13 ge 2165 20 Neues Braunschweigisches Gesangbuch, nebst einem kurzen Gebetbuche jum öffentlichen und häuslichen Gottesdienste. 1000ffer Sag موار کرنا Mit Herzogl. Braunschw. Lüneb. gnädigstem Special Privilegio. Der Preis des rohen Exemplars auf Druckpapier ist 9 gr. Braunschweig, gedruckt und verlegt von Johann Heinrich Meyer, 1830. 18 2165 Register der Gesänge. Seite Ach! abermal bin ich gefallen 211 Ach! die zweifelnden Gedanken 401 Uch Gott und Herr 204 286 139 Uch Gott, verlaß mich nicht Ach Gott, vom Himmel sieh Dasselbe Lied unverändert 514 Uch Gott, wie manches schwere 405 Uch Gott, wir treten jegt vor dich 405 Ach! hier nicht mehr; ach fern 500 Uch höchster Gott, verleihe mir 280 Uch Jesu, dessen Treu 65 Ach Jesu, gieb mir sanften Muth 385 Uch meine Kinder sind nicht 500 Uch nein, mein Auge darf ich 200 Ach rief Gott seinen Richterblick 197 Uch Bater, unser Gott 275 Uch! wenn werd ich von der 210 Uch! wie ist der Menschen Liebe 260 Uch wie viel Boses wohnt in mir 214 Uch wird denn dein Erlöfter nie 211 Uch zurne nicht 203 369 Allein an dir, mein Gott, hab ich 164 Allein Gott in der Höh sey Ehr 26 Alle Menschen müssen sterben 189 Allen Christen, und auch mir Ulles, was ich bin und habe 375 Alle Welt, was ist und lebet 297 Allmächtger Vater, Gott der 288 Allmächtiger, der seinen Thron 278 Allmächtiger, du Gott der Welt 476 Ullmächtiger, ich Staub, ich 203 Allmächtig großer Gott 43 Alwissender, vollkommner Geist 10 Also hat Gott die Welt geliebt 54 Als unse: Herr zum Jordan kam 143 Um Kreuz erblast 86 Um Kreuze rief der Sohn Unbetungswürdger Gott Seite Unbetung und Dank bringen wir 24 Un dich, mein Gott, gedenken 266 Auch außer meinem Vaterland 505 Auch diesen Tag hab ich vollbr. 488 Auch zu Haus und in der Stille 329 Auf Christen, preist mit mir den 296 Auf dich allein, Herr Jesu Christ 219 Yuf dich, Gott der Güte 392 272 Auf euch wird Gottes Segen 293 Auf Gott, und nicht auf meinen 260 Auf! jauchzet Gott, auf alle 297 Auf! Jünger Jesu, freuet euch 117 Auf meinen Gott verläßt 2uf, meine Seele, finge Auf, mein Geist, dem Herrn zu 261 Auf, o Seele, werde munter 481 2uf, schicke dich, recht feierlich 54 2us dunkler Tiefe, Herr 164 316 81 Uus ganzem Herzen lieb ich dich 333 Uus tiefer Noth schrey ich zu dir 520 Balb, oder spät des Todes Befiehl du deine Wege Befreit von Sorg und Kummer 484 Begleite mich nach Golgatha Begrabt den Leib in seine Gruft 174 Bewahre mich, Herr, daß der 228 Bis hieher hat mich Gott Bringt Preis und Ruhm dem 110 Christ, alles was dich kränket 394 Christe! du Lamm Gottes Christ ist erstanden 319 95 344 397 512 Ehrift lag in Todes Banden 511 Chriftum wir sollen loben schon 510 Christ, unser Herr, zum Jordan 518 Dant, befter Bater, will ich 256 80 Dank dir, Beschüger meines 504 2 Das Grab ist leer, des Höchsten 111 Register. Seite Dein bin ich, Gott, dein ist mein 40 Dein bin ich, Herr, dir will ich 232 Deines Gottes freue dich 223 Dein, Gott, ist Majestät und 258 Dein Heil, o Christ, nicht zu 267 Dein Name sey erhoben 488 Dein Reich, o Gott, ist herrlich 34 Dein Wille, bester Schöpfer, 419 Dein Will' ists, großer Gott 340 Dein Wort, o Höchster, ist 131 Dem Herrn will ich vertrauen 393 Den Herrn, der an mein Leiden 322 Den Höchsten öffentlich 325 506 137 386 101 372 252 132 329 Der am Kreuz ist meine Liebe 96 Der du bist drei in Einigkeit Der du das Leben mir Der du dem Tode nah, für Der du der Strafen schwere Der du die Liebe selber bist Der du mich als ein Vater Der du selbst die Wahrheit Der du stets unsre Zuflucht Der du uns als Vater liebest 126 Der du uns das Heil errungen 58 Der du uns mit deinem Blute 229 Der du Verstand und Jugend 353 Der du voll Blut und Wunden 104 Der frohe Morgen weckt mich 478 Der Herr ist Gott! singt ihm 299 Der Herr ist Gott und keiner 1 Der Herr ist meines Lebens 417 Der Herr ist meine Zuversicht 259 Der hohe Himmel dunkelt sich 464 Der lette meiner Tage 426 Der Mächtige, der Herr der 463 Der Mensch, der Menschenfurcht 431 Der mir den Weg zum Heile 122 Der Morgen kommt und meine 479 Der Spotter Strom reißt viele 139 Der Tag, der ist so freudenreich 509 Seite 486 er Tag ist wieder hin Der Thron der Weltbeherrscher 291 Der unsre Menschheit an sich 180 Der Weise sagt zu seiner Seele 47 Der Wollust Reiz zu widerstr. 351 Des Leibes warten und ihn 349 474 Des, Morgens erste Stunde Des Vaters und des Sohnes 124 Dich bet ich an, erstandner Held 112 315 Dich, Herr und Vater aller Dich, Jefu, bet ich an 51 Dich preis' ich Herr, mit Herz 16 Dich seh ich wieder, Morgenlicht 471 eh ich wi Die Bahn ist rauh, auf der ich 410 Die dich nicht kennen, die nicht 449 137 363 157 Die Feinde deines Kreuzes Die Herrlichkeit der Erden Die ihr Christi Jünger seyd Die Nacht ist hin, Gott sen Dies, Christen, ist der Tag Dies ist der Tag, den Gott Dies ist der Tag zum Segen Die Sonne stand verfinstert Dies sind die heilgen zehn Die Zunge, die vernehmlich Dir allein hab ich gesündigt Dir befehl ich meine Kinder 255 Dir dank ich für mein Leben Dir, Gott, dir will ich fröhlich 314 Dir, Gott, sey mein Dank 493 Dir, Gott, sey Preis und Dank 38 Dir, milder Geber aller Gaben 462 Dir sey Preis, ich lebe wieder 477 Dir trau ich, Gott, und wanke 262 33 Dir, unser Gott, ist niemand Dir versöhnt in deinem Sohne 267 Dreyeiniger Gott, ich preise dich 27 Du, aller Menschen Vater 378 Du bester Trost der Urmen 456 Du bists, dem Ehr und Ruhm 301 471 327 53 327 86 516 381 209 492 Register. Seite Seite 236 Erhabner Schöpfer, beine Gut 308 Erhalt uns, Herr, bei deinem 138 Dasselbe Lied unverändert 517 Erhebe vom Geräusch der Welt 79 Erheb, o Chrift, dein Herz und 337 Erhebt den Herrn, ihr Frommen 50 Erhöhter Jesu, Gottes Sohn 181 Erhör, o Gott, das heiße Flehn 147 Erinnre dich, mein Geist 112 46 359 124 444 Du, der Herz und Nieren Du, der nichts Böses thut Du gabst mir, Ewger, dieses Du Geist des Herrn, der du Du, Gott, der unsre Zuflucht Du, Gott, du bist der Herr 449 Du hast es mir gegeben und 416 Du hast, o gnadenreicher Gott 456 Du hast, o weiser Schöpfer, 491 Du Herr der Seraphinen 30 Du Herr, haft aus Barmherzigk. 150 Du klagst, o Christ, in schweren 402 Du klagst, und fühleft die Du liebst, o Gott, Gerechtigkeit 374 Du, Racher, Gott, wie schrecklich 446 Durch Udams Fall ist erst Durch dich, Gott, bin ich, was Durch dich, o großer Gott Durch viele große Plagen Du Unsichtbarer, dessen Chron 415 4 Du Vater deiner Menschenk. 254 Du weiser Schöpfer aller Dinge 14 Du, welchen keine Welt 498 69 162 499 312 497 Du wesentliches Esenbild Du wiesest, Jesu, nicht die 146 Ein' feste Burg ist unser Gott 517 Ein Fremdling bin ich in der 412 Ein Herz, o Gott, in Leid und 389 Ein Lamm geht hin und trägt 100 Ein milder Regen sinket 461 389 140 Eins ist Noth, ach Herr, dies Ein starker Schuß ist unser Endlich muß ich mich entscht. 213 Endlich wachet mein Gewissen 212 Entehre nicht, mein Herz, mit 358 Entfernet euch, unfelge Spotter 430 Entflohen sind auch dieses 482 Entschließe dich, beherzt Erbarm dich, Herr, mein Erforsche mich, erfahr mein Er ist erstanden, Jesus Chrift 115 Er kommt, er kommt der starke 55 Er kommt, er kommt zum Weltg. 182 Ermuntre, Seele, dich und sey 432 Erniedrigt hatte sich bereits Erwache fröhlich, mein Gem. Es baut, Herr, deiner 82 489 460 Es donnert, Mensch! wer 464 Es eilt der letzte von den Tagen 366 Es fliehn die Schatten von der 475 Es hilft uns unser Gott 407 Es ist das Heil uns kommen her 215 Es ist noch eine Ruý vorhanden 187 Es lag die ganze Welt 67 Es sey mein ernstlicher Entschluß 18 Es spricht der unweisen Mund 515 Es weinet um Jerusalem 70 Es werde Gott von dir erhoben 39 Es wolle Gott uns gnådig seyn 542 Es woll uns Gott genådig seyn 517 Es zieht, o Gott, ein Kriegesw. 449 Feft foll mein Hoffnung stehen 501 Freund, der mir alles ist 382 Freywillig hab ichs bargebracht 109. Frohlocke mein Gemüthe 87 Frohlock mein Herz, weil Jefus 116 Frohlockt, ihr Christen, preist 106 195 Für alle Güte ser, gepreist 483 240 Für alle Kranke bitt ich dich 90 Fürwahr, du bist, o Gott 205 35 Register. Seite 33 384 Gedanke, der uns Leben giebt 49 Geist vom Vater u. vom Sohne 128 Gelobet feyst du, Gottes Sohn 56 Gelobet fenst du, Jesus Chrift 508 Gelobt seyft du, Herr Zebaoth 330 Gerechter Gott, du willst 374 Gerechter Gott, vor dein Gericht 17 Gern will ich mich ergeben 425 Getreuer Gott, wie viel Gedulb 21 Geweiht zum Christenthume 146 Gieb mir dein Herz, sprichst du 254 Gieb mir, o Gott, ein Herz 370 Gieb, Bater, daß mein Herz 248 Gott, deine Gnade sey gepreift 55 Gott, deine Gnad ist unser Leben 167 Gott, deine Güte reicht so weit 277 Gott, deine weise Macht erhålt 321 Gott, dein unsichtbares Wesen 63 Gott, der an allen Enden Gott, der du die Menschen Gott, der du für uns deinen Gott, der Vater wohn uns bei Gott der Wahrheit, dessen Gott des Himmels und der Gott, dessen Aug uns stets 454 Gott, dessen Hand die Welt 289 Gott, dessen Nam ist wie dein 290 Gott, dessen starke Hand die 313 Gott, dir gefällt kein gottlos 208 Gott, du bist von Ewigkeit Gott, du bleibst ewig unsrer 357 Gott, du hast in deinem Sohn 129 Gott, durch dessen Macht und 465 Gott, durch welchen alle Dinge 316 Gottes Sohn ist kommen 57 Gott führt die Seinen wundert. 407 Gott, ich weiß es, meine Glied. 176 Gott, ich will mich ernstlich 197 Gott in der Höh sey Ehr Gott ist die Liebe selbst 8 Gelte 130 32 356 175 6 35 Gott ist mein Hort Gott ist mein Lied Gott ists, der das Vermögen Gottlob, mein Lauf eilt früh Gott, mache du mich selbst bereit Gott, meine ganze Seele 30 Gott, meines Lebens Meister Gott, meines Nächsten bestes 573 Gott, mein höchstes Gut, mein 318 Gott, mein Licht, erleuchte mich 247 Gott, mein Vater, deine Liebe 251 Gott, mein Vater, ich dein Kind 166 Gott, mein Vater, sey gepriesen 306 Gott schuf die Sonne und den 439 Gott sen gedankt zu jeder Zeit 108 Gott sey gelobet und gebened. 519 Gott, unser Gott, wie heilig 141 Gott, unser Vater, der du bist 274 Gott, vor dessen Angesichte 88 522 16 Gott, was des Lebens Kräfte 480 Großer Gott, erhabnes Wesen 44 Großer Mittler, der zur Rechten 121 398 Groß ist des Höchsten Güte 467 Sabe deine eust am Herrn Habe deine Lust, o Jugend Hab ich ein gut Gewissen nur 433 Halt im Gedächtniß Jesum 317 266 243 158 350 257 47 458 Heiland, deine Menschenliebe 69 Heil deinem Volke, dem du dich 129 Heilger Vater, du gebietest Heilig, heilig ist dein Wille Heil uns, aus unsrer Sünden Helle leuchtet deine Güte Herr, allerhöchster Gott, im Herr, allerhöchster Gott, von 221 Herr, deine Almacht reicht so 15 Herr, deine Rechte und Gebot 135 Herr, den die Sonnen und die 441 27 Herr, der du alles giebst 215 Herr, der du als ein stilles 460 344 148 Register. Seite 376 91 238 144 170 182 Hier, bin ich, Sefu, zu erfüllen 158 Hilf, Herr Jesu, laß gelingen, 438 Hilf, Jesu, daß ich meinen Hin an dein Kreuz zu treten Höchster, denk ich an die Güte 207 Höchster, dessen starke Rechte 31 Höchster Gott, wir danken dir 329 Hort an die heilgen zehn Gebot 134 or unser Gebet, Geist des 123 Jauchzt unserm Gott, er ist 20 8. Ich bin ein Christ, Gott ist mein Ich bin getauft auf deinen Ich bin ja, Herr, in deiner Ich bin, ich lebe, Gott du bist 300 Ich bin, o Gott, dein Eigenthum 42 Ich denk an dein Gerichte Ich ergebe mich dem Willen Ich erhebe mein Gemüthe Ich frage nichts nach Gold Ich freue mich der frohen Zeit Ich freue mich, mein Gott in Ich habe, Gott, mir ernstlich Ich habe nun den Grund Ich hab in Gottes Herz und Ich hab in guten Stunden Ich hoff, o Gott, mit frohem 168 Ich komme, Friedensfürst, zu 220 Ich komme, Herr, und suche 154 Ich komme vor dein Angesicht 278 Schlag umringt mit Schmerzen 320 Ich lobe dich, und preise dich 14 Ich preise dich, o Herr, mein 152 Ich preise dich, und finge Ich Staub vom Staube, wer Ich sterbe täglich, hier auf Ich trete vor dein Angesicht 494 Ich weiß, an wen mein Glaub 168 Ich weiß, mein Gott, daß all 284 Ich weiß, und bins gewiß Ich will das Abendmahl des 174 224 149 Ceite Herr, der du mir das Leben 484 Herr, dessen Augen alles prüfen 230 Herr, dir gelob ich neue Treue 145 Herr, du bist heilig im Gericht 250 Herr, du bist meine Zuversicht 178 Herr, du erforschst und kennest 13 Herr, du fährst mit Glanz und 120 Herr, du kennest mein Verderb. 44 Herr Gott, dich loben wir 300 521 Dasselbe Lied von Luther Herr Gott, du bist die Zuflucht Herr Gott, vor deiner Majestät 454 Herr Gott, wir preisen deine 453 Herr, höre mein Gebet, um 207 Herr, höre mein Gebet, und 241 Herr, ich bin dein Eigenthum 184 Herr, ich falle vor dir nieder 155 Herr, ich hab aus deiner Treu 368 Herr Jesu Christ, du höchstes 201 Herr Jesu Christ, mein Herr 171 Herr Jesu, deine Angst und Pein 90 Herr Jesu, Gnadensonne 281 Herr, laß mich doch gewissenh. 353 Herr, mache meine Seele stille 398 Herr, mein Erlöser, nur von 282 Herr, meiner Seele großen 346 Herr, mein Licht, mein Heil 36 Herr, mein Versöhner, der du 384 Herr, ohne Glauben kann 217 Herr, sieh, ich bin verdrossen 185 Herr, stärke mich, dein Leiden 72 Herr und Regent der ganzen 279 Herr, unser Gott, laß nicht zu 451 Herr, unser Gott, wer ist dir, 26 Herr, wie du willst, so schicks 288 Herr, wie lange muß ich ringen 241 Herr, wo ist solch ein Gott wie 295 Heute, sprach mein Heiland! 427 Heut hat den Juden sich dein 62 Hier bin ich, Herr, du rufeft mir 107 264 165 362 179 253 12 219 390 418 320 235 Register. Laß deinen Geist mich stets 292 Seite Ich will dich noch im Tod 426 Ich will in meiner Einsamkeit 495 Ich will, mein Gott, du König 309 Ich will vor dein Untlig treten 420 Jehovah, macht'ger König Jesu Christ, durch deine Wund. 103 Jesu Christe, wir sind hier 323 Jesu, du mein Heil, mein Jesu, Jesu, stårke mich Jesu, meine Freude Sesu, meiner Seelen Licht Jefu, meines Lebens Leben 89 Jesus Christus, unser Heiland 512 Jesus Christus, unser Hei 338 99 Laß deiner Welt mich dienen 342 Laß doch, o Jesu, laß dein Reich 142 Laß mich doch nicht, o Gott 354 Laß mich, Höchster, darnach 330 338 Laß mich, o Herr, in allen 334 Laßt unferm Gott uns singen 93 Laßt uns mit Danken treten Laßt uns mit Lob und Beten 305 Laßt uns unserm Gott lobsingen 59 Lob, Ehre, Preis und Dank sey 331 Lob, Ehr und Dank sey dir 321 Lob, Ehr und Preis dem 324 Lob sey Gott, der den Morgen 477 Lob sey Gott, der den Frühling 457 Lobsinget Gott, und betet an 310 Lobsingt dem Gott, der unser 451 Lobsingt ihr Völker, preist 84 Lobt Gott, den Gott der Stärke 298 Lobt Gott, ihr seine Knechte: 119 519 114 178 435 land, der von uns Jesus lebt, mit ihm auch ich Jesus, meine Zuversicht Ihm, der das Licht entstehen 470 Ihr, die ihr euch von Christo 230 Ihr Mitgenossen, auf, zum 225 Im Frühling meiner Jahre 503 Im Stillen wollen wir dich In allen meinen Thaten In dieser Morgenstund will ich 467 In Gottes Namen fang ich an 290 In Trübsal, Christ, sey ftark 387 Sft Gott für mich, so trete 222 Ist nun auch meine Stunde da 424 Jetzt leb ich, ob ich morgen lebe 364 Jest sinkt die Sonne nieder 485 264 Geite König, dem kein König gleichet 118 Könnt ich in meinen Nöthen 393 Kaum steigt zu ihrem frohsten 107 Rein Lehrer ist dir, Jesu, gleich 68 Kinder gut und fromm erziehen 294 Komm betend, oft und mit 268 Komm, Gott Schöpfer, heilger 513 Komm, heilger Geist, Herre 512 Kommt, kommt den Herrn zu 811 Kommt, laßt euch den Herrn 233 Kommt, laßt vor Gott uns 439 259 303 270 273 365 221 Mein bester Trost in diesem Meine Lebenszeit verstreicht Meinen Jesum laß ich nicht Mein Erlöser, auch für mich Mein Erldser, der du mich Mein Erlöser, Gottes Sohn Mein erster Wunsch, mein 101 145 94 315 470 71 Mein erst Gefühl sey Preis Meine Seel ermuntre dich Mein ganzer Geist, Gott, wird 188 Mein Gefühl ist Traurigkeit 417 Mein Geist erstaunt, Almächtg. 304 Mein Glaub ist meines Lebens 437 Mein Gott, ach lehre mich 235 Mein Gott, dir ist bewußt Mein Gott, du bist gerecht 45 462 Register. Seite Mein Gott, du wohnest zwar 246 Mein Gott, nun ist es wieder 469 Mein Gott, wo flieh ich hin 202 Mein Heiland, deine Größe 64 Mein Heiland lebt, er hat die 177 Mein Heiland, wenn mein 171 Mein Herz ermuntre dich zum 323 Mein Jesu, du hast unsre 66 428 Mein Jesu, für dein Herz Mein Jesus ist getreu Mein Jesus ist mein Leben Mein Leben ist ein Prüfungsst. 360 Mein Vater und mein Gott 283 Mensch, willt du leben seliglich 515 Mit Ernst, o Menschenkinder 53 Mit freudigem Gemüthe 468 Mit Fried und Freud ich fahr 523 Gott, du bist mein Preis Mit Munterkeit erwachen wir 472 O Gott, du frommer Gott Mit Preis und Danke nah ich 482 Mit Seufzen flag ich dir, 269 Mitten wir im Leben sind 522 Gott, du Gott der Deinen Gott, es fehlt uns Kraft Gott, sobald der Tag O großer Gott, der alle Dinge heilger Geist, kehr bei uns heiliger, gerechter Gott Heiligster, wen nennst du Herr, dein seligmachend D Herre Gott, dein göttlich Herr, mein Gott, der du O Herr, mein Gott, durch Dhimmlisches, o bestes Leben 187 265 Jefu Chrift, mein höchstes 333 O Jesu, heilges Gotteslamm 154 O Lamm Gottes, im Staube 95 Ostärke, Mittler, stårke sie 147 22 D Tod, wo ist dein Stachel 113 48 306 507 159 76 332 Nach dir, o Herr, verlanget 287 Nach einer Prüfung kurzer 186 Nach meiner Seelen Seligkeit 346 Nein, murren will ich nicht 415 Nicht, daß ichs schon ergriffen 348 Nicht nur streiten, überwinden 226 Nie bist du, Höchster, von uns 12 Nie will ich dem zu schaden 387 Nimm von uns, Herr, wir 448 Noch bin ich dein Gast, o Erde 172 Noch immer wechseln ordentlich 458 Noch läßt der Herr mich leben 474 Noch nie hast du dein Wort Nun, Christen, laßt uns Nun danket alle Gott Nun freut euch, lieben Christen Nun habe Dank für deine Nun ist es alles wohl gemacht 85 Seite Nun ist es Tag, mit frommen 478 Nun kommt der Heiden Heiland 508 Nun wollen wir dir Lob und 455 488 allgütigster Erhalter blinde Wuth 79 64 Christe! Eingeborner du allersüßte Freude Deffentlich in der Gemeinde 125 161 Oft hab ich den Bund gebrochen 206 Oft flagt dein Herz, wie 239 Gott, bei dir ist Heil und 143) Gott, der du den Himmel 461 O Gott des Himmels und der 28 Sott, dich fürchten, findlich 247 Gott, du bist die Liebe 19 326 282 499 271 459 10 127 25 230 443 513 98 Bater der Barmherzigkeit 202 welch ein Glück, ein Mensch 37 D welch ein unschågbares Gut 347 OWelt! sieh hier dein Leben 97 D wie unaussprechlich felig 190 Register. Seite Seite 108 413 Tag, den mir der Herr gemacht 150 Triumph! Verlaßt die leere Um Gnade für die Sünderwelt 83 umsonst, umsonst verhüllst du 11 Um Weisheit, Höchster, bitte 286 Unermeßlich ewig ist Unschuldger Jesu, was hast du 77 Uns heilig soll der Ehstand seyn 490 Unsträflich bist du, Gott, und 205 Unwiederbringlich schnell 7 487 448 60 78 185 Qualet mich nicht, bange Quelle der Vollkommenheiten 250 Rühme, Seele, de in Gefang 160 Schaffet, schaffet, Menschenk. 192 Schon ist der Tag von Gott 183 Schön ist die Tugend, mein 237 Schon wieder ist von meinem 489 Schöpfer aller Menschenkinder 163 Schüße die Deinen, die nach 141 Schweiget, bange Zweifel 405 Schwing dich auf gen Golgatha 92 Seele, willst du Ruhe finden 151 Sehn wir nur Trůbsal um Seht, Gottes Gnade ist Seht, welch ein Mensch Selig, Gott, sind die, die Selig sind des Himmels Erben 185 Sey du, o mein getreuer Gott 504 Sen hochgepriesen, Herr, får 87 Sey Seele stark u. unverzagt 395 Sieh, Seele, hinter dich zurück 497 Sie kommt, sie kommt, die 367 Singt dem Herrn Lob, Preis 481 Singt dem Versöhner, singt So fliehen unfre Tage bin So gehst du, Jefu, williglich Sohn, der du für uns starbst So jemand spricht, ich liebe Soll dein verderbtes Herz Soll sich mein Geist, o Gott, Sollten Menschen, meine Sollt ich jetzt noch, da mir Sollt ich meinen Gott nicht So schlummerst du 56 So wahr ich lebe, spricht dein 103 So weit, Herr, deine Himmel 19 Stärke, denn oft will er wanken 225 Etimmt unferm Gott ein Strafe nicht, o Heiligster 483 74 121 371 133 245 369 Vater aller Menschenkinder 429 Vater, heilig mocht ich leben 242 Varer, laß mich Gnade finden 204 Bater unfer im Himmelreich) 520 191 Verachter Gottes, bebt 238 302 105 334 Verleih uns Frieden gnådiglich 453 Vollendet bist du nun vor Gott 114 156 Boller Ehrfurcht, Dank und Vom Geräusch der Welt Voll Himmel hoch, da komm 509 Vom Himmel kam der Engel 510 Von dir, du Gott der Einigk. 293 Von dir, Gott der Barmherz. 288 Von dir, o Vater nimmt mein 399 336 Von Furcht dahin gerissen Von ganzer Seele preif' ich 285 Bon Gott will ich nicht lassen 261 Vor dir, Herr Jesu, steh ich 220 Wach auf, mein Herz, und 466 Wachet auf, so ruft die Stimme 180 Wår Gott nicht mit uns diese 518 423 Warun erbebst du, meine Warum sollt ich mich denn 404 Was bist du, o Christ, betrübet 401 Was den Leib erhålt und nährt 480 297 Was für Leiden, starker Held 75 206 Was fürcht'st du Feind Herodes 511 Register. Seite 542 411 Was Gott thut, das ist wohlg. 263 Was hilft es mir, ein Christ 227 Was ich nur Gutes habe Was in mir ist, mein ganzes Was ist das Leben hier auf Was ist mein Leben auf der Was ist mein zeitlich Leben 360 Was ist, o Gott, im Himmel 244 Was ists, daß ich mich quâle Was ist vor deinem Ungesicht Was mein Gott will, gefcheh Was soll ich ångstlich klagen Was soll ich trostlos sorgen Was forgst du ångstlich für Was zagst du, Gott regiert Was zweifelst du betrübtes Herz 400 Wie fürcht ich mein Herz zu Wie getrost und heiter 40 263 Wie gnådig ist des Höchsten 391 Wie gnådig warst du, Gott 409 421 406 Weg, Welt mit deinen Freuden Weh dem, der leugnet, daß du Weicht ihr Berge, fallt ihr Welch Glück, o Gott, ist Freundschaft 307 388 412 73 3 23 Seite Mer gleicht dir, Gott? undenkbar 9 Wer, Gott, dein Wort nicht 227 Wer ist dir gleich, du Einziger 5 Wer kann, Gott, je was Gutes 276 Wer nur den lieben Gott låst 414 Wer weiß, wie nahe mir mein 422 Wiederum ein Jahr verschwunden 423 Wenn nicht zur Uebung deiner 231 Wen wird, o Gott, die Wonne 336 Wer bin ich? welche wicht'ge 441 452 196 218 465 477 Wie groß ist des Allmächtgen 20 Wie groß ist unsre Seligkeit 429 Wie groß, wie angebetet ist 332 Wie grundlos sind die Tiefen 95 Wie herrlich bist du, Gott 29 Wie herrlich strahlt der 335 Wie, Höchster aller Våter, wie 61 Wie kann ich sattsam doch Wie lieblich ist doch, Herr, die Wie machtig spricht in meiner ie mannigfaltig sind die Wie fanft sehn wir den Wie selig, Gott, wie felig ist Wie selig, Herr, ist der Gerechte Wie selig lebt ein Mensch Wie sicher lebt der Mensch, der Staub 160 328 434 350 383 319 140 Welch großes Vorrecht schenkst 272 Welch hohes Beiſpiel gabst 336 Welch Lob, o Gott, soll unser 305 Welch Lob soll ich dir geben Wenn Christus seine Kirche Wenn du des Nächsten Ehr 377 Wenn einst mein sterbend Auge 425 Wenn ich die Gottesäcker seh 422 Wenn ich ein gut Gewissen habe 432 Wie soll ich dich empfangen Wenn ich einst von jenem 478 Wie theur, o Gott, ist deine Wenn ich nur Gott gefalle 258 Wie treu, mein guter Hirte Wenn ich, o Gott, von dir 343 Wenn ich, o Schöpfer, deine 28 Wenn mich die Sünden krånken 104 Wenn, Mittler, meine 865 52 169 196 Wie viele Freuden dank ich dir 313 Wie wichtig ist doch der Beruf 41. Wie wird mir dann, Erlöser 425 Will jemand Christi Jünger 561 Willkommen, du Geschenk des 452 Willkommen, Quell der Freuden 58 Will mich, o Gott, hienieben 896 427 166 234 378 Register. Seite Willst du der Weisheit Quelle 12 249 Willst du die Buße noch 194 Wir freuen uns, Herr Jesu 118 Wir glauben all an einen Gott 506 Wir glauben an den eingen Wir Menschen sind zu dem Wo find ich Gott, den meine Wohlauf, mein Herz, verlaß Wohl dem, der befre Schåße 355 Wohl dem, der in Gottesfurcht 523 24 131 224 66 Seite Wohl dem, der redlich wandelt 380 Wohl, wohl dem Menschen 435 Wohlzuthun und mitzutheilen 379 Wort aus Gottes Munde Wunderbar ist Gottes Schicken 408 Wüßt ich nicht: Gott ist; Gott 2 136 Zeit, die ich seufzend zähle 418 3u deinem Throne nah ich mich 473 3ur Arbeit, nicht zum Müssigg. 356 3u so viel Tagen, die mir schon 486 Verzeichniß der Gebete. 1. um recht und Gott wohlgefällig zu beten. 2. 3. Morgengebete. 4. 5. Abendgebete. Sonntagsandacht. 6. Morgengebet am Sonntage. 7. Vor dem Gottesdienste. 8. Nach dem Gottesdienste. 9. Abendgebet am Sonntage. 10. Vertrauen auf Gott und rechtmäßige Gesinnung gegen ihn. 11. Demuthsübung. 12. Um Keuschheit und Mäßigkeit. Tägliche Erweckung zum frommen Sinn und Wandel vor Gott. 13. Um brüderliche Liebe, Mitfreude und Mitleid. 14. Um Nachsicht, Sanftmuth, Leutseligkeit und Langmuth. 15. um chriftliche Gefälligkeit und Freundschaft. 16. Um christliche Liebe gegen Feinde. 17. Um Heiligung der Reden und des ganzen Betragens. 18. um christlichen Gebrauch der Vergehungen, Thorheiten und Laster unsrer Nebenmenschen. 19. Um christlichen Gebrauch der Zeit, Kräfte und Gaben Gottes. 20. Aufmunterung zu solchem Wandel vor Gott. 21. Tägliches Gebet einer gottesfürchtigen Familie. 525-529 530-534 Ueber das heilige Abendmahl. 22. Nachdenken über den Zweck und Nußen des heiligen Abendmahls. 23. Selbstprüfung vor dem Genusse des heiligen Abendmahls. 24. Um Vergebung der Sünden. 25. 26. Vor dem Genusse des heiligen Abendmahls. 27:29. Nach dem Genusse des heiligen Abendmahls. In Krankheiten. Seite 524 30. Beim Unfange einer Krankheit. 31. Um chriftliches Verhalten in der Krankheit. 32. um Gnade, die Krankheit zur Heiligung anzuwenden. 33. Bei heftigen und anhaltenden Schmerzen. 34. Nach der Genesung von der Krankheit. 55. Eines Kranken bei Annäherung seines Todes. 534 536 537 539 541 543 545 546 548 549 549 550 551 552 554 557 560 563 568 569. 570 571: 573 575 576 577 578 579 580 Verzeichniß der Gebete. Kirchengebete. 1. Deffentliche Beichte. 2. Allgemeines Kirchengebet. 3. Vor der öffentlichen Communion. 4. Nach der Communion. 5. In den Montagsbetstunden. 6. Die Litaney 7. Un öffentlichen Bußtagen. 8. Auf Hagelfeyer. 9. Bei der Confirmation der Kinder. 10. Auf Advent. 11. Um Weihnachtsfefte. 12. Um Neujahrstage. 13. Um Feste der Erscheinung Chrifti. 14. Um Feste der Reinigung Maria. 15. Um Feste der Verkündigung Marid. 16. Auf das Leiden Jesu. 17. Um Osterfeste. 18. Um Himmelfahrtsfeste. 19. Um Pfingstfeste. 20. Um Feste der heiligen Dreyfaltigkeit. 21. Um Feste Johannis des Täufers. 22. Um Feste der Heimsuchung Maria. 23. Um Michaelisfeste. Seite 582 583 585 587 587 589 590 591 592 593 594 594 595 596 596 597 598 599 599 600 601 601 602 Inhalt des Gesangbuchs. Erste Abtheilung. Ueber die Glaubenslehren. 2. 1. Vom Daseyn und Wesen Gottes. Nr. 1-7. Von den göttlichen Eigenschaften insbesondere. Ewigkeit und unveränderlichkeit Gottes, 8: 11. wart und Allwissenheit, 12= 17. Weisheit, 18. 19. 20. 21. 25-28. tes, 30. 31. 3. Von der heiligen Dreyfaltigkeit. 32:38. 4. Von der Schöpfung. 39-41. 5. Von den Engeln. 42:44. 6. Von der göttlichen Vorsehung. 45:51. 7. Von der Natur und Würde des Menschen. 52-56. Allgegen Allmacht, Heiligkeit, 22. Gerechtigkeit, 23. 24. Liebe und Güte, Langmuth und Geduld, 29. Wahrheit und Treue Gota 8. Von der Bestimmung des Menschen. 57-59. 9. Von der Verdorbenheit des Menschen. 60-64. 10. Von der Erlösung des Menschen durch Christum. 65-69. 11. Von der Menschwerdung und Geburt Jefu. 70-84. Der den Weisen geoffenbarte Weltheiland, 85 a) und b). 12. Von der Person und dem Leben Jesu auf Erden. Von der Person Jesu, 86. 87. Vom Namen Jefu, 88. 89. Auf die Darstellung Jesu im Tempel, 90. Von dem Vorläuferamte Johannis, 91. Von dem Lehramte Jesu, 92. Von dem heiligen Leben Jesu, 93. 94. Ueber die Thränen Jesu, 95. 13. Vom Leiden und Tode Jesu. Legte Reden Jeſu am Erweckung zur Betrachtung seines Leidens, 96-98. Von seinem innerlichen Leiden, 99. 100. Leiden Jesu über seine Jünger, 101. Neußerliche Leiden: Die an ihm verübten Grausamkeiten, 102-104. Kreuzigung Jesu, 105. 106. Kreuze, 107. 108. Seine Fürbitte am Kreuze für seine Feinde, 109. 110. Der Tod Jesu, 111-113. Erweckung aus dem Leiden Sefu zur Dankbarkeit, 114-118. Zur Buße, 119 121. Glauben, 122-125. 3ur Gegenliebe, 126. 127. 3ur Tugend, 128-130. 3ur Geduld im Leiden, 131. 132. 3ur Selbstverlaugs nung, 133. 3um Trofte und Beruhigung, 134-136. Begräbniß Jesu, 137. Ə 3um 14. Von der Auferstehung Jesu überhaupt. 138-141. Jefu Auferstehung, ein Beweis seiner göttlichen Sendung, 142. 143. Erweckung, mit Jesu geistlicher Weise zu auferstehen, 144. Hoffnung und Trost aus der Auferstehung Jesu, 145= 150. Inhalt des Gesangbuchs. 15. Von der Himmelfahrt Jesu und seinem Sißen zur Rechten Gottes. 151-153. Königliche Herrlichkeit des erhöheten Jesu, 154. 155. Erweckung zu himmlischen Gesinnungen, 156. Von der Fürbitte Jesu, zur Rechten Gottes, 157. 158. 16. Von dem heiligen Geiste und dessen Gaben und Wirfungen. 159-167. 17. Von dem Worte Gottes überhaupt. 168-172. Erweckung, die heilige Schrift fleißig und auf gehörige Weife zu lesen, 173. Ueber die zehn Gebote, 174. 175. Von dem Evans gelio, 176. Bortrefflichkeit der christlichen Religion, 177. 18. Von der christlichen Kirche. P Um Erhaltung und Beschüßung der christlichen Kirche, 178 184. Um Ausbreitung und Beförderung der christlichen Religion, 185 187. 19. Von der heiligen Taufe. Von der Taufe, 188 190. Erneuerung bes Taufbundes, 191. 192. Bei einer Taufhandlung, 193. 194. Vor und nach der Confirmation junger Christen, 195..196. 20. Vom heiligen Abendmahl. 197-213. 21. Von der Vergebung der Sünden und ihren seligen Fol gen. 214-217. Dankbare Empfindung über die Vergebung der Sünden, 218220. Friede und Ruhe in Gott, 221. Hoffnung der Seligkeit, 222. 223. peiligung des Lebens, eine Frucht der Rechtfertigung, 224. 22. Vom Tode. 225-230. Begräbnißlieder, 231. 232. 23. Von der Auferstehung der Todten. 233-238. 24. Von dem zukünftigen Weltgerichte. Wiederkunft Jesu zum Weltgerichte, 239-241. Von dem Weltgerichte selbst, 242 245. 25. Vom ewigen Leben. 246-252. Gewißheit der Verdammniß der Gottlosen, 253. Zweite Abtheilung. Ueber die Sittenlehre. 1. Von der Buße und Bekehrung. Erweckung zur Buße und wider den Aufschub der Bekehrung, 254-257. Von dem Gnadenrufe Gottes an die Sünder, 258. Ge= horsam gegen den Gnadenruf, 259. Selbstprüfung, 260. 261. Wider den Selbstbetrug, 262. Bußgesånge, 263-277. Ueber Schwachheitssünden, 278. 279. Wider die Lieblingssünde, 280. Eines vieljährigen Sünders, 281, 282. Bußlied für junge Leute, 283. Bei einbrechenden göttlichen Strafgerichten, 284. 2. Vom Glauben, 285 291. Um Stärkung des Glaubens, 292. Standhaftigkeft, getroffer Muth, Freudigkeit, Kampf, Sieg des Glaubens, 293-299. Thås tiges Bekenntniß des Glaubens, 300. Inhalt des Gesangbuchs. Vom heiligen Leben und Wandel überhaupt. Eigenschaften Ents Vortheile der Nothwendigkeit eines frommen Lebens, 301 304. des Frommen, 505, 306. Quelle guter Handlungen, 307. schließung zum frommen Sinn und Leben, 308. Gottseligkeit, 309. Um bas wahre Christenthum, 310. 311. Tåge liche Erneuerung zur Frömmigkeit, 312. Beharrlichkeit und Wachsthum im Guten und Erweckung dazu, 813-315. Standhafs tigkeit und Kampf der Tugend, 316. 317. Wider die Versuch uns gen, 318 321. Frömmigkeit der Jugend, 322. 4. : 5. ; Von den Pflichten gegen Gott. Von der Erkenntniß Gottes, 323 327. Von der Furcht Gottes, 328-330. Heiligkeit des Eidschwurs, 331. 6. Von der Liebe und Dankbarkeit gegen Gott, 332: 339. Von dem Gehorsam gegen Gott, 340-342. 7. Von dem Vertrauen auf Gott, 343-347. Vertrauen im Leiden; Zufriedenheit mit Gott und Ergebung in seinen Willen, 348 353. Freude in Gott, 354. 355. 9. Vom Gebete. Pflicht des Gebets, 356. Erweckung zum Gebet, 357. Eigen schaften des Gebets, 358. Fehler des Gebets; auch beim Mangel der Undacht, 359. Röthige Einmüthigkeit beim Gebet, 360. um die Gabe des Gebets, 361. Zuversicht eines gläubigen Beters, 362. Kraft, Nugen und Segen des Gebets, 363. 364. 10. Gebet- und Bittlieder. Das Gebet des Herrn, 365, 366. Allgemeine Gebetlieber, 357371. Um geistliche Wohlthaten und Beistand im Guten, 372: 375. Um göttliche Regierung und Leitung, 376-383. Um Gesundheit, 384. Um Ernährung und irdischen Segen, 385. Um Segen in Berufs- und Nahrungsgeschäften, 386. Allgemeine Fürbitte, 387. Fürbitte für die Fürsten und Obrigkeit, 388. 389. Für angehende Eheleute, vor und nach der Trauung, 390. 391. Für die Erzies bung der Jugend, 392. Für alle Kranke, 893. Um langmüthige Verschonung der Sünder, 394. 11. Vom Lobe Gottes. Pflicht des Robes Gottes, 395. Ermunterung zum Lobe Gottes, 396= 400. 12. Rob- und Danklieder. Das Te Deum, 401. 2Ugemeine Lob und Danklieder, 402-410. $ Inhalt des Gesangbuchs. Lobgefang Maria, 411. Preis der Vollkommenheiten Gottes, 412. 413. Lob der Schöpfung, 414. Lob der Allmacht und Herrlichkeit Gottes in der Natur, 415. 416. Lob der Güte Gottes, 417: 419. Preis der göttlichen Vorsehung, 420. Für geistliche Wohlthaten, 421. 422. Für die Heiligung der Seele, 423. Für die feligen Führungen Gottes, 424-426. Für die Gesundheit, 427. Für die wiedererlangte Gesundheit, 428. 429. Für die Ernährung und irdischen Segen, 430. Für Errettung aus Noth und Gefahren, 431 434. 13. Vom öffentlichen Gottesdienste. Pflicht und Nußen desselben, 435. Würdige Sonntagsfever, 436 439. Vor der Predigt, 440. 441. Beim Beschluß des Got tesdienstes, 442. Pflicht und Nugen des häuslichen Gottesdienstes, 443. 14. Pflichtmäßige Gesinnung gegen Jesum, den Erlöser der Menschen. Lobpreisung für die Erlösung, 444: 446. Gläubige Zuversicht zu Jesu, 447. Liebe gegen Jesum, 448. 449. Freude an Jesu, 450. Sehnsucht nach der Gemeinschaft mit Jesu, 451. Freimůthiges Bekenntniß der Religion Jesu, 452. Nachfolge Jefu, 45%455. Nachfolge Jesu im Leiden, 456. Sesus und sein Heil, das einzige Nothwendige, 457. 15. Von den Pflichten gegen uns selbst. Llicht der Selbstliebe, 458. Gelbsterkenntniß, 459. Demuth, 460. 461. Wider Stolz und Vermessenheit, 462. 463. Sorge für die Seele, 464-466. Bewahrung eines guten Gewissens, 467. 3achfamkeit, 468. Sorge für den Leib und die Erhaltung des Lebens, 469. Måßigkeit, 470. Keuschheit, 471. 472. Vorsichtigs keit im Reden und im Umgange, 473. Rechtmäßige Anwendung der zeitlichen Güter, 474. Wider den Geiz, 475. 476. Arbeit: famfeit und Fleiß in Berufsgeschäften, 477. 478. Zufriedenheit und Genügsamkeit, 479 481. = Rechtmäßige Anwendung der Zeit und des Lebens, 482 484. Selbstverleugnung, 485. Verleugnung der Welt und des Irdischen, 486. 487. Vorbereitung zum Tode und zur Ewigkeit, 488- 493. : 16 Von den Pflichten gegen den nächsten. 3 Pflicht der Nächstenliebe, 494. 495. Allgemeine Liebe gegen den Nächsten, 496 498. Sorgfalt für die Seele des nächsten, 499. Gerechtigkeit gegen den Nächsten, 500. 501. das Eigenthum des Nächsten, 502. Gegen seine Ehre und guten Gerechtigkeit gegen Namen, 503. 504. Dienstfertigkeit, 505. Liebe gegen Urme, 506. 507. 2ufrichtigkeit, 508= 510. Wohlthätigkeit und fchaft, 511. 512. Sanftmuth und Friedfertigkeit, 515. Versöhn Freunds lichkeit und Liebe gegen Feinde, 514-517. Inhalt des Gesangbuchs. Dritte Abtheilung. Vom Kreuze und Troste des Christen. 1. Vom Leiden und Kreuze des Christen. Wohlthätigkeit und Nugen des Kreuzes, 518. 519. Rechtmäßi ges Verhalten im Leiden: Geduld und Gelassenheit, 520= 522. Vertrauen und Hoffnung auf Gott, 523. 524. Gebet, 525. 2. Trostgesänge, oder Ermunterungen zur Geduld, Zufries denheit, Vertrauen auf Gott, und Ergebung in feinen Willen. 2 Allgemeine Trostlieder, 526 529. Beim Verzug der göttlichen Hülfe und Erhörung des Gebets, 530. In Kleinmüthigkeit und beim Mangel am Vertrauen auf Gott, 531. Wider Verzagtheit und Trostlosigkeit, 532. 533. Bey Schwachheit des Glaubens und Zweifel an der Gnade Gottes, 534. In Gewissens angst und Schwermuth, 535, 536. Troft aus der Erlösung, 537 539. Trost aus der göttlichen Vorsehung, 540. 541. Bei betrübenden Füh rungen Gottes, 542= 544. Trost unter den Mühseligkeiten des Lebens aus der Betrachtung der Ewigkeit, 545= 547. Bei Uns glücksfällen im Zeitlichen, 548. Wider ångstliche Sorgen um das Irdische, 549 551. In Dürftigkeit und Armuth, 552. 553. Bei Haß und Verfolgung böfer Menschen, 554. Bei dem Glücke der Gottlosen und dem Unglücke der Frommen, 555. Bei Leiden des Leibes und siechem Leben, 556. In Krankheiten, 557. 558. Füre bitte für einen Kranken, 559. wider die Schrecken des ToTode, 568. 569. Freudigkeit Gebet eines sterbenden Chris Trost des, 560 567. Verlangen nach dem des Frommen im Tode, 570- 572. sten, 573. Fürbitte für einen Sterbenden, 574. : 3. Von der Glückseligkeit des Christen. Würde und Größe des Christen, 575 577. Werth der Jugend, 578. Glück eines guten Gewissens, 579. 580. 581. 582. Irbischer Segen des Christen, 583. des Christen, 584. Ewige Belohnung des Christen, 585. 586. Ruhe der Seele, Häusliches Glück Vierte Abtheilung. Auf besondere Zeiten, Umstände und Personen. 1. Neujahrsgesånge, 587-592. 2. Um Reformationsfeste, 593. 3. An öffentlichen Bußtagen, 594. 4. In allgemeinen Nöthen und öffentlichen Trübfalen, 595. 596. Inhalt des Gesangbuchs. 5. In Kriegszeiten, 600-602. Danklieder für wiederhergestellten Frieden, 603. 604. Um Ers Haltung des Friedens, 605. 606. 6. Bei ansteckenden Krankheiten, 607. 608. Nach geendigten Seuchen, 609. In Theurung, 610. Nach geendigter Theurung, 611. 7. 8. Für die Feld und Landfrüchte überhaupt, 612-615. Um Gefegnung der Feldfrüchte, 616. um Regen bey großer Dürre, 617. Danklied für verliebenen Regen, 618. Bey anhals tendem Regen um Sonnenschein, 619. Danksagung für den Son nenschein nach anhaltendem Regen, 620. Danklied für die Erndte, 621. 9. Bey Gewittern. Ehrfurcht gegen Gott bey Gewittern, 622.624 Nach dem Ges witter 625. 626. 10. Morgengesånge, 627-644. Morgengefang eines Kindes, 645. Bep Untretung der Arbeit, 646. Morgenlied im Leiden, 647. 11. Tischlieder, 648-650. 12. Abendgesänge, 651-659. Prüfung am Abend, 660. Um Sonnabend Abend, 661. Abends lied eines Kindes, 662. Nach der Arbeit, 663. Abendlied im Leiden, 664. 13. In besondern persönlichen Umständen. Um Geburtstage, 665. 666. Christlicher Eheleute, 667. Einer schwangern Frau, 668. Der Eltern für ihre Kinder, 669. Der Kinder für ihre Eltern, 670. Lied eines Jünglings, 671. Eines jungen Frauenzimmers, 672. Im Ulter, 673. 674. Fürbitte für abwesende Freunde, 675. Einer Herrschaft, 676. Eines Diensts boten, 677. Der Eltern beym Absterben ihrer Kinder, 678. Beym Absterben unserer Unverwandten und Freunde, 679. Einer Witts we, 680, Einer Waise, 681. Vor, auf und nach der Reise, 682. 688. Eines in fremde Lånder reifenden Jünglings, 684. 14. Des seligen Dr. Martin Luthers sämmtliche Lieder, ohne alle Veränderung aus dessen Werken, 685-718. Erste Abtheilung. Ueber die wichtigsten Stücke der Glaubenslehre. Vom Daseyn und Wesen Gottes. Mel. Es ist das heil uns kommen. 1.0 er herr ist gott, und feiner mehr; Froh lockt ihm, alle frommen! Wer ist ihm gleich? wer ist wie er? So herrlich, so volle kommen? Der herr ist groß! fein nam' ist groß! Er ist unendlich, grånzenlos In seinem ganzen wesen. 2. Ihn trifft kein wechsel flücht'ger zeit: Nie größer oder kleiner Wird seines nas mens herrlichkeit, Der erst' ist er, sonst feiner. Wir men schen sind von gestern her; Eh noch die erde war, war er, Noch eher, als die himmel! Umspannet erd und himmel. 5. Ist er nicht nah? ist er nicht fern? Weiß er nicht aller wege? Wo ist die nacht, da sich dem herrn Ein mensch verbergen möge? Die finster: niß ist vor ihm licht; Gedanken selbst entfliehn ihmnicht, Noch ehe sie entstehen. 6. Wer schüßt den weltbau ohne dich. O berr, vor seis nem falle? Allgegenwärtig breitet sich Dein fittig über alle! Du bist voll freundlichfeit und hulo, Barmherzige gnådig, voll geduld, Ein vater, ein verschoner! 7. Unsträflich bist du, heis 3. Um seinen thron ber lig, gut, Und reiner, als die strömt ein licht, Das ihn sonne! Wohl dem, der dei: vor uns verhüllet. Ihn fas, fen alle himmel nicht, Wie weit er sie erfüllet! Er blei bet ewig, wie er war, Verborgen, und nur offenbar In seiner werke wundern! nen willen thut; Denn du vergiltst mit wenne! Du hast unsterblichkeit allein, Bist selig, wirst es ewig seyn; Hast freuden, gott, die fülle. 8. Du nur bist würdig, 4. Wo wären wir, wenn lob und dank 3u nehmen, feine fraft Uns nicht gebildet preis und ehre. Kommt, wers hátte? Er fennet uns, fennt, det gottes lobgefang, Ihr was er schafft, Der wefen alle seine heere! Der herr ist ganze kette. Bey ihm ist gott, und keiner mehr! Wer weisheit und verstand, Die ist ihm gleich? wer ist, wie er, fraft und stärke seiner hand So herrlich, so vollkommen. 20 2 Vom Dascyn und Wesen Gottes. 2. Anbet Mel. Nun danket alle gott. nbetungswürdger gott! Mit ehrfurcht ftets zu nennen! Du bist una endlich mehr, Als wir begreifen können. O flöße meinem geist Die tiefste demuth ein, Und laß mich stets vor dir Boll ehrerbietung seyn. 2. Du riefft dem, das nicht war, Um lust und seligkeiten Aufs mannigfaltigste Um dich her auszubreiten. Die liebe bist du selbst, Verstand und rath sind dein; Und du gebrauchst sie gern, 3u segnen, zu erfreun. 3. Du sprichst, und es ge: schiebt. Auf dein allmächtig: werde! Entstand dein großes werk, Der himmel und die erde. Mit deinem kráftgen wort Trågst du die ganze welt, Und deine macht vollführt, Was uns unmöglich fällt. Von deinem wesen wissen, Das hast du selbst zuvor Uns offenbaren müssen. Die schöpfung zeugt von dir; Und deines sohnes mund Macht uns noch deutlicher, Gott! deinen namen fund. 7. Doch hier erkennen wir Dich noch gar unvollkommen. Wird aber dermaleinst Der vorhang weggenommen. Der dich, unendlicher, Noch unferm blick verschließt. Dann sehen wir dich, gott, So herrlich, wie du bist. 8. Indeß sey auch schon jetzt Dein ruhm von uns besungen. Verschmähe nicht ein lob Bon lallend schwachen zungen! Dort soll, wenn wir dereinst Vor dir verherrlicht stehn, Ein lied im höbern chor Dich, großer gott! erhöhn. Mel. Wend ab deinen zorn. 4. Du bist der herren herr; 3. ist ich nicht: gott Der erde majestáten Sind, höchster, vor dir staub, Auch geister kannst du tódten. Wen du erniedrigest, Gott, wer kann den erhöhn? Wen du erhöhen willst, Deß hoheit muß bestehn. gott erschaffen; Was hätt' ich wider furcht und gram für waffen? Gleich steuerlosen schiffen in den seen, Würd ich vergehen. 5. Wer hat dich je gefehn? Wer kann im fleisch dich sehen? Kein sterblich auge reicht Bis zu des lichtes höhen, Wo du voll majestát Auf deinem stuble thronst, Und unterm froben lob Der him: melsheere wohnst. 6. Was wir, unendlicher! 2. Dann würd ich unter, mir das thier beneiden, Und mir versiegte jeder quell der freuden; Und jedes Eden würde mir auf erden Zur wüste werden. 3. War ich nicht elend? war ich nicht verloren? Uch besser wårs, ich wäre nie ge boren, Als nichts in grauenvollen finsternissen Bon gott zu wissen. Vom Daseyn und Wesen Gottes. 3 4. Die menschen båtten sich umsonst nach wahrem sinne, hätten seelen, Mit glück, Umsonst nach trost im tausend bangen zweifeln sich leide. Die lust zu edlen thazu quälen, Umsonst erst ein ten flieht Vor ihm, der seiunendlich gut zu suchen, Sich nen gott nicht sieht; Nie dann zu fluchen. fühlet sich sein herz erfreut Bon wonne der unsterblich feit. Gott, unser gott! Wie jammervoll, wie fürchterlich Wird unser leben vhne dich! 5. Wir flögen gleich dem staub auf, sånken wieder, wie leicht verwehter staub, zur erde nieder. Schön ist das laster, wenn ich gott nicht finde, Die tugend fünde. 6. Was hulfs, daß ich mich gut zu werde übe? Was könnt ich hoffen? wer verdiente liebe? Verzweiflung wär' der beste trost dem her zen In feinen schmerzen. 7. Flieht, tödtende gedanfen! ihr beflecket Bon ferne schon die seele, die ihr schrek: fet! Flieht! denn ich kenne. meines lebens quelle; Ent weicht zur hölle! 8. Ich weiß, daß gott ist, weiß, an wen ich glaube; Weß hauch die feel ist, wer den leib vom staube So künst lich baut, mich trågt, mich un: terstüzet, Und täglich schůzet! 9. Ich weiß, auf welchen grund mein glück ich baue, Wen ich verehre, wem ich mich vertraue. Ihm zu ge: fallen, will ich mich nun üben: Und ihn nur lieben. Mel. Herzlich lieb hab ich dich. 4. Meh den, der leugnet, daß du bist, Un endlicher sein leben ist Ihm leer von edler freude; Sein wilder lasterhafter blick Sehnt 2. Wenn du nicht bist, wer trägt und hålt, Und wer regieret dann die welt? Wer sorgt auch für mein leben? 3u wem soll sich mein lobs gesang, Daß ich einst ward, zu wem mein dank, Daß ich noch bin, erheben? Verhångniß oder ohngefähr Ist dann mein gott; und blind ist der; Vernunft und wahl sind ihm ein spott, Und seine wohlthat ist der tod! Gott, wahrer gott! Wie graunvoll wird mir deine welt, Wenn nicht dein arm sie führt und hält! 3. Kann ohne dich ein glück erfreun, Für mich ein glück auf erden seyn, Und kann ichs froh genießen? Was hilft mir freiheit und verstand? Ists keine wohlthat deiner hand, Was nüßt ein gut gewissen? Bist du nicht, so erfreun fie nie, Ein traum ist ihre lust, wie sie, Die erd ist finsterniß, kein licht Entströmet deinem angesicht. Kein hims mel jauchzt! Auf erden opfert niemand dank Vom aufgang bis zum untergang. gott, 4. Uch wußt ich keinen Wollt ich vor U 2 wohin 4 Rom Daseyn und Wesen Gottes. starken hassern fliehn? Wem himmel untergehn, Wirds, Flagt ich ihr verbrechen? Der daß du bist, der leugner sehn. unschuld thránen, ihren tod, Erhöbe sich kein mensch, kein gott, An ihrem feind zu ráchen. Vor fchmach und unge= rechtigkeit Gåb ihr das grab nur ficherheit. Mit ihrem bauch wird auch ihr flehn Um recht und um gericht ver: wehn. Und er ihr feind, Der fünder, welcher gott nicht glaubt, Erhöbe, wie ein berg, fein haupt. 5. Gedanke, der mein herz erhöht, Daß dies mein fleisch einst aufersteht, Daß seelen nimmer sterben! Wenn gott nicht lebt, was trau ich dir? Nur falsche hoffnung giebst du mir, Und endigst mit ver: derben, Mich ruft mit huld im angesicht, Kein gott aus grabesnacht ans licht, Mein geist ist auch des todes raub, Nie auferstehn wird dieser staub. Gott richtet nicht! Auf tugend wartet dort kein lohn! Hier ist ihr erbtheil, schmach und hohn! 6. Nein! eh ich zweifle, daß du seyft, Unwandelbarer, ewger geist, Mag mich die welt verspotten! Laut will ich zeugen, daß du bist, Und daß es schnöder frevel ist, Dich fühlen und dich spotten! Mein geist und leib freut sich in dir, Unsterblicher, weich nicht von mir! Was sind die lejz den dieser zeit Dem, der sich deines dafeyns freut? Dort im gericht, Wenn erd und Mel. Komm, heilger geist, herre. 5. u unsichtbarer, dessen thron Vor aller welten ursprung schon Von ewigs feit stund, und bestehet, Ob alles wiederum vergehet. Mit wollust fåttigt sich mein geist, So oft er deinen namen preist. Wie köstlich ist mirs, dir lobsingen, Dir danken, herr, dir ehre bringen, Und im gebet mich zu dir nahn! 2. Du, der du bist, und der da war, Dein nam ist groß und wunderbar. Wer kann sich bis zu dir erheben, Dein antlig schauen und noch leben? Kein bild ist, das dir, herrscher, gleicht, So weit auch deine schöpfung reicht. Du bist ein geist; nur geister können Dich fühlen, daß du bist, dich nennen, Herr, un ser gott! unendlicher! 3. Untheilbar bist du, dem kein tod Durch tausend ewigkeiten droht. Dir, quell des lebens, hat dein leben Kein åltres wesen je gegeben. Du lebst durch dich; dein leben ist Ein strom, der unaufhaltsam fließt, Rings um dich her glückseligkeiten und neues leben zu verbreiten, Von ewigkeit zu ewigkeit. 4. Du geist des lebens! himmlisch licht Umstrahlt dein göttlich angesicht; Vernunft, die alles fennt und siehet, Vom Daseyn und Wesen Gottes. 5 Der kein geheimniß je entflies seufzenden nicht fern! Wann het. Du schauest schnell mit einem blick Auf ewig vorwärts und zurück; Ermüdest nie, und kannst nicht irren, Und feine zahl kann dich verwirren, Und sollte sie unnennbar seyn. wirst du, gott, mein seufzen stillen, Und meine hoffnung froh erfüllen! Noch bet ich dich in schwachheit an, Wie ich im fleische beten kann; Dann werd ich freyer vor dich treten, Und ganz im geiste zu dir beten! Hallelujah! Hallelujah! 5. Du willst, und was dein mund gebeut, It wahrheit und gerechtigkeit. Dein rathschluß, berr, weiß nicht zu fehlen, Weiß nur das beste zu erwählen; So oft ich dir Mel. Es woll uns gott genådig. auf deiner bahn Bon ferne 6. Wer ist bir gleich, du nachseh, bet ich an, Und fromme zuversicht im leiden Erfüllt mein herz mit sanften freuden, Und meinen mund mit preis und dank. einziger! Wer thut, gott, deine werke? Wem jauchzet sonst der hims mel heer, und nennt ihn: gott der stårke! Du warst, und deiner allmacht ruf Befahl der welt zu werden. Bekennt es, völker, die er schuf: Im himmel und auf erden Ist keiner seines gleichen! 2. Wenn ich den weltbau, wessen macht Am ersten aller tage Ihn aus dem nichts hervorgebracht, Voll durst nach weisheit frage; So nennt er mir, du erster, dich, Du wesen aller wesen! Gott, deinen namen nur kann ich gen noch Den geist der frey. Auf allen dingen lesen, Und beit in ihr joch; Preis dir, keines andern namen. 7. Des fleisches lúste zwindu wirst von allem bösen Die deinen einst gewiß erlösen; Bald mach uns von der knecht schaft frey! Lehr jeden christen, wer er sey, Lehr, in den banden selbst uns streiten Ums nahe heit der ewigkeiten, Wozu dein sohn erkauft uns hat. 3. Der sterne unzählbares heer, Die deinen thron umgeben, Die erd, o gott! die luft, das meer, Und die in ihnen leben, Wie preiſet ihre harmonie Dich, o du geist der geister! Mit welcher eintracht rufen sie: Der schöpfung herr und meister Ist einer, ist Jehovah! 6. Du geist der geister, führe du Uns dir, dem schöpfer, wieder zu, Die du nach deinem bilde schufest, Und zu dir alle nun berufest; Auch wir sind geister, danken dir, Daß du uns leben gabst, daß wir Die größten unter deinen gaben, gott! ver nunft und freyheit haben, Dir danken wirs, unendlicher! 8. land der freyheit, stadt des herrn, Wårst du mir 6 Vom Daseyn und 4. Sinkt in den staub bin! betet an! Jehovah ist der böchste! Er ists allein! und keiner kann Shm gleich seyn, ihm der nächste! Gott spricht: ich bin allein der herr, Ich bin, ich war, ich werde Seyn, der ich bin: kein anderer, Im himmel, auf der erde, Hat meinen ruhm und namen. 5. Und ewig bleibst du mir allein Der gott, an dem ich hange! Und ewig sous kein andrer seyn, Von dem ich beil verlange! Mein ganzes leben weih ich dir, Mein gott, auf den ich traue! Und weiß ge: wiß, einst giebst du mir, Daß ich dein antlis schaue, Dich selbst, du unsichtbarer! Wesen Gottes. 3. Du bist der höchstvollkommne geist, Der vater aller geister; Dich preiset, was vernünftig heißt, als seinen herrn und meister. Laß meis ner seele hohen werth Mich reine tugend lehren, Und so wie es dein wort begehrt, Dich ungeheuchelt ehren Sm geist und in der wahrheit. 4. Du bist, o gott, von ewigkeit, Und wirst allzeit bestehen; Es bleibet deine herrlichkeit, Wenn himmel selbst vergehen. Laß von der erde eitelm tand Mein herz sich stets erheben Zu meinem wahren vaterland, Und nur nach dem mich streben, Was ewig mich erfreuet. 5. O gott, was feyn wird, ist und war, Und was wir thun und dichten, Das ist dir alles offenbar; Du wirst einst alles richten. Laß mich dein heilig auge scheun, Aufrichtig vor dir wandeln, Und, deines beyfalls mich zu freun, Auch dann rechtschaffen handeln, Wenn finsterniß mich decket. 6. Unendlich ist, herr, deine macht, 3u retten, die dich lieben. Und wenn der frevler dich verlacht, Auch rach' an ihm zu üben. Gieb, daß mich deiner allmacht schuß Stets, als ein schild bedecke, Mich auch nicht menschen grimm und trug, Nur deine strafe schrecke; Du tödtest leib und feele. 7. ott Mel. Christ, unser Herc, zum. ott, mache du mich felbst bereit, Vor deinen thron zu treten, Und deine große herrlichkeit Boll ehrfurcht anzubeten. Laß, berr, vor deinem angesicht Mein herz sich deiner freuen, Und einen strahl von deinem licht Die finsterniß zerstreuen, Die mich hier noch umgiebet. 2. Du bist der herr, und keiner mehr, Nichts sind der heiden götter, Nur dir ges bühret preis und ehr, Kein helfer, noch erretter Ist ausser dir; laß mich allein Auf dich, o herr, vertrauen, Mein ganzes leben dir nur weihn, Mein glück nur auf dich bauen, Und dich niemals ver= leugnen. 7. Voll höchster weisheit bist du, gott, Kein mensch Vom Daseyn und Wesen Gottes. 7 kann sie ergründen; Umringt Auf meine seele kommen. uns allenthalben noth, Du, Von mir sey meine missethat herr, weißt rath zu finden. So fern hinweggenommen, Gieb, daß ich dir stets traue So fern der oft vom abend. zu, Du werdest für mich sorgen, Auch übles weder denk noch thu; Denn dir ist nichts. verborgen; Du prüfest herz und nieren. 8. Gott, du bist heilig und gerecht, Kannst keine sünden dulden; Wer sagen will, er sey dein knecht, Der meide sündenschulden. Gieb, daß ich mich der heiligkeit Mit rechtem ernst befleiße, Nachjage der gerechtigkeit, Und deine wege preise, So wunderbar sie scheinen. 10. Gott, dessen wahrheit stets besteht; Wohl denen, die dir glauben! Wenn erd und himmel einst vergeht, Wird dein wort ewig bleiben. Gieb, daß ich fürchte dein gericht, Und alles, was du dråuest, Auch hoffe, was dein wort verspricht, Daß du mirs gern verleihest; Wer hofft, wird nicht zu schanden. 9. Du bist sehr gnädig, fromm und gut, Vergiebst die schuld dem fünder, Erbarmst dich, wie ein vater thut, Von herzen deiner finder. Laß 11. Gott, wenn ich dich so kenn und ehr, Dein wort zum grunde sege, Erfreu ich mich darüber mehr, als über alle schåge, Bis ich dort, o mein heil und licht! Dich ohne lallen nenne, Von angesicht zu angesicht, Dich schaue, dich erkenne, Und unreichen trost von deiner gnad aufhörlich lobe. Von den göttlichen Eigenschaften insbesondere. Ewigkeit und UnveránWaren dir, o gott, bekannt, Eh die welt auf dein geheiß Da stand, deiner weisheit preis. 4. Wie gegoßne ſpiegel stehn Deine himmel; doch vergehn Deine himmel, und die welt Sinkt, wenn sie dein arm nicht hålt. derlichkeit Gottes. Mel. Nun komm der heiden. 8. 11 nermeßlich ewig ist Gott der höchste! herr, du bist, Wie du dich uns offenbarst, Nun und ewig, der du warst. 2. Ewig bleibst du selbst dir gleich, Beis allein und gnadenreich, Ewig mächtig und voll kraft, Heilig und untadelhaft. 3. Alle werke deiner hand 5. Nur du bleibest, wie du bist. Was dein weiser rath beschließt, Ist unwandelbar, wie du, Gut und heilig stets, wie du. 8 Von den göttlichen Eigenschaften insbesondere. 6. Du bist nicht ein men du fo gesinnt. Was dein schenkind, Daß du lugest; rathschluß vormals wollte, nicht gesinnt, Wie der Willst du noch; o hilf uns mensch, der wandelbar Nim- allen Thun nach deinem mer bleibet, was er war. wohlgefallen. 7. Was du zusagst, ist gewiß; 3wischen licht und finsterniß Tappt der mensch hier, wählt, bereut Pldßlich wieder, was ihn freut. 8 Sollt ich denn auf men schen traun, Nicht mein heil auf dich nur baun? Ohne weisheit und verstand Brun: nen graben in den sand? 9. Nein, unwandelbarer, dein Soll sich meine seele freun. Sey mein fels, gott, sey mein licht, Ewig meine zuversicht. 10. Und in allgemeine nacht Sinke dann mit seiner pracht Jeder himmel, und die welt Stürze hin, wenn gott mich hält. 9. Gott Mel. Liebster Jesu, wir sind hier. ott, du bist/ von ewigkeit, Und dein herrlich großes wefen entert sich zu keiner zeit, Du bleibst stets, was du gewesen. Laß dies meinen geist beleben, Ehrfurchtsvoll dich zu erheben. 2. Ewig und unwandelbar Ist, o gott, dein hohes wissen. Was dir einmal wahrheit war, Wird es ewig bleiben müssen. Niemals fann dein ausspruch fehlen. Laß mich ihn zum leitstern wählen. 3. Herr, du bist kein menschenkind, Daß dich reuen sollte. Immer bleibst 4. Immer bleibst du, gott, ein feind Derer, die das unrecht üben. Immer bleibst du, gott, ein freund Derer, die das gute lieben. Laß uns darin schon auf erden Deinem bilde ähnlich werden. 5. Deine worte trügen nicht. Du bist ewig der ge treue, Der das hält, was er verspricht. O daß dies mich stets erfreue! Laß nur deinen geist mich treiben, Dir, herr, auch getreu zu bleiben. 6. Stets ist wohlthun dei ne lust, Ewig währet deine liebe. Wohl mir, wenn ich auch mit lust Mich in deinem willen übe! Dann, o herr, wirds meiner feelen Nie an wahrem wohlfseyn fehlen. 7. Erd und himmel wird vergehn. Alle welt wird mich verlassen; Nur durch dich kann ich bestehn, Deine hand wird mich umfassen, Wenn ich nun von hinnen scheide; Ewig bist du meine freude. 8. Laß mir doch zu jeder zeit, Herr des himmels und der erden! Diese deine ewigfeit Einen starken antrieb werden. Dich zu lieben, dir zu trauen, Und mein glück auf dich zu bauen. Mel. Mein herz und feel den. Immer bleibst 10. er gott, du bist 10. Von den göttlichen Eigenschaften insbesondere. 9 zeiten; Denn du bist gott, in allen ewigkeiten. Du warst es schon, eh erd und himmel ward, Eh noch dein arm sich uns geoffenbart. bar ist Die zahl von deinen jahren. Doch warst du, schö pfer, was du bist, Eh alle sonnen waren. Schon eh dein arm die welten trug, Warst du dir ohne sie genug, Und keiner welt bedürftig. 2. Was bin ich, herr, und alle menschenkinder? Staub sind vor dir der heilige, der funder. Wie schnell entflieht das leben doch von mir! Du, höchster, du nur bleibest für und für. 2. Jehovah, tausend jahre sind Dir weniger, als stunden, Dir schneller, als ein tropf verrinnt, Begonnen und vers schwunden; Entflohn, und dir doch immer da; Dein auge sieht sie, wie sie's sah, Nicht schöner, nicht vollkommner. 3. So bin ich, gott, vor dir; ich staub, Ich leicht verblühte blume, Ich allzubald des grabes raub, Mit glück, und lust, und ruhme. Wie ein geschwät des tags entfleucht Mein pilgrimmsleben, gott, und gleicht Kaum einem morgentraume. 3. Du hast vorhin die erde zubereitet; Dein arm bat, gott, den himmel ausgebrei: tet. Doch sie vergehn, veralten wie ein kleid; Du aber bleibst in alle ewigkeit. 4. Es werden noch die himmel und die erden, Wie ein gewand vor dir verwandelt werden. Du bleibest wie du bist; denn welche zeit Umgránzet wohl, herr, die uns endlichkeit? 5. Das ist der trost, die boffnung deiner knechte. Du schüßest sie mit deiner starken rechte, Du läßt ihr berz sich ewig deiner freun. Und bleibst ihr gott; denn sie sind ewig dein. 6. Das sey mein troft in allen trüben stunden. Vom tode selbst bleibt er unübers wunden. Kein tod, kein grab, trennt mich, o gott, von dir. Mein fels, mein heil, das bleibst du ewig mir. Mel. Es ist das heil uns. 11. W Wer er gleicht dir, gott? undenks 4. Und dennoch zeigst du mir von dir, So viel in augenblicken, Entdeckest dich darinnen mir, Mich ewig zu beglücken. Du machst dies leben, dir sey dank! Zu einem beitern übergang In ein beglückters leben. 5. Hier seh ich, vater der natur, Sm schatten deiner werke Nur dunkel, wie im spiegel nur, Die größe deis ner stårke. Wie schön ist, was mein auge sieht! Doch ach, o gott, wie viel entflieht Dem blöden trågen blicke! 6. Nein, vater, deß mein herz sich freut, Du schufit mich nicht vergebens; Was 10 Von den göttlichen Eigenschaften insbesondere. schmeck ich nicht für seligkeit låßt auch uns in deinem wort Sm traume dieses lebens! es sehn. Wie wenig ist, was ich hier seh, hier, o mein gott, von dir versteh! Doch macht mich dies schon selig. 7. Es fliehe denn dies leben bin Schnell, wie ein traum, noch schneller; Ich weiß, daß ich unsterblich bin, Dort wird dies auge heller. Dich werd ich dort sehn, wie du bist, Und meine freude, vater, ist Dann ewig und vollkommen. 12. Allgegenwart und All wissenheit Gottes. Mel. Mein herz und seet den. großer gott, der alle ding erfüllet, Vor dessen blick kein dunkles uns verhüllet; Wohin soll ich vor deinem anblick gehn? Und wohin fliehn, von dir, herr, ungesehn? 5. Du weißt und hörst, was deine kinder beten; Du siehst, wenn sie im stillen vor dich treten; Noch eh ihr mund dir ihren kummer sagt, Vernimmst du schon, was dir ihr seufzen klagt. 6. Vor menschen bleibt hier manche that verborgen, Dir aber ist die nacht ein heller morgen; Und was hier noch in finsterniß geschieht, Ents deckt einst dein gericht, dem nichts entflieht. 7. Wohl dem, der hier vor deinem antlih wandelt, Und der vor dir und menschen redlich handelt; Der steht alsdann als dein bewährter freund Getroft vor dir, wenn nun dein tag erscheint. 8. O prüfe selbst die innersten gedanken, Ob sie vielleicht von deiner richtschnur wanken. Bin ich, o gott, noch auf verkehrtem steg, So führe du mich auf der wahrheit weg. 2. Könnt ich auch schnell mich zu den wolken schwin: gen, Und wieder schnell bis in die tiefe dringen; So hielte mich doch deine hand auch da; Denn wo ich bin, da bist du, herr, mir nah. 3. Dein auge sieht, was 13. Awissender, nacht und abgrund decken; Es kann sich nichts vor deinem licht verstecken; Du kennst ge: nau das innre der natur, Der ganzen welt, und jeder creatur. 4. Bein falscher gott, aus falschem wahn verehret, Hat je sein volk das fünftige gelehret. Du aber weißt, was künftig wird geschehn, Und Mel. Christ, unser herr, zum. vollkommner geist, Deß auge alles fiehet, Was nacht und abgrund in sich schleußt, Und dem sich nichts entzie het! Es kann vor deinem hellen licht Sich kein geschöpf verstecken. Was in der fin= sterniß geschicht, Das weißt du aufzudecken, Und an den tag zu bringen. 2. Selbst die gedanken Von den göttlichen Eigenschaften insbesondere. 11 kennest du, Eh sie in mir leyen. Durchdringe kräftig entstehen, Und was ich wün- feel und geist Mit deinen sche, rede, thu, Das kann beilgen blicken. Laß, was gedein auge sehen. Vor dir ist heime schande heißt, Sammt alles offenbar; Du prüfest allen böfen tücken, Mich stets herz und nieren, Und alle forgfältig meiden. gründe siehst du klar, Die unfer thun regieren; Nichts bleibt vor dir verborgen. Mel. Es ist gewißlich an der zeit. 3. Was deiner freunde herz 14. Umsonst, umsonst ver begehrt, Das weißt du, eh sie beten; Ihr seufzen wird von dir erhört, Eh sie noch vor dich treten. Was deiner feinde rath beschließt, Das ist dir unverborgen; Dir, der du ihren anschlag siehst, Als wie den lichten morgen, Den teine schatten decken. hüllst du dich Mein berz, in finsternisfe; Bas kann ich gott verbergen? ich? Das er nicht alles wisse? Sen, kannst du, dunkler als das grab, Das auge gottes schaut hinab, Und kennet deine tiefen. 2. Wo ist die nacht der einfamkeit, Die mich vor ihm verbehle? Er sieht euch schon, et ihr noch seyd. Gedanken meiner feele! Eh ich euch selbst empfinden kann, Bon eurer ersten bildung an, Bis ihr euch ganz entfaltet. 3. Er fennet und erforschet euch, Wenn ihr euch schnell entziehet, Bemerkt euch, wenn ihr strahlen gleich, Schnell auffahrt, schnell entfliehet; Bergebens wünsch ich: sterbt! vergeht! Ich haß euch! aufgezeichnet steht Ihr all' in feinem buche. 4. Der herr gedenket ihrer noch; Jahrhunderte verschwins den, Sie bleiben und ich traume doch, als wärens feine fünden. Sie alle müssen an das licht, Wenn gott kommt, daß er im gericht Der her: zen rath enthülle. 4. Was nach verfließung vieler zeit noch künftig wird geschehen, Das sieht dein auge allbereit Als gegenwärtig stehen. Dir stellt sich alles deutlich dar, Das, was erst noch soll werden, Und was nun ist, und was einst war, Im himmel und auf erden. Wer sollte dich nicht fürchten? 5. Bleibt gleich vor men schen manches noch In dieser welt verschwiegen, So wird dein auge künftig doch Die finsterniß besiegen. Dein unparthenisches gericht Wird alles einst entdecken, Was im verborgnen jetzt geschicht; Und schande, furcht und schrecken, Wird dann die heuchler treffen. 6. Laß mich, o höchste maje: stát! Dein helles auge scheuen, Das nie ein heuchler hinters geht it falschen schmeiche: 5. Dann wird das siegel seines buchs Vor aller welt 12 Von den göttlichen Eigenschaften insbesondere. gebrochen. Das urtheil des und strafest mich 3u meiner verdienten fluchs, Gedanken beßrung väterlich. felbst gesprochen. Wo ist die nacht, die sie verheelt? Der richter hatte sie gezählt, Und keinen sterben lassen. 5. Du hörest meinen feufzern zu, Daß bülfe mir erscheine. Boll mitleid, vater! zählest du Die thrånen, die ich weine. Du siehst und wågest meinen schmerz, Und stärkst mit deinem trost mein herz. 6. Seyd heilig, seys von gott nur voll, Gedanken mei ner seele! Daß, wenn gerich tet werden soll, Kein einziger mich quâle. Seyd heilig, und dann fürchtet nichts! Gott wird am tage des gerichts, Gleich thaten, euch belohnen. 6. D drück, allgegenwärtis ger! Dies tief in meine seele; Daß, wo ich bin, nur dich, o berr! Mein berz zur zuflucht wähle; Daß ich dein beilig auge scheu, Und dir zu dienen eifrig sey. Mel. Machs mit mir, gott, nach. bist du, 7. Laß überall 15. Nie her, von uns Nach deinem wort mich han. deln. Und stärke mich denn auch mit kraft Vor dir getrost zu wandeln. Daß du o gott, stets um mich seyst, Das tröst und beßre meinen geist. fern; Du wirkst an allen enden. Wo ich nur bin, berr aller herrn! Bin ich in dei nen hånden. Durch dich nur leb und athme ich; Denn deine rechte schütet mich.. 2. Was ich gedenke, weißest Mel. Wend ab deinen zorn. ch Du siehst es, wenn ich gutes 16. babe, gott, mir thu, Du siehst es, wenn ich fehle. Nichts, nichts kann dei nem aug' entfliehn; Und nichts mich deiner huld entziehn. 3. Wenn ich in stiller eins samkeit Mein herz an dich ergebe, Und über deine huld erfreut, Lobsingend dich er: bebe, So borst du es, und siebst mir bey, Daß ich dir immer treuer sey. 4. Du merkst es, wenn des herzens rath Verkehrte wege wablet. Und bleibt auch eine miſsethat Vor aller welt ver behlet, So weißt du fie, nommen, Nie auf der übertreter pfad zu kommen, Vor dir zu wandeln, dir mich und mein leben 3u übergeben. 2. Erforsche mich! sieh, ob ichs redlich meyne, Gieb, daß ich nicht bloß, was ich seyn soll, scheine, Mit allen kråsten strebe, deinen willen Ganz zu erfüllen. 3. Wenn deine furcht mich überall begleitet, Und meinen gang, wenn mich kein mensch fiebt, leitet, Wie sicher werd ich deine wege wandeln! Wie richtig handeln! Von den göttlichen Eigenschaften insbesondere. 134. Laß auch im dunkeln mich dein auge scheuen, Verschließ mein ohr der sünde schmeicheleyen; Stets werde mir das gleißende der laster Nur mehr verhaßter. 5. Gieb eifer, fraft und muth zu meinen pflichten, So 3. Ja, höchster, es kann mag die welt, wie ihrs gefällt, mich richten; Gefall ich dir, mein gott, will ich mit freuden Berachtung leiden. geh ich hin vor deinem geist, Da du selbst die gedanken weißt? Wohin könnt ich doch fliehen? Führ ich gen hims mel; bist du da! Im tiefsten abgrund bleibst du nah! Was kann mich dir entziehen? 6. Du achteft nicht das ansehn der personen, Wirst billig alles richten und be lohnen, mit herrlichkeit und ebre deine kinder, Mit schmach die fünder. deine hand Mich allenthalben finden; Nichts bleibet dir, herr, unbekannt, nicht die geheimsten fünden. Selbst finsterniß ist vor dir licht, Ins dunkle dringt dein ans gesicht, Nichts, nichts kann dir entgehen; Was ich gethan, geredt, gedacht, Wird einst vor dein gericht gebracht, Da muß ich vor dir stehen. 7. Bald, bald vollend ich meiner prüfung stunden: Werd ich im tobe nur be währt erfunden; Wie schön verwandeln sich dann meine leiden, Und werden freuden! Mel. Un wasserflüssen Babylon. 17. err du erforschst 4. Uch präge mir dies ernsthaft ein, Das bóse zu vermeiden, Laß all mein thun rechtschaffen seyn, Mich nie von tugend scheiden, Mich lieben nur, was dir gefällt, Und die verbotne lust der welt, Sammt ihrem reiz vers achten. Laß mich vor dir, nach deinem wort, In from mer forgfalt immerfort Nach deinem beyfall trachten. 5. und kennest mich Von außen und von innen, Mein thun und lassen kommt vor dich, Gebn, stehen und beginnen; Was meine seele denkt und dicht't, Weißt du vorher, und fehlest nicht, Du prüfest herz und nieren; Du fannst auch, wenn ich bin allein, Und gerne wollt verborgen seyn, All meine weg' ausspüren. 2. Es ist kein wort in meinem mund, Tas ich dir könnt' verhehlen. Du, herr, ehft in des berzens grund, Ins innerste der seelen. Wo Allwissender, erforsche du Mein herz, sinn und ges danken! Bin ich geneigt, von meiner ruh, Der tugend pfad zu wanken, Ja bin ich schon auf bösem weg, So führe mich den rechten steg; Ents reiß mich dem verderben! Gott! möcht ich stets dich kindlich scheun! O wie getrost könnt ich dann seyn, Wie freudig einstens sterben! 14 Von den göttlichen Eigenschaften insbesondere. Weisheit Gottes. 6. Wer hat sie so bereitet, Mel. Von gott will ich nicht. Daß sie den blik gebiert, lobe und sie den wind verbreitet, 18.Spreife Dich, o mein Den schall zum ohre führt, gott, allein! Wer ist, wie du, so weise? Berstand und rath ist dein; Uch möchte, herr, mein geist In allen deinen werken Auf deine weisheit merken, Die, wer dich ken net, preist! Den leichten vogel bebt, Den fisch, damit er schwimme, Und unsers mundes stimme Für deinen ruhm belebt? 2. Wohin mein auge blif: fet, Ist alles harmonie, Gut und zugleich geschmücket, Voll kunst, voll pracht durch sie. Sie schaffet, fie erhält, 3u fegnen, zu ergößen, Nach herrlichen gesetzen, Den weiteu bau der welt. 7. Wer bob, o gott, die erde aus deinem meer her: aus, Theilt, daß fie frucht: bar werde, So gleich die wasser aus? Wer sammlet sie? wer bricht Die flüsse, wenn sie schwellen? Spricht zu der seen wellen: Bis hie her! weiter nicht! 8. Wer hat den wald gepflanzet? Durch wen wächst gras herauf? Wer giebt uns korn? wer schanzet Gebirg und thåler auf? Wer schmückt sie überall? Wer gråbt dem feuer schlünde, Legt in der tiefe gründe Den marmor, das metall? 3. Sie hing in lichten fer: nen Hoch über uns hinauf, Die sonne mit den sternen, Uns zu erleuchten, auf. Da hånget sie an nichts; Von dir nur unterstüzet, Wärmt, leuchtet und erhitet Sie, schimmer deines lichts! 4. Wer hält im gleichge: wichte So vieler förper kraft? Wer füllt die welt mit lich te, Als du, der alles schafft? Wer lenkt der strahlen flug, Daß sie nur nüßen können; Beleben, nicht verbrennen, So wunderbar, so flug? 9 Herr, deine weisheit schmücket, Bereichert und er halt, Und segnet und be glücket Die lebenvolle welt. Sie rühme mein gesang! Ich finge dir, und preise Dich, gott! denn du bist weise; Dir weih ich lob und dank. Mel. Wer nur den lieben gott. 5. Wer låst uns stets ums geben Die luft, die alles 19. Du weifer schöpfer trägt? Durch sie hat alles leben, und alles wird bewegt; Da sammeln dünfte sich Und werden thau und regen, Und fruchtbarkeit und segen Für deine thier und mich. aller dinge, alles weiß, erkennt, versteht; Nichts ist so groß, nichts so geringe, Das nicht nach deiner ordnung geht. Denn der ge schöpfe ganzem chor Schreibst du maaß, ziel und regeln ver. Von den göttlichen Eigenschaften insbesondere. 15 2. Die vielen wundervol: O leite mich durch welt und len werke, Was unserm auge zeit Hinüber in die ewigkeit! fern und nah, Steht alles, wie durch deine stårke, So auch durch deine weisheit da. Unendlich, ist dein ver Allmacht Gottes. Mel. Machs mit mir, gott, nach. stand! Der zanze weltbau 20. Herr, deine allmacht machts 3. Mit eben der allweisen stårke, mit welcher du die welt gemacht, Regierst du alle deine werke, Die dein verstand hervorgebracht. Du brauchst, o unerschaffnes licht! Der menschen rath und bei: stand nicht. 4. Was du zu thun dir vorgenommen, Das kommt ohnfehlbar auch zur that. Wenn tausend hindernisse kom: men, So triumphirt dein hoher rath. Den besten zweck wählt dein verstand, Die mit: tel stehn in deiner hand. 5. Die menge so verschiedner willen, Wo jeder seinen weg erwählt, muß doch den deinen bloß erfüllen, Der seines zieles nie verfehlt, Und aller feinde stolzen wahn, Als unvernunft beschämen kann. 6. weisheit! decke meiner seele Die angeborne thorheit auf, Damit sie dich zum leitstern wähle, In ihrem sonst verwirrten lauf. Ich weiß den weg des friedens nicht, O gönne mir dein sichres licht. 7. Du hast mich durch mein ganzes leben Nach deinem weisen rath geführt; Mein geist muß dir die ehre geben, Daß du aufs beste mich regiert; selbst dein wesen reichet. Nichts ist, was deiner herr. lichkeit und deinen thaten gleichet, Es ist kein ding fo groß und schwer, Das dir zu thun nicht möglich wår. 2. Du sprichst, und auf dein mächtig wort Fällt alles dir zu füßen. Du führest deinen anschlag fort Bey allen: hindernissen. Du winkst; was noch kein auge sah, Steht, augenblicklich vor dir da. 3. Du hast das große weltgebäu Allmächtig aufgeführet, Und erd und himmel zeugt, es sey Dein arm, der sie regieret. Dein wort, das sie geschaffen hat, Ift ihnen an der pfeiler statt. 4. Die menge vieler wunder zeigt, Daß, schöpfer, dein vermögen Weit über die gefeße steigt, Die die natur bewegen. Du bleibst ihr herr, und ihren lauf Hebst du nach weiser willkühr auf. 5. Was für ein wunder deiner macht Wird unser aug einst sehen, Wenn nach der langen grabesnacht Die todten auferstehen, Wenn du von unserm staub den rest 3u neuen körpern werden läßt. 6. Allmächtger! mein er staunter geist Wirft sich vor ? 16 Vou den göttlichen Eigenschaften insbesondere. dir darieder; Die ohnmacht, und schüßt uns hier, Und wie du selber weißt, Um- läßt uns sicher ruhn. giebt noch meine glieder. Mach mich zum zeugen deiner kraft, Die aus dem tode leben schafft. 7. D! zund' in mir den glauben an, Der sich auf dich verlasse. Ist etwas, das ich fürchten kann, Wenn ich dich, herr, umfasse? Nun, gott, ich traue deiner kraft, Die alles kann und alles schafft. Mel. Lobt gott, ihr christen. ich preis preif' ich, und mund: Denn dir gebühret preis! Froh mach ich meinen brüdern fund, Was ich von dir nur weiß. 2. Ich weiß, gott, aroß von macht und rath, Daß du die quelle bist, Woraus uns allen früh und spat, Viel heil und gutes fließt. 9. Wohlauf, mein herz, frohlock und sing, Und habe 21. aller Ist guten muth! Dein gott, der selbst und bleibt dein gut. 10. feele, laß ihn ferner thun, Und red ihm nichts darein; So wirst du hier in friede ruhn, Und ewig fröhlich seyn. 7. Du nåbreft uns von jahr zu jahr, Bleibst immer fromm und treu, Und stehst uns, wenn wir in gefahr Gerathen, treulich bey. 5. Wer ists, der uns gedeihen läßt? Wer hält mit seiner hand Den edlen güldnen frieden fest In unserm vaterland? 8. Du füllst des lebens mangel aus Mit dem, was ewig steht; Und führst uns in des himmels haus, Wenn uns die erd entgeht. heiligkeit Gottes. Mel. Freu dich sehr, o meine seele. 3. Was sind wir doch? was haben wir, Wenn du 22. Gott, vor desſen nicht fegen giebst? Kommt uns nicht alles blos von dir, Der du die menschen liebt? 4. Wer hat das schöne himmelszelt Hoch über uns gefest? Wer ist es, der uns unser feld Mit thau und regen neht? angefichte Nur ein reiner wandel gilt! Ewges licht, aus deffen lichte Stets tie reinste klarheit quillt! Deines namens heiligkeit Werde fiets von uns gescheut; Laß. sie uns doch kräftig dringen, Nach der heiligung zu ringen. 2. Heilig ist dein ganzes wesen! Und fein böses ist an dir, Ewig bist du so gewefen, Und so bleibt du für und für. Was dein wille wählt und thut, Ist unstråflich, recht und gut, und mit deines armes stärke Wirkst du stets vollkommne werke. 6. Ullmächtiger, das kommt von dir! Du, du mußt alles thun, Dein schild bedeckt Von den göttlichen Eigenschaften insbesondere. 17 3. Herr, du willst, daß Du wirst in ihrem angesicht deine kinder Deinem bilde Auch mir mein urtheil fällen. ähnlich seyn. Nie besteht vor O! laß mich dein gericht dir der fünder; Denn du bist stets scheun, Und hier mit vollkommen rein. Du bist nur ernst beflissen seyn, Vor dir der frommen freund; Uebel- einst zu bestehen. thätern bist du feind; Wer beharrt in seinen sünden, Kann vor dir nicht gnade finden. 4. O so laß uns nicht verscherzen, Was du uns noch zugedacht. Schaff in uns stets reine herzen; Tödt in uns der fünden macht. Denn was sind wir, gott! vor dir? Du bist heilig, aber wir Sind verderbt, und wer fann zählen, Großer gott! wie oft wir fehlen? 5. Uns von sünden zu erlösen, Gabst du deinen sohn dahin. Oso reinige vom bösen Durch ihn unsern gans zen finn. Gieb uns, wie du felbst verheißt, Gieb uns deinen guten geist, Daß er unsern geist regiere, Und zu allem guten führe. Keiner fündlichen be: gierde Bleibe unser berz ges weiht; Unsers wandels größte zierde Sen rechtschaffne heiz ligkeit. Mach uns deinem bilde gleich! Denn zu deinem himmelreich Wirst du, herr! nur die erheben, Die im glauben heilig leben. Gerechtigkeit Gottes. Mel. Es ist gewißlich an der zeit. 23. erechter gott, vor dein gericht Muß alle welt sich stellen; 2. Du siehst von deinem festen thron Auf alle men schenkinder, Bestimmest jedem seinen lohn, Dem frommen und dem fünder. Nie siehst du die personen an; Allein auf das, was wir gethan, Siehst du als rechter richter. 3. Viel gutes und barmherzigkeit Giebst du schon hier den frommen, Du schützest sie vor manchem leid, Darein die fünder kommen. So zeigest du vor aller welt, Daß dir der eifer wohlgefällt, Den man der tugend widmet. 4. Ja, herr, du liebst, was recht und gut, Und bist ein freund der frommen. Wer deinen willen gerne thut, Wird von dir aufgenommen, Sein werk und dienst gefällt dir wohl, Ist er gleich nicht, so wie er soll, Ganz rein von allen fehlern. 5. Doch dem, der dich, o gott, nicht scheut, Dem frevelnden verbrecher, Der dein gesetz und recht entweiht, Bist du ein strenger rächer. Verachtung, elend, schmerz und hohn, Und tod ist seiner bosheit lohn Oft schon in die sem leben. 6. Der untergang der ers sten welt, Die aus der art geschlagen, Das feuer, das B 18 Von den gåttlichen Eigenschaften insbesondere. auf Sodom fällt, Aegyptens kinder! Wer kann euch seinem lange plagen, Und andre fluch entziehn? Vermeßne wunder deiner macht, Sind stolze fünder! Er, welcher zeugen, wenn dein zorn er- baut und auch zerbricht, Wie wacht, Wie du dem sünder leicht vertilgt er fünder nicht! lohnest. 7. Bleibt hier viel böses unbestraft, Biel gutes unbe lohnet; So kommt ein tag der rechenschaft, Der keines sünders schonet. Da stellst du, herr! ins helfte licht, Wie recht und billig dein gericht; Dann triumphirt der fromme. 8. Gerechter gott! laß mich, wie du, Das gute eifrig lieben; Gieb selber mir die kraft dazu, Wirk inniges betrüben, Wenn sich die sünd in mir noch regt; Dein herz, das lauter gutes hegt, Sen meines herzens muster. 9. Und weil vor dir, gerechter gott, Nur die allein bestehen, Die gläubig auf des mittlers tod Bey ihrer reue sehen, So laß mich die gerechtigkeit, Die mich von straf und schuld befreyt, Im glauben eifrig suchen. Mel. Machs mit mir, gott, nach. 24. fey mein ernsts licher entschluß, Gott nie zu widerstreben, Auch, wenn ich darum leiden muß, Vor ihm gerecht zu leben; Es sey nun leben oder tod, Stets heilig sey mir sein gebot. 2. Empóret euch nicht wider ihn, Der übertretung 3. Fragt jedes vorige geschlecht, Geht, fraget eure våter! Ist er nicht mächtig, nicht gerecht, Ein feind dec übertreter? Wer hat noch ungestraft die macht, Die keine grånzen hat, verlacht? 