GG 1004 KLAS JHS AIMANANE Wer mir nachfolgen will, der verläugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich.( Marc. 8, 34.) Gebr C.& N. Benziger in Einsiedeln. SHLEY Hot Bier Bücher Der Nachfolge Chrifti Vier Bücher von der Nachfolge Chrifti von Thomas von Kempen. Und ein vollständiges Gebetbuch im Geiste der Nachfolge Christi. mit bischöflicher Approbation. Ausgabe Nro. 2. Mit Bildern. Einsiedeln, New- York und Cincinnati, Druck und Verlag von Gebr. Karl und Nikolaus Benziger Typographen des hf Apoftol. Stuhles. Gb 1004 Univ.- Bibl. Giessen Vorrede. Außer der heiligen Schrift gibt es wohl kein einziges Buch, das bei den Gläubigen so allgemeinen Beifall gefunden hat, wie das hier erscheinende, das Buch der Nachfolge Christi. Man findet dieses mit Recht ſoge= nannte goldene Büchlein in den Händen fast eines jeden Christen, wessen Standes und Geschlechtes er sei; denn es ist IV Vorrede. ein Buch für Jedermann, für Junge und Alte, für Gelehrte und Ungelehrte, für Sünder und Gerechte, für Jene, welche den Tugendweg erst angetreten haben, und für Jene, welche schon zur christlichen Vollkommenheit gelangt sind. Besonders finden bedrängte Seelen darin reiche Hülfe. Es braucht oft nicht mehr, als dieses Büchlein zu öffnen, um in der Traurigkeit Trost, in Zweifeln Rath, in der Anfechtung Stärke zu finden.- Unsere Zeit hat denn auch durch eine Reihe neuer Ausgaben dieses Buches Vieles gethan, um den Gebrauch desselben einem Jeden möglich zu machen; dessen ungeachtet aber blieb immer noch Manches zu wünschen übrig. V Der Bearbeiter dieser neuen Ausgabe der Nachfolge Christi hofft darum, dieselbe werde um so mehr mit Freude aufgenommen werden und um so weniger eine überflüssige sein, als er es sich nicht bloß zur Aufgabe gemacht hat, in derselben den lateinischen Urtert mit sorgfältiger Bemüßung der vorhandenen Hülfsmittel in einfacher, faßlicher Sprache ſtets sinn und wortgetreu wiederzugeben, sondern auch ganz besonders dahin strebte, durch die beigefügten Register den Gebrauch dieses Buches allseitig zu erleichtern und in allen Lagen und bei allen Bedürfnissen des menschlichen Lebens recht nüglich und anwendbar zu machen. = Vorrede. VI Vorrede. Was die äußere Ausstattung anbelangt, wird sie wohl kaum etwas zu wünschen übrig lassen, und somit sehr geeignet sein, als reizende Schale zum Genusse des innern seelenstärkenden Kernes einzuladen. Einsiedeln, am Feste des Hl. Meinrad, 1850. P. Ft. A. язды Vier Bücher von der Rachfolge Christi. exs Erstes Buch. Heilsame Ermahnungen zu einem geistlichen Leben. Erstes Kapitel. Von der Nachfolge Christi und der Verachtung aller Eitelkeiten der Welt. 1. HS of er mir nachfolgt, wandelt nicht in Finesterniß, spricht der Herr. Dies sind Worte Jesu Christi, durch welche wir ermahnt werden, uns sein heiliges Leben zum Muster zu wählen, wenn wir wahrhaft erleuchtet und von aller Blindheit des Herzens befreit werden wollen. Unser Hauptgeschäft sei daher, Christi Leben zu betrachten. 2. Die Lehre Christi übertrifft Alles, was die heiligsten Menschen jemals gelehrt haben, und wer in ihren Geist eindringt, findet in ihr das verborgene Lebensbrod. Aber es ge 10 Erstes Buch. Erstes Kapitel. schieht oft, daß Viele, eben weil sie den Geist Christi nicht haben, von dem noch so häufigen Hören seines Wortes ungerührt und unergriffen bleiben. Wer nun die Worte Christi vollkommen verstehen und Geschmack daran finden will, muß sich befleißen sein ganzes Leben dem Leben Jesu Christi gleichförmig zu machen. 3. Was nüßen dir die scharfsinnigsten Untersuchungen über die Dreieinigkeit, wenn es dir dabei an der Demuth mangelt, ohne welche du dem dreieinigen Gott nur mißfällst. Denn nicht hohe Worte machen heilig und gerecht, wohl aber macht uns ein tugendhaftes Leben Gott angenehm. Lieber ist es mir, Zerknirschung des Herzens zu empfinden, als erklären zu können, was sie ist. Wenn du die heilige Schrift auswendig wüßtest und die Sprüche aller Weltweisen hersagen könntest, was würde dir Alles das nüßen ohne die Liebe Gottes und seine Gnade. O Eitelkeit über Eitelkeit und Alles ist Eitelkeit, außer Gott lieben und Ihm allein dienen. Denn dies ist die höchste Weisheit, die Welt verschmähen und nach dem Himmel streben. 4. Es ist also Eitelkeit, vergängliche Schäße suchen, und auf diese seine Hoffnung setzen. Es ist Eitelkeit, nach Ehren trachten und sich selbst erhöhen. Es ist Eitelkeit, nach Wollüsten jagen, und das begehren, was schwere Strafen nach sich zieht. Es ist Eitelkeit, ein langes Leben wünschen und wenig daran den Erstes Buch. Zweites Kapitel. 11. ten, wie man fromm leben soll. Es ist Eitelteit, bloß auf das gegenwärtige Leben seine Gedanken richten und das zukünftige vergessen. Es ist Eitelkeit, das lieben, was schnell vorübergeht, aber nicht dahin eilen, wo die Freude ewig dauert. 5. Denke oft an jenen Ausspruch:„ Das Auge wird nimmer satt vom Sehen, und das Ohr nicht satt vom Hören." Ziehe also dein Herz vom Sichtbaren ab, und richte es auf das Unsichtbare: denn die, welche ihrer Sinnlichkeit folgen, befleden ihr Gewissen und verlieren die Gnade Gottes. Zweites Kapitel. Von der Geringschäßung seiner selbst. 1. Alle Menschen sind von Natur wißbegierig aber was nüßte die Wissenschaft ohne die Furcht Gottes? Fürwahr! der niedrigste Landmann, welcher Gott dient, ist besser als ein stolzer Weltweiser, der den Lauf der Sterne berechnet und dabei sich selbst vernachlässigt. Wer sich selbst recht erkennt, der dünkt sich in seinen eigenen Augen gering und legt wenig Werth auf die Lobsprüche der Men schen. Wüßte ich Alles, was in der Welt ist, und besäße die Liebe nicht, was würde es mir vor Gott helfen, der mich einst nach meinen Werken richten wird. 12 Erstes Buch. Zweites Kapitel. 2. Unterdrücke das allzu große Verlangen nach Wissen, denn es zerstreut dich und führt dich irre. Die Gelehrten wollen gern geſehen und Weise genannt werden. Es gibt viele Dinge, deren Kenntniß der Seele wenig oder gar keinen Nußen bringt. Und Jener ist gewiß sehr thöricht, welcher auf etwas Anderes bedacht ist, als was zu seinem Heile dient. Viele Worte sättigen die Seele nicht, aber ein frommes Leben erquickt das Gemüth und ein gutes Gewissen erwirkt großes Vertrauen zu Gott. 3. Je mehr und gründlicher du gelernt, um so härtere Strafe wird dich treffen, wenn du nicht desto heiliger gelebt hast. Darum erhebe dich wegen deinen Gaben oder deinem Wissen niemals: die dir verliehene Kenntniß mache dich vielmehr furchtsam und vorsichtig. Glaubst du nun viel zu wissen und wohl zu verstehen, so erinnere dich gleichwohl, daß es noch viel mehr gibt, was du nicht weißt. Bilde dir nicht zu viel ein, sondern gestehe dir vielmehr deine Unwissenheit. Was willst du dich einem Andern vorziehen, da es doch Viele gibt, die dich an Gelehrsamkeit übertreffen und im Gefeße erfahrner sind als du? Willst du etwas wissen und lernen, was dir vorzüglich heilsam ist, so lerne die Kunst, gern unbekannt zu sein und gering geachtet zu werden. 4. Die Erkenntniß und Geringschäßung ſeiner selbst ist die höchste und nüßlichste Wissen Erstes Buch. Drittes Kapitel. 13 schaft. Von sich selbst nichts halten, dagegen von Andern gut und rühmlich denken, das ist große Weisheit und Vollkommenheit. Siehst du auch einen Andern offenbar fündigen oder irgend ein schweres Verbrechen begehen, so darfst du dich deßwegen doch nicht für besser halten, weil du nicht weißt wie lange du im Guten verharren wirst. Wir Alle sind schwach, aber Niemanden halte für schwächer als dich selbst. Drittes Kapitel. Von der Lehre der Wahrheit. 1. Urlüdselig derjenige, den die Wahrheit durch sich selbst lehrt, nicht durch Bilder und verhallende Worte, sondern wie sie an sich ist. Unsre Meinung und unsre Sinne täuschen uns oft und sind sehr kurzsichtig. Was nüßt vieles Grübeln über verborgene und dunkle Dinge, wegen deren Unkenntniß wir im Gericht nicht zur Rechenschaft gezogen werden? Es ist große Thorheit, das Nüßliche und Nothwendige vernachlässigen, und vorwißig schädlichen Dingen unsre Aufmerksamkeit zuwenden. Wir haben Augen und sehen nicht. 2. Und was fümmern uns die Schulbegriffe von Gattungen und Arten? Der, zu 14 Erstes Buch. Drittes Kapitel. dem das ewige Wort redet, wird von vielen zweifelhaften Meinungen befreit. Durch dies Eine Wort ist Alles, und Alles gibt diesem Worte Zeugniß, und dieses Wort ist der Anfang und Ursprung, der zu uns redet. Ohne dieses Wort ist Niemand fähig, etwas zu verstehen und richtig zu beurtheilen. Wem dies Eine Alles ist, und wer Alles auf dies Eine bezieht, und in diesem Einen Alles findet, der wird beständigen Herzens sein und Gottes Frieden in sich haben. D Gott, Du ewige Wahrheit, laß mich eins sein mit Dir in ewiger Liebe! Das viele Lesen und Hören eckelt mich oft an; in Dir finde ich Alles, was ich will und verlange. Schweigen sollen alle Lehrer, verstummen alle Geschöpfe vor deinem Angesicht, rede Du allein zu mir. 3. Je mehr der Mensch gesammelt und je einfältigern Herzens er ist, desto mehr und höhere Dinge levnt er ohne große Mühe tennen, weil er das Licht der Erkenntniß von oben herab empfängt. Ein reiner, aufrichtiger und fester Geist wird auch durch viele Geschäfte nicht zerstreut, weil er Alles zur Ehre Gottes thut, und sich bestrebt, von aller Eigenliebe frei zu werden. Was hindert und plagt den Menschen mehr, als die ungezähmten Begierden seines Herzens? Der fromme, andächtige Mensch überlegt vorab in seinem Innern, was er im Werke vollbringen will; er läßt sich nicht durch seine Beschäftigungen zu sündlichen Begierden hin Erstes Buch. Drittes Kapitel. 15 reißen, sondern leitet sie beliebig durch die Vernunft. Es gibt keinen schwerern Kampf, als sich selbst überwinden! Und doch muß gerade das unser Hauptgeschäft sein, daß wir uns selbst überwinden, täglich stärker werden und in der Tugend in etwas wenigstens fort schreiten. 4. Auch die höchste Vollkommenheit, zu welcher man in diesem Leben gelangt, ist noch mit einiger Unvollkommenheit verbunden, und alle unsre Einsichten und Kenntnisse haben noch einiges Dunkel. Jedenfalls führt demüthige Erkenntniß deiner selbst sicherer zu Gott, als die tiefste Ergründung der Wissenschaft. Zwar soll man das Wissen oder die Kenntniß irgend einer Sache nicht tadeln; sie sind in sich selbst gut und von Gott angeordnet; vorzuziehen ist aber immer ein gutes Gewissen und tugendhaftes Leben. Weil jedoch Vielen mehr daran liegt, viel zu wissen, als recht zu leben, so gerathen sie öfters auf Irrwege und bringen keine oder nur wenig Frucht. 5. O wenn diese Leute sich eben so viele Mühe kosten ließen, die Keime der Sünde auszurotten, sich Tugenden einzupflanzen, als bloß gelehrte Fragen aufzuwerfen, gewiß, es würde nicht so viel Böses geschehen, kein so großes Aergerniß unter dem Volte, nicht so viel Unordnung in den Klöstern herrschen. Wahrlich, erscheint einst der Tag des Gerichtes, dann wird nicht die Frage sein, was wir gelesen, sondern was wir gethan, nicht 16 Erstes Buch. Drittes Kapitel. wie schön wir gesprochen, sondern wie rechtschaffen wir gelebt haben. Sprich, wo sind jeßt alle jene Lehrer und ausgezeichneten Männer, die du einst zu ihrer Lebzeit wohl kanntest, und die durch ihre Wissenschaft und Weisheit glänzten? Ihre Stellen haben jetzt Andere eingenommen, die vielleicht ihrer nicht einmal mehr gedenken. Als sie lebten, schienen sie groß, jetzt schweigt Alles von ihnen. 6. O wie schnell vergeht die Herrlichkeit der Welt! Wollte Gott, sie hätten ihr Leben ihren bessern Einsichten gemäß eingerichtet, dann würden sie zu ihrem Vortheil studiert und gelesen haben. Wie viele gehen in der Welt wegen ihres eiteln Wissens zu Grunde, weil sie sich um den Dienst Gottes wenig kümmern; und da sie lieber groß als demüthig sein wollen, so geht ihr Leben in lauter eiteln Gedanken dahin. Wahrhaft groß ist der, der große Liebe hat; wahrhaft groß, wer in seinen eigenen Augen klein ist und alle Ehrenstufen für Nichts hält; wahrhaft weise ist, wer alles Jrdische für Staub erachtet, damit er Christus gewinne; und wahrhaft gelehrt, wer den eigenen Willen verläßt und den Willen Gottes thut. Erstes Buch. Viertes Kapitel. Viertes Kapitel. Von der Vorsicht im Handeln. 17 1. then. icht jedem Worte und Einfalle darf man glauben, sondern jede Sache ist sorgfältig und ohne Uebereilung mit Gott zu beraOft wird, leider, das Böse von Andern leichter geglaubt und nachgesprochen, als das Gute; so schwach sind wir. Vollkommene Menschen aber glauben nicht der Rede eines Jeden, denn sie kennen die menschliche Schwachheit, die zum Bösen hinneigt und sich in Worten gar oft verfehlt. 2. Es ist eine große Weisheit, weder vor eilig im Handeln zu sein, noch auf dem, was uns einmal in den Sinn gekommen ist, hartnäckig zu bestehen. Aber es ist eben so weise, weder den Worten eines Jeden zu glauben, noch das, was man gehört oder geglaubt hat, sogleich Andern wieder zu erzählen. Berathe dich mit einem weisen und gewissenhaften Manne, und suche viel eher bei einem Verständigen Belehrung, als daß du deinen eigenen Einfällen folgest. Ein frommes Leben macht den Menschen weise in Gott, und erfahren in vielen Dingen. Je demüthiger Einer in seinem Herzen ist und je vollkommener er sich Gott unterwirft, desto weiser und ruhiger wird er in allen Vorfällen sein, 2 Erstes Buch. Fünftes Kapitel. Fünftes Kapitel. Von der Lesung der heiligen Schrift. 1. In der heiligen Schrift muß man die Wahrheit, nicht die Beredsamkeit suchen. Jede Schrift muß in dem Geiste gelesen werden in dem sie verfaßt wurde. Man muß in derselben mehr Nußen, als Schönheit des Ausdrucks suchen; man muß eben so gerne jene Bücher lesen, welche einfach und zur Erbauung verfaßt sind, wie jene, die erhaben und mit tiefer Gelehrsamkeit geschrieben sind. Das Ansehen des Verfassers muß dich nicht irre machen, er mag nun gelehrt oder nicht gelehrt gewesen sein; nur die Liebe zur Wahrheit treibe dich zum Lesen an. Frage nicht lange, wer da spricht, sondern merke darauf, was er spricht. 18 2. Menschen vergehen, aber die Wahrheit des Herrn bleibt in Ewigkeit. Gott redet zu uns auf mancherlei Weise ohne Ansehen der Person. Oft hält uns unser Vorwiß im Lesen gottseliger Schriften auf, indem wir das begreifen und erforschen wollen, worüber wir ohne weiteres Nachforschen hinweggehen sollten. Wenn du von deinem Lesen Nußen haben willst, so lies mit Demuth, in Einfalt deines Herzens und strebe niemals nach dem Ruhme eines Gelehrten. Ziehe gern die Hei Erstes Buch. Sechstes Kapitel. 19 ligen zu Rath und höre schweigend ihre Aus: sprüche an. Laß dir die Gleichnißreden der Alten nicht mißfallen, denn sie werden nicht ohne gute Gründe vorgetragen. Sechstes Kapttel. Von den ungeregelten Neigungen. 1. Sobald der Mensch nach etwas eine unordentliche Begierde trägt, wird sein Gemüth beunruhiget. Der Hoffärtige oder Geizige hat niemals Ru der Arme im Geiste und Demüthige aber wandelt in einem vollkommenen Frieden. Ein Mensch, welcher sich selbst noch nicht ganz abgestorben ist, geräth leicht in Versuchung, und wird selbst in geringfügigen und unbedeutenden Dingen überwunden. Der Schwache am Geist und der noch einigermaßen fleischlich und zum Irdischen geneigt ist, kann sich schwer von irdischen Begierden gänzlich losmachen. Deßwegen verfällt er oft in Traurigkeit, wenn er sich ihrer entschlagen will; er wird auch leicht unwillig, wenn ihm Jemand widerspricht. 2. Hat er aber erlangt, was er begehrte, so wird ihn auch alsbald sein schuldiges Gewissen ängstigen, weil er seiner bösen Neigung folgte, die nimmer zu dem Frieden führt, den er suchte. Den wahren Frieden des Herzens 20 Erstes Buch. Siebentes Kapitel. also findet man, wenn man den bösen Neigungen widersteht; nicht aber, wenn man ihnen nachgibt, und dieser Friede waltet nicht im Herzen des sinnlichen Menschen, nicht im Gemüthe dessen, der am Aeußern hängt, sondern nur in der Seele des Eifrigen, des geistig Gesinnten. Siebentes Kapitel. Von der Vermeidung der eiteln Hoffnung und des Uebermuthes. 1. Thöricht ist, wer seine Hoffnung auf Menschen oder erschaffene Dinge setzt. Schäme dich nicht, aus Liebe zu Jesus Christus Andern zu dienen und in dieser Welt arm zu scheinen. Verlaß dich nicht auf dich selbst, sondern seße deine Hoffnung auf Gott. Thue das, was an dir ist, und Gott wird deinem guten Willen zu Hülfe kommen. Baue weder zu viel auf deine Einsicht, noch auf die Klugheit Anderer, sondern vertraue auf die Gnade Gottes, der den Hoffärtigen widersteht, aber die Demüthigen aufrichtet. 2. Rühme dich nicht des Reichthums, wenn du dessen hast, noch deiner Freunde, wenn sie mächtig sind, sondern Gottes, der Alles reichlich spendet, und sich selbst vor Allem zu geben verlangt. Sei nicht stolz auf die Größe Erstes Buch. Achtes Kapitel. 21. oder Schönheit deines Körpers, welche eine Leichte Krankheit vernichten oder entstellen kann. Werde nicht eitel auf deine Geschicklichkeit oder dein Talent, damit du Gott nicht mißfallest, von dem Alles herkommt, womit immer die Natur dich ausgerüstet hat. 3. Halte dich nicht für besser als Andere, damit nicht Gott, vor dem das Innere der Menschen bloß und aufgedeckt ist, dich für schlechter halte. Sei nicht stolz auf deine guten Werke; denn die Urtheile Gottes sind anders, als die Urtheile der Menschen. Ihm mißfällt gar oft, was diesen gefällt. Wenn etwas Gutes an dir ist, so halte Andere noch für besser, damit du die Demuth bewahrest. Es schadet dir nichts, wenn du dich Allen nachsegest; es schadet dir dagegen sehr viel, wenn du auch nur einem Einzigen dich vorziehest. Der Demüthige genießt eines beständigen Friedens; aber in dem Herzen des Hoffärtigen ist beständiger Zorn und Erbitterung. Achtes Kapitel. Von Vermeidung allzugroßer Vertraulichkeit. 1. icht Jedem eröffne dein Herz, sondern überlege mit Weisen und Gottesfürchtigen deine Angelegenheit. Mit jungen und fremden Leuten habe wenig Umgang. Schmeichle den Reichen nicht, und erscheine ungern vor 22 Erstes Buch. Neuntes Kapitel. den Großen. Geselle dich zu den Demüthigen und Einfältigen, zu den Andächtigen und Sittsamen, und unterhalte dich mit ihnen über erbauliche Dinge. Laß dich mit feinem Weibe in Vertraulichkeit ein, sondern empfiehl alle guten Weiber überhaupt Gott an. Nur mit Gott und seinen Engeln wünsche vertraut zu sein, und meide allzu große Bekanntschaft mit den Menschen. 2. Alle muß man lieben, aber mit Allen vertraulich umgehen, ist nicht rathsam. Zuweilen glänzt ein Unbekannter durch guten Ruf, verdunkelt sich aber durch seine Anwesenheit vor Jenen, die ihn näher kennen lernen. Auch glauben wir manchmal, daß wir Andern durch nähere Verbindung mit ihnen gefallen werden, denen wir gerade dadurch mißfallen, indem sie unsre verkehrten Sitten bemerken. Neuntes Kapitel. Von dem Gehorsam und der Unter würfigkeit. 1. s ist ein unschäßbares Gut, im Gehorsam stehen, unter einem Vorgesetzten leben, und nicht sein eigener Herr sein. Es ist auch weit sicherer Untergebener sein, als das Amt eines Vorgesetzten bekleiden. Viele ge Erstes Buch. Neuntes Kapitel. 23 horchen, aber mehr aus Zwang als aus Liebe; ihnen fällt daher Alles schwer und sie murren über jede Kleinigkeit. Sie werden so nicht die Freiheit des Geistes erlangen, so lange sie nicht von ganzem Herzen und wegen Gott sich unterwerfen. Wohin du auch gehen magſt, du wirst nirgends Ruhe finden, außer wenn du dich der Leitung eines Vorgesetzten mit Demuth unterwirst. Viele haben sich getäuscht, die sich einbildeten, anderswo zufriedener zu leben, und die deshalb ihren Wohnort veränderten. 2. Freilich handelt Jeder gern nach seinem eigenen Sinn, und fühlt sich zu denen hingezogen, die eben so denken wie er; leben wir aber in Gott, so müssen wir des Friedens wegen auch zuweilen von unserer Meinung abgehen; denn wer ist so weise, daß er Alles wisse? Daher vertraue nicht zu sehr auf deine eigene Ansicht, sondern höre auch gern die Meinung Anderer., Wenn deine Meinung auch gut ist, und du gehst wegen Gott doch davon ab, so wirst du defe größern Nußen daraus zichen. 3. Denn ich habe oft gehört: Rath annehmen sei sicherer, als ihn geben. Es kann auch wohl vorkommen, daß deine wie des Andern Meinung gut sei; dennoch verräth es Stolz und Eigensinn, wollte man Andern nicht folgen, wenn Vernunft oder Gründe es fordern. 24 Erstes Buch. Zehntes Kapitel. Zehntes Kapitel. Von der Vermeidung unnöthiger Geschwäßes. 1. liehe, so viel du kannst, das Getümmel der Welt. Sehr hinderlich ist vieles Reden über weltliche Dinge, wenn es auch mit reiner Absicht geschieht. Denn gar leicht beschleicht uns dabei die Eitelkeit und fesselt uns. Hätte ich doch oftmals geschwiegen und wäre nicht unter Leuten gewesen! Aber woher kommt es doch, daß wir so gerne reden, und mit einander schwaßen, da wir doch nur selten ohne Verlegung des Gewissens zum Schweigen zurückkehren? Wir reden deßwegen so gern miteinander, weil wir durch unsre Unterredungen Einer vom Andern Trost suchen, und das durch mancherlei Gedanken ermüdete Herz zu erleichtern wünschen. Auch gewährt es uns Vergnügen, von dem zu reden und daran zu denken, was wir gern haben, und wornach wir verlangen, oder was wir verabscheuen. 2. Aber leider geschieht es meist vergebens und mußlos! Denn dieser äußere Trost ist für den innern, für den göttlichen Trost von nicht geringem Nachtheile. Darum sollen wir machen und beten, damit die Zeit nicht unbenußt uns entfliehe, und wenn es sich Erstes Buch. Eilftes Kapitel. 25 schickt und nüßlich ist, zu reden, nur von Gegenständen reden, die zur Erbauung die nen. Ueble Gewohnheit und Vernachlässigung unserer eigenen Besserung sind meist die Ursachen unsers unbehutsamen Schwaßens. Eine fromme Unterredung jedoch über geistliche Dinge trägt nicht wenig bei zum Wachsthum im Guten, besonders wenn Menschen von gleichem Geiste und Herzen sich in Gott vereinigen. Silftes Kapitel. Von dem Streben nach Frieden und Vollkommenheit. 1. Erroßen Frieden könnten wir haben, wenn wir uns nicht um das Reden und Thun Anderer bekümmerten, das uns nichts angeht. Aber wie kann der wohl lange im Frieden leben, der sich in fremde Argelegenheiten mischt, und auswärts Zerstreuungen sucht, und nur selten oder wenig sich zu sammeln strebt? Selig, die in Einfalt ihres Herzens leben, denn sie werden großen Frieden genießen! 2. Warum sind wohl einige Heilige so vollkommen und mit Betrachtung göttlicher Dinge unermüdet beschäftigt gewesen? Weil sie alle irdischen Begierden in sich zu unterdrücken bemüht waren, und deßwegen frei und ungehindert ihr ganzes Gemüth auf Gott richten 26 Erstes Buch. Eilftes Kapitel. und ihm dienen konnten. Wir hingegen wer: den von innern Gemüthsbewegungen zu sehr beunruhiget und streben zu ängstlich nach ver gänglichen Dingen. Selten überwinden wir auch nur einen Fehler vollständig, und um täglich vollkommener zu werden dazu haben wir keinen Eifer; deßhalb bleiben wir kalt und lau. - 3. Wären wir uns selbst gänzlich abgestorben und hingen wir nicht an der Welt, dann würden wir auch das Göttliche verstehen und in der Betrachtung himmlischer Dinge Freude finden. Das größte, wenn nicht überhaupt das einzige Hinderniß ist jedoch, daß wir von unsern Leidenschaften und Begierlichkeiten nicht frei sind und uns nicht bemühen, auf dem Wege der Heiligen zu wandeln. Wenn uns auch nur die geringste Widerwärtigkeit zustößt so lassen wir gleich den Muth sinken und suchen wieder menschlichen Trost. 4. Wahrlich, strebten wir dahin, wie tapfere Männer im Kampfe auszuharren, so würde die Hülfe uns vom Himmel kommen. Der, welcher uns in den Streit führt, damit wir siegen, ist auch bereit, die Streiter zu unterstüßen, die auf seinen Beistand rechnen. Bauen wir unsern Fortgang in der Gottseligfeit nur auf gewisse äußerliche Uebungen, so wird es mit unserer Frömmigkeit bald zu Ende gehen. An die Wurzel muß die Art gelegt werden, damit wir von bösen Neigungen gereinigt, den innerlichen Frieden erlangen. Univ.- Bibl. Giessen Erstes Buch. Eilftes Kapitel. 27 5. Wenn wir jedes Jahr auch nur einen Fehler ausrotteten, so würden wir bald vollkommen werden. Nun finden wir aber im Gegentheil, daß wir im Anfange unserer Bekehrung besser und reiner waren, als viele Jahre nach Ablegung unserer Gelübde. Täglich sollte unser Eifer größer und des Guten immer mehr und mehr in uns werden, nun aber gilt es schon für etwas Großes, Einer von seinem ersten Eifer nur einen Theil sich erhalten kann. Wenn wir uns im Anfange nur ein wenig Gewalt anthun wollten, so tönnten wir nachher Alles mit Leichtigkeit und Freude vollbringen. wenn 6. Es ist gewiß schwer, seine Gewohnhei ten ablegen und noch schwerer, seinem Eigenwillen entgegen handeln. Wenn du aber im Geringen und Leichten nicht siegest, wie willst du das Schwere überwinden? Widerstehe gleich im Anfange deiner Neigung und lege die böse Gewohnheit ab, damit sie dir nicht allmählig größere Hindernisse bereite. O wenn du bedächtest, welchen Frieden du dir, welche Freude du Andern durch deinen tugendhaften Wandel schaffen würdest, wahrlich du würdest mehr besorgt sein, im geistlichen Leben fortzuschreiten. Erstes Buch. Zwölftes Kapitel. Zwölftes Kapitel. Vom Nußen der Trübsal. 1. E s ist gut für uns, daß zuweilen Trübfal und Widerwärtigkeiten über uns kommen; denn sie erinnern den Menschen, daß er sich hienieden nur als Fremdling betrachte, und seine Hoffnung nicht auf Dinge dieser Welt seße. Es ist gut, daß wir zuweilen Widerspruch erfahren, und daß man übel und unvortheilhaft von uns denkt, selbst wenn wir Gutes thun und beabsichtigen. Dieß befördert oft unsere Demuth, und bewahrt uns vor eitler Ruhmsucht. Denn dann wenden wir uns ernster zu Gott, dem Zeugen des Herzens hin, wenn wir äußerlich von den Menschen gering geachtet werden, und man teine gute Meinung von uns hat. 28 2. Darum sollte sich der Mensch so ganz an Gott halten, daß er gar nicht nöthig hätte, bei den Menschen Trost zu suchen. Ist der Mensch guten Willens, und er geräth in Trübsal, wird versucht, oder von bösen Ge danken angefochten, dann sieht er ein, wie nothwendig ihm der Beistand Gottes ist; und erfährt, daß er ohne Ihn unfähig ist, etwas Gutes zu thun. Dann trauert er, seufzer und betet wegen der Drangsale, die er leidet; dann möchte er nicht länger leben, und sehnt Erstes Buch. Dreizehntes Kapitel. 29 sich nach dem Tode, um aufgelös't zu werden und bei Christus zu sein. Dann wird ihm auch klar, daß vollkommene Ruhe und dauernder Friede in dieser Welt nicht bestehen können. Dreizehntes Kapitel. Von dem Widerstande gegen die Versuchungen. 1. 11 So lange wir in dieser Welt leben, können wir nicht ohne Versuchung sein. Deßwegen steht im Buch Job geschrieben:„ Das Leben des Menschen auf Erden ist ein beständiger Streit. Daher sollte ein Jeder wegen seiner Versuchungen in Sorge sein und wachen und beten, damit der Teufel nicht Gelegenheit finde, ihn zu überlisten: denn dieser schläft nie, sondern geht umher und suchet, wen er verschlinge. So vollkommen und heilig ist keiner, daß er nicht zuweilen Versuchungen hätte, ja gänzlich können wir davon niemals befreit sein. 2. Die Versuchungen sind dem Menschen oft sehr nüßlich, obwohl sie lästig und beschwerlich sind, weil er durch dieselben gedemüthigt, gereinigt und belehrt wird. Alle Heiligen sind durch viele Trübsale und Versuchungen hindurchgegangen und zu größerer Erstes Buch). Dreizehntes Kapitel. Vollkommenheit gelangt. Jene aber, welche die Versuchungen nicht zu überwinden vermochten, sind von Gott abgefallen und verworfen worden. Kein Stand ist so heilig, kein Ort so geheim, daß es dort nicht Versuchungen und Widerwärtigkeiten geben sollte. 30 3. So lange der Mensch lebt, ist er vor Versuchungen niemals ganz sicher, denn die Quelle der Versuchung ist in uns, seitdem wir in Begierlichkeit geboren wurden. Verläßt uns eine Versuchung, so kommt gleich eine andere, und wir werden allzeit etwas zu leiden haben. Denn wir haben unsre ursprüngliche Glückseligkeit verloren. Viele wol. len den Versuchungen entfliehen und fallen noch tiefer hinein. Durch die Flucht allein können wir nicht siegen; sondern durch Geduld und wahre Demuth werden wir mächtiger. als alle unsere Feinde. 4. Wer den Versuchungen gleichsam nur von Außen ausweichen will, und das Uebel nicht bei der Wurzel faßt, der wird, anstatt vollkommener zu werden, desto schneller wieder versucht, und endlich desto schlimmer werden. Nach und nach, durch Geduld und Langmuth wirst du mit dem Beistande Gottes leichter überwinden, als durch eigene Strenge und Ungeſtüm. Nimm öfter guten Rath an in der Versuchung, und sei auch gegen den, der versucht wird, nicht hart, suche ihm vielmehr Trost zu verschaffen, wie auch du dir ihn wünschen würdest. Erstes Buch. Dreizehntes Kapitel. 31 5. Der Anfang aller Versuchungen ist die Unbeständigkeit des Gemüths und das schwache Vertrauen auf Gott. Wie ein Schiff ohne Steuerruder von den Wogen hin und her: geschleudert wird, so wird der Mensch auf verschiedene Weise versucht, wenn er wankel: müthig wird und von seinem guten Vorsage abläßt. Das Feuer erprobt das Eisen, und die Versuchung den gerechten Menschen. Wir wissen oft selbst nicht, was wir vermögen, aber die Versuchung zeigt uns, was wir sind. Uebrigens ist Wachsamkeit vorzüglich im Anfange der Versuchung nöthig, weil der Feind dann leichter besiegt wird, wenn man ihm den Eingang zum Herzen verwehrt, und ihm schon vor der Thüre entgegen geht, sobald er anklopft. Deßhalb sagt ein Dichter: Widerstehe im Anfange, Zaudern verstärkt nur das Uebel. Brauchst du zu spät die Arznei, vermag sie dir nimmer zu helfen." Denn zuerst ersteht in der Seele nur ein leiser Gedante, dann folgt ein lebhaftes Bild; hierauf Ergögung an demselben, die böse Begierde und endlich die Einwilligung. So schleicht sich der böse Feind nach und nach ganz ein, wenn er im Anfange keinen Widerstand findet. Und je länger der Mensch aus Trägheit zögert, Widerstand zu leisten, desto schwächer wird er täglich, und desto stärker der Feind wider ihn. 6. Einige erleiden die schwersten Versuchungen zu Anfang ihrer Bekehrung; Andere 32 Erstes Buch. Dreizehntes Kapitel. dagegen am Ende; noch Andere haben fast das ganze Leben hindurch harten Kampf. Einige werden nur wenig angefochten, je nachdem die göttliche Weisheit der Billigkeit gemäß es anordnet, den Zustand und die Verdienste des Menschen abwägt, und Alles zum Heile der Auserwählten ordnet. 7. Wir sollen daher nicht verzagen, wenn wir versucht werden, sondern inbrünstiger zu Gott flehen, daß Er uns in aller Trübsal gnädig zu Hülfe kommen wolle, der ja nach dem Ausspruche des heil. Paulus der Versuchung einen solchen Verlauf geben wird, daß wir sie ertragen können. Demüthigen wir uns deßwegen in allen Anfechtungen und Widerwärtigkeiten unter die gewaltige Hand Gottes, da Er die Demüthigen im Geiste erretten und erhöhen wird. 8. In Versuchungen und Trübsalen bewährt der Mensch seine Fortschritte im Guten; in denselben wird sein Verdienst größer, seine Tugend offenbarer. Das ist nichts Großes, wenn Jemand, von keinem Leiden gedrückt, fromm und eifrig ist; wer aber zur Zeit der Trübsal geduldig ausharret, der hat Hoff nung, weit zu kommen. Manche bleiben von heftigen Versuchungen verschont, kommen aber in Kleinigkeiten, die täglich vorfallen, oft zum Falle, auf daß sie gedemüthigt in groBen Versuchungen nicht auf sich selbst vertrauen, da sie schon schwach in so kleinen sind. Erstes Buch. Bierzehntes Kapitel. Vierzehntes Kapitel. Von der Vermeidung freventlicher Urtheile. 1. Richte dein Augenmerk auf dich selbst, und hüte dich, das Thun und Lassen Anderer zu richten. Im Urtheilen über Andere gibt sich der Mensch vergebliche Mühe, irrt oft und fündiget leicht. Wer aber sich selbst durch: forscht und richtet, bemüht sich nie vergebens. Je nachdem uns etwas am Herzen liegt, so urtheilen wir darüber, und kommen oft, von der Eigenliebe geblendet, ganz vom richtigen Urtheile ab. Wäre unser Verlangen und Be streben allzeit auf Gott gerichtet, so würden wir nicht so leicht in Verwirrung gerathen, sobald etwas nicht nach unserm Sinne geht. 2. Oft aber geht etwas in uns vor, oder es geschieht etwas von Außen, was uns mit sich fortzieht. Viele suchen bei ihrem Thun und Lassen nur sich selbst, ohne es zu wissen. Sie scheinen auch in gutem Frieden zu leben, so lange alles nach ihrem Wunsch und Willen geht, geschieht's aber anders, als sie es gern hätten, da werden sie leicht aufgeregt und trübselig. Wegen Verschiedenheit der Sinnesart und Meinung entstehen häufig Mißverständnisse zwischen Freunden und Nachbarn, zwischen Geistlichen und Frommen. 3 34 Erstes Buch. Fünfzehntes Kapitel. 3. Eingewurzelte Gewohnheiten lassen sich schwer ablegen, und Niemand läßt sich gern weiter führen, als soweit er selbst sieht. Wenn du daher auf deine Vernunft und deine Anstrengung mehr bauest, als auf die siegreiche Gnade Jesu Christi, so wirst du nur schwer und langsam ein erleuchteter Mensch werden; denn Gott will, daß wir uns Ihm vollkommen unterwerfen, und uns durch inbrünstige Liebe über unsre beschränkte Vernunft emporschwingen. Fünfzehntes Kapitel. Von den Werken der Liebe. 1. twas Böses darf man um kein Gut der Welt und keinem Menschen zu Liebe thun: dagegen darf zuweilen ein gutes Werk unterlassen, oder nach Gutfinden verändert werden, wenn es das Heil oder die Noth des Nächsten erfordert. Denn dadurch wird das gute Werk nicht aufgehoben, sondern in ein besseres umgewandelt. Ohne Liebe nüßt das äuBerliche Werk nichts, aber was immer aus Liebe geschieht, sei es auch noch so unbedeu-. tend und unscheinbar, wird reichliches Verdienst bringen. Denn Gott sieht mehr auf die Größe der Liebe, mit welcher man ein Werk verrichtet, als auf die Größe des Wertes selbst. Erstes Buch. Fünfzehntes Kapitel. 35 2. Viel thut, wer viel liebt; viel thui, wer eine Sache recht thut; und der verrichtet eine Sache recht, welcher mehr das allgemeine Wohl, als den eigenen Willen berücksichtigt. Oft erscheint etwas als Liebe, und ist doch nur Sinnlichkeit, denn die natürliche Zuneigung, der Eigenwille, die Hoffnung auf Wiedervergeltung und der Trieb zur Bequemlichkeit wollen selten ausgeschlossen bleiben. 3. Wer die wahre und vollkommene Liebe besigt, der sucht in keiner Sache sich selbst, sondern verlangt nur, daß die Ehre Gottes in allen Dingen befördert werde. Er beneidet keinen Menschen, weil er keine Freude liebt, die er für sich allein hat; auch sucht er nicht die Freude in sich selbst; sondern mit Hintanfeßung aller andern Güter sehnt er sich, allein in Gott beseligt zu werden. Er schreibt auch keinem etwas Gutes zu, sondern führt Alles auf Gott zurück, aus welchem, wie aus einer Quelle, Alles herkommt, und in welchem, als in ihrem leßten Ziele, alle Heiligen des höchsten Glückes genießen. Ja, wer nur ein Fünkchen wahre Liebe hätte, müßte empfinden, daß alles Jrdische nur Eitelkeit ist. 36 Erstes Buch. Sechzehntes Kapitel. Sechzehntes Kapitel. Von der Ertragung fremder Fehler. 1. as der Mensch an sich selbst oder an Andern nicht zu bessern vermag, das muß er mit Geduld ertragen, bis Gott es anders fügt. Denke nur, es diene vielleicht dazu, dich zu prüfen und in der Geduld zu stärken, ohne welche all' unsere Verdienste keinen großen Werth haben. Du mußt aber bei solchen Hindernissen Gott eifrig bitten, daß Er dich seines Beistandes würdige, um sie geduldig ertragen zu können. 2. Wenn Jemand der ersten oder zweiten Ermahnung kein Gehör gibt, mit dem streite nicht, sondern stelle Alles Gott anheim, damit sein Wille geschehe und seine Ehre bei allen seinen Dienern befördert werde; denn Er weiß ja auch das Böse zum Guten zu wenden. Bemühe dich, die Fehler und Gebrechen Anderer, wie sie auch heißen mögen, mit Geduld zu ertragen: denn auch du hast Vieles an dir, das andere ertragen müssen. Wenn du dich nun selbst nicht zu dem machen kannſt, der du zu sein wünschest, wie möchtest du es dahinbringen, daß ein Anderer ganz deinem Wunsche entspreche? Andere sehen wir gern vollkommen, die eigenen Fehler aber bessern wir nicht. 3. Wir fordern, daß Andere mit Strenge gebessert werden sollen, und wir selbst wollen Erstes Buch. Siebenzehntes Kapitel. 37 uns nicht bessern lassen. An Andern mißfällt uns zu große Freiheit, wir selbst aber wollen uns nichts abschlagen lassen, was wir begehren. Andere wollen wir durch Regeln und Satzungen eingeschränkt sehen, selbst aber nicht den geringsten 3wang leiden. So ist also offenbar, wie selten wir den Nächsten nach uns selbst beurtheilen. Wenn alle vollkommen wären, was hätten wir dann von Andern für Gott zu leiden? 4. Nun hat aber Gott die Anordnung getroffen, daß Einer des Andern Last tragen lerne; Reiner ist nämlich ohne Fehler, Keiner ohne Last, Keiner genügt sich selbst, Keiner ist für sich genug weise, vielmehr müssen wir uns gegenseitig ertragen, einander trösten, einander helfen, belehren und ermahs nen. Wie weit aber Jemand in der Tugend gekommen ist, das zeigt sich am besten bei vorkommenden Widerwärtigkeiten, denn solche machen den Menschen nicht schwach, sondern sie zeigen, wie er beschaffen ist. Siebenzehntes Kapitel. Von dem klösterlichen Leben. 1. illst du mit Andern in Frieden und Eintracht leben, so mußt du in vielen Stücken dich selbst überwinden. Es ist nicht so leicht, in einem Kloster oder einem 38 Erstes Buch. Stebenzehntes Kapitel. geistlichen Vereine leben, darin ohne Klagen wandeln und bis zum Tode treu ausharren. Selig derjenige, welcher dort fromm gelebt und glücklich vollendet hat! Willst du deine Schuldigkeit thun und im Guten zunehmen, so betrachte dich als einen Fremdling und Pilgrim auf Erden. Du mußt um Christi willen ein Thor werden, wenn du ein gottgeweihtes Leben führen willst. 2. Ordenskleid und Haarschnitt nüßen dir wenig; sondern die Aenderung der Sitten und eine vollkommene Abtödtung der bösen Neigungen machen den wahren Ordensmann aus. Wer etwas anderes sucht als Gott und das Heil seiner Seele, der wird nichts als Trübsal und Herzenleid finden, und wer sich nicht bestrebt, der Geringste und Allen unterthänig zu sein, der kann nicht lange im Frieden leben. 3. Zum Dienen bist du hieher gekommen, nicht zum Befehlen; zum Leiden und Arbeiten bist du berufen, nicht aber zum Müßiggehen und Plaudern. Hier werden also die Menschen geprüft, wie das Gold im Schmelzofen, hier kann Niemand bestehen, wenn er sich nicht wegen Gott von ganzem Herzen demüthigen will. 39 Erstes Buch. Achtzehntes Kapitel. Achtzehntes Kapitel. Von den Beispielen der heiligen Väter. 1. Schaue hin auf die lebendigen Beiſpiele der heiligen Väter, aus welchen die wahre Vollkommenheit und Gottseligkeit hervorleuchtet, und du wirst sehen, wie so unbedeutend, wie beinah nichts dasjenige ist, was wir thun. Ach, was ist unser Leben im Vergleich mit dem ihrigen! Die Heiligen und Freunde Christi dienten dem Herrn in Hunger und Durst, in Kälte und Blöße, in Arbeit und Mühe, in Wachen und Fasten, in Beten und frommen Betrachtungen, in vielfältiger Verfolgung und Schmach. 2. O wie viele und schwere Trübsale erduldeten die Apostel, die Martyrer, die Betenner, die Jungfrauen und die übrigen Alle, welche in die Fußstapfen Christi treten wollten. Denn sie haßten ihr Leben in dieser Welt, um das ewige Leben zu erwerben. O, in welch' einer strengen Entsagung lebten die heiligen Väter in der Wüste! Welche anhaltenden und schweren Versuchungen bestanden sie! Wie häufig wurden sie vom bösen Feinde geplagt! Wie flehten sie so oft und inbrünstig zu Gott! Welche strenge Enthaltsamkeit übten sie! Wie groß war ihr Eifer, ihre Sehnsucht 40 Erstes Buch. Achtzehntes Kapitel. im geistlichen Leben fortzuschreiten! Wie ta pfer und unermüdet kämpften sie, das Böse in sich auszurotten! Mit welcher geraden und reinen Absicht strebten sie nach Gott hin! Den Tag über arbeiteten sie und die Nacht lagen sie dem Gebete ob, wiewohl sie auch bei ihrer Arbeit vom innern Gebete nicht abließen. 3. Sie wendeten jeden Augenblick nüßlich an; jede Stunde schien ihnen zur innerlichen Unterhaltung mit Gott zu kurz zu sein, und vor der unendlichen Süßigkeit, welche sie in der Betrachtung empfanden, dachten sie nicht einmal an die nöthige Erquickung des Körpers. Sie entsagten allen Reichthümern, Wür den, Ehren, Freunden und Verwandten; sie wollten nichts von der Welt haben. Sie genossen kaum so viel, als zur Erhaltung des Lebens nothwendig war, und es schmerzte sie, dem Leibe auch nur zur äußersten Nothdurft dienen zu müssen. Arm also waren sie an irdischen Dingen, aber unendlich reich an Gnaden und Tugenden; im Neußern litten sie Mangel, aber im Innern wurden sie durch Gnaden und himmlischen Trost erquickt. 4. Der Welt waren sie fremd, aber mit Gott innig verbunden und seine vertrauten Freunde. Sich selbst kamen sie wie nichts vor, und von der Welt wurden sie verachtet, aber in Gottes Augen waren sie kostbar, und Er zählte sie unter seine Erwählten. Sie übten die wahre Demuth, lebten gehorsam in Einfalt, in Liebe und Geduld: daher brachten Erstes Buch. Achtzehntes Kapitel. 41 sie es täglich im geistlichen Wandel weiter und erlangten immer größere Gnaden bei Gott. Deßhalb werden sie allen Ordensperso nen zum Beispiele vorgestellt und müssen uns bei weitem mehr zum Guten hinziehen als der Haufen der Lauen zur Schlaffheit. 5. O wie groß war doch der Eifer der Ordensleute im Anfange ihrer geistlichen Stiftungen! Wie groß war die Andacht beim Gebete! Wie groß der Wetteifer in der Tugend! Wie trefflich war die Zucht, wie leuchtete an Allen die Ehrfurcht und der Gehorsam gegen die Regeln des Stifters hervor. Noch sind Beweise vorhanden, welche darthun, daß sie wahrhaft heilige, vollkommene Männer waren, die tapfer kämpfend über die Welt den Sieg errangen. Jegt gilt der schon für groß, welcher nicht gegen die Ordensregel handelt, und das mit Geduld ertragen kann, was er auf sich genommen hat. 6. Oder Lauigkeit und Nachlässigkeit in unserm Stande! Wie schnell haben wir von dem frühern Eifer abgelassen! Wie ist uns vor Trägheit und Lauigkeit gar schon das Leben zuwider! Möchte doch das Streben nach Tugend nicht ganz bei dir einschlummern, der du so oft Beispiele wahrhaft andächtiger Seelen gesehen hast! 42 Erstes Buch. Neunzehntes Kapitel. Neunzehntes Kapitel. Von den Uebungen einer guten Ordensperson. 1. Das Pas Leben einer guten Ordensperson muß reich an allen Tugenden sein, auf daß er in seinem Innern das wirklich sei, was er im Neußern den Menschen scheint. Ja, billig soll er innerlich noch weit mehr sein, als man in seinem Neußern wahrnimmt, da wir unter der Aufsicht Gottes stehen, welchem wir allerorts die höchste Ehrerbietigkeit erzeigen müssen, und vor dessen Angesichte wir wie Engel wandeln sollen. Täglich müssen wir unsern Vorsaß erneuern und uns zum Eifer anspornen, als wenn wir erst heute unsere Bekehrung begonnen hätten und sollen flehen: Unterstüße mich, Herr, mein Gott! in meinem Vorsaße und in deinem heiligen Dienste, und laß mich heute ernstlich anfangen; denn was ich bisher gethan, ist noch gar nichts!" 11 2. Der Fortgang im Guten hängt von unserm Vorsaße ab; wer immer besser werden will, der muß vielen Fleiß anwenden. Wenn schon derjenige, welcher träftige Vorfäße faßt, oft in Fehler fällt, wie wirds dem ergehen, der sich nur selten und weniger fest etwas vornimmt? Auf mancherlei Weise werden wir von unserm Vorsaße abgebracht, und auch eine nur geringe Versäumniß der vor Erstes Buch. Neunzehntes, Kapitel. 43 geschriebenen Uebungen bleibt selten ohne Nachtheil. Aber auch der Vorsatz der Gerechten hängt mehr von der göttlichen Gnade, auf welche sie bei allen ihren Unternehmungen stets fest vertrauten, als von ihrer eigenen Weisheit ab; denn der Mensch denkt, aber Gott lenkts, und der Weg des Menschen liegt nicht in seiner Gewalt. 3. Wenn aus frommer Absicht oder um den Brüdern zu nüken, bisweilen eine gewohnte fromme Uebung unterlassen wird, so kann sie nachher leicht nachgeholt werden; unterläßt man sie aber irgend aus Ueberdruß oder Nachlässigkeit, so ist das schon sehr strafbar und man wird den Nachtheil bald empfinden. Wenn wir uns auch noch so sehr anstrengen, wir werden dennoch in manchen Dingen leicht fehlen. Doch sollen unsere Vorsäße immer auf etwas Bestimmtes gerichtet sein, besonders wider das, was unsern Fortschritt am meisten hindert. Wir müssen sowohl unser äußeres, als inneres Leben prüfen und ordnen, denn beides dient zum Fortschritt im Guten. 4. Kannst du dich nicht fortwährend in der Sammlung des Geistes erhalten, so sammle dich doch zuweilen und wenigstens zweimal des Tages, des Morgens und des Abends. Am Morgen fasse deinen Vorsatz und am Abend durchforsche dein Betragen: wie du heute in deinen Reden, Werken und Gedanken warest; denn vielleicht hast du in densel 44 Erstes Buch. Neunzehntes Kapitel. ben Gott und deinen Nächsten öfters beleidigt. Rüste dich, wie es einem Manne geziemt, gegen die teuflischen Lockungen zum Bösen; zügle deine Lust im Essen und Trinken, und du wirst um so leichter jede sinnliche Neigung zügeln, Sei niemals ohne Beschäftigung; son dern lies oder schreibe, bete oder betrachte, oder verrichte irgend eine nüßliche Arbeit. Körperliche Uebungen jedoch sind mit Maß und nicht von Allen auf dieselbe Weise vor zunehmen. 5. Uebungen, welche nicht gemeinschaftlich sind, stelle man auch nicht äußerlich zur Schau; denn was dich allein angeht, nimmst du besser im Verborgenen vor. Jedoch hüte dich, daß du nicht zu den gemeinsamen. Uebungen träge und zu den besondern bereitwilliger seiest; wenn du aber alle deine Obliegenheiten treu erfüllt hast, und dir noch Zeit übrigt, dann tehre in dein Herz ein und überlaß dich dem Triebe der Andacht. Nicht Alle können einerlei Ulebungen vornehmen, die eine taugt für diesen, die andere für einen andern. Auch sind nach Beschaffenheit der Zeitumstände verschiedene Uebungen angemessen; einige behagen uns mehr an den Festtagen, andere an den Wochentagen; andere bedürfen wir zur Zeit der Versuchung, andere zur Zeit des Friedens und der Ruhe. Anderes betrachten wir gern zur Zeit der Trauer, ein Anderes, wenn wir fröhlich sind im Herrn. Erstes Buch Neunzehntes Kapitel. 45 6. An den hohen Festtagen sollen wir gute Uebungen mit neuem Fleiß vornehmen, und mit größerer Inbrunst die Heiligen um ihre Fürbitte anflehen. Von einem Feste zum andern sollen wir uns lebhaft vorstellen, als würden wir dann aus dieser Welt scheiden und den ewigen Festtag beginnen. Deßwegen sollen wir in den Zeiten, die vorzugsweise der Andacht gewidmet sind, gewissenhafter uns vorbereiten, andächtiger sein und jede Obliegenheit genauer erfüllen, als würden wir den Lohn unsrer Arbeiten in Kurzem von Gott empfangen. 7. Wird solches dann verschoben, so halten wir uns für noch nicht genug vorbereitet, und unwürdig jener großen Herrlichkeit, die an uns soll offenbar werden zur vorbestimmten Zeit, und bereiten uns noch eifriger vor auf unser Ende. Selig der Knecht," spricht der Evangelist Lukas,„ den der Herr wachend findet, wenn Er kommt!" Fürwahr, das sage ich euch, Er wird ihnüber alle seine Güter setzen! Zwanzigstes Kapitel. Von der Liebe zur Einsamkeit und zum Stillschweigen. 1. uche eine schickliche Zeit, dir selbst zu leben und denke oft über die Wohlthaten Gottes nach. Meide, was nur die Neugierde 46 Erstes Buch. Zwanzigstes Kapitel. reizt; lies dagegen, was mehr zur Reue stimmt, als bloß den Verstand beschäftiget. Wenn du dich des überflüssigen Geschwäßes, des müßigen Herumlaufens, des Haschens nach Neuigkeiten und des Anhörens von Gerüchten enthältst so wirst du Zeit genug finden, um bequem frommen Betrachtungen obzuliegen. Die größten Heiligen flohen den Umgang mit Menschen, so viel sie konnten, und wollten lieber Gott in der Einsamkeit dienen. Ein Weiser sagte: So oft ich unter Menschen gewesen, bin ich weniger Mensch( weniger gut) zu mir selbst zurückgekehrt." Wir erfahren dies oft, wenn wir lange mit einander geplaudert haben. Es ist leichter, ganz schweigen, als kein Wort zu viel sprechen. Es ist leichter, zu Hause in Verborgenheit ein stilles Leben führen, als außerwärts sich vor aller Sünde bewahren. Wer also nach innern und geistigen Gütern strebt, muß wie Jesus sich vom großen Haufen zurückziehen. Niemand kann sich mit Sicherheit öffentlich zeigen, als wer gern verborgen lebt. Niemand kann mit Sicherheit reden, als wer gern schweigt. Niemand kann mit Sicherheit Vorgesetzter sein, als der gern Untergebener ist. Niemand kann mit Sicherheit befehlen, als wer gelernt hat, gern zu gehorchen. 2. Niemand kann sich mit Sicherheit freuen, als wer das Zeugniß eines guten Gewissens in sich hat. Und dennoch war die Sicherheit der Heiligen immer voll der Furcht Got www Erstes Buch. Zwanzigstes Kapitel. 47 tes; und wenn sie auch durch große Tugen=" den und Gnaden hervorleuchteten, so waren sie gleichwohl nicht weniger wachsam und demüthig. Die Sicherheit der Bösen aber entspringt aus Hoffart und Vermessenheit, und verkehrt sich am Ende in Selbstbetrug. Versprich dir in diesem Leben nie eine vollkommene Sicherheit, wenn du auch der frömmste Ordensmann oder der andächtigste Einsiedler zu sein scheinst. 3. Diejenigen, welche man für die Besten hielt, sind wegen ihres zu großen Selbstvertrauens oft in die größte Gefahr gekommen. Deßwegen ist es für Viele nüßlicher, nicht ganz von Versuchungen verschont zu bleiben, sondern öster versucht zu werden, damit sie nicht in zu großer Sicherheit stolz werden, oder nicht lieber zu äußern Tröstungen ihre Zuflucht ehmen. O welch ein gutes Gewissen würde sich der erhalten, welcher nie eine vergängliche Freude suchte, welcher nie mit weltlichen Dingen sich befaßte! Welch süßen Frieden, welche Ruhe würde der besigen, welcher alle eitle Sorge von sich stieße, nur an heilsame und göttliche Dinge dächte, und seine ganze Hoffnung auf Gott sette! 4. Niemand ist des himmlischen Trostes würdig, als wer oft in seinem Gemüthe eine heilige Reue erweckt. Willst du zu dieser Reue kommen, so gehe in dein Kämmerlein, entferne dich vom Getümmel der Menschen, wie geschrieben steht: In euern Kammern 48 Erstes Buch. Zwanzigstes Kapitel. bereuet die Sünden! Im Kämmerlein wirst du oft finden, was du draußen verlierst. Bist du recht heimisch darin geworden, so wird es dir stetsfort angenehmer werden; bist du nicht oft darin, so bringt es dir Verdruß und Eckel. Hältst du dich aber beim Anfang deiner Betehrung recht gerne darin auf, so wird es gulegt deine geliebte Freundin und dein süßester Trost. 5. Im Schweigen und in der Ruhe wird die andächtige Seele Fortschritte machen und selbst die Dunkelheiten der Schrift durchschauen lernen. Da findet sie Ströme der Thränen, in denen sie allnächtlich sich wasche und reinige, damit sie ihrem Schöpfer um so näher trete, je ferner sie sich von allem Geräusche der Welt hält. Wer also von Bekannten und Freunden sich trennt, zu dem kommt Gott mit seinen heiligen Engeln. In Abgeschiedenheit leben, und für sein eigenes Heil sorgen, ist besser, als Wunder wirken, sich selbst aber vernachlässigen. Für eine Ordensperson ist es löblich, daß sie selten ausgehe, sich nicht gern sehen lasse, aber auch Andere zu sehen nicht verlange. 6. Warum willst du sehen, was du nicht besigen darfst? Die Welt vergeht mit ihrer Lust. Das Verlangen der Sinnlichkeit zieht den Menschen hinaus in die Weite, aber wenn die Stunde vergangen ist, was bringst du anders mit nach Hause als bittere Reue und ein zerstreutes Herz? Auf einen glücklichen Erstes Buch. Zwanzigstes Kapitel. 49 Ausgang folgt oft eine traurige Rückkehr und ein fröhliches Nachtwachen bringt oft einen traurigen Morgen. So tritt jede sinnliche Freude schmeichelnd ein, aber am Ende verwundet und tödtet sie. Was könntest du anderswo sehen, das du nicht auch hier siehst? Siehe Himmel und Erde und alle Elemente, denn aus ihnen ist Alles gemacht. 7. Was könnte man wohl irgendwo sehen, was lange Bestand hat unter der Sonne? Vielleicht glaubst du, dich zu ersättigen; doch dahin wirst du es nicht bringen. Wenn du auch alles Gegenwärtige sähest, was wäre es anders, als ein nichtiger Anblick? Hebe deine Augen zu Gott in die Höhe und bitte Ihn um Vergebung deiner Sünden und Fehler. Laß das Eitle den Eiteln, und richte dein Gemüth auf das, was dir Gott geboten hat. Schließe deine Thüre hinter dir zu und rufe Jesum, deinen Geliebten, zu dir herein. Mit Ihm bleib in deinem Kämmerlein, denn nirgends wirst du solchen Frieden finden. Wenn du nicht ausgegangen wärest und nichts von Schwägerein gehört hättest, würde es dir leichter geworden sein, deinen Frieden zu bewahren. So lange es dich aber ergößet, Neuigkeiten zu hören, mußt du auch die daraus entstehende Unruhe des Herzens ertragen. Nachfolge Christi. 4 50 Erstes Buch. Einundzwanzigstes Kapitel. Sinundzwanzigstes Kapitel. Von der Zerknirschung des Herzens. 1. illst du im Guten fortschreiten, so be wahre in dir die Furcht Gottes; sei nicht gar zu frei, sondern halte alle deine Sinne unter der Zucht und überlaß dich nicht einer ausgelassenen Freude. Gib dich der Zerknirschung des Herzens hin und du wirst die wahre Andacht finden. Die Herzenszerknirschung öffnet den Weg zu manchem Guten; die Ausgelassenheit aber pflegt es bald wieder zu vernichten. Es ist zu verwundern, daß sich Jemand in diesem Leben wahrhaft freuen kann, der sein Elend und die vielen Gefahren bedenkt, die feiner Seele drohen. 2. Der Leichtsinn und die Gleichgültigkeit gegen unsere Fehler machen, daß wir keine Schmerzen der Seele empfinden und oftmals lachen, wo wir billig weinen sollten. Es gibt keine wahre Freiheit und keine wahre Freude, als in der Furcht des Herrn und in einem guten Gewissen. Glücklich ist der, der jede ihm hinderliche Zerstreuung entfernen und in Sammlung des Gemüthes den Empfindungen der Reue sich überlassen kann. Glücklich ist der, der sich von Allem lossagt, was sein Gewissen beflecken oder beschweren fann! Kämpfe männlich! Gewohnheit wird durch Erstes Buch. Einundzwanzigstes Kapitel. 51 Gewohnheit besiegt. Verstehst du es, die Menschen gewähren zu lassen, so werden auch sie dich nicht hindern zu thun, was du zu thun hast. 3. Mache die Angelegenheiten Anderer nicht zu den deinigen und verwickle dich nicht in die Händel der Großen. Richte zuerst deine Augen auf dich selbst, und ermahne eher dich, als alle deine Geliebten. Werde nicht traurig, wenn du die Gunst der Menschen nicht befizest; aber es schmerze dich, daß du nicht so gut und vorsichtig wandelst, wie es einem Diener Gottes und andächtigen Ordensmanne geziemt. Es ist für den Menschen oftmals nüßlicher und sicherer, in diesem Leben nicht viele Tröstungen, besonders menschliche, zu haben. Daß wir aber den göttlichen Trost nicht haben, oder selten empfinden, das ist unsere eigene Schuld, weil wir die Zerknirschung des Herzens nicht suchen, und die eiteln und äußerlichen Tröstungen nicht verschmähen. 4. Erkenne, daß du des göttlichen Trostes unwürdig, vielmehr großen Elendes würdig bist. Hat der Mensch ein wahrhaft zerknirschtes Herz, so ist ihm die ganze Welt zuwider und bitter. Ein guter Mensch findet hinlänglich Ursachen zu trauern und zu weinen. Er mag nun sich oder einen Andern betrachten, so sieht er, daß hier Niemand ohne Trübsal lebt. Und je genauer er sich ansieht, desto größer ist seine Trauer. Ürsachen eines gerechten Schmerzens und inner 52 Erstes Buch). Einundzwanzigstes Kapitel. ster Zerknirschung sind aber unsere Fehler und Sünden, in denen wir dergestalt verstrickt liegen, daß wir himmlische Dinge nur selten zu betrachten vermögen. 5. Wenn du öfter an deinen Tod, als an ein langes Leben dächtest, so würdest du ohne Zweifel dich eifriger zu bessern trachten. Und wenn du auch die zukünftigen Strafen der Hölle oder des Fegfeuers recht zu Herzen nähmest, so glaube ich, du würdest gern Arbeit und Schmerz ertragen und keine Strenge scheuen. Weil aber dies Alles uns nicht zu Herzen geht, und wir, was den Sinnen schmeichelt, noch lieben, so fahren wir fort falt und träge zu sein. 6. Oft ist es Geistesarmuth, weßhalb sich der elende Leib so leicht beklagt. Flehe daher inbrünstig zu Gott um den Geist der Zer knirschung und sprich mit dem Propheten: Speise mich, o Herr! mit dem Thränen: brode, und mit der Thränen Uebermaß tränke mich. Zweiundzwanzigstes Kapitel. Betrachtung des menschlichen Elendes. I. X lend bist du, wo du auch sein und wohin du dich auch wenden magst, wenn du dich nicht zu Gott wendest. Warum be Erstes Buch. Zweiundzwanzigstes Kapitel. 53 unruhigest du dich, wenn dir nicht Alles gelingt, wie du willst und wünschest? Wem geht wohl alles nach Wunsch? Weder mir, noch dir, noch irgend einem Menschen auf Erden. Niemand in der Welt bleibt ganz von Unruhe und Sorge befreit, mag er auch König oder Papst sein. Wer hat es aber am besten? Gewiß nur der, welcher etwas um Gotteswillen zu leiden vermag. 2. Viele Schwache sagen: Siehe, welch glückliches Leben dieser Mensch hat! Wie reich, wie groß, wie mächtig und erhaben er ist! Aber richte nur deinen Blick auf die himmlischen Güter, und du wirst sehen, daß alle diese zeitlichen Dinge nichts sind, daß sie vielmehr höchst ungewiß und oft lästig sind, weil ihr Besiz stets mit Sorgen und Furcht verbunden ist. Uleberfluß an zeitlichen Gütern macht den Menschen nicht glücklich, ein mittelmäßiger Besitz genügt. Recht betrachtet, ist's ein Elend auf Erden zu leben. Je geistiger der Mensch zu sein strebt, desto mehr Bitterkeit hat das Leben für ihn, weil er das Verderben der menschlichen Natur klarer einsieht und tiefer empfindet. Denn Effen, Trin ken, Wachen, Schlafen, Ruhen, Arbeiten und den übrigen Bedürfnissen der menschlichen Natur unterworfen sein, ist gewiß ein großes Elend für einen frommen Menschen, welcher gern davon unabhängig und von aller Sünde frei sein möchte. 3. Dem innerlichen Menschen sind die leibs 11 54 Erstes Buch. Zweiundzwanzigstes Kapitel. lichen Bedürfnisse in dieser Welt eine schwere Last. Daher bittet der Prophet andächtig, von ihnen befreit zu werden: Aus meinen Nöthen erlöse mich, o Herr!" Aber wehe denen, die ihr Elend nicht erkennen, und noch mehr Jenen, welche dieses elende und gebrechliche Leben lieben! Denn es gibt Menschen, die, obgleich sie nur das Nothwendigste mit saurer Arbeit oder gar nur mit Betteln gewinnen können, dieses Leben doch so sehr lieben, daß sie um das Reich Gottes sich gar nicht bekümmern würden, wenn sie immer auf Erden leben könnten. 4. O der Thoren und Ungläubigen, die so tief in das Jrdische versunken sind, daß ihnen nur das Sinnliche behagt. Aber die Unglücklichen werden es am Ende schwer empfinden, wie gering und nichtig das war, was sie so sehr liebten. Die Heiligen Gottes aber und alle frommen Freunde Christi merkten nicht auf das, was den Sinnen schmeichelt, noch was in dieser Zeitlichkeit blüht; sondern ihre ganze Hoffnung, all ihr Trachten war auf die ewigen Güter hingerichtet. Ihr ganzes Sehnen ging aufwärts nach den bleibenden, unsichtbaren Gütern, damit sie nicht durch die Liebe zu dem Sichtbaren zu dem Niedern hinabgezogen würden. Verliere also die Zuversicht nicht, mein Bruder, im Geistlichen fortzuschreiten; noch hast du Zeit und Gelegenheit. 5. Warum willst du deinen Vorsatz auf Erstes Buch. Zweiundzwanzigstes Kapitel. 55 Morgen verschieben? Mache dich auf, fange jogleich an und sprich: Jeßt ist es Zeit zu wirken, jezt ist es Zeit zu kämpfen, jest ist die günstige Zeit, mich zu bessern! Wenn es dir übel geht und du in Trübsal bist, dann ist die Zeit da, Verdienste zu sammeln. Durch Feuer und Wasser mußt du gehen, ehe du zur Erquichung tommst. Wenn du dir nicht Gewalt anthust, tannst du die Sünde nicht besiegen. So lange wir diesen gebrechlichen Leib an uns tragen, fönnen wir nicht ganz ohne Sünde sein, noch ohne Verdruß und Schmerz leben. Gern möchten wir frei sein von allem Elende; aber weil wir durch die Sünde die Unschuld verloren haben, verloren wir auch die wahre Glückseligkeit. Darum müssen wir Geduld haben und auf die göttliche Barmherzigkeit hoffen, bis das Reich der Sünde aufhört und die Sterblichkeit durch das Leben aufgehoben wird. 6. Wie groß ist doch die menschliche Ge brechlichkeit, die immer geneigt ist zum Bösen! Heute beichtest du deine Sünden und morgen begehst du die gebeichteten wieder. Jest nimmst du dir vor, dich in Acht zu nehmen, und nach einer Stunde handelst du, als hättest du dir nichts vorgenommen. Gerechte Ursache also haben wir, uns zu demüthigen und nicht groß von uns zu denken, da wir so gebrechlich und unbeständig sind. Und schnell kann aus Nachlässigkeit verloren werden, was kaum durch viele Mühe und die Gnade Gottes er: langt wurde. 56 Erstes Buch. Dreiundzwanzigstes Kapitel. 7. Was wird am Ende noch aus uns werden, wenn wir schon so früh im Guten erkalten? Weh uns, wenn wir so zeitig uns zur Ruhe begeben wollen, als wäre schon völliger Friede und Sicherheit, während noch keine Spur von Heiligkeit in unserm Wandel zu finden ist. Wohl wäre nöthig, daß wir noch einmal wie gelehrige Schüler in guten Sitten unterrichtet würden, wenn nur Hoffnung da wäre, daß wir uns einst bessern, und im Geistigen Fortschritte machen würden. Dreiundzwanzigstes Kapitel. Von der Betrachtung des Todes. 1. ienieden wird es bald mit dir vorbei sein; siehe also, wie es um dich steht. Heute noch lebt der Mensch, doch morgen kommt er nicht mehr zum Vorschein. Wie er aber den Augen der Menschen entrückt ist, verchwindet er auch aus ihrem Gedächtniß. O, wie ist des Menschen Herz so stumpf und verhärtet, daß es nur an das Gegenwärtige denkt, und nicht vielmehr auf das Zukünftige sieht. Du solltest bei all deinem Thun und Denken dich so verhalten, als wenn du gleich sterben müßtest. Bei einem guten Gewissen würdest du den Tod wenig fürchten. Besser wäre es, die Sünden meiden, als den Tod Erstes Buch. Dreuundzwanzigstes Kapitel. 57 fliehen. Bist du heute nicht darauf vorbereitet, wie solltest du es morgen sein? Morgen ist ein ungewisser Tag, und wie weißt du, ob der Morgen noch dein ist? 2. Was nüßt, lange leben, wenn wir uns so wenig bessern? Ach, ein langes Leben macht uns nicht immer besser, sondern es vermehrt oft nur die Sündenschuld. O, daß wir doch nur einen einzigen Tag in der Welt gut verlebt hätten! Viele zählen die Jahre der Bekehrung, aber oft ist die Frucht ihrer Besserung nur sehr klein. Wenn es fürchterlich ist, zu sterben, so ist es vielleicht gefährlicher, länger zu leben. Glücklich, wer die Stunde seines Todes immer vor Augen hat und sich täglich zum Sterben anschickt! Hast du irgend einmal einen Menschen sterben gesehen, so denke, daß auch du diesen Weg gehen mußt. 3. Am Morgen denke, du werdest vielleicht den Abend nicht erreichen; ist aber der Abend angekommen, so versprich dir dey Morgen nicht mehr. Stets also sei bereit, und lebe so, daß der Tod dich nimmer unvorbereitet finde. Viele sterben plößlich und unvermuthet. Denn zu einer Stunde, da man es nicht erwartet, wird des Menschen Sohn kommen. Wenn nun jene letzte Stunde kommt, so wirst du anfangen, über dein ganzes vergangenes Leben anders zu denken, und es sehr bedauern, daß du so nachlässig und saumselig gewesen bist. 58 Erstes Buch. Dreiundzwanzigstes Kapitels 4. Wie glücklich und weise ist, wer in die sem Leben so zu sein strebt, wie er im Tode erfunden zu werden wünscht? Denn große Zuversicht gibt dem Sterbenden die vollkommene Verachtung der Welt, das glühende Verlangen, in allen Tugenden zuzunehmen, die Liebe zur Zucht, Fleiß in der Besserung, williger Gehorsam, Verläugnung seiner selbst, und Ertragung jeder Widerwärtigkeit aus Liebe zu Jesu. Viel Gutes fannst du wirken, so lange du gesund bist; was du aber auszurichten vermagst, wenn du krank wirst, das weiß ich nicht. Wenige werden durch Krankheit gebessert, so wie auch diejenigen, welche häufig wallfahrten, selten heilig werden. 5. Seße dein Vertrauen nicht auf Freunde und Verwandte und verschiebe die Sorge für dein Heil nicht auf die ungewisse Zukunft. Die Menschen werden deiner schneller vergessen, als du glaubst. Es ist besser, sich zeitig vorzusehen und gute Werke in die Ewigkeit vorauszuschicken, als auf die Hülfe Anderer vertrauen. Wenn du nicht jetzt für dich for: gest, wer wird in Zukunft für dich sorgen? Jeßt ist die fostbare Zeit noch da! Jeßt sind die Tage des Heiles, jezt ist die gnadenreiche Zeit! Aber wehe, daß du diese Zeit nicht besser anwendest: einen Schaß für das ewige Leben könntest du dir in derselben sammeln! Es wird die Zeit kommen, wo du nur noch Einen Tag, Eine Stunde zu deiner Besserung zu haben wünschen wirst; aber ich weiß nicht, ob du sie erhaltest. Erstes Buch. Dreiundzwanzigstes Kapitel. 59 6. Bedenke doch, Geliebter! aus welcher großen Gefahr du dich befreien, welcher großen Furcht du dich entreißen kannst, wenn du immer den Tod vor Augen hast, als könnte er dich jeden Augenblick übereilen. Lerne jest so leben, daß du in der Stunde des Todes dich mehr freuen als fürchten mögest. Lerne jeßt der Welt absterben, damit du dann anfangest, mit Christus zu leben. Lerne jetzt Alles verschmähen, damit du dann ungehindert zu Christus hineilen könneft. Züchtige jetzt deinen Leib durch Buße, damit du dann eine sichere Hoffnung habest. 7. Thor! wie kannst du mit Sicherheit darauf rechnen, du werdest lange leben, da dir kein Tag zugesichert ist? Wie Viele haben sich getäuscht, und sind unvermuthet dem Leibe entrissen worden! Wie oft hast du nicht erzählen hören: dieser ist durch's Echwert gefallen; jener ist ertrunken; dieser fiel von der Höhe herab und brach das Genick; jener starb plößlich während dem Essen oder endete sein Leben beim Spiele! Einer kam durch's Feuer, ein Anderer durch Waffen, durch die Best, durch gewaltsamen Mord um: und so ist das Ende Aller der Tod; das Leben der Menschen flieht schnell wie ein Schatten dahin. 8. Wer wird deiner nach dem Tode gedenken? wer für dich beten? Wohlan, Geliebter, wohlan! wirke jezt, so viel du zu wirken vermagst, da du nicht weißt, wann du sterben wirst, noch auch, was deiner nach 60 Erstes Buch. Vierundzwanzigstes Kapitel. dem Tode wartet! So lange es noch Zeit ist, sammle dir unvergängliche Schätze. Denke an nichts, als an dein Heil; sorge allein für das, was Gottes ist. Mache dir Freunde durch Verehrung der Heiligen Gottes und durch Nachahmung ihres Wandels, damit sie dich in die ewigen Wohnungen aufnehmen, wenn du dieses Leben verlassen mußt. 9. Betrachte dich auf Erden immer als einen Fremdling und Gast, den die Weltgeschäfte nichts angehen. Erhalte dein Herz frei und zu Gott hingewendet, denn du hast hier keine bleibende Stätte. Dorthin richte täglich deine Gebete, deine Seufzer und Thränen, damit dein Geist würdig werde, nach dem Tode selig zum Herrn hinüberzugehen. Amen. Bierundzwanzigstes Kapitel. Vom Gericht und den Strafen der Sünden. 1. n Allem, was du thust, bedenke das Ende, und wie du vor dem strengen Richter bestehen werdest, dem nichts verborgen ist; der durch keine Geschenke sich besänftigen, keine Entschuldigungen gelten läßt, sondern nach Gerechtigkeit richten wird. Delender, thörichter Sünder! wie willst du dich vor Erstes Buch. Vierundzwanzigstes Kapitel. 61 Gott verantworten, der all deine Uebelthaten kennt, du, der du schon das Antlig eines erzürnten Menschen fürchtest? Warum bereitest du dich nicht vor auf den Tag des Gerichtes, worin Keiner durch einen Andern wird entschuldigt oder vertheidigt werden können, vielmehr ein Jeder sehen muß, wie er für sich bestehe? Jetzt bringt deine Arbeit noch Frucht, dein Weinen wird angenommen, dein Seufzen erhört; jetzt ist dein Reueschmerz noch genugthuend und läuternd. 2. In einem großen und heilsamen Reinigungsfeuer befindet sich der geduldige Mensch, welcher bei Beleidigungen mehr über des Andern Bosheit trauert, als über die ihm widerfahrene Kränkung, welcher gern für seine Widersacher betet und ihnen ihr Unrecht von Herzen verzeiht; welcher nicht zögert, Andere um Verzeihung zu bitten und sich leichter erbarmt, als erzürnt; der sich oft Gewalt anthut, und überhaupt das Sinnliche dem Geistigen zu unterwerfen strebt. Es ist besser, sich jetzt von der Sünde reinigen und die Laster ausrotten, als die Reinigung auf die Zukunft verschieben. Wir betrügen uns wahrhaftig selbst durch eine unordentliche Liebe zu dem Zeitlichen. 3. Was anders wird jenes Feuer verzehren, als deine Sünden? Je mehr du jetzt deiner selbst schonest und der Sinnlichkeit fol=gest, desto härter wirst du es nachmals büßen und desto mehr Ursache zur Bein wirst 62 Erstes Buch. Vierundzwanzigstes Kapitel. du mit hinüber nehmen. Worin der Mensch gesündiget hat, darin wird er gestraft werden. Dort werden die Trägen mit brennenden Stacheln angetrieben, die Unmäßigen durch Hunger und Durst gepeinigt werden. Dort werden die Unzüchtigen und Wollüstlinge mit siedendem Pech und stinkendem Schwefel übergoffen und die Neidischen werden vor Schmerz wie wüthende Hunde heulen. 