder, unser Freund: wie hoch sind wir dadurch beehret und begnadigt. Gelobt seyst du in Ewigkeit. 108 Du zeigest uns den Weg zu Gott, zu unserm Ziele. Wie selig macht uns deine Lehre. Von jeder Tugend, die du lehrtest, gabst du uns auch das schönste Beyspiel. Wie groß war deine Liebe gegen Frrende und Sünder, Freunde und Feinde, gegen alle Menschen. gegen M - Nur Gutesthun war immer dein Geschäft und Helfen deine Freude. Dein Leben gabst du Gott zum Opfer für uns hin. Du starbst, und lebst nun ewig- beydes uns zum Heile. In Himmel bist du noch der Menschenfreund, der du auf Erden warst. Du schüßest und regierest deine Kirche. Nie hörst du auf, für unser Heil zu sorgen. In deines Vaters Hause hast du schon die Wohnung für jeden deiner Freunde zubereitet. Einst kommst du zum Gerichte, um jedem zu vergelten nach Verdienst. Gelobt scyst du in Ewigkeit. m 109 Bis dahin bist du deinen Gläubigen in diesem Sakramente der Liebe gegenwärtig. Gelobt seyst du in Ewigkeit. Für alle deine Gnade und Liebe. Sey jetzt und ewig dir gedankt. Für Alles, was du haft für uns gethan, Für Alles, was du für uns litteſt, Für Alles, was du täglich an uns thust, Für Alles, was wir noch von dir erwarten, Für Alles Licht, das uns durch deine Lehre aufgegangen ist, Für jede Stärkung und Ermunterung zum Guten, die uns dein heil. Wort und Beyspiel gibt, Für jeden Trost und Muth im Leiden, Für jeden Fortschritt auf dem Wege der Besserung und Jugend, Für alles Gute, das von uns und von der ganzen Christenheit geschehen ist, und noch geschehen soll, Für jene große Liebe, mit der du dieses heilige Sakrament zu deinem Angedenken eingeseßet hast, Sen jetzt und ewig dir gedankt. 110 Zum Dank für Alles wollen wir, o Jesu, dir in allem treulich folgen. Sen jetzt und ewig dir gedankt. m B. Wir wollen dir, o Jesu, folgen. In deiner Frömmigkeit und Gottergebung, In deinem kindlichen Gehorsam, In deinem standhaften Vertrauen, In deiner unverstellten Demuth, In deiner Sanftmuth und Geduld, In deiner Freundlichkeit und Güte, In deinem Eifer Gutes zu thun, In deiner unverdroßnen Thätigkeit, In jeder Tugend, die du uns zu möglicher Nachahmung vorstellst, Dein schönes Beyspiel schwebe uns stets vor Augen, dir immer ähnlicher zu werden, sey unser eifrigstes Bestreben. So göttlich wahr uns deine Lehre ist, so sey sie auch die Richtschnur unsers Lebens. Durch Haltung deiner heiligen Gebothe wollen wir uns als deine Jünger erzeigen. Wir halten fest an dich, bis du uns in dein himmlisches Reich aufWir wollen dir, o Jesu, folgen. 111. nimmst. Wir wollen dir, o Jesu, folgen. m Nichts soll uns ewig von dir scheiden. Wir wollen dir, o Jesu, folgen. Kirchengebeth vom heiligsten Altarssakramente. Du hast uns, o Jesu, in diesem wunderbaren Sakramente ein ewiges Andenken deines Leidens hinterlassen. Gib, daß wir die heiligen Geheimnisse deines Leibes und Blutes mit so wahrer Andacht verehren, daß wir den Segen und Nußen deiner Erlösung immerfort an uns erfahren mögen, der du lebest und regierest zc. *** 112 ************ Ⓒ O O Einsesung des heiligen Altarssakramentes. Stelle dir vor, mein Chrift, was Jefus bey feinem legten Abendmahle gethan hat. Da saß er mit feinen Jüngern am Tische, wie ein Vater und Freund, der von seinen Lieben Abschied nehmen muß. Er hats te ihnen eben noch sein ganzes liebreiches Herz geöff net, die legten Lehren, Tröstungen und Segnungen ertheilt, und vorgesagt, was bald mit ihm geschehen würde. Ehe er sein Leben aufopferte für das Heil der Menschen, wollte er noch ein ewiges Denkmahl feiner Liebe einfeßen, um sich den Herzen der Seinis gen unvergeßlich und immer gegenwärtig zu machen. Da nimmt er dann nach der Osterlamm Mahlzeit das vorhandene Brot in die Hände, mit einem Aufblick und Dankgebethe zu seinem Vater, brichts in Stücke, und spricht: Nehmet hin, und effet! das ist mein Leib, der für euch hingege= ben, und gleichsam zerbrochen wird. So nimmt er auch den Weinbecher, und spricht: Dieß ist mein Blut, das für euch vergoffen wird. Das thut zu meinem Angedenken. H - 113 Jesus wollte also, was er da bey seinem legten Abschiedsmahle gethan hatte, das sollte auch von seis nen Jüngern und Nachfolgern zum ewigen Andenken feiner Liebe geschehen, mit der er seinen Leib hingegeben, und sein Blut vergoffen hat. Seine Lehren und Beyspiele, feine Gebothe und Verheißungen fol len uns dadurch noch werther und wichtiger werden, wenn wir daran denken, wie viel er für uns gethan und gelitten hat. Wir sollen aus der Größe feines Opfers erkennen, was wir Gott schuldig sind, und was wir von ihm zu hoffen haben. Bey der heiligen Messe spricht der Priester im Namen und auf Befeht unsers Herrn jene Worte der Einsegung über Brot und Wein, welche dadurch nach der Lehre der katholischen Kirche, in den Leib und das Blut Christi verwandelt werden. Er selbst wird da als wirklich gegenwärtig angebethet,- und feine Aufopferung am Kreuze wird erneuert. Das rum heißt und ist die heilige Messe das un blutige Opfer des neuen Bundes, weil durch den Tod Jesu alle ehemaligen blutigen Schlachtopfer aufgehört haben, durch welche die Menschen Gott zu ehren und auszuföhnen glaubten. Stelle dir also jedes Mahl deinen Jesus vor, mein Chrift! beym lezten Abendmahle und am Kreu3e- und bedenke 1) wie er sich für uns aufgeopfert hat; 2) wie auch du dich Gott aufopfern wolleft. Also: dankbares Andenken an die Aufopfe= rung Jefu, und willige, gänzliche Selbstaufopferung durch thätige Gottes- und Nächsten- Lie- 114 be.- Diefe jwey Stücke machen die einzige, wahre und nüßliche Meßandacht aus. Dadurch vereis nigt man sich am besten mit dem Priester, oder mit Chrifto felbst; was so oft gesagt, und so wenig verstanden und ausgeübt wird. Meßauslegung als die beste Art und Weise, mit Andacht und Nußen die heil. Messe zu hören, en Wochentagen bey stillen Messen öfter zu gebrauchen. Wenn enn du zur Kirche gehst, mein Christ, fo fuche dich von allen andern Gedanken loszumachen, richte dein ganzes Gemüth auf Jefum. Bereite dich zur Ehrfurcht und Undacht. Bedenke: du stehest vor Gott, wie die Engel im Himmel. Du darfst dich ihm nahen, und zu ihm reden, wie ein Kind zum Vater. Er sieht auf dich, höret dein Gebeth, und nimmt es mit Wohlgefallen an, wenn es nur aus gutem Hers zen kommt. Beym Staffelgebethe demüthige dich mit 115 dem Priester, als ein fündiger Mensch, bekenne reus müthig deine Schuld vor Gott, und rufe vertrau ensvoll: Herr erbarme dich, Christe erbar me dich unser. Das Gloria ist eine Lobpreifung Gottes. Sey getroft, chriftliche Seele! Was einstens die Engel den Hirten verkündigten, geht auch dich an. Der Allers höchste ist dein liebender Vater! Du bist seiner Güte versichert, danke ihm, folge ihm, vertrau ihm durch Chriftum! Freue dich deines Gottes und Heilandes. Der Priester wendet sich dann, wie öfter zum Volle, mit dem Segenswunsche: Dominus vobiscum, Der Herr fey mit euch! und ermahnet es, mit ihm zu bethen, wie er für alle bethet. Jedes Ges beth wird beschloffen durch Jefum Christum un fern Herrn, weil wir durch ihn bethen gelernt, und das Vertrauen zu Gott haben, daß er uns alles geben werde, um was wir in seinem Namen, das ist, nach seiner Lehre und Verheißung, als seine Jünger bitten, wie es Gottes Wille, und zu unserm Heile ist. - Weil das Gebeth allezeit auch eine Aufmunterung zur Gottseligkeit seyn soll, so folgt hierauf ein Lehrstück aus der heiligen Schrift, besonders aus den Episteln, oder Briefen der Apostel an die ersten Christen. Evangelium heißt: erfreuliche Nachricht. So wird mit Recht die ganze Geschichte und Lehre Jesu genannt. Denn, was sollte uns erfreulicher seyn, als die Nachricht von unserm lieben Erlifer, von seinen Lehren und Thaten! Insbe - 116 fondere werden die 4 Lebensbeschreibungen Jefu, Evangelien genannt, davon allezeit ein kleiner Abschnitt bey der heiligen Messe gelesen wird. Danke Gott, daß du ein Christ bist, und faffe dir hier eine heilfame Lehre zu Herzen, um dich dar nach zu verhalten.- Das Aufstehen bey Able= fung des Evangeliums ist ein Zeichen der Ehrerbie: thung und der standhaften Bereitwilligkeit, den Lehren und Beyspielen Jefu zu folgen. Das Glaubensbekenntniß( Credo) ist ein kurzer Inbegriff der christlichen Glaubenslehre. Glaubst du an Gott den Vater, an Jefum, seinen ein: gebornen Sohn, deinen Lehrer, Seligmachere und künftigen Richter, an den göttlich heiligmachenden Geift, der die Liebe ist; so verhalte dich auch als ein würdiges Mitglied der christlichen Kirche, der Gemeins de der Heiligen. Du kannst dann getrost, nach er: haltener Vergebung deiner Sünden, eine selige Auferstehung zum ewigen Leben hoffen, wenn du das Gegenwärtige christlich vollbracht hast. Dein Glaube macht selig, wenn du darnach lebest. Offertorium heißt das Brod- und Weinopfer; welches vor 3citen die Christen felbst zum Al. tare brachten, davon noch das jeßige Opfergehen her: kommt. Das wahre gottgefällige Opfer ist Gehors fam gegen Gott und thätige Nächstenliebe, wahre Neue und ernstliche Befferung ein redliches, gern verzeihendes, gutgefinntes Herz ge gen alle Menschen.- Gute Inwendung der Gas ben Gottes treue Erfüllung der Pflicht, auch wenn - 1 117 M fie schwer wird - - 3ufriedenheit, Geduld und Gottergebung.- Nimm dir jetzt vor, was du Gutes thun, vor welcher Sünde du dich besonders hüchen solleft, und opfere Gott die Mühe und Beschwerniß auf, die du dabey wirst zu überwinden has ben. Diese Selbstaufopferung ist bey der Meß andacht sehr wichtig. Die Präfation ist eine Aufmunterung zum Danke und Lobe Gottes. Wie die Engel im Himmel den Allerheiligsten preifen, wie das fromme Volk beym Einzuge Jefu in Jerusalem lobfang: so stimme auch du mit ein. Auch dein schwaches Lob gefällt ihm, wie der Engel ihres, wenn es aus reinem Herzen kommt. Noch mehr als Lobgefang, gefällt. es Gott, wenn wir aus christlicher Liebe für einander bethen. Darum werden hier vor dem Gedächtnißmahle der höchsten Liebe, allgemeine und besondere Fürbitten ( Memento) eingelegt, und mit den Fürbitten der Heiligen vereiniget. Entschließe dich aber dabey auch zur eigenen Ausübung der wahren christlichen Lies be. - Nach dieser Vorbereitung geschieht nun wirklich was Jesus am legten Abendmahle gethan, und den Seinigen zu thun befohlen hat. Betrachte das große Opfer der Liebe, das jegt auf dem Altare er: neuert, und vergegenwärtiget wird.- Stelle dir bey Aufhebung der heiligen Hoftie vor, du sähest den Leib Jefu Chrifti am Kreuze erheben, feine Wunden sich öffnen, fein Blut zur Erde fließen. Also hat Gott die Welt geliebt! Wolltest du dich nicht auch aus - 118 Liebe Gott opfern, dich ganz ihm ergeben, wie Jefus? feinen Willen thun, auch wenn es dir schwer wird?- Lieben, verzeihen ,. dulden, wie er? Der Sünde absterben, und nur dem leben, der für dich starb?- Frage dein Herz: Bist du bereit, ihm diefes Opfer zu bringen? Wenn du es bist, dann erst kommt dir das Opfer Jesus recht zu Nugen. Sein Tod versichert dir ewiges Leben.. - Das liebreiche Andenken an deine verstorbenen Mitchristen, für die nun beym zweyten Memento auch gebethet wird, erwecke in die ein sehnliches Verlangen und Trachten nach jener Seligkeit, die du ih nen wünscheft, und welche auch dir durch Christum bereitet ist. Bethe dann mehr mit dem Herzen als mit dem Munde das Vater unfer nach, als den Inhalt alles deffen, was wir zu wünschen, zu hoffen, und zu suchen haben, nach der Anweisung Jesu. Darauf wird die heil.. Hoftie gebrochen, wie Jefus das Brot brach, zum Zeichen seines gewaltsas men, schmerzhaften Todes.. Die Worte( Agnus Dei) Lamm Gottes, welches hinwegnimmt die Sünden der Welt, sprach Johannes der Täufer von Jefu.- Unschuldig und stillduldend wie ein Opferlamm, opfer= te er sein Leben, um uns von dem Joche und Elende der Sünde zu erlöfen. Er hat die Todesstrafe auf sich genommen, damit wir uns von dem ewigen Tode nicht mehr zu fürchten haben. Er gibt uns den wahren Frieden, den besten Trost und Segen. Die Worte( Domine non sum dignus) Herr ich bin nicht würdig zc: sollen dich zu demuths M 119 m vollen Vertrauen auf Jesum erwecken. Mache dich aber seiner Liebe würdig, thu. nach seinem Worte, forge für das Heil deiner Seele. 3 7 Communion heißt Gemeinschaft, weil durch den gemeinschaftlichen Genuß dieses heil. SaPramentes die innigste Gemeinschaft mit Christo und unter den Christen unterhalten wird. Da aber bey so vielen heil. Messen nicht alle zum Tische des Herrn gehen können; so wird die geistliche Communion angerathen, welche nichts anders ist, als das liebvolle Verlangen, sich mit Jefu zu vereinigen, das Verlangen ,, ihn in unser Herz aufzunehmen, mit ihm eines Sinnes. zu werden, in: Liebe gegen. Gott und Menschen.. Spürest du nun neuen wahrem Muth, und gestärkte Kraft in dir, aus Liebe zu Jesus, die Sünde zu meiden ,, besonders zu der du am meisten geneigt bist ein gutes Vorhaben auszuführen, Müs he und Beschwerde standhaft zu ertragen. deinem Nächsten, selbst deinem Feinde ,, im. Stillen Liebe zu erweifen- gehst du jest getrofter, entschloffener ,, bef= fer gefinnt aus der Kirche hinweg ,, als du gekommen bist; dann wohl dir! Du hast den wahren Segen empfangen, den der Priester dem. Volle mit. dem h. Kreuzzeichen anwünscht. - - Die ersten Christen mußten ihre Zusammen: ünfte zuv Nachtzeit. in finstern abgelegenen Gewölben halten.. Da waren alfo Lichter nothwendig. Heut ju.Tage brennen sie ,, theils zum Andenken an das legs e Nachtmahl Jesu; theils zur Erinnerung, daß er durch seine Lehre das Licht der Welt ist, und daß uch wir mit gutem. Beyspiele vorleuchten sollen. Der 120 Weihrauch ist das Sinnbild des Gebethes, und der guten, zu Gott aufsteigenden Gedanken. Das Weihwasser ist ein Zeichen der Reinigung von Sünden. So haben alle Ceremonien eine erbauliche Bedeutung. Meßgebethe. Borzüglich beym pfarrlichen Gottesdienste Vorbereitung. Ich erscheine hier, o Gott, in der Versammlung deiner Verehrer, meine schuldige Ehrfurcht, Unterwerfung, Ergebung und dankbare Liebe gegen dich zu beweisen, und mich aufs Neue darin zu bestärken. Lebendiger Glaube an deine Gegenwart, an deine Größe und Güte, durchdringe meine Seele, und entferne alle fremde, unheilige Gedanken aus ihr. Ich will nun jener heiligen Handlung beywohnen, welche dein Sohn 1 m 121 M zum Andenken seines Todes eingesetzet hat. Anbethend und dankend will ich dieses große Opfer der Liebe betrachten. Dein heiliger Geist erwecke und segne meine Andacht, daß ich dadurch der Früchte seines heiligsten Opfers theilhaftig werden möge. Staffelgebeth. Aus der Liefe meiner Niedrigkeit und Sündhaftigkeit rufe ich zu dir, o Gott! Mit Scham und Reue bekenne ich meine Schuld. Du siehst mein Herz; kennst den ganzen Zustand meiner Seele. Du bist bereit zum Vergeben, wenn du ernstlichen Willen zur Besserung siehst. Vertrauensvoll rufen wir zu dir: Erbarme dich unser, o Gott, nach deiner großen Barmherzigkeit. Vater, erbarme dich deiner fehlenden Kinder. Jesu, der du auf die Welt kammst, die Sünder selig zu machen, erbarme dich unser. Gloria. Lobgefang der Engel bey der Geburt Jesu. Ehre sey Gott im Himmel. Friede und Heil den Menschen F m 122 auf Erden, die eines guten Willens sind. Der Allerhöchste sieht mit Vaterliebe auf uns herab. Lobet den Herrn; denn er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewiglich.- Gelobt seyst du, Jesus Christus, Sohn Gottes, heiligster, Höchster, unser göttlicher Heiland und Herr. Einst gestorben, aus Liebe zu uns; jetzt im Himmel zur rechten Hand Gottes. Wir bethen dich dankbar upd vertrauensvoll an, mit dem heil. Geiste, zur Ehre des Vaters. Amen. Collecte, oder Kirchengebeth. Nimm, o Gott, das Gebeth des Priesters für das Heil deines Volkes gnädig auf. Und damit du uns ertheilen mögest, was wir bitten, so sey unser Verlangen und Trachten nur auf das hingerichtet, was dir gefällig und wahrhaftig gut ist. Das können wir getrost von deiner Güte hoffen, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Epistel. Nur deine gehorsamen Kinder können mit wahrem Vertrauen zu dir be M 123 m Dut then. Nicht die bloße Anrufung deines heiligen Namens, sondern die Haltung deiner Gebothe macht uns selig. Wie strafbar bin ich, wenn ich deinen Willen weiß, und nicht thue. haft ihn uns deutlich bekannt gemacht. Dafür sey dir, gedankt, o Gott. Laß dein Wort nicht bloß in meinen Ohren erschallen, sondern ins Herz dringen, und fruchtbar werden an guten Werten. 1 10 Evangelium. Sohn Gottes! Du selbst kamst vom Himmel herab, uns den Weg dahin zu zeigen. Dein Wort gibt Troft und Kraft, deine Lehre macht selig den, der ihr folgt. Jede deiner Reden und Thaten, wie lehrreich ist sie uns, wie göttlich schön. Wie schäßbar, wie merkwürdig Alles, was wir von dir hören und lesen. O drücke dein Wort und Andenken tief in meinem Herzen ein. Deine Lehre, dein Beyspiel sey die Richtschnur meines ganzen Verhaltens. Credo oder Glaubensbekenntniß. Ich glaube an Gott, den Vater, F L 124 der Himmel und die Erde erschaffen hat, erhält und regiert. Und an Jesum Christum, seinen Sohn, unsern Lehrer und Seligmacher, der aus Liebe zu uns ist Mensch geworden aus Maria, gestorben am Kreuze, aber nun lebt und regiert mit dem Bater, und einst als Richter kommen wird, jedem zu vergelten, wie er es verdient hat. Ich glaube an den heiligen Geist, den Geist der Wahrheit und Liebe, der uns erleuch tet, zum Guten antreibt, stärket und tröstet. Ich glaube Alles, was' eine heilige, allgemeine Kirche zu glauben vorstellet. Wenn ich nach diesem Glauben lebe, so werde ich einst in Gemeinschaft der Heiligen, rein von Sünden, auferstehen zum ewigen Leben! Amen. Offertorium. Opferung des Brotes und Weines. Y Zum Danke für deine Gaben, o Gott, die du uns zur.täglichen Nahrung und Erquickung schenkest, hauptsächlich aber um das Andenken der Aufopferung deines Sohnes, nach seiner Anordnung unter uns zu erneu m 125 M ern, bringen wir dir Brot und Wein durch die Hand des Priesters zum Opfer dar. Zugleich gebe ich mich dir selbst zum lebendigen Opfer hin. Alles, was ich bin und habe, ist dein Geschenk. Dankbar und zufrieden mit dem, was deine Güte mir gibt und schickt, will ich es anwenden, so gut ich kann, nach deinem heiligen Willen. Deine Gebothe sollen mir so lieb seyn, wie deine Gaden. Meine Liebe zu dir will ich durch wahre Nächstenliebe erweisen. Wo ich einem helfen und nützen kann, so geschehe es von mir, als wäre es dir selbst gethan.- Wie dit mir durch Jesum verzeihest, so sey auch meinen Beleidigern alles herzlich verziehen: wie dürfte ich mit feindseligem, oder lieblosem Herzen deinem heiligen Altare mich nähern? Ich erneuere meine guten Vorsäge vor dir, o Gott, und gelobe dir ernstliche Besserung, es koste auch was es wolle, besonders will ich mich vor dieser Sünde N. N. hüthen, diese böse Neigung N. überwinden, ben dieser und jener Gelegenheit mich recht in Acht nehmen. Dieses - H - 126 MY mein redliches Bestreben sey das Opfer, das ich dir darbringe, und das ich nie wieder leichtsinnig zurücknehmen will. Präfation oder Lobpreisung Gottes. Mein Herz erhebt sich zu dir, o Gott, um deine Güte dankbar zu preisen. Du hörst mein schwaches Gebeth so gnädig an, als die Lobgesänge der himmlischen Geister, denn ich bin auch dein Kind, wie sie.- Mit stiller Ehrfurcht stimme ich also in ihre Anbethung ein. Sanktus. unser Gott. Heilig, heilig, heilig ist der Herr, Himmel und Erde ist seiner Herrlichkeit voll! Ehre sey dem Allerhöchsten, und dem, der da gekommen ist in seinem Nahmen. Christliche Fürbitte( Memento.) Sieh dann, barmherziger Gott, mit Baterhuld auf uns herab, und höre unser Gebeth für das Wohl deiner Kirche und der ganzen Menschheit, für unsere Regenten und Seelenhirten, für unsere Freunde und Wohlthäter, selbst für unsere Feinde, nach dem Gebo 127 the und Beyspiele Jesu. Unser Gebeth sey uns Erweckung zur thätigen Bruderliebe. Auch deine Freunde im Himmel lieben uns, und bitten für uns, ihre Brüder auf Erden. Wie herzerhebend ist der Gedanke, daß unser Gebeth mit dem ihrigen vor deinen Thron gelanget.- O wäre unsere Andacht, unsere Zugend und Liebe schon auch der ihrigen gleich. O daß wir täglich, und bey jeder heiligen Messe dir ähnlicher würden, höchstes Muster aller Liebenden, Jesus Christus. - Vor und nach der Wandlung. Stelle dir es nun recht lebhaft vor, mein Herz, wie sich Jesus aus Liebe für uns aufgeopfert hat. Es geschieht jetzt wirklich, was er am letzten Abendmahle gethan, und zu seinem ewigen Angedenken eingesetzt hat. Mache dich zur innigsten Andacht bereit. Jesus, einst erhöhet am Kreuze, nun erhöhet im Himmel! ich bethe dich glaubensvoll, als gegenwärtig an. Dir will ich leben und sterben. Dein Blut ist auch mir zum Troste und Heile geflossen. Ich bin begnadigt und selig, m 128 M wenn ich mich nur ernstlich bessere, und christlich lebe. Das will ich auch, mein Jesu! Das soll die Frucht deines Leidens und Todes an mir seyn. Sollte ich dich nicht wieder lieben, der du mich so unaussprechlich geliebt hast. Sollte ich eine Mühe scheuen, da du so viel für mich gethan und gelitten haft. Sollte ich das Werk meiner Erlösung leichtsinnig an mir vereiteln, was dich so viel gekostet hat. D Sünde, wie muß ich dich verabscheuen, wenn ich den gemarterten Leib, das vergossene Blut meines Heilandes betrachte. Du sprachst, o Herr. ,, Wenn ich erhöhet seyn werde, will ich Alles an mich ziehen."— Ziehe mich an dich. Dir will ich folgen, mein göttlicher Führer! Dein Gehorsam bis zum Tode am Kreuze, deine standhafte Geduld, Gottergebung und Liebe, deine lezte Bitte für deine Feinde- bleibe mir tief ins Herz gedrückt, und stets als Beyspiel vor Augen. Laß mich nie vergessen, was ich dir als meinem Erlöser schuldig bin. -▬▬▬▬ S M 129 Memento für die Abgestorbenen. Wir gedenken hier unserer verstorbenen Mitchristen, unserer lieben( Aeltern) Freunde und Verwandten, und empfehlen sie dir, ihrem Erlöser und Seligmacher. Führe uns endlich Alle in deinem Reiche, in Gesellschaft deiner Auserwählten, zusammen. Durch dich hoffen wir alles Gute von deinem Vater. In deinem Namen, nach deiner Anweisung bethen wir mit Vertrauen: Vater unser, 2. Gott, unser himmlischer Vater! Möchten dich alle Menschen recht erkennen, ehren und lieben, und sich deiner guten Regierung unterwerfen. Dein Wille geschehe. Gib uns heut und täglich, was wir nothwendig haben. Verzeih uns, wie auch wir verzeihen. Laß uns in Gefahr und Noth nicht erliegen, sondern erlöse uns einst von allem Uebel. Amen. Agnus Dei. Lamm Gottes! Du hast dich selbst aufgeopfert, um die Sünde, das )( 130 m größte Uebel von der Welt hinweg zu nehmen, und uns davon zu erlösen. Sanft duldend hast du die Strafe ertragen, die wir verschuldet haben. Auch in deiner Herrlichkeit bist du uns so liebreich, wie du auf Erden warst. Bilde unser Herz nach dem deinigen, zur Geduld, Sanftmuth und Milde. Erbarme dich unser. Hilf uns zum wahren Frieden, der in reinen und liebenden Herzen wohnet. Geistliche Communion. Schon so oft, o Herr, bin ich an deinem Tische erschienen, und mit diesem Brote des Lebens gespeiset worden. Aber welche Früchte der Besserung kann ich davon aufweisen? Ach, ich muß mich noch schämen, und erkenne mich deiner großen Gnade nicht würdig.- Du sprachst oft nur ein Wort, und die Kranken wurden gesund. Rede, Herr, zu meiner Seele! Laß dein göttliches Wort, deine heilige Lehre mit aller Kraft zu meiner Besserung und Heiligung wirken. Mein Glaube an dich, und die Liebe zu dir treibe mich an, dir immer ähnlicher, immer mehr 131 Mw Eins mit dir zu werden. Nichts soll mich von dir scheiden ewiglich, mein göttlicher Freund. Du hast den Leidenskelch ganz ausgetrunken. Sollte ich über einen Tropfen Bitterkeit klagen?- Nein, Herr! aus deiner Hand ist mir Alles willkommen, Alles gut. Auch in härtern Versuchungen will ich dir getreu verbleiben. Nie will ich dich, nie wirst du mich verlassen. Schlußgebeth und Segen. Erhalte und bestärke diesen guten Sinn und Willen in mir, o Herr, daß ich der Früchte dieses heiligen Opfers theilhaftig werden und bleiben möge. Ertheile du mir selbst den Segen, den uns der Priester anwünscht, mein Vater. Segne meine guten Vorsäße, meine Arbeit, mein Brot. Segne mich und die Meinigen segne alle deine Kinder an Leib und Seele! Dein Segen weiche nie von uns. - Voll Vertrauens auf deinen Beystand, gehe ich nun, wohin dein Wille mich ruft. All mein Thun und Lassen soll Gottesdienst seyn. Das stete Än 132 denken an dich, mein Gott und Heiland, bewahre mich vor Sünden, stärke mich zur Uebung des Guten, mache mich getrost und zufrieden, und leite mich auf allen meinen Wegen, Amen. Vom Segen. Segen heißt überhaupt alles Gute, das von Gott kommt, es sey leiblich oder geistlich. Der Segen, welcher uns mit dem heil. Altars sakramente ers theilet wird, ist ein geistlicher Segen; er ist also nicht bestimmt, Ungewitter zu vertreiben, und allers ley andere zeitliche Inglücksfälle etwa wunderbarer Weise abzuwenden. Aber dazu kann und soll dieser Segen dienen, daß wir durch die Vorstellung der Liebe Gottes zu uns, davon das heilige Sakrament ein ewiges Denkmahl ist, ermuntert und getröstet werden. Wir sollen dabey denken: ,, Hat Gott feinen eigenen Sohn für uns gegeben; so können wir ja von ihm alles Gute hoffen." Segnen heißt zweyerley: 1) eine göttliche Wohlthat anwünschen, und 2) sie wirklich ertheilen. Der Priester gibt den Segen bloß wüng schend; verleihen kann ihn nur Gott. Darum ift aber der priesterliche Segenswunsch nichts Unbedeutendes; er ist vielmehr ein schönes Zeichen der liebs reichen Verbindung des Priesters mit der Gemeinde und eine Erinnerung für beyde, ihr Möglichstes zu thun, daß dieser Wunsch in Erfüllung gehe. 133 M Der wirkliche Segen, den eigentlich Gott durch Jesum Chriftum ertheilet, kann nur denen zu Theil werden, die sich dessen fähig machen. Das find aber nicht alle, die herbeylaufen, sondern nur die, welche sichs recht zu Herzen nehmen, was Jesus für sie gethan hat, und thun will, und die sich ernft= lich bestreben, gebefferte, zufriedene, fleißige, und alfo wahrwaftig gesegnete Menschen zu werden. Willst du also einen wahren Segen empfangen, so erwecke in deinem Herzen Neue über deine Sünden, und Liebe zu Gott und deinen Mitmenschen; fasse einen ernstLichen guten Borsag, und ermuntere dich aufs Neue zum Fleiß und Vertrauen auf Gott. Zum ersten Segen. Wir bethen, Herr, dich glaubig an, Als wirklich uns zugegen! Was du zum Heil der Welt gethan, Ist unser größter Segen; Du segnest uns noch für und für; Wir preisen dich, und danken dir. Zum letzten Segen. Nicht bloß in diesem Tempel biſt Du uns, o Herr, zugegen! Wohl uns! An jedem Ort ergießt Sich über uns dein Segen. Entfernen wir uns gleich von hier, So bleib doch unser Herz bey dir. 134 Oder kürzer: An dich glaub' ich, an dich hoff' ich, O mein Gott, wie lieb ich dich! Herr, dir leb' und sterbe ich. Mit diesen Meßgebethen wirst du freylich bald früher, bald später fertig werden, als der Priester am Altare. Laß dich aber dadurch nicht irre machen; eile nicht; halte dich vielmehr länger bey dem auf, das dir mehr zu Herzen geht; das Uebrige bleibt dir auf ein anderes Mahl. Es kommt ja nur auf ie guten Vorsäge an, die du dabey fasfest.- Beym öftern Meßhören ist auch Abwechslung nöthig. Dazu kannst du, was oben von der Anbethung Gottes, vom Gebethe, vom Glauben, Vater unfer, den 15 Geheimniffen zc. vorkommt, gebrauchen. G @ Co Ⓒ m 135 Meßbetrachtung des Leidens und Sterbens unsers Herrn. Jesus am Dehlberge. ( Auch Donnerstags Abends zu bedenlen.) Jesus bereitet sich durch Gebeth auf die ihm bevorstehenden Leiden. Er sieht Der und empfindet sie alle voraus. Haß seiner Feinde, der Undank und die Sünden seines Volkes, der Untergang so vieler, denen zum Besten er fich aufopferte das Alles schmerzet ihn bitterlichst, drückt ihn zu Boden, und presset ihm blutigen Angstschweiß aus. Er bittet seinen Vater inständigst, jedoch mit gänzlicher Ergebung, daß er mit diesem bitteren Kelche ver schont bleiben möchte. Er wird nicht verschont: aber gestärkt wird er, da er so anhaltend bethet. Mit heiterem Müthe steht er auf, ermuntert seine schwachen Freunde, warnet, tröstet fie nimmt von seinem Verräther den falschen Kuß an, nennet ihn Freund, und will ihn noch durch Liebe gewinnen. Freywillig läßt er sich binden, obgleich die Schaaren auf sein Wort: Ich bins 2c. zu Boden stürzen. Er dürfte nur wollen, so wäre er fley. Petrus zuckt das Schwert. Er verweiset es ihm, und heilet den Verwundeten auf der Stelle. Er gibt sich selbst gefangen, weil es der Wille seines Vaters war zum Heile der Welt. - M 136 - D Jesu, du trauertest und zittertest vor deinem Leiden und Tode; aber du murrtest und verzagtest nicht, sondern ergabst dich ganz in den Willen deie nes Vaters. Wenn ich in Noth und Gefahr, in Trübsal und Trostlosigkeit gerathe, so will ich an deinen Angstschweiß gedenken, und zum Gebethe meine Zuflucht nehmen. Vater will 137 m ren. ich sagen mit dir, ist es möglich, so verschone mich mit diesem bitteren Leiden; aber nicht mein, sondern dein Wille geschehe! So werde auch ich die stärkende Kraft des Gebethes erfahSorgfältig will ich deinen Warnungen folgen, daß ich mich nicht selbst leichtsinnig ins Unglück stürze. Aber ich will auch Gefahr und Beschwerden nicht scheuen, sondern ihnen getroft und standhaft entgegen gehen, wenn es nothwendig ist, wenn es dein Wille ist, o Gott! Dann kann ich auch auf deinen Beystand vertrauen. - O Jesu! auch dem falschen Judas erzeigtest du Liebe. So lehrest du mich meine heimlichen Feinde lieben, und boshafte Menschen, anstatt sie zu hassen, vielmehr bedauern. Das traurige Ende und die verzweifelnde Reue deines Verräthers soll mir zur Warmung seyn, daß ich mich durch böse Begierden nicht verblenden lasse, welche zu den größten Lastern verleiten. - 10 138 Jesus vor seinen ungerechten Richtern. Er schweigt zu allen falschen Anklagen seiner Feinde; die Lügen machen fich selbst zu Schanden. Aber das sagt er frey heraus, daß er Gottes Sohn, der König der Juden, der verHeissene Messias, der WeltHeiland ist. Er wußte, daß er deßwegen würde sterben müssen; er wollte es selbst. Er hätte sich retten, können, wenn er vor Pilatus diese Behauptung widerruffen, oder vor Herodes ein Wunder gethan hätte. Mit stiller Gelassenheit leidet er die grausamsten Mißhandlungen, Verspeyung und Backenstreiche, läßt sich wie ein Missethäter geißeln, und als ein Afterkönig mit Dornen krönen, und auf die muthwilligste Weise verspotten. Bey Allem bleibt er ruhig und standhaft; duldet und schweigt. * O Jesu, wie muß ich mich wegen meiner Empfindlichkeit schämen! Ach, 139 ich werde sogleich trozig, auffahrend und heftig, wenn ich gerechte Sache zu haben glaube. Du zürntest über deine boshaften Feinde, Verleumder und Peiniger nicht; auch deinen ungerechten Richter versagtest du die Ehrerbiethung nicht. Dein standhaftes Schweigen st mir die lehrreichste Predigt; es ist nehr als Wunder thun; der schönste Beweis deiner Weisheit und Unschuld. Bein heil. Beyspiel lehre mich schweigen, wenn ich vorhersehen kann, daß ich durch Reden nichts ausrichten, vielleicht meine Gegner nur noch mehr erbittern, noch mehr Böses veranlassen würde. Werde ich unschuldig angegriffen; so sey meine Verantwortung sanft und bescheiden. Um des Guten willen Unrecht zu leiden, wie du, sey mein größter Ruhm. Meine gerechte Sache sey dir anheim gestellt, meint göttlicher Richter. - Aber wenn es nothwendig ist, die Wahrheit zu sagen, aus Pflicht und Liebe zu reden; dann, o Herr, stärke und leite mich, daß ich es mit Standhaftigkeit und Ueberlegung thue. Keine Furcht vor Menschen, keine falsche 140 m Scham halte mich ab; keine Unbesonnenheit, kein blinder Eifer, keine böse oder eitle Absicht führe mich irre. Jm Reden und Schweigen, sey du mein Vorbild, o Jesu. Jesus am Kreuze. Auch Freytags beym Schiedungszeichen zu bedenken. Vater verzeih ihnen, sie pis sen nicht, was sie thun.. So spricht die höchste Unschuld und Liebe, nach so viel erlittenen Beleidungen und Martern in der Stunde des bittersten Todes. Mitleidig sieht der Gekreuzigte auf seine Peiniger und Spötter herab, entschuldigt ihre Sünden, und bittet um Gnade für sie. Dem bußfertigen Schächer, der sich gläubig an ihm wendet, sagt er das göttliche Trostwort: Heute noch wirst du ben mir in der Seligkeit seyn. Mitten in seinen Todesschmerzen sorgt er für seine verlassene Mutter, und übergibt sie seinem treuestem Freunde. Er selbst aber muß trostlos drey jam M 141 mervolle Stunden lang die entseßlichste Todesangst ausstehen; sogar von seinem himmlischen Vater scheint er verlassen zu seyn. Aber doch nennt er ihn noch seinen Gott, und flehet ihn dringendst um seinen Beystand an.