ther of Confirmations- Andenken. Vierte Auflage. Westheim. Verlag des evangelischen Vereins für die Pfalz. 1882. Gb 17 44 Buchdruckerei von D. Kranzbühler in Neustadt a. d. H. Univ.- Bibl. Giesser Bott zum Gruß und den Herrn Chriftum zum Troft! Palmsonntag ist für jede evangelische Ge meinde unserer lieben Pfalz ein gar wichtiger Tag. Es ist der Confirmationstag der jungen Christen. Da fommen in allen Kirchen die Kinder und wollen dem lieben Heilande, wie jene Kinder zu Jerusalem, ihr Hosianna entgegensingen und ihm ihre Huldigung darbringen. Wie ein schöner Schmerzenslohn wollen sie sich dem Herrn Jesu darstellen, der am Palmsonntage zu seinem Leiden in Jerusalem eingezogen ist. Da heißt es bei rechten Confirmanden: ,, Hojianna, hocherfreut Gehen wir dir, Herr, entgegen; Unser Herz ist schon bereit, Will sich dir zu Füßen legen. Zeuch zu deinen Thoren ein; Du sollst uns willkommen sein." Die Schulzeit ist vorüber, der Confirmandenunterricht ist vorbei, und nun sollen sie vor der Gemeinde Rechenschaft geben, wie sie diese Zeit benützt und in wie weit sie den christlichen Glauben kennen gelernt haben, darauf sie einst als Kindlein auf den Armen ihrer Pathen getauft worden sind. Sie sollen den Segen empfangen und darnach zum Tische des 1 2 - Herru treten und ihre erste heilige Communion feiern.. Im Hafen ist das Schiff geborgen, da thut ihm Sturm und Wetter nichts. Dämme und Mauern schüßzen es, daß es die Wogen des Meeres nicht verschlingen. Bis zur Confirmation war unser Leben solchem Schifflein gleich. Das Vaterhaus mit seiner Liebe und die Schule mit ihrer Zucht hielten und umschirmten uns. Aber mit der Confirmation will das Schifflein seine Fahrt in die Welt antreten; es wagt sich zum sichern Hafen der Kindheit hinaus. Wohl dem Kinde, das den Herrn Jesum als Steuermann und das liebe, theure Gotteswort zum Leitstern hat, dem können die Wasser der Trübsal nicht schaden, und wenn sie auch noch so hoch gehen, und die Winde der Versuchung dürfen es nicht auf die Sandbank des Unglaubens treiben, denn 11 Wer Jesum bei sich hat, Kann feste stehen, Wird auf dem Unglücksmeer Nicht untergehen. Wer Jesum bei sich hat, Was kann dem schaden? Sein Herz ist überall mit Trost beladen." Drum wohl dem Kinde, das seinen Confirmandenunterricht recht treu benügt hat nach dem goldenen Sprüchlein: Bet' und arbeit'." Das wird auch einen schönen und gesegneten Confirmationstag feiern, einen Festtag, da sein Herz zittert vor Freude, daß es ein Kind und Erbe Gottes und sein Name auf dem Priesterschilde Christi eingegraben ist, aber auch vor banger Sorge, ob es wohl auch sein Confirmationsgelübde getren und unverbrüchlich halten und das goldene Kleinod seines Glaubens niemals beflecken werde.- Diesen Tag hast du nun auch durch Gottes Gnade erlebt, liebes Kind. Du hast dein Confirmationsgelübde vor dem allwissenden Gott, vor deinen Eltern und 3 Pathen, ja vor der ganzen Gemeinde abgelegt; da hast du ja wohl auch gebetet: ,, Erforsche mich, Gott, und erfahre mein Herz. Prüfe mich und erfahre, wie ich es meine." Siehe, bei deiner Taufe hatten deine Eltern und Pathen gelobt, sie wollten dich in unserm christlichen Glauben unterweisen lassen. Bei der Confirmation hast du nun selbst den Bund deiner Taufe bestätigt und gesagt: Es ist mir ganz recht, daß ihr mich habt auf diesen Glauben taufen lassen; das soll nun allweg mein Glaube sein; den will ich festhalten mein Leben lang und will darnach leben und hoffe durch Gottes Gnade auch einmal selig darauf sterben zu können. Welch ein großes Ding ist's daher mit deinem Confirmations- Gelübde! Lieber, das darfst du niemals vergessen und mußt alle Tage deines Lebens an seiner Erfüllung arbeiten! Sieh, ich bin auch einmal confirmirt worden und habe mit noch Vielen gesungen: „ Ich gebe dir, mein Gott, auf's Neue Leib, Seel' und Herz zum Opfer hin; Erwecke mich zu neuer Treue Und nimm Besitz von meinem Sinn; Es sei in mir kein Tropfen Blut, Der, Herr, nicht deinen Willen thut." 11 Aber ich bin älter geworden und habe gefunden, das ist denn doch gerade feine leichte Sache. Ja, geſagt und gesungen ist gleich: Es sei in mir fein Tropfen Blut, der, Herr, nicht deinen Willen thut", aber das Thun ist für uns eigenwillige Menschenfinder gar schwer. Da habe ich denn erkannt, wie der Herr allein durch seinen heiligen Geist uns helfen könne, unser Confirmations- Gelübde zu erfüllen, und habe zu ihm gesagt: ,, Ach, Herr, hilf du mir doch Glauben halten, ein gutes Gewissen bewahren und als ein rechter Christenmensch heilig und unsträflich 1* - wandeln vor deinem Angesichte!" Und da ist's gegangen. - Du kennst doch noch dein Confirmations- Gelübde und hast die drei Fragen noch nicht vergessen, die euch zur Beantwortung vorgelegt worden sind? Ich will sie dir herschreiben und ihren so wichtigen Inhalt ein wenig erklären, und soll dir also dies Büchlein eine Mitgabe für's Leben sein, daß du es je und je lesen und Gott bitten mögest, nach desselbigen Rath und Wort thun zu können. So wirst du züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt und dermaleinst, wenn dein Stündlein vorhanden ist, auf den Glauben, darauf du getauft und confirmirt bist, selig sterben. Die drei Fragen heißen: I. Glaubet und bekennet ihr dieses Alles von Herzen, was ihr jetzt von der christlichen Lehre gesagt habt?- II. Bekennet ihr euch auch insbesondere mit Herz und Mund zu unserer evangelischprotestantischen Kirche, die in der heiligen Schrift den alleinigen Grund des Glaubens und die einzige Richtschnur des Lebens findet? - III. Wollet ihr auch bei dieser christlichen Lehre bis an euer Ende beharren, und wie ihr glaubet und bekennet, hinfort thun und leben, und was ihr zugesaget, auch treulich halten? Nun sich dir mal diese drei Fragen recht an; ſie schauen dir wahrlich sehr ernst und bedeutungsvoll in's Gesicht. Wie drei große Fragezeichen stehen ſie an deinem Lebenswege. Du hast sie alle drei mit einem lauten Ja vor deinem Gott beantwortet.- Aber was habt ihr 5 denn nun von der christlichen Lehre geſagt, das ihr von Herzen glauben und bekennen zu wollen gelobt habt? I. Nun, nichts anderes, als was ihr an der Hand der heiligen Schrift, des Katechismus und Gesangbuches gelehrt worden seid. Es hat euch wohl auch, wie mir, das Herz gepocht, ob ihr bei eurer Vorstellung in der Kirche auch eure Sachen gut machen werdet. Wenn ihr nun eure Fragen, Sprüche und Lieder wohl gelernt und nicht blos dem Kopfe, sondern auch dem Herzen eingeprägt hattet, dann ist's gewiß gut gegangen. Ihr habt dann ein gutes Bekenntniß abgelegt vor vielen Zeugen, wie es von Timotheus gesagt ist. Und Alles, was ihr gesagt habt, das habt ihr mit dem apostolischen Glaubensbekenntniß bekannt, wie ihr denn auch darauf getauft worden seid. Das ist ja eine gar treffliche Summa unseres christlichen Glaubens, darin kurz zusammengefaßt ist, was wir von Gott dem Vater, von Gott dem Sohne und von Gott dem heiligen Geiste glauben. Von Gott dem Vater hast du gesagt, daß er der ewige Vater unsers Herrn Jesu Christi sei und in sechs Tagen die Welt aus Nichts durch sein allmächtiges Wort geschaffen habe, daß sie ein Spiegel seiner Güte und Herrlichkeit sei, wie geschrieben steht: ,, Herr, wie find deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weislich geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter.“ Wenn du dies nun von Herzen glaubst und bekennſt, Lieber, so habe denn auch deine Freude an deines Gottes schöner und großer Schöpfung und schaue mit einem Herzen, von Bewundrung voll, hinauf zum blauen Himmel, diesem Zeugen der Allmacht und Majeſtät Gottes, wo Sonne und Mond leuchten und die Sternlein allzumal am blauen Himmelsjaal. Geh nicht gleichgültig durch Feld und Flur, durch Wiese - 6und Wald, auf daß dich nicht die lieben Vögelein beschämen, die so eifrig und fleißig zu Gottes Ehre singen auf den Zweigen und in den blauen Lüften, wenn der Herr die Natur im Frühlinge in ihr Feierkleid gekleidet hat. Da sprich: - - 11 Und wenn das Feld reif geworden ist zur Ernte, und die Schnitter kommen und schlagen die Sichel an, denke an das Gleichniß vom Unkraut unter dem Waizen und bitte deinen Herrn, daß er dich zur vollen Garbe machen möge, damit dich einmal die Engel am großen Erntetage der Welt in Gottes Scheuern sammeln können. Säe ja nicht auf das Fleisch, damit du nicht einmal vom Fleische das Verderben ernten mußt; nein, auf den Geist säe, so wirst du das ewige Leben ernten. Und wenn der Herbst über die Fluren hinzieht und die Blätter braun und gelb färbt und sie zuletzt abschüttelt, daß die Winde mit spielen, Lieber, da denke, wie alle irdische Herrlichkeit so schnell vergeht, und wie auch deine Tage dahineilen; denke:„ Ich selber bin ein fallend Laub, und was ich thu', zerfällt in Staub; ich selber bin des Todes Raub. Und Ich selber kann und mag nicht ruh'n; Des großen Gottes großes Thun Erweckt mir Herz und Sinnen; Ich singe mit, wenn Alles singt, Und lasse, was dem Höchsten klingt, Aus meinem Herzen rinnen. wenn der Herr im Winter die Natur mit einer Schneedecke einhüllt, wie mit einem weißen Leichentuche, daß die Pflanzen und Gewächse wohl darunter ruhen und schlafen, siehe, das ist auch des Nachdenkens werth und erinnert an jenes schöne Abendlied, darin es heißt: Einst kommen Stund' und Zeiten, da man euch wird bereiten zur Ruh' ein Bettlein in der Erd'." Habe also deine Freude an Gottes Gaben und Werken in - 7 feiner Schöpfung. Luther hatte einmal eine Roſe in der Hand, bewunderte sie als ein vortreffliches Werk Gottes und sagte: Wenn ein Mensch vermöchte, eine einzige Rose zu machen, so sollte man ihm ein Kaiserthum schenken. Aber die unzähligen Gaben Gottes achtet man nicht, weil sie gemeinsam sind, und da wir täglich damit umgehen, fragt man nicht viel darnach und meinet, es müsse also sein." Laß dich Gottes Schöpfung zu jeder Jahreszeit hinaufweisen zu deinem Schöpfer und Vater, an den du von Herzen glauben willst. Denn siehe, in dieser Schöpfung steht der Mensch, den Gott vor allen seinen Geschöpfen sonderlich angesehen hat, ihm zu zeigen seine große Majestät. Wie schön hat er ihn einst nach seinem Bilde gemacht und hat ihn gar vortrefflich ausgerüstet, also daß seine Vernunft ein helles Gotteslicht und sein Wille heilig und sein Gemüth wie ein klarer See gewesen ist, darin sich Gottes Klarheit spiegelte, wie die Sonne ihr Angesicht im hellen Wasser spiegelt. Und auch sein Leib ist eine unversehrte und unbeschwerte Wohnung des Geistes gewesen, und das Paradies hat ihn gelabt mit allerlei föstlicher Frucht von den Bäumen im Garten, und sein Herz war erfüllt mit jeligem Gottesfrieden und süßer Himmelsfreude.- Mein Kind, wandelt dich nicht Paradieses- Sehnsucht an? Nun, das Paradies ist nicht mehr auf Erden, es ist im Himmel droben, und du sollst einmal durch Jesum Christum hinein kommen, denn auch dir hat der Herr, dein Gott, Leib und Seele, Vernunft und alle Sinne gegeben und dich mit allerlei Gaben und Kräften zu diesem und dem zukünftigen Leben ausgerüstet. Du kennst das Gleich niß von den Pfunden und weißt, wie es der treue Knecht gemacht hat, und wie der Herr den Schalksfnecht, der sein Pfund vergraben hat, so gar ernstlich gestraft hat. Hast du nicht auch ein Pfund empfangen? Drum ob du studiren oder ein Gewerbe erlernen willst - 11 oder ein armer Tagelöhner, eine geringe Dienstmagd wirst, brauche doch recht treu die dir von deinem Gott verliehenen Gaben und Kräfte und scheue dich dein Lebtag vor dem Müßiggang, denn du weißt: ,, Müßiggang ist aller Laster Anfang." Namentlich sei deinen Eltern, Lehrern, Meistern und Dienstherrn recht ge horsam und in deinem Stande fleißig und ehrlich. Ehrliche Hand geht durch's ganze Land." Jetzt bist du noch jung. Jugendzeit schöne Zeit; da ist das Herz fröhlich und guter Dinge. Mußt aber ja nicht thun nach dem Weltspruch:„ Jugend kennt keine Tugend, sondern nach dem Gottesspruch: ,, Wie wird ein Jüngling seinen Weg unsträflich wandeln? Wenn er sich hält nach deinem Wort."- So fliehe denn die Lüste der Jugend: Trunk, Ausschweifung, Pugsucht, Eitelkeit, Toben und Schwärmen auf den Straßen. Sei sittſam, züchtig, freundlich und ehrerbietig gegen Jedermann, so wirst du bei Gott und Menschen Guade finden und überall wohlgelitten sein. Halte dich ja von bösen Gesellschaften fern, denn die verderben gute Sitten. Suche dir unter deinen Jugendgenossen einige Freunde und liebe sie, wie David den Jonathan; freue dich mit ihnen, aber habe, wie Joseph, den Herrn allezeit vor Augen und im Herzen und hüte dich, daß du in keine Sünde willigeſt. - „ Opfre die schöne, die muntre, lebendige Blüthe, Opfre die Kräfte der Jugend mit frohem Gemüthe Jesu, dem Freund, Der es am redlichsten meint, Dem großen König der Güte." Wenn du so deine Jugend zubringst, einen guten Grund auf's Künftige legst, Lieber, dann ist der Herr, dein Gott, mit dir auf allen deinen Wegen und in allen deinen Tagen. Du glaubst ja von Herzen und hast es bekannt, daß er Himmel und Erde sammt allen 9 ---Creaturen gleich als mit seiner Hand erhält und Alles auf's Beste regieret. Er ist ja ein lebendiger Gott, der nicht allein die Völker führt nach seinem Wohlgefallen, sondern auch deinen Lebensgang regiert nach seiner Weisheit; der nicht allein den großen Weltbau im Auge hat und mit seinem kräftigen Worte trägt, sondern auch dich mit allen deinen Anliegen und Sorgen. Es heißt ja: Von seinem festen Thron sieht er auf Alle, die auf Erden wohnen; er lenket ihnen Allen Der alldas Herz und merket auf alle ihre Wege." mächtige Gott, der alle Jahre seine milde Hand aufthut und, was da lebet, mit Speise und Freude erfüllet, ist ja in Christo Jesu auch dein Vater, und du bist durch den Glauben sein Kind; er hält seine Hand auch über deinem Leben und leitet deinen Gang mit seinem Angesichte. Seine Liebe grüßt dich am Morgen, sigt mit dir zu Tische und segnet Speise und Trank und wacht über dir im Schlafe. Seine lieben Engel sind dir zum Schuß bestellt, wie geschrieben steht: Der Engel des Herrn lagert sich um die her, so ihn fürchten, und hilft ihnen aus," wie es auch in einem Liede heißt: Also schützt Gott noch heut zu Tag vor'm Uebel und gar mancher Plag' uns durch die lieben Engelein, die uns zu Wächtern geben sein."