Gb 8 2 2 Der Marianische Dreißigste Dreißig Betrachtungen das Leben und die Schmerzen der göttlichen Mutter. oder über Nebst den vorzüglichsten Andachtsübungen eines Christen. Fünfte uflage, Mit Gutheißung der hochwürdigsten Ordinariate Trient und Briren. Mit einem Stahlstich. Bozen, 1850. Druck und Verlag der J. Eberle'schen Buchhandlung. Gb 822 Univ.- Bibl. Giessen Borrede. Die Worte des sterbenden Gott- Menschen am Kreuze, wodurch Er Seine liebe Mutter dem heil. Johannes, und diesen Seinen geliebten Jünger Seiner Mutter empfahl, da Er zu diesem sprach:„ Sieh' deine Mutter!"- und zu Maria:„ Sieh' deinen Sohn!"*) Diese Worte Jesu sah die Christenheit von jeher als eine Aufforderung an, *) Joann. XIX. 26. 27. 1* VI daß wir zu Maria, als der uns von Jesus gegebenen Mutter, ein findliches Zutrauen tragen, daß wir sie als die allgemeine Christen Mutter ehren sollen. S Dieser Anweisung ihres göttlichen Stifters folgend rufte die heil. katholische Kirche in ihren vielfältigen Nöthen und Anliegen jederzeit die Mutter Gottes um ihre Fürsprache bei ihrem göttlichen Sohne an, Der auf ihr Vorwort das erste Seiner unzähligen Wunder auf der Hochzeit zu Kana gewirket hat.*) Nie war ihr Gebeth fruchtlos; oft folgte wirklich außerordentliche, wunderbare Hilfe. Darum, will die Kirche, sollen wir immer dankbar und vertrauend zu Maria rufen:„ Du Zuflucht der Sünder; Du Trösterin der Betrübten; Du Hilfe der Christen; bitt für *) Joann. II. 3. V uns!"*) Darum führte sie so viele Fe ste zur Verehrung der göttlichen Mutter, zur dankbaren Erinnerung an den durch ihre Fürbitte erhaltenen Schutz**) ein. Diese in dem heil. Evangelium, und in den Lehren und Verordnungen der von Jesus bestellten rechtmäßigen Auslegerin desselben, der christkatholischen Kirche, gegründete, durch die beständige Erfahrung bewährte, von den heil. Vätern nachdrücklich empfohlene Verehrung der Mutter des göttlichen Erlösers übten die wahren Gläubigen seit den ersten Zeiten der Christenheit mit großer Frucht und Nußen aus. Ihrer Verehrung widmeten sie unter den Wochentagen vorzüglich den Sonnabend, und *) Lauret. Litanei. **) 3. B. das Fest des heil. Nosenkranzes wegen des am VI wenigst seit 400 Jahren jene dreißig Tage, die auf das hohe Fest ihrer glorreichen Aufnahme in den Himmel folgen( vom 15. August bis einschließlich 13. Septemb.) zum dankbaren, lehr- und trostreichen Andenken an jene dreißig Jahre des verborgenen Lebens Jesu von Seiner Geburt bis zum Antritte Seines öffentlichen Predigtamtes, während welchen 30 Jahren der ewige wah re Sohn Gottes als wahrer Mensch unter der Aufsicht und Obsorge Seiner jungfräulichen Mutter zu stehen Sich gewürdiget hatte.*) Den wahren Verehrern der Mutter Got tes für diese 30 Tage, die unter dem Na7. Oktober 1571 über die Türken erfochtenen Sieges; das Fest des heil. Namens Maria wegen der am 11. Sept. 1683 erfolgten Befreiung der Kaiserstadt Wien. *) Luc. II. 51. VII men: der Marianische Dreißigste" allenthalben bekannt sind, etwas in die Hand zu geben zur Nahrung ihrer Andacht, zu ihrer Belehrung und Erbauung, was sie auch die übrige Zeit als ein Gebeth- und Unterrichts- Buch brauchen können, wurde dieses Büchlein im Jahre 1814 zusammengetragen, 1823 mit einigen wenigen Abänderungen das zweitemal, 1830 das drittemal, 1835 das viertemal abgedruckt, und erscheint nun das fünftemal. Der, ohne Den alles Bauen unnütz, alles Wachen vergeblich,*) Der, ohne Den weder der, der pflanzet, noch der, der begießet, etwas ist, Der Allein das Wachsthum und Gedeihen gibt,**) wolle diesem nun abermal in Seinem Namen, zur Ehre *) Ps. CXXVI. 1. 2. **) I. Cor. III. 7. VIII der Jungfrau„ voll der Gnaden," der„ Gebenedeiten unter den Weibern"*) ausgestreuten Saamenförnlein Seinen allein wirk samen göttlichen Segen schenken zum Heile deren, die es lesen und gebrauchen werden! *) Luc. I. 28. Ermunterung zur Andacht und zum Vertrauen gegen die seligste Jungfrau und Mutter Maria. Aus einer Rede des heiligen Vaters und honigfließenden Lehrers Bernhard.*) " Denken und erwägen wir, welch' eine zärtliche gefühlvolle Andacht gegen Maria Gott von uns verlange, da er die ganze Völle alles Guten in ihr versammelt hat, so zwar, daß, wie wir wissen, alle Hoffnung, die wir haben, alle Gnaden, alles Heil durch sie uns zugeflossen ist, die voll der Gnaden war. Sie ist ein wahrer Lustgarten, den der fruchtbare himmlische Gnadenwind nicht nur angeblasen, sondern ganz durchdrungen hat, so daß der Wohlgeruch und die heilsamen Salbungen ihrer Gnadenblumen sich überall hin ergießen und ver*) Serm. II. De Virgine Deipara. 1** 10 breiten. Wenn die Sonne, welche die Welt erleuchtet, nicht wäre, wo wäre der Tag? Hätten wir Maria, diesen Meeresstern, nicht, Maria, den Stern dieses großen und weiten Weltmeeres, was bliebe dann unserm Geiste übrig, als ringsumher dichte Nebel, Todes Schatten, die dunkelsten Finsternisse? Lasset sie uns also aus dem innersten Grunde un sers Herzens, mit wahrer Zärtlichkeit und Inbrunst verehren; denn so will es derjenige, der haben wollte, daß wir alles, was wir haben, durch Maria haben sollten! So will es, sage ich, Gott; doch nur zu unserm Heile. Da er alle unsere Armseligkeiten ganz kennt, wollte er uns alle Mittel verschaffen, uns Furchtsamen Muth zu machen, in uns den Glauben zu erwecken, unser Vertrauen zu stärken, uns alles Mißtranen zu benehmen, uns in der Kleinmuth zu trösten und aufzurichten. Adam, nachdem er gesündiget hatte, getraute sich nicht mehr, vor dem himmlischen Vater sich sehen zu lassen; er erschrack, da er seine Stimme hörte, und verbarg sich im Gebüsche. Geht es dir etwa manchmal auch so? armes Adamskind! Da rum gab dir Gott, der Vater, Jesum zum Mittler. Was soll ein solcher Sohn bei ei ODDE 11 nem solchen Vater nicht erhalten? Er wird ja wegen seiner Würde erhöret werden; denn der Vater liebet seinen Sohn. Oder getrauest du dich etwa auch zu ihm nicht? Er ist dein Bruder, dein Fleisch, und hat, da er alle unsere Armseligkeiten, die Sünde allein ausgenommen, erfahren hatte, gelernet, mitleidig zu sein. Und denke, diesen Bruder hat dir Maria gegeben. Aber vielleicht scheuest du auch an ihm die göttliche Majestät und Herrlichkeit, weil er, obschon er Mensch geworden, doch zugleich Gott geblieben ist. Wünschest du auch bei ihm einen Fürsprecher zu haben? Owende dich nur zu Maria! An ihr findest du nur die Menschheit, doch eine Menschheit, welche nicht nur von aller Befleckung irgend einer Sünde ganz rein, sondern auch von einer ganz besonderen Würde ist. Daher kann ich mit Gewißheit sagen: auch sie wird wegen ihrer Würde erhöret werden. Der Sohn wird ja die Mutter, und der Vater den Sohn erhören. Meine Kinder! dies ist die Leiter für uns Sünder, dieß mein größies Vertrauen, der ganze Grund meiner Zuversicht. Kann wohl der Sohn eine abschlägige Antwort geben oder erhalten? Kann er nicht erhören, oder nicht 12 erhöret werden? Wahrhaft keines aus beis den. Du hast Gnade gefunden, sprach der Engel zu Maria; Du hast bei Gott Gnade gefunden! O was für ein Glück! Sie wird immer Gnade finden, und diese allein ist's, was wir immer, was wir vor allem und in allem brauchen, was alles in sich einschließet." Von dem heiligsten Namen Maria schreibet der nämliche heil. Vater Bernhard*) also: „ Der Name der Jungfrau, lies't man in dem heiligen Evangelium, hieß Maria. Bleiben wir ein wenig stehen bei diesem Herrlichen Namen, der seiner Bedeutung nach so viel sagen will, als ein Meeresstern, und der jungfräulichen Mutter ganz angemessen ist. Man vergleicht sie ganz schicklich mit einem Gestirne; denn gleichwie der Schimmer den das Gestirn von sich gibt, demselben nichts benimmt, so hat diese Jungfrau ohne allen Nachtheil ihrer Jungfrauschaft den Sohn Gottes geboren. Das Gestirn verliert nichts durch den Glanz, den es verbreitet; eben so *) Homil. II. super missus est. istioon 13 wenig hat Maria durch die gebenedeite Frucht ihres Leibes, die sie zur Welt gebracht, an ihrer Unversehrtheit verloren. Sie ist also jener edle aus Jakob aufgegangene Stern, dessen göttlicher Strahl die ganze Welt erleuchtet; dessen Glanz in der Höhe schimmert, alle Tiefen durchdringt, auf der Erde Licht und Wärme verbreitet, doch mehr über die Herzen, als über die Leiber; indem dadurch die Tugenden genähret, die Laster ersticket werden. Sie, sage ich, ist jener hellglänzende, jener funkelnde Stern, der uns, die wir auf diesem weiten und gefahrvollen Weltmeere herumsegeln, so nothwendig ist, der uns dort oben in der Höhe mit seinen Verdiensten vorschimmert, uns durch seine Beispiele den Weg weiset. O seyst du, wer du wollest, wenn du merkest, daß du in dem Laufe dieses deines Lebens auf der Erde mehr zwischen den Stürmen und Ungewittern, wie auf einem Meere, herumschwimmen mußt, als auf dem festen Lande gehen kannst, wende nur deine Augen nie von dem Glanze dieses Gestirnes ab, wenn dir doch daran liegt, daß dich die Wellen nicht fortreißen oder bedecken. Erheben sich die Sturmwinde der Versuchungen, gerathest du in die Klip 14 pen der Widerwärtigkeiten, sich hin auf diesen Stern, rufe Maria an. Wenn dich die stürmenden Wellen des Hochmuthes, des Ehrgeizes, der Verläumdung oder Eifersucht herumwerfen; sieh auf diesen Stern, rufe Maria an! Erschüttert der heftige Zorn, die Rachsucht, der Geiz, die Begierlichkeit des Fleisches das Schifflein deines Herzens; sich hinauf auf Maria! Wenn dich die Menge und Größe deiner Sünden völlig verwirrt macht, wenn du von der Abscheulichkeit deines Gewissens beschämt, aus Furcht vor dem dir bevorstehenden schrecklichen Gerichte zitterst, so daß du schon anfängst, in die tiefste Trauer und ängstlichste Bangigkeit zu versinken, von den Abgründen der Verzweiflung verschlungen zu werden; denke doch an Maria, rufe Maria an! Laß Maria nie aus deinem Munde, gar nie aus deinem Herzen! Und um die Hilfe ihrer Fürbitte desto sicherer zu erhalten, laß auch das rührendste Beispiel ihres heiligsten Wandels nie aus deinen Augen! So lang du ihr nachgehest, verlierest du den rechten Weg nie; so lang du sie bittest, und sie für dich bittet, darfst du nicht verzweifeln; so lang du sie wahrhaft in dem Herzen und in dem Sinne hast, gehest du 15 nicht irre. Wenn sie dich haltet, fallest du nicht; wenn sie dich schüzet, hast du nichts zu fürchten; wenn sie dich führet, wirst du nicht müde; wenn sie sich deiner annimmt, erreichest du sicher dein Ziel. Und so wirst du es an dir selbst erfahren, wie wahr, wie trostreich die Worte sind: Und der Name der Jungfrau hieß Maria." Dreißig Betrachtungen auf alle Tage des Marianischen Dreißigsten. Erster Tag. Maria die Königin Himmels und der Erde unsere Mutter. Betrachtung. Gleichwie Maria einst auf der Erde an allem Leiden ihres göttlichen Sohnes Theil nehmen mußte, so nimmt sie auch jetzt seit ihrer glorreichen Aufnahme in den Himmel an aller Seiner Glorie und Herrlichkeit Theil. Gleichwie ihr göttlicher Sohn nun sißt zur Rechten seines himmlischen Vaters, und mit 16 Ihm herrschet und regieret; so sitzt Maria vor allen andern Geschöpfen zunächst bei Ihm, und herrschet mit Ihm. Mit Recht ehret sie also die ganze Christenheit als die Königin Himmels und der Erde. Schon einst auf der Erde nannte sie der Engel gnadenvoll; wie voll der Gnaden wird sie erst jetzt im Himmel seyn? Mit dem tröstete der am Kreuze hängende, mit dem Tode ringende, sterbende Gottmensch Seinen zärtlich liebenden und innigst geliebten Jünger und Apostel Johannes, daß Er ihn der göttlichen Mutter, und die göttliche Mutter ihm empfahl. Aber nicht nur den Johannes, sondern auch uns alle, alle die Seinigen, die Er liebte bis an's Ende, hat der göttliche Erlöser damals Seiner lieben Mutter anempfohlen; uns allen Seinen Brüdern hat Er dadurch befohlen, Maria als unsere Mutter zu ehren, zu lieben. Anmuthung.sois? simtin O welcher Trost für uns Weinende und Trauernde in diesem Thale der Zähren, daß wir eine Mutter, und zwar eine solche die über die Chöre aller Engel und Heiligen weit erhabene Königin Himmels und der Erde, 17 die gekrönte Mutter des Sohnes Gottes, unfers Erlösers, zu unserer Mutter haben! Wohin können wir in allen Trübsalen und Widerwärtigkeiten dieses armseligen Lebens wohl zuversichtlicher fliehen, als unter ihren mütterlichen Schutz und Schirm! Als Ein Herz und Ein Sinn mit ihrem göttlichen Sohne liebte sie uns einst schon auf der Erde unermeßlich; welche Liebe wird sie erst nun in dem Himmel zu uns tragen? Mit vollem Vertrauen rufen wir also in allen unsren Nöthen und Anliegen zu Dir, unserer lieben Frau und Königin, Mutter der Barmherzigkeit, unserer gnädigsten und mächtigsten Fürsprecherin! Verschmähe nicht unser Gebet, welches wir vor diesem Deinem schon alten Gnadenthrone ausgießen, sondern wende deine barmherzigen Augen auf uns, besonders während dieser 30 Tage, da wir uns hier versammeln zur Ehre jener 30 Jahre, welche einst Dein göttlicher Sohn unter Deiner mütterlichen Sorge und Aufsicht zugebracht hat! Erhalte uns bei ihm, Den wir in dem heiligsten Altars Sakramente mit tiefster Ehrfurcht anbeten, vorzüglich die Gnade, daß wir während dieser Andacht Sein bitteres Leiden und Sterben, und alle Dir - - 18 dadurch verursachten Schmerzen recht zu Herzen nehmen, und aus der Betrachtung der selben wahrhaft Trost und Hoffnung schö pfen mögen. Laßt im Leid uns nicht verzagen, Die wird Sorge für uns tragen, Die uns von dem Kreuz' herab, Jesus Selbst zur Mutter gab. Zweiter Tag. Maria die beste Trösterin. Betrachtung. Seitdem die Sünde, und mit dieser al les Unheil in die Welt eingegangen, ist die selbe ein wahres Jammerthal. Nirgends findet man mehr wahren Frieden, ungestör te Ruhe, beständiges Glück. Jeder Stand hat seine Last, jeder Mensch sein Kreuz, bald mehr, bald weniger. In diesem Zustande brauchen wir immer Trost. Insgemein sucht man selben bei den Menschen. Es wird ei nem auch schon merklich ringer, wenn man 19 seine Noth nur einmal einem Vertrauten hat klagen können. Allein wie selten sind die guten Freunde, besonders zur Zeit der Noth? Wie oft sind wir zu weit von ihnen entfernt? Wie oft können uns auch die besten Freunde nicht helfen? Wie oft kommt man gar an einen falschen Freund? Wie manchmal sind unsere Leiden so beschaffen, daß wir sie auch dem innigsten Freund nicht klagen können oder wollen? Vor Maria dürfen wir uns nie scheuen; sie ist unsere wahre Muiter, die mit ihren Kindern immer das aufrichtigste, innigste Mitleiden trägt. Ihrem göttlichen Sohne ist nichts unmöglich, und Er kann Seiner so lieben Mutter nichts versagen, um was sie Ihn für uns bittet; sie kann uns also auch immer helfen. Sie sieht und hört uns überall; noch Niemand hat umſonst zu ihr gerufen. Wie der göttliche Sohn, so ist auch Maria die allgemeine Retterin und Zuflucht, nicht nur für die Gerechten, sondern auch für die reumüthigen Sünder. Anmuthung. Warum sollen wir also in unserer Trübsal bei den Menschen Trost suchen? bei den 20 Menschen, die oft unsern Klagen wenig Ge hör geben, oft wohl gar, wenigstens heimlich dazu lachen; nicht selten das Vertrauen, das wir ihnen schenken, mißbrauchen; die gehei me Noth, die wir ihnen klagten, offenba ren, und uns dadurch auch noch beschämen! Warum sollten wir auf diese Weise das Übel, das wir leiden, statt kleiner, wohl et wa noch größer machen?- Nein, das wol len wir nicht. Du göttliche Mutter! Du bist die beste Trösterin in allen Betrübnis sen. Vor allen andern wollen wir Dir die Noth klagen, vor Dir unser banges Herz unter stillen Thränen aufschließen, uns Dit anempfehlen, und dann erst unsern vertrau testen Freunden, wenn wir doch glauben, daß uns etwas damit geholfen ist, ent decken. Vertrau' auf Freunde nicht allein, Sonst wirst du oft verlassen sein. D'rum suche bei Maria Trost, Die nie die Ihrigen verstoßt. Dritter Tag. Maria die am meisten Leidende. 21 Betrachtung. Unter allen Beispielen des Leidens, welche uns die heilige Geschichte aufgezeichnet hat, scheint doch dem ersten Anblicke nach jenes der machabäischen Mutter das heftigste gewesen zu seyn. Sieben Söhne hatte sie mit aller mütterlichen Sorgfalt und Mühe auferzogen, und alle sieben, einen nach dem andern, mußte sie unter den grausamsten Peinen und Martern hinrichten sehen.- Maria hatte zwar nur einen einzigen Sohn, aber wie lange dauerte sein Leiden? Von seinem armen Eintritt in diese Welt bis zu seinem bitteren Tode, von dem Stalle bis an das Kreuz. Und wer war dieser einzige Sohn? Er war zugleich der ewige eingeborne Sohn Gottes des himmlischen Vaters, wahrer Gott vom wahren Gotte von Ewigkeit her gezeuget, die Bewunderung und Freude der Engel, das Verlangen der Erzväter und Könige des alten Bundes, die Hoffnung aller 22 Begnadigten im neuen Bunde, das Heil und der Retter des ganzen gefallenen Menschen geschlechtes. Und wie mag die göttliche Mut ter diesen ihren einzigen göttlichen Sohn, den sie als eine unversehrte Jungfrau vom göttlichen Geiste empfangen, als die reinste Jungfrau geboren, als eine immerwährende Jungfrau auferzogen, wohl geliebt haben! Wie tief muß ihr also Sein so langes, so verschiedenes, so schmerzhaftes Leiden zu Her zen gegangen seyn! Aber hatte Maria wohl nur einen einzigen Sohn? Sind nicht auch wir alle ihre Kinder? Ja auch alle unsere Schmerzen empfand ihr erleuchtetes, zärtli ches Mutterherz; doch ganz vorzüglich that es ihr wehe, daß ungeachtet eines solchen Leidens ihres erstgebornen göttlichen Sohnes doch so viele von uns, ihren Kindern, gleich sam unaufhaltsam, dem ewigen Untergange zueilen. Anmuthung. O dann, so stehet still ihr alle, die ihr da auf der Straße bei diesem schon alten Gnadenthrone der schmerzhaften Mutter vor übergehet! Stehet still, betrachtet sie ein wenig und saget selbst, ob es einen Schmer MON zen gebe, den man mit dem Schmerzen dieser Mutter vergleichen könnte! Messet oder wäget alle eure Kreuze der Länge, der Breite, der Schwere nach, mit dem Kreuze eurer Mutter! Und wenn sie so viel leiden mußte, wer von uns darf sich wohl über sein, gegen den ihrigen immer nur kleines Leiden, beklagen!Wir wollen uns aber auch nicht mehr beklagen, sondern nur bitten: Erhalte uns die Gnade, daß wir uns unsere Leiden alle recht zu Nußen machen, und dadurch an den unendlichen Verdiensten des Leidens deines göttlichen Sohnes, und an deinen dabei ausgestandenen Schmerzen wahren Antheil nehmen mögen. Laßt uns nicht immer murren, klagen, Vielmehr das Kreuz geduldig tragen, Ist uns're Last auch noch so schwer, So litt Maria dennoch mehr. 23 Vierter Tag. Maria die unschuldigst Leidende. Betrachtung. Es macht das Leiden noch schwerer, wenn man weiß, daß man das, was man leidet, 24 unverdient, unschuldiger Weise leiden muß.Wer war denn aber unschuldiger, als Maria? Nicht einmal der Schatten der Erbsünde hat te sie berühret, vielweniger die Makel irgend einer, auch nur der kleinsteu wirklichen Sünde. Denn( so lehren unsere unfehlbaren Glau bensväter) wie sollte es einem wohl einfal len können, daß die zu der höchsten Würde, zur Würde der göttlichen Mutterschaft, aus erwählte Seele auch nur einen einzigen Au genblick eine Feindin Gottes, ein Unterthan des Teufels gewesen seyn sollte? Die Ar che des alten Bundes war aus unverwesli chem Holze gemacht, und mit dem reinsten Golde überzogen; dieß war ein Vorbild der geistlichen Unversehrtheit der lebendigen Ar che, der unbefleckten Mutter des Urhebers des neuen Bundes, des Glanzes ihrer Tugen den. So wenig sie also an der Schuld des Adams Theil nahm, eben so wenig hät te sie an der Strafe derselben Theil nehmen sollen. Und wie hat sie es wohl an den Menschen verdienen können, daß sie ihr so viel Leid verursachten? Die Heiligste erfüll te immer alle ihre Schuldigkeiten gegen ihre Nebenmenschen auf das pünktlichste. Ihr Herz war voll der reinsten, redlichsten Liebe; - ihr Gefühl höchst mitleidsvoll gegen Andere. Wie viele Gnaden von Gott sind durch fie auf uns ausgeflossen!- Und doch sitzt sie hier betrübt bis in den Tod und weinet! Anmuthung. O unschuldigste Jungfrau und Mutter! wenn ich Dich betrachte, kann ich nichts als schweigen. Wer von uns ist ohne Sünde? Habe ich an dem, was ich leide, feine Schuld? Wie oft hätte ich durch meine Sünden wohl noch größere Strafen verdienet? Und sollte. ich auch wirklich völlig unschuldig leiden, o welcher Trost für mich, wenn ich denken kann, daß ich als Kind meiner Mutter, und ihrem göttlichen Sohne, dem geschlachteten Lamme ohne Makel, welches sie uns da zeigt, gleiche! Maria ist betrübt von Herzen, Und ich bin schuld an ihren Schmerzen, 25 Und ich verlange nur allein, In Freud' und nie im Kreuz zu sen. 2 26 Fünfter Tag. Maria die wahrhaft Leidende. Betrachtung. Die Menschen machen sich viele Leiden ganz selbst; viele bilden sie sich gar nur ein Die Gottesfurcht Abels war dem Kain ein Dorn im Auge. Die Söhne Jakobs konn ten ihren unschuldigen Bruder Joseph nicht leiden. Um dergleichen Leiden wußte die göttliche Mutter freilich nichts. Ihr reinste Herz war von allem Neide, von aller Eifer sucht, von allem Zorn, von allem Haß gänz lich frei. Ihr allein wurde die tröstliche Versicherung gemacht, daß sie bei Gott Gna dr gefunden habe. Dafür dankte sie ohn Unterlaß. Durch ihre Demuth zog sie im mer noch mehrere Gnaden von dem Himmel über sich herab. Und immer beeiferte sich, auch uns, allen Menschen Gnade erwerben. Sie pries Gott auch für di Gnaden, die Er Andern erwiesen hatte. Ihre Leiden waren keine eingebildeten, nicht Folgen einer angebornen Schwermuth. Durd Univ.- Bibl. Giessen 27 das Licht der Gnade erleuchtet, und durch die Kraft der göttlichen Liebe gestärket, hatte sie sich's zur Gewohnheit gemacht, heldenmüthig über alle Kleinigkeiten hinauszusehen. Allein wenn sie den, welchen die Engel des Himmels auf ihren Angesichtern liegend anbeten, ihren göttlichen Sohn, von Kindheit auf so mißkannt, so verachtet, so verfolgt sah, ging es ihr so zu Herzen, daß sie dabei ihre eigeneu, auch die heftigsten Leiden, völlig zu vergessen schien, aber um desto mehr, um desto bitterer über ihn und wegen seiner ſeufzte. Anmuthung. O liebste Mutter! dieß ist es, was ich Dir unter andern vorzüglich klagen muß, was mich so drückt, was alle meine Leiden insgemein vergrößert. Ich bin mir selbst die größte Last! Der Unmuth bemächtigt sich oft meiner auch wider meinen Willen. Ich kann mich oft an einem frummen Holze stoßen. Ich sehe es wohl manchmal ſelbst ein; aber ich bringe es nicht aus dem Kopfe. Der Geist ist bereit, aber das Fleisch ist schwach. Hilf du mir meine du mir meine Beklemmung, und allen Ehrgeiz, die Habsucht, die blinde 2* 28 Eigenliebe, alle meine Leidenschaften, die ins gemein die eigentliche verborgene Ursache da von sind, besiegen. Stärke mich, daß ich mir wenigstens die kleinsten Unannehmlich keiten nicht schwer fallen lasse, daß ich nichts fürchte, wo nichts zu fürchten ist, daß ich bei Betrachtung deiner wahren Leiden wenig stens diese meine vielleicht gar nur scheinba ren stillschweigend übertragen, ausschlagen, vergessen möge! Zorn, Haß, Eifersucht sind in so vielen Fällen, Uns'rer größten Leiden erste Quellen, Und wir sollen es dann wagen, Ueber Gott und Welt zu klagen? Sechster Tag. Maria die in der Geduld Unüberwindlichste. Betrachtung. Wenn von der Geduld die Rede ist, kommt uns insgemein Job zu Sinn. Die ser hat viel, hat standhaft gelitten; abe Maria hat ihn in dem Einen, wie in dem Andern übertroffen.- Job ist von dem größ 33321 29 ten zeitlichen Glücksstande in die äußerste Armuth und Verachtung herabgesunken. Die Ehre, das Glück, die Güter dieser Welt waren nie der Antheil Maria auf dieser Erde. Ihr Schatz war in dem Himmel, war Der, Der endlich von dem Himmel herabgestiegen, und ihr Sohn geworden ist. War denn aber dieser, der Schöpfer Himmels und der Erde, nicht ohne Vergleich mehr werth, als alle Seine Geschöpfe? Wie besorgt war sie für Ihn; und wie oft stand sie in Gefahr, unter so vielen Nachstellungen Seiner Feinde Ihn zu verlieren; und wie schmerzlich muß einer solchen Mutter der Verlust eines solchen Sohnes gefallen sein!- Wir bewundern den Job, wenn wir hören, daß er noch in seinem äußersten Elende, nackt und bloß, nur bedeckt mit Geschwüren und Wunden, Gott gepriesen, Ihm gedanket habe. So zugerichtet war Job doch nicht, wie da der Sohn Mariä auf ihrem jungfräulichen Mutterschooße liegt. Und was thut Maria in der Zeit dieses ihres höchsten Leidens? Heiße aber stille Thränen drängen sich über ihre blaßrothen Wangen herab; starr ist ihr Blick gen Himmel gerichtet; ihr Angesicht, wenn wir es recht betrachten wol- 30 len, drückt ihre tiefste Trauer und Betrübniß und zugleich ihre vollkommenste Unterwer fung, ihre heiligste Gelassenheit, ihre über natürliche, unüberwindliche Duldsamkeit aus. Anmuthung. O Geduld! o du schöne, o du edle Tu gend! Du allein kannst oft das Leiden rin ger machen! Du bist der größte Trost des Leidenden Christen! Du empfiehlst ihn Gott und den Menschen! Du machst die Kinder Maria ihrer Mutter am meisten ähnlich! Aber wie hart bist du zu erlangen! und wie noch härter ist es, dich in die Länge zu er halten! Kaum glaubt man dich zu haben, so vergehest du einem insgemein schon wie der!- Was Raths! Anknüpfen müssen wir, wo es abgebrochen ist; durch die ge duldige, stillschweigende Übertragung der klei nen täglichen Mühseligkeiten, lernen müssen wir, auch die uns manchmal treffenden grö Beren Übel zu ertragen; denken müssen wir: Das harte Brod macht stark; oft müssen wir unsere Augen auf den leidenden Je sus, und Seine mitleidende Mutter hin wenden. Ja Du, o größte Dulderin! theile doch auch uns nur etwas von deiner wahr 31 haft heldenmüthigen Geduld mit! Hilf uns diese im Leiden so nothwendige Tugend zu erhalten! Geduld kann jedes Leiden versüßen, Rur Teufel leiden, weil sie müssen, Der Fromme leidet auf der Welt Nur, weil es seinem Gott gefällt. Siebenter Tag. Maria die in allen Trübsalen Zufriedenste. Betrachtung. Zufriedenheit und Leiden, Leiden und Zufriedenheit scheinen nicht beisammen sein zu können. Doch findet man oft Leute, die bei allem Abgange, und bei allem übrigen Leiden zufrieden und vergnügt sind, weil sie sich leicht begnügen, und in Alles zu schicken wissen. So war unsere Mutter Maria beschaffen. O wie oft mangelte ihr das Nothwendigste! Wie viel mußte sie sich als eine sich nie nach dem Geschmacke der immer verkehrten Welt richtende Jungfrau, als die - 32 Dal in Gemahlin eines armen Zimmermannes, ihrem langen Witwenstande gefallen lassen Doch wußte sie, und vergaß es niemals daß Gott der Herr über Alles Nieman den etwas schuldig ist, aber Jedem gibt, so viel er will. Sie war daher immer dank bar auch für das Wenige, und zwar um so mehr, wenn sie manchmal Andere sah, die noch weniger hatten.- So vergaß sie auch in allen ihren Leiden die Hand nie, die al lein schlagen und heilen, tödten und lebendig machen kann. Versichert, daß der allweise und allgütige Vater im Himmel Seinen lie ben Kindern auf der Erde nie mehr auflege, als jeder tragen kann, und daß Seine Gna de immer unser Bedürfniß übersteige; verließ sie sich immer auf ihn; erhielt auch immer um so mehr Stärke und Kraft von oben herab, je mehr der Drang und die Schwere des Leidens zunahm. Kurz sie suchte und verlangte nur Gott, und war allzeit mit Ihm zufriedenAnmuthung. Oliebste Mutter! möchte ich doch auc wie Du beschaffen sein! möchte ich doch mit 33 den Gaben, die Gott mir zugetheilt, mich begnügen! Aber, ach! je mehr ich habe, desto mehr will ich. Daß so Viele, die doch vor Gott viel besser sind, als ich, nicht einmal so viel haben, daran denke ich gar nicht.- Und in den Widerwärtigkeiten schaue ich immer nur auf die Ruthe, die mich trifft, nicht auf die Hand, welche damit, immer nur zu meinem Heile, schlägt. Daß ohne Wissen und Willen oder Zulassung Gottes kein Spaß vom Dache fällt, kein Haar auf meinem Haupte gekrümmet wird; dieß laffe ich mir wohl selten einfallen. So laß mich diese und dergleichen Wahrheiten, die uns Dein göttlicher Sohn gelehret hat, doch nie mehr vergessen! So oft ich Dein Bildniß sehe, oder auch nur Deinen heiligsten Namen höre, will ich mich immer daran Dankbar will ich von der Hand Gottes das Gute und das Üble, wie Du, annehmen, damit ich auch in allen Vorfällen dieses veränderlichen Lebens so vergnügt und zufrieden, wie Du, sein und bleiben könne. erinnern. - - Leicht ist's im Glücke Gott ergeben sein, Doch auch im Unglück sich des Herrn freu'n Ist groß; dieß kann der wahre Christ allein. 2** 34 Achter Tag. Maria die bei allen Leiden Glückseligste. Betrachtung. Der kleine Joseph von seinen lieblosen Brüdern verkauft, mußte unter ganz frem den Leuten in ein ganz fremdes Land, muß te dort auch eine zeitlang ganz unschuldig leiden. Wohl ein harter Anfang, aber welch' ein glückliches Ende! Er wurde mit der Zeit die Zuflucht von ganz Egyptenland, endlich selbst der Retter seines eigenen Va ters und seiner Brüder, und auch während der Leidenszeit schickte ihm Gott manche Fren de. So machte es auch Gott mit seiner lieben Mutter. Auch ihre unaussprechlichen Leiden waren mit eben so großen Freuden untermischt. So sehr Maria Ursache hatte, sich bei der Ausschließung Jesu von Bethle hem, bei der Ankündigung Seines Leidens durch den frommen Simeon, bei der Verfol gung des Herodes, bei Seinem Verlust im Tempel, bei dem Hasse der Pharisäer gegen ihren göttlichen Sohn, bei Seinem letzten - 35 Leiden sich bitter zu betrüben; so sehr mußte sie der Gesang der Engel, die Ankunft der Hirten und der heiligen Könige bei der Krippe, der Gehorsam Jesu, Seine unzähligen Wunderwerke, Seine glorreiche Auferstehung und Himmelfahrt, die Ankunft des göttlichen Geistes, des Trösters erfreuen. Und wie groß mag ihre Freude erst gewesen sein, da sie nach vollendeter Wander- und Lebenszeit, frohlockend, umgeben von jubelnden Engelchören, mit Seele und Leib in den Himmel einzog! Hätten wir auch die prachtvollsten Triumphzüge der alten siegreichen Römer gesehen, so könnten wir uns doch die Majestät und Herrlichkeit des Einzuges Mariä in den Himmel noch bei weiten nicht genug vorstellen. Und wer wird erst die überschwängliche Freude fassen oder beschreiben können, da der verklärte Jesus und Seine jungfräuliche Mutter in der Herrlichkeit einander sich erblickten, sich einander umfingen?- Und dieß ist jener beste Theil Mariä, der von ihr nicht mehr wird genommen werden in Ewigkeit. - 36 Anmuthung. Müssen sie dann nicht billig alle Ge schlechter selig preisen? Darf es sie nun wohl reuen, so viel gelitten zu haben?- Bin nicht aber auch ich zu diesem ewigen Hochzeitfeste des göttlichen Lammes eingela den und berufen? Soll ich mich also nicht auch allzeit darauf freuen? Ja, wenn ich was immer schönes, herrliches, angeneh mes auf der Welt sehe oder höre, will ich mich immer an den Himmel erinnern, und denken: wie herrlich, ewig schön und angenehm wird es dort sein! Besonders in dem Leiden will ich, wie Du, o Mutter! oft gen Himmel aufblicken, weil ich nur um so mehr Hoffnung und Anspruch auf die Frenden desselben habe, je mehr ich jetzt an Deinen und Deines Sohnes Leiden Theil nehmen muß! Indessen will ich aber auch die Tröstungen, die mir Gott unter ab len Leiden zufließen läßt, die Stunden zum Ausschnaufen, die Er mir beim Aufsteigen zu dem auf einem hohen Berge gelegenen himmlischen Jerusalem vergönnet, die Strah len Seines Lichtes, die Er immerzu auch durch die dicksten Nebel durchscheinen läßt, - dankbar und fleißig benüßen, um von einem Staffel des Leidens zu dem andern steigen zu können, bis ich Dein und mein Ziel und Ende, Gott in dem Himmel, erreiche. O Christ! wenn Schwermuth dich befällt, Bedenk, die Leiden dieser Welt Sind kurz, und durch die kurzen Leiden, Verschaffst du dir die ew'gen Freuden. 37 Neunter Tag. Maria die Ungeachtetste. Betrachtung. Wie manche gute Perle, wie manches kostbare Edelgestein bleibt mit Staub bedeckt, verborgen, während dem falsche im Lichte glänzen! Wie vieles Gold und Silber liegt unbekannt in dem Schooße der Erde vergraben? Ein solches nie geachtetes Edelgestein, daß die Welt nie kannte, war Maria. Sie stammte vom königlichen Geblüte her. Ihre Vorältern waren Jahrhunderte lang auf dem 38 Throne Davids gesessen. Sie war eine Jungfrau voll der Tugenden und aller guten Ei genschaften, würdig neben einem großen Könige auf einem schimmernden Throne zu sit zen. Aber nein! nur ein armer Zimmermann ward ihr zu Theil; nicht an einen der Fürsten, der Großen, der Reichen Judenlandes, sondern mit dem Armen, aber auch besonders heiligen Joseph, ward sie vermählt. Aber warum ließ sich Maria, die sich doch Gott dem Herrn schon in ihrem frühesten Alter ganz geopfert und geschenket hatte, doch vermählen? Sie hatte es mit ihrem ebenso jungfräulichen Bräutigame schon vorher aus gemacht, daß sie ungeachtet ihrer ehelichen Verbindung doch immer in jenem englischen Stande der unversehrten vollständigen Rei nigkeit bleiben wollten. Doch wollte sie dies se Verbindung eingehen, um sich nicht durch die Abweichung von dem allgemeinen Ge brauche jener Zeit von Andern zu unterschei den, um die ihr von Gott besonders verlie henen Gnaden und Vorzüge auf diese Weise desto mehr vor den Augen der Welt zu ver bergen, um ihr Kostbarstes, die Jungfrau schaft, unter einem solchen Aufseher und 39 Vormunde desto sicherer zu bewahren; sie wollte es, weil es Gott so wollte. Anmuthung. O welch' ein Unterschied! Unsere Mutter suchte zu verbergen, was sie war, und wir wollen immer mehr scheinen, als wir sind. Maria war zufrieden und froh, daß sie von den Menschen nicht erkannt, so wenig geachtet wurde; uund wir streben überall nach eitlem Lobe und Ehre. Ja, es thut uns schon wehe, wenn unsere Fehltritte an den Tag kommen, wenn wir manchmal nur eine geringe, oft gar nur eine vermeinte Verachtung ertragen sollen. So weit sind wir Kinder von dem Beispiele unserer Mutter abgewichen! Aber wir wollen in uns gehen! Wir wollen uns um den Beifall, um das Lob der so veränderlichen Welt nicht bekümmern; über ihren Tadel, ihre Geringschätzung uns nicht betrüben, noch beklagen; aber dafür uns desto eifriger bestreben, uns immer mehr nach dem Willen Gottes zu richten, und uns Seines Wohlgefallens würdiger zu machen! Mit dem Stande, in den uns Gott gesehet hat, so ungeachtet und nie- 40 drig er auch sein mag, zufrieden sein, und unter Deinem Beistande, o Mutter! ficher hoffen, einstens um so höher zu steigen, je mehr wir jetzt erniedriget werden. Der wahre Christ der sucht vor Allem, Nur Gott alleinig zu gefallen; Spricht das Gewissen ihn von Fehlern frei, Was achtet er der Menschen Schwäßerei? Zehnter Tag. Maria die Wachsamste. Betrachtung. Wachet und betet, sprach der göttliche Heiland zu Seinen Jüngern auf dem Del berge, damit ihr nicht in Versuchung fallet. Diese wichtige Lehre hatte Maria schon von Jugend auf ausgeübet. Die Liebe zum Ge bete, die ihr ihre heiligen Aeltern, Joachim und Anna, schon so zu sagen von der Wiege an eingeflößet, die Gewohnheit, sich so oft vertraut mit ihrem Gott zu unterreden, die 11 41 sie sich während ihres Aufenthaltes in und bei dem Tempel eigen gemacht hatte, setzte sie auch in ihrem Ehestande fleißig fort. So sehr sie auch genöthigt und beslissen war, sich in ihrem Stande, zu dem sie Gott berufen hatte, ihr Brod mit der Arbeit ihrer Hände zu verdienen, fand sie doch dazwischen immer Zeit genug, jene erste und größte Pflicht gegen Gott und gegen sich selbst zu erfüllen. Schon in der frühen Morgenstunde, wo noch kaum die Vögel angefangen hatten, den Schöpfer durch ihren Gesang zu preisen, fand der zu ihr gesandte Erzengel Gabriel Maria in ihrer einsamen Kammer verschlossen, im Gebete und in der Betrachtung ganz in ihrem Gott vertiefet. Aber wie erschrack sie, da sie plötzlich den Engel neben sich sah!- und noch mehr, da sie seine Anrede hörte! obschon sein Aussehen sein Glanz, seine Sprache, alle Umstände etwas Übernatürliches verriethen, obschon er sie von seiner göttlichen Sendung versicherte, war sie doch nicht voreilig; Sie willigte nicht eher in sein Begehren, bis sie von dem ausdrücklichen Willen Gottes überzeugt war. Und wenn sie selbst da so sorgfältig war, wie behutsam, wie sorgfältig wird sie erst - 42 bei jeder andern Gelegenheit gewesen seyn, die ihrer Unschuld nur von weitem hätte ge fährlich werden können? Anmuthung. Meine Seele! du klagst oft über die vie lerlei Versuchungen, die du ausstehen mußt; du seufzest oft über die Gefahren, die dich umgeben. Gut; folge nur dem Gebote dei nes göttlichen Erlösers, und dem Beispiele Seiner göttlichen Mutter. Wache und be te, bete und wache! Der Teufel geht im mer herum, wie ein brüllender Löwe, und sucht, wen er verschlinge. Dieser Engel der Finsterniß verbirgt sich nicht selten unter der Gestalt eines Engels des Lichtes. Schau, gib wohl acht, wem du trauest! Man ken net den Vogel insgemein aus dem Gesange; womit man umgehet, davon wird man be sudelt. Fliehe nicht nur die nächsten, son dern auch die entferntesten Gefahren, nicht nur die großen, sondern auch die kleinsten Sünden, nicht nur allen Umgang mit den Bösen, sondern auch alle unnothwendigen, unsichern, besonders alle heimlichen Bekannt schaften. Wache über deine Augen, über 43 deine Ohren, über deine Zunge, über alle Sinne! Und bethe ohne Unterlaß! Denn das Gebeth, besonders das innerliche, die immer unter der Arbeit fortgesetzte Erhebung des Gemüthes zu Gott durchdringt die Wolken. Auch nicht ein einziger Seufzer, den du aus der Tiefe des Herzens zu Gott abschickest, geht verloren. Wer sich im Vertrauen und im Gebete nicht irre machen, nicht ermüden läßt, den kann Gott unmöglich zu Grunde gehen lassen. Der Menschen Leben ist ein Streit, Der Feind ist schlau, der uns bekrieget, Nur durch Gebet und Wachsamkeit, Wird seine List besieget. Eilfter Tag. Maria die Freundlichste. Betrachtung. Obschon die Ernsthaftigkeit in dem Betragen insgemein viel ficherer, und daher auch 44 viel rathsamer ist, so lehret uns doch das Beispiel der göttlichen Mutter, daß auch die Freundlichkeit gegen unsere Mitmenschen Pflicht ſei. Kaum hatte die seligste Jungfrau von dem Engel vernommen, welche große Gnade Gott der Herr der heiligen Elisabeth erwiesen, da machte sie sich gleich auf, und eilte über das rauhe, öde Gebirge in die Stadt Hebron, um ihrer heiligen Base ihre Freude zu bezeugen, und ihr Glück zu wün schen. Und Niemanden kann es unbekannt sein, wie zärtlich sie einander umfangen, wie einstimmig ste Gott gelobt, welch' ein gro Bes Wohlgefallen Gott selbst an diesem Be suche bezeigt habe. Aber nicht genug. Maria wußte, wie angenehm der heiligen Elisabeth in ihren Umständen ihre Dienst sein würden. Sie blieb daher bei ihr bis nach der erfreulichen Geburt des heiligen Vorläufers Johannes, und diente ihr mit aller Liebe und Sorgfalt, und zeigte dadurch, daß sie nicht nur dem Namen nach, sondern auch im Werke sei eine Dienerin und Mage, nicht nur des Herrn, sondern auch der Men schen. - - - 45 Anmuthung. O große Gottesmutter! was soll ich sagen, was soll ich denken, wenn ich dich, die Du verdienet hättest, nur von den Engeln bedienet zu werden, den Menschen dienen sehe? Muß ich mich nicht schämen, daß ich mir die Dienste, die ich meinesgleichen erweisen muß, oft so hart ankommen, so schwer fallen lasse, dieselben oft nur mit Unwillen verrichte, mir meine Unlust dabei wohl auch oft ankennen lasse, oder mich gar weigere, die schuldigen Liebesdienste zu erweisen! Soll mir hierüber nicht die Schamröthe aufsteigen? Hat nicht Dein göttlicher Sohn ausdrücklich gesagt: Was ihr den mindesten von denen, die an mich glauben, thun werdet, ist so viel, als wenn ihr es Mir selbst gethan hättet? Wie kann ich mich also beklagen, daß mich immer nur das Schlechteste zu thun treffe? Kann wohl etwas gering oder schlecht sein, was man dem Sohne Gottes Selbst thut, und was deßwegen eines ewigen Lohnes in dem Himmel werth ist? Soll ich mich denn nicht befleiBen, auch die mindesten Dienste, die man von mir verlangt, gern und mit Freude zu - 46 verrichten, auch dann, wenn ich dafür fei nen Lohn von der Welt zu erwarten habe, nachdem mir ein um so größerer Lohn in dem Himmel bleibt? Soll ich mich nicht befleißen, wenn ich Andern das, was sie von mir begehren, nicht geben oder thun kann, ihnen wenigstens immer liebreich zu begegnen, gegen Jedermann immer freundlich zu sein? Ja das will ich. Mutter hilf mir dazu! Maria, welche alle Engel selig preisen, Gilt der Elisabeth die Lieb'spflicht zu erweisen, Und ihre Kinder sollten sich dann schämen, Sich liebvoll stets der Armen auzunehmen? Zwölfter Tag. Maria die Gehorsamste. Betrachtung. Das eigentliche Verbrechen, wodurch uns unsere Stammältern in ein solches Unglüc brachten, war der Ungehorsam. Hätten sit die verbotene Frucht stehen lassen, so wä 47 - ren wir noch im Paradiese, oder die ganze Welt wäre für uns ein Paradies. Wir wüßten um alle die traurigen Folgen der Sünde nichts.- Maria zeichnete sich auch in dieser Tugend aus. Ihren Gehorsam gegen Gott können wir abnehmen aus der Genauigkeit, mit der sie sich in allen ihrem Thun und Lassen nach den göttlichen Geboten richtete; und wenn sie nur wußte, daß es Gott will, gehorchte sie auch allen Seinen Stellvertretern; darum sprach sie unter andern zum Engel: Mir geschehe nach deinem Worte.- Die Pünktlichkeit, mit der sie gar alle Vorschriften und Gebräuche des jüdischen Gesetzes, von dem sie wohl manchmal ausgenommen gewesen wäre, erfüllte, beweiset auch ihren vollkommenen Gehorsam gegen die geistlichen Obern und Vorgesetzten. Endlich unter andern die Bereitwilligkeit, mit der sie nach dem Befehle des heidnischen Kaisers Augustus ungeachtet der rauhen Jahreszeit, ungeachtet der heiligsten Last, die sie unter ihrem jungfräulichen Mutterherzen trug, nach Bethlehem kam, spricht ihren Gehorsam aus, den sie allen, auch den härtesten Geboten der weltlichen Obrigkeiten leistete. 48 Anmuthung. So eine wahrhaft unterthänigste Diene rin warst also Du, meine Mutter! ganz gleichförmig Deinem göttlichen Sohne, wel cher gehorsam geworden ist bis in den Tod, bis zum Kreuzestode! Darf ich mich dann Dein Kind nennen? Ich, dem nichts so zu wider ist, als wenn ich meinen eigenen Wil len brechen, mich nach Andern richten soll! Ich, der ich so ungerne gehorsame! Ich, der ich das, was mir meine Vorgesetzten auferle gen, insgemein so unvollkommen, so unwil lig verrichte! Ich, der ich diejenigen, die Gott über mich gesetzt hat, die Seine Stelle auf der Erde vertreten, die keine Macht hätten, wenn sie ihnen nicht von oben herab gegeben wäre, dessen ungeachtet manchmal so wenig achte, denselben ſo unehrerbietig begegne, oft gar in lautes Klagen und Murren gegen sie ausbreche! Nein, ich bekenne es, so kann ich kein wahres Klnd Maria sein, so lange mein Leben ihrem Beispiele schnurgerade wi Aber, o liebe Mutter! verzeihe derspricht! es mir. Wenn ich bisher Dein Kind nicht war, so will ich mich um desto mehr beflei ßen, es von nun an zu werden. — Es ist wohl schwer den eig'nen Willen brechen, Und allzeit thun was Vorgesetzte sprechen; Doch denk daran: Maria hat es auch gethan! Dreizehnter Tag. Maria die Aermste. 