- Im schmerzlichsten Durste wird ihm Essig zur Labung gereichet.. Nun ists vollbracht. Vater, ruft er mit lauter Stimme, in deine Hände empfehle ich meinen Geist. Unvergeßlich sind mir deine letzten Worte, Gekreuzigter! Lauter Worte der Liebe und Ergebung, des Trostes und der guten Lehre für mich. Wie könnt ich noch meinen ärgsten BeleiDiger hassen, wenn ich an deine liebebolle Bitte für deine Kreuziger denke. So darf also kein Sünder verzagen, venn er sich bessert; keiner den Andern erdammen, da du noch im Tode benadigt hast! In deinem höchsten jammer und Schmerz konntest du Mutter und Freund nicht vergessen. O daß ich meiner Pflicht und deiner Liebe nie vergesse. - 142 O Jesu, lehre mich lieben und dul den, wie du geliebt und geduldet haft Standhaft bliebst du dem Vater ge horsam, bis es ganz vollbracht war, dein großes Opfer der Liebe. Das hat schon so viele deiner Verehrer zu den größten Aufopferungen, selbst ihres Lebens, ermuntert und gestärket. Sc stärke auch mich der Gedanke: wie viel du für uns gethan und gelitten, wie du dich aufge'opfert haft wenn es mir Ahwer wird, meiner Pflicht Genüge zu thun. Stärke mich zur Geduld und Ergebung, wenn ich von Gott verlassen zu seyn scheine; wenn ich bittere Galle verkosten muß, stärke mich zum Vorsaße, Alles gut und standhaft zu vollbringen, was mir obliegt; damit ich einst mit dir getrost sagen kann: Gott[ ob! es ist vollbracht. In deine Hände empfehle ich meinen Geist. Beschluß. Herr, wie du einst vom Kreuze auf deine Feinde und Freunde herabgesehen hast, so sich auch auf mich, - 143 m deinen schwachen Himmel herab. Nachfolger jetzt vom Durch dein bitteres Leiden und Sterben ziehe mich nach dir, daß ich dir treulich und standhaft folgen, und einst auch zu dir im Himmel gelangen möge. Amen. Wie das Leiden Christi nüßlich betrachtet werden soll. 1) Bedenke: Wer hat gelitten? Der Unschuldige, der Heilige, der nichts als Gutes gethan hatte- Unser Herr und Richter, der vielgeliebte Sohn des Himmlischen Vaters. So hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eigenen Sohn für sie hingegeben; daß er seines Liebsten nicht verschonet hat!- Wer bin ich, daß ich murren dürfte, wenn ich etwas zu leiden habe? 111 CATERING 2) Was hat er gelitten? Die unbeschreiblichsten Martern an Leib und Seele, den grausamsten und schimpflichsten Sod Alles zugleich, was am empfindlichsten schmerzet Undank und Spott, Verlaffenheit und 144 Trostlosigkeit. Er war Mensch, und hat wahrhaftig mit allerschmerzhafter Empfindung gelitten, was Menschen leiden können, und mehr als ich mir vorstellen kann. Was ist all mein Leiden gegen das Seinige? 3) Warum hat er so viel gelitten?. Weil der Vater, weil er es selbst wollte, um die Wahrheit seiner Lehre mit seinem Blute zu bestättigen, uns die Größe seiner Liebe zu zeigen, um uns von der Sünde zu erlösen und frey zu machen, uns Gottes Gnade, Vergebung der Sünden, und ewiges Leben zu versichern und zu verschaffen. Darum wollte Jesus leiden, daß wir sollten selig seyn! -D 4) Für wem hat er gelitten? Für alle Menschen- für Undankbare für seine Feinde. Alle hat seine Liebe umfasset. Und ich sollte Einen von meiner Liebe ausschließen? Der Geringste der Unwürdigste ist so theuer erlöset, wie ich.- Wie groß ist der Werth der menschlichen Seele! Der Sohn Gottes hat sein Blut für sie hingegeben. - - 1 M 145 5) Wie hat er gelitten?- Mit standhafter Geduld und Ergebung; willig und schweigend wie ein Lamm, Gott vertrauend und gehorsam bis zum Tode. Er hat gelitten für uns, um uns ein Beyspielzu geben, daß wir in seine Fußstapfen treten sollen.12 6) Was soll der Nußen und die Frucht seines Leidens für mich seyn? Daß ich der Sünde entsage, ihr gleichsam absterbe, und dem lebe, der für mich gestorben ist; daß ich ihm folge, und getreu verbleibe; daß ich gebessert, zum Guten angeeifert, zur Erfüllung auch schwerer Pflichten gestärket, gegen meinen Nächsten liebreicher, im Leiden geduldiger, in Allem zufriedener und Gottergebener werde; um auch der Seligkeit würdig zu werden, die mir mein Heiland verheißen hat. Das soll, so oft ich sein Kreuz und Leiden betrachte, mein Vorsaß, und die Frucht meiner Andacht seyn. 146 Litaney vom Leiden und Sterben Jesu Christi. Herr, erbarme dich unsez 2. Wie viel, o Jesu, hast du uns zu Liebe gelitten. Du weißt aus eigener Empfindung, wie jedes Leiden schmerzt. rum hast du Mitleid mit uns DaSchwachen. Der Vater schonte deiner nicht. Wie könnten wir verlangen, von Leiden frey zu bleiben! Ach, litten wir nur nicht so oft aus eigener Schuld. In deiner größten Angst war kindliches Gebeth und Gottergebung deine Stärkung. Das sey auch unser Trost: dein Wille, o Gott geschehe. Erbarme dich unser, o Jesu. M 147 Vertrauensvoll und standhaft gingst du deinem Tode entgegen. O daß wir nicht verzagen in Gefahr und Noth. Ein falscher Freund verkaufte dich, ein schwacher verläugnete dich, Alle verließen dich. Wir halten fest an dir; du wirst uns nie verlassen. - - Gefangen und gebunden, wie ein Uebelthäter, fälschlich angeklagt, beschimpfet und mißhandelt, vertrautest du auf Gott und deine Unschuld. O daß wir diesen Trost uns nie entreißen ließen. Sanft duldend, wie ein Lamm, ertrügst du Schläge und Geißelstreiche, die Dornenkrone, Verspeyung, Schmach und Marter aller Art. D lehre uns Geduld und stille Sanftmuth. Zum Kreuztode wurdest du verdammet, einem Mörder nachgesetzt. Wie ungerecht ist oft der Menschen Urtheil. O wenn wir nur vor dir gerecht befunden würden. Du hast des Kreuzes Last getragen, bist uns vorangegangen. D 2 - Erbarme dich unser, o Jesu. m 148 m daß wir dir getreu und willig folgen. Du hast die Todesangst unsertwegen ausgestanden, den Tod dadurch So dürfen wir uns besiegt. nun davor nicht mehr so ängstlich - fürchten. Wie selig war der Ausgang deiner Leiden. Das bleib auch unser - Trost in aller Trübfal. Nun lebest und regierest du mit Gott, und Alle, die dir folgen, werden durch dich selig. Erbarme dich unser, o Jesu. Einst kommest du als Richter und Belohner.- Ach, wären wir nur nicht so arm an guten Werken, im Leiden nicht so ungeduldig. O Jesu sey uns gnädig! B. Verschone uns, o Herr! O Jesu sey uns gnädig! B. Erhöre uns, o Herr. Wir arme Sünder! B. Wir bitten dich, erhöre uns. Dein Leiden und dein Tod halte uns vom Sündigen zurück. Wir bitten dich, erhöre uns. Dein Leiden und dein Tod stärke uns zur 149 Besserung und Tugendübung. Wir bitten dich, erhöre uns. Dein Leiden und dein Tod mache uns bereit zum Leiden und zum Sterben. Wir bitten dich, erhöre uns. Dein Leiden und dein Tod komme uns und allen unsern Brüdern, Lebendigen und Abgestorbenen, im vollem Maße zu Nußen. Wir bitten dich, erhöre uns. Lamm Gottes 2c. Gebeth. So wollen wir nun auch gehorsam seyn, deinem Vater und dir, göttlicher Jesus. Dein großes Beyspiel, wie auch das Beyspiel deiner bis zum Tode getreuen Mutter ermuntere uns zur Nachfolge auf dem Wege, den du uns vorgegangen bist, auf dem du auch fie mit allen deinen Heiligen in dein himmlisches Reich eingeführt hast. Das sey unser Trachten im Leben, unser Trost im Sterben, unsere Freude durch die ganze Ewigkeit. Amen. m 150 M Nachfolge Jesu auf dem schmerzhaften Kreuzwege. Nach den gewöhnlichen Stationen. V. Christus hat für uns gelitten, und uns sein Beyspiel hinterlassen. B. Auf daß wir seinen Fußstapfen nachfolgen sollen. - Dieß wird bey jeder Station wiederholt; weil es die Hauptsache und die Frucht dieser Andacht feyn soll. I. Station. 3um um Kreuztode wurdest du verurtheilet, unschuldi ger Jesus! und einem Bösewichte nachgesetzt. Du hattest nichts als Gutes gethan; ob du gleich den grausamsten Tod vorausgesehen haft. Eben weil du es mit den Menschen so gut meintest, weil du sie tugendhaft und selig machen wollteft, mußteft du fterben. Wie getroft kann ich dann seyn, wenn ich unschuldig, und um des Guten willen zu leiden ha M 151 M be! Weltlohn und Weltdank sey meine Absicht beym Recht und Wohlthun nie; so wird es mich auch nicht irre machen, noch zu sehr bestürzen, wenn ich Ach! dafür Unrecht und Undank erfahren muß wie oft habe auch ich falsch geurtheilet, wieder mein Sewissen geredet und gehandelt, andern zu Gefallen, oder aus Furcht vor ihnen, wie Pilatus!- Und wie oft glaube ich durch äußerliche fromme llebungen und Ceremonien, wie er durch sein Händewaschen, mein Sewissen schuldfrey zu machen. Aber nichts, felbft Dein Blut nicht, o Jefu, kann mich von Sünden reis gigen wenn ich mich nicht rechtschaffen bessere. Du mein Heiland, wirst einst auch mein Richter seyn. Vater unser zc. - - II. Station. Christus hat gelitten ic. Willig nahmst du das Kreuz auf deine wun= den Schultern, o Jesu! und ließest dich, wie ein Lamm, zur Schlachtbank führen. Ach, wie vieles hast du, auch mir zum Besten, auf dich genommen: Sollt ich nicht auch gern einige Mühe und Beschwerniß auf mich nehmen, um dir zu folgen auf dem Wege der Tugend zum Himmel? D! es ist gut für mich, wenn ich oft genöthiget werde, zu thun und zu tragen, was meine Trägheit scheuet. Du willst mich da durch gleichsam mit Gewalt nach dir ziehen, wenn ich dir nicht willig folge. Vater unser zc. III. Station. - Christus hat getitten zc. Welche schwere Last ist auf dir gelegen, mein Jesu! Wie darf ich über die meinige Plagen? Du - 152 M fagtest einst: Wer nicht sein Kreuz auf fich nimmt, und mir nachfolgt, ist meinet nicht werth. Mein weniges Leiden, daß größten theils felbst verschuldet ist, verdienet den Namen des Kreuzes nicht. Doch will ich es tragen, als Christ, zu meiner Besserung und Seligkeit, und standhaft dir folgen, mein göttlicher Führer. Vater unser zc. IV. Station. Zur schmerzhaften Mutter. □ Maria! was hat dein mütterliches Herz gelitten, als du deinen göttlichen Sohn, unter dem Haus fen von Henkersknechten und Spöttern, mit dem Kreus ze daherwanken faheft. Wie mußte da der Schmerz, gleich einem Schwerte, deine Seele durchdringen. So wurde die Weiffagung erfüllt. Immer behielteft du Gottes Wort in deinem Gedächtnisse und Herzen. Immer bliebst du die gehorsame, ergebene Magd des Herrn, die nichts anders wollte und dachte, als: es geschehe nach seinem Worte; es geschehe sein heiliger Wille!- Das fey auch mein Trost, bey meinem und anderer Leiden, wenn ich demselben nicht abhelfen kann. Vater unser zc. V. Station. Christus hat gelitten it. Was ihr dem Geringsten meiner so nennst du arme, schwache das habet ihr mir gethan. Brüder thut, Menschen, - - - 153 Nun dann, wo ich einem feine Last erleichtern, ein Liebeswerk erweisen, mit Hilfe, Nath und Troft dies nen kann, da geschehe es von mir mit der Bereitwil ligkeit, mit der ich dir selbst dienen wollte, mein HerrB.ffer kann ich dir deine Liebe nicht vergelten. Vater unser zc. Mw VI. Station. Christus hat gelitten zc. Drücke dein Bild, o Jesu, meinen Herzen ein. Deine Sanftmuth und Liebe, dein Vertrauen und dein Gehorsam bis ans Ende- fey mir stets vor Aus gen, besonders zur Stunde der Versuchung und Trübfal. Jeder Anblick deines Bildes sey mir Trost und Stärkung. Und wenn einst vor meinen sterbenden Augen Alles verschwinden wird: fo fey mein legter Blick auf dich gerichtet. D wenn ich dich einst von Angesicht zu Angesicht fehe, wie groß wird meine Freude und Seligkeit seyn. Vater unser zc. VII. Station. Christus hat gelitten ze. Wenn mich die Laft der Sorgen und Leiden darnieder drückt, wenn mein Muth sinkt, und meine Kraft erliegt; wenn ich in heftiger Versuchung faft nicht mehr aushalten kann, wenn ich unter der schwe= ren Arbeit, oder im harten Streite ermüde dann will ich an deine Ermattung unter dem Kreuze gedenfen, o Jesu! du weißt, wie viel der Mensch tragen fann; weißt, was Leiden ist, wie weh es thut; weißt )( - m 154 m also Mitleid mit unserer Schwachheit zu tragen. Stärke mich durch dein heiliges Beyspiel, daß ich nicht er liege. Vater unser ic. VIII. Station. Christus hat gelitten ic. Weinet nicht über mich, fondern über euch felbst und eure Kinder! So sprachst du Herr, zu den guten Seelen, die dich auf deinem Kreuzwege beweinten. Du warst mehr für sie, als für dich besorgt; das Unglück deines Volkes ging dir tiefer zu Herzen, als dein eigenes Leiden. Um fo weniger verlangest du jest im Himmel von mir bange Befeufzungen deiner längst überstandenen Leiden. Zwar verschmähest du eine fromme Thräne nicht. Aber mehr über mich selbst und meine Sünden soll ich weinen; mich bessern, und dir folgen. Das verlangst du von mir: nicht mein Mitleid fuchst du, sondern meine Besserung und Seliglett. Vater unser zc. IX. Station. Christus hat gelitten zc. Wie schwer, mein Heiland, wie schwer ist dir dein Kreuz geworden. Aber für uns ist dein Joch sanft, und deine Bürde leicht. Deine Lehre ist nur Anweis fung zur Tugend und Glückseligkeit, und dein Geboth ift Liebe. Tu forderst nicht mehr von mir, als ich leis ften kann; legeft mir nicht mehr auf, als mir ange= meffen, und zu meinem Heile nothwendig ist; du gehst M 155 mir voran, und hilfft mir es tragen. Einst belohnest du mich ewig dafür. Vater unfer zc. X. Station. Christus hat gelitten 2c. Wir schmerzlich, o Jefu, mußte dir das Loßreis en deiner Kleider seyn. Sollte ich noch Wollust, Hoffart und lleppigkeit lieben, wenn ich deinen zerfleischten Leib, dein mit Dörnern gekröntes Haupt, deine blutenden Wunden betrachte. Losreißen muß und will ich mich von Allem, was Sünde ist, und zur Günde verleitet- ablegen alle böse Gewohnheiten und Neigungen; so hart es mich ankommen mag. Herr, stärke mich dazu. Vater unser zc. XI. Station. Christus hat gelitten zc. Entseglicher Unblick! Diefe grausame Streckung der Glieder, diese durch Hände und Füsse geschlagenen Nagel, dieses peinliche stundenlange Hangen des zermarterten Leibes, diese dadurch aufgeriffenen, sich immer erweiternden Wunden, diese unbeschreibliche innere und äußere Qual wer kann sie ohne Entsegen denken! Aus der Größe deiner Leiden, erkenne ich die Größe deiner Liebe. Wie kann ich dir genug dafür danken.- Mein ganzes Herz und Leben sey dir mit ewiger Treue gewidmet. Vater unser zc. - 1 - 1160 156 M XII. Station. Christus haf gelitten zc. So haft du, o Jefu, dein Leben aufgeopfert. So viel hat dich unsere Erlösung geloftet. Jeder Anblick deines Kreuzes erwecke in mir einen ernstli chen Abscheu gegen die Sünde, von welcher du uns durch deinen Tod erlösen wollteft; und treibe mich an, das Werk meiner Besserung standhaft zu vollbringen, damit ich einst selig sterben möge. Dann laß mich in meiner größten Angst und Verlassenheit Trost und Erquickung aus deinen Wunden schöpfen, und nimm meinen Geift zu dir auf. Vater unser zc. XIII. Station. Beym Vefperbild. - Ach Mutter, was hast du gelitten. Da lag er nun todt auf deinem Schooße, den du zum Heile der Welt geboren hatteft. Aber wie freuest du dich jest im Himmel aller überstandenen Leiden, da du Gottes Absichten und Verheißungen so herrlich in Erfüllung ge= hen, und dich so hoch dafür belohnet siehst. Gottes Freun den muß alles zum Besten dienen. Aus dem Ulebel muß Gutes entstehen. Dieß tröfte auch mich in meinem Leiden, oder wenn ich meine Geliebten leiden und sterben sehen muß. Vater unser zc. XIV. Station. Christus hat gelitten ic. Endlich hast du, o Jesu, nach deinem mühevollsten Leben, und peinlichsten Tode Ruhe gefunden 157 M im Grabe. Da werde auch ich fie finden; da ist das Ende aller Plage dieses Lebens, da ist Nuhe für den Müden. So gewiß du, mein Erlöser, vom Grabe erstanden bist, so gewiß werde auch ich auferstehen mit dir zum ewigen himmlischen Leben, wenn ich das Gegenwärtige gut angewendet habe. In diesem und jenem Leben soll ich dir ähnlich werden. Vater unfer zc. -- XV. Station. Christus hat gelitten sc. Wie glorreich und hochgeehrt ist nun dein ehe: mahls so schmähliches Kreuz- oder vielmehr wie anbethungswürdig bist uns du, einst so tief erniedrigter nun über Alles erhöhter Jefu. Dein Kreuz foll mich an deine Liebe erinnern, und zur treuen Nachfolge erwecken: dann wird es mir auch troft- und segensreich seyn.- Du mußteft auf dem schmerzhaften Kreuzwege in deine Herrlichkeit eingehen. So foll mich dann keine Beschwerde abhalten, die auf dem Wege zu folgen, den du mir vorgezeiget hast. Auf dich will ich hinsehen, an dein Wort und Beyspiel mich halten, bis ich einft zu dir komme in dein himmlisches Reich, wo ich aller überstandener Mühe und Trübsal mich freuen werde ewiglich. Amen. Vater unser zc. @ 158 m Andacht auf die hohen Feste und heiligen Zeiten. Auf die Adventzeit. Der Engel brachte Maria die Bothfchaft.- welche erfreuliche Bothschaft!- daß der fo lang erwartete, verheißene Erlöser, der göttliche König und Netter seines Volkes, der Heiland des Menschengeschlechtes, der eingeborne Sohn Gottes auf die Welt kommen sollte! Noch freuen wir uns diefer glücklichen Bothschaft, und danken dir, o Herr, daß du dich unser erbarmet, und deinen lieben Sohn zu uns gefendet hast, uns vom Verderben zu retten, und dem llebel abzuhelfen, das die Sünde angerichtet hatte. Wie tief gefunken, wie unwiffend, wie verdors ben und elend waren die Menschen vor seiner Ankunft. Was wären wir ohne ihn. Ach, wir würden dich, unfern Vater nicht kennen; kaum wissen, warum wir auf der Welt find, und wohin wir einst kommen fol len; wir würden, wie im Finstern, herumirrend, immer tiefer ins Verderben versinken, und uns nicht MM 159 m mehr herauszuhelfen wiffen. Was können und fol Gute, len wir aber nun durch Christum werden? gebefferte, zufriedene, glückselige Menschen! denn er ist auf die Welt gekommen, die Sünder zu bessern, und ſelig zu machen. - - Aber wie wird diese Absicht seiner Ankunft auf Erden an mir erfüllt? Wie mache ich sie mir zu Nue gen? Was hilft sie mir, wenn ich seiner Anweifung nicht folge, und dadurch nicht gebessert werde? Was habe ich dann zu erwarten. - Ach, mein Jesu, wenn so viele Tausende, fo biele meiner Freunde und Bekannten, durch dich die Seligkeit erlangten, und ich nicht. Wenn ich aus meiner Schuld zu Grunde ginge, da du mich retten woll teft? Wenn du mich, als Richter, verdammen müßteft, da du als mein Seligmacher auf die Welt kamst. Davor bewahre mich, mein Gott! Neumüthig flehe ich dich um Gnade an. Ich will nun mein Herz reinigen von Allem, was der Absicht deiner Anlunft, o Jefus, im Wege stehen, und sie mir vergeb= lich machen könnte. Aufs Neue ergebe ich mich dir und gelobe dir treuere Befolgung deiner heiligen Lehre. So wirst du mich auch des Heils, das du in die Welt gebracht hast, theilhaftig machen. - * Sieh, ich bin eine Magd des Herrn. Mir gefchehe nach deinem Worte. So sprach fie, die Hochgebenedeyte, nachdem ihr der Engel den göttlichen Rathschluß erkläret hatte, voll Ergebung und Demuth. So bethe auch ihr nach: Dein heil. Wort, 160 M o Herr, sey die Nichtschnur und der Trost meines Lebens. Dein heiliger Wille geschehe. Betrachte, besonders zu dieser Zeit, die Ausles gung des englischen Grußes, oben S. 88. Merke dir auch diese Gedanken, damit du sie beym Ave Maria Gebeth zu Gemüthe fasseft. B Auf die heilige Weihnachtszeit bis Lichtmeß. D freudenreiche Zeit der Geburt unfers Herrn! Eh= re sey Gott im Himmel! Friede und Heil den Menschen auf Erden! Uns, uns ist der Heiland geboren! - Also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingebornen Sohn dahin gab, damit Alle, die an ihn glauben, und ihm folgen, nicht verloren gehen, fon dern das ewige Leben haben sollen. 1 Das Wort ist Fleisch geworden, und hat unter uns gewohnet. Der Sohn Gottes, durch welchen der Vater zu uns reden wollte, ist al Mensch auf die Welt gekommen, und hat unter den Menschen gelebt; er ist unfers gleichen, unser Bruder geworden, damit wir ihm ähnlich, gute Kinder Gottes werden sollten. In ihm ist die liebende Gottheit sichtbar erschienen, und hat selbst mit uns gesprochen. Der himmlische Vater hat sich uns in seinem Sohne geoffenbaret, und seinen heil. Willen bekannt gemacht. 161 Nun wissen wir, wie gut unfer Gott ist, wie lieb er uns hat; was wir zu hoffen, und was wir zu thun haben, um ihm wohl zu gefallen. Der Sohn des Allerhöchsten ward in Armuth und Niedrigkeit, der himmlische König in einem Stals le geboren, armen Hirtenleuten wird zuerst die Geburt bes Messias vom Himmel verkündigt fie kommen und finden das Kind in Windeln eingewickelt, und in einer Krippe liegend. So lehret uns schon seine Ge= burt, daß fein Reich nicht von dieser Welt, und die wahre Glückseligkeit, die er uns verschaffen wollte, nicht in hohem Ansehen, Neichthume und Wohlleben, fondern in der Rechtschaffenheit und Tugend zu su then ist; und daß nur diese vor Gott wahren Werth und Vorzug gibt. - Unser göttlicher Heiland kommt als ein schwa ches, armes, hilflofes Kind auf die Welt; er hat die Mühseligkeiten und Schwachheiten unserer Natur auf fich genommen, um sie uns tragen zu helfen, und zu erleichtern. Von der Krippe an bis zum Kreuze duldete. er Ingemach, Verfolgung und Schmerz, um uns Geduld zu lehren, und die Größe seiner Liebe zu zeis gen. Wie lehr und trostreich ist mir deine Geburt, o Jesu! Wie liebenswürdig bist du mir schon in deiner zartesten Kindheit, in deiner Erniedrigung. Du haft dich so tief zu uns herabgelassen, um uns zu dir zu erheben: du bist arm geworden, um uns reich zu machen an höhern ewigen Gütern.- Wie hoch ist die menschliche Natur durch dich geehret und begna 162 digt worden. D mein Jesu, wie viel Dank bin ich dir schuldig, wie kann ich deine Liebe vergelten! m Ein redliches, liebreiches, gebeffertes Herz und frommes Leben ist das Opfer, das du von mir ver langst. Du bist kein Kind mehr, großer Jefus, und bedarfst meiner Lieblofungen und meines Mitleidens nicht. Ich erkenne und verehre dich, als meinen göttlichen Lehrer, meinen Heiland und Herr, und gelobe dir meine ganze Ergebenheit und treueste Folgfamfeit. In meinen Mitmenschen will ich dich lieben, wie du uns geliebt haft. An den Armen und Mühfeligen will ich dir meine mitleidige, thätige Liebe be= zeigen, so gut ich kann. Denn was ich dem Geringften aus ihnen, die du deine Brüder nenneft, und bes sonders Kindern, Gutes thue, das nimmst du auf, als wäre es dir selbst gethan. Nie will ich mich stolz über andere erheben, da du dich so tief erniedriget hast. Ich will die Menschheit, die du so hoch gewürdiget hast, an mir und andern in Ehren halten, keinen Menschen hochmüthig verachten, noch mich selbst durch schändliche Lüfte und Thaten entehren. Nie komme mir aus dem Sinne die wichtige Lehre des Apostels. ,, Es ist die Gnade Gottes allen Menschen er= schienen, um uns anzutreiben, daß wir aller Gottlofigkeit und allen schnöden Gelüsten entsagen, und mäs 163 Big, rechtschaffen und fromm leben in dieser Welt; voll der seligen Hoffnung, daß der große Gott, und unser Erretter Jesus Christus, der einst glorreich wieder erscheinen wird, uns in fein himmlisches Reich einführen werde. Dazu kam Jesus in die Welt, und gab sich selbst für uns hin, um uns von aller Lasterhaftigkeit zu befreyen, und uns zu einem ihm eigens angehörigen Volle einzuweihen, das voll Eifers zu allem Guten seyn soll." Tit. 2. Jesus das Licht der Welt. Auf h. 3 Könige und Lichtmek. Jefu, du bist durch deine heilige Lehre das wahre Licht der Welt, das alle Menschen erleuchtet, das uns auf den Weg der Wahrheit und Tugend zur ewigen Seligkeit leitet. Dir will ich folgen, bis ich ans Ziel gelange, wo ewiges Licht uns umleuchten wird. Amen. 3u Jesu, Maria, Joseph. Dihr heiligsten Personen! Ihr lebet als ge= meine, arbeitfame Leute, in niedrigem Stande und ruhiger Stille unbekannt und unangesehen vor der Welt; aber Gott hatte an euch sein größtes Wohle gefallen. An euch sehe ich, daß die Heiligkeit nicht in großen, Aufsehen machenden Thaten, nicht im bloBen Bethen, nicht im traurigen Kopfhängen, sondern darin bestehe: daß ich nach euerm Beyspiele Gottes - 164 Willen und die Pflichten meines Standes getreulich erfülle, nach meinen Einsichten und Kräften Gutes thun, und mich vor Sünden hüthe. So kann ich auch in meinem niedrigen Stande euch nachahmen, und Gott gefallen. Jede nüßliche oder nothwendige Ar beit, jeder Pflicht- oder Liebesdienst ist zugleich ein Gottesdienst. Die häusliche Geschäftigkeit kann mit der Andacht und Frömmigkeit gar wohl bestehen; Bethen und Arbeiten hindern einander nicht, sondern gehören und helfen vielmehr zusammen. Ich will meis ne Pflicht thun, weil und wie es dein Wille ist, mein Gott! wenn es mir auch schwer, und vielleicht wenig erkannt und schlecht belohnt wird: du siehest, stärkest und belohneft mich. Dir opfere ich meine Müs he auf, du wirst sie segnen! Wenn ich so denke und bethe, dann geschieht alles mit mehr Muth und Fleiß, und es geht mir auch besser von Statten. Auf solche Weise kann ich Gott und den Menschen dienen und gefallen; mein tägliches Brot, und zugleich den Himmel verdienen. M Jesus, Maria, Jofeph! An euch sehe ich auch, daß Neichthum, hohes Ansehen und Wohlleben die wahre Glückseligkeit nicht ausmacht; denn das alles hat euch Gott, fo lieb ihr ihm gewesen seyd, nicht gegeben. Vielmehr hattet ihr oft Mangel und Ungemach, Trübfal und Verfolgung zu leiden. Und doch waret ihr vergnügt, und getroft. Das kann dann auch ich seyn, wenn ich ein gutes Gewissen und findliches Vertrauen auf Gott habe- wenn ich gern arbeite, mit dem, was mir Gott durch meinen Fleiß schickt, zufrieden bin, und dort das Bessere hoffe; wenn ich 165 m den Frieden liebe, und durch Sanstmuch, Klugheit und Dienstfertigkeit mich meinen Mitmenschen liebund achtungswerth mache. Jesus, Maria, Joseph! Euer schönes Tugendbild sey allen Kindern und Weltern, allen Eheleuten und allen euern Verehrern vor Augen, und muntere uns zur Nachahmung auf, damit uns einst die Erinnerung an euch im Sterbbette troftreich seyn möge. Liebe und Eintracht herrsche in den Häusern, gleichwie ihr Ein Herz und Eine Seele waret. So wird auch überall Gottes Segen seyn, bis wir einst im Simmel zu euch kommen. Amen. Se Oster and a ch t. Bis Pfingsten. Lob und Dank sey Gott, dem Vater unsers Herrn Jesu Christi, der seinen Sohn für uns hingegeben, und wieder auferweckt hat. Der für uns am Kreuze gestorben ist, lebt; er ist auferstanden am dritten Ta= ge, wie er es vorhergesagt hat. Du haft gefiegt, glorreicher Jesus! über Marter und Tod, über alle deine Feinde! Deß freuen vir uns- freuen uns deiner überstandenen Leiden, deiner göttlichen Herrlichkeit und alles des Guten, das wir dir zu danken haben. Nun ist deine heilige Eehre, die du bis in den Tod behauptet hast, als gött: liche Wahrheit bestättiget. Jedes deiner Worte wird M 166 fo gewiß in Erfüllung gehen, als deine vorhergesagt Auferstehung erfolgt ist. Wir wissen nun, daß di der von Gott gesandte Weltheiland, unser Erlöser bist Wir glauben und vertrauen dir sicher. Auch wir wer den einst auferstehen zum ewigen Leben. Wie trostreich, wie ermunternd ist mir das.