مربا 1553 Com Duny SC Blicket hin, ihr Jungfrauen, auf diesen reinsten Spiegel aller Tugenden!( S. Ambrosius.) Kunstvedag von Gebr( N Benziger in Einsiedelr Schule und Cempel& für Jungfrauen. Gb 1553 Univ.- Bibl. Giessen Schule und Tempel für Jungfrauen die nach der christlichen Vollkommenheit streben. Katholisches Lehr- und Gebetbuch in fünf Abtheilungen: I. Tugendschule. II. Lehrschule. III. Berufsschule. IV. Lebensschufe. V. Tempel für Jungfrauen. Bearbeitet nach des heil. Franz von Sales ,, Philothea," des heil. Alphons von Liguori ,, Braut Jesu Christi" und den besten kirchlich approbirten Andachtsbüchern für Jungfrauen. Vom Verfasser des Missionbuches. Mit Approbation des hochwürdigsten Bischofs von Chur. Mit Bildern und Ziertitel. Sechste Auflage. Einsiedeln, New York und Cincinnati 1861. Druck und Verlag von Gebr. Karl und Nikolaus Benziger. Gb 1553 nedost Borwort. Im Hinblicke auf die große Anzahl von Andachtsbüchern für Jungfrauen hatte sich der Herausgeber des vorliegenden Lehr- und Gebetbuches ,, Schule und Tempel für Jungfrauen" die Aufgabe gestellt, christlichen Jungfrauen nicht so fast etwas Neues, als vielmehr eine Auswahl des Besten darzubieten aus solchen bewährten Werken, deren Verfasser wohl kaum übertroffen werden können. - Dieses Lehr- und Gebetbuch" in fünf Abtheilungen enthält in der ersten Abtheilung eine ,, Tugendschule für Jungfrauen,"- nach dem Tugendvorbilde der seligsten Jungfrau Maria; in der zweiten eine Lehrschule für Jungfrauen,"- nach des heiligen Franz von Sales, Philothea" und des heiligen Alphons von Liguori Braut Jesu Christi"; in der dritten eine Berufsschule für Jungfrauen," - vom Berufe zum Ordensstande, zur ewigen Jungfrauschaft im weltlichen Stande, zum Ehestande handelnd; in der vierten eine Lebensschule für Jungfrauen,"- Bilder aus dem Leben von fünf heiligen und gottseligen Jungfrauen; in der fünften einen " Tempel für Jungfrauen," ein vollständiges Gebetbuch. - IV Vorwort. Ob nun der Herausgeber seine Absicht erreicht habe, mag das Urtheil des Censors beruhigen, infolge dessen diesem Werke die bischöfliche Approbation ertheilt wurde und das wörtlich lautet wie folgt: Mit Freuden las und prüfte der Unterzeich,, nete das im Verlage der Herren Gebr. Benziger ,, in Einsiedeln erschienene und ihm zur Recension „ übergebene Buch mit dem Titel: Schule und " Tempel für Jungfrauen" und fand in demtselben einen solchen Reichthum an christlichen Wahrheiten und dabei die katholische Glaubens- und ,, Sittenlehre überall so klar und gründlich ausgesprochen, daß nur zu wünschen bleibt, es möchte „ dasselbe in die Hände aller katholischen Jungfrauen „ kommen." Art, den 31. August 1855. B. Jakob Stocker, Pfarrer und Kammerer." Mit diesem Wunsche verbindet den feinigen Der Herausgeber. Erster Theil. Die Schule der Jungfrauen. Su vier Abtheilungen. " So vortrefflich war Maria, daß das Leben der Eingigen eine Schule für Alle ift." Der heilige Ambrosius, Erzbischof u. Kirchenlehrer. 500 19 Erste Abtheilung. Tugendschule für Jungfrauen. Nach dem Vorbilde der seligsten Jungfrau Maria. Einleitung. Von der Nachahmung der Tugenden der seligsten Jungfrau Maria. Um uns der Fürbitte und des Beistandes der seligsten Jungfrau zu versichern, müssen wir ihr Tugendbeispiel nachzuahmen uns bestreben. Die Tochter Mariens trage also Sorge die Mutter nachzuahmen, wenn sie deren Liebe zu erhalten wünscht, da, wenn sich Maria geehrt sieht, wie es eine Mutter verdient, sie auch ihrer Tochter allezeit mit mütterlicher Liebe gedenken wird. Die größte Ehre, die wir der seligsten Jungfrau erweisen können, besteht in der Nachahmung ihrer Tugenden. Hiezu ermahnt uns der heilige Erzbischof und Kirchenlehrer Ambrosius mit folgenden Worten: Es bleibe euch wie ein Bild vor euern Augen die Jungfräulichkeit und das Leben Mariens, in der uns ein Beispiel aller Tugenden hervorleuchtet. Betrachtet sie als das Muster euers Wandels und erkennet an ihr, was ihr verbessern, was ihr fliehen, was ihr behalten sollet." Hierin besteht die größte 8 I. Tugendschule für Jungfrauen. Ehre der Mutter und zugleich das höchste Glück der Tochter Mariens. Selig Diejenigen, welche das Tugendbeispiel der seligsten Jungfrau befolgen: Glückseligsind, welche meine Wege wandeln!"( Sprüchw. 8, 32.) Indem die heilige Kirche diese Worte der seligsten Jungfrau in den Mund legt, ermahnt sie uns, über das Leben nachzudenken, welches diese Königin der Heiligen auf Erden geführt hat, und das nachzuahmen, was wir an ihr bewundern. Ja, in Wahrheit, glücklich jene Seele, welche Maria nachfolgt; denn, indem sie ihr nachfolgt, folgt sie Jeſu selbst nach, dem Könige und erhabensten Muster aller Tugenden. Das Leben dieser Jungfrau ist ein Muster für Alle. In demselben lernt man, wie man sich benehmen soll im Glück und im Unglück, beim Gebet und bei der Arbeit, bei Ehrenbezeigungen und bei Demüthigungen. Freilich wird man nie die Vollkommenheit erreichen, durch welche Maria in allen ihren Handlungen ausgezeichnet ist; aber jene Jungfrau steht der Vollkommenheit am nächsten, die sich am wenigsten von dem Beispiele Mariens entfernt. Christliche Jungfrau, die du dich eine Dienerin Mariens nennst, willst du diesem erhabenen Vorbilde ähnlich werden, dann suche, so viel du kannst, dir ihren lebendigen Glauben, ihren bereitwilligen Gehorsam, ihre tiefe Demuth, ihre zarte Treue, ihre reinen Absichten, ihre großmüthige Liebe anzueignen. Wer sollte mit der Hülfe der göttlichen Gnade nicht im Stande sein, ihr Beispiel bei der Ausübung ihrer verschiedenen Tugenden nachzuahmen? Ohne diese Nachfolge ist deine Liebe zu ihr sehr schwach, und ohne diese Nachfolge darfst du auch keine besondern Beweise ihres mütterlichen Schutzes erwarten. Von der Nachahmung der Tugenden Mariens. Wohl sprichst du täglich Gebete zu ihrer Ehre; auch trägst du äußere Zeichen ihrer Verehrung an dir; du bist Mitglied irgend einer der Bruderschaften, die zu ihrer besondern Verehrung errichtet sind; das Alles bestimmt die göttliche Mutter, für dich Gnaden des Heils zu erflehen. Aber wenn bei allem Diesem deine Andacht nicht so weit reicht, daß du ihre Tugenden nachzuahmen strebst, dann wird deine Andacht dich nicht retten. OKönigin der Tugenden! ist es nicht billig, wenn man dich liebt, daß man auch für dich thue, was man für seine Freunde in der Welt thut? Man sucht ihnen ähnlich zu werden und ihre Neigungen anzunehmen. Aus dieser Aehnlichkeit entsteht ja die Vereinigung der Herzen. Wird wohl dein Herz, welches so demüthig und so rein ist, dein Herz, das dem Willen Gottes so ergeben und für seine Ehre so glühend ist, wird es sich wohl vereinigen mit einem unreinen und stolzen Herzen, mit einem Herzen, welches ohne Ergebung in den Willen Gottes ist und ohne Eifer für seine Ehre? Du kannst mit weit größerem Rechte, als der Apostel es konnte, zu uns sprechen: Wenn ihr mich liebet, so seid meine Nachfolger, so wie ich die Nachfolgerin Jesu gewesen bin.( 1. Kor. 4, 16.) Wenn ihr meine Kinder seid, dann eignet euch auch den Geist eurer Mutter an. Der Geist der Kinder Mariens muß sein wie der Geist ihrer Mutter, ein Geist der Nächstenliebe, ein Geist des Friedens, ein Geist der Abtödtung, ein Geist der Furcht und der Liebe Gottes. Heilige Jungfrau! In Zukunft soll meine Ergebenheit zu dir hauptsächlich darin bestehen, daß ich deine Tugenden nachahme. Das ist die beste Art, wie ich dich zu ehren vermag. Das ist auch der beste Beweis der Liebe, den ich dir geben kann. 1* L. Tugendschule für Jungfrauen.elk Gebet zur seligsten Jungfrau um die Gnade der Nachahmung ihrer Tugenden. 10 O Maria, Königin der Jungfrauen! mit Dank und Freude erinnere ich mich der großen Dinge, die der Herr an dir gethan hat, der hohen Vorzüge, womit Er dich begnadigt hat, und der schönen Tugenden und vortrefflichen Eigenschaften, die dich geziert haben. Du warst so unschuldig und rein in Sitten, so fromm und gottesfürchtig, so freundlich und wohlthätig, so demüthig, gehorsam und geduldig, daß jede dieser Tugenden an dir bewundert werden und wir Alle sie von dir lernen sollten. Und sieh, liebevolle Mutter! gern möchte ich deine Schülerin werden, wie ich dein Pflegekind bin. Nachfolgen will ich dir in allen Tugenden, in allem Guten, so viel mir möglich ist. Denken, reden, handeln will ich jederzeit, an allen Orten und bei jeder Gelegenheit, wie du mir mit deinem Beispiele vorangegangen bist, und wie ich glaube, daß du in meinen Umständen würdest gedacht, geredet und gehandelt haben. Auf dich, auf dein schönes Beispiel will ich stets hinsehen und von dir lernen, wie ich leben soll, um Gott zu gefallen und einst ewig selig zu werden. Amen. I. Die drei göttlichen Tugenden. §. 1. Von dem Glauben der seligsten Jungfrau. Ein fester Glaube, christliche Jungfrau! ist der Grundstein der christlichen Religion und der Vollkommenheit in derselben, nach welcher zu streben alle Menschen berufen und verpflichtet sind. Ohne Von dem Glauben Mariens. 11 Glauben kannst du weder Gott gefallen, noch selig werden. Der Glaube muß dich erleuchten und dir die Dinge dieser Welt in ihrem wahren Lichte zeigen, damit du erkennest, was du schätzen, suchen und lieben sollst. Bedenke, daß du von Gott erschaffen worden bist, damit du Ihm dienest und durch einen from= men Wandel dein Heil wirkest. Diese Welt ist dir also nicht zum Aufenthalte gegeben, damit du in irdischen Freuden und Genüssen aller Art schwelgest und Ehre, Reichthum und Lob dir zueignest; sondern daß du im Dienste deines Herrn und Gottes den Himmel zu gewinnen strebest. Bedenke, daß Maria, die seligste Jungfrau, hauptsächlich durch ihren festen Glauben auf Erden zu so hoher Heiligkeit, im Himmel zu so großer Seligkeit gestiegen ist. Wenn Abraham in der heiligen Schrift gepriesen wird, daß er glaubte, Gott fönne ihm, dem hundertjährigen Greise, noch einen Sohn geben, und denselben, wenn er ihn auf seinen Befehl schlachten würde, wieder vom Tode erwecken, wie weit mehr verdient Maria erhoben zu werden? Ein Engel des Herrn verkündiget ihr, daß der Sohn Gottes mit einem menschlichen Körper bekleidet erscheinen, aus ihr, ohne Verlegung ihrer Jungfrauschaft, werde geboren, das Reich Davids herstellen und ein ewiges Reich stiften werde. Sie glaubt fest, und wird selbst vom heiligen Geiste wegen dieses großmüthigen Glaubens gepriesen. Sie erblickt ihren Sohn im Stalle zu Bethlehem und glaubt dennoch, daß Er der Schöpfer Himmels und der Erde sei; fie fieht Ihn fliehen vor Herodes und zweifelt dennoch nicht, daß Er der König der Könige sei; sie sieht, wie Er geboren wird und glaubt dennoch an sein Wesen von Ewigkeit; sie sieht Ihn arm, der Speiſe 12 I. Tugendschule für Jungfrauen. und des Trankes bedürftig und hält Ihn dennoch für den Herrn der ganzen Welt; sie sieht Ihn auf dem Stroh und betet Ihn dennoch an als den allmächtigen Gott; sie hört Ihn nicht reden und verehrt Ihn dennoch als die unendliche Weisheit; fie sieht Ihn weinen und glaubt dennoch, daß Er die Freude des Himmels sei; sie sieht, wie Er mißkannt, verachtet, vom Volke mit Lästerungen überhäuft, endlich am Kreuze stirbt, und obgleich der Glaube seiner Jünger schwankt, so zweifelt sie dennoch nicht und bleibt in der festen Ueberzeugung von seiner Gottheit; sie weiht Jesus Christus, ihren einzigen Sohn, durch die Gesinnungen ihres Herzens dem Tode, weil es Gott von ihr fordert und die Menschen seines versöhnenden Todes bedürfen. So hat Maria den Schaden, welchen der Unglaube Eva's angerichtet, durch ihren Glauben wieder gut gemacht. Der Glaube ist eine Gabe Gottes, insofern er ein Licht ist, das Gott der Seele mittheilt; er ist auch eine Tugend, insofern die Seele ausübt, was fie glaubt. Der Glaube enthält nicht nur Vorschriften in Bezug auf das, was wir glauben müſſen, nein, er enthält auch Lebensregeln, und deßwegen konnte der heilige Gregor mit Recht sagen: Der glaubt wahrhaft, der da ausrichtet, was er glaubt;" und der heilige Augustin: Du sagst: ich glaube; thue, was du sagst, alsdann hast du den Glauben. Der hat einen lebendigen Glauben, der da lebt, wie der Glaube ihnt zu leben befiehlt." Mein Gerechter aber lebt aus dem Glauben."( Hebr. X.) So lebte Maria und dadurch unterscheidet sie sich von Denen, die nicht thun, was sie glauben und deren Glauben, nach dem heiligen Jakobus, todt ist: Der Glaube ohne die Werke ist todt." Bitte also die feligste Jungfrau, daß sie dir um der Ver11 Von dem Glauben Mariens. dienste ihres Glaubens willen einen lebendigen Glauben erlange. 13 Gebet zur seligsten Jungfrau um die Tugend des Glaubens. Heiligste Jungfrau, die du Jesus, das Licht der Welt, so viele Jahre vor Augen hattest, welch' große Dinge und hohe Glaubensgeheimnisse müssen dir durch dasselbe klar geworden sein! Daher erhieltest du die hohe Einsicht des unsichtbaren und ewigen Lebens, um dagegen die sichtbaren und vergänglichen Güter dieser Welt gering zu schäßen und als Eitelkeit anzusehen. Erlange mir, o huldvolle Jungfrau! die Gnade, daß auch ich, durch das Licht des Glaubens erleuchtet, nichts achte, wünsche und begehre, als Gott allein und was mich zu Gott führen kann. Amen. §. 2. Von der Hoffnung der seligsten Jungfrau. Aus dem Glauben entspringt die Hoffnung; denn Gott erleuchtet uns deßhalb durch den Glauben, damit wir seine Güte und seine Versprechungen erkennen und darauf mittels der Hoffnung die Begierde in uns entzünden, Ihn zu besigen. Da nun Maria den Glauben in einem ausgezeichnet hohen Grade besaß, so hatte sie auch eine sehr große Hoffnung, so daß sie mit David ausrufen konnte: ,, Mir aber ist es gut, Gott anhangen und auf Gott den Herrn meine Hoffnung seßen." Sie betrachtete die Welt wie eine Wüste, da sie frei war von aller Anhänglichkeit an dieselbe, weder auf die Geschöpfe, noch auf ihre eigenen Verdienste das geringste Vertrauen setzte, und auf solche Weise immer mehr in der Liebe Gottes wuchs. I. Tugendschule für Jungfrauen. Die Hoffnung oder das Vertrauen auf Gott ist eine der größten Huldigungen, welche wir Gott darbringen können; je hingebender dasselbe ist, um so mehr wird Gott dadurch geehrt. Durch dieses Vertrauen erkennen wir Gott als das höchste Wesen an, welches Alles kann, was Es will, und dessen guter Wille seiner Macht gleich kommt. Die Hoffnung ist eines der wirksamsten Mittel, um von Gott viele Gnaden und ausgezeichnete Begünstigungen zu erhalten. 14 Maria hat uns von dieser Tugend mehr als ein Beispiel gegeben; eines der bemerkbarsten von denselben ist, daß fie Gott die Sorge für ihren guten Ruf gänzlich überließ. Der Bräutigam, der ihr als Beschüßer ihrer Jungfrauschaft gegeben worden war, bekommt einen Argwohn, der ihr sehr nachtheilig ist. Er denkt daran, sie heimlich zu verlassen. Maria ist darüber nicht unruhig, voll Vertrauen auf Gott unterwirft sie sich in aller Demuth seiner Vorsehung und erwartet den Augenblick, wo iese für sie eintreten wird. Dieser Augenblick kam wirklich. Joseph wird von Oben belehrt, und sein Zweifel ist verschwunden. Voll von Verehrung für die Tugend seiner Braut, ist er keinen Augenblick mehr unschlüssig, sich mit ihr für immer zu verbinden. Hieraus ersieht man, wie nüßlich es ist, sich Gott anzuvertrauen und alle unsere Anliegen in seine Hand niederzulegen. Alles ist dem Vertrauen versprochen: der Thau des Himmels und die Fettigkeit der Erde, zeitliche Vortheile und die Güter der Ewigkeit. Wer sich aber auf einen fleischlichen Arm stüßt, wird sein wie die Haide, welche in der Wüste wächst. Die Dürre wird sein Antheil sein. Wer aber sein Vertrauen auf den Herrn seßt und sich auf Ihn stüßt, der gleicht einem fruchtbaren Baume, welcher am Ufer der Gewässer gepflanzt Von der Hoffnung Mariens. ist. Sein Laubwerk, geschüßt gegen jeden brennenden Wind, wird grün bleiben, und er wird nicht aufhören, Frucht zu bringen. Alles ermahnt uns zum Vertrauen auf Gott: seine Güte, seine Macht, seine Verheißungen, seine Treue; die Kenntniß, welche Er von unsern Bedürfnissen hat; unsere eigene Schwäche, die tägliche Erfahrung von der Unmacht der Menschen und selbst von ihrer Treulosigkeit. Nimm darum in all' deinen Drangsalen deine Zuflucht zu seiner Vorsehung. Du beklagst dich, daß Gott dir in deiner Trübsal nicht hilft; aber Er wartet nur darauf, daß dein Vertrauen dich zu seinen Füßen führt und du Jhn darum bittest. Ohne Zweifel kennt Er den traurigen Zustand, in welchem du dich befindest; aber wenn du nicht im Vertrauen mit Ihm darüber sprichst, so benimmt Er sich gegen dich, als wenn Er nichts davon wüßte. Du wirst betrübt und verlierst den Muth, wie wenn es keinen Gott in Israel gäbe."( 4. B. d. Kön. 11, 6.) Ach, so oft betrügt man sich selbst, so oft quält man sich, während eine Uebung des Vertrauens unserer Seele den Frieden und die Ruhe geben würde! In deinen Gefahren, in deinen Zweifeln, in deinen Trübsalen magst du deine Maßregeln treffen, magst auf Mittel der Abhülfe sinnen und um Rath fragen; aber vor Allem sollst du zu Gott deine Zuflucht nehmen. Die Menschen haben nur so viel Macht, Einsicht und Willen, dir zu helfen, als Gott ihnen gibt. Wenn dein Vertrauen auf Gott nicht vermessen ist, dann kann es nie zu groß sein. So schwach der Mensch aus sich selbst ist, so stark ist er durch Gott, wenn er auf Ihn vertraut. Die Zufälle, welche dir deine Gesundheit genommen haben, haben die Macht Dessen nicht geschwächt, welcher allein sie dir zurückgeben kann. Der Tod 15 16 I. Tugendschule für Jungfrauen. hat dir einen Menschen geraubt, welcher deine Stüße war; aber du hast Den nicht verloren, welcher dieſen Menschen in Allem leitete, was er für dich gethan hat. Wenn wir ernstlich darüber nachdenken wollten, dann würden wir finden, daß die Hülfe Gottes uns nur dann gefehlt hat, wenn wir durch unser Mißtrauen uns derselben unwürdig gemacht hatten. Lernen wir von Maria, ein wahres Vertrauen erlangen, hauptsächlich in Allem, was Bezug hat auf die große Angelegenheit unserer ewigen Seligfeit; denn obgleich wir hiezu mitwirken müssen, so können wir doch nur von Gott die Gnade hoffen, dahin zu gelangen, wenn wir gänzlich auf unsere eigenen Kräfte mißtrauen und mit dem Apostel ausrufen: Ich vermag Alles in Dem, der mich stärkt."( Phil. 4.) Gebet zur seligsten Jungfrau um die Tugend der Hoffnung. O meine heiligste Königin! du wirst in der heiligen Schrift die Mutter der Hoffnung genannt: Mutter der heiligen Hoffnung. Die heil. Kirche lehrt mich, daß du die Hoffnung selbst bist. Unsere Hoffnung sei gegrüßt! Sollte ich nach Gott noch eine andere Hoffnung suchen als dich? Nein, du bist nach Gott all' meine Hoffnung; so nennt dich der heilige Bernhard, so will auch ich dich nennen: alleiniger Gegenstand meiner Hoffnung! Ja, mit dem heiligen Bonaventura will ich dir immer zurufen: Heil Derer, die dich anrufen, rette mich!" Amen. §. 3. Von der Liebe der sel. Jungfrau zu Gott. Je reiner ein Herz ist, um so mehr gedeiht die Liebe Gottes in demselben, und da noch keine Seele Von der Liebe Mariens zu Gott. 17 eine so makellose Reinheit besaß, wie die seligste Jungfrau Maria, so nehmen wir mit Recht an, daß auch noch Niemand Gott so sehr geliebt hat, wie sie. Die göttliche Liebe, sagt der heilige Bernhard, hatte das Herz Mariens so tief verwundet und durchdrungen, daß nichts darin übrig blieb, was nicht von Liebe erfüllt gewesen wäre. Gott entflammte kein Herz so sehr mit seiner Liebe, wie das Herz der seligsten Jungfrau; denn da sie ganz frei von Anhänglichkeiten an irdische Dinge lebte, so war sie am empfänglichsten, von diesem seligen Feuer entzündet zu werden. Nach der Behauptung eines heiligen Ildephons hat der heilige Geist Maria wie das Feuer das Eisen ganz durchglüht, so daß man in ihr nur die Flammen dieser heiligen Gluth erblickte und nur das Feuer der Liebe Gottes an ihr verspürte. Der heilige Thomas von Villanova sagt, daß der Dornbusch, den Moses brennen sah, ohne daß er sich verzehrte, ein Vorbild Mariens gewesen sei, und der heilige Bernhard bezeugt, der heilige Johannes habe in der Offenbarung Maria mit der Sonne bekleidet erblickt: Und es erschien ein großes Zeichen am Himmel, ein Weib mit der Sonne bekleidet," weil Maria durch die Liebe so eng mit Gott verbunden war, daß es scheint, ein bloßes Geschöpf könne sich nicht inniger mit dem Herrn vereinigen. Gott Da Maria durch ihre Liebe zu Gott ein hellbrennendes Feuer ist, so entzündet fie Alle, die fie lieben und ihr nahen und bewirkt, daß sie ihr gleich werden. Sie spricht gleichsam: hat dich erschaffen, damit du Jhn lieben sollst. Womit beschäftigst du dich nun aber in dieser Welt, wenn nicht damit, wozu du erschaffen bist? O wie thöricht sind die Menschen, welche ihr Herz jeder an 18 I. Tugendschule für Jungfrauen. dern Liebe hingeben, nur jener nicht, welche allein fie zeitlich und ewig glücklich machen kann! Meine Tochter, schüttle diese unglückselige Lauigkeit ab, welche dich auf dem Wege der göttlichen Liebe auf hält; du hast ja kaum einige Schritte darauf gethan. Du scheuest die Opfer; aber Der liebt nicht, welcher nicht zu Opfern bereit ist. Sehr verdächtig ist jene Liebe, welche sich erst dann erklärt, wenn es für den geliebten Gegenstand nichts mehr zu leiden gibt. Hochherzig und muthig soll deine Liebe sein; du mußt bereit sein, lieber alle Güter zu verlieren, als die Gnade Gottes, bereit sein, lieber alle Üebel zu erdulden, als die geringste Sünde zu begehen. Wenn dein Wille sich einmal von der Liebe einnehmen läßt, so wird dir nichts mehr unmöglich vorkommen. Die Liebe ist stark, wie der Tod; sie kennt keine Schwierigkeiten. Du hast Fehler zu bessern und Sinne zu bezähmen; liebe, und die Liebe wird diese Arbeit vollbringen und zwar in kurzer Zeit vollbringen. Liebe nur Das, was Gott liebt. Wenn du noch einen andern Gegenstand außer Jhm liebest, ſo liebe diesen nur so, wie Gott es will. Die wahre Liebe besteht in einer vollkommener Gleichgültigkeit gegen Alles, was nicht Gott ist; sie sucht und will nur Jhn. Du wirst glücklich sein unter der Herrschaft dieser Liebe, meine Tochter. Je länger du darunter lebst, um so länger willst du darunter leben. Du wirst zwar unter ihr zu leiden haben; aber du würdest betrübt sein, nicht ihr Sklave zu sein. laß diese Liebe dein Schaß sein! Du wirst finden, daß, wenn du selbst aller irdischen Güter beraubt bist, sie ein Ersaß für alle diese Güter ist. Besonders aber im Tode findet der Mensch, wie glücklich er ist, daß er sich von dieser Liebe hat leiten Von der Liebe Mariens zu Gott. 19 lassen. Der Tod, dieser Augenblick der Angst und Verwirrung für fast alle Menschen, ist für jene Seele, die da von dieser Liebe erfüllt ist, der Augenblick des Trostes und des süßesten Friedens. So übergib dich denn der göttlichen Liebe; überlaß dich ihrer Leitung. Strebe dahin, daß du Alles aus Liebe thuest. Gebet zur seligsten Jungfrau um die Tugend der Liebe. Deine Zusprechungen, o heilige Jungfrau! rufen in mir das heilige Verlangen hervor, künftig mich nur von dieser Liebe leiten zu lassen. Da ich Gott noch zufrieden stellen kann, wenn ich Ihm mein Herz schenke, so soll dieses Herz künftig nicht mehr mir und den Geschöpfen angehören, sondern ich schenke es nun Gott ganz und ungetheilt. Dieſes Verlangen ist eine Wirkung seiner Gnade, welche du mir erfleht hast; denn ohne seine Gnade kann ich Ihn nicht lieben; ich könnte Ihn ohne diese Gnade nicht lieben, wie ich Ihn lieben sollte, und könnte in dieser Liebe nicht verharren. O bitte doch ohne Unterlaß, damit diese Liebe mir immer bleibe! Ich zittere, wenn ich an meine Schwäche und Unbeständigkeit denke; aber du kennst dieselbe, und du wirst sicher durch deine Fürsprache meine Stüße sein. Weichet von mir, ihr verächtlichen und vergänglichen Gegenstände dieser Welt; ihr seid der Tod meiner Seele! Dieses Herz will endlich einmal Leben; wie könnte es aber leben, o mein Gott, ohne deine Liebe! Mögen die Geschöpfe sich beklagen, daß ich sie verlasse; unter dem Anscheine, mir dienstbar zu sein, haben sie mir mein wahres Glück geraubt. 20 I. Tugendschule für Jungfrauen. Ich werde sie mit meiner Verachtung verfolgen, bis fie aufhören, meine Liebe zu stören. O heilige Jungfrau, ich will von nun an das Leben der Liebe nachahmen, welches du auf Erden geführt haft und das du jezt mit den Heiligen im Himmel führest; ich will einzig meinen Gott lieben, in der gerechten Hoffnung, in seiner Liebe zu ster ben und Ihn ewig zu lieben! Amen. II. Die vier Haupt- oder Cardinaltugenden. §. 1. Von der Klugheit der seligsten Jungfrau in Bezug auf den Glauben. Maria dachte nach, sagt die heilige Schrift, als der Engel ihr Das mittheilte, was Gott ihm aufgetragen hatte. Zu diesem Nachdenken veranlaßte fie ihre Demuth, aber auch ihr Glaube. Diese so fluge Jungfrau mußte, daß der Engel der Finsterniß sich zuweilen in einen Engel des Lichtes verwandelt, daß der Geist des Irrthums zuweilen die Stimme des Geistes der Wahrheit nachahmt. Darum stellt sie Fragen an diesen Engel und wartet seine Antwort ab, um zu sehen, ob dieselbe übereinstimmt mit Dem, was die Propheten von dem Messias gesagt haben; ob sie übereinstimme mit den Grundsägen ihrer Religion. Als der Engel ihr geantwortet hatte, unterwarf sie sich bereitwillig seinem Worte, weil sie Gottes Wort darin erkannte. Es gibt eine Klugheit, welche die Unterwürfigkeit unter den Glauben leitet und befördert, statt ihr im Wege zu sein und sie zu hindern. Die Klugheit öffnet uns zuerst die Augen, damit wir Von der Klugheit Mariens. 21 uns Sicherheit zu verschaffen suchen in Bezug auf Das, was uns geoffenbart wird; die Unterwürfigkeit schließt alsdann die Augen, um fest zu glauben. Man muß nicht allen Geistern glauben, sagt die heilige Schrift.( Joh. 4, 1.) In Bezug auf Das, was die Religion angeht, will ich nur Das glauben, was übereinstimmt mit Dem, was Gott gesagt hat, sei es nun, daß Er es selbst gesagt hat oder es uns durch seine Stellvertreterin, die Kirche, lehrt, welche die Säule und Grundfeste der Wahrheit ist.( Tim.. 3, 15.) Gott hat uns Mittel an die Hand gegeben, unt Das zu erkennen, was Er geoffenbaret hat. Ich glaube Das, was meine heilige Religion mich lehrt, weil sie mich nur Das lehrt, was Gott gesagt hat; und kann es etwas Sichereres geben, als Das, was Er, die Wahrheit selbst, gesagt hat? Es ist ebenso unmöglich, daß ich mich täusche, als es unmöglich ist, daß Gott mich täusche oder daß Er sich selbſt täusche. Es ist eine Thorheit, ohne genügende Gründe Etwas als Gottes Wort anzunehmen; eine Thorheit, welche man bei den Heiden, aber auch bei vielen Christen findet. Aber auf genügende Gründe hin eine Sache als Gottes Wort zu glauben, ist ein Zeichen hoher Weisheit. Ueber die Religion nachdenken und sie prüfen in der Weise, wie Maria es gethan, hat, bewirkt, daß man im Glauben unerschütterlich wird. Als Maria sich überzeugt hatte, daß Gott durch den Engel zu ihr gesprochen hatte, da glaubte fie fest an die Erfüllung alles Dessen, was der Engel ihr gesagt hatte; sie glaubte, ohne noch weiter dieses Geheimniß zu verstehen zu trachten. Sie fordert kein Wunder, wie Achaz. Sie zweifelt nicht, wie Zacharias. Sie fragte nicht I. Tugendschule für Jungfrauen. mehr: Wie wird das möglich sein? Wie wird das Kind, dessen Mutter ich werden soll, die Erlösung bewirken? Wie wird sein Reich beschaffen sein? Sie stellt teine von diesen neugierigen Fragen, woran man die schwachen Seelen erkennt. Augenblicklich unterwirft sie ihren Geist dem Glauben. 22 Verdemüthige dich, meine Tochter, nach ihrem Beispiele, indem du mit Unterwerfung deiner Vernunft gläubig die Wahrheiten annimmst, welche über deine Vernunft hinausliegen. Suche nicht die Geheimnisse deines Glaubens zu verstehen. Würdest du sie verstehen, dann wären es keine Geheimnisse mehr. Es genügt dir, zu wissen, daß fie wahr sind. Und diese ihre Wahrheit kann dir nicht im Geringsten zweifelhaft sein, wenn du über den Glauben, der diese Geheimnisse enthält, nachdenkest: wenn du nachdenkest über seine wunderbare Beſtätigung, auf welche hin er von der ganzen Welt aufgenommen wurde. Wohl sind diese Geheimniſſe unbegreiflich; aber der Glaube würde sein Verdienst verlieren, wenn die menschliche Vernunft sie zu er flären im Stande wäre. Selig Diejenigen, welche glauben und nicht sehen!( Joh. 20, 29.) Gebet zur seligsten Jungfrau um die Tugend der Klugheit. Reinste und flügste aller Jungfrauen, die du allezeit mit so zarter Umsicht und Bescheidenheit gedacht, geredet und gehandelt hast: lehre mich, nach deinem hohen Beispiele in sittsamer Zucht und jungfräulicher Behutsamkeit zu denken, zu reden und zu handeln; lehre mich, auf meiner Hut zu fein gegen vorwißige Blicke meiner Augen, alle Gefallsucht und allen Hochmuth abzulegen und Von der Mäßigung Mariens. eifrig zu sein im Gebete und in der Wachsamkeit, um einst, gleich den fünf klugen Jungfrauen im Evangelium, eingehen zu dürfen in den Hochzeitsaal des himmlischen Bräutigams. Amen. 23 §. 2. Von der Mäßigung der seligsten Jungfrau in Schmerz und Traurigkeit. Jesus war gestorben; wie lange mußte Maria die Zeit finden von seinem Tode bis zu seiner Auferstehung! Sie hatte ihren einzigen, so liebenswürdigen und von ihr so sehr geliebten Sohn verloren. Die Traurigkeit David's bei dem Tode Absalon's, die Seufzer der Rachel, welche ihre Kinder beweint, können uns nur schwach den Schmerz Mariens bei dem Tode Jesu darstellen. Doch diese so heilige Mutter verlor bei dem Tode Jesu nichts von ihrer Tugend. Sie fand Trost in dem festen Glauben an die baldige Auferstehung ihres Sohnes und in der Ergebung in Das, was Gott zu seiner Ehre und zum Heile der Welt angeordnet hat. ihr, die ihr traurig seid über den Verlurst des Theuersten, was ihr hattet: verwaiste Tochter, die du am Grabe geliebter Eltern trauerst; betrübte Mutter, die du den Tod eines geliebten Sohnes beweinst; trostlose Gattin, die du schon so frühe verlassen dastehst: verliert das schöne Beispiel, welches Maria euch gibt, nicht aus den Augen! Euere Thränen sind gerecht; so beweinte auch Joseph seinen Vater Jakob und der heilige Augustinus seine Mutter Monika. Aber lerne von Maria deinen Schmerz mäßigen, lerne von ihr Gott diesen Schmerz aufopfern und ihn ertragen. Der Tod zerreißt für immer die Bande, welche dich hienieden an die Person knüpften, welche du beweinst; aber 24 I. Tugendschule für Jungfrauen. hast du denn keine Hoffnung, mit ihr wieder vereinigt zu werden? wirst du immer auf dieser Welt zurückbleiben? lehrt dein Glaube dich nicht, daß die Gläubigen sich bei Gott wiederfinden werden, und zwar weit inniger vereint, als das hier auf Erden geschehen konnte? Wir Alle werden einst auferstehen." Das ist die süße und kostbare Hoffnung, mit welcher der Apostel die ersten Christen tröstete, um ihre Thränen zu trocknen und sie zu lehren, mit Geduld den Verlurst ihrer Brüder zu tragen. ,, Ueberlasset euch nicht," sagt er, der Traurigkeit, wie die Heiden, welche keine Hoffnung haben." sondern trauert als gläubige Christen, welche, nachdem sie durch Thränen ihr Herz erleichtert haben, bald wieder zu ihrer frühern Festigkeit zurückkehren. Nur unsere heilige Religion soll und kann uns Trostgründe an die Hand geben. Bestand übrigens dein ganzes irdisches Glück in dieser Person, welche du liebtest und welche Gott dir jest genommen hat? Liebtest du sie mehr, als Gott, der sie dir weggenommen hat aus Gründen, welche du anbeten mußt? Diese Person war dir theuer; aber der Wille Gottes soll dir doch theurer sein. Vielleicht war deine Anhänglichkeit an sie zu groß. Deine übermäßige Trauer ist ein Beweis davon. Vielleicht hinderte sie dich, in der Vollkommenheit voranzuschreiten oder zu deinem Heile zu gelangen, und Gott hat dir, indem Er sie dir genommen hat, eine große Wohlthat erwiesen. Diese Trauer soll dich warnen, daß du dein Herz bewahrest und dich nicht mehr so fest an ein Geschöpf anschließest; schließe dich vielmehr an Gott an, und wenn du Jemand liebest, so liebe ihn nur in Gott. Wenn man in dieser Weise seine Neigungen überwacht, so ist man stets bereit, sich zu 25 Von der Mäßigung Mariens. trennen, wenn Gott es so fordert. Wohl seufzt das Herz und entfließen dem Auge Thränen, wenn dieses Opfer gebracht werden soll; aber der Gedanke, daß Gott es will, mäßigt diesen Schmerz. Erliechtere also immerhin dein Herz durch Thränen; aber wende dich zugleich zu Gott hin, bete seinen heiligsten Willen an und unterwirf dich demselben in aller Demuth, wie Maria dieses that, als sie unter dem Kreuze Jesu stand und dadurch in Wahrheit eine Mutter der Schmerzen, eine Königin der Märtyrer" wurde. Gebet zur seligsten Jungfrau um die Tugend der Mäßigung in Schmerz und Traurigkeit. Schmerzhafte Mutter Jesu, Königin der Märtyrer, die du unter dem Kreuze deines sterbenden Sohnes in ein Meer der Schmerzen versenkt wurdest und dennoch nicht hoffnungslos verzagtest, sondern alle deine namenlosen Schmerzen mit der vollkommensten Ergebung in den Willen Gottes erduldetest und Ihm aufopfertest: erlange mir, o ich bitte dich, die Gnade, daß ich unter deiner mütterlichen Leitung meine zu lebhaften Gemüthsbewegungen zügle und mit christlicher Mäßigung Alles ertrage, was die Weisheit des Vaters im Himmel zu meiner Prüfung und zu meinem ewigen Heile über mich verhängen könnte! Amen. §. 3. Von der Gerechtigkeit der feligsten Jungfrau in der Beobachtung göttlicher und menschlicher Gesetze. Gleichwie die Narde alle edlen Wohlgerüche in sich vereint, so hatten auf geistliche Weise alle Tugenden in Maria ihren Siß und machten sie zur 2 I. Tugendschule für Jungfrauen. Königin aller Heiligen" vor Gottes Angesicht. Sie war in Allem gerecht vor Gott, denn sie erfüllte mit ihrem göttlichen Sohne alle Gerechtigkeit und ließ auch nicht einen Punkt des Gesetzes unbeachtet. 26 Maria hatte durch die Einwirkung des heiligen Geistes empfangen. Sie war Mutter geworden, ohne daß sie aufhörte, Jungfrau zu sein. Die Geburt ihres Sohnes hatte nur dazu gedient, ihre Reinigkeit noch zu erhöhen. Demnach konnte das bei den Juden bestehende Gesetz der Reinigung keinen Bezug auf sie haben. Obgleich aber das Gefeß für sie keine Geltung hat, so will sie es dennoch befolgen. Sie befolgt es, und sogar mit der größten Genauigkeit. Jesus hatte sich ja dem Geseße der Beschneidung unterworfen, deßhalb wollte auch sie sich dem Gefeße der Reinigung unterwerfen. Uebrigens spricht das Geseß auch von feiner Ausnahme; deßhalb gehorcht Maria ohne Zögern. Man könnte nun glauben, daß Maria, indem sie dem Geseße gemäß ihren Sohn im Tempel darstellte, denselben mit den übrigen Kindern auf gleiche Linie stellte. Aber das Geseß lautete einfach, daß die Mütter ihre erstgebornen Kinder im Tempel Gott aufopfern sollten Maria denkt nur daran, diesem Geseße zu gehorthen, und überläßt es Gott, die Hoheit seines Sohnes zu offenbaren, wenn Er es so für gut findet. Dieses Beispiel dürfte die Feigheit beschämen, welche wir zeigen, wenn es sich darum handelt, dem Gefeße Gottes zu gehorchen. Welche nichtigen Vorwände sucht man nicht herbei, um sich von einem genauen und entschiedenen Gehorsam gegen die Gebote Gottes freizusprechen! Wie sonderbar, daß man dem höchsten Wesen den Gehorsam verweigert, Univ.- Bibl. Giessen - Von der Gerechtigkeit Mariens. welchen man doch von Denen fordert, über welche man zu gebieten hat. Wie darf der Mensch, Staub und Äsche, es wagen, dem höchsten Herrn, Gott selbst, zu sagen, daß er nicht gehorchen könne, daß seine Gebote zu viel von seiner Schwachheit fordern? Welche Verwegenheit! Welche Schande für uns! Man findet das Joch des Herrn zu schwer, obgleich Er selbst uns versichert, daß es gut und leicht iſt. Statt dessen beugen wir uns lieber unter das tyrannische Joch der Welt. 27 Der Welt opfert man das Kostbarste, was man befißt: die Blüthe des Alters, die Thätigkeit des Geistes, die Zärtlichkeit des Herzens; man opfert ihr seine Kräfte und Talente. Was aber Gott betrifft, so will man Ihm eine Zeit in der Zukunft opfern und will dann, wie man sagt, seinen Willen thun. Das heißt mit andern Worten: man will Gott den Rest seines Lebens, den Rest seiner Gefühle geben, Das, was die Welt nicht mehr mag. Anders, ganz anders war es bei Maria, deren ganzes Leben Gott geweiht war in vollkommener Gerechtigkeit. Maria war aber auch gerecht in Bezug auf den Nächsten. Ihr aufmerksames Streben war, Niemanden auch nur im Geringsten zu beleidigen, Allen mit Liebe und Wohlwollen zu begegnen, gegen Neltere sich ehrerbietig zu erweisen, ihres Gleichen nicht zu beneiden, die Prahlerei zu fliehen, der Vernunft zu gehorchen und Jedem zu geben was thm gebührt: ,, Steuer wem Steuer, Ehre wem Ehre gebührt." Wann hätte sie auch nur mit einem Blicke ihre Eltern beleidigt? Wann wäre sie uneinig gewesen mit ihren Verwandten? Wann hätte sie die Niedrigen verachtet oder den Schwachen verhöhnt? Wann wäre sie den Armen ausgewichen? 28 I. Tugendschule für Jungfrauen. Sie hatte nichts Troßiges in ihrem Blicke, nichts Freches in ihren Worten, nichts Unverschämtes in ihren Sitten. Auf ihrem äußerlichen Betragen glänzte das Bild ihrer edlen und heiligen Seele, lag der Ausdruck der vollkommensten Tugend, einer Tugend, die dem Kaiser gab, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist." Darum, christliche Jungfrau, erbitte von dieser heiligsten Jungfrau die Tugend der Gerechtigkeit! Gebet zur seligsten Jungfrau um die Tugend der Gerechtigkeit. Von dir, o gerechteste Jungfrau! haben wir uns ein Beispiel zu nehmen, wonach wir leben, was wir verbessern, was wir fliehen und was wir befolgen sollen. Dein Beispiel ist in Allem das Vorbild Aller, ein Spiegel der Gerechtigkeit." Darum, o du vollkommenstes Vorbild alle Heiligen und Gerechten! verschaffe uns durch deine Fürbitte die Gnade, daß wir, deinem erhabenen Beispiele folgend, das Reich deines Sohnes und dessen Gerechtigkeit suchen und die ewige Krone der Gerechten erlangen mögen durch Jesus Christus. Amen. §. 4. Von der Starkmüthigkeit der seligsten Jungfran in schweren Prüfungen. Die Starkmüthigkeit ist die feste, beharrliche, gegen alle Hindernisse tapfer ankämpfende und Alles überwindende Ausdauer im Guten. Gott schlägt gegen die Gerechten zuweilen ein Verfahren ein, wodurch sie beunruhigt und verwirrt werden. Er will ihre Treue prüfen und entzieht ihnen deshalb für einige Zeit seine fühlbare Gegenwart. So Von der Startmüthigkeit Mariens. 29 handelte Jesus auch gegen seine heilige Mutter. Er hatte den Kummer vorausgesehen, den seine Abwesenheit seiner Mutter bereiten würde; nichtsdestoweniger entfernte Er sich auf einige Zeit von ihr und blieb ohne ihr Wissen im Tempel. O christliche Jungfrau, wenn es dem Gott der Liebe gefällt, auch dich in dieser Weise zu prüfen, so beunruhige dich nicht; werde nicht muthlos; erwarte geduldig seine Rückkehr! Obgleich Er immer in deiner Nähe ist, um dir zu helfen, wenn du Ihn darum bittest, so ist es doch gut, daß Er sich zu weilen von dir entfernt, damit du einfiehst, wie unglücklich du sein würdest, wenn du Ihn ganz verlörest. Wenn Er eine Seele mit seinen Tröstungen labet, so thut Er dieses, um sie in ihren Nöthen zu unterstüßen; gibt Er aber nachher zu, daß sie von Trockenheit und Troftlosigkeit heimgesucht werde, so will Er damit die Seele vor Stolz und Uebermuth bewahren. Alle seine Freunde oder doch fast alle haben diesen Wechsel zwischen Traurigkeit und Freude, zwischen Andacht und Lauigkeit, zwischen Ruhe und Versuchung erfahren. Wenn Christus sich von ihnen zu entfernen schien und sie gleichsam sich selbst überließ, dann fühlten sie ihre ganze Schwäche; aber sie verloren doch den Muth nicht, weil sie wußten, daß, wenn man auch seine Gegenwart nicht immer fühlt, man doch seiner Hülfe immer sicher ist. Sie wissen, daß Gott die Leiden vorausgesagt hat, welche uns treffen, daß Er demnach auch die Mittel vorbereitet hat, um uns von denselben zu befreien. Als seine Gnade dir Süßigkeiten und Tröstungen bereitete, wandeltest du in Freude und mit Leichtigkeit; aber denke nur nicht, daß du damals große Fortschritte ge= macht habest. Weit mehr Fortschritte hast du in der 2* L I. Tugendschule für Jungfrauen. Tugend gemacht, als du den Zustand der geistigen Trockenheit, den Gott über dich kommen ließ, mit Geduld, Demuth und Unterwerfung littest. Dieser Zustand ist in Wahrheit traurig, denn man fürchtet immer, es sei nicht eine Prüfung, sondern eine Strafe. Aber, christliche Seele, wenn du dich in demselben findest, so verliere das Vertrauen nicht, hoffe vielmehr fest, daß du den Geliebten bald wiedersehen wirst, und zwar ebenso liebenswürdig, wie zuvor. Ahme dann nur den Eifer nach, mit welchem Maria ihren Sohn wieder suchte. Suche Ihn mit heiliger Sehnsucht und heißem Verlangen. Murre nicht, denn Jesus schuldet dir nichts; oder wenn du klagest, so sei es nur eine Klage der Liebe, wie bei Maria. Mein Sohn, spricht sie, warum hast Du uns Das gethan? Wir waren ganz trostlos, Dich verloren zu haben. Sprich ebenso zu Ihm: O mein Jesus, warum legst Du mir eine so harte Prüfung auf? Du weißt, wie viel ich bei deiner Abwesenheit leide! War es vielleicht Untreue von meiner Seite, welche Dich von mir entfernt hat? D Herr, wenn ich durch ein Benehmen, welches Dir mißfallen hat, mir diese Entfernung zugezogen habe, so verzeihe mir dasfelbe! Ich werde in Zukunft aufmerksamer sein, um Das zu vermeiden, was Dir mißfallen könnte. Welches aber auch immer der Grund deines Benchmens gegen mich sein mag, so unterwerfe ich mich dieser Prüfung so, wie Du es willst und so lange als Du es willst. Das Vorbild deiner heiligsten Mutter, welche die härtesten Prüfungen mit unerschütterlicher Starkmüthigkeit bestand, schwebe mir unabläßig vor Augen und ermuthige mich zu getreuer Nachfolge. NI 30 Von der Demuth Mariens. Gebet zur seligsten Jungfrau um die Tugend der Startmüthigkeit. 31 Schmerzhafteste Mutter Maria, Trösterin der Betrübten, die du einst unter unermeßlichen Schmerzen bei dem Kreuze deines sterbenden Sohnes standeft, du hast, obgleich du ganz schuldlos warest, so vieles geduldig gelitten; und ich, der ich so vieles verschuldet habe, ich sollte nicht leiden wollen?- O ich bitte dich, stehe mir bei, daß ich wie du unter dem Kreuze starkmüthig ausharren und durch alle die Trübsale und Schmerzen, welche du auf Erden so geduldig ertragen hast, verdienen möge die Verherrlichung zu schauen, deren du dich jetzt im Himmel erfreueft! Amen. III. Die sieben Tugenden, welche den sieben Codsünden entgegengesetzt sind. §. I. Von der Demuth der seligsten Jungfrau. Die Demuth ist zwar allen Christen, besonders aber Denen nothwendig, die auf dem Wege der Vollkommenheit immer größere Fortschritte zu machen wünschen. Je höher du darin zu steigen wünschest, desto tiefer mußt du in der Erkenntniß deiner selbst forschen, um den köstlichen Schatz der Demuth zu finden; denn er muß dir als Grundstein deines geistlichen Lebens dienen. Ohne Demuth ist all dein Thun eitel. Hoffart hat sogar die Engel zum Sturz aus dem Himmel gebracht, Adam und Eva aus dem Paradiese vertrieben, und viele Seelen aus einem hohen Gnadenstand in das Verderben gestürzt. I. Tugendschule für Jungfrauen. Um dich zur Demuth anzueifern, bedenke, daß alles Gute und Schöne, daß dir an Körper und Seele, an geistigen und irdischen Dingen gewährt ist, einzig von der Güte Gottes kommt. In dir felbst bist du ein sehr schwaches, unvermögendes und zum Bösen geneigtes Geschöpf. Wie darfst du dir etwas einbilden auf deine Schönheit, deinen Verstand, deinen Reichthum, deine vornehme Geburt, oder wegen heiliger Gedanken, Anregungen und guter Werke, da doch Alles nur Wohlthaten und Gaben Gottes sind, über deren Verwendung und Gebrauch du einst Rechenschaft wirst ablegen müssen? 32 Wenn Gott dich weniger liebte und dich nicht vor vielen Andern erwählt hätte, wie würde es mit dir stehen? Was wartete dein, wenn Er dich nach Verdienst strafen wollte? Erkenne also, daß Gott allein alle Ehre gebührt, als dem Ursprung alles Guten und Schönen, und daß du von dir selbst aus nur Nichtigkeit bist. Wie thöricht und tadelnswerth bist du also, dich über die Fehler anderer Personen zu ereifern und sie wohl gar innerlich zu verachten, oder auch dich über die kleinste Geringschäßung, die dir widerfährt, zu erzürnen und außer dir zu sein, wenn man etwas nachtheilig von dir spricht, oder auch wenn man deiner Meinung entgegen ist! Bedenke nur, daß du selbst nichts als Gebrechlichkeit bist, und habe Nachsicht mit Andern. Halte dir stets die hohe Demuth der seligsten Jungfrau Maria vor Augen, und du wirst tiefbeschämt über deinen lächerlichen Hochmuth in dich gehen müssen. Die heiligste und demüthigste Jungfrau war hochbegabt mit Allem, was Natur und die besondere Gnade Gottes gewähren können, und doch schien ihr dies völlig unbekannt. Sie Von der Demuth Mariens. hatte keine stolzen Gedanken von sich selbst, sondern erschien sich klein und gering, und schrieb in den Bewußtsein ihrer Nichtigkeit alle Ehre der Allmach: Gottes zu. Auch nannte sie sich selbst eine Magd des Herrn, als der Engel ihr ihre göttliche Mutterschaft verkündigte. Sie hat sich nicht gescheut, in allen Ereignissen Demuth zu üben; selbst unter dem schmählichen Kreuze ist sie gestanden und hat willig allen Schimpf und Spott mit Christus erlitten. Und für dich arme Sünderin sollte es zu viel sein, dich zu demüthigen, wenn es die Königin des Himmels und der Engel vermochte? Wirf dich demuthsvoll zu ihren Füßen und flehe sie an um ihre Fürbitte, daß dir die Tugend der Demuth zut Theil werde! 33 Gebet zur seligsten Jungfrau um die Tugend der Demuth. Königin des Himmels! An dir ist deutlich das Wort zur Wahrheit geworden: Wer sich erniedriget, der wird erhöht werden;" erflehe mir die Gnade, deren ich bedarf, um den Stolz zu tilgen, der noch in mir herrscht. Ach! bis dahin habe ich nur den Schein der Demuth gehabt; ich habe diese Tugend nur äußerlich angenommen, um die Achtung der Welt zu gewinnen, welche, so verkehrt sie auch immerhin ist, dennoch die Stolzen verachtet. Erflehe mir die Gnade der wahren Demuth, so daß ich im beständigen Bewußtsein meiner Schwäche nach deinem Beispiele Alles auf Gott beziehe, Alles von Ihm erwarte, in Allem mich von Ihm abhängig betrachte. Amen. I. Tugendschule für Jungfrauen. 8.2. Von der Freigebigkeit der feligsten Jungfrau. Maria. Meine Tochter, liebe die Armen. Benüße alle Mittel, welche dir zu Gebote stehen, um ihre Noth zu erleichtern. Dadurch zeigst du dich als ein würdiges Kind Gottes, der sich in der heiligen Schrift ausdrücklich den Vater der Armen nennt, der nicht blos anräth, Almosen zu geben, sondern es Denen auch vorschreibt, welche im Stande find, dieselben zu geben. Die Jüngerin. Der Eindruck, welchen diese deine Belehrung auf mich macht, wird noch gehoben durch dein eigenes Beispiel. Einer deiner größten Diener sagt uns, daß auch die Armen von den reichen Geschenken Nußen zogen, welche jene Köwige brachten, die da gekommen waren, um den Messias anzubeten. Es war doch so natürlich, daß bu mit denselben der großen Armuth abgeholfen hättest, in der du zu Bethlehem lebtest; aber dieſe Armuth war dir theuer, weil du dadurch deinem Sohne ähnlich warst. Du zogest fie der Bequemlichkeit vor, die du dir hättest verschaffen können. Du wolltest in der Dürftigkeit und Verborgenheit bleiben, in welcher du, obgleich von David abstammend, geboren wurdest. 34 Wunderbar ist das Beispiel, welches du uns gibst; obgleich selbst arm, theilst du doch Das mit den Armen, womit du deine eigene Armuth hättest lindern können. Maria. Meine Tochter! der beste Gebrauch, den man von seinem Ueberflusse machen kann, ist, daß man damit die Noth der Armen lindere. Bist du reich, so bedenke, daß die Vorsehung, als sie dir Reichthümer gab, dich gleichsam zu ihrer Stell vertreterin gemacht hat für Jene, welche arm sind. Bon der Freigebigkeit Mariens. 35 Ahme nicht jenen geizigen Reichen nach, welche ihr Herz verschließen gegen die Noth ihrer Mitbrüder und sie lieber ver Elend zu Grunde gehen lassen, als daß sie Etwas hergäben, um ihnen zu helfen. Sie denken nur daran, Schäße für dieses Leben zu fammeln; aber wenn der Augenblick kommt, wo sie aus diesem Leben in die Ewigkeit hinübergehen sollen, dann werden sie wie aus einem tiefen Schlaf erwachen und finden, daß ihre Hände leer sind. Suche vielmehr jenen liebevollen und mitleidigen Reichen ähnlich zu werden, welche gleichsam die Väter der Armen sind und nicht fürchten, durch Vermehrung ihrer Almosen selbst arm zu werden. Wie gesegnet sind sie nicht schon auf der Erde; aber unendlich mehr werden sie im Himmel gesegnet werden. Oft gibt Gott ihnen schon hienieden Das mit Ueberfluß zurück, was sie den Armen gegeben haben. Aber in der Ewigkeit wird ihnen erst in aller Fülle das zu Theil werden, was Er ihnen versprochen hat. Ja, hätten sie sich den Himmel verschlossen durch ihre Sünden, ihre Almosen werden ihnen denselben wieder öffnen; denn durch Almosen können sie ihre Sünden tilgen. Siehe es demnach als deine Pflicht an, den Armen zu helfen. Höre nicht auf die Habsucht, welche nie genug zu haben glaubt. Sparsam zu sein, ist dir erlaubt; aber sei nicht hart und geizig. Es ist lobenswerth, sparsam zu sein, um den Armen helfen zu können. Wenn du auch nicht reich bist, so glaube doch nicht, daß du nicht verpflichtet feieft, Almofen zu geben. Gib nach deinen Mitteln! Hast du Viel, so gib Viel; hast du Wenig, so theile auch noch gerne dieses Wenige mit dem Armen. O meine Tochter, mit welchem Vertrauen werden alle Diejenigen vor dem Richterstuhle Got 36 I. Tugendschule für Jungfrauen. tes, dieses Gottes der Barmherzigkeit, erscheinen, welche Werke der Barmherzigkeit hier auf Erden geübt haben!, Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen."- Bitte die Mutter der Barmherzigkeit um diese Gott so wohlgefällige Tugend. Gebet zur seligsten Jungfrau um die Tugend der Freigebigkeit. O Maria, gütigste Jungfrau! Du bist in Wahrheit der Kanal, durch welchen die Fülle der himmlischen Gnadenschäße uns zufließt. Wenn du aufschließest, dann schließt Niemand zu; wenn du austheilest und den Armen gibst, dann ist Ueberfluß an allen Gütern. Wie die Augen der Mägde nach den Händen ihrer Frauen, also blicken Aller Augen nach dir, o auserwählte Schaßmeisterin und Ausspenderin der göttlichen Gnaden! Du eröffnest deine milden Hände und theileft überall reichlich aus Gnade um Gnade. Um dieser deiner unbegrenzten Güte willen bitte ich dich, o gnadenvolle Jungfrau! erlange mir von deinem göttlichen Sohne die Tugend der christlichen Freigebigkeit, damit ich nach Maßgabe meiner Kräfte die Noth deiner armen Brüder und Schwestern lindere und durch Werke der Mildthätigkeit mir einen Schaß sammle für das ewige Leben. Amen. §. 3. Von der Reinigkeit der seligsten Jungfrau. Maria war durch die Gnade ihrer unbefleckten Empfängniß geschützt gegen die Angriffe des Lasters. Und doch erschrack sie beim Anblicke des Engels. Der Engel grüßte sie. Sogleich dachte sie darüber nach, was dieser Gruß zu bedeuten haben möchte. Von der Reinigkeit Mariens. Sie findet sich allein mit ihm, ohne einen Zeugen. Das ist hinreichend, um sie in einen heiligen Schre den zu verseßen. Du wirst die Mutter eines Soh nes werden, spricht der Engel zu ihr, und du wirst Jhn Jesus nennen. Das ist ein neuer Grund, un fie zu erschrecken und zu verwirren. Sie zweifelt nicht an der Möglichkeit Dessen, was der Engel sagt; denn bei Gott ist ja Alles möglich. Sie be fragt sich nur über die Art und Weise, wie dieses Geheimniß sich erfüllen wird. Welche Bescheidenheit und Eingezogenheit in ihrer Sprache! Sie sagt nur Das, was eben nöthig ist. An diesen Zeichen erkennt man ohne Mühe, wie hoch sie die Reinigfeit schätzt und wie sehr sie dieselbe zu bewahren sich Mühe gibt. Die Reinigkeit ist wie eine zarte Blume, die auch den leisesten Wind fürchtet. Ein einziger Blick, ein einziges Wort setzt sie in Verwirrung. Eine Jungfrau, welche den ganzen Werth dieser Tugend kennt, fürchtet die Gelegenheit, sie zu verlegen; ja selbst die entferntesten Schmeichelworte, artige Anerbietungen, selbst Unterhaltungen, die ihr unschuldig zu sein scheinen, sind ihr verdächtig und veranlassen sie, ihre Wachsamkeit und Aufmerksam keit zu verdoppeln. Wie Viele sind nicht schon zum Falle gebracht worden durch Müßiggang, durch ein weichliches Leben, durch schlechte Bücher, durch zu freie Unterhaltungen! Viele christliche Jungfrauen unterhalten sich oft, und zwar ohne Furcht, mit Personen, die bei weitem keine Engel sind. Wenn sie sagen, daß sie wachsam seien auf ihre Sicherheit, so entgegne ich ihnen, daß der Teufel ebenfalls wacht, aber, um sie zum Fall zu bringen. Eine Jungfrau, welche das Lob liebt, wird nicht lange gleichgültig gegen Denjenigen sein, welcher ihr dasselbe Schule und Tempel. 3 37 38 I. Tugendschule für Jungfrauen. spendet. In Bezug auf die Keuschheit hat man eben dann Alles zu fürchten, wenn man nicht genug fürchtet. Man sucht sich die Gefahren zu verbergen, die man liebt; und der Beweis, daß man fie liebt, liegt eben in der Sorgfalt, mit der man sich dieselben verbirgt. dit Wir find Alle aus einer und derselben Erde gebildet. Was so vielen Andern begegnet ist, die eine traurige Erfahrung ihrer Schwäche gemacht haben, das kann auch uns begegnen. Obgleich man auf die Hülfe der Gnade rechnen kann, so ist es doch nicht erlaubt, darauf hin sich nun der Gefahr auszusehen. Diese Hülfe ist nur Denjenigen zugesagt, die sich in der Versuchung befinden, ohne diefelbe aufgesucht zu haben. Wenn man auch viele Jahre hindurch die Feinde der Keuschheit besiegt hat, so muß man sich deshalb noch nicht für unbesiglich halten. Fahre fort, ihnen, aber auch dir selbst zu mißtrauen. Vermeide mit fortgesetzter Treue die täglichen Gelegenheiten, die dir von allen Seiten entgegentreten und welche der Teufel vermehrt. Dann wird dir Gott die Gnade der Stärke geben in den Gelegenheiten, die man nicht voraussehen kann und in welchen es schon einer großen Tugend bedarf, um zu siegen. Nimm also deine Zuflucht zu der allerreinsten Jungfrau Maria, damit du burch ihre Fürbitte die Gnade erlangeft, in der Stunde der Versuchung zu siegen. Gebet zur seligsten Jungfrau um die Tugend der Reinigkeit. O reinste Jungfrau, Mutter Gottes, erbitte mir dieses Mißtrauen gegen mich selbst, diese Klugheit in meinem Wandel, diese Abtödtung meiner Sinne, Von der Nächstenliebe Mariens. die so nothwendig sind, um mich in der Reinigkeit zu rehalten! Ich darf mich nicht zu der Zahl Derer erchnen, die dich lieben, wenn ich nicht ganz besonders eine Tugend liebe, die so viel zu deiner Verherrlichung beigetragen hat. O reinste und feuscheste Jungfrau, erflehe mir die Gnade, so rein und keusch zu leben, daß du stets an mir dieses Merkmal findest, woran du deine theuersten Kinder erkennst! Amen. §. 4. Von der Nächstenliebe der seligsten Jungfrau. 39 Die Gottesliebe und Nächstenliebe find in einem und demselben Gebote anbefohlen. ,, Wer Gott liebt, der liebt auch seinen Nächsten."( I. Joh. 4, 21.) Hat es auf Erden noch kein Geschöpf gegeben, das Gott fo innig geliebt, wie Maria; so muß ihre Liebe zu den Menschen auch den höchsten Grad erreicht haben. So lange sie hienieden weilte, kam sie den Bedürftigen zu Hülfe, ohne darum angesprochen worden zu sein, wie uns die Begebenheit bei der Hochzeit zu Kana lehrt. Als sie aus Nächstenliebe ihre Baase Elisabeth besuchte, ging sie eilend auf das Gebirg."( Luk. I.) Aber eine größere Liebe konnte sie uns nicht bezeugen, als da sie ihren Sohn für unser Heil zum Tode aufopferte. da sie im Himmel ist, hat sich ihre Liebe zu uns vergrößert, indem sie unser Elend und unsere Nöthen weit besser kennt. Das Feuer ist, wie sich ein frommer Schriftsteller ausdrückt, das Sinnbild der Liebe. Wie dieses, so lange es brennt, nimmer ruhet, sondern in fortwährender Bewegung und Thätigkeit ist; so bleibt auch die Liebe, wenn sie eine wahre ist, nicht im Innern verschlossen und ruhig, Jetzt, 40 I. Tugendschule für Jungfrauen. sondern gibt sich kund durch Wirken und Wohlthun. Es wird demnach auch die Mutterliebe Mariens für uns Menschen nicht unthätig sein. Nein! Mutterliebe erzeugt Muttersorgen, und diese offenbaren sich durch Werke. Maria thut mehr für uns, als irgend eine Mutter für den Liebling ihres Herzens zu thun im Stande wäre: sie nährt uns mit der Milch der göttlichen Gnaden; sie deckt uns in Gefahren mit ihrem mütterlichen Schuße; sie vertritt unsere Sache bei dem ewigen Richter; sie leitet uns hinan auf dem Wege der Tugend zum Besiße des himmlischen Erbes, das uns ihr göttlicher Sohn erworben hat. Wäre es uns vergönnt, hineinzuschauen in die Geheimnisse der göttlichen Vorsehung, wie Vieles würden wir da wahrnehmen, was uns die Muttersorge Mariens und ihr huldreiches Verwenden für unser Heil zeigte! Wie Vieles wird uns schon erwiesen durch die Geschichte? Alle Heiligen, welche seit achtzehn Jahrhunderten die Kirche Gottes verherrlichet haben und jetzt der himmlischen Glückſeligkeit genießen, verdanken nächst Gott der Fürsprache seiner heiligen Mutter ihr Heil. Wir selbſt, wie so viele Gnaden haben wir schon empfangen durch Maria! Wie viele Segnungen dürfen wir noch durch sie für die Zukunft erwarten! Erkennen sollen wir, sagt der heilige Bernhard, daß wenn irgend Hoffnung, wenn irgend Gnade in uns ist, sie von Derjenigen zu uns kam, die von Lieblich feit überfließend, zum Himmel auffuhr. Ist aber die Nächstenliebe der seligsten Jung frau so thätig, so wirksam zu unserm Heile, so möge hinwieder auch unsere Liebe zum Nächsten durch Werke sich offenbaren. Wenn du Gott liebſt, meine Tochter, so wirst du auch deinen Nebenmen Von der Nächstenliebe Mariens. schen lieben, für den Er vom Himmel herabgestiegen ist, für den Er Mensch geworden und sein Leben am Kreuze hingegeben hat. Begnüge dich nicht mit der Liebe im Herzen, sie soll sich auch im Werke zeigen. Es gibt so viele Betrübte, welche deines Trostes bedürfen, so viele Unglückliche, die deine Hülfe nöthig haben. Gott hat es zugelassen, daß es viele Unglückliche und Elende auf der Welt gibt, damit sie sich durch Geduld heiligen, du aber durch deine Liebe gegen dieselben. Hilf schnell, wenn du schnell helfen kannst. Durch das Verzögern verliert man immer an Verdienst. 41 Deine Liebe sei freigebig; dehne sie so weit aus, als es dir möglich ist. Ist man engherzig im Dienste des Nächsten, so weicht man den Pflichten der Liebe viel mehr aus, als daß man sie erfüllt. Kannst du selbst dem Nächsten nicht helfen, so vermittle ihm die Hülfe Anderer; wenigstens flehe für ihn die Güte Gottes an. Siehe nicht den Menschen in deinem Nächsten, sondern Gott. Wer es dann auch immer sein mag, der deine Hülfe in Anspruch nimmt, du wirst ihm sie nicht versagen, weil du Gott nichts versagen willst. Wenn man den Menschen nur Gutes thun will nach ihren Verdiensten und nach ihren guten Eigenschaften, dann wird man ihnen nicht oft Gutes thun. Thue jene Werke der Liebe gern, meine Tochter, welche dir Ueberwindung kosten; übe besonders jene gerne, welche deiner Eigenliebe schwer fallen. Gott felbft lehrt dich durch sein Beispiel allen Menschen Gutes thun, selbst den Undankbarsten. Gib, spricht Jesus, und es wird dir gegeben werden.( Luk. 6. 38.) Gib Einigs von deinen zeitlichen Gütern, und Gott wird der die ewigen dafür geben. Hilf deinem Nächsten mit deinem Rath in seinen Zwei 42 I. Tugendschule für Jungfrauen. feln, und Gott wird dir mit seinen Eingebungen in deinen Verlegenheiten helfen. Tröste die Betrübten, und der Gott alles Trostes wird dich in deinen Trübsalen durch seine Gnade trösten. Ahme auch in der Tugend der Nächstenliebe das Beispiel der feligsten Jungfrau nach. Gebet zur seligsten Jungfrau um die Tugend der Nächstenliebe. Wer immer dir nahte, holdseligste Jungfrau, ward von inniger Liebe angezogen wegen der Milde deines Anblickes, wegen der Freundlichkeit und Be scheidenheit deiner Rede, wegen der Liebenswürdigkeit und himmlischen Anmuth, welche dein ganzes Wesen erfüllte. Erlaube mir denn, o huldreichste Königin! vor dir in Demuth mich nieder zu werfent und deine mütterliche Güte anzurufen mit der herzlichen Bitte, du wollest mir bei deinem göttlichen Sohne die Tugend wahrer Nächstenliebe erflehen, auf daß ich niemals, weder mit Worten noch Werken, Jemanden beleidige oder Aergerniß gebe, sondern nach deinem herrlichen Beispiele Allen zum Guten helfen und eifrig dienen möge in der Liebe Christi, deines gebenedeiten Sohnes, unsers Herrn. Amen. §. 5. Von der Mäßigkeit der seligsten Jungfrau. Der Mensch ist zu ewiger Seligkeit erschaffen, und hat daher das Verlangen nach Freude und Trost auch im gefallenen Zustande noch in seinem Gemüthe. Weil er aber mit der ersten Sünde zugleich. auch das Licht der Gnade verloren hat, so sucht er seine Sehnsucht nach ewiger Freude im Genusse des Irdischen und Vergänglichen zu befriedigen, und 43 Von der Mäßigkeit Mariens. findet nie Ruhe, weil irdische Freuden die Sehnsucht nach ewigen nicht stillen können. Nur Jene, welche den Eingebungen der übernatürlichen Gnade folgen, suchen ihre Freude in der rechten Quelle, im Wohlgefallen Gottes. Strebe also vor Allemt nach dieser geistlichen, erhabenen Freude, und weniger nach körperlichen Vergnügen. Wahr ist es zwar, auch der Leib, durch Arbeit ermüdet, bedarf einiger Ruhe; und der Geist, durch Anstrengung erschöpft, muß seine Erholungsstunden haben. Du darfst dir also auch einige förperliche Vergnügen erlauben; sie dürfen aber jene der Seele nicht stören. Genieße von den Speisen und dem Getränke, die du hast, mit Mäßigkeit und mit Danksagung; laß aber die Eß- und Trinklust nicht herrschen, damit, wie Jesus ermahnt, dein Herz durch Fraß und Völlerei nicht beschwert werde. E3 steht dem Christen nicht zu, bei den Speisen das Vergnügen des Geschmackes zu seinem Endzwecke zu machen. Er soll nur darum essen und trinken, um sein Leben und seine Kräfte zur Erfüllung seiner Pflichten zu erhalten. Du sollst dich der körperlichen Vergnügen nicht anders als einer Arznei bedienen, und nur mit Auswahl, im gehörigen Maaße und zu rechter Zeit genießen, damit sie so deinem Geiste zur heilsamen Ermunterung dienen. Die beste Arznei verliert ihre heilsame Wirkung, wenn man zuviel davon nimmt, oder sich daran gewöhnt. So zerstreuen auch beständig wechselnde Ergößlichkeiten das Gemüth, daß es zu allen heiligen und ernsthaften Geschäften ganz unfähig wird. Das gute Gewissen, sagt der weise Mann, ist eine stete Mahlzeit: Gott ist dem Frommen ein unerschöpflicher Quell des Trostes und immerwährender Freude. I. Tugendschule für Jungfrauen. Blicke hin auf das schöne Beispiel der heiligen Familie Jesus, Maria und Joseph! Durch den Fleiß der Hände ihr Brod zu verdienen, und durch himmlische Betrachtungen und Unterredungen sich gegenseitig zu erbauen, war ihr Vergnügen. Sie aßen und tranken; aber Mäßigkeit und beständige Danksagung heiligte diese nothwendige Handlung. Nie suchten sie auswärtige Ergöglichkeiten und weltliche Vergnügen. Die Gleichheit ihrer Gesinnungen, die Mäßigkeit, die unter ihrem ärmlichen Dache herrschte, und daß ihr Wandel in den Augen Gottes angenehm sei, gewährte ihnen unaussprechlichen Trost. O möchtest du ihnen nachfolgen; möchtest du, wie Jesus, Maria und Joseph, in Allem die schöne Tugend der christlichen Mäßigkeit üben! Dann würdest auch du im Streben nach dem Wohlgefallen Gottes einen innern Frieden finden, den die Welt mit all ihren Vergnügen nicht geben kann, und der ein Vorgenuß der Seligkeit des Himmels ist. Erflehe dir hiezu die Fürbitte der gnadenvollen Jungfrau Maria! 44 Gebet zur seligsten Jungfrau um die Tugend der Mäßigkeit. Wundersam war in dir, o heiligste Jungfrau! das rechte Maß in Allem zugewogen! Dein Genießen und dein Entbehren geschah in höchster Ruhe, denn du wußtest nichts von ungeordneter Begierde; dein Reden und Schweigen hatte seine rechte Zeit; Alles war in dir geordnet: du warst nicht freudig ohne Besinnung, nicht traurig mit Verzagtheit, und deine Demuth erhöhte deine Würde. So erflehe uns denn, o du unser Vorbild in jeglicher Tugend, erflehe uns Heilung von jeder Art Unmäßigkeit, Von der Geduld Mariens. I 45 die Leib und Seele schwächt und das Herz nicht ruhen läßt in Gott, in dessen Erbarmung allein wir das Leben empfangen und bewahren mögen! Amen. sie nied 1990 sidirsted nd sdsis oudt of bazat e nidiün madis muried is to s §. 6. Von der Geduld der seligsten Jungfrau. lift odisl Was mag die Mutter Jesu wohl gelitten haben, als sie ihren Sohn wahrhaft als Mann der Schmerzen erblickte, als sie Ihn vor die Richterstühle schleppen, als Verführer ausgeben und von rohen Kriegsknechten mißhandeln sah; als sie sah, wie Er grausam gegeißelt, mit Dornen gekrönt und für schuldiger als Barabas erklärt wurde; als sie Ihn zum Tode verurtheilt und mit dem Werkzeuge seines Leidens beladen und unter demselben zusammensinken sah! Als sie die Hammerschläge hörte, welche die Nägel in die Hände und Füße ihres Sohnes eintrieben; als sie Ihn am Kreuze erhoben und zwischen zwei Verbrecher gestellt sah, beschimpft von seinen Feinden, welche über seinen Tod triumphirten und Ihm für seinen Durst nichts anderes boten, als Wein mit Galle gemischt; endlich als sie Ihn am Kreuze den Geist aufgeben sah und den Lanzenstich mit ansehen mußte, womit ein Soldat seine Seite eröffnete, um sich seines Todes zu versichern!.. Bei allen diesen Leiden zeigte Maria eine heldenmäßige Geduld; nicht die leiseste Klage kam über ihre Lippen. Sie ahmte auf dem Kalvarienberge das Stillschweigen nach, welches Jesus im Hause des Hohenpriesters beobachtet hatte. Angeklagt von falschen Zeugen, sprach Er kein Wort, weil es doch zu seiner Vertheidigung nichts genüßt hätte; übrigens wollte Er auch keineswegs das Urtheil des Todes, dem Er sich aus Liebe zu uns geweiht hatte, von sich 3* I. Tugendschule für Jungfrauen. abwenden. So benahm sich auch Maria in ihrem namenlosen Schmerze: ,, Am Kreuze Jesu stand seine Mutter." 46 Siehe da, betrübte Seele, dein Muster! Ift es bei deinem Leiden nöthig, zu sprechen, so thue es mit Sanftmuth und Gelassenheit. Hört man nicht auf dich, so leide stillschweigend und setze der Ungerechtigkeit nur Geduld entgegen. Aber was für eine Geduld?- eine christliche Geduld, welche aus dem Geiste der Religion entspringt, und nicht eine blos menschliche Geduld, wie sie zuweilen List oder Temperament einflößt. Jene, welche sich unter der Hand Gottes demüthig beugen, welche seine Gerechtigkeit oder Barmherzigkeit anbeten in den Schlägen, welche sie treffen, welche die Geduld Jesu und Mariens zu ihrem Muster nehmen, leiden als wahre Christen, und so solltest auch du leiden. Trägt man sein Kreuz mit Ungeduld, so macht man dasfelbe nur schwerer und fügt der Mühe, die man hat, auch noch die Sünde hinzu. Der Weg des Kreuzes ist der Weg zum Himmel. Alle Heiligen find denselben gewandelt; alle Gerechten auf Erden wandeln denselben; sie haben viele Trübsale, weil Gott ihrer Geduld eine reiche Krone bereitet. Wehe jenen Christen, welche Schuld sind, daß Das, was zu ihrem Heile sein sollte, zu ihrem Verderben gereicht! Sie gleichen jenem Verbrecher, welcher auf dem Kalvarienberge an der Seite Jesu hing und unter Lästern starb und vom Kreuze in die Hölle ging. Wenn wir uns auch bei unsern Leiden nicht gegen Gott, erheben, so murren wir doch gegen die Leiden, welche Er uns schickt, und wir verdienen alsdann, daß Gott uns zur Strafe diese mächtigen. Mittel der Heiligung entziehe. Oft wenigstens bestürmen wir den Himmel, um von unsern Leiden Von der Geduld Mariens. 47 befreit zu werden, und wir wissen nicht, was wir verlangen. Diese Leiden sind für uns eine reiche Quelle des Verdienstes. Wo sah man je mehr Früchte der Heiligkeit und herrlichere Tugenden, als im Schatten des Kreuzes und auf dem Kalvarienberge! Durch die Geduld erwerben wir uns in wenigen Tagen mehr Verdienst, als wir dessen in vielen Jahren erwerben durch ein Leben, welches den Uebungen einer ruhigen Frömmigkeit geweiht ist. Wie oft schleicht sich die Eigenliebe in unsere frommen Werke ein! Aber bei einem Leben voller Leiden verdient man um so mehr, je weniger die Natur sich dabei findet und Alles für Gott geschieht. Verlangen wir auch nicht ein anderes Leiden; sagen wir nicht: ich würde jenes Leiden vorziehen, ich würde es geduldig ertragen. Christliche Seele! jenes andere Leiden, als das, welches du trägst, würde dir nicht zusagen. Gott weiß besser, als du selbst, was dir dienlich ist; hättest du dein Leiden zu wählen, du würdest dich sicher in der Wahl irren. Die Leiden, welche Gott uns schickt, bemißt Er nach unsern Bedürfnissen, nach unseren Kräften und nach den Absichten, welche Er mit uns hat. Sei versichert, daß Gottes Absichten immerdar dein wahres Glück bezwecken; denn Gott ist die Liebe." ( I. Joh. 4, 8.) . Der heilige Apostel Johannes sah nach dem Buche der Offenbarung alle Heiligen mit Palmen, dem Zeichen der Marter, in den Händen: Nach diesem sah ich eine große Schaar die hatten Balmen in den Händen"( Offenb. VII. 9.), wodurch uns angedeutet wird, daß alle Erwachsenen, die selig werden, entweder Märtyrer durch ihr vergossenes Blut oder durch ihre Geduld werden können. So konnte also der heilige Gregorius freudig ausrufen: Wenn 1 48 I. Tugendschule für Jungfrauen, wir immer geduldig bleiben, so können wir ohne das Schwert Märtyrer werden; wenn wir nämlich, nach dem Ausspruche des heiligen Bernhard, die Leiden dieses Lebens geduldig und freudig ertragen." Welch großer Lohn wartet auf uns im Himmel für alle Leiden, die wir aus Liebe zu Gott mit Geduld ertragen haben! Dieser Gedanke gab auch dem heiligen Paulus Muth zum Leiden: ,, denu unsere gegenwärtige Trübsal, die augenblicklich und leicht ist, bewirket eine Alles überwiegende Herrlichkeit in uns."( 2. Cor. III.) Auch die heilige Theresia hat uns hierüber schöne Ermahnungen hinterlassen; sie sagt: Wer das Kreuz umfaßt, der fühlt es nicht, und wenn Jemand sich entschließt, zu leiden, so empfindet er alsbald keine Bein mehr." Wenn uns unser Kreuz schwer wird, dürfen wir unsere Zuflucht zu Maria nehmen, die von der heiligen Kirche eine Trösterin der Betrübten" ge= nannt wird, und von welcher der heilige Johannes Damascenus sagt, sie sei ein Heilmittel aller Herzensleiden." Gebet zur seligsten Jungfrau um die Tugend NO TODISMOder Geduld. O meine süßeste Königin! du hast, obgleich du unschuldig warst, mit so großer Geduld gelitten, und ich, der ich so vieles verschuldet habe, ich follte nicht leiden wollen?- Ich bitte dich heute, meine Liebe Mutter! um die Gnade, nicht etwa von dem Kreuze befreit zu werden, nein, ich bitte dich um die Gnade, daß ich es mit Geduld trage. Aus Liebe zu Jesu wollest du mir diese Gnade verleihen, die ich voll Vertrauen durch deine Vermittelung zu erlangen hoffe. Amen. Guirogar spilled red olio Von dem Eifer Mariens im Guten. §. 7. Von dem Eifer der sel. Jungfrau im Guten. Betrachte, christliche Jungfrau, wie Maria aus großer Liebe zu Jesus nicht nur in steter Selbſtverleugnung, in Kreuz und Leiden ihren geliebten Sohn hat nachahmen wollen, sondern wie sie auch mit allem Eifer beflissen war, jeden Augenblick ihres Lebens zu seinem Wohlgefallen anzuwenden und ihr ganzes Thun und Lassen nach seinem göttlichen Willen zu richten. Es würde ihrem Gott liebenden Herzen unmöglich gewesen sein, etwas Anderes zu denken, zu reden, zu thun oder zu unternehmen als das, was Jesu lieb und angenehm war. Die Erfüllung des göttlichen Willens ging ihr über irdische Nahrung und Alles. Jeden Augenblick hätte sie Jesu gern ein neues Zeichen ihrer Liebe gegeben. Die verächtlichste Arbeit, das geringste Geschäft heiligte sie durch die Liebe zu Jesus, dem sie dadurch zu gefallen suchte.do in si Auch du, christliche Jungfrau, sollst bedenken, daß du gleichfalls einem Gott zu dienen hast, der es wohl werth ist, daß du Jhn in Allem und über Alles liebst und in deinem ganzen Wandel nur ſein Wohlgefallen zu erzielen strebft. Wie hast du dich bis jetzt gegen Ihn benommen? Hast du nicht Tage und Jahre nur dir und deiner Eitelkeit gelebt, einzig beschäftigt, falschen, treulosen Menschen zu gefallen, darüber Gottes Beifall vergessend, nur darauf bedacht, nach irdischem Gewinne zu trachten? Gehe in dich, bekenne deine große Thorheit, strebe künftig nur nach himmlischen Gütern, und suche mit allem Eifer einzig Jesu, deinem Seelenbräutigame, zu gefallen. ours TME id 9 id du Siehe mit Bedauern, wie die armen getäuschten Weltkinder sich früh und spät außer Athem setzen 49 50 I. Tugendschule für Jungfrauen. und abmühen nach einem Gewinne, den ihnen dann der Tod plößlich raubt. Du aber gehest langsamen Schrittes, um dir durch eine erhöhte Liebe zu Jesus den ewigen Lohn im Himmel zu erwerben. Nichts Außerordentliches sollst du thun, nicht dir den nö thigen Schlaf abbrechen und deine Kräfte erschöpfen; nur sollst du deine Gedanken auf Gott richten, und was die verblendete Menge um der Freundschaft willen oder aus Interesse und Gewinn thut, das unternimm du wegen Gott und für Gott. Und fiehe, wie freigebig, wie groß, wie gut Er ist! Beklage den Verlust so vieler Verdienste, die du dir hättest zueignen können; da aber die vergangene und einmal verlorne Zeit nicht mehr zurückzurufen ist, so beginne die noch übrigen Tage, die du zu leben hast, zur Ehre Gottes und zu deinem Seelenheile anzuwenden. 1. Alle deine geistlichen Uebungen und zeitlichen Geschäfte verrichte mit Eifer und dem innern Verlangen, dadurch deinem Gott zu gefallen und um seinen heiligen Willen zu vollziehen. 2. Wenn die Sache, die du zu thun hast, deiner verderbten Natur angemessen und angenehm ist, so suche dieser aufsteigenden Neigung zu widerstreben; ist dir hingegen ein Geschäft schwer und lästig, so laß dich nicht von deinem natürlichen Widerwillen und Ueberdruß überwinden, sondern besiege fie! 3. Die gute Absicht, Gott allein zu gefallen, erwecke, wenn du von deinem Ruhelager in der Frühe dich erhebest, dann oft im Laufe des Tages, und so oft du ein Geschäft oder eine Arbeit unternimmst. 4. Diese heilige Uebung sege unverdrossen und unermüdet fort, bis es dir zur Gewohnheit wird, ohne alle Mühe und Anstrengung all dein Sein und Wirken Gott aufzuopfern. Von dem Eifer Mariens im Guten. 51 Begehre von Maria die Gnade, in einer so wichtigen Angelegenheit ihrem hohen Beispiele zu folgen. Gebet zur seligsten Jungfrau um die Tugend des Eifers im Guten. Göttliche Mutter und Jungfrau! wie erhaben bist du vor Gott und den Menschen, denen die Gnade zu Theil wird, deine Würde zu erkennen! Vor dem Antlige Gottes bist du voll Gnaden, die dir theils in deiner Empfängniß, theils bei deiner Verkündigung sind ertheilt worden. Auch hast du sie dir durch den heiligen Eifer erworben, der dich antrieb, alle deine Seelenkräfte, alle Regungen des Gemüthes, alle Gedanken, Worte und Werke in der reinsten Absicht Gott zuzueignen. Vor den Menschen bist du groß, indem du ihnen als die Urheberin eines neuen und höhern Lebens durch die Ge burt des Erlösers erscheinst, so daß sie dir als solcher die gebührende Verehrung zollen. Verleihe mir denn, du holdeste und mächtigste der Jungfrauen, daß ich nach deinem Beispiele mit allem Eifer nach dem Beifalle meines Gottes strebe, und daß all mein Thun und Lassen nach seinem heiligen Willen gerichtet sei! Amen. Schluß der Tugendschule für Jungfrauen." Wirst du nun, o christliche Jungfrau! nach Allem, was du bisher vernommen, noch zögern, der seligsten Jungfrau Maria, diesem erhabenen Vorbild aller Tugenden, nach der Würde ihre Tugenden zu huldigen und dich durch die Betrachtung derselben zur treuen Nachfolge hinziehen zu lassen? 52 I. Tugendschule für Jungfrauen. Oder befürchtest du auch jetzt noch, eines übertries benen Eifers in ihrer Verehrung beschuldiget zu werden, ungeachtet die Worte und Beispiele so vieler ausgezeichneter Heiligen und hochbegnadigter Seelen aus allen christlichen Jahrhunderten vor deiner Seele stehen und die vom heiligen Geiste geleitete Kirche nimmer müde wird, der Hochgebenedeiten die herrlichsten Lobsprüche in ihren Gesängen und Gebeten zu ertheilen und täglich mit neuer heiliger Freude zu wiederholen? Nein, so lange du innert der Grenze des Glaubens wandelst und die von der Kirche in Bezug auf die Verehrung Mariens vorgeschriebenen Regeln beobachtest, verdienst du gewiß nicht getadelt zu werden, wohl aber im Gegentheile, wenn du die Andacht und Verehrung der erhabenen Gottesmutter geringschäßzest. Es ist eben so tröstlich als rühmlich, seine Pflichten treu erfüllt zu haben, gleichwie es ein unumstößlicher Beweis von dem Heldenmuthe einer Seele ist, wenn sie sich über die fahlen Spöttereien glaubensarmer, verkommener Alltagsmenschen hinwegseßt. Höre und beherzige zum Schlusse die Worte des großen heiligen Bonaventura: " In all deinen Anliegen, deinen Gefahren oder Trübsalen wende dich an Maria, die uns als die sicherste Zufluchtsstätte aufgestellt ist. Bitte sie um ihren Schuß; wähle sie zu deiner Fürsprecherin; lege deinen Handel mit voller Zuversicht in ihre Hände; denn sie ist die Mutter der Barmherzigkeit; bestrebe dich, sie täglich durch irgend eine Huldigung zu verehren. Willst du aber, daß deine Huldigung von ihr genehmigt und deine Andacht ihr wohlgefällig sei, so bemühe dich sorgfältig, die vollkommene Reinigkeit, deren Muster sie ist, getreu zu bewahren und durch Demuth, durch wahre Gottesund Nächstenliebe, durch Unterwerfung in des Herrn Schluß der Tugendschule für Jungfrauen." 53 Wille und eifriges Gebet auf der von ihr vorgezeichneten Tugendbahn getreu zu wandeln. So wenig es Denjenigen, von denen Maria ihre erbarmungsvollen Augen abwendet, möglich ist, sich zu retten, eben so nothwendig ist es, daß Jene, für welche sie ihre mütterliche Fürbitte einlegt, gerechtfertiget und verherrlichet werden." So erzeige dich denn, o Mutter Jesu, als eine Mutter der Barmherzigkeit: erzeige dich mir als Mutter, und laß mich dein getreues Kind sein! Auf dieses hin schließe ich mit dir den Bund der Treue: ich verspreche dir, o Maria, schönstes Vorbild aller Tugenden, daß ich dich immer verehren und lieben will! Ich will die hellleuchtenden Tugendbeispiele, die du mir während deines Lebens auf Erden gegeben, immer vor meinen Augen schweben lassen und selbe nach Möglichkeit nachahmen. Rein sei also künftig auch mein Herz und unsträflich mein Wandel, eingezogen, sittsam und be scheiden mein ganzes Betragen. Gottes Willen treu befolgen, im Stillen Gutes wirken, die Pflichten meines Standes genau erfüllen, oft im Gebete mein Herz zu Gott erheben, stets keusch leben, alle Hoffart, Eitelkeit und jede Versuchung zur Sünde bekämpfen, sei künftig unabläßig mein Bestreben. Dann darf ich hoffen, daß dir, liebevolle Mutter! meine Verehrung wohlgefällig und mir an meinem Seelenheile nützlich sein werde, und du mich mit deiner mächtigen Fürbitte unterstützen werdest. Führ' mich auf der Tugendbahn, Reinste Jungfrau, himmelan! Hellin Zweite Abtheilung. Lehrschule für Jungfrauen. Nach des heiligen Franz von Sales, Philotheaª und des heiligen Alphons von Liguori„ Braut Jesu Christi." Erstes Kapitel. Beschreibung der wahren Frömmigkeit. Du strebst nach Frömmigkeit, christliche Jungfrau! weil du als Christin weißt, daß sie eine der göttlichen Majestät höchst wohlgefällige Tugend ist. Da aber geringe Fehler, die man im Beginne eines Geschäftes begeht, im Verlaufe desselben immerfort sich vergrößern und zuleßt beinahe unheilbar werden, so mußt du vor allen Dingen wissen, worin die Tugend der Frömmigkeit eigentlich besteht. Denn da es nur eine echte Frömmigkeit, wohl aber eine große Menge falscher Abarten derselben gibt, so könntest du ohne Kenntniß der echten leicht irre gehen, und einer ungereimten und abergläubischen Frömmigkeit nachstreben. Der Maler Aurelius zeichnete die Gesichter seiner Gemälde nach den Zügen und der Aehnlichkeit der Frauen, die er verehrte; so malt sich auch Jeder die Frömmigkeit nach seiner Neigung und Einbildung aus. Wer gerne fastet, hält sich für sehr Beschreibung der wahren Frömmigkeit. fromm, wenn er nur fastet, obgleich sein Inneres eine Geburtsstätte des Hasses und Uebelwollens ist; er wagt vor lauter Mäßigkeit nicht, die Zunge mit Wein, ja nicht einmal bis zur Sättigung mit Wasser zu neßen; trägt dagegen kein Bedenken, sie durch Verkleinerung und Verläumdung in's Blut seines Nächsten zu tauchen. Ein Anderer wird sich für fromm halten, weil er täglich eine große Anzahl Gebete hersagt, seine Zunge mag sich hierauf noch so sehr in grämlichen, anmaßenden und beleidigenden Worten über Hausgenossen und Nachbarn ergießen. Dieser hat für den Ärmen stets eine offene Börse, aber für Liebe und Versöhnlichkeit stets ein verschlossenes Herz; Jener verzeiht gerne seinen Feinden, bezahlt jedoch seine Gläubiger nicht eher, bis die Gerichte ihn dazu zwingen. Alle diese Leute hält man gewöhnlich für fromm; dennoch sind sie es feineswegs. Die Knechte Sauls suchten David in seinem Hause; Michol aber hatte eine Bildsäule, mit Davids Gewande angethan, in's Bett gelegt, und machte ihnen weis, David sei krank und schlafe. Auf ähnliche Weise hüllen sich Manche in den äußerlichen Schein gewisser der Frömmigkeit angehörender Werke, und die Welt hält sie für sehr fromme und christlich gesinnte Menschen, aber in Wahrheit find sie nur Trugbilder der Frömmigkeit. 55 Die wahre und lebendige Frömmigkeit, meine Tochter! setzt die Liebe Gottes voraus, ja sie iſt nichts anders als eine wahre Liebe zu Gott. Dieſe Liebe heißt Gnade, insofern sie unsere Seele verschönert, und in den Augen Gottes wohlgefällig macht. Gibt diese Liebe uns die Kraft, das Gute zu thun, dann heißt sie thätige Liebe; hat sie aber eine so hohe Stufe der Vollkommenheit erreicht, daß sie uns anregt, das Gute mit Sorgfalt, schnell 56 II. Lehrschule für Jungfrauen. und oft zu thun, dann erhält sie den Namen Frömmigkeit. Folgender natürliche Vergleich wird uns dieses deutlich machen. Die Strauße fliegen nie; die Hühner nur schwer, niedrig und selten; die Adler, Tauben und Schwalben fliegen oft, schnell und hoch. Also trägt der Fluch der Sünder diese nicht bis zu Gott empor, immer flattern sie nächst der Erde und wegen der Erde umher. Gute Menschen, die noch nicht zur Frömmigkeit gelangt sind, erheben sich durch ihre guten Werke zwar zu Gott, jedoch selten, langsam und schwer; wirklich fromme Seelen aber, die den Adlern und Tauben gleichen, schwingen sich mit raschem, hohem und beinahe unermüdlichem Fluge zu Gott empor. Kurz, die Frömmigkeit ist nichts anders, als eine geistige Schnellkraft und Lebendigkeit, durch welche die thätige Liebe in uns wirkt, oder wir selbst mit der Liebe alles Gute thun, dessen wir fähig sind. Wie es also der thätigen Liebe eigen ist, uns zur Beobachtung der Gebote Gottes insgesammt anzuhalten, so ist es der Frömmigkeit eigen, uns anzuregen, daß wir dieselben schnell und eifrig befolgen. Daher kann auch, wer nicht alle Gebote Gottes beobachtet, weder gut noch fromm genannt werden; denn um gut zu ſein, muß man die thätige Liebe, und um fromm zu sein, außer der thätigen Liebe noch eine große Schnellkraft und Lebendigkeit zu Werken der Liebe besigen. Da überdies die Frömmigkeit in einem gewissen Grade erhabener Liebe besteht, so bewirkt sie nicht nur, daß wir schnell, thätig und eifrig in der Beobachtung aller Gebote Gottes sind, sondern sie eifert uns auch noch an, daß wir schnell und mit Innigkeit so viele gute Werke vollbringen, als wir vermögen, wenn diese auch keineswegs geboten, son Von der Nothwendigkeit eines Führers 2c. dern nur angerathen oder uns innerlich eingegeben sind. Denn wie ein Mensch, der eben erst von einer Krankheit genaß, nur so weit geht, als er gehen muß, und auch dahin nur langsam und mit schwerem Schritte, so wandelt auch der Sünder, der erst von seiner Ungerechtigkeit geheilt worden ist, auf dent Wege des Heiles nur so weit, als Gott es ihm befiehlt, und auch dahin nur schwerfällig und langsam, bis er endlich die Frömmigkeit erreicht hat, wo er dann als ein vollkommen gesunder Mann auf der Bahn der Gebote Gottes nicht allein geht, sondern läuft und hüpft; ja er geht über diese Bahn noch hinüber und läuft wohin Gottes Stimme ihn ruft, sei es durch heilsame Räthe oder durch die Eingebungen seiner Gnade. Endlich ist die thätige Liebe nicht mehr von der Frömmigkeit verschieden, als das Feuer von der Flamme; da die thätige Liebe ein geistiges Feuer ist, das, wenn es hoch emporflammt, Frömmigkeit genannt wird. Die Frömmigkeit fügt also dem Feuer der thätigen Liebe nur die Flamme hinzu, welche sie nicht allein in der Beobachtung der göttlichen Gebote, sondern auch in der Uebung heilsamen Rathes und himmlischer Eingebungen schnell, thätig und eifrig macht. Das ist die wahre Frömmigkeit. Jen 57 Zweites Kapitel. Von der Nothwendigkeit eines Führers, um den Weg der Frömmigkeit betreten und auf demselben fortschreiten zu können. Als der junge Tobias von seinem Vater Befehl erhielt, nach Rages zu gehen, sagte er: Ich weiß den Weg nicht. So gehe denn", erwiederte dieser, und suche dir einen treuen Führer, der dich geleite." 58 II. Lehrschule für Jungfrauen. Eben dieses fage ich dir, christliche Jungfrau! Willst du den Weg der Frömmigkeit mit Ernst betreten, so suche dir irgend einen in der Tugend bewährten Freund, der dich leite und führe. Dieses ist die erste und wichtigste von allen Lehren. Wie du auch suchen magst, spricht der fromme Avila, so wirst du doch den Willen Gottes nie so sicher finden, als auf dem Wege jenes demüthigen Gehorsames, den die Frommen der Vorzeit so sehr empfohlen, und selbst so genau geübt haben. Als die heilige Mutter Theresia die strengen Bußwerke sah, welche die fromme Katharina von Cordua verrichtete, wünschte sie sehr, es ihr hierin nachzuthun, und kam in große Versuchung, ihrem Beichtvater, der ihr solches verboten hatte, ungehorsam zu werden. Sie gehorsamte jedoch, und Gott sprach dann zu ihr: Du schätzest diese Bußwerke sehr hoch, Ich aber schäße deinen Gehorsam höher." Auch liebte sie seitdem diese Tugend so sehr, daß sie außer dem ihren Obern schuldigen Gehorsam noch einen ganz besondern gelobte, indem sie sich verpflichtete, der Leitung und dem Rathe eines großen Dieners Gottes zu folgen, und dieses gereichte ihr, sowie vor ihr vielen frommen Seelen, zu großem Troste, die, um Gott beſser gehorchen zu lernen, ihren Willen dem seiner Diener unterwarfen. Diese demüthige Unterwerfung lobt die heilige Katharina von Siena in ihren Gesprächen ungemein. Die fromme Fürstin Elisabeth überließ sich mit vollkommenem Gehorsam der Leitung ihres Lehrers Konrad; und der große heilige Ludwig gab vor seinem Tode seinem Sohne unter andern diese Lehre: ,, Beichte oft und wähle dir zum Beichtvater einen Mann, der Wissenschaft und Einsicht genug besitzt, dich zu lehren, was du zu thun hast, um dein Heil zu wirken." Von der Nothwendigkeit eines Führers 2c. ,, Ein treuer Freund," sagt die heilige Schrift, ist ein starker Schuß: wer ihn gefunden, hat einen Schaß gefunden. Ein treuer Freund ist Arznei des Lebens und der Unsterblichkeit; die Gott fürchten, finden ihn." Diese göttlichen Worte, wie du siehst, haben besonders die Unsterblichkeit im Auge, für welche wir vor allem andern dieses treuen Freundes bedürfen, der durch Rath und Ermahnungen alle unsere Handlungen leiten und uns dadurch vor den Fallstricken des bösen Feindes schüßen soll. Wir werden an ihm einen Schaß der Weisheit haben, um das Böse zu meiden und das Gute auf eine verdienstlichere Weise zu thun; Trost in Bedrängnissen, einen mächtigen Beistand, um uns vom Falle wieder zu erheben, und alle Mittel, die zu unserer vollkommenen Genesung von den geistigen Schwachheiten nöthig sind. Aber wer wird diesen Freund finden? Jene," antwortet der Weise, die Gott fürchten;" das heißt, die Demüthigen, die nach ihrem geistigen Wachs thum sich sehnen. Da dir also so viel daran gelegen fei muß, auf dem Wege der Frömmigkeit einen guten Führer zu haben, so bitte Gott inbrünftig, daß Er Einen nach seinem Herzen dir gebe, und zweifle nicht, daß Er einen weisen und treuen Führer dir geben wird, sollte Er auch wie dem jungen Tobias einen Engel vom Himmel dir senden müssen. 59 Ein Engel muß dieser Führer dir auch immer sein, das heißt, fandest du ihn, so betrachte ihn nicht als einen gewöhnlichen Menschen, sondern vertraue dich ihm nur als einem Solchen an, den Gott dir gesendet hat; denn Gott selbst wird sich desselben als eines Werkzeuges bedienen, um dich zu unterrichten und zu leiten; Er wird ihm in Herz 60 II. Lehrschule für Jungfrauen. und Mund legen, was zu deinem Heile ersprießlich ist; du mußt ihm also wie einem Engel Gehör geben, der vom Himmel kommt, dich dahin zu führen. Handle aufrichtig gegen ihn, öffne ihm dein Herz und entdecke ihm alles Gute und Böse, was in dir ist. Das Gute wird dadurch in dir geläutert und befestigt, und das Böse gebeffert und geheilt; in der Trübsal wirst du dadurch erleichtert und gestärkt, in der Freude mäßiger und geregelter werden. Verbinde dein Vertrauen zu ihm mit heiliger Ehrfurcht und zwar in solchem Maaße, daß die Ehrfurcht weder das Vertrauen, noch das Vertrauen die Ehrfurcht vermindere. Vertraue ihm mit der Ehrfurcht einer Tochter gegen ihren Vater; verehre ihn mit dem Vertrauen eines Sohnes gegen seine Mutter. Kurz, diese Freundschaft muß stark und sanft, ganz geistig, ganz gottselig, sie muß ganz göttlich und heilig sein. „ Deswegen erwähle Einen aus Tausenden," sagt Avila; ich aber sage aus Zehntausenden; denn es gibt der Männer, die zu diesem Amte tauglich sind, weniger, als man glauben möchte. Erfüllt muß er sein mit thätiger Liebe, Wissenschaft und Klugheit; und es wäre gefährlich, wenn eine dieser Eigenschaften ihm fehlte. Ich wiederhole daher: Flehe Gott um einen solchen Führer an, und hast du ihn gefunden, dann preise die göttliche Majestät, halte fest an ihm, und suche keinen andern, sondern wandle in aller Einfalt, in aller Demuth, in allem Vertrauen zu Gott, und deine Pilgerfahrt auf Erden wird sehr glücklich sein. is domis Wie die Seele das fromme Leben wählt. 61 Drittes Kapitel. Von der Art und Weise, wie die Seele das fromme Leben wählt. Vorbereitung Stelle dich in die Gegenwart Gottes. Flehe demüthig um seinen Beistand Ihn au. Betrachtungspunkte. Stelle dir vor, christliche Jungfrau! du wärest mit deinem Schußengel allein auf einem weiten Felde, und sähest zur Linken den Fürsten der Finsterniß auf einem hohen Throne fißen, von einer Schaar höllischer Geister umgeben, und rings um ihn eine große Anzahl Weltlinge, die mit entblößtem Haupte als ihren Herrn ihn erkennend, bald durch dieſe, bald durch jene Sünde ihm huldigen. Blicke hin auf die Geberden aller unseligen Höflinge dieses fluchwürdigen Herrschers. Einige wüthen vor Haß, Neid und Zorn; Andere ermorden einander. Gierig und nachsinnend eifern Diese, Reichthümer zusammen zu scharren; Jene, ganz der Eitelkeit hingegeben, kennen durchaus keine andere als alberne und unnüße Freuden. Noch Andere sind feige in ihrer Sinnlichkeit verloren, und verfaulen ganz in thierischen Begierden. Sieh, wie Alle ohne Ruhe, ohne Ordnung, ohne Fassung sind. Sieh, wie Alle einander verachten und nur äußerlich, falschem Scheine nach sich lieben. Kurz, du siehst einen unglückseligen, von diesem verfluchten Könige tyrannisirten Staat, der dir Entseßen einflößen wird. Auf der rechten Seite dagegen sieh Jesus Chri stus, den Gekreuzigten, der mit herzlicher Liebe um 4 62 II. Lehrschule für Jungfrauen. die Befreiung dieser armen Leibeigenen des Satans fleht und liebreich sie zu sich ruft. Sieh, eine Schaar frommer Seelen ist mit ihren Engeln um ihn. Betrachte die Schönheit dieses Reiches der Frömmigfeit. O wie lieblich ist der Anblick dieser jungfräulichen Schaar beiderlei Geschlechtes, heller denn Lilien glänzend, dieser Gesellschaft von Wittwen voll heiliger Abtödtung und Demuth! Sieh die Reihen so vieler Gatten, die so friedlich und in gegenseitiger Achtung mit einander leben, was ohne einen hohen Grad thätiger Liebe nicht möglich wäre. Sieh, wie diese andächtigen Seelen die Sorgfalt für ihr irdisches Hauswesen mit der Sorgfalt für das Ewige, die Liebe für den Gatten mit der Liebe für den himmlischen Bräutigam vereinigen. Blicke hin, wo du immer willst, und Alle wirst du in heiliger, sanfter, freundlicher Haltung schauen, wie sie Jeſus, ihren Gebieter anhören, den Jeder mitten in sein Herz pflanzen möchte. Wohl erfreuen sie sich, aber in gefälliger, liebevoller und geregelter Freude; wohl lieben sie einander, aber in heiliger, höchst reiner Liebe. Wer unter diesem frommen Volfe von Leiden heimgesucht wird, geräth nicht sonderlich in Unruhe, und verliert deshalb die Fassung nicht. Sieh endlich die Augen des Erlösers, der sie tröstet, und wie Alle nur nach Ihm sich sehnen. Nun hast du zwar, meine Tochter! durch gute Vorfäße den Satan und seine unselige Horde verlassen; doch noch bist du nicht zu dem Könige Jesus gelangt, noch auch mit seiner seligen und heiligen Gesellschaft frommer Seelen vereint; denn noch im mer schwanktest du zwischen beiden. Die heilige Jungfrau, der heilige Joseph, die heilige Agnes, die heilige Theresia, die heilige Mo Wie die Seele das fromme Leben wählt. 63 nika und hunderttausend andere Heilige, die einst in der Welt ein gottgefälliges Leben führten, laden dich ein und ermuthigen dich, ihnen zu folgen. Der gekreuzigte König ruft dich bei deinem Namen: ,, Komm', o innig geliebte Seele, komm', daß Ich dich kröne!" Wahl. O Welt, o unselige Schaar! Nein, nimmermehr sollst du fernerhin unter deiner Fahne mich sehen! Auf immer habe ich deinen Wahnsinn und deine Thorheiten verlassen. O König der Hoffart, König des Unheils, höllischer Geist! ich entsage dir mit all deiner eitlen Pracht, ich verfluche dich mit allen deinen Werken. C'ni Zu dir wende ich mich, o süßer Jesus, König der Seligkeit und der Glorie! Dich umfange ich mit allen Kräften meiner Seele, Dich bete ich von ganzem Herzen an; Dich erwähle ich für nun und immer zu meinem Könige und einzigen Herrscher; Dir schwöre ich unverbrüchliche Treue, Dir bringe ich unwiderrufliche Huldigung; ganz unterwerfe ich mich dem Gehorsam deiner heiligen Gesetze und Anordnungen. O hochheilige Jungfrau, meine liebreiche Gebie terin! dich erwähle ich zu meiner Führerin, reihe mich unter deine Fahne und gelobe dir eine besondere Verehrung und Andacht. Oheiliger Schußengel! führe in diese heilige Versammlung mich ein, und verlaß mich nicht, bis ich angelangt bin bei dieser glückseligen Schaar, welcher ich jetzt und in Ewigkeit zur Bekräftigung mit meiner Wahl rufe: Es lebe Jesus und Maria in Aller Herzen!" II. Lehrschule für Jungfrauen." Hierauf nimm folgende feierliche Erklärung zur Hand, lies sie mit Aufmerksamkeit und mit so innigem Gefühle als möglich. 64 Feierliche Erklärung, um durch dieselbe den Ent schluß: Gott dienen zu wollen," der Seele uns auslöschlich einzuprägen. Nachdem ich unterzeichnetes Geschöpf in Gegenwart des ewigen Gottes und des ganzen himmlischen Hofes die unermeßliche Erbarmung der göttlichen Huld gegen mich, sein ganz unwürdiges Geschöpf, betrachtet habe, das Er aus Nichts erschaffen, erhalten, unterstüßt, aus so vielen Gefahren errettet und mit so vielen Wohlthaten überhäuft hat, nachdem ich ferner in's Besondere die unbegreifliche Sanftmuth und Milde überdacht habe, mit welcher dieser gütige Gott selbst in meinen Missethaten mich duldete, so oft und so freundlich durch seine Eingebungen zur Besserung mich einlud, und bis in dieses Jahr mit so großer Geduld zur Reue und Buße erwartete, ungeachtet ich durch übergroße Undankbarkeit und Untreue, meine Bekehrung von Tag zu Tag verschiebend, und seine Gnade verachtend, so thöricht Ihn beleidigte- nachdem ich überdies erwogen habe, daß am Tage meiner heiligen Taufe ich meinem Gott so selig und heilig geopfert und geweiht ward, seine Tochter zu sein, und dennoch, troß des an jenem Tage in meinem Namen gegebenen Versprechens, mein Gemüth so oft, so unselig und abscheulich entheiliget, befleckt und gegen die göttliche Majestät empört und mißbraucht habe:- kehre ich nun endlich zu mir selbſt.. zurück; und mit Herz und Gemüth vor dem Throne der göttlichen Gerechtigkeit mich niederwerfend, er— Wie die Seele das fromme Leben wählt. kenne und bekenne ich mich des Verbrechens der beleidigten Majestät Gottes und des Todes Jesu Christi schuldig, den Er nur meiner Sünden wegen am Kreuze gelitten hat, so daß ich also verdiente, auf ewig verworfen zu werden. 65 Nachdem ich jedoch die Sünden meines verflossenen Lebens von Grund meiner Seele verabscheut habe, wende ich mich nun zu dem Gnadenthrone desselben ewigen Gottes, und flehe demüthig um Gnade, Verzeihung und Erbarmung, so wie um gänzliche Lossprechung von meiner Schuld im Namen eben dieses Herrn und Erlösers meiner Seele, der für mein Heil am Kreuze gestorben ist. Und indem ich auf Ihn alle meine Hoffnungen gründe, erneuere ich nun jenes Versprechen der Treue, das ich bei meiner Taufe dem ewigen Gott durch meine Pather ablegte. Ich entfage gegenwärtig wie damals dem Teufel, der Welt und dem Fleische; ich verwünsche für Zeit und Ewigkeit ihre unseligen Einflüsterungen, Eitelkeiten und Gelüste, und verpflichte mich unwiderruflich, meinen gnädigen und liebreichen Gott nun und ewig zu lieben, und Ihm zu dienen. Zu diesem Ende schenke, weihe und opfere ich Ihm dann auch meine Seele mit allen ihren Kräften, mein Herz mit allen seinen Neigungen und meinen Körper mit allen seinen Sinnen, und betheure, daß ich nun und nimmer irgend einen Theil meines Wesens gegen seinen Willen und seine allerhöchste Majeſtät mißbrauchen werde, welcher ich mich mit dem ganzen Gehorsam ergebe, den ein getreues Geschöpf ihr schuldig ist; auch will ich diesen meinen festen Entschluß nie und nimmer widerrufen, noch bereuen. Sollte ich aber durch Einflüsterung des bösen Feindes oder aus menschlicher Gebrechlichkeit meinen guten Vorjäßen und meiner Hingebung irgendwie untreu 4* a 6 II. Lehrschule für Jungfrauen. werden, so betheure ich von nun an und nehme mir vor, sobald ich meinen Fall bemerke, mit dem gnädigen Beistande des heiligen Geistes sogleich mich zu erheben, und abermal ohne Verzug an die göttliche Erbarmung mich zu wenden. 6 Dieses ist mein Wille, meine Meinung und mein unveränderlicher, unwiderruflicher Entschluß, welchen ich ohne Rückhalt und Ausnahme bestätige und bekräftige, und zwar in derselben hochheiligen Ge genwart meines Gottes, und vor dem Angesichte der triumphirenden, so wie der streitenden Kirche, meiner Mutter, welche durch ihren Diener diese meine feierliche Erklärung anhört und empfängt. Dewiger, allmächtiger und allgütiger Gott, Va= ter, Sohn und heiliger Geist! stärke mich in diesem meinem Entschlusse, und würdige mich, das Opfer, ich welchem ich Dir mein ganzes Wesen darbringe, wie einen lieblichen Wohlgeruch anzunehmen. Und wie Du in deiner Huld mich erleuchtetest und mir den Entschluß gabest, es Dir darzubringen, so verleihe mir auch die Kraft und die Gnade, das zu erfüllen, wozu ich mich durch dieses Opfer verpflichtet habe. D mein Gott! Du bist mein Gott, der Gott meines Herzens, der Gott mei: Geistes, der Gott meiner ganzen Seele; als Solchen erkenne und bete ich Dich nun und in Ewigkeit an. Es lebe Jesus! Viertes Kapitel. Tagesordnung einer christlichen Jungfrau. Für eine Jungfrau, die nach der christlichen Vollkommenheit strebt, ist es sehr nüßlich, ja nothwen dig, sich eine regelmäßige Tagesordnung festzusetzen, Tagesorduung einer christlichen Jungfrau. 67 nach welcher sie ihre Lebensweise einrichten, und von welcher sie nie, außer gezwungen durch gebieterische Nothwendigkeit, abweichen soll; denn jene Dinge, welche ohne Ordnung vorgenommen werden, geschehen entweder gar nicht, oder nur halb, selten gut. Die Ordnung ist die Führerin zu Gott, und was von Gott ist, ist geordnet," sagt der heilige Kirchenvater Augustinus. Niemals wird man zur wahren Frömmigkeit gelangen, wenn man heute voll der Andacht ist, morgen alles Beten unterläßt; einen Tag übermäßig arbeitet, den andern in Müßiggang und Zerstreuung zubringt, bald ein rauhes Bußleben, bald ein weichliches Weltleben führt. Es ist kein Heil ohne Ordnung, ohne christliche, unserm Stande und unsern Kräften angemessene Tagesordnung, die wir treu und standhaft befolgen. Darum ruft der heilige Bernhard Allen, die auf der Bahn des Heils fortschreiten wollen, die Worte zu: Ich bitte euch, bewahret mit unabläßiger Sorgfalt die Ordnung, damit die Ordnung euch bewahre!"- 1) Ist die Stunde des Aufstehens da, so zögere nicht!"( Sirach 32, 15.) Der Engel ruft dir, wie einst dem Petrus zu: Steh' eilends auf, und folge mir!"( Apostelgeschichte 12, 7.) Höre nicht auf die Klagestimme der weichlichen Natur; der muntere Geist soll das träge Fleisch besiegen. Diese Ueberwindung, welch ein schönes Morgenopfer ist sie vor dem Herrn! 2) Dein erster Gedanke sei- Gott. Gott, mein Gott! zu Dir erwache ich am frühen Morgen." ( Psalm 62.) 3) Bezeichne Stirne, Mund und Brust mit dem heiligen Kreuze. Ehre sei dem Vater, und dem Sohne, und dem heiligen Geiste!" II. Lehrschule für Jungfrauen. 4) Kleide dich hierauf an, eingedenk, daß Gott dich sieht, daß dein heiliger Engel dir zur Seite steht. Herr, gib mir das Kleid der Unschuld und Heiligkeit, dessen die Sünde unsere Stammeltern im Paradiese beraubt hat!" 68 5) Verrichte mit möglichster Andacht dein Mor= gengebet und schiebe es nicht auf, sonst wirst du es vergessen. Anfang und Ende von Allem ist Gott. 6) Eine Anleitung zur frommen Ausführung deines Tagwerkes gibt dir die heilige Theresia in ihrem heilsamen Spiegel für die Seele." In demselben sagt sie: ,, Bleibe mit Sorgfalt bemüht, heute folgende Tugenden auszuüben: Den Wandel in der Gegenwart Gottes des Vaters, und in ihm die Vereinigung aller deiner Werke mit den Werken Jesu Christi, des Herrn. Eine besondere Andacht zu dem heiligen Geiste, und eine innige Verehrung der allerseligsten Jungfrau Maria. Freudige Liebe zu dem allerheiligsten Sakramente des Altars, und daß du dasselbe mit der bestmöglichsten Vorbereitung empfangest. Eine tiefe Demuth mit dem Bekenntnisse, daß du Gott, deinen Herrn, beleidigt habest. Reinheit des Gewissens, ohne daß du mit Vorbedacht in irgend eine Todsünde, ja, nicht einmal in eine läßliche Sünde einwilligest. Ein anhaltendes Gebet, aus welchem du die Frucht der Liebe gewinnen sollst. Nechte Liebe zu Gott und zu dem Nächsten, welche der Inbegriff und das Ziel aller Vollkommenheit ist. Den Gehorsam. Aufrichtigkeit des Gemüthes und Einfalt des Tagesordnung einer christlichen Jungfrau. 69 Geistes- in Verbindung mit bescheidener Treuherzigkeit. Geduld und Starkmuth in allen Leiden und Widerwärtigkeiten. Wahrheit in jeglichem Worte und der Art, daß du selbst nichts Lügenhaftes aussprichst, und auch nicht gestattest, daß es von Andern geschehe. Den Eifer für die Seelen, daß du stets trachteft, so Viele, als es dir immer möglich sein wird, zu Gott zu führen. Und dann sei es dein vorzüglichstes Streben, der heiligen Messe und dem Gottesdienste mit der aufmerksamsten Andacht beizuwohnen." 7) Beim Beginne deiner Berufsarbeiten erneuere die gute Meinung, an der so außerordentlich Vie. les gelegen ist, und die darin besteht, daß du Gott all deine Gedanken, Worte und Werke, all dein Thun und Leiden aufopferst, damit Alles nur zu seiner Ehre und zu deinem Seelenheile gereiche. Durch die gute Meinung werden deine geringsten Beschäftigungen geheiligt, und sind gleichsam ein immerwährendes Gebet.( Siehe Seite 71.) 11 8) Erhebe während der Arbeit dein Herz oft zum Himmel; denke hie und da: Was nicht wegen Gott geschieht, ist verdienstlos und auf ewig verloren." Die Hand sei bei der Arbeit, das Herz bei Gott! 9) Beim Glockenzeichen des Mittags, so wie auch Morgens und Abends, bete: Der Engel des Herrn 2c.", und danke Gott für das Geheimniß der Menschwerdung Jesu Christi. 10) Vor und nach dem Essen hebe deine Hände bittend und dankend zum Herrn empor. Jener Tafel wird nichts mangeln, die mit Gebet angefangen und beschlossen wird," sagt der heilige Chry II. Lehrschule für Jungfrauen. sostomus. Bezähme die unordentliche Eßluft, und hüte dich vor Üebermaß in Speise und Trank. Hast du Ueberfluß, so gedenke auch des armen Lazarus, und gönne ihm doch die Brosamen deines Tisches. 11) Meide den Müßiggang; er ist der Anfang aller Laster. Ebenso meide auch die Gelegenheiten zur Sünde. 70 12) Wenn dich eine Versuchung ankömmt, sprich sogleich irgend ein Schußgebetlein. ,, Gedenke an die legten Dinge, so wirst du in Ewigkeit nicht fündigen." 13) Hast du eine Sünde begangen, so bereue fie augenblicklich, mit dem aufrichtigen Vorsake, so bald als möglich zur Beicht zu gehen. Meide sorgfältig auch die kleinen Fehler; denn unvermerkt führen sie zu größern. 14) Gib nie Jenen Gehör, die von Andern Böses reden; viel weniger sage du selbst von Jemand etwas Nachtheiliges.co 15) Das Abendgebet unterlasse niemals.- Haft du dasselbe verrichtet, so entkleide dich ehrbar, besprenge dich mit Weihwasser, gedenkend, wie man einst deinen Leichnam damit besprengen wird, und betrachte das Bett als das Grab, in welches du gelegt werden sollst. Verharre in frommen Gedanken und Anmuthungen, bis du einschläfft. Stelle dir zur Rechten Maria, zur Linken den heiligen Joseph vor, und umarme in der Mitte Beider den süßen Jesus. Jesus, Maria und Joseph: Euch schenke ich mein Herz und meine Seele!" pun - vie Von der Heiligung der Tagesgeschäfte. Fünftes Kapitel. tonal Von der Heiligung der Tagesgeschäfte durch die gute Meinung. 71 Die gute Meinung besteht darin, daß wir Alles in der Absicht verrichten, Gott zu gefallen. Die gute oder böse Absicht, mit der wir eine Sache, sei es eine große oder eine kleine, betreiben, macht ſie in den Augen Gottes entweder wohlgefällig oder verwerflich. Der göttliche Bräutigam im hohen Liede sagt, seine Braut habe durch eines ihrer Augen und durch eines ihrer Haare Ihm das Herz ge= raubt. Nun ist aber unter allen äußerlichen Theilen des menschlichen Körpers, sowohl dem künstlichen Baue als der Wirksamkeit nach, feines so edel, als das Auge, keines dagegen so unbedeutend, als ein Haar. Der göttliche Bräutigam gibt uns dadurch zu verstehen, daß nicht nur die glänzenden Werke frommer Menschen, sondern auch die geringsten und niedrigsten Verrichtungen derselben Ihm angenehm sind, und daß, wer nach seinem Wohlgefallen Ihm dienen will, mit großer Sorgfalt darauf sehen muß, daß er sowohl in großen und erhabenen, als in kleinen und in geringfügigen Dingen Ihm diene, da wir, mittelst der Liebe, die sich durch die gute Meinung kund gibt, auf gleiche Weise durch große und kleine Dinge seine Liebe gewinnen können. Sei also bereit, christliche Jungfrau! viele und große Drangsale für Gott zu erdulden. Sei bereit, Ihm das Theuerste und Kostbarste, was du besiBest: Vater, Mutter, Bruder, ja sogar deine Augen und dein Leben hinzugeben, wenn Ihm gefällt, es dir zu nehmen. So lange indessen die göttliche Vorsehung so fühlbare und große Trübsal nicht über 72 II. Lehrschule für Jungfrauen. dich verhängt, und nicht die Augen von dir verlangt, opfere ihr wenigstens deine Haare, das heißt, dulde mit Sanftmuth jene geringen Unbilden, jene kleinen Unannehmlichkeiten, jene unbedeutenden Verluste, die beinahe täglich vorfallen. Denn benüßeſt du diese kleinen Umstände im Geiste der guten Meinung, der wahren Gottesliebe, dann wirst du sein Herz gänzlich gewinnen und dir eigen machen. Jene täglichen kleinen Werke christlicher Nächstenliebe: jenes Kopfweh, Zahnweh, jene wunderliche Laune eines deiner Hausgenossen, das Zerbrechen eines Glases, jener Spott oder jenes Schmollen, jener Verlust eines Handschuhes, eines Nastuches, jene kleine Ungemächlichkeit früher schlafen zu gehen, daß man früher zum Gebete oder zur Kommunion aufstehe, jene kleine Scham, gewisse Werke der Andacht öffentlich zu verrichten, überhaupt alle noch so geringen Leiden sind, wenn man sie in guter Meinung annimmt, der göttlichen Güte höchst angenehm, die ihren getreuen Dienern für ein einziges Glas Wasser das Meer der unendlichen Seligkeit verheißt; und da solche Gelegenheiten täglich sich darbieten, so haben wir, wenn wir dieselben recht benutzen, eben dadurch ein herrliches Mittel, viele geistige Reichthümer zu sammeln. Als ich in dem Leben der heiligen Katharina von Siena las, wie oft sie im Geiste verzückt ward, was für erhabene Worte der Weisheit sie sprach und wie sie sogar Predigten hielt, zweifelte ich gar nicht, daß sie mit dem Auge innerer Beschaulichkeit das Herz ihres himmlischen Bräutigams geraubt hatte; aber nicht mindern Trost gewährte es mir, als ich las, wie sie in der Küche des väterlichen Hauses demüthig den Bratspieß wendete, Feuer anmachte, kochte, das Fleisch zubereitete, Brodteig Von der Heiligung der Tagesschäfte. 73 fnetete und die geringsten und verächtlichsten Dienste des Hauses mit einem, von der zärtlichsten Liebe zu ihrem Gott belebten Muthe verrichtete. Und ich achte die geringen und einfachen Betrachtungen, die sie mitten unter ihren niedrigen und verächtlichen Diensten hielt, nicht minder als die Entzückungen und erhabenen Erleuchtungen, womit sie so oft begnadigt wurde, und welche ihr vielleicht nur zur Belohnung für jene Demuth und Erniedrigung ver liehen wurden. Ihre Betrachtung aber war folgende: Sie stellte sich vor, daß sie, für ihren Vater die Speisen bereitend, wie eine zweite Martha, dent Heilande das Mahl bereite; in ihrer Mutter erblickte sie die allerfeligste Jungfrau und in ihren Brüdern die Apostel; sie ermunterte sich also im Geiste den ganzen himmlischen Hof zu bedienen, und entledigte sich dieser niedrigen Dienste mit großer Freude, weil sie wußte, daß dieses der Wille Gottes war. Dieses Beispiel führe ich deshalb an, christliche Jungfrau! damit du wissest, wie viel daran gelegen sei, daß wir alle unsere Handlungen, wie gering sie auch sein mögen, zum Dienste der göttlichen Majestät verrichten. Deshalb rathe ich dir, jenes starke Weib nachzuahmen, welches der weise Salomon so sehr lobt, weil sie die Hände an starke, edle und erhabene Dinge legte, und darum doch nicht unterließ zu nähen und die Spindel zu drehen. An starke Dinge legte sie ihre Hand und mit ihren Fingern drehte sie die Spindel; also lege auch du deine Hand an starke Dinge: übe dich im Gebet und in der Betrachtung, empfange öfters die heiligen Sakramente, sei eifrig, die Liebe Gottes in den Seelen zu erwecken, den Herzen gute Gedanken einzuflößen, und große und wichtige Dinge je nach deinem Stande Schule und Tempel. 5 74 II. Lehrschule für Jungfrauen. zu thun; aber vergiß auch deine Spindel und Spule nicht, das heißt, übe jene geringen und niedrigen Tugenden, die gleich Blumen am Fuße des Kreuzes aufsprossen: den Dienst der Armen, den Besuch der Kranken, die Sorge für die Familie mit allen dahin gehörenden Werken; sei auf einen nüßlichen Fleiß bedacht, der niemals dich müßig lassen wird, und während diesen Arbeiten stelle Betrachtungen an, wie jene, die ich so eben von der heiligen Katharina erzählte. Gelegenheiten, Gott durch große Werke zu dienen, sind selten, geringe aber sehr gewöhnlich. Wer aber im Kleinen treu sein wird," sagt der Heiland selbst, den wird man über Vieles seßen." Thue also Alles im Namen Gottes, und Alles wird roohlgethan sein; du magst essen oder trinken, schlafen oder dich erholen, den Bratspieß wenden, oder sonst etwas thun; wenn du nur Alles gut zu ordnen weißt, wirst du in den Augen Gottes große Fortschritte machen, das heißt: wenn du Alles deshalb thust, weil Gott will, daß du es thuest. Merke dir also Folgendes: 1) Suche in allen deinen Unternehmungen Gott allein, und nicht dich selbst. Beabsichtigest du blos deine eigene Zufriedenheit, so darfst du keine Belohnung von Gott erwarten. Wenn du daher Gutes thust, so habe vorerst die Absicht, Gott zu gefallen, und dann deinem Nächsten ein gutes Beispiel zu geben. 