4. Es wird für jedes Laster eine besondere Qual geben. Dort werden die Hoffärtigen mit jeder Schmach erfüllt, die Geizigen durch die bitterste Armuth gequält werden. Dort wird eine Stunde Strafe schwerer sein, als hier hundert Jahre der strengsten Bußübung. Dort ist keine Ruhe, kein Trost für die Verdammten; hier hingegen ruht man doch zuweilen von der Anstrengung aus und genießt der Tröstung guter Freunde. Sei also jezt deiner Sünden wegen bekümmert und bereue sie, damit du am Tage des Gerichts mit den Seligen in Sicherheit seiest. Denn dann werden die Gerechten mit großem Muthe Jenen gegenüberstehen, von welchen sie geängstigt und gedrückt wurden. Dann wird der als Richter dastehen, welcher sich selbst in Demuth dem Urtheil der Menschen unterworfen hat. Dann wird der Arme und Dürftige große Zuversicht haben, den Hoffärtigen hingegen wird von allen Seiten Furcht und Schrecken überfallen. 5. Dann wird klar werden, daß derjenige Erstes Buch. Vierundzwanzigstes Kapitel. 63 weise war in dieser Welt, welcher da lernte um Christi willen einfältig und verachtet zu sein. Dann wird jede geduldig ertragene Trübsal Freude bringen, und jede Unbilligteit wird ihren Mund verschließen müssen. Dann wird jeder Fromme sich freuen und jeder Gottlose trauern. Dann wird der Mensch, welcher sein Fleisch freuzigte, mehr frohlocken, als derjenige, der es stets in Wollüsten pflegte. Dann wird das schlichte Kleid glänzen und das feine Gewand seinen Glanz verlieren. Dann wird die ärmliche Hütte höher gepriesen werden, als der vergoldete Balast. Dann wird die ausdauernde Geduld mehr helfen, als alle Gewalten der Erde. Dann wird der Gehorsam des Einfältigen mehr Lob empfangen, als alle weltliche Klugheit. 6. Dann wird ein reines und gutes Gewissen größere Freude bringen, als die Weltweisheit der Gelehrten. Dann wird die Verachtung der Reichthümer ein größeres Gewicht haben, als alle Schäße der Welt. Dann wird ein andächtig verrichtetes Gebet dir mehr Trost gewähren, als ein herrliches Gastmahl. Dann wirst du dich mehr freuen über beobachtetes Schweigen, als über langes Geschwäß. Dann werden gute Werke mehr gelten, als viele schöne Worte. Dann wird ein strenges Leben und eine strenge Buße mehr gefallen, als jede irdische Ergöglichkeit. Lerne also jetzt kleine Leiden ertragen, damit du dann von größern befreit werdest. Hier versuche erst, 64 Erstes Buch. Vierundzwanzigstes Kapitel. was du dort wirst aushalten können. Wenn du jetzt schon so wenig ertragen kannst, wie wirst du ewige Qualen ertragen können? Wenn dich ein geringes Leiden jegt schon so ungeduldig macht, was wird dann die Hölle bewirken? Sieh, zweierlei Freuden kannst du fürwahr nicht haben: du kannst nicht hier die Lust der Welt genießen, und dort mit Christus herrschen. 7. Hättest du bis auf den heutigen Tag in Ehren und Freuden gelebt; was würde das Alles dir helfen, wenn du diesen Augenblick sterben müßtest? Es ist also Alles Eitelkeit, außer Gott lieben und Ihm allein dienen! Denn wer Gott von ganzem Herzen liebt, der fürchtet weder Tod noch Strafe, noch Gericht, noch Hölle, weil die vollkommene Liebe einen sichern Zugang zu Gott. bereitet. Wem aber die Sünde noch Vergnügen macht, für den ist natürlich Tod und Gericht furchtbar. Indessen ist es doch gut ,. daß dich, so lange dich die Liebe nicht vom Bösen abhält, wenigstens die Furcht vor der ewigen Strafe davon zurückschrecke. Wer aber die Furcht Gottes hintanseßt, wird nicht lange im Guten beharren können, sondern gar bald in die Schlingen des Teufels gerathen. Erstes Buch. Fünfundzwanzigtes Kapitel. 65 Fünfundzwanzigftes Kapitel. Von der eifrigen Besserung unsers ganzen Lebens. 1. Sei wachsam und fleißig im Dienste Gottes und denke oft darüber nach, wozu du da bist und warum du dich von der Welt zurückgezogen hast? Doch gewiß aus feiner andern Absicht, als um Gott zu leben und ein geistiger Mensch zu werden? Ringe also nach Vollkommenheit, denn du wirst bald den Lohn für deine Mühen empfangen, und Furcht und Schmerz werden weit von dir sein. Jetzt hast du eine kleine Mühe, aber große Ruhe, ja immerwährende Freude wirst du finden. Bleibst du treu und eifrig im Guten, so wird auch Gott treu und reich im Vergelten sein. Du mußt nur die Hoffnung bewahren, daß du die Palme erringen wer dest, doch darf deine Hoffnung nicht in Si cherheit ausarten, damit sie dich nicht träge oder übermüthig mache. 2. Als einst Einer, von Angst ergriffen, lange zwischen Furcht und Hoffnung schwebte, und einmal, vom Kummer bald aufgerieben, in der Kirche vor einem Altar betend sich niedergeworfen hatte, dachte er bei sich selbst und sprach; O, wenn ich doch wüßte, ob ich bis zum Ende ausharren werde!" AlsNachfolge Chrifti. 5 66 Erstes Buch. Fünfundzwanzigstes Kapitel. bald vernahm er in seinem Innern die göttliche Antwort:„ Und wenn du es wüßtest, was wolltest du thun! Thue jekt, was du dann thun würdest und du wirst völlig sicher sein." Hiedurch getröstet und gestärkt, überließ er sich dem göttlichen Willen und die ängstliche Bewegung seines Innern hörte auf. Nun wollte er nicht mehr vorwißig grübeln, um zu wissen, was ihm in der Zukunft bevorstehe, sondern er war vielmehr bemüht, zu untersuchen, was der wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes sei, um alles Gute anzufangen und zu vollenden. 3. Hoffe auf den Herrn und thue Gutes," spricht der Prophet, und bewohne das Land und du wirst genährt werden von seinen Schägen. n Eines ist was viele vom Fortschreiten im Guten und von ernstlicher Besserung zurückhält, nämlich die Scheut vor Beschwerden oder die Mühe des Rampfes; denn gewiß, diejenigen machen vor allen Andern Fortschritte in der Tugend, welche das, was ihnen am schwersten wird und am meisten zuwider ist, desto standhafter zu überwinden streben; denn der Mensch schreitet um so mehr im Guten voran und wächst desto mehr in der Gnade, je mehr er sich selbst besiegt und abtödtet. 4. Zwar haben nicht alle gleichviel zu überwinden und zu ertödten. Doch wird ein eifriger Kämpfer, wenn er auch mehrere Leidenschaften hätte, größere Fortschritte machen, als ein anderer Wohlgesitteter, der aber mit Erstes Buch. Fünfundzwanzigstes Kapitel. 67 geringem Eifer nach Tugend strebt. 3wei. Dinge tragen vorzüglich zu unserer Besserung viel bei, nämlich das gewaltsame Abziehen von dem, wozu uns die verderbten Naturtriebe anreizen, und der beharrliche Eifer in dem Guten, das uns am meisten fehlt. Auch suche besonders das zu vermeiden und zu bekämpfen, was dir an Andern öfter mißfällt. 5. Sei überall auf dein Fortschreiten im Guten bedacht. Wenn du gute Beispiele siehst oder hörst, so laß Dich zur Nachahmung anfeuern. Bemerkst du aber etwas Tadelnswerthes, dann hüte dich, es nachzuthun, oder hast du es etwa schon gethan, so bemühe dich, um so schneller dich zu bessern. So wie dein Auge Andere beobachtet, so wirst du wiederum von Andern bemerkt. Wie angenehm und schön ist es, eifrige und andächtige, wohlgefittete und zuchtliebende Brüder zu sehen! Wie traurig und schlimm ist es, solche vor Augen zu haben, die unordentlich wandeln und das nicht thun, wozu sie berufen find! Wie schädlich ist es, die Pflichten seines Berufes vernachlässigen, und den Sinn auf das richten, was uns nicht erlaubt ist. 6. Sei stets deines gemachten Vorsatzes eingedenk und stelle dir das Bild des Gekreuzigten vor. Du hast wohl Ursache, dich zu schämen, wenn du das Leben Jesu Christi betrachtest, da du dich nicht ernster bemüht 68 Erstes Buch. Fünfundzwanzigstes Kapitel. hast, Jhm gleichförmig zu werden, obgleich du schon lange auf dem Wege zu Gott bist. Eine Ordensperson, die das heiligste Leben und Leiden des Herrn andächtig betrachtet, wird darin in reichlichem Maße Alles finden, was ihr nüßlich und nothwendig ist, und hat nicht nöthig, daß sie außer Jesus etwas Bes jeres suche. O wenn Jesus, der Gekreuzigte, in unserm Herzen lebte, wie schnell und wie genügend würden wir gelehrt sein! 7. Eine eifrige Ordensperson nimmt willig auf sich, was ihr befohlen wird. Eine laue und träge hingegen hat Plage über Plage und wird von allen Seiten geängstigt, da die innere Ruhe ihr fehlt, und sie von AuBen keinen Trost suchen darf. Eine Ordensperson, die nicht nach ihrer Regel lebt, segt sich einem schweren Falle aus. Wer nur das Bequeme und Leichtere sucht, der wird immer Beklemmung fühlen, denn es gefällt ihm bald das, bald dieses nicht. 8. Wie machen es doch so viele andere Ordensleute, welche der strengsten klösterlichen Zucht unterworfen sind? Sie gehen selten aus, leben zurückgezogen, begnügen sich mit geringer Kost, tragen grobe Kleider, arbeiten viel, reden wenig, wachen lange, stehen früh auf, verrichten lange Gebete, lesen oft und beobachten in Allem die klösterliche Zucht. Betrachte die Karthäuser, die Cisterzienser und die Mönche und Nonnen verschiedener anderer Orden, wie sie jede Nacht aufstehen, um Gott Erstes Buch. Fünfundzwanzigstes Kapitel. 69 in Gesängen zu preisen. Schande also wäre es für dich, wenn du in einem so heiligen Werke träge sein wolltest, wo eine so große Menge Ordensleute Gott Loblieder anſtimmt. 9. O daß wir nichts anders zu thun hätten, als den Herrn unsern Gott aus vollem Herzen und mit freudigem Munde zu loben! O daß wir nie das Bedürfniß hätten, zu essen, zu trinken und zu schlafen, sondern immerdar Gott loben und nur geistlichen Uebungen obliegen könnten! dann würden wir weit glücklicher sein, als jeßt, wo wir dem Leibe, und sei es auch nur um der nöthigsten Lebensbedürfnisse willen, dienen müssen! Ach, wären doch diese Bedürfnisse gar nicht vorhanden, sondern nur die geistigen Erquicungen der Seele, welche wir leider sehr selten verkosten! 10. Wenn der Mensch dahin gelangt, daß er seinen Trost bei feinem Geschöpfe mehr sucht, dann erst fängt er an, vollkommen in Gott zu leben; dann erst ist er zufrieden mit jedem Geschick. Dann freut er sich nicht über das Große und trauert nicht über das Geringe, sondern er verläßt sich ganz und mit Zuversicht auf Gott, welcher ihm Alles in Allem ist, und dem auch wahrlich nichts verloren geht oder stirbt, denn alles lebt Ihm und gehorcht ohne Zögern seinem Winke. 11. Dente immer an das Ende und daß Die verlorne Zeit nicht wiederkehrt. Ohne Eifer und Fleiß wirst du keine Tugenden er 70 Erstes Buch. Fünfundzwanzigstes Kapitel. werben. Wenn du anfängst, lau zu werden, wirst du auch anfangen, dich übel zu befinden. Wenn du aber einen edeln Eifer in dir unterhältst, wirst du großen Frieden finden, und du wirst auch fühlen: daß die Mühe immer leichter wird durch die Gnade Gottes und die Liebe zur Tugend. Ein eifriger und fleisiger Mensch ist zu Allem bereit. Es ist weit beschwerlicher, den Lastern und Leidenschaften zu widerstehen, als körperliche Arbeiten zu verrichten. Wer kleine Fehler nicht vermeidet, fällt nach und nach in größere. Du wirst dich stets am Abend freuen, wenn du den Tag nüßlich zugebracht hast. Wache über dich selbst, erwecke dich selbst, ermahne dich selbst; und wie es auch um Andere stehen mag, vernachlässige dich nur selbst nicht. In eben dem Maße, in welchem du dir Gewalt anthust, wirst du in allem Guten zunehmen. Amen. Zweites Buch. Anleitung zum innern Leben. Erftes Kapitel. Vom innern Wandel. 1. Das as Reich Gottes ist in euch, spricht der pHerr. Befehre dich von ganzem Herzen zum Herrn; laß fahren diese elende Welt und deine Seele wird Ruhe finden. Lerne das Neußerliche verschmähen und dem Innerlichen dich hingeben, und du wirst das Reich Gottes zu dir kommen sehen. Denn das Reich Gottes ist Friede und Freude in dem heiligen Geist; es wird dem Gottlosen nicht zu Theil. Christus wird zu dir kommen, und dir seinen Trost zeigen, wenn du Ihm in deinem Innern eine würdige Wohnung zubereitet haben wirst. Alle seine Herrlichkeit und Zierde stammt von Innen; mur da gefällt es Ihm. Den innern Menschen sucht 72 Zwertes Buch. Erstes Kapitel. Er cft heim, hält freundliche Gespräche mit ihm, gibt ihm seinen schönsten Trost, die Fülle des Friedens, und würdiget ihn seiner bewunderungswürdigen Vertraulichkeit. 11 2. Wohlan denn, getreue Seele, bereite diesem Bräutigam dein Herz, damit Er sich würdige, zu dir zu kommen und in dir zu wohnen! Denn also spricht Er: So Jemand Mich liebet, der wird mein Wort halten, und Wir werden zu ihm kommen, und Wohnung bei ihm nehmen." Mache also Raum für Christus und verwehre allen übrigen Dingen den Eingang in dein Herz. Wenn du Christus besigest, dann bist du reich und hast genug an Ihm. Er wird dein treuer Versorger sein und dir Alles verschaffen, so daß du nicht nöthig hast, auf Menschen zu bauen. Denn die Menschen sind veränderlich und fallen schnell dahin. Aber Christus bleibt in Ewigkeit, und steht dir bis an's Ende treulich bei. 3. Auf einen schwachen, sterblichen Menschen sollst du kein großes Vertrauen segen, wenn er dir auch noch so nüßlich und lieb wäre, und eben so wenig darfst du zu groBer Traurigkeit dich hingeben, wenn man dir manchmal entgegen ist und widerspricht. Die heute mit dir sind, können morgen dir entgegen sein und so umgekehrt: denn der Mensch dreht sich oft wie der Wind. Seße dein gan zes Vertrauen auf Gott: Er sei deine Furcht und deine Liebe. Er wird für dich sein und Zweites Buch). Erstes Kapitel. 73 wird es mit dir so machen, wie es für dich am besten sein wird. Du hast hier keine bleibende Stätte, und wo du auch sein mögest, du bist ein Fremdling und Pilger, und wirst niemals Ruhe finden, wenn du nicht mit Christo auf's innigste vereinigt bist. 4. Was schauest du hienieden lange umher, da hier ja nicht der Ort deiner Ruhe ist? Im Himmel sollst du deine Wohnung suchen und alles Jrdische nur wie im Vorbeigehen ansehen. Dieß Alles vergeht und du mit ihm! Darum siehe zu, daß du ihm nicht anhangest, damit es dich nicht feßle und du darin untergehst. Bei dem Höchsten sei dein Gedanke, und an Christus ohne Unterlaß dein Gebet gerichtet! Vermagst du nicht, dich zum Hohen und Himmlischen zu erheben, so verweile bei dem Leiden Christi, und halte dich gern in seinen heiligen Wunden auf. Denn wenn du mit Zuversicht zu den Wunden und kostbaren Mahlzeichen Jesu dich flüchtest, so wirst du in der Trübsal große Stärfung empfinden, wirst dich wenig um die Schmähungen der Menschen bekümmern, und die Worte der Verläumder leicht ertragen. 5. Auch Christus wurde in der Welt von den Menschen verachtet, und in der größten Noth von Bekannten und Freunden unter Spott und Hohn verlassen. Christus wollte leiden und verachtet werden, und du wagest es, dich über irgend etwas zu beklagen! Christus hatte Widersacher und Widersprecher, und 74 Zweites Buch. Erstes Kapitel. du willst alle Menschen zu Freunden und Wohlthätern haben? Wie kann deine Geduld gekrönt werden, wenn dir nichts Widerwärtiges begegnet? Und wie kannst du ein Freund Christi sein, wenn du nichts Widriges ertragen willst? Leide also mit Christus und für Christus, wenn du mit Christus herrschen willst. 6. Wärest du einmal recht in das Innere Jesu eingegangen, hättest du nur einen Funten seiner glühenden Liebe in dein Herz aufgenommen, dann würdest du dich um eigenen Vortheil oder Nachtheil nicht kümmern, vielmehr dich der erlittenen Schmach erfreuen. Denn die Liebe Jesu lehrt den Menschen, sich selbst gering achten. Wer Jesus und die Wahrheit liebt, wer in sich einkehrt und frei von allen unordentlichen Neigungen ist, der kann sich ungehindert zu Gott wenden, der kann sich über sich selbst erheben und in Gott Ruhe und Genuß finden. 7. Wer alle Dinge für das hält, was sie sind, und nicht wofür sie ausgegeben und geschäßt werden, der ist wahrhaft weise und mehr von Gott als von Menschen belehrt. Wer in sich zu leben und auf die äußeren Dinge einen geringen Werth zu legen weiß, der sucht nicht besondere Derter, und wartet nicht auf besondere Zeiten, um fromme lebungen anzustellen. Ein innerlicher Mensch sammelt sich bald wieder, weil er sich nie ganz in die Außenwelt verliert. Ihm schadet teine äußerliche Arbeit, oder eine zur Zeit Zweites Buch. Zweites Kapitel. 75 nothwendige Beschäftigung; sondern er weiß sich in die Dinge zu schicken, wie sie kommen. Wer sein Inneres wohl geregelt und geordnet hat, der kümmert sich nicht um das sonderbare und verkehrte Treiben der Menschen. Nur insofern wird der Mensch zerstreut und am Guten gehindert, als er sich durch die Außendinge fesseln läßt. 8. Wenn es wohl mit dir stünde, und du ganz gereinigt wärest, so würde dir Alles zum Guten gereichen und deinen Fortschritt befördern. Nur deßwegen mißfällt dir so Vieles, und bringt dich oft in Verwirrung, weil du dir selbst noch nicht vollkommen abgestorben und von allen irdischen Dingen frei bist. Nichts befleckt und verwickelt das Herz so sehr, als die unreine Liebe zu den Geschöpfen. Könntest du auf äußerliche Tröstungen verzichten, so würdest du Himmlisches schauen und oft in deinem Innern frohlocken können. Zweites Kapitel. Von der demüthigen Unterwerfung. 1. Lege tein großes Gewicht darauf, wer für oder wider dich ist, sondern darauf denke und dafür sorge, daß Gott mit dir sei in Allem, was du thust. Habe ein gutes 76 Zweites Buch. Zweites Kapitel. Gewissen und Gott wird dich in seinen Schuß nehmen. Denn wem Gott helfen will, dem kann keine Bosheit der Menschen schaden. Weißt du zu dulden und zu schweigen, so wirst du die Hülfe des Herrn erfahren. Er weiß, wann und wie Er dich retten ſoll, deßwegen mußt du dich Ihm ganz überlassen. Es ist Gottes Sache, uns zu helfen und aus jeder Verlegenheit zu befreien. Oft ist es zur Erlangung größerer Demuth sehr nüßlich für uns, daß Andere unsere Fehler wissen und sie rügen. 2. Wenn sich der Mensch wegen seinen Fehlern demüthigt, so föhnt er Andere desto leichter mit sich aus, und thut mit leichter Mühe auch denen genug, die ihm zürnen. Den Demüthigen schüßt und rettet Gott, den Demüthigen liebt und tröstet Er; zu dem Demüthigen neigt Er sich herab, dem Demüthigen gibt Er reiche Gnade, und erhebt ihn, wenn er niedergedrückt war, zu Ruhm und Ehren. Dem Demüthigen offenbart Er seine Geheimnisse, und zieht ihn einladend sanft zu Sich hin. Der Demüthige lebt, selbst wenn ihn Schmach getroffen hat, in Ruhe und Frieden; weil er sich auf Gott stüßt und nicht auf die Welt. Glaube nicht, daß du Fortschritte im Guten gemacht habest, wenn du dich nicht geringer achtest, als alle deine Brüder. 77 Zweites Buch. Drittes Kapitel. Drittes Kapitel. Von einem guten und friedfertigen Menschen. 1. rhalte zuerst in dir selbst den Frieden; dann kannst du auch Andern Frieden schaffen. Ein friedfertiger Mensch nüßt der Welt mehr, als ein hochgelehrter. Ein leidenschaftlicher Mensch verkehrt auch das Gute zum Bösen, und glaubt leicht das Böse. Ein recht friedfertiger Mensch wendet Alles zum Besten. Wer mit sich selbst im Frieden lebt, denkt von Niemanden Arges. Wer dagegen mit Allem unzufrieden und immer unruhig ist, den quälen abwechselnd Argwohn und Verdacht; er selbst hat nicht Ruhe und läßt auch Andern keine Ruhe. Er redet oft, was er nicht reden sollte und unterläßt dasjenige, was zu thun ihm sehr ersprießlich wäre. Er gibt darauf Acht, was Andere zu thun schuldig sind, und vernachlässiget, wozu er selbst verpflichtet ist. Habe daher zuerst eifrige Sorgfalt für dich selbst; dann erst kannst du dich eifrig um deinen Nächsten bemühen. 2. Du weißt deine Thaten geschickt zu ents schuldigen und zu beschönigen; die Entschuldigungen Anderer aber willst du nicht gelten lassen. Billiger wäre es, daß du dich selbst beschuldigtest, den Bruder aber entschuldigtest. 78 Zweites Buch. Drittes Kapitel. Wenn Andere dich ertragen sollen, so ertrage auch du Andere. Gib wohl Acht, wie weit du noch von der wahren Liebe und Demuth entfernt bist, die keinen Zorn und Unwillen kennt, als nur gegen sich selbst. Es ist keine Kunst, mit guten und sanftmüthigen Menschen im Frieden zu leben; denn daran hat Jeder ein natürliches Wohlgefallen. Jeder hat gern Frieden und liebt am meisten die, welche mit ihm gleicher Gesinnung sind, aber mit Rauhen, Verkehrten und Ungesitteten, oder mit unsern Widersachern im Frieden leben, das ist eine große Gnade, höchst lobenswerth und ein Zeichen männlicher Stärke. 3. Es gibt Menschen, die mit sich selbst im Frieden bleiben und auch mit Andern Frieden haben. Es gibt aber auch Andere, die weder selbst im Genusse des Friedens sind, noch Andere im Frieden lassen, sie sind Andern lästig, sich selbst aber noch lästiger. Es gibt auch noch Solche, die nicht nur sich selbst im Frieden erhalten, sondern auch Andere friedlich zu stimmen suchen. Gleichwohl besteht in diesem unvollkommenen Leben unser ganzer Friede mehr in einem demüthigen Ertragen, als im Nichtempfinden des Widrigen. Je besser Jemand zu dulden weiß, desto tiefern Frieden wird er haben. Ein Solcher beherrscht sich und die Welt, ist ein Freund Christi und Erbe des Himmels. Zweites Buch. Viertes Kapitel. 79 Viertes Kapitel. Von der Reinheit des Herzens und der Aufrichtigkeit 1. Auf Cuf zwei Flügeln schwingt sich der Mensch über das Jrdische empor: durch Aufrichtigkeit und Reinheit der Gesinnung. Die Aufrichtigkeit muß unsern Bestrebungen und die Reinheit den Neigungen zu Grunde liegen. Die Aufrichtigkeit sucht Gott, die Reinheit des Herzens findet Ihn und erfreut sich in Ihm. Nichts wird dir zur Vollbringung des Guten im Wege stehen, sobald du im Innern von jeder unordentlichen Neigung frei bist. Trachtest du nach nichts Anderm, als Gott zu gefallen und deinem Nächsten zu dienen, so wirst du die Freiheit des Geistes genießen. Wäre nur dein Herz gut und rein, so würde jedes Geschöpf für dich ein Spiegel des Lebens und ein Buch heiliger Lehren sein. Es ist kein Geschöpf so klein und gering, daß nicht Gottes Güte aus ihm hervorleuchtete. 2. Wenn dein Inneres gut und rein wäre, so würdest du Alles ohne Hinderniß sehen und wohl fassen. Ein reines Herz durchdringt Himmel und Hölle. Wie Jemand in seinem Innern ist, so urtheilt er auch äußerlich. Gibt es irgend eine Freude auf Erden, so genießt sie sicher der Mensch, so ein reines 80 Zweites Buch. Fünftes Kapitel. Herz hat, und gibt es irgendwo Trübsal und Angst, so kennt dieselben am besten das böse Gewissen. Gleichwie das Eisen, das in's Feuer gelegt wird, den Rost verliert, eben so wird der Mensch, welcher sich ganz zu Gott wendet, von der Lauigkeit befreit und in einen neuen Menschen umgewandelt. 3. Wenn der Mensch anfängt lau zu werden, dann scheut er auch eine geringe Mühe, und nimmt gern Trost von Außen an. Hat er aber angefangen, sich selbst zu überwinden und festen Muthes auf den Wegen Gottes zu wandeln, dann achtet er das für leicht, was er früher für schwer hielt. Fünftes Kapitel. Von der Betrachtung seiner selbst. 1. ir dürfen uns selbst nicht zu viel zutrauen, weil es uns oft an Gnade und Einsicht fehlt. Nur klein ist das Licht in uns, und auch dieses verlieren wir schnell durch Nachlässigkeit. Oft bemerken wir auch gar nicht, wie verblendet unser innerer Sinn ist. Oft thun wir Böses, und was noch schlimmer ist, wir entschuldigen es. Bisweilen bewegt uns die Leidenschaft und wir vermeinen, es sei frommer Eifer. Wir tadeln an Andern Kleinigkeiten, und unsere eigenen Zweites Buch. Fünftes Kapitel. 81 weit größern Fehler übersehen wir. Oft bemerken wir schnell und erwägen, was wir von Andern leiden, aber wie Vieles Andere von uns erdulden müssen, das bemerken wir nicht. Wer seine eigenen Handlungen nach Recht und Gerechtigkeit beurtheilen wollte, der würde Andere gewiß nicht strenge richten. 2. Der dem Geiſte lebt, die für sich allen gen vor. Und wer auf sich selbst fleißig Acht gibt, der schweigt gern von Andern. Nie wirst du dir die innere Andacht eigen machen, wenn du nicht deine Aufmerksamkeit von den äußern Dingen abziehest und vorzugsweise auf dich selbst richtest. Wenn du dich ganz mit dir und mit Gott beschäftigest, dann wird, was du auswärts wahrnimmst, dich wenig berühren. Wo bist du, wenn du nicht dir ſelbst gegenwärtig bist? Und was könntest du gewinnen, wenn du die ganze Welt durchliefest und dich vernachlässigtest? So du des Friedens genießen und eines mit dir selbst sein willst, so mußt du Alles zurüdseßen und dich allein vor Augen haben. join 3. Du wirst somit viel gewinnen, wenn du dich gegen jede zeitliche Sorge verwahrest; du wirst dagegen viel verlieren, wenn du Zeitliches hochschäßest. Nichts darf für dich groß, nichts hoch, nichts wohlgefällig, nichts angenehm sein, als Gott allein, oder was aus Gott ist. Jeden Trost, den ein Geschöpf dir gewährt, halte für eitel. Wer Gott über 6 82 Zweites Buch. Sechstes Kapitel. Alles liebt, verachtet Alles, was geringer als Gott ist. Gott allein, der Ewige und Unermeßliche, der Alles Erfüllende ist der Seele Trost und des Herzens wahre Freude. Sechstes Kapitel. Von der Freude eines guten Gewis sens. 1. er Ruhm eines guten Menschen ist das Beugniß seines guten Gewissens. Habe ein gutes Gewissen, und du wirst immer Freude haben. Ein gutes Gewissen fann viel ertragen und selbst im Mißgeschick ganz heis ter sein. Das böse Gewissen ist immer furchtsam und unruhig. Du wirst sanft ruhen, wenn dein Herz dich nicht anklagt. Freue dich nur dann, wenn du Gutes gethan hast. Die Bösen haben niemals wahre Freude und verkosten auch den innern Frieden nicht; denn i die Gottlosen haben keinen Frieden," spricht der Herr. Und wenn sie auch sagen sollten: Wir leben im Frieden, es wird nichts Uebles uns begegnen, wer sollte es wagen, uns zu schaden?". so glaube ihnen nicht, denn der Zorn Gottes wird schnell entbrennen, ihr Thun wird in Nichts verwandelt, und ihre Anschläge vereitelt werden. 2. Dem Liebenden fällt es nicht schwer, - Zweites Buch. Sechstes Kapitel. 83 sich selbst seiner Trübsal zu rühmen; denn so sich rühmen, heißt sich rühmen im Kreuze des Herrn. Von kurzer Dauer ist der Ruhm, der von Menschen gegeben und empfangen wird. Dem Ruhm der Welt folgt stets Traurigkeit. Der Ruhm der Guten besteht in ihrem guten Gewissen, und nicht im Gerede der Menschen. Die Freude der Gerechten ist Freude an Gott, in Gott und in der Wahrheit. Wer den wahren und ewigen Ruhm begehrt, sorgt nicht ängstlich für den zeitlichen; und wer nach dem zeitlichen Ruhme trachtet, oder ihn nicht von Herzen verachtet, der beweist dadurch, daß ihm der himmlische noch nicht über Alles theuer sei. Große Ruhe des Herzens hat derjenige, welcher sich weder um Lob, noch Tadel kümmert. 3. Leicht ist der zufrieden zu stellen und zu beruhigen, dessen Gewissen rein ist. Du bist nicht besser, wenn du gelobt, nicht schlechter, wenn du getadelt wirst. Was du bist, das bist du; und man kann dich nicht für größer halten, als du vor Gott bist. Haft du Acht auf dein Inneres, so wirst du dich um das Gerede der Menschen nicht kümmern. Der Mensch sieht in das Gesicht, Gott aber in das Herz. Der Mensch betrachtet die Handlungen Anderer, Gott aber erwägt ihre Absichten. Immer recht handeln, und wenig auf sich halten, ist das Kennzeichen einer de müthigen Seele. Nicht von irgend einem Geschöpfe getröstet sein wollen, ist das Zeichen 84 Zweites Buch. Siebentes Kapitel. großer Reinheit und innerer Zuversicht. Wer tein Beugniß von Außen für sich sucht, zeigt dadurch, daß er sich gänzlich Gott ergeben habe. Denn nach dem Ausspruche des heiligen Paulus ist nicht Jener bewährt, der sich selbst erhebt, sondern der, den Gott erhebt. Innerlich mit Gott wandeln, und durch keine Begierde an etwas Neußeres gefesſelt werden, das ist der Zustand eines innerlichen Menschen. Siebentes Kapitel. Von der Liebe Jesu über Alles. 1. Selig derjenige, welcher begreift, was es heiße, Jesum lieben, und um Jesu willen sich selbst verschmähen. Oft muß man das Geliebte um des Geliebten willen aufgeben weil Jesus allein und über Alles geliebt sein will. Die Liebe zu einem Geschöpf ist betrügerisch und veränderlich, die Liebe zu Jesu treu und beharrlich. Wer einem Geschöpfe anhängt, wird mit dem Vergänglichen vergehen, wer sich an Jesus hält, wird in Ewigfeit bestehen. Ihn liebe, Ihn erhalte dir als Freund, Der, wenn Alles weicht, dich nicht verlassen und nicht zugeben wird, daß du am Ende verderbest. Von Allem mußt du dich einst trennen, du magst wollen oder nicht. 2. Halte dich an Jesus, im Leben und Zweites Buch. Siebentes Kapitel. 85 im Tode. Verlaß dich auf seine Treue, Der allein dir verläßt. Dein Geliebter ist so beschaffen, daß Er keinen Fremden zulassen will: Er allein will dein Herz besigen, Er allein in demselben het wie ein König auf seinem Throne. Wenn du dich von jedem Geschöpf loszumachen verstündest, so würde Jesus gern bei dir wohnen. Fast Alles wirst du als verloren erkennen, was du auf Menschen bauest und nicht auf Jesus. Verlaß dich nicht, stüße dich nicht auf ein vom Winde bewegtes Rohr, denn alles Fleisch ist wie Gras, und alle Herrlichkeit wird welten, wie des Grases Blume. 3. Du wirst bald betrogen werden, wenn du nur auf den äußern Schein der Menschen siehst. Denn suchst du bei Andern Trost und Gewinn, so wirst du oft Schaden leiden. Suchst du dagegen in Allem nur Jesus, so wirst du Ihn auch allenthalben finden. Suchst du aber dich selbst, so wirst du auch dich selbst finden, doch nur zu deinem Verderben; denn wer Jesus nicht sucht, schadet sich selbst mehr, als die ganze Welt und alle Wider facher ihm schaden können. 4502 oma sld sin the be de Toi co Zweites Buch. Achtes Kapitel. Achtes Kapitel. Von der vertrauten Freundschaft mit Jesus. 1. ABS enn Jesus bei dir ist, so ist Alles gut und nichts erscheint schwer; ist Jesus aber nicht bei dir, so scheint Alles hart. Wenn Jesus nicht in deinem Innern spricht, so hast du schlechten Trost; spricht aber Jesus auch nur ein einziges Wort, so wirst du groBen Trost empfinden. Stand Maria Magdalena nicht sogleich von dem Orte auf, wo sie weinte, als Martha sagte:„ Der Meister ist da und ruft dich?" Glückliche Stunde, wenn Jesus von Thränen zur geistigen Freude ruft! Wie dürftig und gedrückt bist du ohne Jesus! Wie unweise und eitel, wenn etwas Anderes dein Begehren ist, als Jesus! Ist dies nicht ein größerer Schaden, als wenn du die ganze. Welt verlörest? 86 2. Was kann die Welt ohne Jesus dir geben? Ohne Jesus sein, ist eine qualvolle Hölle; und mit Jesus sein, ein freudiges Paradies. Wenn Jesus mit dir ist, so kann dir tein Feind schaden. Wer Jesus findet, findet einen kostbaren Schaß, ja das höchste aller Güter. Wer Jesus verliert, verliert unendlich viel, und mehr als die ganze Welt. Der Nermste ist, wer ohne Jesus lebt; der Reichste der, so gut mit Jesus steht. Zweites Buch). Achtes Kapitel. 87 3. Es ist eine große Kunst, zu wissen mit Jefu umzugehen, und Ihn festzuhalten, große Weisheit. Sei demüthig und friedfertig und Jesus wird mit dir sein. Sei andächtig und ruhig und Jesus wird bei dir bleiben. Wenn du dich zum Irdischen wendest, könntest du Jesus schnell verscheuchen und seine Gnade ver-: lieren. Hast du Ihn aber verscheucht und verloren, zu wem willst du dann fliehen, welchen Freund dir suchen? Ohne Freund kannst du nicht wohl leben, und wenn Jesus nicht dein bester Freund ist, wirst du allzu traurig und betrübt sein. Du handelst darum thöricht, wenn du auf einen Andern vertraust, oder eines Andern dich freuest. Du sollst es vor ziehen, lieber die ganze Welt gegen dich zu haben, als Jesus zu beleidigen; von allen deinen Theuern sei Jesus dein vorzugsweise Geliebter. 4. Alle sollst du um Jesu willen, Jesus ober seiner selbst wegen lieben. Jesus allein soll eine besondere Liebe zugewendet werden; denn Er allein ist gut und treu; treuer als alle Freunde. Seinetwegen und in Jhm seien Freunde und Feinde dir theuer; und für alle diese mußt du bitten, daß Alle Ihn erkennen und lieben. Begehre niemals. ausschließlich gelobt und geliebt zu werden; denn dies kommt allein Gott zu, der seines Gleichen nicht hat. Wolle auch nicht, daß Jemand dich allein in seinem Herzen trage; auch darf dich die Liebe zu Jemanden nicht allein beschäftigen, sondern Jesus sei in dir und in jedem guten Menschen. 88 Zweites Buch. Achtes Kapitel. 5. Sei rein und frei in deinem Innern und laß dich nicht durch irgend ein Geschöpf reffeln. Du mußt dein Herz ledig und rein vor Gott bringen, wenn du Ruhe haben und verkosten willst, wie freundlich der Herr ist. Aber dahin kannst du wahrlich nicht gelangen, wenn nicht seine Gnade dir zuvorkommt und dich zu sich hinzieht, so daß du von allen andern Banden frei, nur mit Ihm vereinigt bist. Denn wenn die Gnade Gottes zu dem Menschen kommt, dann wird er stark zu Allem. Weicht sie von ihm, dann wird er arm und schwach und gleichsam nur der Geißel über lassen. Doch darf er dabei den Muth nicht: verlieren, darf nicht verzweifeln; er soll viel mehr nach dem Willen Gottes mit Gleichmuth dastehen. und Alles, was über ihn kommt, zur Ehre Jesu Christi dulden; denn auf den Winter folgt der Sommer, nach der Nacht tommt der Tag wieder, und auf das Unge witter folgt heiterer Himmel. Neuntes Kapitel. Von der Entbehrung alles Trostes. I. Es ist nicht schwer, menschlichen Trost verschmähen, wenn göttlicher da ist. Aber etwas Großes, ja sehr Großes ist es, sowohl des göttlichen als menschlichen Trostes Zweites Buch. Neuntes Kapitel 89 entbehren und um der Ehre Gottes willen gelaffen die Verbannung des Herzens ertra: gen, in keinem Dinge sich selbst suchen und nicht auf eigenes Verdienst zählen. Was ist's denn Großes, heiter und andächtig sein, wenn die Gnade kömmt? Dies ist jedem eine er: wünschte Stunde. Mit Lust wandelt der da hin, den die Gnade Gottes trägt. Und ist's wohl zu verwundern, wenn der keine Bürde fühlt, den der Allmächtige trägt und der Höchste führt? edict min ist au 2. Gern haben wir etwas zu unserm Troste und schwer fällt es dem Menschen, sich selbst zu verläugnen. Der heilige Blutzeuge Laurentius fammt seinem Priester besiegte die Welt, weil er Alles verachtete, was in der Welt reizend schien; ja aus Liebe zu Christus ertrug er auch geduldig, daß der Priester Gottes, Papst Sirtus, den er innigst liebte, ihm entrissen wurde. Aus Liebe zu Gott also überwand er die Liebe zu dem Menschen, und das Wohlgefallén Gottes galt ihm mehr, als menschlicher Trost. So lerne auch du aus Liebe zu Gott von einem Angehörigen und geliebten Freunde scheiden. Laß es dir auch nicht schwer fallen, wenn du von einem Freunde verlassen wirst; denn du weißt ja, daß wir uns einst Alle von einander trennen müssen. 3. Nur durch langen, fortgesepten, rastlosen Kampf mit sich selbst lernt der Mensch sich vollkommen überwinden und sein ganzes Verlangen auf Gott richten. So lange der Mensch 90 Zweites Buch. Neuntes Kapitel auf sich selbst baut, sucht er leicht menschliche Tröstungen. Wer aber Christus wahrhaft liebt und eifrig nach Tugend strebt, sucht keinen Trost, noch sinnliche Ergößung, sondern es ist ihm lieber, harte Prüfungen auszuhalten, und um Christi willen auch die schwersten Arbeiten zu übernehmen. 4. Sendet dir also Gott geistige Tröstungen, so nimm sie mit Dank an; betrachte sie aber als ein Geschenk Gottes, und nicht als dein Verdienst und erhebe dich deßhalb nicht. Freue dich nicht zu sehr, halte jede eitle Anmaßung fern von dir; sei des Gnadengeschenkes wegen um so demüthiger, vor sichtiger und besorglicher bei allen deinen Handlungen, denn diese Stunde wird vorübergehen und die Versuchung folgen. Wenn dann der Trost schwindet, darfst du nicht sogleich verzweifeln; sondern mußt in Demuth und mit Geduld der göttlichen Heimsuchung harren, denn Gott ist mächtig genug, dir reichlichern Trost und Gnade wiederzugeben. Das ist auch nichts Neues, noch Ungewöhnliches für jene, welche die Wege Gottes kennen; denn große Heilige und die alten Propheten erfuhren oft solchen Wechsel. 5. Daher sagte einer derselben, als ihn. die Gnade heimgesucht hatte:„ Ich sprach in meinem Ueberflusse, in Ewigkeit werde ich nicht wanken." Was er aber in sich selbst erfahren, da er der Gnadentröstung entbehrte, das fügte er hinzu mit den Worten: Du- Zweites Buch. Neuntes Kapitel. 91 hast dein Angesicht von mir gewendet und ich bin verwirrt worden. Dabei verzweifelt er jedoch keineswegs, sondern fleht dringender zum Herrn und spricht: Zu Dir, o Herr, will ich schreien und meinen Gott anflehen!" Endlich wird ihm die Frucht seines Gebetes zu Theil, und er bezeugt die Erhörung des selben mit den Worten:„ Gehört hat's der Herr und sich meiner erbarmt; der Herr ist mein Helfer geworden!" Aber worin? Meine Klagen," spricht er, hast Du in Jubel verwandelt und mich umgeben mit Wonne!"Ist dies so bei großen Heiligen geschehen, dann dürfen wir Schwache und Arme nicht verzweifeln, wenn wir uns bald eifrig, bald erkaltet sehen; denn der Geist kommt und geht nach seinem Wohlgefallen. Deshalb sagt der selige Job: Du suchest ihn am Morgen heim und prüfst ihn plößlich." 6. Worauf kann ich also hoffen und worauf soll ich vertrauen, als allein auf die große Barmherzigkeit Gottes, und auf die Erwartung der himmlischen Gnade? Denn möchten auch gute Menschen, andächtige Brüder und treue Freunde bei mir sein; möchten heilige Bücher, schöne Abhandlungen mir zu Gebote stehen, oder liebliche Gesänge und Hymnen mein Ohr erfüllen, so kann Alles das doch nur wenig mir helfen, nur wenig mir behagen, wenn ich von der Gnade verlassen und meiner eigenen Armuth preisgegeben bin. Dann aber ist kein Mittel besser, als Ge 92 Zweites Buch. Neuntes Kapitel. duld und Verläugnung meiner selbst mit Er gebung in den Willen Gottes. 7. Ich habe nie einen frommen und an dächtigen Menschen gefunden, der nicht zu wellen die Entziehung der Gnade oder die Abnahme seines Eifers verspürt hätte. Kein Heiliger war je jo hoch entzückt und erleuchtet, daß er nicht früher oder später wäre angefochten worden. Denn der ist einer hohen Anschauung Gottes nicht würdig, der nicht um Gottes willen in irgend einer Trübsal bewährt wurde. Die Versuchung pflegt immer das vorhergehende Zeichen des nachkommenden Trostes zu sein. Nur dem, der in der An fechtung bewährt ist, ist der himmlische Trost verheißen. Wer überwunden hat", sagt die Schrift, dem will Ich von dem Baume des Lebens zu essen geben." of agibi d 12 8. Der göttliche Trost wird aber dem Men fchen deßwegen zu Theil, daß er in Ertragung von Widerwärtigkeiten träftiger werde. Oft folgt auf den Trost eine neue Versuchung, damit er sich des Guten nicht überhebe. Der Versucher schläft nicht, die Sinnlichkeit ist noch nicht abgetödtet; deßwegen darfst du nicht unterlassen, dich zum Kampfe zu rüsten: denn zur Rechten und zur Linken sind Feinde, welche niemals ruhen. * 0 40 d bu g 216 m2 Zweites Buch. Zebntes Kapitel. 93 w med mor 20 am Behntes Kapitel. Von der Dankbarkeit für die Gnade Gottes. indigen 1. med sour Barum suchest du Ruhe, da du zur Arbeit geboren bist? Bereite dich mehr zur Geduld, als zum Empfange der Tröitungen, mehr zur Ertragung des Kreuzes, als zur Freude. Welcher Sterbliche sollte freilich nicht gern Trost und geistige Freude empfangen, wenn er sie nur immer erhalten könnte? Denn die geistigen Tröstungen übertreffen bei weitem alle Freuden der Welt und alle sinnlichen Genüsse. Denn alle Weltfreuden sind entweder eitel oder schändlich. Die geistigen Freuden allein sind edel, denn sie stammen aus der Tugend her und sind den reinen Seelen von Gott eingegosſen. Aber Niemand kann jener Tröstungen immer nach jeinem Wunsche genießen, weil die Stunde der Versuchung nicht lange ausbleibt. 2. Die falsche Freiheit des Geiftes und das zu große Vertrauen auf sich selbst widerstreiten vielfach der göttlichen Heimsuchung. Gott thut wohl, indem Er uns die Gnade des Trostes verleihet; aber der Mensch handelt übel, wenn er Gott nicht Alles durch Dankbarkeit gleichsam vergilt. Und darum können die Gaben der Gnade uns nicht zu 94 Zweites Buch. Zehntes Kapitel. strömen, weil wir undankbar gegen den Geber sind und nicht Alles auf die ursprüngliche Quelle zurückführen. Denn immer wird demjenigen, der auf würdige Weise dankt, Gnade verliehen, und von dem Hoffärtigen wird genommen, was dem Demüthigen gegeben zu werden pflegt. 3. Ich verlange teinen Trost, welcher mir die Zerknirschung des Herzens nimmt, auch strebe ich nicht nach jener Beschauung, die zum Hochmuth führt. Denn nicht alles Hohe ist heilig, nicht alles Angenehme gut, nicht jedes Verlangen rein, nicht Alles, was man liebt, Gott wohlgefällig. Gern nehme ich die Gnade an, durch die ich demüthiger und sorgfältiger werde und die mich zur Selbstberläugnung bereitwilliger macht. Wer durch die Gabe der Gnade belehrt, und durch deren Entziehung unterrichtet ist, der wird es nicht bagen, sich selbst etwas Gutes zuzuschreiben; er wird vielmehr bekennen, daß er arm und bloß ist. Gib Gott, was Gottes ist. und schreibe dir zu, was dein ist, das heißt: sage Gott Dank für seine Gnade, und sei überzeugt, daß dein nur die Schuld ist und die dafür verdiente Strafe. 4. Stelle dich immer unten an, und es wird dir das Höchste gegeben werden, denn das Höchste ist nicht ohne das Niedrigste. Die in den Augen Gottes am heiligsten sind, sind es in ihren eigenen am wenigsten, und je größer ihr Ruhm, desto demüthiger sind sie. 95 Zweites Buch. Zehntes Kapitel. Erfüllt von Wahrheit und dem himmlischen Ruhme, sind sie nicht begierig nach eitler Ehre. In Gott gegründet und gestärkt, fönnen sie nicht stolz sein. Und sie, welche alles Gute, was sie immer empfangen haben, Gott zuschreiben, suchen feinen Ruhm bei Menschen, sondern verlangen nur nach jenem Ruhme, der allein von Gott kommt; sie wünschen sehnlichst, daß Gott in ihnen und in allen Heiligen gepriesen werde, und streben stets darnach. 5. Sei also für das Geringste dankbar, und du wirst würdig werden, Größeres zu empfangen. Das Geringste gelte dir auch für das Größte, und das wenig Geachtete für eine besondere Gabe. Wenn du die Würde des Gebers in's Auge fassest, so wirst du feine Gabe für klein, oder gering halten. Denn nichts ist flein, was der höchste Gott uns schenkt. Und selbst, wenn Er Strafe und Züchtigung über dich verhängt, müssen sie dir angenehm sein; weil Er Alles zu unferm Heile dienen läßt, was Er uns zuschidt. Wer die Gnade Gottes zu bewahren wünscht, sei dankbar, wenn sie ihm gegeben, gedul. dig, wenn sie ihm entzogen wird. Er bete, daß sie wiederkehre, er sei vorsichtig und demüthig, daß er sie nicht verliere. Zweites Buch. Eilftes Kapitel. 96 bum Silffes Kapitel. D Vonder geringen Anzahl der Freunde. des Kreuzes Christi. 1. Bejus hat jest viele Freunde seines himmgelischen Reiches, aber wenige Träger seines Kreuzes. Er hat Viele, die nach Trost, aber Wenige, die nach Trübsal verlangen. Er findet mehrere Genossen seines Tisches, aber wenige seiner Entsagung. Alle wollen sich mit Ihm freuen, Wenige aber etwas für 3hn leiden. Viele folgen Jesu bis zur Brechung des Brodes, aber Wenige bis zum Trinken seines Leidenstelches. Viele verehren seine Wunder, Wenige folgen Ihm bis zur Schmach des Kreuzes. Viele lieben Jesus, so lange sie nichts Widriges trifft. Viele loben und preisen Ihn, so lange sie Tröstungen von Ihm empfangen. Sobald sich aber Jesus perbirgt, und sie nur eine kurze Zeit allein läßt, so brechen sie in Klagen aus, oder verlieren gar allen Muth. 2. Die aber Jesus um Jesus Selbſt willen und nicht bloß ihres Trostes halber lieben, diese preisen Ihn in jeder Trübsal und Angst ihres Herzens eben so, wie in den Stunden der höchsten Tröstung. Und wenn Er ihnen auch niemals Trost gäbe, so würden sie Ihn doch immer preisen, und immer fort Ihm Dank sagen wollen. Zweites Buch. Eilftes Kapitel. 97 3. O wie viel vermag doch die reine Liebe zu Jesus, die von allem Eigennuß und aller Eigenliebe frei ist! Sind sie nicht alle Miethlinge zu nennen, die immer nur getröstet ſein wollen? Ist es nicht offenbar, daß diejenigen mehr sich selbst als Christus lieben, welche immer nur auf Vortheil und Gewinn denken? Wo fände man wohl einen Solchen, welcher Gott ohne Lohn dienen möchte? 4. Selten findet sich ein so geistiger Mensch, der sich von allem Jrdischen losgerissen hätte. Denn wer kann den finden, der wahrhaft arm im Geiste, und von jeder Anhänglichkeit an Geschöpfe frei ist? Sein Werth ist wie Dinge, die weit herkommen, von den äußersten Gränzen. Wenn der Mensch auch all' sein Hab und Gut hingäbe, so wäre es doch noch nichts; und wenn er noch so ernstlich Buße thäte, so wäre es doch ein Geringes. Und hätte er alle Kenntniß erlangt, so würde er doch noch weit von seinem Ziele entfernt sein. Und wie groß auch seine Tugend, und wie heiß seine Andacht wäre, so würde ihm doch noch viel fehlen: das Eine nämlich, was ihm am meisten Noth thut. Und was ist dieses? Daß er, nachdem er Alles verlassen hat, sich selbst verlasse, gänzlich aus sich selbst herausgehe, nichts von seiner Eigenliebe behalte; und nachdem er Alles gethan hat, was er für seine Pflicht erachtete, nichts gethan zu haben meine. 5. Er schlage nichts zu hoch an, was Nachfolge Chrifti. 7 98 Zweites Buch. Zwölftes Kapitel. etwa für groß erachtet werden könnte, son dern nenne sich wirklich einen unnüßen Knecht, wie die ewige Wahrheit spricht:„ Wenn ihr Alles gethan habt, was euch geboten ist, so sprechet: wir sind unnüße Knechte!" Dann wird er wahrhaft abgeschieden und arm im Geiste sein, und mit dem Propheten sagen können: Einsam bin ich und arm." Den: noch ist Niemand reicher, Niemand mächtiger, Niemand freier, als er, der sich und Alles zu verlassen, und sich am tiefsten zu erniedrigen weiß. - Zwölftes Kapitel. Von dem königlichen Wege des hei ligen Kreuzes. 1. Vielen scheint der Ausspruch Jesu hart: Verläugne dich selbst, nimm dein Kreuz auf dich und folge Mir nach!" Aber viel härter wird es sein, jenes legte Wort zu hören: Hinweg von Mir, ihr Vermaledeiten, in das ewige Feuer!" Denn Diejenigen, die jetzt das Wort vom Kreuze gern hören und befolgen, werden sich dann bei Anhörung des ewigen Richterspruches nicht. fürchten. Dieses Zeichen des Kreuzes wird am Himmel erscheinen, wann der Herr kommen wird zu richten. Dann werden alle Die Zweites Buch. Zwölftes Kapitel. 99 ner des Kreuzes, die sich im Leben dem Gefreuzigten gleichförmig gemacht haben, zu Christus, dem Richter, hinzutreten mit großer Zuversicht. 2. Was fürchtest du dich also, das Kreuz auf dich zu nehmen, durch welches du in das Himmelreich eingehest? Im Kreuze ist Heil, im Kreuze Leben, im Kreuze Schuß vor den Feinden; im Kreuze ist die Fülle der himmlis schen Lieblichkeit; im Kreuze Stärkung des Gemüthes; im Kreuze Freude des Geistes; im Kreuze der Inbegriff der Tugend, im Kreuze ist die Vollendung der Heiligkeit. Es gibt tein Heil für die Seele, teine Hoffnung zum ewigen Leben als im Kreuze. Nimm also dein Kreuz auf dich und folge Jesu nach, und du wirst zum ewigen Leben gelangen. Er ging dir voran sein Kreuz tragend, und starb für dich am Kreuze, damit auch du dein Kreuz tragest, und dich sehnest, am Kreuze zu sterben. Denn wenn du mit Ihm gestorben bist, wirst du auch mit Ihm leben: Und warst du Genosse seines Leidens, so wirst du auch Genosse seiner Herrlichkeit sein. 3. Sieh, im Kreuze beruht Alles, und am Sterben ist Alles gelegen; und es gibt keinen andern Weg zum Leben und zum wah ren innern Frieden, als der Weg des heili gen Kreuzes und der täglichen Abtödtung Wandle, wohin du willst, suche, was du immer wünschest, und du wirst weder oben einen höhern, noch unten einen sicherern Weg 100 Zweites Buch. Zwölftes Kapitel. finden, als den Weg des heiligen Kreuzes. Füge und ordne Alles nach deinem Gefallen und Gutdünken, und du wirst finden, daß du immer etwas leiden mußt, es sei nun freiwillig oder unfreiwillig; und so wirst du allenthalben das Kreuz finden. Denn entweder wirst du körperlichen Schmerz empfinden, oder Seelenleiden zu tragen haben. 4. Bisweilen wirst du von Gott verlassen, bisweilen von deinem Nächsten beleidigt, und was noch härter ist, bisweilen bist du dir selbst zur Last. Dennoch kann dir nicht leicht durch ein Mittel geholfen, durch einen Trost die Last erleichtert werden, sondern du mußt tragen, so lange es Gott gefällt. Denn es ist eben der Wille Gottes, daß du die Trübsal ohne Trost erdulden lernest, damit du dich 3hm gänzlich unterwerfest und durch Trübsal demüthiger werdest. Niemand empfindet das Leiden Christi so innig, als der, welchem Aehnliches zu leiden beschieden ist. Das Kreuz ist demnach immer bereitet, und überall erwartet es dich. Du kannst ihm nicht entfliehen, wohin du auch gehen mögest; weil du überall, wohin du immer kommst, dich selbst mitbringst, und dich immer selbst wiederfindest. Wende dich nach oben, wende dich nach unten; wende dich nach Außen, wende dich nach deinem Innern hin; überall wirst du das Kreuz finden, und überall mußt du dich in Geduld ergeben, wenn du Frieden mit dir selbst haben, und die ewige Krone verdienen willst. Zweites Buch. Zwölftez Kapitel 102 5. Trägst du dein Kreuz gern; so wird es auch dich tragen, und zum ersehnten Ziele dich führen, wo alle Leiden aufhören werden. Trägst du es ungern, so machst du dir eine Last und beschwerest dich noch mehr, und gleichwohl mußt du es tragen. Wirfst du ein Kreuz ab, so wirst du ohne Zweifel ein an: deres finden, und vielleicht ein noch schwereres. 6. Glaubst du dem zu entrinnen, dem noch kein Sterblicher hat ausweichen können? Welcher von den Heiligen war auf der Welt ohne Kreuz und Trübsal? Ist doch unser Herr Jesus Christus Selbst, so lange Er lebte, feine Stunde ohne Leiden gewesen. , Christus mußte leiden und von den Todten auferstehen und so in seine Herrlichkeit eingehen." Und wie suchst du denn einen andern Weg, als diesen töniglichen- den Weg des heiligen Kreuzes? 7. Das ganze Leben Christi war nichts als Kreuz und Marter, und du suchest für dich Ruh und Freude? Du irrest, ja du irrest, wenn du was Anderes suchest, als Trübsal zu leiden; denn das ganze sterbliche Leben ist voll von Drangsalen, und ringsumher mit Kreuzen bezeichnet. Und je weiter Einer im Geistesleben vorangeschritten ist, desto schwereres Kreuz findet er oft, weil der Schmerz seiner Verbannung durch die Liebe noch gesteigert wird. 8. Gleichwohl ist dieser so vielfach Bedrängte nicht ohne lindernden Trost; weil er 102 Zweites Buch. Zwölftes Kapitel. weiß, daß das geduldige Ertragen des Kreuzes ihm den größten Nußen bringt. Denn, indem er sich freiwillig demselben unterwirft, verwandelt sich die ganze Last seiner Bedrängnisse in Vertrauen auf den göttlichen Trost; und je mehr das Fleisch durch Trübsal zermalmt wird, desto mehr erstarket der Geist durch die innerliche Gnade. Ja, das aus der Liebe, mit welcher er dem Kreuze Christi gleichförmig werden möchte, entspringende Verlangen nach Trübsal und Widerwärtigkeit stärkt ihn bisweilen so sehr, daß er nicht ohne Schmerz und Trübsal sein möchte, indem er überzeugt ist, Gott um desto wohlgefälliger zu sein, je mehr und Schwereres er für Ihn erduldet. Es ist aber nicht die Kraft des Menschen, sondern die Gnade Christi, welche in dem schwachen Fleische so Vieles zu wirken vermag, daß es dasjenige mit Eifer des Geistes erfaßt und liebt, was es seiner Natur nach verabscheut und flieht. 9. Es ist nicht des sinnlichen Menschen Sache, das Kreuz tragen, das Kreuz lieben, das Fleisch bezähmen und unterwürfig machen, Ehrenämter fliehen, gern Schmach ertragen, sich selbst gering schäßen und wünschen, von Anderen gering geschätzt zu werden, alle Widerwärtigkeiten und Verluste geduldig hinneh men und sich nach feinem irdischen Glücke jehnen. Betrachte dich nur selbst, nichts von diesem vermagst du von dir selbst. Vertraueſt du aber auf den Herrn, so wird dir Kraft Zweites Buch. Zwölftes Kapitel. 103 vom Himmel gegeben und Welt und Fleisch deiner Herrschaft unterworfen werden. Ja, selbst den Teufel, den Feind aller Tugend, hast du nicht zu fürchten, wenn du mit dem Glauben gewaffnet und mit dem Kreuzé Chrifti bezeichnet bist. 10. Mache dich also wie ein guter und treuer Diener Christi bereit, heldenmüthig das Kreuz deines Herrn zu tragen, der sich aus Liebe zu dir freuzigen ließ. Schicke dich an, die vielen Widerwärtigkeiten und mannig faltigen Unbequemlichkeiten dieses Lebens zu ertragen; denn diese werden dich treffen, wo du auch bist; du wirst sie in Wahrheit überall finden, wohin du dich verbirgst. Es muß so sein und es gibt kein Mittel, dem Drucke der Leiden und dem Schmerze zu entgehen, als daß du dich geduldig hingibst. Trinke den Kelch des Herrn mit Lust, wenn du sein Freund sein und Theil an Ihm haben willst. Ueberlasse es Gott, ob und wie Er dich trö sten will; Er mache es, wie es Ihm wohlge fällt. Du aber bereite dich, Trübsale zu erdulden und halte diese für die größten Trö stungen; denn die Leiden dieser Zeit sind nicht zu vergleichen mit der zukünftigen Herrlichkeit, die an uns offenbar werden wird;" selbst wenn du allein sie alle ertragen könnteſt. 11. Wenn du es dahin gebracht haſt, daß die Trübsal dir lieb ist und dir um Christi willen wohl gefällt, dann darfst du glauben, es stehe gut mit dir, weil du dann den Him 104 Zweites Buch. Zwölftes Kapitel. mel auf Erden gefunden hast. So lange es dir aber schwer wird zu leiden; und du zu entfliehen suchst, so lange wird es übel mit dir stehen und die nacheilende Trübsal wird dich überall hin verfolgen. 12. Bereitest du dich vor auf das, was sein muß, nämlich auf das Leiden und Sterben, so wird es bald besser werden und du wirst Frieden finden. Auch wenn du wie Paulus bis in den dritten Himmel entzückt würdest, so wärest du deßhalb doch noch nicht gesichert gegen jede Widerwärtigkeit. Jesus spricht: „ Ich will ihm zeigen, wie viel er um meines Namens willen leiden muß." Es bleibt dir also nur übrig zu leiden, wenn du Jesus lieben und immerfort Ihm dienen willst. 13. O daß du doch würdig wärest, etwas um des Namens Jesu willen zu leiden! Welch' große Herrlichkeit würde deiner warten, welcher Jubel für alle Heiligen Gottes würde es sein, welch' große Erbauung auch für den Nächsten! Denn die Geduld empfehlen Alle, wenn gleich nur Wenige leiden wollen. Und billig solltest du gern etwas für Christus lei den, da so viele weit Schwereres leiden für die Welt. 14. Das halte für sicher und gewiß, daß du, während du lebst, fortwährend sterben mußt. Und jemehr Jemand sich selbst abstirbt, desto mehr fängt er an, Gott zu leben. Niemand ist fähig, himmlische Dinge zu begreifen, wenn er nicht um Christi willen dem Leiden Zweites Buch. Zwölftes Kapitel. 105 sich unterwirft. Nichts ist Gott angenehmer und nichts dir heilsamer in dieser Welt, als gerne für Christus leiden. Und könntest du wählen, müßtest du eher wünschen, für Christus Widerwärtigkeiten zu leiden, als mit vielen Tröstungen erquickt zu werden, weil du auf diese Weise Christus ähnlicher und allen Heiligen gleichförmiger würdest. Denn unser Verdienst und unsre Vervollkommnung bestehen nicht in vielen Annehmlichkeiten und Tröstungen, sondern vielmehr in Ertragung großer Beschwernisse und Trübjale. 15. Wenn es für das Heil der Menschen etwas Besseres und Nüßlicheres gegeben hätte, als das Leiden, so hätte Christus es sicher durch Worte und Beispiele gelehrt. Dagegen ermahnt Er selbst seine Jünger und Alle, die Ihm nachfolgen wollen, ausdrücklich zur Er tragung des Kreuzes und spricht:„ So Jemand Mir nachfolgen will, der verläugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge Mir nach!" Haben wir dies Alles durchle sen und durchbetrachtet, so sei der Schluß: Wir müssen durch viele Trübsale in das Reich Gottes eingehen" m Drittes Buch. Vom innerlichen Troste. Erstes Kapitel. Von dem innerlichen Zuspruche Christi an die gläubige Seele. 1. ch will hören, was Gott der Herr in mir spricht. Glücklich die Seele, die den Herrn in sich reden hört und aus seinem Munde das Wort des Trostes empfängt. Glücklich das Ohr, das den leisen Hauch der göttlichen Stimme aufnimmt und sich von den Einflüsterungen der Welt wegwendet. Selig das Ohr, das nicht der Stimme, die von außen ertönt, sondern der innern Stimme der Wahrheit Gehör gibt. Selig das Auge, das für das Neußere verschlossen und nur auf das Innere gerichtet ist. Selig diejenigen, die ihr Herz zu erkennen streben und durch tägliche Üebung die hinimlischen Er ward von Gott und Menschen geliebt, sein Andenken bleibt im Segen. Drittes Buch. Zweites Kapitel. 107 Geheimnisse immer mehr zu erfassen suchen. Selig, die sich Gott ergeben, und aller Hindernisse, welche die Welt ihnen legt, sich zu entschlagen bemüht sind. Achte hierauf, meine Seele, und verschließe die Pforten deiner Sinnlichkeit, damit du hören mögest, was der Herr, dein Gott in dir spricht. 2. Also redet dein Geliebter zu dir: Ich bin dein Heil, dein Friede und dein Leben. Halte dich an Mich, und du wirst Frieden finden. Entsage allem Vergänglichen und suche das Ewige. Was ist alles Irdische anders, als verführerisch? Und was helfen dir alle Geschöpfe, wenn du vom Schöpfer verlassen bist? Darum sage dich von Allem los und gib dich freudig und treu deinem Schöpfer hin, damit du die wahre Seligkeit erringen mögest! Zweites Kapitel. Die Wahrheit redet in uns ohne Wortgeräusch. 1. Rede, Herr, denn dein Knecht höret. Dein Knecht bin ich, gib mir Verstand, daß ich deine Zeugnisse erkenne. Neige mein Herz zu den Worten deines Mundes; es fließe wie Thau deine Rede. Einst sprachen die Kinder Israels zu Moses: Rede du mit uns, und wir wollen hören. Nicht rede der 1 108 Drittes Buch. Zweites Kapitel. Herr zu uns, wir möchten sonst sterben." Nicht also, Herr, nicht also bitte ich; sondern mit dem Propheten Samuel flehe ich voll Demuth und Sehnsucht: Rede, Herr, denn dein Knecht höret!" Nicht Moses rede zu mir oder einer der Propheten; sondern Du vielmehr rede, Herr, mein Gott, der Du erleuchtest und begeisterst alle Propheten; denn Du allein kannst ohne sie mich vollkommen unterrichten; Jene aber vermögen ohne Dich nichts. 2. Sie können zwar Worte ertönen lassen, geben aber den Geist nicht. Schön reden sie, aber wenn Du schweigst, entzünden sie das Herz nicht. Buchstaben überliefern sie, aber den Sinn derselben eröffnest Du. Geheimnisse tragen sie vor, Du aber erschließest das Verständniß des Bezeichneten. Gebote machen sie bekannt, Du aber hilfft sie vollbringen. Den Weg zeigen sie, Du aber gibst Kraft, ihn zu wandeln. Sie wirken nur von außen, Du aber unterweisest und erleuchtest die Herzen. Sie bewässern, Du aber gibst die Fruchtbarkeit. Sie rufen zu den Ohren, Du aber gibst dem Gehör das Verstehen. 3. Also nicht Moses rede zu mir, sondern Du Herr, mein Gott, ewige Wahrheit, daß ich nicht etwa sterbe und ohne Frucht bleibe, wenn ich nur von außen ermahnt und im Herzen nicht entzündet würde; damit das Wort, das ich gehört, aber nicht vollbracht; erkannt, aber nicht geliebt; geglaubt, aber nicht gehalten habe, mir nicht zum Gerichte Drittes Buch. Drittes Kapitel. 109 werde.„ Rede also, Herr, dein Knecht höret; denn Du haft Worte des ewigen Lebens." Rede mit mir zu einigem Troste meiner Seele, zur Besserung meines ganzen Lebens, Dir aber zu Lob und Preis und ewiger Ehre. Drittes Kapitel. Das Wort Gottes soll mit Demuth gehört werden; aber Viele beachten es nicht. 1. ein Sohn, höre meine Worte, liebliche Worte, welche die Wissenschaft aller Gelehrten und Weisen dieser Welt übertreffen. Meine Worte sind Geist und Leben," und dürfen nicht nach menschlicher Einsicht beurtheilt werden. Sie dürfen auch nicht nach eitelm Wohlgefallen geschätzt werden, sondern sind in tiefer Stille des Geistes anzuhören und mit aller Demuth und inbrünstiger Liebe aufzunehmen. 2. Und ich sagte:, Selig der Mensch, den Du unterweisest, o Herr! und in deinem Geset unterrichtest, damit Du in bösen Tagen ihm Linderung gewährest" und er nicht trostlos werde auf Erden. 3. Jch, spricht der Herr, habe von Anfang an die Propheten gelehrt und bis auf diese Stunde lasse Ich nicht ab, zu Allen zu reden; 110 Drittes Buch. Drittes Kapitel. aber Viele sind gegen meine Worte taub und hartherzig. Manche hören lieber die Welt, als Gott; richten sich eher nach den Gelüsten ihres Fleisches, als nach dem Wohlgefallen Gottes. Die Welt verspricht Zeitliches und Geringes, und man dient ihr mit großer Begierde; Ich verspreche das Höchste und Ewiges, und die Herzen der Sterblichen bleiben fühllos. Wer dient und gehorcht Mir in Allem mit solcher Sorgfalt, wie der Welt und ihren Herrschern gedient wird? Erröthe, Sidon! ruft das Meer. Fragst du warum? so höre: Wegen eines wenig einträglichen Amtes macht man einen langen Weg, aber des ewigen Lebens halber heben Viele kaum den Fuß von der Erde. Man strebt einem schlechten Gewinne nach; man zankt sich bisweilen auf schändliche Weise wegen eines einzigen Geldstückes und mühet sich für eine nichtige Sache, für ein unbedeutendes Versprechen Tag und Nacht ab. 4. Aber, o Schande, für ein unveränderliches Gut, für eine unschäßbare Belohnung, für die höchste Ehre und für unendlichen. Ruhm sich auch nur das Geringste zu bemühen, ist man zu träge. Erröthe also, fauler und mürrischer Knecht, daß Jene thätiger sind zu ihrem Verderben, als du zum Leben. Jene haben größere Freude an der Eitelkeit, als du an der Wahrheit. Jene sehen sich oft in ihrer Hoffnung getäuscht, meine Verheißung aber trügt Niemanden und keiner, Drittes Buch. Drittes Kapitel. 111 der Mir vertraut, geht leer aus. Was Ich versprochen, das werde Ich geben; was Ich zugesagt, werde Ich erfüllen, wenn du nur bis an's Ende in der Liebe zu Mir treu bleibst. Ich belohne alle Guten und prüfe genau alle Frommen. 5. Schreibe meine Worte in dein Herz, und erwäge sie fleißig; denn zur Zeit der Prüfung werden sie dir sehr nöthig sein. Was du nicht verstehest, wenn du es liesest, das wirst du am Tage der Heimsuchung verstehen. Auf zweierlei Weise pflege Ich meine Erwählten heimzusuchen, durch Prüfungen und durch Trost; und zweimal des Tages unterrichteJch sie: einmal, indem Jch sie für ihre Fehler züchtige, dann, daß Ich sie zum Fortschreiten in der Tugend ermahne. Wer mein Wort hört und es verachtet, der hat auch schon seinen Richter am jüngsten Tage. Gebet um die Gabe der Andacht. 6. Herr, mein Gott! Du bist mein Alles, und wer bin ich, daß ich mich erkühne, mit Dir zu reden? Ich bin dein ärmster Knecht, ein elender Erdenwurm, viel ärmer und verächtlicher, als ich erkenne und zu sagen wage. Gedenke doch, o Herr, daß ich nichts bin, nichts habe und nichts vermag. Du allein bist gut, gerecht und heilig; Du vermagst Alles, gibst Alles, erfüllst Alles; nur die Sünder läsfest Du leer. Gedenke deiner Er 112 Drittes Buch. Viertes Kapitel. barmungen und erfülle mein Herz mit deiner Gnade, der Du nicht willst, daß deine Werke fruchtlos bleiben. 7. Wie könnte ich in diesem armseligen Leben es aushalten, wenn nicht deine Barmherzigkeit und Gnade mich stärkten? Wende dein Angesicht nicht von mir weg, zögere nicht mit deiner Heimsuchung! Entziehe mir deine Tröstungen nicht, damit meine Seele nicht vor Dir werde wie Erdreich ohne Wasser. Herr, lehre mich deinen Willen erfüllen, lehre mich würdig und demüthig vor Dir wandeln, denn Du bist meine Weisheit; Du kennst mich in Wahrheit, und erkanntest mich, ehe die Welt war, und bevor ich selbst in der Welt geboren wurde. Viertes Kapitel. Wir sollen in Wahrheit und Demuth vor Gott wandeln. 1. Mein Sohn, wandle vor Mir in Wahrheit, und suche Mich stets in Einfalt deines Herzens. Wer vor Mir in Wahrheit wandelt, der ist geschüßt gegen böse Anfälle, und die Wahrheit wird ihn von den Verführern und von den Lästerungen der Gott losen frei machen. Wenn die Wahrheit dich frei gemacht hat, wirst du wahrhaft frei sein Drittes Buch. Viertes Kapitel. 113 und dich nicht kümmern um das eitle Geschwäß der Menschen. 2. Herr! dein Wort ist wahr, mir geschehe also, wie Du sagst. Deine Wahrheit lehre mich, sie beschüße und erhalte mich bis an das felige Ende. Sie befreie mich von jeder bösen Begierde und unordentlichen Liebe, und ich werde mit Dir wandeln in großer Freiheit des Herzens. 3. Ich will dich lehren, spricht die Wahe heit, was recht und Mir wohlgefällig ist. Ge dente deiner Sünden mit großem Mißfallen und bitterer Reue, und nimmer glaube, du seiest etwas um deiner guten Werte willen. Du bist in Wahrheit ein Sünder, vielen Leidenschaften unterworfen und durch sie verwickelt. Aus dir selbst trachtest du immer nach dem Nichtigen, du fällst schnell, du wirst leicht überwunden, schnell verwirrt und zerstreuet. Du hast Nichts, dessen du dich rühmen dürftest; aber Vieles, dessen du dich schämen solltest, weil du viel schwächer bist, als du zu begreifen vermagst. 4. Halte also von Allem, was du thust, nichts für groß, nichts für herrlich, nichts für kostbar, nichts für wunderbar, nichts für achtenswerth; denn nichts ist hoch, nichts wahrhaft Lobens- und wünschenswerth, als was ewig ist. Ueber Alles gefalle dir die Wahrheit, immer dagegen mißfalle dir deine große Mangelhaftigkeit. Nichts fürchte, nichts table, nichts fliehe so sehr, als deine Fehler 8 114 Drittes Buch). Viertes Kapitel. und Sünden, welche dir bei weitem mehr mißfallen sollen, als jeder zeitliche Verlurst. Manche wandeln nicht aufrichtig vor Mir, sondern sie wollen aus Neugierde und Anmaßung meine Geheimnisse wissen, und die Tiefen der Gottheit ergründen, während sie sich und ihr ewiges Heil vernachläßigen. Diese fallen wegen ihres Stolzes und Vorwißes oft in große Versuchungen und Sünden, weil Ich ihnen entgegen bin. 5. Fürchte die Gerichte Gottes; zittere vor dem Zorne des Allmächtigen. Maße dir aber fein Urtheil über die Werke des Höchsten an, sondern erforsche deine Missethaten, und beherzige, in wie Vielem du dich verfehlt und wie viel Gutes du versäumt hast. Manche tragen ihre Andacht blos in Büchern, Andere in Bildern und wieder Andere in äußerlichen Zeichen. Manche haben mich oft im Munde, aber jelten im Herzen. Es gibt dagegen Andere, deren Verstand erleuchtet ist, deren Netgungen geläutert sind, und die immerfort nach dem Ewigen trachten; ungern hören sie vom Irdischen reden, mit Widerwillen geben sie den Forderungen der Natur nach, und diese vernehmen es, was der Geist in ihnen spricht; denn er lehret sie, das Irdische verschmähen und das Himmlische lieben, das Weltliche bet Seite seßen, und Tag und Nacht nach dem Himmlischen verlangen. Drittes Buch. Fünstes Kapitel. 115 Fünftes Kapitel. Von der wunderbaren Wirkung der göttlichen Liebe. 1. ch preise Dich, himmlischer Vater, Vater gemeines Herrn Jesu Christi, daß Du mich Armen würdigest, meiner zu gedenken. D Vater der Barmherzigkeit, Gott alles Trostes, ich danke Dir, daß Du mich, der ich deines Trostes unwürdig bin, so oft mit deiner Heimsuchung erfreuest! Ich preise Dich immerdar und lobe Dich mit deinem eingebornen Sohne, und dem heiligen Geiste, dem Tröster, in alle Ewigkeiten. Ja, mein Herr und mein Gott, Du reinster Bräutigam meiner Seele! wenn Du in mein Herz kommst, wird mein Innerstes frohlocken. Du bist mein Ruhm und die Freude meines Herzens. Du bist meine Hoff nung und meine Zuflucht am Tage der Trübsal. 2. Aber weil ich noch schwach in der Liebe und unvollkommen in der Tugend bin, so bedarf ich deiner Stärkung und deiner Tröstung. Suche mich deßhalb öfters heim und unterrichte mich in deinem heiligen Geseße. Befreie mich von allen Leidenschaften und heile mein Herz von allen unordentlichen Neigungen, damit ich, innerlich genesen und gereinigt, fähig werde zum Lieben, stark zum Dulden und standhaft zum Ausharren. 116 Drittes Buch. Funftes Kapitel. 3. Etwas Hohes ist die Liebe und wahr haft ein großes Gut, weil sie allein das Schwere leicht macht, und alles Widrige mit Gleichmuth erduldet. Sie trägt die Last ohne Beschwerde, und macht alles Bittere süß und wohlschmeckend. Die edle Liebe zu Jesus treibt zu großen Werken an und weckt das Verlangen nach immer größerer Vollkommen heit. Die Liebe strebt hinauf und will durch nichts Niederes aufgehalten sein. Die Liebe will frei und von jeder weltlichen Neigung entfernt sein, damit ihr Blick nach Innen nicht gehindert, damit sie durch zeitlichen Vortheil nicht aufgehalten und durch keinen Nach theil niedergeschlagen werde. Nichts ist süßer, nichts stärker, nichts erhabener, nichts umfaffender, nichts angenehmer, nichts vollkommener und besser im Himmel und auf Erden, als die Liebe, weil sie aus Gott geboren ist, und, über alles Geschaffene sich empor schwingend, nur in Gott ruhen kann. 4. Der Liebende fliegt, läuft, freut sich, ist frei und wird durch nichts aufgehalten. Er gibt Alles für Alles und hat Alles in Allem, weil er in dem einen Höchsten ruht, das Alles übertrifft, und aus welchem jedes Gute fließt und hervorgeht. Er sieht nicht auf die Gaben, sondern wendet sich zu dem Geber, der ihm höher gilt, als alle Güter. Die Liebe tennt oft kein Maß, sie entbrennt über alles Maß. Die Liebe fühlt keine Laſt, achtet keine Mühe; sie will mehr, als sie ver Drittes Buch. Fünftes Kapitel. 117 mag; flagt nicht über Unmöglichkeit, denn sie vermeint, Alles zu können und zu dürfen. Sie ist darum zu Allem tüchtig, erfüllt Vieles und erzwingt den Erfolg, während der Nichtliebende kraftlos wird und erliegt. 5. Die Liebe wacht, und selbst schlafend wird sie nicht schläfrig. Erschöpft wird sie nicht müde, gedrückt nicht unterdrüdt, geschredt nicht bestürzt, sondern gleich einer lebendigen Flamme und brennenden Fackel bricht sie empor und dringt sicher hindurch. Wer da liebt, weiß, was diese Stimme ruft; denn ein lauter Ruf in den Ohren Gottes ist das heiße Verlangen der Seele, welche spricht:„ Mein Gott, meine Liebe, Du bist ganz mein und ich ganz Dein!" 6. Erweitere mich in der Liebe, auf daß ich im Innern meines Herzens verkosten lerne, wie süß es sei, zu lieben und in der Liebe zu schwimmen und zu vergehen. Möge die Liebe mich hinreißen und mich über mich selbst in übergroßem Eifer und Entzücken erheben! Singen laß mich den Gesang der Liebe; ich will Dir folgen, mein Geliebter, hoch hinauf; meine Seele löse sich auf in deinem Lobe, jubelnd vor Liebe. Ich will Dich lieben, mehr als mich selbst, und mich nur um Deinetwillen, und Alle in Dir, welche Dich wahrs haft lieben, so wie es das Geseß der Liebe befiehlt, das aus Dir hervorleuchtet. 