до 1502 Me Lipp Hind Kommunionbüchlein für Alle, die den Herrn Jesum lieb haben. ILE Von Georg Ott, Pfarrer. me lind Fünfte Auflage agilisdibed sic Waunchenspe #gegit 177 76 os siting Mit Approbation des Hochw. Bischöfl. Ordinariats Regensburg. Regensburg, 1862. Papier, Druck& Verlag von Friedrich Puftet. شکاری if 1508 Inhalt. Von den wunderbaren Wirkungen und dem oftmaligen Empfange der hl. Kommunion. Von der Vorbereitung zur heil. Kommunion Betrachtungen und Gebete zur Heiligung der Tage vor der heil. Kommunion Beicht- Andacht Gebet um den heil. Geist Anleitung zur Gewissenserforschung Beichtspiegel für Defterbeichtende Die üblichen Gebete zur heil. Beicht Andachten am heil. Kommuniontage Morgen- Andacht Meß- Gebete vor der heil. Kommunion Die hochheilige Kommunion Tugendübungen vor der heil. Kommunion Tugendübungen nach der heil. Kommunion Meßgebete nach der heil. Kommunion Nachmittags- Andachten am heil. Kommuniontage Gebete und Betrachtungen vor dem hochwürdigsten Gute Geistliche Kommunion. Litanei vom allerheiligsten Altarssakramente Gebet zur allerfeligsten unbefleckten Jungfrau Ablaß- Gebete zum allerheiligsten Sakramente und zum göttlichen Herzen Jesu Zweite Kommunion- Andacht, im Falle man der Hl. Messe nicht beiwohnen kann Dritte Kommunion- Andacht, an den Festen der seligsten Jungfrau Maria Rosenkranz von den zwölf Sternen der allerfeligsten Jungfrau. Gebet zum heiligsten und unbefleckten Herzen Mariä Vierte Kommunion- Andacht in besonderen Anliegen Ein Lied nach der heil. Kommunion Abendgebet am Kommuniontage essas Seite 3 17 Univ.- Bibl. Giessen . 21 37 38 39 44 47 68 68 74 95 96 100 111 121 123 132 134 136 138 141 151 164 166 168 172 . 173 Regisg 585 ng 3 adar Caubisur nig - napni nareffios 191 118 Von den wunderbaren Wirkungen jag dll und dem oftmaligen Empfange der heiligen Kommunion. 799 Kondo follm 396 is med Wie heilige Kommunion, oder der wirkliche Genuß des hochheiligen Fleisches und Blutes Jesu Christi, bringt in dem, der sie würdig empfängt, die wunderbarsten Wirkungen hervor. Ich will dir, christliche Seele, mit kurzen Worten sagen, was die heiligen Väter und frommen Geisteslehrer hierüber äußern, auf daß du erkennen mögest die un. endliche Liebe deines göttlichen Heilandes und die Gnaden, welche er dir mittheilen will, wenn du seinem heiligen Tische dich nahest. nism onn Die erste Wirkung der heiligen Kommunion ist die, daß sie dir das Leben gibt. Jesus sagt dieß selbst: Wer mein Fleisch ist und mein Blut trinkt, hat das ewige eben " 1 Das Brod, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt. Wie mich mein Vater, der lebendig ist, gesandt hat, und wie ich für meinen Vater lebe, so wird auch der für mich leben, der mich ist." Joh. 6. 1 Von den wunderbaren Wirkungen So oft der Heiland vom heiligsten Altarssakramente redet, verspricht er immer, er gebe das Leben. Aber welches Leben gibt er dir? Das Seinige. Wenn du Brod zu dir nimmst, verwandelst du es in dein eigenes Wesen, ebenso verwandelt Jesus in der heiligen Kommunion bich in sich; er nimmt dir das von Adam her verdorbene Leben, das Leben des Stolzes, des Ehrgeizes, der Anhänglichkeit und Liebe zu den erschaffenen Dingen, der Selbstsucht, der bösen Lust, furz das Leben aller Leidenschaften, die im Menschenherzen hausen, und theilt dir mit sein Leben, welches ein Leben der Sanftmuth, Demuth, Geduld, der heiligen Liebe, der Selbstüberwindung, kurz ein Leben aller Tugenden und guter Werke iſt. An den Heiligen ist diese wunderbare Wirkung der Hl. Kommunion sichtbar. Ihnen hat Christus, indem er sich ihnen zur Speise gab, sein heiliges, göttliches Leben eingesenkt, die Fülle seiner Tugenden mitge= theilt, so daß sie sein lebendiges Abbild geworden. Die zweite Wirkung ist, daß sie dich auf's Innigste mit Christo vereinigt. Durch die heilige, würdige Kommunion kannst du mit deinem Gott und Herrn ganz und gar Eins werden. Dieß sagt Jesus selbst: ,, Wer mein Fleisch ist und mein Blut trinkt, bleibt in mir und ich in ihm."( Joh. 6.) Diese wunderbare Vereinigung umfaßt Leib und Seele. Das Fleisch Christi wird Eins mit deinem Fleische, sein heiliges Blut vermischt sich mit deinem Blute. Seine Seele zieht die deinige an sich, du wirst ein Geist mit ihm, du kommst gleichsam in Gemeinschaft mit der göttlichen Natur. ( 2. Petri 1, 4.) Reine menschliche Zunge ist im Stande, diese Vereinigung zu schildern. So wie die Nahrung, die du zu dir nimmst, von deiner Seele 5 der oftmaligen hl. Kommunion. belebt wird, so fängt auch der Geist Christi an, dich zu beleben, sobald du durch die Kommunion sein Glied geworden. Jesus wird die Seele deiner Seele, das Leben deines Lebens; Christus denkt, spricht, liebt, leidet, handelt in dir; du kannst sagen: Christus ist mein und ich bin sein, Christus lebt in mir! Die dritte Wirkung der heiligen kommunion ist, daß sie deine Seele reiniget von läßlichen Sünden und vor Todsünden bewahrt. ,, Sie ist, sagt der heil. Kirchenrath von Trient, ein Gegengift, das uns von den täglichen Sünden reiniget und vor Todsünden beschützt;" weßwegen auch der Hl. Ambrosius sagt: ,, Ich muß täglich das Blut des Herrn empfangen, auf daß ich täglich die Vergebung meiner Sünden erlange; weil ich täglich fündige, so muß ich täglich das Heilmittel gegen die Sünden haben." quonodossa Die vierte Wirkung der heiligen Rommunion ist, daß sie die bösen Neigungen und die Glut der Leidenschaften in dir schwächt und auslöscht. Christus, der Heiligste, der in bir ruht, duldet keine Befleckung neben sich. Das Feuer treibt aus dem Holze zuerst alle Feuchtigkeit, setzt es in Flammen und verwandelt es in sich. So auch treibt Jesus die bösen Neigungen aus. unserem verderbten Fleische, stumpft den Stachel der Sünde in dir ab, begegnet den Leidenschaften deiner Seele, mäßiget sie in ihrem Entstehen und löscht ihr Feuer nach und nach aus. Wenn Einer von euch, spricht der heil. Bernard zu seinen Ordensbrüdern, vom Zorne, Neide, von der Wollust und den übrigen Lastern nicht mehr so häufig versucht wird, so hat er dieß dem Fleische und Blute unseres Herrn und Meisters zu danken." Das Salz und der Balsam " 1 6 Von den wunderbaren Wirkungen haben die Kraft, das Fleisch vor Fäulniß zu bewahren. Um wie viel mehr wird das unendlich heilige, keusche, jungfräuliche Fleisch Jesu Christi unser verdorbenes Fleisch heiligen, wenn es sich mit demselben verbindet. Die fünfte Wirkung ist, daß sie deine Seele stärkt und verschönert. Sie gibt dir Kraft, Eifer und Muth zur Vollbringung alles Guten. Darum wird auch das heiligste Sakrament das Brod der Starken, das Getreide der Auserwählten genannt. Alle frommen, heiligen Seelen schrieben das Verdienst der erhabenen und heldenmüthigen Tugenden, welche sie übten, der heiligen Kommunion zu, und die heil. Martyrer verdankten. ihre herrlichen Siege über die heidnischen Tyrannen der heiligen Kommunion.- Die heilige Kommunion verschönert auch deine Seele, vermehrt in dir die heiligmachende Gnade. Das göttliche Blut, sagt der heil. Chrysostomus, läßt in uns das Blut Jesu Christi leuchten, gibt der Seele Schönheit und Adel, und hindert sie durch seine Nahrung, daß sie in Ermattung fällt. Dieses Blut ist ihr Heil, es reiniget, es verschönert sie, es entzündet sie und macht sie leuchtender als Gold und Feuer." BuDie sechste Wirkung ist, daß sie in deinen Leib den Reim der Unsterblichkeit legt, und ihm das Unterpfand einer glor= reichen Auferstehung verleiht. Unser aus Erde gemachtes Fleisch, schreibt der Hl. Chrysostomus, hat sich dem Tode preisgegeben und des am Anfange von Gott anerschaffenen Lebens beraubt. Darum hat Gott diesem Fleische ein neues Mark und einen neuen Reim, d. h. sein eigenes Fleisch verliehen. Dieses Fleisch ist seiner Natur nach zwar dasselbe, wie das 87 der oftmaligen hl. Kommunion. " 1 Fleisch des Menschen; es ist aber von Sünde frei und folglich vom Leben voll. Gott will, daß wir Alle an diesem Fleische Theil haben. Wir sollen damit genährt werden, unsere Natur ablegen, die uns dem. Tode unterwarf, und so durch die göttliche Speise auf ewig Eins werden mit diesem Fleische." Dein Fleisch genährt mit dem Fleische Christi, dein Blut vermischt mit dem Blute Christi kann unmöglich der Vernichtung anheimfallen. Die, welche diese Speise und diesen Trank nehmen, sagt der heil. Augustin, werden unsterblich und unverweslich." Jesus selbst bezeugt dieß, wenn er sagt:„ Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinft, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am jüngsten Tage auferwecken."( Joh. 6, 55.) So ist also wahrhaft die heilige Kommunion nach dem Ausspruche des heiligen Kirchenrathes von Trient ein Unterpfand unserer fünftigen Herrlichkeit und ewigen Seligkeit!" mumisest Das sind nun die überaus herrlichen Wirkungen, welche die heilige Kommunion in dir, gottliebende Seele, hervorbringt, wenn du sie würdig empfängst. Solltest du, wenn du sie betrachtest, nicht vom heißesten Verlangen nach dieser Himmelsspeise erfüllt werden? med dun lindo indo Ventimic Wie oft soll man die heilige Kommunion empfangen? Oft, recht oft sollst du, gottliebende Seele, die heilige Kommunion empfangen. Zwar findet sich in der heiligen Schrift keine ausdrückliche Bestimmung hierüber, aber schon der Umstand, daß sie Jesus Christus zur Nahrung unserer Seele bestimmt hat und unter der Gestalt des Brodes zu dir kommt, deutet darauf hin, daß du dieses Himmelsbrod, dieſe göttliche Nahrung recht oft empfangen sollst. Zur Erhaltung deines leiblichen Lebens, zur Erneuerung 8 Von den wunderbaren Wirkungen deiner Kräfte bedarfst du täglich des Brodes, der irdischen Speise; soll deine Seele keiner Nahrung, feiner Stärkung bedürfen, soll sie verkümmern und gleichsam verhungern? Dein Leib wird schwach, er stirbt ohne tägliche Nahrung, wird deine Seele nicht ermatten und verderben ohne Jesus, der da ist das Brod des Lebens? Würdest du nur einmal oder nur zwei und dreimal im Jahre essen, so würdest du verhungern, wie? wird deine Seele nicht verkommen, wenn sie nur einmal oder einigemal im Jahre das Brod des Lebens, die heilige Kommunion empfängt?! Es ist also der Wille Christi, daß du sein heiliges Fleisch und Blut recht oft, ja täglich genießest. Dieß bezeugen auch die heiligen Apostel und die ersten Christen. Die heiligen Apostel waren bei der Einsetzung des heiligsten Sakramentes gegenwärtig, sie hörten die Worte, die Jesus bei der Einsetzung dieses Geheimnisses sprach, sie genossen mit Erstaunen dieses große Wunder der göttlichen Liebe. Noch trunken von der Süßigkeit dieses Liebesmahles predigten fie ohne Aufschub diese wichtige Lehre und verkündeten den Auftrag, welchen ihnen Jesus gleich einem förmlichen Testamente gegeben hatte. Gleich nach der Himmelfahrt Christi und dem Empfange des heiligen Geistes begingen sie alle Tage die Segnung des Brodes und Weines und theilten Beides unter die Gläubigen aus. Zeugniß hievon gibt die Apostelgeschichte, wo es heißt: Sie( die ersten Christen) beharrten aber in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft des Brodbrechens( der heil. Kommunion) und im Gebete."( Apostg. 2, 42.) Täglich verharrten sie einmüthig im Tempel und in den Häusern; nach dem Brodbrechen nahmen sie Speise mit Freude und in der Einfalt des Herzens."( Apostg. 2, 42.) Täglich der oftmaligen hl. Kommunion. 09 also genossen die ersten Gläubigen aus den Händen der heiligen Apostel beim heiligen Meßopfer die heilige Kommunion. Sie waren von den Aposteln genau unterrichtet, welcher Trost und welche Stärkung in der heiligen Kommunion enthalten sei, darum wollten fie auch nicht unterlassen, was ihre Vollkommenheit so sehr befördern konnte. Dieser Eifer der ersten Christen, die heilige Kommunion täglich zu empfangen, währte bis zur Zeit des heil. Hieronymus, der im Jahre 420 n. Chr. starb, und bezeugt, daß die Gläubigen zu Rom und in Spanien die heilige Kommunion täglich empfangen. Allein nach und nach nahm dieser Eifer mit der Frömmigkeit ab, aber nicht, ohne daß heilige Bischöfe und Priester und heilige Concilien zur öftern heiligen Kommunion mahnten und aneiferten und sogar die Lauen mit kirchlichen Strafen bedrohten. Leider aber griff im Laufe der Zeit die Lauigkeit noch weiter um sich, und Papst Fabian sah sich daher gezwungen, zu verordnen, daß alle Gläubigen wenigstens dreimal im Jahre, nämlich: zu Ostern, Pfingsten und Weih nachten kommuniziren sollten.- Zuletzt aber fah sich Bapst Innocenz III. genöthigt, die allgemeine Verordnung zu erlassen, daß jeder Gläubige wenigstens einmal im Jahre und zwar zur österlichen Zeit die heilige Kommunion unter Strafe des Kirchenbannes empfangen soll, welche Verordnung der heilige Kirchenrath von Trient bestätigte, nicht aber, ohne dabei den Wunsch auszudrücken, daß bei jeder heiligen Messe die gegenwärtigen Gläubigen nicht nur geistlicher Weise, sondern durch wirklichen Empfang des heiligen Abendmahles kommuniziren möchten, damit ein reichlicher Nußen von diesem heiligsten Opfer ihnen zufließen möge. Von den wunderbaren Wirkungen Die heilige Kirche wünscht also und sieht es gerne, wenn ihre gläubigen Kinder täglich dem Tische des Herrn sich nahen würden, und wenn sie dieses wünscht, so erlaubt sie dir auch, daß du wenigstens öfters christlich fromm kommunizirst. Gewiß würdest du unter die lauen Christen zu zählen seyn, wenn du das Jahr nur einmal oder auch nur zwei- oder breimal die heilige Kommunion empfingest. Der heilige Alphons Liguori sagt, daß in der katholischen Kirche immer der häufige, ja tägliche Empfang der heiligen Kommunion von den heiligen Vätern gelobt worden sei, und dieser. Heilige hat auch mehrere Abhandlungen geschrieben, in welchen er zur häufigen Kommunion mahnet. In einer derselben schreibt er also: Wenn wir die Sache, nämlich die öftere, häufige, heilige Kommunion näher betrachten, so kann man nicht daran zweifeln, sagt der heil. Thomas, daß die häufige, ja sogar tägliche Kommunion an und für sich sehr nützlich sei, aber in Bezug auf den, der sie empfängt, ist sie nicht einem Jeden, der sich im Stande der Gnade Gottes befindet, ohne allen Unterschied dienlich, sondern nur dem, der sie mit geziemender Vorbereitung empfängt. Wer freiwillig läßliche Sünden begeht, z. B. mit Bedacht lügt, oder sich eitel kleidet, oder gegen Jemand eine Abneigung hegt oder andere ähnliche Fehler begeht, und sich daran nicht bessert, der kann höchstens alle acht Tage einmal zur Kommunion gehen, damit er wenigstens die nöthige Kraft erlange, um nicht in schwere Sünden zu fallen. Hingegen kann der Beichtvater demjenigen, welcher gar keine Neigung zu einer läßlich- sündhaften Sache hat, der die freiwilligen, läßlichen Sünden meidet und dem Gebete und der Abtödtung seiner Leidenschaften und seiner Sinne obliegt, wohl erlauben, die 10 der oftmaligen hl. Kommunion. Woche drei, ja vier, sogar fünf Mal zu kommuniziren...." Der hl. Franz von Sales wünscht, daß fromme Christen alle vierzehn Tage die heilige Kommunion empfangen, und rathet denjenigen, welche ernstlich nach christlicher Vollkommenheit streben, und ein großes Verlangen nach der heiligen Kommunion in sich fühlen, alle acht Tage dem Tische des Herrn sich zu nahen. Uebrigens wird es in dieser Sache nothwendig seyn, daß du dich, gottliebende Seele, nach der Bestimmung der heiligen Kirche richtest, welche angeordnet hat, daß der häufige Empfang der heiligen Kommunion dem Beichtvater überlassen bleibe, welcher dir in diesem Betreffe vorschreiben wird, wie oft du zur heiligen Kommunion gehen darfst, und dem du demüthig und gewissenhaft gehorchen mußt, willst du anders nicht irre gehen! Uebrigens bitte und beschwöre ich dich, gottliebende Seele, lasse dich von denen, welche im Empfange der heiligen Kommunion lau und nachlässig sind, und nicht gerne sehen, wenn andere so oft dem Tische des Herrn sich nahen, nicht abhalten, dich, so oft du kannst, und dein Beichtvater es erlaubt, mit Jesus in der heiligen Kommunion zu vereinigen. Das Verlangen deines göttlichen Heilandes, die Dankbarkeit gegen seine unendliche Liebe und die Liebe zu deiner eigenen Seele sollen dich mächtig dazu aneifern. 11 11 Du kennest die rührenden Worte deines göttlichen Heilandes, die er dir und allen gläubigen Seelen zuruft: Kommet alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, und ich will euch erquicken." Du kennest ferner das Evangelium vom Hochzeitsmahl, wo der König seinen Dienern befiehlt, hinauszugehen an die Straßen und Zäune, und die sich dort befinden, zu nöthigen, am Hochzeitmahle theil zu nehmen. Der 12 Von den wunderbaren Wirkungen König ist Gott, sein Sohn ist Jesus, das Hochzeitsmahl ist die heilige Kommunion; auch du sollst, ja du mußt daran Theil nehmen, willst du nicht verloren gehen. Sieh also, wie sehr Jesus verlangt, bei dir einzukehren, und deine Seele zu nähren mit seinem Herzblute. Und du willst nicht kommen? mis Das allerheiligste Sakrament hat Jesus als ein Denkmal seiner Liebe hinterlassen. Es soll uns fort und fort erinnern an sein bitteres Leiden, an seinen schmerzlichen Tod am Kreuze. Als er beim letzten Abendmahle Brod und Wein in seine ehrwürdigen Hände nahm, Beides in sein Fleisch und Blut verwandelte und es seinen Aposteln zum Genusse darreichte mit den Worten:, Nehmet hin und esset, das ist mein Leib; trinket alle daraus, das ist mein Blut;" fetzte er hinzu: ,, Dieß thut zu meinem Andenken." Jesus will also, daß du durch den Genuß seines heiligen Fleisches gegen das kostbare Werk der Erlösung dich dankbar erzeigest. Einen bessern Dank fannst du deinem göttlichen Heilande nicht darbringen für seinen bittern Kreuzestod, als wenn du der Verdienste derselben durch eine würdige Kommunion dich theilhaftig machest. Genügest du aber dieser Pflicht der dankbaren Liebe gegen Jesus, deinen größten Wohlthäter, wenn du nur einigemal im Jahre sein Andenken feierst, und kommunizirest? Aber nicht bloß Dankbarkeit soll dich bewegen, öfters dich dem Tische des Herrn zu nahen, auch die Liebe zu beiner eigenen Seele soll dich dazu antreiben. Die Liebe zu deiner einzigen, unsterblichen Seele verpflichtet dich, die besten Mittel zu gebrauchen, um ihr Heil zu sichern. Nun ist aber das allerbeste Mittel, die Seele heilig und selig zu machen, die öftere, würdige Kommunion. Du darfst also, ohne deiner - der oftmaligen hl. Kommunion. Seele zu schaben, und sie ewig unglücklich zu machen, den Gebrauch dieses Mittels nicht vernachlässigen. Oder sage mir, christliche Seele, wie wirst du den schmalen, rauhen und gefahrvollen Weg zur Tugend, zum Himmel sicher wandeln, wenn du deine schmachtende Seele nicht immer mit dieser Himmelsspeiſe nährest? Wo findest du die heilende Arznei wider deine täglichen Gebrechen? Woher empfängst bu Stärke, um den beständigen Reiz deines Fleisches zu besiegen, und wider die Angriffe des Versuchers zu kämpfen? Nur durch den öftern Genuß der göttlichen Seelenspeise wirst du endlich alle deine Feinde besiegen, und dein Ziel, den Himmel erreichen. Je öfter du kommunizirest, desto eher werden deine täglichen Gebrechen geheilt; desto mehr wirst du in der heiligmachenden Gnade befestiget, desto reiner und schöner wird deine Seele, desto größer dein Eifer zur Uebung der Tugend und guter Werke, desto flammender wird deine Liebe zu Jesus, desto inniger die Vereinigung mit ihm, dem Bräutigam deiner Seele! Doch du fönntest einwenden, wie es auch wirklich viele thun: 20 leg co Ich getraue mir nicht, so oft die heilige Kommunion zu empfangen, weil ich dieser Gnade nicht würdig bin. 13 Ich antworte darauf: Es ist recht, daß du deine Unwürdigkeit erkennest und dich bemüthigest, aber, fragt der fromme Geisteslehrer Cassianus: Wer ist demüthiger, berjenige, welcher oft, oder derjenige, welcher selten fommunizirt? und er antwortet: berjenige sei demüthiger, welcher öfter Jesum Christum, empfängt. Denn weil ein solcher sein Elend besser tennt, so sucht er auch öfters Hilfe gegen dasselbe. Auch der hl. Thomas sagt, daß, wenn es gleich Gott 14 Von den wunderbaren Wirkungen gefällt, daß man sich aus Demuth und Ehrfurcht zuweilen von der Kommunion enthalte, ihm dennoch die Liebe und das Vertrauen weit mehr gefällt, welches ihm eine Seele durch den Empfang der heiligen Kommunion zu erkennen gibt. Doch wer könnte auch nur auf eine würdige Weise die heilige Kommunion empfangen? Wirst du etwa, wenn du selten kommunizirst, würdiger werden? Gerade, um würdig zu werden, mußt du dich befleißen, so fromm als möglich zu leben und recht oft zu kommuniziren. Eben durch die öftere Kommunion wirst du immer reiner, Gott wohlgefälliger! Mit Recht hat daher eine fromme Jungfrau gesagt: Weil ich mich unwürdig erkenne, die heilige Kommunion zu empfangen, möchte ich täglich dreimal kommuniziren: denn alsdann könnte ich hoffen, immer würdiger zu werden, je öfter ich kommuniziren würde. - - Ich weiß aber nicht, ob ich im Stande der Gnade Gottes bin. 11 Wer weiß aber dieses? Hat nicht der Hl. Apostel Paulus gesagt: Niemand weiß, ob er der Liebe oder des Hasses würdig ist!" Hat nicht derselbe Apostel ausgerufen: Ich bin mir zwar nichts bewußt, aber deßhalb bin ich noch nicht gerechtfertigt!" Es sei dir genug, wenn dein Beichtvater, der die Stelle Gottes vertritt, dir die heilige Kommunion gestattet, und dich also versichert, daß du in der Gnade Gottes stehest. Die Versicherung deines Beichtvaters ist zuverlässiger, als selbst die eines Engels. Denn wenn es dir schiene, als ob ein Engel dir es verkündet, so könnte dieß doch nur ein Blendwerk seyn, aber wenn dein Beichtvater im Namen Gottes tich davon versichert, so darfst du keinen Betrug fürchten. der oftmaligen hl. Kommunion. Ich will keinen Sonderling machen, und Andern Gelegenheit zum Murren und Tadeln geben. 15 " 1 Du willst also kein frommer Christ, kein treuer Anhänger Christi seyn.- Weißt du denn nicht, daß Jesus gesagt hat: Wie enge ist die Pforte und wie schmal der Weg, der zum Leben führt! und wenige sind, die ihn finden. Weit aber ist das Thor und breit der Weg, der zum Verderben führt, und viele sind, die da hindurchgehen!"( Matth. 7, 13. 14.) Immer ist die Zahl derjenigen klein, welche Jesum wahrhaft lieben und ihm nachfolgen. Es darf dich also nicht wundern, wenn viele laue Christen dem Tische des Herrn sich so selten nahen. Christus verlangt, daß alle, die es mit ihm halten, sich von der Welt und ihren Liebhabern absondern. Die Zahl derer aber, die dieß thun, war und ist immer flein. Halte dich an diese kleine Zahl, und laß den großen Haufen laufen. Als Christus auf Erden wandelte, war die Zahl seiner Jünger klein, er aber tröstete sie und sprach:„ Fürchte dich nicht du kleine Heerde, denn es hat eurem Vater gefallen, euch das Reich zu geben. Fürchte also den Tabel der Welt nicht, wenn du öfters kommunizirst. Es ist der Welt Brauch, alle jene zu tabeln, zu verspotten, ja zu hassen und zu verfolgen, die es nicht mit ihr halten und den breiten Weg nicht gehen, den sie wandelt. Vernimm, was der heil. Franz von Sales sagt:„ Wenn man dich fragt, warum du oft kommunizirest, so antworte, daß zwei Gattungen von Menschen oft kommunizie ren müßten, nämlich die Vollkommenen, damit sie vollkommen bleiben, und die Unvollkommenen, daß sie zur Vollkommenheit gelangen; die Starken, damit sie nicht schwach werden, und die Schwachen, damit sie stark werden; die Kranken, damit sie ge 16 Von den wunderbaren Wirkungen sund, und die Gesunden, damit sie nicht krank werden." — Aber ich getraue mir nicht, so oft zu kommuniziren, weil ich immer wieder in die alten Fehler zurückfalle, und keine Besserung an mir wahrnehme. Wirst du aber vor den täglichen Fehlern dich hüten, nicht mehr fallen, und dich wahrhaft bessern, wenn du gar nicht, oder nur selten kommunizirest? 3e elenter du bist, desto begieriger mußt du das Heilmittel suchen, welches die Kraft hat, dich zu stärken, zu reinigen und aufzurichten. Gedenke der Worte des hl. Ambrosius: Wer stets fündigt, bedarf auch stets der Arznei!" Allerdings wäre dir die tägliche Kommunion nicht zu rathen, wenn du freiwillig und mit Vorbedacht läßliche Sünden begingest, aber wenn du aus menschlicher Schwachheit fallest, so werde deßhalb nicht kleinmüthig. Demüthige dich deßhalb und eile mit Vertrauen zu dem lieben Jesus, der dich vom Falle wieder aufrichten und dich stärken wird, daß du nach und nach die Rückfälle meidest. Der göttliche Heiland läßt seine getreuen Seelen öfters fallen, damit er sie in der Demuth erhalte, und ihnen zeige, wie sie ohne ihn gar nichts vermögen.- -- Aber ich fühle oft so wenig Andacht bei der heiligen Kommunion, bin oft so trocken, 50 so falt, so zerstreut! Was verstehst du denn unter Andacht? Wenn du darunter bloß süße Empfindungen und Tröstungen. verstehest, so täuschest du dich. Christus verleiht zwar öfters Seelen, die nach der Bollkommenheit streben, solche Tröstungen, um sie an sich zu ziehen. Er trägt Mitleid mit ihrer Schwäche wie eine Diutter mit ihrem kleinen Kinde. Aber wie eine Mutter dem Kinde nicht immer süße Milch gibt, sondern auch hartes der oftmaligen hl. Kommunion. 171 Brod, um es daran zu gewöhnen, so macht es auch Jesus. Er entzieht frommen Seelen die fühlbare Andacht, die süßen Tröstungen, um ihre Treue zu prüfen, um sie zu gewöhnen, den Weg der Entsag= ung, den Weg des Kreuzes mit ihm zu wandeln. Oft thut dieß Jesus auch zur Strafe. Oft, heißt es im Buche der Nachfolge Christi, ist es etwas Geringes, was die Gnade hemmt und verbirgt. Haft du aber dieses Geringe entfernt, und vollkommen besiegt, so wird dir werden, um was du gebeten hast." Dir und deinen Sünden rechne es zu, wenn die Tröstung dir nicht verliehen, die Andacht entzogen wird. Demüthige dich deßhalb, forsche nach, ob nicht eine unordentliche Neigung in deinem Herzen herrscht, die dem Herrn mißfällt, sei aber nicht niedergeschlagen, und über Gebühr traurig. Sobald du dich Gott vom ganzen Herzen ergeben und dich ungetheilt in ihn gelegt hast," heißt es in der Nachfolge Christi, wirst du dich beruhigt und mit ihm vereiniget finden." In dieser gänzlichen Hingabe an Gott, in dem festen Entschluße, Alles zu thun und zu leiden, was Gott gefällt, besteht die wahre Andacht. Bist du also auch trocken, kalt, zerstreut, und fühlst du keine Andacht in dir bei der heil. Kommunion, so unterlasse sie doch nicht. Trete nur im Gefühle deiner Armseligkeit hin zum Tische des Herrn, ganz ergeben in seinen heiligen Willen, ruf den Herrn um seine Hilfe an, und laß ihn schalten mit dir, wie er will, und der Herr wird dir, wie es in der Nachfolge Christi heißt, in einem Augenblicke geben, was er lange Zeit versagt hat. Würdest du deßhalb die Kommunion unterlassen, weil du feine Andacht, keinen Eifer, kein brennendes VerLangen in dir fühlest, und keinen Trost dabei empfindest, so würdest du einem Menschen gleichen, der, da 92 2 f f I 18 Von den wunderbaren Wirkungen ihn friert, nicht dem Feuer nahen will, weil er keine Wärme in sich fühlt. Er muß ja zum Feuer hingehen, damit ihm warm wird.- Noch Etwas will ich zu deiner Belehrung sagen. Bei den geistlichen Tröstungen, nach denen oft fromme Seelen verlangen, kann man leicht getäuscht werden, und in Gefahr gerathen. Die Eigenliebe schleicht sich oft bei den heiligsten Dingen mit ein. Oder ist es nicht ein Verlangen der Eigenliebe, bloß deßhalb zu kommuniziren, um innerlich getröstet und erfreut zu werden? Wo bleibt da das Wohlgefallen Gottes, die Heiligung unserer Seele, welches doch das einzige Ziel der heil. Kommunion seyn soll?- Um der fühlbaren Andacht, der süßen Tröstungen wegen hat Jesus das heiligste Sakrament nicht eingesetzt, sondern daß deine Seele geheiliget, mit ihm vereinigt wird. Dieses Ziel, gottliebende Seele, laß niemals aus dem Auge, so oft du kommunizirst, und du wirst niemals ohne Frucht die heilige Kommunion empfangen. Ich habe keine Zeit, mich gehörig auf die heilige Kommunion vorzubereiten. Aber viele laue Christen haben Zeit zu unnützen Geschwätzen, eitlen Besuchen und Vergnügungen, nur für Gott, für das Heil ihrer Seele haben sie feine Zeit; willst du dich zu diesen lauen Christen rechnen? Gesetzt aber auch, die Erfüllung beiner Standespflichten, nothwendige, dringende Geschäfte und Arbeiten lassen dir wirklich keine Zeit zur gehörigen Vorbereitung, sei deßwegen ohne Sorgen. Wenn du die Pflichten deines Standes getreulich und in der reinen Absicht, Gott zu gefallen, erfüllest, so bedarfst du teiner langen Vorbereitung. Denn deine Arbeit, die du für und wegen Gott thust, ist schon der oftmaligen hl. Kommunion. eine Vorbereitung. Der gute Wille, das aufrichtige Verlangen, dem Willen Gottes zu entsprechen, die Liebe zu Gott ersetzt Alles. Die heil. Magdalena von Pazzis war eines Tages eben mit Brobbacken beschäftigt, da hört sie das Kommunionglöcklein. Sogleich geräth sie in Verzückung und den Taig noch an Händen eilt sie zur Kommunionbank und empfängt mit glühendem Verlangen den Leib des Herrn. Sid Bist du mit Geschäften überhäuft, die du nicht verschieben kannst oder darfst, ohne deine Pflicht zu ver letzen, und siehst du voraus, daß du am Morgen, wo du kommuniziren willst, nicht viel Zeit zur Vorbereitung haben wirst, so suche den Abend zuvor, ehe du schlafen gehest, dich zu sammeln, und dich so viel möglich auf die heilige Handlung, welche du vorhast, vorzubereiten, auch fannst du am Morgen, wie es viele fromme Seelen machen, früher aufstehen, und dem Gebete und der Betrachtung obliegen. Zu einer ihrer Mitschwestern, welche sich wegen Mangel an Zeit zur Vorbereitung beklagte, fagte die heil. Magdalena von Pazzis:" Opfere Gott Alles, was du thust, als Vorbereitung auf; thue Alles in der Absicht, Gott zur gefallen, und gehe alsdann ruhig zur Hl. Kommunion." So mache es auch du, gottliebenbe Seele! 