49 Betrachtung. Es wäre leicht arm zu sein, ja der Arme hätte auch natürlicher Weise manche Vorzüge vor dem Reichen, wenn nicht so viele Entbehrungen, Ungemächlichkeiten, Erniedrigungen mit der Armuth verbunden wären. Alles dieses mußte selbst die Mutter Jesu erfahren. Als die Gemahlin eines gemeinen Zimmermannes verkostete sie alles, was der Arme leiden muß. Wäre sie reich und angesehen gewesen, so würde man zu Bethlehem, so voll es auch war, doch gewiß auch noch für sie einen Platz gefunden haben; aber nein; auf dem freien Felde, in einem zerfallenen Stalle mußte sie ihre Unterkunft 3 50 suchen, und zwar gerade für jene Nacht, wel che bestimmt war, der Welt das wahre Licht zu geben. Ja so arm war sie, daß sie bei ihrer Darstellung und Reinigung in dem Tempel nicht einmal ein jähriges Lämmlein aufbrachte, sondern nur nach dem Gebrauche der Armen ein Paar Turteltauben opfern fonnte. Und trug sie gleich nie ein Ver langen nach den Reichthümern, nach den Gü tern dieses Lebens, so mußte sie doch ihren völligen Abgang hart empfinden; um so mehr wenn sie sich an die Pracht und an die Herrlichkeit ihrer königlichen Vorältern erinnerte; und noch mehr, wenn sie manchmal selbst für ihr liebstes göttliches Kind kaum das Nothwendigste hatte. - - Anmuthung. O wie trostreich ist die Betrachtung Dei ner Armuth, o Mutter! für mich, ich mag arm oder reich sein. Bin ich arm, so bin ich dir und deinem göttlichen Sohne um so gleichförmiger, der bei seinem Eintritt in die Welt nichts als ein faltes Stroh und arme Windeln, und bei Seinem Tode am Kreuz nicht einmal ein Pläßlein fand, wo er sein 51 Haupt hätte hinlegen können! Bin ich reich, so muß ich aus der Armuth Jesu und seiner Mutter erkennen, daß dieß nicht mein größtes, nicht mein eigentliches, nicht mein einziges Glück auf Erden sei, daß ich mich also um die Güter dieser Welt nicht zu sehr bekümmern, ihren Verlust nicht so ängfllich befürchten darf. Bin ich also arm auf der Erde, so will ich mir meine Armuth zu Nußen machen, ihre Folgen geduldig tragen, und dabei immer denken und fest hoffen, daß ich um so reicher in dem Himmel werde. Bin ich reich, so will ich die zeitlichen, vergänglichen Güter nicht als mein, besonders nicht als mein bleibendes Eigenthum, sondern nur als eine Gabe Gottes, für die ich einst Rechenschaft geben muß, betrachten; nie mein Herz daran hängen, mit denselben, wie mit allen andern mir anvertrauten Talenten, zur Ehre, und nach dem Willen Gottes wuchern; vorzüglich aber mich bewerben, soviel ich immer kann, durch den guten Gebrauch, besor ders durch die Hände der Armen mir einen allzeit bleibenden Schatz in die Ewigkeit vorauszuschicken. In jedem Falle will ich mit Salomon in den Sprichwörtern sagen: O Herr! ich verlange weder arm noch reich 3* 52 zu sein, sondern ich bitte dich nur um das, was zu meinem Unterhalte nöthig ist. Mein Wunsch geht nicht nach Gütern dieser Erden, Ich wünsch' nicht arm, doch auch nicht reich zu werden. Genug, wenn Gott mir väterlich beschert, Was zu des Lebens Unterhalt gehört. Vierzehnter Tag. Maria bei der Weisfagung Simeons. Betrachtung. David, jener große Held, der ſeinen er staunlichen Muth in so vielen Kriegen und Schlachten gezeigt hat, wurde so bestürzt, all ihm der Prophet Nathan den nahen To seines neugebornen Sohnes ankündete, daj er sich verschloß, und nicht einmal mehr Spei se oder Trank zu sich nehmen wollte.- Welchen Schmerz mag das zärtlichste Mut terherz Mariä empfunden haben, als ihr de vom göttlichen Geiste erleuchtete heilige Grei Simeon bei der Aufopferung ihres göttliche 53 Kindes öffentlich in dem Tempel nicht den nahen Tod, sondern das lange und schreckvolle Leiden desselben vorhersagte, da er zu ihr sprach: Dieser ist gesetzt zum Falle und zur Auferstehung Vieler in Israel; zu einem Zeichen, dem man heftig widersprechen wird; deine Seele wird ein Schwert des Schmerzens durchbohren! Wie ein Donnerschlag fuhren diese Worte durch ihr Herz, und wie ein Blitz erleuchtete das göttliche Licht in dem nämlichen Augenblicke ihren Geist, so daß sie schon damals durch die Dunkelheit der Zukunft alle Umstände des Leidens Jesu, als wenn sie wirklich da wären, voraussah. Denket, welche neue Wunde diese Weissagung ihrem ohnehin noch über die erste Blutvergießung ihres unschuldigsten Sohnes bei der Beschneidung blutenden Mutterherzen geschlagen haben muß! Und welche Marter für sie war diese Voraussehung durch 33 ganze Jahre! — Anmuthung. O göttliche Mutter! wie viele tauſend heiße bittere Zähren wird es dir von nun an gekostet haben, wenn Du Dein fo holdse 54 liges göttliches Kind und zugleich das auf dasselbe wartende so schwere Leiden betrach tetest! O wie gut ist Gott mit uns, daß Er uns die fünftigen Schicksale unseres Le bens, und die Zeit und Art unseres Todes nicht voraussehen läßt!- Wie Mancher wür de augenblicklich umsinken, wenigstens sein Leben lang nicht mehr ruhig, noch weniger fröhlich sein können, wenn er wüßte, was ihm bevorstehe! Indessen wie oft plagt uns die Sorge eben für diese ungewisse Zu funst? Wie viele trübe Tage, ja oft schlaf lose Nächte, verursachet den Eltern der Ge danke: Was werden doch meine Kinder noch erleben müssen! Allein was nüßet uns wohl diese überflüssige, unzeitige Sorge wegen Din ge, die wir doch nicht ändern können? Was nüßet sie uns, die wir uns doch um feine Was Spanne länger machen können?- als sollen, was können wir besseres thun, uns und alle unsere, und unserer Angehöri gen Sorgen Dir, o Mutter! in den School legen? Was besseres, als Alles Dir und Dei nem Sohne mit Ruhe und Ergebenheit überlassen? Was besseres, als denken und hoffen: Der, der uns das Leiden zuschickt, wird uns auch immer die nöthige Kraft und - Stärke dazu geben, dasselbe zu ericagen, wie Du es selbst erfahren hast. Bemüh' dich nicht, die Zukunft zu durchschauen, Und kümm're dich nicht vor der Zeit, Hab' nur auf Gott das festeste Vertrauen, Gewiß erspar'st du manches Leid. Fünfzehnter Tag. Maria bei der Flucht in Egypten. 55 Betrachtung. Die Mühseligkeiten des menschlichen Lebens auf der Erde sind so vielfältig, und von dem allweisen Herrn der Welt so ausgetheilt, daß jeder Mensch seinen Theil hat. Und insgemein hält man das für das Schwerste, was man wirklich empfindet, was einen wirklich drücket. Aber kaum tst eine Trübsal vorüber, so ist oft schon eine andere vor der Thüre. Doch stille! auch der Heiligsten, auch unserer Mutter ging es so. Kaum hatte sie angefangen, das Glück zu genießen, 56 Mutter eines solchen Kindes zu sein: ach! wie bitter ward dieses gestört. Das göttli che Kind Jesu lag sanft in der Ruhe; auch Seine heilige Mutter hatte angefangen, jü zu schlafen; da hieß es auf einmal: Auf, Mutter! mache dich auf mit dem Kinde! Die, welche demselben nach dem Leben stre ben, sind schon nahe. Du mußt fliehen, und wohin? nach Egypten. Schon wieder ein neuer Stich in das ohnehin bebende zar te Mutterherz! Und wie hart war diese Reise? In der Eile, noch bei der Nacht, in ein so weit entferntes, ganz fremdes Land, unter die Heiden! Und wie viele Ungemäch lichkeiten hat die Mutter und ihr göttliches Kind auf dieser Reise, auf einem so weitem Wege, turch ungewohnte Wüsten? Wie vie le Gefahren unter den wilden Thieren oder rohen Menschen, wie vieles Elend und Noth während ihres fünf bis sechs Jahre langen Aufenthaltes in Egypten ausstehen müssen? Anmuthung. Wie soll ich mich dann wohl beklagen können, wenn mich bald die Sonnenbiße brennet, bald die Nässe und Kälte plaget? 57 Wenn ich bei der Arbeit schwitze, die Unannehmlichkeiten der immer abwechselnden Witterung und Jahreszeiten empfinde? beklagen können, wenn ich vermöge des Standes oder Ortes, wohin mich Gott berufen und gesetzet, vermöge Pflicht und Schuldigkeit, zur Ehre Gottes, zum Heile meiner Seele, oder zum Nußen meines Nebenmenschen manchmal oder auch öfters beschwerliche Wege machen muß? Für die Welt, für das Zeitliche tragen wir dergleichen fast tägliche Lasten insgemein gerne; soll der Himmel so wenig werth sein, daß wir uns dafür gar nichts kosten lassen wollen? Oder glauben wir, daß man ohne Mühe aufwärts kommen, und die gemäß dem Worte Gottes auf einem so hohen Berge gebaute ewige Friedensburg ersteigen könne? Wo gibt es einen Lohn ohne Arbeit, einen Sieg ohne Kampf, eine Krone ohne Verdienst?- Aber was sind unsere Verdienste gegen den himmlischen Lohn? Sie sind einer solchen Belohnung an sich freilich nie würdig. Damit sie es aber werden, wollen wir sie, o Mutter! immer mit Deinen, und mit den unendlichen Verdiensten und Leiden Deines göttlichen Sohnes vereinigen, und durch Deine 3** — 58 Hand täglich wenigstens einmal dem gerech ten Vergelter alles Guten aufopfern. Erdengüter zu gewinnen, Die wie Wasser oft zerrinnen, Strengt man sich so heftig an; Und nur für des Himmels Freuden, Wollen wir so wenig leiden, Ist wohl dieses klug gethan? Sechszehnter Tag. Maria bei dem Verluste Jesu im Tempel. Betrachtung. Wenn ein Weib, sagt das Evangelium, die zehn Groschen hat, nur Einen davon ver liert, so zündet sie ein Licht an, und sucht bis sie ihn findet. So groß ist ihre Trauer über den Verlust, so groß der Eifer das Ver lorne zu finden. Wie groß wird beides be Maria gewesen sein! Obschon ihr Herz, i Gemüth immer bei Gott, auch unter alle Mühe und Arbeit unzertrennlich mit Ihn 59 vereiniget, obschon all' ihr Thun und Lassen wegen vorausgeschickter und steter guter Meinung ein beständiges lauteres Gebet war, fand sich die göttliche Mutter, wenn anders möglich, doch auch noch in der Synagoge, dem öffentlichen Bethhause zu Nazareth, und zu den vorgeschriebenen Zeiten in dem gegen drei Tagreisen weit entlegenen Tempel zu Jerusalem ein, um Gott nicht nur innerlich sondern gemäß Pflicht und Schuldigkeit auch äußerlich zu bekennen und anzubeten, um auch Andere zu erbauen. Sobald nun Jesus das zwölfte Jahr erreicht hatte, nahm Ihn die Mutter auch mit sich dahin, zu einem lehrreichen Beispiele für alle Eltern!! Während dem sie aber da ganz in ihrem Gott durch Andacht vertieft war, verlor sie ihren einzigen göttlichen Sohn, das ihr anvertraute Heil der ganzen Welt. O welcher Schmerz! Sie tröstete sich zwar anfangs damit, Er werde vorausgegangen sein, und unter ihren Anverwandten und Bekannten sich befinden. Da sie ihn aber nirgends erfragen konnte, kehrte sie mit ihrem heiligen Gespons eilfertig nach Jerusalem zurück, und fand ihn endlich wieder nach dreitägigem Suchen im Tempel. 60 Anmuthung. Ach, wie oft begegnet uns dieß Unglück, daß wir Jesum, das größte Gut, verlieren! So oft wir nämlich in eine schwere Sünde fallen. Wie oft entzieht sich Gott selbst auf eine zwar nur scheinbare Weise den from men Seelen, wenn er ihnen, um ihre Tu genden zu prüfen, und sie von aller Eigen liebe und dem so verderblichen Selbstgefallen zu reinigen, das Gefühl aller empfindlichen Andacht entzieht! ste, wie es die Geistesleh rer heißen, in die bitterste Trockenheit und völlige Dürre des Geistes, in eine gänzliche Trostlosigkeit fallen läßt?- Aber wie tröst lich ist es, daß ich von Dir, o Mutter! lev ne, was ich zu thun habe, wenn mir das eine oder das andere begegnet! Suchen will ich nämlich meinen Gott, wenn ich ihn ver loren habe, oder Er sich vor mir verbergen will! Suchen will ich ihn, wie Du! vorzüg lich in dem Tempel, wo er sich würdige untern uns Menschenkindern zu wohnen; s chen durch das vertrauliche ununterbrochen Gebet, besonders vor dem allerheiligsten A tarsgeheimnisse und vor Deinem Bildnisse, Mutter des Trostes! durch die andächtig 61 Beiwohnung bei dem göttlichen Opfer, durch die aufmerksame Anhörung des göttlichen Wortes, durch die möglich würdigste Empfangung der heiligen Sakramente; unermüdet, unverdrossen suchen will ich ihn während meiner ganzen Wanderzeit auf Erden, bis ich ihn endlich finde in dem Vaterlande, in dem Tempel seiner ewigen Herrlichkeit, in dem Himmel! Alles, was wir lieben, ehren, Ist uns leichter zu entbehren, Wenn nur Jesus bei uns bleibt, Den die Sünd' allein vertreibt. Siebenzehnter Tag. Maria in dem Hause zu Nazareth. Betrachtung. Kein Wunder, daß die heiligen Engel das Haus Maria von Nazareth in Galliläa anfangs nach Dalmatien und dann nach Loretto in Italien übertragen haben. Dieß war 62 nämlich das heiligste und gesegneteste Haus, welches jemals auf der Erde gestanden ist. Das heiligste Haus, worin nie ein unrechtes Wort geredet, noch minder etwas Unrechtes begangen wurde; wo nichts, als das unter mischte Gebet, und manchmal die Unterre dung über die Berufsgeschäfte, göttliche Din ge und die standesmäßige Arbeit; wo nichts, als ein wiederholtes Seufzen zu Gott ſelbst den Schlaf unterbrach. Das heiligste Haus, worin nie etwas Böses geduldet, noch weni ger demselben Unterschleif gegeben wurde; worin nie der mindeste Mißbrauch der gött lichen Gaben durch Sorglosigkeit oder Über fluß und Verschwendung geschah; worin die heiligste Familie alle Pflichten und Schul digkeiten sowohl gegen sich als gegen ihre Nachbarn und Fremde auf das pünktlichste vollzog. Und deßwegen auch das gesegne teste Haus; denn da wohnten Friede und Eintracht beisammen, ein ja weit kostbareres Gut, als alle Güter der Erde sein können; da herrschte unter einer gewissen Ernsthaf tigkeit das innigste ununterbrochenste Vergnü gen; da geschah alles, was man that, mit heiliger Munterfeit und herzlichster Freude; da trug man die unausbleiblichen Lasten im 63 mer hübsch gemeinschaftlich mit einander, und daher auch leicht; da war eine immerwährende Zufriedenheit mit Allem, und daher auch Alles. Ja, dieses Haus wählte sich der Mensch gewordene Sohn Gottes zu seiner Einkehre auf der. Erde, und zu seiner so langen Wohnung aus. Anmuthung. O heiligster Mutter! dieß lasse ich mir ein Muster einer heiligen Haushaltung sein! Wenn Alle, die Gott zusammengefüget hat, so mit einander lebten und hauseten, wie viele und oft so schwere Hauskreuze würde man sich ersparen? Wenn Jedes das Seinige thäte, wie selten würde man Ursache haben, über einander zu klagen? Wenn Jedes vor seiner Thüre kehren, und eines des andern Last tragen würde, wie ruhig und einstimmig, wie glückselig würde es nicht nur in jedem Hause, sondern auch auf der ganzen Welt sein? Ist es nicht ein Zeichen einer wahren Klugheit, wenn man nachzugeben weiß? Wie viele Kreuze macht man sich lediglich selbst? O wie viele geduldige Schafe haben, nach dem Sprichworte, in einem Stal 64 le Platz? Also Geduld!- Und was ist wohl die eigentliche Ursache so vieler Unglü cke und Plagen, die Manche in ihren Haushaltungen treffen? Zwar nicht allzeit( denn Gott sucht auch die Gerechten mit Trübsalen heim), aber doch sehr oft der Unfriede, wel cher den Segen Gottes vertreibet; die Unge rechtigkeiten, welche immer früher oder später den Fluch Gottes nach sich ziehen, und viel gerecht Erworbenes verzehren; das Fluchen und Lästern, und besonders daß Gott vorzüg lich verhaßte Laster der Unzucht, wodurch der Höllenfeind so oft Macht und Gewalt zu schaden erhält; alle Sünden und Laster, die man zuläßt oder begehet. Wem kann man aber hiebei die Schuld geben? wem, als sich selbst? So will ich mir denn dein Bei ſpiel merken, und zugleich Dich, o Mutter! bitten: Hilf mir heilig hausen, damit auch mein Hauswesen stets gesegnet sein möge! Stehe mir jetzt in allen meinem Thun und Lassen, besonders aber stehe mir bei in jener fürchterlichen Stunde, wenn es heißen wird: Gib Rechenschaft von deiner Haushaltung! - Soll dein Haus durch Gottes Segen blühen, Mußt du Zorn, Verläumdung, Unzucht fliehen. Wenn dein Haus der Tugend Schule ist, Dann bist du des Segens vergewißt. 65 Achtzehnter Tag. Maria am Sterbebette des heiligen Josephs. Betrachtung. Traurig ist der über uns gefällte Urtheilsspruch, daß wir alle sterben müssen; noch trauriger, daß wir nicht alle mit einander sterben können, daß einer den andern vorangehen sehen muß; am traurigsten, wenn uns diejenigen entrissen werden, an die wir mit den stärksten Banden der Freundschaft und Liebe gebunden sind. Auch dieses menschliche Elend übertrug Maria mit einer mehr als menschlichen Starfmuthe.- Nie war ein Chepaar so enge mit einander verbunden, als Maria und Joseph. Sie liebte ihn als ihren Gespons und Bruder, ehrte ihn als ihren Vater und Beschützer, verließ sich auf ihn als ihren vertrautesten Rathgeber und Führer. Und nun nach einem ungefähr zwan 66 zigjährigen so vericauten, so heiligen Umgan ge muß sie ihn, ihre Stüße, ihre Freude, ihren Trost, die Hälfte ihres Herzens verlie ren. Sie bittet zwar Gott und ihren gött lichen Sohn dringendst, sie wendet alle nu möglichen Mittel fleißigst an; aber vergebens. Die Zeit seiner Wanderschaft war aus; dieß war der Wille Gottes; und wer kann seinem Willen widerstehen? Joseph ringt wirk lich, zwar nach einem so heiligen Leben, zwi schen so mächtigen Fürsprechern, nur sanft, ganz ruhig mit dem Tode. Weit mehr leidet das Herz Mariä dabei. Doch weichet sie kei ren Augenblick von ihm; sie will ihn nicht verlassen, bis auf den letzten Athemzug; fil unterdrücket ihren Schmerz, um ihm den se nigen zu lindern; sie trocknet ihm noch den falten Schweiß von der Stirne; sie schließt ihm voll des Dankes, voll der Ehrerbietung voll der Liebe die Augen zu, und sieht de fünftigen unzertrennlichen Wiedervereinigung getroft entgegen. Anmuthung. Wäre bei uns der Glaube so lebendig die Tugend so fest, wie bei Dir, o Mutter 67 so könnten wir bei dem Hinscheiden unserer Bekannten, Angehörigen oder Freunde wohl nicht so trostlos sein. Wir würden dergleichen so harte Streiche zwar immer schwer fühlen; doch würden wir uns bald wieder fassen, und dem allmächtigen, unbeschränkten Herrn über Leben und Tod durch unsere demüthige Unterwerfung gegen seine Anordnungen ein schuldiges, ein ihm sehr angenehmes Opfer bringen; wir würden die uns zu früh Eniriffenen zwar herzlich bedauern, aber ihnen den seligen Aufenthalt in jenem glücklichen Lande, die ewige Ruhe nicht mißgönnen, sondern vielmehr uns bestreben, ihnen, wenn sie etwa noch in dem reinigenden Orte des Fegfeuers sizzen sollten, auf allen uns bekannten Wegen daraus zu helfen; wir würden zwar das Gute, was wir ihnen zu verdanken haben, nie vergessen, aber darum den Arm Gottes nicht für verkürzet halten, der immer in einem Andern ersetzen kann und will, was er uns in dem Einen entzog.- O möchten wir uns als Christen in dergleichen betrübten Fällen stets an das erinnern, was uns der Glaube hierüber lehret; uns nicht selbst die Quellen des wahren Trostes, die Quellen so vieler Verdienste verstopfen! FACE 68 Möchten wir nicht bei der Welt, nicht in ei teln Zerstreuungen, sondern vorzüglich bei Dir, o mit uns weinende und trauernde Mut ter! Trost suchen; vor Dir durch das Weinen unserm beklemmten Herzen Luft machen; von Dir erwarten, was uns auf der Welt Nie mand geben kann! Ja, dieß wollen wir, wenn Du uns dazu die Gnade und Stärke erbittest. Der Tod zertrennt die stärksten Bande der Natur, Doch nicht für immer hin, auf eine zeitlang nur. Um welche du jetzt wein'st, wirst du einst wiedersehen; Sie gingen nur voran, wohin auch wir hingehen, Neunzehnter Tag. Maria auf der Hochzeit zu Kana. Betrachtung. Ermunternd ist es, daß auch Jesus und seine göttliche Mutter an zeitlichen Freuden festen Antheil nehmen wollten; noch mehr ermunternd, wenn wir bedenken, was dabei 69 geschah. Eine der ersten Handlungen Jesu des Sohnes Gottes, sobald Er sein dreiBigstes Jahr erreicht, und angefangen hatte, sich allem Volke als der so lange erwartete Messias zu zeigen, war, daß er sich mit seiner jungfräulichen Mutter bei dem Hochzeitmale eines seiner leiblichen Anverwandten einfand. O wie heilig werden die Absichten dieser heiligsten Personen, wie rein und eingezogen die Reden, wie erbauend das ganze Betragen aller Versammelten bei dieser Lustbarkeit gewesen sein!- So heilig ging es da zu, daß der göttliche Heiland, und zwar auf die Fürbitte Mariä dabei das allererste seiner unzähligen Wunder wirkte. Nämlich, als die göttliche Mutter sah, daß es an Wein zu fehlen anfing, erbarmte sie sich über die Brautleute, und stellte alsogleich Jesu ihr Bedürfniß, ihre Noth vor. Sie ließ auch nicht nach zu bitten, obschon er deßgleichen that, als wenn er sie nicht hören wolle; sie befahl den Aufwärtern zu thun, was er sie immer heißen würde; und so erhielt sie, was sie gesucht, um was sie gebeten hatte. - 70 Anmuthung. - O wie lehrreich ist diese Gegenwart Ma riä bei der Hochzeit für mich!- Einmal sehe ich daraus, wie nachsichtig, wie gut Gott mit mir ist. Er verlangt nicht, daß ich im mer angestrengt sein soll; er erlaubt mit auch manchmal, den Zügel ein wenig nach zulassen, zu verschnaufen, meine Sorgen ein Zeit lang zu vergessen, meine Geschäfte, mei ne Mühe und Arbeit manchmal mit einer anständigen Unterhaltung zu unterbrechen; aber nicht, um mich den bloß sinnlichen Ge lüsten völlig zu überlassen, sondern nur um meinen Geist und meinen Leib durch eine solche Ausruhe und Erholung zu erfeischen und zu stärken, um ihn zur Fortsetzung der mir auferlegten Beschäftigungen wieder auf gelegter zu machen. Ich muß mich also da bei hüten, daß ich das rechte Maß und Ziel in feiner Hinsicht überschreite; hüten, daß ic dabei nie Gott beleidige. Ich darf ihn und seine Gebote auch bei den erlaubten Belusti gungen nicht aus den Augen lassen; nie ver gessen, daß er allzeit und überall gegenwär tig ist!- Und dann weiß ich nun, wohin ich mich zu wenden habe, wenn es mir bald an dem, bald an jenem fehlet, nämlich zu der Mutter. Sie ist voll der Erbarmung, voll des Mitleidens gegen mich; sie nimmt sich meiner an, schon bevor ich sie anspreche, um so mehr, wenn ich sie recht findlich darum bitte. Und ihrem Sohne ist ja gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden! Was soll eine solche Mutter bei einem solchen Sohne nicht erhalten? O welcher Troft für mich! Des Lebens Bitterfeit mit Frohsinu zu versüßen, Die Freuden dieser Welt mit rechtem Maß genießen, Erlaubt uns Gott, ja will es selbst; allein Auch da soll er vor unsern Augen sein. 71 Zwanzigster Tag. Maria während des Predigtamtes Jeſu. Betrachtung. Nichts thut weher, als der Undank. Und wen schmerzt es nicht, wenn man die edelsten Gaben Gottes muthwillig zu Grunde 72 gehen sehen muß?- Wie groß war der Undank der Juden gegen den Sohn Mariä? Er war das Licht, welches von Israel aus gegangen ist, und die ganze Welt erleuchtet hat; das Heil, der Lehrer aller Völker. Nach dem er dieß sein erhabenstes Amt wirklich angetreten hatte, brachte er ganze Tage mit Reisen, mit Predigten, mit Wohlthun, ganze Nächte im Gebete zu. Er bestätigte die Gött lichkeit seiner Sendung durch unzählige er staunliche Wunderthaten. Sein unabläßli ches Bestreben war, Allen ohne Unterschied Gutes zu erweisen. Und was war sein Lohn dafür? Widersprüche von allen Seiten, Hay, und Neid, Verachtungen und Verläumdun gen, Spott und Schande, die grauſamsten Verfolgungen, Kreuz und Tod.- Niemand konnte dieß mehr zu Herzen gehen, als der göttlichen Mutter, weil Niemand die Hoheit seiner Person und Würde, die Wichtigkeit ſeiner Sendung so deutlich erkannte, wie sie weil nach Jesus Niemand so sehr nach dem Heile der Menschen durstete, als Maria. Je des Wort gegen ihren göttlichen Sohn war also ein neuer Stich in ihr Mutterherz. Und wie fümmerte und schmerzte es sie, daß sich die Menschen ihrem eigenen Heile, anstatt 73 dasselbe mit beiden Armen zu umfangen, so boshaft widersetzten! Hätte sie mehrere, bessere Früchte Seines Schweißes, Seiner unendlich kostbaren Bemühungen gesehen, so würde sie auch Seine nun fast beständige Abwesenheit und Entfernung von ihr, ihren erst jetzt wahrhaft traurigen Wittwenstand nicht gar so hart empfunden haben. Anmuthung. Owenn es doch nur die Juden allein gewesen wären, welche Deinem göttlichen Sohne, und zugleich auch Dir, o Mutter! durch ihre Verstockung, durch ihre Widerſpenstigkeit, durch ihren so abscheulichen Undank so vieles und so großes Leid verurfachten, so viele Schmach zufügten! Aber, ach! um wie viel bin ich besser? Hat Gott mir wohl weniger Gutes gethan, als den Juden? Hat Er nicht auch mich erschaffen, und bisher so väterlich erhalten? nicht auch mich aus der Gefangenschaft der Hölle erlöset? War nicht auch ich einst unter jenen verlornen Schafen, welche der wahrhaft gute Hirt so lange, so mühsam unter allen Disteln und Dörnern gesucht hat? Hat Er 4 74 nicht auch mich auf Seinen Schultern zu Seiner auserwählten Heerde zurückgetragen? in den Schafftall Seiner einzig wahren Kirche aufgenommen? Und wie habe ich wohl alle diese Seine Gutthaten vergolten? wie selten gedankt? wie oft vielmehr gemurre und geklagt? wie oft Dich, mein Gott! und Dich, meine Mutter! durch meine Sün den verachtet, beschimpfet, betrübet?- und ich hänge schon den Kopf, wenn man mich nicht immer auf den Händen trägt; ich werde schon aufgebracht, wenn man mit mit einem oder andern harten Worte wider spricht, mir nicht Recht lassen will oder kann; ich lärme und schreie, wenn man mir etwa das wenige Gute, was ich Andern erweisen kann und muß, mit Bösem zu vergelten scheint! Ungerechte Verläumdungen, die min desten Angriffe' auf meine Ehre und guten Namen, unverdiente Beschuldigungen, oder gar Verfolgungen drücken mich ganz bar nieder! Will ich denn aber nicht auch ein Jünger, ein Diener Jesu Christi sein? Und ist der Jünger wohl mehr als der Meister! der Diener mehr als der Herr? Hat di Welt Ihn verfolgt, wird sie mich nicht ver folgen? Hat Er es ertragen, wie kann i 75 mich darüber beschweren? Ja, selbst das Unrecht will ich mit Geduld leiden! Aber mache, o Mutter, daß ich es könne! Wenn Jene dich durch Undank fränken, Die du durch Wohlthun oft gelabt, Was kannst du besseres, als denken: Auch Jesus hat dies Loos gehabt! Einundzwanzigster Tag. Maria bei der Urlaubnehmung. Betrachtung. Lebe wohl! diese zwei einzigen Worte bringen oft nicht nur empfindliche Frauen, sondern auch die stärksten Männer zum Weinen. Was werden sie erst in den beiden einander zärtlichst liebenden Herzen, in den Herzen Jesu und Maria, unter solchen Umständen gewirket haben? Was der göttliche Erlöser Seinen geliebten Jüngern bei dem letzten Abschieds4* ALON 76 mahle, bei der Einsetzung des heiligsten Al tarsgeheimnisses, dieses immerwährenden wahr haft göttlichen Denkmals Seiner unendlichen Liebe zu uns Allen, und bei der darauf er folgten Fußwaschung ankündete:„ Ich bin nur mehr eine kurze Zeit bei euch; Ich gehe hin, Mich für euch schlachten zu lassen; Einer von euch wird mich verrathen." Dies hatte Er schon zuvor Seiner liebsten, von den Geheimnissen Seines Leidens ganz unter richteten Mutter allein gesagt:„ Mutter! die von meinem Vater bestimmte Zeit, das schwere Werk der menschlichen Erlösung zu vollbringen, ist angekommen; Ich muß nun die Schulden der ganzen Welt mit meinem Blute und Leben bezahlen; Ich muß fort zum Leiden und Sterben; Mutter lebe wohl!" O wie laut werden bei diesem Abschiede des Sohnes von der Mutter die beiden Her zen geschlagen haben! Welche heiße Thränen werden aus den Augen beider hervorgesprihet sein! Wer hätte nicht mitweinen müssen, wenn er gesehen hätte, wie rührend, wie hart, wie schmerzlich sie einander wirklich verließen! שער 77 Anmuthung. Ach! wie wird mir einst sein, wenn ich scheiden muß, nicht nur von meinen Freunden und Bekannten, nicht nur von meinen Gütern und Vergnügungen, nicht nur von einem mir lieben Orte, sondern von der ganzen Welt, ja gewissermaßen von mir selbst! wenn ich hingehen muß in ein ganz anderes weites Land, vielleicht gar zu einem ewigen Leiden; wie ganz anders als jetzt, werden mir die Dinge dieser Welt dann vorkommen; wie Vieles werde ich dann verabscheuen, was ich jetzt liebe, wie Vieles beretten, was mich jetzt freuet! Ich entsetze mich, so oft ich nur daran denke! Indessen was ist mir wohl gewisser als dieses, und was ungewisser als die Zeit, wann es geschehen wird? Wie kann ich mich dann an das, was mir einst mein Scheiden nur erschweren wird, gar so hängen? Soll ich mein Herz von dem, was ich einst, vielleicht noch diesen Tag oder diese Nacht, verlassen muß, nicht schon jetzt losreißen? der Welt und ihrer Eitelkeit und Bosheit nicht schon jetzt wenigstens in meinem Herzen Urlaub geben? Soll ich nicht vor Allem trachten, - 78 immer so zu handeln und zu wandeln, immer so zu leben, daß ich auch immer bereit sein möge, zu sterben? Ja Mutter! ich bin bereit, weil es Gott so haben will, und wann es ihm gefällt, von Allem, was ich bin und habe, zu scheiden; bitte aber jest und allzeit für mich, daß ich nur von Dei nem und meinem Jesu nie scheiden darf! Häng nie dein Herz zu sehr an Dingen an, Die man ja doch nicht allzeit haben kann; Hast du vom Irdischen dich selbst nicht losgerissen, Wirst du es mit Gewalt doch einst verlassen müssen. Zweiundzwanzigster Tag. Maria in der Leidensnacht Jesu. Betrachtung. Was immer schreckbar ist, ist allemal doppelt schreckbar bei der Nacht. Aber un ter den Schreckensnächten aller Zeiten wat die letzte Leidensnacht Jesu die schrecklichste Dies erkannte und fühlte nach Jeſus am SPAR 79 meisten Maria. Was ist schreckbarer, als wenn Jemand bei der Nacht sein Haus in Flammen sehen muß? Aber ein noch weit schrecklicherer Anblick für Jesus war der Ihm entgegenkommende Kelch des Leidens auf dem Delberge. Durch Feuersbrünste werden Häuser und was darinnen ist, Werke der Menschenhände, zerstört; durch Ungewitter und Hagel der Schweiß und die Hoffnung eines Jahres zernichtet, und stürmende Gewässer und Bergbrüche; durch wüthende Kriege und Schlachten viele Menschen getödtet, ganze Gegenden verheert. Aber der grausame Tod, der Jesu in dieser Nacht zubereitet wurde, richtete das Leben eines Gottmenschen zu Grunde, von welchem ein Augenblick weit kostbarer ist, als das ewige glückselige Leben aller Seligen im Himmel, weil es wahrhaft göttlich und von einem unendlich hohen Werthe ist. Unsere Natur entsetzet sich vor Bedauern, wenn wir hören, daß ein uns wohl bekannter lieber Mensch von wilden Thieren zerrissen, von Mördern umgebracht; daß ein Vater von seinen eigenen Kindern, ein liebenswürdiger, mächtiger Fürst von seinen bösen Unterthanen grausam gemordet worden sei. Was war wohl grausamer, als die 80 Wuth der Juden gegen Jesus? Und Gr war der unschuldigste, der Urheber und Schöpfer, der Vater und Herr, das Heil und das Leben aller Dinge!- Dies wußte und begriff Niemand besser als Maria. Wie schrecklich war also jene Nacht für sie, da sie im Geiste sah, wie der Gottmensch, ihr einziger Sohn Jesus, im Garten unter dem Gebete vor Angst hinsinket und Blut schwitzet; wie Er von einem Seiner Vertrauten verrathen, gleich einem Räuber und Mörder ge fangen, durch den Bach Cedron, durch die Straßen und Gassen Jerusalems gezogen, von einem hohen Priester zum andern ge schleppet, vor dem ganzen jüdischen Rathe ge lästert, und des Todes würdig erklärt, bei den Haaren herumgerissen, verspottet, ver ſpieen, mit Backenstreichen und Schlägen miß handelt, von Seinen Aposteln verlassen, und von ihrem Oberhaupte sogar verläugnet wird. Anmuthung. O mein Jesus! o meine Mutter Maria! wenn ich etwa auch manche Stunde in der Nacht, manchmal ganze Nächte wegen Kum mer und Sorgen, wegen Furcht und Ban 81 gigkeit, oder Krankheits halber nicht schlafen kann; wenn mich verschiedene leibliche Armseligkeiten und Schmerzen vielleicht öfter aus dem Schlafe erwecken; wenn ich in meinen Berufsgeschäften, um mein Brod zu gewinnen, bei Kranken oder in andern Liebesdiensten den Schlaf brechen und wachen muß, will ich mich von nun an allzeit an jene schreckbare Nacht erinnern, mein kleines Ungemach mit Eurem so großen Leiden vereinigen, und so dem himmlischen Vater zu einer Genugthuung für meine und der ganzen Welt Sünden aufopfern. Aber ei! warum mußtet Ihr denn in jener Nacht so viel ausstehen? Darum, weil die Bösen das Licht scheuen, und insgemein die Nacht und Finsterniß zur Verübung ihrer Lasterthaten suchen; weil man oft zwar die Augen der Menschen scheuet und fliehet, aber vor dem allzeit und überall sehenden Auge Gottes sich nicht fürchtet; weil bei der Nacht so viele Sünden begangen werden. So will ich mich dann immer vor dergleichen Leuten, welche die Nacht lieben, hüten; es bereuen, wenn ich etwa gar einer von diesen gewesen sein sollte; mich befleißen, alle dergleichen Nachtsünden, oder wenigstens Gefahren und 82 Gelegenheiten zur Sünde, nicht nur ernstlich zu meiden, sondern auch, so viel in mir ist, zu verhindern. Allzeit will ich Euch, o Je sus und Maria! vor dem Schlafengehen bitten, daß ihr mich vor dem in der Finster niß herumschleichenden Versucher, von den bösen Vorstellungen, welche bei der Nacht noch viel heftiger sind, als beim Tage, vor allen Gefahren meiner Seele und meines Seelenheiles behüten und bewahren wollet! s Vertreibet Sorge, Schmerz und Kummer Uns manche Nacht den süßen Schlummer; So denken wir, wie mehr als eine Nacht Hat auch Maria schlaflos zugebracht. Dreiundzwanzigster Tag. Maria am Morgen des Sterbetages Jesu. Betrachtung. Sonst sagt man immer: die Morgen stunde hat Gold im Munde; aber diesma hieß es für Maria ganz anders. Jene ang 83 volle Nacht war wohl vorüber, aber ein noch weit betrübterer Tag brach an. Kaum hatte es angefangen, grau zu werden, da war die qualvolle, aber doch in dem göttlichen Willen wunderbar ergebene Mutter schon auf dem Wege. Aber was kann sie helfen! Ihr göttlicher Sohn schmachtet noch in Ketten und Banden hinter eisernen Thüren und Gittern in dem abscheulichsten Kerker. Doch selbst diese erbärmliche Ruhe oder vielmehr Ohnmacht dauerte nicht lange. Mit aufgehender Sonne wird der todtschwache Jesus hervorgerissen, und zu dem Pilatus, vom Pilatus zum Herodes, von diesem wieder, und zwar in einem weißen Narrenrocke, unter öffentlichem Gespötte und Hohngelächter zurück zum Pilatus geführet. Während dieses entsetzlichen Hin- und Herziehens wendete die starkmüthige Mutter alle Mittel an, um ihren göttlichen Sohn doch wenigstens noch von weiten zu sehen. Aber die Menge der herzuströmenden Juden, nämlich nicht nur der zu Jerusalem wohnenden, sondern auch der wegen des Osterfestes aus allen Gegenden dort versammelten, war so groß, daß sie sich unmöglich durchdrängen konnte. Nun ist Jesus wieder in dem römischen Gerichts- 84 hause, und die ganze Volksmenge häufet sich auf dem großen Plage vor demselben an, und wartet mit lauter Ungeduld, bis Er wieder hervorgeführt wird. Auf einmal wird alles stille; der Landpfleger kommt aus ſei nem Pallaste auf die öffentliche hohe Stiege desselben heraus, und ihm folget Jesus; aber ach! wie? Seines eigenen Kleides beraubt, ganz mit blauen Geißelstreichen, mit Wunden und Blut, auf den Schultern mit einem al ten zerrissenen Purpurmantel bedeckt, mit einem Moosrohre in der Hand, mit einer Dornenkrone auf dem Haupte. Da, o Ma ria, sieh' Deinen Sohn! Doch vernimm jetzt einen augenblicklichen Trost! Pilatus sindet keine Schuld an Ihm; er will Ihn loslassen. Aber nun höret sie das gräuliche Geschrei; von allen Seiten her tönet der Ruf, und alle Mauern hallen es wieder: Fort mit Ihm, kreuzige Ihn!" Und Du, v Mutter! bist unter dieſem schreckbaren Lärm noch Dei ner mächtig? " 1 Anmuthung. Meine Seele! glaubst du noch deine Lei den, heißen sie wie sie wollen, mit den Lei 85 den der Mutter vergleichen zu dürfen? Siehst du die unermeßliche Größe ihrer Schmerzen noch nicht völlig ein? Du wirst auch nun bald noch mehr darüber staunen müssen! Indessen denke selbst: haben nur die Juden den Sohn Gottes und Maria so entehrt? Was thust du anders, so oft du immer fündigeft? Hast du wohl nicht noch schlechtere Dinge, als einen vielleicht bußfertigen Räuber, deinem Gott und Erlöser vorgezogen? Ja mein Jesus leidet, was ich verdienet, was ich hätte leiden sollen! Ich hätte verdienet wegen meiner jugendlichen Ausschweifungen, wegen verschiedener Unverschämtheiten gegeißelt, wegen meiner Hoffart und Eitelkeit mit Dörnern gekrönet, verspottet, verlachet, wegen meiner Sünden überhaupt beschimpfet, gerichtet, verdammet zu werden! Der unschuldigste Jesus litt alles dieses für mich, und schwieg! Und ich will überall Recht haben, nirgends nachgeben; Jesus aber schwieg. Ich murre und flage, wenn nicht Alles nach meinem Sinn und Kopfe geht; Jesus aber schwieg! So will ich mir dann jeden Morgen, sobald ich erwache, vornehmen, an den schweigenden Jesus und an Seine eben so schweigende Mut 86 ter zu denken; vornehmen, mich und Alles, was mir etwa diesen Tag hindurch begegnen wird, ganz Gott zu überlassen, anzuempfeh len; vornehmen, wissentlich und freiwillig meinen Gott nicht mehr zu beleidigen. Ja, Maria! dies verspricht, dies will Dein Die ner; erbitte es ihm, daß er sein Wort. auch halte! Welch Schmerz! Maria hört der Juden Mordgeschrei: Mit Jesu fort ans Kreuz; laß den Barabbas frei!" 11 So gilt ein Näuber mehr als Gott, das höchste Gut? Dies ist gerade das, was jeder Sünder thut. Vierundzwanzigster Tag. Maria am Wege zum Kalvarienberge. Betrachtung. da Da einst der alte Erzvater Abraham auf ausdrücklichen Befehl Gottes seinen einzigen Sohn schlachten sollte, und der junge Isak wirklich schon daß Holz zu diesem Brandopfer selbst auf den Berg tragen mußte, 87 wußte die Mutter Sara nichts davon. Aber die Mutter Maria wußte es nicht nur, sondern sah Ihn selbst, ihren göttlichen Sohn, das schwere Opferholz auf den Kalvarienberg hinaufziehen. Und wie verhielt sie sich dabei?- Sobald Pilatus den Stab gebrochen, die Hände gewaschen, und in den ungerechtesten Tod Jesu eingewilliget hatte, machte sich Maria mit dem allein tren gebliebenen Johannes und einigen heiligen Frauen auf, um sich auf den Weg zu richten, wo man ihren Jesus vorbeiführen mußte. Da wartet sie voll der Angst und Bangigkeit auf Ihn. Schon höret sie das Toben der grausamen Henkersknechte, den Lärm des von Unsinn betäubten Volkes. Schon springen muthwillige Kinder und leichtsinnige Menschen unter beständigem Umschauen bei ihr vorbei. Schon blißen beim hellensten Sonnenscheine die Harnische, die Schwerter und Lanzen, und noch mehr die grimmigen Gesichter der Soldaten und Gerichtsdiener auf sie hin. Endlich kommt auch Jesus, aber ach! ganz triefend von Blut, schwankend vor Entkräftung, gebeugt von dem auf Seinen Schultern liegenden schweren Kreuzblocke. Nun Reht die Mutter ihren Sohn, und der Sohn 88 Seine Mutter. Aber jetzt fassen die Augen das Wasser nicht mehr; es drücket die Her, zen völlig ab; die Stimme stocket; ste bringen nicht mehr heraus, als die halb gebrochenen Worte:„ O meine Mutter! o mein Sohn!" Dürfte es uns wundern, wenn Maria da nicht nur umgesunken, sondern wirklich gestorben wäre? Aber nein; sie folget ihrem kreuzziehenden Sohne bis auf die Höhe des Marterberges nach. Allein unter welchen Schmerzen, mit wie vielen Schluch zen und Seufzern! Welche Herzensstöße gibt es ihr, wenn sie höret, daß ihr Sohn vor Ohnmacht unter dem Kreuze gefallen ist, und wieder aufgerissen, mit Gewalt aufges trieben wird! O wie gerne hätte sie Ihm, statt des Simeons von Cirene, geholfen das Kreuz tragen! Doch sie hat ja genug an dem Kreuze, das ihr selbst aufgelegt ist! Anmuthung. Hätte ich dieses schreckbare Trauerspiel mit angesehen, so würde es mich wohl auch bis zu den Thränen gerühret haben; gerne würde ich meinem todtschwachen Herrn und Heiland Sein Kreuz abgenommen, und mir 89 auferlegt haben! Aber kann ich dies denn jetzt nicht mehr thun? fehlt es mir an Gelegenheit dazu? fehlt es mir an Kreuzen? Was ist häufiger auf der Welt als Kreuze, und wie weit müßte man gehen, bis man einen Menschen finden würde, der kein Kreuz hat? Gut; so nehme Jeder das seinige auf sich, und folge mit demselben Jesu nach! Es gibt auf dieser Welt eigentlich nur zwei Wege; einen, der zum Leben, den andern, der zum Verderben führet. Wollen wir den erstern finden, o so lassen wir den Kreuzweg nie außer Augen! Diesen hat uns der Sohn Gottes selbst mit Seinen blutigen Fußstapfen vorgezeichnet; dies ist der sicherste, der geradeste, der königliche Weg, der zum Leben führet. Ja, ein wahrer Trost, ein um so gewisseres Zeichen der Auserwählung ist es, jemehr man jetzt mit Kreuz und Leiden beladen wird. Sollte ich also nicht jedes Kreuz willig aufnehmen und tragen, ja wohl gar nach dem Leiden verlangen? Aber, ach! wie hart ist dies! Meine ganze Natur entsetzet sich darüber. O schmerzhafte Mutter, hilf mir diesen angebornen Abschen vor dem Krenze besiegen! Flöße mir Muth und Stärke ein, damit ich wenigstens das, was 90 Gott mir von Zeit zu Zeit auflegt, willig auf mich nehmen, und mit demselben Jesu und Dir nachfolgen möge bis auf die Höhe des himmlischen Berges Sion! O Christ! willst du zur Burg des Himmels wandern, So wähl' den Kreuzesweg und keinen andern, Sieh! dein Erlöser selbst erwählte ihn; 3war ist er rauh, doch führt er sicher hin. Fünfundzwanzigster Tag. Maria auf dem Kalvarienberge. Betrachtung. Nichts braucht man nothwendiger, wenn man einen rauhen steilen Berg erstiegen hat, nichts thut einem mehr wohl, als die Ruhe. Wenn man eine kurze Zeit die heitere reine Luft, die auf der Höhe ist, einathmen kann, wird man wieder ganz erquicket und erfrischet. Aber dem göttlichen Heilande wurde nicht einmal eine augenblickliche Ruhe vergönnt.