4. Wenn er, der wesen schöpfer, draut, Erzittern alle welten. Die himmel, wenn sein wink gebeut, Vergehn vor seinem schelten. Die erde ihm wird seine sonne nacht. bebt vor seiner macht; Vor 5. Beschließt nur thaten, führt sie aus, Braucht, fün der, eure stårke, Beredet euch; doch wird nichts draus, Nur gott thut große werke. Bersammlet, rüstet euch, ver sucht Vor ihm zu stehn, Und gebt die flucht. 6. Entfeßet euch, und be tet an Die macht, die leib und seele Verderben bis zur holle kann, Daß noth und weh sie quale! Uch! wer kann seine macht verstehn, Und ſein gebot und recht verschmåhn? 7. Ich will ihn fürchten; nimmer will Sch ihm entgegen streben; Oft duldet er, und schweiget still; Doch nur in diesem leben! Kömmt nicht der tod? rácht fein ge richt Dort unbeweinte sün den nicht? SRE Von den göttlichen Eigenschaften insbesondere. 19 mit deiner vatertreu. Du urs sprung aller gaben! Du weißt, was uns gebricht; Und was wir nöthig haben, Versagst du, gott, uns nicht. Vom wohlthun, das du übest, Sind unsre tage voll; Auch wenn du uns betrübest, Ge schiehts zu unserm wohl. 5. Wer sollte dich nicht lie ben? Du hast uns ja zuerst geliebt; Und bist uns treu geblieben, Wie viel wir wider dich verübt. Mit gnade uns zu segnen, Ist ewig deine lust; Mit dank dir zu begeg nen, Sey, herr, auch unsre lust. Laß uns, treu zu erfüllen, Was du befiehlft, nie ruhn. Wer sollte deinen willen Nicht gern, o vater, thun? hand Uns gute aufgehoben, 6. Wer hier auf deinen Die noch kein aug erkannt, Dorthin uns zu erheben. Ist stets dein wille, gott! Drum gab für uns sein leben Dein fohn selbst in den tod. 3. Wie groß ist deine gnade! Wer ist so reich an huld, wie du? Auch auf dem sünden pfade Siehst du uns voller langmuth zu. Du lockest uns wegen Sich willig deinem dienste weiht, Den setzest du zum segen Schon hier, noch mehr in ewigkeit, Du krönest feine leiden Mit herrlichem gewinn, Und führest ihn zu freuden, 3u ewgen freuden hin. Wie theur ist deine gute! Gott, laß mich ihrer freun, und stets mein ganz gemüthe CHECOL zur buße; Und fällt voll, Voll deines ruhmes seyn. reu und leid, Der fünder dir zur fuße, So ist ihm trost bereit. Du siehest auf uns Mel. Wer nur den lieben gott. 0 26. So weit, herr, deine armen Mit väterlicher huld, Und schenkst uns aus erbar: men Die ganze fündenfchuld. himmel reichen, Reicht deine huld, die uns era hålt. Eh werden berg und bu 4. Mit jedem neuen mors gel weichen, Als deine gnade gen Wird über uns dein wankt und fällt. Gleich mách wohlthun neu, Du kommst tigen gebürgen steht Die heis felbst unsern sorgen Zuvor ligkeit, die dich erhöht.ng B2 25. D Liebe und Güte Gottes. Mel. Nun lob mein feel den. gott! du bist die liebe! Allein zum wohlthun hast du lust, Der quaalsucht harte triebe Sind deinem herzen herzen unbewußt. Ganz ohne alle grånzen Ist deine gütigkeit, So weit die himmel glänzen, Uebst du barmherzigkeit. Du, herr, hast wohlgefallen An dem, was du gemacht, Und hast uns fündern allen Noch leben zugedacht. A 2. Als du uns hießest wer: den, Da schufst du uns zum ewgen wohl. Nicht nur auf dieser erden Ist alles deiner gute poll; Auch in dem himmel droben Hat deine vater: 20 Von den göttlichen Eigenschaften insbesondere. 3. Hoch ist der himmel über seiner erde; So groß ist auch, daß er geliebet werde, Die huld des herrn bey denen, die ihn lieben, Und gutes üben. 2. Gott, dir ist kein ge schöpf verborgen, Keins ist vor dir gering geacht, Du würdigst jedes deiner sorgen, Und bist auf aller wohl be dacht. Vom menschen bis auf jedes thier, Dankt alles seiner hülfe dir. 3. Mit heilig freudigem gemüthe Erheb ich, gott der gnade, dich! Wie theuer ist doch deine gute! Wie liebst du uns so våterlich! Daß menschen ohne furcht und graun Im schatten deiner flügel traun! IN 4. Mit welchem reichen überflusse Von gütern füllest du dein haus! Du theilst sie allen zum genusse, Bis sie gesättigt werden, aus. Herr, unsers lebens quelle fließt Aus dir, der du das leben bist. 5. Wir, unerschaffne sonne! schauen In deinem lichte nur das licht. Entzeuch doch denen, die dir trauen, Dein gna: denreiches antlig nicht! Gott, deine huld sen über die, Die dich verehren, schüße sie! 4. Wem bleibt sein antlik, wenn ers sucht, verborgen? So weit der abend sich ent= fernt vom morgen, Entfernt auch gott der fünde schuld und schmerzen Von unfern herzen. 5. So zártlich sich ein vater feiner finder Erbarmet, so erbarmt sich gott der sünder, Wenn sie von herzen sich zu ihm bekehren, Ihm treue schwören. 6. Er schlägt und heilt; verwundet, läßt genesen, Er weiß, der mensch ist ein zerbrechlich wesen; Er denkt daran, daß das geschöpf aus erde Bald asche werde. 7. Ach! er ist gras, er blüht, wie blumen blühen; Die winde wehn darüber, sie verblühen, und ihre ståtte wird, nach wenig stunden, Nicht mehr gefunden. 8. Von ewigkeit zu ewig: keiten währet Die gute gottes jedem, der ihn ehret. Ach! leite denn auch mich auf deinem pfade, Du gott der gnade. Mel. Wend ab deinen zorn. 27. auch auchzt unserm gott! er ist von großer güte, Barmherzig und von duldendem gemüthe. Er zürnt nicht ewig, will mit seinen knechten Nicht ewig rechten. 2. Er handelt nicht mit uns nach unfern fünden, Und läßt verschonend uns das nicht empfinden, Bas: wir, Eigene Melodey. weil wir ihm unfer herz nicht 28. Wie groß ist des 9. So werd ich ewig deiner huld genießen. So wird mein leben sanft vor dir verfließen! So werd ich dort mit allen engelchören Dich fröhlich ehren. Von den göttlichen Eigenschaften insbesondere. 21 gute! Ist der ein mensch, den fülle, Stell ich sein bildniß sie nicht rührt? Der mit ver härtetem gemüthe Den dank erstickt, der ihr gebührt? Nein, feine liebe zu ermessen, Sey ewig meine größte pflicht. Der herr hat mein noch nie vergessen; Vergiß, mein herz, auch seiner nicht. in mir her. Lebt seine lieb in meiner feele, So treibt sie mich zu jeder pflicht, Und ob ich schon aus schwachheit fehle, Herrscht doch in mir die fünde nicht. 2. Wer hat mich wunderbar bereitet? Der gott, der mei ner nicht bedarf. Wer hat mit langmuth mich geleitet? Er, dessen rath ich oft verwarf. Wer stärkt den frieden im gewissen? Wer giebt dem geiste neue kraft? Wer läßt mich so viel giück genießen? Jss nicht sein arm, der alles schafft. 3. Schau, o mein geist, in jenes leben, zu welchem du erschaffen bist, Wo du, mit herrlichkeit umgeben, Gott ewig sehn wirst, wie er ist. Du hast ein recht zu diesen freuden, Durch gottes gute sind sie dein; Sieh, dar um mußte Christus leiden, Damit du könntest selig seyn! 4. Und diesen gott sollt ich nicht ehren? Und seine gute nicht verstehn? Er sollte rufen; ich nicht bören? Den weg, den er mir zeigt, nicht gehn? Sein will ist mir ins herz geschrieben, Sein wort bestärkt in ewiglich: Gott soll ich über alles lieben, Und mei nen nächsten gleich als mich. 5. Dies ist mein dank, dies ist sein wille: Ich soll vollkommen seyn, wie er. So lang ich dies gebot er: 6. O gott, laß deine gut und liebe mir immerdar vor augen seyn! Sie stårk in mir die guten triebe, Mein ganzes leben dir zu weihn, Sie tröste mich zur zeit der schmerzen, Sie leite mich zur zeit des glücks, Und sie besieg in meinem herzen Die furcht des letzten augenblicks. Langmuth und Geduld Gottes. Mel. An Wasserflüssen Babylon. 29. etreuer gott! wie viel geduld Erzeigest du uns armen! Wir häusen täglich unsre schuld; Du häufest dein erbarmen. Was ist des menschen lebensa lauf? Er ist verderbt von jugend auf, Eein sinn ist dir entgegen, Und doch, o vaz ter, suchst du ihn Von seinen fünden abzuziehn, 3ur reue zu bewegen. 2. Der menschen elend jammert dich; Selbst, wenn sie sich verstocken, Willst du sie dennoch väterlich Durch gute zu dir locken. Wie lange fahst und riefest du nicht ehmals deinem volke zu, Daß sich ihr herz bekehrte! Wie trugst du nicht so lange zeit Die erste welt mit gütigkeit, Eh sie die fluth verheerte! 22 Von den göttlichen Eigenschaften insbesondere. 3. So giebst du fündern und kraft, und nach vollzeit und raum, Der strafe zu brachter pilgrimschaft, Sieg, entgehen. Du läßt den un- ruhe, freud und leben. fruchtbaren baum Nicht ohne pflege stehen, Du wartest sein, du suchest frucht. Und wenn du gleich umsonst gesucht, Hörst du nicht auf zu bauen. Du schoneft sein von jahr zu jahr, Dein vaterherz hofft immerdar, Noch frucht von ihm zu schauen. 7. Laß diese langmuth und geduld, Gott, unsre herzen rühren! Nie müsse deine vaterhuld zur sicherheit uns führen! Trag uns erbarmend fernerhin; Doch gieb uns auch dabei den finn, Daß wir die sünde hassen, und uns noch in der gnadenzeit Den reichthum deiner gutigkeit Zur buße leiten lassen. Wahrheit und Treue Gottes. 4. Gerechter gott! so große huld Bezeigst du frechen fündern, Und wie viel nachsicht und geduld Hast du mit deinen findern! Sie werden ja, wenn fleisch und Hier ihnen häufig netsze ftellt, Oft sicher, matt und tråge, Sie straucheln, sie vergehen sich, Sie fallen oft, verlassen dich Und deine heilgen wege. 5. Verdienen die nicht fluch und tod, Die dich, o vater, fliehen? Mit wie viel recht könntst du nicht, gott, Dich ihnen ganz entziehen? Doch nein, das kann dein herze nicht, Dein herz, das aus erbarmen bricht. Wenn deine kinder fehlen; Es hat geduld, es denkt daran, Wie leicht der mensch sich irren kann, Und wacht für ihre seelen. 6. Du warnest sie vor der gefahr, So oft fie irre gehen, Reichst ihnen hand und stärke dar, Von sünden aufzustehen. Du trågest sie mit vaterhuld, Bit willig, ihre sündenschuld Durch Christum zu vergeben, Schenkst ihnen glauben, geist Mel. Wer nur den lieben gott. och hast 30. oine but du wort gebrochen, Nie deinen bund, o gott, verlegt! Du hältst getreu, was du versprochen, Vollführst, was du dir vor geseht. Wenn erd und himmel auch vergehn, Bleibt ewig doch dein wort bestehn. 2. Du bist kein mensch, daß dich gereue, Was uns dein mund verheißen hat. Nach deiner macht, nach deiner treue, Bringst du, was du versprichst, zur that. Scheint die. erfüllung gleich noch weit, So kommt sie doch zu rechter zeit. 3. Und wie du das unfehl= bar giebest, Was deine lieb uns zugedacht; So wird, wenn du vergeltung übeſt, Dein drehwort auch gewiß vollbracht. Wer dich, o gott, beharrlich haßt, Fühlt deiner strafe schwere last. 4.D! drücke dies tief in mein Von den göttlichen Eigenschaften insbesondere. 23 berze, Daß es vor deinem wort wahrheit, trüget nicht, Was sich scheut. Gieb, daß ich nie er faget, das geschicht. leichtsinnig scherze Mit deiner strafgerechtigkeit. Nie werde das von mir gewagt, Was dein befehl mir untersagt. 3. Seine gnade soll nicht weichen, Wenn gleich alles bricht und fällt; Sie soll ihren zweck erreichen, Den sie ewig sich gestellt. Ist die welt voll heucheley; Gott ist fromm, gut und getreu. 5. Doch laß mich auch mit festem glauben Dem worte deiner gnade traun. Wer kann den trost uns jemals rauben, Den wir auf dein versprechen baun? Du bist ein fels, dein bund steht fest, Wohl dem, der sich auf gott verläßt! 4. Will die welt den frieden brechen, Hat sie krieg und streit im sinn; Gott hålt immer fein versprechen, Ihm vertraun ist stets gewinn. Denn er bleibet immerdar, Was er ist, und was er war. 6. Wie stark sind unsers glaubens gründe? Hier ist dein wort, das niemals trügt. Und daß dies allen beyfall finde, Hast du den eid hinzugefügt, Wahrhaft'ger! was dein mund beschwört, Ist völlig unsers glaubens werth. 5. Laßt sein antlig sich verstellen; Ist sein herz doch treu gesinnt, Und bezeugt in allen fällen, Ich sey sein geliebtes fino, Dem er beide hánde reicht, Wenn auch alle hoffnung weicht. 7. Laß, feele, laß dich dies beschämen. Vertraue gott, der 6. Er will friebe mit mir treu es meynt. Such ihn zum muster anzunehmen; Der wahrheit freund, der lügen feind, Beweise dich, als gottes find, Dem treu und wahrheit heilig sind. halten, Wenn sich schon die welt emport; Ihre liebe mag erkalten, Ich bin seinem herzen werth. Und wenn höll und abgrund brüllt, Bleibt doch er mir sonn und schild. Mel. Alle welt, was lebt. 31. W eicht, ihr berge! fallt, ihr hügel! Berg und felfen stürzet ein; Gottes treu hat dieses siegel, Sie soll fest und ewig seyn. Laß den weltkreis untergehn; Gottes gnade muß bestehn. 2. Gott hat mir ein wort gesprochen, Seinen bund mit mir gemacht, Der wird nimmermehr gebrochen, Bis er alles hat vollbracht. Er, die 7. Er, der herr, ist mein erbarmer, So hat er sich selbst genennt; Welch ein trost! nun werd ich armer Nimmermehr von ihm getrennt. Sein erbarmen läßt nicht ihn Sich mir jemals ganz entziehn. 8. Nun so soll mein ganz vertrauen Unbeweglich auf ihm rubn. Felsen will ich auf ihn bauen, Was er sagt, das wird er thun. Erd und himmel kann vergehn, Doch sein bund bleibt ewig stehn. 24 Von der heiligen Dreyeinigkeit. Mel. Wir glauben all an einen. unser gott und vater, dir, 32. Wir glauben an den Dein ruhm soll unter uns ein'gen gott, Schöpfer himmels und der erden! Er, aller vater, unser gott, hieß uns feine kinder werden. Er will uns auch stets ernähren, Jedes wahre gut gewähren. Er erwog schon, eh wir waren, Unfre rettung in gefahren. Er ists, der für uns sorgt und wacht, Und alles steht in seiner macht. erschallen, Laß unser lob dir wohlgefallen! Laßt, menschen, seiner lieb uns freun, Und ewig, ewig dankbar seyn. Lobsingt ihm, christen, unsre brüder, Fallt vor dem gott der liebe nieder, Und betet an! und betet an! 2. Er hat uns gemacht! wir sind sein! Du bist die lieb' und wir sind dein! Wie groß und viel sind deiner werke, Du gott der allmacht und der stårke! Dein ist der erdkreis, und in dir, O höchster, sind und leben wir. Du schufest seraphim und thronen, Und uns, die auf der erde wohnen, Uns sterbliche! uns sterbliche! 2. Wir glauben auch an Jesum Christ, Gottes sohn, den eingebornen, Den herrn, der mensch geworden ist, Den erretter der verlornen. Er, er achtete sein leben Nicht zu theur für uns zu geben. Er erstand, herrscht, hoch erhös het, In dem reich, das nie vergehet. Er läßt auch uns im grabe nicht, und kommt dereinst zum weltgericht. 3. Bir glauben an den heilgen geist, Unsern göttlichen regierer, Den Jesus Christus uns verheißt, Uns zum bey: stand und zum führer! Der in trübsal seine christen Eilt mit muth und kraft zu rüsten, Der uns lehrt vergebung finden, Und der tugend werth empfinden. Er flößet uns im todesschmerz Des ewgen lebens trost ins herz. Mel. Komm, heilger geist. 33. A nbetung und dank bringen wir, Herr, 3. Der heilige schont un frer schuld, Und trägt uns fünder mit geduld Auf seinen väterlichen armen; Mit un ergründlichem erbarmen Verkürzt er unsre prüfungszeit, Und lohnet uns mit seligkeit; Er überschüttet uns mit freu den, Und schickt zu unserm heil uns leiden, Der gnådige! der gnädige! 4 4. Anbetung und dank, Christe, dir! Berlorne sunder waren wir; Du bist, ein fluch für uns, gestorben, Hast ewig uns das heil erworben. Wer zu dir fliehet, an dich glaubt, Und, lockt die fund ihn, treu dir bleibt, Der foll, befreyt vom sluch der fünden, Erbar Von der heiligen Dreyeinigkeit. 25 mung, gnad und leben finden, recht und wahrheit sey mein In ewigkeit, in ewigkeit! truß; Dein licht erfreu mich armen, 3um lobe deiner gnade. 5. Gelobet feyst du, geist des herrn! Wir waren einst, 3. 3. Laß mich auch deinen von Christo fern, Entfernt von dir und von dem leben, Mit finsternissen ganz umgeben; Du hast durch deines wortes macht auch uns zum licht aus gott gebracht; Du lehrst uns leben, hilfft uns sterben, Und weihest uns zu himmelserben Durch Christi tod, durch Christi tod! 6. Unbetung und dank bringen wir, Dreyeiniger, Jehovah, dir! Es müsse jes des land der erden Stets deiner berrlichkeit voll wer: den! Wie selig, wie begnadigt ist Ein volk, deß zuverficht du bist! Jehovah! dei nem großen namen Sey ewig ruhm und ehre! amen! Hal lelujah Hallelujah! Mel. Christ, unser herr, zum. 34. heiliger, gerechter gott! Entdecke meiner feele Dich, wie du bist, und dein gebot, Damit sie dich nur wähle. Denn sie kann dich nicht von natur Erkennen, noch dich lieben; Uch zeige mir dazu die spur, Wie ich mag beides üben Nach deinem wohlgefallen. 2. Gieb, vater! daß ich deine macht und liebestreu anbete, Auch deine weisheit wohl betracht, und findlich vor dich trete. Gieb deine allmacht mir zum schuk, 3um labfal dein erbarmen. Dein lieben sohn In deinem licht erkennen, Daß er sey unser gnadenthron Und ewig heil zu nennen; Ein wahrer mensch, und doch mit dir Auch gott von gleichem wesen, Das licht vom licht, durch welches hier nun alle wohl genesen, Die durch die sünd erstorben. 4. Denn drum ist er, das höchste gut, Bom himmelsthrone kommen. Das ewge wort hat unser blut Und fleisch an sich genommen, Daß es vom menschlichen geschlecht Ungnad und fluch abkehrte, Den segen aber wiederbråcht, Der uns sonst nicht gehörte, Durch thun und auch durch leiden. 5. Ja, Jesu! du, du bist der weg, Der uns zum himmel führet; Laß mich den eingen glaubenssteg So gehn, wie sich's gebühret. Sey meine wahrheit, welcher ichy Bon ganzem herzen glaube, Sey mir das leben, auf daß mich Nicht tod und hölle raube; D meines Lebens leben! 6. Paß mich, o höche mas jestát! Den heilgen geist auch ehren, Der von dir und dem sobn ausgeht. Und uns durchs wort will lehren. Ach! laß denselben seyn mein licht, Mich irrenden zu leiten; Und wenn es mir an muth gebricht, Mit tröstung stehn 26 Von der heiligen zur feiten, und mich in schwachheit stärken. 7. Laß ihn, o herr! mich allezeit 3u seinem tempel weihen. Und mit rechtschaffner heiligkeit Mein herze benedeyen; Laß ihn die sünd: liche natur Stets bessern, daß auf erden 3u einer neuen creatur Sch mag bereitet werden, Und so dein erb' erlangen.. 8. So gieb uns, der du heilig heißt, Dich, den wir vater nennen, Sammt deinem sohn und beilgem geist Im glauben zu erkennen. Weil dich erkennen, wie du bist, Und deine liebe schmecken, Des ewgen lebens vorschmack ist; Bis du uns wirst entdecken Das volle licht im schauen. Mel. Es woll' uns gott genådig. 35. Her err, unser gott, wer ist dir gleich? Du bist das höchste wesen; Und doch hast du, an gnade reich, Uns dir zum dienst erlejen. Gemeinschaft follen wir mit dir, Du allerhöchster, haben. Mit deinem heil willst du uns hier Und ewig einst begaben, Du quelle alles fe: gens! 2. Wir beten dich, o vater! an. Sind wir gleich vor dir fünder; So nimmst du dich doch unfer an, Wie våter ihrer kinder. Du hast für uns aus großer huld Selbst dei nen sohn gegeben. Dein herz, voll gute und geduld, Verleib uns troft und leben, Daß wir dich findlich fürchten. Dreyeinigkeit. 3. O Jesu! ewger gottesfohn! Du heil, darauf wir hoffen. Durch dich steht zu des vaters thron Der weg uns wieder offen. Uns zu befreyn von sünd und tod, Kamst du zu uns auf erden. O laß uns, unser herr und gott! Froh deines segens werden, Und dir im glauben dienen. 4. O beilger geist, du geist von gott! Wehr in uns dem verderben! Im glauben an des mittlers tod Hilf uns der fünde sterben! Du giebst zum guten lust und kraft; Laß es uns stets erfahren! Stárk uns in unsrer pilgrimschaft, Bewahr uns vor gefahren, Laß uns dir willig folgen. 5. Laß, gott, uns dein auf erden schon, Als unsers gottes freuen. Herr, segne uns von deinem thron, Daß wir vor dir gedeihen! Dein ist das reich, die herrlichkeit; Dir wollen wir hier leben. Und du wirst nach vollbrachter zeit Uns einst dahin erheben, Wo wir dich ewig schauen. 36. Klei Mel. Allein gott in der höh sey. llein gott in der höh sey ehr Und dank für seine gnade! Sein auge wacht rings um uns her, Daß uns fein unfall schade; Der herr vergiebt uns unsre schuld, Mit wohlgefallen und voll huld Sieht er uns vor ihm wandeln. 2. Bir preifen deines na: mens ruhm, Wir beten an Von der heiligen Dreyeinigkeit. und danken; Der erdkreis ist dein eigenthum, Dein reich hat keine schranken. Wer mißt die größe deiner macht? Was du gebietest, wird vollbracht; Wohl uns, daß gott uns schůzet! 3. D, Jesu Christe, gottes sohn, Für uns am kreuz gestorben! Erbarmung gottes ist der lohn, Den uns dein tod erworben. Versöhner, heilger herr und gott, Nimm an die bitten unsrer noth; Erbarm dich unser aller! 27 Für uns am kreuz gestorben; Verföhnung ist uns nun Durch deinen tod erworben, Sohn gottes, unser heil Und unser schuß bey gott, Erbarme dich, nimm an Die bitten unsrer noth. 4. O heilger geist, zum trost Des glaubens uns gegeben! Laß uns, durch dich regiert, Werth der erlösung leben. Führ uns auf ebner bahn, Und stårk uns in der noth, Und leit uns fromm und sanft Ins Leben durch den tod. 4. O, heilger geist, du höchstes gut, 3um tröster uns 5. 5. Gott vater, ewig soll gegeben!. Laß uns, erlöst durch Christi blut, Werth der erlösung leben. Stårt uns im leiden und in noth, Ber: süß uns einst den herben tod, Und laß uns sanft entschlafen. Dich unser dank erheben! Sohn gottes, dir geweiht Sey unfer tod und leben! Leit uns, du geift des beils! Wir sind dein eigenthum; Dir sey, dreyein'ger gott, Anbetung, preis und ruhm! Mel. Nun danket alle gott. ott in der höh sey Mel. Herr Jefu Chrift, mein's. 37. Gott ehr, Und dank für feine gnave! Sein auge 38. Dreyein'ger gott, wacht für uns, Daß uns kein unfall schade. Der herr verwirst uns nicht, Vergiebt uns unsre schuld, Und blickt auf uns herab Mit väterlicher huld. ich preife dich Mit mund und herzen inniglich! Denn deine gnade, gut' und treu Ist über mir, herr, täglich neu. 2. Wir preisendeinen ruhm, Wir beten an und danken; Dein ist die erde, gott! Dein reich hat keine schranken; Erbarmung ist dein rath, Und wohlthun deine macht; Wohl uns, daß über uns Dein vaterauge wacht! 2. Laß, vater, stets dein kind mich seyn! Schließ stets in deine huld mich ein! Sohn gottes, dein so theures blut Komm noch im tode mir zu gut. 3. Jesu, gottes fohn! 3. Gott heilger geist, verlaß mich nicht, So oft versuchung mich anficht! Sen du mein beystand alle zeit Und leite mich zur seligkeit. 28 Von der Schöpfung. Mel. Es ist das heil uns kommen. mensch, der schöpfung ruhm enn ich, und Ist sich ein 39. Wpfer! deine macht, licher beweis von deiner gut und größe. 6. Erheb ihn ewig, o mein geist, Erhebe seinen namen! Gott! unser vater, sey gepreist, Und alle welt sag: amen! Und alle welt fürcht' ihren herrn, Und hoff auf ihn, und dien' ihm gern! Wer wollte gott nicht dienen? Die weisheit deiner wege, Die liebe, die für alle wacht, Unbetend überlege; So weiß ich, von bewundrung voll, Nicht, wie ich dich erheben soll, Mein gott, mein herr und vater! 2. Mein auge sieht, wohin es blickt, Die wunder deiner werke. Der himmel, prachtig ausgeschmückt, Preist dich, du gott der stårke! Wer hat Mel. Wer nur den lieben gott. die fonn an ihm erhöht? Wer 40. gott des himkleidet sie mit majestát? Wer ruft dem heer der sterne? mels und der erden! Der du allgegenwär tig bist, Bon niemand kannst begriffen werden, Da niemand dir verborgen ist! Ach! ziehe meinen sinn zu dir, Und offenbare dich in mic. 2. Wohin ich herz und augen lenke, Da find ich deiner gottheit spur. Wenn ich voll andacht überdenke Dein werk, die prächtige natur, So ruft mir alles, alles zu: Wie groß ist gott; wie klein bist du! 3. Uns zeigen alle elemente, Macht, gut' und weisheit überall. D! wenn das stumme reden könnte, Wie groß wir stets der jubelschall: Rühmt, menschen, gottes gür' und macht, Der uns für euch hervorgebracht! 3. Wer mißt dem winde feinen lauf? Wer heißt die himmel regnen? Wer schließt den schooß der erde auf, Mit vorrath uns zu segnen? gott der macht und herrlich keit! Gott! deine gute reicht so weit, So weit die wol: ken reichen. S 4. Dich predigt sonnen: schein und sturm, Dich preist der fand am meere. Bringt, ruft auch der geringste wurm, Bringt meinem schöpfer ebre! Mich, ruft der baum in seis ner pracht, Mich, ruft die faat, hat gott gemacht; Bringt unserm schöpfer ehre! 5. Der mensch, ein leib, den deine hand So wunderbar bereitet, Der mensch, ein geist, den sein verstand Dich zu erkennen leitet, Der 4. Herr gott! wie groß ist deine liebe! Die erd' ist deiner güte voll. D, gieb Von der Schöpfung. mir deines geiftes triebe, Daß ich dich preise, wie ich soll! Nimm, was ich fann, und hab', und bin, 3u deinem dienst auf ewig hin. 5. Hilf, daß die güter die ser erden, Mich zu dir locken, höchstes gut! Daß sie mir nicht zum fallstrick werden, Der, statt des nußens, scha den thut, Laß allen mißbrauch ferne seyn, Mein schaß und ziel sey du allein. 29 bereitet, Weit, wie ein teppich ausgespannt, Und dir zum ruhm verbreitet; Du, der im höchsten himmel thront, Du schufft die sterne, schufft den mond, Uns in der nacht zu leuchten! 4. Den menschen hast du, herr, gemacht! Von dir hat er fein leben; Du hast durch deine gut und macht Ihm, was er bat, gegeben! Was Der mensch, daß du so gnåist vor dir, o gott! was ist dig bist, Ihn deiner würdig achteſt? 6. Hier ist mein leben eine reise, Hier geht mein weg zur andern welt; Drum mache du mich fromm und weise, Daß ich hier thu, stand geziert, und freyheit 5. Du hast ihn mit vers was dir gefällt. Und end ich diesen diesen in deine ruh mich auf. kurzen lauf, So nimm ihm verliehen; Shn hast du kurzen lauf, So nimm in die welt geführt. 3um himmel ihn zu ziehen! Er ist so wohl, o herr! dein kind, als es die böbern engel sind, Du liebst ihn wie ein vater! Met. Es ist das heil uns kommen. 41. Mie herrlich bist du, gott! du bist Unendlich gut! wir finden Dich, der unendlich gütig ist, Wo wir nur sind; empfinden, 2. herrscher, deine majestår, Daß erd und himmel dich erhöht, Erfüllt von deiner gute. Der jüngling, herr, schweigt von dir nicht, Der ohne dich nicht wäre, Der säugling, großer schöpfer, spricht Von deiner macht und ebre! Von allem, was ich feh vor mir, Erschallen lobeslieder dir, O vater aller dinge. dant 7. Wie herrlich bist du! gott! du bist Unendlich gut! wir finden Dich, der unendlich gútig ist, Wo wir nur sind; empfinden, herr: scher, deine majestát, Daß 3. Die himmel sind von erd und himmel dich erhöht, deiner hand, Die alles hat Erfüllt von deiner gute. 6. Stimmt, menfchen, lobgesänge an, Daß gott erhö: bet werde, Gott, der uns alles unterthan, Was ist und lebt auf erde! Wie viel ist hier, das uns erquickt, Wie sehr sind wir durch dich beglückt! Was kannst du mehr uns schenken! 30 algt. Von den 42. Gott Mel. Herzlich thut mich verlangen. ott, meines le: bens meister! Du herr der ganzen welt, Der so viel tausend geister Um sei= nen thron bestellt! Wie herrlich mußt du wohnen! Wie groß mußt du nicht seyn, Da cherubim und thronen Sich deinem dienste weihn! 2. Mir ist es noch verbor: gen, Was diese geister sind, Bis daß heut oder morgen Ich, dein geliebtes kind, Mit allen seraphinen In jenem hellen licht Dir ewig werde dienen Vor deinem angesicht. 3. Von keinem leib bedecket; Sind sie ganz kraft und geist; Von dem ganz unbeflecket, Was schwach und sterblich heißt. Ihr wissen übersteiget Den menschlichen verstand, Weil ihnen gott sich zeiget, Wie ihn kein mensch erkannt. 4. Sie leben frey von sünde Bey gott, und altern nicht; Sind wachsam und geschwinde, Geschmückt mit glanz und licht. Nichts schwächet ihre stårke, Sie dürfen niemals ruhn; Und das sind ihre werke, Den willen gottes thun. Engeln. Und jeder drångt sich eilig, So bald gott winket, vor. 5. Sie sind die hochver: trauten Des herren zebaoth, Die ihn von anfang schau: ten, Shn, den verborgnen gott. She heilig, heilig, heilig, Entzücket jedes ohr, 6. Wie manches wort der freude That uns ihr froher mund, 3um trost in unserm leide, Auf gottes rathschluß kund! Sie waren Christi boten, Da er geboren ward, Und aufstand von den todten, Und bey der himmelfahrt. 7. Mein gott! sey hoch ges priesen, Daß du der armen welt Die wohlthat hast er: wiesen und engel uns bestellt, Die uns auf unsern wegen Hülfreich zur seite stehn, Wenn wir, o herr, um segen Und hülfe zu dir flehn. 8. Die zeit wird auch einst kommen, Da ich verklärt und rein, Und aller angst entnommen, Bey engeln werde seyn; Dann schallt in ihre chöre Mein hoher lobgesang, Und bringt dir ewig ehre, Unbetung, preis und dank. Mel. Nun ruhen alle wälder. * t mit 43. Duphinen, u herr der fera: phinen, Dem taufend engel dienen, Stets zu gebote stehn! Gott, aller wesen meister, Und vater aller geister! Mein mund soll deinen ruhm erhöhn. 2. Die machte und die thronen, Die in dem himmel wohnen, Giebst du zu meiner wacht! Sie schaun im hellen lichte Dein herrlich Von den Engeln. angesichte, Doch nehmen sie auch mich in acht. 3. Ich preise deine gute Mit dankendem gemüthe Für deiner engel schaar. Das menschliche geschlechte Beschůzet deine rechte Durch ihren beystand in gefahr. 4. Laß ihren schuß mich decken, Wenn angst und noth mich schrecken, Daß mich kein leid betrübt. Ich sey in meinem Leben Von ihnen stets umgeben, von ihnen immerdar geliebt. 51 5. Doch sollen sie nicht weichen, So laß mich ihnen gleichen Un wahrer heilig keit. Wie sie die kinder lieben, und wahre wahre demuth üben, So mach auch mich dazu bereit. 6. Sie thun ja deinen willen; Den laß auch mich erfüllen. Sie leben heilig, rein; O laß mich schon auf erden auch ihnen ähnlich werden, Stets diese reinen geister scheun. 7. Hilf aug und herz bezähmen, Kein årgerniß zu nehmen, Lehr mich behutsam seyn, Nie durch ein sündlich leben Dem nächsten anstoß geben; Denn dieses stürzt in ewge pein. 31 8. Wenn ich denn endlich scheide, So führe mich zur freude auf ihren hånden ein; Da werd ich dich erst loben, Und in dem himmel droben Dir und den engeln ähnlich seyn. Mel. Werde munter, mein. öchster, dessen starke rechte 3u44. flucht, schirm und schatten giebt, Der das menschliche geschlechte Wie ein treuer vater liebt, Der in dieser großen welt Alles, was er schuf, erhält, Der als herr uns in gefahren Mächtig kann und will bewahren! 2. Viele tausend seraphinen Jauchzen und lobsingen dir. Dich zu loben, dir zu dienen, Sind sie willig für und für. Aber auch auf uns zu sehn, Und uns schwachen beyzustehn, Sind sie, wenn du winkest, fertig, Und den deinen gegenwärtig. 3. Gott der engel! gott der welten! Ach was sind wir menschen doch, Daß wir so viel vor dir gelten? wie hältst du uns so hoch! Deine engel dienen uns, Und sind zeugen unsers thuns. Laß uns einst in ihren chören Ewig dich im himmel ehren. 32 છે. આ Von der göttlichen Vorsehung. Mel. Mein Herz und seel den. forscht und kennt, was jeder 45. Gott ist mein lied! thut, Prüft das verborgne, er der gott weis und der stårke; Herr ist sein nam', und groß sind seine werke. So weit der weltbau reicht, geht sein gebiet, Nichts ist, das er nicht schafft, und kennt und sieht. 2. Er will und sprichts; so sind und leben welten, Und er gebeut; so fallen durch sein schelten Die himmel wieder in ihr nichts zu růck; Ohn ihn vergeht die erd' im augenblick. 3. Licht ist sein kleid, und feine wahl das beste. Er herrscht als gott, und seines thrones feste Sft treue, wahr heit und gerechtigkeit, Und was er thut, ist gnad und gütigkeit. 4. Ein unerschöpflich meer von seligkeiten, Ohn anfang gott, und gott in ewgen zeiten! Herr aller welten! wer, wer ist dir gleich? Wer herrscht, wie du, im unum. schränkten reich? 5. Was ist und war, im himmel, erd' und meere, Das kennet gott, und seiner werke beere Sind jetzt und ewig vor ihm offenbar; Er hält und nährt, was ist, was wird und war. 6. Er ist um mich, schafft, daß ich sicher ruhe, Er fchafft, mas ich vor oder nachmals thue, Und er er7. Er siehet dich, du sigest oder gehest; Ob du ans meer, ob du gen himmel fldhest, So ist er da, ist allenthalben da, Sm licht und dunkel bleibet er dir nah. 8. Er kennt mein herz, und allen rath der seele, Er weiß, wie oft ich gutes thu und fehle; Auch meine noth sieht er, und hört mein flehn, Und eilet dann, mir gnädig beyzustehn. 9. Er wog mir dar, was er mir geben wollte, Schrieb auf sein buch, wie lang ich leben sollte; Noch eh' ich war, eh meine augen sahn, Entwarf er huldreich meines schicksals plan. 10. Nichts, nichts ist mein, das gott nicht angehöre. Herr, immerdar soll deines namens ehre, Dein lob und preis in meinem munde seyn! Denn alles, was ich bin und hab, ist dein. 11. Wer kann die zahl von deinen wundern fassen? Ein jeder staub, den du hast werden lassen, Der creaturen heer und ihre pracht Vers kundiget des großen schöpfers macht. 12. Der kleinste wurm ist deiner weisheit spiegel. Du, luft und meer, ihr auen, thal und hügel, Der bäume Von der göttlichen Vorsehung. wuchs, und selbst der kleinste halm, Ihr send sein lautes loblied und sein pfalm. 13. Du tránkst die erd', und schaffest grüne weiden, Und nacht und tag, und forn und wein und freuden Empfangen wir aus deiner vater: band; Voll früchte machst du, schöpfer, unser land. 14. Kein sperling fällt, herr, ohne deinen willen; Sollt ich mein herz nicht mit dem trofte stillen, Daß deine hand mein leben mir erhält, Und nur geschieht, was dit, herr, wohlgefällt? 15. Ist gott mein schuß, will gott mein retter werden, So frag ich nichts nach him: mel und nach erden, So biet ich jedem feind und unfall trup, Und lebe sicher durch der allmacht schuk. 33 lieben, Noch eh wir sind, und hast Nie lust, uns zu betrůs ben; Doch schickst du eine last, So bleibst du mitleids: voll, Hilfst liebreich deinen kindern, Sie tragen und vers mindern, Beförderst stets ihr wohl. 4. Es hat in meinem leben Mir diese zuversicht Stets neue kraft gegeben, und fehlt noch jego nicht. Wenn ich bekümmert war, So seufzt ich, und ward stille, Und. dein stets guter wille Entriß mich der gefahr. 5. Dein name sey gepriesen, Der jederzeit an mir So herrlich sich erwiesen! Mein herz und mund soll dir, Du retter aus gefahr! Mein schuldig opfer bringen, Von deiner gute singen SeBund und immerdar. 6. Du bast mir wohl ge rathen, Und lauter guts ge= than; Daß deiner liebe thaten Sch nicht gnug rühmen kann. Hilf, vater, daß ich dort, Verklärt und ganz vollkommen, mit allen deinen frommen Dir danke fort unt fort. Mel. Von gott will ich nicht. 46. Sott! ott! der an allen enden Viel grose wunder thut, In dessen treuen hånden Mein ganzes leben ruht, Der in der průfungszeit Mir jeden meiner tage, Mein glück und meine plage, Bestimmt von ewigkeit. borgen Sm mutterleibe lag, 47. Dift niemand gleich, 2. Da ich noch tief ver: Mel. Es ist das heil uns kommen. ir, gott, Wacht über mich dein sorgen. Ach, vater, wie vermag Mein dürftiger verstand Das gute zu erheben, Daß du in meinem leben Mir huldreich zugewandt! Sm himmel und auf erden; Du bist der höchste, und dein reich kann nie begriffen werden. Unendlich ist die majestát, Die über alle dich erhöht, Die kron und scepter tragen. ( S 3. Du fångst uns an zu 34 Von der göttlichen Vorsehung. 2. Wie weit erstreckt sich der vertritt, Den du für dein gebiet! Wo ist der, der uns gegeben. Mein Jesus, es messe? Wohin auch nur mein auge sieht, Da seh ich deine große. Weit über alle himmel weit, Geht deines reiches herrlichkeit; Du herrscheft über alles. 3. Du herrschest weislich, recht und gut, Nach heiligen gefeßen. Du willst auch deis ner treuen hut Das kleinste würdig schätzen. Auf alles geht dein augenmerk, Und immer ists dein liebstes werk, 3u fegnen, zu beglücken. 4. Wie recht ist, höchster! dein gericht, Der du die wahrheit liebeſt! Wie unpars du nicht, Wenn du vergeltung übest! Du handelst stets nach billigkeit, In dieser und der fünftgen zeit, Beym strafen und bes lohnen. 5. Wohl uns, daß du das regiment, Gott! über alles führest, Und wohl dem, der den zweck erkennt, Dazu du uns regierest! Ich, dein geringster unterthan, Herr, bete dich in demuth an. O! sich auf mich in gnaden! 6. Ich bin verderbt und schuldenvoll, Und auf dem tugendwege Nicht stets so eifrig, wie ich soll, Bin oft zum guten tråge! Doch du bist gnädig und voll huld Vergiebst du reuenden die schuld; Drum hoff auch ich vergebung. 7. Ich hoff es, weil mich welcher für mich litt, Erwarb mir recht zum leben. Sein tod macht mich vom zweifel frey, Ob ich der gnade fähig sey. Auch mich hat er verföhnet. 8. Herr, ewig soll ich deinen ruhm Mit lob und dank erheben. Dir will ich, als dein eigenthum, Mich ganz zum dienst ergeben. Mit lust will ich bis in den tod Nach deinem heiligen gebot Durch deinen beystand wandeln. Mel. Wend ab deinen zorn. 48. Dein reichlich; s ist ewig währen Dein reich und deine macht, die wir verehren. Und ewig wird von aller völker zungen Dein lob befungen. 2. Der herr bewahret alle, welche fallen; Der höchste hilft den unterdrückten allen,' Und eilt, mit heil die, die um heil ihn bitten, 3u überschütten. 3. Nach dir, gott, schauen aller wesen blicke, Daß deine band sie våterlich erquicke; Du giebst auch einem jeden seine speise, Daß er dich preise. 4. Herr, du erhältst mit deinem wohlgefallen, Was lebt; thust deine hand auf, und giebst allen, Was sie bedürfen, keiner sucht verges bens Dich, quell des lebens. 5. In allen wegen gottes Von der göttlichen Vorsehung. 35 strahlet gnade; Untadelhaft kannst viel tausend wege finfind alle seine pfade, Und was er thut, gereicht zu seinem preise, Ist gut und weise. den, Wo die vernunft nicht einen sieht. Aus finsterniß bringst du das licht, Du sprichst, o gott, und es ge schicht. 6. Der herr ist nahe de: nen, die ihn bitten, Die ernstlich ihn um seine hülfe bitten. Er thut, was die gerechten, die ihn ehren, Von ihm begehren. 7.,. Der herr behütet alle, die ihn lieben; Die aber, die gewalt und frevel üben, Vers folgt er, daß er sie zum fluche mache, Mit seiner rache. 8. Auf ewig will ich sei nen namen loben, Von allen menschen werde gott erhoe ben! Was lebet, müsse, herr, zu allen zeiten Dein lob aus breiten. Mel. Wer nur den lieben gott. ürwahr, du bist, 49. Fürwahr, o gott, verborgen! Dein rath bleibt für uns wunderbar. Umsonst find alle unsre sorgen, Du sorgtest, eh die weit noch war, Für unser wohl schon väterlich. Dies sey genug zum trost für mich. 4. So weicht denn, ångstliche gedanken; Gott kann weit mehr, als ihr versteht. Bleib, feele! in der demuth schranken; Die demuth wird von gott erhöht. Ja, herr, du liebst den, der dich liebt, Und deiner führung sich er giebt. 5. Drum will ich mich dir überlassen Mit allem, was ich hab' und bin. Ich werfe, was ich nicht kann fassen, Auf deine macht und weis heit hin. Der ausgang zeigt doch immerdar, Daß stets dein rath voll gute war. 6. Gieb, daß dies mein vertraun vermehre, Im glück und unglück, freud und leid. Schick alles, herr, zu deiner ehre, Und meiner feelen fe ligkeit! So preif' ich einst vollkommen dich, So freu ich dein auf ewig mich. 50. S feele Macht deis Mel. Herzlich thut mich verlangen. meine ganze 2. Dein weg ist zwar in finsternissen Für unsre augen oft versteckt. Doch wenn wir erst den ausgang wissen, Wird uns die ursach auch entdeckt, Warum dein rath, der niemals fehlt, Den uns so dunklen weg gewählt. nen ruhm bekannt. Dir dank ich, und erzähle Die wunder deiner hand. Mein herz ist froh, ich finge: Herr, meine luft bist du. Dir, dem ich lieder bringe, Dir, höchster, jauchz' ich zu. 3. Nie sind die tiefen zu ergründen Von deiner weis: heit, macht und gut. Du 2. Du sigest auf dem throne. € 2 36 Von der göttlichen Vorsehung. Als richter aller welt, Der noth; Du bists, dem ich ver= jeglichem zum rechte urtheil fällt. Wenn dich die menschen schmähen, Dann råchst du ihren spott, Du schiltst; und sie vergehen Vor deinem zorn, o gott! lohne Das traue, Du hilfft auch selbst vom tod. Nach überwundnen leiden Geh ich ins heiligthum, Und über dich voll freuden, Erheb ich deinen ruhm. 3. Der herr hat zum ge richte Sich thron erböht. Bor feinem angeſichte 51. mein beit, mein He Mel. Alles ist an gottes segen. mein Bleibt nicht, wer widersteht. Ihr fühnen fünder, zittert, leben! Wie kann ich Bereut noch euren spott. Sein thron wird nie erschüttert, Der herr bleibt ewig gott. dich gnug erheben? Was für lieder stimm ich an? Was soll ich zum dank dir bringen, Und wie würdig soll ich sin gen, Was du, herr, an mir gethan? 4. Der herr regiert, und liebet, Was ungerecht ist, nicht. Er wågt die welt, und übet Partheilos fein ge richt. Die wage sinkt und steiget, Wie fein gesetz gebeut; Und jedes land bezeu get Des richters heiligkeit. 2. Oft hast du mein herz gebeuget, Aber auch mir bald gezeiget, Daß du stets den deinen nah. In der nacht warst du verborgen; Doch bald kam der frohe morgen, Da ich, herr, dein antlik sah. 5. Gott ist ein fels der armen, Ein fels in jeder noth. Sie traun auf sein er= barmen, Wenn ihnen unfall wege, droht. Die thrånen, die sie stege, weinen, Sind dir bekannt führst. und werth, Du, gott, ver: fäumest keinen, Der deinen schuß begehrt. 6. Ihr bürger zions, preifet, Verkündigt in der welt, Wie groß sich gott beweiset, Der, was er zusagt, hält. Er denkt daran, und fraget Nach des gerechten blut. Er hört ihn, wenn er klaget, Und stillt der wetter wuth. 7. Herr! sey mir gnädig, schaue Voll huld auf meine 3. Heilig, herr, sind deine Wunderbar sind alle Die du deine kinder Wer muß nicht aus deinen werken, Dir zum preise, es bemerken, Wie gerecht du, herr, regierst? 4. Nun, ich will dir fest vertrauen, Und auf deine gnade schauen, Wenn des Freuzes last mich drückt; Ich will still seyn, hoffen, schweigen, Stets vor dir, o herr, mich beugen, Bis dein beystand mich erquickt. 5. Willst du deine hülf aufschieben, Willst du meine Von der göttlichen Vorsehung. 37 Sind ja. wenn ichs recht ers måge, Mittel meiner seligkeit. demuth üben; Herr, ich bin Deine strafen, deine schläge dein sündger knecht! Willst du strafen, willst du schlagen, Schickst du trůbsal, noth 7. Ach, so starke mir den und plagen; Herr, du bleibest stets gerecht! 6. Doch weiß ich, daß deine treue Ewig ist, und täglich neue, Selbst zur schwersten prüfungszeit. Von der Natur und Würde des Menschen. STAM Mel. Was mein gott will. 52. seyn! Wie kann ich gott gnug preisen? Wie des be rufs, ein mensch zu seyn, Mich würdig hier erweisen? Ich bin ein wunder feiner macht Und weisheit, lieb' und gute! O mensch, nimm deinen werth in acht! Erkenn es, mein gemüthe!. 2. Du bildetest mir mein gebein, Du hauchtest mir die seele Allmächtig, o mein schöpfer, ein, Durch die ich denk und wähle! Bor tausenden, durch dich ernährt, Vor taus send deiner werke, Gabst du mir einen böbern werth, Mir weisheit, kunst und stärke. glauben! Laß ihn nichts, mein gott, mir rauben, keine freude, keine pein! Laß mich deine liebe schmecken, Laß in noth und angst und schrecken Deine gnade mich erfreun! 3. Vernunft und freyheit dank ich dir; Welch glück, sie zu besitzen! Ach, dir zum ruhm, zum heile mir, Lehr du mich, gott, sie nutzen! Der mensch ists nur, der reden kann, Sonst kein ge schöpf auf erden; Der mensch mir ruft dich, schöpfer, an, welch ein glück, ein zu lehrer werden. 4. Du schufft mich zur geselligkeit, Gabft mir ein herz voll triebe Zum mitgefühl, zur menschlichkeit, Sur freundschaft und zur liebe. Und diese menschlichkeit, gott, schafft Mir unzählbare freuden, Giebt mir zur tugend muth und kraft, Und ruh und trost in leiden. 5. Dich, meinen schöpfer, meinen gott, Erkenn ich, deine werke, Dein göttlich wort und dein gebot, Und weisheit, macht und stårke. Für deine väterliche huld. Dankt freudig meine seele, Und um erbarmung und geduld Fleh ich dich, wenn ich feble. 6. Ich bin ein mensch, und darf vor dich Mit freudigkeit stets treten, Sch darf dich, du hörst, vater, mich, Ge troft und froh anbeten! Heil 38 Von der Natur und mir! o heil der zuversicht, Die ich als mensch bier habe! Du rufft zur ewigkeit ans licht. Mich wieder aus dem grabe. 7. Dein sohn, der schöpfung berr mit dir, kam mitleidsvoll auf erden, Und ward ein mensch, ein mensch wie wir, Der menschen beil zu werden. Er nahm uns sey, Er nahm uns auf in dein geschlecht, Wir wurden seine brüder, Er bracht uns frommigkeit und recht Und gnad und leben wieder.. 8. Noch einmal sehn wir deinen fohn Bom himmel wieder kommen, und dann stellt er um seinen thron Als richter alle frommen. Und aller himmel beer ist fein, Ihr erbibeil giebt er ihnen, Sie werden ihres heils sich freun. Und ewig dann ihm dienen. Würde des Menschen. schöpfer, mein erhalter! Mein ganzer leib, erbaut von dir, Sammt einem jeden sinn an mir, Beweifet deine größe. 2. Haupt, aug und obr, und mund und hand, Die ich zu dir erhebe, Die haut, so künstlich ausgespannt, Der nerven fein gewebe, Und alle glieder sagen mir, Sch sey, o gott, ein werk von dir, Ein werk von deiner weisheit. 3. 2 3. Wie biegfam, wie gelenksam schließt, Den thoren zu verdammen, Ders leugnet, daß ein schöpfer ist, Sich glied an glied zusammen! Wie willig, herr, ges borchen fie, Wenn meine feele spät und früh Des leis bes dienst verlanget! 9. welch ein glück, ein mensch zu seyn! Wie kann ich gott gnug preifen? Wie, des berufs, ein mensch zu seyn, Mich würdig hier er: weisen? Ich bin ein wunder feiner macht Und weisheit, lib' und gute! O mensch. nimm deinen werth in acht! Erkenn es, mein gemüthe! . 4. Uch bättest du mein auge nicht So meisterlich bes reitet; Was nüßte mir der sonnen licht, Ihr glanz vor mir verbreitet! Dann såb ich nicht, mit welcher pracht Du, herr, durch deine weise macht, Was du erschaffen, schmückeft. 5. Ich jauchze, daß ich feben kann, und hören und empfinden, Und reden; bes ten will ich an, Gott sehen, und empfinden. Mein mund sey voll von deinem dank, Und deiner schöpfung lobgeMet. Es ist das heit uns kommen. 53 ir, gott, sey sang Eey mein gehör gewidmet. preis und dank gebracht! Dich rühme harf und psalter! Ich bin ein wunder deiner macht, Mein 6. Wer leitet meines blutes lauf? Wer lenft des berzens schläge? Wer regt Von der Natur und Würde des Menschen. 39 die lung und schwellt sie nur für seelen, Die zu den auf, Damit ich leben möge? geistern gott erhob, Sind sie Gott ist es, der dies alles so herrlich, und erzählen Nur thut. Schlag, herz! ent- ihnen meines schöpfers tob. flamme mich, o blut! Daß! feele, jauchze, daß der ich den höchsten preise. ruf Der allmacht dich zum geifte schuf. 5. Gott, ich kann denken, und gewinne, Weil ich zu einem geifte ward, Durch die empfindung meiner finne Gedanken tausendfacher art. Groß, mannigfaltig ist ihr heer, Und doch wird ihrer täglich mehr. 6. Ich kann sie sammeln und verbinden, Und trennen, wie es mir gefällt, Die welt 7. D! pries' ich, höchster, immer dich, Wenn ich die finne brauche, Geh, lieg und ausruh, oder mich Bewege, athme, hauche! Gieb, daß ich dein mich ewig freu, Und daß mein leib ein tempel sey, Worin dein geist stets wohne! Mel. Wer nur den lieben gott. 54. s werde gott von feines odems hauch, mein geist! Sollt ich nicht meinen vater loben, Den jedes fei: ner werke preist? Ihn, der mich schuf, fein bild zu seyn, Und feiner wunder mich zu freun? 2. Schön ist der sonnen reiche himmel, Den er zu seinem stuble wählt; Doch ist der sonnenreiche himmel Gedankenlos und unbeseelt; Und mir, dem thone seiner hand, Giebt er empfindung und verstand. 3. Unmuthig, prachtig zum entzücken, Ist gottes ganze körperwelt. Wer zählt die reize, die sie schmücken? Was ich nur fehen kann, gefällt; Und dennoch kann ich nicht, wie schön, Wie wundervoll sie fey, verstehn. 4. Für geister nur, und Beit unterschieden von der welt. 3u taufend thaten hab ich kraft; Wer giebt fie? gott, der alles schafft. 7. Wie feurig dürftet meine feele Nach glück und lust und seligkeit; Nur daß ich oft berrogen wähle, Was mich nach dem genuffe reut. Doch das ist, vater, meine schuld; Denn was du schaffst, zeugt nur von huld. 8. Wie wundervoll ist das vermögen, Gott, das du meinem willen giebst! O möcht ich es doch stets erwagen, Mit welcher güte du mich liebst! Möcht ich mit allen träften dein, Dein mit verstand und willen seyn! 9. Gott, meine lust sey, dich zu kennen, Dich, urquell der vollkommenheit! Von deiner liebe ganz zu 40 Von der Natur und Würde des Menschen. seele, welche will und denket, Und ihr bast du ein ewigs heil, Noch ehe sie nach dir gefragt, In deinem worte zugesagt. brennen, Das sen mir ruhm und seligkeit. Bin ich in Christo nur mit dir, Mein gott, vereint; was feblet mir? 10. Es werde gott von dir erhoben, Du feines odems hauch, mein geist: Sollt ich nicht meinen vater loben, Den jedes seiner werke preist? Ihn, der mich schuf, fein bild zu seyn, Und seiner liebe mich zu weihn? 5. Drum laß es stets mich wohl bedenken, Was du, o gott, an mir gethan, Dir leib und feele wieder schen= ken, Da ich dir sonst nichts schenken kann; Damit sie beide nach der zeit Dich preiz sen in der ewigkeit. Mel. Wer nur den lieben gott. 6. Und nimm indeß sie 55. Was ist vor deis alle beide, Ullmächtiger, in nem angesichte Der mensch, gott, daß du fein gedenkst, Und einen strahl von deinem lichte Auf ihn, den staub, bernieder fentft? Was ist er, wár er noch so groß? Ein bald zerfallner erdenklos. deinen schutz; So bieten wir in allem leide, Mit dir auch welt und hölle trut. Wenn wir in deiner gnade ftehn, So muß es uns stets wohl ergehn. 7. Doch wenn erhöhet von der erden, Im himmel, deis ner ewgen statt, Dich leib und feele schauen werden, Von deinem licht stets froh und fatt! So sollen sie auch beide dich Vollkommner rüh men ewiglich. 2. Du sahest an den men schenkindern Den schweren fall vor langer zeit; Und dennoch hast du diesen fün dern Aus göttlicher barmher: zigkeit Unzählig viel zu gut gethan, Ja mehr, als jemand fassen kann. 3. Du bast den leib, ob: schon aus erde, Doch wun derbar und schön gebaut; Daß er der feele würdig werde, Ihm sprach und sinnen anvertraut. Du haft ihn felbst zum berrn der welt, Dem alles dienen soll, be stellt. Mel. Wer nur den lieben gott. 56. ein bin ich, gott! dein ist mein leben; Wie' tröstlich ist mein ursprung mir! Du hast den odem mir gegeben; Mein ganzes wesen kommt von dir. Du, vater, riefft mich aus dem nichts 3um frohen anschaun deines lichts. 4. Du hast ihm noch viel mehr geschenket, Du gabeit ihm zum bessern theil, Die mich bereitet hast! 213 mich 2. Wie viel hab ich dir zu verdanken, Herr, der du Von der Natur und Würde des Menschen. 41 die engen finstern schranken gott, an mir gethan; Be= Des ersten daseyns noch um- schámt empfindet mein gefast, Da war dein auge müthe Die schuld, die ich über mir, Da lebt ich, hoch nicht leugnen kann. Ich ha ster, nur in dir.. be, was mich sehr erschreckt, Bielfältig feel und leib be fleckt. 3. Du gabst mir die ver: nünft'ge seele, Die nur so lang im fleische lebt. Bis fie, daß ihr kein wohlseyn fehle, Dein ruf zum höhern geist erhebt. Du hast mir finnen und verstand, Begierd und willen zugewandt. 4. Wenn ich auf meinen körper sehe, Den du so kunst voll ausgebildt, So wird, o vater in der höhe! Mein berz mit ehrfurcht ganz ers füllt. Ein jedes glied, ein jeder sinn, Reißt mich zu deinem lobe hin. 5. Durch deiner vorsicht gnädigs walten, Die mich von kindheit an umfing, Bin ich bis hieher noch erhalten, So daß der tod vorüber ging. Ich stehe noch, und preise dich, Herr, deine rechte schuhet mich. 6. Ich bin nicht werth der greßen gute, Die du, mein 7. Ja, herr, ich habe meine glieder 3u sündengliedern oft gemacht. Vor dir fall ich in demuth nieder; Vergieb, was ich nicht recht bedacht! Verwirf mich, vater, nicht von dir! Schaff selbst ein reines herz in mir. Den uns der herr gegeben! Gott, als uns deine liebe schuf. Da schuf sie uns zum leben; Zum leben, welches 8. Hilf, daß ich dir zur ehre lebe. Und redlich thu, was dich erfreut. Und geist, und leib und glieder gebe Zu waffen der gerechtigkeit; Daß ich bis in den tod dir treu, Und stets ein freund der tugend sey. 9. Fállt dieses leibes hütte nieder, Vollend ich dieses lebens lauf, gott, so O richte du mich wieder Berberrlicht aus dem staube auf. Dein ewges leben sey mein theil; So preif' ich ewig dich, mein heil. Von der Bestimmung des Menschen. Met. Es ist gewißlich an der zeit. ewig währt, Das weder leid 57. Wie wichtig ist noch angst beschwert, Willst der beruf, 2. Nicht hier ist unser vaterland; Allein bey dir, gott, droben, Da ist der ort, wo deine hand Das glück uns 42 Von der Bestimmung des Menschen. aufgehoben, Das nie ein ich als dein bewährtes find traurig ende nimmt, Hier 3u deiner freud eingehe. find wir nur von dir bestimmt, Uns dazu anzuschicken. große ziel Durch nichts verrücket werden! Was hilfts, wenn ich auch noch so viel Von gütern dieser erden, Von ehre, welt und lust gewinn, Wenn ich daben nicht tüchtig bin, Dein himmelreich zu erben? 4. Dein pilgrim bin ich ja nur hier; Laß mich dies nie vergessen! Nur wenig tage hast du mir Zur wallfahrt zugemessen. Schnell, wie ein traum, sind sie vollbracht, Und dann wird dieser erde pracht Auf ewig mir vergehen. 5. Drum laß des himmels herrlichkeit Mich stets vor augen haben. Laß mich in meiner prüfungszeit Um jene beßre gaben, Die mir im tode nicht entfliehn, Um er sten und mit ernst bemühn, Damit ich nicht einst darbe. 6. Ein herz, das dich, o vater! liebt, Und deines sohns sich freuet, Das in dem glauben tugend übt, Und sich vor sürden scheuet, Ein sol: ches herz, das wird allein Eich ewig deiner gute freun, Und einst dein antlik schauen. 7. Und solch ein herz, das wollst du mir, Gott, aus erbarmen geben, Damit ich möge auch schon hier Nach den gesehen leben, Die selbst im himmel gültig sind, Bis Mel. Nun sich der tag geendet. ch 58. dein eigenthum. Du schuft mich, dein, zu seyn, Mein ganzes leben dir zum ruhm, Und deinem dienst and be zu weihn. 2. Du gabst mir den vernünft'gen geist, Bewundernd einzusehn, Wie dich, herr, deine schöpfung preist, Mit ihr dich zu erhöhn. 3. Was um mich ist, vers fündigt mir, Gott, deine herrlichkeit. Bu ihrem preise reizt mich hier Selbst jede jahreszeit. 4. Und ich, ich sollte fühllos seyn? Ich rühmte dich, herr, nicht? Ein herold deis nes ruhms zu seyn, Bleibt meine größte pflicht. 5. O mache dieser pflicht mich treu, So treu, herr, als ich soll. Mein herz, mein mund, mein wandel sey Stets deiner ehre voll. 6. Wer dich verehrt, hält dein gebot; Ihm ists nicht last und pein. Drum gieb auch mir die kraft, o gott, Gehorsam dir zu seyn. 7. Was du gebeutst, ist für uns gut. Du willst nur unser heil. Wohl dem, der deinen willen thut! Du bist sein troft und theil. 8. Er wandelt hier auf ebner bahn, Und selbst in traurigkeit Schmeckt er, dir, Von der Bestimmung des Menschen. 43 5. Du bist der wahrheit freund; Laß mich auch wahr.. beit lieben, und mit fiets munterm fleiß In allem dem mich üben, Was mich zur weisheit führt, 3ur weißheit, die dich ehrt, Und allem beyfall giebt, Was du uns selbst gelehrt. höchster! zugethan, In dir zufriedenheit. 9. Nach hier vollbrachter prüfungszeit Nimmt ihn der himmel ein. Herr! laß nach diefer feligkeit Mein ganz bestreben seyn! 59. Aª Mel. O gott, du frommer gott. Camachtig großer gott, Wer kann dich gnug erheben? Du gabst der ganzen welt Ihr daseyn, kraft und leben. Was geist und körper heißt, Was erd und himmel hegt, hat deine hand gebaut, Die jetzt noch alles trågt. 2. Du schufft, ich dank es dir, Auch mich zu deiner ehre, Und wollteft, gütigster! Daß ich dein bildniß wäre. Drum hast du auch den geist, Der in mir lebt und denkt, Mir zur unsterblichkeit Uus deiner buld geschenkt. O 3. welch ein großer zweck, Dazu du, gott, mich schufest! Wie berrlich ist das theil, Dazu du mich berufest! Dir, höchster, ähnlich seyn, Ist unser größtes glück. O wohl mir, wenn ichs bin! hilf mir zu diesem glück. 4. Laß mir dies große ziel Doch stets vor augen schweben! Mein allerstärkster wunsch, Mein eifrigstes be: fireben, In allem meinem thun, Sey dies, o gott, allein, Daß ich auch so, wie du Gesinnet måge seyn! 6. Laß deine heiligkeit Mich stets zum muster nehmen. Hilf mir die fünde fliehn, Des fleisches lüfte záhmen, Nur das, was recht ist, thun, Des guten mich erfreun, Und dem, ders üben will, Auch gern behülflich seyn. 7. Gieb, daß ich so, wie du, Ein freund der menschen werde, Dem wohlthun freude macht, Der kummer und bes schwerde Dem nächsten gern erspart, Dem nächsten gern versüßt, Und wo er helfen kann, 3um helfen willig ist. 8. Wie weit bin ich noch fern, gott! von diesem ziele, Du weißt, was mir noch fehlt, Und ich, ich sels ber fühle, Wie wenig ich dir noch Im guten åhnlich bin; O bilde du mich ganz Nach dir und deinem sinn! 9. Beglückt ist nur alsdann Mein lebenslauf auf erden, Wenn ich dir immer mehr Schon hier kann ähnlich werden, Dann werd ich ewig auch Mit dir vereinigt seyn, Und mich ohn unterlaß Gott, deiner gute freun! 44 Von der Verdorbenheit des Menschen. Mel. Herr, ich habe mißgehandelt. wille, gott, ist gut. Was du nicht kann dein reich ererben, 60. mein verderben; Laß schon hier an mir erUch, es regt in meiner brust, sterben. Wie ben allen adamserben, Sich noch immer böse lust, Die mein herz, herr, von dir neiget, Und viel böse thaten zeiget. 2. Wie verderbt sind meihe wege! Wie verkehrt mein eigner sinn; Ich empfind es, gott, wie tråge Ich dir zu gehorchen bin. Ach! wer wird vom hang zum bösen Mich noch endlich ganz erlösen? 3. Hilf mir durch den geist der gnaden Von der angeerbten noth, Heile meiner feele schaden Durch des mittlers kreuzestod! Tilge alle meine Met. Jesus, meines Lebens leben. funden, Laß mich vor die 61. Großer gott, ers gnade finden! habnes wesen, Das, voll segnender begier, 4. Deinen willen hier auf Menschen sich zum dienst er erden 3u vollbringen, wird lesen! Ach was ist der mensch mir schwer. Soll ich dazu vor dir? Wenn ich deine tüchtig werden, Mußt du größ erwäge, Und, was ich felbst von oben her Mir da, bin, überlege; O wie dürftig zu die fraft verleihen, Und und wie klein Muß ich mir mein sündhaft herz erneuen. nicht selber seyn? 5. Schaffe denn ein reines herze, Herr, durch deinen geist in mir, Daß ich nicht 2. Fluch und elend, tod und fünde Drücken, leider! mein gemüth, Machen mich mein heil verscherze. Laß der zu einem kinde, Das vor fündlichen begier Mich mit nachdruck widerstehen, Und auf deine hülfe sehen. 6. Unter wachen, beten, ringen, Hilf mir selbst mein fleisch und blut Unter deinen willen zwingen; Denn dein 7. Reize mich durch jene krone, Die mir droben beigelegt, Daß ich meiner nie. mals schone, Wenn die sünd in mir sich regt: Hilf mir selber muthig kämpfen, Ale böse lüste dämpfen. 8. Sollt ich einmal unter: liegen, so hilf mir wieder auf! Laß in deiner kraft mich siegen, Daß ich meinen lebenslauf, Unter deinen treuen hånden, Möge gut und selig enden. seinem vater fliebt. Tausend månget, tausend flecken Schånden mich zu meinem schrecken. Und in der verderbten brust Regt sich tåglich böse lust. 3. Was ich gutes an mir Von der Verdorbenheit des Menschen. 45 habe, Ist von deiner vater: freuden. Gott und herr der hand. O wie manche gute ganzen welt! Thu mit mir, gabe Hast du, herr, mir zu was dir gefällt. gewandt! Selber auf dem sündenpfade Trågt mich schonend deine gnade. Mel. Wo soll ich fliehen hin. Nähmest du zurück, was dein, Uch! 62. Mein gott! dir iſt was Die innre böse luft, Die quelle meiner sünden, Die menschen nicht ergründen. O! heile du aus gnaden Der feele tiefen schaden. wird mir übrig seyn? 4. Doch die menge deiner gaben Klagt nur meinen un: dank an, Weil ich sie oft ganz vergraben, Oft damit nur groß gethan, Ost voll leichtsinn sie verschwendet, Und zu fünden angewendet. O! wie häuft sich meine schuld Durch verachtung deiner huld! 2. Des bösen herzens grund Wird oft durch thaten fund, Die mich vor dir verklagen Und mein gewissen nagen. Herr, willst du sie bestrafen, Wer wird mir rete tung schaffen? 3. Ich habe wider dich, Den nächsten und auch mich Vielfältig, herr, gehandelt; Ich bin den weg gewandelt, Der menschen von dir wendet, Und sich mit schrecken endet. 4. Ein jegliches gebot Zeugt wider mich, und droht, Weil ich( dies schlägt mich nieder) Nur gar zu oft dawider Ges dacht, gethan, gesprochen. und deinen bund gebrochen. 5. Verwirf mich nicht von dir; Hilf! herr, erbarmend mir! Erneure meine ſeele, Daß fie nur gutes wähle, Wer kann mich sonst vom bösen, Als du, o herr, erlösen. 7. Meine Fräfte, meine glieder Sind zu deinem dienst bereit. Herr, ich falle vor dir 6. Drückt mich der fünde nieder Boller ehrerbietigkeit. joch Gleich mächtig, fo bleibt Deinen willen thun und lei doch Weit den, Sey die quelle meiner macht'ger deine gnade. Wie groß auch nur Sieh, hier lieg ich in Tief vor dir, mein gott! gebückt; Doch mein demuthsvoller glaube Der auf meinen heiland blickt, Hofft auf deine vater: gute, Und mein tief beschämt gemüthe, Das den muth fast ganz verlor, Hebt sich noch zu dir empor. 5. dem staube, 6. Ja, die wunder deiner liebe Biehen ganz mein herz zu dir. Ach! erhalte selbst die triebe Treuer dankbarkeit in mir. Vater! laß das schwache lallen Meines lobes dir gefallen. Bilde mich, dein eigenthum, Ganz zu deines namens ruhm. 46 Von der Verborbenheit des Menschen. mein schade, So kannst du ihn doch heilen, Und leben mir ertheilen. 6. Dir folgen, dünkt uns zwang. Des herzens böser hang Reißt uns mit starkem triebe 3u schndder fündenliebe. Und können wir wohl zählen, Wie oft wir vor dir fehlen? 7. O herr! was uns ge bricht, Laß in der wahrheit licht So heilsam uns erken= nen, Daß wir von ernst ent= der nichts Der sünde zu ents 63.bofes thut, Du sagen, Der bessrung nachzus 7. Hat sonst des fleisches macht In mir ihr werk voll: bracht, So gieb mir lust und stärke, Daß ich nur gute werke Beschließe und vollbringe, Und ewig dir lobsinge. Mel. Wo soll ich fliehen hin. schufft den menschen gut; Du höchster! gabst ihm Fräfte 3um feligsten geschäfte, In heiligkeit zu wandeln, Stets recht vor dir zu handeln. 2. Wo ist der unschuld ruhm? Herr! wir, dein eigen thum, Wie tief sind wir ges fallen! Wo ist jetzt unter allen Ein mensch ganz rein von fünden Vor dir, o gott! zu finden? 3. Hier ist kein unterschied. Dein helles auge sieht Auf alle menschenkinder, Und sieht sie alle fünder. Da ist vor dir, herr, feiner Uns schuldig, auch nicht einer. 4. Verderbt ist aller sinn; Die weisheit ist dahin, Die uns regieren sollte, Nur was dein wille wollte, Mit freu: denvollen trieben 3u wählen und zu üben. 5. Fleisch sind wir von natur, Uns rühren, leider nur Die guter dieser erden, Die uns entriffen werden, Mehr als die höhern gaben, Die uns auf ewig laben. jagen. 8. Wohl dem! der sie gewinnt, Gott! so verderbt wir sind, So willst du uns doch heilen, Und kräfte uns ertheilen, Schon wiederum auf erden Dir gleich gesinnt zu werden. 9. Herr! diese deine huld Laß uns durch neue schuld Nie freventlich verscherzen. Erwecke unsre herzen, Dem guten nachzustreben, Damit wir ewig leben. Mel. Wer nur den lieben gott. zu 64.feiner feele: Es ist ein richter! gott ist der! Wenn ich verkehrte wege wähle, So richtet und verdammet er. Sollt ich, durch meinen mittler rein, Aufs neu ein greuel gottes seyn? 2. Er, wieder zu der tugend tüchtig Durch seines Jesu licht und kraft, Ist hei: lig, denkt und wandelt rich tig, Unsträflich und gewissenhaft, Er lernt, was gott Von der Verdorbenheit des Menschen. 47 gebeut, und übt Das gute, Durch ihn erneut zu guten weil er Jesum liebt. werken, Der weisheit folgen und der pflicht? Solls denn umsonst seyn, daß er euch Vergebung anbeut und sein reich? Karaden 3. Ach! Adam fiel, und feine finder Sind auch ges fallen, auch entweiht, Gefallen, alle, thoren, sünder, Und achten nicht, was gott gebeut. Untüchtig sind sie alle nun, Und keiner kann, was gut ist, thun. 6. Empfanget feines geis stes gabe! Lernt weisheit! lernet glauben! lernt, Wie gut es der gerechte habe, Der von den lastern sich ents fernt! Er fürchtet tod und zukunft nicht; Denn gott ist feine zuversicht. 4. Da sandte gott zu Adams findern Den mittler, seinen sohn, herab, Der für fie litt, und allen sündern Heil, leben, licht und weißheit gab. Er gab den geist aus gott; und nun Kann, wer ihm folgt, was gut ist, thun. O 7. Ach, daß sie alle weise würden, Erneuert zur gerech tigkeit! Frey von der sünde barten bürden! 3u kindern gottes eingeweiht! Die engel 5. D, fünder! wollet ihr würden fröhlich seyn, Und nicht merken, Wie gut der sich des heils der menschen herr ist? wollt ihr nicht, freun! Von der Erlösung des Menschen durch Christum. Mel. Es ist das heil uns kommen. 65. He eil uns! aus un und mit ihm unser heil, Er kam, am ewgen leben theil Uns wieder zu erwerben. frer sündennoth Ist rettung uns erworben. Der herr will nicht des sünders tod; Das, was an uns verdorben, Hat er aus gnaden uns erseht. Wie werth sind wir von ihm geschätzt! Wie groß ist sein erbarmen! 2. Selbst seinen eingebor: nen sohn Sandt er zu uns auf erden, Bon dem verdienten fündenlohn Ein ret ter uns zu werden. Er kam, 3. Wo ist, o tod, dein stachel nun? Hier ist dein überwinder. Für unsre schuld genug zu thun, Starb er, das heil der fünder. Wo ist nun, sünde! deine kraft, Hier ist der, der uns krafte schafft, Dein joch von uns zu werfen. 4. Gelobt fey gott! gelobt fein sobn, Der retter unfrer feelen! Nun kann uns auch 48 Von der Erlösung des auf erden schon Das wahre glück nicht fehlen, Getroft und froh in gott zu seyn, Wenn wir uns nur dem heiland weihn, Den gott für uns verordnet. 5. Was er zum leben uns verschafft, Das ist in seinen hånden; Sein ist das reich, sein ist die kraft, Das heil uns zuzuwenden, Das er so liebreich uns erwarb, Als er für uns am kreuze starb. Wohl allen, die ihm trauen! 6. O, laßt uns ihm uns anvertraun. Und niemals fein uns schämen! Auf seine mitt: lershülfe baun, Und fein joch auf sich nehmen. Das ist der weg zum ewgen wohl, Der weg, auf dem man friedensvoll Auch schon auf er den wandelt. 7. Herr! laß uns diese feligkeit Doch über alles schätzen. Nie können güter dieser zeit Den mangel uns erfeßen, Wenn uns das größte gut gebricht, Ein reines herz voll zuversicht Zu dir, gott, unser vater! 8. D lenk auf dies erhabne glück Der seele stårtste triebe! Beuch mächtig unser berz zuruck Von schnöder fünden liebe! Un dem uns theur er worbnen heil Laß uns im wahren glauben theil Stets fuchen und gewinnen. Mel. Nun freut euch, lieben. un, christen! laßt 66. N uns fröhlich seyn, Menschen durch Christum. Gott dank und ehre bringen, Von herzen seines heils uns freun, Mit lieb und lust ihm singen. Wer faßt die große wunderthat, Was gott an uns gewendet hat, Wie theur er uns erworben? 2. In sünden hart verstrickt, war ich, Todt, elend und verloren. Stets quålte mein gewissen mich, Verderbt war ich geboren. Ich fank auch immer tiefer drein, That niemals gutes, war allein Von sünde ganz be sessen. 3. Mein bestes thun galt dennoch nicht, War durch und durch verdorben. Ich haßte gott und sein gericht, 3u seiner lieb erstorben. Die angst wuchs zur verzweiflung an, Daß ich ihr nirgends hin entrann, 3ur hölle mußt ich sinken. 4. Gott jammerte von ewigkeit Mein elend ohne maaßen. Er dachte der barmherzigkeit, Mir wollt er helfen lassen; 3u mir wandt er sein vaterherz, 3u heilen meiner wunden schmerz, Ließ ers sein bestes kosten. 5. Er sprach zu seinem lieben sohn: Die zeit kommt zu erbarmen! Eil, meines herzens werthe fron! Sey du das heil der armen! Hilf ihnen aus der tiefen noth, Für sie entwaffne du den tod, Und laß sie mit mir leben! 6. Der sohn, der ihm ges horsam war, Kam selbst zu Von der Erlösung des Menschen durch Christum. 49 uns auf erden, Als eine Mel. Ich dank dir, gott, durch. jungfrau ihn gebahr. Mein 67. Gedanke, der uns bruder werden! giebt, Wer kann dich ganz durchdenken? Also hat gott die welt geliebt, Uns seinen sohn zu schenken! 2. Hoch über die vernunft erhöht, Umringt mit finsternissen, Füllst du mein herz mit majestät, Und stillest hielt sich seines arms gewalt, Und ging einher in knechts: gestalt, Des satans reich zu stürzen. 7. Er sprach zu mir: halt dich an mich! Es soll dir jetzt gelingen. Mich selber geb ich ganz für dich; Will mein gewissen. mächtig für dich ringen. 3. Ich kann der sonne Denn ich bin dein und du bist mein. Auch du sollst, wo ich bleibe, seyn, Uns soll der tod nicht scheiden. wunder nicht, Noch ihren bau ergründen, Und doch kann ich der sonne licht, Und ihre warm empfinden. 8. Vergießen wird man mir mein blut; Vell grimms mein leben rauben, Gern leid ich alles dir zu gut; Das halt mit festem glauben. Dein leben, sterblicher, 5. Nimm mir den frost, ist mein, Und mein verdienst ist, fünder, dein. So bist du selig worden. 4. So kann ich auch nicht goties rath Von Jesu tod ergründen! Allein das gött: liche der that, Das kann mein herz empfinden. 9. Den himmel nehm ich wieder ein, Und scheid aus diesem leben. Da will ich stets dein muster seyn, Und meinen geist vir geben, Der dir in trubsal trost gewährt, Dich, wenn er mich in dir verklärt, In alle wahrheit leitet. 10. Was ich gethan, was ich gelebrt, Das sollt du thun und lehren: Daß got: tes reich sich stets vermehrt, 3u feines namens ehren. Nur hûte dich vor menschen wahn, Der dir den schak leicht rauben kann; Dies sey mein abschiedssegen. daß Jesus Christ Nicht meine schuld getragen, Nicht gott und mein erlöser ist; So werd ich angstvoll zagen. 6. Ist Christi wort nicht gottes sinn, Werd ich stets irren müssen. Und wer gott ist, und was ich bin, Und werden soll, nicht wissen. 7. Nein, diesen trost der christenheit, Soll mir fein ſpotter rauben; Ich fühle seine göttlichkeit, Und halte fest am glauben. 8. Des sobnes gottes eigenthum, Durch ihn des himmels erbe, Dies bin ich, und das ist mein ruhm, Auf den ich leb und sterbe. 9. Er giebt mir seinen geist, das pfand, Im glau 50 Von der Erlösung des Menschen durch Christum. ben mich zu stärken, Und schenkt, Mit ihm nicht alles bildet uns durch deine hand schenken. 3u allen guten werken. 10. So lang ich seinen willen gern Mit reinem herzen thue, So fühl ich eine Fraft des herrn, Und schmecke fried und ruhe. 11. Und wenn mich meine fünde frånkt, Und ich zum kreuze trete; So weiß ich, daß er mein gedenkt, und thut, warum ich bete. 12. Ich weiß, daß mein erlöser lebt, Der mich einst aus der erde Erweckt, und zu dem reich erhebt, Da ich ihn schauen werde. 13. Kann unsre lieb im glauben hier Für ihn jemals erfalten? Dies ist die lieb, o gott, zu dir, Dein wort von herzen halten. 14. Erfüll mein herz mit dankbarkeit, So oft ich dich nur nenne, Und hilf, daß ich dich allezeit Treu vor der welt bekenne. 15. Soll ich dereinst noch würdig seyn, Für dich hier schmach zu leiden, So laß mich keine schmach noch pein Von deiner liebe scheiden. 16. Und soll ich, gott, nicht für und für Des glau: bens freud empfinden, So wirk er doch sein werk in mir, Und rein'ge mich von sünden. 17. Hat gott uns seinen sohn geschenkt;( Laß mich noch sterbend denken!) Wie sollt uns der, der ihn geMel. Von gott will ich nicht. den herrn, 68. Chef ihr hålt, was er verspricht. Der heiland ist gekommen, Der völker trost und licht. Gott, der uns nicht verstößt, Hat uns, zum heil und leben, Selbst seinen sohn gegeben. Durch ihn sind wir erlöst. 2. Erlöst! o welche gnade hat uns der herr erzeigt! Der uns betroffne schade, Der uns so tief gebeugt, Ist nun nicht unheilbar. Von fünde und verderben Uns rettung zu erwerben, Gab gottes sohn sich dar. 3. Er kam zu uns auf erden In armer knechtsgestalt, Voll mühe und beschwerden War hier sein aufenthalt. Der ihm gegebnen macht Enthielt er sich mit freuden, Bis er durchs todes leiden Sein großes werk vollbracht. 4. Er hats vollbracht! o bringet Gott euren lobgesang! Erlöste menschen! singet Dem mittler ewig dank. Wo niemand helfen kann, Da hilft er gern aus gnas den, Heilt unfrer seele schaden. O nehmt ihn gläubig an! 5. Du freund der menschenfinder! Verwirf uns, Jesu! nicht. Dein name, heil der funder! Ist unsre zuversicht. Drum kommen wir zu dir. Hilf uns, die macht der sün Von der Erldsung des Menschen durch Christum. 51 den Noch glücklich überwinden; Denn dein, o herr, sind wir. der uns Ein ew'ges heil er: wirbt; Deß herz ist göttlich groß, Der selbst für feinde stirbt! 5. Dies müsse mein vers traun 3u dir, o herr! erwek: ken. 3u schwach, der gottheit rath Für fünder zu ent: decken, Bet ich der liebe macht, Die ich nicht fassen kann, Mit froher zuversicht, Doch auch in demuth an. 6. Wird ren, Herr! deine ewigkeit mir mehr licht gewähUnd deine große lieb Im schauen mir erklären. Unendlich ist mein heil! O glaube, der erfreut! Gelobet sey der herr! Gelobt in ewigkeit! 6. Bey dir steht unser les ben, 3u unserm ew'gen heil Hast du dich hingegeben. Gieb uns am himmel theil! Laß uns dir folgsam seyn! Was wird uns, herr, dann fehlen? Dann werden unsre seelen Sich gottes ewig freun. Mel. O gott, du frommer gott. ich, Jesu! bet ich 69. Dich, an, In dir find ich mein leben, Weil du zu meinem heil Dich in den tod gegeben. Dein kreuz scheint thorheit dem, Der stolz und laster liebt, Doch dem ists gottes kraft, Der sich dir ganz ergiebt. Mel. Herzlich thut mich verlangen. 2. Du kamſt, erlöfer, uns 70. Wie ſoll ich dich zu bereiten, Lehrtst uns der tugend pfad, Riefft uns zu seligkeiten. Gleich groß war, herr, dies werk: Der welt ein schöpfer feyn, Und eine sündg'e welt Von sünden zu befreyn. 3. Wer kann, herr, deine huld, Wer deine lieb umfassen? Als sohn des ewigen Der himmel thron verlassen, Sich selbst erniedrigen, Ein: her in demuth gehn, Der wahrheit herold seyn, Und mich verspottet sehn. 4. Die wunder gottes thun, Und an das freuz ge: schlagen, Mit himmlischer geduld Der menschen schulden tragen, Um der zu seyn, aller sterblichen! Du frende, du verlangen Der trostbes dürftigen! Gieb, selbst mir zu erkennen, Wie deiner güte voll, Dich meine seele nennen, Dich würdig preisen soll! 2. Dein zion streut dir palmen; Und meine dankbegier Ergießt in freudenpfals men Sich, gütigster, vor dir. Dich, dich will ich erheben, So gut ich schwacher kann: Mein herz will ich dir geben: Ach nimm es gnådig an! 3. Nur daß du mich be freytest, Gabst du dich selbst für mich; Mich zu erretten, freutest Du, seligmacher, 2 52 Von der Erlösung des Menschen durch Christum. dich. Du fahst, es wåre keis freun ist feine freude, Und ner Vermögend g'nug dazu; wohlthun seine lust. Da jammerte dich meiner, Da kamst und halfeft du. 4. Du machst mich von den banden Des tods auf ewig los; Entreisfest mich den schanden Der fünde, machst mich groß, Und hebst mich hoch zu ehren, Und schenkest güter mir, Die un vergånglich währen. Dank, ewig dank, sey dir! 5. O du, an den ich glau: be! Was wars, das dich be: wog? Was wars, das dich zum staube, 3u mir hernieder zog? Dein göttliches er: barmen! Ja du, o Jesu! bast Mit mitleidsvollen armen Die ganze welt umfaßt. 9. Was fragt ihr nach dem drauen Der feinde? traut auf ihn. Er wird sie schnell zerstreuen. Der herr gebeut; sie fliehn. Er komint, er kommt, ein könig, Dem auch ein zahllos heer Von feinden viel zu wenig Zum widerstande wär. 10. Er wird einst wieder kommen Als richter aller welt: Dann bringt er heil den frommen, Und fluch der lasterwelt. Wohl ewig allen denen, Die seine wege gehn, Und einst mit freudenthránen Un seiner rechten stehn! Mel. Von gott will ich nicht. o 6. Das schreibt in eure 71. Mit ernt, i ment herzen, nicht mehr; 3agt nicht in euren schmerzen, als ob kein helfer wår. O sehet auf! ihr habet Den besten helfer nah: Der eure feele labet, Der treue freund ist da. schenkinder," Macht euer herz bereit! Er kömmt, das heil der sünder, Der herr der herrlichkeit! Er. kommt von seinem thron Voll huld zu uns hernieder, Wird einer unsrer brüder, Er, gottes einger sohn. 7. Die ihr mit ernster reue Still eure schuld beweint, Wißt, daß er euch verzeihe, Er felbst, der menschenfreund, Ruft heilbegiergen fündern Der gnade trostwort zu, Macht sie zu gottes kindern, Schafft ihren seelen ruh. 8. Er überfiehet keinen, Und weiß, was jedem nüßt. Hat er nicht stets die seinen Von anbeginn geschüßt? Nicht sie in ihrem leide Zu trösten stets gewußt? Er 2. Eilt, sünder, voll vers langen, Eilt, euch zu ihm zu nahn! Ihn würdig zu empfangen, Bereitet ihm die bahn! Auf! werdet seiner werth! Thut buße, flieht die sünden! Dann könnt ihr gnade finden, Dann seyd ihr seiner werth. 3. Nur der, der demuth übet, Ist des erlöfers freund; Wer aber hochmuth liebet, Ist und bleibt gottes feind. Von der Erldsung des Menschen durch Christum. 53 Nur der, der redlich ist, und dich! Mein heil, mein seligfolget gottes leiten, Der macher, Bereite selber mich! kann sich recht bereiten, 3u Mein herz sehnt sich nach dem kommt Jesus Christ. dir; Ich eile dir entgegen; 4. Doch was vermag ich Komm, komm, mit deinem se schwacher, Ich fünder, ohne gen, Und wohne stets in mir! Von der Menschwerdung und Geburt Jesu. und friedefürst! Auf den die völker hoffend sahn, Dich, gott, mein heiland, bet ich an. 7. Du, unser heil und höchstes gut, Vereinest dich mit fleisch und blut, Wirst unser freund und bruder hier, Und gottes kinder werden Mel. Vom himmel hoch da komm. ies ist der tag, den 72. Di gott gemacht; Sein werd in aller welt ge= dacht! Ihn preise, was durch Jefum Christ Im himmel und auf erden ist. 2. Die volker baben dein gebarrt, Bis daß die zeit wir. erfüllet ward; Da sandte 8. gott von seinem thron Das beil der welt, dich, seinen sohn. can yo 3. Wenn ich dies wunder fassen will, So steht mein geist vor ehrfurcht still: Er betet an und er ermißt, Daß gottes lieb unendlich ist. 4. Damit der sünder gnad erhält, Erniedrigst du dich, herr der welt! Nimmst selbst an unsrer menschheit theil, Erscheinst im fleisch, wirst unfer heil. Gedanke voller majeståt! Du bist es, der das herz erhöht. Gedanke voller feligkeit! Du bist es, der das berz erfreut. 9. Durch eines sünde fiel die welt, Ein mittler ists, der sie erhält. Was zagt der mensch, wenn der ihn schüßt, Der in des vaters schooße figt? 10. Jauchzt, himmel, die ihr ihn erfuhrt, Den tag der heiligsten geburt! Die erde, die ihn heute sieht, Sing ihm, dem herrn, ein neues 5. Dein könig, zion, kommt zu dir. Ich komm, im buche lied. steht von mir: Gott, deinen willen thu ich gern. Gelobt sey, der da kömmt im herrn! 11. Dies ist der tag, den gott gemacht; Sein werd in aller welt gedacht! Ihn preiz se, was durch Jesum Christ, Im himmel und auf erden 6. Herr, der du mensch geboren wirst, Immanuel ist. 54 Von der Menschwerdung und Geburt Jesu. Mel. Wir christenleut. trösten. Hallelujah! Halle73. Auf, schicke dich, Necht lujah! Freut euch des Herrn, feyerlich Des hei- und jauchzt ihm, ihr erlösten! lands fest mit danken zu begehen! Lieb ist der dank, Mel. Lobt gott, ihr christen. Der lobgefang, Durch den 74. Also hat gott die ihn, gott der lieb, erhöhen. welt geliebt, Daß er aus freyem trieb Uns seinen sohn zum heiland giebt. Wie hat uns gott so lieb!:,: 2. Sprich dankbar froh: Also, also hat gett die welt in seinem sohn geliebet! O wer bin ich, Herr, daß du mich So herrlich hoch in dei nem sohn geliebet? 2. Was sein erbarmungsvoller rath Schon in der ewigkeit 3u unserm heil beschlossen hat, Bollführt er in der zeit.:: 3. Er, unser freund, Mit uns vereint, Zur zeit, da wir noch seine feinde waren, Er wird uns gleich, Um gottes reich und seine lieb im fleisch zu offenbaren. 