19 dan ammet sid r Aber mein Beichtvater erlaubt es mir nicht gerne, öfters zur hl. Kommunion zu gehen. ndos omis) istisn Wenn dir dein Beichtbater die öftere Kommunion nicht erlaubt, so gehorche, du verlierst dadurch nicht nur nichts an Gnade vor Gott, sondern vermehrst vielmehr deine Verdienste. Gehorsam ist mehr als Opfer. Wahrscheinlich findet dein Beichtvater dich nicht würdig genug, oder du zeigst noch keinen rechten Ernst, deine Fehler und unordentlichen Neig2* 20 Von der Vorbereitung ungen zu besiegen, oder er will dich prüfen. In jedem Fall demüthige dich, und gehorche. Erseße dann die wirkliche Kommunion durch häufige geistliche Kommunionen, und Gott wird mit deinem Verlangen und deinem Gehorsame zufrieden seyn. Beklage dich ja nicht über deinen Beichtvater, sondern überlasse dich willig und gehorsam seiner Leitung wie die hl. Theresia. Gott wird das Herz deines Beichtvaters leiten und seinen Geist erleuchten, daß er dich den rechten Weg führt. Uebrigens darfst du auch den Beichtvater demüthig um die öftere Kommunion bitten, und wenn er dein aufrichtiges Verlangen sieht, und deinen guten Willen bemerkt, wird er dir die heil. Kommunion nicht versagen. Doch noch einmal sage ich dir, sei gehorsam! Der Gehorsam ist das Erste und Größte; gegen den Gehorsam kommuniziren wäre Sünde und würde dem lieben Jesus äußerst mißfallen! Von der Vorbereitung zur heiligen Kommunion. loms Im Buche der Nachfolge Christi spricht der Herr zu seinem Diener: Ich bin der Reinigkeit Liebhaber und aller Heiligkeit Geber. Ich suche ein reines Herz, da ist die Stätte meiner Ruhe..... Willst du, daß ich zu dir komme und bei dir bleibe, so fege den alten Sauerteig aus und reinige die Wohnung deines Herzens. Denn jeder Liebende bereitet seinem geliebten Freunde die beste und schönste Stätte, weil daran die Liebe dessen, der den Geliebten aufnimmt, erkannt wird." Die Hauptbedingung der Vorbereitung zur hl. Kommunion ist: ein reines Gewissen. In dem Augenblicke, wo man den anbetungswürdigen, heiligsten Leib Chrifti empfängt, darf man keiner Todsünde schuldig seyn. Zweitens soll man aber auch, so sehr es in unsern Kräften steht, alle geringen Sünden ablegen, welche die Seele verunstalten. zur heiligen Kommunion. 21 Das schwärzeste Verbrechen und der schenßliche Verrath an deinem göttlichen Heiland wäre es, wenn du es wagen würdest, den reinsten Leib des Herrn mit einer schweren Sünde auf der Seele zu empfangen. Du würdest in deinem Herzen ein Kreuz aufrichten, und den Heiland aufs Neue daran kreuzigen! Die Folge davon wäre entsetzlich. Du würdest dem Gerichte des Herrn verfallen. Durch geheime Zulassung Gottes wäre eine schreckliche Verlaffenheit, eine tödtliche Gleichgiltigkeit gegen alles Heilige und gegen dein eigenes Seelenheil dein Loos; dein Herz würde verhärten und dein Ende würde die Verzweiflung und der Untergang des Judas seyn. Doch, ein solches Verbrechen wirst du nicht begehen wollen, gottliebende Seele, es wäre ja zu schrecklich! Es gibt aber noch eine andere Reinheit der Seele, welche darin besteht, daß man aus Ehrfurcht gegen die Heiligkeit Gottes von der geringsten Sünde seine Seele reiniget und losschält und die bösen Neigungen und Triebe des Herzens bezähmt und zu ertödten sucht. Auf diese Reinheit deutete Jesus hin, als er vor dem heiligen Abendmahle seinen Jüngern die Füße wusch. Er wollte uns nämlich zu erkennen geben, mit welcher Reinheit wir seinem heil. Tische uns nahen müßten, mit einer Reinheit nicht bloß von Todsünden, sondern auch von läßlichen Sünden, welche der Staub sind, der sich an die Seele anzuhängen pflegt. Das heiligste Sakrament ist ja das Brod der Engel, daher mußt du dich befleißen, zum Genuße desselben mit englischer Reinheit hinzutreten. Sch sage: du mußt dich befleißen, dich ernstlich bestreben, deine alltäglichen Fehler mit Hülfe des heiligsten Sakraments abzulegen und nach höchster Vollkommenheit zu ringen; denn ganz vollkommen würdig die heilige Kommunion zu empfangen ist dem schwachen Menschen nicht möglich. Willst du daher, gottliebende Seele, diese Reinheit erlangen, so benütze die letzten Tage vor der Kommunion, und bereite dich auf dieselbe vor, wie dieß immer der heilige Aloysius gethan hat. Sei deßhalb während dieser Zeit andächtiger und in Erfüllung deiner Standespflichten treuer und eifriger. Sei wachsamer und aufmerksamer auf dich. Mache in der Frühe im Morgengebet einen bestimmten Vorsatz, deine Gewohnheitssünde zu meiden, und erneuere diesen Vorsatz unter Tages. Erinnere dich öfter an den Tag der heil. Kommunion und sprich: O Seele, dein Jesus ladet dich ein, bald kommt er zu dir. 3ch verspreche dir, o Herr! daß ich nicht mehr so oft in meine alten Fehler fallen will. 22 Von der Vorbereitung Ich wünschte herzlich, gar nicht mehr zu fallen, aber zu groß ist meine Schwäche: Jesus hilf mir! Kommt nun der Tag der hl. Kommunion, so bestrebe dich, so viel möglich, mit der gehörigen Herzensstimmung dem Tische des Herrn dich zu nahen. Zu diesem Ende suche in dir die Gefühle des lebendigen Glaubens, der tiefsten Demuth und Ehrfurcht, der feurigsten Liebe und des größten Vertrauens und des innigsten Verlangens nach diesem himmlischen Brode zu erwecken. Was den Glauben betrifft, so bedenke, daß Jesus, der Mund der Wahrheit, gesagt hat, daß sein Fleisch und Blut die Speise unserer Seele seyn werde, und daß sie ohne diese Speise nicht leben könne. Stelle dir lebhaft vor, als sähest du Jesum vor dir stehen und hörest ihn sagen: Komm, du mühselige und beladene Seele, ich will dich erquicken: oder stelle dir vor, du sähest Jhn, wie er dir selbst seinen heiligsten Leib dwreicht. Sprich mit dem Hl. Apostel Petrus: Herr! zu wem wollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens, ich glaube, was du gesagt hast, und deine heil. Kirche lehrt. Die Demuth und Ehrfurcht wirst du in dir erwecken, wenn du auf der einen Seite betrachtest, daß derjenige, welcher zu dir kommt, der nämliche Herr ist, der durch seinen bloßen Willen Himmel und Erde erschuf, erhält und regiert und wieder vernichten kann; in deffen Gegenwart die Engel ihr Angesicht vor Ehrfurcht verhüllen und auf dessen Wink die Säulen des Himmels zittern und beben, und auf der andern Seite die Augen sogleich auf dich selbst wendest und deine Niedrigkeit und dein Elend ansiehst. Und so gehe denn einmal hin zum heiligen Tische mit dem Gefühle jenes Publikans, der es nicht wagte, dem Altare zu nahen, noch die Augen zum Himmel zu erheben, sondern von Ferne stehend an die Brust schlug, sprechend: Gott sei mir Sünder gnädig! Ein andersmal tritt hin mit den Worten des verlornen Soh nes: Herr, ich habe gesündigt gegen den Himmel und wider dich!" Wieder ein andersmal wirf dich im Geiste mit Magdalena vor die Füße Jesu nieder und benetze sie mit deinen Thränen; oder nahe dich dem Kommuniontisch mit den Worten der heiligen Elisabeth: Woher kommt mir das?" Als der hl. Hieronymus vor seinem Ende die hl. Kommunion empfing, rief er aus: Warum, Herr, demüthigest du dich jetzt so viel, daß du dir gefallen lassest, herniederzusteigen zu einem Menschen, der ein Publikan und Sünder ist, und willst nicht nur mit ihm effen, sondern befiehlst, daß du selbst von ihm 23 fur heiligen Kommunion. 108 gegeffen werdest!" Auf solche Weise demüthige und staune über die unbegreifliche Güte des Herrn, mit der er sich herabläßt, zu dir zu kommen, einem armen, befleckten Erdenwürmlein! nd um die Liebe und das Vertrauen in dir zu erwecken, sollst du die unendliche Barmherzigkeit und Liebe des Herrn betrachten, die in diesem heiligsten Sakramente hervorleuchten. Denn wer wird Den nicht lieben, der uns so sehr geliebt hat? Wer wird auf Den nicht vertrauen, der uns so viel Gutes erwies? Welcher Hirt nährt die Schafe mit seinem Herzblute? Ja, welche Mutter gibt ihrem Kinde ihr eigenes Blut zu trinken, um es zu nähren? Daß Jesus, Gottes Sohn, Mensch wurde im Leibe der unbefleckten Jungfrau, also aus Gott und dem Menschen eine einzige Person, war ein wunderbares Werk seiner Liebe, aber ein noch wunderbareres Werk dieser Liebe ist die hl. Kommunion. In der Menschwerdung Christi ging der Mensch in das Innerste der Gottheit ein; in der heil. Kommunion will Jesus, daß du Ihn in dein Innerstes an und aufnehmest. Zuvor war der Mensch mit Gott geeiniget, jetzt will Der, welcher Gott und Mensch ist, sich mit dir vereinen. Diese Liebe betrachte, und auch dein Herz wird von Liebe entzündet werden! Betrachte ferner, daß derjenige zu dir kommt, der bloß durch die Berührung seines Kleides das blutflüßige Weib geheilt hat. Ihren Glauben und ihr Vertrauen hat der Herr so herrlich belohnt. Sollst du nicht eben diesen Glauben und dieses Vertrauen haben, da du nicht bloß das Kreuz Christi berührst, sondern Christum selbst in dein Herz aufnimmst? Soll Der deiner Seele Gebrechen nicht heilen, der gesagt hat:„ Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht, sondern die sich übel befinden!" = - Endlich sollst du die heilige Kommunion mit großem Hunger und Verlangen empfangen. Dieses Brod," sagt der heilige Augustin, verlangt den Hunger des innern Menschen. Um nun diesen Hunger in dir zu erwecken, wird es dienlich seyn, wenn du auf der einen Seite deine große Noth betrachtest, deine Armuth, deine Gebrechen, und auf der andern Seite die wunderbaren Wirkungen, welche dieses heiligste Sakrament hervorbringt. Betrachte deine Schwäche, deine Unbeständigkeit, deine Blindheit, deine Sündhaftigkeit, und siehe, wie Jesus bereit ist, ja darnach verlangt, deine Seele zu stärken, zu reinigen, zu erleuchten, zu heilen. Soll eine solche Betrachtung nicht ein inniges Verlangen in dir erregen, dich zu nahen dem Tische des Herrn wie ein 1 - Von der Vorbereitung zur hl. Kommunion. Durstiger der Quelle, wie ein Hungriger der Speise, wie ein Kranker dem Arzte?!- Wenn du es aber nicht dahin bringen kannst, jenen Eifer und jene flammenden Begierden in dir anzuregen, welche du dir wünschest und welche du haben solltest, um einen so großen Herrn zu empfangen, so übe dich wenigstens darin, daß du das Verlangen und die Sehnsucht nach diesem Eifer und diesen Begierden in dir erweckest, und dadurch wirst du ersetzen, was dir mangelt, denn der liebe Gott sieht auf das Herz und auf den guten Willen. Diese Andacht und Vorbereitung hat Christus selbst der heil. Mechtildis gelehrt, indem er einmal zu ihr sprach: Wenn du die heil. Kommunion empfangen sollst, so verlange zu meiner Ehre alle jene Sehnsucht und Liebe zu haben, von welcher je einmal das glühendste Herz gegen mich entbrannt war, und auf diese Weise kannst du dich mir nahen; denn ich werde meine Augen auf jene Liebe wenden und sie annehmen, je nachdem du sie zu haben verlangst. Demnach wäre es eine gute Vorbereitung, wenn du vor der heiligen Kommunion recht herzlich seufzen würdest: ,, O gütigster Jesus, ich wünsche und verlange herzinniglich, mit dem heiligen Verlangen und Hunger mich deinem Tische zu nahen, wie deine Heiligen sich dir nahten und von jener heiligen Liebe entflammt zu seyn, von der das Herz deiner heiligsten Mutter und deiner heiligen Apostel entbrannt war!" Eine gute Weise, dich auf die heilige Kommunion vorzubereiten, wäre auch, wenn du nach dem Rathe des heil. Bonaventura jedesmal eine Stelle aus der Leidensgeschichte des Herrn betrachten würdest. Die heil. Kommunion ist ja auch ein Denkmal des bittern Leidens des Herrn. Der heilige Chrysostomus sagt: Wer zur Kommunion geht, solle fich, so oft er kommunizirt, vorstellen, er lege den Mund an jene kostbare Wunde der Seite Christi, und sauge dort sein Blut und mache sich theilhaftig alles dessen, was er damit für uns verdient hat. Endlich rathe ich dir auch, dich vor der heiligen Kommunion in der Betrachtung folgender Punkte zu üben: Erstens, wer ist der Herr, der kommt? Zweitens, zu wem kommt er? Drittens, warum kommt er? 24 Nach diesen drei Punkten sind auch die nachfolgenden Betrachtungen eingerichtet, welche du nicht bloß lefen, sondern auch erwägen, überdenken, auf dich anwenden mögest, und welche, wenn du zugleich Gott recht innig um die wahre Andacht bittest, dir von großem Nutzen seyn werden! em Betrachtungen und Gebete zur Heiligung der Tage 415112 sides 25 125450 vor der heiligen Kommunion. mwe нездорого I. Betrachtung.*) Vorbereitungsgebet, vor jeder Betrachtung zu verrichten. L ütigster Jesus! der du auf die Erde gekommen bist, alle Menschen zu erleuchten, öffne die Augen meiner Seele und lasse mich erkennen die unendliche Liebe, mit der du das heiligste Sakrament des Altars eingesetzt hast; lasse mich erkennen deine unbeschreibliche Huld und Gnade, mit der du dich herablassest, bei den armen Menschenkindern einzu fehren, und sie zu speisen mit deinem reinsten Fleische und zu tränken mit deinem Herzblute; lasse mich aber auch erkennen meine Armuth und Sündhaftigkeit und wie rein und heilig meine Seele seyn muß, um dich, den Heiligsten zu empfangen, damit ich alle Sorgfalt verwende, durch eine würdige Vorbereitung dir wohlgefällig und der großen Gnade theilhaftig zu werden, mich mit dir zu vereinigen, mit dir, mein göttlicher Heiland Jesus, der mit dem Vater und dem heil. Geiste lebt und regiert in alle Ewigkeit. Amen. 1) Wer kommt zu mir? Christus, der Schn des lebendigen Gottes, der geliebte Sohn, an dem der himmlische Vater sein Wohlgefallen hat!- Christus kommt zu mir, das Wort, durch das Gott Alles gemacht, was gemacht ist. Christus, der eingeborne *) Dieser Betrachtungen kann man auch am Kommuniontage selbst sich bedienen. 26 Betrachtungen und Gebete Sohn Gottes, der gleichen Wesens ist mit dem Vater und dem heil. Geiste, der kommt zu mir!- Christus, der Sohn Gottes, dessen Reich kein Ende nimmt, dessen Thron der Himmel und dessen Fußschemmel die Erde, vor dem die ganze Welt ist wie ein Tropfen am Wassereimer, der kommt zu mir!- Christus, der Sohn Gottes, vor dessen unendlicher Majestät die Cherubim und Seraphim ihr Angesicht in tiefster Ehrfurcht verhüllen, dem die zahllosen Schaaren der Engel dienen, und ihr ewiges Loblied singen, der kommt zu mir! Christus, der ewige Gott und Herr der Heerschaaren, der sucht mich heim!- 2) Zu wem kommt er? Zu mir, einem Men= schen, den seine Hand aus Erdenstaub gemacht und gebildet hat! Zu mir, einem armen Menschenfinde, das nackt und hilflos, befleckt mit der Sünde, zur Welt gekommen; zu mir, einem Menschenfinde, das nichts hat und kann als sündigen!... Zu mir will der Sohn des Allerhöchsten kommen, der ich ein Abgrund bin der Bosheit!... Zu mir will der Sohn Gottes, der Abglanz des ewigen Vaters kommen, der ich über und über vom Aussatze der Sünde bedeckt bin, befleckt vom Mutterleibe an!- - Dunbeschreibliche Herablassung meines Gottes und Herrn! Der allmächtige Schöpfer sucht heim sein armes Geschöpf, der Herr des Himmels und der Erde kommt zu einem armen Bettler! 3) Warum kommt er! Um den armen Bettler aus dem Staube zu erheben und zu erhöhen den Armen aus dem Kothe.( Ps. 112.) Um mich, das erbärmliche Menschenkind zu bereichern mit den Schägen seiner Liebe. Um mir, dem armen Geschöpfe, sein göttliches Leben, seine Bollkommenheit, mitzutheilen, damit ich, o wunderbare, unaussprechliche Gnade, Univ.- Bibl. Giessen 27 Gottes für die Vorabende der Hl. Kommunion. theilhaftig werde seiner göttlichen Natur! Sohn wird die Speise meiner Seele; meine Seele wird mit Gott getränft! O erstaunliche, unbegreifliche Huld meines Gottes und Herrn! O Seele, was gibst du ihm für so unendliche Liebe, Huld und Güte?... Anmuthung. O, du Sohn des lebendigen Gottes, ist es möglich, daß du dich so tief herablasfest, und mich, das Erdenwürmlein, heimsuchen willst?- Soll ich glauben, daß deine ewige Gottheit, welche die Himmel nicht fassen, mein Herz zu seiner Wohnung nimmt? Ich glaube es, denn du hast es gesagt, aber begreifen kann ich es nicht. Zu groß ist der Abstand zwischen dir und mir; zu tief liege ich in meiner Sündhaftigkeit barnieder, so daß ich nicht einmal wagen darf, meine Augen zu dir zu erheben!... Doch du bist Gott und auch die ewige Liebe. Deine unendliche Liebe stärkt meinen Glauben und mein Vertrauen. So komme denn, o mein Jesus! komme bald, meine Seele schmachtet nach dir! Ohne dich ermattet sie, ohne dich kann sie nicht leben!-15] sigst negirasin sosis) ne susd dim indicate anism II. Betrachtung.( ssd. ug tiedot Vorbereitungsgebet( wie oben S 25), terito 1971). Wer kommt zu mir? Jesus, der Sohn Gottes, der sich auch einen Sohn Davids, einen Menschensohn nennt.... Jesus kommt zu mir, der in der unbefleckten Jungfrau Schooß Mensch geworden, um den Menschen, der sich durch die Sünde von Gott trennte, wieder mit Gott zu verbinden! Jesus kommt zu mir, den als kleines Kind die heiligste Jungfrau Maria unter ihrem Herzen und in ihren Armen trug!... Jesus kommt zu mir, der Maria und Joseph unterthan war bis in sein dreißigstes Jahr!.. 28 Betrachtungen und Gebete Jesus kommt zu mir, der dreiunddreißig Jahre in Armuth und Verachtung auf Erden wandelte, um Allen Gutes zu thun!... Jesus kommt zu mir, der meinetwegen Knechtsgestalt angenommen, und gehorsam war seinem himmlischen Vater bis zum Tode!... Jesus kommt mit seiner Gottheit und Menschheit zu mir!.. 2) Zu wem kommt er? Zu mir, einem Menschenkinde, das in der Stunde seiner Empfängniß und Geburt mit der Erbsünde behaftet, ein Gegenstand des Zornes und Abscheues des dreimal heil. Gottes war!.. Zu mir, einem Menschen, den des Gottmenschen Jesu Blut in der Taufe gereiniget und zu einem Kinde Gottes gemacht hat, der aber das Kleid seiner Unschuld wieder befleckt, und sich unwürdig gemacht hat, ein Kind Gottes zu heißen und zu sehn! Zu mir, einem Menschen, der den Adel der menschlichen Natur oft so wenig beachtet, seinen Leib so oft verunehrt und den thierischen Genüssen überläßt!... Zu mir, der oft wie ein armer Knecht seinen Leidenschaften dient, und sich selbst zum Sklaven seiner niedrigen Begierden macht!.. 3) Warum kommt er? Um meine Menschheit mit dem Adel seiner verherrlichten Menschheit zu befleiren; um an mir zu verwirklichen, was er gesagt hat: So ihr nicht werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht eingehen in das Himmelreich!... Um mir einzuflößen den frommen Kindersinn, Kindes Einfalt, Kindes Demuth, Kindes Sanftmuth, Kindes Reinheit und Unschuld, Keindes Liebe!.. Um in mir die thierischen Gelüste zu unterdrücken, und zu tilgen; um von mir hinwegzunehmen die Gesinnung eines Knechtes, mich frei zu machen von den Banden meiner bösen Neigungen, und mir zu verleihen die Freiheit der Kinder Gottes!... Um zu reinigen das Kleid der Unschuld 29 für die Vorabende der hl. Kommunion. meiner Seele, das ich befleckt, und es schön und herrlich zu machen in seinem reinsten Blute!. Anmuthung. Ach, mein Jesus, du Schönster unter den Menschenkindern, du reinster, heiligster Eohn der allzeit unbefleckten, heil. Jungfrau Maria! Du willst zu mir kommen, einem Menschen, den seine Mutter schon in Sünden empfing, und der von den Tagen seiner Geburt an unter dem Joche böser Neigungen und Leidenschaften seufzet; zu mir willst du kommen, mein Herz willst du zu deiner Wohnung wählen, das befleckt ist von der Sünde, und dich so wenig liebet! 3st es möglich, daß deine Liebe so weit geht?! Doch du hast gesagt: Wer mein Fleisch nicht ißt und mein Blut nicht trinkt, hat das Leben nicht in sich. Ich will aber leben, will leben für dich und nach deinem Willen und Beispiel. So komme denn, o Jesus! fehre ein bei mir, und theile mir dein himmlisches Leben mit. Hilf mir, daß ich dir nachwandle in Demuth und Sanftmuth, in Reinheit, Barmherzigkeit und Gehorsam, und so deinem himmlischen Vater gefalle, und selig werde. Amen. onis III. Betrachtung. im Vorbereitungsgebet( wie oben Seite 25). nola otsid 1) Wer kommt zu mir? Jesus, der da herrscht im Himmel, dem alle Gewalt gegeben ist im Himmel und auf Erden. Jesus, der König, auf dessen Schulter Herrschaft ruht, und auf dessen Kleide steht: König der Könige, der kommt zu dir.. Jesus, der da herrscht auf Erden, zu dem sein himmlischer Vater gesagt: Begehre von mir, so will ich dir geben die Heiden zu deinem # 7 30 Betrachtungen und Gebete si Erbe und zu deirem Eigenthume die Enden der Erde." Jesus, in dessen Namen alle Kniee sich beugen im Himmel und auf Erden und unter der Erde, Jesus, der auch in der Hölle herrscht und vor dessen Namen die Geister der Hölle erbeben, der König der Könige, kommt zu dir!. 2) 3u wem kommt er? Zu mir, seiner armen Kreatur, die er aus Staub gebildet! Zu mir, seinem armseligen Unterthan, kommt der König Himmels und der Erde! Mein König und Herr besucht mich! Ist es möglich! Kann sich ein König so weit herablassen und bei einem armen, franken Bettler einkehren, dessen Hütte nichts denn Armuth und Noth zeigt?! Und wenn dieser arme Bettler noch dazu den König nicht geehrt, ihm nicht gehorcht, vielmehr seine Gebote frech übertreten, ihn selbst verachtet, gegen ihn sich empört, mit seinen Feinden gehalten, und ihn oft und schwer beleidiget hat, und der König kommt doch zu ihm voll Liebe und Freundlichkeit und Erbarmen, und gibt ihm, dem Armen, damit er nicht verkomme und im Elend sterbe, nicht Gold und Silber, sondern sein eigenes Fleisch und Blut: kann es eine größere Herablassung, eine grössere Huld und Gnade geben?! Und dieser arme, elende, franke und böse Bettler bin ich, und zu mir kommt mein König und Herr, und nähret mich mit seinem heiligsten Fleisch und Blut! 3) Warum kommt er? Er kommt nicht, um den elenden, untreuen, bösen Knecht zu strafen, nicht um ihn binden und in das Gefängniß werfen zu lassen, bis er den letzten Heller seiner Schuld bezahlt hat. Womit könnte auch der arme, elende Bettler diese Schuld bezahlen? Christus, der König der Könige, mein Herr und Gott, kommt und schenft mir - - 31 für die Vorabende der Hl. Kommunion. seinen heiligsten Leib und sein fostbarstes Blut, da mit ich alle meine Schuld und noch mehr damit an die göttliche Gerechtigkeit bezahle. Christus, der König, fommt zu mir, um meine Seele zu befreien aus der Gewalt des Satans, um sie wie mit einer Mauer zu umgeben gegen seine Angriffe; um ihr Macht zu geben, zu herrschen über ihre bösen Triebe. Christus kommt, um mich einzuladen, ihm auf dem königlichen Wege des Kreuzes nachzufolgen, und fortan nur ihm zu leben, der Sünde aber abzusterben!... 902 Anmuthung. Ach, mein Jesus, mein König und Herr! wie groß ist doch deine Huld und Gnade, mit der du einen armen Knecht, der so tief in der Schmach der Sünde darniederliegt, heimsuchen willst! Mit dem heil. Petrus muß ich ausrufen: Geh weg von mir, ich bin ein sündiger Mensch." Ich bin nicht werth solcher Herablassung, solcher Huld und solchen Erbarmens! welche Unordnung herrscht O in meiner Seele, wie unrein ist sie, wie vielfach ge= bunden von der Liebe zur Welt und den Geschöpfen! Wie kannst du, o allerschönster Herr, Wohlgefallen haben an ihr, und sie mit deiner süßesten Gegenwart erfreuen? Doch deine unendliche Liebe verschmäht auch den armen, elenden Knecht nicht. Ohne dich würde er ja niemals frei werden von den Banden der Sünde und Leidenschaften, die seine Seele fesseln, ohne dich würde er seine Schuld nimmermehr bezahlen können. So komme denn, o gütigster König und Herr! Sieh nicht an meine große Bosheit, mit der ich dich beleidigte, sondern meine große Dürftigkeit, die deiner Hilfe bedarf. Romm, o Jesus! und nimm dein Eigenthum in Besit; herrsche über mich, leite mich, regiere mich, damit ich den Weg wandle, den du gegangen bist. Amen. god tumol zim g 4:51 Betrachtungen und Gebete IV. Betrachtung. Vorbereitungsgebet( wie oben S. 25). 1) Wer kommt zu mir? Jesus, der himmlische Lehrmeister, dessen Wort nicht Menschenwort, sondern Gottes Wort ist; der nur Wahrheit lehret und niemals irret, weil er die Wahrheit selbst ist. Jesus, der göttliche Meister, kommt zu mir, der in jeglichem Guten unterweiset, zu dem Petrus gesprochen: ,, Du haft Worte des ewigen Lebens!"- Jesus, der Meister, kommt zu mir, der allein den rechten Weg mir zeigt, und mich führt.- Jesus, der Meister, kommt zu mir, der mich nicht bloß lehret, was ich thun soll, um selig zu werden, sondern mir selbst mit seinem heiligen Beispiel vorangeht, und mich so liebevoll einladet, ihm nachzufolgen.- Jesus, der göttliche Meister, kommt zu mir, der jede Tugend zuerst geübt, die er lehrt, der mich heißt barmherzig, sanftmüthig, demüthig, gehorsam, keusch und rein zu seyn, und es selbst gewesen ist. Jesus, der göttliche Meister, kommt zu mir, der nichts von mir verlangt, was über meine Kräfte geht, der meine Schwäche kennt, und mir auch Gnade gibt, zu vollbringen, was er lehrt! den snied bec 32 - 2) Zu wem kommt er? Zu einem unwissenden Menschen, der nicht kennt, was ihm zum Frieden dient! zu einem Blinden, der den rechten Weg nimmermehr ohne Wegweiser findet, und der ihn nicht gehen kann, ohne daß man ihn führt. Zu mir fommt der göttliche Meister, ohne dessen Gnade ich nicht einmal einen guten Gedanken zu fassen vermag. Zu mir kommt er, der ich nur mit Mühe seiner göttlichen Lehre das Ohr leihe, und der im nächsten Augenblickt wieder vergißt, was er gehört!- Zu mir kommt der göttliche Meister, der ich so gerne für die Vorabende der hl. Kommunion. 33 den Schmeichelworten der Welt, der Stimme meiner verderbten Neigungen, den Einflüsterungen des bösen Feindes folge, statt der himmlischen Lehre zu achten, die allein Wahrheit ist und selig macht! Zu mir kommt der göttliche Meister, dessen heilige Worte aus dem Munde des Priesters so oft an mein Herz ertönten, ohne daß ich sie aufnahm und Frucht bringen ließ! Zu mir kommt der göttliche Meister, dessen Lehre ich sogar oft verachtet und der falschen Lehre der Welt hintangesetzt habe!- 3) Warum fommt er? Um an mein Herz wie ein lieber Freund zu reden; um mir zu sagen, wie verkehrt ich gelebt, um mich zu warnen vor den lockenden Stimmen der Verführung, um mir die Augen zu öffnen, und mich sehen zu lassen die Abwege, auf welche diejenigen gerathen, welche seinem Worte nicht glauben! Um mir zu sagen, was ich zu thun habe, um vollkommen zu werden, und seinem himmlischen Vater wohlzugefallen!- Um meiner Schwäche aufzuhelfen, und mich zu ermuthigen, den Weg zu gehen, den er mir zeigt und vorangeht.- Um mir zu zeigen die Schönheit und Lieblichkeit jener himmlischen Tugenden, die er gelehrt und geübt, und mich zu ermuntern, sie nachzuahmen. Um mich zu bewegen, daß ich auf ihn, den Anfänger und Vollender meines Glaubens von nun an nur meine Augen richte, damit ich zu jenen gehöre, von denen er sprach:, Selig sind, welche das Wort Gottes hören, und es bewahren!"( Luc. 11.) Anmuthung. O Jesus, mein Herr und Meister! du hast schon so oft an mein Herz geredet, und dein Licht mir leuchten lassen, aber ach vergeb lich! Wie kommt es, daß du dennoch dich herablassest, selbst zu mir zu kommen und meine Seele heimzu3 - 34 Betrachtungen und Gebete suchen? Du findest an mir nur Unwissenheit, Blindheit und Finsterniß, und doch kommst du zu mir, um mich zu unterrichten und zu lehren deine Wege, die zum Leben führen! Ich erkenne meine Verblendung, mit der ich bisher dein heilig Wort nicht beachtet und befolgt, mit der ich mein Ohr deinen himmlischen Worten verschlossen, und den trügerischen Stimmen der Welt und des verderbten Fleisches geöffnet, und bitte dich herzinniglich, du wollest mir vergeben meine Bosheit. Komme, o Jesus! mein Herz ist bereit dich aufzunehmen; rede zu mir, dein Diener( Dienerin) höret. Sage mir, was ich thun soll, um das ewige Leben zu erlangen! Ich neige mein Ohr zu deiner Stimme, schweige nicht, o Herr, sondern rede, rede laut zu meiner Seele, dein Wort ist Wahrheit, dein Wort ist Lehen! Ach, wie unglücklich wäre ich, wenn du schwiegest! Wohl habe ich es verdient, aber ach! wohin soll ich gehen, nur du haft Worte des ewigen Lebens! Amen. V. Betrachtung. Vorbereitungsgebet( wie oben S. 25). 116 1) Wer kommt zu mir? Jesus, der himmlische Arzt, der gesagt hat: ,, Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht, sondern die sich übel befinden!" Jesus, der barmherzige Samaritan, der in die Wunden dessen, der unter die Räuber gefallen, das Del seiner Gnade und den Wein seiner Liebe gießt und fie heilet! Sesus, der göttliche Arzt, der unsere Krankheit, unsere Wunden kennet und sie heilen will und kann! Jesus, der göttliche Arzt, der nichts verlangt, als daß man ihm die Wunden offenherzig eige, und demüthig ihn um ihre Heilung anflehe! Jesus, der sein heiliges Blut zum Heilmittel für un- für die Vorabende der Hl. Kommunion. 35 sere Sünden machte, und durch seine Wunden die Wunden unserer Seele heilt! Jesus, der durch sein allmächtiges Wort alle Arten von Krankheiten heilte, und der durch die bloße Berührung seines Kleides das blutflüßige Weib gesund machte. Die ser Alles vermögende, gütigste Arzt kommt! 2) 3u wem kommt er? Zu mir fommt er, der ich so frant, ach sehr frank, elend und schwach bin! Zu mir, dessen Seele behaftet ist vom Aussage der Sünde! Zu mir, der sich durch seine verfehrte Eigenliebe, durch seinen Stolz und Leichtsinn, durch seine Unbeständigkeit und seinen Wankelmuth so oft schon verwundet hat! Zu mir kommt der Himmlische Arzt, dessen Vorschriften ich verachtet, desfen Heilmittel ich verschmähet habe! Zu mir kommt Jesus, zu mir, dessen Seele in Schwachheit darniederliegt, niedergedrückt von bösen Neigungen, die sie fraftlos machen, zu thun, was Gottes Wille ist! Zu mir kommt Jesus, zu mir, dessen Seele von Sünden übel riecht, angesteckt von dem bösen Beispiele der Welt! Zu mir kommt Jesus, einem armen, kranten, kraftlosen Bettler, der die Größe seines Ulebels, die Menge seiner Wunden, die Gefahr seiner Krankheit nicht einmal fennt! — - - 3) Warum kommt er? Er kommt zu mir, der gütigste Arzt, um meiner Seele das allerbeste Heilmittel zu reichen, sein heiliges Fleisch und Blut! Er fennt alle meine Gebrechen, alle meine Wunden, mein ganzes Uebel, und er fann mich heilen. Er bat damals, als er das Kreuz sich auflegen ließ, alle meine Krankheiten auf sich genommen und das Heilmittel in seinem Blute dafür bereitet. Er kommt in unendlicher Liebe und herzlichem Erbarmen, um von mir hinwegzuwaschen den Aussatz der Sünde 3* - 36 Betrachtungen und Gebete - mit seinem eigenen Blute, und neue Lebenskraft in meine Seele zu senken, damit sie nicht verderbe.