7. Die Liebe ist schnell, aufrichtig, fromm, angenehm und lieblich, stark, geduldig, getreu, 118 Drittes Buch. Sechstes Kapitel. flug, langmüthig, fest, und sucht niemals sich selbst. Denn wenn Jemand sich selbst sucht, so fällt er darin von der Liebe ab. Die Liebe ist vorsichtig, demüthig und gerade; nicht weichlich, nicht leichtfertig und nicht auf eitle Dinge gerichtet, mäßig, keusch, beständig, ruhig und bewacht alle Sinne. Die Liebe ist unterwürfig und gehorsam gegen die Vorgeseßten, in ihren eigenen Augen gering und be scheiden, andächtig in Gott und dankbar, Jhm vertrauend und auf Ihn hoffend, auch wenn sich Gott ihr entzieht, weil Niemand ohne Schmerz in der Liebe lebt. 8. Wer nicht bereit ist, Alles zu ertragen und sich in den Willen des Geliebten zu ergeben, der ist noch nicht würdig, ein Liebender zu heißen. Ein wahrhaft Liebender muß alles Harte und Bittere um des Geliebten willen gern auf sich nehmen und darf widriger Zufälle wegen nicht von ihm abfallen. Sechstes Kapitel. Von der Bewährung des wahrhaft Liebenden. 1. Mein ein Sohn, du bist noch nicht fest und gotlug in der Liebe. 2. Warum nicht, o Herr? 3. Weil du dich durch ein geringes HinYOURLARSANTAN Drittes Buch. Sechstes Kapitel. 119 derniß von deinen Entschlüssen abbringen las fest, und zu begierig nach Trost haschest. Wer in der Liebe fest ist, fällt nicht in den Versuchungen und glaubt nicht den listigen Vorspiegelungen des Feindes. Wie Jch ihm im Glück gefalle, so mißfalle Ich ihm auch im Unglücke nicht. ten vor. 4. Wer flug liebt, sieht nicht sowohl auf die Gabe des Liebenden, als auf die Liebe des Gebenden. Er achtet mehr auf das Wohlwollen des Gebenden, als auf den Werth der Gabe, und allen Gaben zieht er den GeliebEin edler Liebender bleibt also nicht bei der Gabe stehen, sondern setzt Mich über alle Gaben. Darum ist nicht Alles verloren, wenn du irgend einmal von Mir oder von meinen Heiligen nicht so denkst, wie du gern möchtest. Jene heilige und süße Empfindung, die du bisweilen in dir wahrnimmst, ist die Wirkung der gegenwärtigen Gnade und gleichsam ein Vorgeschmack des himmlischen Vaterlandes; aber darauf darfst du dich nicht ver: lassen; denn sie kommt und geht wieder. Aber gegen alle Regungen des Bösen kämpfen und alle teuflischen Eingebungen verachten, dieß ist ein Zeichen der Tugend und großen Verdienstes. 5. Laß dich also durch fremdartige Vorstellungen nicht irre machen, welche sich über irgend einen Gegenstand in deine Seele schleichen. Halte fest deinen Vorsatz und bewahre die gerade Richtung zu Gott. Es ist teine 120 Drittes Buch. Sechstes Kapitel. Täuschung, wenn du plößlich zur Entzückung hingerissen wirst und schnell wieder in die gewohnten Thorheiten deines Herzens verfällst. Denn du duldest sie mehr wider deinen Willen, als daß du mitwirkest; und so lange du Mißfallen daran hast und ihnen widerstehst, gereichen sie dir zum Verdienste und nicht zum Verderben. 6. Wisse, daß der alte Feind sich auf alle Weise bemüht, dich von deinem Verlangen nach dem Guten abzubringen und von allen Andachtsübungen abzuhalten, nämlich von der Verehrung der Heiligen und der andächtigen Betrachtung meines Leidens, von der nüßlichen Erinnerung an deine Sünden, von der Bewahrung deines eigenen Herzens, von dem festen Vorsatz, in der Tugend fortzuschrei ten. Er flößt dir viele böse Gedanken ein, um dir Ueberdruß und Schrecken zu bereiten und dich vom Gebete und vom Lesen erbaulicher Bücher abzuziehen. Ihm mißfällt eine demüthige Beicht, und wenn er könnte, würde er dich selbst vom Tische des Herrn fern halten. Glaube ihm nicht, bekümmere dich nicht um ihn, so oft er dir auch seine trügerischen Schlingen legen möge. Ihm rechne es an, wenn er böse und unreine Gedanken eingibt. Sprich zu ihm: Weiche von mir, unreiner Geist; erröthe, Elender! durchaus unrein bist du, der du solches mir in die Ohren raunst. Weiche von mir, schändlicher Verführer, du sollst keinen Theil an mir haben! Jesus wird Drittes Buch. Siebentes Kapitel. 121 mit mir sein als ein tapferer Streiter, und du wirst verwirrt dastehen. Ich will lieber sterben und jede Strafe erbulden, als dir bei stimmen. Schweige und verstumme, ich höre nicht weiter auf dich, so viel Plagen du auch ersinnest. Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? Wenn Schaaren sich gegen mich lagern, soll doch mein Herz sich nicht fürchten; der Herr sist mein Helfer und mein Erlöser." 1/ 7. Kämpfe wie ein guter Streiter, und wenn du bisweilen aus Schwachheit fällst, so sammle Kräfte, größere als die vorigen, in dem du auf meine reichere Gnade vertrauest, und bewehre dich ja vor eitler Selbstgefälligfeit und Stolz. Deßhalb werden so Viele in Irrthum geführt und verfallen bisweilen in unheilbare Blindheit. Der Fall dieser Hoffärtigen, welche thörichter Weise auf sich selbst vertrauen, lehre dich Vorsicht und beständige Demuth. Is Siebentes Kapitel. Man soll die Gnade unter der Demuth verbergen. 1. Smn0 Jilein Sohn, es ist dir nüßlicher und ge goowährt dir größere Sicherheit, die Gnade der Andacht verborgen zu halten und weder derselben dich zu überheben, noch viel 122 Drittes Buch. Siebentes Kapitel. darüber zu sprechen, noch großes Gewicht darauf zu legen, sondern vielmehr dich selbst gering zu achten und zu fürchten, sie sei dir als einem Unwürdigen verliehen; denn du darfst dich auf diese Empfindung um so we. niger verlassen, je schneller sie sich in das Gegentheil umändern kann. Im Gefühle der Gnade denke daran, wie arm und elend du ohne die Gnade bist. Der Fortschritt im geistlichen Leben besteht nicht allein darin, daß du die Gnade des Trostes besigest, sondern daß du mit Demuth und Entsagung geduldig ihren Verlust erträgst, so daß dann dein Eifer im Gebete nicht erkalte und du das Ulebrige, was du zu thun hast, nicht bei Seite seßest, sondern nach deinem besten Wissen und Können gern thust, was dir obliegt, und weder wegen der Leere, noch wegen der Beangstigung deines Gemüths nicht gänzlich dich vernachläßigest. 2. Denn es gibt Viele, die sogleich ungeduldig oder verdrossen werden, wenn ihnen nicht Alles gelingt. Der Weg des Menschen ist nicht immer in seiner Gewalt, sondern es ist Gottes Sache, geben, wann Er will, wie viel Er will, und wem Er will, wie es Ihm wohlgefällt. Manche Unbesonnene haben auch in ihrer Andacht sich selbst zu Grunde gerichtet, weil sie mehr thun wollten, als ihre Kräfte erlaubten, und weil sie das Maß ihrer Schwäche nicht erwogen, sondern mehr dem Triebe ihres Herzens folgten, als dem Aus Drittes Buch. Siebentes Kapitel. 123 spruche der Vernunft. Und weil sie größere Dinge unternahmen, als Gott wohlgefällig war, so verloren sie schnell die Gnade. Sie, welche im Himmel ihr Nest bauen wollten, wurden hülflos und elend, daß sie gedemüthigt und verarmt lernen möchten, nicht auf eigenen Flügeln sich erheben zu wollen, sondern auf meine Hülfe zu vertrauen. Wer noch Neuling und unerfahren ist in den We gen des Herrn, kann leicht betrogen und zu Schanden werden, wenn er nicht dem Rathe der Geübtern folgt. 3. Wollen sie mehr ihrer eigenen Meinung folgen, als andern Erfahrnen, so wartet ihrer ein gefährliches Ende, wenn sie nicht noch zur rechten Zeit von ihrem Vorhaben sich abbringen lassen. Selten lassen die, welche sich selbst weise dünken, von Ändern sich demüthig leiten. Es ist besser, weniger weise, aber demüthig sein, und eine geringe Erkenntniß ist besser, als große Schäße der Wissenschaft mit großer Selbstgefälligkeit. Es ist dir besser, weniger haben, als viel, worauf du stolz werden könntest. Der handelt nicht verständig, welcher sich gänzlich der Freude überläßt, indem er seiner frühern Dürftigkeit und jener reinen Furcht des Herrn vergißt, die sorgfältig darauf achtet, daß sie die vers liehene Gnade nicht wieder verliere. Auch dessen Weisheit ist nicht startmüthig genug, welcher zur Zeit der Widerwärtigkeit und 124 Drittes Buch. Siebentes Kapitel. Trübjal verzweifeln will und weniger Vertrauen auf Mich sezt, als er sollte. 4. Wer zur Zeit des Friedens allzu sicher sein will, wird gar oft zur Zeit des Kampfes nur allzu niedergeschlagen und furchtjam er funden. Wenn du es verstündest, immer demüthig und bescheiden zu bleiben und deinen Geist gut zu leiten und zu regieren, so würdest du nicht so schnell in Gefahr und Schaden gerathen. Es ist ein guter Rath, daß du, nachdem du den Geist der Andacht empfangen hast, wohl bedenken mögest, was mit dir geschehen werde, wenn das Licht schwindet. Und wenn dieß einträfe, so bedenke wiederum, daß das Licht auch von Neuem zurückkehren könne, welches Jch dir zur Warnung, Mir aber zur Verherrlichung eine Zeit lang entzogen habe. 5. Eine solche Prüfung ist dir oft nüßlicher, als wenn du nach deinem Wunsche immerfort glüdlich wärest, denn das Verdienst ist nicht darnach zu berechnen, ob Jemand viele Offenbarungen oder Tröstungen habe, ob er erfahren in der heiligen Schrift und auf eine höhere Stufe gestellt sei, sondern darnach, ob Jemand in der wahren Demuth gefestiget und von göttlicher Liebe erfüllt sei; ob er immerfort die Ehre Gottes rein und ganz suche; ob er sich für nichts halte und in Wahrheit verachte, und ob es ihm mehr Freude mache, von. Andern verachtet und gedemüthigt, als geehrt zu werden. Drittes Buch). Achtes Kapitel. 125 Achtes Kapitel. Von der Geringschägung seiner selbst vor den Augen Gottes. thic admin on pin sig 1. na ch will zu meinem Herrn reden, obwohl ich Staub und Asche bin. Wollte ich mich höher schäßen, so stündest Du wider mich und meine Uebertretungen geben ein wahres Zeugniß von mir, und ich kann nicht widersprechen. So ich mich aber erdemüthige und zernichte, allen Eigendünkel fahren lasse und erkenne, daß ich Staub bin, so kommt deine Gnade zu mir und dein Licht geht in meinem Herzen auf, und selbst der kleinste Eigendünkel wird in das Tha! meiner Nichtigfeit versenkt und geht auf ewig unter. Da geht zeigst Du mir, was ich bin, was ich war und woher ich kam, denn ich bin nichts und wußte es nicht. Werde ich mir selbst überlassen, so bin ich nichts nichts als Schwachheit. Siehst Du mich aber wieder gnädig an, so werde ich auf einmal wieder stark und mit neuer Freude erfüllt. Und wunderbar, so schnell fühle ich mich erhoben und so gütig von Dir empfangen, der ich durch meine eigene Last immer nur hinabgedrückt werde. - 2. Das bewirkt deine Liebe, die mir ohne mein Zuthun zuvorkommt und mir in so vie len Nöthen beisteht, in so vielen großen Ge 126 Drittes Buch. Neuntes Kapitel. fahren mich schüßt und fürwahr aus unzähligen Uebeln mich errettet. Aus falscher Liebe zu mir hatte ich mich selbst verloren; als ich Dich allein suchte und rein liebte, habe ich mich und Dich zugleich gefunden und aus Liebe zu Dir mich noch tiefer in mein Nichts versenkt. Denn Du, o Süßester! handelst mit mir über all' mein Verdienst, ja sogar gütiger, als ich hoffen und bitten könnte. 3. Gepriesen seist Du, mein Gott, dessen Großmuth und unendliche Güte sowohl mir Unwürdigen, als allen Undankbaren und von Dir Entfernten wohl zu thun nicht aufhört. Befehre uns zu Dir, damit wir dankbar, demüthig und andächtig seien; denn Du bist unser Heil, unsre Kraft und unsre Stärke. Neuntes Kapitel. Wir sollen Alles auf Gott, als das legte Ziel, beziehen. 1. Lein Sohn, Ich muß dein höchstes und leptes Ziel sein, wenn du anders selig zu werden wünschest. Durch diesen Wunsch müssen deine Begierden gereinigt werden, in welchen du dich nur zu oft zu dir selbst und dem Sinnlichen hinneigest. Denn wenn du dich in irgend etwas selbst suchest, so wirst du alsbald dich matt und dürre füh Drittes Buch. Neuntes Kapitel. 127 len. Beziehe deßhalb Alles hauptsächlich auf Mich, denn Ich bin der, von dem Alles herkommt. So betrachte dann jedes Einzelne, wie es fließet aus dem höchsten Gute und führe Alles auf Mich, als den Ursprung von Allem, zurück. 2. Aus Mir schöpfen Kleine und Große, Arme und Reiche, wie aus einer lebendigen Quelle lebendiges Wasser, und welche Mir frei und willig dienen, die werden von Mir Gnade in Fülle empfangen, welche aber ver meinen, sich außer Mir rühmen oder an irgend einem andern Gut Freude finden zu können, die werden nicht in der wahren Freude bestehen, ihr Herz nicht erweitert fühlen, son dern sich vielfältig verstrickt und beängstigt finden. Du darfst dir also nichts von dem Guten zuschreiben und keinem Menschen Tugend beilegen, sondern über Alles gib Gott die Ehre, ohne welchen der Mensch nichts hat. Ich habe Alles gegeben, Ich will das Ganze wieder haben und fordere allen Ernstes, daß man Mir danke. 3. Das ist Wahrheit, welche den eiteln Ruhm verbannt. Und wenn einmal die himmlische Gnade und die wahre Liebe in dir eingekehrt sind, dann werden nicht mehr Neid, nicht Engherzigkeit, noch Eigenliebe dein Herz erfüllen. Denn Alles überwindet die göttliche Liebe und erhebt alle Kräfte der Seele. Bist du recht weise, so freuest du dich in Mir allein und hoffft auf Mich allein, denn Keiner 128 Drittes Buch. Zehntes Kapitel. ist gut, außer Gott allein, welcher über Alles gelobt und in Allem gepriesen werden soll. Slo Zehntes Kapitel. Wie süß es jei, die Welt zu verac ten und Gott zu dienen. 1. ch will abermals, Herr, zu Dir reden und genicht schweigen; sprechen will ich zu den Ohren meines Gottes, meines Herrn und meines Königs, der da ist in der Höhe. D wie groß, Herr, ist die Fülle deiner Süßigteit, die Du aufbehalten hast denen, die Dich fürchten!" Aber was bist Du denen, die Dich lieben, die mit ganzem Herzen Dir dienen? Fürwahr, unaussprechlich ist die Seligkeit deiner Betrachtung für die, welche Dich lieben. Darin hast Du vorzüglich deine Liebe mir gezeigt, daß Du mich schusst, da ich nicht war; daß Du mich zurückführtest und deinem Dienste weihetést, da ich von Dir entfernt herumirrte; daß Du mir vorschriebst, Dich zu lieben. 2. O Quell' ewiger Liebe, was soll ich von Dir sagen? Wie könnte ich Deiner vergessen, der Du so gnädig meiner gedachtest, auch nachdem ich in Sünde versunken und verloren war? Ueber alle Hoffnung hast Du Barmherzigkeit an deinem Diener gethan; Drittes Buch. Zehntes Kapitel. 129 über alles Verdienst hast Du mir deine Gnade und Freundschaft geschenkt. Wie kann ich für diese Gnade danken? Denn nicht Allen ist es gegeben, Allem zu entsagen, die Welt zu verlassen und das klösterliche Leben zu erwählen! Es ist nichts Großes, daß ich Dir diene, Dem jedes Geschöpf zu dienen verpflichtet ist. Dir zu dienen darf mir als nichts Großes erscheinen; aber das ist etwas Großes und Wunderbares, daß Du den Armen und Unwürdigen zu deinem Diener annimmst, und in die Reihe deiner geliebten Diener stelleſt. 3. Sieh, Alles ist Dein, was ich habe, und womit ich Dir diene. Hinwiederum dienst Du mir mehr, als ich Dir. Sieh, Himmel und Erde, die Du zum Dienste der Menschen geschaffen hast, sind bereit und richten täglich deine Befehle aus. Doch das ist noch wenig, selbst die Engel hast Du zum Dienste der Menschen erschaffen und ausgesandt; doch all dieß übersteigt, daß Du selbst so gnädig warst, dem Menschen zu dienen, und Dich selbst ihm zu geben verheißen hast. 4. Was soll ich Dir für alle diese tausend fachen Güter geben? O tönnte ich Dir alle Tage meines Lebens dienen! Ja könnte ich nur einen Tag Dir würdig dienen! Du bist würdig, daß man Dir diene, würdig jeder Ehre, würdig ewigen Lobes. Du bist wahrhaft mein Herr und ich bin dein armer Diener, der ich aus allen Kräften Dir dienen muß, und nie ermüden darf in deinem Lobe Nachfolge Chrifti. 9 130 Drittes Buch. Eilftes Kapitel. So will ich es, so wünsche ich es, und was mir fehlt, das wollest Du gnädig hinzufügen. 5. Es ist eine große Ehre, ein großer Ruhm, Dir zu dienen, und Alles um Deinetwillen hintanzuseßen. Und große Gnade werden die haben, welche sich freiwillig deinem heiligen Dienste widmen. Den süßesten Trost des heiligen Geistes werden die finden, welche aus Liebe zu Dir jedes irdische Vergnügen verschmähen. Sie werden zur Freiheit des Geistes gelangen, sie, die um deines Namens. willen den schmalen Weg gehen und die Sorge für das Irdische abwerfen. 6. O freudiger und angenehmer Dienst Gottes, durch welchen der Mensch wahrhaft frei und heilig wird! O heiliger Stand der gottgeweihten Dienerschaft, welcher den Menschen den Engeln gleich, Gott wohlgefällig, den Teufeln schrecklich und allen Gläubigen ehrwürdig macht! O willkommener und stets wünschenswerther Dienst, durch welchen das höchste Gut verdient und ewige Freude erlangt wird! Silftes Kapitel. Die Wünsche des Herzens soll man prüfen und mäßigen. 1. ein Sohn, du mußt noch Vieles erler: nen, was du noch nicht recht gelernt hast. 2. Was denn, o Herr? Drittes Buch. Eilftes Kapitel. 131 3. Daß du deine Wünsche gänzlich meinem Ermessen anheim stellest und der Eigenliebe nicht schmeichelst; sondern eifrig seiest, meinen Willen zu vollziehen. Oft bewegen dein Herz heiße Wünsche, aber betrachte wohl, ob mehr der Trieb dich bewegt, zu meiner Ehre zu handeln, oder der Trieb, deinen Vortheil zu befördern. Handelst du Meiner wegen, so wirst du wohl zufrieden sein, wie Ich es auch ordnen und leiten mag; liegt aber in deinen Handlungen Eigennuß verborgen, so ist es eben dieses, was dir hinderlich und beschwerlich wird. 4. Nimm dich also in Acht, daß du nicht zu sehr bei einem vorgefaßten Wunsche beharrest, ohne Mich vorher zu Rathe gezogen zu haben, damit die Reue nicht nachkomme, und dir selbst mißfalle, was dir zuerst gefiel, und wonach du als nach dem Bessern strebtest. Denn nicht jeder Neigung, welche gut scheint, darfst du sogleich folgen; aber du darfst auch nicht augenblicklich fliehen, wenn irgend eine Regung deines Herzens dir nicht sogleich zusagt. Es ist bisweilen nützlich, selbst dem guten Verlangen und Eifer einen Zügel anzulegen, damit nicht etwa das ungestüme Treiben deines Gemüthes dich in Berstreuung fallen lasse; damit du nicht durch Mangel an Ordnung Andern Anstoß gebeſt, oder durch fremden Widerstand plößlich beunruhiget und niedergedrückt werdest. 5. Bisweilen mußt du selbst Gewalt brau 132 Drittes Buch. Zwölftes Kapitel. chen und kräftig der sinnlichen Begierde entgegenarbeiten, und nicht darauf achten, was die Sinnlichkeit will oder nicht will, sondern mehr und mehr darauf hinarbeiten, daß sie auch wider ihren Willen dem Geiste unterworfen werde. Und so lange muß sie durch eine heilsame Zucht gezwungen werden, sich zu unterwerfen, bis sie endlich zu Allem bereitwillig, mit Wenigem zufrieden ist, an der Einfachheit sich erfreut und nicht murrt gegen das, was ihr lästig wird. Zwölftes Kapitel. Von der Unterweisung in der Geduld und im Kampfe gegen die Begierden. 1. Jerr, mein Gott! wie ich sehe, ist Geduld mir sehr nöthig; denn in dieſem Leben begegnet uns viel Widriges, und was ich auch thun mag, zum Frieden zu gelangen, so kann mein Leben doch nicht ohne Kampf und Schmerz bleiben. 2. So ist es, mein Sohn! Doch Ich will eben nicht, daß du jenen Frieden suchest, der von allen Anfechtungen frei ist, und gar nichts Widerwärtiges empfindet, sondern daß du auch dann den Frieden gefunden zu haben glaubest, wenn du in mancherlei Anfechtun Drittes Buch. Zwölftes Kapitel. 133 gen geübt und in vielen Widerwärtigkeiten geprüft wirst. 3. Sagst du vielleicht, du könnest nicht viel ertragen, wie würdest du dann die Beinen des Reinigungsortes ertragen? Unter zwei Ulebeln ist aber jedesmal das kleinere zu wäh len. Damit du also den künftigen Strafen entgehen mögest, so lerne die, gegenwärtigen Uebel um Gottes willen mit Gleichmuth ertragen. Oder meinest du vielleicht, daß die weltlich Gesinnten gar nichts oder nur wenig zu leiden hätten? Das wirst du nicht finden, und wenn du selbst diejenigen frägst, die sich keinen Genuß versagen. Aber sie haben doch, sagst du, viele Freuden und folgen ihrem eigenen Willen; daher kümmern die Trübsale sie wenig. 4. Gesetzt, es sei so, daß sie Alles haben, was sie wünschen: aber wie lange glaubst du wohl, wird das dauern? Sieh, wie Rauch verschwinden oft die, welche an allem Zeitlichen Ueberfluß haben, und keine Erinnerung bleibt ihnen von den vergangenen Freuden zurück. Aber selbst so lange sie noch leben, gewähren ihnen diese keine Ruhe, in welche sich nicht Bitterkeit, Unruhe und Furcht mischen. Denn dasselbe, was ihnen Freude macht, ist zugleich für sie Quelle des Schmerzens und der Strafe. Es geschieht ihnen recht, daß sie ihre Freuden nicht ohne Verwirrung und Bitterkeit genießen können, da sie ihnen auf eine unordentliche Weise nachjagen. - 134 Drittes Buch. Zwölftes Kapitel. 5. O wie kurz, wie trügerisch, wie unge: ziemend und selbst entehrend sind alle diese Genüsse! Und dennoch sehen sie dieß gleichsam vor Trunkenheit und Blindheit des Geistes nicht ein: sondern gleich vernunftlosen Thieren stürzen sie sich, um in dem vergänglichen Leben ein kurzes Vergnügen zu genießen, in den geistigen Tod. Du also, mein Sohn, hange nicht deinen Begierden nach, und folge nicht deinem Willen. Freue dich in dem Herrn, und Der wird dir geben, was dein Herz wünscht. Denn wenn du dich wahrhaft freuen und vollständig von Mir getröstet fein willst, gewiß nur in der Verachtung alles Weltlichen und im Abschied von allen niedrigen Genüssen wirst du Segen und reis chen Trost finden. Und je mehr du auf jenen Trost verzichtest, den das Erschaffene dir ge währen kann, desto süßern und mächtigern Trost wirst du bei Mir finden. Freilich wirst du Anfangs nicht ohne einige Traurigkeit und Kampf dazu gelangen. Die alte eingewurzelte Gewohnheit wird dir Hindernisse in den Weg legen, bis eine bessere Gewohnheit sie überwindet. Die Sinnlichkeit wird sich widerseßen, jedoch durch den geistigen Eifer bezähmt werden. Die alte Schlange wird auf's Neue dich bestürmen, aber das Gebet wird sie von dir treiben; überdieß wird nüßliche Beschäftigung ihr den Zugang verwehren. - Drittes Buch. Dreizehntes Kapitel. 135 Dreizehntes Kapitel. Von dem Gehorsam eines demüthig Untergebenen nach dem Beispiele Jesu Christi. 1. Mein Sohn, wer sich dem Gehorsam entziehen will, entzieht sich der Gnade, und wer das Besondere sucht, verliert das Allgemeine. Wer sich nicht gern und freiwillig seinem Vorgesetzten unterwirft, der be weist, daß ihm seine sinnliche Natur noch nicht vollkommen gehorcht, sondern oft noch widerspenstig ist und murrt. Lerne daher deinen Vorgesetzten dich schnell unterwerfen, wenn du deine sinnlichen Lüste bezwingen willst; denn der Feind wird bald überwunden, wenn im innern Menschen keine Unordnung ist. Es ist kein beschwerlicherer und schlimmerer Feind der Seele, als dein eigener Leib, wenn er mit deinem Geiste nicht übereinstimmt. Du mußt dich also selbst wahrhaft verachten, wenn du über Fleisch und Blut siegen willst. Weil du aber noch eine allzu unordentliche Liebe gegen dich selbst hast, so sträubst du dich und zitterst, dich einem fremden Willen zu unterwerfen. 2. Was ist es aber wohl Großes, wenn du, der du Staub und Nichts bist, dich um Gottes willen den Menschen unterwirfst, wäh 136 Drittes Buch. Dreizehntes Kapitel. rend Jch, der Allmächtige und Höchste, der Ich Alles aus Nichts erschaffen habe, Mick um deinetwillen den Menschen unterwarf? Ich wurde der Demüthigste und Geringste von Allen, damit du an meiner Demuth le:nen möchtest, deinen Stolz zu besiegen. Lerne gehorchen, lerne dich demüthigen, lerne unter die Füße Aller dich beugen, der du nur Stcub und Asche bist. Lerne deinen Willen brechen und dich an Unterwerfung gewöhnen. 3. Entbrenne in heiligem Eifer wider dich selbst und laß keinen Hochmuth in dir aufleben, sondern zeige dich so unterwürfig und gering, daß gleichsam Alle über dich hingehen und dich wie Koth in den Gassen zertreten können. Was hast du, eitler Mensch, dich zu beklagen? Womit willst du, unlauterer Sünder, denen widersprechen, die dir Vorwürfe machen, du, der du so oft wider deinen Gott gesündigt und die Hölle verdient hast? Aber schonend sah mein Auge dich an, weil deine Seele Mir kostbar war, damit du meine Liebe erkennest und stets dankbar gegen meine Wohlthaten seiest, und der Unterwürfigkeit und Demuth dich befleißen, und jede Verachtung geduldig ertragen mögeſt. ELAN Drittes Buch. Vierzehntes Kapitel. 137 Vierzehntes Kapitel. Von der Pflicht, über die verborgenen Rathschläge Gottes nachzudenken, damit wir uns nicht wegen des Guten überheben. 1. Pu lassest, o Herr! über mir deine Gerichte erschallen und erschütterst mit Furcht und Zittern alle meine Gebeine und meine Seele ängstigt sich gar sehr. Ich staune bei der Betrachtung, daß auch die Himmel nicht rein sind vor deinem Angesichte. Wenn Du selbst an den Engeln Sünde gefunden und ihrer nicht verschont hast, was wird mit mir geschehen? Sterne sind vom Himmel gefallen, und was habe ich, der Staub, zu erwarten? Die, deren Werke lobenswerth schienen, fielen in Abgründe, und die, welche das Brod der Engel aßen, sah ich an den Träbern der Schweine mit Lust sich sättigen. 2. Es ist also keine Heiligkeit, wenn Du, o Gott! deine Hand abziehest. Keine Weisheit nützt, wenn Du deine Leitung versagest. Keine Stärke hilft, wenn Du aufhörest, sie zu bewahren. Keine Keuschheit ist sicher, wenn Du sie nicht schüßest. Es nüßt kein eigenes Hüten, wenn Du, der heilige Wächter, nicht wachest. Verlassen sinken und verderben wir: von Dir heimgesucht, werden wir 138 Drittes Buch. Bierzehntes Kapitel. aufgerichtet und leben. Wir sind unbeständig, aber durch Dich werden wir gefestigt; wir erkalten, aber Du entzündest uns auf's Neue. 3. D, wie demüthig und gering muß ich von mir selbst denken! Wie so ganz für nichts achten, was ich etwa Gutes zu haben scheine! D, wie tief muß ich mich deinen unerforschlichen Gerichten unterwerfen, o Herr! indem ich finde, daß ich nichts bin und abermal nichts. Derdrückende Last, o unschiffbares Meer, da ich nichts an mir finde, als ein leeres Nichts! Wo wäre also noch ein Pläßchen für meinen Ruhm, wo eine Stüße für das Vertrauen auf meine Tugend? Aller eitle Ruhm ist versunken in der Tiefe deiner Ge richte. 4. Was ist alles Fleisch vor deinen Augen? Wird wohl der Thon gegen den Töpfer sich rühmen? Wie könnte der mit Ruhmredigkeit sich erheben wollen, dessen Herz in Wahrheit Gott unterworfen ist? Die ganze Welt kann den nicht übermüthig machen, den die Wahrheit gewonnen hat, und durch keine Stimmen des Lobes kann der bewegt werden, welcher seine ganze Hoffnung auf Gott gesetzt hat; denn sie selbst, die da reden, sind Alle nichts; wie der Schall ihrer Worte, so verschwinden sie selbst, aber die Wahrheit des Herrn bleibt in Ewigkeit. Drittes Buch. Fünfzehntes Kapitel. 139 Fünfzehntes Kapitel. Wie man bei Allem, was man wünscht, sich verhalten und beten soll. 1. Lein Sohn, bei jedem Anliegen sprich also: Herr, wenn es Dir gefällt, so laß dieß geschehen in deinem Namen; Herr, wenn Du weißt, daß es mir heilsam und nüßlich ist, dann gib es mir zu deiner Ehre. Aber wenn Du es für mich als schädlich erkennest und siehst, daß es nicht zum Heil meiner Seele gereicht, so unterdrücke in mir diesen Wünsch; denn nicht jedes Verlangen kommt vom heiligen Geist, wenn es auch dem Menschen gut und recht scheint. Es ist gewiß schwer, bestimmt zu unterscheiden, ob der gute Geist, oder ein andrer dich antreibt, dieß oder jenes zu wünschen; oder ob es vielleicht gar dein eigener sei. Viele haben sich zuletzt getäuscht gefunden, welche Anfangs meinten, vom guten Geiste getrieben zu werden. 2. Du must also stets mit Gottesfurcht und demüthiger Ergebung wünschen und begehren, was dir immer wünschenswerth vorkommen mag; vorzüglich aber mußt du mit eigener Verläugnung Alles nur Gott überlassen und sprechen:, Herr, Du weißt es, wie es besser ist; es geschehe dieß oder jenes 140 Drittes Buch. Fünfzehntes Kapitel. nach deinem Willen. Gib, was Du willst, wie viel Du willst und wann Du willst. Mache es mit mir nach deiner Weisheit und wie es Dir gefällt, und wie es Dir am meisten zur Ehre gereicht. Stelle mich hin, wo hin Du willst und thue mit mir ganz nach deinem Gefallen. Ich bin in deiner Hand, führe mich, wohin Du willst. Ich, dein Knecht, bin bereit zu Allem. Ich wünsche nicht mir, sondern Dir zu leben; möchte ich es würdig und vollkommen thun!" Gebet, um zu erfüllen, was Gott gefällt. 3. Verleihe mir, o gütigster Jesu! deine Gnade; laß sie mit mir sein, mit mir arbeiten und bis an's Ende bei mir bleiben. Gib, daß ich immer nur das wünsche und wolle. was Dir angenehm und gefällig ist. Dein Wille sei der meinige und mein Wille folge dem deinigen und stimme vollkommen mit ihm überein. Laß mich Eins und dasselbe wollen und nicht wollen mit Dir; ja etwas Anderes wollen oder nicht wollen, als was Du willst und nicht willst, sei mir nicht möglich. 4. Verleihe mir, daß ich Allem absterbe, was in der Welt ist und Deinetwegen gern in der Welt verachtet und unbekannt sei. Gib mir das Allerwünschenswertheste, daß ich in Dir ruhe und mein Herz in Dir Frieden finde. Du allein bist der wahre Friede, Drittes Buch. Sechszehntes Kapitel. 141 die wahre Ruhe des Herzens; außer Dir ist Alles herb und unruhig. In diesem Frieden, ja in ihm, d. h. in Dir, dem einzigen, ewigen und höchsten Gute, will ich schlafen und ruhen. Sechszehntes Kapitel. Der wahre Trost ist allein in Gott zu suchen. 1. as ich zu meinem Troste nur wünschen und erdenken kann, das erwarte ich nicht hier, sondern in der Zukunft. Wenn ich allen Trost der Welt allein hätte und jede Freude genießen könnte, so ist doch gewiß, daß dieß nicht lange dauern würde. Daher kannst du, meine Seele, weder ganz getröstet, noch vollkommen erfreuet werden, außer in Gott, der die Armen tröstet und die Niedrigen aufnimmt. Warte nur kurze Zeit noch, meine Seele, erwarte die göttliche Verheißung, und du wirst Ueberfluß an allen Gütern im Himmel haben. Jagst du aber zu eifrig dem Gegenwärtigen und Irdischen nach, so wirst du das Ewige und Himmlische verlieren. Gebrauche denn das Zeitliche, aber fehne dich nach dem Ewigen. Du kannst durch kein zeitliches Gut gesättigt werden, denn zu solchem Genuß bist du nicht erschaffen. 142 Drittes Buch. Siebenzehntes Kapitel. 2. Wenn du auch alle Güter der Erde hättest, so könntest du doch nicht glücklich und selig sein; sondern in Gott, der Alles erschaffen hat, besteht dein Glück und deine ganze Seligkeit; nicht wie solche von den thörichten Freunden der Welt geliebt und gelobt wird, sondern die, auf welche die treuen Verehrer Christi harren und welche die geistigen und herzensreinen Seelen, deren Wandel im Himmel ist, manchmal schon zum Voraus verkosten. Jeder menschliche Trost ist eitel und kurz; jener Trost ist wahrhaft beseligend, welcher im Herzen von der Wahrheit selbst empfangen wird. Der Andächtige trägt seinen Tröster Jesum überall bei sich und spricht zu Jhm: Sei bei mir, Herr Jesu, an jedem Ort und zu jeder Zeit; das sei mir Trost, jedes menschlichen Trostes entbehren zu wol fen. Und sollte mir dein Trost fehlen, so sei dein Wille und die gerechte Prüfung mein höchster Trost; denn nicht immer wirst Du zürnen und nicht drohen ewiglich." Siebenzehntes Kapitel. Man soll alle Sorgen Gott überlassen. 1. Mein ein Sohn, laß mich mit dir machen, was Ich will; denn Ich weiß, was dir gut ist. Du denkst, wie ein Mensch, Drittes Buch. Siebenzehntes Kapitel. 143 du urtheilest über Vieles, wie deine menschliche Neigung es dir eingibt. Herr! dein Wort ist wahr. Deine Sorge für mich ist größer, als jede Sorge, die ich für mich tragen könnte. Denn sehr unsicher steht der, welcher nicht alle seine Sorge auf Dich wirft. O Herr! wenn nur mein Wille gerade und fest auf Dich gerichtet bleibt, dann handle mit mir, wie es Dir wohlgefällt; denn nur gut kann das sein, was Du mit mir machest. 2. Willst Du, daß ich in Finsterniß sei, so sei gepriesen; willst Du aber, daß ich im Lichte wandle, so sei abermals gepriesen. Würdigest Du mich eines Trostes, so sei gepriesen; willst Du mich heimsuchen mit Trübsal, so sei auf gleiche Weise immerdar gepriesen! So muß, mein Sohn, deine Stimmung sein, wenn du mit Mir zu wandeln wünschest. So mußt du bereit sein, zum Leiden wie zur Freude. So mußt du eben so gern arm und dürftig sein, wie reich und voll Güter. 3. Herr! ich will gern für Dich leiden, was Du auch über mich verhängst. Mit Gleichmuth will ich aus deiner Hand Gutes und Böses, Süßes und Bitteres, Freudiges und Trauriges annehmen, und für Alles, was mir widerfährt, Dant sagen. Bewahre mich nur vor jeder Sünde, und ich werde den Tod und die Hölle nicht fürchten. Nur verwirf mich 144 Drittes Buch. Achtzehntes Kapitel. nicht auf ewig; streiche mich nicht aus in dem Buche des Lebens; dann wird mir nichts schaden, was für Trübsal auch immer über mich kommen mag. Achtzehntes Kapitel. Alle zeitlichen Leiden muß man nach dem Beispiele Christi mit Gleichmuth ertragen. 1. Lein Sohn! zu deinem Heile bin Ich Ovom Himmel herabgekommen. Nicht aus Zwang, sondern aus Liebe habe Ich deine Leiden auf Mich genommen, damit du Geduld lernen und das zeitliche Elend nicht mit Unwillen ertragen mögest. Denn von der Stunde meiner Geburt an bis zum Tode am Kreuze war kein Augenblick, wo Ich nicht Schmerz zu erdulden hatte. Ich habe großen Mangel an zeitlichen Gütern gehabt; Ich habe oft und vielmals über mich klagen gehört; Scheltworte und die gröbsten Vorwürfe habe Ich mit Sanftmuth ertragen; für Wohlthaten habe Ich Undank, für meine Wunder Beschimpfungen, für meine Lehre Lästerungen empfangen. 2. Herr! weil Du in deinem Leben so große Geduld übtest, vorzüglich darin, daß Du den Willen deines himmlischen Vaters Drittes Buch. Achtzehntes Kapitel. 145 erfülltest, so ist billig, daß auch ich, elender Sünder, nach deinem Willen Geduld übe, und so lange Du willst, die Last dieſes ge brechlichen Lebens zu meinem Heile trage. Denn wenn auch das gegenwärtige Leben eine Last ist, so ist es doch durch deine Gnade viel leichter und durch dein Beispiel und durch die Fußstapfen deiner Heiligen erträglich und ruhmvoll geworden. Aber es ist auch weit trostreicher, als einst zur Zeit, da das alte Geseß noch herrschte und die Himmelsthür verschlossen war, auch der Weg zum Himmel dunkler erschien, und so Wenige bemüht waren, nach dem Reiche Gottes zu trachten. Es konnten ja selbst die damals lebenden Gerechten, die zur Seligkeit bestimmt waren, vor deinem Leiden und dem Verdienst deines Todes nicht in das Himmelreich eingehen. 3. O welchen Dank schulde ich Dir, daß Du mich und alle Gläubigen gewürdigt hast, uns den Weg zu deinem ewigen Reiche zu zeigen! denn dein Leben ist unser Weg, und durch heilige Geduld wandeln wir zu Dir, der Du unsere Krone bist. Wenn Du uns nicht befohlen und gelehrt hättest, wer würde Dir folgen? O wie Viele würden weit hinter Dir zurück bleiben, wenn sie dein herrliches Beispiel nicht vor sich hätten! Sieh, noch jetzt erfalten wir so oft, da uns doch so viele Zeichen und Lehren von Dir kund geworden sind; was würde erst geschehen, wenn dein Licht uns gar nicht vorleuchtete? Nachfolge Chrifti. 10 146 Drittes Buch. Neunzehntes Kapitel. Neunzehntes Kapitel. Von der willigen Ertragung der Be leidigungen, und wer sich als wahrhaft geduldig bewähre. 1. as redest du da, mein Sohn? Höre auf zu klagen! Betrachte doch, was Ich und andere Heilige gelitten haben. Du haft noch nicht bis auf's Blut gekämpft. Sehr wenig ist's, was du leidest, wenn du dich mit denen vergleichest, welche so viel gelitten haben, welche so stark angefochten, so schwer versucht, so vielfältig geübt und geprüft worden sind. Du mußt dir also das Schwerere, was Andere trugen, zu Gemüthe führen, damit du leichter deine kleinere Last trageſt. Und wenn sie dir nicht klein erscheint, so sieh wohl zu, daß nicht deine Ungeduld daran Schuld sei. Es möge nun das kleinere oder Größere dich drücken, strebe nur, Alles mit Geduld zu ertragen. 2. Je besser du zum Leiden dich bereitest, desto weiser handelst du, und desto größer ist dein Verdienst; auch wirst du um so leichter tragen, je mehr du durch Uebung deinen Muth gestärkt hast. Sage nicht: Ich kann dieß von einem solchen Menschen nicht erdulden; so etwas darf ich überhaupt nicht dulden, denn er hat mir großen Schaden gethan; Drittes Buch. Neunzehntes Kapitel. 147 er bürdet mir auf, woran ich niemals gedacht habe; von jedem Andern würde ich es eher erdulden, und so viel ich sähe, daß sich's dulden lasse. Unweise ist ein solcher Gedanke, der auf die Tugend der Geduld nicht schaut, auch nicht betrachtet, von wem sie einst gefrönt werden soll, sondern mehr die Personen und die zugefügten Beleidigungen vor Augen hat. Derjenige ist nicht in Wahrheit geduldig, welcher von den Leiden nur so viel dulden will, als ihm gut dünkt, und von wem es ihm gerade gefällt. Der wahrhaft Geduldige schaut nicht darauf, von wem, ob von einem Vorgesetzten, oder von einem seines Gleichen oder einem Untergebenen, ob von einem guten und heiligen Menschen, oder von einem verkehrten und unwürdigen ihm Gelegenheit zur Uebung der Geduld gegeben werde, sondern ohne Unterschied, von wem, wie viel und wie oft ihm Widriges widerfahren mag, nimmt er Alles, wie von der Hand Gottes kommend, mit Dank an, und erachtet es für großen Gewinn; weil vor Gott das, was man um Gottes willen duldet, so wenig es auch an sich sein mag, nicht ohne Verdienst und Lohn vorüber geht. 3. Sei also bereit zum Kampfe, wenn du den Sieg haben willst. Ohne Kampf kannst du die Krone der Geduld nicht erlangen. Willst du nicht leiden, so verschmähst du die Krone. Wünschest du aber gekrönt zu werden, so kämpfe muthig und trage gedul 148 Drittes Buch. Zwanzigstes Kapitel. dig. Ohne Arbeit gibt es keine Ruhe, ohne Kampf keinen Sieg. Es werde mir möglid), o Herr! durch deine Gnade, was meiner Natur nach mir unmöglich scheint. Du weißt es, daß ich schnell niedergeschlagen werde, wenn auch nur eine kleine Trübsal mich umstürmt. Es werde mir jede Uebung in der Trübsal um deines Namens willen lieb und wünschenswerth; denn um Deinetwillen leiden und geplagt werden, ist meiner Seele sehr heilsam. Zwanzigstes Kapitel. Von dem Bekenntnisse der eigenen Schwachheit, und dem Elende dieses Lebens. 1, Betennen will ich wider mich meine Ungerechtigkeit: bekennen Dir, o Herr, meine Schwachheit! Oft ist's eine Kleinigkeit, die mich niederschlägt und traurig macht. Ich nehme mir vor, starfmüthig zu handeln; aber wenn auch nur eine kleine Versuchung kommt, ängstige ich mich sehr. Bisweilen ist es etwas sehr Geringes, woraus eine Versuchung hervorgeht. Und so ich mich in etwas sicher glaube, sehe ich mich plößlich, ehe ich mich dessen versehe, durch einen leisen Hauch überwunden. Drittes Buch. Zwanzigstes Kapitel. 149 2. Sich also, o Herr! auf meine allseitige Niedrigkeit und Gebrechlichkeit, die Dir befannt ist. Erbarme Dich, und entreiße mich dem Schlamme, daß ich nicht untergehe, nicht immerdar niedergeworfen bleibe. Dieß ist es, was mich so häufig quält, und vor Dir zu Schanden macht, daß ich so hinfällig und so schwach bin, den Leidenschaften zu widerstehen, und wenn ich ihnen auch nicht immer nachgebe, so ist doch schon ihr Reiz für mich lästig und beschwerend, und mir ekelt, im täglichen Kampfe mit ihnen leben zu sollen. Daher wird mir meine Schwachheit recht be kannt, weil verabscheuungswürdige Einbildungen viel leichter in meine Seele einschleichen, als aus ihr weichen. 3. D Du starter Gott Israels, Beschützer treuer Seelen! Siehe an die Mühen und den Schmerz deines Dieners, und stehe ihm in Allem bei, was er unternimmt. Stärke mich mit himmlischer Stärke, damit nicht der alte Mensch, jenes elende Fleisch, das deinem Geiste noch nicht völlig unterworfen ist, zur Herrschaft gelange; laß es mich erkennen, daß ich gegen dasselbe kämpfen muß, so lange ich in diesem armseligen Leben athme. Ach, was ist das für ein Leben, wo Elend und Trübsale niemals fehlen, wo überall Fallstricke und Feinde sich finden! Denn wenn eine Trübsal oder Anfechtung weicht, so naht eine andere; ja sogar indem der erste Kampf noch 150 Drittes Buch. Zwanzigstes Kapitel. fortdauert, kommen schon mehrere andere, und ganz unerwartet über uns. 4. Ach, wie kann man doch ein Leben lieben, das solche Bitterkeit hat, so vielen Gefahren und Mühseligkeiten unterworfen ist? Wie mag auch das nur Leben heißen, das so viel Tod und Verderben gebiert? Und doch liebt man es, und Viele suchen sich nur seiner zu freuen! Man tadelt so häufig die Welt, daß sie trügerisch und eitel sei, und doch gibt man sie nicht gern auf, weil die Begierden des Fleisches allzu sehr herrschen. Aber ein Anderes zieht zur Liebe, ein Anderes zur Verachtung der Welt. Fleischeslust, Augenlust und Hoffart des Lebens ziehen zur Liebe hin; aber die Strafen und das Elend, die mit Recht darnach kommen, erzeugen Haß gegen die Welt und Ueberdruß. 5. Aber leider siegt die böse Lust über ein der Welt ergebenes Gemüth, und unter Dornen wohnen hält sie für Vergnügen, weil sie die Lieblichkeit Gottes und die innere Anmuth der Tugend nicht erkannt, nicht verkostet hat, Wer aber die Welt völlig verschmäht, und sich bestrebt in heiliger Zucht Gott zu leben, dem ist nicht unbekannt die göttliche Süßigkeit, die der wahren Weltentsagung verheißen ist, und erkennt es klar, wie gröblich die Welt irret und wie vielfach sie betrogen wird. s Drittes Buch. Einundzwanzigstes Kapitel. 151 Sinundzwanzigstes Kapitel. Man muß die Ruhe mehr in Gott, als in was immer für Gütern und Gaben suchen. 1. Suche, meine Seele! Ruhe nur in dem Herrn, und in nichts Anderem; denn Er ist die ewige Ruhe aller Frommen! Verleihe mir, o freundlichster Jesu, Du Gelieb tester! daß ich in Dir über alles Erschaffene mich erhebe, über alles Wohlergehen und über alle Schönheit; über allen Ruhm und alle Ehre; über alle Macht und Würden; über alle Wissenschaft und Klugheit; über alle Schäße und Künste; über alle Freude und Wonne; über alle Gunst und alles Lob; über alle Süßigkeit und allen Trost; über alle Hoffnung und Verheißung; über alles Verdienst und alle Wünsche; über alle Gaben und Güter, die Du geben und mittheilen kannst; über alle Freude und Seligkeit, die das Gemüth fassen und empfinden kann; endlich über Engel und Erzengel und über alle Himmelsheere; über alles Sichtbare und Unsichtbare; über Alles, was Du, mein Gott! nicht bist. 2. Denn Du, Herr, mein Gott! bist über Alles der Beste: Du bist allein der Höchste, Du allein der Mächtigste, Du allein der Genügendste und Reichste, Du allein der Lieb 152 Drittes Buch Einundzwanzigstes Kapitel. lichste und Trostvollste, Du allein der Schönste und Liebreichste, Du allein der Heiligste und Glorreichste über Alles, in dem alles Gute vereint und vollkommen ist und immer war und sein wird! Darum ist Alles geringer und unbefriedigend, was Du außer Dir selbst mir gibst oder von Dir selbst mir offenbarest oder verheißest, wenn ich Dich nicht sehe und nicht völlig erlange. Denn mein Herz kann nicht wahrhaft ruhen, noch völlig zufrieden gestellt werden, wenn es nicht in Dir ruht und sich über alle Gaben und alles Erschaffene erhebt. 3. D Du mein geliebtester Bräutigam, Jesus Christus, Du reinste Liebe, Herr alles Erschaffenen! Wer gibt mir Flügel wahrer Freiheit, daß ich mich zu Dir aufschwinge und bei Dir Ruhe finde? Wann wird es mir gegeben werden, frei von allen Fesseln zu sein und zu sehen, wie freundlich Du, Herr mein Gott, bist? Wann werde ich mich ganz in Dir sammeln, daß ich vor Liebe zu Dir nicht mich empfinde, sondern allein Dichauf eine Art, die alle gewöhnlichen Empfindungen übersteigt und nur Wenigen bekannt ist? Jeßt seufze ich oft und trage mein Unglück mit Schmerz. Denn viele Uebel begegnen mir in diesem Jammerthale, beunruhigen mich, machen mich traurig und verdüstern meinen Geist: bald hindern und zerstreuen sie mich, bald locken sie mich an und verwickeln mich, daß ich nicht freien Zugang zu Dir habe und deines freundlichen Umgangs, Drittes Buch. Einundzwanzigstes Kapitel. 153 dessen die seligen Geister genießen, mich nicht erfreuen kann. Daß Dich mein Seufzen bes wege, der Jammer Dich rühre, der so vielfach auf Erden ist! 4. Jesu, Glanz der ewigen Herrlichkeit, Trost der Seele auf ihrer Wanderschaft! Bei Dir ist mein Mund ohne Stimme und mein Schweigen spricht zu Dir. Wie lange zögert mein Herr, zu mir zu kommen? O daß Er zu mir, seinem Aermsten käme und mich fröhlich machte! Er reiche mir seine Hand und reiße mich Elenden aus aller Angst. Komm, o komm! denn ohne Dich gibt es keinen heitern Tag und keine heitere Stunde; nur Du bist meine Freude und ohne Dich ist mein Tisch leer. Ich bin elend, gleichsam wie im Kerker und mit Fesseln beschwert, bis Du mit dem Lichte deiner Gegenwart mich erquickest, mir Freiheit schenkest und dein freundliches Angesicht zeigest. 5. Mögen Andere statt Deiner jedes andre Gut suchen, was ihnen gefällt; mir gefällt nichts anderes, noch wird mir je etwas Anderes gefallen, als Du, mein Gott, meine Hoffnung, mein ewiges Heil! Ich werde nicht schweigen, noch zu beten aufhören, bis deine Gnade sich zu mir wendet und zu meinem Herzen spricht: siehe, hier bin Jch Ich bin bei dir, weil du Mich angerufen hast. Deine Thränen und das Sehnen deiner Seele, deine Demuth und die Traurigkeit deines Herzens 154 Drittes Buch. Zweiundzwanzigstes Kapitel. haben mich zu dir geneigt, Mich zu dir geführt. 6. Und ich sprach: Herr, ich habe zu Dir gerufen, ich habe gewünscht, mich Deiner zu freuen, bereit, um Deinetwillen Alles zu verschmähen. Du aber hast mich zuvor erweckt, daß ich Dich suchte. Sei also gepriesen, o Herr! der Du solche Güte deinem Knechte erwiesen hast, nach dem Reichthum deiner Barmherzigkeit. Was hat dein Knecht weiter vor Dir zu sagen, als daß er mit Demuth vor Dir seiner Missethat und Nichtigkeit gedenke? Denn deines Gleichen wird nicht gefunden unter allen Wundern des Himmels und der Erde. Deine Werke sind sehr gut, deine Gerichte sind wahr und durch deine Vorsehung wird Alles regiert. Lob sei Dir und Ruhm, o Weisheit des Vaters! Es lobe und preise Dich mein Mund, meine Seele und Alles, was Du geschaffen haſt. Zweiundzwanzigstes Kapitel. Von dem Andenken an die vielfachen Wohlthaten Gottes. 1. Jeffne, o Herr! mein Herz deinem Gesetz expund laß mich wandeln in deinen Geboten. Gib mir die Erkenntniß deines Willens und laß mich deiner Wohlthaten mit großer Drittes Buch. Zweiundzwanzigstes Kapitel. 155 Ehrfurcht gedenken und sie mit Fleiß betrachten, sowohl die allgemeinen als die besonderen, damit ich Dir auf würdige Weise dafür danken könne. Ich weiß zwar wohl und betenne es, daß ich selbst für das Kleinste Dir nicht gebührend zu danken vermag. Ich bin zu gering für alles mir erwiesene Gute, und wenn ich die Größe deiner Güte betrachte, dann erliegt mein Geist vor deiner Größe. 2. Alles, was wir an Geist und Körper haben, was wir äußerlich und innerlich auf natürliche oder übernatürliche Weise besißen, ist deine Wohlthat und lobt Dich, den wohlthätigen, milden und guten Geber. Und wenn auch der Eine mehr, der Andere weniger empfängt, so ist doch Alles Dein und ohne Dich kann selbst das Kleinste nicht besessen werden. Wer mehr empfangen hat, kann sich seines Verdienstes nicht rühmen, nicht über Andere sich erheben, oder des Minderbegabten spotten; denn der ist größer und besser, der sich weniger zuschreibt und in seinem Dank der Demüthigste ist. Und gerade der, welcher sich für geringer und unwürdiger achtet, als alle Andern, ist geschickter, größere Güter zu empfangen. Wer dagegen weniger empfangen hat, darf deßhalb nicht traurig werden, noch es unwillig tragen, noch den reicher Begabten beneiden; er muß vielmehr auf Dich sehen, o Gott! und deine Güte loben, daß Du so reichlich und so gern deine Geschenke austheilst ohne Ansehen der Person. Alles kommt I 156 Drittes Buch. Zweiundzwanzigstes Kapitel von Dir, darum bist Du in Allem zu preisen. Du weißt, welche Gaben jedem am nüßlichsten sind und warum dieser mehr und jener weniger hat; es ist nicht unsre, sondern deine Sache, darüber zu entscheiden, der Du den Werth und die Verdienste des Einen und des Andern genau kennſt. 3. Darum, Herr, mein Gott, halte ich selbst dieß für eine große Wohlthat, nicht Vieles von dem zu besißen, was äußerlich und nach dem Sinne der Menschen Ruhm und Ehre bringt. Und so darf der Mensch, der seine Armuth und Niedrigkeit recht betrachtet, nicht Beschwerde, Traurigkeit oder Kummer darin finden, sondern vielmehr Trost und große Freude, weil Du, o Gott! die Armen und Niedrigen, und die von der Welt Verachteten Dir zu Vertrauten und Freunden erwählt hast. Davon sind deine Apostel selbst Zeugen, die Du als Fürsten über die ganze Erde gesetzt hast. Niedrig und einfach, ohne Falschheit und List durchwanderten sie ohne Klage die Welt und freuten sich selbst der Schmach um deines Namens willen und unterwarfen sich willig dem, wovor die Welt zurückschreckt. 4. Nichts darf also denjenigen, der Dich liebt und deine Wohlthaten erkennt, so erfreuen, wie dein Wille und das Wohlgefallen deiner ewigen Anordnung. Diese soll ihn dergestalt zufrieden stellen und trösten, daß er eben so gern der Kleinste sein möchte, wie ein Anderer wünscht der Größte zu sein, daß Drittes Buch. Dreiundzwanzigstes Kapitel. 157. er so ruhig und zufrieden auf dem letzten, als auf dem ersten Plaß, eben so gern verkannt und verachtet, ohne Namen und ohne Ruf wäre, als Andere an Ehre und Größe in der Welt übertreffe. Denn dein Wille und die Liebe deiner Ehre muß Allem vorgehen, und ihn mehr trösten, und ihm mehr gefallen, als alle Wohlthaten, die er empfangen hat, oder noch empfangen soll. Dreiundzwanzigstes Kapitel. Vier Mittel, großen Frieden zu erlangen. 1. Mein ein Sohn, Ich will dir den Weg des Friedens und der wahren Freiheit zeigen. 2. Thue, Herr, wie Du sagest, denn das ist mir angenehm zu hören. 3. Suche, mein Sohn, lieber den Willen eines Andern zu thun, als deinen eigenen. Wolle lieber weniger, als mehr besigen. Strebe immer dahin, einen niedrigern Blaß einzunehmen und Allen unterwürfig zu sein. Wünsche immer und bete, daß der Wille Gottes vollkommen durch dich und an dir geschehe. Sieh, ein solcher Mensch geht in das Land des Friedens und der Ruhe ein. 4.. Herr, deine Rede ist kurz, aber sie enthält Vieles. Der Worte sind wenige, aber 158 Drittes Buch. Dreiundzwanzigstes Kapitel. sinnvoll und reich an Frucht sind sie, und wenn ich sie getreu bewahren könnte, so würde ich nicht so leicht beunruhigt werden; denn so oft ich mich des Friedens beraubt und beschwert fühle, finde ich, daß ich von dieser Lehre abgewichen bin. Aber Du, der Du Alles kannst und das Zunehmen im Guten liebst, vermehre deine Gnade in mir, daß ich dein Wort erfüllen und mein Heil vollenden könne. Gebet gegen böse Gedanken. 5. Herr, mein Gott, weiche nicht von mir, eile mir beizustehen! Denn mancherlei Ge danken und große Schrecken sind in mir auf gestiegen und ängstigen meine Seele. Wie werde ich unverleßt hindurch kommen? wie werde ich sie besiegen können? 6. Jch, spricht der Herr, werde vor dir. herschreiten und die Stolzen der Erde demüthigen. Deffnen werde Ich die Thüren des Kerkers und meine Geheimnisse dir offenbaren. 7. Thue, Herr, wie Du sagst, alle bösen Gedanken sollen fliehen vor deinem Angesicht. Das sei meine Hoffnung und mein einziger Trost, daß ich in jeder Trübsal zu Dir meine Zuflucht nehme, Dir vertraue, Dich aus innerstem Herzen anrufe und geduldig auf deine Tröstung warte. Drittes Buch. Dretundzwanzigstes Kapitel. 159 Gebet um Erleuchtung des Verstandes. 8. Erleuchte mich, o gütigster Jesus! mit der Klarheit des innern Lichts und vertreibe alle Finsternisse aus meinem Herzen, sege meinen ausschweifenden Gedanken Schranken und vertilge die Versuchungen, die mir Gewalt anthun, kämpfe mit deiner Stärke für mich; bezähme die wilden Thiere, die sinnli chen Lüste und Begierden, daß Friede werde durch deine Kraft und volltönend dein Lob erklinge am heiligen Ort, das ist: im reinen Gewissen. Gebiete den Winden und Stürmen; sprich zu dem Meere: Sei ruhig!" und zum Nordwind:„ Er wehe nicht!" wird große Ruhe sein. 11 so 9. Sende dein Licht aus und deine Wahrheit," daß sie leuchten auf Erden; denn ich gleiche einem wüsten und leeren Erdboden, bis Du mich erleuchtest. Ueberschütte mich mit Gnade von Oben her, erfrische mein Herz mit himmlischem Thau; öffne die Quellen der Andacht, daß die Erde feucht werde und hervorbringe gute und edle Frucht. Erhebe das Herz, welches die Last der Sünde niederdrückt, und richte all mein Sehnen auf das Himmlische, auf daß der Vorgeschmack überirdischer Seligkeit mir die Lust benehme, an das Jrdische zu denken. - 10. Ziehe mit Gewalt mich ab von dem Troste, den das Vergängliche nur auf kurze 160 Drittes Buch. Bierundzwanzigstes Kapitel. Zeit gewährt, denn nichts Erschaffenes kann mein Verlangen vollkommen stillen und mich trösten. Verbinde mich mit Dir durch das unzertrennliche Band heiliger Liebe; denn Du allein genügest einem liebenden Herzen und ohne Dich ist alles eitel und nichts. Bierundzwanzigstes Kapitel. Von der Vermeidung des vorwizigen Forschens nach dem Leben Anderer. 1. Mein ein Sohn, sei nicht neugierig und be schäftige dich nicht mit thörichten Sorgen Was geht dich dieß oder jenes an? Folge du Mir, denn was kümmert's dich, ob die ses so oder anders ist, oder ob jener so han delt und anders spricht? Du bist ja nicht für Andere verantwortlich, für dich allein hast du Rechenschaft zu geben. Was verwickelst du dich also? Sieh, Ich kenne Alle, Ich sehe Alles, was unter der Sonne geschieht; Ich weiß, wie es mit Jedem steht, was er denkt, was er wünscht, und welchen Zwed er zu erreichen strebt. Mir also mußt du Alles überlassen, du aber bewahre dir nur den Frieden des Herzens; den Geschäftigen laß so geschäftig sein, als er will; über ihn selbst wird es kommen, was er gethan oder Drittes Buch. Fünfundzwanzigstes Kapitel. 161 geredet hat, denn Mich kann er nicht hintergehen. 2. Sei nicht besorgt um den Glanz eines großen Namens, nicht um vertraute Freundschaft mit Vielen, noch um besondere Liebe der Menschen; denn alles dieß erzeugt 3erstreuung und große Verfinsterung des Herzens. Gern wollte Jch dir mein Wort verfünden und meine Geheimnisse offenbaren, wenn du sorgfältig auf meine Ankunft achtetest und die Thüre deines Herzens Mir öffnetest. Sei vorsichtig, wache und bete und demüthige dich in Allem. Fünfundzwanzigstes Kapitel. Worin der dauerhafte Friede des Herzens und das wahre Fortschrei ten im Guten bestehe. 1. Mein Sohn! Ich sprach:„ Den Frieden hinterlasse Ich euch, meinen Frieden gebe Ich euch: nicht gebe Jch ihn euch, wie die Welt ihn gibt." Alle suchen den Frieden, aber nicht Alle achten darauf, was zum wahren Frieden gehört. Nur den Demüthigen und Sanftmüthigen wird mein Friede zu Theil. Viele Geduld wird dir den Frieden bringen. Wenn du mich hören und meiner Stimme folgen willst, kannst du großen Frieden genießen. 11 162 Drittes Buch. Fünfundzwanzigstes Kapitel. 2. Was soll ich also thun? 3. Sei in allen Dingen achtsam auf dich selbst, was du thust und was du redest, und richte all dein Augenmerk darauf, daß du nur Mir gefallest und außer mir nichts begehrest und suchest. Dabei urtheile nicht voreilig über die Reden und Handlungen Anderer, und verwickle dich nicht in Dinge, dir nicht anvertraut sind; dann wirst du nur wenig und selten beunruhiget werden. die 4. Doch gar nie Unruhe empfinden, nie eine Beschwerde des Gemüths oder Körpers erleiden, ist nicht für die Gegenwart, son dern für den Zustand der ewigen Ruhe. Glaube also nicht, du habest den wahren Frieden schon gefunden, wenn du gar keine Beschwerniß fühlst; und glaube nicht, es stehe Alles gut, wenn du von keinem Widersacher etwas zu leiden hast; noch daß das Vollkommenheit sei, wenn Alles nach deinem Wunsche geht. Halte es auch nicht für etwas Großes, oder dich für einen in der Liebe Bevorzugten, wenn du in großer Andacht und Freudigkeit lebst; denn daran wird der Freund der Tugend nicht erkannt, noch besteht darin der Fortschritt des Menschen im Guten und dessen Vollkommenheit. 5. Worin denn, o Herr? 6. Darin, daß du dich von ganzem Herzen dem Willen des Herrn ergibst, und we der im Kleinen, noch im Großen, weder für die Zeit, noch für die Ewigkeit das Deine Drittes Buch. Sechsundzwanzigstes Kapitel. 163 suchest, so daß du mit der nämlichen Gleichmuth in der Danksagung verharrest, und im Glück und Unglück Alles mit gleicher Waage wägst. Wenn du so stark und ausdauernd in der Hoffnung bist, daß du auch nach Entziehung des innern Trostes dein Herz bereitest, noch Größeres zu übertragen, und dich nicht selbst rechtfertigest, als dürftest du dieses und so vieles nicht leiden, vielmehr alle meine Anordnungen für gerecht erkennst und mich den Heiligen preisest, dann wandelst du auf dem wahren und richtigen Wege des Friedens und kannst zweifellos hoffen, daß du mit Frohlocken wieder mein Angesicht schauen werdest. Sobald du durch Unterdrüdung aller Eigenliebe zur vollkommenen Verachtung deiner selbst gelangt bist, dann also kannst du des Friedens Fülle genießen, in so weit dein irdischer Zustand es gestattet. Sechsundzwanzigstes Kapitel. Von der Schönheit eines freien Gemüthes; welches sicherer durch demüthiges Gebet als durch vie les Lesen erworben wird. 1. Jerr! das erfordert einen vollkommenen Menschen, nie das Gemüth von der Rich tung auf das Himmlische abziehen, und unter vielen Sorgen wie ohne Sorgen fortwandeln, nicht nach Art der Lauen, sondern 164 Drittes Buchy. Sechsundzwanzigstes Kapitel. mit der Kraft eines freien Gemüthes, indem man keinem Geschöpfe mit unordentlicher Neigung anhängt. 2. Jch flehe zu Dir, o mein gütigster Gott! bewahre mich vor den Sorgen dieses Lebens, damit ich nicht allzusehr darin verstrickt werde; vor überflüssigen Leibesbedürfnissen, damit nicht die Wollust mich ergreife; vor Allem, was meinen Geist beengt, daß ich nicht, von Beschwerden erdrückt, niedersinke. Ich sage nicht bloß: Bewahre mich vor jenen Dingen, denen die eitle Welt sehnsüchtig nachgeht, sondern auch vor dem Elend, welches die Seele deines Knechtes nach dem allgemeinen Fluch der Sterblichkeit zur Strafe beschwert und sie hindert, daß sie nicht, wie sie wünscht, sich zur Freiheit aufschwingen kann. 3. D mein Gott! unaussprechliche Sü ßigkeit, verwandle in Bitterfeit jede sinnliche Lust, die mich von der Liebe zum Ewigen abzieht, und mich durch den Anblick eines reizenden Gutes der Gegenwart an sich locken will. Fleisch und Blut überwinde mich nicht, o mein Gott! die Welt und ihre kurze Herrlichkeit betrüge mich nicht; es hintergehe mich nicht mehr der Teufel mit seiner List. Gib mir Stärke zu widerstehen, Geduld zu übers tragen, Standhaftigkeit auszuharren. Gib mir statt aller Tröstungen der Welt die so liebliche Salbung deines Geistes, und statt fleischlicher Liebe gieße mir ein die Liebe deines Namens. Drittes Buch. Siebenundzwanzigstes Kapitel. 165 4. Sieh, Speise, Trank, Kleidung und was sonst zur Erhaltung des Leibes gehört, sind der mit einem frommen Eifer erfüllten Seele zur Last. Gib mir, daß ich dieser Erhaltungsmittel mäßig genieße, und nicht durch zu großes Verlangen darnach verstrickt werde. Alles von sich zu werfen, ist der Pflicht der Selbsterhaltung zuwider; aber eben so verbietet dein heiliges Geseß, nach Ueberfluß und nach dem zu streben, was mehr zur Ergößung dient, denn sonst würde das Fleisch gegen den Geist sich empören. In allem Diesem bitte ich, regiere und leite mich deine Hand, damit nicht zu viel geschehe. Siebenundzwanzigstes Kapitel. Daß die Eigenliebe von dem höchsten Gute am meisten abzieht. 1.\ Mein ein Sohn! du mußt Alles, was du bist und hast, für Alles geben, und nichts darf dein eigen bleiben. Wisse, daß die Liebe zu dir selbst dir mehr schadet, als irgend etwas in der Welt. Denn jede Sache hängt nur in so fern fest an dir, als du Liebe und Neigung dazu hast. Ist deine Liebe rein, einfältig, wohlgeordnet, so kann dich nichts fesseln. Begehre nicht, was du nicht besigen darfst: wolle nicht besigen, was dich hindern und der innern Freiheit berauben kann. Wie 166 Drittes Buch. Siebenundzwanzigstes Kapitel. thöricht ist es, daß du nicht aus ganzem Herzensgrunde dich mit Allem, was du be gehren oder besißen kannst, Mir ergibst! 2. Warum lassest du dich von eitlem Kummer verzehren? Warum wirst du von überflüssigen Sorgen erschöpft? Laß mein Wohlgefallen die Richtschnur deines Lebens sein, so wirst du keinen Schaden leiden. Wenn du dieses oder jenes suchest, hier oder dort sein willst, um zu gewinnen, um deinen Willen zu erfüllen, so wirst du nie Ruhe finden, nie frei von Bekümmerniß werden, weil in allen Dingen einiger Mangel sich findet und an allen Orten Etwas, was dir zuwider ist. 3. Darum nüßt nicht Alles, was man äußerlich erlangt oder vermehrt, sondern vielmehr, was man verschmäht, und mit der Wurzel aus dem Herzen ausgerottet hat. Und das sollst du nicht bloß von der Schäßung des Goldes und des Reichthums verstehen, sondern auch von dem Streben nach Ehre, und dem Verlangen nach eitlem Lobe; denn Alles dieß vergeht mit der Welt. Wenig Si cherheit gewährt ein Ort, wenn der Geist der Inbrunst fehlt; auch besteht der Friede nicht lange, der äußerlich gesucht wird, wenn er den wahren Grund nicht im Herzen hat, das heißt, wenn du nicht in Mir bleibst. Verändern kannst du dich, aber nicht verbessern. Denn wenn sich die Gelegenheit bietet, und du sie ergreifest, so wirst du das wiederfinden, dem du entflohest und noch mehr. Drittes Buch. Achtundzwanzigstes Kapitel. 167 Gebet um Reinigung des Herzens und himmlische Weisheit. 4. Befestige mich, o Gott! durch die Gnade des heiligen Geistes. Verleihe mir die Gnade, daß ich am inwendigen Menschen start, und mein Herz von aller unnüßen Angst und Bekümmerniß befreit werde; daß ich nicht von vielfältigem Verlangen nach irgend einer geringen oder kostbaren Sache mich hinreißen lasse, sondern alle Dinge als vergänglich ansehe und daß ich zugleich mit ihnen vergehe. Denn nichts ist bleibend unter der Sonne, wo Alles Eitelkeit und Bekümmerniß des Geistes ist. O wie weise, wer so denkt! Gib mir, o Herr! himmlische Weisheit, daß ich Dich über Alles suchen und finden, über Alles Dich verstehen und lieben und alles Uebrige nach der Ordnung deiner Weisheit-erkennen lerne, so wie es ist. Verleihe mir, dem Schmeichler flüglich auszuweichen und den Widersacher geduldig zu ertragen. Denn das ist große Weisheit, nicht bewegt zu werden durch jeden Wind der Worte, noch Ges hör zu geben der verführerischen Schmeichelei. - Achtundzwanzigstes Kapitel. Wider die Zungen der Verläumder. 1. Mein Sohn, kränke dich nicht, wenn Manche Uebels von dir denken und reden, was du nicht gern hörst. Du selbst mußt am 168 Drittes Buch. Neunundzwanzigstes Kapitel. schlimmsten von dir selber denken und Niemanden für schlechter halten, als dich selbst. Wenn du nach dem Geiste wandelst, wirst du auf verhallende Worte kein großes Gewicht legen. Es ist keine geringe Klugheit, zur bösen Stunde zu schweigen, sich von Herzen zu mir zu wenden und sich durch kein menschliches Urtheil beunruhigen zu lasſen. 2. Dein Friede beruhe nicht auf Menschenzungen: denn sie mögen dich für gut oder für böse ausgeben, dadurch wirst du kein anderer Mensch. Wo ist der wahre Friede, der wahre Ruhm? Nicht wahr- in Mir? Und wer nicht begehrt, den Menschen zu gefallen und nicht fürchtet, ihnen zu mißfallen, der wird großen Frieden haben. Aus unor: dentlicher Begierde und eitler Furcht entsteht alle Unruhe des Herzens und Zerstreuung der Sinne. Neunundzwanzigftes Kapitel. Wie man zur Zeit der Trübjal Gott anrufen und Ihn preisen soll. 1. Dein Pein Name, o Herr! sei gepriesen in Ewige keit, der Du diese Versuchung und Trübsal hast über mich kommen lassen. Ihr kann ich nicht entfliehen, aber zu Dir muß ich fliehen, daß Du mir helfest und Alles zu meinem Besten lenkest. O Herr! jetzt bin ich Drittes Buch. Neumundzwanzigstes Kapitel. 169 in der Trübfal und nicht wohl ist meinem Herzen, sondern viel quält mich das gegenwärtige Leiden. Und nun, lieber Vater, was soll ich sagen? Alengsten aller Art drücken mich; errette mich aus dieser Stunde. Aber deßwegen bin ich in diese Stunde gerathen, daß Du verherrlicht werdest, wenn ich erniedrigt und dann befreit sein werde. Möge es Dir gefallen, o Herr! daß Du mich erretteſt, denn was kann ich Armer thun und wohin soll ich gehen, ohne Dich? Gib Geduld, Herr, auch diesmal! Hilf mir, mein Gott, so werde ich mich nicht fürchten, wie sehr ich auch bedrängt bin! 2. Und was soll ich nun sagen? Herr, dein Wille geschehe! Wohl hab ich's verdient, angefochten und geängstigt zu werden. Ja, freilich muß ich's ertragen: Möchte es nur mit Geduld geschehen, bis das Wetter vorüber ist und es wieder heiter wird. Aber stark genug ist deine allmächtige Hand, auch diese Prüfung von mir zu nehmen und ihren Angriff zu mildern, daß ich nicht gänzlich erliege, wie Du früher schon mit mir gehandelt hast, mein Gott und meine Barmherzigkeit! Und je schwerer mir dieser Wechsel, desto leichter ist er der Hand des Höchsten. 170 Drittes Buch. Dreißigstes Kapitel. Dreißigtes Kapitel. Von dem Gebete um göttliche Hülfe und dem Vertrauen auf Wiedererlangung der Gnade. 1. Mein Lein Sohn! Ich der Herr stärke dich am Tage der Trübsal. Komm zu Mir, wenn es dir nicht wohl geht. Was die himmlische Tröstung am meisten verzögert, ist, daß du dich so langsam zum Gebete wendest. Denn bevor du mich anhaltend bittest, suchst du überall andern Trost, suchst du durch Dinge der Außenwelt dich aufzurichten. Daher geschieht es, daß dir Alles nur wenig hilft, bis du erkennst, daß Ich es bin, der da errettet, die auf Mich hoffen und daß es außer Mir keine mächtige Hülfe, teinen heil samen Rath und tein anhaltendes Rettungsmittel gibt. Dann aber, wenn der Geist sich wieder erhoben hat nach dem Unwetter, dann genese im Lichte meiner Erbarmungen: denn Ich bin nahe,( spricht der Herr) daß Ich Alles wieder herstelle und nicht allein völlig, sondern reichlich und überflüssig. 2 Ist Mir denn irgend etwas zu schwer oder gleiche Ich dem, der zusagt und nicht hält? Wo ist dein Glaube? Stehe fest und harre aus. Sei geduldig und stark und der Trost wird dir zu seiner Zeit kommen. Harre - ♦ Drittes Buch. Dreißigstes Kapitel. 171 auf Mich, harre nur: Ich werde kommen und dir helfen. Die Anfechtung ist's, die dich ängstigt und die thörichte Furcht, die dich schreckt. Was nüßt die ängstliche Bekümmerniß um das, was künftig geschehen wird? sie verursacht dir nur Traurigkeit über Traurigkeit. Jeder Tag hat an seiner Plage genug. Es ist eben so thöricht als unnük, sich ängstigen oder freuen über Zukünftiges, was vielleicht niemals geschieht. 3. Zwar ist es menschlich, von dergleichen Einbildungen getäuscht zu werden, aber es ist immer ein Zeichen eines kleinen Geistes, so leicht den Einflüsterungen des Feindes nachzugeben; denn er ist unbesorgt, ob er dir Wahres eingebe, oder durch Falsches dich täusche und betrüge. Dein Herz erschrecke also nicht und fürchte sich nicht. Glaube an Mich und vertraue auf meine Barmherzigkeit. Wenn du meinst, du seiest entfernt von Mir, so bin Ich dir oft desto näher. Wenn du dich ganz für verloren achtest, dann gerade ist oft Verdienst und Gewinn am nächsten. Denn nie ist Alles verloren, wenn etwas Widerwärtiges eintritt. Du darfst also nicht nach deinem gegenwärtigen Gefühl urtheilen, auch nie durch etwas Widerwärtiges, woher es auch kommen mag, dich so traurig machen lassen und es so ansehen, als ob alle Hoffnung verloren sei, dessen wieder los zu werden. 4. Halte dich nicht für ganz verlassen, wenn Ich dir auch für einige Zeit eine Trüb 172 Drittes Buch. Dreißigftes Kapitel. sal zuschicke, oder den gewünschten Trost ent ziehe, denn so geht man in das Reich Gottes ein. Und ohne Zweifel ist es dir und allen meinen Dienern heilsamer, durch Leiden be währt zu werden, als wenn euch Alles nach Wunsch ginge. Ich kenne auch die verborgenen Gedanken; Ich weiß, wie viel es dir nüßt, bisweilen ohne Freude zu sein, weil du dadurch geschüßt wirst, dich des glücklichen Fortganges nie zu überheben und mit Selbstgefallen dich für besser zu halten, als du bist. Was Ich gegeben habe, tann Ich nehmen und wiedergeben, wenn es Mir gefällt. 5. Wenn Ich's gebe, so ist es Mein, und wenn Ich's entzogen habe, so habe Jch nicht genommen, was dein ist; denn Mein ist jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk. Wenn Ich dann über dich eine Trübsal oder irgend eine Widerwärtigkeit verhängt habe, so werde dein Herz nicht verzagt. Ich kann bald wieder aufrichten und alle Last in Freude verwandeln. Denn Ich bin gerecht und hoch zu loben in Allem, was Ich thue. 6. Wenn du es recht erwägst und in Wahrheit ansiehst, so darfst du nimmer um der Widerwärtigkeit willen zu jehr betrübt werden, sondern sollst vielmehr dich freuen und Dank sagen. Ja, halte das einzig für Freude, daß Ich, mit Schmerzen dich schlagend, deiner nicht schone. Wie Mich mein Vater geliebt hat, so liebe auch Ich euch," prach Ich zu meinen geliebten Jüngern. Und diese Drittes Buch. Einunddreißigstes Kapitel. 