- Du ftiegst vom Kreuze nicht herab, wie es deine Feinde spottend gefordert hatten. Aber wie weit herrli: cher war dein Auferstehen vom Grabe. Thut Gott nicht, was thörichte Menschen verlangen, so thut er es aus weiser Absicht nicht; er führt sein Werk doch gewiß aus, und besser, als wir es meinen. Was le will, das muß geschehen, wenn auch die ganze Welt dagegen wäre. Bey deinem Tode frohlockten deine Feinde, und deine Freunde verzagten; es schien nun mit dir aus zu seyn. Aber bey deiner Auferstehung wie er: ftaunten sie beyde! Wie plöglich hat sich da Alles ges wendet! Welch einen glorreichen Ausgang hat da deine Sache, die man schon für verloren hielt, auf einmahl gewonnen! So will ich dann nicht sogleich verdrossen, oder kleinmüthig werden, wenn sich oft meinen redlichsten Bemühungen die größten Hinderniffe und feindselige Menschen entgegen feßen; wenn Alles vergeblich und verloren zu feyn scheint. Wie bald kann sich Alles ändern. Wie erfreulich ist der Ausgang der überstandenen Beschwerden und Leiden. Am Ende muß die gute Sache dennoch die Oberhand behalten; Gott läßt sie nicht ganz unterdrücken. Es wird Alles noch recht werden und besser gehen, wo nicht in dieser, doch in jener Welt. - - m 167 So stärke mich mein Glaube an dich, siegreicher Jesus, im harten Kampfe der Versuchung. So wahr du auferstanden bist, und nimmermehr stirbst; so will ich mich zum neuen Tugendleben erwecken, und nimmermehr vorsäglich fündigen. Meine eigene Schwachheit soll mich bey einigen mißlungenen Verfuchen nicht muchlos machen; deine Auferstehung vers sichert mir Gottes Gnade und Beystand, wenn ich mein Möglichstes thue. Selbst der Tod soll mir nicht mehr schreckhaft seyn: denn du hast ihn überwunden: durch dich ist er mir Eingang ins ewige Lesben. - Jesus Christus im Himmel. Du hatteft dein Werk auf Erden vollbracht, theus erster Jesus, und gingst dann wieder zu deinem Va= ter im Himmel zurück, der dich gefandt hatte, und Dem du gehorsam warest bis in den Tod. Dort lebst und regierst du nun mit aller Gewalt, die dir geges en ist, um Alles gut und selig zu machen, was durch ich gut und felig werden will. Du unfer göttliher Bruder und Freund, einst so tief erniedriget, un zur rechten Hand Gottes, zur höchsten Würde diber Ulles erhoben! Deß freuen wir uns, und bethen obpreisend dich und deinen Vater an. - Du haft diese Erde verlassen, weil sie kein würpiger Aufenthalt mehr für dich war; weil dein Reich nicht von dieser Welt ist; weil hier keine beständige, 168 M vollkommene Glückseligkeit zu finden ist. Zwar ist es schon hier gut um uns, wenn wir uns von dir re: gieren und leiten lassen. Auch diese sichtbare Welt ist schön, und wir genießen darin unzählig viel Gu: tes. Aber unser ganzes Erdenleben, so schäßbar cs uns seyn muß, ist doch nur eine Wanderschaft und Vor: bereitung zu jenem himmlischen, in welches du uns vorangegangen bist. Wir haben hier keine bleibende Stätte. Dort, dort ist unser wahres Vaterland; dort: hin müssen wir trachten; dort wird das hier ange: fangene Gute vollendet; dort wird der Fromme erst vollkommen selig, und das Verdienst belohnt. Was kann ich mir wohl sehnlicher wünschen, als bey dir im Himmel zu seyn. Aber dieses Verlan gen foll mich mit meinem gegenwärtigen Zustande nicht unzufrieden, nicht verdrossen und ungeduldig machen, sondern vielmehr eifriger zu allem Guten, fleißiger in Erfüllung meiner Pflicht, forgfältiger in Meidung jeder Sünde, getrofter im Leiden und Widerwärtigkeiten foll es mich machen. Es foll meinen Geist über das Irrdische erheben; es soll mich die zeitlichen Güter eben nicht verachten, wohl aber nach ihrem wahren Werthe schägen, und gut anwenden lehren, um höhere, ewige dadurch zu erlangen. Wenn ich zu dir in den Himmel kommen will, so muß ich erst nach Gottes Willen meinen Beruf auf Erde erfüllen, wie du ihn erfüllt haft, mein Jefu! Es ist kein anderer Weg dahin, als den du uns vorgezeigt hast. Nur für treue Dienste, für Arbeit und Mühe, und standhafte Geduld ist der große Lohn im Himmel bestimmt; nur durch erprobte Tu m 169 gend fann er verdient werden. Je mehr ich hier Gutes thue, und Beschwernisse überwinde, desto grö= ßer wird dort meine Freude und Seligkeit seyn. Wie viel mußtest du vollbringen und leiden, ehe du in deine Herrlichkeit eingingest! Dein Beyfpiel ermuntere mich, dir zu folgen! Ziehe mich nach dir, stärke mich. Herr, du hast gefagt: ,, Ich gehe hin, euch dort einen Plaß zu bereiten; und ich werde wieder kommen, und euch zu mir nehmen, damit, wo ich bin, auch ihr, meine Freunde, seyn sollet." O welcher Trost, welche erhebende Hoffnung! Du vergießeft meiner in deiner himmlischen Herrlichkeit nicht! Du sorgest auch im Himmel für mich, und willst, daß ich einst immer bey dir seyn soll. Soll ich dieses Glück leicht= sinnig verscherzen? Soll mir eine Mühe zu groß seyn, um es zu verdienen? Nein, mein Jefu! zu dir will ich aufschauen, bey jeder Anreigung zur Sünde, unter den Mühseligkeiten des Lebens, bey Annäherung des Todes. Du siehest auch mit huldreichem stärkendem Blicke auf mich herab. Noch bist du immer bey uns, bis wir dich einst von Angesicht zu Angesicht in deiner liebenswürdigen Herrlichkeit sehen, ja selbst derfelben theilhaftig, bey dir seyn werden. Amen. - Auf Pfingsten und die Aposteltage. Anbethung und Dank sey dir, so Gott, daß du die Jünger deines Sohnes mit dem heiligen Geiste erfüllt, als deine Bothen ausgesandt hast, seine feligmachende H 170 m Lehre in der Welt zu verbreiten. Welch große Din ge hast du an ihnen, und durch sie gethan! Sie wa ren ehemals zwar gutherzige, aber noch schwache Men schen. Durch den heiligen Geist ging ihnen ein neues Licht auf, und ein heiliger Eifer entflammte ihre Her zen; durch ihn bekamen sie höhere Einsichten in die Lehre der Wahrheit, und eine so feste Gewißheit da von, daß sie im Stande waren, sie überall, auch mit Aufopferung ihres Lebens, zu behaupten. Mit ſeiner Gaben ausgerüstet, gingen sie unerschrocken allen Ge fahren und Hindernissen entgegen, scheuten weder die Wuth ihrer Feinde, noch Marter und Tod; bestritten Aberglauben und Laster, predigten Buße und Berges bung der Sünden, und verkündigten, als unverwerfli che Zeugen, Jesum den Gekreuzigten und Auferstandenen, als den wahren Heiland der Welt. So wur den durch sie tausend und tausende belehret und felig; so wurde das Christenthum in die Welt eingeführt, die christliche Kirche, das Reich Jefu auf Erden gegründet. Das ist dein Werk, o Gott! Nur durch die Kraft des heil. Geistes, den du ihnen durch deiren Sohn mitgetheilt haft, fonnten sie es vollbringen, und alle die Feinde überwinden, mit denen sie zu kämpfen hat: ten. Ewiger Dant fey dir, o Herr! daß du das Wort und Werk deiner Apostel so reichlich gefegnet haft. Wir genießen noch die Früchte davon; auch uns wird das Evangelium, diese erfreuliche Bothfchaft unserer Erlösung und Seligkeit verkündigt. Und der heili ge Geist, den einst die ersten Jünger Jesus empfingen, - m 171 M wohnt und wirkt noch immerfort in allen reinen from: men Seelen, in welche die Lehre Jefu Eingang fins det. Es ist der Geist der Wahrheit und Liebe, der uns erleuchtet und stärket, tröstet und heiliget, und durchaus so gesinnt macht, wie es Kinder Gottes und Jünger Jefu feyn müssen. D laß auch mich, o Gott, wie einst die Apostel, die Wirkungen deines heiligen Geistes erfahren, den dein Sohn allen denen verheißen hat, die dich mit fehnlichem Verlangen darum bitten. Zwar bedarf ich der außerordentlichen Gaben nicht, welche sie zu ihrem Umte nöthig hatten; und eben so wenig darf ich wunderbare Eingebungen, oder eine Gnadenkraft von die erwarten, die mich ohne eigenes Nachdenken erleuch. ten, ohne mein ernstliches Wollen und Mitwirken heis iligen sollte. Aber wenn ich die göttliche Lehre gern höre, merke und ausübe- wenn ich die Mittel des Unterrichts und der Besserung sorgfältig gebrauche, jede Gelegenheit zum Guten mit Freuden ergreife, jeden guten Gedanken zu Herzen fasse, und den ges faßten ins Werk setze- wenn ich der Mahnung meines Gewissens, als einer göttlichen Stimme, folge, und es mir wahren Ernst seyn laffe, immer vernünftiger, besser und heiliger zu werden: dann kann ich mich trösten, daß der heilige Geift auch mich erleuchte, be= slebe und heilige. Ob ich gleich fein göttliches Wesen und Wirken nicht begreife, so werde ich doch seine mächtige Kraft an mir erfahren: er wird mich stärken zur Stunde der Versuchung und Trübfal; wird mir Muth und Vertrauen einflößen, und wird mein Bey= stand und Tröster seyn. $ 2 172 Erfülle, o Gott, mit deinem heil. Geifte, wi einst die Apostel, auch ihre Nachfolger, unsere Lehre und Seelenhirten die Regenten und Obrigkeiten fegne ihr Amt und Werk Sende deinen stärkender Tröster allen Betrübten und Leidenden zu Allen, di versucht und geängstiget werden, oder dem Tode fid nähern. Führe die Irrenden auf den rechten Weg erleuchte alle Menschen mit dem Lichte seiner Wahr heit, und durchdringe die Herzen mit dem Feuer sei ner Liebe. Amen. M 110 - Andacht zur allerseligsten Jungfrau Maria. 0 Mutter unsers Herrn Jesu Christi! Wie lieb- und verehrungswürdig bist du uns! Wie viel Dank ist dir die Welt schuldig, die du unsern Heiland geboren und erzogen hast. Wer muß dich nicht ehren und lieben, der Ihn und Dich kennt!- Nicht bloß deiner hohen Würde, sondern deiner reinsten Tugend wegen, die Gott selbst so wohl www 173 gefallen hat, verdienest du wahrhaft verehret zu werden, heil. Jungfrau. Aber du willst nur eine solche Verehrung, die uns selbst die heilsamste ist, die uns zu besseren und seligen Christen macht. Du weisest uns auf deinen Sohn hin, und redest uns zu: Was er euch sagt, das thuet. Nun das soll dann auch allezeit mein Sinn und Vorsag seyn, so oft ich dein Bild ansehe, oder dich mit den Worten des Engels begrüße. Mutter meines Heilandes! ich will der Lehre deines Sohnes treulich folgen, damit mir die Wohlthat seiner Menschwerdung zu Nußen komme. Auch dein schönes Beyspiel, deine Gottes- und Menschenliebe, deine Unschuld und Sittsamkeit, deine Demuth und Geduld, dein Gehorsam und Vertrauen, deine Sanftmuth und Freundlichkeit, deine treue Sorgfalt und Gevissenhaftigkeit in Erfüllung deiner Pflichtmuntere mich zur Nachahmung auf. Was kann ich dir zu Ehbren Besseres thun? Ja das wird Gott und dir das Angenehmste, und mir das Nüßlichste seyn. Und das soll auch 174 mein eifrigstes Bestreben, und die Frucht meiner Andacht seyn. Amen. * * Selig der Leib, der dich getragen hat sc. So rief einst ein Weib voll Bewunderung unserm Herrn zu. Glückfelige Mutter, wollte fie fas gen, die einen solchen Sohn unter ihrem Herzen ges tragen, und an ihrer Brust gehabt hat! Jefus fagte aber darauf: Ja freylich selig die, welche Gottes Wort hören und beobachten! Sies he mein Chrift, fo fannst und sollst auch du selig werden, wie Maria. Ein anderes Mahl, als Jefus im Lehren begrif fen war, wurde ihm gemeldet, daß seine Mutter und Brüder( feine nächsten Anverwandten) daraußen stäns den, und mit ihm sprechen wollten. Da sagte er: Wen nennt ihr meine Mutter und meine Brüder? Hier,( mit der Hand auf seine Jünger und Jüngerinnen deutend,) hier fehet meine Mutter und meine Brüder; denn wer den Willen meines Vaters thut, der ist mir Mutter, Bruder und Schwester. Wie lehra und trostreich ist uns das! Jeder, der Gottes Willen thut, wie ihn Maria gethan hat, ist ihm so lieb, als wenn er sein nächster Blutsfreund, seine leibliche Mut ter, Bruder, oder Schwester wäre. 175 Marianische Litaney. ( 3ur Abwechslung mit der Lauretanischen.) Herr, erbarme dich unser zc. Wir bethen dich, o Jesu! mit frommer Ehrfurcht an. Auch deine liebe Mutter ehren wir zu deiner Ehre. Du ehrtest sie ja selbst als Sohn, und warst ihr mit Kindesliebe unterthänig. Nun theilst du deine Herrlichkeit mit ihr, und lohnst ihr ewig ihre Treue und Liebe. Da glänzet sie, hell wie die Sonne, schön wie der Mond am SternenHimmel. Es ehrt und preist sie selig, wer dich kennt, und durch dich selig wird. Sie ist's auch würdig, daß wir sie mit wahrer Andacht ehren. Wie rein an Zugenden war fie! Wir ehren sie zu deiner Ehre. 176 kel Wie rein von aller Sündenma-] die unbefleckte Jungfrau. Wie eingezogen, fromm und sittsam war ihr ganzer Lebenswandel. Wie willig folgte sie der Führung Gottes, auch auf harten Wegen. Voll Demuth gab sie Gott allein die Ehre für Alles - nur seine Gnade rühmte sie. 1 M 1 Mehr als ihr eigenes Glück erfreute sie das Heil der Welt, daß ihr durch dich bereitet werden sollte. O welche gute Mutter war sie dir! Welch treue Gattin ihrem frommen Joseph. naisi, forsla Wie liebreich war ihr Herz, wie sanft, dienstgefällig ihr Betragen. In Niedrigkeit und Armuth lebte sie zufrieden, still und heilig. Stets hielt sie Gottes Wort in ihrem Herzen; sein Wille war ihr über alles. mo drait Jm größten Schmerzen bey deinem Kreuze blieb sie noch im Vertrauen feſt. Nun freut sie ewig sich bey dir der überstandenen Leiden. Wir ehren sie zu deiner Ehre. siste 177 Dort stehet sie an deinem Throne; und sieht mit Mutterliebe auf uns herab; Wir ehren sie zu deiner Ehre. Daß wir auch gut und selig werden ſollen das ist dort ihr Gebeth und Wunsch bey Gott! Wir ehren sie zu deiner Ehre. Lamm Gottes 2c. CONFER Laß dir, o Herr, unsere Verehrung deiner heiligen Mutter gefallen, und sie uns durch Nachahmung ihrer Tugenden heilsam werden, damit uns einst auch ihre Seligkeit zu Theil werden möge. Amen. Andacht zum heil. Joseph. Gott! du siehst nicht auf Stand und Ansehen, sondern auf guten Willen und Jugend. Darum hast du den heil. Joseph, ob er gleich nur ein gemeiner Handwerksmann war, zum Nährvater deines Sohnes auserwählt, weil er ein rechtschaffener Mann war. Er gehorsamte dir, und vertraute auf dich in härtesten und betrübtesten Umständen. Aber wie wurde er auch wieder dafür erfreut und belohnt! Wie sanft und )( 178 beiter war sein Tod! Wie hoch ist er jetzt aus seiner Niedrigkeit erhoben im Himmel. wie selig. - So will ich dir nun auch in Allem willig folgen, o Gott! Wenn ich das, was du mir anvertrautest, redlich besorge, so willst du auch für mich väterlich sorgen. Wie dürfte ich an deiner Hilfe verzagen, und von deiner weisen Güte nicht das Beste erwarten? Aber wie könnte ich mich auf dich verlassen, wenn ich nicht thun wollte, was du haben willst! Nein, mein Gost! so schwer es mich auch manchmahl ankommen mag, es geschehe von mir dein heil. Wille! Komm ich dann doch in unverschuldete Trübsal und Noth, so kann ich getrost seyn; du wirst endlich Alles zu meinem Besten leiten. So treffe mich der Tod in der Uebung des Gehorsams und Vertrauens. Dann sterbe ich selig. Amen. Andacht zur heil. Anna. Heilige Anna! wir ehren dich als die Mutter der Hochgebenedeyten, die uns den Heiland geboren hat! Gewiß Hast du dich dieser Ehre durch deine 179 m stille Tugend, die Gott allein bekannt war, würdig gemacht, so wenig wir auch von dir wissen, Alles Gute, das du als eine gute Hausmutter im Stillen gethan haft- alles Leiden, das du mit gottergebener Geduld ertragen hast, bemerkte Gott, und belohnte dich schon in dieser Welt durch die süssesten Mutterfreuden. Wie groß muß erst dein Lohn im Himmel seyn. Wie ich dein Andenken ehre, so will ich nun auch in meinem Stande Gott und den Menschen treulich dienen, Gutes thun, und Nußen schaffen, wie und wo ich kann, ohne eigennüßige Absicht auf Weltlob und Weltlohn. Ich will meinem Stande, in den mich Gott geseßt hat, Ehre machen dadurch, daß ich die Pflichten desselben erfülle, und, ohne heilig scheinen zu wollen, heilig lebe; indem ich Gottes Willen vollziehe. Keine Arbeit sen mir zu schlecht, keine Mühe zu schwer, die er mir auflegt. Mag immer die Welt nichts von mir wissen. Genug daß Gott mich kennt. Sein Beystand wird mich stärken, sein Segen belohnen. Amen. 180 M zu Ehren St. Johannes des Täufers. HOP Gott! du hast den heil. Johannes deinem Sohne vorhergesandt, um die Menschen durch Besserung auf seine Ankunft vorzubereiten, und ihm den Weg in die Herzen zu bahnen. Er taufte sie zum Zeichen der Reinigungvon Sünden, mit Hinweisung auf denjenigen, welcher die Sünden der Welt hinwegnehmen würde. O daß auch an uns die Absicht seiner Ankunft durch wahre Besserung und Reinigkeit des Herzens erfüllt werde! Das sey unser eifrigstes Bestreben! Hilf uns dazu, durch eben denselben Jesum Christum. Amen. Zu Ehren St. Johann von Nepomuk. Gott! du hast durch das unverbrüchliche standhafte Stillschweigen des heil. Johannes deine Kirche mit einer neuen Martyrerkrone gezieret. Stärke uns durch sein Beyspiel, daß wir unsere Zungen sorgfältig bewahren, und lieber alles andere Uebel erdulden, als Pflicht und Gewissen verleßen. Durch Jesum Christum. Amen. 181 An einem abgebrachten Feyertag. Was Menschen einseßen, das können sie auch wieder abstellen. Nur dein Geboth, o Gott, ist unveränderlich. Und dein Geboth ist es, daß ich meiner Obrigkeit in allen billigen Dingen gehorsamen soll. Die geist- und weltliche Obrigkeit hat die Anzahl der ehemahls von ihr eingesetzten Feyertage vermindert, weil sie von vielen schlecht zugebracht wurden. Heut ist also kein Feyertag mehr, und Müssigang würde mich vor dir nur strafbar machen. Ich will also darüber keineswegs murren, oder mich aufhalten, wenn ich andere Leute arbeiten sehe, sondern mich vielmehr willig dazu bequemen, wenn es meine Vorgeseßten verlangen; oder wenn sie es auch nicht fordern, für mich selbst etwas Nüßliches thun.- Arbeit ist ja auch ein gutes Werk, ja mit guter Meinung verrichtet selbst ein Gottesdienst, weil ich Gott diene, wenn ich nach seinem Willen thue. Gehorsam ist besser als Opfer. Ich kann doch dabey in die Kirche gehen, Gott zu Liebe 182 m arbeiten, und also diesen Tag heilig zubringen. Und das ist gewiß auch dir das Liebste, Heiliger N. N. Wie könnte ich dich durch Müssiggang und Eigenfinn ehren? Du bist ja selbst nur darum heilig und selig, weil du treulich gearbeitet, und Gottes Willen erfüller haft, und bittest jeßt für uns um nichts anders, als was Gottes Willen ist. Amen. Am Kirchweihfeste auch sonst noch öfter zu bedenken. Dieß Haus heißt Gotteshaus, weil es dazu bestimmt und eingeweiht ist, daß sich da Gottes Kinder, wie im Hause ihres Vaters versammeln, ihn gemeinschaftlich zu verehren, seinen väterlichen Willen zu vernehmen, sich durch Bruderliebe zu verbinden, und zu allem Guten ermuntern zu lassen. O wie schön, wie gut ist das. Wer sollte da nicht mit Freuden erscheinen. 3war bist du uns überall nahe, Allgegenwärtiger! Du wohnest nicht in Häusern, von Menschenhänden gebaut, selbst 183 der Himmel schließet dich nicht ein. Aber wir kommen dir näher, da uns hier Alles an dich erinnert, und unser Geift, frey von andern Geschäften, sich mit dir von seinen wichtigsten Angelegenheiten unterhalten kann. Hier haben sich unsere Vorältern versammelt; und auch unsere Nachkommen werden hier den Gott unserer Väter suchen.- So Viele gingen gebesserter, getrofter, gestärkter von hier weg. Ist das auch von mir wahr? Warum erscheine ich hier? Wie verhalte ich mich da? Welche neue Einsicht, Kraft und Entschlossenheit brinDas soll ge ich mit nach Hause? jeßt und künftig mein ernstliches Nachdenken seyn. Gott, verzeih mir meinen bisherigen Leichtsinn, segne meine Andacht, meine Vorsäge. Amen. - - - Andacht zu Ehren eines heil. Märtyrers. Wie verehrungswürdig bist du uns, heil. N. N. daß du dich lieber wolltest martern und tödten, als von Gott und Christo abtrünnig machen lassen. Wäret ihr heilige Märtyrer! nicht so standhaft gewesen, so wäre das M 184 Christenthum vielleicht längst ausgerottet worden, und nicht bis zu uns gekommen. Ihr habet es mit eurem Blute bezeuget, vertheidiget und fortgepflanzet. Wie viel Dank sind auch wir euch schuldig! Aber zugleich wie ermunternd ist uns euer heiliges Beyſpiel. Zwar die Zeiten sind vorbey, da die Christen des Glaubens wegen die schweresten Drangsale und Verfolgungen auszustehen hatten. Aber ach, wie vieles will auch mich noch von der Ausübung meines Christenthums abwendig machen! Bald reißt mich ein verführerisches Beyspiel; bald macht mich Furcht oder Trägheit wankend. Wie schwach bin ich noch, wie wenig noch in der Jugend geübt. Wie muß ich mich schämen, wenn ich mich mit euch vergleiche, ihr glorreichen Blutzeugen Christi. Freylich sage ich oft: Ich will lieber sterben, als sündigen. Und doch fündige ich lieber, als daß ich ein kleines Ungemach leide, eine harte Rede übertrage, ein kurzes falsches Vergnügen, einen schlechten zeit 185 M lichen Gewinn fahren lasse, oder eine kleine Beschwerniß überwinde: die mindeste Versuchung wirft oft meine besten Vorfäße zu Boden. Wie würde ich bestehen, wenn ich die Feuerprobe des Martyrerthums aushalten, Leben und Blut für mein Christenthum aufopfern follte? So viel forderst du nicht von mir, mein Gott! du willst nur, daß ich durch ein christliches Leben meinen Glauben standhaft bekenne, daß ich wider alle Reizung und Neigung zur Sünde, wider alle Hindernisse der Tugend, standhaft kämpfe, und mich durch nichts in der Welt verleiten lasse, wider Pflicht und Gewissen zu handeln. Und sollte der Glaube an dich, der die heil. Märtyrer so stark machte, nicht auch an mir seine Kraft beweisen? Sollte mir dein Wille und Wohlgefallen, meine Seligkeit nicht mehr gelten, als Alles in der Welt? Sollte ich mich vor Menschen mehr fürchten und scheuen, als vor dir. Sollte mir eine Mühe zu schwer seyn, welche den Himmel kostet? Nein, mein Gott! ich kann ja auf deinen Beystand 186 vertrauen; durch dich vermag ich Alles, wenn ich nur ernstlich will. So will ich dann, fern von aller Scheinheiligkeit mich nie meines Christenthums schämen; auch es nie achten, wenn ich deßwegen Spötterey Verfolgung oder zeitlichen Schaden zu erdulden hätte. Tausend Mahl lieber will ich Unrecht leiden, als thun, meinen Feinden mit Liebe begegnen, fie mit Sanftmuth und Güte zu gewinnen suchen. Unverdrossen und standhaft will ich meine Christen- und Standespflichten erfüllen; und da ich mein Blut nicht, wie die heil. Märtyrer vergießen darf; so soll es nur dazu in meinen Adern fließen, daß es mich bis zum letzten Pulsschlage zu unermüdeter Ausübung guter Werke belebe. Auf solche Weise will ich meinen Glauben durch That und Leben bekennen, auf daß ich einst würdig werde, nach glücklich überstandenen Kämpfen und Leiden, mit euch, ihr ruhmvollen Märtyrer, heil. N. N., die Siegeskrone der Himmlischen Glorie zu erringen. Amen. - 187 3n Ehren des heil. Bischofs, der das Christenthum im Lande eingeflanzt hat. Dank sey dir, o Cott, daß du deinen treuen Diener N. N. in diese damahls ganz wüsten Gegenden kommen, und unsern Vorältern die christliche Liebe haft verkündigen lassen. Du hast seine Mühe gesegnet, und wir genießen noch die Früchte davon. So machst du Menschen durch Menschen selig. Heiliger N. Wie viel Mühe Hast du dich kosten lassen, wie viel Beschwernisse überwunden? Wie angelegen war dir das Heil der Seelen, und zugleich das zeitliche Wohl deiner Heerde! Wie viel Dank ist dir das Vaterland und die späteste Nachwelt schuldig. Wie herrlich aber auch nun dein Verdienst im Himmel belohnt. Du fiehest nun schon so viele Jahrhunderte hindurch die Früchte deiner Bemühungen preisen. Alles Gute, das auf dem Grunde, den du gelegt haft, fortgeseßt und vollgebracht wird, vermehrt deine himmlische Freude und Glorie. Ganze Nachkommenschaften ehren dich als ih- - 188 M ren Vater und Wohlthäter, und segnen dein preiswürdiges Angedenken. Auch ich will dir meine dankbare Verehrung dadurch bezeigen, daß ich der göttlichen Lehre, die du verkündiget hast, gern und aufmerksam Gehör gebe, und Folge leiste, anderen mit gutem Beyspiele vorleuchte, und überall Gutes wirke, mit liebreichem, bescheidenem, standhaftem Eifer, so viel ich kann. Dieß ist deine größte Freude, dein Wunsch und Gebeth bey Gott dieß sey auch mein Bestreben; so wird es einst meine Seligkeit seyn. Amen. Zu Ehren des Heil. Landespatrons. Großer Heiliger, längst haben dich unsere Vorältern verehret, und wegen deiner Liebe zu uns, deinen Landeskindern, dich als ihren Fürbitter bey Gott erwählet. Dank sey dir gesagt für alles Gute, das du einst unserem Vaterlande in deinem sterblichen Leben erwiesest. Dank wird dir auch die späte Nachwelt bringen, für den Segen, den du uns noch immer von Gott erbittest; denn du be m 180 m theft auch jetzt noch, wie der Prophet Jeremias für die heilige Stadt Jerusalem bethete. Möchten wir nur auch deine Liebe zu Gott und den Nächsten, deinen Eifer in der Andacht und in allem Guten immer besser zu Herzen nehmen, und dir nachahmen: Seyd meine Nachfolger, gleich wie ich ein Nachfolger Christi war, rufest du uns mit dem Apostel zu. Sieh, heiliger Mann, wir hören deine.Stimme. Wenn wir zuerst nach deinem Beyspiele das Reich Gottes und die Gerechtigkeit gesucht haben, so werden wir auch im Uebrigen keine Noth und keinen Mangel leiden, sondern deiner Fürbitte erst recht fähig und würdig seyn. Kommt dann der Tag der Ernte herbey, o, mit welcher Freude wirst du uns, deine Landeskinder, vor Gott versammeln, und sagen: Sieh, ich habe keinen aus denjenigen, die du mir anvertrauet hast, verloren." Der barmherzige Gatt lasse uns alle diesen Trost erfahren. Durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. M 190 Gebeth zum heil. Namenspatron. O du getreuer Diener( getreue Dienerinn) Gottes, dessen( deren) Name mir in der heiligen Taufe gegeben wurde, dich verehre ich besonders als meinen Freund und Fürsprecher( meine Freundinn und Fürsprecherin) bey Gott. So oft ich deinen Namen höre, so will ich mich an dich und an deine schönen Thaten erinnern, die dir die Heiligkeit erwarben. Auch ich soll selig werden, auch ich soll fromm und tugendhaft leben, wie du gelebt hast. Dieß verlangt Gott von mir, dieß habe ich selbst in der heiligen Taufe versprochen, und was könnte dir noch besser an mir gefallen, als dieses? Allein da ich noch so schwach bin, so stärke mich dein Beyspiel, heiliger Namenspatron,( heilige Namenspatroninn,) daß ich standhaft im Guten bleibe, und täglich besser werde. Du warest einst, was ich bin: ein schwacher Mensch, und dennoch bist du ein Heiliger( eine Heilige) geworden. Mit deiner Gnade, o Gott, und bey meiner ernstlichen Mitwirkung kann ich 191. es auch werden. Ich bitte dich darum in Vereinigung der Fürbitte meines heiligen Namenspatrons,( meiner heiligen Namenspatroninn) durch Jesum deinen Sohn. Amen. Andacht zu den Heiligen insgemein. Dir allein gebührt Anbethung Allerheiligster! Dich ehren wir auch in deinen Heiligen; durch dich wurden sie heilig und selig. Dir sey Ehr und Dank, daß du die Welt mit ihren Tugenden erleuchtet, und uns so viele schöne Muster zur Nachahmung aufgestellt, daß du sie in den Stand gesetzt hast, ſo viel Gutes zu thun, und sie nun ewig dafür belohnest. Wie viele tausend und tausende aus allen Zeiten und Völkern, aus allen, auch den niedrigsten Ständen, find nun bey dir in dem himmlischen Reiche versammelt. Du hast sie aus ihrer Niedrigkeit zu hohen Ehren erhoben. Wir ehren sie als deine Freunde, ihrer Sugenden und Verdienste wegen; und freuen uns ihrer Seligkeit, als ihre Brüder, die einst auch zu ihnen kommen sollen. m 192 Dihr lieben Heiligen Gottes! Jhr, deren Gedächtniß heute in der Kirche begangen wird.- Jhr insonderheit, heil. N. N.( Hier kannst du deine Namenspatronen und diejenigen Heiligen nennen, die du aus besonderer Zuneigung verehren willst.) Wie lieb und ehrwürdig seyd ihr mir. Wie erhebt sich mein Herz, wenn ich zu euch gegen Himmel aufblicke. Wie ermunternd ist mir der Gedanke, daß auch ich schon jetzt mit euch in Gemeinschaft stehe, und einst ewig bey euch seyn soll. Auch mir steht der Weg dahin offen: es ist kein anderer, als den uns die Lehre und das Beyspiel Jesu vorgezeigt, auf dem ihr uns vorangegangen send. Ich muß auch heilig leben, wenn ich selig werden will. Gott, werde ich es auch können? O ja! Denn die Heiligkeit und Sugend, welche du von mir forderst, be steht nur darin, daß ich mich von aller Sünde rein halte, und alle meine Pflichten treulich erfülle. Gewiß werden die mehresten Heiligen aus dem zahlreichen Bürger- und Bauernstande, und darunter auch viele meiner Vorfahren seyn. Sie lebten in der Welt unbe- M 193 merkt, oder gar verachtet; führten ein gemeines, und doch heiliges Leben; ihre Namen sind hier unbekannt und längst vergessen; aber im Buche Gottes stehen sie weit oben an, und ihre Glorie ist desto grösser im Himmel, je weniger Aufsehen sie auf Erden machten. Die erstaunlichen Dinge, die manche Heilige gethan haben, dürfen mich nicht muthlos machen. Du siehest nicht auf die Größe der That, sondern auf die Redlichkeit des Herzens und des Bestrebens; du nimmst auch den ernstlichen Willen, der thut, so viel er kann, für das Werk selbst auf. Nicht die vorzüglichen Gaben, sondern den guten Gebrauch auch der weit geringern rechnest du zum Verdienste an. Du beurtheilest auch die Handlung nicht nach ihren glücklichen Folgen, oder nach dem sichtbaren Nußen; sondern du schäßest und belohnst die gute Absicht und Mühe, wenn gleich lange keine Frucht davon zu sehen wäre. Was bloß bewundert werden kann, das macht den Heiligen nicht aus, und darf von mir nicht nachgeahmt werden. Um heilig Com Am 194 zu seyn, darf ich kein Sonderling, kein leutscheuer, finsterer Kopfhänger seyn, nicht in die Einöde fliehen, nicht allen zeitlichen Gütern, allen auch unschuldigen Freuden entsagen. Ich soll sie dankbar, zufrieden und mäßig genießen, aber sie auch aufzuopfern, und zu entbehren bereit seyn, wenn Pflicht und Tugend es fordern. Ich soll in der Welt leben, um ihr nach meinen Kräften zu nüßen, ohne mich von ihren bösen Sitten und Beyspielen verführen zu lassen. Ich muß so viele Strenge gegen meine Lüste und Neigungen brauchen, als nöthig ist, um sie in Schranken zu halten, mich gegen Ueppigkeit und Sünde zu bewahren, und zugleich unvermeidliche Leiden mit Geduld ertragen zu lernen.-Nicht alles, was die Heiligen in ihren Umständen gethan haben, sondern was sie bey ihrem guten, Gott ergebenen Willen, in meinen Willen, in meinen Umständen thun würden, soll ich mir vorstellen, und thun. Jhre Gottes- und Menschenliebe, ihr Eifer für alles Gute, ihre Gewissenhaftigkeit soll uns zum Vorbilde dienen. 195 Und diese Heiligkeit ist es, die uns an euch zur Verehrung und Nachahmung vorgestellt wird, ihr Heiligen Gottes. Nach dieser soll mein eifrigstes Trachten seyn. Ihr waret auch von Natur schwache Menschen, wie ich, ihr lebtet auch in einer verderbten, gefahrvollen Welt; viele in dem nämlichen Stande, hattet mit noch weit stärkeren Versuchungen und Hindernissen zu kämpfen, wie ich. Ihr habet sie mit Gottes Beystande überwunden. Was euch möglich war, das kann auch ich. Auch mir verleiht Gott Kräfte und Mittel, und Alles, was ich nöthig habe, um heilig und selig zu werden. Was wäre das für eine Verehrung, wie könnte sie Gott und euch gefallen, wenn ich euch nur wegen der Fürbitte, und nicht vorzüglich wegen eurer Tugend verehrte? wenn ich euere Tugend nur bewundern, aber nicht nachahmen wollte? Nein! So wahr ich euch ehre und liebe, so redlich will ich mich auch befleißen, euch nachzufolgen. Eure Bilder sollen mich an eure Beyſpiele erinnern. Eure Feste sollen mich, euch nachzutrachten ermuntern. Was 32 196 nüßte mir meine Andacht zu euch, und Alles, was ich euch zu Ehren thue, wenn ich dadurch um nichts besser würde, immer so weit von eurer Heiligkeit entfernt bliebe, daß ich nicht hoffen könnte, einst zu euch zu kommen. Jhr sehet mit Bruder- und Schwesterliebe auf uns herab, und wünschet nichts mehr, als uns einst bey euch im Himmel zu sehen. Das ist auch euer Gebeth bey Gott. Aber was für vermessener Leichtsinn wäre das, wenn ich forglos dahin leben, und mich nur auf eure Fürbitte verlassen wollte? Davor bewahre mich, mein Gott! Laß vielmehr meine Andacht zu meiner eigenen Heiligung gereichen, damit ich einst auch ihrer Seligkeit theilhaftig werde. Amen. M Erinnerung, besonders über die Fürbitte der Heiligen. Lerne aus diesen Gebethen, lieber Chrift, warum und wie du Maria und die Heiligen verehren, und( was die Hauptsache ist) nachahmen follest, damit deine Andacht Gott und den Heiligen wohlgefäl= lig, und dir nüglich werde. Viele verehren sie nur, ihrer Fürbi te wegen, durch welche sie Alles zu er: 197 m langen hoffen; ja sie scheinen fast mehr Vertrauen auf sie, als auf Gott zu sehen; wenden sich öfter und lieber an fie, als an Gott. So entsteht dann eine falsche, eigennügige, den Heiligen selbst mißfällige Una dacht. - Was gute Menschen thun, da sie andere in ihr Gebeth einschließen, und also für sie bitten, das kön nen wir noch weit besser von den lieben Heiligen hoffen. Sie stehen noch in Gemeinschaft mit uns, und wir mit ihnen; sie lieben uns als ihre Brüder, und wünschen innigft unser wahres und ewiges Wohl, das heißt: sie bitten für uns. Sie schließen uns in ihr himmlisches Gebeth ein, das aber weit verständiger und heiliger als das unsrige ist. Sie sehen die gött: liche Einrichtung und Regierung, nach welcher Alles in der Welt gehen muß, die Ursachen und Absichten der Dinge weit besser ein, als wir. Sie können also nichts anders wollen und wünschen, als was Gott will, was seiner weisen Ordnung gemäß, was uns und der ganzen Welt zum Besten ist. - Zur Anweisung, wie du in Anliegen und Noth zu Gott und seinen Heiligen bethen sollst, diene Fol gendes. Trostgebeth zu Gott in Anliegen und Leiden. Gott! du siehst meine Noth, dir klage ich sie; nicht um dich durch mei M 198 M ne Seufzer erst zum Mitleid zu bewegen, sondern mein Herz zu erleichtern, und mich im Vertrauen auf dich zu bestärken. Du bist mein liebender Vater; mächtig und reich genug, mir zu geben, was mir nöthig und nüßlich; von dir kommt Alles, was helfen kann. Du weißt Alles, ohne deinen Willen geschieht nichts, und was du willst, ist gewiß das Beste. Du hast keine Freude daran, deine Kinder leiden zu sehen; du würdest uns gerne damit verschonen, und uns lauter Vergnügen machen, wenn es in diesem Leben möglich, wenn es uns nüßlich wäre. Durch Krübsal und Noth willst du uns aufmerksam, vorsichtig, fleißig und ordentlich machen Ge= duld, Mässigkeit, Sanftmuth, Mitleid mit andern, lehren unsern bösen Lüsten, unserem Leichtsinne und Uebermüthe Einhalt thun, und uns auf diesem Wege zur Besserung, Tugend und Seligkeit leiten. 