- Er kommt in seiner göttlichen Kraft, um meine Schwäche hinwegzunehmen, damit ich mich erhebe und wandle nach seinen Geboten. Er kommt, um meine Seele zu reinigen, mit dem Kleibe der heiligmachenden Gnade zu schmücken und sie schön zu machen! Er kommt, um sie vor der Ansteckung zu bewahren, und ihr ein Schutzmittel zu geben wider alle ihre Feinde! Der göttliche Arzt, mein Heiland, Jesus, will das Heil meiner armen Seele sehn! - — - Anmuthung. A mein Jesus, du hast gefagt:" Ich bin dein Heil!"( Ps. 34.), sieh wie krank und schwach ich bin, verwundet und mit Aussatz bedeckt! Wer kann mich heilen, wer mich gesund machen, wer mich aus meiner Schwäche emporheben, und mir Kraft verleihen, daß ich wandle den Weg, der zum Leben führt? Wer anders als du? Du bist der Arzt, der das allein rettende Heilmittel gefunden und besitzt; du kennst alle Gebrechen meiner Seele, du fannst sie heilen. Du bist das Leben selbst, wie kann der sterben, der dich aufnimmt, der mit deinem lebenspendenden Fleisch und Blut sich nährt! So komme denn, o Jesus, und suche mich heim! Wohl bin ich deiner Heimsuchung nicht werth! Ich selbst habe mich verwundet durch Leichtsinn und Uebermuth, und habe, nicht achtend meiner Schwäche, der Gefahr zur Sünde mich ausgesetzt. Aber wie kann ich wieder frei werden von den Uebeln, die ich mir zugezogen, wenn du, o mein Heiland, mir nicht hilfst? Komme, o Jesus, meine Seele schmächtet nach dir; komm, o Jesus, heile sie; komm, o Jesus, reinige sie; komm, o Jesus, stärke sie; komm, o Jesus, und 37 für die Vorabende der Hl. Kommunion. mache sie gesund und schön, damit sie wieder Wohlgefallen finde vor dem Angesichte deines Vaters, der im Himmel ist. Amen. VI. Betrachtung. Vorbereitungsgebet( wie oben S. 25). 1) Wer kommt zu mir? Jesus, der Bräutigam gottliebender Seelen, der durch den Propheten gesprochen:„ Ich verlobe mich mit dir durch Gerechtigkeit und Gericht, durch Gnade und Erbarmen. Ich verlobe mich mit dir durch Treue; und du wirst erkennen, daß ich der Herr bin."( Of. 19, 20.) Jesus kommt, der dich geliebt hat bis an's Ende, der nicht aufhört dich zu lieben. Jesus, der dir zum Blutbräutigam geworden, da er für dich am Kreuze starb, und all sein Blut vergoß.- Jesus, der aus Liebe zu dir sein heiliges Herz durchbohren ließ, damit du darin eine Zuflucht findest! Jesus kommt, dessen Herz von Liebe zu dir ganz entflammt ist. Jesus fommt, und steht vor der Thüre deines Herzens und klopft und ruft: Mache auf, meine Geliebte, meine Freundin! Jesus, der Schönste unter den Menschenkindern, dessen Freude es ist, bei den MenschenKindern zu seyn, kommt zu dir!- 7559FF - 2) 3u wem kommt Er? Er kommt zu mir, mit dem er in der heiligen Taufe den Bund der Liebe und Treue geschlossen, der aber seinen Bund gebrochen, die Treue nicht bewahret hat. Er fommt zu mir, der ungetreuen Seele, die ihm nicht Wort gehalten, die ihn nie wahrhaft geliebt hat! Er kommt zu mir, der ich mein Herz an tansend eitle Dinge gehängt, der ich meine Liebe den vergänglichen Krea-' turen geschenkt, der ich meine Freude im Genuße fündhafter Vergnügungen gesucht habe! Er kommt zu 38 Betrachtungen und Gebete mir so liebevoll und freundlich, so herablassend und gütig, und will mich heimsuchen, mich, der ich mich so oft von ihm entfernt, mich von ihm abgewendet und mit seinen Feinden gehalten!... Er kommt zu mir, der das hochzeitliche Kleid zerrissen und befleckt hat, zu mir, der nichts an sich hat, was ihn erfreuen, das ihm wohlgefallen könnte, der ihm nichts anders anbieten kann, als ein sündhaftes, verunreinigtes Herz! 3) Warum kommt Er? Er kommt nicht, um mich zu verurtheilen, um die treulose Seele zu bestrafen; er kommt nicht, um mir die Treue aufzukünden und sein Versprechen zurückzunehmen, das er mir in der heiligen Taufe gemacht; nein, seine unbegränzte Liebe, seine unendliche Erbarmung verzeiht mir die Treulosigkeit, die ich begangen. Seine Liebe ist nicht erkaltet, noch schlägt sein Herz für mich, noch hat er sich nicht von mir abgewendet. Er will mein faltes Herz wieder entflammen; er will es auf's neue an sich ziehen und mit sich verbinden!... Er will meine Seele auf's neue bekleiden mit dem Hochzeitskleide der Liebe und sie bereichern mit den Schätzen seiner Gnade. Er will sie erleuchten mit den Strahlen seines Lichtes und sie sehen lassen ihre Armuth, ihre Flecken, ihren Schmut; ihr erkennen lassen, was es heißt, ihn, die Quelle der süßesten Freuden, verlassen und den Truggestalten der Welt sich hingeben!.... Jesus kommt, dein heiliger Bräutigam kommt, o Seele! bist du bereit, ist gefüllt deine Lampe mit dem Dele guter Werke, oder ist sie gleich den thörichten Jungfrauen, zu denen der Bräutigam sprach„ Ich kenne euch nicht!"... Anmuthung. Ach, mein Heiland, mein liebenswürdigster Jesus! wohl bin ich es werth, die Stimme aus deinem Munde zu hören: Ich kenne für die Vorabende der hl. Kommunion. 39 dich nicht! Wohl habe ich es verdient, die härtesten Vorwürfe, das strengste Urtheil wegen meiner Untreue zu hören! Ich habe dich ja vergessen, deine so große Liebe nur mit Kälte erwiedert und dich, den Schönsten, den Anbetungswürdigsten, den armseligsten Geschöpfen nachgesetzt. Ich erkenne und bekenne vor deine Füße hingeworfen, o Jesus, meine Treulofigteit, meine Lieblosigkeit, meinen Undant, und bitte dich herzinniglich, du wollest mir um deiner unendlichen Liebe willen vergeben und nicht verschmähen, mich heimzusuchen. O Jesus, ohne dich muß ich verderben, ohne dich verschmachtet und verborrt meine Seele. Du bist ihr Leben, du bist ihre Nahrung, ihre Stütze und ihr Stab, ihr Heil, ihr Alles. O komm, o Jesus, reiche mir die Hand, ziehe mich empor zu dir, ja, dein will ich sehn, nimmermehr von dir mich wenden, dir ergebe ich mein Herz, nimm es hin und ziehe es so innig an dich, daß es nimmermehr von dir sich trenne in Ewigkeit. Amen.is isigit snis n VII. Betrachtung. puisse Vorbereitungsgebet( wie oben S. 25). 1) Wer kommt zu mir? Jesus, der Mann der Schmerzen, der wohl weiß, was es um das Leiden ist, Jesus, der alle unsere Gebrechen auf sich genommen, den Kelch der bitterstèn Leiden bis auf den letzten Tropfen getrunken hat!- Jefus, der Mann der Schmerzen, dem vom Tage seiner Geburt an das Kreuz immer vor Augen gestanden, der in seinem ganzen Erdenleben auch nicht Eine Stunde. hatte ohne Leid!... Jesus, der Mann der Schmerzen, der bittere Armuth und Noth, Hunger und Durst, Kälte und Hitze von seiner Kindheit an geduldet!... Jesus, der Sohn Gottes, dem sein himm 40 Betrachtungen und Gebete lischer Vater all' unsere Sünden und ihre Schuld aufgeladen, der deßhalb einem Aussätzigen glich, den Gott geschlagen, und seiner Sünden wegen gedemüthigt hat! Jesus, der Mann der Schmerzen, der, da er Freude genießen konnte, die Schmach auf sich genommen und sich wie einen Missethäter zum Tode verurtheilen ließ! Jesus, der das Kreuz auf sich nahm, und am Kreuze blutete und starb, der kommt!... - - 2) 3u wem fommt er? Zu einer weichlichen, sinnlichen Seele, welche Buße, Abtödtung und Selbstverläugnung nicht kennen und auf sich nehmen will! Zu einer Seele, welche eine Feindin des Kreuzes ist, und schon in Furcht und Angst geräth, wenn sie von Leiden und Buße hört!... Zu einer Seele, die von Fasten und Wachen, von Bezähmung des Fleisches, von Abtödtung ihrer. Sinne nichts hören will!... Zu einer Seele, die keine Widerwärtigkeit, keinen Schmerz, keine Trübsal ertragen kann!- Zu einer Seele, die keine Zurücksetzung, keine Verachtung, keine Schmach auf sich nehmen will!- Zu einer Seele, die voll Ungeduld bei dem geringsten Leiden ist, und erbittert wird bei dem geringsten Widerspruch!... Zu einer Seele, die den Gelüsten ihres Fleisches keinen Abbruch thun, die immer gute Tage haben will und sich nicht getraut, mit ihrem Heilande aus dem Leidenskelch zu trinken!... 3u einer Seele, die sich gleichsam mit Rosen bekränzt, während ihr Herr und Meister die Dornenkrone trägt, die auf dem breiten Weg dahinwandelt, während ihr Herr und Meister mit dem Kreuze auf dem Rücken den Kalvarienberg hinangeht, die nach Freude und Lust verlangt, während ihr Heiland am Krenze vor Durst verschmachtet!.... 41 für die Vorabende der hl. Kommunion. 3) Warum kommt er? Er fommt, um mich zu bewegen, meinen Ruhm und meine Ehre nur in ſeinem Kreuze zu suchen! Um mir zu zeigen, wie der wahren Liebe es eigen ist, für den Geliebten zu leiden!... Er kommt, mir zu sagen, wie süß es ist, für den Herrn zu leiden und mit ihm zu leiden!... Er kommt, um mich einzuladen, mit ihm das Kreuz zu tragen, um einst mit ihm verherrlicht zu werden! Er kommt, um mich zu mahnen, für meine Sünden zu büßen und der Welt, die nichts ist als eitel Schein und Trug, abzusterben! Er kommt, um meiner Schwäche abzuhelfen und mir Lust, Muth und Kraft zur Abtödtung einzuflößen!... Er kommt, um mich freundlich einzuladen, in seine Fußstapfen einzutreten und den Kreuzweg zu wandeln, der allein zum Himmel führt!... Er kommt, um mir beizustehen im Kampfe gegen mein Fleisch und mir zu helfen, den Sieg zu erringen!... Er kommt, um mich zu ermuntern, daß ich's mir zur Ehre rechne, mit ihm mißkannt und verachtet zu werden!... Er kommt, um mir anzufündigen, daß ich nimmermehr Theil nehmen werde an seiner Herrlichkeit im Himmel, wenn ich nicht auf Erden leide, dulde, streite, kämpfe bis auf's Blut. Anmuthung. O mein gütigster Herr Jesus, du König mit der Dornenkrone, dessen Thron das Kreuz, dessen Scepter die blutigen Nägel, dessen Kleid ein Spottmantel, dessen Speise die Schmach, dessen Trank Galle und Essig gewesen, der nicht so viel hatte, wohin er sein Haupt legen konnte! Du willst zu mir kommen, einem Menschen, der von Kreuz und Leiden nichts wissen mag, der bisher nur der Sinnlichkeit nachgegeben und seine Gelüste gar nicht abgetödtet hat!... Zu mir willst du kommen, 42 Betrachtungen und Gebete der nur nach süßen Tröstungen verlangt, aber deinen Leidenskelch verschmäht!... Zu mir, einem armen Sünder, der gerechte Strafe verdient hätte, und dennoch nicht dafür büßen will!... Ach, ich sehe es jetzt ein, wie verkehrt ich gelebt, wie wenig ich dich geliebt habe? Ich will aber meine Gesinnung ändern und den Weg wandeln, den du voran-, deine heilige Mutter und alle lieben Heiligen nachgewandelt sind den königlichen Weg des Kreuzes!... Ja, ich folge dir, o Jesus, komm und ermuthige mich, komme und stärke mich, daß ich es auch vermag. Zu groß ist meine Schwäche, als daß ich das Kreuz tragen, der Welt abgestorben seyn kann, ohne zu erliegen. O tomm, o Jesus, und stärke meinen guten Willen und flöße mir brennendes Verlangen ein, für dich zu leiden, für dich zu sterben. Amen. VIII. Betrachtung. di Vorbereitungsgebet( wie oben S. 25). d 1) Wer kommt zu mir? Jesus, das Vorbild aller Tugenden, der Heiligste und Reinste! Je= sus, der gesagt hat: Wer aus euch kann mich einer Sünde beschuldigen?" Jesus, der gesagt hat: ,, Lernet von mir, weil ich sanftmüthig bin und demüthig vom Herzen!" Jesus, das geduldige Lämmlein, welches schweigend am Kreuze sich schlachten ließ! Jesus, in dessen Herzen nur die Liebe allein waltet, der allen seinen Feinden verzieh und für fie am Kreuze noch betete!.. Jesus, der gehorsam war bis zum Tode, ja bis zum Tode am Kreuze!- Jesus, der allen Menschen Gutes that und jede Ehre, jedes Lob verachtete und floh!- Jesus, der Barmherzige, bessen Herz von Mitleid überfloß beim Anblicke der Armen und Kranken!- Jesus, der Friedensfürst, - - - - 43 für die Vorabende der hl. Kommunion. der gerne weilt, wo Friede ist! Jesus, der am Delberge betete: ,, Vater, nicht mein Wille, sondern der deine soll geschehen!"- Jesus, der für die Sünder starb, weil es sein himmlischer Vater also wollte! 2) 3u wem kommt er? Zu einem Menschen, den Gott zwar nach seinem Bilde erschaffen, der aber dieses Bild nicht mehr an sich trägt! Zu einer Seele, die feinen Zug von dem Vorbilde Jesus an sich hat! Zu einer Seele, die nichts Gutes und Schönes an sich sieht; die einem Garten gleicht, in dem nur Unkraut und Dorngestrippe wächst!- 3u einer Seele, die feine von den schönen Tugenden an sich hat, die ihr Heiland geübt hat! Zu einer Seele, die statt rein unrein, statt sanftmüthig zornmüthig, statt demüthig voll Stolz und Hochmuth ist! Zu einer Seele, die feinen Gehorsam kennt und keine Geduld, die vor jedem Leid zittert und bei jeder Widerwärtigkeit in Unmuth ausbricht!- Zu einer Seele, die nur von Liebe spricht, aber sie nicht übt, die so wenig Gutes thut, so träge ist in Uebung von Werken der Barmherzigkeit! Zu einer Seele, die Haß und Rachgierde noch nicht überwunden hat, und den Willen Gottes nicht zur Richtschnur nimmt, sondern nur ihren eigenen Willen thut!- Zu einer Seele kommt der tugendvollste Jesus, an der sein Auge nichts als Sünde erblickt! - 3) Warum kommt er? Jesus fommt, um sein Bild wieder herzustellen, das du in dir verwischt, beschmutzt, zerstört hast! Er kommt, um die Züge seines heiligen Vorbildes deinem Herzen einzudrücken, um dir die Schönheit und den Glanz der Tugenden zu zeigen, die er geübt hat und dich aufzufordern und zu ermuntern, sie nachzuahmen! Er fommt, um dir zu sagen, daß du ihm ähnlich werden mußt, wenn - - - 44 Betrachtungen und Gebete ic. anders der himmlische Vater dich als sein Kind annehmen, dir die Erbschaft mit seinem eingebornen Sohne geben soll!- Jesus kommt, um dich zu stärken, daß du die schönen Tugenden auch üben und dein Herz damit schmücken kannst, damit er gerne darin verweile! Jesus kommt, um dich ihm gleichförmig zu machen!- - Anmuthung. O Jesus, du willst in mein armes, unreines Herz einkehren und es zu deiner Wohnung wählen, und weißt doch, daß in diesem Herzen kein Blümlein einer schönen Tugend blüht, feine Frucht eines guten Werkes zu finden ist! Ach, mein Herz ist gleich einem wüsten Garten, einer verfallenen Hütte, in dem nur das Ungeziefer der Sünde wohnt! Gerne möchte ich dir mein Herz anbieten, gerne möchte ich ausrufen: Komm, o Jesus, tehre ein bei mir und wohne bei mir; aber darf ich es wagen, dich, den Heiligsten, einzuladen?! Doch wenn ich auch elend und arm bin an Tugenden und guten Werken, so will ich doch nicht kleinmüthig und verzagt werden. Die Liebe, womit du bei den armen Sündern eingekehrt bist, die Liebe, womit du die armen Sünder aufgenommen hast, gibt mir das Vertrauen, daß du auch mein armes Herz nicht verschmähen wirst. Ach, was bin, was vermag ich ohne dich! Sieh', ich bin bereit, dir nachzufolgen; das Vorbilo, das tu mir zeigest, nachzuahmen; die Tugenden, die du geübt hast, auch zu üben. Komm, o Jesus, und hilf mir, daß ich meinen Vorsatz auch in's Werk setze, dir gleichförmig und so ein wahres Kind deines himmlischen Vaters und deines Reiches theilhaftig werde. Amen. vid Beichtandacht. педевадж ie Beicht, gottliebende Seele, oder das heilige Sakrament der Buße, ist ein kostbares Gnadengeschenk der unendlichen Liebe Christi. Jesus, der Sohn Gottes, starb am Kreuze, um aller Menschen Sünden, Schuld und Strafe zu büßen, und sein heiligstes, kostbarstes Blut legte er in die Hände der Priester, um damit Alle, die in wahrer Herzenszerknirschung zu ihnen kommen, ihnen den Aussatz ihrer Sünden zeigen, das heißt, ihnen aufrichtig ihre Sünden beichten, mit diesem heiligsten Blute abzuwaschen und zu reinigen und ihre Seele wieder schön zu machen vor Gottes Angesicht. Aber es ist nicht genug, gottliebende Seele, daß du deine Sünden herzlich bereuest und aufrichtig beichtest, du mußt auch den ernstlichen, festen Willen haben, das Böse in dir, namentlich deine Lieblingssünden, mit der Wurzel auszurotten und Jesum Christum wahrhaft nachzufolgen. Eben an diesem guten, festen, ernstlichen Willen fehlt es bei den meisten Beichten, und so kommt es, daß man immer wieder in die alten Sünden fällt. Aber auch der feste Wille ist noch nicht genug; du mußt auch wirklich Hand anlegen, du sollst schon vor der Beicht, noch mehr aber nach der Beicht alle Mittel anwenden, um über deine bösen Neigungen Herr zu werden; sollst recht wachsam sein, eifrig beten, dich abtödten und Jesum, dein Vorbild, nicht aus den Augen lassen. Machest du es so, dann wird deine Beicht dir heilsam werden, dann wirst du durch die Beicht immer reiner, schöner und Gott wohlgefälliger, dann werden deine heiligen Kommunionen immer fruchtbringender, dann wirst Uebridu mit Jesus immer inniger véreiniget werden! gens kann es doch geschehen, daß du ungeachtet der sorgfältigsten, aufrichtigsten Beicht und des besten Vorsatzes dennoch wieder fallest. Werde aber ja deßhalb nicht muthlos, sondern vertraue auf Gottes Güte und Erbarmen, demüthige dich und verdopple deinen Eifer. Durch eine öftere gute Beicht wird die Gnade Gottes in dir vermehrt, du empfangest mehr Licht und Kraft, und es wird dir nach und nach gelingen, deine Fehler auszurotten und immer vollkommener zu werden. So oft du beichtest, stelle dir vor, als sei es deine letzte Beicht und bereite dich deßhalb so gut als möglich vor, ohne gar zu ängstlich und zaghaft zu seyn. Habe nur einen guten Willen, und Jesus wird mit dir zufrieden seyn. - 45 - 46 Beichtandacht. Gebet zum heiligen Geist, um Erkenntniß der Sünden. O göttlicher, heiliger Geist! du Quelle des Lichtes und aller Wahrheit und Erkenntniß, unmöglich ist es mir ohne deinen Beistand, ohne deine Erleuchtung alle die Flecken zu erkennen, die meine Seele verunstalten, alle Sünden zu sehen, die mein Herz verunreinigen und die Wurzeln zu entdecken, aus denen das Unfraut der Sünden hervorwächst: o sende darum einen Strahl deines himmlischen Lichtes hinab in die Tiefen meines Herzens, damit ich Alles erkenne, was dem Auge meines Jesus, der bei mir einkehren will, mißfällig ist und sein himmlischer Vater verabscheut! O laß mich erkennen alle, selbst die verborgensten Fehler, alle meine bösen Gedanken, Worte und Werke, jede Unterlassung meiner Pflichten und jedes Aergerniß, das ich gegeben haben möchte! O lasse nicht zu, daß ich mich selbst täusche und betrüge, daß die Eigenliebe mich verblende und der Stolz und Hochmuth mich belüge, wie er den Pharisäer im Tempel belogen hat! Deffne mir die Augen und zeige mir alle meine Uebertretungen und ihre Schuld, decke auf jede Wunde, die ich meiner Seele geschlagen, und gib mir auch zu erkennen die Bosheit jeder Sünde, damit ich sie verabscheue und innig bereue. Allerseligste Jungfrau Maria, di du Mutter der Erkenntniß, bitte für mich den heiligen Geist, der dich so hoch begnadigt hat, daß er mir sein Licht leuchten lasse, damit mir nichts entgehe bei der genauen Untersuchung meiner Sünden, die ich ja gerne alle aufrichtig beichte, um gereinigt von ihnen im Blute Christi meinem Gott und Herrn wieder wohlgefällig zu werden. Amen. 4 - Beichtandacht. - 47 Die Gewissenserforschung. Du willst gewiß, gottliebende Seele, eine recht aufrichtige vollständige Beicht ablegen. So erforsche denn auch so genau als möglich dein Gewissen, das heißt, denke ernstlich und redlich nach über deine Sünden, ihre Zahl und ihre Umstände, denn davon hängt die Vollständigkeit und Giltigfeit der Beicht ab. Der heilige Geist erleuchtet dich gewiß bei diesem wichtigen Geschäfte, aber er will nicht statt deiner dein Gewissen erforschen, sondern dir nur ein Beistand und ein Helfer seyn. Willst du aber deinen Seelenzustand, die Sünden, Fehler, Nachlässigkeiten, bösen Neigungen deiner Seele recht erkennen und bis auf die Wurzeln deiner Sünden eindringen, so erforsche täglich, wenigstens vor dem Schlafengeben, dein Gewissen. Die tägliche Erforschung des Gewissens haben die Heiligen eifrig geübt und dringend empfohlen als das wirksamste Mittel nicht bloß, die Sünden zu erkennen, sondern sie auch auszurotten. Es besteht aber diese tägliche Gewissens- Erforschung aus einer allgemeinen und einer besondern. Die allgemeine stellt man täglich und besonders vor der Beicht über alle Fehler an, die man den Tag hindurch mit Gedanken, Worten und Werken und durch Unterlassung begangen hat, die besondere verbindet man mit derselben und stellt sie an über jene Sünde, in welche man am öftesten und leichtesten fällt, welche man daher auch gewöhnlich seinen Hauptfehler oder seine Lieblingsfünde heißt. Auf diesen Hauptfehler, auf diese Lieblingssünde soll man bei der täglichen Gewissenserforschung besonders sein Hauptaugenmerk richten und sie auszureuten suchen, auch sich darüber im Beichtstuhle besonders anklagen. PARA Wenn du, gottliebende Seele, dein Gewissen erforschest, so stelle dir im Geiste lebhaft vor, als lägest du auf dem Sterbebett vor dem Angesichte des allwissenden Richters, dann denke darüber nach, was du Böses gedacht, geredet und gethan hast, und frage dich auch warum, wo, mit wem, wie oft du etwa gesündigt haft? Durchgehe aufmerksam die zehn Gebote Gottes, die sieben Haupt- oder Todsünden, die neun fremden Sünden und die Sünden der Unterlassung deiner Pflichten. Zu dem Ende kannst du dich auch nachfolgenden Beichtspiegels bedienen. 48 Beichtandacht. Sünden wider das I. Gebot. Habe ich allzeit Alles geglaubt, was die katholische Kirche zu glauben lehrt? Habe ich über die Geheimnisse des Glaubens nicht nachgekrübelt und Zweifel gehegt? Habe ich mich nicht meines Glaubens geschämt oder aus Menschenfurcht unterlassen, meinen Glauben zu zeigen und zu üben? Habe ich nicht aus Menschenfurcht unterlassen, meine Religionspflichten zu beobachten, z. B. an Fasttagen vom Fleischessen zu enthalten, an Sonntagen der heil. Messe beizuwohnen, zu beichten 2c. 2c.? Habe ich auch meinen Glauben und die kirchlichen Gebräuche gegen Spötter und Lästerer vertheidigt, wo es meine Pflicht gewesen wäre? Habe ich nicht Aberglauben getrieben? Habe ich mir nicht die Karten schlagen, wahrsagen lassen? Habe ich keine schlechten, gefährlichen Bücher und Schriften gelesen? Habe ich unter Tags öfters an Gott gedacht? Habe ich die drei göttlichen Tugenden, Glaube, Hoffnung und Liebe öfters erweckt, besonders bei gefährlichen Anfechtungen? Habe ich nicht zu wenig auf Gott vertraut? Habe ich in Leiden und Widerwärtigkeiten gegen Gott gemurrt oder gar gelästert? Verschiebe ich nicht meine Besserung von Tag zu Tag in der Meinung: ich kann mich schon noch bekehren? Habe ich nicht dreister fortgefündigt, in der Meinung; ich kann es schon wieder beichten, Gott verzeiht schon wieder? Habe ich nicht an der Gnade Gottes zur Bekehrung meines Lebens verzweifelt? Habe ich nicht geglaubt, Gott verzeiht mir nimmer? Habe ich alle Tage mein Morgen-, Abend-, Tischgebet gebetet? Wie habe ich es gebetet? Habe ich alle Tage die gute Meinung gemacht und all' mein Thun und Laffen Gott aufgeopfert? Habe ich auch meine bösen Neigungen abzutödten gesucht? Wider das II. Gebot. Habe ich den Namen Gott, Jesus 2c. unehrerbietig ausgesprochen? Habe ich nicht die heiligen Worte: Kreuz, Sakrament 2c. 2c. zu Fluchworten mißbraucht? Habe ich mir das Fluchen und Schelten zur Gewohnheit gemacht? Habe ich mich nicht fromm und andächtig gestellt, bloß um gelobt zu werden? War ich in der Kirche ehrerbietig? War ich an meinen Zerstreuungen nicht selbst schuld durch Vorwitz der Augen, durch Schwätzen? Habe ich Andern durch mein unehrerbietiges Betragen in der Kirche kein Aergerniß gegeben? Habe ich nicht leichtsinnig geschworen? Habe ich nicht, um die Wahrheit zu bethenern oder eine Lüge zu beschönigen, Beichtandacht. 49 gesagt: So wahr Gott lebt, so wahr Jesus am Kreuze hängt, auf meine Seligkeit, mich soll gleich der Teufel holen 2c. 2c.? Habe ich nicht falsch bei Gericht geschworen? Habe ich meine Gelöbnisse leichtsinnig gemacht, sie nicht gehalten oder ihre Ausführung ohne Ursache verschoben? Wider das III. Gebot. Habe ich an Sonn- und Feiertagen ohne Noth, um Geld knechtliche Arbeit gethan? Habe ich nicht an diesen heiligen Tagen die heilige Messe, die Predigt und Christenlehre versäumt, und warum? Habe ich diese Tage nicht durch Tanz, lang andauerndes Spiel, unmäßiges Trinken oder fündhaften Umgang entweiht? Habe ich an diesen Tagen durch eitles Geschwätz, eitle Besuche die Andachten versäumt, die geistliche Lesung unterlassen? Bin ich nicht aus eigener Schuld zu spät in die heilige Messe gekommen? Wider das IV. Gebot. Habe ich meinen Eltern immer gehorsamt? Habe ich sie nicht mit rauhen Worten angefahren? Habe ich ihnen nicht geflucht, ihnen den Tod oder Unglück gewünscht? Habe ich mich ihrer nicht geschämt? Ihnen nicht Böses nachgeredet? Sie beschimpft oder gar geschlagen? Habe ich ihnen für Alles Gute gedankt, für sie gebetet, sie in der Noth unterstützt? Bin ich ihnen in der Krankheit beigestanden? Habe ich ihnen nicht harte Vorwürfe gemacht, sie boshafter Weise gefränkt? Habe ich ihnen den schuldigen Ausnahm gegeben? Bist du ein Dienstbote, so frage dich: Habe ich meine Vorgesetzten geehrt, ihnen pünktlich gehorcht? Habe ich über sie nicht geschimpft, ihnen Uebles nachgeredet? Habe ich ihre Arbeit treu und fleißig gethan? Habe ich sie nicht boshafter Weise gekränkt, ihnen nicht Schaden zugefügt? Habe ich sie nicht betrogen? Sie frech angelogen? Vor ihnen geheuchelt? Die Eltern sollen sich fragen? Habe ich meine Kinder zum Gehorsam, zum Gebete, zur Arbeit angehalten? Habe ich sie zur Erlernung des christlichen Unterrichtes angeeifert? Habe ich ihre Fehler und Unarten nicht nachgesehen? Habe ich ihnen Liebe zu Gott, Gottesfurcht, christliche Nächstenliebe in das Herz gepflanzt? Habe ich sie von bösen Gesellschaften und Gelegenheiten fern gehalten? Habe ich ihnen ein gutes Beispiel gegeben? Ter Wider das V. Gebot. War ich ungeduldig und zornig? Habe ich keine Feind schaft, keinen Haß gegen meinen Nächsten im Herzen genährt 50 Beichtandacht. und wie lange? Habe ich nicht auf Rache gesonnen? Habe ich nicht zu Feindschaften aufgehetzt? Habe ich mir oder Andern den Tod gewünscht? Habe ich meinem Nächsten harte und bittere Worte gegeben, ihn verspottet, ihn verachtet, ihn beschimpft und verflucht? Habe ich mit ihm nicht gezankt, ihm aus Neid oder Nachsucht Schaden zugefügt? Habe ich ihn nicht geschlagen, mißhandelt, an seinem Leib und Leben geschadet? Habe ich meinem Feinde oder Beleidiger den Gruß versagt, bin ich ihm aus Haß aus dem Wege gegangen, habe ich ihm nicht aus Haß Uebles nachgeredet? Habe ich dem Nächsten das Unglück nicht gegönnt, mich über sein Unglück erfreut? War ich hartherzig gegen die Armen? Habe ich ihnen das Almosen verweigert oder mit Zorn und Unwillen gegeben? Habe ich den Nächsten nicht zum Bösen verführt, zum Bösen angereizt, ihm Böses angerathen? Habe ich seine bösen Werke gelobt, daran Theil genommen, dazu mitgeholfen, dazu stillgeschwiegen? Habe ich meinen Untergebenen oder Kindern Böses zu thun befohlen? Habe ich fromme, andächtige Menschen nicht verdächtig gemacht, sie nicht verspottet? Habe ich nicht durch unmäßiges Effen und Trinken meiner Gesundheit geschadet? Wider das VI. und IX. Gebot. Habe ich mich freiwillig mit Wohlgefallen in unreinen Gedanken aufgehalten oder in dieselben eingewilligt? Habe ich freiwillig unehrbare, unreine Dinge zu thun begehrt? Habe ich die früheren unreinen Sünden oder unreinen Träume mir freiwillig vorgestellt? Habe ich mich nicht freiwillig an solche Orte, zu solchen Gesellschaften, Personen begeben, wo ich wußte, daß unlautere Gedanken und Begierden in mir entstehen? Habe ich nicht unlautere Bilder mit Wohlgefallen angeschaut, schlechte Bücher gelesen? Habe ich nicht unkeusche, anzügliche Worte geredet, Lieder gesungen, Gespräche geführt? Habe ich solche gerne angehört? Vor wem habe ich solche Reden geführt, Lieder gesungen, etwa gar vor Kindern? Habe ich mich durch unehrbare freche Blicke, Küsse, Betastungen, Gebärden, Scherze, Zotten und Possen versündigt? Habe ich allein heimlich Unehrbares an meinem Leibe gethan? Habe ich mit Personen des andern Geschlechtes Umgang gehabt, mich damit verfündigt? Habe ich mit ledigen oder verheiratheten Personen, mit Geschwisterten oder Blutsverwandten Unehrbares gethan? Habe ich die bösen Gelegenheiten gemieden, mir gefährliche Personen gefloten, oder habe ich unerlaubte, sündhafte Bekanntschaften Beichtandacht. 