3. Er, aller menschen höchfles gut, Der alle segnen kann, Rimmt, wie die kin der, fleisch und blut, Doch ohne sünde, an.:,: 4. Ich freue mich, mein heil, in dir. Du nimmst mein fleisch an dich. Was fehlt mir nun? ist gott mit mir, Wer ist denn wider mich!:,: 4. An ihm nimm theil, Er ist das heil, Thu täglich buß, und glaub an seinen namen. Der ehrt ihn nicht, Wer herr, herr spricht, Und doch nicht sucht, sein beyspiel nachzuahmen. 5. Aus dank will ich In brüdern dich, Dich, gottes sohn, bekleiden, speisen, trån fen. Der frommen herz In ihrem schmerz Mit trost er freun, und dein dabey ge denken. 6. Rath, kraft und held, Durch den die welt Und alles ist, im himmel und auf erden! Die christenheit Preist dich erfreut, Und aller knie soll dir gebeuget werden. 7. Erhebt den herrn! Er bilft uns gern, Und wer ihn sucht, den wird sein name 5. Du sohn des allerhöchsten, wirst Auch mir rath, kraft und held, Mein vater und mein friedefürst, So, wie das heil der welt.:,: 6. Was mir zum selig seyn gebricht, Das, herr, erwarbst du mir. Versöhnung, leben, trost und licht, Das hab ich nur an dir.:,: 7. Dein mangel wird mein reiches theil, Dein leiden stillt mein leid. Durch deine knechtsgestalt, mein heil! Gewinn ich herrlichkeit.:,: 8. Gelobt sen gott! ge Von der Menschwerdung und Geburt Jesu. 55 lobt sein sohn! Durch den er gnad erweist. Lobt, engel, ihn vor seinem thron! Erheb ihn auch, mein geist!:: 3. Der du zu uns, gefandt vom berrn, Aus deinem himmel kamest, Und unser fleisch und blut so gern In demuth an dich nahmeft, Sohn gottes! o wie hast du dich So tief erniedrigt auch für mich! Wie arm bist du erschienen, Um meinem heil zu dienen! 75. Crt Mel. Lobt gott, ihr christen. r kömmt, er kommt, der starke held, Voll göttlich starker macht! Sein arm zerstreut, sein blick erhellt Des todes mitternacht.:,: 2. Wer kömmt? werkömmt? wer ist der held Boll gött: lich starker macht? Messias ists! lobsing ihm, welt! Dir wir dein heil gebracht.:,: 3. Dir, menschgewordner, fingen wir Unbetung, preis und dank. Un deiner Krippe schalle dir Der erde lobge: sang!:,: 76. Mel. Ermuntre dich, mein. ott, deine gnade sen gepreist! Sie schuf uns heil und leben. Ermuntre dich, mein tråger geist! Ihr wohlthun z; er heben. Denk an die nacht, da auf der welt Des höchsten sohn sich eingestellt, Um sein so theures leben Für sünder hinzugeben. 2. O große that! er wünschte nacht! Von engeln selbst befungen! Du hast den mittler uns gebracht, Der uns das heil errungen. In dir erschien der starke held, Der alles schuf und alles hält, Der freund der menschenkin: der, Des todes überwinder. 4. Olehre mich den gros ßen werth Von deiner huld recht fassen! Was reizte dich, auf dieser erd Dich so herab zu lassen? Hier wartete dein nichts als noth, Verachtung, kummer, schmerz und tod; Und doch kamst du auf erden, Ein menschensohn zu werden. 5. Viel stårker, herr, als schmerz und tod, War deine menschenliebe. Du sahest unfre fündennoth Mit mitleidsvollem triebe. Du stimmteft, unser heil zu seyn, In deines vaters rathschluß ein, Wardst mensch, und kamst mit freuden, Für uns den tod zu leiden. 6. Immanuel! dein freu ich mich, Du bist auch mein erretter. Auch mir zum troste fandte dich Der herr, der gott der götter. Was mir ein wahres wohl verschafft, Erleuchtung, friede, beßrungskraft, Und freuden, die stets währen, Willst du auch mir gewähren. 7. Was soll ich dir, mein größter freund! Für deine treue geben? Du bists, der 56 Von der Menschwerdung und Geburt Jesu. wird uns gleich. Hallelujah! mich mit gott vereint, Du sein reich, Erniedrigt sich und bringst mir heil und leben. Herr! was ich hab, und was ich bin, Das geb ich dir zum dienste hin. Ich will dich, ohn aufhören, Mit leib und geist verehren. 5. Jauchzt, himmel! erde, freue dich! Gott versöhnt die welt mit sich! Uns, adams sündiges geschlecht, Entsündigt er, macht uns gerecht! Hallelujah! 8. 3war seh ich dich im fleisch noch nicht; Doch du wirst wiederkommen, Und dann schaun dich von anges ficht, Herr, alle deine from: men. Dann werd auch ich, herr Jesu Christ! Dich schaun, so herrlich als du bist. Dann wirst du mich Mel. Lobt gott, ihr christen. zum leben, Das bey dir ist, 78. ingt dem verföhner, singt ihm dank! Herr gott! wir danken dir! Es danket dort der Mel. Gelobet feyst du, Jesu Christ. elobet feyst du, 77.6 gottes sohn! Der du auf der allmacht thron Jeht herrschest, und einst warst, wie wir, Anbetung, preis und dank sey dir! HalIclujah! 2. Dich fahn die våter schon von fern, Davids sohn und Davids herrn; Ihr heil und ihre zuversicht, Und aller völker trost und licht. Hallelujah! 3. Die nacht entflieht; der tag bricht an' Ueber die, so nie ihn sahn! Auf die, so finsterniß umgab, Glanzt gottes wahrheit nun herab. Hallelujah! 4. Durch den die welt einst worden ist, Der einst richtet, Jesus Christ, Der schöpfung herr, kömmt in 6. Gelobet feyst du, Jesu Christ! Daß du mensch ges boren bist! Dir ist der erdkfreis unterthan, Dich beten alle himmel an. Hallelujah! Lobgesang Dir, überwinder, dir.:,: 2. Er, welcher schon von anbeginn Der welt mein retter war, Wird fleisch, wie ich, und was ich bin. Wie göttlich wunderbar!:,: 3. Gerecht ist gott, und fein gericht Ist so gerecht wie er. Es gelten alle bim mel nicht Vor dir, erschrecklicher!:,: 4. Sterbt, sprachst du, mehr als einen tod! Da lagen wir vor dir, Umringt mit elend und mit noth, Und starben für und für.:,: 5. Dein zorn, herr! foll versöhnet seyn, Dein sobn erbarmet sich, Und geht den tod des kreuzes ein Für eine welt! für mich!:: 6. Und als die zeit erfüllet war, Da sandte seinen sohn Von der Menschwerdung und Geburt Jesu. 57 schöpfung sprach: entstehe! Der einst spricht: vergehe! 2. Laßt uns niederfallen, Danken, daß er allen Freund und bruder ist! Gott, auf seinem throne, Liebt uns in dem sohne, Brüder Jesu Christ! Welch ein heil, Um sobne theil, Theil durch seiner zukunft gaben Un gott felbst zu haben! ( Hier staunet selbst der engel schaar!) Gott sandte seinen sohn!:: 7. Der, welcher erd und himmel trägt, Hüllt sich in dunkelheit. In eine krippe wird gelegt Der herr der herrlichkeit.:, 8. Die erde kennt nicht ihren herrn, Die himmel kennen ihn, Und leuchten treu durch einen stern Die weisen zu ihm hin.:: 9. Im staube lieg ich und bet an, Mein könig und mein gott! Ich dein geschöpf, dein unterthan, Bin rein durch deine noth.:,: 3. Keine macht der leiden Kann von ihm uns scheiden; Er bleibt ewig treu! Dort wird er vom bösen Gänzlich mich erlösen. Hier steht er uns bey! Unser freund, Mit ihm vereint, Kann nicht seine brüder hassen, Noch fie hülflos lassen! 4. Wenn wir einst ermúz den, Führt er uns im frie: den In des grabes nacht. Unsre tobten glieder Giebt die erde wieder Ihm, der sie bewacht. Jesus ruft Uns aus der gruft, Er, der selbst den tod einst schmeckte, Den das grab bedeckte. 5. Auf dem richterthrone Werden wir im sohne Unsern bruder schaun. Heil und ewigs leben Wird er allen geben, Die noch dann ihm traun. Er ward hier Verfucht, wie wir; Ueberschwenglich wird er lohnen, Und der schwachbeit schonen. Mel. Jesu, meine freude. ottes sohn ist kom 79. men! Dankt ihm, feine frommen! Dankt ihm, daß er kam, Daß er hier 6. Eilet, eilt, ihr fünder! auf erden, Unser heil zu Werdet gottes finder! Wers werden, Seine wohnung det seiner werth! Eilet, eilt, nahm! Mensch, wie wir, ihr frommen! Seyd, wie er, Erschien er hier, Der zur vollkommen! Bleibet seiner 10. Mein ganzes leben will ich dir, Dir, herr! zum danke weihn; Mit freuden arm, ein pilger hier, Und dort ein bürger seyn.:: 11. Hier gingst du, herr, in knechtsgestalt; Dort aber im gericht Ist dir gegeben die gewalt, Und finsterniß wird licht.:,: 12. Kommt, sterbliche, und füßt den fohn, Eb noch sein zorn entbrennt, Und eh er euch von seinem thron, Weh euch, verfluchte! nennt.:: 58 Von der Menschwerdung und Geburt Jesu. werth! Preiset ihn, Daß er Mel. Laffet uns den herren. erſchien, Daß er sich für euch 81. Der du uns das heil gegeben, ein leben! errungen, gewordner gottessohn! Ewig sey dir lob gesungen, Daß du von des himmels thron Uns zu gut ins fleisch ge Mel. Nun ruhen alle wälder. 80. Der du voller der freuden, Mein füßer trost im leiden, Mein schuß im finstern thal! Willkommen, heil der fünder, Du freund der menschenkinder, Willkommen tausend, taus sendmal! 2. 3war niedrig und ge: ringe, Beherrscher aller dinge, Erscheinest du allhier: Doch, was dem aug entflie: het, Des heilands größe, fiehet Mein glaube selbst im stall an dir. 2. Sey gelobt! denn dir gehöret Preis und dank und ruhm mit recht. D, wie hoch hast du geehret Unser sterbliches geschlecht! Herr! du hast es selbst vermählet Mit der göttlichen natur; Und vor aller creatur Es zur lust dir auserwählet. Ja, in dir, du gottessohn! Siht der 3u fündern, ewig armen, mensch auf gottes thron. Kehrt deine hoheit ein; Uns 3. Du, du bist der völker freyheit, würde, leben, Einst kronen uns zu geben, Muß knechtsgestalt die deine seyn. 3. Unendliches erbarmen! segen, Kamst, vom fluch uns zu befreyn, Und wir können deinetwegen Nun noch kinder gottes seyn. Hat die sünd uns gleich verdorben, ſo hast du neue frait Uns zur heiligung verschafft, Und die tüchtigkeit erworben, Einst von sünden völlig rein, Dei nem bilde gleich zu seyn! lichkeit, Långstens schon vor meiner zeit, Dich auch meiner angenommen, Und mein bruder worden bist; Sey gelobt, herr Jeju Chrift! 4. Mit dankerfüllten lip: pen Nah ich mich deiner Frippen. 3war arm ist nur mein dank; Doch laß ihn dir gefallen, Des säuglings schwaches lallen St, herr, vor dir ein lobgefang. 4. Du, du bist der mittler 5. Hier schlägt uns fünde worden, Der die welt mit nieder; Doch hoffnung stärkt gott versöhnt, Hast der uns wieder. Bald kommt schwachen menschheit orden die zeit heran, Wo ich, zu. Wieder mit dem recht bedeiner ehre Entbrannt in lehnt, In den himmel einhöy're chöre Den frohen ju- zugehen, und des herren bel mischen kann. herrlichkeit Nach der kurzen Von der Menschwerdung und Geburt Jesu. 59 prüfungszeit Ewig einst ver 3. Wer kann gottes rathklárt zu sehen. Nun hat schluß fassen? Aber dies Ist meine zuversicht Einen an ker, der nicht bricht! 5. Sollte gott mich nun wohl hassen? Hier ist ja Immanuel! Sollt er mich wohl hülflos lassen? Hier ist ja der hülfe quell! Was vers mag mich anzufechten? Er, der meinen jammer fennt, Und mich seinen bruder nennt, Sigt als herr zu gottes rechten. Durch ihn bin ich gott vereint, Gott ist mein verföhnter freund. 6. Herr, wie groß ist deine gute! Meine feele freut sich dein. Laß doch stets mein ganz gemüthe Voll von deis nem ruhme seyn. Nimmer will ich dein vergessen. Dir will ich mich ganz vertraun, Freudig folgen, auf dich baun. Deine huld ist uners messen. Gieb, daß ich für deine treu Dir auf ewig dankbar sey. gewiß: Gott kann uns nicht haffen! Kommt der sohn aus freyen trieben 3u uns her; Wie sollt er Nicht die menschen lieben? 4. Wenn er uns verworfen håtte, Nähm er dann Menschheit an: Er spricht: ich errette! Deß soll sich der erdkreis freuen! 3um gericht Kommt er nicht, Sondern zum verzeihen. 5. Eilt im geist nach bethlems hütten; Seht, was dort Euer hort Schon für euch erlitten! Er wird niedrig eurentwegen. Welch ein freund! Er erweint Seinen feinden segen. 6. Er, er will für eure schulden, Armuth, noth, Schmach und tod Göttlich groß erdulden. Lernt den menschenfreund erkennen! Gnadenreich Will er euch Seine brüder nennen. 7. Dankt ihm, der eu'r Mel. Warum sollt ich mich denn. innres sehnen Sehen kann! 82. Laßt uns unserm gott Betet an! Opfert freudenlobsingen! Hoch erfreut Laßt uns heut Shm verehrung bringen! In des himmels hohe chöre Stimmet ein: Gott allein, Unserm gott sey ehre! thránen! Liebt ihn, der von liebe brennet, Traut dem Herrn, Der euch gern Seine brüder nennet! 8. Wenn euch eure fünden Franken; Eilt herzu, Suchet ruh! Er will sie euch schenken. Schaut auf ihn mit glaubensblicken! Bittert nicht! Denn er spricht: Ich will euch erquicken. 9. Ihr erdulder schwerer 2. Jeder, der sich fühlt verloren, Freue sich Innig lich; Christus ist geboren! Er, der könig aller wesen, Steigt herab Bis ins grab Sünder zu erlösen. 60 Von der Menschwerdung und Geburt Jesu. tage, Euren schmerz Fühlt 2. Allein so herrlich, groß fein herz, Kein erlöster zage! Bringet ihm an seinem feste Zutraun her, Wisset, er Wählt für euch das beste. und wichtig, Auch dieser friede für uns ist, So bleibt doch alle hoffnung nichtig, Wenn nicht der beiland Jesus Christ Auch unser gan= zes herz gewinnt, Und wir nicht gottes finder find. 3. 10. Er verläßt euch nicht, ihr schwachen! Mehr, als ihr, Litt er hier, Euch beglückt zu machen. Eure kleine zeit der leiden Und der müb; Was ist sie Gegen ewge freuden? Wollt ihr denn, menschen, schon auf erden Gott angenehm und dankbar seyn, So müßt ihr fromm und heilig werden; Sonst ist eu'r glaube nur ein schein. Der dank, der nicht von sünden frey, Ist fünde selbst und heucheley. 4. Drum kehret um, seyd wie die kinder, Legt ab den stolz und übermuth! Bedenkt, bedenkt, verlorne sünder! Nur euch zum bevipiel, cuch zu 11. Gottmensch! du nahmst meine bürde Gern auf dich, Daß auch ich Frey und selig würde. Wer kann deine lieb ergründen? Ewig soll Freudenvoll Sie mein herz empfinden. 12. Dir, mein göttlicher befreyer, Folg ich nach, Obwohl schwach, Doch um so viel treuer. Keine creatur, kein leiden, Keine noth, Und kein tod Soll von dir mich scheiden. 13. Du kommst einst zum weltgerichte! Dann werd ich, Richter, dich Schaun von angesichte. Gott, wie wird dein hasser beben! Dann werd ich Deiner mich Freun, und ewig leben. 83 Mel. Wer nur den lieben gott. eht, gottes gnade ist erschienen; Er Iste menschen, auf! und eilt, Des großen heils euch zu bedienen, Das euch sein lie ber sohn ertheilt! Er ists, der einer fünd'gen welt Mit gott den frieden hergestellt. ut Wird gottes sohn selbst arm und klein; Uch laßt ihn euer muster seyn! 5. Mein beiland, meiner feele führer! Was kann ich schwacher ohne dich? Sey du mein beystand, mein regierer, Zu deiner ehr erleuchte mich! Dir nachzufolgen, gieb mir kraft! Nur du bists, der mir hülfe schafft. 6. Gieb mir dein herz! dies ist dein wille; Ich geb es dir zum opfer hin. Doch wie ich dieses recht erfülle, Dies, dies bekümmert mei nen sinn. Doch du hilfft meiner schwachheit auf, Und stärkst mich in der tugend lauf. 7. Du kannst mein herz Von der Menschwerdung und Geburt Jefu. 61 schenk ser nicht, Dich jammert das verderben. Mit liebevollem angesicht Sprachst du: ihr sollt nicht sterben; Der sün= der ist noch mensch, und mein, Soll besser werden, selig seyn; Sey, sohn, der todten leben! 4. Der sohn der liebe liebt, wie du! Hier bin ich!( wort voll gnade!) Ich eile den verlornen zu, Und wandle menschenpfade. Mit deiner kraft, mit deinem blick Voll huld, führ ich sie dir zurück; Ihr bruder will ich werden. zum guten lenken; ihm ganz des himmels sinn! Laß dein bey allem thun mich denken, Nimm alles eitle von mir bin. Gieb glauben mir und frömmigkeit, Bereite mich zur ewigkeit. 8. Die unermeßlich große liebe, Dich dich herab vom himmel zog, Dich aus erbarmungsvollem triebe Selbst in den fod zu gehn bewog, Die ziehe mich vom laster ab. Daß ich dir treu sey bis ins grab. 9. Dann werd ich einst in jenem leben, Dem stande der vollkommenheit, Dir lob und preis und ehre geben, Und fingen: herr der herrlichkeit, Der du dies leben mir er warbst, Preis dir, daß du für fünder starbst! Mel. Es ist das heil uns kommen. ie, höchster aller 84. våter, wie Wie können wir dir danken? D! deine huld, wie groß ist sie! Wie ohne nam' und schran: fen!! liebe! von dem höch: sten thron Der himmelsthro: nen kam dein sohn Huldreich zu uns hernieder! 2. In finsternissen waren wir Vertieft in tausend sünden; Den weg zur freiheit und zu dir, Wie konnten wir ihn finden? Wir tappten, strebten immerdar Nach lust, die uns verderben war, Und hatten dein vergeſsen. 3. Doch du vergaßest un 5. Du kamst, du kamst, o Jesus Christ! Mit göttlis chem erbarmen, Mit allem, was des vaters ist, Herab zu uns, uns armen! Und du, durch den die himmel sind, Du hocherhabner! wirst ein kind, Wirst der verlornen bruder. 6. In armuth, blöße, noth und schmerz Sinkst du aus gottesfreuden Herab, aus licht in nacht, dein herz Will menschenleiden leiden, Will lernen, in der herbsten pein Gott folgsam, gott gebor: sam seyn, Und gottestugend lehren. 7. Du nahmst an kraft und weisheit zu, Wie andre menschenkinder! Was gott gebot, das thatest du, Das lehrtest du die fünder, Urbeitetest, ach! tag und nacht, Die fünde, die uns elend. macht, Uch, die uns zu verbittern. 62 Von der Menschwerdung und Geburt Jesu. 8. Das alles thast du, Eh ihr noch ihn gefunden? Jesus Christ! Daß wir die Fragt euch nur selbst, was. tugend lernen, Von dem, waret ihr? O deutsches volk, was uns verderben ist, Uns erwecket dir Dein vorigs bild ewiglich entfernen, Daß wir, nicht grauen? von furcht, vom laster rein, Dir bester! bester! ähnlich seyn An weisheit, kraft und güte. 4. Ein volk, mit gott ganz unbekannt, Von seiner lehr entfernet, Das von der tu gend abgewandt, Nur böses thun gelernet ,, Das todten stein, geschnittes holz, Wohl gar auf seine blindheit stolz, Als seine götter ehrte. 9. O sey mit dankerfüllter brust Gepriesen, großer retter! Du, erster bruder, höchste lust! Herr! mittler! heil! vertreter! Unendlich mehr bast du getban, Als menschenfinn je fassen kann! Unbetung dir, und liebe! Der den Weisen geoffens barte Weltheiland. Mel. Nun freut euch lieben. eut hat den 85 a). He juden sich dein reich 3u nähern ange: fangen. Ein helles licht ist auch zugleich Den völkern aufgegangen. Dies sey dir, welt, ein freudentag! Die nacht, die auf den völkern lag, Durchbrach zuerst sein schimmer. 2. Kaum fandte gott mit seinem sohn Der erde große freuden, So fammlet er sich ſelber schon Die erstlinge der beiden. Zu ihrem neugebor: nen herrn Muß fie ein wunderbarer stern Aus fernen landen führen. 3. Der vor'gen zeit denkt, christen, doch! Heil euch! sie ist verschwunden. Was wart ihr, eh der herr euch noch, 5. Beglückter tag, der jene macht Des gößendiensts ents wendet! Daran uns gott nach langer nacht Sein licht und heil gesendet! Da gott in dir, Immanuel, Mit deis nem wahren Israel Nun auch die heiden dankten! 6. Nun prüfe heut, volk gottes, dich Vor seinem ans gesichte. Beharrst du unvers anderlich In seiner wahrheit lichte? Was helfen opfer des gebets 3um wahren gott, wenn du noch stets Derfünde sklavisch dienest? 7. Was hilft es, daß du gott erkennst Und seinen ganzen willen, Wenn du das thun und wissen trennst, 3u tråg ibn zu erfüllen? Wenn du oft treu gelobst und brichst; 3war christlich glaubst, und christlich sprichst, Und doch als heide wandelst? 8. Ach prüfe dich! gott nimmt sein licht, Wenn mans nicht schätt, zurücke. Steh auf vom schlaf, damit er nicht Sein wort auch dir ent Von der Menschwerdung und Geburt Jefu. 63 für die fünder, Hier sieht allen, die sein hoffen, Nun der weg zum himmel offen. fe. Gott! hör uns nicht zu tragen auf, und fördre deiner lebre lauf Noch zu den fernsten heiden. 85 b). Mel. Schmücke dich, o liebe seele. ott, dein unsichtbares we sen Låst sich in dem lichte lefen, Das du uns, um dir zu leben, Schon durch die vernunft gegeben. Herr, ich muß aus deinen werken Dein nothwendigs daseyn merken, Und die pflicht, dich zu verehren, kann mich meine schöpfung lehren. und 4. Lob und preis, dank und ehre, Herr, sey dir für diese lehre, Die dein sohn, den du zum leben Der verlornen welt gegeben, Und den du zum licht erwecket, Uns auf erden selbst entdekket! Ihre wahrheit, werth und stärke Seigten seine gros ßen werke., 5. Gott! wie reich an troft und segen, Und wie groß in deinen wegen, Lehrt dich uns dies wort vom glauben! Wer will uns den himmel rauben, Wenn wir auf dein zeugniß bauen, Deiner vaters huld vertrauen, Unsern mitt: ler glaubig kennen, Und in deiner liebe brennen? 2. Die vernunft zeigt deine größe Und entdeckt mir meine blöße, Ruft, mit dir mich zu verbinden; Doch dies hindern meine sünden! Diese kann ich nicht verfühnen, Meine kraft kann nichts verdienen. Uch vernunft! dies 6. Aber ists von uns ge ist der schade; Aber wie find' ich nun gnade? schehen? Bater, trage das vergehen, Trag uns noch nach deiner treue! Gieb uns glauben nach der reue, Laß uns nichts von dir entfernen; Stets getreu von Jesu lernen, Und uns einst, bewährt durch ringen, In das reich des lichtes dringen. 3. Hier erscheint in größter klarheit Uns ein licht, das wort der wahrheit. Dies verspricht den geifilicharmen Güter, frieden und erbarmen; Hier ist heil für menschenkinder, Hier ein bürge 64 Von der Person und dem Leben Jesu auf Erden. todten wieder geben, Wenn deine stimme ruft. 86. Von der Person Jesu. Mel. Nun lob mein feel den. ein heiland! deine größe Geht über alle bimmel weit. Wer ist, der sie ermesse? Du warst ben gott von ewigkeit. Du bist der erstgeborne Bor al ler creatur; Kamst zwar für uns verlorne In menschlicher, natur, Doch in der menschbeit orden Cratst du erst in der zeit. Denn eh die welt geworden, Hatt'st du schon herrlichkeit. 4. Wie herrlich ist dein name Schon jest, o herr, in aller welt! Dich preist der frommen faame, Der glaubig dir zu fuße fällt. Dich preifen seraphinen, Erhabner menschensohn! Mit freuden dir zu dienen, Stehn sie vor deinem thron. Wer wollte dein sich schämen? Werth bist du, preis und ruhm, Auch, herr, von uns zu nehmen, Uns, deinem eigenthum. 5. Sohn gottes! ich ver ehre Und bete dich in de muth an. Bescháme und be kehre Die, die dir noch nicht zugethan, Die beinem wort nicht glauben, Und dir, dep für sie litt, Die schuldge ehre rauben; Theil ihnen gnade mit, Dich glaubig zu erkennen. Laß nichts, die dich erkannt, Von deiner lie be trennen. Dein ruhm füll jedes land. 2. Der himmel und die erde Sind auf dein kråstigs wort gemacht. Auf dein allmächtig: werde! Entstand die welt in ihrer pracht. Du bist auch unser meister; Auch uns schuf deine hand, So wie die welt der geister, Die dich noch ehr erkannt, Dich, erb: herr über alles! Das ist dein ewger ruhm; Drum jammert dich des falles Von deinem eigenthum. 3. Du trågest alle dinge Met. Herr Christ, der ein'ge. Durch deiner allmacht starkes 87. Christe, eingebor wort. große und geringe Geht bloß durch dei- keit gezeugt! Des vaters nen willen fort. Sohn got: auserkerner, 3u dem sein tes! du regierest Den ganzen herz sich neigt! Mit ihm von Freis der welt! Weil du das einem wesen, Bleibst du, der scepter führest, Geschieht, du gewesen, Der glanz der was dir gefällt, Bey dir herrlichkeit. steht tod und leben! Drum wird einst jede gruft. Die 2. Für uns ein mensch geboren, Der keuschen jung Von der Person und dem Leben Jesu auf Erden. 65 frau fohn, Wie gottes eid geschworen, Erlittst du quaal und hohn; Starbst, das wir leben möchten, Erhubst uns zu gerechten, Und erben dei nes reiche. zunge kann Genug gepriesen werden! Ich danke dir, daß du Des zornes schwere last, Im fleisch geoffenbart, Von mir genommen hast. 3. Gieb stets im reichern maaße, Erkenntniß deines beils, Daß keiner je verlasse Die wahl tes besten theils. Laß uns im glauben bleiben, Durch ihn zur lieb uns treiben, Und zu der lust an dir, 4. Der du trägst alle dinge, Des vaters ewge kraft! Ohn den ich nichts vollbringe: Der alles gute schafft! Hilf, daß mich nichts verblendet, Mein herz nichts von dir wendet, Nichts mei ne liebe schwächt. 5. Laß uns, mit dir begraben, Mit dir auch auferstehn; Mit dir zur höh erhaben, Nicht auf das eitle sehn; Dich wissen und dich hören, Nach dir allein begehren, Dein todt und lebend seyn. 6. Dank, lob und preis und ehre Sey gott in ewigkeit Für solche süße lehre, Mit der er uns erfreut. Sie tröst uns, wenn wir leiden, Sie start uns, wenn wir scheiden, Sie schüß uns im gericht. n and Von dem Namen Jesu. Mel. O gott, du frommer gott. Sifch 2. Wie leicht, wie bald wird nicht mein banges herz gestillet, Wenn mich mit seinem trost Dein süßer nam erfüllet. So lieblich ist kein trost, Als den dein name giebt, Der name deß, der uns Bis in den tod geliebt. 3. Jesu, höchstes gut! Nur du kannst freude bringen. Mir kann nichts lieblicher, Als Jesu name klingen. Dein name kündigt mir, Hab ich des traurens viel, In dir den heiland an, Der selig machen will. 4. Will des gesetzes fluch, Will tod und grab mich schrecken, So soll dein name, herr, Mich schüßen und bes decken, Er sey' mir trost und bülf In aller angst und noth; So bin ich unverzagt Im leben und im tod. 5. Er sey mein licht, wenn ich Sm finstern thale walle; Er sey mein fester stab, Daß ich nicht gleit und falle, In hitz ein schatten mir, Mein schirm vor feinde wuth, Mein reichthum, ehr und ruhm, Er sey mein höchstes gut. 6. Er sep mir stets der weg, Die wahrheit und das leben; Er wolle mir zulegt 88. geben, treu Sm himmel Daß ich, erscheinet nun Auch and auf erden Durch keine mir mein sterbetag, Mit gro& 66 Von der Person und dem Leben Jesu auf Erden. Ben freudigkeit In ihm entschlafen mag. leben schenken kann. Gelobet sey dein name! 4. D name! werde doch in mir Durch gottes geist verklåret, Da, was verbor= gen ist in dir, Kein fleischlich herz erfähret. Denn die ver=nunft begreift es nicht; Obn deines geistes gnadenlicht Blieb es unaufgeschlossen. 5. Laß mich empfinden deine kraft, Von heißer lieb entbrennen, Mich, was dein name gutes fchafft, Stets So aus erfahrung kennen. wird der fündennoth gewehrt, In hoffnung meine furcht verkehrt, Und seligkeit mein erbe. 7. Bis dahin helf er mir, So lang ich hier noch wandle, Daß ich in meinem thun, Wie fichs gebühret, handle, Er steh auch immerdar Mit seiner Fraft mir bey, Erhalt in meinem amt Und stande mich getreu. 8. Dir leb ich, und in dir, In dir will ich auch sterben; Herr! sterben will ich dir. In dir will ich ererben Das ew'ge himmelreich; Denn das erwarbst du mir. Von dir verklärt will ich Dir danken für und für. Mel. Es ist das heil uns kommen. 89. Mein Sefu, du haft Auf die Darstellung Jeſu unsre schuld Mit ihrer strafe plagen, uner: Mel. Kommt her zu mir, spricht. hörte lieb und huld! Frey 90. Wohlauf mein herz! welt, willig wollen tragen. der gerechte, ließest dich Zur sünde machen, daß ich mich In dir gerecht kann nennen. Dem, der für dich sich dar gestellt, Nun dich auch dar zustellen! Es ist das licht! drum sey gewiß, Er werd auch deine finsterniß Durch seinen glanz erbellen. 2. So heißest du nicht Je fus nur, Du bist auch, was du heißest, Da du die mensch liche natur Uus allem jam= mer reißest. Die that stimmt mit dem namen ein, Du wolltest, was du heißest, seyn, Mein heil, mein selig macher. 2. Ach! du sollst ihm sein tempel seyn! Er selbst macht dich ven sünden rein, Und hat hier lust zu wohnen. Doch hoffe nicht, daß Jesus Christ In solchen herzen wohnhaft ist, Die noch der lüste schonen! 3. Was nur dem fleische wohlgefällt, Das opfre die verkehrte welt Dem satan, ihrem gotte. Sie erntet scha= 3. In feinem andern ist ja heil; Kein nam ist uns gegeben, Darin wir könnten nehmen theil Un seligkeit und leben; Du bists allein, der jedermann Ein ewigs Von der Person und dem Leben Jefu auf Erden. 67 den blos für můh, Für ihren Der sohn, der unfruchtbaren, sundendienst wird sie Einst Den jenes engels mund Vers ewiglich zu spotte. heißen, sollt allein Der feuschen jungfrau fohn Ein würd'ger berold seyn 19 4. Doch wer vom geist, wie Simeon, Sich treiben laßt, nur gottes fohn 3um beil begehrt zu haben, Gott fürchtet, sich der welt ent: wöhnt, Aus ihr sich nach dem himmel sehnt, Der opfert rechte gaben. as the nat Der Und 3. Du willst durch ihn die welt Von deinem heil be eh ren, Und ihn auch ehrest du, Um deinen sohn zu ehren! Sein vater wird erst stumm. stumme schnell beredt, weissagt, da auf ihn Der geist des herrn geråth. 4. Das find wird stark am geist. Der gnade treuer lehrer, Ein brennend, scheis nend licht, Ein mächtiger bes kehrer, Ein heil'ger eiferer, Der ohne schonen straft; Auf feiner feele ruht Eiá geist und kraft. 5. Wer durch das wort, darauf er traut, Sm glauben seinen beiland schaut, Der kann in frieden fahren. Der beiland hält, was er ver: spricht. Er wird sich ihm in seinem licht Dort herrlich offenbaren. 6. Herr, mache mich ges recht und rein! Herr, laß mich stets voll glaubens feyn! Mich stets im geiste leben! Bis du auch mich, wenn dirs gefällt, In friede wirst aus dieser welt In deine wonn' erheben. Von dem Vorläuferamte Johannis. Mel. Nun danket alle gott. 91. Lag die ganze welt Mit zorn 5. welch ein gnadenwort! O welche füße stimme, Die in der wist' erschallt! Gott straft nun nicht im grimme Die sündenvolle welt; Sein himmelreich ist nah; Denn, der die welt mit gott Bersöhnen soll, ist da. 6. Euch ist solch heil des reit, Ihr sunder! nehmts zu ohren! Freut mit Johanne euch! Wie er noch ungebos und fluch beladen; Da öff. ren, Des beilands, sich er: netest du, gott, Die fülle deiner gnaden. Dein sohn erscheint; du schickst Den, dessen dienst die bahn Dem berrn bereiten soll, Als sei nen knecht voran. freut; So freut er sich auch nun, Durch tauf und predis gen Ihn allen fund zu thun. 7. Allein zu Jesu hin Verweist er seine jünger, Allein auf Jesum zeigt Sein auss gestreckter finger. Seht, das ist gottes lamm, Das, mit Für uns 2, Gott! wer kann thun, wie du? Schon wohlbetagt an jahren Gebiert Elifabeth. dem fluch belegt, € 2 68 Von der Person und dem Leben Jesu auf Erden. geschlachtet wird, Und aller sünden trägt. Du machtest selbst durch deinen mund Das künftige den menschen kund. 8. Wohl dem, der dieses lamm, Auf das Johannes weiset, Mit festem glauben faßt Und auch im leben preiset. Wer, seinem taufa bund treu, Sich Jesu ganz ergiebt, Der ist in ihm von gott Begnadigt und geliebt. 9. Das werd auch unser theil! Johannis amt und lehre Berherrliche noch stets, Gott, deines namens ehre. Wer buße thut, und glaubt, Hat troft auf alle zeit. Wer buße thut und glaubt, Der bleibt in ewigkeit. SES PROMISED TA Von dem Lehramte Jesu. Mel. Vater unser im himmelreich. ein lehrer ist dir, 92. Kein Jesu, gleich. An weisheit und an liebe reich, Bist du, sowohl durch wort als that, Der schwachen menschen sichrer rath. Es freut mein geist im glauben sich, Herr Jesu, dein und lobet dich. 2. Du kamst zu uns von gott gesandt, Und machtest uns den weg bekanut, Wie wir, befreyt von sündenschuld, Theilhaftig werden seiner huld. Auf ewig sey dir dank und ruhm, Herr, für dein evangelium. 3. Du fabest in der gott heit licht Mit aufgeklärtem angesicht, Was, nach des höchsten weisen rath, Die welt noch zu erwarten bat; 4. Dies und die wunder deiner hand Sind uns ein göttlich unterpfand, Was man aus deinem mund gehört, Sey wahrheit, die uns gott gelehrt. Nie schwäche mir der frevler spott Den glauben an dies wort von gott. 5. Du lehretest durch wort und that, Man trifft der reinsten tugend pfad In deinem heilgen wandel an. Gieb, herr, daß ich auf dieser bahn, Gestärkt von dir, mit steter treu Dir nachzufolgen eifrig sey. 6. Du bist es, herr, von dem das amt, Das die ver= söhnung predigt, stammt, Du machst durch treuer leh: rer mund Noch jetzt dein heil den menschen kund. Begleite stets mit deiner kraft Fbr amt, damit es nußen schafft. 7. Noch immer hilfft du deinem wort In seinen siegen mächtig fort. Du sendest, wie dein mund verheißt, Noch immer deinen guten geist, Der dem, der wahrheit sucht und liebt, Zum glauben licht und kräfte giebt. 8. Mein heiland! send ibn auch zu mir, Daß er mich zu der wahrheit führ, Vom eigendůnkel mich befrey, Damit ich dir gehorsam sey, Bis mich bey dir in ewigkeit Ein hellres licht dereinst er freut. Von der Person und dem Leben Jesu auf Erden. 69 Von dem heiligen Leben Mel. Schmücke dich, o liebe seele. Jesu. schenliebe War die 93. ins gezogen, Zu quelle jener triebe, Welche Mel. Machs mit mit, gott, nach. 94. Heiland! deine menu wesentliches so großer treu bewogen, Dich mit schmach und schmerz be decket, Dich vom kreuz ins grab gestrecket, wer fast die starken triebe Deiner treuen menschenliebe! 2. nen, allerhöchsten liebe! Du warst, o Jesu, ganz erfüllt Mit gott geweihtem triebe. Gott war dein zweck; dein hóch stes gut; Ihm folgtest du mit heldenmuth. 2. Du warst mit ihm ein sinn, ein berz; Sein wille war dein wille. Du ehrteft ihn, auch unter schmerz, Stets mit zufriedner stille. Selbst auf der allerrauhsten bahn, Sahst du ihn noch als vater an. 3. Du suchtest nichts, als sein gebot, Boukommen zu erfüllen, und unterwarfst dich bis zum tod Ganz dei nes vaters willen. Dein hauptgeschäft war das allein, Ein herold seines ruhms zu seyn. 4. Du gingst verstummt zur schlachtbank hin, Gehorsam zu bezeigen; Man sah dich mit gelaßnem sinn 3ur schädelstätte steigen. Du warst zur tiefsten schmach gefaßt, Und trugst die schwere kreu: zeslast. 5. Oheiland! der du mich versöhnt, Laß dein verdienst mich decken, Wenn mich, der ich oft gott verhöhnt, Verdiente strafen schrecken. Hilf mir, daß ich, so gern wie du, Den willen deines vaters thu. Uleber seine feinde weis Jedermann mit hulf erscheinen, Sich der blinden, lahmen, armen, Mehr als väterlich erbarmen, Der betrübten klagen hören, Sich in andrer dienst verzehren, Sterben für die årgsten fün der; Das ist lieb, o menschenkinder! 3. O du zuflucht der elenden! Wer hat nicht von deinen bånden Segen, hülf und heil genommen, Der gebeugt zu dir gekommen? Wie ist dir dein herz gebrochen, Wenn dich kranke angesprochen! Und wie pflegtest du zu eilen, Das geberne mitzutheilen! 4. Die geångsteten zu stårken, auf die kinder selbst zu merken, Die unwissenden zu lehren, Die verführten zu bekehren, Sünder, die sich selbst verstocken, Liebreich zu dir hinzulocken; War, mit schwächung deiner kräfte, Herr, dein tägliches geschäfte. 5. O wie hoch stieg dein erbarmen, Da du. heiland, für uns armen, Dein unschågbar theures leben In 70 Von der Person und dem Leben Jesu auf Erden. ben årgsten tod gegeben! Da Sein zärtlich herz verschlos zur tilgung unsrer schulden, sen seyn? Aus seinen thråDu die strafe wolltst erdul nen, sünder! wißt, Daß. Jeden, Und, uns segen zu er: sus Christ Ein treuer hoherwerben, als ein fluch am priester ist. freuze fierben! 2. Ja, heiland, diese thras nen sinds, Die kräftig für mich bitten, Wenn ich die pflichten eines finds Treu: brüchig überschritten. Wie hoch sind sie vor gott geschatt! Wer sie zu seinem troste setzt. Der wird, wenn er, voll traurigkeit, Sein thun bereut, Mit gnad und heil von gott erfreut. 55. Deine huld hat dich getrieben, Sanftmuth und geduld zu üben, Haß mit haß nicht zu vergelten, Deine schmäher nicht zu schelten, Allen freundlich zu begegnen, Für die lästerung zu seanen, Deine feinde zu vertreten, Und für mörder selbst zu beten. 7. Demuth war bei sport und hohne Deiner tugend schmuck und krone; Nie haft du nach ruhm getrachtet, Und auf menschenlob geach: tet! Deines vaters heilgen willen Mit gehorsam zu er: füllen, Und uns heil und trost zu geben, War der zweck von deinem Leben. 8. Laß mich, berr, zu rei: chem segen, Deinen wandet oft erwägen! Laß mich in der anast der fünden Trost und hulfe bei dir finden. Heilige auch meine triebe 3u rechts schaffner menschenliebe. Laß mich immer mehr auf erden Deinem bilde ähnlich werden. 3. 2ch diese thránen mas che doch, Mein mittler! mir zum fegen! Laß sie, drückt mich der fünden joch, Mein innerstes bewegen; Daß nicht, wenn jeder kummer leicht 3u bittern thránen mich erweicht, Mein herz allein bey seiner reu Die thránen scheu, Shr quell nur dann verschlossen sey. 4. Ich muß ja oft vor herbem schmerz Hier bange thránen weinen, Der bosheit anblick quált mein herz, Auch tránkt die welt die deinen.. Bemächtiget dann meiner sich Der fummer; o! so tröst ich mich: Der grimm, den die an dir verübt, Die du ges liebt, hat bis zu thránen dich betrübt. Mein Je- 5. Herr, du siehst meine thránen an, Und du bists, der sie zählet, Wenn ich sie selbst nicht zählen kann, Daß Sie dir nicht eine fehlet. Ueber die Thränen Jesu. Mel. Allein zu dir, herr Jefu. 95. Es weinet um Jesus heiße záhren; Bezeugt, es fey thm angenehm, Wenn finder sich bekehren. Wie sollte je vor unserm schreyn Von der Person und dem Leben Jefu auf Erden. 71 bleiben immerbar vor dir, kann. Dem kurzen leiden Und neigen bald dein herz dieser zeit Folgt feligkeit zu mir, Daß es, da du oft Dereinst in alle ewigkeit. gleiche last Erfahren hast, Bey meinem fummer mitleid faßt. 6. Der christ, der hier mit thránen sa't, 3u gott in demuth stille, Der erntet, wenn er aufersteht, Der freuden reichste fülle, Er fammlet freuden, welche man hier nicht verstehn, noch nennen Von dem Leiden Erweckung zur fruchtba ren Betrachtung des Leidens Jesu. Mel. Liebster Jesu, wir sind hier. 96. Mein eine seel, ermuntre dich, Jesu liebe zu bedenken. Auf sein leiden müsse sich Deine ganze ans dacht lenken; Daß dein herz der großen treue Deines Jesu sich erfreue. 2. Sieh! der wahre gottessohn Ist für dich ans kreuz geheftet; Hier hångt er voll schmach und hohn, Blutig, schmerzenvoll, entkräftet! Uch, für dich mit fluch beschweret! Wo ist größre lieb erhöret? 3. Du, du solltest große pein Ewig in der hölle leiden, Und von gott verstoßen seyn. Ewig fern von allen freuden. Nun trägt Jesus deine fünden, Daß du könntest gnade finden. 7. Du selbst erduldest quaal und spott, Eh wonn' und preis dich krönen. Auch thrá nen weintest du zu gott, Uns fünder zu versöhnen. Du strittest erst; dann gingest du Aus allem streit in deine rub. Dorthin erhebst du einst auch mich; Denn preif' ich dich Für deine huld, herr, ewiglich! und Tode Jesu. 4. Sein verdienstlich leiden stillt Deines richters zorn und rache. Er hat das geseh erfüllt, Gut gemacht die böse sache; Sünde, teufel, tod bezwungen, Und das leben dir errungen. 5. Nun, was liegt dir ob, mein herz, Dem dich dankbar zu beweisen, Der sogar durch blut und schmerz Seis ne lieb, an dir will preisen? Kannst du wohl in schwachen liedern Ihm so große lieb erwiedern? 6. Ach, ich kann ja nim mermehr Das geringste nur vergelten! Er verbindt mich ihm zu sehr. Meine trägheit muß ich schelten, Daß ich ihn so lau geliebet, Sa durch sünden oft betrübet. 7. Was geschehen ist, das soll Ferner nicht von mir geschehen. Fest entschlossen eifersvoll, Einen andern ens: Von dem Leiden und Tode Jesu. 72 zu gehen, Will ich nun nur Jesum suchen, und, was ihn betrübt, verfluchen. 8. Weg, ihr sünden, weg von mir! Euch kann ich an mir nicht leiden! Welch ein schnöder gråul seyd ihr! Ach! von dem wollt ihr mich scheiz den, Ohne welchen ist kein leben, Keine gnade, kein vergeben! 9. Dir, mein Jesu, dir, mein heil, Will ich ganz mich übergeben; Als dein eigenthum und theil, Will ich dir alleine leben. Dir zu ehren will ich leiden, und in dir einst selig scheiden. 10. Du, mein Jefu, follst es seyn, Auf den stets mein blicket. Du bist mein, ich bleibe dein Immer ganz und 97. He unverrücket. Was will ich auch lieben, Was dich kránkt, soll mich betrüben. 11. Drohten mir sogar um dich Tod und marter, schmach und bande, Mich schreckt nichts; von dir hab ich Deinen geist zum theuren pfande, Daß ich soll den himmel erben. Darauf kann ich fröhlich sterben. glauben wir mit dir Uns, mein Jesu, recht verbinden, Schenkst du schon so viel auf erden, D, was wird im himmel werden! 14. Was für wonne nach dem leid! Nach dem elend, was für ehre! Was für ruhe nach dem streit! Was für frohe jubelchore! Ewig werd ich gott dort loben, Wenn er mich zu sich erhoben. 15. Tåglich, täglich freu ich mich auf dies freudenvolle leben. Heiland, dir sey dank, durch dich Wird es mir dereinst gegeben! Laß, im glau- s ben mich zu halten, Deine kraft in mir stets walten. 12. Nun, so bleibt es fest dabey: Jesus soll es seyn und bleiben, Dem ich lebe, deß ich sey; Nichts soll mich von Jesu treiben. Du wirst, Jesu, mich nicht lassen; Ewig will ich dich umfassen. 13. Ist schon jetzo, ist hon hier Solche freud und for zu finden, Wenn im Mel. Wend ab deinen zorn. err, stärke mich, dein leiden zu bedenken, Mich in das meer der liebe zu versenken, Die dich bewog, von aller schuld des bösen, Uns zu erlösen. 2. Vereint mit gott, ein mensch gleich uns auf erden, Und bis zum tod am kreuz gehorsam werden, an unsrer statt gemartert und zerschlagen, Die fünde tragen; 3. Welch wundervoll hochheiliges geschäfte! Sinn ich ihm nach, so zagen meine kräfte; Mein herz erbebt; ich seh und ich empfinde Den fluch der sünde. 4. Gott ist gerecht, ein råcher alles bösen. Gott ist die lieb und läßt die welt erlösen; Dies kann mein geist Von dem Leiden und Tode Jesu. mit schrecken und entzücken Und was dir wohlgefällt! Um kreuz erblicken. Mein Jesus muß jetzt leis den, Der sich zum opfer stellt. Entfernet euch, ihr luste! Der herr trågt quaal und pein; Wie kann sein knecht, ein christe, Dabey wohl fröhlich seyn? 2. Uch, seht sein seelen: fchrecken! Er wird in tod betrübt, Und muß den zornkelch schmecken, Den ihm sein vater giebt. Sebt, wie er uns zu gute, Selbst mit dem tode ringt, Und wie sein schweiß mit blute Ihm aus den adern dringt. 5. Es schlägt den stolz, und mein verdienst darnieder, Es stürzt mich tief, und es erhebt mich wieder, Lehrt mich mein glück, macht mich aus gottes feinde 3u gottes freunde. 6. O herr, mein heil, an dessen wort ich glaube! Ich liege hier vor dir gebückt im staube, Verliere mich mit dankendem gemüthe In dei ner gute. 7. Sie übersteigt die menschlichen gedanken; Allein sollt ich darum im glauben wanken? Ich bin ein mensch; darf der sich unterwinden, Gott zu ergründen? 8. Das größt' in gott ist, gnad und lieb erweisen; Uns kommt es zu, sie demuths: voll zu preisen, Zu sehn, wie hoch, wenn gott uns gnad erzeiget, Die gnade steiget. 9. So sey denn ewig auch von mir gepriesen Für das erbarmen, das du mir erwie: sen, Da du, mein heiland, auch für mich dein leben Das hin gegeben. 10. Du liebtest mich; ich will dich wieder lieben, und stets mit freuden deinen wil len üben. Ogieb zu diesem feligen geschäfte, Herr, selbst mir fräfte. 73 3. Er wird verkauft, ver rathen, Man legt ihm fesſeln an; Auch unsre missethaten, Die haben dies gethan. Er låsset fich verklagen, Er wird verhöhnt, verspent, Verspottet und geschlagen, Der herr der herrlichkeit. 4. Man setzt dir, gottes sohne, Mit geiffeln grausam zu; Du trägst die dornens krone, Du himmelskönig du! Du wirst and freuz gebeftet, Das du getragen hast; Doch was dich mehr entkräftet, Das ist die fündenlast. 5. Wer hätte bey den mör: dern, Unschuld'ger, dich gesucht? Den segen zu beför dern, Wirst du für uns verflucht. Die dich zu boden treten, Verspotten und verspeyn, Für diese willst du beten, Bep gott ihr mittler Mel. Herzlich thut mich verlangen. 98. es, welt, mit ſeyn! deinen freuden, 6. Dein durst, du lebens: 74 Bon dem Leiden und Tode Jesu. quelle, Geht auf mein sees seele wird betrübt; Des hellenheil; Du fühlest tod und hölle; Das leben ist mein theil. Du wirst von gott verlassen, Damit er bey mir sey, Und weil du mußt er blassen, Bin ich vom tode frey. den glieder zittern. Ach! hingesunken Auf die knie, Urbeitet er in schwerer müh, Und kämpfet im gebete. Er wünscht den bangen kampf verkürzt; Wer sieht dies, und wird nicht bestürzt? D schaudervolle stätte! 7. Die ausgestreckten hånde Eind gegen mich gewandt; Du neigst das haupt am ende, Das ist ein liebespfand. Ich seh in deinem streite, Die ruhe für den schmerz, Und durch die offne seite Seh ich, herr, in dein herz. 8. Die welt mag voller freuden Den weg zur bölle gehn; Ich will bey Jesu leiden Und seinem freuze stehn. Jesu: deine liebe Trieb dich in tod und grab; Drum sterb' aus gleichem triebe Ich meinen lüften ab. Von dem innerlichen Leis den Jesu. Mel. Un Wasserflüssen Babylon. o gehst du, Jesu, 99. williglich Dein leiden anzutreten. Mit heißen thránen auch für mich 3u kämpfen und zu beten. Du, der du nichts verbrochen hast, Gehst hin, um aller fünden last Auf dich allein zu laden. Da schon das schwerdt ge: zůcket war, Stellst du dich feinen streichen dar, Damit sie uns nicht schaden. Du held, der andern stårke giebt, Was kann dich so erschüttern? Uch! seine 3. Gott, wie bist du so wunderbar In allen deinen werken! Ein knecht, ein engel, muß sogar Den berrn vom himmel stärken. Er ringt, von seinem angesicht Traust schweiß; ach wer entsegt sich nicht! Für schweiß träuft blut zur erden. Der du in reinster unschuld prangst, Wie konntest du von solcher angst, D herr, bestürmet werden? 4. Uch, herr, der fündenknecht war ich! Ich sollte blutschweiß schwitzen. Es sollten billig nur auf mich Der rache wetter blißen. Ich armer, wie entrann ich da! Vor gottes zerne müßt ich ja Obn allen trost versinken. Und da kömmst du, daß du ihn stillst! Sohn gottes, du, du selber willst Den ganzen zornkelch trinken. 5. Heil mir! der sohn des höchsten hat Für mich sich richten lassen. Gott, welch ein wundervoller rath! Wer kann dein thun doch faffen? Ach! da uns fluch und frafe drohn, Da trågt er sie für uns, der sohn, Den gott uns selbst gegeben. Nun jauchze, seele, du kommst nicht In Von dem Leiden und Code Jesu. 75 gottes schreckliches gericht! 4. Vor dir liegt( denn dir Du dringst hindurch ins leben. kann ja, Herr, sich nichts verhehlen!) Eine welt voll fünden da; O wer kann sie záblen? Niemand, als nur gott und du, Kann ihr maaß ergründen! Wlle fallen auf dich zu, Als obs deine sünden. 6. Doch denk, um welchen theuren preis Dein heiland dich erkaufet! Für dich rang er im todesschweiß, Für dich mit blut getaufet! Ach feele, sorge, daß dich nie Die sünd in ihre nege zieh, Nichts deine treu erschüttre! Reizt dich das fleisch; ach höre nicht! Schau hin, wie furcht: bar das gericht, Das Jesum traf; und zittre! 5. Ach! da unsre schulden dich, Heiligster, ergreifen; Sollt in meinem herzen sich Nicht auch wehmuth häufen! Welche lieb, o menschenfreund! Uns gerecht zu machen, Läsfest du, der funde feind, Dich zur sunde machen! 6. Hier ich der sünde Mel. Christus, der uns felig. as für leiden, 100. arter helb! grául, Tief von angst erschüttert. Auch für mich haft du, mein heil, Hier im staub gezittert. Ach! da fluch und zorngericht Dich so niederschlagen, Sollt ich vor dem laster nicht Ewig abscheu tragen? 7. Heiland, du versöhntest mich! Mir, auch mir zum segen, Ließest du allein auf dich Fluch und strafe legen. Ach laß mich auch demuthsvoll Deines vaters willen, Wenn ich leiden dulden soll, Williglich erfüllen. 8. Sey du meine zuversicht, Trost für meine feele, Daß einst furcht und schreks ken nicht Mich im tode quale.. Laß, herr, deinen blut'gen schweiß, Wenn, von angst beklommen, Ich dann keine hülfe weiß, Mir zu statten kommen! Was für angstbeschwerden Fühlest du, liegst blaß, ent stellt, Bebend an der erden! Trost ist es, was du verlangst, Tröster unsrer seelen; Da dich bangigkeit und angst Unaussprechlich quálen! 2. Blut im antlit, mußt du hier Mit dem tode ringen! Welchen jammer sieht man dir Seel' und herz durchdringen! Uch, es stürzt auf dich daher Gottes zor nesburde, Die, selbst engeln viel zu schwer, Uns zernich ten würde. 3. Was sind gegen deine last, Kerker, hunger, blöße? Kein verstand der engel faßt Deines leidens größe. Doch muß stårkung dir sogar, Herr, ein engel geben, Dir, der selbst vermögend war, Jede noth zu heben. Von dem Leiden und Tode Jesu. 76 Leiden Jesu über seine Jünger. Mel. Wo soll ich fliehen hin. 101. Mein ein Jesu, für dein herz, Welch ein so herber schmerz, Den du weit mehr empfun: den, Uls striemen, schlåg und wunden! Die kleine zahl von freunden, Kränkt dich, gleich deinen feinden. 2. Kaum naht sich die ge fahr, So bebt der jünger schaar. Die erst sich hoch vermessen, Eh sie der treu vergaßen, Den tod auch vor zuziehen, Verlassen dich, und fliehen. 3. Der kühn sein schwerdt gezückt, Dein Petrus selbst erschricht. Er flieht, eh bande drohen; Doch, da er feig entflohen, Ermannt er sich vor allen, Um schrecklicher zu fallen. 4. Wie ist der mensch so schwach! So viel sein muth versprach, So. liegt er da im staube, Erloschen ist sein glaube, Sein fühner muth gedámpfet. 2ch, christen, wacht und kämpfet! 5. Wo ist nun Petri treu? Der vormals Jesum frey Für gottes fohn bekannte, Für ihn von eifer brannte, Der hat vor Jesu ohren Bald frech ihn abgeschworen. 6. Doch, herr, dein liebes: blick Bringt ihn alsbald zu= růck. Er fühlet sein verbre: chen, Kann nun vor schmerz nicht sprechen, Und weint nur bittre thránen, Die sich nach gnade sehnen. 7. Er sucht und findet sie. Verzagt drum, sünder, nie! Kleinmüthge zweifel, schweiz get, Die innre angst erzeuget! So groß sind seine fünden, Sie können gnade finden. 8. Daß der verråther doch, Auch nach dem frevel noch, Um gnade hätt' geflehet, Nicht gottes huld verschmähet! In des verrathnen wunden Hått er auch heil gefunden. 9. 3war schrecklich war die that, Daß er den untertrat, Der ihn zum freunde wählte, Und zu den zwölfen zählte, Daß er, da Jesus lockte, Sein freches herz verstockte. 10. Doch für die ganze welt, Welch köstlich lösegeld! So wahr der lebt, der leben Uns allen hat gegeben,( So schwört es selbst der rächer;) Es gilt auch für verbrecher. 11. Doch sein herz foltert ihn. Der folter zu entfliehn, Erwählt er, gleich den teufeln, Uch, ewig zu verzwei feln, 3um schrecklichen ver derben Von eigner hand zu sterben. 12. O schreckliches gericht! Omenschen, daß euch nicht Der sunde list berücke! Gott wehre ihrer stricke! Gieb kraft aus deiner höhe, Daß ich ihr widerstehe. 13. Doch trennt der fünde list, Die stets geschäftig ist, Mich je, gott von den deinen; Laß mich mit Petro Von dem Leiden und Tode Jesu. weinen, Um gnad in demuth beten, Nicht Judå weg betreten! Aeußerliche Leiden Jesu. Die an ihm verübten Grausamkeiten. Mel. Wend ab deinen zorn. 102.11n nschuld'ger Jesu, was hast du verbrochen? Dein todesur theil haben sie gesprochen! Ein fluch gemacht, sollst du am kreuze sterben, Wie sünder sterben! 2. Gegeisfelt wirst du, und zur schmach gekrönet, Ins angesicht geschlagen und verhöhnet, Mit finsterniß des todes schon umschattet, Gehst du ermattet! 3. Du trägst dein kreuz, du eilst auf blutgen wegen Voll zuversicht, voll muth dem tod entgegen! Ich sehe dich, gekreuzigt, dich entfárbend, Voll wunden sterbend! 4. Was ist die ursach die ser deiner plagen? Ach unsre funden haben dich geschlagen! Sch, großer mittler, ich hab das verschuldet, Was ou er: duldet! 77 7. Uch ich, ich war vers derbt und voller sünden, Nichts war an mir, nichts guts vor gott zu finden; Drum hått ich billig mein verbrechen müssen Auf ewig büßen. 8. D liebe, liebe, die nicht auszusprechen! Du läßt an dir, was ich gefündigt, ráa chen! Wir lebten mit der welt in ihren freuden, Und du willst leiden! 5. Wie wunderbar ist, rich ter, deine strafe! Der gute hirte leidet für die schaafe, Die schuld bezahlt der bürge, der gerechte, Für seine Enechte! 9. Wer kann, o herr, die großen feligkeiten, Die du uns gabst, mit vollem dank ausbreiten? Wer hat dich je für deiner liebe proben Genug erhoben? 10. Doch eins, sagst du, eins werde dir gefallen, Wenn wir vor dir in buße niederfallen, Und unsre herzen nicht mit alten sünden Aufs neu entzünden. 11. Doch, es ist nicht ein werk von eignen kräften, Die lust zur sünde an das kreuz zu heften; O! gieb mir deinen geist, der mich regiere, Und es vollführe. 12. Dann werd ich deine huld mit dank betrachten, Dich, dich nur lieben, und die welt nicht achten; Dann will ich wachen, beten. deinen willen Mit freud erfüllen. 6. Der fromme stirbt, der 13. Dann will ich dir zur recht und richtig wandelt, ehre alles wagen, Kein kreuz Der böse lebt, der wider gott nicht achten, keine schmach, mißhandelt! Die unschuld noch plagen; Mich follen stirbt! der das gesetz gebro: spott, verfolgung, ted und chen, Wird losgesprochen! leiden Nie von dir scheiden. 78 Von dem Leiden 14. Dies alles ist zwar nur für schlecht zu achten, Weil wir noch sterblich sind, im staube schmachten; Doch nimmst du's an, du wirst dein ewigs leben mir den noch geben. 15. Da werd ich denn, o herr, vor deinem throne, Ge: fchmücket mit der überwin: der krone, Dein großes lob viel würdiger besingen, Stets dank dir bringen. mensch! lag so schwer Auf ihm die last der sünder! Wie unaus: sprechlich duldet er Für euch, ihr menfchenkinder! o lei den sah von anbeginn Die erde keinen je, als ihn, So wird auch keiner leiden! und Tode Jesu. menschlich schrecken. Er stellt ihn seinen brüdern dar, Ihr mitleid zu erwecken. Sebt, welch ein mensch! ich kann ihn nicht Verdammen, denn die unschuld spricht zu machtig für sein leben. Mel. Herr Jesu Christ, du höchstes. ein, Und schrien: er sterb am 103. Seht, welch ein kreuze! 2. Der sohn des vaters, unser gott, Ein helfer, ein gerechter, Ward frecher mis: fethäter spott, Und feines volks gelächter. Wie ein vers brecher stund er da, Verklagt, verläumdet; wer ihn sah, Der sah ihn mit verachtung! 3. Geschäftig war der frevler wuth, Erfindrisch, ihn zu plagen. Bedeckt mit striemen und mit blut, Und seinen leib zerschlagen, Gekrönt mit dornen, in der hand Ein rohr, verböhnt durch sein gewand; So sahn ihn seine feinde! 4. Den heiden, der sein richter war, Ergriff ein 5. Vergeblich, ach! vers geblich war Die menschlich= feit des heiden! Die wi thende, die stolze schaar Sah Jesu schmach mit freuden! Sein tod befriedigt sie allein, Sie stürmten auf den richter 6. Du denkest ohne schauder nie Un diese wuth der sünder; Du sprichst: die ras che strafte sie, Und straft noch ihre kinder! O feele, denkst du auch dabey Un deine sünden? bist du frey Von schuld am tode Jesu? 7. Sieb, welch ein mensch! wie er für dich Verschmäht wird und zerschlagen! Hör ihn, er spricht: ich selber, ich Muß deine sünden tragen! Die schuld ist dein; durch. meinen tod Versöhn ich, sünder, dich mit gott, Und sterb' um deinentwillen. 8. du gerechter gottes: sohn! Du tilger meiner fün den! Erhöhter auf tes vaters thron! Ach laß mich gnade finden! Laß deines to des schmach und pein Gerechtigs feit und heil mir seyn, Um deiner liebe willen! 9. Ich schwöre, gottver: föhner! dir, Und ewig will Von dem Leiden und Tode Jesu. 79 ichs halten: So wahr du le- den gegeißelten Noch mit best, foll in mir Nie deine dornen Fronen. lieb erkalten! Dein leiden und dein tod soll mich, So lang ich leben werd, an dich Und deine lieb erinnern. 10. Wenn mich die welt und fleisch und blut Verlei: ten will zur sünde, So rü: ste mich mit fraft und muth, Daß ich sie überwinde! Dann rufe du mir liebreich zu: Denk, welch ein mensch ich war! und du, Du wolltest mich nicht lieben? 7. Noch beugen die, Vor ihm die knie, Die keinen frevel scheuen Beten ihn als könig an, Drauf ihn zu verspeyen. 8. Und doch wird nicht Bor dem gericht, Der juden haß gestillet. Bis sein mar: tervoller tod Ihre rach erfüllet. 9. Ach hilf. daß ich, Mein Jesa, dich Ins herz zeitles bens fasse, Und mich auf dein theures blut Ganz und gar verlasse. Mel. O traurigkeit, o herzeleid. 10. große buld! Für 104. blinde wuth! fremde schuld Laßt sich der Herr zerschlagen! Jesu, meine missethat Wirkte deine plagen. O durst nach blut, Als nie erböret worden! Shn, den lebensfürsten selbst, Bagt man zu ermorden. 2. Den heiland meynt Sein stolzer feind Die bos: heit, zu besiegen; Durch der holle rachsucht soll Gottes sohn erliegen. 11. Hilf, gotteslamm, Um freuzesstamm zu unserm heil geschlachtet! Daß mein geist, wenn sünde lockt, Deine pein betrachtet. 3. Welch ein bemühn, Ums leben ihn, Die unschuld selbst zu bringen! Daß auf seine freuzigung Alle juden dringen. 4. Ach, seht sogar, Die frie gesschaar, Den heilgen leib entkleiden! Er soll, ist er gleich gerecht, Ihre streiche leiden! 5. Kein schonen mehr! Sie geisseln sehr Den leib; daß er zerrissen, Aus unzähl'gen wunden läßt Strome blutes fließen. 6. Frech, ruchlos, blind, Unmenschen find, Die ihn o grausam höhnen, Daß sie 12. Auch muß allein. Herr, deine pein, Mein trost seyn, wenn ich sterbe; Daß ich sanft entschlaf auf dich, Und dein reich ererbe. Kreuzigung Jesu. Mel. Un wasserflüssen Babylon. 105. rhebe vom ges rausch der welt, O feele, deine flügel! Hin, wo die wuth ihr opfer bålt, zu jenem leidenshügel! Ihr himmel! welch ein mensch ist das! Wie drückt ihn seis ner feinde haß Mit höllisch wilden frenden! Er der die tedten auferweck, Er muß, Von dem Leiden und Tode Jesu. 80 mit wunden überdeckt, Den tod der mörder leiden! 2. Geduldig siehet er sein blut In vollen strömen fließen; Fleht für die hasser, die voll wuth Es im triumph vergießen. Schau! jetzt umhüllt ihn finstre nacht; Er ruft, er ruft: es ist voll bracht! Nun senkt sein haupt sich nieder. O meine seele! freue dich; Dir gab, der hier am kreuz erblich, Das recht zum himmel wieder. 3. Er, er hat deine misse: that, Den fluch für dich getragen. O seele! deine sünde hat Den frommen so zer schlagen. Durch ihn nimmt dich der vater an. Die wun: der seiner gute kann Kein sterblich lied erheben, Doch hört er unsre lieder gern. Anbetung, preis und ruhm dem herrn, Der uns sein heil gegeben! Und er, dein sohn, dem un ter deinen kindern Kein engel gleicht, dein sohn! von dir ge schlagen, Muß fast verzagen! 4. Die je bekümmert, hülflos, in gefahren Verlassen, nah am untergange waren, Die hast du, wenn sie sich auf dich verließen, Heraus: gerissen. 5. Sie riefen, der du gern bedrängte tröstest, 3u dir um schuß und rettung; du erlóstest, Und noch, wenn wir zu dir um hülfe weinen, Be schämst du keinen. 6. Shm halfft du nicht, und er rief dir so sehnlich; Er war ein wurm, und men schen kaum noch ähnlich, So tief versenkt in pein, des grimmes beute, Ein spott der leute. 7. Kopfschüttelnd schmäh ten ihn die feinde; keiner Bon allen, die ihn sahen, schonte seiner; Er klag es, schrien sie, gott; der laß ihn Mel. Wend ab deinen zorn. 106. m kreuze rief der retten, Will er ihn retten. sohn, versenkt in leiden, Entkräftet und be raubet aller freuden: Mein gott! mein gott! wie? hast du mich verlassen? Kannst du mich hassen? 8. Er, vor der welt zum sohne dir erkohren, Ward durch ein wunder deiner macht geboren, Unschuldiger als die verflårten frommen, Gerecht, vollkommen. 2. Ach, welche bittre, schaudervolle klagen Des sohnes gottes! unter welchen plagen! Ach, warum konnt ihn gott, sein gott, verlassen? Konnt er ihn hassen? 3. Herr, du bist heilig, zürnst nur mit den sündern; 9. Zahllose martern litt er, ein gerechter, Wie keiner war, der fünder hohngelächter; Und du entzogst bei ih: rem grimm und hohne Dich deinem sohne! 10. Wie war sein heiliges gebein zerrüttet! Wie hing Von dem Leiden und Tode Jesu. 81 11. Und hånd' und füße wurden ihm durchgraben, Und wermuth, wermuth wars, was sie ihm gaben; So lachte seines dursts mit bitterm spotte Der mörder rotte. er da, wie wasser ausge- sehen! Komm, denke jenen schüttet, Bis auf den tod worten nach, Die sterbend verwundet und entkräftet, dein erlöser sprach; Sie könUns kreuz geheftet. nen dir im leben, und, be: test du gott gläubig an, Einst, wenn dich nichts mehr trösten kann, Noch trost im tode geben. 12. Dies litt dein sohn, und solche gråvel übten Die sünder wider ihn, den hochgeliebten; Er litt, mit wunden, uns mit seinen thránen Dir zu versöhnen. 2. Sieh, sieb mit zittern, frommes herz, Den blutberg, dort von weitem! Auf! werde ganz gefühl, ganz schmerz! Sieh deinen retter streiten! Hier hing er, deines lebens pfand, Und starb durch seiner feinde hand Für uns ver= lorne fünder. Hier trug er unsre straf und schuld, Und bracht uns wieder gottes buld, Schenkt uns das heil der kinder. 13. du, des eingebornen gott, der armen Elen den sünder gott, uns im er barmen Auch furchtbar! heiliger, erbarm dich unser! Erbarm dich unser! cas 14. Herr, er bezahlte dir, was wir bezahlen, Wir dulden sollten, namenlofe quaa: len. Er ward gegeißelt! gott! erbarm dich unser! Erbarm dich unser! 3. Sieh ihn, bey seinem herben schmerz, Für seine feinde beten! Und sein so sanftmuthvolles herz Noch sterbend sie vertreten! Vergieb! vergieb! ruft er gott an, Sie wissen nicht, was sie gethan! Muß, mensch, dich dies nicht rühren? Auf! ahme seinem beyspiel nach! Laß nie beleidigung und schmach Zur rache dich ver: führen. Leste Reden Jesu am Rreuze. 4. Dein zärtlichs herz, D herr, empfahl Aus kindlich frommem triebe, Die mutter, unter deiner quaal, Dem jún Mel. Un wasserflüssen Babylon. 107. Begleite mich ger deiner liebe. Uch! wenn nach Golgatha, aug um freunde weint, christ, auf dessen höhen Einst sterbend für die meinen Die welt die höchste liebe weint; So soll dies wort sah, Sah, was sie nie ge mich trösten! Du wirst auch F 15. Er ward, ach, vater, könntest du uns bassen? Er ward von dir, für uns von dir verlassen! Er starb den tod des fluchs; erbarm dich unfer! Erbarm dich unser! 82 Von dem Leiden und Tode Jesu. ihnen schuß verleihn, Ihr des siegs und freuden! Heil beystand, helfer, pfleger seyn! uns! wer klagt uns nun noch Auch sie sind dein' erlösten. an, Da er für uns genug gethan? Wer kann von gott uns scheiden? Gieb, daß an meinem sterbetag Auch ich mit freuden fagen mag: Vollbracht ist nun mein leiden! 9. Das legte wort aus deinem mund, Laß mir zum trost gedeihen. Mir noch in meiner todes stund, Herr, muth und kraft verleihen. Du rufeft: vater, ich befehl In deine hånde meine seel! Laß mich auch nicht verderben. Der du der menschheit heil erwarbst, Neigst nunmehr sanft dein haupt und starbst; Uch laß auch mich so sterben! 5. Wer glaubt, der kommt nicht ins gericht; O reuige verbrecher! Hört, was der mund der liebe spricht 3u dem gebeugten schächer: Du wirst noch heut mit mir dich freun, Mit mir im paradiese seyn! So ruft er ihm ent gegen. O herr! dies gnaden reiche wort Sey mir einst an des todes pfort' Erquickung, heil und segen. 6. Als Jesus an dem freuze rief: Gott, hast du mich verlassen? Wie beuget ihn sein schmerz so tief! Ber kann die leiden fassen, Die er für unsre sünden trug. Da er unschuldig als ein fluch, Berlaffen da gehangen? Mein herr und gott! verlaß mich nicht! Du bist auch mir zur zuversicht In deinen tod gegangen. 7. Von allem, was erquickt, entblößt, Wünscht er, der herr der erde, Daß ihm, der uns so theur erlöst, Sein durst gestillet werde. O mensch, noch jetzt ruft er zu dir Aus tausend armen ne: ben dir, Die noth und manO ruf erfüllt! Denn wer den durst des armen stillt, Hat Jesum selbst erquicket. Mel. Kommt her zu mir, spricht. gel brucket! felig, wer den 108. rniedrigt hatte 8. Der heiland spricht: es ist vollbracht! Nun endet sich fein leiden. Du nimmst dem tode seine macht, sich bereits Mein heiland bis zum tod am freuz; Auch unter schmach und plagen Blieb er sich gleich, sein herz und sinn Blieb göttlich groß; so zeich net ihn Sein heiliges betragen. 2. Erbarme, vater, ihrer wort 10. Du hast, o christ! ihn sterben sehn; weih ihm stille zähren! Bald wirst du seinen ruhm erhöhn, Und ihn lobsingend ehren. Den deine thrane jetzt beklagt, Der wird, wie er vorher ges sagt, Vom grabe auferstehen! Den frecher spott hier bat entehrt, Den wirst du sieg reich dort verklärt Zur rechten gottes sehen. Von dem Leiden und Tode Jesu. 83 dich! Bergieb es, sie verken mich kämpfen, stårke mich, Das kleinod zu erringen! nen mich! So bat der herr für feinde. Uch wenn er so für feinde spricht, Wie liebevoll wallt ihm denn nicht Sein herz für seine freunde! 8. Dir, vater, geb ich meinen geist In deine hand; - o sey gepreist! Die hoff: nung jenes lebens Bewährtest du noch sterbend mir; füllt wird sie gewiß von dir; Ich hoffe nicht vergebens! Er3. Dem schácher schenkt er seelenrub, Spricht: wahrlich, heute noch bist du mit mir im bessern leben! Du wirst auch mich, wenn du dereinst Als richter aller welt erscheinst, 3ur seligkeit erheben. 4. Er sah die mutter, sah den freund. Liebt, sprach der treue menschenfreund, Liebt euch; wir sehn uns wieder! So sag ich einst den meinen auch: Liebt euch; dann lie bet gott euch auch! Liebt euch wir sehn uns wieder! Mel. Herzlich lieb hab ich dich. 5. Da flehte er: mein gott! 109.11m, gnade für die sünderwelt Rufft mein gott! Berlásfest du mich in der noth?- Mein hei: land! mich verlassen Wird gott, um deinentwillen, nicht; Und wenn mir noch so viel gebricht, Wird gott mich nie verlassen! 6. Mich dürstet! rief er, matt von schmerz. So lernt in jeder noth sein herz Mit: leid mit uns zu haben. Wenn keinen trost mein herz mehr fühlt! Wenn nun fein labsal mehr mich fühlt, Wird er, wird er mich laben! 9. Wie rührt dein hohes beyspiel mich! Vergeben will ich, sehn auf dich, Nach dir gen himmel schauen, Die meinen lieben, und in noth, Und noch dereinst in meinem tod, Wie du, dem vater trauen. 7. Es ist vollbracht! in ewigkeit Hat er gesiegt, und uns befreit. Hilf, herr, auch mir vonbringen! Zu dir um beystand flehe ich; Du siehst Sürbitte Jesu am Kreuze für seine Seinde. du, mein heil! am freuz ges quält Von frecher fünder rotten. Dir blutet das bedrängte berz, Wenn dich bey deinem herben schmerz Die bösewichter spotten. Du siehst mit segensvollem blick, Bon ihnen weg, auf den zurück, Den diese schaar in dir, entehrt, Nufft, daß es erd und himmel hört: Vergieb, o gott! Und führe nicht sie ins ge richt, Das, was sie thun, verstehn sie nicht. 2. Erstaunend seh ich diese buld; Wie mitleidsvoll ist die geduld, Die mörder so ertráget! Ihr, die ihr euren heis land ehrt! Fühlt seiner groß muth hohen werth, Und dans F2 Von dem Leiden und Tode Jesu. 84 fet ihm beweget. Er hat, durch segnendes gebet Auch uns ein ewig heil erfleht. Er sagt auch uns, zu unsrer ruh, Erbarmen und vergebung zu. Herr Jesu Christ! Gelobt seyst du für deinen tod! Gott ist durch dich noch unser gott! 3. Daß gott mit langmuth und geduld, Auch selbst bey sehr gehäufter schuld, Der sünder dennoch schonet; Daß er so liebreich ihrer denkt, Und ihnen frist zur buße schenkt, Eh nach verdienst er lohnet; Daß ich noch fröhlich sagen kann: Auch mich, mich súnder, nimmt gott an! Hast du durch deines fürspruchs kraft, Mein treuer heiland! mir verschafft. O Jesu Christ! Mein herr und gott! mein herr und gott! Vertritt du mich bis an den tod! meine feele! Gieb, daß bey der verfolgung schmerz Ich dir des feindes hartes herz, Und meine fach empfehle. Besånftige mein reges blut; Und flammt des zornes wilde glut Mein herz zur rachbegierde an, so erinnre mich daran, Herr Jesu Chri Wie du am freuz durch dein gebet Selbst deinen mördern gnad erfleht. 6. Mich tröste dein verföhnungstod! Es bilde mich dein geist, mein gott, Daß ich dir ähnlich werde! O zeuch mich, du erhöhter held, zu dir hinauf vom dienst der welt, 3um himmel von der erde! Du bist der deinen schußpanier. Zeuch dir uns nach, so laufen wir, So wollen wir uns deiner pein, Und deiner fürbitt ewig freun. Herr Jesu Christ! Wie selig ist, wie selig ist Der mensch, dem du ein heiland bist! 4. Wird je mein herz von trofte leer, Weil meiner fün den furchtbar heer Aufs neue mich erschrecket, D dann versichre mich aufs neu, Du stehest mir als mittler bey, Der meine schuld bedecket. Es ist vollbracht. Mel. Nun sich der tag geendet. Mein geift blickt glaubens: 110. obfingt, ihr völker, voll auf dich, Sey du mir nur nicht fürchterlich! Und schließt sich meine pilgrimm. schaft, So stårke mich mit neuer kraft. Herr Jesu Christ! Der letzte kampf wird mir versüßt, Wenn du mein trost im tobe bist. preist den sohn! Bringt ehr und ruhm ihm her! Fallt nieder, kniet vor seinem thron; Denn er ists würdig! er! 2. Den aller engel lobgesang Noch, eb ihr wart, erhob, Dem jauchze, menschen, euer dank Ein jubelvolles lob! 5. Den sanften liebevollen 3. Ihn soll der fünder sinn, Daß ich ein freund der preisen! soll Frohlocken ſei armen bin, Floß, herr, in ner macht! Die stimme Jesu Von dem Leiden und Tode Jesu. Chrifti fcholl Vom kreuz: es ist vollbracht! 4. Des tempels vorhang reißt entzwey! Sie schallt: die erd erbebt, Der fels flürzt ein; auf ihr geschrey Erwacht der todt' und lebt. 5. Die stimme schallet durch die welt Zu jeder nation, Und jeder gößentempel fällt, Und jeder gößenthron. 6. Die flimme Jeſu geht mit macht; Der fünder hörts und bebt! Er hört, es sey sein heil vollbracht, Er hörts, er glaubt, er lebt! 7. Die stimme Jesu ladet euch, Ihr, die ihr elend seyd, 3u sich in seiner wahrheit reich, Belehrt euch, und erfreut. 8. Auf ihr gewaltiges ge: bot, Giebt, wenn er fommt, das meer, Das grab, der abgrund, und der tod Die todten gottes her. 9. Sie donnert dann, ihr funder, euch Tief in den pfuhl herab; Euch, fromme, ruft ſie in fein reich, Das ihm der vater gab. 10. Ihm sey ihr ewig lob geweiht! Erlöfte, freuet euch! Von ewigkeit zu ewigkeit Währt eures königs reich. 11. Ein voller strom der wonne fließt Von seinem throne her! Lobsingt dem tonig! würdig ist Er, eurer jubel, er! 85 Der Tod Jesu. Mel. Ich hab mein sach gott. 111. Nun ist es alles Mein Jesus ruft: es ist wohl gemacht, haupt, o mensch, und stirbt, vollbracht! Der neigt sein Der dir erwirbt Das erbe, welches nie verdirbt. 2. Der, dem an hoheit keiner gleicht, Der herr der herrlichkeit erbleicht. Was wunder, daß die erde kracht! Die welt deckt nacht; Denn gottes fohn wird umgebracht. 3. Das heiligthum steht aufgedeckt; Die felfen ber= sten; alles schreckt. Die freudenlose creatur Klagt jeho nur Den tod des herrschers der natur. 4. Weil denn die creatur sich regt, So werd auch du, o mensch, bewegt! Der fels zerreißt, und du wirst nicht Durch dies gericht Beweget, daß dein herz dir bricht! 5. Du selbst,( hast du es gnug bedacht?) Du hast den herrn ans freuz gebracht. Ihm, der für dich fein leben gab, Folg in sein grab, Und stirb dem sündengråuel ab. 6. Ach, vater! ach! in pein und hohn Erbleicht am Freuz dein einger sohn; Nun ist kein zweifel, deine huld Tilgt meine schuld, Und trägt forthin mit mir geduld. 7. Ich will mit ihm zum grabe gehn, Und, wo die unschuld bleibet, sehn. Sein tod soll meine zuflucht seyn, Von dem Leiden und Tode Jesu. 86 Auf ihn allein Schlaf ich einst fanft und selig ein. 8. Und nun dient ich der fünde noch? Wie drücket mich ihr schweres joch! Uuf, feele! daß du dich erhebst, Nur Jesu lebst, Nur Jesu zu ge fallen strebst. 9. Tödt, Jesu, selbst in meiner brust, Was sich noch find't von böser lust! Dein tod, der mir das leben schafft, Giebt mir auch fraft 3u einer guten ritterschaft. 10. Ja, herr, mein hei land, kräftiglich Stärkst du in meinem porsatz mich! Ich fete freudig, auf dein wort, Den kampf stets fort. Der reiche lohn erfolget dort.. 11. Wie dank ich gnug dir, Jesu Christ, Daß du für mich gestorben bist! Dich preif' ich auch in angst und leid', Doch nach der zeit, Noch würd'ger in der ewigkeit. Mel. Christus der ist mein leben. ie sonne stand 112. Die verfinstert, Der mittag ward zur nacht; Nun hatt' er überwunden, Und sprach: es ist vollbracht! 2. Der erde furchtbar be: ben Hob das gebirg empor, Und todte fromme gingen Aus ihrem grab hervor. 3. Den todesüberwinder Umgab des grabes nacht; Und engel gottes jauchzten: Er hats, er hats vollbracht! 4. Das opfer für die fünde Ist dargebracht vor gott! Er starb; und heil und leben Wird aller welt sein tod! 5. Nun wird kein opfer wieder In ewigkeit gebracht; Der, den sein volk erwürgte, Der hat es ganz vollbracht! 6. du! der mich vers söhnte Dem richter aller welt, Du hast das heit ber erde Allmächtig hergestellt. 7. Nun wohnt in ew'gem frieden Das menschliche ge schlecht. Und du regierst die volker Mit wahrheit und mit recht. 8. Du kommst und führst die deinen In deines vaters reich, Du machst an heil und würde Sie deinen engeln gleich. 9. Wie herrlich ist dein name! Wie groß ist deine macht! Preis dir und dank und ehre, Daß du dein werk vollbracht! 10. Laß mich dein beispiel stårken. Daß ich im glauben treu, Und standhaft in der liebe Bis an mein ende sey! 11. Darf ich den tod noch fürchten? Herr, meines le bens kraft! Auch ich werd überwinden Durch dich, der hülfe schafft! 12. Du führst mich hin zum ziele; Vollbracht ist dann mein lauf, Dann nimmt in seine hånde Auch mich dein vater auf. 113. A™ blaßt, Mel. O traurigkeit, o herzeleid. m freuz ers Der Von dem Leiden und Tode Jesu. 87 marter last, Der todesquaa: gessen. Herr! ich will, so lang len müde, Findet mein erld- ich bin, Deine tieb ermessen, see erst In dem grabe friede. Ein heilger schmerz Durchdringt mein herz; Und herr, was kann ich sagen? 2. Mur an meine bruft kann ich Tief gerühret schlagen. 3 Du schühest mich, Und über dich Gehn aller trübsal, wetter. Sterben wolltest du für mich, Einziger erretter! 4. Du hasts gethan! Dich bet ich an, Du könig der er lösten! Dein will ich im tode mich Glaubensvoll getrösten. 5. Es ist volllbracht, Riefst du mit macht! Du zeigtst, daß du dein leben, Mein versöhner! göttlich frey Habest hingegeben. 6. Hochheil'ge that! Des höchsten rath Will ich in demuth ehren. Der erfinder meines heils Wird mirs einst erklären. 8. Wir, funder, follten. sterben, Fluch lag auf Adams erben, Fluch auf der sünd: gen welt; Doch er fam uns zu gute. Und gab mit seinem blute Für uns ein ewges lo segeld. 4. Kein freund meynt es mit freunden So treu, als es mit feinden Er, unser mittler, meynt. Preis ihm, dem überwinder! Nun, find ich einmal Durchwandern wir gottes- finder, Mit gott ohne grauen. Denn durch versöhnt durch unsern freund. dich, erlöser, ists Mir der pfad zum schauen. 8. Das finstre thal Will 7. Allmächtig rief Er, der entschlief, Den todten; sie erstanden! Leicht enschwingt der lebensfürst Sich des to: des banden. Erweckung zur Dankbar. keit für Jesu Leiden. Mel. Nun ruhen alle wälder. 114müte, und bete gottes gute In deinem heiland an! Was ſelbst der engel schaaren 3u thun nicht fähig waren, Das hat des menschen sohn gethan. 2. Schau hier, wie der gerechte Für uns, der fünden Knechte, Den bittern zornkelch trinkt; Wie er für frevler bittet! Wie wasser ausge= schüttet, Hängt er, da er in tod hinsinkt. 10. Bergeß ich dein, So werde mein In ewigkeit ver bere Mel. Wend ab deinen zorn. 9. Ich preife dich! Erforche mich, Und siehe, wie 115. Sen hochgeprie= ichs meyne. Ja, du siehest, wenn ich still Meinen dank dir weine. fen, herr, für deine liebe! Sie drang dich zu dem mitleidsvollen triebe, Für eine welt voll sünder selbst dein leben Dahin zu geben. Von dem Leiden und Tode Jesu. 88 Mel. Wend ab deinen zorn. 2. Fürwahr, du trugest unsrer fünden schmerzen. D welch ein herz gleicht deinem 116. Gott, der du für edlen herzen? Du ließest un fre schuld an dir bestrafen, Uns heil zu schaffen. uns deinen fohn gegeben! Wer kann doch gnugsam deine huld er: heben? Wie herrlich zeigst du im erlösungswerke Der gnade stårke! 3. laß dies heil doch auch mein erbe werden! Was hab ich sonst für sichern trost auf erden? Was giebt mir sonst wohl wahren grund zur freude, Wenn ich einst scheide? 2. Dein ewger sohn selbst stirbt für menschenkinder, Der heiligste tritt an die statt der sünder, Der seligste begiebt sich seiner freuden Für uns zu leiden. 3. Er wird das lamm, das aller sünden tråget, Drauf du die strafe weislich selbst geleget, Daß du die schuld an den verlornen schaafen Nicht dürftest strafen. 4. 4. Für mich, o herr, bist du ja auch gestorben! Was du der welt durch deinen tod erworben, Das hast du ja, von großer treu geleitet, Auch mir bereitet. 5. O stårke selbst mein herz in diesem glauben! Kein banger zweifel müsse ihn mir rauben! Er müsse mich zum fleiß in guten werken Beståndig stårken. 6. Sollt ich mich nun noch frevelhaft erkühnen, Der sünde, die dich tödtete, zu die nen? So war ich ja, o herr, nicht dein erlöster, Du nicht mein tröster. 7. Nein, dir allein, der du durch deine wunden Auf ewig mich zu deinem dienst verbunden, Nur dir, mein heiland! sey mein ganzes le: ben 3um dienst ergeben! 8. Nichts soll mich je von deiner liebe scheiden; Sch bleibe dein, bis du mich dort wirst weiden. Wo deine liebe mit verklärten, zungen Stets wird besungen. daß Was ist der mensch, du sein so gedenkest, Und deinen sohn ihn zum versöhner schenkest? Was fin: dest du an mir und an uns allen Für wohlgefallen? 5. Verdient verachtung göttlicher gesetze, Verdient verschwendung unschätzbarer schåße, Berdient ein selbst gemachter böser schade Des richters gnade? 6. welche tiefe deiner menschenliebe! Wer fast, o gott, die größe ihrer triebe? Du thust noch mehr zu un ferm wohlergehen, Als wir verstehen. 7. Ach lehre mich recht deine huld erkennen, Boll zuversicht dich meinen vater nennen! Und zum gehorsam dir mein ganzes leben Willig ergeben! Von dem Leiden und Tode Jesu. 89 8. Was mir dein sohn, da bande, Littst du lästerung er für mich gestorben, Aus und spott, Uchtetest du nicht deiner huld durch deinen tod der schande, Gingest willig erworben, Das werde mir, Mich hast du zu meinem ewgen heile, Nun entrissen, Die auch zu theile. hätte treffen müssen. Wie verpflichtet bin ich dir, Mein versöhner, stets dafür! in den tod. der schmach mich 5. Frevler krönten dich zum hohne; Deine stirne blutete Unter einer dornenkrone, König aller könige! Mir zu gut hast du's erlitten, Mir die ehrenkron erstritten. Preis, anbetung, dank sey dir. Ehrfurchtswürdigster, dafür! 6. Du, der tausendfache schmerzen Willig, mir zu lieb, ertrug; Deinem großmuthsvollen herzen War mein heil belohnung gnug. Trost in meinen letzten stunden Floß für mich aus deinen wunden. Herr, ich dank, ich danke dir Einst im tode noch dafür! 9. Dein friede wohne stets in meinem herzen, Und tröste mich bey des gewissens schmerzen. Dein geist sey mit mir, deinen guten willen Treu zu erfüllen. 117. Su Mel. Jesu, meines lebens leben. gefu, meines le bens leben, Deß sich meine feele freut, Der für mich sich hingegeben, Ursprung meiner feligkeit! Du, der lieber wollte ster ben, Als mich laffen im verderben, Ach, wie dank', wie dank' ich dir, Mein erlöser, gnug dafür! 2. Menschenfreund, von gott gefendet, Seines raths verkündiger! Långst hast du dein werk vollendet; Preis sey dir, erhöheter! Doch in den gedächtnißtagen Deiner leiden, Jesu, sagen Deine theurerlösten dir, Billig neuen dank dafür! 3. Du betratst, für uns zu sterben, Willig deine lei densbahn, Stiegst, uns les ben zu erwerben, Gern den todesberg hinan, Trugst, ver: geffend eigner schmerzen, Deine menschen nur im hergen. Diese liebe preisen wir, Unvergeßlich sey sie mir! 4. Meinetwegen trugst du 7. Rub im leben, trost am grabe; Unaussprechlicher gewinn, Den ich dir zu danken habe, Du, deß ich nun ewig bin! Jefu, dir mein herz zu geben, Deiner tugend nachzustreben, Dir zu traun, zu sterben die; Dies, dies sey mein dank dafür! 8. Nun, so dank ich dir von herzen Für die ausgestandne noth; Für die wunden, für die schmerzen, Für den herben freuzestod, Für dein zittern, für dein zagen, Und für alle deine plagen. Jesu, die für deine pein Will ich ewig dankbar seyn! 90 Von dem Leiden Mel. Uus tiefer noth schrey ich. err Jesu, deine 118. angst und pein Und deine schweren leiden Laß allzeit mir vor augen seyn, Die fünden zu vermeis den. Un deine ausgestandne noth, An deinen martervol: len tod Laß fruchtbar' mich gedenken. 