20020 Ich habe des Guten schon so viel aus deiner Hand empfangen und genossen. Aber ich habe es allzu wenig erkannt, dir schlecht gedankt, mein Gott! - 199 ja oft deine Gaben zum Sündigen gemißbrauchet. Durch ihren Verlust soll ich sie erst recht schäßen lernen, und dann desto besser anwenden, wenn du sie mir wieder schenkest. Ach wir fündige Menschen sind wohl selbst an dem größten Theile unserer Leiden Schuld. Wir müssen unsere Fehler und Thorheiten büßen, und durch Schaden klug werden. Die Trübsal ist ein heilsames Zuchtmittel in deiner Hand, o Vater! Du würdest uns weniger lieben, wenn du es weniger brauchtest. Auch ich habe gesündigt, und Strafe verschuldet! Mit Demuth küsse ich die Vaterhand, die mich züchtigt, um mich zu warnen, zu bessern, und vor grösserem Uebel zu bewähren. Wüßte ich mich aber dieß Mahl nicht schuldig, wie getrost könnte ich seyn. Dann litte ich als Christ, als Nachfolger meines unschuldig leidenden Jesus. bi So will ich dann nicht murren; nicht durch unnüßes Klagen und Zagen, durch Widerspänstigkeit und Üngeduld mir mein Leiden noch schwerer, das Uebel noch größer machen; son 200 dern auf Mittel denken, wie ich mir selbst helfen, oder die Last doch erleichtern, und aus dem Uebel noch Gutes ziehen möge. Vor dir, mein Gott, lege ich meinen Kummer nieder; dir ergebe ich mich. Wie du bisher väterlich für mich gesorgt hast, so wirst du mich auch ferner nicht verlassen, wenn ich nur das Meinige thue. Das ist mein Trost, und mein Vertrauen. Amen. Siehe die Litaney von der göttlichen Vorsichtigs feit Seite 45. Trostreiches Gebeth zu Maria. O du holdseligste Jungfrau, und liebreichste Mutter Maria! du weißt aus eigener Erfahrung, was Leiden ist, und siehest mit mütterlichem Erbarmen auf uns herab, für welche dein Sohn so viel gelitten hat.- O wie trostreich ist mir dein Anblick. Du zeigest mir deinen Jesus, und sagst mir gleichsam: Sieh, dir zum Heile habe ich ihn geboren, dir zu Liebe litt und 201 starb er, auch zu sich in dem Himmel will er dich nehmen, wenn du mir folgest.. So lieb hat mich Gott! Wie getrost kann ich seyn. Hat Gott seines eigenen Sohnes und seiner lieben Mutter nicht geschonet, so darf ich ja die Leiden nicht als lauter Zeichen der göttlichen Ungnade ansehen, noch dabey kleinmüthig zagen und murren. Hab ich sie auch verschuldet, so sollen sie mir zur heilsamen Buße, zur Warnung und Besserung, zu meiner Seligkeit dienen. O Maria! Wie viel haft auch du mit deinem göttlichen Sohne gelitten. Aber wie hoch bist du jetzt mit ihm dafür belohnt und erfreut. So werden sich auch meine weit geringere Leiden einst in desto größere ewige Freuden verwandeln, wenn ich sie nach deinem Beyspiele mit Demuth aus Gottes Hand annehme, mit Geduld ertrage, und christlich mir zu Nußen mache. Deine Fürbitte bey Gott( in welche ich auch eingeschlossen bin) begehrt nichts anders, als was sein Wille und unsere Seligkeit ist. Das erkennest du besser, als ich, du weiseste Jungfrau! X apg - 202 m Ich vereinige mein schwaches Gebeth mit dem deinigen, und spreche getrost dir nach: Herr, mir geschehe Daran nach deinem Worte! halte ich mich. Auf ihn allein sehe ich mein ganzes Vertrauen. In Freude und Leid geschehe an mir und durch mich sein heiligster Wille. Das wird allezeit mein Trost und mein Glück seyn. Amen. - Als Maria bey der Hochzeit zu Cana ihr Fürs wort einlegte, that Jesus doch nicht gleich, was fie wünschte; fondern er hieß sie ruhig seyn, weil der rechte Zeitpunkt noch nicht da war. Sie aber sprach zu den Leuten: Thuet nur alles, was er euch Also mein Chrift! fagen wird. - Thu, was Gott will; vertraue auf ihn: Wenn's gleich nicht geht nach deinem Sinn.. Trostreiches Gebeth zu den Heiligen, zu welchen man ein besonderes Zutrauen hat. O ihr lieben Heiligen N. N., die ihr auch erst durch Trübsale und Leiden zur Heiligkeit und Seligkeit gelanger send— ihr besonders, die ihr m 203 einst in eben solcher Noth und Bedrängniß waret, wie ich zu leiden habe. Ihr sehet jetzt mit Erbarmen auf uns herab, und habet Mitleid mit unserer Schwachheit und Mühseligkeit; denn ihr wisset aus ehemaliger Erfahrung, wie es uns armen Sterblichen geht; wie schwer die Noth drückt, wie weh das Leiden thut. Aber ihr wisset nun auch, wie nothwendig und nußbar es ist; wie gute Früchte es bringt; ihr kennet jetzt die weisen Absichten und Anstalten Gottes weit besser als wir; ihr sehet die Wege ein, auf welchen er die Seinigen zur Jugend und Seligkeit führet. Jhr preiset ihn mit frohem Danke für alle überstandene Leiden, die sich euch nun in die ewigen Freuden verwandelt haben. Jhr liebet uns als eure jüngeren Geschwister, die erst für jenes himmlische Leben erzogen werden müssen. Unser Wohl liegt euch wie euer eigenes am Herzen. Ihr wünschet uns Alles das von Gott, und bittet also für uns. Aber ihr wollet nichts anders, als was Gott will, was wirklich( nicht nach unserer Meinung) das Beste ist. Das 204 ist euer Gebeth bey Gott, in welches auch ich in meinem gegenwärtigen Anliegen eingeschlossen bin. Und das soll auch nur mein Wunsch, mein Gebeth seyn. O welcher Trost für mich. Ich bethe mit euch, und ihr mit mir. Gottes Wille geschehe. Das Andenken an euch und ener Beyspiel stärke mich zur Gelassenheit, Geduld und Ergebung, damit ich einst mit euch der überstandenen Leiden mich ewig freuen möge. Von den heiligen Engeln. GT GIS Die heilige Schrift gibt uns zu verstehen, daß es außer unserer Welt noch unzählige vernünftige Wesen gibt, welche von einer ganz andern, geistigen und weit vortrefflichern Beschaffenheit sind, als wir Menschen. Weil sie ganz rein und heilig sind, fo fehen fie immer das Angesicht Gottes, nämlich, fie befinden sich im Himmel bey Gott in dem feligsten Zustande. Sie sind aber immer bereit und geschäftig, Gottes Willen aufs behendste und genaue= fte zu vollziehen. Daram werden sie Engel genannt, das heißt, Diener und Abgesandte Gottes, und wers den darum mit Flügeln abgebildet. Deßwegen stellt fie uns auch Jesus zum Beyspiele vor, da er uns bes then heißt: dein Wille geschehe, wie im Himmel ic. 205 M Sie lieben uns als ihre mindern Brüder, als künftige Mitgenoffen des himmlischen Reiches, fie lafe sen sich unser Heil angelegen seyn, trauern über den Fall des Sünders, und freuen sich, wenn er sich befe fert. Und wie gute Menschen sich freuen, wenn sie andern Gutes thun können, so ist es auch der heiligen Engeln größte Freude, wenn sie, in ihrem Amte und Berufe, unser Bestes befördern können. Wie sie auf uns wirken, und wie die Geisterwelt mit der unsrigen in Verbindung steht, das verstehen wir nicht, und brauchen es auch nicht zu wissen. Die Ehrerbiethung gegen die heil. Schußengel foll uns abhalten, auch wenn wir allein sind, etwas zu thun, zuzulaffen oder zu denken, was wieder die Neinigkeit und Sittlichkeit ist, dessen wir uns vor ehrbaren Menschen zu schämen hätten. Die Stimme unfers Gewiffens foll uns, wie der Zuruf eines Schußengels, heilig seyn, und alle unsere Schritte leiten. Gott, wie groß und herrlich bist du. Unzählige Scharen reiner Geister bethen dich an, und stehen bereit, deinc Befehle zu vollziehen. Wo du sie hinsendest, in deinem unermeßlichen Reiche, da wirken sie Gutes, verkündigen und erfüllen deinen heil. Willen. Du hast auch uns dazu erschaffen, daß wir rein von Sünden, heilig und selig werden sollen, wie deine Engel im Himmel; auch wird sind deine Kinder 206 wie sie. Deinen Willen vollziehen, Gutes thun, nach unserm Vermögen, das ist auch unser Beruf, das soll unser liebstes Geschäft, unsere Freude seyn. Auch wir sollen einander schüßen, leiten und retten, wo wir können, und also einer des andern Schußengel werden. Wie im Himmel die schönste Ordnung, Eintracht und Liebe herrscht, ſo soll es auch ben uns auf Erden seyn. Wir sollen schon jetzt deinen Engeln ähnlich zu werden trachten, um einst auch in ihre Gesellschaft zu kommen. Jede Mahnung meines Gewissens jede heilsame Lehre und Warnung jeder gute Rath oder Trost- jeder Antrieb und Anlaß zum Guten jedes lehrreiche Ereigniß, jede Erfahrung soll mir die Stimme eines Engels seyn, als eines Bothen, den du mir schickest, um mich zur Seligkeit zu führen. Mein ganzes irrdisches Leben sey eine Vorbereitung auf jenes himmlische, wo wir mit deinen heil. Engeln dich preisen, und ewig selig seyn werden. Amen. M - - ACE 207 Vorbereitung zur heil. Beicht. Viele beichten, weil es christlicher Gebrauch ist, weil eben ein Fest- oder Ablaßtag ist. Sie glauben, es fey schon genug, wenn sie ihre Sünden, die ihnen eben einfallen, dem Beichtvater erzählen, und einige Neu- und Bußgebethe berablesen oder hersagen. Das her kommt es auch, daß man von so vielen Beichten so wenig Frucht und Nugen sieht; daß so wenige recht gebessert werden, indem sie meinen, sie dürfen ihre Sünden nur beichten, so sind sie ihnen schon nachgelassen. Beicht und Buße ist nicht einerley. Eine auf richtige, reumüthige Beicht ist ein wesentlicher Theil des heil. Sakramentes der Buße; die Buße selbst be= steht in einer ernstlichen und mühsamen Besserung. Ohne ernstlichen Willen der Besserung ist selbst in dem Sakramente der Buße keine Vergebung der Sünden möglich. Wer sich bessern will, muß seine Fehler er kennen. Darum ist das erste Stück die Gewissenserforschung. Das Gewissen ist die innerliche Stimme, weloder was che dir sagt, was recht und unrecht ist Gott gebothen und verbothen hat. Was wider das Gewissen ist, das ist Sünde. - Das Gewissen erforschen heißt: sich besinnen und nachdenken, was man für Sünden begangen wie man sich aufgeführt hat, und wie man beschaffen - M 208 ist. Um dieses und das ganze Werk deiner Besserung recht zu vollbringen, so fange an mit der Anrufung des heil. Geistes. Göttlicher Geist! Du kennest mich und den ganzen Zustand meiner Seele besser, als ich selbst. Alle meine Gedanken und Neigungen meine geheimsten Wünsche und Handlungen weißt du. Nichts ist dir unbekannt; nichts kommt bey dir in Vergessenheit. Vor die kann ich mich nicht verbergen, nicht beschönigen. Jesus wird mich einst nicht nach dem äußern Scheine, nicht nach meiner Einbildung, sondern nach der Wahrheit und Gerechtigkeit richten. Von jedem eitlen Worte muß ich ihm einst Rechenschaft geben. Ach, wie werde ich vor ihm bestehen. Aber noch schenkst du mir Zeit, o Gott, meine Sünde zu erkennen, und durch Besserung deinem strengen Gerichte zuvorzukommen. So will ich nun mit redlichem Ernste in mein Gewissen gehen, und mich selbst richten vor deinen Augen, Allwissender! Ich muß doch recht wissen, wie es mit mir steht; ob ich bes ser oder schlimmer geworden bin, was W - 209 ich zu erwarten habe, und was ich noch verbessern kann. Ich will dieses wichtige Geschäft nicht leichtsinnig und nachlässig vornehmen; die Eigenliebe soll mich nicht verblenden. Heiliger Geist erleuchte und leite mich! Frage dich nun felbst, und laß dir dein Gewisfen aufrichtige Antwort geben: M - gebeffert? - ,, Welche böse Begierde und Neigung hat bey mir die Oberhand? Welche Sünden begehe ich am öftesten?- Was verleitet mich insgemein dazu? Habe ich mich seit der legten Beicht doch mehr in, Acht genommen, und wenigstens in etwas - Habe ich wissentlich und leichtsinnig, oder bloß aus Schwachheit und llebereilung gesündiget? Habe ich es fogleich wieder bereuet, und gut zu machen gesucht?- Was würde mich am meisten angstigen und schmerzen, wenn ich jetzt sterben müßte? Was tadeln die Leute, die mich kennen, besonders meine Widersacher, die mich schärfer beurtheilen, an mir? Was kann ich daraus lernen? Haben sie nicht recht? Was würde ich selbst von andern denken, die eben diesen Fehler hätten, wie ich." - Viele Sünden erkennet man nicht, und mn= chet sich nichts daraus, weil sie nicht so in die Augen fallen, oder keinen so großen Schaden zu thun scheis nen. Aber vor Gott entschuldigt das nicht, und das llebel ist oft desto größer, je weniger man es bemer: Pet. So verfündiget man sich vielfältig, ohne es zu achten: 210 In Gedanken, durch Unzufriedenheit mit Gott durch ungerechtes Urtheil, Argwohn, Neid, Haß, Schadenfreude, Rachgier zc. durch unreine Be= luftigungen und Begierden; durch Stolz und Eitelkeit; durch übermäßiges Sorgen und Wünschen, durch Pleinmüthiges Verzagen. - Mit Worten durch unbesonnene, ärgerliche, leichtfertige Neden, wodurch entweder die Ehrbarkeit oder die Ehre des Nächsten verleget wird, unreine Gedanken oder lieblofe llrtheile veranlaffet werden, durch Lügen aller Art- durch Entdeckung und Ausbreitung noch unbekannter Fehltritte, oder anvertraus ter Geheimnisse durch Schwäßereyen, Ohrenblasen und Zutragen, wodurch so manche 3wietracht und Feindschaft angerichtet wird. Bedenke, wie viel lle= bel oft aus Einer Rede entstehen fann; wie reigbar und empfindlich du selbst bist. - Durch Unterlaffung des Guten, das geschehen hätte können und sollen, besonders durch Vers nachlässigung der sogenannten Standespflichten, welche Vorgefeßte und Untergebene, Weltern und Kinder, Mann und Weib, Hausgenossen und Nachbarn gegen einander verbinden.- Bedenke also, ob und wie du das, was dir in deinem Stande besonders obs liegt, gethan haft?- Ob man mit dir zufrieden feyn kann; ob du es mit dir selbst seyn kannst? und ob du es mit andern wärest, die es auch so machten wie du? Gehe ja nicht leichtsinnig darüber weg. Es ist Alles daran gelegen, daß du deine Fehler recht ers kennest, und dich nicht für besser haltest, als du bist: M 211 m dieser Selbstbetrug ist der schädlichste. Laß es dir alſo nur redlichen Ernst seyn: dann sey aber auch nicht zu ängstlich, wenn du dich aller deiner kleines ren Fehltritte nicht besinnen kannst. Je beffer du deine Fehler erkennst, desto herzlicher wirst du sie nun bereuen. Zur Erweckung der Reue über schwere Sünden bedenke, was du gethan haft!- Du hast gefündiget, wider Vernunft, Pflicht und Gewissen gehandelt, Gots tes gute Gebothe vorsäglich übertreten, seine Gaben mißbrauchet, seine Warnungen verachtet. Nach fei= nem Willen und Wohlgefallen fragtest du nichts, kehrtest ihm den Rücken, und folgteft deinen bösen Lüften und Neigungen. Die Sünde ist daher grober Undank und Ungehorsam gegen Gott, und darum heißt man sie auch Beleidigung Gottes, obgleich Gott nicht so, wie Menschen, beleidiget werden kann. Uch wie thöricht und schändlich haft du gehandelt; wie strafbar bist du- da du vorsäglich mit Erkenntniß des Unrechts und des Unheils, das das raus erfolgen könnte- bey mehreren Verpflichtungen und Antrieben zum Guten oft wiederhohlt, viels leicht in vermessener Hoffnung auf Gottes Barmherzigkeit gefündiget haft! Diese Umstände vergrößern die Sünde um vieles. - 1 Was hast du nun davon? Was wirst du einst, im Todbette und in der Ewigkeit davon haben. Was ist der Lohn der Sünde? Scham und bittere Neue, vielfaches, zeitliches und ewiges Elend! Die Sünde MM 212 bringt insgemein schon in diesem Leben ihre Strafe mit; sie ist das größte llebel in der Welt. Dem Sünder kann nie ganz wohl seyn; es ist nur ein kurzes, scheinbares Vergnügen, das er genießt. Dann folget desto grösseres, langes Wehe; er muß feine fündhafs te Lust theuer büßen. Wie schrecklich weit erstreckten sich oft die Folgen einer einzigen Sünde. Wer Pann den Schaden berechnen und erfeßen, denn die Verführung, das böse Beyfpiel, eine Verleumdung 2c. anstiftet! Wie hast du dich durch die Sünde felbst verdorben, verschlimmert, vielleicht auch um Ges fundheit, Glück und Ehre gebracht! Welcher Gewinn Pann dir den Verlust deiner Unschuld, des guten Ges wissens, des göttlichen Wohlgefallens, und deine ewis ge Seligkeit erfeßen? Wie wird es dir vor Gottes Gerichte, und in der Ewigkeit gehen! Noch hat dich Gott mit der verdienten Strafe verschonet, ja er biethet dir durch Jefum Verzeihung und Seligkeit an, wenn du dich ernstlich besserst! so bethe dann mit reumüthigem Herzen: - 5 Vater! ich habe gesündiget. Ach, wie schändlich und sträflich habe ich gehandelt. Wie muß ich mich schämen, vor dir und mir selbst. Ich erkenne das Unrecht und Uebel, das ich gethan habe. Ich bin nicht mehr werth, dein Kind zu heißen. Aber du bleibest doch Vater, und nimmst dein verlornes Kind, sobald es sich aufrichtig bekehret, mit erbarmender Liebe auf. Mit reumü M 213 M thigem Herzen wende ich mich zu dir, bitte dich um Verzeihung, und gelobe dir ernstliche Besserung. Nicht bloß aus Furcht der Strafe, sondern aus Liebe zu dir und zum Guten, verabscheue ich die Sünde, als das größte Uebel, und entsage ihr hiermit, vor deinen Augen, auf immer; besonders dieser N. N. der ich am meisten ergeben bin- so schwer es mich ankommen, so viel Mühe und Ueberwindung es mich kosten mag, meine böse Gewohnheit und Neigung zu bezwingen. Lieber will ich mir auch das Liebste versagen, und Alles, was mir gefährlich ist, meiden, lieber alles andere Uebel ertragen, ja lieber sterben, als noch einmal leichtfinnig fündigen.- Das sey meine Buse, mein tägliches Gebeth, und Bestreben. Deine Gegenwart, dein heiliges Gesetz sey mir immer vor Augen! Kindliche Furcht, dir zu mißfallen, halte mich von jeder Sünde ab, deine Liebe treibe mich zum Guten an, dein Beystand stärke mich! Kann ich gleich, leider! das Uebel, das ich angerichtet habe, nie ganz wieder gut machen, so will ich doch so viel 214 Gutes thun, so viel mir möglich ist, und das Versäumte mit doppeltem Eifer hereinbringen. Habe ich ehmahls andere geärgert, so will ich nun ein desto besseres Beyspiel geben. Habe ich jemand Leid oder Schaden gethan, so will ich es möglichst zu erseßen suchen. Wie ich wünsche, daß du mir verzeihest mein Gott! so sey auch meinen Beleidigern herzlich verziehen! Mit Fehlenden will ich Geduld, mit Unglücklichen Mitleid haben, wie du es mit mir hattest- und barmherzig seyn, wie du barmherzig bist. Reue über sogenannte läßliche, oder Schwachheits Sünden. So nennt man die Fehler, die mehr aus übereilung, als mit Vorfag begangen, und also auch leichter erlaffen werden. Aber auch diese müssen herzlich bereuet werden. Halte feine freywillige Sünde für eine Kleinigkeit, wenn du Gott und die Tugend lie best. Und ist es denn eine Kleinigkeit, Gott zu mißfallen, wider Vernunft, Pflicht und Gewissen zu han deln? Wer im Kleinen untreu ist, wird es auch im Größern feyn. Kleine Fehler, die man nicht achtet, werden böfe Gewohnheiten, und oft große Lafter. Weißt du denn nicht, wie viel Ulebel oft aus einer unbesonnenen Nede, aus einer unterlassenen Pflicht, 215 Mw aus einer Nachläffigkeit, ja schon aus einem aufsteigenden bösen Gedanken entstehen kann, wenn er nicht gleich unterdrückt wird! Bedenke das wohl, und wende dich dann reumüthig an Gott! * Ach Gott! wie schwach bin ich noch, und wie leichtsinnig! Wie bin ich so träge zum Nachdenken, zum Bethen; wie nachläßig in Erfüllung meiner Pflichten, in Ausübung des Guten, sobald es mich schwer ankommt! Wie unbesonnen in meinen Reden; wie ungeduldig in Wiederwärtigkeiten, wie hart oft gegen meinen Nächsten, wie unfreundlich und bitter, wie gäh zum Zorne? Wie viel Gutes unterlasse ich aus Furcht vor den Menschen; oder thue es nur aus Eigennuß, nur auf den Schein, nicht weit und wie du es willst, o Gott! wie viele Fehler habe ich wieder begangen, die ich schon so oft bereuet, gebeichtet, und zu bessern versprochen habe! Wie undarkbar bin ich gegen dich, o Gott! der du mir so piele Gelegenheiten zum Guten verschaffest, und mich so väterlich vor größern Versuchungen verwahrest! m 216 m Vater! Verzeihe mir auch dief Mahl um Jesu willen! Ich will mich künftig sorgfältig vor allem hüthen, was dir mißfallen kann. Erhalte und bestärke mich in meinen guten VorsäBen. Amen. Der Vorsat muß sich über alle Sünden erstrecken, besonders aber auf diejenigen gerichtet seyn, denen man am meisten ergeben ist. Es ist bald gesagt: ich will lieber tausend Mahl sterben, als wieder fündigen. Aber man geht hin, und fündigt wieder, beichtet immer, und wird doch nicht besser. Wenn es dir mit deiner Beffe: rung Ernst ist, so denke nach, was dich zur Sünde verleitet hat; wann, wo, warum du gefallen bist, da mit du weißt, was du künftig als gefährlich und anflößig zu vermeiden, und was du zu thun haft; welche Mittel du anwenden, welche Anstalten zu treffen, welche Hindernisse du überwinden, und aus dem Wege räumen mußt. Mit diesem Vorhaben geh zur Beicht. - Sey aufrichtig, und merke, was dir der Beicht= vater sagt. Trage ihm deine Zweifel vor, frage ihn um Nath, und folge ihm. Werde nicht unwillig oder verzagt, wenn er es etwa für nöthig finden soll. te, die Lossprechung aufzuschieben, bis du dich ernstlich befferst. Er thut es aus Pflicht und zu deinem Nugen, er kann nicht anders; du bist Schuld daran. - 217 Was hälfe dir die Lossprechung, wenn du nicht von deinen Sünden los wäreft, sondern ungebeffert bliebest? Laufe nicht von einem zum andern; bleibe bey dem, der deinen Seelen Zustand kennet, und dich auf den rechten Weg leitet. Schenke ihm dein ganzes Vertrauen, und zwar auch dann noch, wenn du wieder so unglücklich gewesen seyn solltest, in die alten Sünden zu fallen, - M Nach der Beicht danke Gott für feine große Barmherzigkeit, bekräftige deine guten Vorfäße, und versprich, sie zu halten. Denke an das Wort des Herrn. ,, Sey getrost, mein Sohn( meine Tochter) deine Sünden sind die vergeben! Geh hin, und fündige nicht mehr, damit die nicht was Vergeres widerfahre." 10 Gebeth nach der heil. Beicht. O mein gütigster Vater! Du hast mir nun meine Sünden durch deinen Stellvertreter, den Priester, vergeben, und mich, wie den verlornen Sohn, wieder in Gnaden aufgenommen. Ich Darf mich nun wieder als dein Kind betrachten, und dich wieder meinen lieen Vater nennen. D, wie gerührt ist nein Herz vor Freude! Ich danke pir, mein Gott! und werde durch mein ganzes Leben nicht aufhören, deinen K 218 heil. Nahmen zu preisen, weil du mei ner Seele deinen Frieden wieder geschenket hast. Nimmer mehr will ich in meinen vorigen traurigen Zustand zurück kehren; denn ich erinnere mich jetzt der Worte, welche mein Heiland zu dem Geheilten bey dem Schwemteiche sagte: Geh hin, und sündige nicht mehr. Nein, ich will mit dem Beystande deiner göttlichen Gnade nun nicht mehr fündigen. Ich erneuere meine, vor der Heil. Beicht gemachten guten Vorfäße, und will sie täglich erneuern, damit ich sie ja nicht vergesse, sondern gewissenhaft halte. Darin soll mich auch die, mir von den Priester auferlegte Buße befestigen, welche ich nun mit aller Ge wissenhaftigkeit verrichten will. M Je tiefer du in Sünden verfunken bist, defte schwerer und mühfamer ist die Befferung; darum heißt sie auch Buße. Aber glaube nur nicht, daß es dir un möglich fey, deine alte böse Gewohnheit abzulegen, dei ne heftige Neigung zu bemeiffern. Denke vielmehr Es kann seyn, es muß feyn. Gott, der nichts Unmög liches fordert, der unsere Schwachheit fennt, und sei nen Beystand gibt, fagt es, und will es.- Entschul dige deine Trägheit nicht mit der menschlichen Schwach heit. Wenn du nur nicht selbst immer schwach bleiber willst. Was kann der Mensch nicht, wenn er ernstlid 219 M will, verzage nicht, wenn es dir Anfangs gleich nicht gelingt. Eine langwierige, schwere Krankheit wird nicht so geschwind geheilt. Sündige nur nie wiffent s lich, indem du gegen die Mahnung deines Gewissens etwa leichtsinnig denkest: Nur dießmahl noch, was wird ein einziges Mayl schaden?- dieses D Einzige Mahl schlägt dich wieder weit zurück, und wirft deinen ganzen Vorsag darnieder. Du wirst immer schwächer und schwächer, bis du endlich gar an deiner Befferung verzweifelst, und wieder fortfündigst, ärger als vorher. - Je forgfältiger du dich aber vor allen wiffentlichen Sünden hütheft: desto getrofter kannst du seyn. Du haft dein Mögliches gethan. Mehr fordert Gott nicht, und wird dir deine unvorfeßlichen Lebereilungen und Schwachheiten väterlich verzeihen. Suche nur den begangenen Fehler, sobald du ihn merkeft, zu verbeffern, schau reumüthig zu Gott auf, und werde de. sto vorsichtiger für die Zukunft. Erneuere täglich deine guten Vorsäge im Gebethe, und frage dich Abends, wie du sie gehalten hast. Bitte deine guten Freunde, daß sie dich erinnern und warnen, wenn du dich wieder vergessen sollteft. Stres be mit Fleiß deiner bösen Neigung entgegen, handle ihr gleichsam zu Troß. Solche llebungen und Ents haltungen sind die heilsamsten Bußwerke, weil sie zur Befferung dienen. Das ist es auch, was Abtödtung und Kreuzigung des Fleisches heißt. Stelle dir die Buße und Bekehrung nicht als eine zu traurige Sache vor; sie ist der Stand der Genefung der Seele. O welche Freude wirst du haben, K2 - 220 wenn du einmahl mit dir selbst mehr zufrieden, und dir des Wohlgefallens Gottes bewußt seyn kannst- wenn dir dein Bestreben gelungen, dein Gewissen be ruhiget seyn wird wenn du dich durch jede llebera windung immer stärker und freyer von der Gewalt der sündhaften Begierden fühlen wirst!- Wie viel Gutes kannst du noch ausrichten, wenn du gleich jest anfängst. Nur der Anfang ist die größte Beschwerde, die aber mit jedem Aufschube noch größer, und mit jedem Fortschritte leichter wird. Wie unerfeßlich ist der Verlust, und der Schaden, wenn du länger fäumeft.- Wie kannst du das Wichtigste so leicht= sinnig der ungewissen künftigen Zeit überlassen. - - Von Nachlassung der Sündenstrafen, Abbüßung und Genugthuung. Wenn es dir nun so mit deiner Befferung wahrer Ernst ist, so kennst du von Gott durch Chris stum nicht nur Verzeihung deiner Sünden, sondern auch noch ewige Eeligkeit hoffen. Aber das kannst du von Gott nicht verlangen, daß er dich als unschule dig behandle, oder daß er durch ein Wunder seiner Allmacht alle traurigen Folgen deiner Sünden und Thorheiten aufhebe, welche sie, nach seiner weifen Einrichtung der Welt und Natur, nothwendiger Weise nach sich ziehen. Die Sündenvergebung würde uns sonst noch forglofer und leichtsinniger machen. Unter einer weisen Regierung kann Unordnung, Leichtsinn und Frevel nicht ungestraft bleiben; wer gefündiget hat, muß auch büßen. Gott ist eben so gerecht, als barmherzig; ein eben so weiser als gütiger Vater. 221 Das ungehorsame Kind muß es empfinden, wie ftrafe bar es ist, es muß durch schmerzende Erfahrung flüger gemacht, und gebessert werden. Gott will uns durch zeitliche Ulebel vor ewigem Unglück bewahren, durch bittere Arzeneyen und schärfere Mittel uns vom Verderben retten, wenn die gelindern nicht fruchten. So ist also Gottes Gerechtigkeit selbst noch weife Güte; wenn er züchtigt, so thut er es als Vater zur Bef= ferung, aus Liebe nicht aus Zorn und Nache, wie ein beleidigter Mensch, der sich Genugthuung schaffen will. Was man Gottes Zorn nennt, ist nicht anders, als fein gerechtes Mißfallen an allem Bösen, das er, als Regent der Welt, als der Beste und Heiligste, nicht unbestraft laffen kann. end - chimpatial Wenn dich also Leiden treffen, die du dir entweder selbst zugezogen, oder sonst durch deine Sünden verschuldet haft: fo trage sie mit Geduld, nimm sie mit Demuth und Ergebung, ohne Murren aus Gottes Vaterhand an; erschwere sie dir durch Ungeduld und Bagheit nicht noch mehr: Gottes Beystand wird sie dir erleichtern und tragen helfen. Du büßest deine Sünde ab, wenn du die Sünde an dir selbst ftrafest, und dadurch gebeffert, vorsichtiger, frömmer und fleißiger wirft. Dann ist Gottes Absicht erfüllt, er ist, wie man fagt, wieder ausgeföhnt. Er sieht schon mit mehr Zufriedenheit und Wohlgefallen auf dich herab, und du kannst wieder mit mehr Freudigfeit zu ihm aufschauen. Wenn du thust, was du lannst, so hast du Gott genug gethan; er wird die gnädig nachlassen, was du nicht mehr fannst, was du noch etwa zu leiden hast, ist dir dann nicht mehr 222 bloß Strafe, sondern Gnadenmittel zu deiner Heili gung und Seligkeit. Strafe ift nur für ungebefferte Sünder. Damit nun der Sünder feine begangenen Sün den an sich selbst ftrafe, dadurch seine Besserung bes wirke, dem beleidigten Vater im Himmel einige Ge nugthuung leiste, und die Folgen der Sünde für ihn aufhören, eine wirkliche Strafe zu feyn, und für ihn verdienstlich für den Himmel werden: werden dem Sünder Bußwerke auferlegt, welche in den alten Zei ten sehr strenge waren, und sich oft auf mehrere Jah. re, ja auch manchmaht auf die ganze Lebenszeit er: ftreckten. Doch wurden sie auch oft, besonders wenn der Büßer wahren Besserungs- Eifer zeigte, entweder ganz und vollkommen, oder unvollkommen, das ist, zum Theile auf ein oder mehrere Jahre nachgelassen. Diese Nachlaffung heißt A 6 k a ß. Die alten Kirchenbußen sind zwar heut zu Ta ge fast ganz außer llebung gekommen. Damit aber der bußfertige Sünder von der ängstlichen Besorgniß befreyet werde, die nach der alten Kirchenzucht ver schuldeten Strafen in der zukünftigen Welt abbüßen zu müßen; so werden noch immer Ablasse verliehen, aber nur wahren Büßern, das ist, folchen, die sich ernstlich zu beffern bestreben.- Je vollkommener die Besserung, desto vollkommener der Ablaß. Beicht, Communion, Gebethe und andere Bußwerke werden als nöthige Vorbereitung dazu vorgeschrieben. Abläße werden an so vielen Tagen des Jahres verkündet, da G m 223 mit man sich einen wählen möge, wo man der Undacht recht abwarten kann, der ein allzugroßer Zulauf oft mehr hinderlich ist. Weil aber der Befferungseifer selten so volls kommen ist, daß fogar alle freywillige Neigung zu einer Sünde abgelegt würde; welches zum vollkoms menen Ablaße erfordert wird; so befleiße dich doch, nach und nach dazu zu gelangen, durch folgende llebungen, welche zugleich die heilsamsten Bußwerke, und die kräftigsten Besserungsmittel sind, und wozu du täglich, ja stündlich, Gelegenheit hast. a Nähmlich 1) so oft du beym Morgen und Abend Meß- oder englischen Gruß- Gebeth einen guten Vorfag faffest, besonders deine Gewohnheitssün. de zu meiden. 2) So oft du eine llebung des Glaubens, der Hoffnung, der Liebe erweckest. 3) So oft du dir aus der Predigt, oder aus einem Buche eine Lehre, die dich besonders angeht, zu Herzen faffest- die Tugendbeyfpiele Jefu, Maria und der Heiligen betrachtest- fo oft du dich daran erinnerst, und dar= nach thuest. 4) So oft du in dein Gewissen gehest, deine Sünden bereueft, und ernstliche Besserungsans stalten machest; welches nicht erst vor der Beicht, sondern jeden Abend, geschehen foll. 5) So oft du eine böse Luft unterdrückest deine Zunge und Sinnen im Zaume halteft; oder was immer für eine Anreizung zur Sünde überwindest. 6) So oft du mit guten Gedanken das heil. Sakrament zum Kranken, oder eine Leiche zum Grabe begleiteft. für Todte und Lebendige, besonders für deine Feinde betheft. 7) So oft du einen Irrenden oder Unwissenden auf eine gu — - 224 te Art belehrest, oder warnest dich eines Kindes annimmst, es zur Schule schickest, zur Arbeit, zum Guten abrichteft. 8) So oft du Sünde und Werger niß, Ehrabschneidung, Feindschaft und anderes Uebel zu verhüthen, oder etwas zur Besserung eines Men schen beyzutragen suchest. 9) So oft du deinem Bes leidiger herzlich verzeiheft, liebreich begegnest, Gutes erweisest, oder unter Feindseligen Frieden stifteft oder aus Friedliebe nachgibst, schweigest und duldeft, so lang es möglich und recht ist. 10) So oft du Betrübte tröstest, Kranken und Nothleidenden beystehest, oder dem Nächsten was immer für einen Liebesdienst erweiseft. 11) So oft du Geduld, Sanftmuth, Gottergebung, und besonders die Tugend ausübeft, gegen die du sonst am öftesten gefündiget hast, oder eine Bes schwerniß überwindest. 12) So oft du emsig arbeitest, die Pflichten deines Standes erfüllest, etwas Gutes und Nügliches thust, weil und wie es Gott will. Je mehr du deinen Verstand und Fleiß dabey anwendest, desto grösser ist dein Verdienst. - - Durch solche gute Werke, die du aus Liebe zu Gott und zur Tugend verrichteft, schreitest du immer weiter auf dem Wege der Befferung fort, und büßest um so mehr von deinen Sünden ab, je mehr du dabey deiner fündhaften Neigung Abbruch zu thun, und das begangene Böfe wieder gut zu machen suchest. Darum ist auch von der Kirche Ablaß darauf verliehen, der zwar noch unvollkommen heißt, weil ein und anderes gute Werk noch nicht vollkommene Besserung ist. Wenn aber endlich diese erfolgt, so hast du auch volls kommenen Ablak, völlige Nachlaffung aller Sünden 225 schuld und Strafe, und völlige Zufriedenheit mit deinem Besserungseifer, sowohl von Gott, als von der Kirche zu hoffen. 