2) Auch deine körperlichen Beschäftigungen, als: Arbeiten, Essen, Schlafen, anständiges Erholen, unternimm aus reinem Wohlgefallen Gottes. Die Reinheit der Absicht wird eine himmlische Kunst genannt, wodurch man aus Eisen Gold machen kann, d. h. die geringfügigsten Dinge werden zu Von dem Wandel in der Gegenwart Gottes. 75 Liebesübungen Gottes, wenn man sie in Vereinigung mit dem göttlichen Willen verrichtet. Die hei lige Magdalena von Pazzi sagte: Wer in Allem aus reiner Absicht handelt, kömmt geradezu in den Himmel." 3) Ein heiliger Einsiedler hob vor jeder HandLung seine Augen gen Himmel und blieb eine Weile stehen; um die Ursache dessen befragt, gab er zur Antwort: Ich fasse das Ziel in's Auge, um den Schuß nicht zu verfehlen." Thue. vor jedem Geschäfte das Gleiche, fasse das Ziel, welches Gott ist, in's Auge und sage: Herr! ich will diese Arbeit nur um Dir wohlzugefallen verrichten. Sechstes Kapitel. Von dem beständigen Wandel in der Gegenwart Gottes. In der Gegenwart Gottes wandeln ist nichts Anderes, als sich Gott stets gegenwärtig vorstellen, mit Ihm vertraulich sprechen und aufmerksam sein auf seine heiligen Einsprechungen. Diese fromme Uebung wird mit Recht von den Lehrmeistern im geistlichen Leben die Grundlage des innerlichen Lebens genannt, welches hauptsächlich in drei Dingen besteht. Erstens in der Vermeidung der Sünden, zweitens in der Uebung der Tugenden, und drittens in der Vereinigung mit Gott. Die Uebung die Gegenwart Gottes sich vorzustellen und in derselben zu wandeln, hat nun gerade diese Wirkungen, denn sie befreit erstens, die Seele von den Süden, fie leitet sie zweitens zur Uebung der Tugenden an, und führt fie drittens durch die heilige Liebe zur Vereinigung mit Gott. II. Lehrschule für Jungfrauen. 1. Was die erste Wirkung, nämlich die Vermeidung der Sünden anbetrifft, so gibt es kein wirksameres Mittel, um seine Leidenschaften zu be zähmen, den Versuchungen zu widerstehen und dadurch die Sünden zu vermeiden, als der Gedanke, daß Gott uns gegenwärtig ist. Der heilige Thomas lehrt uns, daß, wenn wir allezeit darauf dächten, daß Gott uns erblickt, wir niemals oder doch nur selten etwas thun würden, was Ihm mißfällig wäre.( S. Thomas Op. 58. c. 2.) Auch der heilige Hieronymus sagte, daß der Ge danke an die Gegenwart Gottes allen Sünden die Thüreverschließe.( S. in Hieron. in 4. Ezech.) Wenn die Menschen es nicht wagen, in der Gegenwart ihres Fürsten, ihrer Eltern oder Vorgesetzten die Befehle derselben zu überschreiten, um wie viel weniger würden sie es da wohl wagen, die göttlichen Geseße zu übertreten, wenn sie darauf dächten, daß Gott selbst sie sieht? Der heilige Ambrosius erzählt, daß ein Page Alexanders des Großen, der während des Opfers, welches der König im Tempel darbrachte, eine brennende Fackel in der Hand hielt, lieber seine Hand verbrennen ließ, als daß er die Unehrerbietigkeit begangen hätte, die Fackel fallen zu lassen( S. Ambr. lib. 3. de Virg.). Wenn die Ehrfurcht vor seinem König so viel bei diesem Jünglinge vermochte, setzt der Heilige hinzu, daß er, um sie nicht zu verlegen, sogar die menschliche Natur überwunden hat, um wie viel mächtiger wird alsdann in einer gläubigen Seele der Gedanke an die Gegenwart Gottes sein, so daß fie eher alle Anfechtungen überwindet und alle Pei nen leidet, als daß sie die schuldige Ehrfurcht vor den Augen ihres Gottes hintansetzt. 76 Die Ursache aller unserer Sünden kommt daher, weil wir die Gegenwart Gottes aus den Augen Von dem Wandel in der Gegenwart Gottes. 77 verlieren. Alles Unglück kommt daher, sagt die heilige Theresia, weil wir nicht bedenken, daß uns Gott gegenwärtig ist, sondern immer glauben, Er sei weit von uns entfernt. Schon David hat dies erkannt, da er ausrief: Der Sünder hat Gott nicht vor Augen, seine Wege find befleckt und zu aller Zeit unrein( Psalm V, 2.). Weil der Sünder nicht daran denkt, daß Gott ihn sieht, beleidigt er Jhn immerfort. Der Abt Diocles sagt sogar, daß, wer sich nicht an die Gegenwart Gottes erinnere, entweder zu einem Thiere herabfinke oder ein Teufel werde. Er hat Recht, denn alsdann wird der Mensch augenblicklich entweder von seinen sinnlichen oder von teuflischen Begierden versucht, denen er nicht mehr zu widerstehen vermag. Der Gedanke hingegen, daß Gott uns sieht, hat den Heiligen Kraft verliehen, um allen Anfällen der Feinde siegreich zu widerstehen. Dieser Gedanke ermuthigte eine Susanna, um die beiden alten Wüstlinge, die sie zur Sünde reizten, von sich zu stoßen, so daß die Heilige, als jene sie mit dem Tode bedrohten, unerschrocken antwortete: Ich will lieber ohne diese Sünde in eure Hände fallen, als sündigen vor dem Angesichte des Herrn( Dan. XIII, 23.). Dieſer Gedanke bekehrte ein lasterhaftes Weib, welches wagte, den heiligen Ephrem zur Sünde zu reizen; denn der Heilige sprach zu ihr, daß, wenn sie fündigen wolle, sie ihn auf einem öffentlichen Plaße mitten in der Stadt aufsuchen solle. Wie, antwortete jene, in Gegenwart so vieler Menschen sollten wir fündigen? Aber, antwortete der Heilige, wie ist es dann nur möglich in der Gegenwart Gottes zu fündigen, der uns doch allenthalben sieht? Als die arme Sünderin das vernahm, da fing sie heftig an zu weinen, warf sich 78 r. Zehrschule für Jungfrauen. auf die Erde nieder, bat den Heiligen um Verzeihung und flehte, er wolle sie doch auf den Weg des Heils geleiten. Der heilige Ephrem brachte die Büßerin in ein Kloster, wo sie ein sehr erbauliches Leben führte und ihre Sünden bis zum Tode beweinte.( Metaphr. Leben des heiligen Ephrem.) Etwas Aehnliches begegnete dem heiligen Abt Paphnutius mit einer andern Sünderin, welche Thais hieß; dieselbe versuchte ihn eines Tages zur Sünde und sagte, daß sie ja Niemand an diesem Orte erblicken könne, als Gott allein. Da sprach der Heilige mit ernster Stimme: Du glaubst also, daß Gott dich sieht und willst dennoch fündigen? Thais, vom Tone, mit welchem der Heilige diese Worte sprach, getroffen, ging in sich, fing an, ihren bösen Lebenswandel zu verabscheuen, raffte ihre Kleider, ihre Edelgesteine und alle ihre Schäße, die sie durch ihr schändliches Handwerk gewonnen hatte, zusammen, verbrannte sie auf öffentlichem Plaße und begab sich in ein Kloster, wo sie drei Jahre bei Brod und Wasser fastete und immer nur folgende Worte wiederholte: D Du, der Du mich erschaffen hast, erbarme Dich meiner!- Nachdem die drei Jahre um waren, starb sie eines seligen Todes. Bald darauf wurde einem Schüler des heiligen Antonius, mit Namen Paulus, geoffenbart, daß diese glückselige Büßerin im Himmel unter den Heiligen einen herrlichen Thron der Glorie erlangt habe.( Sabellic. B. 5. Beispiele Kap. 2.). Hieraus kannst du erkennen, geliebte Seele, wie nüßlich es ist, daß man häufig an die Gegenwart Gottes denke, um die Sünde zu vermeiden. Bitten wir also den Herrn fortwährend mit dem frommen Job: Stelle mich neben Dich, und es mag streiten wider mich eines Jeglichen Hand. Von dem Wandel in der Gegenwart Gottes. 79 ( Job XVII, 5.) O mein Gott, erinnere Du selbſt mich fortwährend an deine Gegenwart, erinnere mich daran, daß Du mich siehst, dann mögen meine Feinde immerhin auf mich losstürmen, ich werde sie dennoch überwinden! Darum behauptet auch noch der heilige Chrysostomus, daß, wenn wir uns in der Gegenwart Gottes erhalten, wir nichts Böses denken, nichts Böses thun werden, da wir immerfort eingedenk sein werden, daß Gott alle unsere Gedanken sieht, alle unsere Worte hört, alle unsere Werke beobachtet( S. Joann. Chrysost. Hom. 8. ad Phl. 2.). 2. Um die zweite Wirkung, nämlich die Leichtigkeit in Uebung der christlichen Tugenden zu erlangen, ist die Erinnerung an die Gegenwart Gottes auch hierzu ein kräftiges Mittel. Wie tapfer streiten nicht die Soldaten in der Gegenwart ihres Königs! Der Gedanke allein, daß ihr Fürst, der fie bestrafen oder belohnen kann, sie beobachtet, flößt ihnen Muth und Stärke ein. Wenn also ein Christ es recht oft bedächte, daß bei Allem, was er thut, Gott ihn immerfort beobachtet, so würde er gewiß Alles gut ausrichten, Alles mit einer guten Meinung thun, ohne Jemand anders, als Gott allein, gefallen zu wollen, und ohne alle menschlichen Rückfichten. Der heilige Bafilius sagt deshalb: Wenn Jemand sich in der Gegenwart eines Königs und eines Bauern befände, so würde er gewiß nur darauf bedacht sein, den König zufrieden zu stellen, ohne auch nur auf das zu achten, was der Bauer von ihm wünschen könnte. Auf gleiche Weise denkt auch der, welcher in der Gegenwart Gottes wandelt, gar nicht darauf, die Geschöpfe befriedigen zu wollen, da er nur Gott gefallen will, der auf sein Thun und Lassen hinblickt. II. Lehrschule für Jungfrauen. 3. Was die dritte Wirkung der Gegenwart Gottes betrifft, so ist es ganz sicher, daß sie die Seele mit Gott vereinigt, da die Gegenwart des ge= liebten Gegenstandes die Liebe allzeit vermehrt. Das geschieht sogar bei den Menschen, obwohl wir, je länger wir sie erkennen, um desto mehr ihre Fehler entdecken. Aber viel mehr wird die Liebe einer Seele zu Gott wachsen, wenn sie Ihn immerfort vor Augen hat, da Gott, je länger man mit Shm umgeht, immer nur desto schöner und liebenswürdiger erscheint. Aber nicht nur das bloße Morgenund Abendgebet reicht hin, um die Seele mit Gott vereinigt zu halten; denn, sagt der heilige Chrysostomus, wenn gleich das Wasser sieden sollte, so wird es doch, so wie man es vom Feuer entfernt, bald wieder seine natürliche Kälte annehmen, und deshalb muß man auch durch das Andenken an die Gegenwart Gottes und durch häufige Erweckung von Liebesakten den Eifer selbst nach dem Gebete zu erhalten suchen. Der heilige Bernhard erzählt von sich selbst, daß, wenn er im Anfange seiner Bekehrung unruhig wurde oder im Eifer erkaltete, der Gedanke an irgend eine fromme, verstorbene oder abwesende Person hinreichte, um ihn sogleich wieder aufzuheitern und mit Liebe Gottes zu entflammen. Aber wie viel kräftiger wird für uns der Gedanke sein, daß Gott der Herr gegenwärtig ist und unsere Liebe sucht! Darum sagt der König David, daß er voll Freude und Trost sei, wenn er nur an seinen Gott denke: Ich denke an Gott und erfreue mich( Psalm LXXVI.). Möge eine Seele auch noch so betrübt und trostlos sein, wenn sie nur Gott liebt und an ihren geliebten Herrn denkt, so kann sie unmöglich trostlos und betrübt bleiben. Darum genießen Seelen, die Gott lieben, 80 81 Weise, sich die Gegenwart Gottes vorzustellen. eines ungestörten Friedens, weil sie bemüht sind, gleichwie die Sonnenblume, die sich immer der Sonne zuwendet, bei Allem, was ihnen zustößt, in all ihrem Thun und Lassen fortwährend in der Gegenwart Gottes zu leben und zu arbeiten. Wer wahrhaft liebt, sagt die heilige Theresia, der denkt stets an den Gegenstand seiner Liebe. Siebentes Kapitel. Von der Art und Weise, sich die Gegenwart Gottes vorzustellen. Ich will dir jetzt zeigen, christliche Jungfrau! auf welche Weise du dir die Gegenwart Gottes vorstellen kannst. Diese Uebung gehört theilweise dem Verstande und theilweise dem Willen an. Mit dem Verstande muß man sich Gott als gegenwärtig denken, worauf der Wille sich durch Akte der Verdemüthigung, der Anbetung und der Liebe mit Gott zu vereinigen sucht. Mit dem Verstande fönnen wir uns auf verschiedene Weise in die Gegenwart Gottes setzen. Die erste Weise, sich in die Gegenwart Gottes zu setzen, besteht darin, daß wir uns unsern göttlichen Erlöser Jesus Christus als gegen-= wärtig vorstellen, der uns allenthalben, wo wir auch sein mögen, begleitet und sieht. Darum können wir uns Ihn bald in diesem, bald in jenem Geheimnisse vorstellen. 3. B. jezt als ein kleines Kind, wie Er in der Krippe zu Bethlehem liegt; oder als einen Flüchtling auf der Reise nach Egyp= ten; oder als einen Lehrling, der in der Werkstätte zu Nazareth arbeitet, oder in seinem Leiden, wie Er als ein Verbrecher zu Jerusalem gegeißelt, mit Dornen gekrönt und an's Kreuz geheftet wird. Die 5* II. Lehrschule für Jungfraueu.be heilige Theresia lobte diese Weise, sich in die Ge genwart Gottes zu versehen. Wir müssen aber indeß wohl merken, daß, wenn dieß gleich gut ist, es doch nicht die beste Art sei, und daß man sie nicht immer anwenden könne. Dies kommt daher, weil sie einerseits nicht ganz der Wahrheit gemäß ist, da Jesus Christus als Gott und Mensch zugleich uns nicht allezeit gegenwärtig ist, sondern nur dann, wenn wir kommunizirt haben, oder uns in Gegenwart des allerheiligsten Altarssakraments befinden. Und andererseits ist diese Weise auch vielen Täuschungen unterworfen, oder kann doch wenigstens den Geist durch allzu starke Anstrengung der Einbildungskraft schwächen. Wenn man sich also dieser Weise bedienen will, so muß man das ganz ruhig thun, und nur so lange, als es hilft, ohne sich viel damit anzustrengen, sich die Gestalt, das Antliß, die Größe und die Farbe unseres Erlösers vorzustellen; denn es ist genug, wenn wir Ihn uns einfach vorstellen, wie Er Alles beobachtet, was wir thun. 82 2. Die zweite Weise, sich in die Gegenwart Gottes zu sehen, welche weit sicherer und vortrefflicher ist und zugleich auf einer Glaubenswahrheit beruht, besteht darin, daß wir Gott mit den Augen des Glaubens als allenthalben gegenwärtig anblicken, wie Er uns fortwährend umgibt und wie Er alle unsere Handlungen beobachtet. Was liegt daran, wenn wir Ihn auch nicht mit den leiblichen Augen erblicken? Auch die Luft können wir nicht sehen, dennoch wissen wir ganz gewiß, daß sie uns allenthalben umgibt, und daß wir mitten darin leben, da wir ohne Luft weder Athem holen, noch leben könnten. Auch Gott können wir nicht mit den Augen des Leibes erblicken; Weise, sich die Gegenwart Gottes vorzustellen. 83 aber der heilige Glaube lehrt uns, daß Er fortwährend gegenwärtig ist. Erfülle Jch nicht himmel und Erde?( Jerem. XXIII, 24.) sprach der Herr bei dem Propheten Jeremias. Gleichwie ein Schwamm im Meer durch und durch von Wasser angefüllt und umgeben ist, so, sagt der heilige Paulus, leben auch wir in Gott, bewegen wir uns in Gott, haben wir all unser Sein in Gott. In Jhm leben wir, bewegen wir uns und sind wir( Apostelgesch. XVII, 28.). Gott, sagt der heilige Augustin, beobachtet jede Handlung, jedes Wort, jeden Gedanken von einem jeden unter uns mit solcher Aufmerksamkeit, als ob Er alle andern Geschöpfe vergessen hätte, um nur uns allein zu beobachten. Weil Gott aber Alles beobachtet, was wir thun, sagen und denken, so zeichnet Er auch Alles auf, um dereinst am Tage des Gerichts Rechenschaft von uns zu fordern, um uns zu seiner Zeit, je nachdem wir es verdient haben, zu belohnen oder zu bestrafen. Diese zweite Weise, sich in die Gegenwart Gottes zu verseßen, greift den Verstand auch gar nicht an, da es genügt, daß man von ganzem Herzen einen Akt des Glaubens erwecke und ausrufe: O mein Gott! ich glaube feft, daß Du hier gegenwärtig bist. Man kann auch Akte der Liebe, der Unterwerfung in den Willen Gottes, der guten Meinung und andere hiermit vereinigen. 3. Die dritte Weise, um das Andenken an die Gegenwart Gottes zu bewahren, besteht darin, daß man Gott in seinen Geschöpfen betrachtet, die von Ihm ihr Wesen und die Kraft haben, uns zu dienen. Gott ist im Wasser, das uns reinigt und tränket, Er erwärmt uns durch das Feuer, Er erleuchtet uns durch die Sonne, Er ernährt uns durch 84 II. Lehrschule für Jungfrauen.VER Speise und Trank, Er bedeckt uns mittels der Kleider, und auf diese Weise ist Er in allen Dingen, die Er zu unserm Nußen erschaffen hat. Wenn wir irgend einen schönen Gegenstand, einen prächtigen Garten, eine schöne Blume ansehen, dann sollen wir bedenken, daß aus diesem Geschöpf ein kleiner Strahl jener unendlichen Schönheit Gottes hervorleuchtet, die ihm sein Wesen gibt. Wenn wir mit einem heiligen, mit einem gelehrten Mann umge hen, dann müssen wir bedenken, daß Gott es ist, der demselben einen kleinen Theil seiner Heiligfeit, seiner Weisheit mittheilt. Wenn wir eine liebliche Musik hören, wenn Wohlgerüche zu uns aufsteigen, wenn Speise und Trank uns wohlschmecken, dann sollen wir bedenken, daß Gott es ist, der uns durch seine Gegenwart jenes Vergnügen bereitet, damit wir mittels desselben unser Herz zu Ihm erheben und nach den ewigen Freuden des Himmels seufzen. Gewöhne dich also daran, geliebte Seele, in allen Dingen Gott zu betrachten, der sich mittels derselben dir vorstellt, und erwecke hierauf Akte der Danksagung und der Liebe, eingedenk, daß Gott von Ewigkeit her darauf bedacht gewesen ist, so viele Geschöpfe für uns zu erschaffen, damit wir Ihn lieben möchten. Lerne, sagt der heilige Augustinus, im Geschöpf deinen Schöpfer lieben, und Hefte deine Neigungen nicht an jenen Gegenstand, der von Gott erschaffen ist, damit du dich nicht an das Geschöpf hängest und Jenen verlierest, von dem auch du erschaffen bist( S. August. in Psalm. 19). Das that denn auch dieser große Heilige, der bei dem Anblicke der Geschöpfe sein Herz zu Gott erhob und von Liebe entzündet ausrief: Himmel und Erde und Alles rufet mir zu, daß ich Dich lieben Weise, sich die Gegenwart Gottes vorzustellen. 85 foll!( S. Augustin. in Psalm. 19.). Wenn er den Himmel, die Sterne und die Felder anblickte, o dann kam es ihm vor, als ob alle ihm zuriefen: Augustin, liebe deinen Gott! denn Gott hat uns nur deshalb erschaffen, damit wir Ihn lieben.- Auch der heiligen Theresia kam es so vor, wenn fie das Meer, fruchtbare Felder, murmelnde Bächlein oder andere schöne Geschöpfe anblickte, als ob fie alle ihr Vorwürfe machten um ihres Undankes willen gegen Gott. Wenn die heilige Maria Magdalena von Pazzis eine schöne Blume oder eine liebliche Frucht in den Händen hielt, wurde sie von Liebe Gottes ganz erfüllt und rief aus: So hat denn also Gott von Ewigkeit her daran gedacht, diese Blume, diese Frucht aus Liebe zu mir zu erschaffen, damit Er mir dadurch einen Beweis seiner Liebe gebe! 4. Die vierte Weise, um das Andenken Gottes nie aus den Augen zu verlieren, welche die vollkommenste ist, besteht darin, daß wir Gott in uns selbst betrachten. Es ist nicht nöthig, daß wir uns in den Himmel emporschwingen, um daselbst unsern Gott zu finden, es genügt, daß wir uns innerlich versammeln, denn alsdann werden wir Gott schon in uns selbst finden. Wer sich bei dem Gebete Gott als weit entfernt vorstellt, der setzt sich vielen Zerstreuungen aus. Die heilige The resia sagte: Ich wußte gar nicht, was eigentlich beten sagen wollte, bis Gott selbst mich die wahre Weise, zu beten, gelehrt hatte; in dieser innerlichen Versammlung im Gebet habe ich den größten Nußen gefunden.- Um nun zur Uebung selbst zu kommen, müssen wir uns merken, daß Gott sich auf eine andere Weise in uns, als in den übrigen Geschöpfen befindet. In uns ist der Herr wie in 86 II. Lehrschule für Jungfrauen, he seinem Tempel, wie in seinem Hause. Wisset ihr nicht, daß ihr der Tempel Gottes seid, und daß der Geist Gottes in euch wohnet?( 1. Kor. III. 16.). Darum fagte unser göttlicher Heiland, daß Er in eine Seele, die Ihn liebt, mit dem Vater und dem heiligen Geiste einkehren werde, um bei ihr nicht nur im Vorbeigehen zu verweilen, nein, um für immer bei ihr zu bleiben und in ihr seine Wohnung aufzuschlagen: Wenn Mich Je= mand liebt, so wird ihn mein Vater lieben, und Wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen( Joh. XIV, 23.). Das war jene Zelle, welche die hellige Katharina von Siena sich in ihrem Herzen erbaut hatte, wo sie sich, unaufhörlich mit Gott vereinigt, in lieblichen Gesprächen unterhielt. Da fand fie Tröst in der Verfolgung, die sie von ihren Eltern zu leiden hatte, welche ihr verboten, sich in ihr Zimmer einzuschließen, um da zu beten. In dieser Zelle machte nun aber die Heilige weit mehr Fortschritte in der Tugend; denn aus ihrem früheren Zimmer mußte sie doch öfters des Tages herausge hen, indeß sie diese Zelle in ihrem Herzen niemals verließ, sondern immer in Gott versammelt darinnen blieb. Wo die heilige Theresia von der Gegenwart Gottes in unserm Herzen redet, sagt sie: Ich glaube, daß jene, die auf solche Weise fich in dem kleinen Himmel der Seele einschließen können, wo sich Jener befindet, der sie erschaffen hat, einen trefflichen Weg eingeschlagen haben, weil sie binnen kurzer Zeit eine große Reise zurücklegen. Mit einem Worte, durch diese Weise sich in die Gegenwart Gottes zu sehen, haben die Heiligen ihre vielen Verdienste erworben. So machte es der königliche Prophet, da er ausrief: Ich habe den Herrn Weise, sich die Gegenwart Gottes vorzustellen. 87 allzeit vor Augen( Psalm XV, 8.), Jhn, der alle meine Handlungen beobachtet. Der selige Heinrich Suso übte sich hierin so sorgfältig, daß er Alles, was er that, in Gottes Gegenwart verrichtete und auf solche Weise dahin gelangte, sich immerfort in zarten Liebesanmuthungen mit Gott zu unterhalten. Auch die heilige Gertrud verrichtete diese Uebung auf so vollkommene Weise, daß der Heiland von ihr zur heiligen Mechtildis sagte: Dieſe von Mir so innig geliebte Seele wandelt immer in meiner Gegenwart und ist allzeit darauf bedacht, meinen Willen zu erfüllen und alle ihre Handlungen zu meiner größern Ehre zu verrichten. Ebenso machte es auch die heilige Theresia, welche niemals, womit sie auch beschäftigt sein mochte, ihren geliebten Herrn aus den Augen verlor. Wenn du mich nun noch fragst, geliebte Seele, wie oft am Tage du dich in die Gegenwart Gottes verseßen solleft? so antworte ich dir mit dem heiligen Bernhard, daß du dies jeden Augenblick thun mußt. Gleichwie es feinen Augenblick gibt, sagt der Heilige, wo wir nicht die Wohlthaten Gottes genießen, so sollte es auch keinen Augenblick geben, in dem wir nicht an Gott denken und Ihm unsere Dankbarkeit bezeigen. Wenn Jemand wüßte, daß sein König fortwährend auf ihn und sein Wohl bedacht ist, so würde er, wenn ihm dieses auch nichts nüßte, dennoch diese wohlwollende Gesinnung niemals vergessen und ganz gewiß seinen Fürsten innerlich sehr lieb haben. Nun ist es aber ganz gewiß, daß unser Gott immerfort an uns denkt und uns ohne Unterlaß Gutes erweiset, bald durch Erleuchtungen, bald durch innerlichen Beistand, bald durch liebreiche Heimsuchungen. Wäre das nun aber nicht eine strafbare Undankbarkeit, wenn wir 88 II. Lehrschule für Jungfrauen. auch nur kurze Zeit Gott vergessen würden? Es ist also unsere Pflicht, daß wir allen Fleiß anwenden, um immer, oder wenigstens so oft wir können, der Gegenwart Gottes eingedenk zu sein. Diese Lehre gab der Herr dem Patriarchen Abraham: Wandle vor mir und sei vollkommen( Gen. XVII, 1.), das heißt: Trage Sorge, daß du immer in meiner Gegenwart wandelst, und alsdann wirst du vollkommen sein. Achtes Kapitel Von der Nothwendigkeit des Gebetes. 1. Da das Gebet unsern Verstand mit der Klarheit des göttlichen Lichtes erleuchtet, und unsern Willen den Strahlen der göttlichen Liebe aussetzt, so vermag auch nichts mehr die Finsternisse zu zerstreuen, mit denen Irrthum und Unwissenheit unsern Verstand umhüllt haben, und unsern Willen von seinen verdorbenen Neigungen zu reinigen. Es ist das Wasser der Segnungen, das dazu dient, unsere Seele von ihren Sünden rein zu waschen, die Leidenschaften unsers Herzens zu ersticken und die Keime der guten Begierden zu nähren, welche die Tugend hineingelegt hat. 2. Vor Allem aber empfehle ich dir das innerliche Gebet des Herzens, besonders jenes, das sich mit dem Leben und Leiden unsers Herrn beschäftigt. Schauest du Ihn oft durch die Betrachtung an, dann wird deine ganze Seele von Ihm erfüllet werden, du wirst sein Verhalten erfassen, und das deinige nach seinem Vorbilde einrichten. Er ist das Licht der Welt; wir müssen daher in Ihm, durch Ihn und für Ihn erleuchtet und bestrahlet werden. Er ist der Baum des Verlangens, in dessen Schats Von der Nothwendigkeit des Gebetes. ten wir uns erquicken sollen. Er ist der lebendige Born Jakobs, in welchem wir alle unsere Flecken abzuwaschen haben. Die Kinder lernen dadurch, daß sie ihren Müttern unablässig zuhören und nachstammeln, deren Sprache reden. So auch werden wir, wenn wir durch die Betrachtung bei dem Erlöser weilen, und auf seine Worte, auf seine Handlungen und Neigungen Acht haben, mit Hülfe seiner Gnade thun, reden und wollen lernen, wie Er selbst. Hier sollen wir verweilen, christliche Seele! und glaube mir, nur durch dieses Thor können wir eingehen zu Gott dem Vater. Denn wie das Glas eines Spiegels unsern Blick nicht aufhalten würde, wenn es rückwärts nicht mit Zinn oder Blei belegt wäre; ebenso würden wir hienieden die Gottheit niemals recht betrachten können, wenn sie sich nicht in Jesus Christus mit unserer Menschheit vereinigt hätte, dessen Leben und Tod darum der angemessenste, lieblichste und nüßlichste Gegenstand ist, den wir immer zu unserer gewöhnlichen Betrachtung wählen können. Nicht ohne Ursache nennt der Erlöser sich das Brod, das vom Himmel herabgestiegen ist; denn wie wir zu allen Arten von Speisen Brod essen, so müssen wir auch unsern Heiland in allen unsern Gebeten und Handlungen betrachten, beschauen und suchen. Deßwegen haben mehrere Schriftsteller die Umstände, die wir von seinem Leben und seinem Leiden wissen, in verschiedene Betrachtungspunkte abgetheilt( z. B. der heil. Ignatius von Lojola, Alphons von Liguori, Ludwig von Granada 2c.). 89 3. Widme dieser geistlichen Betrachtung täglich eine Stunde, und zwar, wo möglich am frühesten Morgen, weil da dein Gemüth von der nächtlichen Ruhe her noch mehr gesammelt und aufgelegt ist. II. Lehrschule für Jungfrauen. Verwende aber auch nicht mehr als eine Stunde darauf, wenn dein geistlicher Vater es dir nicht ausdrücklich vorschreibt. 90 4. Kannst du diese Betrachtung ohne Störung in einer Kirche vornehmen, so würde dies der beste Ort dafür sein. Weder Vater noch Mutter, weder Herr noch Frau noch sonst Jemand wird dir mit Recht verwehren können, eine Stunde in der Kirche zu bleiben, während du dir im Falle der Abhängigkeit von Andern zu Hause eine so passende freie Stunde wohl nicht versprechen dürftest. 5. Beginne dein Gebet, sei es innerlich oder mündlich, immer damit, daß du Gott dir als gegenwärtig vorstellst. Weiche nie von dieser Regel ab, und du wirst bald sehen, wie nüßlich sie dir ist. 6. Jch rathe dir, das Vater unser, den englischen Gruß und den Glauben lateinisch zu beten; du mußt aber die Worte in deiner Muttersprache recht verstehen lernen, damit, wenn du sie auch in der allgemeinen Kirchensprache betest, du den wunderbaren Sinn dieser Gebete wohl fassen und ihre Lieblichkeit recht genießen kannst. Richte daher bei dem Hersagen derselben deine ganze Aufmerksamkeit auf den Sinn, den sie haben, und mache dir die diesem Sinne entsprechenden Empfindungen eigen. Eile auch nicht, sie oft zu wiederholen, sondern be mühe dich, was du betest, im Innersten deines Herzens zu beten; denn ein einziges Vater unser, mit Andacht gesprochen, gilt mehr, als viele, die man in Eile nur obenhin hersagt. 7. Der Rosenkranz ist eine sehr nüßliche Art des Gebetes, vorausgesetzt, daß du ihn recht zut beten weißt; um dich hierin zu unterrichten, solltest du deshalb eines jener kleinen Bücher haben, welche diesen Unterricht enthalten. Es ist auch gut, die Von der Nothwendigkeit des Gebetes. 91 Litanei von unserm Herrn, von unserer lieben Frau und den Heiligen und die anderen Gebete zu be ten, die man in geprüften Andachtsbüchern findet. Wenn du jedoch die Gabe des innerlichen Gebetes befizest, so gib diesem immer den Vorzug; und solltest du durch überhäufte Geschäfte oder aus irgend einem andern Grunde abgehalten sein, auf das innerliche Gebet auch noch das mündliche folgen zu Lassen, so beunruhige dich darüber nicht, und begnüge dich, vor oder nach der Betrachtung das Gebet des Herrn, den englischen Gruß und den Glauben zu beten. 8. Fühlst du während des mündlichen Gebetes dein Herz zum innerlichen Gebete hingezogen, fo enthalte dich desselben nicht, lenke dein Gemüth sanft dahin, und bekümmere dich nicht, daß du das mündliche Gebet, welches du zu beten dir vorgenommen, noch nicht vollendet hast; denn das innerliche Gebet, das du statt dessen verrichtest, ist Gott angenehmer und deiner Seele heilsamer; ich nehme jedoch die geistlichen Tagzeiten aus, wenn du dazu verpflichtet bist; denn in diesem Falle mußt du deine Pflicht erfüllen. 9. Du mußt Alles zu entfernen suchen, was dich abhalten könnte, diese heilige Uebung des innerlichen Gebetes am Morgen vorzunehmen. Wenn aber die Menge deiner Geschäfte oder sonst ein trif tiger Grund dir dies unmöglich macht, so suche es am Nachmittage nachzuholen, und zwar zu einer Stunde, die dem Mittagsmahle am entfernteſten ist; denn wolltest du das innerliche Gebet gleich nach der Mahlzeit und noch vor vollendeter Verdauung beginnen, so würdest du unfehlbar einschlummern; auch würde es deiner Gesundheit nach theilig sein. 11. Lehrschule für Jungfrauen. Fändest du aber den ganzen Tag über keine Zeit dazu, so erseße diesen Verlust durch Vermehrung jener kurzen und feurigen Gebete, die wir Stoßgebete nennen oder durch Lesung in einem Erbauungsbuche, und vereinige irgend eine Bußübung damit, die den nachtheiligen Folgen dieses Verlustes vorbeugt, und nimm dir außerdem fest vor, am folgenden Tage deine Gebetsübung wieder vorzunehmen. Neuntes Kapitel. Von den frommen Seufzern, Stoßgebeten und frommen Gedanken. Man zieht sich in Gott zurück, wenn man nach Ihm auffeufzt, und man seufzet nach Ihm auf, um sich in Ihn zurück zu ziehen. So unterhalten denn die geistige Einsamkeit und die frommen Seufzer einander, und beide entspringen aus den guten Gedanken. 92 Erhebe dich daher, christliche Jungfrau! durch einen lebhaften und kurzen Aufschwung deines Herzens oft zu Gott. Bewundere seine Schönheit, rufe seinen Beistand an, wirf im Geiste zu den Füßen des Kreuzes dich nieder, bete seine Güte an, befrage ihn deines Heiles wegen oft, opfere Jhm tausend Mal des Tages deine Seele auf, hefte deine inneren Augen auf seine Lieblichkeit, reiche, wie ein Kind seinem Vater, die Hand Jhm dar, daß ' Er dich führe; lege sein Kreuz wie einen duftenden Blumenstrauß auf deine Brust; pflanze, gleich einer Fahne, in deiner Seele es auf; kurz, wende Gott dein Herz in allen Beziehungen zu, und setze es auf alle mögliche Weise in Bewegung, um eine zarte, aber lebendige Liebe zu deinem göttlichen Bräutigam in ihm zu erwecken. Hierin besteht die Uebung der Stoßgebete, welche der große heilige Augustinus der frommen Matrone Von den frommen Seufzern, Stoßgebeten 2c. 93 Proba so sehr anräth. Wenn unser Gemüth, meine Tochter! so süßem Umgange und der Vertraulichkeit mit Gott sich hingibt, dann wird es von dem Wohlgeruche seiner Vollkommenheiten erfüllt werden. Zudem ist diese Uebung nicht schwer, denn sie verschlingt sich mit allen unseren Geschäften und Arbeiten, ohne im mindesten sie zu hindern, da sie sowohl in der geistlichen Einsamkeit als in diesem innern Aufschwunge die Aufmersamkeit nur auf Augenblicke in Anspruch nimmt. Ja, weit entfernt, den Geist von den Geschäften abzuziehen, macht fie ihn nur noch willfähriger und tüchtiger dazu. Der Pilger, der etwas Wein zu sich nimmt, um seinen Mund zu erfrischen und sein Herz zu laben, unterbricht, wiewohl er deshalb eine tuze Zeit verweilet, seine Reise keineswegs; denn er sammelt neue Kräfte, daß er seine Reise schneller und leichter vollbringe, und hält nur darum sich auf, daß er dann desto rascher zu gehen vermöge. Man hat für diese Uebungen mehrere SammLungen von Stoßgebeten gemacht, die wirklich sehr nüßlich sind; doch ich für meine Person rathe dir, nicht an gewisse Worte dich zu binden, sondern mit dem Herzen oder mit dem Munde zu sprechen, was die Liebe dir eben eingibt; denn sie wird dir eingeben, so viel du willst. Allerdings gibt es gewisse Ausdrücke, die ganz besonders für derartige Empfindungen des Herzens passen. Zu diesen gehören die flammenden Seufzer, die so häufig in den Psalmen Davids vorkommen, die verschiedenen Anrufungen des Namens Jesu, und die Züge glühender Liebe im hohen Liede. Auch können geistliche Lieder zu diesem Zwecke dienen, wofern sie mit Aufmerksamkeit gesungen werden. II. Lehrschule für Jungfrauen. Diejenigen, die mit menschlicher und natürlicher Neigung lieben, richten fast alle ihre Gedanken auf den geliebten Gegenstand: ihr Herz ist voll des zartesten Gefühls, ihr Mund voll der schmeichelndsten Lobsprüche für ihn, und in Abwesenheit desselben versäumen sie keine Gelegenheit, ihre Leidenschaft durch Briefe zu bezeugen, finden keinen Baum, auf dessen Ninde sie nicht den Namen ihrer Liebe schreiben. Eben so können auch Seelen, welche Gott lieben, nicht aufhören, an Ihn zu denken, nach Ihm zu seufzen, von Ihm zu sprechen; ja sie möchten, wenn es möglich wäre, den süßen und hochheiligen Namen Jesus tief in die Herzen aller Menschen einschreiben. 94 Alle Dinge laden hierzu sie ein, und es gibt kein Geschöpf, das nicht das Lob ihres Hochgeliebten ihnen verkündigte; und wie dem heiligen Antonius zufolge der heilige Augustinus sagt: Alles, was auf der Welt ist, spricht mit stummer aber höchst verständlicher Sprache von ihrer Liebe mit ihnen. Alle Dinge regen sie zu frommen Gedanten an, aus welchen dann die flammenden Seufzer und Herzensergießungen entspringen, die sie zu Gott erheben. Hier einige Beiſpiele: Man erzählt, der heilige Anselmus, Bischof von Kanterbury, habe auf wunderbare Art die Gabe be sessen, aus den unbedeutendsten Veranlassungen fromme Gedanken zu schöpfen. Als dieser Heilige einmal auf einer Reise begriffen war, flüchtete ein junger Hafe, von Hunden verfolgt, sich unter das Pferd dieses heiligen Prälaten, als den einzigen Zufluchtsort, den die augenscheinlichste Todesgefahr ihm zeigte. Da nun die rings ihn umbellenden Hunde es nicht wagten, die Stätte der Freiheit, wo ihre Beute Schuß gesucht hatte, zu verlegen, Von den frommen Seufzern, Stoßgebeten zc. 95 fing das ganze Gefolge über das sonderbare Schauspiel zu lachen an. Anselmus dagegen sagte seufzend: ,, Ach! ihr lachet, das arme Thier aber lachet nicht. Also lauern die Feinde der Seele, die sie von Abweg zu Abweg führten, in Sünden stürzten und verfolgten, zur Stunde des Todes auf dieselbe, sie zu rauben und zu verschlingen; sie dagegen, zitternd und bebend, sucht überall Hülfe und Zuflucht, und wird, wenn sie keine Stätte findet, zum Gespötte der Feinde." Also sprach er und setzte seinen Weg seufzend fort. Als der heilige Franziskus einst unter einer Heerde Ziegen ein einziges Schaf jah, sagte er zu seinem Gefährten: Siehe, wie sanft dieses arme Schäfchent unter den Böcken ist! So sanft und demüthig wandelte unser Herr einst unter den Pharisäern!" Und als er ein anderes Mal sah, wie ein kleines Lamm von einem Schweine zerrissen wurde, rief er weinend aus:„ O kleines Lämmchen, wie lebhaft stelTest du den Tod meines Erlösers mir vor!" Der heilige Basilius sagt, die Rose unter den Dornen gebe den Menschen folgende Lehre: Das Angenehmste auf der Welt, ihr Sterblichen! ist mit Traurigkeit vermischt, nichts daselbst ist rein; immer ist Trübsinn der Fröhlichkeit, Wittwenschaft der Ehe, Arbeit und Sorge der Fruchtbarkeit, Furcht vor dem. Falle ruhmvoller Erhebung, Aufwand den Ehrenstellen, Eckel dem Vergnügen, Krankheit der Gesundheit beigesellt. Eine schöne Blume ist die Roſe, sagt der nämliche Heilige, doch große Traurigkeit verursacht sie mir, indem sie mich an meine Sünde erinnert, wegen welcher die Erde verurtheilt ward, Dornen zu tragen. Als in einer heitern Nacht einst eine andächtige Seele in einen Bach schaute, und darin den schö 96 II. Lehrschule für Jungfrauen. nen Himmel mit den Sternen wiederstrahlen sah, rief sie aus: ,, D mein Gott! diese nämlichen Sterne werden einst unter meinen Füßen sein, wenn Du mich in deine heiligen Hütten aufgenommen haben wirst. Und wie die Sterne sich hier auf der Erde abspiegeln, so werden im Himmel die irdischen Menschen sich in den lebendigen Fluthen der göttlichen Liebe abspiegeln." Eine andere, welche sah, wie die Gewässer eines Flusses sich fortwälzten, rief aus: Meine Seele wird nicht eher ruhen, bis fie in das Meer der Gottheit, aus welchem sie entsprungen, sich ergießt." 11 Die heilige Franziska, die einen anmuthigen Bach betrachtete, an dessen Ufer sie zum Gebete niedergekniet war, ward daselbst im Geiste verzückt, und wiederholte öfters diese Worte: ,, Eben so sanft und lieblich, wie dieser Bach, ergießt sich die Gnade Gottes in meine Seele." Eine andere Person bewunderte in einem Gar ten die Bäume, die in voller Blüthe standen, und sprach seufzend: ,, Ach, warum bin ich allein im Garten der Kirche blüthenlos!" Noch eine andere fagte, als sie die Küchlein einer Henne unter ihren Flügeln versammelt sah: Bewahre uns, o Herr! unter dem Schatten deiner Flügel." Und wieder eine andere, die eine Sonnenblume betrachtete, rief aus: Wann, o mein Gott! wird meine Seele der Anziehungskraft deiner Gnade folgen?" Und die kleinen Blumen betrachtend, die man Dreifaltigkeitsblümchen nennt( im Französischen„ pensée", was auch Gedanke bedeutet), und die zwar schön von Gestalt, aber geruchlos sind, sagte fie:„ Also find meine Gedanken: schön in Worte gekleidet, aber ohne Frucht und Wirkung." Von den frommen Eeufzern, Etoßgebeten 2c. 97 Siehst du, fromme Seele! wie Alles, was in diesem sterblichen Leben in so großer Mannigfaltigkeit sich uns darbietet, gute Gedanken und hei lige Seufzer erregen kann. Unselig diejenigen, welche die Geschöpfe von ihrem Schöpfer abwenden und zur Sünde mißbrauchen. Selig dagegen jene, die in den Geschöpfen den Ruhm des Schöpfers suchen, und was sie Liebliches an sich haben, zur Ehre der Wahrheit verwenden. Ich pflege," sagt der heilige Gregor von Nazianz, alle Dinge auf meinen geiſtlichen Nußen zu beziehen." en." Lies die fromme Grabschrift, die der heilige Hieronymus auf die heilige Paula verfaßte. Es wird dir Vergnügen gewähren, zu sehen, wie viel glühende Seufzer und heilige Gedanken sie bei jeder Gelegenheit gehegt hatte. In dieser Uebung der geistlichen Einsamkeit und der Stoßgebete besteht das große Werk der Andacht. Ihr Nugen ist so groß, daß sie den Mangel affer andern Gebete erseßt, und daß dagegen ihre Unterlassung beinahe durch kein anderes Mittel wieder gut zu machen ist. Ohne dieselbe ist es nicht wohl möglich, ein beschauliches Leben zu führen, und nur schlecht werden ohne sie die Geschäfte des thätigen Lebens von Statten gehen. Ohne sie ist die Ruhe nur Müßiggang, und die Arbeit nur Verwirrung. Ich bitte dich daher, dieser Uebung von ganzem Herzen dich hinzugeben, ohne je davon abzulassen. Behntes Kapitel. Von der heiligen Messe, und wie man sie hören soll. 1. Noch sagte ich dir, christliche Jungfrau! nichts von der Sonne aller geistlichen Uebungen, von dem hochheiligen und höchst erhabenen Opfer und Sas 6 II. Lehrschule für Jungfrauen. kramente des Altars, dem Mittelpunkt der christlichen Religion, dem Herzen der Andacht, der Seele der Frömmigkeit, dem unaussprechlichen, den Abgrund der göttlichen Liebe umfassenden Geheimnisse, kraft dessen Gott, wirklich mit uns sich vereinigend, auf eben so liebenswürdige, als glorreiche Weise seine Gnaden uns mittheilt. 98 2. Das Gebet, in Vereinigung mit diesem göttlichen Opfer verrichtet, ist von wunderbarer Kraft. Denn gleichsam auf ihren Geliebten gestüßt, empfängt die Seele die Fülle himmlischer Gnaden von Ihm, der mit so lieblichem Duft und geistlicher Anmuth sie erfüllt, daß sie einer Säule von wohlriechenden Gewürzen, der Myrrhe, des Weihrauchs und aller Salbnngen gleichet, wie das hohe Lied der Liebe sie besingt. 3. Thue demnach dein Möglichstes, jeden Tag der heiligen Messe beizuwohnen, um mit dem Priester das Opfer des Erlösers, Gott seinem Vater, für dich und die ganze Kirche darzubringen. Im mer finden," wie der heilige Johannes Chrysostomus sagt, die Engel schaarenweise sich ein, dies hochheilige Geheimniß zu verehren; und wenn wir in gleicher Absicht mit ihnen uns einfinden, so ist es unmöglich, daß wir durch ihre Gemeinschaft nicht die Einflüsse der himmlischen Gnade empfangen. Die Chöre der siegenden und streitenden Kirche vereinigen in diesem göttlichen Opfer sich mit Christus, dem Herrn, um mit Ihm, in Ihm und durch Ihn das Herz Gottes, des himmlischen Vaters uns zu gewinnen, und seine Barmherzigkeit uns zuzuwenden. Welch' ein Glück ist es für eine Seele, mit ihren frommen Empfindungen zu einem so kostbaren und erwünschlichen Gute mitwirken zu können! Von der Hl. Messe, und wie man sie hören soll. 99 Kannst du wegen eines unüberwindlichen Hindernisses bei der Feier dieses hochheiligen Opfers körperlich nicht zugegen sein, so sende wenigstens dein Herz dahin, damit du demselben auf geistige Weise beiwohnest. Begib dich also in einer Morgenstunde, wenn du nicht anders kannst, dem Geiste nach in die Kirche, vereinige deine Meinung mit der Meinung aller Christen, und verrichte an der Stelle selbst, wo du weilest, dieselben innerlichen Handlungen, die du verrichten würdest, wenn du in einer Kirche bei dem Opfer der heiligen Messe wirklich zugegen wäreſt. Um nun die heilige Messe sowohl wirklich, als geistlicher Weise würdig zu hören, beobachte folgende Regeln: 1. Bereite von Anfang, bis der Priester vor den Altar tritt, mit ihm dich vor. Diese Vorbereitung besteht darin, daß du dich in die Gegenwart Gottes versehest, deine Unwürdigkeit erkennest, und um Vergebung deiner Sünden bittest. 2. Von der Zeit an, wo der Priester vor den Altar getreten ist, bis zum Evangelium betrachte auf einfache Weise und im Allgemeinen die Ankunft und das Leben unsers Erlösers in dieser Welt. 3. Vom Evangelium bis nach dem Credo betrachte das Lehramt unsers Heilandes, und betheure, daß du im Glauben und in der Befolgung seiner heiligen Worte, und in der Gemeinschaft der katholischen Kirche leben und sterben willst. 4. Vom Credo bis zum Pater noster wende dein Herz den Geheimnissen des Leidens und Todes Jesu Christi zu, welche in diesem heiligen Opfer, das du mit dem Priester und dem ganzen Volke Gott dem Vater zu seiner Ehre und zu deinem Heile darbringst, wirklich und wesentlich vorgestellt werden. II. Lehrschule für Jungfrauen, 5. Vom Pater noster bis zur Kommunion er wecke dein Herz auf alle mögliche Weise zu einer heiligen Sehnsucht, mit unserm göttlichen Erlöser durch das Band der ewigen Liebe vereiniget zu werden. 100 6. Von der Kommunion bis zum Schlusse danke der ewigen Gottheit für ihre Menschwerdung, für ihr Leben, Leiden und Sterben, und für die Liebe, die sie in diesem heiligen Opfer uns erweiset, und bitte sie mit aller Innigkeit, daß sie kraft desselben dir selbst, deinen Verwandten und Freunden und der ganzen Kirche ewig gnädig sei, und empfange dann in tiefer Demuth mit Andacht den Segen, den der Herr, durch die Vermittlung seines Dieners, dir ertheilt. Willst du jedoch während der heiligen Messe deine gewöhnliche Betrachtung über die heiligen Geheimnisse anstellen, so ist es eben nicht nothwendig, daß du zu jeder der hier angegebenen Handlungen ablenkest; sondern es genügt, wenn du gleich Anfangs deine Meinung dahin richtest, durch deine Betrachtung und dein Gebet dieses hochheilige Opfer anzubeten und darzubringen; da in der ganzen Betrachtung alle jene Handlungen entweder ausdrücklich oder stillschweigend enthalten sind. Eilftes Kapitel. Von andern öffentlichen und gemeinschaftlichen Andachtsübungen. Außer diesem, christliche Jungfrau! sollst du án Sonn- und Festtagen, in so fern deine Umstände es erlauben, den Tagzeiten und der Vesper beiwohnen; denn da diese Tage Gott besonders geweiht sind, soll man an denselben auch mehr zu seiner Von andern öffentlichen Andachtsübungen. 101 Ehre und zu seinem Ruhme, als an andern Tagen thun. Dadurch wirst du in Fülle die Süßigkeiten der Andacht empfinden, wie einst der heilige Augustin, der in seinen Bekenntnissen versichert, daß, während er am Anfange seiner Bekehrung den Tagzeiten beiwohnte, sein Herz vor Rührung und seine Augen in Thränen zerflossen. Zudem, ich sage dir dies ein für allemal, gewährt der öffentliche Gottesdienst der Kirche immer mehr Nutzen und Trost, als die Privatandachten, und Gott hat befohlen, daß wir die gemeinschaftlichen Andachtsübungen jeder Absonderung vorziehen sollen. Nimm gern an den Bruderschaften deines Wohnortes Theil, besonders an jenen, deren Uebungen dir größern geistlichen Gewinn und höhere Erbauung versprechen; dadurch wirst du einer Art von Gehorsam dich unterwerfen, welcher Gott sehr wohl gefällig ist; denn, schreibt auch die Kirche die Bruderschaften nicht ausdrücklich vor, so empfiehlt sie dieselben doch, da sie zur Bezeugung ihres Wunsches, daß recht Viele ihnen beitreten mögen, den Mitgliedern Ablässe und andere Freiheiten ertheilt. Uebrigens ist es auch eine wahre Uebung der christlichen Liebe, mit Andern gemeinsam zu wirken une ihre guten Absichten zu befördern. Und obwohl wie vielleicht für uns in's Besondere eben so gute Werke thun mögen, und dieselben sogar lieber allein vollbringen, so wird dennoch dadurch, daß wir uns zur Uebung guter Werke mit unsern Brüdern und Schwestern vereinigen, die Ehre Gottes weit mehr befördert. Das Nämliche gilt von allen andern öffentlicher Gebeten und Andachten, zu welchen wir, so viel wir im Stande find, durch unser gutes Beispiel zur Verherrlichung Gottes, zur Erbauung des Nächsten 6* 102 II. Lehrschule für Jungfrauen. und zur Beförderung des gemeinschaftlichen Zweckes beitragen sollen. 3wölftes Kapitel. Von der Anhörung und Lesung des Wortes Höre gern das Wort Gottes, aber höre es immit Aufmerksamkeit und Ehrfurcht, du magst es nun in der Predigt oder in vertrauten Gesprächen von deinen geistlichen Freunden vernehmen. Es ist der gute Same, den du nicht unter Dornen fallen lassen darfst. Mache sorgfältigen Gebrauch davon und nimm ihn wie einen köstlichen Balsam in dein Herz auf; ahme hierin der allerfeligsten Jungfrau nach, die sorgfältig in ihrem Herzen alle Worte bewahrt, die zum Lobe ihres Kindes gesagt wurden. Erinnere dich auch, daß Gott die Worte, die wir in unsern Gebeten an Jhn richten, eben so aufnimmt, wie wir die Worte aufnehmen, die Er durch den Mund des Predigers zu uns spricht. Habe immer ein gutes Andachtsbuch zur Hand. Von dieser Art sind die Bücher des heiligen Bonaventura, Ignatius, Alphons von Liguori, Thomas von Kempen, Ludwig Blofius, Ludwig von Granada, Franz von Sales, die Bekenntnisse des heiligen Augustinus, die Schriften der heiligen Gertru dis und Mechtildis und andere. Lies täglich ein wenig mit Andacht darin, und betrachte diese Schrif ten wie Sendschreiben, welche die Heiligen vom Him mel dir sandten, den Weg dahin dir zu zeigen, und dich zu ermuthigen, auf diesem Wege zu wandeln. Lies auch die Lebensbeschreibungen der Heiligen, in welchen du, wie in einem Spiegel, das Bild des Von der Anhörung und Lesung des Wortes Gottes. 103 christlichen Lebens erblicken wirst, und ahme ihr Beispiel nach, in so fern es sich mit den Pflichten deines Standes verträgt. Denn obwohl nicht alle Handlungen der Heiligen von denen nachgeahmt werden können, die in der Welt leben, so kann man sie doch mehr oder minder zum Vorbilde nehmen. So kannst du z. B. die Einsamkeit des ersten heiligen Einsiedlers Paulus in deiner geistlichen und wirklichen Einsamkeit nachahmen; eben so die äußerste Armuth des heiligen Franziskus durch gewisse Uebungen der Armuth; und eben so auch manche andere Tugenden. Unter diesen Lebensbeschreibungen gibt es einige, die uns mehr Aufklärung über die Art und Weise geben, wie wir ein gutes Leben führen follen, als andere. Besonders lehrreich ist in die ser Hinsicht das Leben der seraphischen Mutter Theresia, die des heiligen Karolus Borromäus, Erzbi schofs von Mailand, des heiligen Ludwig, des hei ligen Bernhard, die Ordensgeschichte des heiligen Franziskus und Andere. Es gibt auch Heilige, deren Leben uns mehr zur Bewunderung als zur Nachahmung dient, wie das der heiligen Maria von Egyp ten, der beiden heiligen Katharinen von Siena und Genua, der heiligen Angela und ähnliche, die aber nichts desto weniger großen Geschmack an der heiligen Liebe Gottes einflössen. and Dreizehntes Kapitel. Von der Wahl eines Beichtvaters für Jungfrauen, die nach der christlichen Vollkommenheit streben. Manche Personen, die nach größerer Vollkont menheit trachten, meinen, ohne besondern geiſtlichen Seelenführer leben zu können und gehen bald 104 II. Lehrschule für Jungfrauen.d well zu diesem, bald zu jenem Beichtvater. Sie irren fich aber, da es für fromme Seelen von der größten Wichtigkeit ist, daß sie ihren eigenen geistlichen Seelenführer haben, sowohl für ihre innerlichen Uebungen, als auch für ihre äußerliche Lebensweise. Es ist wahr, sagt der heilige Gregorius, daß einige Heilige unmittelbar von Gott geführt worden; aber, sett er hinzu, solche Beispiele muß man vielmehr verehren, als nachahmen, damit der, welcher verschmähet, ein Jünger des Menschen zu werden, nicht ein Lehrmeister des Irrthums werde.( S. Greg. Dial. I. 1, c. 1.) Alle Tugend findet sich in der rechten Mitte, denn gleichwie im geistlichen Leben die Träge heit ein Laster ist, so ist auch der allzugroße Eifer schädlich. Dem Seelenführer liegt nun aber die Pflicht ob, eines wie das andere zu ordnen, und deshalb ist seine Leitung so nöthig. Sollte aber eine Seele Niemanden finden, der sie zur Vollkommenheit anleiten könnte, so vertritt Gott freilich feine Stelle. Wer sich aber weigert, die Führung feines Dieners anzunehmen, da er sie haben kann, der handelt vermessen, und Gott wird es deshalb zulassen, daß ein Solcher in viele Irrthümer falle. Freilich könnte Gott unmittelbar durch sich selbſt uns Alle führen, Er will aber, damit wir demüthig werden, daß wir uns seinen Dienern unterwerfen und denselben Gehorsam leisten. Caffianus erzählt( Cassian. Collat. 2, cap. 2.), daß einmal einem Einsiedler, der mitten in der Wüste vor Hunger beinahe verschmachtete, einige Brode von einem Mann angeboten wurden, worauf sich aber jener weigerte, sie anzunehmen; denn sagte er, ich hoffe, Gott felbst werde mir schon Speise reichen, worauf der Unglückselige in großem Elende vor Hunger starb. Aber, möchte Jemand fragen, warum Von der Wahl eines Beichtvaters für Jungfrauen. 105 hat Gott denn den heiligen Einsiedler Paulus so viele Jahre lang genährt, da Er ihm durch einen Raben Brod zuschickte, und warum hat Er für jenen feine Sorge tragen wollen? Die Ursache ist ganz einfach: Der heilige Paulus hatte gar nichts zu essen; jener Einsiedler aber wollte die ihm angebotenen Speisen nicht benußen, weshalb Gott ihn denn auch verlassen hat. Was ich hier nun aber von der Speise des Leibes gesagt habe, das gilt auch für die Speise der Seele; denn, schließt Caf sian, derjenige ist unwürdig, von Gott geleitet zu werden, der sich weigert, die Leitung weiser Männer zu benutzen. Die Wahl eines geistlichen Führers darf man aber nicht blos dem Zufalle oder seiner Neigung überlassen, nein, man muß denjenigen wählen, den man für seinen eigenen Fortgang in der Vollkoms menheit am nüßlichsten hält, und der nicht nur wohl unterrichtet und erfahren, sondern zugleich ein Mann des Gebetes ist und der selbst an seiner Vollkommenheit arbeitet. Das Faß kann keinen andern Wein geben, als den, der darin ist. Die hei lige Theresia pflegte zu sagen: Wenn die Gewissensführer nicht zugleich das Gebet fleißig üben, so wird ihnen ihre Gelehrsamkeit wenig nüßen( Fundat. cap. 1.). Hat man sich aber einmal einen Seelenführer gewählt, so darf man ihn ohne einen sehr triftigen Grund nicht wieder verlassen. Wenn unser Beichtvater uns auch strenge zurechtweist, so ist dies keine Ursache, ihn zu verlassen, nein, gerade deshalb sollen wir uns seiner Leitung um desto un bedingter hingeben. Folgende Lehre hinterließ der heilige Ludwig seinem Thronerben: Wähle dir einen Beichtvater, geliebter Sohn! der dich zu unterrichten wisse, und der zugleich Muth genug hat, dich 106 II. Lehrschule für Jungfrauen, zu strafen, wenn dies nöthig ist. Es gibt kaum einen ungeeignetern Beichtvater, als einen solchen, der die Fehler seines Beichtfindes nicht bestraft und der allzu nachsichtig ist; denn daher kommt es dann, daß das Beichtfind seine Fehler immer gering ach tet. Hast du also einen Beichtvater, geliebte Seele, der dich den engen Weg führt und, wenn er freiwillige Fehler bei dir erblickt, dich deshalb mit Strenge tabelt, so halte denselben sehr werth und verlasse ihn niemals. Du sollst dann aber auch deinem Beichtvater pünktlich gehorchen und nicht einen Finger breit von dem abweichen, was er dir verbietet oder er-- laubt, so gut dir immerhin auch das vorkommen mag, was du wider seinen Rath thun möchtest. Im Leben der Altväter erzählt man, daß ein Jüngling, der schon große Fortschritte in der Tugend gemacht hatte, gegen den Rath seines geistlichen Führers fein Kloster verlassen und in eine Wüste gehen wollte, um da ein einsames Leben zu führen. Aber was geschah? Später wollte er denn auch die Wüste verlassen, um seine Verwandten zu besuchen. Da vergaß er aber die Wüste und begann ein ausge lassenes Leben. Aber du wendest mir vielleicht ein, daß du, während du deinem Seelenführer folgtest, schlecht geleitet worden seist, wie andere geistliche Führer dich dessen späterhin versichert haben. Darauf antworte ich vorerst, daß es kaum möglich ist, daß du geirrt habest, da du den Gehorsam geübt haft, und wenn dies wirklich geschehen sein sollte, so will ich dir auch die Ursache davon sagen: Das ist blos deshalb geschehen, weil du in einigen Dingen gehorcht hast und in andern nicht, und weil Gott nicht schuldig ist, dem, der auf so unvollkommene Weise gehorcht, beizustehen. Uebergib dich also. Von der Wahl eines Beichtvaters für Jungfrauen. 107 ganz deinem geistlichen Führer, fest entschlossen, ihm in Allem zu gehorchen, alsdann wird Gott es nie zulassen, daß du in Irrthum fallest. Ja, sollte dein Beichtvater auch nicht die nöthige Wissenschaft befißen, so wird Gott schon Sorge tragen, dieselbe zu ersetzen; denn es ist nicht möglich, daß eine Seele, welche wahrhaft heilig zu werden wünscht und ihr Vertrauen auf Gott segt, getäuscht werde, wenn sie einem Diener des Herrn treu gehorcht. Hieraus schließe ich also, daß derjenige, der sich von seinem gewöhnlichen Beichtvater leiten läßt, sollte er auch keinen besondern Seelenführer haben, nicht irre gehen kann, sollte er seinen Beichtvater auch sogar von Zeit zu Zeit wechseln müssen. Die große Dienerin Gottes, Schwester Paula Centurione, pflegte zu sagen: Mir gilt jeder Beichtvater gleich, denn jeder wendet ja das kostbare Blut Jesu Christi an, um die Wunden meiner Seele zu heilen." Es genügt, daß, wenn man einen neuen Beichtvater bekommt, man ihm im Allgemeinen seinen Gewissenszustand offenbare und sich hierauf seiner Leitung unterwerfe. Wer wahrhaft heilig werden will und nichts sucht als Gott allein, dem ist jeder Beichtvater recht, der ihm angewiesen wird. Ein guter Wille und der feste Vorsaß, seiner Eigenliebe jede Befriedigung zu versagen, reicht hin, um in Allem nur das Wohlgefallen Gottes zu finden, und deshalb sagte die ehrwürdige Schwester Ursula Be nicafa zu ihren Mitschwestern:„ Seid überzeugt, daß kein Beichtvater euch heilig machen kann, wenn ihr nicht entschlossen seid, euren eigenen Willen und eure Leidenschaften abzutödten." ind and sid II. Lehrschule für Jungfraueu. d null Vierzehntes Kapitel. Von der Art und Weise, wie man beichten soll. Unser Herr und Heiland hinterließ seiner Kirche bas heilige Sakrament der Buße, damit wir uns durch dasselbe zu jeder Zeit von den Sünden reinigen können, womit wir uns befleckt haben. Ge statte also nimmer, christliche Jungfrau! daß dein Herz lange mit einer Sünde behaftet bleibe, da du ein so leichtes und so schnelles Mittel besitzeſt, dich zu reinigen. Eine Seele, wenn sie in eine Sünde willigte, soll Abscheu vor sich selbst haben, und wegen der Ehrfurcht, die sie den Augen der göttlichen Majestät schuldig ist, schnell sich reinigen. O warum wollen wir des geistigen Todes sterben, da wir ein so überaus wirksames Mittel zur Heiligung haben? 108 Beichte in Demuth und Andacht alle acht Tage, und wo möglich immer, wenn du die heilige Kommunion empfängst, wenn dein Gewissen dir auch keine schwere Sünde vorwirft. Denn du empfängst durch die Beichte nicht nur die Lossprechung von allen läßlichen Sünden, sondern auch eine hohe Kraft, in Zukunft sie zu meiden, eine große Erleuchtung, sie zu erkennen, und eine reichliche Gnade, allen Schaden zu erseßen, den sie dir verursachten. Du übst außerdem die Tugenden der Demuth, des Gehorsams, der Einfalt und der Liebe, und fiberhaupt in dem einzigen Werke der Beicht der Tugenden mehr als in jedem andern. Hege immer ein wahres Mißfallen an den Sünben, die du beichtest, wie gering sie auch sein mö gen, und einen festen Vorsaß, dich zu bessern. Viele, Sie ihre läßlichen Sünden nur obenhin und aus Bewohnheit beichten, ohne je den Gedanken zu fassen, Von der Art und Weise, wie man beichten soll. 109 sich deshalb zu bessern, bleiben ihr ganzes Leben damit belastet, und berauben sich dadurch vieler Gnaden, die zu ihrem Fortschreiten im Guten nothwendig sind. Klagst du daher dich an, daß du die Unwahrheit geredet, obgleich sie Niemanden schadete, oder daß du ein unziemliches Wort gesprochen, oder zu lange gespielt hast, so bereue es aufrichtig, und fasse den festen Vorsatz, dich zu bessern; denn es ist nur Mißbrauch, eine schwere oder läßliche Sünde zu beichten, ohne davon sich reinigen zu wollen, da die Beicht blos dieser Reinigung wegen eingesetzt worden ist. Vermeide auch jene allgemeinen und unbestimmten Anklagen, die sich Viele zur Gewohnheit gemacht haben, als: Ich habe Gott nicht so sehr geliebt, wie ich sollte; ich habe nicht so andächtig gebetet, wie ich sollte; ich habe meinen Nächsten nicht so sehr geliebt, wie ich sollte; ich habe die heiligen Sakramente nicht mit der schuldigen Ehrfurcht empfangen u. f. m.; denn dadurch gibst du nichts Einzelnes an, woraus der Beichtvater deinen Gewissenszustand beurtheilen kann; da alle Menschen auf Erden, und selbst alle Heiligen im Himmel dasfelbe sagen könnten, wenn es noch eine Beichte für fie gäbe. Sieh also, was für besondere Gründe du zu solchen Anklagen habest, und hast du dieselben entdeckt, dann bekenne die begangenen Fehler einfach und unbefangen. So klagst du z. B. dich an, daß du den Nächsten nicht geliebt habest, wie du ihn hättest lieben sollen; bestand dies etwa darin, daß du einen Armen in großer Noth sahest, den. du leicht hättest unterstüßen und trösten können, und dennoch keine Sorge für ihn trugest? nun wohl, so klage deshalb in's Besondere dich an, und sprich: Ich sah einen Armen in großer Noth, dem ich nicht Schule und Tempel. 7 110 II. Lehrschule für Jungfrauen. half, wiewohl ich es konnte, und begieng diesen Fehler aus Nachlässigkeit, aus Härte des Herzens oder aus Verachtung,- je nachdem du selbst die Ursache erkennest. Eben so flage nicht blos dich an, daß du nicht mit der gebührenden Andacht gebetet habest; sondern ob du freiwillig im Gebete zerstreuet warest, oder ob du aus Nachlässigkeit nicht auf die Zeit, den Ort und die Stellung achtetest, die zur Aufmerksamkeit im Gebete erforderlich sind, und klage dann ganz einfach dich an, je nachdem dit den Fehler erkennest, ohne in jene Allgemeinheit zu verfallen, die im Beichtstuhle zu nichts führet. Begnüge dich nicht, bei den läßlichen Sünden nur zu sagen, daß du sie begangen hast, sondern klage über den Beweggrund dich an, der dazu dich verleitet hat. So begnüge z. B. dich nicht mit der Anklage, daß du gelogen habest, ohne Jemanden zu beeinträchtigen; sondern gib an, ob es aus Ruhmcedigkeit, um dich zu loben oder zu entschuldigen, oder aus alberner Freude, oder aus Eigensinn geschah. Hast du im Spiele gesündigt, so erkläre dich näher und sage, ob es aus Gewinnsucht, oder aus Behagen an der Unterhaltung geschah. Eben so mache es auch bei den übrigen Sünden. Gib ferner an, ob du lange Zeit in der Sünde verharrtest, da die Länge der Zeit die Sünde gewöhnlich sehr vergrößert; denn so ist z. B. ein großer Unterschied zwischen einer flüchtigen Eitelkeit, die etwa eine Viertelstunde unser Gemüth beschäftigte, und einer andern, die unser Herz ein, zwei oder drei Tage hindurch befleckte. Man muß also die That, den Beweggrund und die Dauer seiner Sünden ange bent. Denn ist man auch überhaupt nicht verpflichtet, bei dem Bekenntnisse der läßlichen Sünden so ängstlich genau zu sein, ja selbst nicht einmal ge Von der Art und Weise, wie man beichten soll. 111 halten, sie zu beichten, so sollen doch jene, denen daran gelegen ist, ihre Seele recht zu läutern, um eine höhere Stufe der Frömmigkeit zu erreichen, die größte Sorgfalt darauf verwenden, dem geistlichen Arzte das Uebel zu offenbaren, von welchem sie geheilt sein wollen, wie klein es auch sein mag. Gib auch Alles an, was nöthig ist, um die Beschaffenheit deiner Schuld deutlich zu erklären. Es sagt z. B. ein Mensch, der mir unleidlich ist, mir ein Wort im Scherze, und ich nehme es ihm übel, und gerathe darüber in Zorn; da hingegen ein Anderer, den ich wohl leiden kann, mir etwas weit Härteres hätte sagen dürfen, ohne daß ich es ihm übel genommen hätte. Anklagen werde ich mich also: Ich ließ mich hinreißen, zoznige Worte gegen Jemanden auszustoßen, weil ich übel nahm, was er mir sagte, nicht sowohl wegen der Worte, die er zu mir redete, als vielmehr, weil ich ihn nicht leiden konnte. Und ist es überdies zu einer deutlichern Erklärung nothwendig, die einzelnen Worte anzugeben, so halte ich auch das für gut; denn wenn man auf diese Art sich unbefangen anklagt, entdeckt man nicht nur die begangenen Sünden, sondern auch die bösen Neigungen, Gewohnheiten und andere Wurzeln der Sünde, wodurch der Beichtvater eine genauere Kenntniß des Herzens erlangt, das er be handelt, so wie der Mittel, die zu seiner Heilung geeignet sind. Jedoch muß man, so viel als möglich, denjenigen verschweigen, der an unserer Sünde Theil genommen hat. II. Zehrschule für Jungfrauen. Fünfzehntes Kapitel. Von den Gewissensscrupeln, womit zuweilen ängstliche Seelen geplagt sind. 112 Ein Gewissensscrupel ist nichts anderes, als eine eitle Furcht, zu fündigen, die aus einer falschen Beforgniß entspringt, welche keinen vernünftigen Grund hat. Im Anfange nach der Bekehrung sind die Scrupel gewöhnlich nüßlich, weil eine Seele, die erst seit Kurzem den Staub der Sünde verlassen hat, ihr Herz häufig reinigen muß, was durch die Scrupel bewirkt wird, welche die Seele reinigen und sie zugleich behutsam machen, wahre Sünden zu fliehen. Dann machen sie die Seele auch demüthig, so daß sie ihrem eigenen Urtheil nicht mehr trauet und sich gehorsam der Leitung ihres geistlichen Führers unterwirft, damit er mit ihr verfüge nach seinem Wohlgefallen. Der heilige Franz von Sales sagt: Dieſe Furcht, welche die Scrupel bei denjenigen hervorbringen, die erst seit Kurzem den Weg der Sünde verlassen haben, ist ein unfehlbares Zeichen künftiger Gewissensreinheit. Hingegen sind die Scrupel denen schädlich, die schon nach Vollkommenheit streben und sich seit langer Zeit Gott geschenkt haben. Für solche Seelen, sagt die heilige Theresia, werden die Scrupel Anlaß zur Thorheit, denn sie geben ihnen allerhand verkehrte Einfälle ein, wodurch sie in einen solchen Zustand gerathen, daß sie keinen Schritt mehr auf dem Wege der Vollkommenheit vorwärts thun können. Dasselbe hat uns auch der heilige Franz von Sales hinterlassen, da er sagt: Arbeitet mit Sorgfalt an eurer Vollkommenheit, aber hütet euch vor der Unruhe; denn es gibt nichts, was uns mehr hindert auf dem Wege der christlichen Vollkommenheit. Von den Gewissensscrupeln. Wir wollen diesen Gegenstand jetzt näher betrachten. Gewöhnlich werden diejenigen, welche an Gewissensängsten leiden, von zweierlei Arten von Scrupeln geplagt. Die Einen beziehen sich auf das Vergangene, daß sie nämlich niemals recht gebeichtet hätten, die andern auf die Gegenwart, daß sie nämlich in allen Dingen, wo sie mit Furcht handeln, eine Sünde begehen. stris find Was die erste Gattung von Scrupeln be trifft, die sich auf das Vergangene beziehen, so möchten die Scrupulanten nichts Anderes thun, als immerfort Generalbeichten ablegen, indem sie hoffen, dadurch ihre Angst zu stillen. Aber was geschieht alsdann? Es wird immer schlimmer mit ihnen, denn immer kommen neue Besorgnisse und Scrupel in ihnen auf, daß sie entweder Sünden in der Beicht vergessen oder sich nicht deutlich genug erklären, und ihre Unruhe wird nur immer größer, je öfter fie beichten. Freilich ist die Generalbeicht sehr nützlich für diejenigen, die noch niemals eine solche abgelegt haben, denn sie trägt sehr viel dazu bei, die Seele durch die Betrachtung der Verirrungen ihres vorigen Lebens, die ihr alle zusammen vor Augen gestellt werden, tief zu demüthigen, und sie eifert uns an, heilige Vorsäge für die Zukunft zu fassen. Die Ge neralbeicht macht es auch dem Beichtvater leichter, den Stand unseres Gewissens, die Tugenden, die uns mangeln, und die Leidenschaften und Laster, zu denen wir am meisten geneigt sind, besser zu erkennen, und hiernach sicherer rathen und helfen zu können. Wer aber schon einmal eine Generalbeicht abgelegt hat, für den ist es von keinem Nußen, dies noch einmal zu thun; und sollte ihm auch hernach ein Zweifel kommen, so ist er, für gewöhnlich zu reden, besonders wenn er sich nicht erinnert, jemals 113 II. Lehrschule für Jungfrauen. vorsäßlich eine Sünde in der Beicht verschwiegen zu haben, nicht verpflichtet, irgend noch davon zu beichten, wenn er nicht ganz gewiß weiß, daß dies eine schwere Sünde gewesen ist, und wenn er überdies feine Gewißheit hat, ob er sie nicht schon seinem Beichtvater geoffenbaret habe. 114 Aber, wendest du ein, wenn meine Sünde wahrhaft eine schwere Sünde gewesen ist und ich sie nicht gebeichtet habe, kann ich dann auch noch selig werden? Ja, geliebte Seele, auch dann kannst du selig werden, denn alle Gottesgelehrten sagen mit dem heiligen Thomas( S. Thom. Supplem. 3. p. q. 10. c. 5.), daß, wenn man nach sorgfältiger Erforschung in der Beicht eine Todsünde aus Vergeßlichkeit ausläßt, dieselbe durch die Lossprechung mittelbar nachgelassen werde. Es ist wahr, daß wenn das Beichtfind sich erinnert oder mit Recht zweifelt, jene Sünde niemals gebeichtet zu haben, es alsdann schuldig sei, dieselbe zu offenbaren, wenn es aber, wie ich in vorhergehenden Punkte bemerkt habe, vernünftiger Weise glauben kann, die Sünde schon in den früthern Beichten genannt zu haben, so ist es nicht verpflichtet, dieselbe zu beichten. Ich sage: Es ist nicht verpflichtet, dieselbe zu beichten, und dies gilt für Alle. Aber eine Seele, die von Scrupeln beängstigt wird, ist überdies noch verpflichtet, diese Sünde nicht zu beichten, außer wenn sie( wie die Gottesgelehrten sagen) darauf schwören kann, daß es sicher eine Todsünde gewesen und daß sie dieselbe niemals gebeichtet habe; denn die Wiederholung der Sünden des frühern Lebens kann einem ängstlichen Gewissen zu großem Verderben gereichen, ja dasselbe sogar in Verzweiflung stürzen. Und wenn das Beichtfind sehr beängstigt und beunruhigt wird, wenn es entscheiden soll, ob es schwören könne oder nicht, so Von den Gewissensscrupeln. 115 kann auch in diesem Falle der Beichtvater es von der Pflicht, die Sünde des vorigen Lebens zu beid)ten, gänzlich befreien; denn wenn so große Gefahr und so großer Nachtheil mit der vollständigen Beicht verbunden ist, so hört die Verpflichtung dazu auf, da sogar andere weit geringere Beschwerden, nach der allgemeinen Lehre der Gottesgelehrten, von der Vollständigkeit der Beicht entschuldigen. Um also diesen Punkt zu schließen, müssen Scrupulanten sich wohl merken, daß, wenn die Generalbeicht auch für Andere nüßlich ist, sie dennoch für sie sehr ge fährlich und schädlich sei. Deshalb erlauben gute Beichtväter ihnen auch gar nicht, von dem Vergangenen zu reden. Ihr Heilsmittel ist nicht sowohl das Neden, als das Schweigen und der Gehorsam, weshalb man sie gar nicht anhören darf, wenn sie reden wollen; denn thut man das einmal, so bleiben sie immer unruhig, wenn sie nicht reden können. Was nun Jene betrifft, welche von der zweiten Gattung von Scrupeln geplagt werden, daß sie nämlich bei Allem, was sie thun, fündigen, oder die sich fürchten, bei jedem bösen Gedanken, der ihnen in den Sinn kommt, einzuwilligen, fo muß man sich vor Allem zwei Dinge merken: erstens, daß man vorerst die Empfindung von der Einwilligung unterscheiden muß. Niemals sind die Bewegungen der Empfindung, die natürlicher Weise geschehen, sündhaft, sobald der Wille dieselben verwirft. Auch muß man sich deshalb keinen Scrupel machen, daß man etwa Veranlassung dazu gegeben, wenn man dies nur aus guter Absicht, um eines geistlichen oder zeitlichen Nußens wegen gethan hat. Dann muß man sich aber zweitens auch noch wohl merken, daß, um eine Todsünde zu begehen, sowohl ein vollkommenes Aufmerken des Verstandes, als 116 II. Lehrschule für Jungfrauen. auch eine vollkommene Einwilligung des Willens erfordert werde, so daß, wenn eines von beiden mangelt, man keine schwere Sünde begangen hat. Und wenn sie zweifeln, dann müssen, wie ich schon bemerkt habe, gottesfürchtige Personen und besonders solche, die an Scrupeln leiden, überzeugt sein, daß, sobald sie es nicht mit Gewißheit bejahen können, sie keine Todsünde begangen haben. Man muß auch noch bemerken, daß es für gewisse ängstliche Seelen, die immer zweifeln, ob sie auch wohl in die bösen Gedanken eingewilligt haben, bisweilen gut ist, wenn sie sich nicht über einige Versuchungen in's Besondere anklagen, z. B. über Versuchungen gegen die Nächstenliebe, gegen den Glauben oder die heilige Reinigkeit; denn je mehr sie darüber nachdenken, ob sie bereitwillig eingewilligt haben oder nicht, desto mehr werden die Bilder jener Gegenstände in ihnen aufgeregt, und sie werden nur immer unruhiger aus Furcht, daß sie von neuem eingewilligt haben. Für solche ist es am besten, daß sie sich über solche Gedanken nur im Allgemeinen anklagen, indem sie sagen: Ich klage mich aller Nachlässigkeiten an, die ich in Ausschlagung der bösen Gedanken begangen habe. So müssen sich denn auch alle Seelen, die an -Scrupeln leiden, zweierlei Vorrechte für ihre Handlungen merken, die ihnen von allen Gottesgelehrten( dem heiligen Antonin, Navarrus, Suarez und vielen Andern) gewöhnlich zugestanden werden. Das erste Vorrecht derer, die an Scrupeln leiden, besteht darin, daß sie nicht sündigen, wenn sie mit der Furcht des Scrupels handeln, sobald sie nur aus Gehorsam gehandelt haben. Es ist auch nicht nothwendig, daß sie jedesmal ausdrücklich die Meinung machen, gut handeln zu wol Von den Gewissensscrupeln. 117 len, indem sie sich daran erinnern, daß sie aus Gehorsam handeln, nein, um sie von aller Sünde freisprechen zu können, genügt es, zu wissen, daß sie die Handlung verrichtet haben, kraft des früher gefaßten Vorsages, solche Furcht nicht zu achten. Alsdann handelt man auch nicht mit einem wirk lichen Zweifel, denn es ist ein großer Unterschied: handeln mit einem wirklichen Zweifel zu fündigen, oder handeln mit der bloßen Furcht zu fündigen. Daher lehrt Gerson, daß der Zweifel alsdann ein wirklicher und das Handeln unerlaubt sei, wenn der Zweifel aus einem schon gebildeten Gewissen entspringt, d. h. wenn man, nachdem man die Umstände erwogen hat, dafür hält, daß man in diesem Zweifel nicht ohne Sünde handeln könne. Wenn aber der Verstand verwirrt ist, wenn er zwischen Zweifeln hin und her schwankt und nicht weiß, an was er sich halten soll, und wenn dessenungeachtet die Seele nichts thun möchte, was Gott mißfallen könnte, dann ist dies, nach Gerson, kein wahrer Zweifel, sondern eine leere Furcht, ein Scrupel, den man aus allen Kräften verwerfen und verachten muß. Wenn Jemand also fest entschlossen ist, Gott nicht zu beleidigen und aus Gehorsam handelt, um den Scrupel zu besiegen, so ist es gewiß, daß er nicht fündiget, wenn er auch mit dieser Furcht han= delt und sich augenblicklich nicht an den ihm von seinem Beichtvater gegebenen Befehl erinnert. Das andere Vorrecht derer, die an Scrupeln leiden, besteht darin, daß, nachdem sie gehandelt haben, sie fest glauben müssen, daß sie niemals in eine Versuchung eingewilligt haben, wenn sie nicht gewiß sind, daß sie die Bosheit der Sünde mit vollkommener Aufmerksamkeit gewollt haben. Wenn sie also hieran zweifeln, so ist dieser Zweifel 7* 118 II. Lehrschule für Jungfrauen. allein schon ein sicheres Zeichen, daß entweder die vollkommene Erkenntniß der Bosheit oder die völlige Einwilligung gefehlt hat; denn wenn beide stattgefunden, so könnten sie nicht mehr an der Sünde zweifeln, sondern würden Gewißheit darüber haben. Wenn der Beichtvater ihnen also auferlegt hat, sich über solche Zweifel nicht anzuklagen, so müssen sie ihm durchaus gehorchen und ja niemals daran denken, ihn zu verlassen, wenn er standhaft dabei bleibt, sie nicht anhören zu wollen. Ich bedieses, damit manche Seelen sich nicht darüber verwundern, wenn der Beichtvater ihnen befiehlt, sich über gewisse Dinge nicht anzuklagen, ja gar nicht davon zu reden, wenn sie nicht gewiß sind, Todsünden begangen zu haben; oder damit sie, wenn der Beichtvater, nachdem er sie angehört hat, ihnen befiehlt, ohne daß sie die heilige Lossprechung erhalten haben, zur heiligen Kommunion zu gehen, nicht mit ihrem geistlichen Vater zu streiten anfangen und den Theologen machen wollen, wie man zu sagen pflegt, sondern blindlings gehorchen, ohne auch nur nach der Ursache zu erforschen, warum es ihnen also befohlen ist. Ich beschließe diesen Punkt, geliebte Seele, indem ich fortwährend wiederhole: Gehorche, gehorche, und mache doch Gott nicht zu einem Tyrannen! Freilich haßt Er die Sünde, aber Er kann eine Seele nicht hassen, die reuevoll ihre Sünden verabscheut und tausendmal lieber sterben wollte, als wiederum eine Sünde begehen. Sage mir, glaubst du nicht, daß, wenn du die Liebe zu einem Menschen hättest, die du jetzt zu Gott trägst, dieser dich nicht auch recht herzlich lieben würde? Warum glaubst du denn, daß Gott weniger gut sei? D wie gut meint es Gott mit einer Seele, die eines guten Willens ist! Von den Gewissensscrupeln.. 1191 Darum ruft David aus: Wie gut ist Gott gegen Israel, gegen die, welche aufrichtigen Herzens sind!( Psalm CXXII., 1.) Gut ist der Herr gegen eine Seele, die Ihn suchet.( Klagl. III., 25.) Eines Tages sagte der Herr zur heiligen Margaretha von Cortona: Margaretha, du suchest Mich; wisse aber, daß Ich dich weit mehr suche, als du Mich suchest.- Stelle dir vor, geliebte Seele, Gott sage zu dir eben dasselbe, wenn du Ihn liebst und Ihn suchest. Wirf alsdann in seine Arme, wie der Psalmist dich dazu ermahnt, überlasse Ihm alle Sorge für deine Seele und sei überzeugt, daß Er dich bewahren und von allen deinen Nengsten befreien werde. Wirf deine Sorgen auf den Herrn, denn Er wird dich erhalten und wird den Gerechten nicht ewig wanken lassen.( Psalm CXV., 25.) Gehorche also und verkanne jede Furcht. Hat doch Jesus ebenfalls der heiligen Margaretha gesagt, daß ihre große Furcht sie verhindere, in der Liebe Gottes zuzunehmen. Du mußt auch nicht um so vieler Kleinigkeiten willen dich quälen und nicht meinen, daß Er um eines jeden kleinen Fehlers willens, den du begehest, schon über dich zürne. Die heilige Theresia sagte: Glaubet mir, meine Töchter, Gott sieht gewiß nicht auf so viele Kleinigkeiten, wie ihr euch einbildet. Laffet euch darum also das Herz nicht so eng werden; denn auf solche Weise möchtet ihr viel Gutes einbüßen. Macht nur immer die gute Meinung und seid fest entschlossen, Gott niemals zu beleidi gen. Ich wiederhole es euch also, gehorcht in allen Dingen euerm Beichtvater und vertrauet auf den Gehorsam, denn wenn ihr gehorchet, so geht ihr allzeit sicher. Habet auch stets die schöne Lehre vor II. Lehrschule für Jungfrauen. Augen, die der heilige Philipp Neri seinen Beichtfindern zu geben pflegte: Glaubet dem Beichtvater; denn Gott läßt nicht zu, daß er irre, da es kein sichereres Mittel gibt, um die Netze des Teufels zu zerreißen, als in guten Dingen den Willen eines Andern zu befolgen, so wie es hingegen auch nichts Gefährlicheres gibt, als wenn man sich nach seinem eigenen Gutdünken regieren will. Darum bitte Gott allzeit in deinem Gebete um diese Gnade, daß du stets deinem Beichtvater gehorchen mögest. Und wenn du dieses thust, so zweifle nicht, daß du heilig und selig werdest. 120 Sechszehntes Kapitel. Von dem öftern Empfange der heiligen Kom munion. Es ist bekannt, daß alle Gläubigen in den ersten Jahrhunderten täglich zu kommuniziren pflegten, wie uns dies der heilige Lukas bezeugt, da er schreibt: Täglich verharrten sie einmüthig im Tempel und brachen das Brod in den Häusern( Apostelg. II., 46.). Unter diesem Brode verstehen alle katholischen Schristausleger das allerheiligste Altars sakrament, weshalb der heilige Thomas als gewiß annimmt( Thom. 3. p. q. 80. a. 10. ad 5.), daß damals alle Christen, welche der heiligen Messe beiwohnten, auch zugleich die heilige Kommunion empfiengen, wie dies schon vor ihm der heilige Dionyfius der Areopagite bezeugt hat. S. Dyonis. Hier Eccles. cap. 13.) Auch versichert uns der heilige Hieronymus, daß dieser fromme Gebrauch noch zu seiner Zeit in Rom und in Spanien fortbestanden habe. Im Verlauf der Zeit erkaltete aber die Fröm Vom öftern Empfange der hl. Kommunion. 121 migkeit der Gläubigen in so hohem Grade, daß der Papst Fabian anordnen mußte, daß Alle wenigstens dreimal im Jahre, nämlich zu Ostern, Pfingsten und Weihnachten kommuniziren sollten. Aber später nahm die Lauigkeit der Christen noch so sehr überhand, daß Innozenz III. vorschrieb, jeder Gläubige folle wenigstens einmal im Jahre und zwar um die österliche Zeit kommuniziren, unter Strafe des Kirchenbannes; diese Verordnung wurde später vom Kirchenrath von Trient bestätigt.( Trid. Sess. 13. cap. 9.). Aber das beweist keineswegs, daß die öftere Kommunion nicht sehr lobenswerth sei; es dient allein zum Beweise, daß der Eifer, welcher im Anfange in der Kirche blühte, mit der Zeit abgenommen habe und erfaltet sei. IND Was den heutigen Gebrauch anbelangt, so weiß ich gar wohl, daß einige Beichtväter mehr, andere weniger für die öftere Kommunion geneigt sind. Was mich betrifft, so halte ich es mit den erstern; denn es scheint mir, daß ich sowohl die Meinung der heiligen Väter, als auch der heiligen Kirche selbst für mich habe, wie dies der gelehrte Pater Petavius in einer Abhandlung gegen den strengen Arnaldus bewiesen hat. Ich übergehe mit Stillschweigen, was die heiligen Väter hierüber sagen, und führe nur an, daß der heilige Bafilius an einen seiner Freunde schreibt, es sei sein größter Trost, daß alle Gläubigen in seinem Bisthume Cäsarea wenigstens vier Mal in der Woche das allerheiligste Altarssakrament empfiengen. Freilich sagt der heilige Augnstin an einer Stelle, wo er von der täglichen Kommunion redet: Ich lobe weder die tägliche Kommunion, noch tadle ich sie."( S. Aug. de Eccl. Dogmat.); aber, bemerkt ein gelehrter Schriftsteller, man kann sich gar wohl erklären, warum 132.11. Lehrschule für Jungfrauen. mann erlaubt, mit dem Könige zu reden; höchstens kann der Unterthan hoffen, ihm durch einen Drit ten sein Anliegen vortragen zu lassen. Aber, fügt die Heilige hinzu, um mit Dir, König der Herrlichkeit, reden zu können, bedarf es feiner dritten Person. Du bist im allerheiligsten Altarssakramente immer bereit, einem Jeden Gehör zu geben. Wer nach Dir verlangt, findet Dich daselbst und kann sich vertraulich mit Dir unterreden. Und wie viel Mühe hat es nicht gekostet, ehe es Jemanden ge= lungen ist, bei dem Könige vorgelassen zu werden! Die Fürsten geben kaum einige Mal im Jahre Audienz, aber Du, o mein Heiland! Du gibst Allen Gehör und so oft sie es nur wollen. Viele Pilger machen weite Reisen, um das heilige Haus zu Loretto zu besuchen, wo Jesus Christus eine Zeit lang gewohnt hat, um jene Orte im heiligen Lande zu verehren, wo Er geboren ward, wo Er gelitten hat und gestorben ist; aber der Pater Avila hatte Recht, wenn er sagt: Ich kenne kein andächtigeres und liebenswürdigeres Heiligthum, als eine Kirche, in der das hochwürdigste Gut aufbewahrt wird; denn das ist nicht nur ein Ort, wo Jesus sonst gewohnt und gelitten hat, nein, es ist ein Ort, wo Er noch jetzt wahrhaft lebt und wohnt. Darum kannten auch die Heiligen hier auf Erden keine größere Freude, als wenn sie sich vor dem allerheiligsten Altarssakramente einfinden konnten. Man erzählt im Leben des heiligen Franzis kus Xaverius, daß, nachdem er den ganzen Tag für das Heil der Seelen gearbeitet hatte, er die Nacht auf den Knieen vor dem hochwürdigsten Gute zubrachte, und daß er, wenn ihn der Schlaf überfiel, sich auf den Altarstufen niederlegte, und nachdem er daselbst eine kurze Ruhe genossen, sich von Von den Besuchungen des allerhl. Mtarssakramentes. 133 neuem mit seinem geliebten Herrn im Gebet unterhielt. So machte es auch der heilige Franziskus Regis, der, nachdem er den ganzen Tag auf seinen Missionen mit Bredigen und Beichthören zugebracht hatte, in der Nacht seine Ruhe darin suchte, sich mit Jesus vor dem hochwürdigen Gute zu unterhalten, und wenn er die Kirche schon geschlossen fand, vor der Thüre niederkniete, um wenigstens von der Ferne aus seinem geliebten Heilande die schuldige Ehre zu erweisen. Wenn der ehrwürdige Bater Balthasar Alvarez zu Hause war und sich nicht in der Kirche aufhalten konnte, so richtete er wenigstens seine Augen dahin, wo er wußte, daß das allerheiligste Altarssakrament aufbewahrt wurde. Mit einem Worte, die Heiligen haben in diesem Sakramente ihren Himmel auf Erden gefunden, wie dies die heilige Theresia nach ihrem Tode einer ihrer geistlichen Töchter offenbarte, da sie sprach: Wir im Himmel und ihr Menschen auf Erden, wir sollten einander gleich sein an Reinheit und Liebe, wir im Genuß und ihr im Leiden; denn was wir im Himmel vor der Gottheit selbst thun, das solltet ihr auf Erden vor dem hochwürdigsten Gute thun( Rib. lib. 3. cap. 2.). Kann auch nur eine Seele, die Jesus wahrhaft liebt, auf dieser Erde einen schöne ren Himmel finden, als wenn sie zu seinen Füßen sich aufhält, Ihn da ihrer Liebe versichert, sich selbst und all das Ihrige Ihm aufopfert und Ihm ihr Verlangen offenbart, Ihn bald von Angesicht zu Angesicht zu erblicken, um Ihn desto inniger lieben zu können! Diesen Himmel können sich aber alle Menschen verschaffen; denn Jesus Christus hat sich im allerheiligsten Altarssakramente für Alle hinterlassen. Als unser Hieland geboren ward, da verließen die 8 134 II. Lehrschule für Jungfrauen. heiligen drei Könige ihre Heimath und machten die lange Reise nach Palästina und erkundigten sich, wo sie Ihn antreffen könnten, indem sie sprachen: Wo ist der neugeborne König der Juden? Auf gleiche Weise müssen auch die Menschen, um Jesus zu finden, ihre Häuser verlassen und Ihn in der Kirche aufsuchen. Aber wie viel leichter als jene heiligen drei Könige finden sie Jesus in allerheiligsten Altarssakrament! Und dennoch bleibt Jesus verlassen und einsam auf den Altären, wo Er nur deshalb gegenwärtig ist, um den Gläubigen Gnaden und Wohlthaten mitzutheilen. Darüber beklagte sich eines Tages der Herr bei seiner geliebten Dienerin, der ehrwürdigen Margaretha Alacoque, einer Klosterfrau, welcher Er sein Herz zeigte, das in Liebesflammen gegen die Menschen brannte, indem Er zu ihr sprach: Betrachte dies Herz, das die Menschen so sehr liebt, daß es Alles für sie gethan hat und bereit ist, sich noch einmal für sie zu opfern, und betrachte zugleich, wie die meisten Menschen eine solche Liebe mit Undank erwiedern und wie sie Mir mit Lauheit, Ungebühr und Verachtung in die sem Sakramente der Liebe begegnen. Hier fügte Er die bittere Klage hinzu: Am wehesten thut es Mir, daß Herzen, die mir verlobt sind, Mich auf solche Weise behandeln. Wenn das allerheiligste Altarssakrament nur Einmal im Jahre und nur einen einzigen Tag in einer Kirche ausgesetzt wäre, so würden sich gewiß alle Christen um die Wette bestreben, Demselben größere Ehre zu beweisen und Jhm liebevolle Gesellschaft zu leisten. Dürfen wir aber deshalb, weil Jesus, blos um seiner unendlichen Güte willen und um uns öfters in seiner Ge genwart zu sehen, fortwährend bei uns bleibt, Jhn deswegen allein lassen und Ihn so selten besuchen? 1 Von der Andacht zu der allersel. Jungfrau Maria. 135 Wenn du hierin bis jetzt nachlässig gewesen bist, geliebte Seele, so bitte ich dich, von heute an diesen kostbaren Schaß, den du im allerheiligsten Altarssakramente befißest, besser zu benußen. Die Schwester Anna vom Kreuz, die früher eine Gräfin von Feria und aus einem der angesehensten Häuser in Spanien war, ward mit vierundzwanzig Jahren Wittwe und trat zu Montilla in den Orden der heiligen Clara. Sie verschaffte sich eine Zelle, von der sie aus auf den Altar blicken konnte, auf dem das hochwürdigste Gut aufbewahrt ward, woselbst sie sich dann Tag und Nacht aufhielt. Als man sie fragte, was sie denn so viele Stunden vor dem hochwürdigsten Gute mache, antwortete sie: Ich möchte hier die ganze Ewigkeit hindurch bleiben. Man fragt, was man vor Jesu im hochwürdigsten Gute mache? Man dankt, man liebt, man bittet. Das ist für uns Alle eine schöne Lehre, wie wir mit großem Nußen die Zeit vor dem allerheiligsten Altarssakramente zubringen können. - Neunzehntes Kapitel. Von der Andacht zu der allerfeligsten Jungfrau Maria. O welche Hoffnung kann eine Seele haben, die auf die Vermittlung der erhabenen Mutter unseres Gottes ihr Vertrauen setzt! Wer mich findet, dies sind die Worte, welche die heilige Kirche an den hohen Festen der Mutter Gottes auf dieselbe bezieht, findet das Leben und schöpft das Heil von dem Herrn( Sprüchw. VIII, 25.). Wer mich findet, sagt Maria, durch aufrichtige Andacht zu mir, der wird das Leben der Gnade hier auf Gr den und das ewige Heil im Himmel finden. Der 136 II. Lehrschule für Jungfrauen.and wollt heilige Anselmus geht sogar so weit, daß er die göttliche Mutter folgendermaßen anredet: D allergebenedeiteste Jungfrau! gleichwie es unmöglich ist, daß derjenige selig werde, welcher dich nicht verehrt, welchen du verachtest und dem du nicht beistehst, so ist es auch unmöglich, daß derjenige verloren gehe, der sich dir anempfiehlt, den du liebevoll anblickest. Der heilige Antonin lehrt uns, daß nothwendig alle diejenigen selig werden müssen, die von dieser mächtigen Himmelskönigin vertheidigt werden. Auch der heilige Bonaventura behauptet, daß diejenigen, die den Schutz Mariens genießen, schon da sie noch hier auf Erden sind, von den Seligen im Himmel als ihre Gefährten erkannt werden, und daß der, welcher das Zeichen eines wahren Dieners Mariens trägt, schon in das Buch des ewigen Lebens eingeschrieben sei, so daß die Andacht zu Maria ein Zeichen der ewigen Gnadenwahl genannt werden könne. Der heilige Thomas fügt noch hinzu, daß Maria ein Meeresstern genannt werde, weil, gleichwie jener Stern die Schif fer in den Hafen geleitet, so auch die Christen durch Maria in den Himmel gelangen. Wenn je ein wahrer Verehrer Mariens verdammt würde, so könnte dies nur deshalb gesche hen, weil Maria demselben entweder nicht zu hel fen vermöchte, oder weil sie ihm nicht helfen wollte. Aber nein, sagt der heilige Bernhard, es ist un möglich, daß ein wahrer und beharrlicher Verehrer Mariens verloren gehe, denn weder die Macht, noch der Wille mangelt ihr, um demselben beizustehen. Wir wollen also zuerst betrachten, wie mächtig Maria bei Gott ist, um das Heil ihrer Verehrer zu bewirken. Um uns Vertrauen zu dieser großen Fürsprecherin einzuflößen, verlangt Von der Andacht zu der allerfel. Jungfrau Maria. 137 die heilige Kirche, daß wir sie mit dem Namen einer mächtigen Jungfrau anrufen: Du mächtige Jungfrau, bitt für uns! Ja, Gott selbst, der allmächtig ist, hat ihr diese Macht mitgetheilt, wie Maria selbst uns gelehrt hat; denn, sagt sie: Große Dinge hat an mir gethan, der da mächtig iſt, ( Luk. I, 49.). Deshalb schreibt der heilige Theophilus, Bischof von Alexandria: Der Sohn sieht gerne, wenn seine Mutter Ihn um etwas bittet; denn Er will ihr Alles, warum sie bittet, gewähren, um dadurch die von ihr empfangene Wohlthat, da Er ihr das Leben verdankt, zu vergelten. Eines Tages vernahm die heilige Brigitta( Revel. Lib. 1. C. 4.), wie Jesus zu Maria sprach: Geliebte Mutter, begehre von mir, was du willst, denn du weißt es ja, daß Ich keine deiner Bitter unerhört lassen kann; worauf der Heiland noch hin zufügte: Du hast mir, als Ich noch auf Erden lebte, nichts abgeschlagen, so ist es denn billig, daß auch Ich dir jetzt, da du mit mir im Himmel vereiniget bist, nichts abschlage. Sehen wir jetzt zweitens auch noch, wie sehr Maria es wünscht, ihren Verehrern zu helfen. Was würde uns auch nur die große Macht Mariens nüßen, sagt der heilige Bonaventura, wenn sie nicht auch wirklich für uns Sorge trüge? Aber nein, sagt der Heilige, seien wir überzeugt, daß, gleichwie Maria bei Gott mehr Macht hat, als alle andern Heiligen, sie auch diejenige ist, welche am meisten Sorge um unser Heil trägt. Wer, ruft ihr der heilige Germanus zu, o Maria! wer trägt nach deinem Sohne größere Sorge für uns, als du? Wer vertheidigt uns gleichwie du in unsern Trübsalen, wer ist wie du bemüht, den Sündern zu helfen? Dein Schuß ist weit größer, 8* 138 II. Lehrschule für Jungfrauen. ad no als wir es nur begreifen können. Der heilige Andreas Avellinus nannte Maria eine Geschäftsträgerin des Himmels. Aber worin bestehen denn die Geschäfte der allerseligsten Jungfrau im Himmel? Sie bestehen darin, daß sie immerfort für uns betet und uns die Gnade erlangt, um welche wir fie bitten. Eines Tages sprach die allerseligste Jungfrau zu der heiligen Brigitta( Revel. L. 1. C. 6.): Ich werde von Allen die Mutter der Barmherzigfeit Gottes genannt, und das mit Recht, denn die Varmherzigkeit Gottes hat mich dazu gemacht. Und wer Anders hat uns diese große Beschüßerin verliehen, als die Barmherzigkeit Gottes, weil dieſelbe uns selig haben will? Deßhalb, sezte Maria noch hinzu, wird derjenige elend und die ganze Ewigkeit hindurch elend sein, der, da er sich mir, die ich mit Allen so großes Mitleid trage, hier auf Erden anempfehlen konnte, seine Zuflucht dennoch nicht zu mir nimmt und ewig verloren geht. Richard von St. Viktor sagt( in Cant. Cap. 23.): Maria sei so voll von Barmherzigkeit, daß, so wie sie unser Elend erblickt, sie sogleich zu Hülfe eile, und daß es ihr unmöglich sei, unsere Noth zu erkennen und ihr dennoch nicht abzuhelfen. So machte fie es denn auch, so lange sie hier auf Erden lebte, wie wir aus dem erkennen, was bei der Hochzeit zu Cana in Galiläa geschah; denn als damals der Wein mangelte, so wartete sie nicht ab, daß man fie um Hülfe anspreche, nein, voll Mitleiden mit der Bestürzung und Verlegenheit der jungen Eheleute, bat fie ihren Sohn, Er möchte sie doch trösten, und sprach: Sie haben keinen Wein, und dadurch erlangte sie sogleich, daß ihr göttlicher Sohn durch ein Wunder das Wasser in Wein verwandelte. Wenn nun aber die Barmherzigkeit Mariens, Von der Andacht zu der allerfel. Jungfrau Maria. 139 während dieselbe noch hier auf Erden lebte, schon so groß gegen die Betrübten gewesen, sagt der heilige Bonaventura( in Spec. B. V. Cap. 8.), so wird dieselbe gewiß noch weit größer gegen uns sein, jest, da sie im Himmel herrscht, von wo sie unser Elend besser erkennt, wo sie weit mehr Mitleiden mit uns trägt. Ich habe oben gesagt, daß ein wahrer Verehrer Mariens nicht verdammt werde. Um aber jeden Mißverstand zu vermeiden, so wollen wir jetzt se hen, was nöthig ist, um ein wahrer Verehrer Mariens zu sein. Vor Allem muß man die fromme Absicht haben, sein Leben zu ändern und nicht mehr Gott zu beleidigen. Aendere, schrieb der heilige Gregor der Siebente an die Gräfin Mathildis ( Lib. 1. Ep. 97), ändere den Willen zu fündigen, und du wirst Maria bereitwilliger finden, dir liebevoll zu helfen, als dies eine leibliche Mutter sein würde. Die allerfeligste Jungfrau selbst sagte eines Tages zur heiligen Brigitta( Revel. L. C. 2. 33.): Wie viele Sünden ein Mensch auch begangen hat, wenn er sich nur wieder an mich wendet, so bin ich alsogleich bereit, ihn wiederum aufzunehmen; ich sehe alsdann nicht auf die Sünden, die er be gangen, sondern nur auf den Willen, mit dem er zu mir kommt. Wenn er entschlossen ist, sein Leben zu ändern, so verschmähe ich es nicht, seine Wunden zu falben und zu heilen, denn man nennt mich und ich bin wahrhaft eine Mutter der Barmherzigkeit. Mutter der Barmherzigkeit heißt so viel, daß die Barmherzigkeit und das Mitleid, welches Maria mit unserm Elende trägt, bewirkt, daß sie uns liebt und uns mehr als irgend eine leibliche Mutter hilft; aber sie erklärt uns zugleich durch die heilige Brigitta( Revel. L. 4. C. 138.), daß sie nur ― 140 II. Lehrschule für Jungfrauen. für diejenigen eine Mutter sei, die sich bessern wollen. Deshalb ist Maria keine Mutter für die verstockten Sünder. Wenn indeß solch ein verstockter Sünder erkennt, daß ihn eine Leidenschaft feſſelt, wenn er gleich noch nicht den Muth hätte, der Sünde zu entsagen, aber dennoch wünschet, davon befreit zu werden, so soll er Maria bitten, daß sie ihm beistehe, diese Ketten der Hölle zu zerreißen; so soll er wenigstens darnach trachten, daß er anfange zu widerstehen und daß er die böse Gelegen heit aus dem Wege räume, denn alsdann wird diese gute Mutter ihm schon die Hand reichen und ihn trösten. Dieses vernahm die heilige Brigitta aus dem Munde Jesu Christi, der eines Tages zu Maria sprach: Du kommst, o meine Mutter! gewiß demjenigen zu Hülfe, der sich Gewalt anthut, von der Sünde aufzustehen und zu Gott zurückzukehren, und du läsfest Niemanden ohne Trost von dir hinweggehen. Dann muß man aber auch, um ein wahrer Verehrer Mariens genannt werden zu können, be müht sein, durch Gebete und Andachtsübungen ihren Beistand zu gewinnen. Es ist wahr, fie bit-tet desungeachtet für Alle, aber ihr Gebet ist weit kräftiger für diejenigen unter ihren Verehrern, die ihr größere Ehre erweisen. Du mußt auch wissen, geliebte Seele, daß, weil sie überaus dankbar und freigebig ist, sie, nach dem Ausspruche des heiligen Andreas von Creta( Orat. 2. de Dom. V.), große Dinge ertheilt für den geringsten Dienst, den man ihr erweist. Benußen wir also sorgfältig alle Gelegenheiten, ihr zu gefallen; es soll uns nichts gering erscheinen, wenn es sich um ihren Dienst handelt. Tragen wir gerne zu ihrer Verehrung bei. Beten wir täglich zu ihr, und machen wir uns Von der Andacht zu der allerfel. Jungfrau Maria. 141 eine Ehre daraus, zur Zahl ihrer erklärten Diener zu gehören. Geben wir Almosen und verrichten wir andere Werke der Liebe fasten wir und übernehmen wir andere Uebungen der Abtödtung in der Absicht, sie durch Nachahmung ihrer Tugenden zu ehren. Empfangen wir die heiligen Sakramente an ihren Festen, um diese Tage würdiger zu feiern. Besuchen wir oft die Kirchen, welche zu ihrer Ehre errichtet sind; verehren wir ihre Bilder, die Orte und Personen, welche ihrem Dienste geweiht sind. Wohnen wir, so viel es uns möglich ist, den Uebungen ihrer öffentlichen Verehrung bei.- welch O einen Trost wird uns Alles, was wir hier auf Erden für Maria gethan haben, in der Stunde unseres Todes bereiten! Pater Binetti( Perf. C. 31.) erzählt, daß ein Verehrer Mariens, dem er beim Sterben beigestanden, kurz vor seinem Tode folgende Worte zu ihm gesprochen habe: O mein Vater, wenn Sie wüßten, wie froh ich darüber bin, daß ich ein Verehrer der heiligsten Mutter Gottes gewesen! Ach, es ist mir ganz unmöglich, Ihnen die Freude zu beschreiben, die ich jetzt deshalb empfinde!" Sei also darauf bedacht, geliebte Seele, dich immer in der Nähe dieser lieben Mutter aufzuhalten. Danke auch Gott herzlich, daß Er dir die Gnade einer kindlichen Andacht zu seiner allerheiligsten Mutter verliehen hat, denn dieses ist ein großes Zeichen, daß Er dich dereinst selig sehen will. Wenn du also dein ewiges Seelenheil der göttlichen Mutter anempfiehlst, so rufe ihr mit dem heiligen Johannes von Damaskus zu( Serm. de Nat. C. 4.): O Mutter meines Gottes! wenn ich mein Vertrauen auf dich seße, so werde ich ganz gewiß selig werden. Wenn ich unter deinem Schuße bin, so habe ich nichts zu fürchten denn wer dein 142 II Lehrschule für Jungfrauen. wahrer Verehrer ist, der hat eine Waffe des Heiles, die Gott nur denen verleiht, die Er zur ewigen Seligkeit vorherbestimmt hat!" 3wanzigstes Kapitel. Von der Kenschheit. Die Keuschheit ist die Lilie der Tugenden, sie macht die Menschen beinahe den Engeln gleich; nichts ist anders schön, als durch die Reinigkeit; die Reinigkeit der Menschen aber ist die Keuschheit. Man nennt die Keuschheit Ehrbarkeit, und die Darstellung dieser Tugend Ehre; man nennt sie auch Unversehrtheit, und das Gegentheil derselben Verderbtheit. Kurz, sie hat unter allen Tugenden diesen Vorzug, daß sie zugleich die schönste und reinste Tugend der Seele und des Körpers ist. Die Jungfrauen bedürfen einer einfachen und sehr zarten Keuschheit, daß sie alle vorwißigen Gedanken von ihrem Herzen verscheuchen, und mit bestimmter Verachtung alle unreinen Freuden verschmähen, die wahrhaftig nicht verdienen, daß Menschen sonderlich darnach verlangen, da gewisse Thiere empfänglicher dafür sind, als sie. Dieſe reinen Seelen sollen sich also sorgfältig hüten, je in Zweifel zu ziehen, daß die Keuschheit unvergleichlich besser ist, als Alles, was ihr entgegen ist; denn der Feind, sagt der große heilige Hieronymus, reizt die Jungfrauen heftig zu der Begierde an, die Wollust zu kosten, und stellt sie ihnen weit mächtiger und wonniger vor, als sie ist, was sie oft sehr beunruhiget, da sie eine ihnen unbekannte Sache für so angenehm halten. Wie aber der kleine Schmetterling, die Flamme schauend, dieselbe neugierig umflattert, um zu versuchen, ob sie eben so Lon der Keuschheit. 143 mild als schön sei, und von dieser Einbildung ans getrieben, nicht nachläßt, bis er beim ersten Fluge sich versengt; so lassen auch oft junge Leute so sehr von der falschen und irrigen Vorliebe für die Flamme der Sinnlichkeit sich ergreifen, daß sie nach mancherlei vorwißigen Gedanken endlich ihren Untergang darin finden, worin sie thörichter handeln, als die Schmetterlinge, da diese doch einigen Grund haben zu vermuthen, daß das Feuer lieblich und mild ſei, weil es so schön und leuchtend ist; sie dagegen voraus wissen, daß, was sie suchen, unehrbar ist, und gleichwohl nicht aufhören, die thörichte Wollust zu überschätzen. Hier einige Lehren, die Keuschheit zu bewahren: 1) Sei äußerst schnell, allen Gelegenheiten und Anlockungen zur Wollust auszuweichen; denn dies Uebel wirkt unbemerkbar, und ein unbedeutender Anfang führt zu den größten Folgen. Es ist im mer leichter zu fliehen, als zu heilen. 2) Die menschlichen Körper gleichen gläsernen Gefäfsen, die, wenn sie sich berühren, man nicht mit einander tragen kann, ohne Gefahr zu laufen, daß sie zerbrechen; sie gleichen auch den Früchten, welche, wiewohl ganz frisch und unbefleckt erhalten, dennoch Flecken bekommen, sobald sie einander berühren. Sogar das Wasser, wie frisch es auch in einem Gefässe sei, kann seine Frische nicht lange behalten, wenn es von einem Thiere berührt wird. Erlaube niemals, christliche Jungfrau! daß Jemand auf ungefittete Art, sei es scherzweise oder auch aus Freundlichkeit dich berühre; denn obgleich unter solchen Handlungen, die mehr leichtsinnig, als böse sind, die Keuschheit mag erhalten werden können, so schaden sie dennoch, und benehmen der Blume der Keuschheit ihre Frische und ihren Blüthenstaub. Auf II. Lehrschule für Jungfrauen. unehrbare Weise aber sich betasten lassen, heißt die Keuschheit ganz untergraben. 3) Die Keuschheit hängt vom Herzen, als von ihrem Ursprunge ab, betrachtet aber den Körper als ihren eigentlichen Gegenstand. Daher kann sie durch alle äußern Sinne des Körpers, so wie durch alle Gedanken und alle Wünsche des Herzens verloren gehen. Unkeuschheit ist es, unehrbare Dinge zu schauen, zu hören, zu reden, zu riechen und zu befühlen, wenn das Herz sich hieran ergößt und erfreut. Der Apostel spricht mit wenigen Worten: ,, Die Unzucht soll unter euch nicht einmal genannt werden." Die Bienen berühren nicht nur kein Nas, sondern sie fliehen sogar jeden übeln Geruch, den es verbreitet. Die Braut im hohen Liede hat Hände, die von Myrrhe triefen, die vor Verwesung und Fäulniß bewahrt; ihre Lippen sind mit einem rosenrothen Bande verbunden, das Zeichen der Verschämtheit in ihren Reden; ihre Augen sind Taubenaugen, wegen ihrer Züchtigkeit; ihre Ohren sind mit goldenen Gehängen geschmückt, wegen ihrer Reinigkeit; ihre Nase ist wie Cedern des Libanon, deren Holz unverweslich ist. Also muß die keusche Seele beschaffen sein: rein und züchtig an Händen, Lippen, Ohren, Augen und am ganzen Körper. 4) Gehe nie mit unzüchtigen Leuten um zumal wenn sie, wie dies beinahe immer der Fall ist, zugleich auch unverschämt sind; denn wie die Böcke, wenn sie die süßen Mandelbäume mit ihrer Zunge berühren, die Süße derselben in Bitterfeit verkehren, so sprechen auch jene geilen und verdorbenen Menschen beinahe mit keinem Menschen, weder von ihrem eigenen noch vom andern Geschlechte, ohne daß sie die Keuschheit derselben auf irgend eine Art 144 Von der Keuschheit. 145 schwächen: gleich Basilisken vergiften sie mit Blick und Athem. 5) Suche dagegen die Gesellschaft keuscher und tugendhafter Menschen; lies oft fromme Bücher und denke an heilige Gegenstände; denn das Wort Gottes ist keusch, und keusch macht es diejenigen, die ihr Wohlgefallen daran finden; deshalb vergleicht auch David dasselbe dem Topas, einem Edelsteine, der die Eigenschaft haben soll, die Gluth der Begierlichkeit zu dämpfen. 6) Schließe dich jederzeit an Jesum den Gekreuzigten an, sei es geistiger Weise durch die Betrachtung, oder wirklich durch die heilige Kommunion. Denn so wie Jene, die auf der Pflanze liegen, welche die Botanifer Agnus castus nennen, keusch und schamhaft werden sollen, so wirst auch du, wenn dein Herz auf unserm Heilande, den wahren feuschen und unbefleckten Lamme ruhet, erfahren, daß deine Seele und dein Herz bald von allem Schlamme der Unreinigkeit sich läutern wird. Nur der ruht wahrhaft gut, der auf dem Kreuze ruht." O wie schön ist ein keusches Geschlecht im Tugendglanze! Unsterblich ist sein Andenken, und bei Gott und bei Menschen ist es anerkannt. Ist es gegenwärtig, so ahmet man ihm nach; entzieht es fich den Augen, so sehnet man sich darnach. Ewig triumphirt es mit der Siegeskrone und trägt den Preis für die Kämpfe unbefleckter Reinigkeit davon." ( Weisheit 4, 1 und 2.) Selig, die eines reinen Herzens find, denn sie werden Gott anschauen!" ( Matth. 5, 8.) Schule und Tempel. 9 146 II. Lehrschule für Jungfrauen. 50g im Einundzwanzigstes Kapitel. Von der Vermeidung des Müßiggangs. Es ist ein allgemeines Sprüchwort: ,, Müßiggang ist aller Laster Anfang." Und das ist auf einen Ausspruch des heiligen Geistes gegründet: Der Müßiggang lehrt viel Böses.( Eccl. XXXIII, 29.) Der heilige Jakob Calasanz sagte: Der Teufel geht auf die Jagd der müßigen Christen, und der heilige Bonaventura bemerkt, daß, während der, welcher beschäftigt ist, von einer Versuchung geplagt werde, der Müßiggänger tausend Anfechtungen zu erdulden habe. Es ist gewiß, daß die Einsamkeit ein großes Mittel ist, um sich in Gott zu versammeln; aber, sagt der heilige Calasanz, derjenige macht einen schlechten Gebrauch davon, der sie nicht benutzt, um mit Gott zu reden oder für Gott zu arbeiten. Man kann nicht immerfort beten, und deßhalb muß man auch noch mit andern Arbeiten beschäftigt sein. Die starke Frau wird von Salomon gelobt, weil sie in Wolle und Flachs gearbeitet hat. Sie suchet sich Wolle und Flachs und arbeitet mit ihren Händen ( Sprüchw. III, 13.) Darum befahl auch der heilige Hieronymus der Jungfrau Demetrias, sie solle immer Wollenarbeit zur Hand haben. So sollen denn auch Christen, selbst wenn sie sich ganz in die Einsamkeit auf kürzere oder längere Zeit zurückgezogen haben, dennoch immer mit geistigen oder körperlichen Arbeiten beschäftigt sein. Hier muß ich noch auf einen Irrthum aufmerk sam machen, daß nämlich Manche glauben, man schade durch Arbeiten der Gesundheit des Leibes, da es doch im Allgemeinen gewiß ist, daß die Uebung körperlicher Kräfte viel zur Erhaltung der Von der Vermeidung des Müßiggangs. 147 Gesundheit beiträgt. Die Gefahr, die Gesundheit zu verlieren, die uns zur Entschuldigung dient, ist oft lange nicht so groß, nein, es ist vielmehr die Mühe, die uns abschreckt; wer aber sein Kruzifix ansieht, der wird gewiß die Mühe nicht mehr fliehen. Die Schwester Franziska vom heiligen Schutzengel, aus dem Karmeliterorden, beklagte sich eines Tages vor ihrem Kruzifire, daß ihre Hände von der Arbeit ganz wund seien; worauf Jesus ihr antwortete: Betrachte meine Hände, o Franziska, und beklage dich dann noch! Ueberdies dient die Arbeit auch noch dazu, um den Widerwillen gegen die Einsamkeit zu vermeiden und die bösen Anfechtungen, die uns auch in der Einsamkeit peinigen, zu überwinden. Als der heilige Antonius eines Tages entseßlich von unreinen Gedanken und von Widerwillen gegen die Einsamkeit geplagt ward, wußte der arme Heilige nicht mehr, wie er sich helfen solle. Da erschien ihm ein Engel, der ihn in cinen nahe gelegenen Garten führte. Der Engel nahm hierauf eine Schaufel und fing an, die Erde zu bauen, worauf er betete; dann nahm er wieder die Arbeit vor, worauf er auf's Neue das Gebet fortsette. Daraus erkannte der Heilige, auf welche Weise man die Einsamkeit genießen und sich dennoch vor Anfechtungen bewahren könne, indem man sich nämlich vom Gebete zur Arbeit und von der Arbeit zum Gebete begibt. Freilich muß man nicht unaufhörlich arbeiten, aber man kann auch nicht immerfort beten, ohne daß man sich der Gefahr aussetzt, im Geiste verwirrt und später ganz un tüchtig zu geistlichen Uebungen zu werden. Deshalb erschien die heilige Theresia nach ihrem Tode der Schwester Paula Maria von Jesu, und ermahnte fie, nie die körperliche Arbeit unter dem Vorwande 7 148 II. Lehrschule für Jungfrauen.co zu unterlassen, daß sie heiligere Dinge zu thun habe; denn, sagte die Heilige, Handarbeiten sind auch sehr nüßlich, um die ewige Seligkeit zu erlangen. Auch die seligste Jungfrau Maria, dieses hohe Vorbild aller Tugenden, arbeitete. Eine uralte Erzählung meldet: Maria lernte in ihrer Jugend die Spindel drehen, Flachs und Wolle spinnen, feine Linnen und Seide weben, prieſterliche Gewande aus Gold- und Silberstoffen auf kunstreiche Weise sticken und prachtvolle Teppiche wirken. Auch die Kunst zu kochen, nähen, waschen u. f. f. soll eine christliche Jungfrau wohl innehaben, einestheils wegen des großen Nußens, den solche Fertigkeiten dem Haushalte bringen und wegen des großen Vortheils, seinen Lebensunterhalt ehrenhaft verdienen zu können, und anderntheils, weil derlei Geschicklichkeiten zu werkthätiger Nächstenliebe beinahe unentbehrlich sind. - Uebrigens hindert uns die Handarbeit, wenn wir sie ohne allzugroße Sorge und ohne Leidenschaft betreiben, durchaus nicht, um das Gebet zu üben. Man erzählt, daß der heilige Bernhard zu einem Ordensbruder, der während der Arbeit nicht aufhörte zu beten, sprach: Fahre fort, mein Bruder! es immer so zu machen und freue dich; denn wenn du das thust, so wirst du nach dem Tode auch vom Fegfeuer befreit bleiben. So machte es denn auch der heilige Bernhard selbst, denn, sagt der Verfasser seiner Lebensgeschichte, er verabsäumte die äußere Arbeit nicht, war aber zu gleicher Zeit immer innerlich in Gott versammelt. Und so soll es jeder fromme Christ machen: wenn er mit den Händen arbeitet, so soll sein Herz mit Gott beschäftigt sein, denn sonst werden all seine äußerlichen Beschäftigungen ohne Nußen für sein Herz - Von der Vermeidung des Müßiggangs. 149 und voll von Unvollkommenheiten sein. Deshalb sagt der Bräutigam im hohen Liede zu einer jeden frommen Seele: Seze mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel auf deinen Arm ( Cant. VIII, 6.). Zuerst sagt er, daß sie ihn auf ihr Herz, und hernach, daß sie ihn auf ihren Arm seßen solle; denn wenn man Gott nicht in dem Herzen hat, so kann man Ihn auch nicht auf dem Arme haben, das heißt, die äußerlichen Werke können alsdann nicht nach seinem Wohlgefallen vollbracht werden. Hingegen sagt die heilige Theresia, die Werke des wirksamen Lebens, wenn sie aus der göttlichen Liebe hervorgehen, sind Beweise der höchsten Vollkommenheit einer Seele. So irren denn alle Jene, welche immer nur in der Einsamkeit bleiben wollen, und die sich scheuen, sich mit irgend einer äußerlichen Arbeit zu beschäftigen; aber es fehlen auch Jene, die sich freiwillig mit allzu vielen Geschäften überladen, so daß ihnen teine Zeit übrig bleibt, um sich in Gott zu versammeln. Dann gibt es auch noch Andere, die, wenn sie ein Geschäft unternehmen, sich so sehr darauf verlegen, daß sie an gar nichts anderes mehr denken können. Freilich muß man das, was man zu thun hat, mit großer Sorgfalt verrichten, aber immer ruhig und ohne Leidenschaft, so daß der Geist sich von Zeit zu Zeit zu Gott erheben kann. Du sollst also arbeiten, geliebte Seele, aber dich wohl hüten, daß du dich nicht wie die eitle Welt Tag und Nacht abmühest, um Geld zusammen zu häufen. Jene thun dies, um Geschenke machen zu können, um sich groß zu machen und ihre eitlen Neigungen zu befriedigen. Du aber sollst wie eine Christin arbeiten, die vor Allem auf ihr See II. Lehrschule für Jungfrauen. lenheil und erst dann auf ihren Leib bedacht ist; du sollst also bei all deinen äußerlichen Beschäfti gungen die Meinung machen, sie entweder aus Gehorsam zu verrichten oder um den Deinigen zu helfen, um dir den nöthigen Unterhalt zu erwerben oder um den Müßiggang zu fliehen, aber das immer ohne allen Geiz und ohne unordentliche Sorge, die dich hindern würde, dein Herz zu Gott zu er= heben. Der heilige Antonius sagte, daß wir in all unsern äußern Beschäftigungen, so dringend sie auch sein möchten, immer in unserm Innersten ein geheimes Winkelchen aufbewahren sollten, wohin wir uns flüchten, und wo wir unser Herz in Gott versammeln könnten, wenn wir sehen, daß wir von zu vielen Geschäften ganz ermüdet und matt und fraftlos werden. Deshalb ist es sehr nüßlich, wenn man gleich im Anfang und beim Verlauf der Arbeit sein Herz häufig durch Akte der Liebe, der Aufopferung, der Ergebung und des Gebetes zu Gott erhebt. Warum kannst du nicht, wenn du zum Beispiel mit irgend einer Handarbeit beschäftigt bist, jeden Augenblick einen Akt der Liebe Gottes oder der Aufopferung deiner selbst erwecken?- Eifrige Seelen suchen bei Allem, was sie thun, versammelt zu bleiben, und deshalb vereinigen sie sich immer mehr und mehr mit Gott und nehmen immer mehr und mehr im geistlichen Leben zu. Laue und nachlässige Seelen hingegen spinnen nur Spinngewebe, da sie sich nur um irdischer Absichten willen plagen und quälen, und deshalb Alles bald wieder verlieren. som slustbiet) meid udt seg in 150 Von der wahren Freundschaft. Zwei und zwanzigstes Kapitel. Von der wahren Freundschaft. 