- 91 Wie Er auf dem Richtplaße, o mit welch' harter Mühe! angekommen war, wurde von den hierzu schon bereiteten Henkersknechten das Kreuz von Seiner ganz eingedrückten Schulter weggestoßen, Ihm die Bande und Fessel aufgelöset, das ganz anklebende Kleid ohne alle Schonung von Seinem heiligsten Leibe gerissen, und dadurch alle Seine unzähligen Wunden erneuert. Den Uebelthätern gab man vor der wirklichen Hinrichtung, damit sie die Schmerzen nicht so fühlen soll. ten, den stärksten Wein zu trinken; dem göttlichen Heiland reichte man statt dessen, um Seine Peinen zu vermehren, das bitterste Getränk von Galle und Myrrhen. Nun mußte sich Jesus auf das harte Kreuz hinlegen und Seine rechte Hand ausstrecken. Schon geht der erste Nagel durch dieselbe, und zwar mit solcher Heftigkeit, daß dadurch alle Nerven und Flächsen Seines heiligsten Leibes mit den erschrecklichsten Schmerzen zusammengezogen wurden. Um die zweite Hand auf das schon gebohrte Loch zu bringen, mußte man sie an Stricken mit aller Gewalt dahin ziehen, so auch die heiligsten Füße. Und was that Maria unter diesen unbeschreiblichen Martern ihres göttlichen Sohnes? Ach! —— 92 was that sie? Hin würde sie sich gelegt ha ben zu Ihm auf das Kreuz, um wenigstens mit Ihm sterben zu können! Aber nein; so nahe lassen sie die, wie die wüthenden Wölfe bei einem Raube beschäftigten Peini ger nicht hinzu. Sie muß in der Ferne bleiben; doch hört sie alle Grausamkeiten der erbarmungslosen Richtknechte, die herzdurch dringenden Hammerstreiche; sie sieht, wie Er an dem Kreuze aufgerichtet, und dadurch, vorzüglich durch die Einsenkung des Kreuzes in die Erde, und durch die Verfestigung dessel ben neuerdings an allen Gliedern wahrhaft schrecklich gepeiniget wird. O denket doch, was das Mutterherz, und zwar dieses aller vollkommenste Mutterherz, dabei gelitten habe! Anmuthung. Und alles dieses kann ich mir aus dem Evangelium, wenn ich dasselbe recht auf merksam und andachtsvoll betrachten will, vorstellen und begreiflich machen. So ward Jesus, und mit und in Ihm gleichsam aud Maria gekreuziget. Hat Er also wohl zu viel von mir gefordert, da Er sprach: Wer HAP 93 Mir nachfolgen, wer Mein Jünger sein will, der verläugne, der kreuzige sich selbst? Dessen ungeachtet will ich von keiner Abtödtung, von feiner Selbstverläugnung, von feiner Kreuzigung meiner Augen, meiner Ohren, meines Gaumens, meiner Phantasie, meiner Sinnlichkeiten, meiner gewissermaßen thierischen Gelüste, meines Hochmuthes, meines Zorns und der übrigen Leidenschaften etwas wissen. Ich will vielmehr meiner Sinnlichkeit alles nachgeben, und mich ganz nach derselben richten. Ich lebe oft lange Zeit dahin, als wenn mein Leib der Herr, und meine Seele sein Knecht wäre. Wie kann ich aber bei einem solchen, gleichſam nur leiblichen, Leben den Himmel hoffen? Wo führt er hin der breite Weg, auf dem man die Glückseligkeit des Menschen beinahe in nichts als in Essen, Trinken, Spielen, Hü pfen, Springen, Wohlleben und Lustigſein setzet? Was werde ich einst dem göttlichen Richter antworten, wenn er mir Seine Leiden und Wunden vorweisen wird?- Aber eben deswegen, weil ich die freiwilligen Abtödtungen so sehr scheue und fliehe, und um mich doch von dem ewigen Verderben zu retten, schicket mir Gott so manche unwill 94 führliche Gelegenheiten zur Abtödtung und Selbstverläugnung zu: am öftesten Krankhei ten, wo mich meistens von allem grauset und ekelt, wornach ich mich sonst sehnte. O wie glücklich, wenn ich dergleichen Ermahnungen des barmherzigen Gottes zu meinem Heile anwenden würde! Und welcher Trost, welche kräftige Labung würde es für mich sein, wenn ich mir bei meinem Kranksein den todtschwachen Jesus, das bittere Getränk, das Er auf dem Kalvarienberge nehmen mußte, Seine harte Liegerstatt auf dem Kreuze, Seine unsäglichen Schmerzen bei der Kreuzigung, das Aechzen, Seufzen und Weinen Seiner und meiner dort gegenwärtigen Mutter recht und immerzu vor Augen stellen wollte! O Maria! Du Heil der Kranken! verlaß auch mich dann nicht, wenn ich an das Kran fenbett geheftet werde! Maria ist bei Jesu Martertod zugegen; Wer kann den Schmerz, den sie dabei empfand, erwägen? Durch diesen Schmerz, o Mutter! bitt' ich Dich, Sieh in der Zeit der Qualen auch auf mich! Sechsundzwanzigster Tag. Maria unter dem Kreuze. 95 Betrachtung. Da der Agar, der Dienstmagd des Patriarchen Abrahams, nachdem sie mit ihrem kleinen Ismael aus dem Hause ihres Herrn verjagt wurde, in der Wüste das Wasser ganz ausging, und sie ihr Kind vor Durst nicht mehr weiter brachte, ließ sie selbes liegen, und entfernte sich weinend und heulend von ihm, weil sie ihren Sohn nicht verschmachten und sterben sehen wollte. Doch bald kam ein Engel Gottes und zeigte ihr eine Wasserquelle. Zu Maria auf dem Kalvarienberge kam kein Engel, und doch wich sie nicht von dem Kreuze ihres göttlichen Sohnes. Kaum war das Kreuz, woran Jesus hing, in die Erde befestiget, kaum hatten sich die Henkersknechte entfernt, um Seine Kleider zu theilen, und den von der göttlidhen Mutter selbst verfertigten Rock mit den Würfeln auszuspielen, da drängte sie sich ( wer könnte es glauben, wenn es nicht das 96 Evangelium ausdrücklich erzählte?) mit dem allein unerschütterlichen Johannes durch die frohlockenden Pharisäer und Schriftgelehrten, durch die angehäufte Menge des verblendeten Volkes bis zu dem Kreuze hin. Aber welche Marter, welche Pein, den vermenschten Sohn Gottes so ausgespannt, so zerfleischt, so von Blut triefend, unter solchen Schmerzen und Qualen von außen und innen, zwischen zwei Mördern drei volle Stunden hangen und mit dem Tode ringen zu sehen! Würde uns nicht ein unvernünftiges Lamm, jedes Thier, wenn wir es, und zwar aus bloßer Bosheit, so martern sehen müßten, innigst erbarmen? Während dieser drei Stunden, welche der wahrhaft schmerzhaften Mutter wohl länger als die vorausgegangenen 33 Jahre vorge kommen sein müssen, hörte sie zwar den ren müthigen Schächer um Verzeihung bitten; aber dies war auch der einzige. Selbst der linke Schächer und der ganze Schwarm der Feinde Jesu spotteten und lästerten Jesu un ausstehlich. Ueber alles dieses muß sie noc hören( o welche neue Wunde in dem Herzen Maria!), wie ihr sterbender Sohn für sie bekürzert ist und sorget; wie Er sich über Seinen Durst beklaget; wie Er sogar fü 97 Seine Kreuziger bittet, wie Er kläglich zum Vater rufet, wie Er endlich Seinen Geist in die Hände Seines Vaters empfiehlt. Bei allen dem unterliegt Maria nicht; sie stehet neben dem Kreuze, und harret aus, bis das Opfer vollbracht ist. O übernatürlicher Heldenmuth! o Kraft der Gnade, die ja eben von dem so heilsamen Baume des Kreuzes quillt! Anmuthung. Da der Erzvater Jakob den mit Blut besprengten Rock seines kleinen lieben Josephs sah, zerriß er seine Kleider und weinte bitterlich, weil er glaubte, ein wildes Thier habe seinen Sohn zerrissen. O du böses Thier! rief er aus, o du grausames Thier! Was kann und muß ich denken und sagen, wenn ich meinen Jesus am Kreuze, und Seine Mutter unter dem Kreuze betrachte? Wer hat Ihn wohl so zugerichtet? Ach! Niemand als meine Sünden! Meine Sünden waren die ganze Ursache Seines so bittern Leidens und Sterbens. O ich böser, ich grausamer Sünder! Was soll ich also thun? Sobald Jesus Seinen heiligsten 5 98 Geist aufgegeben hatte, verfinsterte sich die Sonne, als schämte sie sich über diese un endliche Gräuelthat; die Erde bebte; die Felsen sprangen entzwei; viele Todte kamen aus ihren Gräbern hervor. Soll mein Herz unempfindlicher, als die leblosen Elemente, als selbst die Todten sein? Als der freuz tragende Heiland am Wege auf dem Kalva rienberge die weinenden Frauen von Jeru salem sah, sprach Er:„ Weinet, aber nicht über Mich, sondern über euch und eure Kin der, denen wegen ihrer Sünden eine so groß Züchtigung bevorstehet. Weinet über euch selbst und eure Sünden!"- Weinen also ſoll, muß ich, nicht so sehr wegen seiner, als über mich selbst und meine Sünden, wodur ich Ihn so verwundet, an das Kreuz geschla gen, gepeiniget habe. Weinen und mein bisherige Blindheit und Bosheit erkennen, bereuen, verabscheuen, wie so viele nach dem Tode Jesu in die Stadt zurückkehrende In den, reuevoll an die Brust klopfen und sagen: Nun sehe ich es ein, auf Wen ich geschlagen habe! Ja dieses ist es, um was ich Dic wahre Schmerzen- und also auch Trostmut ter! vor allem durch alle Deine unter dem Kreuze Jesu ausgestandene Leiden bitte, da 99 Du mir erhalten wollest einen wahren Abschen, eine vollständige Bußwirkung, die gänzliche Verzeihung meiner Sünden. Denn, bin ich von dieser Last befreit, dann trage ich alle übrigen leicht. Nichts kann Maria von dem Kreuz des Sohnes scheiden; Sie theilt mit Ihm die Schmach, fie theilt mit Ihm die Leiden. Welch' Troft für uns, die wir sie Mutter nennen, Sie wird im Leiden ihre Kinder nie verkennen. Siebenundzwanzigster Tag. Maria mit dem Leichname Jesu auf dem Schooße. Betrachtung. " Die Liebe ist stark, wie der Tod; der Liebeseifer unerbittlich, wie das Grab; ihre Neußerungen sind wie die Feuerfunken, wie eine entzündete Flamme. Wenn auch häufige Wässer, ganze Ströme sich über dieſe Liebe ergössen, so würden sie dieselbe doch 5* 100 nicht auslöschen.( Cant. 8.)" Wo hat sich dieser Gesang der Braut im hohen Liede wohl umständlicher erwahret, als an der evangelischen Braut auf dem Kalvarienberge? Der Haß, die Wuth der blinden, bos haften Juden war gekühlet, sobald Jesus am Kreuze Sein heiligstes Haupt geneigt, Seinen Geist wirklich aufgegeben hatte; entsetzt über die plößliche Dunkelheit, welche den hellsten Tag beinahe in die Nacht verwandelte, zit ternd bei dem heftigsten Erdbeben, bei dem Brüllen der unterirdischen Winde, bei dem Krachen der Felsen und Berge, wodurch die Natur ihre Trauer über den Tod ihres Ur hebers deutlich zu erkennen gab, eilten sie sogleich der Stadt zu, und wurden da noch mehr erschreckt, als sie vernahmen, daß auch der Vorhang im Tempel von oben bis un ten zerrissen sei, das Heiligthum ganz offen stehe. Aber die Liebe Mariä, welche die un zähligen Blutströme ihres gekreuzigten Soh nes nicht ertränken konnten, blieb unter ollen diesen Schreckens- Vorgängen unerschüttert. Sie harrt noch auf dem Marterplatze aus, bis der entseelte Leichnam ihres göttlichen Soh nes vom Kreuze herabgenommen, zum Grabe getragen, darin verschlossen wird, und zwar 101 ( was alle menschlichen Kräfte übersteigt), auch ohne bei allen diesen herzerschütternden Auftritten die Fassungskraft zu verlieren. Denn kaum war der Leib Jesu von dem Kreuze herabgelassen, da nahm sie Ihn noch das legtemal auf ihren mütterlichen Schooß. Aber welch' ein Anblick für die göttliche Mutter, wenn sie ihren göttlichen Sohn nun ganz in der Nähe betrachtet! Ach, wie hat die dörnerne Krone, der so schmerzhafte Tod, Sein ehevor so holdes Angesicht aufgetrieben und entstellet! Alle Glieder Seines heiligsten Leibes sind verrenket und aus ihren Gelenken gerissen; Er war so mit Wunden durchlöchert, daß, wenn man Ihn in einem Bilde so vorstellen wollte, wie Er wirklich war, Denselben fein menschliches Auge ohne Entseßen ansehen könnte. Wie mögen dabei die Liebe und Erbarmung, der Schauder und Entsetzen das heiligste Herz Maria durchkreuzet haben! Indessen, um nicht umzusinken, wendet sie ihre Augen zu dem Himmel, und heftet sie an denselben; sie betet mit tiefster Unterwerfung den zwar strengen, aber heiligsten Willen des ewigen Vaters an, und opfert Ihm noch einmal, und immerfort das unendlich kostbare Leiden und Sterben Seines 102 und ihres göttlichen Sohnes für das Heil der ganzen Welt auf; sie zeigt auf Seine offene Seite hin, und ruft uns gleichsam zu!„ Sieh, o Mensch! das Herz Jesu steht dir immer offen! Seinen letzten Blutstropfen hat Er daraus für dich vergossen! und dies aus freier, purer Liebe zu Seinem himmlischen Vater und zu dir!" Anmuthung. Liebvollste Herzen Jesu und Maria! wie werde ich Eure unfaßliche, Alles über steigende Liebe zu mir elenden, undankbaren, boshaften Geschöpf wohl vergelten können! Wenn ich Euch auch aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele, aus allen Kräften entge gegen liebe, was ist wohl dieses? Wenn ich all' mein Gut und Blut, Leib und Leben für Euch hingebe und aufopfere; wenn ich mein Leben lang aus Liebe Eurer leide, und Euch zu lieb immer zu sterben bereit bin, so ist doch alles dieses noch keine angemessene Gegengabe für Eure unermeßliche, unendliche Liebe! Allein wenn ich schon bei weitem nicht im Stande bin, Euch zu lieben, wie ich soll, so will ich Euch doch lieben, so viel 103 ich kann. Bei allem meinen Thun und Las sen will ich vorzüglich Eure Ehre, Eure Liebe mir zum Ziele sezen! O daß ich doch ganz und nur für Euch leben, daß ich Alles, auch das Widrige, von der Hand Gottes annehmen, daß ich mich sogar in dem Leiden nicht unglücklich schätzen, sondern freuen, und mich in nichts Anderm mehr als im Kreuze Jesu Christi rühmen möchte! O Jesus und Maria! schließet mein laues Herz zwischen Eure brennende Herzen ein! Ersetzet durch Eure Liebe, was der meinigen abgeht! Um dieses bitte ich Dich, o Jesu! durch die unzähligen Wunden Deines heiligsten Leibes, die Du für mich empfangen, vorzüglich durch die letzte und größte Wunde Deiner heiligsten Seite, und durch das daraus geflossene kostbarste Blut, welches gleich bei seinem Ursprunge dem, der es vergossen, dem heidnischen Hauptmanne, der Dein heiligstes Herz durchstochen, das Licht des wahren Glaubens, und die Gabe der göttlichen Liebe ertheilet hat! Dies er halte mir, o Maria! durch Deine durch so viele Leiden geprüfte Liebe! Das letztemal ruht Jesus in Mariä Armen; Sie fleht für uns um Gnad', um Schonung, um Erbarmen. 104 Sein Herz, vom Speer durchbohrt, steht auch den Sündern offen; Er litt, Er starb für uns, was sollen wir nicht hoffen? Achtundzwanzigster Tag. Maria die Leidende unser Trost. Jos Betrachtung. Wie gut kam es dem jungen Tobias auf seiner Reise, daß er einen Begleiter hatte, der alle Gefahren und Mühseligkeiten mit ihm theilte, der ihm überall Weis und Lehre gab. Welcher Trost war das für seinen lieben alten Vater! Unsere vorzüglichste Wegwei serin auf der mühsamen Reise durch dieses Weltthal ist Maria. Sie ist uns in allen Leiden vorangegangen. Wir haben schon erwogen, wie viel, wie unschuldig, wie wahr haft, wie geduldig, wie zufrieden sie gelitten, wie reichlich sie für ihr Leiden belohnt wor den; wie ungeachtet, wie wachsam, wie freund lich, wie gehorsam, wie arm sie gewesen; wie sie sich bei der Weissagung Simeons, bei 105 der Flucht in Egypten, bei dem Verluste Jesu in dem Tempel, in dem Hause zu Nazareth, am Sterbebette des heiligen Josephs, auf der Hochzeit zu Kana verhalten; wie viel sie während des Predigtamtes Jesu, bei der Urlaubnehmung von Ihm, in Seiner Leidensnacht, am Morgen Seines Sterbetages, am Wege auf den Kalvarienberg, auf demselben unter dem Kreuze, und endlich, da sie noch Seinen entseelten Leichnam auf ihrem Mutterschooße hielt, ausgestanden habe. Aber es war noch nicht gar; ihr Leiden hatte noch kein Ende.- Wie bestürzt waren die heiligen Franen über den Tod Jesu! Wie verzagt waren die von einander getrennten und heimlich weinenden Apostel! Wie groß wird erst das Betrübniß und Mitleid der heiligen Mutter gewesen sein, während der Zeit, da Jesus in dem Grabe lag? Er ist auferstanden, und unter den Vielen, denen Er sich offenbarte, Seiner liebsten Mutter gewiß am öftesten erschienen. Doch diese Seine Besuche waren ihr zwar unendlich lieb und angenehm, aber immer viel zu kurz; es waren nur Besuche. Ueber ein Kleines fuhr Er gar vor ihren Augen und im Angesichte Seiner Lehrjünger gen Himmel auf. - 106 Und wie lang war ihr nun die Zeit, da sie ohne Ihn noch auf der Erde leben mußte! Es kam zwar der versprochene heilige Geist, der Tröster, auch über sie. Aber jemehr dieser Gott der Liebe in ihr das Feuer der Liebe entflammte, um desto heißer wurde ihre Begierde und das Verlangen, aufgelöset zu werden von den Banden dieses sterblichen Leibes, um ewig bei Christo, ihrem Sohne, in dem Himmel sein zu können. thot Anmuthung. Also so lang Du lebtest, göttliche Mut ter! mußtest Du leiden! Alle Armſeligkeiten und Plagen des Menschenlebens auf der Erde, innerliche und äußerliche, leibliche und geist liche mußtest Du verkosten! Dein ganzes Leben war nichts anders, als ein abwechseln des Leiden! Muß mir dieses nicht in allen meinen Bedrängnissen und Widerwärtigkeiten Trost einflößen, wenn ich denke, daß ich das, was ich leide, nicht zuerst, nicht allein trage? daß Du in allem meine Vorgängerin bist! Darf ich den Kelch des Leidens, den mir det Vater darbietet, den Du mit Deinem gött lichen Sohne ausgetrunken hast, wohl von 107 mir stoßen? Wie könnte ich denn ohne Leiden in den Himmel kommen, nachdem der liebvollste Vater Dich und Deinen göttlichen Sohn nur auf diesem Wege dahin führen wollte? Anderer Seits habe ich nun gelernet, daß das Leiden auch Dir wehe gethan, auch Dir unzählige Seufzer und Zähren ausgepresset hat. Wie kann ich mich also verwundern, daß ich armes, schwaches Geschöpf mich so sehr über das Leiden entsetze, seine Last so hart trage, darunter von Kleinmuth und verzagten Gedanken versuchet werde? Wirst Du, o liebreiche Mutter! dieses Deinem Kinde wohl übel nehmen? Onein, sondern Du wirst mit mir um so mehr Mitleid tragen, um so mehr für mich bitten, jemehr Du es selbst erfahren hast, und da Du nun in Deinem und meinem Gott alle meine Leiden stehst und hörst. Maria fühlte jeden Schmerz, Der Sterbliche nur treffen kann; Darum nimmt sich ihr fühlend Herz Der Leidenden stets liebreich an. 108 Neunundzwanzigster Tag. of Maria die Sterbende unsere Hoffnung. Betrachtung. Die Hoffnung des Gewinnes treibt den Handelsmann zu den gewagtesten Unterneh mungen an; die Hoffnung des Sieges mun tert den Soldaten in dem gefährlichsten Kampfe auf; die Hoffnung eines geſegneten fruchtreichen Herbstes macht dem Landmanne seinen sauren Schweiß süß. Diese Hoffnung ist um so wirksamer, je näher man zu dem kommt, was man hoffet. Deswegen war für Maria das Sterben so leicht, weil sie Alles zu hoffen, und Nichts zu fürchten hatte. Ihrem Erdenleben machte nicht eine leibliche Krankheit, nicht die abnehmenden Kräfte bei zunehmendem Alter, sondern allein die himmlische, göttliche Liebesflamme, daß immer heißere Verlangen nach Gott, ein Ende Sie liebte lebend, nnd starb liebend, ftarb vor Liebe. Die Liebe lös'te nach und nac ihre Seele ganz von dem Leibe ab. näher sie zu ihrem so lang geliebten Ziele 109 kam, um desto größer wurde ihr Efel vor allem Irdischen, um desto größer die Sehnsucht nach dem Himmlischen. Mit wahrer Freude blickte sie zurück auf das lange Leiden, das nun bereits überstanden war, hin auf die unzähligen Verdienste, die sie vorausgeschickt, in dem Himmel hinterlegt hatte. Mit noch größerm Entzücken betrachtete sie die Krone der Gerechtigkeit, die Krone der Unsterblichkeit, die ihr immer heller entgegen glänzte, sie hoffte dieselbe nicht nur, sondern sie langte schon darnach. Nichts konnte ihr den Austritt aus diesem Leben mehr erschweren, nichts denselben nur im mindesten beunruhigen. Nicht die Welt, von der sie scheiden mußte; sie hatte ihr schon lange freiwillig entsagt, und war nie daran gehangen. Nicht ihr Gewissen; dasselbe war immer so rein unbefleckt, wie das Gewissen des neuerschaffenen Adams und der Eva vor dem Falle. Nicht der Teufel; dieser hatte niemals, auch nicht einen Augenblick lang, auf sie irgend ein Recht, oder einen Anspruch. Nicht der annahende göttliche Richter; dieser war ihr Sohn, Der Seiner Mutter mit offenen Armen entgegen eilte. O seliges, o tausendmal seliges Ende!! - 110 Anmuthung. Liebste Mutter! gerade dies ist es, was mir am meisten anliegt, was mich, so oft ich ernstlich daran denke, schaudern und zit tern macht: das Sterben! O wie wird mir einst sein, wenn sich das Licht der Sonne, vielleicht beim hellen Tage, plötzlich bei mir in Nacht verwandeln; wenn die Welt von mir zu weichen anfangen wird; wenn ich mich auf einmal, wie von einem Traume er wachend, am Thore der Ewigkeit sehen wer de! Zwar soll ich, als Christ, den Tod nicht scheuen; er macht ja nur dem Leiden, den unzähligen Mühseligkeiten ein erwünsch tes Ende, und öffnet den Eintritt zur ewigen Seligkeit. Aber er ist und bleibt eine Fol ge und Strafe der Sünde, und deswegen entsetze ich mich so sehr darüber. Und wenn ich erst an den strengen Richter und an die gewisse Rechenschaft denke, die ich da nicht nur für mich, sondern auch für alle, die mich angehen; nicht nur für das, was ich gethan, sondern auch für alles, was ich unterlassen habe, sogar für jedes müßige Wort, ablegen muß; wenn ich an das große Buch denke, welches dort wird aufgeschlagen werden, wo - 111 rin mein Leben pünktlichst aufgezeichnet ist, soll ich da nicht beben, zittern?- Allein da Du, o Mutter! Dich meiner bei Deinem göttlichem Sohne, meinem Richter, annimmſt; da Du mich in Schuß nimmst, habe ich dann wohl noch Ursache, etwas zu fürchten? habe ich nicht Ursache, alles zu hoffen? Und wenn ich mich ernstlich befleiße, jetzt im Leben und Leiden Dir getreu zu folgen, in die Fußstapfen zu treten, die Du mir vorgezeichnet haft; wenn ich jetzt so oft nicht nur mit dem Munde, sondern auch mit dem Herzen zu Dir rufe: Bitte für uns jetzt und in der Stunde unsers Absterbens! wirst Du mich dann, wenn diese fürchterliche Stunde wirk lich annahet, wenn ich nicht mehr im Stande sein werde, Dich anzurufen, wohl verlassen! Onein! dies fann nicht sein. Daher will ich Dich immer mit vollem Vertrauen bitten; gleichwie Du einst Deinen göttlichen Sohn bei seinem bittern Tode am Kreutze nicht verlassen hast, und schon zuvor Deinem heiligen Bräutigame Joseph bei seinem Ende beigestanden bist, stehe auch mir mit diesen beiden in meinem letzten und wichtigsten Kampfe bei! Zeige dann, daß Du wahrhaft die Mutter des Trostes seieft! - 112 Schwer ist der Todeskampf, und selbst der Frömmste bebet, Doch der Gedanke ist's, der unsern Muth belebet, Maria, der wir treu im Leben angehangen, Wird uns im letzten Streit gewiß den Sieg erlangen. Dreißigster Tag. Maria die Triumphirende, unsere Freude. Betrachtung. Schön ist es zu sehen, wenn der Adler, der auf den höchsten Jöchern in den Felsenklüften nistet, seine Jungen zum Fluge ab richtet, und ober ihnen majestätisch hin und her fliegt. Aber ohne Vergleich freudiger ist es, wenn wir unsere Augen von dieser Ab bildung unserer lieben Frau und Mutter hin auf, so weit es unsere Schwachheit erlaubet, in den Himmel zu ihr selbst erschwingen wollen. Da ist sie vorgestellt in dem bei nahe betrübtesten Zeitpunkt ihres Lebens; dort lebt und schwebt sie in einem unergründ lichen Meere der unaussprechlichsten Freuden. Da sizzet sie weinend, völlig troftlos auf ei - 113 nem elenden Holzblocke; dort thronet sie jubelnd und frohlockend auf einem strahlenden Sternenthrone. Da hat sie den unmenschlich entstellten Leichnam ihres Jesus auf dem Schooße, dort ruhet sie ganz entzückt vor Freude in den Armen ihres verherrlichten, ihres unendlich heller als die Sonne glänzenden Sohnes. Da in ihrem Bilde erweckt sie Mitleiden, dort in ihrem wirklichen ewig seligsten Aufenthalte trägt sie Mitleiden; da braucht sie Trost, dort ertheilt sie Trost, da ruft sie um Hilfe, dort kommt sie zu Hilfe. O welche Freuden genießt Maria über die allgemeinen, welche Ehren empfängt sie im Himmel? Sie als die Tochter des himmlischen Vaters, als die Mutter des göttlichen Sohnes, als die Braut des heiligen Geistes, ist eine von den ersten Hauptpersonen bei jenem ewigen Freudenmahle. Sie ehren alle Chöre der Engel und seligen Geister. Ihr verdanken die Patriarchen und Propheten, die Apostel und Märtyrer, die Beichtiger und Jungfrauen nach Gott ihre Rettung. Es ist hart zu unterscheiden, ob die Freude aller dieser größer sei, wenn sie ihre Retterin in einem solchen Triumphe sehen, oder die Freude Mariä, wenn sie so viele von der ewigen 114 Verdammniß Gerettete bei ihr in einer sol chen Seligkeit sieht.- Und hat die Herr lichkeit, mit der nun Maria in dem Himmel pranget, auf uns etwa keinen Bezug? Wenn wir sie nicht nur in ihrem Bildnisse, nicht nur mit dem Munde, sondern auch in unserm Leben durch die Nachfolge des ihrigen ehren, und ihr dadurch gleichsam einen Dienst erweisen, wird sie unser dort am Throne ih res Herin wohl vergessen, wie der Mundschenk Pharaos des im Kerker schmachtenden Josephs? Wird sie als Mutter sich unser, ihrer Kinder, nicht annehmen? Oder wird sie ihr Sohn, der dreißig volle Jahre allen ihren Winken gehorchte, nun nicht mehr an hören? Wird der ewige Vater, Der den Kin dern, welche ihre Eltern ehren, langes Leben und Wohlergehen versprochen hat, Sein un veränderliches Wort in Hinsicht der Mutter Seines eingebornen Sohnes, wenn wir sie als unsere Mutter wahrhaft findlich verehren, nicht halten? Wird der göttliche Sohn, Der versprochen hat, jeden Dienst, den wir dem mindesten der Seinen erweisen, reichlich zu belohnen, jene unzählige Dienste, die Maria einst Ihm erwiesen, und die wir nun Seiner göttlichen Mutter erweisen, wohl unvergolten 115 lassen? Wie oft haben einzelne, wie oft ganze Gemeinden, wie oft die ganze Christenheit die Kraft des Schußzes Mariä erfahren! Wie viele Ursachen haben wir also, uns über den Triumph, über die Herrlichkeit und Macht Mariä in dem Himmel zu erfreuen! Anmuthung. Ja, o Mutter! so oft ich mit meinen leiblichen Augen diese Deine Abbildung be trachte, welche mir Dein einst ausgestandenes Leiden so deutlich vorstellet, will ich immer die Augen meines Geistes zum Himmel erheben; will mir, wenigstens in so weit es mein bloß an das Irdische gewohnter Verstand fassen kann, Deinen Jubel, Deine Freude alldort vorstellen; ich will aufhören zu klagen und zu trauern über die einzelnen oder allgemeinen Leiden und Plagen, und mich vielmehr freuen, jenes unvergleichbare, unaufhörliche Freudenfest dafür eintauschen zu können; ich will meine Zähren, die mir das gegenwärtige Elend auspresset, abtrocknen, und dafür vor Freude weinen, vor Freude über die Glückseligkeit, die meiner dort war 116 tet. Immer will ich mich in den Mühse ligkeiten und Trübsalen dieses Lebens, wie Paulus, aufmuntern: Das wenige, was i jetzt leide, dauert nur kurz; aber ewig ist da unaussprechlich große Lohn, den mir Gott dafür in dem Himmel verheißt. Ich will Dri, o Mutter! jetzt folgen im Glauben, in der Demuth, in der Geduld, im Leiden, da mit ich mich einft mit Dir ewig erfreuen könne. Sieh', o Königin Himmels und der Erde! von Deinem hohen Throne auf uns herab! Laß dir die wenigen und gerin gen Werke der schuldigsten Andacht gefallen, womit wir Dich diese dreißig Tage hindurd zu verehren uns bemühet; bestätige die heil samen Vorsätze, die wir während dieser drei Bigtägigen Andacht gemacht: erhöre die ver schiedenen Bitten, die wir Dir während diese Zeit vorgetragen haben! Sei und bleibe fer ner und allzeit unsere Mutter, unsere We weiserin, unser Muster und Vorbild, unser Schußfrau, unser Trost in diesem armselige Leben, und besonders auf dem Tod bette! Dir anempfohlen sein jeden von uns, unser gesammte Gemeinde, unser irdisches Vater land, die ganze Christenheit, alle geistliche und weltlichen Vorgesetzten und Obrigkeiten - 117 erhalte uns allen wechselseitige Liebe und Eintracht, Alles, was wir brauchen, um durch dieses gefahr und unheilvolle Weltthal so durchwandern zu können, daß wir einst unser gemeinschaftliches erstes und legtes Ziel und Ende in dem Himmel glücklich erreichen, und dort mit allen Engeln und Auserwählten, vorzüglich aber mit Dir, ewig loben und preisen mögen Gott den Vater, Gott den Sohn, Gott den heiligen Geist, Amen. Groß war Maria Schmerz, doch größer ihre Krone, Wer ihr im Leiden folgt, der folgt ihr auch im Lohne. 20TH 118 Tagzeiten von der schmerzhaften Mutter, unserer besten Trösterin. Bur Metten. V. Gegrüßet seiest Du, Maria, voll da Gnaden, der Herr ist mit Dir. R. Du bist gebenedeiet unter den Weibern, und gebenedeiet ist die Frucht Deine Leibes. V. Herr! eröffne meine Lefzen, R. Damit mein Mund Dich und Deine jungfräuliche Mutter schuldigst loben 1. preisen möge. V. Mutter Gottes steh' mir bei, R. Mach mich von meinen Feinden frei. V. Ehre sei Gott dem Vater, und dem Soh ne, und dem heiligen Geiste, R. Wie sie war im Anfange, und jetzt un allzeit und zu allen ewigen Zeiten, Amen. 119 Lobgesang. Reinste Jungfrau und zugleich Mutter Gottes, gnadenreich, Du bist meine Trösterin, Wenn ich zaghaft, traurig bin. In dem Kummer, in der Plage, Wenn ich's Dir nur treulich klage, Schöpf' ich wieder frohen Sinn Da bei Dir, o Trösterin! In dem Kreuze, in dem Leiden, Kann ich nichts, als dulden, schweigen, Wenn ich sehe auf Dich hin, O Du größte Dulderin! O wie traurig und betroffen, Ja mit Thränen überloffen, Sizest Du, o Mutter! hier, Weinest gleichsam selbst mit mir. Antiphona. O ihr alle, die ihr da vorübergehet, se het und betrachtet, ob es einen Schmerzen geben könne, der dem Schmerzen dieser betrübten Mutter gleich kommen sollte.*) *) Thren. I. 22. 120 V. Mein Angesicht schwoll auf vor Weinen, R. Meine Augenlieder zitterten. V. Selig sind die Trauernden, R. Sie werden getröstet werden. V. Heilige Maria Mutter Gottes, bitt' für uns arme Sünder, Rc. Jetzt und in der Stunde unsers Absterbens. 10900 V. Herr! erhöre mein Gebet, R. Und laß mein Rufen zu Dir kommen. Gebet. O Herr Jesus Christus! an Dessen bit teres Leiden und Sterben wir durch die Be trachtung dieses Bildnisses Deiner mitleiden den göttlichen Mutter immerfort erinnert werden, verleihe uns, Deinen Dienern, die wir in diesem Thale der Zähren wandern, daß wir jetzt auf der Erde uns unsere Be trübnisse, wie es Maria gethan, zu Nußen machen mögen, um einst an ihrem ewigen Troste in dem Himmel Antheil nehmen z können, Der Du lebest und regierest in Ewigfeit, Amen. 121 Der süße Name unsers Herrn Jesu Christi und Seiner allerfeligsten Mutter Mariä sei gelobet und gebenedeiet von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen. Die Seelen aller Abgestorbenen Christgläubigen sollen durch die Barmherzigkeit Gottes ruhen im Frieden, Amen. Bur Prim. V. Gegrüßet ſeieſt Du, Maria, voll der Gnaden, der Herr ist mit Dir. R. Du bist gebenedeiet unter den Weibern, und gebenedeiet ist die Frucht Deines Leibes. V. Mutter Gottes steh' mir bei, R. Mach mich von meinen Feinden frei. V. Ehre sei Gott dem Vater, und dem Sohne, und dem heiligen Geiste, R. Wie sie war im Anfange, und jetzt und allzeit und zu allen ewigen Zeiten, Amen. Lobgesang. Ohne Murren, ohne Klagen, Hör ich Dich zum Vater sagen: 6 122 Herr! Dein Wille soll allein, Immer auch der meine sein. Du beweinst des Sohnes Leiden; Soll ich leben nur in Freuden, Nicht auch tragen mit Geduld, Was ich Sünder hab' verschuld't! Ganz entstaltet, blutend, bloße, Liegt Er da auf Deinem Schooße, Der, Der uns das Heil erwarb, Der für uns am Kreuze starb. Zage ich im Kampf, im Streite, Zeigst Du seine off'ne Seite; Ja in dieser Felsenkluft Find't mein banges Herz stets Luft. Antiphona. Meine Seele ist betrübt bis zum Ster ben. Vater! wenn es sein kann, nimm die sen bittern Kelch von mir, doch nicht mein Wille, sondern der Deine soll geschehen.*) Sieh, ich bin eine Dienerin und Magd des Herrn, mir geschehe nach Deinem Worte.**) *) Math. XXVI. 39. **) Luc. L. 38. 123 V. Die Taube fliehet in die Felsenrißzen und in die Höhlungen der Steine, Ry. Vor den Nachstellungen des Geiers. V. Kommt alle zu Mir, die ihr mit Arbeit und Mühseligkeiten beladen seid, R. Ich will euch erquicken. V. Heilige Maria Mutter Gottes, bitt für uns arme Sünder, R. Jetzt und in der Stunde unsers Absterbens. V. Herr! erhöre mein Gebet, R. Und laß mein Rufen zu Dir kommen. Gebet. Wir bitten Dich, o Herr Jesu Chrisi! laß Dich zur Barmherzigkeit gegen uns bewegen, jetzt in allen unsern Nöthen und Anliegen, in allen Versuchungen und Gefahren, und einst in der größten Angst und Noth, in dem hitzigsten und wichtigsten Streite, auf unserm Sterbebette, durch die Vermittlung und Vorbitte der allerseligsten Jungfrau, Deiner lieben Mutter, deren heiligste Seele bei Deinem Leiden von dem Schwerte des Schmerzens ist, durchdrungen worden Amen. 6* 124 Der süße Name unsers Herrn Jesu Christi und Seiner allerseligsten Mutter Mariä sei gelobt und gebenedeiet von Ewig keit zu Ewigkeit, Amen. Die Seelen aller abgestorbenen Chrift gläubigen sollen durch die Barmherzigkeit Gottes ruhen im Frieden, Amen. Bur Ter 3. V. Gegrüßet feiest Du, Maria, voll der Gnaden, der Herr ist mit Dir. R. Du bist gebenedeiet unter den Weibern, und gebenedeiet ist die Frucht Deines Leibes. V. Mutter Gottes steh' mir bei, R. Mach mich von meinen Feinden frei. V. Ehre sei Gott dem Vater, und dem Sohne, und dem heiligen Geiste, R. Wie sie war im Anfange, und jetzt und allzeit und zu allen ewigen Zeiten, Amen. Lobgefang.ind asdr Er verschonet, Er verzeihet, stic O wie Er die Hand mir reichet! 125 Diese dargereichte Hand Ist des Trostes Unterpfand. Meines Jesus bitter's Sterben, Wird Verzeihung mir erwerben; Dieses tilget meine Schuld, Und erwirbt mir Gottes Huld. Kannst Du, Mutter! mich verschmähen? Nicht mehr achten auf mein Flehen, Die Du mich beim Kreuz gebarst, Und von dort an Mutter warst? Hat nicht selbst Dein Sohn gesprochen Kurz, vor Ihm die Stimm' gebrochen: Siehe deine Mutter an; Ehre sie und ruf' sie an!" Antiphona. Da Jesus vom Kreuze herab Seine Mutter und neben ihr jenen Jünger stehen sah, der Ihm besonders lieb war, sprach Er zur Mutter: ,, Weib, siehe deinen Sohn!" und dann zum Jünger: Siehe deine Mutter!" Und von dieser Stunde an erkannte und hielt Johannes Maria für seine Mutter.*) 11 for din ¹) Joan. XIX, 26. 126 V. Mein Volk! habe ich nicht Alles für dich gethan? R. Hätte ich wohl noch mehr thun können? V. Wie eine Mutter ihrem kleinen weinen den Kinde thut, R. So will Ich euch trösten. duff V. Heilige Maria Mutter Gottes bitte für uns arme Sünder, Rc. Jetzt und in der Stunde unsers Absterbens. V. Herr! erhöre mein Gebet, Rr. Und laß mein Rufen zu Dir kommen. Gebet. O mein Herr und Gott! bei Dessen Lei den die Weissagung Simeons erfüllet, und das zärtlichste Mutterherz Mariä wirklich von dem Schwerte des Schmerzens durchbohret worden ist: verleihe uns gnädigst, daß, die wir ihre Schmerzen ehrfurchtsvoll und dank bar beherzigen, auch der Früchte Deines Lei dens heilhaftig werden, und immer wahre Kinder dieser Mutter bleiben mögen, jest und in Ewigkeit, Amen. Der süße Name unsers Herrn Jesu Christi und seiner allerfeligsten Mutter Ma 127 riä sei gelobt und gebenedeiet von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen. Die Seelen aller abgestorbenen Chriftgläubigen sollen durch die Barmherzigkeit Gottes ruhen im Frieden, Aman. Bur Sert. V. Gegrüßet feiest Du, Maria, voll der Gnaden, der Herr ist mit Dir, Ry. Du bist gebenedeiet unter den Weibern, und gebenedeiet ist die Frucht Deines Leibes. V. Mutter Gottes steh' mir bei, P. Mach mich von meinen Feinden frei. V. Ehre sei Gott dem Vater, und dem Sohne, und dem heiligen Geiste, R. Wie sie war im Anfange, und jetzt und allzeit und zu allen ewigen Zeiten, Amen. Lobgesang. Wird Dir Gott wohl was versagen, Die Du einst Ihn selbst getragen, Und nun sig'st im Himmelsthron, Nächst am Vater und am Sohn? 128 Eine Frucht der Mutterliebe, Eine Folg' der Kindestriebe War die erste Wunderthat, Die Dein Sohn gewirket hat. Unter vielen Gnaden Orten, Wo Dein Name groß geworden, Wählte Gott auch dieses Haus, Dir zu einem Wohnsiß aus. Immer fanden schon vor Jahren, In der Trübsal, in Gefahren, Uns're Väter Hilf' bei Dir, Wahre Trostes- Mutter! hier. Antiphona. Gepriesen sei Gott der Herr, der Schöpfer Himmels und der Erde, Der Deinen Namen so sehr verherrlichet hat, daß wir nie aufhören dürfen, Dich zu loben, wenn wir an die großen Dinge gedenken, die Gott an Dir und durch Dich gethan hat. In den Bedrängnissen und Beängstigungen Deines Volkes hast Du Deiner selbst nicht verscho net, sondern hast Dich für uns in das Mit tel gelegt vor dem Angesichte Gottes, und unsern Untergang verhütet*). *) Judith. XXIII. 24. 129 V. Gedenke unser vor dem Throne Gottes. R. Führe das Wort für uns, und besänftige seinen gerechten Zorn; halte ein seinen strafenden Arm. V. Verwandle unser Trauern in Freude, R. Damit wir leben und Deinen Namen immer preisen mögen. V. Heilige Maria Mutter Gottes bitte für uns arme Sünder, Ry. Jetzt und in der Stunde unsers Absterbens. V. Herr! erhöre mein Gebet, P. Und laß mein Rufen zu Dir kommen. Gebet. Wir opfern Dir auf, Herr Jesu Christi! alle Seufzer und Gebete, welche schon von Alters her vor diesem trostreichen Gnadenbilde Deiner schmerzvollen Mutter zum Himmel aufgestiegen sind, und bitten Dich demüthigst: Du wollest in Vereinigung mit allen jenen auch unsere Seufzer und Bitten wohlgefällig aufnehmen, und gnädig erhören, die wir Dir da vortragen durch Diejenige, welche einstens so viel für uns gelitten und 6** 130 verdienet hat bei Deinem heiligsten Leiden und Sterben, Amen. Der süße Name unsers Herrn Jesu Christi und seiner allerseligsten Mutter Mariä sei gelobt und gebenedeiet von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen. Die Seelen aller abgestorbenen Christ gläubigen sollen durch die Barmherzigkeit Gottes ruhen im Frieden, Amdn. Bur Uon. V. Gegrüßet seiest Du, Maria, voll de Gnaden, der Herr ist mit Dir. R. Du bist gebenedeiet unter den Weibern, und gebenedeiet ist die Frucht Deines Leibes. V. Mutter Gottes steh' mir bei, R. Mach mich von meinen Feinden frei. V. Ehre sei Gott dem Vater, und dem Soh ne, und dem heiligen Geiste, R. Wie sie war im Anfange, und jetzt un allzeit und zu allen ewigen Zeiten, Amen Lobgesang. Soll mich dieses nicht erwecken, Wenn mich Furcht und Angst erschrecken! Ja dann rufe ich zu Dir: Hilf, Maria! hilf auch mir! Mutter, die so viel gelitten, Hör' noch jetzt der Deinen Bitten, Lasse doch die ganze G'mein, Deinem Schuß empfohlen sein! Wenn ich bei der Arbeit schwitze, Tragen muß bald Kält', bald Hißze, Opfere Du dem Vater auf, Meinen ganzen Lebenslauf. Wenn die Kranken seufzen, ächzen, Neße ihre trocknen Lefzen, Mit dem Finger Deiner Kraft, Die oft neues Leben schafft. 131 Antiphona. Wenn was immer für allgemeine und sonderheitliche Plagen über uns kommen, wenn uns Feindesgefahren, ansteckende Krankheiten, Hunger und Elend drohen, nehmen wir unsere Zuflucht in dieses Dir geheiligte Haus, und rufen da in unserer Angst und Noth zu Dir, und Du erhörest und errettest uns*). *) II. Chron. XX. 9. 132 V. Gröffne da dem Herrn alle Anliegen deines Herzens, und überlasse dich vertrau ungsvoll Ihm. R. Er wird Alles recht machen. V. Wer bittet, der erhält; wer sucht, der findet; P. Wer anklopft, dem wird aufgethan werden. V. Heilige Maria Mutter Gottes, bitte für uns arme Sünder, Rc. Jetzt und in der Stunde unseres Absterbens. V. Herr! erhöre mein Gebet, R. Und laß mein Rufen zu Dir kommen. Gebet. O Gott! Dessen Barmherzigkeit endlos, Dessen Güte und Freigebigkeit unerschöpflich ist, wir danken Dir für die vielen und gro Ben Gnaden und Wohlthaten, die Du da durch die Hände Deiner jungfräulichen Mut ter ausgetheilet hast, und bitten zugleich: Du wollest auch fernerhin uns nicht verschmähen, noch verstoßen, wenn wir in unsern gegen wärtigen und zukünftigen Anliegen und Be drängnissen zu dieser wahren Arche des 133 Bundes fliehen, sondern auch unser Gebet, welches wir da demüthig und vertrauensvoll ausgießen, immer barmherzig erhören. Der Du lebest und regierest in Ewigkeit. Amen. Der süße Name unsers Herrn Jesu Christi und Seiner allerseligsten Mutter Mariä sei gelobt und gebenedeiet von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Die Seelen aller abgestorbenen Christgläubigen sollen durch die Barmherzigkeit Gottes ruhen im Frieden. Amen. Bur Vesper. V. Gegrüßet seiest Du, Maria, voll der Gnaden, der Herr ist mit Dir. R. Du bist gebenedeiet unter den Weibern, und gebenedeiet ist die Frucht Deines Leibes. V. Mutter Gottes steh' mir bei, R. Mach mich von meinen Feinden frei. V. Ehre sei Gott dem Vater, und dem Sohne, und dem heiligen Geiste, Pc. Wie sie war im Anfange, und jetzt und allzeit und zu allen ewigen Zeiten. Amen. 134 Lobgefang. Wenn die Witwen, Waisen rufen, Hilf bei Dir, o Mutter! suchen, Stehe den Verlass'nen bei; Denk, daß Gott ihr Vater sei. Wenn uns Feu'r, wenn Wässer drohen, Schaue Du von Deinem hohen Gnadenthron auf uns herab; Schüße das, was Gott uns gab! Treib' den Wolf von dieser Heerde, Schenk' uns Eintracht auf der Erde, Laß uns friedlich Hand an Hand Wandern in das Vaterland! So wird's nie an Trost gebrechen, Immer will ich ruhig sprechen: Wenn ich leide, geht es mir, Liebe Mutter! wie einst Dir. Antiphona. Der Herr schlägt und heilet, tödtet und machet lebendig, stürzet zu Boden und richtet wieder auf; der Herr macht arm und reich, erniedriget und erhöhet; Gott ist der Herr über Alles, und schafft, wie es Ihm gefällt; Er be 135 schüßet die Seinigen, und macht die Gottlosen zittern*). V. Alle Haare unsers Hauptes sind gezählet, R. Nicht Eines wird verloren gehen. V. O Herr! in Deiner Hand R. Sind alle meine Schicksale. V. Heilige Maria Mutter Gottes, bitte für uns arme Sünder. R. Jetzt und in der Stunde unsers Absterbens. V. Herr! erhöre mein Gebet, Rc. Und laß mein Rufen zu Dir kommen. Gebet. O Gott! Der Du die gebenedeiteste Mutter Deines eingebornen Sohnes in allen ihr schon lange vorausgesagten Betrübnissen und Leiden so gestärket hast, daß sie dieselben wahrhaft heldenmüthig übertrug! Wir bitten Dich durch diese ihre erstaunliche Ergebenheit und Geduld in ihren unbegreiflichen *) I. Reg. II. 136 Schmerzen, bewahre uns von allem geistli chen und leiblichen Unheile, stärke uns in allen Widerwärtigkeiten, welche Deine Va terhand über uns verhänget, und führe uns so durch die Wüste dieser Erde, daß wir einst das verheißene ewig glückselige Vaterland, den Himmel, gewiß erreichen können; durch Jesum Christum unsern Herrn, den uns Maria da auf ihrem jungfräulichen Schooße als das für uns geopfterte Lamm Gottes zeiget. Amen. Der süße Name unsers Herrn Jesu Christi und Seiner allerseligsten Mutter Mariä sei gelobt und gebenedeiet von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Die Seelen aller abgestorbenen Christ gläubigen sollen durch die Barmherzigkeit Gottes ruhen im Frieden. Amen. Bur Komplet. V. Gegrüßet seiest Du, Maria, voll der Gnaden, der Herr ist mit Dir. R. Du bist gebenedeiet unter den Weibern, und gebenedeiet ist die Frucht Deines Leibes. 137 V. Grbitte uns bei Deinem Sohne die Gnade einer wahren Bekehrung, R. Und wende von uns ab Seinen Zorn. V. Mutter Gottes steh' mir bei, R. Mach mich von meinen Feinden frei. V. Ehre sei Gott dem Vater, und dem Sohne, und dem heiligen Geiste, P. Wie sie war im Anfange, und jetzt und allzeit und zu allen ewigen Zeiten. Amen. Lobgesang. Eins allein muß mich noch schmerzen, Reuen von dem ganzen Herzen, Daß ich blind vom Sündenreiz Mitgeholfen hab' beim Kreuz. Fest ist nun der Schluß gefaffet: Nur die Sünde sei gehasset; Denn dafür starb ja Dein Sohn An dem Kreuz mit Spott und Hohn. Immer will ich mich bestreben, Deinem Beispiel nachzuleben, Immer tugendhaft zu ſein, Um mich Deines Trost's zu freu'n. 138 Also wird das Leid selbst süße, Wenn ich da mein Herz ausgieße In Mariä Mutterschooß, Die uns liebet klein und groß. Antiphona. Da der mit dem Kreuze beladene Hei land am Wege auf den Kalvarienberg die weinenden Frauen sah, sprach Er zu ihnen: Weinet nicht über Mich, sondern über euch selbst und eure Kinder*). Weinet über euch selbst und über eure Sünden; denn wegen dieser ist der Sohn Gottes so verwundet, so zugerichtet worden**). V. Thränenbäche soll ich vergießen, Pc. Weil ich Dein Gesetz aus den Augen gelassen habe. V. Ich habe mich verirret, wie ein verlorned Schaf. R. Herr! suche Deinen Diener, der Deine Gebote noch nie ganz vergessen hat. *) Luc. XXIII. 