173 habe Jch nicht gesandt zu zeitlichen Freuden, sondern zu großen Kämpfen; nicht zu hohen Ehren, sondern zu vieler Schmach; nicht zu Müßiggang, sondern zur Arbeit; nicht zur Ruhe, sondern viele Frucht in Geduld zu bringen. Sei eingedenk, mein Sohn, dieser Worte. Sinunddreißigstes Kapitel. Von der Hintanseßung aller Geschöpfe, auf daß man den Schöpfer finde. 1. Jerr; ich bedarf noch größere Gnade, wenn ich dahin gelangen soll, wo nichts Erschaffenes mir ferner Hindernisse in den Weg legen kann. Denn so lange mich irgend etwas aufhält, kann ich mich nicht frei zu Dir emporschwingen. Der wollte hinauf fliegen, welcher sagte, wer gibt mir Federn wie der Taube, so will ich fliegen und Ruhe finden." Was ist ruhiger, als ein einfältiges Auge? Wer ist freier, als wer nichts begehrt auf Erden? Es ist also nöthig, daß man bei allem Erschaffenen gleichsam vorbeigehe, daß man sich selbst verlasse und in solcher Freiheit des Geistes erkenne, daß Du Schöpfer aller Dinge keine Gleichheit hast mit den Geschöpfen. Und wer nicht jede Anhänglich 174 Drittes Buch. Einunddreißigstes Kapitel. keit an die Geschöpfe von sich gethan hat, der kann nicht frei nach dem Göttlichen trachten. Darum werden so Wenige gefunden, die das Göttliche zu betrachten vermögen, weil es nur Wenige verstehen, sich von den vergänglichen Geschöpfen zu trennen. 2. Dazu bedarf es große Gnade, welche die Seele von aller irdischen Last befreie und fie über sich selbst hinaufführe. Und wenn der Mensch sich nicht im Schwunge des Gei stes von allen Geschöpfen los gemacht und ganz mit Gott vereinigt hat, so ist Alles, so viel er weiß und so viel er besigt, von geringem Werthe. Lange wird der klein bleiben und am Irdischen hangen, der irgend etwas für groß achtet, außer dem einigen, unermeßlichen, ewigen Gut. Und Alles, was Gott nicht ist, ist nichts und soll für nichts geachtet werden. Es ist ein großer Unterschied zwischen der Weisheit eines erleuchteten gottseligen Mannes und der Weisheit eines wissenschaftlich gebildeten und forschenden Geistlichen. Viel erhabener ist die Lehre, welche von oben aus der Gottheit herabquillt, als die, welche durch Mühe und Fleiß auf dem Wege bloß menschlicher Forschung erworben wird. 3. Es werden Mehrere gefunden, welche die Anschauung des Göttlichen wünschen, aber das, was dazu erforderlich ist, zu üben, nicht bemüht sind. Es ist ein großes Hinderniß für sie, daß sie so lange bei Zeichen und Drittes Buch. Einunddreißigstes Kapitel. 175 sinnlichen Dingen verweilen und wenig an vollkommene Abtödtung denken. Es läßt sich nicht leicht begreifen, durch welchen Geist der Mensch getrieben wird und was er eigentlich will; er will geistig gesinnt scheinen und wendet so viel Mühe und so große Sorge auf vergängliche und werthlose Dinge, während er über sein Inneres nur selten nachdenkt und selten sich aus seiner Zerstreuung sammelt. 4. Und wenn auch diese Sammlung einmal statt findet, so treten wir oft schnell aus derselben wieder heraus, und untersuchen eben nicht streng unsere Handlungen. Wir beachten nicht, wo der Eiß unserer Begierden ist, und beklagen nicht, daß viele unserer Neigungen so unrein sind. Alles Fleisch hatte nämlich seinen Weg verkehrt, und deßhalb erfolgte die große Sündfluth. Da nun un ser innerster Trieb sehr verderbt ist, so muß wohl nothwendig die daraus hervorgehende Handlung, das Zeichen des Mangels an innerer Kraft, eben so verderbt sein. Aus dem reinen Herzen geht die Frucht eines guten Lebens hervor. Wie viel Jemand gethan hat, darnach wird gefragt; aber wie edel der innere Grund sei, auf welchem die Handlung beruht, das wird nicht so sorgfältig erwogen; ob Jemand tapser, reich, schön, geschidt, ein guter Schriftsteller, ein guter Sänger, oder ein guter Arbeiter sei, darnach wird geforscht; aber wie arm im Geiste, wie 176 Drittes Buch. Zweiunddreißigstes Kapitel. geduldig und sanftmüthig, wie andächtig und gottselig er sei, davon spricht selten Jemand. Die Natur sieht auf das Neußere des Menschen; die Gnade dagegen wendet sich dem Innern zu. Jene täuscht oft, diese hofft auf Gott und wird nicht hintergangen. Zweiunddreißigtes Kapitel. Von der Verläugnung seiner selbst und dem Widerstande gegen die sinnlichen Begierden. 1. Lein Sohn! du kannst nicht zu der vollkommenen Freiheit gelangen, wenn du dich nicht selbst gänzlich verläugneft. Die, welche nach Reichthum trachten, sich selbsi lieben, lüstern, neugierig, genußsüchtig sind, die immer nur nach dem trachten, was den Sinnen schmeichelt, und nicht nach dem, was Jesu Christi ist; Alle, die darauf sinnen und das herbeischaffen wollen, was keinen Bestand hat, Alle diese tragen Sklavenfesseln; denn es wird Alles vergehen, was nicht aus Gott ist. Merke auf dies kurze und Alles enthaltende Wort: Verlasse Alles, und du wirst Alles finden: verlasse jede Begier und du findest Ruhe." Dieß fasse wohl zu Herzen, und handelst du darnach, so wirst du immer besser Alles begreifen. W Drittes Buch. Zweiunddreißigstes Kapitel. 177 2. Herr! das ist nicht das Werk eines einzigen Tages, noch ein Kinderspiel; ja in diesem kurzen Worte ist die ganze Vollkommenheit derer, die da Gott suchen, enthalten.- Mein Sohn! du darfst dich nicht abwenden, du darfst nicht niedergeschlagen werden, wenn du vom Wege der Vollkommenen hörst; es muß dich dieß vielmehr nach dem Höhern hinziehen, und wenigstens in dir eine heiße Sehnsucht darnach erwecken. O wäre dieß doch der Fall bei dir; wärest du doch dahin gekommen, daß dich die Eigenliebe nicht blendete; daß du ganz meinem Willen folgtest, und dem Willen des Vaters, den Ich dir vor Augen gestellt habe: dann würde Ich das größte Wohlgefallen an dir haben, und dein ganzes Leben würde in Freude und Frieden dahin schwinden. Noch von Vielem hast du dich zu trennen, und wenn du nicht Meinetwegen von ganzem Herzen ihm entsagest, so wirst du nicht erlangen, was du begehrst. Ich rathe dir, im Feuer bewährtes Gold bei Mir zu kaufen, daß du reich werdest, d. h. himmlische Weisheit, die sich über alles Irdische erhebt. Jhr seze die irdische Weisheit, alles Wohlgefallen der Menschen und deine Selbstgefälligkeit nach. 3. Ich habe es dir gesagt, statt dessen, was in den Augen der Menschen hoch und kostbar ist, bringe das dir heim, was sie für gering achten. Aber gerade die himmlische Weisheit wird für gering und klein geachtet, 12 178 Drittes Buch. Dreiunddreißigstes Kapitel. und beinahe ganz vergessen; sie, die den, der sie besigt, nicht hoch von sich denken und die irdische Ehre suchen läßt; sie, die Viele mit dem Munde bekennen, aber in ihrem Leben weit von ihr abweichen, und doch ist sie jene föstliche, aber Vielen verborgene Perle. Dreiunddreißigstes Kapitel. Von der Unbeständigkeit des Herzens und der Richtung desselben auf Gott. 1. Mein Lein Sohn! traue nicht deiner Neigung; der jebigen macht bald eine andre Plaß. So lange du lebst, bist du der Veränderlichkeit unterworfen, auch wider deinen Willen; bald bist du fröhlich, bald traurig, bald ruhig, bald beunruhigt, bald andächtig, bald zerstreut, bald eifrig, bald träge, bald ernst, bald leichtsinnig. Aber über diese Wandelbarkeit erhaben steht der Weise und der, welcher vom Geiste gelehrt ist, indem er sich nicht darum bekümmert, wie seine Empfindungen beschaffen sind, oder von welcher Seite der Wind der Unbeständigkeit kommt, sondern darum, daß die Richtung seines gan zen Gemüthes zu dem gehörigen guten Ziele führe. Denn auf diese Weise fann er, hne erschüttert zu werden, einer und derselbe blei Drittes Buch. Vierunddreißigstes Kapitel. 179 ben, wenn sein Auge unter den verschiedenartigsten Begebenheiten auf Erden ohne Unterlaß auf Mich gerichtet ist. 2. Je reiner aber sein Verlangen und je heller sein Blick ist, mit desto größerer Standhaftigkeit wird er durch die vielfältigen Stürme des Lebens fortwandeln. In Vielen aber verdunkelt sich das Auge, und das Verlangen verliert an seiner Reinheit, weil sie schnell auf das Ergößliche hinblicken, daß ihnen entgegen kommt. Daher wird selten Jemand ganz frei von dem Fehler der Eigenliebe. So famen einst die Juden zu Martha und Maria nach Bethanien nicht um Jesu willen allein, sondern auch darum, daß sie den Lazarus sähen. Also auch der verlangende Blick muß gereiniget werden, daß er recht schaue, über Alles hinweg sehe, und sich auf Mich richte. Vierunddreißigtes Kapitel. Wer Gott wahrhaft liebt, dem gefällt Gott über Alles, und in Allem. 1. Sieh, Gott ist mein und mein Alles; was will ich mehr, und welches größere Glück kann ich wünschen? O liebliches und süßes Wort! aber nur für den, der Gott liebt und. 180 Drittes Buch. Vierunddreißigstes Kapitel. nicht die Welt, noch das, was in der Welt ist. Mein Gott und mein Alles! dieß ist genug gesagt für den, der es versteht, und es oft zu wiederholen ist angenehm für den, der da liebt. Bist Du nur da, so ist Alles lieblich; bist Du aber fern, dann widert uns Alles an. Du machst das Herz ruhig, gibst großen Frieden und festliche Freude; Du bewirkst es, daß man Alles für gut ansieht, und in Allem Dich lobt. Nichts kann ohne Dich lange gefallen, sondern wenn etwas angenehm und wohlgefällig sein soll, so muß deine Gnade dabei sein und deine Weisheit muß es würzen. 2. Wer in Dir Freude findet, woran sollte der keine Freude finden? Und wer sich Deiner nicht freut, was wird dem Freude machen können? Aber vor deiner Weisheit verschwinden die Weisen der Welt, wie auch die Freunde der Sinnenlust; denn dort ist große Eitelkeit, und hier ist Tod. Die aber, welche in der Verachtung der Welt, und in der Abtödtung des Fleisches Dir nachfolgen, diese werden für wahrhaft weise erkannt, denn sie dringen von der Eitelkeit zur Wahrheit, vom Fleisch zum Geiste empor. Sie haben Freude an Gott, und was Gutes an den Geschöpfen gefunden wird, das führt sie zum Lobe des Schöpfers. Höchst verschieden jedoch ist die Freude über den Schöpfer von der über das Geschöpf, die Freude über die Ewigkeit von der über die Zeit, die Freude über das Drittes Buch. Vierunddreißigstes Kapitel. 181 Licht aus Gott von der über das Licht aus Menschenweisheit. 3. O ewiges Licht, herrlicher als alles erschaffene und erworbene Licht, sende deinen leuchtenden Strahl aus der Höhe, daß er die innerste Tiefe meines Herzens durchdringe! Reinige, erfreue, erhelle und belebe meinen Geist mit allen seinen Kräften, daß ich mit Freude und Wonne Dir anhangen möge. O wann wird doch die selige und erwünschte Stunde kommen, daß Du mich erfülleſt mit deiner Gegenwart und mir Alles seiest in Allem? So lange dieß mir nicht gegeben ist, wird meine Freude noch nicht vollkommen sein. Noch lebt der alte Mensch in mir, nicht ganz habe ich ihn gekreuziget, nicht vök lig ihn ertödtet. Noch gelüstet das Fleisch wider den Geist, erregt Kämpfe in mir, und stört die Ruhe im Reich der Seele. 4. Aber Du, der Du herrschest über die Gewalt des Meeres, der Du besänftigest das Toben seiner Fluthen, stehe auf und hilf mir; zerstreue die Mächte, die Krieg wollen, zermalme sie durch deine Kraft, zeige, Herr! deine Wunder, daß deine Rechte gerühmt werde, denn ich habe keine Hoffnung, als auf Dich, keine Zuflucht, als zu Dir, Herr! mein Gott. 182 Drittes Buch. Fünfunddreißigstes Kapitel. Fünfunddreißigtes Kapitel. Daß in diesem Leben keine Sicher heit vor Anfechtung ist. 1. Meir ein Sohn! in diesem Leben bist du niemals sicher, sondern du bedarfst dein gan zes Leben hindurch immer geistiger Waffen. Unter Feinden wohnest du, und zur Rechten und zur Linken wirst du angefochten. Bedienst du dich dann nicht nach allen Seiten des Schildes der Geduld, so wirst du nicht ohne Wunden bleiben. Wenn du überdieß dein Herz Mir nicht ganz fest übergibst, mit dem festen Willen, Alles für mich zu ertragen, so wirst du diesen heißen Kampf nicht aushalten können, und die Palme der Seligen nicht erlangen. Du mußt also muthig Alles durchlaufen, und mit tapferer Hand gegen alles Widrige kämpfen. Denn nur dem Ueberwinder wird das Himmelbrod gereicht; über den Feigen aber kommt vieles Elend. 2. Suchst du schon Ruhe in diesem Leben, wie willst du dann zur ewigen Ruhe gelan gen? Mache dich gefaßt, nicht auf viele Ruhe, sondern auf große Geduld. Suche wahren Frieden nicht auf Erden, sondern im Him mel; nicht in den Menschen, noch in den übrigen Geschöpfen; sondern in Gott allein. Aus Liebe zu Gott mußt du Alles gern er Drittes Buch. Fünfunddreißigstes Kapitel. 183 tragen, nämlich Mühe und Schmerz, Anfechtung, Versuchung, Angst, Noth, Schwach heit, Beleidigung, Widerspruch, Lästerung, Demüthigung, Schmach, Tadel und Verachtung. Alle diese Dinge verhelfen zur Tugend, fie bewähren den Jünger Christi, sie bereiten die himmlische Krone. Ewigen Lohn will Ich dir geben für kurze Arbeit und unendlichen Ruhm für vorübergehendes Leiden. 3. Glaubst du wohl, daß du immerfort nach deinem Willen geistigen Trost haben könnest? Auch meine Heiligen haben ihn nicht immer gehabt, wohl aber viele Beschwerden, mancherlei Anfechtungen und große Kümmernisse. Aber geduldig haben sie in Allem ausgeharrt; sie haben mehr Gott, als sich selbst vertraut; sie wußten es wohl, daß alle Leiden dieser Zeit in keinen Vergleich kommen mit der Herrlichkeit, die einst an uns soll offenbar werden." Willst du sogleich und ohne Mühe erhalten, was Viele nur mit vielen Thränen und harten Mühen kaum erlangten? Harre des Herrn, streite muthig, sei stark, verzage nicht, weiche nicht; diene dem Herrn standhaft mit Leib und Seele zu seinem Ruhm, Ich will dir's reichlich vergelten, Ich will mit dir sein in aller Anfechtung. 184 Drittes Buch. Sechsunddreißigstes Kapitel. Sechsunddreißigstes Kapitel. Wider die thörichten Urtheile der Menschen. 1. Mein ein Sohn! ergib dich dem Herrn von ganzem Herzen und du wirst kein menschliches Urtheil scheuen, wenn nur dein Gewissen dich für schuldlos und rein erklärt. Es ist gut und selig, solches zu leiden und kann auch dem demüthigen Herzen nicht schwer fallen, das Gott mehr, als sich selbst vertraut. Viele reden viel und deßwegen soll man ihnen nur wenig Glauben schenken. Aber es ist auch nicht möglich, Alle zu befriedigen.. Wenn gleich Paulus strebte, in dem Herrn Allen zu gefallen und Allen Alles geworden ist, so achtete er es doch für gering, von irgend einem menschlichen Tage gerichtet zu werden. 2. Allerdings that er für die Erbauung und das Heil Anderer, soviel er nur konnte; dennoch vermochte er es nicht zu hindern, daß er nicht von Andern gerichtet oder verachtet worden wäre. Darum stellte er Alles Gott anheim, der Alles am Besten wußte; seine einzige Vertheidigung gegen ungerechte Anklagen oder thörichte und lügenhafte Sagen derer, welche mit Muthwillen gegen ihn sich rühmten, war Geduld und Demuth. Doch Däitles Buch. Siebenunddreißigstes Kapitel. 185 antwortete er auch zuweilen, damit den Schwachen durch sein Schweigen kein Aergerniß gegeben werde. 3. Wie kannst du dich vor dem Urtheil eines sterblichen Menschen fürchten? Heut ist er und morgen sieht man ihn nicht mehr. Fürchte Gott und zittere nicht vor den Schrez den, welche dir Menschen verursachen. Was vermag Jemand wider dich mit Worten oder mit Beleidigungen? Er schadet sich mehr, als dir und wird dem Urtheile Gottes nicht entfliehen können, wer er auch immer sein mag. Du habe Gott vor Augen und erhebe keine Klagen. Wenn es auch scheint, du werdest jetzt unterliegen und müßtest leiden, was du nicht verdient hast, so werde nicht ungeduldig darüber und verunziere nicht durch Ungeduld deine Krone; vielmehr richte deinen Blick auf Mich gen Himmel; Ich bin mächtig genug, dich aller Schmach und Beleidigung zu ents reißen und einem Jeglichen zu geben nach seinen Werken. Siebenunddreißigtes Kapitel. Von dem reinen und völligen Verzichtleisten auf sich selbst zur Ers langung der Freiheit des Herzens. 1. Mein Jilein Sohn! verlaß dich selbst, so wirst du Mich finden; bleibe ohne Eigenwillen und Eigensucht, so wirst du immer 186 Drittes Buch. Siebenunddreißigstes Kapitel. gewinnen; denn es wird dir auch höhere Gnade zugelegt, sobald du auf dich selbst verzichtet hast und dich nicht wieder zurücknimmst. 2. Herr! wie oft soll ich auf mich verzichten und worin mich selbst verlassen? 3. Allezeit und zu jeder Stunde, und wie im Kleinen, so auch im Großen! Nichts nehme Ich aus, sondern Allem will Ich dich ganz entzogen finden. Denn wie magst du sonst Mein und wie mag Ich dein sein; wenn du nicht von allem Eigenwillen, innerlich und äußerlich, losgerissen bist? Je schneller du dieß vollbringst, desto besser wirst du dich befinden! und je vollkommener und aufrichtiger, desto mehr wirst du Mir gefallen und desto größer wird dein Lohn sein. 4. Einige ergeben sich, aber mit gewiffem Vorbehalt; denn sie haben nicht völliges Ver trauen auf Gott, deßhalb denken sie darauf, sich selbst vorzusehen. Einige auch bieten an fänglich sich ganz dar, kehren aber nachher, wenn die Anfechtung sie drängt, wieder zu dem Eigenen zurück und nehmen daher keineswegs in der Tugend zu. Diese gelangen nicht zur wahren Freiheit eines reinen Her zens, noch zur Gnade der Vertraulichkeit mit Mir; es sei denn, daß sie zuvor gänzlich auf sich verzichtet und täglich Mir sich selbst zum Opfer gebracht haben. Denn ohne dieß besteht eine beseligénde Vereinigung nicht und wird nimmer bestehen. 5. Ich habe dir sehr oft gesagt und sage Drittes Buch. Achtunddreißigstes Kapitel. 187 dir abermal: verlaß dich selbst, leiste Verzicht auf dich selbst und du wirst großen Seelenfrieden haben. Gib Alles für Alles; nimm nichts aus, verlange nichts zurück, beharre von Allem abgesondert und ohne Bedenken bei mir und du wirst Mich haben, du wirst frei sein im Herzen und die Finsternisse werden dich nicht überwältigen. Darnach strebe, darum bitte, dieß wünsche, daß du alles Eigenthums dich entäußern, entblößt dem entblößten Jesus folgen, dir sterben und Mir ewig leben mögest. Dann werden alle eiteln Vorstellungen, alle feindlichen Störungen, alle überflüssigen Sorgen weichen. Dann wird auch die übermäßige Furcht schwinden und die unordentliche Selbstliebe sterben. Achtunddreißigstes Kapitel. Von der guten Ordnung in den äußern Dingen und der Zufluchtsnahme zu Gott in Gefahren. 1, Mein Jilein Sohn! darnach mußt du fleißig streoben, daß du an jedem Orte, bei jeder Handlung und Beschäftigung mit Dingen der äußern Welt in dir frei und deiner mächtig setest; daß du Alles beherrschest, aber nicht beherrscht werdest, daß du der Herr und Ordner deiner Handlungen seiest, nicht aber 188 Drittes Buch. Achtunddreißigstes Kapitel. ein Sklav oder Miethling; sondern vielmehr ein Freigelassener und wahrer Israelit, der Best nimmt von seinem Antheil an der Freiheit der Kinder Gottes. Diese stehen über der Gegenwart und richten den Blick in die Ewigs feit. Sie sehen das Vergängliche mit dem linken Auge an und mit dem rechten das Himmlische: Das Zeitliche zieht sie nicht so, daß sie fest daran hängen; sie ziehen vielmehr dieses an sich, um sich desselben zu bedienen, wie Gott es geordnet, der höchste Werkmeister es eingerichtet hat, welcher in seiner Schöpfung nichts ungeordnet ließ. 2. Wenn du auch bei jedem Ereignisse nicht bei der äußern Erscheinung stehen bleibst und das Gesehene oder Gehörte nicht bloß mit den Sinnen des Leibes beleuchteſt, sondern bei jeder Gelegenheit gleichsam mit Moses in die Stiftshütte gehest, um den Herrn zu befragen, so wirst du wohl bisweilen die göttliche Antwort vernehmen und über vieles Gegenwärtige und zukünftige belehrt zurückkehren. Denn stets, wenn Zweifel und Fragen zu lösen waren, nahm Moses seine Zuflucht zur Stiftshütte und suchte zur Abwendung der Gefahr und der Verfolgung der Menschen Hülfe im Gebete. Auf gleiche Weise mußt auch du dich in das Innerste deines Herzens flüchten und eifrig um göttlichen Rath beten.. Denn darum wurden, wie wir lesen, Josua und die Kinder Israel von den Gabaoniten. betrogen, weil sie nicht zuvor die Stimme Drittes Buch. Neununddreißigstes Kapitel. 189 des Herrn befragt hatten, sondern süßen Reden allzu leicht Glauben schenkend, durch falsches Mitleid sich täuschen ließen. Neununddreißigtes Kapitel. Der Mensch soll in seinen Ge schäften nicht ungestüm sein. 1. Jid Lein Sohn! überlaß stets Mir deine Sache, Ich werde zu seiner Zeit Alles wohl machen. Harre meiner Anordnung und du wirst den Nußen davon erfahren. 2. Herr! gern überlasse ich Dir Alles, denn mein Nachdenken fann nur wenig ausrichten. Möchte ich doch nicht zu sehr künftigen Ereignissen nachhängen, sondern ohne Zögern mich deinem Willen fügen. 3. Mein Sohn! oftmals strebt der Mensch nach Etwas, das er wünscht, mit großem Ungestüm und hat er es erreicht, so fängt er an, ganz anders darüber zu denken; weil die Neigung, die auf das eine und dasselbe gerichtet ist, sich nicht gleich bleibt. Der Mensch wird von dem Einen auf das Andere getrieben. Es ist daher nichts Geringes, auch im Geringen sich selbst zu verläugnen. 4. Der wahre steht also in der und der Mensch, Fortschrittt im Guten beVerläugnung seiner selbst welcher es dazu gebracht hat, ist ganz frei und sicher. Aber der alte 190 Drittes Buch. Bierzigstes Kapitel. Feind, der allem Guten entgegen ist, läßt nicht ab von der Versuchung und sinnt Tag und Nacht auf Nachstellungen, ob er wohl den Unvorsichtigen durch Fallstricke fangen könne. Darum sagt der Herr:„ Wachet und betet, daß ihr nicht in der Versuchung fallet". Vierzigftes Kapitel. Der Mensch hat nichts Gutes von sich selbst und darf sich daher nicht rühmen. 1. Jerr! was ist der Mensch, daß Du seiner gedenkest, oder des Menschen Sohn, daß Du Dich seiner annimmst?" Was hat der Mensch verdient, daß Du ihm deine Gnade geben müßtest? Herr! wie darf ich klagen, wenn Du mich verlassest? oder was darf ich einwenden, wenn Du meine Bitten nicht er hörest? Nur das kann ich in Wahrheit denken und sagen: Herr, ich bin nichts, ich ver mag nichts, ich habe aus mir selbst nichts Gutes; sondern in Allem bin ich schwach und strebe nach dem Nichts; und wenn ich nicht von Dir unterstüßt und belehrt werde, jo werde ich zuletzt ganz lau und zuchtlos. 2. Du aber, o Herr! bist immer derselbe und bleibst in Ewigkeit immer gut, gerecht und heilig, der Du Alles gut, gerecht und heilig Lenkest und mit Weisheit ordnest. Ich Drittes Buch. Vierzigstes Kapitel. 191 aber, der ich mehr zum Rückschritt als zum Fortschritt geneigt bin, ich beharre nicht immer in einem und demselben Zustande, denn immerdar wechseln die Zeiten über meinem Haupte. Dennoch wird es schnell besser, sobald es Dir nur gefällt und Du mir deine hülfreiche Hand reichst; denn Du allein kannst ohne den Rath der Menschen helfen und mich so befestigen, daß mein Blick nicht ferner auf die verschiedenartigsten Dinge hinüberschweife, sondern mein Herz sich zu Dir allein wende und in Dir ruhe. 3. Wenn ich es daher recht verstände, auf den Trost der Menschen zu verzichten, entweder um den Geist der Andacht zu erlangen, oder des Bedürfnisses halber, das mich treibt, Dich zu suchen, weil kein Mensch ist, der mich trösten kann: so könnte ich mit Zuversicht auf deine Gnade hoffen und mich über das Geschenk eines neuen Trostes freuen. 4. Dank also Dir, von Dem Alles kommt, wenn mir irgend etwas gelingt. Ich bin Eitelkeit und nichts vor Dir, ein unbeständiger und schwacher Mensch. Worüber kann ich mich also rühmen, oder warum wünsche ich hochgeachtet zu werden? Jst's nicht um Nichts? und dieß ist das Thörichteste. Fürwahr, der eitle Ruhm ist eine giftige Krankheit und die größte Thorheit; denn er zieht von dem wahren Ruhme ab, und beraubt der himmlischen Gnade. Indem also ein Mensch sich wohlgefällt, mißfällt er Dir; 192 Drittes Buch. Einundvierzigstes Kapitel. während er nach menschlichem Lobe jagt, wird er wahrer Tugenden beraubt. 5. Es ist aber der wahre Ruhm und eine heilige Freude, sich in Dir rühmen und nicht in sich; sich in deinem Namen freuen und nicht über die eigene Tugend; auch über kein Geschöpf sich freuen, außer wegen Dir. Dein Name werde gepriesen, nicht der meinige; verherrlicht werde dein Werk, nicht das meinige. Geheiliget werde dein Name, aber kein menschliches Lob werde mir gespendet. Du bist mein Ruhm und die Freude meines Herzens. In Dir will ich mich rühmen und freuen den ganzen Tag; an mir aber will ich nichts rühmen, als meine Schwachheit. 6. Mögen die Juden Ruhm von einander suchen, ich suche den, der von Gott kömmt; denn aller menschliche Ruhm, alle zeitliche Ehre, jede weltliche Hoheit ist, mit deinem Ruhme verglichen, Eitelkeit und Thorheit. O meine Wahrheit und meine Barmherzigkeit mein Gott, heilige Dreieinigkeit, Dir allein sei Lob, Ehre, Kraft und Ruhm in Ewigkeit! A. Sinundvierzigstes Kapitel. Von der Gleichgültigkeit gegen zeitliche Ehre. 1. Lein Sohn! nimm es dir nicht zu Herzen, wenn du siehst, daß Andere geehrt und erhoben werden, du aber übersehen und Drittes Buch. Zweiundvierzigstes Kapitel. 193 zurückgesetzt wirst. Erhebe dein Herz zu Mir in den Himmel, und die Verachtung, die dir auf Erden widerfährt, wird dich nicht traurig machen. 2. Herr! wir leben in Blindheit, und werden leicht von der Eitelkeit verführt. Wenn ich mich recht ansehe, so ist mir von keinem Geschöpf jemals Unrecht geschehen, darum habe ich auch nichts, worüber ich mit Recht gegen Dich mich beklagen könnte. Weil ich aber oft und schwer gegen Dich gesündigt habe, so waffnen sich mit Recht alle Geschöpfe gegen mich. Mir also gebührt billig Schmach und Verachtung, Dir aber Lob, Ehre und Ruhm. Und wenn ich mich nicht darauf vorbereite, willig von allen Menschen Verachtung zu leiden, von Allen verlassen und für nichts gehalten zu werden, so kann ich nie zum innern Frieden kommen, nie geistig erleuchtet, noch vollkommen mit Dir vereinigt werden. Zweiundvierzigftes Kapitel. Man soll seinen Frieden nicht auf Menschen gründen. 1. Mein ein Sohn! wenn du deinen Frieden auf Qirgend einen Sterblichen gründest, weil er mit dir übereinstimmt, so wird deine Ruhe nie jest werden, sondern du wirst imNachfolge Chrifti. 13 194 Drittes Buch. Zweiundvierzigstes Kapitel. mer unzufrieden sein. Wenn du aber eine Zuflucht hast zu der immer lebendigen und bleibenden Wahrheit, so wirst du dich nicht betrüben um einen Freund, der untreu wird oder stirbt. In Mir soll die Liebe des Freun des bestehen, und nur um Meinetwillen sollst du Jeden lieben, den du für gut hältst, und der dir in diesem Leben theuer ist. Ohne Mich hat die Freundschaft weder Werth noch Dauer, noch besteht wahre und reine Liebe, wenn Ich sie nicht knüpfe. Solcher Neigung zu geliebten Menschen mußt du dergestalt abgestorben sein, daß du, so viel von dir abhängt, selbst aller menschlichen Verbindung zu entsagen vermöchtest, denn um so viel kömmt der Mensch Gott näher, so viel er sich von allem menschlichen Troste entfernt, und so viel höher steigt er zu Gott empor, je tiefer er in sich hinabsteigt, und je geringer er von sich selbst denkt. 2. Wer aber sich selbst etwas Gutes zu schreibt, der wehrt der Gnade Gottes, daß sie nicht bei ihm einkehren kann, denn die Gnade des heiligen Geistes sucht allzeit ein demüthiges Herz. Wenn du dich selbst in deiner Nichtigkeit erkennen und von aller irdischen Liebe frei machen könntest, dann würde Ich Mich dir mit großer Gnade reichlich mittheilen. Wenn du aber den Blick auf die Geschöpfe hestest, so wird dir der Anblick des Schöpfers entzogen. Lerne dich in Allem um des Schöpfers willen überwinden; dann wirst Drittes Buch. Dreiundvierzigstes Kapitel. 195 du vermögen zur göttlichen Kenntniß zu gelangen. Was man aber unordentlich liebt und werthschäßt, das hält vom Höchsten zurück und verunreinigt, wie gering es auch sei. Dreiundvierzigfles Kapitel. Wider das eitle und weltliche Wissen. 1. Mein ein Sohn! Laß dich von den schönen und Ookünstlichen Ausdrücken der Menschen nicht bewegen. Denn das Reich Gottes besteht nicht in Worten, sondern in Kraft. Merk auf meine Worte, welche die Herzen entzünden, und die Gemüther erleuchten, die bittere Reue herbeiführen, und mannigfachen Trost bringen. Niemals lies mein Wort bloß deßhalb, daß du gelehrter oder weiser scheinen mögest. Lerne vielmehr der Sünde absterben; dieß wird dir gewiß heilsamer sein, als die Kenntniß vieler schwierigen Streitpunkte. 2. Wie viel du auch lesen und lernen mögest, so mußt du doch immer auf den einen Ursprung wieder zurückkommen. Ich bin es, der den Menschen Weisheit lehrt, und dem Unmündigen hellere Einsicht gibt, als irgend ein Mensch mittheilen kann. Zu wem Ich rede, der wird schnell weise und macht große geistige Fortschritte. Wehe denen, die immer 196 Drittes Buch. Dreiundvierzigstes Kapitel. nur ihre Neugierde zu befriedigen suchen, aber um die Art und Weise, Mir zu dienen, sich nur wenig kümmern. Es wird die Zeit kommen, wo der Meister aller Meister, Je sus Christus, der Herr der Engel, erscheinen wird, um zu hören, was Jeder gelernt hat, d. h. wo Er die Gewissen prüfen wird. Dann wird Jerusalem mit hellem Lichte durchsucht, und Alles, was in Finsterniß verbor gen ist, offenbar werden; und beredte 3ungen werden dann schweigen. 3. Ich bin es, der den Demüthigen in einem Augenblicke so erhöht, daß er mehr Gründe der ewigen Wahrheit zu begreifen vermag, als wenn er zehn Jahre in den Sc len studirt hätte. Ich lehre ohne Wortgeräusch, ohne Ehrgeiz, ohne Verwirrung der Meinungen, ohne schwere Beweise. Ich bin es, der dich lehrt, das Irdische verachten, das Zeitliche hintansegen, das Ewige suchen, das Ewige lieben, feinen Ruhm suchen, Aergerniß ertragen, alle Hoffnung auf Mich sezen, außer mir nichts wünschen und über Alles innig Mich lieben. 4. Jemand lernte dadurch, daß er Mich innigst liebte, göttliche Dinge und redete Wunderbares. Er machte größere Fortschritte, indem er auf Alles verzichtete, als er durch das Erforschen von Spißfindigkeiten gemacht haben würde. Zu Einigen rede ich im Allgemeinen, zu Andern Besonderes. Manchen erscheine Ich lieblich in Zeichen und Bildern; Drittes Buch). Vierundvierzigstes Kapitel. 197 Andern offenbare Jch im hellen Lichte Geheimnisse. Die Bücher sagen das Gleiche, aber sie belehren nicht Alle auf gleiche Weise; denn Ich, der Ich im Innern die Wahrheit lehre, die Herzen durchschaue, die Gedanken kenne, theile Jedem aus, wie Ich ihn für würdig halte. Vierundvierzigstes Kapitel. Der Mensch darf sich die äußern Dinge nicht anziehen. 1. JiLein Sohn! in vielen Dingen mußt du unwissend sein, und dich als für die Welt todt, die ganze Welt aber als für dich gekreuziget betrachten. Für Vieles muß dein Ohr taub sein und du darfst nur daran denken, was zu deinem Frieden dient. Auch ist dir nüßlicher, die Augen von dem, was dir mißfällt, ganz abzuwenden und Ändern ihre Meinung zu lassen, als mit ihnen darüber zu streiten. Wenn du mit Gott gut stehst, und auf sein Urtheil achtest, so wird es dir leichter sein, nachzugeben. 2. O Herr! wie weit ist es mit uns gekommen? Sieh, ein zeitlicher Schaden wird beweint; nach einem geringen Gewinn läuft der Mensch und bemüht sich dafür; aber den Schaden an seiner Seele vergißt er, und kömmt vielleicht spät, vielleicht gar nicht darauf zu 198 Drittes Buch. Fünfundvierzigstes Kapitel. rück. Was wenig oder nichts nüßt, darauf achtet man; und was höchst nöthig ist, wird vernachlässigt; weil der ganze Mensch sich an das Aeußere hängt, und wenn er nicht bald zurück kömmt, immer mehr Wohlgefallen an den Dingen der Außenwelt findet. Fünfundvierzigftes Kapitel. Man muß nicht Allen glauben; man kann auch sich selbst leicht im Reden verfehlen. 1. Herr! Komme Du mir zu Hülfe in meiner Trübsal, denn eitel ist der Menschen Hülfe. Wie oft habe ich da keine Treue gefunden, wo ich sie zu finden meinte; wie oft auch fand ich sie da, wo ich sie nicht vermuthete. Eitel ist also die Hoffnung auf Menschen, das Heil der Gerechten aber ist in Dir. Gelobt seist Du, Herr, mein Gott! in Allem, was uns widerfährt. Wir sind schwach und unbeständig, leicht zu täuschen und veränderlich. 2. Welcher Mensch vermöchte sich in allen Dingen so sorgfältig und behutsam zu bewahren, daß er niemals Täuschung oder Verlegenheit erführe? Wer aber, o Herr! auf Dich vertraut und Dich in Einfalt des Herzens sucht, fällt nicht so leicht. Und geriethe er auch in irgend eine Trübsal, so würdest Du ihn derselben bald entreißen, oder ihn Drittes Buch. Fünfundvierzigstes Kapitel. 199 trösten, wie sehr er auch darin verwickelt wäre; denn Du verläsfest den, der auf Dich hoffet, nicht für immer. Selten ist ein treuer Freund, der in allen Drangsalen seines Freundes ausharrt. Du allein, o Herr! bist in Allem der Treueste und außer Dir gibt es keinen solchen Freund, der Dir gleicht. 3. O wie gut wußte dieß jene heilige Seele, welche sprach: Mein Sinn ist fest gegründet, in Christo gefestigt." Wenn es so mit mir stünde, würde Menschenfurcht nicht so leicht mich erschüttern und ein hingeworfenes Wort mich nicht so sehr bewegen. Wer aber ist im Stande, Alles vorherzusehen und künftigen Uebeln vorzubeugen? Wenn oftmals selbst das Vorhergesehene verwundet, wie hart muß uns nicht das Unvorhergesehene treffen! Aber warum habe ich Elender mich nicht besser vorgesehen? Warum habe ich Andern so leicht geglaubt? Aber wir sind Menschen, gebrechliche Menschen sind wir, wenn wir gleich von Vielen für Engel gehalten und so genannt werden. Wem soll ich glauben, o Herr! wem anders, als Dir? Du bist die Wahrheit, die nicht täuscht und nicht getäuscht werden kann. Der Mensch dagegen ist lügenhaft; er ist schwach, unbeständig und sündigt leicht, besonders in Worten, so daß man ihm nicht so schnell glauben darf, wie wahr es auch klingen möge, was er sagt. 4. Wie weise hast Du doch gewarnt, daß man sich vor den Menschen hüten müsse; 200 Drittes Buch. Fünfundvierzigstes Kapitel. denn nach der heiligen Schrift sind die eige nen Hausgenossen des Menschen seine Feinde und man soll nicht einmal glauben, wenn Einer sagt:„ Sieh, hier ist er, oder dort ist er." Zu meinem Schaden bin ich belehrt worden und wollte Gott, daß es mir zu größerer Vorsicht und nicht zur Thorheit diente. Sei vorsichtig, sei vorsichtig, sagte Jemand zu mir und behalte bei dir, was ich sage. Und da ich es verschweige und geheim halte, kann Jener selbst nicht verschweigen, was er zu verschweigen gebeten hatte und verräth auf diese Weise mich und sich und geht weg. Vor solchen geschwäßigen und unvorsichtigen Men schen bewahre mich, o Herr! daß ich nicht in ihre Hände falle, noch es ihnen jemals gleich mache. Lege ein wahres und festes Wort mir in den Mund und eine listige Zunge halte fern von mir. Was ich nicht gern leiden will, davor muß ich mich auf jede Weise hüten. 5. O wie gut und friedebringend ist es, über Andere schweigen, nicht ohne Unterschied Alles glauben, noch unbesonnen ausplaudern; Wenigen sich entdecken, immer Dich suchen, der Du das Herz durchschauest; nicht von jedem Winde der Worte sich bewegen lassen, sondern wünschen, daß Alles, im Innern wie im Aeußern nach deinem Wohlgefallen vollbracht werde! Wie sicher ist es, zur Erhaltung der himmlischen Grade vermeiden, vor Menschen etwas scheinen zu wollen und Drittes Buch. Fünfundvierzigstes Kapitel. 201 nicht das begehren, was in den Augen der Welt Bewunderung zu erregen scheint, sondern mit allem Fleiße das suchen, was Eifer in der Besserung des Lebens bewirkt. Wie Vielen schadete ihre bekannt gewordene und zu frühzeitig gelobte Tugend! Welchen Nußen brachte dagegen die Gnade, welche schweigend bewahrt wurde in diesem gebrechlichen Leben, das nie ohne Versuchung und Kampf iſt. Sechsundvierzigstes Kapitel. Von dem Vertrauen, das man auf Gott segen muß, wenn die Pfeile der Lästerung auf uns gerichtet sind. 1. ein Sohn! Stehe fest und hoffe auf Mich! Denn was sind Worte anders, als Worte? Sie fliegen durch die Luft, verlegen aber keinen Stein. Bist du schuldig, so denke, daß du dich gern bessern wolleft; bist du dir nichts bewußt, so betrachte, wie gern du das um Gotteswillen ertragen wollest. Es ist nur wenig, daß du allenfalls zuweilen Worte erträgst, da du keine starken Schläge auszuhalten vermagst. Und warum anders gehen dir solche Kleinigkeiten so nahe an's Herz, als weil du noch zu fleischlich bist und auf Menschen mehr hörest, als du foll 202 Drittes Buch. Sechsundvierzigstes Kapitel. test? Denn weil du fürchtest, verachtet zu wer den, so willst du auch deiner Uebertretungen wegen nicht getadelt werden und siehst dich nach nichtigen Entschuldigungen um. 2. Aber sei nur recht achtsam auf dich und du wirst erkennen, daß die Welt und die eitle Begierde, den Menschen zu gefallen, den noch in dir leben. Denn da du es vermeiden willst, wegen deiner Fehler gedemüthigt und beschämt zu werden, so ist es offenbar, daß du nicht wahrhaft demüthig und der Welt nicht abgestorben bist, noch die Welt für dich gekreuzigt ist. Aber höre mein Wort und Tausende von menschlichen Worten werden dich nicht fümmern. Sieh, wenn Alles wider dich gesagt würde, was auf die boshafteste Weise erdacht werden kann, was würde es dir schaden, wenn du es an dir vorübergehen ließest und es für nicht mehr achteteſt, als für Spreu? Könnte dir dadurch auch nur ein Haar ausgerissen werden. 3. Aber wer sein Herz nicht bewahrt und Gott nicht vor Augen hat, den beunruhigt leicht ein Wort des Tadels. Wer sich aber auf mich verläßt und nicht auf sein eigenes Urtheil stüßt, der wird von Menschenfurcht frei bleiben. Denn Ich bin Richter und kenne alle Geheimnisse; Ich weiß, wie die That vollbracht wurde, Ich kenne den Beleidiger und den Beleidigten. Von Mir ist das Wort ausgegangen, unter meiner Zulassung geschah es, daß die Gedanken vieler Herzen offenbar Drittes Buch. Sechsundvierzigstes Kapitel. 203 wurden. Ich werde den Schuldigen und den Unschuldigen richten, aber im geheimen Gericht habe ich beide zuvor prüfen wollen. 4. Das Zeugniß der Menschen trügt oft; aber mein Urtheil ist wahrhaft, es wird bestehen und nicht umgestoßen werden. Es ist meistens verborgen, Wenigen im Einzelnen offenbar, es irret jedoch nicht und kann auch nicht irren, wenn es auch in den Augen der Unweisen nicht richtig erschiene. Du mußt also, wo es etwas zu richten gibt, zu Mir fliehen und nicht auf deine eigene Entscheidung dich verlassen. Denn der Gerechte wird nicht niedergebeugt, was ihm Gott auch zuschicken möge. Und gesetzt auch, es würde Ungerechtes gegen ihn vorgebracht, so wird ihn das nicht viel kümmern. Er wird sich auch nicht übermäßig freuen, wenn Andere ihn mit Gründen entschuldigen. Denn er erwägt, daß Ich es bin der Herzen und Nieren prüft, der Ich nicht richte nach dem Scheine und dem Ansehen der Person. Darum wird oft etwas in meinen Augen für strafbar erfunden, was dem Urtheile der Menschen lobenswerth erscheint. 5. Herr, mein Gott, gerechter Richter, stark und geduldig, der Du die Gebrechlichkeit und Verderbtheit der Menschen kennest, sei Du meine Stärke und meine Zuversicht; denn mein eigenes Bewußtsein genügt mir nicht. Du weißt, was ich nicht weiß, darum sollte ich mich bei jedem Tadel demü 204 Drittes Buch. Sechsundvierzigstes Kapitel. thigen und sanftmüthig ihn über mich ergehen lassen. Verzeihe mir also, so oft ich dieß nicht gethan und gieb mir wiederum die Gnade größerer Geduld. Denn es ist besser für mich, durch deine reiche Barmherzigkeit Vergebung zu erlangen, als durch meine vermeinte Gerechtigkeit die in meinem Gewissen verborgenen Fehler zu vertheidigen. Und wenn ich mir auch nichts bewußt bin, so bin ich darin doch nicht gerechtfertigt; denn wenn Du uns deine Barmherzigkeit entziehest, so wird kein Lebendiger vor deinem Angesicht gerechtfertigt. Siebenundvierzigfles Kapitel. Alles Schwere sollen wir um des ewigen Lebens willen ertragen. 1. Jein Sohn! es mögen dich die Arbeit und Mühe, die du Meinetwegen über dich genommen hast, nicht ganz erdrüden, noch die Trübsale dich niederbeugen; sondern meine Verheißung möge bei jedem Ereigniß dich stärken und trösten. Ich habe zur Genüge, überschwenglich zum Vergelten. Nicht lange sollst du dich hier plagen, nicht immer mit Leiden beschwert werden. Harre nur eine kurze Zeit und schnell sollst du das Ende deiner Trübsale sehen. Es wird eine Stunde kommen, wo alle Mühe und Unruhe Drittes Buch. Siebenundvierzigstes Kapitel. 205 aufhören wird. Gering und kurz ist Alles, was mit der Zeit vorüber geht. 2. Thue recht, was du thust: arbeite treu in meinem Weinberge; Ich will dein Lohn sein. Schreibe, lies, singe, seufze, schweige, bete, trage standhaft das Widrige; das ewige Leben ist aller dieser und noch größerer Kämpfe werth. Friede wird es an einem Tage werden, der dem Herrn bekannt ist; dann wird nicht mehr Tag und Nacht sein, wie in dieser Zeit, sondern ewiges Licht, unendliche Klarheit, dauerhafter Friede und sichere Ruhe. Dann wirst du nicht fragen, wer wird mich erlösen von dem Leibe dieses Todes?" Dann wirst du nicht ausrufen: warum ist meine Pilgerschaft so lang!" denn dem Tode wird seine Macht genommen werden, das Heil wird vollkommen sein, keine Angst mehr, sondern selige Freude, süße Ruhe und edle Gesellschaft. 1/ 3. O hättest du die unverwelklichen Kronen der Heiligen im Himmel gesehen, wie jest die frohlocken, die einst von der Welt verachtet und selbst kaum des Lebens werth gehalten wurden! Du würdest dich erniedrigen bis in den Staub und würdest lieber unter Allen, als über einem Einzigen stehen wollen; du würdest kein Auge auf die Freudentage dieses Lebens werfen, sondern dich vielmehr freuen, für Gott Trübsal zu leiden und das für deinen größten Gewinn halten, von den Menschen für nichts geachtet zu werden. 206 Drittes Buch. Achtundvierzigstes Kapitel. 4. O wenn du dieß erkenntest und tief zu Herzen faßtest, wie würdest du es wagen, nur ein einzigesmal eine Klage zu erheben? Ist nicht des ewigen Lebens wegen jede Mühe zu ertragen? Oder ist es etwas Kleines, das Reich Gottes zu gewinnen oder zu verlieren? Hebe also deine Augen empor zu dem Himmel. Siehe, wie alle meine Heiligen, welche in dieser Welt große Kämpfe zu bestehen hatten, jetzt sich freuen, jetzt getröstet werden, jetzt sicher sind, jezt ruhen und ewig mit Wir in meines Vaters Reiche bleiben. Achtundvierzigstes Kapitel. Von dem Tage der Ewigkeit und den Bedrängnissen dieses Lebens. 1. seliges Wohnen in der himmlischen Stadt! o hellleuchtender Tag der Ewigkeit, den teine Nacht verdunkelt, den die höchste Wahrheit immer durchstrahlt! Tag immer währender Freude, der keinen Wechsel kennt! O wäre dieser Tag schon angebrochen, hätte doch alles Zeitliche seine Endschaft schon erreicht! 3war leuchtet er den Heiligen schon jetzt mit immerwährender Klarheit; doch den Erdenpilgern nur von ferne und gleichsam wie in einem Spiegel. Drittes Buch. Achtundvierzigstes Kapitel. 207 2. Die Himmelsbürger wissen es, wie freudenreich er ist; seufzend erkennen es die verstoßenen Kinder Eva's, wie bitter und kummervoll der Erdentag ist. Die Tage dieser Zeit sind kurz und bös, voll Schmerz und Aengsten. Denn siehe, viele Sünden entehren den Menschen, viele Leidenschaften fesseln ihn, viele Befürchtungen ängstigen ihn, viele Sorgen halten ihn gefangen, viel Vorwitz zerstreut ihn, viel Eitelkeit verwickelt ihn, viele Irrthümer verwirren ihn, viele Mühen reiben ihn auf, viele Versuchungen drücken ihn nieder, seine Genüsse entnerven ihn, die Dürftigkeit quält ihn. 3. O wann kommt das Ende dieser Uebel, wann werde ich frei von der elenden Sklaverei der Sünde? Wann, o Herr, werde ich Deiner allein gedenken? Wann werde ich mich in Dir bis zur Sättigung freuen? Wann wird nichts an der wahren Freiheit mich hindern, wann weder Körper noch Geist mich ferner beschweren? Wann wird ein feſter, unzerstörbarer und sicherer Friede, in meinem Innern und nach Außen hin, mir zu Theil werden? Wann, o Jesu, werde ich Dich sehen? Wann werde ich die Herrlichkeit deines Reiches schauen? Wann wirst Du mir Alles in Allem sein? Wann werde ich bei Dir in deinem Reiche sein, das Du von Ewigkeit her bereitet hast denen, die Dich lieben? Jegt bin ich verlassen, arm und wie ein Vertriebener in Feindes Land, wo täglicher Krieg und großes Mißgeschick mich umgibt. 208 Drittes Buch. Achtundvierzigstes Kapitel. 4. Tröste mich in meiner Verbannung, lindere meinen Schmerz; denn nach Dir ver langt mich sehnlichst. Zur Last ist mir Alles, was diese Welt zum Troste darbietet. Deiner allein möchte ich mich freuen, aber ich kann Dich nicht erreichen. Ich wünsche mich mit Himmlischem zu beschäftigen, aber das Zeitliche und die nicht bezähmten Leidenschaf ten ziehen mich zurück. Mein Geist will Alles beherrschen, aber das Fleisch zwingt ihn, sich wider seinen Willen zu unterwerfen. So kämpfe ich Armer mit mir- selbst, und Sin mir selbst zur Last, denn der Geist will hin auf, und das Fleisch zieht herab. 5. Und was leide ich innerlich, wenn ich das Himmlische betrachte, und das Fleisch mich in meiner Andacht stört! Mein Gott! sei nicht fern mir, und wende Dich nicht im Zorn von deinem Diener ab. Sende deine Bliße und zerstreue sie,( die bösen Gedanken) schicke deine Pfeile aus; und alle Vorspiege lungen des Feindes werden verscheucht wer den. Sammle und richte auf Dich meine Sinne, laß mich alles Weltliche vergessen; laß mich verachten und von mir entfernen alle Vorspiegelungen der Sünde. Stehe mir bei, o ewige Wahrheit! daß mich die Eitelfeit nicht befalle. Komm zu mir, himmlische Süßigkeit! und alles Unheilige fliehe vor deinem Angesicht. Vergib mir, und sieh es mir barmherzig nach, wenn ich selbst im Gebete an etwas Anderes denke, als an Dich. Ich Drittes Buch. Achtundvierzigstes Kapitel. 209 bekenne es, daß ich mich an viele Zerstreuung gewöhnt habe. Denn oftmals bin ich nicht da, wo ich leiblich stehe oder size; sondern öfter bin ich da, wo der Flug meiner Gedanken mich hinführt. Dort bin ich, wo mein Gedanke ist. Und mein Gedanke ist häufig da, wo das ist, was ich liebe. Das fömmt mir leicht in den Sinn, was meine Natur ergößt, oder was durch Gewohnheit mir wohlgefällt. 6. Darum hast Du, o Wahrheit! so klar gesagt: Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz." Habe ich den Himmel lieb, so denke ich gern an das Himmlische. Habe ich die Welt lieb, so freue ich mich über die Glücksgüter der Welt, und betrübe mich über ihre Widerwärtigkeiten. Habe ich das Fleisch lieb, so bilde ich mir oft ein, was des Fleisches ist. Habe ich den Geist lieb, so gewährt es mir Freude, über geistige Dinge nachzudenken. Denn was ich immer liebe, von dem rede und höre ich gern, und davon trage ich die Vorstellungen mit mir herum. Aber selig ist der Mensch, der um Deinetwillen, o Herr! allen Geschöpfen den Abschied gibt, der der Natur Gewalt anthut, und die Begierden des Fleisches im feurigen Eifer des Geistes treuzigt, auf daß er in einem heitern Gewissen Dir ein reines Gebet darbringe, und würdig sei, unter den Engelchören zu stehen, nachdem er alles Jrdische innerlich und äußerlich von sich ausgeschlossen hat. 14 210 Drittes Buch. Neunundvierzigstes Kapitel. Neunundvierzigstes Kapitel. Von dem Verlangen nach dem ewi gen Leben und den großen Gütern, die den darnach Ringenden verhei ßen sind. 1. ein Sohn! wenn du empfindeſt, daß das Verlangen nach dem ewigen Leben von Oben herab in dir angefacht wird, und du aus der Hütte dieses Leibes auszugehen begehrest, damit du meine Klarheit ohne ei nen Schatten von Wechsel anzuschauen vermögest; so erweitere dein Herz und nimm mit ungetheiltem Verlangen diese heilige Eingebung auf. Bringe der höchsten Güte deinen heißesten Dank dar, welche so erbarmend mit dir handelt, so gnädig dich heimsucht, so eifrig erweckt, so mächtig erhebt, damit du nicht durch eigene Schwere zur Erde fällst. Denn solches empfängst du nicht durch eigenes Denken und Mühen, sondern allein durch die unverdiente Milde der höchsten Gnade, mit der Gott dich ansieht, damit du in der Tugend und Demuth wachsest, zu künftigen Kämpfen dich vorbereitest, und mir mit aller Neigung deines Herzens anhangest, und mit glühendem Eifer zu dienen trachtest. 2. Mein Sohn! oft brennt das Feuer, aber die Flamme steigt nicht ohne Rauch empor. Drittes Buch. Neunundvierzigstes Kapitel. 211 So flammt auch das Verlangen Einiger nach dem Himmlischen auf und doch sind sie von der Versuchung der fleischlichen Begierde nicht frei. Deßhalb wirken sie auch nicht ganz rein/ zur Ehre Gottes, um was sie doch sehnsüchtig Ihn anflehen. So ist auch dein Verlangen oft beschaffen, von dem du vorgibst, daß es so heftig sei. Denn das ist nicht rein und vollkommen, was vom Eigennuß befleckt ist. 3. Bitte nicht um das, was dir ergößlich und bequem ist, sondern was Mir wohlgefällt, und zu meiner Ehre dient. Denn wenn du recht urtheilst, mußt du meine Anordnung deinem Verlangen und Allem, was du begehrest, vorziehen, und ihr folgen. Ich kenne dein Verlangen und habe deine vielen Seufzer gehört. Du möchtest wohl schon der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes genießen, schon ergößt dich das ewige Vaterhaus, und das mit Freude erfüllte himmlische Vaterland, aber noch ist die Stunde nicht gekommen, noch dauert die Zeit des Kampfes, der Mühe und der Prüfung. Du sehnst dich nach dem höchsten Gut, noch kannst du es aber nicht erhaschen. Ich bin es: harre Meiner, bis das Reich Gottes kommt. 4. Noch mußt du auf Erden vielfältig ge übt und geprüft werden. Du sollst bisweilen getröstet werden, nur kann dieß nicht bis zur vollen Genüge geschehen. Zeige dich nur stark und rüstig, sowohl im Handeln als im Leiden. Du mußt den neuen Menschen an 212 Drittes Buch. Neunundvierzigstes Kapitel. ziehen und ein ganz Anderer werden. Oft mußt du thun, was du nicht willst, und was du willst, mußt du unterlassen. Was Andern gefällt, wird glücklich von Statten gehen, und was dir gefällt, wird keinen Fortgang haben. Was Andere sagen, wird Gehör finden, was du sagst, wird für nichts geachtet werden. Andere werden bitten und empfangen, du wirst bitten und nichts erhalten. 5. Andere werden gepriesen werden, von dir aber wird man schweigen. Andern wird man dieses und jenes anvertrauen, du wirst für unbrauchbar gehalten werden. Darüber wird die Natur oftmals trauern und großen Kampf bestehen: doch dadurch erlangst du ein großes Gut, so du Alles schweigend trägst. Durch diese und ähnliche Dinge pflegt der treue Diener des Herrn geprüft zu werden, und da zeigt sich dann, inwiefern er im Stande ist, sich selbst zu verläugnen und sich Gewalt anzuthun. Es gibt kaum etwas, worin du es so nöthig habest, dich selbst zu überwinden, als dieß, daß du lernest, deinen Willen unterdrücken, wenn du wider denselben etwas zu dulden hast. Dieß geschieht aber da gerade am meisten, wenn dir etwas befohlen wird, was dir ganz unpassend oder unnüß zu sein scheint. Und weil du es nun nicht wagst, dich einer höhern Gewalt zu widersepen, so scheint es dir hart, stets dem Winke des Andern folgen, und alle eigene Meinung aufgeben zu sollen. Drittes Buch. Neunundvierzigstes Kapitel. 213 6. Aber gedenke, mein Sohn! gedenke der Frucht dieser Beschwerden, das schnelle Ende und den großen Lohn derselben, und du wirst sie nicht für Beschwerden achten und deine Geduld mächtig gestärkt fühlen. Denn für das Wenige, was du von deinem eigenen Willen jest freiwillig aufgibst, wirst du fünftig jederzeit deinen Willen im Himmel haben. Dort wirst du Alles finden, was du willst, Alles, was du wünschen kannst. Dort wirst du jedes Gute genießen dürfen, ohne die Furcht, es wieder zu verlieren. Dort wird dein Wille eins mit dem Meinigen sein und nichts Fremdes, und nichts Besonderes begehren. Dort wird dir Niemand widerstehen, Niemand über dich klagen, Niemand hindernd dir entgegen treten, alles Erwünschte wird zugegen sein, dein Verlangen zufrieden stellen und demselben vollkommen genügen. Dort werdeIch dir für erlittene Schmach Ruhm, für Bekümmerniß das Kleid der Ehre, für Zurücksetzung einen Sit in meinem Reiche auf Ewigkeit geben. Dort wird die Frucht des Gehorsams offenbar werden, die Bitterfeit der Reue in Freude verwandelt, und demüthige Unterwerfung gekrönt werden. 7. So beuge dich denn demüthig unter jede Gewalt und kümmere dich nicht darum, wer dieß oder jenes gesagt oder befohlen hat: sondern deine größte Sorge sei, daß du es gut aufnimmst und aufrichtig und gern zu erfüllen strebft, es mag ein Vorgesetter, oder 214 Drittes Buch. Neunundvierzigstes Kapitel. ein Jüngerer, oder einer deines Gleichen etwas von dir gewünscht oder verlangt haben. Mag ein Anderer dieß, ein Anderer jenes suchen, der Eine über dieß, ein Anderer über etwas Anderes sich rühmen und selbst von Andern tausendfältig gerühmt werden, so sollst du dagegen weder in diesem noch in jenem deine Freude zu finden meinen, sondern einzig in der Geringachtung deiner selbst, und in meinem Wohlgefallen und in meiner Ehre. Das muß dein Wunsch sein, daß durch dein Leben, wie durch deinen Tod, Gott stets gepriesen werde. Fünfzigstes Kapitel. Wie der trostlose Mensch sich in die Hände Gottes befehlen soll. 1. Herr, mein Gott, heiliger Vater! sei nun und in Ewigkeit gepriesen, so wie Du willst, so ist es geschehen, und was Du thust, ist gut. Dein Knecht erfreue sich in Dir, nicht in sich, noch in einem Andern; denn Du allein bist meine Freude, Du meine Hoffnung und meine Krone, Du meine Wonne und meine Ehre! Herr, was hat dein Knecht das er nicht ganz ohne sein Verdienſt, Dir empfangen hätte? Dein ist Alles, was Du gegeben und gethan hast. Ich bin arm und von Jugend auf von Mühe und Arbeit von Drittes Buch. Fünfzigstes Kapitel. 215 beschwert. Oft wird meine Seele betrübt bis zu Thränen. Oft auch ängstigt sie sich we gen der bevorstehenden Leiden. 2. Ich verlange nach der Freude des Friedens, ich seufze nach dem Frieden deiner Kinder, die von Dir im Lichte des Trostes geweidet werden. Wenn Du Frieden gibst, wenn Du heilige Freude in das Herz gießest, dann wird die Seele deines Knechtes voll Lobgesang und voll Andacht im Lobe sein. Entziehest Du Dich aber deinem Knechte, wie Du sehr oft pflegest, so kann er den Weg deiner Gebote nicht laufen, sondern muß vielmehr an die Brust schlagen und auf die Kniee sinken, weil es ihm nicht ist, wie gestern und vorgestern, da dein Licht über seinem Haupte leuchtete, und er unter dem Schatten deiner Flügel vor den eindringenden Versuchungen geschüßt war. 3. Gerechter Vater, alle Zeit zu loben! es ist die Stunde gekommen, daß dein Knecht geprüft werde. Liebenswürdiger Vater, es ist billig und recht, daß er in dieser Stunde etwas für Dich leide. Dich Vater, immerdar zu ehren! die Stunde ist da, die Du von Ewigkeit her doraussahest, wo dein Diener äußerlich auf eine kurze Zeit erliege, mit seinem Geiste aber allzeit bei Dir bleibe. Eine fleine Weile wird er gering geachtet und gedemüthiget werden, hülflos vor den Menschen sein, durch Leiden und Schwachheiten zermalmt werden, damit er von Neuem mit Dir in 216 Drittes Buch. Fünfzigstes Kapitel. der Morgenröthe eines neuen Lichtes wieder auferstehe und himmlisch erleuchtet werde. Heiliger Vater! also hast Du es geordnet, so hast Du es gewollt; und so ist es geschehen, wie Du es befohlen hast. 4. Das ist aber eine Gnade für deinen Freund, aus Liebe zu Dir in dieser Welt auch Trübsale zu erdulden, so oft und von welcher Seite her Du sie auch schickest. Ohne Rath, ohne deine Vorsehung und ohne Ursache geschieht nichts in der Welt. Es ist mir gut, Herr! daß Du mich erniedriget haft, damit ich deine gerechten Gerichte erkenne und allen Uebermuth des Herzens und alle Anmaßung von mir werfe. Es ist mir heilsam, daß die Scham mein Gesicht bedeckt, weil ich dadurch gelernt, meinen Trost mehr bei Dir, als bei Menschen zu suchen. Auch habe ich daraus gelernt, dein unerforschliches Gericht zu scheuen, weil Du den Gerechten und Ungerechten heimsuchest, aber nicht ohne Billigteit und Gerechtigkeit. 5. Ich danke Dir, daß Du meiner Sünden nicht geschont, daß Du mich durch harte Züchtigungen erweicht hast, indem Du mir Schmerz anthatest, und von Innen und AuBen mich ängstigtest. Es ist Keiner unter der Sonne, der mich trösten könnte, als Du, Herr, mein Gott, himmlischer Arzt der Seelen! der Du Wunden schlägst und heilest, der Du hinabführst in's Grab und wieder herauf. Drittes Buch. Fünfzigstes Kapitel. 217 Deine Zucht sei über mir, und die Ruthe deiner Zucht meine Lehrmeisterin. 6. Sieh, geliebter Vater! ich bin in deiner Hand, ich beuge mich unter die Ruthe deiner Zucht. Schlage meinen Rücken und meinen Nacken, daß mein Starrsinn sich deinem Willen füge. Mache mich zu einem frommen und demüthigen Schüler, wie Du so gern zu thun pflegest, damit ich jedem deiner Winte folge. Dir befehle ich mich, und Alles, was mein ist, zur Besserung; denn es ist bes ser, hier als dort gezüchtiget zu werden. Du weißt Alles, und nichts ist Dir im menschlichen Herzen verborgen. Was kommen wird, weißt Du, bevor es geschieht, und Du hast nicht nöthig, daß Jemand Dir sage, oder Dich erinnere, was auf Erden vorgeht. Du weißt es, was mir zum Fortschreiten im Guten dienlich ist, und wie viel die Trübsal dazu beiträgt, die Flecken meiner Sünden wegzuwaschen. Mache es mit mir nach deinem Wohlgefallen, und verwirf mich nicht um meines sündhaften Lebens willen, das Niemand beſser kennt und durchschaut, als Du selbst. 7. Verleihe mir, Herr! daß ich wisse, I was ich wissen muß, daß ich liebe, was ich lieben soll, daß ich lobe, was Dir am meisten gefällt, daß ich hochachte, was in deinen Augen Werth hat, daß ich das table, was vor deinem Auge verächtlich ist. Gib nicht zu, daß ich richte nach dem äußern Scheine, noch nach dem Hörensagen Unkundiger mein 218 Drittes Buch. Fünfzigstes Kapitel. Urtheil fälle, sondern mit Wahrheit über das Sichtbare und Geistige entscheide, und vor Allem das Wohlgefallen deines Willens erforsche. 8. Die Sinne des Menschen werden oft bei ihrem Urtheile getäuscht; die, welche die Welt lieb haben, irren ebenfalls, indem sie ihr Herz nur an das Sichtbare hängen. Wird der Mensch dadurch besser, daß ein Anderer ihn hochachtet? Der Falsche täuscht den Falschen, der Eitle den Eiteln, der Blinde den Blinden, der Schwache den Schwachen, indem er ihn durch Lob erhebt, und in der That beschimpft er ihn mehr, da er ihn thöricht lobt; denn nur so viel und nicht mehr ist der Mensch, als er in deinen Augen ist, sagt der demüthige heilige Fran zistus.- Sinundfünfzigstes Kapitel Mansoll fleißig die geringern Werke thun, wenn man zu den höhern zu schwach ist. 1. ein Sohn! du vermagst dich nicht immer in dem glühenden Verlangen nach Vollkommenheit zu erhalten, noch in hohem Grade bei der Betrachtung zu beharren; sondern es ist dir bisweilen nöthig, wegen der angebornen Schwachheit gleichsam zu niedrigen Drittes Buch. Einundfünfzigfles Kapitel. 219 Dingen herabzusteigen und die Last des verderbten Lebens, selbst wider Willen und mit Verdruß zu tragen. So lange du im sterblichen Leibe wandelst, wirst du Ueberdruß und Beschwerung des Herzens empfinden. Du mußt also im Fleische über die Last des Fleisches seufzen, weil du nicht unablässig geis stigen Beschäftigungen und der Betrachtung des Göttlichen obliegen kannst. 2. Dann ist es für dich gut, an niedere und äußere Werke zu gehen und in guten Handlungen Sich zu erholen, meine Ankunft von oben mit festem Vertrauen zu erwarten; deine Verbannung und die Dürre deines Geistes mit Geduld zu ertragen, bis du wieder von Mir heimgesucht und aus allen deinen Nöthen befreit wirst. Denn Ich werde machen, daß du deiner Mühen vergesfest und des innern Friedens genießest; Ich will dich in der heiligen Schrift erquickende Nahrung finden lassen, auf dass du mit erfreutem Herzen auf dem Wege meiner Gebote zu wandeln anfangest. Dann wirst du sagen: Die. Leiden dieser Zeit stehen in keinem Verhältniß zu der Herrlichkeit, die an uns soll offenbar werden." 11 220 Drittes Buch. Zweiundfünzigstes Kapitel. Zweiundfünfzigstes Kapitel. Der Mensch soll sich nicht des Trostes, sondern vielmehr der Strafe werth halten. 1. Herr! ich bin nicht werth deiner Tröstung expoder irgend einer geistigen Heimsuchung. Darum handelst Du gerecht mit mir, wenn Du mich arm und trostlos lassest. Denn könnte ich auch so viele Thränen vergießen, als Tropfen im Meere sind, so würde ich doch deines Trostes nicht würdig sein. Ich bin keiner Gnade werth, ich bin nur werth, von Dir gezüchtigt und gestraft zu werden; denn schwer und oft habe ich Dich beleidigt und in Vielem gefehlt. Aber Du bist gnädig und barmherzig, o Gott, der Du nicht willst, daß deine Werke untergehen, damit Du den Reich thum deiner Güte an den Gefäßen deiner Barmherzigkeit zeigest; Du würdigst deinen Knecht, ohne alles eigenes Verdienst auf übermenschliche Weise getröstet zu werden; denn deine Tröstungen sind nicht wie menschlicher Zuspruch. 2. Was habe ich gethan, o Herr! daß Du mir himmlischen Trost verleiheft. Ich kann mich an nichts Gutes erinnern, das ich gethan hätte; ich war vielmehr immer zur Drittes Buch. Zweiundfünfzigstes Kapitel. 221 Sünde geneigt, und träge zur Besserung. Es ist wahr, und ich kann es nicht läugnen. Wenn ich etwas Anderes sagen wollte, so würdest Du gegen mich stehen und Keiner wäre, der mich vertheidigen könnte. Was habe ich für meine Sünden verdient, als die Hölle und das ewige Feuer? Ich bekenne in Wahrheit, daß ich Spott und Verachtung verdient habe, und es mir nicht gebührt, zu deinen andächtigen Verehrern gezählt zu werden. Und obwohl ich es ungern höre, so will ich doch der Wahrheit gemäß wider mich selbst meine Sünden verdammen, damit ich desto eher deine Barmherzigkeit erlange. 3. Was soll ich sagen, der ich schuldig und ganz beschämt bin? Mein Mund kann tein Wort aussprechen, als dieß: Ich habe gesündigt, o Herr! ich habe gesündigt, barme Dich meiner und vergib mir! statte mir nur noch eine kurze Zeit, daß ich mein Elend beweine, bevor ich in das Schattenland hinabgehe, bedeckt mit der Nacht des Todes. Was forderst Du mehr von dem schuldigen und elenden Sünder, als daß er voll bitterer Reue über seine Sünden sich vor Dir demüthige? Die wahre Reue und Demüthigung erzeugen die Hoffnung der Vergebung, beruhigen wieder das geängstigte Gewissen, bringen die verlorne Gnade wieder, bewahren den Menschen vor dem künftigen Zorn, und führen die bußfertige Seele Gott zum heiligen Friedenskusse entgegen. erGe 222 Drittes Buch. Dreiundfünfzigstes Kapitel. 4. Die demüthige Reue der Sünder ist Dir, o Herr! ein angehmes Opfer, das weit süßer duftet vor deinem Angesicht, als brennender Weihrauch; diese ist auch die köstliche Salbe, welche Du auf deine heiligen Füße wolltest gießen lassen; denn ein zerknirschtes und demüthiges Herz hast Du nie verschmäht. Dreiundfünfzigfles Kapitel. Die Gnade Gottes darf nicht mit irdischer Weisheit vermengt werden. 1. Lein Sohn! Meine Gnade ist kostbar, aber sie geſtattet keine Vermischung mit äußern Dingen, noch mit irdischem Troste. Du mußt also alle Hindernisse der Gnade wegschaffen, wenn du verlangst, daß sie dir mitgetheilt werde. Suche dir einen einsamen Ort, verweile da gern mit dir allein, suche teine eitle Unterhaltung, sondern gieße in andächtigem Gebete dein Herz vor Gott aus, damit du ein reuevoiles Gemüth und ein reines Gewissen behalten mögest. Die ganze Welt achte für nichts; ziehe den Umgang mit Gott allem Aeußerlichen vor. Denn du kannst nicht mit Mir umgehen, und dich zugleich in dem Vergänglichen ergößen. Du mußt dich von Bekannten und Freunden los Drittes Buch. Dreiundfünfzigstes Kapitel. 223 sagen, und deinen Geist von allem zeitlichen Trost abziehen. So ermahnt der Apostel Petrus die Christgläubigen dringend, sich als Fremdlinge und Pilgrime in dieser Welt zu betrachten und von fleischlichen Begierden, die gegen die Seele streiten, sich zu enthalten. 2. O wie groß wird die Zuversicht des Sterbenden sein, den Nichts mehr an diese Welt fesselt! Aber ein Herz zu haben, das sich so von Allem losgeriffen hat, faßt der kranke Geist noch nicht, noch kennt der sinnliche Mensch die Freiheit eines innern Menschen. Und doch muß er, wenn er es zu einer geistigen Gesinnung bringen will, dem Fernen wie dem Nahen entsagen, und sich vor Niemand sorgfältiger hüten, als vor sich selbst. Hast du dich selbst vollkommen überwunden, so wirst du leichter das Andere dir unterwerfen. Der vollkommene Sieg besteht in der Ueberwindung seiner selbst. Denn wer sich selbst so unterjocht hat, daß die Sinnlichkeit der Vernunft und die Vernunft in Allem Mir gehorcht, der ist wahrhaft ein Ueberwinder seiner selbst, und ein Herr der Welt. 3. Verlangst du, diese Höhe zu erklimmen, so mußt du männlich anfangen, und die Art an die Wurzel legen, damit du die geheime unordentliche Neigung zu dir selbst und zu jedem besondern und irdischen Gute ausreißest und vertilgest. Von diesem Fehler, nämlich der allzuunordentlichen Liebe seiner 224 Drittes Buch. Treiundfünfzigstes Kapitel. selbst, hängt fast Alles ab, was von Grund aus besiegt werden muß. Sobald durch dessen Besiegung das Uebel bezwungen ist, werden großer Friede und Ruhe in dein Inneres einkehren. Weil aber nur Wenige bemüht sind, sich selbst vollkommen abzusterben, noch ganz aus sich herauszutreten, so bleiben sie in sich selbst verwickelt, und können ihren Geist nicht erheben. Wer aber frei mit Mir zu wandeln wünscht, der muß seine bösen und unordentlichen Neigungen in- sich ertödten, und darf keinem Geschöpfe aus besonderer Vorliebe leidenschaftlich anhängen. Vierundfünfzigstes Kapitel. Von den verschiedenen Regungen der Natur und der Gnade. 1. Stein Sohn! achte sorgfältig auf die Regungen der Natur und der Gnade; denn sie wirken einander sehr entgegen, und auf so feine Art, daß nur der geistige und in sich erleuchtete Mensch sie zu unterscheiden vermag. Alle wünschen zwar das Gute und wollen in ihren Reden oder Handlungen auch etwas Gutes finden, werden aber eben deßwegen unter dem Scheine des Guten oft getäuscht. Die Natur ist verschlagen, verlockt Viele, verstrickt, betrügt sie, und hat sich selbst Drittes Buch. Vierundfünfzigstes Kapitel. 225 zum Zweck. Die Gnade dagegen wandelt in Aufrichtigkeit und flieht jeden Schatten des Bösen; sie legt keine Fallstricke und thut Alles nur wegen Gott, in dem sie auch ihre endliche Ruhe findet. 2. Die Natur will ungern sich absterben, nicht gedrückt, nicht beherrscht werden, nicht unterwürfig sein, noch sich freiwillig unterjochen lassen. Die Gnade aber befleißigt sich der Abtödtung, widersteht der Sinnlichkeit, verlangt nach Unterwerfung, wünscht überwunden zu werden, verzichtet auf eigene Freiheit, liebt es, unter Zucht zu stehen, und begehrt nicht zu herrschen, sondern will immer unter Gott leben, bleiben und sein, und ist um Gottes willen bereit, sich demüthig unter Jeden zu beugen. Die Natur arbeitet zu ihrem Vortheil, und gibt Acht darauf, welchen Gewinn sie von Andern ziehen könne. Die Gnade aber betrachtet nicht, was ihr nüglich und vortheilhaft ist, sondern was vielen Andern ersprießlich sei. Die Natur nimmt gern Ehrenbezeugungen an; die Gnade aber gibt getreulich Gott allein Ehre und Ruhm. 3. Die Natur scheut sich vor Beschämung und Verachtung. Die Gnade aber freuet sich um des Namens Jesu willen Schmach zu leiden. Die Natur liebt den Müßiggang und körperliche Ruhe; die Gnade aber kann nicht müßig sein, sondern greift gern zur Arbeit. Die Natur wünscht seltene und schöne Sachen zu besigen, und verabscheut alles Schlechte 15 226 Drittes Buch. Vicrundfünfzigstes Kapitel. und Gemeine; die Gnade aber hat ihre Freude an dem Einfachen und Niedrigen, weiset das Rauhe nicht zurück, und scheut sich nicht,. unscheinbare Kleider zu tragen. Die Natur sieht auf das Zeitliche, freut sich über irdi: schen Gewinn, betrübt sich über Verlust; erzürnt sich über ein beleidigendes Wort. Die Gnade aber richtet ihre Gedanken auf das Ewige, hängt nicht an dem Zeitlichen, wird durch den Verlust des Irdischen nicht beunruhiget, und durch harte Worte nicht erbittert, weil ihr Schaß, ihre Freude im Himmel ist, wo nichts zu Grunde geht. 4. Die Natur ist begehrlich, sie nimmt lieber, als daß sie gibt; sie liebt das Eigene und Besondere. Die Gnade aber ist gütig und gemeinnüßig, mit Wenigem zufrieden, hält das Geben für seliger als das Nehmen. Die Natur neigt sich zu den Geschöpfen, zur Eigenliebe, zur Eitelkeit und zu leerem Geschwäß. Die Gnade aber zieht zu Gott und zur Tugend hin, entsagt den Geschöpfen, flieht die Welt, haßt die fleischlichen Lüste, liebt das Herumschweifen nicht, erscheint nicht gern öffentlich. Die Natur hat gern einen äußern Trost, der auf sinnliche Weise sie erquicke. Die Gnade aber sucht ihren Trost allein in Gott, und will sich in dem höchsten Gut erfreuen, das alles Sichtbare, übertrifft. Die Natur thut Alles um des eigenen Gewinnes und Vortheils willen; nichts mag sie umsonst thun, sondern hofft entweder das Crittes Buch. Bicrundfünfzigstes Kapitel. 227 selbe, oder etwas Besseres, oder auch Lob, oder Gunst für ihre Wohlthaten zu erhalten, und verlangt, daß man ihre Thaten und Geschenke hoch anschlage. Die Gnade aber sucht nichts Zeitliches, noch einen andern Lohn als Gott allein, und verlangt für ihre zeitlichen Bedürfnisse nichts mehr, als was zur Erlangung der ewigen Güter beitragen kann. 5. Die Natur freuet sich über viele Freunde und Verwandte; ist stolz auf hohen Rang und edle Geburt, schmeichelt den Mächtigen und Reichen, schenkt ihres Gleichen Beifall. Die Gnade liebt auch ihre Feinde, und rühmt sich nicht zahlreicher Freunde; sie legt keinen Werth auf Rang und Herkunft, falls keine größere Tugend damit verbunden ist; sie ist dem Armen günstiger als dem Reichen, theilnehmender gegen den Unschuldigen als gegen den Mächtigen, freuet sich mit dem Wahrhaften, nicht mit dem Falschen. Sie ermahnt die Guten, nach größern Gnadengaben zu streben, und dem Sohne Gottes an Tugend ähnlich zu werden. Die Natur klagt sehr leicht über Mangel und Beschwerde; die Gnade erträgt standhaft jede Entbehrung. 