151 Christliche Jungfrau! liebe jeden Menschen mit christlicher Liebe; doch nur mit Jenen schließe Freundschaft, welche über tugendhafte Dinge mit dir verhan: deln können, und je vortrefflicher die Tugenden sind, auf deren Beförderung dieser Umgang hinzielet, desto vollkommener wird auch deine Freundschaft sein. Pfleget ihr gemeinschaftlich die Wissenschaften, so ist diese Freundschaft allerdings sehr löblich; doch löblicher noch, wenn ihr einander zu Tugenden, zur Klugheit, Bescheidenheit, Starkmuth und Gerechtigkeit ermuntert. Suchet ihr aber durch eure gegenseitigen Mittheilungen auf dem Wege der Liebe Gottes, der Andacht und christlichen Vollkommenheit einander fortzuhelfen, o wie köstlich ist dann euere Freundschaft! Erhaben ist sie, weil sie von Gott kommt; erhaben, weil sie zu Gott führt; er= haben, weil ihr Band in Gott geknüpft ist; erhaben, weil sie ewig in Gott bestehen wird. D wie gut ist es, hienieden zu lieben, wie man im Himmel liebt; in dieser Welt sich eben so innig lieben zu lernen, wie man in der andern sich innig liebt! Ich rede hier nicht von der einfachen christlichen Liebe, die wir jedem Menschen schuldig sind, sondern von der geistlichen Freundschaft, durch welche zwei, drei oder mehrere Seelen ihre Andacht, ihre frommen Gefühle gegenseitig sich mittheilen, und zu Einem Herzen und zu Einer Seele werden. Mit welchem Rechte können solche glückselige Seeles fingen: Siehe, wie gut und lieblich ist es, wenn Schwestern freundschaftlich beisammen wohnen!" Ja gewiß, denn der köstliche Balsam der Andacht thaut durch beständige Mittheilung aus einem Herzen in 152 II. Lehrschule für Jungfrauen. das andere, so daß man sagen kann, Gott habe für ewige Zeiten Segen und Leben über diese Freundschaft ergossen. Alle übrigen Freundschaften sind nur Schattenbilder gegen diese, und ihre Bande in Vergleich zu diesem großen ganz goldenen Bande der heiligen Frömmigkeit eben so gebrechlich als Gefässe aus Glas oder Gyps. Schließe niemals eine Freundschaft anderer Art, wenn du selbst Freundschaft schließest; denn Freundschaften, welche zu unterhalten die Natur und frühere Verpflichtungen dir gebieten, z. B. jene gegen Verwandte, Gefährten, Wohlthäter, Nachbaren und Andere sind darum weder aufzugeben, noch zu verachten. Es ist hier blos die Rede von Freundschaften, die du selbst schließest. Mancher wird dir vielleicht sagen, man dürfe durchaus keine besondere Zuneigung oder Freundschaft gegen Jemand hegen, weil dies das Herz zu sehr beschäftige, das Gemüth zu sehr zerstreue und Eifersucht erwecke; aber dies wäre ein irriger Rath: denn wenn auch mehrere heilige und fromme Männer in ihren Schriften behaupten, daß besondere Freundschaft und ungewöhnliche Neigungen den Ordenspersonen höchst nachtheilig sind, so darf man doch diesen Grundsatz nicht auf Menschen anwenden, die in der Welt leben. Zwischen jenen und diesen ist ein bedeutender Unterschied. In einem wohl geordneten Kloster, wo das gemeinschaftliche Ziel Aller die Frömmigkeit ist, sind diese besonderen Verbindungen nicht rathsam, damit man nicht etwa, indem man das, was Alle angeht, in's Besondere sucht, von Absonderungen zu Trennungen übergehe. In der Welt dagegen ist es Jenen, die nach der wahren Tugend streben, nothwendig, daß Von der wahren Freundschaft. 153 fie durch eine fromme und heilige Freundschaft sich mit einander verbinden, um sich gegenseitig zum Gu ten zu ermuntern und zu unterstüßen. Und wie Reisende, die auf der Ebene wandeln, nicht nöthig haben, einander die Hände zu reichen, um sicher fortzukommen, wohl aber jene, die auf steilen und schlüpferigen Wegen reisen, so bedürfen auch diejenigen, welche in Klöstern leben, keiner besondern Freundschaft; dagegen ist die Freundschaft den in der Welt Lebenden nothwendig, damit sie auf so verschiedenen steilen und bösen Wegen, durch welche sie ziehen müssen, einander sicher durch die Gefahren helfen. In der Welt streben nicht Alle nach demselben Ziele, Alle haben nicht denselben Sinn; man muß also sich absondern und besondere Freundschaft nach seiner Absicht schließen, und diese Absonderung erzeugt allerdings eine Trennung, aber eine heilige Trennung, die keine andere Scheidung verursachet, als die des Guten vom Bösen, der Schafe von den Böcken, der Bienen von den Wespen, die höchst nothwendig ist. Man kann gewiß nicht läugnen, daß unser Heiland den heiligen Johannes, Lazarus, Martha und Magdalena mit einer zarteren und besonderen Freundschaft geliebt habe; denn die heilige Schrift bezeugt es. Auch weiß man, daß der heilige Petrus dent heiligen Markus und die heilige Petronilla zärtlich liebte, so wie nicht minder der heilige Paulus seinen Timotheus und die heilige Thekla. Wohl hundert Mal rühmt der heilige Gregorius von Nazianz sich der innigen Freundschaft mit dem großen heiligen Basilius und beschreibt dieselbe mit folgengen Worten:„ Es schien, als wäre in uns Beiden nur Eine Seele, die zwei Körper belebte. Und obwohl man Jenen nicht glauben soll, welche sagen, daß 9* 154 II. Lehrschule für Jungfraue... Alles in Allem sei, so soll man doch uns glauben, daß wir Beide in Einem, und Jeder ein Anderer war; Beide hatten wir dieselbe Absicht die Tugend zu üben, das Streben unseres Lebens auf die Hoffnung der künftigen Güter zu richten, und also noch vor unserm Tode von diesem sterblichen Leben zu scheiden." Der heilige Augustinus bezeugt, daß der heilige Ambrosius die heilige Monika der seltenen Tugenden wegen, die er an ihr wahrnahm, ausnehmend schäßte, und daß auch sie den Prälaten wie einen Engel Gottes geehrt habe. Doch mit Unrecht verweile ich so lange mit dir bei einem Gegenstande, der an sich so deutlich ist. Der heilige Hieronymus, Bernhardus, die heil. Franziska von Chantal und die größten Diener und Dienerinnen Gottes unterhielten, ohne die mindeste Beeinträchtigung ihrer Vollkommenheit, ganz besondere Freundschaften. Der heil. Paulus, der den Heiden ihre Trennung vorwirft, beschuldigt sie, daß fie Leute ohne Zartgefühl, das heißt, ohne Empfänglichkeit für Freundschaft wären; und der heilige Thomas hält, wie jeder gute Philosoph, die Freundschaft für eine Tugend. Er spricht aber von der besondern Freundschaft, da, wie er selbst sagt, die vollkommene Freundschaft nur auf wenige Personen sich erstrecken kann. Die Vollkommenheit besteht also nicht darin, daß man gar keine Freundschaft, sondern daß man keine andere, als gute, fromme und heilige Freundschaft habe. Drei und zwanzigstes Kapitel. Von den Gesellschaften und von der Einsamkeit. Gesellschaften nachlaufen und sie fliehen, ist beides übertrieben, und in der Frömmigkeit, welche Von den Gesellschaften und von der Einsamkeit. 155 die Pflichten des bürgerlichen Lebens ordnen soll, von der ich hier rede, zu tadeln. Das Fliehen der Gesellschaften zeigt eine Art Geringschäßung und Verachtung des Nächsten an; das Aufsuchen derselben hingegen verräth Hang zum Müßiggang und zur Unthätigkeit. Man soll den Nächsten lieben wie sich selbst; um diese Liebe ihm zu erzeigen, sollen wir seine Gesellschaft nicht fliehen; und um uns selbst einen Beweis unserer Liebe zu geben, sollen wir bei uns selbst bleiben, wenn wir bei uns sind; wir sind aber bei uns selbst, wenn wir allein sind. " Denke an dich selbst," sagt der heilige Bernhard, sodann an Andere." Wenn demnach nichts dich auffordert, in Gesellschaften zu gehen, oder Gesellschaft zu empfangen, so bleibe bei dir selbst, und unterhalte dich mit deinem Herzen. Kommt aber Gesellschaft zu dir, oder ladet irgend ein billiger Grund dich ein, Gesellschaften zu besuchen, dann, christliche Jungfrau, gehe mit Gott, und sieh deinen Nächsten mit freundlichem Auge und Herzen an. Schlechte Gesellschaften nennt man jene, die aus bösen Absichten zusammen kommen, oder deren Mitglieder lasterhafte, unbesonnene und ausgelassene Menschen sind. Diesen muß man ausweichen, wie die Bienen dem Schwarme der Wespen und Bremsen ausweichen. Denn so wie die Ausdünstung, der Athem und der Speichel jener Menschen, die von tollen Hunden gebissen werden, besonders Kindern und Leuten von zartem Körperbau gefährlich sind, so kann man auch nicht ohne große Gefahr mit lasterhaften und ausgelassenen Menschen umgehen; vorzüglich aber Jene nicht, deren Frömmigkeit noch zart und schwach ist. Es gibt auch Gesellschaften, die zu gar nichts anderm nüßen als zur Erheiterung, und die man 156 II. Lehrschule für Jungfrauen.d mo auch bloß zur Erholung von ernsten Geschäften eingeführt hat. Und wiewohl man denselben nicht ganz und gar sich hingeben soll, so darf man ihnen doch wohl die zur Erholung bestimmte Muße widmen. Noch andere Gesellschaften haben blos Höflichkeit zum Zwecke. Solche sind gegenseitige Besuche und gewisse Zusammenkünfte, die veranstaltet werden, den nächsten zu ehren. Und obgleich man hinsichtlich der Theilnahme an denselben nicht übertrieben ängstlich sein soll, so soll man doch auch nicht so unhöflich sein, sie ganz zu vernachläßigen, sondern die Pflicht der Höflichkeit bescheiden erfüllen, und Grobheit sowie Leichtsinn dabei vermeiden. Nun haben wir noch von den nüßlichen Gesellschaften zu reden, wo fromme und tugendhafte Personen sich versammeln. O meine Tochter! es wird für dich von großem Werthe sein, wenn du in solchen oft Eintritt findest. Weinstöcke, die unter Ölivenbäume gepflanzt werden, tragen ölige, nach Oliven schmeckende Trauben; und eine Seele, die oft unter tugendhaften Menschen wandelt, muß nothwendig deren Eigenschaften annehmen. Die Drohnen allein können keinen Honig machen, doch helfen sie den Bienen bei der Bereitung desselben. Eben so befördert der Umgang mit frommen Seelen unsere Frömmigkeit gar sehr. In jeder Gesellschaft muß Unbefangenheit, Einfalt, Sanftmuth und Sittsamkeit herrschen. Es gibt Leute, die durchaus keine Stellung annehmen und keine Bewegung machen, die nicht so erzwungen ist, daß sie Jedermann anwidert. Und wie ein Mensch, der nie anders reden oder gehen wollte, als singend und seine Schritte zählend, den Uebrigen sehr lästig würde, so fallen auch Jene, deren Bewegungen immer erkünstelt sind, und die überhaupt Alles nach Von den Gesellschaften und von der Einsamkeit. 157 dem Takte thun, der Gesellschaft äußerst beschwerlich; und bei solchen Leuten liegt immer eine Art Dünkel im Hintergrunde. Vom heiligen Romuald und Antonius rühmt man sehr, daß troß all ihrer strengen Bußwerke ihr Antlig und ihre Worte stets mit Freude, Fröhlichkeit und Höflichkeit geziert waren. ,, Lachet mit den Lachenden, und freuet euch mit den Fröhlichen," und ich sage dir abermal mit dem Apostel: Freue dich jederzeit, aber im Herrn, und deine Sittsamkeit sei allen Menschen kund." Daß du im Herrn dich erfreueft, muß deine Freude nicht nur erlaubt, sondern auch ehrbar sein; dies sage ich darum, weil es Dinge gibt, die, obwohl erlaubt, dennoch nicht ehrbar sind; und damit deine Sittsamkeit kund werde, hüte dich vor jeder Unart, die offenbar immer tadelnswerth ist. Den Einen fallen lassen, einen Andern anschwärzen, den Dritten stechen, einem närrischen Menschen Leides thun, sind thörichte und rohe Freuden, worüber nur der Alberne lachen kann. Außer der innerlichen Einsamkeit des Herzens, in welche du selbst mitten unter den größten Gesellschaften dich zurückziehen kannst, liebe immer auch die örtliche und wirkliche; nicht in Wildnisse brauchst du deshalb zu fliehen, wie die heilige Maria aus Egypten, der heilige Paulus, Antonius und andere fromme Einsiedler und Einsiedlerinnen; sondern verweile eine Zeitlang in deinem Zimmer, in deinem Garten, oder sonst irgendwo, wo du mit aller Muße in dein Innerstes einkehren, und deine Seele durch fromme und heilige Gedanken, oder durch eine erbauliche Lektüre erheitern kannſt. II. Lehrschule für Jungfrauen. Vier und zwanzigstes Kapitel. Von der Sittsamkeit in der Kleidung und im Reden. 158 Eine christliche Jungfrau soll anständig gekleidet sein und nur mäßig sich schmücken. Die Wohlanständigkeit in Kleidern und im Schmucke hängt aber von dem Stoffe, von der Form und von der Reinlichkeit ab. Was der Stoff und die Form der Kleider betrifft, so hängt die Wohlanständigkeit von den Umständen der Zeit, des Alters, des Standes, der Gesellschaften und Gelegenheiten ab. Es ist Sitte, daß man sich an Festtagen nach Maßgabe ihrer Feierlichkeit mehr schmückt. Zur Zeit der Buße, z. B. in der Fasten, kleidet man sich ganz einfach, an Hochzeittagen trägt man bräutliche Kleider, und bei Leichenbegängnissen Trauerkleider.- In Hinsicht der Reinlichkeit sorge dafür, daß an deiner Kleidung nichts zerrissen, beschmußt oder unanständig sei. Es zeigt immer eine Art von Geringschäßung gegen diejenigen an, mit denen man umgeht, wenn man in unanständigen Kleidern vor ihnen erscheint; hüte dich jedoch sorgfältig vor aller Ziererei, Eitelkeit, albernen Moden und Leichtfertigkeit. Ich möchte eine fromme Jungfrau immer am besten, aber nicht am prächtigsten und zierlichsten in der ganzen Gesellschaft gekleidet sehen, geschmückt mit Anmuth, Sittsamkeit und Würde. Der heilige Ludwig sagt mit wenigen Worten, man solle sich so nach seinent Stande kleiden, daß die Klugen und Frommen nicht sagen können: ,, Du thust zu viel," noch auch die jungen Leute: Du thust zu wenig." Wollen aber die jungen Leute sich mit dem, was sittsam ist, nicht mehr begnügen, so soll man sich nach der Meinung der Weisen richten. Von der Sittsamkeit in der Kleidung und im Reden. 159 Aber nicht nur in der Kleidung, meine Tochter! sondern auch im Neden sollst du sittsam sein und alle unziemlichen Worte vermeiden, da alle Worte, die nach den Eitelkeiten der Welt riechen, sich nicht für eine christliche Jungfrau ziemen. Der heilige Basilius sagt: Wenn ein Mensch, der zum Pöbel gehört, unziemliche Dinge sagt, so gibt Niemand Acht darauf, weil solche Worte Leuten dieser Art eigen sind; wenn aber eine Person, die fromm lebt, sich auch nur um ein Haar breit von ihrer Pflicht entfernt, so wird es alsbald von Allen bemerkt. Besonders beim Umgange mit Andern muß man Mehreres berücksichtigen, um nicht die Sittsamkeit im Reden zu verlegen. Erstens muß man alles Murren über Andere, selbst wenn man Ursache dazu hätte, vermeiden. Zweitens: So lange Andere reden, soll man sie nicht unterbrechen. Unterbrich Niemand mitten in seiner Rede( Eccl. XI, 8.), sagt der heilige Geist. Welche Unbescheidenheit, wenn Jemand immer allein reden will und, wenn die Andern nur ein Wort sagen, sogleich da ist, um es ihnen aus ihrem Munde zu nehmen, wodurch man zu erkennen gibt, daß man Alles wissen und Alle meistern wolle, was auch für die, welche mit solchen Menschen umgehen, höchst beschwerlich ist. Freilich muß man, wenn man sich mit Andern erholt, dann und wann ein Wort sagen, besonders wenn die Andern schweigen; denn wenn Alle schweigen wollten, so mürde man den Zweck der Erholung verfehlen. Uebrigens fordert die Eingezogenheit besonders von jungen Leuten, daß sie nur so viel reden, als zur Erholung hinreicht, und daß sie mehr zuhören, als selbst reden, und nur dann reden, wenn Andere schweigen. II. Lehrschule für Jungfrauen. Drittens soll man gewisse Scherze und Anspielungen, wenn sie sich auch auf bestimmte und wahre Fehler Anderer beziehen, vermeiden; denn wenn man auch nur scherzet, so mißfällt doch immer solcher Scherz denen, von welchen man redet. 160 m Viertens soll man nie etwas sagen, was zum eigenen Lob gereicht, und wenn man von Andern gelobt wird, so soll man sein Herz zu Gott erheben und von andern Dingen reden. Wenn man uns hingegen widerspricht und verspottet, so muß man sich nicht gleich erzürnen. Fünftens verlangt die Eingezogenheit, daß man nicht zu laut, sondern mehr leise rede, damit man nicht die Ohren Anderer beleidige. Sechstens: auch im Lachen soll man eingezogen und mäßig sein. Der heilige Gregorius erzählt, daß die göttliche Mutter selbst eines Tages einer ihrer Verehrerinnen, der Jungfrau Mussa, erschienen und ihr gesagt habe, daß wenn sie ihr gefallen wolle, sie sich des vielen Lachens enthalten müsse. Ich rede hier von dem un mäßigen Lachen, denn, sagt der heilige Bafilius, wer andächtig leben will, der muß unmäßiges Lachen vermeiden. Ein mäßiges Lachen, welches die Heiterkeit des Gemüthes zeigt, ist indeß keineswegs gegen den Wohlstand oder gegen die Frömmigkeit. Sittsamkeit und Andacht soll aus unserm Benehmen hervorleuchten, nicht aber Betrübniß und Traurigkeit; denn dadurch entehrt man die Frömmigkeit und macht, daß die Andern meinen, die Heiligkeit des Lebens mache nur trau rig, anstatt Frieden und Freude in's Herz zu bringen. Zeigt man hingegen, daß man fröhlich und vergnügt ist, so bekommen auch die Andern Muth, ein frommes Leben zu führen. Man liest, daß zwei Herren am Hofe eines Königs die Welt deshalb Von der Sittsamkeit in der Kleidung und im Reden. 161 verließen, weil sie sahen, wie fröhlich ein alter Mönch in seiner Einsamkeit lebte, und daß sie denselben nicht mehr verlassen wollten. Siebentens muß man nicht zu viel von weltlichen Dingen reden, die einen nichts angehen, z. B. von Hochzeiten, Festen, Schauspielen, prächtigen Kleidern, auch nicht vom Essen und Trinken, wenn man z. B. die aufgetragenen Speisen lobt oder tadelt. Der heilige Franz von Sales sagte: Selbst Leute, die auf Anstand halten, denken erst an die Tafel, wenn sie daran sißen. Wenn fromme Christen hören, daß man von bösen oder unnüßen Dingen redet, so suchen sie durch nüßliche Fragen das Gespräch auf Gott zu führen, oder sie nehmen von der Unterhaltung selbst Anlaß, von Gott zu reden, wie das der heilige Aloysius Gonzaga zu thun pflegte, der alle Tage eine halbe Stunde etwas im Leben eines Heiligen oder in einem andern andächtigen Buche las, um Stoff zu haben, während der Erholung mit seinen Gefährten von geistlichen Dingen zu reden. Man pflegt zu sagen: Wer etwas liebt, der redet auch gern davon; denn wovon das Herz voll ist, davon geht der Mund über."( Luk. 6, 45.) 125 Fünf und zwanzigstes Kapitel. Von den erlaubten und löblichen Erholungen. Es ist der Wille Gottes, daß Seelen, die Ihn lieb haben, auch von Zeit zu Zeit einige Erholung genießen, damit ihr Geist nicht in beständiger Span= nung bleibe. Der heilige Evangelist Johannes ward, wie Cassianus erzählt, einst von einem Jäger angetroffen, als er gerade ein Rebhuhn auf der Hand hielt, und zu seiner Ergößung freundlich 162 II. Lehrschule für Jungfrauen.d wol mit ihm spielte; da fragte ihn der Jäger, warum er als ein so berühmter und heiliger Mann die Zeit mit so geringfügigen und unwürdigen Dingen verliere; worauf Johannes an ihn die Frage stellte: Warum trägst du deinen Bogen nicht immer gespannt?" Deshalb nicht," antwortete der Jäger, ,, daß er nicht, wenn er beständig krumm bleibt, die Dehnkraft verliere, wenn ich ihn zu brauchen habe." So wundere dich denn nicht," versette der Apostel, wenn ich meinem Gemüth einige Ruhe von der Arbeit und Anstrengung gönne, und ein wenig mich erhole, daß ich dann höher zur Betrachtung mich aufschwinge." Es ist daher ohne Zweifel ein Fehler, wenn man so strenge, so roh und unbarmherzig ist, daß man weder sich selbst noch Anderen irgend eine Erholung gestatten will. Frische Luft schöpfen, spazieren gehen, in freundlichem und angenehmem Gespräche sich unterhalten, die Laute oder sonst ein musikalisches Instrument spielen, singen, sind so anständige Erholungen, daß man, um einen guten Gebrauch davon zu machen, nur die gewöhnliche Klugheit zu Rathe ziehen darf, die allen Dingen ihre Ordnung, ihre Zeit und ihr Maß anweiset. Wir sollen uns also mit Mäßigkeit erholen, denn unsere Erholung wird nie fehlerfrei sein, wenn sie zu lange dauert. Wenn also die Erholungsstunden verflossen sind, so ziehe dich zurück, geliebte Seele, und mache es nicht wie die, welche die Erholung als den Zweck betrachten, ohne zu bedenken, daß sie dadurch ihre kostbare Zeit unnüß verschwenden. Die heilige Johanna von Chantal sagte: Wenn ich einen Augenblick Zeit verschwendete, so würde ich mich vor Gott für eine Diebin ansehen. Gehört etwa mir die Zeit an, daß ich sie nach mei Von den erlaubten und löblichen Erholungen. 163 nem Gefallen verschwenden dürfte? Gott hat sie mir in einem bestimmten Maße zugetheilt und verlangt Rechenschaft von mir über jeden Augenblick." Freuet euch allezeit im Herrn," schreibt der heilige Apostel Paulus; ,, abermal sage ich euch: freuet euch!"( Phil. 4, 4.) Seid fröhlich mit den Fröhlichen!" Gleichwie das Lachen bei ernsthaften Gesprächen unpassend ist, sagt der heilige Franz von Sales, so ist es doch auch unangenehm, wenn man Jemanden niemals während der Erholungszeit lachen sieht. Daher sagte seine Schülerin, die heilige Johanna von Chantal: Wenn ich bei unsern jungen Leuten bin, so lache ich, um sie zur Heiterkeit zu stimmen, weil das nothwendig ist." Sei also, christliche Jungfrau! während der Erholungszeit fröhlich und vergnügt, sprich von erheiternden Dingen, aber bewahre zu gleicher Zeit die innerliche Versammlung und erwecke in deinem Herzen dann und wann Liebesakte und schicke Bittseufzer zu Gott empor; mische auch zuweilen etwas von Gott in's Gespräch ein und suche aus gleichgültigen Gesprächen irgend eine nüßliche Anwendung zu ziehen. So machte es der heilige Aloysius, welcher durch diese schöne Kunst das Studienhaus der Gesellschaft Jesu, in welcher er sich befand, so zu sagen in eine Kirche verwandelte, denn seine Mitbrüder verließen häufig mit größerem Eifer im Dienste Gottes die Erholungszeit, als wenn sie zum Gebete versammelt gewesen wären. Hüte dich auch, wenn du in Gesellschaft mit mehrern bist, daß du dich nicht vorzugsweise an diejenigen anschließest, welche dir mehr zusagen, denn das fällt den Andern gleich auf und stört die Unterhaltung. Betrage dich gegen Alle auf dieselbe Weise, auch gegen Solche, die weniger mit dir übereinstimmen, ja du solltest es machen wie 164 II. Lehrschule für Jungfrauen. ol die heilige Theresia, und dich gerade mehr mit Die sen als mit Ändern abgeben. Vor Allem aber hüte dich, meine Tochter! dein Herz an eine Erholung zu heften; denn wie anständig auch eine Unterhaltung sein mag, so ist es doch ein Fehler, wenn man derselben Sinn und Gefühl leidenschaftlich hingibt. Ich sage nicht, daß man während der Erholung kein Vergnügen daran empfinden dürfe( sonst würde man sich nicht unterhalten), sondern ich sage, man soll sein Herz nicht so sehr daran hängen, daß man beständig nach dieser Ergößzung sich sehnt und trachtet. Sechs und zwanzigstes Kapitel. Von den Tänzen. Tänze und Bälle sind ihrer Natur nach gleichgültige Dinge; wie sie aber gewöhnlich gehalten werden, neigen sie sich sehr zum Uebel hin, und sind folglich voll Gefahren. Man veranstaltet sie zur Nachtszeit; im Dunkel aber und in der Finsterniß schleicht sich in ein Vergnügen, das an sich selbst für das Böse so empfänglich ist, gar leicht manches Finstere und Böse ein. Man wacht dabei bis tief in die Nacht hinein, wodurch denn die Morgenstunden des folgenden Tages, und mit denselben natürlich die Mittel verloren gehen, in dieser Zeit Gott zu dienen. Es ist überhaupt immer Thorheit, den Tag in Nacht, das Licht in Finsterniß, und die guten Werke in muthwillige Dinge zu verwandeln. Um die Wette bringt Jeder Eitelkeit mit zum Balle, und die Eitelkeit bereitet so sehr zu bösen Neigungen und zu gefährlichen und sträflichen Liebschaften vor, daß diese über dem Tanzen gar leicht zu Stande kommen. Ich sage dir von den Tänzen, christliche 165 Von den Tänzen. Jungfrau! was die Aerzte von den Schwämmen sagen. Die besten, versichern sie, taugen nichts; und ich sage dir, daß die besten Tänze nichts taugen: mußt du dennoch Schwämme essen, so gib wohl Acht, daß sie gut zubereitet sind. Wenn du aus irgend einem Grunde, gegen den du nicht leicht etwas einwenden kannst, auf den Ball gehen mußt, so gib wohl Acht, daß der Tanz gut zubereitet sei. Womit soll er denn zubereitet sein?"- Mit Sittsamkeit, mit Würde und guter Absicht. Jß wenig davon und selten( also sagen die Aerzte von den Schwämmen), denn wie gut sie auch zubereitet sein mögen, so werden sie, in Menge genossen, doch giftig. Tanze wenig und nicht oft, Jungfrau! denn handelst du anders, so seßest du dich der Gefahr aus, eine große Vorliebe für den Tanz zu bekommen. Da die Schwämme voll Sauggefässe und kleiner Deffnungen sind, so saugen sie leicht alles Gift ein, und sind sie in der Nähe der Schlangen, so nehmen sie das Gift derselben auf. Die Bälle, die Tänze und andere ähnliche Versammlungen ziehen gewöhnlich die an einem Orte herrschenden Lafter und Sünden, Zänkereien, Neid, Spott und thörichte Liebe an sich; und wie durch die Bewegungen der Tanzenden die Schweißlöcher des Körpers fich öffnen, so öffnen sich auch ihre Herzen. Naht sich in diesem Zustande irgend eine Schlange, und flüstert ein unzüchtiges Wort oder eine buhlerische Schmeichelei in's Öhr, oder blinzelt irgend ein Bafilisk mit unkeuschen Blicken und verliebten Winken; wie leicht lassen da die Herzen sich fangen und vergiften! O meine Tochter! diese thörichten Unterhaltungen sind gewöhnlich sehr gefährlich; sie verscheuchen den Geist der Frömmigkeit, schwächen die Kräfte 166 II. Lehrschule für Jungfrauen. der Seele, erfalten die Liebe, und wecken im Herz zen tausend böse Regungen; man muß daher denselben mit großer Klugheit beiwohnen. Man sagt, wenn man Schwämme gegessen habe, müsse man vor Allem sehr guten Wein trinken; und ich sage, man soll nach dem Tanze über heilige und heilsame Dinge nachdenken, welche die gefährlichen Eindrücke zu verscheuchen vermögen, die das nichtige Vergnügen unserm Gemüthe einprägen könnte. Worüber sollen wir aber nachdenken? 1. Indeß du auf dem Balle wareft, brannten viele Seelen, um der Sünde willen, die sie beim Tanze oder aus Veranlassung des Tanzes begingen, in der Hölle. 2. Viele Ordensgeistliche und fromme Seelen waren in derselben Stunde vor Gott versammelt, fangen Ihm Loblieder und bewunderten seine unendliche Schönheit. D wie viel glückseliger verwendeten Diese ihre Zeit, als du die deinige! 3. Während du tanztest, verschieden so viele Seelen in großer Todesangst, und viele tausend Menschen beiderlei Geschlechtes Litten in ihren Betten, in den Spitälern und auf den Gassen große Schmerzen am Podagra, an der Cholera und in hißigem Fieber. Ach! sie hatten keine Ruhe. Wirst du kein Mitleid mit ihnen tragen? Und denkeſt du nicht daran, daß du einst seufzen wirst, wie sie, während Andere tanzen werden, wie du getanzt haft? 4. Unser Heiland, die allerseligste Jungfrau, die Engel und die Heiligen sahen dich auf dem Balle. Dwie bedauerten sie dich, als sie sahen, daß dein Herz so großer Thorheit sich hingab, und so aufmerksam auf diese Albernheit war! 5. Ach! während du dort weiltest, ging die Zeit vorüber und der Tod rückte näher. Sieh, wie er Von den Uebungen der äußerlichen Abtödtung. 167 deiner spottet und zu seinem Tanze dich einladet, wo reumüthige Seufzer über deine Sünden statt. der Violine dir dienen werden, und wo du nur Einen Sprung, den Sprung vom Leben zum Tode thun wirst, da der Uebergang von der Zeit zur Ewigkeit der Freuden oder der Qualen nur einen Augenblick währt. Diese wenigen Betrachtungspunkte bezeichne ich dir; Gott wird dir aber mehrere und kräftigere in den Sinn geben, wenn du Ihn fürchtest. Sieben und zwanzigstes Kapitel. Von den Uebungen der äußerlichen Abtödtung. Schriftsteller, die über den Landbau geschrieben haben, versichern, daß, wenn man auf einen vollkommenen und frischen Mandelkern ein Wort schreibt, denselben wieder in seine Schale legt, und dieſe wohl verschlossen in die Erde pflanzt, auf allen Mandeln des Baumes, der daraus hervorwächst, dasselbe Wort stehe. Ich meinerseits, christliche Jungfrau! habe nie die Methode derjenigen gutheißen können, welche, um den Menschen umzubilden, mit dem Neußerlichen, mit Geberden, Kleidern und Haaren anfangen. Ich glaube im Gegentheile, daß man mit dem Innern beginnen muß. Bekehret euch zu Mir," spricht Gott, ,, von eurem ganzen Herzen; mein Kind, gib mir dein Herz." Denn da das Herz die Quelle aller Handlungen ist, so sind diese wie das Herz selbst. Der göttliche Bräutigam im hohen Liede spricht, die Seele zur Liebe einladend: Lege mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel auf deinen Arm." Und Er spricht mit Recht so; denn wer Jesus Christus im Herzen hat, hat Ihn auch bald in allen äußerlichen Werken. Deshalb, geliebte Seele! wollte ich 168 II. Lehrschule für Jungfrauen.dk auch vor Allem deinem Herzen dies heilige und hochgebenedeite Wort einschreiben und einprägen: " Es lebe Jesus!" fest überzeugt, daß dann dein Leben, welches aus deinem Herzen, wie der Mandelbaum aus seinem Kerne entspringt, lauter Handlungen hervorbringen wird, auf denen, als den Früchten desselben, diese Worte des Heils eingeprägt stehen; und daß, wie dieser süße Jesus in deinem Herzen lebt, Er auch in allen deinen Handlungen und Geberden leben, in deinen Augen, in deinem Munde, in deinen Händen und selbst auf deinen Haaren erscheinen wird, und du mit dem heiligen Paulus wirst sagen können:„ Ich lebe, aber nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir." Kurz, wer das Herz des Menschen gewonnen hat, der hat den ganzen Menschen gewonnen. Doch erfordert selbst dies Herz, mit welchem wir den Anfang machen wollen, daß man es belehre, wie es sein äußerliches Verhalten ordnen soll, damit nicht nur die heilige Frömmigkeit, sondern auch eine große Klugheit und Besonnenheit darin sichtbar werde. Des halb will ich dir in Kürze hier einige Verhaltungsregeln angeben. Kannst du das Fasten ertragen, so wirst du wohl thun, nicht nur an den von der Kirche gebotenen Tagen, sondern auch noch an einigen andern Tagen zu fasten; denn außer der gewöhnlichen Wirkung des Fastens, das den Geist erhebt, das Fleisch bezähmt, die Uebung der Tugend erleichtert und große Belohnung im Himmel erwirbt, ist es von großem Nußen, wenn man das sinnliche Begehren unter das Gesetz des Geistes bringt; und obgleich man nicht besonders viel fastet, fürchtet der Feind uns dennoch weit mehr, wenn er weiß, daß wir zu fasten vermögen. Die Mittwoche, der Freitag und Von den Uebungen der äußerlichen Abtödtung. 169 der Samstag sind die Tage, an welchen die ersten Christen am meisten Enthaltsamkeit übten. Wähle daher unter diesen Tagen einige zum Fasten aus, je nachdem deine Andacht dich dazu anregt, und das besonnene Urtheil deines Seelenführers es dir anräth. Gerne möchte ich hier sagen, was der heilige Hieronymus der frommen Matrone Leta sagte: ,, Langes, übermäßiges Fasten mißfällt mir gar sehr, zumal an Jenen, die noch in einem zarten Alter sind." Ich weiß aus eigener Erfahrung, daß, wenn ein junger Esel auf dem Wege ermüdet, er davon abweicht; d. h. junge Leute, die sich durch übermäßiges Fasten Kränklichkeiten zugezogen haben, wenden sich leicht zur Weichlichkeit. In zwei Fällen find die Hirsche zum Laufen nicht geschickt, nämlich wenn sie zu fett, und wenn sie zu mager sind. Wir sind sehr den Versuchungen ausgesetzt, wenn unser Körper zu gut genährt, und wenn er zu sehr erschöpft ist; denn das Erste macht in seiner Behaglichkeit ihn übermüthig, und das Andere macht vor Mißbehagen ihn fleinmüthig; und wie wir ihn nicht zu tragen vermögen, wenn er zu fett ist, so vermag auch er nicht, uns zu tragen, wenn er zu mager ist. Die übermäßige Anwendung des Fastens, der Geißel, des Bußhemdes und anderer Bußwerke machte so manche fromme Personen in ihren besten Jahren zu Liebesdiensten untauglich, wie dies dem heiligen Bernhard widerfuhr, der es bereute, eine allzustrenge Lebensweise geführt zu haben; und je strenger Jene Anfangs gegen ihren Körper verfahren, desto mehr sind sie am Ende gezwungen, sei ner zu schonen. Hätten sie nicht besser gethan, ihn immer auf gleiche Art, und den Pflichten und Arbeiten gemäß zu behandeln, welche ihr Beruf ihnen auferlegte? 10 II. Lehrschule für Jungfrauen. Fasten und Arbeiten schwächen und bezähmen das Fleisch. Ist daher deine Arbeit dir nothwendig oder sehr förderlich zur Ehre Gottes, so ist es mir lieber, du duldest die Beschwerde der Arbeit als die des Fastens. Dies ist auch die Meinung der Kirche, welche wegen Arbeiten, die zum Dienste Gottes geschehen und dem Nächsten nützlich sind, diese Arbeiter sogar von dem gebotenen Fasten frei spricht. Dem Einen fällt es schwer zu fasten, dem Andern Kranke zu bedienen, Gefangene zu besuchen, Betrübte zu trösten, zu beten und ähnliche Werke zu verrichten; diese Beschwerden sind aber von höherm Werthe, als das Fasten, denn abgesehen davon, daß fie gleichfalls ermüden, bringen sie weit wünschenswerthere Früchte. Es ist daher im Allgemeinen besser, den Körper mehr, als geradezu erforderlich ist, bei Kräften zu erhalten, als ihn über die Gebühr zu schwächen; denn man kann denselben wohl schwächen, sobald man will, vermag aber seine Kräfte nicht wieder zu ersetzen, wenn man will. 170 Ich glaube, wir sollen die Worte, die unser göttlicher Erlöser Jesus Christus zu seinen Jüngern sprach: Esset, was man euch vorsetzt," in großen Ehren halten. Denn es ist, nach meiner Meinung, eine größere Tugend, Alles, was man dir vorsetzt, ohne lange zu wählen und der Reihe nach, in welcher man es dir vorsetzt, sei es nach deinem Ge schmacke oder nicht, zu essen, als immer das Schlechteste auszuwählen. Denn obwohl das Lettere strenger zu sein scheint, so ist mit dem Erstern doch mehr Entsagung verbunden, da man nicht nur seinem Beschmacke, sondern auch seiner Wahl entsagt und es ist keine geringe Buße, seinen Geschmack nach Jedermanns Willen zu richten, und ihn bei jeder Gelegenheit zu unterjochen. Zudem ist dies eine Von den Uebungen der äußerlichen Abtödtung. 171 Abtödtung, die kein Aufsehen erregt, Niemand belästigt und für das gesellige Leben ganz vorzüglich paßt. Eine Speise hinwegschieben, um nach einer andern zu greifen, Alles anbrechen und kosten, nie etwas finden, das gut zugerichtet oder reinlich genug wäre, bei jedem Bissen eine Bemerkung machen, zeigt einen weichlichen und dem Gaumen fröhnenden Menschen an. Ich achte den heiligen Bernhard höher, daß er Del statt Wasser oder Wein trank, als wenn er absichtlich Wermuthwasser getrunken hätte; denn er bewies dadurch, daß er gar nicht darauf achtete, was er trank. Und in dieser Gleichgültigkeit gegen das, was man essen oder trinken soll, besteht die vollkommene Ausübung jener Worte: ,, Effet, was man euch vorsetzt." Ich nehme jedoch hievon jene Speisen aus, die der Gesundheit nachtheilig sind, oder auch wohl das Gemüth beschwe ren, wie dies bei Vielen der Fall ist, wenn sie warme, stark gewürzte, geräucherte und blähende Speisen genießen; so wie ich auch die Gelegenheiten ausnehme, wo die Natur der Erholung und Hülfe bedarf, damit sie irgend eine schwere Arbeit zur Ehre Gottes aushalten könne. Kurz, eine anhaltende und besonnene Mäßigkeit ist besser, als eine gewaltsame Enthaltsamkeit, die öfters durch Ueppigkeit in Speisen unterbrochen wird. Der mäßige Gebrauch der Geißel hat eine wun derbare Kraft, die Luft zur Frömmigkeit neu zu beleben. Das härene Bußkleid zähmt den Körper gewaltig; aber die Anwendung desselben paßt nicht wohl für Jene, die von zartem Körperbau sind, oder schwere Arbeiten zu verrichten haben. An Tagen jedoch, die vorzüglich zur Buße bestimmt sind, mag man nach dem Rathe eines klugen Beichtvaters es anwenden. II. Lehrschule für Jungfrauen. Während der Nacht soll man schlafen, und zwar nach dem Bedürfnisse seines Körpers und so viel erforderlich ist, um den Tag über wohl und nüßlich machen zu können. Und da sowohl die heilige Schrift an vielen Stellen, als das Beispiel der Heiligen und natürliche Gründe die Morgenstunden als die besten und fruchtbringendsten des Tages uns empfehlen; und da selbst Christus, unser Herr, die Sonne der Gerechtigkeit, und die seligste Jungfrau die aufgehende Morgenröthe genannt wird, so halte ich es für eine tugendliche Sorge, daß man Abends frühzeitig sich zur Ruhe begebe, um früh erwachen und aufstehen zu können. Gewiß ist diese Zeit die freundlichste, die lieblichste und ruhigste; die Vögel sogar ermuntern uns in derselben zum Aufstehen und zum Lobe Gottes. Das frühe Aufstehen befördert also eben so sehr die Heiligkeit, als die Gesundheit. 172 Wenn wir von unsern Lastern uns heilen wollen, so ist es allerdings gut, daß wir den Körper abtödten, doch ganz vorzüglich müssen wir unsere Gesinnungen wohl reinigen und unsere Herzen erfrischen. Wir sollen also in keinem Falle ohne den Rath des geistlichen Führers körperliche Bußübungen unternehmen. Acht und zwanzigstes Kapitel. Von dem geistlichen und fühlbaren Troste, und wie man in demselben sich verhalten solle. Gott erhält das Dasein dieser großen Welt in beständigem Wechsel, durch welchen der Tag immer in Nacht, der Frühling in Sommer, der Sommer in Herbst, der Herbst in Winter, und der Winter in Frühling sich umwandelt; auch gleicht nimmer Von dem geistlichen und fühlbaren Troste. 173 ein Tag vollkommen dem andern; es gibt sonnige, neblichte, regnerische, trockene und windige Tage, und dieser Wechsel gibt der Erde eine große Schönheit. Eben so verhält es sich mit dem Menschen, der, dem Sprüchwort der Alten zufolge, eine Welt im Kleinen ist; denn nimmer befindet er sich in dem nämlichen Zustande, und sein Leben fließt auf dieser Erde gleich den Fluthen eines Stromes dahin, und in unaufhörlicher Verschiedenheit sich bewegend und wogend, bald durch Hoffnungen ihn erhebend, bald durch Furcht in die Tiefe ihn senkend, bald durch Trost zur Rechten, bald durch Trübsal zur Linken ihn wendend, und nimmer ist einer seiner Tage, ja nimmer eine seiner Stunden der andern vollkommen gleich. Diese Lehre ist sehr wichtig; streben wir also dahin, daß wir unter einer so großen Ungleichheit von Zufällen eine stete und unveränderliche Gleichheit des Herzens bewahren. Und mögen auch alle Dinge auf noch so verschiedene Art um uns herum sich drehen und gestalten, dennoch müssen wir standhaft und unbeweglich jederzeit auf Gott hinschauen, und auf Ihn allein unser Streben richten. Welchen Lauf das Schiff immer nehme, wohin es immer steuere, ob nach Morgen oder nach Abend, nach Mittag oder nach Mitternacht, welcher Wind es immer treiben mag, nimmer zielt seine Magnetnadel anderswohin als nach dem Polargestirn. Mag auch, ich sage nicht blos um uns herum, sondern auch selbst in unserm Innern, Alles darunter und drüber gehen, das heißt, mag unsere Seele traurig oder fröhlich sein, in Lieblichkeit oder in Bitterfeit, in Friede oder in Aufruhr, in Klarheit oder in Finsterniß, in Versuchung oder in Ruhe, in Lust oder in Widerwillen, in Trockenheit oder in süßem 10* 174 II. Lehrschule für Jungfrauen. Troste schweben, mag die Sonne sie sengen oder Thau sie erquicken: immerfort soll dennoch die Nadel unsers Herzens, unser Verstand und höherer Wille, die unsere Magnetnadel sind, unabläßig nach der Liebe Gottes, ihres Schöpfers, ihres Erlösers, ihres einzigen und höchsten Gutes zielen. Mögen wir leben oder sterben," sagt der Apostel, so ge= hören wir Gott. Wer wird von der Liebe Gottes uns scheiden? Niemand! Weder Trübsal noch Angſt, weder Tod noch Leben, weder der gegenwärtige Schmerz noch Furcht vor künftigen Leiden, weder die Arglist des bösen Feindes, noch die Erhabenheit des Trostes, noch auch die Tiefe der Bekümmerniß; weder geistliche Süßigkeit noch Trockenheit soll je von dieser heiligen Liebe uns scheiden, die in Jesus Christus gegründet iſt." Dieser feste Entschluß, nun und nimmer von Gott zu weichen, noch von seiner heiligen Liebe abzulassen, dient unserer Seele gleichsam als ein Ge gengewicht, um sie unter dem Drucke der Ungleichheit so vielfacher Bewegungen, welche die Beschaffenheit dieses Lebens ihr verursacht, im heiligen Gleichgewicht zu erhalten. Denn wie die Bienen, wenn sie auf der Flur plößlich vom Winde über. fallen werden, kleine Steinchen umklammern, daß sie der Luft einigen Widerstand leisten können und nicht so leicht dem Sturme zur Beute werden, also bleibt auch eine Seele, welche fraft eines festen Entschlusses die überaus kostbare Liebe Gottes umklammert, standhaft unter der Unbeständigkeit und dem Wechsel des Trostes und der Trübsale, mögen diese geistig oder zeitlich, äußerlich oder innerlich sein. Außer dieser allgemeinen Lehre bedürfen wir aber noch einiger besonderer Erinnerungen. Ich sage demnach: Von dem geistlichen und fühlbaren Troste. 175 1. Die Andacht besteht nicht in lieblichem Ge fühl, in Süßigkeit, im Troste und in jener fühlbaren Zartheit des Herzens, die uns zu Thränen und Seufzern rührt, die uns angenehm befriedigt und zur Vollbringung einiger geistlichen Uebungen ermuntert. Nein, geliebte Seele! diese süße Befriedigung ist von der Andacht sehr verschieden. Denn es gibt viele Seelen, in welchen dieses Zartgefühl rege ist, und welche diese Tröstungen empfinden, und die demungeachtet sehr lasterhaft sind, und solglich durchaus keine wahre Liebe zu Gott, weit weniger also wahre Andacht haben. Als Saul den armen David auf den Tod verfolgte, und dieser vor ihm in die Wüste von Engaddi geflohen war, kam er ganz allein in eine Höhle, in welcher David mit seinen Leuten sich verborgen hatte. David, der bei dieser Gelegenheit gar leicht ihn hätte tödten können, verschonte sein Leben, ja wollte ihn nicht einmal in Schrecken seßen, sondern ließ ihn ruhig hinausgehen, und rief erst dann ihm nach, um ihn von seiner Unschuld zu überzeugen, und ihm zu beweisen, daß er in seiner Gewalt gewesen sei. Was that hierauf Saul nicht Alles, um zu zeigen, wie besänftigt sein Herz gegen David sei! Er nannte ihn seinen Sohn, brach in laute Thränen aus, lobte ihn und bekannte seine Großmuth, ja er betete für ihn, verkündete seine künftige Erhebung ihm vorher und empfahl ihm seine Nachkommenschaft. Hätte er größere Freundlichkeit und Besänftigung an den Tag legen können? Dennoch war troß all diesem sein Herz nicht geändert; denn er stellte dem David nicht weniger grausam nach als zuvor. So auch trifft man Leute, welche, die Güte Gottes und die Leiden des Heilandes betrachtend, tiefe Rührung in ihrem Herzen fühlen, die zu II. Lehrschule für Jungfrauen. Seufzern, Thränen, zum Gebete und zu lebhaften Danksagungen sie anregt, so daß man wirklich glauben möchte, ihr Herz wäre von großer Andacht durchdrungen. Stellt man sie aber auf die Probe, so findet man, daß, wie in einem sehr heißen Sommer vorübergehende Regengüsse zwar in großen Tropfen zur Erde fallen, doch nicht in dieselbe eindringen, sondern nur Schwämme hervortreiben, also auch dies Zartgefühl und diese Thränen, die auf ein lasterhaftes Herz fallen, ohne in dasselbe einzubringen, ihm durchaus unnüß sind; denn solche armselige Menschen werden darum nicht einen Heller unrechtmäßig erworbenen Gutes zurückstellen, nicht einer einzigen ihrer bösen Lieblingsneigungen entsagen, noch auch für den Dienst des Erlösers, den sie beweinten, die geringste Unbequemlichkeit erdulden; man kann daher recht wohl die guten Regungen ihres Herzens geistlichen Schwämmen vergleichen, da sie nicht nur keine wahre Frömmigkeit, sondern oft nur listige Täuschungen des Feindes find, der die Seelen mit solchen geringen Tröstungen angenehm unterhält, und dahin wirkt, daß sie, hierdurch befriedigt, die wahre Frömmigkeit nicht ferner suchen, welche in einem beständigen, entschlosfenen und thätigen Willen besteht, schnell auszuführen, was man als Gott wohlgefällig erkennt. Ein Kind wird zärtlich weinen, wenn es sieht, daß man seiner Mutter mit der Lanzette eine Ader öffnen will; wenn aber dieselbe Mutter, um die es weinte, einen Apfel oder eine andere Kleinigkeit, die es eben in der Hand hielte, von ihm verlangte, so würde es ihr dieselbe nicht geben. Von dieser Art sind meistens unsere zarten Empfindungen der Andacht. Sehen wir, wie man dem gekreuzigten Jesus mit einem Lanzenstich das Herz durchbohrt, 176 Von dem geistlichen und fühlbaren Troste. 177 so weinen wir bitterlich. Meine Tochter! allerdings thun wir wohl, über den Tod und die schmerzlichen Leiden unsers milden Erlösers Thränen zu vergies sen; aber warum geben wir dann nicht aufrichtig den Apfel Ihm hin, den wir in unseren Händen halten, den Er so sehnlich verlangt, nämlich unser Herz, den einzigen Apfel der Liebe, den dieser geliebte Erlöser von uns haben will? Warum entsagen wir nicht so manchen nichtigen Neigungen, Ergözungen, so manchem Wohlgefallen, das Er unfern Händen entreissen möchte, und nicht zu entreissen vermag, weil sie unser Zuckerwerk sind, woran wir mehr Vergnügen, als an seiner himmlischen Anmuth finden. Ach! das sind Freundschaften kleiner Kinder, zärtlich, doch schwach, eingebildet und ohne Wirkung. Nicht in diesem Zartgefühle, nicht in diesen sinnlichen Empfindungen besteht die Andacht; solche Gefühle entspringen oft blos der Natur, welche so weichlich und empfänglich für jeden Eindruck ist, den man auf sie machen will; oft auch rühren dieselben von der List des Feindes her, welcher, um in denselben uns aufzuhalten, unserer Einbildungskraft solche Bilder einprägt. 2. Dennoch sind diese süßen Empfindungen und dies Zartgefühl oft sehr gut und sehr nüßlich; denn sie erregen Hunger in der Seele, stärken das Gemüth, und verursachen, daß der Mensch nicht nur schnell und entschlossen, sondern auch mit heiliger Freude der Andacht sich hingibt, wodurch unsere Handlungen selbst nach ihrer Außenseite anmuthig und lieblich werden. Dieses ist jener Geschmack an göttlichen Dingen, über welchen David ausrief: D Herr, wie süß sind deine Worte meinem Gaumen! süßer als Honig sind sie meinem Munde." Und allerdings ist der geringste Troft, den die Andacht 178 II. Lehrschule für Jungfrauen. uns gewährt, besser als die herrlichsten Ergößungen der Welt. Die Milch, das heißt, die Gnaden des göttlichen Bräutigams sind der Seele weit besser, als der köstlichste Freudenwein der Erde: wer die selben je gekostet hat, hält alle übrigen Freuden für Galle und Wermuth. Und wie Diejenigen, welche das scythische Craut im Munde haben, eine so ungemeine Süßigkeit davon empfinden, daß sie weder Hunger noch Durst bekommen; so ist es auch unmöglich, daß die Seelen, welchen Gott dieses himmlische Manna der innerlichen Tröstungen und Süßigkeiten verliehen hat, je nach weltlichen Freuden sich sehnen, noch dieselben mit eigentlichem Wohlgefallen genießen. Sie sind ein kleiner Vorgeschmack jener unsterblichen Süßigkeiten, welche Gott den Seelen verleiht, die Ihn suchen; sie sind überzuckerte Körner, die Er seinen kleinen Kindern gibt, um sie an sich zu locken; sie sind herzstärkendes Wasser, das Er ihnen darreicht, um sie zu kräftigen, und auch wohl das Angeld der ewigen Belohnungen. Man erzählt, daß Alexander der Große, noch auf der hohen See, das glückliche Arabien zuerst durch den lieblichen Geruch der würzigen Düfte entdeckte, die der Wind ihm zuführte, und er hierauf sich und alle seine Gefährten ermuthigt habe. Also empfangen auch wir oft Süßigkeit und himmlisch liebliche Düfte auf diesem Meere des sterblichen Lebens, die ohne Zweifel uns einen Vorgeschmack jener Wonnen des seligen und himmlischen Vaterlandes geben, nach welchem wir schmachten und zielen. 3. Allein, wirst du fragen, da es fühlbare Tröstungen gibt, die heilsamt sind und von Gott kommen, und darneben auch unnüße, gefährliche, ja sogar höchst schädliche, die von der Natur oder selbst vom Feinde herrühren, wie vermag ich da die Von dem geistlichen und fühlbaren Troste. 179 einen von den andern, die guten von den bösen oder unnüßen zu unterscheiden? Es gilt über die Empfindungen und Triebe unserer Seele die allgemeine Regel, daß wir an ihren Früchten sie erkennen sollen. Unsere Herzen gleichen den Bäumen: ihre Neigungen und Triebe sind die Neste, und ihre Werke die Früchte. Jenes Herz ist gut, das gute Triebe hat, und jene Triebe sind gut, die gute Wirkungen und heilige Handlungen in uns hervorbringen. Machen jenes Zartgefühl und jene lieblichen tröstlichen Empfindungen uns demüthiger, geduldiger, nachgebender, liebreicher und mitleidiger gegen den nächsten, eifriger in der Abtödtung unserer Begierlichkeit und unserer bösen Neigungen, standhafter in unseren frommen Uebungen, geschmei diger und folgsamer gegen unsere Vorgesetzten und einfacher in unserm Wandel, dann, christliche Jungfrau, sind sie ohne Zweifel von Gott; sind aber diese Lieblichkeiten nur für uns selbst lieblich, machen sie uns nur neugierig, bitter, zänkisch, ungeduldig, eigensinnig, stolz, anmaßend und hart gegen den Nächsten; halten wir uns schon für kleine Heilige, und wollen wir uns weder einer Leitung noch einer Zurechtweisung mehr unterwerfen, dann sind jene tröstlichen Gefühle ohne allen Zweifel falsch und verderblich. Ein guter Baum trägt nur gute Früchte. 4. Empfangen wir diesen süßen Trost, dann sollen wir uns vor Gott demüthigen. Hüten wir uns, daß wir dieser lieblichen Empfindungen wegen nicht etwa sagen: O wie fromm bin ich! Nein, meine Tochter! diese Gaben machen uns nicht frömmer; denn, wie ich bereits gesagt habe, darin besteht die Frömmigkeit nicht; sagen wir vielmehr: wie - gütig ist Gott gegen Diejenigen, die auf Ihn hoffen, gegen die Seele, die Ihn sucht!" Wer Zucker 180 II. Lehrschule für Jungfrauen. im Munde hat, kann darum nicht sagen, daß sein Mund süß sei, wohl aber, daß der Zucker süß ist; also, obwohl diese geistliche Süßigkeit sehr lieblich, und Gott, der dieselbe uns verleiht, sehr gütig ist, so folgt dennoch nicht daraus, daß Derjenige fromm sei, der dieselbe empfängt. 5. Sollen wir uns noch als kleine Kinder be trachten, die der Milch bedürfen, und bedenken, daß dieses Zuckerwerk uns gegeben wird, weil unser Gemüth noch zart und schwach ist, und der Lockspeise bedarf, daß es zur Liebe Gottes angezogen werde. 6. Diese in Demuth empfangenen Gnaden und Segnungen sollen wir ungemein hoch achten, nicht sowohl, weil sie es in sich selbst sind, als weil die Hand Gottes, gleich einer Mutter, sie uns in's Herz legt, die, ihr Kind zu sänftigen, mit eigener Hand ein Zuckerförnlein nach dem andern ihm in den Mund legt; denn hätte das Kind den Gebrauch der Vernunft, so würde es die Süßigkeit der Liebkosungen seiner Mutter höher schäßen, als die Sü Bigkeit des Zuckers selbst. Es ist demnach allerdings viel werth, geliebte Seele! solcher Süßigkeiten sich zu erfreuen; aber die Süßigkeit der Süßigkeiten ist: die liebevolle und mütterliche Hand Gottes zu betrachten, welche dieselben uns in den Mund, in's Herz, in die Seele und in das Gemüth legt. 7. Haben wir dieselben also mit aller Demuth empfangen, dann verwenden wir sie sorgfältig nach der Absicht Desjenigen, der sie uns verliehen hat. Warum glauben wir wohl, daß Gott uns die Süßigfeit verleiht? Deshalb, daß Er mehr Sanftmuth gegen den Nächsten und mehr Liebe gegen Ihn selbst in uns erwecke. Die Mutter gibt dent Kinde Zuckerwerk, daß es sie küsse; küssen wir also diesen gütigen Erlöser, der uns so viele Süßigkei L Von dem geistlichen und fühlbaren Troste. 181 ten verleiht. Den Erlöser küssen heißt aber, Jhm gehorchen, seine Gebote halten, seinen Willen thun, seinen Absichten entsprechen, mit einem Worte, in Gehorsam und Treue Ihn zärtlich umfassen. Haben wir also irgend einen geistlichen Trost empfangen, so sollen wir an demselben Tage desto sorgsamer Gutes thun und uns demüthigen. 8. Uleberdies sollen wir von Zeit zu Zeit auf solche Süßigkeiten, zärtliche und trostreiche Empfindungen verzichten, unser Herz von denselben abziehen und betheuern, daß, obgleich wir dieselben in Demuth annehmen und lieben, weil Gott sie uns sendet und sie zu seiner Liebe uns anregen, wir dennoch eigentlich nicht dieselben, sondern Gott und seine heilige Liebe suchen; nicht den Trost, sondern den Tröster; nicht die Süßigkeiten, sondern den süßen Erlöser; nicht die Lieblichkeit, sondern Denjenigen, der die Lieblichkeit des Himmels und der Erde ist; und in dieser Stimmung sollen wir uns bereit halten, in der heiligen Liebe Gottes fest zu verharren, selbst wenn wir in unserm ganzen Leben keinen Trost empfinden sollten, und auf dem Hügel zu Golgatha nicht weniger als auf dem Berge Thabor zu Gott sagen: D Herr, bei Dir ist gut sein, ob Du am Kreuze oder in deiner Herrlichkeit bist! 9. Endlich ermahne ich dich, daß, wenn du einen bedeutenden Ueberfluß an solchen Tröstungen, zärtlichen Gefühlen, Thränen und Süßigkeiten empfängst, oder dir etwas Außerordentliches in denselben begegnet, du mit deinem Beichtvater getren dich besprechest, damit du lernest, wie du darin dich mäßigen und benehmen sollst; denn es steht geschrieben: ,, Hast du Honig gefunden, so iß davon, was dir nothwendig ist." Schule und Tempel. 11 182 II. Lehrschule für Jungfrauen. Neunundzwanzigstes Kapitel. Von der geistlichen Trockenheit und Dürre. Thue demnach, wie ich so eben dir sagte, christ= liche Seele! wenn du durch innerlichen Trost er freut werden willst. Aber diese schöne und ange nehme Zeit wird nicht immer dauern; sondern zuweilen wirst du des Gefühles der Andacht so sehr dich beraubt fühlen und desselben ermangeln, daß dir zu Muthe sein wird, als wäre deine Seele ein ödes, unfruchtbares und dürres Erdreich, ohne Weg und Pfad, Gott zu finden, und ohne Gewässer der Gnade, fie zu begießen in ihrer Trockenheit, die fie gleichsam zu einem Brachfelde macht. O wie beklagenswerth ist die Seele in diesem Zustande, zumal wenn die Trübsal heftig ist! Denn wie einst David, nährt sie sich dann Tag und Nacht von Thränen, während der Feind, durch allerlei Zuflüsterungen fie in Verzweiflung zu stürzen, ihrer spottet und spricht: Armselige! wo ist dein Gott? auf welchem Wege kannst du Jhn finden? Wer wird jemals wieder die Freude seiner heiligen Gnade dir verleihen? Was wirst du thun in jener Zeit, meine Toch ter? Sieh wohl dich vor, von wannen das Uebel dir kommt. Denn oft sind wir selbst Schuld an unserer Trockenheit und Dürre. 1. Wie eine Mutter ihrem Kinde den Zucker verweigert, das an Würmern leidet, so entzieht auch Gott uns jene Tröstungen, wenn der Wurm des Hochmuths in uns keimt, und wir eitles Wohlgefallen daran finden. ,, Gut ist es mir, o mein Gott! daß Du mich demüthigest; denn beleidiget hatte ich Dich, beleidigt vor ich gedemüthiget ward." Von der geistlichen Trockenheit und Dürre. 183 2. Wenn wir es vernachlässigen, die Lieblichkeit und Wonne der Liebe Gottes zur rechten Zeit ein zusammeln, so entfernt Er, zur gerechten Strafe für unsere Trägheit, sie von uns. Der Israelit, der das Manna nicht in aller Frühe einsammelte, vermochte es nach Sonnenuntergang nicht mehr zu sammeln, denn um diese Zeit war es ganz zerschmolzen. 3. Nicht selten liegen wir auch, wie die Braut im hohen Liede, in einem Bette sinnlicher Vergnügen und flüchtigen Trostes; der Bräutigam unserer Seelen pocht indessen an der Thür unseres Herzens, Er spricht innerlich uns zu, unseren geistlichen Ullebungen uns wieder hinzugeben; aber wir markten mit Ihm, weil es uns leid ist, diese albernen Ergößungen zu verlassen und von diesen falschen Freuden zu scheiden. Deshalb geht Er vorüber und läßt uns liegen. Wollen wir dann Ihn aufsuchen, so koſtet es uns viele Mühe Ihn zu finden; und wir haben diese Strafe auch verdient, da wir seiner Liebe so untreu waren, daß wir von ihrer Uebung abließen, um den nichtigen Dingen der Welt nachzulaufen. Du hast ja nun das ägyptische Mehl, und deshalb wirst du kein himmlisches Manna bekommen. Die Bienen hassen jeden durch die Kunst bereiteten Geruch; so verträgt auch die Lieblichkeit des heiligen Geistes sich nimmermehr mit den trüglichen Freuden der Welt. 4. Doppelsinn und Verschlagenheit des Gemüthes in der Beicht und in geistlichen Unterredungen mit dem Beichtvater zieht uns ebenfalls Dürre und Trockenheit zu. Da du den heiligen Geist be lügst, darfst du dich nicht wundern, daß Er seinen Trost dir entzieht. Willst du nicht unbefangen und ohne Falsch handeln, wie die Kleinen, so wirst du auch nimmer das Zuckerbrod der Kleinen, das ein Vater seinen Kindlein darreicht, zu kosten bekommen. II. Lehrschule für Jungfrauen. 5. Du ersättigst dich nach Lust mit weltlichen Freuden, und wunderst dich, daß geistliche Freuden dich aneckeln? Ein altes Sprüchwort sagt: Die Kir schen schmecken den Tauben bitter, die bereits fatt sind. Die Hungerigen erfüllt Er mit Gütern," fingt die hochgebenedeite Jungfrau, ,, und leer ließ Er die Reichen." Wer reich ist an weltlichen Freuden, ist für geistliche nicht empfänglich. 6. Hast du die Früchte empfangener Tröstungen wohl bewahrt, dann werden neue dir zufließen: denn Demjenigen, der da hat, wird gegeben werden; wer aber nicht hat, was man ihm ertheilte, sondern durch seine Schuld verlor, dem wird man sogar hinwegnehmen, was er nicht hat; das heißt, man wird der Gnaden ihn berauben, die ihm bestimmt waren. Der Regen erquickt nur die Pflanzen, die ihre Grüne noch haben; jenen aber, die nicht mehr grün sind, nimmt er sogar das Leben, das sie nicht haben, denn sie verfaulen ganz davon. Aus manchen Ursachen dieser Art verlieren wir den Trost der Andacht, und verfallen in Dürre und Trockenheit des Gemüthes. Erforschen wir also unser Gewissen, ob wir nicht ähnliche Fehler in uns finden. Bemerke aber dabei, geliebte Seele! daß man diese Prüfung nicht zu ernst und ängstlich vornehmen müsse; sondern wenn wir unsern Wandel hierüber mit Treue untersucht und den Grund des Uebels in uns entdeckt haben, sollen wir Gott danken; denn zur Hälfte ist das Uebel bereits geheilt, wenn wir die Quelle desselben kennen. Findest du dagegen nichts, was insbesonders diese Trockenheit dir hätte zuziehen können, so stehe von einer ge nauern Untersuchung ab, und thue, ohne in ein zelne Umstände weiter dich einzulassen, was ich dir jetzt sagen werde. 184 Von der geistlichen Trockenheit und Dürre. 185 1. Demüthige dich vor Gott in der Erkenntniß deines Elendes und Nichts. Ach! was bin ich, wenn ich mir selbst überlassen bin! Wahrlich nichts, 0 Herr! als ein vertrocknetes, von allen Seiten zerborstenes Erdreich, das durch seine Riffe den Durst nach dem Regen des Himmels bezeugt, und indessen vom Winde zerstreuet und in Staub cufgelöst wird. 2. Rufe zu Gott, und flehe um seinen Trost Ihn an. Gib, o Herr! die Freude deines Heiles mir zurück." Mein Vater, ist es möglich, so nimm diesen Kelch von mir!" Weiche, o unfruchtbarer Nordwind, und komme herbei, o lieblicher Südwind des Trostes! durchwehe meinen Garten, auf daß der Wohlgeruch heiliger Freude überall hin sich verbreite. 3. Gehe hin zu deinem Beichtvater, öffne ihm dein ganzes Herz, laß ihn die geheimsten Falten deiner Seele schauen, und vernimm den Rath, den er dir ertheilt, mit großer Einfalt und Demuth: denn Gott, der den Gehorsam über Alles liebt, macht oft den Rath, den wir von Andern, besonders von den Führern unserer Seelen einholen, sehr heilsam, obgleich er eben von keinem sonderlichen Werthe zu sein scheint. Also wurde auch dem Naaman das Wasser des Jordans, dessen Gebrauch der Prophet Elisäus, ohne einen Anschein menschlicher Vernunft, ihm anbefohlen hatte, auf außerordentliche Art heilsam. 4. Nach allem diesem ist aber in solchen Trockenheiten nichts so nüßlich, noch so fruchtbringend, als daß man das Verlangen nicht zu heftig werden lasse, davon befreit zu werden. Wir dürfen freilich den einfachen Wunsch nach Befreiung hegen, sollen aber nicht allzu sehnlich darnach seufzen, sondern uns ganz der göttlichen Vorsehung überlassen, da mit selbst unter diesen Dornen und während dieses 11. Lehrschule für Jungfrauen. Verlangens ihr Wille in uns geschehe. Sagen wir also während dieser Zeit: O Vater! wenn es möglich ist, nimm diesen Kelch von mir;" aber fügen wir auch entschlossen hinzu:„ doch nicht wie ich will, sondern wie Du willst;" und hiermit erhalten wir uns in möglichster Ruhe. Denn sieht Gott uns in dieser heiligen Gleichmüthigkeit, dann wird Er mit manchen Gnaden und Gaben uns erfreuen. Dies geschah einst mit Abraham. Als Gott ihn entschlossen sah, seines Kindes Isaak sich zu berauben, begnügte er sich wegen dieser heiligen Gleichmüthigkeit mit seiner reinen Ergebung, und tröstete ihn mit einer sehr erfreulichen Erscheinung und mit sehr füßen Segnungen. Daher sollen wir in jeder Art, sowohl körperlicher als geistlicher Trübsale, von ganzem Herzen und in vollkommener Unterwürfigfeit sagen: Der Herr hat diesen Trost mir gegeben, der Herr hat ihn mir genommen, sein heiliger Name sei gepriesen." Denn wenn wir in dieser Demuth verharren, wird Er uns wieder mit seinen herrlichen Gaben beschenken, wie Er an Job gethan, der in allen feinen Trübsalen beständig ähnliche Worte gebrauchte. 186 5. Endlich, meine Tochter! sollen wir in diesem Zustande der Trockenheit niemals den Muth verlieren, sondern indeß wir die Rückkehr der Tröstungen mit Geduld erwarten, unsern Weg verfolgen. Kein Werk der Frömmigkeit sollen wir deshalb unterlassen, sondern vielmehr unsere guten Werke vermehren; und weil wir unserm hochgeliebten Bräutigam tein saftiges Zuckerwerk anbieten können, so reichen wir trockenes Ihm dar; denn das gilt Ihm gleich viel, wenn nur das Herz, welches dasselbe Jhm darbringt, fest entschlossen ist, Ihn zu lieben. In einem schönen Frühlinge sammeln die Bienen Von der geistlichen Trockenheit und Dürre. 187 mehr Honig, vermehren sich aber weniger. Ist aber der Frühling rauh und neblicht, dann vermehren sie sich eher, bereiten aber weniger Honig. Also ereignet es sich oft, daß die Seele in dem sonnigen Frühling geistlicher Tröstungen so sehr damit beschäftigt ist, diesen Himmelsthau aufzusammeln und zu genießen, daß sie wegen des Ueberflusses dieser geistigen Wonne weit weniger gute Werke thut; da fie im Gegentheile mitten unter der geistlichen Dürre und Trockenheit, in dem Maaße, als sie der süßern Gefühle der Andacht sich beraubt sieht, die echten Werke derselben vermehrt und in ihrem Innern mit wahren Tugenden sich bereichert, als da sind: Ge duld, Demuth, Selbsterniedrigung, Ergebung 2c. Es ist also ein großer Irrthum bei Vielen, wenn sie glauben, daß der Dienst, den wir Gott ohne Geschmack, ohne Zartgefühl, und beinahe empfindungslos erweisen, der göttlichen Majestät weniger wohlgefällig sei, da im Gegentheil unsere Handlungen den Rosen gleichen, die zwar, wenn sie frisch sind, lieblicher scheinen, dennoch aber weit mehr Wohlgeruch und Kraft haben, wenn sie trocken sind. Denn sind auch unsere Werke, mit jenem Zartgefühl verrichtet, uns selbst angenehm, da wir nur auf die Freudigkeit sehen, die wir darüber empfinden, so haben sie dessen ungeachtet, in der Trockenheit und Dürre verrichtet, weit größern Wohlgeruch und Werth vor Gott. Ja, zur Zeit der Trockenheit führt unser Wille uns gleichsam mit Gewalt zum Dienste Gottes, und muß folglich wohl kräftiger und standhafter sein, als zur Zeit erquickenden Trostes. Es ist aber nichts Großes, einem Fürsten in Friedenszeiten und unter den Annehmlichkeiten des Hoflebens zu dienen; aber unter den Drangsalen des Krieges, unter Unruhe und Verfolgung ihm 188 TII. Lehrschule für Jungfrauen. dienen, das ist ein Beweis wahrer Standhaftigkeit und fester Treue. Die selige Angela von Foligni fagte, jenes Gebet sei Gott am angenehmsten, das mit Gewalt und Zwang verrichtet wird, und welches wir nicht aus Geschmack und Neigung, sondern einzig darum vornehmen, daß wir Gott gefallen, wozu unser Wille gleichsam gegen unsern Willen uns führt, indem er der demselben widerstrebenden Abneigung und Trockenheit Gewalt anthut und sie bezwingt. Dasselbe gilt aber auch von allen guten Werken überhaupt, denn je mehr innerliche oder üußerliche Widersprüche in Ausübung derselben uns aufstoßen, desto höher werden sie von Gott geschätzt und belohnt. Je uneigennüßiger wir die Tugendbahn verfolgen, desto mehr leuchtet die Reinheit der göttlichen Liebe darin hervor. Gerne küßt das Kind seine Mutter, wenn diese ihm Zucker gibt; aber größere Liebe gegen dieselbe beweiset es, wenn sie es füßt, nachdem sie Wermuth oder Bitterfaft ihm gegeben hat. Dreißigstes Kapitel. Von dem Verhalten in der Traurigkeit. ,, Die Traurigkeit, welche von Gott ist," spricht der heilige Paulus, ,, wirkt die Buße zum Heile; die Traurigkeit der Welt aber wirkt den Tod." Die Traurigkeit kann also gut oder böse sein, je nach den verschiedenen Wirkungen, die sie in uns hervorbringt. Freilich bringt sie mehr böse als gute hervor; denn der guten sind nur zwei: Erbarmung nämlich und Buße; der bösen aber sind sechs, nämlich: Angst, Trägheit, Unwillen, Eifersucht, Neid und Ungeduld; weshalb auch der Weise sagt: ,, Die Von dem Verhalten in der Traurigkeit. 189 Traurigkeit bringt Viele um's Leben, und es ist kein Nußen in derselben;" da für zwei gute Bächlein, die der Quelle der Traurigkeit entspringen, andere sehr böse daraus hervorgehen.. Der Feind des Heiles bedient sich der Traurigkeit, daß er die Guten in Versuchung führe. Denn wie er die Bösen dahin zu bringen sucht, daß sie in ihrer Sünde sich erfreuen, so bemühet er sich auch, die Guten in Uebung ihrer guten Werke betrübt zu machen, und wie er das Böse nur fördern kann, wenn er dasselbe unter angenehmer Gestalt vorspiegelt, so kann er auch vom Guten nur dadurch abwendig machen, daß er dasselbe unangenehm darstellt. Der böse Geist hat ein großes Wohlgefallen an der Traurigkeit und Schwermuth; denn da er selbst traurig und schwermüthig ist und es in alle Ewigkeit sein wird, möchte er auch, daß Jeder ihm gleich wäre. Die böse Traurigkeit verwirrt die Seele, beunruhiget sie, erweckt in ihr unmäßige Furcht, verleidet das Gebet, beschwert und ermüdet das Gehirn, raubt der Seele Rath, Entschluß, Urtheil und Muth, lähmt die Kräfte, und gleicht, mit einem Worte, einem strengen Winter, der die Erde aller Schönheit beraubt, und in welchem alle Thiere vor Kälte erstarren; denn sie raubt der Seele alle Lieb. lichkeit und lähmt und hemmt beinahe alle ihre Kräfte. Sollte es dir jemals begegnen, christliche Jungfrau! von der bösen Traurigkeit befallen zu werden, so wende folgende Mittel dagegen an: Ist Jemand traurig, der bete," sagt der heilige Jakobus. Das Gebet ist ein ganz vorzügliches Mittel; denn es erhebt das Gemüth zu Gott, der unser einziger Trost, unsere einzige Freude ist. Wenn du aber beteſt, dann gebrauche solche Empfindungen und sowohl 11* II. Lehrschule für Jungfrauen. innerliche als äußerliche Worte, die darauf abzielen, Vertrauen und Liebe gegen Gott einzuflößen, z. B. o Gott der Barmherzigkeit! o gütigster Gott! o milder Erlöser! Gott meines Herzens, meine Freude, meine Hoffnung, mein Bräutigam, Hochgeliebter meiner Seele! und andere Worte dieser Art. Widerseße dich lebhaft dem Hange zur Traurigkeit, und scheint es dir auch, daß Alles, was du in jener Zeit vornimmst, mit Kälte, Traurigkeit und Trägheit geschehe, so unterlaß dennoch nicht, es zu thun. Denn wenn der Feind, der durch die Traurigkeit von guten Werken uns abwenden will, wahrnimmt, daß wir sie dennoch thun, und daß fie, mit Widerstrebung des Gemüthes gethan, nur um so verdienstlicher sind, so hört er auf uns zu betrüben. 190 Singe geistliche Lieder; denn oft hat dies den Feind vermocht, von seinem giftigen Wirken abzustehen; Zeugniß hievon ist jener böse Geist, der Saul in Besiz hatte und quälte, dessen Wuth durch das Harfenspiel gebändigt wurde. Nüglich ist es auch, wenn man zu guten Werken sich wendet und mit denselben so viel als möglich abwechselt, auf daß man dadurch die Seele von dem Gegenstande der Traurigkeit ablenke, und die Lebensgeister reinige und erwärme, da die Traurigkeit eine Gemüthskrankheit ist, die oft von einem kalten und trockenen Temperamente herrührt. Verrichte auch äußerliche Werke inbrünstiger Frömmigkeit, wenn du auch keinen Geschmack daran finden solltest; umfange das Bildniß des gekreuzigten Jesus; tüsse seine heiligen Hände und Füße; erhebe Augen und Hände zum Himmel und schwinge mit deiner Stimme, durch Worte der Liebe und des Vertrauens, zu Gott dich auf. Von dieser Art sind Von dem Verhalten in der Traurigkeit. 191 folgende: Mein Geliebter ist mein und ich bin fein." Mein Geliebter ist mir ein Myrrhenstrauß; er wird in meinem Herzen ruhen."- Meine Augen sind immer auf Dich gerichtet, o Herr! Wann wirst Du mich trösten?", Jesu, sei mir ein Heiland!" Es lebe Jesus, und meine Seele wird leben." Wer wird von der Liebe meines Gottes mich trennen?" Ein mäßiger Gebrauch der Bußgeißel ist ein gutes Mittel wider die Traurigkeit, weil diese äufserliche Trübsal, die wir uns selbst auferlegen, den innerlichen Trost uns erwirkt, und die Seele, Schmerzen von außen fühlend, von jenen abgewendet wird, die in ihrem Innern herrschen. Der öftere Empfang der heiligen Kommunion ist besonders heilsam; denn dieses himmlische Brod stärkt das Herz und erfreut das Gemüth. Entdecke alle Neigungen, Beschwerden und Ein flüsterungen, die von deiner Traurigkeit herrühren, in Demuth und Treue deinem geistlichen Führer und Beichtvater; suche den Umgang geistreicher Berfonen, und besprich dich in dieser Zeit so oft als möglich mit ihnen. Und endlich ergib dich in die Hände Gottes, und bereite dich, den Ueberdruß der Traurigkeit als gerechte Strafe deiner thörichten Freuden mit Geduld zu ertragen; und zweifle nicht, daß Gott, nachdem Er dich geprüft hat, von die sem Uebel dich befreien werde. Schluß der ,, Lehrschule für Jungfrauen." Du kennst mun, christliche Jungfrau! den Weg der Frömmigkeit; du bist entschlossen, denselben zu wandeln. Damit du diesen frommen Entschluß um so gewisser ausführest und desselben nie vergessest, 192 II. Lehrschule für Jungfrauen. lies zum Schlusse noch einige Erinnerungen über diese Lehrschule für Jungfrauen." nachleben denn das Erneuere an dem ersten Sonntage eines jeden Monats die feierliche Erklärung, die sich im dritten Kapitel dieser Lehrschule"( Seite 64) vorfindet, und betheure, daß du derselben getreu wollest, weil es so der Wille Gottes ist; ist der Wille Gottes: eure Heiligung."( I. Teff. 4, 3.) Sprich daher mit der heiligen Klara: ,, Von heute an will ich auf ein neues dem heiligsten Willen Gottes mich aufopfern, will demselben unterworfen sein und ihm auch ergeben bleiben in allen geistigen und irdischen Angelegenheiten, im Größten wie im Kleinsten, in der Zeit und in der Ewigkeit!" Bekenne offen, daß du fromm sein willst; aber verstehe mich wohl, nicht daß du fromm bist, son dern daß du es werden willst, und schäme dich der gemeinen und nothwendigen Werke nicht, die zur Liebe Gottes führen. Bekenne freimüthig, daß du es versuchest, der Betrachtung obzuliegen; daß du lieber sterben, als eine schwere Sünde begehen willst; daß du oft die heiligen Sakramente empfangen, und den Rath deines geistlichen Vaters( obgleich es aus manchen Ursachen oft nicht nothwendig ist, denselben zu nennen) befolgen willst. Denn dieses freimüthige Bekenntniß, daß man Gott dienen will, und daß man seiner Liebe mit einer besondern Neigung sich geweihet hat, ist seiner göttlichen Majestät höchst wohlgefällig, denn der Herr will nicht, daß man Seiner, noch seines Kreuzes sich schäme. Ueberdies schneidet dieses Bekenntniß vielen Lockungen den Weg ab, wodurch die Welt uns zum Ge gentheil verleiten möchte, und verpflichtet uns auch bei unserer Ehre auszuharren. Schluß der Lehrschule für Jungfrauen." 193 Endlich, geliebte Seele! beschwöre ich dich bei Allem, was im Himmel und auf Erden heilig ist, bei der Taufe, die du empfangen hast, bei dem liebevollen Herzen, mit welchem Jesus Christus dich geliebt hat, bei der göttlichen Barmherzigkeit, auf welche du hoffest: fahre fort und harre aus in dieser seligen Unternehmung eines frommen Lebens! Unsere Tage fließen schnell dahin und der Tod ist vor der Thür. Schon erschallt die Posaune zum Abzug," spricht der heilige Gregorius von Nazianz, damit Jeder sich vorbereite, denn das Gericht ist nahe." Als die Mutter des heiligen Symphronius sah, daß man ihn zur Marter führte, rief sie ihm nach: ,, Mein Sohn, mein Sohn! gedenke des ewigen Lebens, blicke auf zum Himmel, und betrachte Dent, der dort oben herrscht; bald wird das nahe Ende den Lauf dieses kurzen Lebens beschließen." Christliche Jungfrau! also rufe auch ich dir zu: blicke auf zum Himmel, verlasse ihn nimmermehr um der Erde willen; betrachte die Hölle, und stürze um weniger Augenblicke willen dich nicht hinein; betrachte Jesum Christum, und verläugne Ihn nicht um die Welt! Und wenn die Mühe eines frommen Lebens dir hart scheint, so singe mit dem hei ligen Franziskus: „ Lust wird mir jedes Leiden dieser Zeit, Betracht' ich die Güter der Ewigkeit." Es lebe Jesus! Jhm sei mit dem Vater und dem heiligen Geiste Lob, Ruhm und Preis, jett und in alle Ewigkeit! Amen. Strate Dritte Abtheilung. Berufsschule für Jungfrauen. Nach den Schriften des heiligen Alphons von Liguori und den Jungfrauenbüchern von P. Waldner, Passi, Prattes 2c. and Erstes Kapitel. Von dem Berufe der Jungfraucu überhaupt. §. 1. Was der Jungfrauen Beruf ist. Der Beruf der Jungfrauen ist eine göttliche Eingebung und innere Erleuchtung, durch welche der heilige Geist einer unvermählten Jungfrau die Absicht, welche Gott von Ewigkeit her in Bezug auf fie gefaßt hat, zu erkennen gibt, daß sie entweder im Stande der heiligen Ehe, oder in einem Kloster in ewiger Keuschheit, oder auch in der Welt fromm und erbaulich lebe und so den Himmel erringe. Diese sind auf eine andere Weise wie Jene berufen, sagt der Apostel, wenn er von beiden Ständen spricht.( 1. Kor. 7, 7.) Von dem Berufe zum jungfräulichen Stande heißt es: Nicht Alle fassen dieses Wort, son dern Diejenigen, denen es von Oben herab gegeben worden ist.( Matth. 19, 11.) Eines nur ist nothwendig. Maria hat den besten Theil erwählt. Luk.( 10. 42.) Kunstverlag von Gebr Cu.N.Benziger in Einsiedels. Von dem Berufe der Jungfrauen überhaupt. 195 Von dem Ehestande aber spricht die keusche Sara: Vielleicht hast Du mich einem andern Manne bestimmt; denn es steht nicht in der Gewalt des Menschen, deinen gefaßten Rathschluß zu ändern.( Tob. 3, 19.) §. 2. Eine Jungfrau muß ihrem Berufe treu sein. Es ist kein bestimmtes Gebot vorhanden, das den jungfräulichen Stand oder den Ehestand beträfe, denn der Apostel sagt: Ueber den jungfräulichen Stand habe ich kein Gebot vom Herrn empfangen.( 1. Kor. 7, 25.) Von dem Ehestande aber sagt er: Eine Jede kann in dieser Sache thun, was sie will; sie fündigt nicht, wenn sie sich in den Ehestand begibt.( 1. Kor. 7, 36.) Jedoch sollst du nicht auf eine unbedachtsame Weise oder nur nach deinem Belieben in den einen oder den andern Stand treten; erst mußt du dich mit dem Geiste Gottes berathen, und seiner Einsprechung zu Folge in demjenigen Stande bleiben, wozu du berufen bist.( 1. Kor. 7, 17.) Dieses erfordert nicht nur der Gehorsam gegen Gott, sondern auch deine sowohl zeitliche als ewige Glückseligkeit. Gott gebietet dir keineswegs, daß du eine Vermählung eingehest, noch daß du Jungfrau bleibst. Er zeigt dir durch Erleuchtung nur die Absicht an, die Er in Bezug auf dich hat, und sein Wohlge= fallen über dieselbe, indem Er dir innerlich zuspricht, dich ermahnet, dich antreibt, seinen Wunsch zu erfüllen; und daher ist es nicht mehr als billig, daß du dich seinem heiligsten Willen ergibst. Gott ist es am besten bekannt, durch welche Mittel du am III. Berufsschule für Jungfrauen. fichersten zur Seligkeit gelangen kannst. Alle deine Schritte, all dein Thun und Handeln sind bei Ihm gemessen. Er weiß gleichfalls, wie viel deine Kräfte ( die nicht bei allen Menschen gleich sind) mittelst seiner Gnade zu wirken vermögen. Die Gnade iſt aber nicht unter Alle gleich vertheilt, sondern nach Beschaffenheit des Berufes und der Bedürfnisse. ( 1. Kor. 12, 4.) 196 Nicht Alle fassen dieses Wort, sagt dein göttlicher Lehrer, wenn Er von der ewigen Jungfräulichkeit redet, sondern nur Diejenigen vermögen es zu fassen, denen es von Oben gegeben ist.( Matth. 19, 11.) Du must also ohne einen besondern Beruf diesen hohen Stand nicht antreten, und in diesem Falle ist es besser, daß du dich vermählest, als daß du in fündhafter Begierde lebest. Und da nun wirklich Viele von Denen, die zum jungfräulichen Stande berufen sind, doch ungeachtet dessen und der besonderen Gnaden ihres Berufes entweder ihrem Versprechen untreu oder lau und kaltsinnig werden, und sich dann mit den thörichten Jungfrauen verstoßen sehen: wie dürftest du ohne Beruf einen so heiligen Stand antreten und auf ganz besondere Gnade bauen, auf die du doch nicht rechnen darfst? Aber auch der Ehestand ist ein Joch, das Vielen unerträglich scheint. Und es bedarf allerdings ganz besonderer Gnaden, die schweren und vielfältigen Pflichten dieses Standes zu erfüllen, um bei so vielen weltlichen Sorgen und Geschäften sein Seelenheil nicht zu versäumen, und sich das Herz von der Liebe zu weltlichen Dingen nicht bethören zu lassen.( Luk. 8, 14.) Bist du aber zu einem andern Stande berufen, so wird dir die göttliche Vorsehung beistehen und Von dem Berufe der Jungfrauen überhaupt. 197 dich in der Erfüllung deiner Pflichten, so schwer fie auch sein mögen, stärken. Folglich ist es nothwendig, deinem Beruf nachzukommen; und um dieses thun zu können, mußt du erst zu der gehörigen Erkenntniß gelangen, in welchen Stand du zu treten bestimmt bist. §. 3. Mittel, den Beruf zu erkennen. Wenn du nicht weißt, wozu dich Gott berufen hat und für welchen Stand du dich erklären sollst, so sebe erstlich alle menschlichen Rücksichten bei Seite, ohne dich zu dem einen oder zu dem andern zu neigen, und suche vielmehr nichts als Gottes Willen und Absichten zu vollziehen und dein Seelenheil zu befördern. Was nüßt es, sagt der Sohn Gottes, die ganze Welt gewinnen und seine Seele dabei verlieren? Wähle nicht den Stand der ewigen Keuschheit deswegen, um einem Manne nicht unterthänig sein zu wollen und in größerer Freiheit leben zu können. Suche nicht eine Vermählung einzugehen, bloß aus Furcht und Verachtung der Armuth oder aus Sinnlichkeit, noch um den Wunsch deiner Eltern zu befriedigen, wegen der Annehmlichkeiten, die dir eine vortheilhafte Parthie darbietet. Du weißt, o Gott! sagte die fromme Sara, daß ich meine Seele von aller unordentli chen Begierlichkeit des Fleisches unbefleckt erhalten habe, und nicht aus Leichtsinn, sondern nur allein aus Furcht vor Dir mich in den Ehestand zu begeben gewilliget habe. ( Tob. 3, 16.) III. Berufsschule für Jungfrauen. Du sollst den jungfräulichen Stand nur des wegen vorziehen, damit du ohne Hinderniß deinem Gott dienen und in größerer Heiligkeit leben könnest.( 1. Kor. VII, 35.) 198 Wenn du mit solchen heiligen Gedanken umgehst, so begehre zweitens von deinem Gott mit aufrichtigem und einfältigem Sinne, dich durch seinen Geist erleuchten zu wollen und dir die Bahn anzuzeigen, auf welcher du die ewige Seligkeit am sichersten erlangen kannst. Der beste Zeitpunkt zur Erbittung dieser Gnade ist nach der hl. Kommunion, wenn dein Gott und Heiland in dir zugegen ist. Laß Maria, die Mutter des Herrn, deine Für sprecherin und Wegweiserin sein, und seße auch ein besonderes und volles Vertrauen auf ihren keuschen Gemahl, den heiligen Joseph, welcher in dergleichen Angelegenheiten ein besonderer Patron und Beschüßer ist. Drittens lebe in der Furcht des Herrn und Frömmigkeit und verharre nur immer in der Liebe zur Einsamkeit, wo du ficherer als im Geräusche der Welt die Stimme Gottes vernehmen wirst. Versäume endlich nie, in dieser so wichtigen Angelegenheit dich deinem Beichtvater zu eröffnen, damit er dich als dein sichtbarer Schutzengel dabei leite und führe. Gott wird darüber wachen, daß er dich keinen andern Weg wandeln lasse, als den die göttliche Vorsehung von Ewigkeit für dich bestimmt hat. slas smise biand abbilasice Von dem Berufe zu ewiger Keuschheit. 3 weites Kapitel. Von dem Berufe zu ewiger Keuschheit. 199 §. 1. Eine zu diesem Stande berufene Jungfrau soll nicht unbedachtsamer Weise ein Gelübde machen. Das Gelübde ewiger Keuschheit, wenn weltliche Jungfrauen sich dazu geneigt fühlen, ist mit Recht hoch zu schäßzen, da es das Verdienst und den Werth der Jungfräulichkeit erhöhet und das wankelmüthige menschliche Herz in seinen Entschlüssen beständiger macht; zudem ist es zu allen Zeiten in der heiligen Kirche im Gebrauch gewesen und von den heiligen Kirchenvätern gelobt und angerathen worden; jedoch mußt du auf deiner Hut sein, ein solches Gelübde nicht ohne große Vorsicht wegen folgender Ursachen zu thun. Das menschliche Herz ist von Natur veränderlich. Wenn in einer augenblicklichen, lebhaften Andacht und von plößlichem, aber vorübergehendem Eifer ergriffen, ein Gelübde gethan wird, so folgt oft bald eine Sinnesänderung, und dann kann das einmal gemachte Gelübde nicht so leicht zurückgenommen werden, als es abgelegt wurde. Es gibt auch in der Welt viele gefährliche Gelegenheiten und unvorhergesehene Versuchungen, welche die besten Vorsäße zernichten und das Herz abwendig machen, vorzüglich wo die Tugend noch schwach ist. Ein solches Gott gemachtes Gelübde beunruhiget das Gemüth oft sehr und benimmt ihm jene Geistesfreiheit, welche zur Erlangung christlicher Vollkommenheit unumgänglich nothwendig ist. Bei Neulingen verschwindet der Eifer oft nur zu bald und III. Berufsschule für Jungfrauen. verwandelte sich in Lauheit und Kaltsinn, darin das Gelübde der Keuschheit ein unerträgliches Joch zu sein scheint. Bei einem solchen Gelübde mußt du viele Sachen thun und andere meiden, die von der verderbten Welt für lächerlich und gering gehalten werden. Und willst du es mit dei Welt halten, wie kannst du rein bleiben und eine Braut Christi sein wollen? Die Vorstellung der Armuth und Verlassenheit, welche dich mit der Zeit außer dem Ehestande befallen können, ist eine gefährliche Klippe für eine in der Tugend noch schwache Jungfrau, indem sie sich einbilden kann, ein großes Glück durch die Entsagung des Ehestandes verscherzt zu haben, und das gemachte Gelübde zu bereuen anfängt, welches der Jungfräulichkeit ihren Werth benehmen würde und wie der Anfang eines geistlichen Ehe bruches zu betrachten wäre. 200 Auch sind die sinnlichen Begierden zuweilen so lebhaft und heftig, daß eine in solchem Kampfe noch unerfahrne jungfräuliche Seele ihr Gelübde als eine Unmöglichkeit betrachtet und entweder in geheime Sünden verfällt, oder, um sich zu vermählen, das gemachte Gelübde lösen läßt, woraus oft Gewissensunruhe oder auch eine unglückliche Ehe entspringt. Hüte dich deshalb, das Gelübde der Keuschheit unbedachtsamer Weise abzulegen, und bedenke jene Worte: Gott hat mißfallen über ein thörichtes Versprechen, und es ist viel besser, daß dukein Gelübde ablegest, als es, wenn es gethanist, nicht zu halten.( Eccl. V, 3.) Hast du starke innere Anregungen, deine Jungfräulichkeit Christo aufzuopfern, so beobachte folgende Vorsichtsmaßregeln: Vor Allem mußt du deines Berufes versichert sein, und selbst wenn du dieſes bist, mußt du noch kein förmliches Versprechen able Von dem Berufe zu ewiger Keuschheit. 201 gen, sondern nur den festen Vorsaß fassen, in ewiger Jungfräulichkeit zu leben, bis du in Erfahrung g bracht hast, daß du bis an das Ende deines Lebens dazu fähig bist. Willst du jedoch noch vor dieser Selbstprüfung ein Gelübde ablegen, um dich mit Christus inniger zu vereinigen, so thue es nur für eine Zeit lang, für einige Monate, oder für ein halbes Jahr u. s. w., bis du dich stark genug fühlst, dich mit Christus auf ewig zu verbinden. Folge nur den Anweiſungen deines Beichtvaters, und sei nicht unwillig, wenn er deinem Eifer Einhalt thut und dich von einer Zeit zur andern verweiset. Wisse und bedenke, daß dieses innige und ewige Bündniß mit deinem göttlichen Geliebten große Dinge oon dir fordert: ein völliges Absterben der Welt und Entsagung aller Ueppigkeit; wogegen du bereit sein mußt, deinem göttlichen Bräutigam zu Liebe Alles zu dulden, was Er auch als Prüfung über dich verhängen möge. Diese Vollkommenheit aber erfordert Zeit, und daher mußt du nicht zu voreilig in Angelobungen und Gelübden dieser Art sein. Solltest du aber schon ein solches abgelegt haben, so fasse Muth und schreite mit Vertrauen auf die Gnade Jesu Christi auf diesem Pfade fort! S. 2. Sichere Kennzeichen zu dem Berufe der ewigen Keuschheit. Im Allgemeinen ist zu merken, daß der Geist Gottes nicht allen Jungfrauen so verständiger Weise zum Herzen spricht, um mit klaren Worten zu sagen, daß du Jhm deine Jungfräulichkeit weihen sollst. Auf verschiedene Art und Weise kannst du den Willen Gottes in Hinsicht deines Berufes erkennen lernen. III. Berufsschule für Jungfrauen. Das erste Kennzeichen des Berufes zur ewigen Keuschheit ist, wenn du bei der Achtung für den jungfräulichen Stand von deiner frühesten Jugend an ein lebhaftes Verlangen und Liebe zum Gebet und zur Einsamkeit fühlest, und die Welt mit allen ihren Freuden und ihren Schäßen, die sie bieten kann, gering schäßest und gerne meidest, oder auch, wenn es dich nach der Stille des Klosterlebens mit unaufhörlichem Verlangen hinzieht: wenn es dir schon unmöglich ist, es zu befriedigen, so kannst du diesen Hang doch als einen Beweis ansehen, daß Gott Wohlgefallen daran findet, daß du im Stande der Jungfräulichkeit lebest. 202 Als ein zweites Zeichen kannst du es ansehen, wenn du, vermöge der Gnade Jesu Christi, eine dauernde Begierde nach der christlichen Vollkommenheit in dir fühlest, und eine Abneigung, dich zu vermählen, indem dir eine eheliche Verbindung als ein Hinderniß erscheint, deinen Zweck zu erreichen. Auch der Apostel lehrt, daß eine Vermählte zwischen Gott und der Welt getheilt ist: die aber, welche Jungfrau bleibt, Gott allein zugehöret, wenn fie bemüht ist, sich an Körper und Geist heilig zu erhalten.( 1. Kor. VII, 34.) Trage kein Bedenken über deinen höhern Beruf, wenn, nachdem du vorher eine Vermählung als ein großes Glück betrachtet haft, hernach gerade deine Meinung und deine Neigungen in dieser Hinsicht sich ändern und deine Gedanken eine ganz andere Wendung nehmen. Sei es, daß diese Veränderung aus innerem Antriebe herrührt, oder daß äußere Umstände dazu beigetragen haben, so kannst du, sobald sie nur beständig ist, darauf bauen. Es gibt auch zweifelhafte, leicht täuschende Kennzeichen dieses heiligen Berufes, die sich jedoch unter Von dem Berufe zu ewiger Keuschheit. 203 scheiden lassen. Es gibt nämlich Jungfrauen, die in einem Zeitpunkte ihres Lebens nach nichts als nach der Einsamkeit und dem Klosterleben geseufzt haben, indeß fortgerissen vom Strudel der Weltfreuden, den Eifer und Geist des Berufes verloren haben. Andere junge Personen fühlen starke Kennzei chen dieses himmlischen Berufes in sich; allein sie übertäuben diese Stimme, weil sie der Eigenliebe und verderbten menschlichen Natur geradezu entgegen ist; oder sie wagen aus Muthlosigkeit und natürlicher Zaghaftigkeit es nicht, ein so schweres Werk zu unternehmen, wie z. B. arme Dienstboten und Bürgerstöchter und solche, die, verleitet durch die thörichten Reden der falschen Weltklugheit, einen solchen Beruf für Thorheit und Schwärmerei ansehen lernen. Diese vorzüglich sollen, um ihren Be ruf klar erkennen zu lernen, sich, wie früher bemerkt worden ist, des heiligen Gebetes, der Reinigkeit des Herzens und der Liebe zur Einsamkeit befleißen, wie auch des öftern Gebrauches der heiligen Sakramente sich bedienen. Und erwachet dadurch wieder der vorige Eifer und die Vorliebe für den jungfräulichen Stand und machen sich die früheren innern Einsprechungen vernehmlicher, so können auch sie des Berufes zur unverbrüchlichen Keuschheit versichert sein. Diejenigen aber, die schon wirklich mit Christus durch das Gelübde der Keuschheit vereiniget sind und wegen Anwandlungen von Kaltsinn und dem Hange zur Welt sich nun überzeugt glauben, zu diesem Stande nicht berufen zu sein, sollen nicht sogleich muthlos werden, sondern vielmehr sich be mühen, den erloschenen Eifer wieder zu erwecken. Und wenn sie nur beharrlich sind und ihre Sinne 204 III. Berufsschule für Jungfrauen. täglich abzutödten suchen, so werden sie dadurch belohnt werden, daß die vorigen höhern Freuden des Geistes für sie zurückkehren. Auch eine Jungfrau, welche die schönste Zeit ihres Lebens in dem Freudentaumel der Welt zugebracht hat und umsonst sich zu vermählen strebte, und, angetrieben durch die Erfahrungen der wandelbaren falschen Welt, zur Erkenntniß gekommen, daß Gott allein die höchste Liebenswürdigkeit und Schönheit ist und folglich allein geliebt zu werden verdient, und die daher ein heftiges Verlangen fühlt, sich seinem Dienste zu widmen: eine solche soll nicht irrig wähnen, daß ihr so spätes Opfer dem Herrn nicht wohlgefällig sei. Ihre in Eitelkeit und Thorheit verlebten Jugendjahre kann sie durch einen desto größern Eifer nun erseßen, je mehr sie zur Erkenntniß der Nichtigkeit alles Irdischen gekommen ist. Selbst diejenige, die so beklagenswerth ist, aus menschlicher Schwäche den tiefsten Fall zu thun, soll nicht muthlos werden, sondern im Vertrauen auf die Allbarmherzigkeit Gottes, gleich der büßenden Magdalena, zu seinen Füßen sich niederwerfen und sie mit reuevollen Thränen beneßen. Auch sie kann noch, wenn sie durch eine aufrichtige Neue wieder in den Stand der Gnade aufgenommen ist, durch fernere demuthsvolle Keuschheit Christo dienen, wenn dieser Beruf in ihr erwacht ist. Du aber, o Jungfrau! die Er aus reiner Gnade zu diesem hohen heiligen Stande berufen hat, er freue dich, danke deinem göttlichen Bräutigam, daß Er dir so große Gnade erwiesen hat denn weit trefflicher, glückseliger, heiliger und im Himmel glorreicher ist dieser Stand, als jener der Ehe. Von der Vortrefflichkeit des jungfräulichen Standes. 205 Drittes Kapitel. Von der Vortrefflichkeit des jungfräulichen Standes. ( Vom heiligen Alphons von Liguori.) §. 1. Von den Vorzügen des jungfräulichen Standes im Allgemeinen. 1. Seelen, die so glücklich sind, sich ganz der Liebe Jesu Christi zu weihen und die Ihm die Lilie ihrer Reinigkeit aufopfern, werden dadurch Gott so lieb und wohlgefällig wie die heiligen Engel: Sie werden wie die Engel Gottes im Himmel sein. Das bewirkt die Tugend der heiligen Keuschheit. Deshalb sagt der heilige Ambrosius, daß wer diese Tugend bewahrt, ein Engel, wer sie verliert, ein Teufel sei.-Baronius erzählt, daß man beim Tode einer Jungfrau, Namens Georgia, viele Tauben umherfliegen sah, welche, als man den Leichnam der Jungfrau in die Kirche trug, sich auf das Dach derselben setzten und zwar gerade über jener Stelle, wo der Leichnam lag, wofelbst sie blieben, bis derselbe begraben war. Jedermann hielt diese Tauben für Engel, die den jungfräulichen Leib bis zum Grabe begleiteten. Mit Recht nennt man die Jungfrauschaft eine englische, eine himmlische Tugend, denn, sagt der heilige Ambrosius, diese Tugend hat im Himmel ihr Vorbild gefunden, dem sie nachfolgen muß, weil dieselbe im Himmel am vollkommensten geübt wird, indem die Seele in Himmel ihren eigentlichen Bräutigam findet. — 2. Die Seele, welche ihrem Erlöser ihre Jungfrauschaft weiht, wird eine Braut Jesu Christi. 12 206 III. Berufsschule für Jungfrauen.d me Deshalb bedient sich der Apostel, da er seinen Jüngern schrieb, folgender Worte: Ich habe euch verlobt mit einem Manne( nämlich mit Christo), damit ich euch als eine keusche Jungfrau Christo darstelle. Jesus Christus selbst will sogar in dem Gleichnisse von den Jungfrauen der Bräutigam derselben genannt werden: Sie gingen dem Bräutigam entgegen; sie gingen mit Jhm zur Hochzeit. Darum läßt der Hei land, wenn Er von andern Menschen redet, fick Meister, Hirt, Vater nennen; redet Er aber von Jungfrauen, so läßt Er sich ihr Bräutigam nennen. Der heilige Gregor von Nazianz schrieb darüber folgende schöne Worte: Keusche Jungfrauschaft wird mit Christo dem Bräutigam geziert. Diese Vermählung geschieht im Glauben. Ich will mich mit Dir vermählen im Glauben. Besonders ist es die Tugend der Jungfrauschaft, die Jesus Christus den Menschen verdient hat, weshalb es in der heiligen Schrift heißt, daß die Jungfrauen dem Lamme folgen, wohin es geht. Die göttliche Mutter Maria hat einst einer Seele geoffenbaret, daß eine Braut Jesu Christi alle Tugenden, aber ganz besonders die heilige Reinigkeit lieben müsse, weil sie durch diese ihrem göttlichen Bräutigam immer ähnlicher werde. Der heilige Antonius von Padua sagt auch, daß, obschon alle gerechten Seelen, nach dem Ausspruche des heiligen Bernhard, Bräute des Herrn seien, dennoch die Jungfrauen auf ganz besondere Weise seine Bräute genannt würden, weshalb denn auch der heilige Fulgentius Jesus Christus den Bräutigam heiliger Jungfrauen nennt. - 3. Wenn eine Jungfrau, die in der Welt den Ehestand wählt, flug ist, so erkundigt sie sich vor Von der Vortrefflichkeit des jungfräulichen Standes. 207 Allem, wer von denen, die um sie werben, am würdigsten sei, wer sie auf Erden am glücklichsten machen könne. Aber eine Jungfrau, die den Stand der Jungfrauſschaft erwählt, wird eine Braut Jeſu Christi. Weshalb denn auch der Bischof bei der Gelübdeablegung einer Klosterfrau zu derselben spricht: Ich vermähle dich mit Jesus Christus, der dich unverlegt erhalten wolle. Empfange als seine Braut den Ring des Glaubens, damit, nachdem du Jhm treu gedient hast, du ewig gekrönt werdeſt." Erkundigen wir uns bei der Braut im Hohenliede, welche gar wohl die Vorzüge des göttlichen Bräutigams fennt, worin dieselben bestehen. Sage mir, o heilige Braut! wie ist dein Geliebter beschaffen, der deine Liebe besigt und dich zur glücklichsten und zufriedensten unter allen Frauen machen kann? Und siehe, sie antwortet: Mein Geliebter ist ganz weiß, um seiner Unschuld willen, und ganz roth, um der Liebe willen, von der Er zu seiner Braut entflammt ist, kurz, Er ist so schön, so vollkommen in allen Tugenden, so gütig und freundlich, daß Er mehr als jeder andere Bräutigam geliebt zu werden verdient. Der heilige Eucherius fagt: Es gibt nichts Herrlicheres, nichts Schöneres, nichts Größeres als Ihn.- Mögen sie es denn also erkennen, schreibt der heilige Märtyrer Jgnatius, jene glücklichen Jungfrauen, die sich Jesus Christus geweiht haben, daß sie so glücklich gewesen, einen Bräutigam zu finden, der mit solchen Gaben geziert ist, daß im Himmel und auf Erden kein schönerer, edlerer, reicherer und liebenswürdigerer zu finden ist.eded ofsdo 4. Deshalb sagt denn auch die heilige Clara von Montefalco, daß sie ihre Jungfrauschaft so hoch schäße, daß sie lieber ihr ganzes Leben hindurch 208 III. Berufsschule für Jungfrauen. die Beinen der Hölle ausstehen, als diesen kostbaren Schaß verlieren wollte. Die glorwürdige Jungfrau Agnes hatte also Recht, daß, als ihr der Sohn des Präfekten von Rom zum Bräutigam angetragen ward, sie antwortete: Ich habe einen weit bes seren Bräutigam gefunden; wie uns dies der heilige Ambrosius erzählt. Dasselbe antwortete auch die heilige Domitilla, Nichte des Kaisers Domitian, jenen Frauen, die sie bereden wollten, sie könne ja ohne Nachtheil den Grafen Aurelian heirathen, da derselbe, obgleich er ein Heide sei, es gern zugeben werde, daß sie eine Christin bleibe. Aber saget mir doch, antwortete die Heilige, wenn einer Jungfrau ein König und ein Bauer zugleich zur Ehe ange= boten würde, welchen von Beiden würde sie wohl wählen? Wenn ich mich mit Aurelian vermählen wollte, so müßte ich der Verbindung mit dem Könige des Himmels und der Erde entsagen; aber würde ich nicht eine Thörin sein, wenn ich das thäte? Saget also dem Grafen Aurelian, er möge seinen Ansprüchen entsagen."- Um nun aber ihrem Erlöser, dem sie ihre Jungfrauschaft geweiht hatte, treu zu bleiben, war die Heilige gern bereit, lebendig verbrannt zu werden, denn zu dieser schmerzlichen Todesart verurtheilte sie ihr grausamer Bräutigam. Auf gleiche Weise antwortete auch die heilige Jungfrau Susanna, als ihr die Botschaft gebracht wurde, der Kaiser Diokletian wolle sie zur Kaiserin machen und mit seinem Eidam Marimin vermählen, welchen er schon zum Cäfar ernannt hatte. Als sie sich dessen weigerte, ließ sie der Kaiser hinrichten. Ebenso haben noch viele andere Jungfrauen die Verbindung mit den Vornehmsten dieser Welt entsagt, um sich mit Jesus Christus vermählen zu können. Die selige Johanna, Infantin Von der Vortrefflichkeit des jungfräulichen Standes. 209 von Portugal, schlug die Vermählung mit dem Könige Ludwig XI. von Frankreich aus; die selige Agnes entsagte der Vermählung mit dem Kaiser Ferdinand II.; Elisabeth, die Tochter des Königs von Ungarn und Erbin des Reiches, wollte sich ebenfalls nicht mit dem Erzherzoge Heinrich von Desterreich vermählen, und viele Andere thaten ein Gleiches. 5. Fromme Jungfrauen, die immer nach Vollkommenheit streben, sind geliebte Bräute Jesu Christi; denn sie haben Ihm ihren Leib und ihre Seele geweiht und denken hier auf Erden an nichts Anderes, als Ihm zu gefallen. Jungfrauen werden die Erstlinge Gottes genannt: denn sie sind Jungfrauen. Sie folgen dem Lamme, wohin es geht; sie sind erkauft aus den Menschen als Erstlinge für Gott und das Lamm( Apoc. XIV. 4.). Warum werden sie aber Erstlinge Gottes genannt? Weil, sagt der Kardinal Hugo, gleichwie die ersten Früchte wohlschmeckender sind, so auch gottgeweihte jungfräuliche Seelen Gott wohlgefälliger und lieber sind. 6. Es heißt ferner, daß der göttliche Bräutigam unter Lilien weide.( Hohel. II, 16.) Diese Lilien sind die Jungfrauen, die aus Liebe zu Gott ihre Reinigkeit bewahrt haben. Ein gelehrter Schriftausleger sagt über diese Stelle des hohen Liedes, daß, wie der Teufel sich mit dem Schmuß der Unzucht mästet, so Jesus Christus unter den Lilien der Keuschheit weidet; und der ehrwürdige Beda behauptet, daß der Gesang der heiligen Jungfrauen dem göttlichen Lamme besser gefalle, als der Gesang aller übrigen Heiligen.( In Apoc. XIV, 4.) Aber am meisten erkennen wir ihren Glanz daraus, daß, nach dem Ausspruche der heiligen Schrift 12* 210 III. Berufsschule für Jungfrauen. ( Eccl. VI, 15.), kein Lob hinreicht, die Würde der Jungfrauschaft zu preisen: Alles, was man schäßt, ist mit einer keuschen Seele nicht zu vergleichen. Deshalb bemerkt der Kardinal Hugo, daß bei andern Gelübden dispensirt werde, aber nicht bei dem Gelübde der Jungfrauschaft, weil man nichts finden könne, was der Jungfrauschaft gleichkäme. Dieses gab uns denn auch schon die göttliche Mutter selbst zu verstehen, da sie dem Erzengel antwortete: Wie wird das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?( Luk. I, 14.) Sie wollte dadurch zu erkennen geben, daß sie lieber auf die Würde der göttlichen Mutterschaft, als auf den Vorzug der Jungfrauschaft Verzicht leisten wolle. 7. Der heilige Cyprian( de Virg.) fagt, die Jungfrauschaft sei die Königin aller Tugenden und die Fülle aller Güter. Und der heilige Ephräm, da er von der Jungfrauschaft redet, schreibt unter Anderm: Wenn du diese liebest, so wirst du von Gott in Allem, was du thust, gesegnet werden.( De Virg.) Die Jungfrauen, die aus Liebe zu Jesu die heilige Reinigkeit bewahren, werden von Ihm in allen Dingen gesegnet. Der heilige Bernhardin von Siena fügt noch hinzu: Die Jungfrauschaft macht eine Seele fähig, den göttlichen Bräutigam hier auf Erden durch den Glauben, in der andern Welt aber in der Glorie zu schauen. Ach, welche unbeschreibliche Herrlichkeit wird Jesus Christus dereinst im Himmel seinen Bräuten bereiten, die Ihm hier auf Erden ihre Jungfrauschaft geheiligt haben! Der Herr zeigte eines Tages der großen Dienerin Gottes Johanna Orsini den erhabenen Ort, welcher Jenen bereitet ist, die ihre Jungfrauschaft Gott aufopfern, weshalb sie ausrief: Dwie liet sind Gott und Maria die Jungfrauen! Die Von der Vortrefflichkeit des jungfräulichen Standes 211 Gottesgelehrten behaupten, daß die Jungfrauen im Himmel auf besondere Weise gekrönt würden mit einer Ehren- und Freudenkrone, weshalb es denn auch in der Offenbarung, wo von den Jungfrauen die Rede ist, heißt: Niemand konnte das Lied singen, als jene hundert vier und vierzig tausend, die von der Erde erkauft worden find.( Apoc. 14, 3.) In der Erklärung, die der heilige Augustin von dieser Stelle gibt, sagt er: Die Freuden, die Jesus Christus den Jungfrauen bereitet hat, werden den andern Heiligen, die keine Jungfrauen gewesen sind, nicht ertheilt. 8. Groß ist die Freude, die Jesus Christus an jenem Tage verspürt, da Er sich mit einer Jungfrau vermählt. Dies erkennen wir aus den Wor ten des hohen Liedes, wo es heißt: Gehet heraus, ihr Töchter Sions, und schauet den König Salomon in seiner Krone, womit Ihn seine Mutter krönteam Tageseiner Vermä hlung und am Tage der Freude seines Herzens!( Hohel. III, 11.) Aber das ist nur von jenen Jungfrauen zu verstehen, welche sich der Liebe dieses göttlichen Bräutigams gänzlich hingeben und die sich dadurch zur Hochzeit vorbereiteten. Ja Er will, daß sich der ganze Himmel mit Ihm freuen und dieses Fest begehen soll. Lasset uns freuen und frohlocken und Ihm die Ehre geben, denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen und seine Braut hat sich bereitet!( Apoc. XIX, 7.) Der Schmuck, mit dem Jesus seine Bräute geziert sehen will, ist kein anderer als die heiligen Tugenden, besonders die Liebe und die Reinigkeit. Wir wollen dir goldene Halskettlein machen, mit Silber besprengt.( Hohel. I. 10.) Die goldenen, mit Silber verzierten Halsketten 212 III. Berussschule für Jungfrauen. bedeuten die Tugenden der Liebe und Reinigkeit. Das sind die kostbaren Kleider und Edelsteine, mit denen der Herr seine Bräute schmückt, wie dies die heilige Jungfrau Agnes sagte: Meine rechte Hand und meinen Hals hat Er mit kostbaren Steinen behängt. Der Herr hat mir einen aus Gold gewirkten Mantel angezogen und mich mit unschätzbaren Halsbändern geziert. 9. Weltleute suchen die Welt, aber die Bräute Jesu Christi suchen nichts als Gott. Daher heißt es von ihnen: Dieses ist das Geschlecht derje nigen, die Ihn suchen.( Ps. XXIII, 6.) Wisse, geliebte Seele, daß arme, demüthige Jungfrauen jene Seelen sind, die kein anderes Gut als Gott suchen. Hierin müsset ihr, Bräute des Erlösers! mit einander, nach dem Ausspruche des heiligen Thomas von Villanova, um die Wette streiten; nicht wer von vornehmerer Abkunft, nicht wer mit Talenten oder Gütern ausgestattet, sondern wer den göttlichen Bräutigam mehr liebt, wer mit Jhm vertrauter, wer demüthiger, ärmer und gehorsamer ist. Als der heilige Hieronymus an die Jungfrau Eustochium, die sich Gott weihen wollte, schrieb, sagte er derselben( Epist. 22 ad Eust.): Meine Tochter! da du Gott dienen willst, so mußt du bereit sein, mit Demuth und Geduld zu leiden, denn das Gold wird im Feuer geprüft. Niemand fann zwei Herren dienen, Gott und der Welt. Nachdem du dich also Gott geweiht hast, so mußt du die Welt verlassen; nachdem du eine Braut deines Erlösers geworden bist, mußt du immerfort ausrufen: Gott allein ist mein Schatz und mein einziges Gut! Darum wird den Ordensgeistlichen am Tage der Gelübdeablegung der Name geändert, um dadurch zu erkennen zu geben, daß sie von dies Von der Vortrefflichkeit des jungfräulichen Standes. 213 sem Tage an der Welt abgestorben sind, um allein Jesu zu leben, der auch für sie gestorben ist. Nach dem Ausspruche des heiligen Paulus sollten dies freilich alle Menschen thun, denn: Christus ist für Alle gestorben, damit die, die da leben, nicht mehr sich leben, sondern Dem, der für sie gestorben und auferstanden ist.( 2. Cor. V.) Wenn dieses nun aber nicht Alle thun, so muß es doch wenigstens eine Jungfrau thun, die der göttliche Heiland sich zu seiner Braut erwählt hat. Die ehrwürdige Schwester Franziska Farnese kannte kein besseres Mittel, ihre Ordensschwestern zur Vollkommenheit anzueifern, als daß sie dieselber. daran erinnerte, sie seien Bräute Jefu Christi. Es ist gewiß, sagte sie, daß Jede aus euch von Gott auserwählt ist, um heilig zu werden, nachdem Er euch die größte Ehre erwiesen, euch zu seinen Bräuten erwählt zu haben. 10. Der heilige Augustin schreibt( Tom. 9 de Dil. D. C. 4.), da er zu einer Jungfrau redet: Glückselige Jungfrau! wenn du dein Glück auch noch nicht erkennst, so bedenke doch, was die Heiligen davon sagen. Wisse, daß du einen Bräutigam haft, der schöner als Alles im Himmel und auf Erden ist, und der dir einen Beweis seiner Liebe gegeben, als Er dich unter so vielen Jungfrauen zu seiner geliebten Braut auserwählt hat, damit du erkennen mögest, auf welche Weise du seine Liebe erwiedern sollst. Deshalb sagt der heilige Bernhard ( in Cant. S. 40.): O geliebte Braut Jesu Chrifti. denke nicht mehr an dich und an die Welt; du bist nicht mehr dein eigen, du gehörst nicht mehr der Welt an, nein, du gehörst deinem Gott an, dem du dich geschenkt haft. Vergiß denn also Alles und denke nur darauf, dich für jenen Bräutigam zu er= 214 III. Berufsschule für Jungfrauen. halten, den du dir erwählt hast. Du haft Gott auserwählt, aber Gott hat dich zuerst zu seiner Braut erwählt. Wie viele andere Jungfrauen und Jünglinge hat Er in der Welt gelassen, denen das Glück nicht zu Theil ward, das du erlangt haft! Allen jenen hat dein Heiland dich vorgezogen und zwar nicht etwa, weil du dessen würdiger gewesen, sondern weil Er dich mehr als Jene geliebt hat. Deshalb sagt der Herr zu dir, daß die Lebenszeit, die dir noch übrig bleibt, eine Zeit zu lieben sei; seze denn also deine Hoffnung und alle deine Liebe auf Jesus, deinen Bräutigam, der dich von Ewigfeit her geliebt hat und der, allein um seiner unendlichen Liebe willen, dich auf die Welt gesetzt und dich zu seiner Liebe hingezogen hat. 11. So oft denn also die Welt deine Liebe begehrt, o geliebteste Braut Jesu Christi! so antworte ihr mit der heiligen Agnes: Weiche von mir, du Speise der Würmer! du verlangst meine Liebe; ich kann aber keinen Andern lieben als meinen Gott, der mich zuerst geliebt hat. Das sagt eine Klosterfrau, wenn ihr der Bischof bei der Gelübdeablegung den Schleier reicht: Mein Bräutigam hat mein Angesicht mit diesem Schleier bedeckt, damit ich, da ich nicht sehen und nicht gesehen werden kann, keinen andern Geliebten als allein meinen Bräutigam Jesus Christus in mein Herz einlasse." Dieses ist der heilige Stolz, sagt der heilige Hieronymus, den eine Braut Jesu Christi immer in ihrem Herzen nähren sollte. Wisse, spricht er, daß du besser bist als die Welt und sage: Ich habe Ihn gefunden, den meine Seele gesucht hat; ich will Ihn halten und nicht lassen.( Epist. XXII.) Die Leute in der Welt rühmen sich, wenn sie sich mit edlen und reichen Personen verheirathen* - Von der Vortrefflichkeit des jungfräulichen Standes. 215 du sollst dich aber rühmen, daß du weit glücklicher gewesen, weil du eine Braut des himmlischen Königs geworden bist. Sage denn also frohlockend und Gott preisend: Ich habe Ihn gefunden, den meine Seele liebt; ich werde Jhn mit meiner Liebe umfangen und nie wieder von mir lassen. Die Liebe aber ist jenes Band, welches die Seele mit Gott vereinigt: Vor Allem aber habet die Liebe, welche das Band der Vollkommenheit ist. ( Kol. III, 14.) 12. Ach, das Glück derer ist allzu groß, die sich rühmen können und ausrufen: Derjenige ist mein Bräutigam, dem die Engel zu dienen verlangen! Mein Schöpfer hat sich mit mir vermählt, nnd da Er König ist, so hat Er mich zu einer Königin erwählt. Bedenke aber wohí, von Jesus Christus geliebte Jungfrau, die du diese Zeilen liefest, daß deine Krone, so lange du hier auf Erden lebst, noch nicht unvergänglich ist und daß du sie aus eigener Schuld verlieren kannst: Halte, was du hast, damit Niemand deine Krone empfange( Of fenbar. III, 11.) Entsage denn also den Geschöpfen und vereinige dich durch die Liebe und durch das Gebet immer enger mit Jesus Christus und bitte Ihn, daß Er nicht zulasse, daß du Jhn je wieder verlassest. Und wenn die Geschöpfe dein Herz in Besitz nehmen und wenn sie deinen himmlischen Bräutigam daraus vertreiben wollen, so rufe voll Vertrauen auf den göttlichen Beistand mit dem Apostel aus: Wer wird mich scheiden von der Liebe Christi? Weder der Tod, noch das Le. ben, noch irgend ein Geschöpf wird mich je von der Liebe Gottes scheiden können! - III. Berufsschule für Jungfrauen. §. 2. Von den Vorzügen des jungfräulichen Stans des gegenüber dem ehelichen Stande. 216 1. Eine Jungfrau, die sich dem Herrn weiht, wird mit Seele und Leib ein Eigenthum Gottes. Das hat uns der heilige Paulus gelehrt, da er spricht: Ein unverheirathetes Weib und eine Jungfrau ist auf das bedacht, was des Herrn ist, damit sie an Leib und Geist heilig sei; die Verheirathete aber ist auf das bedacht, was der Welt ist, wie sie dem Manne gefallen möge. Die christliche Jungfrau, welche sich Gott geweiht hat, denkt nur an Gott und wie sie Ihm ganz angehöre; aber eine verheirathete Person muß nothwendiger Weise, da sie in der Welt ist, an die Dinge dieser Welt denken und sich damit beschäftigen. Deshalb setzt der Apostel noch hinzu: Dieses sage ich zu eurem Besten, um euch zu ermahnen ze dem, was wohl anständig ist und geschickt macht, dem Herrn ohne Hinderniß anzuhangen. Es finden nämlich die armen verheiratheten Personen viele Hindernisse, um heilig zu werden; und diese Hindernisse sind um so größer, je vornehmer dieselben vor der Welt sind. 2. Will Jemand heilig werden, so muß er die Mittel dazu anwenden: er muß oft die heiligen Sakramente empfangen, häufig betrachten, sich innerlich und äußerlich abtödten, Verachtungen, De müthigungen und Armuth lieben, kurz er muß allent Fleiß anwenden, um zu erkennen, was er zu thun habe, um Gott wohlzugefallen, und deshalb muß ein solcher nothwendiger Weise von der Welt losgeschält sein. Aber ach, wo wird eine verheirathete Person wohl die Gelegenheit, die Mittel und die nöthige Versammlung des Geistes finden, um sich Von der Vortrefflichkeit des jungfräulichen Standes. 217 immer mit göttlichen Dingen zu beschäftigen? Die Verheirathete ist auf das bedacht, was der Welt ist. Sie muß für die Familie sorgen, die Kinder erziehen, ihren Gemahl zufrieden stellen, ja sogar die Anverwandten, Eltern und Geschwister desselben, die oft weit schwerer zu ertragen sind, als der Gemahl selbst; deshalb muß ihr Herz, sagt derselbe Apostel, getheilt sein, da sie ihre Liebe zwischen ihrem Gemahl, den Kindern und Gott theilt. Wie wird eine verheirathete Person wohl Zeit finden, viel zu beten, öfters Lie heilige Kommunion zut empfangen, wenn sie kaum Zeit findet, die Bedürf nisse des Hauses zu befriedigen? Der Gemahl will bedient sein, er schmähet und ist unzufrieden, wenn seine Befehle nicht augenblicklich und auf die Art, wie er es verlangt, erfüllt werden. Die Knechte und Mägde machen auch Unruhe im Hause, bald durch Geschrei, durch Zank, bald durch unbescheidene Forderungen. Wenn die Kinder klein sind, so weinen sie häufig und begehren bald dies, bald das; wenn sie aber groß werden, so verursachen sie noch weit größere Unruhe, Kummer und Sorge, bald wegen der bösen Gesellschaft, die sie besuchen, bald wegen der Gefahr, in der sie sich befinden, bald wegen der Krankheit, die sie leiden. Da möge Eine nur bei solchen Sorgen und beunruhigenden Gedanken andächtig beten und versammelt bleiben! Was die heilige Kommunion betrifft, so wird es einer verheiratheten Person kaum erlaubt sein, an Sonntagen zu kommuniziren. Sie wird wohl noch gute Begierden haben, aber es wird ihr beinahe unmöglich scheinen, mit größerem Fleiße und mit größerer Sorge sich mit ihrem Seelenheile zu beschäftigen. Freilich könnte sie, da sie keine gelegene Zeit hat, fich viel mit göttlichen Dingen zu beschäfSchule und Tempel. 