28. **) Isa. LIII. 139 V. Heilige Maria Mutter Gottes bitte für uns armen Sünder, R. Jetzt und in der Stunde unsers Absterbens. V. Herr! erhöre mein Gebet, R. Und laß mein Rufen zu Dir kommen. Gebet. O unendlich gütiger und barmherziger Gott! von dem Bewußtsein unserer Sünden völlig niedergedrückt, rufen wir zu Dir um Erbarmung und Gnade: erleuchte unsern Verstand, damit wir alle unsere Missethaten recht erkennen; bewege unsern Willen, damit wir dieselben herzlich bereuen und verabscheuen, aufrichtig beichten, und also unsern Sünden und sündhaften Neigungen vollkommen absterben, und zu einem wahrhaft bußfertigen und gerechten Lebenswandel auferstehen mögen. Dies verleihe uns durch das kostbarste Blut Jesu Christi, Deines eingebornen Sohnes unsers Erlösers, und durch die bittern Zähren Seiner jungfräulichen Mutter, der Zuflucht der Sünder. Amen. Der süße Name unsers Herrn Jesu Chrifti und Seiner allerseligsten Mutter Ma 140 riä sei gelobt und gebenedeiet von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Es segne und behüte uns Seele und Leib, Hab und Gut, Gott der allmächtige und all gütige Vater, Sohn und heilige Geist. Amen. Beschluß. Geht es einst zum End' das Leiden, Richte Du mich zu zum Scheiden; Bitt für mich im letzten Streit, Mutter der Barmherzigkeit! Nach dem Maß, wie ich jetzt messe, Da mich drückt des Kreuzes Presse, Wird auch einst die Freude sein, Wenn ich geh' zum Himmel ein. Die in Deinem Schooße sterben, Können wahrhaft nie verderben; Du führst sie zu Jesus hin, O Maria Trösterin! Antiphona. Dann werdet ihr frohlocken für die kurze Trauer und verschiedenen Trübsale, durch welche nun euer Glaube und eure Tugend wie das Gold in dem Fener geprüfet wird*). *) 1. Pet. I. 7. 8. nopol 141 V. Die jetzt mit Zähren aussäen, R. Werden dann mit Freuden einärnten. V. An jenem Tage werden sich die Verachteten und Verfolgten erfreuen; R. Denn ihr Lohn ist groß im Himmel. V. Bitte für uns, o Mutter des Trostes! R. Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi. Gebet. Oliebreichste, gnädigste Frau und Mutter! laß Dir unsere geringe Bemühung, Dich zu loben, gefallen; verschmähe nie das Gebet Deiner Kinder, sondern zeige Dich, wie bisher, so auch in Zukunft, als unsere Mutter und Trösterin im Leben und Sterben. Gehe für uns hinein in das Heiligthum der Erbarmung, und bringe uns heraus die Zusicherung der Versöhnung. Ersetze Du, was uns abgeht; erhalte uns, was wir durch Dich mit vollem Vertrauen von Gott begehren. Nimm gnädig an, was wir Dir opfern, schenke uns entgegen, um was wir Dich bitten: wende ab, was wir fürchten, durch Jesum Christum Deinen Sohn, unsern Erlöser. Amen. 142 In aller Trübsal, Angst und Noth komm uns zu Hilfe, o allerfeligste Jungfrau und Mutter Gottes Maria, wahre Trösterin der Betrübten! Amen. Stabat Mater oder Klaglied zu Maria der schmerzhaften Mutter unter dem Kreuze. 1. Bei dem Kreuz mit nassen Wangen, Wo ihr liebster Sohn gehangen, Stand die Mutter in der Pein; Und in dem beklemmten Herzen Drangen Trau'r und Todesschmerzen Gleich dem Dolche grausam ein. 2. O wie flaglich, wie betrübet Stand des Sohn's, den sie geliebet, Auserwählte Mutter da! Trau'r und Schmerz hat sie befallen, Da sie in so großen Qualen Ihren liebsten Jesus sah. 143 3. Wer soll bei so harten Beinen Nicht mit dieser Mutter weinen? Wer nicht fühlen ihre Noth? Wer betrachtet ohne Schauern Der verwais'ten Mutter Trauern lieber ihres Sohnes Tod! 4. Jesum sah sie hart gebunden, Und zerfleischt mit tausend Wunden Für des Volkes Missethat. Sah den Sohn verschmäht, verlassen, Alles Trost's beraubt, erblassen, Den sie so geliebet hat. 5. Gib, o Mutter! Quell' der Liebe, Daß ich mich mit Dir betrübe; Mit Dir leiden sei mein Lohn. Gib, daß ich vor Liebe brenne, Daß mein Herz sich einzig sehne Nur nach Jesu Deinem Sohn. 6. Drücke Deines Sohnes Wunden, Wie Du selbst sie hast empfunden, Tief in meinem Herzen ein. Jesus war für mich in Banden, Hat den Kreuztod ausgestanden, Theile mit mir Seine Bein. 7. Mit Dir will ich wahrhaft klagen, Und mit Jesu Mitleid tragen, Bis mein Geist von hinnen scheid't. 144 Bei dem Kreuz mich zu Dir stellen, Und im Jammer zugesellen, Ist nun einzig meine Freud'. 8. Jungfrau, Zierde der Jungfrauen! Du, mein Trost und mein Vertrauen! Sieh, ich bringe Dir mein Herz: Dieses sollen nun zerschneiden Deines Sohnes Tod und Leiden, Deine Qualen und Dein Schmerz. 9. Nichts soll mich von Jesu scheiden, Bei dem Kreuz, im Tod und Leiden Bleib' ich Ihm aus Liebe treu. Daß Er nicht zur Höllenflamme Mit den Sünden mich verdamme, Steh' mir, milde Jungfrau! bei. 10. Laß, o Mutter! Gnad' mich finden Und Verzeihung meiner Sünden Durch des Sohnes Kreuz und Tod. Wenn die Seel vom Leib wird scheiden, Ruf mich zu den Himmelsfreuden, Führe mich zu meinem Gott. V. Bitte für uns, o schmerzhafteste Jungfrau! Rc. Auf daß wir würdig werden der Ver heißungen Christi. Gebet. Wir bitten Dich, o Herr! daß die selige Jungfrau, Deine Mutter, deren Seele das Schwert des Schmerzens in der Stunde Deines Todes und Leidens durchdrungen hat, bei Deiner Barmherzigkeit für uns bitte jetzt und in der Stunde unsers Todes. Amen. Litaney zu der schmerzhaften Mutter. 145 Herr erbarme dich unſer! Christe erbarme dich unser! Herr erbarme dich unser! Christe höre uns! Chrifte erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme dich unser! Gott heiliger Geist, erbarme dich unser! Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erb. Heilige Maria, bitte für uns! Heilige Gottesgebärerin, bitte für uns! 7 146 Heilige Jungfrau aller Jungfrauen, bitte u. Mutter Christi, bitte für uns! Mutter voll der Gnaden, bitte für uns! Mutter der Barmherzigkeit, bitte für uns! Mutter voll der Schmerzen, bitte für uns! Mutter des Trostes, bitte für uns! Du so lange verborgen gewesener Schatz, bitte für uns! Du Lilie unter den Dornen, bitte für uns! Du brennender und nicht verbrennender Dor nenbusch, bitte für uns! Du Meer voll der Bitterfeit, bitte für uns! Du am meisten Leidende, bitte für uns! Du unschuldigst Leidende, bitte für uns! Du wahrhaftest Leidende, bitte für uns! Du in der Geduld Unüberwindlichste, bitte. Du in allen Trübsalen Zufriedenste, bitte x. Du in allen Leiden Glückseligste, bitte für uns. Du Königin der Martirer, bitte für uns! Du demüthigste Jungfrau, bitte für uns! Du Beispiel des Gehorsams, bitte für uns! Du Muster der Ergebenheit, bitte für uns! Du Spiegel der Geduld, bitte für uns! Du Mutter der schönen Liebe, bitte für uns! Du Vorbild der starken Liebe, bitte für uns! Du Trost der Armen und Verlassenen, bittex. Du verlassene Witwe, bitte für uns! 147 Du Mutter der Witwen und Waisen, bitte 2c. Du helles Licht in den Finsternissen, bitte 2. Du beste Rathgeberin in den Zweifeln, bitte 2c. Du Heil der Kranken, bitte für uns! Du Zuflucht der Sünder, bitte für uns! Du Trösterin der Betrübten, bitte für uns! Du Hilfe der Christen, bitte für uns! In aller Trübsal, Angst und Noth, wir bitten dich, erhöre uns! In aller Versuchung und Anfechtung, In aller Gefahr der Seele und des Leibes, In allen allgemeinen und sonderheitlichen Anliegen, Durch den Schrecken bei Anhörung der Weissagung Simeons, Durch deine Mühseligkeiten bei der Flucht in Egypten, Durch deine Kümmerniß beim Verluste Jesu im Tempel, Durch deine heiligen Arbeiten und Sor gen in dem Hause zu Nazareth, Durch die Zähren, die du am Sterbebette des heil. Josephvergossen, Durch dein mitleidvolles Herz, welches du auf der Hochzeit zu Kana gezeigt, Durch dein Mitleiden, welches du mit Jeſu während Seines Predigtamtes trugst ,, 7* Wir bitten dich, erhöre uns! 148 Durch die Beklemmung deines heiligsten. Herzens bei der Urlaubnehmung von Jesu, Durch deine Trauer und Betrübniß am Morgen des Sterbetages Jesu, Durch dein Entsetzen beim Anblicke Jesu am Wege zum Kalvarienberge, Durch alle deine auf dem Kalvarienberge ausgestoßene Seufzer, Durch alle deine unter dem Kreuze em pfundene Herzensstiche, Durch alle Empfindungen deines mütterlichens Herzens, da der entseelte Leich nam deines göttlichen Sohnes auf deinem jungfräulichen Schooße lag, Du unser Troft im Leiden, Du unsere Hoffnung im Sterben, Du unsere Freude in deinem Triumphe./ D Du Lamm Gottes, welches Du hinnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! O Du Lamm Gottes, welches Du hinnimmt die Sünden der Welt, erhöre uns, o Herr! O Du Lamm Gottes, welches Du hinnimmst die Sünden der Welt, erbarme dich unser, o Herr! Christe höre uns! Chrifte erhöre uns! Gegrüßet seiest Du Maria xc. Wir bitten dich, erhöre uns! 149 V. Bitte für uns, o schmerzhafte Mutter und Jungfrau. R. Damit wir von der ewigen Qual erlöset werden. Gebet. O Gott, der Du uns durch diese Abbildung Deiner schmerzhaften Mutter an das bittere Leiden und Sterben Deines göttlichen Sohnes, und an ihre dabei empfundene Schmerzen und vergossene Zähren erinnerst: verleihe, daß wir durch die unendliche Kraft dieses göttlichen Leidens und durch die Verdienste des mütterlichen Mitleidens von der ewigen Qual und Pein errettet, auch von den zeitlichen Leiden, wenn sie nicht zu unserm Heile sind, befreiet werden, und in allen unsern Anliegen und Betrübnissen bei den heiligsten Herzen Jesu und Mariä wahren Trost finden mögen, durch welchen gestärket wir mit vollkommener Ergebung annehmen, und zu Deiner Ehre übertragen können, was Du uns immer zuschicken wirst, der Du lebest und regierest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 150 Gebet. Dit ill O gnadenvolle jungfräuliche Mutter! die Du den im gegenwärtigen Gotteshauſe zu Dir Fliehenden den Schooß Deiner mütter lichen Erbarmung bereitwillig eröffnest, und Allen besonders geneigt bist, welche Deines liebvollsten göttlichen Sohnes bitteres Leiden und Sterben, wie auch Deine dabei ausge standenen Schmerzen und Betrübniß zu Her zen nehmen, und andächtig verehren: wir bitten Dich durch Deine zärtliche Liebe zu Jesus und durch Dein schmerzvolles Herz, daß, gleichwie Dir von Deinem göttlichen Sohne versprochen worden, Denjenigen, welche mit Deinen Schmerzen wahres Mitleid tra gen, vorzüglich gnädig zu sein, Du uns ar men Sündern erlangen wollest vor allem die Verzeihung unserer Sünden, besonders aber in jener Stunde, welche für uns auf Erden die letzte sein wird; in jener Stunde, da wir mit dem stärksten Feinde zu ringen haben, wo es Himmel oder Hölle gelten wird; in dieser gefährlichen und kummer vollen Stunde zeige dann, o Maria! daß Du wahrhaft eine Mutter des Trostes bist, und keiner ewig verderbe, für welchen Du 151 Deine mütterliche Vorbitte einlegst bei Deinem allmächtigen Sohne, welcher mit dem Vater und dem heiligen Geiste gleicher Gott lebet und regieret in Ewigkeit. Amen. Die vorzüglichsten Andachts- Uebungen eines Christen. Morgengebet. Chriftliche Gedanken gleich beim Erwachen. Im Namen Gottes des Vaters, und des+ Sohnes, und des+ heiligen Geistes fange ich diesen Tag an. Hochgelobt und gebenedeiet sei die allerheiligste Dreifaltigkeit jetzt und in alle Ewigkeit. O mein Gott! o mein Jesus! o meine liebe Mutter Maria! o mein heiliger Schutzengel!- O ihr Heilige Gottes alle machet, daß ich heute und allzeit Gott gefalle! Gelobt sei Jesus - - 152 Christus, und die unbefleckte Jungfrau Mutter Gottes Maria! Gott Lob und Dank! u. d.gGebet nach dem Ankleiden und Abwaschen. Mein Herr, allmächtiger Gott, König Himmels und der Erde! vor Deiner höchsten Majestät falle ich nieder auf meine Knie, und bete Dich mit tiefster Unterthänigkeit und Ehrfucht an. Ich lobe und preise Dich nicht nur, wie die Vögel der Luft, sondern mit allen Engeln und Auserwählten in dem Himmel, mit allen Deinen getreuen Die nern auf der Erde. Ich danke Dir, daß Du mich wieder diesen Tag haft erleben lassen; für Deinen väterlichen Schutz in die ser Nacht, für Deine väterliche Vorsorge überhaupt, für alle die unzählbaren Gnaden und Gutthaten Deiner Vaterhand gegen mich in meiner ganzen Lebenszeit danke ich Dir schuldigst. Ich opfere Dir auf den heutigen Tag und alle Stunden und Augenblicke mei nes ganzen Lebens, all mein Thun und Lassen, alle meine Arbeiten, Mühseligkeiten und Leiden opfere ich Dir auf in Vereini 153 gung mit den unendlichen Verdiensten Jeſu Christi, meines göttlichen Erlösers, in Vereinigung mit den Tugenden und Bußwerken aller Heiligen und aller noch lebenden Gerechten. Ich nehme mir vor, den heutigen Tag so gut anzufangen, als wenn ich wüßte, daß dieser der letzte Tag meines Lebens sei. Mit findlichem Vertrauen bitte ich Dich, stärke mich heute durch Deine Gnade, daß ich in feine freiwillige Sünde falle, sondern alle meine Gedanken, Worte und Werke nach Deinem heiligsten Willen und Geboten richte, und alle Pflichten und Schuldigkeiten, die mir mein Glaube und Stand auferlegen, getreu erfüllen möge. O mein Herr und mein Gott sei mein Schutz und Schirm in allen Gefahren des Leibes und der Seele. Dir überlasse ich mich und Alle, die mich angehen, alle meine Schritte und Tritte, all' mein Hab und Gut, mein Leben und mein Sterben. Amen. Jungfrau, die ich schuldigst preise, Meine Frau und Mutter heiße, Maria! nimm Dich wieder meiner an In Allem, was mir heut' begegnen fann. Heiliger Schutzengel mein! 7** 154 Laß mich dir empfohlen sein! Erleucht', beschüß' und führe mich, Verlaß mich nic, ich bitte Dich! Heilige Gottes insgesammt In dem himmlischen Vaterland! Schauet diesen Tag auf mich herab; Cuer Beispiel sei mein Wanderstab! Vater unser, Ave Maria, Glauben. Es segne mich Gott der Vater, der mich erschaffen,+ Gott der Sohn, der mich erlöſet, † Gott der heilige Geist, der mich geheiliget hat. Amen. Anmerk. Auf diese und dergleichen Weise, z. B. es segne dich Gott der Vater, Gott der Sohn, Gott der heilige Geist, pflegen christlich fromme Eltern, Hausväter und Mütter, ihre Kinder, ihre Angehörigen, so manches Andere, was ihnen Gott geschenkt und anvertraut hat, täglich Morgens und Abends zu segnen. Nachtgebet. Bevor ich mich begeb' zur Ruh, Bevor ich gehe schlafen, Ruf ich noch meinem Schöpfer zu, Daß Er mich woll' bewachen. 155 Weit weich von mir der Höllenfeind, Weit alles böse Träumen: Mein Herz bleib stets mit Gott vereint, Sein Gnad' wird mich nie säumen. Chr' sei dem Vater und dem Sohn, Ehr' sei dem Geist der Einigkeit, Gelobt sei Gott auf Seinem Thron, Dank sei Ihm bis in Ewigkeit. Amen. Gebet. Mein Herr und mein Gott! Lob und Dank sage ich Dir für alle geistliche Gnaden und leibliche Gutthaten, die Du mir diesen Tag hindurch geschenket hast. Mit findlicher Ehrfurcht und Dankbarkeit füsse ich Deine segensreiche göttliche Vaterhand. Ich opfere Dir schuldigst auf alle Gedanken, Worte und Werke, all' mein Thun und Lassen, alle Arbeiten und Leiden des heutigen Tages. Ich vereinige alles dieses mit den unendlichen Verdiensten des heiligsten Lebens und Sterbens Jesu Christi, Deines eingebornen Sohnes, meines göttlichen Erlösers und Seligmachers. O hätte ich doch diesen nun schon wieder vergangenen Tag nur in Deinem Dienste, nur nach Deinem Willen, nur zut 156 Deiner Ehre zu gebracht! Hätte ich doch Deine heiligsten Gebote nie übertreten! nie gesün diget! Aber ach!-( Besinne dich ein we nig, wie du diesen Tag zugebracht; wie du deine Pflichten gegen Gott, gegen den Näch sten, gegen dich selbst; wie du deine Stan despflichten erfüllet; was du Gutes unter laffen, oder Böses gethan haft in Gedanken, Worten, Werken?) Es ist mir leid von ganzem Herzen, daß ich Dich, mein höchstes und größtes Gut, meinen besten Vater, mei nen Gott, den ich über Alles liebe, schon wieder beleidiget habe. Aus schuldigster und aufrichtigster Liebe zu Dir berene und verab scheue ich alle und jede Sünde. Ich bitte Dich durch die Wunden und durch das kost bare Blut Deines göttlichen Sohnes, meines gekreuzigten Heilandes, verzeihe mir meinen Undank, meine Blindheit, meinen Ungehor ſam!- Ich verlange nicht nur alle meine Mängel und Fehler, alle meine Sünden und Bosheiten, sobald es thunlich ist, zu beidh ten, sondern ich will mich auch ernstlich bessern. Herr, mein Gott! sei gnädig mir armen Sünder! Sei mir barmherzig wenn ich noch etwa in dieser Nacht vor Deinem göttlichen Richterstuhle sollte erschei 157 nen, und über mein ganzes Leben genaue Rechenschaft ablegen müssen. Ich glaube Alles, was Du geoffenbaret und was meine heilige Mutter, die christkatholische Kirche, lehret: ich glaube es darum, weil Du, o mein Gott! es geoffenbaret und die Kirche zu hören befohlen hast. Ich hoffe zuversichtlich den Himmel, und alle Mittel, den ſelben zu erlangen, auf Dein Wort, weil Du es versprochen hast. Ich liebe Dich von ganzem Herzen, wegen Deiner selbst, über alles, und wünsche, daß ich Dich lieben könnte, wie Dich alle Engel und Heilige im Himmel lieben, weil Du das höchste Gut, mein und ihr Alles bist. O möchten doch alle Pulsschläge in dieser gegenwärtigen Nacht für lauter Liebesseufzer zu Dir gelten! Du, o Herr mein Gott! bist in mir, und Dein heiliger Name ist über mich angerufen worden, verlaß mich nie! Ich bitte Dich, o Herr! besuche diese meine Wohnung, meine ganze Nachbarschaft und Gemeinde; vertreibe alle Nachstellungen der Feinde daraus: Deine heiligen Engel sollen unter uns wohnen, und uns im Frieden bewahren: Dein Segen sei und bleibe allzeit bei uns, durch Jesum Christum unsern Herrn, Amen. 158 Seligste Jungfrau, göttliche Mutter Ma ria! mein heiliger Schußengel, mein heiliger ( oder heilige) Namenspatron( oder Patronin) N., heiliger Vigili! heiliger Joseph! heilige Mutter Anna! heiliger Johannes der Täu fer und Johannes von Nepomuck! heiliger Urban! heiliger Anton Abt! heiliger Bern hard! heiliger Aloysi! alle meine heiligen all gemeinen und sonderheitlichen Patrone und Patroninnen! ich danke euch für alle Liebe und Sorgfalt gegen mich durch diesen Tag und meine ganze Lebenszeit. Ich empfehle mich abermal eurem Schutze. Wachet für mich, da ich schlafe, und behütet mich diese Nacht vor allem Unheile des Leibes und der Seele, vorzüglich vor aller Sünde, Amen. Die Seelen aller abgestorbenen Chrift gläubigen sollen durch die Barmherzigkeit Gottes ruhen im Frieden, Amen. Mutter in deinen Gnadenschooß, Leg' ich nun allen Kummer nieder! Ich schlafe furcht- und sorgenlos, Bis Du, o Frau! mich weckest wieder. Dann besprenge man sich mit dem heil. Weihwasser und mache das heilige Kreuz. 159 Vor dem Einschlafen. Schreibe noch den Kreuzes- Titel mit dem Daumen auf deine Stirne, und sprich: Jesus von Nazareth, König oder Regent der Juden; dieser glorreiche Titel sei mein Schild, und bewahre mich von allem Uebel. ( Küffe das Crucifir und denke dabei): O mein Jesus, meine einzige Hoffnung, meine Stärke, mein Leben!( füffe das heilige Scapulier oder ein Muttergottes- Bild, und bete): durch Deine heilige Jungfrauschaft und unbefleckte Empfängniß, o reinste Jungfrau Maria! reinige mein Herz, meinen Leib und meine Seele. Endlich: Jesus, Maria, Joseph! in Eure Hände empfehle ich meinen Geift! Kannst du nicht wohl einschlafen, so denke an die legte Leidensnacht Jesu, an die armen Seelen und ihre Peinen in dem Fegfeuer; an so viele Kranke, die schlaflos auf ihrem Krankenbette seufzen; an so viele andere elende, leidende Menschen; an deine legten Stunden, wie es dir sein wird, was du wünschen wirst, gethan zu haben, wenn du auf dem Sterbebette da liegen wirst! 160 Ein gar kurzes Morgengebet. Ich fange diesen Tag an im Namen meines gekreuzigten Herrn Jesu Chrifti, wel cher mich mit Seinem kostbarsten Blute er löset hat. Derselbe wolle mich auch diesen Tag und allzeit behüten vor allem Übel an Seele und Leib; auch mir alle Gnaden verleihen, die mich stärken und befördern mögen in allem Guten zum ewigen Leben, Amen. O himmlischer Vater, allmächtiger Gott! ich sage Dir herzlich Lob und Dank, daß Du mich diese Nacht und die bisherige Zeit meines Lebens unter Deinem Schutz erhalten und so gnädig bewahret hast. Ich bitte Dich durch Deine grundlose Barmherzigkeit, ver leihe mir und allen Christen mit diesem neu en Tage wieder Vermehrung des Glaubens, Reinigkeit des Gewissens, Besserung des Le bens, und den Trost Deiner göttlichen Heimsuchung: durch Jesum Christum unsern Herrn, Der mit Dir und dem heiligen Geiste über alles gelobet, gebenedeiet und angebetet ſei in Ewigkeit, Amen. O allerfeligste Jungfrau, Mutter Gottes! unter Deinen mütterlichen Schuß und Schirm fliehe ich. Heiliger Schußengel! sei allzeit 161 Meine mein Wegweiser und Begleiter! heiligen Patrone und alle Heilige Gottes' bittet heute und allzeit für mich! Amen. Vater unser, Ave Maria, Glauben. - Ein gar kurzes Nachtgebet. Ehre sei Gott dem Vater, und dem Sohne, und dem heiligen Geiste, wie sie war im Anfange, und jetzt und allzeit und zu allen ewigen Zeiten, Amen. Mein Gott! ich glaube, ich hoffe, ich liebe Dich. Alle meine Sünden renen mich, ich will sie beichten und mich bessern. Alle guten Werke, all' mein Thun und Lassen lege ich zu Jesu auf den jungfräulichen Schooß der göttlichen Mutter. Nimm ſie gnädig auf! Ich danke Dir, o himmlischer Vater! durch Jesum Christum, Deinen Sohn, meinen Herrn, daß Du mich diesen Tag so gnädig beschüßzet hast. Ich bitte Dich, Du wollest mir vergeben alle meine Sünden, und mich auch diese Nacht väterlich behüten und bewahren. In Deine Hände empfehle ich meine Seele, meinen Leib und Alles, 162 was deine göttliche Majestät mir gegeben und anvertrauet hat. Dein heiliger Engel sei mit mir, damit der böse Feind keine Ge walt über mich habe. Vater unser, Ave Maria, Glauben. Die göttliche Gnade des heiligen Geistes sei und bleibe bei uns heute und zu allen ewigen Zeiten, Amen. Ein anderes kurzes Nachtgebet. welches die Eltern ihren Kindern täglich vorbeten WIN sollen. Ich dank' Dir, Gott! für diesen Tag, Den ich jetzt neu erlebet hab'. Er soll zu Deiner Ehr' allein Mein Gott und Herr! gewidmet ſein. Bewahre mich mit Deiner Gnad' Von einer jeden bösen That. Mit Leib und Seel schenk ich mich Dir; Mach, was Dir wohlgefällt, aus mir. Maria, reinste Jungfrau! ich Erwähl' zu meiner Mutter Dich; Bewahre mich vor jeder Sünd', ( Empfehle mich dem Jesus Kind. Ein anderes Nachtgebet. Ich dank' Dir, o Gott, daß deine Huld Mich wieder einen Tag geduld't. Dir schenke ich den ganzen Tag; Und wenn ich Dich beleidigt hab', So reu't es mich; verzeih' es mir; Denn Besserung versprech' ich Dir. In Jesu Wunden schließ' ich mich, So ruh' ich sanft und sicherlich. Mutter Gottes! Schutzengel! wacht, Behütet mich in dieser Nacht, Damit ich morgen wieder neu Zum Dienste Gottes tauglich sei. Meßgebete. 163 Aufopferung. Ich vereinige meine Meinung bei diesem göttlichen Opfer, dem ich nun mit möglichster Andacht beiwohnen will, mit der Meinung des Priesters, welcher dasselbe entrich 164 tet; mit der Meinung der ganzen streitende Kirche Gottes auf der Erde, in deren Namen er es entrichtet; mit der Meinung der gan zen triumphirenden Kirche im Himmel, sich dabei so höchst erfrenet; mit der Mei nung der ganzen leidenden Kirche in dem Fegfeuer, welche so sehr der unendlichen Früchte desselben theilhaftig zu werden ver langet; mit der Meinung aller frommen Rechtgläubigen, welche demselben beiwohnen. Anmerk. In allen Pfarrkirchen wird alle Son und gebotene Feiertage das Amt für die genen Pfarrkinder gehalten und aufgeopfert. Sollten sich diese nicht auch befieißen, bei dem selben, wo möglich selbst gegenwärtig zu sein, um desto mehr Nußen davon zu ziehen? O Gott! Dessen unendlicher Majestä auf dem Altare eben jenes große Opfer ent richtet wird, welches einst Jesus Christus, Dein eingeborner Sohn, auf dem Altan des Kreuzes für das Heil der ganzen entrichtet hat; o ewiger, unendlicher Gott! in Vereinigung mit jenem blutigen Opfer, womit sich Dir Dein vielgeliebter Sohn am Kreuze aufgeopfert hat, und sich in jeder heiligen Messe bis an's Ende der Welt auf Welt 165 opfert, opfere ich Dir dieses unblutige Meßopfer auf, zum ewigen Andenken des heiligsten Leidens und Sterbens Jesu Christi, um mit Ihm und durch Ihn Dir, o Gott! 1. Alle die Ehre und Unterwürfigkeit zu be zeugen, welche Deinem heiligsten Namen gebühret; 2. um Dir allen den Dank abzustatten, welchen ich und Andere wegen Deiner unzählbaren und unbeschreiblichen Gutthaten Dir schuldig find; 3. um Dir dadurch die allein vollkommen hinreichende Genugthuung für unsere Sünden zu leisten; 4. um von Dir durch die unendliche Kraft des göttlichen Blutes alle Gnaden zu erhalten, deren wir bedürfen. Göttlicher Geist! erfülle mich jetzt mit eben jenem lebendigen Glauben, mit jener unerschütterlichen Hoffnung, mit jener brennenden Liebe und Andacht, mit welcher einst Maria und Johannes unter dem Kreuze bei der blutigen Entrichtung dieses unendlichen Opfers zugegen waren. Unter dem Staffelgebete. O mein Jesus! mit welcher Demuth und Ergebenheit hast Du Dein heiligstes 166 Leiden auf dem Delberge angefangen![ Wie groß war die Angst und Traurigkeit, welche dort Deine heiligste Menschheit befallen hat te! wie groß das Meer der Bitterfeit, worin Dein göttliches Herz mir zu lieb versenket wurde!- Ach, meine Sünde hat Dich betrübt bis in den Tod! Ich bekenne Gott dem Allmächtigen, Maria der göttlichen Mut ter und allen Heiligen meine Schuld, o meine Schuld, o meine größte Schuld! Ich bitte Dich durch Deinen blutigen Schweiß, den Dir meine Sünden ausgepreßt, und durch Deine heiße Liebe, die Dich bewogen hat, so viel für mich zu leiden: verzeih mir gnädigst alle meine Missethaten und Sünden, die ich vom Grunde meines Herzens berene, und laß meiner Seele den unendlichen Werth die ses allerheiligsten Opfers zu Guten kommen. Bei dem Gloria. — 11 Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede den Menschen auf der Erde, die eines guten Willens sind:" sangen die Engel in den Lüften bei der Geburt Jesu Christi. D König der Glorie und Herrlichkeit! der Du zur Rechten Deines himmlischen Vaters 167 sigest, Dir gebührt alle Ehre im Himmel und auf Erden, weil Du allein heilig über alle Heilige, allein Herr und Herrscher über Alles, allein der Allerhöchste bist mit dem heiligen Geiste in der Herrlichkeit des Vaters! O daß Du von allen Menschen erkannt, Dein heiligster Name immer mehr gelobt und gepriesen und angerufen, das geistliche Reich Deiner Kirche auf Erden immer weiter ausgebreitet werden möchte! Bei der Collekt oder dem Gebete des Priesters. Verleih' uns, o Herr! dasjenige, um was Dich Deine Kirche nun bittet, durch Jesum Christum unsern Herrn, und durch die Fürbitte desjenigen Heiligen, dessen Andenken sie heute begehet. Unter der Epistel. O mein liebreichster, sanftmüthigster Jesus! der Du auf dem Delberge Deinen Verräther geküßt, der Du Dich haft freiwillig fangen, mit Stricken und Ketten binden, 168 von einem Richterstuhle zum andern hinund herschleppen lassen, dabei so viele Schmach und Beschimpfungen, so viele Schläge und Wunden empfangen hast! stelle nun alles dieses Deinem himmlischen Vater vor, und bewege Ihn dadurch zur Verföhnung und Erbarmung. Jesu, Du Sohn Davids, erbarme Dich meiner! Jesu, Du Sohn des lebendigen Gottes, erbarme Dich unser aller, die Du durch Dein so bitteres Leiden erlöset haft! Bei dem Evangelium. Ich stehe auf zum Zeichen, daß ich mich des Evangeliums nicht schäme, sondern immer bereit bin, die Wege der göttlichen Gebote, welche mir das heilige Evangelium weiset, zu gehen. Ja mein Gott! ich glaube nicht nur Alles, was mich Dein untrügliches Wort und die Verwahrerin desselben, die katholische Kirche, lehret, fest und ungezweifelt, sondern ich will mich auch befleißen, die Worte des Glaubens auszuüben, nach diesem heiligen katholischen apostolischen allein seligmachenden Glauben zu leben. Verleihe mir die Guade daß ich in demselben standhaft beharre bis 169 an das Ende, und wenn es nothfallen sollte, jogar mein Gut und Blut, mein Leben und Alles, wie die Apostel und so viele tausend heilige Märtyrer, dafür hingeben möge. Bei dem Credo. 1. Ich glaube an Gott den Vater, allmächtigen Schöpfer Himmels und der Erde. 2. Und an Jesum Christum Seinen Eingebornen Sohn unsern Herrn. 3. Der empfangen ist von dem heiligen Geiste, geboren ans Maria der Jungfrau. 4. Gelitten unter Pontius Pilatus, gefreuziget, gestorben und begraben. 5. Abgestiegen zu der Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Todten. 6. Aufgefahren in den Himmel, sitzet zur rechten Hand Gottes des allmächtigen Vaters. 7. Von dannen Er kom men wird zu richten die Lebendigen und die Todten. 8. Ich glaube an den heiligen Geist. 9. Eine heilige allgemeine christliche Kir Gemeinschaft der Heiligen. 8 170 10. Ablaß der Sünden. 11. Auferstehung des Fleisches. 12. Und ein ewiges Leben, Amen. Bei dem Offertorium. Hier fängt die Darbringung des hochwürdigsten Opfers eigentlich an. Erneuere also deine Andacht. Heiligster Vater, allmächtiger ewiger Gott! nimm auf diese reine Gabe, welche ich, Dein unwürdiges Geschöpf, durch die Hände des Priesters Dir, unserm wahren und lebendigen Gott, aufopfere für meine unzählbaren Sün den und Beleidigungen und Nachläffigkeiten, und für alle gegenwärtige, aber auch für alle lebendige und abgestorbene Chriftglän bige, damit es mir und ihnen gereiche zum Heile für das ewige Leben, Amen. Wir opfern Dir auf, o Herr! den Keld des Heiles, und bitten deine Güte, Du wok left den Wohlgeruch dieses Opfers für unser und der ganzen Welt Heil zum Throne Dei ner göttlichen Majestät aufsteigen lassen, Amen. Laß Dir dieses Opfer gefallen, wie Dir das Opfer des Königs und Priesters Mel 171 chisedech, das Opfer Jesu Christi in dem heiligsten Abendmale, ja selbst am Stamme des heil. Kreuzes gefallen hat. O Sohn des ewigen Vaters, Christus Jesus! wie Du Deinen Leib Deinen Peinigern zu den grausamsten Geißelstreichen dargegeben, und Dein Haupt unter die Dörner geneigt haft, um ganz ein Opfer für mich zu werden, so lege ich nun meinen Leib und meine Seele Dir zum Opfer hin; ja Alles was ich bin und habe, lege ich mit allen Deinen Verdiensten zu der heiligen Hostie auf die Paten, und alle meine Leiden und Seufzer werfe ich mit größter Zuversicht des Herzens in den Kelch, damit alle Kraft der Gebete und Segen, welche der Priester über denselben spricht, auch mir zukommen möge. Nimm auf, o allerheiligste Dreifaltigkeit! diese Gaben, die wir Dir darbringen zumAndenken des Leidens, der Auferstehung und Himmelfahrt Jesu Christi unsers Herrn, zu Shren der seligsten immerwährenden Jungfrau Maria, des heiligen Johannes des Täufers und der heiligen Apostel Peter und Baul, zu Ehren dieser und aller Heiligen; dieses Opfer soll ihnen zur Ehre, uns aber zum Heile gereichen, und sie, deren Andenken 8* 172 wir hier auf Erden verehren, sollen sich wür digen, für uns vorzubitten in dem Himmel, durch Jesum Christum unsern Herrn, Amen. Bum Sanctus. Ich rufe mit dem Priester, ja mit allen ( Engeln und Heiligen des Himmels: Heilig, heilig, heilig ist der Herr, der Gott der Heerschaaren! Gebenedeiet ist, Der da kommt im Namen des Herrn! Gebenedeit und gelobt sei Gott in der Höhe! Auch die Juden ruften so, da sie Jesum im Triumphe in Jerusalem einführten. Allein wie ganz an ders lautete bald darauf das ungestüme Ge schrei dieses blinden undankbaren Volkes, da es den göttlichen Heiland zum Tode, zum Kreuzestode begehrte! O mein Jesus! stärke mich, daß ich nie mehr die erschreckliche Un beständigkeit dieses treulosen Volkes nachah me. Ich erkenne Dich als das höchste Gut, ich glaube an Dich, ich bete Dich an, liebe Dich. Alles, was in mir athmet, soll rufen: 6s lebe Jesus Jesus lebe und herrsche in mir, damit ich ewig in Dir leben und einst mit Dir herrschen möge. Mein Gott und Erlöser! wie unermeßlich war Dei ich - 173 ne Liebe zu mir! Um mich, Deinen ungehorsamen Knecht, zu erlösen, bist Du, ewiger eingeborner Sohn Gottes! Selbst ein Knecht, Mensch geworden, hast alle unsere Mühseligkeiten und Drangsalen auf Dich genommen, und dieselben 33 Jahre lang getragen: hast Dich so ungerecht zum Tode verurtheilen, zwischen zweien Übelthätern auf die Richtstatt hinausführen, so grausam an das Kreuz nageln lassen: hast sogar unter so unbegreiflichen Schmerzen und Peinen all' Dein kostbarstes Blut bis auf den letzten Tropfen vergießen, für mich sterben wollen: haft, selbst Priester und Opfer, Dich an dem Altare des Kreuzes für uns alle wirklich und wahrhaft geopfert. Noch nicht genug; Du sebzest dies Dein unendliches Opfer, welches Du auf dem Kalvarienberge entrichtet und vollbracht hast, auf unsern Altären in der heiligen Messe durch den Dienst Deiner Gesalbten fort bis an das Ende der Welt, wie Du es nun wirklich thust. Durch diese unendliche Liebe bitte ich Dich, da ich eben diesem göttlichen Opfer beizuwohnen das Glück habe, mit dem rechten Schächer: Gedenke meiner in Deinem Reiche, in Deiner Herrlichkeit! aber nicht nur meiner, sondern 174 gedenke auch aller Deiner Diener und Die nerinnen, besonders aller, für welche ich zu beten schuldig bin, oder versprochen habe namentlich N. N.- - Vermög der Gemeinschaft, die wir mit den Auserwählten in dem Himmel haben, bitte ich vornehmlich die glorwürdige Jungfrau und Gottesgebärerin Maria, aber auch alle heiligen Apostel, Martyrer, Beichtiger, Jungfrauen, alle Heiligen Gottes, daß sie mir nun bei der wirklichen Darbringung die ses allerheiligsten Opfers beistehen wollen. Vor der Wandlung. Jest, meine Seele! versammle alle deine Kräften, der Himmel wird sich öffnen: bald wirst du den Herrn, Deinen Gott und Hei land, unter den sakramentalischen Brodesge stalten in den Händen des Priesters sehen. Gott! belebe besonders jetzt meinen Glau ben, erwecke meine Hoffnung, entzünde meine Liebe, damit ich Dich in tiefster Demuth an beten, mit gerührtem Herzen loben, und Dir danken, und mit voller Zuversicht Dich um Alles, was mir nöthig ist, bitten möge. 175 Bei der Wandlung. Jesu, mein Jesu! der Du am Stamme des heil. Kreuzes zwischen Himmel und Erde für mich bist erhoben worden, ich bete Dich an. Du bist meine einzige Hoffnung! Bei der Aufhebung der heil. Hoftie. O Jesu. verschone mir! o Jesu, verzeihe mir! o Jesu, sei mir gnädig und barmherzig- barmherzig! Unter den Wandlung. Himmlischer Vater! schaue herab von dem hohen Himmel auf Deinen vielgeliebten Sohn, Den ich Dir mit dem Priester, mit Ihm selbst eben so aufopfere, wie Er sich Dir schon in der Krippe, und alle Augenblicke Seines Lebens, endlich ganz und vollkommen am heiligen Kreuze aufgeopfert hat, und nun aufopfert. Bei der Aufhebung des Kelches. O göttliches Blut, wasche mich! o kraft 176 volles Blut, stärke wich! o unschuldigstes Blut, heilige mich! erhalte mir Barmherzigfeit Barmherzigkeit! Nach der Wandlung. Oliebreichster Jesu! mit festem und lebendigem Glauben bekenne, verehre, bete ich auf meinen Knien liegend Dich an, meinen Herrn in Deiner Gottheit und Menschheit, unter den Gestalten des Brodes und Weines, in Vereinigung mit jener brennenden Liebe und Andacht, mit welcher jetzt so viele heilige Engel unsichtbarer Weise um den Altar herum auf ihren Angesichtern liegen. Ich bitte Dich demüthigst, laß mich Dich einst, wenn ich die Schuld der Natur, die Schulden meiner Sünden, mit dem lang verdienten Tode bezahlen werde, laß mich Dich dann unverhüllt, wie Du in Dir selbst bist, in Deiner ganzen Majestät und Herrlichkeit mit fröhlichen Augen von Angesicht zu Angesicht anschauen; laß mich an jenem schrecklichen Tage des Gerichts unter die Zahl der Lämmer, unter die Zahl Deiner Außer wählten stellen; laß dann auch mich jene liebliche Stimme hören: Kommet, ihr Gebe- 177 nedeite! O wahrhaft guter Hirt! Der Du Dein Leben für Deine Schafe hingegeben haft, erbarme Dich meiner, und laß Dein bitteres Leiden und Sterben an mir nicht verloren gehen! Laß Dein kostbarstes Blut nicht vergeblich für mich geflossen sein, sondern laß dasselbe mir und allen Deinen Auserwählten gereichen zur ewigen Freude und Seligkeit, Amen. Gedenke auch, o gütigster Jesu! aller im wahren Glauben aus diesem Leben abgeschiedenen Seelen, namentlich N. N.- laß o Herr! sie empfangen die Kraft und Wirfung dieses allerheiligsten Opfers, und der Fürbitte Deiner heiligen Kirche, mache sie theilhaftig Deiner unendlichen Verdienste; gieße den Gnadenregen Deines heiligsten Blutes aus dem Kelche reichlich über sie, lösche ihre Hiße, das Feuer, in dem sie schmachten, aus, und lindere ihre Peinen. Kürze ab die Zeit ihrer Reinigung, und nimm ſie auf von der zeitlichen Strafe zur ewigen Ruhe, zu den himmlischen Freuden, damit sie mit allen Heiligen in Deinem Reiche, und ich nach meinem Hinscheiden aus dieser Welt mit ihnen Dich ewig loben und preisen mögen, der Du mit dem Vater und dem 8** 178 heiligen Geiste lebest und regierest von Ewigfeit zu Ewigkeit, Amen. Bei dem Pater nofter. Wir beten, wie Du, o wahrer Gott und Mensch, unser Herr, Gesetzgeber und Lehrmeister! uns zu beten befohlen und gelehret haft. Vater unser, der Du bist im Himmel! Geheiliget werde Dein Name! Zukomme uns Dein Reich! Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden! ches Brod! Gib uns heute unser tägli Vergieb uns unsere Schul den, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern! Führe uns nicht in Versuchung! Sondern erlöse uns von dem Uebel! Amen. - - - - Erlöse uns, wir bitten Dich, o Herr! von allen alten und neuen und uns noch bevorstehenden Uebeln, und schenke uns durch die Fürbitte der glorreichen, unversehrten Jungfrau und Gottesgebärerin Maria, der heiligen Apostel und aller Heiligen gnädig den innern und äußern Frieden, damit wir durch die Hilfe Deiner Barmherzigkeit von aller Sünde frei, und von aller Unruhe und 179 Verwirrung sicher sein mögen. Durch eben diesen Jesum Chriftum unsern Herrn, Amen. Der Friede des Herrn sei und bleibe bei uns allen, Amen. Bei dem Agnus Dei. O Du Lamm Gottes! welches Du hinnimmst die Sünden der Welt, erbarme schenke Dich unser erbarme Dich unser uns den Frieden! Vorbereitung zur geistlichen Kommunion. O sanftmüthigster und von Herzen demüthigster Jesus! der Du uns so freundlich einladest mit diesen Worten: Kommet alle zu Mir, die ihr mit Arbeit und Mühseligkeiten beladen seid: kommet, und ich will euch erquicken. Sieh', ich bin da, und verlange mit demüthigem und vertraulichem Herzen, mich Deines heiligsten Leibes und Blutes, Deiner Gottheit und Menschheit bei dieſem unendlichen Opfer und Sakramente, so viel mir immer möglich ist, theilhaftig zu ma chen, und diese Speise der Engel wenigst geistlicher Weise zu genießen. Komm' o Jesu! 180 komm' in mein Herz, und erfülle daffelbe mit Deinem Geiste, mit Deinen Gnaden. O möchte doch mein Herz so rein sein, wie jenes Deiner jungfräulichen Mutter! O gött licher Heiland! der Du einst auch die Sün der aufgenommen und mit ihnen gegessen hast, verzeihe mir alle meine Sünden und Unvollkommenheiten, nimm fort von mir Alles, was mich von Dir abhaltet; bereite Dir eine würdige, angenehme Wohnung in mir, damit Du allzeit bleibest in mir, und ich in Dir. Beim Domine non sum dignus. D Herr! ich bin nicht würdig, daß Du eingehest unter mein Dach, sondern sprich nur in Wort, so wird meine Seele gesund. Bei der Kommunion. Der Leib meines Herrn Jesu Christi bewahre meine Seele zum ewigen Leben, Amen. O heilige Mahlzeit, in welcher Christus genossen, das Gedächtniß Seines bittern Lei dens erneuert, die Seele gelabet, erquicket, 181 gestärket, uns das Pfand der fünftigen Herrlichkeit mitgetheilet wird! Nach der Kommunion. O mein Jesus! wie vielen und großen Dank bin ich Dir schuldig für die unermeßliche Liebe, mit welcher Du mich armen Wanderer in diesem Weltthale schon so oft an Deinem Tische mit dem Brode der Starken, mit dem Brode des ewigen Lebens gespeiſet und erquicket hast! Ich danke Dir, ich lobe und preise Dich dafür aus dem Innersten meines Herzens. Durch Dein göttliches Fleisch und Blut bitte ich Dich, schaffe fort von mir Alles, was Dir an mir mißfällt; erneuere in mir Deinen Geist, den Du mir in der heiligen Taufe und in andern heiligen Sakramenten mitgetheilet hast; stärke meinen schwachen Wil len durch die Kraft Deiner Gnade und mache denselben ganz Deinem allerheiligsten Willen gleichförmig. Verwandle mich ganz in Dich, damit ich in Zukunft nicht mehr mir selbst lebe, sondern Du allein in mir ſeben mögest. Amen. 182 Bum Segen. Glorreicher Heiland, der Du nach Deiner Auferstehung Deinen Jüngern so oft den Frie den, der alles Gute in sich einschließet, ge wünscht, und sie vor Deiner Himmelfahrt noch so väterlich gesegnet hast; segne auch mich jetzt durch die Hände Deines Priesters. Es segne mich Gott der Vater, Sohn und heilige Geist. Amen. Beschluß. Heilige Dreieinigkeit! laß Dir dieses heiligste Opfer angenehm, und mir und Allen, für die dasselbe dargebracht worden ist, erſprieß lich ſein. Himmlischer Vater, nimm an von mir den schuldigsten Dienst, den ich Dir durch dieses heilige Meßopfer entrichtet habe; verzeihe mir alle Ausschweifungen und Nachlässigkeiten, alle Mängel und Fehler, die ich dabei begangen; mach' mich theilhaftig aller heiligen Messen, die heute in der ganzen Welt gelesen werden; und laß mich unter Deinem Schuße und Schirm, von aller Gefahr befreiet, in gewünsch ter Ruhe und Sicherheit leben, daß ich Deine 183 unendliche Güte immer und ewig preisen möge. Amen. Dem dreieinigen Gott, ewig regierenden Herrn sei Ehre, Lob und Dank in Ewigfeit. Amen. Anmerk. Wenn du die heilige Messe nach dieser Anleitung anhörest, und dabei so deine Gedanken zu Gott erhebest, wird dir dieselbe gewiß nie zu lange sein. Bei der Anrauchung des höchsten Gutes vor und nach dem Segen. Wie der Weihrauch aus dem Rauchfasse emporsteiget, so soll unser Gebet hinaufsteigen vereint zu dem Throne des Allerhöchsten. Bei dem Segen mit dem hochwürdigsten Gute. Jesu! Du Sohn Davids, erbarme Dich meiner! Jesu, Du Sohn Gottes, sei mir gnädig! Jesus, Dir lebe ich!