2. Will mich der fünde starker reiz Auf lasterwege führen; Laß den gedanken an dein kreuz Mein herz durchdringend rühren. Und 119. dann laß mich die lüste fliehn, Dem sündendienste mich ent: ziehn, Dir mich zum dienst ergeben. 3. Gefreuzigter, mein heil! auch ich hab alles das ver: schuldet, Was du so willig nahmst auf dich, Was huld: reich du erduldet. Uch! laß mich meine schuld bereun, Um gnade flehn, die fünde scheun, Für die du bist gestorben. 4. Du kameſst von des himmels thron Ins elend hier hernieder, Ertrugest schläge, spott und hohn, Und starbst für deine brüder, Um uns, nach deines vaters rath, Von unsrer fünd und missethat Auf ewig zu er: retten. und Tode Jesu. jenem selgen himmelsheer Dich ewig dafür loben. 6. Laß, Jesu, deine angst und pein Und deine schweren leiden Mir kraft und trost im leben seyn; Und wenn ich werde scheiden, Dann hilf, daß ich durch deinen tod Beschließe alle meine noth, Und selig sterbe. Amen. 5. Drum will ich hier zur dankbarkeit Von Herzen dir tobsingen; Und wenn du einst zur seligkeit, Erlöser, mich wirst bringen, So will ich dann zu deiner ehr Mit Erweckung zur Buße aus dem Leiden Jesu. Mel. Un wasserflüssen Babylon. erforsche mich, erfahr mein herz, Und sieh, herr, wie ichs meyne; Ich denk an deines leidens schmerz, An deine lieb, und weine. Dein kreuz sey mir gebenedeyt! Welch wunder der barmherzigkeit Hast du der welt erwiesen! Wann hab ich dies genug bedacht, und dich aus aller meiner macht Genug dafür geprieſen? 2. Rath, kraft und friedefürst und held! In fleisch und blut gekleidet, Wirst du das opfer für die welt, Und deine seele leidet. Du ringst mit angst und todesnoth, Und gehst doch willig in den tod; liebe sonder ende! Du nimmst auf dich der menschen schuld, Und giebst mit göttlicher geduld Dich in der fünder hände. 3. Du trägst der missethéter lohn, und hattest nie gefündigt, Du, der gerechte, gottes sohn! So wars vorher Von dem Leiden und Tode Jesu. 91 verkündigt. Der frechen schaar dringe mich, Daß ich dich begehrt dein blut, Du dul- wieder lieb, und dich Nie dest, göttlich groß, die wuth, kreu, iae mit sünden. Um feelen zu erretten. Dein mórder, Jesus, war auch ich: Denn gott warf aller sünd auf dich, Damit wir friede hätten. 4 Erniedrigt bis zur knechtsgestalt, Und doch der größt im herzen, Erträgst du spott, schmach und ge walt, Boll krankheit und voll schmerzen. Wir sahn dich, der verheißung ziel: Doch da war nichts, das uns gefiel, Und nicht gestalt, noch schö ne. Vor dir, herr, unsre zu versicht! Verbarg man selbst das angesicht, Dich schmähn des bundes fóbne. 7. Welch warten einer ewgen pein Für die, die dich verachten, Die folcher gnade werth zu seyn, Nach keinem glauben trachten! Für die, die dein verdienst gestehn, Und dich durch ihre laster schmähn, Als einen sündendiener! Wer dich nicht liebt, kommt ins gericht. Wer nicht dein wort hålt, liebt dich nicht; Shm bist du kein vers fübner. 8. Du hasts gesagt, du wirst die kraft Zur heiligung mir schenken. Dein blut ists, das mir trost verschafft, Wenn mich die sünden frånken. Laß mich im eifer des gebets, Laß mich in lieb und demuth stets Vor dir erfunden wer den. Dein heil sey mir der schirm in noth, Mein stab im glück, mein schild im tod, Mein letzter trost auf erden. 5. Ein opfer, nach dem ewgen rath, Belegt mit un: sern plagen, Um deines vol: kes missethat Gemartert und zerschlagen, Gehst du den weg zum kreuzes stamm, In unschuld stumm, gleich als ein lamm, Das man zur fhlachtbank führet. Freywillig, als der Prágft du, aus liebe für die 120. in bein freu Trågst welt, Den tod, der uns gebühret. Mel. Wenn meine sünd' mich. an zu treten, In deinem leiden dich Voll glauben anzubeten, Versöhner, stärke mich! Laß mich mit zittern und vertraun, Wie du dich für die fünder Hin in den tod gabst, schaun! 2. Wie ist des besten seele Bis an den tod betrübt! So brünstig, meine seele, Hat Jesus dich geliebt. In heißen angsten schwebt er da, Mit 6. Du neigst dein haupt, es ist vollbracht. Du stirbst! die erd erschüttert. Die ar beit hab ich dir gemacht; Herr, meine seele zittert. Was it der mensch, den du befreyt? O war ich doch ganz dankbarkeit! Herr! laß mich gna: de finden. Und deine liebe Von dem Leiden und Tode Jesu. 92 unfrer schuld beladen, Dem opfertode nah. 3. Fallt nieder! bebt, ihr fünder! Verhüllt das ange: ficht! Jeht ist für adams kinder Der mittler im gericht! Er leidet unsers to: des pein, Fühlt unnennbare quaalen, Uns menschen zu befreyn! 4. So liebt er uns ver: brecher! So groß ist unsre schuld! Gott ist der fünden racher, Und gott ist gnad und huld! Wer nun der sún: 121. den grául nicht haßt, Häuft 121. auf den tag des zornes Sich selbst des jornes last. 5. Horts, die ihr eure herzen Noch ihrem dienst er gebt! Der preis so vieler schmerzen Ist, daß ihr ewig lebt. D! nehmt an seiner gnade theil, Erkennet seine liebe, Verwerft nicht euer heil. 6. Vernehmts auch ihr, o spotter, Die ihr den mittler schmäht! Er ist auch euer retter! Hört für euch sein gebet: Sie wissens nicht, was sie begehn; Vergieb, o vater, ihnen, Wenn einst sie zu dir flehn! 7. Shr, eurer brüder feins de, O schlagt an eure brust! Seyd aller menschen freun: de, Verdammt der rache luft! Vergeltet euren hasfern nie, Den feinden, die euch flu: chen, Vergebt, und segnet fie! 8. Noch währen seine quaa: len; Noch trinkt er ohne rast Des zornes volle schaalen, Trågt unsrer fünden last, Und fühlt für uns des todes noth! Und nun ergreift den müden Der fürchterlichste tod. 9. Vor seines todes schrekken Verlischt der sonne licht, Die engel gottes decken Ihr bebend angesicht! Nun sinkt er in die todesnacht! Erbarm, o gott, dich unser! Er stirbt, es ist vollbracht! Mel. Jesus, meine zuversicht. chwing dich auf gen Golgatha! Seel', an deines heilands kreuze, Nimm zu herzen, wie dich da Gottes zorn zur buße reize! Härter bist du noch, als stein, Wenn du hier kannst fühllos seyn. 2. Schaute doch das jammerbilo 3wischen erd und himmel hangen; Wie das blut in stromen quillt, Daß ihm alle kraft entgangen! Schau, ach schau! erschrickst du nicht? Wie sein sterbend herz ihm bricht! 3. D lamm gottes ohne schuld! Alles das hatt' ich verschuldet; Und du hast aus freyer buld Pein und schmach für mich erduldet. Aus des ewgen feuers glut Mich zu retten, fließt dein blut. 4. Du, für uns erwürgtes lamm! Sroß, ach groß ist deine liebe! Schau von deis nes kreuzes stamm, Wie ich mich um dich betrübe! Ich bin schuldig; aller schmerz, Bon dem Leiden und Lode Jesu. 93 Der dich trifft, durchbohrt 2. Ich erwåg' es oft und mein herz. 5. Herr, was kann ich dir dafür, Daß du mich so liebest, geben? Nimm, was ich vermag, von mir, Dir, nur dir gehört mein leben! Wie du mein, so soll ich dein Le bend, leidend, sterbend seyn. viel, Was dich doch getrieben, Uns ohn alles maaß und ziel, Wie du thatst, zu lieben; Da du, uns nur zu befreyn, Streich und hohn in banden, Geißeln, martern, todespein Willig ausgestanden. 3. War es unsre würdigkeit? Nein, des vaters gute, Deines herzens freundlichkeit Und dein treu gemüthe. Dies hat dich ans freuz gebracht, Daß kein mensch verzagte, Wenn der sünden meng' und macht Das gewissen nagte. 4. du wunderbarer rath, Den man nie ergründet! D du unerhörte that, Als man nirgends findet! Sünden, deren, gott zum hohn, Menfchen sich erfrechen. Die läßt gottes einger sohn Un sich strenge rächen! 5. Meine schwere sündenschuld Traf den treuen bürgen, Er ließ gar aus großer huld Sich für mich erwürgen. So hat er uns heil gebracht. Sollt uns nicht geziemen, Seiner liebe starke macht Ewiglich zu rühmen? 6. Nur bey dir allein such ich Hülf in meinen bångsten stunden, Schmachtend, lech: zend sehn ich mich Nach dem trost aus deinen wunden, Wie ein hirsch nach wasser schreyt, Bis er meine seel' erfreut. 7. Kreuzige mein fleisch und blut, Lehre mich die welt verschmähen! Laß auf dich, du höchstes gut, Immer un: verwandt mich sehen! Und im kreuze führe mich Selig, wenn schon wunderlich. 8. Endlich laß mich alle hoth Freudig sterbend über winden. Nirgends müsse mich der tod, Als bey dir, mein heiland, finden. Wer nur dich zur zuflucht macht, Spricht getrost: es ist vollbracht. Erweckung zum Glauben aus den Leiden Jesu. Mel. Christus, der uns selig macht. 122. efu, meiner feelen licht, Ur sprung meiner freuden! Mei nes herzens zuversicht Ist allein dein leiden. Nimm dafür den dank jetzt an; It es schon ein fallen, Da ich nicht mehr geben kann, Wird dirs doch gefallen. 6. Herr, dein friede sey mit mir, Und auf mein ge= wissen, Wenn es zaget, laß von dir Trost und freude fließen! Trost ergießt in jedes herz Sich aus deinem herzen; Auch den allerbångsten schmerz Stillen deine schmerzen. 7. Laß, so bald mein herz erschrickt Ueber seine sünden, Von dem Leiden und Tode Jesu. 94 Wenn auf dich mein glaube blickt, Mich, herr! gnade finden. Sieh, ich fall, zer: knirscht von reu, Mit wahrhafter buße, Und dem vor: fag besfrer treu, Jesu! dir zu fuße. 8. Nun ich weiß, worauf ich bau, Und bey wem ich bleibe, Wessen fürsprach ich vertrau, Und an wen ich glaube. Jesu! du bist es allein, Welcher mich beschira met, Wenn gleich alle höllenpein Auf mich bringt und stürmet. 9. Aber sollte nicht dein schmerz Meine feele frånfen? Mit betrübniß soll mein herz Deines todes denken, Bis man fröhlich rühmen wird: Aus des todes banden Ist der schaafe großer hirt Sieg. reich auferstanden! 3. Nun kann meine missethat Noch vergebung finden; Denn du starbst nach gottes rath, Auch für meine sün: den. Unsre strafe trugest du, Uhs vom fluch zu retten, Daß wir im gewissen ruh, Mit gott friede hätten. 4. Was uns luft zur beßrung schafft, Was zur tugend leitet, Dazu hast du neue kraft Durch dein kreuz bereitet. Nicht vergebens darf ich nun Mich um kraft bewerben, Gottes willen noch zu thun, Sünden abzusterben. 5. Nun kann ich aufs to: desthal Noch mit freuden se hen, Und zu jener welt einmal Ohne schrecken gehen. Du, berr! haft aus aller noth Rettung mir errungen, Und durch deinen kreuzestod Meinen tod bezwungen. 6. Herr! was bin ich, daß Mel. Christus, der uns selig macht. du mein So dich angenom123. Meinerlöfer, gots men? Laß die frucht von tes sohn, Der deiner pein nun auch auf du für mich littest, Und auch mich kommen. Gieb mir auf der himmel thron Jetzt weisheit, gieb mir fraft, noch für mich bittest! Welche wohlthat ist für mich Dein versöhnend leiden! O wie preis' ich würdig dich Ursprung meiner freuden! ( Du hast sie in hånden!) Was du mir zum heil ver schafft, Glaubig anzuwenden. 2. Unermeßne herrlichkeit War dir, herr, gegeben, Und du konntest jederzeit Boller freuden leben. Uber, o der großen huld! Daß ich felig würde, Uebernahmst du in geduld Schwerer leiden bürde. 7. Laß das wort von dei nem freuz Mich mit muth beleben, Siegreich jedem sundenreiz Hier zu widerstreben. Treib mich mächtig dadurch an, Gottes zorn zu scheuen, Was ich unrecht je gethan, Innig zu bereuen. 8. Drückt mich meine fün dennoth, Straft mich mein Von dem Leiden und Tode Jesu. 95 vergeben, Wie du zu lieben, herr Jesu! gewissen; dann laß aus deinem tod Mich den trost genießen, Daß auch du für 3. lamm gottes, so meine schuld Büßend bist kläglich Berfleischt, durchgragestorben, Und vergebung, gnad und huld Mir bey gott erworben. ben, geschlachtet! Dein tod belehr ums täglich, Wie hoch du seelen geachtet; Er schreck' uns ab von sünden, Er müff' uns dir verbinden 3u stetiger liebe, herr Jesu! 9, Stärke mich durch dei nen tod Auf die letzten stunden. Wie du deine todesnoth Siegreich überwunden; D so hilf dazu auch mir, Laß mich fröhlich scheiden! Herr: so dank ich ewig dir Für dein bittres leiden. Mel. Wend ab deinen zorn. ie grundlos sind 124. Chriſte, bu lamm 126. 2 die tiefen beigottes, Der du trågst die fünde der welt, Erbarm dich unser! ner liebe! Wie heiß, wie zärtlich, Jesu, deine triebe! Rein mutterherz gleicht deiz nem treuen herz, Du mann der schmerzen! 2. Christe, du lamm gottes, Der du trägst die sünde der welt, Erbarm dich unser! 3. Christe, du lamm gottes, Der du trägst die jünde der welt, Gieb uns deinen frieden! Amen. Mel. O lamm gottes, unschuldig. 125. lamm gottes, im staube mit blut und thránen bedecket! Dein tröste sich mein glaus be, Wenn tod und sünde mich schrecket, Dein ringen, winseln, klagen, Dein todeskampf, dein zagen, Sey meine ruhe, berr Jesu! Erweckung zur Gegens liebe gegen Jesum aus seinen Leiden. 2. O lamm gottes, un schuldig Trugst du die herbe verhöhnung, Und immer so geduldig, Zu meines frevels versöhnung. Dein bild müss' uns beleben, Zu dulden, zu 2. Was ist der mensch, daß du sein so gedenkeſt? Für ihn dich selbst so tief ins elend senkest? Fiel nicht schon Adam? und mit seiz nem falle 3ugleich wir alle? 3. Berehrt beschamt den weisen rath, ihr christen, Den einzuschaun die engel selbst gelüsten! Bewundert doch in dem erlösungswerke Der lie: be stårke. 4. Des höchsten sohn büßt für die menschenkinder; Der heiligste bezahlet für die fün der; Des lebens fürst und aller bosheit råcher Stirbt bey dem schächer! 5. Kann mein verstand so hobe gnadenzeichen, So gros ße wunder seiner lieb' erreis Von dem Leiden und Tode Jesu. 96 chen? Thut er nicht mehr, uns erde zu erhöhen, Als wir verstehen? 6. Herr, lehre selbst mich deine huld erkennen, In rechtem glauben meinen herrn dich nennen! Erbarme dich, und heile meinen schaden, Du brunn der gnaden! 7. Ich bin verderbt, vom fuße bis zur scheitel, Mein herz ist trozig, widerspenstig, eitel, Mein bestes thun ist mangelhaft und sündlich, Ich fehle stündlich. 8. Ich flich, o berr! zu deinen liebesarmen, Ich such und bitte nichts, als dein erbarmen. Verstoß den nicht, der seine fünden hasset, Und dich umfasset. 9. Was machst du, feind, mir Christi huld verdächtig? Schweig! feine kraft ist in den schwachen mächtig. Er selbst macht den gerecht, der an ihn glaubet, Und in ihm bleibet. 10. 3euch mich, verwund: tes lamm! zu deinem kreuze, Damit dein leiden meine feele reize, Dich, den erwerber aller guten gaben, Recht lieb zu haben. 11. Dir, Jesu, leb ich, dir will ich auch sterben! Laß den nur nicht, den du verföhnt, verderben. Laß mich dein seyn, so lang ich leb' auf erden, Einst felig werden. Mel. Freu dich sehr, o meine seele. er am Freuz ist meine liebe; Meine lieb ist Jesus Christ, Weicht ihr schnöden fleischestriebe, Alles fern, was eitel ist! Eitle wollust wirkt den tod; Wer sie liebt, ist nicht von gott! Meine lieb ist der erwürgte, Der für mich beym richter bürgte. 2. Der am freuz ist mreiné liebe; Welt, was wunderts dich, daß ich Stets in seis nem lob mich übe? Er, er blutete für mich, Durstend, bleich, zum fluch gemacht, Hing er in des todes nacht. Meine wonn ist der erwürgs te, Der für mich beym richter bürgte. 3. Der am kreuz ist meine liebe; Sünde, du bist mir verhaßt. Weh mir, wenn ich den betrübe, Der für mich am kreuz erblaßt! Undank für so blutgen schmerz Der befleckte nie mein herz, Und mein schuß sey der erwürgte, Der für mich beym richter bürgte. 4. Der am freuz ist meine liebe, Nun mein herz, was zagest du? Schau, aus wie so heißem triebe Schafft er dem gewissen ruh! Stille dich! denn Jesu blut Macht die böse sache gut, Und dein trost sey der erwürgte, Der für mich beym richter bürgte. 5. Der am freuz ist meine liebe, Der so sehnlich mein begehrt. Wenn ich ihm nicht treu verbliebe, Wår ich da des lebens werth? Nein, mich trennt von ihm kein dråun, Von dem Leiden und Lode Jesu. 97 Keine schmach, gefahr, noch pein; Und mein fels ist der erwürgte, Der für mich beym richter bürgte, Die haben dich geschlagen, Die brachten diese plagen Auf dich, und dieses marterheer. 9. Der am freuz ist meine liebe; Nun, o tod, bist du mein freund. Wenn ich, wie ein staub, zerstiebe, Werd 5. Ich bins, ich sollte bůßen In ewgen finsternissen Das, was dein tod verfühnt. Die geißeln und die banden, Das alles, herr! hab ich verdient. ith Jesu stets vereint. Dann Und was du ausgestanden, erfahr ich ganz sein heil; Meiner feele licht und theil Bleibet ewig der erwürgte, Der für mich beym richter bürgte. 6. Du nimmst auf deinen rücken Die lasten, die mich drücken, Du duldest meine pein. Du wirst ein fluch; dagegen Erwirbst du mir den segen, Dein schmerz muß mir ein labsal seyn. 7. Du giebest dich zum bürgen, Du läsfest dich selbst würgen Für mich und meine schuld. Für mich läßt du dich Frönen Mit dornen, die dich höhnen, Und leidest alles mit geduld. 8. Für mich ihn zu erlegen, Eilst du dem tod entge: gen Mit großem heldenmuth. Du stirbst, daß ich nicht ster: be, Noch ewiglich verderbe; D unerhörte liebesglut! Anwendung der Leiden Jesu zur Tugend. Mel. Nun ruhen alle wålder. S 128. welt! sieh hier dein le: ben 2m stamm des freuzes schweben! Dein heil sinkt in den tod. Der große fürst der ehren Läßt willig sich beschweren Mit banden, schlågen, hohn und spott. 2. Tritt her, und schau mit fleiße, Mit blut und todes schweiße Ist ganz sein leib bedeckt, Und unnennbare schmerzen Fühlt. er in sei: nem herzen, Da er den kelch des zornes schmeckt. 3. Wer hat dich so ge: schlagen Und dieses heer von plagen, Herr, wider dich er regt? Du bist ja nicht ein funder, Wie wir und unire kinder; Wie sind dir strafen auferlegt! 4. Ich, ich und meine sün: den, Der sich so viele finden, Wie sand am weiten meer, 9. Wie bin ich dir verbun: den, Durch den ich heil ge= funden! Ich bin dein eigen thum. Mich dankbar zu erweisen, Soll feel und leib dich preisen, Und dir gehors chen sey mein ruhm. 10. Es soll dein tod und leiden, Bis leib und Seele scheiden, Mich trösten und erfreun. Er foll von meinen pflichten Mich täglich unter 98 Von dem Leiden richten, Und kraft zur tugend mir verleihn. 11. Wie strenge gott verbrechen Un denen einst wird råchen, Die feine huld verschmåhn, Wie schwer sie ih rer fünden Bergeltung werden finden, Will ich aus deis nem leiden sehn. 12. Dein beyspiel soll mich lehren, Den rath des höchsten ehren, Und thun, was er gebeut. Nicht meinen eignen willen, Nur seinen zu erfüllen, Ist meine pflicht und seligkeit. 13. Nach dir will ich mich üben, Die feinde selbst zu lieben, Nach dir, der für sie bat. Ich will des lebens plagen Getrost und willig tragen, Und thun, wie mein er loser that. 14. Nie will ich wieder schelten, Nie spott mit spott vergelten, Nie, wenn ich leis de, dráun; Wie du, gelassen dulden, Dem nächsten seine schulden, Wie du, von her: zensgrund verzeihn. 15. Ich will ans kreuze schlagen Mein fleisch, und dem entsagen, Was dir, herr! nicht gefällt; Was deine au gen hassen, Das will ich fliehn und lassen, Gefiel es auch der ganzen welt. und Tode Jesu. Wie wenig schlägt mein herz, voll böser triebe, Zu dir von liebe! 2. Wie unbeståndig, zaghaft und vermessen, Kann es so bald, was es dir schwur, vergessen! Kaum droht die welt, kaum locken falsche brüder, So fall ich wieder. 3. Auch ich, ich folge dir nur oft von weiten, 3u muthlos klein, für deinen ruhm zu streiten; Schnell schrecken mich verfolgung, tod und bande, Und kleinre schande. 4. Ist dies das herz, das ich dir ganz ergeben, Dir treu zu seyn, zu sterben, dir zu leben? Ist dies die pflicht, mein blut für dich zu wagen, Nie zu verzagen? 5. Ach! sieh, erbarmer, mich zu deinen füßen In wehmuthsvollen schmerzen ganz zerfließen! Ach! könnte sich in heißen thránenfluthen Mein herz verbluten! 6. Schenk einen blick, voll mitleid und erbarmen, Mir, der ich dich so oft verließ, mir armen; Laß dieser tief gerührten reue zeichen Dein herz erweichen. 7. Du wirst, du fannst mir dieses nicht versagen; Du hast ja. herr! auch meine schuld getragen; Für mich Mel. Wend ab deinen zorn. 129. herr, mein heil, gefleht, den glauben mir zu Zu 8. Ich will bhinfort dich vor der welt bekennen, Und gestorben, Und mir an kreuz mein ewig beil erworben, Von dem Leiden und Tode Jesu. 99 ohne furcht mich deinen jún. 3. Da du dich felbft für ger nennen; Nichts, nichts mich dahin gegeben, Wie soll mich von deiner liebe könnt ich noch nach meinem scheiden, Freud oder leiden. willen leben? Und nicht viel: mehr, weil ich dir angehöre, 3u deiner ehre? 9. Will böse lust der welt mein herz verstricken, So schrecke mich mit deinen gottesblicken; Dann will ich eilen, ihr nicht gleich zu scheinen, Bitterlich weinen. 4. Ich sollte nicht, wenn leiden dieser erden, Wenn kreuz mich trifft, gelasnes herzens werden; Da du so viel für uns, die wirs vers schuldet, Liebreich erduldet? 10. Laß deinen guten geift mich stets regieren, Mit weisheit mich, mit edlem muthe zieren; Daß, wenn ich strauchle, ich nicht gar verderbe, Noch ewig sterbe. 11. Du wirst als richter einst vom himmel kommen; Dann zähle mich, o herr, zu deinen frommen! Dann sey das glück, daß ich dir ange höre, Mir preis und ehre. 12. Dann trocknest du gewiß all' meine thránen, Erfullest jede wünsche, jedes sehnen, Und krónest mich, nach dunkler tage leiden, Mit ew'gen freuden. Mel. Wend ab deinen zorn. 130. Laß deinen geist mich stets, mein heiland! lehren, Dein göttlich kreuz im glauben zu verehren, Daß ich getreu in dem beruf der liebe Mich christlich übe. 2. Das gute thun, das böfe fliehn und meiden, Herr! diefe pflicht lehrt mich dein beilig leiden, kann ich zu gleich das bofe mir erlauben, Und an dich glauben? 5. Für welche du dein les ben selbst gelassen, Wie könnt ich sie, fie meine brüder, haffen? Und nicht, wie du, wenn sie mich untertreten, Für sie noch beten? 6. Ich will nicht haß mit gleichem haß vergelten. Wenn man mich schilt, nicht råchend wieder schelten. Du, heiliger, du, herr und haupt der glieder, Schaltst auch nicht wieder! 7. Ein reines herz, gleich deinem edlen herzen, Dies ist der dank für deines freuzes schmerzen. Und gott giebt uns die aft in deinem na: men, Dir nachzuahmen. 8. Unendlich glück! du littest uns zu gute; Ich bin versöhnt in deinem theuren blute. Du hast mein heil, da du für mich gestorben, Um freuz erworben. 9. So bin ich denn schon selig hier im glauben, So wird mir nichts, nichts meine krone rauben, So werd ich dort, von herrlichkeit umges ben, Einst ewig leben. $ 2 Von dem Leiden und Tode Jesu. 100 10. Ja, wenn ich stets der tugend pfad betrete, Im glauben támpf', im glauben wach und bete, So ist mein heil schon so gewiß erstrebet, Als Jesus lebet. 11. Lodt böse lust mein herz mit ihrem reize, So schrecke mich dein wort, das wort vom kreuze, Und werd ich matt im laufe guter werke, So sey mirs stärke. 12. Seh ich dein kreuz den klugen dieser erden Ein ärgerniß und eine thorheit werden, So seys doch mir, trok alles frechen spottes, Die weisheit gottes. 13. Gott! eile nicht, sie rächend zu zerschmettern, Erbarme dich, wenn einer von den spottern Sich spåt be kehrt, und dich, den er geschmåhet, Um gnade flehet. 14. Wenn endlich, herr! mich meine fünden frånken, So laß dein freuz mir wie: der ruhe schenken; Dein kreuz, dies sey, wenn ich den tod einst leide, Mir fried und freude. Anwendung der Leiden Jesu zur Geduld im Leiden. Mel. Un Wasserflüssen Babylon. 131.in Fin lamm geht bin und trägt die schuld Der abgefallnen kin: der, Geht hin und büßet in geduld Die fünden aller fünder, Es folgt belastet, matt und krank, Den wür gern zu der würgebank, Wählt martern statt der freuden; Für uns will es nicht schmach und pein, striemen, angst und wunden scheun, Ja gar den tod er leiden. Nicht 2. Das lamm ist der er: habne freund, Der heiland unsrer seelen. Gott, aller sün de strenger feind, Wollt ihn zum mittler wählen. Sohn, sprach er, nimm dich derer an, Die über sich im blinden wahn Selbst zorn und strafe brachten. Die straf ist schwer, der zorn ist groß; Doch du vermagst es, mache.los, Die nun im elend schmachten. 3. Ja, sprachst du, dies sey unser bund! Mich magst du für sie schlagen. Mein wille hångt an deinem mund, Ich will die sünden tragen. O wunderlieb', o liebesmacht! Du kannst, was nie ein mensch gedacht, Gott seinen sohn abzwingen! Liebe! liebe! du bist stark! Du ftrekkest den ins grab und farg, Vor dem die felsen springen. 4. Er büßt für uns am kreuzes stamm, Damit wir gnade finden; Er wird ge schlachtet, als ein lamm, Zum opfer für die sünden. Für alle stirbt er; auch für mich Ergießet hier sein leben sich In milden stromen blu tes. Otheures lamm! wie soll ich dir Dafür gnug dan: ken, daß du mir Erzeigest so viel gutes. Von dem Leiden und Tode Jesu. 5. Ich will von deiner freundlichkeit Bey nacht und tage singen. Dir will ich auch zu aller zeit Mich selbst zum opfer bringen. Mein ganzes leben soll sich dir( Das hilf du selbst, mein heiland, mir!) In fietem dank ergießen. Wie großes du an mir gethan, Das will ich stets, so tief ich kann, In mein ge dächtniß schließen. 101 Sahst den tod von ferne; Doch ertrugst du, gottes sobn! Alle leiden gerne. 2. Du entflohst nicht der gefahr, Die dem leben drohte, Als die stund erschienen war, Gingst du froh zum tode, Willig übergabst du dich In der feinde hånde, Und bliebst unveränderlich Treu bis an das ende. 3. Lehre mich, wie du, so still Und so froh zu leiden: Und wenn es dein rathschluß will, Selig zu verscheiden. Stärke mich, wenn ich eins mal Sterbend zu dir flehe, Daß ich durch des todes thal Ohne schrecken gehe. 4. Dank, o Jesu! dank sey dir Für dein letztes leiden! Denn dadurch erwarbst du mir Deines himmels freuden. Nunmehr weiß ich, daß im tod Ich nicht ewig sterbe; Denn ich bin versöhnt mit gott, Bin des himmels erbe. 6. Wohlauf, mein herz, eröffne dich! Dir soll ein kleinod werden. Kein schatz, wie dieser, findet sich Im weiten schooß der erden. Weg ehr und lust der eiteln welt! Was mir vor allem dem gefällt, Hat nun mein herz gefunden. Dies kleinod, dies mein bestes gut, Ist, Jesu! dein vergoßnes blut, Der strom aus deinen wunden. 7. Dies soll und will ich mir zu nut 3u allen zeiten machen. In sturm und hige seys mein schuk, Lehr in gefahr mich wachen; Berleih im glück bescheidenheit, In sorgen ruhe, trost im leid, Vertrauen im gebete; Zum Mel. O ewigkeit, du donnerwort. er du der stra= lebten fiege stárk es mich, 133. Und sey auch dort mein schmuck, wenn ich Bor got: tes richtstuhl trete. statt Mel. Christus, der uns felig. 132. Me Sein erlöser! auch fen schwere last getragen den tod ge= litten; Wie soll ich dir gnug dankbar seyn, Daß du durch leiden, tod und pein Das leben mir erstritten? Herr, williglich Uller dessen eigenthum ich bin, freuden. Du sahst Nimm ganz zu deinem dienst banden, schmerz und hohn, mich hin! für mich Gingst du hin zum leiden, Und be gabst dich deiner Antrieb zur Selbstvers leugnung aus Jesu Leiden. Un meiner haft, Für mich 102 Von dem Leiden 2. Troft hab ich ja allein durch dich. So stårket auch dein leiden mich 3u meinen schwersten pflichten. Ich schaue, herr! auf meiner bahn Stets glaubensvoll dein muster an, Um mich darnach zu richten. Nun sey der pfad auch noch so steil, Ich geh' ihn froh mit dir, mein heil! 3. Nichts ist, was mich gefesselt hält. Du hast den himmel, herr der welt, Für mich hintangesetzet. Was mein herz liebt, das opferts doch Dir gern auf, weil es nichts so hoch. Als deine liebe schåget. O wie so viel bab ich in ihr! Du dankst mir nichts, ich alles dir. 4. Dem nächsten dürft' ich mich entziehn? Gemächlich jede burde fliehn? Und du trugst, was für bürden! Ach burden, die, trugst du sie nicht, Uns einst von gottes angesicht 3ur hölle stürzen würden! In schweiß und müh, von trågheit fern, Dien' auch nun ich dem nächsten gern. 5. Ich scheute jede bangig: keit, Da doch du, herr der herrlichkeit, Selbst blut geschwist im garten! Hier in der welt hab ich oft angst; Allein da du selbst zitternd rangst, Was darf ich sonst erwarten? Herr! laß auf dei nen kampf mich sehn, So werd ich nie in noth vergehn. 6. Du, könig! trugst die dornenkron; Und mich erschreckt ein eitler hohn, Wenn und Tode Jesu. rohe spotter spotten? Nein! sollt' auch alle welt zugleich Sich wider dich, herr! und dein reich Voll stolz zusams men rotten, Der feige flieh des frevlers spott, Mich ehrt er, er ist ruhm bey gott. 7. Nach ehre dürft ich lüstern seyn? Und du, du låss sest dich verspeyn, Da ich nach ruhme geize? Nach hoheit strebt ich ohne ruh! Uno, gottmensch! dich erniedrigst du Gar bis zum tod am kreuze, Wo du, der du den tod bezwingst, Verachtet zwischen mördern hingst. 8. In krankheit fühl ich linderung, So bald die pein der kreuzigung Mein banger geist betrachtet, Und trostlos machet mich fein schmerz, Wenn auch schon mein zerschmolznes herz Umsonst nach labung schmachtet. Denn dir, deß herz verschmachtet war, Reicht man zur labung effig dar. 9. Wer hier die weltlust nur begehrt, Der ist, o Jesu, dein nicht werth, Noch fleischlich, noch verblendet. 3u leiden mache mich bereit, Du ursprung meiner felig keit, Bist auch durch sie voll endet! Dir, der mir diese bahn erst brach, Trag ich mein kreuz nun willig nach. 10. Mein leiden sey benn noch so schwer, Für mich ists nun nicht strafe mehr, Kreuz ist der christen leiden. Otheurer name! reich an Von dem Leiden und Tode Jefu. 103 trost, Du machst in jeder betretne bahn Lustig, breit, noth getrost, Verwandelst gemächlich, eben, Jesu! dich leid in freuden, Weil man schau ich dann an. Da warnt mit ihm, der für uns litt, mich des zornes last, Welche Durch freuz hier in gemein: du getragen hast, Nicht mit schaft tritt. dem verblend'ten haufen Ins verderben hinzulaufen. 11. O Jesu! gieb mir dei: nen sinn, Daß nun, wie du, auch ich forthin, Das, was die welt liebt, meide. Herr! bilde mich nach dir, daß ich Dir ähnlich werd', und wil: liglich Mit dir hienicden lei de. So herrsch ich dort der einst mit dir. Hier aber le best du in mir. Troft und Beruhigung aus den Leiden Jesu. Mel. Freu dich sehr, o meine feele. esu Christ! durch 134. deine wunden, Deinen martervollen tod, Hab ich heil bey gott gefunden, Kraft zur tugend, troft in noth. Mich sollt ich durch sünd' entweihn? Nein! ich denk an deine pein. Ach! den ganzen grául der sünden läßt mich die mit graun empfinden. 2. Schmachtet nach der wollust freuden Mein verderbtes fleisch und blut, so blick ich auf dein leiden! Schnell verlischt die wilde glut. Tracht' ich eitler ehre nach, Und ich blick auf deine schmach, Schnell schlägt die den stolz darnieder, Und giebt mich der demuth wieder. 3. Scheint beym schmalen weg zum leben Mir der welt 4. Hált mein schreckendes gewissen Mir der sünden menge vor, O! in meinen fümmernissen Schau ich nach dem freuz empor. Sie vers schwinden, sie entfliehn; In den wunden, die hier glühn, Find ich sicherheit und leben, Und den trost: sie sind vers geben! 5. Hier such ich in unruh friede, In der angst beruhis gung, Neue fraft, wenn ich ermüde, Und in quaalen lins derung. Schwer sey dieses lebens můh, Durch dein kreuz verschwindet sie! Denn es führt durch kurze leiden Zum genuß von ewgen freus den. 6. Ueber alles, was zum staube Meine seele nieder. drückt, Wird mit starker kraft mein glaube Durch dein leie den hingerückt. Deines tros stes freudigkeit Reißt mich fort zur ewigkeit; Die du, herr, als du gestorben, Mir, auch mir am freuz erworben. 7. Hab ich dich in meis nem herzen, Ursprung aller seligkeit! So besieg' ich alle schmerzen, Auch sogar im letten streit. Rufft du, und ich habe nun Gnug gekáms pfet, um zu rubn, Herr! so 104 Von dem Leiden und Tode Jesu. dank ichs deinen wunden, dank, Für deine quaal, dein Daß ich sieghaft überwunden. angstgeschrey, Für dein un8. Ja, auf dich steht mein schuldigs sterben, Für alle vertrauen, Du bist meine lieb und treu! zuversicht. Du besiegst des todes grauen, Rettest mich aus dem gericht. Durch dein mir erworbnes heil, Hab' ich an dem himmel theil. Wahrlich, herr! ein ewigs leben Wird dereinst dein tod mir geben. 135. Mel. Wenn meine sünd mich. enn mich die sünden från ken, Mein mittler, Jesu Christ! So laß mich wohl bedenken, Wie du gestorben bist, Und wie du meines elends last Um kreuz, von gott verlassen, Auf dich genommen hast. bich ge 5. Herr! laß dein bitter leiden Mich reizen für und für Mit allem ernst zu mei den Die fündliche begier; Nie komm es mir aus mei nem sinn, Wie viel es dir gekostet, Daß ich erlöset bin. 6. Mein kreuz und meine plagen, Ach, alle meine noth, Hilf mir geduldig tragen! Fa gieb, mein herr und gott! Daß ich verleugne diese welt, Und folge dem erempel, Das du mir vorgestellt. 7. Laß mich an andern üben, Was du an mir ge than, Und meine brüder lieben, Gern dienen jedermann, Ohn eigennuß und heuchelschein. Und, wie du mirs erwiesen, aus reiner lieb allein. 2. Dwunder ohne maaBen! Fürs menschliche ge schlecht Hast du dich martern lassen, Du, herr, dich für den knecht! Selbst got tes sohn ward für den staub, Für mich verlornen sünder, Des finstern grabes raub. 3. Was kann sie mir nun schaden, Wie groß die sünd auch sey? Bey gott bin ich in gnaden, Von allen schanden frey; Sie find getilgt durch Christi blut, Und ich Mel. Herzlich thut mich verlangen. er du voll darf nicht mehr fürchten Der 136. Der blut und hölle quaal und glut! wunden Für uns am freuze starbst, Und unsern letzten stunden Den größten troft era warbst, Der du dein theures leben, Noch eh ich war, auch 4. Drum fag ich dir von herzen Jetzt und mein lebenlang Für deine pein und schmerzen, Erlöser! lob und 8. In meinen legten stun den, Stróm du mir kraft und ruh Und heil aus deinen wunden, Zu meinem troste, zu. Du bists allein, auf den ich trau; Stårk meine feel im tode, Daß ich dich ewig schau. Von dem Leiden und Tode Jesu. 105 mir 3ur rettung hingegeben; sünden, Wenn du sie mir Mein beil! wie dank ich dir? nicht giebst? 2. Wie viel hast du erlit: ten, Erhabner menschensohn! Als du den tod bestritten, Den tod, der fünde lohn! Da folgte schmerz auf schmer: zen, Da traf dich schmach auf schmach, Da lag auf deinem herzen Ungst, die das herz dir brach. 3. Entblößt von allem reize, Der menschen woblge: fällt, Hingst du an deinem kreuze, Ein'fluch vor aller welt. Dich flohen deine freunde, Du warst der leute spott. Dich höhnten deine feinde: Wo ist denn nun sein gott? 4. schreckliches empfinden! Du fühltest das gewicht Vom fluche unsrer sünden, Und lindrung ward dir nicht. Stets wuchsen deine piagen, Kein helfer kam für dich; Man hörte dich selbst kla: gen: Gott! wie verläßt du mich! 7. Du hast mir durch dein leiden Bergebung, beßrungskraft, In trübsal trost, und freuden, Die ewig sind, vers schafft. Ogieb an dieser gnade Auch mir im glauben theil, So wird mein seelenschade Durch dich, erlöser! heil. 8. Ich danke dir von her: zen, du mein größter freund! Für deine todesschmerzen, Wie gut hast du's gemeint! Ach! gieb, daß ich mich halte 3u dir mit aller treu, Und bis ich einst erkal-, te, Ganz nur der deine sey. 9. Wenn ich denn einst soll scheiden, Uch dann verlaß mich nicht! Sen auch in todesleiden Mein trost, mein heil, mein licht! Wenn mir am allerbångsten Wird um das herze seyn; Dann reiß mich aus den ångsten, Kraft deiner angst und pein! 5. Mein heil! was du er duldet, Das ist auch meine last, Ich habe mit verschul: det, Was du getragen hast. Sieh gnädig auf mich armen, Der zorn verdienet hat, Und hilf mir aus erbarmen Von meiner missethat! 6. Ich will auf dich stets sehen Mit aller zuversicht. Wohin soll ich sonst gehen? Verwirf du mich nur nicht! Wo soll ich ruhe finden, Wenn du mich, herr, du In stil: liebst? Wo reinigung von ter ruh, Der du für uns Begräbniß Jesu. Mel. O traurigkeit, o herzeleid. o schlummerst nicht 137. 10. Erhebe dann mein hoffen, Zur bessern welt zu gebn, Und laß im geist mich offen, Herr, deinen himmel sehn! Dabin laß mit entzücken Alsdann mich glaubensvoll Nach dir, mein heis land, blicken! Wer so stirbt, der stirbt wohl. 106 Von dem Leiden gestorben. Uns am Freuz in schwerer müh Ewigs heil erworben. 2. Du bist erblaßt, O herr! und hast Doch in dir felbst das leben. Gleich als sterbliche hält dich nun ein grab umgeben. 3. Doch heil sey mir! Herr, du willst hier nicht die verwesung sehen, Son dern bald aus eigner fraft Aus dem grabe gehen. 4. Ich weiß, du wirst, Mein lebensfürst, Wie dich, auch mich erwecken; Sollte denn mein gläubig herz Bor der gruft erschrecken? 5. Hier werd ich einst, Mel. Lobt gott, ihr christen. Prohlockt, ihr chri138. Osten, preist und ehrt Gott, eures mittlers gott! Der vater hat den sohn erhört, Erhört in seiner noth.:,: Von der Auferstehung Jesu. 2. Die mörder triumphirten schon: Wo ist des soh nes macht? Der herr erret: tet seinen fohn, Sein rathschluß ist vollbracht.:,: 3. Der fohn befahl in seine hand Dem vater seinen geist; Er ward begraben; er erstand; Gott hält, was er verheißt.:: und Tode Jesu. Bis du erscheinst, In fanf: tem frieden liegen. Denn durch deinen tod kann ich Tod und grab besiegen. 4. Dies rühme, wer er: rettet ist, Und wer ihm unterthan! Welt, die du nun 6. Shr, die die welt Ges fesselt hålt, 3agt nur vor der verwesung! Ich, ich hoff in Christo einst Meines leibs erlösung. 7. Nein! nichts verdirbt; Selbst das, was stirbt, Der leib wird auferstehen, Und zu himmelsglanz verklärt Aus dem grabe gehen. 8. So sink ins grab Mein Leib hinab! Ich will mich drum nicht kranken, Theurer heiland, mir zum trost Un dein grab gedenken! sein erbtheil bist, Lobsing und bet ihn an!:,: 5. Preist gott den vater, denn er hat nicht seines sohns gebet, Nicht, was er für die fünder that, Sein opfer nicht verschmåht.:,: 6. Er hat von seinem sohne nie Sein antlik abgewandt; Er hört' ihn, als er zu ihm schrie ,. Und reicht' ihm seine hand.:,: 7. Die ganze firche rufe laut: Wer ist, wie gott, so gut! Heil jedem, welcher gott vertraut, Der solche wunder thut.:: 8. Wer, wer verschmachtet ist und matt, Soll leben, soll sich freun; Satt werden Von der Auferstehung Jesu. 107. soll, wer mangel hat, Wer leben wiederbracht. Er, der glaubt, soll selig seyn.:,: uns ehr und sieg erfritt, Er bringt uns seinen frieden mit. Hallelujah. 9. Das ist des mittlers preis und lohn: Der, wel chem er verzeiht, Soll ewig leben, wie der sohn, In sei: ner herrlichkeit.:: 10. Sagts aller welten bölkern an: Bekehret euch zum berrn! Ihm werde jeder unterthan, Und jeder dien ihm gern!:: 11. Des vaters reich ist auch das reich Des sohnes; er regiert Un ruhm und macht dem vater gleich, Dem aller ruhm gebührt.:,: 12. Dich ehre, felig, herr, durch dich, Wen deine macht erhebt, Wer niedrig ist, wer fümmerlich In seinem staube lebt!:,: 13. Es fehl ihm an be fennern nie So lange diese welt Noch menschen hat, so lange fie Der arm des herrn erbält.:,: 14. Wer noch geboren wer: den soll, Erkenn' ihn, bet ihn an, Erzähle, wie so wundervoll Der herr erlösen fann.:,: Mel. Wir danken dir, herr Jesu. 139. Daum steigt zu ihrem frohsten lauf Die sonn in voller pracht herauf; Seht! so verläßt der herr sein grab, Der erst für uns sein leben gab. Hal: lelujah. 2. Vertrieben ist der sünden nacht, Licht, heil und 3. Zwar ist hier nicht ganz kund gemacht, Was er uns aus dem grab gebracht, Der edle schaz, die reiche beut, Der sich sein volk vor ihm erfreut. Hallelujah. 4. Uns lehrt es einst sein großer tag, Wie viel sein starker arm vermag, Und was er da für thaten that, 21s er der schlangen kopf zertrat. Hallelujah. 5. O edler sieg! o starker held! Wo ist ein feind, den er nicht fällt? Wo eine plas ge so ergrimmt, Der Christi sieg die macht nicht nimmt? Hallelujah. 6. Und daß der herr ers standen sey, Das ist von allem zweifel frey. Ja, es ist je gewißlich wahr, Das leere grab machts offenbar. Hallelujah. 7. Die erd erbebt, es wälzt vom grab Den stein ein engel gottes ab, Und fündiget den siegsheld an, Den bald auch seine jünger sahn. Hallelujah. 8. Sie sehen, hören, füh len ihn, Und die verzagten sind nun kühn, In vieler schmach, mit ihrem blut, Versiegelt es ihr heldenmuth. Hallelujah. 9. Lebt Christus, was bin ich betrübt? Ich weiß, wie herzlich er mich liebt; Und 108 Von der Auferstehung Jesu. stürb auch alle welt mir ab, nun in fröhlichkeit, Gesegnet Gnug, daß ich Christi liebe hab! Hallelujah. sen des herren streit, Der deinen fluch bezwungen. 3. Ihr himmel, laßt den jubelklang Durch alle wolken fahren! Kommt, wiederholt den lobgesang, Ihr reinen geisterschaaren! Ehrt jetzt den tag, wie jene nacht, Die die: sen held ans licht gebracht, Verherrlicht seine siege. Wo 10. Er nåhrt, er schützt, er tröstet mich, Sterb' ich, so nimmt er mich zu sich. er jetzt lebt, komm' ich auch hin, Weil ich sein theil und glied hier bin. Hallelujah. 11. Durch ihn bin ich mit gott versöhnt, Durch ihn mit gnad' und heil gekrönt. Mein banges herz ermanne sich, Gott und die engel lieben mich. Hallelujah. 12. Durch seiner aufer: stehung kraft Vollend' ich meine pilgerschaft, Freu seiner mich in seinem reich, Und bin dort seinen engeln gleich. Hallelujah. 13. Für solchen trost, du starker held, Mein Sesu, dankt dir alle welt! Wenn wir dereinst dein antlig sehn, Soll dich ein würd'ger lied erhöhn. Hallelujah. Mel. Es ist das heil uns kommen. 140. last die leere riumph! verlaßt die leere gruft! Triumph! der beiland lebet! Hort, wie der kreis der heitern luft Von sieges: tonen bebet. Sen uns gegrüßt, erstandner held! Die holl' und tod entrißne welt Ruft dir triumph entgegen. 4. Es müsse ¡ ions heiligthum Vom jauchzen wiederschallen; Gott in der höhe! dir sey ruhm, Den menschen wohlgefallen! Ihr, creaturen, stimmt mit ein: Auf erden müsse friede seyn, Im himmet hohe wonne! 5. Nun Jesu grab die fiegel bricht, Steht mir der himmel offen; Nun süßt den eiteln glauben nicht Ein unerfülltes hoffen.. Du, heiland! lebst, und lebst in mir, Du kannst, du wirst, ich folge dir, Mich auch zum vater führen. 6. Fahr auf, o feltne fieblißet! gespracht, Die von der höhe blizet! Mein könig, der verklärt mit macht, Zur rechten gottes fizet; Du, der den fod gefesselt hålt, Erldser, richter, herr der welt, Laß mich dir ewig leben! Mel. In dich hab ich gehoffet. sey ge2. Was war dazumal, Als sich dein grund 141. Gott zu je emporte. Und Jesu lezte todesquaal Dich ängstlich seufzen lehrte? Ach! jauchze der zeit! Die sonne der ge rechtigkeit Geht auf, uns zu erfreuen. Sie bricht mit Von der Auferstehung Jesu. macht Aus finstrer nacht, und verspeyt, Um alles zu erneuen. 2. Es ist der siegsfürst, Jesus Christ, Der heut vom tod erstanden ist. Er hat dem feind genommen Des tods gewalt, Drauf ist er bald Mit freuden wieder kommen. 3. Auch hat der herr in siegespracht Viel beute aus dem grab gebracht; Die will er gern uns geben, Gerech tigkeit, Heil, friede, freud' Und unverwelklichs leben. ● 4. Drum geb' ich dir, Immanuel! In deine hånde leib und feel, Du bist mein schuß auf erden, Mein licht und heil, Mein ewigs theil; Mir muß der himmel werden. 4. Ich will euch sehn, erfreuet euch! Euch siegreich wieder sehen, Euch lehren, meines vaters reich Und ho= hen rath verstehen, Euch den verheißnen geist verleihn, Und ihr follt meine zeugen seyn, Daß ich vom tod erstanden. 5. Laß mich mit dir zu grabe gehn, Mit dir auch wieder auferstehn, Die luste 5. Geht hin und lehret überwinden. So werde ich alle welt: Ich bin des wei Dereinst durch dich Den bes saamen, Der saamen lohn der treue finden. 109 Gekreuzigt werd ich werden. Wenn alles dies vollendet ist, So wird des menschen sohn, der christ, Nicht die verwesung sehen. 3. Weil er sich selbst erniedrigt hat, So wird ihn gott erhöhen. Ich leid' und sterb' an eurer statt, Dann werd. ich auferstehen. Um dritten tag geh ich heraus Lösch' alle schmach des kreuzes aus, als gottes sohn bewiesen. Jesu Auferstehung, ein Beweis seiner göttli: chen Sendung. Mel. Nun freut euch, lieben. reiwillig ichs Abrahams, der held; Und tauft in meinem namen. Wer an gott glaubt, glaubt auch an mich. Thut wunder, und beweist, daß ich Zur rechten gottes site. 6. Kämpft für mein evan142. bargebracht, und gelium, Und freuet euch der niemand nimmt mein leben, Es selbst zu lassen, hab ich macht, Macht, wieder mirs zu geben. Und darum liebt mein va er mich, Daß ich mein leben laß, und ich Für meine feind' es laffe. leiden. Kein engel und kein fürstenthum, Nichts soll euch von mir scheiden. Man wird euch hassen, und euch schmähn. Euch tooten; dennoch solls geschehn, Daß eure lehre fieget. 7. Herr, deine lehre hat gesiegt, Und siegt in allen landen, Und zeuget, daß dein 2. Ich bin in meiner niebrigkeit Ein ärgerniß der erden; Verschmäht, gegeisfelt 110 Von der Auferstehung Jesu. wort nicht trügt, Und zeugt, des himmels erben. Dies ist du bist erstanden. Dein kreuz, die hoffnung deines knechts, woran man dich erhöht, Verwandelt sich in majestát, Du gehst aus deinem grabe. 8. Gehaßt in deiner niedrigkeit, Warst du ein ziel des spottes; Und zeigtest doch zu gleicher zeit Un dir In dieser will ich sterben. Wie du vom tod erstanden bist, So werd auch ich, herr Jesu Christ! Um jüngsten tag erstehen. die hoheit gottes. Dein kreuz 143.Bringt preis bet Mel. Nun freut euch, lieben. und schien der welt ein grául, Doch sterben für der feinde heil, Dies ist die höchste tugend. 9. Dein reich war nicht von dieser welt, Dein ruhm nicht menschen ehre. Un demuth groß, an lieb ein held, Und göttlich in der lehre, Geduldig und von fünden rein, Gehorsam bis zum freuze seyn; Dies war des heilands größe. ruhm dem heiz land dar, Frohlockt ihm, alle frommen! Er, der für uns getödtet war, Ist dem gericht entnommen. sey gelobt, herr Jesu Christ, Daß du für uns gestorben bist, Und siegreich auferstan: den! 10. Du starbst am freuz; doch war dir nicht Die fraft. des herrn gegeben? Wer gab den blinden das gesicht, Den todten selbst das leben? Und wem gehorchte wind und meer, Wem unheilbarer übel heer? Du warst von gott gekommen. 11. Nun irren mich nicht schmach und spott, Noch dei nes freuzes schanden. Du bist mein berr, du bist mein gott, Denn du bist aufer standen. Du bist mein heil, mein fels, mein hort, Der terr, durch dessen mächtig wort Auch ich einst ewig lebe. 12. Wir sind nun göttli chen geschlechts, Durch dich 2. Dein leben in der ma: jestät Befestigt unsern glauben. Wer kann, da dich dein gott erhöht, Uns nun den troffgrund rauben, Daß du hast unser heil vollbracht, Und von des ewgen todes macht Uns sünder haft er: löset? 3. Gott selbst, der dich dem grab entrückt, Hát dem, was du gelehret, Der wahr. beit siegel aufgedrückt, Und dich als sohn geehret. Denn deines opfers hohen werth Hat er aufs herrlichste be währt, Da er dich aufer: wecket. 4. Erstandner! ich froh: locke dir, Daß du nun ewig lebest. Du lebst und siegst, daß du auch mir Das ewge leben gebeft, Daß du auch mein erretter seyst, Und neue Von der Auferstehung Jesu. 111 Fräfte mir verleihst, Mit fohn Verläßt der todten freuden gott zu dienen. 5. Mein herr, mein gott! hilf mir dazu! Befreye mich von fünden, Laß mich für meine feele ruh Im frieden mit gott finden. D! pflanze deinen sinn in mir, Damit ich, gott ergeben, hier Als dein erlöfter wandle. grüfte, Und seiner jünger jus belton Dringt freudig durch die lüfte. Du, den der engel loblied preift, Entreiße, beiland, meinen geist Der liebe zu der erde, Daß er dir heilig werde! 2. Die menschheit, herr! erlaubt mir nicht mit dir empor zu steigen, Bis diese schwache hütte bricht. Wird sich mein haupt einst neigen, Sodann nimm, nach vollbrachtem lauf, Auch mich in deinen himmel auf, Nimm, herr, an meinem ende, Den geist in deine hånde. 6. Dein ist das reich, dein ist die macht, Verstorbne zu erwecken. Du rufft einst, und der gráber nacht Bird todte nicht mehr decken. Wie du vom tod erstanden bist, So werd' auch ich, HerrJesuChrist! Durch dich einst auferstehen. 7. D! laß mich, weil ich hier noch bin, Ini glauben an dich wandeln, Und jeder zeit nach deinem sinn Rechtschaffen seyn und handeln; Daß ich, wenn ich einst auf ersteh, Und dich, des todes sieger, seh, Vor dir dann nicht erschrecke. 8. Da, wo du bist, da soll auch einst Dein jünger mit dir leben, Du wirst ihn, wenn du nun erscheinst, 3u deiner freud erheben. Laß, herr! auch dies mein erb: theil seyn, So werd ich ewig deß mich freun, Daß du vom tod erstanden. 3. Doch soll ich einst, o gottes sohn! In deinem reich dich sehen, So muß ich auch auf erden schon Bom tode auferstehen. Der lebt nicht, den die luft der welt Und ihre pracht gefesselt hält; Nach gott und tugend streben, Nur das heißt wirklich leben. Erweckung, mit Jesu geistlicher Weise zu 4. Du, auferstandner men schenfreund! Erweck in mir die triebe, Durch die man sich mit dir vereint, Den glauben und die liebe. Ich will, o herr! dein eigen seyn; Laß mich mit ernst die fünde scheun, Und gieb selbst muth und kräfte 3um heiligungsgeschäfte. auferstehen. 5. So kann ich als ein wahrer christ Jetzt leben und einst sterben, Und einmal Mel. Ermuntre dich, mein. 144. Das grab ist leer, da, wo du, herr! bist, Vollerben. Das 112. Von der Auferstehung Jesu. hin, mein heiland, hilf du himmet thronft! Ich soll da mir! So bring ich, ewig froh in dir, Mit deiner frommen menge Dir lob- und dankgesånge. hoffnung und Trost aus der Auferstehung Jesu. Mel. Nun jauchzt dem herren. Grinnre dich, 145. E mein geist! erfreut, Des frohen tags der herrlichkeit, Halt im gedächtniß Jesum Christ, Der von dem tod erstanden ist. 2. Fühl' alle dankbarkeit für ihn, Als ob er heute dir erschien, Als spräch er: friede sey mit dir! So freue dich, mein geist, in mir. 3. Schau über dich, und bet ihn an. Er mißt den sternen ihre bahn, Er lebt und herrscht mit gott ver eint, Und ist dein könig und dein freund. wohnen, Wo du wohnst, Und du erfüllst einst mein vertraun, In meinem fleische dich zu schaun. 8. Ich foll, wenn du, des lebens fürst, In wolken göttlich kommen wirst, Verklärt aus meinem grabe gehn, Unb froh zu deiner rechten stehn. 6. Mein herz erliegt froh unter ihr, Lieb' und verroun: drung fámpft in mir, Und voll von ehrfurcht, dank und pflicht, Fall ich, gott! auf mein angesicht. 7. Du, der du in dem 9. Mit engeln und mit seraphim, Mit thronen und mit cherubim, Mit allen frommen aller zeit, Soll ich mich freun in ewigkeit. 10. Nie fomm es mir aus meinem sinn, Was ich, mein heil! dir schuldig bin, Da mit ich mich, in liebe treu, 3u deinem bilde stets erneu. 11. Er ists, der alles in uns schafft, Sein ist das reich, sein ist die kraft. Halt im gedächtniß Jefum Christ, Der von dem tod erstanden ist. 4. O glaube, der das herz erhöht! Was ist der erde Mel. Nun jauchzt dem herren. majeſtät, Benn mit der vergleicht, Die ich 146. Dich bet ich durch gottes sohn erreicht? 5. Vor seinem thron, in feinem reich, Unsterblich, hei lig, engeln gleich, Und ewig, ewig selig seyn; Herr, welche herrlichkeit ist mein! ner held? Erretter einer füns denwelt! Du, unsre zuflucht für und für, Froh huldigt meine feele dir! 2. Um deinen thron, der ewig steht, Glångt wahrheit, heil und majestát; Ich nahe mich voll zuversicht Zu dir; denn du verwirfst mich nicht. 3. Herr, meine feele preis fet dich! Erlöst auf ewig hast du mich. So wahr du selbst vom himmel famst, Von der Auferstehung Jesu. 113 Mel. Nun freut euch, lieben. 147.Stob! wo ist bein ist dein sieg, o hölle? Was stachel nun? Wo fann forthin uns satan thun, Wie grausam er sich stelle? Geendigt ist der schwere krieg. Gott sen gedankt, daß er den fieg Durch Christum uns gegeben! Ish der 5. Nun ist dies erste les ben mir Ein segenreicher 2. Lebendig geht der herr weg zu dir. So lang ich hier bin, herr, mein heil! Hab ich an deinem frieden theil. hervor, Und nimmt den feind gefangen, Zerbricht der hölle schloß und thor, Trägt weg den raub mit prangen. Nichts hålt in seinem siegeslauf Den starken held aus Juda auf, Er überwindet alles. Dein leben gabst, und wieder nahmst. 4. Wer ist, der mich vers dammen kann? Ich glaub an dich, und sage dann: Der gott, durch den die himmel sind, Der ist mein vater, ich sein kind. 6. Holdselig sprachst du: erde sey Der schauplatz meiner huld und treu! Wir se381 hen deine huld und treu Auf deiner erde tåglich neu. 7. 3war trifft noch man cher schmerz uns hier. Noch, o erbarmer! sterben wir: Doch du regierst, und wir, sind dein, Und ewig werden wir es seyn! 8. Ich weiß, daß mein er liser lebt. D trost, der meinen geift erhebt, Durch dich geſtärkt, feb' ich aufs grab Mit unerschrocknem aug' herab. 9. Welch neue welt voll feligkeit Erwartet mich nach dieser zeit! Da findet der verklárte christ Das heil, das unaussprechlich ist. 10. Der du für unsre seelen wachst, Sie zu dir ziehst, und selig machst, Laß mich mit freudigem vertraun, Im tod auf dich, vollender! schaun. 3. Des berrn streitbarer arm behält Den sieg, und ist erhöhet, Des herrn erhabne rechte fållt, Was stolz ihr widerstehet. Besiegt ist alles, was uns droht, Besiegt ist teufel, holl' und tod; Shr gorn ist kraftlos worden. sus Christ, Und sieh, er les 4. Es wand getödtet Jebet wieder. Weil nun das haupt erstanden ist, Stehn Ich weiß, daß wer an wir auch auf, die glieder. Christum glaubt, Nicht in der nacht des todes bleibt, Er lebt, ob er gleich stirbet. 5. Wer täglich hier durch wahre reu Mit Christo aufa erstebet, Jst dort vom andern tode frey, Dem keiner sonst entgehet. Genommen ist dem tod die macht, Unschuld und leben wiederbracht, Und unvergånglichs wesen. H Von der Auferstehung Jesu. 114 6. Dies ist die große se: ligkeit, Der wir theilhaftig werden, Fried', freude, heil, gerechtigkeit Im himmel und auf erden. Hier sind wir still und hoffnungsvoll, Daß un: fer leib dort gleichen soll Des herrn verklärtem leibe. 3. Wir glauben, herr, und zweifeln nicht, Du bist vom tod erstanden. Der trost, den uns dein mund verspricht, Erschall in allen landen: Vom tod ist gottes sohn ers wacht, Er lebt für uns, und seine macht Wird uns vom tode wecken, Der leib wifd neu von ihm gebaut, Von ihm verklärt, wird diese haut Dann meine glieder decken. 7. tod, wo ist dein sta chel nun? Wo ist dein sieg, o holle! Was kann fortbin uns satan thun, Wie grau. sam er fich stelle? Gott sey 4. Welch glück, das Jesus gedankt! der schwere krieg Ist nun geendigt, und der sieg Durch Christum uns gegeben. Mel. Un wasserflüssen Babylon. oder: Ein kindelein, so lobelich. ollendet bist du 148. nun vor gott, Das heil ist uns erworben; Wir preisen dich! der fünder tod Bist du für uns gestor: ben. Es stimm in unsern lobgesang, Wer durch den leben drang; Wir mir erwarb! Ich soll einst auferstehen, und ihn, der blutend für mich starb, Mit meinen augen sehen. Dann, dann werd ich, o gottes sohn! Vor deinem majestát schen thron Anbetend nieder: fallen, Dann soll ein höhrer lobgesang Bon dir, der tod und grab bezwang, Durch alle himmel schallen. Mel. Jefus, meine zuversicht. mit fingen Chrifti fiege. Shn bar 149. Jeſus lebt m Tod, wo sind nun deine schrecken? Er, er lebt und wird auch mich Von den todten auferwecken. Er ver klárt mich in sein licht; Dies ist meine zuversicht. 2. Jesus lebt; ihm ist das reich Ueber alle welt gege ben, Mit ihm werd auch ich zugleich Ewig herrschen, ewig leben. Gott erfüllt, was er verspricht; Dies ist meine zuversicht. der hölle macht bekriegt, Er hat der hölle macht besiegt, Er stand, ein held im kriege. 2. Zermalmet war zwar sein gebein, Zermartert seine glieder, Da sank er unter feiner pein In todesnacht darnieder. Schon tönt der feinde siegeslied; Vergebens! eure hoffnung flieht, Ihr feinde Jesu! sehet, Er wird nicht der verwesung raub, Besieget tod und grab und staub, Und wird von gott erhöhet. 3. Jesus lebt; wer nun verzagt, Lástert ihn und got Von der Auferstehung Jesu. 115 tes ehre. Gnade hat er zu leben ließ: Drey tage sollen • gesagt, Daß der sünder sich befehre. Gott verstößt in Chrifto nicht; Dies ist meine zuversicht. nicht vergehn, So werdet ihr mich lebend sehn! Er hats erfüllt! 4. Ich lebe, sprach er, und auch ihr Sollt leben, glaubige, mit mir! Ich komme! meine stimme ruft: Verlaßt, ihr todten, eure gruft, Und folgt mir nach! 5. Er wirds erfüllen! Sefus Christ, Der selbst vom tod erstanden ist, Der Lazarus ins Leben tief, 2018 er im staub des todes schlief, Erfüllts gewiß! 6. Er nahm dem tode seine macht, Er hat das heil ans licht gebracht! Durch ihn ist unvergånglich heil Und neues leben unser theil In ewigkeit. 4. Jesus lebt, sein heil ist mein; Sein sey auch mein ganzes Leben, Reines herzens will ich seyn; Und den lus ften widerstreben. Er verläßt den schwachen nicht; Dies ist meine zuversicht. 5. Jesus lebt; ich bin ge: wiß, Nichts soll mich von Jesu scheiden, Keine macht der finsterniß, Keine herrlich: keit, kein leiden. Er giebt fraft zu dieser pflicht; Dies ist meine zuversicht. 6. Jesus lebt; nun ist der tod Mir der eingang in das leben. Welchen trost in to. desnoth Wird es meiner seele. geben, Wenn sie gläubig zu ihm spricht: Herr, herr, meine zuversicht. Mel. Wir danken dir, herr Jefu. 150. Et er ist erstanden, Jesus Christ, Der unser gott und heiland ist! Er lebt! nicht mehr des todes raub, Trat er, der sie: ger, auf den staub! Gelobt sey gott! bater 2. Freywillig ging er in den tod, Und opferte sich auf vor gott, Nun hatt' er gnug für uns gethan, Und nahm sein leben wieder an! Preis ihm und dank! 3. Er hat erfüllt, was er verhieß, Eh er für uns sein 7. Gelobt sey gott! ich werde nun Wie er, auf kurze zeit nur rubn; Der abend wird mich sterben sehn, Der morgen wieder auferstehn! Gelobt fey gott! 8. So lange mich des to: des nacht Umgiebt, werd' ich von ihm bewacht; Durch sei nen schuß wird mein gebein Im schooß der erde sicher seyn, Bis er erscheint. 9. Er führt mir in des todes ruh Auch meine lieben wieder zu. Erwachen werden. wir zugleich, und mit ihm eingehn in sein reich. Gott! welch ein tag! 10. Sollt ich mich vor dem tode scheun? Mich nicht vielmehr der hinfahrt freun? H2 116 Von der Auferstehung Jesu. Nicht deiner, der du mich Die auferstehung zum ges erschufft, Begierig warten, bis du rufft: Entschlummre richt, Wo du verdammst! nun! 12. Herr! rufe mich, wann dire gefällt, Aus dieser fúna 11. Gieb nur, daß ich im denvollen welt, Und führe glauben treu, In guten tha: dann an deiner hand Mich ten fleißig sey, So fürcht' in mein himmlisch vaterland. id), wenn ich sterbe, nicht Erhöre mich! Von der Himmelfahrt Jefu und seinem Sißen zur Rechten Gottes. Mel. Kommt her zu mir, spricht. Prohlock', mein herz, 151. weil Jesus Christ 3um himmel aufgefahren ist, Der lodesüberwinder! Die wolke glänzt herab; er Schwingt Sich auf ihr hin; der himmel singt: Preis dir, du heil der fünder! 2. Des himmels herr, des menschen sohn, Wird im triumph zu seinem thron Bom vater aufgenommen. Die se raphim und cherubim, Sie fallen alle hin vor ihm, Ihm jauchzen alle frommen. 3. Welch jubelvolles siegsgeschrey, Daß Jesus ewig könig sey! Es schwanken alle thronen. Der gottmensch kömmt; o welche freud! Er kommt in feiner herrlichkeit Im himmel nun zu wohnen, 4. Ihm beugt sich aller engel knie; Messias, Jesus, rufen sie, Heißt menschen engel werden! Er hat das größte werk vollbracht, Sein ist die weisheit, sein die macht, Im himmel und auf erden. 5. Wie herrlich bist du, herr, mein heil! Ich hab an deiner klarheit theil; Für mich fuhrst du zum himmel. Du, hoherpriester! gehst mit ruhm Für mich auch in dein heiligthum, Dir folg ich in den himmel. 6. Du, dessen wort die ganze welt Allmächtig rief, allmächtig hält, Du, herr, durch den wir leben! So lang ich wall' im staube hier, Soll sich mein ganzes herz zu dir Vom staub empor ers heben. 7. Entreiß durch deines geistes kraft, Die alles allents halben schafft, Mein herz dem tand der erde, Daß ich mit muth von deinem thron, Sohn gottes und des men schen schon! Im kampf gestárfet werde. 8.. Ja du, du schaust auf mich herab, Du, der für mich dahin sich gab; Laß dies mich stets ermessen. Du kannst, obgleich du, Jesus Chrift! Im himmel aller Von der Himmelfahrt Jesu und seinem Sißen 2c. 117 himmel bist, Doch meiner stenheit, Erhält sie bis in nie vergessen. is ewigkeit. Er ist ihr haupt: lobsinget ihm! Lobsinget ihm mit lauter mm! 9. Hab ich vollendet meis nen lauf, So nimm mich in den himmel auf, Daß ich dich, Jesus! sehe, Daß ich in deiner herrlichkeit Von ewigkeit zu ewigkeit Vor deinem throne stehe. 6. Ja, heiland! wir erheben dich. Und unsre berzen freuen sich Der herrlichkeit und majestát, Dazu dich gott, dein gott, erhöht. 10. Froblock, mein herz, weil Jesus Christ 3um him: mel aufgefahren ist, Der to desüberwinder! Sing ihm, wie ihm der himmel sang, Da er sich auf die wolke schwang; Preis dir, du heil der fünder. 7. Wohl nun auch uns! ' denn, herr! bey dir Steht kraft und macht; und dein sind wir. Nimmst du dich unsrer bülfreich an, Was ist, das uns gebrechen kann! 8. In deiner hand ist uns ser heil. Wer an dich glaubt, dem giebst du theil Um segen, den du uns erwarbst, Mel. Nun jauchzt dem herren. 152.uf, junger Jeſu, Als du für uns am kreuze starbst. freuet euch! Der herr fährt auf zu seinem reich. Er triumpbirt: lob: finget ihm, Lobsinget ihm mit lauter stimm! 2. Sein werk auf erden 9. Du hast die ståtte uns bereit't, Bey dir zu seyn in ewigkeit. Nach treu vollbrach tem glaubenslauf Nimmst du uns in den himmel auf. ist vollbracht, Zerstört hat er 10. O zeuch uns immer des todes nacht, Er hat die welt mit gott versöhnt, Und gott hat ihn mit preis gefront. mehr zu dir, Hilf uns mit eifrigster begier Nach dem nur trachten, was da ist, Wo du, verklärter heiland! bist. 3. Weit, über alle himmel weit, Geht seine macht und herrlichkeit. Ihm dienen selbst die seraphim, Lobsinget ihm mit lauter stimm! 11. Dein eingang in die herrlichkeit Stárk uns in unsrer prüfungszeit, Nur dir zu leben, dir zu traun, Bis wir dereinst dein antlig schaun. 4. Sein sind die volker aller welt, Er herrscht, als fieggewohnter held, Er 12. Dann wird sich völlig herrscht, bis unter seinem fuß Der feinde heer sich beugen muß. unsre feel In dir erfreun, Immanuel! Dann singen wir von deinem ruhm Ein neues lied im heiligthum. 5. Er schuhet seine chri 118 Von der Himmelfahrt Jesu und seinem Sißen 2c. Mel. Wir danken dir, herr Jesu. ir freuen uns, 153. Wit herrJesuChrist! 8. Sieh auf uns gnådig allezeit Bom throne deiner herrlichkeit. Hilf unserm schwachen glauben auf, Und heilge unsern lebenslauf. Hallelujah. Hull Daß du zur re pren gottes bist, Du starker herr, Smmanuel! O stárk im glauben unfre feel. Hallelujah. 9. Gen himmel fuhrst du 2. Du sikest auf der him als ein held; Als herr und mel thron, Als unser freund, richter aller welt Wird dich als menschensohn. Auch da dereinst der erdkreis fehn, schåmst du dich unser nicht; Laß uns dann freudig vor Drum bleibst du unsre zu dir stehn. Hallelujah. versicht. Hallelujah. 10. Dann triumphirt der 3. Dein ist die macht, dein ist das reich. Wer ist an majestät dir gleich? Mensch, engel, jede kreatur Ist dein, du herrscher der natur! Hallelujah. glaub' an dich, Dann jauchzen wir dir ewiglich. Hilf uns dazu, Herr Jesu Christ, Der du zur rechten gottes bist! Hallelujah. 4 Umsonst, umsonst emporet sich Der fürst der hölle wider dich. Dein thron steht liegt, Durch beine macht ist er beffegt. 154. tonig gleichen, Dessen ruhm kein lob erreis chet: Ebenbild von gottes wesen, Der, zum mittler uns erlesen, Als das bild des un: sichtbaren Sich der welt wollt offenbaren! Dir gehört das recht zum throne, Uls dem mittler, als dem sohne. 2. Himmel, erde, luft und meere Müssen stets zu deiner ehre Dir, herr! zu gebote stehen, und dein wille muß geschehen. Fluch und segen, tod und leben, Alles ist dir übergeben, und vor deinem måchtgen schelten Zittern menschen, engel, welten. Hallelujah. 5. Du, unser triumphirend haupt! Wie selig ist, wer an dich glaubt! Du bist sein licht, fein troft, sein theil, Sein starker schuß, sein ewges heil. Hallelujah. 6. Herr! unsre herzen traun auf dich. Dein freuet unsre feele fich. Du, held von unserm fleisch und blut! Bist unser trost und höchstes gut. Hallelujah. 9 7. Was uns gebricht, ist dir bekannt, Der segen ist in deiner hand. Von keinem frommen bist du sern, Du fiehst auf ihn, und hilfst ihm gern. Hallelujah. Rönigliche herrlichkeit des erhöheten Jesu. Mel. Schmücke dich, o liebe seele. 3. In des gnadenreiches granzen, Sieht man deine Von der Himmelfahrt Jesu und seinem Sißen xc. 119 wunder glänzen, Wo viel taus in feiner Frone, Selbst auf send treue seelen Dich zu ih: der allmacht throne, Doch rem haupt erwählen, Die nach unser bruder bleibt. deiner vorschrift leben, Dir 2. Der herr der herrlich: nur zu gefallen streben, Alles gern für dich verlassen, Und, wie du, das unrecht bassen. keiten, Des vaters ew'ges wort! Du warst vor allen zeiten, Und herrschest immerfort. Dein reich ist groß und prachtig, Du bleibest ewig mächtig Nach deiner gottheit kraft. 3. Und da du, herr! gekommen, Und unsre knechtsgestalt Auf erden angenommen, So hast du die gewalt, Das reich, die macht, das leben, Die dir dein gott gegeben, Der menschheit mit getheilt. 4. Doch haft du für die knechte Dich, in der leidenszeit, Entäußert deiner rechte, Da du in herrlichkeit Nunmehr zur rechten sigeft, Und stets dein reich beschüßest In völliger gewalt. 5. Die hat dir gott geges ben Im reiche deiner macht. Du hast uns in das leben Auf diese welt gebracht. Du bists, dem ruhm gebühret, Dein starker arm regieret Uns und die ganze welt. 6. Du hast, als du gestorben, Dir durch dein eignes blut Dein gnadenreich er: worben, Da du, mein theil und gut, Uns vormals abgetrennte Durchs wort und faMel. Herr Christ, der ein'ge gottes. 155. obt gott, ihr feine christen, Jesu reich! Wie stark ist seine rechte! Wer ist an 7. Ja, könig! du regierest würd ihm gleich? Ihm, der Das reich der herrlichkeit, cramente 3um erbtheil sammlen willst. .4. In dem reiche deiner ehren Hört man stets dein lob vermehren Ben dem himmlischen geschlechte, Von der menge deiner knechte, Die dort ohne furcht und grauen Dein verklártes ant lik schauen, Die dich unermüdet preisen, Und dir ehr und dienst erweisen. 5. Herr in allen diesen reichen! Dir ist niemand zu * vergleichen, Un dem überfluß der schäße, Un der ordnung der gesetze, An der unterthanen menge, An des regimen. tes länge, Un begnadigung der freunde, Und an siegen über feinde. 6. Nun herrsch auch in meinem herzen Ueber zorn, furcht, lust und schmerzen. Laß mich deinen schuß genießen, Auf mich deine gnade fließen, Dich stets fürchten, ehren, lieben, und mich im gehor: sam lieben, Hier mit leiden, lämpfen, streiten, Dort mit herrschen, dir zur seiten. 120 Von der Himmelfahrt Jesu und seinem Sißen 2c. Boselbst du triumphirest, Bo So mit dir zurücke lege, Daß nach vollbrachtem streit Der engel jubel klingen, Dir die verklärten singen: Dank dem erwürgten lamm! 8. Bohl mir! auch ich gehöre 3u deinem reich: wohl mir! Dir dienen, herr, ist ehre! Ich leb' und sterbe dir! Dein gnadenreich zu mehren, Gehorsam dich zu ehren, Sey stets mein größter ruhm! 3. Lehre mich die welt ver: achten, Und was in ihr eit: les ist. Und nach dem, was dort ist, trachten, Wo du, mein erlöser! dist. Wollust, ehrsucht und gewinn, Soll mich dies zur erde ziehn, Da ich jenseits überm grabe Eine größre hoffnung habe? 4. Diese müsse mir nichts rauben! Du erwarb st sie theuer mir. Shund seh ich fie im glauben, Dorten find ich sie bey dir. Dort belohnst du das vertraun Deiner gläubigen durch schaun, Und verwandelst ihre leiden In unendlich große freuden. 11. Herr! leg auch mir die krone Des lebens ewig bey, Daß ich vor deinem throne Des fieges mich erfreu. Hilf du mir mich regieren; Hilf du mir triumphiren. Herr, hilf! so kommt dein reich. Erweckung zu himmli5. Dort bereit' auch mir die ståtte In des vaters hause zu. Rufst du frühe oder späte Mich zu meines grabes ruh, Leucht auch mir in dieser nacht Durch die stårke deiner macht, Die des todes macht bezwungen, Und für uns den sieg errungen. 156. schen Gesinnungen. Mel. Freu dich sehr, o meine seele. err! du fährst mit glanz und freuden Aufzu deiner herrlichkeit. Doch mich drücken noch die leiden Dieses lebens, diefer zeit. Gieb mir, Jesu! muth und kraft, 6. Kömmst du endlich glorreich wieder Un dem ende dieser zeit, O! so sammle meine glieder, Die verwe Daß ich meine wanderschaft sung jest zerstreut. Heil'ge 9. Gerechtigkeit und frie: den Und freuden giebt dein reich, Das du auch mir be: schieden. Besiß ich also gleich Von erdengütern wenig, So macht mich doch mein könig Un himmelsgütern reich. ich stets dein bleiben möge! 2. Laß mir deinen geist zu: rücke, Uber zeuch mein herz nach dir, Wenn ich nach dem himmel blicke, O so öffn' ihn gnådig mir! Neige meinem flehn dein ohr, Trag es deis nem vater vor, Daß er mir die schuld vergebe, Daß ich mich bekehr' und lebe. 10. Er, er lehrt mich bes kriegen Der sünde tyranney, Hilft mir im kampfe siegen, Und macht mich wirklich frey. Und wer mit ihm hier strei: tet, Dem hat er dort bereitet Der überwinder lohn. Von der Himmelfahrt Jesu und seinem Sißen 2c. 121 und verklår sie ganz, Daß feinde ihnen rauben, Und der leib im himmelsglanz, wirkst in des vaters haus Dann nicht mehr von staub Ihnen eine wohnung aus. und erde, Aehnlich deinem leibe werde! Von der Sürbitte Jesu zur Rechten Gottes. Met. Alle menschen müssen sterben. 5. Das verdienst von deinem leiden Stellst du deinem vater dar, Und vertrittst mit macht und freuden Deine theur erlöste schaar, Bittest, daß er kraft und leben Stets 157. Großer mittler, den deinen wolle geben, Und sie einst nach dieser zeit Auch erböhn zur herrlichkeit. der zur rechten Gottes, feines vaters, fist, Und die schaar von feinen knechten In dem reich der gnaden schüßt, Du, dem selbst die seraphinen Ehrfurchtsvoll im himmel dienen; Dessen reich und majestät Ueber alle dinge geht! 6. Doch vergißt du auch der armen, Die der welt noch dienen, nicht, Weil dein herz dir aus erbarmen Ueber ihrem elend bricht; Bittest, daß gott ihrer schone, Daß er nicht nach wer= ken lohne, Daß er die, die noch dich fliehn, Kräftig wolle zu dir ziehn. 2. Dein geschäft auf die: ser erden, Wie es gottes rath bedacht, Daß es follt erfüllet werden, Ist aufs herrlichste vollbracht. Denn da du für uns gestorben, Ist uns gnad' und beil erworben. Und dein fiegreich auferstehn Láßt uns einit dem tod entgehn. 3. Aber nun ist dein geschäfte In des himmels bei ligthum, Die erworbnen se genskräfte Durch dein evan: 7. Großer mitffer! o! wir preifen Dich, daß du im heis ligthum So viel treu uns willst beweisen, Dir sey ehre, dank und ruhm! Dein vers dienst laß uns vertreten, senn wir zu dem vater be: ten. Wenn der tod die lip: pen schließt, Sprich noch für uns, Jesu Christ! gelium Allen denen mitzutheilen, Die zum thron der Mel. Das ist fürwahr ein köstlich. gnaden eilen; Nun wird uns durch deine hand Heil und 158. Sohn, der du für segen zugewandt. uns starbst und iebst, 3um vater deine stimm erhebst, Für uns zu bitten in der noth, Uns zu vertreten, gott bey gott! 4. Du gedenkest stets der deinen, Bleibest ihnen ewig treu, Zählst die thránen, die sie weinen, Und stehst ihnen machtig bey. Du verschaffst, 2. Herr, dessen bitte står: fer fleht, A13 Ubels blut daß ihren glauben Keine und sein gebet! Gott, wel 122 Von der Himmelfahrt Jesu und seinem Sißen 2c. dem vater bist. Er hört auf seinem tyrone dich, und freut des heils der fünder sich. 7. Sey, vater! hochgelobt, wir schaun Auf deinen sohn nun voll vertraun. In sei nem namen flehen wir Um gnad und heiligung von dir. 8. Ber, gott! fich auf sich selbst verläßt, Der fällt; wir aber stehen fest, Die wir auf sein verdienst allein Vertraun und seines heils uns freun. 9. Auf unsers königes gebet Erhöre jeden, der dir fleht; Der mittler, der uns beten lehrt, Ist, vater, der erhörung werth! cher, was du bittest, thut, Erhöre dein gebet und blut. 3. Der vater, herr! ge denke dein, Und deiner opfer, deiner pein Und aller deiner teiden last, Die du für uns getragen hast. 4. Was dein erbarmend herz begehrt, Das werde dir von ihm gewährt, Den sündern zur bekehrung zeit, Den frommen trost und seligkeit! 5. Wir preisen dich für dein gebet, Das gnad und leben uns erfleht. Auf dein gebet vertrauen wir. Er gebe, was du bittest, dir. 6. Wir, wir erfahrens, Jesu Christ! Wie theuer du Von dem heiligen Geiste, und dessen Gaben und Wirkungen. Mel. O ewigkeit, du donnerwort. 159. D er mir den weg zum heile weist, Des vaters und des fohnes geist, Dich soll mein lied er: beben! Mein Lehrer bist du, und mein gott! Du giebst mir freudigkeit im tod. Und leiteft hier mein leben! Was gut und löblich ist an mir, Geist gottes, das verdank ich dir. Groß war die ernte, schwer die muh; Doch mächtigster! du stärktest sie. 3. Da that der ungelehrten mund Die großen tha: ten gottes kund, Und lehrte Jesu lehren. Da wurden gößentempel leer, Da stürzt der falfchen götter heer, Sammt opfern und altaren. Das kreuz des mittlers überwand Der ganzen hölle widerstand. SAUER 4. Und ganz umsonst empórten sich Der erde fürsten wider dich, Und tödt'ten die gerechten. Was konnten menschen wider gott? Es 2. Vollendet hatte gottes fohn Sein werk; nun fuhr er auf zum thron, Dich fandt er seinen zeugen. Und mit dir kam der liebe glut, Die wunderkraft, der heldenmuth, Die welt zu überzeugen. siegte frey der mårt'rer tod, Von dem heiligen Geiste und dessen Gaben 2c. 123 Der tod von Jesu knechten. Unüberwindlich war ihr muth, Und schwiegen sie, so sprach ihr blut. it 9. Gehorsam will ich auf der bahn. Die du mir zeigst, dem ziel mich nahn, Hilf mir auf meinem wege! Ich kämpf um meine seligkeit Mit eifer und mit wachsamkeit, Nicht muthlos und nicht tråge. Du gabst den vorsat; gott, gieb du auch meiner schwachheit kraft dazu! 5. Wie gottes blihe ging ihr wort Bis an der erde grånzen fort, Die nacht wich vor dem lichte. Ihn beteten die heiden an, Von dem wir einst die fron empfahn, Wenn er kommt zum gerichte. Su ihrem heil, zu Jesu ruhm Mel. Komm, heilger geist, herre. unfer gebet, Schusst du die welt, geiſt 160. greift des herrn! schöpfer! um. Du hörst der menschen flehen gern. Wir wollen unser herz dir geben, O lebre du uns heilig leben! Rüst' uns mit stårke, geist der kraft, Der in uns alles gute schafft! Daß nicht die lockungen der fünden Uns, Christi junger, überwinden Durch ihre macht, durch ihre macht.dug 6. Die kirche pflanztest du; bis ist hat sie allein dein arm beschützt, und ewig wird fie stehen. Fest stehet sie, gleich wie dein thron, Selbst wenn ihr må ch t'ge feinde drohn, Ja himmel selbst ver: gehen. Ihr grund, das wort von Jesu Christ, Ist ewig, wie du selber bist! 7. Heil ihren kindern, welche sich Dir übergeben, und durch dich 3um himmel führen lassen! Du lehrest sie des glaubens kraft, Stárkst sie auf ihrer wanderschaft, Lehrst sie die fünde hassen. Des beils gewiß sind sie in dir, Und himmelslust trånkt sie schon hier. 54 8. Uch führ auch mich an deiner hand Hinauf ins wahre paterland, Auch mir glänzt dort die krone! Gieb mir die feste zuversicht, Uuch mich ver: werfe gott einst nicht, Auch mich lieb er im sohne! Durch glauben und durch besserung Vollende meine heiligung! 2. Du heiliges licht! starker hort! Laß uns der wahrz heit helles wort auf dieses lebens pfaden leiten, Daß unsre füße niemals gleiten. Treib fern von uns des irrs thums nacht, und stürze deiner feinde macht, Daß Je= fus Christ der ganzen erde Bekannt und angebetet werde. Erhör uns, gott! erhör uns, gott! 3. Laß, freudiger geist! voll vertraun In noth auf deine hülf' uns schaun, Lehr uns, wenn wir zum vater treten, Mit ganzer zuversicht zu beten. Mach uns durch deine kraft bereit 3um sterben und 124 Von dem heiligen Geiste und dessen Gaben 2c. zur ewigkeit, Daß wir, als mein lob dir wohlgefällig deine streiter ringen, 3u dir sey. durch tod und leben dringen. Hallelujah! Hallelujah! Hallel 2. Erwed mein herz, ents zünde mein gemüthe, Erfüll es ganz mit deiner lieb und güte. Kalt und erstorben bin Mel. Nun bitten wir den heilgen. 161.Des baters und ich ohne dich, komm, heil'ge fraft! komm, und belebe mich. des sohnes geist, Du, der uns den weg zum heile weist, Gnadenvoller tró ster! Laß, wenn wir sterben, Uns das ewige leben ererben. Sen gnädig uns! 3. Du bist es, der allein uns weisheit sendet; Der menschen wiß ist ohne dich verblendet. Gieb mir ver: stand, erkenntniß, klugheit, rath, Und leite huldreich mich bey jeder that. 2. Es leucht uns, licht des herrn! dein schein, Wenn schon tod und verwesung uns dráun; Lehr uns Jesum Christum Den sohn erkennen, Von der liebe des soh: nes uns brennen, Jetzt und im tod. 4. Aus deinem licht, durch deine kraft getrieben, Hat der propheten hand das wort geschrieben, In dem sich gott uns menschen offenbart, Und du bists, der vor irrthum uns bewahrt. 5. Drum lehre mich mein beil daraus erkennen, Lehr Christum mich recht meinen herren nennen. Ja, reiner geist! erleuchte meinen geist, Daß er verläßt, was falsch und irrig heißt. heb 3. du, der liebe geist! erhöh Unsre seele, daß ſie schmeck' und seh, Wie der herr uns liebte. Laß in den brüdern Als in seinen gehei ligten gliedern, Jesu uns lieben. 4. Du höchster tröster in aller noth! Hilf getreu uns seyn bis in den tod. Heilig laß uns leben, Uns nicht verzagen. Wenn uns unsre sünden verklagen Vor unserm gott. 6. Entdecke mir der wahrheit heitern morgen, Und schleuß mir auf, was noch vor mir verborgen; Verkläre tu des vaters wort in mir, Und führe mich durch deinen glanz zu dir. Mel. Mein Herz und feel den. 7. Laß mich mein herz dir 162. Du geift des glaubig übergeben, Entsünd' herrn! der du von gott ausgehest, Und doch mit ihm in einem wesen ste: best, Kraft aus der höh! steh mir in gnaden bey, Damit ge mich, schaff in mir neues leben. Gieb, daß ich jeden fehltritt schnell bereu, Und jeder fall mir künftig furcht bar sey. Von dem heiligen Geiste und dessen Gaben 2c. 125 8. Ach reinge mich von Geist des höchsten! da ich allen eitlen trieben, Laß mich dir Lob und preis zum opfer nur dich, und nicht was bringe; Höre, höre, was ich sündlich, lieben, Ja, mache singe. mich von dem, was irdisch, frey, Daß deinem wink ich stets gehorsam sey. 2. Edelster von allen fegen, Die uns gott in Christo gab! Du träufft, als ein milder regen Aus des himmels schooß herab. Du machst harte herzen weich, Wüsten auch an früchten reich; Was der drangsal hize drücket, Wird durch deinen troft ers quicket.i 9. Versiegle mich, und stårke mich im glauben, Laß mir den feind die siegeskron nicht rauben. Du freudenól! verleih mir deine kraft, Die friede, trost und freude in mir schafft. 3. Ja, du bist die beste gabe, Die, mit der man alles hat. Wenn ich dich, o tröster! babe, Find't kein höh'rer segen statt. Heilger geist! erfüll auch mich. Uch! von dir ward ja auch ich Durch die taufe neu geboren, Gott zum tempel auserkohren. DENINGGA 11. Gieb mir schon hier den vorschmack jener freuden, Durch sie vergeß ich froh der erde leiden. Ja, bilde du 4. Du kannst aller herzen mein herz nach Christi sinn, Und ziehe mich stets nach dem himmel bin. prüfen, Nichts schließt deinem blick sich zu, Selbst der gottheit innre tiefen Forschest und ergründest du. Meiner seele finsterniß Weißt und kennst du auch gewiß; Drum gieb weisheit, und vor allen, Wie ich möge gott gefallen. 