13 218 III. Berufsschule für Jungfrauen. tigen, durch Geduld und Ergebung in den Willen Gottes viele Verdienste sammeln; es ist wahr, sie könnte dies, aber es wird ihr schwer, wenn nicht gar unmöglich sein, mitten in so vielen Unruhen und Beschäftigungen, ohne Gebet, ohne geistliche Lesung, ohne heilige Sakramente eine so heldenmüthige Geduld und Ergebung in den Willen Got tes zu üben. 3. Wollte indeß Gott, daß die verheiratheten Personen nichts Anderes zu leiden hätten, als daß fie verhindert werden, ihre Andachtsübungen zu verrichten, länger zu beten, öfters zu kommuniziren! Aber ach, das größte Uebel ist die Gefahr, in der fie sich immerfort befinden, die Gnade Gottes und ihr Seelenheil zu verlieren! Sie müssen ihrem Stande gemäß bei Andern erscheinen, die Ordnung im Hause aufrecht halten, in fremden Häusern mit so vielerlei Leuten umgehen und im eigenen Hause nothwendig mit Blutsfreunden oder Verwandten und Bekannten ihres Gemahls Verkehr haben. D wie viele Gefahren sind das nicht, um Gott zu verlieren! Freilich verstehen dieses die Unverheiratheten nicht, aber die Verheiratheten wissen es nur zu wohl, daß sie solchen Gefahren ausgesetzt sind, und weit besser wissen es die Beichtväter, die ihre Beichten anhören müssen. 4. Ich will gar nicht einmal reden von dem mühevollen Leben, das alle verheiratheten Personen führen. Nachdem ich so lange Jahre die Beichten so vieler Verheiratheten, Vornehmer und Geringer angehört, erinnere ich mich nicht, auch nur Eine gefunden zu haben, die ganz zufrieden gewesen wäre. Ueble Behandlung von Seiten des Mannes, Verdruß von den Kindern, Noth im Hause, Anmaßun gen der Schwiegermutter und Verwandten, Ge Von der Vortrefflichkeit des jungfräulichen Standes. 219 burtsschmerzen, die immer mit Todesgefahr verbunden sind, Eifersucht des Mannes, Gewissensangst wegen der Flucht der Gelegenheit und der Erziehung der Kinder, verursachen einen furchtbaren, immerwährenden Sturm, in welchem die Verheiratheten dahinleben, seufzend und klagend, daß fie freiwillig einen so mühsamen Stand erwählt haben. Wollte Gott, daß sie in diesem Sturm nicht auch noch ihre Seele zu Grunde richteten, so daß sie eine Hölle hier auf Erden und eine andere in der Ewigfeit zu erdulden haben! Das ist leider nicht selten das schöne Loos, welches freiwillig manche Jungfrauen erwählen, die es mit der Welt halten! Aber, wird vielleicht eine Jungfrau einwenden, gibt es denn unter allen Verheiratheten nicht Eine, die heilig wäre? Ja, antworte ich, es wird eine oder die andere unter ihnen heilig, aber wie und auf welche Weise? Durch ein fortwährendes Marterthum, indem sie Alles für Gott mit Geduld erträgt, Alles Gott in Frieden und Liebe aufopfert, ohne sich zu beunruhigen. Aber wie viele Seelen gibt es wohl, die zu so großer Vollkommenheit gelangt wären? Und wenn man Einige findet, so kann man versichert sein, daß sie es immerfort bereuen und beweinen, es mit der Welt gehalten zu haben, da sie doch ihre Jungfrauschaft Gott aufopfern, sich ganz Gott schenken und zufrieden hätten leben können. 5. Hieraus folgt also, daß jene Jungfrauen, die der Welt entsagen und sich ganz dem Herrn und seiner göttlichen Liebe weihen, den seligsten und vollkommensten Stand erwählt haben. Sie sind frei von den Gefahren, in denen die verheiratheten Personen sich nothwendigerweise befinden; sie sind mit ihren Neigungen nicht an Kinder, noch an Menschen hier auf Erden, nicht an Güter, nicht an III. Berufsschule für Jungfrauen. Kleider, noch an die gewöhnlichen Eitelkeiten dieser Welt gebunden. Gott geweihte Jungfrauen haben nicht für das Hauswesen und für die Kinder zu sorgen; all' ihr Sorgen und Trachten geht allein dahin, dem Herrn zu gefallen, dem sie ihre Seele, ihren Leib, all' ihre Liebe aufgeopfert haben. Sie sind frei von menschlichen Rücksichten, sie brauchen sich weder um die Welt, noch um ihre Verwandten zu kümmern. Fern vom Getümmel der Welt, haben fie weit bessere Gelegenheit und mehr Zeit, häufig zu kommuniziren, zu beten und geistliche Bücher zu lesen; ihr Gemüth ist freier, um an Gott zu denken, um versammelt und mit Gott vereinigt zu bleiben; denn, sagt Theodoret, die Seele einer Jungfrau ist von unnüßen Gedanken befreit. Deshalb hat denn auch eine Jungfrau nichts anderes zu thun, als immer vertraulich mit Gott umzugehen. Das ist es, sagt Dekumenius, was der Apostel uns lehrt, wenn er sagt, daß eine Jungfrau am Leib und Geiste heilig sei( 1. Kor. VII, 34.), und er legt diese Worte folgendermaßen aus: Heilig am Leibe wegen der Keuschheit, heilig am Geiste wegen des vertrauten Umganges mit Gott. Wenn eine Jungfrau auch keinen andern Lohn zu erwarten hätte, sagt der heilige Anselmus( in Cor. VII.), so müßte ihr schon der Vortheil genügen, daß sie von weltlichen Sorgen befreit ist, um allein an Gott denken zu können. Deshalb, fügt der Heilige hinzu, erwartet die Jungfrau nicht nur eine große Herrlichkeit im Himmel, sondern sie genießt schon hier auf Erden zum Voraus den Lohn eines fortwährenden Friedens. 220 Von dem Berufe der Jungfrauen zum Klosterleben. 221 Viertes Kapitel. Von dem Berufe der Jungfrauen zum Klosterleben. §. 1. Welche Jungfrauen zum Klosterleben berufen sind. Nicht alle Jungfrauen sind zum Klosterleben berufen, die eine heiße innige Liebe zu Christus fühlen. Die Vorsehung ertheilt mit dem Berufe zum Klosterleben auch die nöthigen Mittel, Kräfte und Beschaffenheit des Gemüthes. Nun gibt es Jungfrauen, die zwar durch sichere Kennzeichen zum jungfräulichen Stande berufen sind, denen aber doch eine oder die andere erforderliche Eigenschaft abgeht. Einige können aus Mangel an zeitlichem Vermögen keine Aufnahme erhalten; Andern fehlt es an der Gesundheit, und noch Andern geht eine oder die andere dazu erforderliche Tugend ab. So wird z. B. der Gehorsam so strenge beobachtet in einem Kloster, daß man sich wie ein Kind muß Leiten lassen, allen Eigenwillen ablegen und sich in neue, zuvor unbekannte Gebräuche zu schicken wissen muß. Man muß sich nach den oft seltsamen und wunderlichen Launen zahlreicher Mitschwestern zu richten wissen und ihre Fehler, Schwachheiten und Mängel mit Geduld zu ertragen verstehen, was nicht Allen möglich ist, besonders denen nicht, die schon von reiferem Alter und etwas trauriger Gemüthsart sind. Auch denen, die von Gewissenszweifeln und Unruhen gequält werden, ist das Klosterleben nicht anzurathen, da die Gebräuche und Ordensregeln und die Gelübde den Skrupulanten noch mehr Anlaß und Nahrung dazu geben. III. Berufsschule für Jungfrauen. Du mußt dir nie Gedanken an das Klosterleben machen, wenn du nicht einen starken Hang und wahre Lust und Liebe dafür fühleft; denn bist du nicht zum Klosterleben geeignet, so kannst du auch in der Welt dem jungfräulichen Stande Ehre machen und großes Verdienst erlangen. 222 §. 2. Den anerkannten Beruf für das Klosterleben darf eine Jungfrau nicht versäumen. Wenn du einen immerwährenden Trieb zum geistlichen Leben fühlest und eine innere Stimme dir sagt, daß du, um der Welt gänzlich zu entsagen, sie verlassen sollst, um in der Einsamkeit eines Klosters deinem Gott zu dienen, so ergib dich dem Willen der Vorsehung, wenn gleich die verderbte Natur widerstrebt, oder die Menschen dir darüber Bedenklichkeiten machen wollen. Glaube nur sicher, daß du nie und nirgends wahre Ruhe des Herzens und des Geistes als gerade in klösterlicher Zurückgezogenheit fühlen und finden wirst, und wohl gar in der Welt deinen Untergang fändest. Sagt man dir, um dich abzuschrecken, daß du auch im Kloster viele Schwachheiten und Mängel antreffen werdest, so erwiedere: daß in diesem irdischen Leben nirgends Vollkommenheit ist; allein daß diese Mängel und Gebrechen, wie auch die da sich einfindenden Gefahren und die Gelegenheiten zum Bösen nicht so häufig und groß sind; daher der Fall nicht so tief ist, und die Mittel, um aufzustehen, sich wirksamer und kräftiger bewähren.. Und macht man dir den Einwurf, daß du auch mitten in der Welt als Jungfrau Gott dienen könnest, so bedenke wohl, daß dir dies auch mißlingen könnte. Nimmst du den steten Ruf Gottes zum geistlichen Stande wahr, Von dem Berufe der Jungfrauen zum Klosterleben. 223 so folge ihm, indem er dir anzeigt, daß Gott dich auf diesem und vielleicht auf keinem andern Wege zur Heiligkeit führen will. §. 3. Welchen Orden eine Jungfrau wählen soll. In der Wahl eines Drdens mußt du deiner eigenen innern Neigung folgen, mit welcher gewöhnlich der Beruf Gottes übereinstimmt. In dem einen Orden regiert der Geist des Gehorsams, in einem andern der Geist der Armuth u. f. w.; in diesem ist man nur auf seine eigene Vervollkommnung, in jenem auch auf das Heil des Nächsten bedacht; und zu welchem du dich nun geeignet fühlst, den mußt du auch erwählen. Damit du aber nicht irrest, beobachte folgende Punkte: Frage zuerst einen klugen, bescheidenen, unparteiischen Beichtvater um Rath, und der nicht vielleicht aus geistlicher Verwandtschaft einen Orden dem andern vorzieht. Dann wähle vorzugsweise das Kloster, wo wahre innere Andacht und der Eifer nach Vervollkommnung im Schwunge ist: denn dieses ist der Endzweck, für welchen du die Welt verlassen und mit dem Kloster vertauscht hast. Nio Sieh bei deiner Wahl auch darauf, in ein Dr denshaus zu treten, wo Eintracht und der Geist des Friedens und der Liebe unter den Schwestern herrschen; denn wo Zwietracht und Uneinigkeit regieren, da flieht der Geist Gottes. Auch ist es nicht die beste Wahl, in ein Kloster zu gehen, wo die Clausur nicht ist und wo man Weltleuten ohne Unterschied des Geschlechtes Eingang gestattet. Unnüßes Geschwäß, Vorwiß, Zerstreuung des Gemüths sind unausbleibliche Folgen III. Berufsschule für Jungfrauen.dk folcher Freiheiten, ohne die weiteren Gefahren, die daraus entstehen können, zu erwähnen. 224 Wähle ein Kloster, wo du aller Sorge für deine irdischen und zeitlichen Bedürfnisse überhoben bist; und wenn es sein kann, so entferne dich aus deinem Lande von deinen Blutsverwandten und Freunden, um durch diese Entfernung aller unnüßen Zerstreuung des Gemüths und jeder Sorge und alles Kummers enthoben zu sein. Fünftes Kapitel. Von den drei feierlichen Oelübden des Ordensstandes. Was ist ein Gelübd? Ein Gelübd ist ein freiwilliges, wohlüberlegtes, Gott gemachtes Versprechen, etwas Gutes zu thun. Es gehören dazu folgende Stücke: ,, Daß es ganz freiwillig, mit Bedachtsamkeit und reiflicher Ueberlegung, zur Beförderung der Ehre Gottes oder des eigenen und fremden Seelenheils, Gott dem höchsten Herrn gemacht werde." Ein jedes Versprechen verbindet den Menschen, dasjenige zu halten, was er einem andern Menschen versprochen hat; ebenso und noch mehr verbindet ein Gott gemachtes Versprechen. Wenn du ein Gelübd gelobest dem Herrn, deinem Gott, so säume nicht, es zu erfüllen; denn der Herr, dein Gott, fordert es von dir, und wenn du säumeſt, wird es dir zur Sünde gerechnet. Wenn du nichts geloben willst, hast du keine Sünde; was aber einmal deinen Lippen entgangen, sollst du halten und thun, wie du verheißen dem Herrn, deinem Gott, Von den drei feierlichen Gelübden des Ordensstandes. 225 und wie du aus deinem Willen und deinem Munde gesprochen hast."( 5. Mof. XXIII, 21-23.) Wie es aber verschiedene Gebetsarten, wie es verschiedene Arten Opfer gibt, so gibt es auch vielerlei Gelübde. Hier ist die Rede von den geistlichen Ordensgelübden, durch welche man sich zur Beobachtung der evangelischen Räthe in einem von der Kirche gutgeheißenen Orden öffentlich und feierlich für immer verpflichtet. Solche von der katholischen Kirche besonders geheiligte, in jedem geistlichen Drden anerkannte und angenommene lebenslängliche Gelübde nennt man die feierlichen Ordensoder Klostergelübde der Armuth, der Keuschheit und des Gehorsams. Es liegt in der Natur des religiösen Gemüthes und der frommen Entschließung, das Gute, das man will, mit durchgreifender, ewig unwandelbarer Entschiedenheit, also für ewig zu wollen. Alle erleuchteten Männer der Kirche haben von jeher es der christlichen Vollkommenheit angemessen gefunden, Gelübde für ewig zu machen. Wer demnach die Aufnahme in eine klösterliche Genossenschaft sucht, thut es mit der Gesinnung, auf immer im Kloster zu bleiben und nach den Satzungen des Klosters leben zu wollen. Freilich bedarf es eines festen Entschlusses, einen Stand auf die ganze Dauer seines Lebens, und zwar einen Stand zu ergreifen, der so schwere Verbindlichkeiten auflegt. Aber ist das Band der Ehe nicht auch unauflöslich? Legt der Ehestand nicht auch schwere, ja noch schwerere Pflichten auf? Wie wenig überlegen dieſe die Menschen, wenn sie in den Ehestand treten! Viele rathen vom Klosterstande, Wenige vom Ehestande ab! Und doch ist der Klosterstand der voll13* III. Berufsschule für Jungfrauen. nad no kommnere, und man wagt dabei nichts. Das Noviziat oder die Probezeit ist deswegen sehr weislich angeordnet. Diese Probezeit dauert wenigstens ein ganzes Jahr, in welchem der Noviz sowohl selbst seinen Beruf zum Klosterleben prüfen, als auch vom Kloster geprüft werden kann. Wer nun nach vollendetem Noviziat bleiben und Mitglied eines Klosters werden will, muß seinen Entschluß durch ein Versprechen verbürgen, nämlich durch feierlich abgelegte Gelübde, die Klosterregel zu halten, was man gewöhnlich Profession nennt. Diese Gelübde einer Ordensperson, eben weil sie lebenslänglich find, legen einen besondern Werth und Verdienst allem demjenigen bei, was sie thut, weil alle Handlungen einer solchen Person Wirkungen eines freiwilligen, vollkommenen Opfers sind, welches sie ohne Vorbehalt für ihr ganzes Leben Gott darbringt. 226 §. 1. Von dem Gelübde der Armuth. Das Gelübd der Armuth, der erste Schritt des geistlichen Lebens, die erste Stufe, auf der wir zur evangelischen Vollkommenheit emporsteigen, das vornehmste Mittel zur Erwerbung aller gottgefälligen Tugenden, erfordert, daß Ordenspersonen nichts Eigenes besigen. In Kraft dieses Gelübdes werden sie unfähig aller Herrschaft über zeitliche Güter, und wenn ihnen der Gebrauch irgend eines Dinges gestattet wird, so geschieht es in Abhängigkeit von dem Orden und darum, damit sie sich dessen einzig für ihre Nothdurft bedienen, keineswegs aber nach eigenem Belieben darüber verfügen. Die Mitglieder eines Klosters treten in ein ähnliches Verhältniß zu einander, wie die ersten Christengemeinden zu Jerusalem, von denen der heilige Von den drei feierlichen Gelübden des Ordensstandes. 227 Lukas berichtet: Die ganze Menge der Gläubigen hatte nur Ein Herz und Eine Seele, und keiner fagte, daß etwas von dem, was er besaß, sein wäre, sondern sie hatten Alles gemein."( Apostelgeschichte IV, 32.) Eines Sinnes und Herzens mit der Genossenschaft hat kein Religiose ein Eigenthum; er lebt von dem, was der Genossenschaft durch Mildthätigkeit geschenkt worden, oder von rechtmäßig erworbenem Eigenthum. Das Kloster sorgt für ihn in allen Lebensbedürfnissen. Eine solche Lebensweise, enthoben von unendlich vielen Plagen, Sorgen, Unruhen und Befürchtungen, hat unschäßbare Vortheile, und man muß in Betrachtung derselben mit dem heiligen Laurentius Justinianus ausrufen:„ 0 glückselige Armuth, die nichts besigt und nichts fürchtet! sie ist allezeit fröhlich und hat stets Ueberfluß; sie macht, daß alles Ungemach ihr zum Fortschritt und zum Vortheil diene." In welchem glückfeligen Zustande sind nicht alle wahren Verehrer dieser Tugend! Wenn andere Menschen von einer Menge quälender Begierden geplagt und bei der Bewahrung und Vermehrung der zeitlichen Güter äußerst beunruhigt weden, finden diese freiwilligen Armen in der einzigen Begierde, Schäße für den Himmel zu sammeln, eine vollkommene Zufriedenheit, welche die ganze Welt ihnen nicht geben kann. Sie, die Armen im Geiste, die Religiosen in klösterlicher Genossenschaft mit ihrem Gelübde, können mit dem Propheten sagen: Der Herr ist mein Hirt, der für mich sorget, mir wird nichts abgehen: Er hat mich auf eine glückselige Weide gesetzt." ( Psalm XXII, 1.), Sie gehören zu den Leuten, die Nichts haben, aber doch Alles besigen."( 2. Kor. VI, 10.) III. Berufsschule für Jungfrauen. ó mell Die genaue Beobachtung des Gelübdes der Armuth trägt zur Aufrechthaltung der klösterlichen Zucht und Ordnung das Meiste bei. Darum nennt der heilige Thomas von Aquin die Armuth eine feste Mauer des Ordensstandes.- Paupertas firmus religionis murus. Und in der That: sie verschließt der Unordnung die Pforten, beschüßt die Abtödtung und Selbstverläugnung, die Demuth und Geistesversammlung. Darum gab die heilige Theresia ihren Klosterfrauen die Lehre: Sie sollen sich befleißen, die Armuth recht zu lieben; denn so lange diese dauern wird, wird auch der Geist erhalten werden. Mit der Armuth sind noch andere klösterliche Tugenden auf's Genaueste verbunden, so z. B. Mäßigung, Genügsamkeit, Demuth und Bescheidenheit. Die Mäßigung muß allem Ueberfluß in Nahrung, Kleidung, Wohnung, Haus- und Zellengeräth vorbeugen, nach dem Beispiel der armen Klöster im Morgenlande. Das Klosterleben ist ja eigentlich ein Leben der Entsagung, dem genußsüchtigen Weltleben gegenüber. Wenn wir Nahrung und Kleidung haben," schrieb der heilige Paulus seinem Timotheus, so lasset uns damit zufrieden fein."( 1. Tim. VI, 2.) ,, Ein strenges Leben," sagte der heilige Bafilius zu den Mönchen, wird euch vor unnüßen Besuchen bewahren, und jene Menschen, welche den Weltgeist haben, von euch fern halten. Euer Tisch soll selbst den Fremden die Mäßigkeit predigen. Die Demuth und Bescheidenheit muß alles das beseitigen, was zu kostbar, zut prächtig, was hoffärtig und eitel ist. ,, Laßt uns einigermaßen unserm Könige nachahmen," sagte die heilige Theresia zu ihren Klosterfrauen, da sie von prachtvollen Klostergebäuden redeten; zu seiner Behausung hatte Er die Höhle zu Bethlehem, wo Er 228 Von den drei feierlichen Gelübden des Ordensstandes. 229 geboren worden, und das Kreuz, an dem Er ges storben ist. Waren dies wohl angenehme Wohnungen?" gou Alle Ordensgelübde verhelfen einer Ordensperfon zu ihrer Heiligung; doch ist das Gelübd der Armuth das nothwendigere, weil es die größten Hindernisse der Tugend und des Seelenheils auf die Seite räumet und alle Gleichstellung mit der Welt, ihren Sitten und Gebräuchen und ihrer Weichlichkeit abschneidet, also gerade das, was die meisten Unordnungen in die flösterlichen Genossenschaften einführt. Eben dieses Ge Eben dieses Gelübd der Armuth, diese Lossagung von allem Irdischen, macht uns nicht nur zu Bürgern des himmlischen Reiches und erlaubt uns, mit dem Apostel zu sagen: Unser Wandel ist im Himmel"( Phil. III, 20.), sondern versichert uns den Besitz der ewigen Güter nach dem Ausspruch des Erlösers: ,, Selig sind die Armen im Geiste, denn ihnen gehört das Himmelreich." ( Matth. V, 3.) O glückselige Arme, denen das Himmelreich so vorzüglich gehört, denen so herrliche Dinge verheißen sind! Der Himmel," sagt der heilige Ambrosius, ,, dieses ewige Reich, gehört den Armen, diesen großmüthigen Verächtern aller Reiche dieser Welt, als ein rechtmäßiges Verdienst, und dieses Reich ist ihr eigener Ort; denn diejenigen, welche alles Zeitliche verlassen, sind würdig, das Ewige in Besiß zu nehmen." 1 §. 2. Von dem Gelübde der Keuschheit. Die ewige Keuschheit, welche eine Ordensperson angelobt, ist eine Tugend, welche die schönste Zierde einer Ordensperson ausmacht. Sie ist das ächte Kennzeichen der Heiligkeit und der Auserwählten, 230 III. Berufsschule für Jungfrauen. ad no sie ist das Pfand der ewigen Glückseligkeit, sagt der heilige Bernhard. Sie ist eine große, eine unvergleichliche Tugend, eine vorzügliche Zierde, ein kostbares Kleinod, das Vielen verborgen und von Wenigen gefunden wird, sagt der heil. Athanasius. Und der heilige Bischof und Blutzeuge Ignatius schreibt in seinem Briefe an das Volk von Antiochien, und ermahnt und ermuntert alle Jungfrauen mit folgenden Worten: Die Jungfrauen, welche sich dem Herrn geheiliget und geopfert haben, sollen erkennen und wohl überlegen, daß sie das Glück haben, einen solchen Bräutigam zu besigen, daß kein schönerer, reicherer, vornehmerer und liebenswürdigerer weder im Himmel noch auf Erden ge funden werden kann." Daher steht unter allen Gelübden, die eine Gott geweihte Person in einem geistlichen Orden auf sich nimmt, das Gelübd der ewigen Keuschheit obenan und verdient die höchste Achtung. Vermöge dieses Gelübdes gibt sich eine Ordensperson ganz ihrem Gott hin und wählt Ihn als den einzigen Gegenstand ihrer Liebe und all ihres Ringens und Strebens; fie legt sich demnach nicht theilweise, sondern ganz, ohne irgend einen Vorbehalt, auf den Opferaltar des Allerhöchsten hin und stellt sich Ihm als Brandopfer dar. Kraft dieses Gelübdes gehört sie nun Niemand Andern mehr an, als Gott. Allem Anspruch auf die Welt und ihre Freuden hat sie entsagt, alle Bande hat sie zerrissen, die auf irgend eine Weise sie noch an die irdischen Güter binden könnten. Wegen dieser so vollkommenen Hingabe an Christus und der so innigen Vereinigung mit Ihm, wird diese Tugend der Keuschheit von den heiligen Vätern eine englische genannt, deßwegen nämlich, weil dadurch die Menschen den Engeln Gottes am Von den drei feierlichen Gelübden des Ordensstandes. 231 ähnlichsten werden. Welche Hochachtung verdient nicht eine so vortreffliche, Gott so angenehme Tugend, wodurch der flösterliche Stand vor allen übrigen so heilig, so selig gemacht wird? Kann man wohl die Vortrefflichkeit dieses so vollkommenen, so erhabenen Standes betrachten, daß man nicht von Liebe und Hochachtung desselben hingerissen wird? Warum sollen diejenigen, welche Muth und Stärke genug in sich fühlten, diesen Stand allen andern vorzuziehen, nicht eine vorzügliche Liebe für ihn tragen? Und warum sollen Andere, die außer diesem Stande leben, nicht die größte Hochschätzung in Betracht seiner Erhabenheit und Würde für ihn an Tag legen? Dwie rühmlich ist es, ohne dasjenige leben zu können, was Tausende für ein Bedürfniß halten, und sich von jenen kleinlichen und erbärmlichen Dingen zu entfernen, nach welchen die Welt mit so großer Begierde trachtet! Als die heilige Isabelle, Schwester des heiligen Ludwig, Königs in Frankreich, nach dem Tode ihrer Mutter sich in ein Kloster bei Paris zurückgezogen hatte und man sie zum Heirathen bereden wollte, sagte sie: Die letzte Stelle unter Gott geweihten Jungfrauen sei höher, als die der ersten Kaiserin und Frau der Welt." Gott dienen mit reinem Herzen und keuschem Leibe ist wahre Freude des Lebens, erhält den Leib gesund und den Geist frei. Selig diejenige, die Christo auf eine so vollkommene Weise treulich nachfolgt, Ihm Alles und sich selbst übergibt, in Demuth, Sanftmuth und Geduld wandelt und allzeit ein gutes Beispiel gibt. Dies sind die herrlichen Palmzweige und die Kronen der Gerechtigkeit, wornach wir mit allem Eifer ringen sollten. 0 232 III. Berufsschule für Jungfrauen.d mod mol Formel des Gelübdes der ewigen Keuschheit. Allbarmherziger Jesus, Du mein Gott, mein Leben, meine einzige Hoffnung und Glückseligkeit! Ich, N. N., deine höchst unwürdige Dienerin, voll Vertrauen auf deine unendliche mir erzeigte Liebe und Barmherzigkeit und voll des lebhaftesten Verlangens, Dir allein zu dienen, gelobe Dir vor der göttlichen, allerfeligsten Jungfrau Maria und dem ganzen himmlischen Hofstaate, daß ich in ewiger Keuschheit die übrige Zeit meines Lebens zubringen will. Dein heiligstes für mich vergossenes Blut und dein in Liebe glühendes Herz mögen mir als Gnadenmittel dienen, mich zu stärken, zu ermuthigen in allen Gefahren des Leibes und der Seele, die ich beide gänzlich deinem Dienste weihe, um zu einem glückseligen Ende zu kommen; wonach zu leben ich mittelst der Einsprechung des heiligen Geistes schon begonnen habe. Amen. ad§. 3. Von dem Gelübde des Gehorsams. Der Gehorsam ist das vornehmste Gelübd, mit welchem sich alle Ordenspersonen verbinden und mit welchem sie das vorzüglichste aus allen Opfern und das kostbarste darbringen, indem sie dadurch ihren eigenen Willen gänzlich aufgeben und in ihrem gan= zen Thun und Lassen dem Willen ihres Obern folgen. Ohne Ordnung ist man ein Spielball seiner Neigungen und Launen. Man schwebt von Gedanken zu Gedanken, von Begierden zu Begierden, und geräth in eine Menge Zerstreuungen und Unordnungen, aus welchen man sich nicht emporarbeitet, wenn nicht eine höhere Gewalt das menschliche Thun Von den drei feierlichen Gelübden des Ordensstandes. 233 und Streben an einen Gegenstand bindet, und die ses Band ist das Gelübd des Gehorsams. D glückfeliger Gehorsam! Du tödtest die Eigenliebe und Freiheitslust, bringst Ordnungsliebe und mit ihr Festigkeit und Beharrlichkeit im Guten. Ich bitte euch," ruft der heilige Bernhard, stehet fest im Herrn, stets bekümmert um die Bewahrung der Ordnung, auf daß die Ordnung euch bewahre!" Es kann auch eine gottliebende Seele kein größeres Opfer Gott darbringen, als das Opfer des Gehorsams. Wer Gott durch das Gelübd der Armuth die zeitlichen Güter schenket und sie unter die Armen austheilet; wer ihm seine Ehre aufopfert, und Verachtung, Schimpf und Verfolgung geduldig er= trägt; wer ihm seinen Leib durch strenges Fasten und andere Bußwerke schenket, der gibt Gott einen Theil von sich; aber wer Ihm seinen Willen aufopfert durch das Gelübd des Gehorsams, der schenkt Ihm Alles, was er hat, das kostbarste unter allen Opfern, mit dem er Ihm die größte Ehre erweiset. Deßwegen haben die Heiligen Gottes den Gehorsam immerdar auch so hoch geachtet, so sehr empfohlen und so genau in Ausübung gebracht. Nichts wird auch in den heiligen Schriften so nachdrücklich und so dringend anbefohlen, als die Tugend des Gehorsams.Seid gehorsam euern Vorstehern und ihnen unterthänig!" schreibt der heilige Paulus. Und Christus lehrt mehr durch sein eigenes Beipiel, als durch Worte diese Tugend, da von Ihm sie heilige Geschichte sagt: ,, Er war gehorsam bis zum Tode, ja bis zum Tode des Kreuzes." ,, Lerne, o Mensch!" sagt hierüber der heilige Bernhard, lerne dich selbst erniedrigen und gehorsam sein. Lerne, du Staub und Asche! lerne dich unterwerfen. Lerne, o Erde! deinem Willen III. Berufsschule für Jungfrauen. entsagen." Wenn diese Worte alle Menschen ange hen, weil das Beispiel des göttlichen Sohnes für alle Menschen zur Nachahmung aufgestellt ist, um wie viel mehr werden sie an jene gottgeheiligten Seelen gerichtet sein, welche vor allem Volke feierlich angelobt haben, unter einem geistlichen Obern zu leben und nach dem Beispiele des Erlösers bis zum Tode gehorsam zu sein? Können solche Gottgeweihte etwas Besseres thun, als auf die Erniedrigung ihres göttlichen Vorgängers recht oft hinblicken, um sich nach diesem vollkommenen Muster des Gehorsams zu richten? Der Gehorsam gehört also unstreitig unter die edelsten und Gott wohlgefälligsten Tugenden, und er ist auch, nach dem Ausspruche der heiligsten Ordensmänner und Frauen, der sicherste und kürzeste Weg, um zur Vollkommenheit und von dieser zur ewigen Seligkeit zu gelangen. O glückselige Seelen, die auf diesem so sichern Wege wandeln, indem sie vermöge eines feierlichen Gelübdes ihrem eigenen Willen ganz, ohne Vorbehalt, entsagen und denselben Gott zum Opfer bringen! Dadurch wird ihnen Alles, was sie thun, verdienstlich, und dieses ist auch der große Nußen, den der geistliche Ordensstand mit sich bringt, daß er die Ordensgenossen tüchtig und fähig macht, in allen Sachen, die sie aus Gehorsam verrichten, ewige Schäße sich zu erwerben. 234 Wenn du also, geliebte Seele, heilig und selig werden willst, so weihe dich von heute an gänzlich dem Gehorsam; trage Sorge, daß du Alles, was du thuft und unterlasseft, aus Gehorsam thust und unterlassest, und du wirst allezeit sicher gehen. Von dem Berufe zur ewigen Jungfrauschaft 2c. 235 Sechstes Kapitel. Von dem Berufe zur ewigen Jungfrauschaft im weltlichen Stande. §. 1. Man kann auch außer einem Kloster im jungfräulichen Stande leben. I. Wenn du als fromme Jungfrau zur ewigen Keuschheit von Gott berufen bist, aber aus angeführten Ursachen entweder es nicht vermagst, in ein Kloster zu gehen, oder es nicht willst, so suche in der Welt deine Jungfräulichkeit zu erhalten; ohne auf die trügerische Weltflugheit und deine eigenen Besorgnisse wie man darüber urtheilen werde, zu achten. Wird man dir zum Beispiele sagen, daß die Jungfrauen in der Welt verspottet und von allen Menschen gering geschätzt werden; daß solche nur in ein Kloster gehören, da man in der Welt nicht so heilig leben könne u. f. w.; so sebe dich über dergleichen Neußerungen und Meinungen hinaus und bedenke nur, welche zahllose Menge Jungfrauen außerhalb der Klostermauern Christo in ewiger Keuschheit gedient haben. Vernimm, was hierüber nicht nur die heiligen Kirchenväter, sondern sogar Juden und Heiden schrieben, und nimm daraus wahr, daß nicht alle Jungfrauen in das Kloster gehören, da zu der damaligen Zeit noch keine oder wenige Klöster gegründet waren. Der gelehrte Jude Philo, der zur Zeit der Apostel lebte, schreibt folgendermaßen von den ersten Christen: Obwohl diese Menschen, die in steter Jungfräulichkeit leben, über die ganze Welt verbreitet sind, und nicht nur in Griechenland, son 4 236 III. Berufsschule für Jungfrauen. dern selbst unter den wilden Völkern diese vortreffliche Lebensweise gebräuchlich ist, so sieht man doch vorzüglich in Egypten und in der Gegend der großen Stadt Alexandria eine unglaubliche Menge sowohl Männer als Weiber, welche Gott im Stande ewiger Keuschheit dienen, und zwar nicht aus Nothwendigkeit, sondern aus freiem Willen." Der heilige Martyrer und Weltweise Justinus schrieb um das Jahr Christi 150 in seiner Apologie an den Kaiser Antonius den Frommen Folgendes: Man sieht viele der Christen von sechszig, siebenzig Jahren, die seit ihrem blühendsten Alter sich immer der Lehre Christi befleißigten und dabei in unverfehrter, jungfräulicher Reinigkeit lebten." Athenagoras, von Justinus zitirt, spricht also: Man findet bei uns sehr viele Männer und Weiber, die unvermählt zu einem sehr hohen Alter gekommen und diese Lebensweise freiwillig erwählt haben, um dadurch bessere Gelegenheit zu haben, sich mit Gott zu unterhalten und ungestörter im Gebet bleiben zu können." Der heilige Kirchenlehrer Cyprianus bedient sich folgender Worte in seinem Buche von der Zucht und Sitte der Jungfrauen," um das Jahr Christi 250: ,, Die Welt ist voll von Menschen, welche die jungfräuliche Reinigkeit beobachten." Der heilige Ambrosius sagt in seinem Werke über die Jungfrauen," um das Jahr Christi 344, in Hinsicht auf Asien und Afrika: In jenen großen Ländern ist eine bedeutendere Anzahl derer, die sich jährlich mit Gott durch das Gelübde unverbrüchlicher Keuschheit verbinden, als in unserm Theile der Welt geboren werden." In seinem Schreiben an den Kaiser Valentinus heißt es: ,, Die ganze Schatzkammer des römischen Von dem Berufe zur ewigen Jungfrauschaft zc. 237 Reiches würde nicht hinreichen, wenn man alle Gott verlobten Jungfrauen daraus erhalten sollte." Der heilige Chrysostomus schreibt um das Jahr Christi 400 Folgendes: Was vorher unmöglich schien, das sehen wir jetzt mit Augen, nämlich, daß man nicht nur im römischen Reiche, sondern auch in Scythien, Thracien, Indien, Persien und bei sehr vielen andern Völkern ganze Schaaren von Jungfrauen sieht, deren Anzahl größer ist, als derer, die im Ehestande leben!" Der heilige Hieronymus sagt um dieselbe Zeit in seinem Sendschreiben an Demetrias, daß in der großen Stadt Rom die vornehmsten Häuser mit Jungfrauen angefüllt waren, welche Christo ihre Jungfräulichkeit verlobten, und daß nicht nur die Töchter der Vornehmen, sondern auch deren weibliche und männliche Bedienung in ewiger Keuschheit lebten und mitten in der Welt gegen die Welt und das Fleisch stritten und sie besiegten. Unzählbare Beispiele dieser Jungfrauen, die theils in Zurückgezogenheit bei ihren Eltern, theils mit einander, aber außerhalb den Klöstern lebten, sind in dem Leben der Kirchenväter angeführt.( Siehe die Schristen des gelehrten Pater Anton Spinelli, Priesters der Gesellschaft Jesu.) Obwohl damals schon eine Menge Klöster von den christlichen Kaisern im römischen Reiche begründet wurden, so blieben doch sehr viele Jungfrauen in der Welt, die sich mit Christo verlobt hatten und rein wie die Engel lebten, ungeachtet aller Zerstreuungen und sie umgebenden Versuchungen, wie es auch in unsern Tagen noch geschieht, wie Beichtväter und Seelsorger wohl wissen. Urtheile daher, ob Alle, die Jungfrauen bleiben wollen, Christo nur in Klöstern dienen müssen, oder a 238 III. Berufsschule für Jungfrauen. ob dies nicht auch in der Welt möglich sei, wie so viele tausend Andere es gethan haben. II. Es ist wahr, daß man in einem Kloster mehr der unruhigen Sorgen für das Zeitliche los und ledig ist, auch sind zudem die geistlichen Gelübde, die heiligen Ordensregeln, die Aufsicht der Obern, die verschlossenen Mauern, die wohl geordneten geistlichen Uebungen, das Gebet und die stete Betrachtung göttlicher Dinge ein großer Vortheil zur Erlangung der Vollkommenheit; allein auch in der Welt kann eine Jungfrau ähnliche Mittel finden. Das Gelübde der Keuschheit kann sie durch den festen Vorsatz, immer im jungfräulichen Stande zu leben, erseßen; und mit der Zeit kann sie nach hinreichender Prüfung und mit Erlaubniß ihres Seels sorgers sich durch ein wirkliches Gelübde mit Jesus verloben. plus f In geistlichen Angelegenheiten kann sie ihrem Beichtvater, und in den weltlichen ihren Eltern oder einer Herrschaft aus Liebe zu Christus Gehorsam leisten. Hängt sie aber von sich selbst ab, so soll sie nach dem Rath und Gutdünken ihres Beichtvaters sich eine gewisse Ordnung und Lebensweise vorschreiben und dieselbe genau erfüllen; oder sie kann sich auch einer andern flugen und bescheidenen Jungfrau, die gleichen Vorhabens ist, im Gehorsam unterwerfen. 179771 Sie kann in ihrem Hause gleichsam ein kleines Kloster halten, wenn sie ihre eigene Gebieterin ist, und mit Anderen ihres Standes und ihrer Neigung in Einsamkeit und Arbeit, in der Betrachtung der göttlichen Dinge den ganzen Tag zubringen, die Straßen und fremde Häuser meiden; und kann fie dieses nicht ganz wegen ihres Standes oder Amtes, so soll sie mitten im Getümmel der Weltleute ihr Von dem Berufe zur ewigen Jungfrauschaft zc. 239 Gemüth sammeln und sich innerlich mit Gott unterhalten. Auch in der Welt wird sie gottselige und fromme Jungfrauen finden, deren schönes Beispiel sie ermuthigen wird. Auch hat sie einen großen Vortheil, den dieklosterjungfrauennichthaben: sich nach Belieben unter vielen würdigen Geiſtlichen einen Beichtpater erwählen zu können. Die zeitlichen Scrgen einer einsamen Jungfrau aber sind nicht so mannigfaltig und zahlreich, um ihr Gemüth zu sehr zu zerstreuen und in der Vereinigung mit Jesus zu stören. Und sind jene Jungfrauen, die vorhin aus den Zeiten des ersten Christenthums angeführt wurden, nicht auch außerhalb der Klöster zu großer Heiligfeit gelangt? und solltest du durch den Beistand und die Gnade Gottes nicht das Gleiche, wie jene vollbringen können? di Keineswegs soll die Furcht der Verachtung oder der Armuth eine Jungfrau verhindern, unvermählt zu bleiben. In den Klöstern werden zuweilen die frömmsten und ihren Gott innigst liebenden Seelen von ihren Mitschwestern eben wegen ihrer Frömmigkeit verachtet und verfolgt. Und auch unter den vermählten Frauen gibt es nur zu viele, die von der Welt und ihren Männern wenig geschäßt werden, und troftlos müssen sie ihre Verachtung wie ihr Joch geduldig leiden; du aber, wenn dir dieses von den Weltmenschen widerfährt, findest deinen Trost bei deinem himmlischen Bräutigam, der sich immer gleich bleibt. Was ist dir die Achtung der Welt, wenn dein Gott und Herr dich durch seine Liebe auszeichnet? 0 240 III. Berufsschule für Jungfrauen. Was dagegen kann die Welt mit aller ihrer Pracht und ihren üppigsten Freuden dir nüßen, wenn du nicht bei Christus in Gnaden bist? Die Weltmenschen werden vielleicht die Meinung fassen, daß du keinen Gemahl finden kannst, oder daß du aus Stolz und Liebe zur Freiheit keine Wahl treffen willst; und man wird dich in beiden Fällen verspotten. Seße dich muthig darüber hinaus und halte fest an deinem Vorsak; es sei dir genug, daß Gott dein Herz kennt; und du weißt ja, für wen und was du unternimmst, wenn es auch der Welt bis zum Tage des Gerichts unbekannt bleibt, wo alsdann dein Heiland deine verborgenen Tugenden im Klarsten Lichte wird erscheinen lassen. Sei guten Muths, welche Hindernisse man dir auch bei diesem deinem heiligen Vorhaben in den Weg legen könnte. Fürchte nicht der Armuth und Verlassenheit in diesem Stande ausgesetzt zu sein; denn welche sich Vermählende ist denn dieser Beforgniß nicht eben so gut ausgesetzt, da keine verfichert sein kann, ob ihr Gatte immer im Stande sein wird, ihr und ihren Kindern das zum Leben Nothwendige zu verschaffen? Sieht man nicht täglich so viele arme Ehefrauen und Wittwen, die ihre kärgliche Nahrung mit bittern Thränen beneßen, und die oft ihren Kindern kaum trockenes Brod, welches der niedrigsten Dienstmagd nicht mangelt, gewähren können? Sorge nicht so viel und ängstlich für dein Fortkommen. Gott wacht über dich; Er, der die Vögel der Luft nähret und die Blumen auf dem Felde kleidet, wird Er dich verlassen, da du, um Jhm besser zu dienen, alle irdische Glückseligkeit verlassen haft? Wo ist dein Glaube, wo ist deine Zuversicht? Von dem Berufe zur ewigen Jungfrauschaft zc. 211 §. 2. Regeln für Jungfrauen, die in ewiger Keuschheit in Mitte der Welt leben wollen. Da du, o Jungfrau! verachtetest, dich mit Sterblichen zu vermählen, so liebe denn nun auch Ihn, der schöner, liebenswürdiger und mächtiger ist, als alle Kinder des Staubes; und gib keiner andern, als der Liebe für deinen himmlischen Bräutigam Raum in deinem Herzen.( Hl. Aug. S. de virginit.) Die hohe Jungfräulichkeit und das Leben der seligsten Jungfrau Maria soll dir als ein Spiegel dienen, zum Beispiel eines heiligen Lebens und der höchsten vollkommensten Tugend.( Hl. Ambrosius, lib, 2. de Virg.) Nimm deine Zuflucht zu dieser barmherzigen, gnadenvollen göttlichen Mutter und bitte sie mit kindlichem Vertrauen, deine Reinigkeit durch ihre Fürbitte unversehrt zu erhalten.( Hl. Chrysostomus apud Metaphr.) ango Die erste Regel ist die öftere Wiederholung und Erneuerung deines heiligen Vorhabens. Es ist schon gesagt worden, daß du nicht so leicht ein Gelübde ablegen, sondern dich blos an einen ernstlichen und festen Vorsaz halten sollst, den du täglich oder wöchentlich erneuern kannst durch folgendes Gebet. Mildester, süßester Jesus, der Du die höchste Schönheit bist, geliebtester Bräutigam der Jungfrauen! der Du durch deine göttliche Lehre und durch dein erhabenes heiliges Beispiel die schwachen, fündigen Menschen auf die Bahn der Tugend geführt hast, um sie zu belehren, wie sie auf Erden, von diesem irdischen Körper bekleidet, ein geiſtiges, himmlisches Leben führen können; und durch die 14 242 III. Berufsschule für Jungfrauen. Kraft deiner Gnade zahllose Jungfrauen an Dich gezogen haft, die in heißer Liebe zu Dir so entglühten, daß sie um Deinetwillen die Welt und alle ihre Eitelkeiten gering schätzten und verließen. Ich fühle, mein holdseligster Heiland! daß Du auch auf mich gnadenvoll blickest; und um diese deine Liebe mit der vollsten Gegenliebe zu erwiedern, fasse ich heute den festen Entschluß, mich dir ganz hinzugeben und in vollkommener Reinheit und Keuschheit immer in jungfräulichem Stande zu leben, um Dir auf das vollkommenste dienen zu können. Noch mache ich kein förmliches Gelübde, da ich weiß, es ist deinem heiligsten Willen gemäß, daß ich mich zuvor ernstlich prüfe. Vernehme ich noch das fernere Mahnen deines göttlichen Geistes, so werde ich, was es mir gebietet, vollführen. Verleihe mir die Kraft durch die geistige Anschauung deiner himmlischen Schönheit, daß ich alle Hoffnung auf die trügerischen Freuden der falschen Welt aufgebe und nirgends als bei Dir Wonne und Vergnügen suche und finde! Gib mir, o mein Erlöser! deine Geduld, deine Demuth, deine Sanftmuth, deine Liebe zum Kreuz und Leiden und alle übrigen Tugenden zum Schmucke meiner Dir ge= weihten Jungfräulichkeit, damit sie dein Wohlgefallen erlange, und damit ich, o barmherziger Heiland! Dich hier in diesem Thränenthale über Alles liebe und dort einst dein göttliches Antlig schauen möge. Amen. Empfehlung in den Schuß der göttlichen Jungfrau Maria. Wunderbarste Jungfrau, holdseligste Mutter, gnädigste Fürsprecherin! dir empfehle ich auf immer Von dem Berufe zur ewigen Jungfrauschaft 2c. 243 meinen Leib und meine Seele: meinen Leib, um die jungfräuliche Reinigkeit desselben durch deine Fürbitte zu bewahren, und meine Seele, daß du sie mit deinen Tugenden zierest und am Ende meines irdischen Daseins deinem göttlichen Sohne vorstelleſt. Die zweite Regel ist, daß du streng über die Reinigkeit des Herzens wachest. Lieber opfere dein Leben, als daß du deinen himmlischen Bräutigam nur mit einer einzigen schweren Sünde beleidigst; und selbst die läßlichen Sünden mußt du dich hüten, freiwillig zu begehen. Jesus allein soll in deinem Herzen herrschen; nichts Unreines darfst du in demselben dulden! Verachte alle Güter, welche dir die Welt bietet, und wende dich einzig zu den himmlischen Schäßen. Dritte Regel. Wehre deinen Sinnen, auf irgend eine Weise und am wenigsten freiwillig, deine geistliche Verlobung zu brechen; halte deinen Leib als einen reinen Tempel des Bräutigams, der deiner im Himmel wartet.( Hl. Bafilius de vera virgin.) Hüte dich vor allem Vorwiß und der Luft und Begierde, zu wissen oder sehen zu wollen, was die jungfräuliche Schamhaftigkeit beleidigen könnte. VerHülle und bedecke deinen Körper vorsichtig, um weder Andern noch dir selbst Anstoß zu geben. Meide, so viel du kannst, die Gesellschaft der Männer und vorzüglich junger leichtfertiger Leute. Unter keinem Vorwande laß dich von einem Manne auf ungezie mende Weise berühren; Schmeicheleien und finnliche Liebkosungen fliehe wie ein verzehrendes Gift oder den Biß einer Schlange. nis Laß dich auch nicht zu viel auf den Straßen, auf öffentlichen Pläßen, in fremden Häusern sehen, und halte keine allzu vertraute Gemeinschaft mit vermählten Frauen.( Hl. Hieronymus ad Eustoch.) III. Berufsschule für Jungfrauen. Auch Wallfahrten unternimm nie anders als mit großer Vorsicht, damit du unter zahlreichen Fremden jeden Standes und Alters nicht Dinge sehen mußt, die du zu Hause nicht sehen oder hören willst. ( HL. Cyprian de disc. et hab. virg.) 244 Als Braut Gottes soll man dich nicht bei lärmenden Hochzeiten, Gastmahlen, öffentlichen Festen und Lustbarkeiten der Weltleute finden, da bei solchen Versammlungen, wo Personen beiderlei Geschlechtes zusammen kommen, der Geist der Andacht schwindet und die Einbildungskraft oft mit unreinen Bildern angefüllt wird.( Hl. Ambrofius lib. 3 de Virg.) Von allen Zerstreuungen und Vergnügen ist der Tanz zumeist zu fürchten und zu fliehen. Was hat eine keusche Braut Christi, an dem Orte der Versuchung und der Verführung zu thun, wo die ausgelassenste Freude herrscht, und freie, muthwillige, freche Geberden und Mienen Mode find? Ist diese Schule des Fürsten der Finsterniß, dieser Gößentempel der Sinnlichkeit ein Aufenthalt für Bräute Christi?( Hl. Ambrosius, lib. 2 de Virg.) Meide den Wein wie Gift! Der Wein ist für die Jugend nur ein Mittel, die sinnlichen Begierden in Aufruhr zu bringen. Sollte er aber für deine Gesundheit erforderlich sein, so nimm ihn als Arzneimittel und mische ihn mit Wasser.( Hl. Hieronymus ad Eustoch.) Sollten sich in deiner Seele unreine Gedanken erheben wollen durch die Zuflüsterungen der höllischen Schlange, so führe dir zugleich lebhaft zu Gemüth, daß du eine Jungfrau und Berlobte Christi bist; widerstehe kräftig und laß das Gift nicht in dein Herz einschleichen, sondern erhebe dein Gemüth zu Ihm, dem du dich ganz hingegen hast; und fliehe unter den Schuß und Schirm der göttlichen, Von dem Berufe zur ewigen Jungfrauschaft 2c. 245 unbefleckten Jungfrau, zu deren geistlichen Tochter du aufgenommen wurdest und die der Jungfrauen mächtige und huldvolle Beschüßerin ist.( Derselbe a. a. D.) Vierte Regel. Habe eine bestimmte Zeit zum Gebete und den geistlichen Uebungen und verrichte sie mit völlig gesammeltem Gemüthe: gleich in der Frühe, wenn du aufstehst, vor und nach Tisch, in der Stunde des heiligen Opfers und vor dem Schlafengehen.( Hl. Ambrofius, lib. 3. de Virg.) Nach dem Morgengebete mache eine kleine Betrachtung. Wenn du allein bist, so unterhalte dich mit deinem himmlischen Geliebten Jesus, erfreue dich Seiner in deiner Einsamkeit, sende Ihm glühende Liebesseufzer zu und singe Jhm zu Ehren heilige, geistliche Lieder.( Hl. Hieronymus a. a. D.) Wenn nicht öfter, nach dem Rathe und Gutdünken deines Beichtvaters, empfange den allerheiligsten Leib Jesu an den Sonn- und Feiertagen, an welchen du, noch mehr wie jeden andern Tag, deine Freude und Erholung im Dienste Gottes fuchen sollst.( Derselbe.) Fünfte Regel. Du sollst stets etwas zu arbeiten und zu schaffen haben. Mache dir eine Eintheilung der Zeit. Bist du von einer Arbeit ermüdet, so nimm eine andere zur Hand; bist du reich, so arbeite für die Armen. Viele heilige Jungfrauen haben ihr ganzes Vermögen unter die Armen vertheilt, sich dann von der Arbeit ihrer Hände genähret und noch einen Theil von dem, was sie verdienten, den Armen gegeben.( Hl. Hieronymus ad Eustoch.) Bist du aber selbst arm, so ergib dich dem Willen Gottes, ohne dich zu sehr darüber zu betrüben; denke daran daß höhere, herrlichere Güter deiner 14* III. Berufsschule für Jungfrauen. warten, als die, welche die Welt bieten oder rauben fann. Bete und arbeite! Auch dein göttlicher Freund Christus hat mit seiner jungfräulichen Mutter und mit seinem Nährvater im Schweiße seines Angesichtes sein Brod gegessen. 246 1 Sechste Regel. Dein ganzes Thun und Lassen, dein ganzes Leben und was dazu gehört, muß deinem Geliebten Jesus Christus aufgeopfert sein. Das aber, wovon du weißt, daß es Ihm nicht gefallen kann, mußt du nothwendig unterlassen. Auch die dir angeborne Lebhaftigkeit wisse zu beherrschen, damit du nicht sie zu befriedigen suchst, sondern vielmehr dem Antriebe des heiligen Geistes folgeft. Siebente Regel. Es ist rathsam, daß du deinem göttlichen Bräutigam mit fröhlichem Sinne und freiem Willen, weniger aus Furcht als aus Liebe dieneſt. Hänge deine Neigung an keine Sache so fest, um nicht bereitwillig dieselbe ohne Unmuth und Verdruß zu verlassen, wenn die Pflicht des Gehorsams oder eine unverhoffte Anordnung des göttlichen Willens es fordert. Lasse dich nicht von Schwerauth hinreißen; bedenke, daß Jesus dein Erlöser, dein Gott, ein Gott der Liebe und der Güte lebt, und daß Er Alles, was immer dich anfechten kann: deine Versuchungen, Verlassenheit und Trübsale nur dir zum Besten und zum Heil, als Prüfungen anordnet und erlaubt. Ein vorsichtiger und unterrichteter Beichtvater wird die Freiheit des Geistes und einen heiteren Sinn in dir zu erhalten suchen. Achte Regel. Sei demüthig, bescheiden, anspruchlos, nicht nur in deinem Sinne und in Gedanken, sondern auch in deinem Aeußern. Ein falsches, künstliches Roth der Wangen, geschmücktes und geziertes Haar, auffallende grelle Farben von Blu Von dem Berufe zur ewigen Jungfrauschaft zc. 247 men und Bändern, kostbaren Schmuck, theure Spiten und alle Eitelkeiten, die dazu dienen müssen, die irdische Schönheit noch mehr zu erheben, dieſe überlasse jenen Jungfrauen, die ihre Glückseligkeit in die Bewunderung der Welt seßen. Deine Schönheit sei die innere des Geistes und der Seele, die, wenn sie echt, auch unvergänglich und das einzige Mittel ist, dir das Wohlgefallen deines göttlichen Bräutigams zu erwerben und zu sichern. Dein Anzug aber sei nicht kostbar, sondern einfach, sauber und sittsam, ohne Eitelkeit.( Heil. Cyprian, lib. de disc. et hab. virg.) Indessen soll deine Kleidung auch nicht ausge zeichnet sein und deine Absicht zu erkennen geben, die Niemand, als dein himmlischer Bräutigam und dein Seelsorger zu wissen braucht. Neunte Regel. Du sollst mit Niemanden als mit frommen sittsamen Jungfrauen, die von gleichen Gesinnungen wie du beseelt sind, Umgang und Ge meinschaft halten, und wo möglich mit einer solchen oder mehreren unter einem Dache leben und Alles gemeinschaftlich haben. Die reiche Judith war mit ihren Mägden im obersten Gemache des Hauses verschlossen.( Judith 8, 5.) Ahme dieses Beispiel nach. Die Häuser der römischen adelichen Jungfrauen waren voll Dienerinnen, welche, wie ihre Gebieterinnen, in ewiger Keuschheit Gott dienten.( Hl. Hieronymus, Ep. ad Eustoch.) Zehnte Regel. Halte auch, wie dir schon angedeutet wurde, auf eine gewisse Ordnung und Eintheilung des Tages, deine Gebete wie deine Arbeiten zu gehörigen Stunden zu verrichten. Dieses beobachte auch an Sonn- und Feiertagen. Heilige Ehrfurcht begleite dich in das Haus Gottes; Herz und Auge seien dem Tabernakel zu III. Berufsschule für Jungfrauen. gewendet, wo dein Jesus thront; ferne sei von dir ein nachlässiges leichtfertiges Wesen. Der heilige Chrysostomus spricht von den ersten Christen: Die Christen giengen in die Kirche, wie in den Palast eines großen Königs, wo Engel seine Dienersind, wo der Himmel offen ist, wo Christus auf dem Thronesißt, wo Alles mit unsichtbaren Geistern angefüllet iſt." Dein erstes Geschäft in der Kirche sei, Jesus anzubeten im allerheiligsten Sakramente. Wird die heilige Messe gelesen, so verwende die größtmöglichste Aufmerksamkeit auf diese heiligste Handlung, vereinige dich mit dem opfernden Priester und bringe dich selbst deinem Heilande zum Opfer dar. Vernimm mit Ehrfurcht und versammeltem Geiste das Wort Gottes, wenn es von der Kanzel verkündet wird; merke dir dabei einen oder den andern Punkt besonders gut, nimm dir irgend eine Lehre, die dich besonders gut anspricht, irgend eine Ermahnung, die auf dich Bezug hat, tief in das Herz und Gedächtniß, und bestrebe dich, in den darauf folgenden Wochentagen diesen besondern Punkt recht mit Eifer in Ausübung zu bringen. Diese Uebung wird dir zum Fortschritte in der Tugend sehr verhülflich sein. Ist der vormittägige Gottesdienst vollendet, so glaube ja nicht, daß die Heiligung des Sonntags hiemit schon abgeschlossen sei. Nachdem du dich etwas mehr als an den andern Tagen mit Christus deinem Geliebten im Gebete und anderen geistlichen Uebungen vereiniget hast, kannst du dir auch eine unschuldige Zerstreuung gönnen, als einen Spaziergang in's Freie, um in den Schönheiten der Natur Gottes Güte und Allmacht zu bewundern. Oder du kannst einen Besuch machen bei Personen deines Standes und Alters, um erhebende und er248 Von dem Berufe zum Dienstbctenstande. 249 bauliche Gespräche über gehörte Predigten, Betrachtungen u. s. w. zu führen; und auch um Kranke und Arme zu besuchen, zu trösten und zu unterſtüßen, wenn du dieses Legte vermagst. Siebentes Kapitel. Von dem Berufe zum Dienstbotenstande. §. 1. Beschwerden des Dienstbotenstandes. Es gibt heut zu Tage gar viele Dienstboten, die mit ihrem Stande unzufrieden sind, die immerd, murren und klagen, daß gerade sie ein so beschwerl ches Leben zu führen hätten, daß es fast allen übrigen Menschen besser gienge, als ihnen und dgl. Vielleicht haft auch du, christliche Jungfrau! dich gar manchmal schon großer Traurigkeit hingegeben, vielleicht sind deine Augen gar oft schon thränenfeucht geworden bei dem Gedanken, daß du im Dienste Anderer gar hart deinen Lebensunterhalt suchen müsseft, und nicht, wie so viele Andere, ein mehr bequemes, sorgenfreies Leben führen könnest. Um dir über diesen Punkt einige Aufklärung und Beruhigung zu geben, wollen wir den Dienstbotenstand etwas näher betrachten. Daß dieser Stand viel Herbes und Bitteres habe, will ich durchaus nicht in Abrede stellen, und du hast es vielleicht zur Genüge schon erfahren. Aber daß er bei weitem nicht so beschwerlich und drückend und freudenlos sei, wie ihn Viele dafür halten, ergibt sich aus der Natur der Sache; und wenn ihn Manche in der Wirklichkeit so drückend finden, so sind sie größtentheils selbst in der Schuld. Ich will mich darüber näher erklären.d III. Berufsschule für Jungfrauen. Es ist wahr, du bist als Dienstbote zur Arbeit für deine Herrenleute verpflichtet, und deine Arbeit erfordert oft große körperliche Anstrengung; aber glaube mir, deine Arbeit ist im Grunde nicht mühfamer, als die der andern Menschen. Das Ge schäft, das dem Anscheine nach am wenigsten ermüdet, ist gerade oft das mühsamste. Du beneidest vielleicht Manche, die fast den ganzen Tag mit leichten Arbeiten beschäftiget, im Zimmer sich aufhalten, mit der Feder in der Hand am Schreibpulte figen, oder aus einem Buche lesen und studieren und dgl. Aber solch' anhaltende fißende Beschäftigung, solche Anstrengung des Geistes greift die Gesundheit heftiger an, und zehrt das Leben mehr auf, als andauernde, wenn auch karke Bewegung des Körpers. Von Jenen, die im Müßiggange ihr Leben zubringen, will ich nicht sprechen; denn diese verfündigen sich nicht nur wider Gott und sich selbst, indem sie die kostbare Zeit, die ihnen zur thätigen Verwendung zum zeitlichen und ewigen Heile gegeben ist, unverantwortlich versplittern, sondern sie werden überdies von einer schrecklichen Langweile geplagt, so daß du bei all' deiner Arbeit viel vergnügter und glücklicher sein kannst, als sie bei ihrem Müßiggange. Es ist wahr, du bist nicht deine eigene Frau, sondern abhängig von deinen Herrenleuten; aber diese Abhängigkeit ist im Grunde nicht größer, als die der andern Menschen. Oder gibt es einen Die Menschen, der ganz unabhängig wäre? Kinder sind abhängig von ihren Eltern, die Ehefrau von ihrem Manne, der Mann von seiner Frau. Der Geselle hat seinen Meister; der Meister hat dem Willen dessen nachzukommen, der ihm eine Arbeit übertragen. Alle Glieder der bürgerlichen 250 - Von dem Berufe zum Dienstbotenstande. 251 Gesellschaft sind in mannigfacher Weise von einander abhängig. Auch in der Kirche sind die Gläubigen ihren Seelenhirten, diese ihren Bischöfen, die Bischöfe dem Oberhaupte der Kirche, dieser den Geboten Gottes, den Vorschriften und Gefeßen der Kirche unterworfen. Zwar ist es allerdings möglich, daß deine Abhängigkeit durch das harte Benehmen der Herrenleute zur drückenden Last wird. Doch solche Herrenleute sind doch nur selten, und in der Regel, wenn der Dienstbote ist, wie er sein soll, wissen ihn die Herrenleute auch gehörig zu schäßen, und lassen ihn seine Abhängigkeit nie schmerzlich fühlen. Es ist wahr, du nimmst in der Gesellschaft keinen hohen Rang ein; aber auch hierin unterscheidet sich deine Lage gar nicht von derjenigen der meisten andern Menschen. Oder stehst du als Dienstbote nicht auf der nämlichen Stufe mit der großen Anzahl armer oder doch nicht reicher Leute, die ihren Lebensunterhalt durch Handarbeit verdienen, mit den meisten Landleuten und Handwerksleuten aller Art, welche in der Welt keine glänzendere Stellung als du einnehmen? Und in der That! redlich denkende Menschen wissen den Dienstbotenstand gehörig zu würdigen, und haben Achtung vor tugendhaften Dienstboten. Daher, ist dein Stand auch beschwerlich, so sind die Mühen und Leiden des Lebens für dich doch nicht größer als für die übrigen Menschen. Und daß Gott dir gerade diesen Wirkungskreis als Dienstboten angewiesen hat, und keinen andern- willst du deßwegen mit Ihm hadern? Doch ich glaube, du wirst mit deinem Stande zufrieden sein, ja denselben lieb gewinnen, wenn du recht beherzigest, was ich dir von den Vortheilen desselben sage. III. Berufsschule für Jungfrauen. §. 2. Zeitliche Vortheile des Dienstbotenstandes. Der Dienstbotenstand verschafft dir ein sicheres tägliches Brod. Christliche Dienstmagd, beherzige dieses Wort, es sagt dir sehr viel! Statt in einen Dienst zu treten, hättest du vielleicht dich verehelichen, einen Handel übernehmen, oder ein Gewerbe treiben können; vielleicht kannst du es noch immer. Würdest du dein Brod in dem einen oder dent andern dieser Verhältnisse leichter gewinnen, als in deinem wirklichen Stande? Geseßt, du seiest verehelichet; dein Mann hätte außer einigen kleinen Ersparnissen, so wie du, nichts als seine Arbeit, seine Thätigkeit, um mit dir zu leben und die Kosten des Hauswesens zu bestreiten. Würde dieses genügen? 252 Stelle dir vor, dich umstehen noch mehrere Kinder, und im lauten Geschrei rufen sie:„ Liebe Mutter, gib mir Brod!" Würde es nicht dein Herz zerschneiden, wenn du auch nur einmal sagen müßtest: ,, Liebe Kinder! das Brod ist zu Ende gegangen; geduldet nur, bis wir wieder etwas verdienen, um Brod kaufen zu können?"- Und das Wenige, was du verdienest, zu dem Arbeitslohne deines Ehemannes gelegt, reicht oftmal nicht hin, um herbeizuschaffen, was Kinder und Eltern bedürfen. In dieser Beklemmniß wären Fasten, Entbehrungen und Thränen dein Antheil. Der Mangel, der heute sich zeigte, würde morgen nicht ge hoben, und es dürfte dazu nur eine Krankheit, oder irgend ein Umstand die Arbeiten deines Mannes auf kurze Zeit unterbrechen, dann hätte das Elend gar bald auch seinen Gipfel erreicht, das Brod würde im Hause unsichtbar, der Hunger würde sich einstellen, du wärest zum Betteln gezwungen! Von dem Berufe zum Dienstbotenstande. 253 Ich will es unterlassen, dir in andern Fällen noch zu zeigen, in welchen du als Frau für dich gar leicht in die drückendste Lage versetzt werden könntest, sondern ich sage nur, daß du als Dienstbote solche Besorgniß nicht habest. Deine Herrenleute sind dir angemessene Nahrung schuldig, und du kannst jeden Tag ohne ängstliche Besorgniß für deinen zeitlichen Lebensunterhalt anfangen. Ist das nicht ein großer Vortheil, den du im Dienstbotenstande genießest? Doch, du sagst: Wie wird es mir einst in der Zukunft ergehen? Wer wird mir Brod reichen, wenn ein hohes Alter mir nicht mehr gestatten wird, im Schweiße des Angesichtes meinen Lebensunterhalt zu verdienen? Darauf antworte ich: Du hast auch die Aussicht auf eine erträgliche Zukunft. Bist du bei ordentlichen christlichen Herrenleuten in den Dienst getreten, und bist du tugendhaft und treu in Erfüllung deiner Standespflichten, so wird man dich auch als ein Glied des Hauses betrachten; man wird dich, wenn du jung in dasselbe ge= kommen, auch im hohen Alter, nachdem bereits deine Kräfte im Dienste der Herrenleute abgenommen, nicht aus demselben jagen. Ferner, um nicht weitläufig davon zu erwähnen, daß Herrenleute entweder schon bei Lebzeiten oder bei ihrem Hinscheiden ihren treuen Dienstboten oft bedeutende Geschenke machen, die zuweilen hinreichen, um in ihrem vorgerückten Alter unabhängig leben zu können: will ich nur von deinem Lohne sprechen, einer Quelle, die dir für die Bedürfnisse der Zukunft zugesichert ist. Wie leicht geschieht es, daß deine Herrenleute durch anhaltende Trockenheit oder starke Regengüsse, Schule und Tempel. 15 254 III. Berufsschule für Jungfrauen. durch Ueberschwemmungen oder Feuer, oder andere Unfälle an ihrem Einkommen großen Schaden leideit, daß ihnen ihre Unternehmungen, ihr Handel mißglückt! Siehe, dies Alles hast du nicht zu fürchten; das Jahr mag fruchtbar oder ungesegnet sein: du wirst zu seiner Zeit den bedungenen Dienstlohn erhalten. Bist du verständig in deinen Ausgaben, und besorgt, deine Einnahmen an Zins zu legen, so wirst du dir gar leicht einen ziemlich bedeutenden Zehrpfennig für die Zukunft ersparen. Ueberdies hat dein Stand nicht auch viel Angenehmes? Es ist wahr, du arbeitest, aber hat deine Arbeit nicht auch ihre Regel, ihr Maß und die nöthige Erholung? Betrachte die Handwerker und Handarbeiterinnen; gewöhnlich müssen sie mit der Tags auch die Nachtarbeit verbinden, unt gebieterischen Forderungen zu genügen und gute Kunden nicht zu verlieren. Du darfst in der Regel solch übertriebenen Anstrengungen dich nicht unterziehen, und kannst nach verrichteter gewöhnlicher Arbeit dich ruhig zu Bette legen. Ferner ist dein Leben als Dienstmagd keineswegs ein langweiliges und trauriges. Du bist nicht an eine einsame Bank gleichsam angenagelt in einem ungesunden Winkel, wie diese oder jene Arbeiterin mit ihrem sigenden Gewerbe. Deine Lebensweise ist voll Bewegung, und bringt dich mit einer Menge von Menschen in Berührung, so wie auch deine Beschäftigungen gar oft wechseln. Du bist auch nicht gleich vielen Armen verlassen, denn deine Herrenleute werden dich leiten, schirmen, und wie Eltern mit warmer Theilnahme für dich sorgen, wenn du anders tugendhaft bist und dich ihrer Zuneigung würdig machst. Von dem Berufe zum Dienstbotenstande. 255 Was könnte ich noch von den Freuden sagen, die du als christliche Dienstmagd in deinen Beschäftigungen selbst genießen kannst! Ist es nicht eine Freude, im Frohsinn und Freundlichkeit vom Frieden Gottes erheitert, mit jedem Tage eifrig sein Tagewerk zu beginnen und gewissenhaft dasselbe zu vollenden?- nicht eine Freude, den Vorgeſetzten treu zu sein in jeder Lage des Lebens und das Wohl derselben zu befördern durch Fleiß, Unver= droffenheit und Geschicklichkeit?- nicht eine Freude, überall im Hause und auf dem Felde Ordnung und Reinlichkeit zu erhalten, so daß das Auge überall mit Wohlgefallen verweilet? nicht eine Freude, armen Kranken, Leidenden beizustehen, liebevoll sie zu pflegen, zu bedienen mit christlicher Treue und redlicher Sorgfalt? Ist es nicht eine große Freude, still und froh, in frommer Eingezogenheit für sich und seinen Beruf zu leben, sein Brod ohne Sorge und Kummer zu essen, durch gute Auffüh rung, erbauliche Sitten und Ehrbarkeit sich auszuzeichnen?- nicht eine süße Freude, in seinem Gewissen die Ueberzeugung zu tragen, redlich und getreu, gehorsam und fleißig gedient zu haben aus Liebe zu Gott, und am Abende seines Lebens fagen zu können:„ Ich habe glücklich vollbracht mein Tagewerk mit Gottes Hülfe." Siehe da, wie viel des Segens und der Freude liegt in deinem Berufe! - - Dein Stand, christliche Dienstmagd! gewährt dir aber nicht nur zeitliche, sondern auch §.3. Geistliche Vortheile des Dienstbotenstandes. Alle irdischen Vortheile würden dir zuleßt wenig nüßen, wenn darüber deine Seele zu Grunde 256 III. Berufsschule für Jungfrauen. gienge. Wohl zeigt es die Erfahrung, und mit wehmüthigem Herzen muß ich's dir gestehen, daß viele unter den Dienstboten den Weg der Tugend nicht wandeln, daß in heutiger Zeit gerade im Dienstbotenstande das Sittenverderbniß in schauerlicher Weise zu Tage tritt; aber daran, christliche Jungfrau! ist nicht der Stand Ursache, sondern Diejenigen selbst, die diesem Stande angehören. Im Gegentheile sage ich: der Dienstbotenstand gibt dir vielfach Gelegenheit und Mittel an die Hand, um dein Seelenheil leicht zu wirken; er bewahrt dich vor vielen Ge fahren, und gibt dir Gelegenheit zur U ebung der schönsten Tugenden. Ein Sprüchwort sagt: Müßiggang ist aller Laster Anfang. Einem Menschen, der sich selbst nicht be schäftiget, gibt der Teufel Beschäftigung, indem er allerlei schlechte Gedanken und Begierden in ihm anzuregen und ihn so auf den Weg des Lasters zu führen sucht. Wie viele Tausende sind lasterhaft geworden, weil sie müßig dahin gelebt! Siehe, christliche Dienstmagd, in deinem Stande bist du dieser Gefahr überhoben! Du bist immer beschäftiget, alle deine Augenblicke sind gezählt und müssen mit verschiedenen Dienstleistungen ausgefüllt werden. Kommt eine Stunde der Ruhe, so wirst du selbe, wenn du es anders mit dir selbst auf richtig gut meinst, zu nüßlichen Dingen verwenden, z. B. deine beschädigten Kleider auszubessern, oder deine Eltern, wenn sie in der Nähe wohnen, oder eine franke Person, oder sonst eine gute Freundin zu besuchen, oder dein Gebet zu verrichten oder die heiligen Sakramente zu empfangen u. dgl. Wie Viele gehen an Leib und Seele zu Grunde, weil ihnen volle Freiheit im Reden und Handeln Von dem Berufe zum Dienstbotenstande. 257 gestattet ist; denn gar bald artet diese in Zügellofigkeit aus und stürzt den Menschen in zeitliches und ewiges Verderben. Siehe, als Dienstbote wirst du in den gehörigen Schranken gehalten, du darfst nicht thun, was du willst, du mußt gehorsamen. Die Herrenleute sind verpflichtet, über dein Betragen zu was chen, dich vom Bösen abzuhalten und zum Guten au zumuntern. Glaube es mir, christliche Dienstmagd, es ist dies für dich eine heilsame Unterthänigkeit; denn wozu würdest du größere Freiheit benüßen? wie leicht würdest du sie zu deinem Verder= ben mißbrauchen! Manche Mädchen befinden sich in äußerster Armuth, und da sie nicht zur Arbeit angehalten werden, oder sie selbst keine ordentliche Beschäftigung auf sich nehmen wollen, wodurch sie sich ernähren könnten, nehmen sie nicht selten zu einem liederlichen Leben ihre Zuflucht, und verkaufen Unschuld und Tugend und damit auch ihr Seelenheil um ein erbärmliches Geldstück, oder suchen wohl auch durch Stehlen, Betrügen und dgl. sich den nöthigen Lebensunterhalt zu verschaffen. Siehe, christliche Dienstmagd! auch dieser Gefahr bist du nicht preisgegeben, da du in deinem Stande mit den nöthigen Lebensbedürfnissen versehen bist. So wie du durch deinen Stand vielfachen Gefahren beines Seelenheiles( ich habe nur einige aufgezählt) leichter entgehefst, so findest du andererseits auch in deinem Stande jeden Augenblick Gelegenheit, an deiner Vervollkommnung vor Gott zu arbeiten, deine Leidenschaften zu beherrschen, deine Fehler zu verbessern, oder dich in irgend einer Tugend zu üben. Du bist Dienstbote, 258 III. Berufsschule für Jungfrauen. also von Gott in eine geringe, abhängige Stellung gesetzt. Du mußt viel gehorchen, häufig niedrige Dienste verrichten; man redet nicht viel von dir und deinen Arbeiten, du kannst vor der Welt nicht so leicht Aufsehen machen und dgl. Hast du da nicht gar viel Gelegenheit, den Stolz, der gewiß auch deine Gedanken und Gefühle durchziehen und einnehmen will, zu beherrschen, die Eigenliebe, den Dünkel, die Ruhmbegierde zu bekämpfen, und wird dir dieser Kampf nicht um so leichter werden, da du eben schon durch deinen Stand gewissermaßen darniedergehalten wirst? Ja du bist durch deinen Stand dringend angehalten, in der Demuth dich zu üben. Neben der Demuth brauchst du auch Sanftmuth, Geduld, Selbstverläugnung, wenn du deine Standespflichten erfüllen und die Zufrie denheit und Zuneigung deiner Herrenleute dir erwerben willst. Es soll an dir glänzen der Schmuck der Reinigkeit und eines tadellosen Wandels; denn gewissenlos müßte jener Vater, jene Mutter sein, die es zugeben würden, daß z. B. thre Kinder, groß oder klein, mit einer Dienstmagd in Berührung kämen, die sittenlos oder auch nur von verdächtiger Sittlichkeit wäre. Mit Einem Worte: durch deinen Stand bist du ernstlich aufgefordert, durch die Uebung aller Tugenden den Fußstapfen unsers göttlichen Erlösers Jesu Christi zu folgen, seine Demuth, Milde, Langmuth, Armuth, Entfagung, Reinigkeit nachzuahmen, kurz, ein heiligmäBiges Leben zu führen. Und wie Viele sind dir in diesem Stande als Muster der Nachahmung vorangegangen und selig geworden! Betrachte eine heilige Barbara, Digna, Christina, Dulia, Nothburga, Zitta, Verena und viele Andere. In Von dem Berufe zum Ehestande. 259 deinem Stande heiligten sich diese Seelen; da gewannen sie, meistens in stiller, der Welt ganz unbekannter Wirksamkeit und demüthiger Pflichttreue die Krone des Lebens. Darum, christliche Dienstmagd, habe Ehrfurcht vor deinem Stande und Liebe zu demselben, so wie Eifer in der Erfüllung der damit verbundenen Pflichten. Genieße, was dir Gott beschieden, Entbehre gern, was du nicht haſt; Ein jeder Stand hat seinen Frieden, Ein jeder Stand hat seine Laſt. Bei Pflicht und Fleiß sich Gott ergeben, Ein ewig Glück in Hoffnung seh'n, Dies ist der Weg zu Ruh und Leben: Herr, lehre diesen Weg mich geh'n! Achtes Kapitel. Von dem Berufe zum Ehestande. §. 1. Der Beruf zum Ehestande muß von Gott kommen. Im heiligen Evangelium, wo Christus von dem Bande der Ehe spricht, heißt es: Was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden.( Mark. 10, 9.) Und der Apostel sagt: daß Einige auf diese, Andere auf eine andere Weise berufen worden sind.( 1. Kor. 7.) Der Ehestand ist heilig und ein großes Sakrament und verleihet auch Denen, welche dazu berufen sind, besondere Gnaden.( Eph. 5, 33.) " Das Weib wird selig werden," sagt der Apostel, ,, wenn es im Glauben, in der Liebe und im Eifer für die Heiligkeit verharret, ihre Bestimmung als 260 III. Berufsschule für Jungfrauen. Mutter treu erfüllet und die Mäßigkeit in dem beobachtet, was ihr Stand ihr zuläßt."( 1. Tim. 2, 15.) Fühlt sich eine Jungfrau wirklich zu dem Stande der Ehe berufen, so soll sie kein Bedenken tragen, ihn anzutreten; indem sie versichert sein kann, daß Gott, wenn Er sie dazu bestimmt hat, ihr auch die gehörigen Gnaden dazu ertheilen wird, damit sie ungeachtet aller auf sie wartenden Hindernisse, Zerstreuungen und Sorgen das Heil ihrer Seele erlangen möge. §. 2. Gute Näthe für Jungfrauen, welche sich verehelichen wollen. Bist du einmal, christliche Jungfrau, in deinem Sinne von deiner Bestimmung, dich zu vermählen, überzeugt, so erkläre dich darüber deinem Beichtvater, oder auch andern unpartheiischen flugen Geistlichen, oder berathe dich auch darüber mit einer frommen Hausfrau, die dir durch ihre Erfahrung an die Hand gehen kann. Ergib dich nicht einem zu heftigen Verlangen, dich zu vermählen. Lasse dir ja nicht einfallen, auf Bällen und bei ähnlichen leichtfertigen Gelegenheiten und Beluſtignngen dir einen Gemahl suchen zu wollen. Ein vernünftiger, fluger und gottesfürchtiger Mann wählet sich gewöhnlich eine sittsame, tugendhafte und eingezogene Jungfrau. Vertraue auf Gott, Er wird dir Denjenigen zuführen, mit dem du in Frieden den Himmel erlangen kannst. Unterwirf dich, wo möglich, dem Willen deiner Eltern oder Derer, die dir an ihrer Statt bei der Wahl eines Gemahls rathen sollen; jedoch bist du nicht verbunden, Gehorsam zu leisten, wenn du Von dem Berufe zum Ehestande. gegründete Ursachen und eine entschiedene Abneigung gegen die angetragene Person haſt. Sei auch nicht zu voreilig in der Wahl und dem Versprechen, deine Hand zu geben. Laß dich nicht hinreißen von Schmeicheleien, Liebkosungen, oder von der angenehmen Gestalt eines jungen lebhaften Werbers; sondern nimm Bedenkzeit und prüfe eine so wichtige Sache wohl und reiflich. Fliehe vor Allem einen Müßiggänger, einen Spieler, einen Trinker, einen Wollüstling; denn dein Ehestand könnte dir so die Hölle auf Erden werden. 261 Jeden Bewerber aber, der leichtfertige, unfittliche Gespräche führen will und dir Zumuthungen macht, welche die Tugend und jungfräuliche Reinigkeit beleidigen, den betrachte als einen Seelenmörder, als den Räuber deines Heiles, und sein Versprechen der Ehe halte für Meineid. Wie könntest du Treue von ihm erwarten, da er seinem Gott meineidig ist? Die beste eheliche Verbindung ist jene, wobei der Segen Gottes ist. Dazu sind aber weder große Güter, noch hohe Ehren und Würden erforderlich, sondern Zufriedenheit des Herzens, Friede, Geduld, Einigkeit und Uebereinstimmung der Gemüther. Alle diese Gaben sind Früchte der Furcht Gottes. Außer der Gnade müssen auch die Vermählten das Ihrige dazu beitragen. Es muß eine keusche Liebe und Neigung zwischen ihnen Statt finden! Damit aber dieselbe von Dauer sei, sind Gleichheit der Geburt, der Erziehung, der Denkungsart, des Alters und des Vermögens erforderlich. Wählst du dir einen Gemahl, der von höherem Stande ist und reicher als du; so hast du zu fürchten, daß er nach Verlauf einiger Zeit, wenn deine Schönheit verblüht, oder er derselben überdrüssig ist, dich 15* III. Berufsschule für Jungfrauen. verachten und dir unedler Weise deine niedrige Geburt und Armuth vorwerfen werde. Bist du hingegen reicher, so bleibt dir zu bedenken, vorzüglich wenn du nicht schön bist, daß er nicht dich, sondern nur dein Vermögen zu besißen wünscht, das er dann vielleicht verschwenden und eigenmächtig, ohne dich zu fragen, darüber schalten und walten wird. Vermähle dich auch nicht mit einem zu be jahrten Manne, wenn du noch jung bist. Eifer: sucht von seiner Seite, mancherlei Versuchungen und eine frühe Wittwenschaft würden auf dich warten. Allein hüte dich auch, wenn du nicht mehr jung und schon verblüht bist, mit einem jungen Manne dich zu vermählen; du hättest seine Gleichgültigkeit und auch wohl Untreue zu fürchten. Auch ist es nicht rathsam, mit einem Wittwer, der schon mehrere Kinder hat, in die Ehe zu treten; denn deine Geduld würde vielleicht bei der Erziehung dieser dir fremden Kinder ermüden, du würdest in Unfriede und Uneinigkeit gerathen und den Namen einer bösen Stiefmutter davon tragen. Folge ja nicht dem bösen Beispiele mancher Sittenlosen deines Geschlechtes, welche in irriger und strafbarer Meinung wähnen, daß ihnen jede Freiheit gestattet sei, sobald sie nur das Eheversprechen erhalten haben. Selbst die kleinste sinnliche Vertraulichkeit, die geringste Liebkosung erlaube nicht. Tritt mit reinem Herzen und unbefleckter Reinigkeit vor den Altar, vor das Angesicht Gottes, wo der Priefter dich mit deinem Gemahle nach dem Gebrauche der heiligen Kirche vereinigen wird, damit du den göttlichen Segen und die Gnade des heiligen Sakramentes empfangest und durch die Achtung deines Gemahles belohnt werdest. So wirst du dann auch alle Ünannehmlichkeiten und Beschwerden dei262 Von dem Berufe zum Ehestande. 263 nes Standes zu tragen dich gestärkt fühlen und deine vielfältigen Pflichten zu erfüllen vermögen, um das Heil deiner Seele nach vollbrachter irdischer Laufbahn zu finden. §. 3. Pflichten einer Vermählten. So wie der Mann das Weib, so muß auch das Weib den Mann lieben und dessen Mängel und Schwächen mit Geduld ertragen. Sie soll ihm gehorsam sein, als ihrem Haupt und Meister, und in seiner Person Christus sehen. ( Ephes. 5, 22.) Es ist ihre Pflicht, alle Gelegenheiten zu meiden, die ihrem Gemahl ihre Treue verdächtig machen und Eifersucht bei ihm erwecken könnten. Nicht Alles ist in diesem Stande erlaubt, wozu die Sinnlichkeit und unordentliche Begierden anreizen. Der Apostel befiehlt, daß Eheleute in Allem die Zucht und Ehrbarkeit beobachten und die Schranken der Mäßigkeit nicht übertreten.( Hebr. 13, 5.) Jene, welche in diesem Stande der Sinnlichkeit auf eine ungeordnete und thierische Weise Gehör geben, schließen Gott aus ihrem Herzen und gerathen in die Gewalt des höllischen Fürsten.( Tob. 6, 17.) Keusche Vermählte werden Beide in Wohlfahrt zusammen alt werden."( Tob. 8, 10.) Eine ordentliche Hausfrau soll allen ihren häuslichen Geschäften pünktlich vorstehen, ihre Kinder in Gottesfurcht erziehen, über die Aufführung ihrer Dienstleute ein wachsames Auge haben und denselben durch einen heiligen Wandel ein erbauliches und ermuthigendes Beispiel geben. Alle ihre Sorgen, Widerwärtigkeiten und Drangsale soll sie 264 III. berufsschule für Jungfrauen. durch das Verlangen, Gott zu gefallen, verdienstlich machen und Gott ihre Leiden geduldig opfern. Sie soll sich so viel als möglich zeitlichen Sorgen entziehen und ihr Gemüth zur Andacht sammeln; getreulich Morgen- und Abendgebet halten, wo möglich alle Tage eine heilige Messe hören, wenigstens alle Monate einmal beichten und das heilige Sakrament des Altars empfangen; wo sie dann ihrem Herrn und Heiland ihr Kreuz und ihre Anliegen flagen und vertrauen kann, statt bei falschen Menschen, die oft das Unglück Anderer verspotten, Zuflucht zu suchen. §. 4. Ermahnungen für Wittwen. ( Vom heiligen Franz von Sales.) Der heilige Paulus gibt in der Person seines Timotheus allen geistlichen Hirten diese Ermahnung: ,, Ehre die Wittwen, die wahre Wittwen sind." Um aber eine wahre Wittwe zu sein, werden folgende Eigenschaften erfordert: 1. Daß die Wittwe nicht blos dem Körper, sondern auch dem Geiste nach Wittwe sei, das heißt, sie muß den unwiderruflichen Entschluß gefaßt haben, in dem Stande einer keuschen Wittwenschaft zu leben; denn Wittwen, die es nur in der Er wartung einer Gelegenheit sind, sich wieder zu verchelichen, sind von den Männern nur der finnlichen Lust nach getrennt, sind aber bereits dem Willen und dem Herzen nach mit ihnen verbunden. Wenn, im Stande der Wittwenschaft sich zu befeſtigen, die wahre Wittwe Gott ihren Körper und ihre Keuschheit durch die Kraft eines Gelübdes opfern will, so wird sie ihrer Wittwenschaft eine große Bierde geben und ihren Entschluß in weit größere Von dem Berufe zum Ehestande. 265 Sicherheit bringen; denn sieht sie, daß nach dem Gelübbe es nicht mehr in ihrer Gewalt steht, ihrer Keuschheit zu entsagen, ohne zugleich dem Himmel zu entsagen, so wird sie so eifrig auf ihren Vorsatz halten, daß sie auch dem leisesten Gedanken an eine neue Ehe nicht einen Augenblick Raum in ihrem Herzen gestattet. Dieses heilige Gelübde wird dem nach zwischen ihrer Seele und allen Entwürfen, die ihrem Entschlusse entgegen sind, ein starkes Bollwerk aufrichten. Dieses Gelübde räth auch der heilige Augustin der christlichen Wittwe sehr an, und der alte und gelehrte Origines geht noch weiter; denn er räth den verheiratheten Frauen, für den Fall, daß ihre Männer vor ihnen sterben sollten, die Keuschheit der Wittwenschaft zu geloben, damit durch diese vorzeitige Angelobung selbst unter dem sinnlichen Vergnügen ihrer Ehe das Verdienst einer keuschen Wittwenschaft ihnen zu Theil werde. Das Gelübde macht alle daraus entspringenden Werke Gott angenehmer, erhöhet den Muth, sie zu vollbringen, und opfert Gott nicht nur alle Früchte unsers guten Willens, sondern weihet Jhm sogar den Willen selbst, der gleichsam der Baum aller unserer Handlungen ist. Durch die einfache Keuschheit widmen wir Gott unsern Körper, behalten uns aber dabei die Freiheit vor, denselben zu seiner Zeit den sinnlichen Lüsten hinzugeben; durch das Gelübde der Keuschheit aber bringen wir denselben als eine vollkommene und unwiderrufliche Gabe dar, chne uns die Gewalt vorzubehalten, dies Versprechen zu widerrufen, und begeben uns hierdurch in eine Knechtschaft, welche glorreicher ist, als jedes Königthum. Gar sehr stimme ich dem Rathe dieser beiden großen Kirchenväter bei, doch wünschte ich zugleich, daß die glückieligen Seelen, die ihn befol 266 III. Berufsschule für Jungfrauen. gen wollen, auf kluge, heilige und bedachtsame Weise verfahren, vorher ihren Muth genau prüfen, Gott um seine Erleuchtung anrufen und einen flugen und frommen Beichtvater zu Rathe ziehen; denn so wird Alles mit größerm Nußen geschehen. 2. Ueberdies muß die Entsagung einer zweiten Che rein und einfach sein, damit die Wittwe all' ihre Gesinnungen mit höherer Reinigkeit zu Gott kehren und ihr Herz mit allen seinen Trieben und Empfindungen mit der göttlichen Majestät vereinigen könne. Denn wenn das Verlangen, reiche Kinder zu hinterlassen, oder irgend eine andere weltliche Rücksicht sie in der Wittwenschaft zurückhält, so wird sie vielleicht Ruhm davon haben, aber nicht vor Gott, da vor Gott nichts wahren Ruhm verdienen kann, was nicht Gottes wegen geschieht. 3. Dazu muß die Wittwe, die wahre Wittwe sein will, freiwillig von allen eitlen Freuden der Welt sich fern halten. Die Wittwe, die in Lüsten lebt, ist lebendig todt," sagt der heilige Paulus. Die Wittwe sein will, dabei aber dennoch an Schmeicheleien und Liebkosungen Gefallen hat, auf Bällen, bei Tänzen und Gastgelagen sich einfindet, sich puzt, schminkt und sich eine hübsche Gestalt geben will, iſt eine Wittwe, die zwar dem Körper nach lebt, doch der Seele nach todt ist. ,, Die Zeit ist gekommen, die Bäume zu beschneiden; die Stimme der Turteltaube ist in unserem Lande gehört worden," singt das hohe Lied. Das Beschneiden des weltlichen Ueberflusses wird von Jedem gefordert, der ein frommes Leben führen will; vorzüglich aber ist dies der wahren Wittwe nothwendig, die gleich einer keuschen Turteltaube noch frische Thränen vergießt und den Verlurst Von dem Berufe zum Ehestande. 267 ihres Gatten beklagt. Als Noemi von Moab nach Bethlehem zurückkehrte, fragter die Frauen der Stadt, die im Anfange ihrer Ehe sie gekannt hatten, einander: Ist dies nicht Noemi?" Sie aber sagte: Ich bitte euch, nennt mich nicht Noemi( die Liebliche und Schöne), sondern nennt mich Mara( die Bittere), denn der Herr hat mich mit Bitterfeit erfüllt." Dieses sagte sie, weil ihr Gatte gestorben war. Also will auch die fromme Wittwe nie, weder lieblich, noch schön genannt und geachtet werden; denn sie benügt sich damit, das zu sein, was Gott will, daß sie sei, nämlich demüthig und gering vor seinen Augen. Die Lampen, die von würzigem Dele brenneit, geben einen lieblichern Geruch von sich, wenn ihre Flamme erlischt; also verbreiten auch die Wittwen, deren Liebe in ihrer Ehe rein war, einen lieblichern Wohlgeruch von Tugend und Keuschheit, wenn ihr Bicht, nämlich ihr Gatte, durch den Tod erlischt. Den Gatten lieben, so lange derselbe am Leben ist, ist unter den Weibern wohl ziemlich gewöhnlich; aber denselben so sehr lieben, daß man nach seinem Tode keinen andern wolle, dieses ist ein Grad der Liebe, der nur wahren Wittwen eigen ist. Auf Gott vertrauen, so lange der Mann die Stüße des Hauses ist, dieses ist nichts Seltenes; aber auf Gott vertrauen, wenn man dieser Stüße beraubt ist, dies ist fürwahr des Lobes würdig. Daher erkennt man auch im Wittwenstande die Vollkommenheit der Tugenden weit leichter, die man in der Ehe geübt hat. Die Wittwe, welche Kinder hat, die ihrer Sorgfalt und Leitung, vorzüglich in Hinsicht ihrer Scele und ihrer Versorgung bedürfen, kann und darf die selben auf keine Weise verlassen; denn ausdrücklich Sagt der heilige Paulus daß sie zu dieser Sorge III. Berufsschule für Jungfrauen. verpflichtet ist, um dadurch an ihren Kindern zu vergelten, was sie selbst von ihren Eltern empfieng, und weil Derjenige, der nicht für die Seinigen, zumal für seine Familie sorgt, noch schlimmer als ein Heide ist. Bedürfen aber die Kinder ihrer Leitung nicht mehr, dann sammle die Wittwe alle ihre Gesinnungen und Gedanken, daß sie dieselben mit höherer Reinigkeit zu ihrem Fortschreiten in der Liebe Gottes verwende. Wenn nicht Nothwendigkeit die wahre Wittwe zu äußerlichen Geschäften, z. B. zu Rechtshändeln, verpflichtet, so rathe ich ihr, davon ganz abzustehen und ihre Angelegenheiten auf die friedlichste Weise zu ordnen, obgleich diese nicht die nüßlichste zu sein scheint. Denn die Früchte eines geräuschvollen Lebens müßten sehr groß sein, wenn sie den Nußen einer heiligen Ruhe aufwiegen sollten; zu geschweigen, daß Prozesse und andere Welthändel das Herz zerstreuen und den Feinden der Keuschheit nicht selten das Thor öff nen, indem man, Jenen zu gefallen, deren Gewogenheit man bedarf, in Dinge einwilliget, die der Frömmigkeit entgegen und Gott mißfällig sind. Das Gebet sei die beständige Uebung der Wittwe; denn da sie keine Liebe mehr, außer für Gott allein haben darf, soll sie auch beinahe keine Worte mehr, außer für Gott allein haben. Und wie das Eisen vom Magnet sich nicht anziehen läßt, sobald ein Diamant in seiner Nähe ist, nach dessen Entfernung hingegen alsbald demselben Magnet zueilet, so soll auch das Herz der Wittwe, das, so lange der Mann lebte, nicht gänzlich zu Gott sich aufschwingen konnte, nach dessen Tode alsbald dem Wohlgeruch der himmlischen Düfte zueilen und mit der Braut im hohen Liede sagen: D Herr! jetzt, da ich ganz mir selbst angehöre, nimm mich ganz als dein Eigen268 Von dem Berufe zum Chestande. thum auf; ziehe mich zu Dir, dem Wohlgeruch deiner Salbungen laufen wir zu.“ Die Tugenden, die einer heiligen Wittwe eigen, sind: daß sie vollkommen sittsam sei, Ehrenstellen, Gesellschaften, Rang und Titeln und jeder andern thörichten Eitelkeit entsage, den Armen und Kranken diene, die Betrübten tröste, die Mädchen in der Frömmigkeit unterrichte und den jungen Frauen als ein vollkommenes Muster aller Tugenden vor= leuchte. Bedürfniß und Einfachheit sei der Glanz ihrer Kleidung, Demuth und Liebe der Schmuck ihrer Handlungen, Ehrbarkeit und Höflichkeit die Zierde ihrer Rede, Sittsamkeit und Verschämtheit die Schönheit ihrer Augen, und Jesus Christus der Gefreuzigte die einzige Liebe ihres Herzens. Kurz, die wahre Wittwe ist in der Kirche was das Veilchen unter den Blumen ist. Dieses verbreitet einen lieblichen Duft. Die Wittwe soll den Wohlgeruch ihrer Andacht verbreiten. Das Veilchen verbirgt sich unter breiten Blättern. Die Wittwe soll in heiliger Demuth vor Gott wandeln. Seine dunkle Farbe deutet die Abtödtung an; es erscheint an kühlen und unangebauten Orten. So soll die Wittwe vor dem Umgang mit den Weltleuten sich möglichst bewahren und ihr Herz gegen die Gluthen sicher stellen, welche die Begierde nach Reichthum, nach Ehre und nach Liebe in ihr erwecken könnte. ,, Und glücklich wird sie sein," spricht der heilige Apostel, wenn sie also verharret." 269 Schluß der ,, Berufsschule für Jungfrauen." Christliche Jungfrau! ich habe dir in der Berufsschule für Jungfrauen" sowohl im Allgemeinen, als auch für die besonderen Verhältnisse, in denen 270 III. Berufsschule für Jungfrauen. du dich befindest, oder in die du noch kommen kannst, manche Lehre und Verhaltungsregel ertheilt, in der festen Ueberzeugung, daß du für Zeit und Ewigkeit großen Nußen haben werdest, wenn du in allem Ernste beslissen sein wirst, dein Leben darnach einzurichten und so würdig zu wandeln des Be rufes, zu dem du von Gott berufen bist." Zum Schlusse vernimm noch zwei Worte, welche der heilige Franz von Sales dir zuruft: Wenn dein Sinn, christliche Jungfrau! auf eine zeitliche Ehe gerichtet ist, so bewahre mit aller Sorgfalt deine erste Liebe für deinen ersten Gatten. Denn ich halte es für einen großen Betrug, wenn man, statt eines ungetheilten und aufrichtigen Herzens, ein von Liebe ganz eingenommenes, verbrauchtes und verderbtes Herz anbietet. Beruft dich aber dein Glück zu der keuschen und jungfräulichen, geistlichen Vermählung, und willst du deine Jungfrauschaft auf immer erhalten, o so bewahre mit aller möglichen Sorgfalt deine Liebe für jenen göttlichen Bräutigam, der, als die Neinigkeit selbst, nichts so sehr liebt, als die Reinigkeit, und dem die Erstlinge aller Dinge, vorzüglich aber die der Liebe gebühren! Und da dein Stand dich zum Gehorsam verpflichtet, so wähle einen Führer, unter dessen Leitung du in höherer Heiligkeit dein Herz und deinen Körper der göttlichen Majestät zu opfern vermagst. Vergiß nie das Wort des heiligen Geistes: Alles, was man hochschäßen mag, ist mit einer keuschen Seele nicht zu vergleis chen."( Sir. XXVI, 20.) Vierte Abtheilung. Lebensschule für Jungfrauen. 271 Bilder aus dem Leben von fünf heiligen und gottfeligen Jungfrauen. Jugendleben der seligsten Jungfran Maria*). Eine Schrift aus sehr alter Zeit erzählt, wie folgt: Mit drei Jahren brachten die Eltern der seligsten Jungfrau, Joachim und Anna, ihr Kind( wie fie es gelobt hatten) zum Tempel, damit es daselbst bleibe und erzogen würde. Schon war dasselbe so erstarkt, daß es wie eine erwachsene Person ohne Hülfe die hohen Stufen zum Tempel hinanstieg; auch geistig war dasselbe bereits so entwickelt, insbesondere so ausdauernd im Gebete, daß es nicht ein Kind, sondern volljährig zu sein schien. Alles Volk erstaunte über dasselbe. Ueber seinen Aufenthalt im Tempel heißt es sodann in derselben Schrift: Von früh bis Morgens neun Uhr lag Maria dem Gebete ob; von da bis Nachmittags drei Uhr beschäftigte sie sich mit Weben; von drei Uhr an widmete sie sich wieder dem Gebete, bis ein Engel 11 *) Aus dem Buche: Das Leben der seligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria." Bon Dr. J. B. von Hirscher. 272 IV. Lebensschule für Jungfrauen. des Herrn erschien und ihr Speise brachte; wogegen sie jene Speise, die sie vom Tempel empfing, den Armen schenkte. Sie wurde in Allem, was einem Jungfräulein wohl ansteht, unterrichtet, stand aber keiner der älteren Jungfrauen nach im frommen Wachen, in Kenntniß des göttlichen Gesetzes, in der Demuth, in der Liebe, in dem heiligen Gesange, in der jungfräulichenKeuschheit, oder in irgend einer Tugend. Niemand hörte sie je Scheltworte aussprechen, Niemand sah sie je zornig. Gebet, Lesung und Erforschung der heiligen Schrift war ihre angenehmste Beschäftigung. Auf ihre Ge spielen war sie aufmerksam, daß keine im Reden fündige, ein lautes unjungfräuliches Gelächter auf schlage, oder Unziemliches wider ihre Aeltern rede. Ohne Unterlaß pries sie Gott, und den an sie ge richteten Gruß erwiederte sie mit: Dank Gott! womit fie dem Spruche: Deo gratias seine Entstehung ge geben habe. Oft sah man Engel mit ihr reden und mit zarter Aufmerksamkeit ihr dienen. Man wird das, was hier von Maria erzählt wird, als etwas ansehen, was eben an ihr der Einzigen ihres Geschlechtes, gefunden worden: und in der That ist gewiß Vieles davon einzig: dennoch ist die Hauptsache der Art, daß sie an jeder christlichen Jungfrau gefunden werden soll. Es wird nicht schwer sein, dieses nachzuweisen. - I. Das Gebet. Es wurde gesagt, wie Maria von früh bis neun Uhr dem Gebete obgelegen habe, ebenso Abends, und daß das Lob Gottes beständig in ihrem Munde gewesen sei. Das ist aber in der Hauptsache bei jeder tief christlichen Jungfrau eben so. Die Frömmigkeit ist ihr Leben, im Gebete liegt ihre Se Jugendleben der seligsten Jungfrau Maria. 273 ligkeit. Nicht als ob sie gerade stundenlang betete, das ist nicht erforderlich, und ihr häuslicher Beruf würde das auch nicht erlauben. Aber doch ist beim Erwachen Gott ihr erster Gedanke und die Liebe zu Ihm ihre erste selige Empfindung. Eben so ist auch den weiteren Tag hindurch das Gebet ihre Speise. Wie oft sendet sie im Laufe desselben liebende, lobpreisende, demuthvolle Empfindungen zum Himmel empor! Besonders liegt ihr an, daß sie, wenn immer möglich, jeden Tag die Kirche besuche und dem heiligen Meßopfer anwohne. Und was sie dann je heute erlebt, gestrebt, erwirkt, unterlassen, gefehlt oder genossen hat, das Alles geht sie im Geiste, da sie sich zur Ruhe legt, noch einmal durch dankend, preisend, bittend und bereuend. So schläft sie ein, harmlos und kindlich im Herrn, behütet vom Herrn und geschüßt von seinem heiligen Engel zum kindlich- frommen Wiedererwachen. Solches scheint zwar der Tochter, welche sich dem weltlichen Sinne hingegeben, eine unerschwingliche Sache, langweilig, unerquicklich, betschwesterisch. Allein da erfüllt sich, was die Schrift sagt: ,, Der fleischliche Mensch faßt nicht, was des Geiftes ist." Wie der weltlich gesinnten Tochter solches gebetreiche fromme Leben unfaßlich erscheint, so der gottgeheiligten Jungfrau das fade Leben eines Weltfindes. Die Frage ist nur, welche von Beiden den besseren Theil erwählt habe? Betrachten wir, wie es mit der Seele der Tochter beschaffen sei, die vor dem Gebete Scheu und beim Gebete Langeweile hat. Siehe, das Herz des Menschen, von Gott erschaffen, hat einen natürlichen Zug nach Gott hin erhalten, und weil alle Größe, Liebe und Seligkeit, kurz alles Gute in Gott ist, so fühlt sich dieses Herz groß, liebereich und liebeselig, wenn es dem 11 IV. Lebensschule für Jungfrauen. inwohnenden Zuge folgt, an Gott sich hingibt und in Jhm lebt und bleibt. Die fromme Jungfrau befindet sich also in ihrer Frömmigkeit keineswegs etwa in einem mühlichen, freudelosen Zustande, vielmehr lebt sie in ihrer Frömmigkeit ihr eigentliches wahres Leben und fühlt sich erhoben, groß und selig. Aber die Andere, welche hieran nicht Geschmack findet, vielmehr davon halb angewidert wird, ist außer Gemeinschaft mit dem Quell, dem Geber und Segner ihres Lebens, und steht gerade so tief, als die Weltgüter stehen, denen sie gehört. Wenn sich daher, du Arme! all dein Leben und Lieben etwa im Buße bewegt, in der Unterhaltung über Theater, Tanz und Lustpartieen, oder im Denken und Schauen auf Diese und Jene, oder in eitel Haussorgen, in Neid und Klatscherei: Gott, wie tief stehst du! Meinst du etwa, du seiest eben nicht so fromm und könnest eben nicht immer so beten wie Diese und Jene: ach, das ist es nicht! Das viele Beten macht es auch nicht aus. Manche betet we niger in Worten, desto mehr in Arbeiten, Mühen und Leiden, die sie Gott opfert. Du aber betest weder in Worten noch in Werken. Du bist gemein, kalt und( wenn man's genau untersucht) herzlos und freudlos, denn Alles, wozu du dich erhebst, ist Tand, Sinnlichkeit, Gefallsucht, Genußsucht und Neuigkeit des Tages. Was gibt das deinem Herzen für einen Adel, für eine Weihe und für einen Frieden? 274 Was das Leben der heiligsten Jungfrau, so ist demnach das Leben jeder christlichen Tochter ein frommes, ein gebetreiches, ein innerliches und bei Gott verborgenes. Aber ist es darum ein abgeschlossenes, düsteres und unmittheilsames? nein! Die ächte Frömmigkeit ist nicht düster, und Jugendleben der seligsten Jungfrau Maria. 275 die fromme Jungfrau ist, wie innerlich freudig, so auch, ja eben darum nach Aussen lebensheiter, herzlich zugethan guten Menschen und im kindlich liebenden Verkehre mit ihnen, mittheilsam, theilnehmend, anspruchlos, ergeben. Unfehlbar ist sie namentlich die liebendste, gehorsamste, dienstwilligste Tochter und Schwester. Noch mehr: Wie in kindlich heiterem Verkehre mit den Menschen, so steht sie auch in finnigem, fühlendem Umgange mit der Natur. Die Größe, der Reichthum, die Schönheit, die Macht und Weisheit in der Natur ergreifen sie in innerster Seele und erfüllen sie mit Bewunderung und heiliger Freude. Aber eigentlich nicht die Natur thut das, sonst müßte jede Beschauerin die felbe Empfindung haben; ihre Frömmigkeitthut das, indem die fromme Seele nicht eine in Weltinteressen bereits versunkene und darum unempfindliche, vielmehr eine den großen Eindrücken der Natur offene ist, und weil die fromme Seele in den Naturerscheinungen zart das herausfindet und herausfühlt, was sie selbst liebend im Herzen trägt- die Größe nämlich, Güte und Weisheit ihres Schöpfers. — Woher kommt das launenhafte, herbe, verdros sene Wesen Vieler?- Ach, sie sind innerlich kalt, von allerlei Wünschen beunruhigt, von Neid oder Langweile gequält. Das macht sie wunderlich, herb und ungenießbar. Und warum kein eigentlicher Sinn für Natur und Kunst, vielmehr Empfindelei und affektirte Bewunderung?- Ach, sie sind nicht fromm, darum, wo sie nicht gedankenlos vorübergehen, be wundern sie zwar das Erhabene und Schöne, aber ihrer Bewunderung fehlt die heilige Liebe, und damit die eigentliche Freudigkeit, Herzlichkeit und Tiefe. Aber gibt es nicht auch Fromme, die nichts - 276 IV. Lebensschule für Jungfrauen. weniger als heiter, mittheilsam, dienstfreundlich und für Menschen und Natur offen sind? Allerdings. Aber ihre Frömmigkeit ist keine gesunde: ihr fehlt das Mertzeichen der Aechtheit die Liebe. 1 II. Unterricht und Bildung. Von Maria wird in unserer alten Schrift weiter erzählt, sie sei in Allem, was die Jungfrau schmückt, wohl unterrichtet worden, sei Reiner, auch der ältern Jungfrauen, in der heiligen Erkenntniß nachgestanden, und Lesung und Erforschung der heili gen Schrift sei ihre liebste Beschäftigung gewesen. Auch dieses finden wir bis heute mehr und weniger bei jeder christlichen Jungfrau. Je nach Stand und Vermögen wird gerne Alles auf Ausbildung der Tochter verwendet. Was muß sie nicht lernen: Geschichte, Geographie, Zeichnen, Musik, Sprachen, feines Benehmen in Gesellschaft 2c. und alle feine weibliche Arbeit!- Gut. Man trägt nicht schwer an Kunst und Wissenschaft. Und gewiß übt die christliche Jungfrau auch hievon dies und das nach Geschick und Neigung. Aber ihr Liebstes oder ihr Alles ist es nicht. Sie übt Gesang, auch weltlichen, aber innerlich vergnügt ist sie beim Vortrag heiliGeger Psalmen und Lieder. Sie liest auch schichte, Reisen, Erzählungen 2c., aber weit mehr Herzensgenuß gewähren ihr Lesungen in den Evangelien und in den Werken erleuchteter gottseliger Seelen. Und will sie sich nach gethaner Arbeit und erfüllten Haus- und Berufsgeschäften etwas recht Angenehmes verschaffen, so geht sie zum Gebet, zu frommer Lesung, zu heiligem Gesang, oder zu gott feligen Freundinnen. Wie das nun aber ihre Lust ist, so hinwiederum auch ihre stetigeFortbildung. Dieser Umgang mit edlen Seelen, diese unterrich- Jugendleben der seligsten Jungfrau Maria. 277 tende und alle höheren Seelenkräfte anregende Lesung, dieses heilige Nachdenken, dieser fromm begeisterte, lobpreisende, dankende, bittende Gesang das Alles veredelt die Jungfrau mehr und mehr und gibt ihr eine hohe geistige Weihe. Es darf hier eine schwere Täuschung und Verirrung nicht unerwähnt bleiben. Unsere Töchter nämlich lernen, wie oben gesagt, Geschichte, Geographie, Sprachen, Zeichnen, Musif, allerlei feine Arbeit 2c. und die Regeln des Umgangs. Wenn sie von all dem mehr oder weniger inne haben, so heißen sie gebildet, sehr gebildet, fein gebildet, und gewiß halten sie sich auch selbst dafür. Aber das ist grober Frrthum. Es kann eine Tochter in all dem unterrichtet fein und ist innerlich dennoch roh; sie kann von allem dem wissen und ist dennoch ohne allen Adel in Empfindung und Gesinnung, ganz alltäglich, wenn nicht selbst gemein. Das zeigt sich meist am deutlichsten, wenn die Tochter Gattin wird, und das durch Dressur theils, theils durch den geschlechtlichen Zug hervorgebrachte süß- geschmeidige Wesent ablegt, erscheinend rückhaltlos und ohne Hehl, wie fie eigentlich ist. Da sieht man sie nicht selten herrisch, grob, eigensinnig, launig, verdrossen, träg, schwazhaft, sinnlich, neidisch, böszüngig, der Pußsucht dienstbar 2c. Ach, wo ist jetzt die gerühmte feine Bildung?! Und was gibt ihr Gatte um all die feinen Arbeiten, die fremden Sprachen, das Geflimper auf den Tasten und den schmelzenden Gesang! was auch um die unerfüllbaren Erwartungen und leeren Empfindeleien eines durch weichliche Leserei überreizten Herzens! Was er bewußt oder unbewußt gesucht hat, was seiner männlichen Seele wohlthut und täglich neu wohlthut, das findet er nicht, nämlich die Herzensreinhe die Herzensgüte, 16 - 278 IV. Lebensschule für Jungfrauen. den frommen Glauben, die stille Demuth, die Selbstverläugnung und stumme Erduldung, die Aufopfe rung für Andere, die Gewandtheit in Rath, Trost und Hülfe, die Milde, so wie den gemessenen Ernst gegen die Hausgenossen 2c. O ihr verblendeten Eltern, was habt ihr euern Töchtern gegeben, wenn sie nichts durch euch empfangen haben, als was die Welt Bildung nennt! Ihr besonders, ihr Mütter, die ihr mit der Bildung eurer Töchter Staat machet, und die dressirten Pup: pen in die Gesellschaften führet, damit sie dort gesehen, und um ihrer Schönheit, Artigkeit und Kunstfertigkeit willen bewundert werden: euer Staat iſt Flitter. Aber ihr bringet außerdem eure Kinder eurer eigenen Eitelkeit zum Opfer. Denn was die gütige Natur denselben gegeben haben mag- an reiner Weiblichkeit, jugendlicher Schüchternheit, jungfräulicher Demuth, innerem stillem religiösem Sinn, an Zufriedenheit und Freude an Gott und Gebet, das treibet ihr aus, da ihr eure Kinder zur Schau stellet. Dennoch lacht euch das Herz im Leibe, wenn eure Töchter von jungen und alten Gecken gehätschelt und in die unendliche Täuschung eingelullt werden, als seien sie etwas. Und wie steht es mit der Lectür? Man sieht es aus dem von dem Evangelisten Lukas aufbewahrten Lobgefange, ,, Magnificat" genannt, daß Maria die heiligen Schriften des alten Bundes nicht nur gelesen hatte, sondern theilweise auswendig kannte. Diese Schriften waren also ihre beständige theilnahmvolle Lesung. Wie anders ist das bei uns! Kennst du diese Novelle, diese Erzählung, dieses Gedicht, diesen Roman, fragt die Gespielin, haft du jene schon gelesen? Und du willst dich fast schämen, wenn du mit Nein! antworten mußt. Haft 1 Jugendleben der seligsten Jungfrau Maria. 279 du aber die heiligen Evangelien vor dir, oder ein Erbauungsbuch, so ist dir, als solltest du es verbergen, denn das fällt auf, und du fürchtest ein Nasenrümpfen. Und doch macht lettere Lesung die Seele groß, edel, stark, während erstere( wenn nicht mit großer Auswahl und Mäßigung ge= pflegt) die Seele entnervt und entsittlicht. Wie? die viele und ungesichtete Lesung von Novellen, Romanen u. dgl. soll entsittlichen und entnerven? So ist es. Muß denn die immerwährende Beschäftigung der Seele mit geschlechtlichen Bildern und Gefüh len den Trieb nicht unordentlich aufregen? muß nicht der geistige Umgang mit lauter Liebesluft und Liebesjammer das Herz überreizen und gänzlich verweichlichen? muß nicht das fürdaurende Leben in einer Phantasiewelt über das wirkliche Leben grauenhaft täuschen, für letzteres völlig unbrauchbar und in demselben mißvergnügt, ja unglücklich machen? Nichts ist unfehlbarer. Und doch vergiften sich Hunderte und Tausende Tag für Tag mit der süßen Leserei. D wüßten sie doch, wie leer von aller hohen würdigen Empfindung, von aller schwunghaften Regung, von aller heiligen Begeisterung, von allem jungfräulichen Adel, von aller achtunggebietenden Tugend sie sind: seicht, schaal, sentimental, lüstern, fleischlich, unbrauchbar für Haus und Feld! Leget die vergiftende Nahrung weg! Glücklicher jene Frauen und Jungfrauen der alten Zeit, die weder lesen noch schreiben konnten! Unter ihnen fand sich manches starke Weib; unter euch wohl keines. — - III. Keuschheit. Maria, heißt es, blühte vor Allen in jungfräulicher Kenschheit. Ja so ausgebildet war ihr IV. Lebensschule für Jungfrauen. Bartgefühl, daß sie ein lautes grelles Lachen ihrer Gespielen nicht leiden mochte. In der That war und ist sie gerade in der Tugend der Keuschheit das große Vorbild, welches von jeher vor dem gesammten jugendlichen Geschlechte aufgeſtellt wor= den, und die katholische Kirche nennt sie die Jungfrau der Jungfrauen. Möchte sie als Königin das ganze junge- zumal weibliche Geschlecht um sich versammeln können und in dessen Mitte glänzen, die Reinste unter den Reinen! Welch ein blühendes hochherrliches Reich der Neinen, und fie dessen Königin! 280 duVerweilen wir betrachtend bei dieser größten der weiblichen Tugenden! Du hast, o Jungfrau! die Schamhaftigkeit und Züchtigkeit schon von der Natur empfangen. Wenn man den Namen ,, Jungfrau" spricht, so denkt man sich dabei unwillkührlich eine schüchtern eingezogene und schamhafte Persönlichkeit. Die Züchtigkeit ist der Jungfrau natürlicher Schmuck, und ihre Ehre bei allen Völkern, die irgend einen Sinn für Tugend und weibliche Würde hatten und haben. Alles, was du in der Welt bist und giltst, iſt am Ende doch blos deine Jungfräulichkeit. Hast du diese getrübt oder gar verletzt, so sinkst du augenblicklich in dem Maße, als du es gethan, in der öffentlichen Meinung, und bist nichts mehr. Aber du bist nichts mehr nicht bloß in der öffentli chen Meinung, sondern in dir selbst. Ach, fühlteſt du doch, du rein herangewachsene Jungfrau! den Schatz, welchen du in deiner Reinigkeit besikest! Man kann ihn nicht aussprechen, nur empfinden. Stehst du neben einer Unreinen, so glänzest du hoch, und indem man auf diese mit Wegwerfung oder Mitleid hinschaut, huldigt man dir und deiner feu Jugendleben der seligsten Jungfrau Maria. 281 schen Unversehrtheit mit unwillkührlicher Hochachtung. Das ist es auch, warum alle Geschlechter und Zeiten zu der Jungfrau der Jungfrauen mit lobpreisender Verehrung hinaufgeschaut haben und noch hinaufschauen. In der Keuschheit verschwistert sich alle Tugend der Jungfrau. Mit der Unkeuschheit ist alle Tugend in Frage gestellt. Darum ist es nicht, als wärest du, wenn du von der Keuschheit weichest, blos in einem Stücke vom Guten abgewi chen; du bist mit diesem Abfall insgemein durch und durch eine andere Person geworden. Es gibt wohl Keuschgebliebene, die im übrigen der Fehller genug haben: die Keuschheit ist nicht alle Tugend; wohl aber ist die Unteuschheit die Erschütterung aller Tugend. Wie gern z. B., und wie herzlich, als du noch rein warst, mochtest du beten, wie froh war dir zu Muth und wie konnte dich Alles freuen; wie hingest du findlich an den Eltern, wie herzlich war dein Umgang mit deinen Geschwistern, wie freundlich und harmlos verkehrtest du mit deinen Gespielen und Nachbarn, wie schlicht und gerade, wie wahr und treu war all dein Wesen! Aber seitdem du unrein geworden, bist du viel in dich ge= kehrt, mürrisch und launig, verstellt und lügenhaft, todt für all die kleinen Dinge, die dich sonst er= freuten. Du bist neidisch, eifersüchtig über Alle, die deiner Leidenschaft in den Weg kommen, aufgebracht, grob und trozig. Du bist den Eltern, Geschwistern und Gespielen fremder, und an Gott und Gebet findest du nicht Geschmack noch Lust. Siehe, du bist eine andere geworden; du bist nicht blos in Einem, sondern durch und durch herabgekommen. Die Eine Leidenschaft, der du dich ergeben, hatte alle diese Veränderung zur Folge. Darum, du gute 16* IV. Lebensschule für Jungfrauen.e Tochter, nimm zu Herzen, was du in deiner jungfräulichen Harmlosigkeit bist, und vergeude nicht unbedacht und dumm deinen würdigen und seligen Zustand an einen entwürdigten und gramvollen! Es gibt nichts Höheres, als den Umgang mit Gott, dem höchsten, dem allvollkommenen Geiſte. Mit irdischen Fürsten umgehen, ist wenig. Was kann man an Vielen derselben bewundern, verehren, lieben? Oder um was wird man durch diesen Umgang besser?- Anders verhält es sich mit dem Umgange mit Gott. Was ist es schon für eine Auszeichnung, dem allmächtigen Schöpfer Himmels und der Erde nahen zu dürfen! Was ist es für eine Erhöhung, Ihn den Geist der Geister, den Allheiligen, Allsegnenden, den Majestätvollen und Vater anbeten, Lobpreisen, lieben, Ihm sich für Leben und Sterben hingeben und opfern zu können! In und mit dieser Anbetung, Zobpreisung, Liebe und Hingebung wird die Seele des Beters erhoben, selbst groß und liebreich. Selig, wer sich oft und mit ganzem Gemüthe betend zu Gott erheben kann und erhebt! Nun, wer ist dieser Glückliche, der es kann, und der es recht vorzugsweise kann? Es ist die keusche Jungfrau. Der hl. Geist, dessen Tempel sie ist, hebt ihren Geist, ihre innerste Seele empor, und wandelt ihr Athem und Leben zur glühendsten Andacht. Mit unendlicher Lust, mit tiefster Innigkeit wendet fie Blick und Hände hinauf zu ihrem Gott und Heiland, eine Magd des Herrn Lobpreisend, dankend, vertrauend, ergeben, demuthvoll, reuig, muthvoll, zum Wirken und Leiden bereitet. Ja, wenn die alte Urkunde von der heiligsten Jungfrau erzählt, daß Engel mit ihr umgegangen seien und ihr täglich Speise vom Himmel gebracht haben, so erneut sich das, wenn auch nicht in sichtbarer Weise, 282 - - Jugendleben der seligsten Jungfrau Maria. 283 so doch unsichtbar bei jeder reinen, tief innig betenden Jungfrau. Engel umschweben sie. Und was sie aus tiefstem Herzensgrund, in seligster Liebe und Hoffnung fühlt und redet, stammt nicht aus ihr, sondern ist ihr von Oben gegeben: es ist eine Speise ihrer Seele vom Himmel. Aber nun in dem angegebenen Zusammenhang mit der Frömmigkeit, welch eine Würde iſt in der Keuschheit des Herzens: die Keuschheit erscheint so als zusammenfallend mit dem höchsten Adel der weiblichen Seele. Alles, wozu diese sich erheben, entwickeln, emporschwingen kann, ist entwickelt und erschwungen von der keuschen, in Unversehrtheit und Ungetheiltheit zu Gott erhobenen Jungfrau. Darum beglückwünschen wir dich, du Reine! Bewahre treu den Schlüssel zum Himmel, den du befizest!.... IV. Arbeit. Die ganze Zeit des Tages, die Maria nicht dem Gebete widmete, brachte sie, wie wir oben lasen, mit Weben, also mit nüßlicher Arbeit zu. So jede brave Jungfrau, weß Standes sie auch sei. Sie ist ein Glied der Familie; sie hat Kräfte: also muß sie auch die Stelle, welche ihr angewiesen ist, werkthätig ausfüllen. Es ziemt der Jungfrau De muth, und demüthig liebevoller Gehorsam. Wie wohlthuend ist ihr Anblick, wenn man sie früh und spät mit heiterem Muthe geschäftig sieht, dienend den Aeltern und Geschwistern, den eigenen Angehörigen und den Fremden! Für Andere zu leben, zu sorgen und zu arbeiten ist nun einmal ihr Beruf; aber nicht genug, es ist, wenn sie es in Demuth und Herzlichkeit thut um Christi willen, auch ihr Adel und vor Gott und Menschen ihr Ruhm 284 IV. Lebensschule für Jungfrauen. Es gibt mühsame Arbeiten, harte, widrige, auch gemeine und beschmußende: die brave Jungfrau scheut deren keine; sie müssen gethan sein, warum soll sie sich also derselben weigern? Im Gegentheil, je nothwendiger und nüßlicher das Geschäft, desto williger übernommen. Küche und Waschbank, Hacke und Besen werden nicht gescheut. Es ist ein lächerliches Vorurtheil, als ob Arbeit, nothwendige und nügliche Arbeit irgend Jemanden je herunter seßen könnte. Leider begegnen wir hier einer großen Zahl von Jungfrauen, welche uns die Frage abnöthigen, wofür sie denn eigentlich da zu sein glauben. Spät aufstehen und Stunden brauchen zum Anziehen, dann etwas Vergnügliches, liebe Gefühle Unterhaltendes, die Phantasie Aufregendes lesen und in Gedanken umherschweifen, oder eine Spielerei, ein Stück Pub 2c. als Arbeit vornehmen, sofort zum Besuche gehen oder Besuch empfangen, mit den Gespielen von tausend leeren und müßigen Dingen plaudern oder die stillen Interessen des Herzens austauschen, mitunter Langeweile haben, launig sein und Melancholie treiben, hier und dort eine Lustpartie machen, auf dem Schaumarkt der Gesellschaften producirt werden, etwa auch in die Kirche gehen und sehen und gesehen werden: das kann doch keine Menschenbestimmung sein, das kann doch keinen Werth haben und kein Beruf heißen. Und doch ist das die Lebens- und Tagesordnung Vieler. Gewiß kann man nur mit dem tiefsten Bedauern diese jugendlichen Seelen in ihrer unendlichen Verflachung und Leerheit, in ihrer krankhaften Ueberreizung und lügenhaften Weltanschauung betrachten. Sie verlieren so schnöde ihre schönen Jahre, sie sind so unnüß auf Gottes Welt, sie taugen so wenig jemals Jugendleben der seligsten Jungfrau Maria. 285 einem Hauswesen vorzustehen, das Leben in seinem prosaischen Ernste zu fassen und glücklich zu werden oder Jemand zu beglücken. Ja, sie sind so unendlich leer, leer nämlich von Allem, was der jungfräulichen Seele Gehalt, Adel und Werth gibt, voll freilich von müßigen Gedanken, füßelnden Empfindungen, schaalen Worten, liebeleeren Urtheilen, thörichten Hoffnungen und voll von Eitelkeit, Launen und sinnlichem Wesen. Um wie viel ehrenwerther steht die Tochter des Bauern, des Taglöhners, des gemeinen Bürgers da, um wie viel nüßlicher und würdiger die geringste sittsame und fleißige Magd, als die verbildete, verweltlichte, fenttimentale, puß- und lustsüchtige, aber arbeitsschens und Arbeit blos als Spiel treibende Jungfrau! D Töchter der Vornehmen und Reichen, die Töchter schwacher und thörichter Mütter, die Töchter emsiger, alle Arbeit selbst verrichtender Hausfrauen sind vielfach schwer zu beklagen, weil sie durch Standesvorurtheil, durch Mutterblindheit und Mutteremfigkeit ein müßiges und darum werthloses Leben zu führen verurtheilt sind. Gott ist der ewig Thätige. Arbeit ist des Menschen Vorzug und Ehre. Ist irgend eine Müßiggängerin für ein arbeitsames Leben zu vornehm, wenn es Gott nicht ist? Oder ist das etwa Standessache oder Mutterliebe, die das Kind dazu gewöhnt, nicht wie ein Mensch zu arbeiten, sondern wie ein Thierlein zu spielen und sich füttern zu lassen? Die heiligen Jungfrauen, Frauen und Wittwen der Kirche, insbesondere viele aus den höchsten Ständen, haben Kranke gepflegt, für Arme Kleider verfertigt, Unwissende unterrichtet u. s. w. Diesen folge nach! dogion diade — IV. Lebensschule für Jungfrauen. Die gottselige Mutter Mechtilde vom heiligen Sakrament, Stifterin des Ordens der ewigen Anbetung. 