51 fortgeführt? Habe ich nicht andere Personen, Kinder, unschuldige Seelen zu unehrbaren Dingen verleitet, verführt, sie dazu angereizt, ihnen dazu mitgeholfen? Habe ich nicht zur Vollbringung unehrbarer Dinge Rath und Einschlag gegeben, dazu geschwiegen, sie gar gutgeheißen, gelobt und vertheidigt? Wider das VII. und X. Gebot. und Habe ich Niemanden Geld, Kleidungsstücke, Eßwaaren, Getraide 2c. genommen, und zwar heimlich oder mit Gewalt? Habe ich nicht kleine Diebstähle gemacht, die nach und nach eine große Summe geworden? Habe ich nicht bei Kauf und Berkauf betrogen? Habe ich nicht falsches Maaß und Gewicht geführt? Habe ich mir nicht zu hohe Zinsen bezahlen lassen? Habe ich von einer Kirche oder einer Kapelle Etwas genommen? Habe ich nicht leichtsinnig Schulden gemacht, in der Absicht, sie nicht zu bezahlen? Habe ich Schulden gemacht und sie abgeläugnet? Habe ich gefundene Sachen nicht behalten, ohne nach dem Eigenthümer zu fragen? Habe ich ohne Noth gebettelt und den wirklich Armen das Almosen entzogen? Habe ich dem Nächsten an seinen Feldern, Wiesen, Bäumen, Gärten, Hause, Viehe 2c. 2c. Schaden zugefügt? Habe ich bei Diebstählen nicht mitgeholfen, dazu gerathen, dazu verleitet oder stillgeschwiegen? Habe ich Gestohlenes aufbewahrt, gekauft oder verkauft? Habe ich das Gestohlene wieder erstattet, den gemachten Schaden ersetzt? Wider das VIII. Gebot. Habe ich nicht gelogen? Habe ich mich keiner sogenannten Nothlüge bedient? Habe ich nicht aus Gewohnheit und aus Scherz gelogen, in der Meinung, es schadet nichts? Habe ich etwa im Beichtstuhl gelogen? Habe ich durch meine Lügen Jemanden geschadet? Habe ich nicht Verläumdungen gegen Jemanden erdichtet? Besonders gegen geistliche oder weltliche Obrigkeit? Habe ich Niemanden an seiner Ehre und seinem guten Namen durch übles Nachreden geschadet? Habe ich mich nicht durch Verstellung oder Heuchelei verfündigt? Habe ich nicht Geheimnisse zum Schaden der Nächsten ausgeplaudert? Habe ich nicht die Fehler Anderer unnützer Weise aus Schadenfreude aufgedeckt oder weiter verbreitet? Habe ich nicht durch Ohrenbläserei und Achseltragen gesündigt? Habe ich dem Nächsten die geraubte Ehre wieder zu geben gesucht? Habe ich nicht eitle, unnütze Reden geführt? Habe ich nicht vor geistlicher oder weltlicher Obrigkeit falsches Zeugniß abgelegt? Habe ich keine falschen Zeugen 4* 52 Beichtandacht. beigebracht? Habe ich nicht falsch vor Gericht geschworen? Habe ich nicht aus Leichtsinn allerhand Betheuerungen ausgesprochen? Habe ich Niemanden zu einem falschen Zeugnisse oder zu einem falschen Schwure verleitet? Erforsche dich auch in den sieben Tod- oder Hauptsünden: 1) Hoffart. Habe ich mich über Andere erhoben, mich für beffer, verständiger, schöner, ehrenhafter gehalten als Andere? Habe ich mit meinen Vorzügen, meinen Kenntnissen, meinem Vermögen geprahlt? Habe ich Andere verachtet? Habe ich nur Ehre, Lob und das Wohlgefallen der Menschen gesucht? Habe ich immer rechthaben wollen? nicht nachgegeben? Habe ich Beleidigungen, Spott und Schmach geduldig ertragen? War ich eigensinnig und boshaft? Habe ich Andere herabgesetzt, getadelt, um mich zu erheben? 2) Geiz. War ich immer auf das Zeitliche bedacht? Habe ich immer nur nach Geld, Hab und Gut gestrebt? War ich barmherzig gegen die Armen? Habe ich ihnen gerne oder nur mit Widerwillen mitgetheilt? Habe ich die Armen hartherzig abgewiesen? 3) Unkeuschheit und 4) Zorn siehe das V. und VI. Gebot. 5) Fraß und Völlerei, oder Unmässigkeit. War ich unmässig in Essen und Trinken? Habe ich nicht zu gierig gegessen? Habe ich nicht leckerhafte Speisen gesucht? Habe ich mich nicht betrunken? War ich mit dem Essen unzufrieden? Habe ich Speise und Trank verschwendet, vermehrt? Habe ich die Fasttage gehalten? Habe ich meine Eßlust abgetödtet? 6) Neid. War ich traurig, mißmuthig, zornig, wenn es meinem Nächsten besser ging, oder wenn er mehr hatte als ich? Habe ich ihn deßhalb gar angefeindet, gehaßt, herabgesetzt, verspottet? War ich mißmuthig und traurig, wenn er gelobt oder mehr geehrt wurde als ich? Freute ich mich, wenn es meinem Nächsten übel ging, habe ich ihm Unglück und Uebel gegönnt? 7) Trägheit. Habe ich die kostbare Zeit im Nichtsthun zugebracht? Habe ich unnütze Dinge gethan, während ich arbeiten sollte? Habe ich mich auch um mein Seelenheil gekümmert? Habe ich die Sünde zu meiden, in mir auszurotten gesucht und die nöthigen Tugenden geübt? Habe ich meine bösen Neigungen zu bekämpfen gesucht? Habe ich meine guten Borsätze ausgeführt? Beichtandacht. Beichtspiegel für solche, welche oftmals beichten und kommuniziren. ( Nach Ludwig von Granada.) 53 Manche aus denjenigen, die der Frömmigkeit ernstlich und von Herzen ergeben sind, und oftmals zu beichten pflegen, werden oft von verschiedenen Gewissensskrupeln geängftiget, weil es ihnen nicht selten begegnet, daß sie bei der Durchforschung ihres Gewissens nichts finden, was sie in der Beicht anzugeben hätten. Da sie nun von Einer Seite glauben und auch für gewiß halten, daß sie nicht gänzlich frei von Sünden sind, von der andern aber kein Vergehen finden, werden sie ängstlich und im Gemüthe verwirrt, und glauben. fie verrichten nie eine gute Beicht. 11 Hierüber lassen sich zwei Gründe angeben. Der erste ist, daß der Mensch sich selbst nur schwer erkennt; denn nicht vergeblich spricht der Prophet: Wer erkennt die Vergehen? Reinige mich, Herr, von meinen verborgenen Sünden!" Pf. 18. Der zweite Grund aber ist, weil die Sünden der Gerechten nicht sowohl Sünden durch die That, als Unterlassungssünden sind, die sich oft sehr schwer erkennen lassen. Eine wahrhaft gottliebende Seele, die ernstlich nach der Vollkommenheit, nach immer größerer Vereinigung mit dem göttlichen Heiland strebt, wird sich scheuen und fürchten, freiwillig und mit Bewußtsein eine böse That zu verüben, aber dagegen begegnet ihr öfters, daß sie ihre Pflichten zu erfüllen versäumt, oder ein gutes Werk, eine Tugend zu üben vernachlässiget. Aber gerade diese Unterlassungsfünden werden schwerer erkannt, und somit geschieht es, daß solche Personen bei ihren Beichten ängstlich und verwirrt werden, weil sie sich nicht anzuklagen wissen. Diesen möge nun nachfolgender Beichtspiegel dienen, in welchem vorzüglich Unterlassungssünden aufgestellt werden. Vor allem mögen sie sich fragen: Habe ich mich auf die Beicht gehörig vorbereitet? Habe ich bei meiner täglichen Gewissenserforschung großen Fleiß angewendet? Habe ich über meine Sünden eine recht innige Neue zu erwecken gesucht? War mein Vorsatz fest und auf richtig? Bin ich zur heiligen Kommunion mit möglichster Andacht hingetreten? Habe ich vor der heiligen Kommunion die Uebungen des Glaubens, der Hoffnung und Liebe, der Demuth und des Verlangens mit herzlicher Andacht gemacht? · 54 Beichtandacht. Habe ich seit meiner letzten Beicht meine guten Vorsätze auszuüben gesucht? Habe ich mir Mühe gegeben, mich zu bessern, besonders meinen Hauptfehler zu bekämpfen? Hierüber erforsche dich über die Pflichten 1) gegen Gott, 2) gegen dich selbst, 3) gegen deinen Nächsten. Gegen Gott sind wir verpflichtet, die drei göttlichen Tugenden des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe mit allem Eifer zu üben. Nun frage dich 1) Hinsichtlich der Liebe. Habe ich Gott vom ganzen Herzen und aus ganzer Seele geliebt, oder habe ich vielmehr die Geschöpfe und die Eitelkeiten der Welt mehr geliebt und höher geschätzt? Habe ich Alles aus Liebe zu Gott gethan und ertragen? 2) Hinsichtlich des Glaubens. Habe ich nach dem Glauben auch gelebt? Habe ich lebhaft daran gedacht, daß ich in ihm und durch ihn lebe? Habe ich mein Herz bei Gott gehabt, oder bei andern eitlen Dingen? Habe ich öfters mein Herz zu Gott erhoben und in frommen Seufzern und Anmuthungen mich zu ihm gewendet? 3) Hinsichtlich der Hoffnung. Habe ich in vorfallenden Trübsalen und Aengsten meine Zuflucht zu Gott genommen, oder mich dem Kleinmuth hingegeben? Habe ich in Widerwärtigkeiten und Leiden Trost bei Menschen anstatt bei Gott gesucht? Habe ich bei Trübsal und Verfolgung zu sehr der Betrübniß und Traurigkeit mich hingegeben? Habe ich mich vollkommen in den Willen Gottes ergeben? 4) Hinsichtlich der Reinheit der Absicht. Habe ich jede Arbeit, jedes Werk aus reiner Absicht, blos aus Liebe zu Gott, gethan? Oder habe ich meine Werke nur aus Gewohnhett, oder weil es mir angenehm war, oder um gesehen und gelobt zu werden, verrichtet? Oder habe ich dabei nur auf zeitlichen Nutzen gesehen? Habe ich auch den göttlichen Mahnungen und Einsprechungen Gehör gegeben und sie befolgt? Oder habe ich vielmehr meinem Eigenwillen nachgegeben, und der Stimme meiner Eigenliebe gehorcht? Habe ich gute Werke, zu denen mich der heil. Geist antrieb, aus Schläfrigkeit, Lauigkeit, Bequemlichkeit zu üben unterlaffen? Habe ich den Mahnungen meines Beichtvaters pünktlich Folge geleistet? Habe ich feinen Rath befolgt, oder seinem Willen zuwider gehandelt? War ich dankbar für die Wohlthaten und Gnaden Gottes? Beichtandacht. 55 Habe ich davon Veranlassung genommen, Gott noch eifriger und treuer zu dienen? Habe ich alle Widerwärtigkeiten von Gottes Hand willig angenommen und geduldig ertragen? Habe ich dafür auch Gott gedankt? Habe ich mein Gebet, meine Betrachtung mit Ehrfurcht und mit Andacht verrichtet? Wie habe ich mich beim heil. Mesopfer betragen? Wie wohnte ich dem Gottesdienste, der Predigt bei? Gegen sich selbst ist der Christ verpflichtet, seine fünf Sinne, seine Seelenkräfte, seine Neigungen nach dem Willen Gottes zu gebrauchen und zu ordnen, und sein Fleisch unter die Botmäßigkeit des Geistes zu bringen. Frage dich also: den nisy moni Habe ich meinen Leib mit der Bußfertigkeit und Strenge behandelt, mit der ich ihn hätte behandeln sollen? Habe ich mir im Essen, im Trinken, im Schlafe und andern ähnlichen Dingen Abbruch gethan? Habe ich meine Augen, meine Zunge, mein Gehör bezähmt? Habe ich meiner Einbildungsfraft freien Lauf gelassen; bin ich mit meinen Gedanken in allerlei eitlen Dingen herumgeschweift? Habe ich meinen bösen Neigungen und Begierden gleich Widerstand geleistet? Habe ich den Regungen meines Fleisches nachgegeben? Habe ich mich in der Demuth und Sanftmuth, im Gehorsam, im Stillschweigen, in der Geduld geübt? War ich nicht eigensinnig, mürrisch, widerspenstig, rechthaberisch? War ich nachgiebig, friebfertig, gütig und barmherzig? War ich nicht neidig, argwöhnisch, schadenfroh? War ich im Gebete nichtlau, in der Arbeit nicht faul und nachlässig? Habe ich alle Befehle meiner Vorgesetzten willig und treu befolgt? War ich dienstfertig? Gegen den Nächsten ist der Christ verpflichtet, ihn zu lieben, wie sich selbst. Frage dich also: Habe ich meinen Nebenmenschen, wer er auch war, vom ganzen Herzen geliebt? War ich ihm abgeneigt; hatte ich Widerwillen oder gar Haß gegen ihn? Habe ich ihm alles Gute gewünscht und vergönnt? Oder habe ich ihn beneidet? Bin ich ihm in der Noth mit großer Freundlichkeit und Hilfe entgegen gekommen? Habe ich an seinen Leiden und Trübsalen Theil genommen, mit ihm herzliches Mitleiden gerragen? Habe ich Kranke besucht, sie getröstet, sie gepflegt? Habe ich für meine Nebenmenschen auch gebetet? Habe ich 56 Beichtandacht. über ihre Sünden geträuert, für ihre Bekehrung gebetet? Habe ich den Armen gerne mitgetheilt? Bin ich gerne mit den Armen, Kleinen umgegangen? Sind meine Freundschaften aufrichtig, ist meine Freundschaft nicht sinnlich und fleischlich oder eigennützig? Meine ich es vom Herzen gut mit allen Menschen? Habe ich meinen Nebenmenschen auf seine Fehler aufmerksam gemacht, oder dazu geschwiegen? Habe ich gutes Beispiel oder Aergerniß gegeben? Habe ich meinen Nächsten zum Guten ermuntert? Habe ich mit meinen Nebenmenschen nicht eitle, unnütze Gespräche geführt? Habe ich seine Ehre, seinen guten Namen angetastet? Habe ich seinen guten Namen auch in Schutz genommen? Habe ich seine Fehler aufgedeckt, über ihn freventlich geurtheilt, von seinen Mängeln und Fehlern geredet? Habe ich alle meine Standespflichten getreulich erfüllt? Auf die Gewissenserforschung folgt jedesmal die Neue. Diese aber soll vom Herzen gehen, aus der Liebe zu Gott entspringen und mit dem tiefsten Abscheu gegen jede Sünde verbunden seyn. Eine wahre Reue, eine wahre Herzenszerknirschung über die Sünden, ist aber vorerst eine Gabe Gottes wie die Liebe, aus welcher sie entspringt, darum sollst du, gottliebende Seele, um die Gnade einer recht innigen, herzlichen Neue über deine Sünden den lieben Gott cecht inständig bitten. Gebet um eine wahre Neue. Mein Gott und Vater! siehe mit Sünden belaoen erscheine ich vor deinem heiligen Angesichte, um deine unendliche Barmherzigkeit anzurufen, und aus tiefstem Herzensgrunde um Vergebung meiner Missethaten zu bitten. Aber wird deine Barmherzigkeit sich auch herabneigen zu mir, darf ich Vergebung hoffen? Ach zu oft schon habe ich deine heiligen Gebote übertreten, zu oft schon deine Liebe und Güte mißbraucht, zu oft schon deinem heiligen Willen widerstrebt! Mit dem gröbsten Undank habe ich deine Güte dir vergolten; kaum hatte ich das trostreiche Wort vernommen: ,, Gehe hin, deine Sünden sind dir vergeben," so habe ich, uneingedenk deiner Barm— Beichtandacht. herzigkeit, schon wieder gesündiget, und dich beleidiget! Ach, ich habe meine Sünden und Missethaten nicht so innig und herzlich bereut und verabscheut, als deine Gerechtigkeit es forderte; ich war nicht durchdrungen von Trauer und Schmerz über meinen Leichtsinn und meine Bosheit, womit ich Sünde auf Sünde häufte; ich war nicht fest entschlossen, mit der Sünde für immer zu brechen, und dich allein, o mein allerbeßtes Gut, vom ganzen Herzen zu lieben. Ach, auch jetzt noch ist mein Herz kalt und hart! Ich erkenne wohl, daß ich gesündigt, viel und oft gefündigt, dich, die allerhöchste Majestät, verachtet, betrübt, erzürnt habe, ich erkenne wohl, daß ich verdiene von dir verstossen zu werden, und dennoch ist mein Herz nicht erschüttert, nicht mit Trauer, Angst und Schmerz erfüllt. So erbarme dich denn, gütigster Vater! und zerknirsche mein hartes Herz mit den Gefühlen des innigsten Neueschmerzes. Gib mir eine solche Liebesreue, wie du sie dem heil. Petrus, der heil. Magdalena, dem armen Zöllner im Tempel verliehen hast. Von dir, o barmherzigster Bater! kommen alle guten Gaben, und versagst sie keinem, der demüthig und vertrauensvoll darum flehet. O theile mir mit eine recht innige, herzliche Trauer über meine Sünden und über die Beleidigungen, die ich dir zugefügt; erweiche mein hartes Herz, daß es zerschmelze vor Leid über seine Missethaten, und erfülle es mit dem tiefsten Abschen gegen das größte Uebel, die Sünde, damit ich würdig werde der Vergebung, die du allen wahrhaft reumüthigen Sündern verheißen hast. Amen. Erweckung einer wahren Reue durch Betrachtung des leidenden Heilandes. Ach, mein Jesus, du König der Könige, du Herr der Heerschaaren! du stehst wie ein Verbrecher ge57 58 bunden vor dem heidnischen Landpfleger Pilatus, und lassest Gericht über dich halten, du, der Reinste und Unschuldigste für die Schuldigen!! Ich sollte deine Stelle einnehmen; ich sollte mit Stricken gebunden vor dem Gerichte stehen, denn ich habe gesündigt, ich habe deine heiligen Gebote übertreten, ich war der Aufrührer gegen deine höchste Majestät; ich habe den Tod verdient!! O mein Jesus! was hat deine Liebe nicht Alles für mich gethan! Ich sollte gerichtet und verurtheilt werden, umd du nimmst meine Schuld und mein Gericht auf dich! Erbarme dich meiner, o Jesus, und vergib mir meine Missethaten. Vom Grunde meines Herzens reuet es mich, so oft und vielmals deinen himmlischen Bater beleidigt zu haben! Ach, mein Jesus! ein schweres Kreuz legt man dir auf den Rücken und mit demselben nimmst du die entsetzlich schwere Last aller Sünden der Welt, auch meine Sünden, auf dich.... Mit Stricken gebunden, wie einen gottlosen Verbrecher schleppt man dich hinaus auf den Kalvarienberg. Du gehst den schmerzhaften Weg wie ein Lamm, das man zur Schlachtbank führt. Du wankest, du zitterst, du fällst unter der Last des Kreuzes. Ach, meine Sünden sind groß. viel und schwer, sie drücken dich zu Boden!... Und du duldest dieses Leid, diese Pein, damit ich vom Falle mich erhebe!... Ach mein Jesus! vergib mir, daß ich die Last des Kreuzes dir so schwer gemacht! Vergib mir meine so oft wiederholten Sünden! Oft schon habe ich sie bereut, oft schon gebeichtet, aber immer wieder habe ich sie begangen! Mein Leichtsinn war groß, hättest du dich meiner nicht erbarmet, und meiner geschont, ach, welche Strafe wäre schon über mich gekommen!!... O vergib, mein Jesus, diesen Leichtsinn! Siehe, in Neue und Schmerz werfe ich Beichtandacht. —— —— - Beichtandacht. 059 mich vor dir nieder und bitte dich herzinniglich, du wollest mir helfen, daß ich von meinem Falle aufstehe, dir nachfolge, und nimmermehr von dir mich trenne!... Ach mein Jesus! wie bist du so zerschlagen, mit Blut und Staub bedeckt auf dem Kalvarienberge angekommen!... du siehst keinem Menschen mehr ähnlich; und doch lassen dir die Henkersknechte keine Ruhe! Sie reißen dir die Kleider vom Leibe und erneuern deine Wunden! sie werfen dich aufs Kreuz nieder, um dich daran zu heften! Wie ein Lämmlein, sanft und ruhig duldest du die Marter!... Du streckest selbst deine Arme aus und deine Füße, um dich für mich zu opfern!.... Jetzt schlagen sie die spitigen Nägel durch deine Hände und Füsse! O entsetzliche Qual, o schreckliche Pein!!... Und doch klagest du nicht, sondern betest, betest für mich!! O mein Jesus! ich habe dich an das Kreuz geheftet; meine Sünden waren die Nägel, die deine Hände und Füsse durchbohrt! Ich habe dir die schreckliche Bein bereitet! O vergib mir meine Bosheit. Mit innigsten Schmerzen beweine ich meine Sünden und die Bosheit, mit der ich sie begangen. Um jener Liebe willen, mit der du die Schmerzen der Kreuzigung für mich erduldet, vergib mir meine Sünden, die ich verabscheue und verfluche, und nimmermehr begehen will. Amen. Ach, herzgeliebter Jesus! ich sehe dich peinlichst ausgestreckt am Kreuze hängen! Wie bluten deine so schmerzlichen Wunden! Wie ist dein Gesicht so bleich, dein ganzer Leib so voller Wunden! Ein Mann der Schmerzen bist du, versenkt in ein Meer von Leid! Und all diese Pein, und all diesen Schmerz, und all dieses Leid habe ich dir zugefügt durch meine Missethaten!... Ach, vergib mir mein Jesus, wie du dem Beichtandacht. 060 reuigen Schächer vergeben hast! verzeihe mir, wie du der Büßerin Magdalena verziehen ist! Um deiner schmerzhaften Mutter willen, die vom Schmerz durchbohrt unter deinem Kreuze steht, und die du so lieb hast, nimm hinweg, o göttlicher Heiland, meine Sünden; versöhne mich mit deinem himmlischen Bater, und erlange mir die Gnade, daß ich mich wieder sein Kind nennen darf, und sein Kind bleibe immer und allezeit. Amen. Ermeckung einer wahren Liebesreue. Gütigster, barmherzigster Vater im Himmel! wie unaussprechlich groß ist deine Liebe gegen mich armseliges Geschöpf! Für all den Leichtsinn, womit ich deiner Güte und Liebe vergessen; für all die Bosheit, womit ich deine heiligen und heilsamsten Gebote übertreten, für all die Verachtung, womit ich deine Gnaden vergeudete, hast du doch nicht aufgehört, mich zu lieben, und mit Wohlthaten aller Art zu überhäufen! Dir, o Allwissender, ist es bekannt, wie oft ich dich schon beleidigte, durch Sünden, zahllos wie der Sand am Meer. O wie oft habe ich dir schon versprochen, nicht mehr zu sündigen, und getreulich deinen heiligen Willen zu befolgen, und schon in einigen Tagen beging ich wieder die alten Sünden. Wie oft habe ich im Beichtstuhle meine Sünden und Gebrechen reumüthig bekannt, mit dem festen Willen, sie nicht mehr zu begehen, aber nicht lange dauerte es, als ich wieder unachtsam und leichtsinnig meines Vorsatzes und deiner Barmherzigkeit vergaß, mit der du mir vergeben hast.- Der verlorne Sohn verließ seinen Vater nicht mehr, der arme Zöllner blieb treu, die Sünderin Magdalena blieb in deiner Gnade, ich aber habe deiner wieder vergessen, mein Wort wieder Beichtandacht. gebrochen, deinen heiligen Willen wieder mißachtet, und den Lockungen der Welt und meiner bösen Neigungen wieder Gehör gegeben!- -- Ach, wem darf ich die Schuld dieser Bosheit beimessen? wem anders als mir selbst, meinem Leichtsinn, meiner Unachtsamkeit, meiner Lauigkeit und meinem Hochmuthe?!! O mein Gott und Herr, gehe nicht in's Gericht mit mir; wie könnte ich wohl bestehen vor dir?! Siehe, mit größter Beschämung, im tiefsten Schmerze über meinen Undank und meine Bosheit werfe ich mich vor deine Füsse nieder und bekenne meine Schuld. Vom innigsten Herzensgrunde reuet und schmerzet es mich, dich, meinen liebsten, gütigsten Gott und Herrn wieder beleidiget zu haben. O vergib mir, bester Bater! um Jesu, deines allerliebsten Sohnes willen, meine Sünden, verzeihe mir meinen Undank, und schenke mir deine Huld und Gnade wieder. Ich verspreche dir mit Mund und Hand, von nun an dir treu zu dienen, sorgsam für mich und meine Sinne zu wachen, jede Gelegenheit, jede Veranlassung zur Sünde zu fliehen, meine bösen Neigungen zu überwinden, und die Sünde, als das größte Uebel, zu verabscheuen und zu meiden. Gib mir nur, o gütigster Vater, deine Gnade, daß ich dieß auch vermag; stehe mir im Kampfe bei, und führe und leite mich auf deinen Wegen. Schwach, hilflos, armselig bin ich; ohne deine allmächtige Hilfe werde ich wieder fallen. Ach verlaß mich nicht und halte mich fest mit deiner mächtigen Hand, damit ich in deiner Liebe und Gnade verharre bis zum Ende. Amen. 61 Wenn du im Begriffe bist, in den Beichtstuhl zu treten, so stelle dir im Geiste vor, als wolltest du dich wie die heil. Büsserin Magdalena vor die Füsse Jesu werfen, deine Sünden wie sie beweinen und bekennen, oder du stündest wie ein Aussätziger vor Jesus, und flehtest ihn an, dich rein zu machen, oder du knietest wie der verlorne Sohn vor den 62 Beichtandacht. Füssen seines Vaters; oder du lägest wie Magdalena am Fuße des Kreuzes und das Blut des Heilandes fließe auf dich herab. Während dieser kurzen Betrachtung seufze: O Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! O Jesus, mache mich rein vom Aussage der Sünde! Jesus! nur ein Tröpflein deines allerheiligsten Blutes laß auf meine Seele fallen, und sie wird rein werden von aller Makel! Vater im Himmel! ich habe gesündigt wider den Himmel und wider dich; vergib mir meine Sünden! O Jesus! laß mich die Worte hören:„ Ich will, sei rein!" ,, Gehe hin, deine Sünden sind dir vergeben!" Gebete nach der Beicht. Danksagung für die Vergebung der Sünden. O Gott und Herr! wie gut bist du, wie groß iſt deine Barmherzigkeit; wie gränzenlos deine Liebe? Ich hätte verdient, wegen meines Leichtsinnes, womit ich deine heiligen Gebote übertrat, von dir verstossen zu werden, und du nimmst mich wieder auf als dein Kind! Ich hätte verdient, in den Banden der Sünden, in die ich mich freiwillig verstrickt, liegen zu bleiben, und du lösest so gnädig diese Bande! Ich hätte verdient, wie der treulose Knecht wegen meiner Schuld in das Gefängniß geworfen zu werden, und du nimmst die Schuld hinweg! Ich habe meine Seele beschmutzt, habe das Kleid der heiligmachenden Gnade an ihr befleckt, und du waschest und reinigest sie im Blute deines göttlichen Schnes!- O wie unendlich gütig, wie unbegreiflich barmherzig bist du gegen die armen Sünder! Welch wunderbare Gnade hast du mir wieder erwiesen! Wie kann, - Beichtandacht. 63 "} wie soll ich dir danken für so großes Erbarmen! Wie fann, wie soll ich loben und preisen die so unendlich große Liebe! Mit der Stimme des heiligen Büssers David will ich rufen: Lobe meine Seele den Herrn, und alles, was in mir ist, seinen heiligen Namen. Lobe meine Seele den Herrn, und vergiß nicht alle seine Wohlthaten! der alle beine Schwachheit geheilt, der vom Untergange erlöset hat dein Leben und dich frönte mit Gnade und Erbarmung. Der nicht gethan hat nach deinen Sünden und dir nicht vergolten nach deiner Missethat! Lobet den Herrn, ihr all seine Engel, lobet den Herrn alle seine Heerschaaren! Lobet den Herrn ihr all seine Werke: an allen Orten seiner Herrschaft lobe meine Seele den Herrn! Ja, ich will nicht aufhören, dich zu loben, o Gott! und nicht erlöschen lassen in mir das Gefühl des Dankes, für alle die Gnaden, welche du mir im heiligen Sa framente der Buße erwiesen hast.- O Maria, meine gebenedeite, liebste Mutter! mögest du für mich Dank sagen dem lieben Gott für seine große Barmherzigkeit, mit der er mich wieder in den Stand der Gnade versetzt hat! O mein heiliger Schutzengel, o ihre alle lieben Heiligen, lobet und preiset den Herrn und seine unendliche Liebe ewiglich. Amen. im. mu aas tin dungebet vor Verrichtung der Buße. Du hast, o mein Jesus! mit unbegreiflicher Liebe meine Seele wieder gereiniget in deinem heiligsten Blute und hast deine unendlichen Verdienste in die Wagschale der göttlichen Gerechtigkeit gelegt und die Schuld und die ewige Strafe hinweggenommen, die ich für meine Sünden schon längst verdient habe. Ich fühle es im Innersten meines Herzens, mir sind meine Sünden vergeben, ich darf mich wieder ein S 64 Beichtandacht. Kind beines himmlischen Vaters nennen. Aber dennoch drückt mein Herz noch ein großes Leid. Ich fühle, daß ich, so viel an mir liegt, büssen soll für meine Missethat; denn Strafe habe ich verdient für meine Bosheit und meinen Undank. Aber wie kann ich abbüssen, was ich gesündigt; was soll ich thun, um einigermassen die Schuld zu bezahlen, die ich auf meine Seele geladen, und wieder gut zu machen, was ich der göttlichen Liebe zugefügt. Ach, liebster Jesus, ich bin schwach, elend und arm; ich kann nicht vollständig abbüssen, was ich verdient habe! Ich will gerne die Buße über mich nehmen, welche der Prieſter im Namen der heil. Kirche mir auferlegte, aber ich habe viel größere Strafe verdient! So ersetze denn di, o gütigster Jesus, was meine Schwachheit nicht leiſten kann. Gestatte, daß ich alle deine unendlichen, kostbaren Verdienste, welche du durch dein Leben, Leiden und Sterben erworben hast, und alle Verdienste deiner heiligen Mutter und aller lieben Heiligen, sowie die Buße aller heiligen Büsser, von Adam angefangen bis zur Stunde, deinem himmlischen Vater aufopfere zur Genugthuung für meine Sünden. In Vereinigung mit dieser unendlichen Genugthuung und mit allen guten Werken, die je in deiner heiligen Kirche sind vollbracht worden, will ich jetzt mit zerknirschtem Herzen meine Buße verrichten, und nicht unterlassen, so viel ich vermag, an mir die Sünde zu strafen. Nimm, o Jesus, dieß Verlangen meines Herzens gnädig auf, und verleihe mir die Gnade, daß ich immer im Geiste der Buße lebe bis zu meinem Tode. Amen. Nun verrichte recht andächtig die auferlegte Buße, und hat dir der Priester eine tägliche Buße vorgeschrieben, so unterlaffe nicht, sie getreulich zu erfüllen. Beichtandacht. as Erneuerung des guten Vorfatzes. O mein Gott und Herr! oft schon habe ich ver sprochen, keine Sünde mehr zu begehen; oft schon habe ich den Entschluß gefaßt, lieber zu sterben, als dich mehr zu beleidigen; oft schon habe ich mir vorgenommen, bis zur nächsten Beicht mich recht rein zu bewahren von jeglicher Sünde. Aber immer habe ich mich von meinen Neigungen und von der bösen Gelegenheit hinreißen lassen, und bin wieder in die alten Sünden gefallen. Auch jetzt will ich wieder ernstlich und herzlich versprechen, dir, o mein Gott, recht treu anzuhangen, deiner Liebe nicht zu vergessen, und jede Uebertretung deiner heiligen Gebote zu meiden. Ja ich mache vor deinem heiligen Angesichte den festen Vorsatz, eher zu sterben, als eine einzige Sünde mehr zu begehen. Ich will jede Veranlassung zu einer Sünde fliehen, die Gelegenheit, welche mich bisher immer zur Sünde verleitete, mit aller Sorgfalt meiden, und mit allem Fleiße wachen über meine Sinne und Neigungen und eifrig beten, damit ich nicht in Versuchung falle.- Aber, o mein Gott und Herr! ich fürchte, daß ich wieder falle, denn zu groß ist meine Schwäche und meine Unbeständigkeit, wenn du, allgütiger Gott, dich nicht meiner erbarmest, und mich gnädig vor dem Falle bewahrest. Darum rufe ich mit heißer Inbrunst zu dir, o beßter Bater! und bitte dich, komme mir zu Hilfe mit deiner Gnate, und stehe mir bei in der Stunde der Versuchung. Sende mir dein Licht, daß ich die Lockungen des Satans erkenne, stärke mich, wenn Schwachheit mich befällt, halte mich zurück, wenn ich böse Wege wandeln will, richte mich auf, wenn ich strauchle, verleihe mir einen recht lebendigen Haß und Abscheu gegen jede Sünde, und entzünde in mir das Feuer 5 65 66 Beichtandacht. der Liebe, damit ich eifrig an meiner Besserung arbeite und nicht ablasse, bis ich mit deiner Gnade den Sieg errungen habe. O meine allerliebste, gebenedeiteste Mutter Maria, auch zu dir wendet sich dein armes, schwaches Kind und flehet herzinniglich um deine Fürbitte und deine Hilfe. Du bist ja meine liebe Mutter, und kannst nicht zugeben, daß ich das Unglück habe, wieder in eine Sünde zu fallen, und deinen göttlichen Sohn auf's Neue zu freuzigen. So breite denn deinen Schutzmantel aus über mich, und bewahre mich vor dem größten Uebel der Sünde. Ich will nicht unterlassen, bei jeder Versuchung zu dir zu rufen, wie ein Kind, das in Gefahr ist, seine Mutter ruft. O komme mir dann zu Hilfe und stehe mir bei im Kampfe. O ihr lieben Heiligen Gottes, besonders du mein heiliger Namenspatron und du mein heiliger Schutzengel! bittet für mich um die Gnade, daß ich mein Versprechen halte und ausharre bis zum Ende, damit ich auch in euere Gesellschaft komme, und mit euch im Himmel, fern von jeder Sünde, Gottes allerschönste Majestät schauen, loben und preisen kann in alle Ewigkeit. Amen. - Erneuerung des Taufbundes. Mein göttlicher Heiland, Jesus Christus! die Liebe, mit welcher du mich armen Sünder wieder aufgenommen hast, gibt mir den Muth, jenen Bund wieder zu erneuern, welchen du mit mir und ich mit dir in der heiligen Taufe geschlossen, den ich aber oft schon verletzt und gebrochen habe. Du hast bein Versprechen treu gehalten; du hast mich immer geliebt, hast mich gerufen, als ich mich von dir entfernte, an mein Herz geklopft, als ich es deiner Beichtandacht. Gnade verschließen wollte und mich nicht verlassen. O wie treulos habe ich Undankbarer an dir gehandelt! Ich bin zu deinem Feinde übergegangen, und habe mich gegen dich empört; und doch wandtest du dich nicht ab von mir und ließest mich nicht in den Abgrund fallen, den die Sünde mir öffnete. Nun sehe ich meine Bosheit, meinen Undank und meine Treulosigkeit ein, und erkenne mein Elend, in das ich gerieth, als ich mich von dir trennte. Und in dieser Erkenntniß eile ich wieder zu dir, bei dem allein wahrer Frieden, wahre Ruhe, wahre Seligkeit zu finden ist. Ich glaube Alles fest und unbezweifelt, was du geoffenbart hast und deine Kirche zu glauben vorstellt. Ich glaube, daß du, der Sohn des lebendigen Gottes, in der Zeit Mensch geworden und am Kreuze gestorben bist, um mich zu erlösen und selig zu machen. Ich glaube eine heilige, allgemeine, christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Ablaß der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Ich widerfage dem bösen Feinde, allen seinen Werken, aller seiner Heffart. Ich widerfage der Welt, ihrer Eitelkeit und vergänglichen Lust. Ich widerfage Allem, was Sünde ist, und zur . Sünde führt. 