6. Die Natur bezieht Alles auf sich, streitet und bemüht sich nur für ihren Vortheil; die Gnade aber führt Alles auf Gott zurück, von dem Alles herkommt, sie schreibt sich nichts Gutes zu, wird nicht anmaßend; sie streitet nicht wegen einer Meinung und zieht die ihrige nicht der Meinung Anderer 228 Drittes Buch. Vierundfünfzigstes Kapitel. vor, sondern in all' ihrem Sinnen und Ver stehen unterwirft sie sich der Prüfung der ewigen und göttlichen Weisheit. Die Natur verlangt Geheimnisse zu erfahren, und will Neues hören; sie will äußerlich scheinen und Vieles durch die Sinne vernehmen; sie wünscht anerkannt zu werden, und thun zu können, was Lob und Bewunderung erregt. Die Gnade verlangt nichts Neues oder Seltsames zu erfahren; weil Alles aus dem Moder der Verwesung hervorgeht, indem es nichts Neues und Dauerhaftes auf der Erde gibt. Sie lehrt uns daher die Sinne bezähmen, eitle Selbstgefälligkeit und Hoffart vermeiden, das Lobens- und Bewundernswerthe an uns bescheiden verbergen, und in jeder Sache und in jeder Wissenschaft nicht blos unsern Nußen, sondern auch das Lob und die Ehre Gottes suchen. Sie will nicht, daß man sie, oder das Ihrige preise, sondern wünscht, daß Gott in seinen Gaben verherrlicht werde, der Alles aus lauter Liebe gibt. 7. Diese Gnade ist ein übernatürliches Licht, ein besonderes Geschenk Gottes, und eigentlich ein Kennzeichen der Auserwählten, und ein Unterpfand des ewigen Heils. Denn sie zieht den Menschen von der Erde ab und erhebt ihn zur Liebe des Himmlischen; sie macht aus dem fleischlichen einen geistigen Menschen. Je mehr also die Natur niedergedrückt und überwunden wird, desto mehr dringt die Gnade in's Herz, und deſto mehr t Drittes Buch. Fünfundfünfzigstes Kapitel. 229 wird der innere Mensch täglich durch neue Heimsuchungen in uns erneuert. Fünfundfünfzigstes Kapitel. Von der Verderbniß der Natur und der Wirksamkeit der göttlichen Gnade. 1. err, mein Gott! der Du mich nach deinem Ebenbilde erschaffen hast, verleihe mir diese Gnade, die, wie Du mir gezeigt hast, so groß und zu meinem Heile so nothwendig ist, daß ich meine ganz zum Bösen geneigte Natur bezwinge, die mich zur Sünde und zum Verderben zieht. Denn ich empfinde in meinem Fleische das Geseß der Sünde, welches dem Gesetze meines Geistes widerstreitet, und mich als einen Gefangenen hinführt, daß ich in Vielem der Sinnlichkeit gehorche; und ich kann den Leidenschaften nicht widerstehen, wenn sich nicht deine heiligmachende Gnade in mein Herz ergießt und mir hilft. 2. Deiner Gnade, und großer Gnade be darf ich, daß die von Jugend auf zum Bösen geneigte Natur in mir besiegt werde. Denn nachdem sie durch den Sündenfall unsers Stammvaters Adam verderbt worden war, ist die Strafe dafür auf alle Menschen 230 Drittes Buch. Fünfundfünfzigstes Kapitel übergegangen, so daß eben diese Natur, welche Du gut und in Gerechtigkeit erschaffen hattest, für Sünde und Schwachheit gilt, weil, wenn sie sich selbst überlassen ist, jede ihrer Bewegungen zum Bösen und Niedern hinreißt. Denn die geringe Kraft, welche ihr noch zurüdblieb, gleicht einem in der Asche verborgenen Funken. Und dieß ist die natürliche Vernunft, umgeben von großer Finsterniß, die zwar Gutes und Böses, Wahres und Falsches noch unterscheidet, jedoch unver: mögend ist, Alles das zu vollbringen, was fie gut heißt, und noch nicht zum vollen Licht der Wahrheit und zur Reinheit ihrer Triebe gelangen kann. 3. Daher kommt es, mein Gott! daß ich nach dem innern Menschen an deinem Geset Freude finde, indem ich weiß, daß deine Gebote gut, gerecht und heilig sind, das Böse mißbilligen, und die Sünde fliehen lehren. Mit dem Fleisch aber diene ich dem Geseße der Sünde; indem ich mehr der Sinnlichkeit als der Vernunft gehorche. Daher habe ich wohl das Wollen, aber das Vollbringen des Guten finde ich nicht. Daher nehme ich manches Gute mir vor; weil aber die Gnade meiner Schwachheit nicht zu Hülfe kommt, weiche ich bei einem leichten Widerstande zurück und lasse davon ab. So ge schieht es, daß ich den Weg zur Vollkommen, heit erkenne und deutliche einsehe, wie ich handeln soll, aber von der Last eigener Ver Drittes Buch. Fünfundfünfzigstes Kapitel. 231 derbniß niedergedrückt, zur Vollkommenheit nicht emporsteige. 4. O wie überaus nöthig ist mir deine Gnade, o Herr! das Gute anzufangen, fortzusetzen und zu vollenden. Denn ohne sie kann ich nichts thun. Alles aber kann ich in Dir, wenn deine Gnade mich stärket. O himmlische Gnade, ohne welche eigenes Verdienst nichts ist, und alle Gaben der Natur ohne Werth sind! Kunstfertigkeit, Reichthümer, Schönheit, Stärke, Verstand oder Beredtsamkeit gelten, o Herr! nichts vor Dir ohne die Gnade. Denn die Gaben der Natur haben Gute und Böse gemeinschaftlich; die Gnade oder die Liebe aber ist die eigenthümliche Gabe der Auserwählten; mit ihr bezeichnet, werden sie des ewigen Lebens würdig gehalten. Diese Gnade ist so sehr über Alles erhaben, daß weder die Gabe der Weissagung, noch die Kraft, Wunder zu wirken, noch der tiefste Verstand ohne dieselbe irgend einen Werth hat. Ja selbst weder Glaube noch Hoffnung, noch die andern Tugenden sind Dir angenehm ohne Liebe und Gnade. 5. O himmlische Gnade, die Du den Armen im Geiste reich an Tugenden machst und dem, der reich an Gütern ist, ein demüthiges Herz gibst! Komm, steige zu mir herab, erfülle mich frühzeitig mit deinem Troste, daß meine Seele in der Ermattung und Leerheit meines Geistes nicht verschmachte. Ich bitte Dich, Herr! laß mich Gnade finden vor dei 232 Drittes Buch. Fünfundfünfzigstes Kapitel. nen Augen; denn wenn ich auch nichts von dem erhalte, wornach die Natur verlangt, so ist deine Gnade mir genug. Sollte ich auch durch viele Trübsale versucht und geängstigt werden, so fürchte ich doch kein Ulebel, wenn nur deine Gnade mit mir ist. Sie ist meine Stärke, sie schafft Rath und Hülfe. Sie ist mächtiger, als alle Feinde, weiser, als alle Weisen. 6. Sie ist eine Lehrerin der Wahrheit, eine Mutter der Zucht, das Licht des Herzens, der Trost in Bedrängniß, sie vertreibt die Traurigkeit, verbannt die Furcht, nährt die Andacht und lockt Thränen( der Reue) hervor. Was bin ich ohne sie, als ein dürres Holz und ein unnüßer Zweig, der weggeworfen werden muß. Darum, o Herr! tomme deine Gnade mir immer zuvor und folge mir nach, und verleihe mir, daß ich in Verrichtung guter Werke beständig verharre, durch Jesum Christum, deinen Sohn. Amen." Sechsundfünfzigstes Kapitel. Wir müssen uns selbst verläugnen, und Christo durch das Kreuz nachfolgen. 1. Lein Sohn, in wie fern du aus dir selbst herauszugehen vermagst, in so fern kannſt du bei mir eingehen. So wie keine Drittes Buch. Sechsundfünfzigstes Kapitel. 233 Begierde nach äußeren Dingen innern Frieden schaffen kann, so vereinigt die innere Verläugnung seiner selbst mit Gott. Lerne dich vollkommen selbst verläugnen, und ohne Widerspruch und Klage dich meinem Willen unterwerfen. Folge Mir nach, Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Ohne Weg fannst du nicht gehen, ohne Wahrheit nicht erkennen, ohne Leben nicht leben. Ich bin der Weg, den du gehen, die Wahrheit, an die du glauben, das Leben, welches du hoffen mußt. Ich bin der unsehlbare Weg, die untrügliche Wahrheit, das unbegrenzte Leben. Ich bin der richtigste Weg, die höchste Wahrheit, das wahrste Leben, das selige Leben, das unerschaffene Leben. Wenn du auf meinem Wege bleibst, wirst du die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird dich frei machen und du wirst das ewige Leben erringen. 2. Wenn du zum Leben eingehen willst, so halte die Gebote. Wenn du die Wahrheit erkennen willst, so glaube Mir. Wenn du vollkommen sein willst, so gib Alles hin. Wenn du mein Jünger sein willst, so verläugne dich selbst. Wenn du das selige Leben erwerben willst, so verachte das gegenwärtige. Wenn du im Himmel willst erhöhet werden, so erniedrige dich in der Welt. Wenn du mit Mir herrschen willst, so trage das Kreuz mit Mir. Denn nur, wer das Kreuz trägt, findet den Weg zur Seligkeit, den Weg zum wahren Licht. 234 Drittes Buch. Sechsundfünfzigstes Kapitel. 3. Herr Jesu, da dein Weg schmal ist und von der Welt verschmäht wird, so verleihe mir, daß ich Dir in Verachtung der Welt nachfolge. Denn der Knecht ist nicht größer, als sein Herr und der Schüler nicht über seinen Meister. Dein Knecht werde ge= übt auf deinem Wege; denn da ist mein Heil und wahre Seligkeit. Was ich sonst lese oder höre, erquickt mich nicht und ergößt mich nicht vollkommen. 4. Mein Sohn, du weißt nun dieses und haft Alles gelesen; handle nun auch darnach und du wirst selig werden. Wer meine Gebote hat und sie hält, der liebt Mich und Ich werde ihn lieben und mich selbst ihm offenbaren und er soll bei Mir sißen im Reiche meines Vaters. 5. Herr Jesu, wie Du gesagt und verheißen hast, so möge es geschehen und ich es verdienen. Angenommen, ja angenommen habe ich das Kreuz aus deiner Hand und ich will es tragen, tragen bis zum Tode, wie Du es mir aufgelegt hast. In Wahrheit, das Leben eines guten Ordensmannes ist ein Kreuz, aber ein Führer zum Paradiese. Der Anfang ist gemacht, rückwärts gehen ist nicht erlaubt und das Kreuz verlassen nicht vernünftig. 6. Wohlan denn, Brüder, schreiten wir miteinander vorwärts, Jesus wird mit uns sein! Um Jesu willen haben wir das Kreuz auf uns genommen, um Jesu willen wollen Drittes Buch. Siebenundfünfzigstes Kapitel. 235 wir im Kreuze ausharren. Er, der unser Führer, unser Vorläufer ist, wird uns beistehen. Siehe, unser König geht uns voran, Er führt uns, Er wird für uns streiten. Wir wollen Ihm muthig folgen; Keiner lasse sich durch Furcht oder Schrecken zurückhalten; seien wir bereit, selbst im Kampfe zu fallen und thun wir unserm Ruhme die Schmach nicht an, daß wir vor dem Kreuze fliehen. Siebenundfünfzigstes Kapitel. Der Mensch soll nicht allzu niedergeschlagen werden, wenn er in einige Fehler verfällt. 1. Mein ein Sohn, Geduld und Demuth im Unglück gefallen Mir mehr, als viel Trost und Andacht im Glück. Was betrübt dich denn so sehr ein Geringes, das man wider dich thut oder sagt? Wenn es auch von größerer Bedeutung gewesen wäre, hättest du dich dadurch nicht sollen bewegen lassen. Nun aber laß es vorübergehen. Es ist nicht das Erste, nichts Neues und wird auch nicht das Leßte sein, wenn du lange lebſt. So lange dir nichts Widriges begegnet, bist du stark genug. Du ertheilest auch guten Rath und verstehst es, Andere mit Worten zu stärten; wenn aber an deine Thür plößlich eine Anfechtung kommt, so fehlt es dir an Rath 236 Drittes Buch. Siebenundfünfzigstes Kapitel. und Stärke. Achte auf deine große Gebrechlichkeit, welche du so oft auch bei geringen Vorfällen erfahren hast: und dennoch geschieht es zu deinem Heil, wenn dieses und Aehnliches dich trifft. 2. Schlag es dir, so gut du kannst, aus. dem Sinne und wenn es dich auch ergreift, so darf es dich doch nicht niederbeugen, noch lange verwirren. Wenigstens ertrage es geduldig, wenn du es nicht freudig tragen kannst. Auch wenn du es nicht so gerne hörest und Unwillen fühlest, halte dich zurück und laß nichts Unziemliches aus deinem Munde gehen, woran die Schwachen Anstoß nehmen könnten. Die entstandene Bewegung wird sich bald legen und der innere Schmerz durch die wiederkehrende Gnade versüßt werden. Noch lebe Jch, bin bereit, dir zu helfen und dich mehr, als gewöhnlich zu trösten, wenn du Mir vertrauest und andächtig Mich anrufest. 3. Bewahre den Gleichmuth und rüste dich zu noch größerer Geduld. Es ist nicht Alles verloren, wenn du dich öfters beunruhigt und schwer versucht fühlest. Du bist ein Mensch, nicht Gott; Fleisch und nicht ein Engel. Wie könntest du immer in demselben Stand der Tugend beharren, da es den Engeln im Himmel und dem ersten Menschen im Paradies nicht möglich war? Ich bin es, der die Trauernden aufrichtet und errettet und diejenigen, welche ihre Schwachheit erkennen, zu meiner Gottheit emporzieht. Drittes Buch. Achtundfünfzigstes Kapitel. 237 4. Herr, gepriesen sei dein Wort, meinem Munde süßer, als Honig und Honigseim. Was würde ich in diesen meinen Trübsalen und Aengsten anfangen, wenn Du mich nicht stärktest mit deinen heiligen Worten. Wenn ich nur endlich zum Hafen des Heils gelange, was kümmert es mich, was und wie viel ich gelitten habe. Verleihe mir ein gutes Ende, gib einen seligen Ausgang aus dieser Welt. Gedenke meiner, mein Gott, und führe mich auf rechter Bahn in dein Reich! Amen. Achtundfünfzigftes Kapitel. Man soll zu erhabene Dinge und die verborgenen Gerichte Gottes nicht zu erforschen suchen. 1. Mein ein Sohn, hüte dich, über hohe Dinge und die verborgenen Rathschlüsse Gottes zu grübeln. Forsche nicht, warum dieser so verlassen ist und jener so begnadigt, dieser so betrübt und jener so erhöht wird Alles dieses geht über menschliche Einsicht hinaus; und feine Vernunft und fein Grübeln reicht hin, die göttlichen Gerichte zu erforschen. Wenn der Feind es dir also eingeben will und du vorwißige Menschen darnach forschen siehest, so sprich mit dem Pro 238 Drittes Buch. Achtundfünfzigstes Kapitel. pheten: Herr, Du bist gerecht und dein Gericht ist recht;" und:„ Die Gerichte des Herrn sind wahr und rechtfertigen sich selbst." Meine Gerichte sollen gefürchtet, nicht ergrübelt merden; denn sie sind für den menschlichen Verstand unbegreiflich. 2. Forsche und streite auch nicht über die Verdienste der Heiligen, ob Einer heiliger gewesen sei, als ein Anderer, oder wer größer sei im Himmelreiche. Denn dergleichen er zeugt oft unnüßen Zant und Streit und nährt auch den Stolz und die eitle Ruhmſucht, woraus Neid und Zwietracht entstehen, indem der Eine diesen, der Andere jenen Heiligen hochmüthig vorzuziehen sucht. Solches wissen und untersuchen wollen, bringt auch keinen Nußen, sondern mißfällt nur den Heiligen und mir selbst; denn Ich bin kein Gott des Streites, sondern des Friedens; dieser Friede aber beruht mehr auf wahrer Demuth, als auf thörichter Selbsterhebung. 3. Manche fühlen sich in ihrem Liebesei fer durch größere Zuneigung, die aber mehr menschlich, als göttlich ist, mehr zu diesen oder zu jenen Heiligen hingezogen. Ich ja- habe alle Heiligen erschaffen, Ich habe Gnade verliehen, Ich sie mit Ruhm gefrönt. Ich kenne die Verdienste jedes Einzelnen, Ich bin ihnen mit den Segnungen meiner Süßigkeit zuvorgekommen. Ich habe die Auserwählten vor aller Zeit gewußt, Ich habe sie aus den Kindern der Welt auserwählt, sie haben Mich Drittes Buch. Achtundfünfzigstes Kapitel. 239 nicht vorher erwählt. Ich habe sie aus Gnaden berufen und aus Barmherzigkeit zu Mir gezogen, Ich habe sie durch verschiedene Versuchungen hindurchgeführt. Ich habe herrliche Tröstungen in ihr Herz gegossen, Ich habe ihnen Beharrlichkeit gegeben, Ich habe ihre Geduld gekrönt. 4. Ich erkenne den Ersten und den Letten, ich umfasse sie alle mit unschäßbarer Liebe. Ich bin zu loben in allen meinen Heiligen; Ich bin über Alles zu preisen und in jedem Einzelnen zu ehren, die Ich so glorreich erhoben und vorherbestimmt habe ohne alle vorhergegangene eigene Verdienste. Wer also irgend Einen meiner Geringsten verachtet, der ehret auch den Größten nicht; denn Ich habe den Kleinen, wie den Großen geschaffen. Und wer Einen der Heiligen verkleinert, der verkleinert auch Mich und alle Heiligen. Im Himmelreiche sind Alle Eins durch das Band der Liebe, denken dasselbe, wollen dasselbe und lieben einander auf gleiche Weise. 5. Ueberdieß aber( und dieß ist etwas viel Höheres) lieben sie mich mehr, als sich selbst. Denn über sich selbst erhoben und von aller Eigenliebe befreit, sind sie ganz Liebe zu mir und ruhen auch in dieser segensreichen Liebe. Es gibt nichts, was sie abwenden oder niederdrücken könnte, weil sie voll der ewigen Wahrheit, vom Feuer unauslöschlicher Liebe glühen. Fleischliche und irdischgesinnte Menschen, die nichts kennen, als 240 Drittes Buch. Achtundfünfzigstes Kapitel. ihre eigne Lust, mögen darum aufhören, über den Zustand der Heiligen zu sprechen. Sie nehmen weg und thun hinzu, wie sie eben geneigt sind, nicht, wie es der ewigen Wahrheit gefällt. 6. Viele sind unwissend, vorzüglich jene, welche aus Mangel an hinreichender Erleuchtung selten Jemand wahrhaft geistig zu lieben wissen. Sie werden noch zu sehr von der natürlichen Neigung und menschlichen Freundschaft zu diesen oder jenen hingezogen und wie sie die Dinge im Jrdischen ansehen, so bilden sie sich auch eine Vorstellung vom Himmlischen. Aber es ist ein unvergleichlicher Unterschied zwischen dem, was die Unvollkommenen denken, und dem, was erleuchtete Männer durch die Offenbarung schauen. 7. Hüte dich also, mein Sohn, vorwißig über das zu reden, was deine Kenntnisse übersteigt; dein Streben sei vielmehr darauf gerichtet, im Himmelreiche auch nur den nie: drigsten Plaß zu erringen. Und wenn Jemand auch wüßte, wer heiliger wäre, als ein Anderer und im Himmelreiche für größer gehalten würde, was würde diese Kenntniß ihm nüßen, wenn sie ihn nicht veranlaßte, sich vor mir zu demüthigen und meinen Namen desto mehr zu loben. Der macht sich Gott weit wohlgefälliger, welcher darüber nach: denkt, wie groß seine Sünden und wie gering seine Tugenden sind und wie weit er noch von der Vollkommenheit der Heiligen ent Drittes Buch. Achtundfünfzigstes Kapitel. 241 fernt ist, als derjenige, der über ihre größere oder geringere Heiligkeit streitet. Es ist bes ser, die Heiligen mit andächtigen Gebeten und Thränen anrufen und in Demuth des Herzens ihre glorreiche Fürbitte erflehen, als ihre uns verborgenen Verdienste thöricht erforschen wollen. 8. Jene sind wohl, ja sehr wohl zufrieden, wüßten nur auch die Menschen zufrieden zu sein und ihr eitles Geschwäß zu unterlas sen. Sie rühmen sich nicht ihrer eigenen Verdienste; denn nicht sich selbst schreiben sie et was Gutes zu, sondern Alles nur Mir, weil Ich ihnen Alles aus unendlicher Liebe geschenkt habe. Sie sind so voll göttlicher Liebe und überschwänglicher Freude, daß ihrer Glorie und Seligkeit nichts fehlt und fehlen kann. Je höher die Heiligen in ihrer Glorie sind, desto demüthiger sind sie in sich selbst und alle Mir deßhalb um so näher und lieber. Daher steht geschrieben: Sie legten ihre Kronen vor Gott nieder, fielen vor dem Lamme auf ihr Angesicht und beteten Den an, der da lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit." 9. Viele fragen, wer im Reiche Gottes der Größte sei? und wissen nicht, ob sie würdig sein werden, unter die Geringsten gezählt zu werden. Es ist etwas Großes, selbst der Kleinste im Himmel zu sein, wo Alle groß sind, weil Alle Kinder Gottes genannt werden und sind. Der Kleinste ist tausendfach glücklich, der verstockte Sünder wird des ewiNachfolge Christi. 16 242 Drittes Buch. Achtundfünfzigstes Kapitel. gen Todes sterben. Denn als die Jünger fragten, wer der Größte sei im Himmelreiche, vernahmen sie folgende Antwort: Wenn ihr euch nicht bekehret, und werdet wie die Kindlein, so werdet ihr in das Himmelreich nicht eingehen. Wer also sich selbst erniedriget, wie dieß Kindlein, der ist der Größte im Himmelreiche." 10. Wehe denen, die sich nicht mit den Kindern freiwillig erniedrigen wollen! denn die niedrige Thür des Himmelreiches wird nicht gestatten, daß sie hineintreten. Wehe auch den Reichen, welche ihren Trost schon Hier haben! Denn während die Armen in das Reich Gottes eingehen, werden sie draußen stehen und wehtlagen. Freut euch ihr Niedrigen und frohlodet ihr Armen! denn euer ist das Reich Gottes, wenn ihr nur in der Wahrheit wandelt. Neunundfünfzigstes Kapitel. Man soll alle Hoffnung und alles Vertrauen auf Gott allein segen. 1. elches Vertrauen, o Herr! gibt's für mich in diesem Leben? Oder was gewährt mir von allen Dingen, die unter dem Himmel sind, den größten Trost? Nicht Du, Herr, mein Gott, dessen Barmherzig Drittes Buch. Neunundfünfzigstes Kapitel. 243 teit ohne Ende ist? Wo war mir jemals wohl ohne Dich, oder wie konnte es mir jemals übel gehen, wenn Du bei mir warst? Mit Dir will ich lieber arm sein, als ohne Dich reich. Ich möchte lieber mit Dir auf der Erde pilgern, als ohne Dich den Himmel besigen. Wo Du bist, da ist der Himmel; wo Du nicht bist, da ist Tod und Hölle. Du bist mein Verlangen; daher ist's mir Bedürf niß, nach Dir zu seufzen, Dich zu rufen, Dich anzuflehen. Auf Niemand kann ich volles Vertrauen seßen, daß er in meinen Nöthen zur rechten Zeit mir Hülfe brächte, als auf Dich, mein Gott, allein. Du bist meine Hoffnung und meine Zuversicht, Du in allen Fällen mein Tröster und treuester Beschüßer. 2. Alle suchen nur das Ihrige; Du aber willst nur mein Heil und meinen Fortschritt in der Tugend und wendest mir Alles zum Besten. Wenn Du mich auch mancherlei Versuchungen und Widerwärtigkeiten aussetest, so ordnest Du dieß Alles doch zu meinem Nußen, der Du deine Geliebten auf tausenderlei Weise zu prüfen pflegst. Und in dieser Prüfung soll ich Dich nicht weniger lieben und lobpreisen, als wenn Du mich mit himmlischen Tröstungen erfülltest. 3. Auf Dich also, Herr, mein Gott, sege ich alle meine Hoffnung und Zuversicht; Dir stelle ich all' meine Trübjal und Angst anheim; denn schwach und unbeständig finde ich Alles, was ich außer Dir wahrnehme. Viele 244 Drittes Buch. Neumundfünfzigstes Kapitel. Freunde können nicht nüßen und starke Hel fer nicht helfen, noch kluge Rathgeber heilsam rathen, noch die Bücher der Gelehrten trösten, noch irgend welche Schäße erretten, noch irgend ein verborgener und anmuthiger Ort schüßen, wenn Du nicht selbst beistehest, hilfft, stärkest, tröstest, unterweisest und schüßest. 4. Denn Alles, was zur Erlangung des Friedens und der Seligkeit dienlich scheint, ist ohne Dich unwirksam und bringt fein wahres Glück. Du bist also das höchste Gut, die Fülle des Lebens und die Tiefe der Weisheit; und auf Dich über Alles hoffen, ist der stärkste Trost deiner Knechte. Auf Dich sind meine Augen gerichtet, auf Dich vertraue ich, mein Gott, Vater der Barmherzigteit. Segne und heilige meine Seele mit himmlischem Segen, auf daß sie deine heilige Wohnung und der Siß deiner ewigen Glorie werde; und in diesem Tempel deiner Ehre werde nichts gefunden, was die Augen deiner Majestät beleidigen könnte. Sieh herab auf mich nach der Größe deiner Güte und der Menge deiner Erbarmungen und erhöre das Gebet deines armen Knechtes, welcher fern von Dir im finstern Thale des Todes herumirret. Beschüße und bewahre die Seele deines Knechtes unter so vielen Gefahren dieses gebrechlichen Lebens, begleite sie mit deiner Gnade und führe sie auf den Weg des Friedens zu dem Vaterlande der ewigen Klarheit. Amen. Viertes Buch. Von dem heiligen Sakramente des Altars. Hom Andächtige Ermahnung zur heiligen Kommunion. HS 11 orte Christi. Kommet Alle zu Mir, die ihr mühselig und beladen seid und Ich will euch erquiden," spricht der Herr. Das Brod, welches Ich geben werde, ist mein Fleisch, hingegeben für das Leben der Welt. Nehmet hin und esset, dieses ist mein Leib, welcher für euch wird hingegeben werden; dieß thut zu meinem- Andenken. Wer mein Fleisch ist und mein Blut trinkt, der bleibt in Mir und Jch in ihm. Die Worte, welche Ich zu euch geredet habe, sind Geist und Leben." Viertes Buch. Erstes Kapitel. Srstes Kapitel. Mit welch' großer Ehrfurcht man Christum empfangen soll. H orte des Jüngers. 1. Das sind deine Worte, o Christus, Du ewige Wahrheit, wiewohl sie nicht zu einer Zeit ge sprochen, noch an einer Stelle niedergeschrieben sind! Weil es also deine Worte und sie wahr sind, so muß ich sie alle dankbar annehmen und treu bewahren. Dein sind sie, weil Du sie ausgesprochen; sie sind aber auch mein, da Du sie zu meinem Heile gesprochen hast. Gern vernehme ich sie aus deinem Munde, damit sie meinem Herzen desto tiefer eingeprägt werden. So zärtliche Worte, voll SüBigkeit und Liebe, ermuntern mich, aber meine Verbrechen erfüllen mich mit Schrecken und mein beflecktes Gewissen hält mich vom Empfange so großer Geheimnisse zurück. Die Süßigkeit deiner Worte ermuntert mich; aber die Last meiner vielen Sünden drückt mich nieder. 246 I 2. Du befiehlst, daß ich vertrauensvoll mich Dir nahe wenn ich Theil an Dir haben will, und die Speise der Unsterblichkeit empfangen soll, wenn ich ewiges Leben und ewigen Ruhm zu erhalten verlange.„ Kommet," sprichst Du ,, kommet Alle zu Mir, die ihr mühselig und beladen seid und Ich will euch erquicken." O süßes und freundliches Viertes Buch. Erstes Kapitel. 247 Wort im Ohr des Sünders, daß Du, Herr, mein Gott! den Armen und Dürftigen einTadest zur Gemeinschaft deines heiligsten Leibes! Aber wer bin ich, Herr, daß ich mich unterstehen soll, zu Dir hinzutreten? Sieh, alle Himmel fassen Dich nicht und Du sprichst: Kommet Alle zu Mir." 3. Was bedeutet wohl diese gnädigste Herablassung und diese so freundliche Einladung? Wie darf ich es wagen, zu Dir zu kommen, der ich nichts Gutes mir bewußt bin, das mich dazu ermuthigen könnte? Wie mag ich Dich einführen in mein Haus, der ich so oft dein huldreichstes Angesicht beleidigt habe! Engel und Erzengel haben ehrfurchtsvolle Scheu vor Dir, die Heiligen und Gerechten fürchten sich und Du sprichst: Kommet Alle zu Mir!" Wer möchte wohl glauben, daß es wahr sei, wenn Du, Herr, nicht selbst es fagtest? Und gebötest Du nicht, wer möchte sich vermessen, hinzuzutreten? 4. Sieh, Noe, der gerechte Mann, ar beitete hundert Jahre am Bau der Arche, damit er mit Wenigen gerettet würde; und ich, wie werde ich mich in einer Stunde so vorbereiten können, daß ich den Schöpfer der Welt mit Ehrfurcht empfange? Moses, dein großer Diener und vertrauter Freund, machte eine Lade aus unverweslichem Holz, welche er mit dem reinsten Gold bekleidete, um die Tafeln des Geseßes hinein zu legen: und ich verwesliches Geschöpf sollte es wagen, Dich 248 Viertes Buch. Erstes Kapitel. den Urheber des Gesetzes und Geber des Lebens so leicht in mein fündiges Herz zu em pfangen. Salomon, der weiseste unter den Königen Israels baute sieben Jahre an dem prachtvollen Tempel zur Verherrlichung deines Namens und feierte acht Tage lang das Fest der Einweihung; tausend Friedensopfer brachte er dar und stellte feierlich die Bundeslade unter Posaunenschall und Jubelgefang an der für sie bereiteten Stätte auf; und wie sollte ich Unseliger, ich einer der ärmsten Menschen, Dich in mein Haus einführen, der ich faum eine Stunde in Andacht zubringen kann? O daß ich nur einmal eine halbe Stunde lang recht andächtig sein könnte! - 5. O mein Gott, wie viel haben jene gethan, um Dir zu gefallen! Und ach, wie wenig ist das, was ich thue! Wie kurze Zeit wende ich an, wenn ich mich zur Kommunion vorbereite! Selten bin ich ganz gesammelt und sehr selten von aller Zerstreuung frei. Wenigstens sollte in der heilbringenden Gegenwart deiner Gottheit kein unziemender Gedanke in mir aufsteigen, kein Geschöpf mich beschäftigen, da ich im Begriff bin, nicht etwa nur einen Engel, sondern den Herrn der Engel gastlich aufzunehmen! 6. Nebstdem ist ein sehr großer Unterschied zwischen der Bundeslade mit ihrem ganzen Inhalte und deinem allerreinsten Leibe, zwis schen jenen geseßlichen Opfern, den Vorbildern des künftigen und dem wahren Opfer deines Viertes Buch. Erstes Kapitel. 249 Leibes, wodurch alle Opfer des alten Bundes erfüllet werden. 7. Warum also, entbrennt bei deiner anbetungswürdigen Gegenwart nicht mehr mein Andachtseifer? Warum bereite ich mich nicht mit größerer Sorgfalt vor, zu deinem heiligen Tische zu gehen, da doch jene alten heiligen Patriarchen und Propheten, Könige und Fürsten mit dem gesammten Volfe eine so feurige Andacht beim Gottesdienste bewiesen? 8. Der fromme König David tanzte aus allen Kräften vor der Bundeslade des Herrn her, eingedenk der Wohlthaten, die einst den Vätern erwiesen wurden. Er ließ musikalische Instrumente verschiedener Art anfertigen; verfaßte Psalmen, ließ sie in Freudigkeit singen und sang oft selbst zur Harfe, angehaucht von der Gnade des heiligen Geistes. Er lehrte das Volk Israel mit ganzem Herzen Gott loben und Ihn, wie mit Einer Stimme täglich benedeien und preisen. Wenn man damals von solcher Andacht ergriffen und vor der Bundeslade des Lobes Gottes so eingedenk war, welche Ehrfurcht und Andacht muß ich und das ganze chriftliche Volt in Gegenwart des heiligen Sakraments und beim Genuß des allerherrlichsten Leibes Christi an den Tag legen? 9. Viele laufen nach verschiedenen Orten hin, um die Reliquien der Heiligen zu besuchen und hören mit Verwunderung von ihren Thaten erzählen; sie betrachten den weiten 250 Viertes Buch. Erstes Kapitel. Bau der Tempel und küssen die in Gold und Seide eingewickelten Gebeine der Heiligen. Und siehe, Du, mein Gott, der Heilige der Heiligen, Schöpfer der Menschen und Herr der Engel, Du bist hier vor mir auf dem Altar gegenwärtig! Oft ist es jenen darum zu thun, ihre Neugier zu befriedigen und Dinge zu sehen, die sie noch nicht gesehen haben und die ihnen neu sind, weßhalb sie nur geringe Frucht der Besserung davon tragen; besonders wenn sie leichtsifinig ohne wahre Reue herumlaufen. Hier aber, im Sakrament des Altars, bist Du, Gottmensch Jesus Christus, ganz gegenwärtig; hier erlangt man auch reiche Frucht des ewigen Heils, so oft Du würdig und andächtig empfangen wirst. Dahin zieht aber nicht Leichtsinn, noch Neugier oder Sinnlichkeit, sondern fester Glaube, andächtige Hoffnung und aufrichtige Liebe. 10. Gott, unsichtbarer Schöpfer der Welt, wie wunderbar handelst Du mit uns! Welch' liebreiche und gnädige Fürsorge triffst Du für deine Auserwählten, denen Du im heiligen Sakrament Dich selbst zum Genusse gibst! Denn dieß übersteigt alle Vernunft; dieß zieht besonders die Herzen der Frommen an und entzündet ihre Liebe. Denn diese deine wahren Gläubigen, die ihr ganzes Leben zu ihrer Besserung anwenden, empfangen aus diesem hochwürdigsten Sakramente oft große Gnade der Andacht und Liebe zur Tugend. Viertes Buch. Erstes Kapitel. 251 11. O bewunderungswürdige und verborgene Gnade des Sakraments, welche nur die Gläubigen Christi kennen, die Ungläubigen aber, und die da der Sünde dienen, nicht erfahren können! In diesem Sakramente wird die geistliche Gnade mitgetheilt, und die verlorne Kraft der Seele.wiedergegeben; und ihre durch die Sünde entstellte Schönheit kehrt zurück. Diese Gnade ist bisweilen so groß, daß aus der Fülle der verliehenen Andacht nicht nur die Seele, sondern auch der schwache Leib neue Kräfte in sich fühlt. 12. Doch müssen wir sehr über unsere Lauheit und Nachlässigkeit klagen und trauern, weil wir von keiner größern Begierde getrieben werden, Christum zu empfangen, in welchem doch alle Hoffnung, und alles Verdienst derer beruht, welche selig werden wollen. Denn Er ist unsere Heiligung und Erlösung, der Trost der Erdenpilger und der ewige Genuß der Heiligen. Es ist darum sehr zu beklagen, daß Viele so wenig dieß heilbringende Geheimniß beachten, das den Himmel erfreut, und die ganze Welt errettet. Oder Blindheit und Härte des menschlichen Herzens, daß es eine so unaussprechliche Gabe nicht höher schäßt, und bei dem täglichen Gebrauch sogar in Gleichgültigkeit dagegen verfällt! 13. Denn wenn dieses hochheilige Sakrament nur an einem Orte gefeiert, und die Wandlung nur von Einem Priester in der 252 Viertes Buch. Zweites Kapitel. " Welt vollbracht würde, von welchem Verlangen, meinst du wohl, würden nicht die Menschen zu jenem Orte, und zu einem solchen Priester hingezogen werden! damit sie die göttlichen Geheimnisse feiern sähen? Nun aber sind viele Priester angeordnet, und an vielen Orten wird Christus geopfert, damit die Gnade und die Liebe Gottes gegen die Menschen um so größer erscheine, je weiter die heilige Kommunion über den ganzen Erdkreis verbreitet ist.- Dank Dir, gütigster Jesu, Du ewiger Hirt! daß Du uns Arme und Fremdlinge gewürdigt hast, mit deinem kostbaren Leibe und Blute uns zu erquicken, und zum Empfange dieses Geheimnisses mit der Stimme deines eigenen Mundes einzuladen, indem Du sprichst: Kommet zu Mir Alle, die ihr mühselig und beladen seid, Ich will euch erquicken." Zweites Kapitel. In dem heiligen Sakrament offenbart sich den Menschen die große Güte und Liebe Gottes. orte des Jüngers. 1. Im Vertrauen auf deine Güte und große Barmherzigkeit, o Herr! komme ich, wie ein Kranter zu seinem Arzt und Retter, wie ein Hungriger und Durstender zur Quelle des Lebens, wie ein Dürftiger zum König des Himmels, wie Viertes Buch. Zweites Kapitel. 253 ein Knecht zu seinem Herrn, wie ein Geschöpf zu seinem Schöpfer, wie ein Trostloser zum liebevollen Tröster. Aber woher wird mir das Glück, daß Du Dich Selbst mir darbietest? Wie darf der Sünder es wagen, vor Dir zu erscheinen? Und Du, wie würdigest Du den Sünder, zu ihm zu kommen? Du kennſt deinen Knecht und weißt, daß er nichts Gutes in sich hat, um deßwillen Du ihm dieß gewähren solltest. Jch betenne daher meine Unwürdigkeit, ich erkenne deine Gütigkeit, ich lobpreise deine Hald und danke Dir für deine übergroße Liebe. Denn um Deiner Selbst willen thust Du dieß, nicht um meiner Verdienste willen; Du willst deine Güte mir noch mehr offenbaren, eine größere Liebe mir einflößen, und die Demuth mir vollkommener empfehlen. Weil dieß Dir also gefällt, und Du es befohlen hast, daß es also geschehe, so gefällt auch mir deine Herablassung, und möchte nur meine Sündhaftigkeit nicht im Wege stehen. 2. O süßester und gütigster Jesu! welch' große Ehrfurcht und Dankbarkeit, welch' fortwährendes Lob gebührt Dir nicht für den Genuß deines heiligen Leibes, dessen Würde kein Mensch zu erklären vermag! Aber was soll ich denken bei der heiligen Kommunion, beim Hinzutreten zu meinem Herrn, den ich nicht gebührend verehren kann, und doch mit Andacht zu empfangen wünsche? Was könnte ich Besseres und Heilsameres denken, als daß 254 Viertes Buch. Zweltes Kapitel. ich mich selbst gänzlich vor Dir demüthige, und deine unendliche Güte über mich erhebe? 3. Jch lobe Dich, mein Gott! und preise Dich in Ewigkeit; ich erniedrige mich vor Dir, und unterwerfe mich Dir in der Tiefe meiner Unwürdigkeit! Siehe, Du bist der Heilige der Heiligen, und ich der Unreinste unter den Sündern. Siehe, Du neigest Dich zu mir, der ich nicht würdig bin, zu Dir aufzusehen. Siehe, Du kommst zu mir, Du willst mit mir sein, Du ladest mich zu deinem Mahle ein. Du willst mir die himmlische Speise und das Brod der Engel zu effen geben, wahrlich kein anderes, als Dich selbst, das lebendige Brod, das vom Himmel herabgestiegen ist, und der Welt das Leben gibt. 4. Sieh, hier ist die Quelle der Liebe! Welche Güte leuchtet nicht aus ihr hervor! Welchen Dank, welche Lobpreisung bin ich Dir schuldig! O wie heilbringend und segens reich war deine Absicht, als Du dieses Mahl anordnetest! Und wie lieblich und erfreulich ist das Mahl, indem Du Dich Selbst zur Speise gibst! O wie wunderbar ist dein Wirten, o Herr! wie mächtig deine Kraft, wie unaussprechlich deine Wahrheit! Denn Du sprachst, und es wurde Alles; und auch hier geschah, was Du befohlen hast. 5. Wunderbar ist es, und doch glaubwürdig, obwohl es den menschlichen Verstand weit übersteigt, daß Du, Herr, mein Gott, wahrer Gott und Mensch, unter der unschein Viertes Buch. Zweites Kapitel. 255 baren Gestalt des Brodes und Weines ganz enthalten bist, und von dem, der Es empfängt, genossen wirst, ohne verzehrt zu werden. Du Herr aller Dinge, der Du nichts bedarfst, wolltest durch dein Sakrament in uns wohnen! Erhalte mein Herz und meinen Leib unbefleckt, daß ich mit freudigem und reinem Gewissen oft dieses dein Geheimniß feiern und zu meinem ewigen Heile empfangen könne, welches Du besonders zu deiner Ehre und deinem ewigen Gedächtniß angeordnet und eingesetzt hast. 6. Freue dich, meine Seele, und danke Gott für ein so edles Geschenk, und einen so vorzüglichen Trost, der dir in diesem Thränenthale zurückgelassen wurde. Denn so oft du dieses Geheimniß feierst, und den Leib Christi empfängst, so oft vollbringst du das Wert deiner Erlösung, und wirst aller Verdienste Christi theilhaftig. Denn die Liebe Christi wird niemals vermindert, und der Quell seiner Versöhnung nie erschöpft. Deßwegen mußt du mit stets wiederholter Erneuerung des Gemüthes dich darauf vorbereiten, und das große Geheimniß des Heils in auf merksamer Betrachtung überdenken. So groß, neu und lieblich soll es dir erscheinen, wenn du es feierst, oder die heilige Messe hörest, als wenn Christus an diesem Tage zum erstenmal in den Schooß der Jungfrau niedergestiegen und Mensch geworden wäre, oder am Kreuze hangend, für das Heil der Menschen litte und stürbe. 256 Viertes Buch. Drittes Kapitel. Drittes Kapitel. Es ist nüßlich, öfters zu kommu niziren. 1. Dieh, o Herr, ich komme zu Dir, damit mir wohl werde durch deine Gabe und ich mich erfreuen möge bei deinem heiligen Mahle, das Du, o Gott, in deiner liebevollen Güte mir Armen bereitet hast. Sieh, in Dir ist Alles, was ich wünschen kann und soll. Du bist mein Heil und meine Erlösung, meine Hoffnung und meine Stärke, meine Zierde und mein Ruhm. Erfreue also heute die Seele deines Knechtes, denn zu Dir, Herr Jesus, habe ich meine Seele erhoben! Ich wünsche Dich jetzt mit Andacht und Ehrfurcht zu empfangen. Ich will Dich in mein Haus einführen, damit ich verdiene, wie Zachäus von Dir gesegnet und unter die Söhne Abrahams gezählt zu werden. Meine Seele verlangt nach deinem Leibe, mein Herz sehnt sich, mit Dir vereinigt zu werden. 2. Gib Dich mir und ich habe genug; denn außer Dir ist jeder Trost unwirksam. Ohne Dich kann ich nicht sein und ohne deine Heimsuchung vermag ich nicht zu leben. Deßwegen muß ich oft zu Dir kommen und Dich als Mittel zu meinem Heile empfangen, damit ich nicht auf dem Wege verschmachte, wenn ich der himmlischen Speise beraubt wäre. Denn Viertes Buch. Drittes Kapitel. 257 so sprachst Du einst, barmherzigster Jesus, als Du die Völker lehrtest und ihre mancherlei Gebrechen heiltest: Ich will sie nicht ungesättigt nach Hause entlassen, damit sie nicht auf dem Wege verschmachten." Mache es denn eben so auch mit mir, der Du Dich zum Trost der Gläubigen im Sakrament zurückgelassen hast. Denn Du bist die süße Erquickung der Seele und wer Dich würdig empfängt, wird Mitgenosse und Erbe der ewigen Herrlichkeit sein. Für mich wenigstens, der ich so oft falle und fündige, so schnell lau werde und ermatte, ist es ein Bedürfniß, daß ich öfters durch Gebet, Beichte und Empfang deines heiligen Leibes mich erneue, reinige und entflamme, damit ich nicht etwa, wenn ich mich auf längere Zeit fern davon halte, von meinem heiligen Vorsaße ablasſe. 3. Denn die Sinne des Menschen sind von Jugend auf zum Bösen geneigt und wenn ihm die göttliche Arznei nicht Hülfe schafft, so fällt der Mensch alsbald in noch größere Sünden. Die heilige Kommunion zieht also vom Bösen zurück und stärkt im Guten. Denn wenn ich jetzt, da ich kommunizire, oder das heilige Meßopfer darbringe, so oft nachlässig und lau bin, was würde geschehen, wenn ich diese Arznei nicht nähme und ein so wirksames Hülfsmittel nicht suchte? Und bin ich gleich nicht jeden Tag zu dieser heiligen Feier geschickt und genugsam vorbereitet, so will ich mich doch bemühen, an geeigneten Nachfolge Chrifti. 17 258 Viertes Buch. Drittes Kapitel. Lagen diese göttlichen Geheimnisse zu em pfangen und so großer Gnade mich thellhaftig machen. Denn so lange die gläubige Seele in dem sterblichen Leibe fern von Dir pilgert, ist für sie die vorzüglichste Trostquelle, daß sie oft ihres Gottes gedenke und mit andächtigem Gemüthe ihren Geliebten empfange. 4. O wie wundervoll ist doch die Herablassung deiner Güte gegen uns, daß Du, Herr und Gott, Schöpfer und Beleber aller Geister, solch eine arme Seele würdigest, zu ihr zu kommen und mit deiner ganzen Gottheit und Menschheit überschwänglich ihren Hunger zu stillen! O glücklich das Herz und gesegnet die Seele, der es verliehen ist, Dich ihren Herrn und Gott andächtig zu empfangen und durch deinen Genuß mit geistiger Freude erfüllet zu werden! O welch' einen großen Herrn empfängt sie, welch' einen lieben Gast beherbergt sie, welch' angenehmen Gesellschafter nimmt sie bei sich auf, welch' einen treuen Freund bekommt sie, welch einen schönen und edlen Bräutigam umarmt sie, einen Bräutigam, oer über alle Geliebten und über alles Wünschenswerthe zu lieben ist! Verstummen müssen vor deinem Angesicht, o mein süßester Geliebter, Himmel und Erde mit all ihrer Pracht: denn was sie auch Lobenswerthes und Schönes haben, das haben sie durch deine freigebige Huld und sie erreichen nie die Herrlichkeit deines Namens, dessen Weiß heit unermeßlich ist. Viertes Buch. Viertes Kapitel. 259 Viertes Kapitel. Eine andächtige Kommunion erwirkt viele Gnaden. orte des Jüngers. 1. Herr, mein Gott, komm deinem Knechte mit den Segnungen deiner Liebe zuvor, damit ich deinem hocherhabenen Sakramente würdig und andächtig mich nahen könne. Erwecke mein Herz zu Dir und befreie mich von der mich beschwerenden Trägheit. Suche mich heim mit deiner heilbringenden Gnade und laß mich im Geiste deine Freundlichkeit fühlen, welche in diesem Sakramente, wie in einer Quelle, überschwänglich verborgen liegt. Erleuchte auch meine Augen, um dieß große Geheimniß zu schauen und stärke mich, daß ich fest und ohne irgend einen Zweifel daran glaube. Denn es ist dein Werk, nicht Menschenwerk; deine heilige Einseßung, nicht Menschenerfindung. Niemand ist fähig, durch sich selbst das zu fassen und zu begreifen, was selbst den Verstand der Engel übersteigt. Wie werde denn ich unwürdiger Sünder, der ich nur Staub und Asche bin, ein so hohes Geheimniß erforschen und fassen können? 2. Herr, in der Einfalt meines Herzens, in gutem festem Glauben und auf deinen Befehl trete ich mit Zuversicht und Ehrfurcht zu Dir hin und glaube wahrhaftig, daß Du 260 Viertes Buch. Viertes Kapitel. hier im Sakramente als Gott und Mensch gegenwärtig bist. Du willst ja, daß ich Dich empfangen und mich in Liebe mit Dir vereinigen soll. So flehe ich denn zu deiner Güte und bitte Dich, Du wollest mir dazu eine besondere Gnade verleihen, daß ich vor Liebe zerfließe und ganz in Dich übergehe und mich um keinen andern Trost mehr bekümmere. Denn dieß erhabene und hochwürdigste Sakrament ist heilbringend für Leib und Seele, eine Arznei gegen jede Krankheit des Geistes; es heilt jeden Schaden der Sünde, bezähmt die Leidenschaften, überwindet und schwächt die Versuchungen, gibt größere Gnade, befördert die begonnene Tugend, befestigt den Glauben, stärkt die Hoffnung, entzündet und erweitert die Liebe. 3. Denn viel Gutes hast Du deinen Ge liebten, welche mit Andacht kommuniziren, in diesem Sakramente schon geschenkt und schenkest ihnen noch immer mehr, mein Gott, der Du auch meine Seele aufnimmst, die menschliche Schwachheit unterstüßest und der Spender jedes innern Trostes bist. Denn Du ergießest gegen die mannigfachen Trübsale vielen Trost in ihr Herz, richtest sie von ihrer äußersten Muthlosigkeit zur Hoffnung auf deinen Schuß auf und erquickest und erleuchtest sie innerlich mit einer neuen besondern Gnade, so daß die, welche vor der Kommunion nur Angst und Mangel an inniger Liebe in sich gefühlt hatten, durch die Speise und Viertes Buch. Viertes Kapitel. 261 den Trank des Himmels gestärkt, sich in bessere Menschen umgewandelt finden. Und aus keiner andern Absicht hast Du für deine Auserwählten eine so weise Anordnung getroffen, als daß sie durch eigene Erfahrung deutlich erkennen, wie sie in sich selbst gar nichts haben und wie viel Gnade sie von deiner Güte erhalten. Denn von sich selber sind sie kalt, hart und ohne Andacht, durch Dich aber werden sie eifrig, freudig und andächtig. Denn wer tritt wohl zur Quelle des süßesten Trostes demüthig hinzu, ohne ein wenig er quickenden Trost mit zurüdzubringen? Oder wer könnte bei einem gewaltigen Feuer stehen, ohne ein wenig Wärme davon zu fühlen? Und Du bist ja die ewig volle, ewig überströmende Quelle, Du das ewig flammende, nie verlöschende Feuer! 4. Wenn es mir daher nicht vergönnt ist, aus der vollen Quelle zu schöpfen, und mich satt zu trinken, so will ich doch an den Rand des himmlischen Röhrleins meinen Mund halten, damit ich wenigstens einige Tropfen daraus bekomme, um meinen Durst zu stillen und nicht ganz zu verschmachten. Und wenn ich noch nicht ganz himmlisch und von Liebe entflammt sein kann, wie die Seraphim und Cherubim, so will ich mich doch bemühen, in der Andacht zu verharren, und dadurch mein Herz zu bereiten, daß ich durch den demüthigen Genuß des belebenden Sakraments wenigstens einige Fünklein der göttlichen Flamme 262 Viertes Buch. Viertes Kapitel. erhalte. Was mir aber mangelt, gütigster Jesu, heiligster Erlöser! das erseße Du durch deine Güte und Gnade für mich, der Du ja Alle gewürdiget hast, sie zu Dir einzuladen, indem Du sprachest: Kommet Alle zu Mir, die ihr mühselig und beladen seid, Ich will euch erquicken." 5. Ach fürwahr, ich ringe und plage mich im Schweiße meines Angesichtes, werde gequält von Herzensangst, bin beladen mit Sünden, werde von Versuchungen beunruhiget, von vielen bösen Leidenschaften verwickelt und niedergedrückt; und Niemand ist, der mir helfen, Niemand, der mich befreien und erretten könnte, als Du, Herr, Gott, mein Heiland! Dir übergebe ich mich denn ganz und Alles, was ich habe, auf daß Du mich bewahrest und zum ewigen Leben einführest. Nimm mich auf zum Lobe und zur Ehre deines Namens, der Du mir deinen Leib und dein Blut zur Speise und zum Tranke bereitet hast. Verleihe mir, o Herr! Du- Gott meines Heils, daß durch den öftern Empfang deines heiligsten Sakramentes die Inbrunst meiner Andacht immer zunehme!" Ji Viertes Buch. Fünftes Kapitel. 263 Fünftes Kapitel. Von der Würde des Sakramentes und dem Priesterstande. orte des Geliebten. 1. Hättest du auch die Reinheit eines Engels, oder die Heiligkeit des heiligen Johannes des Täufers, so wärest du doch nicht würdig, dieses Sakrament zu empfangen oder zu verwalten. Denn es ist nicht menschliches Verdienst, daß ein Mensch Christi Sakrament weihe und opfere, und das Brod der Engel zur Speise nehme. Derhabenes Geheimniß, hehre Würde der Priester, denen gegeben ist, was den Engeln nicht verliehen wurde! Denn nur die in der Kirche rechtmäßig geweihten Priester haben die Gewalt, das heilige Opfer darzubringen und den Leib Christi zu konsekriren. Gleichwohl ist der Priester nur ein Diener Gottes, der das Wort Gottes gebraucht nach dem Befehl und der Einseßung Gottes; Gott Selbst ist es, der hier vorzüglich handelt und unsichtbar wirket, Dem Alles unterworfen ist, was Er will, und Dem Alles gehorcht, wie Er gebietet. 2. Du must also in diesem hocherhabenen Sakramente dem allmächtigen Gott mehr glauben, als dem eigenen Sinne, oder irgend einem fichtbaren Zeichen. Darum nahe dich mit scheuer Ehrfurcht dieser heiligen Handlung. Gib deßwegen Acht, und bedenke 264 Viertes Buch. Fünftes Kapitel. wohl, was für ein Amt dir anvertraut ist durch die Händeauflegung des Bischofs. Sieh, du bist Priester geworden und geweihet, um die heiligen Geheimnisse zu feiern; sorge da her, daß du zu seiner Zeit Gott treu und andächtig das heilige Opfer darbringest und dich selbst untadelhaft erweisest. Du hast deine Bürde nicht erleichtert, sondern bist vielmehr durch ein engeres Band an die Zucht gebunden und verpflichtet, nach einem höhern Grade der Vollkommenheit und Heiligkeit zu streben. Ein Priester soll mit allen Tugenden geschmückt sein, und Andern mit dem Beispiele eines tugendhaften Lebens vor leuchten. Er soll nicht mit Menschen aus dem großen Haufen wandeln, sondern mit den Engeln im Himmel und den vollkomme, nen Männern auf Erden. 3. Ein Priester, angethan mit den hei ligen Gewanden, vertritt die Stelle Christi, daß er Gott für sich und das ganze Volk demüthig anflehe. Er hat vor sich und hinter sich das Kreuz des Herrn, um sich immerdar an das Leiden Christi zu erinnern. Vorn auf dem Meßgewande trägt er das Kreuz, um fleißig auf die Fußstapfen Jesu zu sehen und eifrig zu streben, ihnen nachzufolgen. Auf dem Rücken ist er mit dem Kreuze bezeichnet, damit er, um Gotteswillen Alles fanftmüthig ertragen lerne, was ihm zugefügt wird. Vor sich trägt er das Kreuz, damit er über seine eigenen Sünden traure; Viertes Buch. Sechstes Kapitel. 265 hinter sich, daß er auch die Sünden Anderer mitleidsvoll beweine, und bedenke, daß er zwischen Gott und den Sünder gestellt sei, und nicht ablasse vom Gebete und dem heiligen Opfer, bis er Gnade und Erbarmung erfleht habe. Wenn ein Priester das heilige Meßopfer darbringt, verherrlicht er Gott, erfreut die Engel, erbauet die Kirche, erwirkt den Lebenden Hülfe, den Verstorbenen Ruhe, und macht sich selbst aller Gnaden theilhaftig. Sechstes Kapitel. Frage, wie man sich zur heiligen Kommunion vorbereiten soll. orte des Jüngers. 1. Wenn ich an deine Würde, o Herr! und an meine Unwürdigkeit dente, so erzittere ich, und erröthe vor mir selbst. Denn wenn ich nicht zu deinem heiligen Mahle gehe, so fliehe ich das Leben; und wenn ich unwürdig mich hinzudränge, so lade ich Schuld auf mich. Was soll ich also thun, mein Gott, mein Helfer und Rathgeber in aller Noth?" 2. Lehre Du mich den rechten Weg. Zeige mir in der Kürze, wie ich zur heiligen Kommunion mich würdig vorbereiten soll. Denn es ist mir nüßlich zu wissen, wie ich mit Andacht und Ehrfurcht mein Herz Dir bereiten soll, um dein Sakrament zu meinem Heile zu empfangen, oder das erhabene göttliche Opfer zu feiern. 266 Viertes Buch. Siebentes Kapitel. Siebentes Kapitel. Von der Erforschung des Gewissens und dem Vorsage der Besserung. orte des Geliebten. 1. Der Priester Got tes soll vor Allem mit größter Demuth des Herzens und tiefer. Ehrfurcht, mit festem Glauben und in der frommen Absicht, die Ehre Gottes zu befördern, hinzutreten, dieß heilige Sakrament zu feiern, zu wandeln und zu genießen. Erforsche sorgfältig dein Gewis sen, und reinige und läutere es, so viel du fannst, durch eine wahre Reue und demüthige Beicht, so daß nichts mehr dich beschwere oder ängstige, und den freien Zutritt verhindere. Habe Mißfallen an allen deinen Sünden im Allgemeinen, und über deine täglichen Vergehungen erwecke mehr ins Besondere eine herzliche Reue. Und wenn die Zeit es gestattet, so bekenne Gott in der Tiefe deines Herzens den ganzen elenden Zustand deiner Seele, worin deine Leidenschaften dich versetzt haben. 2. Seufze und klage, daß du noch so fleischlich und irdisch gesinnt bist, daß deine Leidenschaften noch so wenig abgetödtet, deine Begierden noch so erregbar, deine äußern Sinne noch so unbewacht sind; daß du so oft noch eitlen Vorspiegelungen deiner Einbildungskraft dich hingibst, daß du so sehr den Viertes Buch. Siebentes Kapitel. 267 Dingen der Außenwelt zugethan, so nachläsfig in Bezug auf dein Inneres bist, so leicht bewegt zum Lachen und zur Ausgelassenheit, so unbeweglich zur Trauer und Reue über deine Sünden, so bereitwillig zur Zügellosigkeit und zur Sinnenlust, so träge zum Ernst und zur Strenge gegen dich selbst, so begierig, Neues zu hören und Schönes zu sehen, so kraftlos in Ergreifung dessen, was niedrig und demüthigend ist, so begierig, Viel zu haben, so targ zum Geben, so hartnädig im Behalten, so unbedachtsam im Reden, so unenthaltsam im Schweigen, so unordentlich in den Sitten, so ungestüm im Handeln, so lüstern nach Speise, so taub gegen das Wort Gottes, so schnell zur Ruhe, so langsam zur Arbeit, so hurtig zu unnübem Geschwäß, so schläfrig zu heiligen Betrachtungen, so eilig, zum Ende zu kommen, so zerstreut zum Aufmerken, so nachlässig in Abhaltung der Tagszeiten, so lau bei Verrichtung des heiligen Meßopfers, so geistesdurr bei Empfang der heiligen Kommunion, so schnell zerstreut, so selten völlig gesammelt, so leicht erzürnt, so gleichgültig Andern weh zu thun, so vorschnell zu richten, so streng im Tadeln, so ausgelassen im Glück, so niedergeschlagen im Unglück, so eifrig in guten Entschlüssen, so schläfrig in Ausführung derfelben. 3. Wenn du diese und andere Fehler mit Betrübniß über deine eigene Schwachheit und 268 Viertes Buch. Siebentes Kapitel. mit großem Mißfallen daran gebeichtet und beweinet hast, so nimm dir fest vor, dein Leben immer mehr zu bessern und im Guten fortzuschreiten. Dann bringe mit Selbstver läugnung und aufrichtigem Willen zur Ehre meines Namens dich selbst auf dem Altare deines Herzens als ein stetes Opfer dar, in dem du nämlich deinen Leib und deine Seele mit aller Treue Mir übergibst, damit du so würdig werdest, das göttliche Opfer zu feiern und das Sakrament meines Leibes zu deinem Heile zu empfangen. 4. Denn es gibt kein würdigeres Opfer und keine größere Genugthuung zur Tilgung der Sünden, als mit der Opferung des Lei bes Christi in der Messe und Kommunion Gott sich selbst ganz und ungetheilt aufopfern. Wenn der Mensch, so oft er sich mir nahet, um Vergebung und Gnade zu erhalten, Alles thut, was er vermag und seine Sünden wahrhaft bereut, so spricht der Herr auch zu ihm: So wahr Ich lebe, Ich will nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe; denn Ich will seiner Sünden nicht mehr gedenken, sondern alle sollen ihm vergeben sein. Viertes Buch. Achtes Kapitel. 269 Achtes Kapitel. Von der Aufopferung Christi am Kreuz und von der Selbstverläugnung. orte des Geliebten. 1. Wie Ich Mich Selbst mit ausgespannten Armen und entblößtem Körper am Kreuze für deine Sünden Gott dem Vater freiwillig geopfert habe, so daß nichts in Mir zurückblieb, was Ich nicht ganz zur Versöhnung Gottes als Opfer dahin gegeben hätte, so mußt auch du freiwillig dich selbst mit allen deinen Kräften und Neigungen und mit möglichster. Innigkeit täglich in der heiligen Messe Mir opfern. Ja, dieß verlange Ich von dir, daß du dahin strebeſt, dich Mir völlig zu ergeben. Was du Mir immer außer dir selbst darbringest, achte Ich für nichts; denn Ich verlange nicht deine Gabe, sondern dich. 2. So wie es dir nicht genügen würde, wenn du Alles hättest, aber mich nicht, so kann auch mir nichts von dem gefallen, was du Mir gibst, wenn du dich nicht selbst Mir gibst. Opfere dich mir und gib dich ganz für Gott hin, und dein Opfer wird angenehm sein. Sieh, Ich habe mich für dich dem Vater ganz aufgeopfert; Ich habe auch meinen Leib zur Speise und mein Blut zum Tranke dargegeben, damit Jch ganz dein sei und du Mein bleibest. Wenn du aber immer dir selbst angehören willst und dich nicht frei. 270 Viertes Buch. Neuntes Kapitel. willig nach meinem Willen darbringst, so ist dein Opfer nicht vollständig und keine vollkommene Vereinigung unter uns. Darum muß allen deinen Werken eine freiwillige Hingabe deiner selbst in die Hand Gottes vorangehen, wenn du Freiheit und Gnade erlangen willst. Denn eben deßwegen bleiben so Viele ohne Erleuchtung und innere Freiheit, weil sie nicht verstehen, gänzlich sich selbst zu verläugnen. Fest steht mein Wort: Wer nicht Allem entsagt, der kann mein Jünger nicht sein." Willst du also mein Jünger sein, so opfere Mir dich selbst mit allen deinen Neigungen auf. 11 Neuntes Kapitel. Wir müssen uns selbst und alles Unsrige Gott aufopfern und für alle Menschen beten. orte des Jüngers. 1. Herr, Alles istDein, was im Himmel und auf Erden ist. Ich verlange mich selbst Dir zum freiwilligen Opfer darzubringen und auf immer Dein zu bleiben. Herr, ich opfere mich Dir heute in Einfalt des Herzens auf, ich will auf immer dein Diener sein, immer und allezeit Dir ge horchen und Dich loben. Nimm mich auf mit dem heiligen Opfer deines kostbaren Leibes, das ich Dir heute in Gegenwart der Engel, die demselben unsichtbar beimohnen, darbringe, damit es mir und deinem ganzen Volte zum Heile gereiche. Viertes Buch. Neuntes Kapitel. 271 2. Herr, ich lege alle meine Sünden und Missethaten, die ich von dem Tage an, wo ich zuerst sündigen konnte, bis zu dieser Stunde begangen, auf deinem Sühnaltar vor Dir nieder, daß Du sie alle anzündest und verbrennest mit dem Feuer deiner Liebe, daß Du auslöschest alle Flecken meiner Sünden, mein Gewissen reinigest von aller Schuld und mir von neuem die Gnade verleihest, die ich durch meine Sünden verloren habe, indem Du mir Alles vollkommen vergibst und mich in deiner Barmherzigkeit zum Friedenskusse aufnimmſt. 3. Was anders kann ich für meine Sünden thun, als sie demüthig bekennen und beflagen und unablässig zu Dir um Barmherzigkeit flehen? Ja ich flehe zu Dir, erhöre mich gnädig, wenn ich vor Dir, o Gott! erscheine. Alle meine Sünden sind mir von Herzen leid, ich will sie niemals wieder begehen; ich bereue sie und werde sie bereuen, so lange ich lebe; ich bin bereit, Buße zu wirken und genug zu thun, so viel ich kann und vermag. Verzeihe mir, o Gott! verzeihe mir meine Sünden um deines heiligen Namens willen; errette meine Seele, die Du mit deinem kostbaren Blute erlöset hast. Sieh, ich überlasse mich deiner Barmherzigkeit, ich ergebe mich deinen Händen. Handle mit mir nach deiner Güte, nicht nach meiner Bosheit und Ungerechtigkeit. 4. Jch opfere Dir auch auf all' mein Gutes, wie wenig und unvollkommen es immerhin 272 Viertes Buch. Neuntes Kapitel. sein mag, läutere und heilige es, laß es Dir wohlgefallen und ziehe es stets zum Bessern hin; führe auch mich trägen und unnüßen Knecht zu einem seligen und rühmlichen Ende. 5. Ich opfere Dir ferner alle frommen Wünsche der Gottseligen auf, die Anliegen meiner Eltern und Freunde, meiner Brüder und Schwestern und aller meiner Lieben, so wie auch derer, die mir oder Andern aus Liebe zu Dir wohl gethan haben und die mir den Wunsch und die Bitte ausgesprochen haben, daß ich für sie und alle Jhrigen beten und das Meßopfer darbringe, sie mögen nun noch im Fleische wandeln oder aus dieser Zeitlichkeit abgeschieden sein, damit sie Alle den Beistand deiner Gnade, die Hülfe deines Trostes, deine Rettung aus Gefahren, deine Befreiung von ihren Strafen sich nahen fühlen und allen Uebeln entrissen -freudig Dir Preis und Dank entrichten. 6. Jch bringe Dir auch noch Gebete und Versöhnungsopfer insbesondere für Diejenigen dar, die auf irgend eine Weise mich beleidigt, betrübt, geschmäht, mir geschadet oder sonst mich gekränkt haben, so wie für Alle, welche ich betrübt, gefränkt, bedrückt und mit Wor ten oder Werken, wissentlich oder unwissentlich geärgert habe; daß Du uns Allen unsere Sünden und gegenseitigen Beleidigungen verzeihest. Nimm, o Herr! aus unsern Herzen allen Argwohn, Unwillen, Zorn und Zwie: spalt und Alles hinweg, was die Liebe ver Viertes Buch. Zehntes Kapitel. 273 legen und die brüderliche Eintracht vermindern kann. Erbarme Dich, o Herr! erbarme Dich Aller, welche deine Barmherzigkeit anflehen, gib Gnade denen, die ihrer bedürfen und laß uns so leben, daß wir deiner Gnade würdig werden und auf dem Wege zum ewigen Leben fortschreiten. Amen. Behntes Kapitel. Man soll die heilige Kommunion nicht leicht unterlassen. orte des Geliebten. 1. Du mußt oft zum Quell der Gnade und göttlichen Barmherzigkeit, zum Quell der Güte und aller Reinheit deine Zuflucht nehmen, wenn du von deinen Leidenschaften und Sünden geheilet und gegen alle Versuchungen und Fallstricke des Teufels stärker und wachsamer werden willst. Der Feind weiß, wie nüßlich und heilbringend die heilige Kommunion ist; darum ergreift er jede Gelegenheit und jedes Mittel, die an dächtigen Gläubigen davon abzuhalten und daran zu hindern. 2. Denn Manche haben eben dann am meisten gegen Eingebungen des Satans zu kämpfen, wenn sie sich zur heiligen Kommunion vorbereiten wollen. Der böse Geist tritt, wie im Buche Job geschrieben steht, unter die Kinder Gottes, daß er sie mit seiner gewohnten Bosheit verwirre, oder allzu furcht18 274 Viertes Buch. Zehntes Kapitel. sam und ängstlich mache, um ihr heiliges Verlangen zu schwächen, oder ihnen durch seine Anfechtungen den Glauben zu nehmen, was dann zur Folge hat, daß sie die Kommunion entweder ganz unterlassen, oder nur mit Lauigkeit hinzugehen. Man soll sich aber um seine arglistigen Eingebungen, wie schändlich und schrecklich sie auch sein mögen, gar nicht kümmern, sondern alle Vorspiegelungen einfach zurückweisen. Man soll dem Elenden mit Hohn und Verachtung begegnen und we gen seiner Anfälle und bösen Anregungen die heilige Kommunion nicht unterlassen. 3. Oft entsteht auch daraus ein Hinderniß, daß man allzu besorgt wegen gehöriger Andacht, oder zu ängstlich wegen der abzulegenden Beichte ist. Folge dem Rathe der Weisen und lege deine Alengstlichkeit und deinen Scrupel ab; denn sie verhindern die Wirksamkeit der Gnade und stören die Andacht. Unterlaß wegen einer kleinen Unruhe oder Beschwerde die heilige Kommunion nicht; sondern gehe um so schneller zur Beichte und verzeihe Andern gern jede ihrer Beleidigungen. Solltest du aber Jemand beleidigt haben, so bitte demüthig um Verzeihung und Gott wird auch dir verzeihen. 4. Was nüßt es, mit der Beichte lange zu zögern, oder die heilige Kommunion zu verschieben. Reinige dich, sobald als möglich; speie schnell das Gift aus, eile, das rechte Mittel zu deinem Heile zu gebrauchen und Viertes Buch. Zehntes Kapitel. 275 du wirst dich besser fühlen, als wenn du es lange aufschiebst. Wenn du es heute aus dieser Ursache unterlassest, so kann dich morgen eine wichtigere hindern und so könnteſt du lange von der Kommunion abgehalten und immer unfähiger dazu werden. So schnell du nur kannst, entschlage dich also der gegenwärtigen Beklemmung und Trägheit, denn es nüßt dir nichts, dich lange ängstigen, unruhig umhergehen und dich wegen täglicher Hindernisse von dem Göttlichen entfernen. Ja es schadet sehr viel, die hl. Kommunion lange verschieben; denn dieß pflegt große Lauheit nach sich zu ziehen. Leider aber zögern einige Laue und Leichtsinnige gern mit der Beichte und wünschen die heilige Kommunion darum zu verschieben, daß sie nicht zu größerer Wachsamkeit gegen sich selbst sich zu verpflichten brauchen. 5. Ach, wie geringe Liebe und wie schwache Andacht haben die, welche die heilige Kommunion so leicht unterlassen! Aber wie glücklich und Gott wohlgefällig ist derjenige, welcher also lebt und sein Gewissen so rein be wahri, daß er jeden Tag bereit und in der rechten Verfassung des Herzens wäre, zur heiligen Kommunion zu gehen, wenn er dürfte und es ohne Anstoß geschehen könnte. Wenn Giner zuweilen aus großer Demuth oder um eines rechtmäßigen Hindernisses willen sich enthält, so ist er wegen seiner Ehrfurcht zu loben. Wenn aber Trägheit sich einschleicht, 276 Viertes Buch. Zehntes Kapitel. so muß er sich selbst ermannen und der Herr wird seines guten Willens wegen, auf den Er besonders achtet, sein Verlangen befriedigen. 6. Wenn aber eine rechtmäßige Ursache ihn verhindert, so wird er doch immer den guten Willen und ein heiliges Verlangen haben, zu kommuniziren und wird so der Frucht des Sakramentes nicht entbehren. Denn jeder Fromme kann an jedem Tage und zu jeder Stunde zu seinem Heile und ohne Hinderniß geistlicher Weise die Kommunion empfangen; doch muß er an gewissen Tagen und zur festgesetzten Zeit den Leib seines Erlösers mit herzlicher Ehrfurcht im Sakrament empfangen. und dabei mehr das Lob und die Ehre Gottes vor Augen haben, als für sich Trost suchen. Denn so oft er das Geheimniß der Menschwerdung Christi und sein Leiden andächtig betrachtet und zu größerer Liebe entzündet wird, so oft kommunizirt er geistlicher Weise und wird unsichtbar erquicket. 7. Wer sich aber nicht anders vorbereitet, als wenn ein Festtag kommt, oder die Gewohnheit es fordert, der wird öfters unvorbereitet sein. Selig der, welcher sich dem Herrn ganz zum Opfer darbringt, so oft er das heilige Meßopfer verrichtet oder kommuniziert. Sei bei der Feier der heiligen Mesſe nicht zu eilig und auch nicht zu langsam, sondern achte auf den guten Gebrauch derjenigen, mit denen du lebst. Du darfst Andern weder Beschwerde noch Verdruß bereiten, son Viertes Buch. Eilftes Kapitel. 277 dern mußt der Sitte gemäß die Anordnung der Vorfahren festhalten und mehr auf den Nußen Anderer, als auf deine eigene Andacht und Inbrunst Rücksicht haben. Silftes Kapitel. Der Leib Christi und die heilige Schrift sind den Gläubigen höchst nothwendig. orte des Jüngers. 1. O süßester Herr Jesus, wie groß ist die Seligkeit der frommen Seele, die an deinem Mahle Theil nimmt, wo ihr keine andere Speise gereicht wird, als Du, ihr einziger Geliebter, nach welchem ihr Herz über Alles sich sehnet! Auch mir würde es Seligkeit sein, Thränen der innigsten Rührung zu vergießen, und wie die fromme Magdalena deine Füße damit zu neßen; aber wo ist diese heiße Andacht, wo fließen so reichlich diese heiligen Thränen? Gewiß müßte vor deinem und deiner heiligen Engel Angesicht mein ganzes Herz entbrennen und vor Freuden in Thränen ausbrechen; denn ich habe ja Dich im Sakrament wahrhaft gegenwärtig, obgleich in fremder Gestalt verborgen.. 2. Denn in deiner eigenen und göttlichen Klarheit Dich erblicken, das würden meine Augen nicht ertragen können; die ganze Welt würde in dem Glanze deiner Herrlichkeit vergehen. Darum also kamst Du meiner Schwach 278 Viertes Buch. Eilftes Kapitel. heit zu Hülfe, indem Du Dich unter dem Sakramente verbirgst. Wahrhaft habe ich Den und bete Ihn an, Den die Engel im Himmel anbeten; ich jedoch nur noch im Glauben, jene aber im Schauen und ohne Hülle. Ich muß zufrieden sein mit dem Lichte des wahren Glaubens und muß in demselben wandeln, bis der Tag der ewigen Klarheit anbricht und die Schatten der Gestalten verschwinden. Wenn aber das Vollkommene kommen wird, dann wird der Gebrauch der Sakramente aufhören; weil die Seligen in der himmlischen Herrlichkeit der Heiligung durch die Sakramente nicht mehr bedürfen; denn sie freuen sich ohne Ende in der Gegenwart Gottes; sie schauen seine Herrlichkeit von Angesicht zu Angesicht und von Klarheit zu Klarheit, in die unergründlichen Tiefen der Gottheit hinübergehend, genießen sie das Wort Gottes, welches Fleisch geworden ist, wie Es war im Anfang und bleibt in Ewigkeit. 3. Wenn ich dieser Wunder gedenke, so wird mir selbst jeder geistliche Trost zur Last und zum Ueberdruß, weil ich, so lange ich meinen Herrn nicht unverhüllt in seiner Herrlichkeit schaue, Alles für nichts achte, was ich in dieser Welt sehe und höre. Du selbst, o Gott! bist mein Zeuge, daß nichts mich trösten, nichts mich beruhigen kann, als Du, mein Gott, den ich ewig zu schauen verlange. Doch das ist nicht möglich, so lange ich in dieser Sterblichkeit weile; deßwegen muß ich Viertes Buch. Eilftes Kapitel. 279 mich in großer Geduld üben und jeden meiner Wünsche Dir unterwerfen. Denn auch deine Heiligen, o Herr! die sich jetzt mit Dir im Himmelreiche freuen, haben im Glauben und in großer Geduld, so lange sie lebten, der Ankunft deiner Herrlichkeit geharret. Was sie geglaubt haben, das glaube auch ich; was sie gehofft haben, das hoffe auch ich; wohin sie gelangt sind, dahin erwarte auch ich mit Zuversicht durch deine Gnade zu gelangen. Unterdessen will ich im Glauben wandeln, gestärkt durch die Beispiele der Heiligen. Ich habe ja auch die heilige Schrift zum Trost und gleichsam als einen Spiegel des Lebens vor mir und überdieß dein heiliges Mahl als das beste Mittel und die sicherste Zuflucht. 4. Denn zwei Dinge sind mir in diesem Leben höchst nöthig, ohne welche dieß elende Leben mir unerträglich sein würde. So lange ich von diesem Körper wie in einem Gefängniß festgehalten werde, bedarf ich nämlich Speise und Licht. Darum hast Du mir Schwachen deinen heiligen Leib zu geistiger und körperlicher Stärkung gegeben und dein Wort als Leuchte meines Fußes aufgestellt. Ohne diese beiden würde ich nicht wohl leben können; denn das Wort Gottes ist das Licht der Seele und dein Sakrament das Brod des Lebens. Man kann sie auch zwei Tische nennen, die in dem Heiligthum der Kirche, der eine auf dieser, der andere auf jener Seite, aufgestellt sind. Der eine ist der Tisch des 280 Viertes Buch. Eilftes Kapitel. heiligen Altars, der das geheiligte Brod, d. i. den kostbaren Leib Christi enthält; der andere ist der Tisch des göttlichen Gesetzes und auf ihm die heilige Lehre, die uns im wahren Glauben unterrichtet und sicher bis hinter den Vorhang in das Allerheiligste führt. Dank Dir, Herr Jesus, Licht vom ewigen Lichte, für den Tisch der heiligen Lehre, den Du uns durch deine Diener, die Propheten und Apostel und andere Lehrer bereitet haſt! 5. Dant Dir, Schöpfer und Erlöser der Menschen, der Du, um der ganzen Welt deine Liebe zu beweisen, ein großes Mahl bereitet hast, in welchem Du nicht ein vorbildliches Osterlamm, sondern deinen heiligen Leib und dein heiliges Blut zur Nahrung dargeboten hast! Du erfreuest alle Gläubigen mit diesem heiligen Mahle und tränkest sie reichlich mit dem Kelche des Heils, worin alle Freuden des Paradieses enthalten sind. Auch die heiligen Engel nehmen mit uns Theil an diesem Mahle, aber im Genusse einer Seligkeit, der den unsrigen an Süßigkeit weit übertrifft. 