286 Mechtilde, die vor ihrem Eintritte in das Kloster den Namen Katharina von Bar führte, stammte von adelichen Eltern und wurde zu St. Dié in Lothringen am 31. Christmonat 1614 geboren. Schon als Kind von drei Jahren zeigte fie eine außergewöhnliche Liebe und Andacht zum heiligen Altarssakramente. Sie konnte die Hälfte des Tages im stillen Gebete zubringen und hatte dann eine besondere Freude, vor dem Bilde des heiligen Altarssakraments Rauchwerk anzuzünden. Schon als Kind hatte sie eine merkwürdige Erscheinung, wodurch ihr künftiger Beruf angedeutet wurde. In ihrem fünften Lebensjahre erschienen ihr einst sieben strahlende Monstranzen mit eingeschlossener Hoftie. Ganz entzückt vor Freuden schrie sie: Kommet und sehet doch, wie mir das heiligste Sakrament geschenkt wird!" Diese Monstranzen waren das Vorzeichen von den Klöstern der Ewigen Anbetung," welche Mechtilde noch bei ihren Lebzeiten stiftete. Wie Gott die Heiligen durch viele Leiden an sich zieht, so sollte auch Mechtilde in ihren Jugendjahren schon zu ihrer Vervollkommnung das Kreuz zu tragen lernen. Im achten Jahre verfiel sie in eine schwere Krankheit, in welcher sie faft erblindete; erst nach sechs Monaten erlangte sie das Licht der Augen wieder. Nun entriß ihr der Tod ihre Mutter. Diese doppelte Prüfung hatte aber nur dazu beigetragen, sie gänzlich von der Erde loszureißen und desto inniger mit Gott zu verbinden. Sobald sie die Nachricht vom Tode ihrer Die gottfel. Mutter Mechtilde vom hl. Sakrament. 287 Mutter erhielt, rief sie im glaubensvollen inbrünftigen Gebet die allerfeligste Jungfrau an, Mutterstelle bei ihr zu vertreten. Weil ihre Andacht und Liebe zum heiligen Sakramente mit jedem Tage zunahm und Gott ihr eine besondere Kenntniß der Glaubenswahrheiten verliehen hatte, wurde ihr heißes Verlangen nach dem heiligen Sakramente schon in ihrem neunten Jahre erfüllt. Sie feierte als Kind von neun Jahren ihre erste heilige Kommunion. Mit den zunehmenden Jahren stieg ihr Verlangen, die Welt zu verlassen und sich ganz Gott zu weihen. Als sie diesen Entschluß ihrem Vater und ihrent Seelsorger mittheilte, glaubten Beide, ihr die Einwilligung verweigern zu müssen. Mechtilde hatte einen schweren Kampf; sie aber blieb standhaft und wankte nicht in ihrem Vorhaben. Durch ihre Standhaftigkeit und ihr festes Gottvertrauen überwand sie alle Hindernisse. Der Vater gab nach vielen Bitten seine Einwilligung. In ihrem siebzehnten Jahre trat Mechtilde in ein Kloster der Visitantinnen. Ihr Gebetseifer war groß, ihr Gehorsam musterhaft und ihre Liebe zur Abtödtung kannte keine Grenzen. Zur Ablegung der Gelübde bereitete sie sich durch vierzigtägige Buß- und Geistesübungen vor. In dem Augenblicke, als sie die Gelübde ablegte, erblickten die Umstehenden eine außerordentliche Lichtgestalt wie eine Krone über ihrem Haupte; sie selbst fam außer sich und gestand nachher ihrem Beichtvater: Der Herr habe ihr in jenem Augenblicke den Wein sei ner Gnade zu trinken gegeben, auf daß sie fähig würde, die Last des Kreuzes zu tragen, womit fie fünftig beladen werden sollte.- Einige Tage nach ihrer Profeß brach ihr der Brautring entzwei. Die 288 IV. Lebensschule für Jungfrauen. si ses versette sie in große Verlegenheit. Die Obern gaben ihr die Erklärung, sie würde in dem Orden nicht beharren, weil Gott sie zu einem andern berufen habe. sdoj de Es war Gottes Rathschluß, Mechtilde durch viele Leiden zu prüfen und auf den Weg der Heiz ligkeit zu führen. Das ganze Land Lothringen, worin das Kloster Mechtildens war, wurde von Hungersnoth, Pest und Krieg so schrecklich heimgesucht, daß dieses sonst so gesegnete Land nach einigen Jahren einer Wildniß ähnlich sah, hungernde Wölfe von den nahen Gebirgen in Schaaren das Land durchzogen und Hunderte von Kindern, Vätern, Müttern und Greisen ein Opfer des Hungertodes wurden. Auch Mechtilde war mit ihren Mitschwestern dem Hungertode ausgesetzt. Sie mußte mit ihnen das Kloster verlassen und vier Jahre lang in Hunger und Noth umherirren. Unbeschreibliches litt sie auf dieser Flucht, da sie stets zu Fuß, bald durch Wälder ziehen, bald über wilde Wässer setzen mußte, um den Soldaten nicht in die Hände zit fallen. Endlich fand sie, durch viele Leiden geprüft, in Nembervillers ein sehr strenges Kloster der Benediktinerinnen; sie trat ein, begann mit Bewilli gung ihrer Obern ein zweites Noviziat und legte nach Beendigung desselben zum zweiten Male Profeß ab, welches bald darauf durch ein päpstliches Breve gutgeheißen wurde. Aber auch aus diesem Kloster wurde sie mit ihren Mitschwestern durch die Wuth des Krieges vertrieben. Sie mußte im Jahre 1640 zum zweiten Male die Flucht ergreifen. Da befahl der Generalvikar von Toul der Vorste herin des Klosters, einen Theil der Nonnen nach St. Mihiel zu schicken. Auch Mechtilde mußte aus wandern, fand aber an ihrem neuen Aufenthalts Die gottsel. Mutter Mechtilde vom hl. Sakrament. 289 orte gleichfalls Alles in der größten und drückendsten Armuth. Noth und Armuth konnten aber ihren Muth nicht brechen; sie war vielmehr bei allen Trübsalen von großer innerer Freude erfüllt und genoß jenen Frieden, welchen die Welt nicht geben, aber auch nicht nehmen kann. O glückselige Armuth," sprach sie, deren Fülle Gott selbst ist!" Als das Elend in St. Mihiel fast nicht mehr zu ertragen war, schickte Gott durch die Hand des heiligen Vincentius eine unerwartete Rettung. Die Mutter Mechtilde wurde in ihrem Elende von einem Missionspriester besucht, der vom heiligen Vincenz von Paul abgesendet war, um die Hülfs= mittel nach Lothringen zu bringen, welche dieser treue Diener des Herrn in seiner Nächstenliebe gesammelt hatte. Weil das Elend und die Hungersnoth so groß war, daß eine einzelne Liebesgabe nicht helfen konnte, nahm Mechtilde den ihr von dem Missionspriester gemachten Vorschlag an, sich nach Paris zu begeben, wo man für ihre und ihrer Schwestern Bedürfnisse Sorge tragen würde, bis der Frieden in Lothringen wieder hergestellt und es ihr möglich sein würde, in ihr erstes Kloster zurückzukehren. Aber auch in Paris hörte ihre Prüfung noch nicht auf; sie war unbekannt und fremd und lebte im Innern einer Stadt, die durch ihre eigenen Bürger zerstört wurde, in einer Zeit, wo die vereinten Liebesgaben aller frommen Seelen nicht hinreichten, die Bedürfnisse der gewöhnlichen Armen zu befriedigen. Mechtilde fiel, von Noth und Hunger und Elend ganz erschöpft, in eine gefährliche Krankheit, so daß sie schleunigst mit den heiligen Sterbesakramenten mußte versehen werden. Der Bischof von Babylonien, der in demselben Stadtviertel Schule und Tempel. 17 IV. Lebensschule für Jungfrauen. wohnte, spendete ihr dieselben. Der Anblick der Mutter Mechtilde sette ihn in Staunen, denn er erkannte sofort ihre Armuth und ihre hohe Tugend. Der Bischof ließ es nicht an Empfehlung und Fürsprache fehlen, und die treue Dienerin des Herrn war gerettet. Nach dreimonatlichen ununterbrochenen Leiden verminderte sich ihr Uebel, und je mehr ihre Kräfte zunahmen, desto inniger war ihr Verlangen, ein dem Herrn wohlgefälliges Werk zu verrichten. 290 Lange Zeit war Mechtilde unentschlossen und erwartete, daß Gott ihr zeigen würde, was sein heiliger Wille sei; und so wurde es ihr immer klarer, daß sie sich ganz ausschließlich der Anbetung Jesu im heiligen Sakramente widmen solle. Es wurden ihr zu gleicher Zeit von hohen Gönnerinnen bedeutende Summen angeboten, wenn sie etwas zur Ehre des allerheiligsten Sakraments unternehmen wollte. Auch die Königin von Frankreich, Anna, that in dieser Zeit das Gelübde, wenn Gott die Geißel des Krieges und des Hungers entfernen wollte, ein besonderes Werk zu seiner Ehre zu vollbringen. Von diesem Augenblicke an änderten sich die Angelegenheiten des Königreiches auf eine erfreuliche Weise und im Oktober 1652 zog der König, der sich hatte flüchten müssen, wieder in Paris ein. Die Königin Anna wurde nun die besondere Wohlthäterin der Mutter Mechtilde und nahm ihr Werk unter ihren Schuß. Es waren jedoch viele Schwierigkeiten zu überwinden, und es dauerte fast zwei Jahre, ehe dieselben entfernt wa ren. Die Königin ließ aber in ihrem Eifer nicht nach; sie gründete das erste Kloster der Benediktinerinnen vom heiligen Sakramente und bewirkte felbst die nöthige Erlaubniß zur Einführung der Die gottfel. Mutter Mechtilde vom hl. Sakrament. 291 Ewigen Anbetung. Nachdem alle Hindernisse überwunden waren, nahm endlich die Ewige Anbetung ihren Anfang. Bevor dieser so sehr ersehnte Tag erschien, hatte der Herr sich mehrere Male der Mutter Mechtilde geoffenbaret, um ihr selbst den Plan des Werkes zu bezeichnen, was sie zu errichten im Begriffe war. Am zweiten Sonntag in der Fasten wurde sie unter dem Gebete in Entzückung versetzt und sah, wie Jesus auf den Altären von den Töchtern des allerheiligsten Sakramentes und auch von jenen Personen, die sich mit ihnen in der Bruderschaft verbinden würden, angebetet wurde. Am 19. März, am Feste des heiligen Joseph, wiederholte sich dieselbe Gnadenerweisung, aber mit noch vermehrter Erleuchtung. Es erschien ihr der heilige Joseph und versicherte, daß er der Beschüßer und Hauptpatron ihrer Anstalt sein würde; sie erhielt zugleich einen deutlichern Begriff von der Genugthuung und dem Opferleben, welches die Anbeterinnen des allerhei ligsten Sakramentes übernehmen sollten. Die Hauptaufgabe der Klosterfrauen besteht darin, daß sie durch ihre ununterbrochen fortgesetzte Anbe tung, durch Buße, strenge Abtödtung und Einsamfeit die vielen Sünden und Gräuel wieder guts machen, womit Christus im heiligen Sakramente und auch sonst durch die Bosheit und den Frevelmuth der Menschen beleidigt wird. Bei der Gründung des ersten Klosters legte die Mutter Mechtilde die Negel des heiligen Benediktus zu Grunde und gab daher ihren Nonnen den Namen: Benediktinerinnen vom heiligen Sakramente." Sie gab die außdrückliche Vorschrift, daß die heilige Jungfrau Maria und der heilige Joseph die besondern Schutzpatronen ihrer Stiftung sein sollten, da Jesus in 0 292 IV. Lebensschule für Jungfrauen. seiner Menschwerdung von ihnen zuerst ist angebetet worden. Auch verordnete sie, daß überall das Bild der heiligen Jungfrau solle errichtet werden, wo sich ihre Töchter versammelten, damit es nie vergessen würde, daß Maria die erste Vorsteherin ihres Institutes sei. Kaum war die neue Anstalt bekannt geworden, als man von allen Seiten wünschte, damit in Verbindung zu treten, und die Mutter Mechtilde hatte die Freude, die Zahl ihrer Töchter stets wachsen zu sehen. Sie gründete in ihrem heiligen Eifer im Ganzen zehn Klöster der Ewigen Anbetung. 1. Das Kloster zu Paris im Jahr 1653; 2. zu Toul im Jahre 1664, am 8. November; 3. das Kloster zu Rembervillers, im April 1666; 4. im Februar das Kloster zu Nancy; 5. im Jahre 1677 das Kloster zu Rouen; 6. das zweite Kloster zu Paris in der Straße St. Louis, gestiftet im Jahre 1684; und im folgenden Jahre 1685 ant 30. Sept. das 7. zu Caen. Das 8. Kloster zu Warschau in Polen im Jahre 1687 im Oktober; das 9. zu Chatillon am 22. Oktober 1688; und das 10. Kloster zu Dreur im Jahre 1696. Alle diese Stiftungen verursachten ihr viele Leiden und Kämpfe. Der böse Feind, der die Verherrlichung Christi im heil. Sakramente und die großen Gnaden, die dadurch Vielen mitgetheilt wurden, einsah, unterließ nichts, was dem guten Werke hinderlich sein konnte. Im festen Vertrauen schrieb die Mutter Mechtilde an ihre Töchter zu Paris: ,, Was vermag die ganze Hölle gegen Gott?... Ach, eine einzige Ausstellung des heiligen Sakraments wird uns reichlich für alle unsere Mühen und Beschwerden entschädigen!" Alle Prüfungen dienten nur zur Offenbarung ihrer Demuth, ihrer vollkommenen Ergebung in den Willen Gottes. — Die gottsel. Mutter Mechtilde vom hl. Sakrament. 293 Die Mutter Mechtilde gründete im Jahre 1696 das letzte Haus ihres Ordens; ihre letzten Lebensjahre waren ausschließlich ihrer eigenen Heiligung und der Leitung der von ihr gegründeten Anstalten geweiht. Alle Stunden, die sie von den nothwendigen Geschäften erübrigen konnte, waren der Anbetung des heiligen Sakramentes gewidmet. Glaube, Demuth und Liebe wuchsen täglich in ihr. O Liebe, rief sie, wie groß ist deine Macht und welche Wunder bewirkst du in den Herzen, die du beherrscheſt! O Liebe, die du Gott bist, reine und heilige Liebe, herrsche denn, erhebe dich über Alles und erscheine du allein! Ich lege meine Freiheit zu deinen Füßen nieder. Liebe, nimm mich nur und bilde mich in dich um, damit ich nur von dir lebe!" Diese Umbildung war geschehen und ihre Seele, die so lange und in so großer Glaubensinbrunst dem Sohne Gottes unter Brodesgestalt das Opfer der Anbetung dargebracht hatte, sollte bald den Heiligen von Angesicht zu Angesicht schauen. Schon sechs Wochen vor ihrem Tode fing sie an, ihre Töchter auf denselben vorzubereiten. Am Osterdienstag des Jahres 1698 übergab sie die Verwaltung und Leitung ihrer Klöster in die Hände der allerseligsten Jungfrau Maria. Die Krankheit nahm zu und am folgenden Donnerstag mußte sie bereits die heiligen Sterbesakramente empfangen. In ihrer reinsten Unschuld bat sie dennoch ihre geistlichen Töchter um Verzeihung und empfing nun mit dem heiligsten und lebendigsten Glauben die heilige Wegzehrung. Am folgenden Sonntag empfing fie zum letzten Male die heilige Kommunion. Sie segnete ihre Töchter, nahm das Kruzifix, drückte es an ihr Herz und beschloß nach einem leichten Todeskampfe, am 6. April 1698 gegen 2 Uhr Nach IV. Lebensschule für Jungfrauen. mittags, im vier und achtzigsten Jahre ihres Alters, in ihrem ersten Kloster zu Paris ihr segensvolles und heiliges Leben. 294 Die ehrwürdige Anna Höß von Kaufbeuren, später Schwester Maria Crescentia, ein Muster des häuslichen und klösterlichen Lebens. Anna war geboren zu Kaufbeuren in Schwaben am 20. Oktober 1682. Jhre Eltern waren fromm und gottesfürchtig und mußten durch Handarbeit das tägliche Brod für ihre Kinder gewinnen. Unter denselben zeichnete sich die kleine Anna durch ihr frommes und bescheidenes Wesen aus. Sie war von äußerst zarter Leibesbildung und aus ihrem freundlichen Auge leuchtete die lautere Sanftmuth und Güte. Ihre Mutter Luzia sagte oft: An meiner Anna werde ich einst recht viele Freude erleben; denn schon als kleines Mädchen thut sie den Eltern Alles zu lieb, was sie ihnen an den Augen ansehen kann." Die Mutter hatte den richtigen Grundfag, man müsse die Kinder frühzeitig zur wahren Furcht und Liebe Gottes erziehen. Daher lehrte sie ihre Kinder, sobald sie einige Worte deutlich aussprechen konnten, den Namen Gottes, das Vater unser, das Ave Maria und andere kurze Gebete, welche die Kleinen nachsprechen und verstehen konnten. Manche Viertelstunde erheiterte sie dieselben mit Erzählungen aus den heiligen Büchern und wußte iedes Mal lehrreiche Bemerkungen anzuknüpfen. Besonders freute sich die kleine Anna, wenn es Abend wurde; denn sobald die Kirchenglocke den englischen Gruß verkündigte, stand der Vater Matthias von seinem Webstuhle auf, betete mit den Kindern und las ihnen darauf aus dem Leben der Heiligen oder aus den Betrachtungen über Jesu Die ehrw. Schwester Maria Crescentia. 295 Leiden und Tod vor. Alle saßen dann um ihn her, aber Anna schmiegte sich immer so nahe als möglich an den Vater, um ja kein Wörtchen zu überhören; und wenn er zu Ende war, konnte sie ihm das Gelesene mit solcher Genauigkeit wiederholen, daß er sich über das gute Gedächtniß und den liebenswürdigen Vortrag der kleinen Erzählerin wundern mußte. Die Mutter Luzia nahm sich besonders der armen und verlassenen Kranken liebevoll an und unterftüßte sie mit Rath und That, so gut sie nur immerkonnte. Waren auch die Gaben, die sie den Dürftigen reichte, nicht groß, so waren sie doch ein angenehmes Opfer vor Gott, der auf die fromme Gesinnung und die freundlichen Worte sah, womit sie ihre Liebesdienste stets begleitete. Sie sagte oft zu ihren Kindern: Was man aus Liebe zu Gott den Armen thut, das belohnt Jesus so, als ob man es Jhm selber gethan hätte." Das Wort und Beispiel der Mutter wirkten auf die Kleine vortheilhaft ein und erweckten frühzeitig die thätige Nächstenliebe in ihr. Wenn z. B. während des Effens ein Armer um ein Almosen bat, so legte Anna den Löffel sogleich nieder, hob ihre Händchen bittend zu den Eltern empor, lief hurtig mit ihrem Teller zur Thüre, gab ihre Speise den Armen und freute sich, den lieben Heiland in einem armen Mitmenschen gespeiset zu haben. Ebenso liebevoll war sie gegen ihre Geschwister. Ein Geschenk, das sie empfangen hatte, machte ihr nur dann Freude, wenn sie auch ihren Geschwistern davon mittheilen durfte. Gegen Jedermann war sie stets freundlich und bereitwillig, wer immer ihre kleinen Dienste in Anspruch nahm. do Nach alter christlicher Sitte wurde im elterlicher 296 IV. Lebensschule für Jungfrauen. Hause jeder Tag mit gemeinschaftlichem Morgengebete angefangen, auch pflegte die fromme Mutter, von der kleinen Anna begleitet, täglich dem heiligen Meßopfer beizuwohnen, und in diesen heiligen Stunden des Gebetes vergaß das Kind Alles um sich her und ihre ganze Seele war in Gott versenkt. Oft kniete Anna stundenlang vor den Altären, und wer sie sah, wurde durch ihre kindliche Andacht erbaut. Auch ihr stilles Kämmerlein hatte fie zu einem Gotteshause gemacht, und oft, wenn die Eltern sie suchten, fanden sie das Kind betend auf die Kniee gesunken. Als Anna fünf Jahre alt war, wurde sie in die deutsche Lehrschule geführt, und schon im ersten Jahre hatte sie sich den Ruf der besten und fleißigsten Schülerin erworben. Mit größter Aufmerksamkeit horchte sie auf jedes Wort während der Lehrstunde; und da sie die Gabe besaß, das Vorgetra gene schnell zu fassen und fest im Gedächtnisse zu behalten, so mußten ihre Lehrer die schnellen Fortschritte des Kindes bewundern. Die liebsten Lehrstunden waren ihr stets diejenigen, in welcher der Seelsorger den Religionsunterricht ertheilte und den Katechismus erklärte. Hier war sie ganz Ohr, und in ihrem Gesichte konnte man ihre Freude und lebhafte Theilnahme lesen. In den Sonntags- Christenlehren in der Kirche mußte sich auch die erwachsene Jugend einfinden. Jene Fragen, welche selbst die Größern nicht beantworten konnten, löste die kleine Schülerin so ausführlich und lieblich, daß der Seelsorger mehrmals sagte: ,, Mein Kind, du hast sicherlich einen höhern Lehrmeister." Aber die Religion war für Anna nicht nur ein Gegenstand des Gedächtnisses, sondern die Nichtschnur all ihres Thuns und Lassens. Des Die ehrw. Schwester Maria Crescentia. 297 halb erlaubte ihr der Priester, obgleich sie erst ihr fiebentes Lebensjahr vollendet hatte, die erste heilige Kommunion zu empfangen; und von dieser Zeit an genoß fie jeden Sonntag mit ihrer gottesfürchtigen Mutter das Brod des Lebens im heiligsten Altarssakramente. In diesen Stunden der heiligen Feier sah man die Flamme himmlischer Andacht über das ganze Wesen des Kindes ausgegossen. Niemand konnte sie sehen, ohne von ihrer innigen Andacht bis zu Thränen gerührt zu werden. So war Anna überall, in der Kirche, zu Hause und in der Schule ein leuchtendes Vorbild des freudigen Gehorsams, des unermüdeten Fleißes und des himmlisch reinen Wandels für ihre Geschwister und für alle Kinder. Nie fand sie sich bei Kinderspielen ein, wo es lärmend zuging. Sittsam, ohne auf der Straße zu verweilen, sah man sie täglich von der Schule nach Hause eilen, um der lieben Mutter in der Arbeit zu helfen und den Schwestern zu erzählen, was sie heute in der Schule wieder gelernt habe. Auch sah man Anna niemals traurig und verdrießlich, sondern die unbefangene Heiterkeit des unschuldigen Herzens glänzte auf ihrem Angesichte. Nur Eins konnte sie traurig machen, wenn sie nämlich sah, daß Andere fündigten. Nachdem Anna mit den besten Zeugnissen die Schule verlassen hatte, mußte sie den Vater am Webstuhle und die Mutter in der Besorgung der Hausgeschäfte unterstüßen. Gewissenhaft benüßte sie ihre Zeit zum Gebete und zur Arbeit, und vom frühen Morgen bis zum Abende ging sie keine Viertelstunde müßig. Die freien Stunden benutzte sie, um ihren Geschwistern im Lesen und Schreiben nachzuhelfen, oder die Lektionen des Katechismus mit ihnen zu wiederholen. Im ganzen Orte wurde 17* 298 IV. Lebensschule für Jungfrauen. Anna die fromme Weberstochter" genannt. In Anna's Geburtsorte war ein Frauenkloster, der Mayerhof genannt. Sie besuchte oft die Klosterkirche; und wenn sie dann die Gebete und Psalmen des Chors hörte, da pries sie jedes Mal diese Frauen selig, die der Herr aus dem gefahrvollen Treiben der Welt in die Sicherheit dieser stillen Mauern geführt. Schon als Kind hatte sie an die Mutter oft die Frage gestellt: Nicht wahr, wenn ich einmal erwachsen bin, darf ich eine Klosterfrau werden?" Je länger sie ihre Besuche zur Klosterkirche fortseßte, um so mehr regte sich in ihrer Seele der Wunsch, in klösterlicher Abgeschiedenheit, in Gebet und Arbeit und in Uebung christlicher Nächstenliebe ihre Lebenstage zubringen zu dürfen. Am 5. Juni 1705 nahm Anna vom elterlichen Hause Abschied und wanderte voll Freude dem Kloster zu, das nun ihre zweite Heimath werden sollte. Hier führte fie unter dem Namen ,, Maria Crescentia" ein überaus gottseliges Leben und übte die Tugend der Armuth, des Gehorsams und der Herzensreinheit und Demuth in ausgezeichnetem Grade. Fromme, in Gott versenkte und den Augen der Welt entzogene Seelen haben auf die allgemeinen und besondern Begebenheiten, die zum Wohl der Menschheit fich ereignen, oft einen stärkern Einfluß, als der gottentfremdete Sinn sich gewöhnlich zu bereden sucht. Nicht selten sind einige wenige Auserwählte die einzige Stüße einer Stadt, oder eines Landes. Jeden Tag betete Crescentia für das Oberhaupt der Kirche, die sämmtliche katholische Pri sterschaft, für Fürsten und Obrigkeiten. Vorzüglich aber erglühete ihr Gebet, wenn große Sünder ihr anempfohlen wurden; und wunderbar schlug oft unsichtbarer Weise die Flamme hinüber in die Seelen Die ehrw. Schwester Maria Crescentia. 299 der Verirrten und erweichte ihre Hartherzigkeit, daß sie schnell umkehrten zu dem Vater der Erbarmungen. Nach dem Wunsche ihres Gewissensrathes empfing die Gottgeweihte nun täglich ihren Erlöser, wodurch sie nicht nur sich selber Trost und Kraft gewährte, sondern auch in Andern gleiche Glut erweckte durch das unwillkührlich von ihr ausstrahlende Feuer der Andacht. Und dennoch glaubte fie, ihren Jesus noch nicht genug zu lieben, und verband sich, nach dem Beispiele andrer heiligen Seelen, nicht nur das Gute, sondern immerhin das Beste und Gottgefälligste zu wählen. Wegen ihrer allgemein anerkannten Tugend ward sie würdig befunden, die wichtigsten Aemter ihres Klosters zu bekleiden. Zuerst war sie Pförtnerin und versah diese Stelle mit Ernst, Klugheit und Liebe, dann Novizenmeisterin und bildete fromme und gottergebene Schwestern; endlich wurde sie zur Vorsteherin des Hauses erwählt, in dem schon damals durchaus ihr milder Geist wehete. Kaum hat man je eine würdigere Oberin gesehen. In Allem mit eigenem Beispiele vorleuchtend, verlangte sie von ihren geistlichen Töchtern niemals so viel, als sie selber zu leisten sich verpflichtet hielt. In Aufnahme der Klagen war sie äußerst vorsichtig und strafte Niemanden ungehört; mußte sie Schärfe anwenden, so hatte diese vor Allem die Besserung zum Zwecke. Ueber alle ihre Handlungen und Uebungen verbreitete sich eine gewisse Milde und Heiterkeit, die wundersam versüßten, was sonst auch herbe scheinen mochte. Ihre Befehle ertheilte sie mehr bittend als gebietend, und so fand ihr Wort niemals ein widerftrebendes Gemüth. Mit besonderm Erfolge wußte sie die Schwermuth zu besiegen; denn nicht sobald hatte sie eine Schwester in Traurigkeit gesehen, als 300 IV. Lebensschule für Jungfrauen. fie dieselbe sogleich dem Herrn zuführte, daß sie fortan sich in Ihm erfreute und frohlockte. Während sie im eigenen Kreise Liebe und Eintracht befestigte, war sie auch öfters die Friedensstifterin in der Ferne, im großen Hause Gottes. Kardinäle und Bischöfe schenkten ihr ungemeine Hochachtung, und selbst die Kaiserin Maria Theresia wandte sich zuweilen an die einsame Dienerin Gottes, um in wichtigen Angelegenheiten ihren Rath zu vernehmen. Wer sollte nun glauben, daß Crescentia in diesem Verhältnisse dennoch zur höchsten Stufe der Demuth gelangte, und, mißtrauisch gegen ihre Einsichten, dem Gewissensführer einen unbedingten Gehorsam leistete? Endlich erkrankte sie in ihrem zwei und sechszigsten Lebensjahre an heftigem Seitenstechen, das sechs Wochen andauerte. Wenn man sich um ihr Befinden erkundigte, gab sie zur Antwort: Wohl mir, daß ich einen Tropfen des bittern Kelchs versuche!" Nachdem sie unbeschreibliche Schmerzen erduldet hatte, erstand sie, gestärkt durch die heilige Wegzehrung und die letzte Delung, am Oftersonntag den 9. April 1744 mit unserm Herrn und Hei lande zum ewigen Leben. Ihre körperliche Hülle ward in der Kirche beigesetzt. Gleich nach ihrem Hintritte besuchte das Volk, selbst aus fernen Gegenden, ihr Grab, erflehte ihre Fürbitte und erlangte oft die außerordentlichste Hülfe. Der Bischof Clemens Wenzeslaus leitete ihren Seligsprechungsprozeß ein, und am 2. August 1801 wurde sie wegen ihren heldenmüthigen Tugenden als ehrwürdig erklärt. Die ehrw. Schwester Maria Plazida Bellanger. 301 Maria Plazida Bellanger, Generaloberin der barmherzigen Schwestern vom heiligen Karl Borromäus zu Nancy. Maria Plazida Bellanger war geboren zu Toul im Jahre 1762. Das fromme Kind wurde eine edle Jungfrau, die Jungfrau barmherzige Schwefter vom heiligen Karl. 1781 trat sie in den Orden ein und wurde zur Abhaltung ihres Noviziats nach St. Dié geschickt. Nachdem sie im Jahre 1784 zu Nancy Profeß abgelegt, kehrte sie zu den hocherfreuten Schwestern in St. Dié zurück. Nicht ohne Grund freute sich dieses Haus, eine so edle Perle wieder zu besitzen. Plazida war eine seltene Natur, die unter dem Einflusse der Guade sich herrlich entfaltete. Einige Züge aus ihrem Leben mögen dieses zeigen. Eines Tages war das friedliche Thor des Hospitals zu St. Dié nicht wie sonst von einer Schaar bittender Armen, sondern von einer Bande revolutionären Gesindels umdrängt, welche die Auslieferung der Oberin verlangte. Plazida, die jüngste der Schwestern, öffnet, tritt hervor und ruft mit Macht: ,, Nicht herein!" Jene schämen sich ihres Beginnens und weichen zurück; dann aber schämen sie sich noch mehr ihrer Scham vor einer wehrlosen Jungfrau, dringen in das Haus und suchen die Oberin. Plazida folgt, sie hat kein Schwert, sie hat nur Liebe und Muth und Angst für die Mutter. Diese erscheint. Schon hat der Wahnsinn den Säbel gezückt. Da stürzt Plazid a hervor, deckt mit ihrem Leibe die Mutter und fängt den Hieb auf mit ihrem Angesichte. Ihre Zähne brechen, ihr Blut fließt, aber die Oberin ist gerettet. Der Anblick des unschuldigen Blutes entwaffnete die Rohen, in deren Herzen sich noch ein Rest - 302 IV. Lebensschule für Jungfrauen. von Mitleiden fand, so wie auch in einem durch die Wasser eines reißenden Flusses verwüsteten Acker noch wohl ein guter Keim verborgen ist. Sie ließen ab von der Verfolgung, behandelten die Schwestern mit Achtung und gestatteten ihnen mit eifersüchtiger Humanität", in dem Hospitale ihre Kranken, sonst keine, zu pflegen. Drei Monate lang hielten sie deshalb die Schwestern in den Mauern ihrer eigenen Wohnung als Gefangene zurück. Sie hatten Wachen aufgestellt, um den Schwestern den Ausgang aus ihrem Gefängniß zu verwehren. Es gab aber unter dem Hospitale unterirdische Gänge. Durch diese schritt Plazida des Nachts, um Werke des Lichtes zu vollbringen. Wenn sie den Tag über die Kranken ihres Hospitals gepflegt hatte, so vertauschte sie Abends die Kleider einer barmherzigen Schwester mit denen einer gewöhnlichen Magd, schlug dann den finstern Weg ein, um die Straßen der Stadt zu erreichen und Unglückliche und Kranke dort aufzusuchen und ihnen Trost und Hülfe zu bringen. Wie reich kehrte sie dann von den Armen zurück durch dieselbe dunkle Straße, um nach wenigen Stunden der Ruhe in dem Hospitale die Werke der Barmherzigkeit mit ewig heiterer Miene fortzusetzen! Nicht selten wurde sie auf ihren Ausgängen überfallen; aber Gott, der über sie wachte, bewahrte sie vor den Händen der Bösewichte. Als die äußere Beschränkung aufhörte, da ließ sie ihren Eifer vollends nach allen Seiten überwallen, nur nicht über die Schranken hinaus, die die Besonnenheit seßt. Das von Liebe überwallende Gemüth, von Schwärmerei und Engherzigkeit gleich weit entfernt, vollbringt große Dinge mit Weisheit, welche vor den Werken, die bloß um des Gesetzes Die ehrw. Schwester Maria Plazida Bellanger. 303 Aber was ist das Schwester Plawillen vollbracht werden, eben so viel Vorzug haben, als der Honig, der von selbst aus dem Ueberfluß der Honigscheiben herausträufelt," vor demjenigen, den dieselben ,, ausgepreßt abgeben." Das Hospital war nun fast aller seiner Güter beraubt, der Vorrath reichte kaum noch aus, die Kosten eines Tages zu bestreiten: 25 Franken! unter so Viele?"( Joh. VI, 3.) zida hängt einen groben Sack um ihren Hals, nimmt einen Stock in die Hand und eilt von Dorf zu Dorf, von Thüre zu Thüre, bettelnd für die Armen Jesu Christi. Ihre Stimme, so fest und kühn einer Rotte zügelloser Soldaten gegenüber, wie flehend wird sie nun! Welch eine wunderbare Beredfamkeit ist in ihrem Worte und in ihrer Erscheinung! Wenn sie dann zurückkehrte zu den Armen, ihren Kindern, so war sie reich; in wenigen Tagen hatte sie ein Einkommen von 600 Fr. gesichert. 11 Als im Jahr 1807 die Oberin des Hauses zu St. Dié starb, wurde Plazida, unter den trefflichen Schwestern daselbst die trefflichste, zur Nachfolgerin ernannt. Die Liebe, mit der sie sich in ihrer neuen Stellung der Noth und der Armuth annahm, erwarb ihr den Namen ,, Mutter der Armen." In der Umgegend aber nannte man sie nur die weise Schwester," wegen ihrer Geschicklichkeit in der Zubereitung von Arzneien. Sie hatte Freude daran und Talent dazu, verschiedene Heilmittel zu bereiten, deren Wirkung durch das Vertrauen un terstüßt wurde, welches jene guten Bergbewohner in die wohlthätige Kraft von Mitteln aus so reinen und liebevollen Händen setzten. Während ihrer Verwaltung geschah es wiederholt, daß Plazida ihre Zuflucht nehmen mußte zu der Unerschrockenheit ihrer Jugend. Um St. Dié 304 IV. Lebensschule für Jungfrauen. ziehen sich wie im Kranze Berge hin, von denen muntere Bäche herabsteigen, die das Thal mit Anmuth und Fruchtbarkeit bekleiden. Diese verwandelten sich eines Tages in verheerende Gießbäche; die Wasser wälzten sich brausend in die Straßen der Stadt und stürmten wider das Hospital. Was thun? Die Wellen steigen, bald erreichen sie die Kranken, jetzt werden sie diese wegreißen! nein, die Liebe, die Liebe wird sie wegreißen! Plazida fliegt zu den Betten ihrer Kranken, nimmt einen der Unglücklichen auf ihre Schultern und rettet ihn. Alle Schwestern folgen ihrer unerschrockenen Oberin und thun desgleichen. Im Jahre 1813 suchte in Folge der blutigen Schlachten und der vielen Verheerungen eine pestartige Krankheit die Gegend heim. Das Hospital von St. Dié mußte mehr als 400 Kranke in seine engen Räume aufnehmen. Zum Uebermaaß des Unglücks wurden alle barmherzigen Schwestern von der Seuche mit ergriffen, nur zwei ausgenommen, von denen Eine- Plazida war. Plazida war. O wunderbare Jungfrau! Du hattest deinen Kopf den Henkern hingehalten, der Hunger war dir erlegen, die Naturgewalten hast du überwunden: der Tod hatte dich achten gelernt! So steht sie nur mit Einer Mitschwester da inmitten so unermeßlicher Arbeit. Ihr Muth wird nicht gebeugt; fie legt sich mit ihren Schwestern vertrauensvoll an das Herz Gottes und entfaltet dann eine Thätigkeit, wozu nur eine so hohe Seele durch eine so entseßliche Lage begeistert werden konnte. Die kranken Schwestern sind fast trostlos, daß sie ihrer Oberin nicht beistehen können. Dieſe aber ist hier und dort, als ob sie sich rervielfältige, sie ist bei den Schwestern mit ihrem Troste, bei Die ehrw. Schwester Maria Plazida Bellanger. 305 den kranken Frauen und Kindern und Männern mit ihrer Hülfe; bei Gutt mit ihren Bitten um Erbarmen mit so vielen Schmerzen: sie ist überall. Die Liebe ist ihre Speise des Tages und ihre Ruhe des Nachts. Im Jahre 1816 wurde sie von St. Dié nach Nancy in's Mutterhaus berufen. Die ganze Stadt fühlte so sehr, was ihr genommen wurde, daß Plazida ihre Abreise geheim halten mußte. Durch die einsamsten und entlegensten Straßen, in denen sie einst der Wuth der Bosheit auswich, um ihre Kranken zu besuchen, wanderte sie jeßt, um den Erweisungen dankbarer Liebe zu entfliehen, und erst in einer Entfernung von zwei Meilen wagte sie die Landstraße zu betreten und den Wagen zu besteigen. Die von Herzen demüthige Oberin von St. Dié entfloh also dem Ungestüm der Liebe, die ihr gerne Ehren bereitet hätte, wie man sie nur Fürsten, aber selten so von Herzen erweist. Aber ob fie auch allen Ehren und allem Ruhme jetzt und allezeit auswich, so konnte die große Gnade in ihr doch nicht verborgen bleiben. Denn sie ragte hervor zur Bewunderung Aller wie eine Stadt auf dem Gipfel eines Berges, und der Herr wollte nicht, daß diese Leuchte unter den Scheffel verborgen werde; auf die Erhabenheit des Leuchters sollte sie noch gestellt werden, damit sie, die in dem Feuer göttlicher Liebe brannte, ein helles Licht glänzender Tugendbeispiele dem ganzen Orden spendete. Anfangs wurde sie zu Nancy Dekonomin im Mutterhauſe, 11 Jahre später( 1827) Assistentin und im folgenden Jahre( 1828) Generaloberin. Für sie war jede Bürde noch etwas zu leicht: das wußten Alle, mur sie nicht. Noch dreimal wurde sie einstimmig 306 IV. Lebensschule für Jungfrauen. zur höchsten Würde ihrer Kongregation erhoben ( 1831, 1837 und 1840). Von 1834--37 war sie Assistentin der Mutter Hyacinthe. Als Generaloberin starb sie im Jahre 1841, reich an Jahren ( 79) und noch reicher an guten Werken, beweint von ihren Töchtern und von ihren Armen. Die unabsehbare Schaar, die ihren Leichnam zu seiner Ruhestätte begleitete, war nicht so zahlreich, als das Gefolge guter Thaten, welches ihre Seele vor den Belohner des Guten und in das Haus der ewigen Ruhe begleitete. Die gute Armella, Dienstmagd. Armella Nikolas ward am 19. Herbstmonat 1606 zu Campenai, einem Dorfe in der franzö fischen Provinz Bretagne, geboren. Ihre Eltern waren fromme Landleute und lebten von Feldbau und Viehzucht. An Armella, die unter mehrern Geschwistern die älteste war, bemerkte man von Kindheit auf eine besondere Neigung zum Stillschweigen und zur Einsamkeit. Schon als kleines Kind mußte sie die Schafe und anderes Vieh auf dem Felde hüten, was ihr recht lieb war, weil sie dort allein war und mehr Zeit hatte, dem Gebete obzuliegen. So brachte sie den größten Theil des Tages in vertraulichem Umgange mit Gott zu; und der Herr fing schon damals an, sie durch innern Frieden und innige Freude, die Er ihr beim Gebete mittheilte, an sich zu ziehen. Sie konnte weder lesen noch schreiben, und doch verstand sie die Kunst des Gebetes weit besser, als manche gelehrte Menschen. Als Armella einst am Charfreitage vom Leiden Christi predigen hörte, wurde sie von der Liebe zum göttlichen Heilande so entzündet, daß sie sogleich Die gute Armella, Dienstmagd. 307 uach Hause ging, sich da vor einem Kruzifix auf die Erde niederwarf und mit lauter Stimme rief: O mein Herr und mein Gott! sieh', der Tag ist gekommen, daß ich ganz dein sein muß! Reinige und wasche mich in deinem Blute! Salbe mein Herz mit dem Dele deiner Barmherzigkeit! Durchbohre mich mit den Pfeilen deiner heiligen Liebe! Nimm mich auf in die Zahl deiner Schülerinnen! Zeige Dich mir und vereinige mich mit Dir!" Und zur selbigen Stunde ließ Gott im Grunde ihres Herzens einen Strahl seines himmlischen Lichtes leuchten und gab ihr zu erkennen, daß Er ihr Herz völlig in Besitz genommen habe. Von der Zeit an liebte Armella Gott allein und von ganzem Herzen und nannte diesen Charfreitag den Tag ihrer Bekehrung. Sie blieb stets eine reine Jungfrau und trat frühzeitig bei Andern in Dienst. Alle ihre Arbeiten und Hausgeschäfte verrichtete sie aus Liebe zu Gott und hatte dabei keine andere Absicht als Ihm zu gefallen. Sobald Armella des Morgens erwachte, kniete sie nieder und verrichtete ihr Gebet. Sie redete mit Gott wie ein Kind mit seinem Vater und so vertraulich, als wenn sie Ihn mit leiblichen Augen fähe. Sie betete: Mein Gott und Alles, Du bist mein und ich bin dein! Dir übergebe ich mich ganz und gar. Was Du willst, das will ich auch. Bewahre mich den Tag über auch vor der kleinsten Sünde!" Wenn sie an Werktagen eine heilige Messe hören konnte, so that sie es mit der größten Andacht; konnte sie aber nicht, dann wohnte sie derselben doch im Geiste bei und opferte sich Gott auf. Bei ihrer Arbeit wandelte sie stets in der Gegenwart Gottes; sie arbeitete mit Gott und Gott arbeitete mit ihr, und es war ihr oft, als wenn sie 308 IV. Lebensschule für Jungfrauen. in der Tiefe ihres Herzens eine Stimme hörte und Gott zu ihr sagte:„ Siehe zu, gib Acht, wie Ich es mache, so mache du es auch!" Der fortwährende Gedanke an Gott gab ihr so viel Kraft und Stärke, daß sie meinte, sie könnte die ganze Hausarbeit wohl allein verrichten. Sie wählte sich allzeit jene Arbeit, welche andere Mägde von sich schoben, und that sie mit besonderer Freude. Sie vollzog auch Alles in der schönsten Ordnung und ohne die geringste Uebereilung, und war nie müßig. Wenn Armella Morgens frühe mit einem Feuerfünklein ein großes Feuer machte, sprach sie bei sich selbst: ,, Ach, mein Gott, wenn die Menschen Dir kein Hinderniß in den Weg legten, wie bald würdest Du ein gleiches Feuer in ihren Herzen anzünden!" Wenn sie das Fleisch der geschlachteten Thiere kochte und zum Essen zubereitete, da war es ihr, als wenn sie die Stimme des göttlichen Bräutigams hörte, der zu ihr sagte: ,, Siehe, aus Liebe zu dir habe Ich den Tod leiden und eine Speise deiner Seele werden wollen." Wenn sie Speise und Trank zu sich nahm, so war ihr, als wenn Christus selbst ihr Speise und Trank darreichte. Sie dachte sich in allen Dingen, auch in den geringfügigsten Ge schäften, ihren Schöpfer und Erlöser, und sagte dann oft: ,, Ach, meine Liebe und mein Alles, wenn kein einziger Mensch auf dieser Welt mir sagen könnte, daß man Dich lieben müsse, so würden doch die unvernünftigen Thiere und die leblosen Geschöpfe es mir genug sagen!" Wenn sie ein Hündlein betrachtete und sah, wie es seinem Herrn so treu ist, nie von seiner Seite geht, ihm überall auf dem Fuße nachfolgt, ihm um einen Bissen Brod tausend Liebkosungen macht, dann sagte sie: Lieber Gott! ich will es auch so machen, will Dir treu sein, will 309 Die gute Armella, Dienstmagd. nie von deiner Seite gehen; denn Du überhäufst mich täglich mit neuen Wohlthaten." Sah sie auf dem Felde die kleinen Lämmer, die so sanftmüthig und friedfertig sind, die sich scheeren und plagen lassen, ohne ihren Mund zu öffnen, so dachte fie gleich an Jesus, der auch sanftmüthig und friedfertig war, der sich zur Schlachtbank und zum Tode hinführen ließ, ohne den Mund aufzuthun. Erblickte sie die kleinen Hühnlein, wie sie unter die Flügel der Bruthenne, ihrer Mutter, hinflohen, so fiel ihr allemal ein, daß Jesus mit einer Henne sich verglichen habe, und dann sagte sie: Ich will mich unter die Flügel seiner Liebe verbergen, will mich damit recht zudecken, um den Klauen des Feindes zu entgehen." Wenn Armella die blumigen Auen und Wiesen betrachtete, so sagte sie zu sich selbst: Jesus, mein Bräutigam, ist auch eine Blume, eine Lilie im Thale, eine Rose ohne Dornen, und doch hat Er Sich aus Liebe zu mir mit Dornen krönen lassen. O möchte Er meine Seele zu seinem Lustgarten machen!" Wenn sie die Bäume betrachtete, wie sie sich nach allen Bewegungen des Windes beugen und lenken lassen, dann sprach sie: O mein Gott! warum lasse ich mich nicht auch so willig durch die Bewegung und den Antrieb des heiligen Geistes biegen und lenken?" Betrachtete sie, wie man das Feld anbaute, so kam es ihr vor, als sehe sie den lieben Heiland, wie Er- sich so viele Mühe habe kosten lassen, um unsere Seelen anzubauen und den Samen seiner göttlichen Lehre und Liebe darein zu säen. Mit einem Worte: Es war kein Geschöpf auf der Welt, das ihr nicht als eine Leiter diente, zu Gott ihrem Schöpfer hinaufzusteigen. Darum sprach sie häufig zu Ihm:, meine Liebe, wie 310 IV. Lebensschule für Jungfrauen. sehr weißt du meine Unwissenheit zu ersetzen! Ich bin eine arme Dienstmagd und kann weder lesen noch schreiben; aber in deinen Geschöpfen legeft du mir so große Buchstaben vor, daß ich sie nur ansehen darf, um zu lernen, wie liebenswürdig Du bist." 600 Gegen die Hausfrau bewies Armella die größte Ehrfurcht und gehorchte ihr auf den ersten Blick. Sie klagte nie über zu viele Arbeit, obgleich sie den ganzen Tag die Hände voll zu thun hatte. Auch das kleinste Geschäft verrichtete sie mit der pünktlichsten Genauigkeit. Sie ging nie aus dem Hause, nicht einmal in die Kirche, ohne Erlaubniß zu nehmen und anzufragen, wann sie wieder heimkommen sollte. Und wenn die bestimmte Zeit ver flossen war, ließ sie sich keinen Augenblick mehr aufhalten; sie unterbrach alsdann sogar ihre An dachtsübungen und kam eher zu frühe als zu spät nach Hause, sie war allzeit fröhlich und munter und dabei stets sittsam und holdselig. In ihrer jungfräulichen Sittsamkeit lag nichts Verstelltes und Gezwungenes, sondern sie war ihr gleichsam ange boren und ein Beweis, daß der heilige Geist in ihr wohne. So war und blieb Armella ihr Lebenlang. Die Leute nannten sie insgemein die gute Armella, und wegen der unbeschreiblichen Gnade, die Gott ihr ertheilte, die Tochter der Liebe. Am schönsten bewies Armella ihre Liebe gegen ihre Feinde. Anfangs empfand sie zwar den heftigsten Widerstand der Natur; denn sie hatte ein heftiges, schnell aufbrausendes Temperament. Aber durch ihre starkmüthige und unermüdete Selbstverleugnung und Abtödtung brachte sie es mit Got tes Beistand so weit, daß sie in ihrem Gemüthe keine andere Bewegungen, als die des heiligen Die gute Armella, Dienstmagd. 311 Geistes mehr fühlte. Die letzten Jahre ihres Lebens konnte sie sagen: Ich weiß gar nicht, was es heißt, einen Feind zu haben. Ich habe nie einen gehabt. Die, welche man Feinde nennt, halte ich für meine besten Freunde. Ich unterscheide sie von andern Menschen nur dadurch, daß ich sie mehr liebe. Sobald mich Jemand beleidiget, wird er in mein Herz aufgenommen und hat Theil an meinem Gebete, wenn ich vorher auch nie an ihn dachte. Je mehr mir Einer Leiden verursacht, desto mehr liebe ich ihn." Daß dieses keine leeren Worte waren, hat sie oft im Werke bewiesen. Nur zwei kurze Beispiele wollen wir hier anführen. Neben Armella diente eine andere Magd, welche jede Gelegenheit benußte, um ihr alle Unbilden zuzufügen. Armella suchte aber das Böse mit Gutem zu vergelten. Endlich ward diese Person von der Frau, welche ihre Feindseligkeit nicht mehr ertragen fonnte, aus dem Dienste entlassen. Armella hatte herzliches Mitleid mit ihr und wußte es bei ihrer Frau durch Bitten wieder dahin zu bringen, daß fie nach einiger Zeit wieder in das Haus kam. Sie betrug sich aber jetzt noch ärger, als zuvor. Es gab keine Verachtung, Verläumdung und Beschimpfung, welche ihre Wohlthäterin nicht täglich von ihr zu erfahren hatte. Armella ertrug Alles mit Freuden und hätte gewünscht, diese Person durch ihr gan zes Leben neben sich zu haben, wenn nur Gott nicht wäre beleidiget worden. Ihre Frau aber gab ihr nach. sechs Monaten zum zweiten Male den Abschied. Eine andere Magd glaubte den Vorzug vor Armellen zu verdienen; und weil die Frau des Hau ses der Armella größeres Zutrauen schenkte, fügte fie dieser Jahre lang viele Unbilden zu, bis die Frau sie aus dem Dienste entließ. Bald darauf 312 IV. Lebensschule für Jungfrauen. fiel diese feindselige Magd in eine schwere Krankheit und befand sich in einem sehr armseligen Zustande. Sobald Armella dieses erfuhr, hörte fie nicht auf, bei ihrer Frau zu bitten, bis sie ihr erlaubte, die Kranke zu besuchen und ihr beizustehen. Sie besuchte sie nun täglich, bediente sie in allen ihren Bedürfnissen, brachte ganze Nächte schlaflos bei ihrem Bette zu, tröstete sie und erwies ihr für Leib und Seele alle möglichen Dienste, bis sie ihre Gesundheit wieder erlangte. Alle, welche wußten, wie hart Armella früher von ihr behandelt worden, staunten über diese Großmuth. Dadurch gelang es aber Armellen auch, daß ihre Feindin in ihre Freundin umgewandelt wurde und ihre Gesundheit ihrer Liebe und ihrem Gebete verdankte. In ihrem sechszigsten Lebensjahre wurde Armella von einem Pferde geschlagen, bei dem sie in einer Gasse nahe vorbei gehen mußte. Sie brachte nun 15 Monate unter großen Schmerzen im Bette oder auf einem Sessel und zwar meistens in einem Winfel der Küche zu, wo sie das Hauswesen ordnete oder sich sonst auf eine nüßliche Art beschäftigte. In dieser Zeit wurde sie von Menschen aus allen Klassen besucht; und Alle wurden durch ihre lehrreichen Gespräche und durch ihre musterhafte Geduld sehr erbaut. An Sonn- und Feiertagen ward fie in die Kirche getragen, um dem heiligen Meßopfer beizuwohen und die heilige Kommunion zu empfangen, die sie sonst fast täglich empfieng. Auf die Frage, ob es ihr nicht schwer falle, daß sie sich nicht mehr so oft im heiligen Abendmahle mit Je sus vereinigen könne, antwortete fie: ,, Es ist besser, für die Liebe zu leiden, als die Liebe zu genießen. Gott kann sich überall und zu allen Zeiten einem Herzen mittheilen, das nur nach Ihm verlangt. Schluß der Lebensschule für Jungfrauen." 313 Sonst schien es mir, ich könnte nicht leben, ohne meinen Geliebten in der heiligen Kommunion zu empfangen; jetzt bin ich aber durch seine Gnade in einer immerwährenden Vereinigung mit Ihm. Und dann liebe ich den Willen Gottes eben so sehr, als Gott selbst." Nach 15 Monaten konnte sie wieder mit Krücken gehen, und nach einem Jahre erlangte sie durch die Fürbitte Mariens die Gnade, bloß mit einem Stocke zu gehen, jedoch ohne die Schmerzen zu verlieren, die sie vorher empfand, wie sie gebeten hatte. Sie fühlte sich nun glücklich, zugleich gehen und leiden zu können. Sie hörte auf zu leiden am 24. Okt. 1671, in einem Alter von 65 Jahren, und ward in einer Kapelle des Ursulinerinnen- Klosters zu Vannes begraben. Schluß der ,, Lebensschule für Jungfrauen." Das tugendreiche Leben der heiligen und gottfeligen Jungfrauen, welches du, christliche Jungfrau, gelesen und betrachtet hast, möge nun mittelſt der Gnade von Oben einen tief anregenden und bleibend nachhaltigen Eindruck auf dich machen! Wohl mag deiner Seele während der Lesung der Wunsch entstiegen sein: Möchte mein Leben sein, wie das dieser heiligen Jungfrauen!" Mit einem frommen Wunsche allein ist aber, wie du wohl weißt, wenig oder nichts gethan. Der Wunsch muß That werden. Nicht ein Jeder, spricht Jesus, der zu Mir sagt: Herr, Herr! wird in das Himmelreich eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters thut, der wird in das Himmelreich eingehen." Der Wille Gottes ist: unsere Heiligung." Ohne Heiligung wird Niemand den Herrn sehen. 18 IV. Lebensschule für Jungfrauen. Heiligung an Seele und Leib ist die Wurzel und Krone unserer Bestimmung auf Erden. Unser Dasein auf Erden hat also einen unendlichen Werth: es ist die Saatzeit zur unsterblichen Ernte. Jegliche Seele wird ernten, was sie gesäet hat: es fei Gutes oder Böses in Gedanken, Rede und That. Noch liegt Vieles, noch liegt vielleicht Alles in deiner Hand, christliche Jungfrau! Wohlan, wage einen kleinen zeitlichen Einsaß an einen ewigen Gewinn: wage eine Handvoll Staub und Asche an eine unverwelkliche Krone im Himmel! Noch bist du jung, unverdorben, fromm, wohlwollend, freundlich, fleißig und frohen Muthes. Bewahre, was dir anvertraut worden ist! Vor Allem trage Sorge für die Lilie deiner Unschuld, damit diese noch blühe, wenn die Rose des Lebens verwellt sein wird! Dann, o Jungfrau! mag einst mit Recht auf deinem Grabstein die Inschrift stehen: 314 - 11 Selig, die eines reinen Herzens sind, denn sie werden Gott anschauen!" Ind H&&& KEY= Mit deinem milden Kinde segne ans, o ( Die heilige Kirche.) Kunstverlag XX Jungfrau Maria! von Gebr. Cu N. Benziger in Einsiedeln. Zweiter Theil Der Hempeh der HungfrauCH. „ Hoch preiset meine Seele den Herrn, und mein Geist frohlocket in Gott, meinem Heilande." Die allerfeligste Jungfrau Maria. 1. Morgenandachten. Morgengebet an Sonn- und Feiertagen. Im Namen des Vaters, und des Sohnes, und des heiligen Geistes! Preis und Ruhm sei Dir, o Du hochheiligste, glorwürdigste und erhabenste Dreifaltigkeit, dreieiniger Gott! Ewige Anbetung, Ehre und Herrlichkeit sei Dir, wie von aller Ewigkeit her, so auch jetzt und in alle Ewigkeit! Amen. Unendlich gütiger Gott! der Du mit deiner Güte die Himmel erfülleft und mit deiner Gnade die Erde, Du hast dem Tage gerufen und seinem Lichte, und siehe, da ist es, die Welt zu erhellen... Wie viele meiner Mitmenschen starben in der verflossenen Nacht, wie viele erkrankten oder wurden sonst unglücklich!- Und ich lebe wieder! Ich danke Dir für den erquickenden Schlaf, welcher die Kräfte von Millionen deiner Geschöpfe wieder ge stärkt; ich danke Dir anstatt aller Derjenigen, die die Wohlthat eines wiedererlebten Tages nicht erkennen und Dir nicht danken wollen oder können. Ich vereinige mein Gebet mit den Lobpreisungen deiner treuen Diener und Dienerinnen, die in dieſer Morgenstunde mit größerer Inbrunst Dir das Opfer ihrer Andacht darbringen; ihr Eifer sei Dir ein Ersaß meiner Lauigkeit. 18* Morgenandachten. Möchte ich doch diesen Tag hindurch Dich, o mein Gott! besser erkennen, Dich eifriger lieben, Dir treuer dienen und so täglich weiser, frömmer und Dir wohlgefälliger werden! Ich opfere Dir auf alle Gedanken, alle Worte, alle Werke, alle Athemzüge, alle Regungen meiner Seele. Dein bin ich ganz; Dein ist, was ich bin und habe. Laß mich nur stets in deiner allerheiligsten Gegenwart wandeln; nur Dir, Erforscher der Herzen! zu gefallen, nur deinen allerheiligsten Willen zu üben, sei mein Bestreben. 318 CD Jesus, mein göttlicher Heiland! Dein Beispiel und deine Lehre schwebe mir heute vor Augen und deine Gnade gehe mir zur Seite; lehre mich denken, beten, reden, leben, wie Du an meiner Stelle dies thun würdest, auf daß ich deine treue Jüngerin sei und Dir ähnlich werden möge. Gott heiliger Geist, Du Quelle des Lichtes und der ewigen Liebe!: erleuchte meinen Verstand, daß ich erkenne, was gut, wahr und Gott wohlgefällig ist; erhelle und entzünde mein Herz mit den Flam men der göttlichen Liebe und führe mich zur Gottesfurcht und wahren Weisheit, damit ich bei meinem Denken und Beten die Wissenschaft des Heiles erlangen möge.Jel bi per d Segne mich, o Gott, meine Eltern, meine Seelsorger und Lehrer, meine Geschwister, meine Freunde und Feinde! Segne alle Menschen, thue Allen Gutes, auch denjenigen, die mir Böses wollen oder wünschen, damit Alle deinen Namen erkennen und dankbar deine Güte preisen. 50 mism Mutter des Heilandes, du Vorbild und Fürsprecherin der reinen und unschuldigen Seelen; ihr Engel Gottes und seligen Geister, ihr Heiligen und Auserwählten, besonders itr, deren Andenken die Morgenandachten. 319 heilige Kirche an diesem Tage begeht, bittet bei Gott für mich, daß ich würdig werde, Hülfe und Erlöfung zu erlangen von Dem, der da lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. oftendu Morgengebet an Kommuniontagen. Auf, meine Seele, preise den Herrn, den großen Gott, der von seinem Himmel so gnädig auf dich herabschauet; freue dich, daß du zum Abendmahle des Lammes berufen bist! Wie groß ist des Allmächtigen Güte, der dir diesen Tag geschenkt, an welchem du in die innigste und seligste Vereinigung mit deinem Gott und Heiland treten sollst! Gelobt sei Gott, der uns gesegnet hat mit geistlichem Segen und himmlischen Gütern durch Christus! Wie unendlich groß, wie erfreuend ist dieser Segen! Vergebung der Sünden, Leben und Freude, Alles, was mich hier beruhigen und ewig beglücken kann, habe ich in Jesus, und das befestiget Er durch dieſes kräftige Gnadenmittel, durch sein göttliches Abendmahl. Dwie froh ist meine Seele, daß der Tag wieder angebrochen ist, daß die Stunde wieder herannahet, in der ich den Leib meines Erlösers in seinem Mahle empfangen soll; wie festlich ist mir dieser Tag, Tag meiner höchsten Freude und Wonne! Tag der Ehre, an dem mein Erlöser, der Stifter meiner Ruhe und Glückseligkeit, bei mir einkehren will! Ach, daß ich ganz würdig vor des Herrn Antlig treten könnte! Getödtetes, aber auch zur Rechten erhöhetes, mit Preis und Ehre gekröntes Lamm Gottes, er barme Dich meiner! Laß mich mit einem Dir wohlgefälligen Herzen zu deinem heiligen Mahle hinzutreten, damit ich nicht das Gericht, sondern den 320 Morgenandachten. Segen, nicht den Tod, sondern das Leben empfange. Amen. O gebenedeite Jungfrau und Mutter des Heils, die du Gott so wohlgefällig warest! Möchte ich doch durch dich Zutritt bei deinem Sohne und vor dir Gnade finden, daß du mich, wie so viele deiner Pflegkinder, zum Tische des Herrn begleitest! Du vermagst ja Alles bei deinem göttlichen Sohne. Hilf mir, o allergütigste Mutter, daß, wenn dein Sohn zu mir kommen wird, Er in mir eine angenehme Wohnung finden möge! Ihr, meine lieben Heiligen und Engel, und du, mein Schußgeist, die ihr bisher Zeugen meiner Fehltritte gewesen seid, seid heute auch Zeugen des Bundes, den ich mit dem Erlöser an seinem heiligen Tische erneuern werde; seid mir zur Seite mit eurer Fürbitte heute und allezeit, daß nichts in der Welt mich von Jesus, meinem Heilande, trenne, und ich einst dahin gelange, wo ich Ihn, meinen Herrn und Gott, den ich heute verhüllt unter Brodesgestalten empfangen werde, mit euch von Angesicht zu Angesicht sehen und preisen werde in Ewigkeit! Amen. Morgengebet der beiden heiligen Schwestern Gertrudis und Mechtildis. 1. Gruß und Aufopferung. Ich bete Dich an, ich lobe und bewundere Dich, Du wunderbarliches und verehrungswürdiges Herz Jesu Christi, aus welchem, wie aus einem honig- fließenden Brunnen der Gnaden, alles Gute und alle Süßigkeit unsers Heiles von jeher ausströmte und noch immer für uns ausströmt! Aus allen Kräften meines Herzens sage ich Dir Dank, Morgenandachten. daß Du mich in dieser, kaum erst verschwundenen Nacht beschüßt, und, statt meiner, Lob und Preis 321 Gott, dem himmlischen Vater, geopfert hast! Und nun, o Du meine innigste Liebe! bringe ich Dir mein armes und unwürdiges Herz zum Morgenopfer dar, und mit aller mir immer nur möglichen Andacht schließe ich es in dein heiligstes Herz, o Jesus! ein, und empfehle es demselben; mit der Bitte, Du mögest den Ausfluß deiner Gnaden in dasselbe herabfluthen lassen, und es würdigen, daß es ganz mit deiner heiligen Liebe entzündet werde! Amen. 2. Gute Meinung. O mein Gott und Herr! um Deinetwillen nehme ich mir vor und ist es mein ernstlicher Wille, diesen und jeden Tag meines Lebens alle meine innerlichen und äußerlichen Werke, alle meine Gedanken und Begierden, all meine Gebete und Andachten, all meine Arbeit und Mühseligkeit, Sorgen und Kümmernisse, all meine Schritte und Tritte und all meine Geschäfte und Unternehmungen unablässig zu verrichten und zu vollbringen in Vereinigung mit deinen göttlichen Werken und Wirkungen und mit eben der Meinung, die Dir selbst am wohlgefälligsten ist und deinen heiligsten Absichten entspricht. Ich will all Dieses verrichten und vollbringen in der nämlichen Meinung und so vollkommen, wie dein göttlicher Sohn, Jesus Christus, seine göttlichen und menschlichen, seine innerlichen und äuBerlichen Werke vollbracht hat zu deinem ewigen Lobe und zum Heile der ganzen Welt. Amen. Damit diese gute Meinung den ganzen Tag über kräftig bleibe, so wiederhole östers die Worte: Morgenandachten. Es bleibe, mein Gott, noch immer bei dem, was ich heute früh beschlossen habe; stehe mir nur bei, daß ich's vollbringe!" 322 3. Gebet zur seligsten Jungfrau Maria und zum heiligen Schußengel. Allerseligste Jungfrau Maria, gleich wie dich dein gekreuzigter Sohn seinem geliebten Johannes und diesen dir übergeben und anempfohlen hat, alsu empfehle auch ich dir meine Seele und meinen Leib, und bitte dich demüthig, du wollest mir von Gott die Gnade erlangen, daß ich Ihm heute treulich diene und Ihn mit feiner schweren Sünde beleidige. Amen. Mein lieber, heiliger Schußengel! dich sehe ich zum Wächter und Beschirmer meiner Seele und bitte dich, du wolleft sie bewahren vor aller Sünde, und mein Gebet, meine Werke und meine Leiden, welche ich diesen Tag hindurch verrichten und dulden werde, vor Gottes Angesicht bringen und zu seiner Ehre und zu seinem Wohlgefallen aufopfern. Amen. Morgengebet im Geiste der heiligen Nothburga. ( Besonders für christliche Dienstboten.) Es fegne mich Gott der Vater, der mich er schaffen, Gott der Sohn, der mich erlöst, und Gott der heilige Geist, der mich geheiligt hat! Oheiligste Dreifaltigkeit! erbarme Dich meiner und verleihe, daß ich Dir nach deinem Willen möge dienen und leben und endlich in deiner Huld und Gnade felig sterben. Amen. O allmächtiger Vater und Gott! ich opfere Dir zu einem wohlgefälligen Frühopfer Jesum Christum, Morgenandachten. 323 das unschuldige Lamm Gottes, und alle seine Verdienste für Lebendige und Abgestorbene, deine göttliche Huld zu erlangen, daß ich heute nach deinem heiligen Willen leben und die christliche Geduld, Keuschheit und Demuth üben möge. Deswegen will ich heute alle meine Werke willig verrichten, und mit den allerheiligsten Werken Jesu, Mariä, Josephs und aller Heiligen vereinigen und also in das hochwürdigste Herz Jesu legen, damit sie zu deinem gröBern Wohlgefallen verbessert und all mein Bitten durch Jesu Verdienste und Namen erhört werde. Amen. O Maria, Mutter der Barmherzigkeit! in deinen mütterlichen Schuß und Schirm, treue Bewahrung und mächtige Fürbitte befehle ich unser Haus, meine Herrschaft, Freunde und Feinde und endlich meine arme Seele für heute und allezeit, besonders in der Stunde meines Absterbens. Amen. Oheilig Engel, mein treuer Beschirmer! ich bitte dich durch alle Dienste und Wohlthaten, die du mir bisher erwiesen hast, führe mich auf den Weg der Tugenden, bewahre mich vor Sünden und Lastern und beschüße mich vor dem Geiste der Unfeuschheit, auf daß ich mit reinem Herzen möge Gott dienen und gefallen und endlich Ihn sehen. und loben in Ewigkeit. Amen. O meine heiligen Patronen und auserwählten Freunde Gottes! Ach! liebet, ehret und preiset für mich den allerhöchsten Gott; und, um zu erstatten, was ich in seinem göttlichen Dienste jedesmal unter= lassen habe, fahret fort im göttlichen Lobe und finget auch jetzt in meinem Namen sämmtlich: Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geiste! Benedeiung und Klarheit, Weisheit und Danksagung, Ehre, Kraft und Stärke sei unferm Gott in Ewigkeit! Amen. 324 II. Antertagsandachten. Flammengebete zum göttlichen Herzen Jesu. O barmherzigster Jesus, erhöre mich! Die Gnade deines Herzens bekehre mich! Der Glanz deines Herzens erleuchte mich! Der Schmerz deines Herzens zerknirsche mich! Die Wunde deines Herzens durchdringe mich! Das Blut deines Herzens versöhne mich! Das Wasser deines Herzens reinige mich! Das Verdienst deines Herzens heilige mich! Das Kreuz deines Herzens stärke mich! Die Dornenkrone deines Herzens schmücke mich! Die Erbarmniß deines Herzens verschließe mich! Der Geist deines Herzens belebe mich! Die Gluth deines Herzens erwärme mich! Die Flamme deines Herzens entzünde mich! Die Liebe deines Herzens entzücke mich! Die Würde deines Herzens erhebe mich! Die Glorie deines Herzens verkläre mich! Die Anschauung deines Herzens verwandle Die Freude deines Herzens beselige mich! Der Besitz deines Herzens ersättige mich! In deinem Herzen, o Jesus, lebe und sterbe ich! Mein Herz dem deinen schenke ich, und liebe Dich! O süßes Herz! beglücke mich Hier zeitlich und dort ewiglich! mich! Frommer Gruß an die heiligen Wunden Jesu. ( Von der heiligen Mechtild.) Seid von mir gegrüßt, ihr heilduftenden Wunden Jesu Christi- mit der Allmacht des Vaters, untertagsandachten. 325 der euch eröffnen ließ; seid auch gegrüßt mit der Weisheit des eingebornen Sohnes Gottes, der euch an sich erduldete; und seid auch gegrüßt mit dem Erbarmen des heiligen Geistes, der in euch das Werk unsrer Erlösung vollbracht hat! Amen. Flammengebete zum reinsten Herzen Mariä. Liebeflammendes Herz Mariä, von jeglicher Makel allezeit unbefleckt, entzünde mein Herz mit deiner Liebe! Herz Mariä, voll der Gnaden, bekehre mich! Herz Mariä, Ebenbild des Herzens Jesu, erleuchte mich! Herz Mariä, ein Abgrund der Demuth, zerknirsche mich! Das Verdienst deines Herzens heilige mich! Die Rosen deines Herzens schmücken mich! Die Unschuld deines Herzens ziere mich! Der Gehorsam deines Herzens leite mich! Die Sanftmuth deines Herzens regiere mich! Die Macht deines Herzens schüße mich! Die Erbarmung deines Herzens verschließe mich! Die Liebe deines Herzens entzünde mich! Die Würde deines Herzens erhebe mich! Die Glorie deines Herzens verkläre mich! Die Freude deines Herzens beselige mich! Der Besitz deines Herzens ersättige mich! In deinem Herzen, o Maria, lebe und sterbe ich! Mein Herz dem deinen schenke ich und liebe dich! O süßes Herz! beglücke mich Hier zeitlich und dort ewiglich! Tägliches Aufopferungsgebet zum heiligsten Herzen Mariä.id n Sei gegrüßt, o heiligstes und unbeflecktes Herz Mariä! Beim Anbruche dieses Tages opfere ich dir Schule und Tempel. 19 326 Untertagsandachten. auf alle Gedanken, alle Begierden, alle Gebete, alle Werke der Frömmigkeit, der Liebe und der Buße, die ich diesen Tag hindurch verrichten werde. Erwirb mir die Gnade, sie alle mit der heiligsten Absicht zu bereichern, mit dir die allerheiligste Dreieinigkeit und das göttliche Herz Jesu anzubeten, und in festem Vertrauen auf deine Macht bei deinem Sohne meine Bekehrung und die Bekehrung aller Sünder, Irrgläubigen und Ungläubigen zu erlangen. Gegrüßt seist du, Maria! u. s. w. - Tägliche Empfehlung in den Schutz der reinsten Jungfrau Maria, der Königin des heiligen Skapuliers. D du reinste und heiligste Jungfrau Maria! erwirb mir doch bei deinem göttlichen Sohne die Gnade, daß ich dein heiligstes Bildniß, das ich auf meinem Herzen trage, durch feine ungeziemenden Gedanken und Begierden entehre; daß ich vielmeh mich bestrebe, das was das heil. Skapulier andeutet, durch die Keuschheit des Leibes und der Seele und durch die Abtödtung aller meiner Sinne zu erfüllen, damit ich durch deine Verdienste und Fürbitte und durch die Verdienste und Fürbitte aller feuschen Brüder und Schwestern dieser heiligen Bruderschaft vor allen unreinen Versuchungen bewahrt werde, zum ewigen Leben gelangen und mit dem Kleide der ewigen Herrlichkeit überkleidet werden möge. Amen. Schußgebete der heiligen Gertrudis. Es fegne mich die Allmacht des Vaters+! Es segne mich die Weisheit des Sohnes †! 68 segne mich die gütigste Liebe des heiligen Geistes † und bewahre mich zum ewigen Leben! Amen. Abendandachten. Unter dem Schatten deiner Hand, o geliebtester Jesus, schüße mich und deine Rechte nehme mich auf! 327 O mein Jesus, Du Friedensfürst und Engel des großen Rathes, sei Du selbst mir immer Führer und Wächter auf allen meinen Wegen, damit ich nicht abweiche und wanke! O süßeste Jungfrau Maria, du schneeweiße Lilie und meine größte Hoffnung, bitte für mich bei deinem geliebtesten Sohne! Sei gegrüßt, o heiliger Engel Gottes, du Wächter meines Leibes und meiner Seele, durch das allersüßeste Herz Jesu Christi, des Sohnes Gottes! III. Abendandachten. Abendgebet an Sonn- und Feiertagen. Guter Gott und Vater, blicke mit Wohlgefallen herab auf dein Kind, das in dieser Abendstunde mit Lob- und Danksagung vor deinem allerheiligsten Angesichte erscheint. Wie viel Gutes habe ich heute hören, lesen, lernen können! Zeit und Ge legenheit hast Du mir gegeben, über mich selbst und über deine unaussprechliche Barmherzigkeit nachzudenken, die Du uns durch Jesus Christus erzeiget haft und uns durch Ihn in alle Ewigkeit zu erzeigen bereit bist. Darum danke ich Dir herzlichst, gütigster Vater, für die unschäßbare Wohlthat deiner Offenbarung, die uns zur himmlischen Seligkeit leitet, und aus welcher ich heute insbesondere so viel Licht und 328 Abendandachten. Trost schöpfen konnte. Laß mich nur in den nächsten Tagen nicht wieder vergessen, was ich heute Gutes und Wahres hörte und lernte; laß auch Andere derselben Gnade theilhaftig werden und uns Alle nicht bloß Hörer, sondern auch thätige Vollbringer deines Wortes sein! Ich konnte heute wieder mit der versammelten Gemeinde dem Opfer der heiligen Messe beiwohnen und Dir meine Gebete darbringen. Ohimmlischer Vater, erhöre unser Gebet und gib uns, was uns gut und heilsam ist! Ach, wir fühlen es, daß wir ohne die Gnade deines Geistes Dir nicht treu dienen können. Wir wissen, daß all unser Thuu und Lassen nur dann wahrhaft gesegnet ist, wenn dein Segen auf demselben ruhet. Darum rufe ich mit kindlichem Vertrauen Dir zu: O Vater, segne deine Kinder! Gib, o Vater! daß alle Hände, die sich zu Dir erhoben haben und noch jetzt erheben, diese ganze Woche heilig, unschuldig, von aller Sünde rein und unbefleckt von aller Ungerechtigkeit bleiben; daß jede Zunge, die Dir heute öffentlich oder besonderes Lob und Dank gesagt, oder Dich um Segen angeflehet hat, die ganze Woche von allen sündlichen und leichtfertigen Neden rein bleibe; daß alle Hände Gutes schaffen und alle Zungen Gutes reden, die heute zu deinem Lobe sich gereget haben. Deine Gnade kräftige uns Alle, das zu halten, was wir heute gelobt haben; das Gute auszuüben, wozu wir heute ermuntert wurden! Göttlicher Geist, erfülle mich mit deiner Gnade, daß ich meine an diesem heiligen Tage begangenen Fehler und Sünden klar einsehe! Abendandachten. ( Hier erforsche dein Gewissen.) ho Denke ernstlich nach, wodurch du dich vom frühen Morgen bis auf diese Stunde gegen die göttlichen Gebote verfehlt haben magst. Untersuche, ob du in Gedanken, Worten und Werken dich nicht verfündigt, oder ob du vielleicht gegen deine Standes- und Berufspflichten auf irgend eine Art gefehlt habest. Es wird keine große Anstrengung kosten, dein Gewissen zu erforschen, wenn du dich nur erinnerst, wie du dich gegen Gott, gegen deinen Nächsten und gegen dich selbst verhalten hast: siehe nach, ob du nicht gegen Gott gefehlt hast durch Unterlassung deiner gewöhnalichen Andachten und geistlichen Uebungen; oder gegen den nächsten, indem du etwas gedacht, geredet oder gethan hast, was der christlichen Liebe zuwider ist; und endlich gegen dich selbst, ob du vielleicht deinen Sinnen zu viel geschmeichelt hast durch Müßiggang, eitle Zerstreuungen, unmäßiges Essen und Trinken, unnüße Schwäßereien, durch Vorwitz der Augen und Ohren, besonders, ob die jungfräuliche Reinheit dadurch getrübt worden ist. Vergiß auch nicht, dich über die Ungeduld, den Zorn und andere jähen Gemüthsbewegnngen zu erforschen, und besonders über deine Haupt= schwäche und Hauptleidenschaft. 1 329 Vergib, treuer Vater, was ich heute Unrechtes gethan habe! Du siehst, wie ich es bereue. Behüte mich gnädig vor Rückfällen in Leichtsinn und Sorglosigkeit, die meiner Seele schon so vielen Kummer zugezogen haben, und laß mich täglich auf der Bahn deines heiligen Gesetzes vorwärts schreiten. Gib mir, o himmlischer Vater! einen erquickenden Schlaf; bewahre vor Unglück und Gefahr mich, die Meinigen und Alle, die zu Dir beten, und auch Jene, die nicht zu Dir beten. Abendandachten. 1 Sei insonderheit gnädig allen Elenden und TrostLosen; unterstüße, tröste sie durch deinen Geist; laß sie auch noch in ihrem Elende erkennen, daß Du die lautere Liebe bist; laß Alle sich in Dir erfreuen, die Dir vertrauen! Führe zu Dir, Herr, die Lebendigen und Todten, die Seelen aller noch im Reinigungsorte Schmachtenden; verzeih ihnen ihre aus menschlicher Schwachheit begangenen Sünden, und laß sie Theil haben an der Seligkeit deiner Auserwählten! 330 Erhöre mich, o Vater, durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn! Amen. Abendgebet an Kommuniontagen. Im Namen des Vaters, und des Sohnes, und des heiligen Geistes. Amen. Gott Vater, Sohn und heiliger Geist, dreieiniger Gott, Du höchstes Gut! In deinem Namen habe ich den heutigen Tag angefangen, in deinem Namen will ich ihn wieder beschließen. Siehe, auf meinen Knieen danke ich Dir für alles Gute, was Du mir heute erwiesen, und für alles Böse, was Du gnädig von mir abgewendet hast. Dich Lobe und preise ich mit allen heiligen Engeln und Auserwählten, daß Du deine göttliche Vaterhuld heute so glänzend an mir armen Sünder erzeigt, mich unter die Zahl deiner geliebten Kinder aufgenommen und durch das heilige Sakrament deiner Liebe zum ewigen Leben ernähret haft. Wie soll ich Dir, o Herr! Alles vergelten, was Du mir gethan haft? Leib und Seele, alle Kräfte und das Gute, welches ich heute gethan habe, opfere ich Dir auf in Vereinigung mit den Verdiensten Jesu Christi. Laß Dir, o Vater! dieses Opfer deines Kindes wohl Abendandachten. 331 gefällig sein, durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. Wie habe ich aber deine Wohlthaten angewendet? Habe ich deine Liebe nicht mit Undant und Sünde vergolten? Erleuchte mich mit dem Lichte des heiligen Geistes, damit ich meine Sünden und Verirrungen einsehe, sie von Herzen bereue und aufrichtig bessere. - ( Erforsche dein Gewissen. Siehe Seite 329.) Jesus Christus, Du Richter der Lebendigen und der Todten, ich glaube es fest, daß Du, der Du im heiligen Sakramente gegenwärtig bist, mich einstens am Tage des Gerichtes vor deinen stren gen Nichterstuhl fordern wirst, um mein Urtheil für die ganze Ewigkeit zu sprechen. Wie ich jetzt vor Dir, o mein Gott! kniee, so muß ich dann vor deinem heiligen Angesichte erscheinen. Auch über alle Stunden dieses Tages wirst Du alsdann Rechenschaft fordern. Vergiß doch beim Gerichte, o Jesus, des Gebetes nicht, welches ich jetzt in Reue und Demuth als Sühnopfer für meine Sünden auf den Altar lege! Vergib mir alle meine Fehler, Trägheiten, Versäumnisse und Nachlässigkeiten, womit ich Dich heute beleidigt habe. D Jesus Chri stus, Du Gott der Liebe, erhebe Dich nicht in deinem heiligen und gerechten Zorne, sondern gib Zeit und Gnade zur Buße! Siehe, so oft ich Dich heute durch die Sünde beleidigte, so oft will ich Dir demithige Abbitte leisten, so oft will ich Dich mit allen Heiligen loben, preisen und anbeten in diesem heiligen Sakramente. Ihr heiligen Chöre der Engel, lobet und preiset Christus im heiligen Sakramente in Ewigkeit! 332 Abendandachten. Ihr heiligen Apostel und Märtyrer, lobet und preiset Christus im heiligen Sakramente in Ewigfeit! Ihr heiligen Bekenner und Jungfrauen, lobet und preiset Christus im heiligen Sakramente in Ewigkeit! Himmel und Erde sollen Dich loben und preisen, sollen. Dich verherrlichen und anbeten in diesem heiligen Sakramente der Liebe in Ewigkeit! Amen. Segne auch, o Gott! alle meine Verwandten, Wohlthäter, Freunde und Feinde; stehe bei den Armen, Gefangenen, Leidenden, Reisenden, Kranfen und Sterbenden. Behüte unsere geistliche und weltliche Obrigkeit. Rette die unerfahrene Unschuld in der Dunkelheit der Nacht aus den Schlingen des Verführers; führe die Sünder von den Wegen der Finsterniß auf die Bahn der Buße. Allerseligste Jungfrau Maria, heiliger Joseph, heiliger Schußengel und alle lieben Heiligen, bittet für mich und alle Menschen, daß Gott in dieser Nacht, die ganze Zeit unsers Lebens hindurch und in der Stunde unsers Absterbens mit seinem allmächtigen Schuße über uns wache! Gott der Barmherzigkeit, sei auch gnädig den abgestorbenen Gläubigen, die noch im Fegfeuer büßen! Erhöre unser und ihr Gebet; laß ihr Verlangen nach Dir erfüllt werden, und führe alle, vorzüglich jene, für welche ich zu beten schuldig bin, in die ewige Ruhe und himmlische Seligkeit! Amen. Abendgebet der beiden heiligen Schwestern Gertrudis und Mechtildis. 1. Danksagung. Sei gegrüßt, du Heil und Licht meiner Seele, o mein Gott! Was der Raum des Himmels, der Abendandachten. 333 Umkreis der Erde und der Abgrund des Meeres in sich faßt, das sage Dir Dank für alle Wohlthaten und Er barmungen, welche Du mir an Seele und Leib er wiesen hast. Weil aber die Zahl derselben so groß ist, daß ich nicht Eines auf Tausend antworten kann, so empfehle ich meinen Dank jener unveränderlichen Danksagung, wodurch Dir, o herrliche ewige Dreifaltigkeit! aus Dir selbst, durch Dich selbst und in Dir selbst alle Schuld vollständig erfeßt wird; und mit ihr mich, den geringen Erdenstaub vereinigend, opfere ich Dir, o Vater! durch deinen Sohn, im heiligen Geiste alles Lob und allen Dank auf, den zu geben mir möglich ist. Amen. Nun erforsche dein Gewissen, denke nach, ob du nicht während des Tages Böses gedacht, verlangt, geredet oder gethan hast. Stelle dir vor, du ständest vor Gottes Gericht und müsseft Rechenschaft vor Ihm ablegen. Frage dich auch, ob du den heute früh gemachten Vorsatz gehalten hast. Im Falle du nun erkenneft, daß du eine oder mehrere Sünden begangen hast, so werfe dich zu den Füßen Jesu, wie dies die heilige Gertrudis jedesmal zu thun gewohnt war, wenn sie einen Fehler begangen hatte, und erwecke mit den Worten der Heiligen folgende 2. Reue und Leid. In der Bitterfeit des Leidens Jesu, deines Sohnes, komme ich klagend zu Dir, geliebtester Vater, und gebe mich schuldig, daß ich Dir heute so untreu gedient und Dich, den gütigsten Vater, mit so vielen und großen Nachlässigkeiten und Sünden beleidiget habe. Voll der herzlichsten Rene hierüber, im Geiste der Demuth und mit zerknirschtemt Herzen schlage ich an meine Brust und spreche: D 19* 334 Abendandachten. Gott, sei mir armen Sünderin gnädig! Zur Genugthuung für alle meine Nachlässigkeiten, durch die ich die füße Gnade des heiligen Geistes in mir ausgelöscht habe, opfere ich Dir die Leiden und Thränen deines geliebten Sohnes und bitte Dich in Vereinigung mit seinem allwirkenden Gebete in Kraft des heiligen Geistes um Vergebung aller meiner Missethaten und Verbesserung aller meiner Fehler. Würdige Dich, o Gott! mir diese Gnade zu verleihen um jener Liebe willen, mit welcher dein geliebtester, deinem väterlichen Herzen so theurer Sohn, unter die Missethäter hat gerechnet wer den wollen. Amen. 3. Empfehlung in das göttliche Herz Jefu. Allersüßestes Herz Jesu, Du sanftes Ruhebett aller Dich liebenden Seelen, ich empfehle Dir diese Nacht meinen Leib, meine Seele und mein Herz, damit Du sie vor allen unreinen Vorstellungen und Regungen und vor allen Nachstellungen des bösen Feindes behüten wollest. O liebevollstes Herz Jefu, Du Quelle des Lobes der allerheiligsten Dreifal tigkeit! ich bitte Dich, Du wollest statt meiner dieſe Nacht Gott loben und preisen, und so oft als diese Nacht mein Herz schlägt, so oft mögest Du Dich würdigen, die heiligste Dreifaltigkeit zu loben und zu preisen und jeden meiner Athemzüge als Lob und Preis in Dich aufnehmen zur Verherrlichung des allerhöchsten Gottes. Amen. Nun lade die Sterne des Himmels zum Lobe ein: Ihr schönen, hellglänzenden Sterne des Him mels, die ihr allzeit zur Verherrlichung Gottes Abendandachten. 335 leuchtet, euch lade ich ein, während ich schlafe, statt meiner den lieben Gott zu loben und zu preifen! Jubelt Jhm, dem Allerhöchsten, dem Geliebten meiner Seele, den Preisgesang: Es lebe und regiere der ewige Gott! Er sei und bleibe allein heilig, glorwürdig und verherrlicht in alle Ewigkeit! Er fei und bleibe allein würdig zu empfangen Ehre, Unterwerfung und Anbetung in Ewigkeit! de! Und Du, o mildester Gott! verachte dies mein Verlangen nicht, sondern lasse diese Begierde meines Herzens, Dich zu loben, Dir wohlgefällig sein. Siehe an mit deiner allumfassenden Liebe die zahllosen Sterne, und nimm ihre Huldigung, die sie deiner Herrlichkeit bringen, gnädig auf. D wären doch diese Sterne eben so viele Herzen, welche von Liebe zu Dir brennen und sich in deiner Liebe verzehren möchten! Amen. 4. Empfehlung in den Schuß der heiligen Gottesmutter. Dallerseligste Jungfrau Maria, in deine mütterliche Sorgfalt und in deinen besondern Schuß und in den Schooß deiner Barmherzigkeit empfehle ich diese Nacht meinen Leib und meine Seele, auf daß du sie bewahren wollest, gleich wie du mit mütterlicher Treue und Sorgfalt dein geliebtes Kind Jesus bewahrt hast, damit ich vor allen Nachstellungen des bösen Feindes gesichert bleiben möge! Amen. 5. Gebet zu Ehren des heiligen Joseph. Heiliger Joseph, Nährvater Jesu und Bräutigam der reinsten Jungfrau, der du gewürdigt wur 336 Abendandachten. deft, in den Armen Jesu und Mariä zu sterben, ich bitte dich mit kindlichem Vertrauen, mich nicht zu verlassen, wenn meine Seele vom Leibe scheidet. Erbitte mir die große Gnade, daß auch ich in den Armen Jesu und Mariä sterbe und glückselig hinübergehe in das Land der Ewigkeit, um dort mit dir und allen Heiligen Gott, das höchste Gut, zu loben und zu preisen ewiglich. Amen. 6. Gebet zu Ehren des heiligen Schußengels. Heiliger Schußengel, treuer Wächter meiner Seele, ich empfehle dir diese Nacht Leib und Seele und bitte dich, daß du sie bewahrest vor aller Anfechtung und Versuchung des bösen Feindes, damit ich früh Morgens unbefleckt erwache und zu Gottes Ehre neugestärkt mein Tagwerk beginne. Amen. Wenn du dich zu Bette legest, so bezeichne dich mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sprich dabei: 10 Jesus von Nazareth, König der Juden, bewahre mich vor bösem und unversehenem Tode! Amen. Es segne mich Maria, die Jungfrau, mit ihrem füßen Kinde! caning 2000 md wi Jesus, in deine Hände empfehle ich meinen Geist! Amen. Disle fallom roroondon and Abendgebet im Geiste der heiligen Nothburga. Top( Besonders für christliche Dienstboten.) Gütigster Vater im Himmel, im Namen deines liebsten Sohnes Jesus Christus sage ich deiner unendlichen Güte ewigen Dank für die Menge deiner Wohlthaten, die Du mir täglich so reichlich mittheilst. Von ganzem Herzen bereue ich alle Feh Abendandachten. 337 ler und Sünden des heutigen Tages und meines ganzen Lebens, und zwar bloß darum, weil ich Dich, o höchstes, unendlich liebenswürdigstes Gut! dadurch beleidigt habe. Nimm diese meine Reue an, o mein Gott! und verwirf mich nicht, sondern sieh mich mit so barmherzigen Augen an, wie Du die büßende Magdalena, Petrus und den Schächer am Kreuze angesehen hast. Verzeihe mir durch die Liebe deines heiligsten Herzens, mit der Du meine Erlösung vollbracht hast; wasche mich mit deinem Blute und bezahle mit deinen unendlichen Verdiensten die Schuld und Strafe meiner Sünden! O mein Jesus! in Vereinigung mit allen deinen Arbeiten und Mühseligkeiten und mit deiner Liebe, welche drei und dreißig Jahre lang die Last und Hiße des Tages für uns getragen hat, opfere ich Dir alle meine Arbeit auf. Mein Herr und Gott, dem Alles dient, nimm von mir dieses Opfer an, damit ich mein Tagewerk in Vereinigung mit deinen Verdiensten, in Geduld und Friede, zu deiner Ehre und zu meinem Heile vollbringe. In Vereinigung mit jener vollkommensten Meis nung, mit der Du auf Erden deiner heiligen Menschheit die Ruhe gelassen hast, will ich mich jetzt zu deiner Ehre, aus Gehorsam und zur Nothdurft meines Leibes schlafen legen, damit ich Dir morgen desto eifriger dienen, das Heil meiner Seele suchen und den Pflichten meines Standes besser abwarten möge. Gib also, o Jesus! meinem Leibe die nöthige Ruhe und mache, daß mein Gemüth wider alle bösen Anfechtungen und Gefahren sicher und wachbar sei; sende mir deinen Engel, der mich wider alle bösen Träume und feindlichen Nachstellungen beschüße und bewahre, damit ich in deiner Gnade 338 Meßandacht einschlafe, und nach deinem göttlichen Wohlgefallen gefund wieder aufstehe. Amen. O Maria, Mutter der Barmherzigkeit, in deinen mütterlichen Schuß und Schirm empfehle ich für diese Nacht unser Haus, meine Herrschaft, meine Wohlthäter, Freunde und Feinde; bitte für uns jetzt und in der Stunde des Todes! Amen. Vater unser 2c. Gegrüßt seist 2c. Unter deinen Schuß und Schirm 2c. IV. Alessandachten. Meßandacht zur Ehre der hochheiligsten Dreifaltigkeit. Vom Anfang der Messe bis zum Gloria. in GING Im Namen Gottes des Vaters, und des Sohnes, und des heiligen Geistes. Amen. Gelobt und gebenedeit sei die allerheiligste Dreifaltigkeit, Gott Vater, Sohn und heiliger Geist! aller Ehre und Anbetung würdigster, dreieiniger Gott! Mit findlichem Vertrauen erscheine ich vor deinem heiligen Altare, um mit demt hier versam melten Volke dem hochheiligen Opfer beizuwohnen, welches der Priester im Namen Jesu Dir jetzt dar bringen wird. Ewiger Gott, Herr des Himmels und der Erde! wir opfern Dir das heiligste, Dir angenehmste und wohlgefälligste Opfer; wir opfern Dir den heiligsten Leib und das heiligste Blut Jesu, deines göttlichen Sohnes, in Vereinigung mit jenem großen zur Ehre der hochheiligsten Dreifaltigkeit. 339 Opfer, welches Er selbst Dir dargebracht hat, da Er zu unserer Erlösung in den schmerzlichsten Leiden am Kreuze gestorben ist. D mein Gott! ich fühle die Schwere meiner Sünden und schlage, von Reue durchdrungen, an meine Brust und bekenne vor Dir, daß ich eine Sünderin bin. Ach, mein Gott! oft und vielmal habe ich Dich beleidiget. Dir, o Allwissender! ist keiner meiner Fehler verborgen geblieben; aber dein Erbarmen ist größer, als alle meine Sün den. Darum bitte ich, verzeihe mir und sei mir barmherzig! Sieh herab auf diesen Altar und nimm dieses heilige Opfer von den Händen des Priesters gnädig an. Nimm es an zu deinem Lobe, zur Anbetung deiner höchsten Majestät, zum Gedächtnisſe der Menschwerdung, des schmerzlichen Leidens und Sterbens unsers Erlösers, zur Danksagung aller mir erzeigten Gnaden und Wohlthaten, zur Genugthuung für alle meine Sünden, welche ich in das heiligste Blut Jesu versenke. D Gott! im Vertrauen auf deine unendliche Barmherzigkeit und die Verdienste des Leidens und Todes Jesu vereinige ich mich mit allen hier versammelten Menschen und Engeln, um Dich anzubeten und für die großen Wohlthaten zu preisen, welche Du uns in deinem göttlichen Sohne erwiesen haft. Ich bitte auch zugleich für alle meine Wohlthäter, für alle meine Freunde und Feinde; besonders aber empfehle ich deiner väterlichen Güte und Liebe diejenigen, welche mir angehören und die sich in mein Gebet empfohlen haben. Laß Dir, o Herr! diese meine gute Meinung wohlgefällig sein; erbarme dich auch aller abgestorbenen Christgläubigen und gib ihnen die ewige Ruhe. Allmächtiger und freigebiger Gott! laß mich auch in meinen zeitlichen Anliegen durch die Kraft die 340 Meßandacht ses heiligen Opfers Hülfe und Trost erlangen. Du weißt es, o Allwissender! welcher Kummer mein Herz beängstiget; Dir ist es bekannt, welches Kreuz ich trage, und Du weißt auch am besten, wie mir zu helfen ist. D hilfreicher Gott! hilf mir um Jesu willen in meinem Anliegen N. N., in welchem ich mit Vertrauen zu Dir bete. Sollte ich aber auch, wie Jesus am Delberge, ohne erhört zu werden, beten, so will ich dennoch nicht verzagen, sondern Dir, o liebster Gott! mein Schicksal überlassen, mich deiner weisen Vorsicht hingeben und mit zärtlichem Vertrauen zu Dir sagen: Vater, nicht mein, sondern dein Wille geschehe! Nur bitte ich, Du wollest mir deine Gnade verleihen, daß ich bis an das Ende meines Lebens in diesem Entschlusse verharre; durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. Wir beten Dich an, o dreieiniger Gott! denn Du bist preiswürdig in Ewigkeit. Ehre sei dem Vater, und dem Sohne, und dem heiligen Geiste! Amen. Beim Gloria. Christus Jesus, Du Heiland der Welt! In Vereinigung mit jenem Lobe, welches die heiligen Engel bei deiner gnadenreichen Geburt gesungen haben, rufe auch ich mit frohem Herzen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen, die eines guten Willens sind! Wir loben Dich, wir preisen Dich, wir beten Dich an, wir ehren Dich und sagen Dir Dank für alles Gute, das Du uns gegeben hast. D Herr Jesus Christus! Du bist der wahre Sohn Gottes; ich bete Dich an. Du bist das ewige Wort des Vaters, das vom Himmel kam, Fleisch geworden ist und unter uns zur Ehre der hochheiligsten Dreifaltigkeit. 341 gewohnt hat. Dich, o Gott! preiset die ganze Schöpfung; vor Dir, o Gott! neigt sich jedes Haupt, vor Dir beugt sich jedes Knie; Dir allein gebührt alle Ehre, Lob, aller Dank und alle Anbetung vou Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. ĎGott, wunderbar ist dein Name auf der ganzen Erde! Preis und Ehre, Dank und Anbetung sei Dir, o allerheiligster, dreieiniger Gott! Ehre jei Dir, o Vater! Ehre sei Dir, o Sohn! Ehre sei Dir, o heiliger Geist! Erbarme Dich meiner, ewiger Vater, und stärke meinen Glauben! Erbarme Dich meiner, Jesus, Du Sohn Gottes! und vermehre in mir die Hoffnung. Erbarme Dich meiner, o heiliger Geist! und verleihe mir deinen Beistand in Allem, was mein Seelenheil betrifft. O Geist Gottes! erhöre mein Flehen und entzünde mein Herz zu deiner göttlichen Liebe. Ehre sei dem Vater, dem Sohne und heiligen Geiste, wie im Anfange, so jetzt und in Ewigkeit! Amen. Bei den Gebeten. Verleih uns gnädig, himmlischer Vater! durch die Fürbitte Mariens und deiner Heiligen, besonders jener Heiligen, deren Fest wir heute begehen, alle jene Gnaden, welche der Priester im Namen Jesu für sich und für uns begehrt. O allmächtiger Gott! Du bist unser Vater; auf Dich sehen wir unser Vertrauen, da Du uns deine Barmherzigkeit schon so oft erzeigt hast. Von Dir, o Gott! wollen wir Hülfe und unser Heil erwarten. Erhöre uns Alle, die wir hier versammelt sind; um das bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, welcher mit Dir und dem heiligen Geiste gleicher Gott lebt und regiert in alle Ewigkeit. Amen. Stefanbacht Auch zu dir rufe ich, o gnadenvolle Mutter Jesu, du Zuflucht der reumüthigen Sünder! Bitte den lieben Gott für mich, daß Er mich nicht verlasse, besonders in meiner lebten Lebensstunde, wo mich alle Menschen verlassen. Stehe mir dann mit deiner mütterlichen Hülfe bei und führe meine Seele zu Jesus, deinem Sohne; bitte Jhn, daß Er mich gnädig richten und in die ewige Seligkeit aufnehmen wolle. Amen. 342 Bei dem Evangelium. Dank, ewiger Dank sei Dir, o liebster Jesus! daß Du mir dein heiliges Evangelium haft bekannt werden lassen. Aber, o mein Herr und mein Gott! wie werde ich vor Dir bestehen, wenn Du mich einst nach dem Evangelium, nach meinem Glauben richten wirst? Ach, ich erkenne es mit bitterem Schmerz, daß meine Sünden mich verdammen werden, wenn ich nicht in Reue und Buße zu Dir zurückkehre. Ja liebster, ewig barmherzigster Vater! ich kehre zu Dir zurück und bereue mein bisheriges sündhaftes Leben; o schenke mir nur deine Liebe wieder! Ich will künftig nach der weisen Vorschrift deines Evangeliums leben, damit ich Dir wohlge= falle und Frieden, Freude und Seligkeit erlange. Verleihe mir, o Gott! den Beistand deines Geistes, der mit seinem göttlichen Gnadenlichte mich erleuchte, damit ich deine Befehle treu erfülle und würdig werde, einst zum ewigen Leben einzugehen, durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. Bei dem Credo. Ich glaube an Dich, dreieiniger Gott: Vater, Sohn und heiliger Geift! Ich glaube an Dich, o zur Ehre der hochheiligsten Dreifaltigkeit. 343 Vater! den Schöpfer und Erhalter aller Dinge. Ich glaube an Dich, o Jesus Christus! den wahren Sohn Gottes, meinen Erlöser und Seligmacher. Ich glaube an Dich, o heiliger Geist! den Tröster, der vom Vater und Sohne ausgeht und meine Seele schon in der heiligen Taufe geheiliget hat. In diesem Geheimnisse meines Glaubens bete ich Dich, o allerheiligste Dreifaltigkeit! in Ehrfurcht an und flehe mit kindlichem Verlangen um Stärke in meinem Glauben, damit ich mich an die Worte Jesu festhalte, da Er sagt: Dem, der glaubt, sind alle Dinge möglich. Gott alles Trostes! Ich bin dein Kind und ich weiß, wie sehr Du verlangst, mich selig zu machen; darum hoffe ich auf Dich. Ja, ich hoffe auf dein Wort, und ich will auf Dich hoffen, bis Du deine Verheißung an mir erfüllen und mich selig machen wirst. O Gott der heiligsten Liebe! Du hast mich erschaffen, um Dich zu lieben; ach, und ich liebe Dich so wenig! O laß doch den Geist der Liebe, welcher am Jordan auf Jesus herabgestiegen ist, auch auf mich herabsteigen; laß eine jener göttlichen Feuerflammen auf mich herabsinken, welche Du über die Apostel ausgegossen hast, damit mein Herz mit einer heiligen Liebe entzündet werde, und ich mit Petrus sagen kann: Du weißt es, o Herr! daß ich Dich liebe. Um das bitte ich durch eben denselben Jesus Christus, deinen Sohn, welcher mit Dir und dem heiligen Geiste gleicher Gott lebt und regiert in alle Ewigkeit. Amen. Bei dem Offertorium. Dallerheiligste Dreifaltigkeit, einiger Gott! wir bitten, nimm dieses heilige Opfer von den Händen 344 Meßandacht des Priesters gnädig an zum Lobe und zur Verherrlichung deiner göttlichen Majestät, zum Andenten der Menschwerdung, des Leidens, der Auferstehung und Himmelfahrt Jesu Christi, unsers Herrn und Heilandes; und zugleich zur Ehre der seligsten Jungfrau Maria, des heiligen Johannes des Täufers, der heiligen Apostel Petrus und Paulus und aller Heiligen, damit es zu ihrer Verherrlichung und unserm Heile gereiche. In Vereinigung mit diesem heiligen Opfer opfere ich Dir auch mein Herz und bitte Dich, daß, gleichwie die Hostie in den heiligsten Leib Jesu verwandelt wird, Du auch mein Herz in ein frommes, keusches und Dir wohlgefälliges Herz verwandeln wollest. D Gott, Du bist meine einzige Hoffnung, auf Dich allein vertraue ich! Darum, o allerhöchster Gott! verleihe, daß ich Dich mit Verlangen suche, da ich Dich noch finden kann; daß ich zu Dir rufe, wenn Du mir nahe bist. Auch bitte ich, o Herr und Gott! für das Wohl der heiligen Kirche; erhöhe, beschüße und regiere fie, leite und erleuchte das Oberhaupt derselben und verleihe uns den Frieden durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. Bei der Präfation und dem Sanktus. Oihr heiligen Engel des Himmels, ihr Cherubim und Seraphim, ihr ewigen Anbeter des Allerhöchsten, die ihr hier gegenwärtig seid, um das tiefe Geheimniß der göttlichen Liebe, das große Wunder der göttlichen Allmacht zu verherrlichen! Dihr seligen Geister und Heiligen des Himmels, und du vor allen, Königin der Heiligen! erbittet mir eine recht wahrhafte Andacht zu dem hochheiligen Opfer, welches jetzt hier auf dem Altare vollbracht wird. zur Ehre der hochheiligsten Dreifaltigkeit. 345 Jest thut der Priester, was Jesus Christus selbst that, als Er zum Heile der Welt das hochheilige Sakrament des Altars einsetzte. Jesus, der Sohn Gottes, nahm das Brod in seine gebenedeiten Hände, hob seine Augen zu dem Vater im Himmel auf und sprach die Segensworte der Verwandlung des Brodes in seinen heiligen Leib. Dieses nämliche Wunder der Allmacht wird nun auch durch die Se gensworte des Priesters hier auf dem Altare vollbracht. O Jesus, Du lebendiger und wahrer Gott! Mit zitternder Ehrfurcht erwarte ich deine gnadenreiche Ankunft auf dem Altare. O könnte ich in dem Augenblicke, wo der Priester deinen heiligen Leib zur Anbetung in die Höhe hebt, Dir ein reines Herz zum Opfer darbringen! O mein Heiland! o mein Erlöser! Du hast aus Barmherzigkeit Dich am Kreuze zum Opfer für unsere Sünden hingegeben; o komm, Du Lamm Gottes! komm und opfere Dich auch jetzt deinem himmlischen Vater zur Verzeihung meiner Sünden für mich auf. Voll Erstaunen und Ehrfurcht erhebe ich meine Stimme zu Dir und rufe mit Herz und Seele: Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heerschaaren, Himmel und Erde sind voll seiner Herrlichkeit! Gelobt, gebenedeit und angebetet sei Jesus Christus, der wahre Sohn Gottes, der jetzt vom Himmel herab in die heilige Hostie kommt! Hosanna in der Höhe! Ruhm, Ehre und Preis dem lebendigen Gott, der jetzt erscheinen wird! Hosanna dem Allerhöchsten, dem allein wahren Gott, den wir in Anbetung hier auf dem Altare erwarten! Hosanna Dem, der da kommt im Namen des Herrn! Hosanna in der Höhe! 346 Meßandacht a Bei der Wandlung. O mein Jesus, sei mir gnädig! O mein Jesus, sei mir barmherzig! O mein liebster Jesus, verzeihe mir alle meine Sünden! O mein Jesus! durch dein heiliges Blut reinige mich von allen meinen Sünden; durch dein göttliches Blut wasche mich rein von allen meinen Missethaten; durch dein gnadenreiches Blut verleihe mir Gnade und Barmherzigkeit! Nach der Wandlung. Ich erhebe nun mein Herz und meine Seele zu Dir, o Gott, himmlischer Vater! Ich lobe und preise Dich, ich danke Dir und bete Dich an in Jesus, deinem Sohne, der als wahrer Gott und wahrer Mensch mit Leib und Seele hier gegenwär tig ist. O wie unaussprechlich kostbar, wie über Alles hoch und heilig ist dieses geheimnisvolle Opfer! O welch ein Uebermaß von Gnade erzeigt uns Jesus, der lebendige Sohn Gottes, daß Er das Opfer seiner Liebe in dieser heiligen Messe wieder erneuert! Großer, aller Anbetung würdigster Gott! Sieh hier auf dem Altare deinen einzig geliebten, göttlichen Sohn, der für uns Sünder am Kreuze gestorben ist. Dieses göttliche Lamm opfert sich Dir abermals auf eine unblutige Weise für uns auf. Durch Ihn sollen wir gerecht und durch sein Blut von Sünden rein und selig werden. Ogöttliche, allerhöchste Majestät! Ich liege vor deinem Ange fichte auf meinen Knieen, um Dich zu lobpreisen und zu verherrlichen. Wer ist so gut, o Gott! wie Du? Jm festen Glauben an die lebendige Ge 7 zur Ehre der hochheiligsten Dreifaltigkeit. 347 genwart des allerheiligsten Leibes Jesu bete ich Dich, ewiger Gott! in Ehrfurcht an. Um Dich aber desto wohlgefälliger anzubeten, vereinige ich mich mit allen heiligen Engeln, mit Maria, der Königin der Engel, und rufe mit Entzücken meines Herzens: Hei lig, heilig, heilig bist Du, o Gott der Heerschaaren! Dihr Heiligen Gottes! laßt uns niederbengen vor dem Herrn des Himmels und der Erde, laßt uns Ihn Lobpreisen und anbeten. O du in den Gestalten des Brodes verborgener Gottmensch Jesus! ich bete Dich an und bitte flehend, erbarme Dich meiner im Leben und im Tode. Amen. Barmherziger Gott! durch den heiligsten Leib Jesu und sein heiligstes Blut, welches wir Dir mit dem Priester in tiefster Ehrfurcht darbringen, leisten wir Dir Genugthuung für unsere Sünden, die wir von Herzen bereuen. Durch dieses göttliche Opfer bitten wir, vermehre in uns die heilige Liebe. Ach, liebster himmlischer Vater! im Namen Jesus, deines Sohnes, der mit Gottheit und Menschheit hier gegenwärtig ist, bitte ich für Alle, die hier zu deinem Lobe versammelt sind. Erhöre uns gnädigst, erhöre unser Gebet, da wir unsere Noth und unsere Anliegen Dir vortragen. Reinige unsere Seelen und erleuchte unsern Geist, damit wir Dich und den Du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen und seine göttliche Lehre treulich befolgen. Gedenke auch, o barmherzigster Vater! der Seelen im Fegfeuer und laß ihnen dieses heilige Meßopfer zu ihrer Erlöfung gereichen. Um das bitten wir, himmlischer Vater! durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. Vater unser 2c. 348 Meßandach Bei der Kommunion des Priesters. O mein Jesus, Du höchste Liebe meines Her zens! Gern wollte ich Dich jetzt mit dem Prieſter in dem heiligen Sakramente empfangen, wenn ich nur dieser Gnade würdig wäre; da ich aber eben wegen meiner Sünden dieses Glückes unwürdig bin, so halte ich mich, gleich jenem offenen Sünder, nur von ferne und schlage voll Betrübniß und Neue über meine Sünden an die Brust und rufe zu Dir: O Jesus, Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme Dich meiner! D Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, sei mir gnädig! D Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, sei mir barmherzig und kehre doch mit deiner heiligmachenden Gnade bei mir ein! D Jesus! ich verlange nach Dir, ich seufze nach Dir; ich bin zwar nicht würdig, daß Du zu mir kommst, aber sprich nur ein Wort, so wird gesund meine Seele. O Jesus, mein Gott und Herr, an Dich glaube ich! Jesus, auf Dich hoffe ich! Du, o Jesus, bist mein Erlöser! Du bist mein Trost, Du bist mein einziges, mein wahres und höchstes Gut; darum liebe ich Dich über Alles, und seufze nach Dir! D komm und kehre geistlicher Weise in meinem Herzen ein; heilige und reinige mich, damit ich bei meiner nächsten Kommunion deinen heiligsten Leib recht würdig empfangen möge! Komm, o Auserwählter meiner Seele! mein Herz verlangt nach Dir. ( Jeht denke, Du kommunizirest wirklich.) Der heiligste Leib Jesu Christi bewahre meine Seele und führe sie zum ewigen Leben. Amen. zur Ehre der hochheiligsten Dreifaltigkeit. 349 Hochgelobt und gepriesen sei das heiligste Sakrament des Altars! Ehre und Dank, Lob und Anbetung sei Dir, o allerhöchster Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist! Ehre sei Dir von allen Engeln und Menschen, an allen Orten und zu ewigen Zeiten! Amen. Gebet. Allmächtiger, gütiger Gott! verleihe gnädig, daß wir durch Anbetung und Genuß des heiligsten Sakramentes des Altars immer mehr und mehr mit Dir vereiniget werden. Stärke uns, o Herr! durch dieses kostbare Himmelsbrod, welches Jesus für alle seine Angehörigen bereitet hat, damit wir voll des lebendigen Glaubens, der tröstlichen Hoffnung und der heiligsten Liebe, unser Leben zurücklegen und einstens zu dem himmlischen Gastmahle zugelassen werden mögen, durch eben denselben unsern Herrn Jesus Christus. Amen. Beim Segen. Segne mich durch die Hand des Priesters, Gott und Vater, der Du mich erschaffen hast! Segne mich, Jesus Christus, Du Sohn Gottes, der Du mich mit deinem heiligen Blute erlöset hast! Segne mich, heiliger Geist, der Du bei der heiligen Taufe und Firmung deine seligmachende Kraft über mich ausgegossen hast! Segne mich, o dreieiniger Gott! am Leibe und an der Seele und führe mich zum ewigen Leben durch Jesus Christus, unsern Herrn. A. Aufopferun g. Dallerheiligste Dreifaltigkeit! ich opfere Dir dieses heiligste Meßopfer demüthigst auf; verzeihe mir 20 350 Meßandacht alle meine Nachläßigkeiten und Zerstreuungen, unter welchen ich mein Gebet verrichtet habe. Zum Ersabe meiner geringen Andacht opfere ich Dir auf das liebevolle Herz Jesu, meines Erlösers, die Verdienste der seligsten Jungfrau Maria und aller Heiligen. Sei durch diese heilige Messe gelobt und gebenedeit, Gott Vater, Sohn und heiliger Geist! A. Meßandacht im Geiste der ewigen Anbetung des allerheiligsten Altarssakramentes. ( Besonders für Kommuniontage.) Vorbereitungsgebet. ( Vom hl. Ambrosius.) Hoher und wahrer Opferpriester, Jesus Christus! Du hast Dich Gott, deinem Vater, auf dem Opferaltare des Kreuzes als ein reines unbeflecktes Opfer für uns Sünder aufgeopfert, haft uns dein Fleisch zur Speise, dein Blut zum Tranke hinterlassen und dieses Geheimniß in Kraft des heiligen Geistes mit den Worten eingesetzt: So oft ihr dieses thut, so thut es zu meinem Andenken." Ich bitte Dich durch eben dieses dein Blut, den großen Werth unseres Heiles, und durch diese deine wunderbare und unaussprechliche Liebe, die Du uns armseligen und unwürdigen Sündern zu erzeigen Dich würdigtest, daß Du uns durch dein Blut von unsern Sünden reinigen mögest. Lehre mich, deinen unwürdigen Diener, ich flehe demüthig darum, durch deinen heiligen Geist, mit aller gebührenden Ehrfurcht, Hochschätzung und Andacht diesem erhabenen Geheimnisse beizuwohnen. Deine Gnade lasse mich immer von diesem hohen Geheimnisse alles dasjenige glauben, einsehen, empfinden, fest für wahr im Geiste d. ewigen Anbetung d. hl. Altarssakramentes. 351 halten, denken und sagen, was zu deinem Wohlgefallen und zum Heile meiner Seele gereicht. A. Gute Meinung. Allmächtiger, ewiger Gott, himmlischer Vater! siehe mich gnädig an, da ich Dir das unblutige Opfer deines göttlichen Sohnes mit dem Prieſter in aller Demuth und Ehrfurcht aufopfern will möge es vollbracht werden zur größeren Ehre deiner göttlichen Majestät, zum Andenken an das Leiden und Sterben Jesu Christi, deines Sohnes, und jenes blutigen Opfers, welches Er am Kreuze für das Heil der Welt dargebracht hat; zur Verehrung der jungfräulichen Mutter und Himmelskönigin Maria, meines Schußengels und meiner besondern Schußheiligen, zur Danksagung für alle mir und meinen Angehörigen erwiesenen Gnaden und Wohlthaten. Besonders aber bringe ich dieses Opfer mit dem Priester dar zur Danksagung für die Einsetzung dieses heiligen Geheimnisses und für die unendlich vielen Gnaden, die dadurch allen Gläubigen bereitet find; zur Genungthuung aller von mir begangenen Fehler, zur Sühnung aller Nachläßigkeiten, Sünden und Frevel, wodurch die göttliche Liebe jemals in diesem hochheiligen Sakramente ist beleidiget worden. Ich bringe es Dir dar für meine Verwandten, Wohlthäter, Freunde und Feinde, für geistliche und weltliche Obrigkeiten, für Sünder, Frrgläubige und Ungläubige, für Kranke, Bedrängte und Sterbende, zum Troste aller abgestorbenen Christgläubigen, besonders jener, für welche ich zu beten schuldig bin. Laß Dir, o Gott und Herr! diese gute Meinung gefallen, und verleihe mir die Gnade, diesem heiligen Meßopfer mit solcher Andacht und Ehrfurcht beizuwohnen, daß ich aller Meßandacht agiondall Da Früchte desselben theilhaftig werde. Durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. 352 Gebet beim Segen mit dem hochwürdigsten Gute. ( Vor der heiligen Messe.) O Jesus, hier im heiligsten Sakramente gegenwärtig, gib uns deinen heiligen Segen! Segne den Priester, der das heilige Opfer darbringt; segne die Gläubigen, die den Altar umgeben, daß sie mit Andacht dem heiligen Meßopfer beiwohnen; segne auch mich mit der Fülle deines heiligen Segens. Jch bete Dich an, ich lobe und preise Dich als meinen Gott und Erlöser im heiligen Sakramente des Altars. Amen. Beim Introitus. Vom Aufgange der Sonne bis zum Untergange wird mein Name groß werden unter den Völkern, und an allen Orten wird meinem Namen geopfert und ein reines Speiseopfer dargebracht werden; denn groß ist mein Name unter den Völkern, spricht der Herr der Heerschaaren.( Malach. 1, 11.) Ehre sei dem Vater, der uns nach seinem Ebenbilde erschaffen hat! Ehre sei dem Sohne, der uns durch sein bitte res Leiden und Sterben vom ewigen Tode erlöset und uns im heiligen Sakramente des Altars mit seinem Fleische und Blute gespeiset hat! Ehre sei dem heiligen Geiste, der uns in der heiligen Taufe geheiliget und zum wahren Glauben geführt hat! Dank, Ehre, Lob und Anbetung sei dem dreieinigen Gott, nun und immer und in Ewigkeit! Amen. im Geiste d. ewigen Anbetung d. hl. Altarssakramentes. 353 Kyrie. Herr, erbarme Dich unser! Christus, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! O Gott, sei uns Sündern gnädig und tilge durch das Opferblut Jesu Christi alle unsere Sünden und Missethaten! Gloria. Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen, die eines guten Willens sind! Wir loben Dich, wir benedeien Dich, wir beten Dich an, wir preisen Dich, wir sagen Dir Dank wegen deiner großen Herrlichkeit; Herr Gott, himmlischer König, Gott, allmächtiger Vater! Herr Jesus Christus, Du eingeborner Sohn! Herr Gott, Du Lamm Gottes, hier im heil. Sakramente unter uns gegenwärtig! Du Sohn des Vaters, der Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme Dich unser! Nimm an unser demüthiges Gebet und vergib uns alle Sünden, wodurch wir Dich im heiligen Sakramente beleidiget haben; der Du fizest zur Rechten des Vaters, erbarme Dich unser! Denn Du allein bist heilig, Du allein der Herr, Du allein der Allerhöchste, Jesus Christus, mit dem heiligen Geiste in der Herrlichkeit Gottes des Vaters. Amen. and Gebet. O Gott, der Du uns in dem wunderbaren Sakramente des Altars das Andenken deines Leidens hinterlassen haft: wir bitten Dich, verleihe uns, die heiligen Geheimnisse deines Leibes und Blutes so zu verehren, daß wir die Frucht deiner Erlösung in uns unaufhörlich empfinden. Der Du 20* 354 Meßandacht daglund lebeft und regiereft mit Gott dem Vater und dem heiligen Geiste gleicher Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. nd den Epistel Aus dem ersten Briefe des heiligen Paulus an die Korinther 11, 23-29. Brüder, ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch auch überliefert habe, daß der Herr Jesus in der Nacht, in welcher Er verrathen wurde, das Brod nahm, und dankte, es brach und sprach: Nehmet hin und esset, das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird; dieses thuet zu meinem Andenken. Desgleichen nahm Er nach dem Abendmahle den Kelch und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blute: thuet dieses, so oft ihr trinket, zu meinem Andenken. Denn so oft ihr dieses Brod effet und diesen Kelch trinket, sollet ihr den Tod des Herrn verkündigen, bis Er kommt. Wer nun unwürdig dieses Brod ißt, oder den Kelch des Herrn trinkt, der ist schuldig des Leibes und Blutes des Herrn. Der Mensch aber prüfe sich selbst und so esse er von diesem Brode und trinke aus diesem Kelche. Denn wer unwürdig ist und trinkt, der ist und trinkt sich das Gericht, indem er den Leib des Herrn nicht unterscheidet. Evangelium. Johannes 6, 56-59. ndes der the a In der Zeit sprach der Herr Jesus zu den Schaaren der Juden: Mein Fleisch ist wahrhaftig eine Speise, und mein Blut ist wahrhaftig etn Trank. Wer mein Fleisch ist und mein Blut trinkt, im Geiste d. ewigen Anbetung d. hl. Altarssakramentes. 355 der bleibt in Mir und Jch in ihm. Gleich wie Mich der lebendige Vater gesandt hat und Ich lebe um des Vaters willen: so wird auch der, welcher Mich ißt, um Meinetwillen leben. Dieses ist das Brod, welches vom Himmel herabgekommen ist, nicht wie das Manna, das eure Väter gegessen haben und gestorben sind. Wer dieses Brod ißt, der wird leben in Ewigkeit. Credo. Sprich das apostolische Glaubensbekenntniß: Ich glaube 2c. Offertorium. Nimm an, o himmlischer Vater, allmächtiger Golt! dieses unbefleckte Opfer des Brodes und Weines, welches ich schwache Sünderin Dir als meinem lebendigen und wahren Gott durch die Hände des Priesters aufopfere, als Bekenntniß meiner Schuld, als demüthige Anbetung deiner göttlichen Majestät und als Danksagung aller empfangenen geistlichen und leiblichen Wohlthaten. Siehe es an als eine Versöhnung für meine und der ganzen Welt Sünden, als Genugthuung für alle Nachläßigkeit und Frevel, die jemals von den Menschen bei Darbringung des heiligen Meßopfers begangen worden sind, und laß es mir und allen Lebendigen zum Heile des Leibes und der Seele und den Abgestorbenen zur ewigen Ruhe gereichen. A. Präfation. tist Zu Dir, o Herr! erheben wir unser Herz und sagen Dir, unserm Gott und Herrn, Lob und Dank. 356 Meßandacht Es ist recht, billig und heilsam, daß wir immer und überall Dir Dank sagen, allmächtiger Vater, ewiger Gott, durch Christus, unsern Herrn. Himmlischer Vater! wir wollen Dir mit den Engeln und Erzengeln, mit den Cherubim und Seraphim und mit der ganzen himmlischen Heerschaar hier vor dem heiligen Sakramente den Lobgesang deiner Herrlichfeit singen und immer in tiefster Anbetung sagen: Heilig, heilig, heilig bist Du, o Herr der Heerschaaren! Himmel und Erde sind voll von der Majestät deiner Herrlichkeit. Hosanna in der Höhe! Gebenedeit sei, der da kommt im Namen des Herrn! Beim Canon. Gebet für die Lebenden. Ich bitte Dich, himmlischer Vater! durch das Leiden und Sterben deines göttlichen Sohnes, welches hier unblutiger Weise erneuert wird, siehe mit gnädigen Augen an deine heilige katholische Kirche, die geistliche Braut deines Sohnes. Schüße fie gegen alle Feinde und Uebel; schmücke sie mit der Heiligkeit der Gerechten; heilige sie durch die Bekehrung der Sünder; vermehre sie durch die Erleuchtung der Irrgläubigen und Ungläubigen und erhöhe sie über alle Reiche dieser Erde. Verleihe allen Vorstehern und Dienern dieser Kirche, dent römischen Papste und den Bischöfen, allen Priestern und Seelsorgern die Fülle deines göttlichen Lichtes, damit sie durch Lehre und Beispiel die ihnen anvertraute Heerde führen mögen zur ewigen Seligfeit. Verleihe den christlichen Königen und Fürsten Frieden und wahre Einigkeit; verleihe allen weltlichen Obrigkeiten zur Beförderung der Ehre deines göttlichen Namens und des zeitlichen und ewigen im Geiste d. ewigen Anbetung d. hl. Altarssakramentes. 357 Wohles ihrer Unterthanen deinen mächtigen Schuß und Beistand. Gib allen Nothleidenden und Armen Trost und Hülfe; stehe bei mit deiner Gnade allen Sterbenden, damit sie nach würdigem Empfange der heiligen Sakramente den Tod der Gerechten sterben mögen. Ich empfehle auch deiner göttlichen Barmherzigkeit alle Mitglieder, die sich zur Anbetung des heiligsten Sakramentes vereiniget haben; vermehre in ihnen den Glauben, die Hoffnung und die Liebe und die wahre Gottseligkeit, damit sie Alle einstens zur ewigen Anbetung am Throne Gottes gelangen mögen. Verleihe auch meinen Eltern, Brüdern und Schwestern, meinen Verwandten und Wohlthätern, meinen Freunden und Feinden die Fülle deiner heiligen Gnade und endlich die ewigen Güter des Himmels. Amen. Quist jui puronours pop Wandlung. De 50 sin Bei Aufhebung der heiligen Hoftie. O göttlicher Jesus! ich bete Dich an unter der Gestalt des Brodes als meinen Gott und Herrn, Erlöser und Seligmacher! Jesus, Dir lebe ich! Je= fus, Dir sterbe ich! Jesus, dein bin ich todt und lebendig! Jesus, erbarme Dich meiner und sei mir gnädig! Gelobt und gepriesen sei ohne End' Das heiligste und göttliche Altarssakrament! Bei Aufhebung des Kelches. STRANY Ned and niallo O gütigster Jesus, ich bete an dein heiliges kostbares Blut, hier unter der Gestalt des Weines im Kelche gegenwärtig! Du wahres Blut Jesu 358 er Meßandacht Christi, vergossen am Stamme des heiligen Kreuz zes zur Erlösung der fündigen Menschheit, wasche mich rein von allen meinen Sünden und Missethaten! Gelobt und gepriesen sei ohne End' Das kostbare Blut Jesu im heil. Sakrament! Jesus, hier auf dem Altare als Gott und Mensch mit Fleisch und Blut wahrhaft zugegen, ich glaube an Dich! O Jesus, Du wahres Versöhnungsopfer, ich hoffe auf Dich! O Jesus, Du Gott der Liebe, ich liebe Dich! O Jesus, sei mir gnädig und barmherzig! Amen. Nach der Wandlung. Feierliche Abbitte vor dem heiligsten Sakramente. ( Nach dem hl. Alphons von Liguori.) HE Jesus Christus, Du Sohn des lebendigen Gottes, hier im heiligen Sakramente als Gott der Liebe gegenwärtig, ich bete Dich an. Möchten doch alle Menschen Dich in diesem heiligen Geheimnisse erkennen, unaufhörlich anbeten und Dich aus ganzem Herzen lieben! Ach, wenn Dich Alle wahrhaft liebten, dann wären gewiß alle Kirchen immer angefüllt mit Gläubigen, die Dich in Demuth anbeteten und Dir Dank sagten, wenn sie mit den Augen des Glaubens in dem allerheiligsten Altarsfakramente Dich verborgen sähen. Aber leider die meisten Menschen vergessen Dich und deine Liebe; fie verweilen lieber in der Gesellschaft der Menschen, als in stiller Anbetung vor dem heiligen Sakramente. Sie lassen Dich, o mein Heiland! allein auf dem Altare und gehen der Sünde und dem Bösen nach. Die Bosheit und der Frevel der Menschen verunehrt Dich in diesem heiligen Geheimnisse und vergilt deine unaussprechliche Liebe mit im Geiste d. ewigen Anbetung d. hl. Altarssakramentes. 