3ch übergebe, weihe und opfere dir, o mein Herr, Leib und Seele, Freiheit und Willen, Alles, was ich bin und habe. Ich gelobe dir Treue bis zum Tode! O gib mir, mein Jesus, Kraft und Stärke, daß ich mein Versprechen halte und nicht mehr weiche von deiner Liebe in Zeit und Ewigfeit! Amen. d $ 399 67 Ho Andachten am heiligen Kommuniontage.iss sose Morgenandacht.de ihja oid AL'S aft du, christliche Seele, Jesum recht lieb, und ein inniges Verlangen nach der Vereinigung mit Shm, dann wird beim Erwachen vom Schlafe dein erster Gedanke an Jesus, den Geliebten deines Herzens, seyn. Der Kommuniontag ist ein Festtag deiner Seele. Jesus, der höchste König, will sie besuchen und begnadigen mit dem Reichthume seiner Liebe. Weihe ihm daher, sobald du aufwachest, die ersten Gefühle deines Herzens; rufe aus mit dem Propheten:" Das ist der Tag, den der Herr gemacht hat, der Tag, wo meine Seele Hochzeit feiert mit dem Lamme Gottes!" Kleide dich fittsam an, wirf dich demüthig auf die Kniee, stelle dir vor, als lägest du vor dem Tabernakel, und bete: - Morgengebet. Herr mein Gott! mein Licht und mein Heil; mit dem Morgenlicht wache ich zu dir! Nach dir dürstet meine Seele, nach dir, o ewige Schönheit und Güte, ist meines Herzens Verlangen. Herr, mein Erlöser, am frühen Morgen gelange mein Gebet zu dir! Lob, Dank, Preis und Verherrlichung dir, o mein süßester Herr, für die Liebe, mit der du mich diese Nacht beschirmet hast. Nun ist der glückfelige Tag angebrochen, wo mir die höchste Gnade zu Theil werden soll, wo mein König und Herr, mein Heiland und Erlöser bei mir Einkehr nehmen, wo Er mit seinem heiligsten Fleisch und Blut meine arme Seele nähren will zum ewigen Leben! O mein süßester Jesus, welch einen seligen Tag schenkest du mir heute; wie kann ich dir für diese Gabe genugsam danken ,, wie dich dafür loben und preisen? Ach, so 1 - - Morgenandacht am hl. Kommuniontage. 69 gerne möchte ich dir, mein Herr und Gott, ein Opfer darbringen zum Zeichen meines Dankes und meiner Liebe; aber was habe ich, das ich nicht von dir empfangen habe! Siehe, Alles, was ich bin und habe, ist dein. Ich kann nichts mein nennen, Alles ist von dir. Mein Leib, mein Leben, meine Seele ist dein Werk: jeder Athemzug ist von dir. Du hast mich erschaffen, du erhaltest mich, du hast um theuern Preis, mit deinem kostbaren Blut, mich erkauft, ich bin dein Eigenthum. Was kann ich dir also opfern?! Doch ein Herz hast du mir gegeben, welches dich lieben kann und will. Dieß Herz hast du mir gegeben. Dieß Herz verlangest bu. Siehe, ich weihe es dir zum Opfer. Nimm es hin zu deinem beständigen Eigenthum, und entflamme es mit dem Feuer deiner Liebe, damit es nichts mehr anderes liebe als dich allein, in nichts anderm mehr Freude und Ruhe suche, als in dir allein, und nach nichts anderm mehr verlange, als nach dir allein. Jeder Schlag dieses Herzens, jede Regung sei dir geweiht. O ziehe dieß . mein Herz ganz an dich, mache es eins mit deinem heiligsten Herzen, und theile ihm mit alle jene Gnaden, die es bedarf, um jene Tugenden zu üben und jene Werke zu thun, die deinem himmlischen Vater so wohl gefallen! Den heutigen, so glückseligen Tag, wo du dich zu mir armen Menschenkinde in unaussprechlicher Huld herablassen und mich heimsuchen willst, weihe ich ganz deiner Verherrlichung. Mit meinem Herzen opfere ich dir alle meine Gedanken, Worte und Werke, alle meine Gebete und Audachten und nehme mir fest vor, jede Neigung zu einer Sünde zu unterdrücken, jeder Anfechtung zum Bösen zu widerstehen, und jeden Augenblick dieses Tages durch das Andenken 70 nom Morgenandacht an dich, o mein Jesus, und deine Liebe zu heiligen. Verleihe mir nur eine recht innige, herzliche Andacht bei all meinen Gebeten und Betrachtungen; nimm weg von mir jede Zerstreuung, und lasse nicht zu, daß ich dich durch die kleinste Sünde betrübe. Verleihe mir einen recht lebendigen Glauben an dich und dein heiliges Wort; ein recht inniges Vertrauen auf deinen Beistand, und recht innige kindliche Liebe. Wenn du mir, huldvollster Jesus! diese Gnaden gibst, o dann hoffe ich, daß der heutige Tag der glücklichste meines Lebens, die Freude und der Trost einst auf meinem Sterbebette seyn werde. Amen. Anrufung der allerfeligsten Jungfrau Maria. Gegrüßt, tausendmal gegrüßt feist du, o allerreinste Jungfrau und Gottesmutter Maria am, heutigen Tage. Von dir hat ja derjenige, welcher das Heil meiner Seele ist, Fleisch angenommen, und dieser dein göttlicher, innigstgeliebter Sohn will heute mit seinem heiligsten Fleisch und Blut meine Seele speisen zum ewigen Leben. O sei tausendmal gelobt und gepriesen um jenes Wortes willen, das du sprachest, als der Engel dir die Botschaft brachte, daß du den Sohn Gottes vom heiligen Geiste empfangen solltest. O möchte ich auch ein so ganz reines, lauteres, unbeflecktes Herz haben wie du, um deinen heiligsten Sohn so würdig parin aufzunehmen, wie du ihn aufgenommen hast. Ach ich fühle mich voller Unrath, voller Flecken, und nicht würdig, deinen göttlichen Sohn im Tabernakel zu grüßen, viel weniger selbst seine Wohnung heute zu werden. O allerliebste Mutter! ich flehe herzinniglich zu dir, lege ein gutes Wort ein bei deinem göttlichen Sohne, daß er nicht ansehen möge meine Unwürdigkeit, sondern seine eigene gränzenlose Liebe, die ihn bewegt, bei für den heil. Kommuniontag. 71 einem armen Menschenfinde einzukehren. Theile mir mit, o liebvollste Mutter, von der Liebe deines heiligsten Herzens, und erflehe mir jenen Geist der Andacht, der Zerknirschung und Berdemüthigung, mit welchem die lieben Heiligen zum Tische deines göttlichen Sohnes getreten sind, um ihn in ihr Herz aufzunehmen. Ach gebenedeiteste Mutter! nimm mich diesen Tag hindurch unter deinen Schutz, damit ich die Gnade bewahre, die mir heute zu Theil wird, deinen göttlichen Sohn, meinen Heiland, durch keine Sünde betrübe, sondern mit ihm fest vereiniget bleibe in der Liebe ewiglich. Amen. gebet zu dem hl. Namenspatron und H. Schutzengel. Mein lieber heiliger Namenspatron( N.)! dich hat mir der gütigste Bater im Himmel zu einem Vorbilde und besondern Beschützer gegeben. Ich darf heute zu jenem himmlischen Mahle hinzutreten, an dem auch du während deines irdischen Lebens so oft mit innigster Liebe theilgenommen, und wodurch du die Kraft erlangt hast, die Welt zu überwinden und ein Heiliger des Himmels zu werden. Derbitte mir am Throne Gottes die Gnade, daß ich mit recht flammender Liebe, mit der innigsten Andacht, mit tiefster Demuth, mit herzlichem Vertrauen dem Tische des Herrn nahe, und würdig Den empfange, welchen meine Seele lieb hat. Bewahre mich bei der heiligen Kommunion vor aller Zerstreuung und Lauigkeit und hilf mir, daß ich diesen Tag recht Gott wohlgefällig zubringe. Mein lieber Schutzengel, du schauest im Himmel, mit der zahllosen Schaar der heiligen Engel das Angesicht dessen, Der heute zu mir kommen und Wohnung bei mir nehmen will. Erbitte mir die Gnade, daß ich fest und unbezweifelt glaube, was du im Himmel schauest, und hilf mir, daß keine An- Gemüthserhebungen. fechtung des bösen Feindes mir schade, sondern meine Seele rein bleibe von jeder Befleckung, damit mein Jesus Wohlgefallen finde an ihr, wenn er kommt, mich heimsucht, und speiset mit seinem heiligsten Fleische und Blute zum ewigen Leben. Amen. 72 Liebesfeufzer auf dem Wege zum Gotteshause. him Hochgelobt und gebenedeit sei das allerheiligste Sakrament des Altars! Jetzt und allzeit und in alle Ewigkeit. Amen! si Jesus, wie unaussprechlich groß ist deine Liebe, und wie wenig lieb' ich dich! O Jesus, ohne dich kann ich nicht leben; ich eile zu dir, der Quelle des Lebens, wie ein Dürstender zur Wasserquelle. Jesus, mein Jesus! ich verlange dich vom ganzen Herzen zu lieben, ich verlange dich zu lieben mit der Liebesgluth der heiligen Engel. O Jesus, welch' eine Gnade willst du mir heute gewähren und wie wenig bin ich deren würdig. Du willst mich heute heimsuchen, du, der Herr Himmels und der Erde, wie ist das möglich?! Siehe, nichts habe ich, arm und elend bin ich, aber lieben kann ich dich, und ich will dich lieben; ja ich liebe dich, meine Seele verlangt nach dir! Meine Seele! bald kommt die Stunde, wo dein Bräutigam kommt, und sich mit dir vereint; erhebe dich, eile ihm entgegen auf den Flügeln der Liebe! O Jesus, mein Herz ist so kalt, entflamme es mit dem Feuer deiner Liebe; o Jesus, mein Herz ist wüste und leer, schmücke es mit deinen himmlischen Tugenden! 11 O Jesus, du rufft: Ihr Mühseligen und Be= ladenen, kommet alle zu mir," siehe, ich komme, um bei dir Erquickung und Ruhe zu finden! Gemüthserhebungen. 73 O Seele! freue dich, juble vor Freude! siehe, bein König kommt, voll der Sanftmuth, voll der Liebe, reich an allen Gnaden und er will dein sehn! O wie selig wirst du seyn! Mein geliebter Jesus! mein Herz wünscht Eins mit dir zu werden. Außer dir gibt es keine Tröstung; du bist die süße Labung meiner Seele; wie selig werde ich seyn, wenn ich dich empfange! Ich umfange dich jetzt schon mit den Ärmen der Liebe, ich drücke dich an mein Herz. O sei mir tausendmal gegrüßt! Mein lieber, heiliger Schutzengel, du bist an meiner Seite, du gehst mit mir in das Haus des Herrn, o hilf mir Jesum, den du, schauest, recht innig lieben; stehe mir zur Seite, wenn ich bete, und hilf mir, daß ich mit glühender Andacht und in heiliger Stille betrachte die unendliche Liebe meines Heilandes, seine Güte, sein Erbarmen, seine Herablassung und seine Huld! Beim Eintritt in die Kirche. Siehe da, die Wohnung des Herrn der Heerschaaren! O wie lieblich ist diese Wohnung, wo mein Jesus zugegen ist, wahrhaft und wesentlich, mit Gottheit und Menschheit, mit Fleisch und Blut!- O Jesus, welch ein guter, welch ein süßer Herr bist du, Niemanden weisest du von dir, Jeder, auch der ärmste Sünder, darf sich dir nahen und auch ich!!- Darf ich aber auch vor dir wirklich erscheinen. bin ich es würdig! Die heiligen Engel knieen vor deinem Tabernakel und verhüllen ihr Angesicht in tiefster Ehrfurcht vor deiner Majestät, was soll ich thun? Meßandacht Siehe, wie der arme Zöllner im Tempel stehe ich hier; ich getraue mir nicht, meine Augen zu dir zu erheben; o erbarme dich meiner und sei mir gnädig! 74 Mein Gott und Herr, in tiefster Demuth bete ich dich an; ja, o Jesus, du bist mein Alles! Schweigen sollen vor deinem Angesichte( du mein Innigstgeliebter) Himmel und Erde und alle ihre Pracht; denn was sie auch Liebliches und Schönes haben, das ist von deiner Gnade, und erreicht nicht. die Herrlichkeit deines Namens. Du bist die Quelle der Schönheit, du bist die Quelle der Wahrheit, der Güte, der Barmherzigkeit, du, dessen Weisheit iſt ohne Zahl und dessen Herrlichkeit und Seligkeit ohne Maaß!- Meßgebet am Kommuniontage. Stelle dir vor, christliche Stelle, es stehe der göttliche Heiland mit seinem liebentflammten Herzen vor dir und spreche mit dir. Flehe dann inbrünstig um die Gnaden, deren du bedarfst. Während des heiligen Meßopfers fließt die Quelle der unendlichen Verdienste Jesu Christi, des Heilandes der Welt, im reichlichsten Maaße. Du kannst durch Jesus Alles erlangen, wenn anders dein Glaube recht lebendig, dein Vertrauen groß, deine Liebe glühend, dein Gebet demüthig und ergeben ist. Vorbereitung. Christus. Groß, unendlich groß war und ist noch immer meine Liebe gegen dich. Wegen des Heiles aller Menschen, auch deinetwegen, habe ich den Schooß meines geliebten Vaters verlassen, bin ich auf die Erde herabgestiegen, bin ein Mensch, ein fleines Kind geworden. Deinetwegen habe ich von Kindheit an in Armuth gelebt, deinetwegen Schmach und Verfolgung und endlich den bittersten Tod am für den Kommuniontag. 75 Kreuze geduldet. Dich wollte ich retten aus den Banden der Sünde und des Todes, dir wollte ich den Himmel öffnen und den Weg dahin zeigen durch meine Lehre und mein Beispiel. Vollbracht habe ich das Werk der Erlösung für dich, aber noch nicht vollendet. Das, was ich auf Erden im Leben und Sterben erworben, meine unendlichen Verdienste sollen dein Eigenthum werden, vereiniget sollst du werden durch mich mit dem Vater im Himmel. Am Kreuze habe ich mein Blut für dich vergossen; hier, in der heiligen Messe, wird es in deine Hände gegeben, auf daß du dich waschest und reinigest; am Kreuze habe ich das Lösegeld durch meinen Tod erworben, womit du bezahlen kannst deine Schuld; am Kreuze habe ich dir das Anrecht erworben, ein Kind meines himmlischen Vaters zu werden, in der heiligen Messe will ich mittels der heiligen Kommunion mich mit dir vereinigen und dich durch mich Eins machen mit meinem himmlischen Vater. Darum steige ich täglich herab vom Himmel auf den Altar, und lade dich jetzt ein, in Empfang zu nehmen die unendlichen Schätze der Gnaden, die ich dir gewonnen habe. Womit kannst du wohl deine Schulden bezahlen als durch mich? Wie kannst du wohl Erhörung finden, wenn nicht durch mich? Wie kannst du meinem Vater genugsam danken, außer durch mich, wie kannst du Vergebung erlangen, außer durch mich, und wie willst du ihn gebührenb anbeten, loben und' preisen, wenn nicht durch mich? Nur durch mich kommst du zum Bater, nur durch mich wirst du Eines mit ihm! So erkenne denn die hohe Gnade, welche dir gewährt ist, meinem heiligsten. Opfer beizuwohnen, und mich in der heiligen Kommunion in dein Herz aufzunehmen! Siehe, der - 76 Meßandacht Altar ist der Kalvarienberg, wo ich das unblutig erneuere, was dort blutig geschehen. Begib dich im Geiste auf jenen Berg, stelle dich dort mit meiner geliebten Mutter Maria unter mein Kreuz, und opfere dich mit mir meinem himmlischen Vater! Der Jünger. O mein Jesus, mein Herr und Gott! wie sollte ich nicht erkennen deine gränzenlose Liebe, mit der du mich armseliges Geschöpf retten, heiligen und beseligen willst. Du hast dich in gnadenvoller Erbarmung herabgelassen für mich zu sterben, und nun erneuerst du vor meinen Augen deinen Opfertod am Kreuze, und ladest mich mit unaussprechlicher Huld ein, demselben beizuwohnen, und an seinen überreichen Früchten theilzunehmen. Vom ganzen Herzen sei dir Dank gesagt für diese Gnade! Verleihe mir nur einen lebendigen Glauben, und gib mir den Geist wahrer Andacht, inniger Reue und heiliger Liebe, damit der reiche Segen, welcher aus deinem heiligsten Opfer sich ergießt über die ganze Welt, auch meine arme Seele beglücke. Wie du jetzt in der heiligen Messe der allerheiligsten Dreifaltigkeit das vollkommenste Opfer der Anbetung darbringest, so will auch ich in tiefster Ehrfurcht durch dich anbeten Gott den Vater, den Sohn und heiligen Geist. Wie du deinem himmlischen Bater im Namen aller Menschen dankest für alle Gaben, die er der Welt in seiner Huld erwies, so will auch ich mit dir mein Dankesopfer darbringen für alle Erbarmung, die er mir erwiesen hat. Du, o göttliches Lamm! willst jetzt auf dem Altare das Schlachtopfer für die Schuld meiner Sünden seyn. O gestatte, daß ich armer Sünder die Verdienste deines geheimnißvollen Opfertodes der göttlichen Gerechtigfeit zur Sühnung für meine große Schuld darbringe. für den Kommuniontag. 77° - All mein Bitten, mein Flehen und Rufen um Gnade und Erbarmung ist nicht würdig, Erhörung zu finden, wenn du nicht mein Fürbitter bei deinem Himmlischen Vater bist. O allerliebster Jesus! du fennst das Verlangen und Seufzen meines Herzens. Ich habe keinen andern Wunsch, als rein zu sehn von jedem Flecken der Sünde, deinem himmlischen Vater wohlzugefallen, und ewig mit ihm vereint zu werden. So gestatte denn, gütigster Herr, daß ich alle Wünsche meines armen Herzens auf den Altar legen, und durch deine Hände darbringen darf deinem Himmlischen Bater, damit sie gnadenvolle Annahme und Erhörung finden mögen. Amen. Der Priester besteigt den Altar. Christus. Siehst du meinen Stellvertreter, den Priester in meinem Namen und Auftrage hinantreten zum Altare, das Kreuz auf dem Rücken seines Gewandes, um das heiligste Opfer zu beginnen? So bin ich einst seufzend unter der schweren Last des Kreuzes, beladen mit der Sündenschuld der ganzen Welt, den Kalvarienberg hinangestiegen. Auch deine Sünden trug ich, auch deine Missethaten ruhten schwer auf meiner Seele! O wie schmerzhaft war dieser Weg für mich, wie oft bin ich gefallen unter der Last des Kreuzes und der Sünden! Nur die Liebe gab mir Kraft, daß ich nicht starb vor Schmerz und Leid, bevor man mich heftete an das Kreuz! O Seele, erkenne doch die Größe dieser Liebe, und erinnere dich, was deine Sünden mir zu=* gefügt! Ich habe nicht aufgehört, dich zu lieben; mein Priester bittet in meinem Namen für dich um Bergebung, und du wirst sie erlangen von meinem himmlischen Vater, wenn du in Demuth und Reue erkennest deine Schuld und zerknirschten Herzens bist! - Meßandacht Der Jünger. Ach allergütigster Herr! wie ist doch so groß dein Erbarmen gegen mich armen Sünder! Du nahmst die Last meiner Sünden auf dich, gingst in den Tod für mich, damit ich nicht verloren gehe, und stellst mir jetzt deinen bittern Kreuzesweg vor Augen, damit ich nicht vergesse, was deine Liebe für mich gethan! D allerliebster Jesus, wie schwer habe ich gefehlt, da ich sündigte, und wie groß war meine Bosheit, da ich deine Liebe mit so großem Undank vergolten habe. O drücke mir dein Kreuz recht tief in's Herz, und laß mich wenigstens einen Theil fühlen von jenem Schmerze, den du über meine Sünden hattest! O laß mich erkennen meine Fehltritte, meine Missethaten, die ich begangen von Kindheit an, laß mich erkennen die Größe ihrer Schuld, und gib mir Thränen der Reue, auf daß ich sie bereue mein Leben lang! Das Staffelgebet.d 78 - Christus. Blicke hin auf meinen Priester, wie er sich tief zur Erde niederbeugt und reuevoll an die Brust sich schlagend seine Schuld bekennt. So lag ich, der Hohepriester, auf dem Delberg auf der Erde; Angst und Schmerz über deine Sünden preßte mir den Blutschweiß aus den Adern und in hellen Tropfen floß mein Blut auf den Boden nieder-- die Hände ringend, in unaussprechlichem Jammer flehte ich zu meinem Vater, Er möge den Kelch vorübergehen lassen, den mir die Menschen mit allem Greuel der Sünde und des Leids vollgefüllt hatten bis zum Rande. Doch sein Wille war, daß ich diesen bittersten Kelch trinke, und ich that es aus Liebe, auch aus Liebe zu dir!- Siehe, wie ich dich liebtel Man band mich mit Stricken, man schleppte mich wie einen Verbrecher vor das Gericht. Ich duldete — für den Kommuniontag. 79 die Schmach, damit du erlöset würdest. Sieh, wie groß war mein Erbarmen gegen dich! Und dieß Erbarmen habe ich noch, mein Vater im Himmel fennet es; er wird dich um meiner bittersten Todesangst willen, die ich auf dem Delberg gelitten, nicht verwerfen, wenn du deine Schuld bekennest, und reuevoll dich zu seinen Füßen wirfst!- Der Jünger. Vater im Himmel! ich habe gesündiget vor dem Himmel und vor dir; ich bin nicht mehr werth dein Kind zu heißen. Schwer liegt auf meiner Seele die Angst und der Todesschmerz deines geliebten Sohnes, denn um meiner Missethaten willen hat er sich freiwillig angeboten, den Kelch der Leiden zu trinken, den deine Gerechtigkeit ihm gereicht. Um meiner armen Seele willen hat er sich bis zum Staube erniedriget und sich binden lassen mit den schmachvollsten Banden. Seine Erniedrigung, sein Schmerz und seine Angst zeigt mir die ganze Größe meiner Schuld. Ach, gütigster Vater, mein Herz möchte mir zerspringen dor Leid über meine Sünden! Um der Pein und Qual deines göttlichen Sohnes willen, die er auf dem Delberg geduldet, flehe ich herzinniglich zu dir, erbarme dich meiner, vergib mir meine Schuld, und verwirf mich nicht vor deinem Angesicht! Nimmermehr will ich sündigen! O Maria, gebenedeite Mutter meines Herrn und Heilandes! wolle für mich bitten, daß ich Vergebung meiner Schuld erlange. Amen. Mar - - — Zur Kollekte, Epistel und zum Evangelium. Christus. Drei Dinge sind zum wahren Leben deiner Seele nothwendig; ohne sie muß sie verkümmern und verderben: Mein Wort, die Gnade und mein Fleisch und Blut. Mein Wort mußt du hören, in dein Herz aufnehmen und Frucht bringen lassen, 80 Meßandacht und um die Gnade mußt du bitten. Mein Wort verkündet dir meine heilige Kirche, ihr habe ich es unverfälscht anvertraut, ihre Stimme ist meine Stimme. In jeder heiligen Messe ertönt es aus dem Munde meines Priesters. Höre und befolge dieß Wort, und du wirst leben.- Aber auch bitten mußt du um Gnade. Zu schwach, zu armselig bist du, als daß du gehen kannst den Weg, den mein Wort dir vorzeichnet, und den ich dir vorangegangen, wenn die Gnade dich nicht stützt, dir nicht hilft, dich nicht leitet und zum Ziele führt. Siehe, alle Tage fleht meine heilige Kirche durch den Mund des Priesters um diese Gnade zu meinem himmlischen Vater.- 3hr Gebet in meinem Namen dringt zum Throne meines Vaters, und findet immer Erhörung. Vereinige dein Flehen mit ihren Bitten, und auch du wirst Erhörung finden. Der Jünger. Mein Herr und Meister! but hast Worte des ewigen Lebens; ich will sie hören. O sprich zu meiner Seele, und sage mir, was ich thun soll, um das ewige Leben zu erlangen! Du hast oft durch den Mund deiner heiligen Kirche zu meinem Herzen gesprochen, aber ach, wie oft habe ich ihre Worte nicht gehört, nicht zu Herzen genommen, und nicht befolgt. Vergib mir meinen Leichtsinn, und schweige nicht. Ach wenn du schwiegest, wenn du nicht mehr zu meinem Herzen reden würdest, wie unglücklich würde ich sehn! O schweige nicht, sondern rede, ich will hören! Komm aber auch meiner Schwachheit zu Hilfe, wenn ich dein heiliges Wort erfüllen will. Der Gnade bedarf ich wie des täglichen Brodes. Ach, ich kann mir nicht helfen! Ich möchte so gerne dir nachfolgen, den Weg wandeln, den du gegangen bist, aber ach, ich erliege und fierbe auf dem Weg, wenn du mir nicht beistehest. Durch den für den Kommuniontag. 81 Mund deiner heiligen Kirche flehe ich findlich zu dir, theile mir mit aus deinem göttlichen Herzen jene Gnaden, deren ich bedarf, und die du so reichlich für alle Menschen verdienet hast. Besonders bitte ich dich, verleihe mir die Gnade, daß ich dich durch keine Sünde mehr beleidige, von dir nicht getrennt werde, und einst eingehen darf in das Reich deines Vaters. Amen. zum Credo. Christus. Dein Sohn( meine Tochter), eine Hohe, eine unschätzbare Gnade habe ich dir ohne dein Verdienst schon an jenem Tage erwiesen, da du das Licht der Welt erblicktest. Ich habe dich am Tage deiner Taufe in meine heilige Kirche aufgenommen, und dir den wahren, katholischen Glauben zum Geschenke gegeben. Erkennest du diese Gnade, ein Katholik zu seyn, zu jener Kirche zu gehören, die ich zu meiner Braut mir gemacht, der ich alle Schätze meiner Gnaden und Verdienste anvertraut," außer der kein Heil zu finden ist? Du willst mein heiliges Fleisch und Blut empfangen zur Nahrung deiner Seele. Nur in der heiligen katholischen Kirche findest du diese Himmelsspeise, nur in ihr dieß heiligste Sakrament, nur ihre Priester haben die Ges walt zu wandeln das Brod in mein Fleisch und den Wein in mein Blut! O wie viele Tausende schmachten außer meiner Kirche in Irrthum und Unglauben, betrogen vom Geiste der Lüge. Dich habe ich in Gnade aufgenommen in meine heilige Kirche, wo du meine heiligen Lehren, meine heiligen Sakramente, Rettung für deine Seele findest. Willst du nicht danken für diese Gnade, willst du nicht festhalten an dem Glauben, den meine Kirche lehrt, der ein Licht für dich ist auf deinem Lebenswege durch die 6 130 13 82 Meßandacht Nacht des Irrthums, willst du nicht leben nach diesem Glauben, und bereit sein, für diesen Glauben selbst das Leben zu lassen?- Der Jünger. Ja, mein Jesus! ich erkenne diese Gnade als die größte meines Lebens! Ach, was wäre ich ohne den heiligen katholischen Glauben! Ich wäre ein Kind des Irrthums und der Lüge; Finsterniß umgäbe mich, und verschmachten müßte ich auf dem Wege, der zum Leben führt, und den ich ohne das Licht, welches in deiner Kirche leuchtet, nicht finden könnte. Ach, vergeblich würde ich verlangen nach der Himmelsspeise, die du bereitet hast, um meine Seele zu erquicken und zu stärken. Darum sei dir auch vom Grunde des Herzens Dank gesagt, daß du mich ein Kind deiner heiligen Kirche hast werden lassen, und mir die unschätzbare Gnade des Glaubens verliehen hast! Was dein Priester jetzt am Altare laut im Namen deiner Kirche betet, das ist auch mein Gebet. Auch ich rufe mit dem Priester mit Herz und Mund:„ Credo,"" Ich glaube." Ja ich glaube Alles, was du geoffenbart und deine heilige Kirche mir zu glauben vorstellt. Ich glaube, ohne im mindesten zu zweifeln. Ich will aber auch nach diesem Glauben leben. Denn was hälfe mir der Glaube, wenn ich ihn durch meine Werke verläugnete! So gib mir denn, o Jesus, zu der Gnade des Glaubens auch die Gnade, daß ich Alles thun kann, was er mich lehrt; stärke mich auch, daß ich treu in demselben ausharre, daß ich ihn überall unerschrocken bekenne, und für ihn auch lieber sterbe, als ihn verläugne. Amen. - 3um Offertorium. Christus. Mein Sohn!( meine Tochter!) Alles bist bu deinem Gott und Herrn schuldig. Mein für den Kommuniontag. 83 Vater hat dich erschaffen; ich habe dich erlöst und erkauft durch mein Blut; der heilige Geist hat dich geheiliget in der heiligen Taufe und zu seinem Tempel gemacht. Was du zu deines Leibes Leben bedurftest, das hast du von deinem Gott und Herrn empfangen, und unzählbar sind die Gaben, die dir gegeben wurden. Alles bist du deinem Herrn und Gott schuldig, dein ganzes Leben, und was du haſt, ist sein Eigenthum. Und was verlangt er wohl von dir? Nichts als dein Herz, deine Liebe verlangt er und deinen Willen. Alle Neigungen deines Herzens sollst du ihm weihen, nur ihm in Treue und Ergeb ung anhangen. Dort am Altare steht mein Diener, die Opfergaben von Brod und Wein in seiner Hand, die ich in meiner Allmacht bald verwandeln werde in mein Fleisch und Blut, und dir zum Mahle vorsetzen werde in der heil. Kommunion. Lege dein Herz zu diesen Gaben, und bekenne es, daß du nichts hast aus dir selbst, und daß du schuldig wärest, ein Schlachtopfer der göttlichen Majestät zu seyn. Wenn du in Wort und That dich ganz hingibst deinem Gott und Herrn, dann wird er sich nicht von dir an Freigebigkeit übertreffen lassen; dann wird er dich bereichern mit seinen Gnaden und einst selbst dein großer Lohn seyn. ssige s 1 9511501 - Der Jünger. O mein Jesus! gerne und mit Freuden will ich dein Wort befolgen, denn tief fühle ich die Wahrheit desselben. Ja ich erkenne es, daß ich schuldig bin als ein Schlachtopfer vor dem Angesichte der Majestät des dreieinigen Gottes zu sterben. Aber du, o mein Gott, verlangst nicht meinen Tod; du willst nur, daß ich der Welt absterbe und dir lebe. Sieh', ich weihe und opfere dir mit den Opfergaben des Priesters alle Regungen und Bewegungen, 6* 84 Meßandacht alle Neigungen, alle Wünsche, alle Liebe meines Herzens. Ich lege in die Hände deines Dieners am Altare meine Freiheit, meinen Willen, alle Kräfte meiner Seele, die fünf Sinne meines Leibes und alle seine Glieder, und bringe sie zum Opfer mit dem heiligen Versprechen, daß ich sie nur gebrauchen und anwenden wolle zum Wohlgefallen und zur Verherrlichung der göttlichen Majestät. Du willst dich heute, o Jesus, für mich opfern, wie sollte ich nicht Alles, was ich bin und habe, hingeben; du willst heute in der heiligen Kommunion mein werden, wie sollte ich mich nicht dir ganz weihen?! Von nun an will ich nicht ablassen, täglich bieß mein Opfer zu erneuern. Alle Tage will ich die bösen Neigungen und Triebe meines Herzens bezähmen und abtödten, meinen verkehrten Willen mit aller Kraft nur auf dein Wohlgefallen richten, und keinen Tag vorübergehen lassen, wo ich dir nicht ein Opfer der Abtödtung meiner Eigenliebe bringe. O segne mein Vorhaben, und stärke meinen guten Willen! Gütigste Mutter Maria! die du unter dem Kreuze stehend, das größte, reinste, heiligste Opfer, das Leben deines göttlichen Schnes, dem himmlischen Vater dargebracht hast, hilf mir, daß auch ich ein vollkommenes Opfer der Liebe werde, um einst am Ende meines Lebens fagen zu können: Ich habe vollbracht, was ich gelobt, mein Opfer ist vollendet. Amen. 1 Zur Präfation oder dem Sanktus. Christus. Mein Sohn!( meine Tochter!) hörst bu, wie der Priester am Altare ruft: ,, Sursum corda!" Aufwärts die Herzen!" Erhebe auch du dein Herz empor zum Himmel, der auch für dich bestimmt ist. Laß jetzt fahren alle Gedanken an die Erde und 85 für den Kommuniontag. ihr Treiben, und denke an das, was jetzt geschieht. an die Lobpreisung und Danksagung der heiligen triumphirenden und streitenden Kirche. Hebe empor deinen Blick zum Himmel und betrachte dort die Schaaren der seligen Geister, wie sie vor dem Throne der Majestät des dreieinigen Gottes auf ihrem Antlige liegen und das dreimal Heilig singen, das ewig fortschallt im himmlischen Jerusalem. Mit diesem Lobgesang der himmlischen Heerschaaren vereinigt die Kirche auf Erden ihre Stimme. Hörst du, wie mein Priester am Altare das dreimal Heilig ruft? Stimme auch du mit ein in diesen Preisgesang, bis du einst so glücklich bist, mit den Engeln ihn im Himmel ewig zu singen. Vergiß nicht, daß du da bist, die göttliche Majestät zu verherrlichen, vergiß es nicht in dieser Stunde, wo ich niederzusteigen im Begriffe bin auf den Altar, um mich zu opfern für die Verherrlichung meines Vaters und zur Versöhnung für dich. Als ich im Stalle zu Bethlehem als kleines Kind in die Welt trat, da sangen die Engel ihr Gloria; als ich am Palmsonntag einzog in Jerusalem, um als Opferlamm zu verbluten für das Heil der Welt, da sang das Volk: Hosanna; und jetzt, da ich auf den Altar mich niederlasse, um mein Opfer zu erneuern für das Heil der Welt und für dich, da ertönt im Himmel und auf Erden das dreimal Heilig!