6. O wie groß und ehrwürdig ist das Amt der Priester, denen die Gewalt gegeben ist, den Herrn der Herrlichkeit durch die heiligen Worte zu wandeln, Ihn mit ihren Lippen zu preisen, mit ihren Händen zu halten, mit dem Munde zu genießen, und Ändern zum Genusse darzureichen! O wie rein sollten jene Hände sein! Wie rein auch der Viertes Buch. Eilftes Kapitel. 281 Mund, wie heilig der Leib, wie unbeflect das Herz des Priesters, bei welchem der Urheber aller Reinigkeit so oft einkehrt! Aus dem Munde eines Priesters, der so oft das Sakrament Christi empfängt, sollten keine anderen, als heilige, ehrbare und nützliche Worte hervorgehen. 7. Seine Augen, gewöhnt, den Leib Christi anzuschauen, sollen einfältig und eingezogen sein; rein und zum Himmel erhoben die Hände, die so oft den Schöpfer des Himmels und der Erde berühren. Den Priestern gelten ganz besonders die Worte im alten Testamente: Seid heilig, weil Jch heilig bin, Ich, der Herr, euer Gott." 8. Unterstüße uns, allmächtiger Gott, mit deiner Gnade, auf daß wir, die wir das priesterliche Amt übernommen haben, in Reinheit des Herzens und mit schuldlosem Gewissen würdig und andächtig Dir dienen mögen! Und können wir nicht in solcher Unschuld wandeln, wie wir sollten, so verleihe uns wenigstens, daß wir unsere begangenen Sünden herzlich bereuen, und den aufrichtigen Vorsaß fassen, im Geiste der Demuth Dir künftig eifriger zu dienen. Viertes Buch. Zwölftes Kapitel. Zwölftes Kapitel. Man soll sich mit großer Sorgfalt zur heiligen Kommunion vorbe: reiten. 282 orte des Geliebten. 1. Ich bin ein Freund der Reinheit und Geber der Heiligkeit. Ich suche ein reines Herz, und dieß ist der Ort meiner Ruhe. Bereite Mir einen großen, schöngezierten Speisesaal, und Ich will mit meinen Jüngern bei dir Ostern halten. Wenn du willst, daß Ich zu dir komme, und bei dir bleibe, so fege den alten Sauerteig aus und reinige Mir dein Herz zur Wohnung. Verbanne alles Weltliche daraus und jeden Aufruhr der Leidenschaften: einsam size wie der Sperling auf dem Dach und denke im Gefühl der Reue über deine Uebertretungen nach. Denn jeder Liebende bereitet seinem geliebten Freunde den besten und schönsten Plaß im Hause; indem hieran die Sehnsucht dessen erkannt wird, der den Geliebten aufnimmt. 2. Wisse jedoch, daß du diese Vorbereitung durch deine eigene Thätigkeit nicht ge hörig vollbringen kannst, wenn du auch ein ganzes Jahr dich vorbereitetest, und nichts Anderes im Sinne hättest; sondern bloß meine Liebe und Gnade ist es, daß du zu meinem Tische hinzutreten darfst, wie wenn ein Bettler zum Tische eines Reichen geladen würde; Viertes Buch. Zwölftes Kapitel. 283 auch er hat nichts, womit er diese Wohlthat anders vergelten könnte, als daß er sich verdemüthigt und dankt. Thue, was du kannst, und thue es mit allem Fleiß; nicht aus Gewohnheit, oder aus Zwang, sondern aus Liebe empfange mit ehrfurchtsvoller Scheu den Leib deines Herrn und Gottes, Der dich für würdig hält, zu dir zu kommen, und Der zu dir spricht: Ich bin es, Der dich geladen hat, Ich will ersetzen, was Dir mangelt; komm und nimm Mich auf. 3. Wenn Ich dir die Gnade der Andacht verleihe, so dante deinem Gott, nicht als ſeiest du würdig, sondern weil Ich Mich deiner erbarmt habe. Bist du zur Andacht nicht gestimmt, fühlest du Trockenheit des Gemüthes, so halte an im Gebet, seufze und klopfe an und laß nicht nach, bis du gewürdiget wirst, eine Brosame oder einen Tropfen der heilsamen Gnade zu empfangen. Du bedarfstMeiner, nicht Ich deiner. Du kommst auch nicht, Mich zu heiligen, sondern Ich komme, dich zu heiligen und zu bessern. Du kommst, daß du von Mir geheiligt und mit Mir vereinigt werdest, daß du neue Gnade empfangest und von neuem Eifer zur Besserung entzündet werdest. Vernachlässige diese Gnade nicht, sondern bereite mit allem Fleiß dein Herz, und führe deinen Geliebten bei dir ein. 4. Es ist aber nöthig, daß du nicht bloß vor der Kommunion dich zur Andacht erweckest, sondern du mußt sie auch nach dem 284 Viertes Buch. Dreizehntes Kapitel. Genusse sorgfältig bewahren, denn nachher ist eben so nothwendig die andächtige Stimmung fest zu halten, als vorher sie hervorzurufen, denn dieſe Bewahrung guter Eindrücke ist wieder die beste Vorbereitung, größere Gnade zu erlangen. Denn wenn Jemand sogleich wieder allzu begierig nach äußern Tröstungen ist, so macht er sich für die Gnade sehr unfähig. Hüte dich daher vor dem vielen Reden; bleibe einsam und unterhalte dich mit deinem Gott; denn Ihn hast du, welchen die ganze Welt dir nicht nehmen kann. Ich bin es, Dem du dich ganz ergeben mußt, also, daß du fernerhin nicht mehr in dir, sondern in Mir frei von aller Sorge lebest. Dreizehntes Kapitel. Die andächtige Seele muß von ganzem Herzen nach der Vereinigung mit Christo im Sakrament verlangen. orte des Jüngers. 1. Wer verleiht mir, o Herr! daß ich Dich allein finde, mein ganzes Herz Dir öffne, und daß ich mich Deiner freue, wie mein Seele es wünscht, und mich Niemand mehr verachte und kein Geschöpf mich abwendig macht, sondern daß Du allein mit mir redest, und ich mit Di, wie der Geliebte mit dem Geliebten zu reden und der Freund mit dem Freunde umzugehen Viertes Buch. Dreizehntes Kapitel. 285 pflegt. Um das bitte ich, das wünsche ich, daß ich mit Dir ganz vereinigt werde, daß ich mein Herz von allem Erschaffenen abziehe, und durch die heilige Kommunion und öftere Darbringung des heiligen Meßopfers immer mehr Geschmack an dem Himmlischen und Ewigen finden lerne. Ach Herr, mein Gott! wann werde ich meiner selbst vergessen, ganz in Dir leben, und gleichsam von Dir verschlungen sein? Sei Du in mir, und ich in Dir; und so laß uns beide mit einander vereinigt bleiben. 2. Fürwahr, Du bist mein Geliebter, auserwählt aus Tausenden, in Dem meine Seele wohnen möchte alle Tage meines Lebens. Du bist fürwahr mein Friedensfürst, in dem der höchste Friede und die wahre Ruhe zu finden, und außer Dem nur Mühe und Schmerz und endloser Jammer ist. Du bist fürwahr der verborgene Gott; dein Rath ist nicht der Rath der Gottlosen, sondern dein Wort bleibt bei den Demüthigen und Einfältigen. Owie lieblich, Herr, ist dein Geist! Um deinen Kindern deine große Liebe zu bezeigen, erquickest Du sie mit dem süßesten Brode, das vom Himmel gekommen ist. Wahrlich, es ist kein Volk so groß, daß seine Götter sich ihm also naheten, wie Du unser Gott deinen Gläubigen Dich nahest, denen Du Dich täglich zur Speise hingibst, um ihr Herz täglich zu erquicken, täglich mit neuen Kräften zum Himmel emporzurichten. 286 Viertes Buch. Vierzehntes Kapitel. 3. Wo ist ein Volk so herrlich, wie das Christenvolk? Oder wo ist ein Geschöpf unter dem Himmel so geliebt, wie die andächtige Seele, zu welcher der Herr kommt, um sie mit seinem glorreichen Fleische zu nähren? O unaussprechliche Gnade! O bewunderns werthe Herablassung! O unendliche Liebe, die sich so besonders zu den Menschen hin neigt! Aber wie vergelte ich dem Herrn diese Gnade, wie diese übergroße Liebe? Jch habe nichts, das ich meinem Gott zu einem angenehmern Danke darbringen könnte, als daß ich Ihm mein Herz ganz hingebe, und auf's innigste mit Ihm vereinige. Dann wird mein ganzes Inneres frohlocken, wenn meine Seele völlig mit Gott vereint sein wird. Dann wird Er zu mir sagen:„ Willst du mit Mir sein, so will Ich mit dir sein, und ich werde antworten: Würdige mich, Herr, bei Dir zu beiben, und ich will gern bei Dir sein. Das ist mein ganzes Verlangen, daß mein Herz mit Dir vereiniget sei." Vierzehntes Kapitel. Von dem heißen Verlangen einiger Frommen nach dem Leibe Christi. orte des Jüngers. 1. O wie groß ist der Reichthum deiner Güte, o Herr! die Du im Verborgenen Denen aufbehalten hast, die Dich fürchten! Wenn ich einiger" Viertes Buch. Vierzehntes Kapitel. 287 Frommen gedenke, die mit größter Andacht und inbrünstiger Liebe zu deinem Sakramente, o Herr! hinzutreten, dann schäme ich mich oft vor mir selbst und erröthe, daß ich so lau, so kalt zu deinem Altar und zu dem heiligen Kommuniontische hintrete, daß ich so geistesdürre und ohne Rührung des Herzens bleibe, daß ich für Dich meinen Gott nicht ganz entflammt bin, und nicht vor Verlangen mich so hingezogen fühle, wie viele Frommen, welche von großer Sehnsucht nach der heiligen Kommunion, und vor Uebermaß der Empfindungen sich der Thränen nicht enthalten konnten, sondern mit Herz und Mund aus der Tiefe ihres Innersten nach Dir, ihrem Gott, der lebendigen Quelle des Heils schmachteten; und nicht eher vermochten ihren Hunger zu stillen, als bis sie mit Jubel und Seelenlust deinen heiligsten Leib empfangen. 2. D ist nicht dicser ihr lebendiger Glaube ein zuverläßiger Beweis deiner heiligen Ge genwart? Denn wahrhaft erkennen jene den Herrn an dem Brodbrechen, deren Herz so mächtig entbrennt, wenn Jesus mit ihnen wandelt. Von mir ist solcher Eifer und solche Andacht, solche Liebe und solche Innigkeit oft weit entfernt. Sei mir gnädig, o gütiger, süßer und liebreicher Jesus und gib, daß ich, dein Armer, nur bisweilen etwas von der Innigkeit deiner Liebe in der heiligen Kommunion empfinde, daß mein Glaube in mir 288 Viertes Buch. Fünfzehntes Kapitel. gestärkt werde, meine Hoffnung auf deine Güte zunehme und meine Liebe zu Dir, nachdem sie einmal ganz entbrannt ist und ich das himmlische Manna empfangen habe, nie: mals wieder verlösche. 3. Deine Barmherzigkeit ist ja reich, mir die ersehnte Gnade zu verleihen und mich mit. dem Geiste deiner Liebe an dem Dir wohlgefälligen Tage gnädig heimzusuchen. Denn obwohl ich noch nicht von so großem Verlangen flamme, wie einige deiner besonders andächtigen Verehrer, so habe ich doch durch deine Gnade ein heißes Verlangen, eben so sehr entflammt zu werden und bitte Dich inständig, Du wollest mich zu einem Mitgenossen dieser deiner innigen Verehrer machen und ihrer heiligen Gemeinschaft zuzählen. Fünfzehntes Kapitel. Die Gnade der Andacht wird durch Demuth und Selbstverläugnung erlangt. orte des Geliebten. 1. Du mußt die Gabe der Andacht unabläßig suchen, eif rig erbeten, geduldig und vertrauensvoll erwarten, dankbar annehmen, demüthig bewahren, fleißig derselben mitwirken und den Zeitpunkt und das Maß der himmlischen Heimsuchung Gott überlassen. Demüthigen mußt du dich besonders dann, wenn du wenig oder Viertes Buch. Fünfzehntes Kapitel. 289 gar feine Andacht in deinem Innern empfindest, aber du darfst auch nicht zu niedergeschlagen und zu traurig werden. Gott gibt oftmals in einem kurzen Augenblick, was Er lange Zeit hindurch versagte. Er gewährt bisweilen erst am Ende eines anhaltenden Gebetes, was Er im Anfang zu gewähren verschob. 2. Wenn die Gnade immer sogleich gegeben würde und da wäre, sobald man sie wünschte, so würde sie der schwache Mensch nicht leicht ertragen können. Deßhalb soll er in guter Hoffnung und in Demuth der Gabe der Andacht harren. Wird sie dir aber nicht gegeben, oder unvermerkt wieder entzogen, so mußt du dieß nur deinen Sünden zuschreiben. Manchmal ist es eine Kleinigkeit, was die Gnade verhindert oder gleichsam verdeckt; wenn nicht das, was ein so großes Gut entzieht, vielmehr für etwas Großes gehalten werden soll. Gelingt es dir aber, dieß kleine oder große Hinderniß aus dem Wege zu räumen und vollständig zu besiegen, dann wird dir werden, warum du gebeten haſt. 3. Denn sobald du dich Gott von ganzem Herzen ergeben hast und nicht dieß oder jenes nach deinem Gefallen und Willen suchest, sondern dich Ihm ohne Rückhalt hingegeben hast, so wirst du dich mit Ihm vereinigt und beruhiget fühlen; denn nichts wird dir so viel Freude machen, als die Vollziehung des göttlichen Willens. Wer also mit einfältigem Herzen sein Streben ganz auf Gott richtet Nachfolge Christi. 19 290 Viertes Buch. Fünfzehntes Kapitel. und sich von jeder unordentlichen Liebe oder Abneigung gegen irgend ein Geschöpf losmacht, der wird völlig geschickt werden, die Gnade zu empfangen und würdig des Geschenks der Andacht; denn dahin spendet der Herr seinen Segen, wo Er gereinigte Gefäße findet und je mehr Jemand dem Irdischen entsagt und je mehr er sich selbst abstirbt, indem er sich selbst für nichts achtet, deſto schneller kommt die Gnade, desto reichlicher tehrt sie bei ihm ein und desto höher hebt sie das freie Herz empor. 4. Dann sieht er sie, fühlt ihren mächtigen Einfluß, staunt und sein Herz erweitert sich in ihm; denn die Hand des Herrn ist mit ihm; und er hat sich auf ewig ganz in seine Hand gelegt. Sieh, also wird der gesegnet, der den Herrn von ganzem Herzen sucht und seine Seele nicht an das Eitle hängt. Dieser erwirbt sich durch den Genuß des heiligen Abendmahles die große Gnade, mit Gott vereinigt zu werden, weil er nicht auf eigene Andacht und Tröstung sieht, sondern auf den Ruhm und die Ehre Gottes. Viertes Buch. Sechszehntes Kapitel. 291 Sechszehntes Kapitel. Wir müssen unsere Anliegen Christo vortragen und Ihn um seine Gnade anflehen. orte des Jüngers. 1. O freundlichster und liebevollster Herr! ich wünsche, Dich mit Andacht zu empfangen; Du kennest meine Schwachheit und die Noth, welche ich leide; Du weißt, welche Uebel und Sünden mich niederdrücken, wie oft ich beschwert, versucht, angefochten und verunreinigt werde. Ich komme zu Dir und suche Hülfe, flehe Dich um Trost und Linderung an. Ich spreche zu Dir, der Du Alles weißt, Dem mein ganzes Innere offenbar ist, der Du allein vollkommen mich trösten und mir helfen kannst. Du weißt, welcher Gnaden ich am meisten bedarf und wie arm ich an Tugenden bin. 2. Sieh, ich stehe vor Dir arm und bloß, Gnade erflehend und deine Barmherzigkeit an rufend. Erquicke mich, deinen armen Schmachtenden, entzünde mein faltes Herz mit dem Feuer deiner Liebe, erleuchte meine Blindheit mit der Klarheit deiner Gegenwart. Wandle meine Lust am Irdischen in Verlangen nach dem Himmlischen um, gib mir Geduld zur Ertragung des Schweren, und Widrigen, und laß mich alles Erschaffene und Niedrige gering achten und vergessen. Richte 292 Viertes Buch. Sechszehntes Kapitel. mein Herz zu Dir nach dem Himmel empor und führe mich von den Irrwegen auf Erden zurück. Du allein sollst von nun an bis in Ewigkeit meine Freude sein; denn Du allein bist meine Speise und mein Trank, meine Liebe und mein Vergnügen, meine Süßigkeit und all' mein Gut. 3. O möchtest Du mich doch durch deine Gegenwart gänzlich entzünden, verzehren und in Dich umwandeln, damit ich ein Geist mit Dir werde durch die Gnade der innern Vereinigung und durch die Zerschmelzung brennender Liebe! Laß mich nicht hungerig und trocken von Dir scheiden, sondern handle barmherzig mit mir, wie Du oft wunderbar mit deinen Heiligen gehandelt hast. Was Wunder, wenn ich durch Dich ganz zu Feuer würde und in mir selbst zerginge! Bist Du doch das immer brennende, niemals erlöschende Feuer, die Liebe, welche die Herzen reinigt und den Verstand erleuchtet! Stebenzehntes Kapitel. Von dem heißen Verlangen der Liebe, Christum zu empfangen. orte des Jüngers. 1. Mit höchster Andacht und glühender Liebe, mit aller Inbrunst und Begierde des Herzens verlange ich, o Herr! Dich zu empfangen, wie so viele heilige und gottselige Personen bei Viertes Buch. Siebenzehntes Kapitel. 293 der heiligen Kommunion sich nach Dir sehnten, welche Dir wegen der Heiligkeit ihres Lebens jo sehr gefielen und in der heißesten Andacht verharrten. O mein Gott, ewige Liebe, all' mein Gut, meine unendliche Seligkeit, ich begehre Dich zu empfangen mit so heftigem Verlangen, so tiefer Ehrfurcht, wie nur ir gend ein Heiliger sie je gehabt hat und empfinden konnte. 2. Und obgleich ich unwürdig bin, alle jene Gefühle der Andacht zu haben, so opfere ich Dir doch die ganze Inbrunst meines Herzens auf, als wenn ich jene durch deine Gnade erweckte Sehnsucht allein hätte. Aber auch Alles, was ein frommes Gemüth nur erdenken und wünschen kann, biete ich Dir mit heiliger Ehrfurcht und innigster Liebe zum Opfer an. Nichts will ich für mich behalten, sondern mich und Alles, was mein ist, freiwillig und freudig Dir aufopfern. Herr, mein Gott, mein Schöpfer und mein Erlöser! mit jener Liebe, mit jener Ehrfurcht, mit jener Lobpreisung, mit jener Dankbarkeit und Würdigkeit; mit jenem Glauben, mit jener Hoffnung und Reinheit sehne ich mich, Dich heute aufzunehmen, wie deine heiligste Mutter, die glorreiche Jungfrau Maria sehnsüchtig Dich aufnahm, als sie dem Engel, der ihr das Geheimniß der Menschwerdung verkündigte, demüthig und andächtig antwortete:„ Sieh, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Worte!" 294 Viertes Buch. Siebenzehntes Kapitel. 3. Und wie dein seliger Vorläufer Johannes der Täufer, der vortrefflichste unter allen Heiligen, in der Freude des heiligen Geistes frohlockend vor Dir aufsprang, als er noch vom Mutterleibe umschlossen war; und wie er späterhin, da er Dich unter den Menschen wandeln sah, in Demuth und Andacht sprach: Der Freund des Bräutigams aber, der da stehet und Ihn höret, ist voll der Freude über die Stimme des Bräutigams," also wünsche auch ich von starken und heiligen Begierden entflammt zu werden und mich von ganzem Herzen Dir darzustellen. Darum opfere ich Dir auch auf die Herzensfreude aller Gottseligen, ihre glühende Inbrunst, ihre Entzückungen, ihre übernatürlichen Erleuchtungen und himmlischen Erscheinungen, und bringe sie Dir dar mit allen Tugenden und Lobpreisungen, welche Dir je von allen Geschöpfen im Himmel und auf Erden dargebracht wurden und noch dargebracht werden, für mich und für Alle, die mir in's Gebet empfohlen worden sind, damit Du von allen würdig gelobt und bis in alle Ewigkeit verherrlicht werdest. 4. Nimm auf, Herr, mein Gott! meine Gelübde und mein Verlangen, Dich ewig zu loben und ohne Maß zu preisen, wie es Dir nach der Größe deiner unaussprechlichen Herrlichkeit gebührt. Dieß bringe ich Dir gegenwärtig dar, und verlange es Dir alle Tage und jeden Augenblick meines Lebens darzu Viertes Buch. Siebenzehntes Kapitel. 295 bringen; und lade alle himmlischen Geister und alle deine Gläubigen bittend und flehentlich ein, daß sie mit mir vereint Dir danken und Dich loben. 5. Alle Völker, Geschlechter und Zungen sollen Dich loben, und deinen heiligen, süßesten Namen preisen mit größtem Jubel und glühender Andacht. Und Alle, die dein erhabenstes Sakrament ehrerbietig und andächtig feiern, und in vollem Glauben empfangen, mögen Gnade und Barmherzigkeit bei Dir finden und Dich für mich Sünder bitten Sind sie dann der ersehnten Andacht und der heilbringenden Vereinigung theilhaftig geworden, und reichlich getröstet und mit der wunderbaren Speise erquidt von dem heiligen Tische zurückgekehrt, o so mögen sie sich meiner, eines armen Sünders, erinnern! Achtzehntes Kapitel. Der Mensch soll über dieses Satrament nicht vorwigig grübeln, sondern Christo demüthig nachfolgen, und seinen Verstand dem Glauben unterwerfen. Forte des Geliebten. 1. Hüte dich, über dieses unerforschliche Sakrament vorwißiger und unnüßer Weise zu grübeln, wenn du nicht in den Abgrund des Zweifels 296 Viertes Buch. Achtzehntes Kapitel. versinken willst. Wer die Majestät Gottes erforschen will, der wird von ihrer Herrlichkeit erdrückt werden. Gott kann Größeres wirken, als der Mensch zu begreifen vermag. Zu dulden ist jedoch ein frommes und demüthiges Forschen nach Wahrheit, mit der Bereitwilligkeit, sich belehren zu lassen, und mit dem Bestreben, nach der gesunden Lehre der Väter zu wandeln. 2. Glückliche Einfalt des Herzens, welche schwierige Untersuchungen unterläßt, und auf dem geebneten und festen Wege der Gebote Gottes wandelt! Viele haben ihre Andacht verloren, indem sie Höheres erforschen wollten. Glaube und frommer Wandel werden von dir gefordert, nicht hohe Einsicht, noch das Eindringen in die Tiefen der Gottheit. Kannst du oft nicht begreifen und fassen, was unter dir ist, wie wirst du dann begreifen, was über dir ist? Unterwirf dich Gott und demüthige deinen Verstand unter den Glauben, und es wird dir das Licht der Erkenntniß gegeben werden, so weit es dir nüßlich und nothwendig ist. 3. Manche sind schweren Versuchungen in Betreff des Glaubens und des Sakramentes unterworfen; das ist aber nicht ihnen, sondern dem Feinde zuzuschreiben. Achte nicht dar auf, streite nicht mit deinen Gedanken, und antworte auch nicht auf die Zweifel, die der Versucher dir eingibt, glaube an das Wort Gottes, glaube an die Propheten und Apo Viertes Buch. Achtzehntes Kapitel. 297 stel, und der Feind wird von dir weichen. Oft ist es nüßlich, daß der Diener Gottes dergleichen zu erdulden hat. Denn die Ungläubigen und Sünder versucht er nicht, da deren Besiß ihm schon gesichert ist; die from men Gläubigen aber versucht und plagt er auf vielfache Weise. 4. Fahre also fort, in Einfalt des Herzens zu glauben, und keinem Zweifel Gehör zu geben, und nahe dich in tiefer Ehrfurcht dem Sakrament. Und was du nicht zu begreifen vermagst, das stelle ruhig dem allmächtigen Gott anheim. Gott betrügt dich nicht, der aber betrügt sich selbst, welcher sich selbst zu viel trauet. Gott wandelt mit den Einfältigen, Er offenbart sich den Demüthigen, Er gibt Erkenntniß den Unmündigen, deckt reinen Gemüthern den verborgenen Sinn auf, und ver. birgt seine Gnade den Neugierigen und Stolzen. Die menschliche Vernunft ist schwach und kann getäuscht werden; der wahre Glaube läßt keine Täuschung zu. 5. Jede menschliche Vernunft, jede natürliche Forschung muß dem Glauben nachfolgen, nicht ihm vorangehen, noch ihn bekämpfen: denn Glaube und Liebe leuchten in diesem heiligsten und hocherhabenen Sakramente am meisten hervor, und wirken in demselben auf verborgene Weise. Der ewige und unendliche Gott, dessen Macht grenzenlos ist, thut große und unerforschliche Dinge im Himmel und auf Erden, und seine wunderbaren 298 Viertes Buch. Achtzehntes Kapitel. Werke sind nicht zu ergründen. Wären die Werke Gottes der Art, daß sie von der menschlichen Vernunft leicht begriffen würden, dann könnten sie nicht wunderbar und unaussprech lich genannt werden. Kurze Erwägung nach der Sesung irgend eines Kapitels. Bei jedem deiner Werke, die du thust, und Pan jedem Orte, wo du sein oder hingehen magst, sei eingedent des Endes deines Lebens und der letzten Stunde, die du nicht weißt. Glückselig, wer mit Paulus wünscht, aufgelöst zu werden und bei Christo zu sein; denn weit besser ist dieß, als länger im Fleische leben und fern von Gott pilgern und in den Fluthen der Welt hin und her geschleudert und verwirrt werden. Wenn du Jesum immerdar im Gemüthe trägst, Ihn wahrhaft liebst und täglich zu Jhm betest, dann wirst du allerdings Vertrauen haben, in sein Reich zu kommen. - comer - Vollständiges Gebetbuch im Geiste der Nachfolge Chrifti. Morgengebete. Beim Erwachen. Im m Namen des gekreuzigten Jesu, meines Erlösers, stehe ich auf, und bringe Dir, o Gott, mein Gott! mein Herz als das erste Opfer dieses Tages dar; nimm es gnädig an, o Vater! dies geringe Opfer, und bewahre mich diesen Tag hindurch vor aller Gefahr des Leibes und der Seele. Im Namen Gottes des Vaters, und des Sohnes, und des heiligen Geistes. Amen. O himmlischer Vater, allmächtiger Gott! ich sage Dir aus ganzem Herzen Lob und Dank, daß Du mich diese Nacht und alle vorige Zeit in deinem Schuße erhalten und so gnädig bewahret hast. Ich bitte Dich durch deine grundlose Barmherzigkeit, verleihe mir und allen Christen mit dem jegt angehenden Tage das Licht des wahren Glaubens, Besserung des Lebens, Ruhe des Gewissens und die Freude deiner göttlichen Heimsuchung. Morgengebete. Sebet zu Soft um den Geift der Andacht. ( Auch zu beten vor der Lesung eines Kapitels der Nachfolge Christi.) 302 Herr! öffne meinen Mund, deinen heiligen Namen zu loben; reinige mein Herz von allen eiteln, verkehrten und fündhaften Gedanken; erleuchte meinen Verstand und entzünde meinen Willen, damit ich dieses Gebet mit Aufmerksamkeit und Andacht verrichten und vor deinem Angesichte erhört zu werden verdienen möge, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Herr Jesus Christus! in Vereinigung mit jener Meinung, mit welcher Du auf Erden deinen himmlischen Vater gepriesen hast, will ich dieses Gebet verrichten. Alle Engel und Heiligen sollen mir Gott loben und ehren helfen. Amen. - Dank- und Bittgebet. O mein Gott! ich glaube an Dich, befestige meinen Glauben; ich hoffe auf Dich, stärke meine Hoffnung; ich liebe Dich, entzünde meine Liebe; ich bereue meine Sünden, vermehre meine Reue. Jch bete Dich an als meinen Herrn und Gott; ich strebe nach Dir als meinem leßten Ziel; ich danke Dir, als meinem höchsten Gutthäter; ich rufe zu Dir, als meinem allmächtigen Beschüßer. O Gott! leite mich nach deiner Weisheit, tröste mich Morgengebete. 303 durch deine Barmherzigkeit und beschüße mich durch deine Allmacht. Hilf mir, göttlicher Erlöser, daß ich die Wollust durch die Abtödtung, den Geiz durch das Almosen, den Zorn durch die Sanftmuth, und die Lauigkeit durch eine wahre Andacht überwinde. Laß nicht zu, daß ich zerstreut in meinem Gebete, unmäßig bei Tische, sorglos in meinen Geschäften oder unbeständig in meinen guten Vorsäßen sei. Ertheile mir die Gnade, daß ich verständig in meinen Anschlägen, herzhaft in den Gefahren, geduldig in allen Widerwärtigkeiten und demüthig im Glücke sei. Erwecke in mir eine besondere Sorgfalt, mich allzeit aufrichtig in meinem Gewissen, ehrbar in meinen Geberden, erbaulich in meinen Gesprächen und sittsam in meinem Wandel zu erweisen. Erhöre mich auch, o Gott! daß ich gehor sam meinen Obern, liebreich gegen meine Untergebenen, getreu meinen Freunden und sanftmüthig gegen meine Feinde sei. Lehre und unterweise mich, daß ich erkenne die Hinfälligkeit der Welt und den Lohn des Himmels; die Flüchtigkeit der Zeit und die unendliche Dauer der Ewigkeit. Stehe mir bei, o Gott! daß ich die bösen Begierden bezwinge, der Gnade mitwirke, das Laster fliehe und die Tugend übe und so die ewige Seligkeit erlangen möge. Amen. 304 Morgengebete. Gute Meinung. O mein Herr und mein Gott! um alle Stunden dieses Tages Dir zu weihen und mein Leben und Wirken Dir zu heiligen, opfere ich Dir auf alle meine Gedanken, Worte und Werke, all' mein Thun und Lassen, Handel und Wandel, Leben und Sterben. Alle meine Freuden und Leiden, Leib und Seele und Alles, was ich habe und bin, soll deinem heiligen Dienste gewidmet sein. Jeder Blick des Auges, jeder Fußtritt, alle Athemzüge, alle Pulsschläge, jede Bewegung des Leibes und der Seele sollen, so oft sie geschehen, das Lob des dreieinigen Gottes verkünden, die Ehre Gottes des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Und damit Dir, o Gott! das geringe Opfer meines Herzens, mein schwacher Dienst besser gefalle, so vereinige ich dasselbe mit den Verdiensten Jesu Christi und mit all' den Leiden und guten Werken aller deiner Heiligen; Alles geschehe in eben der Meinung, mit welcher unser Herr und Heiland Jesus Christus auf Erden gelitten und gewirket hat. Zu deiner Ehre und zu meinem Heile verlange ich auch theilhaftig zu werden der Früchte aller heiligen Messen und Kommunionen, die heute verrichtet, jedes Segens, den die heilige Kirche spendet, aller guten Werke, welche in der ganzen Welt ausgeübt, aller Ablässe, welche heute gewonnen werden. - Morgengebete. 305 Was demnach immer zur Beförderung deiner Ehre beitragen kann, soll geschehen aus innigster Liebe zu Dir, weil Du, o Gott! das höchste und liebenswürdigste Gut bijt,- zur Verzeihung meiner Sünden, zur Erlangung einer glüdseligen Sterbstunde und des. ewigen Lebens. Herr! ich will Alles, was Du willst, weil Du willst und so viel Du willst. Erleuchte dazu meinen Verstand, entzünde meinen Willen, reinige meinen Leib und heilige meine Seele, damit ich durch die Verdienste Jesu Christi, neugeboren in seinem heiligen Blute der ewigen Seligkeit theilhaftig werde. Amen. Bur Mutter Gottes und den Heiligen. Sei meine Beschüßerin, o Mutter der Barmherzigkeit und bitte für mich bei deinem Sohne um Gnade, daß ich alle Vorsäge, die ich diesen Morgen gemacht, fest halte, dich kindlich verehre und Gott liebe über Alles. In deine Muttertreue empfehle ich mich und die Meinigen, und alle meine Angelegenheiten; segne und stärke mich, daß ich meine Pflichten redlich erfülle und den heutigen Tag zur Ehre Gottes und zum Heile meiner Seele zubringe. Auch ihr, Heilige Gottes! bittet für mich, daß der gütige, allmächtige Gott mich heute bewahren wolle vor allem Uebel des Leibes und der Seele. Amen. 20 306 Morgengebete. Gebete am Morgen und während des Tages. Vor einem Kreuze. Jesu, der Du aus Liebe zu uns Menschen am Kreuze dein Blut vergossen haſt, um uns von unsern Sünden zu reinigen, ich liebe Dich von ganzem Herzen; gieb mir die Gnade, daß ich durch Demuth und Abtödtung Dir wohlgefällig werde und mein Kreuz und Leiden zur Sühnung meiner Sünden geduldig tragen möge! Amen. Bei Anglück oder einer Versuchung. O Jesus, Dir lebe ich! O Jesus, Dir sterbe ich! O Jesus, Dein bin ich todt und lebendig! Amen. Beim Beginn einer Arbeit. Herr, himmlischer Vater! verleihe mir deine göttliche Gnade, damit ich Alles, was ich thue, Dir zum Lobe und im Namen unsers Herrn Jesu Christi durch Dich anfange, mit Dir fortseße und glücklich vollende. Amen. Nach einer begangenen Sünde. Mein Gott, es reuet mich, daß ich Dich schon wieder beleidiget habe. Aber meine Morgengebete. 307 Schwachheit soll mich nicht verzagt, sondern nur demüthiger und vorsichtiger machen. Jesus und Maria erhaltet und stärket mich in der Gnade! - Gebet des heiligen Bernard. ( Das berühmte Memorare.) Gedenke, o gütigste Jungfrau Maria! es sei noch nie erhört worden, daß, wer unter deinen Schuß floh, um deine Hülfe bat, dich um deine Fürbitte anflehte, verlassen worden sei. Von solchem Zutrauen beseelt, eile ich zu dir, o Mutter und Jungfrau der Jungfrauen! Ich komme zu dir, sieh mich Sünder in Thränen zu deinen Füßen. O Mutter des ewigen Wortes, verschmähe meine Bitten nicht, sondern höre sie gnädigst an und erhöre sie! Amen. Ablaßgebet zum heiligsten Herzen Jesu. Um Dir dankbar zu sein und für meine Treulosigkeit einigen Ersaß zu leisten, schenke ich N. N. Dir, liebenswürdigster Jeſu! mein Herz und ergebe mich Dir ganz und gar und nehme mir vor, mit deinem Beistande nicht mehr zu fündigen. 友 Abendgebete. ( Vom Hl. Alphons von Liguori., Glaube. Mein ein Gott, Du bist die unfehlbare Wahrheit; ich glaube Alles, was die heilige Kirche mir zu glauben befiehlt, weil Du 5 es ihr geoffenbaret haft! Ich glaube, daß Du mein Gott bist, der Schöpfer des Himmels und der Erde, daß Du die Gerechten im Himmel belohnest und daß Du die Bösen ewig in der Hölle bestrafest! Ich glaube, daß Du Eins in der Wesenheit und dreifach in den Personen bist, der Vater, der Sohn und heilige Geist! Ich glaube an die Menschwerdung, den Tod und die Auferstehung Jesu Christi! Ich glaube Alles, was die heilige Kirche glaubt. Ich danke Dir, daß Du mich zum Christenthume berufen hast und betheure, in diesem heiligen Glauben leben und sterben zu wollen. 309 Abendgebete. Hoffnung. O mein Gott, ich hoffe voll Vertrauen auf die Erfüllung deiner Verheißungen, weil Du allmächtig, getreu und barmherzig bist: ich hoffe um der Verdienste Jesu willen, die Verzeihung für meine Sünden, die getreue Beharrlichkeit im Guten und die ewige Seligkeit! Liebe. Weil Du, o mein Gott, die unendliche Güte und weil Du der innigsten Liebe würdig bist, so liebe ich Dich von ganzem Herzen und über Alles; ich liebe auch, aus Liebe zu Dir, meinen Nächsten! Rene. Ich bereue von ganzem Herzen alle meine Sünden, weil ich Dich, Du unendliche Güte, dadurch beleidiget habe; sie peinigen mich mehr, als jedes andere Uebel! Mit deiner Gnade, um die ich jetzt und für immer bitte, nehme ich mir fest vor, lieber zu sterben, als Dich je wieder zu beleidigen! Ich nehme mir auch vor, die heiligen Satramente im Leben und im Sterben zu empfangen! Dankgebet. O mein Gott, ich danke Dir nun noch, daß Du mich heute behütet hast! Ich bitte 310 Avendgebete. Dich, Du wollest mich auch in dieser Nacht beschüßen und mich vor aller Sünde bewahren! Ich will jetzt ausruhen, um Dir wohlzugefallen und mache die Meinung, durch jeden Athemzug Dich zu loben, zu lieben und Dir zu danken, so wie es die Heiligen im Himmel thun! Maria, meine Mutter, segne mich und die Meinigen und nimm mich unter deinen Schuß und Schirm! Seligste Jungfrau Maria! die du nach deinem Sohne meine große Hoffnung und Zuflucht bist; heiliger Schutzengel, heilige Patronen und alle Heilige Gottes! bittet für mich diese Nacht und die ganze Zeit meines Lebens, damit ich vor jedem Uebel des Leibes und der Seele bewahret, einst eine glückselige Sterbstunde erlangen möge. Amen. Vater unser. Gegrüßt seist du, Maria. Wenn du in das Bett einsteigeft. Im Namen meines gekreuzigten Herrn Jesus Christus begebe ich mich zur Ruhe, der selbe wolle mich segnen, regieren, bewahren und führen zum ewigen Leben. Amen. Wenn du schon im Bette liegt. In deine Hände, o Herr, empfehle ich meinen Geist und meinen Leib! Erhalte mich Wachenden, beschüße mich Schlafenden, da mit ich mit Jesus wache und in seinem Frieden ruhe. Amen. Dieser ist die Versohnung für die Sünder der ganzen Welt.( 1 Joh. 2, 2.) Meßgebete. Erste Meßandacht. Kufopferung. Jifit it Demuth, weil vor meinem Herrn und Gott, mit Vertrauen, weil mein Erlöser hier geopfert wird und mit tiefster Reue über meine Sünden, weil der am Kreuzaltare Geopferte einst auch mein Richter sein wird, erscheine ich vor dem Altare, um dem heiligen Meßopfer beizuwohnen, welches allein deiner unendlichen Majestät, o Gott! würdig ist, weil dein eingeborner Sohn selbst das Sühnopfer ist. In Vereinigung der vollkommensten Meinung, mit welcher sich dein geliebter Sohn zu einem Opfer für uns dargegeben hat, opfere ich Dir daher diese heilige Messe auf zur Anbetung und Verherrlichung deines heiligsten 312 Erste Meßandacht. Namens, zur Danksagung für alle mir erwiesenen Wohlthaten, zur Genugthuung für meine begangenen Sünden und zur Erlangung der nothwendigen Gnaden des Heiles. Entzünde, o Jesus! mein Herz mit dem Feuer göttlicher Liebe und mache mich theilhaftig der Früchte deines Leidens; gieße aus dein heiliges Blut über mich, und wasche mich rein, damit auch ich als ein wohlgefälliges Opfer vor deinem Angesichte einst er scheinen und ewig Dich lieben und loben möge. Amen. Sebet zum Eingang der heil. Nesse. ( Wie sie der Priester am Altare liest.) Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen. Priester. Ich will hingehen zu Gottes Altar; Altardiener. Zu Gott, der meine Jugend erfreut. ( Psalm 42.) P. Schaffe mir Recht, o Gott, und entscheide meinen Handel wider das unheilige Volk, von dem ungerechten und arglistigen. Menschen rette mich: A. Denn Du, Gott, bist meine Stärke. Warum hast Du mich verstoßen? und warum gehe ich trauernd einher, während der Feind mich bedrängt? Erste Meßandacht. P. Sende dein Licht und deine Wahrheit: sie werden mich leiten und führen auf deinen heiligen Berg, und in deine Hütten. A. Und ich will hingehen zu Gottes Altar; zu Gott, der meine Jugend erfreut. P. Loben will ich Dich auf der Harfe, o Gott, mein Gott! Warum bist du traurig meine Seele, und warum beunruhigeſt du mich? A. Hoffe auf Gott, denn ich werde Ihm noch danken: Er ist das Heil meines Angesichtes und mein Gott. 313 P. Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geiste; A. Wie sie war im Anfange, so jetzt und allzeit und zu ewigen Zeiten. Amen. P. Ich will hingehen zu Gottes Altar; A. Zu Gott, der meine Jugend erfreut. P. Unsere Hilfe ist im Namen des Herrn, A. Der Himmel und Erde gemacht hat. P. Ich bekenne Gott dem Allmächtigen 2c. ( Die offene Schuld, die der Altardiener wiederholt.) A. Der allmächtige Gott erbarme sich deiner und vergebe dir deine Sünden und führe dich zum ewigen Leben. P. Amen! A. Ich bekenne Gott, dem Allmächtigen, der heiligen allzeit reinen Jungfrau Maria, dem heiligen Erzengel Michael, dem heiligen Johannes dem Täufer, den heiligen Aposteln Petrus und Paulus, allen Heiligen und Dir, o Vater! daß ich sehr viel gesündiget habe in Gedanken, Worten und Werken.( Schlage 314 Erste Meßandacht. dreimal an die Brust.) Es ist meine Schuld, meine Schuld,- meine sehr große Schuld. Darum bitte ich die heilige allzeit reine Jungfrau Maria, den heiligen Erzengel Michael, den heiligen Johannes den Täufer, die heiligen Apostel Petrus und Paulus, alle Heiligen und dich, Vater! zum Herrn, unserm Gott, für mich zu beten. P. Der allmächtige Gott erbarme sich euer, und vergebe euch eure Sünden und führe euch zum ewigen Leben! A. Amen. P.( Sich mit dem Kreuze bezeichnend:) Nachlaß, Lossprechung und Vergebung unserer Sünden ertheile uns der allmächtige und barmherzige Herr! A. Amen. P. Gott! kehre Dich zu uns und belebe uns, A. Und dein Volk wird sich freuen in Dir. P. Zeige uns, Herr, deine Barmherzigkeit, A. Und gib uns dein Heil! P. Herr, erhöre mein Gebet! A. Und mein Rufen komme zu Dir! P. Der Herr sei mit euch! A. Und mit deinem Geiste! ( Der Priester besteigt den Altar und spricht:) Nimm, o Herr! wir bitten Dich, unsere Sünden von uns, auf daß wir würdig werden, mit reinem Herzen in das Allerheiligste einzugehen, durch Christum, unsern Herrn. Amen. Erste Meßandacht. 315 Wir bitten Dich, o Herr, durch die Verdienste deiner Heiligen, deren Reliquien hier aufbehalten sind, er küßt den Altar. und aller übrigen Heiligen, daß Du mir alle meine Sünden verzeihen wollest. Amen. I. Die heilige Messe lelblt. ( Der Priester auf der Epistelseite.) Er speisete sie mit dem Marke des Waizens, und sättigte sie mit Honig aus dem Felsen. ( P. 80.) Frohlocket Gott unserm Helfer! Lobsinget dem Gott Jakobs! Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem heiligenGeiste; wie sie war im Anfange, so jezt und allzeit und zu ewigen Zeiten. Amen. Er speisete sie mit dem Marke des Waizens, und sättigte sie mit Honig aus dem Felsen. P.( In Mitte des Altars:) Herr, erbarme Dich unser! A. Herr, erbarme Dich unser! P. Herr, erbarme Dich unser! A. Christus, erbarme Dich unser! P. Christus, erbarme Dich unser! A. Christus, erbarme Dich unser! P. Herr, erbarme Dich unser! A. Herr, erbarme Dich unser! P. Herr, erbarme Dich unser! Erste Meßandacht. Gloria. P. Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede auf Erde den Menschen, die eines guten Willens sind! Wir loben Dich; wir preisen Dich, wir beten Dich an; wir verherrlichen Dich! Wir danken Dir wegen deiner großen Herrlichkeit. Herr! Gott, König des Himmels, Gott allmächtiger Vater! Herr, eingeborner Sohn, Jesus Christus, Herr, Gott, Lamm Gottes, Sohn des Vaters! Der Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme Dich unser! Der Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, nimm auf unser Flehen! Der Du zur Rechten des Vaters sizest, erbarme Dich unser! Denn Du allein bist der Heilige, Du allein der Herr, Du allein der Allerhöchste, Jesus Christus, mit dem heiligen Geiste in der Herrlichkeit Gottes des Vaters! Amen. P.( Zum Volke gewendet:) Der Herr sei mit euch! A. Und mit deinem Geiste! 316 Kirchengebet. P.( Auf der Epistelseite.) Laffet uns beten! Gott! Der Du uns in dem wunderbaren Sakramente das Denkmal deines Leidens hinterlassen hast: verleihe uns, wir bitten Dich, die heiligen Geheimnisse deines Leibes und Blutes so zu verehren, daß wir die Frucht deiner Erlösung fortwährend in uns Erste Meßandacht. 317 empfinden; der Du lebst und waltest mit Gott dem Vater, in der Einheit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. A. Amen. P. Lesung aus dem Briefe des heiligen Apostels Paulus an die Corinther:( I. Cor. XI, 23-30.) Brüder! Den Unterricht, den ich euch ertheilt, habe ich vom Herrn empfangen. In der Nacht, in welcher Jesus, der Herr, verrathen wurde, nahm Er das Brod und dankte, brach es und sprach: Nehmet hin und esset, das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird: dieses thut zu meinem Andenken. Deßgleichen nahm Er nach dem Nachtmahle auch den Kelch, und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blute: thut dieß, so oft ihr trinket, zu meinem Andenken. Denn so oft ihr dieses Brod effet und diesen Kelch trinket, sollet ihr den Tod des Herrn verkündigen, bis Er kommt. Wer nun unwürdig dieses Brod ißt, oder den Kelch des Herrn trinkt, der ist schuldig des Leibes und Blutes des Herrn. Der Mensch aber prüfe sich selbst, und so esse er von diesem Brode, und trinke von diesem Kelche. Denn wer unwürdig ist und trinkt, der ißt und trinkt sich das Gericht, indem er den Leib des Herrn nicht unterscheidet. 2. Gott sei Dank! P. Aller Augen warten auf Dich, o Herr! und Du gibst ihnen Speise zur rechten Zeit. Du öffnest deine Hand, und überhäufest je 318 Erste Meßandacht 11 des lebende Wesen mit Segen. Mein Fleisch ist wahrhaftig eine Speise und mein Blut ist wahrhaftig ein Trank. Wer mein Fleisch ist und ein Blut trinkt, der bleibt in Mir und Ich in ihm." Der Hymnus: Lobe Sion. Deinem Heiland, deinem Lehrer, Deinem Hirten und Ernährer, Sion, stimm' ein Loblicd an! Preis' nach Kräften seine Würde, Da kein Lobspruch, keine Zierde Seinen Werth erreichen kann. Laßt uns heut das Brod erheben, Das der Herr zum höhern Leben Sterbend seinen Jüngern beut: Da Er, bei dem Abendmahle, Ihnen Sich zum ersten Male" Liebevoll zur Speise weiht. Laut soll unser Lob erschallen, Und das Herz in Freude wallen: Denn der Tag hat sich genaht, Da der Herr zum Tisch der Gnaden Uns zum erstenmal geladen, Und dieß Brod geopfert hat. Statt des unvollkommnen alten, Statt des Osterlamm's erhalten Wir ein neues Sakrament. Seht, der Wahrheit muß das Zeichen, Und die Nacht dem Lichte weichen; Nacht und Schatten sind zu End! Erste Meßandacht. Was von Christus dort geschehen, Sollen wir wie Er begehen, Mahnet uns an seinen Tod. Nach der Vorschrift seiner Lehren, Um die Seele zu ernähren, Opfern wir den Wein, das Brod. Doch nach unsers Glaubens Lehren Ist das Brod, das wir verehren, Christi Leib, sein Blut der Wein; Was dem Auge sich entziehet, Dem Verstande selbst entfliehet, Steht der feste Glaube ein. Zwei verschiedene Gestalten, Die nur Zeichen sind, enthalten Dinge groß und wunderbar: Blut zum Trank und Fleisch zur Speise, Und doch reicht auf beide Weise Unser Heiland ganz sich dar. Nicht zertheilet, nein vollkommen, Ganz wird Er von dem genommen, Der von diesem Mahle ist; Einer ißt und Tausend essen Von dem Liebesmahl; indessen Bleibt Er immer, was Er ist. Gute nahen, Böse nahen, Um die Speise zu empfahen, Doch wie ungleich wirkt das Brod! Bösen wird es Tod und Hölle, Guten ihres Heiles Quelle; Diesen Leben, jenen Tod. 319 Theilet man die Brodsgestalten, So wird jeder Theil enthalten, 320 Erste Meßandacht. Was das Ganze auch enthält; Nicht das Wesen, nur das Zeichen Muß hier der Zertheilung weichen; Jenes bleibet unentstellt. Christen, seht die Engelsspeise, Deren auf der Pilgerreiſe Dieses Lebens wir uns freu'n. Seht das Brod der Gotteskinder: Nicht zum Mahl verstockter Sünder, Die den Tisch des Herrn entweih'n. Bilder sprachen längst vom Tode Jesu, und von diesem Brode; Isaak war sein Vorbild schon. In des Osterlammes Tode, Und im alten Mannabrode Ward es sinnlich vorgestellt. Guter Hirt! Du wahre Speise! Jesu! stärke uns zur Reise, Führe uns in's Himmelreich! Nähr' uns hier im Thränenthale, Ruf uns dort zum Freudenmahle, Mach' uns deinen Heil'gen gleich. ( Der Priester in der Mitte des Altars.) Allmächtiger Gott! reinige mein Herz und meine Lippen, der Du einst die Lippen des Propheten Isaias mit einer glühenden Kohle gereinigt hast; würdige Dich, auch mich durch deine gütige Erbarmung also zu reinigen, daß ich dein heiliges Evangelium würdig verkündigen möge, durch Christum, unsern Herrn.' Amen. Herr, segne uns doch! Der Herr sei Erste Meßandacht. 321 in meinem Herzen und auf meinen Lippen, auf daß ich würdig und auf geziemende Weise sein Evangelium verkünde. Amen. Evangelium. P. Der Herr sei mit euch! 2. Und mit deinem Geiste! P. Lesung aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.( VI, 56-60.) A. Ehre sei Dir, o Herr! P. In derselben Zeit sprach Jesus zu den Schaaren der Juden: Mein Fleisch ist wahrhaftig eine Speise und mein Blut ist wahrhaftig ein Trank. Wer mein Fleisch ist und mein Blut trinkt, der bleibt in Mir und Ich in ihm. Gleichwie Mich der lebendige Vater gesendet hat, und Jch um des Vaters willen lebe: so wird auch der, welcher Mich ist, um Metnetwillen leben. Dies ist das Brod, welches vom Himmel herabgekommen ist, nicht wie das Manna, das eure Väter gegessen haben und gestorben sind. Wer dieses Brod ißt, wird ewig leben. A. Lob sei Dir, o Christus! P.( Küßt das Evangelium und spricht:) Mögen durch diese Worte des Evangeliums unsre Sünden getilgt werden! Machfolje Shrich. 21 322 Erste Meßandacht. Credo. ( Das Glaubensbekenntniß der Kirche, abgefaßt auf den im heiligen Geiste versammelten Concilien von Nicäa und Constantinopel.) P. Ich glaube an Einen Gott, den allmächtigen Vater, den Schöpfer des Himmels und der Erde, aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge. Und an Einen Herrn Jejus Christus, den eingebornen Sohn Gottes, der vor aller Zeit aus dem Vater erzeugt ist, Gott von Gott, Licht vom Lichte, wahrer Gott vom wahren Gott, erzeugt und nicht erschaffen, Eines Wesens mit dem Vater, durch Den Alles erschaffen ist. Der für uns Menschen und wegen unserem Heile vom Himmel herabstieg, und durch den heiligen Geist aus Maria der Jungfrau Fleisch annahm und Mensch geworden ist. Auch wurde Er für uns unter Pontius Pilatus getreu ziget, litt und wurde begraben. Und am dritten Tage ist Er der Schrift gemäß wieder auferstanden, und aufgestiegen in den Himmel, sizzet zur Rechten des Vaters, und wird wiederkommen in Herrlichkeit, zu richten die Lebendigen und die Todten, dessen Reiches tein Ende sein wird. Und an den heiligen Geist, der da Herr ist und lebendig macht, der aus dem Vater und dem Sohne hervor: geht; der mit dem Vater und Sohne zugleich angebetet und verherrlichet wird; der durch die - Erste Meßandacht. 323 Propheten geredet hat. Und an Eine, heilige, allgemeine( fatholische) und apostolische Kirche. Ich betenne eine Taufe zur Nachlassung der Sünden, und erwarte die Auferstehung der Todten, und ein künftiges, ewiges Leben. Amen. P. Der Herr sei mit euch! A. Und mit deinem Geiste! P. Lasset uns beten. Die Priester des Herrn bringen Gott das Rauchwerk und die Brode dar; deßhalb werden sie heilig sein vor ihrem Gott, und seinen Namen nicht entweihen. II. Zur Opferung. ( Bei der Opferung des Brodes.) P. Nimm hin, heiliger Vater, allmächtiger ewiger Gott! dieses unbefleckte Opfer, welches ich, dein unwürdiger Diener darbringe Dir, meinem lebendigen und wahren Gott, für meine unzähligen Sünden, Beleidigungen und Nachlässigkeiten und für alle Umstehenden; auch für alle Christgläubigen, Lebendigen und Abgestorbenen, damit es mir und ihnen zum Heile gereiche für das ewige Leben. Amen. P.( Mischt Wasser unter den Wein.) O Gott, der Du die Würde der Menschennatur wundervoll erschaffen und noch wundervoller erneuert haft: verleih uns durch das Geheimniß dieses Wassers und Weines an der Gott 324 Erste Meßandacht. heit Dessen Antheil zu haben, der sich gewür diget hat, unsere Menschheit an sich zu neh men, Jesus Christus, dein Sohn, unser Herr, der mit Dir lebt und waltet in der Einheit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. ( Bei der Opferung des Kelches.) P. Wir bringen Dir dar, o Herr! den Kelch des Heiles, und flehen deine Güte an, daß er im Angesichte deiner göttlichen Majestät für unser und der ganzen Welt Heil mit lieblichem Wohlgeruch zu Dir emporsteige. Amen. Im Geiste der Demuth und mit zerknirschtem Herzen mögen wir von Dir, o Herr! aufgenommen werden, und laß unser Opfer heute vor deinem Angesichte so vollbracht werden, daß es Dir, o Herr und Gott, gefalle! ( Segnung des Opfers.) Komm Heiligmacher, allmächtiger, ewiger Gott! und segne dieses Opfer, das zur Ehre deines heiligen Namens bereitet ist. Beim Händewaschen. ( Psalm 25, 6-12.) P.( Auf der Epistelseite.) Ich wasche mit den Unschuldigen meine Hände, und will um deinen Altar her sein, o Herr! damit ich höre die Stimme des Lobes, und erzähle alle deine Erste Meßandacht. 325 Wunder. Herr, ich liebe die Pracht deines Hauses, und den Ort der Wohnung deiner Herrlichkeit! Laß nicht zu Grunde gehen mit den Gottlosen, o Gott! meine Seele, und mit den Männern des Blutes mein Leben: in deren Händen Ungerechtigkeit ist, deren Rechte gefüllt ist mit Geschenken. Ich aber bin gewandelt in meiner Unschuld: erlöse mich und erbarme Dich meiner. Mein Fuß ist gestanden auf rechtem Weg: in den Versammlungen will ich Dich preisen, o Herr! Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geiste; wie sie war im Anfange, so jeßt und allzeit und zu ewigen Zeiten. Amen. des Altars.) ( In der Mitte Nimm an, o heilige Dreieinigkeit! dieses Opfer, welches wir Dir darbringen zum Andenken des Leidens, der Auferstehung und der Himmelfahrt Jesu Christi, unsers Herrn; auch zur Ehre der heiligen, allzeit reinen Jungfrau Maria und des heiligen Johannes des Täufers, und der heiligen Apostel Petrus und Paulus, dieser und aller Heiligen, daß es ihnen zur Ehre, uns aber zum Heile gereiche, und jene für uns im Himmel bitten wollen, deren Andenken wir auf Erden feiern; durch denselben Christus, unsern Herrn. Amen. ( Zum Volke gewendet.) Betet Brüder, daß mein und euer Opfer Gott, dem allmächtigen Vater angenehm werde. 326 Erste Meßandacht. A. Der Herr nehme das Opfer aus deinen Händen an zum Lobe und zur Verherrlichung seines Namens, auch zu unserm Nußen und dem der ganzen heiligen Kirche. P. Amen. Stille Gebete. Wir bitten Dich, o Herr! verleihe gnädiglich deiner Kirche die Gaben der Einigkeit und des Friedens, die unter den dargebrachten Opfergaben auf geheimnißvolle Weise bezeichnet werden, durch unsern Herrn Jesus Christus, deinen Sohn, der mit Dir lebt und waltet in Einheit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. A. Amen. Vorbereitung zur ftillen Neffe. P. Der Herr sei mit euch! 2. Und mit deinem Geiste! P. Hebet eure Herzen nach Oben! A. Wir erheben sie zu dem Herrn. P. Lasset uns danken dem Herrn, unserm Gott! 2. Das ist billig und recht. P. In Wahrheit, es ist billig und recht, geziemend und heilsam, daß wir immer und überall Dir danken, heiliger Herr, allmächtiger Vater, ewiger Gott! denn durch das Geheimniß des menschgewordenen Wortes ist Erste Meßandacht. 327 den Augen unsres Geistes ein neues Licht deiner Klarheit aufgegangen, damit, während wir Gott auf eine sichtbare Weiſe kennen gelernt haben, wir durch Ihn zur Liebe der unsichtbaren Dinge hingerissen werden. Deßhalb singen wir auch mit den Engeln und Erzengeln, mit den Thronen und Herrschaften und mit allen himmlischen Heerschaaren den Lobgesang deiner Herrlichkeit und rufen unaufhörlich: Heilig, heilig, heilig ist der Herr, Gott Sabaoth! Die Himmel und die Erde sind voll von deiner Herrlichkeit! Hosanna in der Höhe! Hochgelobt der da kommt im Namen des Herrn! Hosanna in der Höhe! Die fille effe. Dich also, gütigster Vater! flehen wir de müthig an und bitten Dich durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn, daß Du gnädig annehmen und segnen wollest diese Gaben, diese Geschenke, diese heiligen und unbefleckten Opfer, die wir vorab Dir darbringen für deine heilige, katholische Kirche, der Du den Frieden verleihen, sie beschüßen, einigen und auf dem ganzen Erdkreise regieren wollest, mit sammt deinem Diener, unserm Papste N., und unserm Bischofe N. und allen Rechtgläubigen und Bekennern des fa tholischen und apostolischen Glaubens. Erste Meßandacht. Gedächtnik und Fürbitte für die Sebenden. Gedente, o Herr! deiner Diener und Dienerinnen N. N. und aller hier Anwesenden, deren Glaube und Andacht Dir bekannt ist, für welche wir dieses Lobopfer entrichten oder die es Dir aufopfern, für sich, und all die Jhrigen, zur Errettung ihrer Seelen, in Hoffnung, es werde zu ihrem Heil und zu ihrer Wohlfahrt gereichen, und die Dir, dem ewig lebendigen und wahren Gott, ihre Ge lübde darbringen. 328 - Frinnerung an die Heiligen Gottes. Als Glieder der Heiligengemeinschaft ehren wir vorab das Andenken der glorwürdigen allzeit reinen Jungfrau Maria, der- Mutter Gottes, unsers Herrn Jesu Christi, insgleichen deiner heiligen Apostel und Martyrer Petrus und Paulus, Andreas, Jakobus, Johannes, Thomas, Jakobus, Philippus, Bartholomäus, Matthäus, Simon und Thaddaus, des Sinus, Cletus, Clemens, Xystus, Cornelius, Cyprian, Laurentius, Chryfogonus, Johannes und Paulus, Cosmas und Damian und aller deiner Heiligen. Durch ihre Verdienste und Fürbitten verleihe, daß dein Schuß und deine Hülfe uns immer und überall umgebe; durch denselben Christum, unsern Herrn. Amen. - So sieh denn, o Herr! wir bitten Dich, mit dem Blicke der Versöhnung auf dieses Erste Meßandacht. 329 Opfer herab, welches wir deine Knechte und deine ganze Familie Dir darbringen; ordne unsere Tage in deinem Frieden, bewahre uns vor der ewigen Verdammung und laß uns der Schaar deiner Auserwählten beigezählt werden; durch Christum, unsern Herrn. Amen. O Gott! wir bitten Dich, bewirke nach deiner Huld, daß diese Opfergaben durchaus gesegnet, Dir geweiht, vor Dir geltend, ein vernünftiges und Dir wohlgefälliges Opfer seien, damit sie uns werden der Leib und das Blut deines vielgeliebten Sohnes, unsers Herrn Jesu Christi. III. Zur Wandlung. Der am Tage vor seinem Leiden das Brod in seine heiligen und ehrwürdigen Hände nahm, die Augen zum Himmel, zu Dir Gott, seinem allmächtigen Vater, erhob, Dir dankte, das Brod segnete, brach, und seinen Jüngern gab und sprach: Nehmet hin und esset alle davon: Denn dieses ist mein Leib." ( Hierauf wird die heilige Hostie zur Anbetung emporgehoben.) Auf gleiche Weise nahm Er nach dem Mahle diesen herrlichen Kelch in seine heiligen und ehrwürdigen Hände, dankte Dir wieder, segnete ihn, und reichte ihn seinen Jüngern 330 Erste Meßandacht. und sprach: Nehmet hin und trinket alle daraus: „ Denn dieses ist der Kelch meines Blutes, des neuen und ewigen Bundes, das Geheimniß des Glaubens: welches( Blut) für euch und für Viele wird vergossen werden zur Vergebung der Sünden." ( Jetzt wird der Kelch mit dem heiligen Blute zur Anbetung erhoben.) So oft ihr dieses thut, so thut es zu meinem Andenken." Nach der Wandlung. Deßwegen, o Herr! erinnern wir uns, deine Knechte, und dein heiliges Volk, jegzi an das heilige Leiden Christi, deines Sohnes, unsers Herrn, auch an seine Auferstehung von den Todten und an seine glorreiche Auffahrt in den Himmel, und bringen deiner erhabenen Majestät von deinen Gaben und Geschenken ein reines Opfer, ein heiliges Opfer, ein unbeflecktes Opfer dar, das heilige Brod des ewigen Lebens und den Kelch des ewigen Heiles. - Mit gnädigem und heiterm Antlitze wolleft Du darauf herabsehen und es Dir als ein heiliges und unbeflecktes Opfer wohlgefällig sein lassen, wie Du Dich gewürdiget hast, mit Wohlgefallen anzunehmen das Opfer dei Erste Meßandacht. 331 nes Dieners, des gerechten Abels, und das Opfer unsers Erzvaters Abraham, sowie jenes, welches Dir der hohe Priester Melchisedech dargebracht hat. In tiefster Demuth flehen wir zu Dir, allmächtiger Gott! laß dieses Opfer durch die Hände deines heiligen Engels zu deinem er habenen Altare vor das Angesicht deiner göttlichen Majestät emporgetragen werden, damit Alle, die wir an diesem Altare Theil nehmen und den hochheiligen Leib deines Sohnes und sein Blut genießen, mit jeglicher himmlischen Segnung und Gnade erfüllt werden, durch denselben Christum, unsern Herrn. Amen. Srinnerung an die Verstorbenen. Gedenke auch, o Herr! deiner Diener und Dienerinnen N. N., die uns vorangegangen sind mit dem Zeichen des Glaubens und nun schlummern den Schlaf des Friedens. Wir bitten Dich, o Herr! verleihe ihnen und Allen, die in Christo ruhen, die Stätte der Erquickung, des Lichtes und des Friedens, durch denselben Christum, unsern Herrn. Amen. ( Der Priester schlägt an die Brust.) Auch uns Sündern, deinen Dienern, die wir auf den Reichthum deiner Erbarmungen hoffen, verleihe gnädigst dereinst einigen Antheil an der Gesellschaft deiner heiligen Apostel und Martyrer: Johannes, Stephanus, - 332 Erste Meßandacht. Mathias, Barnabas, Ignatius, Alexander, Marzellinus, Petrus, Felizitas, Perpetua, Agatha, Lucia, Agnes, Cäcilia, Anastasia und aller deiner Heiligen, zu deren Gesellschaft Du uns nicht unserer Verdienste wegen, sondern weil Du Sündenvergeber bist, binführen wollest, durch Christum unsern Herrn, durch den Du, o Herr! alle diese Güter erschaffest, heiligest, belebest, segnest und uns mittheilst. ( Jetzt hält der Priester den Kelch mit seiner Linken, nimmt das Himmelsbrod in seine Rechte und bildet mit demselben zu fünf wiederholtenmalen das Kreuzzeichen und spricht:) Durch Ihn und mit Ihm und in Ihm wird Dir Gott, dem allmächtigen Vater, in Einheit des heiligen Geistes alle Ehre und Herrlichkeit durch alle Ewigkeiten. A. Amen. P. Lasset uns beten! Ermuntert durch heilsame Befehle und durch göttliche Unterweifung angeleitet, wagen wir zu sprechen: Bater unser, der Du bist im Himmel, geheiliget werde dein Name; zukomme uns dein Reich; dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden. Gib uns heute unser tägliches Brod, und vergib uns unsre Schulden, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern, und führe uns nicht in Versuchung, A. Sondern erlöse uns von dem Uebel. P. Amen! Wir flehen zu Dir, o Herr! -- Erste Meßandacht. erlöse uns von allen Uebeln, den vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen, und auf die Fürbitte der heiligen und glorreichen allzeit reinen Jungfrau und Gottesmutter Maria, deiner heiligen Apostel Petrus und Baulus, und Andreas und aller Heiligen, schenke uns gnädiglich Frieden in unsern Tagen, damit wir, durch deine erbarmende Hilfe unterstüßt, stets frei bleiben von der Sünde und sicher vor aller Anfechtung; durch denselben Jesum Christum, unsern Herrn, deinen Sohn, der mit Dir lebt und waltet in Einheit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigfeit. 333 1 A. Amen. P.( Macht dreimal das Kreuz mit der heiligen Partikel über den Kelch und spricht:) Der Friede des Herrn sei allzeit mit euch! 2. Und mit deinem Geiste! P.( Läßt die heilige Partikel in den Kelch hinab.) Diese Vermischung und Segnung des Leibes und Blutes unsers Herrn Jesu Christi gereiche uns, die wir es empfangen, zum ewigen Leben. Amen. ( Schlägt dreimal an die Brust, indem er spricht:) D Du Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme Dich unser! O Du Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme Dich unser! 334 Erste Meßandacht. O Du Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, schenke uns den Frieden. IV. Die Kommunion. Gebete vor derselben. 1. Herr Jesus Christus, der Du zu deinen Aposteln sprachest: den Frieden hinterlasse Ich euch, meinen Frieden gebe Jch euch; sieh nicht auf meine Sünden, sondern auf den Glauben deiner Kirche, und laß sie nach deinem Willen in Frieden und Einigkeit blühen, der Du lebst und waltest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 2. Herr Jesus Christus, Sohn des lebendigen Gottes, der Du nach dem Willen des Vaters unter Mitwirkung des heiligen Geistes durch deinen Tod der Welt das Leben gegeben hast, erlöse mich durch diesen deinen hochheiligen Leib und durch dein Blut von allen meinen Sünden und von jedem Uebel, und verleihe, daß ich stets deinen Geboten anhange, und laß nicht zu, daß ich je von Dir getrennt werde, der Du mit Gott dem Vater und dem heiligen Geiste lebest und waltest, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 3. Herr Jesus Christus, der Genuß dei nes Leibes, welchen ich Unwürdiger jetzt zu empfangen im Begriffe bin, gereiche mir nicht zum Gericht und zur Verdammung, sondern Erste Meßandacht. 335 nach deiner Güte gedeihe er mir zum Schuße für Leib und Seele und zum vollkräftigen Heilsmittel, der Du lebst und waltest mit Gott dem Vater in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Bei dem Empfange des Seißes unsers Herrn. Das Himmelsbrod will ich empfangen und den Namen des Herrn anrufen. ( Der Priester schlägt dreimal an die Brust und spricht:) O Herr, ich bin nicht würdig, daß Du eingehest unter mein Dach, sondern sprich- nur ein Wort, so wird gesund meine Seele! O Herr, ich bin nicht würdig, daß Du eingehest unter mein Dach, sondern sprich nur ein Wort, so wird gesund meine Seele! O Herr, ich bin nicht würdig, daß Du eingehest unter mein Dach, sondern sprich nur ein Wort, so wird gesund meine Seele! ( Segnet sich mit der heiligen Hoftie.) Der Leib unsers Herrn Jesu Christi bewahre meine Seele zum ewigen Leben. Amen. ( Genießung des höchsten Gutes.) Inneres Gebet- Betrachtung. Was soll ich dem Herrn vergelten für Alles, was Er mir erwiesen hat? Trinken will ich den Kelch des Heiles und anrufen den Namen des Herrn. Lobpreisend will ich den Herrn anrufen und gerettet werde ich sein von meinen Feinden, 336 Erste Meßandacht. ( Segnet sich mit dem heiligen Blute, worauf er Es genießt.) Das Blut unsers Herrn Jesu Christi bewahre meine Seele zum ewigen Leben. Amen. Gebet nach der heiligen Kommunion. Was wir mit dem Munde genossen, o Herr! laß uns auch mit reinem Herzen erfassen und die zeitweilige Gabe werde für uns ein immerwährendes Heilmittel. Dein Leib, o Herr, den ich empfangen, und das Blut, welches ich getrunken habe, einige sich mit meinem Innersten. Verleihe, daß keine Sündenmatel in mir zurückbleibe, der ich durch dieses reine und heilige Sakrament bin erquickt worden, Der Du lebst und waltest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. ( Der Priester auf der Epistelseite.) So oft ihr dieses Brod esset und den Kelch trinket, sollt ihr den Tod des Herrn verkünden, bis Er wiederkommt. Wer nun unwürdig dieses Brod ißt, oder den Kelch des Herrn trinkt, der ist schuldig des Leibes und Blutes des Herrn.( 1.Kor. 11, 26 und 27.) ( Der Priester zum Volke gewendet.) P. Der Herr sei mit euch! 2. Und mit deinem Geiste! P. Lasset uns beten! Wir bitten Dich, o Herr! laß uns durch den ewigen Genuß dei Erste Meßandacht. 337 ner Gottheit erfüllt werden, welchen der zeitliche Genuß deines kostbaren Leibes und Blutes vorbildet. Der Du lebst und waltest mit Gott dem Vater in Einheit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. A. Amen. P. Der Herr sei mit euch! 2. Und mit deinem Geiste! P. Gehet, die Messe ist vollendet. A. Gott sei Dank! P. Heilige Dreieinigkeit! laß Dir die Huldigung deines Dieners gefällig sein, und verleihe, daß das Opfer, welches ich Unwürdiger vor den Augen deiner Majestät entrichtet habe, Dir angenehm, mir aber und Allen, für welche ich es entrichtet habe, durch deine Erbarmung verföhnend sei, durch Christum, unsern Herrn. Amen. ( Der Priester segnet das Volk.) Es segne euch der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der heilige Geist. A. Amen. P. Der Herr sei mit euch! A Und mit deinem Geiste! P. Anfang des heiligen Evangeliums nach Johannes. A. Ehre sei Dir, o Herr! P. Im Anfange war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dieses war im Anfange bei Gott. Alles ist durch dasselbe gemacht worden, und nichts Nachfolge Christi. 22 338 Erste Meßandacht. wurde ohne dasselbe gemacht, was gemacht worden ist. In Ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtete in der Finsterniß, aber die Finsterniß hat es nicht begriffen. Es war ein Mensch von Gott gesandt, der hieß Johannes. Dieser kam zum Zeugnisse, damit er Zeugniß von dem Licht gebe, auf daß Alle durch ihn glauben möchten. Er war nicht das Licht, sondern er sollte Zeugniß von dem Lichte geben. Dieses war das wahre Lichte, welches alle Menschen, die in diese Welt kommen, erleuchtet. Es war in der Welt, und die Welt ist durch dasselbe gemacht worden, aber die Welt hat Ihn nicht erkannt. Er kam in sein Eigenthum, und die Seinigen nahmen Ihn nicht auf. Allen aber, die Ihn aufnahmen, gab Er Macht, Kinder Gottes zu werden, denen nämlich, die an seinen Namen glauben: welche nicht aus dem Geblüte, nicht aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen des Mannes sondern aus Gott geboren sind. Und das Wort ist Fleisch geworden, und hat unter uns gewohnet; und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit als des Eingebornen vom Vater, voll der Gnade und Wahrheit. 2. Gott sei Dank! Gebet nach der heiligen effe. O Vater der Erbarmung und Gott alles Trostes! Du hast im Uebermaße deiner un Erste Meßandacht. 339 endlichen Liebe uns deinen eingebornen Sohn gegeben, damit Reiner, der an Ihn glaubt, verloren gehe, sondern das ewige Leben erlange. Sieh, ich armer Sünder, durch deine Barmherzigkeit zur Theilnahme an deinem Sohne berufen, bin theilhaftig geworden seines Leibes und seines Blutes; ich umfasse Ihn in meinem Herzen, besige Ihn als Eigenthum, das mit mir auf das Innigste verbunden ist. In Vereinigung der Liebe, womit Er einstens Sich Selbst für uns hingeopfert hat auf dem Altare des Kreuzes, und sich noch täglich für uns opfert und hingibt in dem heiligsten Altarssakrament, opfere ich Dir, himmlischer Vater, deinen Sohn mit allen seinen Verdiensten und Vollkommenheiten zu deinem ewigen Lobe und Preise auf, auf daß Du an Ihm dein vollkommenes Wohlgefallen habest, und wir, die wir Dir durch unsere Handlungen nicht gefallen können, durch seine Verdienste und Fürsprache Dir vollkommen gefallen mögen. Ich opfere Dir auf, heiligster Vater! all seine Liebe, Andacht, Unterwürfigkeit, Demuth, Armuth, Sanftmuth, Geduld, nebst allen übrigen Tugenden, damit, was mir abgeht, durch sie ersetzt werde. Und da ich nicht vermag, Dir den schuldigen Dank für die mir erwiesenen Wohlthaten abzustatten, so opfere ich Dir ferner auf alles Lob, das Er dargebracht hat, als Er unter uns auf Erden wandelte, und das Er jetzt zu deiner Rechten im Himmel 340 Erste Meßandacht. Dir darbringt. Ich opfere Dir seine Mühen, Fasten, Wachen, Gebete, seine Leiden alle von der Krippe bis zum Kreuze; alle seine Schmerzen und Qualen, all sein für uns vergossenes Blut,- sein Leben, seinen Tod. Sieh, gütigster Vater! das ist der Schaß, auf den ich all meine Hoffnung seße; dies der Reichthum, den ich Dir zur Genugthuung für alle meine Sünden darbringe. Blicke, gnädigster Vater! auf deinen Gesalbten, da Er dein vielgeliebter Sohn ist, an dem Du von Ewigkeit dein Wohlgefallen hast; und da Er in dieser Stunde Sich für mich auf's Neue geopfert, und den Werth dieses Opfers mir zugewendet, so blicke auch auf mich nach der Fülle deiner unendlichen Barmherzigkeit. Unter den Schatten seiner unendlichen Verdienste flüchte ich mich, auf daß Du mich so als dein Kind ansehest und mit deinem Sohne in Gnaden aufnehmest. Ich bitte, ich beschwöre Dich, laß nicht zu, daß die Seele verloren gehe, für welche dein Sohn am Kreuze gestorben ist, und welche Er so oft durch sein heiligstes Fleisch genähret, so oft durch sein kostbarstes Blut geträntet hat. Verleihe gnädiglich, daß sie durch die Verdienste Dessen gerettet werde, der in diese Welt gekommen ist, zu suchen und zu retten, was verloren war, und der dem verlornen Schafe in die Wüste nacheilte, und nicht ruhete, bis Er es gefunden hatte, um selbes zur Heerde, zur Schaar der Auserwählten, zurückzuführen. Erhöre meine - Erste Meßandacht. 341 Bitten, o Herr! nach der Größe deiner unendlichen Erbarmungen. Amen. Kürzeres Gebet nach der heiligen Weiſe. Sieh, ich bin mit Dir ausgeföhnt, allmächtiger Gott! ich bin gereinigt, geheiliget und lebendig gemacht worden durch das theure Blut deines vielgeliebten Sohnes. So sei denn mir, deinem Kinde, aufs neue ein Bater, ein Gott der Liebe und Barmherzigteit! Keine Sünde trenne mich mehr von Dir, sondern stets einige mich mit Dir die Gnade, und der theure Preis, der für mich bezahlt wurde, gehe weder an mir, noch an irgend Einem verloren, der mit Andacht dem eben vollbrachten Opfer beigewohnt hat. Verleihe mir solches durch Jesum, deiner Sohn, der mit Dir, in Einheit des heiligen Geistes, lebt und waltet ein Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. - Danksagung. Liebevollster Vater: Ich danke Dir aus kindlichem Herzen, daß Du mich an dem Liebesmahle Jesu und an der Gedächtnißfeier seines Todes hast Antheil nehmen lassen. Verzeihe mir alle dabei begangenen Fehler der Lauigkeit und der Zerstreuung. Ich fasse vor deinem allerheiligsten Angesichte den Entschluß, dem Beispiele deines Eingebornen in Allem 342 Erste Meßandacht. zu folgen und Ihm, mit deiner Gnade, ähnlich und so der Früchte dieses großen und heiligen Opfers theilhaftig zu werden. Schenke mir deinen Beistand, diesen Vorsatz zu halten, durch eben diesen unsern Herrn Jesum Christum, deinen Sohn. Amen. - Sebet beim Segen mit dem hochwürdigsten Gute. ( Von der Hl. Mechtildis.) Allbarmherziger Heiland Jesus Christus: Ach, segne mich mit deiner Allmacht; unter: richte mich mit deiner Weisheit, durchdringe mein Innerstes mit der Fülle deiner Lieblichfeit und deine milde Hand feßle mich so an Dich, daß ich mit Dir Eins bleibe in Zeit und Ewigkeit! Amen. Zweite Meßandacht. mon 343 Zum Singang. liebenswürdigster Jesu! in tiefster De gemuth erscheine ich in deinem heiligen Hause, & um der heiligen Messe, dem unblutigen Opfer des neuen Bundes, beizuwohnen. Nimm, v Herr, hinweg von mir meine Sünden! reinige mein Her; und heilige meinen Sinn, damit ich aller Gnaden dieses heiligsten Opfers theilhaftig werde. Erfülle mich mit lebendigem Glauben und inbrünstiger Andacht, mit einer innigen Liebe und zärtlichen Sehnsucht nach Dir, mein getreuzigter Erlöser, mit einer wahren Reue über meine begangenen Sünden. Gütigster Gott! demüthig opfere ich Dir auf diese heilige Messe zur Verherrlichung deines allerheiligsten Namens, zum schuldigen Danke für alle Wohlthaten, welche ich von Dir empfangen, zur Erlangung aller Gnaden, die mir zu meinem ewigen Seelenheile nothwendig sind, für meine Freunde und Feinde, Lebendige und Gestorbene, für die ganze Christenheit. Laß Dic, o Gott! diese Meinung gefallen, und gib mir die Gnade, mit reinem Herzen mich Dir, dem AllerreinWie ften und Allerheiligsten, zu nahen. Jesus Christus für uns Sich Dir aufgeopfert but, so opfere ich mich durch Jesus und mit Jesus Dir, o himmlischer Vater! auf. Zweite Meßandacht. Zum Kyrie elenſon. Herr erbarme Dich unser! Christe, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Barmherziger Vater! erbarme Dich meiner, und verzeihe mir meine Sünden! SüBester Jesu, mein Erlöser, erbarme Dich meiner, und laß mich Gnade vor Dir finden! Heiliger Geist, erbarme Dich meiner, und erleuchte mich mit deinem göttlichen Gnadenlichte! 