- Wie gut es doch der Herr mit uns meint! Wie hat er die Leute so lieb! Versäume du nur nicht, ihm, deinem Gott, am Morgen zu danken und ihm deinen Ausgang und Eingang, dein Thun und Lassen, dein Leben und Sterben zu befehlen. Seße dich auch nicht zu Tische, ohne zu beten etwa: ,, Lieber himmlischer Bater, wir bitten dich, segne uns und diese deine Gaben, die wir jetzt von deiner milden Güte zu uns nehmen, durch Jesum Christum, unsern Herrn." Siehe das Küchlein an! So oft es einen Schluck Wasser nimmt, blickt es zum Himmel empor, als wollte es Gott dafür danken; und du wolltest nicht danken und vom Tische aufstehen, ohne zu 11 11 -- 10 sprechen: ,, Gott Lob und Dank für Speis' und Trank?" Und Abends, ehe du das müde Auge schließest, sprich deinen Abendsegen, am besten frei aus dem Herzen, oder wenn das nicht geht, aus einem guten Gebetbuch, wie das von Stark, Schmolke, Kapff und andere sind. Morgensegen und Abendsegen ,, haben die Alten gesagt, bringt Gottes Segen auf allen Wegen. ,, Geh' ohne Stab nicht durch den Schnee und ohne Steuer nicht zur See, geh' ohne Gebet und Gottes Wort niemals aus deinem Hause fort." Wenn du des Morgens innig gebetet hast, so bist du den Tag über freundlich, und deine Arbeit wird gesegnet sein nach dem Liede: Fang' dein Werk mit Jesu an, Jesus hat's in Händen; Jesum ruf zum Beistand an, Jesus wird's vollenden; Steh' mit Jesu Morgens auf, Geh' mit Jesu schlafen; Führ' mit Jesu deinen Lauf, Lasse Jesum schaffen." So wirst du mit christlicher Geduld des Tages Plage tragen. Wenn es dir wohl geht, wirst du deines Gottes nicht vergessen, noch übermüthig werden, sondern dankbar und demüthig mit Jakob sprechen: ,, Herr, ich bin zu geringe aller Barmherzigkeit und aller Treue, die du an deinem Knechte gethan haſt." Kommt Trübsal über dich, nimm den Kelch geduldig aus Gottes Hand; du weißt ja, wie dich der Vater durch Kreuz zur Krone, durch Leiden zu Frenden, durch Kampf zum Siege, durch Nacht zum Lichte führen will. ,, Selig ist der Mensch geschätzt, den Gott in Kreuz und Trübsal setzt." Wir müssen durch viel Trübsal in's Reich Gottes gehen," hat Paulus gesagt. Darum laß dich's nicht befremden, wenn dir der Herr, dein Gott, ein Kreuz an deinen Lebensweg - 11- - 11 gepflanzt hat. Im Kreuze blüht der Glaube am schönsten, wie eine Rose unter den Dornen. Und ein Christ," hat Luther gesagt, muß die Hoffarbe Christi, das Kreuz, tragen." weißt ja, wem du Alles flagen darfst; du hast ja das schöne Lied gelernt: Der beste Freund ist in dem Himmel." Der hilft Du in Armuth, errettet in der Noth, tröstet in Traurigkeit, stärkt die Schwachen, heilt die Kranken und richtet auf, die niedergeschlagen sind. ,, Den Gerechten muß das Licht immer wieder aufgehen und Freude den frommen Herzen." Greife nur in schweren Tagen zu den schönen Trostliedern des Gesangbuches, und wenn deine Seele betrübt ist, so stimme an: ,, Befiehl du deine Wege 2c.," oder„ Warum sollt' ich mich denn grämen?" oder ,, Auf meinen lieben Gott 2c.," oder Was Gott thut, das ist wohlgethan 2c.," oder sonst eins. Thue nach dem Spruch: Gott zu Ehren, mir zur Freud' sing' ich weg die Traurigkeit." ,, Sing', bet' und geh' auf Gottes Wegen, Verricht' das Deine nur getreu Und trau' des Himmels reichem Segen, So wird er bei dir werden neu; Denn welcher seine Zuversicht Auf Gott setzt, den verläßt er nicht." Aber, mein Lieber, kannst, darfst du denn auch so ohne Weiteres in allen Lagen deines Lebens deine Zuflucht zu dem Herrn, deinem Gott, nehmen? Du biſt doch ein Sünder, wie alle Menschen in Sünden empfangen und geboren, untüchtig zu allem Guten und geneigt zu allem Bösen. Du sagst, das dürfte ich von Sünden Abgestammter freilich nicht, müßte vielmehr in meinem Elend vergehen, hätte keinen Halt im Leben, keinen Trost in der Noth, keine Hoffnung im Tode, wenn ich nicht von Herzen glaubte, daß ich mit Leib und Seele beides im Leben und im Sterben meines - 12 getreuen Heilandes Jesu Christi Eigenthum bin, der mich verlorenen und verdammten Menschen erlöset hat, erworben und gewonnen von allen Sünden, vom Tod und von der Gewalt des Teufels mit seinem unschuldigen Leiden und Sterben. Durch den Glauben an ihn habe ich Vergebung der Sünden und bin ich Gottes Kind, wie ich solches Alles im zweiten Artikel bekannt habe. Das ist mein Ruhm wider alle Anklage des Gewissens und alle Verdammniß des Geſetzes, 11 „ Daß ich einen Heiland habe, Der mit seinem Hirtenstabe Sanft und mild und voll Vergeben Mir nichts ist als Heil und Leben." Nun, da hast du ganz Recht; so ist es. Der eingeborne Sohn Gottes, der da ist Gott von Gott, Licht vom Lichte, ist in der Fülle der Zeit Mensch geworden. Einen solchen Erlöser mußten wir haben, denn ein Mensch, und wäre es auch der vortrefflichste und heiligste gewesen, hätte uns nicht erlösen können, weil er immerhin auch ein Sünder gewesen wäre. Daß du aber völlig in deinem Rechte bist, wenn du glaubst und bekennst, daß Jesus Christus wahrhaftiger Gott sei vom Vater in Ewigkeit geboren, bezeugt die heilige Schrift, aus der wir ja allein unsern Glauben schöpfen dürfen. Sie legt Jesu Christo Namen bei, die allein Gott zukommen. So sagt Paulus Römer 9, 5: ,, Von welchem auch Christus herkommt nach dem Fleisch, der da ist Gott über Alles, gelobet in Ewigkeit." Und Johannes schreibt in seinem ersten Briefe Cap. 5, 20: ,, Dieser ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben." Und seinem Schüler Timotheus hat Paulus geschrieben I. 3, 16: ,, Kündlich groß ist das gottselige Geheimniß, Gott ist geoffenbaret im Fleisch." Siehe, da wird Christus geradezu ,, Gott" genannt. Die hl. Schrift legt ihm auch die Eigenschaften bei, die nur 13 - 11 11 Gott zukommen. So die Ewigkeit: Micha 5, 1. 2; Johannes 8, 56 spricht Christus: Ehe Abraham war, bin ich." Und Joh. 17, 3 hören wir ihn beten: ,, Vater verkläre mich mit der Klarheit, die ich bei dir hatte, ehe denn die Welt war." Wer aber vor Grundlegung der Welt war, muß der nicht von Ewigkeit her und also Gott gleich sein? Die Allmacht: Matth. 28, 19 sagt der Herr: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden;" Joh. 14, 13 spricht er: Und was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich thun." Wer also Alles thun will, was wir ihn bitten, wie, muß der nicht allmächtig sein wie Gott und also Gott gleich sein?- Die Allgegenwart: Matth. 18, 20 verheißt Christus: ,, Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen. Und Math. 28, 20: ,, Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende."- Wer mun bei uns sein will, bei dir und mir und allen seinen Gläubigen, muß der nicht allgegenwärtig sein wie Gott und also Gott sein? Und wird dem Sohne nicht auch Joh. 1, 1-3, Hebr. 1, 1-3, Col. 1, 15-17 Mitwirkung bei der Schöpfung und Erhaltung der Welt zugeschrieben? Könnte das aber sein, wenn nicht der Sohn dem Vater an Wesen, Macht und Herrlichkeit gleich wäre? Könnte er das Weltgericht halten, wie er es halten wird nach Joh. 5, 22-27 und vielen andern Stellen, wenn er nicht allwissend wäre? Könnte er verlangen: ,, daß Alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren," wenn er nicht dem Vater gleich wäre? 11 Laß dich also, mein Kind, in deinem Glauben an die Gottheit Christi nicht irre machen. Du weißt es, wie er sie noch vor dem hohen Rathe mit einem feierlichen Eide bezeugt hat, und wie er um deßwillen als ein Gotteslästerer zum Tode verurtheilt worden ist. Diese Lehre, zu welcher du dich öffentlich und feierlich 14 bekannt hast, ist das Fundament des ganzen christlichen Glaubens. Ist Christus nicht, was Er selbst von sich bezeuget: der eingeborne Sohn Gottes und also dem Vater gleich, was ist er dann? Nun das überlasse ich dir zu sagen; über meine Lippen soll's nicht kommen. Wenn du aber sagen wolltest: Ich kann ja doch große Ehrfurcht vor Christo haben, wenn ich auch nicht an seine Gottheit glaube und ihn nur für einen ausgezeichneten Lehrer der Menschheit halte," so ist das nur eine große Täuschung. Denn nicht wahr, wenn ich ihn dafür halte, so muß ich doch vor allen Dingen seinem Worte glauben und annehmen, daß er die Wahrheit gesagt hat? Wenn mun Christus geſagt hat: ,, Wer mich siehet, der siehet den Vater" und wiederum: Ich und der Vater sind eins," und sich also mit diesen Worten dem Vater gleichstellt, und du glaubst ihm nicht, siehe so ist es mit deiner Ehrfurcht vor ihm schon zu Ende, du hältst ihn wirklich nicht für einen ausgezeichneten Lehrer, sondern machst eben aus seinem Worte, was du willst. Und dann frage ich dich weiter, wenn du nicht an seine Gottheit glaubst, darfst du dann zu ihm beten oder singen: ,, Dich, Jeſum, laß ich ewig nicht?" Als Mensch kann er dich ja nicht hören und nicht erhören, und du mußt also die schönsten Gebete in den Gebetbüchern und die schönsten Lieder in dem Gesangbuche wegwerfen. ,, Nein, nein," ſagst du, das will ich nicht, sondern ich glaube mit allen guten Christen, daß Jesus Christus, wahrhaftiger Gott vom Vater in Ewigkeit geboren und auch wahrhaftiger Mensch von der Jungfrau Maria geboren, mein Herr ist."- Er hat freilich seine göttliche Herrlichkeit aufgegeben, hat sich erniedrigt und Knechtsgestalt angenommen und ist an Geberden als ein Mensch erfunden worden; nur aus seinen Zeichen und Wundern hat jezuweilen seine Gottheit hervorgestrahlt. Wenn ein König, um selbst zu sehen, wie es -- - 15 seinen Unterthanen geht, und zu hören, was sie von ihm und seinem Regimente denken, Krone, Scepter und Mantel ablegt und im Lande umhergeht, so sieht es ihm auch Niemand an, daß er der König ist, und er ist es doch und kann jeden Augenblick von seiner königlichen Macht Gebrauch machen. Der Sohn Gottes hat aber auch wahrhaftiger Mensch sein müssen, sonst hätte er nicht uns Menschen erlösen und das Opfer für unsere Sünden darbringen können, wie geschrieben steht Hebräer 2, 14: ,, Nachdem nun die Kinder Fleisch und Blut haben, ist Er es gleichermaßen theilhaftig geworden, auf daß er durch den Tod die Macht nähme dem, der des Todes Gewalt hatte, das ist dem Teufel."- Dazu will ich dir noch eine Geschichte erzählen. Der Kaiser Constantin hatte eine Münze schlagen laſſen, worauf ein Christus am Kreuze geprägt war mit der Inschrift: Jesus Christus, der König der Könige. Fern sei es, daß ich mich rühmen sollte, denn allein des Gekreuzigten." Allein einer seiner Nachfolger, der Kaiser Julian- der Abtrünnige, wollte das Reich Christi vernichten und das Heidenthum wieder herstellen. Um die Weissagungen Jesu zu Schanden zu machen, wollte er den zerstörten Tempel in Jerusalem wieder aufbauen lassen. Aber das Fener schlug aus dem Boden hervor und zerstörte den drei Mal angefangenen Bau; erschrocken flohen die Juden. Während der eifrigen Wiederherstellung der heidnischen Gebräuche fragte der Redner Libanius spottend einen Christen: ,, Nun, was wird Jesus, der Zimmermannssohn, thun?" ,, Der," war des Christen Antwort, den du zum Spott den Zimmermannssohn nennst, zimmert deinem Kaiser einen Sarg." Bald darauf traf die Nachricht vom Tode des Kaisers ein. Nach einer 20 Monate langen Regierung war er im Kriege gegen die Perser gefallen. Seine letzten Worten waren: ,, Du hast gesiegt, Galiläer." So haben sich schon Viele wider Christum aufgelehnt, 16 aber sie sind gestorben, und ihre Stätte fennet man nicht mehr. Darum nimm ihn auf, der das Ebenbild Gottes und der Abglanz seiner Herrlichkeit ist. Nur wenn dir der Herr Christus der Gottmensch ist, in dem„ Gottheit und Menschheit in Einem vereinet und alle vollkommene Fülle erscheinet," hast du an ihm deinen obersten Propheten und Lehrer, der dich erleuchtet, deinen eigenen Hohenpriester, der dich mit Gott versöhnt hat, und deinen ewigen König, der dich mit seinem Wort und Geist regiert. Einen solchen Erlöser mußt du haben. Jesus muß dein höchster Lehrer sein. Dazu hat ihn ja der Vater mit dem heiligen Geiste gesalbet, und er selbst hat sich das Licht der Welt genannt. Mein Kind, denke einmal, in was für einer Blindheit und Finsterniß wir noch säßen, wenn wir Christum nicht hätten! Was wüßten wir von dem wahrhaftigen Gott Himmels und der Erde, was von unserer Würde und ewigen Bestimmung, wenn Christus nicht gekommen wäre und hätte es uns gesagt? Denke nur an die armen Heiden, von denen du ja hörst, wie sie vor stummen, todten, selbstgemachten, oft ganz abscheulich aussehenden Gößen knieen und nicht bedenken, daß sie ja das Werk ihrer eigenen Hände verehren. Denke daran, wie da die Kinder aufwachsen, unwissend, roh und zuchtlos; wie da die Frauen nur elende Sklavinnen sind; wie da die armen, alten Eltern ausgesetzt werden; wie da Haß, Lüge, Mord, Krieg, Blutvergießen, Zauberei und alle Gräuel im Schwange gehen. Und warum? Weil sie den lebendigen Gott nicht kennen. Und warum kennen sie ihn nicht? Weil sie Jesum, den Sohn Gottes, nicht haben, denn wer den Sohn nicht hat, der hat auch den Vater nicht, der ihn gesandt hat." Daß es bei uns tausendmal besser steht, obwohl auch noch recht viel heidnisches Unwesen bei uns vorkommt; daß euch eure Eltern innig lieb haben 11 17- und mit aller Sorgfalt euer leibliches und geistliches Wohl bedenken; daß ihr in Schulen und Kirchen unterrichtet worden seid; daß wir an Sonn- und Festtagen unsere schönen Gottesdienste haben, da wir unsern Gott im Geiste und in der Wahrheit anbeten; daß wir unter dem Schutze unserer Obrigkeit ein ruhiges und stilles Leben führen können und ein Jeglicher sein Geschäft in Frieden betreiben kann; daß so große Fortschritte in Kunst und Wissenschaft, in Handel und Wandel gemacht werden; daß unsere Felder so schön ingebaut und unsere Hügel mit Weinbergen bepflanzt sind, das Alles und noch viel mehr verdanken wir einzig und allein dem Lichte des Evangeliums, das auf dem Leuchter der christlichen Kirche brennt. Mußt nicht meinen, daß es immer so schön gewesen sei in unserer lieben Pfalz, wie es jetzt ist. O nein, so lange unsere Vorfahren Heiden waren, war es auch ein unbebaut Land, wild, wie die Leute, die darinnen wohnten. Gehst jetzt über manch Bächlein, dessen Wasser schon vom Blute der Menschenopfer geröthet war; kommst an manches stille Plätzchen in den Wäldern und auf Bergen, wo ein Druide, ein Priester unserer Ahnen, mit dem Dreizack hauste, bis die lieben theuern Gottesmänner Disibodus, Remigius, Pirminius und andere das Evangelium in's Land gebracht und mit diesem Gotteslichte die heidnische Finsterniß verscheucht haben. Wer das vergessen könnte, der müßte denn doch recht undankbar sein. Mein Kind, vergiß es nicht, was du Christo, dem obersten Lehrer, zu verdanken hast! Der fromme Liederdichter Novalis wußte das wohl, als er sang: „ Was wär' ich ohne dich gewesen? Was würd' ich ohne dich nicht sein? Zu Furcht und Aengsten auserlesen Ständ' ich in weiter Welt allein. 2 18 Nichts wüßt' ich sicher, was ich liebte, Die Zukunft wär' ein dunkler Schlund; Und wenn mein Herz sich tief betrübte, Wem thät' ich meine Sorge kund? - - Da kam ein Heiland, ein Befreier, Ein Menschensohn, voll Lieb' und Macht, Und hat ein allbelebend Feuer In unserm Innern angefacht. Nun seh'n wir erst den Himmel offen Als unser altes Vaterland; Bir können glauben nun und hoffen Und fühlen uns mit Gott verwandt." Der Herr hat uns aber das Licht seines theuern Wortes bis daher erhalten. Daraus lernen wir eben unsern Gott recht erkennen und uns selbst: daß wir unsere ursprüngliche Herrlichkeit verloren und mun arme Sünder sind, die aber dennoch in Gottes Augen hoch und herrlich geachtet sind und durch Jesum Christum selig werden sollen. So gehe nur dein ganzes Leben zu dem Herrn Jesus in die Schule und lerne von ihm. In der hl. Schrift, die Gottes Wort ist, redet er mit dir als dein Lehrer und will dich unterweisen zur Seligkeit durch den Glauben an ihn. Laß dir darum deine Bibel dein ganzes Leben ein theures Buch und das feste prophetische Wort darin ein Licht auf deinem Wege und deiner Füße Leuchte sein. Laß dich's nicht irren, wenn Viele jetzt das theuere Bibelwort verachten und schmähen und sagen: Die Bibel ist von Menschen geschrieben und darum Menschenwort. Ei freilich ist sie von Menschen geschrieben, aber von Männern, die mit dem heiligen Geiste erfüllet waren und, von ihm getrieben, geredet und geschrieben haben. Thue du nur nach diesem Wort, und du wirst es schon an deinem Herzen erfahren, daß es wahrhaftig Gottes Wort und - 19 -- eine Kraft Gottes ist, selig zu machen, die daran glauben. ,, Die Bibel ist eine Zuschrift aus der Ewigfeit," hat ein vortrefflicher Mann gesagt, und die edle, fromme Dichterin Klettenberg hat gesungen: „ Der, der meinen Geist entzückt, Den ich jezo noch nicht sehe, Hat aus der gestirnten Höhe Mir die Zeilen zugeschickt. 11 Stoße dich auch nicht daran, wenn hie und da eine Geschichte erzählt wird, wie David's Ehebruch, von der du etwa denken magst, sie stünde besser nicht in der Bibel. Siehe, die heilige Schrift ist keine Dichtung; sie stellt den Menschen hin, wie er ist; sie erzählt auch die Fehler, Sünden und Schwachheiten der frommen Männer, und das ist gerade ein Beweis für ihre Wahrheit. Du mußt aber die Bibel in einer gewissen Ordnung lesen. Fange etwa mit dem Evangelium St. Luca an. Das lies, und darnach den Marcus und Matthäus, darnach etwa die Apostelgeschichte und das Evangelium Johannis. Alsdann kannst du auch einen der leichter zu verstehenden Briefe lesen, z. B. die zwei Briefe Petri, den Philipper- und Thessalonicherbrief und so überhaupt von den leichter zu den schwerer zu verstehenden heiligen Schriften fortgehen. So kannſt du es auch mit den Büchern des alten Testamentes machen. Das I., II. und V. Buch Mosis, Josua, Richter, Ruth, die 2 Bücher Samuelis und der Könige, die Psalmen, die Sprüche und den Prediger Salomo's; dann auch einen und andern von den Propheten, bis du mit der ganzen heiligen Schrift fertig bist. Wirst sehen, wenn du als heilsbegieriger Mensch, mit dem Gebete um die Erleuchtung des heiligen Geistes, nun regelmäßig alle Tage etwas liefest, wie du sie verstehen lernst und was für eine Freude du an Gottes Wort bekommst, ja überhaupt an christlicher Erkenntniß täglich 2* 20 zunimmst. Luther nennt die Bibel das Blümlein je länger, je lieber" und sagt:„ Ich habe nun etliche Jahre die Bibel jährlich zweimal ausgelesen, und wenn sie ein großer und mächtiger Baum wäre, und alle Worte wären Aestlein und Zweiglein, so habe ich doch an allen Aestlein und Zweiglein angeklopft und gern wissen wollen, was daran wäre und was sie vermöchte, und allezeit noch ein paar Früchte heruntergeklopft. Sie kann nicht ausgeschöpft werden; sie ist wie ein Kraut, je mehr man es reibt, desto herrlicher duftet es. Wir werden wohl Schüler darinnen bleiben, man kann sie nicht genugsam ausgründen, und die wir viel darin können und verstehen, können kaum das ABC und auch das nicht recht.