- stimme auch du mit ein! Der Jünger. O mein Herr und Gett! wie vermag ich es, ein Mensch mit befleckten Lippen, dich würdig zu preisen, dir vollkommen zu danken, zu preisen deine über Alles erhabene Majestät, zu danken deiner unendlichen Liebe und Güte! Wie sollte ich jetzt an etwas anderes denken können, als an das erhabene, heilige Opfer, das du für mich 86 Meßandacht darbringen willst, dessen Früchte ich theilhaftig werden soll! Gerne will ich mit Herz und Mund einstimmen in den Lobgesang deiner heiligen Engel und den Preisgesang deiner heiligen Kirche, und mit dem Priester rufen:„ Heilig, heilig, heilig ist der Herr, Gott Sabaoth! Himmel und Erde sind seiner Herrlichkeit voll!" Doch, o Herr, laß nur nicht zu, ich bitte flehentlich, daß ich das undankbare Volk nachahme, welches am Palmsonntag gerufen: ,, Hosanna dem Sohne Davids," und nach wenig Tagen schrie: ,, An's Kreuz mit ihm!" O laß nicht zu, daß ich durch meine Sünden dich auf's Neue freuzige! Nein, nimmermehr soll dieß geschehen! Ich will dich verherrlichen; ich will dich immer und ewig verherrlichen; für deine Ehre leben, für deine Ehre sterben. Amen. - Vor der heiligen Wandlung. Christus. Siehe, mein Sohn!( meine Tochter!) wie in feierlicher Stille mein Diener am Altare betet. Er stehet von heiliger Ehrfurcht ergriffen im Angefichte des dreieinigen Gottes Hochheiliges spricht er; Hochheiliges beginnt er zu thun. Er erneuert mein Leiden und meinen Tod auf geheimnißvolle Weise. Stelle dich jetzt im Geiste auf die Spitze des Kalvarienberges unter mein Kreuz, gehe ein mit Glaube und Liebe in das große Geheimniß meines Opfers, das ich bald für die ganze Menschheit, für meine heilige Kirche, für dich darbringe. Bald werde ich mich niederlassen auf den Altar und in meiner Allmacht durch mein heiliges Wort das Bred in mein Fleisch und den Wein in mein Blut verwandeln, und mich als Opferlamm darbringen meinem himmlischen Vater für dein Heil. Jetzt kommt der - für den Kommuniontag. 87 Augenblick, wo du durch mich Alles erlangen kannst, um was du bittest. So flehe denn für das Heil deiner Seele, lege dein Verlangen auf den Altar; bitte auch für alle Gläubige, für Gerechte und Sünder, für Arme und Reiche, für Leidende und Betrübte, für die Lebendigen und Verstorbenen. Ich werde deine Bitten hinbringen vor den Thron meines Vaters! Der Jünger. O mein Herr und Gett! Furcht und Zittern ergreift mich, wenn ich bedenke, welch hochheiliges Werk jetzt auf dem Altare vollbracht wird. Ach, ich sollte, wie einst die Büßer der alten Kirche, draußen stehen vor der Kirchthüre weinend und klagend über meine Sünden! Ich bin es nicht werth, dem heiligsten Geheimnisse beizuwohnen. Doch du siehst nicht an meine Unwürdigkeit, sondern hast Mitleid und Erbarmen mit meinem Elende, und gestatteſt mir in deinem Hause zu weilen und an dem heiligsten Geheimnisse deiner Liebe theilzunehmen. Innigster Dank sei dir gebracht für diese Liebe! doch siehe, o Herr! ich möchte jetzt gerne mit glühender Andacht, mit flammerder Liebe, mit lebendigem Glauben, mit Herzlichem Vertrauen und mit tiefster Demuth und Reue beten und flehen. Aber mein Herz ist so falt! O ziehe mein Herz an dich, o Herr; mache es ganz los von allen irdischen Gedanken, und verleihe mir die Gnade, daß ich gleich deinen heiligen Engeln dich mit der flammendsten Glut der Andacht begrüße, anbete, lobe und preise, wenn du das hochheilige Geheimniß wirkest! Nimm auch gnädig auf mein Gebet, das ich durch dich zu deinem Vater sende.- Erhöhe deine heilige Kirche, breite sie aus über die ganze Erde, und demüthige ihre Feinde. Erfülle die Herzen deiner Gläubigen mit dem Feuer der Liebe, stärke sie im Glauben, befestige sie in der Hoffnung, - و انوار را با روبية 88" Meßandacht schenke ihnen deinen Frieden. Erleuchte die Ungläubigen, und bekehre die Herzen der Irrgläubigen zu dir; erweiche die Herzen der verstockten Sünder; leite den Papst, die Bischöfe und Priester auf deinen Wegen; tröste die Trostlosen, und hilf den Armen und Nothleidenden. Erquicke mit himmlischem Troste die armen Seelen im Fegfeuer, und befreie sie aus ihrer Pein. Theile uns allen mit von deinen Verdiensten, versöhne uns mit deinem Vater im Himmel und vereinige uns mit ihm durch dich, o Jesus, der du gekommen bist auf Erden, zu suchen, was verloren ist, und wieder auf den Altar niedersteigest, um Himmel und Erde zu versöhnen. Amen. a Nach der heiligen Wandlung. Christus. Nun siehst du mich mit den Augen des Glaubens auf dem Altar. Wie tief habe ich mich erniedriget aus Liebe zu dir! Meine göttliche Majeſtät habe ich abgelegt; unter den unscheinbaren Gestalten des Brodes und Weines verhüllt bin ich wahrhaft, wirklich und wesentlich gegenwärtig auf dem Altar. Dein leibliches Auge sieht mich nicht und kann mich nicht sehen; aber der Glaube erkennt mich, und die Liebe fühlt meine Gegenwart. Ein Opfer bin ich geworden für dich, ganz vernichtet habe ich mich gleichsam für dich. O erkenne doch die Größe meiner Liebe! Damit du lebest, erneuere ich geheimnisvoll meinen Tod; damit dir Gnade und Erbarmen, Verzeihung und Vergebung zu Theil werde, lege ich alle meine Verdienste zu den Füssen meines Vaters. Damit du mit mir dich vereinigen kannst, wandelte ich Brod und Wein in meinen Leib und mein Blut zur Speise beiner Seele! Erkenne doch die Größe meiner Liebe! Ich will mich deiner annehmen, 1 für den Kommuniontag. 89 deine Sache vertreten bei meinem himmlischen Vater. Ich lege meine Verdienste in deine Hände, daß du damit ersetzest, was du verschuldet hast. Durch mich kannst du Alles für das Heil deiner Seele erlangen Habe nur Glauben und Vertrauen, es wird deiner Noth abgeholfen werden. Ich habe dich selbst die beste Weise zu bitten gelehrt; wenn du in meinem Namen und mit meinen Worten bitten wirst, wie soll mein Vater dich nicht erhören?- - - - Der Jünger. O wie unaussprechlich groß ist deine Herablaffung und deine Huld, o Herr; wie ohne alle Gränzen deine Liebe gegen uns arme Sünder! Billig staunen Himmel und Erde über die Wunder der Liebe, die du täglich wirkest in deiner heiligen Kirche. Du bist jetzt gegenwärtig auf dem Altar; ich glaube es so fest und zuversichtlich, als sähe ich dich mit meinen Augen und könnte dich berühren mit meinen Händen wie der Apostel Thomas. Von diesem Glauben ganz durchdrungen bringe ich dir, o Gottmensch Jesus, die tiefste Huldigung dar; ich bete an, lobe und benedeie dich mit allen Engeln und Heiligen. Herzinniglich danke ich dir für deine unendliche Liebe, die dich wieder in die Hände des Priesters herabgezogen hat, um unsere Opfer und unsere Seelenspeise zu seyn. Mit dem Gebete der heiligen Kirche vereinige ich jetzt mein Gebet, und bitte dich, du wollest ein gütiger Fürsprecher bei deinem himmlischen Bater für mich seyn. Durch dich kann ich ja Alles erlangen, mit dir hat mir dein himmlischer Bater Alles geschenkt.- Vor Allem bitte ich dich, wolle mir gnädig Vergebung aller meiner Sünden und die Gnade erwirken, ein reines Leben zu führen. in Heiligkeit und Gerechtigkeit. Schenke mir aus deinem liebentbrannten Herzen nur einige Funken 90 Meßandacht jener unendlichen Liebe, von der dein heiligstes Herz ganz entflammt ist. Du weißt ja, o Herr, daß ich mit heißer Sehnsucht nach der Genießung deines heiligsten Fleisches und Blutes verlange. Ich kniee hier wie ein armer, hungriger Bettler und verlange nach dir, dem Brode des Lebens. Wie würde es dir mißfallen, wenn ich ohne Liebe zu dir käme und dich empfange! O so gib mir Liebe, heiße Liebe, große Liebe, laß mich eins werden in Liebe zu dir. Du bist der Geliebte meiner Seele, du ihre Freude, ihr Leben, ihr Friede, ihre Ruhe, ihr Trost, ihre Erquickung, ihre Seligkeit!- O wie freue ich mich schon auf den Augenblick, wo ich hintreten darf zu deinem Tische und mit dir das Mahl der Liebe halten darf, wo ich dich besitzen, vor dir mein ganzes Herz ausgießen, und mit dir reden darf wie ein Freund zum Freunde.- Nimm zum Voraus schon, mein geliebter Herr, mein Herz zum Opfer hin, o reiße es ganz los von allen Banden, die es fesseln an diese Welt; ich will nur dich allein lieben, dir allein dienen, dein sehn auf ewig. Amen. Zum Agnus Dei und zur Kommunion des Priesters. Christus. Wie ein sanftes Lämmlein, das man zur Schlachtbank führt, habe ich mich schweigend auf das Kreuz legen, mit Nägeln anheften, und tödten lassen. Das that ich auch um deiner Sünden willen, die ich auf mich genommen, und die ich durch mein Blut von deiner Seele waschen wollte. Hörst du meinen Diener am Altare, wie er ruft: ,, Ecce Agnus Dei!" ,, Siehe das Lamm Gottes!" und siehst du ihn, wie er reumüthig an seine Brust schlägt? Ja, ich erbarme mich dein, und nehme - für den Kommuniontag. 91 beine Sünden hinweg, wenn du sie demüthig bekentnest und bereuest. Siehe ich bin bereit, dir den Kuß des Friedens zu geben und zum Zeichen dessen dir mein Fleisch und Blut zum Genusse zu reichen. Ich habe es gesagt, daß es meine Freude ist, unter den Menschenkindern zu seyn. Ich will auch bei dir, mit dir und in dir seyn. Deine Seele will ich zu meiner Wohnung machen, bereite sie und sorge dafür, daß sie gereinigt und geschmückt ist, wenn ich, dein König und Herr, komme mit der Fülle meiner Gnaden. Nimm mich in Demuth des Herzens auf; ein demüthiges Herz verachte ich nicht. Bist du auch elend und arm, bist du krank und schwach, zage deßhalb nicht. Eben darum will ich kommen zu dir, um deiner Armuth abzuhelfen, um dich zu heilen und zu stärken! Erfenne es nur, daß du ohne mich nichts thun kannst, daß mein Arm dich halten, meine Hand dich leiten, mein Licht dich erleuchten, mein Leib dich nähren muß zum wahren Leben.- 3st das blutflüßige Weib durch Berührung meines Kleides schon gesund geworden, was wird deiner Seele zu Theil werden, wenn ich sie heimsuche, und ihre Speise werde! Bedenke dieß und bereite dich zu meiner Aufnahme. Der Jünger. O mein Jesus! wo finde ich Worte genug, um dir zu sagen, was jetzt mein Herz fühlet. Wenn ich mir vorstelle, wie du auf dem Kreuze liegest als Opferlamm, die Hände ausgestreckt, rufend um Gnade und Erbarmen zum Himmel, so ergreift mich der tiefste Schmerz über meine Sünden, denn sie waren es, welche dir so großes Leid bereitet haben! Und wenn ich dich auf dem Altare sehe in den Händen des Priestes, verborgen unter der Gestalt der Hostie, wie du wieder geheimnißvoll - - - - 92 Meßandacht d erneuerst, was du am Kreuze vollbracht hast, so möchte ich mit lauter Stimme rufen: Mein Jesus ist die Liebe! Aber was soll ich erst sagen, wenn ich bedenke, daß deine Liebe noch weiter geht, daß du sogar die Nahrung und das Labsal meiner Seele fehn, mein Herz zu deiner Wohnung machen willst! O dieß ist wahrlich ein Uebermaß der Liebe, so fannst nur du, o Herr, lieben, so weit kann nur deine Liebe gehen! Und was soll ich dir darbringen für all diese Liebe? Ach ich habe nur ein armes Herz, und das habe ich dir schon geweiht, das gehört schon dein. Was habe ich noch? Nichts als das Verlangen, mich so innig mit dir zu vereinigen, daß ich mit deinem Apostel ausrufen könnte: Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir!" Doch was bin ich, daß ich so hohe Gnade verlange? Du bist der allerhöchste Herr, mein Schöpfer und Erlöser, und ich bin eine arme Kreatur, Erde und Staub! Du bist der König der Könige, der Herr ver Heerschaaren! und ich tein Knecht( deine Mägd)! Du bist der Allerheiligste und Allerreinste, und ich ein Sünder! Du bist der Gütigste, die Quelle aller Liebe, und ich ein undankbarer Mensch, der so oft Deine Güte mißbraucht, deine Liebe verschmäht hat! Ach, wie darf ich es wagen, mich dir zu nahen? Dech, du selbst nennest dich das Lamm Gottes, das aller Welt Sünden hinwegnimmt, und hast ja ge= sagt, daß du gekommen seiest auf Erden nicht der Gerechten, sondern um der Sünder willen. So wende dich denn, mein Jesus! nicht weg von mir, wenn ich deiner Einladung folge und hinzutrete zu deinem heiligen Tische! Schon lange sehnt sich meine Seele noch der Himmelsspeise, die alle Süssigkeit in sich enthält. Ich kann den Augenblick nicht - in für den Kommuniontag. 93 erwarten, wo ich dich, o Jesus! wirklich und wesentlich in mein Herz aufnehmen darf.- Dein Priester genießt jetzt deinen hochheiligen Leib, dein hochheiliges Blut. O komme, o Jesus, geistlicher Weise jetzt zu mir, reinige, heilige meine Seele, damit ich würdig sei, dich wirklich mit Fleisch und Blut, mit Gottheit und Menschheit zu empfangen, mich mit dir zu vereinigen, und in dieser Vereinigung zu leben und zu sterben. Amen. bim 3um letzten Evangelium und zum Segen. Christus. Mein unblutiges Opfer habe ich vollbracht; wieder habe ich dir einen Beweis meiner Liebe gegeben. Die Verherrlichung des dreieinigen Gottes, dein Heil, die Rettung deiner unsterblichen Seele und ihre Vereinigung mit mir und meinem himmlischem Vater ist das Ziel aller meiner Werke, die ich thue! Große Gnaden wurden dir jetzt angeboten, noch größere sollen dir zu Theil werden. Ich will deines Herzens Sehnen stillen; ich will kommen und dich selbst heimsuchen und das Mahl mit dir halten. Doch bedenke wohl, wer ich bin und wer du! Nicht ohne Bedeutung liest mein Diener am Altare das Evangelium meines Apostels Johannes. Ich bin Gott, bin das Wort des Baters, das im Anfang, von Ewigkeit bei ihm war. Durch mich ist Alles gemacht, was gemacht ist, auch du bist das Werk meiner Hände. Ich bin das wahre Licht und bin gekommen, alle Menschen zu erleuchten. Ich bin das Leben, Niemand kann wahrhaft leben, es sei denn durch mich und in mir. Alle, die mich aufnehmen in Liebe, denen gebe ich Macht, Kinder Gottes zu werden. Auch dich will ich zum Kinde meines Vaters erheben, wenn du mich mit ganz Meßandacht für den Kommuniontag. ergebenem, demüthigem, reinem Herzen aufnimmst. Halte dein Versprechen, das du während des Opfers gemacht, und ich werde erfüllen meine Verheißung. Der Segen, den der Priester in meinem Namen ertheilt, er komme mit seiner ganzen Fülle über dich; er heilige und weihe deine Seele und deinen Leib, und mache sie würdig meine Wohnung zu seyn; denn ich wiederhole es: Ich muß zu dir kommen und dich heimsuchen, ohne mich kannst du nicht leben, ohne mich wirst du nicht glorreich auferstehen, ohne mich wird du nicht eingehen in das Reich meines Vaters, der im Himmel iſt. 94 Der Jünger. Mein Gott und mein Alles! tausendmal Dank sei dir gesagt für die hohe Gnade, daß ich deinem heiligsten Opfer habe beiwohnen dürfen, und für die reichlichen Gnaden, die meiner Seele dadurch zu Theil geworden. Du wirst nicht müde, mich mit Gaben aller Art zu überhäufen, mir deine unendliche Liebe zu zeigen, und ich?- ach, ich benütze diese Gaben so wenig, und erkenne so wenig deine gränzenlose Liebe! Ach wann werde ich einmal anfangen, dich von ganzem Herzen zu lieben und in Treue dir zu dienen, bu ewig neue Schönheit, du Urquell aller Erbarmung und Gnade! Siehe, heute, da ich im Begriffe bin, deinem hochheiligen Tische zu nahen; heute, wo du mir gestattest, meine Seele mit deinem heiligsten Fleisch und Blut zu speisen; heute, wo ich dich in mein Herz aufnehmen will, dich, das Brod der Engel, dich du Wonne aller Auserwählten, dich den Sohn des lebendigen Gottes; heute, wo du dich, du König der Könige, in gränzenleser Huld herablassest, mich armen Sünder heimzusuchen; heute mache ich dir das heilige Versprechen, mich ganz deinem Dienste zu weihen, und mich dir - Erste Kommunionandacht. ganz zu ergeben in Liebe und Treue für immer! O siehe nicht an meine Unwürdigkeit, die vielen Fehler, die an meiner Seele kleben, siehe nicht an meine Armuth und Blöße an allen Eugenden und guten Werken, sondern gedenke deines Blutes, das du für mich vergossen, mit welchem du mich erlöset und erkauft hast. Um dieses heiligen Blutes willen suche meine Seele heim und theile ihr mit das Leben der Gnade. Hier, am Fuße deines Altars, wo du im Tabernakel weilest, gestehe ich dir nochmal, daß mich vom ganzen Herzen reuen alle meine Sünden, daß ich sie alle verabscheue und verfluche, und daß ich um keinen Preis mehr deine heiligen Gebote übertreten will. O segne dieß mein Versprechen und hilf mir, daß ich es treulich halte bis zum Ende. Amen. 95 Die hochheilige Kommunion. ie heil. Franziska Romana, diese liebeglühende Braut des göttlichen Heilandes, hatte eines Tages nach der heiligen Kommunion folgendes himmlisches Gesicht: Sie sah die heil. Engel einen kostbaren Altar bereiten, Jesus Christus steigt unter Engelsgestalt darauf. Aus allen Wunden, welche ihm die Liebe und der Gehorsam geschlagen, strömt eine kostbare Flüßigkeit empor. Der heil. Petrus mit dem priesterlichen Gewande angethan, theilt dieſe Flüßigkeit unter die Anwesenden aus. Auch Franziska erhält davon. Sie hört dann Jesum Christum zu ihr sprechen: „ Ich bin das Feuer, das entzündet, aber ohne die Herzen, welche mich lieben, zu verbrennen. Ich steige von meinem Throne, um mich mit der Seele, welche mich liebt, zu vereinen; aber sie muß rein seyn, denn meine Gottheit kann in einem unreinen Orte nicht wohnen.... Ich suche, ich erhebe, ich nähre und stärke die Seelen in der heil. Kommunion; die Bedingungen wahrer und reiner Liebe sind: die Demuth, die Hoffnung und der Gehorsam." Am heil. Frohnleichnamsfeste knieet Franziska im Geiste verzückt zu den Füßen des Thrones der heiligsten Dreifaltigkeit. Der 96 Erste Kommunionandacht. Thron ruht auf einer reinen Feuerflamme und vor ihm steht ein reicher Tisch, auf welchem Brod und Wein sich befindet. Sie sieht, wie Beides in den Leib und das Blut des göttlichen Heilandes verwandelt wird, aber das Geheimniß kann sie nicht verstehen. Um den Tisch herum befinden sich zahllose Engelschaaren, die sich geistig an dieser göttlichen Speise ersättigen. Maria, die Königin des Himmels, sieht Franziska voll Liebe an und spricht: Franziska, nahe dich der Mahlzeit, in welcher mein Sohn sich dem Menschengeschlechte unter der Gestalt der Speise und des Trankes darbringt, um es in aller Fülle zu ersättigen. Für diese hohe Gabe verlangt mein Sohn nur Liebe; bewahre ihm eine schöne reine Seele, sei stark und demüthig, bescheiden und fest im Glauben... Verdemüthige dich vor Gott mit Neue, mit Glaube, Hoffnung und Liebe...." - Siehe, gottliebende Seele, was diese Heilige im Geiste schaute und hörte, das geht auch dich an. Brod und Wein ist in den Leib und das Blut Jesu Christi, deines göttlichen Heilandes, verwandelt; das himmlische Gastmahl ist bereitet. Auch dich ladet Maria, die Himmelskönigin, zum kostbaren Tische, damit du in aller Fülle ersättigt werdest. Aber rein, sagt Jesus, muß dein Herz seyn; herzinnige Demuth, einen festen Glauben, starke Hoffnung, flammende Liebe fordert er von dir, dann wird er erheben, nähren und stärken deine Seele mit dem Himmelsbrode, das alle Süßigkeit in sich enthält. So erwecke denn jetzt in dir die göttliche Tugend des Glaubens, der Hoffnung und Liebe und recht innige Neue, verdemüthige dich auf's Tiefste und nahe dich dann dem heiligen Tische mit kindlichem Vertrauen und heißem Verlangen, und du wirst empfangen die himmlische Gabe zum ewigen Heile! Kurze Tugendübungen und Flammengebete vor der heiligen Kommunion. Uebung des Glaubens. Mein Jesus, mein Gott und Herr! ich glaube an das untrügliche Wort deiner heiligen Kirche, welches du geoffenbart und in ihr hinterlegt haft; insbesondere glaube ich feſt und unbezweifelt, daß du im heiligsten Sakramente unter den Brodsgestalten wahrhaft, wirklich und Erste Kommunionandacht. 97 wesentlich gegenwärtig bist. In diesem Glauben will ich leben und sterben. Uebung der Hoffnung. Mein liebevollster Erlöser, deine Erbarmung ist ohne Gränzen und deine Wahrhaftigkeit ist unveränderlich und ewig; du hältst immer, was du verheißen hast. Du kommst zu mir und willst wohnen in meinem Herzen. So wirst du auch, ich hoffe es zuversichtlich, mich heiligen, mich stärken und erfüllen mit deiner Gnade. Uebung der Liebe. O mein göttlicher Heiland! du hast Alles, auch das letzte Tröpflein Blut, für mich hingegeben und nun willst du auch die Nahrung meiner Seele seyn! O wie kann ich dir diese unbegreifliche Liebe vergelten? Okönnte ich dich doch lieben, wie du es verlangst! O könnte ich dich doch lieben mit der Liebesgluth deiner glorwürdigen Mutter, aller Engel und Heiligen! Jesus, ich liebe dich herzinniglich, in dieser Liebe will ich leben und sterben! Uebung der Neue. Ach, mein Gott und Herr! wie sehr schmerzt es mich, daß ich deine Liebe so oft verachtet, dich, den gütigsten Gott, so oft beleidigt habe! O könnte ich mit meinem Blute meine Sünden wegwaschen von meiner Seele! Ich verfluche alle meine Sünden und erneuere vom Herzens grunde das Versprechen, daß ich von nun an nur dir dienen und deinen heiligsten Willen immer und allzeit erfüllen will. - Uebung der Demuth. O mein Jesus, du Quelle der Reinigkeit und Heiligkeit, wie darf ich mich nahen deinem Tische und rich empfangen in mein unreines Herz! Ja wahrlich, ich bin nicht würdig, daß ich dich empfange! Doch du kennst ja 7 - 98 Erste Kommunionandacht. meine Armuth und mein Elend, sprich daher nur ein Wort, und meine Seele wird gesund! Uebung der Anbetung. Mein Jesus, du König der Glorie! in Vereinigung aller Engel und Heiligen bete ich dich an im heiligsten Sakramente. Ehre, Lob, Preis sei dir in alle Ewigkeit! Ich bete dich an als meinen Herrn und Gott, meinen Schöpfer und Erlöser, und unterwerfe mich vollkommen deinem heiligsten Willen! Uebung der Aufopferung. Göttlicher Heiland, du hast das schmerzlichste und vollkommenſte Opfer für mich gebracht; siehe, ich bringe mich gänzlich dir zum Opfer dar. Jeder Tropfen meines Blutes, jeder Schlag meines Herzens, jeder Augenblick meines Lebens sei dir geweiht. Dein bin ich, dein will ich seyn ewiglich! Uebung des Verlangens. Komm, o Jesus! komm und suche mich heim, o Jesus! Meine Seele schmachtet nach dir, ohne dich kann sie nicht leben! Komm, o Jesus, nimm Besitz von meinem Herzen, es soll ganz bein seyn! Wo finde ich Trost, Ruhe, Stärke und Seligkeit außer in dir! Komm, o Jesus, mache mich Eins mit dir. Du bist mein Leben, du meiner Seele Licht und Wonne, du mein Gott und Alles! ons Hast du Zeit, so kannst du auch die Betrachtungen Seite .25 benützen, um innige Andacht in deinem Herzen zu erwecken. Liebesfeufzer zu Jefus, wann der Priester den Tabernakel öffnet. Unendlich schöner Gott, unendlich guter Gott, unendlich heiliger Gott, allerhöchstes Gut, einziges, wahrhaftes Gut meiner Seele! ich bete dich an; gelobt und gebenedeit seist du in alle Ewigkeit! Erste Kommunionandacht. 99 O mein Jesus, sende jetzt einen Strahl der Liebe deines liebentbrannten Herzens in mein Herz und entzünde es, daß es nichts anderes mehr liebe als dich allein! O mein Gott, du lebensvolle Wonne eines reinen Herzens! siehe mich an mit den Augen deiner BarmHerzigkeit und verwunde mein Herz mit den Pfeilen deiner heiligen und göttlichen Liebe! Liebe, du brennst, ohne jemals zu erlöschen! Entzünde mich, o Gott der Liebe! O fostbare Wonne meines Herzens, verhüllt unter Brodesgestalt! O du Leben meiner Seele, du Leben aller Seelen, du Leben des Lebens! Du Fülle und unerschöpfliche Quelle einer himmlischen und unvergänglichen Holdseligkeit, fehre bei mir ein und schlage für immer deine Wohnung in mir auf! O du ewige Schönheit! fleischliche Augen erblicken dich nicht, sondern nur geistige Augen und ein reines Herz! O wann wird der Tag kommen, wo ich dich schaue von Angesicht zu Angesicht und vollfommen erkenne deine gränzenlose Liebe! Du, o Jesus, bist das Licht meines Geistes, die Speise meines Herzens, die Stütze meines Lebens! Wie sollte ich dich nicht lieben, dich, mein Leben, dich, die Urquelle aller Gütigkeit, aller Wonne und Seligkeit! Belebe mich, entzünde mich, o Gott, damit ich dich aufsuche und finde, damit ich mit aller Gluth meiner Liebe dich umfasse. Ich kenne feine andere Seligkeit, o Gott, als dir anzugehören! O Maria, du unbefleckte Jungfrau und allerreinste, feligste Mutter! dein Jesus, dein Kind, will zu mir kommen, will Wohnung nehmen in meinem Herzen; o mache ihn mir geneigt, daß er nicht ver7* 100 au Erste Kommunionandacht. schmähe meine Armseligkeit heilige meine arme Seele! und bitte und bitte l Seufzer beim hingange zum Tische des Herrn. Jesus! ist es möglich, daß ich, Staub und Asche, dir nahe, du Rönig der Herrlichkeit?! Doch du rufft: Kommet her zu mir ihr Mühseligen und Beladenen!" Siehe, ich komme schwer beladen mit dem Joche der bösen Neigungen, mühselig seufzend unter ihrer Last! sio Lansdo ihn, daß er Jesus, sei mir ein Jesus! nimm mich gnädig auf.- Wende dich nicht weg von dem armen Bettler, von dem elenden Knechte( von der elenden Magd)! Oihr heiligen Engel, besonders du mein heiliger Schutzengel, stehet mir zur Seite und begleitet mich hin mit euerm Gebete zum heiligen Tische! O Herr! ich bin nicht würdig, daß du eingehest unter mein Dach, sondern sprich nur ein Wort und meine Seele wird gesund! 1 Heilige Empfindungen und Tugendakte nach der heiligen Kommunion. Hast du, christliche Seele! den hochheiligen Leib des Herrn empfangen, so tritt bei Seite, wirf dich auf die Kniee und verschließe Augen und Ohren sammt all' deinen Sinnen. Hinweg mit jedem Gedanken an irdische Dinge. Schließe dich im Geiste ein in die Kammer deines Herzens mit deinem so liebenswürdigen, gütigsten Erlöser und genieße seine wonnevolle Gegenwart. Stelle dir vor, als sei dein Herz sein Thron; wirf dich zu seinen Füßen, drücke sie an dich und tüsse sie gleich der heiligen Magdalena mit aller Zärtlichkeit. Die Zeit, wo dein Jesus bei dir ist, ist die reichste Gnadenzeit; benütze sie wohl. Sprich mit Jesus wie ein Kind zum Bater, wie ein Freund zum Freunde. Bete an, lobe, preise, danke und bitte. Hiezu kannst du dich folgender Tugendakte bedienen: 101 Erste Kommunionandacht. Aft des Glaubens. So habe ich denn dich, o mein Jesus! den meine Seele lieb hat, in meinem Herzen! Ich wußte es ja, daß du wirklich mit Leib und Seele in diesem göttlichen Sakramente gegenwärtig warst. Die Freude meiner Seele gibt mir die gewisse Zuversicht, daß du in deiner Gnade Wohnung in mir genommen hast. Ich glaube, daß du mit Leib und Seele in meinem Herzen bist, daß dein so schöner Leib, deine hochheilige Seele und deine anbetungswürdige Gottheit in diesem Augenblicke in mir wohnen und auf's Innigste mit mir vereiniget sind. Akt der Verwunderung. Doch ist's möglich, göttlicher Herr und Meister, daß du zu mir gekommen blst? Ist's möglich, daß du, allerhöchster König der Glorie, mein Schöpfer und Erlöser, das geringste deiner Geschöpfe mit deinem Besuche beehrt und in deiner unendlichen Majestät bis zu mir, dem Erdenstaub, dich ernierriget hast? Dich beten an in tiefster Demuth die Cherubim und Seraphim und verhüllen staunend ob deiner Herrlichkeit ihr Antlit, und du kommst zu mir? Ist's möglich, höchste, unbegreifliche Majestät, daß du in mir wohnest, daß ich dich in meinem armen Herzen erblicke! Du hast das größte Wunder der Liebe gewirkt, um in mein Herz einzukehren?- Ein heiliger Schauer ergreift mich; ach, wer bin ich und wer bist du?!. Akt der Anbetung. O hätte ich jetzt die Stimme aller Heiligen und Engel, um dich, allerhöchste Majestät, würdig loben und preisen zu können! In Vereinigung mit der ganzen triumphirenden, streitenden und leitenden Kirche bete ich dich an, preise und verherrliche ich dich. Du allein bist heilig, du allein bist groß, du allein bist der Herr! Alleluja!- Alle Creaturen der Erde late ich ein, 102 Erste Kommunionandacht. daß sie mit mir loben und preisen meinen Herrn, der aller Anbetung, alles Robes würdig ist! O Maria, Königin des Himmels, ich bitte dich, du wollest mit deinem himmlischen Hofe loben und preisen meinen Heiland, den du geboren hast. O Jesus, nimm gnädig an meine tiefste Huldigung. Ich will nicht müde werden, dich mit größter Ehrfurcht und tiefster Demuth zu verehren und zu benedeien! Akt der Danksagung. Mein gütigster, herrlichster, unendlich liebenswürdigster Herr und Meister, wie vermag ich dir zu danken für die unschätzbare Gnade, die du mir erweisest! O nimm gnädig hin alle Dankgebete, welche vom Anbeginn der Welt bis zur Stunde zu deinem Thron emporgestiegen sind! Nimm hin alle Dankgebete der Heiligen und Engel; nimm hin alle Danksagungen, welche dir, o Gott, in den heiligen Meßopfern, bei allen heiligen kommunionen aufgeopfert worden sind!- Nimm hin zur Danksagung mein ganzes Wesen, alle meine Handlungen, alle meine Leiden und Trübsale!- Ich will nicht aufhören dir zu danken; ja mein ganzes Leben soll ein fortwährendes Dankgebet seyn. 11 Att ber Bitte. O mein Herr, der du gesagt haft: Zur Zeit der Gnade erhöre ich dich, am Tage des Heils helf' ich dir"( 3sai. 49.); nun ist der Tag des Heils für mich, nun ist die Zeit der Gnade für meine Seele! Du bist bei mir mit dem Reichthum deiner Gnaden; du bist bereit, all' mein Flehen zu hören und zu erhören. Du hast ja gefagt:, Bittet und es wird euch gegeben werden!" Um was soll ich aber bitten? Ich habe so viele Anliegen auf dem Herzen, mit welchem soll ich beginnen? Vor Allem bitte ich dich herzinniglich, du wollest mir vergeben meine Sünden, womit ich dich Erste Kommunionandacht. 