3ur Communion. Lies und bedenke die Geschichte des legten Abend: mahles( S. 112.) und sich daraus, wozu Jesus das heil. Altarssakrament eingesegt hat, und wie du es zu empfangen hast. Die Hauptsache ist, nach dem ausdrücklichen Willen des göttlichen Stifters, das gläubige, dankbare Angedenken an ihn, an seine Liebe, seinen Tod. Nimm dir zu Herzen, was er auch für dein Heil gethan und gelitten hat; was du durch ihn zu hoffen haft, und was er von dir verlangt und erwartet. Communion heißt auf deutsch, Gemeinschaft. Der Heiland wollte durch dieses gemeinschaftliche Mahl die innigste Gemeinschaft zwischen ihm und seinen Gläubigen stiften und unterhalten. Es ist das Sakrament des Glaubens und der Liebe, dadurch er uns alle in sich vereinigen will. Wenn du hinzugehst, so zeigest du öffentlich, daß du ein Christ, ein Jünger und Verehrer Jefu feyn willst. Aber wie ist dein Glaube, deine Liebe beschaffen? Wenn dir Jesus zuriefe: Freund! wozu bist du gekommen? Was würdest du antworten? Wenn du mit unreinem Gewissen und unge beffertem Herzen bloß des Brauches wegen, oder gar aus Scheinheiligkeit, ohne Ehrerbiethung und Andacht hinzugingst? welcher Leichtsinn und Frevel wäre das? Wer dieß thut, der ist unwürdig, fagt der Upostel, und verlündiget sich am Leibe und X( - mm 226 Blute des Herrn, er ist sich das Gericht ( lingnade und Strafe) hinein. Es foll sich als so der Mensch vorher selbst prüfen, und den Zustand seines Gewissens und Herzens wohl untersuchen. Darum beichtet man auch vorher. Aber nach so vielen Beichten und Communionen wo ist die Befferung, die Frucht davon. — -DO Sey aber auch nicht zu ängstlich, guter Chrift! Wenn du gegen Gott und deinen Nächsten redlich gesinnt bist, wenn es dir mit deiner Besserung wahrer Ernst ist, wenn du thun willst, so viel du kannst, so laß dich durch deine vorige Sünden, die du aufrichtig bereuet und gebeichtet hast, durch deine noch anklebenden Gebrechen und Schwachheiten nicht abschrecken, noch kleinmüthig machen. Demüthige dich vor Gott, vertraue auf seine Barmherzigkeit. Eben in diesem heil. Sakramente wirst du Kraft und Trost finden. Es gibt dem Geifte, wie das gemeine Brot dem Leibe, Nahrung und Stärkung zum Guten. Der Communiontag soll dir ein Ehren und Freudentag feyn. Erheitere dein Gemüth, und stimme dein Herz zur heiligen Freude; gib es zu erkennen, wie froh und selig das Christenthum macht! 227 Ablaß Gebeth. Göttlicher Mittler, der du gesendet worden von deinen himmlischen Bater, um Licht und Wahrheit in die Welt zu bringen, und die Menschen Worte des ewigen Lebens zu lehren, sich herab auf deine heilige Kirche, beschüße fie, und sey mit ihr bis an das Ende der Zeiten. Erhalte die Religion, die du mit deinem Blute gestiftet hast, in jener Himmlischen Lauterkeit, mit der sie aus deinem untrüglichen Munde geflossen ist. Laß deine heilige Kirche eine treue Bewahrerin deiner göttlichen Lehren seyn, und von deinem Geiste unaufhörlich geleitet werden. Verleihe ihrem ersten Vorsteher Kraft, Segen, und Erleuchtung bey seinem wichtigen Amte, und verbreite über ihn die Gaben deines göttlichen Geistes. Strecke aus deine segnende Hand über alle Bischöfe, und laß sie von den Fußstapfen deiner Heiligen Apostel, de-.. 228 ren Nachfolger sie sind, niemahls abweichen. Erfülle fie mit apostolischem Eifer wenn sie ausgehen ihre Herden zu besuchen. Rüste alle Seelsorger mit deiner Gnade aus. Dein Geist schwebe auf ihren Lippen, wenn sie dem Volke dein Wort verkündigen, und wenn sie Sterbenden auf ihrem Todbette beystehen. Deinen christlichen Gemeinden aber flöße ehrerbiethigen Gehorsam gegen diejenigen ein, die hiernieder deine Stelle vertretten, und denen du Gewalt gegeben hast, auf Erden in deinem Nahmen zu binden und zu lösen. Laß dein göttliches Wort allenthalben reichliche Früchte bringen, und keiner sey unter deinem Volke, bey dem es auf dürres Erdreich falle. Gib, daß der Geist der Eintracht und des Friedens unter den Bekennern deines heiligen Namens herrsche; daß wir uns einander als Brüder und Miterlöste lieben; daß wir uns wegen Fehler und Schwachheiten nicht verachten, Hassen, verfolgen, sondern einander er 229 tragen, gleichwie auch unser himmlischer Vater seine Sonne über Gute und Böse aufgehen läßt. Erbarme dich auch derjenigen, die an deinen Gnadenbunde noch nicht Theil baben. Sende ihnen das Licht deines heiligen Evangeliums, und mache sie gläubig. Besonders aber bitten wir dich, göttlicher Versöhner, für Feinde und Bestürmer deiner heiligen geoffenbarten Religion. Verzeihe ihnen, wie du am Kreuze deinen Mördern verziehen haft, und laß endlich die Kraft deiner ewigen Wahrheit über ihre Verblendung siegen. Führe diese verlornen Söhne in deines Vaters Haus zurück, und bewahre jedes Herz gegen das Gift ihrer Grundsäge, damit von allen Erlösten, die dir dein himmlischer Vater gegeben hat, keine Seele verloren gehe. Amen. Gebeth vor der Communion. Ich komme also nun, mein Jesu, an deinen heiligen Tisch, zu dem du uns so liebreich eingeladen hast. C daß ich es auch recht zu Herzen fasse. was ich jest thue, was ich empfange. Es ist das heil. Sakrament deines einst für uns getödteten Leibes, und vergossenen Blutes, das ewige Denkmahl deiner Liebe, durch welches du immer aufs innigste bey uns seyn willst. Ich lege durch meinen Hinzutritt das öf fentliche Bekenntniß ab, daß ich an dich glaube, ob ich dich gleich nicht sehe daß ich dich als meinen Erlöser und Seligmacher erkenne, verehre und liebe. Herr! du kennest mein Herz, siehst ob es mit dem, was ich äußerlich zeige, übereinstimme du weißt, ob ich dich aufrichtig liebe. Ach, längst sollte meine Liebe zu dir, der du für mich littest und starbst, die eifrigste seyn, und sie ist noch immer so lau. Ich sollte, wenn ich denke, was du für mich gethan und gelitten hast, mit Freuden alles thun, was du von mir verlangst; und es ist noch so wenig geschehen und dieß Wenige so unvollkommen, so fehlerhaft. Ich sollte ohne Anstand Allem entsagen, was dir zuwider ist, ja selbst mein Leben hin- 230 - M 231 m geben, wenn der Wille Gottes es forderte, wie du es hingabst: und es kommt mich noch so schwer an, auch nur so manche schnöde Lust, so manchen kleinen Vortheil fahren zu lassen. Ich sollte der Jugend und Pflicht, wie du, getreu bleiben bis in den Tod; und ich weiche so oft von ihr ab, wenn ich ihr auch nicht ganz untreu werde. Du warst unter den grausamsten Mikhandlungen und Schmerzen, in der tiefsten Angst und Verlassenheit, so Gott ergeben, so geduldig, so sanft, so leicht verzeihend, so liebreich; und ich bin bey kleinen schmerzhaften Empfindungen und geringen Beleidigungen- ja sogar im Wohlstande oft so mürrisch und unzufrieden, so ungeduldig, so hartherzig, so schwer versöhnlich, so liebeleer. Längst hätte mich das Andenken an deinen Tod, und der heil. SakramentsGenuß vollkommener, dir ähnlicher machen sollen; und ach, wie muß ich mich schämen! ich bin noch so weit davon entfernt. - Aber du kommst meiner Schwachheit mit erbarmender Liebe entgegen, und biethest meiner Seele, an diesem 232 geheiligten Brote, deine stärkende Nahrung an. Du rufest uns zu: Kommet zu mir, die ihr unter der Last eurer Mühseligkeiten seufzet, und ich will euch erquicken. Deine Gnade ist größer als meine Unwürdigkeit. Wenn du nur redlichen Willen, ernstliches Bestreben, immer besser zu werden, und dir nachzufolgen, siebst: so hältst du mich auch bey meinen Gebrechen und Mängeln, deiner nicht unwerth. Du reichest mir in diesem Sakramente das theuerste Unterpfand meiner Begnadigung dar. So wahr du für mich gestorben bist, und nun im Himmel lebst: so soll auch ich ewig leben mit dir. Wie ich jetzt an diesem heil. Tische Antheil nehme, so soll ich auch deines Verdienstes, deiner Liebe theilhaftig werden. 11 D gib mir die ganze Größe deiner Liebe zu erkennen, mein Jesus, daß ich dich wieder liebe, wie du mich geliebt hast, Bester, Liebenswürdigster, Einziger! Wie du dich für mich hingabst. so ergebe ich mich dir. Dir will ich anhängen und folgen auf allen Wegen; nichts soll mich von deiner Liebe scheiden ewiglich. M 233 Nach der Communion. ad Jesu, du bist bey mir!- Du bist mein, Herr! und ich bin dein. Mit tieffter Ehrfurcht bethe ich dich an, mein Gott! und demüthige mich vor dir. Preise den Herrn meiner Seele, und vergiß ewig nicht der Gnade, die er dir erzeigt hat! Was konnte deine Liebe, o Herr, noch mehr thun? Wie soll ich dir alle diese Liebe vergelten, mein Jesu! Nur daß ich mir, was du für mich gethan hast, zu Nußen mache, gut und selig zu werden trachte, verlangst du von mir. Das soll mein Dank und die Frucht meiner Andacht seyn. - Bey deinem heiligen Leibe und Blute schwöre ich dir Glauben und Treue zu, und erneuere mein Taufversprechen. Deine Lehre, dein Beyspiel foll alle meine Gesinnungen, Reden und Handlungen leiten. So will ich meinen Glauben an dich durch mein Leben bekennen, und so wird das Verdienst deines Todes mein Trost seyn, wenn meine Sünden mich kränken, wenn mir Noth zustoßt, wenn die Furcht des M 234 Todes mich ängstet. Durch dich kann ich Vergebung, Heil und Seligkeit Hoffen. Wie du, Mittler zwischen Gott und den Menschen, die ganze Welt mit gleicher Liebe umfassest, und dich Allen mittheilst, die sich nach dir sehnen, so will auch ich keinen Menschen von meiner Liebe ausschließen; auch meinen ärgsten Feind nicht. Du hast sie ja auch deinen Mördern nicht versagt. Für Alle hast du dieses Liebesmahl eingesest; Alle ladest du, wie Kinder eines Vaters, an diesen heil. Tisch, wo kein Unterschied zwischen Reichen und Armen, Hohen und Niedrigen ist. Hier erscheinen wir Alle gleich vor dir, als deine Erlösten, als Brüder; hier vereinigst du uns durch das Band der Liebe, und stiftest Gemeinschaft zwischen uns und dir.- Liebe ist dein Hauptgeboth; daran soll man erkennen, daß wir Christen sind, wenn wir einander lieben, wie du uns geliebt hast. Frieden und Eintracht erhalten und fördern; dienen, helfen, wohlthun jedem, der es bedarf, so gut ichs vermag 235 das sey mir bey jeder Gelegenheit werthe und heilige Pflicht. M Sollte ich mich von der Sünde, sey's, welche es wolle, wieder beherrSchen lassen, da du durch deinen Tod mich davon erlösen wolltest? Sollte ich nicht freudig Gottes Willen thun, wie du ihn gethan haft? Darf ich von deinem Tische hinweggehen, in der Einbildung, durch meine gehabte Andacht die Nachlässigkeit in meinem Dienste und Berufe vergütet zu haben? Muß ich nicht vielmehr nur desto eifriger werden in Allem, was mir in meinem Stande und Amte obliegt, gestärkt durch dieses Brot des Lebens. Du unschuldiger Sohn Gottes! haft mehr gelitten, als ich strafbarer Sünder leide, und leiden werde, so lange ich lebe. Dir gelobe ich Gott ergebene Geduld in meinen jezigen und künftigen Leiden. Auch dem Tode will ich desto getroster entgegen sehen, weil er mich nur näher mit dir vereinigen soll. Ich will mit dir sterben, damit ich mit dir lebe. Dein will ich seyn, im Leben und Tode. Amen. Ⓒ 236 M Glaube, Hoffnung, Liebe, Reue und gute Meinung zu erwecken. Der Glaub c. Ich glaube an dich, wahrer dreyeiniger Gott! Vater, Sohn und heiliger Geift, der du alles erschaffen hast, der du alles erhältst und regierest: der du das Gute belohnest, und das Böse bestrafest. Ich glaube, daß der Sohn Gottes Mensch geworden ist, um uns durch seinen Tod am Kreuze zu erlösen, und daß der heilige Geist durch seine Gnade uns heiliget. Ich glaube und bekenne alles, was du, o Gott geoffenbaret Haft, was Jesus Christus gelehret, was die Apostel geprediget haben, und was die heilige, römische katholische Kirche uns zu glauben vorstellet. Dieses alles glaube ich, weil du, o Gott, die ewige und unendliche 237 Wahrheit und Weisheit bist, welche weder betriegen, noch betrogen werden. kann. O Gott, vermehre meinen Glauben. Die Hoffnung. Ich hoffe und vertraue auf deine unendliche Güte und Barmherzigkeit, o Gott, daß du mir, durch die unendlichen Verdienste deines eingebornen Sohnes Jesu Christi, in diesem Leben, die Erkenntniß, wahre Reue und Verzeihung meiner Sünden ertheilen, nach dem Tode aber die ewige Seligkeit geben, und verleihen wirst, dich von Angesicht zu Angesicht zu sehen und zu lieben, und ohne Ende zu genießen. Ich hoffe auch von dir die nöthigen Mitel, alles dieses zu erlangen. Ich hoffe es von dir, weil du es versprochen hast, der du allmächtig, getreu, unendlich zütig und barmherzig bist. D Gott, tärke meine Hoffnung. te Die Liebe und Reue. O mein Gott! ich liebe dich aus neinem ganzen Herzen über alles, weil 238 m du das höchste Gut, weil du unendlich vollkommen, und aller Liebe würdig bist; auch darum liebe ich dich, weil du gegen mich und alle Geschöpfe höchst gütig bist. Ich wünsche von ganzem Herzen, daß ich dich eben so lieben möchte, wie dich deine treuesten Diener lieben und geliebet haben; mit deren Liebe vereinige ich meine unvollkommene Liebe; vermehre sie in mir, o gütigster Herr, immer mehr und mehr. Weil ich dich nun aufrichtig und innigst zu lieben wünsche, und es zu thun mich ernstlich bestrebe; so ist es mir vom Herzen leid, daß ich dich, mein höchstes Gut, welches ich über alles liebe, dich meinen Schöpfer, Erlöser und Heiligmacher erzürnet habe. Es schmerzet mich, daß ich dich, meinen allmächtigen Herrn, meinen besten Vater beleidiget habe. Ich nehme mir ernstlich vor, alle Sünden, sammt allen bösen Gelegenheiten zu meiden, die begangenen Missethaten mehr und mehr zu bereuen, und niemahls gegen deinen heiligsten Willen zu handeln. Nimm mich wieder zu deinem Kinde auf, und gib mir die Gnade zur Erfüllung die 239 m ses meines Vorsages. Darum bitte ich dich durch die unendlichen Verdienste deines göttlichen Sohnes, unsers Herrn und Erlösers Jesu Christi. Gebeth am Geburtstage. Ich erinnere mich jetzt, o Gott! jenes Tages, an dem ich bin geboren worden, und ich werde ganz von Dankbarkeit durchdrungen, wenn ich die Wohlthaten überdenke, die du mir schon dazumahl und bis auf diese Stunde erwiesen hast. Du, mein Vater! hast meinen Leib gut und gesund gebildet, du haft ihn mit einer vernünftigen Seele belebet, und mir Aeltern gegeben, die mich damahls als ein hilfloses Kind zärtlich pflegten, und bis jetzt um meine Wohlfahrt recht liebevoll besorget waren. Du ließest mich unter verständige Menschen kommen, die sich meiner annahmen, und durch Unterricht und Beyspiel mich zum Guten anführten. Du schicktest mir Gelegenheiten, die für mein zeitliches und ewiges Wohlergehen sehr erwünscht waren. Du hast mich von tausend Uebeln und 240 Gefahren bewahret, denen mein Leben, meine Gesundheit und Tugend, besonders in meinem früheren Alter ausgesezt waren. Du hast mir noch viele andere Wohlthaten erwiesen, die ich nicht kenne, und gar nicht zu nennen weiß. Du hast mir Gutes erwiesen, ehe ich deinen füßen Baternahmen nennen, ehe ich dir danken konnte. Bester Vater! ich danke dir Herzlich für alles dieses, so gut ich's im Stande bin. Geben kann ich dir dafür nichts, weil ich alles von dir habe. Aber bestreben will ich mich mit deiner Gnade, mein Leben, meine Gesundheit, und meine Leibes- und Seelenkräfte zu deiner Ehre anzuwenden. Stets will ich dich als meinen gütigen Erhalter erkennen, und bis an meinen letzten Athemzug dir dafür danken, dich löben und preisen. i Ich empfehle mich noch ferners deiner schüßenden Vaterliebe, und ich hoffe die Erhörung meiner Bitte mit desto größerem Vertrauen, da du mir Gutes erwiesen hast, noch ehe ich dich darum bitten konnte. Laß mich, mein Schöpfer und Erhalter! in dieser Hoff 241 nung nicht zu Schanden werden, durch Jesum, meinen Erlöser und Heiland. Amen. Erneuerung der Taufgelübte. ( Besonders am Geburts- Nahmens- und Communions tage, auch am Pfingst und Dreyeinigkeitsfefte zu bethen.) Mein Gott! ich weiß es nur gar zu wohl, daß ich in der Sünde empfangen wurde, und als ein Gegenstand deines gerechten Mißfallens auf die Welt kam. Allein im Wasser und in dem heil. Geiste wurde ich gereiniget, ein Glied der Kirche Jesu, und wieder geboren zur lebendigen Hoffnung des ewigen Lebens. Diese Gnade hast du nicht allen Völkern geschenket; du hast sie mir ohne all mein Verdienst erwiesen, und ich preise diese deine große Barmherzigkeit nach meinen schwachen Kräften. Die Gnade der Taufe, und das Glück, ein Christ zu seyn, will ich mein Leben lang unendlich höher schäßen, als alles in der Welt. Ach, daß ich doch auch diesem meinem hohen Beru8 242 fe würdig nachgelebt hätte! Aber leider, das habe ich nicht immer gethan Gott! mein Vater! wenn ich mich doch noch unterfangen darf, dich mit diesem zärtlichen Nahmen anzurufen: ich habe gesündiget im Himmel und vor dir, und bin nicht mehr werth dein Kind zu heißen. Gedenke doch der Uebertretungen nicht, deren ich mich schuldig machte! Ich verlange sehnlich, dich zu lieben, und von nun an dir allein zu dienen. In dieser Absicht bekräftige ich jeßt das heilige Versprechen, des einst mein Kaufpathe in meinem Nahmen machte, und ich bezeuge in deiner Gegenwart, o allwissender Gott! daß mein Herz das glaubt und wünscht, was meine Worte sagen wollen. " Ich wiedersage dem Teufel, und will weder mit ihm noch mit seinen Werkzeugen, den boshaften Menschen, irgend eine Gemeinschaft und Verbindung haben. Ich entsage seinem Anhange, das ist: ich will mich vcn ihm los machen, und mich dem Gesete Jesu Christi unterwerfen. Ich entface aller Pracht des Satans, nähmlich allen Grundsäßen einer eiteln und 243 verführerischen Welt. Ich entsage allen seinen Werken, den Lügen, wovon er der Vater ist, dem Stolze, der Feindschaft, den unerlaubten Lüsten des Fleisches, und aller und jeder Sünde." " Ich glaube an Gott, den Vater, den allmächtigen Schöpfer des Himmels und der Erde. Ich glaube an Jesum Christum, seinen eingebornen Sohn, der für uns Mensch geworden ist, gelitten hat, und gestorben ist. Ich glaube an den heil. Geist, und an die heil. katholische Kirche. Ich glaube die Gemeinschaft der Heiligen, die Vergebung der Sünden, die Auferstehung des Fleisches und nach dem Tode ein ewiges Leben. Jch glaube überhaupt Alles, was die einige heil. allgemeine apcstolische Kirche, in deren Schooße ich zu leben und zu sterben verlange, glaubet und lehret." Ich gelobe und betheuere alle Vorschriften deines Geseßes zu beobachten. Ich will dich lieben vom ganzen Herzen, aus ganzer Seele, aus meinem ganzen Gemüthe und aus allen meinen Kräften. Aus Liebe zu dir L2 244 will ich auch meinen Näch sten lieben, wie mich selbst" ,, Das weiße Kleid, das man mir anzog, soll mich an die Unschuld erinnern, die ich in der Taufe erhalten habe, und die brennende Kerze, die man mir vorhielt, soll mir ein stetes Denkzeichen seyn, anderen durch meinen Wandel und durch gute Beyspiele vorzuleuchten, damit der himmlische Vater dadurch geehret werde." Wache über mich, o mein Gott! daß ich diese Vorsäße nicht breche, sondern verleihe mir deine Gnade, fie treu und gewissenhaft zu erfüllen. Ich bitte dich darum durch die Verdienste Jesu Christi, durch welchen wir allein den Zutritt zu dir haben. Amen. Gebeth am Nahmenstage. Der Nahme, den ich bey der heiligen Taufe empfangen habe: erinnert mich einer Wohlthat, für welche ich dir, o Gott! heute an meinen Nahmenstage recht herzlich danken will. Du hast mich in den ersten Stunden mei m 245 nes Lebens durch die Sorgfalt meiner Aeltern zur katholischen Kirche bringen, mich daselbst durch die Taufe von der Sünde reinigen, zur Gesellschaft der Christen aufnehmen, und mir den Nahmen eines Heiligen geben lassen, der sich durch seine Tugenden ausgezeichnet hat, und mir zur Verehrung und Nachahmung dienen soll. Ich erkenne es, himmlischer Vater! wie gut du auf diese Art für mich gesorget hast. Ich erkenne das Glück, zur christlichen Kirche zu gehören, wo ich in deinem Willen und in den Lehren deines Sohnes unterrichtet werde, die schönsten Beyspiele des Guten sehe, an dem Gebethe der Gläubigen Theil nehme, und mit ihnen den gottesdienstlichen Handlungen beywohne. Ich will daher nie, besonders aber an diesem Tage nicht vergessen, was mir Gutes widerfahren ist. Ich will den Vorschriften des Christenthumes gemäß leben, und ich erneuere daher das bey meiner Zaufe gemachte Versprechen. Gott, hilf mir! dasselbe genau zu erfüllen, damit ich die bey derselben erhaltene Gnade getreu bewah M 246 re, ein gutes Glied deiner Kirche sey, und die Verheißungen der Religion empfangen möge. Hierzu will ich mir auch das Beyspiel meines Nahmensheiligen oft vor Augen stellen, damit ich aufgemuntert werde, ein tugendbaftes Leben bis ans Ende zu führen. Amen. Gebeth zur Bewahrung der Firmungsgnade. ( Besonders am Gedächtnißtage der erhaltenen Firs mung zu bethen.) O mein Gott! du hast mich in der h. Taufe wiedergeboren werden lassen, durch die heil. Firmung aber hast du mich erst recht zu einem vollkommenen Christen bilden wollen. Dein Diener, ein Nachfolger im Apostelamte hat mir die Hände aufgelegt, du aber hast mir dabey den heil. Geist mitgetheilt. Du hast über mich kommen lassen, den Geist der Wahrheit und des Verstandes, den Geist des Rathes und der Stärke, den Geist der Wissenschaft und der Frömmigkeit. Du hast mich erfüllet mit dem Geiste deiner Furcht. Vollende also dein Werk großer Gott! und 247 bekräftige dasjenige, was du in mir angefangen hast. Laß mich die Früchte dieses heil. Geistes hervor bringen, als da sind: Liebe, Friede, Freude, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Langmuth, Sanftmuth, Treue, Eingezogenheit, Mässigkeit, Keuschheit. Gal. 5. 22-23. Ich will leben, wie ein Christ leben soll, den der Geist Gottes beſeelet. Weder Menschenfurcht, noch eine niederträchtige Gefälligkeit soll mich abhalten, meinen Glauben standhaft zu bekennen, und die Ehre deines Nahmens auch mit Gefahr meines Lebens zu vertheidigen. Nie will ich mich des Evangeliums Christi, oder seines Kreuzes schämen, sondern mich bis in den Sod freuen, daß ich unter deine Fahne, welche das Kreuz ist, gehöre. Stärke mich in meinem Glauben, durch die Gnade unsers Herrn Jesu Christi. Amen. 248 Vorbereitung auf einen guten Tod. Am Communiontage, beym Jahreswechsel, am Ges burtstage, bey Sterbfällen und andern Gelegenheis ten, mit ernstlichem Nachdenken vorzunehmen. Gott, wie schnell vergeht die Zeit! Schon wieder ein beträchtlicher Theil meines Lebens dahin. Mit jes dem Augenblicke nähert sich meine leste Stunde; sie wird da seyn, ehe ich es vermuthe. Jugend, Gesundheit und Stärke schüßen nicht vor dem Tode. Wie viele plögliche Sterbfälle habe ich schon erlebt! Alles erinnert mich, daß ich einst sterben muß, und bald sters ben kann. Sollte ich das Andenken an den Tod scheuen, oder es forglos aus dem Sinne fchlagen? Welche Thorheit! Der Tod würde dadurch keinen Schritt weiter von mir entfernt bleiben, sondern nur erst schreckhafter werden. Wenn ich den Tod nicht fürche ten will, fo muß ich mich durch öfteres Andenken mit ihm bekannt machen, und so leben, daß ich allezeit ge= troft sterben kann. Die einzige beste Vorbereitung auf einen guten Tod ist ein christliches Leben, und ernstliche Besserung. Wie der Mensch lebt, fo stirbt er; und wie er stirbt, fo fährt er. m 249 Sollte ich diefe Vorbereitung aufs ungewisse Sterbebett verschieben, wo ich vielleicht in Qual und Ohnmacht, ohne Besinnung da liegen, und zu Allem unfähig seyn werde? Nein, mein Gott! so leichtsinnig will ich meine Seele nicht aufs Spiel seßen. Jeßt, da du mir noch Zeit und Kraft verleihft, will ich thun, was ich dort gethan zu haben wünsche; jetzt mein Ges wissen und meine Sachen in Ordnung bringen, das Versäumte, und unrecht Geschehene zu ersehen trachten, und mit allem Ernste an meiner Besserung ar= beiten, damit ich nie unversehns überrascht werde. Jest bey gefundem Leibe will ich ans Sterben denfen, wenn ich aufflehe, und zur Ruhe mich lege, wenn Wenn ich den Uhrschlag oder die Sterbglocke höre. mich etwas gelüftet, will ich mich fragen, was ich einst im Todbette davon haben, und davon halten werde? - Wenn mich meine Arbeit und Pflicht, die Geduld im Leiden, die Ausübung des Guten schwer antommt, fo will ich mich durch den Gedanken ermuntern, wie froh ich einst seyn werde, wenn Alles vollbracht und überstanden seyn wird! Nichts, was ich heute thun kann, will ich auf morgen verschieben, weil ich nicht weiß, ob ich es morgen noch können werde, und weil ich morgen, wenn ich noch lebe, wieder etwas anderes Gutes thun fann. Ich will die kurze Zeit anwenden, so viel Gutes auszurichten, als mir möglich, mir Schäße für den Himmel zu sammeln. Alles, was ich hier besige, wird mich verlaffen; nur meine Werke werden mich dorthin begleiten. >( 250 Wie ich nicht in Unfrieden und Feindschaft sterben wollte, fo will ich auch keinen Tag darin le= ben; fondern verzeihen, wie du mir verzeihen follst, o Gott, und liebreich seyn, weil auch im Himmel Lauter Liebe ift. Endlich will ich auch die größten Theils ver= schuldeten Leiden, zu meiner Besserung, mit Geduld und Ergebung ertragen. Besser hier büßen, als dort. Sodann kann ich zu jeder Stunde dem Tode heiter und ruhig entgegen fehen. Er führet mich zu dir heim, mein Vater! zur ewigen Freude und Nuhe. Ich werde sanft entschlafen, und zum himmlis fchen Leben erwachen. Herr des Lebens und Todes! Ich stehe in deiner Hand; nimm mich zu dir, wenn es dir gefällt. Amen. Auf dem Gottesacker. Menfch! gedenke, daß du aus Staub bist, und wieder zu Staub werden wirst. Co rufen mir an diesem Drte taufend Stimmen zu, und heißen mich stille stehen, um von den Todten Weisheit des Lebens zu lernen. Hier ist die Nubestätte meiner verstorbenen( lieben Aeltern und Vorältern) meiner Brüder und Schwestern in Christo; und wird einst auch die meinige feyn. Viele modern hier seit Jahrhunderten schon, viele erst seit kurzem. Wie manche meiner Freunde und Bekannten habe ch schon zum Grabe begleitet! Sie sind mir vorans gegangen, und erinnern mich, daß ich ihnen viele leicht bald folgen werde. -- evante 251 m Diefe Köpfe und Knochen waren einst, was ich bin; und was sie jetzt sind, das wird auch aus mir einst werden. Da sehe ich die Eitelkeit und Vergänglichkeit aller irrdischen Güter und Freuden. Die Leiber der Neichen und Armen, der Vornehmen und Verachte= ten, modern hier untereinander; wer unterscheidet fie noch? Was ist ihnen noch von ihrer ehemaligen Schön: heit, Stärke und Pracht übrig? Endlich eine Hand voll Staub! - Aber es wird nicht immer so bleiben. Wie das Samenforn im Acker verwefen muß, damit daraus eine reiche Ernte hervorkomme: fo modern hier die Leiber der Entschlafenen auf den Tag der Auferste= hung. Hier ist wahrhaftig der Gottesacker, wo der Samen zur llnsterblichkeit leimt. Da wird einst große ernte seyn; die Engel Gottes werden die Guten, wie Garben fammeln, und in die himmliſchen Scheuern überbringen; die Böfen aber, wie Unkraut ins Feuer werfen. So will ich dann meine noch übrige Lebenszeit ſo gut anwenden, daß ich mich einer seligen Auferste: hung erfreuen kann. Dann darf ich den Anblick des Grabes nicht scheuen; er wird mir eine fanfte Ruhe: stätte seyn, bis die Stimme des Weltrichters die Todten aus ihren Gräbern hervorrufen wird. D du, der du auch einst im Srabe lagst, wieder auferstandest, nun ewig lebst, und ewiges Leben gibst, stärke mich, daß ich dir einst auch in der Auferstehung zu jenem himmlischen Leben folgen möge. Amen. 252 m Wenn die Sterbglocke geläutet wird. Nun hat sie es vollbracht, die hinscheidende Seele ihr Wanderleben auf Erden, ihr Leiden, ihren Kampf. Herr! verleih ihr nun die ewige Nuhe, und laß das ewige Licht ihr leuchten. Sey ihr und uns allen gnädig. M So geht Einer nach dem Andern dahin. Wie bald wird die Reihe mich treffen! Die Sterbglocke erinnert mich, daß ich allezeit bereit feyn soll, weil ich keine Stunde sicher bin. D so muß ich mich dann losmachen von Allem, was mir das Sterben schwer, oder schreckhaft machen könnte; und Alles fleißig vollbringen, was ich sterbend gethan zu haben wünschen werde. Stärke mich dazu, mein Gott! dir will ich Leben und sterben. Dankbares Angedenken an verstorbene Weltern, Wohlthäter und Freunde. Dihr lieben, werthen Seelen! Empfanget noch über dem Grabe meinen herzlichen Dank für Alles, was ihr für mich gethan und hinterlaffen habt. Gott vergelte euch dort eure Treue und Liebe in jener Welt, und belohne euch für eure Bemühungen und Sorgen durch die reine Freude über das Gute, das ihr gethan habet. Ihr follet eure Wohlthaten an mir keinem Undankbaren und Unwürdigen erzeiget hahen. Ich will, was ich von euch habe, gut anwenden; eure guten Lehren und Beyfpiele befolgen, meis ne Fehler, die euch oft fo betrübt haben, verbessern, und auch, was ihr vielleicht, aus zu großer Liebe zu - 253 m mir, und aus menschlicher Schwachheit, gefehlt oder verfäume habet, so gut ich kann, zu erfeßen und zu verbessern suchen. Ich will mich befleißen, eure Liebe zu mir, die ihr auch in jene Welt hinüber genommen habt, durch gute Aufführung zu verdienen, und euch dadurch Trost und Freude zu machen, damit ich mich einst eures Wiedersehns freuen möge. Amen. Warum, und wie man für die Abgestorbenen bes then solle. Der Zustand derjenigen Seelen, welche, bis fie nicht ganz gereinigt sind, ihrer volkommenen Selige keit nicht, theilhaftig werden können, muß gewiß febr traurig und schmerzend feyn. Darum werden sie auch arme Seelen, und der Drt ihres Aufenthalts Fegfeuer genannt; weil sie dort gleichsam, wie das Gold durchs Feuer von den noch anklebenden Flecken gefegt und gereinigt werden müssen.-Es ist ein heiliger und heilsamer Gedanke, für die Todten zu bethen, fagt die Schrift. 2. Machab. 12. weil wir gegen die Abgestorbenen unsere christlic che Liebe erzeigen, und zugleich erinnert werden, für unfer ewiges Heil zu sorgen. Denn dort wird es je= dem so gehen, wie er in diesem Leben verdient hat. In den Himmel kann nichts 11nreines eingehen. Wenn auch fromme Seelen vor Gott nicht ganz rein und fehlerfrey sind, wie wird es dem leichtfinn gen und ungebesserten Sünder ergebn! Wie wir für die Verstorbenen bethen sollen, zeiget folgende 254 Litaney) für die Abgestorbenen. Herr, erbarme dich unser 2c. Auch für die abgeschiedenen Seelen rufen wir dich um Erbarmen an. Mit frommer Wehmuth denken wir an sie, und wollten ihnen unsere Liebe gern erweisen. Wir lieben sie, als wenn sie unter uns noch lebten.- Allein, was können wir für sie noch thun, als bethen. 11 Wir wenden also uns zu dir. Vertrauensvoll empfehlen wir fie deiner Vaterliebe. Du bist ja ihr und unser Vater! du liebest sie gewiß noch mehr, als wir. Sie stehen in deiner Hand- wenn uns ihr Zustand gleich verborgen ift. Nicht quälen willst du fie, nur reinigen und läutern, wie das Gold durchs Feuer. Erbarme dich ihrer! M 255 Du strafest nicht aus Zorn und Rache; auch als gerechter Richter bleibst du noch Vater. In Demuth ehren wir dein heiliges und gerechtes Urtheil, und stellen Alles deiner weisen Güte heim. Du lohnest jeden nach Verdienst, und thust weit mehr, als wir begehren. Doch sagen wir dir gern, uns selbst zum Troste, was unsere Liebe wünscht, und unser Glauben hofft. Erquicke sie mit deinem Krofte, mildere ihren Schmerz. Erfülle ihr schmachtendes Verlangen, stille ihre heiße Sehnsucht. Sich ihren guten Willen an, und erseße, was sie nicht mehr können. Vollende ihre Reinigung und Seligkeit, und führe sie in deinen Himmel ein. Verwandle ihre überstandenen Leiden in desto größere Freuden. Erlöse sie von Allem, was ihr frommes Herz noch kränket, und am Seligwerden hindert. Erbarme dich ihrer. 