5. Du bist heilig, und du fiehest nur an reinen deine lust, Böses hasfest du, und fliehest Aller laster grául und Mel. Freu dich sehr, o meine feele. 163. bu allerfüßste wuft. Mach auch mich von freude, Lieblich fünden rein, Daß ich mich um das allein, Was dir wohlgefällt, bemühe, Und das, was du fliehest, fliehe. 6. Du bist auch ein geist 10. Laß, reiner geist! mich deine wirkung spüren, Laß fraftig fie all' meine triebe rühren. Du göttlich licht! entzünde mein gebet, Daß es zu gott sich inbrunstvoll erhöht. 12. Komm, heilge mich, und schmücke geist und sinnen 3um tempel aus, und wohne selbst darinnen. Erneure mich; so wird durch dich allein Mir jeder tag ein frohes pfingstfest seyn. stes und reinstes licht! Du erfreuest uns im leide, Du verläßt im glück uns nicht. Nahe dich doch auch zu mir, 126 Von dem heiligen Geiste und dessen Gaben 2c. der liebe, Stets voll sanft- dann mein mattes berz, Daß muth, gut' und huld, Ob ich unter allem schmerz, Noch ich dich gleich oft betrübe, im letzten todesschweiße, Gott Hast du doch mit mir ges in Jesu vater heiße. duld. Wenn ich schnell zum zorne bin, Gieb mir deinen edlen sinn, Daß ich freund und feinde lieb, Keinen, den du liebst, betrübe. 7. Du, du machst das herz zufrieden, Wenn uns aller trost gebricht. Bleib' ich von dir ungeschieden, So fehlts auch an trost mir nicht. Laß mich seyn dein eigenthum! Und dann will ich deinem ruhm Mich mit leib und seele weihen, Deiner mich in allem freuen. 8. Ja, mein helfer! ich entfage Dem, was deinen ruhm dir nimmt, Bis ans ende meiner tage Sey mein leben dir bestimmt. Wozu welt und fleisch mich ziehn, Will ich hassen, meiden, fliehn, Der versuchung nie nachgeben, Stets der sünde widerstreben. 9. Du hilfst ja, erweckest, stårkest, Du stehst Christi streitern bey! Hilf auch mir da, wo du merkest, Daß mir hülfe nöthig sey. Nimm den eiteln, ird'schen sinn Ganz aus meiner feele hin, Daß ich alle lafter scheue, Nur mich über tugend freue. Mel. Freu dich sehr, o meine seele. 164. er du uns als vater liebest, Treuer gott, und deinen geist Denen, die dich bitten, gie best, Sa uns um ihn bitten heißt! Demuthsvoll fleh ich vor dir: Vater, send' ihn auch zu mir, Daß er meinen geift erneue, Und ihn dir zum tempel weihe. 2. Ohne ihn fehlt meinem wissen Leben, kraft und fruchtbarkeit, Und mein herz bleibt dir entrissen, Und dem dienst der welt geweiht, Wenn er nicht durch seine kraft Die gesinnung in mir schafft, Daß ich dir mich ganz ergebe, Und zu deiner ehre lebe. 3. Auch dich kann ich nicht erkennen, Jesu! noch mit achter treu Meinen gott und herrn dich nennen, Stehet mir dein geist nicht bey. Drum so laß ihn kräftiglich In mir wirken, daß ich dich Glaubensvoll als mittler ehre, Und auf deine stimme höre. 4. Ew'ge quelle heilger güter, Hochgelobter gottesgeist! Der du menschliche gemüther Besserst und mit trost er freust! Nach dir, herr, ver: langt auch mich, Sch ergebe mich an dich. Mache mich zu gottes preise, Heilig und 10. Und, mein beystand! wenn ich sterbe, D! da zeige meinem blick Mir zum trost mein herrlichs erbe, Und mein unvergånglichs glück. Stärke zum himmel weise. Von dem heiligen Geiste und dessen Gaben 2c. 127 5. Fülle mich mit heilgen so seke durch dein wort Deitrieben, Daß ich gott, mein ne gnadenwirkung fort, Bis höchstes gut, Ueber alles mó- fie durch ein selig ende Herrge lieben, Daß ich mit ge- lich sich an mir vollende. trostem muth Seiner vaterhuld mich freu, Und mit wah: Mel. Wie schön leucht't uns der. rer kindestreu Stets vor ſeis 165. beiger seift! O nen augen wandle, rechtsthaffen denk und handle. 6. Geist des friedens und der liebe! Bilde mich nach deinem sinn, Daß ich lieb und sanftmuth übe, Und mirs rechne zum gewinn, Wenn ich je ein friedensband Knüpfen kann, wenn meine hand, 3ur erleichtrung der beschwerden, Kann dem nächsten nüglich werden. fehr uns ein, Und laß uns deine wohnung seyn, Komm, beystand unsrer seelen! Erleucht' uns durch dein göttlich licht, Entzieb uns deine hülfe nicht, Und rett uns, wenn wir fehlen. Laß sich Durch dich Glaub und liebe, Reine triebe, Gott zu ehren, In uns zeugen und vermehren. 7. Lehre mich, mich selber kennen, Die verborgnen fehler fehn, Sie voll demuth gott bekennen, Und ihn um vergebung flehn. Mache tåglich ernst und treu, Sie zu bessern, in mir neu; 3u dem heiligungsgeschäfte Gieb mir immer neue kräfte. 2. Gieb fraft und nach= druck deinem wort, Laß es, wie feuer, immerfort In una fern herzen brennen, Daß wir gott, vater und den sohn, Und dich, den geist, auf ei nem thron, Als wahren gott erkennen. Rühre, Führe, Und behüte Das gemüthe, Daß wir glauben, und im glau ben standhaft bleiben. 8. Wenn der anblick mei: ner fünden Mein gewissen niederschlägt, Wenn sich in mir zweifel finden, Die mein herz mit zittern hegt, Wenn mein aug' in nöthen weint, Und gott nicht zu hören scheint; D! dann laß es meiner feelen Nicht an trost und stärkung fehlen. 9. Was sich gutes in mir findet, Ist dein gnadenwerk 4. Und dann gieb weisin mir, Selbst den trieb hast heit, gieb uns rath, Hier du entzündet, Daß mich, auf der tugend ebnem pfad berr! verlangt nach dir. D! Gewissenhaft zu wandeln. 3. Laß deiner wahrheit mächtigs licht Auch da, wo einsicht noch gebricht, In hela lem glanze scheinen. Unwis sende belehre du, Getrennte führ einander zu, Mach spotter zu den deinen. Alle, Alle, Laß der wahrheit Lautre klarheit Froh erkennen, Sesum ihren heiland nennen. 128 Von dem heiligen Geifte und dessen Gaben 2c. Laß sünd und ungerechtigkeit von unsers gottes throne Uns standhaft fliehn, und jes derzeit Gerecht und redlich handeln. Jesus Christus Sey das vorbild, Wir sein nach: bild; Schon auf erden Laß uns himmelsbürger werden. Hülfreich auf uns schwache siehst! Stehe du mir mach tig ben, Daß ich gott erge ben sey; O! so wird mein herz auf erden Schen ein tempel gottes werden. 2. Laß auf jedem meiner wege Deine weisheit mit mir seyn, Wenn ich bange zweifel bege, Deine wahrheit mich erfreun. Lenke kraftig meinen sinn Auf mein wahres wohl seyn hin. Lehrst du mich, was recht ist, wählen, Werb. ich nie mein heil verfehlen. 3. Heilige des herzens tries be, Daß ich über alles treu Meinen gott und vater liebe, Daß mir nichts so wichtig sey, Als in seiner huld zu stehn. Seinen namen zu erhöhn, Seinen willen zu vollbringen, Müsse mir durch dich gelingen. 4. Stärke mich, wenn wo zur fünde Mein gemüth vera suchet wird, Daß sie mich nicht überwinde. Hab ich irgend mich verirrt, O! so strafe selbst mein herz, Daß ich, unter reu und schmerz, Mich vor gott darüber beuge, Und mein herz zur beßrung neige. 5. Reize mich, mit flehn: und beten, Wenn mir hülfe nöthig ist, 3u dem gnaden: stuhl zu treten. Gieb, daß ich auf Jefum Chrift, 215 auf meinen mittler schau, Und auf ihn die hoffnung Mel. Freu dich sehr, o meine seele. 166.Seit vom vater bay, Gnad um gnad, auf und vom sehne, mein verlangen, Von dem 5. In leiden schenk uns muth und kraft; Laß uns auf unsrer wanderschaft Nie matt und zaghaft werden. Verläßt du uns, so sinken wir, Wenn du uns stärkst, so fiegen wir In jedem kampf auf erden. Endlich, Endlich Wird doch friede, Ew'ger friede, Und die krone Dei nen siegern dort zum lohne. 6. Gieb, daß in wahrer lieb und treu Der christen herz verbunden sey, Wie eines leibes glieder. Auch allen menschen hold zu seyn, Floß den beken: nern Jesu ein; Denn wir sind, alle brüder. Kein neid, Kein streit, Was der liebe Sanftem triebe Strebt entgegen, Müsse nie bey uns sich regen. 7. Ja, helfer! unsre lebens: zeit Sey ganz der heiligkeit geweiht, Sey fern von schuld und fünden. Laß uns es stets vor augen seyn, Daßlüste geist und herz entweihn, Und daß fie bald verschwinden. Heilig, Selig, Wen du führest Und regierest Bis zum ziele! Führer! leit uns bis zum ziele! Der du unser tröster bist, Und vater zu empfangen. Von dem heiligen Geiste und dessen Gaben c. 129 6. Stehe mir in allen lei: ich mich von dir entferne; den Stets mit deinem troffe Wo ists, daß ich weisheit bey, Daß ich auch alsdann lerne? mit freuden Gottes führung folgsam sey. Gieb mir ein gelaßnes herz, Laß mich selbst im todesschmerz, Bis zum froben überwinden, Deines frostes fraft empfinden. Mel. Liebster Jesu, wir sind hier. 167. Gº ott! du hast in deinem sohn Mich von ewigkeit erwählet. Sende nun von deinem thron Was noch meinem heile fehlet, Und gieb mir des geistes gaben; Durch sie werd ich alles haben. 2. Bin ich noch in fünden todt, Und zum guten ganz verloren; Heilger geist, mein herr und gott! Mache du mich neu geboren, Nette mich von dem verderben, Laß mich nicht in fünden sterben. 3. Treibe weg die finstre nacht Falscher zweifelnder ge: danken. Wenn die welt mich irre macht, Halte die vernunft in schranken. Wenn 4. Schenke mir ein reines herz, Daß ich stets an gott gedenke, Und mich oft mit reu und schmerz Ueber meine sünden frånke. Doch, nach den betrübten stunden Tröste mich durch Jefu wunden. 5. Pflanze du mich selbst in ihn, Als ein glied an seis nem leibe, und, wenn ich sein eigen bin, Hilf mir, daß ich es auch bleibe, Und als eine gute rebe Früchte bring, und in ihm lebe. 6. Glaube, lieb und hoffnung sey Stets die zierde meiner feele. In versuchung steh mir bey, Daß ich stets das beste wähle. Gieb du demuth mir in freuden, Und geduld und muth im leiden. 7. Hilf mir reden recht und wohl, Und des gottes= dienstes pflichten, Wie du forderst, wie ich soll, Ohne heucheley verrichten, Christlich leben, selig sterben, und dein himmelreich einst erben. Von dem Worte Gottes. Mel. Ich ruf zu dir, herr Jesu. nen willen Recht erfüllen, eil deinem volke, Und unsern durst nach dir Selbst aus der quelle stillen. 168. H dem du dich, Jehovah, offenbarest, Das 2. Weh denen, die sich fin du regierst, und väterlich Auf sterniß, Statt deines lichtes ebner bahn bewahrest! Heil wählen! Wie hoffnungslos, uns! denn dies dein volk wie ungewiß Sind ihre stol. sind wir. Du lehrst uns dei- zen seelen! Du selbst berufst Von dem Worte Gottes. 130 noch, Dein himme fisch reich zu erben, nicht zu 169. und auf fein Mel. Uch gott und herr. ott ist mein hort, sterben; Ihr leichtsinn stürzt sie doch In ewiges verderben. wort Soll meine seele trauen. Ich wandle hier, Mein gott! vor dir, Im glauben, nicht im schauen. 3. Der spotter sagt, du werdest nicht Uns deine rechte lehren; Denn die vernunft sey unser licht, Dich würdig zu verehren. Ach! wem dies schwache licht nur scheint, Der kann nicht vor sich se hen, Nichts verstehen, Und finket, wenn er meynt Auf festem grund zu stehen. 4. Gott!, die vernunft er kennet dich Aus allen deinen werken, Weiß dein gebot; doch weiß sie sich 3um guten nicht zu stärken. Wir fündigen, und sie kann nie Uns wieder dir versöhnen. Unfre thránen Siehst du; doch können sie nicht gnugthun, nicht versöhnen. 5. Uus furcht des todes waren wir Im ganzen leben knechte, Wenn uns bein wort nicht, gott! von dir Trost aus der höhe brachte. Der sünder kann durch Jesum Christ Für alle seine sünden Gnade finden, Der lufte macht und lift Durch glauben überwinden. 6. Ach, theur und werth fey uns dies wort! Denn du hafts uns gegeben, Es leit uns hier, es bring uns dort, O gott, zum ewgen leben! Lehr auch die spotter, die es noch Mit stolzem muth verachten, Werth es achten, Und unter Jesu joch Nach seinem reiche trachten. 2. Dein wort ist wahr; Laß immerdar Mich seire fräfte schmecken. Laß keinen spott, herr, mein gott! Mich von dem glauben schrecken. 3. Wo hátt' ich licht, Wofern mich nicht Dein wort die wahrheit lehrte? Gott! ohne sie Verstůnd' ich nie, Wie ich dich würdig ehrte. 4. Dein wort erklärt Der seele werth, Unsterblichkeit und leben. 3ur ewigkeit St diese zeit Von dir, herr! mir gegeben. 5. Dein ewger rath, Die missethat Der sünder zu verfühnen, Den kennt ich nicht, Wár mir dies licht nicht durch dein wort erschienen. 6. Nun darf mein herz In reu und schmerz Der sünden nicht verzagen; Nein, du verzeihst, Lehrst meinen geist Ein glaubig abba! sagen. 7. Mich zu erneun, Mich dir zu weihn, Ist meines heils geschaffte. Durch meine můh Bermag ichs nie; Dein wort giebt mir dir kräfte. 8. uns Herr, unser hort, Laß dies wort! Denn du hafts uns gegeben. Es sey mein theil, Es sey mir heil, Und kraft zum ewgen leben. Von dem Worte Gottes. Mel. Wer nur den lieben gott. 170. Dein wort, o hochster! ist voll kommen: Es lehrt uns unsre ganze pflicht, Es giebt dem sünder und dem frommen 3um leben sichern unterricht. O selig, wer es achtsam hört, Bewahrt und mit ge horsam ehrt! 2. Es leuchtet uns auf unsern wegen, Bertreibt des irrthums finsterniß, Es füllt mit freuden, bringt uns fe gen, und machet unser herz gewiß. Es lehrt uns, höch ster! was du bist, Und was dir wohlgefällig ist. 3. Dein wort ermuntert, dich zu lieben, Lehrt, wie viel guts du denen giebst, Die freudig dein gebot aus: üben, Und wie du väterlich uns liebst. Und was, o herr! dein mund verspricht, Bleibt ewig wahr, und trüget nicht. 131 Mel. Es ist das heil uns kommen. 171.ir menschen find 5. Drum laß auch mich mit luft betrachten, Was mich dein wort, o höchster! lehrt, Und auf das mit gehorsam achten, Was es von mir zu thun begehrt; So fließen trost und seelenruh, Auch mir aus deinem worte zu. zudem, ogott! Was geistlich ist, untüchtig; Dein wesen, wille und gebot Ist viel zu hoch und wichtig, Wir wissens und verstehens nicht, Wo uns dein göttlich wort und licht Den weg zu dir nicht zeiget. 2. Drum hast du ehmals ausgefandt Propheten, deine knechte; Du machtest uns durch sie bekannt Dein heil und deine rechte; 3ulegt ist selbst dein eigner sohn, O vater! von des himmels thron Gekommen, uns zu lehren. beir, gepreist! Laß uns da3. Für solches heil sey, bey verbleiben, und gieb uns deinen guten geist, Daß wir wirs annehmen jederzeit, Mit dem worte glauben, Daß demuth, ehrfurcht, lust und freud, Als gottes, nicht der menschen. 4. Gott, deine zeugnisse 4. Hilf, daß der frevler sind besser, Und mehr der ſehnsucht werth, als gold. Ihr werth ist köstlicher und größer, 213 alles noch so feine gold; Wer das thut, was dein wort gebeut, Dem ist dein segen stets bereit. frecher spott Uns nicht vom wort abwende; Denn du bist ein gerechter gott, Und strafft gewiß am ende. Gieb du felbst deinem donner kraft, Und laß der wirkung, die er schafft, Uns niemals wider= streben. 5. Uch! öffne uns verstand und herz, Daß wir dein wort recht fassen, In lieb und leid, in freud und schmerz Es aus der acht nicht lassen, Daß wir nicht hörer nur allein, Nein, auch des wortes thater 3 2 132 Von dem Worte Gottes. seyn, Frucht hundertfältig Gottes Wort ist wahr. bringen.de haftig. Mel. Schwing dich auf zu deinem. 172. Dewahrheit biſt, 172. er du ſelbst die 6. Der saam' am wege wird fofort Bom feinde wegge: nommen; In fels und steinen kann das wort Die wurzel nicht bekommen; Und wenn der saam' in dornen fällt, Hat forg und wollust dieser welt Bald seine kraft ersticket. Gott, zu dem ich sfinge, Gott, den fein verstand ermißt, Urs sprung aller dinge! Alle wahrheit kommt von dir In den menschenkindern, Sie er leuchtet uns, wenn wir Selbst ihr licht nicht hindern. 7. Uch! bilf, herr, daß wir werden gleich Dem fruchtbarn guten lande, Und seyn an gu ten werken reich In unserm amt und stande, Viel früchte bringen in geduld, Bewahren deine lehr und huld In eis nem guten herzen. 2. Vorurtheil und finsterniß Füllen unsre feelen, Unser blick ist ungewiß, Unsre schlüsse fehlen. Aber dein verstand weicht nicht Von der lautern wahr: heit, Was du denkest, das ist licht, Richtigkeit und klarheit. 8. Laß uns, dieweil wir leben hier, Die sünden ernstlich meiden, Gieb, daß wir halten fest an dir In trúbsal, kampf und leiden. Rott aus, was dir, herr! nicht gefällt, Hilf uns die forgen dieser welt Und böse lüste dämpfen. 3. Wirf dich, sterbliches geschlecht, Dankbar ihm zu füßen! Seine wahrheit und fein recht Låsset er dich wissen. Weit erschallt das wort des herrn, Das die welt bekehret, Glaubt es freudig, folgt ihm gern, Bólfer, die ihrs hôret! 9. Erhalt uns dein wort klar und rein, Und laß es unsern füßen Zu jeder zeit die leuchte seyn, Hilf, daß wir draus genießen Kraft, rath und trost in aller noth, Daß wir im leben und im tod Darauf beständig trauen. 10. Laß sich dein wort zu deiner ehr, O gott! sehr weit 5. Seele, wolltest du nicht ausbreiten. Hilf, Jesu! daß gott Zuversichtlich glauben? uns deine lehr Erleuchten Soll der leichtsinn, soll der móg und leiten. D, heilger spott Deinen trost dir raus geist! dein göttlich wort Laß ben? Der den himmel aufge in uns wirken fort und fert, baut, kann der treue lügen? Geduld, lieb, hoffnung glauben. 4. Gott! was uns dein wort verspricht, Wird und muß geschehen, Deine drohung kann auch nicht Leer vorüber gehen. Haben tausende nicht schon, Welche vor uns waren, Deine strafen, deinen lohn, Dir zum ruhm erfahren? Kann er den, der ihm ver traut, Heuchlerisch betrügen? Von dem Worte Gottes. 133 6. Stille die vernunft, die Und mit dem frommen ernst, fich Wider gott empöret, In gott dich zu erbaun. Wider seinen geist, der dich Sein geheimniß lehret. Lach des spotters, der sich blåht, Mehr als gott zu wissen; Er wird einst, vielleicht zu spát, Gott noch glauben müssen! 7. Erd und himmel wird vergehn; Gott dein wort wird bleiben, Lasterhafte, die es schmähn, Werdens nicht vertreiben. Könige sind staub vor dir, Staub mit ihren hee: ren, Du im himmel lachest ihr, Wenn sie sich empören. 8.Du bist wahrheit! ewig soll Mich von dir nichts trennen, Mich die welt, von arglist voll, Nicht erschüttern können. Muß ich hier gleich um dein wort Schmach und trübsal leiden, So belohnst du mirs doch dort, Gott! mit ehr und freuden. 3. Sprich fromm: o gott! vor dem Ich meine hände falte, Gieb, daß ich dein ges bot Für dein wort ewig halte, Und laß mich deinen rath Empfindungsvoll verstehn, Die wunder am gesek, Um wort vom kreuze sehn. 4. Er, aller wahrheit gott, Kann dich nicht irren lassen. Lies, christ! sein heilig buch, Lies oft; du wirst es fassen, So viel dein heil verlangt. Gott ists, der weisheit giebt, Wenn man sie redlich sucht, Und aus gewissen liebt. 5. Lies frey von leidenschaft, Und ledig von geschäften, Und sammle deinen geist mit allen seinen kräften. Der beste theil des tags, Des morgens heiterkeit, Und dann der tag des herrn, Der sey der schrift geweiht. 6. Rührt dich ein starker spruch, So ruf ihn dir zum glücke, Des tags oft in dein herz, Fm stillen oft zurücke, Empfinde seinen geist, Und stärke dich durch ihn Zum wahren edelmuth, Das gute zu vollziehn. Erweckung, die heilige Schrift fleißig und auf gehörige Weise zu lesen. Met. O gott, du frommer gott. 173. oll dein verderbtes herz Zur heiligung genesen, Christ! so verfaume nicht Das wortdes herrn zu lesen; Bedenke, daß dies wort Das heil der ganzen welt, Den rath der seligkeit, Den geist aus gott enthält. 2. Merk auf, als ob dir gott, Dein gott gerufen hätte, Merk auf, als ob er selbst Bu dir vom himmel redte! So lies, mit ehrfurcht lies, Mit lust und mit vertraun, voll, 7. Um tugendhaft zu seyn, Dazu sind wir auf erden. Thu, was die schrift gebeut, Dann wirst du inne werden, Die lehre sey von gott, Die dir verkündigt ist, und dann das wort verstehn, Dem du gehorsam bist. 8. Spricht sie geheimnißSo laß dich dies nicht 134 Von dem Worte Gottes. Aus finstern wolken sprach er sie Herab vom berge Sinai. schrecken, Ein endlicher ver gab uns der herr zebaoth, stand Kann gott nie ganz entdecken. Gott bleibt unendlich hoch; Wenn er sich dir erklärt, So glaube, was er spricht, Nicht, was dein wiß begehrt. 9. Sich seines schwachen lichts Bey gottes licht nicht schämen, Ist ruhm; und die vernunft Alsdann gefangen nehmen, Wenn gott sich offen: bart, Ist der geschöpfe pflicht; Und weise demuth ists, Das glauben, was gott spricht. 10. Drum laß dich, from: mer christ, Durch keinen zweifel frånken. Hier bist du find; doch dort Wird gott mehr licht dir schenken, Dort wächst mit deinem glück Dein licht in ewigkeit; Dort ist die zeit des schauns, Und hier des glaubens zeit. 11. Berehre stets die schrift; Und siehst du dunkelheiten, So laß dich deinen freund, Der mehr als du sieht, leiten. Ein forschender verstand, Der sich der schrift geweiht, Ein angefochtnes herz, Hebt manche dunkelheit. 12. Halt fest an gottes wort; Es ist dein glück auf erden, Und wird, so wahr gott ist, Dein glück im himmel werden. Verachte chriftlich groß Des bibelfeindes spott; Die lehre, die er schmäht, Bleibt doch das wort aus gott. 2. Ich bin der herr, sonst keiner mehr, Mich, und sonst keine götter ehr', Mich fürchte, mir vertraue dich, Nichts sollst du lieben, so wie mich. 3. Du sollst nicht frevents lich entehrn Den namen gottes deines herrn, Mit tiefer ehrfurcht nenn' ihn nur, Und halte deines eides schwur. 4. Der sabbath sey ein tag der ruh, Bring ihn in from mer andacht zu, Komm dankend vor mein angesicht, Und stårke dich in deiner pflicht. 5. Den vater und die mutter ehr, Gieb ihnen williges gehör, Sey eifrig, ihnen beyzustehn; So wirst du langes leben sehn. 6. Du sollst nicht tödten, und dich scheun Vor zorn und haß, nicht råcher seyn; Belei: digt zeige sanften muth, Der auch an seinden gutes thut. 7. Dein eh' sollst du be: wahren rein, Und auch dein herz soll heilig seyn, Dein leib und geist sey mir ges weiht, Dein ruhm sey zucht und mäßigkeit. 8. Mit unrecht mehre nicht dein gut; Verflucht ist der, der unrecht thut. Betrüge nie, und wuchre nicht, Und wohlthun sey dir freud und pflicht. 9. Du sollst kein falscher zeuge seyn, Verläumdung, Die zehen Gebote. Mel. Allein auf gott seg dein. ort an die heilgen 174. Sengebot! ſchmähſucht Von dem Worte Gottes. Des nächsten unschuld rette du, Und seine schande decke zu. 10. Des nächsten haus begehre nie, Auch nicht sein weib, knecht, magd und vieh; Gönn ihm sein glück und flieh den neid, Wenn gottes segen ihn erfreut. 11. Die heiligen gebote sind Gegeben, daß du deine sünd Erkennen folst, und lernen wohl, Wie man vor gott recht leben soll. 12. Das hilf uns du, herr Jesu Christ, Der du der mittler worden bist! Und stärke uns mit deiner kraft, Die in uns alles gute schafft. Mel. Es ist das heil uns kommen. 175. He err! deine rechte und gebot, Wonach wir foden leben, Wollst du, o mein getreuer gott! Ins herz mir selber geben, Daß ich zum guten willig sey, Und ohne falsch und heucheley, Was du befiehlst, vollbringe. 2. Gieb, daß ich dir allein vertrau, Allein dich fürcht' und liebe, Nuf menschen húlf und troft nicht bau, In dei ner furcht mich übe; Daß ich der großen gnad und gunft, Gewalt, pracht, reichthum, witz und kunst Nie ängstlich such und ehre. 3. Hilf, daß ich dich und deinen bund Aus deinem wort erkenne, Daß deinen namen nie mein mund Ohn ehrerbietung nenue: Gott! 135 unvergeßlich sey es mir, Was ich in meiner taufe dir So feyerlich versprochen. 4. Laß mich am tage deiner ruh Boll ehrfurcht mit den deinen In der versammlung, so wie du Befiehlst, vor dir erfcheinen, Dann dei ner im gebet mich freun, Ein hörer deines wortes feyn, Und nachmals auch ein thắter. 5. Gieb, daß ich eltern, obrigkeit, Und lehrer ehr und liebe, Sie nie durch widers seglichkeit und böses berz be trübe, Vielmehr für ihre forg und treu Erkenntlich und gehorsam sey, Und deinen se gen erbe. 6. Hilf, daß ich nimmer eigne rach Aus zorn und feindschaft übe, Dem, der mich frånkt durch haß und schmach, Verzeih, und gern ihn liebe, Mich über andrer wohlfahrt freu, Und wo ich kann, selbst willig sey, Ihr glück mit zu befördern. 7. Laß durch verbotne lu sternheit Mich nie mein herz entweihen, Und mich vor deiner heiligkeit Auch im verborgnen scheuen. D! laß mich heilig, keusch und rein, Enthaltsam, máßig, wachsam seyn, Selbst bey erlaubten freuden. 8. Gieb, herr! daß ich mich redlich nähr', Mich bôser ránke scháme, Mein herz vom geiz und unrecht kehr, Durch macht und list nichts nehme, Daß ich nie fleiß und arbeit scheu, Bufrieden und 136 Von dem Worte Gottes. wohlthätig sey, Nicht üppig, die glauben schafft, Gute nicht verschwendrisch. botschaft, uns zum leben, Von gott selbst gegeben! 2. Was dein wohlgefallen Vor der zeit uns allen, Gott! bestimmet hat, Was sonst dunkle schatten Vorgebildet hatten, Das vollführt dein rath. Daß dein eid dich nicht gereut, 3eigst du nun; in Jesu namen Wird er ja und amen. 3. Ulles ist vollendet, Gott hat den gesendet, Der ver= heißen war. Jesus, der sein leben Wollte für uns geben, Stellt sich wirklich dar, Ja er hat des höchsten rath Ganz vollbracht, und lebt in ehre; Ach erwünschte lehre! 4. Da uns strafen drohten, Was für frohe boten! Trost reich ist ihr mund, Lieblich ihre füße, Ihre lehren süße. Weich ein theurer bund! Got: tes huld tilgt unsre schuld, Und wer ihn mit glauben ebret, Wird von ihm erhöret. 9. Hilf, daß ich meines nächsten ehr 3u retten mich befleiße. Das, was ich kann, zum besten kehr, Doch böses nicht gut heiße, Stets zeige treu und redlichkeit, Und abscheu trage jederzeit Un falschheit, schmähn und lügen. 10. Laß mich des nächsten haus mit list Und unrecht nicht begehren; Das aber, was mir nöthig ist, Wollst du mir, gott, bescheeren. Doch laß mich auch das größte gut, Ein ruhig berz und frohen muth, Und deine gnade haben. 11. Wie gern möcht' ich, o herr, mein gott! Nach deis nem heil'gen willen, Ull' deine rechte und gebot, Die du mir gabst, erfüllen! Allein du weißt, was mir gebricht, Jch schwacher, ich vermag es nicht Aus meinen eignen kräften. 12. Drumgieb du mir von deinem thron, Gott vater! gnad und stärke., Zerstöre, Jefu, gottes sohn, In mir der sunden werke. Dheilger geist! hilf mir, daß ich Gott über alles, und als mich Auch meinen nächsten liebe. Von dem Evangelio. Mel. Jesu, meine freude. ort aus gottes 176.23 ort munde, Wort vom friedensbunde, Evanges lium! Bald, da wir gefallen, Ließ dich gott erschallen, Du bist unser ruhm! Gottes kraft, 5. Auf und wehrt den schmerzen, Kommt, ihr, deren herzen Das gesetz zerschlug, Kommt zu dessen gnaden, Der für euch beladen Alle schmerzen trug! Jesu tod verföhnt euch gott, Gott, der euch als vater liebet, Und die schuld vergiebet. 6. Hierauf will ich bauen, Christo mich vertrauen, Und in ihm mich freun. Ihm nur will ich leben, Ihm mich ganz ergeben, Ewig treu ihm feyn. So werd ich auch einst Von dem Worte Gottes. 137 durch dich, mein heiland! 4. Entscheidet die vernunft selig sterben, und den himmel erben. die fragen Durch ihrer einsicht schwaches licht? Hebt sie die zweifel, die mich plagen, und bleibt der trost, Den sie verspricht? Ach! ohne finsterniß und tod mein theil. er du das das und heil War 5. Ja, du hast mich den finsternissen Des irrthums und der fünde macht Durch deine lebre, herr! entrissen, Shr licht zerstreut des zweit fels nacht. Du zeigest mir des höchsten rath, Und führst mich auf der wahrheit pfad. 6. gott Ich weiß, wozu mich erschaffen, Ich kenne meine ganze pflicht; Mein geist wird nicht im tod entschlafen Wer an dich glaubt, wird im gericht Durch dich, o heiland! wohl bestehn, Und dann verklärt dich selber sehn. 7. O Jesu! laß mich deiner lehre Gehorchen mit stets größrer lust, und keines spotters wahn zerstöre Dein heiligthum in meiner brust; Mein ganzes leben preise dich, Dein heil erfreu im tode mich. Vortrefflichkeit der christ. lichen Religion. Mel. Wer nur den lieben gott. 177.fen mir geges den, Wie preif' ich dich, o gott, dafür! Nie kann mein dank dich gnug erheben; Durch Christus schenktest du es mir. Kein licht, kein troft erfreute mich, Kennt ich nicht, Jesu Christe! dich. 2. Auf ungewissen finstern pfaden Würd ich ein raub des irrthums seyn, Mit sündenschuld und fluch beladen, Müßt ich des richters rache scheun, Ich fånde keinen troft in noth, Mich schreckte slund lich grab und tod. 3. Wozu hat mich mein gott erschaffen, Was ist auf erden meine pflicht? Wird auch mein geist im tod ent schlafen? Und hålt gott künf tig ein gericht? Wie werd ich im gericht bestehn, Wie der verdienten straf entgehn? Von der christlichen Kirche. Um Erhaltung und Be thron bestehet ewiglich, Verschügung der christlichen geblich wird sich wider dich Kirche. Die ganze bölle waffnen. Mel. Wår gott nicht mit uns. 2. Dein reich ist nicht von 178. brohn, Drum konnt auch ie feinde deines dieser welt, kein werk von menDein reich, herr! zu verwüsten, Du aber, mittler, gottes fohn! Beschüßest deine christen. Dein teine macht der welt, Herr, fei nen fortgang hindern. Dir können deine hasser nie Die 138 Von der christlichen Kirche. 3. Weit wollst du deine herrschaft noch In deiner welt verbreiten, und unter dein so sanftes joch Die volker alle leiten, Vom aufgang bis zum niedergang Bring alle welt dir preis und dank, Und ebre rauben; selbst durch sie dich, Beherrscher, deine from: Wird sie vergrößert werden. men! Der tag ist nah, deß freun sie sich, Da du wirst wieder kommen. Den sündern kommst du zum gericht, Uns segnet dann dein angesicht Mit wonne der gerechten. 9. Sa, komm, o Jesu! komme bald 3u deinem volke glaub an deinen namen. wieder, Befrey durch deines 4. Auch deine feinde, die dich schmähn, Die frevelnd sich empören, Laß deiner gnade wunder fehn, Daß fie sich noch bekehren, Lehr sie mit uns gen himmel schaun, Mel. Erhalt uns, herr, bey. Und unerschüttert im vertraun 179. Erhalt uns, bet, Auf bey deinem wort, Und steure deiner feinde mord, Die gleichsam Christum deinen sohn Vom throne frech zu stürzen drohn. 5. Uns christen aber wollest du Fest in der wahrheit gründen, Daß wir für unsre feelen ruh In deiner gnade finden. Mach unsers glau bens uns gewiß, Vor irr: thum und vor finsterniß Be: wahr uns, weil wir leben. 6. Ein frommes herz schaff in uns, herr! Ein herz nach deinem willen, Und lehre täglich fertiger Uns dein gefe erfüllen; Gehorsam dei ner vorschrift seyn, Und dann uns deiner gnade freun, Sey unser heil auf erden. arms gewalt Uns, deines reiches glieder. Dein himmelreich ist uns bereit, Von ewigkeit zu ewigkeit Wird's unser erbtheil bleiben. 7. So wird dein volk die unterthan, Und lernt die sünde meiden, Und du führst es auf ebner bahn Zu deines reiches freuden. Und herrlich wird in dieser zeit, Noch herrlicher in ewigkeit, Dein großer name werden. 8. Voll zuversicht erwarten 2. Zeig deine macht, herr Jesu Christ, Der du herr, aller herren bist! Beschirmedeine christenheit, Daß sie dich lob' in ewigkeit. 3. Gieb, heil'ger geist! uns einen sinn, Nimm alle zwietracht von uns hin. Vor deines wortes licht und macht Entflieh des wahns und irr thums nacht. 4. Herr! laß uns dir befoh len seyn, Schau unsre noth, wir sind ja dein. Erhalt im glauben uns getreu, Mach uns von unsern feinden frey. 5. Sie dichten, herr, ein frevelstück, Bring fie zur liebe doch zurück! Sie graz ben gruben mit viel müh, Beschüge uns, bekehre sie! Von der christlichen Kirche. 139 boch, Du, unser herr, gott! 181. A gott b lebest bey deiner kirche fest, Die sich allein auf dich verläßt. 6. So werden sie erkennen Mel. Uch gott, vom himmel. ch vom himmel sieh darein, Und laß es dich erbars. men. Wie wenig herzen sind noch dein, Entzieh dich nicht uns armen! Dein theures Empórt sich wider o wort hålt man für spott, gott! Will deinen sohn nicht kennen. Mel. Erhalt uns, herr, bey. er spotter strom 180. Erhalt uns, herr! bey dei nem wort; So fönnen wir uns, vater! dein Sm leben und im tode freun. 2. Ein haufe låfirer wagts, o gott! Mit wildem ausgelaß nem spott, Den heiland, deinen sohn, zu schmáhn, Durch den selbst himmel einst vergebn. 3. Ach! ihrer lehre pest, o berr! Schleicht iso nicht im finfiern mehr; Um mittag, herr! bricht sie hervor, Und hebt ihr tödtend haupt empor. 4. Sie herrscht durch große dieser welt; Herr! Herr! wenn uns dein arm nicht hält, So reißet sie noch viele fort, Gieb sieg und leben durch dein wort. 5. Beschüß uns, heiland, Jesu Christ, Der du zur rechten gottes bist! Sey unfer schild und starke wehr; Staub ist vor dir der spötter heer. 6. Du haft von ewigkeit gefehn, Wie lange noch ihr troß bestehn, Und wider dich hier schnauben soll. Vielleicht ist nun ibr maaß bald voll. 7. Auch sie, o herr! hast du versöhnt, Sie, deren spott dich ist verhöhnt. Gieb, daß noch vor der todesnacht Zur ernsten reu ihr geist erwacht. 2. Sie lebren eitte tråumerey, Was eigenwit erfindet. In keiner wahrheit ist dabey Ihr unstet herz ge= gründet. Der wählet dies, der andre das, Es trennen sich ohn unterlaß, Die mit vernunft fich brüsten. 3. Uch herr, mein gott! vertilge doch Des irrthums freche lehren. Sieh! ihre zunge frevelt noch, Und spricht, dich zu entehren: Wir schaun tief in die wahrheit ein, Uns tauſcht kein gleißnerischer schein, Nur blinde herzen glauben. 4. Gott siehts, und spricht: bald kommt die zeit, Daß ich dem frevel steure, Damit sich in der christenheit Kein hei denthum erneure. Indessen greift den schnöden wahn Sein wort mit starken waffen an, Und bleibt unüberwindlich. 5. Im feuer siebenmal bewährt, Glänzt edles silber heller, lind durch verspottungen bewährt, Strahlt gottes wort auch heller. Der strahlen siegende gewalt Durchbricht der zweifel nebel bald, Und blender selbst die feinde. 140 Von der christlichen Kirche. 6. Dein licht leucht uns, Gelobt sey Jesus Christ! damit uns nie Das frevelnde Wer hier sein jünger ist, geschlechte In seine schlauen Sein wort von herzen hält, nege zieh, Nie unter uns Dem kann die ganze welt fich flechte; Denn alle bos: Die seligkeit nicht rauben. heit wächst geschwind, Wo fre: cher spott erst kraft gewinnt, Sein gift ertödtet seelen. 7. D dámpfe selbst, du starker gott, Die dir die ehre rauben! Jesu Christ, bey ihrem spott Stårk kräftig unfern glauben! O heil'ger geist, verleih uns gnad, Daß wir vor abfall und verrath Mit ganzem ernst uns hüten! 4 Nuf, christen! die ihr ihm vertraut, Laßt euch kein drohn erschrecken, Der gott, der von dem himmel schaut, Wird uns gewiß bedecken. Der herr, der höchste gott; Hålt über sein gebot, Giebt uns geduld in noth, Und kraft und muth im tod; Was will uns denn erschrecken? Mel. Eine feste burg ist unser. enn Christus 182.e feine firche schüßt, So mag die hölle wüthen, Er, der zur rechten got tes sist, Hat macht ihr zu gebieten. Er ist mit hülfe nah, Wenn er gebeut, stehts da. Er schütt, zu seinem ruhm, Mit macht sein christenthum; Mag doch die hölle wüthen! 2. Gott sieht die fürsten auf dem thron Sich wider ihn empören; Denn den gefalbten, seinen sohn, Den wollen sie nicht ehren. Sie schämen sich des worts Des heilands, unsers horts, Sein kreuz ist selbst ihr spott; Doch ihrer lachet gott, Sie mögen sich empören. 3. Der frevler mag die wahrheit schmähn, Uns kann er sie nicht rauben. Der unchrist mag ihr widerstehn, Wir halten fest am glauben. 183.inft Mel. Eine feste burg ist unser. in starker schutz ist unser gott! Auf ihn steht unser hoffen. Er hilft uns treu aus aller noth, So viel uns je betrof sen. Satan, unser feind, Der mit ernst es meynt, Rüstet sich mit list, Troßt, daß er mächtig ist; Shm gleicht kein feind auf erden. 2. Nicht unsre macht ists, die ihn fällt, Wir waren bald verloren. Es kämpft für uns der rechte held, Den gott uns selbst erkoren. Fragst du, wer er ist? Er heißt Jesus Christ, Der herr zebaoth. Er, unser herr und gott. Er muß den sieg behalten. 3. Und wenn die welt voll teufel wär', Die uns vers schlingen wollten; So fürchten wir uns nicht so sehr, Daß wir drum weichen soll. ten. Wenn der fürst der welt Sich schon grimmig stellt, Von der christlichen Kirche. 141 Schreckt er uns doch nicht, Christ Lebendig für sein heil Er ist ja lángst gericht't, Ein wort kann ihn schon fållen. erkennt, Durch ihn dich sei 4. Das wort steht fest! die stolze welt Mag noch so beftig toben. Der herr mit uns, der starke held! Der giebt uns sieg von oben. Tödten sie den leib, Nehmen kind und weib, Rauben gut und ehr, Sie nehmens! was ists mehr? Uns muß der himmel bleiben: Mel. Wend ab deinen zorn. 184. Shuge die deinen, die nach dir sich nennen, Und dich, o Jesu! vor der welt bekennen, Laß deinen hånden, wie du selbst verheißen, Nichts sie entreißen. 2. Laß deine wahrheit rein verkündigt werden, Mach ihre fiege herrlicher auf erden. Gieb muth und weisheit denen, die sie lehren, Dein reich zu mehren. 3. Du hast noch niemals, herr! dein wort gebrochen. Führe die deinen, wie du selbst versprochen, Führe sie endlich aus dem Eampf hie nieden 3um ew'gen frieden. 4. Ewig, o heiland! sey dein nam' erhoben, Ewigfrobtockend müsse dich einst loben, Odu beschirmer deiner schwachen heers de, Himmel und erde. Um Ausbreitung und Beförderung der christlichen Religion. nen vater nennt! 2. Im geiste betet er dich an, Und geht unstråflich seine bahn; Denn, was er glaubt, und was er thut, Ist wahrheit, ist gerecht und gut. 3. Ein starker fels, der ewig steht. Sst ihm dein nam'; auf ihn erhöht, Sieht er mit unverletzter ruh Dem untergang der erde zu. 4. Du fåttigst ihn mit se: ligkeit Von nun an bis in ewigkeit, Und ewig ist sein frommer dank, Herr! deines namens lobgefang. 5. Ach, heilig sey dein nam' und recht Dem ganzen menschlichen geschlecht! Dich bete, wer dich denken fann, Im geist und in der wahrheit an! 6. Verbreite deines wortes schall, Wie deine wohlthat überall, Daß alle lernen, wer du seyst, Jehovah, vater, sohn und geist! 7. Dein rath, du, der da ist und war, Werd allen völkern offenbar, Daß dein gesandter, Jesus Christ! Die wahrheit und das leben ist. 8. Daß, wer an ihn glaubt, sein gebot Auch halten muß bis an den tod, Daß der in seinem lauf nicht irrt, Und durch den glauben selig wird. Mel. Herr Jesu Christ, dich zu. 9. Lehr uns, die deinen rath verstehn, Gehorsam deine 185. Gott, unfer gott, wege ott, unser gott, wege gehn, Durch deines wie heilig ist wortes licht und kraft Mach Dein name dem, der Jesum gläubig uns und tugendhaft. 142 Von der christlichen Kirche. 10. Durch wahrheit dåm: segn' uns und der sohn, Und pfe jeden wahn, Erleucht uns allen unsre bahn, Das laster tilg aus unsrer brust, Und tödt in uns die böse lust. er, der geist von beyden, Es segn' uns gott, geb uns den lohn, Der nach der erde leiden, Die müden pilger tröstet. Mel. Wend ab deinen zorn. o Jesu! 11. So heiligt deine chri stenheit Herr! Deinen namen in der zeit, und ist und bleibt 187. Laß bocht weich auf ihre dein werke sind dein ruhm. dein erden, Unter den fündern ausgebreitet werden; Schenke noch ihnen, deiner leiden we: gen, Leben und segen. 2. Gieb ihnen gnade, dich recht zu erkennen, Daß sie dich glaubig ihren herren nennen; Gieb ihnen eifer, deinen guten willen Treu zu erfüllen. 3. Mit heil'ger achtung laß die schrift fie ehren, Denn sie verkündigt deines mundes lehren; Außer ihr suchen sterbliche vergebens Den weg des lebens. 4. Steure, erbarmer! deis ner feinde grimme. Warne die deinen vor des irrthums stimme, Lehre sie prüfen, daß fie falsche freuden Klüglich vermeiden. 12. Dort stellst du sie um deinen thron, Und unaus sprechlich ist ihr lohn. Ge: beiligt wird, wie in der zeit, Durch sie dein nam' in ewigkeit. Mel. Es woll' uns gott genädig. 186. 8 wolle gott uns gnädig seyn, Und seinen segen geben, Mit feiner vaterliebe schein Er: leucht er uns zum leben. Laß uns erkennen, unser gott! Dein großes werk auf erden, Laß Jesu Christi lehr und tod Erkannt von allen werden, Und alle dir bekehren. 2. So danken dir und loben dich Die nationen alle, So freut der ganze weltkreis sich, Und singt mit großem 5. Sey du ihr licht in ih schalle, Daß du sein gott ren finsternissen, Heile selbst und vater bist, Nicht läßt ihr verwundetes gewissen. die fünde walten, und daß dein wort das mittel ist, Uns alle zu erhalten, Und uns zu dir zu führen. 3. So danke, gott, und lobe dich Dein volk durch gute thaten, Es bringe frucht, und beßre fich, Dein wort.laß wohl gerathen. Der vater Schlågt oft ein kummer ihre herzen nieder, Stärke fie wieder. 6. Schüße uns mächtig mitten unter bösen, Bis du von ihnen ganz uns wirst erlófen, Bis wir zum um gang der verklärten frommen Frohlockend kommen. Von der heiligen Taufe. 188. A jordan kam, und Mel. Christ, unser herr, zum. fls unser herr zum nach des vaters willen Die taufe von Johannes nahm, Sein werk wohl zu erfüllen, Da stiftet' er für uns ein bad, 3u waschen uns von sünden, Daß wir hier könnten heil und rath Und kraft zum guten finden; Es galt ein neues leben. 143 4. Auch steht hier gottes sohn verklärt, 21s einer un ster brüder, und gleich als eine taube fährt Auf ihn der geist hernieder, Daß hieran leber wiß und merk, Gott ſelbst hab ihn gesendet, Und ihn zu dem erlösungswerk, Das er getreu vollendet, Mit geist und kraft gefalbet. 5. Den jüngern sagte Se sus Christ: Geht, alle welt zu lehren, Es folle, was verloren ist. Zur buße sich bekehren; Wer glaubet und sich taufen läßt, Der soll den himmel erben; Hält er an solchem glauben fest, Kann er nicht ewig sterben, Denn er ist neu geboren. 6. Wer gottes weisen gnadenrath Verachtet, bleibt in sünden, Und büßt, was er verwirket hat, Einst in der hölle schlünden, Es fehlt ihm luft und kraft und licht, Den fünden abzusterben, Sein eignes thun befreyt ihn nicht Vom tod und vom verder= ben; Er kann sich selbst nicht helfen. 2. So hör und merke je, der wohl, Was gott selbst taufen nenne, Damit er, was er glauben soll, Von wahn und irrthum trenne. Gott spricht und will, daß wasser sey, Doch ist die taufe fråftig; Sie ist ein fiegel seiner treu, Sein geist ist selbst geschäftig, Er ist der rechte täufer. 3. Er felber wollt uns die ses klar In wort und bildern lehren. Um jordan ließ sich Mel. Christ, unser herr, zum. offenbar Des vaters stimme 189. gott! bey dir ist heil und bören. Er sprach: dies ist gnad In aller noth zu finmein lieber sohn, 2n ihm hab den, Du giebst uns durch ich gefallen, Sprecht nicht dein wasserbad Vergebung ihm widerspenstig hohn, Er unsrer fünden. Dein unereigt mein heil euch allen; forschter rath erweist Uns Drum folget feiner lehre. durch ein sichtbar zeichen, D vater, sohn und heil'ger geist! Es sey nichts zu vergleichen, Mit deiner gnad und liebe. 2. Du hast in deinen gnadenbund 3um find mich aufgenommen, Und machst voll huld den weg mir kund, Wie ich zu dir kann kommen. Du 144 Von der heiligen Taufe. hattest ursach, uns vielmehr forgfalt denk ich dran, Wie 3u strafen und zu hassen, Und ich ihn mög erfüllen, Durch hast dich, großer gott, so sehr deine kraft und stärke. Zu uns herabgelassen, Den bund mit uns zu stiften. 7 7. Gott vater, sohn und geist! verleih, Daß ich fest an dich glaube, Mich meines taufbunds tröst und freu, Darin beständig bleibe, Daß ich das böse flieh und hass", Des fleisches lüfte dåmpfe, Im guten niemals werde laß, Hier bis ans ende kämpse, Und dort dein reich ererbe. 3. Dadurch bin ich nun, als dein kind, Versichert deiner gnaden, Was sich für schwachheit an mir find't, Das låst du mir nicht scha: den. Den geist der gnaden giebst du mir, Und wenn ich vor dich trete, Mein herz ausschütte, gott! vor dir, Nach deinem willen bete, Werd ich allzeit erhöret. 4. Hingegen hab ich mich verpflicht't, Ich woll' ein gut gewissen Stets bey des glaubens zuversicht 3u halten seyn beslissen, Dich, vater, sohn und geist allzeit Für meinen gott erkennen, Mit tiefer ehrerbietigkeit Dich meinen herren nennen, Und dir alleine dienen. 5. Der sünde hab ich ab gesagt, Auch allen fatanswerken, Wenn reizung nun sich an mich wagt, kann die ser bund mich stärken. 3um tempel richtest du mich zu, Dir bin ich neu geboren, Daß ich nur lauter gutes thu, Dazu bin ich erforen, Erschaffen und erlöset. 6. Dem hang zur fünde sterb' ich ab, Damit ich góttlich lebe, Und muthig stets bis in mein grab Den lüsten widerstrebe. Dem guten hång ich eifrig an, Und liebe deis nen willen, Mit fleiß und Mel. Wer nur den lieben gott. ch bin getauft 190. auf deinen na: men, Gott vater, sohn und heil'ger geist! Ich bin ge záhlt zu deinem saamen, Zum volk, das dir geheiligt heißt. O welch ein glück ward dadurch mein! Laß, herr! mich dessen würdig seyn. 2. Du hast mich für dein kind erklåret, Mein vater! und ein selig theil Hast du, sohn gottes! mir gewähret An dem von dir erworbnen heil. Du willst, mein leben gott zu weihn, Geist gottes! selbst mein beystand seyn. 3. Die liebe ist nicht zu ermessen, Die du, mein gott! mir zugewandt. D! laß mich nie die pflicht vergessen, Da zu ich selbst mich dir ver band, 21s du in deinen bund mich nahmst, Und mir mit heil entgegen kamst. 4. Du bist getreu; auf deiner feite Bleibt dieser bund stets feste stehn, Ja Von der heiligen Taufe. 145 felbst, wenn ich ihn über feyerlich dir that, Oft bab schreite, Läßt du dein vater: herz mich sehn, Du kiopfst an mein gewissen an, Und lockst mich auf die rechte bahn. 5. Ich gebe, höchster gott! aufs neue Dir feel und leib zum opfer b: n, Erwecke mich zu neuer treue, Und bilde mich nach deinem finn. Weich, eitle welt! o sünde, weich! Gott hört es; jest entfag ich eud. 6. Befestige dies mein ver: ſprechen, Mein vater! und bewarre mih, Daß ich es niemals möge brechen. Mein ganzes leben preife dich! Gott meines beils! fey ewig mein, Und laß mich stets den deinen seyn. Erncucrung des Tauf bundes. Mel. Wer nur den lieben gott. 191. err! dir gelob ich neue treue, Und neuen fleiß im christentbum Dir, Jefu! geb ich mich aufs neue Zu deines namens eigen thum. Ich will von dir, v geist! allein Bewohnet und geleitet ſeyn. 2. Dreyein'ger! nimm von deinem finde Den eid der neuen treue hin. Bisher war ich ein knecht der fünde; Nun will ich ihre reize fliebn, Und mich mit ernst der tu gend weihn, Sieh! dieser tag soll zeuge seyn. 3. Uch! oft hab ich den eid gebrochen, Den ich einst ich besserung versprosen, Die nie mein berz erfület bat. un heute fehr ich mich zu dir, Ich will mich bessern; hilf du mir 4. Nie will ich wieder treue los werden, Nie drine ten wege fliebn Kein fbeinant, keine lust der ersen. Kein laster soll mich die entzichn. Beich, leidenschaft! v finde, weich!( Sott bort es; jest entfag ich euch. 5. O gott! regiere du mein leben, und mache felbft mein herz dir treu, Daß ich der frömmigkeit ergeben, Und beilig. Aarf und weife sey; Denn obne tich bleibt im: merdar Mein herz verkehrt und wandelbar. 6 Einst werd ich herr! vor deinem throne en tag des buntes benedern, Gefomidt mit jener fiegerfrone, Werd ich dann ewia felig feyn. O welch ein beil! wie freu ich mich! Herr, nimm mich hin! dein, dein bin ich! Mel. Liebster Jesu, wir sind hier. der 192. M du mich Dir zum eigenthum erkaufet; Als dein junger bin auch ich. Bormals auf den port ges taufet. Deiwede mich zum fleiße, Recht zu seyn das, was ich beiße. 2. Laß mich, berr! mit achtsamkeit meinen taufbund oft betrachten; Vaj mich das 146 Von der heiligen Taufe. zu jeder zeit Für mein größ- in dem wasserbade Zu deinem tes glück hier achten, Daß ich, Jesu, deinen willen Treulich suche zu erfüllen. kind und erben ein. O felig, fennt es einst den werth Des glücks, daß es dir angehört! 3. Dieser erde gut und ruhm Bleibt im Tode doch zurücke; Nur ein wahres nach der Taufe. M: 1. Nun lob, mein feel, den. christenthum Folgt uns nach 194. G eweiht zum zum ew'gen glücke. Davon ist auch nach dem sterben, Ewig segen zu ererben. 4. Laß mich denn, wie dirs gefällt, Deinem dienst, herr! ganz ergeben, Und entfernt vom sinn der welt, Als dein treuer jünger leben, Daß ich einst auch, wenn ich sterbe, Das verheißne leben erbe. christenthume, Ist dieses kind nun gott geweiht. Erzich es dir zum ruhme, Und, vater, einst zur herrlichkeit. Verlängert deine liebe Sein leben, so verleih Durch deines geistes triebe, Daß es dir folgfam sey, Daß es den werth der tugend Schon früh empfinden lern, Es ziere seine jugend Die sel'ge lust am herrn. Bey einer Taufhandlung. Vor der Taufe. 2. Uuch wir sind gottge: weihte! Auch unsrer taufe theurer bund Erweck aufs neu Mel. Wer nur den lieben gott. 193. Du wiefeft, es auch heute, 3um lobe gottes nicht die Entflamm zum vertrauen, Mit kindlich frobem sinn Gen himmel aufzuschauen, 3u unserm vater hin, Ermuntr' uns, zu ermessen, Was uns sein wort verspricht, und nimmer zu vergessen Der ihm gelobten pflicht. 3. Du, vater von uns allen! Olehre du uns selber thun Nach deinem wohlge: fallen, Laß deinen segen auf uns ruhn. Du wirst bey die sem leben, Wie du bisher gethan, Was wir bedürfen, geben; Verleih uns nur als dann Die beste deiner gaben Daß wir durch Jesum Chrift kleinen, Die dir die eltern brachten, ab, Erkanntst auch finder für die deinen, Und sahst voll huld auf sie her: ab, Laßt, sprachst du, lasset fie zu mir, Und wißt, das himmelreich ist ihr. 2. Dir sey auch dieses find empfohlen. Dir, dessen treu unwandelbar! Wir bringens, wie du selbst befohlen, Dir in der heil'gen taufe dar. Uch segn' es, vater, sohn und geist! Wie uns theures wort verheißt. dein 3. Durch dieses fiegel bei ner gnade Bird jedes recht der christen sein. Weih du es Von der heiligen Taufe. Theil an dem erbe haben, ach der Confirmation. Das unverwelklich ist. Mel. Es woll' uns gott genådig. Vor der Confirmation 196. fárke, mittler, Christen. stårke 147 2. Sie wollen, deiner sich zu freun, Gott! ihren bund mit dir erneun, Und feyerlich den eid dir schwören, Dich, gott, zu lieben, zu verehren, Im glauben treu, im herzen rein, Im wandel ohne falsch zu seyn. Dreyeiniger! sprich du das amen 3um festen schwur bey deinem namen, und stärke sie! und stårke fie! 195. Erbor, Mel. Komm, heilger geist, herre. o gott! das heiße flehn Der kinder, die hier vor dir wir, Sinds jetzt und bis ans ende, Und wollens ewig bleiben. stehn, Erbarmend blick auf gott! dein eigenthum sind sie hernieder, Denn dein sind fie, sind Jesu glieder! Gieb ibnen, vater, sohn und geist! Den segen, den dein wort verheißt, Erfülle sie mit deinen gaben, Laß tröstung ihre feele laben. Erbarme dich! erbarme dich! 2. Wie viele schwuren eb mals auch, Un dir, gott! fest zu halten, Allein wie treulos ließen sie Bald ihre lieb erkalten! Ach, laß die, die sich hier dir weihn, Dich, höchster! ewig lieben, Laß sie im glauben standhaft seyn, Und jede tugend üben, Nie ihr gelübbe brechen! deine theurerlöften! Und laß sie ihr vertraun auf dich, Im tod und leben trösten! Dreyeiniger! fie schwuren dir, Dir selbst in deine hånde: 3. Schenk ihnen muth und freudigkeit, Laß ihrer zusag heiligkeit So stark, so tief ihr herz durchdringen, Daß fie ihr wollen treu vollbrin3. Versucht der spotter zahlreich heer, Herr! ihnen ihren glauben, und ihrer hoffnung zuversicht, Und ruh und trost zu rauben; Uch dann steh ihnen, großer gott! Mit deiner fraft zur feiten, Hilf ihnen irrthum, schmåhung, spott, Und jeden feind bestreiten, Und muthig überwinden! 4. Lockt sie ihr herz, lockt gen. Auch uns laß jetzt mit sie die welt Hin zu verbotherz und mund Mit dir er-' nen lüsten, So wollest du neuern unsern bund, Und einst vereint, wie wir dir flehen, mit ihnen ein zum himmel gehen. Erhör uns, gott! erhör uns, gott! mit muth und kraft Sie aus der böh ausrüsten! D laß fie feiner bösen luft Je treulos unterliegen! Dämpf du fie früh in ihrer brust, Im 2 148 Von der heiligen Taufe. fampfe laß fie fieacn, Hilf lich trösten! D schöpfer! wieder auf. die fallen! mittler! tröster! gott! Laß fie 5. Ent in ter todesangst dann selig sterben, und dir laß fie, Sie, deine theurer- getreu bis in den tod, Den löften, Noch ihres glaubens lohn des himmels erben! Er festigkeit Ganz unaussprech- hör uns gnädig! Amen. Vom heiligen Abendmahle. Mel. O Jesu, du mein bräutigam. 197. err, der ou als ein stilles lamm Um martervollen kreuzes: stamm 3ur tilgung meiner fundenlast Für mich dich felbit acopfert bast! 2. Jm nachtmahl feyr' ich teinen tod; Hier nährst du mich mit himmelsbrud, Hier ist das unfcházbare gut. Das du mir giebst, dein leib und blut. 3. Hier labet mich, als deinen gast, Der leib, den du geopfert hast, Dein blut, das dir vergossen ward, Mit göttlicher allgegenwart. 4. D liebe, welcher feine gleicht, wunder, das kein wig erreicht, Mir unbegreif lich, und doch wahr! Dusagst es, und dein wort ist Flar. 5 gottmenich! hilf mir, daß ich ja Mit tiefster ebr furcht dir mich nah. Dherr! mein mund empfahe nicht Des lebens speise zum gericht. 6. Hilf, daß mühselig und beschwert, Mein gläubigs herz darnach begehrt, Der wohithat ganze größ' ermißt, Und deiner liebe nicht vergißt. 7. Hier deinen liebevoll n tod Berkündigen, in den gebot; Hilf, daß ich ihn, als vor mir seh, Auch sein geheimniß wohl versteh. 8. D- n fluch, den hier mein bürge trug, Die wunden, die auch ich dir schlug, Den segen, den du, als du starbß, Durch deinen tod auch mir erwarbst. 9. Mein herr und gott! ich glaub an dich, Und weiß gewiß, du fegneft mich; Wenn wir mit glauben zu dir nahn, Willst du dich uns mit gnade nahn. 10. Ich erd und asche bins nicht werth, Daß so viel beil mir wiederfährt. Du willst, erbabner! nicht verschmårn, Zu meinem herzen einzugehn. 11. Mein herz steht offen, richte du Es dir, herr, selbst zur wohnung zu, Wirf alle laster ganz hinaus, Schmuck es mit jeder tugend aus. 12 Du kommst; geſegnet seyst du mir! Du bleibst in mir, unp ich in dir. Ich end' in dir einst mein.n lauf, Und du weckfi mich vom tode auf. 13. O wie so große segen Vom heiligen Abendmahle. giebt Dein leib und blut dem, der dich liebt! Shm ifts ein pfand der seligkeit, Ein siegel der gerechtigkeit. 14. Es überzeugt in zweis felmuth Von der erlösung durch dein blut, Auch von Vor der Communion zu erlassung unsrer schuld, Und Hause. gottes uns geschenkter buld. 15. reich ers Mel. Nun freut euch, lieben. ch will gießet fich, hier meines mitt: 198. mai des beren, mahl lere lieb in mich! Hier schau ich seine mildigkeit, Und schmecke feine freundlichkeit. 16. Wie brünstig eu, mein Jefu liebst, Bezeugt dies pfand, das du mir giebst. Nichts scheidet ferner dich und mich, Mich liebest du; ich liebe dich. 17. Dich, herr! dich lieb ich unverrückt, Wenn weltluft lockt, wenn drangfal drückt. Berschmachtet leib und seele mnir, Lieb ich dich doch, und bleib an dir. 18. Uuch stårkt mich dies ses mahles fraft Auf meiner ganzen pilgrimfchaft, Im fampf voll muth zu wider stehn, Und der versuchung zu entgebr. 19. Es schwächt den stolz und wehrt dem neid, Erweckt zur lieb' und einigkeit, Giebt troft, der nie das herz verläßt, und macht den gu ten vorfats fest. 149 21. Und wenn du mich, du lebensfürst! 3mr feligkeit vollenden wirst. Grgök mit freuden obne zahl Mich dort dein ewigs abendmahl. 20. Bring du din borsas felbst zur that, und leite mich nach deinem rath; So bring ich in gelaßner rub Die tage meiner wallfahrt zu. Des mittlers beut empfahen, Bon allem weltgeschäfte fern Will ich zu ihm mich naben. D tag, wie beilig bist du mir! Wie soll sich meine feel an dir 3u meinem gott erheben! 2. Nicht die gewohnheit treibt mich bin, nicht der betrug der fünde, Daß auch ein lasterhafter sinn Bloß dadurch gnade finte. O berr' erhalt von heucheley Mich allzeit unbefleckt, und frey Von luft zur übertretung. 3. Bekennen will ichs öffentlich, Dein sterben sey men leben, Dir, mein erlös fer! bab ich mich 3um eigens thum ergeben; Ich will, so lang ich lebe, dein Und deis ner liebe mich erfreun, Mich sterbend deiner trösten. 4. Demüthig will ich meine schuld Vor meinem gott gestehen, und überzeugt von feiner buld, Zu ihm um gnade flehen. Ich will mit göttlichem vertraun Nach deinem freuz, o Jesu! schaun, Und fröhlich gnade hoffen. 5. Dein leib und blut vers sichre mich Von dieser deiner 150 Vom heiligen Abendmahle. gnade, Daß meiner fünden so treu geliebet, Bin gewis schuld durch dich mir nun gewiß nicht schade, Daß ich durch deinen Freuzestod Ent= fündigt und verföhnt mit gott, Ein erbe sey des lebens. chen von dem pfad, Den er mir bezeichnet hat. 3. Der ich sein gesetz ents ehrt, Der ich seine macht verkennet, Uch! ich bin es nicht mehr werth, Daß er noch sein find mich nennet, Ich verdiene straf und tod, Die er frechen fündern droht. 6. Wie werd ich dann, der fünde feind, Dich, mein er retter, lieben! Wie ernstlich mich, mit dir vereint, In frommen thaten üben! Wie werd ich dir mein lebelang Für deine liebe preis und dank, O mein versöhner, bringen! 7. Ich steh vor deinem ange: sicht, Du siebst, daß ich nicht luge, Du siebst auch, daß mein herz sich nicht mit vorsak selbst betrüge. So komm ich dann mit freudigkeit, Boll hoffnung meiner seligkeit, 3u deinem abendmahle. 8. meine seele denke nach: Wie sündlich war dein leben! Durch wessen leiden, wessen schmach, Hat gott es dir vergeben? Was bist du dem, der so dich liebt, Daß munion. mel. Un wasserflüssen Babylon. er für dich fein leben giebt, 200., herr! haft Für seine liebe schuldig! 4. Dennoch nimmt der gut'ge mich Wieder auf zu seinem finde. Heut vergißt er våterlich Seines zorns und meiner fünde, Giebt durch seiner boten hand Mir dergnade süßes pfand. 5. Tag der wonne, heis ligs mahl! Ewig will ich dein gedenken, Meines Jesu todesquaal Soll mir trost im leiden schenken, Und mein leben soll allein Seinem ruhm gewidmet seyn. Vor und bey der Com Mel. Jefus, meine zuversicht. zigkeit 3um denkmahl deiner gnaden Das ganze volk der 199. Tag, den mir der christenheit Wohlthätig einges herr gemacht, Sey gesegnet, tag der freude! Du laden. Du rufft: mühsel'ge, kommt zu mir! Du weltverföhner! ja zu dir Komm ich noch heut, ein sünder. Ver fioß von deinem angesicht, Verstoß mich, o mein bei land! nicht Vom erbtheil deiner kinoer. 2. 3war meiner missethat ist mehr, Mehr als ich könnte zählen. Sie drückt mich, herr erbellst des fummers nacht, und erquickest mich im leide. Heil und leben schenkst du mir. Gott, wie dank' ich dir dafür. 2. Widerspenstig seinem ruf, Hab ich meinen gott betrübet, Shn, der mich zum glück erschuf, und mich stets Vom heiligen Abendmahle. 151 Und dich seines fodes freuen. ich zittre sehr Vor unruh nen bund sollst du erneuen, meiner feelen. Weltrichter! ach! im zorne nicht, Im zorne geh nicht ins gericht, Mit mir, gott, reich an güte! Du kennst, was ich nicht recht gethan, Erbarmer! sich mein herz auch an, Mein seuiges gemüthe. 2. Eil', wie wahre christen pflegen, Glaubensvoll dem herrn entgegen. Komm, den gnadenvollen willen Deines heilands zu erfüllen, Komm mit brünstigem verlangen Seine guter zu empfangen. Daß er dich der sünd entlade, Giebt er heute gnad' um gnade. 3. Es seufzt rm troft und angstigt sich, Gebückt vor dir im staube. Auf mein verdienst nicht, nur auf dich, Erlöser! hofft mein glaube. Gebeugte willst du nicht ver: schmähn, Veriprichst den schwachen. beyzustehn, Die nach errettung schmachten. Stets bleibst du deinem worte treu, Und wirft ein gläubig berz voll reu, Auch meines nicht verachten. 3. Herr! ich freue mich mit beben, Laß mich gnad empfahn und leben. Du willst dich hier mit den deinen Turch des glaubens band vereinen, Du willst sie mit segen tránken, Und dich ihs nen selber schenken; wer kann sich unterwinden Deine liebe zu ergründen! 4. Mein gott! regiere künf tig mich, Daß ich vorsichtig handle, Und heilig, voll ver: traun auf dich, Nach deinem rathe wandle. Gieb, daß aus dank für deine huld, In lieb, im glauben, in geduld, Ich dir auf erden lebe, Bis ich dereinst in deinem reich, Berklärt, unsterblich, engeln gleich, Dich ewig rein erhebe. 4. Herr! ach laß mich würdig nahen, Heil und leben zu empfaben! Ach wie pflegt ich oft mit thrånen Mich nach deinem mahl zu sehnen! Ach wie wünscht' ich meiner fünden Tilgung, herr, bey dir zu finden! Laß, erlöser, laß mich nahen, Heil und leben zu empfahen! 5. Du, dem unsrer våter schaaren, Die, wie wir, auch fünder waren. Dank und preis und jubel singen, Daß Mel. Schmücke dich, o liebe seele. 201. Seele, willst du sie hier dein mahl empfingen, ruhe finden, Drucket dich die last der fun: den, Komm, vergebung zu empfangen; Denn dein licht ist aufgegangen, und der herr, voll beil und gnaden, hat 6. Kónig! hoherpriester! zu sich dich eingeladen. Dei lehrer! Du mein göttlicher Sohn des vaters, licht vom lichte, Laß von deinem angefichte Uns, die deinem ruým sich weihen, Licht und leben jetzt erfreuen! Vom heiligen Abendmahle. 152 befehrer! Du der selbst bein eignes Leben Für mich in den tod gegeben! Hier fall ich zu deinen füßen; Ach laß wür: dig mich genießen Diefe deine b minetsipeife. Mir zum heil und dir um preife. 7. Sum gedächtniß deiner leiden, Und zum vorschmack jener freuden. Die du, hei land! mir erstrittest, Ats du unaussprechlich litres As rich wodesschweiße deckten, und die schrecken goties fahreckten; Als du selbst für mich gestorben, Mir des va ters huld erworben. 8. Deines heils will ich Deines heils will ich mich freuen, Dir will ich mich ewig weiben. Ena' iſf Deines lebens pforte; Noch fchau ich in dunkeln worte; Einit werd ich dich ganz era kennen, Ganz in deiner liebe brennen. Laß fie mich auch bier empfinden, Hilf mir, bilf mir überwinden. Mel. Nun freat euch, lieben. ch preise dich, o 202. berr, mein beil, Für deine todesleiden. Hab ich an ihren früchten theil, Was fehlt dann meinen freu: den? Du wardst ein opfer auch für mich; O gieb, daß meine seele sich Deß ewig freuen möge. 2. Was kann mein geist durch deinen tod Nicht noch für segen finden! Erlösung aus der todesnoth, Berge bung aller fünden, Gewiss sensruh, zur besrung kraft; Tas hast du. herr! auch mir verschafft, Da du am kreuze starbest. 3. Dein mahl ist mir ein unterpfand Von dieser gros Ben gute. Wie viel hast du an mich gewandt! O stärke mein gemüthe 3um glâubi? gen vertraun auf dich, Daß ich, so lang ich lebe, mich An deine gnade halte. 4. Ich fühle, herr, voll reu und schmerz, Die last von meinen sünten. Laß mein vor dir gebeugtes herz Den du, aus großer vaterhuld, großen trost empfinden, Daß auch mir vergebung meiner schuld Aufbuße haft erworben. 5. Der trost, den mir dein tod verschafft, Werd' ewig mir zum segen, Er stårke mich mit neuer kraft, Auf allen meinen wegen, Nur das zu thun, was dir gefällr, Und alle furcht und lust der welt Standhaft zu überwinden. 6 Die liebe, die du mir erzeiat, Ift gar nicht zu ermeffen. O mache selbst mein berz geneigt, Sie nimmer zu vergessen, Daß ich aus achter gegentreu Dir bis zum tod ergeben sey, Und dir zur ebre lebe. 7. Laß deines leidens gros sien zweck Mir stets vor aus gen stehen, Räum' alle hins dernisse weg, Die ebne bahn zu geben, Die mir dein heis lig vorbild weist, Und die Bom heiligen Abendmahle. 153 einst den erlöften geift 3u führe mich zur sicherheit Der deiner freude fübret. trost, den mir dein tod vers leibt. 5. Ich übergebe mich aufs neue, O du, mein herr und gott! an dich. Ich schwöre dir bestånd'ge treue Vor deinem tifche feyerlich. Dein eigen will ich ewig seyn, Du starbst für mich; drum bin ich dein. 8. 3um ewgen leben hast du dich geben; Für mich dabin ges Dein abendmahl er wecke mich, Mit ernst dar nach zu streben. Herr, mache mich dazu geschickt! Und werd ich einit der welt entrückt, So sey dein tod mein leben. 203. Mel. Wer nur den lieben gott. ier bin ich, Jesu! zu erfüllen, Was du in deiner leidens. nacht, Nach deinem gnaden: vollen willen, 3ur pflicht und wohlthat mir gemacht. Verleih zur übung dieser pflicht Mir deines geistes kraft und licht. 2. Es werde, herr, für mein gewissen Tein abend mahl ein unterpfand, Auch mir sey dein versöhnend bú: Ben Von deiner gnade zuer fannt, So freuet meine seele sich In deinem heil und lobet dich. 3. Bewundernd denk ich an die liebe, Womit du unſer heil bedacht. Wie stark find deine mitleidstriebe, Die dich bis an das Freuz gebracht! aieb von deinem todesschmerz Jetzt neuen eindruck in mein herz. 4. Laß mich mit ernst die funden scheuen. Für welche du, dich opfernd, starbst, Durch schnöden mißbrauch nie entweihen, Was du so theuer mir erwarbst. Nie 6. Nie will ich mich vor spottern schämen Des diens ftes, den man dir erweist, Mich nie zu einem scritt bes quemen, Den mein gewissen fündlich beißt. O floße mir den eifer ein, Wie du, o herr, gefinnt zu feyn! 7. Yaß mich mit ernft den nächsten lieben, Und wenn er strauchelnd was versieht, Ver: föhnlichkeit und fanftmuth üben. Nie komm' es mir aus dem gemüth, Welch eine schwere schuldentast Du mir aus huld erlassen hast. 8. Es fárfe, sich in mir der glaube, Daß meine seele ewig lebt, Und daß einst ans des grabes slaube Mich dein allmächt'ger ruf erhebt, Wenn du dich, großer le bensfürst! Der welt als rich. ter zeigen wirst. 9. Sebeugt lieg ich zu deinen füßen, Mit dank und lob, gebet und flehn. Laß auf mich neue gnade fließen, Mein heiland! laß es doch geschehn, Daß mir zur ftárs kung meiner treu Dein abendmahl gesegnet ſep. 154 Vom heiligen Abendmahle. Mel. O Jesu, du mein bräutigam. weiß, daß mich dein auge 204. Jefu, heilges schüßt, Und du mir giebſt, was ewig nüßt. 9. Durch dieses deines bun. des kraft, Hast du mir neuen muth verschafft, Mit täglis cher, mit reicher huld Bedeckst du meiner schwachheit schuld. Der du aus lieb am kreuzesstamm Für mich den tod gelitten hast, Und trugest meis ner fünden last! 2. Ich komm zu deinem abendmahl, Verderbt durch manchen sündenfall, Krank, unrein, arm; du kennest mich, Schwach bin ich; ach erbarme dich! 10. Gott ist für mich; mis kann kein feind Verderblich seyn; was böse scheint, Verwandelt mir in segen sich; stårk in diesem glauben mich! 11. Befest'ge mich in meis ner pflicht, Dein freud'ger geist verlaß mich nicht. Ach, laß mich meine tag' in rub' Und friede christlich bringen zu. 12. Und wenn du mich, o lebensfürst! Einst in den himmel nehmen wirst, Dann, mittler, Jesu! freu ich mich Mit allen sel'gen ewiglich. 3. Du, Jesu! bist der sünder freund, Der beystand, der es redlich meynt, Der traur'gen troft, der schwachen kraft, Der, der das gute in uns schafft. 4. 3u dir, mein helfer! komm auch ich, Ach reinige, ach beil'ge mich! Gieb neue kraft, gieb neues licht, Ich weiß, herr! du verstößt mich nicht. 5. Dein wort schein' mir in 205. und suche dich, Mel. Un wasserflüssen Babylon. komme, herr! finsterniß, Dein geist mach meinen geist gewiß, Entkráft in mir der fünde lust, Dampf ihre macht in meiner brust. 6. Dein liebesmahl, du lebensbrod, Erweck' auch mich, mein herr und gott! Daß ich im glauben stets dir treu, Und dankbar und gehorsam sey. Mübselig und beladen. D herr, mein heiland! segne mich mit den erworbnen gnaden. Ich liege hier vor deinem thron, Sohn gottes und des menschen sohn! Mich deiner zu getrösten. Ich fühle meiner fünden müb, Ich suche rub und finde sie Im glauben der erlösten. 7. Lösch alle laster aus in mir, Und bilde mein herz ganz nach dir, Daß ich ohn' falsch und heucheley, Herr! deinem bilde áhnlich sey. 2. Dich bet ich zuversicht: lich an. Du bist das heil der funder. Du hast die strafe abgethan, Und wir sind gots tes kinder. Ich denk an deines leidens nacht, und an 8. Dann bleib ich, o mein bester freund! Mit dir im glauben fest vereint; Ich Bom heiligen Abendmahle. 155 dein wort: es ist vollbracht! Mel. Schmücke dich, o liebe seele. Du haft mein heil verdienet, 206. Her er de mee err! ich falle vor dir nieder, Danke mich dich gestellt. Gott war in dir, und hat die welt In dir mit sich verfühnet. 3. So freue dich, mein herz, in mir! Er tilget deine sünden, Er nahet sich mit troft zu dir, und läßt dich gnade finden. Du rufst, und er erhört dich schon, Spricht liebreich: sey getrost mein sohn, Die schuld ist dir vergeben! Du bist auf meinen tod getauft; Bergiß nicht, dem, der dich erkauft, 3ur ehre stets zu leben! 4. Dein ist das glück der seligkeit; Bewahr es hier im glauben, und laß durch keine ficherheit Dir deine krone rauben! Sieh, ich vereine mich mit dir, Ich bin der weinstock, bleib an mir; So wirst du früchte bringen. Ich helfe dir, ich stärke dich, und durch die liebe gegen mich Wird dir der sieg gelingen. 5. Ja, herr, mein glück ist dein gebot; Ich will es treu erfüllen. Ogieb mir felbst durch deinen tod Die kraft zum guten willen. Laß mich von nun an würdig seyn, Mein ganzes herz dir, herr! zu weihn, Und deinen tod zu preisen, Laß mich den ernst der heiligung, Durch eine wahre besserung, und der welt beweisen. Mir dir, und singe lieder Dir, o tilger meiner fünden! Wer kann deine lieb ergründen? Meine schulden willst du dekken, Willst mich tobten auf: erwecken, Willst ein ewig se ligs leben Mir, wenn ich dir glaube, geben. 2. Nun, so sen der bund erneuet! Ganz sey dir mein herz geweihet! Wie du hier gelebt, zu leben, Will ich täglich mich bestreben. Dir gelob ich, deine glieder, Alle menschen, meine brüder, Ims mer mit den reinsten trieben, Immer, wie mich selbst, zu lieben. 3. Ich gelobe dir von her: zen, Meiner brüder noth und schmerzen Täglich brüderlich zu lindern, Elend, wo ich dir mit freuden, Auch das kann, zu mindern. Ich gelobe unrecht still zu leiden, Ungeduldig nie zu klagen, An dir niemals zu verzagen. 4. Was du bassest, will ich hassen, Ganz von dir mich leiten lassen, Nie mit vorsatz dich betrüben, Alles, was du liebest, lieben. 3war ich kenne meine schwäche, Jesu! da ich dies verspreche, Morgen hab ich oit gebrochen, Was ich heute dir versprochen. 5. Darum hilf du mir, und stårke Mich zu jedem guten werke. Komm, und eile, mich vom bösen, Das ich thun 156 Vom heiligen Abendmahle. will, zu erlösen. Hilf den büßet hast, Darum stellet ersten reiz der sünden. Den, ach! den mir überwinden! Laß mich ihre folgen schrek ken, Und der unschuld freu: den schmecken. mich nun nicht Gott, der richter, ins gericht, Darum will er mein verbrechen Mir verzeihn und nimmer rächen. 6. Laß mich deine treu ers messen, Deiner liebe nie ver gessen; Laß mich, weich ich ab vom guten, Herr, dich sehn am Freuze bluten! Liebe schlug dir deine wunden; Das soll mich in dunklen stunden, Wenn mich angst und zweifel drücken, Mit er: habnem trost erquicken. 7. Gieb, daß ich und alle christen Sich auf deine zu kunft růsten, Daß, wenn heut dein tag schon käme. Keiner, herr! vor dir sich scháme. Großes abendmahl der frommen! Tag des heils! wann wirst du kommen. Daß wir mit der engel choren. Herr, dich sehn und ewig ehren! 5. Diefen vorfaß, den ich babe, Mich nicht wieder zu entweihn, Laß ihn. Jesu! bis zum gribe Etark in meiner Mel. Freu dich sehr, o meine seele. seele seyn. Vor der dieben: den Der zu werden, oller 207.Vbank und freu: der ich war, Beb' ich zagSchon haft, und empfinde von fern die macht der fünde. 6. Wenn sie mich von deinen wegen Schmeichelnd abzuführen droht, Laß mich ernstvoll überlegen, Welch ein tod war Jesu tod! Gott! vor dem er im gericht Stund verlassen, laß mich nicht Ihn von mir verlassen sehen, und ihn noch durch fünden schmähen. 7. Wenn ich in der irre den Komm' ich, herr! auf dein gebot, Und gedenk an deine leiden, und an deinen martertod. Mittler, der du für mich starbst, Mir ein ewig heil erwarbst, 2ch möcht ich mich würdig nahen, Und das leben hier, empfahen! 3. Herr! dies alaub' ich und empfinde Freudigkeit und zuversicht. Stellt doch gott um meine fünde Nun mich nimmer ins gericht, Bin ich doch durch deinen tod Völlig ausgefóbnt mit gott, Und wenn ich im glauben sterbe, Ewig seines himmels erbe. 4. Möcht' ich, Jesu, nicht vergebens Mich zu deinem kreuze nahn! Mochi' ich die ses mahl des lebens Nicht mir zum gericht empfahn! Uch es grund und stärke mich, Mittler, im vertraun auf dich! Uch, es lenke meinen widen, Dein gesen, herr, zu erfüllen! 2. Weit du, heiligster, aus gnaden Aller meiner sünden last mir zum beil auf dich geladen, Und am freuz ges Vom heiligen Abendmahle. wandle, Geh du mir, erbars mer! nach, Beig' mir wie ich unrecht handle, Stárke mich, denn ich bin schwach, Und ertrage mit geduld Mei: ne stwachbeit, meine fchuld, Laß mich wieder gnade finden, Wenn ich traure über fünden. 8. Dir will ich es ewig danken, Daß du so barmber: zig bist. Laß mich nur nicht wieder wanken. Mein erret ter, Jesu Chrift! Hulf mir, daß ich dir gefren, Und mein verfag standhaft sev. Au' und jede fundenfreuden Immer, als ein gift, zu meiden. ● 157 lichkeit! Ihren glauben, hilf den schwachen. Die gebeugt von ferne stehn, stönnen un: erhört nicht flehn. 5. Nehmet bin und est sein brodt! Jesus Christus ward gegeben Für die fünder in den tod; Nehmt und trinkt! ibr trinkt fein leben. Seht, wie er die menschen liebt, Da er selbst sich für sie giebt. 6. Hoberpriester, Jesu Chrift! Du bist einmal eine gegangen In das beiligthum; du bist als ein fluch ans kreuz gehangen. Also bist du durch den tod Eingegangen, fohn, zu gott! ja du bist Mel. Jefus, meine zuversicht. ie ihr Christi 208. De junger fryd, Uuch für diese eingegangen. 7. Theure, miterlöfte brüder, Alle feinem dienst geweiht, Alle, feines leibes glieder! Kommt, verföhnte, kommt, erneut Euren bund der ſeligkeit. 2. Nehmet bin und est fein brodt! Jesus Christus ward gegeben Für die fünder in den tod; Nehnt und trinkt! ihr trinkt sein leden. Seht, wie er die fünder liebt, Da er selbst sich für sie giebt. 3. Die mit voller zuver: ficht, Mittler! deines heils fich freuen, Tie laß fiets in diesem licht Wandeln, und fidh ga dir weiben, Laß ihr berz vom stolze rein, von deiner demuth seyn. 4. Triste, die in traurige feit Ueber ihre feelen was chen. Stärke, herr der herr: oll Sprich sie los, herr Jesu Chrift! Wenn sie nun dein mabl empfangen. Laß sie, großer mittler! nicht Nun: mehr kommen ins gericht 8. Augenblick voll beilgen grauns, Boller wonn' und süßen lebens! Theures pfand des fünftgen schauns, Ueberzeugung jenes lebens! Laß, wenn sie zum herrn sich nahn, Von ihm gnad um gnad empfahn. 9. Nebmet hin und est fein brobt! Jesus Christus ward gegeben Für die fünder in den tod. Nehmt, und trinkt! ihr trinkt fein leben. Sebt, wie er die menschen liebt, Da er selbst sich für sie giebt. 10. Iefu Chrifti freuzestod 158 Vom heiligen Abendmahle. Werd' in alle welt verkün mein gott! Warum haft du digt. Er hilft uns von aller noth, Er hat uns vor gott entfündigt. Jesus Christ, mit preis gekrönt, hat uns staub mit gott verjöhnt. mich verlassen? Drauf starb er den kreuzestod; Wer kann diese liebe fassen? Fluch und tod sind nun nicht mehr; Gebt, ach gebt dem sieger ehr! 17. Nehmet hin und est sein brodt! Jesus Christus ward gegeben Für die fünder in den tod. Nehmt, und trinkt! ihr trinkt sein leben. Seht, wie er die menschen liebt, Da er selbst sich für sie giebt. Mel. Es ist das heil uns kommen. 209. Salt im gedächtnis Christ, O seele! der auf erden Bom himmelsthron gekommen ist, Ein heiland dir zu werden. Vergiß sein nicht; denn dir zu gut Verband er sich mit fleisch und blut. Dank' ihm für diese liebe! 11. In das chor der himmel fchwingt, Herr! sich unfer stammelnd lallen; Wenn, von seraphim umringt, Unsre våter niederfallen, Opfert dir ihr lobgesang Für dein sterben preis und dank. 12. Uusgeschüttet warest du, Warst, wie wasser hingegoffen; Deine pein verschafft uns ruh, Deines to: des wunden flossen. Und be: deckten dich mit blut, Uns und aller welt zu gut. 13. Nehmet hin und eßt fein brodt! Jesus Christus ward gegeben Für die fünder in den tod. Nehmt, und trinkt! ihr trinkt sein leben. Seht, wie er die menschen liebt, Da er selbst sich für sie giebt. 14. Deiner zunge durst war heiß, Heißer noch der durst der seele; Müd' in deis nes todes schweiß Hing dein leid, und deine seele Lechzte schmachtender zum herrn; Doch schien seine hülfe fern. 15. Du geheimnißvolle nacht! Du entreißt uns dem verderben. Zod, den keiner je gedacht! Du errettest uns vom sterben; Tod, mit schrek: ken ganz umhüllt, Gottes zorn hast du gestillt. 2. Halt im gedächtniß Jesum Christ, Der für dich hat gelitten, Da er am freuz gestorben ist, Hat er dir heil erstritten. Errettung von der sündennoth Erwarb er dir durch seinen tod. Dank' ihm für diese liebe! 3. Halt im gedächtniß Je fum Christ, Der von dem tod erstanden, Und jetzt zur rechten gottes ist. Er hat von todešbanden Die, die ihn lieben, fren gemacht, Und ew'ges leben wiederbracht. Dank' ihm für diese liebe! 4. Halt im gedächtniß Je fum Chrift; Er wird einst wiederkommen, 3u richten 16. Jesus rief: mein gott! was auf erden ist. Die fünder Vom heiligen Abendmahle. 159 und die frommen. Drum so viel fegen in sich fast, sorge, daß du dann bestehst, Laß meinen glauben thätig Und mit ihm in den bimmel fenn, Und mir zur tugend gebst, Ihm ewiglich zu danken, kraft verleihn. 5. Mein beiland, den der himmel preist! Dich will ich ewig loben. D! stärke dazu meinen geist Mit neuer kraft von oben. Dein abendmahl vermehr in mir Des glaubens fraft, auf daß ich dir Mit neuer treue diene. Nach der Communion. Mel. Wer nur den lieben gott. un babe dank 210. un für deine liebe, Du großer mittler, Zefu Christ! Gieb, daß ich dich nicht mehr betrübe, Der du für mich gestorben bist. Laß deines leidens angst und pein Mir immerdar vor augen seyn. 2. Wie kann ich dich genug erheben? Ich armer, der den tod verdient, Ich soll nicht fterben, sondern leben, Weil du mich selbst mit gott vers sühnt. Ach! du, sein sohn, du starbst für mich; Wie preif' ich, herr, wie preif' ich dich? 3. Heil mir! mir ward das brod gebrochen; Ich trank, herr, deines bundes wein! Boll freude hab ich dir ver: sprochen. Dir, treuster Jesu! treu zu seyn. Ich schwór' es nun noch einmal dir; Schenk du nur deinen beysland mir. 4. Laß, herr! mich dank bar stets ermessen, Was du für mich gelitten hast, Und deine liebe nie vergessen, Die 5. Im streite bilf mir über= winden, Und stårke mich zu meiner pflicht; Bewahre mich vor neuen sünden, Verlaß mich in versuchung nicht; Und dein für mich vergoßnes blut Schenk mir im todes: kampfe muth. 6. Und euch, ihr seines leibes glieder, Die Jesu heil, wie mich, erfreut, Euch lieb ich stets als meine brüder, 213 erben seiner herrlichkeit. Wir haben einen herrn und gott, Uns speist und trånkt ein wein, ein brod. 7. Wie jetzt in unsers beis lands namen Sein volk vor ihm versammlet war, So kommen wir einst dort zu sammen Bor ihm mit seiner engelschaar, Und preisen, als sein eigenthum, Dann ewig feines namens ruhm. 8. Hier will ich mich mit euch vereinen, Die ihr ihn ewiglich erhöht. Und wenn wir einst vor ihm erscheinen Im glanze seiner majestát, Dann geh ich im triumph mit euch, Ihr auserwählten, in fein reich. 9. So soll denn wederspott noch leiden, Noch ehre, freud' und lust der welt, Mich, herr! von jener treue scheiden, Die selbst im tobe mich erhält. Du bist und bleibest ewig mein; D! laß mich deiner würdig seyn. Vom heiligen Abendmahle. 160 Mel. Jefus, meine zuversicht. üyme, feele! dein 211. gefang Triumphire, rühme, singe! Gieb ihm flügel, daß dein dank Bis zum throne gottes drin ge! In der engel jauchzend chor, Hebe sich dein lied empor! 2. Meine fünden drehten mir Schon mit meinem un tergange; Ich erbebte, gott! vor dir, Um erquidkuna war mir bange; Ewigkeit, geseh und grab Schreckten mich; doch gott vergab! 3. In der feyerlichsten 7. Ich. entzückt an deiner brust, Will auf deine stimme merken, Hobe himmelvolle lust, Flammt mich an zu großen werken. Furcht ver gott und heiligkeit Sey mein schmuck und ehrenkleid. 