103 von meinen Kindestagen an beleidigte, bu wolleft reinigen von jeder Befleckung meine Seele, und ihr bewahren das makellose Kleid der heiligmachenden Gnade. Dann flehe ich zu dir mit findlichem Vertrauen, du wollest mein Herz und dessen Neigungen so an dich ziehen und binden, daß sie nimmermehr ein Verlangen tragen nach dem, was dir mißfällig ist. O flöße mir einen tiefen Abscheu gegen Alles in das Herz, was Sünde ist und heißt. Ich möchte die Sünde so hassen und verabscheuen, wie du, o heiliger Gott, sie hasfest und verabscheuest. Gib mir ferners, aus innerstem Herzensgrunde bitte ich darum, eine recht innige, beständige Liebe zu dir. Du hast ja gesagt:" Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu senden, und was will ich anders, als daß es entbrenne?" O so entzünde, entflamme mit dem Feuer deiner unendlichen Liebe mein faltes Herz. Vernichte darinnen alle irdische Liebe, nimm hinweg jede andere Liebe, die der deinen entgegen ist, und sei für immer und ewig der einzige Gegenstand meiner Liebe. O gib mir Liebe, mein Jesus, du reichste Quelle der reinen heiligen Liebe! O wenn die Liebe zu dir mein ganzes Herz erfüllen würde, wie selig wäre ich! Ich könnte dich dann nicht mehr beleidigen! Dieses große Uebel aber fürchte ich. Darum, o mein Jesus, verleihe mir auch die Gnade der Beharrlichkeit. Du sagst ja selbst: Ohne mich könnet ihr nichts thun," wie vermag ich also standhaft auszuharren in der Liebe zu dir und zu widerstehen den Versuchungen, welche meine arme Seele wieder bedrohen werden! Du kennest meine Schwäche und meine Unbeständigkeit, du kennest aber auch meinen guten Willen. So halte mich denn fest, o mein Jesus, du starker, heiliger, unsterblicher Gott! - 104 Erste Kommunionandacht. mit deinem mächtigen Arme, auf daß ich nicht falle; führe mich, du hellstrahlendes, ewiges Licht, daß ich nicht irre; schütze mich, du Löwe aus Juda, daß die Feinde mich nicht überwinden, und hilf mir, daß ich die Treue bewahre, die ich dir auf's Neue gelobe, die Treue bis in den Tod. -- Noch eine Bitte habe ich auf dem Herzen, o guter Jesus! Du hast gesagt, daß es ein Kennzeichen deiner Jüngerschaft sei, wenn wir den Nächsten herzlich lieben; o lehre mich lieben, wie du zu lieben geboten und selbst geliebt haft. Wir nehmen alle Theil an deinem heiligen Tische und effen alle von einem himmlischen Brode, und nennen dich alle unsern Herrn, das Band der Liebe umschlingt uns alle. Gib mir ein Herz, das alle Menschen liebet, wie du geliebet hast; nimm alle Abneigung, alle feindselige Gesinnung gegen meine Mitmenschen aus meinem Herzen, und flöße mir ein jene barmherzige, werkthätige Liebe, von der dein heiliges Herz erfüllt war. Ich will gerne alles Widrige von der Hand meiner Mitmenschen annehmen und jede Beleidigung verzeihen und vergessen, die mir zugefügt worden. O laß mir dein schönes Beispiel immer voranleuchten, und sobald Zern oder Unwille in meinem Herzen sich reget, dann laß in meine Ohren erschallen deine Bitte am Kreuze: Vater! verzeihe ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun!" Um aber jetzt, o mein Jesus, in deiner Gegenwart zu bethätigen, was ich zu thun verlange, so bitte ich dich herzinniglich, du wollest Allen, die mir je Gutes gethan haben, mit deinem reichsten Segen vergelten. Segne meine Eltern und Geschwisterte, segne meinen Beichtvater und alle Priester, bewahre die, welche in Unschuld wandeln, stärke die Gerechten, befehre die 17 Erste Kommunionandacht. 105 aqr armen Sünder zu dir. Tröste die Kranken, hilf den armen Wittwen und Waisen, und erquicke und erlöse die armen Seelen im Fegfeuer. Hilf allen Menschen in ihren Nöthen und leite ihre Herzen zu dir, der Quelle alles Friedens und Seligkeit. 191 Akt der Aufopferung und Ergebung. mag O mein Jesus! es war deiner Liebe nicht genug, daß du dich für uns arme Sünder wie ein Lamm zur Schlachtbank führen ließest und dein süßes Leben hingabst, damit wir nicht des ewigen Todes sterben; deine unbegreifliche Liebe ging noch weiter; du lieb test uns, wie du selbst sagtest, bis zum Ende, indem du uns dich selbst, dein heiligstes Fleisch und Blut zur Speise gabst. Du hast heute mir Alles gegeben; deine Liebe, dein Leben, deine unendlichen Verdienſte, Alles, was du bist und was du hast. Du bist in meinem Herzen, ich besitze dich ganz, du bist mein! O unendliche Liebe, o Uebermaß der Liebe, v gränzenlose Huld und Gnade!- Und was soll ich dir geben, was kann ich dir geben für diese Liebe? Ach, jetzt erst erkenne und fühle ich die ganze Größe meiner Armuth und meines Nichts. Ach, ein armer Bettler, was kann er dir geben? Doch du, allgütiger Herr, tröstest mich; du sagst so liebevoll: Sohn ( Tochter), gib mir dein Herz!"- Nur mein Herz verlangst du, mit meinem Herzen begnügest du dich. Siehe, mit Freuden opfere und weihe ich es dir; o nimm es gnädig hin, nimm es zu deinem Eigenthume und schalte mit ihm wie du willst! Ich opfere bir dasselbe mit all seinen Neigungen, mit all' seinen Regungen und Empfindungen, mit all' seiner Liebe. O fette es an tich, oder vielmehr verschließe es in dein göttliches Herz und laß es nimmermehr 106 Erste Kommunionandacht. dir nehmen. O wenn doch mein Herz so innig, so unzertrennlich mit dem deinen vereint wäre und bliebe, daß es gar nimmermehr von dir sich entfernen könnte! Sieh, o Jesus, ich lege dir mein Herz zum vollkommenen Brandopfer vor die Füße; wandle es ganz um und bewirke, daß dieß Herz nur von deiner Liebe brenne. Aber nicht bloß mein Herz weihe und opfere ich dir, auch meine Seele mit all' ihren Fähigkeiten; ich opfere dir meine Vernunft, meinen Verstand, mein Gedächtniß, mein Verlangen; ich opfere dir auch meinen Leib mit all seinen Gliedern; ich will ganz und gar dein seyn, nur für dich leben und auch für dich sterben. Ach, könnte ich doch, wie die heiligen Martyrer, für dich mein Blut vergießen, wie gerne ging ich für dich in den Tod! Doch da ich das nicht kann, so will ich ein Marthrer der Liebe werden. Ich will absterben mir selbst und der Welt; ich entsage allen Freuden, allen Gütern der Welt: ich will meinen Sinnen, meinen Neigungen nichts gestatten, was mich von dir abziehen könnte; ich will fort und fort bekämpfen alle meine Leidenschaften und nur dir, o mein Jesus, nachfolgen in Liebe auf dem Kreuzwege mit deiner heiligen Mutter und allen deinen lieben Heiligen!- Segne, o Herr, mein Opfer, segne meinen guten Vorsatz und hilf mir, daß auch ich einst auf meinem Sterbebette getroft ausrufen kann:„ Es ist vollbracht!"- spic seiga.08 Hingabe an die göttliche Liebe. Liebe, die du mich zum Bildegemacht;- Liebe, die du mich so milde haft rückgebracht! Liebe, dir ergeb' ich bleiben ewiglich. 3900 Deiner Gottheit haft Nach dem Fall mich, Dein zu Liebe, die du mich erforen war: Liebe, die als Mensch geboren Eh' - - ich noch erschaffen Und mir glichest Erste Kommunionandacht. 107 conick gar. Liebe, dir ergeb' ich mich, GH SHE Dein zu Liebe, die für mich gelitten- Und gestorben voller Liebe, die du mir erstritten 1Ew'ge Wonn' Liebe, dir ergeb' ich mich,- Dein zu ganz und bleiben ewiglich. Freud': und Seligkeit: bleiben ewiglich. Liebe, die du mich gebunden- An dein Joch, der Wonne Thron: Liebe, die mich überwunden, Und mein Herz sich nahm zum Lohn!- Liebe, dir ergeb' ich mich, Dein zu bleiben ewiglich. 1 frei't; erneu't! ewiglich. 1 - Liebe, die mich ewig liebet, Liebe, die in Leiden übet, Liebe, dir ergeb' ich mich aika Liebe, die dich mir zur Speise Pilgerbahn: Gibst auf meiner Liebe, die am Ziel der Reise Zu dir selbst mich hebst hinan! Liebe, dir ergeb' ich mich, Dein zu bleiben ewiglich. Liebe, die mich läßt erstehen Aus dem Grab der Sterblichkeit:- Liebe, die mich wird erhöhen Aus dem Staub zur Herrlichkeit! Liebe, dir ergeb' ich mich Dein zu bleiben ewiglich. 1 Und die Seele mir beUnd die Seele mir Dein zu bleiben - 1 - - - de hingabe an Maria, der unbefleckten Jungfrau, mit ihrem süßen Kinde. C Maria, du gebenedeite, glückselige Mutter meines Herrn! siehe, Den du vom heiligen Geist empfangen, Den du geboren und auf den Armen getragen, Den habe ich jetzt in meinem Herzen, Der ist mein Gast, die Speise, das Leben, bie, Wonne meiner Seele. Du hast ihn zur Welt" geboren, von dir, der reinsten Jungfrau, hat er Fleisch und Blut angenommen, auf daß er mich erlösen und die Speise meiner Seele werden konnte. Wie sollte ich dir nicht danken für deine Einwilligung in das Geheimniß der Menschwerdung meines Heilandes und dich loben als die Mutter meines Herrn, der heute mich so hoch beglückt und mich heimgesucht hat mit KEJUTET 108 Erste Kommunionandacht. seiner lieblichen Gegenwart!- O allerliebste Mutter meines Jesus und auch meine Mutter! erfreue dich mit mir über mein überaus großes Glück, das mir heute zu Theil geworden, und hilf mir mit deinem ganzen himmlischen Hofe deinen und meinen Jesus loben und preisen, der so großes Erbarmen mir erwiesen hat.- O süßeste Mutter! du kennest das Verlangen meines Herzens, mich ganz dem Dienste deines göttlichen Sohnes zu weihen. Ich habe ihm auf's Neue unverbrüchliche Treue versprochen und will für ihn leben und sterben. Aber ach, ich bin schwach und arm, ohne Hilfe und Beistand vermag ich mein Versprechen nicht zu halten. Daher komme ich denn mit kindlichem Vertrauen zu dir und bitte dich herzinniglich, mich unter deinen mütterlichen Schutz zu nehmen und meine liebe Mutter zu seyn. O gönne mir neben deinem süßesten Kinde Jesus ein Plätzchen an deinem liebreichsten Mutterherzen; ge= statte, daß ich dir meine einzige, unsterbliche Seele in die Hände lege und dir mein armes Herz übergebe. O wie gut bin ich aufgehoben, wenn ich in deinen Armen ruhe, wie sicher wandle ich unter deinem Schutze! O zeige dich denn als meine Mutter, ich will dein Kind sehn und bleiben und dir dienen mein Leben lang. Blicke mich an mit deinen mildesten Augen, wenn ich wanke, halte mich, wenn ich fallen will, führe mich, wenn mein Fuß abirren möchte, beschirme mich, wenn der Versucher naht, und stärke mich, wenn Gefahr meiner Seele droht. Du hast deinen göttlichen Sohn bis zum Tod am Kreuze nicht verlassen; verlaß auch mich, dein Kind, nicht bis zum Tode, damit ich die Gnade erlange, dich mit deinem süßesten Kinde im Himmel einst zu schauen, zu loben und zu preisen ewiglich. Amen. Erste Kommunionandacht. Bitte zu Jesus um Ausrottung der Gewohnheitsfehler.net Auch du, gottliebende Seele, wirst so manche Fehler an dir haben, in welche du, ungeachtet deiner guten Vorsätze, immer wieder fallest, sogenannte Lieblings- oder Gewohnheitssünden, von denen du gerne frei seyn möchtest. decke sie aufrichtig deinem göttlichen Heilande, zeige ihm die geheimen Wunden deiner Seele und Jesus wird dich heilen, wenn du ihn recht vertrauensvoll bittest: Ent- 109 16:30 O mein Jesus, du göttlicher Arzt, der jede auch die schwerste Wunde heilen kann; siehe, die Seele, welche du lieb hast, ist krank; fie liegt an Wunden darnieder, die sie ermatten und sie untauglich machen, sich mit dir ganz zu vereinigen. Du kennst diese Fehler, in welche ich so oft falle, du kennst diese ungeordneten Neigungen, denen ich so oft nachgebe. O wie oft habe ich sie schon bereuet, wie oft schon habe ich mir vorgenommen, sie zu meiden und immer begehe ich sie wieder. Ach, wie schwach bin ich! Ach, wie groß ist das Verderben, das in mir herrscht; wie hart ist der Kampf! Elend und arm bin ich, o Herr, hilf mir! Ja, o Herr, mein Gott, hilf mir, daß ich überwinde. Vom innersten Herzensgrunde wünsche ich rein von jeglichem Flecken zu wandeln vor deinem Angesicht; herzlich verlange ich, jeden Fehltritt zu meiden, der deinen reinsten Augen mißfällig ist, aber ich vermag es nicht, wenn du mir nicht beistehst! O Jesus, du allmächtiger Gott, du bist jetzt bei mir in meinem Herzen. Ich lasse dich nicht von mir gehen, ehevor du mich segnest und mir die Gnade verleihest, meine bösen Gewohnheitssünden, namentlich diese....( hier nenne fie) zu besiegen. Mit deiner Gnade vermag ich Alles, ohne dich kann ich nichts. Ich will nicht unterlassen, über mein Herz und seine Neigungen zu wachen, meine fünf Sinne, besonders Augen und Zunge zu VERZOR DESPRE METE 110 Erste Kommunionandacht. bezähmen; ich will Alles fliehen, was mir Anstoß geben könnte zum Falle; nur du, o Jesus, verlassemich nicht, stehe mir bei im Kampfe und hilf mir den Sieg erringen zu deiner Ehre. Amen. 11010 Abbitte zu Jefus wegen der bei der heiligen Kommunion begangenen Fehler. Mein liebvollster Jesus! du hast Großes an mir gethan, der du heilig bist; ja ein Wunder der Liebe hast du vollbracht an mir, durch deine huldvolle Heimsuchung. Meiner Seele ist heute das größte Heil widerfahren; du, der König der Könige, hast dich bis zu ihr niedergelassen und sie mit deiner süßesten Gegenwart erfreut. wie unbegreiflich groß ist O deine Liebe! Wie aber habe ich diese Liebe dir ver-golten, welche Aufnahme habe ich dir in meinem Herzen bereitet? Ach, ich muß mich mit größtem Schmerze und tiefster Beschämung so mancher Nachläßigkeit anklagen, deren ich mich gegen deine gnadenvolle Heimsuchung schuldig machte!- So lau und falt war mein Herz, so gering war meine Andacht, so zerstreut mein Gemüth! Ich hätte dich mit heißester Inbrunst umfangen, ich hätte in Betrachtung deiner unaussprechlichen Huld gegen mich ganz verfunken seyn sollen, und ich war dagegen so gleich giltig und mein Herz entbrannte nicht in helle Flammen der Liebe, es blieb ungerührt und hart! Ach Jesus, gütigster Herr, siehe nicht an meine Lieblosigfeit und meinen Undant mit den Augen deiner Gerechtigkeit, sondern habe Erbarmen mit meiner Schwäche. Vergib mir gnädig die Fehler, die ich bei dem Genuße deines heiligsten Leibes beging, und ersetze und mache wieder gut durch deine erbarmende Liebe und deine unendlichen Verdienste, was ich verschuldet habe. Meßgebete nach der heil. Kommunion. 111 Vergib mir die Schmach, die ich dir angethan, als ich dich in mein unwürdiges Herz aufnahm, und verleihe mir die Gnade, daß ich in Zukunft mit besserer Vorbereitung und innigerer Andacht deinem Tische mich nahe und dich empfange, der mit dem Vater und dem heiligen Geiste gelobt und gepriesen sei in alle Ewigkeit. Amen. Meßgebete nach der heiligen Kommunion. Vorbereitungsgebet. Sk llmächtiger, ewiger Gott, in tiefster Demuth werfe ich mich nieder vor deiner göttlichen Majestät, um dich mit schuldigster Ehrfurcht anzubeten und der Erneuerung jenes großen Opfers beizuwohnen, welches einst dein eingeborner Sohn auf dem Kalvarienberge zum Heile der ganzen Menschheit und auch für mich deiner strengen und heiligen Gerechtigkeit dargebracht hat. Vater im Himmel! also hast du die Welt geliebt, daß du deinen Eingebornen hingabst für uns Sünder, und dein göttlicher, geliebtester Sohn hat uns arme Menschenkinder so sehr geliebt, daß er freiwillig unsere Schuld auf sich nahm, den Thron seiner Herrlichkeit verließ und sich in das sterbliche Gewand eines Menschen hüllte, um für uns das bitterste Leiden, den allerbittersten Tod auf sich zu nehmen und unsere Schuld zu fühnen! O gütigster Bater, was kann ich für so große Liebe und Gnade dir geben? Welchen Dank soll ich dir darbringen? Siehe, das Werk so großer, unendlicher Liebe, welches in diesem heiltgen Opfer zu deiner Ehre und zum immerwährenden Andenken an Jesum Christum, deinen Sohn und Magpa * UVUVI 10-1 112 Meßgebete nach der unsern Erlöser erneuert wird, opfere ich dir auf als ein Dankopfer für alle mir erwiesenen Gnaden und Wohlthaten, absonderlich für die allergrößte Gnade, für den süßesten Genuß des heiligsten Fleisches und Blutes beines göttlichen Schnes, welcher heute mit seiner liebreichen Heimsuchung mich begnadet hat. Nimm gnädig hin dieses Dankopfer durch die Hände deines eingebornen Sohnes, an dem du dein Wohlgefallen hast, und verleihe mir die Gnade, daß ich seinem heiligsten Opfer mit herzlicher Andacht und zum Heile meiner Seele beiwohnen möge. Amen. Vom Stufengebet bis zum Offertorium. Ach, barmherzigster Bater! bas Bewußtseyn meiner Schuld und die Last meines Elendes liegt schwer auf mir und drückt mich nieder; ich wage kaum die Augen von Ferne zu deinem Heiligthume zu erheben. Darum schlage ich mit dem öffentlichen Sünder an meine Brust und seufze mit ihm: ,, Herr, Gott! ſei mir armen Sünder gnädig!" Jesus, dein göttlicher Sohn, opfert sich für mich. Er, das Opfer und der Opferpriester bittet für mich, wie er einst am Kreuze für seine Peiniger und für uns Sünder alle gebetet hat. Darum, o himmlischer Vater, verschone mich und richte mich nicht nach meinen Werken; verleihe mir den Geist der Buße und um deines Namens und dieses heiligen Opfers willen tilge aus meine Missethaten!- Verherrliche an mir deine Barmherzigkeit und um deiner Güte willen- denn Verdienste habe ich ja teine- laß dir wohlgefallen, daß ich dir die Verdienste deines geliebten Sohnes, Jesus, darbringe, der für mich am Kreuze verblutet hat!- Göttlicher Heiland, Jesus Christus! du unser Mittler bei deinem himmlischen Bater, tu unser Leh heiligen Kommunion. 113 rer, unser Arzt und unser Hirt, du hast gesagt:" Ich bin gekommen, zu suchen, was verloren war; zu heilen, die gebrochenen Herzens sind," ach, deine Güte und deine Allmacht ist noch immer dieselbe, wie sie war, als du auf Erden wandeltest. Oheile meine franke Seele, du himmlischer Arzt, heile sie von ihrer Taubheit, auf daß sie dein Wort höre und verstehe, heile ihre Blindheit, daß sie erkenne, was ihr zum Frieden dient. O guter Hirt Jesus, du bist mir unverdrossen nachgegangen und hast mich heimgesucht und mit deinem eigenen Herzblute genährt; o, ich bitte dich, laß mich immer dein treues Schäflein bleiben, laß mich nicht deiner Hand entreißen und ein Raub meiner Feinde werden! Weide mich mit deiner Gnade, führe mich mit deinem Stabe, speise und nähre mich mit deinem Himmelbrode. O ewig getreuer Hirte meiner Seele, wie viel hat es dich ge= kostet, um mich vom ewigen Verderben zu erretten, und was thust du noch immer, um mich nicht verloren gehen zu lassen! Herzinniglich danke ich dir für alle Gnade und Liebe, die du mir erwiesen. O Jesus, du ewiges Licht der Wahrheit, wie hell leuchtest du mir vor durch dein Wort und Beis spiel. Ach, daß ich dir, dem wahren Lichte, immer gefolgt wäre! O vergib mir meinen Leichtsinn, mit dem ich die Finsterniß, die in der Welt herrscht, mehr geliebt als das Licht, das von dir ausgeht und in deiner heiligen Kirche immer flammet. O laß mir dieß Licht fürderhin leuchten auf meinem Lebenswege!- O Jesus, du guter Herr, du Herr voll der Liebe und des Erbarmens, du reicher, überaus mächtiger Herr! siehe, dein armer Knecht( deine arme Magd) liegt ehrfurchtsvoll vor deinen Füßen und stimmet 8 TEATRAL JUN 114 Meßgebete nach der ein in das Lob und den Preisgefang, den dir die Engel und Heiligen im Himmel und die streitende Kirche auf Erden anstimmen und erschallen lassen immerdar im Himmel und auf Erden. Ja, dir sei Ehre, dir sei Lob, dir sei Macht und Kraft und Herrlichkeit in alle Ewigkeit. O daß doch alle Men schen dich als ihren König und Herrn erkenneten und ehreten! Ja, o Jesus! du bist mein Herr! Sch rechne mir es zur höchsten Ehre und Gnade, dein Knecht( deine Magd) zu seyn. Dir will ich dienen; dir opfere ich meinen Willen, meine Freiheit, Alles, was ich bin und habe. O, ewiger Dank sei dir, daß du mich zu deinem Dienste berufen hast. Einen so guten, so liebreichen, so barmherzigen Herrn gibt es nimmermehr! Wo ist ein Herr, der für seinen ungetreuen Knecht stirbt des schmerzlichsten, verächtlichsten Todes: wo ist ein Herr, der seinen Knecht mit seinem eigenen Fleische und Blute speiset, wie du, Jesus, mein Herr und mein Gott! O tausendmal Dank für so viele underdiente Gnade, für so große Liebe und Huld! O mein Jesus! laß mich aus deinem Dienste nicht treten; gib nicht zu, daß ich dir die Trene breche, die ich dir in der heiligen Taufe gelobte!- Unter deiner Kreuzesfahne, zu der ich geschworen, will ich streiten bis zum Tode, und durch dich hoffe ich auch zu siegen, und die Krone zu empfangen, die du deinen treuen Dienern verheißen hast. Amen. - Vom Offertorium bis zum Sanctus. doi Herr, allmächtiger Gott! siehe mit gnädigen Augen herab von deinem Throne auf das reine Opfer, welches dir der Priester jetzt darbringt. Mit dieſen Opfergaben von Brod und Wein vereinige ich Alles. heiligen Kommunion. 115 was ich bin und habe, vor allem mein Herz In Demuth und Reue lege ich es auf den Altar. Ach es ist unwerth, mit Sünden befleckt, du kannst kein rechtes Wohlgefallen an ihm haben. Darum will ich es in den Selch des Heils versenken, daß es gereinigt werde durch jene Kraft der göttlichen Liebesquelle des Blutes meines Erlösers, welches zur Vergebung der Sünden gefloffen ist.- O Jesus, was ist das Opfer meiner selbst, was ist das Leben, was sind die Gaben aller Menschen gegen das Opfer, welches du vollbracht hast am Kreuze und täglich erneuerst auf dem Altare! Du bist Gott und Mensch zugleich, dein Opfer ist ein göttliches, an unendlichen Verdiensten reich, das reinſte und heiligste, das gnadenreichste und vollgiltigste.- was wäre ich, was wäre die ganze Welt ohne dieses Opfer! Darum Dank, ewig Dank dafür, daß du dich für uns, o Jesus! so liebreich geopfert haſt am Kreuze, und dieses Opfer der Liebe fortsetzest in der heil. Wiesse bis zum Ende der Tage! Nun darf ich doch hoffen, daß auch das Opfer meines Herzens dein himmlischer Vater um deinetwillen nicht verschmäht: nun darf ich hoffen, daß mein Flehen um Gnade und Erbarmen, um Versöhnung und Vergebung nicht vergeblich sehn wird! Durch dich kommt Alles zum Bater; du bist mein mächtigster Fürbitterbei seinem Throne; du zeigst ihm deine hl. Wunden, welche du um unseres Heiles willen empfangen, und bein himmlischer Vater spricht aus das trostvolle Wort: Vergebung! - O welch ein Trost liegt in diesem Glauben an dein Mittleramt, o Jesus! O wenn ich dich nicht hätte, wenn du mein Jesus nicht wärest, wie jammervoll elend wäre ich! Ja wahrhaftig, mit dir hat uns 8* - 116 Meßgebete nach der dein himmlischer Vater Alles geschenkt! Gnade über Gnade, und durch dich, durch deine Hände, nimmt er Alles, auch das kleinste Opfer wohlgefällig an.O mein Jesus, hilf mir nur, daß mein Leben fortwährend ein Opferleben sei; daß ich im Glauben an dich und in der Liebe zu dir jede Stunde meines Lebens deinem himmlischen Vater zum Opfer darbringe, daß ich nicht müde werde, meine verkehrten Neigungen, meine Anhänglichkeit an die Welt, die Ausschweifung meiner Sinne, die Begierlichkeit meines Herzens immerfort zu schlachten und zu ertödten. Hilf mir, daß ich mein Fleisch sammt seinen Lüsten immer freuzige, daß kein Tag vergehe, wo ich nicht. sagen kann: Ich habe meinem Herrn und Gott ein Opfer gebracht. Diesen meinen aufrichtigen Willen, mich vollkommen deinem himmlischen Vater zum Opfer zu bringen, lege ich jetzt auf den Altar in die Hände deines Priesters, der deine Stelle vertritt, und bitte dich herzinniglich, du wollest deinen himmlischen Vater vermögen, daß er meinen guten Willen gnädig ansehen, und in Gnaden aufnehmen möge. Amen. 1 Vom Sanktus bis zur Wandlung. Allmächtiger, ewiger, barmherziger Gott! ich armselige Kreatur werfe mich schweigend vor deinen Füssen nieder, und bete dich in tiefster Ehrfurcht an mit der Schaar deiner heiligen Engel und bringe deiner unendlichen Majestät dar die Huldigung meines Herzens und den innigsten Dank für die Gnaden, die du mir von Kindheit an und besonders heute in der heil. Kommunion erwiesen hast. Mit deiner heil. Kirche rufe ich laut: Ja, es ist billig und heilsam, dir Dank zu sagen für Alles, was du in unend heiligen Kommunion. 117 licher Huld mir geschenkt hast. Ach, ich finde keine Worte, dir meinen Dank auszudrücken, und wenn ich auch tausend Zungen hätte, so könnte ich dich nicht genug loben und preisen, dich, den heiligen, starken, unsterblichen Gott. Doch, ist auch meine Sprache arm, so will ich dennoch einstimmen in den Lobgefang der heiligen Engel, und aus tiefstem Herzensgrunde rufen: — Gepriesen seist du Herr, Gott, unser Vater! Dir gebühret Lob und Ruhm in Ewigkeit! Und gepriesen sei der Name deiner Herrlichkeit, welcher beilig ist, und welchem Ruhm gebühret in Ewigkeit! Gepriesen seist du im heil. Tempel deiner Majestät! dir gebührt Lob und Ruhm in Ewigkeit! Gepriesen seist du auf dem heil. Throne deines Reiches! dir gebührt Lob und Ruhm in Ewigkeit! Gepriesen seist du in der Beste des Himmels! Dir gebührt Lob und Ruhm in Ewigkeit! Dich sollen preisen alle deine Engel und Heiligen! dich loben und verherrlichen in Ewigkeit! Dich preise der Himmel, die Erde, das, Meer, und Alles, was in ihnen ist; und lobe und verherrliche dich in Ewigkeit! Heilig, Heilig, Heilig ist der Herr, Gott, Sabaoth, Himmel und Erde sind voll seiner Herrlichkeit! O Seele, erfreue dich und juble; siehe, die Herrlichkeit deines Gottes thut sich fund. Die Himmel öffnen sich, es steigt nieder auf den Altar der Gesegnete im Namen des Herrn. Es steigt nieder von seinem Throne der Eingeborne des Vaters, voll der Gnade und Weisheit, um das Opfer der Liebe zu vollbringen für dich! Hosanna dem König der Könige, dem Könige der Herrlichkeit! Hosanna dem Lamme, 118 Meßgebete nach der das von Anbeginn geschlachtet ward für die Sünden der Welt. Lob, Preis, Ehre und Dank für seine Liebe in alle Ewigkeit! Die hochheilige Wandlung. dwie groß ist deine Liebe und Güte, mein Jesus! welches Herz kann ihre Größe fühlen, welcher Verstand sie erfassen! Du, der ewig heilige, allmächtige Gott, wandelst das Brod in deinen hochheiligen Leib, und den Wein in dein hochheiliges Blut; legeft ab alle deine Schönheit, deine Herrlichkeit, und unter den Gestalten des Brodes und Weines opferst du dich für mich! O Liebe, o Liebe meines Gottes! wie unaussprechlich groß bist du! O mein Jesus! du wahrer Gott und Mensch, der du am Kreuze erhöhet bist worden, ich glaube an dich; ich bete dich an als meinen gegenwärtigen Gott und Heiland im allerheiligsten Saframente! O Jesus, dir lebe ich! bir sterbe ich; dein bin ich todt und lebendig! Du allerheiligstes Blut meines Erlösers, das einst vom Stamme des Kreuzes, floß für alle Sünder, ich bete dich an und flehe mit zerknirschtem Herzen, reinige mich von allen Sünden! O Jesus, tir lebe ich! o Jesus, dir sterbe ich; o Jesus, dein bin ich todt und lebendig! Nach der Wandlung bis zur Kommunion. Nach Mein Herzgeliebter Heiland, Jesus! du bist also wahrhaft, wirklich und wesentlich gegenwärtig auf dem Altare unter den Gestalten des Brodes und Weines. Im Lichte des Glaubens sehe ich dich unblutiger Weise das geheimnisvolle Opfer vollbringen; ich sehe dich als Opferlamm auf dem Altare, und- heiligen Kommunion. 119 - höre dich rufen zum Himmel um Versöhnung und Gnade. Das Blut des gerechten Abels schrie um Rache zum Himmel, aber bein heiligstes Blut schreit um Erbarmen zu deinem Vater! Wie unendlich groß ist doch deine Liebe! Aber nicht bloß ein Opfer der Versöhnung bist du, o Jesus, auf dem Altare, sondern auch ein Opfer des Dankes. Wie trostvoll ist dieß! Ach, wie könnte ich wohl deinem himmlischen Vater wohlgefällig Dank sagen für alle die unzähligen Gnaden und Gaben, die er mir vom ersten Augenblicke meines Lebens bis zur Stunde erwiesen hat. Seine unendliche Güte hat mich stets umgeben, hat mich auf den Händen getragen und mich keinen Augenblick verlassen. Die allergrößte Gnade aber, das allerreichste Geschenk hat er mir mit dir, o Jesus! erwiesen und gegeben. Er hat dich auf die Erde gesandt, hat dich Mensch werden lassen und dich, seinen allerliebsten Sohn, dem bittersten Tode preisgegeben, und das Alles that er für mich! Aber seine Liebe ging noch weiter! Er wollte meine Seele mit sich vereinigen; sie sollte Eins werden mit ihm, wie du mit ihm Eins bist. Um dieß wunderbare Geheimniß zu vollbringen, wollte er, daß dein heiligstes Fleisch und Blut die Speise meiner Seele werde! O unendliche Huld, o Gnabe über Gnade! Heute, o Jesus, bist du bei mir eingefehrt, heute hat dich mein himmlischer Bater mir ganz geschenkt, heute hat er mich mit deinem heiligsten Fleisch und Blut genährt! Wie trostvoll ist es nun für mich, daß ich deinen himmlischen Vater durch dich, o Jesus, das vollkommenste Dankesopfer darbringen kann, daß die Danksagung meines unwürdigen Herzens durch dich zum Throne meines Baters gelangt! 1- -- SUPERIOR 120 Meßgebete nach der heil. Kommunion. du So siehe denn, gütigster Vater! gnädig herab auf das Opfer beines eingebornen Sohnes, und würdige dich in Vereinigung mit den Danksagungen, die er dir vom Altare aus darbringt, meinen geringfügigen Dank anzunehmen. Ich fühle, daß ich dir Alles, was ich bin und habe, schuldig bin; daß, wenn ich auch tausend Leben hätte, ich sie dir zum Opfer bringen müßte. Aber ich weiß, daß es dir am Leben deines Eingebornen genügt, und daß du um dieses heiligen Opfers willen, das dein göttlicher Sohn barbringt, meinen guten Willen nicht verschmähest. O gib mir nur, himmlischer Vater, um Jesu, deines Sohnes willen, die Gnade, daß ich dich immer über Alles liebe, Alles aus Liebe zu dir thue und leide, und in dieser Liebe sterbe. Amen. Von der Kommunion des Priesters bis zum Ende der heiligen Messe. Gütigster, liebreichster Jesus! gnadenvoll bist du in das Herz deines Priesters eingegangen, und hast ihn genährt zum ewigen Leben. Auch mir hast du heute die nämliche hohe Gnade erwiesen; auch meine Seele hast du heimgesucht. Ich kann nicht aufhören dir für diese liebevollste Herablassung zu danken, dich dafür zu loben und zu preisen! Ich weiß nicht, wie ich das Gefühl des innigsten Dankes, welches mein Herz bewegt, ausdrücken, wie ich dir meinen Dank beweisen soll. Doch ja, ich weiß, daß ich dir feine bessere Danksagung machen kann, als wenn ich den heiligen Willen deines himmlischen Vaters in Allem vollbringe, dir getreulich nachfolge und dein heil. Beispiel nachahme. Und das will ich auch thun, dazu bin ich vom Herzen bereit. Ich will von nun an, o Jesus, in deine heil. Fußstapfen treten; all die Nachmittagsandachten für den Kommuniontag. 