- Sorge also nur, daß du eine Bibel im Hause hast, denn „ Die Bibel ist ein goldnes Buch; Ein Edelstein ist jeder Spruch. Wo keine Bibel ist im Haus, Da sieht's gar öd' und traurig aus; Da kehrt der böse Feind gern ein, Da mag der liebe Gott nicht sein. Drum Menschenkind, drum Menschenkind, Daß nicht der Böse Raum gewinnt, Gib deinen blanksten Thaler aus Und kauf' ein Bibelbuch in's Haus; Geh', eile, flieg' und schlag' es auf, Hab' all' dein Sehnen und Sinnen drauf Und lies dich fromm und schlag' es du Nur mit des Sarges Deckel zu. Des Lesens und des Lebens Lauf Beginn' und höre mit ihm auf." - Was ist aber der Mittelpunkt der ganzen heiligen Schrift? Wie die Grundform der alten Dome in der Regel das Kreuz ist, so ist auch das Kreuz der Ver 21 - söhnung, die durch Christum vollbracht ist, die Grundform der heiligen Schrift. Christus für uns, Christus, unser einiger Hoherpriester, ist das A und O der Schrift. Es stehen viele Sterne am Himmel, sie leuchten alle schön, aber etliche fallen dir beim Blick nach oben doch mit besonderer Klarheit in's Auge. Die Schrift ist auch ein Sternenhimmel. Jeder Spruch leuchtet, am hellsten leuchten aber doch die, in denen uns das Kreuz Christi vor Augen gehalten wird. Christus ist unser oberster Meister und Lehrer, dessen Worte bleiben, wenn Himmel und Erde vergeht; aber als Lehrer allein konnte er uns nicht erlösen. Siehe mal, was hilft es dir, wenn dir ein Mensch den Weg zum Himmel zeigt, es ist dir aber dieser Weg verschlossen, und du hast keine Kraft, ihn zu gehen? Was hilft es, einem Gefangenen und Gebundenen von der Freiheit predigen, wenn man ihm nicht die Thüre des Gefängnisses öffnet und seine Bande löst? So, gerade so stünde es mit uns, wenn Christus nicht auch unser Hoherpriester wäre, der mit seinem Leiden und Sterben, als mit dem einigen Sühnopfer, unsern Leib und unsere Seele von der ewigen Verdammniß erlöst und uns Gottes Gnade, Gerechtigkeit und ewiges Leben erworben hat. Mancher sagt wohl, der Herr Christus habe sich zur Besiegelung seiner Lehre kreuzigen lassen, wie jener griechische Weltweise Socrates, der um seiner Lehre willen den Giftbecher getrunken, oder wie Joh. Huß, der eben darum den Scheiterhaufen bestiegen hat. Wenn das aber so wäre und weiter nichts, was hätten wir daran für Trost? Es ist ja auch schon mancher Betrüger für seine Frrlehre gestorben! Frag' du aber den Herrn selbst: Warum kamst du in die Welt? so antwortet er dir: ,, Des Menschen Sohn ist nicht gekommen, daß er ihm dienen lasſe, sondern daß er diene und gebe sein Leben zu einer 22 - Erlösung für Viele!" Frag' du ihn am letzten Abend, da er wußte, daß die Hand seines Verräthers mit ihm über Tische war: Warum rufst du nicht die Heerschaaren des Himmels zu deinem Dienste? Warum übergibst du dich wehrlos in die Hände der Sünder? so antwortet er:„ Mein Leib wird für euch gegeben, mein Blut wird vergossen für Viele zur Vergebung der Sünden. So sagte auch sein Vorgänger Johannes von ihm: ,, Siehe, das ist Gottes Lamm, das von Gott bestimmte schuldfreie, geduldige Opfer, welches der Welt Sünde trägt!" Und hören wir seine Jünger, die Zeugen seiner Leiden, die von ihm unterrichtet, von dem heiligen Geiste geleitet, den Frieden durch Jesum Christum verkündigen, so sammeln sich alle ihre Zeugnisse in diesem einen: Christus starb für unsere Sünden nach der Schrift"( 1. Cor. 15, 3), nach den alten prophetischen Schriften, worin auch gesagt war: „ Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen; er ist um unserer Missethat willen verwundet und um unserer Sünden willen zerschlagen; die Strafe lag auf ihm, auf daß wir Friede hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilet."( Jeſ. 53.) Das ist das Zeugniß der heiligen Schrift von dem hohenpriesterlichen Amte Jesu Christi; flar wie des Tages Licht, fest wie die Pfeiler, drauf die Kirche Gottes ruht. O nimm auch du dieses Zeugniß mit gläubigem Herzen auf, laß dir's keine Macht und Liſt der Welt entreißen! Du kannst ja doch nirgends Trost für dein Gewissen, Friede für deine Seele, Befreiung von deiner Sündenschuld finden, als in diesem Glauben. Oder bedarfst du vielleicht keines Versöhners mit Gott, feines Tilgers deiner Schuld? Seße dich einmal stille hin, wenn der Tag herum und es Abend geworden ist, und frage dich aufrichtig vor deinem Gott: Wie habe ich den Tag zugebracht? Schlag das heilige Gesetz Gottes - - 23 - auf und lies das erste und größte Gebot: ,, Du sollst den Herrn deinen Gott lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüthe," hast du denn auch nur dieses erste und größte Gebot gehalten? War alle Stunden in deinem Herzen eine Liebe, stärker als Thorheit und Eitelkeit, stärker als die Liebe zu dir selbst und zur Welt? Hast du unter all deiner Arbeit und deiner Lust Gott beständig vor Augen und im Herzen gehabt? Hast du ihm für seine milden Gaben immer gedankt, wie sich's gebühret? Hast du auch unter dem Kreuz geduldig und von Herzen gesagt: ,, Nicht mein, sondern dein Wille geschehe?" Lies das zweite Gebot: ,, Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst," hast du denn dieses Gebot gehalten, nichts gegen Menschen gethan, gegen keinen Menschen, als was du wolltest, daß die Menschen dir thun sollten, dem Nächsten, auch dem Beleidiger alles Gute erwiesen, und das mit einem willigen und liebevollen Herzen? Bist du in allen Stücken deinen Eltern ehrerbietig, gehorsam, dankbar gewesen, verträglich und einträchtig mit deinen Geschwistern? Hast du dich vor jeder Lüge, vor jedem ungebührlichen Worte gehütet? Hast du jede Unlauterkeit, Unkeuschheit und böse Lust aus deinem Herzen, jede Unart aus deinem Verhalten ferne gehalten? Hast du nicht blos nichts Böses gethan, sondern auch nichts Gutes unterlassen? Ach, wenn du freilich dir aus deinen Sünden nichts machst, ja alle deine Uebertretungen nicht für strafbar und verdammlich hältſt, dann bist du gleich fertig; aber du bist dann nur wie ein recht häßlicher Mensch, der sich einbildet, er wäre schön. So wir sagen, wir haben keine Sünde, so verführen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns." Wenn du dich aber recht ernstlich vor deinem Gott prüfest, von dem es heißt: ,, Du bist nicht ein Gott, dem gottloses Wesen gefällt; wer böse ist, der 11 - - 24 - bleibet nicht vor dir," wenn du dein Gewissen durch sein Gesetz aufweckest, dann mußt du ja sprechen: Wo soll ich fliehen hin, Weil ich beschweret bin Mit viel und großen Sünden? Wo kann ich Rettung finden? Wenn alle Welt herkäme, Mein' Angst sie nicht wegnähme! Siehe, der fromme Hiob bekennt in tiefer Demuth: ,, Wer will einen reinen finden bei denen, da Keiner rein ist?" Und David, der Mann nach dem Herzen Gottes, hat sich in seinen Bußpsalmen so tief vor Gott gebeugt und gerufen: ,, So du willst, Herr, Sünde zurechnen, Herr, wer wird bestehen?" Und die Jünger und Apostel wissen nichts anders von sich zu sagen; Petrus ruft: ,, Herr, geh' von mir hinaus, ich bin ein sündiger Mensch!" Paulus bekennt: Ich weiß, daß in mir, das ist in meinem Fleische, wohnet nichts Gutes!" Jakobus bestätigt: ,, Wir fehlen Alle mannichfaltig;" und der Jünger, den der Herr lieb hatte, scheuet sich nicht zu bezeugen: So wir sagen, wir haben nicht gesündigt, so machen wir ihn zum Lügner!" Unter einem solchen Haufen Zeugen, was willst du da sagen? Wie willst du dich da entschuldigen und rein waschen? 11 Aber, sagst du, das will ich auch nicht; ich weiß, daß ich Sünde habe; aber wenn ich sie bereue und mich bessere, sollte mir da Gott nicht vergeben? Ja wohl wird die Sünde nicht vergeben, wenn sie nicht bereuet wird, und die wahre, aufrichtige Reue findet Gnade bei Gott, wie bei Menschen. Aber darfst du sagen, daß du auch mit dem bittersten Weh deiner Reue der ewigen Gerechtigkeit genug gethan? Kann deine Reue die entschwundene Zeit wieder zurückrufen, auch nur eine Stunde deines entschwundenen Lebens?- 25 - Auch ohne Besserung, Bekehrung, das weiß jeder Christ, ist keine Vergebung der Sünden zu finden. Aber meineſt du, du brauchtest dem heiligen und gerechten Gott nur Besserung zu versprechen, dann wäre Alles gut? Können auch durch eine wahrhaftige Bekehrung die Sünden hinweggenommen werden, die von den vorigen Tagen gegen dich zeugen? Und weißt du denn nicht, daß auch im Stande der Gnade dein bestes Werk, das du thun kannst, noch mit Sünde befleckt ist? Und wie, wenn dir denn endlich auf dem Sterbebette alle diese deine Vergehungen wie Ankläger vor die Seele treten, wo zu keiner Besserung mehr Zeit ist? Doch genug; du sprichst ja selbst jetzt wohl mit Bangen: Wo soll ich fliehen hin? Und da tritt dir dein Gott in seinem Evangelium entgegen und spricht: Ich, ich tilge deine Uebertretung; Den, der von keiner Sünde wußte, habe ich für dich zur Sünde gemacht, auf daß du würdest in ihm die Gerechtigkeit, die vor mir gilt!" Da ist das Versöhnungsmittel, welches von Gott gültig erkannt ist; da zeigt er dir, wie schrecklich er zürnt über die Sünde, also daß nur das Opfer, welches sein einiger Sohn ihm am Kreuze dargebracht, diese versöhnen konnte; aber zugleich, wie bereit er ist, um dieses seines Sohnes willen dir alle deine Sünden zu vergeben, welcher ist die Versöhnung für unsere Sünden, ja für die Sünden der ganzen Welt." O glaube auch du an dieses Wort, es ist des ganzen Evangeliums Kern und Krone. Seße dich mit deinen Sünden reuig und bußfertig täglich unter Jesu Kreuz und sprich: O Jesu voller Gnad', Auf dein Gebot und Rath Kommt mein betrübt Gemüthe Zu deiner großen Güte; Laß du auf mein Gewissen Ein Tröpflein Gnade fließen. 26 -- Dann wirst du Ruhe finden für deine Seele; dann wirst du zittern lernen vor der Sünde, aber nicht verzagen; dann wirst du das Vertrauen auf die eigene Gerechtigkeit wegwerfen, aber desto fröhlicher sprechen: ,, Christi Blut und Gerechtigkeit, Das ist mein Schmuck und Ehrenkleid; Damit will ich vor Gott bestehen, Wenn ich zum Himmel werd' eingehen." Dazu will ich dir eine Geschichte erzählen. Zu Luthers Zeiten lebte ein Herzog Georg zu Sachsen. Der war dem Reformator und seiner Lehre gar nicht hold, sondern hat die katholische Kirche und Lehre sehr eifrig verfochten und geschützt. Aber auf seinem Sterbebette konnte er keinen Trost darin finden, darauf er sich hätte zufrieden geben können. Als nun in seiner legten Todes- Noth die Geistlichen um ihn herliefen, und der eine ihn an diesen, der andere an jenen Heiligen weisen wollte, trat seiner Hofleute einer zu ihm und sprach: ,, Gnädigster Fürst und Herr! Eure Gnaden haben ein alt Sprüchwort, das Sie pflegen zu sagen: „ Geradezu macht gute Renner!" Was wollen Eure Gnaden jetzt viel Umwege nehmen und bei den Heiligen Fürbitte oder Hülfe suchen? Jetzt ist es Zeit! Geradezu, gnädigster Fürst und Herr, allein auf das Verdienst des bittren Leidens und Sterbens unsers einigen Mittlers Jesſu Christi, geradezu ohne Umschweif!"- Diese gute Vermahnung hat der Herzog mit Dank angenommen und sich darauf zufrieden gegeben, ist auch bald hernach sanft verschieden. Siehe, den Rath gebe ich dir auch, mein Kind! Geradezu auf Christi Verdienst verlaß dich! Brauchſt nicht zu glauben, daß dich diese Lehre unserer evangelischen Kirche träg und unfruchtbar im Guten lasse, Univ.- Bibl. Giessen 27- als wäre damit einem todten Glauben das Wort gerebet, als dürfte Einer sprechen: ,, Nun, der Herr Christus hat die Strafe meiner Sünden getragen, meine Schuld bezahlt und mir Gottes Gnade erworben, also kann und darf ich nun leben, wie ich will, die Seligkeit kann mir nicht fehlen." So hat noch kein wahrer Christ gesprochen. Denn wer einmal den Schmerz der Buße und die göttliche Traurigkeit der Rene über seine Sünden empfunden hat, der hat sich von der Herrschaft der Sünde losgesagt; wer einmal erkannt hat, daß auch er mit seinen Sünden Christum, den Sohn Gottes, an's Kreuz geschlagen hat, wie kann der denn noch ferner der Sünde dienen? Ich denke, wer schon einmal dem Ertrinken nahe gewesen, aber von einer hülfreichen Hand aus dem Wasser gerettet worden ist, der wird's sobald nicht mehr versuchen. Denke an den verlornen Sohn! Er, der das Elend seines Ungehorsams bis auf die Hefe geschmeckt hatte und von seinem Vater mit einer so freundlich entgegenkommenden Gnade aufgenommen worden war, ist gewiß nicht gleich wieder aus dem Vaterhause fortgelaufen und hat sich auf's Neue in's Elend gestürzt. O nein, jetzt war er seinem Vater mit recht dankbarer Liebe ergeben, und mit neuem Gehorsam hat er gewiß seinen Willen erfüllt. Siehe, so verhält sich's auch mit einem durch Gottes Gnade Gerechtfertigten. Der weiß, was er der Gnade seines Gottes zu danken hat, und wie die Sünde so überaus unglücklich macht, daß er gewiß spricht: - „ Ich will an's Kreuz mich schlagen, Mit dir und dem absagen, Wonach das Fleisch gelüft; Was deine Augen hassen, Das will ich flieh'n und lassen, So viel mir immer möglich ist." 28 1 Der Glaube, der mit der einen Hand die Gerechtigkeit Christi ergreift, reicht die andere aber auch hülfreich den Brüdern dar und will durch Liebe ihnen ein klein wenig die Liebe des Heilands vergelten. Mit dem Glauben ist ja die Liebe in unserm Herzen geboren, und diese ist dann die Quelle aller guten Werke und fragt nicht erst, ob gute Werke zu thun ſind, sondern, ehe man fragt, hat sie sie schon gethan. Darum ein Glaube ohne Liebe ist wie ein Leib ohne Leben. Ein Glaube ohne gute Werke, ohne Freundlichkeit, Gefälligkeit, Dienstfertigkeit, Gerechtigkeit, Gütigkeit, Barmherzigkeit, Wohlthätigkeit, Wahrhaftigkeit, Billigfeit, Sanftmuth, Demuth, Geduld, Sittsamkeit und Keuschheit, Fleiß und Treue, ein Glaube ohne Gehorsam gegen Gottes Gebote, ohne einen unsträflichen Wandel vor Gott und Menschen ist wie ein Licht, das nicht leuchtet, wie eine Blume, die nicht riecht, wie ein Baum, der keine Frucht bringt. Werke und Glauben verhalten sich wie Mutter und Tochter; die können nicht getrennt werden. Darum halte den Glauben so hoch, als ob es auf die Werke gar nicht ankäme. Hinwiederum sei so fleißig in guten Werken, als wenn der Glaube eine gleichgültige Sache wäre. Sehr schön sagt Luther:„ Die ganze Summe des christlichen Verstandes soll man in zwei Stücke fassen, als in zwei Säcklein im Herzen, welche sind Glaube und Liebe. Des Glaubens Säcklein habe zwei Beutelein; in dem einen stecke das Stück, daß wir glauben, wie wir durch Adams Sünde allzumal verderbt, Sünder und verdammt sind. Im andern stecke das Stück, daß wir alle durch Jesum Christ von solchem verderbten, sündlichen, verdammten Wesen erlöset sind. Der Liebe Säcklein habe auch zwei Beutelein; in dem einen stecke das Stück, daß wir Jedermann sollen dienen und wohlthun, wie uns Christus gethan hat; im andern das Stück, daß wir allerlei Böses gern leiden und 29 - dulden sollen." Laß dir erzählen! Der Graf von Zinzendorf, der Erneuerer der Brüdergemeinde, hatte schon in frühester Jugend in lebendigem Gebetsverkehr mit dem Heilande gestanden und ihm gelobt: „ Sei du mein, lieber Heiland; ich will dein sein." In seinem 19. Lebensjahre ward er auf Reisen geschickt. Da fand er in einer Gemäldesammlung zu Düsseldorf das Bild eines leidenden Christus, das auf ihn einen unauslöschlichen Eindruck machte. Es trug die Unterschrift: ,, Das Alles habe ich für dich gethan, was thust du für mich?" Und beschämt gedachte der Jüngling, wie wenig er noch gethan, und wünschte, „ daß ihn der Heiland mit in die Gemeinschaft seiner Leiden hineinreißen möchte, wenn sein Sinn nicht hinein wollte." Später, auf einer andern Reise, kam der Graf als Fremdling in ein Gasthaus auf dem Lande. In der Stube hing ein Bild Christi am Kreuze. Als er allein im Zimmer war, schrieb er jene Unterschrift unter das Bild. Nach Jahr und Tag kam er wieder. Da bewillkommneten ihn Wirth und Wirthin auf das Herzlichste und dankten ihm für die Unterschrift, die ihnen die Augen über sich selbst und ihren Heiland aufgethan haben. Siehst du, so soll die Liebe, die den Herrn Jesum für uns in den Tod gehen ließ, uns dringen, ihm wieder zu dienen mit Allem, was wir sind und haben. Aber etwas Anderes ist es, gute Werke thun und auf seine guten Werke seine Seligkeit bauen. Obwohl uns der Herr gar ernstlich ermahnt hat, seine Gebote zu halten, und gesagt hat: ,, Wer meine Gebote hat und hält sie, der ist's, der mich liebt;" obwohl die lieben Apostel uns gar fleißig zur Uebung in der Gottseligkeit ermahnen, daß wir mit Früchten der Gerechtigkeit erfüllt werden möchten, so haben sie doch nirgends geſagt, daß wir uns damit die Seligkeit verdienen könnten. Am Tage des Gerichtes wird freilich der Herr uns 30 nach unseren Werken richten, wie Matth. 