256 M Lamm Gottes 2c. Verschone sie und uns, o Herr 2c. Herr, verleihe ihnen die ewige Ruhe zc. m Sieh, o Gott, dieses Gebeth der Liebe für unsere abgeschiedenen Brüder und Schwestern mit Wohlgefallen an. Wir wollen uns auch selbst durch stete Besserung immer mehr von Sünden reinigen, und durch wahre thätige Bruderliebe gegen unsere, noch lebenden Mitmenschen uns deiner Liebe würdig machen, damit wir uns derselben einst mit unsern frommen Freunden und allen Heiligen ewig erfreuen mögen. Amen. Bey dem Tode unserer Geliebten. Gott! es hat dir gefallen, unsern lieben.. zu dir zu nehmen. Wir empfinden jetzt, was wir daran verloren Haben. Diese Trennung thut unserm Herzen weh. Du hast Nachsicht, Vater, mit unserer Schwachheit. Du willst nicht, daß wir beym Scheiden der Unserigen unempfindlich bleiben, oder unsern Schmerz gewaltsam unterdrücken sollen. Sie können dir nicht mißfallen, 257 M die Thränen der Freundschaft, der Wehmuth, der dankbaren Liebe. Wir murren nicht, indem wir weinen. Wir verehren deine allezeit weisen und guten Anordnungen, und ergeben uns mit kindlichem Herzen deinen heil. Willen. Alles, was du thust, ist wohlgethan. Du Vater, kannst und wirst noch immer für uns sorgen, und uns den Verlust vielfältig ersehen. Dir vertrauen wir. Wir dürfen beym Tode der Unserigen nicht trostlos jammern und zagen, wie Menschen, die keine Hoffnung haben. Es stirbt ja nur der Leib, der uns seiner Gebrechlichkeit wegen ohnehin zur Last wird. Die Seele des Frommen geht zu dir, ihrem Vater hinüber, und findet dørt für Alles, was sie hier verläßt, reichen Ersatz. So schön diese Welt ist, so viel Gutes wir schon auf unserer Pilgerreise genießen; so ist doch Alles mit dem, was wir dort zu hoffen haben, nicht in Vergleich zu setzen. Die geliebte Seele, über deren Hinscheiden wir jetzt weinen, ist nun auch von den Leiden und Gefahren M 258 M dieses Erdenlebens befreyet, und wünschet sich wohl kaum mehr zurück. Sie steht in deiner Hand, o Gott! Unsere Liebe darf das Urtheil über fie nicht sprechen. Du sprichft es, der du fie mehr liebtest, als wir; und dein Urtheil ist das gerechteſte. Sollten wir unsern frommen Freunden die Ruhe nicht gönnen? Sollten wir uns nicht freuen, daß sie es überstanden, und nun besser haben; daß fie früher ans Ziel gelängen, daß fie bey dir find, o Gott! Wie lieb und werth soll uns das Christenthum seyn, das uns so viel Licht und Trost ertheilt, uns in Kummer und Leiden so heitere Aussichten öffnet!- Der Glauben, der uns so erfreuliche Hoffnung gibt, leite und veredle unsere Liebe; und sey die Richtschnur unsers Trachtens und Verhaltens. Die Betrachtung des Grabes unserer Freunde, ermuntere und stärke uns, die Beschwerden dieses Lebens standhaft zu überwinden, und es zur Vorbereitung auf jenes bessere, ewige wohl anzuwenden. So wird uns so 259 gar die Kürze und Vergänglichkeit desselben Gewinn seyn. Wir gelangen dadurch desto eher dorthin, wo wir im Hause unsers Vaters unsere frommen Geliebten wieder finden, und in ewigerLiebe und Freude genießen werden. Amen. M Gebeth beym Ungewitter. Wie groß und herrlich bist du in deinen Werken, allmächtiger Schöpfer. Dein gewaltiger Donner und der flammende Blizstrahl verkündigt dich uns. Gott! wir bethen dich ehrfurchtsvoll an. Aber zittern dürfen wir nicht ängstlich vor dir, sondern mit kindlichem Vertrauen und ruhiger Ergebung zu dir aufschauen; denn du, Allmächtiger! bist unser Vater: Deine guten Kinder werden nicht erst durch Schrecken erweckt, an dich zu gedenken; sie wandeln immer vor deinen Augen. Sie lieben und ehren dich im Gewitterfturme, wie im Sonnenscheine. Sie bewundern mit Ehrfurcht deine majestätische Allmacht, 260 und freuen sich, einen so großen Gott zum Vater zu haben, der sie vor Allem Unfalle beschüßen, und ohne dessen Willen uns nichts widerfahren kann. Wenn uns unser Gewissen Angst macht, so rufen wir reumüthig deine Barmherzigkeit an, und geloben dir Besserung. Du willst ja nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe. Du bist bey uns; warum sollen wir zagen? Unser Gut und Leben steht in deiner Hand. Du gabst es uns; und willst du es zurücknehmen, so gibst du uns ein besseres dafür. Dein Wille geschehe! Alles, was du thust, ist wohl gethan. Dir ergeben wir uns, dir leben, dir sterben wir. Du wirst allezeit väterlich für uns sorgen.- Weg, ängstende Furcht! Der dem Donner gebiethet, ist unser Freund und Vater. Wir wissen wohl, daß das Ungewitter eine nothwendige und wohlthätige Einrichtung ist; aber es könnte doch auch Schaden thun. Darum bitten wir dich kindlich, o Gott! wenn es deinen weifesten Absichten nicht entgegen istwende die Gefahr gnädig ab, laß dieß 1 261 Gewitter unserm Lande Segen bringen! Und sollte es wo Schaden anrichten, so laß die Betroffenen nicht in Kleinmuth versinken, sondern im Vertrauen auf dich, und im Beystande guter Menschen, Krost und Hilfe finden. Amen. 10 Nach dem Ungewitter. Gelobt sey Gott, daß er die Gefahr so glücklich abgewendet hat. Nun ist die Luft wieder gereiniget und abgekühlt; die Erde erquickt und fruchtbar gemacht. Alles reget sich wieder, und fordert uns zur Lobpreisung und Danksagung auf. Ja, o Gott! Wir danken dir vom ganzen Herzen, daß du uns und das. Unsrige behüthet, und uns im Vertrauen auf dich befestiget hast. Wir wollen deiner Güte nie vergessen, und immer daran denken, wenn uns vor einer Gefahr bange werden will, daß wir an dir einen Gott haben, welcher rettet und hilft. Aber auch das komme uns nie aus dem Sinne, welch ein Trost in der Stunde der Noth ein 262 M gutes Gewissen ist. Desto sorgfältiger wollen wir es bewahren, damit wir in allem Anliegen mit kindlicher Zuversicht zu dir bethen mögen. Laß also den überstandenen Schrecken auch der Seele heilsam werden, und dauerhaften Eindruck machen, damit wir nicht gleich wieder vergessen, was wir in dem Augenblicke der Gefahr dir angelobt haben! Segne die guten Gesinnungen und Vorsäge, welche wir faßten. Sollten sie nur ein Werk der Furcht, nicht der kindlichen Liebe seyn? Nein, du zeigtest dich uns als einen schüßenden, gütigen Vater! Wir wollen uns als gute, gehorsame Kinder erweisen, und durch Besserung dem Tage des strengen Gerichtes zuvorzukommen, davon das fürchterlichste Gewitter nur ein schwaches Bild ist. Wie weit schrecklicher wird die Angst des ungebesserten Sünders seyn. Du hast von unserm Orte Feuersnoth abgewendet. So soll dann auch die Angst, in der wir schwebten, uns recht behutsam, aber auch liebreich gegen Verunglückte machen. Denn dieß ist der beste Dank für deinen Schuß 263 und Beystand, dem wir uns ferner empfehlen. Amen. AM Gebeth um Gottes Segen über die Feldfrüchte. Gott! Du machest die Erde fruchtbar, und belohnest unsern Fleiß mit deinem Segen. Wir erkennen es, daß du unser bester Vater bist, dem wir unser Brot, ja Alles zu verdanken haben. Darum bitten wir dich kindlich, segne die Felder, wo unsere Hoffnung grünt; schenke uns, was du uns zeigest. Was kein Mensch geben kann, das gib du uns zu rechter Zeit, milden Thau und Regen, und erfreulichen Sonnenschein. Was wir alle zusammen nicht abwenden können, Dürre, Nässe, Reif, Hagel und schädliches Ungeziefer; davor bewahre du, Allmächtiger, unsere Felder.*) 10 Doch unser Herr und Vater! dein Wille geschehe! Mit kindlicher Ergebung sey Alles dir überlassen! Wir *) Hier Pann auch eine andere Bitte eingelegt werden. 264 wollen dir nichts vorschreiben, nicht einreden. Du regierest deine Welt schon so lange, so gut; was du thust, ist wohlgethan. Du ernährest die Vögel in der Luft; du wirst also uns, deine Kinder nicht verderben lassen. Wir wollen Alles, was du uns bescheren wirst, als deine Gabe betrachten es zufrieden und mäßig genießen, barmHerzig, wie du, unsern armen Brüdern davon mittheilen; und uns durch ein besseres Leben wahrhaft dankbar erzeigen. Wir wollen deine guten Kinder seyn, wie du unser guter Vater bist. 265 Gebethe und Lehren für Jünglinge und Jungfrauen, besonders Dienstbothen. Mit einer lurzgefaßten christlichen Sittenlehre. Gebeth eines christlichen Dienstbothen. Soff! ott! du haft es so weislich eingerichtet, daß ein Mensch dem andern untergeben seyn muß. Du willst es, daß ich ein treuer, fleißiger Dienfibothe feyn soll. Du gibst mir Kräfte und Gefundheit, daß ich arbeiten, und dabey gutes Muths seyn kann. Dafür sey dir Dank, mein Vater! Ich will in meinem Stande, in den du mich gefest hast, zufrieden seyn, weil du ihn für mich auserfehen haft. Ich diene dir selbst, wenn ich deinen heiligen Willen und meine Schuldigkeit thue. Und ich gelte dann bey dir so viel, als der vornehmste Herr in der Welt. Du siehst, fegnest, und belohnest mich, wenn mich auch sonst niemand sieht und belohnt. Wenn ich das recht bedenke mein Gott, fo werde ich auch die Pflichten meines Stanm M 266 M des immer gewissenhaft und unverdroffen erfüllen, die Beschwerden desselben, ohne Murren, mit Gelaffen heit und Leichtigkeit tragen; Alles, was mir obliegt willig vollziehen mich vor allen den Sünden uni Untugenden hüthen, zu welchen ich sonst leicht verlei tet werden könnte. Alle Untreue, Faulheit uni Nachlässigkeit in meinem Dienste- Neid und lieblo fes, unfreundliches Wesen- Schwägereyen, Lüger und Plauderhaftigkeit Alles, was dir, heiliget Gott mißfällig, und meiner Pflicht zuwider ist, das fey auch ferne von mir; das will ich sorgfältig meis den. Und du wirst mich davor, wie vor allem Una glücke, bewahren, und väterlich für mich sorgen Amen. -- - - Für christliche Dienstbothen, auch Söhne und Töchter, die ihren Ueltern dienen. 1. Sey mit deinem Stande zufrieden, in den dich Gott geseht hat; er ist gewiß der befte für dich. Halte es für ein Glück, daß du arbeiten kannst. Jefus selbst diente feinen Aeltern, die auch als gemeine Leute von ihrer Handarbeit lebten. 2. Verrichte deinen Dienst so gut, als wenn du Gott felbst dienetest; denn Gott dienen, heißt fei nen Willen thun. Und Gott will, daß du deine Schuldigkeit thust. Laß dir keine Arbeit zu schlecht seyn. 267 m Gott sieht und belohnt auch das Geringe, das eben fo wohl geschehen muß, als das Große. Ein treuer Dienstbothe ist ihm so werth, als der vornehmste Herr. 3. Thue, was du felbft verlangen würdest, wenn du Dienstbothen hättest; arbeite so fleißig, als wenn es dich selbst anginge. Gib auf Alles, was dir anvertraut ist, so gut Acht, als auf dein Eigenes. Was du aus Nachlässigkeit verwahrlofest oder verdirbst, ift fo viel als gestohlen. Ein fauler Dienstbothe, der Koft und Lohn nicht verdient, ist wie ein Hausdieb. Wie müßtest du dich schämen! 4. Sen Pfennigtreu und redlich, im Klei= nen, wie im Großen. Von Kreuzern kommt man zu Gulden. Denke an das Wort des Herrn: Wohlan du guter, treuer Knecht( Magd.) Weil du über Wes niges bist treu gewesen, so will ich dich über Vieles fegen. 5. Nede allezeit die Wahrheit. Wer einmahl lügt, muß oft zehnmal lügen, um sich wieder heraus zu winden. Dem Lügner glaubt man endlich auch die Wahrheit nicht mehr; ja es heißt: Wer gern lügt, der stiehlt auch gern. Verhalte dich so, daß du nie zum Lügen deine Zuflucht nehmen darfst. 6. Hüthe dich, daß du durch Schwägereyen und Achfeltragen nicht den Hausfrieden störest. Plaudere nicht aus dem Hause: das ist schändlich; es bringt nie einen Nußen; aber oft viel Verdruß und Schaden. 7. Thue Alles willig und munter. Frisch daran ist schon halb gethan, Hurtigkeit liebt jedermann. GeM 2 268 M wöhne dich an Ordnung und Neinlichkeit in allen deinen Sachen. 8. Sey gegen Alle höflich, freundlich, dienstfer tig und friedfam. Ein gutes Wort findet einen guten Drt; und es kostet nicht mehr als ein grobes. 9. Sey mit Kost und Lohn zufrieden; entschä dige dich etwa nicht heimlich davor. Du hast dich freywillig eingedungen, und kannst doch die kurze Dienstzeit wohl aushalten, wenn du es anderswo beffer zu treffen weißt. 10. Geh ohne wichtige Ursache nicht vor der Zeit aus dem Dienste; poche nicht trokig auf. Das ist Sünde, weil es wider den Vertrag und wider das Gefeß ist, und oft Schaden im Hauswesen verursacht. 11. Mache dich fremder Sünden nicht theilhaftig, durch Verheimlichen, oder gar Mithelfen. Kannst du ohne Sünde oder nächste Gefahr nicht im Hause bleiben, so verlaß es. Die Tugend und ein gutes Gewissen muß dir mehr werth seyn, als der beste Dienst. Frage einen verständigen Beichtvater um Rath. 12. Wende deinen Lohn nicht zur Hoffart, zum Dente in jungen Spielen, Trinken und Tanzen an. Jahren ans Alter. Wie wohl wird dir einst ein Nothpfennig thun. 269 Für Jünglinge und Jungfrauen. 1. Bewahre deine Unschuld, als deinen beften Schaß, als deine schönste Zierde. Du kannst immer mit Freude an Gott denken, jedermann ohne Scheu unter die Augen treten, und in deinem Her zen bergnügt feyn. 2. Die Unschuld geht verloren, sobald du vorsäglich etwas Böses oder Schändliches thust, oder es auch nur im Sinne haft. Ist die Unschuld einmahl verloren, so ist sie auf immer verloren. Du kannst dich zwar bessern, aber unschuldig bist du nicht mehr; das Geschehene kannst du nicht ungeschehen mas chen. Du wirst es noch spät bereuen, dich schämen, und nicht mehr so fröhlich seyn können. Auch das Beßern kommt schwer an. Nach der ersten Sünde wird man immer lecker, und fündigt fort, bis man es gewöhnt, und fast nicht mehr lassen kann. - 3. Die Schamhaftigkeit soll gleichsam der Schußengel deiner Unschuld seyn. Thue und leide nichts, was im Geringsten wider die Sittsamkeit und Ehrbarkeit ist, was du dich schämen würdest, deinen guten Weltern, oder andern ehrbaren Leuten zu sagen. Wenn dich etwas solches gelüftete, oder wenn du dazu angereitet würdest, so schlag es mit Verachtung aus. Denke an den allgegenwärtigen Gott; höre die Stimme deines Gewissens; bedenke die traurigen Folgen. 4. Ehre dich selbst, und schäme dich vor dir selbst, etwas Unehrbares zu wünschen, zu thun, 270 M oder zuzulaffen. Halte deinen eigenen Leib heilig, als einen lebendigen Tempel Gottes. Bekleide dich alles- zeit ehrbar und reinlich, ohne eitlen Puß. Durch c Sittfamkeit gefällst du am beften, und auch die Muth= willigsten werden Achtung vor dir haben. m :: 5. Verabscheue alle u nanständige Scherze, Spiele, Zotten und Possen. Nimm dich selbst in Ucht, daß du nichts redest, singest, anhöreft oder anschaueft, was unrechte Gedanken erwecken könnte. Meide den Umgang mit folchen, die in ihren Neden und Sitten r ausgelassen sind. Traue den Schleichern und Schmeichlern nicht; sie sind die gefährlichsten Leute. icht; f 6. Meide den Müffiggang, als aller Laster Anfang. Beschäftige dich, auch an Feyertagen, immer mit etwas, das dir nicht Zeit laffe, bösen Gedanken nachzuhangen. Steh täglich, auch an Feyertagen, zur rechten Zeit munter vom Bette auf, bleib nie aus Trägheit liegen, wenn du nicht mehr schlafen fannst. 7. Mit Personen des andern Geschlechtes geh nie allein und zu vertraulich um. Wenn du fchon nichts Böses im Sinne hast, so bist du doch in der nächsten Gefahr. Traue dir selbst nicht. Manche Unschuld ist verloren gegangen, weil sie sich sicher geglaubt hat. 8. Hast du das Unglück gehabt, in eine Sünde zu fallen, so bitte Gott reumüthig um Verzeihung und Beystand, den Fehltritt zu verbessern. Werde künftig vorsichtiger, und fasse einen festern Borsag. Siehst du andere fallen, so spotte und frevle nicht; laß es dir vielmehr zur Warnung dienen; habe Mit1 271 leid; erkenne deine eigene Schwachheit: Hoffart geht vor dem Falle. Gebeth um Erhaltung der Reinigkeit. Mein Gott! ich weiß es, daß du nur an reinen Seelen Wohlgefallen haben kannst; daß Unschuld und ein reines Gewissen mein bester Schag, meine schönste Zierde, meine größte Ehre und Glückseligkeit ist. Vor deinen Augen, allwissender, heiliger Gott! faffe ich den festen Vorfag, mich vor allem sorgfältig zu hüthen, was mich zur Sünde verführen könnte; was im Ge= ringsten wider die Sittsamkeit und Ehrbarkeit wäre. Fliehen will ich alle ausgelassene Freuden, alle unan: ständige Scherze, Bekanntschaften und Vertraulichkeiten; lieber auch, was mir das Liebste ist, meiden, als mich der Gefahr zu fündigen aussehen. Schamhaftig= keit und Sittsamkeit follen mich gegen Muthwillen und Verführung beschüßen. Mit größter Behuthsam. feit will ich auf mich selbst acht haben, daß ich mich nie zu weit einlasse, und jeden aufsteigenden, unrechten Gedanken, jede sich regende, böfe Luft allsobald unterdrücke. Gleich Anfangs muß ich Widerstand thun, sonst wäre es zu spät. Gott! du siehst auch in mein Herz: keine Fins sterniß bedeckt mich vor dir. Wenn auch meine Sünde nie an den Tag läme, so könnte ich doch deinem Gerichte und den unausbleiblichen Strafen des Lasters nicht entgehen; mein eigenes Gewissen wird mich vers folgen, und vor mir selbst fönnte ich meine Schans de nicht verbergen. Sollte ich mich so sehr verblenden laffen, um für eine schnöde vergängliche Luft meine MM 272 Tugend, meine Ehre, meine Gemüthsruhe, mein zeits liches und ewiges Glück zu verscherzen! Was habe ich davon, wenn ich meiner bösen Luft folge!- Schaam, bittere Neue, und vielfaches Weh. Ich werde das Ge= fchehene nicht mehr zurücknehmen, das Ulebel nicht mehr gutmachen können, und mich vielleicht gar nicht mehr bessern, wenn ich einmahl angefangen habe. Und stürbe ich so dahin davor mich meine Jugend nicht ficher stellt wie würde es mir ergehen? Ewig, ach ewig würde ich dann seufzen: was habe ich gethan? was habe ich verloren? Was bin ich- und aus eige= ner Schuld? OFFERED - D Gott! bewahre mich, daß es ja nie so weit mit mir komme; bewahre mich vor dem ersten Fehltritte! Ich kenne meine Schwachheit, und halte mich mit Vertrauen an dich, mein Vater! Das Andenken an dich und deine heiligen Gebothe foll mich in kindlicher Ehrfurcht erhalten, und in meinem guten, Vors haben stärken. Du wirst mich väterlich leiten und schüßen, wenn ich dir kindlich folge. O Maria, du unbefleckte Jungfrau, wenn ich die auch in deiner mackellosen Reinigkeit nicht gleich werden kann, so will ich doch, fo viel mir möglich ist, Deine eingezogene Sittsamkeit nachahmen, und dein schönes Tugendbild als den besten Spiegel, vor Augen haben. Dadurch will ich dir meine wahre Vers ehrung erweifen, und mich deiner liebreichen Fürbitte würdig machen. Amen. ( DA 273 M Kurzgefaßte christliche Sittenlehre. Nach den Gebothen der Liebe. Zum Nachdenken auf alle Tage der Woche, oder an Sonntagen; auch zur Gewissenserforschung vor der Beicht dienlich. I. Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben, aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele, aus allen Kräften: das ist das erste und größte Geboth. Luk. 10. Gott ist das höchste Gut. Alles Gute ist in Gott, und kommt von Gott. Er verdient also, daß du ihn, so viel dir möglich ist, über 211 es liebft, mehr als alles andere, was dir sonst lieb ist. Wenn du einen Menschen lieb haft, so thuft du alles gern, ihm zu gefallen. Wenn du also Gott von Herzen liebst, fo befleiße dich aus allen Kräften so zu leben, daß Gott an dir Wohlgefallen haben kann. Liebe nur, was Gott liebt, und sey gut, wie auch Gott gut ist. Gott lieben ist so viel, als das Gute lieben. X( 274 2. Lerne deinen Gott immer beffer Pennen, ſo wirst du ihn auch immer mehr lieben. Betrachte nur aufmerksam, wie gut Gott alles ge= macht hat, und was dir die christliche Lehre oon Gott fagt. Denle oft an Gott; freue dich, daß dieser gros ße, gute Gott dein Vater ist. Nie wirst du ohne Trost und Vergnügen an ihn gedenken, wenn du ihn recht erkennest und liebest. 3. Gehorfame Gott, und halte seine Gebothe. Dadurch mußt du dich als ein gutes Kind ers zeigen, das seinen Vater aufrichtig liebet. Gott fors dert nichts anders, als was recht und gut ist. Thu es aus Liebe zu Gott; so wird dir alles leichter und besser von Statten gehen. 4. Verehre Gott, als das höchste und heis ligste Wefen; zeige es in all deinem Thun und Lasfen, daß dir an Gottes Willen und Wohlgefallen mehr gelegen ist, als an der ganzen Welt. Rede von Gott und seinen Einrichtungen mit größter Ehrerbies thung; gib ihm die Ehre für Alles, was du bist und haft. Verehre Gott öffentlich in der Kirche, das mit du ein gutes Beyspiel gebeft und nehmeft; aber auch zu Hause und überall durch ein frommes Les ben. 5. Dante Gott für alles Gute, das er dir und der ganzen Welt erzeigt; auch für das Geringste und Alltägliche: Sey mit dem, was er dir schickt, zufrieden; genieße es mit frohem Andenken an ihn; wende es gut an, und theile auch andern gern davon mit. Die größte Wohlthat ist die Erkennts - 275 niß des Guten. Der wahre Dank dafür ist, daß du nur thust, was recht und gut ist. 6. Vertraue auf Gott mit liebevoller Ers gebung in feinen heiligen Willen. Der gute Gott fann nur Gutes wollen, und nur, was er will, ge schieht. Denen, die Gott lieben, gereicht Alles zum Guten. Thu das Deinige, so gut du kannst; für das, was du nicht mehr kannst, laß Gott forgen. Bestärke dich in diesem Vertrauen durch tägliches Gebeth; das soll dich wieder zum Guten bestärken. 7. Fürchte dich vor Gott zu fündis gen, und deinem besten Vater zu mißfallen. Hüthe dich vor der Sünde als dem größten llebel. Denle, daß dich Gott überall sieht; daß du ihm nirgend ent= gehen kannst. Der gute, serechte Gott kann das BöOper fe eben fo wenig ungestraft, als das Gute unbelohnt laffen. II. Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst; dieß ist das zweyte Hauptgeboth, dem ersten gleich. Dadurch mußt du zeigen, daß du Gott liebest, und ein wahrer Christ bist. 1. Jeder Mensch, wer er sonst immer feyn mag, ist dein Nächster, das heißt so viel, als Bruder oder Schwester; weil er, wie du, Gott zum Vater hat. Was aber das heiße: den nächsten lieben, wie sich selbst, kannst du leicht wissen. Frage dich O 276 m nur selbft: Was würde ich denken und Berlangen, wenn ich an des andern Stelle wäre? Würde ich zufrieden seyn, wenn andere mir fo begegneten, wie ich ihnen? Wäre es gut und zu wünschen, daß Alle so handeln, wie ich. M 2. Hüthe dich, daß du niemand Schaden thueft, an Seel oder Leib, an Ehr oder Gut. Gib keinem m Nergernis, oder Anlaß zum Böfen. Sey behuthfam im Reden und Urtheilen; verabscheue alles Lügen und Betrügen; mäffige deinen Zorn. Feindschaft, Neid und Schadenfreude laß nie in dein Herz fome men. Gieb, thue, und laß jedem, was ihm gehört. Hast du jemand Unrecht gethan, fo eile, es gut zu machen, wie es dir nur möglich ist. 3. Erweise deine Liebe im Werke.- Mit bloßem Wünschen und Gutmeinen oder Bedauern ist noch nichts ausgerichtet. Hilf und diene deinem Nächsten, wie und wo du kannst. Es gibt immer Gelegenheit zu allerley Liebesdiensten, wo nicht im Großen, doch im Kleinen. Guter Rath und Beystand oder ein Vorwort bey andern ist auch Hilfe, und oft mehr werth, als Geld. 4. Bedenke und beforge den wahren Nußen deines Nächsten. Hilf dort zuerst, wo es am nothwendigsten, und zum Besten angewendet ist. Die beften Liebswerke sind: Kinder gut unterrichten, Un= wiffende belehren, Unerfahrne warnen, Fehlende zurechtweisen, Unschuldige vertheidigen, Verführte oder Verunglückte vom Berderben retten, oder wie immer zur Besserung eines Menschen erwas beyfragen. m 277 5. Liebe vernünftig und christlich. Thu Gutes, weil es Pflicht ist; nicht wie es dich eben ankommt, halb unwillig und gezwungen; oder aus schwacher Weichherzigkeit, aus blinder Zuneigung, oder gar aus eitler Ehre und heimlichem Eigennuße. Wenn du nur diejenigen liebst, die dich lieben, die dir wohlgefallen; nur denen dienest, die dich wieder bezahlen; so ist das die wahre Nächstenliebe nicht; du hast deinen Lohn schon dafür. Sieh auf deinen himmlischen Vater, der seine Sonne über Gute und Böse aufgehen läßt. Denke an das Wort des Herrn: Liebet einander, wie ich euch geliebet habe. Was ihr dem Mindesten meiner Brüder thuet, das habt ihr mir gethan. - 6. Alle Menschen kannst du zwar nicht auf gleiche Weise lieben; aber gerecht, billig und wohlthätig mußt du auch gegen solche seyn, die du für böfe Menschen, oder für deine Feinde hältst. Oft bildest du dir es nur ein. Je liebreicher du bist, desto weniger wirst du böse Menschen und Feinde zählen. Gieb nur niemand Ursache, über dich zu klagen. Sey nicht zu empfindlich und mürrisch. llebertrage mit Geduld und Mitleid die Fehler Une derer, wie man die deinigen übertragen muß. Verzeihe dem, der dich beleidiget; komm ihm mit Liebe ents gegen. Eine kleine Gefälligkeit, ein gutes Wort, ein freundlicher Blick macht oft der Feindschaft und Irrung ein Ende; ihm und dir ist das Herz erleichtert. 7. Die miteinander leben müssen, als Neltern, Kinder, Eheleute, Dienfibothen sc. follen sich auch besonders lieben. Die Schuldigkeis 278 ten, die sie gegeneinander haben, heißen die Stans despflichten. Was du immer bist, sey und thu nur das recht, was du nach Gottes Willen seyn und thun follst. Kein Geschöpf, das dir obliegt, sey dir zu schlecht; thue es mit Fleiß und guten Willen. m III Du sollst dich selbst lieben, vernünftig und christlich. Dieß Geboth ist in den vorigen enthalten. 1. Es brauchte tein eigenes Geboth, daß der Mensch sich selbst lieben solle. Das geschieht ohnehin, nur insgemein nicht auf die rechte Art. Gott fagt uns durch die Vernunft und die christliche Lehre, mie wir uns selbst wahrhaftig lieben, das ist, gute, jus friedene, und glückliche Menschen werden sollen. Er will, daß wir uns zwar auf ihn und gute Mene fchen verlassen, aber auch selbst mitwirken sollen. 2. Sorge also zuerst, daß es um deine Seele gut stehe. Dazu gehört, daß du verstehest, was wahr und gut ist, und daß du mit ernstlichem Willen darnach trachteft. Sey also aufmerksam auf gute Lehren und nügliche Wahrheiten, denke selbst öfter darüber nach. Thue nichts ohne leberlegung. Gib Ucht, was in deinem Herzen vorgehe, damit du dich felbft kennen, und deine Begierden durch Vernunft bemeistern ler= neft. Suche immer ein gutes Gewissen zu erhalten, so wirst du auch im Kummer und Leiden getroft und zufrieden seyn können. ml 279 3. Sorge auch für deinen Leib. Schäße dein Leben, deine Gesundheit; verdirb sie nicht selbst durch Unmäßigkeit, llnzucht, unordentliches Leben, oder Uleberspannung der Kräfte. Die meisten Krankheiten ziehen die Menschen sich selbst zu. Suche dem llebel vorzufommen, und brauche in der Krankheit gehörige und bewährte Mittel. 4. Sorge für dein gutes Fortkommon durch Fleiß und Sparsamkeit. Gib kein Geld unnüg aus: laß dich es aber nicht gereuen, wenn es gut angewens det wird; dazu ist das Geld. Hüthe dich vor Geiß, und allzuängstlichen Sorgen. Wer rechtschaffen und zufrieden ist, der ist reich genug. 5. Corge für deine Ehre, welche darin besteht, daß du immer vernünftig und rechtschaffen handelst. Du bist darum nicht schlechter, weil du von gemeinem Stande bist; nur Tugend ist wahrer Adel. Mache dich nur nicht selbst verächtlich durch schlechte Aufführung, Thorheit und Prahlerey. Du kannst zugleich demüthig und ehrliebend seyn. Bemühe dich, nicht beffer zu scheinen, als du bist; sondern das zu seyn, was du feyn sollft. Suche deine Ehre nicht in äußerlichen Dingen, im Puß und Großthun, fondern in den guten Eigenschaften deiner Seele. Wenn dich Menschen schlecht halten, kannst du dich dann mit dem trösten: ,, Genug, daß mich Gott fennt! Wenn nur er Wohl= gefallen an mir hat! Dieß gilt mehr, als alles Lob der Welt!" 6. Suche nur wahre, reine, dauerhafte Freuden. Diese findest du in einem guten Gewissen, nach jeder guten That, nach vollbrachter Arbeit, in der 280 Vaterliebe Gottes, und in der christlichen Hoffnung. Die kurzen, fündhaften Freuden ziehen nur Scham, Neue und Elend nach sich.- Es gibt so viele unschuldige Freuden, die du in Gottes schöner Welt, in Ges fellschaft guter Menschen wohlfeil haben kannst. Halte aber auch im erlaubten Vergnügen Maß und Ordnung. Zu viel ist ungefund an Leib und Seele. 7. Wenn du dich wahrhaftig liebeft, mußt du dich oft selbst verläugnen; das heißt: du mußt oft thun, was dich hart ankommt; meiden, was dich ge lüftet; geduldig ertragen, was dich schmerzet, wenn es fo Gottes Wille ist- lieber alles ausstehen, als wi der Pflicht und Gewissen handeln. Du gewinnft für ein kurzes, scheinbares Glück und Vergnügen ein weit gröfferes, nämlich die innere Zufriedenheit, Gottes Gnade, und einst die ewige Seligkeit. * * * 328 Diefe dreyfache Liebe ist in der Hauptsache immer eine und die nähmliche. Aus Liebe Gottes follst du deinen Nächsten und dich selbst lie= ben, weil und wie es Gott will. Was du für andere und dich selbst thust, das wird aus Liebe zu Gott noch besser geschehen. Gott will, daß du für dein eis genes Wohl forgeft, damit du auch andern nügen, und deine Pflichten erfüllen mögest. Wenn du Gott und die Menschen liebest, dann liebest du dich auch felbst recht. Diese dreyfache Liebe heißt auch Tugend. Wer immer das Gute liebt, und es standhaft thut, weil es recht und gut ist; der ist tugendhaft. Wer nur zuweilen etwas Gutes thut, nur wenn es ihn leicht ane kommt, nur weil es ihm Nugen oder Vergnügen bringt, der hat die wahre Tugend und die wahre Liebe nicht. O O C @ O O O 281 Gesänge und Gebethe bey dem pfarrlichen vor- und nachmittägigen Gottesdienste. Bormittag. Predigt lied. Im bekannten Tone: 1. 196 900 In Gott des Waters und des Sohns Und seines Geistes Namen Sprecht hier am Fuße seines Throns O Christen! freudig Amen. Sprecht Umen und bereitet euch, Nach eures Meisters Lehren, Den Vater in dem Himmelreich, Mit Bitten zu verehren. 2. D Vater unser, der du bist Im Himmel und auf Erden, Dein Name, der so liebvoll ist, 282 m Soll stets geheiligt werden. Dein Reich von Unbeginn der Welt, Bereitet allen Frommen, Das laß, wenn dieser Staub zerfällt, Für uns auch einstens kommen. 3. So wie auf jeden Wink von dir Die Himmelsgeister sehen: So soll auch unter Menschen hier Dein Wille stets geschehen. Das Brod, das unsere Seele nährt, Um dir, o Gott zu leben, Auch jenes, das der Leib begehrt, Sen täglich uns gegeben. 4. Vergib uns Vater jede Schuld Die wir vor dir bereuen, So wie wir alle mit Geduld Den Schuldigern verzeihen. Ersticke, wenn Versuchung droht, In uns des Bösen Samen, Erlöf uns jegt und einst, o Gott, Von allen llebel. Amen. 12 11 132 m 283 m Nach der Predigt. Allgemeine Schuld und offenes Bekenntniß der Sünden. Ich armer Sünder widerfage dem bösen Feinde, allem feinen Eingeben, Rath und That. Ich glaube an Gott den Vater, an Gott den Sohn, und an Gott den heiligen Geist. Ich glaube auch gänzlich, was die allgemeine christliche Kirche befiehlt zu glauben. Mit diesem heiligen katholischen Glauben beichte und be lenne ich Gott den Allmächtigen, Mariä seiner hochwürdigen Mutter, allen lieben Heiligen, und gebe mich schuldig, daß ich von meinen findlichen Tagen an, bis auf diese Stunde, oft und viel mit Gedanken Worten Werken, und Unterlassung vieler guten Werte gefündiget habe. Wie dann solches alles geschehen ist, heimlich oder öffentlich, wiffentlich oder unwissent= lich, wider die zehn Gebothe, in den sieben Todsüns den, an den fünf Sinnen meines Leibes, wider Gott, wider meinen Nächsten, und wider das Heil meiner Seele. Solche und alle meine Sünden sind mir leid von Herzen; ich bitte darum demüthig, dich ewigen barmherzigen Gott, du wolleft mir deine göttliche Gnade verleihen, mein Leben so lange fristen, bis daß ich hier meine Sünden beichten und büßen, deine göttliche Huld erwerben, und nach diesem elenden Leben die ewige Freude und Seligkeit erlangen möge. Deßhalben klopfe ich an mein fündiges Herz, und spreche mit dem offenen Sünder: D Herr Gott! sey gnädig mir armen Sünder. Amen. 4x 284 Meßgesänge. 3um Introitus. ( Sehr langsam.) 52 ier wirft vor dir im Staub sich hin, O Gott! die Christenschar.