3. Ich, hier frembling, firedke mich Nach tem kleines an dem ziele, Sicher, daß ich bald durch dich( S. tres feligkeiten füble, Da, wo fets dein lob erschallt; Komm, berr Jesu, komm doch bald! Mel. Wie groß ist des allmächtgen, kann ich nacht Rang fürs fündige ge: 212. Wie fanid zum erheben, fluch gemacht, Daß der rich: ter schonen möchte. Und der feverlichsten nacht hat der richter, gott, gedacht. 4. Sen getrost! vergeben sind, Wenn du glaubest, tei ne fünden; Ewig bist du gottes find, Wer vermag dies zu empfinden? Welche feligfeit und rub! Gott, wo ist ein gott, wie du? 5. Ich empfing ihr gött: lich pfand, Seinen leib für mich gegeben, und sein blut; ich nabms, und fand In dem blute heil und leben. Preis der feyerlichsten nacht! Ewig werde dein gedacht. 5. Mittler, auserwählter freund, Ursprung aller meis ner freuden! Du hast mich mit dir vereint, Nichts soll mich von dir je scheiden; Ewig, ewig bist du mein, Ewig, ewig bin ich dein. fatisam beiland. deine lich und buld? Du schenkst mir heute heil und leben. Befreyest mich von fluch unt schulo. Anstatt mit strafen zu erwiedern. Was meine schuld verdienet hat, Erfüllt du mich mit himmelsgütern Und machst mich ewig reich und fatt. 2. Um tische, den du mir bereitet, Beutst du mir gnad' um gnade an, Hier wird mein geist auf das geleitet. Was du am freuz für mich gethan. Den leib, das blut, für mich gegeben, Seh' ich in diesem brodt und wein; Dies stärket mich zum ew gen leben, Dies macht mid von den fünden rein. 3. Ja, es wird meinen glauben stärken Un meinen mittler Jesum Christ, Wenn er zu allen guten werken Be Vom heiligen Abendmahle. 161. reit, rechtschaffen, thätig ist. weine Deiner liebe göttlich Doch, daß er dieses in mir pfand. Feyerlich war da mein werde, Muß ich stets nüch- eid Ewiger beständigkeit; Du, tern feyn und wach; Doch der sich mit mir vereinte, Hast noch, noch häng ich an der gesehen, wie ichs mennte!. erde, Der will ist gut, das fleisch ist schwach. 2. O wie ward da deine gute Menschenfreund, von mir verehrt! Wie empfand da mein gemüthe Mächtig ihren ganzen werth! Als ich dich auf Golgatha Für mich sunder sterben sab), Wie ers staunt' ich! wie entzückte Mich die huld, die ich erblickte! 3. Laut rief in mir mein gewissen: Bist du würdig, dieser huld? Siebst du ihn sein blut vergießen? Wisse, das macht deine schuld! Schaam und reu erfüllten mich, Glaubensvoll blickt' ich auf dich! Sünder, sprachst du, du sollst leben; Alle schuld ist dir vergeben! 4. Ja, ich weiß es, ich soll leben, und des himmels erbe seyn. Alle schuld ist mir vergeben; Denn dein blut, herr, macht mich rein. Du vertrittst mich im gericht, Gott verurtheilt mich nun nicht, Benn ich standhaft an dich glaube, und auf deinen wegen bleibe. 5. Nun ich will dich nicht verlassen, Nicht von deinen wegen gehn, Jede sunde will ich hassen, und den lüsten widerstehn. Mein erretter, ach! gieb du Stárk und freudigfeit dazu, Daß ich standhaft an dich glaube, Und auf dei nen wegen bleibe! Ich empfing im brot und 6. Laß mirs mein gewissen L 4. Uch gott! gott! wollen and vollbringen Des guten kommt allein von dir; O wirke, wie in allen dingen, So jeho beydes auch in mir! Gieb, daß die fel'ge himmelsspeise, Und der genoßne seelentrank Ganz seine kraft an mir beweise, Von nun an und mein lebelang. 5. Pflanz in mir glauben, demuth, liebe, Und was noch ist von tugend mehr, Und heil'ge alle meine triebe Zu meinem heil und deiner ehr, Daß ich der welt zum nutzen lebe, Dem nächsten diene, wo ich fann, Mich stets der heiligung bestrebe, Und vor dir wandt auf ebner bahn. 6. Erhalt in mir die sel'ge reue, Die reue, die niemand gereut, Daß ich des fünders wege scheue, Vermeide, was dein wort verbeut; Daß ich im reden, thun und dichten Dir stets beweise meine treu, Und in erfüllung meiner pflichten Stets wirksam und geschäftig sey. Mel. Freu dich sehr, o meine. effentlich 213. in der gemeine, Mittler! hab' ich dich bekannt; 162 Vom heiligen Abendmahle. Chrift! nicht fagen, Wie so schmerzhaft set, ist Dein erlöster, Jesus semne pein, Wie so schwer Dort wird er mich der sünden plagen, Und der betrüben, Sondern bölle schrecken seyn. Es er ewig wieder lieben. innre mich daran, Wie viel du an mir gethan, Wie umfonst sey deine liebe, Wenn ich dir undankbar bliebe! 8. Gott, zu dem ich find: lich trete, Blicke väterlich auf mich! Höre gnädig, was ich bete, Ganz verlaß ich mich auf dich! Reiche frucht der besserung, Wachstum in der heiligung, Hoffnung auf das ew'ge leben, Laß dein abend. mahl mir geben. 7. Reine liebe meiner brů: der Sey die frucht der dank: barkeit; Sie sind alle deine glieder, Erben deiner seligfeit. Auch der mich jetzt has Von der Vergebung der Sünden und ihren feligen Folgen. Mel. Durch Udams fall ist ganz. urch Udams 214. fall ist erst verderbt Der menschen thun und wesen, Dies gift ist auf uns fortgeerbt. Wir waren nie gewesen, Wär' Jesu heil Nicht unser theil; Denn wie fo tiefe wunden! Ach! jeder bat In Evens that Des sa: tans neid empfunden. 2. Seit satan die dahin gebracht, Daß fie frech abgefallen, So herrschet mit tyrann'scher macht Die fünde in uns allen. Uns drückt der tod. In solcher noth Beschloß gott, uns zu geben Den eingen sohn 3um gnadenthron, Damit wir möchten leben. fall Des ew'gen todes starben, Sorettet gott Durch Christi tod Die sonder ihn verdarben. 4. Gott hat uns seinen ſohn geschenkt, Da wir noch feinde waren, Der ist für uns ans kreuz gehenkt, Erstanden, aufgefahren. Tod und gericht Trifft uns nun nicht. So wir ihm nur vertrauen. Fest steht dies wort! 2em mag hinfort Noch vor dem tode grauen? 5. Er ist das licht, der weg, die pfort, Die wahrheit und das leben, Des vaters fraft, sein ew'ges wort, 3um heiland uns gegeben. Dem feind zum trug Umgiebt sein schutz Uns alle, die wir glauben. Er ist der hirt, Die seinen wird aus seiner hand nichts rauben. 6. Der mensch ist gottlos und verflucht, und wird zu legt zu spotte, Der solchen Und wie wir all In Adams trost bey menschen sucht, Und 3. Warfuns denn eine frem de schuld In Adam alle nieder, So bringt uns eine fremde buld In Christo alle wieder. Von der Vergeb. der Sünden und ihren fel. Folgen. 163 nicht bey seinem gotte. Denn Der in fünden ist geboren, wer sich will Ein andres ziel Der dein ebenbild verloren, Ohn diesen tröster stecken, Den Der mit lastern sich befleckt, mag gar sehr Des feinds ge- Den der sünden menge schreckt. walt Und arge lift erschrecken, 7. Wer hofft in gott und dem vertraut, Rann nie zu schanden werden. Wohl, wer auf diesen felsen baut! Trifft ihn gleich hier auf erden Viel angst und müh, Hab ich doch nie Den menschen sehen fallen, Der sich nur fest auf gott verläßt. Gott hilft den seinen allen. 2. Dein verletzt gesetz ers wecket Deine strafgerechtig: feit. Mein gewissen drückt und schrecket, Und auch satan steht bereit, Meine seele zu verklagen. Ich weiß nichts darauf zu sagen; Denn ein zeuge giebt sich an. Der gesehn, was ich gethan. 8. Du wollest, herr! von meinem mund Dein heil'ges wort nicht nehmen, So, weiß ich, läßt dein theurer bund Mich funder nicht beschämen, Der sünden schuld Deckt deine huld! Nur ihr will ich vertrauen. Wer ihr vertraut, Auf sie fest baut, Der wird den tod nicht schauen. 3. Wehe mir, ich muß vers derben! Ich seh nichts, als höllenpein. Frecher fünder, du mußt sterben! Wird mein strenges urtheil seyn. Es erzittert meine seele. Vor des offnen abgrunds höhle. Wer hilft mir in dieser noth? Wer errettet mich vom tod? 4. Doch, gottlob! die furcht verschwindet. Weil sich mir ein mittler zeigt. Weil sich ein vertreter findet, Vor dem der verkläger schweigt. D beglückte theure stunden! Gottes fohn hat seine roun: den Und sein blutig lösegeld Meinem richter dargestellt. 9. Mir zeigt sdon jetzt dein heil'ges wort Den himmel aus der ferne; Denn dies licht führt zu Christo fort, Dem bellen morgensterne. Bricht der nun an, So fasset man Alsbald die hohen gaben, Die got: tes geist Auch uns verheißt, So wir nur glauben haben, Lebhafte Vorstellung der Rechtfertigung einesglauz bigen und sichbekehrenden Sünders. Mel. Jesu, meines Lebens leben. 5. Nichter! fiebe meinen bürgen, Sieh' fein büßend leiden an. Diefer ließ für mich sich würgen, Dieser hat genug gethan; Er hat dein gesetz erfüllet, Er hat deinen zorn gestillet. Herr! ich glaube, 215. höpfer aller ſteh mir bey, Sprich von straf und mich der, Großer richter aller welt! Sieh hier einen schnöden sün: der Ins gericht dir dargestellt, 6. Uch! was hör ich? gnas de! gnade! Gnade schallet in mein ohr, Daß sie mich der 22 164 Von der Vergebung der Sünden bürd entlade, Hebt mich deine 2. Beschåmt erkenn und hand empor. Gott spricht: fühl ich meine fünden. Laß, sünder, du sollst leben, Deine vater! mich erbarmung vor schuld ist dir vergeben! Sey dir finden. Willst du auf getrost, mein lieber sohn' Komm schuld und übertretung sehen, zu meinem gnadenthron! Wer wird bestehen? 7. Seht, wie sich der abgrund schließet, Seht, wie sich der himmel freut, Da das blut des lammes fließet, Da mich die gerechtigkeit Des vollkommnen mittlers decket. Wer ist, der mich fers ner schrecket? Wer ist, der mich nun beklagt, Und mich zu verdammen wagt? 8. Richter! der mich losgesprochen, Vater, der mich zärtlich liebt! Mittler, der, was ich verbrochen Und geraubt, gott wieder giebt! Geist, der mich mit trost er freuet, Und mein ganzes herz erneuet! Gott der gnaz den! dir sey ruhm, Und mein herz dein eigenthum. 9. Laß mich nun die sünde haffen, Die das Herz mit angst beschwert. Laß, mich alles unterlassen, Was den neuen Mel. Wend ab deinen zorn. llein an dir, frieden stört. Rein'ge täglich 217. Allein mein gott! mein gewissen, Laß mich eifrig seyn beftiffen, Mit verleugnung dieser welt, Das zu thun, was dir gefällt. hab ich gefündigt; D! laß die gnade, die dein wort verkün. digt, Benn sünden uns von ganzem Herzen reuen, Auch mich erfreuen. Mel. Wend ab deinen zorn. fus dunkler 216. 3. Bey dir allein, herr! steht es, zu vergeben. Du willst nicht tödten, nein, wiz sollen leben; Uns soll die größe deiner liebe lehren, Dich treu zu ehren. 4. Verzeihe mir, herr! alle meine fehle, Dein harre', va: ter! meine müde seele. Laß trost und ruh, um des versöhners willen, Mein herz erfüllen. 5. Vom abend an bis zu dem frühen morgen Hoff ich auf dich; o stille meine forgen! Du schenkest ja beladenen und müden Gern deinen frieden. 6. Sa hoffe nur, mein herz, auf gottes gnade, Noch macht'ger ist sie, als dein feetenschade. Ihr starker arm wird dich von allem bösen 3uletzt erlösen. tiefe, herr! mit schwerem herzen Ruf ich zu dir in meinen fünden schmerzen. O mache mich, gott! meines fummers ledig, Und sey mir gnådig. 2. Dein fohn hat ja sich auch für mich gegeben. Laß mich vor dir, um seinentwillen leben. Tilg' aus die laster, welche mich entweihen, Weil sie mich reuen. 3. Erschaff in mir, gott! und ihren seligen Folgen. 165 eine reine feele, Ein neues Keiner barrt auf dich vergeherz, das deine wege wähle; bens. Nur verachter deiner Befest'ge es, und stärke mein huld Stürzet ihre eigne schuld. bestreben, Nur dir zu leben. 4. Verstoß mich nicht von deinem angesichte, Gieb dei nen geist, daß er mich unterrichte, Gieb ihn, daß er auf deiner wahrheit wege Mich leiten möge. wege; mir, möge, 2. Lehre mich, herr! deine Deinen willen zeige Daß ich nicht verirren Führe du mich selbst zu dir. Gott! du fichest mein vertrauen, Sicher kann ich auf dich bauen. Deine vatertreue ist Ewig, wie du selber bist. 3. 2ch! gedenke an die sünden Meiner jugendjahre nicht, Laß mich armen gnade finden, Gott! vor deinem angesicht. Alle funden, die mich reuen, Willst du, vater! ja verzeihen. O! so böre denn auch mich; Meine seele hofft auf dich. 4. Gott! du willst des sünders teben, Seine seele ist dir werth. Gnatig willst du ihm vergeben, Wenn er sich zu dir bekehrt. Mitten auf dem fündenwege Machst du sein gewissen rege. Wohl dem, der zu seiner pflicht Umkehrt! den verwirfst du nicht. 5. Erquicke mich in meiner ele leiden Mit deiner hülfe; gieb den geift der freuden, Damit er, weil ich keine kraft besitze, Mich unterstüße. 6. Mit neuer treue will ich dich verehren, Ich will die sünder deine wege lehren; Mein beispiel soll sie reizen, deinen willen Gern zu erfüllen. 7. D höre, gott! erbars mend auf mein fleben! Wie folltest du ein reuend berz verschmåhen? Ein herz, das dich im glauben ernstlich suchet, Der fünde fluchet? 8. Ein herz voll kummers, dich erzürnt zu haben, Das liebst du, das willst du mit trofte laben. Du wirst die see: len, die nach gnade schmach: ten, Gott! nicht verachten. Dankbare Empfindung über die Vergebung der Sünden. Mel. Jesu, meines lebens leben. 218. ch erhebe mein gemüthe, Sehnfuchtsvoll, mein gott! zudir; Denn ich kenne deine gute, Owietheuer ist sie mir! Gott der liebe und des lebens! 5. Du erquickest die elenden, Deren herz sich dir ergiebt, Die sich flehend zu dir wenden, Ueber ihre schuld betrübt. Freude schenket deine gute Dem geängsteten gemüthe, Welchem du die sündenlast Liebreich abgenommen hast. 6. Herr! zu was für selig: keiten Du, in jener bessern welt, Jeden frommen noch willst leiten, Der dir treu und glauben hålt, Offenbarst du allen seelen, Die zu ihrem theil dich wählen; Deinen 166 Von der Vergebung der Sünden ganzen gnadenbund Machft du deinen kindern kund. überfallen. Du machst dich mir in der gefahr Als meinen retter offenbar, Und läßt mich sicher wallen. 7. Dir will ich mich ganz ergeben; Gott, mein gost verlaß mich nicht. Laß mich immer beilig leben, Herr, vor deinem angesicht. Keine schnöde lust der sünden Müsse mich mehr überwinden. Ach! bewahr, ich bitte dich, Meis nen geist und stärke mich. Mel. Kommt her zu mir, spricht. 6. Ich zeige, sprichst du selbst zu mir, Den rechten weg zum heile dir, Dich soll mein auge leiten. Darum, mein herz! verachte nicht Des ew'gen vaters unterricht, Er führt zu ſeligkeiten. 7. Wer nicht von gott die 219.2 felis, got! weisheit lernt, Der ist verwie selig is blendet, und entfernt Sich von den wahren freuden. Wer aber sich auf gott verläßt, Hált ewig seine gnade fest, Auch in den schwersten leiden. Der finder, dem du gnädig bift, Den todesfurcht niat fchredet! Dem, weil ihn seine Ichulb betrübt, Dein herz die missethat vergiebt, Den dein arbarmen decket! 2. Wer seine sünden dir verbeelt. Des seele wird mit angst gequält Bom strafens den gewissen. Die angst ver: zehret seine kraft, Der trost, ben deine gnade schafft, Wird ihm dadurch entrissen. 8. Stimmt gottes lob, ihr frommen, an! Euch wird des höchsten gut umfahn. Von allen seinen Enechten Bleibt gott der trost, die zuversicht, Er råchet ibre sünden nicht, Frohlockt ihm, ihr gerechten! Mel. Christus, der uns ſelig. 3. Darum, mein gott! be: 220. Gott, mein vas kenn' ich dir, Was deine huld entfernt von mir, Die mir be. wußten finden. Donn, dann, mein gott! verzeibest du, Und läßt die müde seele ruh In deinem frieden finden. ter! ich, dein kind, Falle vor dir nieder. Siehe, was mein herz empfind't, Und erbarm dich wież der. Groß ist meine fündenschuld, Die mich innigft reuet; Größer deine vaterhuld, Die mich noch erfreuet. 2. 3war ich bins nicht werth, zu dir Kindlich aufzu sehen; Doch du bleibst ein vater mir, Du vernimmst mein flehen, Kennst mein herz, 5. Mein Schirm bist du; zu ermunterst mich, Es vor dir zu bir flieb ich. Wenn drohende stillen. Du erhörst mich våter: gefahren mich Mit schrecken lich Noch um Christi willen. 4. Die frommen werden dei: ne huld, Und deine schonende geduld, vater! ewig loben. Du bleibest ihre zuversicht; Die fluth, die aus den ufern bricht, Mag noch so mächtig toben. und ihren seligen Folgen. 167 3. Du bist meine zuver 2. Uns, uns verlorne zu sicht; Außer dir ists feiner. Dein geschöpf verwirfst du nicht; Gott! dich jammert feiner. Der du deinen sohn für mich In den tod gegeben! Sein erlöster bin auch ich, Theur erfauft zum leben. erretten, Gabi du für uns selbst deinen sohn. Er litt, auf daß wir friede hätten, Für uns den tod, der fünde lohn. O gott, wie hast du uns geliebt! Welch ein erbarmen ausgeübt! 4. Dies, dies soll in jedem schmerz Mein vertraun er wecken; Nor der fünde soll mein her, Nicht vor dir, erschreden. Trauen will ich, vater! dir, Stets die fünde bassen, Nie vergessen, daß du mir So viel schuld erlassen. 3. Dank, ewig dank sey deiner treue, Die niemand gnug erheben kann! Nun nimmst du jede wahre reue Mit väterhuld noch gnädig an. Wohl dein, der sich zu dir bekehrt, und glaubig seis nen mittler ehrt! 4. Den, berr! befreyst du von den plagen, Die dem gewissen furchtbar sind; Der kann getroft und freudig fo gen: Gott ist für mich; ich bin sein kind, Hier ist der, welcher für mich litt, Und mich noch jetzt bey gott vertritt. 5. O herr, wie selig ist die feele, Die sich in deiner gnade freur! Ob auch ein irdisch glück ihr fehle, Fehlt ihr doch nicht zufriedenheit. Und; gott! dein fried ist weit mehr werth, Als alles, was die welt bewährt. 5. Preis fey dem allgutis gen, Der mein seufzen ken: net! Der dem gnadesuchenden Freyen zutritt gonnet! Sing' es seele, vor dem herrn, Fleuß von freuden über! Gott, dein gott, verstößt nicht gern, Er begnadigt lieber. 6. Ewig bist du so gesinnt, Schöpfer meiner feele! Uch, wenn ich, dein strauchelnd lind, Noch aus schwachheit feble, So gedenkst du, der du weißt, Daß mein herz dich ehret, Ich sen staub, und du verzeihst Dem, der wiederkehret. Friede und Ruhe in Gott. Mel. Wer nur den lieben gott. 221. ff ott! deine gnad ist unser leben, Sie schafft uns heil und see lenruh. Dein ists, die fünden u vergeben, Und willig ist cein herz dazu. Du willst den tod des fünders nicht, Sucht er voll reu dein angesicht. 6. Dein friede stärkt zum froben muthe Das herz auch in der größten noth, Giebt hoffnung zu dem ew'gen gute, und macht getrost selbst in dem tod. Wer diesen frieden hat, genießt Lust, die des himmels anfang ist. 7. Laß, vater! denn in diesem frieden Auch meine feele freudig ruhn. Auch mir 168 Von der Vergebung der Sünden hast du dies glück beschieden; süßet uns des lebens ruh, Denn auch für mich genug Und stärkt uns in gefahren. zu thun, Ward sterbend der 4. Erhalte mir, o herr, am freuz ein fluch, Der aller mein hort! Den glauben an menschen fünde trug. dein göttlich wort, Um deines namens willen. Laß ihn mein licht auf erden seyn, Ihn tåglich mehr mein herz erneun, Und mich mit troft erfüllen. 8. D! laß mich dies im glauben fassen, und mich mit starker zuversicht Auf deine bundestreu verlassen; Wenn alles wankt, so wankt sie nicht. Wohl dem, der sich Mel. Uch gott vom himmel sieh. auf dich verläßt! Sein heil 223.ht, aut fich hält. Kein feind soll mir ihn rauben. Als bürger einer bes fern welt Leb' ich nur hier im glauben. Dort schau ich, was ich hier geglaubt; Wer ist, der mir mein erbtheil raubt?.. Es ruht in Jesu hånden. 9. Lobfingend will ich dich er: heben, Mich ewig deiner gnade freun, Und deinem dienst mein ganzes leben In findlichem gehorsam weihn. Daß, berr! bey dir vergebung sey, Das mach' in deiner furcht mich treu. offnung der Seligkeit, Mel. Kommt her zu mir, spricht. 222. chhoff, o gott, mit frohem muth, Auf deine gnad' und Christi blut, Ich hoff ein ewig leben. Du bist ein va: ter, der verzeiht, Haft mir das recht zur seligkeit Durch deinen sohn gegeben. 2. Herr! welch ein unaus sprechlich beil, Un dir, an deiner gnade theil, Theil an dem himmel haben, Im her zen durch den glauben rein, Dich lieben, und versichert seyn Bon deines geistes gaben! 2. Mein leben ist ein fur zer streit, Lang ist der tag des sieges. Ich kämpfe für die ewigkeit; Erwünschter lohn des krieges! Der du für mich den tod geschmeckt! Durch deinen schild werd ich bedeckt; Was kann mir denn nun schaden? 3. herr! du bist mein ganzer ruhm, Mein trost in diesem leben, In jener welt mein eigenthum; Dich bast du mir gegeben. Bon fern glänzt mir mein kleinod zu, Drum eile ich ihm freudig zu; Du reichst mir meine frone. 4. Herr! lenke meines geia. shes blick Von dieser welt ge tümmel Auf dich, auf meiner seele glück, Auf ewigkeit und himmel. Die welt mit ihrer 3. Dein wort, das wort der feligkeit, Wirkt göttliche zufriedenheit, Wenn wir es treu bewahren. Es spricht uns troft im leiden zu, Bera herrlichkeit Bergeht, und und ihren seligen Folgen. 169 liebt, Erkennt, verdammt, und ernstlich haßt, Und zuversicht zum mittler faßt! währt nur kurze zeit; Uch, Die fünden, die es sonst gea himmlisch sey mein wandel! 5. Seßt, da mich dieser leib beschwert, Ist mir noch nicht erschienen, Was jene besfre welt gewährt, Wo wir gott heilig dienen. Dann, wenn mein auge nicht mehr weint, Und mein erlösungs: tag erscheint, Dann werd ichs froh empfinden. 2. D! laß mich ja nicht sicher werden, Weil du so reich an gnade bist. Wie kurz ist meine zeit auf erden, Die mir zum heil gegebne frist! Gieb, daß sie mir recht wichtig sey, Daß ich sie meis. ner bessrung weih. 6. Jm dunkeln seh ich hier mein heil, Dort ist mir alles heiter. Hier ist die fünde noch mein theil, Dort ist sie es nicht weiter. Hier ist mein werth mir noch verhüllt, Dort wird er sichtbar, wenn dein bild, Gott! mich vollkommen schmücket. 7. 3u diesem glück bin ich erkauft, herr! durch deine leiden, Auf deinen tod bin ich getauft; Wer will mich von dir scheiden? Duzeichnest mich in deine hand; Herr, du bist mir, ich dit bekannt, Mein sind des himmels freuden. 8. Wie groß ist meine herra lichkeit! Empfinde fie, o feele! Bom tand der erde unent weiht, Erhebe gott, o feele! Der erde glänzend nichts vergeht, Nur des gerechten ruhm besteht Durch alle ewigkeiten. heiligung des Lebens, eine Srucht der Rechtfers tigung. 3. 3war deine gnade zu verdienen, Sind reu und beßrung viel zu klein. Doch darf sich auch ein mensch erkühnen, zu glauben, dir versöhnt zu seyn, Wenn er noch liebt, was dir mißfällt, Und nicht dein wort von herzen hålt? 4. Nie tannst du dem die schuld erlassen, Der frevelnd schuld auf schulden häuft. Der kann kein herz zu Jesu fassen, Der zwar auf sein verdienst sich steift, Doch in der fünde noch beharrt, Dafür er selbst ein opfer ward. 5. Drum fall ich dir, mein gott! zu füßen; Lergieb mir gnådig meine schuld, Und heile mein verwund't gewissen Mit trost an deiner vaterhuld. Ich will mit ernst die fünde scheun, Und willig dir gehorsam seyn. Mel. Wer nur den lieben gott. 224. ie theur, o gott, ist deine gute, 6. Daß mit gerechtigkeit, auch stärke Durch Christum mir geschenket sey, Will ich durch übung guter werke Beweisen; mache selbst mich treu, Herr! in der liebe geDie alle missethat vergiebt, gen dich, Sie dringe stets, So bald ein reuendes gemüthe und leite mich!, 170 Von der Vergebung der Sünden zc. 7. Laß mich zu deiner ehre ben, was du selber liebst, leben, Der du die missethat Laß, vater! mein gewissen vergiebst! Das haffen, was rein, Und heilig meinen wan. du mir vergeben, Das lie del seyn. Tode. sprechen; Ich seh' vor seinem 225. der angesicht, Ich sehe in dem verbrechen, Die ich in dieser welt gethan; Wer ists, der mich nun retten kann? Vom Mel. O ewigkeit, du donnerwort. ch bin ja, herr! macht, Du hast mich an das licht gebracht, Du sorgest für mein leben; Du kenneft meiner tage zahl, Weißt. wann aus diesem jammerthal Mein geist sich soll erheben; Wo, wie und wann ich sterben soll. Das weißt du, herr des lebens, wohl. 2. Wer wird in meiner letzten pein Mich fünder tró: sten, mich erfreun, Mir muth und hoffnung geben? Wer nimmt sich meiner feele an, Wenn ich von dem, was ich gefhan, Gott rechenschaft soll geben? Wer ist, der alsdann für mich spricht, Thust Su es, o mein heiland, nicht? 3. Mich dünkt, da lieg ich schon; ich seh, Daß ich am finstern grabe steh, Mit todesangst umgeben; Der augen licht verdunkelt sich, Des grabes nacht umhüllet mich, Ein traum ist nun mein leben! Doch schweigen meine fünden nicht, Sie fodern mich vor das gericht. 4. Ich höre der posaune ton. Ich höre meinen richter schon Das endurtheil mir 5. Kein geld und gut be: frepet mich; Und weint ich noch so bitterlich, Kann mich doch nichts erlösen. Nein, jeder wird alsdann empfahn Nach dem, was er allhier ge than, Nichts schützt alsdann die bösen. Hier ist gott zum verzeihn bereit, Dann übet er gerechtigkeit. 6. Wie soll ich denn, o gott! bestehn, Wenn du in das gericht willst gehn, Und nach verdienst mir lohnest? Wie kann ich deiner rach ent fliehn. Und deiner strafe mich entziehn, Wenn du nicht meiner schonest? Ach, vater! geh. nicht ins gericht, Verwirf mich armen fünder nicht. 7. Voll reu und buße such ich dich, Errette, gott! bekehre mich. Und tilge meine fünden. Dir weih'. ich meine lebenszeit, Dein dienst sey meine feligkeit. Ach laß mich gnade finden! Gieb, daß ich meiner pflicht getreu, Sum tode fiets bereitet sey. Vom Mel. Herzlich lieb hab ich dich. 226. Sein, heiland Mein wenn mein geist erfreut, Im glauben auf die herrlichkeit Des ew'gen erbtheils blicket, Das du für mich bereitet hast, Wie leicht dünkt mir dann alle last, Die mich hienieden drücker! Dann wird der eitelkeiten tand, In meinen augen schlecht als sand; Der erde pracht ist mir, wie nichts, Beym anblick jenes ew'gen lichts. Herr Jesu Christ, Mein herr und gott!: Das heil verdank ich deinem tod. 2. Wenn einst auf deinen wink mein geist Des körpers banden sich entreißt, Dann stark ihn aus der höhe, Daß ich, durch deinen mächt'gen stab Beschügt, ins todesthal hinab Getrost und freudig ache. Die klarbeit jeher bes fern welt Schaff', wenn mich dunkelheit befällt, In meinem finstern herzen licht, Und heiz terfeit im angesicht. Dann, Jesu Christ, Mein herr und gott!:: Dann wird ein schlummer mir der tod. Tode. 171 verließ, Der mache mir das sterben süß. O Jesu Christ, Mein herr und gott!:,: Verlaß mich nicht in meinem tod. 4. Auf kurze zeit schließt sich zur ruh Mein thránen volies ouge zu, Und schlummert in dem staube. Doch dem, der mich zum grabe ruft, Der ruft mich einst auch aus der gruft, Ich weiß, an wen ich glaube. Er lebet, und ich werd' durch ihn Der grabes nacht gewiß entfliehn, Mein geist, und mein verklärt gebein Wird sich des berrn, des mittlers, freun. Here Jesu Chrift, Mein herr und gott!:,: 3um leben machst du mir den tod. 5. Du bleibest meine zutversicht, Mein trost, wenn du zum weltgericht Mit majestát wirst kommen. Da werd ich nach des grabes graun Dich. wie du bist, herr Jesu! schaun, Der sterblichkeit ents nommen. Auch mir schenkst du dann jenes beil, Der ausz erwählten sel'ges theil. Ich soll, dein mund schwur es mir zu. Ich soll lebendig seyn, wie du. Here Jesu Christ. Mein herr und gott!:: Stárk diefen glauben einst im tod. 3. Und wenn mein geist aus schüchternheit Sich den noch vor dem tode scheut, Weil ihn die fünden krånken, Dann laß mich, herr, auf dei- Mel. Bater unser im himmelreich. err Jesu nen too Die hoffnung baun, 227. Hmein herr und es werde gott Der nicht gedenken. Der trost, den du auch mir erwarbst, 21s du zum beil der fünder starbst, Und fühltest, wie dich gott gott, Der du erlittest angst und spott, Für mich den tod bes freuzes starb, Und mir des vaters buld erwarbst! Sø 172 Vom Tode. bitt durch das leiden dein, 7. Vielmehr will ich mit Du wollst mir fünder gnädig starker hand Das grab zerseyn. brechen, das ihn band, Ihn zu mir nehmen in mein reich; Hier herrscht er dann mit mir zugleich Durch eine frohe ewigkeit. Dazu, o herr! mach uns bereit. 2. Wenn ich nun komm in sterbensnoth, Und ringen werde mit dem tod, Wenn mir vergehet mein geficht, Und meine ohren hören nicht, Wenn meine zunge nicht mehr spricht, Und mir vor angst das herze bricht, 8. Bergieb uns unsrer sünden schuld, Schenk uns zum kampf muth und geduld, Mach' unfern glauben stark und fest, Wenn uns die ganze welt verläßt; Und bricht des todes schlaf berein, So laß ihn sanft und selig seyn. 3. Wenn mein verstand im dunkeln irrt, Und menschen hülfe kraftlos wird; So steh im letzten angstgeschrey Mir, herr! mit deiner hülfe bey, Verkürze mir des todes quaal, Und führ mich aus dem jam. merthal. Mel. Alle menschen müssen sterben. 4. Laß deinen geist fiets 228. Noch bin ich ben mir seyn, Und seinen trost mein herz erfreun, Bis sich die feel vom leibe trennt; Dann nimm fie, herr, in deine hånd'! Der leib ruh in der finstern gruft, Bis einst dein großer tag ihn ruft. dein gast, o erde, Gott mehrt meiner tage zahl, Daß ich reif zum himmel werde, Prüft er mich; låst mir die wahl, Boses oder guts zu wählen. Doch werd ich viel jahre zählen? Oder, ruft ein naher tod Mich zu banger sterbensnoth? 5. Dann laß ihn fröhlich auferstehn, Und mich dein gnädig antlik sehn. Gedenke nicht mehr meiner schuld, Gedenk an deine lieb' und huld. Das leben( herr! ich traue dir,) Verheißt dein eiga nes wort selbst mir. 6. Fürwahr, fürwahr, euch fage ich, Wer mein wort hält, und glaubt an mich, Der wird nicht kommen ins gericht, und den tod ewig ſchmecken nicht! Und ob er schon hier zeitlich stirbt, Mit nichten er darum verdirbt. 2. Herr, du weißts! du hast die tage Meines lebenslaufs gezählt. Ihre freuden, ihre plage Sah dein auge, das nie fehlt, Früher noch, als du auf erden Mich ließ'st einen frembling werden, Da schon schriebst du meinen tod auf dein buch, o weiser gott! dein 3. Einst, wenn es wille fodert, Wird mein reger leib zu staub, Und das feu'r, das in mir lodert, Wird des falten todes raub. So wie frühlingsblumen wel. Tode. nam nimmt das grab. 4. Nimm ihn hin zu dei nem staube, Grab! verwandle Mel. Jesus, meine zuversicht. elig, gott! sind die, die nun Schon im friedenvollen grabe Von des leibes arbeit ruhn, Und sich deiner größten ihn in erd. Dennoch trium- gabe, Eines ew'gen lebens phirt mein glaube; Denn freun. Möchten wir es auch mein leib wird einst verklärt, schon seyn! Des verwesten förvers trüme mer Bleiben wahrlich nicht auf immer Der vermodrung schnöder raub; Neu beseelt wird einst mein staub. 2. Doch du willsts; wir leben noch Mühsam hier in pilgerhütten. Alle trugen einst dies joch, Die des le bens fron' erstritten. Endlich aber führt der tod Uns auch hin zu dir, o gott! 3. Jesus selber lebte hier Vormals auch in pilgerhitten, Noch unendlich mehr, als wir, hat er auf der erd erlitten. Laß uns glaubig auf ihn fehn, Und durch ihn im kampf bestehn. Vom fen, Wird mein leben auch verwelken, Kraft und othem nehmen ab, Und den leich- 229. 5. Durch dein schöpfrisch wort: es werde! Russt du, herr! in mein gebein Neues leben; nicht mehr erde Wird alsdann mein körper feyn. 3u den himmlischen geschäf, ten Schmuckst du ihn mit neuen Fräften, Und von schwäch und sterblichkeit Wird er ewig dann befreyt. 173 6. Hor', o feele! einst mit freuden Jenen ruf: das grab ist da! Denn das ende deiner leiden Ist mit ihm zugleich dir nah. Der, der deinen 4. Was ist diese lebenszeit? Ach! nur eine kurze stunde Gegen jene ewigkeit. Gleichwohl kommt auf diese stunde, Die gott noch verkürzen kann, Unser ew'ges schicksal an. tod bezwungen, at das 5. Gieb 5. Gieb uns weisheit, leben dir errungen, Durch den weg der sterblichkeit Führt er dich zur ewigkeit. herr! und fraft, Diese stunde wohl zu nügen; Und beym schluß der wanderschaft Wol lest du uns unterstügen, Daß wir freudig auf dich sehn, Und getrost zum tode gehn. 7. Stárfe mich auf diese stunde, Jesu! der du für mich starbst, Und an gottes gnadenbunde Ewig antheil mir erwarbst. Laß mich tod und grab nicht scheuen, Laß vielmehr mich darauf freuen, Denn nach treut vollbrachtem lauf, Nimmst du mich zum himmel auf. 6. Daß wir dein sind, nicht der welt, Daß du uns wirst auferwecken, Diese kraft der bessern welt Laß uns, wenn wir sterben, schmecken; Fldß uns muth und ruhe ein, Selbst im tode froh zu seyn. 174 Vom Tode. 7. Wenn wir, um einst und klarheit schon umgeben; auch zu ruhn, 3u den tobten gottes gehen, Wollst du mehr noch an uns thun, Als wir bitten und verstehen. Auch für unsre todesnacht Riefst du einst: es ist vollbracht! Die welt ist uns, wir ihr ein spott, Bis wir verwechs seln diese welt Mit dem ers wünschten himmelszelt. Mel. Wer nur den lieben gott. Bey Begräbnissen. Mel. Nun laßt uns den leib, egrabt den ch flerbe tig: 231. Begri in cont 230. ich hier af gruft, Bis ihn des richters erden Soll dieses meine lo: fung seyn, Bis ich werd auf geldset werden von dieses leibes tod und pein, So meinen geist hier stets befriegt, Der doch in Jesu obgefiegt. stimme ruft! Wir såen ihu, einst steht er auf, Und steigt verklärt zu gott hinauf. 2. Aus staube schuf ihn einst der herr! Er war schon staub, und wirds nun mehr; Er liegt, er schläft, verwest, erwacht Dereinst aus dieser todesnacht. 2. Ich sterbe täglich ab der funden, Mein geift dringt stets zum himmel zu. Der leib muß zwar auch viel em= finden, Doch schmeckt die feele himmelsruh. Denn alle leiden dieser zeit Sind nicht werth jener herrlichkeit, 3. Ich sterbe täglich; meine tage Kürzt jeder augenblick nun ab. Bald fällt die hütte, die ich trage, Und sinkt dahin in staub und grab. Mein le: ben fåhret schnell dahin; Wer weiß, ob ich hier morgen bin. 4. Ich sterbe tåglich, und bestelle Mein haus, und was mir gott geschenkt. Gesetzt, daß mich der tod jent fälle; So habe ich nichts, was mich kránkt, Gott! deiner gnad empfehl ich mich, Und darauf leb und sterbe ich. 3. Des frommen seele lebt bey gott, Der fie aus aller ihrer noth, Aus aller ihrer missethat, Durch seinen son eriöſet hat. 4. Hier hat ihn trübsal oft gedrückt; Nun wird er, gott! von dir erquickt. Hier wandelt' er im finstern thal; Nun ist er frey von schmerz und quaal. 5. Gott blieb er treu bis an sein grab, Nun wischt gott seine thrånen ab. Was sind die leiden dieser zeit, Gott, gegen deine herrlichkeit! 6. Nun, du erlöster, schiaf in ruh! Bir gehn nach un fern hütten zu, und machen zu der ewigkeit Mit freud' und zittern uns bereit. 5. Wenn als die sterbenden wir leben, Ist gott in uns, 7. Uch, Jefu Chrift! dein wir sind in gott, Mit licht bittrer tod Stark uns in un Bom Tode. frer letzten noth. Laß unsre ganze seele dein, Und freuz tig unser ende seyn!. Beym Tode und Begräb. niß eines Kindes. Mel. Wer nur den lieben gott. ott lob! mein 232. Sot lauf eilt früh zum ende, Und auch mein leid und ungemach; Durch seine liebevollen hände Zieht mich mein feelenfreund ihm nach; Hier ist mir heil von ihm geschehn, Dort werd ich ihn, den schönsten, fehn. 2. Ihr meinen! hemmet schmerz und gråmen, Seyd, wie es christen siemt, be trübt! Gott kann das feine wieder nehmen, Wenn, wo und wie es ihm beliebt. S war ja nur von gottes hand Ein euch gelietnes liebes pfand. 3. Daß ich die welt und euch verlasse, Geschiehet nicht von ohngefähr, Und daß ich schon so früh erblasse, Kömmt von des schöpfers weisheit ber; Gott ists, der unser ziel bestimmt, und alt und junge zu sich nimmt. 4. Der gott, der unsre lage zählet, Hat diesen tag von ewigkeit 3u meinem ster: betag erwählet; Ich sterbe zu der rechten zeit. Denn wenn yolt spricht: es ist genung! Stirbt auch der jüngste nicht zu jung. 5. Gott, der sich selbst die liebe nennet, Thut alles lieb175 reich, was er thut, Auch da, wenn er die herzen trenner, Meynt es sein vaterherze gut. Was gott thut, das ist wohlgethan; O wohl dem, der es glauben kann! 6. Die schrift bezeugts, daß jedem finde Die bosheit schon im herzen steckt; Drum ruft mich gott, daß nicht die fünde Mein fündlichs hers noch mehr befleckt; Ja, durch der sünden sold, den tod, Befreyt er mich von sünd und noth. 7. Was sind der menschen lebenstage? Ein schatten, nebel, rauch und dampf. Was sind fie? voll von angst und plage; Noth folgt auf notb, fampf folgt auf kampf. Min klagt, man weint, man forgt, man wacht, Bis daß der tod. ein ende macht. 8. Die taufe schenkte mir ben glauben, und durch den glauben, alles heil; Wer will mir nun die krone rauben? Der himmel ist mein loos und theil. Ich schlaf im wahe ren glauben ein; Wer glauz big stirbt, wird selig seyn. 9. Dort bin ich frey von allen leiden, und vor der welt in sicherheit; Dort schmeck ich nichts als frohe freuden, Im himmel ist kein leid und streit; Dort bin ich schön, geehrt und reich, Ja selbst den engeln gottes gleich. 10. Ihr meinen! lebt und bleibt im segen, Kein schweres unglück rühr' euch an, 176 Vom Geht freudig auf der tugend wegen, Liebt gott, sein wort, liebt jedermann, Fliebt welt, flieht sünd und heucheley, Bleibt Jesu, bis ihr sterbt, getreu. Tode. statt der leiche, Die euer herz in unruh seht, Den geist, der sich im freudenreiche Un vater, sohn und geist ergott. Glaubt christlich, daß ich ses lig bin, So werden schmerz 11. Betrachtet, freunde, und zähren fliehn. Von der Auferstehung der Todten. Mel. Freu bich sehr, o meine. sich hören) Wirst du in dem 233. Gott! ich weiß himmel seyn. Jesu lehte rede heißt: Treuer vater! meinen geist Uebergeb ich dir am ende, In die obhut deiner hände. es, meine glieder Sinken einst im staub dahin, Krankheit, schmerz und grab der brüder Zeugen, daß ich sterblich bin. Das gemeine loos, der tod, Ist mir fünder auch gedroht. Diese hütte wird zerstöret, Von verwesung bald verzehret. 2. Schlösse nun des leibes sterben Auch der seele tod mit ein; Ach! so würde solch verderben In dem tode schreck= lich seyn. Denn, was ist so fürchterlich, Als die zeit, in welcher mich Die empfindung gar verließe, Und ich nichts, wie vormals hieße?+ 3. Nein, der geist wird nicht vergehen, Nur der leib erfährt den tod, Gottes zeuge niß muß bestehen: Mensch! Dein geist kehrt einst zu gott, Gebt in eine andre welt, Wenn des leibes bau zerfällt, Lebt und denkt in jenem stande, Frey von seines leibes bande. 4. Jesus predigt diese leh: ren Sterbend noch dem schd cher ein. Heute,( läßt der herr 5. Welch ein reicher schoß von gaben, Die des menschen geift besitzt! Sollt er sie nur dazu haben, Daß er sie auf erden nůßt? O! so hat er schon zu viel Für dies kurze lebensziel, Wenig zeit bier zu geschäften Für sein gros ses maaß von kråsten. 6. In mir wohnet ein vers langen, Auf unsterblichkeit ges richt't. Güter, die auf erten prangén, Sättigen die feele nicht. Den trieb hab ich von natur, Und das führt mich auf die spur: Der ihn gab, wird ihn erfüllen, Und des geistes sehnsucht stillen. 7. Ja, gewiß zu ewigkeiss ten Ist der geist in mir ge mach, Und gleich nach des leibes zeiten Seligkeit ihm zugedacht. Nimmer, nimmer kanns geschehn, Daß die fees len untergebn; Was mir gott so fest versprochen, Das wird ewig nicht gebrochen. Von der Auferstehung der Todten. 177 ihm will ich auch sterben. 8. Auch mein leib wird nacht 3u gott sich aufge aus dem staube Geistlich und schwungen. Er ist mein haupt; unsterblich gehn. Jesus lebt; sein sieg ist mein. Sein foll ich weiß und glaube, Mich mein ganzes leben seyn, Und erweckt fein auferstehn. Macht'ger trost! nun, nun kommt mir Tod und gruft nicht schrecklich für. Rubet nur, ihr meine glieder; Der erstandne ruft euch wieder. 9. Unverwestich, frey von leiden, Im verklärten lichte rein, Wird mein leib in ew' gen freuden, Herrlich bey dem mittler feyn. Gott! wie beugt sich meine schuld Dankbar gnug für deine huld, Daß Du, herr, mein ganzes wefen 3u der ewigkeit erlesen! 10. Welch ein überfluß der gute, Wonne, die kein ende 2. Nicht ewig wird, wer dein wort hålt, Den tod, o Jesu! schauen. Das ists, was mich zufrieden stellt, Selbst bey der gråber grauen. Ich bin getroft und unverzagt, Weil du den deinen zugesagt: Ich leb, und ihr sollt leben. 3. Wird gleich mein leib des grabes raub, Er wird doch wieder leben, Und einst aus der verwesung staub Sich neugebild't erheben. Wenn du, o großer lebensfürst! Nun deis nen tobten rufen wirst, 3um leben aufzuwachen. nimmt, Hast du, dies rührt 4. Wie froh und herrlich mein gemüthe, Ewiger, für mich bestimmt! Gleichet auch ein gut der zeit Der verheiß: nen herrlichkeit? Gott! laß jenes mich verachten, und nach dieser ernstlich trachten. 11. Lehre mich in diesem leben, Wie ich nach dem ew's gen wohl Hier mit allem eifer streben, Mich dazu bereiten foll. Hilf, wenn dieser bau zerfällt, Daß mein geist in jener welt, Und der leib er weckt vom grabe, Ewig dich und Jesum habe. werd ich dann Vor dir, mein beiland, stehen! Dann nimmst du mich mit ehren an, Läßt in dein reich mich gehen. Forts bin von keiner last beschwert, An leib und feele ganz verklärt, Leb' ich bey dir dann ewig. 5. O welch ein felig's theil ist mir In jener welt berei: tet! Der freuden fülle ist bey dir. Von dir, o herr, geleitet, Werd ich in deinem himmelreich, Unsterblich, deinen engeln gleich, Volkommne luft genießen. 6. Denn wo du bist, da Mel. Wenn mein stündlein x. follen die, Die dir hier fol234. Dein heiland lebt! gen, leben, Und ewig frey er hat die macht von schmerz und müh, Von Des todes ganz bezwungen, seligen umgeben, Genießen Und siegreich aus des grabes beiner herrlichkeit. I was M Von der Auferstehung der Todten. 178 find leiden dieser zeit, Herr! gegen jene freuden? 7. Laß die zukünft'ge herrlichkeit Mir stets vor augen schweben, Und oft in dieser prüfungszeit Mein herz dahin erheben, Wo keine schwachheit uns mehr drückt, Wo wir, der sterblichkeit entrückt, Frohlockend vor dir wandeln. 8. Erwecke mich dadurch zum fleiß, Der tugend nach zustreben, Und als dein jun: ger, dir zum preis, Nach deis nem wort zu leben. Und fühl ich hier noch noth und schmerz, So triste selbst da mit mein herz: Es kommt ein beff'res leben. 235. Huversicht! Du Mel. Machs mit mir, gott. err, du bist meine lebst, ich werd auch leben. Du was dein wort verspricht, Unsterblichkeit einst geben. Dein jünger kommt nicht ins gericht. Dies står: ket meine zuversicht. 4. Sink immerhin, mein leib, in staub! Gott wird dich neu beleben. Hier werd ich nur des todes raub, Dort werd ich ewig leben. Wie stark ist dieses trosts gewicht! Wie ficher meine zuversicht! 5. Herr! diesen segen dank ich dir, Mich aus der gruft zü heben, Gingst du aus deinem grab herfür, Du lebst, und ich soll leben. Ich glaub es dir, und zweifle nicht; Dein wort ist meine zuversicht. 6. In diesem glauben stärke mich. Laß mich den trost empfinden, Den großen trost, daß ich durch dich Den tod kann überwinden. Grab und verwesung schreckt mich nicht; Denn du bleibst meine zuversicht. methin Mel. Jesus, meine zuversicht. meine 236. Suversicht Und mein heiland, ist im leben! Dieses weiß ich; follt ich nicht Auch zu sterben, mich ergeben, Was die lange todesnacht mir auch für gedan: ken macht? 2. Hier geh ich oftmals weinend hin, Den saamen auszustreuen, Dort wird der herrlichste gewinn Der ernte mich erfreuen. Ich leide und verzage nicht; Denn du bist meine zuversicht. 2. Jesus, mein erlöser, lebt; Ich werd auch das le ben schauen, Seyn, wo mein erlöser lebt, Warum follte mir denn grauen? Er ist der gemeine haupt, Und sein glied, wer an ihn glaubt. 3. Hier trag' ich deine sanfte last; Wie groß ist meine würde! Jedoch die welt, die sie nicht faßt, Nennts fátschlich schwere burde. Einst trifft den spotter dein gericht, Und dann siegt meine zuversicht. bey meiner hand In den 3. Ich bin durch der hoff. nung band Zu genau mit ihm verbunden; Er hält mich Von der Auferstehung der Todten. dunkeln todes stunden; Er führt mich auf rechter bahn, Und nimmt mich zu ehren an. 4. Ich bin fleisch, und muß daher Auch einmal zu staube werden. Dieses weiß ich; doch wird er Mich erwecken aus der erden, Daß ich in der herrlichkeit Bey ihm sey in ewigkeit. 5. Dann umgiebt mich diese haut, Dieser leib, wie ich fest glaube; Gott wird dann von mir geschaut, ich aufſteh aus dem staube. 237. fue mich ber frohen zeit, Da Im verklärten leib werd' ich Sehen, mein erlöser! dich. ich werd auferstehen. Dann werd ich in der herrlichkeit Dich, gott! mein heiland! sehen. Dann werd auch ich, 6. Ob dies aug' im tode bricht, Wirds doch meinen beiland kennen, Ich, ich selbst, kein fremder nicht, Werd in seiner liebe brennen. Dank ihm! dank ihm! preis und ruhm! Wunderbar schafft er mich um. herr! durch dich Vereint mit allen frommen, 3ur ew's gen ruhe kommen. 2. Ach! kam' die stunde bald heran, Die stunde der erlöfuna, Die stunde, da ich hoffen kann Trost, freiheit und genesung! Da engeln gleich, Im himmelreich Mich ruhe, lust und leben In ewigkeit umgeben. 3. Der du die auferstehung bist! Du bists, an den ich gläube. Ich weiß, daß ich durch dich, herr Chrift! Im tode nicht verbleibe. Und dein gericht Wird mich dann nicht Mit trübsal, angst und schrecken, So wie die heuchler, decken. 4. Ich hoffe dann mit freudigkeit Vor tir, mein haupt zu stehen, und mit dir in die herrlichkeit Frohs M 2 7. Was hier leidet, seufzt und fleht, Wird nicht ewig untergehen; Irdisch werd ich ausgesät, Himmlisch werd ich auferstehen. Zur verwesung fink ich ein, Dann werd ich unsterblich seyn. 8. Freudig bin ich und getrost! Dann steigt mein versöhner nieder. Wenn ich sterb', ist er mein trost, Und den todten ruft er wieder, Wenn einst die posaune klingt, Die durch alle gråber dringt. 179 meinen gott, Jefum Chriftum werd ich schauen. Dann wird leben, sieg und heil Ewig, ewig seyn mein theil. 10. Nur, daß du dich, seel', erhebst Von den lüsten dieser erden, und schon hier dem gotte lebst, Mit dem du vereint sollst werden. Willst du feines heils dich freun, Mußt du rein und heilig seyn. 9. Und mich schrecte noch der fod? Mich die gråber und ihr grauen? Meinen mittler, Mel. Was gott thut, das ist. ch 180 Von der Auferstehung der Todten. lockend einzugehen! Dhilf leben stehn sie auf. Shr vers mir doch Aus gnaden noch, föhner kommt voll klarheit, 3um glück der ewigkeiten Vor ihm ist gnade, treu und Mich würdig zu bereiten. wahrheit, Der tugeno lohn Front ihren lauf. Licht ist um deinen thron, Und leben, got: tes sohn! Hosianna! Erlöſer! dir, Dir folgen wir zu deis nes vaters herrlichkeit. Mel. Wachet auf, ruft uns. achet fo 238.20 ruft die stimme Einst nach der zeit, der engel stimme, Verlaßt das grab, verlaßt die gruft! Wachet auf, erlöste sünder, Versammlet euch, ihr gottes kinder! Der welten herr ists, der euch ruft. Des todes stille nacht Ist nun vorbey; erwacht! Hallelujah! Macht euch bereit 3ur ewig keit, Sein tag, sein großer tag ist da. 3. Ewigs lob sey dir gesun gen! Wir sind zum leben durchgedrungen, Am ziel sind wir beym großen lohn. Christus strömt der freuden fülle Auf uns; wir schaun ihn in der hulle Ihn, unsern freund und gottes sohn. Stein auge sabe sie, Dem ohr erscholl sie nie, Dieſe wonne. In ewigkeit Sey dir geweiht, Herr, unser dank und 2. Erd und meer und hölle beben, Die frommen stehen auf zum leben, 3um neuen ehr und preis! Von dem zukünftigen Weltgerichte. Wiederkunft Jesu zum Weltgerichte. Mel. O ewigkeit, du donnerwort. er unsre mensch239. Dheit an sich der richter und vergilt. nahm, Als er uns zu versöhnen kam, Kommt einst zu rich ten wieder. Nicht fern ist seiner zukunft zeit, In aller sei ner herrlichkeit Steigt Jesus dann hernieder. Vernimm's, o welt, und beffre dich! Der tag des ſchreckens nahet sich. Warum verzieht er? fragt der spott! Wo bleibt der fündenråcher, gott? Hört, fünder, hörts mit beben! derstrebt, und in der bosheit ficher lebt, 3ur beffrung frist zu geben. Doch bald ist euer maaß erfüllt, Bald kömmt 3. Dann öffnet um euch her sich weit Der abgrund jener ewigkeit Mit allen sei nen schrecken, Dann wird euch, wenn der richter droht, Nicht berg, noch meer, nicht grab noch tod, Vor seiner ahndung decken. Denn nun nicht mehr erbarmt er sich, Und sein gericht ist fürchterlich. 4. Wenn furchtbar seiner donner schall Und tönender Euch, die ihr frech ihm wi- posaunen hall Der erde grund Von dem zukünftigen Weltgerichte. 181 erschüttern, Und plötzlich nun zu rechter zeit. In großer der bau der welt Wankt, kraft und herrlichkeit, Vom himmel wieder kommen. Gieb, daß dann froh und mit vers traun Dich, herr! auch meine augen schaun. 2. Wer fast, o heiland! jetzt die pracht, Die deinen tag einst herrlich macht? Wie groß wirst du dich zeigen, Wenn du auf lichten wolken einst Mit deiner engel heer erscheinst, Die sich vor dir, herr! beugen, Dann sieht die welt die majestät, Dazu dich gott, dein gott, erhöht. 3. Dann tont dein ruf in jedes grab Mit allmachtsvols ler kraft hinab, Und schafft ein neues leben. Auf deinen wink muß erd und meer Das große unzählbare heer Der tooten wiedergeben. Sie stehn durch dich, herr! neu beseelt, Nun alle auf, und keiner fehlt. krachend stürzt, in trümmern fällt, Wenn selbst die himmel zittern, Und vor dem richter hingerückt Der spötter glaubet, und erschrickt; 5. Dann ist nicht mehr zur buße zeit, Wo werdet ihr barmherzigkeit Und gnad und rettung finden? Die ihr der fünden maaß nech häuft, Fühlt, eh' euch dieser tag ergreift, Die laften eurer fün: den, Daß ihr nicht selbst euch einst verflucht, Und in verzweiflung lindrung fucht. 6. Mein herz erschrickt, es bebt in mir Mein innerstes, 0 gott! vor dir, Ich bin ein missethåter. Begnadige, wenn dein gericht Auch mir mein ewig urtheil spricht, Mich, herr! den übertreter. Du, der die fünder nicht verstößt, Du Jesu! hast auch mich erlöst. 4. Du fammlest sie vor deinem thron, Um jedem den bestimmten lohn Nach seiner that zu geben. Dann trifft den bösen schmach und pein, Den frommen aber führst du ein In das verheißne leben. Wer leugnet dann noch, Jesu Christ! Daß du der erde richter bist? 5. D gieb, wenn nun dein tag erscheint, Daß ich in dir dann noch den freund Und Mel. O ewigkeit, du donnerwort. 240. Erhöhter Jefu! heiland wieder finde, Daß gottes sohn! ich mit freuden vor dir steh, Der du schon längst der him: Und mit dir in den himmel mel thron Als herrscher ein- geh, Ganz frey von noth genommen; Du wirst dereinst und sünde. Laß mich im 7. Tag gottes! tag der ewigkeit! Du predigst uns den werth der zeit Laut mit des donners stimme. Reizt, men schen, nicht durch eure schuld Den gott der langmuth und gedulo, Daß er nicht schnell ergrimme. Denn schrecklich wird der sünder pein. Und groß der frommen wonne seyn. 182 Von dem zukünftigen Weltgerichte. glauben wacker seyn, Und auch Wer wird dann noch, herr die kleinste sünde scheun. Jesu Christ! Daß du der herr des lebens bist, Mit frechheit leugnen können? 5. Wer spottet dann noch deiner kraft, Wenn du, die hier dich fliehen, Für ihre schuld zur rechenschaft Mit majestät wirst ziehen? Wenn nun ihr auge dich erblickt, Und sie dein strafgerichte drückt, Dann werden sie verstummen. 6. Die tugend sey mir ewig werth. Und was dein wort von mir begehrt, Das laß mich treulich üben. Niemals ermüde hier mein geist, Dich, den schon jetzt der himmel preist, Aus aller kraft zulieben; So hab ich in der ewigkeit Auch theil an deiner herrlichkeit. Mel. Es ist gewißlich an der zeit. kömmt, 241. er kömmt zum weltgericht, Der heiland, den wir ehren. weigert euch, erlöste, nicht, Jetzt auf sein wort zu hören! Wer hier nicht seine stimme hört, Und fie nicht mit gehorsam ehrt, Wird nicht vor ihm bestehen. 2. Herr! laß mich deiner majestät Mit wahrer freude dienen. Wie herrlich dich dein gott erhöht, Sst zwar noch nicht erschienen, Doch, was uns hier verborgen war, Das wird dereinst uns offenbar, Wenn du wirst wiederkommen. 3. Wenn vor dir die natur dann bebt, und unter deinen füßen Sich alles, was dir widerstrebt, Wird völlig beu gen müssen. Wenn alle engel vor dir stehn, Dann werden aller augen fehn, Wie hoch dich gott erhoben. 4. Wenn dann, o herr, auf dein geheiß Die todten wieder leben, Dein feind mit furcht, dein freund mit preis Sich aus dem grab erheben; 6. Und wenn du dann die deinen nun Mit preis und ehre zierest, Und, ihnen ewig wohlzuthun, Sie in den himmel führest, Dann, herr! wird völlig offenbar, Wie herrlich die bestimmung war, Wozu du fie berufen. 7. D laß mich dann, herr Sesu Christ! Mit freuden vor dir stehen, Und dir, so herr: lich du auch bist, Getrost ent gegen sehen. Wenn deiner feinde rotte zagt, Von reu und angst und furcht geplagt, Dann jauchze meine feele! 8. Daß ich dies glück ers leben mag, So laß in diesem leben, D heiland! deinen gros Ben tag Mir stets vor augen schweben. Er reize mich, dir mich zu weihn, In deinem dienste treu zu seyn, Und nie dich zu verleugnen. Von dem Weltgerichte selbst. Mel. Herzlich thut mich verlangen. Coch Ich 242. dent an dein richter aller welt! Der thot Von dem zukünftigen Weltgerichte. 183 nenn's ein gedichte, Das wie ein weiser, handeln, Der schwachen nur gefällt; Mich seinen richter scheut. as soll sein wahn nicht stören, 7. Ist dann dein tag vors Weil mich dein göttlich licht handen, Wird diese welt vers Und mein gewissen lehren, gehn, So hoff ich nicht mit Du haltest einst gericht. schanden Vor deinem thron zu stehn. Du stellst mich dann zur rechten, Von aller schuld befreyt, Führst mich mit deinen knechten In deine herrlichkeit. on s Met. Es ist gewißlich an der zeit. ist der tag von gott bestimmt, Da, wer auf erden wandelt, Sein loos aus gots tes. hånden nimmt, Nach dem er hier gehandelt. Er kommt, er kommt, des menschen sohn, Er kommt, und wolken sind sein thron, Der erden kreis zu richten. en C 2. Ich höre die posaunen, O herr! im geiste schon, Ich sehe mit erstaunen Dich auf dem richterthron, Um den die heilge menge Erhabner engel steht. Welch herrliches geprän ge! Welch hohe majestát! 243. Son ist 3. Umſonst ſucht nun, der sünder Vor deiner macht zu fliehn. Herr! alle menschenkin: der Wirst du zur rechnung ziehn. Du rufft, und sie erscheinen Vor deinem richterthron, Den fündern und den deinen Giebst du gerechten lohn. 2. Hier, an dem rand der ewigkeit, Hier stehn die mil. lionen, Die seit dem ersten tag der zeit Auf dieser erde wohnen, Nur dem allwissenden bekannt, Unzählbar, wie am meer der sand, Hier stehn sie vor dem richter. 3. Hier muß der falsche wahn der welt Der wahrheit unterliegen, Hier, wo das recht die wage hält, Wird keine fünde siegen. Hier ist zur buße nicht mehr frist, Hier gilt nicht mehr betrug und list, 6. Laß, Jesu! dein ge: Hier gilt kein falscher zeuge. richte Mir stets vor augen 4. Der richter spricht, der seyn, Und drücke sein gewichte In mein gewissen ein. Vor dir laß mich fromm wandeln, Und hier zu aller zeit So himmel schweigt, Und alle völker hören Erwartungsvoll und tief gebeugt, kommt, erbt das reich der ehren! So 4. Froblockend sehn die frommen Dein göttlich ange sicht, Schon hier dem fluch entnommen, 3agt ibre feele nicht. Nun triumphirt ihr hoffen, Erlöst von aller můh, Sehn sie den himmel offen, Und du, herr! fegnest sie. 5. Wie angstvoll aber be ben, Die hier dein wort vers höhnt, Und durch ein fleischlich leben, Das eitle herz verwöhnt! Du giebst der sünde tnechten Thr theil in ew'ger pein, Und führest die gerechten 3u deiner freude ein. 184 Von dem zukünftigen Weltgerichte. spricht er zu der frommen gegeben; Väterlich Führst du schaar; Doch die, die wider: mich auf des lebens wegen spenstig war, heißt er nun Meinem ziel entgegen. von sich weichen. 2. Bald kommst du mit 5. O herr! mit welcher großer kraft 3um gericht auf majestät Wirst du dies urtheil erden, Dann soll ich zur fällen! Die fünder, die dich rechenschaft Dargestellet werhier verschmäht, Gehn dann den. Dein gericht Schonet gewiß zur höllen. Hier trifft nicht, Richter aller welten! fie unerforschte pein, Wer Denn du willst vergelten. wird dann noch ihr retter 3. Weh dann mir in ewig: seyn? Ihr warten ist verloren. 6. Sie, die gerechten, leuch: ten dann So, wie der glanz am himmel, Du selbst nimmst sie zu ehren an. O welch ein froh getümmel! Nun sehn sie mit erstauntem blick, Daß glaub und lieb' das höchste glück Uus gottes gnad' ererben. keit, Wenn ich deine gabe, Meine Eräfte, meine zeit, Hier gemißbraucht habe! Weh dann mir, Hab ich hier Dein geschenk verschwendet Und nicht angewendet! 4. Möchte täglich dein ge richt Mir vor augen schwe ben, Möcht' ich mich, stets meiner pflicht Treu zu seyn, bestreben! Daß ich nie Thöricht sie Außer augen sette, Noch mit fleiß verletzte! 7. Sie gehn nun in das fel'ge reich, Das gott für sie bereitet, Und sehn auf ewig, engeln gleich, Ihr wohlseyn ausgebreitet. Das slückwerk wird vollkommenheit, Kein fummer, feine traurigkeit Stórt ihre ew'ge freude. 5. Lehre mich gewissenhaft Meine tage zählen, Jeden schritt zur rechenschaft Mich mit vorsicht wählen. Gieb, daß ich Ernstlich mich Jeden tag, auch heute, Auf sie zubereite. 8. Mein heiland! laß mich dein gericht Oft und mit ernst bedenken. Es stårke meine zuversicht, Wenn mich die leiden kränken, Es reize mich, gewissenhaft, Und eingedenk der rechenschaft, Nach deinem wort zu wandeln. und Mel. Straf mich nicht in deinem. 244. Her err! ich bin dein eigen thum; Dein ist auch mein leben, Mir zum heil, und dir zum ruhm Hast du mir's 6. Beigt sich erst die ewig feit Furchtbar in der nähe; O! dann ist es nicht mehr zeit, Daß um gnad ich flehe, Wenn der tod Mir schon droht, kann ich deinen willen, Herr! nicht mehr erfüllen. 7. Mein gewissen strafe mich Gleich für jede sünde, Mitt ler! daß ich bald durch dich Gnade such und sinde. Rufe du Dann mir zu: Ques ist ver geben, Beffre nur dein leben! Von dem zukünftigen Weltgerichte. 185 8. Dann erscheine zum Der allgemeinen glut! Er gericht! Ich darf zu dir be- rauchet angezündet. Der sitz ten, Mich verstößt dein vater der missethat, Da, der die nicht, Du wirst mich vertre welt gegründet, Sich ihm als ten. Ewig dein Werd ich richter naht. sich ihn seyn, Und mich, dich zu lieben, Ewig, ewig üben. 5. Er kommt, und blike röthen Den arın des mens schensohns; Herr! deine blicke tödten Die feinde deines throns, Und erd' und himmel fliehet Vor deinem angesicht, Und wer nach ihnen siehet, Sicht ibre ståtte nicht. 6. Ihr neuen himmel, schweiget, Der sünder wird verklagt, Und sein gewissen zeuget, Das seine feele nagt. Er bebt, er weicht zurücke; Web ihm! die hölle glüht In seinem wilden blicke, Der seinen richter flieht. 7. Was hilft nun alle größe, Die unsern neid erweckt, Dort, wo des lasters bloße Kein falscher schimmer deckt; In dieser großen scene, Wo sich mit engeln mischt, Wer eine fromme thråne Den armen abgewischt. 8. Wenn die verdammte rotte Verfolgt vom donner eilt, Und ewig fern von gotte, Gequält und lästernd heult, Um tage deiner rache, Herr! 4. Tag, schrecklichster der nimm dich meiner an, Und tage Für den, der böses thut! führe meine fache, Wie du Du bist ein tag der klage, am freuz gethan. Mel. Herzlich thut mich verlangen. 245 err! sieh ich bin verdrossen, 3u thun, was dir gefällt, Mein herz hinkt, unentschlossen Noch zwischen gott und welt, Mich drücken schnöde ketten, Der finden sclaverey; Berzeuch nicht, mich zu retten, Und mach, o gott! mich frey. 2. Geh auf in meiner seele, Geh auf mit vollem glanz! Damit ich dich erwähle, So zeige dich mir ganz, Wie schrecklich du dem sünder reinstes wesen, seyst, Du vater deiner finder, Boukomm ner höchster geist! 3. Sollt in gewohnten sünden, Eh ich bekehret bin, Dein großer tag mich finden; D. goit! wo flöh ich hin, Wenn berg' in ungewittern Hertaumeln, wie vom wind, Und erd' und himmel zittern, Und sonnen dunkel sind? Vom ewigen Leben. Mel. Wachet auf, ruft uns die. ben, Die todten, die in Jesu 246. elig find des sterben! Sie gehen ein zur himmels er herrlichkeit. Nach den letzten Vom ewigen Leben. 186 augenblicken Des todes schlummers folgt entzücken, Und wonne der unsterblichkeit. Sm frieden ruhen sie Von aller sorg'und müh. Gelobt sey gott! Vor seinem thron, 3u seinem sohn Begleiten ihre werke sie. 2. Dank, anbetung, preis und ehre, Macht, weisheit, herrlichkeit und ehre Sey dir, versöhner, Jesu Christ! Ihr, der überwinder chore, Bringt dank, anbetung, preis und ehre Dem lamme, das geopfert ist! Er sank, wie wir, ins grab, Wischt unsre thrås nen ab. Gelobt sey gott! Er hat's vollbracht! Nicht tag, nicht nacht Wird an des lammes throne seyn. 3. Nicht der mond, nicht mehr die sonne Scheint uns alsdann; er ist uns sonne, Der sohn, die herrlichkeit des herrn. Heil, nach dem wir weinend rangen, Nun, nun bist du uns aufgegangen, Nun sehn wir dich nicht mehr von fern! Nun weinen wir nicht mehr, Nun weinen wir nicht mehr. Gelobt sey gott! Er sant hinab, Wie wir, ins grab, Er ging zu gott, wir folgen ihm. Mer. Wer nur den lieben gott. Fach einer prü 247. Nach fung kurzer tage Erwartet uns die ewigkeit. Dort, dort verwandelt sich die klage In göttliche zufriedenheit. Hier übt die tugend ihren fleiß, Und jene welt reicht ihr den preis. 2. Wahr ist's, der fromme schmeckt auf erden Schon manchen sel'gen augenblick; Doch alle freuden, die ihm werden, Sind ihm ein unvollkommnes glück. Er bleibt ein mensch, und seine ruh Nimmt in der feele ab und zu. 3. Bald stören ihn des körpers schmerzen, Bald das geräusche dieser welt; Bald kämpft in seinem eignen hers zen Ein feind, der öfter siegt, als fällt; Bald finkt er durch des nächsten schuld In kummer und in ungeduld. 4. Hier, wo die tugend öfters leidet, Das laster öf ters glücklich ist, Wo man den glücklichen beneidet, Und des bekümmerten vergißt, Hier kann der mensch nie frey von pein, Nie frey von eigner schwachheit seyn. 5. Hier such ich's nur, dort werd' ich's finden, Dort werd' ich heilig und verklárt, Der tugend ganzen werth empfinden, Den unaussprechlich großen werth; Dich, gott der liebe! werd' ich sehn, Dich lieben, ewig dich erhöhn. 6. Da wird der vorsicht heil'ger wille Mein will' und meine wohlfahrt seyn, Und lieblich wesen, heil die fülle Um throne gottes mich erfreun. Dann läßt gewinn stets auf gewinn Mich fühlen, daß ich ewig bin. 7. Da werd ich das im licht erkennen, Was ich auf erden dunkel sah, Das wun Vom ewigen Leben. 187 derbar und heilig nennen, sie Ist doch ein augenblick Was unerforschlich hier ge= voll müh! schah; Da denkt mein geist mit preis und dank Die Mel. Wie groß ist des allmächt'gen. schickung im zusammenhang. throne dringen, Wo gott, mein heil, sich offenbart, Ein beilig, heilig, heilig singen Dem, der für mich erwürget ward; Und cherubim uno seraphim Und alle himmel jauchzen ihm. 9. Da werd ich in der en gel schaaren, Mich ihnen gleich und heilig sehn, Das nie gestörte glück erfahren, Mit frommen stets fromm umzu: gehn; Da wird durch jeden augenblick, Shr heil mein heil, mein glück ihr glück. 10. Da werd ich dem den dank bezahlen, Der gottes weg mich gehen hieß; Und ihn zu/ millionen malen Noch fegnen, daß er mir ihn wies. Da find ich, herr! in deiner hand Den freund, den ich auf erden fand. 11. Da ruft( o möchte gott es geben!) Vielleicht auch mir ein sel'ger zu: Heil dir! denn bu hast mir mein leben, Die seele mir gerettet, du! O gott, wie muß dies glück erfreun, Der retter einer seele seyn! 12. Was seyd ihr, leiden dieser erden, Doch gegen jene berrlichkeit, Die an uns offenbart soll werden, Von ewigkeit zu ewigkeit? Wie nichts, wie gar nichts gegen 248. obeftes tebe, Wo Jesus lebt; sey du ges preist! Nach dir, o leben, will ich streben, Nach dir verlangt mein ganzer geist! O himm= lisch leben! wo kein leiden; Gott wischt da alle thrånen. ab; Wo nichts denn wonne, nichts denn freuden, Wo kein tod mehr ist und kein grab. 2. O herrlichkeit! wo keine sunde Hinfort den sel'gen geist entehrt, Wo ich von schwachheit nichts empfinde, Wo mein leib herrlich ist verklärt! O himmlisch leben, glück der frommen, Und auch mein herrlichster gewinn, Da wo ich ewig ganz vollkommen, Ganz weise, heilig, selig bin! 3. Eröffne, himmel, deine thore! Mein Jesu! reiche mir die hand, Führ mich zu jenem höhern chore, Bring mich hin in mein vaterland! Da soll dir denn, dir gottes sohne, Mein ewig loblied seyn geweiht. O lebte ich vor deinem throne Erst mit dir in der herrlichkeit. Mel. Wer nur den lieben gott. ist eine 249. Cruh vorhanden Für jeden gott ergebnen geift, Wenn er sich dieses körpers banden, Nach gottes willen 138 Vom ewigen Leben. einst entreißt, Und nun nicht des lebens müde werden, Und mehr so eingeschränkt, 21s fühl' ich meiner burde last; hier auf erden, lebt und denkt. So stárke måchtig meinen geist, Daß er dem unmuth sich entreißt. 2. Die, herr, zu dieser ruhe kommen, Wie selig sind doch alle die! In deinem himmel aufgenommen, Ruhn sie von dieses lebens müh. Nach aller Last, die sie gedrückt, Wird ewig mun ihr herz erquickt. 8. Gieb, daß in hoffnung jener ruhe, Die gottes volk verheißen ist, Ich gern des vaters willen thue, Wie du darin mein vorbild bist; So ernt' ich von der last der zeit Einst völlige zufriedenheit. 3. Wie mütter ihre kinder trösten, So segnet mit zu friedenheit Auch deine gnade Die erlösten, Nach überstand: Mel. Wie schon leucht't uns der. ner prufungszeit. Dann wird 250. Menganzer geift es offenbar, Wie gott! wird entzückt, Wenn er nach jenem himmel blickt, Den du für uns bereitet; Wo deine milde vaterhand Aus neuen wundern wird erkannt, Die du daselbst verbreitet; Mächtig Fühl ich mich erhoben, Dich zu loben, Der zum leben. Das dort ist, mich will erheben. stets deine führung war. 4. Da schweigen alle ihre klagen, Da bringt mit fro: hem, lobgesang, Selbst für die ausgestandnen plagen, Dir ihre seele preis und dank. Nun jauchzen sie: es ist vollbracht! Der herr hat alles wohl gemacht! 5. Forthin erwartet sie kein leiden, Kein schmerz und keine schwachheit mehr, Gott führt sie zu vollkommnen freuden, Und krónet sie mit preis und ehr. Dunaus sprechlich süße ruh! Wie herrlich, höchster! fegnest du! 6. Wer kann hier deine gnade fassen? Du willst den, der dich redlich liebt, Nicht ewig in der unruh lassen, Die dieses leben noch umgiebt. O mach auch mich hier in der zeit Geschickt zu dieser seligkeit! 3. Kein tod ist da mehr und kein grab. Dort wischest du die thrånen ab Von deiner kinder wangen. Da ist kein leid mehr, kein geschrey; Denn du, o herr! machst 7. Mein heiland, der du felbst auf erden Der leiden joch getragen haft! Will ich alles neu, Das alte ist ver2. Was sind die freuden dieser zeit, Herr! gegen jene herrlichkeit, Die dort bey dir zu finden? Du stellst uns hier auf erden zwar Biel wunderdeiner gute dar, 3um fröhlichen empfinden; Doch hier Sind wir Bey den freuden Noch mit leiden Stets um geben, Dort nur ist vollkommnes leben. Vom ewigen Leben. 189 gangen, Hinfort Sind dort Da wird, Mein hirt! Von Von gerechten Gottesknech- den freuden Nichts mich scheis ten Keine plagen Mehr zur den, Die du droben Deinen prüfung zu ertragen. freunden aufgehoben. 4. In unsers gottes heis ligthum Schallt ewig sein erhabner ruhm Von lauter frohen zungen. Hier strahlt die herrlichkeit des herrn, Hier schaut man sie nicht mehr von fern, Hier wird sie ganz besungen. Völlig Giebt sich Den erlösten, Sie zu trösten, Den zu kennen, Den sie hier schon vater nennen. 8. Wie herrlich ist die neue welt, Die gott den frommen vorbehält! Kein mensch kann sie erwerben. Du aber, herr der herrlichkeit! Du hast sie auch für mich bereit't; Hilf sie mir nun ererben. Las Laß mich Eifrig Danach sterben, Und so leben Auf der erde, Daß ich dort dein erbe werde. Mel. Alle menschen müssen sterben. 5. Vor seinem antlig wandeln sie Auf ewig frey von 251. Alle menſchen aller müh, Und schmecken feine gute. Hier stört den frieden ihrer brust Und ihre tausendfache lust Kein feind: liches gemüthe. Kein neid, Kein streit Hemmt die triebe Reiner liebe Unter seelen. Die nun ewig nicht mehr fehlen. 6. Gott, welche schaar ist dort vereint! Die frommen, die ich hier beweint, Die find' ich droben wieder. Dort sammelt deine vaterhand, Die deine liebe hier verband, Herr! alle deine glieder. Ewig Werd ich, Frey von mångeln, Selbst mit engeln Freundschaft pflegen, Dein umgang voller segen! 7. Wo ist mein freund, des höchsten sohn, Der mich geliebt? wo glänzt sein thron? In jenen himmels: höhen. Da werd ich dich, herr Jesu Christ! So men, fchenfreundlich als du bist, Auch mit entzücken sehen. müssen sterben, Ihre herrlichkeit vers blüht; Und wer kann den himmel erben, Der nicht die verwesung sieht? Staub wird diefer leib von erde; Doch, damit er himmlisch werde, Wird er einst von gott erneu't; Und erhält unsterblichkeit. 2. Darum will ich dieses leben, Das nicht mein ist, nicht der welt, Meinem gott zurücke geben, Wann und wie es ihm gefällt. Denn in des erlösers wunden hab ich heil und ruh gefunden, Und mein trost in todesnoth Ist des großen mittlers tod. 3. Er ist ja für mich ge storben, Und sein tod ist mein gewinn, Er hat mir das heil erworben, Daß ich ewig got: tes bin. Drum verlaß ich gern die leiden Dieser zeit, um in die freuden Seines himmels einzugehn, Und ihn, meinen herrn, zu sehn. 190 Vom ewigen Leben. 4. Da wird seyn das freu: bens früchte ein, Da wird denleben, Wo viel tausend ohne leid und zähren Unser seelen schon, Mit des himmels leben ewig währen. Gott! glanz umgeben, Gott vor sei zu welcher seligkeit Führst nem höchsten thron Dank und du uns durch diese zeit. preis und ehre bringen, Und mit allen engeln singen: Heilig, heilig, heilig heißt Gott, der vater, fohn und geist! 5. Vaterland verklärter frommen! Heil, unsterblichkeit und ruh, Was kein sterblicher vernommen, Gottes heil gewähreft du. Freuden ernten schenkt er denen, Die erst hier gefä't mit thrånen, Alle thránen trocknet er, Sünd' und elend sind nicht mehr. 6. Ich entbrenne von ver langen, Dies mein vaterland zu sehn, Und die krone zu empfangen; Bald erhöret gott mein flehn. Diese hütte, die zerstäube; Ich, ich weiß, an wen ich glaube. Mir ist sterben ein gewinn; Denn zum vater geh ich hin. 7. Welche tröstung, dies zu wissen! Dieser großen hoffnung voll, Bag ich nicht in kümmernissen, Die ich bier noch dulden soll. Leicht und kurz sind diese leiden, Sie verwandeln sich in freuden, Wenn ich chriftlich sie ertrug, Bis gott spricht: es ist genug. Mel. Alle menschen müssen sterben. 252. wie unaus S selig Werden wir im himmel seyn! Da, da ernten 2. 3war kann das, was du den deinen Dort für glück bes reitet hast, Nicht im wahren licht erscheinen, und kein tu gendhafter faßt Deines him: mels große freuden; Doch nach diesen prüfungsleiden Werden alle, die dir traun, Mehr noch, als sie hoffen, schaun. 3. Neue wunder deiner gute Weiden da ihr glück erhöhn. Mit erstaunendem gemüthe Wird dann unser auge sehn, Deine huld sey überschwenglich, Und die wohle fahrt unvergånglich, Die dem, der dich redlich liebt, Deine vaterhand dort giebt. 4. Dann wirst du dich uns fern seelen Offenbaren, wie du bist, Keine wonne wird uns fehlen Da, wo alles wonne ist. Zu vollkommnen seligkeiten Wird uns dort der mittler leiten, Der uns dieses glück erwarb, Als am kreuz er für uns starb. 5. Da wird deiner from men menge Ein herz, eine feele seyn, Liebe, dank und lobs gesänge Dir, erhabner gott! zu weihn, Dir, und dem, der felbst sein leben Willig für uns hingegeben; Mit ihm, Sind wir ewig dann vereint. 6. wer follte sich nicht wir unzählig Unsers glau- sehnen, Aufgelöst und da zu Vom ewigen Leben. 191 seyn, Wo, nach ausgewein- gott, den ihr verschmäht, Hat ten thrånen, Ew'ge güter uns erfreun? Wo sich unser kampf in palmen, Unser klas gelied in pfalmen, Unsre angst in lust verkehrt, Die forthin kein kummer stört. einen tag gesehet, Wo er, damit sein rath Die ganze schrift erfüll', Einst mit ges rechtigkeit Den weltkreis richten will. 2. Durch euren frevel selbst Bezeugt ihr diese lehre; Wenn kein vergeltungstag Der rache künftig wäre, So würden mord, betrug Und raub dem fluch entgehn, Und der meineisdige Gott ungeråchet schmähn. 3. Ihr schwelgt, und bläht euch auf, Rühmt euer thun für weiser, Uls gottes lehren sind; Ihr raubt der wittwen häuser, Ihr werdet durch den schweiß Der unterdrückten reich, Und niemand straft die schuld Auf dieser welt an euch. 4. Doch ein gerechter gott Wird künftig die verbrechen In einer andern welt Un seinen feinden rächen. Dann rühmt mit preis und dank Sein auserwählt geschlecht: Der gott, den es verehrt, Sey heilig und gerecht. 5. Und foltert euch um sonst Das warnende gewissen, Wenn die gedanken sich In euch verklagen müssen, Indem ihr zügellos Der fünd' und hölle fröhnt, Und diese lehr' aus gott, Als einen traum verhöhnt? 6. Wird gottes strafe nicht Einst den verbrecher tödten; Was zwingt euch denn, so oft Bei lastern zu erröthen? Ihr lästert; innre furcht Eritt euch Der ins angesicht, Und diese furcht 7. Was ist unser loos auf erden? Obs auch noch so köstlich sey, Ists doch nie ganz von beschwerden, Sors gen, furcht und fummer frey. Schnell folgt hier auf lust oft weinen, Dort nur wird die zeit erscheinen, 2o kein wech sel mehr uns beugt, Wo das glück beständig steigt. 8. Sey, o feele! hoch erfreuet Ueber das erhabne glück, Das dir einst dein gott ver: leihet. Richte deines glaubens blick Oft nach jener stadt der frommen, Mit dem ernst, dahin zu kommen, Trachte, weil du hier noch bist, Nur nach dem, was droben ist. 9. Ohne heiligung wird keiner, Herr! in deinen him. mel gehn. so mache immer reiner Hier mein herz, dich einst zu sehn! Hilf du selber meiner seele, Daß sie nicht den weg verfehle, Der mich ficher dahin bringt, Wo man ewig dir lobsingt. Gewißheit der zukünfti: gen Verdammniß der Gottlosen. Mel. O gott, du frommer gott. 253 Verachter got: tes! bebt, Daß ihr sein recht verleget; 192 Vom ewigen Leben. bezeugts, Gott kommt und seinem thun vergelten. hålt gericht. web des großen tags! Gott kommt! ihr fünder, bebt! Weil über euch sein fluch In feuerwolken schwebt. 7. Ja, wenn die himmel einst Vor ihm, wie spreu, zer stieben, Dann wird Jehovah zorn, Und rach' und eifer üben Un dem, der sich vom licht Der wahrheit abgewandt, Und gott und seinen sohn Im glauben nicht erkannt. 10. Es fällt herab mit ihm Das ewige verderben, Im feuer, das euch quált, Soll euer wurm nicht sterben. Umsonst sucht ihr den tod, Wenn ihr dies urtheil hört, Und wünscht umsonst, daß ihr Niemals geboren wårt. 8. Es kommt, so spricht der herr, Die stund', in welcher alle, Die in den gråbern sind, Des menschen sohn 11. Doch die gerechten beym schalle Des letzten feldgeschreys In wolken kommen fehn, Und zum gericht hervor aus ihrem staube gehn. stehn Mit freudigkeit, und heben Die frohen häupter auf, Wenn alle völker beben. Ihr glaube wird gekrönt, Und 9. Der eifer feines zorns laut rühmt ihr geschlecht: Wird dann die sünder schel. Der gott, den sie verehrt, ten, und einem jeglichen Nach Sey heilig und gerecht. Zweite Abtheilung. Ueber die Sittenlehre. Von der Buße und Bekehrung. Erweckung zur Buße. Mel. Freu dich sehr, o meine feele. 254. chaffet, schaffet, menschen kinder, Schaffet eure selig keit! Bauet nicht, wie sichre fünder, Auf die ungewisse seit. Unverweilt bekehret euch, Ringet nach dem himmelreich, Und bemüht euch hier auf erden Heilig, selig dort zu werden. geschehen, So müßt ihr mit festem muth Aller sunde wis derstehen. Nur was gott, das höchste gut, Bon euch for: dert, muß allein Eures les bens richtschnur feyn, Es mag eurem schwachen herzen Freude bringen oder schmerzen. 3. Selig, wer im glauben kámpfet! Selig, wer im kampf besteht, Wer des fleifches lüfte dämpfet, Und den reiz der 2. Doch soll dieses recht Von der Buße und Bekehrung. 193 8. Bittern will ich vor der fünde, Und dabey auf Jefum fehn, Daß ich seinen beystand finde, In der gnade zu bes stehn. Ja, mein heiland! ach, geh nicht mit mir armen ins gericht. Gieb mir deines geis stes waffen, Meine seligkeit zu schaffen. welt verschmåht! Unter Chris sti kreuzes schmach Jaget man dem frieden nach; Wer den himmel will ererben, Muß erst seiner fünd' absterben. 4. Werdet ihr nicht stand haft ringen, Sondern trág und lässig seyn, Eure neigung ju bezwingen; Wie kann euch der sieg erfreun? Ohne tapfern streit und frieg Folget nie triumph und sieg, Nur den sie ger schmückt zum lohne Unvers welft des himmels frone. 5. Sich voll leichtsinn stets zerstreuen, Thun, was fleisch und welt uns heißt, Und den lampf der lüste scheuen, Ist der welt, nicht Christi geift. Ber ihn haben will, der kann Auf der tugend rauher bahn Nicht in sicherm stolze leben, Und den lüften sich ergeben. 6. Brúnstig beten, allzeit wachen, Die versuchung weis: lich fliehn, Sich die pflicht zur freude machen, und mit forgfalt fich bemühn, Selbst beym spott und hohn der welt Das zu thun, was gott gefällt, Dieses wollen und vollbringen, Heißet nach dem himmel ringen. 7. Drum entreißet euch den luften, Die ihr noch gefesselt fend, Und beweiset euch als christen, Muthig, stand: haft in dem streit. Schont der liebsten neigung nicht; War' es auch die schwerste pflicht, und denkt oft an Christi worte: Dringet durch die enge pforte. 9. Gieb zum wollen das vollbringen, Muth und kräfte zu dem streit, Lehre mich, mich selbst bezwingen, Und verleih beständigkeit. Beige mir von deinem thron Den verheißnen gnadenlohn, Daß ich wache, bete, ringe, Und also zum himmel dringe. Mel. Bater unfer im himmelreich. wahr ich 255. lebe! spricht dein gott, Mir ist nicht lieb des funders tod, Mein wunsch und wille ist vielmehr, Daß er rechtschaffen sich bekehr, Sich bessre in der gnadenzeit, Und mit mir leb in ewigkeit. 2. Dies wort bedenk', 0 fünder, wohl! Verzage nicht verzweiflungsvoll; Du nimmſt an der erlösung theil, Hier findest du trost, gnad' und heil, Und gott besiegelts mit dem eid. O selig, wem die sünd' ist leid! 3. Doch hüte dich vor sicherheit. Denk nicht, zur buß ist's immer zeit, Ich will mich meis nes lebens freun, Und, werd ich dessen müde seyn, Ulsdann will ich bekehren mich; Gott wird wohl mein erbarmen sich. 4. Wahr ist es, gott ist N/ 194 Von der Buße und Bekehrung. stets bereit 3um wohlthun, nicht, Sein eigen herz bekäm zur barmherzigkeit; Doch wer pfen, Begierden widerstehn, auf gnade böses thut, Und Und seine lúste dåmpfen! Ja, der versöhnung theures blut fünder, es ist schwer; Allein zu Berachtet, seiner selbst nicht deiner ruh Ist dies der einz'ge schont, Dem wird, wie er weg. Und dem entsagest du? verdient, gelohnt. 3. Ist deine pflicht von gott; Wie kannst du sie ver gessen? Nach deinen kräften selbst hat er sie abgemessen. Was weigerst du dich noch? Ist gott denn ein tyrann, Der mehr von mir verlangt, Als ich ihm leisten kann? 5. In seinem sohne will dir gott Das leben schenken für den tod; Allein, entdeckt sein wort dir wohl, Wer von uns morgen leben soll? Daß du mußt sterben, ist dir kund, Verborgen ist die todesstund. 6. Heut lebst du, heut bekebre dich, Eh morgen kommt, kann's ándern sich, Wer heut ist stark, geſund und schön, Kann morgen an dem grabe stehn. Stirbst du nun ohne beff'rung hin, Wie willst du dem gericht entfliehn? 4. Sprich selbst, gewinnet gott, Wenn ichihm.kindlich die ne, Und seiner werth zu seyn, Im glauben mich erkühne? Wenn du die tugend übit, Die gott, dein herr, gebeut; Wem dienst du? ringst du nicht Nach deiner seligkeit? 7. Hilf, o herr Jesu! hilf du mir, Daß ich mich glau big nahe dir, und mich be: Fehre unverweilt, Eh mich mein ende übereilt, Damit ich heut und jederzeit Zu meis nem abschied sey bereit. 5. Was weigerst du dich noch Das laster zu verlassen? Weil es dein unglück ist, Befiehlt es gott zu hassen. Was weigerst du dich noch Der tugend freund zu seyn? Weil sie dich glücklich macht, Befiehlt sie gott allein. Wider den Aufschub der Bekehrung. 