25 zu lesen ist; das thut er, weil eben die Werke der Erweis unseres Glaubens sind, denn er nennt dort lauter Werke, die aus der Liebe zu ihm herausgeflossen sind; die aber todter Werke vor ihm sich rühmen wollen, weist er als Uebelthäter von sich. So bleibt es denn bei dem, was jenes Lied singt, womit uns die Bürger zu Heidelberg am Weihnachtsfeste 1545 in der HeiligenGeistkirche die Reformation ersungen haben: Es ist das Heil uns kommen her 11 Von Gnad' und lauter Güte; Die Werke helfen nimmermehr, Sie mögen nicht behüten. Der Glaub' sieht Jesum Chriſtum an; Der hat genug für uns gethan, Er ist der Mittler worden." Mein Kind, in Christo Jesu gilt nur der Glaube, der durch die Liebe thätig ist." Um die bete fleißig, daß du in einem Stande guter Werke erfunden werdest und sie dir einst nachfolgen, wenn du im Herrn entschlafen sein wirst. Das will der Herr Christus von uns haben. Ein König will ja, daß die Bürger seines Reiches auch seine Befehle halten. Nun ist aber der Herr Christus unser König, der uns mit seinem Wort und Geist regiert, damit wir in seinem Reiche unter ihm leben und ihm dienen in ewiger Gerechtigkeit, Unschuld und Seligkeit. Wie er als Prophet durch sein Wort unsere Erkenntniß erleuchtet und als Hoherpriester uns den Frieden der Vergebung schenkt im Glauben, so erfüllt und durchdringt er mit seiner Kraft und macht als König unsern Willen, daß er heilig sei und dem Guten nachjage. Am Himmelfahrtsfeste hat er sein königliches Regiment angetreten, und ob er wohl zur Rechten Gottes sigt, mit Herrlichkeit, Macht und Gewalt über - 31 Himmel und Erde gekrönet, so ist er doch bei uns alle Tage bis an der Welt Ende und schüßt uns und seine ganze Kirche wider des Teufels Macht und List, so daß wir in allen Stürmen und betrübten Zeiten auf seinen starken Arm hoffen und singen dürfen: Ein' feste Burg ist unser Gott," bis er einst wieder kommen wird prächtig und mächtig, seinen Freunden zum Troste, seinen Feinden zum Schrecken- als des Menschen Sohn. Und das ist ein großer Trost, daß des Menschen Sohn unser Richter sein wird, denn er ist ja auch versucht worden allenthalben, gleich wie wir, doch ohne Sünde. So weiß er, wie es einem armen Menschenherzen im Kampfe mit der Sünde zu Muthe ist, und hat Mitleid mit unserer Schwachheit und wird ein barmherziges Gericht über uns ergehen lassen. Das wird ein Christenmensch alsbald nach seinem Tode erfahren. Denn es soll ja unsere Seele nach dem Tode alsbald zu Christo, ihrem Herrn, kommen, wenn sie hienieden ihm im Glauben angehangen und treu gewesen ist bis in den Tod. Ist sie das gewesen, dann verliert sie nichts im Tode. Nein, dem Glänbigen ist der Tod kein Verlust, sondern ein reicher Gewinn, wie St. Paulus gesagt hat: ,, Christus ist mein Leben und Sterben mein Gewinn." Da braucht man sich also nicht vor dem Tode zu fürchten. Der Herr Jesus hat ihm ja die Macht genommen, und als Christ weißt du ja, wohin du nach dem Tode kommſt. Das hat freilich der heidnische Kaiser von Rom, Adrianus, nicht gewußt, denn vor seinem letzten Ende sprach er: ,, Du, meine liebe, arme Seele, bist bisher ein Gast und Gefährte meines Lebens gewesen, wo willst du denn nun hinfahren, indem du von mir scheidest?" Gottlob, wir können wissen, wohin unſere Ein Seele fährt bei dem Abschied aus dieser Welt. gläubiger Christ kann getrost wie der christliche Poet Hessus sprechen, welcher auf die Frage eines ihn - - 32 - besuchenden Freundes: ,, Ei, wie steht's mit euch? was habt ihr vor, daß ihr so schwach seid, Herr Magister?" zur Antwort gab: Ich will zu meinem lieben Herrn Christus in den Himmel fahren." So heißt es ja auch in dem alten, schönen Sterbliede: ,, Christus, der ist mein Leben, Und Sterben mein Gewinn; Ihm hab' ich mich ergeben, Mit Fried' fahr' ich dahin. - Mit Freud' fahr' ich von dannen Zu Christ, dem Bruder mein, Daß ich mög' zu ihm kommen Und ewig bei ihm sein." Willst du aber zu Christo fahren, so mußt du hier schon in Christo leben, denn ein Spruch der Väter lautet: ,, Mensch, wie du glaubst, so lebst du; und wie du lebst, so stirbst du; und wie du stirbst, so fährst du; und wie du fährst, so bleibst du, im Himmel zur Freud', in der Hölle zum Leid, an beiden Orten in Ewigkeit." Wie wird's aber nach dem Tode sein? So hast du wohl auch schon gefragt. Nun, da gibt's ein Wiedererkennen und Wiedersehen. Denke nur an die Erzählung vom reichen Mann und dem armen Lazarus. Der reiche Mann hat den Lazarus auch gleich wieder erkannt und auch den Abraham, den er doch in seinem Leben nicht geſehen hatte. Es war das freilich kein fröhliches Wiedersehen, sondern für den reichen Mann ein trauriges. Siehst du, es sprechen so viele Leute vom Wiedersehen nach dem Tode und meinen immer nur ein schönes, seliges Wiedersehen. Es kann aber auch ein Wiedersehen in der Hölle geben. Nur den Kindern Gottes ist ein seliges Wiedersehen daheim beim Herrn bereitet. Da wirst du deinen Vater, deine Mutter, deinen - 33 Bruder, deine Schwester wiedersehen, wenn sie selig gestorben sind und du ihnen selig nachgefolgt sein wirst. Auch andere Selige wirst du kennen lernen, die du in deinem Leben nicht gesehen, von denen du aber viel gehört hast; so die Patriarchen, Propheten, Apostel, auch unsere theuren Reformatoren und viele andere Gottes- Männer. Und ich kann dir sagen, ich freue mich recht darauf, diese alle einmal im Himmel sehen und ihnen danken zu dürfen für alles Gute, was sie durch Gottes Gnade zum Heile der Menschheit gethan haben. „ Da wird sein das Freudenleben, Wo viel tausend Seelen schon Sind mit Herrlichkeit umgeben, Dienen Gott vor seinem Thron; Wo die Seraphinen prangen Und das hohe Lied anfangen: Heilig, heilig, heilig heißt Gott der Vater, Sohn und Geist. Wo die Patriarchen wohnen, Die Propheten allzumal; Wo auf ihren Ehrenthronen Sizet die gezwölfte Zahl; Wo in so viel tausend Jahren Alle Frommen hingefahren; Wo dem Herrn, der uns versöhnt, Ewig Hallelujah tönt." Lieber, da wirst du es erst recht erkennen, was du deinem Heilande zu danken hast; wirst dich auch noch erinnern an dein hier durchlebtes Leben und an die Verhältnisse, in denen du hier gestanden. Denn der reiche Mann erinnert sich noch gut, daß er noch fünf Brüder in der Welt hat, die gerade so gottvergessen leben, wie er. Es regt sich auch noch das brüderliche 3 - 34 -- Mitgefühl, er möchte sie nicht auch an den Ort der Qual kommen sehen. Oso habe du doch jetzt schon deine Geschwister und alle die Deinigen recht lieb und bete fleißig für sie, daß sie mit dir einmal selig werden und du keines derselben am Orte der Qual sehen mußt; denn das lernst du auch aus dieser Geschichte, daß es in der Ewigkeit nur zwei Orte gibt, einen Himmel und eine Hölle und dazwischen eine unübersteigliche Kluft. O sorge doch, daß du einmal in den Himmel kommst, denn die Qual der Hölle hat kein Ende. Alles Elend, Kreuz und Leid nimmt doch mit der Zeit ein Ende. Wenn es auch noch so lange währt, so hast du doch die Hoffnung, daß es einmal aufhören wird, und kannst sagen: Endlich, endlich wird es doch mit der Noth ein Ende nehmen." Aber die Qual der Hölle hat kein Ende; da gibt es keine Hoffnung mehr. Im Himmel aber ist Freude die Fülle und liebliches Wesen ewiglich. Drum ,, Hilf, Gott, daß Jeder kommen mag, Wo tausend Jahr' sind als ein Tag; Vor dem Ort uns, o Gott, bewahr', Wo ein Tag ist als tausend Jahr'." Es war einmal ein Hirtenbüblein, das war wegen seiner weisen Antworten, die es auf alle Fragen gab, weit und breit berühmt. Der König des Landes hörte davon, ließ es kommen und fragte es: Wie lang dauert die Ewigkeit?" Da sprach es:" In Hinterpommern liegt der Demantberg, der hat eine Meile in die Höhe, eine Meile in die Breite und eine Meile in die Tiefe. Dahin kommt alle 100 Jahre ein Vögelein und weßt sein Schnäbelein daran, und wenn der ganze Berg abgewetzt ist, dann ist die erste Secunde der Ewigkeit vorbei." Aber, mein Kind, nach dem Tode ist die volle Seligkeit noch nicht angebrochen. Denn siehe, während - 35 - die Seele im Himmel ist, liegt der Leib im Grabe, und die Zwei gehören doch zusammen. Wie ein Samenkorn wird er in die Erde gesäet verweslich, aber er wird auferstehen unverweslich. Der Herr Christus wird ihn auferwecken am jüngsten Tage. Der Leib hat ja der Seele in diesem Leben Gesellschaft geleistet, sowohl wenn sie Gutes, als auch wenn sie Böses gethan hat. Also ist nun billig, daß sie und der Leib gleicher Freud' und Strafe unterworfen feien, weil die Seele durch den Leib ihr Gutes oder Böſes verrichtet hat. Dies anzudeuten, hat man vor Zeiten sich erzählt: Es hat ein reicher Mann sich einen Garten gepflanzt und denselben mit köstlichen Bäumen besegt, die trugen die allerbesten Früchte. Da mußte er verreisen, und damit ihm Niemand dieselben Früchte pflücken möchte, nahm er alles Hausgesinde mit hinweg, nur zwei Diener ließ er zurück, Sorge zu tragen für das Schloß und den Garten, hoffend, daß vor ihnen sein Garten sicher wäre: einen, der sah genau mit seinen Augen, war aber lahm, daß er nicht gehen konnte, und einen, der war an den Füßen gesund, war aber blind und konnte nichts sehen. Da nun der Herr des Gartens hinweggezogen war, haben die untreuen Diener mit einander ausgemacht, wie sie die Früchte möchten zu essen bekommen. Der Blinde sagt: Ich wollte sie wohl holen, aber ich sehe sie nicht; der Lahme sagt: Ich sehe sie wohl, aber ich kann nicht hingehen. Endlich werden sie einig, daß der Blinde sich soll auf die Erde legen und den Lahmen auf den Rücken nehmen. Derselbe regiert dann den Blinden mit der Hand, sie kommen zum Baum und büßen also ihre Lust mit den schönen Früchten. Da der Herr des Gartens wiederkommt und des Schadens wahrnimmt, fängt er an zu zürnen mit den Wächtern. Der Lahme entschuldigt sich damit, daß er ja nicht habe können gehen zu den Bäumen, der Blinde damit, daß er die Früchte habe 3* 36 nicht sehen können. Da merkt der Herr ihre List und Bosheit und spricht: Ihr habt zusammen gethan, darum will ich euch wieder zusammen thun und mit einander euch strafen." So ist es auch mit dem Menschen. Die Seele ist zu vergleichen dem Lahmen, die sieht, erkennt und versteht, aber außerhalb kann sie nichts verrichten; der Leib ist der Blinde, der ist an sich selbst ungefährlich und weiß nichts, ohne wozu er von der Seele getrieben wird, ist aber ein tüchtig Werkzeug zu äußerlichen Händeln. Wenn es aber so ist, so gibt es Vernunft und Gerechtigkeit, daß Leib und Seele bei der Auferstehung wieder zusammenkommen und mit einander Lohn und Strafe theilen müssen. Von der Auferstehung selbst aber sagt gar schön der Dichter des Liedes Jerusalem, du hochgebaute Stadt," Dr. Meyfahrt, der von 1590 bis 1642 gelebt hat: ,, Wenn die auserwählte Seele unter so vielen Tausendmaltausend von den Engeln zu ihrem vorigen, aber zum heiligsten und herrlichsten wieder auferweckten Leibe gekommen ist, wird sie ohne Verzug sich hineinschwingen, geschwind alle Glieder durchlaufen, das Herz einnehmen, das Haupt regieren und wie eine großmächtige Königin in ihrem königlichen Palast sich erzeigen. Ja, menschlich davon zu reden, wird sie ihrem Leibe lieblich zusprechen; O du gesegneter Leib, du Empfinder meiner Schmerzen, du Vergießer meiner Thränen, du Mitträger meines Kreuzes, du beständiger Gesell in meinem Elend, du getreue Hilfe meiner Werke! Wie sanft hast du in deinem Schlaffämmerlein geruht! Siehe wie so rein und schön hast du die Sünde abgelegt und bist aller Flecken, aller Ungestalt, aller Gebrechlichkeit entledigt worden! Siehe, du wurdest gefäet in dein Grab verweslich und bist auferstanden unverweslich; du wurdest gesäet in Unehren, daß Jedermann einen Abschen an dir hatte, und bist auf - - 37 - erstanden in Herrlichkeit; du wurdest gesäet in Schwachheit und bist auferstanden in Kraft! Und nun ist es an dem, wir wollen beide zugleich vor den Richterſtuhl Jesu Christi zu der rechten Hand, zur großen Schaar der Auserwählten uns stellen und in das himmlische Paradies mit einander gehen. Zwar ich und du haben nach unserm Abschied einen sehr ungleichen Stand empfunden: ich bin versetzt worden in den Himmel, du verscharret in die Erde; ich bin versetzt worden in das Licht, du verscharret in Finsterniß; ich bin versetzt worden zu der Schaar der Engel, du verscharret zu der Menge der Würmer; ich bin vor Gott gelabet, du von dem Ungeziefer genagt worden. Wiewohl es seliger ist ergangen mir in dem Himmel, als dir in der Erde, so ist es doch nun an dem, daß wir unzertrennet beisammen wohnen werden. Wohlan, das Blatt hat sich gewendet, wir sind zusammen gekommen, einen gleichen Stand unaufhörlich zu besigen." Die Auferweckung der Todten wird nun bei der Wiederkunft Christi geschehen. Du fragst, wann wird er wiederkommen? Mein Kind, das weiß ich nicht, aber das weiß ich, daß diese Mischgestalt der Welt, dieses Untereinanderwohnen von Guten und Bösen, Gerechten und Ungerechten nicht in Ewigkeit so fortgehen kann und soll. Der Herr wird ihr ein Ende machen. Lies nur Matth. 24 und 25, da hat er es gesagt. Auch erfahren wir dort, was für Zeichen seiner Wiederkunft vorangehen werden, Zeichen oben am Himmel und unten auf Erden, Zeichen in der Schöpfung und in der Völkerwelt. Zuvor muß das Evangelium gepredigt werden in aller Welt, womit freilich nicht gesagt ist, daß alle Völker sich zum Herrn bekehrt haben müßten. Sie sollen nur das Evangelium gehört haben, damit sie keine Entschuldigung haben. Ebenso muß zuvor noch der Antichrist kommen, der Mensch der Sünde, der sich selbst zu Gott macht und 38 göttliche Verehrung für sich fordert und die Kinder Gottes hart verfolgen wird. Innerhalb der Christenheit werden sehr Viele vom wahren Glauben abfallen und sich dem Reiche des Antichristen anschließen. Das kannst du Alles lesen 2. Thessalonicher 2 und in mehreren Kapiteln der Offenbarung Johannis. Darum gib Acht, mein Kind, auf die Zeichen der Zeit. Wir haben auch in unserer Zeit alle Ursache, mit Ernst zu beten das alte Abendlied: - - ,, Ach bleib' bei uns, Herr Jesu Christ, Dieweil es Abend worden ist, Dein göttlich Wort, das helle Licht, Laß ja bei uns auslöschen nicht. In dieser letzten betrübten Zeit Verleih' uns, Herr, Beständigkeit, Daß wir dein Wort und Sacrament Rein behalten bis an unser End'." Mein Kind, wache und bete, daß, wenn der Herr kommt, du würdig erfunden werdest, zu stehen vor seinem Angesicht!- Im Blick auf jenen Tag sprich mit dem frommen Liederdichter: „ Und ist er einst vorhanden, Alsdann erhör' mein Fleh'n Und lass' mich nicht mit Schanden Vor deinem Throne stehn; Stell' mich zu deiner Rechten Von aller Schuld befreit, Führ' mich mit deinen Knechten In deine Herrlichkeit." Wie schön wird's da sein! Im Jahre 1552 fehrte Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen aus seiner fünfjährigen Gefangenschaft, in der ihn Kaiser Karl V. - 39 - wegen seines evangelischen Bekenntnisses gehalten, endlich zurück. Als er in Coburg anlangte, haben ihn die Geistlichkeit, Rath, Schule und gesammte Bürgerschaft mit lautem Triumph empfangen. Neben den wohlgeschmückten Knaben standen die Jungfrauen mit auf gesetzten Rautenkränzen und begannen mit hellen Stimmen das Lied:„ Herr Gott, dich loben wir" zu singen. Während des Einzuges hat der edle Fürst sich der Thränen nicht enthalten können, sondern zum evangelischen Bischof zu Naumburg, Nikolaus von Amsdorf, der mit ihm auf dem Wagen saß, gesprochen: Wer bin ich sterblicher und sündlicher Mensch, daß mir solche Ehre widerfahren soll?" Darauf hat der Bischof geantwortet, der Kurfürst solle zufrieden sein, dies wäre nur der Anfang; wenn er zur Stätte der Ewigkeit gelangen würde, würde es viel besser und er noch viel herrlicher eingeholt werden als ein Streiter Christi, der in großer Trübsal überwunden hat. 11 Wahrlich ja, es wird ein überaus herrlicher Einzug sein, wenn die Erlöseten des Herrn wiederkommen werden gen Zion mit Jauchzen; dann wird ewige Freude über ihrem Haupte sein. Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird weg müssen. 