359 Spott und Unglauben, mit Hohn und schwerer Sünde. Ach, könnte ich doch durch meinen Eifer Dir zu dienen, einen so großen Undank wieder gut machen! Memento. Gedenke, o Herr! der Seelen der Abgestorbenen, besonders derer, für welche ich zu beten schuldig bin, die sich mit uns auf Erden in der Anbetung des heiligen Sakramentes vereinigten und jetzt noch am Orte der Reinigung von der seligmachenden Anschauung ausgeschlossen sind. Laß sie durch de Kraft des heiligsten Opfers und durch die Vermittelung deiner heiligen Kirche aus ihrer Qual zum Orte der Erquickung und des ewigen Friedens gelangen. Auch uns armen Sündern, die wir auf die Menge deiner Erbarmungen hoffen, gib Heil und Gnade zur Buße; laß uns hier leiden, damit wir dort verschont werden und alsbald mit allen Heiligen der ewigen Seligkeit theilhaftig werden. A. Pater noster. - Vater unser 2c. Bei der Kommunion. Gütigster Jesus, liebreichster Heiland! Du ladest uns Alle zu Dir ein, da Du sprichst: Kommet Alle zu Mir, die ihr mit Mühe und Arbeit beladen seid, und Ich will euch erquicken! Obschon ich eine Sünderin und nicht würdig bin, daß Du in mein Herz eingehest, so hoffe ich dennoch wegen deiner unendlichen Barmherzigkeit, Du werdest mich Unwürdige des geistigen Empfanges deines heili( 360 Meßandacht gen Fleisches und Blutes theilhaftig machen. D Jesus, Du Lamm Gottes, welches hinwegnimmt die Sünden der Welt, komme zu mir, damit Du meine Sünden vertilgest, meine Unreinigkeit abwaschest, meine Blindheit erleuchtest und meine Armuth bereicherst! Siehe, Herr! wie der Hirsch nach der Wasserquelle sich sehnt, also verlangt meine Seele nach Dir, daß sie im Geiste von deinem Fleische gespeiset und von deinem Blute getränkt werde. So komm denn, o mein Herr und Gott Komm, o höchstes Gut, mit deiner Gnade und Liebe in mein Herz zu mir reumüthigen und bußfertigen Sünderin! Jeßt empfange geistiger Weise( wenn du nicht wirklich kommunizirest) die heilige Hostie und sprich dreimal: D Herr, ich bin nicht würdig, daß Du eingehest in mein Herz, sondern sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund! Der Leib unsers Herrn Jesu Christi bewahre meine Seele zum ewigen Leben. Amen. O Jesus, Du hast Dich mir ganz geschenkt; gib mir nun die Gnade, daß auch ich mich Dir mit Leib und Seele für immer weihe! Halte mich fest in den Armen der Liebe, daß es ter Welt und dem Fleische nicht mehr gelinge, mich von Dir los zu reißen. Dein Eigenthum bin ich, dein Eigenthum will ich bleiben für Zeit und Ewigkeit! Liebesseufzer des heiligen Ignatius. minde Die Seele Christi heilige mich! Der Leib Christi mache selig mich! Das Blut Christi tränke mich! Das Wasser der Seite Christi wasche mich! im Geiste d. ewigen Anbetung d. hl. Altarssakramentes. 361 Das Leiden Christi stärke mich O gütigster Jesus, erhöre mich! In deine Wunden verberge mich! Laß nichts von Dir trennen mich! Vor dem bösen Feinde beschüße mich! In meiner Todesstunde rufe mich! Und heiße zu Dir kommen mich! Damit ich mit deinen Heiligen Lobe Dich In alle Ewigkeit! Amen. Gebet. Ich danke Dir, göttlicher Heiland! daß Du mich haft Theil nehmen lassen an dem geistlichen Gastmahle, worin dein heiliges Fleisch und Blut genossen, das Andenken deines Leidens und Sterbens gefeiert, das Herz mit Gnaden erfüllt und ein Unterpfand der fünftigen Glorie uns gegeben wird. Jch bitte Dich, verleihe mir, daß ich durch die Kraft dieses gnadenreichen Geheimnisses im Glauben, in der Hoffnung, in der Liebe, in deiner Gnade und Freundschaft und in allem Guten bis zum Ende verharren, und Dich, mein höchstes Gut, meine einzig wahre Glückseligkeit ewig anschauen, besitzen und genießen möge. Amen. Zum Segen. Es segne mich der allmächtige Gott, † Vater, t Sohn, und † heilige Geist. Amen. Aufopferung. Nimm an, o ewiger Vater! das unblutige Opfer der heiligen Messe zur Ehre deines Namens und zum Heile der Welt, wie Du das blutige Schule und Tempel. 21 Meßandacht 362 Opfer Jesu aufgenommen hast, das Er Dir am Kreuze zur Vergebung unserer Sünden darbrachte. Heilige Jungfrau und Himmelskönigin Maria, heiliger Joseph, heiliger Erzengel Michael und alle Engel und Heiligen, bringet dieses Opfer vor den Thron Gottes als Lob und Danksagung für die Einseßung des heiligsten Altarssakramentes, und als Sühnung und Genugthuung für alle Sünden und Nachlässigkeiten, womit jemals die göttliche Liebe in diesem heiligen Sakramente von der Undankbarkeit der Menschen ist beleidiget worden! Möge Jesus Christus durch seine unendlichen Verdienste ersehen, was mir und Allen, die diesem heiligen Opfer beiwohnten, an schuldiger Andacht gemangelt hat! Amen. Gebet beim Segen mit dem hochwürdigsten Gute. ( Nach der heiligen Messe.) Jch bete Dich an, o Jesus! und bitte Dich um deinen heiligen göttlichen Segen. Die Fülle deines Segens komme über mich in diesem heiligen Augenblicke; dein Segen verlasse mich nicht in der Versuchung, dein Segen helfe mir bei allen meinen Werken, dein Segen begleite mich auf allen meinen Wegen! Segne mich vom Altare aus am Leibe und an der Seele, im Leben und im Sterben! Amen. Hochgelobt sei ohne End' Jesus Christus im allerheiligsten Altarssakrament! aus d. Schriften d. hl. Schwestern Gertrud u. Mechtild. 363 Meßandacht aus den Schriften und Offenbarungen der beiden heiligen Schwestern Gertrudis und Mechtildis. Vom Anfange der Messe bis zum Gloria. Allmächtiger, ewiger Gott! ich glaube fest, daß das Opfer der heiligen Messe deiner Majestät unendliche Ehre, unaussprechliches Lob und den höchsten Dank darbringt, und daß man durch dieses hochheilige Opfer allein Dich gebührend und würdig loben und deiner Majestät gebührende Ehre erweisen kann. Dieses erfreut mein Herz und ermuntert mich innigst, deinem liebsten Sohne zu danken, daß Er ein solches Mittel erfunden, wodurch wir armselige Menschen Dich, die allerhöchste Majestät, würdig loben und preisen, deine Huld und Gnade erwerben können. O wie gerne möchte ich zur Vermehrung deiner Ehre etwas beitragen! Da ich aber zu schwach und armselig bin, so will ich doch wenigstens dem heiligsten Opfer, diesem unschäßbaren göttlichen Werke, mit möglichster Andacht beiwohnen und in Vereinigung mit dem Priester dieses hochheilige Opfer darbringen. Herzlich freut es mich, daß Dir, meinem geliebten Gott und Herrn, an so viel tausend Orten und auf so viel tausend Altären ein so hochheiliges Opfer des Lobes und des Dankes dargebracht wird. Dwie sehr wünschte ich, daß alle diese heiligsten Opfer mit der innigsten Andacht, mit der tiefsten Ehrfurcht, mit der herzinnigsten Liebe gefeiert würden! Deswegen bitte ich Dich, o ewiger Vater! durch das unendliche Wohlgefallen, das Dir dein lieber Sohn am Kreuze bewiesen, als Er sich Dir im unsäglichen Todesschmerze am Kreuze aufgeopfert hat, 364 Meßandacht Du wollest allen Priestern, die heute in der ganzen W lt das heilige Meßopfer feiern, deinen heiligen Geist mittheilen, der sie erleuchte, ihre Herzen zur Liebe entzünde und vor aller Unandacht bewahre, damit sie mit solcher Ehrfurcht deinen lieben Sohn verehren, wie Ihn seine heilige Mutter in seiner Kindheit mit größter Ehrfurcht verehrt hat. Endlich bitte ich auch, Du wollest mich selbst und alle Anwesenden mit dem Geiste der Andacht erfüllen, von allen Sünden reinigen und unsere Seelen im einsten Blute deines lieben Sohnes waschen, damit wir mit reinem Herzen und Lippen in Gegenwart dieses heiligsten Geheimnisses erscheinen zu deiner unendlichen Ehre und zum Heile unserer Seelen. Amen. Vom Gloria bis zum Offertorium. Allmächtiger, ewiger Gott! Dir gebührt alles Lob im Himmel und auf Erden, die höchste Ehre und ewige Anbetung! Wir bitten Dich, siehe gnädig auf unsere Bitten herab und gib uns, deinen Die nern und Dienerinnen, die wir zur Ehre deines Namens hier versammelt sind, um Dich zu preisen und Dich einzig und allein zu lieben, rechten Glanben, unerschütterliche Hoffnung, wahre Demuth, vollkommene Liebe, Beständigkeit und Ausdauer im Guten. Durch die Verdienste deines göttlichen Sohnes und aller Heiligen gieb, daß in unsern Herzen wohne starke Geduld, reine und makellose Gewissenhaftigkeit, bereitwilliger und eifriger Gehorsam, reines Gemüth, wahre Zerknirschung und untadelhafte Vollendung, auf daß wir in das Reich deiner Glückseligkeit einzugehen verdienen, das Du uns durch deinen göttlichen Sohn, Jesus, verheißen hast und das Du uns um Seinetwillen geben wollest. aus d. Schriften d. hl. Schwestern Gertrud u. Mechtild. 365 Getreuester Gott, Du ewig unveränderliche Wahrheit, flöße mir einen heißen Durst nach deiner Wahrheit ein, damit ich in der Erkenntniß derselben immer mehr zunehme und durch ihre heilige Kraft zur Vollendung gelange. O Jesus! Du hast gesagt: " Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben;" gib, daß ich Dir getreulich nachfolge und standhaft bei Dir ausharre, damit ich dasjenige, was ich jeßzt glaube und hoffe, eingehend zum ewigen Leben in der Wirklichkeit voll Freuden mit eigenen Augen erblicke und Dich von Angesicht zu Angesicht schaue. Dort wirst Du, o geliebter Jesus! mich in Dich ſelbst umgeſtalten; dort sei der genußreiche Anblick deines holdseligen Antliges meine ewige Ruhe. A. Zum Offertorium. Wenn der Priester nach dem Evangelium den Kelch abdeckt und Brod und Wein opfert, so trete auch du geistiger Weise hin zum Altar und lege auf denselben hin dein Herz mit all deinen Werken als ein Brandopfer der Liebe und bete: Ewiger, unendlicher Gott! ich, dein armes Geschöpf, bekenne mit dankbarem Gemüthe, daß ich Seele und Leib und Alles, was ich besiße und an mir ist, von deiner mildreichen Hand empfangen habe. Für diese überreichen Gaben sollte ich Dir nicht blos vom ganzen Herzen danken, sondern ich follte sie Dir auch nach Möglichkeit vergelten. Daher lege ich denn jetzt all das Gute, das Du mir je an Seele und Leib verliehen hast, zugleich mit allen Verdiensten deines lieben Sohnes neben die Hoftie auf die Patene und opfere Dir dasselbe auf zum vollkommenen Lob- und Dankopfer und zum lieblichen Wohlgeruche. Meßandacht Weil ich aber aus allen Gaben, die Du, o mein Gott! mir ertheilt hast, nichts Besseres habe als mein Herz, so opfere ich es Dir und lege es in den Kelch, damit all die Gebete und Segnungen, welche über denselben gesprochen werden, auch über mein Herz gesprochen werden. Und gleichwie der Wein in diesem Kelche durch die Konsekration wahrhaft in dein heiligstes Blut verwandelt wird, so wünsche ich innig, daß auch mein Herz ganz und gar umgewandelt und so mit Dir vereinigt werde, daß es hinfür nicht mehr mein, sondern Dein fei und Du dasselbe nach deinem Wohlgefallen gebrauchen mögest. Zugleich lege ich auch alle Leiden, welche ich jemals erduldet und all meine Anliegen ( hier nenne dieselben), die ich auf dem Herzen habe, in diesen Kelch hinein und opfere sie Dir mit jenem bittern Kelche, aus dem Du auf dem Delberge zu unserm Heile getrunken hast. So nimm denn auf, o himmlischer Vater! dieſe Gaben, die ich Dir darbringe in Vereinigung mit jenem blutigen Opfer, welches Dir der höchste Priester, Jesus Christus, am Kreuze dargebracht, und segne sie mit deiner väterlichen Hand, damit sie Dir wohlgefällig sein mögen. Amen. 366 3um Drate Fratres. Himmlischer Vater, allmächtiger Gott und Herr! nimm hin dieses heilige Opfer aus den Händen deines Priesters und verleihe ihm die Gnade und den Beistand des heiligen Geistes, damit er dieſes hochwichtige, heilige Werk, welches das Heil der ganzen Kirche betrifft, mit aller Würde und Treue vollbringe zur größern Verherrlichung deiner Majestät, zur Vermehrung der Freuden aller Heiligen, aus d. Schriften d. hl. Schwestern Gertrud u. Mechtild. 367 zum Nußen der streitenden Kirche auf Erden und zum Troste und zur Erlösung der armen Seelen im Fegfeuer. Amen. Bei dem Stillgebet des Priesters. O mein Gott und Herr! laß Dir wohlgefallen das Gebet des Priesters, welches er jetzt im Angesichte der Gaben, die auf dem Altare bereit lie gen, im Namen der ganzen Kirche zu Dir richtet! Gib uns um deiner heiligen Kirche willen, die im Himmel triumphirt und auf Erden streitet, alle jene Gnaden, deren wir bedürfen, um nach deinem heiligen Willen rein von Sünden leben zu können. Ziehe unsere Herzen, die wir auf den Altar zum Opfer hingelegt haben, zu Dir empor, entflamme fie mit dem Feuer deiner Liebe und vereinige fie so mit Dir, daß sie nimmermehr von Dir, Du höchstes Gut, getrennt werden in Ewigkeit. Amen. Zur Präfation. Die Präfation ist ein feierliches Vorbereitungsgebet, welches eine laute Verherrlichung der göttlichen Majestät enthält und jedesmal vor der heiligen Wandlung verrichtet wird. Der Priester fordert alle Anwesenden auf zur innigen Andacht, zur Erhebung der Herzen zu Gott, weil bald die heiligste Handlung beginnen soll, nämlich die Herablassung Jesu, des Sohnes Gottes, vom Himmel, die Verwandlung des Brodes und Weines in sein Fleisch und Blut und sein heiligstes Opfer. Vereinige daher deine Stimme mit dem Priester und bete: Ich lobe und preise Dich, o allerliebreichster Jesus! in Vereinigung jenes unaussprechlichen Lo= bes, mit welchem die hochheilige Dreifaltigkeit sich 368 Meßandacht selbst lobt und von Dir gelobt und verherrlicht wird und welches ausfließt auf die allerfeligste Jungfrau Maria und alle Engel und Heiligen, die deine glorwürdigste Majestät unaufhörlich loben, preisen und verherrlichen. Mit ihnen vereinige ich meine schwache Stimme zur Danksagung für alle Gnaden und Wohlthaten, die Du ihnen und mir armen Sünderin so reichlich mitgetheilt haft und rufe: Heilig, heilig, heilig ist Gott, der Herr der Heerschaaren! Himmel und Erde sind voll seiner Herrlichkeit! Hosanna in der Höhe! Gebenedeit sei, der da kommt im Namen des Herrn! Hosanna in der Höhe! Allgütigster Gott und Vater! dieses Gebet opfere ich Dir auf in Vereinigung jenes unaufhörlichen Lobes, mit welchem Dich Himmel und Erde und alle Geschöpfe loben und preisen und bitte Dich, Dut wollest dieses armselige Gebet in Ansehung dieses Lobes aufnehmen durch deinen Sohn Jesus Christus zu deiner Ehre und zu deinem höchsten Wohlgefallen. O möge dein göttlicher Sohn sich würdigen, alle meine Versäumnisse, deren ich mich in deinem Dienste bisher schuldig gemacht habe, zut erseßen und mir Vergebung aller meiner Sünden erlangen! Zum Kanon oder der Stillmesse. Stelle dich jetzt im Geiste hin auf die Höhe des Kalvarienberges und betrachte, wie Jesus ausgestreckt auf das Kreuz und hängend zwischen Himmel und Erde, für der ganzen Welt Sünden sich opfert; dann sprich in tiefster Demuth folgendes Gebet: Dunergründlicher Gott! es beginnen jeßt jene hohen Geheimnisse, vor deren Anblick Himmel und Erde erzittern und die heiligen Engel niederfallen aus d. Schriften d. hl. Schwestern Gertrud u. Mechtild. 369 und ihr Angesicht verhüllen. Wie soll nicht auch ich von tiefster Ehrfurcht, von heiligem Schauer ergriffen sein! O wie wunderbar sind doch, o Herr Jesus Christus! deine Erfindungen zum Heile der Menschheit; o wie groß ist deine Liebe für uns unwürdige Sünder! Nicht genug, daß Du Dich am Kreuze unter Blut und Schmerzen wie ein unschuldiges Lamm für uns geopfert hast, willst Du Dich auf's Neue unblutiger Weise hinschlachten lassen, um unsere tägliche Schuld zu tilgen. Nicht genug, daß Du die Herrlichkeit deiner Gottheit abgelegt haft und Mensch geworden bist, um uns zu erlösen, verbirgst Du jetzt deine Gottheit und Menschheit unter den Gestalten des Brodes und Weines, um Dich als das reinste, unbefleckte Opfer deinem Vater darzubringen. Wie grenzenlos ist doch deine Liebe, o mein Erlöser! die Dich bewegt, so tief Dich zu erniedrigen. Ich bekenne, daß ich einer solchen Liebe nicht würdig bin. Doch was würde aus mir werden, süßester Jesus, wenn deine Liebe nicht so grenzenlos wäre? Wie könnte ich Gnade und Erbarmen erlangen, wenn Du dies heilige Opfer nicht vollbringen würdest? Oso komme denn, gütigster Jesus! komme mit deiner süßen Liebe und entzünde alle kalten Herzen mit dem Feuer deiner heiligen Liebe; komme mit deiner mildesten Freigebigkeit und bereichere mit deinen Gnaden unsere Seelen; komme mit deiner ewigen Klarheit und erleuchte unsere in Finsterniß begrabenen Gemüther; komme mit deiner großen Barmherzigkeit und verzeihe uns all unsere Sünden! Amen. 21* 370 Meßandacht Zur Wandlung. Bei Aufhebung der heiligen Hoftie. Sei gegrüßt, o allersüßester Jesus! Mit tiefster Demuth bete ich Dich an und bitte Dich um Gnade und Erbarmen. O Jesus, sei mir gnädig! O Jesus, sei mir barmherzig! O süßester Jesus, verzeihe mir alle meine Sünden! Bei Aufhebung des Kelches. Sei gegrüßt, o kostbares Blut meines Erlösers! Mit tiefster Demuth bete ich Dich an und bitte um Gnade und Erbarmen. O heiliges Blut, reinige mich von allen Sünden! O reinstes Blut, tilge aus meine übergroßen Schulden! O verdienstvolles Blut, rufe um Barmherzigkeit zu Gott dem Vater, daß Er mich verschone! Dieses heiligste Blut opfere ich Dir auf, himmlischer Vater, zur Tilgung aller meiner Sünden und Strafen und zur Verherrlichung deines heiligsten Namens. Amen Nach der Wandlung. Allerheiligster Gott und Vater! fiehe, ich, dein armes Geschöpf, trete jetzt im Geiste hin zu deinem heiligen Altare, nehme in tiefster Ehrfurcht deinen lieben Sohn in meine Hände und mit solch inbrünstiger Liebe, mit der Er sich selbst Dir aufgeopfert hat, opfere ich Dir seinen allerheiligsten Leib, feine allerreinste Seele, seine Gottheit und Menschheit mit Allem, was Er während seines Erdenle bens gethan und gelitten hat. Zugleich opfere ich aus d. Schriften d. hl. Schwestern Gertrud u. Mechtild. 371 Dir auf alle Verdienste, Tugenden und Gnaden der allerfeligsten Jungfrau Maria und aller Heiligen, wie auch die Verdienste und guten Werke aller Menschen, sammt dem ganzen Schaße der heiligen katholischen Kirche. Damit vereinige ich auch noch und opfere ich Dir auf, was dein Auge an mir Wohlgefälliges finden möge und all das Gute, was meine geistlichen und leiblichen Freunde jemals gethan und alles Leiden, das sie jemals gelitten haben. Dieses kostbare Opfer bringe ich Dir dar in, mit und durch deinen Sohn in der Kraft des heil. Geistes zu deinem ewigen Lob und Preise, zur Anerkennung und Verherrlichung deiner ewigen Majestät, zur Danksagung für alle Wohlthaten, welche Du je der Welt erwiesen hast und zur vollkommensten Tilgung aller Schmach, die Dir jemals von mir und allen Sündern zugefügt worden. Ich bringe Dir dar dieses heilige Opfer zur Verherrlichung der allerglorwürdigsten Menschheit unsers Herrn Jesu Christi, zum Andenken an sein bitteres Leiden und zur Danksagung für dasselbe, wie auch zur größern Ehre und Freude der allerfeligsten Jungfrau Maria, meiner lieben heiligen Patrone und aller Heiligen, damit Allen und Jedem durch die Kraft dieses Opfers ihre Freuden erneuert und ihre Seligkeit vermehrt werden möge. Ich bringe Dir endlich dieses Opfer dar für mich armseligste Sünderin und für alle meine geiſtlichen und leiblichen, noch lebenden und abgestorbenen Freunde, besönders für N. N., wie auch für alle Menschen, die noch auf Erden leben und für alle Seelen, die im Fegfeuer leiden. Ich bringe es Dir dar zur Danksagung für alles Gute, das Du uns jemals erwiesen; zur Erlangung aller Gnaden für 372 Meßandacht Leib und Seele, zur Abwendung alles Uebels, das uns an unserer Seligkeit schaden könnte, zur vollkommenen Nachlassung aller Sünden und Ersetzung all unserer Nachlässigkeiten und Versäumnisse. Zum Pater noster. Bete ein Vater unser um Erhöhung und Ausbreitung der heiligen katholischen Kirche, wie die heilige Gertrud zu thun pflegte, was von Jesus Christus allzeit mit großem Wohlgefallen aufgenommen wurde.( 4. B.) Vater unser 2c. Gütigster Jesus, dieses ,, Vater unser" opfere ich Dir in Vereinigung jener vollkommensten Meinung, mit welcher es in deinem allersüßesten Herzen ist geheiliget und zu unserm Heile ausgesprochen wor= den; zu meiner wahren Besserung und Erstattung aller Versäumnisse, die jemals aus menschlicher Schwachheit, Unwissenheit oder Bosheit gegen deine unendliche Allmacht, unerforschliche Weisheit und überreiche Güte und Milde begangen wurden. Amen. sucre spilis 3um Agnus Dei. 303 Worte der heiligen Gertrudis, aus ihren geistlichen Uebungen.) D Du Lamm Gottes, das Du hinnimmst die Sünden der Welt, vernichte alle meine Sünden nach der Fülle deiner Barmherzigkeit! D Du Lamm Gottes, das Du hinnimmst die Sünden der Welt, erstatte Du all' meine Nachlässigkeiten in deiner unauslöschlichen Liebe! O Du Lamm Gottes, das Du hinnimmst die Sünden der Welt, laß mich in der Stunde meines Todes so in Frieden scheiden, daß ich aus d. Schriften d. hl. Schwestern Gertrud u. Mechtild. 373 Dich von Angesicht zu Angesicht schauen möge! Amen. Beim Agnus Dei betete die heilige Gertrudis gewöhnlich für die ganze heilige Kirche zum Herrn. Beim ersten Agnus Dei bat fie Jhn, Er möchte dieselbe in allen Vorfällen als wahrer Vater regieren. Beim zweiten betete sie für alle Verstorbenen, damit Er sich ihrer erbarmen und sie aus den Qualen des Fegfeuers erlösen möchte. Beim dritten flehte sie zu Ihm um die Vermehrung der Verdienste der Heiligen und Auserwählten, welche mit 3hm im Himmel herrschen sollten.( B. 4. R. 41.) Ahme auch du hierin die heilige Gertrudis nach und auch dir wird dann Jesus die Gnade vermehren, wie dieser Heiligen.Toko Zum Domine non sum dignus. O Herr Jesus Christus, ich bin nicht würdig, daß ich deinen heiligen Namen ausspreche; aber um Deinetwillen verzeihe mir meine Sünden! GHD Herr Jesus Christus, ich bin nicht würdig, daß Du mein Gebet erhörest, wegen der Menge meiner Sünden; aber um deines bittern Leidens willen lasse mir nach die Strafen meiner Sünden! D Herr Jesus Christus, ich bin nicht würdig, mich dein Geschöpf zu nennen, wegen des Ungehorsams gegen deine Gebote; aber um deines heiligsten Sakramentes willen schenke mir deine Gnade! Jetzt verrichte die geistliche Kommunion, wie es Christus die heilige Mechtildis gelehrt.( 1. B. 9. R.) Es ist die geistliche Kommunion ein inbrünstiges Verlangen der Seele nach dem Empfang des heiligsten Sakramentes, welches man auf folgende Weise in sich erwecken kann: 374 Meßandacht Zur geistlichen Kommunion. Gütigster Jesus, wie herzlich gerne wollte ich jeßt dein heiligstes Fleisch und Blut empfangen und mit Dir mich vereinigen, wenn ich nur dieser Gnade würdig wäre und deinem Tische mich nahen dürfte! Weil ich aber wegen meiner vielen Sünden dessen ganz unwürdig bin, so bitte ich Dich, Du wolleft in diesem Augenblick mit deiner allmächtigen Weisheit und mit der süßesten Liebe deines Herzens mich hiezu bereiten, damit ich so würdig werde, Dich geistlicher Weise in meine Seele aufzunehmen, damit in mir Alles gewirkt werde, was Du von Ewigkeit nach dem Wohlgefallen deines göttlichen Willens mit mir zu thun beschlossen hast. Amen. Nach der Kommunion. Ich lobe Dich, o allerstärkste und weiseste Liebe! Ich rühme Dich, o allersüßeste Liebe! Ich erhebe Dich, o allgütigste Liebe! in allen und für alle Gutthaten, die deine glorwürdigste Gottheit und allerfeligste Menschheit in uns gewirkt hat und noch wirken wird, von Ewigkeit zu Ewigkeit durch dein alleredelstes Herz. Amen.bo Himmlischer Vater! auf deinem Altare hat Dir jeßt unsere heilige Mutter, die Kirche, das ehrwürdigste Opfer dargebracht, jenes Opfer, das Du selbſt einst hingegeben hast, damit es für uns geschlachtet werde. Nimm es mit jener übergroßen Liebe auf, mit welcher Du einst deinen Sohn aufgenommen hast, als Er von dieser Erde in sein Reich zurückkehrte, und Dir, seinem Vater, alle Frucht seiner Menschheit und die glorreichen Wunden seines Leibes darbrachte. Nie gütigster Vater, mögen aus d. Schriften d. hl. Schwestern Gertrud u. Mechtild. 375 seine Wunden vor deinen Augen verschwinden, damit Du stets eingedenk seiest, welch große Genugthuung Du von Ihm für unsere Sünden empfangen habest. Durch die Kraft dieses unblutigen Opfers erbarme Dich meiner und aller Sünder und Gläubigen, sie mögen noch am Leben oder schon gestorben sein und gib uns Allen Gnade, Barmherzigkeit, Vergebung der Sünden und das ewige Leben. Amen. Bum Segen des Priesters. Gebenedeitester Jesus! Gleichwie Du in dieser heiligen Messe Brod und Wein so kräftig und wirksam gesegnet hast, daß sie dadurch in deinen Leib und dein Blut verwandelt wurden; so segne auch mich so kräftig, daß während dieses Tages das Zeichen deines heiligen Segens meiner Seele eingedrückt bleibe und sie von aller Gefahr der Feinde befreit werde im Namen des Vaters, und des Sohnes, und des heiligen Geistes. Amen. - 3um legten Evangelium. Ich danke Dir, liebreichster Jesus, daß Du Dich aus Liebe zu Mir gewürdiget hast, den Schooß deines Vaters zu verlassen und die menschliche Natur anzunehmen, und bitte Dich durch dieselbe Liebe, die Dich auf Erden herabgezogen hat, daß Du deinem himmlischen Vater deine unendlichen Verdienste aufopferst und mich der Früchte derselben, welche diese heilige Messe erneuert hat, theilhaftig machest, damit ich die Vollkommenheit aller Tugenden erlange, die Keuschheit rein und unbefleckt bewahre, meine guten Vorsäge halte, die Demuth übe, die 376 Meßandacht. Geduld erhalte, im Guten bis an's Ende verharre, nach diesem Leben die Krone empfange und Dir, o unbeflecktes Lamm Gottes! dem Sohne der allerseligsten Jungfrau, überall nachfolge, wohin Du gehst. Amen. Meßandacht zur Bewahrung der Unschuld und jungfräulichen Reinigkeit. Vorbereitungsgebet. Im Namen Gottes des Vaters, und des Sohnes, und des heiligen Geistes trete ich mit dem Priester zum Altare, um Gott, dem Herrn der Heerschaaren das reine und heilige Opfer des neuen Bundes darzubringen, welches vom Aufgange bis zum Untergange der Sonne gefeiert wird als ein immerwährendes Andenken an jenes blutige Opfer, das unser Herr und Heiland Jesus Christus selbst am Stamme des heiligen Kreuzes für die fündigen Menschen dargebracht hat. Mein Gott und Herr! sende mir deinen heiligen Geist, daß Er mich fähig mache, diesem hochheiligen Opfer mit wahrer Andacht beizuwohnen und der Früchte desselben theilhaftig zu werden. Ich befehle mich und all die Meinigen in diese heilige Messe und bitte Dich, daß Du uns Allen die Kraft und Verdienste dieses heiligen Opfers zukommen lassest. Zum Konfiteor und Kyrie. In tiefster Demuth falle ich nieder auf meine Kniee und bekenne meine Schuld, meine große Schuld. Ach! ich habe gesündiget und Uebles gethan vor Dir, o Gott! Ebarme Dich meiner nach zur Bewahrung der Unschuld und Reinigkeit. 377 deiner großen Barmherzigkeit. Wende ab dein Angesicht von meinen Beleidigungen und siehe hin auf Jesus Christus, das unbefleckte Lamm, welches hinwegnahm die Sünden der Welt. Um Seinetwillen sei mir gnädig und barmherzig und vergib mir meine Schuld, wie auch ich vergebe meinen Feinden und Beleidigern, denn dieses Opfer ist ja ein Opfer der Versöhnung und soll Frieden stiften zwischen Gott und den Menschen. Nur der Heiligste kann den Allerheiligsten versöhnen und mir seine Huld und Gnade wieder verschaffen. Darum bitte ich Dich, o Gott der Heiligkeit! durchdringe mein schwaches, von so vielen Gefahren umgebenes Herz mit heiliger Furcht und Liebe, daß ich die Sünde als das größte Üebel verabscheue und hasse, und Dir in Unschuld und mit einem reinem Herzen dienen und wohlgefallen möge- durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Zur seligsten Jungfrau Maria. Heilige Maria, du reinste und tugendhafteste Jungfrau! ich bitte dich, erlange mir von Gott die Gnade, Entschlossenheit und Stärke, dir in der Tugend der himmlischen Reinigkeit bestens nachzufolgen. Kein Gedanke soll in meinem Herzen aufsteigen, kein Wort aus meinem Munde kommen, wodurch ich der so schönen Tugend der Reinigkeit zuwider handle; nicht mehr mir, sondern allein Gott will ich leben, und mit diesem Vorsaße lege ich mein Herz auf den Altar, damit es, in Vereinigung mit dem hochheiligen Opfer Jesu Christi, ein gottgefälliges Opfer werde. Bitte also, o mäch tige Fürsprecherin! daß mein Gebet Erhörung finde durch deinen Sohn Jesus Christus, unsern Herrn. A. 378 Meßandacht 3um Evangelium. Vater! ich danke Dir, daß Du uns durch deinen göttlichen Sohn das Evangelium der Gnade kund gethan hast. Diese frohe Botschaft lehret uns, an Dich, den Allmächtigen, glauben, auf Dich, den Allbarmherzigen, hoffen, und Dich, das allerhöchste Gut, von ganzem Herzen lieben. Was nun aber meinem Glauben, meiner Hoffnung und Liebe noch mangeln sollte, um sie Dir als ein wohlgefälliges Opfer darzubringen, das verlange ich durch die Verdienste jenes Opfers am Kreuze zu ersetzen, welches dein Eingeborner mit seinem Herzblute vollbracht und der Priester jetzt unblutig erneuert. Du kennst, Allwissender! die Schwäche meines Herzens, und weißt, wie sehr ich verlange, Dir wohlgefällig zu werden. Darum, liebster Bater! mache mich der Einwirkung deiner Gnade empfänglich und deiner Verheißung würdig durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. D Himmelskönigin Maria! durch deine Ergebung in den Willen Gottes bist du gewürdiget worden, deinen Schöpfer zu gebären und bist doch die reinste Jungfrau geblieben. Durch dies wundervolle Geheimniß bitte ich Dich, flöße meiner Seele deinen treuen Gehorsam, deine tiefe Demuth und Liebe ein, damit ich Gottes Erbarmen über mich herabziehe, im Dienste Gottes meine höchste Freude und in meinen Seelen- und Leibesanliegen Hülfe und Beruhigung finde. 11 Maria sprach: Siehe! ich bin eine Dienerin des Herrn, mir geschehe nach deinem Worte." Bitte, o feligste Jungfrau! daß auch ich mich jederzeit dem göttlichen Willen unterwer e und Gottes heiligster Wille in Allem an mir erfüllet werde. Amen. zur Bewahrung der Unschuld und Reinigkeit. 379 Hund Zur Opferung. O Gott! in dieser feierlichen Stunde des großen Versöhnungsopfers wollest Du gnädig auf uns herabblicken und unsere Andacht Dir gefallen lassen, da wir in Ehrfurcht gleich den Engeln und Himmelsfürsten vor dem Altare knieen und Dich anbeten. Segne die Opfergaben, die der Priester zu Dir emporhebt; segne sie und weihe sie zu dem heiligen Geheimnisse, wozu sie bestimmt sind. Da nun dieses Brod und dieser Wein durch deine Allmacht in das Fleisch und Blut Jesu Christi ver wandelt wird, so wollest Du uns, die wir im Vertrauen auf die Verdienste unseres Erlösers diesem Opfer beiwohnen, unsere Bitten erhören. Wir bitten also im Namen Jefu für die katholische Kirche, für das Oberhaupt derselben und für alle Bischöfe und Seelsorger, daß Du sie vor aller Widerwärtigkeit bewahreft. Gleichmäßig bitten wir für alle weltlichen Regenten und Lenker deines Volkes. Erleuchte sie durch das Licht deines heiligen Geistes, daß sie die Untergebenen in Liebe regieren und beglücken. Auch bitten wir für alle Irrgläubigen, daß Du sie zur Erkenntniß des wahren Glaubens führest. Endlich bitten wir für alle Sünder um heilsame Erschütterung ihrer Herzen, damit sie zur Buße und Besserung schreiten, die Du auch mir verleihen wollest, durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. Unbefleckte Jungfrau Maria! wie fromm und heilig, wie rein und unschuldig mußt du gewesen sein, da der ewige Gottessohn sich würdigte, in dir zu wohnen. Auch ich soll rein und in Unschuld leben und mich durch Tugend und Frömmigkeit heiligen. Darum bitte ich dich, o Neinste aller Meßandacht Jungfrauen! eile mir zu helfen, damit ich neuerbaut und gestärkt durch die Frucht dieses hochheiligen Meßopfers aller Sinnenlust entsage und mein Herz zu einer Wohnung bereite, in welche dein Jesus mit Freuden seine Einkehr nehme. Diese Gnade erbitte mir durch eben diesen deinen Sohn, unsern Herrn und Heiland. Amen. 380 3um Sanktus. Allmächtiger Gott! das Opfer der Gnade ist nun zn deiner Ehre bereitet, und ich bitte, gib mir Kraft, daß ich jetzt meine Gedanken ganz von dem Irdischen Losreiße und hinwende zu Jesus, der in diesen Augenblicken vom Himmel herabsteigt und als Opferlamm sich hingibt, wie Er auf dem Kalvarienberg sich hingab für uns unter den schmerzlichsten Leiden am Kreuze. Ich will nichts sehen, als das göttliche Opferlamm und sein kostbares Blut, welches nun bald im Kelche emporgehoben und dem himmlischen Vater geopfert wird. Daher ist es gebührend und recht, daß wir Dir, heiligster Vater! allzeit Dank sagen durch Jesus Christus, unsern Herrn, durch welchen die Engel deine Majestät loben, die Heerschaaren sie anbeten. Wir bitten Dich, nimm auch unsere Gebete in Gnaden an; wir rufen in Demuth: Heilig, heilig, heilig iſt unser Gott! Gebentedeit sei, der da kommt im Namen des Herrn! Heilige Maria, reinste Jungfrau, unbefleckte Mutter! ich bin ganz unwürdig, mit den Engeln und frommen Seelen in das Lob Gottes einzuſtimmen, da ich so oft meine Lippen durch unnüße Gespräche und meine Gedanken durch eitle Vorstellungen entheiliget habe. Aber unter deinem Bei zur Bewahrung der Unschuld und Reinigkeit. 381 stande, o Spiegel der Reinigkeit! will ich künftig meine Sinne bewachen; ich will allem Vorwiße, allem Leichtsinn und allen Gelüsten der Sinnlichkeit Aug und Herz verschließen, damit mein Herr und Gott mit Liebe auf mich herabsehen möge, als auf dein getreues Pflegkind. Amen. Zur Wandlung. Jesus, Sohn des lebendigen Gottes! Du bist hier mit Leib und Seele gegenwärtig; ich schlage an meine Brust und bekenne Dich als meinen wahren Gott, als meinen Erlöser und Seligmacher. Jesus, an Dich glaube ich!- Jesus, auf Dich hoffe ich!- Jesus, von Herzen liebe ich Dich! Oheiliges Blut des göttlichen Lammes, wasche mich rein von allen meinen Sünden! D fostbares Blut, stärke mich gegen den Rückfall in die Sünde! O göttliches Blut, heilige durch deine Kraft meine Seele zum ewigen Leben! Nach der Wandlung. Jesus Christus, ewiger Gott, Du bist mit Gottheit und Menschheit hier zugegen, und obgleich ich Dich nur im Glauben sehe, so ist doch durch deine eigene göttliche Kraft und Allmacht dein wahrer Leib und dein köstliches Blut das Opfer, welches hier dem himmlischen Vater dargebracht wird. Durch Dich lernten wir den Vater kennen und beten mit kindlichem Vertrauen: Vater unser, der Du bist in dem Himmel! Dein Name ist groß und heilig und aller Anbetung würdig. Dein Reich, dein Segen, dein Geist komme zu uns, damit wir ge recht und tugendhaft vor Dir wandeln. Laß uns 382 Meßandacht in Allem deinen Willen thun und der Wohlthaten würdig werden, die Du uns täglich ertheilest. D Gott, wie sehr beschämt mich deine große Gnade und Freigebigkeit! Du überhäufest mich mit Gütern, deren ich ganz unwürdig bin, und ich bin oft so hart gegen Nothleidende, die mich in deinem Namen bitten. Ach, Vater, vergib mir meine Schuld, wie ich allen meinen Feinden vergebe! Bewahre mich vor fündhaften Versuchungen; denn ich bin schwach und vermag ohne deinen Beistand dem Bösen nicht zu widerstehen. Erlöse mich von allem Uebel des Leibes und der Seele, und laß mich, durch deinen Geist geleitet, allezeit in Unschuld und Herzensreinheit vor Dir wandeln. Heilige Jungfrau Maria, möchte ich doch im Stande fein, alles Sündhafte in mir zu vernichten! Versage mir doch deine Fürbitte nicht, sondern laß deine Hülfe an mir gesegnet sein, damit ich dir vorzüglich nachzufolgen vermöge in der jungfräulichen und standesmäßigen Keuschheit, um so auch des Genusfes jener Seligkeit theilhaft zu werden, die Gott denen versprochen, welche an Ihn glauben, auf Ihn vertrauen und Ihn lieben aus dem Grunde des Herzens. Amen. Zur Kommunion. Liebreichster Jesus! Du ladest uns Alle ein und willst uns deinen Leib zu essen und dein Blut zu trinken geben. Ja, Du trägst sogar ein Verlangen, zu uns zu kommen und uns schon hier selig zu machen. Dwie gerne wollte ich Dich jetzt in mein Herz einführen! Aber wie darf ich es wagen, meinem Gott mich zu nahen, den ich so oft durch Undank beleidigt habe? Allein durch deine Gnade er zur Bewahrung der Unschuld und Reinigkeit. 383 fannte ich meine Fehler und rufe nun mit reumüthigem Herzen: Komm', o Jesus, komm' in meine Seele, die so sehnlich nach Dir verlangt! Gieße einen Tropfen deines Blutes in meine Seele und mache sie vollkommen gesund. Höre, Geliebter meiner Seele, höre die Seufzer meines Herzens und kehre mit deiner Gnade huldreich bei mir ein! Schmücke mich mit den Tugenden deiner hl. Mutter, und gib, daß ich meine bösen Gewohnheiten überwinde und ein reines Herz erlange. Jenen Frieden schenke mir, den Du deinen Jüngern çabst, da Du zu ihnen sagtest: ,, Meinen Frieden gebe Ich euch." D gib meiner Seele den Frieden, der mich antreibt, auch mit meinen Mitmenschen in Ruhe und Eintracht zu leben, um sodann einstens des ewigen Friedens theilhaftig zu werden. Amen. 3um Segen des Priesters Ich bezeichne meine Stirne, Mund und Brust mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und bekenne damit öffentlich meinen Glauben an den dreieinigen Gott. Wenn dann einstens bei dem Weltgerichte dieses glorreiche Zeichen am Himmel erscheint, dann laß Dir, o allerheiligste Dreifaltigkeit! meinen Glauben gefallen, und mich Antheil nehmen an den Früchten des Opfertodes meines Herrn und Hei landes Jesus Christus. Segne auch du mich, o jungfräuliche Mutter, segne mich mit deinem göttlichen Kinde! Ja segne mit der Fülle dieses himmlischen Segens meinen Leib und meine Seele zur Ehre Gott des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes! Amen. 384 Meßandacht Zum legten Evangelium nach Johannes Im Anfange war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dieſes war im Anfange bei Gott. Alles ist durch dasselbe gemacht worden, und ohne dasselbe wurde nichts gemacht, was gemacht worden ist. In Ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtete in der Finsterniß, aber die Finsterniß hat es nicht begriffen. Es war ein Mensch von Gott gesandt, der hieß Johannes. Dieser kam zum Zeugnisse, damit er Zeugniß von dem Lichte gäbe, auf daß Alle durch Ihn glauben möchten. Er war nicht das Licht, sondern er sollte Zeugniß von dem Lichte geben. Dieses war das wahre Licht, welches alle Menschen, die in diese Welt kommen, erleuchtet. Es war in der Welt, und die Welt ist durch dasselbe gemacht worden, aber die Welt hat Ihn nicht erkannt. Er kam in sein Eigenthum, und die Seinigen nahmen Ihn nicht auf. Allen aber, die Ihn aufnahmen, gab Er Macht, Kinder Gottes zu werden, denen nämlich, die an seinen Namen glauben, welche nicht aus dem Geblüte, nicht aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind. Und das Wort ist Fleisch geworden, und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit als des Eingebornen vom Vater, voll der Gnade und Wahrheit. Gott sei Dank! Amen. zur Verehrung der allerfel. Jungfrau Maria. 385 Meßandacht zur Verehrung der allerfeligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria.d ( Besonders für die Festtage Mariens.) Vorbereitungsgebet. Heiliger, dreieiniger Gott! In tiefster Ehrfurcht meines Herzens erscheine ich vor deinem heiligen Altare und bete an deine göttliche, unendlich erhabene Majestät. Jch bitte Dich, allmächtiger Schöpfer und Vater, durch die Hochverdienste der seligsten Jungfrau und Mutter deines Sohnes, Du wollest huldreich herabsehen auf mich, dein schwaches Kind, das mit Vertrauen sein Gebet zu Dir hinauffendet und bereit ist, das allerheiligste Opfer deines geliebten Sohnes durch die Hände des Priesters darzubringen zu deiner ewigen Verherrlichung, zum Preise der seligsten Jungfrau Maria und zum Heile meiner Seele und aller derjenigen, für welche ich zu beten versprochen habe, oder für welche zu beten ich verpflichtet bin. Da ich jetzt, o heiligste Mutter! an diesem festlichen Tage zu deiner Ehre und, Verherrlichung an dem hochheiligsten Meßopfer Theil nehmen will, so erbitte mir gnädig von deinem lieben Sohne die Gnade, daß ich mit geläutertem Herzen und reinent Geiste, frei von allem Einflusse des bösen Feindes, die himmlische Feier begehen möge. 30 Histpisu nied Beim Eingange. D heilige Jungfrau Maria, Mutter Gottes, du Königin der Gläubigen! ich bin mir zwar wohl bewußt, wie es mir nicht ziemt, daß meine arme 22 L 386 Meßandacht e Seele, die von Sünden befleckt und unrein ist, zu deiner unversehrten Reinheit emporschaue, und gleichfalls bin ich mir bewußt, daß auch deine Reinheit einen gerechten Abscheu an mir haben muß. Da jedoch der gütige Gott, welcher Fleisch von deinem Fleische annahm, vom Himmel gekommen ist, die Sünder zu retten, so gewähre mir die mütterliche Hülfe deiner Fürsprache, indem ich ja sonst keine Zuflucht habe! Ohimmlische Königin, nimm mich auf in deinen Schirm und versöhne mich mit deinem Sohne! Zum Gloria. Dir, gnädigster Vater, Vater der Barmherzigkeit, opfere ich deine eigenen Gaben auf! Dir übergebe ich mich und erkenne in schuldigster Demuth, daß ich deiner mir ertheilten Gnaden und Gaben ganz unwerth, ja, daß ich höchst undankbar bin. Dir sei die Ehre, Dir der Ruhm, Dir der Dank, o heiligster Vater, ewige Majestät, deren Allmacht mich aus Nichts erschaffen hat! Dich preise und verherrliche ich, Dir danke ich, o allerheiligster Sohn, Du Abglanz des Vaters, der Du mich durch deine Weisheit vom ewigen Tode erlöst hast! Dich benedeie ich, Dich bete ich an, o heiliger Geist, Du Tröster der Seelen, der Du mich durch deine heiligmachende Gnade von der Sünde zur Gnade, von dem Verderben der Welt zum wahren Leben des Geistes, von meiner Verweisung in das Baterland, von der Arbeit zur Ruhe, von der Traurigkeit zur Freude und zum seligsten, süßesten Genusse deiner Liebe gerufen haft! Auch dir, o allerfeligste Jungfrau, zu welcher die himmlischen Geister mit frohlockender Bewunderung aufblicken, werde Preis und Verehrung dar zur Verehrung der allersel. Jungfrau Maria. 387 gebracht, denn du bist ja jene Mutter, welche mit dem Sonnenlichte der Glorie angethan, den Quell alles Lichtes auf den Armen trägt! Bur Dration. TORE O Herr Jesus Christus, von Ewigkeit der Eingeborne Sohn Gottes, der Du in der Zeit in dem reinsten Schooße der allerfeligsten Jungfrau Maria Mensch geworden bist! ich bitte Dich durch jene Erbarmung, durch welche Du den Schooß der Jungfrau nicht scheutest, flöße meinem Herzen ein, was deine süßeste Mutter fühlte und was sie dachte, als sie Dich in Kindesgestalt freudig und frohlockend in ihren Armen hielt und mit aller Zuneigung des Herzens Dich liebte. Ach, gestatte mir doch, diese ihre Liebe zu Dir auch in mich aufzunehmen; und bin ich, ob meiner vielen Sünden nicht werth, das Wesen ihrer Liebe zu Dir ganz zu begreifen, so lasse mich wenigstens nur etwas davon erfassen, damit ich doch eine einzige Erquickung in dieser meiner Pilgerschaft haben möge! Amen. Zur Epistel. ( Lektion aus den Sprüchen Salomon's. 8. Kap. 22-35 V.) Der Herr hat mich gehabt im Anfang seiner Wege, ehe denn Er etwas gemacht hat, vom Anbeginn. Ich bin eingesetzt von Ewigkeit, von Alters her, ehe denn die Erde geworden ist. Die Tiefen waren noch nicht, und ich war schon empfangen; die Wasserquellen brachen noch nicht hervor; der Berge gewaltige Last stand noch nicht: und vor den Hügeln ward ich geboren. Noch hatte Er die Erde nicht gemacht, nicht die Flüsse, nicht die Angel des Meßandacht Erdkreises. Als Er die Himmel bereitete, war ich dabei; als Er nach genauem Geseße einen Kreis zog um die Tiefen, als Er den Luftraum obèn befestigte und die Wasserbrunnen abwog, als Er rings um das Meer seine Grenze setzte und den Wässern ein Geseß gab, ihre Grenzen nicht zu überschreiten, als Er die Gründe der Erde legte: da war ich bei Ihm, und machte Alles, und erluftigte mich Tag für Tag und spielte vor Ihm allezeit, spielte auf dem Erdkreis, und meine Luft ist, bei den Menschenkindern zu sein. Nun also, ihr Kinder, höret mich: Glückselig sind, die meine Wege bewahren! Höret die Lehre, und werdet weise, und verwerfet sie nicht! Glückselig der Mensch, der mich höret, und der an meiner Thüre wachet, Tag für Tag, und meiner wartet an der Schwelle meiner Thüre. Wer mich findet, findet das Leben, und schöpfet das Heil von dem Herrn." 388 1 Bewundere, andächtige Seele, die Vorzüge, welche Gottes Güte Maria verliehen, und freue Dich darüber. Laß es aber bei stummer Bewunderung nicht be wenden, sondern achte auf das, was dir Maria in dieser Lektion zuruft: Höret mich, meine Kinder! spricht fie: Glückselig sind, die meine Wege bewahren! Ich bin beständig auf den Wegen der Tugend und der Vollkommenheit gewandert; habe die großen Gnaden Gottes nicht umsonst empfangen, sondern unaufhörlich mit ihnen gewirkt, und so meine Seligkeit erlangt. Wollet ihr meine Kinder sein und meines mütterlichen Schußes euch erfreuen, fo tretet in meine Fußstapfen. Höret diese Unterweisung an und verwerfet sie nicht. Selig find, die meine Worte hören und mich mit kindlichem Vertrauen suchen. Sie werden mich als meine Mutter des Trostes finden und durch meine Fürbitte von zur Verehrung der allers. Jungfrau Maria. 389 Gott hier das Leben der Gnade und dort das Leben der ewigen Herrlichkeit erlangen. Zum Evangelium. In derselben Zeit ward der Engel Gabriel von Gott gesandt in eine Stadt in Galiläa, mit Namen Nazareth, zu einer Jungfrau, welche mit einem Manne vom Hause David verlobt war und der Joseph hieß; und der Name der Jungfrau war Maria. Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach: ,, Gegrüßt seist du, voll der Gnaden, der Herr ist mit dir, du bist gebenedeit unter den Weibern!" Da sie dieses hörte, erschrack sie über seine Rede und dachte nach, was das für ein Gruß sei. Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria, denn du hast Gnade gefunden bei Gott! Siehe du wirst empfangen und einen Sohn gebären und sollst seinen Namen Jesus heißen; dieser wird groß sein und der Sohn des Allerhöchsten genannt werden; Gott der Herr wird Ihm den Thron seines Vaters David's geben und Er wird herrschen im Hause Davids ewiglich und seines Reiches wird kein Ende sein!" E 3um Credo. Ich glaube an Gott den Vater u. f. w. Zum Offertorium. O mein Gott, wie lange bereits hast Du mich mit väterlicher Milde und Schonung ertragen; aber nicht länger mehr will ich Dir fern bleiben, son dern ich will mich von nun an Dir ganz zum Opfer hingeben! Nur Dich will ich lieben und der Welt 22* 390 Meßandacht und ihrer Lust will ich entsagen! Siehe hier bin ich! Ach, strecke nur die Arme deiner Güte mild gegen mich aus und ich werde Dir gänzlich zum Eigenthume verbleiben! unbeflecktes Lamm, das Du Dich wie hier auf dem Altare in unblutiger Weise, in blutiger Weise auf dem Kalvarienberge für mein Heil und mein Leben aufopfertest: reinige mich durch die Verdienste dieses deines hochheiligen Opfers, dem ich in diesen erhabenen Augenblicken beiwohne; vergib mir alle meine Sünden und entflamme mich mit deiner heiligen Liebe! O ich liebe Dich von ganzem Herzen und liebe Dich über Alles! Und was könnte ich auch im Himmel und auf Erden mehr lieben, als Dich allein! Du hast mich ja von Ewigkeit her geliebt; deshalb opfere ich Dir mit diesem hochheiligen Opfer auch meine Liebe auf, die in Zeit und Ewigkeit Dich lieben soll. Heilige Maria, Mutter Gottes, du meine Fürsprecherin, bitte auch du für mich und bewirke durch deine hilfreiche Fürsprache, daß ich wahrhaft und für immer im Dienste deines und meines Gottes verharren möge! Amen. Zur Präfation. D mein Gott, allerheiligste Dreieinigkeit! ich preise und verherrliche Dich und erhebe Dich ob deiner Allmacht, Weisheit und Güte, in welcher Du die heilige Jungfrau Maria, die voll der Gnade and gebenedeit ist, zur Mitwirferin unseres Heiles rschaffen und auserkoren haft; indem deine Huld durch sie alle Menschen mit dem Segensthaue deiner Gnade heimsuchte und neu belebte! Auch dir, o heilige Maria, Mutter Gottes, sei Lob und Preis! denn du bist ja die kostbarste Perle L zur Verehrung der allers. Jungfrau Maria. 391 dieser Erde. Du bist das nie erlöschende Licht des frommen Wandels vor unsern Augen. Du bist die jungfräuliche Mutter des ewig Gebenedeiten, der da gekommen ist im Namen des Herrn, und durch welchen der gefallene Mensch sich wieder himmelan zur Kindschaft Gottes erhebt. Darum sei mit Liebe gepriesen, und angebetet sei dein Sohn, der reinste Bräutigam unserer Kirche, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 3um Sanktus. Ewiger Ruhm und ewige Anbetung sei dem himmlischen Vater, welcher Maria, die reine Jungfrau, zur Mutter des Erlösers erwählte! Ewiger Ruhm und ewige Anbetung sei dem Sohne, der mit heiligem Muthe die Märtyrer stärkte! Ewiger Ruhm und ewige Anbetung sei dem hei ligen Geiste, der Alle, welche todt waren, neu belebte zum frohen Wirken im Namen des Herrn! Es komme über mich die Fülle der Erbarmungen Gottes. Amen. Vor der Wandlung. D Herr Jesus Christus, der Du bist die Grundfeste und das Haupt deiner heiligen katholischen Kirche, ich bitte Dich nun durch dein kostbares Blut, durch deine heiligen fünf Wunden und durch dein bitteres Leiden und Sterben am Kreuze, durch welches Du das ganze Menschengeschlecht erlöst und unsere heilige katholische Kirche, dein sichtbares Reich auf Erden, gegründet haft: Du wollest dieselbe erhalten und erhöhen und alle Diejenigen, welche sich ihr widerseßen und sie verfolgen, demüthigen, sie in den Schooß deiner Gemeinde einführen und 392 Jo Meßandacht d allen Gliedern deiner heiligen Kirche die Gnade verleihen, in dem wahren Glauben, in christlicher Liebe und in einem tugendhaften Wandel bis an ihr Ende beständig und gottselig zu verharren. O Herr, lasse mich jetzt in der tiefsten Andacht verweilen vor deinem Altare, der da verklärt iſt mit geistiger Pracht und Herrlichkeit, indem auf ihm das hochheilige Geheimniß unserer Erlösung gefeiert wird und das unbefleckte Lamm des neuen Bundes in unblutiger Weise sich für uns Dir aufopfert! Sei mir deshalb mit Andacht gegrüßt, dit ehrwürdiger Altar, an welchem die Cherubim und Seraphim dienen, niedersenkend ihr himmlisches Antlitz in schweigender Anbetung! Sei mir mit Andacht gegrüßt, o mein Jesus, der Du jezt uns nahest! Amen. Bei der Wandlung. Jch bete Dich an, o mein Jesus! und preiſe Dich, der Du durch dein bitteres Leiden und Sterben die Welt erlöst und durch das Opfer deines Leibes und Blutes uns Verlorene mit Gott dem Vater wieder versöhnet hast. Sei gepriesen jetzt und in Ewigkeit! O Jesus, sei mir gnädig! O Jesus, sei mir barmherzig! Jesus, verzeihe mir alle meine Sünden! Sei gegrüßt, o allerheiligstes Blut Christi, das ich in diesem Kelche des neuen und ewigen Bundes anbete! Reinige mich von allen meinen Sünden! Stärke mich gegen den Rückfall in die Sünde und erquicke meine Seele, weil sie ohne Dich wie dürres Erdreich vor Dir ist. Jesus, Dir lebe ich! Jesus, Dir sterbe ich! Jesus, Dein bin ich todt und lebendig! Amen. zur Verehrung der allers. Jungfrau Maria. 393 Nach der Wandlung. O mein Gott! ich bitte Dich demüthigst, Du wollest dieses Hochheilige Opfer als Sühnopfer für alle meine Sünden annehmen und es mir zur wahrhaften Besserung meines Lebens angedeihen lassen. Verleihe mir gleichfalls, o Herr! daß ich durch dieses segensvolle Geheimniß allezeit in Dir verharre, Dich vollkommen liebe und daß ich ununterbrochen zu deiner Ehre und Verherrlichung deiner Majestät mit Dir vereinigt bleibe. Beschenke mich auch und alle Sünder mit der Gnade einer wahren Bekehrung. Gib auch, daß alle Diejenigen, welche durch den Unglauben oder Irrglauben von deiner heiligen Kirche sich lostrennten, in den Schoos derselben wieder gläubig zurückkehren! Erleuchte deshalb mit dem Lichte deiner ewigen Weisheit, wie es in deiner heiligen Kirche strahlt, alle Ungläubigen und Frrenden, damit sie, frei von allem Frrthume, Dich ganz erkennen mögen, wie Du ja ganz in deiner heiligen Kirche erkannt bist. Ebenso werde durch dieses hochheilige Opfer allen Troftlosen, Mühseligen und Beladenen die Ruhe des Trostes und der Balsam der Erquichung. Begnadige auch mit der Fülle deiner Segnungen alle Diejenigen, für welche zu beten ich noch ganz besonders verpflichtet bin. Lasse namentlich, o Herr! meinen Eltern, meinen Geschwistern und sonstigen Angehörigen, meinen Lehrern und Wohlthätern, meinen Freunden und Feinden deinen Beistand und dein Geleit zu allem Guten und deine Hülfe in jeglicher Trübsal zu Theil werden. Ja, o gütigster Gott! erbarme Dich Aller, für welche Du dein koſtbares Blut vergossen hast! Beselige alle Lebenden 394 Meßandacht mit deinem Wohlgefallen, und mit der ewigen Ruhe die Seelen der Abgestorbenen. Heilige Maria, die du unsers Heilandes und aller Gläubigen gute Mutter und somit auch die Mutter aller armen Seelen bist, welche noch im Reinigungsorte für ihre Sünden zu büßen haben: auch dich flehe ich an, du wolleft bei deinem Sohne bitten, daß durch die Verdienste dieses seines hochheiligen Opfers alle armen Seelen die ersehnte Erquichung und Erlösung erhalten mögen! Amen. Vater unser 2c. Zum Agnus Dei. O Du Lamm Gottes, erbarme Dich meiner und opfere Dich selbst dem himmlischen Vater auf in all deiner Geduld und Demuth, zur Genugthuung für die Schuld aller meiner Sünden! D Du Lamm Gottes, erbarme Dich meiner und opfere Dich selbst dem himmlischen Vater auf mit aller Bitterfeit deines Leidens, zu meiner Hei ligung! O Du Lamm Gottes, erbarme Dich meiner und opfere Dich selbst dem himmlischen Vater auf mit der innigsten Liebe deines göttlichen Herzens, zum Erfaße für all' das Gute, welches mir noch mangelt! Amen. Chisted solsor Vor der Kommunion. jok Cs Sanftmüthigster und demüthigster Jesus, weil Du uns mit den Worten zu Dir rufft: Kommet Alle zu Mir, die ihr mit Mühe und Arbeit beladen seid, Ich will euch erquicken!" darum trete ich mit demüthigem und vertrauungsvollem Herzen zu Dir zur Berehrung der allers. Jungfrau Maria. 395 und begehre, mich deines Leibes und Blutes bei diesem heiligen Opfer und Sakramente, so viel ich es vermag, theilhaftig zu machen und diese Speise der Engel geistiger Weise zu genießen. Komm, o Jesus, komm in mein Herz, erquicke und erfülle dasselbe mit deinem Geiste und deiner Gnade! D Herr, ich bin nicht würdig, daß ich vor deinem heiligsten Angesichte wandle; aber um deiner Selbst willen erlöse mich von allen meinen Sünden! D Herr, ich bin nicht würdig, dein Kind genannt zu werden; aber um deiner großen Leiden willen läutere meine Seele! O Herr, ich bin nicht würdig, deinen heiligsten Namen anzurufen; aber durch die Kraft dieses Opfers belebe und erhalte mich in deiner Gnade! Nach der Kommunion. O süßester Jesus! ich danke Dir in Ewigkeit, ich lobe und preise Dich aus allen Kräften, weil Du mich, dein unwürdiges Geschöpf, mit deinem heiligsten Leibe und Blute geistiger Weise gespeiset und deines himmlischen Mahles theilhaftig gemacht haft. Du mein Heiland, mein Gott und Alles, durch diese deine unermeßliche Liebe, nimm Alles von mir weg, was Dir mißfällt; erneuere meinen Geist in mir und erfülle meine Seele mit deiner Gnade! Amen. 919 Zur Dration. O allerfeligste Jungfrau Maria, meine Königin, dir empfehle ich heute und täglich meinen Leib und meine Seele! Dir vertraue und übergebe ich alle meine Hoffnung und meinen Trost, meine 396 Lots Meßandacht Trübsale und Leiden, mein Leben und mein Sterben, damit durch deine heiligen Fürbitten und Verdienste, alle meine Werke nach dem Willen deines göttlichen Sohnes verrichtet und geleitet werden Amen. Isdom@ dija 3um Segen. Barmherziger Gott! der Du allein Herr bist, der Du in der Höhe throneft und auf das Niedere herabsiehst: sende deine Segnungen auf mich und auf Alle herab, welche sich vor Dir in Demuth beugen, und segne uns durch die Gnade deines eingebornen Sohnes und deines heiligen Geistes jeßt und immerdar im Namen des Vaters, und des Sohnes, und des heiligen Geistes! Amen. 1 Zum letzten Evangelium. D Gott! der Du uns unter den Schuß der heiligsten Mutter deines Sohnes gestellt und uns zum Kampfpreise der ewigen Seligkeit entflammest: reinige unsere Herzen und verleihe uns die Gnade, in deinem und der seligsten Jungfrau Dienste zut beharren, auf daß wir unter so kräftigem Schuße dasjenige, was wir durch deine Gnade unternommen haben, auch vollenden und in Ausführung unserer Vorsäße zu den Gütern gelangen, die Du deinen treuen Dienern und Dienerinnen verheißen haſt. Durch denſelben Jeſus Chriſtus, unſern Herrn. a oniam nimi moleme aloitetralle C odern30 dim sutra i 19 sniam ddisg in den Tagen des Leidens u. schwerer Heimsuchungen. 397 Meßandacht in den Tagen des Leidens und schwerer Heimsuchungen. ( 3u Ehren der schmerzhaften Mutter.) Vorbereitungsgebet. O liebenswürdigster Heiland! Du haft für mich so Vieles gelitten, für mich das allerheiligste SaFrament des Altars eingesetzt und am Ende wolltest Du noch eines so schmerzhaften und schmachvollen Todes sterben, um mich von dem ewigen Tode zut erlösen. Gib mir die Gnade, daß ich jetzt deine Liebe recht innig erwäge jegt, da jenes Opfer unblutiger Weise erneuert wird, welches Du blutiger Weise auf dem Kalvarienberge dargebracht hast. Bei dieser heiligen Handlung will ich auch ganz besonders Derjenigen mich erinnern, die als deine jungfräuliche Mutter zugleich die Mutter der Schmerzen gewesen ist. Mit Dir und mit Maria will ich nun mich selbst Gott dem Vater zum Opfer darbringen zu Allem bereit, was Er nach seinen Rathschlüssen über mich will kommen lassen. D daß ich doch durch deine Verdienste, o Jesus! und durch die Verdienste deiner heiligsten und allezeit unbefleckten Mutter die Gnade der heiligen Ergebung in den Willen des Vaters erlangen möchte, auf daß auch meine Leidenszeit eine Zeit reichlicher Verdienste für mich werde! Jesus und Maria, kommet mir jetzt zu Hülfe, damit mein Gebet wie ein wohlriechender Weihrauch emporsteige und die Gnade des Baters auf mich herabsteige! Saue und Tempet. - 23 Meßandacht Gebet bis zum Offertorium. Maria, meine geliebteste Mutter! Du haft wohl unbeschreiblich große Freude empfunden, als du in deinem keuschesten Schooße den ewigen Sohn des himmlischen Vaters empfangen haft. Und wie magst du von ganzem Herzen frohlocket und den Allerhöchsten gepriesen haben, als die englischen Heer= schaaren bei der Geburt Jesu den Lobgesang anstimmten: ,, Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen, die eines guten Willens find!" Doch bald sind deine Freuden in unsägliche Schmerzen verwandelt worden. Bald ist an dir jene Weissagung erfüllt worden, die der fromme Greis Simeon aussprach: ,, Ein Schwert wird deine eigene Seele durchdringen." Ja, dieses Schwert hat dich durchdrungen, als du mit dem neugebornen Kindlein eine so lange und beschwerliche Reiſe nach Egypten machen und vor der Wuth des grausamen Herodes fliehen mußtest. Dieses Schwert hat dich durchdrungen, als du den Knaben Jesus drei Tage lang verloren und nach Ihm ohne Ruhe mit mütterlicher Sehnsucht und Angst geseufzet hast. Durch diese deine Leiden, o schmerzhafte Mutter! erwirb mir die Gnade, daß ich immerdar, und besonders zur Zeit der Ver= suchung und der Trübsal, auf Jesus Chris stus, als den allmächtigen Gottmenschen und meinen liebevollsten Erlöser, in gläubigem Vertrauen hinschaue, und durch die sen Hinblick zur Ausdauer in jedem Kampfe und Leiden gestärkt werde. Maria! durch meine Sünden habe ich deinen Sohn so vielmal verLoren. Dieses war meine Schuld, meine eigene Schuld, meine größte Schuld. Wie der beste Hirt 398 in den Tagen des Leidens u. schwerer Heimsuchungen. 399 sucht Er nun das verlorne Schäflein. O daß doch die Trübfal, die jeßt über mich gekommen ist, mir dazu dienen möchte, daß ich aufstehe und zu dem Vater zurückkehre! Auf deine Fürbitte und Vermittelung nimmt Er mich gnädig auf, denn du, o Maria! bist ja die Zuflucht der Sünder; durch dich haben wir wieder Zutritt zu Demjenigen, der uns durch dich ist gegeben worden zu Jesus Christus, hochgelobt in Ewigkeit! Zum Offertorium. Heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott! Sieh' jetzt mit Wohlgefallen auf das Opfer, welches Dir der Priester darbringt. Wie einst Melchisedech Dir Brod und Wein opferte, so geschieht dasselbe jetzt am Altare. Laß Dir diese reine Gabe, welche bald in den heiligsten Leib und in das kostbarste Blut Jesu, deines vielgeliebten Sohnes, soll verwandelt werden, angenehm sein als ein Opfer der Anbetung, des Dankes und der Versöhnung. Möge aber diese heilige Messe durch die Verdienste Jesu und seiner schmerzhaften Mutter ganz besonders ein wirksames Bittopfer sein, damit ich in meiner gegenwärtigen schweren Drangsal deine Hülfe erfahre. Du hast es ja selbst in der heiligen Schrift gesagt: ,, Rufe Mich an am Tage der Trübsal, so werde Ich dich erretten, und du wirst Mich preisen." Voll Vertrauen auf diese deine Verheißung nehme ich denn meine Zuflucht zu deiner Barmherzigkeit Du allein, Allwissender! kennst mein Elend und die Angst meines Herzens; und Du allein auch kannst mich aus derselben erretten. Ich lege daher geiſtigerweiſe- gleichsam durch die Hände der allerseligsten Jungfrau- alle meine Leiden, meine Sorgen 1 400 Meßandacht and und Anliegen auf den heiligen Altar nieder und bitte Dich, Du wollest mich Schwache stärken, mich Niedergebeugte aufrichten und mich Trostlose mit himmlischem Troste erfüllen. Durch die Schmerzen Mariens, der Königin der Märtyrer," lindere, o Jesus! meine Schmerzen; durch ihre Geduld und Standhaftigkeit im Leiden mache mich zu einer treuen Nachahme rin ihrer schönen Tugenden. Wenn Du auch den Leidenskelch nicht von mir nehmen willst, so gib doch, daß er mir ein Kelch des ewigen Heiles werde. Du, o trauernde Mutter Jesu! du hast auf dent Kalvarienberge( wie dein eifriger Diener, der heilige Bonaventura sagt) an unserm Heile mitgewirkt und hast dich da mit deinem göttlichen Sohne dem himmlischen Vater ganz aufgeopfert. Ich danke dir für die großen Leiden, die du beim Tode Jesu für unser Heil freiwillig haft erdulden wollen. Aber höre doch auch jetzt noch, was Er damals vom Kreuze herab dir zurief: Sieh' da deinen Sohn!" So hat Er mich dir und deiner mütterlichen Sorge anempfohlen. Nimm dich also meiner an und bewirke durch dein Fürwort, daß ich jetzt vor Gott ein angenehmes Opfer werde. Bitte, daß ich einzig in Erfüllung des göttlichen Willens meine Freude finde und durch die zeitlichen Leiden zur ewigen Herrlichkeit im Himmel gelange. E 900 Vom Sanktus bis zum Pater noster. O Gott der Erbarmungen! In Vereinigung mit allen deinen Heiligen und Auserwählten bete ich jeßt deine erhabene Majestät an. Mit dem ganzen himmlischen Hofe bekenne ich, daß Du allein der dreimal heilige, ersige, unendlich große Gott bist. in den Tagen des Leidens und schwerer Heimsuchungen. 401 Ich bin ein armes, elendes, sündhaftes Geschöpf. Wie dürfte ich wohl meine Augen und Hände zu Dir erheben, wenn nicht Jesus Christus mein Vermittler wäre? Und eben jetzt wird das große Opfer erneuert, welches Er am Kreuze vollbracht hat. Siehe also, himmlischer Vater! sieh gnädig auf dei nen göttlichen Sohn, und aus Liebe zu Ihm er= zeige mir deine Barmherzigkeit. Mit dem Priester und mit der ganzen heiligen katholischen Kirche bringe ich Dir dieses heilige und unbefleckte Opfer dar und bitte für das Heil aller meiner Mitmenschen, so wie für meine eigene, zeitliche und ewige Wohlfahrt. Erhöre auch die Gebete und Seufzer, welche Maria, die schmerzhafte Mutter, neben dem Kreuze Jesu für unsere Errettung zu Dir schickte und welche niemals aufhört, dort oben bei deinem Throne für uns zu bitten. Zur Wandlung. Jesus, auf dem Altare wahrhaft gegenwärtiger Gott, ich glaube an Dich- Du wahrer Sohn Gottes und zugleich der Sohn der reinsten Jungfrau Maria! Könnte ich jetzt Dich so anbeten, wie deine Mutter es gethan hat, als sie das erste Mal in der Krippe Dich erblickte, und damals als sie neben deinem Kreuze stand und Dich leiden und sterben fah! Erbarme Dich meiner, mein Gott und mein Erlöser! Durch dein kostbares Blut reinige meine Seele von allen Sünden! thern pour Nach der Wandlung. Jesus, ich bin ja auch eine Tochter Mariens; ich liebe und verehre sie als meine Mutter. Auf ihre Fürbitte komme mir zu Hülfe in der Zeit der Meßandacht Trübsal und gib nicht zu, duß ich unter der Last meines Kreuzes erliege. O Jesus, wie ich Dir leben und sterben will, so will ich auch Dir zu Gefallen und in deinem Namen leiden! Du bist das Lamm Gottes, welches hinwegnimmt die Sünden der Welt! Nimm auch meine Sünden hinweg und stärke mich, daß ich, wie Du, mit Muth und heiterer Seelenruhe die Lasten dieses mühevollen Lebens zu tragen vermag. D von Dir laß mich Geduld und Unterwürfigkeit erlernen! 402 Und ich sehe ja die gleichen Tugenden auch an Maria, der Mutter des Herrn. Sie steht neben dem Kreuze Jesu- und in seinen Schmerzen, bei seiner Verlaffenheit vom Vater, da kann sie Ihm teine Hülfe leisten! Onein, ich darf meine Leiden mit den Schmerzen und dem Verlurste der auserwähltesten unter allen Müttern nicht vergleichen! Bitte aber du, Maria! für mich, jetzt, da dein göttlicher Sohn auf dem Altare wieder das Opfer für unsere Sünden ist,- jetzt, da Er uns Alle einladet zu Jhm zu kommen und bei Ihm Erquickung zu suchen. D starkmüthige Jungfrau! erhalte mir die Gnade eines lebendigen Glaubens, auf daß der Gedanke an Gottes Liebe und seine weiseste Fügung mich im Leiden standhaft mache. wenn du für mich eine einzige Bitte einlegst, so wird dieselbe für mich segensreich sein und ich werde mit großen Gnaden bereichert werden! def Vom Pater noster bis zum Segen. O süßester Jesus! wie darf ich es wagen, auch mur geistiger Weise Dich in mein Herz aufzunehmen? Ach, meine Sünden schrecken mich zwar zurück, aber deine Güte ladet mich in Barmherzigkeit in en Tagen des Leidens und schwerer Heimsuchungen. 403 ein. Oso hoffe ich denn, Du werdest mich Unwürdige durch den geistigen Empfang dieser himmlischen Speise zum ewigen Leben ernähren. Wenn ja die bloße Berührung des Saumes von deinem Klelde die körperlichen Krankheiten heilte, was wird nicht die Berührung deines heiligen Leibes vermögen, sei es auch nur in einem brennenden Verlangen. Laß mich also, o Jesus! im Geiste von deinem Fleische gespeiset und von deinem Blute getränket werden. Sei mir jetzt ein barmherziger Samariter und gieße den stärkenden Wein deiner Gnade und das heilende Del deiner allerbarmenden Liebe in mein verwundetes Herz. Und weil ich jetzt, o mein Jesus! in theilnehmender Andacht deines Todes und der Leiden deiner Mutter mich erinnert habe, o so gib, daß diese Erinnerung mir zur Stärkung in meinen Trübsalen ge reiche! Durch die Hände des Priesters steige dein Segen auf mich herab, daß ich bei allen meinen Arbeiten und Leiden, im Leben und Sterben nichts Anderes thue, als was der heiligste Wille Gottes von mir verlangt- im Namen des Vaters, und des Sohnes, und des heiligen Geistes. Amen. Schlußgebet. Heilige Jungfrau Maria! beim Schlusse des heiligen Meßopfers gedenke ich noch des bittern Schmerzes, den Du empfunden hast, als der entseelte Leichnam Jesu auf deinem Schooße lag. Ach, dieser herzzerreißende Anblick muß für dich so betrübt gewesen sein! Du konntest da wahrhaftig ausrufen: Ihr Alle, die ihr vorübergehet, gebet Acht und fehet, ob ein Schmerz sei wie der meinige! D Maria, Trösterin der Betrübten!" verei 404 Meßandacht tad ang nige doch jest dein Leiden, deine Seufzer und Thränen mit meinem Gebete und bringe du selbst meine Noth und Anliegen vor deinen göttlichen Sohn, der sich nun zu unserer Versöhnung aufgeopfert hat. Bitte für mich, daß ich nie unwürdig das heiligste Altarssakrament in mein Herz aufnehme. Und wenn einmal meine lebte Stunde herannahet, so möge ich nach andächtiger Vereinigung mit Jesus Christus unter deinem Schuße zum ewigen Leben eingehen. D schmerzhafte Mutter, bleibe mir allzeit eine gütige Mutter und eine Trösterin in allen meinen Betrübnissen! Auf dich habe ich nach Gott alle meine Hoffnung gesetzt; von dir erwarte ich alle Gnaden, alles Gute und endlich die ewige Seligkeit. In dein mit so bittern Schmerzen erfülltes Herz lege ich daher meine Seele und meinen Leib, mein Kreuz und alle meine Bedrängnisse, mein Leben und das Ende meines Lebens. Bitte für mich, jetzt und in der Stunde meines Todes, o gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria! Amen. Meßandacht zum Troste und zur Hülfe unserer lieben Verstorbenen. Borerinnerung. Es ist gewiß, daß die Verstorbenen durch die Opfer der heiligen Kirche, durch das heilige Mesopfer und Almosen, die für ihre Seelen verrichtet werden, Hülfe erlangen und Gott barmherziger mit ihnen verfahre, als ihre Sünden verdient haben. Denn dieses haben uns die heiligen Väter überliefert und in der ganzen Kirche geschieht es so, daß man für diejenigen betet und ihrer an gehöriger Stelle gedenkt, die in der Gemeinschaft des zum Troste und zur Hülfe der Verstorbenen. 405 Leibes und Blutes Christi gestorben sind.- Ich weinte nicht mehr unter dem Gebete, als die Leiche meiner lieben Mutter schon bei dem Grabe stand und man das Gebet unter dem Opfer der Erlösung für sie darbrachte." ( Der heilige Augustinus.) Abg Vorbereitungsgebet. Jesus Christus, Erlöser der Welt! Du bist die Auferstehung und das Leben, Du unser Retter und Seligmacher, das Heil der Welt, Mittler zwischen Gott und den Menschen, Richter der Lebendigen und der Todten. Siehe wir flehen zu Dir, dem Allsehenden und Allwissenden, in Demuth und mit zerknirschtem Herzen. Wir flehen zu Dir mit Bitten, wie Du willst, daß wir bitten sollen für die abgestorbenen christgläubigen Seelen. O sente deine Gnade in dieser Stunde tief in unsere Herzen, daß es in uns lebendig werde, wie Alles eitel ist auf der Welt und nur Ruhe und Friede in Dir, damit wir, von aller Sünde gereiniget, dieses heilige Mesopfer Dir darbringen für die Seelen der Abgestorbenen, insbesondere für die abgeschiedene Seele, deren christliches Andenken wir jetzt begehen. Amen. Sündenbekenntniß. bie amand drakon alle Heiliger Gott, vor Dir ist Keiner ohne Sünde. Vielfach haben wir Alle gefehlt und gesündigt, Alle, die hingegangen sind im Glauben an Dich, wie wir, die wir noch wandeln im sterblichen Fleische. Wir bekennen es mit dem Munde, was wir im Innern bereuen; wir bekennen es Dir, Gott dem Allmächtigen, der allezeit seligen Jungfrau Maria, dem heiligen Erzengel Michael, dem heiligen Jo23* 406 doft Meßandacht sfford muy hannes dem Täufer, den heiligen Aposteln Petrus und Paulus und allen Heiligen: wir haben gefündiget, oft und vielfach, durch Gedanken, Worte und Werke. Wir erkennen unsere Schuld, unsere große Schuld! Heilige Maria, du Mutter Dessen, der uns geliebt bis zum Tode des Kreuzes, heiliger Michael, heiliger Johannes, ihr heiligen Apostel Petrus und Paulus und all' ihr Heiligen, die ihr, nachdem ihr gekämpft habet den guten Kampf, am Throne des Ewigen Fürbitter seid für die schwachen, irrenden und fündigen Menschen, bittet für uns und mit uns für die abgeschiedene Seele, wofür dieses hochheilige Opfer dargebracht wird, daß uns Gott unsere Sünden vergebe, unser Gebet erhöre und der abgeschiedenen Seele durch Jesus Christus den ewigen Frieden schenke. Amen. Beim Kyrie eleison. Gott, Du kennest unser Herz! Du weißt, wie wir im Vertrauen auf deine verzeihende Vatergüte und im Namen Jesu Christi hinbecken, um Rettung und Erbarmung hinblicken auf Dich allein. Erbarme Dich der abgestorbenen Seele, für welche dieses heilige Meßopfer verrichtet wird. Gott, erbarme Dich ihrer! Jesus Christus, der Du für Alle gestorben bist, die an Dich glauben, erbarme Dich ihrer! Amen. ed to s Gebet nach Psalm 50.( Miserere.) Erbarme Dich ihrer, o Gott, nach der Größe deiner Barmherzigkeit und vertilge ihre Missethat nach der Fülle deiner Erbarmungen! Wasche fie von ihrer Ungerechtigkeit und reinige sie von ihren zum Troste und zur Hülfe der Verstorbenen. 407 Sünden. Denn ihre Ungerechtigkeit, o Gott! er= kennt sie wohl und ihre Sünden schweben immer vor ihr, wenn Du Dich nicht erbarmest. Dir, o Gott! hat sie gesündigt und Böses gethan vor Dir, so lange sie noch wandelte im Fleische dieses Lebens. Verzeihe ihr, Herr, ihre Missethaten wegen ihrer Schwachheit! Denn siehe, in Ungerechtigkeit sind wir empfangen. Doch, Herr! Du weißt Alles, und wir wollen Dir nichts verschweigen. Besprenge Du mit dem Segen deiner allerbarmenden Gnade die abgeschiedene Seele, damit sie gereiniget werde von aller Mackel der Sünde und geschmückt werde mit dem Gewande der Unbefleckten durch deine Gnade. O laß sie die Stimme der Freude und des Trostes hören, und frohlocken wird sie, Herr, die Deiner harret, in Ewigkeit! Wende dein Angesicht von ihren Sünden hinweg und vertilge alle ihre Missethaten! Schaffe sie rein, Herr! daß sie schauen möge dein heiliges Antliß. Verwirf sie nicht von deinem Angesichte und wende das Auge deiner allerbarmenden Liebe nicht von ihr. Gib ihr, o Gott der Liebe und der Barmherzigkeit! die Freude deines Heiles, damit auch sie, vereint mit allen Himmelsgeistern Dich anflehend, auf uns herabblicke, die wir noch im Pilgerthale dieses Lebens straucheln und fehlen. O Gott, Du unser Gott und Heiland! befreie Alle, die bereits in Dir entschlafen sind und die dem Tage der Auflösung noch entgegen harren, von der Sündenschuld; dann werden wir froh sein in Dir, o Gott! und Dir lobsingen selbst in Trübfal. Ja, Herr! auf Dich hoffen wir. Fordertest Du für unsere Uebertretungen Sühnopfer, gern würden wir sie bringen. Aber das Opfer, das Dir wohlgefällt, ist ein reumüthiger, zerschlagener Geist, und ein zer Meßandacht ojo me knirschtes, demüthiges Herz wirst Du, o Gott! nie verachten. O sei gnädig, Herr, unser Gott, unſere einzige Hülfe und Zuflucht! Sei gnädig und handle mit uns und allen Abgestorbenen, besonders mit der Seele, für welche Dir dieses hochheilige Opfer dargebracht wird, nach deiner Güte, damit wir Alle aus unserm unseligen Zustande erlöset werden. Amen. 6 Herr, erbarme Dich der Abgestorbenen! Christus, erbarme Dich der Abgestorbenen! 408 Zur Epistel. Geliebte! wir wollen euch nicht in Unwissenheit lassen hinsichtlich der Entschlafenen, damit ihr nicht traurig seid, so wie die Heiden, die keine Hoffnung haben. Denn, wie wir glauben, daß Jesus Christus gestorben und auferstanden ist, so wird Gott auch Jene, welche in Christus entschlafen sind, mit Ihm führen zur Auferstehung. Zum Evangelium. sisd sdrer sid In derselben Zeit sprach Martha, die Schwester des Lazarus, zu Jesu: Herr! wärest Du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht geſtorben. Aber auch jetzt weiß ich, daß Alles, was Du vo Sott begehrst, Gott Dir geben wird. Und Jesus sprach zu Martha: Dein Bruder wird auferstehen. Und Martha antwortete: Ich weiß, daß er auferstehen wird bei der Auferstehung am jüngsten Tage. Je= sus antwortete und sprach: Ich bin die Auferſtehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, wenn er auch gestorben ist, und Jeder, der da lebt und an mich glaubt, der wird nicht sterben Mi in Ewigkeit. zum Troste und zur Hülfe der Verstorbener. 409 Zur Opferung. Herr Jesus Christus, Herr der Lebendigen und der Todten! erlöse die Seelen aller im Glauben an Dich Dahingeschiedenen von aller Sünde und von den Strafen, die sie verdient haben. Der Erzengel Michael geleite sie zum ewigen Lichte, welches Du dem Abraham und seinen Nachkommen versprochen hast. Nimm an, o heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott! mit Wohlgefallen das unblutige Opfer des neuen Bundes, welches jetzt zum Troste der leidenden Seelen entrichtet wird und erhöre die frommen Gebete deiner heiligen Kirche. Eine Seele ist wieder zu Dir zurückgekehrt, o Gott! die Du nach deinem Ebenbilde erschaffen, durch Jesus Christus deinen Sohn erlöset und durch den heiligen Geist geheiliget hast. Du kennst alle ihre Fehltritte und keine ihrer Uebertretungen ist Dir verborgen. Herr, wer wird bestehen, wenn Du strafest und züchtigest nach der Strenge deiner Gerechtigkeit! Erbarme Dich ihrer, o Gott, nach der Größe deiner Barmherzigkeit und tilge ihre Missethat nach der Fülle deiner Erbarmungen! Erhöre, o Herr, unser Gebet für sie und laß unser Flehen zu Dir kommen! Wende dein Angesicht nicht von uns weg, sondern am Tage, wo wir Dich anrufen, neige dein Ohr zu uns! Verwirf nicht das Gebet Derer, die aus der Tiefe ihres Elendes zu Dir rufen, zu Dir, o Herr! der Du Dich erbarmest nach deiner Gnade und die Bitten der Demüthigen nicht verwirfst. Herr, wenn alle Schwächen ahnden wolltest, Herr, wer würde vor Dir bestehen? Aber bei Dir ist Vergebung, und um deines Sohnes willen verzeihest Du, o Herr! und verschonest. Chur spilied sod Meßandacht der offor g Gott, Allerbarmer, die abgeschiedene Seele harret auf Dich bis zum Tage der Erlösung. Bei Dir ist Gnade und Erbarmung, und Du wirst sie führen in die ewigen Freuden, durch Jesus Christus. Amen. 410 3um Sanktus. Zu Dir, o Gott, unserm Ursprung und unserm Ziel! zu Dir, dem Ewigen und Heiligen, erheben wir in Demuth, in Gehorsam und Liebe und im Vertrauen auf deine Erbarmung unser Herz und unsere Hände und beten hoffnungsvoll deine Vatergüte an, Dir, wie es sich geziemet, Dank sagend durch Jesus Christus, der das Werk unserer Erlösung vollbracht hat auf Golgatha. Durch Ihn Loben deine Majestät die Engel; durch Ihn beten Dich an die Herrschaften und es beben in heiliger Ehrfurcht die Mächte. Durch Ihn preisen Dich die Himmel und die Kräfte der Himmel und die Seraphim und Cherubim im vereinten Jubelchore. Laß uns, wir bitten Dich, mit ihren Anbetungen auch unsere Stimmen vereinigen, indem wir zugleich mit ihnen in tiefster Ehrfurcht ausrufen: Heilig, heilig, heilig ist der Herr, der Gott der Heerschaaren! Himmel und Erde sind deiner Herrlichkeit voll! Hosanna in der Höhe! Hochgelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn! Amen. Vor der Wandlung. 17901 Dich, gütigster Vater! bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn, und flehen zu Dir in tiefster Demuth. Nimm gnädig an und segne das heilige und unbefleckte Opfer, welches zum Troste und zur Hülfe der Verstorbenen. 411 wir Dir darbringen, vorzüglich für deine heilige allgemeine Kirche, für die streitende auf Erden, wie für die leidende im Reinigungsorte. So wie Du die streitende reinigen und erhalten mögest in Einigkeit der Liebe und des Friedens: so führe die, welche im Reinigungsorte Deiner harren, o Herr! in die Gefilde des ewigen Friedens. Stärke die geistliche und weltliche Obrigkeit mit deiner Gnade, segne unsere Eltern, Geschwister, Wohlthäter, Freunde und Feinde; tröste alle Betrübte und Hülfsbedürftige, bekehre die Sünder, stärke die Gerechten, nimm die Sterbenden auf in deine Hände und führe die Gestorbenen zu Dir in's ewige Leben! Amen. Bei der Wandlung. Jesus Christus, der Du mit Fleisch und Blut hier gegenwärtig bist auf diesem Altare, ich bete Dich an und bitte Dich: erbarme Dich der armen Seelen im Reinigungsorte!( 3weimal.) the indien numen Nach der Wandlung bis zur Kommunion. Im Geiste der Liebe erinnern wir uns vor Dir, o Jesus! aller abgestorbenen christgläubigen Seelen, insbesondere unserer Eltern, Brüder und Schwestern, leiblichen und geistlichen Wohlthäter und derjenigen Seele, für welche dieses heilige Meßopfer insbesondere entrichtet wird. Auch sie sind deine Erlösten, o Herr, erbarme Dich ihrer! Reinige sie von den Sünden, die sie beim Eintritte in die Ewigkeit noch nicht abgebüßet haben; vollende ihre Tugend und Glückseligkeit nach deiner weisen Güte, und führe uns endlich Alle nach überstandener Prüfungszeit in die Wohnungen der Auserwählten, in den Him 412 Meßandacht dust off mel ein, zu deinem Vater und zu unserm Vater, zu deinem Gott und zu unserm Gott, an Den wir uns im Glauben wenden, indem wir das Gebet an Ihn richten, das Du uns selbst gelehrt haft: Vater unser 2c. Das Vater unser für die leidenden Seelen im Fegfeuer.*) Vater unser, der Du bist im Himmel. Ich bitte Dich demüthig, vergib den leidenden Seelen, die deiner seligen Anschauung jenseits noch beraubt sind, vergib ihnen, daß sie Dich, ihren heiligen, liebenswürdigsten Vater, der Du sie durch deine Güte zu deinen Kindern angenommen, nicht immer, wie sie sollten, geliebt, sondern sich manches Undankes und Ungehorsames gegen Dich schuldig gemacht haben. Zur Genugthuung für ihre Sünden opfere ich Dir jene Liebe und Verehrung auf, welche dein theurer Sohn auf Erden Dir allezeit erwiesen und durch die Er für alle unsere NachläfAmen. sigkeiten so reichlich genug gethan hat. Vater unser 2c. Geheiliget werde dein Name. Vergib, o ewiger, barmherziger Vater! allen Verstorbenen, die noch gereiniget werden von ihren Mängeln und Fehlern, wie das Gold im Glutofen, vergib ihnen, daß sie deinen Namen nicht immer würdig geehrt, nicht stets in heiliger Furcht vor Dir gewandelt und sich durch öftere Verirrungen des christlichen Namens unwerth gemacht haben. Zur Genugthuung für diese Sünden opfere ich Dir *) Dieses trostreiche Gebet kann auch außer der heiligen Meffe auf dem Gottesacker verrichtet werden. zum Trofte und zur Hülfe der Verstorbenen. 413 die vollkommenste Heiligkeit deines Sohnes auf, mit der Er deinen über Alles gepriesenen Namen durch Lehre und Beispiel so sehr erhöhet und in allen seinen Handlungen verherrlichet hat. Amen. Vater unser 2c. Zukomme uns dein Reich. Vergib, o Gott des Friedens! allen Verstorbenen, die noch nicht eingegangen sind in die seligen Wohnungen des Friedens, vergib ihnen, daß fie sich nach Dir und nach deinem Reiche, worin allein Ruhe und ewige Freude ist, nicht immer mit solcher Inbrunst sehnten, noch mit so sorgfältigem Eifer darnach strebten, als es ihre Pflicht gewesen. Für alle ihre Trägheit im Guten opfere ich Dir die reinen Wünsche deines Eingebornen auf, mit denen Er so liebevoll die Herzen der Menschen zu gewinnen suchte, damit sie seine Miterben werden möchtent. Amen.- Vater unser 2c. Dein Wille geschehe wie im Himmel, also auch auf Erden. Vergib, o gütigster Vater! allen Verstorbenen, die noch fern von Dir, sich nach deiner väterlichen Nähe sehnen, vergib ihnen, daß sie nicht allezeit deinen heiligen Willen dem ihrigen vorgesetzt, demselben nicht immer gehorcht, sondern sich öfters von ihren Begierden haben hinreißen lassen. Zur Ersegung ihres Ungehorsames opfere ich Dir die kindliche Ergebenheit Jesu und seinen tiefen Gehorsam auf, den Er Dir in den härtesten Prüfungen erwiesen und durch den Er Dir folgsam war bis zum Tode am Kreuze. Amen. Vater unser c. - Meßandacht dafjork mug Gib uns heute unser tägliches Brod. Vergib, o liebreichster Vater! allen Verstorbenen, die noch nach der himmlischen Mahlzeit schmachten, und fern von Dir, nach Dir hungern, vergib ihnen, daß sie das gnadenreiche Geheimniß des Altares nicht allzeit mit jenem Glauben, mit jener Andacht und Liebe empfangen haben, mit der fie es hätten genießen sollen, und dadurch ihren göttlichen Erlöser manchmal in ein unwürdiges Herz aufgenommen haben. Für diese Vergehungen opfere ich Dir jene innige Liebe und jenes unaussprechliche Wohlwollen auf, mit dem Er dieses allerheiligste Sakramente zu unserm Troste und zu unserer Heiligung eingesetzt hat. Amen.- Vater unser 2c. 414 Vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Ich bitte Dich demüthigst, o unendlich langmüthiger Vater! vergib allen Verstorbenen ihre Missethaten, die sie je in ihrem Leben begangen und für die sie nicht hinreichend genuggethan haben; vergib ihnen alle zornmüthigen Empfindungen, die sie je gegen ihre Mitmenschen im Herzen getragen. Ich opfere Dir dafür auf das großmüthige, göttliche Gebet, welches dein allerliebster Sohn am Kreuze für seine Feinde an dein liebendes Vaterherz Vater unser 2c. gerichtet hat. Amen.- 190191 Und führe uns nicht in Versuchung. 001, 2001ge Equa schril ald Ich bitte Dich, o gnädigster Vater! der Du Keinen über seine Kräfte versucht werden läßt, vergib unsern verstorbenen Mitchristen, daß sie den Versuchungen und bösen Trieben nicht immer wi zum Troste und zur Hülfe der Verstorbenen. 415 derstanden, sondern sich öfters durch die Reize der betrüglichen, falschen Freuden, durch Augenlust, Fleischeslust und Hoffart des Lebens haben hinreissen lassen und dadurch ihre Tugend verloren oder befleckt haben. Für alle diese Sünden opfere ich Dir den glorreichen Sieg unsers göttlichen Erlösers auf, mit dem Er die Welt und den bösen Feind überwunden hat; ich opfere Dir seinen gan zen heiligen Lebenswandel, seine Liebe zur Armuth, feine Reinheit, Demuth, alle seine Mühe und Arbeit, sein bitteres Leiden und Sterben auf. Amen. Vater unser 2C. Sondern erlöse uns von dem Uebel. Amen. O ewige Liebe, die nicht den Tod des Sünders will, sondern daß er sich bekehre und lebe! erlöse alle Mitglieder der leidenden und streitenden Kirche von allem Uebel und aller Strafe, durch die Verdienste deines Eingebornen, und führe uns zu dem Reiche deiner ewigen Herrlichkeit, in deine feligen Wohnungen. Amen. O Du Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünden der Welt, erbarme Dich der abgeschiedenen Seelen im Reinigungsorte!( Dreimal.) Bei der Kommunion. O könnte ich jetzt Dich, geliebtester Jesus, empfangen im hl. Sakramente, wie Dich da der Priester empfängt! Innig sei dies mein Verlangen! Die wirkliche Kommunion des Priesters und diese meine geiſtliche Kommunion opsere ich Dir, o Jesus! für die Seelen im Fegfeuer auf, insbesondere zum Ersaße für alle Nachlässigkeit und Lauigkeit im Empfange des 416 Meßandacht zum Troste und zur Hülfe der Verstorbenen. allerheiligsten Altarssakramentes, deren sie sich mögen schuldig gemacht haben. Jesus! sei in mir, auf daß ich durch Dich all meine Gebete, alle meine guten Werke und all' meine Geduld in Leiden auf desto wirksamere Weise für die Seelen im Fegfeuer täglich aufopfern kann! Gebet nach der Kommunion.di disg Himmlischer Vater! gib uns die Gnade, daß wir befolgen die Ermahnungen deines Sohnes: " So lange ihr das Licht habet, glaubet an das Licht, auf daß ihr Kinder des Lichtes seid." Und den Seelen im Fegfeuer laß unsere Gebete, die wir bei dem heiligsten Meßopfer für sie vor deiner Majestät ausgegossen haben, ersprießlich sein. Sie waren auf Erden Kinder des Lichtes; o laß fie emporschweben zur Anschauung des unendlichen Lichtes, das Du bist! Wir bitten Dich durch deinen Sohn Jesus Christus, der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geistes von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Unter dem legten Evangelium. Wie freuen sich die Seelen im Fegfeuer schon jeßt, daß sie auf Erden an Dich, o Jesus! der Du bist das Licht vom Lichte, der wahre Gott vom wahren Gott, geglaubt haben! Wie freuen sie sich, daß sie unfehlbar Dich, das Licht des Himmels und der Erde, ewig schauen werden! O mache ihre Freude bald voll durch die selige Anschauung Deiner, der Du bist das wahre Licht, leuchtend von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. 417 V. Brichtandacht.*) Nach den fünf Stücken, die zu einer guten Beicht nothwendig sind. Vor der Beicht. Anrufung des heiligen Geistes. Erleuchte, o göttlicher Geist und Tröster! die Finsterniß meiner Seele, auf daß ich meine Schwachheiten völlig erkenne; erwecke in meinem Herzen findliche Reue, sie aufrichtig zu beweinen! Ach, leider bin ich deinen heiligen Einsprechungen nur zu oft entgegen gewesen, und deinen Ruf nicht achtend, habe ich Dich betrübt, indem ich meinen bösen Neigungen folgte. Du aber, o Gott der Liebe und der Erbarmung, wende Dich wieder zu mir! In deinem Besiße allein finde ich die höchste Glückseligkeit und wahre Seelenruhe. Erhöre mich und erleuchte mich, o heiliger Geist! Amen. 1. Gewissenserforschung. ( Beichtspiegel für Jungfrauen.) 108 1. Sünden wider Gott. Sich träge und nachlässig im Dienste Gottes bezeigen, das Morgen- und Abendgebet unterlassen oder nur obenhin und ohne Andacht und Aufmerksamkeit verrichten. *) Von der Wahl eines Beichtvaters für Jungfrauen, die nach der christlichen Vollkommenheit streben. Siehe Seite 103. Von der Art und Weise, wie man beichten soll. Siehe S. 108. Von den Gewissensskrupeln, womit zuweilen ängstliche Seelen geplagt sind. Siehe Siehe 112. Beichtandacht. In der Kirche während des Gottesdienstes Gespräche halten, sich freiwillig den Zerstreungen hingeben; in zu großem Puße und nicht züchtig bedeckt zu erscheinen, ist eine Sünde, wodurch sich eine Jungfrau auch vieler fremden Sünden theilhaftig machen kann. An Sonn- und Festtagen die heilige Messe ohne wichtige Ursache versäumen, wie auch aus Trägheit und Ueberdruß des Gebetes den nachmittägigen Andachtsübungen nicht beiwohnen. 418 Ohne gehörige Vorbereitung die heiligen Sakramente der Beicht und Kommunion empfangen. In der Beicht die Sünden verkleinern, aus falscher Scham verschweigen, besonders wenn sie gegen die jungfräuliche Reinigkeit sind, und im Zweifel, ob es schwere Sünden sind, dieselben verhehlen. Im letzteren Falle die heilige Kommunion empfangen und nach gebeichteten schweren Sünden sich nicht bessern und in bösen Gewohnheiten verharren, ist ein Zeichen, daß Neue und Leid und gute Vorsäße in den vorhergehenden Beichten fehlerhaft waren. In solchem Falle find alle vorhergegangenen Beichten ungültig und müssen wiederholt werden bis zu der Beicht, in welcher absichtlich etwas verschwiegen worden ist. Sonn- und Feiertage in leichtfertigen Zerstreuungen, gefährlichen Gesellschaften mit Spiel und Tanz zubringen: den heiligen Namen Jesus aus angenommener Gewohnheit bei jeder Gelegenheit unnüß aussprechen; Gott bei unbedeutenden Vorfällen zum Zeugen anrufen u. s. w., sich in Kreuz und Widerwärtigkeit ungeduldig bezeigen, wider Gott murren, gegen seine göttliche Güte Mißtrauen hegen und aus Trägheit und Niedergeschlagenheit des Gemüthes feinen Einsprechungen widerstreben u. s. w. Thun und Laffen dem Herrn nicht aufopfern; in der Zerstreuung des Gemüthes Seiner vergessen und Ihm für die von 3hm empfangenen Wohlthaten nicht gehörig danken. 419 Vor der Beicht. Wegen äußerer Schönheit und Anmuth, Verstand, Klugheit, Talenten, Ueberfluß an zeitlichen Gütern, Neigung zum Guten und zur Frömmigkeit, und anderer zeitlicher und geistiger Gaben wegen an sich selbst Wohlgefallen und Bewunderung zeigen, ohne solche Gottes Güte und Gnade zuzuschreiben. Gutes thun, blos um der Menschen Gunst und ihren Beifall zu erwerben. Anfechtungen wider Glaubenswahrheiten und die Barmherzigkeit Gottes soll eine fromme Jungfrau mehr verachten als fürchten, da solche augenscheinlich vom höllischen Feinde, nicht aber von ihrem eigenen Willen herrühren; jedoch ist es rathsam, sich über derlei Anfechtungen mit dem Beichtvater zu besprechen und seinem Rathe zu folgen. 2. Sünden wider den nächsten. Erstlich gegen die Eltern und andere weltliche und geistliche Vorgeſetzte. Den Eltern wie auch den übrigen Vorgesetzten nicht Gehorsam leisten; mit Unwillen ihre lehrreichen Ermahnungen anhören, denselben entgegen handeln, ihnen Kummer und Sorge durch ein strafbares Betragen verursachen, fie betrüben und wohl gar mit harten, rauhen Worten kränken. Ihnen Böses wünschen, ihre Fehler und Schwachheiten aufdecken und sie dem Spott und Hohne Preis geben. Ihnen in der Noth nicht beistehen und sie ver lassen, dem Elende preis geben und sich ihrer schämen, wenn sie arm und verachtet sind. Gegen ihren Willen von ihrem Eigenthum und Gut etwas veräußern, verderben oder verschenken. Sünden der Dienstmägde. Dasselbe Unrecht, welches Töchter gegen ihre Eltern, können auch Dienstboten gegen ihre Herrschaft begehen, Beichtandacht. da die Herrschaften den Dienenden von Gott statt der Eltern vorgesetzt sind. Eine Dienstmagd kann, außer den voranbemerkten Sünden der Töchter des Hauses, sich noch auf folgende Weise verfündigen: In ihren Dienstverrichtungen träge sein, die Herrschaft verschreien, unbedachtsame Schwäßereien, Ohrenbläsereien machen und dadurch Verdruß und Uneinigkeit anspinnen, oder durch unzüchtige Mienen und Geberden und verbotenes Einverständniß mit dem Hausherrn der Frau bitteres Leid verursachen. 420 Was der Herrschaft zugehört, verschenken, veruntreuen, zu eigenem Gebrauche anwenden, oder zu Grunde gehen lassen. Genäschigkeit und Leckerhaftigkeit, wie auch zu große Freundlichkeit mit Bedienten u. s. w. geben einem weiblichen Dienstboten oft Versuchung und Gelegenheit zum Diebstahl. Sünden wider den nächsten im Allgemeinen. In Gedanken: Andere verachten, sich über sie erheben, ihre Handlungsweise übel deuten, Böses von ihnen zu leicht glauben und ohne gegründete Ursache Argwohn fassen. Dem Nächsten Böses wünschen, sich über sein linglück freuen, sich betrüben, wenn es ihm wohl geht; ihm mißgünstig sein, ihn hassen und ihm freiwilligen Schaden zufügen. In Worten: den nächsten mit rauhen Worten tadeln, schelten, ihm seine heimlichen oder bekannten Fehler vorwerfen. Hinter seinem Rücken von ihm Böses reden, seine Tugenden verkleinern, seine Fehler vergrößern und alle seine Handlungen übel auslegen. Ohrenbläsereien machen und einer Person mittheilen, was eine andere gegen sie geredet oder gethan hat oder zu thun gesinnt ist, wodurch gewöhnlich Feindseligkeit und Erbitterung der Gemüther entsteht. Diese Sünde ist vor den Augen Gottes ein Greuel, fie mag aus Haß und Vor der Beicht. 421 dem vorsäßlichen Willen, Uneinigkeit anzuspinnen, oder blos aus Unachtsamkeit entstehen. Die Sünden, wodurch die Ehre und der gute Name des Nächsten oder der Friede verleßt wird, werden nicht nachgelassen, es sei denn, daß man ihn nach Möglichkeit entschädige und den Nächsten, wofern er darum weiß, um Verzeihung bitte. Erlaubt ist es und zuweilen eine Schuldigkeit, aus christlicher Liebe, nicht aber aus Haß, Neid, Rachgierigkeit u. f. w., einen Fehler oder eine Sünde Demjenigen zu entdecken, der den Andern davon heilen könnte und vermöge seines Amtes oder Standes dazu verpflichtet ist: als die Eltern, die Herrschaft, ein Geistlicher, oder Freund und Verwandter des Hauses. das pul In Handlungen und Werken: Seinem Nächsten am Leibe Schaden zufügen, oder an seinem Eigenthume durch Diebstahl, Betrug u. f. w., ihm an seiner Seele schaden durch unsittliche Worte und Geberden, durch freche Annäherung und zu große Bertraulichkeit. Dergleichen Ausgelassenheiten noch näher anzugeben, würde den zarten Sinn keuscher Jungfrauen beleidigen, und es wäre Sünde, ihre Reinheit durch böse Gedanken zu beschmußen. Wehe dem Mädchen, das Andere zu solchen Dingen verleitet! Wache über dich, daß du dergleichen Sünden aus Schamhaftigkeit nicht verschweigest! magilid and Ferner: Hartherzigkeit gegen Arme und Unglückliche, Vernachlässigung der Pflichten des Standes und Berufes. 3. Sünden wider sich selbst. Den Leib zu sehr verzärteln und den Sinnen zu sehr schmeichen durch unmäßigen Schlaf, Essen und Trinken außer der Zeit, mit vielen Speisen den Magen überladen und dadurch der Gesundheit schaden; zu viel luftwandeln und herumgehen, um sich der Welt zu zeigen; viel tanzen und die Zeit unnüß und in gefährlicher Gesellschaft vertändeln. 24 Beichtandacht. Sich unmäßigem Zorne, ausgelassener Freude oder zu großer Traurigkeit überlassen und die Unwahrheit reden. Bei unreinen Gedanken freiwillig verweilen, bösen Begierden nicht widerstreben, ihnen Gehör geben und durch gesuchte Gelegenheit zur freiwilligen That machen; als z. B. Vorwiß der Augen, ausgelassene Vergnügungen, zu große Freundlichkeit und Gemeinschaft mit Männern. Die Jungfrauen, welche öffentliche Tanzpläße häufig besuchen, haben sich gewöhnlich vieler Vergehungen gegen die Tugend der Reinigkeit anzuklagen. 422 Du aber, o christliche Jungfrau! vergiß niemals, um dich vor so abscheulichen Sünden zu bewahren, der jungfräulichen Zucht und Sitte, betrachte deinen Leib als einen Tempel des heiligen Geistes und wandle in Ghrbarkeit, gedenkend, daß Gott und dein heiliger Engel immer in deiner Gegenwart sind! Glaube jenen, nur ihren Lüften lebenden, gewissenlosen Menschen nicht, die, von irdischer Liebe für dich verblendet, dir sagen, dieses oder jenes sei keine schwere Sünde. Sollte dir aber doch das große Unglück widerfahren, dich zu vergehen, oder solltest du gegen deinen Willen wider die Reinigkeit etwas erlitten haben, so bekenne es offenherzig sogleich deinem Beichtvater! Einsamkeit, Arbeit, das Gebet und der öftere Empfang der heiligen Sakramente sind die kräftigsten Mittel gegen die Sünde der Unlauterkeit. 2. Reue und Leid. ( Von der heiligen Mechtildis.) Vater unser, der Du bist in dem Himmel! Ich flehe dich an, Du wollest mir es in deiner Huld vergeben, daß ich Dich, meinen Vater, dem alle Liebe und alle Anbetung geziemt, und der Du mich einzig aus Gnade zu deiner Kindschaft berufen hast, nicht genugsam seither liebte und die - Vor der Beicht. Verehrung, welche ich Dir schulde, nicht bezeugte; sondern Dich, der Du in meinem Herzen doch wohnen wolltest, aus demselben verwiesen habe. Zur Versöhnung für dieses schwere Vergehen, das ich von Herzen bereue, bringe ich die Liebe und Ver herrlichung Dir zum Opfer dar, welche dein eingeborner Sohn im Staube hienieden stets Dir gegeben; gleichfalls opfere ich Dir auch alle seine Leiden, mit welchen Er in seiner Liebe für alle meine Miffe. thaten genug gethan hat. Geheiliget werde dein Name!- Ich flehe Dich wieder um die Huld deines Verzeihens an, denn oft unterließ ich die Verehrung deines Namens, oder ehrte ihn nicht würdig genug, nannte ihn oft vergebens und machte mich sogar unwerth des christlichen Namens, welchen ich selbst trage. Zur Verföhnung für diese Sünden, die mir von Herzen leid sind, bringe ich Dir nun die vollkommenste Heiligkeit deines eingebornen Sohnes zum Opfer dar, durch welche Er stets, wie im Predigtworte, so auch in allen seinen Werken, während seines Wandels hienieden, deinen gebenedeiten Namen verherrlichte. 423 Zukomme uns dein Reich!- Und gleich. falls bitte ich um deine Nachsicht, daß Du mir verzeihest meine Lauheit, in welcher ich weder nach Dir selbst, noch nach deinem Reiche mit aller Sehnsucht der Liebe verlangte, und daß ich in deinem Dienste ohnehin stets sehr saumselig gewesen bin. Für diese Vergehen bringe ich Dir zum Opfer das heilige Begehren deines Sohnes dar, mit welchem Er inbrünstig verlangte, daß ich der Miterbe dieses deines Reiches werden sollte. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden!- himmlischer Vater, auf's O 424 Beichtandacht. Neue flehe ich Dich um Verzeihung an, indem ich felten mit Liebe deinem heiligen Willen nachkam, sondern immer emsiger die Gelüste meines Eigenwillens befriedigte und demselben nur lebte! Zur Versöhnung für diese Missethat meines Ungehorsams bringe ich Dir zum Opfer dar die stete Vereinigung des liebreichen Herzens Jesu mit deinem heiligen Wil len und auch seinen kindlichen Gehorsam, in welchem Er Dir gehorsam ward bis zum Tode am Kreuze! Unser tägliches Brod gib uns heute! Ich flehe Dich an, Du wollest mir vergeben, daß ich das köstlichste Brod der Seele, das allerheiligſte Sakrament des Altars, nicht mit der innigsten Ergebung, Andacht und Liebe empfing, und daß ich sehr selten und sogar unwürdig dasselbe in mich aufgenommen habe. Für diese Missethat bringe ich Dir die heilige Andacht Jesu Christi, deines eingebornen Sohnes, zum Opfer dar und auch seine inbrünstige Liebe und seine glühende Sehnsucht, mit welcher Er uns dieses Heiligthum der Gnade eingesetzt und hinterlassen hat. 1 Vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern! Ich flehe Dich um dein Erbarmen an, daß es mir auch Alles verzeihe, was ich mir als große Vergehen anrechnen muß; und ganz besonders, daß ich meinen Verfol gern das mir zugefügte Böse nicht verzieh und meinen Feinden nicht in Liebe begegnete. Für dieſe Sünden bringe ich Dir jenes milde und süßeſte Gebet zum Opfer dar, welches dein vielgeliebter Sohn am Kreuze zu Dir über seine Feinde hinaufgerufen hat. Und führe uns nicht in Versuchung! Ich flehe Dich an um Vergebung für all' das arge Gelüsten in mir, mit welchem ich den Versuchun1 Vor der Beicht. 425 gen nicht widerstrebte, sondern sogar in das Begehren des Versuchers und meines Fleisches oft ein willigte und so mich von der Macht des Unreinen erfassen und überwältigen ließ. Ach, für diese sehr zahlreichen Missethaten, die ich mit Thränen der aufrichtigsten Reue zeitlebens beweinen möchte, bringe ich Dir den hehren Sieg Jesu zum Opfer dar, mit welchem Er die Welt und den bösen Feind überwand; gleichfalls opfere ich Dir seine ganze heilige Pilgerschaft im Staube, alle seine Mühen und Thaten und sein bitteres Leiden und Sterben am Kreuze! Sondernerlöseunsvondem Uebel! Amen. Ja, ich flehe Dich an, befreie mich und alle deine Gläubigen von allem Uebel und der ewigen Strafe: durch die unendlichen Verdienste deines eingebornen Sohnes Jesus Christus, und geleite uns Alle dereinst hinüber in das Reich deiner ewigen Glorie! Amen. - 3. Borsag. ( Von der heiligen Franziska von Chantal.) O mein Gott, allerheiligste Dreifaltigkeit, ich habe gesündigt vor Dir! Ich wiederhole deshalb noch einmal den Ausspruch meiner aufrichtigsten Reue über alle meine Sünden; ich beweine sie von ganzem Herzen und einzig aus Liebe für Dich, das allerhöchste und vollkommenste Gut! D mein Gott, schütte aber auch jetzt das Del deiner Erbarmungen reichlich in meine Wunden, daß ich in Dir wieder genese, denn Du bist und bleibst meine süßeſte Hoffnung! Heile mich wieder, o Herr, und mit dem Beistande deiner Gnade und unter ihrem Geleit fasse ich nun den festen Vorsaß, fortan eifrigst nach meiner Besserung zu streben und unter dem 24* 426 Beichtandacht. heiligen Kreuze Dir zu dienen mein Leben lang, auf daß ich Dich auch dereinst durch alle Ewigkeit loben und preisen könne! Amen. 4. Beicht. ( Von der heiligen Veronika Juliani.) O mein Gott, ich gelobe Dir nun auch noch feierlichst, daß ich dem Priester, welcher deine Stelle hienieden vertritt, Alles offenbaren werde, was ich Arges in meinem Innersten gefunden habe; und daß ich auch, in kindlicher Demuth, allen seinen Ermahnungen gehorsamen will! Amen. Nach der Beicht. 5. Genugthuung. ( Von der heiligen Mechtildis.) Samloe ann O mein himmlischer Vater, sieh, ich opfere Dir meinen Jesus auf, deinen göttlichen Sohn, welcher für mich an Dich entrichtete, was ich durch meine Hoffart Böses gewirkt habe! Ich opfere Dir gleichfalls deinen sanftmüthigen Sohn auf, welcher für mich Dir genug thut für Alles, was ich durch mein zorniges Aufbrausen Sündhaftes begangen habe. Ich opfere Dir deinen geliebtesten Sohn auf, welcher die einzige Liebe deines Herzens ist und welcher durch die That seiner Liebe gänzlich Dir vergütet, was ich durch meine Lieblosigkeit und mein unversöhnliches Betragen verschuldete. Ich opfere Dir auf die reichste Barmherzigkeit meines Jesus, zur Milderung meiner Herzenshärtigkeit und Ungerechtigkeit. Ich opfere Dir auf seine Reinigkeit und Keuschheit für all das Unlautere, was meine Ge Nach der Beicht. 427 banken, Worte und Werke verunreinigte. Ich opfere Dir auf seine Geduld in allen Leiden für meinen ruhelosen Unmuth; seine Mäßigkeit für meine Unmäßigkeit; sein Fasten und Entbehren für meine Ueppigkeit; seine heilige Schweigsamkeit für meine Geschwäßigkeit; seinen Gehorsam für meinen Ungehorsam; seine Thätigkeit für meine Trägheit in allem Guten: seine Andachtsübungen für mein andachtleeres Beten; sein Wachen für mein Schlafen; feine Abtödtung für meine Unbußfertigkeit; sein weltentferntes Leben für mein weltsüchtiges Sinnen und Trachten; seine Liebe und Treue, welche Er Dir und allen Menschen und auch mir bezeugte, für mein Nichtlieben und meine Treulosigkeit, welche schwer auf mir laftet. biurd slo Auch opfere ich Dir noch, o himmlischer Vater! für die mit so vieler Schmach bedeckten Jahre, Monate, Wochen, Tage, Stunden und Minuten meines ganzen Daseins, das ganze heilige Leben deines eingebornen Sohnes auf, wie auch alle Tugenden und guten Werke, welche dasselbe himmlisch verklären. Dieses ist das Kleinod, welches meinen einzigen Reichthum bildet; und dieses allein auch ist das Lösegeld, mit welchem ich die Schuld meiner Missethaten einzig Dir entrichten kann. Deshalb, o mein gütigster Gott! flehe ich Dich aus ganzem Herzen an, Du wollest durch Alles, was Dir im Himmel und auf Erden lieb ist, dieses mein Opfer für alle meine Vergehen huldreich aufnehmen; und wollest mir, durch die Verdienste des heiligen Opfers deines eingebornen Sohnes, meine ganze Schuld tilgen und die dafür verdienten ewigen Strafen erlassen. Amen. 428 Beichtandacht. Bitte an Maria. Dallerseligste Jungfrau Maria, Zuflucht der Sünder, blicke doch auch mitleidig von den Höhen res Himmels auf mich herab und erwerbe mir durch deine Fürsprache das sichere, gnadenvolle Geleit des Herrn! Erhalte mich jetzt und immerdar im Frieden deines geliebten Sohnes Jesus Christus; am Tage des Gerichtes aber bewirke, daß ich ohne alle Furcht und voll Vertrauen vor dem Richterstuhle des Allerhöchsten erscheinen kann und der Schaar, welche zur Rechten Gottes steht, beigeſellt werde: damit ich, des Himmels theilhaftig, mit allen heiligen Engeln jene Loblieder singe, welche durch alle Ewigkeiten ertönen der unerschaffenen Dreieinigkeit, die stets in dem Vater, dem Sohne und dem heiligen Geiste zugleich erkannt und gepriesen wird, jetzt und immerdar! Amen. 1- Bitte zum heiligen Schußengel. $ O heiliger Schutzengel, führe du mich gleichfalls an deiner gütigen Hand und verlasse mich nicht! Hilf mir, daß ich dereinst anlangen möge bei der glückseligen Schaar aller Heiligen, mit welcher ich jetzt und für immer als Wahlspruch der Liebe ausrufe: Jesus, Maria und Joseph, Euch schenke ich mein Herz und meine Seele!" Amen." Gebet für das Heil des Beichtvaters. ( Von der heiligen Veronika Juliani.) O mein Herr und mein Gott, Jesus Christus, Du Bräutigam meines Herzens! gestatte mir gütigst, daß ich jetzt noch eine Bitte zu deiner Liebe Nach der Beicht. 429 aussprechen darf; und zwar will ich Dich bitten um das Wohl meines Beichtvaters. So flehe ich denn zu Dir um die Gnade, daß mein Beichtvater stets nach deinem Herzen wandle, arbeite und sich nach deinem Willen für das Gedeihen des Seelenheiles seiner ihm anvertrauten Heerde emsig bemühe! Herr, ich wünsche sehnlich, daß Du diesen meinen Beichtvater und Alle, welche dieser meiner armen Seele zu ihrem wahren Heile verholfen haben und ihr dazu noch immer wirklich hilfreiche Hände sind, in deinem Herzen behaltest, damit Alle stets noch glühender von deiner Liebe entbrennen und stets deinem Herzen wohlgefallen mögen! Und mit dieſem süßen Heile beschenke auch mich und alle Gläubigen! O Herr, segne denn meinen Beichtvater, durch dessen heilsame Ermahnungen aufgemuntert, ich mich als ein ewiges Brand- und Schlachtopfer der Liebe mit jenem Opfer inniglich vereinigt wissen will, welches Du auf dem Altare des Kreuzes zu unsrer Erlösung entrichtet hast; deshalb biete ich mich, zum Zeichen meiner Liebe zu Dir, mit diesem Gelöbnisse Dir an, daß ich immer mit Dir gekreuzigt zu bleiben verlange! O mein Herr und Heiland, gib denn meinem Beichtvater ja die vollkommene Ergebung in deinen Willen; und deshalb wage ich es in Demuth, in seinem Namen und mit deinem Herzen und mit deinen Wunden seine Seelenträfte, sein Herz und ihn selbst, seinen Leib und seine Seele Dir zu seinem ewigen Heile zu übergeben! Amen. OR $ 0 45 1 A 430 VI. Kommunionandacht.*) Aus den Schriften und Offenbarungen der beis den heiligen Schwestern Gertrudis und Mechtildis. Vor der heiligen Kommunion. di Morgengebet an Kommuniontagen. ( Siehe Seite 319.) Fromme Einladung Jesu zur Einkehr in die Seele. 63 D mein Jesus! der Du gesprochen hast, daß es Dich hoch erfreite, bei den Kindern der Menschen zu sein; nach Dir sehnt sich mein ganzes Herz und meine Seele verlangt innigst nach Dir. Und deshalb begehre ich, mit einer solchen Demuth und Liebe Dich zum Besuche meines Herzens einzuladen, mit welcher je eine treuliebende Seele Dich, ihren Bräutigam, zu sich einlud. Ach, so nahe Dich denn mir, Du mein angebeteter Bräutigam! Ach, so komme denn zu mir, Du hehre Liebe meiner Seele, und halte deine Einkehr in die stille Hütte meines Herzens! O mein Jesus, Du himmlischer Arzt! verschmähe mich nicht, komme zu mir und mache meine franke Seele wieder gesund. Komme zu mir, o Jesus! Du meine einzige Liebe und höchstes Gut meines Herzens, und bereichere meine tiefste Armuth mit dem Segen deiner Gegenwart. Komme zu mir, o Jesus, Du lichteste Sonne meines Daseins! und verscheuche die Finsterniß des Argen aus meinem *) Von dem öftern Empfange der heiligen Kommunion. Siebe Seite 120. A Deschwanden pin Kunstverlag von Gebr Cu 128. Bieles ist mein Teib, der für euch bnigegeben wird. ( Luc 22. 19). N. Bartheliness s N Benziger in Emsiedeln 41 Vor der heiligen Kommunion. 431 ganzen Wesen. Komme zu mir, o Jesus, Du süßestes Manna des Himmels! und sättige meinen unaussprechbaren Hunger. Komme zu mir, o Jesus, Du Inhalt und Ziel all meines Strebens! und halte das Abendmahl mit mir in dem Innersten meines Herzens. Ach! wenn ich auch nichts im Besige habe, was deiner unendlichen Majestät würdig wäre, so kann ich Dir doch bekennen, daß mit der glühendsten Liebe zu Dir das Gefäß meines Willens gänzlich erfüllt ist. O mein Jesus, Du meine einzige Liebe, ich vergehe fast im Verlangen nach Dir und erwarte Dich mit der heißesten Glut meines Herzens! D Du übervoller Quell der Lieblichkeit und Du seligste Erquickung des Himmels, suche mich heim und verschmähe nicht meine arme Seele, welche Dich über Alles lieb hat! O mein Jesus! ich flehe Dich auch an mit der Kraft aller Gebete, welche jemals deinem heiligsten Herzen entstiegen sind, Du wollest Dich würdigen, in den Saal meines Herzens deine gnädige Einkehr zu halten. Amen. Drei Bitten zur Mutter Gottes. O allerkeuschefte Jungfrau Maria! ich bitte dich durch die unbefleckte Unschuld und Reinigkeit, durch die du dem Sohne Gottes eine wohlgefällige Woh nung bereitet hast, daß ich durch deine Fürbitte von allen Makeln möge gereiniget werden. Amen. O allerdemüthigste Jungfrau Maria! ich bitte dich durch deine tiefe Demuth, durch die du über alle Chöre der Engel und alle Heiligen erhöht zu werden verdient hast, daß durch deine Fürbitte alle meine Nachlässigkeiten ersetzt werden. Amen. Kommunionandacht. O allerliebreichste Jungfrau Maria! ich bitte dich durch die unermeßliche Liebe, die dich unauflöslich mit Gott vereinigt hat, daß mir durch den Schatz deiner Liebe meine Armuth an Liebe möge erfeßt werden. Amen. 432 Bitte zu allen Heiligen Gottes. ( Aus den Schriften der hl. Gertrud.) Wenn die heilige Gertrud den Herrn empfangen wollte, war sie gewohnt, die Heiligen zu bitten, ihr ihre Verdienste zu leiheri. So bete dann auch du das folgende Gebet mit Andacht und sei versichert, daß die lieben Heiligen, die tausendmal freigebiger sind, als Menschen auf Erden sein können, dich nicht leer werden ausgehen lassen.( B. III., R. 10.) coil#s!!!? Dihr lieben heiligen Engel und Erzengel, ihr Cherubim und Seraphim! O ihr lieben heiligen Patriarchen und Propheten, ihr heiligen Apoſtel und Märtyrer, ihr heiligen Bekenner und Jungfrauen, besonders ihr, meine theuersten, heiligen Patrone! Euch alle mit einander grüße ich durch das süßeste Herz Jesu, und in euerm Namen bete ich an, lobe und preise ich die unendliche Liebe der allerheiligsten Dreieinigkeit für alle Gnaden und Wohlthaten, welche aus ihr in eure Seelen geflossen sind. Und nun, ihr lieben Heiligen! klage ich euch mit findlichem Zutrauen meine Armuth und Noth. O ihr seligen Freunde Gottes! ich soll nun zur heiligen Kommunion gehen und meinen lieben Gott empfangen; aber mein Herz ist so unrein, daß ich mich schämen und fürchten muß, einen so großen und reinen Gast aufzunehmen. Ach, ihr lieben Heis ligen, ihr habt so viele Tugenden und Gnaden, Vor der heiligen Kommunion. 