6. Gott beut die kraft dir an, Das gute zu vollbrin: gen; Soll er durch allmacht dich, Ihm zu gehorchen, zwingen? Er gab dir die ver nunst; Und du verleugnest So schändest du sein wort, sie? Er sendet dir sein wort; Und mußt dich sebst nicht lieben. Ist deine besserung Nicht deiner seele glück? Und wer verschiebt sein heil Gern einen augenblick? Mel. O gott, du frommer gott. illst du die 256. M buße noch, Die gott gebeut, verschieben, Und du gehorchst ihm nie? 2. Allein wie schwer ists 7. Sprich nicht: gott kennt mein herz, Ich hab es ihm verheißen, Mich noch der einst, mich bald Vom laster los zu reißen, Jetzt ist das Von der Buße und Bekehrung. 195 werk zu schwer. Doch diese beharrt, Nicht gott zuletzt schwierigkeit, Die heute dich dahin? erschreckt, Wächst sie nicht durch die zeit? 8. Je öfter du vollbringst, Was fleisch und blut befohlen, Je stärker wird der hang, Die that zu wiederholen. Scheust du dich heute nicht, Des höchsten feind zu seyn, Um wie viel weniger Wirst du dich morgen scheun! 13. Haft Christus uns ers loft, Damit wir fünder blei= ben, Und, sicher durch sein blut, Das laster höher treiben? Gebeut uns Christi wort Nicht tugend, recht und pflicht, So ist es nicht von gott; Gott widerspricht sich nicht. 9. Ist denn die buß' ein werk Von wenig augenblik: ken? Kann dich kein schneller tod Der welt noch heut ent: rücken? Ist ein geschrey zu gott, Ein wunsch nach bes: serung, Und angst der misse: that, Die wahre heiligung? 14. Noch heute, weil du lebst, Und seine stimme hö rest, Noch heute schicke dich, Daß du vom bösen febrest. Begegne deinem gott, Willst du, zu deiner pein, Dein hier versäumtes glück Nicht ewig noch bereun. Mel. O gott, du frommer gott. 10. Sr's gnug zur felig- 257. Entschließe dich Ist's keit, Des glückes der erlösten, Wenn uns der tod ergreift, Sich sicher zu getrösten? Ist das bekenntniß gnug, Daß uns die fünde ren't; So ist kein leichter werk, 21s deine seligkeit. beherzt, selber zu besiegen. Der sieg, so schwer er ist, Bringt gött: liches vergnügen. Was zagst du? geht er gleich Im anfang langsam fort, Sey mus thig! gott ist nab, Und stärkt dich durch sein wort. 11. Doch fordert gott von uns Die reinigkeit der feelen; Ist keine seele rein, Der glaub' und liebe fehlen; Ist dieses dein beruf, Gott die: nen, den du liebst; So zittre vor dir selbst, Wenn du dies werk verschiebst. 12. Der glaube heiligt dich. Ist dieser dein geschäfte? Nein, mensch! und du verschmåbst Des geistes gottes kråste? Erschreckt dich nicht sein wort? Giebt im verkehr. ten sinn Den fünder, der 2. Ruf ihn in demuth an; Er tilget deine sünden. Und läßt dich dein gefeß Erst ihren fluch empfinden, So widerstreb' ihm nicht; Denn diese traurigkeit Wirkt eine reu in dir, Die niemals dich gereut. 3. So süß ein laster ist, So giebts doch keinen frie: den, Der tugend nur allein Hat gott dies glück beschieden. Der mensch, der gott gehorcht, Erwählt das beste theil, Ein mensch, der gott ver läßt, Berläßt sein eignes heil. N 2 Von der Buße und Bekehrung. 196 4. Die buße führt dich nicht In eine welt voll leiden; Gott kennt und liebt dein glück, Sie führt zu deinen freuden, Macht deine seele rein, Füllt dich mit zuversicht, Giebt weisheit und verstand, Und muth zu deiner pflicht. 5. Sprich selbst: ist dies kein glück, Mit ruhigem gewissen Die guter dieser welt, Des les bens glück genießen, Und måBig und gerecht In dem genusse seyn, Und sich der seligkeit Schon hier im glauben freun? Von dem Gnadenrufe Gottes an die Sünder. Mel. Von gott will ich nicht. ie treu, mein 258. Wie guter birte, Gehst du dem sünder nach, Der sich von dir verirrte, Der elend, krank und schwach In sein verderben läuft, Wo deine hand den armen Nicht selber aus erbarmen, Eh er versinkt, ergreift! 2. Wie tróstlich ist die stim me, Die alle fünder lockt! Ach språchest du im grimme: Weicht, die ihr euch verstockt, Weicht, funder, weicht von mir, Ich will euch nicht erkennen! Wer wollt' es unrecht nennen? Wer bist du? wer sind wir? 3. Doch heißt dein ruf uns kommen, Und merken wir nicht drauf, Ob wir ihn schon vernommen, So fuchst du selbst uns auf, Dein herz, o heiland! brenni, Daß doch das schaaf zur heerde Zurück geführet wers de, Davon es sich getrennt. 4. Nimmt nun der freche fünder Den gnadenruf nicht an, So bist du viel gelinder, als man es denken kann, Sein ziel verlängerst du, Er kann noch gnade hoffen, Der zugang steht ihm offen; Er eile nur herzu. 5. Liebhaber unsrer seelen! Mein hirt! mein treuster freund! Was sollt ich es verheelen, Wie wohl du es gemeynt, Ich war auf meiner flucht Ein raub der schnöd: sten lüste; Doch du hast in der wüste Mich huldreich aufgesucht. 6. Dein wort schallt noch im herzen, Das mich zur buße rief, Als ich, zu deinen schmer zen, Den weg zur hölle lief. Du aber brachtest mich Von diesem breiten wege Durch kreuz zum schmalen stege; Mein birt! ich preise dich. 7. Uch! daß ich deiner liebe Nur immer folgsam war, Nicht oft zurücke bliebe, An lieb und eifer leer! Nicht, wie viel du gethan, Mir oft ents fallen ließe, Da ich ja mehr ges nieße, Als ich verdanken kann! 8. Nun, Jesu! ich beklage Den blöden unverstand, Und daß ich meine tage So übel angewandt. Verstoß den fünder nicht! Mich reut und schmerzt mein schade; Vers wandle deine gnade Nicht in ein zorngericht. 9. Für uns gemacht zum Von der Buße und Bekehrung. fluche, Gabst du dein leben dar, Daß so dein eifer suche, Was ganz verloren war. Ja, nam' und that erweist, Daß du, berr! nicht vergebens Das rechte brod des lebens, Der fünder heiland seyst. 10. Das laß mich herzlich gläuben; Doch gieb mir selber kraft, Dem heile treu zu bleiben, Das mir dein tod verschafft, Und wie ich glaubensvoll Aus deinem über flusse 3um wirklichen genusse Stets gnade schöpfen ſoll. 11. Doch, sollt ich mich aufs neue, Ich schwach geschöpf, vergehn, So las mir deine treue, Mein hirte! nie entstehn. Erweck und führe Mel. Freu dich sehr, o meine feele. Selbstprüfung. 197 4., Herr, ich bin deinem Petro gleich, Dort kömmt ein sturm; ich sink! ach reich, Reich schnell mir deine starke hand! So wird mein fall noch abgewandt. 5. Du rufefl mir; ich fomm zu dir; Mein heiland, komm und hilf du mir! Mein fuß ist můd' und weigert sich; Herr! unterstüß und trage mich. 6. Floß deine fraft mir müden ein, So werd ich künftig stärker seyn; So folg' ich dir, mein herr und gott! Durch sluth und glut, durch noth und tod. mich, Daß nichts von dir mich. 260. Gott ered wende; ende Als meinen hirten dich. Gehorsam gegen den Gnadenruf. Mel. Wenn wir in höchsten nöthen. mich ernstlich prüfen, Ob ich redlich bin vor dir; Du kennst meines berzens tiefen. Uch entdecke sie auch mir! Laß mich sehen, ob ich treu Dir in meinem wandel sey, Ob ich recht zu thun mich übe, Weil ich dich von herzen liebe. 259. H ier bin ich, herr! du rufest mir! Du ziehest mich, ich folge dir. Du foderst von mir herz und sinn; Mein heiland! nimm, ach nimm es bin. 2. Ich hab oft deinen wink verschmåht, Es ist mir leid, ich fomme spåt. Wie dank ich dir, o gott der huld, Für deine langmuth und geduld! 3. Nun aber fáum' ich långer nicht, Mich dringt und treibet meine pflicht. Ich komm, ich komm voll reu und buß; Ach, aber, ach! wie wankt mein fuß! 1 2. Eitelkeit und eigenliebe Sind die götter dieser welt, Aber nie sind sie die triebe, Deren wirkung dir gefällt. Wer das gute, das er übt, Nicht mit reiner feele liebt; Richter! dem giebst du die krone Der gerechten nicht zum lohne. 5. Die um deiner liebe willen, Wandeln, wie dein wort gebeut, Diese, diese nur erfüllen Das geses der from: 198 Von der Buße und Bekehrung. migkeit. Nicht nur das, was werke Früchte deiner liebe wir gethan, Auch die quelle fiehst du an; Deine liebe soll uns dringen, Gute werke zu vollbringen. seyn, Sie erfülle mich mit stårke, Ganz mein leben dir zu weihn! Ich bin gottes eigenthum; Dies sen mir der höchste ruhm! Was ist mir das lob der erde, Wenn ich feiner würdig werde? Met. In dich hab ich gehoffet, herr. 261.h! rief gott feinen richterblick, Der alles weiß, von mir zurück, Zurück von meiner feele! Denn im gericht Besteh ich nicht, Der ich so häufig fehle. 2. Wie sorgt mein herz und ångstet sich! Gott! richte nicht! denn ich will mich Aufrichtig vor dir prüfen. Verständ ich nur Ganz die natur, Ganz meiner feele tiefen! 4. 2Bie ein nebel, so verschwinden Meine tugenden vor mir, Fast erkenn' ich sie für fünden; Denn sie stamm ten nicht von dir. Deine lie: be trieb mich nicht zur erfül: lung meiner pflicht. Ohne selbst an dich zu denken, Ließ. ich mich zum guten lenken. 5. Ich gehorchte deinem rechte, Daß mir diese folg: samkeit, Huld und gunst bey menschen brachte, Und den ruhm der frömmigkeit. Wenn ihr beyfall mich erhob, Owie süß war mir dies lob! Dies allein ließ ich mich treiben, Meiner tugend treu zu bleiben. 6. Ach, wie könnt' ich dich vergessen, Dir, mein gott, nicht dankbar seyn! Deine liebe nicht ermessen, Mich nicht deines beyfalls freun! Meinen lohn hab' ich dahin; Eitler ruhm ward mein ge winn, Und zu dir fonnt' ich mich schwingen, Und ein ewig lob erringen! 7. Gott, der du in deinem sohne Reich bist an barmher: zigkeit! Gott, mein vater, ach verschone Meiner falschen frömmigkeit! Ich bekenne meine schuld; Uch, bedecke fie mit hulb! Laß mich deine liebe rühren, Und mein gan= zes berz regieren. 8. Gieb, daß alle meine 3. Wie unergründlich bin ich mir! Ach fleuch, verbirg dich nicht vor dir, 3u leicht getäuschte feele! Welch ein gewinn, Wenn, wie ich bin, Sch vor mir selbst verhehle! 4. Vertraue deinem stolze nicht, Verschlenß dein ohr, so bald er spricht, Fleuch seine täuschereyen. Der satan lügt, Der stolz betrugt Mit leeren schmeicheleyen. 5. Nimm die gesetz und höre sie, Bet' an, tritt hin zum Einai, Und höre gott im wetter; Du fost vor mir, Gott beischts von dir, Nicht haben andre götter! 6. Mein nam' ist groß; mißbrauche du Den namen nicht sey still, und ruh Am tage meiner feyer! Dann ruf 199 14. Welch eine zukunft, fürchtet sie! Laß ab, o fluch vom Sinai, fluch vom weltgerichte! Tilgt doch die schuld Der sohn voll huld, Daß gott mich nicht zernichte. 15. Erzurnt dich sehen, welch ein schmerz! Schaff' in mir, gott, ein reines herz, Das dir kein laster raube! weibe! keusch der leib, Und Verwirf mich nicht Durch feusch die ganze feele! Ar- dein gericht, Weil ich an Jebeit', und sey Bom geize frey, sum glaube. Daß deine hand nicht stehle! 9. Leug nicht; trag keine schmåhung aus! Begehre nicht Wider den Selbstbetrug. Mel. Du, o schnodes weltgebäude. des nächſsien haus; Gelüsten 262.2 mein herz zu schon ist sünde! So sey ganz mein, Daß ich dich rein, Wenn ich nun richte, finde. 10. Ein eifrer über meinen ruhm, Bring' ich die misse thäter um, Den vater und die finder. Fluch und gericht, Dem, welcher bricht Nur ein geset, dem fünder! prüfen, 3u erforschen, wer ich bin! Wie blick über seine tiefen Ich ganz unbekümmert bin! Mich warnt heimlich mein gewissen, Doch mein unrecht nicht zu wis sen, Ucht' ich fühllos darauf nicht, Was es warnend zu mir spricht. Von der Buße und Bekehrung. mich an, Stets werde dann Mir, deinem gott, getreuer! 7. Wer eltern Frånket, ist verflucht, Gehorche deiner el tern zucht! Ich will, du sollst nicht tödten! Sey keines feind, Sey aller freund, Ein schuß in ihren nöthen! 8. Getreu dem manne sey das weib, Der mann dem 11 Welch eine stimm', o Si: nai! donnervoller Sinai! Wer kann die slimm' ertragen? Uch, wehe mir. Der fluch vondir Hat mein gebein zerschlagen. 12. Ich fühl, ich fühl ihn, ich soll rein, Rein, wie ein geiß des himmels feyn. Ganz heilig feinem namen. Und ich bin blind, Berkehrt gesinnt, Gezeugt aus fündensaamen. 13. Wer ist vom haupt bis auf den fuß So krank als ich? gedank', entschluß, Begierd und that sind böse. Verderbt bin ich; Wer ist, der mich Aus meiner angst erlöse? 2. Ruhig wandľ' ich auf dem pfade Leichtsinnsvoller eitelkeit. Durch den mißbrauch deiner gnade Steigt, gott! meine sic erheit, Und nach viel vollbrachten sünden Hoff ich dich versöhnt zu finden, Weil dein sehn, weil Jesus Christ Für die welt gestorben ist. 3. Ungezähmt sind meine triebe, Unerieuchtet mein ver=stand, Leer mein herz von deiner liebe, Meine pflicht mir unbekannt, Todt mein glaub' und ohne früchte; Und doch hoff ich im gerichte, 200 Von der Buße und Bekehrung. Ich, ohn' alle besserung, Gott, vor dir begnadigung! 4. Uch, ich thor! ich thor! wie lange Werd ich selbst mich hintergehn? Nahe meinem untergange, Will ich die gefahr nicht sehn! Gott, erweck mich aus dem schlafe, Eile nicht mit mir zur strafe, Hab', o vater, noch geduld, zeig' mir erst meine schuld! Und 5. Ob ich mich mir felbst verhehle, Dir verheht' ich mich doch nicht, In der tiefe mei ner seele Ist vor dir, gott, alles licht. Reiß mich aus den finsternissen, und dann treibe mein gewissen, Durch dich selbst erweckt in mir, Mich zur buß, und, gott, zu dir! 6. Der du herzen prüfst, bekehre, Heiligster, bekehre mich! Führ zur tugend mich und lehre Mich dann recht ver= traun auf dich! Dir, gott! dir nur laß mich leben, Dir mein ganzes herz ergeben! So werd ich mich künftig scheun, Bon mir selbst getäuscht zu seyn. Bußgesänge. Mel. Wo gott, der herr, nicht. ch 263.2 nein, mein auge darf ich nicht 3u dir, mein gott, er heben! Vor deinem reinen angesicht Muß ich, ich fünder, beben! Ach gott! was hab' ich doch gethan! Wer nimmt sich meines jammers an, Wer will sich mein erbarmen? 2. Biel tiefer, als sagen kann, Ist, herr, herr, ichs mein verderben! Ach nimmst du meiner dich nicht an, So muß ich ewig sterben. Doch gern verschiebst du dein gericht, Und willst den tod des fünders nicht, Willst meinen tod nicht, vater! 3. Uch Jesus Christus heißt auch mich, Mich fünder, zu sich kommen! War' feiner gleich so schlimm, wie ich, Doch werd' ich angenommen. Wenn nur mein herz recht redlich ist. Wenn ich an dich, o Jesus Chrift! Von ganzer feele glaube. 4. Ja, so verderbt ich im mer bin, So werth der hölle flammen, So werf ich doch vor dir mich hin; Du wirst mich nicht verdammen, Wenn ich, ich fünder, staub, ich fluch, Bey dir aufrichtig gnade such, Und eifer, dir zu leben. 5. Von dir, der du die liebe bist, Darf ich vergebung hoffen; Dein vaterherz, vater! ist auch mir durch Jesum offen. Wer immer sich ihm treu ergiebt, Wen tief sein tiefer fall betrübt, Kann gnade bey dir finden. 6. Der reue thránen rühr ten dich Stets, vater! zum vergeben; Auch ich, ich weine bitterlich, Und fleh um gnad und leben. Der größte fün: der steht vor dir, Und fleht: vergieb, e vater, mir, Um Jefu Chrifti willen! 7. Umsonst fleht dich mein herz nicht an; Ich weiß, an wen ich glaube, Sch weiß, daß Jesus helfen kann, Von der Buße und Bekehrung. 201 Drum lieg ich hier im staube, Und fleh, und ruf', und schweige nicht, Bis Jesus Christus zu mir spricht: Dir ist die schuld vergeben! 2. Beladen nung ruht, Und deß sich füns der trösten, Wenn sie, verges bung zu empfahn, Mit buß und reu zu dir sich nahn; So komm' auch ich, erbarmer! 8. Stårk meinen glauben, komm ich; herr! an dich, Wenn ich die nimm die laft, Mein mittler! last der fünde, Und ihre kla= mir vom herzen, Der du gen wider mich Mit heißer auch mich erlöset hast, Erlöst angst empfinde. Gieb neue mit todesschmerzen, Daß kraft mir dann zum flehn, Und meine feele nicht mit weh laß für mich dich bluten febn In ihren fünden untergeh, Um kreuze, Jesus Christus! Und obne hülfe zage. 9. Vergeben kannst du; ach vergieb! Ich falle dir zu fuße. Vergeben willst du; ach vergieb! Berwirf nicht meine buße! 3war groß ist meine fündenschuld, Doch gránzenlos ist deine hulo, pater Jesu Christi! 3. Wenn mir, o heiland aller welt, Die menge meis ner fünden Aufs herz, wie ein gebirge fållt, Wo kann ich rettung finden? Ich finde sie bey dir allein! Verloren, Jesu! würd' ich seyn, Wenn ich dein wort nicht hatte. 4. Begnadigung und heil verspricht Es denen, die dich ehren, Die reuevoll zu ihrer pflicht Und dir zurücke kehren, Und nun vom fündenjoch befreyt, Uus wahrer frommer dankbarkeit Nach deinem rathe leben. 20 ch 11. Uch! ohne dich vermag 5. Dein herzerforschend ich nichts, Drum gieb mir auge sieht Der größten sün, luft und stärke. Von dir nur, der einen, Mit heilverlans vater alles lichts! Kömmt gendem gemüth, Hier auch fraft zum guten werke. Drum um gnade weinen! bitt' ich, bester vater! würd'ge mich gefallenen Des Erfüll durch Jesum Christum blickes voll erbarmungen, mich Mit deines geistes hülfe. Mel. Herr Jesu Christ, du höchstes. dich, 264.H err Jesu Christ, Den du auf Petrum warfest. 6. Bertrauensvoll erkühn ich mich 3u dir empor zu blicken, Du feligmacher, der du dich Freu'st, seelen zu bes gut., Du freude der erlöften! glücken! Bergiß, o du, der Auf dem des frommen hoff- gern vergiebt! Das unrecht, du höchstes 10. Hier lieg ich tief zermalmt vor dir, Mit sund' und fluch beladen; Ach neige doch dein ohr zu mir, Du vater aller gnaden! Vergieb mir, wie dein wort verheißt, Vergieb, und schenf mir deinen geist 3u einem bessern leben! 202 Von der Buße und Bekehrung. welches ich verübt, Tilg' es durch deine gnade. 7. Wie groß ist diese seligkeit, Sein herz vor dir zu stillen! Wie edel die entschlossenheit, 3u thun, herr, deinen willen! D! leite mich auf dieser bahn, Daß ich, dein fel'ger unterthan, Froh dein gesetz befolge. 8. Der du allein zu helfen weißt, Heil' mich durch deine wunden, Stårk mich mit deinem freudengeist In mei nen letzten stunden! Und führ mich dann, o Jesu Christ! Dohin, wo freud' und wonne ist. Zu deinen auserwählten. Mel. Wo soll ich fliehen hin. Du sprichst: dir ist verziehen! Und alle schrecken fliehen. 5. 3war viel noch mangelt mir; Doch, gütigster! von die Kommt jede gute gabe, Die ich vonnöthen habe. Du wirst mich unterstützen, Und in versuchung schügen. 6. Wie unerschrocken ruht Das herz in deiner hut! Du hast ja selbst verheißen, Nichts soll mich dir entreißen, Der ich dir angehöre, Folg ich nur deiner lehre. 7. Der ou mein Herz ge wannst, Gedanken lesen kannst, Vor dem ich dankbar weine! Du siehest, wię ichs meyne, Du siehest mein bestreben, 265. Mein gott! wo Dir würdiger zu leben. flieh ich bin, Der ich umgeben bin Bom schrecken meiner fünden? Wo kann ich rettung finden? Hilfft du nicht selbst mir wieder, So fint' ich trostlos nieder. 2. Jadu, o Jesu! du Rufft mir noch gnädig zu. Mit hoffendem gemüthe Flieh ich zu deiner gute. Du hilfft bez 266. S ladnen seelen, Die dich zum retter wählen. 3. Ich trane nur auf dich; Dein blut floß auch für mich. O tilger meiner funden! Laß mich den frie: den finden, Den der hat, der dich liebet, Und den die welt nicht giebet. 4. Wie groß die fünde sey, Du machst von ihr mich frey. Der ich dein frez um faffe, Und dir mich überlasse. 8. Herr! deß ich ewig bin, Gieb mir den festen sinn, Das alles stets zu meiden, Was mich von dir kann scheiden. So leb' ich dir, und erbe Den himmel, wenn ich sterbe. Mel. Uch gott, vom himmel sieh. vater der barmherzigkeit! Ich falle dir zu fuße, Und thu noch in der gnadenzeit Bon ganzem herzen buße. Was ich nicht recht gethan vor dir, Erbarmer! das verzeihe mir, Nach deiner großen gute. 2. Du geber wahrer feelenruh! Nimm von mir, was mich quâlet, Durch deine gnade wirke du In mic, was mir noch fehlet, Gieb mir den geist der heiligung, Von der Buße und Bekehrung. 203 Doch sie läßt keinen unerbort. Daß ich in meiner besserung Von tag' zu tage wachse. 3. Und du, o Jesu! der du dich Für uns dahin gegeben, Du hast aus freyer huld auch mich Erlöst zum ew'gen leben. Mein seligmacher und mein gott! Erbarm dich meiner feelennoth, Und gieb mir deinen frieden. 4. Für fünder floß dein theures blut, 3ur rettung vom verderben; So komm es denn auch mir zu gut, Im leben und im sterben; Es schrecke von der laster pfad, Bon jeder unerlaubten that, Mich immerdar zurücke. 5. Geist gottes, meiner feelen licht, Regier er der gebanken! Erinnre mich ans weltgericht, Beginnt mein, herz zu wanken, Damit ich jede sunde flieh, Und ehr: sucht, geiz und wollust nie Mein herz beflecken möge. 6. Und schlägt tie legte stunde mir, So bilf mir überwinden, Laß meine seele, troft bey dir, Du gott des trostes, finden! Belehre mich, daß schmerz und noth Und felbst der legte feind, der tod, Mich doch zum leben führe. 267. Mel. Wer nur den lieben gott. Umächtiger, ich staub, ich fünder, Steb bier vor deinem angesicht! Erbarmer aller men schenkinder, Uch geh mit mir nicht ins gericht! Ich bin zwar deiner huld nicht werth; 2. Um trost ist meiner feele bange, Die last gehaufter missethat Liegt schwer auf mir, die dich so lange, Gerechter gott! gereizet hat. Weß tröst ich mich, ich schuldiger, 21s deiner nur, barmherziger! 3. Soll ich an deiner huld verzagen? Ich, dein ges schöpf? das willst du nicht. Du, der mich hat bis jetzt getragen, Bleibst ewig meine zuversicht! Du, gott! durch den ich leb und bin, Giebst mich nicht dem verderben bin. 4. Betrübte folgen meiner fünden! 2ch meine schuld, wer tilget die? Du läsfest boch mich rube finden, Ich, sprichst du selbst, ich tilge sie! Hab ich nicht auch an Jefu heil, Nicht auch an seiner liebe theil? 5. Er hat auch mir das recht verdienet, Getroft zu dir empor zu sehn; Und wenn der finder sich erkühnet, Durch ihn vergebung zu erflehn, So bist du vater, der vergiebt, Und lieber segnet, als betrübt. 6. Sprichst du zu mir: dir ist vergeben! Gestillt ist mein gewissensschmerz, Und will mein zaghaft herz noch beben, So bist du größer, als mein herz. Dein gnadenwort macht alles gut, Und schenket selbst zur tugend muth. 7. Ich zweifle nicht, ich bin erhöret, Mein glaube fagt es, daß ichs bin. Ler trost, 204 Von der Buße und Bekehrung. der sich im herzen mehret, Der neue dir geweihte sinn, Dies kindliche vertraun auf dich Bezeugt es, du begnadigst mich. Mel. Uch gott und herr. fch gott und herr! 268. A Wie groß und schwer Sind meine vielen sünden! Wie drückt mich doch Des elends joch! Wo kann ich hülfe finden? 4. Solls ja so seyn, Daß straf und pein Auf fünden folgen müssen; So fahr hier fort, Nur schone dort, Muß ich auch viel hier büßen. 2. Flöh ich gleich weit, Voll bangigkeit Bis an des erd: reichs enden, Der angst und pein Befreyt zu seyn, Würd' ich sie doch nicht wenden. Mel. Freu dich sehr, o meine feele. Vater! 3. Bu bir flieb ich; Verstoß 269. V ater! laß mich nicht mich, Der ichs so sehr verdienet. Ach geh doch nicht, Gott, ins gericht! Dein sohn hat mich verfühnet. gnade finden, Tröste mein geångstet herz; Denn die menge meiner funden Macht mir bangigkeit und schmerz. Siehe, mein gott! wie ich hier Demuthsvoll, gebeugt vor dir, Reuig, traurig, schaamroth stehe, Und dich um vergebung flehe. 2. Du bist heilig! ich hin gegen Bin voll ungerechtigkeit. Was kann dich zur huld bewegen? Uch! auf dei ne gütigkeit Set' ich meine zuversicht. Denn, herr! sollte dein gericht Ueber mich nach recht ergeben, Wie würd' ich vor dir bestehen? 3. Doch nach deinem wort und lehre Willst du keines sünters tod, Sondern daß er sich bekehre, Und frey werde seiner noth. Dieser trost er: quickt auch mich Gläubig, vater! fleh ich dich, Laß für 5. Vergiß die schuld! Gieb mir geduld, Und ein gehor: sam berze, Daß ich mein heil, Mein bestes theil, Durch murren nicht verscherze. 6. Berfahr' mit mir, Wies dünket dir, Du stärkst mich, es zu leiden. Nur wollst du mich nicht ewiglich Von deiner gnade scheiden. 11 7. Dies thust du nicht; Mit zuversicht Kann es mein glaube boffen. Durch Christi tod Steht ja, mein gott! Auch mir der himmel offen. 8. Herr Jesu Christ! Mein zuflucht ist Das kreuz, an dem du starbest, Und mir zu gut, mit deinem blut Die feligkeit erwarbest. 9. Hier, hier bleib ich, Und wenn auch sich Mein leib und seele scheiden. Ich werde dort Bey dir, mein hort! Ererben ew'ge freuden. 10. Gott, dir sey ruhm! Dein eigenthum Bleib ich in Jesu namen. Ich zweifle nicht, Mein heiland spricht: Wer glaubt, wird felig! Amen! Von der Buße und Bekehrung. meine schweren fünden Uuch mich armen gnade finden. 4. Dein sohn selbst kam auf die erde, Und vergoß sein theures blut, Daß ein jeder selig werde, Der hier glaubt und buße thut. Uch! sein kreuz und dornenkron Bring auch ich vor deinen thron; Durch sein heilig blutvergießen Laß auf mich erbarmung fließen. 5. Langst zwar sollt ich seyn gekommen; Doch, berr, deiner gütigkeit Ist dadurch noch nichts entnommen, Noch, noch ist die gnadenzeit. Keine buße ist zu spát, Wenn sie nur von herzen geht; O! so wird ja auf mein flehen Gnade noch für recht ergehen. 6. Gott, du gott der lieb und treue! Laß durch Jesu tod und pein Meine spáte buß und reue Dir noch wohl= gefällig seyn. Denke doch nicht weiter dran, Wie viel böses ich gethan, Mein un dankbar fündenleben Wollst du huldreich mir vergeben. 7. Bater! heilige mich fünder, Sieh nicht an, was ich gethan, Nimm mich unter deine kinder Wiederum aus gnaden an; Und dann rühm' und preif' ich dich, Vater, jegt und ewiglich! Höre mich in Jesu namen, Sprich zu meinen bitten Umen! Mel. Uus tiefer noth schrey ich. 270. Unrd Instråflich bist du, gott, und rein, Und duldest kein vergehen. 205 Wer kann, herr, willst du richter seyn, Wer kann vor dir bestehen? Der fünder bebt vor deiner macht, Dein eifer glüht, wenn er erwacht, Wie ein verzehrend feuer. 2. Du winkst, so bebt vor deinem thron Der weite bau der welten; Unendlich ist der gnade lohn, Dem frommen zu vergelten, Unendlich ist auch straf und tod, Die dein gesek, du richter! droht, Den sünder zu bestrafen. 3. Wir nahn uns zitternd deinem thron, Und fallen betend nieder; Wend ab, herr! deines eifers drohn, Vergieb, und segn' uns wieder. 3war sind wir nicht des segens werth, Groß ist die schuld, die uns beschwert; Doch deis ne gnad' ist größer. 4. So liebreich, wie ein vater fich Erbarmet feiner kinder, Erbarmst du, gott der liebe! dich Der reuevollen füns der. Die willig ihre schuld gestehn, Und dich um gnad und schonung flehn, Die kannst du nicht verstoßen. 5. Wir traun auf deine vaterhuld, Die uns dein sohn erworben; Er ist zur fühnung unsrer schuld Den tod am kreuz gestorben. D! laß auch uns durch seinen tod Beruhigung in unsrer noth, Und deinen frieden finden. 6. Und stårt uns denn, o gott! daß wir Dir wohlge= fållig leben; Denn welch ein dank gebührt nicht dir, Der 206 Von der Buße und Bekehrung. nen, werdet freudenthrånen! unsre schuld vergeben! Dir statt der klagen, tönen! Thråfey in frommer heiligkeit, Gott! unser leben ganz ge weiht; Dann sind wir dein im tode. Mel. Freu dich sehr, o meine seele. 271. Sft hab ich den bund gebro: chen, Den ich, gott! mit die gemacht! Oft dir treu zu feyn versprochen, Und der zusag' nicht gedacht. Herr! vor dem ich strafbar bin; Bebend sink' ich vor dir hin, Weinend und mit wahrer reue Nah ich mich dir jetzt aufs neue. 2. Schau, wie ich mich vor dir winde! Dein zorn ist mir fürchterlich. Unerträglich liegt die sünde Auf mir, und sie ångstigt mich, Ihre menge zeigt sich mir. Wo entflieh ich, gott! vor dir, Wenn du sünden und verbrechen, Heiligster! an mir willst rächen? 3. Bater! vater! dein er barmen Ist noch größer als die schuld. Deinen sohn gabst du uns armen; Ihn ergreif ich, gott der huld! Durch ihn fleh auch ich zu dir, Nimm, herr! straf und schuld von mir. Um des eingebornen willen Wollst du mich mit trost erfüllen. 4. Heil mir! durch ihn wird vergeben, Sein blut tilget meinen schmerz. Wonne, freu: de, neues leben Strömt durch mein beklommnes herz. Herz, aus dem jetzt fummer fließt, Laß, da du erhdret bist, Jubel, 5. Du, der durch sein wort und stårke Sündern neue her: zen schafft, Göttlich stärkt, und gute werke In uns wirkt, o geist der kraft! Gieb, daß diese gnade nicht Einst ein strengeres gericht mir durch neue sunden werde, Stárk mich schwaches kind der erde! Mel. Straf mich nicht in deinem. 272. Strafe nicht, o beiligster! Mich in deinem grimme. Höre, herzenskündiger! Meines flehens stimme. Sende du Trost mir zu, Reiß mich aus den nöthen, Ehe sie mich tödten. 2. Wird dies herz im gra be sich Deiner gute freuen? Gott des lebens! tod kann. ich Dir kein danklied weihen. Rette mich, Daß ich dich, Weil ich hier noch lebe, Dankbar froh erhebe. 3. Nichts, als deine vater: huld, Kann mich glücklich ma chen. Ach! gedenk nicht mei ner schuld, Stárke du mich schwachen. Heile mich, Zeige dich Mir in deiner gnade, Gott, du gott der gnade! 4. Wann wirst du mich doch erfreun? Wann mir troft ge währen? Táglich, belfer! harr ich dein, Und ich hab in zah ren Meine nacht Oft durch wacht. Eil, erbarmer! eile Deinem Enecht zum heile. 5. Elend, tief gebeugt bin ich, und von seufzen müde, Von der Buße und Bekehrung. Meine feele sehnet sich Nur umsonst nach friede. Ach, wie lang Soll ich bang, Heiland müder seelen! Trübe stunden zählen? 6. Doch, o feele, zage nicht! Gott verstößet keinen, Der ihn fleht mit zuversicht, Er vernimmt mein weinen. Nie vergißt Jesus Christ Seiner theu'rerlösten; Deß will ich mich trösten. 2. Die größe meiner schuld Schlägt meine seele nieder. Beschämt empfind' ich sie; D! tröste du mich wieder, Daß mir der seele schmerz Nicht alle kraft verzehrt. Wer ist, der außer dir Mir wahren troft gewährt? Mel. Freu dich sehr, o meine seele. Miel. gott, bu frommer gott. 274. Hochfter denk an die gute, err! höre mein 273. Her! gebet, Um dei: ner wahrheit willen. Du bist an gute reich, Und wirst mein feufzen stillen. Ach! geb nicht ins gericht mit deinem armen knecht. Vor dir, o herr! ist ja Kein sterblicher gerecht. 3. Bu dir, o treuer gott! Erheb' ich herz und hände. Mein heil steht nur bey dir. D daß ich hülfe fånde! Für recht laß gnad ergehn; Ich hoffe, herr! auf dich. Beig mir den rechten weg; Denn nach dir sehn ich mich. 207 auch von mir gethan. Führ mich durch deinen geist Auf dieser ebnen bahn. 4. Ich will, o stárke mich! Ich will die fünde hassen. Auf deine hülfe nur Will ich mich, gott verlaffen! Nur das, was dir gefält, Werd 5. Beruhige mein herz Um meines mittlers willen, Laß feine's opfers troft Uuch mein gewissen stillen. Du bist die liebe selbst Ganz unveránderlich. Dein will ich ewig seyn; O gott, erhöre mich! Die du mir bisher erzeigt, D so wird mein ganz gemüthe 3u der tiefsten schaam gebeugt, Daß ich dich gering geschätzt, Häufig dein gebot verletzt, Und dich, der du mich geliebet, Doch so oft und schwer betrůbet. 2. Alle meine feelenkräfte, Meine glieder sind ja dein, Und sie sollten zum geschäfte Deines dienstes fertig seyn. wie hab ich sie entweiht! Uch! zur ungerechtigkeit Und zum schnöden dienst der fün den ließ ich mich oft willig finden. 3. Deine huld war jeden morgen Ueber mir, o vater! neu. Von wie manchen schwe ren sorgen machtest du mein herz mir frey! Was mir nützte, gabst du mir. Aber ach! wie dankt' ich dir? O wie hab' ich so vermessen Deines wohl thuns zweck vergessen! 4. Bey dem hellen licht der'gnaden Sout' ich ja die sünde fliehn, Und um rettung 208 Von der Buße und Bekehrung. von dem schaden Meiner seele 2. Laß mich auf die be mich bemühn. Deine gute gangnen sünden Mit inniger lockte mich Oft zur buße; beschámung sehn, Durch aber ich Floh vor ihrem fanfs Christum vor dir gnade finten locken, Suchte mich selbst den, Und auf den weg der tus zu verstocken. gend gehn. Ich will forthin das unrecht scheun, Und deinem dienst mein leben weihn. 3. D! stárke mich in dem gedanken! Gieb meinem vors faz festigkeit; Und will mein schwaches herz je wanken, So hilf der unentschloffenheit. Wie viel vermag ich, gott, mit dir! Nimm deinen geist nur nicht von mir. 5. Uch! an dir hab ich ges fündigt, Gott, mein vater! zúrne nicht. Dir hab ich oft aufgekündigt Meine schuld'ge findespflicht. Ach vergieb, was ich gethan! Nimm mich noch erbarmend an, Führe mich vom sündenpfade Schnell zu: rück durch deine gnade. 6. Dir ergeb' ich mich aufs neue. Gieb, daß mein, bez fchwerter geist Deiner vater: buld fich freue, Die bein trô stend wort verheißt. Was dein sohn auch mir erwarb, Da er für die fünder starb, Fried' und freude im gewissen, Ach! das las auch mich genießen. 7. Stårke selbst in meiner feele Den entschluß, mich dir zu weihn, Gieb, daß keine kraft mir fehle, Folgsam dei: nem wort zu seyn. Stehe mir stets machtig bey, Mache du mich selbst recht treu, Dich zu lieben, dir zu leben. Ewig will ich dich erheben. Mel. Wer nur den lieben gott. 275. ott! dir ges fällt kein gotts los wesen, Wer böse ist, bleibt nicht vor dir. Drum laß von fünden mich genesen, Und schaff ein reines herz in mir, Ein herz, das sich vom mel. Uch gott und herr. finn der welt Entfernt, und 276. A und dein ges AÓ nicht, unbefleckt erhålt. 4. Gieb, daß er mir stets hülfe leiste, Und muth und stárke mir verleih, Daß ich mit kindlich treuem geiste Dir bis zum tod ergeben sey; So sieg ich über sünd und welt, Und thue, was dir wohlgefällt. 5. Wenn ich indeß aus schwachheit fehle, Mein vater! so verwirf mich nicht. Verbirg nicht der betrübten seele, Wenn sie dich sucht, dein angesicht, Und mache in befümmerniß Mein herz von deiner huld gewiß. 6. Erquide mich mit teis nen freuden, Schaff ein ges troftes herz in mir, Und stärke mich in allen leiden; So halt' ich mich, mein gott! zu dir, Bis nach vollbrachter prüfungszeit Der deinen erba theil mich erfreut. Von der Buße und Bekehrung. 209 richt, Verschone, gott! mich Und in ihm bleibt, Soll nicht armen! Denn zürnest du, vergehn, soll leben. Wo find' ich ruh, Wo mitleid und erbarmen? 10. heil der welt, Mein glaube hält Dich, und will dich nicht lassen! Gott liebet dich; Wie kann er mich, Den du versöhnt hast, hassen? Mel. Herr, ich habe mißgehandelt. hab' 277. Dir allein bab 2. Ich bin so matt, Und niemand hat Vermögen mich zu heilen. Vor deinem dráun Bebt mein gebein; Du wolTest, gott! mich heilen. 3. Du braueſt mir; Wie ist vor dir, meiner feele bange! Wie lange soll Ich schreckensvoll Um gnade flebn? wie lange? 4. Uch! deine huld Tilg'alle fchuld Der dir verhaßten sün. den. Laß ab zu drohn, Durch deinen sohn Laß gnad und heil mich finden. 15 5. Der quaalen ort Er schreckt mich dort; Dort wirst du nicht erhoben. Wer in der pein kann dein sich freun, Dir danken und dich loben? 6. was für quaal Folgt auf die wahl Des bösen! welch ein leiden! Gott, wel: che schaam Und was für gram Auf ekelvolle freuden! 7. Wie sorgt mein herz, Durch furcht und schmerz Gequálet und zerrissen. Es wer de gott Bor meiner noth Sein gütig berz verschließen. 8. Verzweiflung, weich! Entfleuch, entsleuch Aus meis nem bangen herzen! Er wird verzeihn! Ihn jammert mein, Ihn jammert meiner schmerzen. 9. Er liebet mich, und hat für mich Selbst seinen sohn gegeben; Wer an ihn glaubt Herr, bey dem ich gnade such! Dein gerecht gefes verkündigt Jedem übertreter fluch. Und was kann vor seinen schrecken, Richter aller welt, mich decken? 2. Kann ich deinem arm entfliehen? Du bist allenthalben nah. Flöh ich, dir mich zu entziehen, Himmel an; so bist du da. Stürzt' ich in die tiefe nieder, Deine rechte hålt mich wieder. 3. Herr, ich flieh in deine bånde, Außer dir ist keine. rub. Dein erbarmen hat kein ende, Wer ist gnädiger als du? Du bist gott, und kannst vergeben; Uch vergieb, und laß mich leben! 4. Groß sind meiner fünde schulden, Ihre last ist mir zu schwer. Ja, wenn länger mich zu dulden, Deine langmuth müde war; Müßt ich, würdest du nur winken. In des todes nacht versinken. 5. Mich für straflos zu ers Flåren, Reichet feine reue zu, Und zerslóß mein herz in zäh ren, Fånd ich darum doch nicht ruh. Können eines sünD 210 Von der Buße und Bekehrung. ders thrånen, Dich, o heilig- liches bestreben, Meinem vorster! versöhnen? som fat treu zu leben, Von dem tag an, immerdar Meiner buße wirkung war. 6. Gottverföhner! dein er: barmen, Dein für mich vergoßneš blut. Und dein tod erlöst mich armen, Heilet mich, und giebt mir muth. Dein verdienst ists, was mich decket, Wenn mich dein gericht erschrecket. 7. Rette mich von meinen sünden, Schaff ein reines herz in mir; Laß bey dir mich ruhe finden; Zieh mich immerbar zu dir. Dankbar will ich mich bestreben, Mein er löser! dir zu leben. Ueber Schwachheitssün4. Auch hat keine lust zur sünde Wiederum mein herz bethört. Ernstlich haß ich sie. und finde Tiglich diesen haß vermehrt. Nicht vom leicht=" finn hingeriffen That ich wi: der mein gewissen, Hab' auch nicht, so viel ich weiß, Mich verfündiget mit fleiß. den. Mel. Jesu, meines Lebens leben. ch! wann werd 5. Uber ach! wie oft empd ret Sich die leidenschaft in mir, Und verführet mich, und störet Meine freudigkeit zu dir! Uebereilung, eigenliebe, Des verborgnen stolzes triebe! h ichs merke, ziehen fie Mich zur fünde, die ich flich. fünde, Gott, mein vater! vól: 6. Weh mir, daß ich wider lig frey, Daß ich ganz sie überwinde, Ganz dir wohlgefällig sey? Noch nicht, ich ges steb's mit thränen, Kann ich mich von ihr entwöhnen, Immer noch ereilt sie mich, Und versucht mich wider dich. 278. A ich von der willen, Ja mit tödtendem verdruß, Oft den bang zur sünd' erfüllen Und dir widerstreben muß! Ach! wer wird mich ganz vom bösen, Ganz von mångeln mich erlösen? Ich elender! wer befreyt Ganz mich von der sündlichkeit? 2. Längst hab ichs mir vor genommen, Dir mein lebén ganz zu weihn. Redlich, schwur ich, und vollkommen Soll vor gott mein wandel seyn. Allen vortheil, alle freuden, Die mich drobn, von ihm zu scheiden, Will ich mit verachtung fliehn; Denn von herzen lieb ich ihn. 7. Du verzeihst mir die gebrechen Meiner fündigen natur. Nicht die schwachheit wirst du rächen, Bösen vor. sah strafft du nur. Hått ich den trost nicht, ich würde Unter meiner mänget bürde Ganz erliegen, und mich dein Höchstes gut! nie wieder freun. 3. Gott! du sahest, wie ichs meynte, Wie ich alle misse= that, Der ich schuldig war, beweinte, Und dich um vergebung bat, Welch ein ernst kommen werden, Bin und 8. Stellet mir denn hier auf erden Lebenslang die sünde nach, Kann ich nicht voll Von der Buße und Bekehrung. bleib ich hier noch schwach, Ach, so segne mein bestreben, So gerecht ich kann, zu leben, Daß ich doch von heucheley Und von bosheit ferne sey. 9. Wenn ich falle, laß michs merken, Laß mich streben aufzustehn; Eile, mich, dein kind, zu stärken, Lehre mich selbst fester gehn; Warne mich; fey mein begleiter; Täglich fübre, gott! mich weiter, Bis ich in der ewigkeit Dringe zur vollkommenheit. Mel. Was gott thut, das ist. 279. A ch! wird denn dein erlöster nie Frey von der macht der funden? Ich kämpfe täglich wider sie, Und kann nicht überwinden; Ich hass' ihr joch, Und trag es doch; Du siehst, herr! dem ichs klage, Wie ungern ich es trage. 2. Weit mehr, mein gott! betrübt mich dies, Als alle noth der erde, Daß ich noch immer nicht gewiß Und fest im guten werde. Wie fürcht ich mich, Ich werde dich, Durch fleisch und blut getrieben, Nicht treu, nicht ewig lieben! 3. Doch ich will ruhig seyn in dir, Der du die herzen prüfest! Du kennest uns; nur staub sind wir, Die du ins leben riefest, Gott! dein gericht Verdammt uns nicht, Wenn wir nicht schon auf ers den, Wie engel, heilig werden. 4. Wir gehn in unvollkom: menheit Auf dieses lebens 211 pfade, Doch unsre schwache frömmigkeit Belohnst du auch mit gnade. Das herz soll rein Von bosheit seyn; So willst du die gebrechen Der menschlichkeit nicht rächen. 5. Ich weiß, mein mittler, Jesus Christ, Hat meine schuld getragen Weil er für mich ge storben ist, Wie könnt ich denn verzagen? Verdammte mich Dein recht, der ich Zwar schwach bin, aber glaube; Was nüßte mir mein glaube? 6. Hilf dumir kämpfen, daß ich, herr! Mich selber überwinde; So werd ich tåglich heiliger, Und freyer von der sünde. Dort, dort wird sie mich ewig nie Bon deiner liebe trennen, Mich nie verführen können. Wider die Lieblings: Mel. Wer nur den lieben gott. sånde. 280.! abermal bin überlegung und mit wahl! ich gefallen Mit Tief, o wie tief, bin ich gefallen, Bielleicht noch nicht zum letzten mal! Elender fünder, der ich bin! In welchen abgrund eil ich bin! 2. D die verhaßte lieblingssünde, D die gewohnheit ih rer lust, Den hang, den ich zu ihr empfinde, Wie wüthen sie in meiner brust! Wie unumschränkt, wie fürchterlich Sft ihre herrschaft über mich! 3. Lángst warnte schon mich mein gewissen: Mensch, du empórst dich wider gott! Von böser lust dahin gerissen, Bes 212 Von der Buße trogner, eilst du in den tod! Dir raubt die fünd in kurzer zeit Der erde glück, die seligkeit! 4. Wie oft hab ich mir vorgenommen: Nun will ich meine sünden fliehn! Rein und unsträflich und vollkommen 3u wandeln will ich mich bemühn! Wie oft, o gott! hat mein gebet Um kraft dazu dich angefleht! 5. Bald reizt aufs neue mich die fünde; Wie schwach war gleich mein widerstand! Uch sie gefiel mir, und ges schwinde Ergriff fie mich, und überwand! Die luft ver schwand mir im genuß, Nun folgten ekel und verdruß. 6. Auch diesmal bin ich überwunden! Ach, niemals sonst fiel ich so tief! Mein vor faz war noch nicht verschwunden, Mein herz schlug, mein gewissen rief; Gott, richter, ich gedacht an dich! Und den noch, dennoch fündigt ich! 7. Ich fagte mir: gott wird es råchen! Und dennoch, den noch sindigt ich! Ist ein vers gehn, wie mein verbrechen? S wie erschreck ich über mich! Vom drohen deines weltgerichts Erbebt' ich; doch es wirkte nichts. 8. Dunbegränzte fünden: liebe, Wie werd ich endlich frey von dir? Wie überwind ich deine triebe, Und dämpfe dich, und sie in mir? Gott, mein erbarmer! hör? mein flehn, Und lehre mich, ihr widerstehn. und Bekehrung. 9. Liebt ich dich nur, so wie ich follte, So flöh die lust zur fünde mich; Wenn sie mich auch versuchen wollte, Geläng es ihr nicht wider mich, Und deiner wahren liebe glanz Betäubt' und tödtete sie ganz. 10. Dpflanze du in meine feele Rech schaffne lieb' und lust zu dir! Gott was ich denke, was ich wähle, Das zeuge durch die that von ihr! Dich lieben als dein eigenthum, Das sey mein werk, mein heil, mein ruhm! 11. Dann werd ich endlich überwinden, Und herrscher mei-: ner lüste seyn. Dann wirst du alle meine sünden, Wie viel wie groß sie sind, verzeihn. Mein leben bie, mein lobgesang Im himmel, vater! sey mein dank. Bußlied eines vieljähria gen Sünders unter den Solgen seiner Lafter. Mel. Jesus, meines lebens leben. Fendlich wachet 281. dli mein gewissen Aus dem langen schlummer auf, und prüft, spåt von reu zerrissen, Ernsthaft meines le bens lauf, Zeigt mir thorheit und verbrechen, Und ruft dro: hend: gott wirds rächen! Nichts als unsinn zeigt es mir, Sunder, sünder, wehe dir! 2. Was hab ich seit fo viel jahren Von den fünten für genuß? Lauter schrecken und gefahren, Seelenunruh und verdruß! Laster, quellen meis ner schmerzen, Ihr lohnt mich mit angst im herzen! Zügellos Von der Buße und Bekehrung. 213 in deinem sohne Dich anruf: o vater, schone! Habe noch mit mir geduld! So ver: giebst du meine schuld. 8. Hört es, himmel! erde, hoóre! Beuget zwischen gott und mir! Ewiger! vergieb! ich schwöre Bey dem tode Jesu vir Kindliche und stete treue! Sott! erbarm dich, und befreye Von der fünden elend mich, Bis ans grab, herr! fürcht ich dich. b Mel. Herr, nicht schicke beine rache. lief ich euch nach; Nun folgt gram und pein und schmach! 3. Wo ist nun die lust der fünde, Die fie mir gewiß vera sprach? Wie verrauschte fie gefchwinde, Und ließ graun und efel nach! Nunmehr, o ibr eiteln freuben, Stürmen táglich neue leiden Unvers meidlich auf mich zu, Und mich flieht des lebens ruh. 4. Alles ist für mich verlos ren, Gluck, gesundheit, gut gerücht; Mich verspotten jetzt die thoren, Weiser mitleid find' ich nicht. Leben mag ich 282. Endlich muß ich nicht, nicht sterben. entschlie liches verderben Grenzt, o funde, nah mit dir! Was für hoffnung bleibt nun mir? 5. Ich weiß, ewig werd ich leben, Ewig ist der sünde pein, Meinen lohn wird gott mir geben, Schrecklich wird mein urtheil seyn! Sch verschmähte feine liebe: Wenn hun ungestraft ich bliebe, Der ihm trotzt ins angesicht, So war er der richter nicht. 6. Darf ich jetzt noch vor dich treten, Der du fündern strafen schwört? Vor die weinen, zu die beten? Hoffen, daß du mich erhörst? Strenger richter! mein herz bebet; Aber deine lieb erhebet Den geſunknen muth in mir, Und erweckt vertraun zu dir. 7. Wenn ich noch der sünd entsage, Noch sie fliehe, wie den tod, Noch nach deinen rechten frage, Ernsttich ehre dein gebot; Wenn ich noch sen, Ungsvoll forderts mein gewiffen! Wie viel jahre sind mir schon Ungenügt zum heil entflohn! Will ich noch das ziel ereilen, Darf ich mich nicht mehr verweilen, Ein verlorner augenblick Seht mich nun schon weit zurück. 2. Gott! wie hab ich dich erkennen, Und mich doch bereden können, Glauben ohne besserung Sey zur seligkeit genung? Wußt ichs nicht, die deinen willen Wissen, aber nicht erfüllen, Die erkenn einst im gericht Jesus für die feinen nicht? 3. Daß der heiligen vertreter Jenen sagte: missethåter, Weicht von mir! an meinem heil hat kein knecht der sünde theil! Daß ihr glaube ohne früchte Sie nicht schüß im weltgerichte, hatt' er das nicht selbst gelehrt! Hatt' ichs nie von ihm gehört? 214 Von der Buße und Bekehrung. 4. Dennoch lag ich ohne und klag es dir, O besfre fummer, In der lúste sanftem meine fecle! schlummer, Und verträumt' in sicherheit Meine theure kurze zeit! Wollte, ja durch seine schrecken Mein gewissen mich erwecken, Sprach ich sünder: Jesu tod hat mich ausgeföhnt mit gott! 5. Ich betrogner! ach vergebens Ging die beste zeit des lebens, Wie ein pfeil vor mir dahin, Und noch bin ich, der ich bin! Zügellos sind meine triebe Unerwärmt mein herz von liebe Meines gottes! o wie weit Steh ich von der seligkeit. 6. Eile, rette dich, o feele! Fühle die gefahr, verhehle Dir nicht langer deine schuld, Flehe gott an um geduld! Wirf dich reuig vor ihm nie der, Sündige hinfort nicht wieder, Jage nach der heiligung, Bringe frucht der besserung. 7. Dann erst wirst du's recht empfinden, Daß für alle deine sünden Jesus die ver: föhnung ist, Und daß du beBey einbrechenden göttlichen Strafgerichten. Mel. O gott, du frommer gott. ott ist die liebe gnadigt bist. Ohne wieder 284. daß but bez 284. Sott selbst; Sein väterlich erbarmen und ſeine langmuth trågt Verscho nungsvoll uns armen. Doch wenn die erde sich Emport und lastern fröhnt, Entbrennt sein eifer, und Berzehrt den, der ihn höhnt. abzuweichen, Wirst du noch dein ziel erreichen, Und am ende deiner bahn Der erldsten tron' empfahn. 2. Ich wandle auf der fünder bahn, Und bin zum guten tråge. Herr! nimm dich meines elends an, Und lehr mich deine wege. 3. Verkehrt und eitel ist mein sinn, Geneigt zu jugend=" listen; D, neige meine seele hin 3ur freude wahrer christen. 4. Mich reizt der eitelkei: ten tand Mehr, als das heil der seelen; Herr! gieb mir weisheit und verstand, Das beste theil zu wählen. Bußlied für junge Leute. Mel. Ich dank dir, gott, durch. 283. Ah, wie viel sch, bises wohnt in mir! Wer zählt, wie oft ich fehle? Ich fühl es, herr, 5. Mein gott, mein gott, gedenke nicht Der sünden meiner jugend! Erinnre mich an meine pflicht, Und lehre mich die tugend. 6. Mein Jesu, ach erbarme dich, Vergieb mir meine fünden! Laß mich, geheiliget durch dich, Einst deinen himmel finden. 2. Bereit auf seinen wink Stehn fürchterliche plagen. Erwacht sein strafgericht, So müssen völker zagen. Der Von der Buße und Bekehrung. 215 krieg geht blutig aus, Und Ihr fünder, sollte er Nicht würgt auf sein gebot, Die pest verheert ein land, Und reißt schnell in den tod. rächen seine ehre, Wenn ihr die unschuld plagt, Die armen unterdrückt, Der unzucht sclaven seyd, Und euch mit schande schmückt? 7. Der allerheiligste, Den ganze rotten schmähn, Soll eure gráuel stets Nur stumm und schweigend sehen? Wenn ihr das recht verkauft, Der wittwen ernte speist, Wenns laster schaamlos gebt, Und nicht mehr laster heißt? 3. Es zittert die natur, Wenn sich der höchste reget; Die erde bebt, das meer Wird schreckenvoll beweget, Wenn auf der winde flug Gott råchend daher geht, Und ganzer volker fünd' Vor seinem antlig steht.. 4. Welch ungewitter schnaubt und braust daher von oben! D hört es, sunder! hört, Wie seine donner toben! Gott zebaoth droht uns! Ach laßt uns zu ihm gehn, Und seinem strafgericht Durch buße widerstehn! 5. D schone, schone noch! Bertilg uns nicht als feinde, Zu dir flebn wir, o gott, Dem großen menschenfreunde! Du dürftest nicht nach blut; Nein, deine vaterhuld Staupt nur zur besserung Ein unge: horsam land. 6. So ruchlos ist die welt, Als ob kein gott nicht wäre! Vom Glauben. Mel. Es ist das heil uns kommen. 285. if s ist das heil uns kommen Die 8. Soll sich der große gott, Vor dem sich welten beugen, Nur gütig, nie gerecht, Nie sich als richter zeigen? erde foll das lob Des schöpfers predigen; Shr schåndet seine welt Durch stetes sündigen. 9. Sein eifer ist entbrannt; Eilt ihm mit buß entgegen! Noch låsset sich sein herz Zur gnad' und buld bewegen. Holt euch erst seine rach Auf lasterwegen ein, Dann wird kein helfer mehr und keine rettung seyn. her Aus gottes freyen gnaden. Die werke helfen nimmermehr, Der burd' uns zu entladen. Der glaube sieht auf Jesum Christ, Der un fer mittler worden ist, uns das heil erworben. Der 2. Da man, was das gefet gebot, Nicht völlig konnt erfüllen, Erschreckt uns zorn und große noth, Die niemand mochte stillen, Der sunde macht nahm immer zu, Nichts gab uns fündern trost und ruh Beym fluche des gesetzes. 3. Und doch mußt es erfüllet seyn, Sonst mußten 216 Vom Glauben. wir verderben. Drum stellt glauben, Weil das kein rechvor gott sein sohn sich ein, Als mensch für uns zu sterben. Der bat es ganz für uns erfüllt, Damit den schwe: ren zorn gestillt, Deß last uns alle drückte. ter glaube wår, Wenn man ihm die wollt' rauben. Von schuld macht nur der glaube los, Die werke dienen andern bloß, Den glauben dran zu merken. 4. Da es durch den erfüllet ist, Durch welchen wir genesen, So lern und fasse wohl, o christ! Des glaubens rechtes wesen; Der glaube spricht: du, herr, bist mein, Dein tod wird mir das leben seyn, Du hast für mich gebüßet. 5. So glaub ich fest, und zweifle nicht, Dein wort wirst du nicht brechen, Wenn alle welt die treue bricht, Hältst du doch dein versprechen. Wer glaubt an dich, und wird getauft, Dem ist die seligkeit erkauft, Der gehet nicht verloren. 6. Vor gott gerecht sind die allein, Die dies von her: zen glauben. Die werke sind des glaubens schein, Ohn den wird er nicht bleiben. Er lehrt, in gottes willen ruhn, Er lehrt, dem nåchsten gutes thun, Geduld und fanftmuth üben. P. 7. Schlägt das gesetz den eigenruhm Durch seinen fluch darnieder, Gleich eilt das evangelium Und stärkt den fünder wieder. Dies spricht: komm nur zum freuz herzu! Denn das gesetz giebt keine rub Mit allen feinen werken. 8. Die werke kommen allzeit her Aus einem rechten 9. Der glaub' ergreifet Je sum Christ, Sein kreuz, vers dienst und sterben, Dadurch uns nun erworben ist, Was keiner konnt erwerben. Die ei gene gerechtigkeit Thut nichts dabei, ist wie ein kleid, Das Durch und durch beflecket. 10. Doch wenn man durch den glauben nun Gerechtigkeit empfangen, Muß man auch rechte werke thun, Und fest am guten bangen, Da, wer gottloses wefen treibt, Im glauben nicht beständig bleibt, Ihn durch die that verläugnet. 11. Wer ben gott gnad' erlanget hat, Muß ihn vor augen haben, Daß er bey ihm sucht hülf und rath; Ihm dankt für alle gaben, In seis ner furcht freiwillig lebt, Des fleisches lüsten widerstrebt; Dies ist der weg zum leben. 12. Wer aber sicher gehet hin, Thut, was ihm nur be liebet, Lebt fort nach seines herzens sinn, Den lüften sich ergiebet, Ruft gott nicht an, daß er ihn führt, Mit seinem geist ihn stets regiert, Der läuft den weg zur Hölle. 13. Den meidet jeder, der recht glaubt, Bewahrt, was ihm gegeben, Sieht zu, daß er das fleisch betäubt, Sehnt Vom Glauben. 217 sich nich jenem leben, Dient Drum wend ich mich zu dir seinem nachien, ehrt und Mit demuthsvollem flehen: preist In Christo gott mit D zünde selbst in mir Den stillem geist, Es geh ihm, wahren glauben an, Weil ich durch meine kraft Ihn mir nicht geben kann. wie es wolle. 14. Die hoffnung wartet still der zeit Nach göttlicher zusage, Bestimmt zur bülf, in unserm leid Den höchsten nicht die tage. Er weiß wohl, wenns am besten ist, Er, der die seinen nie vergist, Und will, daß wir ihm trauen. 15. Verbirgt er je sein angesicht, Das laß dich nicht erschrecken. Selbst, wenn er schon dein joch zerbricht, Will ers oft nicht entdecken. Sein wort laß dir gewisser seyn, Und ångstigt dich des zweifels pein, So laß dir doch nicht grauen. 16. Von allen zungen sey gepreist, Um dieser guithat willen, Gott vater, sohn und heil'ger geist! Du selber woulst erfüllen Dein in uns ange: fangnes werk, 3u ehren dei: ner groß und stårk, Dein name werde heilig. 17. Dein reich komm, daß dein wille mag, Wie droben, hier geschehen. Gieb unser brod uns jeden tag, Verzeih uns die vergehen, Als wir den schuldigern verzeihn. Versuchung laß fern von uns seyn, Hilf uns vom bösen. Amen. 286. Mel. O gott, du frommer gott. err, ohne glau: ben fann Kein mensch vor dir bestehen; 2. Dein daseyn laß mich, gott, Mit überzeugung glauben. Nichts müsse mir das wort aus meinem herzen rauben, Daß du dem, der dich sucht, Stets ein vergelter seyst, Und hier und ewig ihn Mit deinem heil erfreust. 3. Wahrhaftig ist dein wort; Laß mich ihm völlig trauen. Nie wankét deine treu; Laß mich darauf stets bauen. Gieb, daß ich dir im glück Und unglück stets getreu, Und dem, was du gebeutst.. Von herzen folgsam sey. 4. Laß mich, mein Jesu! dich Im glauben recht erkennen, Dich meinen herrn und gott Mit ganzer seele nennen. Laß mich im glauben thun, Was mich dein wort gelehrt, Daß dich herz, mund und that Als meinen heiland ehrt. 5. Deingöttliches verdienst Sey mir, o herr! stets theuer; Es fülle mich mit trost, Es mache mich stets freyer Vom eiteln lasterdienst, Es stärke mich mit fraft 3u deines namens ruhm, In meiner pilgrimschaft. 6. Wie selig leb ich dann Im glauben schon auf erden! Wir herrlich wird mein' theil Dereinst im himmel werden! Dann schau ich, was ich bier 218 Vom Glauben. Geglaubt, in ew'ger ruh. O am grabe Trost und hoffnung stark im glauben mich, Gott meines heils, dazu. habe, Dank ich dir allein. Daß dein geist Mich unterweist, Und mich führt auf deinem pfade, Das ist deine gnade. 6. Der du blut und leben Mel. Jesu, meine freude. 287. Wie etter Du Hin für mich gegeben, Daß heiter, gebenedeyter, Machst du mei nen geist! Der du, die dir trauen, Führst zu grünen auen, Und so gern erfreust! Niemals wird Bey dir, o hirt Und beruhiger der feelen! Mir erquickung fehlen. in meiner noth Ich nicht hülflos bliebe; Groß ist deine liebe, Stárker, als der tod! Herr! und ich, Ich sollte mich Deiner huld nicht dankbar freuen? Dir mein herz nicht weihen? 2. Deinem rath ergeben, Freu ich mich zu leben; Was du willst, ist gut, Nichts vermag ich schwacher, Du, mein seligmacher! Rüstest mich mit muth. Wenn die welt Erbebt und fällt, Benn gericht und hölle schrecken, Willst du mich bedecken. 3. Sch fann ohne grauen Gråber vor mir schauen, Mein erlöser lebt! Ich weiß wem ich glaube, Weiß, daß aus dem staube Mich sein arm erhebt. Todestag! Dein schrecken mag Eines freplers herz erschüttern; Was brauch ich zu zittern? 4. Auch in mir ist sünde; Doch ich überwinde Sie, mein hort! durch dich. Sink ich oft noch nieder. Du erhebst mich wieder, Du begnadigst mich. Deine huld Tilgt meine schuld, Nie entziebst du deinem knechte Der estosten rechte. 5. Daß ich gott erkenne, Und ihn vater nenne, Und mich ewig sein, Daß ich noch 7. Würdig dir zu leben, Dies sey mein bestreben, Meine lust und pflicht! Was die welt vergnüget, mein beil! das gnüget Meiner seele nicht. Hab ich dich, Wie gern will ich Das, wornach die sünder trachten, Reich in dir, verachten. 8. Macht ein gut der erde, Daß ich glücklich werde? Giebts zufriedenheit? Sind nicht auch die ehren, Die die welt bethören. Traum und eitelkeit? Du erfreust Des menschen geist; Herr! du willst, die dich verehren, Ewig wieder chren. 9. Deinen hohen frieden Schmeck' ich schon hienieden; Und was hoff ich dort? Unbegränzte zeiten Voller felig keiten Hoff ich auf dein wort. Sie sind mein, Durch dich allein; Bleib ich dir getreu im glauben, Wer kann sie mir rauben? 10. Voll von deiner gute Lobsingt mein gemüthe, Gott, Vom Glauben. 219 mein heiland, dir! Dieser wenn mich meine sünden geist der freuden Stärke mich im leiden, Weiche nie von mir. Laß mich so Beherzt und froh Einst durchs thal des todes dringen, Dort dein lob zu singen. 6. Wird alles andre mir entrifen. Was leib und feel' erquicken kann; Muß ich des Mel. Wer nur den lieben gott. lebens freuden missen, Und ch nimmt kein freund sich meis 288. grund gefunden, ner an, Scheint die errettung noch so weit, Mir bleibet doch barmherzigkeit. Der meine hoffnung ewig bålt; Wo anders als in Jesu wunden? Da lag er vor der zeit der welt, Ein grund, der unbeweglich steht, Wenn erd und himmel untergeht. krånken, Nur bald nach got tes herzen schaun; Da findet sich zu aller zeit Unendliche barmherzigkeit. 2. Es ist das ewige erbar men, Das alles denken über steigt; Es sind die offnen lie besarmen Deß, der sich zu dem fünder neigt. Er geht mit uns nicht ins gericht, Und will den tod des sünders nicht. 3. Wir follen nicht verlo: ren werden, Gott will, uns soll geholfen seyn; Deswegen kam sein sohn auf erden, Und göttliche barmherzigkeit. nahm den himmel siegreich ein. Nun ruft sein wort und geist uns zu: Kommt her zu mir, bey mir ist rub! T 5. Darein will ich mich glaubig senken, Dem will ich mich getrost vertraun; Und 7. Muß ich selbst an den besten werken, Die ich in dies fer welt gethan, Viel unvollkommenheit bemerken; Dies treibt mich zwar jur demuth an, Doch ist mir auch der troft bereit: Ich hoffe auf barmherzigkeit. 8. Es gebe nur nach dese sen willen, Bey dem so viel erbarmen ist; Er wird gewiß sein wort erfüllen, Er, der der feinen nie vergißt; Sie währet ja in ewigkeit, Die 9. Auf diesen grund will ich stets bauen, So lang ich hier auf erden bin; Der gnade gottes will ich tranen. Fällt alles andre gleich dahin, So sing ich einst nach dieser zeit: O abgrund der barmherzigkeit! 4. Dabgrund, welcher un sre sünden Durch Christi tod verschlungen hat! Das heißt, die wunden recht verbinden, Da findet kein verdammen statt, Weil Christi blut be ständig keit, Mel. Allein zu dir, herr Jesu. fandig schreyt: Barmherzig= 289. Quf dich allein herr Jesu Christ! Soll mein vertraun sich gründen, Auf dich, der du mein heiland bist; Sonst 220 Vom Glauben. ist kein beil zu finden. Es an dich, ich traue dir, Ich will ist kein retter außer dir, Kein mich bessern; hilf du mir! mensch, kein engel, welcher mir aus meinen nöthen helfen kann; Dich ruf ich an, 291. h komme, frie3 Mel. Herzlich lieb hab ich dich.. ch Du bists, der helfen will und kann. zu dir. Erbarmend rufst du ja auch mir, Den frieden zu em pfangen. Der finden last ist mir zu schwer; O! laß mein, herz von trost nicht leer, Laß es die rub erlangen, Die du dem diefgebeugten geist, Der zu dir fliebet, felbst verheißt. Wer tröstet mich, als du allein? Wer macht mein berz von fünden rein? Herr Jesu Christ, Meintrost und licht!:,: Verwirs, verwirf du mich doch nicht. 2. Erlöfer! meine schuld ist groß; Sie reuet mich von herzen. Erbarme dich und sprich mich los Durch deines todes schmerzen. Weil du für mich genug gethan, Nimmt gott auch mich zu gnaden an, So bin ich los der fünden last, Mein glaub' umfaßt Dich, der du sie getragen haft. 3. Hilf, daß ich meines glaubens fraft Durch wahre lieb' erweise, Ja, mache du mich tugendhaft, Zu deines namens preise. Sey mir in meiner prüfungszeit Ein hel: fer voll barmherzigkeit; Und naht die leste stunde sich, Dann zeige dich In deiner gnad, und rette mich. 2. Unbetend steh ich, herr! vor dir; Dein antlit neige du zu mir, Und sey mir sün der gnädig. Wenn mein vergchn um rache schreyt, So mache aus barmherzigkeit Mich aller strafe ledig. Der du am freu, gelitten hast! Du trus Mel. Herzlich lieb hab ich dich. geft ja auch meine last, 2013 290. Vor dir, herr du zum heil der fünder starbſt, Uno ihnen gottes huld era warbst. Herr Jesu Christ! Mein herr und gott!:,: Erlöse mich durch deinen tod. Jesu, steh ich bier, Mein herz sehnt sich nach trost bey dir; Was darf ich armer fagen? 2ch! groß ist meine missethat; Doch, mittler! deine buld und gnad Läßt sünder nicht verzagen. Herr Jesu! dein verdienst allein Macht mich von allen fünden rein, Wenn ich in wahrer reu und buß An dich glaub' und dir fall zu fuß. Herr Jesu Chrift! Ich glaub' 3. Du, du bist meine zu versicht, Durch dich entflieh ich dem gericht, Dem schwe ren lohn der funden. Durch bich kann ich dem fluch ents gebn, Und mich mit gott vers einigt sebn. Und ew'ges leben finden. Dein tod ist der vertornen heil, Gieb mir an seis Vom Glauben. nem segen theil; Er sey auch mir beruhigung, Und meines lebens heiligung. Herr Jesu Chrift! Ich hoff auf dich:,: In dieser hoffnung stärke mich). 4. Mein ganzes Leben preise dich. Erlöst, mein mittler! haft du mich, Dein eigenthum zu werden. Wenn ich dein bin, so fehlt mir nichts, Nichts einft am tage des gerichts, Nichts hier auf dieser erden. Auf dieser bahn zum vaterland Entzieb mir niemals deine hand, Zu deinem dienste stärke mich, und laß mich fiegen einst durch dich. Herr Jesu Christ, Mein herr und gott!:,: Ein leben sey mir einst der tod. Um Stärkung des Glaubens. Mel. O gott, du frommer gott. err, allerhöch292. Her fter gott! Bon dem wir alle gaben, Und was uns nützlich ist, Durch flehn und bitten haben. D! sieb erbara mend mich In meiner schwach beit an, Weil ich, so wie ich will, Dir nicht vertrauen kann. 221 forn gleich Mein glaube noch sehr klein, So laß ihn doch bey mir In stetem wachsthum seyn. 4. Gieb, daß die zuvers sicht In meinem geist sich mehre, Daß du mein vater feyst, Und ich dir angehöre, Daß alle meine schuld Bon dir verges ben sey; Damit mein herz sich dein, Als seines gottes, freut, 5. Mach diese zuversicht In mir, o gott! so kraftig, Daß ich mein lebenlang In deinem dienst geschäftig und stets beslissen sey. 3u thun, was dir gefällt; So hab' ich, gott! in dir Den himmel auf der welt. 6. Mein heiland! der du eins Für deine junger batest, Und wenn sie wanketen, Beym vater sie vertratest; O unterstü' auch jetzt mein sehnliches gebet, Und schenke glaubenskraft Dem, der dich darum fleht. 2. Ich glaube zwar an dich, Doch nur mit schwachem glauben, Oft will die zweifelsucht Mir alle hoffnung rauben. 7. In deiner mittlershand Ist heil und aller segen. Herr! unterstüte mich auf allen meinen wegen, Daß ich des glaubens ziel, Der seelen seligkeit, Erlange, und dich preis' In alle ewigkeit. Wer macht das herz gewiß, Der an Jesu festhaltende Als du, o herr! allein? Laß Glaube. deine hülfe doch Von mir. Mel. Jesus, meine zuversidit. nicht ferne feyn. 3. D! reiche du mir felbft 293. Meinen laß ich nicht! Aus gnaden deine hånde, Da er sich für mich gegeben, Hilf meiner schwachheit auf, Daß mich nichts von die wende. Ist schon dem senf Sollt ich nicht aus dank und pflicht 2n ihm hangen, und ihm leben? Er ist meia Vom Glauben. 222 nes lebens licht; Meinen Sesum laß ich nicht. 2. Jesus bleibt mein theil und ruhm Bis an meines lebens ende, Shm geb ich zum eigen= thum Ganz mich hin in ſeine hånde. Er ist meine zuversicht; Meinen Jesum laß ich nicht. 3. Wenn mein auge schon verlischt, Wang' und lippen sich entfärben, Mich kein labsal mehr erfrischt, Alle finnen mir ersterben, Und das matte herz nun bricht; Laß ich meinen Sesum nicht. 4. Dort auch laß ich Jesum nie, Hange stets an seinen blik ken; Denn nach dieses lebens můh, Leuchtet dort, mich zu era quicken, Ewig mir sein angesicht. Meinen Jesum laß ich nicht. 5. Weder welt noch freude ists, Was mein sehnend herz begehret. Du allein, mein Jesu, bists! Denn für mich mit fluch beschweret, Wanda test du zorn und gericht. Dich, mein Jesu! laß ich nicht. 6. Dich, mein Jesu! halt' ich fest, Lasse nichts von dir mich scheiden. Weh euch, die ihr sein vergeßt, Ihr beraubt euch ew'ger freuden! Gelig aber, der da spricht: Meinen Jejum laß ich nicht! Getroster Muth eines im Glauben befestigten Christen. Mel. Herzlich thut mich verlangen. 294. gott für mich, I' so trete Gleich alles wider mich, So oft ich ruf und bete, Beigt er mit hülfe sich. Hab' ich nur ihn zum freunde, Sft er mein helfer, gott; Was kann mir thun der feinde Und widersacher spott? 2. Nun weiß und glaub ich feste, Ich weiß es, als ein chrift, Daß gott, der höchst' und beste, Mein freund und vater ist; Daß er zu allen zeiten Mir seine hånde reicht, Im kampfe mir hilft streiten, In noth von mir nicht weicht. 3. Der grund, drauf ich mich gründe, Ist Christus und sein blut, In ihm ists, daß ich finde Das wahre, ew'ge gut. An mir und meis nem leben Sst nichts, daß mir gehört; Was Christus mir gegeben, Ist nur der liebe werth. 4. Er ist mein ruhm und ehre, Er ist mir glanz und licht. Wenn er nicht bey mir wåre, So kam' ich in's gericht. Und wie wollt' ich bestehen, Uch! ich, der fünden knecht? Läst gott sich gütig sehen, So ist er auch gerecht. 5. Doch meiner fünden schmerzen Nahm Jesus selbst auf sich. Er gab dem kranken herzen Die ruh, und heilte mich. Ich darf mich seiner freuen Mit unerschrocknem muth, Und fein gericht mehr scheuen, Gereinigt durch sein blut. 6. Nichts, nichts kann mich verdammen, Nicht welt und himmel nicht, Nicht holl' und ihre flammen, Nicht jenes Vom Glauben. strafgericht, mir ist das heil erworben, Und meine schuld gebüßt, Da er für mich gestorben Und auferstanden ist. 7. Sein geist spricht meinem geiste Manch süßes trostwort zu: Wie gott dem hülfe leiste, Der bey ihm suchet ruh, Und wie er hab' erbauet Ein' edle neue stadt, Wo aug' und herz einst schauet, Was es geglaubet hat. 8. Da ist mein theil und erbe, Sch steh voll zuversicht; Wenn ic gleich fall' und sterbe, Fällt doch mein himmel nicht. Und muß ich auch mit zähren Oft meinen weg bestreun, Dort ernt' ich ohn' aufhören Die frucht des friedens ein. 9. Was fann mich jemals scheiden Von deiner lieb', 0 gott? Verfolgung? trubsal? leiten? Schwert? hunger? bloße? tod? Nichts, nichts! ich überwinde In dem, der mich geliebt, und sich für meine fünde Zum opfer felber giebt. 10. Nichts, was wir hier erheben, Nicht engel, fürstenthum, Nicht dies noch jenes leben, Nicht macht, gewalt und ruhm, Nichts, was wir denken können, Soll mich ( dies weiß der christ,) Bon gottes liebe trennen, Die da in Christo ist. Glaubensfreudigkeit. Mel. Schwing dich auf zu deinem. 295. Deines gottes freue dich, Dank ihm, meine seele! Sor get er nicht väterlich, Daß 223 kein gut dir fehle? Schüßt dich feine vorsicht nicht, Wenn gefahren dráuen? Ists nicht wollust, ists nicht pflicht, Seiner dich zu freuen? 2. Ja, mein gott! ich hab in dir, Was mein herz begebret, Meinen vater, der mich hier Wartet und ernähret. Der mich durch sein göttlich wort Hier zum guten lenfet, Und mit himmelswonne dort Meine seele trånket. 3. Wenn ich ernstlich dein gebot Und mit freuden übe, Wenn ich findlich dich, mein gott! Fürcht' und ehr' und liebe; wie ist mir dann so wohl! Wie ist mein gemütbe Seliger empfindung voll, Boll von deiner gute! 4. Dann darf ich mit zu versicht Nach dem himmel blicken, Meine leiden fühl ich nicht, Wie sie mich auch drukken. Hoffnung und zufriedenheit Wohnen mir im herzen, Trösten und erhöhn mich weit Ueber alle schmerzen. 5. Du bist mein, so jauchz' ich dann! Wer ist, der mir schade? Heil mir, daß ichs rühmen kann: Mein ist deine gnade! Dir ist meine wohlfahrt werth, Du gabst mir mein leben, Wirst auch, was mein leben nährt Und er= freut, mir geben. 6. Jefus ist nach deinem rath In die welt gekommen. Alle meine missethat Hat er weggenommen. Ihm vertrau, ihn bet ich an, Glaub an 224 Vom Glauben. seine leiden, und die macht bins gewiß; Hilf, o erretter! der fünden kann Mich von dir nicht scheiden! daß ich dies Bis an mein end' empfinde. 7. Dich, du trost der sterb: lichkeit, Heil des bessern lebens, Himmlische vollkommenheit Such' ich nicht vergebens! Wenn mein lauf vollendet ist, Und vollbracht mein leiden, Ruft mein mittler Jesus Christ, Mich zu deinen freuden. 8. Meine freud'in dir, mein gott! Wird dann ewig wahren; Noch so furchtbar sey der tod, Er fann sie nicht stören; Willig werd' ich mein gebein, Der verwesung geben; Herr! dein tag bricht bald herein, Mit ihm neues leben. 9. Gieb mir, gott! so lang' ich hier auf der erde walle, Das bewußtseyn, daß ich dir Als dein kind gefalle. Diese sanfte freudigkeit, Die ich zu dir habe, Sey mein heil zu dieser zeit, Und mein trost am grabe. 10. Laß die lust der fünde nie Dieses heil mir rauben, Rüste selbst mich wider sie Mit vernunft und glauben, Gieb mir deinen geist, der mich Und mein thun regiere, Daß ich mein vertraun auf dich Ewig nicht verliere. Beständigkeit im Glau: ben. 296. Mel. Kommt her zu mir, spricht. ch weiß, und bins gewiß, daß ich Erlöst bin, gottes sohn durch dich Bon aller meiner sünde. Gelobt sey gott! ich 2. In dieser lasterhaften zeit Des leichtsinns und der sicherheit Wach' über meinen glauben. Du menschenbüter! wache du, Daß keine zweifel meine ruh, Und meinen trost mir rauben. 3. Den spott der frevler über dich Und deinen tod am freuz laß mich, Wie er's ver: dient, verachten. Mit desto stårkerer begier Laß meine feele, goft! nach dir Und deis nem reiche trachten. 4. Wenn mir die welt ges legenheit Zur sünde giebt, zur eitelkeit, Und zu verbotner freude, So dámpfe du in meiner brust, Die angeborne böse luft, Daß ich sie standhaft meide. 5. Ich möchte sonst, durch fie verführt, Die fünde, die den tod gebiert, Mich übereilen lassen, Mich dann aus súndenlust bemühn, Vom glauben abzugehn, und ihn, So wie die welt, zu hassen. 6. Wenn meine freudigkeit zu dir, Mein glaub' und meine hoffnung mir, O gott! entrif sen würde, So würde nichts mich mehr erfreun, Verhaft mir selbst dein wohlthun seyn, Mein leben eine bürde. 7. Nach deinem himmel würd' ich nicht, Mit freud' und troft im angesicht, Mit fectenwollust sehen; Ich würde den gedanken fliehn, Daß Vom Glauben. ich einst auch gehofft, für ihn Vom tod hervor zu gehen. 8. Der holle schrecken wür: ben mich, Der ich von mei: nem glauben wich, Gott! fürchterlich ergreifen, Schwer auf mir liegen, angst und schmerz, Und furcht in mein verwundet herz Mit jedem tage häufen. 9. Der du für meine fün den starbst, Und boffnung mir und trost erwarbst! Laß mich fo tief nicht fallen; Erhalt mir meines glaubens ruh, Und meinen wandel lenke du Nach deinem wohlgefallen. Mel. Du, o schaddes weltgebäude. 297. denn oft will er wan ken, Meinen glauben, gott, an dich! O wie wird mein berz die danken! Wie froh: locken! höre mich! Laß mich nicht an dir verzagen, Immer kühn're blicke wagen.Sinkt mein schwacher glaube hin, Richt' ihn auf, und stärke ihn. 2. Wollen zweifel sich ers heben, Blendet mich des irrthums schein, so laß meint herz nicht beben, Den vers stand nicht dunkel seyn. Beige du dein licht mir wieder, Strome glauben auf mich Rampf des Glaubens. nieder; Deiner wahrheit hel Mel. Es woll' uns gott genådig. Chr mitgenossen! ler glanz, Der entwölfe fich mir ganz. 298. auf zum fireit, Damit uns gott belohne! Es gilt das reich der herrlichkeit, Der überwinder frone. Der weichende wird nicht gekrönt, P -- 225 Deine stimme recht verstehn. Mehr, als zeugniß aller wels ten, Laß mir, gott! dein zeugniß gelten. Richte meis nen ganzen sinn Nur auf deine wahrheit hin. 4. Nechten glauben schenk vor allen Undern gaben, vas ter! mir. Wem er fehlt, muß dir mißfallen, Wer ihn bat, ist eins mit dir. Er belebe meine triebe, Sey der stab, die hand der liebe; Er besie= ge, wie ein held, Durch mich fatan, fleisch und welt. 5. Glauben, als wenn ich dich sahe, Flbße mir, mein deiner nåhe Laß mein herz heiland! ein; Sm gefühl von 3. Nur auf dein wort, nicht auf lebren Schwacher menschen laß mich sehn, Deine stimme laß mich hören, willst du dich nicht zeigen? Hörst du nicht? wie kannst du schweigen? Gieb mir glaus ben, nahe dich Meinem geist, und stärke mich. 6. Unaussprechlich schwach und flüchtig Sst mein tief verdorbnes herz! Heut ist mir die tugend wichtig, Morgen mir die sünd' ein scherz. Uch wär' nur mein glaube fester! Stårk ihn, mehr ihn, allerbester! Jesus! eile, stårk ihn du! Uch sonst find' ich keine ruh. Vom Glauben. 226 Wie hat der herr gestritten! Der herr, der uns mit gott verföhnt, als er den tod gelitten, Um ölberg und am kreuze. 2. Miterben! haltet an, und seht Empor zum großen lohne; Denn nur durch unsre feinde geht Der weg zu jener krone. Ob tausend auch zur rechten euch, 3ur linken tausend sånken, So sinkt doch nicht, den schwachen gleich. Wird gott sein reich uns schen: ken, Wenn wir im streit erliegen? 3. 3war groß ist unsers kampfs gefahr, Doch laßt Sieg des Glaubens. mel. Alle menschen müssen sterben. uns Ber machen; wunderbar Wird 299.Nie wir ein gottes schuß uns decken. Er stárkt, der mächtig stärken kann, Wenn wir um hülfe flehen, Er reicht den harnisch; zieht ihn an! So könnt ihr muthig stehen, und freudig überwinden. 4. Wer überwindet, soll den tod, Den ewgen tod nicht sehen. Verging er auch in seiner noth, Dort wird er nicht vergehen. Nach dieses lebens kurzem streit, Nach seinen kurzen leiden, Wird ihn der unschuld weißes kleid, Gerechtigkeit, bekleiden, Hell durch das blut des lammes. Vollender, mittler, amen! Zu deines vaters throne. A 6. Wie saumts? wie fáumts? o lange nacht! Bis berg und hügel fallen? O húter, bis dein tag erwacht, Und uns posaunen schallen? Wer überwindet, der wird seyn Mit gottes sohn ein erbe. O gottes sohn! laß du mich seyn Der hoffnung, wenn ich sterbe, Und dann sey ihr vollender! 5. Uch büter! ist die nacht fchier hin, Die dunkle nacht der erden? Wenn ich einst überwinder bin,( Laß michs, mein hüter, werden!) Wenn ich einst überwinder bin, So seh ich meinen namen Im lebensbuch; du führst mich hin, wer nach der Frone ringt! Ernstvoll ist der kampf der fün den, Und der heilige nur singt Un dem ziele siegeslieder. Er nur schaut mit wonne nieder Auf des heißen streits gefahr, In der feine feele war. 2. Jesus Christus! über wunden haben deine mártyrer; Banger waren jene stun den Ihres kampfs, sie stritten mehr, als ich jemals streiten werde. Denn dein heiligthum, die erde, Die er: löste erde ruht, Trieft nicht mehr von menschenblut. 3. Ueberwunden, überwunden Hast du, herr der herrs lichkeit! Todesschweiß, und blut und wunden, Ew'ger tod, das war dein streit! Ganz hast du den kelch getrunken; aber ohne muth verfunfen linterm ewigen gericht Bist du, großer mittler! nicht. Vom 4. Wer kann fein geheim niß fassen, Wer, wie hoch er sich auch schwang? Gott, ſein gott, hatt' ihn verlassen, Als er mit dem tode rang. Dennoch war triumph sein ende. Eil', mein geist! in got: tes hånde, Rief er, rief schon in der nacht Seines tods: es ist vollbracht! 5. Was sind meine kurzen leiden Gegen die, die Christus litt, Und was gegen jene freuden, Die mir Christi tod erstritt! Und doch folg' ich dir mit beben! Durchzudringen in dein leben, Gieb mir, der du für mich strittst, Für mich unaussprechlich littst! Thätiges Bekenntniß des Glaubens. Mel. Es ist gewißlich an der zeit. 300. er, gott! dein wort nicht hålt, und spricht, Ich kenne gott, der luget; In solchem ist die wahr: heit nicht, Die durch den glau: ben sieget. Wer aber dein wort glaubt und hält, Der ist von dir, nicht von der welt, Und dieser nur wird selig. - Glauben. 227 2. Der glaube, den dein wort erzeugt, Muß auch die liebe zeugen. Je höher mein erkenntniß steigt, Je mehr wird diese steigen. Der glaub erleuchtet nicht allein, Erstärkt das herz, und macht es rein, Er macht das leben heilig. Nothwendigkeit eines frommen Lebens. 3. Durch Jefum rein von missethat, Sind wir, gott! deine kinder. Wer solche hoffnung zu dir hat, Der flieht den rath der fünder, Folgt Chrifti beyspiel, als ein chrift, Und reinigt sich, wie er rein ist, Bon allen bösen lüften. 4. Dann bin ich dir, gott! angenehm, Wenn ich geborfam übe. Wer deinen willen thut, in dem Ist wahrlich deis ne liebe. Ein täglich thätig christenthum, Das ist des glaubens frucht und ruhm, Und sein beweis und siegel. 5. Der bleibt in dir, und du in ihm, Wer in der liebe bleibet. Die lieb' ists, die die seraphim Dir, herr! zu folgen treibet. Du bist die lieb; an deinem heil Hat ohne liebe niemand theil. Herr! schenk uns solchen glauben. Vom heiligen Leben und Wandel überhaupt. lich lebe, Und heilig, fromm, gerecht und rein 3u wandeln mich bestrebe? Wenn ich dem seligen beruf, 3u welchem mich mein Nicht würMel. Un wasserflüssen Babylon. as es 301. W mir, ein chrift dig mich beweiſe, Und den, zu seyn. Wenn ich nicht christ der mich erlöset hat, In wor 2 228 Vom heiligen Leben und Wandel überhaupt. ten bloß, nicht durch die that Und gute werke preise? glauben zu bestårken? Denn meine ganze seligkeit Wirkt glaube und rechtschaffenheit, Der glaub' in guten werken. 2. Was hilft der glaub' an Jesum Christ, Den ich immun: de führe, Wenn nicht mein herz rechtschaffen ist, Und ich die frucht verliere? Wenn mich die eitelkeit der welt Mit ihrer lust gefangen hålt, Sch ibre feffeln liebe, Und, fühlbar für der fünde reiz, 3orn, bochmuth, fleischeslüfte, geiz, In werk und thaten übe? 6. Gott! dieser hoffnung werth zu seyn, Hilf, daß ich christlich lebe. Und vor dir hei lig, fromm und rein Zu wandeln mich bestrebe. Gieb mir erkenntniß, kraft und muth, Damit ich sunde, fleisch und blut Im glauben überwinde, Daß ich, nach wohl durchlebter zeit, Den lohn in jener ewigkeit Für meine werke finde. Mel. Chrift, unser herr, zum. ewahre mich, 3. Weit strafenswürd'ger bin ich dann, Ich, der ich was er einst für mich gethan, Son 302. B herr! daß der Als herrn und meister nenne, der, der in der finsterniß Des irrthums tappt, noch ungewiß, Ob er auch richtig wandle. Drum ließ der herr ein vorbild hier In seinem weg und zeugniß mir, Da mit ich danach handle. wahn Nie mein gemüth bethore, Als wär' es schon ge nug gethan, Wenn dir nur dußre ehre Der mensch, dein unterthan, erweist. Erinnre mein gewissen, Wie in der wahrheit und im geist, Die dich verehren müssen, Die dir gefallen wollen. 2. Die kommen nicht ins himmelreich, Die, herr! zu Jefu sagen, Und nicht mit rechtem ernst zugleich Der heiligung nachjagen. Nur die, die deinen willen thun, Läßt du, als deine kinder, I gott, in ew'gem frieden ruhn, Wenn heuchlerische fünder Von dir verstoßen werden. 3. Drum laß mich doch vom glauben nie Ein heilig leben trennen, Mich nicht für Jesu jünger hie Bloß äußerlich bes kennen. Gieb, daß mein glaus be thätig sey; Und tugend4. Und ach! wo find' ich trost und ruh, Wenn mich die leiden drücken, Und mein ge= wissen tritt herzu, Die schuld mir vorzurücken? Wo find ich trost in jener noth, Kommt hier der schaudervolle tod, Mein grab mir aufzudecken, Und meine fünden lagern sich Umber gewaffnet wider mich Mit einer hölle schrecken? 