-Jesus, Dir sterbe ich! Jesus, Dein bin ich lebendig und todt. Amen. 1 184 Eine andere Weise, die heilige Messe anzuhören. p Anmerk. Diese kann an Werktagen gebraucht werden, und ist besonders bei den Dreißigsten Messen sehr tauglich, oder wenn man in besondern Anliegenheiten seine Zuflucht zur Trostmutter neh men will. Ich will dem heiligsten Mesopfer bei wohnen, und dasselbe mit dem Priester Gott aufopfern 1. zur schuldigsten Anbetung und zum Lobe Gottes; 2. zur Danksagung für das bittere Leiden und Sterben Jesu Christi, auch zur Danksagung für alle Gnaden und Gutthaten Gottes überhaupt, insonderheit für diejenigen, welche so Viele in diesem Gottes hause durch die Fürbitte Mariä erhalten ha ben; 3. zur Abbitte und Genugthuung für alle meine Sünden, womit ich Gott so oft be leidiget, das Herz dieser Gnadenmutter so oft betrübet, und ſo viele zeitliche und ewige Stra fen verdienet habe. 4. Um alle zu einem frommen Leben und seligen Hinscheiden nöthi gen Gnaden, Trost in den Trübsalen und Wi 185 derwärtigkeiten dieses elenden Lebens auf der Erde, und besonders in diesem meinem Anliegen- Hilfe zu erhalten. Gebet zur Mutter Gottes. O reinste Jungfrau! o heiligste Mutter Maria! die Du einst ganz durchdrungen vom Mitleiden und bittersten Schmerze unter dem Krenze Deines göttlichen Sohnes gestanden bist, da Er jenes blutige Opfer vollbrachte, welches nun wieder in diesem und in allen heiligen Meßopfern bis an das Ende der Welt unblutiger Weise erneuert und fortgesetzet wird: stehe nun auch diesem und allen Priestern bei, welche dieses unendliche Opfer entrichten; stehe bei mir und Allen, welche demselben beiwohnen; opfere jetzt mit uns, wie einst mit Deinem göttlichen Sohne, Sein Fleisch und Blut, Sein Leiden und Sterben dem himmlischen Vater, dem dreieinigen Gott auf zum Lobe und zur Ehre Seines allerheiligsten Namens, zur Bekenntniß unserer schuldigst- vollkommensten Unterwerfung, zur Danksagung für alle Gnaden, zur Genugthuung und Versöhnung für unsere Sünden, zum Heile und Troste aller lebendigen und 186 abgestorbenen Christgläubigen; namentlich auch zur Erlangung dieser Gnade- N. Amen. Bei dem Offertorium. Ich erneuere jetzt meine Meinung, die ich anfangs gemacht habe, und opfere Dir durch den Priester dieses Brod und den Wein, zu gleich aber auch mich selbst ganz und gar auf. O Gott! laß Dir dieses Opfer gefallen! Bei der Wandlung. Jetzt, o göttliche Mutter! bitte bei Dei nem göttlichen Sohne für mich; jetzt, da Er sich Seinem himmlischen Vater für uns opfert, kann Er Dir Nichts versagen. D Jesu, mein Herr und Gott! o Jesu! mein Erlöser und Seligmacher! O Jesu! mein Heil und Heiland! sei mein Jesus, und er rette mich! Oheiligstes Blut, reinige mich! o bei ligstes Blut, heile mich! o heiligstes Blut, zahle alle meine Sündenschulden! Bei der Kommunion. O du in dem heiligsten Sakramente verborgener wahrer Gott und Mensch! könnte ich Dich jetzt mit dem Priester in meinem Herzen aufnehmen! Aber ich erkenne und bekenne es: Ich bin nicht würdig, wahrhaft nicht würdig, ganz und gar nicht daß Du eingehest unter mein Dach. Doch sprich nur Ein Wort für mich, so wird gesund meine Seele! würdig, Am Ende der heiligen Messe. O Du betrübteste und schmerzvolle Mutter Maria! ich bitte Dich durch die Schmerzen, welche Dein Herz durchstochen haben, beſonders durch den letzten und unbeschreiblichen Schmerzen, welcher Deine Seele durchdrungen hat, als Du Deinen verstorbenen Sohn vom Kreuze herabgenommen, auf Deinem Schooße liegen sahest: Du wollest dieſe heilige Messe, und alle andere, die heute und je gelesen werden, auch meine geringe Andacht, mein zerstreutes Gebet, alle meine Seufzer mit Deinen Thränen, Schmerzen und Herzenswunden vereinigen, Gott auf - - 187 - 188 opfern, wie Du noch den entseelten Leichnam Deines göttlichen Sohnes dem himmlischen Vater aufgeopfert hast; und was ich begehret habe, doch nur, wenn und wie es Jesu wohlgefällt, durch Deine kräftige Fürbitte er langen. Amen. O schmerzhafte und trostreiche Gnaden Mutter! bitte Jesum, Deinen allerliebsten Sohn, daß Er uns und Alles, was unser ist, auch Alles, was wir heute oder jemals thun und unternehmen werden, gnädig seg nen wolle; daß Er uns mit Seinem Kreuze bezeichne, und wider alle Feinde des Leibes und der Seele beschüße. Bitte, daß Er uns in Seinem offenstehenden Herzen und in allen Seinen Wunden immer Zuflucht finden lasse, und durch Sein heilwerthes Blut uns be ständig in der göttlichen Gnade erhalte. Bitte, daß Er uns durch Sein Leiden vorzüglich vor aller Todsünde behüte, uns die wahre Demuth, Geduld, Liebe, Keuschheit und an dere christliche Tugenden gebe, und dieselben in uns vermehre; daß Er auch alle Tritte, Mühe und Arbeit, die wir allein Jesu zu lieb verrichten wollen, mit Seinen blutigen Schritten, Ohnmachten und Leiden vereinige. Bitte endlich, daß Er durch Seinen aller 189 schmerzlichsten Tod uns vor dem gähen und unversehenen bösen Tode bewahre, in unserm Todeskampfe uns mit Dir zu Hilfe kommen, und in Seinem Gerichte mit uns nicht nach Seiner Strenge, sondern nach Seiner unendlichen Güte und Barmherzigkeit verfahren möge. Amen. Anmerk. Zwischen den Haupttheilen der heil. Messe kannst du den heil. Rosenkranz nach einer der weiter unten angezeigten Weisen, oder was dir sonst der Geist der Andacht eingibt, beten; unter dem marianischen Dreißigsten bis zu der Wandlung die treffende Betrachtung für jeden Tag lesen. Eine gar kurze Messe für Diejenigen, welche durch zu weite Entfernung von der Kirche und durch Arbeit oder Krankheit und dergleichen wirklich gehindert sind, der täglichen heiligen Messe beizuwohnen. Gebet. O mein Gott! wie gern wollte ich durch die Anhörung der heil. Messe meinen größ 190 ten und wichtigsten Pflichten, der Anbetung, der Unterwerfung, der Dankbarkeit gegen Deine göttliche Majestät genug thun! Wie nothwendig wäre mir dieses göttliche Opfer, um die Auslöschung meiner verdienten Sün denstrafen, Deine Gnade und Barmherzigkeit zu erhalten! O könnte ich doch demselben, ja allen heiligen Meßopfern, die heute in der ganzen Christenheit Deinem heiligsten Namen dargebracht werden, beiwohnen! Weil mir aber die Umstände, in die mich Deine göttliche Anordnung gesetzt hat, die ses nicht gestatten, so bitte ich Dich, nimm meinen aufrichtigen Willen, meine gute Mei nung, mein ernstliches Verlangen, für das Werk an, und laß mich durch dieses Ver langen Theil nehmen an den unerschöpflichen Gnaden, welche dieses allerheiligste Opfer wirfet. Gebet, wenn du zur heiligen Messe läuten hörest. O könnte ich doch jetzt nur den äußer sten Saum des Kleides meines göttlichen Heilandes, wie jene unzähligen Presthaften in dem Evangelium( Matth. XIV. 36. 191 Mart. VI. 56.) berühren! Mit dem Messe haltenden Priester wirklich beten und opfern! Aber ich weiß, was ich thue. Gleichwie man öfters die Engel auf dem Felde oder sonst arbeiten sah, während deß die Heiligen der Messe beiwohnten, oder ihrer Andacht oblagen, so bitte ich nun Dich, mein heiliger Schußengel! vertritt meine Stelle bei dieſem heiligen Meßopfer, und bringe mir dann den göttlichen Segen von demselben zurück. ( Wenn das Zeichen zur Wandlung gegeben wird, kniee nieder, wo du immer bist, flopfe an die Brust, und bete Jeſum im Geiste und in der Demuth an.) Anmerk. Der allbekannte heilige Anton von Padua mußte noch als ein junger Augustiner- Chorherr den Kranken aufwarten. Gerade war er in der Küche mit Zubereitung einer Suppe oder Arznei beschäftiget, als er das Zeichen der Wandlung hörte. Sogleich warf er sich da auf seine Kniee nieder, und betete den von dem Himmel in die heilige Hostie herabsteigenden Gott an. Die Inbrunst seiner Andacht gefiel Gott so wohl, daß der Heilige, ungeachtet der zwischen der Kirche und Küche befindlichen Mauern, den sakramentas lischen Gott in Gestalt eines liebwerthen Kindes in den Händen des Priesters auf dem Altare sah. So nimmt Gott auch das Opfer des Willens auf, wo das Werk nicht sein kann. 192 Gebet vor der Predigt. 17 Komm heiliger Geist! und erfülle die Seele und das Herz des Predigers, damit er Dein heiliges Wort heilig und kraftvoll vorbringen könne. Deffne aber auch mir die Ohren, und bereite mein Herz, damit dieſe Worte des ewigen Lebens in dasselbe einge hen, darin tiefe Wurzeln fassen, und hundertfältige Frucht bringen mögen, durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Anmerk. Wer aus Gott ist, der höret Gottes Wort.( Joan. VIII. 47.) Der Mensch lebt nicht vom Brode allein, sondern von einem jedem Worte, welches aus dem Munde Gottes kommt. ( Matth. IV. 4.) Gleichwie unser Leib stirb, wenn er keine Speise zu sich nimmt, so verliert unsere Seele ihr geistliches Leben, wenn sie nicht durch das göttliche Wort genähret wird.( S. Caes. Serm. 97.) Daher wurde die Predigt in der fatholischen Kirche immer für einen wesentlichen Theil des Gottesdienstes gehalten. Ihres Heiles beflissene Christen, wenn sie der Predigt oder christlichen Unterweisung nicht beiwohnen können, lesen wenigstens dafür ein geistliches Buch. 193 Vorbereitung zur heiligen Beicht. Anrufung des göttlichen Geistes. O Gott! der Du alle meine Schritte und Tritte abzähleft, der Du alle meine, auch geheimsten Gedanken weißt und siehst, der Du die Herzen und Nieren der Menschen durchforschest, vor dem Nichts verborgen ist; sende Deinen göttlichen Geist vom Himmel Herab; erleuchte durch ihn die Finsternisse meiner Seele, eröffne alle Falten meines Gewissens, verleihe mir die Gnade, daß ich alle meine begangenen Sünden recht erkennen, aufrichtig beichten, und ja Nichts aus Nachlässigkeit, oder aus Furcht und Schamhaftigkeit verschweigen möge. Komm heiliger Geist! erleuchte mich, damit ich Alles, was ich Unrechtes gethan habe, so einsehen und beurtheilen möge, als wenn es ein Anderer gethan hätte. Schenke mir alle jene Gaben und Gnaden, die zur Ablegung einer vollständigen Beicht und zur Ere langung der sakramentalischen Lossprechung 9 194 von meinen Sünden erforderlich sind. Ich bitte Dich durch den, der Dich uns zu sen den versprochen, und einst sichtbar über die Apostel herabgesendet hat, durch Jesum Chri stum unsern Herrn und Erlöser. Amen. ( Bete hierauf nach Antrieb deiner Andacht einen oder mehrere Vater unser.) 1. Die Gewissens- Erforschung. Besinne dich, was habe ich mir in der letzten Beicht besonders zu meiden oder zu thun vorgenommen? wie habe ich meine Vorsäße gehalten? Ueberhaupt, wie habe ich mich verhalten: Gegen Gott im Glauben in der Hoff nung in der Liebe in der Dankbarkeit in der Anbetung in der Unterwer Wie beim Morgen-, Nacht-, Tisch wie in der Kirche? wie an Sonn wie an Werktagen?- und Feiertagen?- Habe ich mich verjün diget mit eitler und mit unchrerbietiger Aus sprechung des heiligsten Namens?- mit Fluchen oder Schelten? u. f. f. fung? und andern Gebeten? - - - - Wie habe ich mich verhalten gegen den Nächsten?-- gegen meine Eltern? 195 gegen meine geistlichen und weltlichen Vorgesetzten und Obrigkeiten? gegen meine Untergebenen? gegen meines gleichen? Habe ich mich versündiget mit freventlichem Urtheile? mit Argwohn? Haß? Verachtung? Neid? Klagen?- mit Murren und mit FeindAbneigung, mit Verschaft, mit Uebelnachreden? läumden und Ehrabschneiden? mit ausgelassenen Reden? Habe ich etwa gestohJemanden betrogen? nicht gelen? geben, was und wie ich es schuldig bin? - Habe ich Jemanden beschädigt an seiner Ehre? an seiner Gesundheit? an seinem Leben? an seinem Habe und Gute? Bin ich etwa gegen meinen Nächsten hart und unbarmherzig gewesen?Habe ich böse Beispiele oder Aergerniß gegeben? Habe ich Andere zum Zorn oder zu andern Sünden verleitet? Habe ich - - - - - - - - - - jelbst?- an fremden Sünden Theil genommen mit Lachen? gar mitgeholfen? u. s. f. Wie habe ich mich verhalten gegen mich Bin ich hoffärtig gewesen? zornig?- eitel in der Kleidung? und Trinken?- träg Habe ich mich ver9* geizig? - unmäßig in Essen und faul im Guten? - 196 mit fündiget mit den Augen, Ohren? mit den übrigen Sinnen?- Verfündiget wider die Reinigkeit mit Gedanken?- mit Begierden? mit Worten oder gar im Werke? Verfündiget mit unnügen Reden? Scherz- oder Nothlügen? Habe ich mir selbst einen Schaden zugefügt an der Gesundheit, oder sonst? Habe ich mich in feine Gefahr begeben?- die bösen Gelegen heiten vermieden? die bösen Gewohnheiten abzulegen mich bemühet? Habe ich die Schuldigkeiten meines Standes und Amites erfüllet? und wie oft? 39 D Anleitung zur Gewissens- Erforschung für die, welche eine längere Beicht ablegen wollen, oder ſelten beichten gehen, oder allge meines Pflichten Register, welches man auch außer der Beicht öfters überlesen und betrachten soll. Lies hier die zehn Gebote Gottes langsam und recht bedächtlich, und frage dich dabei immer selbst: habe ich mich dawider versündiget? wie? wie oft? - Das I. Gebot: Du sollst allein an einen Gott glauben, befiehlt: Festen Glauben an Gott den Vater und Herrn Himmels und der Erde Schöpfer und an Alles, was Er uns durch Jesum Christum Seinen eingebornen Sohn unsern Herrn und Erlöser und durch den heiligen Geist geoffenbaret hat und was uns die heilige römische katholische Kirche zu glauben vorstellet.- Zuversichtliche Hoffnung Verlangen und Erwartung Herzen, Kräften, - - uns Gott versprochen hat, Mittel, die ewige Seligkeite zu erlangen; gänzliches Vertrauen auf Jesum Christum, der Gott von Ewigkeit, Mensch in der Zeit geworden,- von den Patriarchen und Propheten erwartet und verlangt, auf die Welt gekommen ist, gelitten, und durch Seinen Tod am Kreuze unendliche Genugthuung geleistet für unsere Sünden, und uns alle Gnaden verdient hat;- Hoffnung auf die Vaterliebe Gottes gegen uns Menschenkinder, auf Seine endlose Barmherzigkeit. Liebe zu Gott, - als das Schönste, was man sich denken kann, als das Höchste, als das Beste, Anbetung, - aus ganzer Seele, über Alles. - - - 197 dessen, was und aller - - aus ganzem aus allen Bewunderung Unterwerwerfung ge= 198 gen die Allmacht Weisheit gegen die unendliche Gerechtigkeit Heiligkeit gegen die allregierende Vorsicht Gottes. Furcht vor der göttlichen Allwissenheit und Allgegenwart. Dankbarkeit für die Erschaffung und Erhaltung für die Er lösung und Heiligung für die tägli chen und unzählbaren Gnaden und Gutthaten Gottes gegen uns. Es bestehlt auch Hochschätzung, Ehrerbietung- Andacht gegen die göttliche Muttergegen die Engel und Heiligen- wegen Gott der sie ehrt und geehrt wissen will gegen die heiligen Reliquien als Werk zeuge der Verdienste und Theilnehmer der zukünftigen Glorie der Heiligen gegen die heiligen Bilder wegen dessen, was sie vorstellen. Es verbietet Zweifelhaftigkeit- Unglau Abgötterei Ketzerei Bahria ben gerei Gottes - Aberglauben Zauberei Hay Verzweiflung Mißtrauen oder auch vermessentliches Vertrauen auf Got tes Barmherzigkeit. - - — Das II. Gebot: Du sollst den Na men Gottes nicht eitel nennen, be fiehlt: Gott- Seinen heiligsten Namen - Seine Eigenschaften und Werke- den Namen Jesu unsers Seligmachers zu ehren, zu loben und zu preisen, zu heiligen, nicht nur in dem Herzen, sondern auch durch die Bekennung des Glaubens mit dem Munde - und durch die Werke: durch andächtige und vertrauensvolle Anrufung des göttlichen Namens in allen seinen geistlichen und leiblichen Nöthen und Anliegen; durch gottesfürchtige Ablegung wahrer Eidschwüre, wenn man dazu von der rechtmäßigen Obrigkeit aufgefordert wird; durch getrene Erfüllung und Haltung der Gott gemachten Gelübde und Versprechungen durch ehrerbietige und aufmerksame Anhörung des göttlichen Wortes in den Predigten, in geistlichen Büchern oder sonst; durch Unternehmung und Aufopferung all seines Thun und Lassens alles dessen, was Jedem in seinem Stande und Amte auferlegt ist zum Lobe und zur Ehre Gottes. - - - - 199 --Es verbietet: die Verunehrung und Entheiligung des göttlichen Namens, welches geschieht überhaupt durch alles Sündhafte besonders durch Geringschäßung Gottes oder des Glaubens durch zweideutiges oder 200 verächtliches Reden von Gott, von den Hei ligen, von Glaubenssachen, von heiligen Din gen durch freiwilliges Anhören solcher Reden durch Gotteslästerung durch Fluchen und Schelten durch unnöthiges oder gar falsches Schwören chung der gemachten Gelübde erbietige, freventliche Aussprechung des gött lichen Namens, der heiligen Sakramente u. d. g., aus bloßer Gewohnheit, oder gar aus Zorn durch Verfälschung und Mißbrauchung des göttlichen Wortes. durch Bre durch unehr Das III. Gebot: Du sollst die Feiertage heiligen, befiehlt: daß man die Gott geheiligten Tage zur Ehre Gottes und zum Heile seiner Seele anwenden deswegen von der leiblichen Arbeit ruhen, dieselben hei ligen, und mit Verrichtung gottseliger Werke mit Werfen der Andacht und Liebe- heilig zubringen solle. Es verbietet: alle knechtlichen, körperli chen, nicht wenigst durch den allgemeinen Ge brauch unter guten Christen erlaubten, der Andacht hinderlichen Arbeiten ohne Noth und rechtmäßige Erlaubniß; alle Ver richtungen auch alle Unterhaltungen, welche - - - die geheiligten Tage entheiligen oder die Heiligung derselben verhindern. lieben Das IV. Gebot: Du sollst Vater und Mutter ehren, auf daß du lange lebest und es dir wohl gehe auf der Erde, befiehlt unter besonders großen Verheißungen, daß die Kinder ihre Eltern oder derselben Stellvertreter chren ihnen dienen in Allem, was nicht wider Gottes Gebot oder Willen ist, gehorsamen besonders im Alter und in allen geistlichen oder leiblichen Nöthen nach ihren Kräften beistehen ihnen auch noch in das Grab hinein danken- für sie sie mögen leben oder gestorben sein- beten sollen. Es befiehlt auch Chrerbietung, Liebe, Dankbarkeit, Unterwerfung, Ge horsam gegen alle geistlichen und weltlichen Vorgesetzten und Obrigkeiten gen gut oder böse sein- gegen Seelsorger und alle Gott geheiligte Personen gegen Lehrer oder Lehrerinnen gegen Hausväter und Mütter gegen Alle, die ihres Alters oder Amtes oder Verdienstes wegen ehrwürdig sind. fie mö( 88 verbietet unter Androhung besonders --201 9** - - 202 großer zeitlicher und ewiger Strafen vorzüge lich den Eltern- dann auch verhältnißmäBig Allen, denen man Dank, Hochschätzung und Unterthänigkeit schuldig ist- sam zu sein sie zu verachten mer zu beleidigen- zu haffen spotten zut verzu schmähen über sie zu flu chen sie zur Zeit der Noth und Trübjal zu verlassen oder ihnen gar zu schaden. - - - ungehor wie im Das V. Gebot: Du sollst nicht tödten, verbietet: weder Jemanden andern, auch nicht das kleinste Kind, noch sich selbst um das Leben zu bringen, es mag dies aus Fleiß oder aus Unfleiß, aus eigenem Antriebe, oder auf das Heißen Anderer, mit That oder mit Rath, mit Gewalt oder durch List, auf was immer für eine unerlaubte Weise geschehen - es verbietet, sich selbst oder Andern an dem Leibe oder an der Gesundheit eine Verletzung oder einen Schaden zuzufügen sich selbst oder Andere ohne Noth der Ge fahr ausseßen- endlich auch den Zoru, Haß- alle Beleidigung des Nächsten vorzüglich das Aergerniß, welches ein geistli cher Todtschlag, ärger als eine leibliche Mordthat ist. 203 Es gebietet: daß man mit allen Menschen gut auskomme, auch mit jenen, die uns beleidiget haben, im Frieden und Einigkeit lebe: daß man nicht nur im Glauben für sich selbst fromm sei, sondern auch Andern mit guten Beispielen, mit öffentlicher Ausübung der Tugenden und gottseliger Werke, in Gehorsam gegen Gott und die Kirche, durch Beiwohnung beim öffentlichen Gottesdienste, durch Erhaltung der christlichen Zucht und Ordnung zu Hause u. s. w. vorangehe, besonders Diejenigen, welche Standes oder Amtes halber Andern vorgehen wollen und sollen; daß man sich befleiße, so viel man immer kann, dem Nächsten geistliche und leibliche Wohlthaten zu erweisen. Das VI. Gebot: Du sollst nicht Unkenschheit treiben, verbietet: Alles, was unehrbar, was wider die Reinigkeit ist alle Arten der unfeuschen Werke- Geberden Worte - das Einwilligen bei unreinen Gedanken- und Begierden auch Alles, was zur Unkeuschheit verleitet, nämlich Frechheit in der Kleidung MüßiggangUnmäßigkeit im Essen und Trinken- unbehutsamen Umgang mit Personen des an- - - 204 dern Geschlechtes unnütze Besuche, Zu sammenfünfte bei der Nacht oder in abgele genen Orten oder Gespäninnen böse, ausgelassene Gespäne Vorwitz der Augen- Anhörung unzüchtiger Gespräche- Anhören oder gar Singen verliebter Lieder Lesen verdächtiger Bücher zu große Zärtlichkeit übertriebene Sorgfalt für den Leib, für des sen Puß und Nettigkeit Hang zum Tan vor zen und zu gefährlichen Lustbarkeiten wißiges Nachfragen über Fehler Anderer, be sonders in dem Punkte der Reinigkeit oder leichtsinniges Bekanntmachen derselben- Leichtfertigkeit Geschwäßigkeit hutsamkeit Unbe überhaupt Alles, wessen man sich vor einem rechtschaffenen Menschen zu thun schämen oder scheuen würde. - - Es gebietet: sich an Leib und Seele keusch und rein zu verhalten- immer be hutsam, schamhaft und eingezogen zu ſein- nicht nur alles Unkensche in Gedanken, Be gierden, Worten und Werken, sondern auch alle Gefahren und Gelegenheiten dazuso viel möglich, zu meiden alle Mittel zur Erhaltung der Unschuld- standesmäßigen Reinigkeit fleißig zu gebrauchen inbrünstiges Gebet, öftere Empfangung der Z. B. heiligen Sakramente der Buße und des Altars- ernstliche Betrachtung des Todes und der Ewigkeit- Abtödtung und Kreuzigung des Leibes und der Sinne 2c. Das VII. Gebot: Du sollst nicht stehlen, verbietet jeden Diebstahl, er geschehe, wie und warum immer- und Alles, was so viel als Diebstahl ist, nämlich alle Falschheit im Handel allen Betrug im Maß und Gewicht alle Ungerechtigkeit in Leistung dessen, was man schuldig ist, oder in Forderung dessen, was man zu begehren hat die Zurückhaltung des fremden Gutes, was einem nicht gehört, des Liedlohnes für Dienstboten, Taglöhner u. d. g.— den Bucher alle Beschädigungen des Nächsten an seinem Vermögen oder an seinen Güoder, was gleichviel ist, an seinen Rechten und Gerechtigkeiten. 4 stap Es gebietet: Jedem zu lassen, was ihm gebührt zu geben und zu leisten, was man schuldig ist, an Geld, in Früchten, in Arbeit, oder wie und warum immer;- das Gestohlene oder unrechtmäßig Zurückbehaltene wiederzugeben oder, wenn dieses nicht mehr möglich ist, zu ersetzen, und allen mögtern - - - - 205 - - 206 lichen Fleiß anzuwenden, durch Arbeit, Spar samkeit u. d. g. allen zugefügten oder verur sachten Schaden gut zu machen. Das VIII. Gebot: Du sollst kein falsches Zeugniß geben wider dei nen Nächsten, verbietet: Jede falsche An klage falsche Zeugschaft- alles Lügen- auch die Scherz- und Nothlügen das Verläumden und Ehrabschneiden das fal sche Argwohnen- freventliche Urtheilen- und Ohrenblaſen. - - Entou Es gebietet: die Wahrheit und Aufrich tigkeit im Reden und Handeln- die Vertheidigung des guten Namens und der Ehre des Nächsten- die Widerrufung der Verläumdungen und Ehrabschneidungen. Das IX. Gebot: Du sollst nicht be gehren deines Nächsten Hausfran, verbietet überhaupt Alles, was das sechste Gebot verbietet; insbesondere aber alle und jede Entehrung oder Verletzung des heiligen Chebandes. Es gebietet, nicht nur seinen Leib, son dern auch sein Herz von aller Unreinigkeit zu bewahren. 207 Das X. Gebot: Du sollst nicht begehren deines Nächsten Gut, verbietet überhaupt das, was im siebenten Gebote verboten wird, auch noch sogar alles Verlangen, alle Begierde nach dem, was nicht unser ist. Es gebietet auch, unsere Gelüste und Begierden und Neigungen zu zähmen, und dem Gesetze zu unterwerfen. Die fünf Gebote der Kirche. I. Du sollst die gebotenen Feiertage halten. 111 Hiermit wird befohlen, die von der Kirche vorgeschriebenen gebotenen Fest- und Feiertage eben so zu ehren und zu heiligen, wie die von Gott selbst eingesetzten und von den Aposteln wegen der Auferstehung Christi auf den Sonntag übersetzten Sabath- oder Ruhetage. thos II. Du sollst die heilige Messe an Sonnund Feiertagen mit gebührender Andacht hören. Um dieses Gebot recht zu erfüllen, muß man nicht nur die heilige Messe ganz und 208 andächtig, sondern auch, wenn anders möglich, die Predigt, als das Wort Gottes, auf merksam und bereitwillig hören; auch dem uachmittägigen Gottesdienste beiwohnen; öfters die heiligen Sakramente der Buße und des Altars empfangen; Gott in Seinem Hause, in der Kirche, ehrerbietig, dankbar und ver trauungsvoll besuchen; die heiligen Ablässe zu gewinnen trachten; den heiligen Kreuzweg beten, geistliche Bücher lesen und andere gottselige Werke verrichten. III. Du sollst die gebotenen Fasttage halten, ser als die vierzigtägige Fasten, die Quatemberzeiten und andere gebotenen fasttortage; auch sollst du am Freitage und Samstage vom Fleischessen dich enthalten. Es ist eine Todsünde, wenn man außer einer schweren Krankheit, oder ohne eine rechtmäßige Dispens an Freitagen, Sams tagen oder andern Fasttagen Fleisch oder etwas von Fleisch ist. Uleberdies ist Jeder, der über 21 Jahre alt ist, schuldig, die ganze vierzigtägige Fasten, die Sonntage allein aus genommen, die jährlichen vier Quatember Mittwoche, Freitage und Samstage; alle 209 Mittwoche und Freitage im Advent, am heiligen Weihnachtsabend, am Pfingstabend, am Peter- und Paul- Abend, am Maria- Himmelfahrt- und Allerheiligen- Abend, sich im Effen merklichen Abbruch zu thun, sich mit Giner Mahlzeit zu begnügen, sich nur einmal im Tage satt oder genug zu essen, wenn ihn nicht ein hohes Alter und die damit verbundenen oder andere dergleichen Gebrechlichkeiten, harte Arbeiten u. d. g. so daran hindern, daß er durch das Fasten der Gesundheit wirklich schaden, oder in Erfüllung seiner Berufsgeschäfte wahrhaft gehindert würde. IV. Du sollst deine Sünden dem verordneten Priester jährlich zum wenigsten einmal beichten, und um die österliche Beit das hochwürdigste Sakrament des Altars empfangen. Diesem Gebote wird nur durch eine wahrhaft reumüthige, demüthige, vollständige Beicht und durch eine so viel möglich würdige Kommunion, die in der eines Jeden eigenen Pfarr oder Seelsorgsfirche geschehen ſoll, genug gethan. 210 V. Du sollst zu verbotenen Beiten keine Hochzeit halten. Cate Hierdurch werden die Hochzeits- Feierlich feiten vom ersten Adventsonntage an bis nach heiligen Dreikönigen, und vom Aschermitt woche bis den ersten Sonntag nach Ostern verboten, um so mehr alle anderen, besonders alle öffentlichen Lustbarkeiten an jenen und allen andern allgemeinen Bußtagen unterſagt. Die sieben heiligen Sakramente. I. Die Taufe. Durch diese werden wir Glieder der allein seligmachenden Kirche, Kinder Gottes und Erben des Himmels. Wie hoch sollen wir die Taufgnade schätzen! wie oft Gott dafür daufen, wie sorgfältig dieselbe bewahren! - II. Die Firmung stärkt uns, daß wir den Glauben standhaft bekennen, und nach demselben leben. Wir sollen mit dieſer Guade, wie die ersten Christen, mitwirken. III. Der Frohnleichnam Jesu Christi, das allerheiligste Sakrament des Altars ist das göttliche Opfer des neuen - 211 Bundes, das Brod der Engel, die Speise der Brod gläubigen Seelen, der Schazkasten aller Kostbarkeiten und Gnaden. Wie ehrerbietig und andächtig sollen wir uns bei der heiligen Messe, bei der heiligen Kommunion, gegen das allerheiligste Sakrament, in und außer der Kirche bezeigen! IV. Die Buje das Sakrament, worin der dazu verordnete Priester an Gottesstatt den Sünder losspricht, wenn er seine Sünden herzlich bereuet, aufrichtig beichtet, und sich wahrhaft bessern will. Wie fleißig sollen wir fehlerhafte Menschen diese große Gutthat Gottes gebrauchen! - ist des V. Die lette Delung tödtlich kranken Christen geistliche, oft auch leibliche Stärke. Der letzte Kampf ist der heftigste und gefährlichste; man soll sich ſein Lebetag darauf bereiten. VI. Die Priesterweihe- eine hohe Würde, eine große Macht, ein wichtiges Amt! Vergreifet, verfündiget euch nicht an den Gejalbten des Herrn! VII. Die Che ein von Gott eingeſetzter, von Jesu Christo geheiligter Stand! Heil Denen, die ihn heilig halten! wehe Denen, die ihn entheiligen oder brechen! 212 Die sieben Hauptsünden. 1. Hoffart. 2. Geiz. on 3. Unfeuschheit. 4. Neid. 5. Fraß und Völlerei. 6. Zorn. 7. Trägheit. Die sechs Sünden in den heil. Geift. 1. Vermessentlich auf Gottes Barmherzigkeit fündigen. 2. An Gottes Gnade verzweifeln. 3. Der erkannten christlichen Wahrheit wider streben. 4. Seinem Nächsten die göttliche Gnade miß gönnen und ihn darum beneiden. 5. Wider heilsame Ermahnungen ein ver stocktes Herz haben. 6. In der linbußfertigkeit vorsäßlich ver harren. Die vier himmelschreienden Sünden. 1. Der vorsätzliche Todtschlag. 2. Die stumme oder sodomitische Sünde. 3. Die Unterdrückung der Armen, Witwen und Waisen. dialo 4. Wenn man den Arbeitern und Taglöhnern den verdienten Liedlohn vorenthält oder entzieht. 100 Die neun fremden Sünden. 1. Zur Sünde rathen. 2. Andere heißen sündigen. 3. In Anderer Sünde einwilligen. 4. Andere zur Sünde reizen. 5. Anderer Sünde loben. 213 6. Zur Sünde stillschweigen. 7. Die Sünde nicht strafen. 8. An derselben Theil nehmen. 9. Dieselbe vertheidigen. Auch die Tugenden und guten Werke foll man durchgehen und nachforschen, ob man durch Unterlassung des Guten, was man 214 hätte thun können oder sollen, gesündiget habe. Die theologischen oder göttlichen Tugenden. 1. Glaube. 2. Hoffnung. 3. Liebe. Die fittlichen Haupttugenden. l 1. Klugheit. 2. Mäßigkeit. 3. Gerechtigkeit. 4. Starfmüthigkeit. Die den Hauptsünden entgegengesetten Tugenden. 1. Die Demuth. 2. Freigebigkeit. 3. Die Keuschheit. 4. Die Liebe zu den Nächsten. 5. Die Mäßigkeit im Effen und Trinken. 6. Die Geduld. 7. Der Eifer in dem Guten.. 215 Die Pflichten, welche Christus besonders anempfohlen hat. 1. Vor Allem das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit suchen. 2. Sich selbst verläugnen. 3. Sein Kreuz tragen. 4. Christo nachfolgen. 5. Sanftmüthig und demüthig sein. 6. Die Feinde lieben, denen wohlthun, die uns hassen; für die beten, die uns beleidigen und verfolgen. Die acht Seligkeiten. 1. Selig sind die Armen im Geiste; denn ihrer ist das Himmelreich. 2. Selig sind die Sanftmüthigen; denn sie werden das Erdreich besitzen. 3. Selig sind, die trauern und klagen um der Gerechtigkeit willen; denn sie werden getröstet werden. 4. Selig sind, die hungert und durftet nach der Gerechtigkeit; denn sie werden ersättigt werden. 5. Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen. 216 6. Selig sind, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott anschauen. 7. Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden. Selig sind, die Verfolgung leiden um der Gerechtigkeit willen; denn ihrer ist das Himmelreich. 8. Die vornehmsten guten Werke. 1. Beten. 2. Fasten. 3. Almosen geben. Die leiblichen Werke der Barmherzigkeit. 1. Die Hungrigen speisen. 2. Die Durstigen tränken. 4. 3. Die Fremden beherbergen. 4. Die Nackten bekleiden. 5. Die Kranken besuchen. 6. Die Gefangenen erlösen. 7. Die Todten begraben. 217 Die geistlichen Werke der Barmherzigkeit. 1. Die Sünder bestrafen. 2. Die Unwissenden lehren. 3. Den Zweifelhaften recht rathen. 4. Die Betrübten trösten. 5. Das Unrecht mit Geduld leiden. 6. Denen, die uns beleidiget haben, gern verzeihen. 7. Für Lebendige und Todte Gott bitten. Die evangelischen Räthe. 1. Die freiwillige Armuth. 2. Die ewige Keuschheit. 3. Der beständige Gehorsam unter einem geistlichen Obern. Die vorzüglichsten Standespflichten. Für Kinder. Hurtig folgen, gerne beten, fleißig lernen, zu Hause, in der Kirdhe, in der Schule. Die Unschuld über Alles schäßen; die Sünde mehr als Alles fliehen. Für Jünglinge oder Junggeselen und Jungfrauen. Das in den inderjahren erlernte Gute fleißig behalten, 10 218 und sich darin üben. Alles Gute und Nüß liche, wozu man Gelegenheit hat, zu erlernen trachten. Den Müßiggang als einen wahren Feind des Menschen fliehen; die Arbeit lie ben, sich darin gewöhnen. Gott oft um die Erkenntniß seines zukünftigen Lebensstandes und Berufes bitten, und sich dazu tauglich machen; die heiligen Sakramente der Buße und des Altars oft und andächtig empfan gen; sich vor bösen Kameraden oder Gespän ninen, vor böser Gesellschaft, vor aller Ge fahr der Verführung hüten. Acht haben, wem man trauet, sich selbst nicht zu trauen; in Zweifeln sich nicht schämen zu fragen, sich gerne rathen lassen. Nur heil samen Räthen und Lehren Gehör geben; nur den guten Beispielen folgen. viel Für Dienstboten und Unterge bene. Gegen ihre Hausleute ehrerbietig, willig und gehorsam sein; oft daran denken, daß die Vorgesetzten die Stelle Gottes verite ten, daß sie von Gott gesetzt sind; daß sie ihre Macht und Gewalt von Oben herab haben; daß, wer sich ihnen widersetzet, sich der göttlichen Anordnung widerseße; wer ihnen wegen in Allem, was nicht wider Gottes Gebot Gott 219 ist, gehorsamet, Gott selbst gehorsame. Was der Dienst und Nußen des Hausvaters verlanget, thun, ohne daß man erst auf den Befehl wartet. Für das ihm Anvertraute, wie für sein Eigenes, sorgen. Nicht nur die Augen der Menschen, sondern vielmehr das Auge des allsehenden und allvergeltenden Gottes, fürchten. Sein Brod nicht umſonst essen, Nichts veruntreuen, nichts Geheimes offenbaren; seine Leute nicht ausrichten. Die Aufheber nicht anhören. Mit Ohrenblasen oder Hinterbringen, oder mit dem, was Andere thun, sich nicht abgeben, außer in Sachen die man dem rechtmäßigen Vorgesetzten zu entdecken schuldig ist, Keine heimliche Bekanntschaft und Einverständnisse haben. Gegen alle Mitgeſpäne oder Gespäninnen verträglich, freundlich, willfährig und dienstfertig sein. Für Eheleute. Die eheliche Liebe, die eheliche Treue, die eheliche Keuschheit. Die Sorgfalt für Erhaltung des ehelichen Friedens; die Geduld bei den wechselseitigen Fehlern; Vermeidung des Mißtrauens und der Eifersucht; Abschen vor den Klätschereien und Ohrenblasereien. Gemeinschaft alles Gu ten; gemeinschäftliches Tragen aller Laster und Kreuze. Wechselseitige Hilfe mit Rath 10* 220 und That. Eintracht, Ein Herz und Ein Sinn. Für Eltern oder deren Stellver treter. Immerwährende Sorge tragen für die geistliche und leibliche Wohlfart der ihnen von Gott gegen strenge Rechenschaft anvertrauten Kinder. Ihnen die Gottesfurcht vom Kleinen auf gleichsam einkäuen. Nie etwas vor ihnen thun oder hören lassen, was sie nicht nachsagen, noch nachahmen dürfen. Sich nicht von der blos natürlichen Liebe gegen sie völlig dahin reißen und verblenden lassen. Für ihre Gesundheit und geraden Glieder, so viel man kann, sorgen; die leiblichen Noth wendigkeiten, so gut man es vermag, ihnen beischaffen. Ihnen unschuldige Frenden ge statten und machen, aber nie mit ihnen fin disch scherzen und lallen, sondern immer einen angemessenen Ernst zeigen und haben. Sie nicht aus oder im Zorn strafen. Eines foll nicht her, das Andere hinziehen; Eines nicht verderben, was das Andere gut macht. Beide Eltern sollen sich mit gleicher Sorgfalt der Erziehung annehmen. Die Kinder nicht leicht aus den eigenen Augen lassen, und wenn man sie manchmal Ändern überlassen muß, wohl aufschanen, wem man sie anvertrauet. 221 Sie nicht unter fremden Kindern auf der Gasse, noch an andern Orten lassen. Sie bei Zeiten aus der Schlafkammer der Eltern entfernen, und eben so auch die des ungleichen Geschlechtes von einander absondern. Sobald die Kinder das gehörige Alter erreichen, sie fleißig in die Schule und Christenlehre schicken; wo möglich sie selbst mit in die Kirche nehmen; Acht haben, ob sie zur rechten Zeit nach Hause kommen; öfters fragen, was sie in der Schule, in der Kirche, auf dem Wege gesehen, gehört, gemerket haben. Sie auch zu Hause lernen und beten machen; selbst mit ihnen beten; sie immer ihrem Alter angemessen zu beschäftigen fuchen. Ihnen Gelegenheit verschaffen, Alles, was ihnen nothwendig oder nüßlich sein kann, zu erlernen; da keine Unkosten sparen. Die Kinder oft dem Schuße Gottes anempfehlen; nach dem Beispiele der heiligen Patriarchen fleißig fegnen. olge Für Hausväter und Mütter, für die Vorgesetzten überhaupt. Sich fleißig umthun und bewerben; auf Alles Acht geben und sehen, wie es Erfahrne machen; Alles zu Nußzen machen, Nichts zu Grunde gehen lassen. Den Ueberfluß und die Ver 222 schwendung verabscheuen. Im Glücke auf das Unglück und auf die Noth denken; im Unglücke auf die Hand Gottes sehen, und nicht verzagen. Allen Betrug und alle Un gerechtigkeit im Handel und Wandel, in Leistung der verschiedenen Abgaben und Schuldigkeiten meiden. Nicht nur auf seinen eige nen, sondern auch auf den gemeinen Nugen sehen; Gott oft um Seinen Segen bitten; wenn Er einen gesegnet, Ihm dankbar sein, und sich auch durch die zeitlichen Güter Freunde in dem Himmel machen; Vater und Mutter der angehörigen Dienstboten sein, sie nicht verachten, oder hart halten; denken, daß sie alle aus Einer Erde gemacht, alle für Einen Gott und Himmel erschaffen, alle durch das unendlich kostbare Blut Jesu Christi erlöset sind; ihnen recht geben, was und wie es ihnen gebührt; ihnen nichts entziehen; sie auch zur Zeit der Krankheit und des Alters, wo möglich, nicht verstoßen oder verlassen. Immer und überall ein wachsames Auge auf sie haben; nichts Unanständiges oder Schled tes, besonders bedenkliche Bekanntschaften, ausgelassene Schwähreden, nächtliches Aus bleiben u. d. g. durchaus nicht gedulden; wenn eines sich gar nicht bessert, es aus dem 223 Dienste entlassen; sie mit Ernst und mit oftmaligen Zusprechen zu allem Guten anhalten; selbst mit guten Beispielen vorangehen. Mit den Nachbaru fein nachbarlich leben; gut mit ihnen auskommen; sie nicht beschädigen; ausweichen und nachgeben, so gut man immer kann; Streitigkeiten und Prozesse scheuen. Sich dienstwillig gegen sie erzeigen, und ihnen liebreich an die Hand gehen. Sich auch der Gemeinde, und besonders der Armen, Witwen, Waisen annehmen. Sein gegebenes Wort richtig halten, und unter Andern das, was man z. B. sterbenden Freunden bei der Testaments- Errichiung oder sonst versprochen hat, getreu erfüllen. Anmerk. 1. Wer sein Gewissen nach diesem Pflichtenregister durchforschen will, wird immer Ursache finden, an das Herz zu klopfen. Die Ausrede so mancher lauen und sorglosen Christen: Ich weiß nicht, was oder warum ich so oft beichten sollte wird ganz aufhören. 2. Zärtlichere Gewissen, ängstlichere Seelen sollen dieses Pflichten- Verzeichniß nur nach dem Rathe ihres Beichtvaters gebrauchen oder nicht gebrauchen, und ihrem Führer demüthig und vertrauend folgen. - 224 mic II. Reue und Leid und III. Ernstlicher Vorfah. Bete langsam und bedächtlich den Glau ben, und stelle dir vor: Himmel und Erde; Alles was ist, hat Gott aus Nichts erschaf fen. Seine Vorsicht erhält und regieret Alles. Er sieht, Er hört, Er weiß Alles, auch die ge Heimsten Gedanken. Er richtet Alles, nichts Gu tes läßt Er unbelohnt, nichts Böses unbestraft. Lerne daraus die Allmacht, die Weisheit, die Freigebigkeit, die Gerechtigkeit, die Heiligkeit, die Güte und Liebenswürdigkeit Gottes erfennen und bewundern, und denke, dies höchste Wesen, dies unendliche Gut habe ich durch mein Sündigen beleidiget. Stelle dir vor Jesum Christum, den Sohn Gottes, deinen Erlöser am Kreuze, oder auf dem Schooße Seiner schmerzhaften Mutter. Da schau, was du gethan, auf wen du ge schlagen, wie du den Urheber deines Lebens und Heiles, Den, Der dich bis in den Tod geliebt, durch deine Sünden zugerichtet hast! Dir zu Lieb hat Er den Himmel verlassen; drei und dreißig Jahre hat Er dich unter den Disteln und Dörnern gesucht. Und du haft Ihn so erbärmlich gegeißelt, mit Dörnern gekrönet, durch deine Sünden an das Kreuz geschlagen! O wie übel hast du gethan, und welche Strafen hast du verdienet! 225 Meine Seele! erkenne dies, und durchdrungen von Reue sprich, wie der verlorne Sohn: Ich will mich aufmachen, und zu meinem, zu dem himmlischen Vater, zurückkehren! Was soll mich abhalten? Für mich ist das Blut Seines göttlichen Sohnes am Kreuze gefloffen; Seine Wunden stehen mir als meine Zuflucht offen; Er hat Seine Arme ausgestreckt, um mich zu empfangen und aufzunehmen. Er hat Seiner Kirche den versprochenen heiligen Geist gesendet, und ihr die Macht und Gewalt gegeben, mir statt Seiner meine Sünden nachzulassen. So will ich mir diese große Gnade recht zu Nuzen machen durch die heilige Beicht! aber noch zuvor meine Sünden alle ohne Ausname herzlich bereuen, und mich dann in Zukunft gewiß hüten und bessern! 10** ― 226 Vollkommene Reue. ind Mein Gott! alle meine begangenen Sünden sind mir von Herzen leid, weil ich da durch Dich, meinen liebenswürdigsten Gott, das allerhöchste unendliche Gut, welches ich von ganzem Herzen liebe, beleidiget habe. Ich nehme mir ernstlich vor, mit Deiner Gnade mein Leben zu bessern, und lieber Alles, ja den Tod selbst zu leiden, als Dich, meinen Gott, mit einer freiwilligen Sünde mehr zu beleidigen. Gib mir die Gnade zur Erfüllung dieses meines Vorsatzes, darum bitte ich Dich durch die unendlichen Verdienste Deines göttlichen Sohnes, unsers Herrn und Erlösers Jesu Christi. Unvollkommene Reue. Mein Gott! es ist mir leid von ganzem Herzen, daß ich Dich beleidiget habe. Ich verabscheue aufrichtig und hasse von Herzen meine Sünden alle ohne Ausname, theils wegen ihrer Abscheulichkeit, theils auch, weil ich dadurch den Himmel verloren, und die Hölle verdienet habe. Und so sehr ich die Sünde hasse und verabscheue, eben so sehr 23 G 227 liebe ich von nun an die Gerechtigkeit, und Dich, o mein Gott! Der Du die Quelle und der Urheber after Gerechtigkeit bist. Ich hoffe von Deiner unendlichen Barmherzigkeit durch die Verdienste Jesu Christi, meines Erlösers, die Verzeihung meiner begangenen Sünden, die ich nun aufrichtig bekennen und beichten will. Ich nehme mir auch ernstlich vor, mit Deiner Gnade künftighin nicht mehr zu fündigen. Ein anderes Renegebet. O unendlich liebenswürdigster Vater! mein Gott und mein Herr! es reuet mich von ganzem Herzen und aus allen Kräften, daß ich Dich, o allerhöchstes Gut! so oft und vielfältig vergessen und entehret; daß ich so oft in Gedanken, Worten und Werken( insonderheit was mir mein Gewissen vorhält, worüber ich mich nun wieder in der heiligen Beicht anzuflagen habe) Deine allerhöchste Majestät verlezzet und beleidiget habe. Ich bereue diese meine Fehltritte innigst nur allein wegen Deiner, o Gott! weil ich Dir mißfallen, Dir zuwider gehandelt, weil ich Dich, meinen besten Vater, erzürnet habe; weil ich 228 Dich liebe, reuet es mich. Ich erkenne, ich bedaure es: ich habe gesündiget; von Deinem Wege bin ich abgewichen, o gütigster Vater! o höchster Gott! ich habe mich verirret. Anstatt Dich zärtlich zu lieben, habe ich Dich als ein ungehorsames Kind unendlich betrü bet. Du, bester göttlicher Hirt! hast mich so liebreich gesucht, und ich habe Dich verlaffen. Geflohen bin ich auf dem breiten Wege, der zum Untergange führt, weit von Dir. Aber nun gehe ich wieder in mich. In Vereinigung mit jenem Haffe, den Du, o mein Gott! immer gegen jede, auch kleinste Sünde hast; in Vereinigung mit jenem Lei den, welches meine Sünden dem vermensch ten Sohne Gottes, besonders auf dem Del berge und am Kreuze verursachet, und mit jenen Schmerzen, welche die göttliche Mutter unter dem Kreuze empfunden hat; in Ver einigung mit jener Neue, mit welcher alle heiligen Büßer und Büßerinnen ihre Sin den beweinet haben, will ich von jetzt an alle Sünden verabscheuen, und auf ewig ver abscheuet haben. Mit Deiner Gnade will ich mich bessern, weil ich Dich, wie Du es verdienest, zu lieben verlange. Ich will jede auch die geringste freiwillige und bedachtsame 229 Sünde, auch jede Gefahr und Gelegenheit dazu ernstlich fliehen. Ich will Gewalt gegen mich selbst brauchen, und mir Ernst sein lassen, um mich von meinen sündhaften Gewohnheiten loszureißen. Lieber Alles leiden, als Dich, mein allerhöchstes und allerliebstes Gut, noch einmal wissentlich beleidigen. Anmerk. Die Reue ist zum heiligen Bußsakramente so nothwendig, daß man ohne dieselbe nicht giltig losgesprochen werden kann. Aber wenn man keinen ernstlichen Vorsag, keinen aufrichtigen Willen hat, sich zu bessern, nicht nur die Sünden, sondern auch die Gefahren und bösen Gelegenheiten, soviel immer möglich, zu meiden; so hat man auch keine wahre herzliche Reue. Laß dir also angelegen sein, vor jeder heiligen Beicht eine rechte Neue zu erwecken, und prüfe diese deine Reue fleißig an dem Probiersteine deines Vorsages, b. i. deiner Besserung. Gebet, kurz vor man in den Beichtstuhl gehet. Nun, o Herr! will ich mich im Vertrauen auf Deine unendliche Barmherzigkeit zu Deinem göttlichen Richterstuhle auf Erden, zu dem nur um die Sünder aufzuneh 230 men eingesetzten heiligen Bußgerichte hin verfügen, wie der verwundete Hirsch, zur Brunnquelle des Heiles und der Guade. Dem Priester, Deinem Stellvertreter, will ich mich im Geiste der Demuth zu Füßen werfen, und ihm meine Sünden alle aufrichtig und reumüthig bekennen, ihm den Aussatz, die Wunden meiner Seele offenherzig zeigen. Benimm mir, o Gott! jetzt die unangemessene und unvernünftige Schamhaftigkeit; gib mir die Gnade, daß ich Nichts vorsetzlicher Weise oder aus sträflicher Nachlässigkeit verschweige. Erleuchte auch meinen Beichtvater, damit er den Zustand meiner Seele recht erkennen und mich Irrenden und Unwissenden auf den rechten Weg leiten möge! O göttliches Lamm! welches Du hinnimmst die Sünden der Welt, wasche mich in Deinem Blute, und reinige mich von dem Unflate meiner Sünden! Lege mir das köstliche Kleid der heiligmachenden Gnade wieder an, damit ich rein vor Deinem Angesichte erscheine! Nimm auf das Schäflein, das verloren war, nun aber zu Dir, o bester Hirt! mit reumüthigem Herzen zurückkehret! Heilige Maria, Mutter Got tes, Zuflucht der Sünder, Trösterin der Be trübten! bitte für mich, daß ich meine Beicht - recht verrichten, durch dieselbe die Vergebung der Sünden, und die Gnade erhalten möge, mich vor dem Rückfalle ernstlich zu hüten.