121 heil. Tugenden, welche du auf Erden geübt, will ich nach Kräften üben. Ich will in aller Demuth wandeln vor deinem Angesichte; ich will mich im Gehorfame gerne Jedermann, besonders meinen Vorge= etzten unterwerfen; ich will sanftmüthig und friedfertig gegen alle Menschen seyn; jedes Leid, jede Widerwärtigkeit geduldig tragen; alle Menschen ohne Ausnahme lieben, und wo ich nur immer kann, Barmherzigkeit an ihnen üben.- Du leuchtest mir voran, o Jesus, ich folge dir. Bei allen meinen Gedanken, Worten und Werken will ich mich fragen: ,, Würde mein Jesus dieß denken, würde er dieß reden, würde er dieß thun?" Deinen heil. Einsprechungen will ich dann willig folgen, und so in Allem deinen heiligen Willen erfüllen.- Aber, o mein Jesus, du fennest meine Schwäche, meine Unbeständigkeit, meinen Leichtsinn. O komme mir mit deiner Gnade zu Hilfe. Segne meine guten Vorsätze, die ich jetzt, die ich bei der heiligen Kommunion gemacht, und hilf mir sie ausführen zu deiner Ehre und zu meinem Heile. Amen. Nachmittags- Andachten für den Kommuniontag. 8 wird dir, gottliebende Seele, nicht genügen, gleich nach der bl. Kommunion deinem göttlichen Heilande die gebührende Danksagung dargebracht und die schuldige Anbetung und Verherrlichung erwiesen zu haben, sondern es wird dich auch die Liebe drängen, Nachmittags Jesum Chriftum im heiligsten Sakramente zu besuchen und ihm deine Huldigung darzubringen. Die lieben Heiligen haben ungemein gerne vor dem heil. Tabernakel verweilt, ja ganze Nächte haben sie dort in heil. Liebesergießungen zugebracht. Dringend mahnt hiezu der heil. Alphons Liguori, und ruft aus: Wisse, daß die Zeit, bie du mit Andachtsübungen vor une par 122 Nachmittagsandachten für den Kommuniontag. dem allerheiligsten Sakramente zubringest, nicht beffer angewendet werden kann, und dich in der Todesstunde, ja die ganze Ewigkeit hindurch am meisten trösten wird." Säume also nicht, diese Gott so wohlgefällige Andacht zu üben; suche deinen Jesus heim in der Kirche und koste und siehe, wie süß der Herr ist! Kannst du in die Kirche nicht gehen, so vereinige dich zu Hause mit allen Heiligen und frommen Seelen im Geiste, begib dich an einen einsamen Ort, und hingewendet zur Kirche bete deinen lieben Heiland an. Diese Uebung der Anbetung des heiligsten Sakramentes mache auch in der Woche hindurch öfters des Tages durch fromme Liebesseufzer und Schußgebetlein, oder auch des Nachts, wenn du zu Bette geheft, und verbinde damit auch die geistliche Kommunion. Die geistliche Kommunion besteht nach der Lehre des heiligen Thomas in einer brennenden Begierde, Jesum im allerheiligsten Sakramente zu empfangen und in einer liebevollen Vereinigung mit ihm, als ob man ihn wirklich empfangen hätte. Diese fromme Uebung der geistlichen Kommunion wird von allen Geisteslehrern und vom heiligen Kirchenrath von Trient ganz besonders empfohlen. Sie ertheilt fast ähnliche Gnaden wie die wirkliche Kommunion und ist ein sehr gutes Mittel, sich auf die wirkliche vorzubereiten. Daher haben auch heilige Seelen dieselbe fleißig geübt und große Gnaden erlangt. Die hl. Katharina von Siena konnte einst wegen Krankheit nicht kommuniziren; doch, vom brennenden Verlangen ergriffen, wohnte sie dem heil. Meßopfer ihres Beichtvaters Raymund bei, ohne daß dieser davon wußte. Als dieser kommunizirte, bemerkte er, daß ein kleiner Partikel der heiligen Hostie abgehe. Vergebens suchte er darnach, worüber er sehr traurig wurde. In einem Gespräche aber, welches er bald darauf mit der heil. Katharina hielt, bekannte ihm diese, wie Christus ihre Begierde nach der heiligen Kommunion gestillt, und ihr den heil. Partikel gereicht habe. Siehe, christliche Seele! wie wohlgefällig Jesum das Verlangen nach der heil. Kommunion ist! Befolge daher die Mahnung des heil. Alphonsus, welcher will, daß man bei jeder Besuchung des heiligsten Sakramentes, sowie auch bei jeder heil. Messe und wenigstens einmal des Tages geistlicher Weise kommunizire. Die hl. Theresia sagt:„ Die geistliche Kommunion ist sehr vortheilhaft; unterlaffe sie nicht; denn daraus erkennt der Herr, wie sehr du ihn liebst." - 123 nalizion Gebete und Betrachtungen vor dem hochwürdigsten Gute. Gelobt und ewig dankbar gepriesen sei Jesus Christus im allerheiligsten und göttlichsten Sakramente des Altars.*) Erste Betrachtung. Es schweige alles Fleisch vor dem Herrn, denn er erhob sich von seinem heiligen Tabernakel." 3ach. 2, 13. Niedergeworfen vor dir im Staube, allmächtiger Gott, und durchdrungen von Ehrfurcht, bete ich dich an und flehe zu dir, Geist des Herrn! daß du mein Herz reinigest und heiligest, und mir verleihest bie Gabe der Andacht, der Liebe und Furcht. Gepriesen seieft bu, Bater unsers Herrn Jesu Christi, daß du mich diesen Tag hast erleben lassen, an dem so große Dinge meiner armen Seele sind erwiesen worden im göttlichen Mahle! Ach, befreie mich in dieser Andachtsstunde von allen irdischen Fesseln, auf daß mein Geist sich ungehindert aufschwinge zu dir; gebiete Ruhe und Stille allen meinen Gedanken und Einbildungen, daß ich mit gesammeltem Gemüthe in Vereinigung mit allen seligen Geistern dich lobe und verherrliche! Gepriesen seist du, Herr Jesus Christus, mein liebreicher Erlöser im heiligsten Sakramente! Segne mich beim Beginne meines Gebetes, und laß dir *) Papst Pius VI. verleiht allen Christgläubigen einen Ablaß von hundert Tagen, wenn sie diesen Lobspruch mit reuigem Herzen sprechen; und denen, welche ihn einen Monat lang täglich gesprochen haben, einen vollkommenen Ablaß an einem beliebigen Tage, wenn sie beichten, kommuniziren und das Ablaßgebet verrichten. KITC 124 Nachmittagsandachten gefallen die Ergießungen meines Herzens, das dich liebt und dich über Alles lieben möchte.- O du Trost und Ziel meiner Pilgerfahrt auf dieser Erde voll der Mühsale und der Leiden; mein Herz sehnt sich nach dir! Eine Einöde ist die Welt ohne dich. Fern von der Heimath wandle ich in einem Lande, das ein Verbannungsort für jede Seele ist, die dich liebt, o Herr! Ohne dich, o Jesus, du lebendiges Himmelsbrod, muß ich verschmachten auf dem Wege, der zur Heimath führet, wo du thronest in ewiger Schönheit und Herrlichkeit. Wie dürstet meine Seele nach dir, o mein Gott, ach, wann wird sie auf immer mit dir vereiniget sehn!- O Jesus, du König des Himmels! siehe, ich klopfe vertrauensvoll an der Thüre deines liebreichsten Herzens, das von Erbarmen überfließt. Du hast ja versprochen, daß dem Klopfenden aufgethan werde. Du liebtest mich ja eher, als ich war; du riefest mich in's Leben, und führtest mich bis zur Stunde an deiner gnadenvollen Hand. Ein barmherziger Hirt stiegest du vom Himmel herab, um mich, das verlorne Schäflein, aufzusuchen und auf gute Weide zu geleiten. Und die Speise, die du mir reichtest, war und ist dein heiligstes Fleisch, und der Trank, den du mir gabest, war und ist dein heiligstes Blut! Und damit ich immer von dieser Himmelsspeise essen und von diesem Himmelstranke trinken könne, weilest du Tag und Nacht im Tabernakel, und ladest mich ein zu kommen und das Mahl der Liebe zu halten mit dir!- Liebe meines Gottes! sei ewig gepriesen! Mit deinen heil. Engeln, welche dich hier im heil. Sakramente umgeben und deren ewige Wonne du bist, bringe ich dir die tiefste Huldigung dar, du ewiger Erbarmer! O gib meinen Augen Thränen, um in Liebesreue und am Kommuniontage. 125 heiliger Freude über deine liebevolle Gegenwart zu weinen wie viele fromme Seelen! Ogib mir, wie ihnen, Flügel der reinsten Andacht und glühender Liebe, um, alles Irdische vergessend, zu dir mich aufzuschwingen, der ewigen, einzigen Liebe! O mein Jesus! siehe, ein dürres, wasserloses Erdreich ist meine Seele vor dir. Ich seufze unter der Last vielfacher Gebrechen, die meinen schwachen Willen nicht walten lassen nach deinem heiligsten Willen. Zahllose Gedanken, unordentliche Triebe und Gelüste brechen aus dem Hintergrunde meines Herzens hervor und betäuben und verwirren meine Seele, daß sie deine Stimme nicht kann vernehmen. O mein Erlöser, erhebe dich von deinem heil. Tabernakel und komme deinem armen Geschöpfe zu Hilfe. Sprich ein Wort, und es wird stille, schweigen wird mein Fleisch mit seinen Gelüsten, zerstreuen werden sich die Uebel, welche mich umgeben.O reinige die Augen meines Gemüthes, daß sie schauen und kosten, wie lieblich du bist, mein Gott und Heiland! Denn darum weilest du, unser Alles! in den heiligen Gestalten des Sakraments, auf daß du die Sehnsucht und das Flehen der Seelen erhörest, die zu dir, ihrem göttlichen Heiland, sich flüchten und sie tröstest, aufrichtest, stärkest und heilest. Daß du sie erfüllest mit heiligem Verlangen nach ihrer Bestimmung, der Vereinigung mit dir und deinem Bater und dem heil. Geiste im Himmel, und sie erleuchtest mit deinem Lichte, damit sie den Weg finden durch das dunkle Thal des Erdenlebens zum Lichte deiner Herrlichkeit und seligen Anschauung im himmlischen Baterlande! O mein Heiland! siehe, in tiefster Demuth und Herzlicher Liebe kniee ich vor dir und bitte dich, nimm meine Huldigung und mein Seufzen gnädig auf in - 126 Nachmittagsandachten dein heiligstes, göttliches Herz, und entlaß mich nicht ohne ein Wort des Trostes. D lebendiger Abglanz des ewigen Vaters! erleuchte die Augen meines Geistes, daß ich dich erkenne, damit ich dich lieben und dir würdig danken könne. O ewige Liebesglut meines Jesus, verwunde mein Herz und verbrenne und vernichte darinnen alle irdische Liebe, und mache mir zum Eckel Alles, was von der Welt ist. Ich verlange einzig nach dir, o Jesus ,, du allerschönster, lieblichster Herr, du süsseste Wonne guter Herzen, nach dir seufze ich und begehre ich, bis ich unzertrennlich mit dir vereiniget werde und bleibe in ewiger Liebe. Amen. Zweite Betrachtung. " Sehet, ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt." Matth. 28, 20. Mit ehrfurchtsvollem Erstaunen blicke ich anbetend auf zu dir, o du Krone der höchster Wunder Gottes, heiligstes Sakrament! Erstaunliche Wunder wirkte einst deine Allmacht, o Herr, auf daß offenbar würde deine Gottheit den Menschen. Aber durch ein noch größeres Wunder verbirgst du hier unter dem Schleier des tiefsten Geheimnisses deine Gottheit und Menschheit, um das Verdienst unseres Glaubens zu vermehren, um uns alle Furcht vor dir zu nehmen, und unsere Herzen mit heiliger Liebe und findlichem Vertrauen zu erfüllen. Wer würde sich wohl dir nahen, o Herr, wenn du in der Fülle deiner göttlichen Majestät, im Glanze deiner Herrlichkeit auf dem Altare sichtbar wärest! Wer würde deinen Anblick ertragen können, wer würde nicht vor Furcht vor deiner unendlichen Glorie vergehen! Wer würde es wagen, mit findlichem Vertrauen dir zu nahen! - am Kommuniontage. 127 Darum hast du, unsre Schwäche fennend, die strahlende Majestät deiner Gottheit abgelegt und weilest unter uns im Tabernakel unter den unscheinbaren Gestalten des Brodes, damit keine Seele sich fürchte vor dir, und alle, groß und klein, arm und reich, mit findlichem Vertrauen sich dir nahen und ihre Anliegen dir flagen; ihre Liebe dir bezeugen, ihre Huldigung dir darbringen können!- O gütigster Erlöser! auf wie vielfache Weise gibt sich deine Liebe fund, und wie kann man diese anendliche Liebe betrachten, ohne sich in die größte Bewunderung zu verlieren und in heißester Gegenliebe entflammt zu werden! Was suchst du denn noch in diesem Thale der Thränen, wo die undankbaren Menschen dir bei deiner Geburt einen elenden Stall und eine Krippe mit Stroh anboten, wo du verachtet, verfolgt, beschimpft, mit Stricken gefesselt, gegeisselt, gefreuzigt wurdest und zwischen zwei Mördern am Kreuze hangend, dein Leben aushauchen mußteſt? Wie magst du, eingegangen in deine Herrlichkeit, dennoch unter Sündern verweilen, die Tag und Nacht dich beleidigen? Wie magst du bei den Blinden wohnen, die deine Wohlthaten nicht kennen wollen, und keinen Sinn haben, die Wunder deiner Liebe zu schauen? Bei den Tauben, die deiner Stimme das Ohr verschließen und dein heil. Wort verachten; bei den faulen und feigen Knechten, die dich mehr betrüben als sie dir dienen? Du fenneſt unsern Undank, unsere Lieblosigkeit, unsere Bosheit, unsere Verstecktheit, unsere Sünden ohne Zahl, unsere Armseligkeit, und dennoch weilest du Tag und Nacht unter uns; und gerade unser Elend, unsere Schwäche, unsere Sündhaftigkeit zwinget deine Liebe bei uns zu bleiben bis an's Ende, ob etwa eine 128 Nachmittagsandachten Seele sich zu dir bekehre, dich liebe und dir einigen Ersatz für so viel Schmach gewähre, welche von den Sündern dir zugefügt wird, die deine Liebe lästern und läugnen! O göttliche, unbesiegbare Liebe, was ist wohl mit dir zu vergleichen! O kommet herbei, ihr so theuer mit dem Blute des Herrn erkauften Seelen, und betrachtet die uner= schöpfliche Liebe eueres Gottes! Höret, wie er, der unendlich Gütige, der Allbarmherzige, der Allmächtige, höret, wie er so zärtlich, so liebevoll ruft: Kommet alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ichh will euch erquicken!" Höret, wie die göttliche Weisheit spricht: Kommet, und esset von dem lebenspendenden Brode, das ich euch bereitet, und trinket von dem Weine, den ich euch gemischt habe!" Sehet, wie die ewige Liebe drängt, ruft und verheißt ewiges Leben Allen, welche bei ihrem göttlichen Mahle erscheinen! O, wie tief durchdrang diese holdselige Stimme vie Herzen deiner Heiligen, o Jesus! Gleich dem dürstenden Hirsche nach der frischen Quelle eilten sie zu deinem heil. Gastmahle. Doch, was beklage ich andere, bin ich doch selbst so lau, so gleichgiltig, so kalt gegen deine Liebe, o Herr, und wanke hin und her, ob ich deiner Stimme gehorchen foll! Du rufst so laut, o Herr, du klopfest an mein Herz, und ladest mich ein, dich zu besuchen, und Gnade über Gnade aus deiner Hand zu empfangen, und ich zögere zu kommen. Eine Stunde wird mir in deiner lieblichen Gegenwart schon zu lange, und im Augenblick ist schon meine Liebe erschöpft, meine Andacht dahin! Ach, wie armselig ist doch das Menschenherz! O Herr, mein Gott! erbarme dich meiner, und komme meiner Noth zu Hilfe! Wandle um meine am Kommuniontage. 129 Schwäche in Stärke, meine Lauheit in heiligen Eifer, meinen Kaltsinn in flammende Liebe. O verwunde mein Herz mit den Pfeilen deiner Liebe, wie du einst das Herz deiner heil. Dienerin Theresia berwundet hast, daß es nur für dich glühe, nach dir allein verlange und seufze, und in lebendiger, glühender Andacht mich dir vollkommen ergebe. Amen. Dritte Betrachtung. „ Siehe, mein Geliebter steht hinter der Wand, er blickt durch das Fenster und sieht durch das Gitter." Hohel. 2, 9. Wunderbar, o Jesu! sind die Wege deiner Barmherzigkeit, auf welchen du gnadenvoll zu unsern Herzen gelangen, sie an dich ziehen, an dich fesseln und mit den Gaben deiner Liebe bereichern und beseligen willst. Am Throne deines himmlischen Baters bist du der mächtigste Fürbitter für uns, aber zu weit entfernt bist du von uns dort im Himmel, während wir auf dieser Erde wallen in Jammer und Noth und allerlei Elend. Da steigest du in unendlicher Liebe herab alle Tage, ja jebe Stunde des Tages und der Nacht, auf unsere Altäre, um uns nahe und das Opfer der Versöhnung, der Anbetung, des Dankes und des Bittens für uns zu seyn. Aber auch diese gränzenlose Herablassung und Verdemüthigung genügt deiner Liebe nicht; du willst immer, jeden Augenblick bei uns seyn, du willst mitten unter uns wohnen wie ein Vater unter seinen Kindern, wie ein Freund unter Freunden! Wir sollen dich haben und besitzen ganz und gar, mit deiner Gottheit und Menschheit, mit Leib und Seele, mit all deinem Verdienst, mit dem ganzen Reichthum deiner Liebe, mit allen Schätzen deiner Gnade im heiligsten Sa9 Nachmittagsandachten kramente. Gleichsam wie ein Gefangener, gejeffelt von den Banden der Liebe, weilest du im Taberitakel. Dort dich schauend ruft die Braut im hohen Liebe, deine heilige Kirche, staunend aus: ,, Siehe, mein Geliebter steht hinter der Wand; er blickt durch das Fenster und sieht durch das Gitter." Wer anders ist diese Wand, hinter der du weilest, o Jesus, als der Tabernakel, er mag von Holz, von Gold oder Silber seyn; und wer ist dieß Fenster und Gitter, durch welche du blickest, als die Hülle des Brodes, unter der du deine Gottheit und Menschheit. verbirgst, und auf uns herniedersiehst?! Deine Augen sehen es genau, ob ich dich liebe, in welcher Treue ich dich suche, und vor dir wandle. Du siehst bis auf den tiefsten Grund meines Herzens, und kennst alle seine Neigungen. Aber ich sehe dich nicht, verhüllt ist deine süße Schönheit meinen Augen, die Wand der Brodsgestalt verbirgt sie mir. Doch wenn auch mit leiblichen Augen ich dich nicht sehe, der Glaube lehrt es mich, daß du da bist im Tabernakel; ich fühle deine Nähe. Du bist da so stille; heilige Ruhe herrscht im Orte deiner Wohnung, du scheinest gleichsam todt zu seyn, mein Jesus, du regest und bewegest dich nicht, und doch bist du das Leben und alles Leben strömt von dir, und ohne dich lebt nichts und bewegt sich nichts. In dir leben, schweben und sind wir. TOT Mitten unter den 130 - Menschenkindern wohnend, hörest du unsere Gespräche, bist Zeuge unseres Wandels, unserer Arbeit, unserer Sorgen und Kümmernisse, unserer Leiden und Trübsale, unserer Bersuchungen und Kämpfe. Du siehst, wie die Einen mit inniger Andacht beten, die Andern dich lästern; wie die Einen dir Alles zur Ehre thun, die Andern am- Kommuniontage.. 131 deiner ganz vergessen; wie die Einen dir danken für jegliche Gnade, die Ändern kaltsinnig deine Gaben gebrauchen und oft zu deiner Beleidigung mißbrau- g chen. Du siehst, wie die Einen in die Kirche fommen und deinem heiligen Tische sich nahen mit heiliger Inbrunst, Andere mit Lauigkeit und wieder Andere mit ruchlosem Gewissen, mit Sünden beladen! Und du, o wunderbarer Gott! wohnest in heiliger Ruhe und Stille im Tabernakel, und gibst weder dein Wohled gefallen an der Liebe der Einen, noch dein Mißfallen an dem Undank der Andern durch irgend ein Zeichen zu erkennen. Nichts vermag die Stille und den Frieden deines Heiligthums zu stören! Die Liebe, nur die Liebe hält dich gefangen; die Liebe ist es, die dich, das lebenspendende Leben, gleichsam todt macht, ein Schlachtopfer für uns arme Sünder! pin O wunderbarer Gott, o ewige Weisheit! laut ruft mir dein Stillschweigen, deine regungslose Ruhe in das Ohr meiner Seele: Sterben soll ich lernen von dir! Ja sterben soll ich in der Welt; wie ein Todter soll ich werden gleichgiltig gegen die Freuden, gegen die vergänglichen Güter der Erde, gegen alle Ehre, gegen Lob und Tadel der Weltfinder. Je öfter ich dich empfange in der hochheiligen Kommunion, desto mehr soll dieses heilige Absterben zunehmen. Nur für dich soll ich leben, wie du gleichsam nur für mich lebst im Tabernakel, um das Leben meiner Seele zu seyn. Schließen sollen sich meine Augen gegen alle Pracht und alle Reize der Welt; taub soll ich werden gegen alle Lockungen der Sinnlichkeit und Lust; stumm soll ich seyn für unnützes Reden, für unsittliche Worte, für Schmeichelei und Lüge; regungslos soll ich seyn für alle sinnlichen Triebe, für alle Eitelkeit, sterben soll ich der Sünte 9* 1 132 Nachmittagsandachten und für alles tobt seyn, was zur Sünde führt, und nur allein dir leben, dir dienen, dich lieben, bir mich ganz hingeben mit aller Kraft meiner Seele, dir dem süßesten Herrn, dem schönsten Gott, dem allerhöchsten Gute, der Quelle aller Seligkeit! smisdadun Dieß lehrt mich dein verborgenes Leben in diesem göttlichen Sakramente. Ich sehe dich da die tiefste Demuth, die größte Sanftmuth, die unbesiegbare Ge- d bulb, den treuesten Gehorsam, die liebreichste Barmhezigkeit, die glühendste Liebe üben, ohne daß du nur Ein Wort sprichst. Aber dein Schweigen redet lauter, als die lauteste Predigt! O ewiges Wort des Vaters, gib mir Kraft zu erfüllen, was bein Schweigen mir zuruft; gib mir Kraft zu thun, was dein Beispiel mich lehrt! Denn ach, noch lebt der fündige Mensch in mir, noch erhebt er sich gegen den Seist, und stört meinen inneren Frieden durch beständige Kämpfe. Darum, o Brod des Lebens, stärke mich; o Quell des Lichts; erleuchte mich; o strahlendes Feuer der Liebe, entzünde mich; o himmlischer Wegweiser führe mich, daß ich ein himmlisches Lebens lebe und durch öftere Vereinigung mit dir im heiligsten Sakramente ein neuer Mensch werde, der nach deinem Wohlgefallen erschaffen ist. Amen. dong Geistliche Kommunion.lour ofs Mein Jesus, du Sohn des lebendigen Gottes! ich glaube fest und unbezweifelt, daß du hier im Hochheiligen Sakramente wahrhaft, wirklich und wesentlich zugegen bist. Deine heilige Kirche lehrt mich dieses nach deinem Worte, und ich glaube. In diesem Glauben will ich leben, für diesen Glauben sterben. O mein göttlicher Heiland, du einzige Hoffnung meiner Seele! ich fete all mein Vertrauen auf deine Liebe, Güte und Barmherzigkeit, und hoffe zuver am Kommuniontage. 133 sichtlich von dir alle Gnaden, deren ich berarf, um heilig zu leben und selig zu sterben. Mein Gott, mein Alles in diesem Sakramente der Liebe; ich liebe dich, ich wünsche dich noch weit mehr, ich wünsche dich unendlich und ewig zu lieben. Du sollst seyn der einzige Gegenstand meiner Liebe, meiner Sehnsucht, meines Verlangens. Ach, meine Seele hungert und dürftet nach dir, o tomme, fehre ein bei mir, fomme und nimm Besitz von meinem Herzen; o komme, und gib meiner armen Seele vom Brode des Lebens, gib ihr vom Tranke des lebendigen Wassers, das in's ewige Leben quillt' - Komme, o Jesus, und wohne bei mir; ziehe mich an dich, mache mich Eins mit dir. Ohne dich, o Jesus! kann meine Seele nicht leben! O komme und belebe mich; komme und rette mich vom Tode, fomme und mache mich selig. 10 Andere Nebung der geiftlichen Kommunion.mic Glaube. Du Gottmensch bist mit Fleisch und Blut. Wahrhaftig hier zugegen! Und dein Genuß, o höchstes Gut bringt meiner Seelen Leben Dir, ewige Wahr heit glaube ich In diesem Glauben stärke mich,- Bis ich dich ewig sehe. Hoffnung. Dein Fleisch und Blut wird meinem Geist Die wahre Stärke geben, Und führt mich, wie deir Wort verheißt, Einst zu dem ew'gen Leben Auf dieses Wort vertraue ich, Bis ich dich einst besitze! Liebe. Vor deinem Tode setztest du einst ein Dieß Denkmal deiner Liebe, Daß du ganz mein, und ich ganz dein Dir ewiglich verbliebe! Mein Gott und Heiland, Dank O wirke dieses doch in mir, Daß ewig treu nur ich dich liebe. Verlangen. O Jesu, tehre bei mir ein Gnadenquelle Komm unschuldsvolles Gotteslamm Labung meiner Seele Komm, sättige, komm, stärke mich Du wahre Seelenspeise; Du Engelbrod, komm, heilige Du süße Du mich Auf dieser Pilgerreiſe. - — - - - - - - - - - - 1 - 134 Nachmittagsandachten Litanei vom allerheiligsten Altarsfakramente. Gott Vater im Himmel,*) Gott Sohn, Erlöser der Welt, Gott heiliger Geist, most agilisd ods chid'edsil Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, dim Jesus, du ewiges Wort, welches in sich vereiniget die göttliche und menschliche Natur!***) e Du Geheimniß der höchsten Liebe, Du Geheimniß der fortgesetzten Menschwerbung, 1961906 men a Du Eingeborner vom Vater voll der Gnade und Wahrheit, Reinste Ausströmung der Gottheit, Wahrer Gott vom wahren Gott, Lebendiges Brod vom Himmel, Verborgener Gott und Heiland, Vid stor moc nogionadal 654 Heller Stern aus Jakob, dum om Wahres himmlisches Manna, birge Wahres Osterlamm, welches für uns geschlachtet wurde, Labung reiner Seelen, THE Wahres Versöhnopfer für Lebendige und Verstorbene, Erfüllung und Vollendung aller Opfer, Großes Denkmal der Wunderwerke Gottes, Himmlische Blume deiner heiligen Kirche, Hochheilige Lilie der Altäre, Geheiligtes Andenken des Todes Jesu, Vorzügliches Vermächtniß der göttlichen Liebe, Unschätzbares Geschenk seiner Güte, Unerschöpfliche Quelle des lebendigen Wassers, Brod der Engel und Auserwählten, Trost der Betrübten, Wegzehrung der Sterbenden, Unterpfand der ewigen Seligkeit, mais, o #* 10 Köstliches Gastmahl, bei dem die Engel dienen, 11 Stärkung der Kranken, shoe srdner się T Jandag to bsured froER dals hd Bater Brod der Unsterblichkeit, Sei gelobt und gepriesen in alle Ewigkeit; wir bitten dich, erhöre gnädig unser Flehen! y did *) Erbarme dich unser! **) Heilig ohne End', ist Jesus Christus im heiligsten Sakrament! MEE am Kommuniontage. 135 Daß du uns vor dem unwürdigen Genusfe dieses heiligsten Sakramentes bewahren wollest,*) Daß du uns von dem Kaltsinn des Herzens gegen dieses Wunder deiner Liebe bewahrest, ibidos Daß du uns vor bösen Gedanken und Begierden beschützen dort dan hus wollest, dria mounty Vor Unglauben und Gottlosigkeit, Vor Stolz und Hochmuth, Vor Geiz und Habsucht, dolog ad hun Vor Trägheit und Lauheit in deinem Dienste, Vor Lieblosigkeit und unbarmherzigkeit, tadso Daß du uns im Glauben stärkest, ismetine msofland In der Hoffnung belebest, Ansere Herzen in Liebe entzündest, alastaid osdo3 ann Sei gelobt für die tiefe Erniedrigung, mit welcher du deinen Jüngern die Füße gewaschen,**) astule dog Sei gelobt für die Liebe, mit welcher du dieses heiligste Sakrament eingesetzt haſt, Sei gelobt für das große Versöhnopfer, das du für unsere Sünden dargebracht, 79 Allerheiligster, wir preisen dich in Ewigkeit! O Jesus, vermehre in uns den Glauben, die Ehrfurcht und Andacht zu diesem allerheiligsten Sakramente,***) O Jesus, bewahre uns vor Irrthum, Abfall und Blindheit des Geistes, sda3 mi Jag of Jesus, reinige und heilige uns immer mehr durch dieses heiligste Sakrament, O Jesus, laß uns dein heiligstes Antlitz einst im Himmel schauen, Jesus, vereinige uns mit dir, wie du so viele heilige han Seelen mit dir vereinet hast, Eingeborner Sohn Gottes! die Auferstehung und das Leben, heilig, heilig, heilig, bist du! wir preisen dich in Ewigkeit! O Lamm Gottes, geschlachtet für uns am Kreuze; heilig, heilig, heilig bist du jetzt und in Ewigkeit! s007 Selig, die da berufen sind zu dem hochheiligen Gastniahle des göttlichen Lammes. Alleluja! emmi esd pinost R tedan ug dinil manques# 6-1168 *) Wir bitten dich, erhöre unser Flehen! **) Verborgener Gott wir preisen dich! ****) Erhöre unser Flehen! 79 370 136 Nachmittagsandachten Heil unserm Gott, der auf dem Throne sitzt, und dem hochheiligen Lamme! Alleluja!*) O heiligstes Gastmahl, in welchem wir Christum empfangen und das Gedächtniß der Erlösung feiern, gepriesen seist du, Alleluja! Freuet euch und frohlocket, denn kommen wird das Fest des ewigen Lebens, das Hochzeitfest des Lammes! Alleluja! Wozu auch du geladen bist, o Seele! juble und frohlocke! Alleluja! Gebet. Gott, der du uns in dem wunderbarlichen Sakramente das Gedächtniß deines Leidens und Todes hinterlassen hast; wir bitten dich, verleihe uns, daß wir diese heiligen Geheimnisse deines Leibes und Blutes also verehren, daß wir auch der Früchte deiner Erlösung theilhaftig werden. O Jesus, der Empfang deines heiligsten Fleisches und Blutes ist der Vorgenuß der ewigen, süßesten Vereinigung mit dir im Himmel! O verleihe mir, gütigster Heiland, daß ich dieser wonnevollen Bereinigung auch einst theilhaftig werde, und bich, den ich jetzt verhüllt in Brodsgestalt im Tabernakel schaue, von Angesicht zu Angesicht einst im Himmel schauen darf. Amen. SULAK gebet zur allerfeligften, unbefleckten Jungfrau, im Hinblick auf das allerheiligste. Altar 8Sakrament. Sei gegrüßt, o glorreiche Jungfrau! Mutter des Allerhöchsten, auserkoren von Ewigkeit, unsern Herrn Jesum Christum, das Brod der Engel und Menschen, das Opferlamm für das Heil der Welt, den König des Himmels und der Erde und Besieger der Hölle zu empfangen und zu gebären! Wer kann dich *) Erhöre unser Flehen! am Kommuniontage. 137 - würdiglich loben und preisen, o auserwählte Jungfrau, jungfräuliche Mutter des Herrn! Große Dinge hat Gott an dir gethan! Er hat dich unbefleckt bewahrt vor jeder Makel der Erbsünde, auf daß du eine würdige Mutter seines Eingebornen werdest, den ich hier mit allen Engeln unter der Gestalt des Brodes anbete!- In heiliger Ehrfurcht verehre ich dich, o große Königin des Himmels, die du einst, eine demüthige Magd des Herrn, seine zarteste Kindheit pflegtest und als die reinste Jungfrau und glückseligste Mutter in Demuth, Armuth und flammender Liebe ihm dientest! Ein lauter himmlischer Lobgesang, ein lieblich duftender Wohlgeruch war dein ganzes Leben vor dem Herrn, der die Fülle seiner Gnaden dir in's Herz gegossen! Den größten Schatz seines eigenen väterlichen Herzens hat er dir anvertraut. O hilf mir, gütigste Mutter, daß auch mein Leben vor dem Angesichte deines göttlichen Sohnes ein duftender Wahlgeruch, und mein Herz immerdar eine würdige Wohnung sei, wenn er kommt und mich heimsucht im heiligsten Sakramente! i ish O Mutter der Christenheit, getrene Fürbitterin der gläubigen Seelen, die dein Sohn mit seinem kostbarsten Blute erkaufte, du Zuflucht reumüthiger Sünder! blicke herab auf meine tiefe Armuth, und erwirke mir von deinem Sohne die Gabe der Liebe, die dein Gott- geheiligtes Herz erfüllte und alle deine Handlungen leitete: daß ich, gleich dir, den Willen Gottes im vollkommenen Gehorsamen vollbringe und die Krone des ewigen Lebens erhalte! O Mutter meines Jesus, du siehst mit deinen reinen Augen das holdeste Antlitz deines göttlichen Sohnes, du bist mit ihm ewiglich vereint und genießest sein in wonnevollster Liebe: ich aber schaue ihn jetzt nur ver