$ 19 Zu dir erhebt sich Herz und Sinn, Das Auge zum Altar. D blick auf uns mit Baterhuld, Vergib uns die bereute Schuld: Verstoß von deinem Angesicht, D Gott! uns arme Sünder nicht! Verstoß uns nicht, Verstoß uns Sünder nicht. Beym Gloria. ( Freudig, nicht zu gefchwind.) Gott soll gepriesen werden, Auf seinem höchsten Thron, Und Friede sey auf Erden, Der guten Menschen Lohn. Wir loben, ehren alle, Dich, o Dreyeinigkeit! Und unser Dank erfchalle, Bis an das End' der Zeit. 285 M Beym Evangelium. ( Ernsthaft und langfam.) Es kömmt aus Gottes Munde, Das Evangelium, Und nur auf diesem Grunde, Steht wahres Christenthum. Herr, laß uns niemahls kehren Durch deiner Feinde List, Das Ohr zu falschen Lehren, Diek fleht der wahre Christ. Beym Credo. ( Wie oben.) Allmächtiger! vor dir im Staube, Bekennt dich deine Kreatur. s D Gott und Vater! Ja, ich glaube, An dich du Schöpfer der Natur, An deinen Sohn, den uns empfangen, Der reinsten Jungfrau Schooß gebar, Und an den Geist, der ausgegangen, Von beyden stets, mit beyden war. Beym Offertorium. ( Bittend, langfam. Nimm an, o Herr die Gaben, Von deines Priesters Hand, Die dich beleidigt haben, Versöhne dieses Pfand. Bald bleiben nur Gestalten, Von diesem Brod und Wein, 286 Und das, was sie enthalten, Wird Seelenspeise seyn. Bewegt von dem Geschenke, Dreyeinig großer Gott! Erbarme dich und denke, Wer sich für uns erboth. Der sich zum Opfer bringet, Vor deinem Gnadenthron, Zum Vaterherzen dringet, Ist dein geliebter Sohn. Beym Sanktus. ( Wie beym Gloria.) O finget dreymahl heilig, Ift Herr Gott Sabaoth! Dreyeinig unzertheilig, Ift unfer Herr und Gott! Es glänzet feiner Ehren, Die ganze Schöpfung voll, D, daß uns Engel lehren, Wie man ihn preifen soll. Um Engel nachzuahmen, Singt unfer Geist erfreut: Der tam in Gottes Namen, Der sey gebenedeyt! Hosanna schallt es oben, Hofanna singen wir, Und bethen an und loben, Und staunen Herr! vor dir. 287 m Nach der Wandlung. ( Ernsthaft und langfam.) Sieh Vater! von dem höchsten Throne, Sieh gnädig her auf dem Altar! Wir bringen die in deinem Sohne, Ein wohlgefällig's Opfer dar. Wir fleh'n durch ihn, wir deine Kinder, Und stellen dir sein Leiden vor, Er starb des Todes Ueberwinder, Stand auf, und fuhr zu dir empor. Er hat für uns sich dargegeben, Für alle Menschen insgefammt; Vertritt, damit wir ewig leben, Beym Vater ist das Mittleramt. D Jefu, laß uns Huld erwerben, Steh unfrer Schwachheit immer bey, Damit dein Leiden und dein Sterben Ja nicht an uns verloren sey. Beym Agnus Dei. ( Wie beym Offertorium.) Betrachtet ihn in Schmerzen, Wie er sein Blut vergießt, Sebt, wie aus Jesu Herzen, Der lette Tropfen fließt. Er fließt uns anzukünden, Das wahre Gotteslamm, Das liebreich alle Sünden, Von unsern Seelen nahm. 288 Bey der Communion. ( Wie vorher.) Wie soll, o Herr! ich's wagen, Un deinen Tisch zu gehen? Du darfst ein Wort nur sagen, um mich gesund zu seh'n. O ftille mein Verlangen, Du einzig Seelengut! Im Geiste zu empfangen, Dein wahres Fleisch und Blut. Nach der Communion. ( Ernsthaft und langsam.) Nun ist das Lamm geschlachtet, Das Opfer ist vollbracht, Nun haben wir betrachtet, Gott, deine Lieb' und Macht. Die bleib' uns stets zugegen, Aus deinem Gnadenmeer, Ström' immer uns dein Segen, Durch dieses Opfer her! M 289 Zweyter Meßgesang. 3um Introitus. Wir werfen uns darnieder, 1. Vor dir Gott Sabaoth! Erhöre unsre Lieder, Da wir nach dem Geboth, Dir dieses Opfer bringen, Verleihe nun, daß wir, Es andachtsvoll besingen, Und wohlgefallen dir. 2. Den Tag vor Jesu Leiden, Beym legten Abendmahl, Indem er wollte scheiden Aus diesem Jammerthal, Hat er das Brod gebrochen, Und ausgetheilt den Wein, Gesegnet und gesprochen: Dieß thut, und denket mein. 3. Er sprach: nehmt hin und effet, Dieß ist mein Fleisch und Blut, Damit ihr nicht vergesset, Was meine Liebe thut; Mich opfernd will ich sterben Am Kreuz zum Heil für euch; n 290 m Wer an mich glaubt foll erben Mit mir das Himmelreich. 4. D Herr! dieß Opfer steige Zu dir mit Wohlgeruch, Damit dein Herz sich neige, Zu deines Volls Gesuch. Wir opfern nicht mehr Kälber, Wie Uron hat gethan, Nein Jefum Chriftum felber, Der uns verföhnen kann. Zum Gloria. 1. Gott Vater! dir gehöret Lob, Ruhm, und Dank und Ehr; Was unsre Ruhe störet, Verstatte nimmermehr. Auf Erde laß uns grünen Den Frieden jederzeit, Daß wir dir fröhlich dienen, Von Furcht und Angst befreyt. 2. Der du der Menschen Sünden, Gebüßt am Kreuzes stamm, Laß uns Erbarmung finden, Jesu, Gotteslamm! Gelobt mit Mund und Herzen Seyst du, Gott heiliger Geist! Der du in Angst und Schmerzen Den Frommen Trost verleibst. Zu dem Evangelium. 1. Aus Gottes Munde gehet, Das Evangelium; 291 Auf diesem Grunde stehet Das wahre Christenthum. Gott selber hats gelehret, Der nicht betriegen kann; Wohl dem, der's gerne höret, Und es nimmt willig an. 2. Sein Wort zeigt uns die Wege Zum Himmelreiche an; Es weifet uns die Stege, 3u gehen diese Bahn. Herr! drücke deine Worte, Tief in die Herzen ein, Daß wir zur Himmelspforte 3u kommen würdig seyn. 3um Credo. 1. Wir glauben und bekennen, Daß aus höchst weisem Rath Gott, den wir Vater nennen, Die Welt erschaffen hat; Bon ihm ist ausgegangen Sein Sohn, der Jesus heißt, Der ward als Mensch empfangen, Durch Gott den heiligen Geift. 2. Maria hat geboren Als Jungfrau dieses Kind, Sonst wären wir verloren, Wir, die wir Sünder sind. Er litt an Leib und Seele Schloß sterbend seinen Lauf; 2 Aw 292 Stand aus des Grabes Höhle Am dritten Tage auf. 3. Er ward hinauf genommen, Zu Gottes rechter Hand, Wann er wird wieder kommen, Ist uns zwar nicht bekannt; Doch kommt er einst zu rächen, Und wird von seinem Thron, Ein billig Urtheil sprechen Zur Strafe und zum Lohn. 4. Wir glauben nicht alleine, Daß eine Kirche sey, Wir stimmen der Gemeine Der Heiligen auch bey. Die Sünde wird vergeben Durch Christi Diener hier: Der Leib steht auf zum Leben, Geht ein zur Himmelschür. 3um Offertorium. 1. Herr! laß doch diese Gaben Dir wohlgefällig seyn, Die wir geopfert haben, Es ist zwar Brod und Wein; Doch wird's verwandelt werden In Chrifti Fleisch und Blut: Das ist uns hier auf Erden Und den Verstorb'nen gut. 2. Wir opfern dir den Willen, Herz und Gedanken auf; Hilf uns, daß wir erfüllen M 293 In unserm Lebenslauf, Was du uns deinen Kindern 3u thun befohlen hast; Nimm weg, was uns kann hindern, Nimm weg die Sündenlast. 3. Wir legen dir zu Füssen All unser Hab und Gut, Und was wir hier genießen; Das Leben Leib und Blut. Gib uns bald fühlen Regen, Bald warmen Sonnenschein, Und laß durch deinen Segen Die Felder fruchtbar seyn. 3um Sanktus. 1. Laßt uns gen Himmel schwingen, Zum Helfer in der Noth, Und dreymahl heilig fingen, Dem Herrn Gott Sabaoth. Herr! Himmel und auch Erde Sind voll von deinem Ruhm; Hilf, daß bekehret werde Das blinde Heidenthum. 2. Daß wir hernach zusammen Dir uns're Herzen weih'n. Und voll von Liebesflammen Dir ein Hosanna schrey'n. Herr! der in deinem Namen Kommt, fey gebenedeyt; Die Engel sagen: Amen, Jegt und in Ewigkeit. 294 M Nach der Wandlung 1. Hier beth' ich auf den Knien, Verborg'ner Gott dich an; Ich will mich nicht bemühen, Das was du hier gethan, Durch Sinne zu begreifen; Dein Wort muß mir allein, Um hier nicht auszuschweifen, Der Grund des Glaubens seyn. m 2. Die Gottheit war bedecket Allein, am Kreuzaltar; Hier aber ist verstecket, Die Menschheit auch sogar. Dieß Denkmahl deiner Güte, Dieß wahre Himmelsbrod, Erinnert mein Gemüthe, D Herr! an deinen Tod. 3. Wasch mich von meinen Sünden, D Jesu, durch dein Blut, Und laß mich Gnade finden, Du allerhöchstes Gut! Laß bald den Vorhang fallen, Erschein' im vollen Licht, Und zeige mir und allen, Dein glänzend Angesicht. 3um Agnus Dei. 1. Erfreut euch fromme Seelen! Ein Wunder ist gescheh'n, Der Herr will sich verhehlen, 295 Kein Auge kann ihn feh'n. In Brod- und Weinsgestalten Ift Jefu Fleisch und Blut Auf dem Altar enthalten, Dieß größte Seelengut. 2. Verdeckt ist hier zu finden Das wahre Gotteslamm, So aller Menschen Sünden Getilgt am Kreuzes stamm. Es ist der Seelen Speife, Wie uns der Glaube lehrt; Sie nährt uns auf der Reise, Und wird doch nicht verzehrt. 3. Wenn wir das Leben schließen, Und dieses Himmelsbrod Recht wohl bereit genießen, So kann der bitt're Tod Uns Christen nicht erschrecken, Es ist ein Unterpfand, Daß Gott uns wird bedecken -Mit seiner starken Hand. 4. Herr Jesu! deiner Liebe Sey Ehre, Lob und Dank, Weil du nach ihrem Triebe Zur Speise und zum Trank. Dein Fleisch und Blut gegeben, In Brodsgestalt verhüllt, Daraus für uns das Leben, Und reine Freude quillt. 5. Entzünd' in uns Verlangen Nach diesem Sakrament; 296 Herr! laß es uns empfangen, Wenn sich die Seele trennt, Laß uns im Frieden fahren, Von allen Sünden rein, Zu deinen Engelscharen, Und ewig bey dir seyn. 3um Segen des Priesters. 1. Da wir nunmehr gehöret, Die Messe wie man soll, So fey auch Gott geehret, Er mach' uns segensvoll. Und laß es sich gefallen, Was wir allhier gethan; Er bleibe bey uns Allen, So sind wir wohl daran. 2. Gott wolle uns behüthen, Daß uns an diesem Tag, Des bösen Feindes Wüchen. Nicht schädlich werden mag. Er laß uns ohne Sünden Einst stehen vor Gericht, Damit wir Gnade finden Vor seinem Angesicht. 297 Dritter Meßgesang. 3um Kyrie. Die ier liegt vor deiner Majestät Im Staub die Christenschar, Das Herz zu dir, o Gott! erhöht, Die Augen zum Altar. Schenk uns, o Vater, deine Huld, Vergib uns unsere Sündenschuld, D Gott! von deinem Angesicht, Verstoß uns arme Sünder nicht, Verstoß- uns nicht, Verstoß uns Sünder nicht. **** Wir haben, Herr! dein Gut verschwend't, Wie der verlorne Sohn; Die Sünde hat uns so verblend't; Doch schau von deinem Thron, Mitleidig her auf unsern Schmerz, Verwirf nicht ein zerknirrschtes Herz, Entzieh' die Vaterhuld uns nicht, Und fende uns dein Gnadenlicht, Dein Gna- den- licht, Dein göttlich's Gnadenlicht. Wir sind ja deiner Hände Werk, Der Schöpfung Unterthan; >( M 298 O gib uns Schwachen Kraft und Stärk'! Sieh' uns in Gnaden an. Hier bringen wir auf dem 2ltar Dir ein Versöhnungsopfer dar. D Gott, der Werth des Bluts ist groß, Das einst dein Sohn für uns vergoß, Für uns ver- gos, Am Kreuz für uns vergoß. - 3um Gloria. Gott foll gepriesen werden, Cein Nahm' gebenedeyt Im Himmel und auf Erden, Jest und in Ewigkeit. Lob, Nuhm, und Dank und Ehre Sey der Dreyeinigkeit; Die ganze Welt vermehre, Gott! deine Herrlichkeit. Bey dem Evangelium. Aus Gottes Munde gehet Das Evangelium; Auf diesem Grunde stehet, Das wahre Christenthum. Gott felber ist, der uns lehret, Der Weis- und Wahrheit ist; Der seine Lehren höret, Wie glücklich ist der Christ. 3um Credo. Allmächtiger! vor dir im Staube Bekennt dich deine Kreatur. 299 D Gott und Vater! ja ich glaube An dich, du Schöpfer der Natur! Auch an den Sohn, der ausgegangen, Von dir geboren ewig war, Den von dem heil'gen Geist empfangen, Die reinste Jungfrau uns gebar. Und Jesus Christus ist gekommen, Daß er verföhne uns mit Gott; Er hat die Schuld auf sich genommen, Und litt für uns den Kreuzestod; Ersland, besiegte Tod und Hölle, Fuhr zu des Vaters Rechten auf, Und wird als Richter jeder Seele Einst prüfen unfern Lebenslauf. Ich glaube Gottes Geift regieret Die wahre Kirch' und Christenheit; Ein büßend Schaf, das sich verirret, Flieht hin zu der Barmherzigkeit. Um großen Tag wird's Fleisch erstehen, Jeßt, Heilige! helft uns gemein, Daß wir mit euch zum Leben gehen, Miterben Christi ewig seyn. 3um Offertorium. Nimm an, o Herr, die Gaben Aus deines Priesters Hand; Wir, die gefündigt haben, Weih'n dir dieß Liebespfand! Für Sünder hier auf Erden, In Aengsten, Kreuz und Noth, M 300 Coll dieß ein Opfer werden Von Wein und reinem Brod. Nimm gnädig dieß Geschenke, Dreyeinig großer Gott! Erbarm' dich unser; denke An Christi Blut und Tod! Sein Wohlgeruch erschwinge Sich hin zu deinem Thron; Und dieses Opfer bringe Ins den verdienten Lohn. 3um Sanktus. Singt heilig, heilig, heilig Ist unser Herr und Gott! Singt mit den Engeln: heilig Bist du, Gott Sabaoth! Im Himmel und auf Erden Soll deine Herrlichkeit Gelobt, gepriesen werden Jeht und in Ewigkeit. Wir singen froh zusammen, Von ganzer Seel' erfreut: Der kommt in's Herrn Namen, Der sey gebenedeyt! Hosanna in der Höhe! Gepriesen fey der Herr! Dem großen Gott geschehe Sein Lob von Meer zu Meer. Nach der Wandlung. Sieh' Vater, von dem höchsten Thron, m 301 M Sieh gnädig her auf dem Altar! Wir bringen dir in deinem Sohn Ein wohlgefällig Opfer dar. Wir fleh'n durch ihn, wir deine Kinder, Und stellen dir sein Leiden vor: Er starb aus Liebe für uns Sünder: Noch hebt er s'Kreuz für uns empor; Noch hebt er s'Kreuz für uns empor. Er hat für uns sich dargegeben, Für alle Menschen insgesammt, Beym Vater, daß wir ewig leben, Vertritt er jegt das Mittleramt. D Jesu, höre unfre Bitte, Steh' unfrer Schwachheit immer bey Auf daß dein Leiden, deine Güte, An uns niemahl verloren sey! An uns niemahl verloren sey! Zum Agnus Dei. Betrachtet ihn in Schmerzen, Wie er sein Blut vergießt! Seht, wie aus Jesu Herzen Der lette Tropfen fließt! Er nahm hinweg die Sünden, Er trug all' unsre Schuld; Bey Gott läßt er uns finden Den Frieden, seine Huld. Zur geistlichen Communion. D Herr, ich bin nicht würdig, Zu deinem Tisch zu geh'n; M 302 Du aber mach mich würdig, Erhör' mein findlich Fleh'n! O stille mein Verlangen, Du Seelenbräutigam! Im Geifte zu empfangen, Dich wahres Ofterlamm. Zum Beschluße der heiligen Messe. Nun ist das Lamm geschlachtet, Das Opfer ist vollbracht: Wir haben jest betrachtet, Gott! deine Lieb' und Macht. Du bist bey uns zugegen; Aus deinem Gnadenmeer Ström' uns dein Vatersegen Durch dieses Opfer her. Zum Segen. Laffet uns dann würdig ehren Ein so großes Sakrament, Nach dem neuen Bund uns kehren, Weil der alte sich geend't; Was man nicht mit Händen greifen, Noch mit Augen sehen kann, Sehen wir- Sehen wir im Glauben an. Gott den Vater wir erheben Mit dem eingebornen Sohn; Preis und Jubel sey gegeben Beyden auf dem höchsten Thron; 303 m Dem auch, der von ihnen beyden Ausgeht Gott von Ewigkeit, Werde gleich Werde gleiches Lob geweiht. - Nachmittag. Vor der Christenlehre. Heiliger Geift, komm zu verbreiten Uleber uns dein Gnadenlicht; Daß wir immer weiter schreiten Im Erlernen unsrer Pflicht; Mache uns zum Lernen Luft, Hilf, daß wir in unserer Brust, Das Erlernte wohl behalten, Ilnd im Guten nie erfalten. Nach der Christenlehre. D Gott! fegne diefe Lehren, Die du durch des Lehrers Mund, Uns zum Heil, und dir zu Ehren, Deinen Kindern machtest kund. Präge sie durch deinen Geist Tief ins Herz, daß wir im Leben, Stets zu handeln uns bestreben, Wie es dein Geboth uns heißt. wie ſelbe täglich aufgenommen 304 Litaney) 1 - m VOR allen Heiligen und Gebethe, Samstage, und U. L. Frauentage bey dem nachmittägigen Gottesdiens fte mit lauter Stimme zu bethen sind. C Herr, erbarme dich unser. Christe, erbarme dich unser. Herr, erbarme dich unser. Christe, höre uns. Christe, erhöre uns. Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser. Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme dich unser. Gott heiliger Geist, erbarme dich unfer. Heilige Dreyfaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme dich unser. Heil. Maria, bitt für uns. Heil. Gottesgebärerin, bitt für uns. 305 m Heilige Jungfrau aller Jungfrauen, bitt für uns. Heiliger Michael, bitt für uns. Heil. Gabriel, bitt für uns. Heil. Raphael, bitt für uns. Alle heiligen Engel und Erzengel, bittet für uns. Alle heilige Chöre der seligen Geister, bittet für uns. Heil. Johannes der Zäufer, bitt für uns. Heil. Joseph, bitt für uns. Alle heil. Patriarchen und Propheten, bittet für uns. Heil. Petrus, Paulus, Andreas, Jakobus, Johannes, Thomas, Jakobus, Philippus, Bartholomäus, Mathäus, Simon, Thaddäus, Mathias, Barnabas, COD Bitt für uns. m 306 Heil. Lukas, bitt für uns. Heil. Markus, bitt für uns. Alle heilige Apostel und Evangelisten, bittet für uns. Alle heilige Jünger des Herrn, bittet für uns. Alle heilige unschuldige Kinder, bittet für uns. Heil. Stephanus, bitt für uns. C GUFSCHO Fabianus und Sebastianus, bittet für uns. Johannes und Paulus, bittet für uns. Kosmas und Damianus, bittet für uns. Gervasius und Protafius, bittet für uns. Alle heilige Märtyrer, bittet für uns. Heil. Sylvester, Gregorius, Ambrosius, Augustinus, Hieronymus, Martinus, Nikolaus, - Cand- ma - Laurentius, bitt für uns. Vinzentius, bitt für uns. - Bitt für uns. m 307 M Alle heilige Bischöfe und Beichtiger, bittet für uns. Alle heilige Lehrer, bittet für uns. Seil. Antonius, bitt für uns. 200 - Benediktus, Bernardus, Dominikus, bitt für uns. Franziskus, bitt für uns, Alle heilige Priester und Leviten, bittet für uns. Alle heilige Mönche und Einsiedler, bittet für uns. Heil. Maria Magdalena, A bitt für uns. bitt für uns. Agatha, Lucia, Agnes, Căcilia, Katharina, Anastasia, Alle heilige Jungfrauen und Witwen, bittet für uns. Alle heilige Gottes, bittet für uns. Sey uns gnädig, verschone uns, o Herr. Bitt für uns. Sen uns gnädig, erhöre uns, o Herr. Von allem Uebel, erlöse uns, o Herr. Von aller Sünde, erlöse uns, o Herr. Von deinem Zorne, erlöse uns, o Herr. 308 m Vom gähen und unvorgesehenen Tode, Von den Nachstellungen des Teufels, Vom Zorne, Haß, und allem bösen Willen, Von dem Geiste der Unlauterkeit, Vom Bliz und Ungewitter, Von Pest, Hunger und Kriege, Von dem ewigen Tode, Durch das Geheimniß deiner Heiligen Menschwerdung, Durch deine Ankunft, Durch deine Geburt, Durch deine Taufe und dein heiliges Fasten, Durch dein Kreuz und Leiden, Durch deinen Tod und dein Begräbniß, Durch deine heil. Auferstehung, Durch deine wunderbare Auffahrt, Durch die Ankunft des heil. Geistes, des Trösters, Erlöse uns, o Herr. Am Tage des Gerichts, Wir arme Sünder, wir bitten dich, erhöre uns. Daß du uns verschonest, wir bitten dich, erhöre uns. 309 Daß du uns verzeihest, Daß du uns zu wahrer Buße bringen wollest, Daß du deine heilige Kirche regieren und erhalten wolleft, Daß du den apostolischen obersten Hirten und alle Stände der Kirche in deiner heiligen Religion erhalten wollest, Daß du die Feinde der heil. Kirche demüthigen wollest, Daß du den christlichen Königen und Fürsten wahre Einigkeit geben wollest, Daß du dem christlichen Volke Frieden und Einigkeit verleihen wolleft, Daß du uns selbst in deinem heiligen Dienste erhalten wolleft, Daß du unsere Gemüther zu himmlischen Begierden erhebest, Daß du alle unsere Gutthäter mit den ewigen Gütern belohnest, Daß du unsere, und unserer Brüder, Freunde und Gutthäter Seelen von der ewigen Verdammniß erledigest, Wir bitten dich, erhöre uns. m 310 m Daß du die Früchte der Erde geber und erhalten wollest, wir bitten dich erhöre uns. Daß du allen abgestorbenen Christgläu bigen die ewige Ruhe verleihen wol lest, wir bitten dich, erhöre uns. Daß du uns erhören wolleft, wir bit ten dich, erhöre uns. O du Lamm Gottes, welches du hin nimmst die Sünden der Welt, ver schone uns, o Herr. O du Lamm Gottes, welches du hin nimmst die Sünden der Welt, erhö re uns, o Herr. O du Lamm Gottes, welches du hin nimmst die Sünden der Welt, er barme dich unser, o Herr. Christe, höre uns. Christe, erhöre uns. Herr, erbarme dich unser. Christe, erbarme dich unser. Herr, erbarme dich unser. Vater unser. Psalm 69. O Gott! sey bedacht mir beyzuste. hen! Herr, eile mir zu helfen. 311 Beschämt, und zu Schanden sollen werden, die meiner Seele nachstellen. Sie sollen zurückweichen, und in Schanden stehen, die mir Uebels wollen. Sie sollen bald schamroth abtreten, die mir Spott und Hohn zurufen. Alle aber, die dich suchen, sollen frohlocken, und sich in dir erfreuen; und die dein Heil lieben, sollen immer sagen: Hochgelobt sey der Herr. Ich aber bin bedürftig und arm, o Gott! steh mir bey. Denn du bist mein Helfer und Erlöser; o Herr! verweile nicht zu lange. Ehre sey dem Vater, und dem Sohne, und dem heiligen Geiste: So wie sie war vom Anbeginne, jeßt und allezeit, und in Ewigkeit. Amen. Priester. Rette deine Diener. Volk. Die auf dich hoffen, o mein Gott! P. Sey uns, Herr! ein starker Thurm. V. Wider unsere Feinde. P. Laß den Widersacher nichts vermögen wider uns. 312 M V. Und das Kind der Bosheit fthade uns nicht. P. Herr! Handle nicht mit uns nach unsern Sünden. V. Und vergilt uns nicht nach unseren Uebelthaten. P. Lasset uns bethen für unsern obersten Hirten N. V. Der Herr erhalte ihn, verleihe ihm Leben und Heil auf Erden, und übergebe ihn nicht den Händen seiner Feinde. P. Lasset uns bethen für unsere Wohlthäter. V. D Herr! gib allen unsern Wohl thätern um deines Namens Willen das ewige Leben. P. Lasset uns bethen für alle abgestorbene Christgläubige. V. Herr! gib ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen. P. Laß sie im Frieden ruhen. V. Amen. P. Lasset uns auch bethen für unsere abwesenden Brüder. V. O mein Gott! mache deine Diener selig, die auf dich hoffen. 313 P. O Herr! sende ihnen Hilfe von deinem Heiligen Size. V. Und von Sion beschüße fie. P. Herr! erhöre mein Gebeth. V. Und laß mein Rufen zu dir kommen. Gebeth. D Gott, dem Erbarmen und Schonen immer eigen ist, nimm unser flehentliches Gebeth an, damit uns, und alle deine Diener, die wir in Ketten der Sünde liegen, deine erbarmende Güte gnädig auflöse. Wir bitten dich, o Herr! erhöre unser demüthiges Gebeth, und verschone derer, die ihre Sünden bekennen, damit wir zugleich Verzeihung und Frieden nach deiner Güte erlangen. D Herr, erzeige uns gnädig deine unaussprechliche Barmherzigkeit, durch welche wir zugleich von allen Sünden frey, und von der Strafe, die wir für solche verdienen, gerettet werden. O Gott! der du durch die Sünde beleidiget, und durch die Buße versöhnet wirst: siehe gnädig auf das Ge 314 beth deines um Gnade flehenden Volkes, und wende die Geißel deines Zornes, die wir für unsere Sünden verdienen, von uns ab. m Allmächtiger, ewiger Gott! erbarme dich deines Dieners N. unsers obersten Hirten, deines Statthalters auf Erden, und leite ihn nach deiner Milde auf dem Wege des ewigen Heiles, damit er durch deine Hilfe, was dir gefällt, begehre, und mit allem Eifer vollbringe. O Gott! von welchem die heiligen Begierden, guten Vorsäße und gerechten Werke entspringen, gib deinen Dienern jenen Frieden, den die Welt nicht geben kann, damit unsere Herzen deinen Gebothen ergeben, und die gegenwärtigen Zeiten durch deinen Schuß von Feindes Furcht gesichert und ruhig seyn. O Herr! enßünde unsere Nieren und Herzen mit dem Feuer deines Geistes, damit wir dir mit keuschem Leibe dienen, und mit reinem Herzen gefallen mögen. D Gott! Schöpfer und Erlöser aller Gläubigen, verleihe den Seelen 315 m deiner Diener und Dienerinnen Verzeihung aller Sünden, damit sie die gnädige Nachlassung, welche sie allezeit gewünschet haben, durch gottselige Fürbitte erlangen. O Herr! wir bitten, du wollest unserm Thun und Lassen mit deiner Gnade vorkommen, und selbes mit deiner Hilfe begleiten, damit all unser Bethen und Handeln von dir jederzeit anfange, und durch dich angefangen, geendet werde. Allmächtiger, ewiger Gott! der du über die Lebendigen und Abgestorbenen herrschest, und dich aller erbarmest, welche du aus dem Glauben und den Werken für die Deinigen erkennest: wir bitten dich demüthig, daß die, für welche wir uns vorgenommen haben, unser Gebeth auszugießen, sie mögen nun noch auf dieser Welt im Leben, oder bereits davon abgeschieden seyn, durch die Fürbitte aller deiner Heiligen, nach deiner Gütigkeit Verzeihung aller ihrer Sünden erlangen mögen, durch unsern Herrn Jesum Christum deinen Sohn, der mit dir lebt und regieret in 02 316 Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Gebeth für den Landesfürsten. O Gott! du Beschüßer aller Reiche, verleihe deinem Diener, unserm Kaiser N. daß er deine fiegreiche Macht erkenne und verehre; damit er durch deinen Schuß jederzeit mächtig sey, so wie er durch deine Anordnung Landesfürst geworden ist. Durch unsern Herrn Jesum Christum deinen Sohn, der mit dir lebet und regieret in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. M Gebeth für das allgemeine Anliegen der ganzen Christenheit. Allmächtiger, ewiger Gott! Herr himmlischer Vater! sich mit den Augen deiner grundlosen Barmherzigkeit auf der Deinigen Jammer, Elend und Noth. Erbarme dich aller Christgläubigen, für welche dein eingeborner Sohn, unser Herr und Heiland Jesus Christus, in die Hände der Sünder 317 M willig gekommen ist, und sein kostbares Blut am Stamme des heiligen Kreuzes vergossen hat. Durch diesen unsern Herrn Jesum wende ab, gnädigster Vater, die wohlverdiente Strafe, gegenwärtige und zukünftige Gefährlichkeiten, schädliche Empörungen, Kriegsrüstung, Theuerung, Krankheiten und betrübte mühselige Zeiten. Erleuchte, und stärke in allem Guten geistliche und weltliche Obrigkeiten, damit sie alles befördern, was zu deiner göttlichen Ehre, zu unserm Heile, und insgemein zum Frieden und zur Wohlfahrt der Christenheit gedeihen mag. Verleihe uns, o Gott des Friedens! wahre Vereinigung im Glauben, ohne alle Spaltung und Trennung. Bekehre unsere Herzen zu wahrer Buße, und Besserung des Lebens. Zünde in uns das Feuer deiner Liebe an. Gib uns Hunger und Eifer zu aller Gerechtigkeit, damit wir als geborsame Kinder im Leben und Sterben dir angenehm und wohlgefällig seyn. Wir bitten auch, wie du willst, o Gott, daß wir bitten sollen für unsere Freunde und Feinde, für Gesunde und Kranke, m 318 für alle betrübte und leidende Christen, für Lebendige und Abgestorbene. Dir sey auf immer empfohlen, o Herr, all unser Thun und Lassen, unser Handel und Wandel, unser Leben und Sterben. Laß uns nur deine Gnade hier genießen, und dort mit allen Auserwählten erlangen, daß wir in ewiger Freude und Seligkeit dich loben und ehren mögen. Das verleihe uns, o Herr himmlischer Vater! durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, unsern Herrn und Heiland, welcher mit dir und dem heiligen Geiste gleicher Gott lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. Für die allgemeinen Bedürfnisse fünf Vater unfer, und fünf Ave Maria. Kirchengebeth in Kriegszeiten, als Zusah. O Gott! der du die Kriege zernichtest, und die Feinde derjenigen, welche auf dich vertrauen, mit deinem mächtigen Schuhe zerstreuest; komm deinen Dienern zu Hilfe, die deine Barmherzigkeit anflehen, damit die 319 M Wuth ihrer Feinde ersticket werde, und wir dir unaufhörlich danken, und dich preisen mögen. Durch unsern Herrn Jesum Christum. Amen. Alsdann wird der heilige Segen gegeben. Gebeth nach einem Siege. Dank und Preis sey dir, Herr der Heerschaaren! Du hast uns den Sieg über unsere Feinde ertheilt. Führe fie selbst durch ihr Unglück zu friedsamen Gesinnungen; flöße den Siegern Liebe gegen die Besiegten ein; gib den im Kampfe Gebliebenen die ewige Ruhe; heile die Verwundeten; hilf allen, die daben wie immer gelitten haben. Leite die Herzen der Fürsten, daß sie nur, so lange es nothwendig ist, das Schwert zur Vertheidigung gebrauchen; laß auch uns über alle Feinde unserer Seele fiegen, und einst zum ewigen Leben gelangen; durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Gebeth um den Frieden. Gott des Friedens! du läßest Uneinigkeiten und Kriege zu, damit wir 320 desto mehr nach dem wahren, nach dem ewigen Frieden trachten. Verleihe deiner Kirche und unserm Lande den Frieden. Wir zittern, wenn wir uns die Uebel vorstellen, welche der Krieg über uns und unsere Brüder herben führt. Gib den Völkern, die gegeneinander streiten, Gedanken des Friedens. Du hast die Herzen der Könige in deiner Hand, und lenkst sie, wohin du willst. Leite sie zur Einigkeit. Und schenkst du uns dann den Frieden, so laß ihn uns auch heilig gebrauchen, und verleihe gnädig, daß wir nicht uneinig unter einander leben, oder durch die Sünde uns gegen dich auflehnen. Um dieß bitten wir dich durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Kirchengebeth um Regen. O Gott, in dem wir leben, uns bewegen und find! gib uns einen erſprießlichen Regen, damit wir, mit zeitlichen Gütern hinlänglich versehen, mit desto mehr Zuversicht nach den ewigen trachten; durch Jesum Christum, unfern Herrn. Amen. 321 m Kirchengebeth um heiteres Wetter. Wir rufen zu dir, o Herr! und bitten dich demüthig, verleih uns ein heiteres Wetter. Laß uns, die wir für unsere Sünden billig gezüchtigt werden, deine zuvorkommende Barmherzigkeit und Güte erfahren; durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Gebeth für einen Kranken. Herr Jesu! der, den du lieb haft, ist krank. Laß ihm seine Krankheit nicht zum Tode seyn, sondern zu deiner Ehre und zu seiner Heiligung gereichen. Du hast so vielen Kranken ihre vorige Gesundheit, du hast selbst den Todten das Leben wieder gegeben: o, so erhalte es auch diesem Kranken, und laß ihn wieder gesund werden. Du bist allmächtig und gütig. Sprich nur ein Wort, so erlangt er die Gesundheit wieder. Da wir aber nicht immer wissen, was gut ist, so thue, was dir gefällt. Verleihe dem Leidenden nur Geduld, uns aber wahre Liebe zu ihm, damit wir mit ihm dich hier in deinem TemX 322 pel, dort aber im Himmel ewig loben. Amen. Verschiedene Kirchengesänge. 1. Advent Lied. Thauet hauet Himmel dan Gerechten, Wolken regnet ihn herab; Also rief in langen Nächten, Einst die Welt ein weites Grab! In von Gott verfluchten Gründen, Herrschten Satan, Tod und Sünden, Fest verschlossen war das Thor, Zu des Heiles Erb empor. 2. Doch der Vater ließ sich rühren, Daß er uns zu retten sann, Und den Nachschluß auszuführen, Trug der Sohn fich freudig an. Gabriel flog schnell hernieder, Kehrte mit der Antwort wieder: Sieh, ich bin die Magd des Herrn, Was er will, erfüll' ich gern. 3. Dein Gehorsam ist mein Leben, Jungfrau demuthevoll und keusch! Gottes Geist wird dich umschweben, 323 Und des Vaters Wort wird Fleisch. Menschen, bethet an im Staube, Weh der Höll' und ihrem Raube, Aber Adamskindern wohl, ( 0 Weil ein Heiland kommen soll. 4. Einen Zuruf hör' ich schallen: Brüder wacht vom Schlummer auf; Denn es naht das Heil uns allen, Nacht ift fort, der Tag im Lauf. D dann fort mit allen Thaten, Die die Nacht zur Mutter hatten, Künftig ziehe Jedermann, Nur des Lichtes Waffen an. 5. Laßt uns wie am Tage wandeln, Nicht in Fraß und Trunkenheit Nicht nach Fleischbegierden handeln, Weit verbannt fey 3ant und Neid. Jenem gänzlich nachzuarten, Dessen Ankunft wir erwarten, Dieses ist nun unsere Pflicht, So wie sein Apostel spricht. 6. Welterlöfer, ich erfülle, Deines treuen Knechtes Rath, Komm' in meine Fleisches Hülle, Wie dein Both' verkündet hat. Komm' und bringe mir den Frieden, Menschen ist er nur beschieden, Die von guten Willen sind. Komm', ich bin es, göttlich Kind. 524 Rorate Lied. 2. Matic 1. Caria fey gegrüßet, Du lichter Morgenstern! Der Glanz, der dich umfließet, Verkündet uns den Herrn; Von jeder Mackel rein, Sollst du zum Menschenheile, Des Höchsten Mutter seyn. 2. Dein Gott, zu dir gewendet, Ertheilet den Befehl; Es eilt von ihm gesendet, Der Engel Gabriel! Er spricht: o gnadenvoll, Gesegnet unter Weibern! Der Herr bedenkt dein Wohl 3. Dieß konntest du nicht fassen, Und batheft ihn dabey, Dich recht verstehen zu lassen, Was diese Bothschaft sey 1 Maria, zitt're nicht! Denn du haft Gnad' gefunden, Vor Gottes Angesicht. 4. Er will, du sollst empfangen, Gebären einen Sohn; Er wird durch ihn gelangen, Auf Davids Vaterthron! Des Höchsten Sohn zugleich. Und Jefus foll er heißen, Unendlich ist sein Reich. 325 5. Wie soll denn dieß geschehen? Ich kenne feinen Mann, O Jungfrau du wirst sehen, Was Gottes Allmacht kann. Er sendet seinen Geist, Der wird dich überschatten, Damit du Mutter seyst. 