- Heiliger Schußengel! der du Zeuge meiner Vergehungen sein mußtest, bitte für mich, daß ich von den Banden meiner Sünden ganz aufgelös't werde, und mich nie mehr damit verstricken lasse. 231 IV. Die Beicht fängt man mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes an und spricht: Ich danke euer Ehrwürden( oder Hochwürden) für den priesterlichen Segen, damit ich meine Sünden recht und vollständig beichten möge. Ich armer, fündiger Mensch beichte und bekenne Gott dem Allmächtigen, Mariä Seiner hochwürdigen Mutter, allen lieben Heiligen und euch Priester, als Stellvertreter Gottes, daß ich seit meiner letzten Beicht, welche vor( Tagen Wochen Monaten) geschehen ist, oft und viel gesündiget habe mit Gedanken, Worten und WerInsonderheit gebe ich mich schulfen. dig: - - 232 ( Nun beichtet man seine Sünden auf. richtig, ohne Verstellung oder Verhehlung, ordentlich, wie man sich nach fleißiger Erfor schung des Gewissens schuldig weiß.) Anmerk. Wenn mehrere Beichtleute sind, läßt man alles dieses aus und fängt die Beicht kurz also an: Ich danke für den priesterlichen Segen. Das lettemal habe ich gebeidh Monas Wochen tet( vor so vielen Tagen ten oder an diesem Festtage). - - Beschluß der Beicht. Diese und alle meine andern schon ge beichteten und alle nicht genugsam erkannte, oder etwa vergessene Sünden, welche ich ent weder selbst begangen habe, oder an welchen ich Ursache war, daß sie von Andern sind begangen worden, sind mir herzlich leid, weil ich Gott, das allerhöchste, liebenswürdigste Gut, dadurch beleidiget habe. Ich nehme mir ernstlich vor, nicht mehr zu fündigen, und alle Gelegenheit zur Sünde zu meiden. Ich bitte euer Ehrwürden um die priesterliche Lossprechung, und um eine heilsame Buße. 233 Gebet unter der Lossprechung oder gleich darnach. Das Leiden unsers Herrn Jesu Chrifti, die Verdienste der übergebenedeiten Jungfrau Maria und aller Heiligen, die Fürbitte der heiligen Kirche, unserer Mutter, und was ich immer durch die Gnade Gottes Gutes thun oder Böses überwinden und ertragen werde, gereiche mir zur Vergebung meiner Sünden, zur Vermehrung der Gnade, und zum Lohne des ewigen Lebens. Amen. Anmerk. Man muß alle schweren Sünden beichten( sonst ist die Beicht ungiltig, wenn man wis sentlich etwas, was eine Todsünde ist, ausläßt). Folglich, wenn man eine Sünde öfters begangen hat, muß man auch gleich hinzuseßen, wie oft dieselbe geschehen ist. Auch die Umstände, das, was eine Sünde schwerer oder geringer macht, muß man anzeigen. Wenn man in einer Beicht etwas vergessen hat, muß man es das nächstemal sagen. Hat man aber aus Furcht und Schamhaftigkeit eine schwere Sünde verschwiegen, muß man nicht nur die verschwiegene Sünde, sondern auch alle übrigen noch einmal beichten.- Nach dem Ausspruche des heiligen Kirchenrathes von Trient ist man nur die Todsünden schuldig zu beichten; da aber Manches eine Todsünde ist, was — 234 weite, unempfindliche Gewissen nur für eine läss liche halten, soll man wissentlich keine Sünde aus lassen. Hingegen sollen sich zärtliche Seelen nicht so sehr bekümmen, sondern sich mit dem Urtheile des Stellvertreters Gottes im heiligen Bußgerichte beruhigen. Oft rechnen erhält gute Freunde ist ein altes Sprichwort. Willst du also die Freundschaft zwischen Gott und dir erhalten, so rechne von Zeit zu Zeit durch die heilige Beicht mit Ihm ab. Oft waschen macht weiß und weiß, rein müssen wir sein, wenn wir in den Himmel kommen wollen, weil nichts Unreines hineingehen kann. Aber auch der Gerechte fällt siebenmal im Tage, sagt die göttliche Schrift. Wir wissen nicht, zu welcher Stunde der Herr kommt, uns von diesem Leben abzufordern, und müssen also immer dazu bereit sein. Eine kurze Zeit hält man seinen Vorsaß immer leichter, als wenn es lange dauert. Wir sollen also das Beichten nie zu lange verschieben. - V. Die Genugthuung, welche zum heiligen Sakramente der Buße noth wendig ist, besteht nicht nur darin, daß man die einem von dem Priester auferlegte Buße demüthig, getreu, wie sie auferlegt worden, und ohne Verzug, sobald als möglich verrichte; nicht nur darin, daß man sich aus allen Kräf 235 ten bemühe, das Gestohlene, oder wie immer unrecht an sich Gebrachte oder Zurückbehaltene, so wie auch die geraubte Ehre und den guten Namen wiederzugeben, den zugefügten Schaden zu ersetzen, sich mit den Feinden zu versöhnen, den sündhaften Gewohnheiten, Gelegenheiten und Gefahren zu entsagen: die gegebenen Aergernisse durch auferbauliche Beispiele gut zu machen u. s. w. Man muß sich auch angelegen sein lassen, Gott für die Ihm durch die Sünden zugefügten Beleidigungen genug zu thun, durch freiwillige Bußübungen und Abtödtungen, durch Fasten, Beten, Almosen, durch geduldige Annehmung und Ertragung jener Bußwerke, die einem Gott selbst auferleget, z. B. der häuslichen Widerwärtigkeiten, Krankheiten, Unglücke und anderer Kreuze und Plagen. Man muß alles dieses mit der unendlichen Genugthuung vereinigen, welche Jesus Christus, der Sohn Gottes, dem himmlischen Vater für unsere Sünden geleiſtet hat; an den Verdiensten Seines heiligsten Lebens, Leidens und Sterbens; an den Verdiensten der göttlichen Mutter und aller Heiligen Theil zu nehmen sich bemühen, durch Ausübung verschiedener gottseliger Werke und vorzüglich durch Gewinnung der heiligen Ablässe. 236 Gebet asing nach verrichteter Buße. ando notalitang m O mein Gott und Herr! wie gnädig und barmherzig bist Du, daß Du mich verirrtes, verlornes, undankbares, treuloses Kind, wel ches Dein zärtlichstes Vaterherz so sehr be trübet hat, so liebreich aufnimmst, so nach sichtig und so gütig mit mir verfahrest, der ich so viel verschuldet, nichts als Strafe ver dienet habe! O wie ring, wie wohl ist mir nun, nachdem der schwere Stein meiner Sün den, des bösen Gewissens von meinem Herzen ist! Ich bin mit Dir ausgeföhnet, wie der Dein Kind, und Du wieder mein Vater! Wieder rein bin ich von dem Aussatze meis ner Seele, die ich mittelst des heiligen Buß sakramentes in dem Blute Deines göttlichen Sohnes abgewaschen habe. Lob und Dank sei Dir, Vater der Barmherzigkeit! Lob und Dank sei Dir, Jcsu, Du Sohn Gottes! Du Versöhnung der Sünder! Lob und Dank Dir, Geist der Rechtfertigung, der Heiligkeit, der Liebe! Laß Dir, o Herr! diese meine Beicht und Buße, und alle Bußwerke, die ich noch zu verrichten ernstlich entschlossen 237 bin, gefallen, in Hinsicht der für mich und alle Menschen geleisteten unendlichen Genugthuung Jesu Christi, meines göttlichen Erlösers; in Hinsicht der Verdienste der seligsten Jungfrau und Gottesgebärerin, meiner Mutter Maria; in Hinsicht der Tugenden und Bußwerke aller Heiligen. Die Kraft des von Dir eingesetzten heiligen Bußsakramentes mache Alles gut, und ersetze Alles, was an meiner Reue, Beicht und Genugthuung mangelhaft und unvollständig ist. Daran glaube ich fest; darauf vertraue ich allein; damit beruhige ich mich ganz. Mein Gott! stärke meinen Vorsatz mit Deiner mächtigen Gnade, daß ich nimmer in die Sünde falle, sondern auf dem Wege Deiner Gebote fortwandle, und im Guten standhaft verharre bis ans Ende, durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Vorbereitung zur heiligen Kommunion. Auf ein großes Gast- und Freudenmahl freuet man sich insgemein schon lange voraus. Die heilige Kommunion ist das Hoch 238 zeitmahl des göttlichen Lammes. Alle Recht gläubige, Vornehme und Niedere, Reiche und Arme, Alle, o welche Ehre, welche Gnade! Alle sind dazu freundlichst eingeladen. Aber wehe dem, der ohne hochzeitliches Kleid dabei erscheint! Wenn man einen vornehmen Gast in seinem Hause erwartet, fehrt und waschet man, räumt und zieret Alles auf, so gut man kann; ja man richtet auch her, was man hat, oder aufzubringen vermag, um dem ankommenden Gaste aufzuwarten. Der Gaft, der bei der heiligen Kommunion in das Haus unsers Herzens kommt, ist der König der Könige, der Gott der Heerschaaren. Wie sollen wir uns zu Seinem Empfange berei So viel, so gut wir immer können, und was darüberhin noch abgeht, durch die tiefste Erniederung, durch wahre Demuth, durch ein Herz voll guten Willens zu er ſetzen trachten. Nicht nur unser Gewissen recht durchgehen und reinigen, nicht nur nach stehende und andere Gebete aufmerksam und andächtig beten, sondern uns auch schon we nigstens vom Vorabende an darauf freuen, und vorläufig in allerlei stillen verborgenen Buß- und Tugend-, Abtödtungs- und Liebesten? werken üben. - 239 Gebete du. vor der heiligen Kommunion. Uebung des Glaubens. Ich glaube Alles fest und ungezweifelt, was Du, o mein Gott! geoffenbaret, was Jesus Christus der Sohn Gottes gelehret, was die Apostel geprediget haben; Alles, was meine Mutter, die römisch- katholische Kirche, glaubt und zu glauben befiehlt. Insonderheit glaube ich, daß in dem allerheiligsten Sakramente des Altars, welches ich jetzt zu empfangen verlange, Jesus Christus, unser Herr und Seligmacher, wahrhaft zugegen ist, mit Gottheit und Menschheit, mit Leib und Seele, mit Fleisch und Blut. O ewige Wahrheit! Du selbst hast es gesagt:„ Dies ist Mein Leib; dies ist Mein Blut." Und was Du sagst, ist gewisser, als was ich mit Augen sehe, mit Händen greife. Mein Herr und mein Gott! ich glaube; vermehre meinen Glauben. Uebung der Hoffnung. Du selbst, o mein göttlicher Erlöser! haft gesagt:" Mein Fleisch ist wahrhaft eine 240 Speise, und Mein Blut wahrhaft ein Ge tränk." Du selbst hast gesprochen:„ Ich bin das lebendige Brod, welches vom Himmel gekommen ist; wer Mein Fleisch ist, und Mein Blut trinkt, wird ewig leben." Und Dein Wort ist mir genug. Mein Herr und mein Gott! ich hoffe; stärke meine Hoffnung. Mit vollem Vertrauen, mit fester Zuversicht will ich nun Dich, das göttliche Unterpfand aller Deiner Verheißungen, aller meiner Hoff nungen und Wünsche, Dich selbst in dem heiligsten Sakramente empfangen. Uebung der Liebe. Mein göttlicher Meister! Du Schatz meis nes Herzens! Du Freude und Trost, und einziges Leben meiner Seele! mein Herr und Gott! mein höchstes Gut! ich liebe Dich. Ja Du weißt es, daß ich Dich liebe. D entzünde meine Liebe! Aus Liebe zu Dir bereue und verabscheue ich noch einmal alle meine Sünden und Missethaten. Gott! verzeihe mir. Aus Liebe zu Dir liebe ich auch meinen Nächsten. Aus Liebe zu Dir verzeihe ich allen meinen Feinden und Beleidigern. O erlaube mir, daß ich nun Olieber 42 241 hingehen darf zu Deinem Tische, zum Gastmahle Deiner göttlichen Liebe! Meine Seele dürstet nach Dir, wie der lechzende Hirsch nach einer frischen Quelle. O ersättige mich mit dem Brode des Lebens, mit der Speiſe der Engel, mit Deinem göttlichen Fleische und Blute! Komm! stehe, mein Herz ist offen und bereit; komm in dasselbe, erfülle es, besige es auf ewig! Anbetung. O wahrer Gott und Mensch im heiligsten Altars- Sakramente! ich bete Dich an, wie die Cherubinen und Seraphinen, die Erzengel und Engel, wie alle Chöre der seligen Geister und Auserwählten im Himmel Dich anbeten, loben und preisen. Ich bete Dich an, wie Dich Deine göttliche Mutter und der heilige Joseph, die frommen Hirten und die Weisen aus dem Morgenlande in dem Stalle zu Bethlehem, wie Dich Deine auserwählten Jünger bei der Verklärung auf dem Berge Tabor, wie Dich die heilige Magdalena und die übrigen Frauen, wie Dich der heilige Thomas und die übrigen heiligen Apostel nach Deiner glorreichen Auferstehung und 11 242 bei Deiner Himmelfahrt angebetet haben. Mit dieser und aller Heiligen Inbrunst ver einige ich meine schwache, meine falte Andacht. Gedächtniß des Todes Jesn. O allerheiligstes Geheimniß! noch den letzten Abend, bevor Er hinging der göttliche Erlöser, voll der Begierde, sich für uns zu opfern; noch den letzten Abend vor der Nacht Seines bittern Leidens, wo Er für uns Blut geschwißzet, für uns sich fangen, und von einem Richterstuhle zum andern schleppen, sich schla gen, geißeln, krönen, verspotten ließ; noch den letzten Abend vor jenem großen Trauertage, wo Er zum Tode verurtheilet, das Kreuz auf sich genommen, auf den Kalvarienberg ge tragen, an demſelben ausgespannt, Sein hei ligstes Haupt geneigt, Seinen Geist aufgege ben, das unendliche Werk unserer Erlösung vollbracht hat; noch beim letzten Abendmahle hat Er dich, o heiligstes Sakrament! einges sebet; hat als ein ewiges Denkmal Seines Leidens und Seiner unermeßlichen Liebe gegen uns sich selbst uns zur Speise gegeben! O wie wahr: Er hat die Seinigen geliebet, bis an das Ende hat Er sie geliebet! wie soll, 243 wie kann, wie werde ich diese Seine unermeßliche Liebe vergelten? Effen will ich von Seinem Fleische, das Er für mich geopfert; trinken will ich von dem Blute, das Er für mich am Kreuze bis auf den letzten Tropfen vergossen hat; und durch den Genuß dieses göttlichen Geheimnisses Theil nehmen an den unendlichen Früchten Seines heiligsten Leidens und Sterbens. Uebung der Demnth. Aber ach! wie darf ich es wohl wagen, mich diesem so geheimnißvollen Tische, diesem so vornehmen Hochzeitmahle des göttlichen Lammes zu nähern? ich arme, elende, presthafte Seele! Soll ich nicht vielmehr mit dem über die göttliche Wunderkraft erstaunten Petrus sagen:" Weiche, gehe fort von mir, o Herr! denn ich bin ein sündhafter Mensch." Nein, nicht als wenn ich mich für würdig hielte, sondern weil Du, o mein Herr und Gott! mich rufest, weil Du mich einladest, komme ich, weil ich weiß, daß Du da auch die Sünder, die reumüthigen Sünder aufnimmst, und mit ihnen isfest. Weil Du mich heißest, weil Du es selbst so haben willst, bin ich da, bin da, um für 11* 244 meine Wunden einen heilsamen Balsam, für meine Schwäche eine kraftvolle Labung, für meine Unvollkommenheiten den Ursprung und Inbegriff aller Vollkommenheiten zu erhalten. O ich erkenne und bekenne es ganz und gerne: ich bin nicht würdig! aber mache Du mich würdig, o Herr! ersetze, was meiner Vorberei tung abgeht, was mir au Verdiensten fehlet. Anmerk. Wenn man länger warten muß, bis man zum Beichten zukommt, kann man sich, nachdem die Vorbereitung zur heil. Beicht vollendet ist, auch schon vorläufig zur heil. Kommunion vorbes reiten. Hat man längere Zeit, bete man auch noch folgendes Gebet des heiligen Thomas von Aquin. Allmächtiger ewiger Gott! sich, ich komme zu dem Sakramente Deines eingebornen Soh nes, unsers Herrn Jesu Christi. Ich gehe hinzu als ein Kranker zum Arzte des ewigen le bens, als ein Unreiner zum Brunnen der Barm herzigkeit, als ein Blinder zum Lichte der ewi gen Klarheit, als ein Armer und Dürftiger zum Herrn Himmels und der Erde, als ein Bloßer 245 zum König der Glorie und Herrlichkeit, als ein Verlassener zum gütigsten Tröster und Seligmacher. Ich bitte daher Deine unendliche Güte und Freigebigkeit, würdige Dich, mich Kranken zu heilen, mich Unreinen zu waschen, mich Blinden zu erleuchten, mich Armen zu bereichern, mich Betrübten und Verlassenen zu trösten. O verleihe mir Armseligen die Gnade, daß ich das Brod der Engel, den König der Könige, und Herrn der Herrschenden mit so großer Ehrerbietung und Demuth, Inbrunst und Andacht, Reinigkeit und Glauben, mit so festem Vorfatze und heiliger Meinung empfangen möge, wie es Dir wohlgefällig, und dem Heile meiner Seele zuträglich ist. Mein Gott und Herr! ich bitte Dich, laß mich dieses heiligste Sakrament nicht nur empfangen, sondern auch die Kraft und Wirkung desselben erfahren. Gib mir, o mildester Gott! daß ich den Leib Deines eingebornen Sohnes, unsers Herrn Jesu Christi, den Er von Maria der Jungfrau genommen, also in mir aufnehme, damit ich Seinem geistlichen Leibe einverleibet werde. Endlich verleihe mir, o allerliebster Vater! daß ich Deinen geliebten Sohn, den ich jetzt auf dem Wege dieser Pilgerschaft verdeckt empfangen werde, einst unverdeckt von Angesicht zu 246 Angesicht in dem Himmel ewig anschauen könne, der da lebet und regieret mit Dir und dem heil. Geiste von Ewigkeit zu Ewig feit. Amen. Gerade vor der heil. Kommunion stelle dir den evangelischen Hauptmann vor, wie er vor dem göttlichen Heilande, der zu ihm kommen will, knieet: flopfe gerührt an dein Herz und sprich mit ihm dreimal: O Herr! ich bin nicht würdig, daß Du eingehest unter mein Dach, son dern sprich nur ein Wort, so wird gesund meine Seele. Erwecke dann noch einmal eine kurze Reue und einen wah ren Abschen vor jeder Sünde, besonders, wenn dir noch etwas eingefallen ist, und ge nieße das Brod des ewigen Lebens mit mög lichster Eingezogenheit und Andacht, mit voller Zuversicht und herzlicher Freude. Nach der heil. Kommunion kniee eine Zeit lang mit erhobenen Händen und geschlossenen Augen auf den bloßen Bo den, laß dein Herz vertraulich mit deinem 247 göttlichen Gaste reden, höre auch fleißig, was Er dir in demselben sagt; darauf erwecke folgende Andachtsübungen. Danksagung. zu können! Wie habe ich es wohl verdienet, daß Du, der ewige eingeborne Sohn meines Gottes und Herrn, zu mir kommst! in der elenden Hütte meines armen Herzens hast einkehren wollen! O welche Gnade! welches Glück! O daß ich jetzt die Zungen aller Menschen, die Andacht und Liebe aller Engel und Heiligen hätte, um Dir dafür schuldigst danken Ich rufe mit den drei in dem Feuerofen zu Babylon frohlockenden Männern alle Geschöpfe Gottes in den Lüf ten, auf der Erde, in dem Wasser, Alles, was lebt und schwebt, an, daß sie mir helfen. Dir Lob und Dank sagen. O könnte ich Dich, wie der heilige König David, der Deine Ankunft doch nur im Geiste voraussah, loben! wie Maria und Elisabeth bei der Heimsuchung auf dem jüdischen Gebirge, Dich preisen! meinem Gott, wie der alte heilige 248 Simeon in dem Tempel, da er Dich als ein kleines Kind auf den Armen hielt, danken! Ja, mein Herz ist eben so voll, voll des Dankes! Und weil ich Dir nicht danken kann, wie ich soll, so danke ich Dir, so gut ich immer fann. Anbetung. Ich bete Dich an, o lebendiges Himmels brod! das wahrhaft alle Süßigkeiten in ſich hat, allen Wohlgeschmack enthält! Mit je ner heiligen Ehrfurcht, mit welcher Dich die himmlischen Geister anbeten, bete ich Dich an, und vereinige mit ihren Stimmen mein ehrerbietiges Heilig! Heilig! Heilig bist Du, o Herr der Heerschaaren! Himmel und Erde sind voll von Deiner Herrlichfeit! Dir ge bühret Anbetung und Ehre, Lob und Dank, der Du mir ein Gastmahl zubereitet haft, welches wirklich der beste Vorgeschmack der unaussprechlichen Himmelsfreuden ist. Aufopferung seiner selbst. Göttliches Lamm! Dir war es nicht ge nug, Dich für mich am Stamme des heil. 249 Kreuzes zu opfern, und dadurch meine und der ganzen Welt Schuld überflüssig zu bezahlen. Du wolltest auch, daß ich Deinen für mich geopferten Leib essen, Dein für mich vergoffenes Blut trinken solle. O erstaunliches Wunder der Weisheit, der Allmacht, der Liebe Gottes! Was werde ich Dir wohl für diese unendlich kostbare Gabe, die ich nun eben, und schon so oft empfangen habe, wiedergeben? Ich Armer! was habe ich wohl, was ich nicht von Dir empfangen habe? Alles, was ich bin und habe, ist nichts als ein Geschenk Deiner unendlichen Freigebigkeit! Aber alles dieses stelle ich Dir nun mit freiestem Willen und innigster Freude zurück! Meine Seele und meinen Leib, meinen Verstand, Willen und Gedächtniß, alle meine Sinne, alle meine Kräfte, meine Gesundheit, selbst mein Leben, alle meine geistlichen und zeitlichen Güter und Habschaften opfere ich Dir auf. Es ift zwar Alles schon ohnedieß, aber nun doppelt Dein. O daß ich alles dieses jetzt nur mehr zu Deiner Ehre, nach Deinem Willen gebrauchen möge! O mein lieber Gott und Heiland! Dir lebe ich, Dir sterbe ich, lebendig und todt will ich ganz und gar Dein ſein! 11** 250 Vereinigung mit Jesu. Ja, Dein bin ich, o göttlicher Bräutigam meiner Seele! Dein bin ich, und Du bist jetzt mein! O laß mich ewig Dein sein! Nichts, selbst der Tod nicht, soll mich mehr von Dir trennen. Weiche doch nimmer, bleibe allzeit bei mir! denn es wird Abend; mit jedem Augenblicke des Lebens komme ich näher zu der langen Nacht des Todes. Bleibe allzeit bei mir, damit ich durch die Kraft dieses Engelbrodes gestärkt hinwandern möge bis zum Berge Gottes, den Himmel; damit ich mit dieser Wegzehrung versehen erreichen möge den Tag der ewigen Klarheit. Bleibe allzeit wenigstens mit Deiner Gnade bei mir! Laß nie mehr, weder die Welt durch die blinde Liebe zu dem Zeitlichen, durch ihre Hoffart und Eitelkeit, weder das Fleisch durch seine bösen Neigungen und Begierlichkeiten, noch den Teufel durch die Sünde Meister von meinem Herzen werden. Uebung der vornehmsten Tugenden. Nein, von Dir lasse ich mich nicht mehr, o göttlicher Lehrmeister! Du allein haft die 251 Worte des Lebens. Wer Dir, wer an Dich glaubet, gehet nicht irre. Ich glaube, Himmel und Erde werden vergehen, aber Deine Worte und Verheißungen werden nicht vergehen. Wer auf Dich bauet und tranet, kann nicht zu Schanden werden. Ich hoffe. Du allein, o mein Gott! bist gut, das allerhöchste Gut. Wer Dich hat, hat Alles. Ich liebe Dich. Du gibst und nimmst, Du schlägst und heilest, Du erhebest und drückest nieder; aber Alles nur zu meinem Heile. Was Du thust, ist wohlgethan. Mir geschehe nach Deinem Willen!. Erneuerung der Vorsäße. Ich habe es schon gesagt, o mein höchster Herr! ich habe es Dir versprochen; aber von jetzt an will ich ernstlich anfangen. Mit Deiner Gnade will ich mich nicht nur von allen wissentlichen und freiwilligen, besonders von allen schweren Sünden, sondern auch von allen Gelegenheiten und Gefahren dazu, sorgfältig hüten. Mit meinen Augen, mit meinen Ohren, mit meiner Zunge, mit allen meinen Sinnen will ich einen Bund machen, daß sie mich nicht mehr zum Bösen verleiten sollen. 252 Ich will wachen, Acht haben und beten, da mit ich nicht in Versuchung falle. Als ein demüthiger und getreuer Diener( Dienerin) Jesu Christi will ich nicht mehr den Menschen zu gefallen trachten, der Leute Reden nicht mehr achten, eifrig auf der Leiter der Tugend von einem Staffel zum andern steigen. Alle meine Neigungen und Leidenschaften will ich im Zaum halten. Ich will mir Gewalt anthun, und mir Ernst sein lassen. Allebösen Gewohnheiten will ich ablegen. Insonderheit nehme ich mir vor, zu thun, was mir der Beichtvater befohlen oder doch gerathen hat. Verschiedene Bitten. Indessen weißt Du es selbst am besten, o Herr! der Geist ist zwar bereit, aber das Fleisch ist schwach. Und Du bist ja nur zu mir gekommen, um mich verlornes Schäflein zu suchen, und die Wunden meiner Seele zu heilen. Erleuchte also meine Blindheit; er wärme mein laues Herz mit dem Feuer des Eifers; befestige die Unbeständigkeit, stärke die Schwachheit meines, Willens! Gib mir die Gnade zur Erfüllung aller meiner heute gemach ten Vorsätze, besonders.- Gib mir die Gnade, 253 daß ich alle Mühseligkeiten meines Standes, zu dem Du mich berufen hast, geduldig übertragen, allen Schuldigkeiten desselben genugthun, daß ich mein Kreuz auf mich nehmen, und mit demselben Dir, o mein Jesus! nachfolgen möge. Sieh' auch, barmherziger Samaritan! auf alle meine zeitlichen und geistlichen Nöthen und Anliegen vorzüglich. Laß endlich, ich bitte Dich, die unendlichen Früchte dieser heiligen Kommunion nicht nur mir, sondern auch alle Lebendigen und Abgestorbenen zu Guten kommen, besonders jenen, für die ich zu beten schuldig bin, für welche ich Dir dieselbe aufopfere, namentlich. -- 1 Anmerk. Klage dem nun in deinem Herzen gegenwärtigen Gott und Heilande Alles, was dir immer der Seele oder dem Leibe nach anliegt, frage Ihn in Deinen Zweifeln um Rath, suche bei Ihm in deinen Betrübnissen, Ängsten und Leiden Trost, und wenn es Ihm gefällig, und dir nüglich ist, Hülfe. Bessere Zuflucht findest du keine. Solltest du manchmal nicht mehr Zeit haben, die vorstehenden Andachtsübungen alle zu verrichten, so bete wenigstens Folgendes: 254 Gebet des heil. Thomas nach der heil. Kommunion. Allmächtiger, ewiger Gott! ich sage Dir Dank, daß Du mich, Deinen sündhaften unwürdigen Diener, wider all' mein Verdienst aus bloßer Güte und Barmherzigkeit mit dem kostbaren Leibe und Blute unsers Herrn Jesu Christi zu speisen Dich gewürdiget hast. Ich bitte Dich, laß nicht zu, daß mir diese heilige Kommunion zur Schuld, sondern verleihe, daß sie mir zur Verzeihung gereiche. Sie soll mir sein eine Waffe des Glaubens, und ein Schild des guten Willens, eine Ausreutung meiner Mängel, und eine Erstickung der bösen Anmuthungen; eine Vermehrung der Liebe, der Geduld, der Demuth, des Gehorsams und aller Tugenden; wider. die Nachstellungen aller sichtbaren und unsichtbaren Feinde eine sichere Schußwehre; wider alle sündhaften Anreizungen eine voll kommene Beruhigung; eine ewige unzertrenn liche Vereinigung mit Dir, einzig wahrer Gott, höchstes, größtes, bestes Gut! und ein kräftiges Hilfsmittel zur Erreichung meines legten glückseligen Zieles und Endes. Auch bitte ich, daß Du mich unwürdigsten Sünder 255 zu jenem unaussprechlich freudigen Gastmahle zu führeu Dich würdigest, wo Du mit Deinem göttlichen Sohne und dem heiligen Geiste allen Deinen Heiligen ein wahres Licht, eine vollkommene Ersättigung, eine ewige Freude, eine ausgemachte Fröhlichkeit, und eine gänzliche Glückseligkeit bist, Amen. Gebet zur göttlichen Mutter und allen Heiligen. O Maria, reinste Jungfrau! die Du Denjenigen, Den ich nun empfangen habe, neun Monate in Deinem gebenedeiten Leibe getragen; alle meine heilige Namens- und Schutzpatrone! alle heilige Engel und Auserwählte Gottes! bittet für mich, daß mir das heiligste Sakrament nicht eine Ursache zur noch größern Verdammung werde, sondern zum Heile der Seele und des Leibes gereiche. Bittet, daß ich durch das jetzt genoffene Fleisch und Blut Jesu Christi von allen mir anklebenden Sünden vollkommen gereiniget, von allem Uebel und Unheil erlöset werde, und die Gnade erhalte, immer getreu auf den Wegen der göttlichen Gebote zu wandeln, damit ich einst Gott mit euch 256 in dem himmlischen Vaterlande ewig anbeten loben und besitzen könne! Amen. Ablaßgebet. oder O Herr Jesu Christe! mache mich des unerschöpflichen Schatzes Deiner und der Verdienste Deiner Heiligen und aller frommen Christen theilhaftig. Laß den heiligen Ablaß, den Du durch Deinen Statthalter auf der Erde gnädigst austheilest, mir und( wenn es ein Ablaß für die Verstorbenen ist) auch allen leidenden Seelen im Fegfeuer zu Gu ten kommen, namentlich dieser einer andern nach Deinem Wohlgefallen. Daher opfere ich Dir diese heilige Beicht und Kommunion sammt diesem Gebete auf. in Vereinigung mit Deinem bittern Leiden und Sterben, mit den Verdiensten aller Heis ligen; zur Ausbreitung und Erhöhung meiner heiligen Mutter, der christkatholischen Kirche; zur Ausrottung der Ketzereien; zur Erhaltung des Friedens und der Einigkeit zwischen den christlichen Regenten; zur Wohlfahrt des ganzen christlichen Volkes; kurz in eben jener Meinung, mit welcher das höchste sichtbare - - 257 Oberhaupt der gesammten Christenheit diesen Ablaß verliehen hat, Amen. Anmerk. Bete hierauf die gewöhnlichen sieben Bater unser und sieben Ave Maria nebst dem Glauben, oder was sonst zu beten vorgeschrieben ist. Bei dem nachmittägigen Kirchenbesuch, unter der Veſper oder bei dem Stundgebete vor dem Horausgesetzten heiligen Sakramente fannst du dir eine der nachfolgenden Andachten auswählen, und du wirst dich mit deinem Gott gewiß gut unterhalten. Verschiedene Gebete und Andachten. Uebung der vornehmsten Tugenden, welche der Christ, sobald er zum Gebrauche der Vernunft kommt, dann öfter in seinem Leben, vorzüglich zur Zeit einer Versuchung wider diese Tugenden, in einer Lebensgefahr und auf dem Todbette zu erwecken schuldig ist, und wenigstens alle Sonntage erwecken ſoll. 258 Uebung des Glaubens. Allmächtiger ewiger Gott! ich glaube an Dich, der Du einfach in der Wesenheit, dreifach in den Personen, Voter, Sohn und heiliger Geist, ein übernatürlicher Belohner des Guten und Bestrafer des Bösen bist. Ich glaube, daß die zweite göttliche Person Mensch geworden, daß Jesus Christus für mich gestorben, und im heiligsten Altars Sakramente wahrhaft gegenwärtig ist. Ich glaube auch Alles übrige, was die heilige katholische Kirche zu glauben vorstellet, weil Du der unendlich weise und wahrhafte Gott bist, und mir dieses selbst geoffenbaret haft. Uebung der Hoffnung. Gütigster Gott! Den ich als mein wah res höchstes Gut und einziges letztes Ziel und Ende ewig zu besigen verlange; ich hoffe von dir durch die unendlichen Verdienste Jesu Christi meines Erlösers alles Gute, die Ver zeihung meiner Sünden, Deine Gnade, und durch Deine Gnade meine Mitwirkung, und das in Deiner Besitzung ewig dauernde Leben in dem himmlischen Vaterlande; weil 259 Du, o unendlich getreuer, gütiger und allmächtiger Gott! mir dieses selbst zu geben versprochen hast. Uebung der Liebe. Liebenswürdigster Gott! ich liebe Dich aus ganzem Herzen, über alle erschaffene Dinge, über Alles, nicht nur darum, weil Du mich zuvor geliebt und mit unzählbaren Gnaden und Wohlthaten überhäufet haſt, sondern vorzüglich deßwegen, weil Du das allerhöchste und unendlich liebenswürdigste Gut und aller Liebe unendlich würdig bist. Aus Liebe zu Dir liebe ich auch meinen Nächsten, sowohl Freund als Feind, wie mich selbst, und Dich in ihnen. Reue und Leid. O mein Gott! alle meine begangenen Sünden sind mir vom Herzen leid, weil ich Dich das höchste und unendlich liebenswürdigste Gut dadurch beleidiget habe. Von dieser Liebe angetrieben, verabscheue und verfluche ich alle meine Sünden, und bitte inständig durch Dein kostbarstes Blut um 260 Verzeihung, und nehme mir ernstlich vor, hinfüro alle Sünden und böse Gelegenheiten zu vermeiden. Gute Meinung. Heiligster Gott! ich opfere Dir auf alle meine Gedanken, Worte und Werke. Ich vereinige dieselben mit den unendlich kostbaren Verdiensten Jesu Christi, meines Erlösers. Nimm sie hin zu Deinem höchsten Lobe und Ehre, zur Anbetung Deiner göttli chen Majestät; auch zur Ehre Maria der Mutter Gottes, aller lieben Engel und Hei ligen. Zur schuldigsten Danksagung für alle empfangene Gnaden und Gutthaten; zur Genugthuung für meine Sünden; zur Erlangung Deiner Gnade, kraft welcher Du mich von allen schweren Sünden bewahren wol left; zur Hilfe und zum Troste der armen Seelen im Fegfeuer, besonders jener, für welche ich vorzüglich zu beten schuldig bin. O daß ich Dich durch meine Werke also ehren könnte, wie Du es würdig bist! Lie benswürdigste Herzen Jesu und Mariä! entzündet mein Herz mit Eurer Liebe, Amen. 261 Anmerk. So oft man Glauben, Hoffnung und Liebe erwecket, gewinnt man aus Verleihung Papst Benedikts XIV. einen unvollkommenen Ablaß, und wenn man dieß täglich thut, einmal in jedem Monate an einem Sonntage, den man sich selbst auswählen kann, nach verrichteter heiligen Beicht und Kommunion einen vollkommenen Ablaß. Rosenkranz zu dem heiligsten Altars- Sakramente. Man betet den heiligen Rosenkranz, wie gewöhnlich, nur legt man nach jedem Vater unser und zwischen jedem Ave Maria ein Hochgelobt und gebenedeiet sei das allerheiligste Sakrament des Altars; bei jedem Ave Maria nach den Worten: und gebenedeiet ist die Frucht Deines Leibes Jesus, Der in dem allerheiligsten Sakramente zugegen ist, als wahrer Gott und Mensch. 262 Litaney zu eben diesem heiligsten Sakramente. Herr erbarme Dich unser! Chrifte erbarme Dich unser! Herr erbarme Dich unser! Christe höre uns! Chrifte erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, Gott Sohn, Erlöser der Welt, Gott heiliger Geist, Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, Du lebendiges Brod, welches vom Himmel gekommen ist, Du Brod, welches alle Süßigkeiten in sich begreifet, Du Brod, welches für das Leben der Welt gegeben ist, Du verborgener Gott und Heiland, Du Nahrung der Auserwählten, Du Frucht vom Baume des Lebens, Du Brunnen der Gnade, Du immerwährendes Opfer, Du unbeflecktes Lamm, Erbarme Dich unser! 263 Du Speise der Engel, Du Schatz der Gläubigen, Du Freude der gottseligen Gemüther, Du Gedenkzeichen der göttlichen Wunderwerke, Du Versöhnung der Sünder, Du Band des Friedens und der Liebe, Du Trost der Betrübten, Du Speise der Hungrigen, Du Arznei der Kranken, Du Wegzehrung der Sterbenden in dem Herrn, Du Pfand der zukünftigen Herrlichkeit, Sei uns gnädig! verschone uns, o Herr! Sei uns gnädig! erhöre uns, o Herr! Von der unwürdigen Empfangung Dei nes heiligsten Fleisches und Blutes, Von der Begierlichkeit des Fleisches, Von der Begierlichkeit der Augen, Von der Hoffart des Lebens, Von aller Sünde, Erbarme Dich unser! Von Pest, Hunger und Krieg, Durch die Begierde, mit welcher Du die Ostern in dieſer Speise mit den Jüngern hast halten wollen, Durch die höchste Demuth, mit welcher) Erlöse uns, o Herr! 264 Du Deinen Jüngern die Füße gewaschen, Durch die inbrünstige Liebe, mit welcher Du dieses heiligste Sakrament eingeſetzet, Durch Dein göttliches Fleisch und Blut, welches Du uns in diesem heiligsten Sakramente hinterlassen, Durch die fünf heiligen Wunden Deines heiligsten Leibes, Wir arme Sünder, Daß Du in uns den Glauben, die Chrerbiethung und Andacht gegen dieſes hochheilige Sakrament erhalten und vermehren wolleft, Daß Du uns vom Tode der Sünde zum ewigen Leben auferwecken wollest, Daß Du in uns Alles, was lasterhaft ist, vertilgen wolleft, Daß Du uns in Deiner Gnade bestätigen und stärken wollest, Daß Du uns von allen Nachstellungen des bösen Feindes beschüßzen wolleft, Daß Du unser Gemüth mit der Gnade Deiner Heimsuchung erleuchten und reinigen wolleft, Erlöse uns, o Herr! Wir bitten Dich, erhöre uns! 265 Daß wir uns allzeit in Dir erfreuen mögen,` Daß Du das Feuer Deiner Liebe in uns anzünden wolleft, Daß Du uns mit dem Bande Deiner heiligen Liebe vereinigen wollest, Daß Du in der Stunde unsers Absterbens uns mit dieser himmlischen Wegzehrung versehen und stärken wolleft, Daß Du uns zum Nachtmahl des ewigen Lebens führen wollest, Jesus, Du Sohn des lebendigen Gottes, O Du Lamm Gottes, welches Du hinnimmſt die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! Wir bitten Dich, erhöre uns O Du Lamm Gottes, welches Du hinnimmst die Sünden der Welt, erhöre uns, o Herr! O Du Lamm Gottes, welches Du hinnimmst die Sünden der Welt, erbarme Dich unser, o Herr! Christe höre uns! Chrifte erhöre nus! Vater unser. V. Herr! erhöre unser Gebet, R. Und laß unser Rufen zu Dir kommen. 12 266 Gebet. O Gott! der Du uns in diesem wunderbarlichen Sakramente die Gedächtniß Dei nes Leidens hinterlassen hast: wir bitten Dich, gib uns die Gnade, die heiligen Geheimnisse, Deines Leibes und Blutes also zu verehren, daß wir die Frucht Deiner Erlösung allzeit in uns empfinden mögen, der Du mit dem Vater und dem heiligen Geiste lebest und regierest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Allgemeines Gebet für das Anliegen der ganzen Christenheit. Allmächtiger, ewiger Gott! Herr himm lischer Vater! siehe au mit den Augen Deis ner unendlichen Barmherzigkeit unsern Jam mer, Elend und Noth. Erbarme Dich über alle Chriftgläubige, für welche Dein einge borner Sohn, unser lieber Herr und Hei Land Jesus Christus, in die Hände der Sün der freiwillig gekommen, und auch Sein fost bares Blut am Stamme des heil. Kreuzes vergoffen hat. Durch diesen Herrn Jesum wende ab, gnädigster Vater! die wohlver 267 dienten Strafen, gegenwärtige und zukünftige Gefahren, schädliche Empörungen, Kriegsrüstungen, Theurungen, Krankheiten und betrübte armselige Zeiten. Erleuchte auch und stärke in allem Guten die geistlichen und weltlichen Obrigkeiten und Regenten, damit sie Alles befördern, was zu Deiner göttlichen Ehre, zu unserm Heile und zum allgemeinen Frieden und Wohlfahrt der ganzen Christenheit gedeihen mag. Verleihe uns, o Gott des Friedens! eine rechte Vereinigung im Glauben ohne alle Spaltung und Zertrennung. Bekehre unsere Herzen zur wahreu Buße und Besserung unsers Lebens. Zünde in uns an das Feuer Deiner Liebe, und gib uns Verlangen und Eifer zu aller Gerechtigkeit, damit wir als gehorsame Kinder im Les ben und Sterben Dir angenehm und wohlgefällig sein. Wir bitten auch, wie Du willst, o Gott! daß wir bitten sollen für unsere Freunde und Feinde, für Geſunde und Kranke, für alle betrübte und elende Christen, für die Lebendigen und Abgestorbenen. Dir, o Herr! sei empfohlen all unser Thun und Lassen, unser Handel und Wandel, unser Leben und Sterben. Laß uns nur Deine Gnade hier genießen, und dort mit allen 12* 268 Auserwählten erlangen, daß wir in der ewi gen Freude und Seligkeit Dich loben und ehren mögen. Das verleihe uns Herr, himm lischer Vater! durch Jesum Christum Deinen lieben Sohn, unsern Herrn und Heiland, welcher mit Dir und dem heiligen Geiste gleicher Gott lebet und regieret in Ewigfeit. Amen. dm Sling Geheimniß Rosenkranz. Er wird gebetet, wie folgt: Vom Anfange der Glaube wie gewöhnlich. Nach jedem Vater unser wird ein anderes Geheimniß und Gebet eingelegt. Eben so in jedem Ave Maria nach dem heiligsten Namen Jesus. Darauf betet man das: Heilige Maria Mutter Gottes 2c. Nach jedem Geheimniß soll man ein wenig still halten, und dasselbe überdenken. Dieser Rosenkranz taugt beſonders bei dem Stundgebete vor dem ausgeseßten höchsten Gute, während der Veſper u. d. g. Auch in langwährenden, doch nicht sehr heftigen Kranks heiten, wo der Kranke täglich z. B. ein Gefäßel beten kann, zur Ermunterung und Stärkung seines Geistes. Nach dem Glauben. Gleichwie sich die heiligen Patriarchen und Propheten nach der Ankunft des gött 269 lichen Erlösers sehnten, so wollen wir uns über die Ankunft desselben innigst erfreuen, und dafür den dreieinigen Gott, Vater, Sohn und heiligen Geist dankbarst loben und preisen. Nach dem ersten Vater unser. " O Herr Jesu Christe! der Du aus unendlicher Liebe zu uns Menschen die Aussöhnung zwischen dem himmlischen Vater und uns auf Dich genommen haft": wir bitten Dich, verleihe uns die Gnade, die heiligsten Geheimnisse Deines Lebens, Leidens und Sterbens so zu verehren, daß wir die Früchte desselben kräftig in uns empfinden mögen. Jesus, der den Glauben in uns vermehren wolle. Jesus, der die Hoffnung in uns stärken wolle. Jesus, der unsere Liebe entzünden und entflammen wolle. Absaß. Nach dem Vater unser. O mein Jesus! der Du mir zu lieb den Himmel verlassen hast": verleihe mir, Erster 270 daß ich Dir zu lieb der Welt und ihren verführerischen Reizen standhaft entsagen, und mein Herz und Verlangen immer zu dem Himmel gerichtet sein möge. Ellis - 1. Jesus, den die reinste Jungfrau vom heiligen Geiste empfangen hat".— O daß ich mein Herz als einen lebendigen Tempel des göttlichen Geistes immer rein und keusch erhalten möge! SHUSH 2. Jesu,„ den die göttliche Mutter über das jüdische Gebirge zu ihrer heiligen Baſe Elisabeth getragen hat". Odaß mich Maria mit Dir, ihrem göttlichen Kinde, oft heimsuchen möge! 3. Jesus, den Maria ohne Nachtheil ihrer Jungfrauschaft und ohne alle Schmer zen geboren hat". O daß ich mir Nichts hart und schwer fallen lasse, was Du mir auflegest oder von mir begehrest! 4. Jesus, der Du so äußerst arm in die Welt eingetreten bist". O daß ich meine Ruhe, mein Vergnügen nie in den Gütern dieſer Erde suchen möge! - 5. Jesus, den die Lobsingenden Engel in den Lüften verkündet und die armen Hir ten zuerst in der Krippe bewillkommnet ha 271 ben". O daß ich mich jetzt immer in Deinem Lobe erfreuen und einstens in dem Himmel Dir ewig Lob singen möge! - 6. Jesus,„ der schon in der Beschneidung Sein göttliches Blut zu vergießen angefangen hat". - O daß ich meine Sinne und Begierden immer im Zaum halten und durch die Abtödtung beschneiden möge! - 7. Jesus, den die heil. drei Könige im Stalle angebetet und dem sie ihr Opfer dargebracht haben".- O daß ich für so viele Gnaden und Gutthaten wenigstens mein Herz, mich selbst Dir ganz schenken möge! 8. Jesus, den die heiligen Eltern aus Demuth und freiwilliger Unterwerfung gegen das Gesetz im Tempel geopfert haben". O daß ich alle Neigungen meines Herzens immer getreu und ganz nach Deinem heiligen Gesetze richten möge! 9. Jesus, den Seine heiligen Eltern, um den Nachstellungen des Herodes auszuweichen, nach Egypten geflüchtet haben". O daß ich Alles, was dem Leben meiner Seele gefährlich sein könnte, stets sorgfältig fliehen möge! 10. Jesus, den die göttliche Mutter in - 272 dem Tempel verloren, so sorgfältig gesucht und endlich wieder gefunden hat".— O daß ich Dich nie verlieren, oder wenn ich jemals das Unglück, Dich zu verlieren, haben sollte, doch gleich wieder finden möge! 3 weiter Absaß. Nach dem Vater unser. 