11 Aber, mein Kind, diese Freude des ewigen Lebens wird dir nur dann zu Theil, wenn du ein wahrer Christ bist. Ein solcher kannst du aber nur durch den heiligen Geist werden. ,, Es ist je gewißlich wahr," sagt Luther, ,, Christus hat es Alles ausgerichtet, Sünde hinweggenommen und Alles überwunden, daß wir durch ihn sollen Herren sein über alle Dinge. Da liegt der Schatz auf einem Haufen; er ist aber da nicht überall ausgetheilt, noch angelegt. Darum sollen wir ihn haben, so muß der heilige Geist kommen, der uns in's Herz gebe, daß wir glauben und sprechen: Ich bin auch einer, der solch Gut haben soll." Solches - - 40 - hast du ja auch im III. Artikel vom heiligen Geiste bekannt, da du sagtest: Ich glaube, daß ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesum Christum, meinen Herrn, glauben oder zu ihm kommen kann, sondern der heilige Geist, ewiger Gott, gleich dem Vater und Sohne, hat mich durch das Evangelium berufen, mit seinen Gaben erleuchtet, im rechten Glauben geheiliget und erhalten." Was der Saft im Baume, das ist der heilige Geist in uns. Ein Baum ohne Saft kann nicht grünen, blühen und Frucht bringen. Ein Mensch ohne den heiligen Geist bleibt gottlos, lieblos, unlustig, verzagt, gerichtet und verdammt. Wer aber den heiligen Geist hat, dem kommt Alles, was Christus gethan hat, zu gut, der wird gereinigt, getrost, gottesfürchtig, erquickt, voll Liebe zu Gott und den Menschen, fröhlich und selig. Diesen heiligen Geist kannst du nun haben, denn Gott gibt ihn Allen, die ihn darum bitten. Auch hat er schon seit deiner Taufe mit dir zu schaffen und dich in seine Arbeit, Zucht und Pflege genommen. So ruft er dir zu, zu Christo kommen und in sein liebes Reich eingehen zu wollen. Wenn du deine Bibel liest und es trifft ein Spruch dein Herz; wenn du eine Predigt hörst, die dir zu Herzen geht; wenn die Stimme deines Gewissens zu dir spricht; in Glück und Unglück, in Trauer und Freud'; bei der Arbeit am Tage und bei der Ruhe der stillen Nacht flopft er bei dir an. Wenn du eine Unruhe in dir fühlst und dich die Welt mit ihrer Lust nicht mehr befriedigt; wenn du an einem Krankenbette weinst, an einem Sterbebette seufzst, an einem Grabe klagst; wenn dich Vater oder Mutter, Freund oder Freundin ermahnen, es ist der heilige Geist, der dich beruft und bittet: Komm doch zu Jesu und eile in seine offenen Liebesarme. Da hast du's gut, denn wo Jesus Christus ist, der Herr, wird's alle Tage 11 - 41 herrlicher." Mein Kind, folge dem Rufe und Zuge des heiligen Geistes frühe, denn du weißt nicht, ob du ihm später noch folgen kannst. Und wenn du auch später noch zu deinem Heilande kommst, hast du doch viele schöne Tage und Stunden verloren und wirst klagen müssen: „ Ach, daß ich dich so spät erkannte, Du hochgelobte Liebe du! Daß ich nicht eher mein dich nannte, Du höchstes Gut und wahre Ruh'! Es ist mir leid, ich bin betrübt, Daß ich dich hab' so spät geliebt." Folgst du aber dem Rufe des heiligen Geistes, so wird er auch in dir noch dieselben Wunder verrichten, von welchen der Herr Jesus seinen Jüngern Verheißungen gethan. Er wird dich in alle Wahrheit leiten, du wirst durch ihn erst recht sowohl über den verderbten Zustand deines eigenen Herzens, als über den wahren und seligen Sinn des Wortes Gottes aufgeklärt werden. Ich habe in meinem langen Leben zwei Dinge gelernt," hat der große Weltweiſe und fromme Christ Isaak Newton gesagt, das eine: daß ich ein großer Sünder bin, das andere: daß Jesus ein großer Heiland ist." Siehe, das ist die Sprache eines erleuchteten Christen; bitte du Gott fleißig, daß er dir zu seinem Worte solches Licht durch seinen heiligen Geist in dein Herz schenken möge. Er wird dich dann auch in diesem Lichte den rechten Weg finden lehren, der zu ihm führet. Das ist der Weg der Buße, der Weg der Bekehrung, ein schmaler Weg, ein dorniger Weg. Fürchte dich nicht vor ihm, wenn er auch recht tief hinab führt in Rene und Thränen; schrecke nicht zurück, wenn es dir angst und bange wird vor deinen Sünden, wenn du meinst, es gehe dir mit dem Ausziehen des alten Menschen, der durch Frrthum - 42- - in Lüsten sich verderbet, ein Stück von deinem Herzen; gehe nur tapfer diesen Weg, er führt durch's Sterben zum Leben! Aber siehe dabei nicht blos in die Noth und Nacht deines Herzens hinein und auf die Sünden deiner Jugend zurück, sondern auch im festen Glauben hinauf zu dem Herzen Gottes; auf seinem tiefen Grunde hat der heilige Geist die Worte geschrieben: Vergebung der Sünden. Und je fester du als ein bußfertiger Christ auf diese Worte schaust, desto heller wird es in deinem Herzen werden, desto fröhlicher wirst du mit dem Apostel Paulus rufen: Nun wir denn sind gerecht worden durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesum Christ;" desto getroster wirst du singen können: ff Jesus nimmt die Sünder an, Mich auch hat er angenommen Und den Himmel aufgethan, Daß ich selig zu ihm kommen Und auf den Trost sterben kann: Jesus nimmt die Sünder an." Und hältst du im Glauben diesen Trost nur recht fest, so wird dir der heilige Geist auch weiter zur Heiligung helfen; er wird dir Muth geben zum Kampfe gegen Sünde und Welt und dich zu einem Tempel Gottes machen, ja auch in dir wird er dann solche Gnadenwunder wirken, daß du aus eigener Herzenserfahrung singen lernst: ,, Christen sind ein göttlich Volk, Aus dem Geist des Herrn gezeuget, Ihm gebenget Und von seiner Flammen Macht angefacht; Vor des Bräut'gams Augen schweben, Das ist ihrer Seele Leben, Und sein Blut ist ihre Pracht. - 43 - Königskronen sind zu bleich Vor der gottverlobten Würde; Eine Hürde Wird zum himmlischen Palast, und die Last, Drunter sich die Helden klagen, Wird den Kindern leicht zu tragen, Die des Kreuzes Kraft gefaßt." 11 Siehe, so wirst du ein wiedergeborenes Gotteskind, ein Kind des Friedens, geschmückt je mehr und mehr mit Früchten der Gerechtigkeit; äußerlich vielleicht arm, verachtet, aber im Herzen schmeckst du die Kräfte der zukünftigen Welt, und es erfüllt sich auch an dir, was uns von den ersten Christen berichtet ist: sie leben im Fleisch, aber nicht nach dem Fleisch; sie wohnen auf der Erde, sie leben aber im Himmel; sie lieben Alle und werden verfolgt, verkannt, verdammt; sie sind arm und machen Viele reich; sie haben an Allem Mangel und an Allem Ueberfluß; sie werden beschimpft und segnen. Mit einem Worte: was in dem Körper die Seele ist, das sind in der Welt die Christen." Ja, unter der Leitung des heiligen Geistes wirst du werden, was dein Name besagt: ein Christ, der den Namen seines Herrn Christus als Ehrennamen trägt, ihn freudig vor aller Welt bekennet in Worten und Thaten, in Keuschheit, in Erkenntniß, in Langmuth, in Freundlichkeit, in ungefärbter Liebe, in dem Wort der Wahrheit, in der Kraft Gottes, durch Waffen der Gerechtigkeit zur Rechten und zur Linken; und dein Herr wird dich einst auch bekennen vor Feinem himmlischen Vater. Du wirst dich ihm, der sich zuerst für dich geopfert hat, zu einem lebendigen Dankopfer darstellen mit Allem, was du bist und hast, mit deinen Gebeten und deinen Gaben, die du für die Armen, für die Mission, für die Rettungshäuser, für den Gustav- Adolf- Verein und andere christliche 44 Liebeswerke gibst, und wirst mit diesem Allem ein rechter Priester Gottes werden. Und gekleidet in die Waffenrüstung, die Paulus Eph. 6 beschreibt, wirst du mit freiem Gewissen wider Sünde und Teufel streiten, damit du auch hernach mit Christo über alle Creaturen herrschen darfst. Aber das Alles mit dem fröhlichen Siegesliede: ,, Mit unsrer Macht ist nichts gethan, Wir sind gar bald verloren. Es streit't für uns der rechte Mann, Den Gott selbst hat erkoren. Fragst du, wer der ist? Er heißt Jesus Christ, Der Herr Zebaoth, Und ist kein andrer Gott; Das Feld muß er behalten." So rühmen mit dir alle wahren Glieder unserer theuren evangelischen Kirche, zu der du dich am Tage deiner Confirmation bekannt hast. Denn die zweite Frage, welche euch vorgelegt worden ist, hat geheißen: II. Bekennet ihr euch auch insbesondere mit Herz und Mund zu unserer evangelisch protestantischen Kirche, die in der heiligen Schrift den alleinigen Grund des Glaubens und die einzige Richtschnur des Lebens findet? Nun mußt du aber auch wissen, warum wir evangelische Christen heißen. Und das möchte ich dir in Fragen und Antworten geben, daß du es recht beherzigen und deiner Kirche dein Leben lang treu bleiben mögest. - 45 1) Also warum sind wir evangelische Christen? Weil das Evangelium von der freien Gnade Gottes in Christo Jesu unser einziger Trost, und darum die heilige Schrift als das geoffenbarte Wort Gottes die oberste und einzige Richtschnur unseres Glaubens ist; also daß wir nichts glauben, was dem flaren Worte Gottes widerspricht. 2) Können wir denn die heilige Schrift verstehen und selbst beurtheilen, was derselben angemessen ist und was ihr widerspricht? Ja; die heilige Schrift sagt uns so deutlich den Rathschluß Gottes zu unserer Seligkeit und legt sich so klar selbst aus, daß wir keinen weiteren Beistand als den des Gebetes und des heiligen Geistes vonnöthen haben. 3) Haben wir denn aber ein Recht, in der heiligen Schrift zu lesen, ohne daß uns dieselbe von Priestern ausgelegt wird? Ja; denn der Herr Christus hat selber geboten: ,, Suchet in der Schrift"( Joh. 5, 39), und von den Gliedern der Gemeinde zu Beröa schreibt Lukas in der Apostelgeschichte: ,, Sie waren die Edelsten unter denen zu Thessalonich; die nahmen das Wort auf ganz williglich und forschten täglich in der Schrift, ob sich's also hielte." So ist also selbst das Wort der apostolischen Predigt von den Gemeindegliedern geprüft worden an der heiligen Schrift. 4) Warum glauben wir denn an Jesum als an den einzigen Mittler zwischen Gott und den Menschen? Weil wir als evangelische Christen uns an die deutliche Lehre der heiligen Schrift halten. Die heilige Schrift sagt aber: Es ist Ein Gott und Ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus."( 1. Tim. 2, 5.) Und ist in keinem 11 46 - Andern Heil, ist auch kein anderer Name den Menschen gegeben, darin wir sollen selig werden." ( Apostelg. 4, 12.) 5) Warum glauben wir denn nicht an den Papst als den sichtbaren Stellvertreter Gottes auf Erden? Weil wir als evangelische Christen nichts glauben, was der klaren Lehre der heiligen Schrift widerspricht. Die heilige Schrift lehrt uns aber, daß Gott allmächtig, allgegenwärtig und allwissend ist( Ps. 139) und darum keines Stellvertreters bedarf. Und Christus sagt: Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende"( Matth. 28, 20), und wo er von seinem Heimgang zum Vater spricht, und daß er uns nicht Waisen lassen werde, da verheißt er uns als einzigen Tröster den heiligen Geist( Joh. 14, 16-17; Kap. 15, 26). 6) Hat er denn aber nicht das Papstthum eingesetzt, da er zu Petro sprach: Du bist Petrus und auf diesen Fels will ich meine Kirche gründen?( Matth. 16, 18.) Nein. Christus hat in diesen Worten vorausgesagt, daß der Apostel Petrus durch seine Predigt am ersten Pfingstfeste( Apostelg. 2) das Werkzeug zur Gründung der ersten christlichen Gemeinde in Jeruſalem sein solle. Von einem Bisthum in Rom sagt Christus nichts und noch weniger von einer Oberherrschaft, welche die künftigen römischen Bischöfe über die christliche Kirche ausüben sollten. Anmerkung. Von einer solchen Oberherrschaft weiß auch die Geschichte bis in's neunte Jahrhundert nichts. Auf den Kirchenversammlungen von Nicäa ( 325 n. Chr. Geb.), Constantinopel( 381) und Chalcedon( 451) nahmen die Bischöfe von Alexandria, Antiochia, sowie von Ephesus und Cäsarea, Constantinopel und Jerusalem den gleichen Rang 47 - mit den römischen ein. Der Kaiser Valentinian III. war es, der im Jahr 445 Rom für das Oberhaupt der Kirche des weströmischen Reiches erklärte. Die Oberherrschaft über die ganze Kirche nahm Rom erst im neunten Jahrhundert in Anspruch. 7) Warum rufen wir denn nicht die Heiligen, sonderlich nicht die Jungfrau Maria, um ihre Fürbitte an? Weil wir als evangelische Christen nichts thun, was im Widerspruch mit dem hellen und flaren Wort Gottes wäre. Das Wort Gottes sagt uns aber erstlich, daß solche Fücbitte unnöthig und überflüssig ist, denn Christus spricht: ,, Wahrlich, wahrlich, so ihr den Vater etwas bitten werdet in meinem Namen, so wird er's euch geben"( Joh. 16, 23), ,, Was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich thun"( Joh. 14, 13-14). Zum Zweiten aber ist die Anrufung der Heiligen unerlaubt; denn keine Creatur im Himmel und auf Erden ist allwissend, daß sie das Anrufen der Menschen hören und erhören könnte, und keine Creatur im Himmel und auf Erden steht uns so nahe und hat solche Liebe zu uns, wie der unerschaffene Gott und sein eingeborener Sohn, unser Heiland, der ,, bei uns ist alle Tage"( Matth. 28. 20) und mitten unter uns zu sein verheißen hat, wo zwei oder drei versammelt sind in seinem Namen( Matth. 18, 20). Daher die heilige Schrift uns die Anrufung jeglicher Creatur verbeut. Bist du doch unser Bater. Denn Abraham weiß von uns nicht und Israel fennet uns nicht. Du aber, Herr, bist unser Vater und unser Erlöser; von Alters her ist das dein Name."( Jes. 64, 16.) ,, Verflucht ist der Mann, der sich auf Menschen verlässet, gesegnet aber ist der Mann, der sich auf den Herrn verlässet, deß der Herr seine Zuversicht iſt." ( Jerem. 17, 5 und 7.) - 48 8) Thun wir schwache Geschöpfe denn aber nicht dennoch besser, wenn wir den großen Gott durch die Vermittlung der Heiligen anrufen, als wenn wir uns unterstehen, unmittelbar vor Gottes Thron uns zu wenden? 11 Nein. Denn Gott hat es uns in seinem Wort ausdrücklich befohlen, unmittelbar vor seinem Thron mit unsern Gebeten zu erscheinen. So wir denn nun haben die Freudigkeit zum Eingang in das Heilige durch das Blut Jesu, welchen er uns zubereitet hat zum neuen und lebendigen Wege durch den Vorhang, das ist durch sein Fleisch, und haben einen Hohenpriester über das Haus Gottes: so lasset uns hinzugehen mit wahrhaftigem Herzen, in völligem Glauben." ( Hebr. 10, 19-22.) ,, Darum lasset uns hinzutreten mit Freudigkeit zu dem Gnadenstuhl, auf daß wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden, auf die Zeit, wenn uns Hülfe Noth sein wird."( Hebr. 4, 16.) 9) Warum bezeigen wir denn der Jungfrau Maria keine besondere Verehrung? Wir verehren sie so, wie alle die andern auserwählten Werkzeuge Gottes in der heiligen Geschichte, nämlich als eine von Gott begnadigte Sünderin, und preisen sie selig( Luk. 1, 48), daß Gott ihre Niedrigkeit angesehen und sie( Vers 28 und 42) gebenedeit, d. h. gesegnet und auserlesen hat, dem Fleische nach die Mutter des Heilandes zu werden, der auch ihr Heiland und Erlöser von ihren Sünden ist( Vers 47). Wir wissen aber, daß Christus einen Jeden, der den Willen thut seines Vaters im Himmel, seiner Mutter an Ehren gleichgestellt hat( Matth. 12, 48). Auch finden wir in der heiligen Schrift kein Wort davon, daß irgend einer der Apostel oder neutestamentlichen Christen die Jungfrau Maria angerufen oder ihr übermenschliche Ehre überwiesen oder solche Verehrung angeordnet und geboten hätte. 49- 10) Warum verehren wir denn nicht die Gebeine und sonstigen Ueberbleibsel oder die Bilder alter Märtyrer? Weil wir als evangelische Christen uns an Gottes Wort halten, welches uns unser Vertrauen nicht auf Todtengebeine, sondern auf den lebendigen und allgegenwärtigen Gott zu setzen befiehlt. Soll nicht ein Volk seinen Gott fragen? Oder soll man die Todten für die Lebendigen fragen?"( Jesaja 8, 19.) Jch, der Herr, das ist mein Name; und will meine Ehre keinem Andern geben."( Jesaja 42, 8.) 11) Sollte es denn aber wirklich unrecht sein, den Reliquien der Heiligen Berehrung zu erweisen, da man doch im täglichen Leben allerlei Andenken an verstorbene Menschen und vergangene Dinge aufbewahrt und in Ehren hält? Solche Andenken haben als Erinnerungen menschlich betrachtet ihren Werth. Sobald man sie aber zu einem Gegenstand religiöser Verehrung macht oder Hülfe von ihnen erwartet, so werden auch die ehrwürdigsten Andenken zu einem Gräuel vor Gott. So lehret die heilige Schrift. Denn sogar die eherne Schlange Mosis( 4. Mos. 21) wurde von dem König Hiskia nach Gottes Willen zerstoßen, weil die Kinder Israel ihr Verehrung erwiesen hatten.( 2. Kön. 18, 4-6.) Und als der Leibrock Gideons in der Stadt Ophra verehrt wurde, da heißt es: Israel verhurete*) sich daran und es gerieth Gideon und seinem Hause zum Aergerniß."( Richt. 8, 27.) 12) Warum haben wir evangelische Christen keine Priester? *) Bekannter biblischer Ausdruck für Götzen- und Bilderdienst, vergl. Mos. 34, 15 f.; 5. Mos. 31, 16 u. a. 4 VI 50 Weil wir uns an Gottes Wort halten. Gottes Wort aber spricht: Ihr seid das auserwählte Geschlecht, das königliche Priesterthum, das heilige Volk, das Volk des Eigenthums"( wie Petrus an die Gemeinden schreibt 1. Petr. 2,9). - - 13) Bedürfen wir denn aber keiner Priester, die uns durch Opfer mit Gott versöhnen? Nein. Denn Christus, unser einiger Hohepriester, hat uns durch sein einmaliges blutiges Opfer am Kreuz vollkommen versöhnt. Wie geschrieben steht Hebr. 7, 23-27: ,, Und Jener( der levitischen Priester im alten Testament) sind Viele, die Priester wurden, darum daß der Tod sie nicht bleiben ließ. Dieser aber( Christus), darum daß er bleibet ewiglich, hat er ein unvergängliches Priesterthum, daher er auch selig machen kann immerdar, die durch ihn zu Gott kommen, und lebet immerdar, und bittet für sie. Denn einen solchen Hohenpriester sollten wir haben, der da wäre heilig, unschuldig, unbefleckt, von den Sündern abgesondert und höher, denn der Himmel ist; dem nicht täglich noth wäre, wie jenen Hohepriestern, zuerst für die eigene Sünde Opfer zu thun, darnach für des Volkes Sünde; denn das hat er einmal gethan, da er sich opferte." 