6. In ihren alten Tagen, Kann auch Elisabeth, Von seinen Wundern sagen, Die nun geſegnet geht.. Sie hieß zwar unfruchtbar; Doch dem ist nichts unmöglich, Der seyn wird, ist und war. C 7. Da sprachst du tief geneiget: Ich bin des Höchsten Magd; Was du mir angezeiget, Das sey, wie du gesagt. O freudenvolles Wort! Der Bothe Gottes eilte Mit diesem Auftrag fort. 8. Von seines Vaters Freuden Kam jest das Wort herab, Für Sünder hier zu leiden, zu suchen Tod und Grab. Es wählte deinen Leib, Mit Fleische fich zu kleiden, Gebenedeytes Weib. g. Den Schat, den du empfangen, D bring' ihn bald zur Welt, Wir warten mit Verlangen; M 326 Denn er ist jener Held, Der unsere Bande bricht, Und aus des Todes Schatten, Uns rufet in das Licht. 10. Dieß Lied sey dir gefungen, Des Heils Gebärerin, Mit dir ergeb'nen Zungen, Mit dir ergeb'nem Sinn! Dein hochgelobtes Pfand, Führ uns auf deinen Fürspruch, Hinauf ins Vaterland. Zur Weihnachtszeit. Im belannten Tone. 1. Dies ist der Tag von Gott gemacht, Ich will mich herzlich freuen; Auch mich hat heut' der Herr bedacht, Ich will ihm Lieder weihen. Das Heil, das aus der Jungfrau Schook Heut' allen Adamskindern sprok, Ist auch für mich geboren. Vor seiner Krippe fint' ich dann, Und bethe meinen Heiland an, In Wonne ganz verloren. 2. In meiner Bildung liegt er hier, Den feine Namen nennen; Gott! o Kind! geläng es mir, Die Gutthat ganz zu kennen. Du steigest von dem Thron herab, 327 Den dir mit sich dein Vater gab, Um hier für mich zu leiden; Du wähleft, mir zu nügen heut', Für Ueberfluß die Dürftigkeit, Den Stall für Himmelsfreuden. 3. Du weinst, mein Jefu, sey gegrüßt, D gnadenreiche Zähre, Sey mir mit Ehrfurcht aufgeküßt, O Tropfen aus dem Meere, Das einstens blutig ftrömen soll, Für mein und aller Sünder Wohl; Sey auch für mich geweinet. Erwärme kalter Christen Herz, Das ihres Heilands ersten Schmerz, Nicht zu empfinden scheinet. 4. Das meine soll dein Wohnplag seyn, Geliebtester aus allen, Es soll wie neu geschaffen rein, Von Engeltrieben wallen. Komm aus der Krippe, komm zu mir, Bring' echte Frömmigkeit mit dir, Und wahre Christensitten. D! noch nicht Nichter noch ein Kind! Dieß macht mich hoffen; Kinder sind Ja leichter zu erbitten. 5. Du lehrest einst in Majestät, Vom Engelheer umringet, Wenn diese Welt zu Trümmern geht, Der Staub aus Gräbern dringet: Dann muß auch ich hin in's Gericht, Anweiser vor dein Angesicht, 328 Mit Furcht und Angst durchdrungen; D prich dann: ich erkenne dich, Du hast vor meiner Krippe mich, Mit Inbrunst einst befungen. Fastenlied. £ 1.aß mich deine Leiden fingen, Dir des Mitleids Opfer bringen, Inverschuld'tes Gotteslamm, Das von mir die Sünde nahm. Jefu, drücke deine Schmerzen! Tief in aller Christen Herzen! Laß mir deines Todes Pein Troft in meinem Tode seyn. 2. In's Gericht für Menschen treten, Zum erzürnten Vater bethen, Seh' ich dich mit Blut bedeckt, Auf den Dehlberg hingestreckt. Jesu, drücke deine Schmerzen, 20. 3. Dich zu binden und zu schlagen, 3u beschimpfen und zu plagen, Nahet sich der Feinde Schar, Und du gibst dich willig dar. * * * Jefu, drücke deine Schmerzen, zc. 329 4. Von den Nichtern, die dich haffen, Wilden Kriegern überlassen, Strömet dein unschuldig Blut, Unter frecher Geißeln Wuth. Jesu, drücke deine Schmerzen, zc. 5. Unter lautem Spott und Hohne, Seh' ich eine Dörnerkrone, Die mein Heiland! fcharf gespigt, Deine Stirne schmerzlich rigt. * * * Jesu, drücke deine Schmerzen, zc. 6. Wundenvoll, erblaßt, entkräftet, An das Opferholz geheftet, Seh' ich, wie ein Gottmensch stirbt, Und den Sündern Heil erwirbt. * * * * Jesu, drücke deine Schmerzen, ic. 7. Heiland, meine Misfethaten, Haben dich verkauft, verräthen, Dich gegeißelt und gekrönt, An dem Kreuze dich verhöhnt. * Ach, es reuet mich von Herzen, Laß mein Heiland, deine Schmerzen, Deines Mittlertodes Pein, Nicht an mir verloren seyn. 330 Osterlied. Im Tone: Christus ist erstanden, u. f. w. 1. Der Heiland ist erstanden, Befreyt von Todesbanden, Der als ein wahres Ofterlamm, Für mich den Tod zu leiden kam. Alleluja! 2. Nun ist der Mensch gerettet, Ilnd Satan angefettet, Der Tod hat keinen Stachel mehr, Der Stein ist weg, das Grab ist leer. Alleluja! 3. Der Sieger führt die Scharen, Die lang gefangen waren, In seines Vaters Reich empor, Das Adam sich und mir verlor. Aleluja! 4. O wie die Wunden prangen, Die er für mich empfangen! Wie schallt der Engel Siegsgefang, Dem Starken, der den Tod bezwang. Alleluja! 5. Mein Glaube darf nicht wanken, O tröstlicher Gedanken, Ich werde durch sein Aufersteh'n, Gleich ihm aus meinem Grabe geh'n. Alleluja! M 331 6. Die Nacht, die mich dort decket, Bis mich der Engel wecket, Ist kurz; dann ruft mein Heiland mich In's Reich, wo niemand stirbt, zu sich. Alleluja! 7. D. Meer der Seligkeiten, Ein Ort mir zu bereiten, Ging mein Erlöfer hin vor mir: Erstandener, ich folge dir. Alleluja! 8. Ja durch ein neues Leben, Will ich zur Höhe streben, Wo du mit deinem Vater thronst, Und jede gute That belohnst. Alleluja! 9. Dann werd' ich im Gerichte, Vor deinem Angesichte, Von deinem Blute glänzend steh'n, Und zu des Lammes Hochzeit geh'n. Alleluja! 10. Alleluja! Alleluja! Alleluja! Wie du von Tod erstanden bist, Laß uns ersteh'n, Herr Jesu Christ. Alleluja! 332 Pfingstlied. Im Tone: Komm heiliger Geist mit deiner Gnad u.[. w. 1. Komm', heit. Geist! o dritte Person, Von einer Natur, mit Vater und Sohn! Der du von seiner Sündenlast, So manches Herz befreyet hast, Komm', h. Geist, erwünschtester Gast. 2. Komm' h. Geift! auf uns jest herab, So wie dich einst Gott den Gläubigen gab. Als ihre noch geringe Zahl, Versammelt im verschloß'nen Saal, Sich sehnte nach dir, du göttlicher Strahl. 3. Komm', h. Geist! ein Tröster genannt, Es werde durch dich der Kummer verbannt, Der uns verstört in unserer Pflicht, Die Trägheit überwindet uns nicht, Wenn du uns entflammst, o mächtiges Licht. 4. Komm, h. Geift, du Lehrer der Welt, Die Straffe des Heils wird niemals verfehlt, Wenn man sich nicht an Sekten kehrt, Die Kirche, die dein Einspruch lehrt, Mit kindlicher Treu als Mutter verehrt. 5. Komm', h. Geist! vom himmlischen Thron, Dir werde zugleich mit Vater und Sohn, In unzertheilter Wesenheit, Von nun an bis in Ewigkeit, Anbethung und Dank und Jubel geweiht. 333 M Am Feste der heiligsten Dreyfaltigkeit. 1. Herr, ich glaube, Herr, ich hoffe, Herr, von Herzen lieb ich dich. Rede Herr, und ich will hören; Laß die Welt mich nicht bethören, Denn du haft mir Geist und Leben Aus Barmherzigkeit gegeben. In dem Glauben, in der Hoffnung, in der Liebe stärke mich. 2. Herr, ich glaube, Herr, ich hoffe, Herr, von Herzen lieb ich dich. Sollten alle Menschen lügen, So fannst du mich nicht betrügen; Nichts ist dir, o Gott, verborgen, Dein Wort glaub' ich ohne Sorgen, In dem Glauben, in der Hoffnung, in der Liebe stärke mich. 3. Herr, ich glaube, Herr, ich hoffe, Herr, von Herzen lieb ich dich. Einen Gott, und drey Personen, Welche in dem Lichte wohnen, Gleich im Wefen, Macht und Stärke, Wunderbar sind ihre Werke. In dem Glauben, in der Hoffnung, in der Liebe stärke mich. 4. Herr, ich glaube, Herr, ich hoffe, Herr, von Herzen lieb ich dich. Vater! in den Himmelsauen, Auf dich will ich fest vertrauen; 334 Du wirst mich doch nicht verlaffen, Wenn mich Welt und Hölle haffen. In dem Glauben, in der Hoffnung, in der Liebe stärke mich. 5. Herr, ich glaube, Herr, ich hoffe, Herr, von Herzen lieb ich dich. Gottes Sohn! dein Kreuz und Sterben Retten mich von dem Verderben; Durch dich steht der Himmel offen, Dieses will ich freudig hoffen. In dem Glauben, in der Hoffnung, in der Liebe stärke mich. 6. Herr, ich glaube, Herr ich hoffe, Herr, von Herzen lieb ich dich. D Gott heil'ger Geist verleihe, Daß ich mich vor Niemand scheue, Meinen Glauben, zu bekennen, Und mich Christi Glied zu nennen. In dem Glauben, in der Hoffnung, in der Liebe stärke mich. 7. Herr, ich glaube, Herr ich hoffe, Herr, von Herzen lieb ich dich. Un dir will ich mich ergößen, Und dich über alles schäßen. Dir, o Gott, will ich in allen Meinen Werfen nur gefallen. In dem Glauben, in der Hoffnung, in der Liebe stärke mich. 8. Herr, ich glaube, Herr, ich hoffe, Ja, von Herzen lieb ich dich. Nichts soll mich von dir mehr trennen, am 335 Droht die Welt mich zu verbrennen, Ilm zur Intreu mich zu zwingen; So will ich doch fröhlich singen: Herr, ich liebe, Herr, ich liebe, ja, von Herzen lieb ich dich. 9. Herr, ich glaube, Herr, ich hoffe, Ja, von Herzen lieb ich dich. Wenn ich in den letzten Zügen Und im Grabe werde liegen; Wenn mein Körper wird verwesen, Soll man noch im Herzen lesen: Herr, ich liebe, Herr, ich liebe, ja, von Herzen lieb ich dich. Katholischer Gruß: ,, Gelobt sey Jesus Christus." Wach ach' ich früh Morgens auf, So fag' ich bald darauf: Gelobt sey Jesus Christus. Ulsdann zieh' ich mich an, Und fang' zu bethen an: Globt sey Jesus Christus. Hör' Glocken läuten ich, Gott wurde Mensch für mich: Gelobt sey Jesus Christus. 12 336 Beym Gruß der Jungfrau keusch Dent' ich: ,, Das Wort wird Fleisch!" Gelobt sey Jesus Christus. M In Arbeit, Müh' und Streit; Jeht und in Ewigkeit: Gelobt sey Jesus Christus. Geh' ich zur Kirch' hinein, So foll mein Erstes seyn: Gelobt fey Jefus Christus. Es theilt in diesem Haus, Gott seine Gnaden aus: Gelobt fey Jesus Christus. Begegnet mir ein Freund, Soll er gegrüßet seyn: Gelobt fey Jefus Chriftus. Führ' ich die Arbeit fort, Sprech' ich dabey das Wort: Gelobt fey Jesus Christus. Und ist sie nun vollbracht, So wird der Schluß gemacht: Gelobt sey Jesus Christus. Wie wird mir alles ring, Wenn ich von Herzen sing': Gelobt sey Jesus Christus. Mag die Verrichtung mein, Nun schon wie immer seyn: Gelobt fey Jesus Christus. M 337 Schickt Gott mir gute Zeit, Nuf ich mit Dankbarkeit: Gelobt fey Jesus Christus. Und trifft ein Unglück mich, Doch finge hoffend ich: Gelobt sey Jesus Christus. Wenn er mich lieben thut, Dann wird's schon wieder gut: Gelobt sey Jesus Christus. Sey groß auch meine Schuld, Doch tilgt sie die Geduld: Gelobt sey Jesus Christus. Schmeckt eine Speise mir, Dank ich dem Herrn dafür: Gelobt sey Jefus Christus. Trink' ich, ruf' ich dabey, Dem Herrn die Ehre sey: Gelobt sey Jefus Chriftus. Denk ich nur immer Dein, Werd' ich wohl mäßig seyn: Gelobt sey Jefus Christus. Durch gute Werk' allein, Will er gepriesen seyn: Gelobt sey Jesus Christus. Wenn ich gefündigt hab', Bitt ich's mit Thränen ab: Gelobt fey Jefus Christus. P 338 Er gibt nach wahrer Buß', Mir dann den Friedensluß: Gelobt sey Jesus Christus. Und leg' ich mich zur Nuh', So ruf' ich immer zu: Gelobt sey Jesus Christus. So fingend schlaf ich ein, In Gott dem Vater mein: Gelobt fey Jesus Christus. Von ihm ich alles hab', Ihm fing' ich bis ins Grab: Gelobt fey Jesus Christus. Ich lad' Erd', Himmel ein, Daß sie mit flimmen ein: Gelobt sey Jesus Christus. Bey dem Segen. Im bekannten Tone: 1. Segne Jefu! deine Heerde, Welche dir zu Füssen fällt, Und die Güter dieser Erde, Nur von deiner Gnad' erhält. Herr, dein theures Fleisch und Blut, Ist das größte Seelengut, Welches würdig zu empfangen, Wahre Christen stets verlangen. 339 M 2. Den die Brotsgestalt bedecket, Der du unser Heiland bist, Den die Liebe hier verstecket, Gib uns Segen Jesu Christ. Mach verstockte Herzen weich, Und an wahrer Tugend reich. Stärk' uns auch mit dieser Speife, Endlich zu der Himmelsreise. 3. Der du haft für uns gelitten, Und von Sünden machtest frey, Ach, gewähre, was wir bitten, Segne Herr, und steh uns bey, Daß wir in der Todeszeit, In dem allerschwersten Streit, Alle Feinde überwinden, Und durch dich das Leben finden. Ein anderes Segenlied. Wir ehren dich, Verhüllter Wunder Gott, Und flehn zu dir, Ilm Hilfe in der Noth. Heilig! heilig! heilig! Du bist allzeit heilig! Sey gepriefen ohne End, In dem heiligsten Sakrament. Ach! speise uns, Mit deinem Fleisch und Blut, P2 M 340 Und fegne uns, O allerhöchstes Gut! Heilig! heilig! heilig! u. f. w. Ach! höre uns, Schaff' unf're Seelen rein, Daß wir dein Volk, Auch deiner würdig seyn. Heilig! heilig! heilig! u. f. w. Noch ein anderes. Vor dem Segen. Wir bethen an, Dich wahres Engelsbrod, Dich Vater, Herr! Allmächtig großer Gott. Heilig, heilig, heilig, Du bist allzeit heilig; Sey gepriesen ohne End, In dem heiligsten Sakrament. Wir bitten dich, Erbarm' dich großer Gott! Und fegne uns, Gieb uns das tägliche Brod. Heilig, heilig, heilig, u. s. w. Nach dem Segen. D stärke uns, Wir ringen unf're Händ', M 341 lind speife uns, In unserm legten End'. Heilig, heilig, heilig, u. f. w. In allgemeinen Nöthen, und an Bethtagen. Das Gebeth des Herrn. Im Tone: Großer Gott, wir loben dich, zc. ( Langfam.) 1. Wenn ihr Christen eure Noth, Die euch heut zu Tage fränket, Wenn ihr zugleich das Geboth Unsers Herrn wohl bedenket; D! so eilet zum Gebeth, Fleht zu Gottes Majestät. 2, Bethet nicht nach Heidenart, Die viel eitle Worte sprechen. Gottes Vaterherz ist zart, Auch ein Seufzer kann es brechen. Das Gebeth, so Jesus lehrt, Wird gewiß von Gott erhört. 3. Vater unser, bethen wir, Der du in dem Himmel wohnest, 342 Und den Deinen, wenn sie dir Eifrig dienen, ewig lohneft; Deines Namens Herrlichkeit Sey geheiligt allezeit. 4. 3u uns komme, Herr dein Neich! Wie im Himmel, so auf Erden Soll dein Wille allsogleich Gern von uns vollzogen werden. Gib uns auch bis in den Tod. Heut und täglich unser Brot. 5. Uch, vergib nach deiner Huld, Milder Vater, alle Sünden! Laß uns wegen unsrer Schuld Herr, bey dir Vergebung finden; Und nach Mak, als wir verzeihn. Mach auch uns von Schulden rein. 6. In Versuchung führ uns nicht, Laß uns niemals unterliegen; Gieb die Kraft, die uns gebricht, Uns're Feinde zu besiegen. Vater, steh uns gnädig bey, Mach uns von dem llebel frey. 7. Wer mit fester Zuversicht, Demuthsvoll, in Jesu Namen, Diese sieben Bitten spricht, Kann mit Freuden fingen: Amen. Amen! Ja, es wird geschehn, Was wir von dem Vater flehn. 343~ M Bußlied. Im bekannten Tone: Strenger trenger Nichter aller Sünder, Treuer Vater deiner Kinder, Der du in dem Himmel wohnst, Drohest, strafest und belohnst. NB. Folgende vier Verse werden am Ende einer jes den Strophe wiederhohlet. Höre gnädig unser Bitten, Wende ab von unsern Hütten, Krankheit, Krieg und Hungersnoth, Gib uns unser täglich's Brot. 2. Jeden Tag, ja jeden Morgen, Kannst du alle wohl versorgen, Du bist unermeßlich reich, Nichts ist deiner Güte gleich. 3. Alles tömme von deinem Segen, Du gibst Sonnenschein und Regen, Daß die Feldfrucht wächst und blüht, Daß man reiche Aernte sieht. 4. Wenn sich Ungeziefer mehret, Und die Früchte uns verzehret, So geschiehts nach deinem Rath, Wegen unserer Missethat. 5. Wenn bey vielen Regengüßen, Saat und Frucht verderben müssen, 344 M So hat's deine Hand gethan, Unsere Sünd ist Schuld daran. 6. Wenn in heißen Sommertagen Schlossen alles niederschlagen, Was in Feld und Gärten grünt, D so haben wir's verdient. 7. Wenn bey Blig und Ungewittern, Wir an allen Gliedern zittern, So wird deine starle Hand, Erst den Sündern recht bekannt. 8. Deine Allmacht zu verbreiten, Schicktest du zu Josephs Zeiten, Sieben Jahre Fruchtbarkeit, Und so lange theure Zeit. 9. In des Königs Uchabs Tagen, Schlugst du Israel mit Plagen, Daß die Erde dürre war, Durch drey und ein halbes Jahr. 10. Selbst der Himmel schien verschloffen, Da kein Negen sich ergoffen, Wegen der Abgötterey, Die das Volk trieb ohne Scheu. 11. Du gabst wunderbarer Weife, Dem Elias feine Speise, Da man durch das ganze Land, Schwere Hungersnoth empfand. 12. Endlich wirkte Buße Negen, Und du schenktest deinen Segen; 345 Du vergabst die Missethat, Als Elias darum bath. 13. Laß auch uns Erbarmung finden, Wenn du wegen unserer Sünden, Ungnädig geworden bist, Und der Feind uns schädlich ist. 14. Mit recht findlichem Vertrauen, Wollen wir stets auf dich bauen, Deffne deine Gnadenhand, Segne unser Vaterland. Ein anderes Bußlied. Im Tone: Wir werfen uns darnieder. D Herr, wir sind getroffen Von deiner schweren Hand; Kein Netter ist zu hoffen Für unsern Unglücksstand. Verschließeft du die Ohren, Und höreft uns nicht an, So ist das Heil verloren, Es ist mit uns gethan. 1. 2. 3war dürfen wir's faum wagen, Zu dir hinauf zu sehn, Dir uns're Noth zu klagen, Um deine Hülf zu flehn. Wir mußten dich erbittern Durch unserer Sünden Graus; )( 346 Wir sprechen nur mit Zittern Den Nahmen Vater aus. 3. Doch reicher an Erbarmen Ift niemand, Herr! als Du Du rufft mit offnen Armen Die Büßenden herzu. Sobald man sich belehret, Die Bosheit recht bereut, So wird man auch erhöret, Und mit der Hilf erfreut. 4. Als sich dein Volk vergangen, 3u murren wider dich, Da fandt'st du Feuerschlangen, Und tödtlich war ihr Stich. Kaum aber stieg sein Schreyen Hinauf zu Deinem Thron, Da lam von Dir Verzeihen; Die Schlangen wichen schon. 5. Wie gings den Niniviten, Der lasterhaften Stadt? Es war ihr eifrig Bitten, Das Gnad erhalten hat. Das Urtheil war beschlossen, Ergangen der Befehl; Doch als die Thränen floßen, Floß auch dein Gnadenquell6. Die Qualen, die wir dulden, Sind Dir, o Herr! bekannt; Bloß wegen unf'rer Schulden, 347 m Die wir nie recht erkannt. Doch, weil wir ist beweinen Der Bosheit Raferey, So laß dein Heil erscheinen, Erhör' unser Geschrey! 7. Dein Tempel foll erfchallen Von unserm Dant' o Gott! O treufter Freund aus allen, D Retter in der Noth! Wir werden uns bestreben, In Zukunft groß und klein, Mit engelreinem Leben Dir angenehm zu seyn. 8. Maria, Troft der Sünder, Du hohes Engelchor! Ihr Seligen nicht minder, Tragt unf're Seufzer vor. Helft jenen Gott erbitten, Der euch im Himmel krönt, Wann wir genug gelitten, Dann sey er ausgeföhnt. 348 M Noch ein Bußlied: Im Tone: Laß mich deine Leiden singen, u. f. w. Selig, himmliſch ist das Leben, Deffen, dem die Sünd vergeben; Der nun Gott zum Vater hat, Nach getilgter Missethat. Herr! verschon dann meiner Sünden, Laß mich wieder Gnade finden; Gnade ruft in Neu und Schmerz Des bedrängten Sünders Herz. 1. 2. Nur zu oft bin ich gefallen, Sünden über alle Zahlen, Mehr als Haare in dem Haupt, Hat sich dein Geschöpf erlaubt. Herr! verschon' dann meiner Sünden, zc. 3. Wehmuth drückt mich nun dann nieder, Furcht erschüttert meine Glieder; Und seit dem ich Sünder bin, Ist die Fröhlichkeit dahin. Herr! verschon' dann meiner Sünden, zc. 4. Jener Troft ist mir verschwunden, Den ich einst hierin gefunden; Daß ich von dem Fluche frey, Eines deiner Kinder sey. Herr! verschon' dann meiner Sünden, zc. 5. Wirst du mich, o Gott! vertaffen, 349 Wenn von nun die Sünd' zu haffen, Büßend meine Seel' verspricht Hier vor deinem Angesicht? Herr, verschon' dann meiner Sünden, zc. 6. Aufzusuchen nicht den Frommen, Bist du, Gott! zur Welt gekommen, Nur für den verlornen Sohn Stiegst du von dem Himmelsthron. Herr! verschon' dann meiner Sünden, ic. 7. Magdalena kommt zu büßen, Wirft sich weinend dir zu Füssen; Und du nimmst die Sünden hin Von der frommen Büßerin. • Herr! verschon' dann meiner Sünden, 2c. 8. Wenn wir herzlich nun bereuen, Werden Engel sich erfreuen," Kennen wieder ihren Freund Jauchzend, wenn der Sünder weint. Herr! verschon' dann meiner Sünden, zc. 9. Lang genug hab ich gebrochen, Was ich dir getreu versprochen, Lang bedroht von deinem Grimm. Hör' ich deines Fluches Stimm. Herr! verschon' dann meiner Sünden, zc. 10. Heute ist der Tag der Gnaden, Heute hast du mich geladen, Heute ruf ich dann zu dir: Gotf verzeih', verzeihe mir. Herr! verschon' dann meiner Sünden, zc. 1. 350 Lied an Frauenfesten. Gnadenquelle, fey gegrüßt, Quelle, die beständig fließt; Trost der Christen, o Maria, Jungfrau sey gegrüßt. 2. Sen gegrüßt zu jeder Stund', In den Herzen, mit dem Mund', Alles mache deine Würde, Deine Gnade kund. 3. Liebste Mutter, wir sind dein, Zeig' dich Mutter stets zu seyn; Schreib uns alle deinem Herzen Ilnauslöschlich ein. 4. Du warst noch zu jeder Zeit, Ursach unserer Fröhlichkeit; Sey es bis zum Lebensende, Und in Ewigkeit. 5. Mutter es ist unerhört, Daß dein Sohn dir nicht gewährt, Was du deinen treuen Dienern ,, Gütig haft begehrt. 6. Wenn Gefahr der Seele droht, In des Lebens großer Noth, Rettet uns in deinem Namen Der verföhnte Gott. Am 351 M 7. Schreckt der Sünden schwere Last, Sey zu dir Vertrau'n gefaßt. Die du dich der Sünder Zuflucht, Stets gezeiget hast. 8. Wer dich in Betrübniß bath, Fand bey dir Maria Nath; Trost, wer immer dir als Mutter Sich empfohlen hat. 9. Auch zu streiten bis auf's Blut, Um des Himmels großes Gut, Bringst du Neinste, den Versuchten, Neue Kraft und Muth. 10. Groß ist unserer Feinde Zahl, Hier in diesem Thränenthal, Nette Mutter, deine Kinder, Von dem Sündenfall. 11. Und wann Seel und Leib sich trennt, Nur noch schwach das Herz dich nennt, O dann bitte, Mutter bitte, tlm ein felig's End. 12. Nach vollbrachtem leßten Streit, Führ uns in die Ewigkeit; Milde Jungfrau, zeig uns Jefum, In der Herrlichkeit. 1, 352 Das Te Deum Laudamus. Großer Gott, wir loben dich, Herr, wir preifen deine Stärke, Vor dir neigt die Erde sich, Und bewundert deine Werle. Wie du warst vor aller Zeit, So bleibst du in Ewigkeit. 2. Alles, was dich preifen kann, Cherubin und Seraphinen, Stimmen dir ein Loblied an; Alle Engel, die dir dienen, Rufen dir stets ohne Ruh, Heilig, Heilig, heilig zu. 3. Heilig, Herr Gott Sabaoth! Heilig, Herr der Kriegesheere! Starter Helfer in der Noth! Himmel, Erde, Luft und Meere, Sind erfüllt mit deinem Ruhm, Alles ist dein Eigenthum. 4. Der Apostel Christi Chor, Der Propheten große Menge, Schickt zu deinem Thron empor, Neue Lob- und Dankgefänge; Der Blutzeugen große Schar, Lobt und preist dich immerdar. 5. Auf dem ganzen Erdenkreis, Loben Große und auch Kleine, 353 M Dich Gott Vater, dir zum Preis, Singt die heilige Gemeine. Sie ehret auch auf seinem Thron, Deinen eingebornen Sohn. 6. Sie verehrt' den heil'gen Geist, Welcher uns mit seinen Lehren, Und mit Trofte kräftig speis't, Der o König voller Ehren; Der mit dir, Herr Jesu Christ, Und dem Vater ewig ist. 7. Du des Vaters ew'ger Sohn, Haft die Menschheit angenommen; Du bist auch von deinem Thron, Zu uns auf die Welt gekommen; Gnade haft du uns gebracht, Von der Sünde frey gemacht. 8. Nunmehr steht das Himmelsthor, Allen, welche glauben, offen, Du stellst uns dem Vater vor, Wenn wir kindlich auf dich hoffen; Endlich kommst du zum Gericht, Zeit und Stunde weiß man nicht. 9. Steh Herr, deinen Dienern bey, Welche dich mit Demuth bitten, Die dein Blut dort machte frey, 21s du für uns haft gelitten. Nimm uns nach vollbrachtem Lauf, Zu dir in den Himmel auf. 354 10. Sieh' dein Voll in Gnaden an; Hilf uns, segne Herr, dein Erbe: Leit' es auf der rechten Bahn, Daß der Feind es nicht verderbe; Hilf, daß es durch Buß' und Fleh'n, Dich im Himmel möge feh'n. 11. Alle Tage wollen wir, Dich und deinen Namen preisen, Und zu allen Zeiten dir, Ehre, Lob und Dank erweisen. Gib, daß wir von Sünden heut' Und von Lastern seyn befreyt. 12. Herr erbarm', erbarme dich, lleber uns Herr, sey dein Segen, Deine Güte zeige sich), So wie wir zu hoffen pflegen. Auf dich hoffen wir allein, Laß uns nicht verloren seyn. Herr, err, 355 M Lauretanische Litaney. erbarme dich unser. Christe, erbarme dich unser. Herr, erbarme dich unser. Christe, höre uns. Christe, erhöre uns. Heilige Maria, bitt für uns. Heilige Gottes Gebärerin, Heilige Jungfrau aller Jungfrauen, Mutter Christi, Mutter der göttlichen Gnaden, H Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser. Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme dich unser. Gott heiliger Geist, erbarme dich unser. Heilige Dreyfaltigkeit ein einiger Gott, erbarme dich unser. Du reineste Mutter, Du keuschefte Mutter, Du ungeschwächte Mutter, Du unbefleckte Mutter, Du liebliche Mutter, Du wunderbare Mutter, Du Mutter unsers Schöpfers, Du Mutter unsers Erlösers, Du weiseste Jungfrau, Du ehrwürdige Jungfrau, Du lobwürdige Jungfrau, T )( 12 bitt für uns. 366 m Du mächtige Jungfrau, Du gütige Jungfrau, Du getreue Jungfrau, Du Spiegel der Gerechtigkeit, Du Sig der Weisheit, Du Ursache unsers Heils, Du geistliches Gefäß, Du ehrwürdiges Gefäß, Du vortreffliches Gefäß der Undacht, Du geistliche Rose, Du Thurm Davids, Du elfenbeinener Thurm, Du goldenes Haus, Du Urche des Bundes, Du Pforte des Himmels, Du Morgenstern, Du Heil der Kranken, Du Zuflucht der Sünder, Du Trösterin der Betrübten, Du Hilfe der Christen, Du Königin der Engel, Du Königin der Patriarchen, Du Königin der Propheten, Du Königin der Apostel, Du Königin der Märtyrer, Du Königin der Beichtiger, Du Königin der Jungfrauen, Du Königin aller Heiligen, O du Lamm Gottes, welches du hinnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr. O du Lamm Gottes, welches du hinnimmst die Sünden der Welt, erhöre uns, o Herr. bitt für uns. EXION 9000 Effe 10 O du Lamm Gottes, welches du hinnimmst die Sünden der Welt, erbarme dich unser, o Herr. m Christe, höre uns.. Christe, erhöre uns. 357 Bater unser. a) bili su mis 4907501 597dding Gebeth. Jelas Unter deinen Schuß und Schirm fliehen wir, o P heilige Gottes Gebärerin! verschmähe nicht unser Gebeth in unsern Nöthen, sondern erlöse uns jederzeit von aller Gefährlichkeit, o du glorwürdige und gebenedente Jungfrau! unsere Frau, unsere Mittlerin, unsere Fürsprecherin! versöhne uns mit deinem Sohne, empfehle uns deinem Sohne, stelle uns deinem Sohne vor. P. Bitt für uns, o heilige Gottes- Gebärerin. V. Damit wir der Verheißung Christi würdig werden. Gebeth. Wir bitten dich, o Herr! du wollest deine Gnade in unsere Herzen ausgießen, damit wir, die wir durch des Engels Bothschaft Chrifti, deines Sohnes Menschwerdung erkannt haben, durch sein Leis den und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung geführt werden, durch denselben Jesum Christum unfern Herrn. P. Bitt für uns, o heiliger Joseph. 2. Damit wir der Verheißung Christi theilhaftig werden. Gebeth. Wir bitten dich, o Herr! laß uns durch die Verdienste des Bräutigams deiner heiligen Gebäre 358 rin zur Hilfe seyn, damit uns durch seine Fürbitte gewähret werde, was unser Vermögen nicht erhalten kann. Der du lebeft und regiereft mit Gott dem Vater in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Umen. Salve Regina. its Sen gegrüßt, o Königin! Mutter der Barmherzigkeit, unser Leben, Trost und Hoffnung, sey gegrüßt. Zu dir rufen wir verwiesene Kinder Evens; zu dir seufzen wir, traurend und weinend in diesem Thale der Zähren. O dann, unsere Fürsprecherin! wen= de deine mitleidigen Augen zu uns, und zeige uns nach diesem Elende Jesum, die gebenedente Frucht deines Leibes, o gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria! P. Bitt für uns, o heilige Gottes- Gebärerin. V. Damit wir der Verheißung Christi theilhaftig werden. lors d land a im Gebeth. Minge Anmächtiger, ewiger Gott! der du den Leib und die Seele der heiligen Jungfrau und Mutter Maria zur würdigen Wohnung deines Sohnes durch Mitwirkung des heiligen Geistes vorbereitet haft, gib, daß wir uns ihres Andenkens erfreuen, durch ihre milde Fürbitte von den bevorstehenden Uebeln und dem ewigen Tode gerettet werden. Durch denselben Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Ⓒ Inhalt. Morgenandacht Die gute Meinung Aufmunternde Gedanken bey der Arbeit Gebeth vor dem Essen Gebeth nach dem Essen Abendandacht Sonntagsandacht Die Predigt ♦ Gebeth vor der Predigt Nach der Predigt II. Gottes Negierung und Vorsehung III. Art und Weise, Gott zu verehren Anbethung Gottes Litaney von den göttlichen Vollkommenheiten Litaney zur Danksagung für die Wohlthaten Gottes. ♦ Litaney von der göttlichen Vorsehung Chriftliche Bitten Seite Drey Sonntags= Betrachtungen. 1. Erkenntniß Gottes aus der Beschaffenheit der Welt und des Menschen Kurzer und leichter Unterricht vom Gebethe Gebeth, um recht und gut zu bethen 578 99 10 10 13 15 17 18 19 23 27 30 33 39 45 51 55 59 Inhalt. Gebeth um die wahre Absicht, Kraft und Frucht des Gebethes zu erkennen Christliche Fürbitte ♦ Kurze Herzensgebethe und Seufzer. Die täglichen Gebethe: Glauben, Vater unser, und Engelsgruß. Das Gebeth des Herrn Der Engelsgruß Die 15 Geheimnisse des heil. Rosenkranzes Erkenntniß und Anbethung Jefu Chrifti bey der heil. Messe Mekauslegung Meßgebethe ● ♦ ● ← Litaney, gelobt sey Jesus Chriftus Einsegung des heil. Altarssakramentes ♦ Meß- Betrachtungen des Leidens und Sterbens unfers Herrn Jesus vor seinen ungerechten Richtern Jefus am Kreuze Wie das Leiden Christi nüglich betrachtet wer= den foll Litaney vom Leiden und Sterben Jefu Chrifti Kreuzweg Andacht nach den gewöhnlichen Stas tionen. Andacht auf die hohen Feste und heil. Zeiten Auf die heil. Weihnachtszeit bis Lichtmek Osterandacht Jesus Christus im Himmel Auf Pfingsten und die Apofteltage Andacht zur allerfeligsten Jungfrau Maria Marianische Litaney ● ● ● -- . ● ● ● Seite 2335 678 74 77 83 88 90 99 107 112 114 120 135 138 140 D 143 146 150 158 160 165 167 169 172 175 Inhalt. Andacht zum heil. Jofeph Andacht zur heil. Anna .. 3u Ehren St. Johann des Täufers 3u Ehren St. Johann von Nepomuk An einem abgebrachten Feyertage Am Kirchweihfeste ● Andacht zu Ehren eines heil. Märtyrers 3u Ehren des heil. Bischofs, der das Christen• ♦ thum eingepflanzt hat.. 3u Ehren des heil. Landespatrons Gebeth zum heil. Namenspatrone Andacht zu den Heiligen insgemein Troftgebeth zu Gott in Anliegen und Leiden. Trostreiches Gebeth zu Maria. Trostreiches Gebeth zu den Heiligen Von den heil. Engeln Vorbereitung zur Beicht Gebeth nach der heil. Beicht Bur- Communion Ablaß- Gebeth Gebeth vor der Communion Nach der Communion ● .. Glaube, Hoffnung und Liebe Gebeth am Geburtstage Erneuerung der Taufgelübde Gebeth am Namenstage Gebeth zur Bewahrung der Firmungsgnade Vorbereitung auf einen guten Tod. Litaney für die Abgestorbenen Beym Tode unserer Geliebten Gebeth beym Ungewitter ● ● ● Seite 177 178 180 180 181182 183. 187 188 190 191 197 200 202 202 207 217 225 227 229 233 236 239 241 244 246 248 254 256 259 Inhalt. Nach dem Ungewitter Gebeth um Gottes Segen über die Feldfrüchte Gebethe und Lehren für Jünglinge und Jungfrauen, besonders Dienfibothen Kurgefaßte chriftliche Sittenlehre nach den Gebothen der Liebe Predigtlied Nach der Predigt Meßgesänge. Erster Meßgefang: Hier wirft vor dir im Staub sich hin Zweyter Meßgesang: Wir werfen uns darnieder Gesänge und Gebethe bey dem pfarrlichen vor und nachmittägigen Gottesdienste. Dritter Meßgefang: Hier liegt vor deis ner Majestät Kirchengebeth in Kriegszeiten Gebeth nach einem Siege. Gebeth um den Frieden. Litaney von allen Heiligen und Gebethe. Gebeth für den Landesfürsten. Gebeth für das allgemeine Anliegen der ganzen Christenheit ● Kirchengebeth um den Regen Kirchengebeth um heiteres Wetter Gebeth für einen Kranken Seit 26 263 . 265 273 U. 284 281 283 289 297 304 316 316 318 319 319 320 321 321 Inhalt. Verschiedene Kirchengesängë. Adventlied Noratelied Zur Weihnachtszeit Fastenlied Ofterlied Pfingstlied Um Feste der heiligsten Dreyfaltigkeit Katholischer Gruß: Gelobt fey Jesus Christus Bey dem Segen Ein anderes Segenlied Noch ein Underes Das Gebeth des Herrn Bußlied Ein anderes Bußlied Noch ein Bußlied Lied an Frauenfesten Das Te Deum Laudamus tere Seite 322 324 326 328 330 332 333 335 338 339 340 341 343 345 348 350 352 19 vinn 8 erlen 6₂ Walter Köster Buchbinderei 8 3550 Marburg 1000 Berlin 61 T Tel. 0 64 21/2 12 77030/7 86 30 10 nches 1₁ Centimetres Blue 2 3 4 Cyan 2 6 17 Farbkarte# 13 Green 3 Yellow 9 4 | 10| 1₁1 Red 12 5 13 Magenta 14 6 15 White 16 17 7 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 8