11 O mein Jesus! bei deffen Taufe in dem Flusse Jordan der himmlische Vater Seine Stimme hat hören, und der heilige Geist in Gestalt einer schneeweißen Taube sich hat sehen lassen", verleihe, daß ich die Unschuld über alle zeitlichen Güter schäßen und durch dieselbe Dir zu gefallen trachten möge! 1. Jesus, der uns im Fasten und im Widerstand gegen die Versuchungen des Ten fels vorangegangen ist". O daß ich mich von Allem, was sündhaft ist, enthalten, und den Eingebungen des bösen Feindes kein Gehör geben möge! - 2. Jesus, auf dessen ersten Ruf die Fischer ihre Netze gleich verlassen haben und 273 bald darauf Menschenfischer geworden sind".. O daß ich dem Rufe Deiner Gnade immer ungesäumt folgen, und die Hand von dem einmal ergriffenen Pfluge Deines Dienstes nimmer mehr zurückziehen möge! img 3. Jesus, der sich mit Seiner göttlichen Mutter auf der Hochzeit zu Kana eingefunden und auf ihre Fürbitte das erste Wunder gewirket hat". O daß ich Deinetwegen alle meine Freunde ordentlich, Dich aber vor ihnen und über Alles lieben möge! 4. Jesus der auf Seinen Reisen und in Seinem Predigtamte so viel Ungemach erlitten hat". O daß ich Hiße und Kälte, Hunger und Durst, Arbeit und Schweiß geduldig übertragen, und mir durch die gute Meinung zu Nußen machen möge! 5. Jesus, der durch Seinen liebevollen Eifer so viele Sünder bekehret hat".- O daß ich aus reinem Eifer für die Ehre Gottes zu erst für meine eigene Besserung, dann auch für die Besserung Anderer sorgen möge! 6. Jesus, der jene große Menge Seiner Zuhörer in der Wüste so wunderbar geſpeiſet hat". Ich bitte heute und allzeit um das tägliche Brod für Seele und Leib. 12** - 274 7. Jesus, der für so viele Wunder und Wohlthaten nichts als Haß zum Dank bekommen hat".- O daß ich immer und Jedem nach meinen Kräften Gutes thun und den Lohn dafür nicht bei der Welt, sondern in dem Himmel suchen und erwarten möge! 8. Jesus, der Seinen auserwählten Jüngern auf dem Berge Tabor den Glanz Seiner Herrlichkeit gezeigt hat". daß ich den Glanz jener Herrlichkeit nie aus den Augen lassen möge, welcher gemäß der Ver heißung Gottes einst an mir wird offenbar werden! - 9. Jesits, der bei Seiner Annäherung gegen die Stadt Jerusalem über ihre Sün den und die ihr bevorstehenden Strafen ge weinet hat". O daß die Kraft der gött lichen Liebe in mir immer eine wahre Reue über alle meine Sünden erwecken und mir die gänzliche Verzeihung derselben erhalten möge! - 10. Jesus, der vom Judas dem Geld zu lieb verkauft und verrathen wurde".- O daß mir mein Gott und meine Seele um Nichts in der Welt feil sein möge! Dritter Absaß. Nach dem Vater unser. m 275 O mein Jesus! mein Herr und mein Gott! der Du, nur uns ein Beiſpiel der Demuth und wahrhaft brüderlichen Liebe zu geben, Deinen Jüngern die Füße gewaschen haft", verleihe, daß ich der mir angebornen Hoffart nie Gehör geben, dafür die Demuth und christliche Liebe nicht nur in dem Munde, sondern auch in dem Herzen haben, und sie stets im Werke auszuüben mich ernstlich befleißen möge! 1. Jesus, der bei dem letzten Abendmahle das heiligste Altars- Sakrament eingesetzet, und in demselben uns sich selbst zu einem immerwährenden Gedenkzeichen hinter. lassen hat". O daß mich dieses lebendige Brod so stärken möge, daß mich weder die Welt, weder das Fleisch, noch der Teufel überwinden könne! - 2. Jesus, der auf dem Delberge vor Angst Blut geschwißet, doch sich ganz dem Willen Seines himmlischen Vaters überlaffen hat". O daß mein Herz immer ganz und 276 vollkommen Gott ergeben und zu Allem bereit sein möge! 3. Jesus, der wie ein Lamm von den Wölfen überfallen und gefangen wurde".- O daß ich auch in den Verfolgungen den Muth nicht sinken lassen, gegen Niemanden der Abneigung in meinem Herzen Platz ge ben möge! 4. Jesus, der verlassen von den Sei nigen, von Seinen Feinden wie der größte Uebelthäter nach Jerusalem geschleppet wurde." O daß ich auch im Unglück nicht von meinem Gott weichen, mich nie von Ihm abwendig machen lassen möge! 5. Jesus, der vor den Richterstühlen der hohen Priester, nachdem Er die Wahrheit gesagt hatte, unter allen Lästerungen schwieg".- O daß auch ich alles Aufbrausen des Zornes gehörig unterdrücken, meine Zunge und alle übrigen Sinne stets im Zaume halten möge! 6. Jesus,„ der den läugnenden Petrus mit einem einzigen Gnadenblicke zur innigsten Reue bewogen hat". O daß auch mich der Anblick meines leidenden Heilandes zur Erkenntniß und herzlichen Neue über meine Sünden bringen möge! 277 7. Jesus„ der, obschon Er der Richter über die Lebendigen und Todten ist, doch zu gab, daß Er falsch gerichtet, und im weißen Kleide verspottet wurde". O daß ich immer nur auf mich selbst und meine Fehler sehen, und über Niemanden als über mich selbst ein Urtheil fällen möge! — 8. Jesus dessen reinster Leib so erbärmlich gegeißelt, ganz mit Striemen, Blut und Wunden bedecket wurde". O daß ich alle zeitlichen Strafen, die ich für meine Sünden verdienet habe, noch auf dieser Welt abbüßen möge! 9. Jesus, der so spöttlich gekrönet, geschlagen, verspieen, verhöhnet wurde". O daß ich mich durch keine Furcht und durch kein Gespötte im Dienste Gottes und auf dem Tugendwege irre machen lassen möge! 10. Jesus, der vom Pilatus dem Volke vorgestellet, von den Juden dem Barrabas nachgesetzet, und zum Tode begehret wurde." O daß ich doch nie, wie jenes blinde Volf, was immer Gott vorziehen möge! 278 Vierter Absaß. Nach dem Vater unser. „ O mein Jesus! der Du das schmähliche und schwere Kreuz mit so großer Bereitwilligkeit, ja Liebe auf Dich genommen, und, obschon so hart, auf den Kalvarienberg hinaufgetragen hast"- verleihe, daß ich meinen natürlichen Widerwillen gegen das Kreuz und Leiden überwinden, das Kreuz stets willig auf mich nehmen und mit demselben Dir nachfolgen möge! 1. Jesus, ,, dem unter erstaunlichen Schmerzen uns mit äußerster Beschämung die Klei der von Seinem wundenvollen Leibe gerissen wurden". O daß ich oft an dieses Leiden in meinen leiblichen Schmerzen gedenken und mich nie verleiten lassen möge, das so schöne als nothwendige Kleid der Schamhaftigkeit abzulegen! 2. Jesus, der so unbarmherzig auf das Kreuz hingeworfen, an demselben ausge ſpannt, angenagelt, aufgestellt wurde". O daß ich mich, wie Paulus, in feinem an dern Dinge mehr rühmen möchte, als in dem Kreuze meines Herrn Jesu Christe! - 279 3. Jesus, desen Titel Pilatus ſelbst geschrieben hat: Jesus von Nazareth, ein König der Juden". O daß Jesus immer in meinem Herzen und in allen meinen Gliedern regiere! daß ich jetzt standhaft ein getreuer Unterthan Seines geistlichen Reiches auf der Erde bleiben, und einst ein Mitglied Seines glorreichen Reiches in dem Himmel werden möge! adurai balukt 4. Jesus, der am Kreuze sogar für Seine Feinde und Beiniger gebetet hat". O daß ich nach Seinem Beispiele das Unrecht mit Geduld leiden, selbst meine Feinde lieben, nie Böses mit Bösem vergelten möge! 5. Jesus, der dem reumüthigen Schächer Verzeihung und das Paradies versprochen hat". O daß auch ich mich stets bekümmern möge, die Verzeihung meiner Sünden zu erhalten, um am Ende dieses armseligen Lebens in das ewig glückselige eingehen zu können! - 6. Jesus, der hangend und sterbend am Kreuze Seine jungfräuliche Mutter dem heiligen Johannes und diesen ihr anempfohlen hat". O daß mich Maria zu ihrem ewigen Kinde aufnehmen und ich sie immer als eine Mutter ehren, daß sie auch mir in meinem Todeskampfe beistehen möge! 280 7. Jesus, der am Kreuze so unaussprechliche Schmerzen gelitten, und mit lauter Stimme gerufen hat: Mein Gott! warum hast Du mich verlassen?- O daß ich jetzt im Leben, besonders aber im Todbette keiner Versuchung unterliegen möge! 8. Jesus, der in Seinem schrecklichen Durste am Kreuze mit Gall und Effig ge tränket wurde“. O daß ich mich oft an dieses bittere Getränk erinnern und damit meinen beweinungswürdigen Durst nach unerlaubten Ergößzungen und Wollüsten auslö schen möge! 9. Jesus, der durch Sein Leiden und Sterben am Kreuze die Schuld unserer Sünden bezahlet, und das große Werk unserer Erlösung vollbracht hat". O daß ich in dieses göttliche Leiden und Sterben meines Heilandes alle meine Hoffnung, mein ganzes Vertrauen setzen möge! 10. Jesus, bei dessen Tode sich die Sonne verfinstert, die Erde gebebet hat". O daß ich einst, wenn sich meine Augen verfinstern, alle Glieder vor dem annahenden Tode beben werden, meine Seele mit Freu den in die Hände meines himmlischen Vaters empfehlen und aufgeben möge! - 281 Fünfter Absaß. Nach dem Vater unser. " O mein Jesus! dessen Sterben der Ursprung meines Lebens, dessen offenstehenden Wunden die einzige Quelle meiner Hoffnung und meines Heiles sind",- verleihe mir, daß dieser theure Preis, um welchen Du mich erkaufet hast, an mir nie verloren gehen, daß ich nie mehr ein Kind der ewigen Verdammung werden möge! 1. Jesus, aus dessen offener Seite noch die letzten Blutstropfen und Lebenssäfte heraus spritten". O daß dieser kostbare Balsam immer meine Seele erquicken und stärken, alle ihre Wunden heilen möge! - 2. Jesus,„ dessen erbärmlicher Anblick am Kreuze auch das Herz der darunter stehenden Mutter mit dem Schwerte des Schmerzens durchbohret hat". O daß ich doch diese Schmerzen des Sohnes und der Mutter durch meine Sünden nie mehr erneuern möge! 3. Jesus, dessen heiliger Leichnam vom Kreuze herabgenommen, eingesalbet, und un 282 ter tausend Thränen Seiner Freunde in das Grab gelegt wurde". O daß ich mein Gemüth ganz in Gott versenken, daß mich die Salbung des göttlichen Geistes vor aller Fäulniß der Trägheit und Lauigkeit bewahren möge! - 11 4. Jesus, dessen heiligste Seele gleich nach ihrer Trennung von dem Leibe in die Vorhölle hinabgestiegen ist, und die Seelen der Altväter erfreuet hat". O daß auch ich von den Banden des Fleisches, der Sünde und des Teufels bald ganz befreiet werden möge! 5. Jesus, der durch Seine glorreiche Auferstehung die verzagten Jünger und die weinenden Frauen so sehr getröstet, und gleichsam wieder auferwecket hat". O daß mich die gewisse Hoffnung der Auferstehung in allen Trübsalen dieses Lebens trösten, und zur unermüdeten Ausübung guter Werke aneiferu möge! 6. Jesus, den die zwei Jünger auf dem Wege nach Emaus begleitet, am Brodbrechen erkannt haben, und nicht mehr von sich ent lassen wollten".- O daß Jesus doch auch allzeit bei mir bleiben, mich zur Zeit der 283 Versuchung, besonders am Abende meines Lebens nicht verlassen möge! 7. Jesus, dem die Apostel und Jünger bei Seiner herrlichen Auffahrt in den Himmel so sinnig nachgeschauet haben". O daß ich während meiner Wanderschaft in diesem Jammerthale meine Augen recht oft zum himmlischen Vaterlande erheben, auf dem schmalen und steilen Wege, der dahin führt, nie ermüden möge! bent 8. Jesus, der den versprochenen göttlichen Geist, den Tröster über die Seinigen von dem Himmel herab gesendet hat".- O daß sich dieser göttliche Geist der Wahrheit und der Liebe durch die heil. Sakramente, besonders der Buße und des Altars, in mir oft und reichlich ausgießen möge! 9. Jesus, der auch Seine göttliche Mutter zu sich in den Himmel aufgenommen und dort ihre zeitlichen Leiden mit den ewigen unaussprechlichen Freuden vergolten hat". O daß ich dieser Mutter jetzt in dem Leiden getreulich folgen möge, um mich einst mit ihr in dem Himmel ewig zu erfreuen! - 10. Jesus, der uns am jüngsten Tage Alle wieder lebendig machen, und Jeden nach 284 seinen Werken richten wird". O daß ich Ihn jetzt als meinen Erlöser von ganzem Herzen und aus allen Kräften lieben möge, damit ich Ihn dann als Richter nicht fürch ten darf! - Litaney zu dem allerheiligsten Namen Jesu. Herr erbarme dich unser! Christe erbarme dich unser! Herr erbarme dich unser! Christe höre uns! Chrifte erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, Gott Sohn, Erlöser der Welt. Gott heiliger Geiſt, Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott Jesu Du Sohn des lebendigen Gottes, Jesu Du Sohn der Jungfrau Maria, Jesu Du allmächtigster, Jesu Du allerstärfster, Jesu Du allervollkommenster, Erbarme Dich unser! 285 Jesu Du allerglorwürdigster, pse me Jesu Du allerwunderbarlichster, Jesu Du allerliebster, dog#Ge Jesu glänzend über alle Sterne, C Jesu schöner als der Mondschein, ne pe Jesu heller als die Sonne, Jesu Du allersanftmüthigster, Jesu Du allerdemüthigster, Jesu Du allergeduldigster, Jesu Du allergehorsamster, Jesu Du allersüßester, Jesu Du Liebhaber der Keuschheit, Jeſu unsere Freude und Liebe, n Jesu Du König des Friedens, Jesu Du Spiegel des heiligen Lebens, Jesu Du Muster aller Tugenden, Jesu Du Eiferer der Seelen, C Jesu unsere Zuflucht, Jesu Du Vater der Armen, Jesu Du Tröster der Angefochtenen, Jesu Du Schutz der Gläubigen, Jesu Du kostbarstes Edelgestein, Jesu Du Schatzkammer der Vollkommenheit, Jesu Du guter Hirt, Jesu Du Stern des Meeres, Jesu unser Wegweiſer, a 12 n 10 Erbarme Dich unser! 286 Jesu Du ewige Wahrheit, Jesu unser Leben, Jesu Du wahres Licht, Jesu Du unendliche Weisheit, Jesu Du unaussprechliche Gütigkeit, Jesu Du Freude der Engel, Jesu Du Verlangen der Patriarchen, Jesu Du König der Propheten, Jesu Du Meister der Apostel, Jesu Du Lehrer der Evangelisten, Jesu Du Stärke der Martyrer, Jesu Du Führer der Beichtiger, Jesu Du Bräutigam der Jungfrauen, Jesu Du Krone aller Heiligen, Sei uns gnädig! verschone uns, o Jesu! Sei uns gnädig! erlöse uns, o Jesu! Von allem Uebel, Von aller Sünde, Von Deinem Zorne, Von der Uebertretung Deiner Gebote, Von den Versuchungen des Teufels, Von den Nachstellungen aller Feinde, Von Pest, Hunger und Krieg, Erbarme Dich unser! Durch Deine heilige Menschwerdung, Durch Deine heilige Geburt, Durch Deine heilige Beschneidung, Erlöse uns, 0 Jesu! 287 Durch Deine Taufe und heilige Fasten, Durch Deine heilige Mühe und Arbeit, Durch Deine unzähligen Wunderwerke, Durch Deine blutige Geißlung, Durch Deine spöttliche Krönung, Durch Dein heiliges Kreuz und Leiden, Durch Deinen bittersten Tod am Kreuze, Durch Deine siegreiche Auferstehung, Durch Deine glorreiche Himmelfahrt, Durch Deine Glorie und Herrlichkeit zur Rechten Deines himmlischen Vaters, Durch die Sendung des heiligen Geisles, Durch die Fürbitte Deiner heil. Mutter und Jungfrau, Durch die Fürbitte aller Deiner lieben Auserwählten und Heiligen, Erlöse uns, o Jesu! Jesu, Du Lamm Gottes, welches Du hinnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! Jesu, Du Lamm Gottes, welches Du hinnimmst die Sünden der Welt, erhöre uns, o Herr! Jesu, Du Lamm Gottes, welches Du hinnimmst die Sünden der Welt, erbarme Dich unser, o Herr! STAFS 288 Jesu Christe höre uns! Jesu Chrifte erhöre uns! girist 13 Vater unser, Ave Maria. V. Herr! erhöre unser Gebet, min@ 10 min@ chant Pc. Und laß unser Rufen zu Dir kommen. Gebet. O allmächtiger, ewiger Gott! der Du durch den glorwürdigen Namen Deines ge liebten Sohnes unsers Herrn Jesu Christi alle gläubigen Herzen mit höchstem Troste und süßester Andacht erfüllest, und alle höl lischen Geister erschreckest und zaghaft machest, verleihe gnädigst, daß Alle, welche den Namen Jesu hier auf Erden andächtig anru fen und verehren, die unaussprechliche Frende und Seligkeit erlangen dort im Himmel, durch eben diesen Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Gebet zu dem liebreichsten Jesus- Kindlein. O allerliebreichstes Kindlein Jesu! Des sen grundlose Barmherzigkeit sich von Ende 289 zu Ende machtvoll erstrecket, und überall, wo Dein holdseliges Bildniß andächtig verehret wird, himmlische Gnadenschätze freigebigst ertheilest, besonders aber in dem Hause Deiner allerliebsten Mutter Maria, durch welche- als dem lebendigen Schatzkasten aller Gnaden, aller Hilfe und alles Trostes Du, o süßester Jesus! in diesem Gotteshause schon vielfältig Gnaden und Trost ertheilet haft und ferner zu ertheilen nicht auf hören wirst, so lange wir Dich, o Jesus! und Deine Trostmutter allhier findlich verehren werden. Wir flehen zu Dir, o allerliebstes Jesus- Kindlein! in allen unsern Nöthen, Trübsalen und Anliegen, und bitten Dich demüthig, Du wollest uns durch die vielfältigen Verdienste dieser allgemeinen Trostmutter unsere vielen Sünden und Missethaten, die wir von Herzen bereuen, verzeihen, aus jeder Noth und Gefahr uns gnädigst erretten und unsere durch beide Namen Jesus und Maria rufende Stimme erhören! O Jesus, vermenschter Gott! unser Heil, unser Heiland, unser einziges Gut, unser ewiges Leben! erwecke in uns einen lebendigen Glauben, eine starke Hoffnung, eine aufrichtige brennende Liebe zu Dir und Deiner allerliebsten Mut13 290 150 ter, damit wir allzeit Deine heiligsten Ge bote im Werke vollziehen, Deiner göttlichen Mutter in ihren Tugenden nachfolgen, und endlich Dich und Deinen heiligsten Namen mit unserer Trostmutter Maria und allen Engeln und Auserwählten in dem Himmel loben, ehren und preisen mögen in alle Ewigfeit. Amen. Anempfehlung in die heiligen fünf Wunden Jesu Chrifti. 1. Bete ein Vater unser zu Ehren der heiligen Wunde der rechten Hand, und sprich dann:„ O mein Jesu! in diese Deine heilige Wunde versenke ich alle Sünden meis ner Jugend und Unwissenheiten." 2. Ein Vater unser zu Ehren der hei ligen Wunde der linken Hand:„ O mein Jeſu! in diese Deine heilige Wunde versenke ich alle meine wissentlichen und freiwilligen Sünden." olduse 3. Ein Vater unser zu Ehren der heili gen Wunde am rechten Fuß:„ O mein 291 Jesu! in diese Deine heilige Wunde empfehle ich alle meine leiblichen Angehörigen, alle meine Blutsverwandte, Freunde, Gutthäter und Bekannte, auch alle meine Vorgesetzten und Obrigkeiten." 4. Ein Vater unser zu Ehren der heiligen Wunde am linken Fuß:„ O mein Jesu! in diese Deine heilige Wunde empfehle ich alle meine geistlichen Angehörigen, für die ich einst Rechenschaft werde geben müssen, alle meine geistlichen Verwandten und Gutthäter, auch alle Vorsteher und Hirten in der ganzen katholischen Kirche." 5. Ein Vater unser zu Ehren der heiligen Seitenwunde: O mein Jesu! in Deine offene heilige Seite, in Dein göttliches Herz versenke ich all' mein Thun und Lassen, alle Zeit meines Lebens vollbrachten guten Werke und alles ausgestandene Leiden, meine Seele und meinen Leib im Leben und Sterben. Amen. 13* ESPON 292 Geraid Die geistliche Uhr, Chi ad odernondale smist Eintheilung des bittern Leidens und Sterbens Jesu Chrifti in alle Stunden des Tages und der Nacht, besonders für Kranke. V. Uhr Abends. Der göttliche Erlöser nimmt Urlaub von Seiner geliebtesten Mutter. VI. Uhr. Er hält mit Seinen Jüngern das letzte Abendmahl und wäscht ihnen die Füße. VII. Uhr. Er betet und schwitzet Blut vor Angst in dem Garten am Delberg. VIII. Uhr. Er ermahnet die schläfrigen Jünger zum Wachen und zum Beten. IX. Uhr. Er wird gefangen und durch die Gassen Jerusalems geschleppt. X. Uhr. Jesus stehet vor den Richterstüh len des Annas und Kaiphas. XI. Uhr. Wird Er gelästert, bekommt eine Maulschelle. XII. Uhr Mitternacht. Wird Er ange klagt und schweigt. 293 I. Uhr. Wird Er verspottet, verspieen, gemschlagen, mißhandelt. 19 II. Uhr. Sizet Er gebunden im abschenlichsten fürchterlichsten Kerker. III. Uhr. Wird Er von dem Petrus, dem Haupte der Apostel, verläugnet. IV. Uhr. Wird Er zum Pilatus, vom Pilatus zum Herodes, vom Herodes wieder zum Pilatus geführet. V. Uhr. Jesus wird gegeißelt, und mit mod Dornen gekrönet. VI. Uhr Morgen 3. Wird Er dem Volke vorgestellt und zum Tode des Kreuzes hd begehrt. mod drlar 10 VII. Uhr. Wird Er übergeben und ausgeführt. XIII. Uhr. Begegnet Er auf dem Wege zum Kalvarienberge Seiner bedrängten Mutter und den weinenden Frauen. IX. Uhr. Der Herr Jesus wird gekreuziget. X. Uhr. Empfiehlt Er vom Kreuze herab den heiligen Johannes Seiner Mutter, und Seine Mutter ihm. XI. Uhr. Wird Gr gelästert, und bittet für Seine Feinde und Mörder. 294 XII. Uhr Mittags. Empfiehlt Er Sei nen Geist in die Hände Seines himm lischen Vaters und stirbt. Die Sonne verfinstert sich. I. Uhr. Die Erde bebt, der Vorhang des Tempels wird entzwei gerissen, die Gräs ber öffnen sich. II. Uhr. Seine heilige Seite wird eröffnet; Er vergießet die letzten Blutstropfen für uns. J III. Uhr. Sein heiliger Leichnam wird vom Kreuze herabgenommen, und auf den Schooß Seiner zärtlichsten Mutter gelegt. IV. Uhr. Er wird von Seinen bisher heimlichen Freunden zum Grabe getragen, und darin verschlossen. Der heilige Kreuzweg unsers Herrn Jesu Christi null oder die vierzehn Stationen. 20 Erste Station. Jesus wird zum Tode verurtheilt. Sieh, die Unschuld wird verfället, Als ein Bös wicht vorgestellet, Und der Richter bricht den Stab. 295 Mach, o Jesu! durch Dein Leiden, Daß ich zu dem Ehrabschneiden Weder Zung' noch Ohren hab'. Vater unser Ave Maria.- - O Herr Jesu Christe wegen Deines bittern Leidens und unschuldigen Sterbens verzeihe, verschone, erbarme Dich meiner! 296 Bweite Station. Jesus nimmt Sein Krenz auf sich. Ach! mein Jesus ist nicht schuldig, Und trägt doch Sein Kreuz geduldig, Und eilt auf die Richtstatt hin. Mach, daß ich mein Kreuz auch trage Ohne Murren, ohne Klage, In dem Trübsal standhaft bin. Vater unser Ave Maria. O Herr Jesu Christe! wegen Deines 2. Dritte Station. Jesus fällt das erstemal unter dem Kreuze. int and third sich - — Jesus fällt schon unterdrücket, Und vom Kreuzjoch halb zerknicket, Kraftlos da zum erstenmal. - bi in Mach, o Jesu! daß ich meine Erste Thorheit stets beweine, Meinen ersten Sündenfall. Vater unser Ave Maria. O Herr Jesu Christe! wegen Deines 2. m Vierte Station. Jesus begegnet Seiner göttlichen Mutter. Voll Betrübniß und Erbarmen, Ihn noch einmal zu umarmen, Kommt zum Sohn die Mutter her. Macht, daß ich Euch nicht betrübe, Jesu! Dich als Bruder liebe, Und Dich, Mutter! stets verehr'. Vater unser Ave Maria. O Herr Jesu Christe! wegen Deines 2c. Fünfte Station. - 297 - - Simon hilft Jesu das Kreuz tragen. Simon hat nun endlich müssen Zu dem Kreuzzug sich entschließen, Von dem Jesus Führer ist. Jesu! mache mich zum Freunde Deines Kreuzes, und zum Feinde Dessen, was das Fleisch gelüft'. Vater unser Ave Maria. - O Herr Jesu Christe! wegen Deines 2c. 13** 298 Sechste Station. Veronika reichet Jesu das Schweißtuch. Dies vom Spott so zugerichte Speichelvolle Angesichte Soll forthin mein Spiegel sein.- Mach', daß ich darin mich sehe, od jonill Und in meinem Herzen stehe, Jesu! nur Dein Bild allein. Vater unser- Ave Maria. O Herr Jesu Christe! wegen Deines x. Siebente Station. Jesus fällt das zweitemal unter dem Kreuze. Ach! mein Jesus sinkt schon wieder; Meine Sünde drückt Ihn nieder! Er fällt schon das zweitemal.- Mach', daß ich die Sünd' bereue, Und sie nimmermehr erneue Durch den öftern Sündenfall. Vater unser Ave Maria. O Herr Jesu Christe! wegen Deines 2. Achte Station. Jesus tröstet die weinenden Frauen. Kann's dem grünen Holz so gehen, Wie wird's mit dem dürren stehen, Töchter von Jeruſalem? 299 Mache, daß ich meiner Sünden Tiefen Abgrund mag ergründen, Und sie wohl zu Herzen nehm'! Vater unser Ave Maria. O Herr Jesu Christe! wegen Deines 2. Neunte Station. Jesus fällt das drittemal unter dem Krenze. Sieh! die Allmacht muß zur Erden Wie ein Wurm getreten werden; Es ist schon das drittemal. Jesus! mach', daß ich verlasse Der Gewohnheit breite Straße, Und nicht mehr zurückefall'! Vater unser- Ave Maria.- O Herr Jesu Christe! wegen Deines 2c. - 300 Behnte Station. Jesus wird entblößt, und mit Gall und Eſfig getränket. Der uns Kleid und Nahrung schenket, Wird entblößt, mit Gall getränket, So büßt Er die Füllerei. Jesu! mach', daß ich im Kleide Alle Pracht und Hoffart meide, Und im Trank enthaltsam sei. Vater unser Ave Maria. O Herr Jesu Christe! wegen Deines u. Eilfte Station. Jesus wird an das Krenz geheftet. - - Wer kann diesen Blick ertragen? Jesus wird an Kreuz geschlagen, Selbst reicht Er die Hände her.- Mach', daß meine Leidenschaften Stets mit Dir am Kreuze haften! Ich will keine Freiheit mehr.nl! Vater unser Ave Maria. O Herr Jesu Christe! wegen Deines 2. Bwölfte Station. Jesus stirbt am Kreuze. Jesus stirbt! die Erde bebet, Weil ihr Heiland nicht mehr lebet; Selbst die Sonn' wird trüb' und bleich. 301 Jesu! laß mich mit Dir sterben, Mit dem Mörder Gnad' erwerben; Denk an mich in Deinem Reich! Vater unser Ave Maria. O Herr Jesu Christe! wegen Deines 2. - Dreizehnte Station. Jesus auf dem Schooße Seiner göttlichen Mutter. Ach! Maria nimmt mit Schmerzen, Den sie unter ihrem Herzen Einst neun Monat freudig trug.- Jesu! mach' mich Dich stets lieben, Und Dich nimmermehr betrüben, O es ist schon jetzt genug! Vater unser Ave Maria. Herr Jesu Christe! wegen Deines 2c. - 302 Vierzehnte Station. Jesus wird in das Grab gelegt. Sich nun! Jesus wird begraben, die Und das Grab, das Er will haben, Muß ganz rein und sauber sein. Jesu! wenn ich Dich genieße, Und Dich in mein Herz verschließe, Mach's zuvor von Sünden rein. 10 - ESE Vater unser Ave Maria. PAST O Herr Jesu Christe! wegen Deines 2. Gebet für Jünglinge und Jungfrauen um die Gnade der Erkenntniß ihres rechten Berufes. Mein Gott, in deffen Händen die Schick sale aller Menschen sind; der Du die so ver schiedenen Stände in der Welt eingeführt, und willst, daß Dir Einige in diesen, Andere in jenen Ständen dienen sollen; der Du so viele Knechte und Mägde, so vielerlei Arbeis ter und Taglöhner in Deinem großen Wein 303 berge auf der Erde haft! steh, ich bin zu Allem bereit, wozu Du mich immer anstellen willst; laß mich nur Deinen heiligsten Willen erkennen und führe mich zu jenem lebensstand, den Du schon von Ewigkeit her für mich ausersehen hast, in dem ich Dir am vollkommensten dienen, und am leichtesten selig werden kann. Dies verleihe mir Gott der Vater und der Sohn durch den heiligen Geist, der von Beiden zugleich ausgehet von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Die Geheimnisse bei dem gewöhnlichen heiligen Rosenkranze. A. Die Freudenreichen werden gebetet die ganze Heilige Adventzeit hindurch bis Lichtmessen und unter dem Jahr alle Montage und Donnerstage. 10 p011 1. Den Du, o Jungfrau! vom heiligen Geiste empfangen haft; 304 2. Den Du, o Jungfrau! zu Elisabeth getragen hast; ohm nề njour dised inill 3. Den Du, o Jungfrau! mit Freuden geboren haft; 4. Den Du, o Jungfrau! im Tempel aufgeopfert haft; 5. Den Du, o Jungfrau! im Tempel gefunden hast. B. Die Schmerzhaften werden eingelegt die ganze heilige Fastenzeit und das Jahr hindurch alle Dienstage und Freitage. 1. Der für uns Blut geschwißzet hat; 2. Der für uns ist gegeißelt worden; 3. Der für uns ist mit Dornen gekrönet worden; 4. Der für uns das schwere Kreuz getragen hat; 5. Der für uns ist gekreuziget worden. 305 C. Die Glorreichen werden gebetet von Ostern bis auf den heiligen Dreifaltigkeit- Sonntag; dann unter dem Jahre, die vorgenannten Zeiten ausgenommen, an den Sonntagen, Mittwochen und Samstagen. röd.sfjird 1. Der von den Todten auferstanden ist; 2. Der in den Himmel aufgefahren ist; 3. Der uns den heil. Geist gesendet hat; 4. Der Dich, o Jungfrau! in den Himmel aufgenommen hat; 5. Der Dich, o Jungfrau! in dem Himmel gekrönet hat. #@ hadde min man no 306 Lauretanische Litaney. Herr erbarme dich unser! Christe erbarme dich unser! Herr erbarme dich unser! Christe höre uns! Chrifte erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme dich unſer! Gott heiliger Geist, erbarme dich unser! Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, er barme dich unser! Heilige Maria, Heilige Gottesgebärerin, Heilige Jungfrau aller Jungfrauen, Mutter Chrifti, Multer der göttlichen Gnade, Du allerreinste Mutter, Du allerfenschefte Mutter, Du unbefleckte Mutter, Du ungeschwächte Mutter, Du liebliche Mutter, Du wunderbarliche Mutter, Du Mutter unsers Schöpfers, Du Mutter unsers Erlösers, Bitte für uns! Du allerweiseste Jungfrau, Du ehrwürdige Jungfrau, Du lobwürdige Jungfran, Du mächtige Jungfrau, Du gütige Jungfrau, Du getreue Jungfrau, Du Spiegel der Gerechtigkeit, Du Sitz der Weisheit, Du Ursache unsers Heiles, Du geistliches Gefäß, Du ehrwürdiges Gefäß, Du vortreffliches Gefäß der Andacht, Du geistliche Rose, Du Thurm Davids, Du elfenbeinener Thurm, Du goldenes Haus, Du Arche des Bundes, Du Pforte des Himmels, Du Morgenstern, Du Heil der Kranken, Du Zuflucht der Sünter, Du Trösterin der Betrübten, Du Hilfe der Christen, Du Königin der Engel, Du Königin der Patriarchen, Du Königin der Propheten, Du Königin der Apostel, 307 0 Bitte für uns! 308 Du Königin der Martirer,& v 10 Du Königin der Beichtiger, UNTU Du Königin der Jungfrauen, Du Königin aller Heiligen. Bitte für uns spitip n O Du Lamm Gottes, welches Du hinnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! O Du Lamm Gottes, welches Du hinnimmst die Sünden der Welt, erhöre uns, o Herr! O Dn Lamm Gottes, welches Du hinnimmst die Sünden der Welt, erbarme dich unser, o Herr! Christe höre uns! Christe erhöre uns! rod Bosalen 18 mod. Gegrüßet seiest Du Maria voll der Gnade 2. 12 Unter Deinen mütterlichen Schuß und Schirm fliehen wir, o heiligste Gottesgebäre rin! verschmähe nicht unser Gebet in unsern Nöthen, sondern erlöse uns allzeit von allen Gefahren, o Du glorwürdige und gebene deite Jungfrau, unsere Frau, unsere Mitt lerin, unsere Fürsprecherin! versöhne uns mit Deinem Sohne, empfehle uns Deinem Sohne, stelle uns vor Deinem Sohne. 309 V. Bitte für uns, o heilige Gottesgebärerin! Rc. Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi! Wir bitten Dich, o Herr! gieße Deine Gnade in unsere Herzen ein, auf daß wir, die wir durch die Botschaft des Engels die Menschwerdung Christi Deines Sohnes erkannt haben, durch Sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit und Glorie der Auferstehung geführet werden, durch denselben Christum unsern Herrn. Amen. V. Bitte für uns, o allerſeligster Joſeph! Rc. Auf daß wir würdig werden der Verdheißungen Christi! Wir bitten Dich, o Herr! daß uns durch die Verdienste des Bräutigams Deiner allerheiligsten Gebärerin geholfen werde, damit, was unser Vermögen nicht erhalten kann, dasselbe uns durch Seine Fürbitte geschenket werde, der Du lebest und regierest in alle Ewigkeit. Amen. 310 Salve Regina. müst Anmerk. Man lief't von dem heiligen Bernhard, da er einst die göttliche Mutter in der Domkirche zu Speyer mit dieser Antiphon begrüßte: Gegrüßet seiest Du Königin c., habe dieselbe in Gegenwart einer großen Volksmenge geantwortet: Sei gegrüßet Bernhard. Möchten wir sie doch auch jetzt so andächtig und Sie uns einst nach diesem Elend so lieb reich entgegen grüßen! Gegrüßet seiest Du Königin! Mutter der Barmherzigkeit, unser Leben, unsere Süßigkeit, und unsere Hoffnung, sei gegrüßt! Zu Dir schreien wir elende Kinder Eva, zu Dir seufzen wir Trauernde und Weinende in diesem Thale der Zähren: Eja, unsere Fürsprecherin! wende Deine barmherzigen Augen zu uns, und nach diesem Elende zeige uns Jesum, die gebene deite Frucht Deines Leibes, o gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria! V. Bitte für uns, o heilige Gottesgebärerin! Rc. Auf daß wir würdig werden der Vers heißungen Christi! Gebet. 311 miger Gott! Allmächtiger, ewiger Gott! der Du den Leib und die Seele der glorwürdigen Jungfrau und Mutter Maria zu einer würdigen Wohnung Deines Sohnes durch Mitwirkung des heiligen Geistes vorbereitet hast; gib, daß, die wir uns an ihrem Gedächtniß erfreuen, durch ihre milde Fürbitte von den bevorstehenden Uebeln, und von dem ewigen Tode befreiet werden. Durch denselben Christum unsern Herrn. Amen. V. In aller Trübsal, Angst und Noth R. Komm uns zu Hilfe, o allerſeligste Jungfrau Mutter Gottes Maria! Gebet. O Herr Jesu Christe! wir bitten Dich, daß die glorwürdige Jungfrau, Deine Mutter Maria, bei Deiner Barmherzigkeit für uns bitten wolle jetzt und allzeit, besonders aber in der Stunde unsers Absterbens, der Du kommst zu richten die Lebendigen und die Todten und die Welt durch das Feuer. Amen. 312 Sieben Ave Maria zu Ehren der sieben größten Schmerzen unserer lieben Frau. 1. Zu Ehren ihres Schmerzes bei Anhörung der Weissagung Simeons. 2. Zu Ehren ihrer Angst und Bangigkeit bei der Flucht in Egypten. 3. Zu Ehren ihrer Kümmerniß bei dem Ver lufte Jesu in dem Tempel. 4. Zu Ehren ihres Entsetzens bei Erblickung des mit dem Kreuze beladenen Jesus am Wege auf den Kalvarienberg. 5. Zu Ehren ihrer mütterlichen Theilnahme an allen Leiden ihres am Kreuze ster benden göttlichen Sohnes. 6. Zu Ehren ihrer äußersten Betrübniß, da Jesus vom Kreuze herabgenommen und auf ihren Mutterschooß gelegt wurde. 7. Zu Ehren ihrer innigsten Trauer bei dem Begräbniß dieses ihres geliebtesten Sohnes. Sieben Ave Maria zu Ehren der sieben größten Freuden unserer lieben Frau. 1. Zu Ehren ihrer Freude bei der so lange gewünschten Menschwerdung des Sohnes Gottes. 313 2. Zu Ehren ihrer Freude bei dem Besuche ihrer heiligen Base Elisabeth. 3. Zu Ehren ihrer Freude bei der gnadenreichen Geburt ihres göttlichen Kindes. 4. Zu Ehren ihrer Freude bei der Ankunft der Weisen aus Morgenland in dem Stalle zu Bethlehem. 5. Zu Ehren ihrer Freude bei der siegreichen Auferstehung Jeſu Christi. 6. Zu Ehren ihrer Freude bei der glorreichen Himmelfahrt unsers Herrn. 7. Zu Ehren ihrer Freude bei der Ankunft des heiligen Geistes des Trösters. Neun Ave Maria zu Ehren der neun Monate, während welcher die seligste Jungfrau den Sohn Gottes unter ihrem mütterlichen Herzen getragen hat. 1. Zu Ehren ihrer Eingezogenheit und Demuth, da der Engel des Herrn zu ihr kam, und ihr jene erfreuliche Botschaft brachte, und sie em- pfing vom heiligen Geiste. 14 314 2. Zu Ehren ihrer Ergebenheit, mit welcher sie einwilligte und sprach: Sieh! ich bin eine Dienerin und Magd des Herrn, mir geschehe nach Deinem Worte. 3. Zu Ehren ihres Eifers und ihrer Freund lichkeit, womit sie über das jüdische Gebirge eilte, ihre heilige Base Clifa beth zu besuchen und ihr Glück zu wünschen. 4. Zu Ehren jenes reinen göttlichen Lobes, welches dort Maria und Jesus, Elisa beth und Johannes mit einander an stimmten. 5. Zu Ehren jener werkthätigen Nächsten liebe und Dienstfertigkeit, womit Maria ihrer heiligen Base drei Monate lang aufwartete. 6. 3u Ehren ihres einsamen, stillen, verbor genen Lebens, in welchem sie sich zur Geburt Jesu Chrifti vorbereitete. 7. 3u Ehren ihrer vollkommensten Unterthä nigkeit, womit sie auch den Befehlen meines heidnischen Kaisers gehorsamte, und sich nach Bethlehem verfügte. 315 8. Zu Ehren ihrer Gelassenheit und Geduld, mit welcher sie die schimpfliche und harte Ausschließung von Bethlehem übertrug. 9. 3u Ehren jener brennenden Liebe, mit welcher sie ihr neugebornes göttliches Kind in dem Stalle unter dem Jubelgefang der Engel umfing. Und das Wort ist Fleisch geworden, und hat in uns gewohnt. Gebete auf die vorzüglichsten Feste der göttlichen Mutter. Auf das Fest der unbefleckten Empfängniß. ( Den 8. Christmonat.) O allerreinste und unbefleckte Jungfrau! wie vollkommen und wahrhaft selig bist Du! gar kein Makel ist an Dir. Von dem ersten Augenblicke Deiner Empfängniß an warst 14* 316 Du ein Gefäß der Auserwählung, ein wür diger Gegenstand des göttlichen Wohlgefallens, die Bewunderung und Freude der Engel. Nie, auch nicht einen Augenblick lang, warst Du ein Unterthan der Sünde und des Höllenfeindes. O welcher Vorzug! Aber wie viele Ursachen finde ich in mir, mich zu verdemüthigen und zu erniedrigen? Ich bin in Sünden empfangen und geboren! Noch darüberhin drückt mich das Bewußtsein mei ner eigenen freiwilligen nach der Taufe begangenen Sünden. Deswegen fliehe ich beschämt und reuevoll zu Dir, o Makellose! demüthig bittend: Du wollest jetzt, und be sonders einst, wann ich vor Deinem göttli chen Sohne, meinem Richter, erscheinen muß, alle Mafel meiner Seele mit dem schneeweiBen Kleide Deiner vollkommensten Unschuld bedecken; Du wollest mir jetzt bei Gott, der Dich so ausgezeichnet hat, einen immerwäh renden wahren Abschen vor aller freiwilligen Sünde, ein wahrhaft bußfertiges Herz, und einstens die Gnade erhalten, daß ich gereini get von allen Sünden meinen Geist in die Hände meines Schöpfers aufgeben möge. Durch deine heilige Jungfrauschaft und unbefleckte Empfängniß, o allerkeuschefte Jung 317 frau Maria! reinige und bewahre mein Herz, meinen Leib und meine Seele von aller Sünde im Namen Gottes des Vaters, des Geistes. Amen. † Sohnes und des heiligen Auf das Fest Maria Vermählung. ( Den 23. Jänner.) O jungfräuliches Paar, Maria und Joseph! die Ihr heute in dem Tempel vor dem Altare schließet, was schon längstens im Himmel beschlossen war; wir lernen von Euch, daß wir in allen wichtigen Unternehmungen vor Allem Gott um Rath fragen, Seinen heiligsten Willen zu erkennen uns bemühen, und uns genau nach demselben richten ſollen, weil Nichts gut und heilsam ist, als was Gott will. Wir bitten Euch, erhaltet Allen, die sich in ihrem rechten Berufe befinden, die Guade, daß sie durch standhafte Erfüllung der Pflichten desselben sich heiligen, und Allen, die es bei ihrer Standeswahl übel getroffen haben, die Stärke, daß sie das sich ſelbst verursachte doppelte Leiden mit christlicher Geduld ertragen und dadurch ihren begangenen Fehler gutmachen mögen. Amen. 318 Auf das Fest Maria Reinigung oder Lichtmeß. ( Den 2. Hornung.) O wunderbarer Gott in Deinen Heiligen! der Du in dem Tempel zu Jerusalem den ehrwürdigen Greisen Simeon und die alte Heilige Anna mit so großer Freude, die göttliche Mutter hingegen mit so großer Betrübniß und Bangigkeit erfüllest haft; wir opfern Dir heute mit Jesu durch die Hände Mariä uns auf mit Hab und Gut, mit Leib und Seele, mit Allem, was wir von Dir empfangen haben. Schneide, brenne, reinige uns in diesem Leben; aber verleihe uns Deine allvermögende Gnade dazu, damit wir uns jetzt voll der Demuth Deinem Gefeße und allen Deinen heiligsten Anordnungen pünkt lich unterwerfen, das Böse wie das Gute von Deiner Vaterhand annehmen, alles Widrige, das Du uns zuschickest, mit Geduld tragen, und dann einst im Frieden hinfahren mögen, um Jesum unsern Heiland, das wahre Licht, ewig anzuschauen und dort zu besigen in dem Himmel. Amen. 319 Auf das Fest Maria Verkündigung. ( Den 25. März.) Demüthigste Dienerin und Magd des Herrn! unzähligemal, aber vorzüglich heute, grüße ich Dich mit dem Engel Gabriel: Gegrüßet seiest Du voll der Gnade! Wahrhaft gnadenvoll und reich bist Du nicht nur in Dir, sondern auch für mich, für alle Menschenkinder. Wie viele Gnaden hat Gott Dir, wie viele durch Dich uns Allen verliehen! Wie viel Gutes haben wir Alle, wie viel insonderheit ich Dir zu verdanken! Gott der Heic war allzeit, ist aber besonders von dort an mit Dir, da Du Seinen ewigen, eingebornen Sohn, den Heiland der Welt, im menschlichen Fleische vom heiligen Geiste empfangen hast. Von dieser Zeit an sprachen und sprechen Dich billig alle Geschlechter, alle nach einander kommende Erdenbewohner selig. Daher verehre und preise auch ich Dich, wie die heilige Elisabeth, mit innigster Freude, mit Herz und Mund: Du bist gebenedeiet, geſegnet, lobenswürdig und erhaben, nicht allein über alle Jungfrauen und Weiber, sondern auch über alle Engel und Heilige; aber noch unendlichmal mehr, ohne 320 Ende, in Ewigkeit gelobet und gebenedeiet ist Jesus Christus, die gebenedeite Frucht Deines Leibes, die Du uns zur Welt geboren, die allen Fluch der alten Mutter Eva von uns fortgenommen hat. Heilige Maria Jungfrau und Mutter, und zwar Mutter Gottes! bitte für uns alle armen Sünder, jetzt in allen Anfechtungen und Versuchungen, jetzt in allen Gefahren und bösen Gelegenheiten, jetzt in allen Widerwärtigkeiten und Drangſalen, und dann auch einst in dem letzten und gefährlichsten Streite, in der letzten und gefährlichsten Stunde, in der Stunde unsers Absterbens. Amen. Auf das Fest der sieben Schmerzen. ( Am Freitage vor dem Palmsonntage.) O schmerzhafte Mutter! wer fann Dich ansehen und betrachten, ohne vom Mitleiden durchdrungen zu werden? ohne mit Dir zu trauern und zu weinen? Unempfindlich, völlig steinern müßte ein Herz sein, welches Deine Seufzer und Zähren nicht erweichen sollten. Und noch dazu, warum weinest Du denn so bitter? Wir arme undankbare Adamskinder haben durch unsern Ungehorsam, durch unsere 321 Sünden Deinem göttlichen Sohne das Kreuz und dabei Dir diese unermeßlichen Schmerzen, diese äußerste Betrübniß zubereitet. Und durch dieses Dein erstaunliches Leiden hast Du uns mit Jesu zu Kindern Gottes geboren. Wir sind wahrhaft die Kinder Deiner Schmerzen. O denke daran, wie viel unsere Erlösung Deinen göttlichen Sohn und Dich gekoſtet hat! Laß den unendlichen Werth des göttlichen Blutes an uns nicht verloren, laß uns Kinder so kostbarer Zähren nicht zu Grunde gehen. Erbitte uns einen Strom von Zähren, wie der büßenden Maria von Egypten, damit wir über unsere Sünden weinen können Tag und Nacht; damit wir mit Dir von Herzen trauern und klagen in der Zeit, dafür aber getröstet werden mögen in Ewigkeit. Amen. Auf das Fest Maria Heimsuchung. ( Den 2. Juli.) Welche Ehre widerfährt heute dem jüdischen Gebirge! Maria, die gesegnete GottesMutter wandert eilfertig über dasselbe zu ihrer heiligen Base Elisabeth. Ihr Herz schlägt laut vor Freude und Liebe; dankbarst lobet und preiset sie mit den singenden Vö14** 322 geln des Waldes Gott, der so große Dinge an ihr gethan hat. lind wie ehrfurchtsvoll kommt ihr Elisabeth entgegen! wie liebreich und zärtlich umfangen sie einander! Welches Wohlgefallen bezeiget Gott an dieser heiligsten Heimsuchung! Elisabeth wird mit dem göttlichen Geiste erfüllet, und Johannes, im Mutterleibe geheiliget, springt auf vor Freude. So beseligend sind die Früchte guter, heili ger Freundschaften! Dagegen wie traurig sind die Folgen übler Bekanntschaften! Wie vielen Gefahren ist die Unschuld und Tugend ausgesetzt in einer bösen Gesellschaft! Gött liche Mutter! behüte mich stets vor einem solchen Unglücke. Laß mich nie unter böse, unverschämte, gottlose Leute gerathen. Nimm Dich meiner an und bitte für mich, daß ich mich nie durch böse Reden oder Beispiele irre führen lasse, sondern immer nur die Gesellschaft der Guten lieben und suchen, nur den heilsamen Lehren und Ermahnungen Acht geben, nur nach erbaulichen Beiſpielen mich richten möge. Amen. 323 Auf das Scapulierfest. ( Den Sonntag nach dem 16. Jult.) Barmherziger Gott! dessen väterliche Vorsicht uns statt der unglücklichen Mutter Eva die seligste Jungfrau Maria zur Mutter gegeben hat; wir bitten Dich, verleihe, daß Alle, welche sich durch andächtige Tragung des heiligen Scapuliers als Diener und Dienerinnen der Königin Himmels und der Erde bekennen, sich auch in der That durch eifrige Nachahmung ihrer Tugenden als wahre Kinder Mariä bezeigen, durch ihren heiligen Wandel der göttlichen Mutter wirklich Ehre machen, und verdienen mögen, unter ihrem Schußmantel allen Nachstellungen ihrer Seelenfeinde zu entgehen, und ihr Ziel und Ende, die ewige Seligkeit, glücklich zu erreichen. Amen. Auf das hohe Fest Maria Himmelfahrt. ( Den 15. Auguft.) Sei gegrüßet, große Gottes- Mutter! erhabenste Herrscherin! besonders heute an Deis nem vornehmsten Ehren, an Deinem Triumphtage sei gegrüßet! Mit der gesammten Chri 324 stenheit, ja mit der ganzen triumphirenden Kirche im Himmel, huldige ich Dir heute auf ein neues, als der Königin der Engel und Menschen. O nimm gnädig und wohl gefällig auf alle die geringen Dienstleistun gen, die ich Dir zu entrichten mich bemühe, als den schuldigen Zins meiner findlichen Ehrfurcht und Liebe. Laß sie durch die Wol ken dringen, meine Glückwünsche, aber auch meine Seufzer und Bitten; laß sie gelangen bis zu Deinem höchsten Throne der Freude und Herrlichkeit, auf den Dich heute Gott erhoben hat. O heiligste und glückseligste Jungfrau und Mutter Maria! nimm Dich nun meiner, unser Aller an. Hilfe allen Armseligen, stärke die Kleinmü thigen, tritt ins Mittel für die Geistlichkeit, lege Dein Vorwort ein für das andächtige Frauengeschlecht bei dem dreieinigen Gott, Vater, Sohne und heiligen Geiste. Amen. Dodation Komme zu Auf das Fest Maria Geburt. ( Den 8. Herbstmonat.) Himmlischer Vater! unendlicher Dank sei Dir gesagt, daß Du uns heute durch die erfreulichste Geburt der allerreinsten Jung 325 frau und Gottesgebärerin die Morgenröthe unserer Erlösung, unsers ewigen Heiles hast aufgehen lassen. Wir umfangen und liebfosen mit dem heiligen Joachim und der heiligen Anna dieses auserwählteste, dieses unschuldigste, dieses heiligste Kind. O verleihe uns, daß wir uns gemäß der Ermahnung unsers göttlichen Lehrmeisters immer angelegen sein lassen, so unschuldig, so einfältig, so demüthig zu werden, wie die kleinen Kinder, vorzüglich wie die kleine Maria, damit wir in das Himmelreich eingehen können! Amen. Auf das Fest des heiligsten Namens Maria. ( Den Sonntag nach Maria Geburt.) O Gott! der Du uns durch den ehrwürdigen und troftvollen Namen Mariä, der jungfräulichen Mutter Deines eingebornen Sohnes so oft in unsern allgemeinen und einzelnen Nöthen erhöret, uns so viele Gnaden und Gutthaten ertheilest hast; wir bitten Dich, gib, daß, wie wir Dir heute feierlichst dafür danten, so auch in Zukunft Alle, welche diesen liebvollen Namen mit Andacht und Vertrauen anrufen, die Kraft und Wirksamkeit desselben erfahren mögen im Leben und im Sterben. Amen. 326 Auf das Fest des heiligen Rosenkranzes. ( Den ersten Sonntag im October.) Allmächtiger, starker Gott! der Du so oft durch die andächtige Abbetung des heiligen Rosenkranzes und durch die aufmerksame Betrach tung der Geheimnisse desselben bewogen, der gesammten Christenheit in ihren Bedrängnissen zu Hilfe gekommen bist, und ihr so viele und große Siege über ihre Feinde verliehen haft; erwecke in uns, so oft wir dieses leichte aber heilige Gebet verrichten, eine wahre kindliche Andacht, ein kindliches Vertrauen, damit wir der göttlichen Mutter recht viele solche geistliche Rosenkränze flechten, ihr dadurch eine wahre Freude machen, uns ihres Schutzes versichern, mit diesen oftbewährten Waffen alle Feinde der Tugend und Gottseligkeit überwinden, und einst die Siegeskrone der Unsterblichkeit erlangen mögen von Jesu Christo unserm Herrn. Amen. Auf das Fest Maria Opferung. ( Den 21. November.) Wenn ich die kleine unschuldige Maria aus den Armen ihrer heiligen Eltern freudig hinauf 327 über die Stiege des Tempels in die Arme des Priesters eilen sehe, steiget mir die Schamröthe auf. Die einzige Tochter Joachims und Anna, noch so klein, ergibt sich schon ganz und gar dem Dienste Gottes, und ich, ach! ich undankbarer, unbesonnener Mensch, wann habe ich angefangen, Gott zu dienen? Für wen verwende ich noch jetzt den größten Theil meines Lebens? O heiligste Jungfrau und Mutter! erhalte mir bei Deinem und meinem Gott Verzeihung und die Gnade, daß ich, gleichwie ich nur Gott zugehöre, so auch bei all' meinem Thun und Laffen Ihn und Seinen göttlichen Willen vor Augen habe, nur Ihm zu dienen, immer mehr Ihm allein zu gefallen trachten möge, damit ich auch ein lebendiger Tempel Gottes werden, und Er in mir und ich in Ihm ewig wohnen könne! Amen. Marianische Bundesformel, welche die Mitglieder einer Marianischen Kongregation oder Verbündniß öfters, besonders an Festtagen unserer lieben Frau erneuern ſollten. Heilige Jungfrau und Mutter Gottes! ich N-. erwähle Dich am heutigen Tage zu 328 meiner Frau, Beschüßzerin und Fürsprecherin, und nehme mir ernstlich vor, daß ich Dich nimmermehr verlassen, auch niemals wider Dich etwas reden, thun oder handeln, noch zugeben wolle, daß etwas von meinen Untergebe nen( oder Sinnen) jemals wider Deine Ehre begangen werde. Deswegen bitte ich Dich, nimm mich auf zu einem ewigen Diener( Die nerin), stehe mir bei in allen meinen Werken, und verlasse mich nicht in der Stunde meines Absterbens. Amen. Anmerk. An den Festtagen unsers lieben Herrn bete den Geheimniß- Rosenkranz, oder doch das treffende Gesäßel desselben. Irrote In to Litaney zu den heiligen Landespatronen. 