433 und ich bin so arm und dürftig! Darum bitte ich um Gottes willen, ihr wollet mir etwas von eurem Ueberflusse mittheilen. Ach, gebet mir nur etwas von eurer heiligen Demuth, von eurer heiligen Andacht, von eurer heiligen Liebe und andern Vollkommenheiten, mit denen ihr ausgeschmückt waret, damit ich auch meine arme Seele ein wenig bereiten und schmücken kann! Ich bitte auch recht demüthig, ihr wollet eure Tugenden und Verdienste Gott für mich aufopfern, damit durch euch ersetzt werde, was mir mangelt. Amen. lo Beim Hingehen zum Tische des Herrn. O mein liebreichster Jesus, der glückselige Augenblick ist genaht, in welchem ich Dich empfangen werde! Mit der tiefsten Ergebung und mit der innigsten Andacht nahe ich mich Dir, um Dich selbſt in mein armes Herz aufzunehmen! D daß doch die heißeste Liebe und die glühendste Begierde nach deinem Genusse in mir entflammte, wie solche je ein gläubiges Gemüth empfinden kann! daß ich Dich mit solcher reinen Freude in diesem hochheiligen Sakramente empfienge, wie deine Mutter, die allerfeligste Jungfrau Maria, Dich empfangen hat! O daß die Reinheit und Heiligkeit aller Engel des Himmels in mir waltete, damit ich deiner unendlichen Majestät wahrhaft wohlgefallen könnte! O daß ich dein eigenes Herz, Du mein süßester Jesus, in mir trüge, damit ich mich recht würdig zu deinem Tempel bereitete! Komm, mein allerliebster Jesus, und heile meine franke Seele! O Du mein süßester und allerliebster Jesus, mache doch auch, daß ich Dich würdig empfangen möge! Schule und Tempel. 25 Kommunionandacht. Sobald du die heilige Hostie empfangen hast, so sprich in deinem Herzen: 434 Sei gegrüßt, mein Jesus, mein geliebtester Bräutigam! Gepriesen sei deine süßeste Ankunft in mir, deinem armen Geschöpfe! Sei mir tausendmal willkommen, o Du mein Gott und Alles! sin Nach der heiligen Kommunion. Dreifacher Lobpsalm. Gelobt und gebenedeit sei das allerheiligste und hochwürdigste Sakrament des Altars mit so vielfältigem Lobe, als Sterne am Himmel, Funken im Feuer, Tropfen im Meere, Sandkörner auf Erden, Blumen im Frühlinge, Früchte im Sommer, Blätter im Herbste, Schneeflocken im Winter und er schaffene Wesen im Himmel und auf Erden sind! denn alles Lobes bist Du würdig, o Lamm Gottes, süßester Jesus! der Du unter den sakramentalischen Gestalten wesentlich und wahrhaft gegenwärtig bist! Amen. diju Gelobt und gebenedeit sei das allerheiligste und hochwürdigste Sakrament des Altars mit so vielfältigem Lobe, als je im Werke vollbracht, mit dem Munde gesprochen, mit den Gedanken erfonnen, mit dem Herzen verlangt und mit der Fassungsfraft aller Engel und Menschen kann erreicht und erfunden werden! denn ewigen Lobes bist Du würdig, o Herr, unser Gott, der Du uns speisest mit deinem heiligen Fleische und tränfest mit deinem kostbaren Blute! Amen. Gelobt und gebenedeit sei das allerheiligste und hochwürdigste Sakrament des Altars mit so vielfältigem Lobe, als die heiligste Dreifaltigkeit in Nach der heiligen Kommunion. 435 ihrer Allmacht wirken, mit ihrer Wissenschaft erkennen und nach ihrer Güte verlangen kann und zwar auf alle Weise, an allen Orten und zu allen Zei ten bis in Ewigkeit! denn unermeßlichen Lobes bist Du würdig, o Jesus, Du Sohn des lebendigen Gottes, der Du in diesem göttlichen Sakramente nicht nur deine Menschheit, sondern auch deine Gottheit den Seelen mittheilest, welche Dich mit gereinigtem Herzen empfangen! Amen. Gelobt und angebetet sei ohne End' Das heiligste und göttliche Sakrament! Aufopferung der heiligen Kommunion an den himmlischen Vater. Dallerliebreichster Vater! demüthig und vertrauensvoll trete ich vor den Thron deiner Gerechtigkeit, und in Gegenwart der allerfeligsten Jungfrau Maria und meiner heiligen Patrone, die ich hiemit zu Zeugen nehme, daß ich an dem heutigen Tage aus dem Schaße der Verdienste Jesu Christi Dich bezahlt habe, greife ich mit großem Vertrauen in eben diese unendlichen Verdienste Jesu Christi, den ich jetzt in meinem Herzen als mein Eigenthum verschlossen trage, und durch die Hände meines heiligen Schußengels opfere ich Dir zur Tilgung meiner Sünden all das Leiden deines allerliebsten Sohnes, welches Er von der Stunde an, da Er in der Krippe auf dürftiges Heu gelegt worden ist, und fort und fort in seiner Kindheit, in seiner Jugend und seinem männlichen Alter gelitten in Armuth, Mangel, Widerwärtigkeit und Schmerz bis zu jener Stunde, in der Er am Kreuze mit geneigtem Haupte seinen Geist aufgegeben hat. Kommunionandacht. Zum Ersaße alles Guten aber, das ich unterlassen, opfere ich Dir, o himmlischer Vater! den heiligen Wandel dieses deines allerliebsten Sohnes, der in allen seinen Gedanken, Worten und Werfen die größte Vollkommenheit ausgeübt hat von der Stunde an, da Er von dem Throne seiner ewigen Gottheit herabgestiegen und durch den Leib der allerseligsten Jungfrau in diese unsere Erde eingetreten ist- bis zu jener Stunde, da Er deinem väterlichen Angesichte die Glorie seiner siegreichen Menschheit vorgestellt hat. Amen. grated Aufopferung der heiligen Kommunion an die allerseligste Jungfrau Maria und an alle heiligen Chöre des Himmels. 436 Glorreiche Königin des Himmels, Maria! Ihr heiligen Engel und auserwählten Freunde Gottes alle, die ihr im Himmel alle Seligkeit ewig genießet! Aus treuer Liebe, die ich zu euch trage, gönne ich euch eure Freuden, ja, wenn es in meinen Kräften stünde, so würde ich euch dieselben noch tausendfältig vermehren! Und da mir an dem heutigen Tage ein so großes Heil und eine solch' unermeßliche Gnade widerfahren ist, so will ich auch euch des Schaßes, den ich empfangen habe, theilhaftig machen. Siehe daher, o allerfeligste Jungfrau Maria! mit einem demüthigen und freundlichen Herzen komme ich zu dir und opfere dir deinen allerliebsten Sohn mit solcher Liebe, wie die allerheiligste Dreieinigkeit dir denselben als einen Sohn einst gege= ben hat. Ich begehre, durch diese kostbare Gabe alle Freuden, die du mit Ihm und durch Ihn hienieden auf Erden einst gehabt, dir zu erneuern und zu vermehren. Nebstdem gebe ich dir diesen Nach der heiligen Kommunion. 437 deinen lieben Sohn auch dazu, daß du mir Ihn aufbewahren und in meinem Tode wieder zurückstellen wollest. deilig bilgi Ihr neun Chöre der heiligen Engel! ich schenke euch Denjenigen, der euch so edel erschaffen und die ewige Freude so reichlich euch mitgetheilt hat. Ich bitte euch, ihr möget Ihn auch für mich bitten, damit auch ich der nämlichen Freuden einst theilhaftig werden könne. Amen. d Ihr heiligen Patriarchen und Propheten! nehmet hin Denjenigen, den ihr so heftig begehrt und so lange Zeit mit Sehnsucht und Verlangen erwar tet habt. Erwirket mir die Gnade, daß auch ich aus allen meinen Kräften und mit Inbrunst nach Ihm verlange und nach Ihm seufze Tag und Nacht. Amen. Ihr heiligen Apostel! empfanget hier den nämlichen Jesus, den ihr einst auf Erden von ganzem Herzen geliebt und dem ihr auch gedient habt. Helft mir, ich bitte euch, daß auch ich Ihn aus dem Innersten meines Herzens und mehr als alle Dinge lieben möge. Amen. Ihr heiligen Märtyrer! sehet hier denselben Herrn Jesus, um dessen Liebe willen ihr euer Blut vergossen und euere Leiber in den Tod hingegeben habt. Ich opfere euch Denselben hin und bitte euch, ihr wollet mir erlangen, daß auch ich alle meine Kräfte in seinem Dienste hingeben und verzehren möge. Amen. Ihr heiligen Bekenner! nehmet hier Denjenigen an, für den ihr einst alle Dinge verlassen und alle Lüste der Welt verachtet habt. Erlanget mir, daß auch ich um seiner Liebe willen alles Jrdische verlasse und verachte und auf den Gipfel der wahren Gottseligkeit mich erschwingen möge. Amen. Kommunionandacht, all Ihr heiligen Jungfrauen! empfanget hier euern Herrn Jesus, den ihr einst hienieden schon so süß und so wonniglich geliebt und dem ihr ewige Jungfrauschaft gelobt und bewahrt habt. Unterstüzet mich, daß auch ich um seiner Liebe willen in Keuschheit des Leibes und der Seele bleiben und in allen Anfechtungen vollkommen triumphiren möge. Amen. Ihr himmlischen Heerschaaren alle insgesammt! ich lohe und grüße euch durch denselben Herrn Jesus, den ich jetzt in meinem Herzen trage, und zur besondern Vermehrung eurer Seligkeit opfere ich euch Denselben mit aller Liebe, die Er von Ewigkeit her zu euch getragen hat. Ich bitte euch, ihr möget Ihm mit mir einen demüthigen Fußfall thun und in meinem Namen würdiges Lob und schuldigen Dank Ihm sagen, und mir verhelfen, daß auch ich einst in eure selige Gesellschaft aufgenommen werde. Amen. 438 Aufopferung der heiligen Kommunion und des olla Ablasses für die Verstorbenen. Endlich, o barmherziger Vater! opfere ich Dir auch dieses allerheiligste Sakrament auf für die armen und verlassenen Seelen im Fegfeuer. Wenn du für Eine insbesondere kommunizirt haft, so sebe noch diese Worte hinzu Besonders opfere ich dieses allerheiligste Sakrament für die Seele N., für welche zu kommuniziren ich mir vorgenommen habe und welcher ich hiemit auch alle Verdienste dieser heiligen Kommunion schenke und aufopfere, Dich demüthig bittend, Du wollest derselben das allerheiligste Sakrament auch wirklich zum Troste und zur Erlösung gereichen lassen Nach der heiligen Kommunion. 439 Ich bitte Dich, barmherziger Vater! Du wollest, um deines lieben Sohnes willen, der armen Seelen Dich erbarmen. Höre ihr flehentliches Bitten und Rufen, mit dem sie zu Dir um Erlösung schreien, und sei barmherzig gegen sie. Gedenke, o ewiger Vater! wie dein ewiger Sohn so Vieles für sie alle gelitten und ertragen hat, und laß nur ein einziges Tröpflein seines kostbaren Blutes hinabfallen, damit es fie labe und erquicke in ihren schweren Beinen und Martern. Für alle Sünden, die sie jemals begangen haben, opfere ich Dir den unsträflichen Wandel deines lieben Sohnes und alle Tugenden, die Er jemals geübet hat. Für alle Nachlässigkeiten, derer sie in deinem heiligen Dienste sich schuldig gemacht haben, opfere ich Dir die inbrünstigen Begierden, die dieser dein lieber Sohn zu Dir getragen hat. Für alle Versäumnisse, denen sie sich hingegeben haben, ofere ich Dir den Ueberfluß der guten Werke, die Er, dein lieber Sohn, verrichtet hat. Für alle Schmach, die sie Dir angethan haben, opfere ich Dir alles Wohlgefallen, das Er Dir erzeiget hat; endlich für alle Strafen, die sie Dir noch schuldig sind, opfere ich Dir alle Bußwerke, die Er in den dreiunddreißig Jahren seines irdischen Lebens in Fasten, Wachen und Beten, in Arbeiten, Lehren und Predigen, und in Ertragung aller Schmach und Unbilden, aller Schmerzen und Beinen gelitten hat. Und dieses Alles opfere ich Dir dazu auf, damit Du, dadurch versöhnt, die armen Seelen einführen wollest zur ewigen Freude. Amen. Abendgebet an Kommuniontagen. sndo thi smser( Siehe Seite 330.) of Kommunionandacht. Verschiedene Gebete nach der heiligen Kommunion. Frommer Entschluß einer Jungfrau, die den Eitelkeiten der Welt entsagen will. 440 O mein Gott und mein Herr! wie beschämt fühle ich mich wegen meiner thörichten Eitelkeit und daß ich den Beifall der treulosen eigennüßigen Weltmenschen so sehr suche, Dich aber, meinen getreuesten Freund, verachtet habe! Und dennoch, o Gott der Güte! trägst Du nach meinem treulofen Herzen noch Verlangen, und um es umzuschaffen, hast Du Dich selbst mir zur Speise gegeben. Wie, aus Liebe zu Dir sollte ich nicht das Geringste thun wollen? Mein Entschluß ist gefaßt: ja ich will gewiß bis zur nächsten Kommunion jene mir gefährliche Gesellschaft( Person oder üppige Belustigung) vermeiden; ich will Dich anflehen, Du wollest durch deine unendliche Macht und Güte meine Schwachheit stärken, damit ich diesem Vorsage getreu bleibe. Amen. Aufopferung und Bitte einer Jungfrau, die über den Stand, den sie zu wählen hat, in Zweifel steht. Anbetungswürdiger Jesus, mein lieber Meister und Seelenhirt, mit vollem Vertrauen wende ich mich jetzt, da ich Dich besige, an Dich und bitte Dich, mich zu erleuchten und mir deinen Beistand für die wichtigsten Augenblicke meines Lebens zu erbitten. Ich soll mich für einen Stand bestimmen, und da ich mir bewußt bin, daß meine Ruhe und mein Heil zum Theile von dieser Wahl abhängen, so würde ich mich den schrecklichsten Gefahren und dem nagendsten Kummer ausseßen, wenn ich ohne die Beistimmung deines heiligen Willens einen Ent 441 Nach der heiligen Kommunion. schluß fassen würde. Nicht meine eigenen Neigungen suche ich zu befriedigen, noch zeitliches Interesse und den Beifall der Menschen zu erlangen; sondern um nach deinem Königreiche zu trachten, will ich mich einem Stande widmen, wo mir Gewißheit für mein Seelenheil durch die Hoffnung auf deinen Beistand zu Theil wird. Dieses ist eine Gnade, o mein Heiland! um die ich Dich bis zu meiner nächsten Kommunion und so oft und mit so heiligem Eifer wiederholt bitten werde, bis Du sie mir endlich bewilligst. Und wer auf Dich seine Hoffnung segt, wird sich nicht betrogen sehen. Amen. Wenn du oft zu dem Tische des Herrn gehst, und zur Zeit seiner Gegenwart einen starken Trieb zur Einsamkeit und Liebe zur jungfräulichen Reinigkeit in dir spürest; so kannst du es als ein Zeichen ansehen, daß du Jhm in der Welt unverheirathet oder in einem Kloster dienen sollst. Bitte Ihn dann um so inniger, daß Er dich erleuchte und dich das Rechte wählen lasse. Zu diesem Ende kannst du dich mit einem einsichtsvollen Beichtvater besprechen. Anmuthung einer Jungfrau, die sich dem himmlischen Bräutigam weiht. Wer mein Fleisch ist und mein Blut trinkt, der bleibt in Mir und Ich in ihm." Das sind deine Worte, holdseligster Jesus! Und das ist jetzt mein Gebet, das der glühende Wunsch meines Herzens, daß ich ganz mit Dir vereinigt werde, und von allem Irdischen und Fleischlichen geschieden, durch die heilige Kommunion, durch die wiederholte Feier des großen Opfers am Kreuze neubelebt, das Himmlische und Ewige kosten und lieben, üben und ge= nießen lerne. 25* Kommunionandacht. ale Mein Gott und Herr! wann werde ich mein vergessen und Eins mit Dir sein? ganz Eins mit Dir und wie verschlungen in die Tiefe deines heiligen Wesens! Du in mir und ich in Dir das ist mein Wunsch. Laß mich Eins mit Dir werden und Eins mit Dir bleiben! das ist mein Gebet. Wahrhaftig, Du bist mein Geliebter, mein Auserwählter aus Tausenden; das ist die Himmelsluft meiner Seele, bei Dir zu sein alle Tage meines Lebens. Du bist mein Friedensfürst; denn in Dir finde ich den vollkommensten Frieden und die wahre Ruhe, und außer Dir ist nicht als Plage, Schmerz und Bein ohne Ende. 442 Wie freundlich ist dein Geist, o Herr! Um deine Freundlichkeit gegen deine Kinder zu beweisen, erquickest Du sie mit dem schmackhaftesten Brode, das vom Himmel kam. Wie bist Du, unser Gott, doch Allen, die an Dich glauben, so unaussprechlich nahe! Kein anderes Volk kann sich eines solchen traulichen Umganges mit Gott rühmen, wie sich deine Gläubigen deiner Nähe freuen! Um unser Herz täglich zu erquicken und zum Himmel empor zu richten, gibst Du Dich Selbst uns zum täglichen Genusse, zum täglichen Mahle der Liebe hin. Wo ist ein Volk so selig, wie das Christenvolk! Wo ist unter der Sonne ein Geschöpf, das solche Liebe erfährt, wie die andächtige Seele, die ihr Herr und Gott besuchet, um sie mit seinem Leibe und Blute zu nähren und zu bewahren zum ewigen Leben! Gnade, die kein Gedanke, o Milde, die keine Verwunderung erreichen kann! D Liebe ohne Maß, die sich ganz zum Besten der Menschen geopfert hat! Was werde ich aber für diese Gnade, Nach der heiligen Kommunion. 443 für diese Liebe, die allen Begriff übersteigt, dem Herrn wiedergeben können? Es ist kein Geschenk, das ich Ihm geben, keines, das Ihm gefälliger sein kann, als mein Herz,- das will ich Ihm ganz ohne Rückhalt geben, das soll vollkommen Eins mit Ihm werden. Und dann wenn ich Eins mit Gott sein werde, dann wird mein Innerstes ein ewiges Jubellied sein. Dann wird Er zu L — - mir sagen: Ich bin zwar bei dir, magst du denn gern bei mir sein? Und ich werde Ihm antworten: Lieber Herr! sei so gütig und bleibe bei mir; ich will gern bei Dir sein. Denn das ist mein einziges Verlangen, daß mein Herz Eins mit Dir werde und Eins mit Dir bleibe ewig. Amen. Gelöbniß einer Himmelsbraut. ( Von der heiligen Brigitta.) D Herr Jesus, lasse meine Seele Dir verlobt sein durch ein treues und unauflösliches Bündniß! Gib, daß ich, als Dir angetraut, nichts so sehr liebe und begehre, als Dich; daß ich, aus Liebe zu Dir, alles Geschaffene gering achte, und daß ich mein Herz weder an Verwandte und Freunde und andere Menschen, noch an Reichthümer und Ehren hefte! Du nur, o Jesus, wollest meiner Seele das kostbarste Kleinod und der süßeste Lohn und der getreueste Freund sein und bleiben! Ja, gib Dich meiner liebenden Seele als Bräutigam ganz hin, der Du der König der ewigen Glorie bist! Amen. 41 444 VII. Vesperandachten. 1. Vesperandacht zur Ehre der hochheiligsten Dreifaltigkeit. Vorbereitungsgebet. Herr, eröffné meine Lippen, so wird mein Mund dein Lob verkündigen! O Gott, achte auf meine Hülfe! Herr, eile mir zu helfen! Ehre sei dem Vater, und dem Sohne, und dem heiligen Geiste: Wie im Anfang, jetzt und allzeit, und zu ewigen Zeiten. Amen. Alleluja! Oder: Lob sei Dir, o Herr und König der ewigen Herrlichkeit! Anbetung. Ehre sei Dir, ewiger Vater! allmächtiger Schöpfer des Himmels und der Erde, der Du deinen Sohn auf die Welt gesendet hast, um uns zu erlöen! Dir, dem Vater der Barmherzigkeit und dem Gott alles Trostes; Dir, dem Gott der Liebe, der Du uns, deinen Kindern, ewige Güter bereitet und verheißen hast. Ehre sei Dir, eingeborner Sohn! Dir, dem Erlöser aller Menschen, der Du unsere Natur angenommen hast und im Fleische erschienen bist, durch dessen Blut wir die Erlösung haben und Nachlaffung der Sünden nach den Schätzen deiner Gnade; Dir, dem Hohenpriester, der Du unter den Geſtal Vesperandacht zur Ehre der hochhl. Dreifaltigkeit. 445 ten des Brodes und Weines Dich zum Sühnopfer dargegeben hast. Ehre sei Dir, heiliger Geist! unserm Heiligmacher, dem Geiste der Wahrheit, den der Vater und der Sohn in feurigen Zungen über die Apostel gesendet haben, der Du die Kirche alle Wahrheit lehrest; Dir, dem besten Tröster, durch den die Liebe Gottes in unsere Herzen ausgegossen wird. Heiligste Dreifaltigkeit, ein einiger Gott! unerforschliches Geheimniß, Wurzel und Krone meines Glaubens! Heiligste Dreifaltigkeit! unsere Hoffnung, die ich bis an's Ende meines Lebens treu bewahren werde. Heiligste Dreifaltigkeit! unsere Liebe, von der mich kein Geschöpf trennen wird. Dir sei alle Anbetung, ewiges Lob und unaufhörliche Danksagung dargebracht, o heiliger Gott! starker Gott! unendlich vollkommener Gott! Psalmen zur Betrachtung und Verehrung der unendlichen Vollkommenheiten Gottes. Erster Psalm: Die Allmacht Gottes. Nichts ist bei Dir, o Gott! unmöglich; Du kannst, was Du willst, und deine Kraft und macht hat kein Ziel. 9108 In der Erschaffung der ganzen Welt aus Nichts, ohne Hülfe, allein durch deinen Willen, hast Du deine Allmacht erzeiget. Du allein thust große Wunderdinge, ohne Mühe, mit einem einzigen Worte; o wunderbare Allmacht, der sich nichts widerseßen kann! Der schöne Himmel, die fruchtbare Erde, die großen Meere, die verschiedenen Gattungen der Geschö pfe sind Wunder deines Alles vermögenden Willens. 41 446 Vesperandacht the se Großer Gott! deine allmächtige Hand ist noch nicht abgekürzt oder geschwächt; Du wirkest noch immer als ein allmächtiger Herr, da Du die Laſt der Erde mit drei Fingern haltest und die Himmel in wundervoller Ordnung bewegest. Ist nicht das heiligste Altarssakrament, göttlicher Heiland! und deine Gegenwart in demselben unter den bloßen Gestalten ein immerwährendes Wunder deiner Allmacht? Ehrfurcht und heiliger Schrecken vor deiner Majestät befällt mich, da ich nur ein Werk deiner Hände bin und in deiner höchsten Gewalt stehe. Alles, was ich bin und besize, habe ich von Dir empfangen. Allmächtiger Schöpfer des Himmels und der Erde! ich bete Dich an und demüthige mich unter deiner gewaltigen Hand. Jesus im heiligsten Sakramente! Du ehrest durch dein unblutiges Opfer die Allmacht des Vaters, und ich opfere Dir mein Leben und will bis in den Tod Dich als meinen allmächtigen Gott erkennen und lieben. 3weiter Psalm: Die Weisheit Gottes. Allwissender Gott, wie unergründlich sind die Schäße deiner Weisheit und Wissenschaft, wie un begreiflich sind deine Rathschlüsse und Urtheile, wie unzugänglich deine Wege, durch welche Du Alles erkennest, was in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft geheim und verborgen ist! Alles ist deinem göttlichen Auge offenbar und nichts kann sich deiner unendlichen Weisheit entziehen. Du durchdringest Alles lebendig, auf einmal und ewig. zur Ehre der hochheiligsten Dreifaltigkeit. 447 Du siehst alle Gedanken und die tiefsten Geheimnisse des menschlichen Herzens, ja Alles, was nur möglich ist. Du allein zähleft die Menge der Sterne, die Sandkörnlein am Ufer des Meeres und die Regentropfen, die vom Himmel fallen. Danbetungswürdige Wissenschaft, die nur einem Gott eigen ist, welcher von Ewigkeit her klar und hell alle Gedanken aller Engel und Menschen erkennet! Anrufung. D allwissender, unendlich weiser Gott! wohin kann ich fliehen vor deinem Angesichte? All mein Thun und Lassen ist immer vor deinen göttlichen Augen. D daß es Dir gefällig und angenehm sei! Ich bin unwissend und mit Finsternissen umgeben; Du, o Vater der Lichter! verleihe mir wahre Weisheit; sende sie vom Himmel, wo Du deinen Sig hast; sende sie herab von deinem höchsten Throne, daß sie bei mir bleibe und mit mir arbeite an dem Werke meines Heiles. DJesus im heiligsten Sakramente! Du bist zwar verborgen in deinem Heiligthume, doch siehst Du unser Betragen vor deiner Gegenwart und die innere Andacht unsers Herzens; erleuchte mich, daß ich dein hochheiliges und verborgenes Geheimniß der Liebe erkenne. Dritter Psalm: Die Schönheit Gottes. D Gott! wie betrügen sich die sinnlichen Menschen, welche nichts für schön achten, als was den leiblichen Augen gefällt und angenehm vorkommt. Deine Schönheit, o Schöpfer aller Schönheiten! ist unendlich, wenn Du schon ein purer, aber unendlich vollkommener Geist bist. Besperandacht aaj9 kmę Das Licht der Glorie zeiget den himmlischen Geistern und allen Auserwählten dein unendlich schönes Angesicht; sie werden es ewig beschauen mit unbe schreiblicher Wonne und heißer Liebe. Der herrliche Glanz deines göttlichen Wesens, welches sie ohne Unterlaß betrachten, ist die Freude der Engel im Himmel. Dewige Schönheit ohne Makel! Du bist unendlich würdig, von allen Geistern bewundert und von allen Herzen geliebt zu werden. Begierde. O alte und doch immer neue Schönheit, wie spät habe ich Dich erkannt! wie spät habe ich Dich zu lieben angefangen! Mein Herz seufzet nach Dir, unendlich schöner Gott! Wann werde ich vor deinem Angesichte erscheinen und in Anschauung deiner glorreichen Schönheit ersättiget werden? O Jesus im heiligsten Sakramente! wenn dein herrlicher Glanz auf dem Berge Thabor deine Jünger also beseliget hat, welche Freude wird meine Seele empfinden, wenn ich Dich, den schönsten Gott, im Himmel sehen werde! 448 siĎ Du Schönster unter den Menschenkindern! durch dein heiliges Sakrament gib mir das helle Licht der Gnade, auf daß ich deine Gottheit immer mehr erkenne. Vierter Psalm: Die Barmherzigkeit Gottes. Welchen Trost gibt uns, o gütiger Gott, deine unendliche Barmherzigkeit! Du bist der Vater der Erbarmungen und der Gott alles Trostes. Die Erde ist voll deiner Barmherzigkeit, und Niemand ist, der solche nicht erfährt. Du vermagst alle Dinge, und erbarmst Dich Aller; Du liebst zur Ehre der hochheiligsten Dreifaltigkeit. 449 Alles, was da ist; Du verschonest Aller, weil sie Dein sind, Du liebest die Seelen und verzeihest die Sünden wegen der Buße; Du nimmst die Sünder zu Gnaden auf, welche Du immer zu deiner Liebe berufest. Preise, meine Seele, den Herrn, der sich verföhnen läßt wegen allen deinen Sünden, der alle deine Krankheiten heilet, der dein Leben vom Untergange errettet, der Dich mit Barmherzigkeit und Erbarmung krönet! Hoffnung. Barmherziger Gott! ich komme zu deinem Gnadenthrone, um vollkommene Nachlassung und deine Hülfe zu erlangen. Bin ich mit Armseligkeiten und Sünden überladen, so weiß ich, daß Du geduldig und langmüthig, überaus barmherzig bist und diejenigen selig machest, die auf Dich hoffen. Gütiger Gott! in meinen Drangsalen finde ich bei Dir wahren Trost, in meinen Schwachheiten Stärke und in meiner Sündenschuld übergroße Erlösung und Barmherzigkeit. Meine ganze Hoffnung seße ich auf deine unendliche Güte und grundlose Barmherzigkeit, welche mir durch die hohen Verdienste Jesu Christi alle Sünden verzeihen und mich in das ewige Leben aufnehmen wird. O Jesus im heiligsten Sakramente! dein Geheimniß des Altars ist eine Wirkung deines erbarmenden Herzens, welche mich in der Hoffnung befeftiget und jegliches Mißtrauen von mir entfernet. Fünfter Psalm: Die Heiligkeit Gottes. Heiliger Gott, die Heiligkeit selbst und der Ursprung aller Heiligkeit! Alles an Dir ist unendlich 450 Vesperandacht heilig: heilig deine Allmacht, heilig deine Größe, heilig deine Gerechtigkeit, heilig deine Barmherzigfeit; Du bist heilig in allen deinen Werken, ja die Fülle der Heiligkeit. Niemand ist heilig, wie Du, o Gott! und von Dir allein kommt die Heiligkeit aller Heiligen. Du bist der Anfang und das Vorbild der vollkommenen Heiligkeit, welches uns Jesus Christus zur Nachahmung vorgestellt hat. Unendlich ist der Haß, mit welchem Du die Sünde verabscheuest, und unermessen ist die Liebe, mit der Du die Tugend liebest. Du willst, daß wir vor deinem Angesichte unbefleckt und heilig sein sollen, weil Du heilig bist. Lob. Mit den himmlischen Seraphinen lobe ich Dich, o Herr! und wiederhole: Heilig, heilig, heilig bist Du, o Herr, Gott der Heerschaaren! Es loben Dich alle Heiligen; Himmel und Erde sollen Dich preisen und deinen heiligen Namen benedeien! O Jesus im heiligsten Sakramente! um uns zu heiligen, hast Du dieses Geheimniß der Heiligkeit eingesett, verleihe, daß dein heiligster Leib und dein Blut mich von aller Sünde befreien und zu wahrer Heiligkeit führen. Lobgesang. O dreimal heiliger, o dreimal starker Gott! Du Unbegreiflicher! Dreieinig, höchster Gott! O immerwährend Licht! O wunderbare Gluth, Die dreimal seliglich in eig'nen Freuden ruht! Dreieiniger, Du bist die allzeit wahre Einheit! Von Anbeginn bist Du, o allzeit eine Wahrheit! Was je das Herz erfreut, das spendest Du, nur Du, Dallzeit heil'ge Licb'! erbarmungsvoll uns zu. 451 zur Ehre der hochheiligsten Dreifaltigkeit. Dich, Unermeßlicher! hüllt dichter Nebel ein, Ein unzugänglich Licht umfließt Dich hehr und rein; Ein heilig Zittern faßt der Seraphinen Schaar, Die deine Glorie sehn, Dich preisend immerdar.s Dich, Herr! bekennt das Volk, das deines Namens Kraft Zum neugebornen Volk des Eigenthumes schafft; Der fromme Glaube ist's, der himmelwärts sich schwingt, Verkostend jenen Preis, nach dem die Liebe ringt. Laß, Bater! stets uns thun, was Du von uns begehrst; Gib, Sohn! daß wir versteh'n, was Du die Deinen lehrst, Mach', Geist! daß unser Herz das Gute allzeit woll', Was es nach deinem Wort in Demuth üben soll. Amen. V. Lasset uns preisen den Vater und den Sohn mit dem heiligen Geiste! d. Wir wollen Ihn loben und über alles erHistoire) höhen in Ewigkeit! Ant. Mit Herz und Mund bekennen wir Dich Gott den ewigen Vater, Dich den Eingebornen Sohn, Dich den heiligen Geist, den Tröster als die heilige und untrennbare Dreieinigkeit: Dich loben und preisen wir; Dir sei Verherrlichung und Anbetung in Ewigkeit! 1 Magnifikat. Hoch preiset meine Seele den Herrn, und mein Geift frohlocket in Gott, meinem Heilande. 391 Denn Er hat angesehen die Niedrigkeit seiner Magd; denn siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Geschlechter. Denn große Dinge hat an mir gethan, der da mächtig und dessen Name heilig ist. Er ist barmherzig von Geschlecht zu Geschlecht denen, die Ihn fürchten. Vesperandacht Er übet Macht mit seinem Arme; Er zerstrenet die da hoffärtig sind in ihres Herzens Sinne.. Die Gewaltigen stürzt Er vom Throne, und erhöhet die Niedrigen. Die Hungrigen erfüllt Er mit Gütern; die Reichen läßt Er leer ausgehen. 51010. Er nimmt sich Israels an, seines Knechtes; eingedenk seiner Barmherzigkeit: Wie Er zu unsern Vätern gesprochen hat, zu Abraham und seinen Nachkommen auf ewig. Die Ehre sei dem Vater 2c. 452 Ant. Mit Herz und Mund bekennen wir Dich Gott, den ewigen Vater, Dich den eingebornen Sohn, Dich den heiligen Geist, den Tröster als die heilige und untrennbare Dreieinigkeit: Dich loben und preisen wir; Dir sei Verherrlichung und Anbetung in Ewigkeit! v. Herr! erhöre mein Gebet: R. Und laß mein Rufen zu Dir kommen. Vater unser 2c. Gebet. O Gott! dessen Erbarmungen ohne Zahl und dessen Güte unerschöpflich ist: wir sagen deiner gütigften Majestät für alle empfangenen Wohlthaten den demüthigsten Dank und bitten deine mildreiche Güte, Du wollest uns mit deiner Gnade nie verlassen, sondern mittelst derselben uns so durch die Güter dieses Lebens führen, daß wir die ewigen nicht verlieren: Durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. SOO JUNG Salve Regina. Sei gegrüßt, o Königin, du Mutter der Barmherzigkeit! Du unser Leben, unsere Süßigkeit und zur Ehre der hochheiligsten Dreifaltigkeit. 453 Hoffnung, sei gegrüßt! Zu dir rufen wir verbannte Kinder Eva's. Zu dir seufzen wir traurend und weinend in diesem Thale der Thränen. Wohlan also, o du unsere Fürsprecherin! wende deine barmherzigen Augen auf uns und zeige uns nach dieſer Verbannung Jesum, die gebenedeite Frucht deines Leibes, o milde, o gütige, o süße Jungfrau Maria! y. Bitte für uns, o heilige Gottesgebärerin! R. Auf daß wir der Verheißungen Christi würdig werden. Schlußgebet. Ehre und Preis sei Dir, heiligste Dreieinigkeit, Eine Gottheit, vor allen Zeiten, jetzt und in Ewigkeit! Lob und Danksagung sei Gott dem Vater, und dem Sohne, und dem heiligen Geiste zu ewigen Zeiten für das unendliche Gnadengeheimniß des Altars! O Jesus, verleihe, daß dein heiligstes Opfer in deiner Kirche zur Ehre des dreieinigen Gottes bis an das Ende der Welt jederzeit mit größter Andacht, mit heiligem Eifer entrichtet werde! Verleihe, daß alle Christgläubigen dieses Sakrament der Heiligkeit mit würdigem Herzen, mit tiefer Ehrerbietigkeit empfangen und die Früchte deiner Erlösung genießen mögen. Amen. v. Angebetet sei ohne End das heiligste Altarssakrament, B. In Ewigkeit! Amen. y. Herr, erhöre mein Gebet, R. Und mein Rufen komme zu Dir. V. Lasset uns den Herrn loben, R. Und Gott Dank sagen. Die Seelen aller Christgläubigen ruhen durch die Barmherzigkeit Gottes im Frieden. Amen. Besperandacht d II. Besperandacht zum Preise der allerfeligsten Jungfran und Gottesmutter Maria. 454 Vorbereitungsgebet. Göttlicher Geist! eröffne meinen Mund, auf daß ich das Lob der reinsten und unbefleckten Jungfrau Maria würdig verkünde; erleuchte meinen Verstand, reinige mein Herz und entflamme meinen Eifer, damit ich diese Vesperandacht aufmerksam und andächtig verrichte. Erhöre mein Flehen, Vater int Himmel! ich bitte Dich im Namen deines Sohnes Jesu Christi, unsers Herrn und Heilandes. Amen. v. Gott, merke auf meine Hülfe! R. Herr, eile, mir beizustehen! V. Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geiste; R. Wie sie war im Anfange, jetzt und allezeit, und zu ewigen Zeiten. Amen. Antiph. Wer ist die, welche wie die aufsteigende Morgenröthe hervorkommt, schön wie der Mond, auserkoren wie die Sonne, furchtbar wie ein geordnetes Kriegsheer?( Cantic. 6, 9.) Erster Psalm. Mit Mund und Herzen preise ich Dich, o heilige Jungfrau! und spreche in der Freude meiner Seele: ,, Gegrüßt seist Du, Maria! Du bist voll der Gnade, der Herr ist mit Dir." 10.1 Mit dir ist Gott der Vater, der mit Wohlgefallen herabsah auf die Demuth seiner Magd und dich aus tausendmal Tausenden erkor zur Mutter seines eingebornen Sohnes. Mit dir ist Gott der Sohn, dem es wohlgefiel, in deinem jungfräulichen Schooße sich mit der mensch zum Preise der allerfeligsten Jungfrau. 455 lichen Natur zu vermählen und Fleisch zu werden und zu wohnen unter den Menschen. d Mit dir ist Gott der heilige Geist, dessen göttliche Kraft über dich gekommen und unter deinem engelreinen Herzen das Geheimniß der Menschwerdung Jesu vollbracht hat. Mildeste Jungfrau, wie lieblich ertönt dein Lob in der ganzen heiligen Kirche! denn Aller Hoffnung bist Du, die den Ersehnten der Völker empfieng. Mutter des Herrn! mit Recht wirst du gepriesen als die Gebenedeite unter den Weibern; und wo der Name deines Sohnes verherrlichet wird, da wird auch dein Name, Maria! mit Ehrfurcht erhöht. Morgens, Mittags und Abends mahnet der Glocke heiliges Zeichen, dankbar die Stunde zu segnen, die dir die frohe Botschaft unserer Erlösung gebracht hat. V. Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geiste; B. Und freudiges Lob erschalle der seligen Jungfrau Maria, die der Erzengel Gabriel als die Gnadenvolle begrüßt hat. Antiph. Ganz schön bist du, meine Freundin! und keine Makel ist in dir; ein verschlossener Garten bist du, eine versiegelte Quelle.( Cantic. 4, 7. 12.) 3weiter Psalm. Ave Maria! so rufen Legionen in den seligen Wohnungen des Friedens. Ave Maria! so wiederhallt der Erdkreis, gleich einem Echo, vom englischen Gruße. Alle Nationen, Geschlechter und Zungen verkünden dein Lob und freuen sich deiner, o heilige Maria! die du vor Gott solche Gnade gefunden. Aus dir, o mächtige Jungfrau! gieng ja hervor 456 Vesperandacht der Herr des Lebens, der Fürst des Friedens, der Anfänger und Vollender unsers ewigen Heiles. Aus dir hat Fleisch angenommen das ewige Wort, durch welches alle Dinge erschaffen worden, und ohne welches von allem Erschaffenen nichts erschaffen iſt. Auf dich sind gerichtet die Blicke Aller, welche im Geiste und in der Wahrheit anbeten Jesum Christum, die gebenedeite Frucht deines Leibes. An den Stufen deines Thrones stehen die Fürsten, zu deinen Altären eilen die Pilger; ein Jahrhundert zeiget dem andern die Macht deiner Güte. Auserwählte Mutter! siehe gnädig herab auf die Schaar deiner Kinder, ergieße in ihre Herzen die Salbungen deines trostvollen Namens V. Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dent heiligen Geiste; B. Und freudiges Lob erfchalle der seligsten Jungfrau Maria, die der Erzengel Gabriel als die Gnadenvolle begrüßt hat. Antiph. Ich bin die Mutter der schönen Liebe und Furcht, der Erkenntniß und heiligen Hoffnung. Bei mir ist alle Gnade des Lebens und der Wahrheit. Bei mir alle Hoffnung des Lebens und der Tugend.( Sirach. 24, 24. 25.) Dritter Psalm. Reinige, o heilige Maria! mein Herz und meine Lippen zu deinem Lobe; daß ich den Herrn preiſe, Dich erhob über alle Werke seiner Hände. Ruhm und Ehre erschallt Dir, erhabene Jung. frau! Geifernd hört es der alte Drache und flieht hinweg mit zertretenem Haupte. Reich an Tugend und Heiligkeit glänztest Du als zum Preise der allerfeligsten Jungfrau. 457 die Perle der Jungfrauen, als ein Spiegel der Frauen, als die Krone aller Mütter. Rings um dein Haupt strahlt die Krone der Ehre, womit der König der Glorie zur Königin des Himmels dich krönte. Reiche und Arme finden bei dir die Schäße der Gnaden; Keiner geht leer von dir aus, der voll des Vertrauens deiner Thüre sich nahet. Rath findet bei dir der Verlegene, Trost der Betrübte, Hülfe der Bedürftige, Schuß der Bedrängte, Erbarmung der Sünder, Heilung der Kranke. Rettend stehst du deinen Getreuen zur Seite, wenn die Stunde des Scheidens schlägt; führest ihre Seelen hin zu Jesus und bittest um Gnade. v. Ehre sei den Vater und dem Sohne und dem heiligen Geiste; R. Und freudiges Lob erschalle der seligsten Jungfrau Maria, die der Erzengel Gabriel als die Gnadenvolle begrüßt hat. Antiph. Ich gab einen Geruch von mir wie Zimmet und wohlriechender Balsam; ich gab einen lieblichen Geruch wie die auserlesenste Myrrhe.( Sirach 24, 20.) Vierter Psalm. In Andacht und Liebe ergebe ich dir mein Herz, o feligste Jungfrau Maria! die du Trost und Hoffnung bist in bitterer Stunde. In den Schooß deiner Muttermilde lege ich die Angelegenheiten alle, auf daß Du sie ordnen mögeſt nach dem Wohlgefallen Gottes. Immerdar sieht ja dein mildes Aug' in die Tiefe der Erde, ob irgend ein Herz zu dir seufze, auf daß du es in süßester Wonne deinem göttlichen Sohne gewinnest. 26 Vesperandachting m Iedem erschließest du segnend dein Herz, der in kindlicher Liebe zu dir fleht, aber auch in heiliger Treue dir dienet. 458 Irre wandelt in dunkler Nacht, wer da verläßt deine leuchtende Spur und sein Ohr verschließt dem mahnenden Worte der Mutter.lt dar s Jahrhunderte hindurch ist dein Name ein festes Schloß, wo in des Lebens Noth und Stürmen dem Menschen Schuß und Rettung zu Theil wird. In aller Angst und Noth kommst du den Deinen zu Hülfe, und wo ist Derjenige, der je mit wahrer Andacht vergebens zu dir rief? v. Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geiste; R. Und freudiges Lob erschalle der seligsten Jungfrau Maria, die der Erzengel Gabriel als die Gnadenvolle begrüßt hat. Antiph. Es sahen sie die Töchter Sions und priesen sie überaus felig, selbst Königinnen lobten fie.( Cantic. 6, 8.) Fünfter Psalm. Aus dem Innersten meines Herzens verehre ich dich, o Maria! und mit jubelnder Freude verkünde ich dein Lob, das so süß ist dem Munde. Alle Geschlechter müssen dich selig preisen, demüthige Magd des Herrn, an welcher große Dinge gethan der Allmächtige. Aus allen Frommen deines Geschlechtes wurdest du erwählt zur Mutter des göttlichen Sohnes, an dem der himmlische Vater sein innigstes Wohlgefallen hat. Auf deinen Armen trugst du den Herrn der Ewigkeit, welchen der Erdkreis anbetet und dent die Schaaren der Engel mit Entzücken dienen. zum Preise der allerfeligsten Jungfrau. 459 Angethan mit dem Gewande der Glorie und geschmückt mit der Krone der Herrlichkeit stehst du nun an seinem Throne und bittest für Alle, die dir vertrauen. Ach, glorreiche Mutter! gedenke auch unser fürbittend bei Gott: Ein Wort deines Mundes genügt, uns die Schäße der Erbarmung zu öffnen. Ave Maria, du Gnadenvolle! Also begrüßen dich alle Geschlechter der Erde, also die Engel des Himmels. O nimm diesen Gruß als lezten Hauch noch von unsern sterbenden Lippen! V. Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geiste; dug R. Und freudiges Lob erschalle der seligsten Jungfrau Maria, die der Erzengel Gabriel als die Gnabenvolle begrüßt hat. Kapitel. Im Anfange und vor aller Zeit ward ich erschaffen und werde bis in alle Ewigkeit nicht aufhören. In der heiligen Wohnung diente ich vor Ihm. Dank sei dem Herrn!( Sir. 24, 14:) Holl Hymnus. Sei gegrüßt, du Meeresstern, Hehre Mutter unsers Herrn, Und als Jungfrau rein zugleich! Freudenthor zum Himmelreich! Gabriels, des Boten, Mund Machet dir das Ave kund; Eva's Name wird verkehrt, Und der Friede uns beschert. Cncil and 460 153 Vesperandacht Hilf dem Sünder vor Gericht; Schenke Blinden das Gesicht; Wende Uebel von uns ab; Gib uns jede gute Gab'! Uns als Mutter zeige dich, Silf uns bitten flehentlich. Jesum, dem du Mutter warst, Den du auch für uns gebarst. Jungfrau, welcher keine gleicht, Werde fanft dein Herz erweicht; Löse uns von aller Schuld, Lehr' uns Keuschheit und Geduld. Unser Leben müsse rein, Unsre Reise sicher sein, Daß wir Jesus freudig seh'n Und zur Herrlichkeit ersteh'n. g Gott der Vater sei verehrt, Gott des Sohnes Lob vermehrt, Gott dem Geist' sei jederzeit. Gleicher Ruhm und Preis geweiht! Magnifitat. ( Siehe Seite 451.) A v. Anmuth ist ausgegossen über deine Lippen; R. Darum hat dich Gott gesegnet in Ewigkeit. Antiph. Und es erschien ein großes Zeichen am Himmel: ein Weib mit der Sonne bekleidet, der Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupte eine Krone mit zwölf Sternen.( Offenb. 12, 1.) zum Preise der allerfeligsten Jungfrau. Gebet. Süßester Jesus! der Du durch die milde Fürsprache der allerfeligsten Jungfrau, die wir mit deiner Kirche als die Hülfe der Christen demüthig anrufen, deinen Gläubigen allezeit große Gnade verliehen hast: wir bitten Dich durch ihr liebevolles Herz, uns deine Barmherzigkeit zuzuwenden, damit wir, dadurch gestärkt und beschüßt, nie von deiner heiligen Liebe weichen, sondern in deinem Dienste bis an das Ende unseres Lebens verharren; der Du mit Gott dem Vater in Einigkeit des heiligen Geistes lebst und regierst, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 461 Aufopferung. Ich empfehle dir, unbefleckte Gottesmutter, die Andachtsübung, welche ich jetzt vollendet habe, und bitte dich, opfere dieselbe auf deinem göttlichen Sohne zu seiner und deiner Ehre. Führe mich an deiner Mutterhand, wohin ich immer wandle; führe mich durch dieses Jammerthal fromm und gut, und wenn es zum Sterben kommt, laß das Wort mich vernehmen: Siehe, ich bin's- deine Mutter!" Ich übergebe dir mein Seelenheil mit dem Vertrauen, mit welchem der himmlische Vater dir seinen viel geliebten Sohn übergab. Du bist ja meine Mutter durch Jesus Christns, unsern Herrn. Amen. Laß, o Gott! die Seelen der Gläubigen im Frieden ruhen. Gib uns, o Herr! deinen Frieden und das ewige Leben. Amen. 26* 462 300 VIII. Betstunden auf heilige Zeiten und Feste. Betstunde für die heilige Adventzeit. Sieben Anmuthungen nach dem heiligen il Evangelium. sdn and no 1. Der Engel Gabriel ward von Gott gesandt in die Stadt Nazareth, zu der Jungfrau Maria, aus dem Hause Davids. Luc. 1, 26. 27. Gnadenvolle Botschaft, welche der Engel der reinsten Jungfrau gebracht hat! Da die Welt nicht daran dachte, verkündest Du ihr, gütiger Gott, durch einen Engel das höchste Geheimniß der Erlösung, die unbegreifliche Gnade der Ankunft des Heilandes. Alle haben gesündiget, und Alle ermangeln der Herrlichkeit des Erlösers, den Du dargestellt haft als Sühnopfer durch den Glauben, um seine Gerechtigkeit zu erweisen. Gebenedeit sei Gott und der Vater unsers Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott alles Trostes, der uns getröstet hat in unsever Trübfal. made me fe OID V. Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft. R. Und sie empfieng vom heiligen Geiste. Vater unser 2c. Gegrüßt seist 2c. Betstunde für die heilige Adventzeit. 463 tode and in tan Der eingetretene Engel sagte zu Maria: Gegrüßtseist du, voll der Gnaden, der Herr ist mit dir, du bist gebenedeit unter den Weibern! Luk. 1, 28. sid Göttlicher Sohn! Du hast die reinste Jungfrau zu deiner Mutter auserkoren; welche Erniedrigung für den ewigen Sohn Gottes! welche Gnade für eine zarte Jungfrau! welcher Glanz und Werth der jungfräulichen Reinigkeit! O Maria, gebenedeite Jungfrau, auserwählt göttliche Mutter! du allein hast in göttlichem Lichte das Geheimniß der Menschwerdung des Sohnes Gottes zuerst mit Erstaunen bewundert. Dir allein, als voll der Gnaden, hat Gott diesen Vorzug bereitet. 0989 Ein Gott ist und Ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, der Mensch Christus Jesus, der sich selbst zum Lösegeld für Alle hingegeben hat. V. Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft. R. Und sie empfing vom heiligen Geiste.s Vater unser 2c. Gegrüßt feist 2c. 3. TIR Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast Gnade gefunden bei Gott. Luk. 1. BREDA Adam hat durch die Sünde die Gnade und Gerechtigkeit für sich und alle Menschen verloren: du, o gebenedeite Jungfrau! hast sie für uns gefunden durch deinen Sohn Jesus, unsern Erlöser. Unendliche Gnade, welche offenbar geworden durch die Erscheinung unsers Heilandes Jesus 464 Betstunden auf heilige Zeiten und Feste. Christus, der den Tod vernichtet, das Leben aber an's Licht gebracht hat! Es ist die Gnade Gottes, unsers Heilandes, allen Menschen erschienen, und wir erwarten die felige Hoffnung und Ankunft der Herrlichkeit des großen Gottes und unsers Heilandes Jesus Christus. V. Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft. R. Und sie empfing vom heiligen Geiste. Vater unser 2c. Gegrüßt seist 2c. 4. Siehe, du wirst empfangen in deinem Leibe und einen Sohngebären, und du sollst seinen Namen Jesus heißen. Luk. 1, 31. Ewiges Wort des Vaters, wahrer Gott und Eine Wesenheit mit dem Vater! so hast Du Dich herabgelassen, daß Du die Gestalt eines Dieners angenommen haft und den Menschen gleich gewor den biſt! Also hat Gott seinen Eingebornen in die Welt eingeführt; alle Engel und alle Menschen sollen Ihn anbeten! O Jesus im heiligsten Sakrament, von demt heiligen Geisle empfangen, aus Maria der Jungfrau geboren und aus freiem Willen im heiligen Sakramente verborgen! Dein heiligster Name zeiget, daß Du unser einziger Erlöser bist; ich bete Dich an in tiefster Demuth, in lebendigem Glauben, hoffend auf deine Erlösung, in zärtlichster Liebe. O Jesus, Du Sohn Gottes und der reinen Jungfrau Maria! den Im Namen Jesus sollen alle Kniee sich beugen derer, die im Himmel sind, auf Erden und unter Betstunde für die heilige Adventzeit. 465 der Erde; und alle Zungen sollen bekennen, daß der Herr Jesus Christus in der Herrlichkeit Gottes des Vaters ist. V. Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft. R. Und sie empfing vom heiligen Geiste. Vater unser 2c. Gegrüßt feist 2c.ioblas 5. Er wird groß sein und der Sohn des Allerhöchsten genannt werden; Gott der Herr wird Ihm den Thron seines Vaters David geben, und Er wird herrschen im Hause Jakob ewiglich, und seines Reiches wird kein Ende sein. Luk. 1, 32. 33. Jesus, Du Sohn Gottes! Du bist groß in deiner göttlichen Majestät, groß in deiner göttlichen und wunderwirkenden Menschheit, in deinem hochheiligen Geheimnisse des Altars! In tiefster Ehrfurcht erkenne ich deine Hoheit und bete Dich an als meinen König, der Du die ganze Welt beherrscheft. Deine heilige Kirche ist dein Reich und dein Thron ist das heiligste Sakrament! Führe deinen Scepter, uns zu beschüßen; ertheile uns deine Gnadenhuld, damit wir Dich lieben; es glänze über uns deine herrliche Krone, damit wir Dich fürchten! Lasset uns mit Zuversicht hinzutreten zum Throne der Gnade, damit wir Barmherzigkeit er langen und Gnade finden, wenn wir Hülfe nöthig haben. V. Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft. Betstunden auf heilige Zeiten und Feste. R. Und sie empfing vom heiligen Geiste. Vater unser 2c. Gegrüßt seist 2c. 466 6. Der heilige Geist wird über dich kommen und die Kraft des Allerhöchsten wird dich überschatten. Darumwird auch das Heilige, welches aus dir geboren werden soll, der Sohn Gottes genannt werden. Luk. 1, 35. Unbegreifliches Geheimniß, das alle Kraft der Natur übersteigt! Glorreiche Jungfrau, deine Seele und deinen jungfräulichen Leib hat der heilige Geist vorbereitet, damit du eine würdige Wohnung des Sohnes Gottes würdest; ach, daß ich deiner Gnaden theilhaftig werde! Jesus! Alles ist heilig an Dir, heilig in deiner Gottheit, heilig in deiner Menschheit, heilig in deinem Sakramente! Heilige mich durch die Kraft deines heiligen Sakramentes! Heilig, heilig, heilig ist der Herr, der allmächtige Gott, der da war, und der da ist, und der da kommen wird! V. Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft. R. Und sie empfing vom heiligen Geiste. Bater unser 2c. Gegrüßt seist 2c. swortbilared 7. Siehe, ich bin eine Dienerin des Herrn, mir geschehe nach deinem Worte! Luf. 1, 38. Gebenedeite Jungfrau! Du hast eingewilliget in oie Empfängniß des Wortes des Vaters; du willst es: Mutter Gottes werden und eine Jungfrau verbleiben, wie dich der Engel versichert hat. Betstunde für die heilige Adventzeit. O Maria, welchen Dank sind wir dir schuldig! Durch deine Einwilligung bist du der armseligen Welt zu Hülfe gekommen. 467 Jesus Christus ist uns geworden zur Weisheit von Gott, zur Gerechtigkeit, zur Heiligung und zur Erlösung. V. Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft. R. Und sie empfing vom heiligen Geiste. Vater unser 2c. Gegrüßt seist 2c. Schlußgebet. O Herr Jesus Christus, dessen Menschwerdung wir durch des Engels Verkündigung erkannt haben, gieße deine Gnade in mein Herz, welche Du mit Dir auf die Erde gebracht hast! Du hast die reinste Jungfrau als deine wunderbare Mutter auserforen; gib mir deine Liebe, damit ich ohne Sünde und Makel leben und die Wirkungen deines heiligsten Sakramentes, sowie die Früchte deiner Menschwerdung immer in mir empfinden möge. Amen. Die sieben großen Sehnsuchtsseufzer nach Jesus, welche die ganze Adventzeit hindurch täglich gebetet werden können. Mit der Sehnsucht, mit welcher einst die Frommen des alten Bundes nach Dir seufzten, o Heiland! rufen auch wir zu Dir: Ach komm, Herr Jesus, komm zu uns durch deine Gnade! Erlöse, heile und beselige uns! Erhöre die siebenfache Bitte, die wir jetzt zu Dir flehentlich hinauf senden: Weisheit, aus dem Munde des Allerhöchsten hervorgegangen! Dein Auge reicht von einem Ende 468 Betstunden auf heilige Betten und Feste. zum andern. Alles ordnest Du mit Macht und Liebe; komm, zeige uns den Weg zur Weisheit! O Herr und Führer des Hauses IJsrael! Du bist im flammenden Dornbusche dem Moses erschienen, Du hast ihm auf Sinai das Gefeß gegeben; komm, strecke aus deinen Arm und erlöse uns! D Du Sproß und Wurzel Jesse, den Völkern zum Zeichen gesetzt! Könige schließen ihren Mund vor Dir; Völker beten Dich an. Komm, rette uns! Ach, säume nicht! O Schlüssel Davids, o Du Szepter des Hauses Israel, Du schließest auf und Niemand schließet zu, Du schließest zu und Niemand schließet auf! Komm und führe heraus den Gebundenen aus dem Kerker, der da sitzt in der Finsterniß und in dem Schatten des Todes! O Morgenröthe des Heils, Glanz des ewigen Lichtes, Sonne der Berechtigkeit! Komm und erleuchte, die da wohnen in den Finsternissen und im Schatten des Todes! D König der Völker, Du Erwartung derselben, Du Eckstein, der Du aus Beiden( Juden und Heiden) Ein Volk machst! Komm, mache selig den Menschen, den Du aus Erde gebildet hast! D Emmanuel, Gott mit uns, unser König und unser Gefeßgeber, Erwartung der Völker und ihr Heiland, komm und werde unser Heil, Herr unser Gott! 139 14dnm smisd( bund BHD HE bolmada) aid süü Betstunde für die heilige Weihnachtszeit. 469 Betstunde für die heilige Weihnachtszeit. Andacht zur Feier der Geburt Christi in Vereis nigung mit den heiligen Engeln, der göttlichen Mutter und den frommen Hirten. 1. Die Engel verkünden die Geburt Christi. Der König des Friedens ist in seiner Erniedrigung verherrlichet worden; Er, dessen Angesicht alle Erde zu sehen verlangte, ist in der Menschheit als der Heiland der Welt erschienen. Er ist geboren aus Maria der Jungfrau, nicht wegen unsern Werken der Gerechtigkeit, sondern nach seiner unendlichen Barmherzigkeit. Himmel und Erde, das Meer und Alles, was darin ist, frohlockt und lobet Dich, allmächtiger, ewiger Gott, Fr Du in Gestalt eines kleinen Kindes auf diese At gekommen bist. Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erde den Menschen! Göttliches Wort, Du hast durch Engel deine gnadenreiche Geburt verkündigen lassen! Freude, o unschäßbares Heil, das allem Volke widerfahren ist! Der Heiland ist uns geboren; Er ist in Windeln gewickelt, in eine Krippe gelegt worden. Wir loben Dich, o Gott! mit den himmlischen Heerschaaren und preisen Dich in Ewigkeit. Du hast deinem Volle Erlösung geſendet; es ist uns das Licht in den Finsternissen aufgegangen. Wahrlich bei Dir, o Herr, ist Barmherzigkeit! Von der Sonne Aufgang bis an's Ende der Erde lasset uns loben Christus, den Fürsten des Friedens, den Sohn der Jungfrau. Schule und Tempel. 27 Betstunden auf heilige Zeiten und Feste. Der Schöpfer der Welt hat Knechtsgestalt ans genommen, damit Er seine Geschöpfe erlösete. Ehre sei Dir, o Herr, der Du aus einer Jungfrau geboren bist, sammt dem Vater und dem heiligen Geiste zu ewigen Zeiten! Amen. 470 2. Maria bei der Krippe ihres göttlichen Kindes. ad unbegreifliches Geheimniß, das Du, gütig fter Gott, uns zu lieb gewirkt und geoffenbart hast! Im Anfang war das Wort, und Gott war das Wort. god dilige Das Wort ist Fleisch geworden, und hat unter uns gewohnet. Auch in der Krippe haben wir, o Jesus! deine Herrlichkeit gesehen, eine Herrlichkeit als des Eingebornen vom Vater, voll der Gnade und Wahr heit. Da Maria, deine jungfräuliche Mutter, von dem heiligen Geiste überschattet, Dich in dem Stalle zu Bethlehem geboren, die Hirten gesehen und ihre Erzählung vernommen, behielt sie alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen. de Niemand kann die hohen Gesinnungen deiner übergebenedeiten Mutter in Betrachtung ihres göttlichen Sohnes begreifen. Ich folge ihr nach und mit der katholischen Kirche bete ich in tiefster Ehrerbietung Dich an, o göttliches Kind! Du bist mein großer Gott und mein Herr, der Himmel und Erde regiert, auch während Du in der Krippe liegst. O großes Geheimniß und erstaunenswürdiges Wunder! Thiere sahen den menschgewordenen Herrn in einer Krippe liegen. Stred girls onn and mo Ein Kind, ein Sohn ist uns geboren, und man nennt seinen Namen: Gott, Starker. madmodsing Betstunde für die heilige Weihnachtszeit. 471 Dzarte Liebe, welche das Herz der göttlichen Mutter entzündet, da sie Dich vor ihr liegen sah! Dholdseliger Jesus, der Schönste unter den Menschenkindern, über dessen Lippen die Gnade ansgegossen ist! Ich schenke Dir mein Herz und liebe Dich inniglich, denn Du bist mein Gott und mein Heiland. Meine Seele preiset Dich hoch und mein Geist frohlockt in Dir, meinem Heile und Troste! Wie gütig hast Du unsere Armseligkeit angesehen, da Du für uns in sterblicher Natur geboren worden! D großes Werk der Barmherzigkeit! Dwie heilig ist dein Name! O Jesus, Dir sei unendlicher Dank! Maria wickelte Dich in Windeln und legte Dich in eine Krippe. Die Allmacht wird gebunden, und der im Himmel herrschet, wird auf Heu und in die Krippe gelegt. Welche Erniedrigung für Dich, o großer Gott! In Demuth hast Du dein Leben angefangen in der Krippe, in Verachtung und Schmach hast Du es geendet am Kreuze! O daß deine Demuth, o Jesus, allzeit in mir wohne! Ich rühme mich in meinen Schwachheiten und erkenne meine Nichtigkeit, da ich Staub und Asche und ein Sünder bin, den in den Himmel zu erheben, Du auf die Erde gekommen bist. 3. Die Freude der Hirten. O allerweisefte Fürsicht Gottes! Jesus, Du hast zu deiner Erkenntniß zuerst einfältige Hirten berufen. Der Engel und die himmlischen Heerschaaren weckten sie auf, daß sie Dich suchten. dio Sie gingen bis nach Bethlehem und kamen 472 Betstunden auf heilige Zeiten und Feste. eilends und fanden Maria und Joseph und das Kind, das in der Krippe lag. Pain huge O Uebermaß der Freude, welche die Hirten empfanden, da sie Dich, den Heiland der Welt er= blickten und alles fanden, wie der Engel es ihnen verkündet hatte! Welche Freude auch für mich, da ich durch den Glauben erkenne, was ich mit Augen nicht sehe! Jesus! Du bist mir geboren als der Erlöser, der ich ohne deine Geburt keine Hoffnung des Heils hatte. Jesus! Du bist die Freude der ganzen Welt! Preiſe, meine Seele! den Herrn, und vergiß niemals seine Erbarmungen. Ich glaube fest, daß Du der wahre Heiland bist, der auf Erden erschienen ist. Dieses große Geheimniß deiner Geburt begründet meine unbewegliche Hoffnung, und deine liebreiche Gegenwart bewegt mein Herz zur zartesten Liebe, mit der ich Dir mein Bestes, mein Herz aufopfere. Lasset uns beten die Verleih uns, allmächtiger Gott! daß uns, wir von alter Knechtschaft gebunden, das schmähliche Joch der Sünde tragen, die erneuerte Feier der Geburt deines Eingebornen von diesem Joche frei mache durch denselben Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. csop 500 sid this Litanei vom füßen Namen Jesus. Herr, erbarme Dich unser! in C Christus, erbarme Dich unser! lution Herr, erbarme Dich unser! de la Christus, höre uns! j Christus, erhöre uns! Betstunde für die heilige Weihnachtszeit. 473 Gott Vater vom Himmel, erbarme Dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt,*) Gott heiliger Geist, Heilige Dreieinigkeit, ein einiger Gott, Jesus, Du Sohn des lebendigen Gottes, Jesus, Du Abglanz des Vaters, Jesus, Du Schimmer des ewigen Lichts, Jesus, Du König der Herrlichkeit, Jesus, Du Sonne der Gerechtigkeit, Jefus, Du Sohn der Jungfrau Maria, Cap Liebenswürdigster Jesus, gleong Gnu hö Bewunderungswürdigster Jesus, eling nu ies Jesus, Du starker Gott, Jesus, Du Vater der fünftigen Zeit, soll Jesus, Du Engel des großen Raths, Du mächtigster Jesus, Du geduldigster Jesus, Du gehorsamster Jesus, Du sanfter und demüthiger Jesus, Jesus, Du Liebhaber der Keuschheit, Jesus, der Du uns so sehr geliebt, Jesus, Du Gott des Friedens, Jesus, Du Urheber des Lebens, Jesus, Du Vorbild der Tugenden, Jesus, Du Eiferer der Seelen, Jesus, unser Gott, 30 do Jesus, unsere Zuflucht, dar de Jesus, Du Vater der Armen, Jesus, Du Schaß der Gläubigen, Jesus, Du guter Hirt, Jesus, Du wahres Licht, Jesus, Du ewige Weisheit, Jesus, Du unendliche Güte, *) Erbarme Dich unser A sining and op smish done snied( THR enied the ist die arted are manied b snied brut and one snied bu 41 474 Betstunden auf heilige Zeiten und Feste. Jesus, unser Weg und unser Leben,*) Jesus, Du Freude der Engel, Jesus, Du König der Patriarchen, Jesus, Du Erleuchter der Propheter Jesus, Du Meister der Apostel, Jesus, Du Lehrer der Evangelisten, Jesus, Du Stärke der Märtyrer, Jesus, Du Licht der Bekenner, Jesus, Du Reinigkeit der Jungfrauen, Jesus, Du Krone aller Heiligen, Sei uns gnädig, verschone uns, o Jesus! Sei uns gnädig, erhöre uns, o Jesus! Von aller Sünde, erlöse uns, o Jesus! Von aller Gefahr,**) Von deinem Zorne, Von den heimlichen Nachstellungen des Teufels, Von dem Geiste der Unzucht, Von dem ewigen Tode, Von Verachtung deiner Eingebungen, Durch das Geheimniß deiner Menschwerdung, Durch deine Ankunft, Durch deine Geburt, Durch deine Kindheit, Durch deine Mühen und Arbeiten, ne ape no ape Durch dein göttliches Leben, Durch deine Todesangst und dein Leiden, Durch deinen Tod und deine Begräbniß, Durch deine Auferstehung, in Gab? Durch deine Himmelfahrt, Durch deine Freuden, Durch deine Herrlichkeit, bigdour ng Durch die allerfeligste Jungfrau, deine Mutter, st10 spildiouN NG Ents& lux big smadi( *) Erbarme Dich unser! **) Erlöse uns, o Jesus Betstunde für die heilige Weihnachtszeit. 475 Durch die Fürbitte aller deiner Heiligen, erlöse uns, o Jesus! sumute D Du Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt: verschone uns, o Jesus! D Du Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt: erhöre uns, o Jesus! D Du Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die du Sünden der Welt: erbarme Dich unser, o Jesus! Jesus, höre uns! Jesus, erhöre uns! Vater unser 2c. Gebet. O Herr Jesus Christus, Du hast gesagt: ,, Begehret und ihr werdet erhalten; suchet und ihr werdet finden; klopfet an und man wird euch aufthun;" gib unserm Begehren eine süße Anmuthung und ein heftiges Verlangen deiner göttlichen Liebe, damit wir aus ganzem Herzen, mit Mund und That Dich lieben und niemals Dich zu loben aufhören; der Du, mit dem Vater und dem heiligen Geiste gleicher Gott, lebest und herrschest in Ewigkeit. Amen. Betstunde für die heilige Fastenzeit. JEENKO Andacht einer frommen Seele zu dem liebenden, leidenden und sterbenden Herzen Jesu am Kreuze. Drei Stunden, o göttlicher Heiland! bist Du Lebendig am Kreuze gehangen, in großen Schmerzen, zum Erstaunen des Himmels und der Erde. Jesus, zwischen zwei Mördern am Kreuze für das Heil der Welt hangend! ado0 Jesus im heiligsten Sakramente zum Andenken deines Leidens und Todes gegenwärtig! 476 Betstunden auf heilige Zeiten und Feste. In deiner heiligsten Gegenwart betrachte ich dein heiliges Herz in jener Stunde, da Du an das Kreuz geheftet warest. 1. D liebendes Herz Jesu! Du warst immer von Liebe zu den Menschen eingenommen; die Wirkungen der Liebe in so vielen Gutthaten und Wundern haben den Ursprung aus Dir, o göttliches Herz! Jesus! die Einseßung des wunderbaren Altarssakramentes, in welchem Du uns die Schäße deiner Liebe mittheilest, ist eine Gnade deines liebenden Herzens. Dein sanftmüthiges Herz hat sich aus Liebe zu uns den grausamsten Qualen deines Leidens unterworfen. Aber am Kreuze, an dem die Schmerzen auf's Höchste stiegen, war seine Liebe so groß, daß cs um Gnade und Barmherzigkeit für seine Feinde zum Vater flehte; daß es einem bußfertigen Mörder das Paradies verhieß; daß es alles Blut für die Erlösung vergoß, damit wir das Leben, und zwar überflüssig, erlangten. O liebevolles Herz Jesu, o unschäßbares Heiligthum der Gottheit, Du Wohnsitz der unendlichen Liebe! ich bete Dich an mit Bewunderung deiner unbeschränkten Liebe. Gelobt und gepriesen sei deine Liebe, welche Du uns am Kreuze bis an's Ende erwiesen hast! V. Da Jesus die Seinigen geliebt, R. Hat Er fie bis an's Ende geliebt. G Gebet. D Herr Jesus Christus! ich bitte Dich durch die Liebe deines allerheiligsten Herzens: gieße in mein Herz die Anmuthung deiner Liebe, damit Betstunde für die heilige Fastenzeit. 477 ich Dich bis in den Tod standhaft lieben und mit Dir ewig vereinigt werden möge. Jesus am Kreuze, Du ewige Wonne derer, welche Dich wahrhaft lieben! durch die Liebe deines göttlichen Herzens ertheile mir wahre Reue über meine Untreue, daß ich Dich, meinen Erlöser, so wenig geliebt habe. Jesus am Kreuze, Du Heil und Liebhaber der büßenden Sünder! durch die Liebe deines göttlichen Herzens ertheile mir vollkommene Verzeihung meiner Sünden, mit denen ich Dich, meinen Gott, jemals beleidiget habe. Jesus am Kreuze, Du tiefer Abgrund der Barmherzigkeit! durch die Liebe deines göttlichen Herzens schaffe in mir ein reines Herz, daß ich alle Sünden hasse und deine Liebe Allem vorziehe. 2. O leidendes Herz Jesu! die grausame Kreuzigung, die Schmerzen der Wunden an Händen und Füßen und des mit Dornen gekrönten Haup tes haben auch dein heiligstes Herz, gekreuzigter Jesus! getroffen und mit Bitterfeit erfüllet. Wie schmerzlich fiel deinem Herzen die Entkräftung durch das Blutvergießen aus so großen und vielen Wunden! Todesangst hat es überfallen und endlich ent= feelt, daß Du deinen Geist aus deinem leidenden Herzen in die Hände des Vaters übergabst. So hat dein liebreiches Herz am Kreuze für mich gelitten, o göttlicher Erlöser! Unendlichen Dank bin ich Dir schuldig, den ich niemals, wie Du es verdientest, Dir erstatten kann; doch aber werde ich ewig dein allerheiligstes Herz 27* 478 Betstunden für heilige Zeiten und Feste. loben, das mich in den größten Schmerzen geliebet hat und in der Liebe zu mir verschmachtet ist. V. Nach der Menge der Schmerzen deines Herzens: R. Haben deine Tröstungen meine Seele erfreuet. Gebet. D Herr Jesus Christus! dessen gött: liches Herz ich in dem heiligen Sakrament anbete, laß mir das schmerzliche Leiden desselben zum Troste und Heile gereichen: gib mir ein zerknirschtes Herz, daß ich meine Sünden mit wahrem innerlichem Schmerze bereue und der Früchte deiner Erlösung theilhaftig werde. al Jesus am Kreuze! dein gebenedeites Herz hat viele Schmach und bittern Hohn in stiller Geduld ertragen, und es muß noch immer auf dem Altare von den Menschen den größten Undank und entsezliche Unbilden leiden; ich werfe mich Dir zu Füßen mit demüthiger Abbitte und mit sehnlicher Begierde, Dich Zeit meines Lebens innigst zu lieben. Jesus am Kreuze, mein Herr und Gott, mein Trost und Erlöser! durch die Drangsale und Schmer zen deines Herzens richte mein Herz nach deinem Herzen und heiligsten Willen, damit in mir deiner Liebe nichts mißfalle. Jesus am Kreuze! dein göttliches Herz im hochheiligsten Sakramente ist nun frei von Schmerzen und genießt unendliche Freuden, welche deiner Gott heit entströmen; gieße in mein Herz etwas von dem Ueberflusse deiner Süßigkeiten, daß ich den Trost der Vereinigung mit deinem liebreichsten Herzen an mir erfahre. 3. D sterbendes Herz Jesu! Alles ist vollbracht und Du näherst Dich dem Ende deines Lebens, Betstunde für die heilige Fastenzeit. 479 welches Du aus freiem Willen dem Vater für uns dargeben willst. Die Augen werden verfinstert, das Angesicht erblaßt, die Kräfte sind verzehrt, das Herz schlägt immer schwächer. Jesus! Du redest aus deinem sterbenden Herzen die leßten Worte: Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geift! Deine heiligste Seele verläßt das allerheiligste Herz, welches mit der Gottheit vereinigt bleibt; es stirbt mit geneigtem Haupte, das Herz des eingebornen Sohnes Gottes, des Heilandes der Welt. Es stirbt für uns Menschen, damit wir das ewige Leben erlangen; es stirbt aus Liebe zu uns in der Liebe, und es lebet nicht mehr, das uns geliebt hat bis an das Ende. O unendliche Liebe, die Du durch den Tod in der Liebe bewiesen hast! O Jesus! Du hast Dich für uns ganz geopfert: deine Freuden, deine Ehre, dein Blut, dein Leben, dein Herz! D unendlichen Dank soll ich deinem sterbenden Herzen erstatten, bin aber dazu ganz unvermögend! Mit meiner schwachen Liebe will ich diese unbegreif liche Wohlthat vergelten. Ich sehe Dich todt an dem Kreuze für mich undankbaren Menschen hangen, und preise darum deine unendliche Güte.em min Göttliches Herz, für mich entseeltes, jetzt aber Lebendiges Herz im heiligsten Sakramente! wie kann ich deiner Liebe jemals vergessen? Wie kann ich ein Geschöpf mehr als Dich lieben, nachdem Du für meine Sünden am Kreuze gestorben bist? O mein Jesus, mein am Kreuze sterbender, nun auf dem Altare lebendiger Erlöser! ich glaube an Dich; meine ganze Hoffnung ist auf Dich gesett; 480 Betstunden für heilige Zeiten und Feste. mein Herz und meine Liebe seien Dir ganz geheiliget! In deiner Liebe will ich leben und sterben. V. In Frieden und Einigkeit will ich schlafen und ruhen: and Ry. Denn Du, o Herr! hast mich sonderlich festgestellt in der Hoffnung. Gebet. D Herr Jesus Christus! der Du zum Andenken deines Todes im heiligsten Sakramente dein verwundetes Herz hinterlassen hast: wirke durch deine Gnade, daß die feurige und süße Gewalt deiner Liebe mein Herz von Allem, was unter dem Himmel und Dir zuwider ist, entferne, damit ich aus Liebe zu deinem liebreichsten Herzen Allem absterbe, der Du aus Liebe zu mir am Kreuze zu sterben Dich gewürdiget hast. Jesus am Kreuze! durch deine Schmerzen, durch deine Angst und Verlassenheit, durch deinen Tod erbarme Dich meiner bei dem Absterben, da mein Geist betrübt und meine Seele in Todesangst sich befinden wird. Jesus am Kreuze! durch deinen kostbaren Tod stärke mich in dem letzten Kampfe, den bösen Feind, die Welt und das Fleisch zu überwinden, daß ich jetzt der Welt abgestorben, Dir allein lebe, und in der letzten Stunde nimm meine Seele, welche aus dieser Wanderschaft und diesem Elende zu Dir, ihrem Schöpfer, zurückkehren wird, gnädig auf zu Dir! Jesus am Kreuze! dein göttliches Herz ist zwar in tödtlichen Schmerzen gestorben, blieb jedoch mit dem Vater inniglich vereinigt; wann die Furcht des Todes und die Gefahr meines ewigen Heils mich umgeben wird, tröste und stärke mich durch den Ausfluß deines Herzens, durch die Gnade der Be Betstunde für die heilige Fastenzeit. 481 harrlichkeit, damit meine von Dir erlöste Seele nicht ewig zu Grunde gehe. Amen. Litanei von dem bittern Leiden und Sterben unsers Herrn Jesus Christus. Herr, erbarme Dich unser! Christus, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Christus, höre uns! Christus, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme Dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt,*) Gott heiliger Geist, Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, Du für uns leidender und sterbender Jesus, corne Du bis in den Tod betrübter Jesus, onied but Gottergebener Jesus, Gebundener Jesus, Verhöhnter Jesus, Unschuldig verurtheilter Jesus, Gegeißelter Jesus, Mit Dornen gekrönter Jesns, Mit demt Kreuze beladener Jesus, Gekreuzigter Jesus, 30 201 Durch deine Todesangst am Delberg, Durch deinen blutigen Schweiß, Durch dein dreimaliges Angstgebet zum Vater, Durch deine Geduld mit den schlafenden Jüngern, Durch deine Sanftmuth gegen Judas den Verräther, Durch deine ehrwürdige Majestät bei Annäherung der Gerichtsdiener, d *) Erbarme Dich unser! brut 482 Betstunden für heilige Zeiten und Feste. Durch die harten Bande und Schläge,*) Durch die Vorstellung vor Annas und Kaiphas, Durch den schmerzlichen Backenstreich, Durch die ungerechte Anklage und Verurtheilung, Durch dein geheimnißvolles Schweigen, p Durch dein herrliches Zeugniß für die Wahrheit, Durch die Beschimpfung deines heiligen Angesichtes, Durch die Verspottung deines königlichen Namens, Durch die erduldete Lästerung deiner heiligen Gott heit, Durch deine Verhöhnung vor Pilatus und Herodes, Durch das ungerechte Todesurtheil, Durch deinen willigen Gehorsam bis zum Tode des Kreuzes, Durch die schmerzhaften Wunden deines heiligen Leibes, Durch die schmerzliche Beraubung deiner Kleider, Durch deine unaussprechlichen Schmerzen bei Anheftung an's Kreuz, Durch deine dreistündigen Leiden am Kreuze, Durch dein vergossenes kostbares Blut, Durch das Gebet der Liebe für deine Kreuziger, Durch deine göttliche Huld gegen den reumüthigen Schächer, Durch die zärtliche Liebe gegen deine Mutter und gegen Johannes, Durch deinen heißen Durst und bange Verlaffenheit, Durch die bittere Galle und Essig, die man Dir dargereicht, Durch deinen harten Todeskampf, deb sind auc Durch die siegreiche Vollendung deines Leidens, Durch das sanfte Neigen deines sterbenden Hauptes, Durch die Eröffnung deiner heiligen Seite, d *) Erbarme Dich unser! Betstunde für die heilige Fastenzeit. 483 Durch die Abnahme vom Kreuze, erbarme Dich unser! Durch dein heiliges Begräbniß, erbarme Dich unser! Sei uns gnädig, verschone uns, o Herr! a Sei uns gnädig, erhöre uns, o Herr! Von allem Uebel, erlöse uns, o Herr! Von aller Sünde,*) Von einem unglückseligen Tode, Vom Kleinglauben, Von Muthlosigkeit im Leiden, die se Von aller Geringschäßung deines heiligen Leidens und Sterbens, Durch deine heiligen fünf Wunden, in Durch deine Liebe zu allen Seidenden, sill Durch deine Erbarmung gegen reumüthige Sünder, Durch die Wahrhaftigkeit deiner Verheißungen, Wir arme Sünder, wir bitten Dich, erhöre uns! Daß Du uns zur Betrachtung deines heiligen Leidens und Sterbens Gnade geben wollest,**) Daß Du uns in jeder Betrübniß durch deine erlittene Angst trösten wollest, Daß Du durch deinen blutigen Schweiß die Luft zur Sünde in uns tödten wolleft, Daß Du uns vor allem Zorn durch deine unbesiegte Sanftmuth behüten wolleft, Daß Du uns Liebe zum Kreuze einflößen wolleft, Daß Du uns in der Versuchung durch deine Wundenmale bewahren wollest, Daß Du uns durch dein Leiden und Sterben von aller Anhänglichkeit an die vergänglichen Dinge losmachen wollest, Daß Du uns im Tode durch dein kostbares Blut erquicken wolleft, Dipardis sid 1pher Sm Erlöse uns, o Herr! blacredite ain Wir bitten Dich, erhöre uns! dng meproged and 484 Betstunden für heilige Zeiten und Feste. D Du Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt: verschone uns, o Herr! D Du Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt: erhöre uns, o Herr! D Du Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt: erbarme Dich unser, o Herr! Herr, erbarme Dich unser! Christus, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Heiliger Vater, höre uns! Gerechter Vater, erhöre uns! Vater unser 2c. anilind snied me Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich; 19700 P Denn durch dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöset. Gebet. Sugd Wir bitten Dich, o Herr! sieh gnädig auf diese deine Gemeinde herab, für welche unser Herr Je sus Christus sich den Händen der Sünder überlassen und am Kreuze sterben wollte; der mit Dir in Einigkeit des heiligen Geistes lebt und regieret, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. 12 Gebet beim Küssen der Wunden Jesu. ( Von der heiligen Mechtildis.) D Herr Jesus Christus, ich sage Dir Dank für die schmerzhafte Wunde deines linken Fußes, aus welcher die Abwaschung unsrer Sünden uns geflossen ist! In sie versenke und verberge ich alle Sünden, welche ich je in meinem ganzen Le ben begangen habe. Amen. Betstunde für die heilige Fastenzeit. 485 D Herr Jesus Christus, ich sage Dir Dank für die schmerzhafte Wunde deines rechten Fußes, aus welcher der Quell des Friedens für uns hervorströmte! In sie versenke und verberge ich alle meine Begierden, damit sie gänzlich geläutert und von allem Irdischen rein bewahrt bleiben! Amen. O mein Herr Jesus Christus, ich sage Dir Dank für die schmerzhafte Wunde deiner linken Hand, aus welcher der Brunnen der Gnaden für uns entquollen ist! In sie versenke und verberge ich alle meine geistigen und leiblichen Uebel, auf daß sie, in der Vereinigung mit deinem Leiden, mir leicht und durch Geduld und durch Geduld vor den Augen des himmlischen Vaters mögen wohlgefällig werden! Amen. - 1 O mein Herr Jesus Christus, ich sage Dir Dank für die schmerzhafte Wunde deiner rechten Hand, aus welcher die Fluth der wahren Arznei für die Seele entsprungen ist! In sie versenke und verberge ich alle meine trägen Versäumnisse, deren ich mich bei den Tugendübungen schuldig machte, auf daß sie durch die Werke deines heiligen Eifers ersetzt werden mögen! Amen. mein Herr Jesus Christus, ich sage Dir Dank für die heilsame Wunde deines allerheiligsten und allersüßesten Herzens, aus welchem das lebendigmachende Blut und Wasser und die Schäße alles Guten für uns hervorgiengen! In sie versenke und verberge ich alle meine Liebe, auf daß diese meine unvollkommene Liebe mit deiner göttlichen Liebe sich vereinige und sie dadurch ganz vollkommen werde. Amen. sid mi madapnis sloo dan dhe moder Betstunden auf heilige Zeiten und Feste. Betstunde für die heilige Osterzeit. Die glorreiche Auferstehung unsers Herrn unser Trost und unsere Hoffnung im Leben und im Sterben. 486 Jesus, Du König der Glorie und Besieger des Todes! deine Gegenwart in der Vorhölle hat die Väter mit unendlicher Freude erfüllt und deine glorreiche Auferstehung aus dem Grabe hat der Welt einen allgemeinen Trost gebracht. Wie durch den Adam der Tod allen Menschen zu Theil geworden, also werden durch Dich Alle wieder lebendig werden. Ein Immer sollen wir eingedenk sein, daß Du, Herr Jesus Christus! von den Todten erstanden biſt, und deine Auferstehung ist die Hoffnung der Christen: Wenn wir mit Dir sterben werden, werden wir auch mit Dir leben; wenn wir mit Dir leiden, werden wir auch mit Dir glorreich herrschen. Thi 1. Der Auferstandene- unser Trost im Leben. O süße Hoffnung! welche mich in den Armseligkeiten des Lebens erquickt. Mein Gott! ich lebe im Thale der Zähren, in Sorgen und Kümmernissen, in Furcht und Schrecken, in Angst und Gefahren; allein der Tod wird diesem Elende ein Ende machen. Jesus Christus! deine Verheißung, mit Dir ewig zu leben, tröstet mich; ich glaube und erwarte die Auferstehung. Mein Leib wird in der Schwachheit im Grabe vermodern, aber in der Kraft wieder auferstehen. Ich werde mit Leib und Seele eingehen in die Betstunde für die heilige Ofterzeit. 487 heilige Himmelsstadt Jerusalem, und Du, liebster Heiland! wirst von meinen Augen alle Thränen abtrocknen; es wird nichts vom Tode, von Trauer, von Jammer oder Schmerzen bei mir sein. Die Armseligkeit wird ein Ende haben, und die Freude der Auferstehung wird nie enden. DJesus! wie groß ist deine Güte, welche bei meiner Auferstehung so große Wunder wirken wird! Du, mein Heiland! wirst meinen Leib umgestalten und deinem glorreichen Leibe gleich machen im Glanze, in der Unfähigkeit zu leiden, in der Kraft Alles zu durchdringen und sich in unbeschreiblicher Geschwindigkeit zu bewegen. Jeßt ist der Körper der Seele beschwerlich; bei der Auferstehung wird er der Seligkeit der Seele theilhaftig werden.d O gütigster Erlöser, unsterblichen Dank werde ich Dir sagen und Dich ewig loben! Ich lobe und preise Dich jetzt im heiligsten Sakramente, dessen göttliche Kraft meinen Leib heiliget und zur glor= reichen Auferstehung vorbereitet. In dem ewigen Leben werde ich mit allen Heiligen einen neuen Lobgesang singen: Du bist für uns getödtet worden, Du hast uns in deinem Blute erlöset, und durch die Glorie deiner Auferstehung hast Du uns Gott zu einem herrlichen Reiche ge macht! Gelobt und angebetet sei deine Kraft und Gottheit, deine Weisheit und Stärke; Dir sei Ehre und Glorie, Danksagung und Preis in Ewigkeit! OO Laß deine Gnade in mir wirken, daß ich in dieser Hoffnung deine Abtödtung, o Jesus! immer an meinem Leibe herumtrage und diesen als ein lebendiges, heiliges und Gott wohlgefälliges Opfer dargebe. pintohisto! dialing 488 Betstunden auf heilige Zeiten und Feste. Denn nach der Menge meiner Schmerzen werden deine Tröstungen meine Seele erfreuen. v. Du wirst meinem Gehör Freude und Wonne geben; B. Und frohlocken werden die gedemüthigten Gebeine. Gebet. D Gott! gieße deine Gnade in unsere Herzen, auf daß wir, die wir auf des Engels Verkündigung die Menschwerdung deines Sohnes Jesu Chrifti erkannt haben, durch sein Leiden und Kreuz zur herrlichen Auferstehung gelangen mögen, der Du lebst und regierst in Ewigkeit. Amen. 2. Der Auferstandene- unser Trost im Leiden. D Gott! deine Vorsehung hat es also geordnet, daß unsere schwachen Leiber vielen Krankheiten un terworfen sind; auch deine getreuen Diener Leiden öfters die schmerzlichsten Prüfungen, und durch die legte tödtliche Krankheit wird endlich die Seele vont Leibe aufgelöst. In diesem Schmerze, was kann uns beffer trösten, o Jesus Christus! als die Hoffnung der Auferstehung, die Du uns einflößest im heiligsten Sakramente, da Du uns deinen Leib und dein Blut zum Unterpfande des ewigen Lebens mittheilest? Wir leiden auf dem Krankenbette, wie Du, o Jesus! am Kreuze gelitten hast; aber unsere Schmerzen werden in der Auferstehung in heilige Wonne verwandelt werden, wie Du herrlich in den Himmel eingegangen bist. Gleich wie wir das Bild des irdischen Menschen getragen haben, also werden wir auch das Bild des himmlischen tragen und Dir, glorreicher Heiland! gleichförmig werden. Betstunde für die heilige Osterzeit. 489 Es wird die Posaune schallen, und die Todten werden unverweslich auferstehen, und wir werden verwandelt werden. de Denn dieses Verwesliche muß das Unverwesliche und dieses Sterbliche muß die Unsterblichkeit anziehen. SD Jesus! nach deiner großen Barmherzigkeit werden wir in den Schmerzen des Sterbebettes wieder geboren durch die lebendige Hoffnung zur glückseligen Erbschaft, zum ewigen Leben im Himmel. Stärke mich also durch den Trost dieser Hoffnung und gib mir unüberwindliche Geduld, alle Leiden zu ertragen, weil alles Leiden dieser Zeit nichts zu achten ist gegen die Freuden der künftigen Auferstehung. v. Ihr sollet nicht traurig werden, R. Wie Jene, die keine Hoffnung haben. Gebet. D Gott! der Du durch das Leiden und durch die Auferstehung deines Sohnes die in Elend schmachtende Welt wieder aufgerichtet hast: ertheile mir in den Schmerzen meiner Krankheit Ergebenheit, Geduld und Frömmigkeit des Herzens, damit ich nach den Trübsalen dieses Lebens zu den Freuden der glorreichen Auferstehung gelangen möge, der Dur lebest und regierest in Ewigkeit. Amen. 3. Der Auferstandene- unsere Hoffnung im Sterben. Niemals, o mein Gott und Heiland! habe ich mehr Trost und Erquickung nöthig, als im Sterben, da mein Geist den Körper und die Welt verlassen muß. Meine Freunde entfernen sich von mir, und wer kann mir helfen, als Du allein, mein Jesu! der Du mich im heiligsten Sakramente befuchest und auf den Weg in die Ewigkeit stärkest. 490 Betstunden auf heilige Zeiten und Feste. Deine Auferstehung gibt mir die fichere und füße Hoffnung, daß ich mit Dir glorreich aus dem Grabe erstehen und in das ewige Leben eingehen werde. and jum pol Dieser sterbliche Leib wird unsterblich werden und jene ewigen Freuden genießen, die kein Auge gesehen, kein Ohr gehört und kein menschliches Herz gefühlt hat. O Trost für mich! der ich den Tod fürchte und ohne Schauder an denselben nicht denken könnte, wenn ich nicht durch den Glauben von der Auferstehung versichert wäre, von der ich zuversichtlich hoffe, daß sie herrlich und im Glanze der Heiligen sein werde. dide O Jesus, Du glorreicher Ueberwinder des Todes, wie vielen Dank bin ich Dir schuldig! Meine künftige Unsterblichkeit ist eine Wirkung deiner Auferstehung, in der ich mich hoch erfreue und mit der heiligen Kirche wiederhole: Ehre sei Dir, o Herr! der Du von den Todten erstanden bist, mit dem Vater und dem heiligen Geiste zu ewigen Zeiten! Amen. v. Ueber deine Auferstehung, o Jesus Christus! R. Sollen Himmel und Erde sich freuen. Coding Gebet. D Herr Jesus Christus! der Du im heiligsten Sakramente des Altars uns die Hoffnung der glückseligen Auferstehung bekräftiget hast: verLeihe gnädig, daß ich dasselbe vor meinem Absterben mit wahrem Glauben, mit fester Hoffnung und mit kindlicher Liebe würdig empfange und in der Herrlichkeit der Auferstehung der ewigen Freuden theilhaftig werde. Amen. Mollo me sin ni a pic sid ni pall and juo dnu jej Betstunde für die heilige Osterzeit. Gebet um die Gnade einer würdigen Osterkommunion.un 491 O mein Herr und Heiland Jesus, siehe, mein Herz verlangt, mit Dir das Abendmahl zu feiern in dieser festlichen Zeit! Beschirme mich mit den Flügeln deiner Gnade und lasse mich mit den fünf weisen Jungfrauen einziehen in das Brautgemach deines allerheiligsten Herzens! Wende Dich nicht hinweg von mir, sondern blicke mit Huld auf mich herab und lasse mich deine getreue Dienerin werden, welche Du nicht von deiner Gemeinschaft ausschlieBest! Auf deinen süßen Namen setze ich all mein Vertrauen! Stärke deshalb in mir die Hoffnung auf Dich und befestige deine Liebe in meinem Geiste! Wehre mir nicht den Zutritt zu deinem Mahle, sondern bekleide mich mit dem Gewande der Unschuld, auf daß ich würdig das Brod des Lebens, dein heiligstes Fleisch und Blut genießen und ich innigst mit Dir Eins werden könne! Lasse mich wahrhaft fromm die heilige Kommunion am Tage deines glorreichen Osterfestes empfangen, und zähle mich zu Denjenigen, welche Du mit deinem Blute als deine Kinder theuer Dir erkauft, und welche Du durch deinen Tod vom ewigen Tode befreit und zur lebendigen Gemeinschaft mit Dir berufen hast! Lasse mich deshalb mit reiner Seele bei diesem Gastmahle frohlocken, welches für mich in fich verbirgt das Unterpfand des ewig- seligen Lebens! Alleluja! Deine heilige Liebe geleite mich zu deinem wunderbaren Gastmahle. Amen. Alleluja! - pidsda2 Gm mumd is mogilist oth mod tim od indspann sie das tot moo od drie marqop dit 39tdagun bistong siedmi and todayng toggovi sld durd 492 Betstunden auf heilige Zeiten und Feste. sid Betstunde für die heilige Pfingstzeit. Andacht der katholischen Kirche zum heiligen Geiste. Glaube, Hoffnung und Liebe. Liebreichster Heiland, Jesus Christus, wie unaussprechlich ist deine Liebe und Sorgfalt, welche Du für deine Kirche getragen haft! Du hast Dich selbst für sie dargegeben, um sie zu heiligen und zu reinigen in deinem Blute durch die Wassertaufe im Worte des Lebens. Auf daß Du Dir eine herrliche Kirche darstelltest, die keine Makel oder etwas dergleichen an sich hätte, sondern heilig und unbefleckt wäre. Dieses wirkest Du durch den heiligen Geist, der uns durch deine Verdienste in den heiligen Sakramenten mitgetheilt wird, dessen Gnade uns heiliget, den Du auf diese Welt als den Tröster und Lehrer der Wahrheit gesendet hast. Dieses war der Trost, den Du den Jüngern vor deiner Trennung von ihnen gegeben hast, und diesen fühlen wir noch immer, da wir deinen heiligsten Leib und dein Blut genießen, wodurch die Gnade des heiligen Geistes und die Liebe in unsere Herzen ausgegossen wird. sed, dupiqustull 2nd- 1. Glaube. Sch glaube darum mit deiner Kirche an den heiligen Geist, den Herrn und Lebendigmacher, der vom Vater und Dir ausgehet, der mit dem Vater und Dir zugleich angebetet und gepriesen wird, der durch die Propheten geredet hat. Betstunde für die heilige Pfingstzeit. 493 O göttlicher Geist! wie unergründlich ist das Geheimniß deiner Wesenheit und deiner Person! Du bist der wahre Gott: ewig, allmächtig, unermessen, heilig, gütig, barmherzig und unendlich in allen Vollkommenheiten. Himmel und Erde sind durch Dich erschaffen und deine Weisheit regieret Alles; Du bist die Liebe, die alle Gnaden ausspendet. Deine göttliche Person ist unendlich anbetungsund liebenswürdig, weil sie wahrer Gott ist und Einer Natur mit dem Vater und dem Sohne. Das ist eine Wahrheit des Glaubens, welche Du uns, Jesus Christus! gelehret hast und die ich bekenne bis in den Tod. Du, o Schöpfer aller Dinge, heiliger Geist, Du Licht der Wahrheit, Du Stärke der Schwachen, erhalte mich in diesem Glauben! promoc Die Geheimnisse sind uns verborgen, dunkel und unbegreiflich; wenn aber deine göttliche Erleuchtung uns überschattet, werden sie vor den Augen unseres Gemüthes also hell und einleuchtend und machen auf unsere Herzen einen solchen Eindruck, daß wir in dem Glauben weder wanken noch zweifeln. O göttlicher Geist! deine Strahlen wollen mir die Finsterniß des Gemüthes benehmen und die Unempfindlichkeit des Herzens erweichen. Jesus Christus! so oft ich dein heiligstes Sakrament besuche, gieße in mein Herz die Gnade des heiligen Geistes, damit ich in dem Glauben und in deiner Liebe allezeit verharre. v. Sende deinen Geist und Alles wird neu geschaffen werden; 1150 B. Und Du wirst das Angesicht der Erde erneuern. Om dol hop of oor 10 28 494 Betstunden auf heilige Zeiten und Feste. Gebet. D Gott! der Du die Herzen der Gläubigen durch die Erleuchtung des heiligen Geiftes unterwiesen hast, laß uns auch in demselben Geiſte zur rechten Weisheit gelangen und seines Trostes stets froh werden; der Du lebst und regierst in Ewigkeit. Amen.ond duft 40 de lomunic tersiger diodais snied die 2. Hoffnung. medone alle sid Jesus! es fiel deinen Jüngern sehr schwer und ihre Herzen wurden betrübt, da Du sie auf Erden verlassen wolltest. Um sie zu trösten, sagtest Du: Ich will den Vater bitten und Er wird euch einen andern Tröster geben, daß Er bei euch bleibe in Ewigkeit. Auf Dich also, göttlicher Geist! seße ich meine Hoffnung in den Finsternissen und Armseligkeiten dieses Lebens. no any dri Alle Gnaden, die Stärke der Schwachen, der Trost der Betrübten kommen von Dir; Du bist der Urheber und Ausspender aller himmlischen Gaben. Sie sind zwar verschieden; aber Du wirkest Alles in Allen und Du theilest sie aus nach deinem heiligsten Wohlgefallen. pobilus Unsere Kraft ist aus Dir, und ohne Dich können wir nicht einmal etwas Gutes denken; ohne deine Erleuchtung ist nichts in dem Menschen, nichts ist unschuldig. stbuisd ins Du waschest, was unrein; befeuchtest, was troden; heilest, was verwundet; biegeft, was unbiegsam; erwärmest, was kalt; leitest, was auf Abwegen ist. miset Zu Dir muß ich mich also wenden, heiliger Geist! wenn ich gottselig leben und mein ewiges Heil erlangen will. Betstunde für die heilige Pfingstzeit. 2 495 Auf Dich und deine Gnade muß sich meine Hoffnung gründen, die mir mein Erlöser verdient hat und deine unendliche Gütigkeit mittheilet. Eingeborner Sohn Gottes, Jesus Christus im heiligsten Altarssakramente! es ist deine Verheißung: Wer mich liebet, wird mein Wort halten, und mein Vater wird ihn lieben; wir werden zu ihm kommen und bei ihm bleiben. soi Ich hoffe, daß Du mit dem Vater und dem heiligen Geiste in meinem Herzen gegenwärtig seiest und darin bleiben wollest, weil es deiner Liebe ganz ergeben ist. Ich halte mich allein an der Hoffnung der himmlischen Gnade, die der heilige Geist in mir wirket. v. Er hat die Gnade seines Geistes in ihnen befeſtiget; d d. Und ihre Herzen mit Verstand erfüllt. Gebet. Wir flehen zu Dir, o Herr! ergieße nach der Fülle deiner Huld deinen heiligen Geist in unser Gemüth; Er ist es ja, der in seiner Weisheit uns schuf und durch seine Vorsehung uns leitet; erhöre unser Flehen durch unsern Herrn Jesus Christus. Amen. 3. Liebe, ille 300 sdo Ogöttlicher Geist! Du hast die Herzen der Apostel unsichtbarer Weise durchdrungen und mit einem neuen Zeichen der Heiligung in der Liebe entzündet. Du bist der Gott der Liebe, ja die Liebe selbst; durch Dich wird die Liebe in unsere Herzen ausgegossen. Deine anbetungswürdige Gottheit ist der Inbegriff der unendlichen Vollkommenheit, Du gehst 496 Betstunden auf heilige Zeiten und Feste. zwar von dem Vater und dem Sohne aus; doch deine Ewigkeit, deine unbeschränkte Allmacht, deine unermeßliche Güte sind deine göttlichen Eigenschaften. Deine Kraft hat mit dem Vater und dem Sohne mir das Wesen gegeben, und durch Dich bestehe ich in der Natur und in der Gnade. didi 2910 Deine unendliche Heiligkeit hat mich geheiliget in den heiligen Sakramenten, und deine kräftige Gnade führt mich immer zu einem gottseligen Leben. Die Ermunterungen zum Guten, die Stärkungen und der Trost, den ich beim Genusse des heiligsten Sakramentes empfange, find Wirkungen deiner heiligen Liebe. Du bist unendlich liebenswürdig, heiliger Geist, mein Gott und Heiligmacher! und ich liebe Dich von ganzem Herzen, mit innigem Verlangen, daß das Feuer der Liebe noch mehr in mir entzündet werde. y. Das göttliche Feuer ist vom Himmel gekommen; R. Und hat die Herzen der Jünger als reine Gefäße erfunden. Gebet. D heiliger Geist! dessen kostbarste Gabe die göttliche Liebe ist, schaffe in mir ein reines Herz und befreie mich von allen eiteln und unordentlichen Anmuthungen, damit ich deiner Liebe fähig und würdig werde; der Du mit dem Vater und dem Sohne als einiger Gott regierest in Ewigkeit. Amen. 2 did nisdai2 nd o ad fid@ proti odol2 sid dric bia band and fitte spideruledno nis@ se 42 odemmotllo medaildmann red inged Betstunde für die heilige Pfingstzeit. 497 Fromme Anmuthungen zum heiligen Geiste; um 200 Erlangung seiner sieben Gaben. 1. Komm, o Geist der Heiligkeit! Sende mir vom Himmel her Deine sieben Gaben. Komm, o Geist der Weisheit! unterrichte mein Herz, daß ich die himmlischen Güter schäßen, lieben und allen Erdengütern vorzuziehen lerne. Zeige mir auch den Weg, auf welchem ich dieselben erlangen und ewig besigen kann. Amen. Vater unser 2c. 2. Komm, o Geist der Heiligkeit! 2c. Komm, o Geist des Verstandes! erleuchte meine Seele, daß ich alle Geheimnisse des Heiles durch den Glauben erkenne, fie recht zu Herzen nehme, endlich in deinem Lichte das ewige Licht sehe und zu deiner wie auch des Vaters und des Sohnes vollkommenen Erkenntniß gelangen möge. Amen. Vater unser 2c. 3. Komm, o Geist der Heiligkeit! 2c. Komm, o Geist des Rathes! stehe mir bei in allen Geschäften dieses unftäten Lebens; neige mein Herz zum Guten, schrecke es ab vom Bösen und leite mich auf dem rechten Pfade deiner Gebote, daß ich das erwünschte Ziel des ewigen Heiles erreiche. Amen. Vater unser 2c. 4. Komm, o Geist der Heiligkeit! 2c. Komm, o Geist der Stärke! gib meinem Hers zen Kraft; halte es aufrecht in jeder Verwirrung 28* 498 Betstunden für heilige Zeiten und Feſte. und Widerwärtigkeit; verleihe mir Stärke gegen alle boshaften Anfälle meiner Feinde, damit ich nie von ihnen überwunden, nie von Dir, o Gott! meinem höchsten Gute, getrennt werde. Amen. Vater unser 2c. 5. Komm, o Geist der Heiligkeit! 2c. Komm, o Geist der Wissenschaft! verleihe, daß ich die vergänglichen Güter dieser Welt und ihre Eitelkeit erkenne und verachte, daß ich sie nie anders gebrauche, als nur zu deiner Ehre und zu meinem Heile, daß ich aber deine ewigen Güter allen Erdenschätzen vorziehe. Amen. Vater unser 2c. 6. Komm, o Geist der Heiligkeit! 2c. Komm, o Geist der Gottseligkeit! bewege mein Herz zur wahren Frömmigkeit und zur heiligen Liebe Gottes, meines Herrn, damit ich denselben bei jeder Andacht allezeit suchen und in der wahren Liebe finden möge, Amen. Vater unser 2c. 7. Komm, o Geist der Heiligkeit! 2c.. Komm, o Geist der Furcht Gottes! durchbohre mein Herz mit deiner Furcht, damit ich Dich, meinen Gott und Herrn, allezeit vor Augen habe und mich sorgfältig vor Allem in Acht nehme, was den reinsten Augen deiner göttlichen Majestät mißfallen kann. Amen. Vater unser 2c. gains V. Komm, o heiliger Geist! erfülle die Herzen Deiner Gläubigen: R. Und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe! Har n Betstunde für die heilige Pfingstzeit. Gebet. Wir bitten Dich, o Herr! Du wollest den heiligen Geist, durch dessen Weisheit wir erschaffen worden und durch dessen Fürsorge wir regiert werden, in unsere Herzen gnädig eingießen. Durch eben denselben Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Litanei von dem heiligen Geiste. Herr, erbarme Dich unser! Christus, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Christus, höre uns! Christus, erhöre uns! 499 Gott Vater vom Himmel, erbarme Dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt,*) Gott heiliger Geist, att Heilige Dreieinigkeit, ein einiger Gott, Geist der Wahrheit und der Weisheit, Geist des Verstandes und der Stärke, Geist der Andacht und des guten Rathes, Geist der heiligen Furcht und der Liebe, Geist der Freude und des Friedens, Geist der Geduld und der Güte, 302 Muriat puding Geist der Langmuth und der Sanftmuth, le.co Geist des Glaubens und der Zuversicht, Geist der Enthaltsamkeit, Geist der Demuth und der Klugheit, Geist des Lebens und des Heiles, Geist aller Tugenden, Geist der heiligmachenden Gnade, *) Erbarme Dich unser! od nied cand 500 Geist der Kindschaft Gottes,*) Reiniger unserer Seelen, Heiliger und Regierer der katholischen Kirche, Durchschauer der Gedanken und Anschläge des Herzens, Ausspender der himmlischen Gaben, Tröster in allen Trübfalen, Süßigkeit aller Anfangenden im Guten, Betstunden auf heilige Beiten und Feste. Stärke aller Zunehmenden, Krone aller Vollendeten, Jubel der Engel, Licht der Patriarchen, Begeisterung der Propheten, dus andling Mund und Weisheit der Apostel, 52 Sieg der Märtyrer, Wissenschaft der Bekenner, Reinigkeit der Jungfrauen, Salbung aller Heiligen, Sei uns gnädig: verschone uns, o Herr! Sei uns gnädig: erhöre uns, o Herr! Von allem Uebel: erlöse uns, o Herr! Von aller Sünde,**) Von aller Versuchung der Hölle, Von aller Bestreitung der erkannten Wahrheit, Von aller Mißgunst der göttlichen Gnade, Von aller Verstockung und Unbußfertigkeit, Von aller Nachlässigkeit und Trägheit, Von aller Unreinigkeit des Geistes und des Leibes, Tho Von aller Spaltung und Irrlehre, Von allen bösen Gesinnungen, Von dem ewigen Tode, Durch dein Hervorgehen aus dem Vater und Sohne, ** Erbarme Dich unser! Erlöse uns, o Herr! Betstunde für die heilige Pfingstzeit. 501 Durch deine Erscheinung bei der Taufe, erlöse uns, o Herr! Durch deine Ankunft am Pfingstfeste, erlöse uns, o Herr! Am Tage des leßten Gerichtes, erlöse uns, o Herr! Wir arme Sünder, wir bitten Dich, erhöre uns! Daß Du alle Glieder der Kirche lebendig machen und heiligen wollest,*) Daß Du alle Völker in dem Einen heiligen katholischen Glauben vereinigen wolleft, Daß Du uns mit deiner heiligen Gnade überall zuvorkommen, begleiten und unterstüßen wollest, Daß Du uns die Gabe der Andacht und Gottselig keit schenken wollest, m Daß Du alle unsere Gedanken, Worte und Werke zu Dir emporrichten und durch Dich heiligen wollest, Daß Du uns in aller Demuth und aller Tugend gründen wolleft, Daß Du die himmlische Sanftmuth und Geduld in uns pflanzen wollest, Daß Du in uns den Hunger und Durst nach der wahren Gerechtigkeit erregen wollest, Daß Du uns zu Gefäßen deiner Liebe machen wolleft, Daß Du einen reinen Geist und ein reines Herz in uns erschaffen wollest, Daß Du uns den Frieden des Gewissens und die Festigkeit des Herzens schenken wollest, Daß Du uns um der Gerechtigkeit willen Verfolgungen zu leiden, würdig und stark machen wollest, Daß Du uns in der Gnade befestigen wollest, *) Wir bitten Dich, erhöre uns! 502 Betstunden auf heilige Zeiten und Feste. Daß Du uns in die Zahl deiner Auserwählten aufnehmen wolleft, wir bitten Dich, erhöre uns! Daß Du uns erhören wollest, wir bitten Dich, erhöre uns! Geist Gottes, wir bitten Dich, erhöre uns! D Du Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt: gieße deinen heiligen Geist in uns aus! D Du Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt: sende uns herab den versprochenen Geift des Vaters! time in O Du Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt: gib uns deinen heiligen Geist! Heiliger Geist, höre uns! lour nesteschi tist Heiliger Geist, Du Tröster, erhöre uns! Herr, erbarme Dich unser! us die Christus, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! llni Vater unser 2c. Gegrüßt seist 2c. Jelleur Gebet. D Herr, laß doch die Gnade des heiligen Geistes allezeit bei uns sein, damit sie unsere Herzen läutere und uns vor allem Widrigen beschüße, durch Christus, unsern Herrn. Amen. Betstunde für die heilige Frohnleichnamszeit. 1. Das glaubende Herz vor dem hochwürdigsten Jah Göttlicher Erlöser, Jesus Christus! billig und heilig ist der Gebrauch, den deine heilige Kirche verordnet hat, daß dein hohes und anbetungswürdigstes Sakrament alle Jahre an einem besondern feierlichen Tage mit Frohlocken der Herzen und mit heiligem Jubel verehrt werde. Betstunde für die heilige Frohnleichnamszeit. 503 Durch öffentliche Wege, Gassen und Straßen soll Es mit ehrfurchtsvoller Feierlichkeit herumge tragen und von allen wahren Christen im Triumphe begleitet werden. popreduplo Den lebendigen Glauben an deine wahre Ge genwart bekennen sie besonders in diesen heiligen Tagen mit außerordentlicher Andacht; Dich, den allgemeinen Herrn und Erlöser, preisen und loben sie mit dankbarem Herzen und erinnern sich der großen Geheimnisse, mit welchen Du unser ewiges Heil beförderst. Dein heiligstes Sakrament ist eine unaussprech liche und göttliche Wohlthat, mit welcher Du deine Kirche glückselig und herrlich machest; laß mich Das selbe immerfort preisen mit den Worten: Gelobt und angebetet sei ohne End' Jesus in dem allerheiligsten Altarssakrament! Anbetung. Unsern Herrn Jesus Christus, den Urheber des Glaubens, der aus dem Schooße des Vaters in diese Welt gekommen ist, um das helle Licht des Glaubens anzuzünden, bete, o meine Seele! glaubensvoll an im allerheiligsten Altarssakramente und stimme ein in den Lobgesang aller Engel und Heiligen im Himmel: Heilig, heilig, heilig ist der Herr, der allmächtige Gott, der Herr der Heerschaaren! Himmel und Erde sind voll seiner Herrlichkeit, Majestät und Ehre! Ehre sei dem Vater 2c. Vater unser 2c. Sorbison 390 Gelobt und angebetet sei ohne End' Jesus in dem allerheiligsten Altarssakrament! i Glaube. Göttlicher Heiland! Unbegreiflich ist deine Liebe und unaussprechlich deine Huld und 504 Betstunden auf heilige Zeiten und Feste. Gnate, mit welcher Du deiner Kirche Dich selbst wahrhaft und wesentlich im allerheiligsten und anbetungswürdigsten Altarssakramente hinterlassen haft. DJesus! ich glaube ungezweifelt und be fenne feierlich dieses große Geheimniß; ich halte mich mit fester Ueberzeugung an die Lehre, welche die katholische Kirche von diesem wundervollen Saframente allezeit geglaubt hat und bis an das Ende der Welt glauben wird. Von Dir, göttlicher Lehrmeister! und von deinen heiligen Aposteln hat sie diesen Glauben empfangen, und vom heiligen Geiste, der sie in aller Wahrheit unterrichtet, hat sie diese Lehre erhalten. Ich danke Dir, o Jesus! von ganzem Herzen danke ich Dir für dieses gnadenreiche Sakrament, in welches Du die Schäße deiner Liebe niedergelegt haſt. Ich glaube, daß Du unter den Gestalten des Brodes und Weines, nach der Wandlung, mit Gottheit und Menschheit, mit Leib und Seele, ganz und unzertheilt, wahrhaft und wesentlich gegenwärtig bist! Ich glaube, daß ich in der heiligen Kommunion deinen wahren Leib, den Du am Kreuze für uns hingeopfert, und dein wahres Blut, das Du zur Vergebung unserer Sünden vergossen hast, wirklich empfange; und voll dieses Glaubens bete ich deine höchste Majestät in diesem Sakramente in tiefster Ehrfurcht an. O heiliges Sakrament, in welchem der Urheber aller Heiligkeit, Jesus Christus, wahrhaftig enthalten ist! Du bist das heilige Denkmal seiner Wunder, welches Er uns gegeben hat zur Erinnerung seines Todes; Du bist eine geistliche Speise der Seele und ein Gegenmittel wider die täglichen Sünden; Du bist ein Unterpfand der künftigen Herrlichkeit und der ewigen Seligkeit. O Jesus! möchten Betstunde für die heilige Frohnleichnamszeit. 505 doch alle Menschen einmal zum seligen Glauben an deine wahre und wirkliche Gegenwart im allerheiligsten Altarssakramente kommen, damit sie Alle jener himmlischen Gaben und Segnungen theilhaftig würden, die Du denen mittheilest, die einen lebendigen Glauben an dieses wundervolle Geheimniß haben. Erhalte mich, o Jesus! in diesem Glauben; heilige mein Herz, damit ich jederzeit würdig zit diesem heiligen Sakramente hinzutrete und genähret werde zum heiligen, ewig seligen Leben. Amen. Segen. Die Kraft dieses hohen Sakramentes und der Segen des allmächtigen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes, komme über mich, über meine Freunde und Gutthäter, über geistliche und weltliche Obrigkeiten, über alle Menschen, über unsere Fluren und Felder und über die Früchte der Erde, and bleibe über uns ewiglich! Amen. 2. Das hoffende Herz vor dem hochwürdigsten Gute. Anbetung. Unsern Herrn Jesus Christus, unsern theuern Erlöser, in dessen Namen und durch dessen heiliges Blut wir allein das Heil zu hoffen haben, bete, o meine Seele! im heiligsten Altarssaframente mit zartem Vertrauen auf seine Liebe und Barmherzigkeit an und stimme ein in den Lobgesang aller Engel und Heiligen im Himmel: Heilig, heilig, heilig ist der Herr, der allmächtige Gott, der Herr der Heerschaaren! Himmel und Erde sind voll seiner Herrlichkeit, Majestät und Ehre! Ehre sei dem Vater 2c. Vater unser 2c. Gelobt und angebetet sei ohne End' Jesus in dem allerheiligsten Altarssakrament! Schule und Tempel. 29 506 Betstunden auf heilige Zeiten und Feste. Hoffnung. Jesus Christus, mein liebreichster Heiland! dein ganzes Leben auf Erden, alle deine Geheimnisse, alle Wunder deiner göttlichen Gnaden überzeugen mich von deiner Güte und Barmherzigkeit. Und ich sollte nicht hoffen auf Dich, der Du mein einziger und getreuer Erlöser bist! Du bist der gute Hirt, der nicht allein das irrende Schäffein suchet und auf den Schultern zur Heerde zurückträgt, sondern auch seine Seele für dasselbe einsetzet und sein kostbares Blut vergießet; und ich sollte nicht hoffen auf Dich, der Du mein einziger, mein barmherziger Heiland bist?- Unschuldiges Lamm! deine Liebe hat Dich zum Opfer gemacht für den armen Menschen, und auch für mich hast Du sterben wollen, um mir das Leben zu geben; und ich sollte nicht hoffen auf Dich, der Du mein einziger, mein allliebender Seligmacher biſt? Failojas Am O Jesus! Du bist reich an Erbarmungen, und deine Liebe ist unermeßlich. Hier im allerheiligsten Altarssakramente ist der wunderbare Gnadenthron, wo ich Verzeihung der Sünden, Nachlassung der Strafen, Gnade zum Guten, Trost im Leiden und das ewige Leben erhalte, wenn ich in Glaube, Liebe und Hoffnung treu bleibe meinem Jesus bis an's Ende. Segen. D heiliges Gastmahl! in welchem Christus genossen, das Andenken seines Leidens erneuert, das Gemüth mit Gnade erfüllet und ein Pfand der künftigen Herrlichkeit uns mitgetheilet wird; in Dir ruht meine ganze Hoffnung, und so komme denn die Kraft dieses hochheiligen Sakramentes und der Segen des allmächtigen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes, über Betstunde für die heilige Frohnleichnamszeit. 507 mich, über meine Freunde und Gutthäter, über geistliche und weltliche Obrigkeiten, über alle menschen, über unsere Fluren und Felder und über die Früchte der Erde, und bleibe über uns ewiglich! Amen. 3. Das liebende Herz vor dem hochwürdigsten Gute. Anbetung. Unsern Herrn Jesus Christus, der das allerheiligste Sakrament eingesetzt hat, um die Herzen der Menschen durch das Uebermaß seiner Liebe an sich zu ziehen, liebe, o meine Seele! aus allen Kräften und stimme in den Lobgesang aller Engel und Heiligen im Himmel ein: Heilig, heilig, heilig ist der Herr, der allmächtige Gott, der Herr der Heerschaaren! Himmel und Erde sind voll seiner Majestät, Ehre und Herrlichkeit! Ehre sei dem Vater 2c. Vater unser 2c. Gelobt und angebetet sei ohne End' Jefus in dem allerheiligsten Altarssakrament! Liebe. Lieben will ich Dich, o Gott, mein Heiland und meine Stärke! Lieben will ich Dich, Du Kraft meiner Seele! Jmmerdar will ich Dich lieben, Du unaussprechliche Freude meines Herzens! Nicht mir, Dir will ich die ganze Zeit meines Lebens leben, welches Du, als es durch mein großes Sündenelend verloren war, durch deine Barmherzigkeit erneuert hast. Lieben will ich Dich, o mein Heiland, Erlöser und Seligmacher! lieben mit innigster und glühendster Liebe. Alle Gefühle und Begierden meines Herzens will ich, gleich eben so vielen Armen ausstrecken, Dich mit Liebe zu umfaffen, o unendlich geliebter Bräutigam meiner 308 Betstunden auf heilige Zeiten und Feste. Seele, von dem ich alles Gute erwarte! So fest und innig umschließt der Ephen den Baum, um welchen er sich windet, daß all' seine Fibern Arme scheinen, mit welchen er denselben umklammert; denn nur also gestüßt, erhebt er sich zum Gipfel und erreicht seine Vollkommenheit. Um welchen Baum soll aber ich mich schlingen, daß ich wachſe und zur Vollkommenheit gelange, die mir gebricht, als um Dich, o mein Heiland, meine Stüße! Nimmer wachset der Epheu so sehr, nimmer bringt er auch, wiewohl um seinen Baum geschlungen, so schöne Zweige hervor, als die Seele, welche Dir sich inniglich vereiniget, an Tugenden und Gnaden wachset. Warum also löset nicht mein ganzes Gefühl sich in Liebe auf, Dich zu umfangen? Warum, ach warum liebe ich Dich nicht aus ganzer Seele, aus ganzer Kraft, und aus innigstem Grunde meines Herzens? Hilf mir, o Gott mein Erlöser! ziehe mich hinauf zu Dir, da die Last des sterblichen Fleisches mich unablässig in die Tiefe zieht. Du, o Herr! ließest Dich am Baume des Kreuzes erhöhen, daß Du Alles an Dich zögest; Du verbandest in unaussprechlicher Liebe zwei so ganz verschiedene Naturen zu einer Person, daß Du Eines mit uns wurdest; o so vereinige denn mein Herz kraft eines so unauflöslichen Bandes mit Dir, daß es Eins sei mit Dir; speise, nähre, erquicke, o Du himme lisches Manna! meine Seele für ein ewiges, seliges Leben. Schlußgebet. Jesus, im heiligsten Sakramente verborgener Gott! erleuchte mein Herz mit dem himmlischen Lichte des Glaubens, daß ich dieses hohe Geheimniß jederzeit mit zarter Andacht verehre. Betstunde für die heilige Frohnleichnamszeit. 509 Jesus, mein theurer Heiland! erhalte in mir die Hoffnung, daß ich an deiner Barmherzigkeit niemals zweifle und den Muth nicht sinken lasse, wenn ich in der Angst des Todes das Urtheil deiner heiligen Gerechtigkeit für die Ewigkeit erwarten werde. Jesus, meine Liebe und mein Alles! Ich verlange Dich aus ganzem Herzen zu lieben, ich seufze inbrünstig nach deiner Liebe. Ach! ziehe mein Herz zu Dir und vereinige es mit Dir durch das zarte und starke Liebesband, welches weder ein Geschöpf, weder mein eigener Wille, noch der Tod zerreißen möge. Jesus! deine Liebe schenke mir in der Zeit, damit ich Dich lieben könne in Ewigkeit. Amen. Segen. Die Kraft dieses hohen Sakraments und der Segen des allmächtigen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes, komme über mich, über meine Freunde und Gutthäter, über geistliche und weltliche Obrigkeiten, über alle Menschen, über unsere Fluren und Felder und über die Früchte der Erde, und bleibe über uns ewiglich! Amen. Litanei vom allerheiligsten Sakramente des Altars. Herr, erbarme Dich unser! Christus, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Christus, höre uns! Christus, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme Dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme Dich unser! Gott heiliger Geist, erbarme Dich unser! Heilige Dreieinigkeit, ein einiger Gott, erbarme 2c. 510 Betstunden auf heilige Zeiten und Feste. Du lebendiges Brod, das vom Himmel herabge stiegen ist,*) Du verborgener Gott und Heiland, Du Speise der Engel, Du Andenken der göttlichen Wunder, Du allergrößtes Wunder, Du besonderes Denkmal der göttlichen Liebe, Du immerwährende Erinnerung des Leidens und Sterbens Jesu Christi, Du Wort, das Fleisch geworden ist, und in uns wohnet, Du allerheiligstes Sakrament, Du unblutiges und reinstes Opfer, Du wahres Anbetungsopfer des neuen Bundes, Du vollkommenstes Dankopfer für alle Wohlthaten, Du kräftigstes Versöhnungsopfer für Lebendige und Todte, Du werthes Bittopfer in allen Anliegen des Leibes und der Seele, Du himmlisches Bewahrungsmittel wider alle Sünden, Du Ueberfluß der göttlichen Freigebigkeit, Du Arznei der seligen Unsterblichkeit, Du Erquickung frommer und bedrängter Seelen, Du Wegzehrung der im Herrn Sterbenden, Du Unterpfand der künftigen Herrlichkeit, Sei uns gnädig, verschone uns, o Herr! Von aller Sünde, erlöse uns, o Herr! Von der Hoffart des Lebens,**) Von der Begierlichkeit der Augen und des Fleisches, Von dem unwürdigen Genusse deines heiligsten Fleisches und Blutes, Erbarme Dich unser! Erlöse uns, o Herr! 100 Betstunde für die heilige Frohnleichnamszeit. 511 Von Unandacht und Lauigkeit bei dessen Empfange,*) Von schädlicher Unwissenheit, allem Un- und Aberglauben, Von Kaltsinn und Trägheit im Geschäfte des Heiles, Von Lieblosigkeit und Mißhandlung des Nächsten, Von Best, Hunger und Krieg, Von allem Uebel des Leibes und der Seele, Durch die innige Liebe, mit der Du dies göttliche Geheimniß einseßtest, Durch dein kostbares Blut, das Du uns auf dent Altare zurückgelassen hast, Durch jene Großmuth und Geduld, welche Du bei deinem Leiden und Sterben bewiesen hast, Durch deine heiligsten fünf Wunden, Wir arme Sünder, wir bitten Dich, erhöre uns! Daß Du in uns den Glauben, die Ehrfurcht und Andacht zu diesem heiligsten Sakramente vermehrest und erhalteſt,**) Daß Du uns durch ein aufrichtiges Sündenbekenntniß zum würdigen Genusse dieses heiligsten Saframentes führest, Daß Du durch dieses hl. Sakrament in uns wahre Gottes- und Menschenliebe entzündest und beförderst. Daß wir dadurch in der Schwachheit gestärkt und in Betrübnissen getröstet werden, Daß wir dadurch mit Abscheu gegen die Sünde und mit reiner Liebe der Tugend erfüllet werden, Daß wir es allzeit mit reinem Gewissen und wahrer Andacht des Herzens empfangen, Daß Du, o Jesus! Dich mit uns dadurch vereinigest und uns Eines Herzens und Sinnes mit Dir machest, *) Erlöse uns, o Herr! ** Wir bitten Dich, erhöre uns! 512 Betstunden auf heilige Zeiten und Feste. Daß Du deine heilige Kirche regierest und erhal teſt,*) f S 3301 Daß Du unsern Dank für alle Wohlthaten annehmest, Daß Du uns unsere Bitten gewährest, Daß wir vor unserm Tode dieses heiligste Sakrament würdig empfangen, Daß wir dadurch der seligen Unsterblichkeit theilhaftig werden, Daß du die Seelen des Fegfeuers erlöfest, Jesus, Du Sohn Gottes und Heiland der Menschen, D Du Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt: verschone uns, o Herr! D Du Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt: erhöre uns, o Herr! O Du Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt: erbarme Dich unser, o Herr! Christus, höre uns! Christus, erhöre uns! Vater unser 2c. Gebet. Gott! der Du uns in dem wunderbaren Sakrament das Andenken deines Leidens hinterlassen haft: laß mich das heilige Geheimniß deines Leibes und Blutes also verehren, daß ich die Frucht deiner Erlösung in mir kräftig erfahre. Der Du lebest und regierest mit Gott dem Vater in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. *) Wir bitten Dich, erhöre uns! Maiandacht zur Feier des Marien- Monats. 