14) Warum glauben wir denn aber nicht an das Meßopfer als an die unblutige Wiederholung des Opfers Chriſti? Weil wir als evangelische Christen nichts glauben, was dem Worte Gottes widerspricht. Das Wort Gottes schreibt aber: ,, Christus ist durch sein eigenes Blut einmal in das Heilige eingegangen und hat eine ewige Erlösung erfunden"( Hebr. 10, 12), und: ,, Mit Einem Opfer hat er in Ewigkeit vollendet, die geheiligt werden"( Hebr. 10, 14). Wenn wir 1 51 - - nun durch das Eine Opfer Christi in Ewigkeit vollendet sind, so ist nicht noth, daß dies Opfer unblutig wiederholt werde. 15) Sagt denn die heilige Schrift ausdrücklich, daß das Opfer Christi nicht wiederholt werden darf? Ja. Sie stellt es ausdrücklich als einen Beweis für die Unvollkommenheit der alttestamentlichen Opfer hin, daß dieselben wiederholt wurden, und als einen Beweis für die Vollkommenheit des Opfers Christi, daß dasselbe nicht wiederholt zu werden braucht und nicht wiederholt werden darf. ,, Christus ist in den Himmel selbst eingegangen, um zu erscheinen vor dem Angesicht Gottes für uns; auch nicht, daß er sich oftmals opfere, gleichwie der Hohepriester gehet alle Jahre in das Heilige mit fremdem Blut. Sonst hätte er oft leiden müssen vom Anfang der Welt her. Nun aber am Ende der Welt ist er einmal erschienen, durch sein eigenes Opfer die Sünde aufzuheben"( Hebr. 9, 24-26).„ Denn das Geseß hat den Schatten der zukünftigen Güter, nicht das Wesen der Güter selbst. Alle Jahre muß man opfern immer einerlei Opfer, und kann nicht, die da opfern, vollkommen machen. Sonst hätte das Opfer aufgehört, wo die, so am Gottesdienst sind, kein Gewissen mehr hätten von den Sünden, wenn sie einmal gereinigt wären"( Hebr. 10, 1-2). Und ein jeglicher Priester ist eingesetzt, daß er alle Tage Gottesdienst pflege, und oftmals einerlei Opfer thue, welche nimmermehr können die Sünden abnehmen. Christus aber, da er hat Ein Opfer für die Sünde geopfert, das ewiglich gilt, sigt er nun zur Rechten Gottes"( Hebr. 10, 11-12).- Wer also das Opfer Christi wiederholen will, der erklärt dasselbe damit für unvollkommen und macht sich einer Verlengnung dieses Opfers schuldig. 11 4* - 52 16) Warum lassen wir denn für unsere Verstorbenen keine Seelenmessen lesen? Weil wir als evangelische Christen uns an Gottes Wort halten, Gottes Wort uns aber lehrt, daß wir nicht durch Seelenmessen, die Andere für uns bringen, sondern durch den lebendigen Glauben, womit wir den Herrn Christum ergreifen, die Seligkeit ererben.„ Also hat Gott die Welt geliebet, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß Alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben." ( Joh. 3, 16.) 17) Gibt es denn kein Fegfeuer, in das die Seele der Gläubigen nach dem Tode kommen, und daraus sie durch besondere Anstalten erlöst und in den Himmel versetzt werden müssen? Nein. Die heilige Schrift sagt, daß, wer im Glauben des Sohnes Gottes stirbt, unmittelbar nach dem Tod in das ewige Leben zu Christo eingeht. Paulus schreibt:„ Ich habe Lust abzuscheiden und daheim zu sein bei dem Herrn"( Phil. 1, 23), und der Herr spricht: Wer mein Wort höret und glaubet dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen."( Joh. 5, 24.) Wer den Sohn hat, der hat das Leben."( 1. Joh. 5, 12.) 11 11 18) Lehret denn aber nicht Paulus ein Fegfeuer, 1. Cor. 3, 11-15? Nein. Er lehret dort klar und deutlich, daß wenn ein Christ auf den Grund, der gelegt ist, nichtige Werke menschlicher Weisheit aufbaut, diese Werke am Tage der Wiederkunft Christi nicht bestehen werden, sondern mit der Welt untergehen sollen. Daß aber die Seele des Christen nach dem Tode in ein Fegfeuer komme, um ihre Sünden selbst abzubüßen, die - 53 - ihr durch Christum doch vergeben worden sind, das lehrt der Apostel Paulus nicht. 19) Warum seßen wir denn unser Vertrauen nicht auf das Verdienst unserer guten Werke? Weil wir als evangelische Christen dem Wort unsers Herrn glauben, der da sagt: ,, Also auch ihr, wenn ihr Alles gethan habt, was euch befohlen ist, so sprechet: Wir sind unnüße Knechte, wir haben gethan, das wir zu thun schuldig waren"( Luc. 17, 10) und dem Worte des Apostels Paulus, der da schreibt: ,, Nicht daß ich es schon ergriffen habe, oder schon vollkommen sei. Ich jage ihm aber nach, ob ich es auch ergreifen möchte, nachdem ich von Christo Jesu ergriffen bin."( Ph. 3, 12.) So nun unsre besten Werke hienieden noch unvollkommen sind, so seßen wir unser Vertrauen vor Gott nicht auf diese unsere unvollkommene Gerechtigkeit, sondern auf Christi vollfommene Gerechtigkeit, nach dem Befehl des Apostels Petrus, der da schreibt: ,, Sezet eure Hoffnung ganz auf die Gnade, die euch angeboten wird durch die Offenbarung Jesu Christi."( 1. Petr. 1, 13.) Nein. 20) Wenn wir denn nicht durch das Verdienst unserer Werke, sondern allein durch den Glauben an die Gnade Christi gerecht werden, dürfen wir darum in der Sünde beharren? Sondern als evangelische Christen halten wir uns an das Wort Gottes, das da spricht: ,, Sollen wir denn in der Sünde beharren, auf daß die Gnade desto mächtiger werde? Das sei ferne! Wie sollten wir in der Sünde wollen leben, der wir abgestorben sind?"( Röm. 6, 1. 2.) Nachdem wir aus Gnaden Vergebung unsrer Sünden haben durch den Glauben an Christum, der uns geliebet hat, so folgen wir dem Worte des Apostels Johannes: ,, Lasset uns ihn lieben, 54 denn er hat uns zuerst geliebet"( 1. Joh. 4, 19), und thun nach dem Worte unsers Herrn: ,, Liebet ihr mich, so haltet meine Gebote."( Joh. 14, 15.) 1 - 21) Können wir denn nun bei solchem evangelischen Glauben unserer Seligkeit gewiß sein? Ja. Wenn wir solchen Glauben an das Evangelium nicht bloß im Munde, sondern im Herzen haben, so sind wir unserer Seligkeit vollkommen gewiß und sprechen mit dem Apostel Paulus( Röm. 8): ſt Gott für uns, wer mag wider uns sein? Welcher auch seines eigenen Sohnes nicht hat verschonet, sondern hat ihn für uns Alle dahingegeben; wie sollte er uns mit ihm nicht Alles schenken? Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der gerecht macht. Wer will verdammen? Christus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferwecket ist, welcher ist zur Rechten Gottes und vertritt uns. Denn ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstenthum noch Gewalt, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch keine andere Creatur mag uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist, unserm Herrn!" Amen. Dazu will ich dir noch eine Geschichte erzählen, daraus du lernen magst, was deine evangelische Kirche mit ihrem guten, schriftgemäßen Bekenntnisse werth ist. Herzog Georg von Sachsen, von dem ich dir oben schon erzählt habe, war ein Zeitgenosse Luthers, aber ein bitterer Feind des evangelischen Glaubens. Sein Bruder Heinrich und dessen Gemahlin Katharina von Mecklenburg waren hingegen innige Freunde desselben. Georg, der ältere Bruder, besaß das reiche und große Herzogthum; sie nur die zwei kleinen Herrschaften Freiberg und Wolkenstein. Georg machte allerlei Versuche, sie von dem evangelischen Bekenntniß zum 1 - - 55 11 katholischen hinüberzulocken. Auf Anrathen des Papstes bot er ihnen eine große Summe Geldes an. Ja, eine reiche Provinz wollte er ihnen abtreten, wenn sie wieder katholisch würden. Damit er recht sicher zum Ziel käme, hatte ihm der Papst den Rath gegeben, zuerst die Frau zu gewinnen, dann würde sich das Weitere schon finden. Aber was antwortete Katharina dem Gesandten? Wozu sind alle die Versprechungen und dieses Geld nöthig? Will Herzog Georg etwas, das uns zu unserm ewigen Heile frommt, so bin ich sammt meinem Gemahl erbötig, es umsonst zu thun. Will er aber etwas Anderes, so hat er nicht Gold und Silber genug, um uns dazu zu bewegen." Aller Welt Reichthümer wolle sie nicht für Christus und ihren Glauben nehmen. Sie wundere sich, wie sie Georg als Unbekannte versuchen und glauben könne, daß sie das Irdische höher schäße, als den Himmel und ihr Gewissen. Sie verzeihe ihrem Schwager von ganzem Herzen und werde nicht aufhören, für ihn zu beten. Die Gesandten aber möchten eilen, daß sie Freiberg verließen, damit nicht Andere durch sie bestochen würden, denn ihre Sprache komme ihr vor wie die Sprache des Versuchers gegen Christum: ,, Dies Alles will ich dir geben, so du niederfällst und mich anbetest." Sie wünsche ihrem Schwager langes Leben, Gesundheit und ein ruhiges Alter. Sie wären mit ihrer Armuth zufrieden und wünschten nichts, als ein reines Gewissen zu erhalten und selig aus der Welt zu gehen. Alles Uebrige stellte sie ruhig Gott anheim. Die Gesandten wurden mit sicherm Geleit über die Grenze gebracht. Wie es aber Gott so oft macht, so machte er es auch hier. Was man nicht mit Sünde erkaufen will, das gibt er umsonst, ja er gibt noch mehr. Der Erbprinz des Herzogs Georg starb vor dem Vater, und das ganze Land fiel Heinrich als rechtmäßiges Erbe zu. Siehe, das war Festigkeit - 1 - 56 - - im eigenen Glauben, verbunden mit Liebe gegen anders glaubende Mitchriſten. Du hast es nun aber bei deiner Confirmation gelobt, daß auch du in solchem Glauben, der in der Liebe thätig ist, wandern wollest; und ich hoffe, dein Gelübde ist fein unbedachtes gewesen. Hat doch die dritte Frage, die dir und deinen Genossen dort vorgelegt worden ist, gelautet: III. Wollet ihr auch bei dieser christlichen Lehre bis an euer Ende beharren, und wie ihr glaubet und bekennet, hinfort thun und leben, und was ihr zusaget, auch treulich halten? Und du hast ein feierliches Ja darauf geantwortet. Es ist für ein Gotteskind eine große und köstliche Sache um das Wörtlein: Ja, ich will! Bei dem natürlichen Menschen heißt es: ,, Das Gute, das ich will, das thue ich nicht, sondern das Böse, das ich nicht will, das thue ich." Aber wer an den Herrn Jesum glaubt, bei dem lautet's anders: Ich vermag Alles durch den, der mich mächtig macht, Christum!" Du kannst nun auch halten, was du gelobt hast, und deinem Herrn im Glauben nachfolgen, wenn du nur willst. Siehe, der Vater hat dich durch seinen heiligen Geist zum Sohne gezogen, hat dich mit seinem guten und gnädigen Willen bekannt gemacht und gibt dir, als seinem Kinde, hinreichende Kraft, ihm zu folgen, also daß du keine Entschuldigung hast, wenn du nicht ernstlich schaffst, daß du selig werdest. So laß denn dein Gelübde: ich will! das du dort am Altare gegeben, nie aus deinem Herzen kommen; stelle es als eine Brustwehr gegen die Versuchungen, mit welchen dich dein Fleisch, die Welt oder der Satan von dem - 57 1 schmalen Wege abzuziehen trachtet. Laß die heiligen Gebote Gottes, deren Befolgung du gelobt hast, dir ein Zeichen in deiner Hand und ein Denkmal vor deinen Augen sein; bete sie, wie der selige Luther gethan, sammt dem Glauben täglich nach deinem Morgensegen; und wenn du auch immer wieder sagen mußt: ,, ich habe es noch nicht ergriffen und bin noch nicht vollkommen," so füge stets als ein tapferer Streiter hinzu: ,, ich jage ihm aber nach, daß ich es ergreifen möge, nachdem ich von Christo Jesu ergriffen bin." Wer da sagt," schreibt der Apostel Johannes, ,, ich habe ihn erkannt, und hält seine Gebote nicht, der ist ein Lügner, und in solchem ist keine Wahrheit." Hüte dich, daß dich dein Wandel nicht zum Lügner an Gott mache! Aber dein Confirmationsgelübde ist doch noch wie ein schwaches Bäumlein. Soll das nicht verdorren, sondern wachsen und gedeihen, so muß es in einen guten Boden gepflanzt, an einen festen Stab gebunden und mit einem schüßenden Gehege umgeben sein; es muß Regen und Sonnenschein, Luft und Licht haben. Und siehe, der trene Gott hat für das Alles gesorgt. Er hat einen gar trefflichen Boden zugerichtet, in den du dein Gelübde, deine bei der Confirmation gefaßten Vorsätze fest einpflanzen sollst. Dieser Boden heißt die christliche Kirche, die evangelische Kirche, in welche du schon durch deine Taufe aufgenommen bist, und welche dir mit mütterlicher Sorgfalt die Gnadenmittel darbietet und darreicht, in ihren schönen heiligen Ordnungen und lieblichen Gottesdiensten, in ihren Fest- und Feiertagen, im Wort und Sacrament dich schüßt und stüßt, nähret und stärkt, daß du bleibeſt in dem, was du gelernet und gelobet hast, daß du wachsest in der Gnade und Erkenntniß deines Herrn und Heilandes, daß du mit stets neuer Freudigkeit ſprechest: 58 „ Ich will streben nach dem Leben, Wo ich selig bin; Ich will ringen, einzudringen, Bis daß ich's gewinn'. Hält man mich, so eil' ich fort; Bin ich matt, so ruft das Wort: Fortgerungen, durchgedrungen Bis zum Kleinod hin!" In diesen Boden pflanze dein Bäumlein; entziehe dich, wie heutzutage leider so Viele schon bald nach ihrer Einsegnung thun, doch ja nicht der kirchlichen Gemeinschaft; mache es dir zur festen Lebensregel, daß du, wo du auch seist, nie versäumen willst die gottesdienstlichen Versammlungen deiner Glaubensgenossen, ja hättest du auch Stunden weit nach ihnen zu gehen. ,, Kirchengehen säumet nicht;" es macht zwar allein nicht selig, aber nicht Kirchengehen macht verdammt. In dieser Zeit, wo der Tag des Herrn so vielfach und frech entheiligt wird, scheue du dich nicht, ihn zu heiligen. ,, Gott wöchentlich gibt sieben Tage dir, Gib Einen du, den ersten, ihm dafür! Der Sonntag wird die andern Tage zieren, Wirst du da Gott in Mund und Herzen führen." Ehe du in einen Dienst trittst, oder ein Amt, ein Geschäft übernimmst, frage doch, ob du dabei auch den Sonntag heiligen darfst; und wird dir darauf Nein geantwortet, so laß lieber den größten Gewinn fahren, als daß du diese Perle der Tage, dieses Licht der Woche fahren lassest. Ich halte mich, Herr, zu deinem Altare, da man höret die Stimme des Dankes, da man prediget alle deine Wunder." Ich will lieber der Thür hüten in meines Gottes Hause, denn lange wohnen in der Gottlosen Hütten." Ja, ohne Sonntag ist das Leben ein langer Wüstenweg ohne Herberge. 