329 Herr erbarme Dich unser! Chrifte erbarme Dich unser! Herr erbarme Dich unser! Christe höre uns! Christe erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme Dich unser! Gott Sohn Erlöser der Welt, erbarme Dich unser! Gott heiliger Geist, erbarme Dich unser! Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme Dich unser! Heilige Maria, Heilige Gottesgebärerin, Heilige Jungfrauen aller Jungfrauen, Du wunderbarliche Mutter, Du hilfreiche Mutter, Du trostvolle Mutter, Alle heilige Schußgeister unsers Vaterlandes und aller seiner Einwohner, Alle heilige Engel und Erzengel, Heiliger Johannes der Täufer, Heiliger Joseph, Bitte oder bittet für uns! 330 Alle heiligen Patriarchen und Propheten, Heiliger Petrus, Heiliger Paulus, Heiliger Andräas, Heiliger Jakobus, Heiliger Johannes, Heiliger Philippus, Heiliger Jakobus, Heiliger Thadäus, Alle heilige Apostel und Evangelisten, Alle heilige Jünger des Herrn, Alle heilige apostolische Männer, Heiliger Simon von Trient, Heiliger Andreas von Rinn, Alle heilige unschuldige Kinder, Heiliger Stephanus, Heiliger Papst Urban, Heiliger Bischof und Glaubensvater Vi gilius, Heiliger Bischof und Kinderlehrer Kaffian, Heiliger König und Bischof Luzius, Heilige Glaubensprediger und Mitarbeiter des heiligen Vigilius, Sisinnius, Martyrius und Alerander, Heiliger Ritter und Kriegsheld Georgius, Heiliger Sebastian und Rochus, Heiliger Johannes von Nepomuck, Bitte oder bittet für uns! Alle heilige Martyrer, Heiliger Martinus, Heiliger Nikolaus, Heiliger Bischof und apostolischer Wand derer Valentin, Heiliger Ingenuin und Albuin, Heiliger Korbinian, 331 Heiliger Rupert, Heiliger Ulrich, Alle heilige Bischöfe und Beichtiger, Alle heilige Lehrer, Heiliger Abt Antonius, Heiliger Ordensstifter Benedikt, Heiliger Honigfließender Lehrer Bernard, Heiliger seraphischer Vater Franziskus, Heiliger Klaudianus und Magorianus, Brüder des heiligen Vigilius, Heiliger Graf und Einsiedler Romedius, Seliger Taglöhner Heinrich von Bozen, Alle heilige Priester und Leviten, Alle heilige Fürsten und Edellente, Alle heilige Bürger und Bauern, Alle heilige Handwerker und Taglöhner, Alle heilige Mönche und Einsiedler, Heiliger Leonhard und alle heil. Nothhelfer Heilige Mutter Anna, Heilige Maria Magdalena, 10 Bitte oder bittet für uns! 332 Heilige Agatha, Heilige Margaretha, SE Heilige Diensimagd Nothburg, med Heilige Marenzia, Mutter des Heiligen Vigilius, Alle heilige Jungfrauen, Frauen und Witfrauen, A JOB Bitte oder bittet für uns! Alle Auserwählte Gottes, die ihr in unsern Bergen und Thälern heilig und selig geworden seid, Alle Heilige, die ihr einst unser Vaterland durchwandert habt, oder deren heil. Gebeine nun in demselben ruhen, Alle Heilige, zu deren Ehren unsere Kirchen und Altäre eingeweihet sind, Alle Heilige Gottes, Sei uns gnädig! verschone uns o Herr! Von allem Uebel, inst Von allen Gefahren der Seele und des Leibes, Von den arglistigen Anschlägen und Nachstellungen aller unserer Feinde, Von der Zerstörung des heiligen Gottesdienstes, und dem Abfalle von dem Glauben, Von den bösen Beispielen und öffentli chen Aergernissen, Erlöse uns, o Herr! 333 Von aller Unruhe, Zwietracht und Verrätherei, sot Von Best, Hunger und Krieg, Von Blitz und Ungewitter, Von den verheerenden Lähnen, Muhrbrüchen und Wasserschäden, Durch die Geheimnisse Deiner heiligsten Menschwerdung, Deines bittern Leidens und Sterbens, Deiner glorrei chen Auferstehung, Durch den vergossenen Schweiß und das Blut aller unserer heiligen LandesApostel, Durch die vielfältigen Verdienste aller unserer heiligen Landsleute, Landespatrone und aller Heiligen Gottes, Wir arme Sünder, Daß Du uns verzeihest und verschonest Daß Du uns zur wahren Buße und Besserung unseres Lebens bringen wollest, Daß Du unser Vaterland in der katholischen Religion erhalten, und von allen Irrlehren und Irrlehrern bewahren wollest, Daß Du uns zur Ehre Deines heilig Erlöse uns, o Herr! Wir bitten Dich, erhöre uns! 334 sten Namens aus unsern Drangsalen und Gefahren erretten wollest, Daß Du den apostolischen obersten Hirten und alle Stände der Kirche in Deiner Gnade bestätigen wollest, Daß Du die Feinde der heiligen Kirche und des allgemeinen Wohlstandes demüthigen wolleft, Daß du alle unsere Vorgesetzten und Obrigkeiten erleuchten und regieren wollest, Daß Du uns den erwünschten Frieden schenken und erhalten wollest, Daß Du uns mit unsern Gotteshäusern, Wohnungen und allem unsern Hab und Gut in Deinem väterlichen Schuß erhalten wollest, Daß Du die Früchte der Erde geben und erhalten wolleft, Wir bitten Dich, erhöre uns! Daß Du unsern verstorbenen Eltern, Geschwisterten, Freunden und Gutthätern die ewige Ruhe verleihen wollest, Daß Du uns in unsern Anliegen erhö ren wollest, O Du Lamm Gottes, welches Du hinnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! O Du Lamm Gottes, welches Du hinnimmst die Sünden der Welt, erhöre uns, o Herr! O Du Lamm Gottes, welches Du hinnimmst die Sünden der Welt, erbarme Dich unser, o Herr! Christe höre uns! Christe erhöre uns! 335 Vater unser, Ave Maria. V. Bittet für uns alle Heilige und Auserwählte Gottes! R. Auf daß wir würdig werden der VerheiBungen Christi. Gebet. B O wunderbarlicher Gott! der Dn einst auf dem Berge Sinai dem Moses das erste geschriebene Gesetz gegeben und Deinen neuen Bund mit uns Menschen mit dem kostbarsten Blute Deines eingebornen Sohnes auf dem Kalvarienberge versiegelt; der Du Dich überhaupt so oft auf den Bergen geoffenbaret hast: wirf auch einen barmherzigen Blick auf die Berge und Thäler dieses unsers irdischen Vaterlandes; erhalte in demselben das Licht des wahren Glaubens, die Andacht des Herzens, und die Reinigkeit der Sitten; 336 wende ab die verschiedenen Gefahren, die uns drohen, die Strafen, die wir für unsere Sünden verdienen; schenke uns Ruhe, Frieden und brüderliche Eintracht unter einander; erleuchte und regiere alle unsere geistlichen und weltlichen Vorgesetzten, Obrigkeiten und Regenten nach Deinem göttlichen Herzen; segne unsere Weinberge, Necker, Wiesen und Alpen, unsere Wohnungen, Ställe und Städel; laß uns die Fürbitte aller unserer Landes, Kirchen, Standes- und Namens patrone zu Guten kommen, und gib, daß wir jetzt auf den nämlichen Wegen durch dieses Jammerthal wandern, wie sie, in dies sem Leben den hohen Berg der standesmäßigen Tugend und christlichen Vollkommenheit ersteigen und ihnen einst in dem wahren ewigen Vaterlande, in der auf dem höchsten aller Berge erbauten himmlischen Stadt Je ruſalem mögen beigesellet werden. Durch Jesum Christum unsern Herrn, Amen. Gebet zum heiligen Joseph. Glückseligster Joseph! dessen Unschuld und Gerechtigkeit Gott so wohlgefallen, daß 337 Er dich zum Bräutigam der allerreinsten Jungfrau Maria und zum Nährvater Jesu Christi, Seines eingebornen Sohnes, auserwählet hat: dir empfehle ich heute und allzeit meine Seele und meinen Leib; beschütze mich wider die Nachstellungen aller sichtbaren und unsichtbaren Feinde der Unschuld und Tugend, vorzüglich der Reinigkeit; und erbitte mir durch dein mächtiges Fürwort bei Gott die Gnade, daß ich dir jetzt in stiller aber getreuer Erfüllung aller meiner Pflichten und Schuldigkeiten nachfolgen, und einstens, wie du, meinen Geist in den heiligsten Armen Jesu und Maria aufgeben möge, Amen. Gebet zur heiligen Mutter Anna. O heiligste Mutter der Mutter Gottes, und Großmutter Jesu Christi! ich wünsche dir vom Herzen Glück, daß Gott dein so anhaltendes Gebet so erhöret, dein so langes Trauern und Seufzen in eine so große Freude verwandelt hat: bitte für mich bei deinem göttlichen Enkel und bei deiner gnadenvollen Tochter in allen meinen geistlichen und leib15 338 lichen Anliegen; und stehe mir bei, daß ich im Gebete nic ermüde, im Vertrauen nie nachlasse, bis ich erhalte, was mir versprochen ist, was ich verlange und hoffe durch Jesum Christum unsern Herrn, Amen. Gebet zu den heiligen Joachim und Anna. Oheiligstes Ehepaar! o gesegneteſten Eltern, Joachim und Anna! deren ausneh mende Heiligkeit Gott schon in diesem Leben mit jener gebenedeiten Frucht belohnet, wel che die Zierde, die Freude, der Trost des ganzen Menschengeschlechtes ist; bittet vor züglich für alle Eheleute, damit sie auch heilig leben, für alle Eltern, damit sie auch ihre Kinder sorgfältig in der Gottesfurcht auferziehen. Bittet für uns alle, und erhal tet uns durch eure Fürbitte, daß wir Gott allzeit ein reines Herz opfern, vor den heiligsten Augen Gottes unbefleckt wandeln und als gute Bäume durch gute Werke die Früchte des ewigen Lebens hervorbringen, Amen. 339 Gebet zu dem heiligen Schußengel. Ogroßer Himmelsfürst! mein bester Freund! mein treuester Geleitsmann, und sicherster Wegweiser auf der gefahrvollen Reise durch dieses Weltthal! heiliger Engel, den Gott zu meinem Schußze bestellet hat! wie viel Dank bin ich dir schuldig für deine Liebe, die du vom ersten Augenblicke meines Lebens an zu mir getragen, für die Sorgfalt, womit du mich aus so vielen Gefahren errettet hast; Ich danke dir, so gut ich immer kann. Es schmerzet mich, daß ich dich durch mein Abweichen von dem Wege der Gerechtigkeit so oft betrübet habe. Verzeihe es mir, ich will mich in Zukunft gewiß besser befleißen, deiner Leitung, deinen heiligen Einsprechungen zu folgen. O weiche nie von meiner Seite in dem beständigen Kampfe dieses Lebens, und besonders verlaß mich nicht im letzten Streit! Laß den bösen Engel, der mir überall nachstellet und mir die verheißene Krone rauben will, nie über mich obsiegen. Begleite mich auf allen Wegen und Stegen dieser meiner Wanderschaft, und 15* 340 führe mich endlich glücklich ein in das Haus deines und meines himmlischen Vaters, Der gelobt ist und gebenedeiet in Ewigkeit, Amen. 38ksamið. Gebet zum heiligen Taufpatron.hi O Heiliger( oder Heilige) N.! du warst Zeuge von dem, was ich oder vielmehr mein Taufpathe anstatt meiner einst an dem Taufsteine versprochen hat; ich erneuere dieß mein dort gemachtes Versprechen. Bei vollkomme nem Verstande und ganz freiem Willen wi dersage ich noch einmal und allzeit dem bösen Feinde und allen seinen Wer ken, und aller seiner Pracht. Ich glaube an Gott Vater allmächtigen Schöpfer Himmels und der Erde Ich glaube an Jesum Chriftum Sei nen einigen Sohn unsern Herrn, Der geboren ist und gelitten hat. Ich glaube an den heiligen Geist, eine heilige allgemeine christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Ablaß der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. 341 Ich will als ein gehorsames Kind der allein seligmachenden christkatholischen Kirche leben und sterben. Ja, wenn ich die heil. Taufe nicht empfangen hätte, wollte ich alsogleich um diese erste und nothwendigste Gnade bitten. Heiliger( oder Heilige) N., erbitte mir die Gnade, daß ich diesen meinen Taufbund nie aus den Augen lasse, sondern allzeit nach demselben lebe, damit, gleichwie ich durch die heilige Taufe ein Mitglied der streitenden Kirche Gottes auf Erden gewor den bin, ich eben so einst bei meinem Ende auch ein Mitglied der triumphirenden Kirche in dem Himmel werden möge, Amen. Gebet zu dem heiligen Bischof von Trient und Martyrer Vigilius. Heiliger Vigilius, glorreicher Blutzenge Jesu Christi! der du einst den dir anvertrauten Weinberg des Trientnerischen Kir chensprengels durch die Unschuld deines Lebens und Heiligkeit deiner Lehre so sehr erleuchtet, durch deine eifrigen Predigten und Arbeiten von dem noch übrigen bösen Saa 342 men des Heidenthumes und der Ketzereien, von dem Unfraute der Sünden und Laster gereiniget; und durch Beihilfe deiner getrenen Mitarbeiter, Sisinius, Martyrius und Alexander, wie auch deiner heiligen Brüder, Klaudianus und Magorianus, ja selbst deiner heiligen Mutter Marenzia, so sehr erwei tert, endlich mit deinem eigenen Blute be feuchtet, und als ein wahrhaft guter Hirt dein Leben für deine Schaafe hingegeben haft; wir bitten dich, sieh' von dem nunmehrigen Size deiner Herrlichkeit auf uns, deine Kin der herab; bewahre uns das Erbtheil des wahren Glanbens, wofür wir dir schuldigst danken; erhalte uns die Gnade, daß wir dir jetzt in Unschuld und Heiligkeit des Lebens, in eifriger Liebe zu Gott und den Nächsten, in Demuth und Geduld nachfolgen, damit wir einst als treue Knechte des himmlischen Hausvaters, wie du, befunden werden, als solche auch in die Freude unsers Herrn eingehen mögen, und mit dir, unsern Vater, den dreieinigen Gott in dem Himmel loben und preisen können von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen. 343 thith 40 Gebets afin zu dem heiligen Abt von Claravall und Erzbaters des Zisterzer oder Bernardiner- Ordens Bernard. Heiliger Kirchenvater und honigfließender Lehrer Bernard! den Gott einst in sehr trüben und traurigen Zeiten Seiner Kirche zu einem hellen Lichte und eifrigen Vertheidiger gegeben; durch den Er so große Spaltungen in der Christenheit aufgehoben, die christlichen Fürsten unter einander ausgeſöhnt, so viele Irrlehrer und Ketzer bekehret, so viele Seelen auf der engen und sichern Bahn des klösterlichen Lebens zur Heiligkeit geführet hat; wir bitten dich, nimm dich in unsern Tagen des Stellvertreters Jesu Chrifti auf Erden, nimm dich aller wahren Diener und Vertheidiger der Kirche Gottes an; erbitte allen christlichen Regenten und Herrschern, uns allen unter einander, wahre Einigkeit und dauerhaften Frieden; allen abtrünnigen und verirrten Schaafen die Wiederkehr in den Schaafstall der einzig wahren Kirche; Allen, die auf dem rechten Wege der Gebote Gottes wandeln, Stärke und Beharrlichkeit; 344 erbitte der getreuen Herde Jesu Christi gute Hirten, und allen ihren Bemühungen für die Ehre Gottes und das Heil der Seelen den allein wirksamen Segen von Gott durch Jesum Christum unsern höchsten und besten Hirten und Herrn, Amen. Gebet zum heiligen Bischof Valentin. O Gott! der Du den heil. Bischof und Bekenner Valentin nach vielen und gesegne ten apostolischen Arbeiten und Wanderungen in unserm Vaterlande die ewige Ruhe haft sinden lassen; dessen einstmalige Grabstätte du so verherrlichet hast, daß der beinahe dreihundert Jahre später heil. Bischof Kor binian dieselbe ost besuchte und an der Seite des heil. Valentin begraben zu werden verlangte; verleihe uns, die wir Dir für die diesem Deinem getreuen Diener, und durch ihn uns geschenkten Gaben und Gnaden schul digst danken, daß wir auch in unsern gegen wärtigen und zukünftigen Nöthen und Anliegen auf seine Fürbitte erhöret werden mö 345 gen durch Jesum Christum unsern Herrn, Amen. Die sechs Aloyst- Sonntage. Anmerk. 1. Diese Andacht kann man verrichten das Jahr hindurch, wann man will. Gewöhnlich wird selbe an den vorausgehenden sechs Sonntagen vor dem Feste dieses Heiligen gehalten, welches den 21. Juni fällt. 2. Man kann an jedem dieser sechs Sonntage aus Verleihung der römischen Päpste Benedikt des XIII. und Klemens des XII. einen vollkommenen Ablaß gewinnen, wenn man an jedem dieser sechs auf einander folgenden Sonntage reumüthig beichtet, die heilige Kommunion andächtig empfängt, den heiligen Aloysius besonders verehrt, sich an sein Beispiel erinnert, und vor einem Bildnisse desselben wenigstens das vorgeschriebene Ablaßgebet, nämlich sechs Vater unser und sechs Ave Maria mit eben so vielen Gloria Patri oder Ehre sei Gott dem Vater ze betet. Nur dürfen diese sechs Sonntage nicht unterbrochen oder keiner derselben ausgelassen werden. And 3. Diese Andacht ist vorzüglich eingesetzt, um die Unschuldigen durch den wiederholten Gebrauch der heiligen Sakramente, durch die Nachfolge und Anrufung des heiligen Aloystus wider die so vielen Gefahren zu sichern; auch um durch diese kräftigsten Mittel in verschiede15** 346 nen Anliegenheiten und vor besonders wichtigen Geschäften, z. B. vor der Standeswahl, von Gott Licht und Hilfe zu erhalten. De bet zum heiligen Aloysius. O englischer Jüngling! der du deine Taufunschuld dein ganzes Leben hindurch bis in das Grab unversehrt und unbemakelt er halten hast, und durch die Gabe so vieler und großer Wunderwerke von Gott bist ver herrlichet worden, auch der Andacht zu dem allerheiligsten Altars- Sakramente, und zur göttlichen Mutter so vorzüglich ergeben warst; ich erwähle dich hiemit zu meinem beſondern Patron, Beschüßzer und Fürsprecher, namentlich in diesem Anliegen. Grwirb mir durch deine kräftige Fürbitte bei Gott, daß ich Seinen heiligsten Willen immer erkenne, mich demselben findlich unterwerfe, und ge treu nach demselben richte und füge; zünde in mir an eine zärtliche Andacht zum Brode der Engel und eine herzliche Liebe zur jungfräulichen Mutter Maria; Behüte mich von Allem, was der standesmäßigen Reinigkeit des Leibes und der Seele zuwider ist; steh' - 347 mir bei allen Versuchungen und Gefahren besonders gegen die Reinigkeit; bewahre mich vor jeder schweren Sünde; stärke mich in dem beständigen innerlichen geistlichen Streite. Erhalte mir bei Gott, daß ich dir jetzt auf Erden in der Unschuld und Sittsamkeit nachfolgen, und mich einst mit dir, mit allen Engeln und Heiligen in der Gesellschaft Jesu ewig erfreuen möge in dem Himmel, Amen. Kirchengebet zu eben diesem Heiligen. O Gon, Du Ausspender himmliſcher Gaben! der Du in dem englischen Jünglinge Aloysius eine wunderbare Unschuld des Lebens mit einer gleichen Bußfertigkeit vereinbaret hast; verleihe uns durch seine Verdienste und Fürbitte, daß, wenn wir ihm in der Unschuld nicht nachgefolget sind, wir ſeine Buße nachzuahmen uns bemühen, durch Christum unsern Herrn, Amen. 348 Rosenkranz Bradicated s für die armen Seelen im Fegfeuer. Anmerk. Man betet anfangs den Glauben. Nach i jedem Vater unser wird eines der nachfolgens den Gebete gesprochen. Bei jedem Ave Maria legt man die Worte ein: Heilige Maria Mutter Gottes bitte( für die armen Seelen im Fegfeuer) und für uns arme Sünder jetzt und in der Stunde unsers Absterbens, Amen. Dann sett man hinzu: Herr gib ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen. Nach dem ersten Vater unser. O gütigster Jesus! wir bitten Dich durch Deine heilige Angst und durch den blutigen Schweiß, den Du für uns arme Sünder auf dem Oelberge geschwißzet hast, trockne den armen Seelen, vornehmlich aber unse rer lieben Eltern, Geschwisterten, Berwandten und Gutthäter, die etwa noch im Fegfeuer büßen, ihre Zäher, und verleihe ihnen die ewige Ruhe. 349 el Nach dem zweiten Vater unser. d D gütigster Jesus! wir bitten Dich durch Deine schmerzhafte Geißlung, welche Du für uns arme Sünder erlitten hast, erlöse die armen Seelen, besonders unserer lieben Eltern, Geschwisterten, Verwandten und Gutthäter aus der Pein des Fegfeuers, und führe sie zu der ewigen Erquickung. sid Nach dem dritten Vater unser. dne O gütigster Jesus! wir bitten Dich durch Deine spöttliche Krönung, welche Du für uns arme Sünder ausgestanden haft, errette die armen Seelen, besonders unserer lieben Eltern, Geschwisterten, Verwandten und Gutthäter aus den Flammen des Fegfeuers, und gib ihnen die Krone der ewigen Glorie. Nach dem vierten Vater unser. O gütigster Jesus! wir bitten Dich durch Deine schwere Kreuzziehung, die Du für uns arme Sünder geduldigst übertragen hast, ziehe die armen Seelen, besonders unserer lieben Eltern, Geschwisterten, Verwandten 350 und Gutthäter aus dem Fegfeuer, und laß sie zu Deiner Anschauung gelangen. Lorin& nighin C Nach dem fünften Vater unser. O gütigster Jesus! wir bitten Dich durch Deine erbärmliche Kreuzigung, welche Du für uns arme Sünder erlitten hast, erledige die armen Seelen, vorzüglich unserer lieben Eltern, Geschwisterten, Verwandten und Gutthäter von aller Marter und Bein, und erhöhe sie zu der ewigen Glückſeligkeit. Nach dem sechsten Vater unser. O gütigster Jesus! wir bitten Dich durch Deine heil. fünf Wunden und alle Tröpflein Blutes, die Du in Deinem bittern Leiden und Sterben für uns arme Sünder vergos sen hast, erquicke die armen Seelen, insbe sondere unserer lieben Eltern, Geschwisterten, Verwandten und Gutthäter, heile ihnen die brennenden Wunden, und laß sie die Früchte Deines Leidens und Sterbens genießen in der ewigen Seligkeit. - th Litaney für die armen Seelen im Fegfeuer. 180 Kyrie eleison, Christe eleison, Kyrie eleison. 351 Christe höre uns! Christe erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme Dich der armen Seelen im Fegfeuer! Gott Sohn Erlöser der Welt, erbarme Dich der armen Seelen im Fegfeuer! Gott heiliger Geist, erbarme Dich der armen Seelen im Fegfeuer! Heilige Dreifaltigkeit ein einiger Gott, erbarme Dich der armen Seelen im Fegfeuer! Anmerk. Nun wird die lauretanische Litaney ge= betet, wie oben Seite 306, nur anstatt bitte für uns, fagt man bitte für sie! - UF: 9000 O Du Lamm Gottes, welches Du hinnimmst die Sünden der Welt, verschone der armen Seelen im Fegfeuer! ust O Du Lamm Gottes 2c. erhöre die armen Seelen im Fegfeuer! 352 O Du Lamm Gottes 2c. erbarme Dich der armen Seelen im Fegfeuer! Christe höre uns! Christe erhöre uns! Vater unser, Ave Maria. Unter Deinen mütterlichen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesgebärerin! verschmähe nicht unser Gebet, welches wir für die armen Seelen im Fegfeuer, insbesondere unserer lieben Eltern, Geschwi. sterten, Verwandten und Gutthäter ausgie Ben, sondern erlöse sie aus aller Marter und Pein, o Du glorwürdige und gebenedeite Jungfrau, unsere Frau, unsere Mittlerin, unsere Fürsprecherin! versöhne sie mit Deinem Sohne, empfiehl sie Deinem Soh ne, stelle sie vor Deinem Sohne. V. Bitte für sie, heilige Gottesgebärerin! Rc. Auf daß sie würdig werden der VerheiBungen Christi! Wir bitten Dich o Herr! wende Deine Gnade zu den armen Seelen im Fegfeuer, auf daß sie, die an Dich geglaubet und ge hoffet haben, nicht länger mehr leiden dürfen, sondern zu den himmlischen Freuden gebracht werden, durch Jesum Christum un seren Herrn, Amen. 353 V. Bitte für fte, o allerseligster Joseph! Rc. Auf daß sie würdig werden der VerheiBungen Christi! Sant Wir bitten Dich, o Herr! daß den armen Seelen im Fegfeuer durch die Verdienste des Bräutigams Deiner allerheiligsten Gebärerin geholfen werde, damit, was unser Vermögen nicht erhalten kann, ihnen durch seine Fürbitte geschenket werde, der Du lebest und regierest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Herr gib ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen! Laffe sie ruhen im Frieden! Amen. Gebet zu der göttlichen Mutter für die armen Seelen. O Maria, Du Mutter der Barmherzigkeit und alles Trostes! Du Mutter der Güte und Süßigkeit! siehe an die Seelen Deiner Diener und Dienerinnen, welche durch das kostbare Blut Deines geliebten Sohnes Jesu so theuer sind erkauft worden; sie seufzen und rufen zu Dir aus ihrem feurigen Kerker. O Maria, allerbetrübteste Mutter! sich doch an 354 ihre glühenden Thränen; erhöre ihre wehmüthigen Seufzer; stelle Deinem Sohne vor, was Du wegen seiner und mit Ihm für sie und uns Alle gelitten hast; und zeige doch bald den verlassenen leidenden Seelen, Deinen lieben Kindern, Jesum, die gesegnete Frucht Deines Leibes, o gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria! Amen. tour Anmerk. Man soll oft der armen Seelen gedenfen, für sie beten, die tägliche Mühe und Arbeit, Kreuz und Leiden für sie Gott aufopfern, nicht nur, weil sie es brauchen, und wir aus christlicher Liebe schuldig sind, ihnen zu helfen, sondern auch, weil wir an diesen Freunden Gottes mächtige Fürbitter in unsern Anliegen und Nöthen finden können und werden. Gebet, wenn die Uhr schlägt. and O Gott! verleihe uns eine glückselige Stunde zum Leben und zum Sterben, durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen. 355 Gebet vor dem Essen. Vater unser, Ave Maria. Vater im Himmel! der Du über Alles waltest, Der Du durch Deine Vorsicht Alles, was lebet, erhalteſt; Segne mit Deiner allmächtigen Hand dies unser Essen, Wir wollen Deine Gaben nicht mißbrauchen, noch Deiner vergessen. Vater unser, Ave Maria. mko 12 Gebet nach dem Essen. Himmlischer Vater! wir sagen Dir Dank Für Speis und Trank, Für alle Gaben, die wir von Dir empfangen haben. an Gib, daß diese Speise uns stärke auf der Reise Durch dieses Trauer- und Jammerthal, Und führe uns dann ein zum himmlischen Mahl. Die göttliche Gnade des heiligen Geistes sei und bleibe bei uns jetzt und zu allen ewigen Zeiten. Amen. 356 Gebet am Donnerstage beim Angstläuten. Herr Jesu! traurig gingest Du Der Todesangst im Delberg zu; Daß Deiner warten große Schmerzen, Sah'st Du, allwissend, in dem Herzen. Mein Vater! nimm den Kelch von mir! Entfloß die heiße Bitte Dir: Der Meine nicht Dein Will' geschehe; Dies ist es, Vater! was ich flehe. - Du batest- und der Kelch wich nicht; Du sank'st auf's blasse Angesicht; Da stieg des Trostes Engel nieder, Goß Himmelkraft in Deine Glieder. Die Todesfurcht, die Dich umschlang, Und dreimal zum Gebete drang, Hieß Deinen Kampf so heftig werden, Daß blutig rann Dein Schweiß zur Erden. Du siegtest, und nun fandest Du Die Jünger in der tiefen Ruh; Aus schwerem Traum der Schlummerstunde Rief'st Du sie auf mit sanftem Munde. Zwar ist bereit der Geist; doch ach! Das Fleisch am Menschen- dies ist schwach. 357 D'rum schlafet nicht mehr; wachet, betet, Daß ihr nicht in Versuchung tretet. Sohn Gottes! Du mein höchstes Gut! Durch Dein Gebet und Schweiß und Blut Zieh' mich erbarmend aus den Qualen, Wenn mich der Tod wird überfallen. Wenn schreckend Dein Gericht mir naht, Sei meine Stärke, meine Kraft, Daß ich mich schenke Deiner Pflege, Mein Wille sich in Deinen lege. Bewahre von Versuchung mich, Vom trägen Jünger- Schlaf, daß ich In Glaube, Hoffnung, Liebe bleibe, Bis meine Seele scheid't vom Leibe. Amen. Bete drei Vater unser und Ave Maria zu Ehren der Angst Jesu, und für alle in dieser Woche Sterbende. Gebet am Freitage unter dem Läuten um 9 Uhr. Es sind Finsternisse geworden, als die Juden den Herrn Jesum gekreuziget hatten, und um die neunte Stunde schrie der Herr POPI 358 Jesus mit lauter Stimme: Mein Gott! Mein Gott! warum hast Du mich verlassen!" Und mit geneigtem Haupte gab Er Seinen Geist auf. Deswegen bete ich Dich an, o Herr Jesu Christe! und lobe Dich; denn durch Dein heiliges Kreuz, bitteres Leiden und unschuldigrs Sterben hast Du mich und die ganze Welt erlöset. O Herr Jesu Christe! durch die Bitterkeit Deines kostbaren Leidens, welches Du um unsertwillen am Kreuze geduldet, besonders, da Deine heiligste Seele von Deinem heiligsten Leibe geschieden ist, bitte ich: Du wollest Dich über meine arme Seele erbarmen, vorzüglich, wann sie von meinem Leibe abscheiden wird, auf daß Dein Kreuz und Deine Marter an mir und andern Sündern nicht verloren gehe. Amen. Bete fünf Vater unser und fünf Ave Maria zu Ehren der heiligen fünf Wunden Jesu Christi. ( Wie oben Seite 297.) Die heilige Woche, oder Art und Weise, alle Tage der Woche besonders zu heiligen. Am Sonntage bete die allerheiligste Dreifaltigkeit an, und danke Gott für die Erschaffung, für die glorreiche Auferstehung, für die Sendung des heiligen Geistes. Bete vorzüglich für die Beichtväter und Prediger. Am Montage verehre die neun Chöre der heiligen Engel. Bete vorzüglich für die Kinder und alle Untergebene. Am Dienstage verehre den heiligen Joachim und die heilige Mutter Anna, und alle heiligen Patriarchen und Propheten. Bete vorzüglich für die Eheleute, Eltern, Vorgesetzte und Obrigkeiten, für die Fürsten und Regenten. - - 359 Am Mittwoche verehre die heiligen Apostel und alle apostolischen Männer. Bete vorzüglich für den heil. Vater Papst, für die Bischöfe und alle Seelenhirten. Am Donnerstage danke Gott für die Einsetzung des allerheiligsten Altars- Saframentes, und verehre alle heil. Beichtiger und Lehrer. Bete vorzüglich für die Unwissenden und Sünder, damit sie sich bekehren. Am Freitage erinnere Dich an das bittere Leiden und Sterben Jesu Christi, und verehre alle heil. Martyrer. Bete vorzüglich für die Büßer, damit sie standhaft bleiben. - - 360 Am Samstage verehre die allerfeligste Jungfrau und alle heiligen Jungfrauen. Bete vorzüglich für Alle, die sich noch in der Taufunschuld befinden, damit sie diesen kostbarsten Schatz unter so vielen Gefahren nicht verlieren. Chriftlich fromme Tagordnung, oder Gedanken eines Christen bei seinem täglichen Thun und Lassen. Ein altes Lied. Wenn ich Morgens früh aufsteh', Und zu meiner Arbeit geh', Bitt ich Gott um Seinen Segen, Daß Er mich woll' ganz verpflegen, Und behüten vor der Sünd', Die uns in's Verderben bringt. Wenn ich bei der Arbeit bin, Denk' ich mir in meinem Sinn: Alle Wort, Werk', Thun und Lassen, Auf dem Feld' und auf der Straßen, Sollen dienen Gott allein, Alles soll Ihm g'schenket sein. 361 Wenn ich auf dem Acker bau', i lin@ Spiel' ich also lustig auf: So viel Gräslein auf den Feldern, buka So viel Blättlein in den Wäldern, daff So viel Zungen wünsch' ich mir, di mak Lob zu singen, Jesu! Dir. Bin ich auf dem grünen Feld Unter blauem Himmelszelt, Laß ich meine Stimm' erklingen, J Thue mit allen Vögeln singen: ni@ Lob, Preis sei dem lieben Gott, Der mir hilft aus aller Noth. Wenn ich effe zu Mittag, Heimlich also zu mir sag': Diese Speis will ich genießen, Und dabei mein' Jesum grüßen, Ihm auch sagen tausend Dank, Um die liebe Speis' und Trank. Wenn das Essen, ist vorbei, Geh' ich zu, der Arbeit gleich; Wenn ich schon dabei'muß leiden, Denk' ich an die Himmelsfreuden, Die Gott Jenem nur verspricht, Der mit Fleiß den Dienst verricht'. Wenn mich brennt die Sonnenhiß', Und erschreckt des Himmels Blitz, 16 362 Denk' ich an die armen Seelen, Die das Fegfeuer hart thut quälen! Wünsche ihnen d' ewige Nuh', Und das ew'ge Licht dazu. Wenn ich bin bei meinem Vieh, Alsogleich gedenke ich, s Wie mein Jesus mußte leiden Frost und Kälte zwischen beiden Thieren, Ochs und Efelein Dorten in dem Krippelein. 19 Bin ich krank und übelauf, Jesu Leiden stärkt mich d'rauf. Hab' ich Durst und großen Hunger, in Macht es mir doch keinen Kummer; Denk, was Jesus g'litten hat Dorten auf der Schädelstatt. d Wenn ich leide Spott und Schand', Und Verfolgung allerhand; Bild' mir ein, ich sei nicht besser, Als gewesen mein Erlöser, da Der zu Seinem Vater sprach: Herr! verzeih' die Sünd' und Schmach! Wenn es nun bald Abend werd't, Und die Sonn' weicht von der Erd', Thue ich meinen Gott und Herrn mas Loben, preisen und verehren, het Weil Er mich so früh als spat Frisch, gesund erhalten hat. Wenn das Nachtmahl ist bereit, Denk' ich an die armen Leut', Die vor Hunger schier verschmachten, Ohne Effen übernachten, Und dank' meinem Gott mit Fleiß Um das Brod und um die Speis'. Wenn sich meldet an der Schlaf, Reu' und Leid ich vorher mach' Ueber alle meine Sünden, Wie mich Gott wird schuldig finden; Also schlaf' ich ruhig ein In dem Namen Jesit mein. 363 cons aller po THE CATHED TO zing vie Inhalt. Vorrede Ermunterung zur Andacht und zum Vertrauen gegen die seligste Jungfrau und Mutter Maria 9 Von dem heiligsten Namen Maria.. 12 Dreißig Betrachtungen auf alle Tage des Marianischen Dreißigsten. Seite 3 Erster Tag. Maria, die Königin Himmels und 15 der Erde, unsere Mutter Zweiter Tag. Maria die beste Trösterin. 18 Dritter Tag. Maria die am meisten Leidende 21 Vierter Tag. Fünster Tag. Sechster Tag. Maria die unschuldigst Leidende 23 Maria die wahrhaftest Leidende 26 Maria die in der Geduld Un28 31 überwindlichste Siebenter Tag. Maria die in allen Trübsalen Bufriedenste Achter Tag. Maria die bei allen Leiden Glückjedna feligste 34 Neunter Tag. Maria die ungeachtetste 37 40 Zehnter Tag. Gilfter Tag. Maria die Wachsamſte Maria die Freundlichste Zwölster Tag. Maria die Gehorsamfle Dreizehnter Tag. Maria die Aermste 2. 43 46 49 Inhalt. Vierzehnter Tag. Maria bei der Weissagung Simeons 52 Fünfzehnter Tag. Maria bei der Flucht in 55 Egypten Sechszehnter Tag. Maria bei dem Verluste Jesu im Tempel 58 Siebenzehnter Tag. Maria in dem Hause zu Nazareth 61 Achtzehnter Tag. Maria am Sterbebette des heiligen Joseph Neunzehnter Tag. Maria auf der Hochzeit zu Kana 68 Zwanzigster Tag. Maria während des Predigtamtes Jesu Einundzwanzigster Tag. Maria bei der Urlaubnehmung 3weiundzwanzigster Tag. Maria in der Leidensnacht Jesu Seite 65 Achtundzwanzigster Tag. Maria die Leidende unser Trost Neunundzwanzigster Tag. Maria die Sterbende, unsere Hoffnung 71 . 75 Dreiundzwanzigster Tag. Maria am Morgen des Sterbetages Jesu 82 Vierundzwanzigster Tag. Maria am Wege zum Kalvarienberge 78 Fünfundzwanzigster Tag. Maria auf dem Kalvarienberge Sechsundzwanzigster Tag. Maria unter dem Kreuze 95 86 Siebenundzwanzigster Tag. Maria mit dem Leichname Jesu auf dem Schooße 99 90 104 108 Inhalt. Maria die Triumphirende, Tagzeiten zu der schmerzhaften Mutter, unserer besten Trösterin Dreißigster Tag. unsere Freude 118 Stabat Mater, oder Kläglied zu Maria der schmerzhaften Mutter unter dem Kreuze. 142 Litaney zu der schmerzhaften Mutter 145 . Morgengebet. Christliche Gedanken gleich beim Erwachen Die vorzüglichsten Andachts Uebungen eines Christen. Seite Vorbereitung zur heiligen Beicht. Anrufung des göttlichen Geistes. Die Gewissens- Erforschung 112 .. 151 Gebet nach dem Ankleiden und Abwaschen. 152 Nachtgebet . 154 Vor dem Einschlafen . 159 Ein gar kurzes Morgengebet 160 Ein gar kurzes Nachtgebet 161 Ein anderes kurzes Morgengebet 162 163 Ein anderes Nachtgebet.. Meßgebete. 163 Eine andere Weise, die heil. Messe anzuhören 184 Gebet zur Mutter Gottes .. 185 Eine gar kurze Messe für Diejenigen, welche der täglichen heiligen Messe beizuwohnen gehindert sind 189 Gebet, wenn du zur heiligen Messe läuten hörest 190 Gebet vor der Predigt 192 . 193 194 Inhalt. Anleitung zur Gewissens- Erforschung für die, welche eine längere Beicht ablegen wollen 196 Die fünf Gebote der Kirche 207 Die sieben heiligen Sakramente 210 Die sieben Hauptsünden 212 212 213 Die neun fremden Sünden 213 Die theologischen oder göttlichen Tugenden. 214 Die sittlichen Haupttugenden 214 Die den Hauptsünden entgegengesetzten Tugenden 214 Die Pflichten, welche Christus besonders anemDie sechs Sünden in den heiligen Geist Die vier himmelschreienden Günden pfohlen hat Die acht Seligkeiten d Die vornehmsten guten Werke Die leiblichen Werke der Barmherzigkeit Die geistlichen Werke der Barmherzigkeit Die evangelischen Räthe Die vorzüglichsten Standespflichten Reue und Leid und ernstlicher Vorsaß Vollkommene Reue.. Unvollkommene Reue 216 216 217 217 217 224 226 226 Ein anderes Reuegebet 227 Gebet, furz vor man in den Beichtstuhl geht 229 Die Beicht 231 232 Seite ● Gebet vor der heil. Kommunion. Gebet des heil. Thomas von Aquin 215 215 Beschluß der Beicht Gebet unter der Lossprechung oder gleich darnach 233 Die Genugthuung 234 Gebet nach verrichteter Buße 236 Vorbereitung zur heil. Kommunion. 239 244 Inhalt. Seite 246 Gerade vor der heil. Kommunion Andachtsübungen nach der heil. Kommunion.. 247 Gebet des heil. Thomas nach der heil. Kommunion 254 Geber zur göttlichen Mutter und allen Heiligen 255 Ablaßgebet 256 Verschiedene Gebete und Andachten. p. 257 261 262 266 Geheimniß- Rosenkranz 26.0268 Litaney zu dem allerheiligsten Namen Jesu 284 Gebet zu dem liebreichsten Jesus- Kindlein Uebung der vornehmsten Tugenden Rosenkranz zu dem heil. Altars- Sakramente Litaney zu eben diesem heil. Sakramente Allgemeines Gebet Anempfehlung in die heiligen fünf Wunden Jesu Chrifti 290 292 295 Die geistliche Uhrift ond Der heilige Kreuzweg Gebet für Jünglinge und Jungfrauen um die Gnade der Erkenntniß ihres rechten Berufs 302 Die Geheimnisse bei dem gewöhnlichen heil. Rosenkranze Lauretanische Litaney .. 303 9.. 306 310 Salve Regina Sieben Ave Maria zu Ehren der sieben größten Schmerzen unserer lieben Frau Sieben Ave Maria zu Ehren der sieben größten Freuden unserer lieben Frau 312 312 Inhalt. Neun Ave Maria zu Ehren der neun Monate, während welcher die seligste Jungfrau den Sohn Gottes unter ihrem mütterlichen Herzen getragen hat. 313 Gebete auf die vorzüglichsten Feste der göttlichen Mutter. Auf das Fest der unbefleckten Empfängniß. Auf das Fest Maria Vermählung 317 Auf das Fest Maria Reinigung oder Lichtmeß 318 Auf das Fest Maria Verkündigung 319 . 320 . 321 . 323 323 324 325 326 326 327 . 329 336 . 337 . 338 1.339 340 Auf das Fest der sieben Schmerzen. Auf das Fest Maria Heimsuchung Auf das Scapulierfest • Auf das hohe Fest Maria Himmelfahrt Auf das Fest Maria Geburt Auf das Fest des heiligsten Namens Maria Auf das Fest des heiligen Rosenkranzes Auf das Fest Maria Opferung Marianische Bundesformel Litaney zu den heiligen Landespatronen Gebet zum heiligen Joseph Gebet zur heiligen Mutter Anna Gebet zum heil. Joachim und Anna Gebet zu dem heiligen Schußengel Gebet zum heiligen Taufpatron Seite . Gebet zu dem heiligen Bischof von Trient und Martyrer Vigilius 341 Gebet zu dem heiligen Abt von Klaravall und Erzvater des Zisterzer- oder BernardinerOrdens, Bernard 343 Inhalt. Gebet zum heiligen Bischof Valentin Die sechs Aloysi- Sonntage. Gebet zum heiligen Aloysius Kirchengebet zu eben diesem Heiligen Rosenkranz für die armen Seelen im Fegfeuer 348 Litaney für die armen Seelen im Fegfeuer.. 351 Gebet zu der göttlichen Mutter für die armen Seelen 347 Gebet, wenn die Uhr schlägt Gebet vor den Effen Seite 344 345 . 346 353 . 354 . 355 . 355 Gebet nach dem Essen . 356 Gebet am Donnerstage beim Angstläuten Gebet am Freitage beim Läuten um 9 Uhr 357 Die heilige Woche . 358 Christlich fromme Tagordnung . 360 31 and god Quinos) dihin?) Walter Köster Buchbinderei 3550 Marburg Tel. 06421/2 12 77 1000 Berlin 61 030/7 86 30 10 Inches 1 Centimetres Blue 2 1 3 2 Cyan 5 3 14 6 17 Farbkarte# 13 Green 8 Yellow 19 10 Red 11 12 5 13 Magenta 14 6 () 15 White 16 17 7 3/ Color 18 19 B.I.G. Black CO