513 IX. Maiandacht zur Feier des Marien- Monats. Vorbemerkung. Ensino12 Der heilige Vater, Papst Pius VII. fel. Andenkens, hat durch ein Rescript vom 21. März 1815 allen Christgläubigen, welche während des Maimonats allein oder gemeinschaftlich mit Andern ein Werk der Gottseligkeit zur Ehre der göttlichen Mutter verrichten, für jeden Tag einen Ablaß von 300 Tagen, und Einmal, wenn sie nach würdigem Empfange der heiligen Sakramente für die Angelegenheiten der Kirche beten, einen vollkommenen Ablaß verliehen. Diese Vergünstigung wurde zwar zuerst auf zehn Jahre beschränkt, durch ein anderes Rescript aber vom 8. Juni 1822 auf immer bestätiget. Art und Weise, den Maimonat zur Ehre Gottes und zum Preise der sel. Jungfrau zu heiligen. 1. Man reiniget gleich Anfangs, wenn es sein kann, das Herz durch eine reumüthige Beicht und empfängt die heilige Kommunion; wenigstens sollte dieses Einmal im Verlaufe des Monats geschehen. 2. Man arbeitet den Monat hindurch unverdrossen an der Ablegung einer bösen Gewohnheit oder eines Fehlers, an der Aneignung einer Tugend und befleißt sich überhaupt, der göttlichen Mutter durch Reinheit des Herzens zu gefallen. 3. Jeden Morgen opfert man alle Handlungen des Tages ihr und durch sie ihrem göttlichen Sohne auf, und man läßt sich angelegen sein, dieselben heilig und vollkommen zu verrichten. 4. Täglich, wenn es immer geschehen kann, wohnt man dem heiligen Meßopfer und der öffent29* 514 Maiandacht lichen Andacht bei, wo sie gefeiert wird; doch kann diese auch im Besondern und zu Hause gemacht werden. 5. Man betet oft, entweder mit seinen Hausgenossen oder allein, den heiligen Rosenkranz. 6. Endlich sucht man die Verehrung Mariens auch bei Andern zu befördern und wirkt, wo man kann, zur Bekehrung eines Sünders. Vorbereitungsgebet. Heilige Maria, Mutter der Gnaden, Zuflucht der Sünder, mächtige Beschüßzerin und getreue Retterin deiner Pflegkinder, sende einen huldvollen Blick deiner Güte auf mich herab! Siehe, wie viele deiner Diener und Dienerinnen sich heute vor deinem Altare versammeln, um dir gleich im Anfange dieses zu deiner Verehrung bestimmten Monats ihre Huldigung darzubringen. Auch ich bin entschlossen, diesen Monat durch einen unschuldigen, frommen Wandel, durch tägliche Ausübung der Tugend zu deiner und deines Sohnes Ehre zu heiligen und mein Mögliches zu thun, damit ich deines mächtigen Schußes und deiner huldreichen Güte würdig werde. Nimm auf, o liebevolle Mutter! nimm auf mein inbrünstiges Verlangen, dir einen gefälligen Dienst zu erweisen und erhalte mir die Gnade, dieses Vorhaben treu in's Werk zu sehen. Gewährst du mir dies Eine, so hoffe ich dadurch auch das Weitere zu erlangen, was zu meinem ewigen Heile ersprießlich ist: die Gnade, wahre Buße zu wirken, in der Tugend und Hei ligkeit zuzunehmen und im Guten zu verharren bis an das Ende durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. 14 515 zur Feier des Marien- Monats. Marianischer Tugendkranz auf alle Tage des Maimonats. Erster Tag. Erkenntniß Gottes. D Maria, du hellschimmernder Stern der göttlichen Erleuchtung! die du durch deinen in Gott befestigten Sinn, durch dein stetes Aufmerken auf die Regungen der Gnade und durch deine unverleßliche Treue gegen dieselben, an dem Lichte des heiligen Geistes stets neuen Zuwachs verdienteſt und jetzt alle unsere Anliegen in Gott klar schaueft und dein Licht und deine Hülfe uns so gerne mildreich zuwendest: leuchte uns vor, daß wir den göttlichen heiligen Geist in uns niemals durch Sünden betrüben, sondern von deiner Hülfe unterstüßt, treu mitwirken in beharrlichem Glauben, um einst gewürdiget zu werden, zu schauen das ewige Licht, Jesus Christus, deinen Sohn und unsern Heiland. Amen. Vater unser 2c. Gegrüßt seist 2c. 3weiter Tag. Umgang mit Gott. O Maria, du Vertrauteste des heiligen Geistes! Im Paradiese, im Stande der Unschuld, erfreuten sich unsere Stammeltern des vertraulichsten Umganges mit Gott, bis sie der Sünde und ihrer Verwüstung durch ihre Sinne Eingang in die Seele geſtatteten, wornach sie Gottes Gegenwart fürchteten und sich Ihm nicht mehr zu nahen getrauten. Du aber, o Maria! als neue und bessere Eva, hieltest deine Sinne stets bewacht und verschlossen, und pflegtest, als die geliebte und würdigste Tochter des himmlischen Vaters, auch bei deinem äußeren Wirken dennoch in steter innigster Vereinigung den 316 süßesten, vertraulichsten Umgang mit Ihm, deinem Herrn und Gott. Und wer vermag die tiefe Stille und Demuth deines Herzens, das Lob, welches da dem Herrn erklang, die Thränen, die du vor Ihm weintest, und die Reinheit deines ganzen Wandels und Wirkens mit Worten zu schildern? O daß wir vermöchten, diesen deinen Spuren zu folgen, wozu uns die ewige Weisheit selbst mit den freundlichsten Worten einladet, indem sie spricht: Meine Freude ist, bei den Menschenkindern zu sein!" O du Vertrauteste des ewigen Vaters! die du jederzeit freien Zutritt haft zu seinem Throne, erflehe uns die Gnade, daß wir niemals unseres Gottes vergessen, in kindlicher Furcht vor Ihm wandeln und alle unsere Handlungen durch eine Jhm wohlgefällige Meinung heiligen mögen. Amen. Vater unser 2c. Gegrüßt seist 2c. Maiandacht Dritter Tag. Leben in Gott. O Maria! du athmetest nicht die gemeine Luft, sondern das Wehen des heiligen Geistes war dein Lebenshauch, und deine Speise war, den Willen des himmlischen Vaters zu vollziehen. In dir war ichts eitel, nichts überflüssig, nichts mangelhaft, nichts verleßet, Alles heilig, Alles unberührt, und Gott sah dich an, und es war Alles gut." Darum hat Er dich ausersehen zur neuen Bundeslade, darin nicht die Gesegtafeln aufbewahrt, sondern der ewige Gesetzgeber selbst wie in seinem Brautgemache ruhen sollte. O wunderbare Arche, die du über den Fluthen des Verderbens sicher auf seinem heiligen Berge ruhest, nimm uns in deinen Schuß, daß wir in dem Schlamme unseres Elendes nicht versinken! O reinste Lilie, umgib uns mit deinem zur Feier des Marien- Monats. 517 füßen Duft, daß wir wahrhaft in Gott leben und nicht im Verwesungsgeruche unserer Sünden vor dem ewigen Richter erscheinen! O Mutter der Barmherzigkeit, komm' uns zu Hülfe in unserer legten Stunde und speise uns mit der gebenedeiten Frucht deines Leibes, daß wir im Frieden scheiden und unsere Seele bewahret werde zum ewigen Leben, durch unsern Herrn Jesus Christus! Vater unser 2c. Gegrüßt seist 2c. Amen. Vierter Tag. Vereinigung mit Gott. O Maria, du goldene Nehre des reinsten Weizens, durch die das Brod des Lebens uns gegeben ward! Ein schwacher Stamm aus David's Hause, hast du die gesegnetste Frucht getragen, die da Samen gegeben für den ganzen Erdboden, auf daß nimmer aufhöre Saat und Ernte bis zum Ende der Welt. Darum freue dich, o Jungfrau! denn an allen Orten wird nun dem Herrn ein reines Opfer dargebracht, und es wird dein Name verkündet allen Völkern, weil Großes der Herr an dir gethan und dich gesetzt hat zur Stammmutter eines neuen Geschlechtes, das Fleisch von seinem Fleische und Blut von seinem Blute ist. Dir ward die ganze Tiefe des Geheimnisses erschlossen, in das selbst Engel zu schauen gelüstet; denn in dir, o Arche des Bundes! lag das wahre Manna verborgen; durch dich ward uns gegeben Brod vom Himmel, das alle Lieblichkeit in sich enthält." D Maria, hochgebenedeite, jungfräuliche Mutter! ziere uns, deine Kinder, mit deinem Tugendschmuck, auf daß wir durch würdigen Genuß des allerheiligsten Fleisches und Blutes Jesu Christi auch wahre, geheiligte Glieder seines Leibes werden! Amen. Vater unser 2c. Gegrüßt seist x. 618 Maiandacht Fünfter Tag. Sehnsucht nach Gott. 4 O Maria! Kein Hauch einer irdischen Begierde entstieg je deinem reinsten Herzen, noch ward der Glanz deiner Tugenden durch irgend ein vergängliches, ungeordnetes Verlangen getrübt. In deinem Inneren war wie in einem Heiligthume Alles hinterlegt, was die Propheten geweisfagt, was der Engel dir verkündet, was Jesus, dein göttlicher Sohn, gethan, gelehret, gelitten hat, und erfüllte dich mit unaussprechlichen Seufzern, die den geheimsten Spuren des Verlangens Jesu folgten; denn mit Verlangen hat sein göttliches Herz stets verlangt und mit heiligem Sehnen hat dein mütterliches Herz sich stets gesehnt, bis Alles vollbracht war; bis die Sehnsucht deine Seele dem Leibe enthob. O heiliges Sehnen! O seliges Scheiden! O Mutter der schönen Liebe! D Herz der heiligen Sehnsucht! mache heil unser Inneres von allen ungeordneten Begierden, die das Herz zertheilen, und ziehe all' unser Verlangen auf das Eine hin, daß wir stets mit ganzer Begierde nach dem ewigen Leben trachten, welches ist in Jesus Christus, unserm Herrn und Heiland. Amen. Vater unser 2c. Gegrüßt seist 2c. Sechster Tag. Glaube. O Maria, du hohes Vorbild des Glaubens und des himmlischen Friedens! Deinem tiefgewurzelten, demüthigen Glauben entkeimte deine Seelenruhe, dein himmlischer Friede. Deinem lebendigen, thätigen Glauben entsproß dein herrlicher Tugendschmuck. Elisabeth, deine fromme, vom heiligen Geiste erleuchtete Base, pries deinen Glauben, indem zur Feier des Marien- Monats. 519 fie sprach: Selig bist du, weil du geglaubt haft!" Dein demüthiger Glaube, o Hochbegnadigte! zweifelte nicht an den großen Verheißungen, als du den Sohn des Allerhöchsten in seiner tiefsten Erniedrigung als hülfsbedürftiges Menschenkind schauteſt. Dein Glaube stand allein noch unerschüttert, als bei dem schmählichen Kreuzestode Jesu, deines Sohnes, der Stüße deines Glaubens, deiner Hoffnung und Liebe, die Felsen zerspalteten und selbst die künftigen Säulen der Kirche, die Apostel, wankten: Du allein schautest im Glauben das Reich der Sünde gestürzet und erkanntest das heilige Kreuz als das Werkzeug der Erlösung, als Zeichen des Friedens und des errungenen neuen Gnadengesetzes, voll Dank und Liebe. Deines Glaubens freut sich die ganze Kirche, da sie singt: ,, Alle Irrlehren hast du allein zernichtet in gesammter Welt!" D so stehe mit deiner mächtigen Hülfe uns bei in jedem Kampfe, damit wir unser Heil in thätigem Glauben wirken, und der allen Begriff übersteigende Friede unsere Herzen beselige! Amen. Vater unser 2c. Gegrüßt seist 2c. Siebenter Tag. Hoffuung. O Maria, du geistlicher Anker der Hoffnung unsers Heiles, du Taube der Arche mit dem grünenden Delzweige, reinste Mutter der heiligen Hoffnung; du Palme des Sieges Aller, die ihre Hoffnung auf Gott seßen! bitte für uns bei Gott, dem Urheber unserer Hoffnung, daß wir durch die Kraft des heiligen Geistes in der Hoffnung immer mehr gestärkt werden, daß wir der Gottlosigkeit und allen weltlichen Lüsten absagen, und mäßig, gerecht und gottselig in dieser Welt leben, in Erwartung der 520 Maiandacht seligen Hoffnung und der Ankunft des großen Gottes, unsers Heilandes Jesus Christus, der sich selbſt für uns dargegeben hat." Amen. Vater unser 2c. Gegrüßt seist 2c. Achter Tag. Liebe. O Maria, Mutter der schönen Liebe! dein Herz blühte in deinem engelreinen Leibe wie eine glühende Rose, wie die Turteltaube in ihrer Einsamkeit, wie die Braut in den Felsenrißen, und Niemand wußte um deine engelreine, zarte Liebe, als der göttliche Bräutigam allein, der nach deiner Schönheit verlangte. Was dein Herz empfing und als föstliches Kleinod bewahrte und was es dem Herrn opferte, war lautere, flammende Liebe. Kein Auge hat je Aehnliches gesehen, kein Ohr hat es je ge hört, welch' süße Harmonie in deinem Herzen klang, und in keines Menschen Herz ist es je gekommen, wovon dein Herz stets überquoll. O süßes, o mildes, o gütiges Herz Mariä, erbitte mir und Allen, die dein Gedächtniß ehren und nach der ewigen Seligkeit verlangen, die Gnade, daß auch in unsern Herzen die Liebe Christi fiegen möge! Amen. Vater unser 2c. Gegrüßt seist 2c. me a Neunter Tag. Klugheit. 11 O Maria, fluge Jungfrau, die du den Glanz deiner Tugenden und Vorzüge stets unter den Dornen strenger Verleugnung bargest: Du bist ganz schön, und keine Makel ist an dir!" ,, Wie eine Lilie unter den Dornen, so ist meine Freundin unter den Töchtern." Denn frühe schon hat dein Geliebter die Liebe in dir geordnet. Frühe schon hieltest zur Feier des Marien- Monats. 521 du, o kluge Jungfrau! die Lampe bereitet und erwartetest den Bräutigam, da du hochherzig die gemeine Bahn der Töchter Jerusalems überschrittest und die Jungfräulichkeit wähltest, als die Einzige fähig, schon im Dunkel der Vorzeit das Säuſeln des Geistes zu vernehmen, jenes Geistes, welcheri Christus, dein göttlicher Sohn, später dann beim hellen Lichte des Mittags laut aussprach, indem Er rief: Wer es fassen kann, der fasse es!"- Du aber, o reinste Jungfrau! verhülltest diese deine Einzigkeit unter das Band der Vermählung, da du mit Joseph, dem armen, aber gerechten Zimmermanne, dich trauen ließest, und so blieb es vor den Augen der Welt ein tiefes Geheimniß. Gott, heiliger Geist! Du Ausspender aller Gnaden, der Du Maria, deine auserwählte Braut, mit der Gabe der höchsten Klugheit geschmückt haft: ergieße auch in unser Herz einen Strahl deines göttlichen Lichtes, auf daß wir durch keine Art von Schimmer jemals getäuscht werden, sondern jederzeit deiner Anleitung zur Tugend und Gottfeligkeit folgend, also durch dieses Leben hindurchgehen mögen, daß wir das ewige nicht verlieren. Durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. Vater unser 2c. Gegrüßt seist 2c. Zehnter Tag. Mäßigung. O hehre Himmelskönigin Maria! dir gebühret die Krone des Reiches, der Triumph des Sieges, der Titel aller Ehren! Denn dein tiefgegründeter, demüthiger Glaube, deine unerschütterliche Hoff= nung, deine glühende Liebe, deine englische Reinigkeit, deine tiefe Demuth, dein vollkommener Gehorsam, deine hocherleuchtete Klugheit, dein heißes Maiandacht Mitleiden, deine Treue und unüberwindliche Standhaftigkeit, alle deine Tugenden waren geordnet und trugen das Gepräge einer weisen Mäßigung, die niemals die Schranken der christlichen Klugheit überschritt. Wundersam war in dir, o heiligste Jungfrau! das rechte Maaß in Allem zugewogen, Alles geordnet, Alles im vollkommensten Einklang. So erflehe uns denn, o du unser Vorbild in jeglicher Tugend! die Gnade, daß die christliche Mäßigung alle unsere Kräfte und Fähigkeiten beaufsichtige und leite- zur Ehre Gottes, zur Wohlfahrt unserer Mitmenschen und zu unserm eigenen Heile. Amen. Vater unser 2c. Gegrüßt sei 2c. * 22 Eilfter Tag. Gerechtigkeit. O Maria! Du warst in Allem gerecht vor Gott; denn du erfülltest mit deinem göttlichen Sohne alle Gerechtigkeit; keinen Punkt des Gesetzes ließest Du unbeachtet, und weder Trübsal noch Angst, weder Schwert noch Verfolgung vermochte dich von der Liebe Christi zu scheiden. Du warst auch ganz gerecht in dir selbst; keine Unwahrheit ward je in Dir gefunden; denn dein Geist und dein Fleisch war mit dem Dele der Gerechtigkeit gefalbt, und, hoch erhaben über das Verderben der Menschheit, hatte der Fürst dieser Welt an dir keinen Theil. O Spiegel der Gerechtigkeit! zeige uns die Makel, womit der Geist der Ungerechtigkeit uns verunrei nigt, und sei uns mit deiner Hülfe nahe, auf daß wir nicht untergehen in dieser Welt voll Ungerechtigkeit, von welcher der heilige Apostel Jakobus warnend spricht; sondern im treuen Bekenntniſſe der Wahrheit Rechtfertigung finden, durch die Verdienste unsers Herrn und Heilandes Jesu Christi, zur Feier des Marien- Monats. 523 der um unserer Rechtfertigung willen am Kreuze gestorben ist. Amen. Vater unser 2c. Gegrüßt seist 2c. Zwölfter Tag. Starkmüthigkeit. O Maria, wie groß ist deine Starkmüthigkeit, wie groß deine Standhaftigkeit im Reiche der Tugenden! Nichts wußte hievon selbst Salomon, der Weise; denn nichts Beständiges", spricht er, ist unter der Sonne"; ja, nichts auf Erden kommt deiner Beständigkeit gleich, o Königin der Standhaftigkeit, Königin der Märtyrer! Niemals wurden deine klaren Augen der Seele verdunkelt, denn stets waren sie erleuchtet von der Erkenntniß des göttlichen Willens, in welchem dein Wille ganz Eins war mit Gott und deinem Sohne Jesus. O D sei mit deiner Hülfe uns allezeit nahe, wenn Unbeſtändigkeit, wenn Kleinmuth unser Herz beengt; winke uns zu mit deiner Siegespalme, auf daß wir, deine Pflegekinder, die Erlösten deines gebenedeiten Sohnes, mit starkmüthigem Herzen die Wege seiner Gebote laufen und ausharren mögen bis an's Ende. Amen. Vater unser 2c. Gegrüßt seist 2c. Dreizehnter Tag. Demuth. O Maria, du, ein unvergleichliches Beispiel der Demuth! entzogest dich ganz den Blicken der Menschen, versenktest dich in stille Einsamkeit und bist das vollkommenste Vorbild des mit Christus in Gott verborgenen Lebens. Du, obschon voll der Gnade, seßtest Mißtrauen in dich selbst und flohest die Gefahr; o erbitte uns, die wir voll der bösen Begierden sind und in Gefahren schweben, die Gnade, 524 Maiandacht daß wir nach deinem Beispiele die Zurückgezogenheit lieben, damit die Liebe zum Gebete, zur innigen Vereinigung mit Gott und alle Tugenden in unsern Herzen Wurzel fassen mögen. Amen. Vater unser 2c. Gegrüßt seist 2c. Vierzehnter Tag. Freigebigkeit. O Maria! Du bist die Spenderin der himmlischen Gnadenschäße. Wenn du aufschließest,.dann schließt Niemand zu; wenn du austheilest und den Armen gibst, dann ist Ueberfluß an allen Gütern. Zu dir ist gerichtet das Verlangen derer, die nach Gerechtigkeit hungern und dürsten; nach dir geht das Seufzen der zerknirschten Herzen; Sünder und Verbrecher flüchten sich zu dir, als einer Freistätte, und die Verfolgten fliehen unter deinen Schuß. Die da betrübt sind, rufen zu dir, daß du sie tröstest; die Kranken erwarten von dir ihre Heilung, und aus den Kerkern ertönen die dringendsten Bitten zu dir. Aller Augen blicken nach dir, o Mutter der Gnaden! und du schließest auf und gibst den Armen und theilest reichlich aus Gnade um Gnade. O Maria, Pforte des Himmels, thue weit auf deine Angeln und führe Alle ein, die da geschaffen und erneuert sind nach dem Bilde der Gottheit, auf daß Ein Schafftall und Ein Hirt werde und Alle anbetend niederfallen vor dem „ Lamme, das auf dem Throne sitzt", und lobpreisen den Namen Gottes in Ewigkeit! Amen. Vater unser 2c. Gegrüßt seist 2c. Fünfzehnter Tag. Reinigkeit. D Maria, du blühende Lilie der Reinigkeit, du Spiegel der Heiligkeit, sei mir eine Beschüßerin zur Feier des Marien- Monats. 525 der Keuschheit, eine Zuflucht in aller Gefahr! Unterweise mich, daß ich mit Leib und Seele in aller Reinheit und Keuschheit Jesu, dem Könige der Jungfrauen, dem Liebhaber keuscher Herzen, angenehm dienen möge, wie du im Frohlocken deines Herzens und in unaussprechlicher Freude Jhm gedienet hast. Amen. Vater unser 2c. Gegrüßt seist 2c. Sechszehnter Tag. Nächstenliebe. O Maria! hell leuchtet deine Nächstenliebe vor anderen Tugenden. Deine Liebe zur Zurückgezogenheit und zum Schweigen mußte dieser Tugend weichen, da du zu Elisabeth eiltest, ihr zu dienen, und auf der Hochzeit zu Kana deine fürbittende Stimme hören ließest. Wer immer dir nahte, ward von inniger Liebe angezogen wegen der Milde deines Anblickes, wegen der Freundlichkeit und Bescheidenheit deiner Rede, wegen der Liebenswürdigkeit und unbeschreiblichen Anmuth, wovon dein ganzes Wesen gewürzet war. Erlaube uns denn, vor dir in Demuth uns niederzuwerfen mit der herzlichen Bitte, du wollest uns bei deinem allerheiligsten Sohne die Tugend wahrer Nächstenliebe erflehen, auf daß wir niemals, weder mit Worten noch Werken, Jemanden beleidigen oder ergerniß geben, sondern nach deinem Beispiele Allen zum Guten helfen und gegenseitig einander dienen mögen in der Liebe Christi, deines Sohnes. Amen. Vater unser 2c. Gegrüßt seist 2c. Siebenzehnter Tag. Mäßigkeit. O Maria! Deine Art ist einzig und stammt aus dem Paradiese her, wo unsere Aeltern ganz 526 Maiandacht heilig und makellos aus Gottes Hand kamen. Nim mer fühltest du ein anderes Gesetz in deinen Gliedern, noch ward auch je die Herrschaft des von Gott eingegossenen Geistes in dir gemindert oder ge= hemmt. Wundersam war in dir das rechte Maß in Allem zugewogen und Alles war in dir rein. Dein Genießen und dein Entbehren geschah in höchster Ruhe; denn du wußtest nichts von ungeordneter Begierde, und ein beständiges Gastmahl war dir dein stiller Geist. D so erflehe, du Mutter der Gnade und der Tugend, erflehe uns bei deinem göttlichen Sohne Heilung von jeder Art Unmäßigkeit, die Leib und Seele schwächt und das Herz nicht ruhen läßt in Gott, dem höchsten Gute, in dessen überflüssiger Erbarmung allein wir das Leben haben. Amen. Vater unser 2c. Gegrüßt seist 2c. Achtzehnter Tag. Sanftmuth. O Maria, wem bist du zu vergleichen in der schönen Tugend der Sanftmuth! Noe, der Ge rechte, fluchte seinem Sohne; Moses, der Sanftmüthigste unter den Menschen, zerschmetterte im Borne die heiligen Tafeln; David, der mildeste König, entrüstete sich, da Michol seiner spottete. Wann aber, o Frau und Herrin! ließest du ein Drohwort hören? Wann, o Sanftmüthigste! hat Grimm dein Herz vergällt? Wann sehen wir dich entrüstet, verwirrt oder dich rächend? Dein ganzes Wesen ist Sanftmuth, Milde, Güte, und als die Erste und Treueste folgtest du der Stimme deines göttlichen Sohnes: Lernet von Mir, dr Ich sanft= müthig bin und von Herzen demüthig." In stiller Sanftmuth, ohne Klage, wandeltest du nach Beth zur Feier des Marien- Monats. 527 lehem, in den Stall, nach Aegypten, und wieder nach Nazareth, und pflegtest des Lammes, das am großen Ostertage sollte geschlachtet werden. D Sanftmüthigste! die du dem Lamme Jesus Christus, deinem Sohne folgtest, wohin immer Es ging: ziehe uns und wir werden nach dir laufen; beuge, mildere das Harte, und was rauh ist, das ebne du.. Lasse nicht zu den Böcken uns gestellet werden; denn wir sind ja deines Sohnes auserwählte Heerde und die Schafe seiner Weide, o unsere beste Hirtin! A. Vater unser 2c. Gegrüßt seist 2c. Neunzehnter Tag. Eifer im Guten. O Maria! du stelltest in deinem Leben die Vollkommenheit aller Tugenden am treuesten dar. Alles in dir war vollkommen und kein Schatten einer Makel trübte den Vollglanz deiner Tugenden. Dieſe Vollkommenheit hast du dir durch den heiligen Eifer erworben, der dich antrieb, alle deine Seelenkräfte, alle Regungen des Gemüths, alle Gedanken, Worte und Werke in der reinslen Absicht Gott zuzueignen. O sei uns allezeit eine Helferin und Fürbitterin bei Gott, daß wir durch seine Gnade alle Sünden und Unvollkommenheiten von uns thun, und, eingedenk der Worte Christi: ,, Seid vollkommen, gleichwie auch euer Vater im Himmel vollkommen ist!" mit heiligem Eifer nach der christlichen Vollkommenheit streben, um zur innigsten Vereinigung mit Jeſu, dem Urbilde aller Vollkommenheit, zu gelangen! 2. Vater unser 2c. Gegrüßt feist 2c. Zwanzigster Tag. Gehorsam. O Maria! tiefe Wurzel hatte der Gehorsam in deinem Herzen gefaßt. Du umklammertest die Ge 528 Matandacht bote und Vorschriften des Herrn mit heiligem Eifer und stiegest an der Leiter des Gehorsams von Tugend zu Tugend, bis zum Gipfel der Vollkommenheit empor. Der Gehorsam hatte das gesegnetste Erdreich in dir bereitet, daß jede Gnade, die du empfiengst, ihre Frucht brachte. Derbitte uns Allen ein gehorsames, unterthäniges Herz für alle Gebote und Vorschriften der heiligen Kirche; ein treues, eifervolles Herz für die Pflichten unseres Berufes; ein gelehriges, wohlbereitetes Herz für die Einsprechungen der Gnade! Amen. Vater unser 2c. Gegrüßt seist 2c. Einundzwanzigster Tag. Andacht. O Maria, wer vermöchte die heilige Andacht zu schildern, wovon dein Herz stets durchglüht war! Dein stilles Sinnen ist nun in klares Schauen übergegangen; so vergiß denn meiner nicht in deiner Glorie und bewege deinen gebenedeiten Sohn Jesus, daß Er das heilige Siegel seiner Gnade auf mein Herz drücke, damit ich, alles Irdische vergessend, meines Gottes stets eingedenk, durch den Hauch seiner Gnade zu neuem Leben erweckt, ganz zu seiner Liebe hingezogen und auf ewig mit Ihm vereiniget werde. Amen. Vater unser 2c. Gegrüßt seist 2c. Zwei und zwanzigster Tag. Schweigsamkeit. Eine Lehrmeisterin bescheidener Verschwiegenheit bist du, o Maria! Eine verschlossene Pforte, ein verwahrtes Siegel ist meine Braut", sagt die ewige Weisheit von dir, und Niemand ward gegeben, dieses Siegel zu eröffnen, selbst nicht Joseph, dei zur Feier des Marien- Monats. 529 nem treuen Beschüßzer. Aber wie theuer mußtest du, Maria, dein Schweigen gewinnen? wahrlich mit der empfindlichsten Prüfung! Doch dein Sinn war gänzlich nach Innen gekehrt zu Dem, der schweigend in deinem Schooße lag. So warst du in heiligem Schweigen in die Fußstapfen deines göttlichen Sohnes eingetreten; und also schweigend finden wir dich selbst noch am Ziele seiner Laufbahn, unter dem Kreuze- in die Wundmale Jesu versenkt. D schweigsame Jungfrau, lehre uns den köstlichen Schatz der Reinheit des Herzens bewahren durch heiliges, kluges und geduldiges Schweigen! Lehre uns nur das suchen, was Gottes ist, und wie wir Gott allein gefallen mögen! Amen. Vater unser 2c. Gegrüßt seist 2c. Drei und zwanzigster Tag. Herzensgüte. Dein mildes Herz, o Maria! war ein nach dem Worte Gottes stets dürftendes Erdreich, und du fogest die süßen Lehren und Aussprüche aus dem Munde deines göttlichen Sohnes überall ein; daher das Wesen der Menschenfreundlichkeit, der Güte und Milde Gottes so ganz in dich überging, daß du wahrhaft eine Gnadenröhre bist, durch die uns Barmherzigkeit und Heil zufließet. Vor deinem holden Antlige, o unsere gute Himmelsmutter! haben wir keinen Zorn, keine Strafe zu fürchten. Um dein mitleidiges Herz zu rühren, bei dir Gnade zu finden ind deine Milde zu erfahren, dürfen wir nur unsere Gebrechen aufdecken, unsere Anliegen und Bedürfnisse der Seele zeigen, dir können wir mit kindlicher Zuversicht Alles klagen, was unser Herz bedrängt, und wenn die Worte versagen, mit Thränen zu dir reden. O geliebteste Mutter! du begehrest 30 530 Maiandacht so sehr empfängliche Herzen, um Gnaden auszutheilen, weil du die Verherrlichung Gottes und das Heil der Seelen so sehnlichst wünschest. O so breite fie aus deine Gnaden und Segen spendenden Arme über uns und alle Sünder, auf daß wir einst gewürdiget werden, deine Schönheit zu schauen und Gottes Erbarmungen mit allen Heiligen ohne Ende zu preisen: O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria! Amen. Vater unser 2c. Gegrüßt seist 2c. Vier und zwanzigster Tag. Friede. O Königin des Friedens, wie mild glänzt dein Angesicht, wie sanft ertönet deine Stimme: Ich bin eine Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Worte!" Dieser Erguß deiner tiefsten Demuth, deiner hehrsten Großmuth war der Grund deines unzerstörbaren, himmlischen Friedens. Wohlan, unsere Mutter! laß auch uns kosten von diesem Wohlgeruche deiner Demuth, von diesem Verdienste deiner Geduld, von dieser Frucht deiner Beharrlichkeit, von diesem besten Theil, der nimmer von dir genommen ward. Mache Friede unter deinen Kindern, Friede mit Gott, mit dem Nächsten, mit uns selbst; Friede vor den Nachstellungen des bösen Feindes, vor den Reizungen der Welt und des Fleisches; Friede, nicht wie die Welt ihn gibt, durch Befriedigung der bösen Lüste und Begierden, sondern in der Ruhe eines guten Gewissens. In diesem seligen Frieden wolle der Gott alles Trostes uns von hinnen scheiden lassen und uns würdig machen des ewigen Friedens in seinem Reiche. Amen. Vater unser 2c. Gegrüßt seist 2c. zur Feier des Marien- Monats. Fünf und zwanzigster Tag. Geduld. Diese Tugend fegtest du, o Maria! wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel auf deinen Arm; sie war die Quelle deiner Großmuth und Stärke. Durch sie trugest du die Wundmale Chriſti in deinem Herzen, durch sie vollbrachtest du dein vollkommenes Werk. O du, wegen deiner Geduld wahrhaft friedfertigste Braut des ewigen Friedensfürsten! lehre und erweise uns, wie wir in Geduld unsere Seele besigen und durch die Geduld den Frieden bewahren mit Allen, daß wir einander uns ertragen mögen in Liebe, wodurch wir das Gesetz Christi erfüllen. Lehre und unterweise uns, auf daß wir in Geduld das hoffen, was wir nicht sehen; mit Geduld dem uns vorgesteckten Wettpreiſe zulaufen; durch Geduld uns in allen Dingen als Gottgetreue erweisen, und nicht träge werden, sondern Nachahmer derer, die durch Glauben und Geduld Erben des Himmels geworden sind. Amen. Vater unser 2c. Gegrüßt seist 2c. 531 Sechs und zwanzigster Tag. Heiliges Mitleiden. Ein Schwert durchbohrte dein liebendes Mutterherz, o Maria! da die Leiden und der Tod deines göttlichen Sohnes deiner Seele stets gegenwärtig waren. O senke dieses siebenfache Schwert tief in unsere Herzen, auf daß die Wurzel der sieben Uebel der Menschheit, die deinen gebenedeiten Sohn Jesus an's Kreuz gebracht, in uns, den theuer Erlösten, vollkommen getilgt werde, durch die Verdienste des bittern Leidens und Sterbens Jesu Christi und durch dein heiliges Mitleiden, o schmerzhafte Mutter! A. Vater unser 2c. Gegrüßt seist 2c. 532 Maiandacht Sieben und zwanzigster Tag. Mitleid mit Kranten. Dein Andenken, o allgemein gepriesene Nothhelferin! ziehet unsere Herzen mit dem zuversichtlichsten Vertrauen zu dir hin und ist uns elenden Kindern Even's heilende Arznei und die lieblichste Erquichung in allen Seelen- und Körperleiden, die, eine Folge und Ererbung der Sünde, von Gott angeordnet und uns zugetheilet werden als eine Nahnung und ein Mittel zur Buße.- In dir aber, o Auserwählte! die du mit dem Vorzuge der Unbeflecktheit strahlest, hatte niemals die geringste Makel der Sünde Zugang gefunden; daher konnte auch niemals ein Gebrechen des Leibes oder Krankheit dich berühren; und für diese hohe Begnadigung verpflichtest du dich, eine allgemeine Mutter der Barmherzigkeit und eine mitleidvolle Helferin der armen Menschheit zu sein. D du, durch die der Fluch des Erdreiches in Segen verwandelt worden, durch die der Schwemmteich von Silo über den Erdboden sich ergossen hat, o hilf uns, die wir in der Vorhalle dieser Vergänglichkeit krank darniederliegen, hilf uns Allen hinabsteigen in den Schwemmteich der Buße, auf daß wir genesen und uns nicht etwas Nergeres widerfahre! O Maria, Heil der Kranken, bitt' für uns! Amen. Vater unser 2c. Gegrüßt seist 2c. Acht und zwanzigsterTag. Mitleid mit Sündern. Eine Mutter süßer Tröstung bist du, o Maria! für alle verlassenen, geängsteten und bedrängten Seelen! Welche Art Trübsal hat je eine Seele getroffen, in der du, vertrauensvoll angerufen, nicht sogleich helfend und heilend entgegen kamst? denn zur Feier des Marien- Monats. 533 du suchest die Elenden auf und kommst ihren Bitten zuvor. Wie viele Seelen, die kaum von dir wußten, oder schon der Verzweiflung nahe waren, verdanken dir ihre Rettung, ihre Bekehrung, ihr Heil! denn du, o Mutter des Sohnes Gottes! des Allerhöchsten, verschmähest es nicht, auch Sündern Mutter zu sein. Ach, wenn wir im Gewissen ver wundet, ob unserer Sündenschuld bangen, so lasse du, o Zuflucht der Sünder! o Trösterin der Be trübten! von dem köstlichen Balsam, dem Versöl nungsblute Christi, in unsere Herzen fließen und versöhne uns das Angesicht deines göttlichen Sohnes, wenn Er erscheinen wird als Richter. Dieſe Hoffnung ruht in unserm Herzen, o Trösterin und Helferin der Christen! Amen. Vater unser 2c. Gegrüßt seist 2c. Neun und zwanzigster Tag. Abtödtung. Welche Bitterfeit ist wohl, die du, o Maria! nicht gekostet, welches Leid, das dein Herz nicht bedrängt? Mit Recht heißest du die Mutter der Schmerzen," indem du zunächst standest dem Kreuze des Herrn, dem zu Liebe du Armuth und Schmach, Verfolgung und bitterstes Herzenleid freiwillig umfiengst und gleich kostbaren Edelsteinen sie aufsammeltest, um die Schuld der ersten Eva an dem Menschengeschlechte tilgen zu helfen. Weise empfiengst du von den Weisen die Myrrhe; denn ein Myrrhenbüschlein war dir dein Geliebter, welches an deinem Mutterherzen ruhen sollte, bis du hinanstiegest den Myrrhenberg, auf dessen Höhe Er dir entriffen ward. O betrübteste unter allen Müttern, wie stehest du einsam und verlassen, da dein einzig geliebter Sohn, die Wonne und Zierde dei30* 534 Maiandacht -- nes Lebens, dir genommen, da die Frucht deiner jungfräulichen Mutterschaft todt am Kreuze hieng! Ist dieses Abtödtung, Kreuzigung des Fleisches? Ach, nicht Abtödtung, nicht Kreuzigung des Fleisches; denn dein Fleisch hatte nichts verbrochen: sondern Sterben ist es mit Jesus sterben aus Liebe für die Verbrechen der Menschheit!— Darum, o unsere Frau, unsere Mittlerin, unsere Fürsprecherin! versöhne uns mit deinem Sohne, empfehle uns deinem Sohne, stelle uns vor deinem Sohne; bitt für uns, daß wir der Sünde und allen bösen Gelüften absterben, dem Zuge der Gnade treulich folgen, unter der Kreuzesfahne Christi tapfer streiten und zum Siege gelangen, durch Jesus Christus, deinen göttlichen Sohn, unsern Herrn und Heiland! Amen. Vater unser 2c. Gegrüßt seist 2c. Dreißigster Tag. Beharrlichkeit im Guten. O Maria! du fruchtbarste Rebe des wahren Weinstockes, die du die edelste Traube gebarst, welche unter der Kelter des Kreuzes den köstlichsten Wein uns gab: o trage mütterlich Sorge für uns, daß auch wir an diesem Weinstocke verbleiben; daß wir durch das Beschneiden unserer Unsitten und durch die Thränen aufrichtiger Buße viele Frucht bringen, und nicht nach Christi Drohung als dürre Rebzweige hinausgeworfen werden zum Verbrennen. Erbitt uns die Tugend der Beharrlichkeit im Guten und beschenke uns aus deinen Verdiensten mit dem hochzeitlichen Kleide, daß wir verdienen mögen, eingeführt zu werden zum Hochzeitmahle unsers ewigen Königs. Amen. Bater unser 2c. Gegrüßt seist 2c. zur Feier des Marien- Monats... 2 Ein und dreißigster Tag. Vollendung. Alle Vorzüge, welche nur von einer ewigen Weißheit erdacht, nur durch eine unendliche Macht er= theilet werden können, finden in dir, o Maria! fich vereint. Durch den Titel deiner Unbeflecktheit zeigest du uns, o reinste Jungfrau! das vollkommenste Bild der Heiligkeit Gottes, weßwegen die Chöra der Engel, die Reihen der Seligen und alle Erdenkinder dir huldigen und dich als ihre Königin verehren. Der Grund deiner höchsten Seligkeit und erhabensten Glorie, deren du, o Hochgebenedeite! im Himmel genießest, liegt jedoch nicht so sehr in dem Vorzuge, daß durch dich der Welterlöser uns ist geschenket worden, und in dem Ansehen, welches du während seiner Kindheit über Ihn auf Erden ausgeübet, als vielmehr in dem Eifer, mit dem du dich beflißest, seine Tugenden nachzuahmen, seine Erniedrigungen zu theilen und mit Ihm alle Tage deines Lebens aus dem Kelche des Leidens und der Schmach zu trinken; so daß du, von dem Purpur feines kostbarsten Blutes gefärbt, die erste Bekennerin, die Anführerin und Königin der Märtyrer geworden bist. D Mutter der göttlichen Gnaden, schönftes Vorbild aller Tugenden! flöße auch uns ein die Gesinnungen der Demuth, der Selbstverläugnung und Erniedrigung, auf daß wir wahre Schüler und Nachfolger unsers gekreuzigten Heilandes seien, fo zur Vollendung gelangen und einst verdienen mögen, in seinem Reiche ewig erhöht zu werden. Amen. Vater unser 2c. Gegrüßt seist 2c. 535 Maiandacht zur Feier des Marien- Monats. Aufopferung der Maiandacht. Was soll die höchste und größte Gnade sein, o göttlicher Heiland und Erlöser! um die ich am Schlusse dieser Maiandacht Dich bitte? Was anders, als die Gnade, die Sünde und alles Böse zu haffen, Dich aufrichtig und innig zu lieben, die Wege der Tugend zu wandeln und im Guten zu verharren? O um diese Gnade bitte ich; versage sie mir nicht! Stärke mich in meinen guten Vorsägen; leite mich auf dem Wege des Heiles, damit ich glücklich an mein Ziel gelange. Maria, meine Mutter und Königin! nimm diese zu deiner Ehre unternommene Maiandacht huldvoll an und erflehe mir von Gott den nöthigen Beistand, die gefaßten frommen Entschlüsse standhaft auszuführen. Laß mir fortan deinen mütterlichen Schuß zu Theile werden. Wenn ich falle, so hebe mich wieder auf: wenn ich irre, so führe mich auf den rechten Weg zurück; wenn ich streite, so unterstüße mich; wenn ich schwach bin, so stärke mich; wenn ich Schiffbruch leide, so rette mich; wenn ich krank bin, so heile mich, und in meiner legten Stunde stehe mir bei, auf Saß ich selig vollende und eingehen möge zur ewigen Herrlichkeit durch Jesus Christus, deinen gebenedeiten Sohn, der mit dem Vater und dem heiligen Geiste gelobt sei in alle Ewigkeit. Amen. 536 Jodys Lauretanische Litanei. Herr, erbarme Dich unser! Christus, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Christus, höre uns! Christus, erhöre uns! 00 Lauretanische Litanei. Gott Vater vom Himmel, erbarme Dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt,*) Gott heiliger Geist, Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, Heilige Maria, bitt für uns! Heilige Gottesgebärerin,**) Heilige Jungfrau aller Jungfrauen, Mutter Christi, Mutter der göttlichen Gnaden, Allerreineste Mutter, Allerkeuschefte Mutter, Du ungeschwächte Mutter, Du unbefleckte Mutter, Du liebliche Mutter, Du wunderbarliche Mutter, Du Mutter unsers Schöpfers, Du Mutter unsers Erlösers, Du allerweiseste Jungfrau, Du ehrwürdige Jungfrau, Du lobwürdige Jungfrau, Du mächtige Jungfrau, Du gütige Jungfrau, Du getreue Jungfrau, Du Spiegel der Gerechtigkeit, Du Siß der Weisheit, Du Ursache unserer Freude, Du geistliches Gefäß, Du ehrwürdiges Gefäß, Du vortreffliches Gefäß der Andacht. Du geistliche Rose Du Thurm Davids, Du elfenbeinerner Thurm, Du goldenes Haus, *) Erbarme Dich unser! **) Bitt für uns! 537 Lauretanische Litanei. 538 Du Arche des Bundes,*) Du Pforte des Himmels, Du Morgenstern, Du Heil der Kranken, Du Zuflucht der Sünder, Du Trösterin der Betrübten, Du Helferin der Christen, Du Königin der Engel, Du Königin der Patriarchen, Du Königin der Propheten, Du Königin der Apostel, Du Königin der Märtyrer, Du Königin der Beichtiger, Du Königin der Jungfrauen, Du Königin aller Heiligen, Du Königin, ohne Makel der Erbsünde empfangen, Du Königin des heiligen Rosenkranzes, D Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! O Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erhöre uns, o Herr! D Du Lamm Gottes, welches Du hinwegnimmſt die Sünden der Welt, erbarme Dich unser, o Herr! Christus, höre uns! Christus, erhöre uns! Herr, erbarme Dich unser! Christus, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Vater unser 2c. Gegrüßt seist 2c. Unter deinen Schuß und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesgebärerin! verschmähe nicht unser Gebet in unsern Nöthen, sondern erlöse uns jederzeit von aller Gefährlichkeit. O du glorwürdige und gebenedeite Jungfrau! unsere Frau, unsere *) Bitt für uns! Lauretanische Litanei. 539 Mittlerin, unsere Fürsprecherin! versöhne uns mit deinem Sohne, empfehle uns deinem Sohne, stelle uns vor deinem Sohne! Bitt für uns, o heilige Gottesgebärerin! Daß wir theilhaftig werden der Verheißungen Chrifti. Wir bitten Dich, o Herr! Du wolleft deine Gnade in unsere Herzen eingießen, damit wir, die wir durch die Botschaft des Engels, Christi deines Sohnes Menschwerdung erkannt haben, durch sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit und Glorie der Auferstehung geführt werden. Durch denselben Christus, unsern Herrn. Amen. Bitt für uns, o heiliger Joseph! Daß wir theilhaftig werden der Verheißungen Christi. Wir bitten Dich, o Herr! daß uns durch die Verdienste des Bräutigams deiner heiligen Gebärerin geholfen werde, damit, was unser Vermögen nicht erhalten kann, uns durch seine Fürbitte geschenkt werde. Der Du lebest und regierest mit Gott dem Vater in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Litanei von der unbefleckten Empfängniß der seligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria Entnommen aus dem apostolischen Sendschreiben unsers hl. Vaters Pius IX. vom 8. Dez. 1854. Mit Genehmigung des hochw. Herrn Bischofs von Chur und einem Ablaß von 40 Tagen. 12. April 1855. Herr, erbarme Dich unser! Christus, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Christus, höre uns! Christus, erhöre uns! Litanei 540 Gott Vater vom Himmel, erbarme Dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme Dich unser! Gott heiliger Geist, erbarme Dich unser! Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme Dich unser! Heilige Maria, bitt für uns! Heilige Maria, von Anfang und vor aller Zeit zur Mutter des Sohnes Gottes erwählt und bereitet,*) Heilige Maria, vor jeder Makel der Erbsünde frei bewahrt, Heilige Maria, frei von jedem Verderbnisse des Leibes, der Seele und des Verstandes, Heilige Maria, schönstes und heiligstes aller erschaffenen Wesen, Heilige Maria, stets geziert mit jener vollkommensten Heiligkeit, die Niemand außer Gott zu begreifen vermag, Heilige Maria, einzig unter allen Geschöpfen der Gegenstand des innigsten Wohlgefallens des himmlischen Vaters, Heilige Maria, reinste aller Jungfrauen, ¹ Heilige Maria, verehrungswürdigste Mutter des eingebornen Sohnes Gottes, Heilige Maria, mit deinem göttlichen Sohne und durch Ihn die ewige Feindin der giftigen Schlange, Heilige Maria, mit deinem göttlichen Sohne und durch Ihn die vollkommenste Siegerin über die alte grausamste Schlange, Heilige Maria, himmlische Arche Noe, unversehrt erhalten und wunderbar gerettet aus dem allgemeinen Schiffbruche ber Welt, Heilige Maria, wunderbarste Himmelsleiter auf deren Spiße der Herr ruhte, *) Bitt für uns! von der unbefleckten Empfängniß Mariens. 541 effett Heilige Maria, brennender Dornbusch, in Mitte der Feuerflammen anmuthig grünend und blühend,*) Heilige Maria, unüberwindlicher Thurm gegen jeden Anfall des Feindes, Heilige Maria, verschlossener und unentweihter Gar= ten Gottes, Heilige Maria, glänzende Stadt Gottes, gegründet auf den heiligen Bergen, Heilige Maria, erhabenster Tempel Gottes, erfüllt von der Herrlichkeit des Herrn, Heilige Maria, erhabener Thron Gottes, Heilige Maria, Bundeslade der Herrlichkeit Gottes, Heilige Maria, Haus, das die ewige Weisheit sich selbst erbaut hat, Heilige Maria, Königin, von Lieblichkeit überfließend, Heilige Maria, Sig aller göttlichen Gnaden, Heilige Maria, unermeßlicher Schatz der göttlichen Gnaden, Heilige Maria, unerschöpflicher Abgrund der göttlichen Gnaden, Heilige Maria, mit deinem Sohne ewigen Lobes und Segens theilhaftig, Heilige Maria, glorreichste Jungfrau, an welcher Derjenige, welcher der Mächtige ist, Großes ge than hat, Heilige Maria, Wunder aller Wunder Gottes, Heilige Maria, würdige Mutter Gottes, Heilige Maria, erhaben über alles Lob der Menschen und Engel, Heilige Maria, Lilie unter den Dornen, Heilige Maria, reine Erde, aus welcher Jesus, der neue Adam, gebildet wurde, *) Bitt für uns! Schule und Tempel. 31 Litanei HD moder 542 Heilige Maria, lichtvollstes und angenehmstes Pa= radies der Unschuld, der Unsterblichkeit und der Wonne,*) me po Heilige Maria, unverwesliches Holz, vom Wurm der Sünde nie verdorben, Heilige Maria, stets reine, durch die Kraft des heiligen Geistes besiegelte Quelle, Heilige Maria, göttlicher Tempel, Heilige Maria, alleinige und einzige Tochter nicht des Todes, sondern des Lebens, Heilige Maria, stets grünender Zweig nicht des Zornes, sondern der Gnade, Heilige Maria, Wiederherstellerin der Stammeltern, Heilige Maria, Lebendigmacherin der Nachkommen, Heilige Maria, mit Gott stets auf's innigste vereiniget, Heilige Maria, Erstgeborne, aus welcher Jesus, der Erstgeborne vor allen Kreaturen, empfangen wurde, Heilige Maria, Tabernackel, vom heiligen Geiste gebildet und geschmückt, Heilige Maria, eigenstes Meisterwerk Gottes, Heilige Maria, überallhin leuchtende Morgenröthe, Heilige Maria, herrlichstes Vorbild der Heiligkeit und Reinigkeit, Heilige Maria, immer blühende und stets unverfehrte Rose, Heilige Maria, neue Eva, die du in dir die ursprüngliche Gerechtigkeit vermehrt haſt, Heilige Maria, neue Eva, die du durch Gottes Kraft die Hölle von Grund aus erschüttert hast, Heilige Maria, neue Eva, die du uns den Emmanuel, Gott mit uns, geboren hast, *) Bitt für uns! shug'3 von der unbefledten Empfängniß Mariens. 543 Heilige Maria, neue Eva, die du der Welt das Heil gebracht haſt,*) Heilige Maria, Lob der Propheten und Apostel, Heilige Maria, Ehre der Märtyrer, Heilige Maria, Freude und Krone aller Heiligen, Heilige Maria, sicherste Zuflucht und treueste Hel ferin aller in Gefahr Schwebenden, Heilige Maria, des ganzen Erdkreises mächtigste Mittlerin und Fürsprecherin bei deinem Sohne, Heilige Maria, herrlichster Schmuck und Zierde der heiligen katholischen Kirche, Heilige Maria, kräftigster Schuß der heiligen katholischen Kirche, o. Heilige Maria, Besiegerin aller Irrlehren, Heilige Maria, Retterin aller gläubigen Völker aus den größten Drangsalen, Heilige Maria, Befreierin unsers heiligen Vaters Pius aus vielen und großen Leiden, Heilige Maria, Alles vermögende Fürbitterin durch die glühendste Liebe deines mütterlichen Herzens. Heilige Maria, Königin Himmels und der Erde, Heilige Maria, Königin aller englischen Chöre und Rangordnungen der Heiligen, Heilige Maria, Königin, erhöht zur Rechten deines eingebornen Sohnes, Sei uns gnädig, verschone uns, o Herr! Sei uns gnädig, erhöre uns, o Herr! Daß durch die Fürsprache deiner unbefleckten Mutter die katholische Kirche bei allen Völkern und an allen Orten immer mehr gedeihe und ausgebreitet werde: wir bitten Dich, erhöre uns! Daß durch ihre Fürsprache die katholische Kirche den 1 größten Frieden, Ruhe und Freiheit genieße: wir bitten Dich, erhöre uns! *) Bitt für uns! 544• in Litanei Litaneiday ad nou Daß durch ihre Fürsprache die Schuldigen Verzeihung und die Kranken Heilung erlangen,*) Daß durch ihre Fürsprache die Kleinmüthigen Stärke, die Betrübten Trost und die in Gefahr Schwebenden Hülfe erhalten, Daß durch ihre Fürsprache die Frrenden zum Wege der Wahrheit und der Gerechtigkeit zurückkehren, Daß durch ihre Fürsprache Eine Heerde und Ein Hirt werde, Daß wir deine unbefleckte Mutter mit eifriger Liebe verehren und anrufen, Daß wir zu ihr als zu der süßesten Mutter der Era barmung und der Gnade in allen Gefahren mit vollstem Vertrauen Zuflucht nehmen, Daß Du die Städte, Provinzen und Königreiche, welche deine heiligste Mutter als Schüßerin unter dem Titel der unbefleckten Empfängniß erwählt haben, reichlich segnen wollest, Daß Du die zur Ehre der unbefleckten Empfängniß errichteten Bruderschaften, Vereine und geistlichen Orden stärken und erhalten wollest, Daß Du die unter dem Titel der unbefleckten Empfängniß erbauten Spitäler, Klöster, Tempel, Altäre, und deren Stifter gnädigst schüßzen wollest, Daß Du die Hirten der Kirche überall in Beförderung der Andacht zu deiner unbefleckten Mutter leiten und unterstützen wollest, D Du Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt: verschone uns, o Herr! D Du Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt: erhöre uns, o Herr! D Du Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünden der Welt: erbarme Dich unser, o Herr! *) Wir bitten Dich, erhöre uns! von der unbefleckten Empfängniß Mariens. 8545 Christus, höre uns! Christus, erhöre uns! Herr, erbarme Dich unser! Christus, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Vater unser 2c. Gegrüßt seist 2c. V. In deiner Empfängniß bist du, o Jungfrau Maria! ohne Makel gewesen: R. Bitt für uns den Vater, dessen Sohn Jesus, vom heiligen Geiste empfangen, du geboren haft. stu splo a 3350 35d auffindo am nesid soc 190 nodraat Gebet. dsg Gott, der Du durch die unbefleckte Empfängniß der Jungfrau deinem Sohne eine würdige Wohnung bereitet hast, verleihe uns durch ihre Fürsprache, daß wir unser Herz und unsern Leib für Dich, der Du sie vor jeder Mackel bewahrt hast, stets unbefleckt bewahren mögen. Durch ebendenselben unsern Herrn Jesus Christus, deinen Sohn, welcher mit Dir in Einigkeit des heiligen Geistes, als Gott lebt und regiert in Ewigkeit. Amen. Lobspruch. TOC Gebenedeit sei die heiligste und unbefleckte Empfängniß der seligsten Jungfrau Maria!" Für jedes Mal 100 Tage Ablaß. Pius VI. 1793.) e font sid aid ted on 158 546 X. Krenzwegandacht. Vorerinnerung. Wenn du, chriftliche Seele, eine wahrhafte Liebe zu Jesu, deinem göttlichen Erlöser hast, so wirst du auch gerne und andächtig sein bitteres Leiden und Sterben betrachten. Stelle dir nun vor, als wärest du an jenem Orte in Jerusalem, wo Christus der Herr zum Tode verurtheilt, mit dem Kreuze beladen vor die Stadt hinausgeführt, gekreuziget und begraben worden ist. Folge Ihm so in Gedanken andächtig nach, wie Jhm Maria, feine allerheiligste Mutter, der Liebesjünger Johans nes und noch einige fromme Personen nachgefolgt sind. Bevor du aber diese Andacht und Betrachtung vornimmst, bete folgendes Gebet: Vollkommene Reue, als Vorbereitungsgebet. Mein gekreuzigter Jesus, wie große Geheimnisſe bete ich an, da ich Dir auf dem Kreuzwege bis nach Golgatha zu folgen gedenke! Ach, daß mein Herz von wahrer Neue durchdrungen sei, da ich Dich auf diesem Kreuzwege betrachte! Wie viele blutige und schmerzliche Schritte hast Du für meine Seele gethan! Ich will Dir nachfolgen im Geiste der Zerknirschung und in zartester Andacht. Betrübte Mutter Maria, die Liebe zu deinem zöttlichen Sohne hat dir die Kraft gegeben, Ihm auf dem Kreuzwege bis auf den Kalvarienberg nachzufolgen! Ich begleite dich nun im Geiste mit andern andächtigen und getreuen Seelen. Heilige Mutter, dein mütterliches Herz war voll des Schmerz B& B> X Lass mich, Mutter, mit dir weinen, Lass mich theilen deinen Schmerz. ( Stabat Mater.) Kunstverlag von Gebr. C.u.N.Benziger in Einsiedeln. *** A: 547 Die 14 Stationen des Leidens Jesu. Setel zes; ach, daß auch ich durch deine Fürbitte diesen Kreuzweg mit heiliger Trauer und zarter Liebe zu deinem sterbenden Sohne anfangen und vollenden möge! Damit Dir aber, gekreuzigter Heiland! meine Andacht gefallen möge, versenke ich zuvor mein Herz in die Bitterkeit schmerzlicher Neue wegen meiner Sünden, welche die Ursache deines Todes geworden sind. Verzeihe mir nach deiner großen Barmherzigkeit, nimm auf das Opfer meines zerknirschten Herzens und ertheile mir durch dein heiliges Blut die Gnade der Versöhnung. Ich will diese Andacht verrichten zur Genugthuung für meine Sünden und die Sünden meiner Miterlößten..... zur Erlangung einer glückseligen Sterbftunde und zum Troste der armen Seelen im Fegfeuer! O Jesus, erleuchte mich und gib mir deine Gnade! Amen. Die vierzehn Stationen des bittern Leidens und Sterbens unsers Herrn Jesu Christi. ELE Erste Station. Tode verurtheilt. Tode verurtheilt. 201 Jesus wird zum V. Wir beten Dich an, o Jesus, und preisen Dich; R. Denn durch dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöset! Betrachte, wie Pilatus den unschuldigen Jesus, nachdem er Ihn geißeln und mit Dornen krönen ließ, sogar noch zum Tode verurtheilte, und wie gelassen der Heiland dieses Todesurtheil annahm, damit nur du nicht zum ewigen Tode verurtheilt würdest. D Gott! ich danke Dir für diese große Liebe und bitte Dich, mir die Gnade zu verleihen, jede Kreuzwegandacht. Regung und Empfindung von Neid, Haß und Eifersucht in meinem Herzen zu ersticken, und doch niemals durch lieblose Reden und Urtheile dein sanftmüthiges und liebevolles Herz zu betrüben. Vater unser 2c. dem Vater 2c.*) Gegrüßt feist 2c. Ehre sei 548 Zweite Station. Jesus wird mit dem Kreuze beladen. V. Wir beten Dich an 2c. AiJesus nimmt also das schwere Kreuz auf sich, umfaßt es, trägt es mit Geduld, ohne darüber zu klagen oder zu seufzen, und das auch wieder aus Liebe zu uns, um uns unser Kreuz und Leiden leichter und verdienstvoll zu machen. O mein Jesus! Du rufft uns zu: Wer mein Jünger sein will, verläugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach!" Ver leihe mir also die Gnade, so wie Du die Leiden und Widerwärtigkeiten dieses Lebens geduldig und gottergeben zu tragen und Dir in Geduld und Liebe nachzufolgen. Vater unser. Gegrüßt feist. Ehre sei 2c. Dritte Station. Jesus fällt das erste Mal unter dem Kreuze. V. Wir beten Dich an 2c. Betrachte, christliche Seele, wie Jesus sein schweres Kreuz nicht mehr zu tragen vermag und vor *) Wenn man diese Stationenandacht für die armen Seelen verrichten will, so sage man anstatt des Ehre sei dem Water c. *. Gefreuzigter Herr Jesus Christus: B. Erbarme Dich unser und der armen Seelen im Fegfeuer! 549 Die 14 Stationen des Leidens Jesu. Ermattung und Schmerz unter dem Kreuze zu Bo den fällt! O gütigster Jesus! eine so schwere Last wolltest Du für mich tragen, um mir die Gnade zu verdienen, Dir lieber nachzufolgen und Dir eifriger und treuer zu dienen. daß ich doch durch keine einzige Sünde mehr dein Kreuz erschwere! Vater unser. Gegrüßt seist. Ehre sei 2c. Vierte Station. Jesus begegnet seiner betrübten Mutter. V. Wir beten Dich an 2c. Betrachte, welch' ein Schmerz das Herz Mariens fühlte, als sie Jesus mit dem schweren Kreuze beladen erblickte. O Jesus, o Maria, auch ich bin an diesem euerm Schmerz und Leiben Schuld! Hätte ich nicht ge fündiget, so würden euere Herzen weniger zu leiden gehabt haben. O daß ich von nun an durch eine Herzliche Reue und aufrichtige Sinnesänderung euern allerheiligsten Herzen Trost und Freude machen würde! Vater unser. Gegrüßt seist. Ehre sei 2c. Fünfte Station. Simon von Cyrene wird angehalten, Jesu das Kreuz nachzutragen. V. Wir beten Dich an 2c. Betrachte, wie die Juden beim Anblicke der groBen Schwäche Jesu, aus Furcht, Er möchte auf dem Wege sterben, Simon von Cyrene nöthigten, dem Herrn sein Kreuz tragen zu helfen. 31* Kreuzwegandacht. O du glücklicher Simon, der du gewürdiget wurdeft, diesen Liebesdienst dem Herrn zu erweisen; wie leicht wurde dir durch die Gnade Jesu diese Bürde und wie süß dieses Joch! Auch mir wird das Leiden leicht und süß werden, wenn Du, o Jesus, mir deine Gnade gibst! Vater unser. Gegrüßt seist. Ehre sei 2c. 550 Sechste Station. Veronika reicht Jefu das Schweißtuch. V. Wir beten Dich an 2c. Betrachte, wie diese heilige Frau, aus Mitleiden zu Jesu, Jhm ihren Hauptschleier als Schweißtuch darreichte, und wie ihr der Herr denselben mit dem eingeprägten Bildnisse seines allerheiligsten Angesichtes wieder zurückgibt. So, o Jesus! belohnst Du jeden Liebesdienst, den man Dir, oder auch dem Geringſsten deiner Brüder aus Liebe zu Dir erweiset. So verleihe mir denn die Gnade, meinen Mitmenschen recht viel Gutes zu erweisen, und auf diese Art deine Thränen und deinen Schweiß Dir abzutrocknen! Vater unser. Gegrüßt seist. Ehre sei 2c. Siebente Station. Jesus fällt zum zweiten Male unter dem Kreuze. V. Wir beten Dich an 2c. Betrachte die Leiden, welche Jesus bei diesem zweiten Falle empfindet. Dadurch will Er anzeigen, daß Ihm die Sünden, die man zum zweiten Male begeht, weit weher thun, als diejenigen, in die man nur Einmal fällt. Die 14 Stationen des Leidens Jesu. 551 O mein Jesus, auch an deinem zweiten Falle bin ich schuld! denn wie oft habe ich nicht schon die gleiche Sünde begangen? Wie beschämt stehe ich vor Dir! Verleihe mir die Gnade, daß ich nicht wieder in dieselbe zurückfalle! Vater unser. Gegrüßt seist. Ehre sei 2c. Achte Station. Jesus begegnet den weinenden Frauen von Jerusalem. V. Wir beten Dich an 2c. Betrachte, was der Herr zu diesen Frauen fagte: ,, Weinet nicht über Mich; weinet über euch und euere Kinder, denn es werden schreckliche Tage über euch kommen!" Tote O Herr, so muß denn auch ich zuerst über meine Sünden weinen, weil auch über mich schreckliche Tage kämen, wenn ich mich nicht bessern wollte! So gib mir denn jeßt Thränen einer wahren Reue, damit ich nicht einmal ewig meiner Sünden wegen weinen muß! Vater unser. Gegrüßt seist. Ehre sei zc. Neunte Station. Jesus fällt das dritte Mal unter dem Kreuze. V. Wir beten Dich an 2c. petent Dieser Fall war für den Herrn noch schmerzlicher als die zwei ersten Fälle; Er zeigt uns an, wie furchtbar schwer Ihm das Kreuz geworden sei, und was Er wegen den Gewohnheitssünden habe leiden müssen. O Jesus! ich bin nun fest entschlossen, meinen Sünden auf immer ein Ende zu machen, um doch 552 Kreuzwegandacht. M in keine sündhafte Gewohnheit zu verfallen und bei deinen Leiden Dir Linderung zu verschaffen. Stärke mich in diesem Entschlusse! Vater unser. Gegrüßt seist. Ehre sei 2c. Zehnte Station. Jesus wird entkleidet und mit Essig und Galle getränkt. V. Wir beten Dich an 2c. Betrachte, welch' eine Beschämung der allerreinste Jesus ausstehen mußte, als man Ihm seine Kleider vom Leibe riß, und welch' eine Bitterkeit Er empfand, da man Ihm Essig und Galle zu trinken gab! So büßte Er die Wollust und Sinnlichkeit der Menschen. DJesus! ich bereue die fündhaften Freuden, die ich mir erlaubte, und die Unmäßigkeit, der ich mich ergeben habe. Ich fasse den festen Entschluß, mit deiner Gnade deine Qual und Beschämung nicht mehr zu erneuern, und von nun an recht einfach und bescheiden in der Kleidung und mäßig im Essen und Trinken zu werden. Vater unser. Gegrüßt seist. Ehre sei 2c. Eilfte Station. Jesus wird an's Kreuz geheftet. V. Wir beten Dich an 2c. Betrachte, mit welch' einer unmenschlichen Grausamkeit der sanftmüthige Jesus an Händen und Füßen durchbohrt, auf's Kreuz ausgespannt, mit Nägeln angeheftet und am Kreuze noch verspottet und gelästert wurde. 10 Die 14 Stationen des Leidens Jesu. 553 DJesus! Du leidest dieses Alles für mich, und ich sollte Deinetwegen nichts leiden wollen? Hefte meinen widerspänstigen Willen an dein Kreuz. Ich nehme mir ernstlich vor, Dich nicht mehr zu betrüben und aus Liebe zu Dir Alles geduldig zu leiden. Vater unser. Gegrüßt seist. Ehre sei 2c. Zwölfte Station. Jesus stirbt am Kreuze. GUESS V. Wir beten Dich an 2c. Betrachte, wie Jesus nach unaussprechlichen Qualen und nach einer dreistündigen Todesangst seine allerheiligste Seele in die Hände seines Vaters empfiehlt, sein Haupt neigt und stirbt. Omein Jesus, so wolltest Du denn für mich all' dein Blut vergießen und den allerschmerzhaftesten und schmachvollsten Tod erleiden! Deine Arme sind ausgespannt, mich zu umarmen, dein Herz ist eröffnet mich einzuschließen, und dein Haupt ist geneigt, mir den Kuß des Friedens zu geben. D daß auch ich Dich liebte bis zum Tode! Vater unser. Gegrüßt seist. Ehre sei 2c. Dreizehnte Station. Der Leichnam Christi wird vom Kreuze abgenommen und in den Schooß Mariens gelegt. V. Wir beten Dich an 2c. Betrachte nun auch die Betrübniß der Mutter Gottes, als sie den Leichnam ihres göttlichen Sohnes erblaßt, mit Blut überronnen und des Lebens beraubt, auf ihren jungfräulichen Schooß nahm, und sprich dann zu ihr: 554 Kreuzwegandacht. M D Maria, meine tief betrübte Mutter, auch ich bin Schuld an diesen Wunden und am Tode deines Sohnes; hätte ich nicht so viel gesündiget, so hättest auch du nicht so viel zu leiden und auszustehen gehabt! Nun aber schmerzt mich das im Innersten meines Herzens, und ich nehme mir vor, nicht nur nicht mehr zu fündigen, sondern durch eine aufrichtige Besserung und eine öftere Betrachtung des bit tern Leidens und Sterbens Jesu dir, o Mutter! Freude und Trost zu machen. Bater unser. Gegrüßt seist. Ehre sei 2c. Vierzehnte Station. Der Leichnam Jesu wird in's Grab gelegt. V. Wir beten Dich an 2c. Betrachte endlich, christliche Seele, wie der heiligste Leichnam Jesu mit der tiefsten Ehrfurcht in das neue Grab gelegt wurde, welches für Ihn bereitet worden war. O mein Jesus, wenn doch auch mein Herz noch so rein, unschuldig und Dir so wohlgefällig wäre, daß Du Dich nicht zu scheuen hättest, in demselben deine Ruhestätte aufzuschlagen und wie im heiligen Grabe darin zu ruhen! Darum bitte ich Dich, wasche und reinige mich in deinem heiligen für uns vergoffenen Blute und schmücke mich aus mit deinen kostbaren Verdiensten; dann wirst Du auch in meinem Herzen Ruhe finden. Amen. Vater unser. Gegrüßt seist. Ehre sei 2c. Schlußgebetod ei ain Ich sage Dir unendlichen Dank, o göttlicher Erlöser, für die große Gnade dieser Betrachtung! D Die 14 Stationen des Leidens Jesu. 555 daß ich doch nie vergessen möchte, was Du für mich armen, sündhaften Menschen gethan und gelitten hast, um mich zu erlösen und der Erbschaft der Kinder Gottes wieder theilhaft zu machen! Verleihe mir die Gnade, solcher Gnaden nie mehr unwürdig zu werden, sondern deiner unendlichen Liebe mich immer würdiger zu machen! Du aber, o Maria! die du das Leiden und Sterben deines göttlichen Sohnes so oft und so vollkommen betrachtet, erwogen und beherziget hast und durch diese Andacht deine Gnadenfülle und großen Verdienste täglich vermehrtest; bitte für mich, daß auch ich, deinem Beispiele nachfolgend, das Leiden und Sterben deines göttlichen Sohnes andächtig betrachte, und durch die Betrachtung desselben auch zunehme in der Liebe und Gnade Gottes. Amen. anted up Gebet zur schmerzhaften Mutter für die armen Seelen. Oheilige Maria, Mutter meines Erlösers! mit betrübtem Herzen gedenke ich der großen Leiden deines sanften Mutterherzens, da du auf dem Kalvarienberge die Marterkrone errungen hast. Hier war es, wo nach Simeons Weissagung ein Schwert dein leidendes Mutterherz durchbohrte. Dheilige, hochgebenedeite Gottesmutter! wie groß und unerschütterlich war dein Glaube, wie fest deine Zuversicht auf Gottes weise Vorsehung, wie standhaft deine Ergebung und wie ausharrend deine Geduld! O verklärte, große Dulderin! zu dir dringe meine Bitte hinauf, du wollest deine Fürbitte für die leidenden Seelen im Fegfeuer bei Gott verwenden. Ach diese betrübten Seelen seufzen um Befreiung 556 Gebet zur schmerzhaften Mutter Jesu zc. von ihrer Qual, und es ist keine unter ihnen, die nicht in ihrem Leben dich als Mutter unsers Herrn geehrt und geliebt hatte! O barmherzige Mutter, verwende nun deine Fürbitte für deine verlassenen Kinder, die unaufhörlich seufzen und weinen; bitte bei Jesus, deinem Sohne, daß Er sich der bedrängten Seelen in ihrer Qual erbarme! Insonderheit laß die Seele N. N. deiner Mutterliebe empfohlen sein. Verwende auch deine Fürsprache für mich armen Sünder; erlange mir die Gnade einer ernstlichen Reue und Buße, damit meine Seele von Sünden rein und durch Tugend und Heiligkeit würdig werde, einstens bei meinem Tode von den Peinen des Fegfeuers befreit zu bleiben. Weiters empfehle ich deiner kräftigen Fürbitte meine leiblichen Nöthen und Anliegen; sei, wenn Kummer oder Trübfale mich heimsuchen, meine Helferin, und nimm mich in deinen Schuß. Rette mich von aller Gefahr des Leibes und der Seele, durch Jesus Chri stus, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. mr du fore star HR adindist misd Kards snied dus sin dar pradento snied onism sgnisd sidup Inimd@ sjong ställe Surya 300 fod comotoo? sui maiss neded maloo XI. Verschiedene Gebete für Jungfrauen. I. Standesgebete für verschiedene Beiten und Verhältnisse. 567 Gebet einer Jungfrau. Ich bin dein Kind, o Gott! und bewirke mein Heil dadurch, daß ich Dich herzinnig liebe. Laß mich Dir in Allem möglichst ähnlich werden. In Allem will ich einzig nur trachten, Dir zu gefallen. Vor Stolz und Selbstvertrauen will ich mich stets bewahren; Bescheidenheit sei mein Schmuck und Tugend meine Schönheit. Sanft und stille will ich mein Tagewerk, das Du mir auferlegt, gewissenhaft vollbringen. Preisen will ich Dich in kindlicher Demuth meines Herzens, nie meinen Nächsten verachten, und stets trachten mit rastlosem Ernste an meiner Besserung zu arbeiten. Bewahren will ich mein junges Herz vor jeder Luft zur Eitelkeit. Gesuchter Schmuck und unnöthiger, eitler Flitterglanz gefällt Dir nicht; denn dein heiliger Wille ist, daß ich mich bescheiden, mit Zucht und Scham kleiden möge. In den einsamen Stunden meines Lebens will ich mit herzlicher Freude meinen Geist zu Dir, 0 Gott! erheben, über die Vergänglichkeit alles Jrdischen ernstlich nachdenken und oft meinem Herzen die Wahrheit zurufen: der Tod nimmt dir Alles, gibt dir aber auch Alles, wenn du fromm die Tage deines Lebens verlebest. Nie mit leeren Tändeleien will ich die kostbare Zeit meines Lebens tödten; nur einzig und allein nüßlich will ich sie Verschiedene Gebete für Jungfrauen. zuzubringen trachten. Mein Auge nähre nie in meinem Innern eine unreine Flamme, und nie entehre frecher Scherz meine Rede. Mein Eigenthum sei Unschuld und ein guter unbescholtener Ruf. Mit Ernst will ich meinen Blick bewaffnen, wenn Gefahren meiner Unschuld drohen. Meiden will ich allen Umgang, wo Gefahren der Verführung mich bedrohen, und alle üppige Weltfreuden mit christlicher Freudigkeit, als meinem Seelenheile gefährlich, fliehen. Laß mich fromme Freundinnen finden, die eines reinen Herzens sind; verknüpfe uns durch Unschuld. Laß solch eines Umganges mich erfreuen, wodurch ich sanft und rein werde und wahre Seelenfreuden genießen möge, um einst deines ewigen Besiges im Himmel, mit Dir, deinem lieben Sohne Jesus, Maria, der seligsten Jungfrau und allen lieben Heiligen mich erfreuen zu können. Amen. Gebet einer dienenden Jungfrau. ,, Des Menschen Sohn ist nicht gekommen, um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen." Dieses sind deine Worte, Herr Jesus Christus, eingeborner Sohn des ewigen Vaters. Wie tief, o Herr des Himmels und der Erde, wie tief haft Du Dich erniedriget! Du hast ausgezogen deinen Gottesglanz, der sterbliche Augen geblendet hätte; haft Dich eingehüllt in Knechtesgewand und bist herabgestiegen von deinem ewigen Throne, nicht um Dir dienen zu lassen, sondern um selbst zu dienen und den Willen zu thun deines Vaters bis in den Tod- bis in den Tod am Kreuze! Dein ganzes Leben war Ein Gehorsam und Eine Abeit. Dir war es Speise und Trank, Allem Dich zu unterwerfen, was dein heiliges Mittleramt erheischte. 558 Standesgebete für verschied. Zeiten u. Verhältnisse. 559 Dulden und Schweigen war deine Ergebung. Bin ich besser denn Du, mein Herr und mein Gott? Wie viel, wie unendlich mehr hast Du getragen, gethan, gelitten! Sollte ich, deine Jüngerin, Dir zu folgen mich weigern? Nähme ich nicht auf mich mein Kreuz und eilte deinen Fußstapfen nach, ver= diente ich dann noch deine Schülerin zu heißen? O gib mir Gnade, daß ich stets auf Dich hinschaue, Dir nachahme! Lehre mich meinem Eigenwillen entsagen, meinen Starrsinn brechen; mache mich sanftmüthig und demüthig von Herzen, dienstfertig, gelassen und ergeben. Leite alle meine Schritte; laß mich in meinem Stande ganz das sein, was ich sein soll; flöße mir Liebe ein zu allen meinen Pflichten; verleihe mir Kraft zu deren thätiger Erfüllung! O Maria, liebe Mutter meines liebevollen Erlösers, du heiligste, gesegnetste deines Geschlechtes! Dein Ehrentitel war es, dich eine Magd des Herrn zu nennen. Wie dientest du Jhm so gerne, so bereitwillig und unermüdet! Dein Muster begeistere mich zur Nachahmung! Wohl mir, wenn ich, wie du, dereinst erscheinen darf vor dem Richterstuhle des Höchsten, mit dem beruhigenden Bewußtsein treuer Pflichterfüllung! Dann frohlocke ich mit dir, von dir gerufen und durch dich versöhnt und vorgestellt dem Weltrichter, deinem göttlichen Sohne, in ewiger Herrlichkeit. Dann wird Er mir fagen dürfen die lohnenden Worte: Wohl dir, du fromme, du getreue Dienerin! Du bist auf Erden über Weniges getreu gewesen, du sollst gesetzt werden über Vieles. Gehe ein in die Freude deines Herrn! Amen. Calipe( 01 Verschiedene Gebete für Jungfrauen.te Gebet um Bewahrung der Reinigkeit. Dheiliger Aloysius, du wahres Muster der englischen Tugend der Reinigkeit! Siehe, ich deine unwürdige Dienerin, empfehle dir auf ganz besondere Weise die Reinigkeit meiner Seele und meines Leibes, und bitte Dich durch deine englische Reinigkeit, mich Jesus Christus, dem unbefleckten Lamme, und seiner heiligsten Mutter, der Jungfrau aller Jungfrauen, zu empfehlen. Gestatte nicht, daß ich je in den geringsten Fehler der Unreinigkeit falle, sondern entferne von mir alle unreinen Ge danken und Begierden, sobald du siehst, daß ich von Versuchungen angefallen bin, oder in Gefahr stehe zu fündigen. Erneuere dann in mir die Erinnerung an die Ewigkeit und an Jesus Christus, den Gekreuzigten; präge tief in mein Herz das Gefühl der heiligen Furcht Gottes und entflamme mich zur göttlichen Liebe, auf daß ich hienieden durch Nachahmung deiner Tugenden einstens würdig werde, mich mit dir im Himmel ewig in Gott zu rerfeuen. Amen. Vater unser 2c. Gegrüßt seist 2c. ( Für Einmal des Tages 100 Tage Ablaß. Pius VII.) 500 Gebet zur Zeit der Versuchung. O mein Jesus! sollte ich wegen einer niedrigen Sinnenlust Dich verlassen und beleidigen und durch eine so verabscheuungswürdige Sünde meinen Leib, den ich Dir zur Wohnung geweiht habe, verunehren? Sollte ich dein heiligstes Blut mit Füßen treten, den heiligen Geist betrüben und aus meinem Herzen vertreiben, um eine niedrige, verächtliche Sklavin des bösen Geistes zu werden? Ach, mein Jesus, errette mich, laß nicht zu, daß ich falle! denn was sollte aus mir werden, wohin sollte ich Standesgebete für verschied. Zeiten u. Berhältnisse. 561 fliehen, wenn ich Dich verlöre, der Du meine einzige Hoffnung und Freude bist? Um einen Augenblick verbotener Lust zu genießen, sollte ich auf's Spiel segen, auf ewig vom Angesichte Jesu verstoßen zu werden, um eine Ewigkeit hindurch mit den Gottlosen und abtrünnigen Engeln, mit dem ganzen Heere Satans, in den höllischen Feuerschlünden zu seufzen und zu leiden; da ich nicht versichert bin, ob ich nach dem ersten Schritte zum Laster je wieder Buße thun werde? Wie könnte ich an meinem besten Freunde meineidig werden, und dein süßestes Herz, mein Jesus, so tief verwunden! Nein! Viel lieber will ich den Tod und alle erdenklichen Martern dulden! So viele deiner Dir geweihten heiligen Jungfrauen haben muthig gegen Sinnenlust, Verführung, den Geist der Unlauterkeit und wider die Anfechtungen des eigenen Fleisches gekämpft und gesiegt. Sollte ich den Muth sinken lassen, da ich weiß, mein Jesus, daß Du diese Versuchung zulässest, um mich zu prüfen und mich, wenn ich Dir treu bleibe, zu belohnen? So will ich denn kämpfen, und wäre es bis zum letzten Athemzuge, und nicht verzagen, wie groß auch diese Anfechtung sei; da Du, o Gott! nur die Einwilligung strafest, aber nicht die Versuchung, wenn man ihr zu widerstreben sucht. Dir, mein Jesus, übergebe ich auf's neue mein Herz, Seele und Leib, und will dein eigen sein, so wie Du mein bist, in alle Ewigkeit. Amen. Vater unser 2c. Gegrüßt seist 2c. 6.21 Gebet bei Versuchungen zur Eitelkeit. Was, o ewige und unbegreifliche Schönheit Gottes! kann ich außer Dir auf Erden und im 562 Verschiedene Gebete für Jungfrauen.d Himmel noch verlangen zu besigen, als Dich allein? denn Du allein kannst meinem Herzen genügen und mein Verlangen stillen. Wie könnte ich Freude finden, wo Du, o Gott, mein Leben und meine Glückseligkeit! nicht bist? Wie könnte ich fröhlich sein, wo dein heiliger Geist von mir weicht und meinem Herzen Verführung droht? Was gewinne ich, wenn sterbliche Menschen mich lieben, und Du, der Du ewig bist, mich verachteſt? Was hingegen verliere ich, wenn die falsche Welt mich nicht achtet, und nur Du, mein Gott, mich liebst? O immer neue und ewig dauernde Schönheit! nach Dir seufzt meine Seele Tag und Nacht, Dich zu betrachten und immer zu lieben und mit Dir sich zu besprechen, weil in deiner Nede keine Bitterkeit zu finden ist. Wo aber bist Du, mein Gott, damit ich Dir mein Herz öffne? Nicht in der Eitelkeit finde ich Dich, denn Du bist die ewige Wahrheit; auch nicht bei Spiel und Tanz, in den bunten Reihen, wo dein Feind den Meister spielt, finde ich Dich; nicht in Geräusch und Lärm laffest Du Dich vernehmen, sondern nur in der Stille und Einsamkeit sprichst Du zum Herzen, aber nicht mit stolzen und hoffärtigen, sondern mit bescheidenen, demüthigen Jung-=: frauen. Wie, mein Jesus! wird mir diese anlockende, so reizend scheinende Lustbarkeit vorkommen, wenn kalter Todesschweiß mein Angesicht bedecken wird? Und wie würde mir am Tage deiner Herrlichkeit und Gerechtigkeit zu Muthe werden, wenn Du Alle, welche die Welt mehr als Dich geliebt haben, von deinem Angesichte verstoßen wirst? Du selbst, mein Jesus, haft ohne die Freuden der Welt gelebt und Standesgebete für verschied. Zeiten u. Verhältniffe. 563 in der Stille meine Sünden beweinet; und ich, die ich dadurch so viele Ursache zum Weinen habe, sollte lachen und meines Elendes vergessen? O heilige Mutter Jesu, du einsame und demuthsvolle Jungfrau! gewähre mir durch deine Fürbitte, daß ich, wie du, die Welt geringschäße und wie du die Verachtung der Welt mit Freuden er trage! Amen. Vater unser 2c. Gegrüßt seist 2c. Gebet um eine glückliche Standeswahl. D Gott, der Du Alles liebreich anordnest, ich bitte Dich, Du wollest auch mich zu jenem Stande, in jene Verhältnisse führen, worin ich am besten nach deinem heiligen Willen leben, Dir getreu dienen und mein Heil wirken kann. In deiner Hand find meine Schicksale. Was willst du, daß ich thun soll? Rede, Herr, deine Dienerin hört. Sende mir deine Weisheit, daß sie mit mir sei und mit mir wirke, damit ich wisse, was Dir wohlgefällig und mir gut ist. Laß mich den weisen Absichten, die Du mit mir hast, nicht durch Leichtsinn, durch Berachtung dessen, was mir die Religion und vernünftige und weise Freunde rathen, entgegenarbeiten; laß mich nicht aus Stolz und Habsucht, aus blinder Neigung und andern Leidenschaften wider deinen Willen einen Stand wählen, wodurch ich ficher zeitlich unglücklich und vielleicht auch ewig unglückselig würde. Dein guter Geist leite mich auf der rechten Bahn. Amen. Gebet um Gnade zur Erfüllung der Standespflichten. Weisheit alle Dinge ordnet und dessen Fürsehung einem Jeden die Gnade zuO Gott! deffen 564 Verschiedene Gebete für Jungfrauen. theilt, deren er bedarf: ich danke dir für den Stand und den Beruf, in den Du mich gesetzt hast, und bin zufrieden mit Allem, was Du mir auferlegst. Laß mich erkennen meine Pflichten und gib mir die Gnade, sie zu erfüllen. Mache, daß ich meinen Beruf liebe, ihm getreulich nachkomme und mich in solcher Weise betrage, als es meinem Berufe angemessen und deiner würdig ist, der Du mir diesen Beruf gegeben hast. Laß nicht zu, daß ich mich den Bewegungen eines unruhigen Geistes überLasse, der da träge und überdrüssig wird in der Arbeit, nach Zerstreuung und Wechsel sucht, und das Glück beneidet, welches er sich in dem Stande Anderer einbildet. Gib mir Ergebung in deinen Willen; erfülle mich mit deinem Geiste, mit dem Geiste der Weisheit, des Verstandes und der Wissen: schaft, die da nöthig sind in dem Dienste, den Du mir anvertrauet hast. Laß Gewinn bringen unter meinen Händen das Talent, das Du mir übergeben und wovon ich Dir Rechenschaft abstatten muß. Treibe mich an zu Allem, was Du von mir verlangst; treibe mich zu aller Art des Guten, auf daß ich deinen Willen vollziehe in Allem und durch Alles. Amen. Gebet einer Jungfrau, die immer im jungfräulichen Stande leben will. Giohe Mildester, süßester Jesus! 2c.( Siche Seite 241.) Formel des Gelübdes der ewigen Keuschheit. ( Siehe Seite 232.) @ Standesgebete für verschied. Zeiten u. Verhältnisse. 565 Gebet einer Jungfrau, die in den heiligen Ehes stand treten will. D Gott! Du hast den Ehestand schon im Paradiese eingesetzt und geheiligt; Du, o Jesus! hast ihn geehrt, indem Du mit deiner geliebten Mutter und mit deinen Jüngern auf der Hochzeit zu Kana erschienest und daselbst dein erstes Wunder wirktest. Du hast denselben im neuen Bunde sogar zu einem Sakramente erhoben, um den Eheleuten die ihrem Stande so nothwendigen Gnaden zu er theilen. Von Dir, o mein Heiland! kommt der Beruf und die Gnade, um nach deinem Wohlgefallen in diesen heiligen Stand zu treten. Ich glaube fest, daß die Ehe ein Sakrament des neuen Bundes sei, weil Du es geoffenbart haft und es mir durch deine heilige Kirche zu glauben vorstellst. Ich danke Dir von Herzen, o mein Jesus! für die unschäßbare Wohlthat, die Du dadurch dem menschlichen Geschlechte erwiesen hast. Dein heiliges Wort belehrt mich, daß die Eheleute viele Trübsale des Fleisches zu dulden haben: wer könnte denselben furchtlos entgegensehen oder sie geduldig ertragen, wenn Du nicht mit besonderer Gnade ihn unterſtüßzest? Mein ganzes Vertrauen setze ich daher nur auf Dich, o mein Erlöser! und auf die Gnade des heiligen Sakramentes, die mich in allen Ereignissen stärken wird. Nicht aus sinnlicher Lust will ich in den Ehestand treten, sondern um die heiligen Pflichten zu erfüllen, die derselbe mir auflegt. Christliche Eheleute sollen einander, bis der Tod sie scheidet, treu lieben, für einander sorgen, einander nachge= ben und ertragen, und besonders ihre Kinder, die Gott aus ihren Händen einst zurückfordern wird, 32 566 Verschiedene Gebete für Jungfrauen. mit gemeinschaftlicher Sorge zur Frömmigkeit und für den Himmel erziehen. Groß und schwer sind die Pflichten dieses meines neuen Standes! Doch ich schrecke nicht zurück, o mein Heiland! weil ich hoffe, daß die Gnade des heiligen Sakramentes in mir wirksam sein und ich Alles können werde durch Dich, der mich stärket. Bevor ich aber vor deinem heiligen Altare, o mein Herr und Gott! den Bund der Ehe eingehe, verspreche ich Dir, in dem neuen Stande meine Pflichten treu zu erfüllen. Ich will mein Herz nicht einnehmen lassen von sinnlichen Gelüsten und zeitlichen Sorgen, sondern Dich will ich über Alles lieben; auch im Ehestande will ich fortfahren, eifrig zu beten, fleißig dein heiliges Wort zu hören, oft die heiligen Sakramente zu empfangen. Dir zu Liebe, o mein Heiland! will ich alle Trübfale meines neuen Standes mit Geduld ertragen; Dir zu Liebe will ich im Ehestande nach Friedfertigkeit, Gelassenheit und Nachgiebigkeit streben; ich will arbeitsam und sparsam sein, meinem Hauswesen gut vorstehen und alle die Meinigen zur Gottesfurcht anleiten. Segne diese meine Vorsäße, o Jesus! Schütte den Reichthum deiner Gnaden über meine eheliche Verbindung aus. Gib uns das tägliche Brod und heilige unsere Herzen immer mehr durch deine Liebe, damit wir reich werden an guten Werken und einst im Gerichte vor Dir bestehen mögen. Amen. Gebet in Kreuz und Leiden. Dein Wille, o Herr! geschehe. Es ist deine weise Anordnung, daß diese Leiden über mich verhängt sind; nur Geduld verleihe mir und deine Liebe, und dann mache mit mir, was Du willst, wie Du es willst und so lange Du es willst. Standesgebete für verschied. Zeiten u. Verhältnisse. 567 Rechne es denen, die mich beleidigen, nicht zur Sünde an; so wie ich hoffe, daß Du mich wegen meiner Vergehungen gegen Dich schonen werdest, also wollest Du auch ihnen ihr Unrecht gegen mich verzeihen. Ach Vater im Himmel, wie weit größere Uebel habe ich verdient, wenn Du mich nach Gebühr strafen wolltest! Weit besser ist es, hier in dieser Zeitlichkeit als in den höllischen Flammen zu büßen, wovon mich deine Barmherzigkeit retten will! Ja weit lieber will ich hier, wie der arme Lazarus, Schmerzen, Armuth, Verachtung, Kummer und Drangsal aller Art erdulden, als wie jener Reiche mir hier alle Genüsse und Freuden erlauben, und dort einst im Pfuhle der Hölle untergehen. Was sind die kurzen, vergänglichen Freuden dieser Welt gegen die des ewigen Lebens? Oft habe ich Dich, mein Gott und Heiland, gebeten, mein Herz von irdischen Begierden zu reinigen, mir die Nichtigkeit der Welt in ihrem wahren Lichte zu zeigen und mein Gemüth zu den höheren himmlischen Dingen zu wenden. Dieses thust Du nun, ewige Güte! indem Du mir Kreuz und Leiden schickst; und so will ich es denn mit Dank und Geduld annehmen. Was haben deine heiligen Dienerinnen auf Erden nicht gelitten! Einige haben, die Welt und ihre Freuden verachtend, in Abtödtung und Kafteiung des Leibes, in Armuth, Mühe und Arbeit, Fasten und Wachen und in den strengsten Bußwerken ihre Tage verlebt. Andere wieder haben in Gefängnissen, Elend, Hunger und Durst, Hiße, Kälte, Schmerzen und Krankheit gelitten, und unter den grausamsten Martern ihr Leben für Dich dahin gegeben; und ich, die auch den Himmel zu erlangen strebt, sollte nicht weit Geringeres leiden können? Verschiedene Gebete für Jungfrauen. Endlich Du selbst, o mein Jesus, der Du mein Heil und mein Leben bist, welche Leiden hast Du auf dieser Erde erdulden müssen! Arm und verachtet, verlassen und verfolgt hast Du gelebt und durch einen schmachvollen, schmerzlichen Tod geendet. Sollte ich darum nicht auch Kreuz und Trübfal Lieben? denn wie könnte ich Dir nachfolgen und dort dein Reich mit Dir theilen, wenn ich nicht auch mit Dir leiden wollte! 568 Aus Liebe für Dich, mein gekreuzigter Heiland! will ich leiden und streiten, mit Dir am Kreuze hangen, von den Menschen verachtet und verfolgt werden; und das bittere Gefühl, alles Trostes wie Du beraubt zu sein, soll mir zur Freude werden. Vater unser 2c. Gegrüßt seist 2c. Gebet in Krankheit. Tochter, dein Glaube hat Dir geholfen; gehe hin im Frieden!" So sprachst Du, o Jesus! zu jener Frau, die Du von einer zwölfjährigen Krankheit geheilt hattest. D mein gütigster Heiland! noch immer hast Du dieselbe Macht, gesund zu machen, die Du bei deinem Wandel auf Erden an so vielen Kranken und Bedrängten, die an Dich glaubten, so liebreich ausübtest. Ich rufe in eben diesem Glauben zu Dir: Jesus, Du Sohn Davids, erbarme Dich meiner! Du darfst nur wollen, und ich stehe auf und wandle wieder. Erhöre mich nach deiner unendlichen Erbarmung und schenke mir meine Gesundheit wieder. O wie will ich Dir danken alle Tige meines Lebens, mein Gott und Heiland! Dein Lob soll immerdar in meinem Munde sein; ich will Dir stets als eine treue Dienerin gehorchen, Dir dienen, Dich lieben; ich will meine Standespflichten getreu erfüllen und noch viele gute Werke Fromme Fürbitten. 569 für den Himmel verrichten; mein ganzer Wandel foll Dir zur Ehre und meinem Nächsten zur Erbauung sein. Wenn aber die Gesundheit mir nicht zum Heile gereichen würde, so geschehe dein heiliger Wille; nur entziehe mir deine Gnade nicht, erhalte mich in deiner Freundschaft und Liebe. Laß mich in Dir sterben, auf daß ich ewig mit Dir lebe; laß mich hier mit Dir leiden, damit ich im Himmel mit Dir ewig mich freue. Amen. II. Fromme Fürbitten. Für die Eltern. Mein Gott und Vater, wie glücklich bin ich, daß deine Liebe mir so gute, treue Eltern gab, die von meiner Geburt an bis zu dieser Stunde mir unendlich viel Gutes erwiesen haben! Traurig ist die Lage jener Kinder, die keine Eltern mehr haben. Sie sind in der Welt oft ohne alle Stüße und Hülfe. Liebende Eltern, wie die meinigen sind, sorgen für ihre Kinder, erziehen sie, wachen und arbeiten für sie im Schweiße ihres Angesichtes. Gott! wie sehr würde ich mich verfündigen, wenn ich Dir für meine lieben Eltern nicht danken, nicht herzlich für das Leben Derjenigen bitten würde, die auf Erden meine größten Wohlthäter sind. Herzlich und innig bete ich zu Dir, lieber guter Gott! sieh auf mich, dein Kind, das von ganzem Herzen für das Leben und Wohl seiner lieben Eltern bittet. Erhöre mein Flehen und segne sie; gib ihnen ein langes, glückliches Leben und erhalte sie mir zum Heile und Troste. Gib ihnen Gesundheit und Freude und bewahre sie vor allem Unglücke des Leibes und der Seele. Ich will auch eine recht fromme Toch32* 17 570 Verschiedene Gebete für Jungfrauen. ter sein, meine Eltern von ganzem Herzen ehren und lieben und ihre Liebe und Treue nie vergessen. Du, o Gott! gabst mir dieses schöne Gebot und haft mir langes Leben und Wohlergehen versprochen, wenn ich es getreu erfülle. Eifrig will ich mich bestreben, ihnen durch Fleiß und Sittsamkeit viele Freude zu machen und sie niemals durch Ungehorsam oder Widerspänstigkeit zu betrüben. Freudig will ich ihrer Leitung folgen, ihre Stimme hören und durch Fleiß ihre Arbeit und Mühe ihnen zu erleichtern suchen. Jeder Wink von ihnen soll mir heilig sein, ihren Wünschen will ich zuvorkommen und gehorchen, wenn mir auch ihr Befehl noch so hart, und das Guet, welches sie erzwecken wollen, noch so unbegreiflich sein sollte. Laß mich, o Gott! die Freude empfinden, der Trost und die Stüße ihres Alters zu sein. Rufst Du sie dann einst zu Dir, o so laß mich meine verklärten, theuren Eltern in jener bessern Welt wiederfinden und mit ihnen dein mildes Antlig schauen in alle Ewigkeit! Amen. Für Geschwister. Deine Gnade, o Gott! knüpft die Bande des Blutes noch fester, sie heiliget sie durch die Liebe. Darum falle ich Dir zu Füßen und bitte Dich, Du wollest deinen Segen ausgießen über unsere ganze Familie, über meine lieben Geschwister und über alle Blutsfreunde und Verwandte und ihnen Einigkeit, Frieden und Liebe verleihen. Stärke sie alle in der Gottesfurcht und Liebe zu Dir! Laß uns ähnlich werden den frommen Geschwistern in Bethania: Lazarus, Maria und Martha, welche Jesus so innig liebte, als Er auf Erden war, denen Er so viele Beweise seiner freundschaftlichen Fürsorge Fromme Fürbitten. 571 gab. Gib, daß wir mit herzlicher Liebe einander lieben, wechselseitig unsere Schwachheiten ertragen, jedes Vorurtheil, jede Eifersucht und allen Eigennuß von uns fern halten, wodurch nur Uneinigkeit und Zwietracht herbeigeführt wird. Mache uns zu getreuen Befolgern deines göttlichen Geseßes, damit wir einst Alle an den Ort jener seligen Freuden gelangen, wo wir nur eine Familie ausmachen, die in deiner Gegenwart und in deinem seligen Anschauen sich ewig erfreuet. Amen. Für das Heil des Beichtvaters. ( Siehe Seite 428.) Für den Lehrer( die Lehrerin). D Gott, wie viel Gutes schenkest Du mir auf dieser Erde! Nebst den so zärtlich um mich besorgten Eltern sind mir auch Lehrer( und Lehrerinnen) gegeben, die mit Eifer und Treue durch nüßliche Kenntnisse meinen Verstand zu bilden und durch weise Lehren mein Herz zu veredeln streben. In aufrichtiger Liebe und in dem Gefühle der innigsten Dankbarkeit bitte ich Dich: segne, o Allgütiger! die Mühe und Sorgfalt meines lieben Lehrers( meiner lieben Lehrerin). Bewahre die Dankbarkeit und die Ehrerbietung gegen ihn( sie) in meinem Herzen, auch wenn ich seines( ihres) Unterrichtes nicht mehr genieße, nicht mehr unter seiner( ihrer) Leitung stehe; daß ich zu meinem Heile, ohne aufzuhören, mich stets seiner( ihrer) Lehren erinnern und nie vergessen möge, daß ich durch Dich auch von ihm( ihr) manches Gute empfangen habe, welches einzig und allein mein wahres zeitliches und ewiges Glück zu begründen vermag Ich bitte Dich, lieber 572 Verschiedene Gebete für Jungfrauen. Bater, um alles dieses durch deinen Sohn, Jesus Christus, den Du als den liebevollsten Lehrer der Menschheit gesandt hast, damit ich auf dessen Worte stets höre und sie wohl bewahre in meinem Herzen. Amen. Für eine gute Freundin. Gott, unser Aller Vater, der Du durch die Gnade des heiligen Geistes den Herzen deiner Gläubigen die Liebe eingießest und das Band der wahren Freundschaft knüpfest: in christlicher Liebe gedenke ich deiner Dienerin, meiner Freundin Verschmähe nicht das Opfer der Andacht, welches ich für sie zu Dir hinauffende. Geist Gottes, Urquell jeglicher Tugend, Führer und Beschüßer kindlicher Seelen, weihe und heilige ihre Seele zu deinem reinen Tempel; wohne und wirke lebendig darin! Durchstrahle fie hell und warm; entflamme sie zu einer himmelwärts strebenden Liebesflamme für Gott, das allerhöchste, vollkommenste und aller Liebe unendlich würdigste Gut! Flöße ihr ein, erhalte und bewahre in ihr die Tugenden der Demuth, Bescheidenheit, Sanftmuth und jungfräulichen Reinigkeit; gib ihr ein zart empfängliches, wohlwollendes Herz für Werke der christli chen Barmherzigkeit und der wahren Nächstenliebe. Ziere sie mit diesen Perlen der Jungfräulichkeit, die uns viel schöner schmücken als alle Kleiderpracht und uns wohlgefällig machen in den Augen Gottes, vor den Engeln im Himmel und vor den guten Menschen auf Erden. Laß sie werden die Ehre und Freude ihrer Eltern, die Zierde ihrer Familie, der Ruhm ihrer Seelsorger und Lehrer, ein Tugendbeispiel für Alle. Fromme Fürbitten. 573 In Wohl und Wehe, in Stunden eines erlaub. ten, schuldlosen Vergnügens und in Tagen des Grames, o Vater unser Aller, sei und bleibe dein heiliger Geist mit ihr! Deine Gnade verleihe ihr ein glückliches Loos für Zeit und Ewigkeit, und führe sie und die Ihrigen einst in das Reich der ewigen Freundschaft! Amen. Für kranke Eltern( Vater, Mutter, Seelsorger ic.) Allmächtiger, allweiser Gott! Du hast meinen lieben Vater,( Mutter, Seelsorger 2c.) mit Krankheit heimgesucht. Für ihn( sie) rufe ich mit kindlicher Zuversicht zu Dir: Schenke ihm( ihr) doch, was ihm( ihr) wahrhaft heilsam ist, und verlaffe ihn( sie) mit deiner Gnade nie! Der Gedanke an die Weisheit deiner väterlichen Führung mache ihm ( ihr) alle Leiden erträglich. Der Glaube an Jesus Christus, den Erlöser und liebevollen Krankenfreund, erhalte und vermehre seine( ihre) Geduld. Gib, daß er( sie) allezeit in Dir Trost und Beruhigung suche und finde. Kürze die Zeit seiner( ihrer) Krankheit ab und lindere seine( ihre) Schmerzen. Hilf Du ihm( ihr) tragen, was für ihn( sie) zu schwer sein könnte und schenke ihm( ihr) zu meiner Freude bald wieder die erwünschte Gesundheit. Mich aber laß auf Alles denken, womit ich Ihn( sie) während der Krankheit erfreuen und ihm( ihr) Erleichterung verschaffen kann. Täglich will ich für ihn( sie) beten. Erhöre, liebreichster Bater! meine kindliche Bitte, wenn die Erhörung ihm( ihr) und mir zum Heile gereicht. In Allem geschehe dein heiligster Wille! Amen. Verschiedene Gebete für Jungfrauen. Für eine kranke Herrschaft. O Gott aller Gnade und Erbarmung! mit traurigem Herzen bitte ich Dich: hilf meinem kranken Herrn( meiner kranken Frau) in seiner( ihrer) Krankheit! Lindere seine( ihre) Schmerzen! Erleuchte den Arzt, daß er die Krankheit erkenne, lege Kraft in die Arzneien und schenke ihm( ihr) die vorige Gesundheit wieder, damit er( sie) Dir noch länger diene, und für mich, so wie für alle die Seinigen ( Ihrigen) sorgen könne. Was kann mir nach Dir, o Gott! und meinen Eltern theurer sein, als er ( fie)? Herr, sprich nur ein Wort, so wird er( sie) gesund. Sollte es aber deiner weisen Güte gefallen, ihn( sie) noch länger auf dem Krankenbette zu lassen, so laß ihn( sie) verdienstlich und mit Ergebung in deinen heiligen Willen leiden. Gib mir aber auch Kraft und Stärke, ihm( ihr) in dieser Krankheit Alles zu werden, was ich ihm( ihr) leisten soll, um die Schmerzen und Beschwernisse der Krankheit kindlicher zu ertragen. Gib mir Einsicht und Geschick dazu. Willst du aber ihn( sie) durch diese Krankheit von der Welt abfordern, so stehe ihm ( ihr) besonders in der Todesstunde bei; nimm seine ( ihre) Seele in deine Hände auf, gib ihm( ihr) um deines Namens willen das ewige Leben, durch Jesus Christus, der die Auferstehung und das Leben ist. Amen. 574 Für verstorbene Eltern. Guter Gott und Vater im Himmel, Du gabest mir so treue und redliche Eltern, die es stets so gut mit mir meinten und für mein zeitliches und ewiges Wohl unablässig besorgt waren. ich erkenne es, welche Liebe und Dankbarkeit ich ihnen Fromme Fürbitten. 575 schuldig bin! Und wie gerne wollte ich ihnen alles das Gute vergelten, was sie mit elterlicher Liebe an mir gethan haben! Aber sie sind nicht mehr, Du hast sie aus diesem Leben zur Ewigkeit abberufen; und wie kann ich nun anders meine Dankbarkeit gegen sie beweisen, was anders für sie thun, als daß ich sie deiner Güte und Barmherzigkeit, deiner Vaterliebe empfehle? Erhöre denn, allgütiger Gott, der Du uns selbst das schöne Gebot gegeben hast, Vater und Mutter zu lieben und ihnen zu helfen, erhöre das Gebet der kindlichen Liebe, das ich für meine verstorbenen Eltern Dir aufopfere. Sei ihnen dort oben ein gnädiger Gott und Vater! Vergilt Du ihnen in der Ewigkeit, in dem Reiche deiner Herrlichkeit, alles Gute, das sie so reichlich mir erwiesen. Sollten sie wegen einigen nicht abgebüßten Fehler, die sie aus menschlicher Schwäche begangen haben, noch nicht zu deiner Anschauung gelangt sein, ach, dann habe Nachsicht mit ihnen und vergib ihnen dieselben; erfreue, erquicke sie, nimm sie auf in deinen Himmel! Vater, Du wirst, Du kannst diese meine findliche Bitte für meine guten Eltern nicht unerhört lassen. Mich aber unterstüße, daß ich sie durch einen rechtschaffenen, gottesfürchtigen Lebenswandel im Grabe noch ehre, und gib, ich flehe unaufhörlich darum, daß ich sie im Reiche deiner Herrlichkeit einst wiedersehe und deine unendliche Barmherzigkeit und Güte ewig mit ihnen lobe und preise, durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. Für verstorbene Geschwister. Himmlischer Vater! Du hast meine lieben Geschwister hinübergeholt in die Ewigkeit. Ich bete 576 Verschiedene Gebete für Jungfrauen. deinen heiligsten Willen an. Wenn sie aber noch nicht vor deinem allerheiligsten Angesichte erscheinen dürfen, so bitte ich deine göttliche Barmherzigkeit, Du wollest sie bald, recht bald aufnehmen in dein Reich der ewigen Glückseligkeit, auf daß sie mit allen lieben Engeln und Heiligen Dich, die unendliche, allervollkommenste Schönheit anschauen, und in ewiger Wonne Dich anbeten, loben und preisen mögen. Ich bitte Dich, o himmlischer Vater! durch die unendlichen Verdienste deines eingebornen Sohnes, der uns, seinen Brüdern und Schwestern, mit seinem kostbaren Blute die ewige Seligkeit erkauft hat. Amen. Für verstorbene Verwandte, Freunde und Wohlthäter. D Gott, Du Ausspender der Gnaden und liebreichster Vater der Menschen! Ich flehe zu deiner unermeßlichen Erbarmung, Du wollest meine Verwandten, Freunde und Wohlthäter, welche aus dieser Welt abgeschieden sind, durch die Fürbitte der glorreichen Jungfrau Maria und aller Heiligen zu der Gemeinschaft der ewigen Seligkeit gelangen lassen. Ich habe ihnen ihre Liebe hier nicht vergelten können. Mit stiller Wehmuth erinnert sich mein Herz an diese so innig geliebten Personen. Sei ihnen um der unendlichen Verdienste Jesu willen gnädig und barmherzig, laß sie ruhen in deinem Frieden; vollende, wenn sie noch im Reinigungsorte weilen, bald die Zeit ihrer Leiden und laß sie dorthin gelangen, wo sie ewig sich erfreuen in Dir, dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geiste. Amen. Inhaltsverzeichniß. Erster Theil Die Schule der Jungfrauen. In vier Abtheilungen. Erste Abtheilung. Tugendschule für Jungfrauen. Nach dem Vorbilde der seligsten Jungfrau Maria. Einleitung: Von der Nachahmung der Tugenden der seligsten Jungfrau Maria I. Die drei göttlichen Tugenden. S. 1. Von dem Glaubens Mariens S. 2. Von der Hoffnung Mariens S. 3. Von der Liebe Mariens zu Gott II. Die vier Haupt- oder Cardinaltugenden. S. 1. Von der Klugheit Mariens in Bezug auf den Glauben §. 2. Von der Mäßigkeit Mariens in Schmerz und Traurigkeit Von der Gerechtigkeit Mariens in der Beobachtung göttlicher und menschlicher Gesetze. Von der Starkmüthigkeit Mariens in schweren Prüfungen S. 3. §. 4. III. Die sieben Tugenden, welche den sieben Todsünden entgegengefeßt sind. S. 1. Von der Demuth Mariens S. 2. Von der Freigebigkeit Mariens Schule und Tempel. 33 Seite. 7 10 13 16 20 23 25 28 31 34. 578 Inhaltsverzeichniß. S. 3. Von der Reinigkeit Mariens Von der Nächstenliebe Mariens Von der Mäßigkeit Mariens S. 4. S. 5. S. 6. Von der Geduld Mariens §. 7. Von dem Eifer Mariens im Guten Schluß der Tugendschule für Jungfrauen" 3 weite Abtheilung. Lehrschule für Jungfrauen. Kap. 1. Beschreibung der wahren Frömmigkeit 2. Von der Nothwendigkeit eines Führers, um den Weg der Frömmigkeit betreten und auf demselben fortschreiten zu können 3. Von der Art und Weise, wie die Seele das fromme Leben wählt 4. Tagesordnung einer christlichen Jungfrau 5. Von der Heiligung der Tagesgeschäfte durch die gute Meinung 6. Von dem beständigen Wandel in der Gegenwart Gottes. 7. Von der Art und Weise, sich die Gegenwart Got: tes vorzustellen 17 Nach des heiligen Franz von Sales Philcthea" und des heiligen Alphons von Liguori ,, Braut Christi". 8. Von der Nothwendigkeit des Gebetes 9. Von den frömmen Seufzern, Stoßgebeten und frommen Gedanken Seite. 10. Von der heiligen Meffe, und wie man sie hören soll 11. Von andern öffentlichen und gemeinschaftlichen Andachtsübungen 12. Von der Anhörung und Lesung des Wortes Gottes 13. Von der Wahl eines Beichtvaters für Jungfrauen, die nach der christlichen Vollkommenheit streben 14. Von der Art und Weise, wie man beichten soll 15. Von den Gewiffensskrupeln, womit zuweilen ängstliche Seelen geplagt find 16. Von dem öftern Empfange der heil. Kommunion 17. Von der geistlichen Kommunion 18. Von den Besuchungen des allerhl. Altarssakramentes 19. Von der Andacht zu der allerfel. Jungfrau Maria 36 39 42 45 49 51 54 57 61 66 71 75 81 88 92 97 100 102 103 108 112 120 128 130 135 Inhaltsverzeichnis. Kap. 20. Von der Keuschheit 21. Von der Vermeidung des Müßiggangs 22. Von der wahren Freundschaft • 23. Von den Gesellschaften und von der Einsamkeit 24. Von der Sittsamkeit in der Kleidung und im Reden 25. Von den erlaubten und löblichen Erholungen 26. Von den Tänzen. 27. Von den Uebungen der äußerlichen Abtödtung 28. Von dem geistlichen und fühlbaren Troste 29. Von der geistlichen Trockenheit und Dürre 30. Von dem Verhalten in der Traurigkeit Schluß der Lehrschule für Jungfrauen" Dritte Abtheilung. Berufsschule für Jungfrauen. Nach den Schriften des heiligen Alphons von Liguori und den, Jungfrauenbüchern von P. Waldner, Passi 2c. 2. Kap. Vondem Berufezuewiger Keuschheit. §. 1. Eine zu diesem Stande berufene Jungfrau soll nicht unbedachtsamer Weise ein Gelübde machen 579 S. 2. Sichere Kennzeichen zu dem Berufe der ewigen Keuschheit Seite. 142 146 §. 2. 151 154 158 161 164 167 172 1. Kap. Vondem Berufe der Jungfrauen überhaupt. S 1. Was der Jungfrauen Beruf ist S 2. Die Jungfrau muß ihrem Berufe treu sein S. 3. Mittel den Beruf zu erkennen 182 - 188 191 194 195 197 199 201 3. Kap. Von der Vortrefflichkeit des jungfräulis chen Standes. §. 1. Von den Vorzügen des jungfräulichen Standes im Allgemeinen 205 S. 2. Von den Vorzügen des jungfräulichen Standes gegenüber dem ehelichen Stande 216 4. Kap. Von dem Berufe der Jungfrauen zum Klo flerleben. S. 1. Welche Jungfrauen zum Klofterlebent be rufen sind Den anerkannten Beruf für das Klosterleben darf eine Jungfrau nicht versäumen §. 3. Welchen Orden eine Jungfrau wählen soll 221 222 223 580 Inhaltsverzeichniß. Seite. 5. Kap. Von den drei feierlichen Gelübden des Ordensstandes. Was ist ein Gelübd? §. 1. Von dem Gelübde der Armuth S. 2. Von dem Gelübde der Keuschheit S. 1. Man kann auch außer einem Kloster im jungfräulichen Stande leben S. 3. Von dem Gelübde des Gehorsams 6. Kap. Von dem Berufe ewiger Jungfrauschaft im weltlichen Stande. kommen §. 2. Gute Räthe für Jungfrauen, welche sich verehelichen wollen S. 3. Pflichten einer Vermählten S. 4. Ermahnungen für Wittwen Schluß der Berufsschule für Jungfrauen" S. 2. Regeln für Jungfrauen, die in ewiger Keuschheit in Mitte der Welt leben wollen 7. Kap. Von dem Beruf zum Dienstbotenstande. S. 1. Beschwerden des Dienstbotenstandes S. 2. Zeitliche Vortheile dieses Standes S. 3. Geistliche Vortheile 8. Kap. Von dem Beruf zum Ehestande. S. 1. Der Beruf zum Ehestande muß von Gott " 1 ● ● 224 226 ● 229 232 Maria Plazida Bellanger, Generaloberin der barmher zigen Schwestern. Die gute Armella, eine Dienstmagd Schluß der Lebensschule für Jungfrauen" 235 241 249 252 255 259 260 263 264 209 Vierte Abtheilung. Lebensschule für Jungfrauen. Bilder aus dem Leben von fünf heiligen und gottfeligen Jungfrauen. Jugendleben der seligsten Jungfrau Maria Die gottselige Mutter Mechtilde vom heiligen Sakrament, Stifterin des Ordens der ewigen Anbetung Die ehrw. Anna Höß von Kaufbeuren, später Schwester Maria Crescentia, ein Muster des häuslichen und flösterlichen Lebens 271 286 294 301 306 313 Inhaltsverzeichniß. Zweiter Theil. Der Tempel der Jungfrauen. 1. Morgenandachten. Morgengebet an Sonn- und Feiertagen Morgengebet an Kommuniontagen Morgengebet der heil. Schwestern Gertrudis und Mechtildis Morgengebet im Geiste der heiligen Nothburga. II. Untertagsandachten. Flammengebete zum göttlichen Herzen Jesu Frommer Gruß an die heiligen Wunden Jesu Flammengebete zum reinsten Herzen Mariens Tägliche Empfehlung in den Schuß der Königin des heiligen Skapuliers Schußgebete der heiligen Gertrudis. III. Abendandachten. Abendgebet an Sonn- und Feiertagen Abendgebet an Kommuniontagen Abendgebet der heil. Schwestern Gertrudis und Mechtildis Abendgebet im Geiste der heiligen Nothburga IV. Meßandachten. Meßandacht zur Ehre der hochheiligsten Dreifaltigkeit. Meßandacht im Geiste der ewigen Anbetung des allerheiligsten Altarssakramentes. Meßandacht aus den Schriften und Offenbarungen der heiligen Schwestern Gertrudis und Mechtildis Meßandacht zur Bewahrung der Unschuld und jungfräulichen Reinigkeit Meßandacht zur Verehrung der allerfeligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria 33* 581 Seite. 317 319 320 322 324 324 325 326 326 327 330 332 336 338 350 363 14376 385 Inhaltsverzeichniß. Meßandacht in den Tagen des Leidens und schwerer Heimsuchungen. Meßandacht zum Trost und zur Hülfe unserer lieben Verstorbenen. 582 V. Beichtandacht. ( Nach den 5 Stücken, die zu einer guten Beicht nothwendig find.) Vor der Beicht 1. Gewissenserforschung 2. Reue und Leid.( Von der heiligen Mechtildis.) 3. Vorsatz.( Von der heil. Franziska von Chantal.) 4. Beicht.( Von der heiligen Veronika Juliani.) Nach der Beicht. 5. Genugthuung.( Von der heiligen Mechtildis.) Gebet für das Heil des Beichtvaters.( Von der heiligen Veronika Juliani.) Vor der heiligen Kommunion. Nach der heiligen Kommunion. Verschiedene Gebete nach der heiligen Kommunion Frommer Entschluß einer Jungfrau, die den Eitelkeiten der Welt entsagen will Aufopferung und Bitte einer Jungfrau, die über den Stand, den sie zu wählen hat, im Zweifel steht Anmuthung einer Jungfrau, die sich dem himmlischen Bräutigam weiht Gelöbniß einer Himmelsbraut VI. Kommunionandacht. ( Aus den Schriften und Offenbarungen der heiligen Schwestern Gertrudis und Mechtildis.) ● Seite 397 404 VII. Besperandachten. Vesperandacht zur Ehre der hochheiligsten Dreifaltigkeit Vesperandacht zum Preise der allerfeligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria 417 417 422 425 426 426 428 ● 430 434 440 440 440 441 443 444 454 VIII. Betstunden auf heilige Zeiten und Feste. Betstunde für die heilige Adventzeit 462 Sieben Anmuthungen aus dem heiligen Evangelium. 462 Die sieben großen Sehnsuchtsseufzer nach Jesus 467 Inhaltsverzeichniß. Betstunde für die heilige Weihnachtszeit Andacht zur Feier der Geburt Christi in Vereinigung mit den heiligen Engeln, der göttlichen Mutter und den frommen Hirten Litanei vom süßen Namen Jesus Betstunde für die heilige Fastenzeit Andacht einer frommen Seele zu dem liebenden, leidenden und sterbenden Herzen Jesu. Litanei von dem bittern Leiden und Sterben unsers Herrn Jesu Christi Gebet bei dem Küffen der Wunden Jeſu Betstunde für die heilige Ofterzeit Die glorreiche Auferstehung unsers Herrn- unser Trost und unsere Hoffnung im Leben und im Sterben Gebet um die Gnade einer würdigen Ofterkommunion Betstunde für die heilige Pfingstzeit Andacht der katholischen Kirche zum heiligen Geiste Fromme Anmuthungen zum heiligen Geiste um Erlangung seiner sieben Gaben Litanei von dem heiligen Geiste. Betstunde für die heil. Frohnleichnamszeit 1. Das glaubende Herz vor dem hochw. Gute 2. Das hoffende Herz vor dem hochw. Gute 3. Das liebende Herz vor dem hochw. Gute Litanei vom allerheiligsten Sakramente des Altars Marianischer Tugendkranz auf alle Tage des Maimonats Aufopferung der Maiandacht Lauretanische Litanei Litanei von der unbefleckten Empfängniß der seligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria • 583 Seite. 469 IX. Maiandacht zur Feier des Marien- Monats. Ablaß der Maiandacht Art und Weise, den Maimonat zur Ehre Gottes und zum Preise der seligsten Jungfrau zu heiligen Vorbereitungsgebet. X. Kreuzwegandacht. Die vierzehn Stationen des bittern Leidens und Sterbens unsers Herrn Jesu Christi 469 472 475 475 481 484 486 486 491 492 492 497 499 502 502 505 507 509 513 513 514 515 536 536 539 547 Gebet zur schmerzhaften Mutter für die armen Seelen 555 Inhaltsverzeichniß. XI. Verschiedene Gebete für Jungfrauen. Standesgebete für verschiedene Zeiten und Verhältnisse Gebet einer Jungfrau Gebet einer dienenden Jungfrau Gebet um Bewahrung der Reinigkeit Gebet zur Zeit der Versuchung Gebet bei Versuchungen zur Eitelkeit Gebet um eine glückliche Standeswahl. Gebet um Gnade zur Erfüllung der Standespflichten Gebet einer Jungfrau, die immer im jungfräulichen Stande leben will. ( 241) Formel des Gelübdes der ewigen Keuschheit( 232) Gebet einer Jungfrau, die in den heiligen Ehestand treten will Gebet in Kreuz und Leiden Gebet in Krankheit. 584 II. Fromme Fürbitten Für die Eltern. Für Geschwister. Für das Heil des Beichtvaters Für den Lehrer( die Lehrerin) ● ( 428) Für eine gute Freundin Für kranke Eltern( Vater, Mutter, Seelsorger 2c.) Für eine kranke Herrschaft ● Für verstorbene Eltern Für verstorbene Geschwister Für verstorbene Verwandte, Freunde und Wohlthäter Sette 557 557 558 560 560 561 563 563 565 566 568 569 569 570 571 572 573 574 574 575 576 Bei Gebr. Karl und Nikolaus Benziger in Einsiedeln, New- York und Cincinnati sind ferner nebst vielen andern Werken erschienen und in allen Buchhandlungen zu haben: Bekenntniß einer Seele, die ihr Vaterland, den Himmel sucht. Von der Herausgeberin des goldenen Büchleins oder der Anleitung, wie man durch Ausübung der Demuth zur christlichen Vollkommenheit gelangt. 12. 1847.( 156 Seiten.) 91/2 Ngr. 30 fr. Fr. 1. 5 6. Büchlein, das goldene, oder Anleitung wie man durch Ausübung der Demuth zur christlichen Vollkoms menheit gelangt. Mit einer Sammlung von Andachtsübungen im Geiste der heiligen Kirche, Mit bischöflicher Basel'scher Genehmiguug. 2te Auflage. Mit 2 Bildern. 12 1856.( 288 Seiten.) 7 Ngr. 24 fr. 85 C. Dienstspiegel, der, oder Belehrungen und Weisungen zunächst für Dienstboten, aber auch den Herrschaf= ten, Eltern und Vormündern höchst nüßlich. Nach dem Französischen des Herrn Büsson bearbeitet und mit Ere zählungen durchwirkt von P. Bannwart, Schulherrn. Mit einem Anhang von Andachtsübungen für katholische Dienstboten. Mit 2 Bildern. 12. 1852.( 456 Seiten.) 11 Ngr. 36 fr. Fr. 1. 25 C. Effinger, P. Conrad, Prior des aufgehobenen Klosters St. Urban, die Nachfolge Mariä oder die allerfeligste Jungfrau Maria, als Vorbild aller Tugenden, in Betrachtungen dargestellt für ihre frommen Verehrer. Sammt Zugabe üblicher Gebete. Mit bischöflicher Approbation. Mit Stahlstich. 12. 1860.( 492 Seiten.) 161/2 Ngr. 54 fr. Fr. 1. 90 6. Hauber, Ignaz Kaplan in Königseggwald, die evangelischen Räthe im Gegensatz mit den antievangelischen Räthen, Lehren und Bestrebungen unserer Zeit. 12. 1847.( 264 Seiten.) 7 Ngr. 24 fr. 85 C. Hecht, P. Laurenz, Rapitular des Stifts Einsiedeln. Die Lilie im Garten Gottes, oder der jungfräuliche Stand, dessen Schönheit und Bewahrungsmittel. Aus den Schriften des heiligen Alphons von Liguori. 5te, starf vermehrte, schönere Ausgabe. Mit bischöflicher Genehmigung. Mit Bild und Ziertitel 12. 1859.( 180 Selten.) 4/2 Ngr. 15 fr. 55 C. Kind Jesus, das göttliche, als unser Vorbild, Seelenführer und Gnadenspender. Katholisches Betrachtungsund Gebetbuch für fromme Verehrer der hl. Kindheit Jesu Christi. Vom Verfasser von Nazareth und Bethlehem", 2c. 2te Aufl. Mit 5 Bildern 18. 1860.( 324 Seiten.) 8 Ngr. 27 fr. 95( S. Kommet zur Mutter, ein Marien- Monat in Betrachtungen, Gebeten und Beispielen zur Verehrung der göttlichen Mutter auf alle Tage des Maimonats. Zunächst für die Jugend. Nach dem Französischen von Abbé 2. Jung. Sammt einer Beigabe allgem. Undachten. Mit Genehmigung des Hochw. Hrn. Erzbischofs von Freiburg i. B. Mit 6 Bildern und Ziertitel. 18. 1857. ( 360 Seiten.) 91/2 Ngr. 30 fr. Fr. 1.5 C. Liguori, des Hl. Alphons von, Die Herrlichkeiten Mariens. Für das deutsche Volk umgearbeitet und mit einer Maiandacht und den gewöhnlichen Andachtsübungen vermehrt von Anton Merk, Pfarrer, Verfaffer des Pilgerstabs 2c. 5te Aufl. Mit 6 Bildern. 12. 1861.( 648 Seiten.) 18 Ngr. fl. 1. Fr. 2. 10€. Marienkapelle. Die allerfeligste Gottesmutter in ihrem Leben, in den Festen der Kirche und in unserer täglichen Verehrung. Ein vollständiges marianisches Fest-, Lehr- und Gebetbuch für Kirche und Haus. 6te vermehrte, mit Approbation der hochw. Bischöfe von Chur, Basel, Lausanne und Genf und von St. Gallen versehene Auflage. Mit 4 Bildern und Ziertitel. 8. 1859.( 600 Seiten.) 16 Ngr. 54 fr. Fr. 1. 90 C. Mechtildenbüchlein oder Geist der ewigen Anbetung des allerheiligsten Altarssakramentes zum Unterrichte und Gebrauch sowohl geistlicher als weltlicher Jungfrauen der ewigen Anbetung. Uebersetzt und vermehrt von P. Claudius Perrot. Mit Aps probation des hochw. Bischofs von Chur. 3te Auflage. Mit 2 Bildern. 12. 1856.( 412 Seiten.) 91/2 Ngr. 30 fr. Fr. 1. 5 C. Merk, P. Anton, des Christen Pilgerstab auf ter Reise in die Ewigkeit. Gedrängter Inhalt der vorzüglichern Missionspredigten, nebst Unterricht und Gebeten für gottliebende und heilsbegierige Seelen. Mit Approbation der hochw. Bischöfe von Chğur, von Lausanne und Genf. Schönere Ausgabe in kleinerem Druck. No. 3. Mit 4 feinen Bildern 18. 1861.( 384 Seiten.) 91/2 Ngr. 21 fr. 75€. Mettenleiter, D., Stiftsvikar an der alten Kapelle zu Regensburg, der Rosenkranz der heiligen katho lischen Kirche. Eine Gabe für gottliebende Seelen. Mit einem vollständig. Gebetbuche. Mit 4 Bild. 12. 1853. ( 396 Seiten.) 91/2 Ngr. 30 fr. Fr. 1. 5 C. Ming, Joh., Pfarrer und Schulinspektor, Bleibet in meiner Liebe! Gin Lehr und Gebetbuch zunächst für austretende Schüler und Schülerinnen und überhaupt für kathol. Jünglinge und Jungfrauen. Enthaltend: I. Tugendübungen; II. Andachtsübungen. Mit Genehmigung der hochwürdigen Bischöfe von Chur und Basel. 3te Aufl. Mit 6 lithographischen Bildern. 32. 1859.( 480 Seiten.) 8 Ngr. 27 fr. 95 C. Morel, P. Gall, Rektor, Benediktiner von Einsiedeln. Spruchverse, ernsten und heitern Inhalte zur Erbauung und Unterhaltung. Mit 1 Stahlstich. 16. 1859.( 220 Seiten.) 15 Ngr. 51 fr. Fr. 1. 80 C. Regelbüchlein, für die Brüder und Schwestern des Ordens der Buße oder des dritten Ordens des seraphischen Vaters Franziskus. Mit bischöflicher Genehmigung. 4te mit den Tagzeiten vermehrte Auflage. Mit 6 Bildern. 12. 1858.( 272 Seiten) 91/2 Ngr. 30 fr. Fr. 1. 5 6. Sales, des heiligen Franz von, Philothea, oder Anleitung zu einem frommen Leben. Mit einer Zugabe der gewöhnlichen Andachten aus den Schriften desselben Heiligen, 5te Auflage. Mit 7 Bildern. 18. 1860.( 576 Seiten.) 91/2 Mgr. 30 fr. Fr. 1. 5 C. Senfkörnlein, geistliches. Eine Auswahl katholischer Gebete für alle Alter, Stände, Zetten und Verhältnisse. Mit bischöfl. Approbation 18. Aufl. Schönere Ausgabe in größerem Druck, mit feinen Bild. 24. ( Erscheint im Juli 1861) Ausgabe in kleinem Druck. 18te Auf Mit 10 Bildern. 32, 1861.( 476 Seiten.) 61/2 Ngr. 21 fr. 75 6. Singel, Michael, Gebete für katholische Dienstboten. 8. 1842.( 444 Selt.) 72 gr. 24 fr. 85 C. Willam, P. Friedrich, Kapitular des Stifts& infiedeln, Gelobt sei Jesus Christus. Gebet- und Betrachtungsbuch für Alle, die im Gebete ihre Freude finden. In 18 Theilen. Mit bischöflicher Approbation. Mit 4 Sahlst. und Ziertitel. Kleiner Druck. 12. 1859.( 468 Geiten.) 15 Ngr. 48 kr. Fr. 1. 70 C. Anstalt von Gebrüder Karl und Nikolaus Benzigen in Einsiedeln in der Schweiz. Buch VEHORVET ndlung ## ymm Kunst-& Devotionali aum e, Buchdruckerei, Buch hog und Kupferdruckerei& Balvanop Verlags und Sortimentsbuchhandlung. Buchdruckerei mit Stereotypie. Buchbinderwertstätte. Kupferdruckerei und galvanoplastische Anstalt. Lithographie mit Coloriranstalt. Kunst- und Devozionalienhandlung. Fabrikazion von gekettelten Rosenkränzen. 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