344 Zum Gloria. Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede auf Erden den Menschen, die eines guten Willens sind! Von der Höhe des Himmels, wo dein Vater in ewiger Herrlichkeit thront, bist Du, mein gütigster Heiland! in das Thränenthal dieser Erde herabgestiegen, um mir und allen Menschen den Frieden zu bringen. O schenke uns diesen Frieden, den Frieden mit deinem himmlischen Vater, auf daß wir stets, durch die Gnade mit Ihm vereint, seine Kinder seien, - den Frieden mit unsern Nächsten, den kein Haß oder Beleidigung je trüben möge, und endlich den Frieden mit uns selbst, die wahre innere Ruhe des Herzens, Unterwürfigkeit des Fleisches unter das Gesetz des Geistes, auf daß wir so zur wahren Freiheit der Kinder Gottes gelangen, und einst mit den Engelschaaren in den himmlischen Höhen in den Preisgesang einstimmen: Ehre, Dank und Anbetung sei Gott in alle Ewigkeit! A. - - - 345 Zweite Meßandacht. Lasset uns beten: Allmächtiger, ewiger Gott! demüthig bitten wir Dich, schaue gnädig auf uns herab, und erhöre unser Gebet. Schenke uns nach deiner unendlichen Gnade und Barmherzigkeit Verzeihung unserer Sünden. Laß uns stets zunehmen an Glaube, Hoffnung und Liebe. Laß uns vor Allem trachten nach deinem Reiche und seiner Gerechtigkeit, nach den ewigen, himmlischen Gütern, und gib uns dann auch den nothwendigen Lebensunterhalt; Frieden in unsern Tagen, Einigkeit des katholischen Glaubens und Ausrottung der Irrlehren. Darum bitten wir Dich durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Zur Epiftel ( Lesung. 1. Petr. 2, 21.) ,, Christus hat für uns gelitten, und euch ein Vorbild hinterlassen, daß ihr seinen Fußstapfen nachfolgen sollt. Er, der keine Sünde beging, und in dessen Munde kein Betrug erfunden ward, Er lästerte nicht wieder, wenn Er gelästert ward; Er drohte nicht, da Er litt, sondern überließ Sich dem, der Ihn ungerecht verdammte. Er trug unsere Sünden an seinem Leibe auf dem Kreuzholze, damit wir, abgestorben den Sünden, der Gerechtigkeit leben." Zweite Meßandacht. Bum Evangelium. Einst sprach Jesus zu seinen Jüngern: Bleibet in Mir, so bleibe Ich in euch. Wie eine Rebe keine Frucht von sich selbst bringen kann, wenn sie nicht am Weinstocke bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in Mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in Mir bleibt, und in dem Ich bleibe, der bringt viele Frucht; denn ohne Mich könnt ihr nichts thun. Wer nicht in Mir bleibt, der wird wie eine Rebe weggeworfen, und verdorrt. Man sammelt sie, und wirft sie in's Feuer, und sie wird verbrannt. Wenn ihr in Mir bleibet und meine Worte in euch bleiben, so möget ihr immer bitten, was ihr wollt, es wird euch gewährt werden. Dadurch wird mein Vater verherrlicht, wenn ihr viele Frucht bringt, und meine Jünger werdet. Wie Mich mein Vater liebt, also liebe Jch auch euch. Bleibet in meiner Liebe."( Joh. 15, 4-9.) 346 Dank sei Dir, o göttlicher Heiland, für dein heil. Evangelium! verleihe uns die Gnade; daß wir es stets mit Andacht und Ehrfurcht hören und seine Vorschriften mit Eifer und Beharrlichkeit erfüllen, damit wir jener Seligkeit theilhaftig werden, welche allen denen verheißen ist, welche an Dich glauben, und in treuer Liebe deine Gebote halten. Zweite Meßandacht. Zum Credo. Ich glaube an Gott Vater, den allmächtigen Schöpfer u. s. w. Zum Offertorium. Allmächtiger, ewiger Gott! mit den Gaben, welche der Priester jetzt Dir opfert, vereinige ich meinen Leib und meine Seele, meine Gedanken, Worte und Handlungen, Alles, was ich bin und habe, und opfere sie Dir auf, als meinem höchsten Herrn und Könige. Laß sie Dir wohlgefällig sein; und gleichwie Brod und Wein bald umgewandelt werden in den heiligen Leib und das kostbare Blut deines eingebornen Sohnes, so möge auch ich in eine neue Kreatur umgeschaffen werden; der fündige Mensch mit seinen Begierden und Leidenschaften möge in mir untergehen und ein neuer geistiger erstehen nach dem Bilde Gottes in Gerechtigkeit und wahrer Heiligkeit! - 347 Zum Händewaschen. Reinige mich, o Gott! von allen Flecken der Sünde, damit ich würdig vor deinem heiligen Altare erscheine; und da jetzt der hochheilige Augenblick sich nahet, in welchem dein Eingeborner auf selben herabsteigen und das Opfer des neuen und ewigen Bundes entrichten wird, so erfülle mich mit heiliger Furcht und lebendigem Glauben, damit Dir nichts mehr an mir mißfalle,- mich dage- 348 Zweite Meßandacht. gen das Kleid der Unschuld und der Tugend ziere; durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, unsern Herrn und Heiland. Amen. Zur Präfation. Laßt uns unsere Herzen zu dem Herrn unserm Gott erheben, und mit allen Geschöpfen Ihn- dankbar preisen. Denn es ist höchst billig und recht, pflichtgemäß und heilsam, daß wir zu allen Zeiten und an allen Orten Dich dankbar preisen, heiliger Herr! allmäch tiger Vater! ewiger Gott! Der Du aus Liebe zu uns armen sündigen Menschen deinen eingebornen Sohn in die Welt gesandt hast, um uns von der Sünde und dem ewigen Verderben zu erlösen, und ewig selig zu machen. Durch denselben Jesum Christum, unsern Herrn, loben Dich die seligen Geister im Himmel, und um Ihn vereinigt preisen die Cherubim und Seraphim deinen heiligen Namen. Auch wir Erdenbewohner erheben mit ihnen unsere Stimmen, und sprechen in tiefster Ehrfurcht: Heilig, heilig, heilig bist Du, o Gott und Herr! Himmel und Erde sind voll deiner Herrlichkeit. Hosanna in der Höhe! Gebenedeit sei, der da kömmt im Namen des Herrn! Hosanna in der Höhe!- 349 Zweite Meßandacht. Vor der Wandlung. 7 Ich sehe im Geiste meinen liebreichsten Je sus, wie Er seinen Leidensweg nach Golgatha beginnt. Er ist beladen mit dem schweren Kreuze, umdrängt von einer wüthenden Menge Volkes, gefolgt von den spottenden Priestern und Schriftgelehrten, verlassen von seinen Jüngern und Freunden; Er zieht hin, für mich zu sterben, meine Sünden durch sein Blut abzuwaschen und mich ganz rein und heilig zu machen. D unendliche und unbegreifliche Erbarmniß meines Erlösers! wohin führt Dich deine Liebe? wohin führen Dich meine Sünden? Schon höre ich die Hammerschläge, die deine heiligsten Glieder an das Werkzeug der Schmach und des Todes, aber auch an das Werkzeug der Herrlichkeit und des Lebens- anheften. O mein gekreuzigter Heiland! ich finte hin in den Staub, um Dich den ewig hohen Priester des neuen Bundes anzubeten, der Du in diesem Augenblicke das Opfer, welches Du einst am Kreuze vollbracht hast, fortseßen und erneuern, und die Früchte desselben mir zuwenden willst. Mit Maria, deiner liebsten Mutter, mit Johannes, dem liebenden Jünger, stelle ich mich unter dein heiliges Kreuz, und mit Magdalena, der reuigen Sünderin, umfange ich diesen Baum des Lebens, der Versöhnung, der Gnade und der Auferstehung- Jesu! mein Jesu! Du wirst am Kreuze erhöhet; das Opfer beginnt! Zweite Meßandacht. Bei der Wandlung. O Jesu, Du mein Heiland und Erlöser! ich glaube, daß Du hier unter den Gestalten des Brodes gegenwärtig bist, und bete Dich, meinen Herrn und Gott, in tiefster Demuth an. Wie Du Dich für mich gänzlich dargibst, so will ich auch mich Dir gänzlich hingeben, mich Dir völlig aufopfern. O Jesu! Dir lebe ich; o Jesu, Dir sterbe ich; o Jesu, Dein bin ich todt und lebendig. 350 O kostbares Blut, welches für uns Menschen vergossen worden ist, ich bete Dich voll heiliger Ehrfurcht an! Wasche und reinige mich von allen meinen Sünden; heile und stärke meine Seele zum ewigen Leben. O Jesu, verzeihe! o Jesu, verschone! o Jesu, erbarme Dich meiner! Nach der Wandlung. Zu Dir, mein Erlöser! erhebe ich vertrauensvoll meine Blicke, denn Du bist das Sühnopfer für meine und der ganzen Welt Sünden. Am Kreuze erhöht, ziehest Du Alles zu Dir. Ziehe auch mein Herz zu Dir, daß es der Sünde, der Welt und allem Irdischen für immer absterbe, Dir allein lebe, und jetzt und immer Dir zugehöre! Reinige es, heilige es; nimm es auf in deine heiligen Wunden und versöhne es mit deinem himmlischen Vater! Gedenke aber auch, mein gütigster Zweite Meßandacht. 351 Heiland! der gesammten heiligen Kirche, ihres Oberhauptes, unsers heiligen Vaters N., der Bischöfe und Priester, die an deiner Statt jest die Lehre des Heiles verkünden, die heiligen Geheimnisse den Gläubigen ausspenden, sie lenken und leiten, und mit heißer Sehnsucht nach der glückseligen Stunde verlangen, wo nur Ein Hirt, und Eine Heerde sein werden. Stärke sie mit deiner allesvermögenden Gnade, damit sie die Pflichten ihres schweren Berufes treu und standhaft erfüllen. Sieh auch unsre unfre weltliche Obrigkeit in Gnaden an, Eltern und Geschwisterte, Verwandte und Wohlthäter, Freunde und Feinde; gib Allen, wessen sie in ihren leiblichen oder geistigen Anliegen am meisten bedürftig sind, besonders aber die Gnade, daß an Keinem aus ihnen das kostbare Blut, welches Du für uns Alle vergossen hast, verloren gehe. 1 Gedenke auch, o gütigster Jesu! der abgeschiedenen Seelen, welche die zeitlichen Strafen ihrer Sünden im Reinigungsorte noch abzubüßen haben. Wie Du einst nach deinem Tode am Kreuze den Vätern und Gerechten des alten Bundes ihre nahe Erlösung aus der Vorhölle und ihren baldigen Einzug in den Himmel verkündetest, so verkünde auch jenen ihre baldige Erlösung, ja schenke ihnen das ewige Licht und den ewigen Frieden! - Bweite Meßandacht. Zum Pater nofter. 1/ Belehrt und aufgefordert durch deinen heiligen Mund, o Jesu! sprechen wir mit Vertrauen: Vater unser, der Du bist im Himmel! O der unendlichen Liebe Gottes! Uns, die wir uns von Ihm durch die Sünde entfernt hatten und in das größte Unglück fielen, hat Er solche Gnade gegeben, daß wir Ihn wieder Vater" nennen dürfen. Unsere Seelen sind des Himmels Bild geworden, da Gott in ihnen wohnet und wandelt. Geheiliget werde dein Name! Heilig ist Er in sich, heilig wird Er auch in uns durch ein heiliges Leben. Schenke uns, o Vater! hiezu deine Gnade. Zukomme uns dein Reich. Die Sünde herrsche nimmermehr in uns, sondern unser Leib und unsre Seele seien erfüllt und beherrscht durch den heiligen göttlichen Geist. Dein Wille geschehe wie im Himmel, also auch auf Erden. Wie unter den Engeln dein Wille erfüllt wird, also werde er auch erfüllt auf Erden von uns, o Herr!- Gib uns heute unser tägliches Brod. 352 Dieses Brod ist das überirdische, das Brod der Seele, das uns nährt zum ewigen Leben. Gib Es uns, himmlischer Vater! heute, ja elle Tage unsers Lebens, und verleihe, daß wir Es stets würdig empfangen. Und vergib uns unsre Schulden, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Klein und gering sind die Beleidigungen, welche Zweite Meßandacht. 353 Andere uns zugefügt haben; groß und vielfältig dagegen die Sünden, mit denen wir unsern Herrn und Gott beleidiget. Verzeihe sie uns, Allbarmherziger! wie auch wir von Herzen Allen verzeihen, die uns beleidigt haben oder noch je beleidigen werden. Und führe uns nicht in Versuchung! Schenk uns Gnade, daß wir nie in eine solche einwilligen, sondern in der Stunde der Prüfung standhaft im Guten beharren. Laß nicht zu, daß wir in Versuchungen fallen, in denen wir Dich beleidigen und verlieren könnten, sondern erlöse uns von dem Uebel. Amen. Fern sei jederzeit von uns das Uebel der Sünde und ihr Urheber. Alle Bitten aber, die wir Dir, o himmlischer Vater! vorgetragen, mögen sich jetzt und immer an uns erfüllen! Es geschehe! - 3ur Kommunion. O hätte ich die Reinheit der Engel und die Andachtsgluth aller heiligen Seelen, um Dich, mein Jesu! im allerheiligsten Sakramente würdig empfangen zu können! Doch ich wage nicht, meine Augen zu Dir emporzuheben. Entfernt von deinem heiligen Tische spreche ich: Herr, sei mir armen Sünder gnädig! Mache mich würdig, daß ich recht bald Dich wirklich im Mahle der Liebe empfangen kann. Jetzt aber erquicke meine franke Seele wenigstens mit deiner geistigen Gegenwart. Gib mir einen lebendigen Glauben, festes Ver23 354 Zweite Meßandacht. trauen, brennende Liebe, ungeheuchelte Demuth und wahre Reue über meine begangenen Sünden. Befestige mich in deiner Gnade, damit ich in Dir und Du in mir lebest, und mich nichts mehr von Dir scheide. Amen. Nach der heiligen Kommunion. Ich sage Dir Dank, o gütigster Gott! daß Du mich gewürdiget hast, dem Opfer meiner Erlösung beizuwohnen, um durch selbes auf's Neue mit Dir ausgeföhnt zu werden. Als schwaches Zeichen meines schuldigen Dankes nimm an, o Herr! meinen Leib und meine Seele, vereint mit dem Opfer deines Sohnes am Kreuze, und verleihe, daß ich stets Dir diene, Dich liebe und mich so der mir zu Theil gewordenen Gnade werth erzeige. Tilge aus meinem Herzen alle böse Lust, jede Anhänglichkeit an Welt und Sünde. Gib mir Kraft, meine bösen Leidenschaften zu bekämpfen, und jede Versuchung zu überwinden. Sei und bleibe bei mir jetzt und immer. Zum Schlusse der heiligen Meſse. Der Segen des allmächtigen Gottes, des Vatters, des Sohnes und des heiligen Geistes komme über uns herab, und bleibe bei uns allezeit! Amen. Beichtandacht. Vor der Beicht. Vorbereitungsgebet. Heu Jeute, lieber Gott! bin ich willens, das heilige Bußsakrament zu empfangen, um mich dadurch mit Dir, meinem beleidigten Vater, wieder auszusöhnen! O wie sehr bedarf ich deiner Hilfe dazu, daß ich dieß ouf die rechte Art thue, und hiedurch die gesegnete Wirkung dieses heiligen Sakramentes an mir erfahre!, Herr, der Du nicht willst „ den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe, erbarme Dich meiner nach deiner großen Güte und Barmherzigkeit" ( Pfalm. 50, 1.) und verleihe mir die Gnade, daß ich durch dieses wichtige Heilsmittel die gewünschte Vergebung meiner Sünden von Dir erlange. 356 Beichtandacht. Anrufung des heiligen Seiftes. Oheiliger Geist! erleuchte meinen Verstand, damit ich das Innerste meines Herzens recht durchschaue und einsehe, was ich seit meiner letzten Beicht Böses gedacht, geredet und gethan, und wie viel Gutes ich zu thun unterlassen habe! Erwecke in meinem Herzen eine schmerzliche und vollkommene Reue über meine Sünden, regiere meine Zunge, daß ich dem Priester meine Fehler aufrichtig bekenne und Verzeihung erlange, wie Magdalena zu den Füßen Jesu Verzeihung ihrer Sünden erlangt hat. Um diese Gnade bitte ich, o göttlicher Geist, durch Jesus Christus, der sein Leben und Blut für uns Sünder geopfert hat! Vater unser und Ave Maria. Gewissenserforschung. Hier erforsche dein Gewissen, was du ges sündiget in Gedanken, Worten und Werken und Unterlassung guter Werke, wider Gott, wider den Nächsten und wider dich selbst. Erforsche dich, wie oft du die Gebote Gottes oder jene der hl. Kirche übertreten hast. Erforsche dich insbesondere über die Pflichten deines Standes. - Reue und Vorsak. Großer, gerechter und heiliger Gott! in großer Betrübniß und Zerknirschung meines Herzens falle ich vor Dir nieder, da ich jetzt Beichtandacht. meine Sünden erkenne und um Verzeihung zu Dir flehen will. Sieh, vor deinem heiligen Angesichte lege ich mein Schuldbekenntniß ab. 357 O mein Gott, gerechter und strenger Richter, aber auch barmherziger Vater, erbarme Dich meiner! Ich betenne mein Vergehen. Ich habe viel Böses gethan. Es ist mir leid und reuet mich vom Grunde meines Herzens, daß ich Dich, das allerhöchste und liebenswürdigste Gut, meinen besten Vater, Freund und Wohlthäter, den ich über Alles lieben sollte, so oft und schwer beleidigt habe. Von aanzem Herzen verabscheue ich alle meine Sunden und nehme mir ernstlich und kräftig vor, mit deiner Gnade nicht mehr zu fündigen. alle Gelegenheiten zur Sünde zu meiden, mein Leben zu bessern und Dich, o mein Gott, nicht mehr zu beleidigen! Erbarme Dich meiner, o Gott, nach deiner großen Barmherzigkeit; und nach der Fulie deiner Erbarmungen tilge meine Missethat! Wasche mich immer mehr und mehr von meiner Ungerechtigkeit und reinige mich von meinen Sünden! Ich erkenne meine Uebertretungen und meine Sünde ist allezeit vor mir! Dir allein habe ich gesündiget und habe Böses vor Dir gethan; aber Ein zerknirschtes und demüthiges Herz wirst Du, o Gott, nicht verschmähen!( Bußpsalm Davids.) - 358 Beichtandacht. Wenn man in den Beichtstuhl gehen will. Göttlicher Mittler, Jesus Christus, mit Ehrfurcht und Zutrauen will ich jetzt dem Priester, der deine Stelle vertritt, mich nähern und ihm alle Sünden, deren ich mich schuldig weiß, reumüthig bekennen. Gib mir deine Gnade und erleuchte auch den Priester, damit er den sittlichen Zustand meiner Seele ganz erkenne, richtig beurtheile, heilsame Mittel zur Besserung mir vorschreibe und wenn er mich würdig und reumüthig findet, in deinem Namen von meinen Sünden mich losspreche. O heilige Maria, du Zuflucht der Sünder, bitte für mich bei, Gott, deinem Sohne in diesem wichtigen Augenblicke, daß ich vor dem Richterstuhle der Buße würdig erscheinen und Gnade und Vergebung erlangen möge! ( So beichte reuig und aufrichtig deine Sünden.) Nach der Beicht. Berrichte zuerst die Buße und dann folgendes: Sebet. Nimm, o Herr, meine Buße, die ich verrichtet habe, gnädig an! Ich vereinige diese geringe Buße mit den unendlichen Verdiensten meines Erlösers. Durch die Leiden Jesu, durch sein Blut und seine Wunden hoffe ich Verzeihung aller meiner Sünden. Was mir an Vollkommenheit der Reue, der Beicht und des Vorsages noch mangelt, das wolle für Beichtandacht. 359 mich erseßen das heiligste Herz Jesu in seiner unendlichen Liebe und Barmherzigkeit! Amen. Sebet zu Gott dem Vater. Ewiger, barmherziger Gott, Dir sage ich den innigsten Dank, daß Du meine reumüthige Bitte so väterlich erhört und mir Gnade, Verzeihung und Nachlaß der Sünden verliehen hast. Du sagtest mir durch den Mund des Priesters: deine Sünden sind dir vergeben." O welch' trostvolle Worte für mich! Du hast den verlornen Sohn, der zu Dir zurückgekehrt, wieder in deine Vaterarme aufgenommen! Du bist also wieder mein Vater und ich dein Kind! Mein Vater, mein Herr und Gott sei darum gepriesen in alle Ewigkeit. Amen. Borlak. Sieh, o Herr! barmherzig auf mich und segne den abermaligen festen Vorsaß, welchen ich in deiner heiligen Gegenwart fasse, deine göttliche Liebe nie mehr durch irgend eine Sünde zu beleidigen. Mache mich, o mein Herr und Gott, schorsam ohne Widerseßlichkeit, arm ohne Mangel, geduldig ohne Widerrede, demüthig ohne Heuchelei, fröhlich ohne Leichtsinn, furchtsam ohne Verzweiflung, wahrhaft ohne Betrug, ben Nächsten lieben ohne Hochmuth, ihn auferbauen durch Worte und Werke ohne Falsch: heit! Gib mir, o Gott, ein wachsames Herz, welches durch keinen unerlaubten Ge 360 Beichtandacht. danken von Dir abgewendet werde; gib mir ein aufrichtiges Herz, das durch keine böse Gesinnung oder Betrug auf irdische Dinge hinziele; gib mir ein standhaftes Herz, das durch keine Widerwärtigkeit überwunden werde; gib mir endlich ein freies Herz, in welchem keine unsittliche Begierde Herrsche! Verleihe mir, o Gott, einen solchen Verstand, der Dich erkenne; eine solche Begierde, die Dich allein suche; eine solche Weisheit, die Dich finde; einen solchen Lebenswandel, der Dir gefalle; eine solche Beharrlichkeit, die Dich erwarte; und ein solches Vertrauen, das Dich genieße! Verleihe mir, daß ich durch dein bitteres Leiden zur wahren Buße bewogen werde, daß ich deine Wohlthaten während meinem ganzen Leben mit deiner Gnade wohl anwende, und daß ich endlich in den himmlischen Vaterlande deiner Freude und der ewigen Herrlichkeit genieße von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. - Kommunionandacht. Vor der heiligen Kommunion. 7820 Tugendübungen. Glaube. mein Jesus! ich glaube Alles fest, was Du geoffenbaret hast, besonders glaube ich, daß Du wahrhaft gegenwärtig bist in dem heiligsten Sakramente des Altares, weil Du, die ewige und unfehlbare Wahrheit, solches gesagt haft! Anbetung. O mein Jesus, in Vereinigung aller Engel und Heiligen bete ich Dich an im heiligsten Sakramente, in welchem Du aus Liebe zu mir verborgen bist; ich bete Dich an als meinen Herrn und Gott, meinen Schöpfer und Erlöser! Kommunionandacht. Reue. O mein Jesus, alle meine Sünden bereue ich von ganzem Herzen, weil ich dadurch Dich, meinen gütigsten Gott, den ich über Alles liebe, erzürnt und beleidiget habe! Demuth. Mein Herr und Heiland, wie darf ich mich nahen nach so vielen Beleidigungen? Wahrlich, ich bin nicht würdig, Dich in mein Herz auf zunehmen. Doch sprich nur ein Wort, und meine Seele wird gesund. 362 Hoffnung. Ja, liebevollster Jesus, deine Erbarmung ist ohne Grenzen; Du kömmst zu mir, willst wohnen in meinem Herzen. So wirst Du auch, ich hoffe es zuversichtlich, mich heiligen und mich erfüllen mit deiner Gnade! Siebe. O mein Jesus, Du hast mich geliebt bis zum Tode am Kreuze und aus Liebe zu mir willst Du nun auch die Nahrung meiner Seele werden. O wie kann ich Dir deine Liebe vergelten? Dir zu Liebe will ich leben und sterben. Verlangen. Komm, o Jesus, fomm, und nimm Besig von meinem Herzen! es soll ganz Dein sein: komm, suche mich heim, stärke und erhalte mich in deiner Gnade, o Jesus! Amen. Kommunionandacht. 363 Erinnerung an das bittere Seiden und Sterben Jesu Christi. Liebreichster Jesu, der Du befohlen hast, ich soll, so oft ich dein heiligstes Fleisch und Blut in diesem heiligen Sakramente empfange, deines Leidens und Todes dankbar gedenken, verleihe mir nun die Gnade, würdig deiner Einladung mich zu erweisen, würdig zu deinem Tische zu kommen und aus der Betrachtung deines Leidens jenen Eifer zur Tugend zu gewinnen, daß ich lieber sterben als Dich nochmals beleidigen wolle! Du hast, o Jesu, am Delberge aus Todesangst Blut vergossen, damit ich den Greuel der Sünde, die eine unendliche Beleidigung Gottes ist, tief zu Herzen fasse! Mit einem Kusse falscher Freundschaft hat Dich, o Jesus, dein Jünger Judas verrathen, damit ich nie eine ähnliche That durch unwürdigen Genuß des hl. Sakramentes begehe! Du hast Dich in Bande und Gefängniß schließen lassen, damit ich nicht von den Banden der Sünde gefangen, in die äußerste Finsterniß geworfen werde! Bei Annas und Kaiphas bist Du falsch angeklagt worden, damit ich von der vielverschuldeten Anklage, von Sünde und Strafe losgesprochen werde! Dich, o Jesus, hat Herodes verspottet, Dich das Volk dem Mörder Barrabas nachgeseßt, damit ich die Verachtung der Welt 364 Kommunionandacht. geduldig ertrage und deine Ehre, die Ehre des Kreuzes, dem Lobe der Menschen vorziehe! Dein zartester Leib ist mit Geißeln so grausam verwundet worden, daß ich die sündhaften Gelüste des Fleisches überwinde! Ein ungerechtes Urtheil hast Du, o Jeſu, geduldig angenommen, damit ich, der ich schuldig und strafbar bin, von dem schrecklichen Urtheil der ewigen Verdammniß befreit werde! Unter der Last des schweren Kreuzes bist Du niedergefallen, damit ich auf dem Leidenswege der Tugend nicht entmuthiget werde, wenn meine tägliche Schwachheit so oft mich zum Falle bringt!- Am Kreuze erhöht, Hände und Füße durch bohrt, sollte Dir nicht soviel zu einer Ruhe: stätte bleiben, wohin Du dein Haupt, sterbend, hinlegen könntest, damit ich, alles menschlichen Trostes entblößt, nicht klage, sondern gerne von der Anhänglichkeit an die Welt mich losschäle, weil ja Du, o Jesus, mein Trost, mein Heil, mein Alles in Ewigkeit bist! Am Kreuze endlich hast Du deinen Geist in die Hände des himmlischen Vaters übergeben, damit ich im Leben schon alle meine Neigungen, Worte und Werke Dir, o Jesu, heilige, mich in deine heiligen fünf Wunden einschließe, um einst ewig glückselig in deinem göttlichen Herzen, in diesem Flammenmeere unendlicher Liebe und Seligkeit zu wohnen! Amen. O heilige Maria, du Zuflucht der Sünder, bitte für mich, daß ich Jesum, den Sohn Kommunionandacht. 365 des lebendigen Gottes, würdig empfange und treu im Herzen bewahre! Amen. ( Beim Empfange des Hl. Sakramentes sprich:) O Jesus, Dir lebe ich, o Jesus, Dir sterbe ich, o Jesus, Dein bin ich todt und lebendig! Nach der heiligen Kommunion. Nach dem Empfange des Allerheiligsten bleibe eine Zeitlang in dich gekehrt, in Betrachtung stille. Dann bete: Das Gebet des heiligen Ignatius. Die Seele Christi heilige mich, Der Leib Christi erlöse mich, Das Blut Christi erquicke mich, Das Wasser der Seite Christi reinige mich, Das Leiden Christi stärke mich, O gütigster Jesu, erhöre mich! In deine Wunden verberge mich, Von Dir laß niemals scheiden mich, Vor dem bösen Feind beschirme mich, In der Lodesstunde berufe mich, Dann, o laß zu Dir kommen mich, Daß ich dort mit deinen Heiligen Dich Lieben, loben möge ewiglich. Amen. Tugendübungen. Demuth. O mein Jesus, woher kommt mir dieses, daß Du, mein Gott, Dich gewürdiget haſt, bei mir armen Sünder einzukehren? Kommunionandacht. Danksagung und Aufopferung. Liebevollster Jesu, wie kann ich Dir vergelten, was Du an mir gethan? Ich opfere Dir auf meinen Leib und meine Seele und Alles, was ich habe. Alle meine Gedanken, meine Begierden, meine Worte und Alles, was ich thue, soll Dein sein, soll für Dich sein. 366 Liebe. O Jesu, entzünde mein taltes Herz mit dem Feuer deiner Liebe, auf daß ich Dich liebe, mehr als Alles, mehr als mich selbst! Bitte. O mein Herr und mein Gott, verleihe mir Armen alle Gnaden, deren ich bedürftig bin, denn Du bist ja unendlich reich und unendlich gütig! O gütigster Jesu, bleibe bei mir mit dei ner Gnade, stärke mich durch die Kraft dieses heiligen Sakramentes jetzt und in der Stunde meines Todes! - Kommunionandacht. - Tugendübungen. Für solche, welche mehr Zeit zum Beten haben.) 1. Alebung des Glaubens. ( Vom heil. Alphons von Liguori.) Dunbegrenzte Güte! o uneingeschränkte Barmherzigkeit! o unendliche Liebe! Ein Gott tömmt, um mich ganz Sein zu machen. Meine Seele, die du jetzt mit Jesus so enge verbunden und mit Jhm Eins geworden bist, was wirst du thun? wirst du Jhm nichts sagen? wirst du dich mit deinem Gott nicht unterreden? Bedenke, daß dich unzählige Engel umgeben und ihren Gott, der jetzt in deinem Herzen wohnt, anbeten. So bete auch du diesen deinen Herrn in dir an, ziehe dich in dich selbst zurück, versammle deine Geisteskräfte, vertreibe alle fremden Gedanken aus deinem Herzen. 367 - 2. Alebung der Begrüßung. Mein Jesu! mein Gebieter! mein unendliches Gut! Mein Alles! gelobt und gebenedeit sei von mir und von allen deinen Geschöpfen deine Ankunft in der armseligen Hütte meiner Seele! Kommunionandacht. 3. Alebung der Dankbarkeit. Mein Gott und mein Herr, ich danke Dir für die Gnade, die Du mir diesen Morgen erwiesen, daß Du Dich gewürdiget hast, zu mir zu kommen und in meinem Herzen zu wohnen. Ich wünsche Dir eine der Größe deiner mir erzeigten Gnade würdige und angemessene Dankbarkeit zu erstatten, aber wie kann ich Armseliger Dir jemals würdig genug danken? 368 4. Alebung der Aufopferung. Ich opfere und übergebe Dir heute, mein göttlicher Heiland! Alles, was ich habe und Alles, was ich bin, meine Anmuthungen, meine innern und äußern Sinne, meine Ge danken, meine Begierden, meine Vergnügen, meine Neigungen, meine ganze Freiheit, die Glieder meines Leibes, jeden Tropfen meines Blutes; kurz- Alles, Leib und Seele lege ich als ein Opfer zu deinen allerheiligsten Füßen nieder. Komme, o verzehrendes Feuer, o göttliche Liebe! und verzehre Alles in mir, was mein ist und deinen allerheiligsten Augen mißfällt; damit ich von heute an Dir ganz angehöre und nur darum lebe, um nicht nur allein deine Gebote und Räthe, sondern auch alle Begierden deines göttlichen Herzens und dein heiliges Verlangen zu befolgen und zu erfüllen. Amen. Kommunionandacht. 369 5. Alebung der Bitte. Meine Seele, die gegenwärtigen Augenblicke der Zeit sind die allerkostbarsten in der Reihe deines Lebens. Laß keinen vorübergehen, ohne ihn nüßlich angewendet zu haben. Keine Gnade ist in dem unübersehbaren Schaße der Reichthümer Gottes zu finden, die du nicht jetzt erhalten könntest. Siehe, wie freundlich der ewige Vater auf dich herabblickt, indem Er in dir seinen geliebten Sohn sieht, diesen allerangenehmsten Gegenstand seiner allmächtigen Vaterliebe. Jesus selbst spricht zu dir: Was verlangst du, daß Ich dir erweisen soll? Ich bin gekommen, um dir von meinen Reichthümern mitzutheilen und deine Bedürfnisse zu befriedigen. Begehre von Mir mit Vertrauen, du sollst sicher Alles erhalten, was du verlangst. ( Hier begehre von Gott eine besondere Gnade des Heiles.) Ewiger Vater! Jesus Christus, dein eingeborner Sohn hat uns selbst mit diesen Worten versichert: Wahrlich, wahrlich sage Ich euch, so ihr den Vater in meinem Namen um etwas bitten werdet, so wird Er es euch geben."( Johannes 16.) Aus Liebe gegen diesen deinen Sohn, den ich jetzt in meinem Herzen trage, erhöre meine Bitte, ertheile mir und Allen, für welche ich heute mein Gebet vor Dir ausgieße, dasjenige, was ich von Dir begehre. Amen. Nachfolge Chrifti. 24 1 Kommunionandacht. Jesus und Maria, ihr angenehmsten Gegenstände meiner Liebe, aus Liebe für euch will ich leiden, und aus Liebe zu euch will ich sterben. O daß ich doch euch ganz angehören und keinen Theil an mir selbst haben möchte! 370 Hochgelobt und gebenedeit sei zu allen Zeiten das allerheiligste Sakrament des Altars, und gebenedeit sei die heiligste und unbefleckte Empfängniß der allerseligsten Jungfrau Maria. Ablakgebet. O mein geliebtester und gütigster Jesu! sieh, in deiner heiligsten Gegenwart mich niederwerfend bitte ich Dich aus dem Innersten meiner Seele, Du wollest in mein Herz die Gefühle des Glaubens, der Hoffnung, der Liebe, des Schmerzens über meine Sünden und des festen Vorsazes, Dich nie mehr zu beleidigen, einprägen; indem ich mit innigstem Mitleiden deine heiligen fünf Wunden betrachte und dabei beherzige, was von Dir, o mein Jesus, der heilige König David geweissagt: Sie haben meine Hände und Füße durchbohrt, sie haben alle meine Gebeine gezählt!" Pius VII. verleiht Allen, welche nach reumüthiger Beicht und Kommunion dieß Gebet vor einem Kreuzbilde verrichten, einen vollkommenen Ablaß, der auch den Seelen im Fegfeuer zugewendet werden kann. Vefperandacht. err, öffne meinen Mund, zu loben deinen heiligen Namen! Gott, merke auf meine Hülfe; Herr, eile mir beizustehen! Ehre sei dem Vater, und dem Sohne und dem heiligen Geiste, wie sie war im Anfange, jetzt und allzeit und zu ewigen Zeiten. Amen. Erfter Pfalm. Preiset den Herrn: denn Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währet in Ewigkeit. Preiset den Gott der Götter: denn seine Barmherzigkeit währet in Ewigkeit. Preiset den Herrn aller Herren; denn seine Barmherzigkeit währet in Ewigkeit. Lobend will ich den Herrn anrufen: Er wird mich von meinen Feinden erretten. Ich will Ihn preisen von meinem ganzen Herzen: und alle seine Wunderwerke verkündigen. 372 Vesperandacht. Denn ich habe erkannt, daß der Herr ein großer Herr sei: und unser Gott sei über alle Götter. Alles, was Ihm gefallen hat, das hat Er gethan: im Himmel und auf Erden und unter der Erde. Er erhält Alles durch seine große Allmacht; Er ordnet Alles nach seinem göttlichen Willen. Seiner Allmacht kann Niemand widerstreben: vor seinem Gerichte kann sich Niemand verbergen. Ehre sei dem Vater 2c. Zweiter Pfalm. Ich will Dich erhöhen, mein Gott und mein König! Ich will deinen Namen benedeien von Ewigkeit zu Ewigkeit! Alle Tage will ich Dich benedeien: und deinen Namen loben von ganzem Herzen. Denn groß bist Du, o Herr, und sehr lobwürdig! Deiner Größe ist kein Ziel, noch Ende. Alle Geschlechter werden deine Werke loben: und deine große Allmacht verkündigen. Sie werden die Größe deiner Heiligen preisen: und deine wunderbaren Werke erzählen. Der erbarmende und barmherzige Gott: Er ist sehr geduldig und langmüthig. Darum sollen Dich benedeien alle deine Engel: alle deine Heiligen sollen Dich preisen. Sie sollen die Herrlichkeit deines Reiches verkündigen: deine Allmacht und Güte sollen sie erzählen. Vesperandacht. 373 Das Lob des Herrn soll mein Mund reden: alles Fleisch soll seinen heiligen Namen preisen. Ehre sei dem Vater 2c. Dritter alm. 1 Meine Seele benedeie den Herrn: Alles, was in mir ist, preise seinen Namen. Meine Seele erhöhe deinen Gott, vergiß nicht, was Er dir Gutes gethan. Er ist gnädig geworden über alle deine Missethaten: Er hat alle deine Schwachheiten geheilet. Er hat dein Leben vom Untergange erhal ten: mit Barmherzigkeit und Erbarmniß hat Er dich gekrönt. Er hat dir nicht gethan nach deinen Sünden: Er hat dir nicht vergolten nach deinen Missethaten. Gleichwie sich ein Vater über seine Kinder erbarmet; also hat sich der gütige Gott über dich erbarmet. Darum benedeiet Jhn, alle lieben Engel: alle Kräfte der Himmel verkündet sein Lob. Alle Diener des Herrn benedeiet den Herrn: alle Werke des Herrn preiset seinen Namen. Meine Seele benedeie den Herrn: an allen Orten lobe seine große Gütigkeit. Ehre sei dem Vater zc. Vierter Pfalm. Ihr Kinder, lobet den Herrn: lobet den heiligen Namen des Herrn. 374 Vesperandacht. Der Name des Herrn sei gebenedeit: von nun an bis in Ewigkeit. Vom Ausgang der Sonne bis zum Niedergang: ist der Name des Herrn preiswürdig. Der Herr ist erhöhet über alle Völker: jeine Herrlichkeit übersteigt die Himmel. Wer ist, wie der Herr, unser Gott, der in der Höhe wohnet? Er sieht an das Demüthige im Himmel und auf Erden. Gerecht ist der Herr in allen seinen Wegen: heilig ist Er in allen seinen Werken. Er ist nahe denen, die Ihn anrufen; und die von Herzen zu Ihm seufzen, erhöret Er. Er wird den Willen derer thun, die Ihn fürchten: Er wird ihr Gebet erhören, und sie selig machen. Ehre sei dem Vater 2c. Fünfter Pfalm. Lobet den Herrn von den Himmeln: lobet den Herrn in der Höhe. Lobet den Herrn alle Engel: lobet den Herrn alle Kräfte. Lobet den Herrn Sonne und Mond: lobet den Herrn alle Sterne und Lichter. Lobet den Herrn ihr Himmel aller Himmel: alle Wässer, so über den Himmeln sind, lobet den Namen des Herrn. Lobe den Herrn, o du Erde! lobet den Herrn alle Wüstenund Meere. Feuer, Hagel, Schnee, Eis und Ungewit Vesperandacht. 375 ter: Berge, Hügel, wilde und fruchtbare Bäume. Ihr Könige der Erde und alle Völker: ihr Fürsten und alle Richter der Erde! Ihr Jünglinge und Jungfrauen: ihr Alte und Junge, lobet und erhöhet den Namen des Herrn. Lobet den Herrn in seinen Kräften: Lobet Ihn nach der Fülle seiner Größe. Lobet Ihn im Schalle der Posaune: lobet Ihn mit Harfen und Zythern. Lobet Ihn mit Saiten und Cymbeln: lobet Ihn mit Stimmen und Orgeln. Alle Geister lobet den Herrn: alle seine Geschöpfe preiset seine Majestät. Ehre sei dem Vater zc. Nagnifikat oder Lobfied der allerfeligsten Jungfrau Maria. Meine Seele macht groß den Herrn: mein Geist frohlocket in Gott meinem Heilande. Denn Er hat angesehn die Demuth seiner Magd: denn sieh, von nun an werden mich selig preisen alle Geschlechter. Weil Er große Dinge an mir gethan, der da mächtig ist: und sein Name ist heilig. Seine Barmherzigkeit erstreckt sich von Geschlecht zu Geschlecht über diejenigen, die Ihn fürchten. Er hat seinen Arm bewaffnet mit allmächtiger Kraft, und zerstreuet Alle, die eines stolzen Herzens sind. 376 Vesperandacht. Die Mächtigen entsetzt Er des Thrones und erhöhet die Demüthigen. Die Hungrigen sättigt Er mit Gütern, und läßt leer ausgehen, die sich reich dünken. Er hat sich seines Voltes, seiner Kinder angenommen, eingedenk seiner Barmherzigkeit. Sowie Er geredet hat zu unsern Vätern, zu Abraham und dessen Geschlechte in Ewigteit. Ehre sei dem Vater zc. Antiphon. O wie lieblich ist, Herr! dein Geist, der Du, um deine göttliche Liebe und Milde deinen Kindern zu beweisen, durch das süßeste Himmelsbrod die Hungernden mit himmlischen Gütern erfüllest, die sich reich und satt dünken, leer ausgehen lassest. Kirchengebete am Schlusse der Veſper. O Gott! der Du diejenigen beschützest, welche auf Dich hoffen, ohne Dich besteht keine christliche Tugend, ohne Dich keine Heiligkeit; o laß deine Gnade und Barmherzigkeit immer größer über uns werden, daß wir unter deiner Leitung, unter deiner Führung so durch die zeitlichen Güter hindurchgehen, daß wir die ewigen nicht verlieren. Durch unsern Herrn Jesus Christus, deinen Sohn, welcher mit Dir lebt und regiert in der Einheit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. O Gott! der Du denen, die Dich lieben, unsichtbare Güter bereitet hast, flöße unseren Vesperandacht. 377 Herzen ein die Liebe zu Dir, daß wir Dich in Allem und über Alles lieben, und deine Verheißungen, welche alle unsere Wünsche und Erwartungen übersteigen, an uns erfüllt werden. Verleihe uns, o Herr! wir bitten Dich, den Geist und Sinn, zu denken, was recht ist und die Gnade, das Gute zu vollbringen, damit wir, die wir ohne Dich nicht bestehen können, nach deinem Sinne und Willen unser Leben einzurichten vermögen. Gott! der Du durch die Auferstehung deines Sohnes, unsers Herrn Jesu Christi, die Welt erfreuet hast, wir bitten Dich, verleihe uns, daß wir durch seine Mutter, die heil. Jungfrau Maria, die Freude des ewigen Lebens erlangen mögen. Durch denselben Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Wir preisen Dich; o Herr und danken Dir. V. Deine göttliche Hülfe bleibe allezeit mit uns. R. Und mit allen den Unsrigen. V. Die Seelen aller abgestorbenen Gläubigen laß durch deine Barmherzigkeit ruhen im Frieden. R. Amen. 00 Besondere Andachten auf alle Tage der Woche. Am Sonntag. Zur Ehre der heiligen Dreieinigkeit. ( Auch für das Fest der hl. Dreieinigkeit.) Fromme Ergebung. ( Vom Hl. Alphons von Liguori.) D mein Gott, allerheiligste und preiswürodige Dreieinigkeit, Du mein Eins und mein Alles! Dich bete ich an und Dich ziehe ich, mit freudigster Liebe, allen Schäßen, aller Ehre, aller Wissenschaft und allen Gütern, welche Du mir schenken kannst, vor. Du bist mein einziges Gut und Du allein genügst mir; denn Du allein bist ja die unendliche Schönheit, die unendliche Güte, die unendliche Liebe, die reichste Huld und Besondere Andachten auf alle Tage der Woche. 379 das einzige wahre Gut! Neben Dir kann mich kein Gut zufrieden stellen. Ich wiederhole es und ich werde es unausgeseßt wiederholen, nur Dich und nichts Anderes begehre ich; denn Alles, was nicht Du, und was weniger als Du Selbst bist, kann mich nicht befriedigen. Amen. Gebet zur heiligften Dreieinigkeit. Allerheiligste Dreieinigkeit, Gott Vater, Sohn und heiliger Geist, ich jage Dir herzlich Dank für alle Wohlthaten, welche Du mir erwiesen hast. Ich danke Dir, o himmlischer Vater; daß Du mich nach deinem Ebenbilde erschaffen und mich durch deine Gnade in den Stand gesetzt hast, Dich zu erkennen und zu loben, Dir zu dienen, Dich zu lieben und durch Dich und in Dir die ewige Seligkeit zu erhalten. Ich danke Dir, o eingeborner Sohn, Jesus Christus, daß Du mir zu lieb die Menschheit angenommen, mich von der ewigen Verdammniß erlöset und mit dem himmlischen Vater versöhnet hast! Ich danke Dir, o heiliger Geist, daß Du mich aus unendlicher Liebe durch die Mittheilung deiner Gnaden in der heiligen Taufe geheiliget, mich zum Christen und Erben des ewigen Reiches gemacht hajt! O allerheiligste Dreieinigteit, nimm in Gnaden auf meinen Dant, meine Ergebenheit, und die Aufopferung meiner selbst und ver: 380 Besondere Andachten auf alle Tage der Woche. leih mir Kraft, daß ich nach deinem Wohlgefallen leben, selig sterben und deine Herrlichkeit ewig in der Klarheit deines Lichtes anschauen möge. Amen. Kirchengebet. Allmächtiger, ewiger Gott, der Du deinen Dienern verliehen hast, in dem Bekenntnisse des wahren Glaubens die Herrlichkeit der ewigen Dreieinigkeit zu erkennen und in der Macht der Majestät die Einheit anzubeten; wir bitten Dich, daß wir durch die Festigkeit eben dieses Glaubens gegen alle Widerwärtigkeiten jederzeit beschüßt werden. Durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Sitanei von der heiligen Dreieinigkeit. Herr, erbarme Dich unser! Christus, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Christus, höre uns! Christus erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme Dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt,*) Gott heiliger Geist, Heilige Dreieinigkeit, ein einiger Gott, O ungeborner Vater, O eingeborner Sohn, Oheiliger Gerst, der Du vom Vater und Sohne ausgehest, Erbarme Dich unser! Besondere Andachten auf alle Tage der Woche. 381 Heiligste Dreieinigkeit, die Du Alles erschaffen hast und regiereſt,*) Du unermessene Macht des Vaters, Du unbegreifliche Weisheit des Sohnes, Du unendliche Güte des heiligen Geistes, Du einige Gottheit in drei Personen, Du Herr der Heerschaaren, Du heiliger, starker, unsterblicher Gott, Du ewiger König aller Zeiten, Du allgegenwärtiger und ewiger Gott, Du wunderbarlicher Gott aller Dinge, Sei uns gnädig, erhöre uns, o allerheiligste Dreieinigkeit! Sei uns gnädig, erlöse uns, o allerheiligste Dreieinigkeit! Von allem Uebel,**) Von aller Sünde, Von deinem Zorne, Vom jähen und unversehenen Tode, Von den Nachstellungen des Teufels, Von allem bösen Willen, Von dem Geiste der Unteuschheit, Vom Blizz und Ungewitter, Von dem ewigen Tode, Durch deine starke Allmacht, Durch deine unendliche Weisheit, Durch deine süße Gütigkeit, Durch deine vielfältige Barmherzigkeit, Durch deine unergründliche Herrlichkeit, *) Erbarme Dich unser! **) Erlöse uns, o allerheiligste Dreieinigkeit! 382 Besondere Andachten auf alle Tage der Woche. Sei uns gnädig, verschone uns, allerheiligste Dreieinigkeit!*) Wir arme Sünder, wir bitten Dich, erhöre uns! Daß wir deinen heiligen Namen preisen und ehren mögen, Daß wir Dir in Gerechtigkeit dienen mögen, Daß wir deine heiligen Gebote erfüllen mögen, Daß wir Dich aus ganzem Herzen und den Nächsten wie uns selbst lieben mögen, Daß wir der Anschauung deiner Gerechtigteit theilhaftig werden mögen, D Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt: verschone uns, o Herr! O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt: erhöre uns, o Herr! O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt: erbarme Dich unser, o Herr! Sebet. Allmächtiger, ewiger Gott! der Du deinen Dienern verliehen hast, in dem Bekenntniß des wahren Glaubens die Ehre und die Herrlichkeit der ewigen Dreieinigkeit zu erkennen und in der Macht der Majestät die Einheit anzubeten: wir bitten Dich, daß wir durch die Festigkeit eben dieses Glaubens gegen alle Widerwärtigkeiten jederzeit beschüßt werden. Durch Christum, unsern Herrn. Amen. *) Wir bitten Dich, erhöre uns! Besondere Andachten auf alle Tage der Woche. 383 Am Montag. Andacht zur Ehre des heiligsten Namens Jelu. ( Auch für alle Festtage des Herrn.) Sebet des heiligen Bernard. gütigster Jesu! o liebreichster Jesu, o gefüßester Jesu! o Jesu! Sohn Gottes! Sohn der Jungfrau Maria, voll der Barmherzigkeit und Liebe! o holdseligster Jesu, nach deiner großen Barmherzigkeit erbarme Dich meiner! o allergütigster Jesu, ich bitte Dich durch das kostbare Blut, welches Du für die Sünden vergossen hast, Du wollest alle meine Missethaten gnädigst abwaschen und deine gnadenreichen, barmherzigen Augen auf mich elenden Menschen wenden, der ich Dich ganz demüthig um Verzeihung bitte und deinen heiligen Namen Jesus anrufe. O wohl ein süßer und angenehmer Namen Jesus! ein Name, welcher alle Freude und allen Trost bringt; ein Name, welcher unser schwaches Herz stärket, denn was heißt anders Jesus, als ein Heiland. Teßwegen, o Jesu, um deines Namens willen sei mir ein wahrer Jesus und hilf mir! lasse mich nicht verdammt werden, der Du mich aus Nichts erschaffen hast! O gütigster Jesu, lasse mich wegen metnen Sünden nicht in's Verderben bringen, 384 Besondere Andachten auf alle Tage der Woche. der ich ein Geschöpf deiner allmächtigen Güte bin! O süßester Jesu, erkenne an mir, was Dein ist und nimm hinweg, was Dir zuwider ist! O holdseligster Jesu, erbarme Dich meiner, weil es noch Zeit des Erbarmens ist! Ach, verdamme mich nicht zur Zeit des Gerichtes, denn welchen Nußen würdest Du von meinem Untergange haben? Die Todten werden Dich, o Herr Jesu nicht loben, viel wentger die, welche zur Hölle hinfahren! Allerliebster Jesu! O Jesu, nach dem ich so sehnlich verlange! o liebreichster Jesu! Jeſu, Jesu, Jesu! laß mich tommen in die Zahl deiner Auserwählten! O Jesu! Du Heil derer, welche an Dich glauben und ihr Vertrauen auf Dich gesetzt haben! O Jesu! Du Trost Aller, die zu Dir ihre Zuflucht nehmen! o Jesu, Du süße Vergebung der Sünden! O Jesu, Du Sohn der Jungfrau Maria! gib mir deine Gnade, Weisheit, Liebe, Keuschheit, Geduld und Demuth, damit ich Dich vollkommen lieben, Dich loben, Deiner genießen, Dir dienen, mich in Dir freuen, und deines Beistandes mich rühmen könne mit Allen, die da auch anrufen deinen heiligen Namen, welcher ist Jesus. Amen. Kirchengebet. O Gott! der Du deinen eingebornen Sohn zum Heiland der Welt gemacht, und Ihn mit dem Namen Jesus bezeichnet hast; las Besondere Andachten auf alle Tage der Woche. 385 uns die Gnade angedeihen, daß wir, wie wir seinen heiligen Namen auf Erden verehren, also auch im Himmel seinen Anblick ewig genießen mögen, durch denselben Jesum Chri stum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Litanei vom süßen Namen Jesu. Herr, erbarme Dich unser! Christus, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Christus, höre uns! Christus, erhöre uns! Gott Vater im Himmel, erbarme Dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme Dich unser! Gott heiliger Geist, erbarme Dich unser! Heilige Dreieinigkeit, ein einiger Gott, erbarme Dich unser! Jesu, Du Sohn des lebendigen Gottes,*) Mächtigster Jesu, Stärkster Jesu, Vollkommenster Jesu, Ruhmwürdigster Jesu, Wunderbarer Jesu, Anmuthigster Jeſu, Liebreichster Jesu, Jesu, herrlicher als die Sonne, Jesu, schöner als der Mond, Jesu, glänzender als die Sterne, *) Erbarme Dich unser! Nachfol e Christi. 25 386 Besondere Andachten auf alle Tage der Woche. Jesu,*) Bewunderungswürdigster Holdseligster Jesu, Ehrwürdigster Jesu, Demüthigster Jesu, Aermster Jesu, Sanftmüthigster Jesu, Geduldigster Jesu, Gehorsamster Jesu, Keuschester Jesu, Jesu, Du Liebhaber der Keuschheit, Jesu, Du Liebhaber des Friedens, Jesu, unsere Liebe, Jesu, Du Spiegel des Lebens, Jesu, Du Muster der Tugenden, Jesu, Du Schmuck der Sitten, Jesu, Du Eiserer der Seelen, Jesu, unsere Zuflucht, Jesu, Du Vater der Armen, Jesu, Du Tröster der Betrübten, Jeju, Du Schats der Gläubigen, Jesu, Du kostbarer Edelstein, Jesu, Du Fülle der Vollkommenheit, Jesu, Du guter Hirt deiner Schafe, Jesu, Du Meeresstern, Jesu, Du wahres Licht, Jeju, Du ewige Weisheit, Jesu, Du unendliche Güte, Jeju, Du Freude der Engel, Jeju, Du König dér Patriarchen, *) Erbarme Dich unser! Besondere Andachten auf alle Tage der Woche. 387 Jesu, Du Erleuchter der Propheten,*) Jesu, Du Meister der Apostel, Jesu, Du Lehrer der Evangelisten, Jesu, Du Stärke der Martyrer, Jesu, Du Licht der Bekenner, Jesu, Du Bräutigam der Jungfrauen, Jesu, Du Krone aller Heiligen, Sei uns gnädig: verschone uns, o Jesu, Sei uns gnädig: erhöre uns, o Jesu, Von allem Uebel: erlöse uns, o Jesu, Von aller Sünde,**) Von deinem Zorne, Von den Nachstellungen des Teufels, Von Best, Hunger und Krieg, Von Uebertretung deiner Gebote, Von allen Uebeln, Durch deine Menschwerdung, Durch deine Ankunft, Durch deine Geburt, Durch deine Beschneidung, Durch deine Schmerzen, Durch deine Geißlung, Durch deinen Tod, Durch deine Auferstehung, Durch deine Himmelfahrt, Durch deine Freuden, Durch deine Herrlichkeit, Durch deine holdseligste, jungfräuliche Mutter, Durch die Fürbitte aller deiner Heiligen, *) Erbarme Dich unser! **) Eilöse uns, o Jesu! 388 Besondere Andachten auf alle Tage der Woche. O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Jesu! D Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erhöre uns, o Jesu! O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme Dich unser, o Jesu! Christus, höre uns! Christus, erhöre uns! Herr, erbarme Dich unser! Christus, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Vater unser 2c. Gegrüßt seist 2c. Gebet. O Gott! der Du den glorwürdigsten Namen Jesu Christi deines eingebornen Sohnes, unsers Herrn, deinen Gläubigen ganz lieblich und anmuthig, den bösen Geistern aber ganz furchtbar und schrecklich gemacht hast: verleihe gnädig, daß Alle, welche diesen Namen Jesu auf Erden andächtig verehren, die Süßigkeit der heiligen Tröstung in diesem Leben empfangen, und im zukünftigen die ewige Freude und unendliche Seligkeit erhalten mögen. Durch denselben Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Besondere Andachten auf alle Tage der Woche. 389 Am Dienstag. Andacht zu Ehren des heiligen Geistes. ( Auch für das Pfingstfest.) Sebet um die fießen Gaben des heiligen Geiftes. 1. O Tröster, komm', erleuchte mich, Daß ich von Herzen liebe Dich! Um deine Gaben bitten wir, Den Geist der Weisheit sende mir! comm, o Geist der Weisheit, und bewohne mein Herz und Gemüth, den Sik des Willens und der Begierde! Lehre mich die himmlischen und ewigen Dinge suchen und erkennen, damit ich sie über alle irdischen Güter erheben und einst die Früchte göttlicher Weisheit im Himmel genießen möge. Vater unser 2c. 2. O Tröster, komm, erleuchte mich, Daß ich von Herzen liebe Dich! Um deine Gaben bitten wir, Den Geist des Verstandes gebe mir! Komm, o Geist des Verstandes, erleuchte meine Seele, damit ich dein göttliches 390 Besondere Andachten auf alle Tage der Woche. Wort recht verstehe, und deine Geheimnisse als göttliche Offenbarungen erkenne, und durch diese Erkenntniß zum lebendigen Glauben an Gott, und an Alles, was Gott und seine heilige Kirche befiehlt, gelangen möge. Amen. Vater unser 2c. 3. O Tröster, komm, erleuchte mich, Daß ich von Herzen liebe Dich! Um deine Gaben bitten wir, Den Geist des Rathes sende mir! Komm, o Geist des Rathes, leite meinen Willen in allen Verrichtungen und lenke ihn zum Guten; lehre mich unterscheiden die Geister, Wahn und Irrthum vor der Wahrheit, damit ich in allen vorkommenden Zweifeln der Spur des, wahren Lichtes folge und so den Weg zu Dir, meinem höchsten Ziele, nie verfehle. Amen. Vater unser 2c. 4. O Tröster, komm, erleuchte mich! Daß ich von Herzen liebe Dich! Um deine Gaben bitten wir, Den Geist der Stärke sende mir! Komm, o Geist der Stärke, belebe mein Herz, meinen Leib und meine Seele, tröſte und stärke mich, damit ich in dem Kampfe Besondere Andachten auf alle Tage der Woche. 391 gegen Welt und Sünde niemals unterliege, muthig Leiden und Trübsal ertrage, und auch in den Verrichtungen meines Standes und Berufes nie den Weg der Pflicht und Tugend verlasse. Vater unser 2c. 5. O Tröster, komm, erleuchte mich Daß ich von Herzen liebe Dich! Um deine Gaben bitten wir, Den Geist der Wissenschaft verleihe mir! Komm, o Geist der Wissenschaft, fehre mit deinem Lichte und mit deiner Liebe in meinem Herzen ein, verleihe mir die Gabe des Wissens, damit ich vor Allem die göttlichen Dinge erkenne nnd von Dir erleuchtet werde, meine Berufspflichten genau zu erfas sen und sicher den Weg zu meinem Heile zu wandeln. Vater unser 2c. - 6. O Tröster, komm, erleuchte mich, Daß ich von Herzen liebe Dich! Um deine Gaben bitten wir, Den Geist der Gottseligkeit verleihe mir! Romm, o Geist der Gottseligkeit, bewege mein Herz zur wahren Andacht und heiligen Liebe Gottes, damit ich Dich stets in der Andacht suche, durch die Liebe finde, und durch deine Gnade ewig besitze! Vater unser 2c. 392 Besondere Andachten auf alle Tage der Woche. 7. O Tröster, komm, erleuchte mich, Daß ich von Herzen liebe Dich! Um deine Gaben bitten wir, Den Geist der Gottes furcht verleihe mir! Komm, o Geist der Gottesfurcht, durchdringe mein Herz mit der heilsamen Furcht, welche in der Liebe der wahren Kinder Gottes aufgeht, damit ich stets in der Gegenwart Gottes wandle, seine Gebote beständig vor Augen habe, und auch das Geringste zu denken, zu reden oder zu thun verhüte, was veiner göttlichen Majestät mißfällt. Gib mir, v heiliger Geist! die Gnade, daß ich durch treuen Gehorsam die Liebe Gottes auf emig mir erwerben möge! Vater unser 2c. Kirchengebet. O Gott! der Du am heutigen Tage die Herzen der Gläubigen durch Erleuchtung des heiligen Geistes belehret hast: gib, daß wir in demselben Geiste das, was recht ist, verstehen, und seines Trostes uns jederzeit er freuen mögen. Durch Christum, unsern Herrn. Amen. Entzünde, o Herr! unsere Nieren und unser Herz mit dem Feuer des heiligen Geistes, damit wir Dir mit keuschem Leibe dienen, und Besondere Andachten auf alle Tage der Woche. 393 mit reinem Herzen gefallen mögen. Durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Litanei vom heiligen Geifte. Herr, erbarme Dich unser! Christus, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Oheiliger Geist, höre uns! O Geist des Trostes, erhöre uns! Gott Vater im Himmel, erbarme Dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme Dich unser! Gott heiliger Geist, erbarme Dich unser! Heilige Dreieinigkeit, ein einiger Gott, ervarme Dich unser! Du Geist des Trostes,*) Du Geist der Weisheit und des Verstandes, Du Geist des Rathes und der Stärke, Du Geist der Erkenntniß und der Gottheligfeit, Du Geist der Furcht des Herrn, Du Geist des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, Du Geist der Wahrheit, Du Geist der beständigen Freude und des Friedens, Du Geist der Geduld und der Sanftmuth, *) Erbarme Dich unser! 394 Besondere Andachten auf alle Tage der Woche. Du Geist der Gütigkeit und Mäßigkeit,*) Du Geist der Keuschheit, Du Geist der auserwählten Kinder Gottes, Du Regierer und Heiligmacher der Christgläubigen, Du Ergründer des menschlichen Herzens, Du Ausspender der Gnaden, Du Tröster der Betrübten, Du Freude der Engel, Du Erleuchter der Patriarchen, Du Einsprecher der Propheten, Du Lehrer der Apostel, Du Stärke der Märtyrer, Du Trost der Beichtiger, Du Reinigkeit der Jungfrauen, Du Freude aller Heiligen, Sei uns gnädig: verschone uns, o heiliger Geist! Sei uns gnädig: erhöre uns, o heiliger Geist! Sei uns gnädig: erlöse uns, o heiliger Geist! Von allem Uebel,**) Von aller Sünde, Von aller Versuchung des Teufels, Von Vermessenheit und Verzweiflung, Von Widerstrebung gegen die erkannte Wahrheit, *) Erbarme Dich unser! **) Erlöse uns, o heiliger Geist! Besondere Andachten auf alle Tage der Woche. 395 Von Neid und Mißgunst,*) Von verstodtem und unbußfertigem Herzen, Von Irrlehre und Irrthum, Von dem Geiste der Unzucht, Von der Unreinigkeit des Leibes und der Seele, Von aller Trägheit und allem Ueberdruß im göttlichen Dienste, Von unmäßiger Traurigkeit, Bom jähen und unversehenen Tode, Durch die wunderbare Kraft, mit welcher Du Maria überschattet hast, Durch die Herablassung in Gestalt einer Taube über Jesum, Durch deine Ausgießung in Gestalt feuriger Zungen über die Jünger Jesu, Am Tage des Gerichtes, wir bitten Dich, er= höre uns! Daß Du unser verschonest,**) Daß Du die Glieder der wahren Kirche durch deine Gnade lebendig machen und heiligen wollest, Daß Du uns deine göttliche Gnade verleihen wollest, Daß Du uns in der wahren Gottesfurcht erhalten wollest, Daß Du uns die Gnade des Gebetes und wahrer Andacht mittheilen wolleſt, Daß Du alle unsere Gedanken zu deiner Ehre richten und heiligen wolleſt, *) Erlöse uns, o heiliger Geist! **) Wir bitten Dich, erhöre uns! 396 Besondere Anbachten auf alle Tage der Woche. Daß Du uns ein demüthiges Herz geben wollest,*) Daß Du die Geduld und Sanftmuth uns einpflanzen wollest, Daß Du unser Herz zur wahren Liebe und Barmherzigkeit neigen wollest, Daß Du uns zum Leiden und zur Widerwärtigkeit stärken wollest, Daß Du unsern Herzen wahren Frieden und Ruhe geben wolleſt, Daß Du uns in deiner Gnade bestätigen wollest, Daß Du uns zum ewigen Leben führen wollest, O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, gieße den heiligen Geist über uns! O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, sende uns den heiligen Geiſt! D Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, gib uns den heiligen Geiſt! V. Die Gnade des heiligen Geistes: R. Erleuchte unsre Sinne und Herzen. Sebet. O Gott! der Du die Herzen durch die Erleuchtung des heiligen Geistes gelehret hast, verleihe uns die Gnade, daß wir durch seine *) Wir bitten Dich, erhöre uns! Besondere Andachten auf alle Lage der Woche. 397 Einsprechungen der Tugend nachstreben und in seinem Troste uns allezeit erfreuen. Durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Am Mittwoch. Andacht zu Ehren der Heiligen Gottes. ( Auch für das Fest Allerheiligen.) 1825 Gebet der heiligen Mechtildis. 4ch Ich begrüße euch, ihr heiligen Patriarchen und Propheten, durch das süßeste Herz Jesu und bitte euch, opfert Gott jene glühende Sehnsucht eures Herzens für mich auf, in welcher ihr der Menschwerdung Christi entgegen harrtet! Ich begrüße euch, ihr heiligen Apostel und Jünger, durch das süßeste Herz Jesu und bitte euch, opfert Gott eure heilige Treue und Standhaftigkeit für mich auf, in welcher ihr mit Christo in seinen Versuchungen ausharrtet und durch neue Predigten Ihm ein ges treues Volk aufsammeltet! Ich begrüße euch, ihr heiligen Märtyrer, durch das süßeste Herz Jesu und bitte euch, opfert Gott eure heilige Geduld für mich auf, 398 Besondere Andachten auf alle Tage der Woche. in welcher ihr aus Liebe zu Jesu euer Blut vergossen habet! Ich begrüße euch, ihr heiligen Bekenner, durch das süßeste Herz Jesu und bitte euch, opfert Gott eure Heiligkeit für mich auf, durch die ihr Andern in Wort und Beispiel den Weg des Lebens zeigtet! Ich begrüße euch, ihr heiligen Jungfrauen, durch das süßeste Herz Jesu, eures göttlichen Bräutigams und bitte euch, opfert Gott eure Reinigkeit und Keuschheit für mich auf, durch die ihr würdig wurdet, im Himmel Christo am nächsten zu sein! Ich begrüße und verehre euch, ihr Heiligen Gottes alle, durch das süßeste Herz Jesu und danke durch dasselbe Gott für alle Gnaden, die daraus zu eurem Heile und zu eurer Seligkeit strömten. Auch bitte ich euch Alle und Jeden insbesondere, daß ihr jene Tugenden und Vollkommenheiten Gott für mich aufopfern wollet, durch die jeder Einzelne aus euch dem Herrn vorzüglich gefällt. Amen. Sitanei von allen Heiligen. Herr, erbarme Dich unser! Christus, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Christus, höre uns! Christus, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme Dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme Dich unser Besondere Andachten auf alle Tage der Woche. 399 Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, frbarme Dich unser! Heilige Maria, bitt für uns! Heilige Gottesgebärerin, bitt für uns! Heilige Jungfrau aller Jungfrauen,*) Heiliger Michael, Heiliger Gabriel, Heiliger Raphael, Alle heiligen Engel und Erzengel, bittet für uns! Alle heiligen Chöre der seligen Geister, bittet für uns! Heiliger Johannes der Täufer, Heiliger Joseph, Alle heiligen Patriarchen und Propheten, bittet für uns! Heiliger Petrus, Heiliger Paulus, Heiliger Andreas, Heiliger Jakobus, Heiliger Johannes, Heiliger Thomas, Heiliger Jakobus, Heiliger Philippus, Heiliger Bartholomäus, Heiliger Matthäus, Heiliger Simon, Heiliger Thaddäus, Heiliger Mathias, Heiliger Barnabas, Heiliger Lukas, *) Bitt für uns! 400 Besondere Andachten auf alle Tage der Woche. Heiliger Markus,*) Alle heiligen Apostel und Evangelisten, bittet für uns! Alle heiligen Jünger des Herrn, bittet für uns! Alle heiligen unschuldigen Kinder, bittet für uns! Heiliger Stephanus,*) Heiliger Laurentius, Heiliger Vinzentius, Heilige Fabianus und Sebastianus, bittet für uns! Heilige Johannes und Paulus, bittet für uns! Heilige Kosmas und Damianus, bittet für uns! Heilige Gervasius und Protasius, bittet für uns! Alle heiligen Märtyrer, bittet für uns! Heiliger Sylvester,*) Heiliger Gregorius, Heiliger Ambrosius, Heiliger Augustinus, Heiliger Hieronymus, Heiliger Martinus, Heiliger Nikolaus, Alle heiligen Bischöfe und Beichtiger, bittet für uns! Alle heiligen Lehrer, bittet für uns! Heiliger Antonius, *) Bitt für uns! Besondere Andachten auf alle Tage der Woche. 401 Heiliger Benediktus,*) Heiliger Bernardus, Heiliger Dominikus, Heiliger Franziskus, Alle heiligen Priester und Leviten, bittet für uns! Alle heiligen Mönche und Einsiedler, bittet für uns! Heilige Maria Magdalena,*) Heilige Agatha, Heilige Luzia, Heilige Agnes, Heilige Gäzilia, Heilige Katharina, Heilige Anastasia, Alle heiligen Jungfrauen und Wittwen, bittet für uns! Alle Heiligen Gottes, bittet für uns! Sei uns gnädig, verschone uns, o Herr! Sei uns gnädig, erhöre uns, o Herr! Von allem Uebel, erlöse uns o Herr! Von aller Sünde,**) Von deinem Zorne, Vom jähen und unversehenen Tode, Von den Nachstellungen des Teufels, Vom Zorn, Haß und allem bösen Willen Von dem Geiste der Unreinigkeit, Vom Bliße und Ungewitter, Von dem ewigen Tode, *) Bitt für uns! **) Erlöse uns, o Herr! 26 402 Besondere Andachten auf alle Tage der Woche. Durch das Geheimniß deiner heiligen Menschwerdung,*) Durch deine Ankunft, Durch deine Geburt, Durch deine Taufe und dein Heiliges Fasten, Durch dein Kreuz und Leiden, Durch deinen Tod und deine Begräbniß, Durch deine heilige Auferstehung, Durch deine wunderbare Himmelfahrt, Durch die Herabkunft des heiligen Geistes, des Trösters, Am Tage des Gerichtes, Wir arme Sünder, wir bitten Dich, erhöre uns! Daß Du uns verschonest,**) Daß Du uns verzeihest, Daß Du uns zur wahren Buße bringen wollest, Daß Du deine heilige Kirche regieren und erhalten wollest, Daß Du den obersten Hirten und alle Stände der Kirche in der heiligen Religion erhalten wolleſt, Daß Du die Feinde der heiligen Kirche demüthigen wollest, Daß Du den christlichen Königen und Fürsten Frieden und wahre Einigkeit geben wollest, Daß Du dem ganzen christlichen Volke Frieden und Einigkeit verleihen wollest, *) Erlöse uns, o Herr! ** Wir bitten Dich, erhöre uns! Besondere Andachten auf alle Tage der Woche. 403 Daß Du uns selbst in deinem heiligen Dienste stärken und erhalten wollest,*) Daß Du in unsern Gemüthern himmlische Begierden erregeſt, Daß Du alle unsre Gutthäter mit den ewigen Gütern belohnest, Daß Du unsre und die Seelen unsrer Brüder, Freunde und Gutthäter vor der ewigen Verdammniß bewahrest, Daß Du die Früchte der Erde geben und erhalten wolleſt, Daß Du allen verstorbenen Christgläubigen die ewige Ruhe verleihen wolleſt, Daß Du uns erhören wollest, O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! D Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erhöre uns, D Herr! O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme Dich unser, o Herr! Christus, höre uns! Christus, erhöre uns! Herr, erbarme Dich unser! Christus, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Vater unser 2c. *) Wir bitten Dich, erhöre uns! 404 Besondere Andachten auf alle Tage der Woche. Sebet der Kirche. Gott, dessen Eigenschaft das Erbarmen und Verschonen ist, nimm unser Flehen gnädig auf und laß uns Alle, deine Diener, die in den Banden der Sünden verstrickt sind, durch deine überaus große Barmherzigkeit davon gnädig erlediget werden! Wir bitten Dich, o Herr! erhöre das Gebet Derjenigen, die sich Dir zu Füßen werfen und verzeihe denen, die vor Dir ihre Sünden bekennen, damit wir von deiner Güte die Verzeihung unsrer Sünden und zugleich den Frieden erlangen mögen. Deine unaussprechliche Barmherzigkeit lasse uns gnädig widerfahren, o Herr! Entledige uns von allen unsern Sünden und zugleich der Strafen, die wir ihrer wegen verdienen. O Gott, der Du durch die Sünde beleidiget, durch die Buße aber wieder besänftiget wirst, siehe gnädig auf das Gebet deines vor Dir hingeworfenen Volkes und wende von uns ab die Geißeln deines Zornes, die wir unsrer Uebertretungen wegen verdienen. Allmächtiger, ewiger Gott, erbarme Dich deines Dieners, unsers Papstes N. und leite ihn nach deiner großen Barmherzigkeit auf dem Wege des ewigen Heiles, damit er durch, deine Hilfe nur das verlange, was Dir gefällig ist und es auch nach allen Kräften im Werke erfülle! Besondere Andachten auf alle Tage der Woche. 405 Entflamme, o Herr! mit dem Feuer des heiligen Geistes unsre Lenden und unser Herz, damit wir Dir mit keuschem Leibe dienen und unsers reinen Herzens wegen gefallen mögen! Durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Sebet der Kirche für die armen Seelen. O Gott, Schöpfer und Erlöser aller Gläubigen, verleih den Seelen deiner Diener und Dienerinnen Vergebung aller ihrer Sünden und laß sie, durch das andächtige Gebet des so sehnlich gewünschten Nachlasses theilhaftig werden; der Du lebst und regierest in Ewigfeit! Amen. 406 Besondere Andachten auf alle Tage der Woche. Am Donnerstag. Andacht zur Ehre des heiligsten Altarssakramentes. ( Auch für das Fronleichnamsfest, den Grünendonnerstag und für die Kommuniontage.) Gebet. Christe Jesu, Du Urheber dieses heiligsten Sakramentes! Dieses unser Gebet opfern wir Dir mit schuldigster Ehrerbietigkeit und Demuth auf, zu größerer Ehre und Glorie des hochwürdigsten Sakramentes des Altars und durch dieses begehren wir, alle Schmach und Unbild, so Dir in diesem heiligsten Sakramente ist zugefügt worden, oder noch in's Künstige wird zugefügt werden, vollkommen abzutragen; wie auch Dir viel tausendmal größere Ehre zu erzeigen, als Dir allda Unehre von den Juden, Irrgläubigen und bösen Christen jemals ist erwiesen worden. Lasse Dir unsre Treue und Begierde bestens gefallen und verleihe uns die Gnade, daß wir in der Andacht immer zunehmen und vor unserm leßten Ende dieses hochwürdigste Sakrament würdig empfangen. Amen. Besondere Andachten auf alle Tage der Woche. 407 Sitanei von dem hochwürdigsten Sakramente des llars. Herr, erbarme Dich unser! Christus, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Christus, höre uns! Christus, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme Dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt,*) Gott heiliger Geist, Heilige Dreieinigkeit, ein einiger Gott, Du hochwürdigstes Sakrament des Altars, Du allerheiligstes Opfer, Du unblutiges Opfer, Du wahres Versöhnopfer, Du wahres Fleisch Jesu Christi, Du wahres Blut des göttlichen Sohnes, Du Lämmlein ohne Makel, Du Speise der lieben Engel, Du verborgenes Himmelsbrod, Du kostbares Abendmahl, Du Denkzeichen der göttlichen Wunderwerke, Du Wort, das für uns ist Fleisch geworden, Du Erinnerung des Leidens Christi, Du Geheimniß der göttlichen Liebe, Du Arznei wider alle Sünden, Du Erquickung der frommen Seelen, Du kräftige Wegzehrung der Sterbenden, Du Pfand der ewigen Seligkeit, *) Erbarme Dich unser! 408 Besondere Andachten auf alle Tage der Woche. Sei uns gnädig: verschone uns, o Herr! Sei uns gnädig: erhöre uns, o Herr! Von allem Uebel: erlöse uns, o Herr! Von allen Sünden,*) Von aller Unandacht, Von aller Entehrung, Von unwürdiger Genießung, Vom Zweifel im Glauben, Von schwerer Anfechtung, Von Unreinigkeit des Herzens, Durch die Kraft dieses heiligsten Sakramentes, Durch dessen liebvollste Einsetzung, Durch dessen freigebigste Mittheilung, Durch dessen kräftigste Wirkung, Durch deine persönliche Gegenwart, Durch deine Gottheit und Menschheit, Durch dein Fleisch und Blut, Durch alle Gnaden, so Du uns allda erzeigest, Wir arme Sünder: wir bitten Dich, erhöre uns! Daß Du uns verschonest,**) Daß Du uns verzeihest, Daß Du den Glauben an dieses heiligste Sakrament in uns erhaltest, Daß Du die Ehrerbietigkeit gegen dasselbe in uns vermehrest, Erlöse uns, o Herr! **) Wir bitten Dich, erhöre uns! Besondere Andachten auf alle Tage der Woche. 409 Daß Du die Andacht gegen selbes in uns entzündest,*) Daß Du uns, dasselbe würdig zu empfangen, Gnade verleihest, Daß Du uns der Früchte desselben theilhaf tig machest, Daß Du die christlichen Fürsten und Potentaten vereinigest, Daß Du die verdammlichen Irrlehren außrotteſt, Daß Du die Feinde dieses heiligsten Satramentes demüthigest, Daß Du deine heilige Kirche regierest und erhalteſt, Daß Du uns vor unserm Tode mit diesem heiligen Sakramente speisest, Daß Du uns ein seliges Ende verleihest, Daß Du die Seelen des Fegfeuers erlöseſt, O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt: verschone uns, o Herr! O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt: erhöre uns, o Herr! O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt: erbarme Dich unser, o Herr! Christus, höre uns! Christus, erhöre uns! Vater unser 2c. Gegrüßt seist 2c. *) Wir bitten Dich, erhöre uns! 410 Besondere Andachten auf alle Tage der Woche. Antiphon. O heilige Mahlzeit, in welcher Christus genossen, das Andenken seines Leidens gefeiert, das Gemüth mit Gnade erfüllt und uns ein Pfand der künftigen Herrlichkeit gegeben wird! V. Gelobt sei Jesus Christus ohne End', R. Jm heiligsten Altarssakrament. Sebet. Gott, der Du uns in dem wundervollen Sakramente das Andenken deines Leidens hinterlassen hast; wir bitten Dich, verleihe uns, die heiligen Geheimnisse deines Leibes und Blutes also zu verehren, daß wir die Frucht deiner Erlösung in uns allezeit erfahren mögen, der Du mit dem Vater und dem heiligen Geiste gleicher Gott lebst und regierst in Ewigkeit. Amen. Besondere Andachten auf alle Tage der Woche. 