59 Da könnte das Bäumlein deines Confirmationsgelübdes nicht gedeihen, da würde es bald verdorret sein! Wenn die Glocken zur Kirche rufen, so folge du mit willigem Herzen: - Thut mir auf die schöne Pforte, Führt in Gottes Haus mich ein! Ach wie wird an diesem Orte Meine Seele fröhlich sein! Hier ist Gottes Angesicht, Hier ist lauter Trost und Licht." Aber bewahre deinen Fuß und komme, daß du hörest! Sezze dich im Gotteshause stille an deinen Play, laß dich mit deinen Nachbarn nicht, wie es leider so häufig Unfitte ist, in ungeistliche Geschwäße ein, fieh dich nicht um nach rechts oder links, sprich aber desto herzlicher mit deinem Gott und bitte ihn um seinen Segen, etwa mit einem andächtigen Unser Vater, oder einem andern frommen Seufzer: " Herr, öffne mir die Herzensthür, Mein Herz zeuch' durch dein Wort zu dir, Laß mich dein Wort bewahren rein, Laß mich dein Kind und Erbe sein." Oder: Rede, Herr, so will ich hören, Und dein Wille werd' erfüllt; Nichts laß meine Andacht stören, Wenn der Brunn des Lebens quillt. Speise mich mit Himmelsbrot, Tröste mich in aller Noth." Singe dann in Andacht mit die lieblichen Lieder und bete von Herzen mit die Gebete, die der Pfarrer spricht; achte mit Sorgfalt und Heilsbegier auf die Predigt; und wenn du aus der Kirche kommst, ſo meine ja nicht, daß nun deine Sonntagspflicht gethan sei und du wieder an deine irdische Arbeit gehen oder - - 60 - gar der weltlichen Lust nachlaufen könnest. Denke dem, was du in der Kirche gehört hast, weiter nach, schlag' noch einmal den Text auf in deiner Bibel und das Lied in deinem Gesangbuch; nimm auch ein anderes gutes christliches Buch und lies darin. Wenn du dir aber an diesem Tage eine leibliche Erholung machen kannst und willst er soll ja auch für den Leib ein Ruhetag sein! so hüte dich ja, daß dadurch deiner Seele der Segen des Sonntags nicht geraubt werde. Karten- und Kegelspiel, Tanz, Schauspiel und Trinkgelage passen am wenigsten für den Sonntag. Sie sind die Vögel, die den guten Samen wegfressen, und die Dornen, unter welchen er erstickt. Wenn dir deine Seligkeit lieb ist, so meide sie! ,, Der Sonntag macht die Woche," hat ein Gottesmann gesagt; man kann aber auch sagen: Die Woche macht den Sonntag! Wähne nicht, du habest nun genug nach dem Reiche Gottes getrachtet, wenn du den Sonntag recht gefeiert; du könnest nun die andern Tage ohne Gebet und Gottes Wort auskommen! Haſt du doch schon im Ratechismus gelernt, daß wir die sechs Wochentage unserer irdischen Berufsarbeit nachgehen sollen mit Gebet und Gottesfurcht und Anrufung des göttlichen Segens! Wahrlich, dein Sonntag ist wie ein Haus, das in der Luft schwebet, wenn du ihm nicht mit deinen Gebeten und deiner Gottesfurcht an den sechs Wochentagen gleichsam sechs Säulen und Strebepfeiler unterstellst. Ich habe dich zwar oben schon herzlich zum Gebete ermahnt; aber ich kann es nicht unterlassen, hier, wo ich zu dir von dem Halten deines Confirmationsgelübdes reden soll, nochmals dringend zuzurufen: Bete! „ Beten hilft aus aller Noth; Ei so bete ohne Zweifel! Bist du arm, Gott schenkt dir Brot; Schreckt dich Hölle, Welt und Teufel,- 61 Bete nur, so wirst du sehen: Gott wird dir zur Seite stehen." - - Mache es dir zur festen Regel, daß du keinen Tag ohne Gebet beginnest und beschließest; denke an den Propheten Daniel, der sich sein tägliches Gebet zu seinem Gott auch da nicht wehren ließ, als die Der Feinde die Todesstrafe darauf gesetzt hatten. Markgraf Albrecht Alcibiades stieg seit seiner Bekehrung nie zu Pferde, ohne zu sprechen: „ Das walte der Herr Jesus Christ Mit dem Vater, der über uns ist. Wer stärker ist, als dieser Mann, Der komm' und thu' ein Leid mir an. 11 Halte dir ein gutes Gebetbuch und lerne auch noch gute Gebete und Lieder auswendig, je mehr, je besser! Das wird besonders ein köstlicher Schatz für dich sein, wenn die Tage herzukommen, von welchen wir sagen: sie gefallen uns nicht; in den langen Nächten der Krankheit, in den einsamen Jahren des Greisenalters! Hast du Alles, was du brauchst zur Wanderschaft? fragte ein Vater seinen in die Fremde ziehen,, Alles," den Sohn am Abend vor der Abreise. Ein antwortete dieser, bis auf's Wanderbuch." Wanderbuch, erwiderte der Vater, ,, hilft durch die ganze Welt!" langte auf das Sims und gab ihm ein Gebetbuch. Uebe dich auch, frei aus dem Herzen mit deinem Vater im Himmel zu sprechen. Das darfst du ohne Umschweise und künstliche Worte thun, im Namen Jesu, wie das Kind mit seinem leiblichen Vater spricht. Alles, was du auf dem Herzen hast, darfst du ihm sagen und klagen. Bitte ihn vor Allem, wie Salomo, um ein ge= horsames Herz und um seinen heiligen Geist, das sind Bitten, die er gewißlich erhören wird. Auch deine - 62- 1 leibliche Noth darfst du deinem Gott kindlich sagen. Höre eine Geschichte! Michael Feneberg hatte einer des Glaubens wegen verfolgten Person drei Kronenthaler, seine ganze Baarschaft, als Zehrpfennig mit auf den Weg gegeben. Nach einigen Jahren, als er selbst in Noth war, fiel ihm dieses Reisegeld ein. Da sagte er zu dem Herrn: Ich habe dir auch einmal drei Kronenthaler gegeben, und du hast sie mir noch nicht zurückgegeben, und ich habe sie jetzt so nothwendig, gib mir sie!" Bald darauf brachte ihm ein Bote ein Päckchen mit 200 Gulden als eine Liebesgabe, die ihm eben jene Person durch Empfehlung bei einem vermögenden christlichen Manne ausgewirkt hatte. Siehe, So bitten liebe Kinder; Und wer bekommt geschwinder? Ihr findlich freies Lallen Hört Gott mit Wohlgefallen." Vergiß aber nicht, stets beizufügen: ,, Vater, nicht wie ich will, sondern wie du willst!" Daß du nicht ohne Gebet zu Tische gehst, dazu habe ich dich oben ja schon ermahnt. Schäme dich auch unter Fremden und Ungläubigen des Tischgebetes nicht!- Kannst du aber dein Gebet des Morgens, des Abends und bei Tische gemeinsam mit deinen Hausgenossen halten, kannst du eine ordentliche Hausandacht in deinem Hause einrichten, so wird das dir und den Deinigen einen doppelten Segen bringen. Darum sorge, daß dein Haus ein Bethaus werde. Es wurde einmal eine christliche Negerin von ihrem Herrn gefragt, warum die Neger denn immer zusammen beten wollten, es könnte dies ja jeder auch für sich thun. ,, Lieber Herr," sprach sie zu ihm, der gerade an einem Kohlenfeuer stand, leget diese Kohlen jede für sich, und sie verlöschen; aber was gibt das für ein lustiges Feuer, wenn sie alle zusammen brennen!" So lange unsere - 63 frommen Väter noch täglich den gemeinsamen Morgen- und Abendsegen in ihren Häusern beteten, so lange war auch noch mehr Friede, Wohlstand, Zucht und Gottessurcht darinnen. Es ist gar nicht schwer, daß du das wieder anfangest; nur ein wenig Muth gehört dazu! Stelle es deinen Eltern, Geschwistern, Hausgenossen vor, wie christlich und löblich das sei; bitte sie, es mit dir zu versuchen. Ein Morgen- oder Abendgebet aus einem guten Gebetbuche gelesen oder aus dem Herzen gesprochen, dann ein ganzes oder halbes Kapitel aus der Bibel gelesen, entweder in der Reihe, die ich dir schon oben angerathen habe, oder Buch für Buch, oder nach der Ordnung eines sogenannten Bibel- Lesekalenders, deren es ja viele gibt, und wenn es geht, ein Lied oder einen Vers aus dem Gesangbuche gesungen darin besteht die ganze Kunst der Hausandacht, und du wirst sehen, wenn du es einmal mit den Deinen ernstlich probirt hast, so wollt ihr es um keinen Preis mehr sein lassen. Aber willst du in beständiger Gemeinschaft mit deinem lieben Heilande und vor Sünde und Untreue bewahrt bleiben, so mußt du ohne Unterlaß beten. Hört der Mensch auf, mit dem Himmel zu sprechen, so fängt die Hölle an, mit ihm zu sprechen. Luther sagt: eines Christen bestes Handwerk ist beten. - - - In Leid und Scherz, In Freud' und Schmerz Gedenk', mein Herz: Allzeit aufwärts!" Was der Odem ist für den Leib, das ist das Gebet für die Seele. Es ist freilich dazu nicht nöthig, daß du immerfort Gebete hersagst. Die vielen Worte thun's nicht; ,, ihr sollt", spricht der Herr, wenn ihr betet, nicht viel plappern, wie die Heiden;" aber du sollst in beständigem Herzensumgange mit deinem Gott 64 und Heilande stehen, als mit deinem besten und nächsten Freunde; auf Schritt und Tritt sollst du dir die Allgegenwart des Herrn vor Augen stellen und dich fest daran halten in kindlichem Glauben, daß er dir näher ist, als irgend eine Creatur. - ,, Ach, mein Herr Jesu, dein Nahesein Bringt großen Frieden in's Herz hinein; Und dein Gnadenanblick macht uns so selig, Daß Leib und Seele darüber fröhlich Und dankbar wird." Liebes Kind, wenn du so in der Allgegenwart Gottes wandelst, im Gebete anhältst und das Wort Gottes deines Fußes Leuchte sein läsfest, so wird das Bäumlein deines Confirmationsgelübdes in einen guten Boden gepflanzt sein und Sonnenschein und Regen vom Himmel empfangen zu rechter Zeit. Aber dieses Bäumlein bedarf auch noch eines festen Stabes, daran es gebunden werde, daß es sich nicht mehr abwärts beuge und vom Sturmwinde nicht zerknickt werde. Und der himmlische Gärtner hat auch für diesen Stab gesorgt; ja kaum hast du am Altare dich ihm zugesagt, da bringt er alsbald den Stab herbei, daß du dich daran lehnest und festbindest; und er kommt immer von Zeit zu Zeit wieder, die schützenden Bande, die dich halten sollen, von neuem fest anzuziehen. Weißt du, was das für ein Stab ist? Das ist das heilige Abendmahl, das Sacrament des Leibes und Blutes Jesu Christi, das Mahl der innigsten und seligsten Vereinigung mit deinem Erlöser, deren wir auf Erden fähig sind. Das empfängst du nun nach deiner Confirmation zum ersten Male; da heißt es auch für dich: ,, Schmücke dich, o liebe Seele! Laß die dunkle Sündenhöhle, 65 Komm an's helle Licht gegangen, Fange herrlich an zu prangen; Denn der Herr, voll Heil und Gnaden, Will dich jetzt zu Gaste laden; Der den Himmel kann verwalten, Will jetzt Herberg in dir halten!" Osage auch in Zukunft nie: ich brauche nun dieses Stabes nicht mehr! Wer an den Heiland von Herzen glaubt, der kommt gerne zum heiligen Abendmahle und kann nicht oft genug kommen. Die ersten Christen feierten dasselbe zuerst alle Tage, hernach alle Sonntage. Die Christen der Brüdergemeinde feiern es alle Monate. Ein frommer Christ sagte einmal: Ich gehe darum gern oft zum heiligen Abendmahle, weil ich mir die Rechnung mache, Gott könne mir an diesem Tage nichts versagen. Denn Christus in mir und ich in Christo müssen ja erhöret werden." Aber es gibt heutzutage sehr viele Christen, die gar nicht mehr zum Tische des Herrn gehen; andere aber gehen so selten, daß es nicht der Rede werth ist. ,, Was soll einen Christen vermahnen und reizen," fragt Luther, „ das Sacrament des Altars oft zu empfangen?" Und die Antwort lautet: ,, Von Gottes wegen sollen ihn beide, des Herrn Christi Gebot und Verheißung, danach auch seine eigene Noth, die ihm auf dem Halse liegt, treiben; um welcher willen solch Gebieten, Locken und Verheißen geschieht." Da hast du die hohen und wichtigen Ursachen kurz beisammen, welche dich zum fleißigen Gebrauche des heiligen Abendmahls treiben sollen. Laß dich durch keine Weltlust oder Weltsorge, laß dich durch feinen Spott der Gottlosen, laß dich auch nicht durch den Gedanken, du seiest ein zu großer Sünder, zu tief in Sorgen, oder nicht in der rechten Stimmung, abhalten, zum Tische des Herrn zu kommen. Bedenke: je kränker der Patient, desto nöthiger die 5 66- - gesund, komme, Arznei. Christus fordert ja nicht, daß man das ist: rein, heilig, fleckenlos zu ihm sondern er ladet zu sich, damit er könne gesund machen. Und wo dich der Herr so ernstlich und so liebevoll ruft, um dich mit Seele und Leib immer von Neuem wieder fest an sich zu binden, sollst du da sagen: Ich komme nicht? Aber wenn du nun zum heiligen Abendmahle gehen willst, so ist es damit noch keineswegs gethan, daß du dein Abendmahlskleid anlegst, zum Altare hintrittst, das dir gereichte Brod isfest und aus dem dir gereichten Kelche trinkest. Es kommt ja Alles darauf an, daß du würdig, und zwar jetzt gleich zum ersten Male würdig zum Tische Gottes kommeſt. Nimm es, um Gottes willen, nicht zu leicht damit! Du weißt, was der Apostel Paulus von dem sagt, welcher unwürdig von diesem Brode isset oder von dem Kelche des Herrn trinket!" Wer das Sacrament nicht zum Segen empfängt, der empfängt es zum Gericht. Wenn du nicht würdig zu Gottes Tische gehst, so thätest du besser, du gingest gar nicht dahin. Judas nahm den Bissen, und der Teufel fuhr in ihn. Auch fasten und leiblich sich bereiten thut's nicht; ,, das ist wohl eine feine äußerliche Zucht, aber: der ist recht würdig und wohl geschickt, der den Glauben hat an diese Worte: für euch gegeben und vergossen zur Vergebung der Sünden!" Um dich vor dem so schrecklichen unwürdigen Genusse zu bewahren, ruft dich ja unsere Kirche vor dem heiligen Abendmahle zur Vorbereitung. In dieſer wirst du nicht allein nochmals zur Reue über deine Sünden ermahnt, sondern der Pfarrer spricht da am Altare auch in deinem und aller Communicanten Namen ein ernstliches Sündenbekenntniß, das du mit einem feierlichen a bestätigen sollst. Wehe dir, wenn dieses Ja kein ernstlich gemeintes, tein wahrhaftiges wäre! - 67 -- Gott läßt sich nicht spotten! Darum prüfe dich ja vorher schon zu Hause in deinem Kämmerlein recht ernstlich und gründlich nach den Geboten Gottes, wie es mit dem Herzen, mit deinem Leben vor Gott ſtehet. Siehe, ich will dir hier eine Reihe solcher Fragen zu deiner Selbstprüfung hinschreiben, die du dir in der Stille vor deinem Gott ernstlich beantworten sollst: Habe ich meinen Gott immer vor Augen und im Herzen gehabt und mich gehütet, daß ich in keine Sünde willigte, noch wider Gottes Gebot gethan? Habe ich immer an das allsehende Auge und an das allhörende Ohr meines Gottes gedacht? Habe ich auch meinen Gott von Herzen geliebt, und ist mir nichts auf der Welt so lieb gewesen als mein Gott? Habe ich ihn auch unter schwerem Kreuz so lieb gehabt, als in guten Tagen, oder bin ich ungeduldig geworden und habe wider den Herrn gemurret? Habe ich auch meinem Jesus, der mich so brünstig geliebt hat, für seine Marter und Qualen, die er um meinetwillen ausgestanden, täglich herzlich gedanket und ihm mein ganzes Herz zum Eigenthum gegeben? Habe ich auch in der Noth mich einzig und allein auf Gott verlassen, oder mehr auf Menschen, ihre Freundschaft und ihren Reichthum, ihre Macht und Gewalt gesehen, und also Menschen zu meinem Gott gemacht? Habe ich auch niemals einen falschen Eid gethan und damit die Hülfe Gottes verschworen? Habe ich mich auch aller Schwüre im gemeinen Leben enthalten und meine Worte: ja, ja! nein, nein! sein lassen? - 68 Habe ich Lust an Wahrsagen, Aberglauben, Besprechen und andern solchen sündlichen Dingen gehabt? Habe ich zu meinem Gott immer von Herzen gebetet, ihm gedanket und ihn gelobt? Habe ich immer seinen Namen, sein Wort und seine Wahrheit und Alles, was zu seiner Ehre gehört, unerschrocken bekannt und christlich gebraucht? Habe ich zuweilen geflucht, oder ist mir solches gar schon zur Gewohnheit geworden? Habe ich auch den Sonntag meinem Gott zu seinem Dienste gegeben, oder denselben zu weltlichen Geschäften oder sündlichen Lüsten gemißbraucht? Bin ich immer aus herzlicher Andacht in die Kirche gegangen? Habe ich dort mit Andacht gesungen und gebetet, die Predigt aufmerksam angehört und sie im Herzen bewegt und behalten, so gut ich konnte? Habe ich die Bibel lieb gehabt und fleißig darin gelesen? Habe ich auch meine Eltern in Ehren gehalten? Bin ich ihnen recht dankbar gewesen für alle ihre große Mühe und Arbeit, die sie mit mir gehabt haben? Bin ich ungehorsam und widerwillig gewesen und habe ihre große Wohlthat mit Undankbarkeit vergolten? Bin ich meinen Lehrern und allen meinen Herren im Hause, in der Kirche und im Vaterlande, meiner lieben Obrigkeit treu und gehorsam gewesen? Habe ich mein Leben durch muthwillige Sünden, Unmäßigkeit, Fressen, Saufen und dergleichen selbst verkürzet? Gedenke ich auch öfters meines Todes, und bereite ich mich alle Tage dazu? Habe ich mir nicht muthwillig manchen Feind gemacht? Habe ich meinem Widersacher alle seine Sünden gegen mich herzlich vergeben? Bin ich nicht vielleicht auf Rache gegen ihn - 69 bedacht gewesen? Habe ich immer gesegnet, wo mir geflucht wurde? Habe ich denen, die mich hassen, wohlgethan, und für die gebetet, die mich beleidigten oder verfolgten? Habe ich meinen Nächsten durch böse, sündliche Worte gekränkt, oder ihm vielleicht gar an seinem Leibe Schaden gethan? Habe ich unkensche Gedanken und Lüste in meinem Herzen geheget? Habe ich durch schamlose Geberden und Worte Andern Aergerniß und Anstoß gegeben, oder sie gar zur bösen Lust gereizet? Ist unter meinem Gut und Habe auch kein unrechtes Gut? Bin ich mit meinem Nächsten immer ehrlich umgegangen; habe ich Niemanden bestohlen, betrogen oder überlistet? Habe ich von meinem Gute auch den Armen willig wohlgethan? Habe ich Gottes Gaben nie unnützlich verschwendet oder gemißbraucht? Bin ich in meinen Reden allezeit wahrhaftig gewesen? Habe ich meine Freude daran gehabt, wenn von meinem Nächsten Böses geredet wurde? Habe ich selbst etwa von ihm übel geredet; bin ich vor seinen Augen freundlich, hinter seinem Rücken ihm böse gewesen? Habe ich ihn allezeit entschuldigt, so viel ich konnte, Gutes von ihm geredet und Alles zum Besten gefehret? Habe ich meinem Nächsten mit Freuden gegönnet, was ihm Gott gegönnet und gegeben hat? Habe ich mir immer mit dem Meinigen genügen lassen und bin dabei zufrieden gewesen? Habe ich auch nicht die geringste Lust wider irgend ein Gebot Gottes in mein Herz kommen lassen, bin ich jeder Sünde feind gewesen und habe für und für Lust zu aller Gerechtigkeit gehabt? 70 Das sind ernste Fragen! Denke dir dabei, du ständest unter dem Kreuz auf Golgatha, über dir dein gekreuzigter Heiland, der seine durchbohrten Hände nach dir ausstreckt! Mit welchen Sünden hast du ihn am meisten betrübt und beleidigt, wodurch hast du seine suchende Liebe am meisten zurückgestoßen? Denke an dein Sterbebett und das Gericht am Tage des Herrn! Dann wirst du wohl erkennen, daß du ein armer, elender Sünder bist, und daß du durch deine Gedanken, Worte und Werke reichlich und täglich die Gebote deines Gottes übertreten hast. Dann wird auch die Reue und das Leid über deine Sünden nicht ausbleiben. Und mit solcher Reue im Herzen bete dann recht bußfertig und in freudigem Glauben zu deinem Gott und Heiland. Ich will dir ein solches Gebet herschreiben, wie du es zur Vorbereitung auf deine Abendmahlsfeier beten magst: - - Abba, lieber Vater, ich gedenke heute an deine Gnade und an meine Sünde. Wie groß ist deine Güte, Geduld und Langmuth, die du mir, deinem armen Sinde, bis auf diese Stunde erzeigt haſt. Sei gelobt und gepriesen, mein Gott und Vater, daß du mir das Leben gegeben hast. Sei gelobt und gepriesen, daß du mich durch das Wasserbad im Wort und durch deinen heiligen Geist von Neuem geboren, mich von meinen Sünden im Blute meines Jesu rein gewaschen und zu deinem Kinde und Erben aus Gnaden eingesetzt hast. Ich danke dir auch von ganzem Herzen, daß du mir durch meine lieben Eltern und Lehrer von Kindesbeinen an die Erkenntniß des Heils gegeben hast, welches ist die Vergebung der Sünden. Ich danke dir auch, daß du an meinem Herzen bisher so treulich gearbeitet hast, mich in meiner Taufgnade zu bewahren und mich dir und deinem lieben Sohne, meinem Herrn Jesu Christo, von der Welt unbefleckt zu behalten. - 71- - Ich armes Kind habe aber aus Leichtsinn und Uebereilung, aus böser Gewohnheit und leider auch mit Muthwillen deine heiligen Gebote täglich und reichlich übertreten. Darum bekenne ich dir mit Reue und Leid: Vater, ich habe gesündigt in dem Himmel und vor dir und bin hinfort nicht mehr werth, daß ich dein Kind heiße! Sei mir gnädig nach deiner Güte, gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und aller meiner Uebertretungen; gedenke aber meiner nach deiner großen Barmherzigkeit! Nimm mich wieder zu Gnaden an und tilge alle meine Sünden um Christi willen! Ich verspreche dir auch ernst und heilig, ich will besser und frömmer werden, wozu du mir deines Geistes Gnade, Kraft und Beistand verleihen wollest. Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen, gewissen Geist! Verwirf mich nicht von deinem Angesicht und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir! Laß dir wohlgefallen mein demüthiges Gebet und erhöre dein armes Kind um Jesu Christi, deines lieben Sohnes, willen! Amen. Auch magst du recht herzlich Dr. Luthers Bußlied beten: ,, Aus tiefer Noth schrei' ich zu dir, Herr Gott, erhör' mein Rufen! Dein gnädig Ohr neig' her zu mir Und meiner Bitt' es öffen'; Denn so du das willst sehen an, Das Sünd' und Unrecht ist gethan: Wer kann, Herr, vor dir bleiben? Bei dir gilt nichts, denn Gnad' und Gunst, Die Sünde zu vergeben. Es ist doch unser Thun umsonst Auch in dem besten Leben. 72- Vor dir sich Niemand rühmen kann; Des muß sich fürchten Jedermann Und deiner Gnade leben. - Darum auf Gott will hoffen ich, Auf mein Verdienst nicht bauen, Auf ihn allein verlassen mich Und seiner Güte trauen, Die mir zusagt sein werthes Wort; Das ist mein Trost und treuer Hort; Des will ich allzeit harren. Und ob es währt bis in die Nacht Und wieder an den Morgen: Soll doch mein Herz an Gottes Macht Verzweifeln nicht noch sorgen. So thu' Israel rechter Art, Der aus dem Geist erzeuget ward, Und harre seines Gottes. Ob bei uns ist der Sünden viel, Bei Gott ist viel mehr Gnade: Sein' Hand zu helfen hat kein Ziel, Wie groß auch sei der Schade. Er ist allein der gute Hirt, Der Israel erlösen wird Aus seinen Sünden. Amen." Vor oder nach deiner Selbstprüfung magst du auch in dem Worte Gottes oder in einem guten Gebetbuche mit Andacht lesen. Lies besonders folgende Abschnitte der heiligen Schrift, die ich dir um deswillen hierhersebze: Die Bußpsalmen Pf. 6, 32, 38, 51, 85, 102, 130. Klagel. 3. Jes. 1, 1-20. Jes. 58 und 59. Die Bergpredigt Matth. 5-7. Luc. 15. Luc. 18, - 73 - 9-14. Die heilige Passionsgeschichte Matth. 26, 27; Mark. 14, 15; Luc. 22, 23; Joh. 18, 19. Wenn du es mit dieser Selbstprüfung und mit solchem Flehen zu deinem Gott recht ernstlich hältst, so wird er dir auch Gnade schenken, daß du nicht unwürdig und unbereitet zu seinem Tische kommst. Bricht dann der Abendmahlstag an, so begrüße ihn mit hoher Freude als einen heiligen Festtag. Zerstreue dein Herz ja nicht mit irdischen Dingen! Denke nicht daran, wie du am besten und schönsten dich anfleiden willst; Gott siehet ja nicht, was vor Augen ist, er siehet das Herz an! Denke, wie du deine Seele recht schmücken willst, um deinem Bräutigam entgegen zu gehen. Beginne den Tag mit herzlichem Gebete. Sprich etwa: Barmherziger Gott und Vater! Nun ist der frohe Tag gekommen, nach dem sich meine Seele gesehnet hat. Dwie gnädig bist du, daß du auch mich armes Kind zu deinem Tische geladen haft! Ich danke dir von ganzem Herzen für diese deine Liebe. Aber nun bitte ich dich auch, du wolleft selber mich anziehen, wie eine Mutter ihr Kind anziehet, und mich kleiden in die Kleider des Heils und in den Rock der Gerechtigkeit, daß ich in solch reinem Schmuck würdig sei, an deiner Gnadentafel zu erscheinen. O, mein Jesu, auf dich verlasse ich mich! Du allein fannst mir geben, was mir fehlt. Schenke du mir das ganze Verdienst deines allerheiligsten Lebens, Leidens und Sterbens, deiner herrlichen Auferstehung und Himmelfahrt und deines Sigens zur Rechten Gottes! O, du reicher Herr, fülle mich mit deinen Gnadengütern! O du starker Gott, laß mich stark werden in deiner Kraft! O du Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt, erbarme dich über mich und gib mir deinen Frieden! Nimm alle meine Schuld und Sünde von mir und - 74 -- schenke mir deine Gerechtigkeit! Herr, ich lasse dich nicht, du segnest mich denn! Laß mich in dir bleiben, als die Rebe im Weinstock, und ewig bleibe du in mir, daß ich in deiner Kraft Alles überwinde und dein Eigenthum sei im Leben und im Sterben! Erhöre mich, mein liebster Heiland, um deines heiligen und hochgelobten Namens willen! Amen. Wenn du dann zum Tische des Herrn trittst, so komm' in heiliger Ehrfurcht, denn der Herr ist König. Romme aber auch in herzlicher Freude über die große Ehre und Gnade, die dir zu Theil wird. Denke dabei an die Verheißung Jesu: ,, Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit, denn sie sollen satt werden." Vergiß Alles, was dahinten ist; vergiß Alles, was dich zerstreut, drückt oder beschwert. Siehe jetzt allein auf deinen Heiland, als ob er allein da wäre und du mit ihm! Bete während der Feier des heiligen Abendmahls herzlich zu ihm. Sprich etwa: Ich freue mich im Herrn, und meine Seele iſt fröhlich in meinem Gott, denn er hat mich angezogen mit Kleidern des Heils und mit dem Rocke der Gerechtigkeit gekleidet!" Oder: O Gott Vater, sei mir armen Sünder gnädig und barmherzig und laß mich Leib und Blut meines Herrn Jesu Christi empfangen nicht zum Gerichte, sondern zur Vergebung der Sünden und zu meiner Seele Seeligkeit! Amen." Bei dem Empfange des heiligen Abendmahles magst du also beten: ,, Herr Jesu Christe, dein heiliger Leib stärke und bewahre mich im rechten Glauben, zum ewigen Leben. Amen." ,, Herr Jesu Christe, dein heiliges Blut stärke und bewahre mich im rechten Glauben, zum ewigen Leben. Amen." - 75 - Dann gehe still und freudig auf deinen Platz. Sprich mit heiliger Freude: ,, Herr Jesu Christe, ich danke dir für dein Leiden und Sterben und für deine Gnade, die du mir durch das Sacrament deines Leibes und Blutes versichert und geschenkt hast. Ich bitte deine große Barmherzigfeit, du wollest mich erhalten im wahren Glauben an dich und in brünstiger Liebe gegen dich und den Nächſten, auch in christlicher Geduld und schuldigem Gehorsam im Leben, Leiden und Sterben, der du mit Gott dem Vater und dem heiligen Geiste lebest und regierest immer und ewiglich. Amen." Bringe den Rest des Abendmahlstags still und andächtig zu; bringe ihn besonders in dankbarer Betrachtung der Wohlthaten deines Gottes und Heilandes zu, die du bisher schon erfahren. Ahme nie den Christen nach, die, wenn sie das heilige Abendmahl empfangen haben, es damit nun auch gut sein lassen. Du magst nun noch mit besonderer Andacht die Psalmen 23, 33, 95, 100, 103, 118, 145, 147, 148, 150 leſen. Liebes Kind, wenn du so dein erstes Abendmahl feierst und dieses nachher nach Christi Befehl in gleicher Weise recht oft wiederholst; wenn du den da empfangenen Segen recht fest hältst und täglich von Neuem des Bundes gedenkest, den dein Heiland mit dir geschlossen; dann wird das Bäumlein deines Confirmationsgelübdes an einen festen Stab gebunden sein! Du wirst dir auf allen deinen Wegen zurufen: ,, Laffet uns ihn lieben, denn er hat uns erst geliebet;" du wirst beim Blick auf deine Brüder, beim Umgange mit ihnen dir immer sagen: ,, Ein Brod ist es, so sind wir Viele ein Leib, dieweil wir Alle Eines Brodes theilhaftig sind;" du wirst auch in Kreuz und Leiden fleißig auf deinen gekreuzigten Heiland schauen und dich in Demuth und Vertrauen unter die Hand 76 deines Gottes beugen; du wirst den Tod nicht mehr fürchten. Du wirst dann sprechen: Will hinfort mich Etwas quälen, Oder wird mir Etwas fehlen, Oder wird die Kraft zerrinnen, So will ich mich nur besinnen: Daß ich einen Heiland habe, Der vom Kripplein bis zum Grabe, Bis zum Thron', wo man ihn ehret, Mir, dem Sünder, zugehöret! Amen. 11 # 1 Und nun noch Eins. Weißt du auch, was schuld ist, daß so manches Confirmationsgelübde so bald wieder gebrochen wird? Ich will dir's sagen: daran sind gar häufig die bösen Gesellschaften schuld, in welche der Jüngling und die Jungfrau nach der Confirmation so leicht geräth. Da rufen dir leichtfertige Genossen zu: Du bist nun frei, du bist aus der Zucht der Schule heraus, es hat dir Niemand mehr was zu befehlen." Wohlan mun, lasset uns wohlthun, weil's da ist, und unsers Leibes brauchen, weil er jung ist! Wir wollen uns mit dem besten Wein und Salben füllen! Lasset uns Kränze tragen von jungen Rosen, ehe sie welk werden! Unser Keiner lasse es ihm fehlen mit Prangen, daß man allenthalben spüren möge, wo wir fröhlich gewesen sind! Wir haben doch nicht mehr davon, als das! Was wir nun thun können, das soll recht sein; denn wer nicht thun kann, was ihm gelüstet, das gilt nichts!"( Buch der Weish. Kap. 2.) Da locken sie dich in die Wirthshäuser zu Trunk und Spiel; da locken sie dich auf die Tanzpläße, wo es oft so wild und gottlos hergeht; da drohen sie dir mit ihrem Spotte und Hasse, wenn du nicht bis in die Nacht hinein mit ihnen auf - 77- den Straßen umherschwärmst, ihre unzüchtigen Lieder mitsingst und allen Unfug mit ihnen treibst. O liebes Kind, folgst du solchem Locken und Drohen, so weicht dein guter Engel von dir! Bedenke doch, was der Apostel Paulus schreibt( 1. Kor. 10, 21): Ihr könnet nicht zugleich trinken des Herrn Kelch und der Teufel Kelch, ihr könnet nicht zugleich theilhaftig sein des Herrn Tisches und der Teufel Tisches." DJüngling, theurer Jüngling, ſteh', Steh' still auf deinem Pfade; Nach deiner Freude folget Weh' Und ewiglanger Schade! Des Lasters Bahn ist Anfangs zwar Ein breiter Weg durch Auen, Allein sein Fortgang wird Gefahr, Sein Ende Nacht und Grauen. Der Tugend Pfad ist Anfangs steil, Läßt nichts als Mühe blicken; Doch weiter fort führt er zum Heil Und endlich zum Entzücken. Zuvor gethan, hernach bedacht, Hat Manchen in groß Leid gebracht! Höre, was dir abermals der Apostel Paulus zuruft: So Jemand ist, der sich läßt einen Bruder nennen, und ist ein Hurer, oder ein Geiziger, oder ein Lästerer, oder ein Trunkenbold, oder ein Räuber, mit demselben sollt ihr nicht essen. Thut von euch hinaus, wer da böse ist."( 1. Kor. 5, 11. 13.) Wir gebieten euch in dem Namen unsers Herrn Jesu Christi, daß ihr euch entziehet von allem Bruder, der da unordentlich wandelt und nicht nach der Sagung, die er von uns empfangen hat. So aber Jemand nicht gehorsam ist unserm Wort, so habt nichts mit ihm zu schaffen, auf daß er schamroth werde; doch haltet ihn nicht als einen Feind, sondern vermahnet ihn als einen Bruder."( 2. Thess. 3.) <- 78 Nein, nein, nein, Du kannst mein Freund nicht sein. Du dienest falschen Göttern, Du sitzest bei den Spöttern. Nur wer Maria's Theil - Sich wählt zum einz'gen Heil, Wer Glauben hat, der ist mein Kamerad. Nein, nein, nein, Du kannst mein Freund nicht sein. Du hinkst auf beiden Seiten, Kannst Christi Schmach nicht leiden. Nur wer die Lüste dämpft, Ernst betet, ringt und kämpft, Wer Treue hat, der ist mein Kamerad. Ach, nimm das zu Herzen und hüte dich vor bösen Gesellschaften, sie verderben gute Sitten; fie haben schon manches Confirmationsgelübde mit der Wurzel ausgerissen und manches jugendliche Leben dem zeitlichen und ewigen Verderben überliefert. Sage mir, mit wem du umgehst, so will ich dir sagen, wer du bist, hat schon ein alter Weiser gesprochen; aber noch viel ernster und dringender spricht so dein allwissender und allgegenwärtiger Heiland zu dir. Es wird dir am Tage des Gerichts nichts helfen, wenn auch Tausende mit dir den breiten Weg gegangen sind, der zur Verdammniß abführet; deine Strafe und dein Jammer wird dadurch auch nicht um ein Quentlein leichter werden. Halte, was du hast, daß Niemand deine Krone nehme! - Und nun scheide ich von dir; möge das Wort, das ich in väterlicher Liebe hier zu dir geredet habe, eine gute Statt bei dir finden; mögest du deine Wege - 79 von nun an als ein guter Streiter Christi gehen und immer fröhlicher glauben und immer herzlicher lieben und immer muthiger kämpfen und immer inbrünstiger beten. Jesus wird es dann schon machen. Einst kommt der Tag, wo aller Kampf ein Ende hat. Da wirst du sigen an seinem Tische und unter Lob- und Jubelliedern essen von dem Abendmahl des Lammes. Kommt, Kinder, laßt uns gehen, Der Abend kommt herbei; Es ist gefährlich stehen In dieser Wüstenei. Kommt, stärket euren Muth, Zur Ewigkeit zu wandern, Von einer Kraft zur andern; Es ist das Ende gut. Es soll uns nicht gereuen Der schmale Pilgerpfad; Wir kennen ja den Treuen, Der uns gerufen hat. Kommt, folgt und trauet dem; Mit ganzer Wendung richte Ein Jeder sein Gesichte Fest nach Jerusalem. Es wird nicht lang' mehr währen, Harrt noch ein wenig aus! Es wird nicht lang' mehr währen, So kommen wir nach Haus. Da wird man ewig ruh'n, Wenn wir mit allen Frommen. Heim zu dem Vater kommen; Wie wohl, wie wohl wird's thun! 80 D'rauf wollen wir's denn wagen, Es ist wohl wagenswerth, Und gründlich dem absagen, Was aufhält und beschwert. Welt, du bist uns zu klein; Wir geh'n durch Jesu Leiten Hin in die Ewigkeiten, Der Weg soll Jesus sein! - Das helfe auch dir unser hochgelobter Herr und Heiland durch seine Gnade! Amen. Vereinigungs- Urkunde, 23/4 Bogen * Pfälzisches Gedenibüchlein, 13 Bogen Synodalvortrag, 12 Bogen Festlieder, 5/8 Bogen Neueste Unbilden, 3¹/ 8 Bogen Liedersegen, 11¹/ 4 Bogen * Mayer's Gedichte, 11 Bogen Recht muß Recht bleiben, 4 Bogen Christus im alten Testament, 4¹/ 2 Bogen Stard's Tägliches Gebetbuch, 46 Bogen, 5te Auflage * Jahrbuch der evang. Vereine pro 1865 1866 1867 1868 1869 * * * PP " 1 " P 11 " 1 11 17 11 " 1 * Evangelisches Gebetbüchlein, 17 Bogen * Dasselbe in Goldschnitt Bibel- Büchlein, 10¹2 Bogen Passions- Büchlein, 15 Bogen mit Stahlstich Daffelbe in Goldschnitt Die Pfarrei Westheim, 31/2 Bogen # 1 Andachtsbüchlein, 10 Bogen mit Stahlstich, 4te Auflage * Die Kriegsjahre 1870 und 1871, 8 Bogen. Der evangelische Glaube, 2¹/ 2 Bogen, 3te Auflage Gebetbüchlein für die Jugend, 2 Bogen, 4te Auflage Das neue Gesangbuch, 52 Bogen Dasselbe in Taschenausgabe, in Pappe gebunden Dasselbe in Leder gebunden Dasselbe in Goldschnitt mit Futteral Pfälzisches Memorabile, I. Theil, 1914 Bogen. Daffelbe, II. Theil, 1912 Bogen Daffelbe, III. 21 Daffelbe, IV. " 1 " 1 11 2144 Daffelbe, Erstes Nachtrageheft, 814 Bogen Dasselbe, Zweites 1044 Dasselbe, Drittes 812 Daffelbe, Viertes Dasselbe, Fünftes Dasselbe, Sechstes " 1 11 " 1 " 1 " 1 11 11 Liederbüchlein, 72 Bogen Missionsbüchlein, 9 Bogen 12 10³/ 4 10 Pfälzischer Frauenspiegel * Pfälzische Generalsynoden, 2 Bogen " 1 11 17 " 1 # 1 Glaubenszeugnisse des Kaisers Wilhelm, mit dessen Bild, 16. Aufl., je 25 Exemplare Glaubenszeugnisse des Fürsten Bismarck, mit dessen Bild, 3. Aufl., je 25 Exemplare 43 11 17 17 43 1 13 17 17 1 50 34 34 34 34 34 51 69 382974111987 路 一 29292929308030 一一 026 17 2015]| |||||||| ||||||||| 1 31 1 1 51 1 45 11 Zeugnisse wider Glaubensfälschung und Afterliberalismus, No. I, II und III, je 2 Bogen, je Pfälz. Diakonissenhaus- Statender pro 1879 1880 " 1882. " 1 Pfälz. Fürstenbilder: No. 1, Otto Heinrich, 24 Bogen II, Johannes der Aeltere von Zweibrücken, 212 Bogen III, Pfalzgraf Wolfgang, 31/2 Bogen Pfälz. Reformatoren: No. 1, Zacharius Ursinus, 2/2 Bogen " 1 71 II, Magister Johann Bader, 2¹4 Bogen III, Caspar Olevian, 3 Bogen Mr& 12 |||||||||| 656 55 58885 20 20 20 12 12 12 10 10 10 Inches Zeugnisse wider Glaubensfälschung und Afterliberalismus, No. I, II und III, je 2 Bogen, je Blue Pfälz. Diakonissenhaus- Kalender pro 1879 n 1880. 1882. 11 Pfälz. Fürstenbilder: 1 Centimetres Pfälz. Reformatoren: 2 1 No. 1, Otto Heinrich, 24 Bogen II, Johannes der Aeltere von Zweibrücken, 22 Bogen III, Pfalzgraf Wolfgang, 312 Bogen No. 1, Zacharius Ursinus, 22 Bogen 3 " P II. Magister Johann Bader. 21/4 Bogen 3 4 Cyan 2 5 ¹6 Farbkarte# 13 7 Green 8 Yellow M. |||||||& 19 2222 222 22 12 20 20 20 12 12 12 10 10 4 10 Red 11 12 LO 5 13 Magenta 14 6 15 White 16 17 7 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 8