411. Am Freitag. Andacht zu Ehren des Leidens und Sterbens Jesu Christi. ( Auch für den Charfreitag.) 1116 Gebet. ( Vom hl. Augustin, mit Ablässen begünstiget.) Gott! der Du für das Heil der Welt haft wollen geboren, beschnitten, von den Juden verworfen, von Judas verrathen, mit Stricken gebunden, wie ein unschuldiges Lamm zur Schlachtbank geführt, dem Annas, Kaiphas, Pilatus und Herodes vorgeführt, fälsch. lich angeklagt, gegeißelt, bespieen, mit Dornen gekrönt, mit Badenstreichen in's Angesicht, mit einem Rohre auf das Haupt geschlagen, mit einem Tuche die Augen verdeckt, verhöhnt, verurtheilt, entblößt, an's Kreuz genagelt, den Mördern zugesellt, mit Galle und Essig getränket, und mit einem Speere verwundet werden; ich bitte Dich, o Herr! durch diese deine verdienstvollen Schmerzen, welche ich Unwürdiger jetzt betrachte, und durch dein heiliges Kreuz und deinen Tod, Du wollest mich von der Qual der Hölle befreien und dorthin führen, wohin Du 412 Besondere Andachten auf alle Tage der Woche. den mit Dir gekreuzigten reumüthigen Schächer geführet hast, der Du mit dem Vater und dem heiligen Geiste wahrer Gott lebst und regierest in Ewigkeit. Amen. Anmuthungen. ( Vom heiligen Alphons Maria von Liquori.) Ach mein Heiland, wie ist es möglich, daß ich sonst gelebt habe, ohne an deine Liebe zu denken! O ihr schändlichen Sünden habt das Herz meines Heilandes betrübt, ein Herz, das mich so innig geliebt hat! O mein Jesu, ich bereue das Unrecht, das ich Dir zugefügt habe! ich danke Dir für die Geduld, mit der Du mich ertragen hast: ich liebe Dich, ja ich liebe Dich von ganzem Herzen, ich will Dich allein lieben. Ach, rufe Du mir immer die Liebe ins Gedächtniß zurück, die Du zu mir getragen hast, damit ich es nie wieder vergesse, Dich zu lieben. Litanei vom bittern Leiden und Sterben Jefu Chrifti. Herr, erbarme Dich unser! Christus, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Du gekreuzigter Jesu, höre uns! Du gekreuzigter Jesu, erhöre uns Besondere Andachten auf alle Tage der Woche. 413Gott Vater im Himmel, erbarme Dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt,*) Gott heiliger Geist, Heilige Dreieinigkeit, ein einiger Gott, Jesu, der Tu zum Tode des Kreuzes bijt verdammt worden, Jesu, der Du das Kreuz mit Freuden getragen hast, Jesu, der Du sieben Mal entkräftet unter dem Kreuze niedergefallen bist, Jesu, der Du mit Gewalt auf's Kreuz bist geworfen worden, Jesu, der Du schmerzlich am Kreuze bist auß gespannt worden, Jesu, der Du schmerzlich an das Kreuz bist genagelt worden, Jesu, der Du am Kreuze deinen Vater für deine Feinde gebeten hast, Jesu, der Du am Kreuze dem büßenden Schächer das Paradies versprochen hast, Jesu, der Du am Kreuze mit deiner Mutter Mitleiden getragen hast, Jesu, der Du Dich am Kreuzé über die Verlassenheit von deinem Vater beklagt hast, Jesu, der Du am Kreuze mit Galle und Essig bist getränkt worden, Jesu, der Du am Kreuze Alles vollendet hast, Jesu, der Du am Kreuze deinen Geist in die Hände deines Vaters empfohlen hast, *) Erbarme Dich unser! 414 Besondere Andachten auf alle Lage der Woche. Jesu, der Du mit starkem Geschrei den Vater für uns gebeten hast,*) Jesu, der Du die Handschrift unserer Sünden an's Kreuz geheftet hast, Jesu, der Du bis zum Tode des Kreuzes gehorsam gewesen bist, Jesu, der Du für uns am Kreuze gestorben bist, Jesu, der Du durch das Kreuz die Welt er löſet haſt, Jesu, der Du durch das Kreuz unsere Sünden überwunden haft, Jesu, der Du am Kreuze Alles an Dich gezogen hast, Jesu, der Du durch das Kreuz in deine Glorie eingegangen bist, Sei uns gnädig: verschone uns, o Jesu! Sei uns gnädig: erhöre uns, o Jesu! Von allem Uebel,**) Von aller Gefahr und Gelegenheit zu sündigen, Von allen Nachstellungen des Teufels, Von allen Sünden, Von aller Schuld und Strafe der Sünde, Von aller Bitterfeit des Todes, Von aller Furcht des Gerichtes und der Hölle, Durch dein heiliges Kreuz, Durch deine heiligen sieben Worte am Kreuze, *) Erbarme Dich unser! **) Erlöse uns, o Jesu! Besondere Andachten auf alle Tage der Woche. 415 Turch deine heiligen Gebeine, welche am Kreuze erbärmlich sind ausgedehnt worden,*) Durch die heiligen fünf Wunden, welche Du am Kreuze empfangen hast, Durch dein heiliges Blut, welches Du am Kreuze vergossen hast, Durch alle Marter und Bein welche Du für mich am Kreuze gelitten hast, Durch deine. dreistündige Angst und Noth am Kreuze, Durch deine blutigen Thränen und herzlichen Seufzer am Kreuze, Durch deinen allerbittersten Tod am Kreuze, Durch deine am Kreuze verwundete Seite, Durch die klägliche Abnehmung vom Kreuze, In der Stunde des Todes, Am Tage des Gerichtes, Wir arme Sünder: wir bitten Dich, erhöre uns! Daß Du uns durch dein heiliges Kreuz erhörest,**) Daß Du uns durch dein heiliges Kreuz alle Sünden verzeihest, Daß Du uns durch dein heiliges Kreuz vor allen Sünden bewahrest, Daß Du uns zu beständigen Liebhabern des Kreuzes machest, Daß Du uns die Früchte des Kreuzes mit: theilen wollest, *) Erlöse uns, o Jesu! **) Wir bitten Dich, erhöre uns! 416 Besondere Andachten auf alle Tage der Woche. Daß Du uns die Gnade verleihest, daß wir unser Kreuz Dir gerne täglich nachtragen,*) Daß Du uns Stärke gebest, unser Fleisch sammt den bösen Begierden zu kreuzigen, Daß Du uns durch dein heiliges Kreuz in deine Glorie eingehen lassest, Jesu Christe, der Du für uns bist gekreuziget worden, O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt: verschone uns, o Jesu! D Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt: erhöre uns, o Jesu! O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt: erbarme Dich unser, o Jesu! Jesu, erbarme Dich unser! Jesu, erbarme Dich unser! Vater unser 2c. Gegrüßt seist 2c. Gebet. O gekreuzigter Jesu! der Du dein heili ges Kreuz zum vornehmsten Werkzeug unserer Erlösung erwählet, dasselbe durch dein rosenfarben Blut geheiliget, und uns als den Gnadenthron unserer Versöhnung vorgestellt hast, ich bitte Dich durch das kostbare Blut, *) Wir bitten Dich, erhöre uns! Besondere Andachten auf alle Tage der Woche. 417 welches Du an demselben vergossen, ich bitte Dich durch die bitterste Pein, Marter und Tod, welchen Du daran gelitten hast, Du wollest mir durch das heilige Kreuz Verzeihung meiner Sünden, Besserung des Lebens, Trost und Hilfe in gegenwärtiger Noth, beständige Gnade, einen seligen Tod und die ewige Seligkeit geben. Amen. Sebet,*) ( die allmächtige Hülfe unsers Herrn Jesu Christi durch die Kraft seines heiligsten Namens in jedem Anliegen der Seele und des Leibes vertrauensvoll anzurufen.) O Gott! der Du die Herzen der Gläubigen reinigest, wirke in dieser heiligen Stunde und zeige mir deinem Diener( deiner Dienerin) deine Macht und Herrlichkeit, wie Du in der heiligen Messe bei der Wandlung unmittelbar mitwirkest, daß nicht mehr Brod und Wein, sondern der wahre lebendige Leib und das wahre lebendige Blut Jesu Christi unter den Gestalten des Brodes und Weines zugegen sind, und wie Du bei der priesterlichen Lossprechung unmittelbar mitwirkest. Ich erwarte es im allerheiligsten Namen Jesu, dem Du alle Gewalt im Himmel und *) Dieses Gebet vom lohe" hat schon viele erlangt. Fürsten von Hohenwunderbare Heilungen 27 418 Besondere Andachten auf alle Tage der Woche. auf Erden übergeben hast, wegen seinem Gehorsam bis in den Tod des Kreuzes; ich erwarte es, damit dein heiligster Name, o Gott! verherrlichet und befördert werde. In diesem Glauben und Vertrauen auf deine Allmacht, welcher nichts unmöglich ist, auf deine unendliche Güte und Barmherzigkeit, und in der vollen Zuversicht auf deine untrüglichen Verheißungen, daß Du unmittelbar mitwirken werdest, befehle ich,( flehe ich) im heiligsten Namen Jesu Christi deines eingebornen Sohnes, des Gottmenschen, vermöge jener Würde, zu welcher ich aus bloßer Barmherzigkeit in der heiligen Taufe erhöht worden bin, daß die( Schmerzen, Gebrechen oder Anliegen des Leibes und der Seele, an denen ich leide) weichen sollen.( Vor Allem ist aber zu bitten um Verzeihung der Sünden, um die Gnade des Heiles, um eine glückselige Sterbstunde und das ewige Leben.) Bekräftige dies mein Verlangen, o Gott, heiliger Vater, Gott Sohn, Gott heiliger Geist! O Du Zuflucht der Elenden, Jesu Christe, wer hat nicht von deinen Händen Hilfe und Heil erlangt, der mit gläubigem Herzen zu Dir gekommen ist?! Wie war dein Herz von Mitleid erfüllt, wenn Kranke- Dich um Hilfe angesprochen haben! Jesus, wahrhafter Gott, Du hast es den Aposteln verheißen und sogar betheuert, daß Alles, um was wir in deinem allerheiligsten Namen bitten, uns ge Besondere Andachten auf alle Tage der Woche. 419 währt sein werde. Um dieses deines allerheiligsten Namens willen erhöre mein Gebet, und erbarme Dich meiner. Im allerheiligsten Namen Jesu bitte ich Dich, Vater im Himmel! laß mich künftig frei von allen Anfällen meiner Schmerzen und Uebel und vor Allem vor der Sünde bewahrt bleiben. Amen. Ablaßgebet zum heil. Herzen Jesu.*) Um Dir dankbar zu sein, und für meine Treulosigkeit einigen Ersatz zu leisten, schenke ich N. N. Dir, liebenswürdigster Jesu! mein Herz und ergebe mich Dir ganz und gar und nehme mir vor, mit deinem Beistande nicht mehr zu sündigen. *) Pius VII. 1817 verlieh auf immer aller Gläubigen, welche obige Aufopferung vor einem Bildnisse des heiligen Herzens Jesu täglich beten, ein Mal 100 Tage nebst andern Ablässen, auch den armen Seelen im Fegfeu zuwendbar. 420 Besondere Andachten auf alle Tage der Woche. Am Samstag. Andacht zur Ehre der allerseligsten Jungfrau Maria. ( Auch für die Festtage Mariens.) 15871 Gebet des heiligen Auguftinus. seligste Jungfrau Maria, wer könnte dich auf würdige Weise loben, dir Dank sagen, da du durch deine Zustimmung in den Gruß des Engels der verlornen Welt zu Hilfe gekommen bist! Welche Lobsprüche soll dir das gebrechliche Menschengeschlecht darbringen, da es allein durch deine Vermittlung den Zutritt zur Aussöhnung mit Gott erlangt hat? Nimm also an unsere Danksagungen, wenn sie auch noch so dürftig und deiner Verdienste unwürdig sind und wenn du unsere Gebete aufgenommen hast, dann erlange uns durch deine Fürbitte Nachlaffung unserer Schuld. Heilige Maria, stehe den Elenden bei, hilf den Kleinmüthigen, tröste die Weinenden, bitte für das Volk, nimm dich der Priester an und schüßze sie, beschirme das andächtige Frauengeschlecht, laß Alle deine Hilfe erfahren, die dein heiliges Andenken feiern. Unterstütze gnädig die Gebete der Flehenden und erlange Allen die erwünschte Erhörung. Laß es dir Besondere Andachten auf alle Tage der Woche. 421. angelegen sein, beständig zu bitten für das Volk Gottes, da du, Hochgelobte, gewürdiget worden bist, den Erlöser der Welt zu tragen, welcher lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Die lauretanische Litanei. Herr, erbarme Dich unser! Christus, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Christus, höre uns! Christus, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme Dich unser! Gott Sohn, Crlöser der Welt,*) Gott heiliger Geist Heilige Dreieinigkeit, ein einiger Gott, Heilige Maria, bitt für uns! Heilige Gottesgebärerin,**) Heilige Jungfrau aller Jungfrauen, Mutter Christi, Mutter der göttlichen Gnaden, Du reinste Mutter, Du keuscheste Mutter, Du ungeschwächte Mutter, Du unbefleckte Mutter, Du liebliche Mutter, Du wunderbarliche Mutter, Du Mutter des Erschaffers, *) Erbarme Dich unser! **) Bitt für uns! 422 Besondere Andachten auf alle Tage der Woche. Du Mutter des Erlösers,*) Du allerweiseste Jungfrau, Du ehrwürdigste Jungfrau, Du lobwürdigste Jungfrau, Du mächtigste Jungfrau, Du gütigste Jungfrau, Du getreue Jungfrau, Du Spiegel der Gerechtigkeit, Du Siß der Weisheit, Du Ursache unsers Heils, Du geistliches Gefäß, Du ehrwürdiges Gefäß, Du vortreffliches Gefäß der Andacht, Du geistliche Roſe, Du Thurm Davids, Du elfenbeinerner Thurm, Du goldenes Haus, Du Arche des Bundes, Du Himmelspforte, Du Morgenstern, Du Heil der Kranken, Du Zuflucht der Sünder, Du Trösterin der Betrübten, Du Helferin der Christen, Du Königin der Engel, Du Königin der Patriarchen, Du Königin der Propheten, Du Königin der Apostel, Du Königin der Märtyrer, Du Königin der Beichtiger, *) Bitt für uns! Besondere Andachten auf alle Tage der Woche. 423 Du Königin der Jungfrauen,*) Du Königin aller Heiligen, Du Königin des heiligen Rosenkranzes, O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! D Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erhöre uns, o Herr! O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme Dich unser, o Herr! Christus, höre uns! Christus, erhöre uns! Herr, erbarme Dich unser! Christus, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Vater unser 2c. Gegrüßt seist 2c. Gebet. Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesgebärerin! Verschmähe nicht unser Gebet in unsern Nöthen, sondern erlöse uns jederzeit von aller Gefahr, o du glorwürdige und gebenedeite Jungfrau, unsere Frau, unsere Mittlerin, unsere Fürsprecherin! Versöhne uns mit deinem Sohne, empfiehl uns deinem Sohne, stelle uns vor deinem Sohne. *) Bitt für uns! 424 Besondere Andachten auf alle Tage der Woche. V. Bitt für uns, o heilige Gottesgebärerin! R. Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi. Wir bitten Dich, o Herr! gieße deine Gnade in unsere Herzen, damit wir, die wir durch die Verkündigung des Engels die Menschwerdung deines Sohnes Jesu erkannt haben, durch sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung geführt werden, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. V. Bitt für uns, o heiliger Joseph! R. Daß wir würdig werden der VerheiBungen Christi. Wir bitten Dich, o Herr! daß uns durch die Verdienste des Bräutigams deiner heiligen Gebärerin geholfen werde, damit uns durch seine Fürbitte gegeben werde, was unser Vermögen nicht erlangen kann: der Du lebst und regierst in alle Ewigkeit.- Das Salve Regina. Gegrüßt seist du, Königin, Mutter der Barmherzigkeit! Des Lebens Süßigkeit, und unsere Hoffnung, sei gegrüßt! Zu dir schreien wir elende Kinder Evä, zu dir seufzen wir Trauernde und Weinende in diesem Thale der Zähren. Eja, unsere Fürsprecherin! wende deine barmherzigen Augen zu uns, und nach diesem Elend zeige uns Jesum, die gebene Besondere Andachten auf alle Tage der Woche. 425 deite Frucht deines Leibes: o gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria! V. Bitt für uns, o heilige Gottesgebä rerin! R. Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi! Gebet. Allmächtiger, ewiger Gott! der Du den Leib und die Seele der ehrenreichen Jungfrau und Mutter Gottes Maria, durch die Mitwirkung des heiligen Geistes bereitet hast, daß sie eine würdige Wohnung deines Sohnes würde; gib, daß wir, die wir uns in ihrer Gedächtniß erfreuen, durch ihre milde Fürbitte von allen bevorstehenden Uebeln, und von dem ewigen Tode erlöset werden, durch denselben Christum, unsern Herrn. Amen. V. Die göttliche Hülfe bleibe allezeit bei uns! R. Amen. Kreuzwegandacht. Vorbereitungsgebet. Cbrifte hriste Jesu, mein göttlicher Heiland und Erlöser, ich der Ungerechte, habe gesündiget und Du, der Gerechte, hängst blutend für mich am Kreuze! Der Schuldige ist frei und der Unschuldige wird gebunden; der Fromme leidet und der Böse lebt im Frieden! Was der Knecht verschuldet hat, das bezahlt der Herr! So weit, o Sohn Gottes, haben es meine Sünden gebracht! Ich habe das Böse gethan und an Dir wird dasselbe gerächt! Doch, o mein Jesu, laß dein Leiden an mir nicht verloren gehen! Ich bitte Dich durch dein kostbares Blut, durch deine heiligen Wundmahle, durch deinen bittern Tod und besonders durch jene Worte, die Du kurz zuvor gesprochen hast: Es ist vollbracht! verzeihe mir armen Sünder, weil ich Dich, das allerhöchste und allerliebenswürdigste Gut so schwer dadurch beleidiget habe. Ernstlich Kreuzwegandacht. 427 verspreche ich Dir, mit deiner Gnade mein Leben zu bessern. Herr, sei mir armen Sünder gnädig und laß mich mit Magdalena hören jene trostreichen Worte:, Deine Sünden werden dir nachgelassen, weil du viel geliebt hast!" Amen. Erfte Station. Jesus wird zum Tode verurtheilt. Wir beten Dich an, o Jesu, und preisen Dich; denn durch dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöset. Betrachte, wie Pilatus den unschuldigen Jesus, nach blutiger Geißlung und Krönung mit Dornen, verurtheilt, und wie gelassen der Heiland dieses Todesurtheil annimmt, damit du von dem Urtheile des ewigen Todes befreit würdest. O Jesu, ich danke Dir für diese große Liebe und bitte Dich, nimm das Urtheil des ewigen Todes, welches ich durch meine Sünden verdient habe, zurück, damit ich würdig werde, das ewige Leben zu besitzen. Vater unser. Gegrüßet 2c. Ehre sei 2c. Zweite Station. Jesus wird mit dem Kreuz beladen. Wir beten Dich an, o Jesu zc. Betrachte, wie Jesus das Kreuz, das deine vielen Sünden so schwer gemacht haben, auf seine Schultern nimmt. 428 Kreuzwegandacht. O Jesu, gib mir die Gnade, daß ich dein Kreuz durch neue Sünden nicht noch schwerer mache und daß ich das meinige, alle Trübsale und Widerwärtigkeiten, mit aufrichtigem Bußgeiste willig und muthig trage! Vater unser. Gegrüßet 2c. Ehre sei 2c. Dritte Station. Jesus fällt das erste Mal. Wir beten Dich an, o Jesu zc. Betrachte, wie Jesus die Last, womit Er beladen war, nicht mehr tragen konnte, und, von Ermattung und Schmerz niedergedrückt, unter dem Kreuze fiel. O Jesu, meine Vergehungen sind die Ursache deines Falles! Verleihe mir die Gnade, daß ich deinen Schmerz durch den Rückfall in die Sünde nicht wieder erneuere. Vater unser. Gegrüßet zc. Ehre sei zc. Vierte Station. Jesus begegnet seiner heiligsten Mutter. Wir beten Dich an, o Jesu zc. Betrachte, welcher Schmerz das Herz Jesu zerriß, als Er Maria sah und das Herz Mariens, als Jesus ihr begegnete. Deine Sünden sind die Ursache der gegenseitigen Betrübniß des Sohnes und der Mutter. Kreuzwegandacht. 429 O Jesu, erwecke in mir durch die Fürbitte Mariä einen lebhaften Schmerz über meine Sünden, damit ich sie mein ganzes Leben hindurch beweine und in der Stunde meines Todes Gnade vor Dir finde! Vater unser. Gegrüßet 2c. Ehre sei 2c. Fünfte Station. Simon von Cyrene hilft Jesu das Kreuz tragen. Wir beten Dich an, o Jesu zc. Betrachte, wie die Juden beim Anblicke der großen Schwäche Jesu, aus Furcht, Er möchte auf dem Wege zum Kalvarienberge den Geist aufgeben, Simon von Cyrene nöthigen, dem Herrn das Kreuz tragen zu helfen. O Jesu, mir steht es zu, das Kreuz zu tragen, weil ich gesündiget habe. Mache, daß ich Dich wenigstens auf dem Kreuzwege begleite und das Kreuz der Widerwärtigkeiten aus Liebe zu Dir geduldig ertrage. Vater unser. Gegrüßet 2c. Ehre sei 2c. Sechste Station. Veronika reicht Jesu das Schweißtuch. Wir beten Dich an, o Jesu 2c. Betrachte, wie diese heilige Frau sich bemüht, Jesu Leiden zu lindern und wie dagegen Jesus sie belohnt, indem Er in dies Kreuzwegandacht. Schweißtuch das Bildniß seines Angesichtes abdrückt. O Jesu, verleihe mir die Gnade, meine Seele von allen Flecken zu reinigen! drücke dein heiliges Leiden so tief in meinen Geist und in mein Herz ein, daß ich dasselbe nimmer vergesse. Vater unser. Gegrüßet 2c. Ehre sei zc. 430 Sicbente Station. Jejus fällt zum zweiten Male. Wir beten Dich an, o Jesu zc. Betrachte die Leiden, welche Jesus bei diesem zweiten Falle empfindet. Du verursachest sie Jhm durch deine öftern Rückfälle in die Sünde. O Jesu, wie beschämt stehe ich vor Dir! Gib mir die Gnade, von meinen Sünden so aufzustehen, daß ich nie wieder in dieselben zurückfalle. Vater unser. Gegrüßet 2c. Ehre sei zc. Achte Station. Jesus begegnet den Frauen von Je rusalem. Wir beten Dich an, o Jesu zc. Betrachte, wie Jesus diese Frauen ermahnet, sie sollen nicht über Ihn, sondern über sich selbst weinen, um dich zu belehren, daß du mehr über deine Sünden, als über seine Leiden weinen sollst. Kreuzwegandacht. 431 O Jesu, gib mir Thränen einer wahren Reue, damit das Mitleid, welches ich über deine Schmerzen trage, mir verdienstlich werde! Vater unser. Gegrüßet 2c. Ehre sei 2c. Neunte Station. Jesus fällt zum dritten Male. Wir beten Dich an, o Jesu zc. Betrachte, wie Jesus zum dritten Male eben so schmerzlich als die beiden ersten Male fällt. Daran ist deine Verstocktheit, aus der du stets in neue Sünden fällst, Schuld. O Jesu, ich bin nun fest entschlossen, meinen Sünden auf immer ein Ende zu machen, um Dir bei deinen Leiden Linderung zu verschaffen! Stärke mich in meinem Entschlusse und mache ihn durch deine Gnade wirksam. Vater unser. Gegrüßet 2c. Ehre jei 2c. Behnte Station. Jesus wird entkleidet und mit Galle getränkt. Wir beten Dich an, o Jesu 2c. Betrachte die Beschämung, die Jesus ausstand, da man Ihn durch die Entkleidung entblößte und die Bitterkeit, die Er empfand, da man Ihm Wein, mit Myrrhe Kreuzwegandacht. 432 und Galle gemischt, darreichte. So büßte Er deine Unverschämtheit und Sinnlichkeit. O Jesu, ich bereue die sündhaften Freuden, die ich mir erlaubt und die Unmäßigteit, der ich mich ergeben habe! Ich fasse den festen Entschluß, mit deinem Beistande deine Qual und Beschimpfung nicht mehr za erneuern, den alten Menschen mit seinen Neigungen zu irdischen Lüsten abzulegen und mein zukünftiges Leben in Sittsamkeit und Mäßigkeit zuzubringen. Vater unser. Gegrüßet 2c. Ehre sei 2c. Silfte Station. Jesus wird an's Kreuz geheftet. Wir beten Dich an, o Jesu zc. Betrachte die außerordentlichen Schmerzen, welche Jesus erlitt, als die Juden seinen vom Blute schon ganz triefenden Leib auf dem Kreuze ausstreckten und mittels der Durchbohrung seiner heiligsten Hände und Füße mit Nägeln darauf befeſtigten. O Jesu, Du leidest dies Alles für mich! und ich soll Deinetwegen nichts leiden? Hefte meinen widerspänstigen Willen an dein Kreuz. Ich nehme mir ernstlich vor, Dich nicht mehr zu beleidigen und aus Liebe zu Dir Alles zu leiden. Vater unser. Gegrüßet 2c. Ehre sei zc. Kreuzwegandacht. Zwölfte Station. Jesus stirbt am Kreuze. 433 Wir beten Dich an, o Jesu zc. Betrachte, daß dein Erlöser nach einer dreistündigen Todesangst am Kreuze verschied, um dein Heil zu wirken. O Jesu, nachdem Du dein Leben hingegeben haft für mich, so ist es wohl billig, daß ich den Rest des meinigen für Dich verwende. Dies ist mein fester Vorsat. Nur um die Gnade, denselben in's Werk zu setzen, bitte ich Dich durch die Verdienste deines heiligen Todes. Vater unser. Gegrüßet 2c. Ehre sei c. Dreizehnte Station. Der Leichnam Christi wird vom Kreuze herabgenommen. Wir beten Dich an, o Jesu zc. Betrachte die Betrübniß der Mutter Jesu, als sie den Leichnam ihres göttlichen Sohnes erblaßt, mit Blut überronnen und des Lebens beraubt, in ihren jungfräulichen Schooß nahm. O heiligste Jungfrau, erbitte mir die Gnade, daß ich Jesum nicht mehr durch neue Sünden kreuzige, sondern Ihn durch Uebung christlicher Tugenden in mir stets lebendig abpräge! Vater unser. Gegrüßet 2c. Ehre set zc. Nachfolge Chrifti. 28 434 Kreuzwegandacht. Bierzehnte Station. Der Leichnam Jesu wird in's Grab gelegt. Wir beten Dich an, o Jesu zc. Betrachte, wie der heilige Leichnam Jesu mit der tiefsten Ehrfurcht in das neue Grab, welches für Ihn bereitet worden war, gelegt wurde. O Jesu, ich danke Dir für Alles, was Du gelitten hast, um mich zu erlösen, und bitte Dich, gib, daß ich mich vorbereite durch das heilige Abendmahl, den Leib, den Du für mich hingegeben hast, würdig zu empfangen und schlage deine Wohnung für immer in meiner Seele auf! Vater unser. Gegrüßet 2c. Ehre sei zc. Schluß der heiligen Kreuzwegandacht. Erbarme Dich unser, o Herr, erbarme Dich unser! Gott, der Du die Fahne des Kreuzes durch das kostbare Blut deines Leibes hast heiligen wollen, wir bitten Dich, verleihe, daß wir Alle, die wir uns über die Verherrlichung deines heiligen Kreuzes erfreuen, ebenso auch deines Schußes allzeit genießen; durch unsern Herrn, Jesum Christum. Amen. Laß uns, barmherziger Gott! das Leiden unsers Erlösers in dankbarem Andenken halten, und um seines schreckbaren Todes willen Kreuzwegandacht. 435 die Lüste der Welt meiden, unser Kreuz willig tragen, in aller Heiligung zunehmen, bis wir als Angehörige des himmlischen Reiches Dir unaufhörliches Lob und ewige Anbetung bringen können; durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Die Seelen der verstorbenen Christgläubigen ruhen durch die Barmherzigkeit Gottes im Frieden. Amen. Hier noch sechs Vater unser, Gegrüßet seist du Maria, und Ehre sei dem Vater 2c., wovon das letzte Vater unser 2c. nach Meinung Sr. Heiligkeit des Papstes gebetet wird. Aufopferung des Kreuzwegablasses für die Verstorbenen. Barmherziger Gott! ich flehe deine unermeßliche Güte an für die Seelen der Abgestorbenen N. N., und opfere Dir mit der Kirche diesen Ablaß zu ihrem Heile auf. O mildere durch die Verdienste des Leidens und des Todes deines eingebornen Sohnes ihre Leiden; nimm sie bald zur glückseligen Anschauung deines glorreichen Angesichtes auf, daß sie in der himmlischen Heimath mit allen Auserwählten Dich ewig loben und preisen! Durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Gebet zur schmerzhaften Mutter. Heilige Maria, du schmerzhafte Mutter! die du den Leichnam deines verstorbenen Sohnes 436 Kreuzwegandacht. Jesus mit großem Leidwesen und Schmerzen in deinen mütterlichen Schooß niedergelegt und mit häufigen Thränen begossen hast; ich bitte dich durch diese deine heißen Zähren, durch deine herzlichen Seufzer und das scharfe Schwert, welches deine Seele durchstochen hat; ich bitte dich auch durch die unbeschreibliche Traurigkeit, Betrübniß und Angst, die damals dein mütterliches Herz wie ein bitteres Meer überschwemmte: du wollest mich mit eben jenen mitleidigen Augen anschauen, und mir dein mildes Herz eröffnen. O süßeste Jungfrau! erhalte mir die Verzeihung meiner Sünden und Vermehrung der göttlichen Gnade; tröste mich Betrübten, hilf mir Bedrängten und stehe mir in allen Anliegen bei. Laß mich auch sterbend mein müdes Haupt in den Schooß deiner Barmherzigkeit legen, damit meine abgeschiedene Seele von dir zum Himmel vor den Thron Gottes möge getragen werden. Amen. Andachten für Lebende und Verstorbene. 181 Gebet um Erhöhung der katholischen Kirche. En wiger Vater! gedente deiner Gemeinde, die Dir von Anbeginn zugehört. Erkenne die Kirche als die Braut deines eingebornen Sohnes für welche Er sein Blut zu vergießen sich nicht geweigert hat. Ich bitte Dich, erhöhe sie durch den Glanz der Heiligkeit, durch den Reichthum deiner Gnaden und durch die Fülle der Erbschaft, damit sie eines solchen Bräutigams und eines so großen Erlösungspreises würdig erscheine. Blicke gnädig auf die Kinder dieser heiligen Mutter, und geselle zu ihnen alle Völker, damit Alle Dich, Gott den Vater, und den Du gesandt hast, Jesus Christus, sowie den heiligen Geist mit lebendigem Glauben erkennen, mit fester Hoffnung anrufen, und mit vollkommener Liebe umfangen. 438 Andachten für Lebende und Verstorbene. Gebet für den Papft. esus, Du unsichtbares Oberhaupt der Kirche! Du hast deine Kirche auf einen Felsen gebaut; selbst die Pforten der Hölle vermögen nichts wider sie. Erhalte und leite den Papst, ihr sichtbares Oberhaupt. Laß ihn uns alle deine Wege in deinem Geiste führen; laß ihn endlich sammt seiner Heerde zum ewigen Leben gelangen. Amen. Gebet für den Bischof. Hesus, Fürst der Hirten, Hirt und Bischof unserer Seelen, gib dem Bischof unseres Kirchensprengels alle jene Tugenden, die zu seiner und zu unserer Heiligung nothwendig sind. Laß ihn über sich selbst und über die ganze Heerde, über die ihn dein heiliger Geist gesetzt hat, wachen. Sei Du selbst ihm das Muster, nach welchem er sich bilde, damit auch wir uns nach ihm bilden können. Erfülle ihn ganz mit deinem Geiste; gib ihm Glauber, Liebe, Weisheit und Kraft; schicke ihm treue Mitarbeiter in dem wichtigen Geschäfte der Leitung unserer Seelen; mache ihn zu einem Hirten nach deinem Herzen, der nur für sein Amt lebt, der Nichts hofft und Nichts fürchtet, als Dich, damit, wenn Du kommen wirst, die Hirten und ihre Heerden zu richten, wir seine Krone und seine Freude seien, Andachten für Lebende und Verstorbene. 439 er aber die unverweltliche Krone des ewigen Lebens erlange. Amen. Sebet für die weltlichen Obrigkeiten. Gott! laß uns unter der Obrigkeit, die Du über uns gesetzt hast, gehorsam, ruhig und gerecht leben, gib ihnen Gehorsam gegen Dich, den höchsten Herrn; laß sie das Ansehen, das sie von Dir empfangen haben, zu deiner Ehre und zu unserm wahren Wohle gebrauchen. Laß sie nie vergessen, daß sie deine Stelle vertreten, und daß ein strenges Gericht ihrer wartet. Mache sie groß durch die Tugend, und reich an guten Werken, damit sie so zur wahren Größe, Dich ewig anzuschauen und zu lieben, gelangen; durch Christum, unsern Herrn. Amen. Gebet für die ganze Christenheit. Pllmächtiger Gott! Herr himmlischer Vater! sieh gnädig herab auf dein Volk und er höre um deines Sohnes willen unser demüthiges Gebet. Erhalte die Gerechten, stärke die Schwachen, beschüße die Unschuld, verschone die Sünder, mache gerecht die Büßer, heile die Kranken, tröste die Betrübten, be tehre die Irrenden, erlöse die Gefangenen, rette die Unterdrückten, sende Hülfe den Sterbenden, damit Alle, welche in ihren Nöthen zu Dir rufen, Barmherzigkeit erlangen, durch Jesus Christus, unsern Herrn 2c. 410 Andachten für Lebende und Verstorbene. Gebet der Eltern für ihre Kinder. Gott! Du bist der Vater meiner Kinder. Du bist ihr Schöpfer und ihr Herr. Jch übergebe sie Dir; sie sind Dein; ich überlasse sie ganz deiner väterlichen Liebe. Vor Allem bitte ich Dich für sie um dein Reich und deine Gerechtigkeit: das übrige gib ihnen nach deinem Wohlgefallen. Schenke ihnen Liebe zu Dir und ihren Nächsten; flöße ihnen den größten Abscheu vor der Sünde ein; bewahre sie vor den bösen Grundsäßen und Beispielen der Welt; laß sie jederzeit nach der Lehre des Evangeliums wandeln. Laß nicht zu, daß ich diesen meinen Wünschen durch mein Betragen entgegen handle, und das zu Grundè richte, um was ich Dich jetzt für sie bitte. Wache über mich, damit ich über sie wache; und verleihe, daß ich sie in deiner Furcht und aller Tugend erziehe; durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. Gebet der Kinder für ihre Eltern. Gott! Du willst, daß ich meine Eltern gehren und lieben, ihnen beistehen und geGhorsamen soll. Flöße Du selbst mir jene Ehrfurcht gegen sie ein, die ich ihnen schulde, und mache mich liebreich und gehorsam gegen sie. Vergilt ihnen all das Gute, das sie mir thun; denn ich bin nicht im Stande, es ihnen zu vergelten. Erseze ihnen alle Mühen und Sorgen, die sie auf mich verwenden; erhalte Andachten für Lebende und Verstorbene. 441 ihnen ein langes, glückliches Leben; laß sie Theil nehmen an dem Segen der heiligen Patriarchen; laß sie in der Tugend stets zunehmen, an allem Guten Ueberfluß haben und endlich zu Dir gelangen; durch Jesus Christus 2c. Amen. Sebet der Ehegatten für einander. Allmächtiger, ewiger Gott! Du selbst haft den Ehestand zur Erhaltung des menschlichen Geschlechtes, wie auch zur gegenseitigen Hülfe und Tröstung eingeseßt, und dein eingeborner Sohn hat diesen heiligen Stand noch mehr geheiligt und zu einem Saframente erhoben; darum bitte Dich, verleihe mir und meinem Ehegatten die Gnade, in diesem Stande so zu leben, daß Keines von uns aus deinem Reiche ausgeschlossen werde. Gib, daß wir in Geduld und Liebe, in Friede und Einigkeit verharren, daß wir nichts thun und zulassen, was die eheliche Treue und Keuschheit verleget, und daß wir die Kinder, welche Du uns schenkest, zu deiner Ehre also erziehen mögen, daß Du an ihnen Wohlgefallen hast. Sei Du, o gütigster Vater, unser Hausfreund, hilf uns alles Kreuz geduldig tragen, segne unsre Arbeiten und Geschäfte, daß wir an zeitlicher Nothdurft keinen Mangel leiden. All unser Trost und Vertrauen ist auf dich gesetzt im Leiblichen wie im Geistigen; denn wo Du uns nicht deine Gnade gibst und unser 442 Andachten für Lebende und Verstorbene. Haus bauest, da ist all unser Sorgen und Mühen verloren. Wende auch ab von uns alles Uebel des Leibes und der Seele. Gib uns die rechte Liebe zu unseren Hausgenossen und Untergebenen, daß wir sie zu allem Guten anleiten und von allem Bösen abhalten. Verleihe uns, daß wir und sie in deiner Gnade beharren bis an's Ende und einst ewig mit Dir vereinigt werden. Amen. Allgemeines Geset für die armen Seelen. Gott, Du Schöpfer und Erlöser aller Gläubigen! der Du Verzeihung und Gnade spendest und das Heil der Menschen liebend suchest, verleihe den Seelen deiner Diener und Dienerinnen, insbesondere unsrer Eltern, Verwandten, Freunde und Wohlthäter, welche Du aus diesem zeitlichen Leben abgerufen hast, Verzeihung aller ihrer Sünden und Nachlassung ihrer noch rückständigen Strafen. Deffne ihnen die Pforten des himmlischen Baradieses, laß sie gelangen zu deiner seligen Anschauung und sei ihr Erbtheil ewiglich.- Uns Lebenden aber komm, o Herr, mit deiner Gnade zu Hülfe, daß wir würdige Früchte der Buße bringen, der Sünde ganz sterben und der Gerechtigkeit leben; daß wir im Glauben an Dich immer fester, in der Hoffnung auf Dich immer stärker, in der Liebe zu Dir immer glühender werden, und so die ewige Ruhe und himmlische Seligkeit, die wir für Andachten für Lebende und Verstorbene. 443 die Verstorbenen erflehen, einst auch erlangen, um mit ihnen und deinen Heiligen vereinigt, ewig zu loben, Dich, dreieiniger Gott, Va ter, Sohn und heiliger Geist. Amen. Gebet für eine abgeschiedene Seele. himmlischer Bater, Du Gott der Barmherzigkeit! siehe, ich opfere Dir für diese abgeschiedene Seele unsern Heiland, Jesus Christus, deinen Sohn, der am Kreuze und auf dem Altare sich für sie aufgeopfert hat. O Vater! schau auf das Antlig deines Gefalbten und erbarme Dich der Seele, für die wir deine Milde und Barmherzigkeit anrufen. O Vater! ich opfere Dir auf die heilige und vollkommene Demuth deines Sohnes für ihren Stolz und ihre Hoffart, seine jungfräuliche Reinigkeit für ihre Unlauterfeit, seinen Ge horsam für ihren Ungehorsam, seine Geduld für ihre Ungeduld, sein heiliges makelloses Leben für ihren bösen und unvollkommenen Wandel, seine Liebe für ihre Selbstſucht und unvollkommene Liebe. Himmlischer Vater! ich opsere Dir für die; selbe alle Liebe auf, die dein Sohn für sie und das ganze Menschengeschlecht getragen hat, jene Liebe, mit der Er seine süßeſte Mutter und Dich, seinen ewigen Vater, von Ewigkeit her geliebet hat, und bitte Dich bei dieser unergründlichen, unermeßlichen und ewigen Liebe, laß diese Seele, von Sünden gereinigt und von aller Strafe befreit, zum Himmel sich 444 Andachten für Lebende und Verstorbene. aufschwingen. Durch denselben Christus, unsern Herrn. Amen. Gebet für verstorbene Eltern. Gott! der Du selbst es uns befehlen wollgetest, daß wir unsern Vater und unsere Mutter ehren sollen: ich bitte Dich demüthig, Du wollest Dich der abgeschiedenen Seelen meines Vaters und meiner Mutter erbarmen, und und ihnen gnädig alle ihre Sünden, besonders diejenigen, in welche sie um meinetwillen gefallen sind, nachlassen, und mir die Gnaden verleihen, daß ich sie in der Freude des himmlischen Glanzes wieder sehen möge. Durch Jesus Christus, unjern Herrn. Amen. Sebet für Alle, welche auf dem Gottesacker rufen, Gott! der Du den Christgläubigen, deren Leichname hier begraben sind, den Trost geschenket hast, daß ihre Asche in der geweihten Ruhestätte die künftige Auferstehung erwarten kann: wir bitten Dich, daß Du allen ihren Seelen, die noch nicht zur Anschauung deines heiligen Angesichtes gelanget sind, dieselbe durch die Verdienste des bittern Leidens und Sterbens Jesu Christi barmherzig schenten wollest. Durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Inhalt der vier Bücher von der Nachfolge Christi, Erstes Buch. Beilsame Ermahnungen zu einem geistlichen Seben. Kapitel. 1. Von der Nachfolge Christi und der Verachtung aller Eitelkeiten der Welt 2. Von der Geringschäßung seiner selbst 3. Die Lehre von der Wahrheit. 4. Von der Vorsicht im Handel 5. Von der Lesung der heiligen Schrift 6. Von den ungeregelten Neigungen. 7. Von der Vermeidung der eiteln Hoffnung und des Uebermuthes 8. Von der Vermeidung allzu großer Vertraulichkeit. 9. Von dem Gehorsam und der Unterwürfigkeit. 10. Von der Vermeidung unnöthigen Geschwätzes 11. Von dem Streben nach Frieden und Vollkommenheit Seite. 911 13 17 18 19 4 20 21 22 24 25 Inhalt der vier Bücher 446 Kapitel 12. Vom Nußen der Trübfal 13. Von dem Widerstand gegen die Versuchungen 14. Von der Vermeidung freventlicher Urtheile 15. Von den Werken der Liebe 16. Von der Ertragung fremder Fehler 17. Von dem klösterlichen Leben. 18. Von dem Beispiele der heiligen Väter 19. Von den Uebungen einer guten Ordensperson. 20. Von der Liebe zur Einsamkeit und zum Stillschweigen 21. Von der Zerknirschung des Herzens 22. Betrachtung des menschlichen Elendes 23. Von der Betrachtung des Todes. 24. Vom Gericht und den Strafen der Sünden 25. Von der eifrigen Besserung unsers ganzen Lebens Zweites Buch. Anleitung zum innern Leben. 1. Vom innern Wandel 2. Von der demüthigen Unterwerfung 3. Von einem guten und friedfertigen Menschen 4. Von der Reinheit des Herzens und der Aufrichtigkeit. 5. Von der Betrachtung seiner selbst 6. Von der Freude eines guten Gewissens 7. Von der Liebe Jesu über Alles. Seite. 28 29 33 34 36 37 39 42 45 50 52 56 60 65 IF I POSR 71 75 77 79 80 82 84 von der Nachfolge Christi. Kapitel. 8. Von der vertrauten Freundschaft mit Jesus. 9. Von der Entbehrung alles Trostes 10. Von der Dankbarkeit für die Gnade Gottes. 11. Von der geringen Anzahl der Freunde des Kreuzes Christi 12. Von dem königlichen Wege des heiligen Kreuzes Drittes Buch. Anleitung zum innern Leben. 1. Von dem innerlichen Zuspruche Christi an die gläubige Seele 2. Die Wahrheit redet in uns ohne Wortgeräusch 3. Das Wort Gottes soll mit Demuth gehört werden, aber Viele beachten es nicht 4. Wir sollen in Wahrheit und Demuth vor Gott wandeln 5. Von der wunderbaren Wirkung der göttlichen Liebe 6. Von der Bewährung des wahrhaft Liebenden. 7. Man soll die Gnade unter der Demuth verbergen 8. Von der Geringschätzung seiner selbst vor den Augen Gottes. 9. Wir sollen Alles auf Gott als das letzte Ziel beziehen 10. Wie süß es sei, die Welt zu verachten und Gott zu dienen 447 Seite. 86 88 93 96 98 106 107 109 112 115 118 121 125 126 128 448 Inhalt der vier Bücher Kapitel. 11. Die Wünsche des Herzens soll man prüfen und mäßigen 130 12. Von der Unterweisung in der Geduld und vom Kampfe gegen die Begierden 132 13. Von dem Gehorsam eines demüthigen Untergebenen nach dem Beispiele Jesu Christi 14. Von der Pflicht, über die verborgenen Nathschläge Gottes nachzudenken, das mit wir uns nicht wegen des Guten überheben. 15. Wie man bei Allem, was man wünscht, sich verhalten und beten soll 16. Der wahre Trost ist allein in Gott zu suchen 17. Man soll alle Sorgen Gott überlassen 18. Alle zeitlichen Leiden muß man nach dem Beispiele Christi mit Gleichmuth ertragen 19. Von der willigen Ertragung der Beleidigungen, und wer sich als wahrhaft geduldig bewähre 20. Von dem Bekenntnisse der eigenen Schwachheit und dem Elende dieses Lebens 21. Man muß die Ruhe mehr in Gott, als in was immer für Gütern und Gaben suchen. 22. Von dem Andenken an die vielfachen Wohlthaten Gottes. 23. Vier Mittel, großen Frieden zu er= langen. 24. Von der Vermeidung des vorwißigen Forschens nach dem Leben Anderer ◆ Seite: 135 137 139 141 142 144 146 148 151 154 157. 160 von der Nachfolge Christi. Kapitel. 25. Worin der dauerhafte Friede des Her zens und das wahre Fortschreiten im Guten bestehe. 26. Von der Schönheit eines freien Gemüthes, welches sicherer durch demüthiges Gebet, als durch vieles Lesen erworben wird • 449 Seite. 29 161 27. Daß die Eigenliebe von dem höchsten Gute am meisten abzieht 28. Wider die Zungen der Verläumder. 29. Wie man zur Zeit der Trübsal Gott anrufen und Ihn preisen soll. 30. Von dem Gebete um göttliche Hülfe und dem Vertrauen auf Wiedererlangung der Gnade. 31. Von der Hintanseßung aller Geschöpfe, auf daß man den Schöpfer finde 32. Von der Verläugnung seiner selbst und dem Widerstande gegen die sinnlichen Begierden. 176 33. Von der Unbeständigkeit des Herzens und der Richtung desselben auf Gott 178 34. Wer Gott wahrhaft liebt, dem gefällt Gott über Alles und in Allem 35. Daß in diesem Leben keine Sicherheit vor Anfechtung ist 179 182 36. Wider die thörichten Urtheile der Menschen 184 37. Von dem reinen und völligen Berzichtleisten auf sich selbst zur Erlangung der Freiheit des Herzens 38. Von der guten Ordnung in den äußern Dingen und der Zufluchtsnahme zu Gott in Gefahren Nachfolge Christt 163 165 167 168 170 173 185 187 450 Inhalt der vier Bücher Kapitel, 39. Der Mensch soll in seinen Geschäften nicht ungestüm sein. 40. Der Mensch hat nichts Gutes von sich selbst und darf sich daher nicht rühmen 41. Von der Gleichgültigkeit gegen zeitliche Ehre 42. Man soll seinen Frieden nicht auf Menschen gründen 43. Wider das eitle und weltliche Wissen 44. Der Mensch darf sich die äußern Dinge nicht anziehen. 45. Man muß nicht Allen glauben; man kann auch sich selbst leicht im Neden verfehlen 47. 46. Von dem Vertrauen, das man auf Gott setzen muß, wenn die Pfeile der Lästerung auf uns gerichtet sind. Alles Schwere sollen wir um des ewigen Lebens willen ertragen 48. Von dem Tage der Ewigkeit und den Bedrängnissen dieses Lebens Von dem Verlangen nach dem ewigen Leben und den großen Gütern, die den darnach Ningenden verheißen sind 50. Wie der trostlose Mensch sich in die Hände Gottes befehlen soll. 51. Man soll fleißig die geringern Werke thun, wenn man zu den höhern zu schwach ist. 49. 52. Der Mensch soll sich nicht des Trostes, sondern vielmehr der Strafe werth halten 53. Die Gnade Gottes darf nicht mit irdischer Weisheit vermengt werden. Ceite. 189 190 192 193 195 197 198 201 204 206 210 214 218 220 222 von der Nachfolge Christi. Kapitel. 54. Von den verschiedenen Regungen der Natur und der Gnade 224 55. 229 Von der Verderbniß der Natur und Wirksamkeit der göttlichen Gnade 56. Wir müssen uns selbst verläugnen, und Christo durch das Kreuz nachfolgen. 232 Der Mensch soll nicht allzu niedergeschlagen werden, wenn er in einige Fehler verfällt 57. 58. Man soll zu erhabene Dinge und die verborgenen Gerichte Gottes nicht zu erforschen suchen. ◆ 451Seite. 237 59. Man soll alle Hoffnung und alles Vertrauen auf Gott allein setzen. 242 3. Es ist nüßlich, öfters zu kommuniziren 4. Eine andächtige Kommunion erwirft viele Gnaden. 5. Von der Würde des Sakramentes und 6. dem Priesterstande Frage, wie man sich zur heiligen Kommunion vorbereiten soll. 235 Viertes Buch. Von dem heiligen Sakramente des Altars. Andächtige Ermahnung zur heiligen Kommunion 1. Mit welch' großer Ehrfurcht man Christum empfangen soll. 2. In dem heiligen Sakramente offenbart sich den Menschen die große Güte und Liebe Gottes 245 246 252 256 259 263 265 452 Inhalt der vier Bücher 2c. Kapitel. 7. Von der Erforschung des Gewissens 8. 269 und dem Vorsaße und der Besserung 266 Von der Aufopferung Christi am Kreuze und von der Selbstverläugnung Wir müssen uns selbst und alles Unfrige Gott aufopfern und für alle Menschen beten 9. 270 10. 273 11. Der Leib Christi und die heilige Schrift sind den Gläubigen höchst nothwendig 277 12, Man soll sich mit großer Sorgfalt zur heiligen Kommunion vorbereiten. 282 13. Die andächtige Seele muß von ganz zem Herzen nach der Vereinigung mit Christo im Sakramente verlangen 284 14. Von dem heißen Verlangen einiger Frommen nach dem Leibe Christi 286 15. Die Gnade der Andacht wird durch Demuth und Selbstverläugnung erlangt 288 16. Wir müssen unsere Anliegen Christo vortragen und Ihn um seine Gnade anflehen 17. Von dem heißen Verlangen der Liebe, Christum zu empfangen 18. Der Mensch soll über dieses Sakrament nicht vorwißig grübeln, sondern Christo demüthig nachfolgen und seinen Verstand dem Glauben unterwerfen. 295 Kurze Erwägung nach der Lesung irgend eines Kapitels 298 Man soll die heilige Kommunion nicht leicht unterlassen. 1wee 0800 Seite. ● 291 292 Verzeichniß von Kapiteln der Nachfolge Christi, welche je nach den verschiedenen Evangelien der Sonntage and Hauptfesttage des Jahres gelesen werden können. Seite. 60. Am 1. Sonntag des Advents 144. Am 2. 77. Am 3. 3. 151. Am 4. 21. 11 71. Am Weihnachtsfest. 1. 20. 45. Am 1. Sonntag in der Oktav 135. Am Feste der Beschneidung Christi 3. 13. 176. Am Feste der Erscheinung Christi 11 ( 1 11 11 " 1 11 11 11 ♦ 139. Am 2. Sonntag nach der Erscheinung Christi ( Drei Königen), 3. 32. 65. Am 1. Sonntag in der Oktav. 1. 25. 252. Am 3. Sonntag nach der Erscheinung Christi 182. Am 4. Sonntag nach der Er scheinung Christi 229. Am 5. Sonntag nach der Erscheinung Christi 130. Am 6. Sonntag nach der Erscheinung Christi . Buch. Kap, 1. 24. 3. 18. 2. 3. 2. 1. 3. 15, 4. 2. 3. 354 3. 55, 3. 11. 454 Verzeichniß von Kapiteln Seite. 107. Am Sonntag Septuagefima 18. Am Seragesima Quinquagesima 11 168. Am 50. Am Aschermittwoch 29. Am 1. Sonntag in der Fasten 106. Am 2. " 1 75. Am 3. 222. Am 4. 11 146. Am Passionssonntag 96. Am Palmsonntag " 1 11 11 11 11 146. Am Montag der Charwoche 29. Am Dienstag 214. Am Mittwoch, " 1 22. Am Gründonnerstag. 98. Am Charfreitag 204. Am Charsamstag 201. Am heiligen Ostertag. 284. Am Ostermontag 11 " 1 11 11 11 11 157. Am Osterdienstag. 86. Am 1. Sonntag nach Ostern 218. Am 2. 206. Am 3. 88. Am 4. 170. Am 5. 11 154. In der Kreuzwoche 126. Am Auffahrtstage Christi 167. Am Sonntag in der Oktav. 161. Am Pfingstsonntag 84. Am Pfingstmontag 232. Am Pfingstdienstag 173. Am beil. Dreieinigkeitssonntag. 246. Am Fronleichnamsfest und am Freitag 295. Am Oftavfamstag.. 11 11 " 1 " 11 11 11 11 ● 11 ♦ ● Buch. Kap. 3. 2. 1. 5. 3. 29. 1. 21. 1. 13. 3. 1. 2. 2. 3. 53. 3. 19. 2. 11. 3. 19. 1. 13. 3. 50. 1. 2. 3. 3. 4. 9. 12. 47. 46. 13. 23. 8. 51. 3. 48. 2. 9. 3. 30. 3. 22. 3. 9. 3. 28. 3. 25. ♦ 2. 3. 2. 7. 3. 56. 3. 31. 4. 1. 4. 18. für Sonntage und Hauptfesttage. 455 Buch. Kap. 4. 10. 4. 3. 4. 6. 4. 17. Seite. 273. Am Oktavsonntag. 256. Am Oktavmontag 265. Am Dienstag in der Oktav. 292. Am Mittwoch 286. Am Donnerstag 4. 14. 185. Am 3. Sonntag nach Pfingsten 3. 37. 125. Am 4. 3. 8. 17. Am 5. 1. 4. 1. 7. 2. 4. 1. 15. 3. 30. 3. 1. 20. Am 6. 79. Am 7. 34. Am 8. 170. Am 9. 148. Am 10. 52. Am 11. 115. Am 12. 93. Am 13. 165. Am 14. 36. Am 15. 179. Am 16. 118. Am 17. 141. Am 18. 282. Am 19. 142. Am 20. 19. Am 21. 82. Am 22. 11 11 11 " 1 11 11 17 11 " 11 11 " 1 11 11 ( 1 11 " 1 ( 1 21 21 ff 11 " 1 11 11 11 11 " " 11 " 11 11 11 11 11 11 ( 1 11 " 1 11 " " 1 11 11 11 " 1 11 11 " 11 11 11 ♦ 25. Am 23. 60. Am 24. " 1 39. Am Feste aller Heiligen 56. Am Allerseelentag. 237. Am Feste des Tauf- oder Kir: chenpatrons 11 ♦ ● . 9. Am Verklärungstag Christi 269. Am Feste der Erfindung und Er: höhung des Kreuzes. 3. 2. 3. 1. 3. 3. 3. 4. 3. 1. 2. 1. 11. 1. 24. 1. 18. 1. 23. 20. 22. 5. 10. 27., 16. 34. 6. 16. 12. 17. 6. 6. 3. 58. 1. 1. 8. ܩ ܥܕ ܥܪ 4. 456 Verzeichniß von Kapiteln Seite. 132. An Mariä Empfängniß. 24. An Mariä Geburt 128. An Maria Opferung. 112. An Mariä Verkündigung 21. An Mariä Heimsuchung. 192. An Mariä Reinigung 210. An Mariä Himmelfahrt. 137. Am Schußengelfest( hl. Michael) 33. Am Feste des heiligen Joseph 42. Am Feste des heiligen Johannes des Täufers. 1. 19. 187. Am Feste des heiligen Stephan. 3. 38. 220. Am Feste des heiligen Petrus. 65. Bekehrung Pauli 3. 52. 1. 25. → 277. Am Feste der Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes 109. Am Feste des heiligen Polikarp, Ignatius und Frenäus 224. Am Feste des heiligen Augustinus. • 4. 11. 3. 3. 3. 54. 3. 42. 291. Am Feste des heil. Hieronymus 4. 16. 121. Am Feste des heiligen Bernard. 3. 7. 11. Am Feste des heiligen Bonaventura 193. Am Feste des heiligen Chrysostomus Buch. Kap. 3. 12. 1. 10. 3. 10. 3. 4. 1. 8. 3. 41. 3. 49. 3. 14. 1. 14. 184. An den Festen der heiligen Vinzenz von Paul, Franz Xaver, Aloysius, Franz von Borgia, 1. 2. 198. Am Jeste des heiligen Justus 3. 45. 13. Am Feste des heiligen Gregorius 1. 3. 201. Am Feste des heiligen Franz von Sales. 3. 46. Seite. für Sonntage und Hauptfesttage. 457 Buch. Kap. Franz von Hieronymo, Maria Alphons von Liguori. 37. Am Feste des heiligen Bruno 195. Am Feste des heiligen Franz von Affis 3. 43. 128. Am Feste der heiligen Klara 3. 10. 178. Am Feste der heiligen Theresia. 3. 33. 242. Am Feste der heiligen Franziska 3. 59. 2. 12. 1. 20. 。 von Chantal. 98. Am Feste des Heil. Johann vom Kreuze 45. Am Feste des heiligen Meinrad, Einsiedler 101 3. 36. 1. 17. Inhalt von Kapiteln, welche den verschiedenen Bedürfnissen des Lebens entsprechen. I. Wenn du Lauigkeit im Dienste Gottes empfindest. Buch. Kap. Parag. 3. 9. 1-3. 1. 1. 3-5. Vom Ziel und Ende des Menschen Von der Eitelkeit aller Dinge, außer dem letzten Ziele Beispiel und Vorsatz, nach dem letzten Ziel zu streben Gebet um Eifer, Trost u. Gnade Von der Sünde Nur die Sünde macht dieses Leben elend. Von den eiteln Sorgen dieses Lebens Von der Selbsterkenntniß Von Neue und Bekenntniß der Sünden.. 1. 22. 4-7. 3. 55. 4-6. 3. 14. 3. 55. 2. 3. 3. 48. 2. 3. 3. 3. 3-5. 3. 44. 2. 3. 8. 1. 3. 52. 4. 3. 21. 5. Inhalt von Kapiteln 2c. 459 Buch. Kap. Parag. Defterer Besuch der Sakramente 4. 3. 2. 3. 1. 19. 1.6.7. Tägliche Erneuerung der Vorsäße Von der Gebrechlichkeit der verdorbenen Natur Von dem Rückfalle . Von der täglichen Erforschung des Gewissens Von der Besiegung der Lauigkeit Gedenke der letzten Dinge: An den Tod II. Wenn ich Zweifel in dir gegen den Glauben erheben. An das Gericht An die Strafen der Sünder Von den Versuchungen gegen den Glauben u. Heilmittel dagegen Vortrefflichkeit des göttlichen Unterrichtes. Die Betrachtung des menschlichen Elendes führt zum Glauben und zur ernsten ſferung des Lebens 3. 55. 1-3. 1. 22. 6. 7. 3. 40. 2. Gehorsam und Demuth besiegen die Zweifel. 1. 19. 4. 1. 25. 5. 6. 1. 21. 2.5.6. 1. 23. 1. 24. 1. 2. 1. 24. 3-7. 4. 18. 3. 6. 2-4. 3. 43. 1. 3. 2-6. 1. 22. 1-5. 1. 25. 2. 2. 12. 1. 3. 49. 6. 7. 3. 47. 2. 3. Gebet um wahre Erkenntniß. 3. 50. 7. 8. 460 Inhalt von Kapiteln III. Wenn du von verschiedenen Versuchungen heimgesucht wirft. Buch. Kap. Parag. 2. 9. 7. 8. 1. 13. 2-4. 1. 13. 6-8. 3. 6. 4. 5. Niemand ist von Versuchungen frei Verschiedene Gattungen derselben Von den Versuchungen des Fleisches Gebet ist das erste Heilmittel gegen die Versuchungen Geduld und Demuth daß zweite Heilmittel. ♦ 1 - • ♦ - Wachsamkeit- das dritte Heilmittel Der Rath und die Leitung das vierte Anderer Heilmittel Wie man Gott in der Versuchung anrufen soll. Gebet wider böse Gedanken Gebet um Erleuchtung der Seele Wie soll man sich in Trostlosigkeit und Verlassenheit verhalten ◆ Die Stimme Gottes an den Verlassenen. • Die Stimme des Verlassenen zu Gott. ♦ 1. 13. 1. 3. 35. 1. 2. 2. 2. 1. 13. 5. 3. 7. 2. 1. 4. 2. 3. 29. 1. 2. 3. 23. 3. 3. 23. 4.8.9. 3. 50. 1-4. 3. 30. 4. 5. 3. 3. 3. 4. 3. 50. 5. 8. 3. 26. 3. für verschiedene Bedürfnisse des Lebens. 461 IV. Wenn man durch Noth, Armuth, Verfolgung und andere Leiden bedrückt wird Vorsicht im Handeln. Von der wahren Klugheit und Weisheit Bom Gehorsam und Demuth Von der Armuth.. Buch. Kap. Parag 1. 4. 2. Man muß gerne und geduldig leiden. Die Leiden sind uns nüßlich und heilsam Von der Ertragung der Beleidigung und Berachtung In Trübsal und Verfolgung gedenke des Leidens Christi Gebet und Hingebung an Gott " ♦ 3. 32. 2. 3. 2. 2. 3. 49. 6. 7. 3. 47. 3. 3. 58. 10. 3. 26. 4. 3. 38. 1. 3. 21. 4. 3. 18. 2. 12. 3. 19. 2. 12. 4-7. 3. 29. V. Wenn du von vielen Sorgen und Geschäften beladen bist. Prüfe die Wünsche deines Herzens Ueberlasse deine Sorgen Gott. Nicht in den Gütern der Welt, in Gott suche deine Ruhe Suche die Freiheit des Gemüthes zu erhalten Sei nicht stürmisch in den Ge schäften 3. 11. 3. 31. 4. 5. 3. 16. 1. 3. 16. 2. 3. 26. 1. 2. 3. 39. 462 Inhalt von Kapiteln Buch. Kap. Parag. Wenn du nicht viel Gutes thun kannst, so verrichte wenigstens das Wenige getreu Uebungen eines guten Christen Gebet in Ruhe und Frieden. Sei vorsichtig in Allem, was du thuest. VI. Wenn du im Glücke bift und leicht stolz werden könntest. ♦ Danke Gott für Glück und Gnaden Untersuche die diegungen der Natur und der Gnade in dir Erhebe dich nicht zu hoch im Glücke .. Von der Eitelkeit der Weltdinge Worin kann der Mensch mit Recht sich rühmen? Sieh zu, daß die Eigenliebe dich nicht von Gott abzieht. Erwäge, ob der Dienst der Welt, oder der Dienst Gottes dir nützlicher und heilsamer sei. Wie man Gott um Hülfe bitten foll Verläugne dich selbst, wenn du Gott gefallen willst Gebet 3. 51. 1. 19. 4. 3. 21. 12. ● 1. 3. 3. 2. 10. 2. 5. 3. 54. 14. 1. 2. 1. 3. 7. 3. 1. 1. 4. 5. 3. 40. 1. 2. 3. 27. 1. 3. 3. 10. 2. 3. 3. 30. 1. 2. 3. 32. 1. 3. 53. 2. 3. 3. 27. 4. 5. für verschiedene Bedürfnisse des Lebens 463 VII. Wenn du dich in deinem Stande nicht glücklich fühleft. Vor Allem lege Gott deine Betrübniß vor. Unglück und eigene Fehler sollen uns nicht zu sehr entmuthigen Diese Leiden sind ja gering gegen die ewigen Grüble nicht vorwißig über Gottes Nathschlüsse Sei verträglich mit denen du zu leben hast Suche in der Unbeständigkeit des Herzens nicht jedem Kreuz zu entfliehen. In Gott allein suche Trost. Ermunterung und Gebet 13 Hüte dich vor allzu großer Vertraulichkeit Vermeide unnüßes Neden Bekämpfe unordentliche Neigungen Vermeide frevelhafte Urtheile Ulebertrage die Fehler Anderer liebevoll Wie man Werke der Liebe üben soll.. VIII. Wie du dich gegen deine Freunde und Mitmenschen betragen sollst. ● Buch. Kap. Parag. 4. 16. 2. 3. ♦ . 3. 57. 2. 3. 3. 47. 1. 2. 3. 58. 1. 1. 16. 4. 3. 33. 1. 2. 12. 2. 5. 6. 3. 16. 3. 56. 4-6. 1. 8. 1. 2. 1. 10. 1. 6. 1. 14. 1. 16. 1. 15. 464 Juhalt von Kapiteln zc. Baue nicht zu viel auf die Menschen Buch. Kap. Parag. Sei nicht allzu leichtgläubig Suche vor Allem die Freundschaft Jesu Gebet Der Tag der Ewigkeit gegen die Bedrängnisse des Lebens Was soll ich thun, o Herr! Habe stets guten Willen Beobachte die Regungen der Natur und Gnade Berläugne dich selbst und folge Jesu nach Ist es dir ernst, so bessere dein Leben. • IX. Wenn du Furcht hast, wie es dir einst in der Ewigkeit gehen werde. ● O Besuche öfter die hf. Sakramente Verlange demüthig nach der Gnade der Andacht. Wie sich Christus für dich, so opfere dich Ihm auf Verlangen nach dem Himmel. 3. 42. 1, 3. 45. ● 2. 8. 4. 5. 3. 21. 2. 3. 3. 48. 2. 3. 1. 25. 2. 3. 2. 4. 3. 54. 3. 56. 1. 25. 11. 4. 3. 4. 15. 4. 8. 4. 9. 3. 48. 1. 3. 21. 3. 4. Inhaltsverzeichniß des vollständigen Gebetbuchs. Beim Erwachen Gebet zu Gott um den Geist der Andacht ( auch zu beten vor der Lesung eines Kapitels der Nachfolge Christi). Tank- und Bittgebet. Glaube Hoffnung 3821 Morgengebete. D ♦ Gute Meinung. Zur Mutter Gottes und den Heiligen Gebete am Morgen und während des Tages. Vor einem Kreuze. Bei Unglück oder einer Versuchung Beim Beginn einer Arbeit Nach einer begangenen Sünde Gebet des heiligen Bernard( das berühmte Memorare) Ablaßgebet zum heiligsten Herzen Jesu Abendgebet. 30 465 Seite. 301 302 302 304 305 306 306 306 306 306 307 307 . 308 309 466 Liebe. Neue Inhaltsverzeichniß Dankgebet Wenn du in das Bett einsteigest Wenn du schon im Bette liegst Meßgebete. Erste Meßandacht Zweite Meßandacht. Beichtgebete. Vor der Beicht. Vorbereitungsgebet, Anrufung des heiligen Geistes Gewissenserforschung ♦ Neue und Vorsatz Wenn man in den Beichtstuhl gehen will Nach der Beicht Gebet nach Verrichtung der Buße Gebet zu Gott dem Vater Vorsatz & Kommuniongebete. Tugendübungen vor der heiligen Kommunion Gebet. Erinnerung an das bittere Leiden und Sterben Jesu Christi. Nach der heiligen Kommunion Gebet des heiligen Ignatius. Tugendübungen, kürzere Seite. 309 309 309 310 310 311 343 355 355 356 356 356 358 358 358 359 359 361 363 365365 365 des vollständigen Gebetbuchs. Tugendübungen, längere. Ablaßgebet Befperandacht. ♦ ♦ Psalmen. Magnifikat. Kirchengebete am Schlusse der Vesper . ♦ Litanei von der heiligen Dreieinigkeit Gebet der Kirche Besondere Andachten auf alle Tage der Woche. Am Sonntag. Zur Ebre der heiligen Dreieinigkeit.( Auch für das Fest oer heiligen Dreieinigkeit) Fromme Ergebung. Gebet zur heiligsten Dreieinigkeit Kirchengebet Am Montag. Andacht zur Ehre des heiligsten Namens Jesu.( Auch für alle Festtage des Herrn). Gebet des heiligen Bernard Kirchengebet Litanei vom süßen Namen Jesu Gebet der Kirche Kirchengebet. Litanei vom heiligen Geiste Gebet der Kirche Am Dienstag. Andacht zur Ehre des heiligen Geistes.( Auch für das Pfingstfeſt). Gebet um die sieben Gaben des heiligen Geistes 467 Seite. 367 370 371 375 376 378 378 379 380 380 382 383 383 384 385 388 389 389 392 393 -399 468 Inhaltsverzeichniß Am Mittwoch. Andacht zur Ehre der Heiligen Gottes.( Auch für das Fest Allerheiligen) Gebet der heiligen Mechtildis . Litanei von allen Heiligen Gebet der Kirche Gebet der Kirche für die armen Seelen Am Donnerstag. Andacht zur Ehre des heil. Altarssakramentes.( Auch für das Fronleichnamsfest, den Gründonnerstag und für die Kommuniontage) Gebet. Litanei vom Hochwürdigsten Sakramente des Altars Kirchengebet. Am Freitag. Andacht zur Ehre des Leidens und Sterbens Jesu Christi. ( Auch für den Charfreitag) Gebet vom heiligen Augustin, mit Ablaß Anmuthungen Litanei vom bittern Leiden und Sterben Jesu Christi. Gebet Gebet, die allmächtige Hülfe Jesu Christi durch die Kraft seines heiligen Namens in jedem Anliegen des Leibes und der Seele anzurufen.( Vom Fürfien von Hohenlohe) Ablaßgebet zum heiligsten Herzen Jesu Am Samstage. Andacht zur Ehre der allerfeligsten Jungfrau Maria.( Auch für die Festtage Mariens). Gebet des heiligen Augustin. ♦ 0 Seite. 397 397 398 404 405 406 406 407 410 411 411 412 412 416 417 419 420 420 des vollständigen Gebetbuchs. Die lauretanische Litanei. Gebet: Unter deinen Schuß und Schirm füiehen wir 2c. Das Salve Regina Kirchengebet ● Kreuzwegandacht. Vorbereitungsgebet Der Kreuzweg Schluß der heiligen Kreuzwegandacht. Aufopferung des Kreuzwegablasses für die Verstorbenen. Gebet zur schmerzhaften Mutter Gebet für den Bischof Gebet für die weltlichen Obrigkeiten Gebet für die ganze Christenheit ● Gebet der Eltern für ihre Kinder Gebet der Kinder für ihre Eltern. ♦ Gebet der Ehegatten für einander. Allgemeines Gebet für die armen Seelen Andachten für Sebende und Verstorbene. Gebet um Erhöhung der katholischen Kirche 437 Gebet für den Papst. 438 438 439 439 440 440 441 442 443 444 444 Gebet für eine abgeschiedene Seele Gebet für verstorbene Eltern Gebet für Alle, welche auf dem Gottesacter ruhen 469 Cette. 421 ◆ 423 424 425 426 427 434 435 435 470 Inhalt von Kapiteln, welche geeignete Gebete und Betrachtungen zur Bermehrung der gewöhnlichen Andachten enthalten. 1. Zur Morgenandacht. Buch. Kap. Parag. Gebet um die Gnade der Andacht 3. 3. 6. 7. Aufopferung seiner selbst nach Gottes Wohlgefallen ♦ ◆◆ Dankgebet für die göttlichen Wohlthaten. Von der Demuth. Gebet um Freiheit des Gemüthes bei zeitlichen Sorgen Ermahnung zur Nächstenliebe. Ermahnung zur Geduld bei erlitfenen Unbilden Ermahnung zur Beharrlichkeit im Dienste Gottes. 3. 15. 3. 4. 9. 2-6. 3. 22. 1. 2. 2. 2. 3. 26. 1. 16. 3. 19. 3. 33. 1. 1. 18. 2. 3. 51. 2. Inhalt von Kapiteln 2c. II. Zur Abendandacht. Dankgebet Die wahre Liebe zu Gott Gebet um Liebe Buch. Kap. Parag. 3. 5. 1. 3. 5. 2-5. 3. 5. 6-8. 3. 52. 3. 4. ♦ Demüthige Neue Gebet um Ruhe und Frieden in Gott. III. Zur Weßandacht. Von der Vortrefflichkeit des heiligen Meßopfers und der priesterlichen Würde Vorbereitung zur heili gen Messe: Art und Weise, dieselbe zu verrichten. Gebet zu Gott.. Zum Confiteor: Zerknirschung des Herzens. Zum Gloria: Lob Gottes. zur Kollekte: Gebet um Reinigkeit des Her. zens und himmlische Weißheit. Zur Epistel: Von der Lesung der heiligen Schrift. 471 3. 21. 1. 3. 3. 15. 4. 4. 5. 4. 11. 5-7. 4. 7. 4. 10. 7. 4. 11. 1-4. 4. 13. 1. 1. 21. 1. 2. 4. 17. 2-5. 3. 27. 4. 5 1. 5. 472 Inhalt von Kapiteln Zum Evangelium: Wie die Worte Gottes mit Demuth angehört werden sollen. Von der Aufopferung Christi und von der eigenen Hin gebung.. Zum Credo: Vom demüthigen Glauben. 4. 18. Zur Opferung: Zur stillen Messe: Gebet gegen die Zerstreuung Uebung des Glaubens Zur Wandlung: Gebet der Vereinigung mit Jesus. Nach der Wandlung: Von der Liebe Jesus über Alles Zum Gebet für die Lebens digen und Abgestorbe nen. P ● Von den Werken der Liebe. Aufopferung für Lebendige und Todte. ♦ Zum Vater unser: Gebet des Vertrauens zu Gott. Nach der Kommunion: Flammengebete. ♦ Zur Kommunion: Gebet. Mein Gott und mein Alles .. Buch Kap. Parag. ♦ 3. 3. 1-5. 4. 8. 4. 9. 3. 48. 5. 6. 4. 4. 1. 2. 4. 13. 2. 3. 2. 7. 1. 15. 1. 2. 4. 9. 5. 6. 3. 59. 3. 34. 4, 14. 2. 3. zur Vermehrung der gewöhnl. Andachten. 473 Buch. Kap. Parag. Zu den letzten Gebeten: Betrachtung über die geheimen Gerichte Gottes, ( wider den Stolz) Zum letzten Evangelium: Von der geringen Zahl der Liebhaber des Kreuzes. Dankgebet nach der heil. Messe . Neber die Dankbarkeit für empfangene Wohlthaten Selbsterkenntniß. Gebet um Erleuchtung. Bereitwilligkeit zur Buße Erforschung des Gewissens Reue und Bekenntniß der Sünden IV. Zur Beichtandacht. ♦ Nach der Beicht: Vorsatz zur Besserung Wohlthat der Bekehrung zu Gott. ♦ Einladung zur Kommunion Tugendübungen: Vertrauen, Demuth und Verlangen. 3 3. 14. 2. 11. 3. 5. 1. 2. 3. 22. 1-3. 3. 8. 1. 3. 40. 1. 3. 23. 4. 3. 3. 7. V. 3ur Kommunion. 3. 52. 2. 3. 50. 6 4. 7. 3. 52. 3. 4. 3. 21. 5. 4. 7. 3. 4. 3. 10. 2-6. 4. 1. 4. 2. 474 Inhalt von Kapiteln Seufzer bei dem Genusse des hei ligen Abendmahles ♦ Nach der Kommunion: Fromme Empfindungen.. Gelübde des Sünders und sein Gebet für Beleidiger und Beleidigte... Von der neuen innerlichen Befehrung Von der Nothwendigkeit der Gnade Tägliche Erneuerung der Vorfäße Bewunderung dieses großen Geheimnisses Buch. Kap. Parag. Lieblichkeit und Süßigkeit des heiligen Gastmahls 4. 16. 4. 3. 4. VI. Bu einer zweiten Kommunionandacht, an einem hohen Festtage. Die Kraft dieser Himmelsspeise Diese Speise ist eine Quelle reich4. 4. 3-5. 4. 17. 4. Einladung zum Tische des Herrn 4. 1. 1. 13. Vortrefflichkeit des heiligen Geheimnisses 4. 1. 6-9. 4. 17. 5. 4. 9. 6. 2. 1. 1-6. 3. 55. 3. 14. 2. 3. 23. 9. 1. 19. 2-7 4. 13. 2. 3. 4. 3. 4. 4. 2. 4. 4. 11. 3-5. licher Güter. 4. 4. 3. Bekenntniß unsrer Nachlässigkeit 4. 1. 1. 12. zur Vermehrung der gewöhnl. Andachten. 4751 Buch. Kap. Parag. Wie groß die Vorbereitung sein soll 4. 1. 4. 5. Verdemüthigung vor Gott. 4. 14. 1. Bitte um Licht und Gnade. 4. 4. 1. 4. 6. 1. 2. 4. 12. 1-3. 4. 10. 5. 4. 2. 5. 4. 4. 2. Vorbereitung zur Kommunion Reinigkeit des Gewissens Lebendiger Glaube Heftiges Verlangen Glühende Andacht Ehrfurcht und Anbetung Genuß des heiligen Sakramentes voll Hoffnung und Liebe. Danksagung Lob und Jubel ♦ ◆ Geistliche Kommunion . Bitte um geistlichen Nußen aus der Kommunion Wachsamkeit über sich selbst Defterer Empfang des heiligen Sakramentes 4. 14. 1. 2. 4. 1. 7. 4. 11. 1. 4. 11. 2. Vor der Predigt oder Christenlehre. Bereite dein Herz dem göttlichen Bräutigam. 4. 17. 2, 3 4. 3. 1. 2. 4. 2. 6. 4. 11. 5. 4. 1. 8. 4. 2. 3. 4. 4. 17. 5. 4. 14. 2. 3. 4. 12. 4. 4. 10. 5. 6. 4. 3. 2. 3. 4. 10. 6. VII. Zur Vefperandacht. 3. 2. 2. 1. 1. 2. 476 Inhalt von Kapitel. Suche Jesum vor allen Dingen Betrachtung der Wohlthaten Gottes. Dankbarkeit gegen Gott. Lob Gottes. • Eigenschaften der wahren Liebe Sehnsucht der Seele, ewig mit Gott vereiniget zu sein. Vorbereitung Erste Stufe. Gebet um Gnade zur Bekämpfung der bösen Natur VIII. 3ur Kreuzwegandacht. ( Besonders in Tagen der Trübfal.) Dritte Stufe Gebet um Standhaftigkeit Vierte Stufe ♦ Zweite Stufe Gebet um die Gnade der Abtödtung Gebet. Ergebung in den Willen Gottes Buch. Kap. Parag.- 2. 8. 1-3. ♦ Fünfte Stufe Gebet. Hingebung und Bitte Sechste Stufe. Gebet. Gänzliche Hingabe Siebente Stufe Gebet. Dank und Freude über den Trost des Herrn 3. 22. 3. 5. 1. 1. 25. 9. 4. 17. 4. 3. 5. 3-6. 3. 21. 3-5. 3. 48. 1-3. 2. 12. 1. 2. 12. 2. 3. 55. 2. 12. 3. 3. 48. 6. 2. 12. 4. 3. 19. 4. 5. 2. 12. 5. 3. 15. 3. 2. 12. 6. 3. 17. 4. 2. 12. 7. 3. 17. 2. 2. 12. 8. 3. 52. 1. zur Vermehrung der gewöhnl. Audachten. 477 Buch. Kap. Parag. 2. 12. 9. 3. 46. 5. 2. 12. 10. 3. 18. 2. 2. 12. 11. 3. 18. 3. 2. 12. 12. Achte Stufe. Gebet bei Verläumdungen Neunte Stufe. Gebet im Leiden Zehnte Stufe Gebet. Uebung der Geduld. Eilfte Stufe Gebet in Versuchungen, Trostlosigkeit und Gefahren. • Zwölfte Stufe. Gebet. Zuchtruthe des Herrn. Dreizehnte Stufe Gebet. Hoffnung ewiger BeHingabe unter die lohnung Vierzehnte Stufe Gebet. Sehnsucht nach dem Himmel 3. 50. 1. 2. 2. 12. 13. 3. 50. 5-7 2. 12. 14. 3. 57. 4. 2. 12. 15. 3. 48. Bei Gebr. Karl und Nikolaus Benziger in Einsiedeln, New- York und Eins cinnati find ferner( nebst mehr denn 200 andern Andachtsbüchern) erschienen: Befe und arbeite. Gebet- und Erbauungsbuch für heilsbegierige Seelen, besonders für fromme Landleute. Von Pfarrer Zimmermann. Approbation. 2. Aufl. Mit 2 FarbendruckBildern. 18. 1872.( 480 Seit.) 9 Sgr. 30 kr. Fr. 1. 5 6. Cochem, P. Martin v. Der goldene HimmelsSchlüssel. Gr. Druck. Approbation. 5. Aufl. 5 Bilder. 12. 1870.( 380 Seiten.) 11 Sgr. 36 fr. Fr. 1. 25 C. Großer Nyrrhengarten des bittern Leidens und Sterbens unsers Herrn Jesus Christus. Enthaltend die kräftigsten, auf das Leiden Christi gerichteten Morgen-, Abend-, Meß-, Vesper, Beicht- und Communiongebete. Neu Herausgegeben und vermehrt v. P. Friedrich Willam, O. S. B. Approbation. Mit 4 Bild. 12. 1871.( 400 Seiten.) 11 Sgr. 37 fr. Fr. 1. 30 C. Effinger, P. Conrad M., O. S. B. Seiftlicher Wegweiser für Sheleute. Lehr- und Gebetbuch für christliche Hausväter u. Hausmütter. Approb. 2. Aufl. 4 Stahlst. Gr. 18. 1872. ( 448 Seiten.) - - 19 Sgr. fl. 1. 3 fr. Fr. 2. 20 C. Sinauf zu Soff! Gebet- und Erbauungsbuch für heilsbegierige Seelen. Approbation. Mit 4 Bild. Gr. 18. 1872.( 432 Seit.) 9 Sgr. 30 kr. Fr. 1. 5 C. Effinger, P. Conrad M., O. S. B. Nachfolge Mariä oder die seligste Jungfrau und Gottesmutter Maria in Betrachtungen. Nebst Gebetbuch. Approb. 6. Aufl. Mit 4 Bild. 12. 1872.( 480 Seit.) 13 Sgr. 43 kr. - - Feine Ausgabe. 4 Stahlstiche. Fr. 1. 50 C. Egger, Aug., Pfarrer. Lob Sottes im Munde der Anschuld. Ein kath. Gebetbüchlein für die lieben Kinder. Approbation. 5. Auflage. Mit Bild. 48. 1873.( 120 Seiten.) 11/2 Sgr. 5 fr. 16€. Himmelsschlü kleiner, Gebet- u. Erbauungsbuch für Kathclifen. Neue verbesserte und vermehrte Ausgare. Mit 3 Bildern. 18. 1872.( 384 Ecit.) 51/2 Sgr. 18 fr. 65€. - Kempen, Thomas, v. Bier Bücher von der Nachfolge Jefu Chrifti. Mit Gebetbuch. No. 1. Miniatur- Ausgabe. Mit Approb. 8. Auflage. 4 Chromo- Bilder. 32. 1873. 7 Sgr. 23 fr. 80€. ( 520 Seit.) Ar. 2. Ausgabe in mittlerem Druck. 28. Auflage. Mit 4 Bild. 1872.( 480 Seit.) 7 Sgr. 23 fr. 80€. Feine Ausgabe. 4 Stahlstich. 13 Sgr. 42 fr. Fr. 1. 50 C. No. 3, Ausgabe in größerem Druck. 3. Aufl. Mit 6 Bild. 12. 1869.( 360 Seit.) 8 Sgr. 27 tr. 95 G. 1 19 Sgr. fl. 1. 3 fr. Fr. 2. 20 C. ― Kirchengebete, kath., lateinisch und deutsch nach dem römischen Missale und Brevier, sammt den gewöhnl. Andachtsübungen. Approb. 5. Aufl. Mit Titelbild. 32. 1873.( 240 S.) 31/2 Sgr. 11 fr. 35( S. Mennel, Fr. Seil. Aloysius, Vorbild und Patron der christlichen Jugend. Gebet- und Erbauungsbuch. Approbation. 19. Aufl. 2 Bild. 18. 1871.( 432 Seit.) 7 Sgr. 23 fr. 80€. Nakatenus, Wilhelm. Himmlisches Palmgärtlein. Gebet- und Andachtsbuch. Approb. No. 1. Ausgabe ohne Einfassung. 6. Aufl. Mit 2 Farbendruck- Bildern und feinen Vignetten. 32. 1872.( 320 Seiten.) - - 5 Sgr. 17 fr. 60 C. No. 2. Ausgabe in schwarzer Einfassung. 9. Aufl. 2 Farbendruck- Bilder. 24. 1873.( 480 Seiten.) 9 Sgr. 30 fr. Fr. 1. 5 C. No. 3. Feinste Ausgabe in violetter Einfassung. Mit zwei Stahlstichen und feinen Vignetten. 4. Aufl. Gr. 24. 1872. ( 320 Seit.) 101/2 Sgr. 35 fr. Fr. 1. 25€. Rosengärtlein, marianisches. Ein katholisches Gebetbuch für Verehrer d. allerfel. Jungfrau Maria. Ausgabe Nr. 1. 2. Aufl. Mit 3 Chromo- Bild. 32. 1872.( 400 Seiten.) 61/2 Sgr. 21 fr. 75 C. Sigriff, Jof. G. Tägliches Lob Gottes. Ratho lisches Gebet und Erbauungsbüchlein. Approbation. 3. Auflage. Mit Titelbild und Vignetten. 24. 1871.( 256 Seiten.) 31/2 Sgr. 12 fr. 40 G. Tag, der durch das Gebet und die Betrachtung geheiligte. Mit der Hl. Messe, wie sie ter Priester am Altare liest; deutsch und lateinisch. Nebst allgemeinen Andachten. Approb. Ausgabe No. 1. 21. Aufl. Mit 2 Bildern. 18. 1872.( 352 Seiten.) 61/2 Sgr. 21 fr. 75€. M Frida gäßer کے پہلے Inches 1 Centimetres Blue 2 3 Cyan 2 4 15 Farbkarte# 13 ¹6 3 Green fr 8 Yellow 9 4 10 Red 11 12 LO 5 13 Magenta 14 6 15 White 16 17 7 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 8