5. Web mir! was hilft es mir einst dort, Erweckt aus meinen grabe, Daß ich an Chriftum und sein wort 3um schein geglaubet habe, Wenn keine fromme gute that Mein leben hier bezeichnet hat, Den Vom heiligen Leben und Wandel überhaupt. 229 früchte bringe, Daß ich, vom fundendienste frey, Mit eifer darnach ringe, Im guten zuzunehmen. 3. Wer dich sieht von gott verlassen. In der tiefsten traurigkeit, Wer dich, mittler! sieht erblassen Nach vollbrachtem schweren streit, Und läßt doch zum dienst der fünden Seine lüste leicht entzünden, Der hat nicht an deinem heil Nicht an deiner gnade theil. 4. Du kennst, o gott! der menschen herz, Und liebst, die redlich handeln, O! laß in freude, wie in schmerz, Mich richtig vor dir wandeln. Dein wille sey mein augenmerk, Hilf mir selbst ihn vollbringen. Durch dich muß jedes gute werk Dem glücklich noch ge lingen, Der deine hülfe suchet. 5. Doch, wenn ich aus unwissenheit Uno übereilung fehle, So thu' an mir barmherzigkeit, und richte meine seele Durch deine gnade auf vom fall, Erhalt mich bey dem einen, Daß ich dich fürchte überall, Bis ich einst mit den deinen Dir ohne fehttritt diene. Mel. Jesu, meines lebens leben. du 5. Shn, zum ew'gen heil geboren, Trifft der fünden ew'ger sluch, Schrecklich gehet er verloren, Denn sein glaube war betrug. Er erfannte deinen namen, Ohne dir, 303. Der bu uns mit herr! nachzuahmen, Rühmite deinem sich, Und Dir zum eigenthum erwarbst, verleugnete doch dich. Und uns fündern, uns zu gute, Schmachvoll an dem kreuze starbst! Ach, wie die nen deine chriſsten Smmer noch der sünde füsten, Leben ohne besserung, Fern von ih rer heiligung. 6. Ach, wenn uns der hang zur fünde Reizet wider unfre pflicht, Heiligster! so über: winde Uns der hang zur sünde nicht! Lehr uns muthig ihn bekämpfen, und die macht der lüste dämpfen, Steh uns in versuchung bey, Und erhalt uns dir getreu. 2. Herr! du littst, uns vom verderben, Von der sünd' uns zu befreyn, Und wir wollen lieber sterben, Lieber ihre knechte seyn! Glauben noch in alten fünden Unsers le bens ruh zu finden, Und vergessen dein gebot, Deine ch mach und deinen tod! 4. Er ist unwerth jenes lebens, Ihn versöhnt dein leis den nicht, Für ihn standest du vergebens Vor dem richter im gericht; mit erblaßtem ans gesichte Steht er selbst einst im gerichte, Sieht den zorn des höchsten glühn, Und dein blut spricht nicht für ihn. 7. Jesu! lehr auf dich uns schauen; Du erlagst der fünde nie. Laß dein beyspiel uns erbauen, Und uns stärken wis der sie. Und die absicht dei: ner schmerzen Pråge tief in unsre herzen, Daß wir, von 230 Vom heiligen Leben und Wandel überhaupt. der fünde rein, Heiligster, dir ähnlich seyn. Mel. Christ, der du bist der helle. hr, die ihr euch 304. von Christo nennt, Und euch zu seiner lehr' bekennt, Die ihr durch ihn seyd theur erkauft, Und felbst auf seinen tod getauft! 2. Führt nicht den namen nur allein, Shr müsset that'ge christen seyn, Wollt ihr einst froh nach dieser zeit Eingehn zu Christi herrlichkeit. 2. Der heilig vor dir lebt und thut, Was dein geseg ihn lehret, Der, dessen herz ist rein und gut, Und sich vom bösen kehret. Und wen willst du belohnen? Wer wird sich ewig deiner freun, 3. Wer treu die wahrheit liebt, und nicht mit seiner zunge lüget, Wer nie von andern lieblos spricht, Nie låstert und betrüget. 4. Wer den geringern nicht verschmåht, Mit fleiß ihn nie betrůbet, Den graden weg in allem geht, Und alle, wie sich, liebet. 3. Wollt ihr bekenner Jesu seyn, So lebet hier auch ihm allein. Der christ ist ganz der tugend freund, Und jedem laster ist er feind. 4. In leiden, die er tragen soll, Ist er geduldig, hoffnungsvoll. Dies leben ist die prüfungszeit, Der lohn folgt in der ewigkeit. 5. Wer gott von herzen sich ergiebt, Sich selbst befiegt, den nächsten liebt, So wandelt, so gesinnet ist, Wie Jesus war, der ist ein christ. 6. Und wer nun so den heiland ehrt, Der lebt hier der erlösung werth, Der schläft im tode ruhig ein, und wird dort ewig selig seyn. Eigenschaften des Fromen. Mel. Ich dank dir, gott, durch. heiligster, wen Mel. Wie groß ist des allmächt'gen. 305.hu ein, fen, Des heuchlers lift bes 306. Serr! deffen aus gen alles prú= trügt dich nie, in der herzen Du schauest tiefen, Und Und ewig bey dir wohnen? kennst und offenbarest sie. 5. Der alle laster kühn verflucht, Flieht, die gott widerstreben, Nur aber deren freundschaft sucht, Die vor ihm heilig leben. 6. Der, was er schwur, stets heilig bålt, Und nie un redlich schwöret, Der alles, was er zusagt, hält, Auch dann, wenn er nicht schwöret. 7. Nie mit erpressung geld verleiht, Aus heiligem erbarmen, Der dem verlaßnen hülfe beut, Und niemals drångt den armen. 8. Wer das thut, den, den nennt gott sein, Den, den will er belohnen, Der wird sich ewig seiner freun, Und ewig bey ihm wohnen. Vom heiligen Leben und Wandel überhaupt. 231 Wer darf vor dir mit freu: nicht für einen segen, Wenn den wohnen, In deiner liebe es der arme nicht genießt. ficher seyn? Wen wirst du, unser gott! belohnen? Wer darf sich deines segens freun? 6. Der fromme nimmt, das recht zu beugen, Nicht gaben von verbrechern an, Er kann zu keinem frevel schweigen, Und weicht nicht von der tugend bahn. Du, unser gott! wirst ihn belohnen, Du wirst men, Nie einen größern ruhm sein frommes herz erfreun, begehrt. Die tugenden sind. Durch dich wird er hier sicher sein vergnügen, Er ist der wahr wohnen, Und einst dort ewig heit edler freund, Und unver- selig seyn. söhnlich gegen lügen, Der bosheit und der tücke feind. 2. Nur der, o herr! darf zu dir kommen, Und macht sich deiner freundschaft werth, Der, nach dem namen eines from: 3. Ein abscheu'ists ihm, neidisch trauren, Ungern den nächften glücklich sehn, Um ihm zu ſchaden, auf ihn fauren, Und ſeine thaten tückisch schmähn. Er haft und fliebt beleidigungen. Wird groß durch seine redlichkeit; Durch unverschámte lästerungen Wird nie von ihm ein nam' entweiht. 4. Er ehrt, o herr! die, die dich scheuen, Berachtet den, der dich nicht liebt, Und frech es wagt, sich noch zu freuen, Wenn er durch laster dich be: trübt. Et hátt, was er dem nächsten schwöret, Wenn list und trug die treue bricht; Ein ungerechter wucher mehret Gerecht erworbne guter nicht. 5. Er eilt, erweichet durch erbarmen, Wenn er der menfchen elend sieht, Mit seiner búlfe nach dem armen, Der voll vertrauen zu ihm flieht; Gern theilt er mit ihm sein vermögen, Das nicht das gut der waisen ist, und hält es Von der Quelle guter handlungen. Mel. Was mein gott will. 307, Nen nicht zur pflicht Dich gottes lieb' be: feelet, So rühme dich der tugend nicht, Weil dir dann alles fehlet. Wenn vortheil, wolluft, eigenfinn, Und stolz dir gutes rathen, So hast du deinen lohn dahin, Thust du gleich gute thaten. 2. Sey durch die gaben der natur Das wunder dieser erden; Beglückst du andre menschen nur, Um selbst geehrt zu werden, Erfüllt die liebe nicht dein herz, So sind. die größten gaben Vor gott doch nur ein tönend erz, Die keinen werth nicht haben. 3. Bau hauser auf und brich dein brod, Die armen zu verpflegen, Entreiß die wittwen ihrer noth, Und sey der waisen segen, Gieb alle deine guter hin; Noch haft du nichts gegeben, Wenn 232 Vom heiligen Leben und Wandel fiberhaupt. lieb' und pflicht nicht deinen nächsten merken. Die liebe, sinn Vor gott dazu beleben. die dich schmücken soll, Ist gütig, ohne tücke, Sie ist nicht stolz, ist langmuthsvoll, Beneidet niemands glücke. 9. 4. Thu thaten, die der heldenmuth Je hat verrichten können, Vergieß fürs vater: land dein blut, Laß deinen leib felbft brennen; Beseelet dich nicht lieb und pflicht, Bist du der zweck der thaten, Gott achtet deiner werke nicht, Ret'st du gleich ganze staaten. 5. Låg' ihm an unsern wer ken nur, Könnt er, sie zu vollbringen, uns leicht durch fesseln der natur, Und seine allmacht zwingen. Vor ihm, der alles fchafft und giebt, Gilt weisheit nichts, nichts stárke. Er sieht aufs herz, ob Sie deckt des nächsten fehler zu, Freut sich nicht feis nes falles, Sie suchet nicht blos ihre ruh, Beglücket ger ne alles. Sie ists, die dir den muth verleiht, Hier freuden zu verbreiten, Macht dich zum frommen sinn bereit, Folgt dir in ewigkeiten. EntschließungzumDienste Gottes und frommen Lebens. bas ihn liebt, Sicht auf den 308.herr! dir will Mel. Es ist das heil uns kommen. bin ich, ich mich 3um dienste ganz er geben, Rechtschaffen, fromm und rein will ich Bor deinen augen leben. Wie könnt ich eines andern seyn? Ich bin ja durch die schöpfung dein, Und dein durch die erlösung! zweck der werke. 6. Ein herz, von eigenliebe fern, Fern von des stolzes triebe, Geheiligt durch die furcht des Herrn, Das glaub' erweckt zur liebe, Dies ists, was gott von uns verlangt; Nichts wird ein leben nügen, Das mit den größten thaten prangt, Ohn' dies berz zu besigen. 2. Ich fiel und wandte mich von dir, Sur finsterniß 7. Drum täusche dich nicht vom lichte; Doch wandtest durch den schein, Nicht durch du dich, gott! zu mir Mit der tugend namen, Sieh nicht deinem angesichte. Erbarmen auf deine werk' allein, Sieh war dein angesicht, Mich von auch, woher sie kamen, Prüf', der finsterniß zum licht Zu dich vor gottes angesicht, Ob dir zurück zu rufen. liebe dich beseelet; Dem hera zen fehlt auch liebe nicht, Dem nicht der glaube fehlet. 3. Dein, herr, dein ist barmherzigkeit, Du liebest selbst die sünder. Seyd, rufst du, geilich mir geweiht, und meiner gnade Finder! 8. Wohnt liebe gegen gott in dir, Wird sie die tugend stårken, Du wirst die gegen: Sch fehle noch; doch faß ich wart von ihr Un lieb zum muth, Dort fließet der vers Vom heiligen Leben und Wandel überhaupt. 233 gottes wege gehn, Und den heiland frey bekennen, Düra fen sich die seinen nennen. 2. Selig, wer in demuth lebet, Seine schwachheit nie vergißt, Gott allein, sich nie erhebet, Wenn er groß und glücklich ift; Gottes huld wird ihn erfreun, Und das hims melreich ist fein; Gott wird dort zu ehren segen, Die sich hier geringe schätzen. 3. Selig ist, wer seine sünde Wehmuthsvoll vor gott bereut, Und damit er gnade finde, Sich vor neuen sünden scheut; Gott will ihm die schuld verzeihn, Kraft zum guten ihm verleihn, Und er soll schon hier auf erden, Und auch dort getröstet werden. söhnung blut, Von sünden mich zu waschen. 4. Dein sohn erniedrigt sich und stirbt Zur tilgung unsrer strafen, Büßt für die laster und erwirbt Befreyung ihren sclaven. Wie vielfach, hoch ster, bin ich dein! D! laß mich keines andern feyn. Dein sohn ist auch mein beiland. 5. Durch ihn versöhnt, und dir zum ruhm, Erkauft mit seinen leiden, Will ich mich, gott! dein eigenthum, Bon dir nie wieder scheiden. Gekreuzigt werde mir die welt, Getödtet, was dir nicht ge fällt, Damit ich dir nur lebe, 6. Dies wirke, gott! dein geist in mir; Ich habe kein vermögen, Die sünd' und alles, gott! was dir Verhaßt ist, abzulegen. Hier ist mein herz, nimm ganz mich hin, Und gieb mir einen neuen sin, Damit ich dir gefalle. 7. So werd' ich, der ich finster war, Ein licht in dei nem lichte, Besteh' einst mit der kleinen schaar Der from men im gerichte; Frohlocke dann, und lobe dich, Daß deine gnad' und treue mich Gerecht und selig machte. Vortheile der Gottseligs Feit. 5. Selig, die nichts mehr verlangen, Als gerecht, wie gott, zu seyn, Die fest an dem guten hangen, und sich ganz der tugend weihn, Deren herz nichts mehr begehrt, Als was gottes ruhm vermehrt; Gott wird ihr verlanMel. Freu dich sehr, o meine. euch 309. den herren fehren, gen stillen, Und den frommen wunsch erfüllen. Kommt, und lernet allzumal, Welche die sind, die gehören zu ter rechten christen zahl. Die im lauben feit bestehn, Freudia 6. Selig, wer der noth des armen Niemals fühllos fich entzieht, Ihm aus zärtlichem 4. Gelig ist, wer sanftmuth übet, Seinem feinde niemals flucht, Seine fehler ihm vergiebet, Nie sich selbst zu ráz chen sucht, Ruhig seine pflicht vollbringt, Und sein eigen herz bezwingt; Gott wird selber ihn beschüßen, Und er wird das land besigen. 234 Vom heiligen Leben und Wandel überhaupt. und diene, Smmer hab' ein reines herz; Die in feindschaft stehn, verfühne, Dir anhang' in freud und schmerz. Vater! hilf von deinem thron, Daß erbarmen Wohl zu thun fich froh bemüht, und, wenn er um hülfe weint, Shm mit trost und hülf erscheint: Die fer wird auch hülf empfangen, Und barmherzigkeit erlangen. ich 7. Selig sind, die sich be: mühen, Süchtig, keusch und rein zu seyn, Die der wollust stricke fliehen, Und der heiligkeit sich weihn; Die der lok= kung dieser welt, Und was fleisch und blut gefällt, 20zeit standhaft widerstehen, Werden gottes antlig sehen. glaub' an deinen sohn, Und durch deines geistes stärke Mich befleiße guter werke. Um das wahre Chris stenthum. 8. Selig, wer in frieden lebet, Wer die ruh und einigfeit Zu erhalten sich bestre: bet, Und, wenn feindschaft, haß und streit Seiner brüder glück zerstört, Sie die pflicht der eintracht lehrt; Die des friedens sich befleißen, Werden gottes finder heißen. 9. Selig, die um Christi willen Leiden, und sich dessen freun, Standhaft ihre pflicht erfüllen, Selbst den martertod nicht scheun; Gott steht ibnen mächtig bey, Und will sie für ihre treu, Einst mit unverwelkten kronen Auf das herrlichste belohnen. 10. Herr! du wollst mich selber leiten Auf der wahren tugend bahn, Daß ich dieser seligkeiten Hier und dort mich freuen kann. Gieb, daß ich demüthig sey, Meine schuld vor dir bereu, Die gerechtigkeit stets liebe, Auch an feinden fanftmuth übe. 11. Daß ich armen helf' Mel. Wer nur den lieben gott. 310. ie felig, herr, ist der gerechte! Du bist sein schild und gro ßer lohn. O daß ich ganz gerecht seyn möchte! Doch, ach! wie wenig bin ich's schon! Du weißt es, gott! ich bin noch weit Entfernt von der vollkommenheit. 2. Wie viel ist noch an mir zu finden, Das nicht mit deiner vorschrift stimmt! Oft übereilen mich noch sünden, Wenn's herz gleich bessern vorsat nimmt; Ja, oft verles ich meine pflicht, gott! und weiß es selber nicht. 3. Wer kann, wie oft er fehlet, merken? Nur du, du siehst mich, wie ich bin, Nur du kannst mich im guten står: ken; Darum fall ich, vater! vor dir hin. O mach', um heilig ganz zu seyn, Mich von verborgnen fehlern rein. 4. Bon aller eiteln eigenliebe Befreye mich durch deine kraft, Erweck und mehr in mir die triebe Zu dem, was wahre beßrung schafft, Laß meinen fleiß gesegnet seyn, Und meine heiligung gedeihn. Vom heiligen Leben und Wandel überhaupt. 235 5. Du wirst das demuths: hoffnung, liebe, Lebendig, fest volle flehen Des sünders, der und thätig seyn, Daß ich bis dich scheut und ebrt, O gott an mein ende übe Das chris der gnade! nicht verschmå stenthum ohn' heuchelschein. hen; Du bist es, der gebet Ach, wirk in mir zc. erhört. Mein fels, mein heil, ich traue dir, Das, was ich bitte, giebst du mir. Mel, Wer nur den lieben gott. 311.Mein gott! ach lehre mich er kennen Den selbstbetrug und heuchelschein, Daß tausend, die sich christen nennen, Mit nichten Christi glieder seyn. deinem Tägliche Erneuerung zur Srömmigkeit. Mel. Allein auf gott sez dein. vom ruhm, Mein gott! das wahre 312. staube, ver bin christenthum. 2. Hilf, daß ich dir allein ergeben, Der sünde abgestor ben sey, Laß mich dir sterben und dir leben, Und mach in mir, herr! alles neu. Ach, wirk in mir, zu deinem ruhm 2c. 7. So hab ich schon auf dieser erde, Was mich berus higt und erfreut; Wenn ich mit gott vereinigt werde, Schmeck ich des himmels ſe ligkeit. Ach, wirk in mir zc. 3. Reiß los mein herze von der erden, Laß mich, der ich unsterblich bin, Nach deinem bild erneuert werden; Und gieb mir meines heilands sinn. uch, wirk in mir zc. 4. Regiere du selbst meine feele, Damit ich Chrifto folge nach, Und den Oweg erwähle, Fa, ehre fuch in Christi schmach. Uch, wirk in mir 2c. ich, Ich fünder, daß du meiner dich Noch stets, o heiligster! erbarmst, Weltrichter! meiner stets erbarmst? 2. 3um glauben und zum thun zu schwach, Giebt oft mein berz der sünde nach. Ich kampf', o vater! nicht genung Den kampf dor em ren heiligung. wieder 3. Wie schnelwelt! rechten bahn darum kömmt der schritt mein verschmachgrånzt in. Wie bin ich dies fers hepsels múde! Wann 4. h fest im guten seyn? selbst nicht mehr siraucheln schwit, Nur deinem dienste, berp geweiht? 5. Gieb mir zum streite schi muth und kräfte, Hilf, daß ich dir verbleibe treu, Daß ich an Christi kreuz mich hefte, Und mir die fünd' gekreuzigt sey. Uch, wirk in mir zc. 6. Laß in mir glauben, Unwandelbar ist deine abg heit, Herr, aller guten a quell! Sie leuchte mir irroller klarkeit Beständig, mfleckt und hell, Daß nie glasunde täuscherey GefährDideinem linde sey. 236 Vom Heiligen Leben und Wandel überhaupt. 6. Sie, fie empfängt aus Sahst die inbrunst meiner deiner hand Den lohn jest, thránen, Schenktest da mir weil sie überwand. Ich schwa- deine huld, Und vergabst mir cher, ich bin noch im streit; meine schuld. D! gieb auch mir beständigkeit. 7. Schmal ist der weg zu gottes höh'n, Und wenige sind, die ihn gehn. Die pfort' ist eng, und der nur dringt Durch sie zu gott empor, der ringt. 8. Ich lieg auf meinem angesicht, Und fleh' und wei ne: laß dein licht Mir leuchten, vater! laß mich dein Im leben und im tobe seyn. 9. Der mir in Christo alles gab, Mit gnade blick auf mich herab, Auf mich, der fünde schnellen raub, Den himmelserben und den staub. 10. Sint tief, o seele, nieder, tief Vor dem, deß stimme stets dir rief! Sink in den staub vor dem herab, Der Sir in Christo alles gab! wille a, du erbarmest über freun, Grahnter und verföh: erfüllen, om leibe dieses tod nicht scheuchau ich einst ibnen mächtig be fie für ihre ireu, unverwelkten kronen herrlichste belohnen. end nicht dafür, e dein 10. Herr! du woulst deiz selber leiten auf der wa tugend bahn, Daß ich den. seligkeiten Hier und ben. mich freuen kann. Gieb und ich demüthig sey, Mnet, schuld vor dir bereu, Die sch! rechtigkeit stets liebe, Aut; an feinden fanftmuth übe, dr: 11. Daß ich armen hen, 2. Forsche selbst in meinem herzen; Sieh, es irrt, es fehlet noch, Und mit unruhvollen schmerzen Fühlt es oft der sünde joch. Wankend, ungewiß und tråge Geht mein fuß der tugend wege, Und zu oft noch sieht mein blick Auf des lasters bahn zurück. 3. Uls zuerk vor meinen blicken Der verblendung nes bel schwand, Und mein auge voll entzücken, Gott, dein antlig wieder fand, Wie war da der reiz der sünden Mir so leicht zu überwinden! Ihre schrecken sah ich nur, Aber keiner anmuth spur. 4. Wenn von andacht hinges rissen, Ich den himmel offen sab, Lag die welt zu meinen füßen; Deinem thron, erbar: mer! nab. Miſscht ich in der engel chöre Den gefang von deiner ehre, Von der huld, die ewig liebt, Sünden decket und vergiebt. 5. Welche ruhe, welch ein friede Wohnte dann in meis ner brust! Eitelkeit, dein war ich müde; Sund', ich haßte deine lust. Ich verschmähte deine gaben; Mir war, got tes huld zu haben, Und ein herz, das ihn verehrt, Mehr als erd' und himmel werth. 6. Shr, dem beten heilge stunden, Boller ruhe, voll ges winn, Uch! wohin seyd ihr ver Vem heiligen Leben und Wandel überhaupt. 237 schwunden? Glut der andacht! ach, wohin? Oft noch such' ich gott durch záhren, Durch gebet und flehn zu ehren, Doch der/ welt geräusch zerstreut Meis ner andacht brünstigkeit. Erweckung zur BeständigFeit im Guten aus der Be trachtung der Unveråne derlichkeit Gottes. Mel. Wer nur den lieben gott. 314. Schon ist die tugend, mein vers langen, Und meiner ganzen liebe werth. Mit aller kraft ihr anzuhangen, Hat meine feel auch oft begehrt. ch könnt ichs! wie würd ich mich freun! Wer heilig ist, muß selig seyn! 2. Gott ist der seligkeiten fülle Von ewigkeit zu ewigkeit. Denn sein verstand ist licht, sein wille Ist ordnung und vollkommenheit. Von 7. Wenn die menge der ver. achter Meines frommen wans dels lacht, Aus der andacht ein gelächter, Aus dem beten thors heit macht, Wenn sie spottisch auf mich sehen, Mich und meinen glauben schmähen; Dann vergeß ich meine pflicht, Und bekenne Jefum nicht. 8. Unter der verfolger steis nen Bebten gottes mårt'rer nicht, Seine wahrheit zu verneinen, 3wang fie drobn und folter nicht, Auf des hårtsten todes wegen Gingen sie dem lohn entgegen, Sabn den himmel offen stehn; Konnten quaal und tod verschmähn. 9. Der du sie mit kraft von oben Zu dem kampfe stark gemacht, Sie zu deinem lohn erhoben, Wo kein feind mehr ihrer lacht, Hilf auch mir den spott bezwingen, Hilf auch mir den lauf vollbrins gen. Vater! bis ans ende sey Dir mein ganzes herz getreu. 10. Wer getreu bleibt bis ans ende, Und nicht achtet spott und hohn, Dem bereiten gottes bånde Ewigs glück an seinem thron. Kampf und muth sind nicht vergebens; Gott giebt ihm den lohn des lebens, Und er kommt nicht ins gericht, Stirbt des em: gen todes nicht. ewigkeit her war er gut, Und recht ist immer, was er thut. 3. Wie schnell umhüllen finsternisse Mich, wenn ich auch erleuchtet bin! Dann fliehn die heiligsten entschlüsse, Den morgennebeln gleich, das hin. Bald wähl' ich, was dem herrn gefällt, Bald wieder deinen dienst, o welt! 4. Ich armer! darum kömmt kein friede In mein verschmachtetes gebein. Wie bin ich dies ses wechsels múde! Wann werd' ich fest im guten seyn? Wann nicht mehr straucheln allezeit, Nur deinem dienste, gott! geweiht? 5. Unwandelbar ist deine wahrheit, Herr, aller guten gaben quell! Sie leuchte mir in voller klarkeit Bestándig, unbefleckt und hell, Daß nie der sünde täuscherey Gefährs lich deinem kinde sey. 238 Vom heiligen Leben und Wandel überhaupt. 6. O bilde, vater! meine vor gott Einst die völker ste: feele; In deiner liebe mache hen, Und das leben und den mich, Daß ich kein andres tod Ihm zur feite sehen? Wenn gut mir wähle, Gewiß und der sichre, nun zu spåt, Aus unveranderlich. Dann bin ich dem schlaf erwachet, Und erst dein eigenthum, So leb' der spötter, der hier schmäht, ich nur zu deinem ruhm. Glaubt und nicht mehr lachet? Seste Entschließung des Christen zur Beharrlich: Feit und Wachsthum in der Tugend. Mel. Schwing dich auf zu deinem. Pollt ich jetzt noch, 6. D! wie thöricht, wenn ich mich Noch verführen ließe, Jesu! da ich schon durch dich Gottes huld genieße, Da ich weiß, auf wessen wort Sch die hoffnung gründe, Daß auch und leben finde. 7. Nicht das leben, nicht der tod, Trübsal nicht, nicht freuden, Mein erlöser uno mein gott! Soll von dir mich scheiden. Welt und sünd' und eitelkeit und des fleisches triebe, Alles überwind' ich weit, Herr! durch deine liebe. Standhaftigkeit des Christen. 315. Deine gut'erschienen, Dich vers lassen, gottes fohn! Und der sünde dienen? Mit den lüften dieser zeit Wieder mich befleks ken, Und nicht mehr die süßigkeit Deiner liebe schmecken? 2. Hab' ich doch allein bey dir Meine ruh gefunden, Mittler! Beiltest du doch mir Alle meine wunden! Und ich sollte dein ges bot, Wie die fünder, hassen, Und mein recht an deinem tod Wieder fahren lassen? 3. Nein ich bin und bleib ein 316. christ, Halt an deinen lehren, Lasse mir nicht macht, noch list, Meinen glauben wehren. Fies len tausend ab, ich nicht! Mags die welt verdrießen; Sie wird mein vertraun auf dich Mir doch gönnen müssen. 4. Beigt sie mir ein heil, wie du? Bringt sie kraft den müden, Den bedrängten trost und ruh, Sündern gottes frieden? Giebt sie mir die zuversicht, Daß ich, trop dem grabe, Deiner ewigs feiten licht 3u erwarten habe? 5. Rettet sie mich, wenn Mel. Herr Jesu Christ, ich weiß. ch bin ein christ, gott ist mein freund! In dieser hohen würde Steh ich und fürchte keinen feind, Und lache jeder bürde. Der rang erfüllt mit muth und kraft Min herz in dieser wanderschaft Des lebens und der leiden. 2. Mein glaube steht und wanket nicht, Er ist zu fest gegründet. Er stützet sich voll zuversicht Auf Jesum Christ, und findet Bey ihm allzeit trost, heil und ruh, Er eignet sein verdienst sich zu, Und troget welt und hölle. Bom heiligen Leben und Wandel/ überhaupt. 239 3. Sollt' ich aus ehrsucht, auch seine leiden, Allein der eitelkeit, Um güter dieser er schmerz, mit dem er kämpft, den, aus wolluft oder sicher Verwandelt sich in freuden. heit Der tugend untreu wers den? Nein, auf die fünde folgt der tod, Allein die tugend fegnet gott Mit leben und mit frieden. 4. Was sind die leiden dieser zeit Mir gegen jene kronen, Womit gott in der herrlichkeit Die frommen will belohnen? Was dieses lebens turze frist, Gott! gegen das, was ewig ist? Sollt' ich nicht muthig kampfen? 5. Ich fürchte nicht des to: des macht mit allen seinen schrecken. Gott will mich aus des grabes nacht 3um groz Ben tag erwecken; Sch fürchte nicht der hölle glut, Er: fauft durch des erlöfers blut 3um eigenthum und erbe. Rampf der Tugend. Mel. Durch Adams fall ist ganz. 317.5ft tlagt dein herz, wie schwer es sey, Den weg des herrn au wandeln, Und tåglich seinem worte treu, Zu denken und zu handeln. Wahr ists, die tugend fostet müh, Sie ist der sieg der lüste; Doch richte selbst, was wåre fie, Wenn sie nicht kämpfen müßte? 2. Die, die sich ihrer laster freun, Trifft die kein schmerz bienieden? Sie sind die sclaven eigner pein, Und haben feinen frieden. Der fromme, der die luste dampft, Hat oft 3. Des lasters bahn ist ana fangs zwar Ein breiter weg durch auen, Allein fein fortgang wird gefahr, Sein ende nacht und grauen. Der tugend pfad ist anfangs steil, Láßt nichts als mühe blicken, Doch weiter fort führt er zum beil, Und endlich zum entzücken. 4. Nimm an, gott bått' es uns vergönnt, Nach unsers fleisches willen, Wenn wol= lust, neid und zorn entbrennt, Die luste frey zu stillen, Nimm an, gott ließ den undank zu, Den frevel, dich zu kránken, Den menschenhaß; was würdest du Von diesem gotte denken? 5. Gott will, wir sollen glücklich seyn, Drum gab er uns gesetze. Sie sind es, die das herz erfreun, Sie find des lebens schäte. Er red't in uns durch den verstand, Und spricht durch das gewissen, Was wir, geschöpfe deis ner hand, Fliehn oder wählen müssen. 6. Ihn fürchten, das ist weisheit nur, Und freyheit ists, sie wáhlen. Ein thier folgt fesseln der natur, Ein mensch dem licht der seelen. Was ist des geistes eigenthum? Was sein beruf auf erden? Die tugend! was ihr lohn, ihr ruhm? Gott ewig åhnlich werden. 240 Vom heiligen Leben und Wandel überhaupt. 7. Lern nur geschmack am that allein, Er sieht auf deis wort des herrn, Und seiner gna- nen willen. Ein göttliches de finden, Und übe dich getreu verdienst ist dein! Dies muß und gern Dein herz zu überwin: dein herze stillen. den. Wer kräfte hat, wird durch gebrauch Bon gott noch mehr bekommen; Wer aber nicht hat, dem wird auch Das, was er hat, genommen. 8. Du streitest nicht durch eigne kraft, Drum muß es dir gelingen. Gott ist es, welcher beydes schafft, Das wollen und vollbringen. Wann gab ein vater einen stein Dem sohn, der brod begehrte? Bet oft; gott müßte gott nicht seyn, Wenn er dich nicht erhörte.. 9. Dich stårket auf der tu: gend pfad Das beyspiel sel': ger geister; Sbn zeigte dir, und ihn betrat Ja selbst dein herr und meister. Dich müsse nie des frechen spott Auf dies sem pfade hindern; Der wahre rubm ist ruhm bey gott, Und nicht bey menschenkindern. Wider die Versuchung zum Bösen. Mel. Un wasserflüssen Babylon. Erbarm dich, herr! 318. Erbarm mein schwaches herz, Geneigt zu eitelkeiten, läßt sich durch freude und durch schmerz Oft auf den irrweg leiten. So wankt ein rohr, vom wind regiert, So irrt, von leidenschaft verführt, Auch oftmals meine seele. Herr! hilf mir, daß ich als ein christ, Das flieh, was vor dir strafbar ist, und nur das gute wähle. 2. Laß doch mein herz nicht fernerhin In seiner neigung wanken, Erhebe den verirr ten sinn 3u himmlischen ge danken. Wenn von dem dienst der eitelkeit Mich deines gei stes kraft befreyt, So wird es mir gelingen. Ich halte 10. Sey stark, sey månn deinem geiste still, Ich will lich allezeit, Tritt oft an mich åndern, herr! ich will! deine bahre, Vergleiche mit Gieb selber das vollbringen. der ewigkeit Den kampf fo 3. Umsonst fuch' ich der furzer jabre. Das kleinod, tugend bahn, Wenn du mich das bein glaube hält, Wird netien muth dir geben, Und kräfte der zukünft'gen welt, Die werden ihn beleben. nicht begleitest, Und mich, befreyt von menschenwahn, zu deiner wahrheit leitest. Du hasfest jeden falschen schein, Mit ernst willst du verehret feyn. Herr, hilf um Jesu willen! Erhebe den ges beugten muth, Hilf mir der leidenschaften wuth Durch 11. Und endlich, christ, sey unverzagt, Wenn dir's nicht immer glücket, Wenn dich, so viel dein herz auch wagt, Stets neue schwachheit drukket. Gott sieht nicht auf die deine gnade stillen. Vom heiligen Leben und Wandel überhaupt. 241 4. Mein gott! mein gott! heit macht mich bange, Und gedenke nicht Der fünden meis der welt gefährlichkeit, Daß ner jugend. Wie hart schien ich doch noch unterliege, Und mir oft meine pflicht, Wie mein kleinod nicht ersiege. rauh die bahn der tugent! Jedoch, du trugst mich mit geould; Laß, vater, laß mich diese huld Nicht undankbar verachten. Dir folgen, ist mein wahres heil; laß mich's als mein beftes theil Auch immerfort betrachten. 4. Schaue her zu deinem kinde, Höre mich, und steh mir bey! Herr! bewahre mich vor fünde, Mache mich ge= trost und treu, Daß ich standhaft deine wege Wandeln und nicht straucheln möge! 5. Daß die welt mich nicht verführe, Daß sie mich nicht ungetreu Mach, und spottend triumphire, Daß ich auch ge fallen sey! Daß sie sich nicht ihrer siege Rühme, weil ich unterliege! 5. Ich bin ein mensch; du kennest mich, Wie schwach sind meine kräfte! Doch meine seele hofft auf dich. Du wirst zu dem geschäfte Der heili: gung mir kraft verleihn. Und mich mit deiner hülf erfreun, Vor dir gerecht zu leben. Ich, dein erkauftes eigenthum, Will dafür deines namens ruhm In ewigkeit erheben. 6. Der du kraft und muth gewährest, Hilf des schwachen schwachheit auf! Ja, ich hoffe, daß du hörest, Und ich freue mich darauf; Rühmen will ich's, und dir singen, Daß du stårke giebst zu ringen. Mel Herr, ich habe mißgehandelt. err, wie lange muß ich ringen, 319. Hert Mel. O gott, du frommer gott. Ch' ich auf der steilen bahn 320. Here he ta err! Deines zum himmel dringen, Und vom kampfe ruhen kann? Werd ich meinen hang zu fünden Endlich völlig überwinden? es dir gefallen! Es ist mein ganzer ernst Auf deiner bahn zu wallen. Ergreife, leite, berr! Den schwachen, der dir fleht, Weil seine bitte nicht Aus falschem munde geht. 2. Ach! wenn mich die lust der erde, der kühner fünder spott Reizet, daß ich tråger werde, Wirst du mein vers gessen, gott? Wirst du, mich zu unterstüßen, Eilen? wirst du dann mich schützen? 2. Gieb, daß ich redlich mich" In jeder tugend übe. Der glaube, den du willst, Soll fruchtbar durch die liebe In wahrer heiligkeit, In qus 3. Ach ich zittre; gott! ten werken seyn. Ich will's; wie lange Soll ich kämpfen? ich will dir, gott! Mein dieser streit meiner schwach- ganzes leben weihn. 2 242 Bom heiligen Leben und Wandel überhaupt. 3. Doch täuscht mein herz sich oft, Mir immer unergründlich, Bleibt, nach der heiligung Durch deinen geist noch sündlich. Das wollen hab ich wohl, 3um thun auch licht und fraft; Wie unvollkommen bleibts Den noch, wie mangelhaft. 4. Du fennt mich ganz; du kannst Mich reinigen und läutern, Den geist, wenn licht ihm fehlt, Mit deinem licht erheitern. Wenn eine leiden schaft Erwachen will, kannst Mel. Alle menschen müssen sterben. Pater, beilig möcht du Durch mein gewissen ihr 321. Va ich leben, Rechts Gebieten, daß sie ruh. thun måre meine lust; Aber lúste widerstreben Dem gesetz in meiner brust. Uch, mein herz ist mir verdächtig, Sel: ten bin ich meiner mächtig; Hart drückt mich der fünde joch, Was ich nicht will, thu ich doch. 5. Ach! darum wollest du Mich lautern, mich belehren, Der trägheit des gemüths, Der luft zur fünde wehren. Mich, wo gefahren sind, Erschrecken, mich zum streit Ermuntern, wo dein wort 3u streiten mir gebeut. 6. Erhalte meinen gang 2uf deinem weg, und leite mit dei= ner rechte mich, Damit mein fuß nicht gleite. Mein auge laß allein Auf deine wege schaun. So hilf mir; denn du bist Mein heiland, mein vertraun! 7. Ich bin ein fremdling hier, Umringt von vielen sündern; Ihr benspiel fönnte leicht Der tugend eifer mindern. Bewah: re deinen knecht Vor ihnen; ihre luft Vergift', entweibe nie Die dir geweihte brust. 8. Bewahre mich, wenn sie, Verstrickt von eiteln lüften, Sich ihrer sünden freun, Mit ihren lastern brüsten. Des sünders lachen wird In weinen einst verkehrt, In trauren seine luft, Wenn er sich nicht bekehrt. 9. Ich aber werde, gott! Dir nicht umsonst vertrauen; Einst, wenn ich treu dir bin, Dein felig antlig schauen, Und wenn mein staub er wacht, Von deiner wonne satt, Frohlocken, daß mein herz Sich dir geheiligt hat. 2. Tausendmal hab' ich ges weinet, Schmerzlich meinen fall bereut, Und der sünde macht beweinet, Und des her zens flüchtigkeit. Tief beugt' mich die sünde nieder; Aber dann vergaß ich wieder Meine thrånen, und, gott! dich, Und mein fleisch besiegte mich. 3. Nein, ich will mir's nicht verhehlen: Ohne deines geistes kraft Seh ich mich schon wieder fehlen, Siegen schon die leidenschaft. Nein; zu oft hab ichs erfahren, Was gelübd' und thrånen waren. Ach! oft eh' ich mirs versab, War die sünde wieder nah. 4. Nun, ich weiß nichts Vom heiligen Leben und Wandel überhaupt. 243 anzufangen, 2ls in tiefster chen nicht vergehen, Sprich demuth dir, Dir nur flehend anzuhangen; Todte du die sünd' in mir. Neiß die wur zel meiner schmerzen, Reiß die fünd' aus meinem her zen. Tief im staube fleh ich dich, Heilige du selber mich. du deinen trost mir zu. Mit dir werd ich überwinden, Du, du wirst von meinen fünden Mich durch Jesum ganz befreyn; Bater! du wirst vater seyn. 5. Vater! du, du kannst mich retten, Wenn mich niemand retten kann. Beten will ich, immer beten; Schau mich mit erbarmen an. Laß mir nichts die tugend rauben, Unterstüße meinen glauben, Meinen eifer im gebet, Das um nichts als gnade fleht. 6. Nichts, als deines geiz stes sonst nichts verlangt dein find. Dann geh ich auf rechtem pfade Sicher, muthig und geschwind. Dann kann ich mein fleisch bezwingen, Dann des geistes früchte bringen, Dann mich, vater! deiner freun, Dann des heils versichert seyn. 7. Darum beug' ich meine. knie, Bete, heiligster! vor dir; Flehe, vater! spát und frühe, Schenke höh're kråste mir. Sieh, ich dürfte nach dem guten; Laß mein herz nicht långer bluten, Ziehe, mich mit leben an, Daß ich alles gute kann. 8. Bater! ja, du hörst mein flehen, Meine thránen siehest du! Laß mich schwa: Srömmigkeit der Jugend. Mel. Warum sollt ich mich denn. abe deine lust, o jugend! Immer 322.Hab gern An dem herrn, Und dem reiz der tugend. Was dein. reges herz begehret, Dein verstand Nicht erfand, Wird dir dann gewähret. 2. Schnell muß nicht vorüber rauschen Diese lust; vertauschen Gegen lüfte dieser Deine brust Muß sie nicht erden, Die dein herz Voller schmerz Bald vergiften werden. 3. Nicht erst, wenn des Jugend, nein! Schon am alters forgen Dich zerstreun, frühen morgen, In der bluthe deines lebens Dien' ihm gern; Und dem herrn Dienst du nie vergebens. 4. Glück, gesundheit, langes leben Wird dafür Willig dir Dann dein schöpfer geben. Tugend nur sey dein begehren; Dann wird er Dir schon mehr, Wenn dir's nüßt, gewähren. 5. Auch in den gesunden ta: gen Laß nicht ab, In das grab Einen blick zu wagen. Du hast dann, frey vom verderben, Seelenruh; Dann kannst du, Dem du lebtest, sterben. Q2 244 Von den Pflichten gegen Gott. Von der Erkenntniß Gottes. Mel. Wend ab deinen zorn. 7. Dann werd ich immer 323.Was ift, ogott, heller dich erkennen, Und tågim himmel, was auf erden, Das so, wie du, verdient erkannt zu werden? Was ist, das meinen durst nach glück so stille, Als deine fülle? lich mehr von deiner lieb entbrennen, Dir gern gehorchen, fröhlich dich erheben, Dir, gott! nur leben. Mel. Wer nur den lieben gott. o 324.2 find ich gott, den meine ſeele Weit über alles schätzt und liebt? Gott, den ich mir zum freunde wähle, Und der allein mir freude giebt? Wann kommt die zeit, da gott, mein freund, Sich völliger mit mir vereint? 2. Dich suchen, ist die edelste der sorgen. 3war bist du unerforschlich und verborgen; Doch willst du, wenn wir nur dein licht nicht has fen, Dich finden lassen. 3. Mit lauter stimme lehren deine werke Uns deine weis: heit, deine gut' und stärke. Auch bast du selbst, sex hoch dafür gepriesen! Uns unterwiesen. 4. Und immer mehr willst du dich offenbaren, Wenn wir getreu, was du uns lehrst, bewahren, Wenn wir, was deine lehren wirken sollen, Uns bessern wollen. 5. Ach mocht ich, gott, aus allen meinen fräften Dich su: chen, ruhn von sorgen und geschäften! Und mein gemüth, um mich zu dir zu schwin: gen, 3ur stille bringen! 6. Ergreife mich, und leite meine seele, Daß fie den weg zur wahrheit nicht verfehle. Gewähre mir, damit sie nie ermüde, Ernst, luft und friede. 2. Wie wollt ich meinen gott nicht preisen, Wenn ich ihn fåhe, wie er ist! 3war deine wunder, herr! beweisen, Wie unaussprechlich schön du bist, Wie schimmern sie! doch zeigt ihr glanz Mir deine herrlichkeit nicht ganz. 3. Ich sehe gott hier nur im spiegel, Und bet ihn un vollkommen an; Uch hätte meine seele flügel, Sich meis nem schöpfer mehr zu nahn; Wie würde sie sich seiner freun! Wie felig, wie ver herrlicht seyn!. 4. Durft ich am fuße seines thrones Mit seinen engeln ihn erhöhn, Könnt ich im antlik seines sohnes, Wie seine feli Von der Erkenntniß Gottes. 245 gen, ihn sehn; Ich, der ich hier ich empfinde Mein elend; kaum stammeln kann, Welch hobes loblied stimmt ich an! 5. Mir macht zwar jedes seiner werke Mehr, als ich rühmen kann, bekannt, Es zeigt mir seiner allmacht stärke, Und seinen weifesten verstand. Und gnade, die selbst Davids lob Zu schwach, nie würdig gnug, erhob. 6. Wie zärtlich, als mit einem finde, Sprichst du in deinem wort mit mir! Doch mein verderben und die sünde Beir welche gnade, 325. gott, zu dir Verdunkelt mir dies licht von dir. O daß dein geist Mich selbst von dir, herr. unterweist! erheben, Und dich zu kennen glücklich sich bestreben, So mußt du selbst, um groß von dir zu denken, Die kraft mir schenken. 7. Doch wenn in meinen finsternissen Er auch mein blo: des aug' erhellt. So bleibt doch selbst alsdann mein wissen Nur immer stückwerk in der welt. Ich suche dich und forsche nach, Und mein er: fenntniß bleibet schwach. 2. Laß doch, o herr! dein licht mich stets erfreuen, Und meiner feele finsterniß zerstreuen. Erleuchte mich, daß mich, zu deiner ehre, Dein glanz verkláre. 3. Was ist im himmel, gott, was ist auferden, Das so, wie du, verdient, erkannt zu werden? Was ist, das meinen durst nach glück so stille, Als deine fülle? 4. Dich suchen, ist die edelste der sorgen. 3war bist du unerforschlich und verborgen! Doch willst du, wenn wir nur dein licht nicht haffen, Dich finden lassen. 5. Mit lauter stimme lehren deine werke Uns beine 8. Und hört ich nur auf deine stimme In deinem worte, hört ich nur, Wie du verdienest. auf die stimme Der dir lobsin: genden natur, So lernt' ich hier schon mich allein, Gott, deiner berrlichkeit zu freun. zeuch mich, herr! zudir, Entkráfte selbst die macht der sünde; Dein geist der weisheit wohn in mir, Damit ich vor der tauscherey Der sinnlichkeit gesichert sey. 11. Gieb, daß der strahl von deiner wahrheit Mein leben leite, bis ich dort Dich naher seh, und mit mehr klarheit, Als bier, an diesem průfungsort. Ich, der ich hier kaum stammeln kann, Erhebe würdiger dich dann. Mel. Wend ab deinen zorn. 9. Wie brünstig würd' ich dann dich lieben, Mit welchem eifer würd' ich mich Dir, va ter, zu gefallen üben! Wie felig war' ich bloß durch dich! Nun aber täuschet meinen geist, Gleich kindern, tand, wenn er nur gleißt. 10. Welch elend! vater! 246 Von der Erkenntniß Gottes. weisheit, deine gut' gut' und auge dringt; Doch giebst du stárke; Auch hast du selbst, uns zum unterrichte Dein sen hoch dafür gepriesen! wort, das uns erkenntniß Uns unterwiesen. bringt, Was du, o allerhöchster! bist, Und was mit uns dein endzweck ist. 6. Und immer mehr willst du dich offenbaren, Wenn wir getreu, was du uns lehrst, bewahren, Wenn wir, was deine lehren wirken sollen, Uns bessern wollen. 7. Uch möcht ich, gott, aus allen meinen fråften Dich su: chen, ruhn von sorgen und geschäften, Und mein gemüth, um mich zu dir zu schwingen, 3ur stille bringen! 8. Doch mein verstand ist unståt, tråg, er scheuet Der überlegung müh, und schnell zerstreuet, Sinkt er, wenn ich zu dir gezogen werde, 3urück zur erde. 9. Uuch täuscht mein herz ihn, machet ihn vermessen, Verführt ihn, seine grånzen zu vergessen, Will mehr, als feine kräfte mir vergönnen, Bon dir erkennen. 10. Ergreife mich und leite meine seele, Daß sie den weg zur tugend nicht verfehle; Gewähre mir, damit sie nicht ermüde, Ernst, lust und friede. 11. Dann werd ich immer heller dich erkennen, Und tåglich mehr von deiner lieb entbrennen, Dir gern gehorchen, fröhlich dich erheben, Dir, gott! nur leben. Mel. Wer nur den lieben gott. 326. Mein gott, du wohnest zwar im lichte, Dahin kein sterblich 2. So gieb denn, daß ich darauf achte. Als auf ein licht im dunkeln ort; Und wenn ich ernstlich es betrachte, So hilf selbst meinem for: schen fort. Laß für der wahrheit hellen schein Mein aug' und herz stets offen seyn. 3. Dein wort sey mir ein licht im glauben, Das mich zur wahren weisheit führt. Laß mir doch keinen irrthum rauben, Was mir ein ewig heil gebiert. Kein spöttergeist verführe mich, Kein zweifel sen mir hinderlich. 4. Dich kennen, ist das ew'ge leben. Drum hilf mir, vater! daß ich dich, Und den, den du für uns gegeben, Hier so erkenne, wie du mich In deinem wort es selbst gelehrt, Bis einst sich meine einsicht mehrt. 5. Vor allem laß bey mir lebendig, höchster! dein ers kenntniß seyn. Laß mich da nach dir auch beständig Die größte lieb' und ehrfurcht weihn. Gieb, daß ich thu mit allem fleiß, Was ich von deinem willen weiß. 6. Was hilft das richtigste erkenntniß, Wenns nicht zu deiner liebe treibt? Was nüht ein aufgeklärt verständniß, Wenn doch das herz noch böse bleibt? Drum hilf, daß ich Von der Erkenntniß Gottes. 247 der wahrheit treu, Und daß zu gehen. Wer dich kennt, mein glaube thätig sey. und bleibt in sünden, Der kann nimmer gnade finden. 7.Laß dein erkenntniß mir im leiden Die quelle wahres trostes seyn, Laß mich, wenn leib und seele scheiden, Dann noch im glauben deiner freun. Dort feb ich dich im hellern licht Bon angesicht zu angesicht. 4. Gieb, daß ich den unterricht Deines wortes treu bewahre, Daß ich, was es mir verspricht, Reichlich an mir selbst erfahre. Ja, mein glaube sey in leiden Mir ein quell von trost und freuden. Um rechte Erkenntniß Gottes und der Religion. Nel. Liebster Jesu, wir sind hier. 5. Hilf, daß sich von zeit zu zeit Mein erkenntniß stets 327, Gott, mein licht, vermehre. Find ich manche erleuchte mich, Daß ich hier dich recht er kenne; Daß ich, Jesus Christus, dich meinen herrn und heiland nenne. Höchster! laß mich doch auf erden Weise zu dem himmel werden. dunkelheit, Bleibt verdeckt mir manche lehre; Laß mich zweifeisucht entfernen, und in demuth glauben lernen. 6. Laß mich, herr! in deis nem licht Immer rührender erkennen Jener herrlichkeit gewicht, Und wie glücklich der zu nennen, Der nach ihr mit eifer trachtet und der funde lust verachtet. 2. Lautre wahrheit ist dein wort; Lehre mich es recht verstehen, Hilf selbst meinem forschen fort, Lehre mich recht einzusehen, Was zu meinem heil mich führet, Und was mir zu thun gebühret. 3. Aber laß mich nicht allein Richtig seinen finn ver stehen, Laß mein herz auch folgsam seyn, Den erkannten weg 7. D! verleihe mir die kraft, Deinem wort gemäß zu bandeln, Und vor dir gewissenhaft 21s dein treues kind zu wandeln; So wird einst in jenem leben Mich dein hellers licht umgeben. Von der Furcht Gottes. Mel. Wer nur den lieben gott. 328. gott! bich fürch, die kindlich heißt. ten, Eindlich scheuen Ist unsre höchste, größte pflicht. Kein mensch kann dei ner, huld sich freuen, Scheut er dein heilig auge nicht. Drum wirk in mir durch dei nen geist Die furcht vor dir, 2. Sie leite, herr! mein thun und denken; Sie müsse meine weisheit seyn, Und mich auf solche wege lenken, Die vor dir heilig sind und rein. Denn, wer noch lust 248 Von der Furcht Gottes. zur fünde hat, Der fürchtet weder tod noch grab, So dich nicht in der that. 3. Gieb, daß ich stets zu herzen nehme, Daß du allgegenwartig bist, Und das vor dir zu thun mich scháme, Was dir, mein gott! zuwider ist. Der beyfall einer welt Hilft dem ja nichts, der 329. dir mißfällt. 4. Laß dein gericht mich nie vergessen, Und wirke wahre buß in mir, Damit ich nicht stolz und vermessen, Der gnade feligkeit verlier, Die mich, bey aller misfetbat, So lieb= reich noch getragen hat. 5. Ja, vater, laß mit furcht und zittern Mich schaf fen meine feligkeit, Soll nichts mein ewig glück erschüttern, So laß mich in der gnaden: zeit Mit vorsicht alles unrecht fliehn, Mich nur um deine gunst bemühn. 6. Erhalt in mir ein gut gewissen, Das weder spott noch trúbsal schen, und mache von den hindernissen Der wahren tugend selbit mich frey. Nie hindre furcht und lust der welt Mich, das zu thun, was dir gefällt. 7. In deiner furcht laß mich stets wandeln, Und mich, ich sey auch, wo ich sey, Nach deiner vorschrift redlich han deln. Du hasfest alle heuche len. Wer dich von herzen liebt und ehrt, Nur der ist dir, o vater! werth. werd ich jenes leben erben, Dazu dein sohn sich für mich gab. Gott! deine furcht bringt segen ein, Ihr lohn wird groß im himmel feyn. Mel. O gott, du frommer gott. ieb, vater! daß 8. In deiner furcht laß mich einst sterben; So schreckt mich mein herz Sich deiner liebe weihe, Und daß in allem ich Dein auge kindlich scheue. Wer als ein christ sich liebt, Der flieht auch als ein christ, Was wider gottes ehr Und menschenliebe ist. 2. Kein schnöder eigennug Beherrsche meine seele; Und wenn zu meinem glück Ich weg und mittel wähle, So laß mich stets dabey Auf recht und wahrheit schaun, Auch nie mein wohlergehn Auf andrer elend baun. 3. Dein fluch trifft jedes glück, Dabey die tugend leidet, Dabey der, der es sucht, Gott! deine wege meidet. Wer unrecht liebt und tbut, Erbt deinen himmel nicht. nie treffe mich, o gott! Dies schreckliche gericht. 4. Nie blende mein gemüth Der eitelkeiten schimmer. Die welt mit ihrer lust Vergeht doch einst auf immer. Was hilft uns kurze lust? Was hilft uns eitle pracht? Nicht ein vergänglich gut Ists, was uns glücklich macht. 5. Ein gott ergebnes herz, Ein unverletzt gewissen, Nur das allein kann uns Des les bens schmerz versüßen, Das Von der Furcht Gottes. 249 bleibt uns auch im tod, Und Daß du sie oft versäumet folgt uns aus der zeit 3um haft. Wer gott als zeugen großen segen nach Bis in vor sich hat, Der freut sich die ewigkeit. jeder guten that. 6. O felig, wer danach Mit heilgem eifer trachtet, Und für sein größtes glück, Gott, deine gnade achtet! Der liebt allein sich recht, Der findet in der zeit Die wahre rub, und einst Vollkommne feligkeit. 4. Wenn nacht und dunkelheit dich decken, Die dem vers brecher muth verleihn, Wird dich die furcht des herrn erwecken. Auch dann, was uns recht ist, zu scheun. Denk nur: vor seinem angesicht Ist finsterniß wie mittagslicht. 7. Das fey mein zweck und fleiß; fegne mein bemů: ben! So wird das wahre wohl nicht meinem wunsch entfliehen. Bewahre mich da bey, Herr! vor dem lauf der welt, Daß ich mein bestes wirk, Wie es dir wohlgefällt. Die Surcht des Herrn, der 5. Den herren öffentlich verehren, Sowohl als in der einsamkeit, Auf des gewissens stimme hören, Und wil lig thun, was es get eut. Auch das lehrt dich die furcht des herrn, Auch das thut, wer ihn fürchtet, gern. Weisheit Anfang. Mel. Wer nur den lieben gott. der weis: 6. Fäßt dich der thor verachtung merken, Wenn du dich fromm von ihm entfernst, Die des herren wird 330.2 beit quelle fen- dich stärken, Daß du dich edel schätzen lernst. Wer gott, dem höchsten, wohlge fållt, Int glücklich, selbst beym spott der welt. 7. Sich stets vor dem alls machtgen scheuen, Giebt heldenmuth und tapferkeit, Wenn uns der menschen stolzes drauen, Was gott mißfällt, zu thun gebeut. Ist gott mein schub, mein heil und licht So beb' ich vor den menschen nicht. nen? Es ist die furcht vor gott dem herrn. Nur der ist weiß und Elug zu nennen, Der alle seine pflichten gern, Weil gott sie ihm gebeut, vollbringt, Wenn gleich dazu kein mensch ihn zwingt. 2. Lern' gottes größe recht empfinden, Und fühle deine nichtigkeit, So wirst du nie dich unterwinden, Mit thörichter verwegenheit 3u tadeln, was sein rath beschließt, Der wunderbar, doch heilig ist. 3. Wirst du den höchsten findlich scheuen, So wird dir teine pflicht zur last; Nur das wirst du vor ihm bereuen, 8. Laß deine furcht, gott! mich regieren, Mich stets auf dich, den höchsten, sebn; Laß sie mich zu der weisheit führen, So werd' ich niemals irre gehn, Wohl dem, der Von der Furcht Gottes. 250 dich stets kindlich scheut! Dich fürchten, gott! ist seligkeit. HeiligkeitdesEidschwurs. Mel. Christ, unser herr, zum. err! du bist 331. lig im gericht, Dein zorn vertilgt die bösen; Vor dir besteht der heuchler nicht, Kein trug, kein gottlos wesen. Du bist ein gott des rechts, der treu; Wers wagt, ben dir zu schwören, Und hegt im herzen heucheley, Den wird dein ohr nicht hören, Dein eifer wird ihn strafen. 2. Drum laß mich, gott! der wahrheit nur Ein lau tres zeugniß geben, Und nie die hand empor zum schwur Auf trug und falschbeit he: ben. Du blickit ins innre, wirst gar bald Die wahrheit hell entdecken, Wenn wir sie gleich im hinterhalt Der lüge schlau verstecken, Und blöde menschen tauschen. aber seine zunge zähmt, Der findet ruh auf erden, Und lohn bey gott im himmel. 4. Wenn mich des vortheils stimme lockt, So laß mich sie nicht hören, Und nicht, durch niedern geiz verstockt, Mir unrecht gut erschwören. Was arg list und betrug gewinnt, Wird lange nicht gedeihen; Was nie dahin fällt, nie zerrinnt, Und ewig kann erfreuen, Ist redlichkeit und unschuld. 5. Dann kann ich frey, von falschheit rein, 3u deinem throne treten, Kann zu dir flehn, mein gott zu seyn, In festem glauben beten. Des frommen hulf und gott bist du, Wirst sein gebet gewäh ren, Und des gewissens heitre ruh Wird ihm den lohn bewähren, Der ewig seiner wartet. 6. Denn einst wirst du des herzens rath Der menschen offenbaren, Und jedem wird, nachdem er that, Vergeltung wiederfahren. Beschämt wird dann vor deinem thron Entdeckt der heuchler stehen; Den frommen aber wird der lohn, Dich, wie du bist, zu sehen, Du gott der treu und 3. Auch des gewissens un ruh quált Den, der die lügen liebet, Was wahr und redlich ist, verhehlt, Und falsches zeugniß giebet. Voll argwohn geht er, und beschämt, Aus scheu entdeckt zu werden; Wer wahrheit! Von der Liebe und Dankbarkeit gegen Gott. S menheiten, Gott, mein gott, wie lieb ich dich! Mel. Jesu, meines Lebens Leben. Und mit welchen ſeligkei222uelle der vollkom: ten Sättigt deine liebe mich! Seel und leib mag mir verschmachten, Hab ich dich. Von der Liebe und Dankbarkeit gegen Gott. 251 werd ichs nicht achten. Mir dein gebot ich achte, Und es wird deine lieb allein Mehr zu erfüllen trachte! Heil mir! als erd und himmel seyn. du verbirgest nicht Einst vor mir dein angesicht. 7. Noch lieb ich dich unvollkommen; Meine feel er kennt es wohl. Dort im vaterland der frommen Lieb ich dich, herr! wie ich soll. Ganz werd ich dort deinen willen, Kennen, ehren und er füllen. Gieb mir dann vor deinem thron Der vollkomm= nern liebe lohn. 2. Denk ich deiner; wie ers hebet Meine seele sich in mir! Wie getröstet, wie belebet Fühl ich mich, o gott, von dir! Jeder blick auf deine werke, Deine gute, deine stärke, Wie entledigt er mein herz Bon bekümmerniß und schmerz! 3. Floß aus deiner gottes: fülle Mir nicht tausend wohl that zu? Daß ich ward, das war dein wille, Daß ich noch bin, das machst du. Daß ich denke, daß ich wähle, Dafür dankt dir meine seele, Dankt dir, daß sie dich erkennt, Und dich ihren vater nennt. 4. Du erkauftest vom ver: derben Mich durch deinen sohn, o gott! Ließest den ge: rechten sterben, Mir zum leben ward sein tod. Ewig dort mit ihm zu leben, Hast du mir durch ihn gegeben, Ewig deiner mich zu freun, Und von dir geliebt zu seyn. 5. Sollt ich dich nicht wie der lieben, Der du mich zuerst geliebt? Der mit mehr als vatertrieben So unendlich mich geliebt? Könnt ich ru hig hier auf erden Ohne deine liebe werden? Ohne sie nach dieser zeit Würdig ſeyn der seligkeit? 6. Heil mir, daß ich es empfinde, Wie so liebenswerth du bist! Daß mein herz vom haß der fünde, Die dich haßt, durchdrungen ist; Daß auf Mel. Freu dich sehr, o meine seele. 290 vater! 300. 333.Sveine liebe Reicht, so weit der himmel ist, Dei nes wohlthuns starke triebe Sind so ewig, als du bist. Deiner huld unendlichkeit, Gott, erschöpfet feine zeit; Und wer kann die vielen proben Deiner gute würdig loben? ott, 2. Als ich noch, der welt verborgen, In dem schooß der mutter lag, Wachtest du, für mich zu sorgen, Ueber mich schon jeden tag. Durch den beystand deiner macht Bin ich an das licht gebracht; Und was hat mein ganzes leben Gutes, das du nicht gegeben? 3. Nie gedenket mein gemüthe, Ohne brünst'ge dank. begier, Jener unverdienten güte, Da du durch die taufe mir Das erhabne recht gewährt, Daß ich, für dein kind erklärt, Mich des segens 252 Von der Liebe und Dankbarkeit gegen Gott. der erlösten, Voller zuversicht darf trösten. freude! Ich bleibe dennoch stets an dir, Was ist, mein gott, das je mich bier Von deiner liebe scheide? Du machst mir deinen weg bekannt, Hältst mich bei meiner rechten hand, Regierest meinen lebenslauf, Und hilfest meis ner schwachheit auf. D herr! mein gott! Du bist mein licht!:,: Ich folge dir, so irr ich nicht. 4. In den zarten jugendjahren Warst du meines les bens stab, Mein beschirmer in gefabren. An dir hab ich bis ins grab Einen vater, der mich liebt, Einen vater, der mir giebt, Was zum wahren wohl mir nüßet, Einen vas ter der mich schützet. 5 Gott! du machst es mit uns besser, als wir wünschen und verstehn. Deine gute ist viel größer, Als die kraft, dich zu erhöhn. Schalltegleich so boch mein dank, Wie der seraphim gefang, Dennoch würde durch mein loben Dei ne huld nicht gnug erhoben. 6. D! 10 zeuch durch deine liebe, Herr, mein ganzes herz zu dir, Stárk und mehre selbst die triebe Wahrer dankbarkeit in mir. Laß mich ganz dein eigen seyn,.So mich deines wohlthuns freun, Daß auch mir auf dieser erde Wohlthun wahre freude werde. 7. Laß mich jede deiner ga: ben Recht zu brauchen mich bemühn, Stets den zweck vor augen haben, Dazu du sie mir verliehn. Deine gute reize mich, Daß ich immer brunst'ger dich Lieb', und deinen beil'gen willen Freu: dig suche zu erfüllen. Mel. Herzlich lieb hab ich dich. 334. De er du mich als ein vater liebst, Und mich mit wohlthun ganz umgiebst, Gott, meiner seelen 2. Du leitest mich nach deinem rath, Der anders nichts beschlossen hat, Uls was mir segen bringet. Gehts gleich zu zeiten kümmerlich, So weiß ich dennoch, daß durch dich Der ausgang wohl gelinget. Nach hartem tritt auf rauher bahn Nimmst du mich dort mit ehren an, 2o mich vor deinem thron erfreut Die krone der gerechtigkeit, Mein herr! mein gott! Uch voll begier:: Wünsch ich zu seyn, mein heit! bey dir. 3. Mein sinn ist ganz auf dich gericht; Hab ich nur dich, so frag ich nicht Nach him: mel und nach erden. Denn war der himmel ohne dich, So könnte keine lust für mich Auch selbst im himmel wer: den. Wärst du nicht schon auf erden mein, So mocht ich nicht auf erden seyn. Denn nichts ist in der ganzen welt, Das mir so sehr, wie du, ge fällt. Mein herr und gott! Wo du nicht bist,:,: Ist nichts, das mir erfreulich ist. 4. Und sollte mir durch Von der Liebe und Dankbarkeit gegen Gott. 253 freuz und noth, Durch mars drauf:,: Nimm mich in deiter, durch gewalt und too nen himmel auf. Auch feel und leib verschmach ten; Dies alles wird, wenns auch noch mehr, Ja gar wie eine holle wår, Mein glaube doch nicht achten. Du bist und bleibest doch mein heil, und meines herzens trost und theil! Denn wahrlich nur durch dich allein Kann leib und feele se lig seyn, Herr, meine burg! Ich hoffe fest:: Daß deine fraft mich nicht verläßt. 5. Wer von dir weicht, und auf der welt Dir nicht be harrlich glauben halt, Muß freylich wohl verderben. Er kann, weil er die lust und pracht Der erde sich zum himmel macht, Nicht deinen himmel erben. Denn wer dich hier nicht lieben lernt, Und nicht sein herz von dem entfernt, Was dir, du heiligster! mißfällt, Kommt nicht zu jener bessern welt. Nur den, der hier Sein herz dir weiht: Nur den führst du zur herrlichkeit. 6. Drum halt ich mich getrost zu dir; Du aber hältst dich auch zu mir, Und das ist meine freude! Ich sehe meine zuversicht Auf dich, mein fels! der nicht zerbricht, Auch nicht im tiefsten leide. Dein wort, o höchster! foll allein Mein trost und meine richtschnur seyn, Bis sich einst in der ewigkeit Mein herz vollkommen deiner freut. Gott meines heils! Ich warte 335. Mel. In dich hab ich gehoffet, herr. 225 ch freue mich, mein gott! in dir, Du bist mein trost; und was kann mir In deiner liebe fehlen? Du, berr! bist mein, Und ich bin dein! Was mangelt meiner feelen? 2. Du hast mich vor der welt erwählt, und deinen kin dern zugezählt. Mag mich die welt doch bassen! Du liebst mein wohl, Wirst gnadenvoll Mich nimmermehr verlassen. 3. Du trågst mich liebreich mit geduld, Bergiebst in Chris sto mir die schuld, Wenn ich aus schwachheit fehle. Du giebst mir theil Un seinem heil; Dies tröstet meine seele. 4. Du bist mir der bewährte freund, Der es aufs beste mit mir meynt; Wo find ich deines gleichen? Du stehst mir bey, Und bleibft mir treu, Wenn berg und bügel weichen. 5.Du bist mein leben, trost und licht, Mein fels und heil! drum frag ich nicht Nach himmel und nach erde. Herr! ohne dich Ist nichts für mich, Das mir erfreulich werde. 6. Du bist mein allerhöchftes gut, Darauf mein wahres wohl beruht, In dir leb ich zufrieden. So dort, als hier, Herr! bleiben wir In liebe ungeschieden. 7. Du fegnest mich, wenn man mir flucht, Und wer hier 254 Von der Liebe und Dankbarkeit gegen Gott. mein verderben sucht, Dem wirds doch nicht gelingen. Mit deiner treu Stehst du mir bey, Daß ich kann fröhlich singen, 8. Du läßt mirs ewig wohl ergehn. Einst werd ich dich noch näher sehn, Du ursprung meiner freuden! Un dir wird sich Dann ewiglich Mein gan= zes herz, herr! weiden. namens willen, Gern thun, was mir dein wort gebeut. Kann ichs nicht, wie ich soll, erfüllen, So sieh auf meine willigkeit, Und rechne mir nach deiner huld Die schwachs heit, vater! nicht zur schuld. 5. Der liebt dich nicht, der noch mit frenden Das thut, was dir, o gott! mißfällt. Drum laß es mich mit ernst vermeiden, Gefiel es auch der ganzen welt. Die kleinste sünde selbst zu scheun, Laß, vater! mich behutsam seyn. 6. Uus liebe laß mich alles leiden, Was mir dein weiser rath bestimmt. Auch trübsal führt zu ew'gen freuden; Wer ihre last gern übernimmt, Geduldig trägt, und weislich nüt, Wird mächtig von dir unterstützt. 7. In deiner liebe laß mich sterben, Dann wird der tod selbst ein gewinn; Dann werd ich deinen himmel erben, Wo ich dir ewig nahe bin. Da lieb ich in vollkommenheit Dich, vater der barmherzigkeit! 9. Noch hats kein menschlich ohr gehört, Was uns dein himmel einst gewährt; Doch seh ichs schon im glauz ben. Vollkommnes heil Ift da mein theil; Das wird mir niemand rauben. Mel. Wer nur den lieben gott. U, u, vater deiner menschenkinder, Der du die liebe selber bist, Und dessen herz auch gegen fünder Noch gütig und voll mitleid ist! Laß mich von gan= zem herzen dein, Laß michs mit allen fräften feyn. 2. Gieb, daß ich als dein kind dich liebe, Da du mich als ein vater liebst, Und so gesinnt zu seyn mich übe, Wie du mir dazu vorschrift. Mel. Nun sich der tag geendet. giebſt. Was dir gefällt, gez337.Spricht dur dein herz, mir, scheide mich, mein gott! von dir. zu mir, Und gieb es nicht der welt! Hier ist es! gott! ich geb es dir, Der's schuf und noch erhält. 3. Vertilg in mir durch deine liebe Den hang zur lie: be dieser welt. Gieb, daß ich felbstverleugnung übe, Wenn mir was eitles noch gefällt. Wie sollte ich die creatur Dir vorziehn, schöpfer der natur! 2. D nimm es, vater! gnådig an, Ob ihm gleich viel gebricht. Ich geb's, so gut ich's geben kann; Verschmäh die gabe nicht. 4. Laß mich, um deines Von der Liebe und Dankbarkeit gegen Gott. 255. 3. Es ist von böser lust 12. Lehr du mid) selbst gebefleckt, Geneigt zur eitelkeit, laffenheit, Mein glück sey Mit fünd erfüllt, und ganz stets dein rath; Mein wahlbedeckt Von schuld und straf- spruch sey in freud und leid: barkeit. Was gott beschlossen hat! 13 Ein frommes herz sey, gott! mein ruhm, Fromm ohne heucheley, amit mein ganzes christenthum Dir wohlgefällig sey. 14. Gieb, daß, wenn einst mein auge bricht, Nein mund im todesschmerz Dies treue wort noch froh ausspricht: Mein gott! hier ist mein herz! 4. Doch, herr! dies mein verderbtes herz Kömmt jetzt mit reu vor dich, Es fühlt der fünde herben schmerz, Und sehnt nach gnade sich. 5. O du, gott der barmherzigkeit, Erbarme dich doch sein! Schau, wie es deiner huld fich freut; Sein trost bist du allein. 6. Es fagt mit kindlichem vertraun: Du bist mein retter, du! Ich werde gott als vater Mel. Nun ruhen alle wålder. 220 ſchaun, Und in ihm find ich ruh. 338. Dir bank ich für mein leben, Gott, 7. Es fucht in Jesu Christo heil, Es naht zum kreuze hin; Es spricht: du, mittler! bist mein theil, Mein trost und mein gewinn. 8. Durch deinen geist mach du es rein, Ganz beilig, fromm und neu; Weih es dir selbst zum tempel ein, Mach es im glauben treu. 9. Ach! jed' unlautre leiden schaft Und fündliche begier Lösch in mir aus durch deine kraft, und heilge sie in mir. 10. Hilf, daß mich stets nach dir verlang, Daß ich dich fürcht' und lieb', Dir fest vertraut und dir anhang, Und jebe tugend üb. 11. Schenk mir den schmuck, der christen ziert, Die demuth deines sohns, Die mich zur menschenliebe führt, Und werth macht deines lohns. der du mirs gegeben, Ich danke dir dafür! Du hast, durch huld bewogen, Mich aus dem nichts gezogen, Durch, deine gute bin ich hier. 2. Du, herr! hast mich bereitet, Mich våterlich geleitet, Bis diesen augenblick. Du gabst mir frohe tage, Und felbst der leiden plage Ver: wandeltest du in mein glück. 3. Ich bin, herr, aller dinge! Der treu viel zu geringe, Mit der du mich bewacht. Damit ich staub und erde Auf ewig glücklich werde, Hast ou schon ewig mein gedacht. 4. Du hörtest schon mein sehnen, Und zähltest meine thránen, Eh ich bereitet war; Eh ich zu seyn begonnte, Und zu dir rufen konnte, Da wogst du schon mein theit mir dar. 5. Du ließt mich gnade fin 256 Von der Liebe und Dankbarkeit gegen Gott. Vernunft, mein leben hier zu lenken, Empfindung; ach, den, Und sahst doch meine sünden Vorher von ewigkeit. Dhöchster! welch erbarmen! Du sorgtést für mich armen, Und bist ein vater, der verzeiht. wie dank ich dir! 6. Für alle deine treue, Für das, daß ich mich freue, Lob finget dir mein geist, Er ist dein größt geschenke; Daß ich durch ihn dich denke, Ist dein; dein ists, daß er dich preist. 7. Daß diimein leben frifest, Und mich mit kraft ausrüstest, Dies, vater! dank ich dir. Daß du mich liebreich führest, Mit deinen geist regierest, Dies alles, water! dank ich dir. 8. Was inir in diesem leben Noch nützt, wirst du mir geben; Du giebsts; ich hoff auf dich. Dir vater! dir befehle Ich ruhig leib und feele. Herr, segne und behüte mich! Mel. Wie groß ist des allmächtgen. 3. Ich kann dich in der schö pfung finden, Mich deiner gro Ben werke freun; Dank dir, ich kann dich, gott! empfinden; Wie freu ich mich, durch dich zu seyn! Für meinen leib und alle glieder Gebührt dir dank; mit jedem finn Fall ich anbetend vor dir nieder, Und danke laut dir, daß ich bin. 4. Du hast mir dach und kleid bescheeret; Was fehlte, vater, jemals mir? Hast du mich nicht bis jetzt ernähret? Von ganzem Herzen dank ich dir! War ich umringet von gefahren, Du hattest, vater! mich bewacht, und immer stand, mich zu bewahren, Un meiner, feite deine macht. 339. Dant, befter vater, will ich singen, Dank dir, der mir nur gutes giebt! Mit aller kraft, vor allen dingen Sey du gelobet und geliebt! Du warst mir, eh ich war, gewogen, Und ewig auf mein glück bedacht; Du hast mich aus dem nichts gezogen, 3um menschen haft du mich gemacht. 5. Erwag ich, vater! alle pfade, Die deine hand mich durchgeführt, So seh ich weis heit nur und gnade, Und fühle, daß dir ruhm gebührt. Wie oft entrisfest du dem feinde Der wahrheit und der tugend mich! Für meine eltern, meine freunde, Für meis ne lehrer preis' ich dich! 6. Du lenktest von der frühen jugend, Durch viele 2. Ja, vater, dir gebührt freude, wenig schmerz, 3u die ehre! Ich bin nur, was deiner fenntniß und zur tus ich bin, durch dich. Dank, gend, bester gott! verstand dank dir! der geschöpfe heere, und herz. Für jede nützliche Erschufst du, vater! auch für erfahrung, Für alles, was mich. Dank dir, du gabst mich lehren kann, Für untermir kraft zu denken, und richt und offenbarung, Bet' willensfreyheit gabst du mir, ich im staube, gott, dich an! Von der Liebe und Dankbarkeit gegen Gott. 257 7. Sm dunkeln forsch ich nicht vergebens, Du gabest mir dein wort zum licht; Du zeigtest mir den weg des lebens, Mein glück, mein elend, meine pflicht. Nein, nein, die zunge kann nicht sagen, Wie unaussprechlich gut du bist; Nun darf die feele nicht mehr zagen, Die seele, die unsterblich ist. 9. Ein mensch, um men schen zu versöhnen, Er, der mich schuf und mich erhält. Er starb; o fließet freudenthránen! Wie dank ich dir, o herr der welt! Anbetung dir und ewig ehre, Und dank und liebe, Jesus Christ! Von mir, der ewig elend wäre, Und nun unendlich felig ist! 10. Ja, vater! vater! übers schwenglich, Und über jeden ausdruck groß, Sind deine gnaden, unausdenklich, Und deine gute namenlos! Dank sey mein mund, mein herz, mein leben! Du bist die lie be; nichts bin ich. D du, der mir so viel gegeben, Gieb mir noch dankgefühl 8. Unsterblich, vater, ewig leben Soll ich, ich, der nur tod verdient! Ich ewig seyn! du hast vergeben, Hast mit dem fünder dich versühnt! Dein sohn( o wer fast das erbarmen!) Entäußerte des himmels sich; Vom tode zu befreyn mich armen, Ward er, der sohn, ein mensch, wie ich! für dich! Von dem Gehorsam gegen Gott. Mel. Lasset uns den herren preifen. du schufft, Eilt und drångt heilig sich, wenn du rufft, Dein ges bot, herr! zu erfüllen; Nur der mensch erkennt es nicht Für sein beil und seine pflicht. eilig, 340. ist dein wille, Heilig bist du, unser gott! Du gebeutst; und in der stille Hört die schöpfung dein gebot. Die im himmel dir lobsingen, Stehn um deinen thron bereit, Freuen sich der seligkeit, Dei nen willen zu vollbringen; Nur der mensch erkennt es nicht Für sein heil und seine pflicht. 3. Stolz emport sich feine seele, Du, ihr schöpfer! wider dich, Deine göttlichen befehle Wirft er thdricht hinter sich. Du sollst ihn nicht mehr regieren, Klüglicher nach seis nem wahn Wählt er eine bessre bahn, Die soll ihn zum heile führen; Und die bahn ist fündenvoll, Die zum heil ihn führen soll. Alles dienet deinem 4. Herrscher! laß ihn früh empfinden, Daß er selber sich R 2. Dir gehorcht mit sanfs ter wonne Aller deiner welten beer, Deine feste, deine sonne, Sturm und donner, erd und meer. willen, Alles, schöpfer! was 258 Pflichten gegen verführt, Daß die eitle lust der fünden Ihm zuletzt den dich tod gebiert. Mach' ihm deis nen willen wichtig, Lehr' ihn deine bahn, laß ihn, Eilend seinen irrweg fliehn; Denn dein weg allein ist richtig. Mach' ihn seinen pflichten treu, Daß sein wandel heilig sey. 5. So wird auch bey uns auf erden, Wie im himmel, dein gebot Dankbar ausgerichtet werden, Heiliger und großer gott! Alle werke deiner hånde Werden unterthan dir seyn, Alle dir ihr daseyn weihn, Bis an deiner schöpfung en de, Bis die fülle dieser zeit Eingeht in die ewigkeit. Mel. Allein auf gott seg dein. 341. Dein, gott! iſt majestät und macht. Und alles ist dir un terthan. Dir werde dank und ruhm gebracht! Fallt nieder, menschen, betet an! Gott. 5. Wie darf, wer, vater! nicht ehrt, Des glücks, dein kind zu seyn, sich freun? Nur die sind dieser ehre werth, Die ganz sich deinem dienste weibn. 2. Dich preiset jede creatur, Der höchste engel und der wurm. Dich ehrt gehorsam die natur, Dein wink erregt und stillt den sturm. 3. Wohin mein auge, gott! nur blickt, Ist ordnung, ein tracht, harmonie; Und ich, mit deinem bild geschmückt, Empórte mich, und stórte sie? 4. Du schufft das menschliche geschlecht, Durch dich, gott! sind wir, was wir sind; Du bist mein berr, ich bin dein knecht, Du bist mein vater, ich dein kind. 6. Wie billig, wie gerecht und gut Ist alles, was uns gott gebeut! Wohl dem, der seinen willen thut! Ihn thun ist freud und seligkeit. 7. Nur das, was bos' und schädlich ist, Und uns entehrt, verbeut uns gott. Weh dem, der seiner pflicht vergißt! Er stürzet sich in schand und noth. 8. Gott ist, wenn er gefeße giebt, Kein menschenfeindlicher tyrann; Bloß weil er unsre wohlfahrt liebt, Treibt er uns zum gehorsam an. 9. Leicht ist die last und sanft sein joch. Wer's willig trågt, sest seinen lauf Stets freudig fort, und fällt er noch, So hilft ihm gott felbst wieder auf. 10. Bald heißt uns feine lieb und huld Gehorsam seyn aus dankbarkeit, Bald warnt er uns vor neuer schuld, Und übet uns durch kreuz und leid. 11. Sein wort ermahnt, droht und verheißt, Und hält uns tod und leben vor, Uns rühret und erweckt sein geist; Und ich verschlösse herz und ohr? 12. Nein, gott! dir sey mein herz geweiht, Gehorsam sey mein größter ruhm. Verleihe mir beständigkeit, Und heilge mich, dein eigenthum. Von dem Gehorsam gegen Gott. 259 zum kampfe sieg und kraft. 3. Laß mich, so lang ich hier soll leben, Jm glück und unglück seyn vergnügt, Und deinem willen mich ergeben, Der alles mir zum besten fügt; Gieb demuth, wenn du mich beglückst, Geduld, wenn du mir leiden schickst. 2. Gieb meinem glauben muth und stärke, Laß in der lieb ihn thätig seyn, Daß man an seinen früchten merke, Er sey kein traum und falscher schein. Stárk mich in ich, meiner wanderschaft, Und gieb Dich loben, gott! in ewigkeit. 4. Uch hilf mir beten, wa:chen, ringen! So will ich, wenn mein lauf vollbracht, Dir dank und ruhm und ehre. bringen, Dir, der du alles wohl gemacht. Dann werd' unentweiht, rein und aß Mel. Wer nur den lieben gott. 342. as mich, o herr! in allen dingen Auf dein wort sehn, und dir mich weihn. Gieb selbst das wollen und vollbringen; Laß mein herz dir geheiligt seyn. Nimm geist und leib zum opfer hin; Dein, herr! ist alles, was ich bin. Von dem Vertrauen auf Gott. Mel. Was gott thut, das ist. trost genießen. Des frommen 343. Der herr ist herz Wird frey von schmerz. eitles dichten Pflegst du, herr! zu zernichten. meine zuver: sicht, Mein einz'ger trost im leben. Dem fehlt es nie an trost und licht, Der sich dem herrn ergeben. Gott ist sein gott! Auf sein gebot Wird seine seele stille, Ihm gnügt des vaters wille. 4. Drum hoff, o feele! hoff auf gott, Der thoren trost verschwindet, Wenn der gerechte in der noth Das herz des schöpfers findet. Wenn jener fállt, Sit er ein held; Er steht, wenn jene zittern, Ulls fels in ungewittern. 2. Wer wollte dir, herr! nicht vertraun? Du bist des schwachen stärke. Die augen, welche auf dich schaun, Sehn deine wunderwerke.Herr! groß von rath, Und stark von that! Mit gnadenvollen hånden Wirst du dein werk vollenden. 3. Noch nie hat sich, wer dich geliebt, Verlassen sehen müssen; Du láßt ihn, wenn ihn noth umgiebt, Doch deinen 5. Wirf nicht die große hoffnung hin, Die dir dein glaube reichet. Wie elend, die zu menschen fliehn! Wohl, wer von gott nie weichet! Dein heiland starb; Er, er erwarb, Auf seinem todeshügel, Dir deines glaubens siegel. 6. Sen unbewegt, wenn um bich her Sich ungewitter R 2 260 Pflichten gegen Gott. fammlen! Goft hilft, wenn ich bitte, Mir gnädig, eb' chriften freudenleer 3u ihm um ich bat, gewährt, Wenns gnade stammeln. Die zeit der seine weisheit litte. Er sorgt quaal, Der thrånen zahl Zählt für mich Stets väterlich. er; er wiegt die schmerzen, Nicht, was ich mir ersehe, Und wälzt sie von dem herzen. Sein wille nur geschehe! 7. Herr, du bist meine zuversicht! Auf dich hofft meine seele. Du weißt, was meinem glück gebricht, Wenn ich mich forgend quale. Wer wollte sich nicht ganz auf dich, All mächtiger! verlassen, und sich im fummer faffen? 4. Ist nicht ein ungestörs tes glück Weit schwerer oft zu tragen, als selbst das wis drige geschick, Bey dessen last wir tiagen? Die größte noth Hebt doch der tod, Und ehre, glück und habe: Ver láßt mich doch im grabe. 8. In deine hand befehle ich Mein wohlfeyn und mein leben. Mein hoffend auge blickt auf dich, Dir will ich mich ergeben. Sey du mein gott, Und einst im tod Mein fels, auf den ich traue, Bis ich dein antlig schaue. Mel. Was gott thut, das ist. 344. uf gett, und nicht auf mei 5. Un dem, was wirklich glücklich macht, Låßt gott es keinem fehlen. Gesundheit, ehre, reichthum, pracht, Sind nicht das glück der seelen. Wer gottes rath Vor augen hat, Dem wird ein gut gewissen Die trübsal auch versüßen. 6. Was ist des lebens herr: lichkeit? Wie bald ist sie ver schwunden! Was ist das leis den dieser zeit? Wie bald ists überwunden! Hofft auf den herrn! Er hilft uns gern. Seyd fröhlich, ihr gerechten! Der herr hilft seinen knechten. nen rath, Will ich mein glücke bauen, und dem, der mich erschaffen hat. Mit ganzer feele trauen. Er, der die welt Ullmächtig hält, Wird mich in meinen tagen 2018 gott und vater tragen. Mel. Uch was soll ich sünder. 2. Er fab von aller ewig= 345. ch! wie ist der feit, Wie viel mir núten würde, Bestimmte meine les benszeit, Mein glück und meine bürde. Was zagt mein herz? Sft auch ein schmerz, Der zu des glaubens ehre Nicht zu besiegen wäre? menschen liebe So veranderlich, fo falt! Wie erstirbt sie nicht so bald! Sebe nie auf diese liebe, Die nicht bålt, was sie verspricht, Seele, deine zuversicht! 3. Gott kennet, was mein berz begehrt, Und hätte, was 2. Aber deiner liebe trauen, Höchster, das gereuet nie; Denn ein starker fels ist sie. Die auf diesen felfen bauen, Von dem Vertrauen auf Gott. 261 Wohnen unverletzt, und sehn erfahren, wie so treu Deine Ruhig selbst die welt vergehn., vaterliebe sey. 3. Täglich sag ichs meiner feele: Gott liebt ewig! seine treu Wird mit jedem morgen erneu! Jbn, den ewigen, wähle Dir zum freund, und glaube dann, Daß kein feind dir schaden kann. Mel. Alle welt, was lebt und. fuf, mein geist, 346. dem herrn zu singen, Der uns alles gute giebt! Ihm will ich ein danks lied bringen; Er hilft jedem, der ihn liebt, Und wer sich auf ihn verläßt, Dessen hoff nung stehet fest. 4. Und ich will auch dich erwählen, Vater! ich, ich will allein, Ganz dir mein vera trauen weihn. Aber ach! die kräfte fehlen, Und mein fleisch und blut vergißt Bald und oft, wie freu du bist. 5. Plöglich überfällt mich wieder Sorge der vergånglichkeit, Irdisch hoffen, irdisch leid. Und dann sink ich muthlos nieder, Suche nur bey menschen ruh; Und mein helfer wärst doch du. 6. Uch vergieb mir, der im ftaube Dieseš leibes dich noch nicht, Gott, erkennt von an: gesicht, Uch vergieb mir, daß mein glaube Hier noch wankt, und sich nicht fest, als er sollt, auf dich verläßt! 7. Tåglich laß es mich em pfinden, Wenn mein herz auf sie sich stüst, Daß nicht menschenbülfe nützt. Allen trost laß mir verschwinden, Mel. Von gott will ich nicht. Bis ich wieder flich zu dir; 347. Von gott will ich nicht lasUnd dann, vater, hilf du sen, Denn er verläßt mich mir! 8. Der du deiner kinder flehen, Gott, mein gott! so gern erhörst, Und sie selbst auch flehen lehrst, Laß mich fest im glauben stehen, Und 2. Menschen, ruft die menschenkinder Nicht als eure götter an. Trotzt nicht auf die macht der fünder, Die sich selbst nicht helfen kann. Fürsten sind nur asch' und staub, und, wie wir, des todes raub. 3. Oso lehnt euch nicht auf stügen, Die der tod so bald zerbricht! Gott allein kann euch beschüßen, Er hält fiets, was er verspricht. Wohl dem, der auf ihn nur schaut, Und sich ihm ganz anvertraut. 4. Unsers gottes macht und güte, Währet bis in ewigkeit, und sein väterlich gemüthe Ist zur hülfe stets bereit. Suchet nur sein angesicht; Er verlåßt die seinen nicht. nicht; Den vorfat will ich fassen. Gott, meine zuversicht, Reicht selbst mir seine hand, Für mich mit jedem morgen In meiner noth zu sorgen, Ihm ist sie wohl bekannt. Pflichten gegen Gott. 262 2. Der menschen gunst und liebe Erstirbt und ändert sich; Doch gottes vatertriebe Sind unveränderlich. Er weiß aus jeder noth, Eh wirs vermuthet båtten, Uns wunderbar zu retten, Und wenns auch war der tod. bessern vaterland. Wie selig werd ich seyn! Mit gott und seinen frommen, Soll ich mich da vollkommen, Soll ich mich ewig freun. 3. Auf ihn will ich ver: trauen In meiner fümmerniß, Uuf seine hülfe bauen. Er hilft; ich bins gewiß. Ihm hab ichs beimgestellt. Leib, feele, glück und leben Sey gott, dem herrn, ergeben; Er machs, wies ihm gefällt. 8. Ob ich schon trübsal dulde Und leiden dieser zeit, Wie ichs auch oft verschulde, Kommt doch die ewigkeit, So großer freuden voll! Die, da ich, trotz dem grabe, Sein wort darüber habe, Mir niemand rauben soll. 4. Es kann ihm nichts ges fallen, Als was uns nütlich ist. Er meynt es gut mit al len, Gab uns selbst Jesum Christ. D! der fo viel gethan, Wird uns auch das gewah ren, Bas unfern leib ernáh9. Das ist des vaters wille, Der uns erfchaffen hat; Aus seines sohnes fülle Empfahn wir gnad um gnad; Und seinen geist hat er Auf unsrer bahn zum leben 3um führer uns ge: geben. Gelobet sey der herr! Vertrauen im Leiden. Mel. Herzlich lieb hab ich dich. ren. Den geist erfreuen kann. 348. ir trau ich, 5. Lobt ihn mit herz und munde, Lobt ihn, der alles schenkt. Wie felig ist die stunde, Worin man sein ges denkt! Verscherzt ist sonst die zeit, Die wir durchlebt auf erden. Wir sollen selig wer: den, Und werth der ewigkeit. und gott, wanke nicht, Wenn gleich von meiner hoffnung licht Der letzte funke schwindet. Mein helfer und mein gott bist du, Durch den mein herz doch endlich ruh Und freude wieder findet. Von jeher hast du mich geführt, Und meines wandels lauf regiert, Mit segensvoller vaterhand So manche noth hinweg gewandt. Unendlicher! Sch trau auf dich; Du leitest mich, Sch kämpf und siege, gott! durch dich. 6. Mag doch die welt vergehen Mit ihrer lust und pracht! Das glück bleibt ewig stehen, Was gott mir zuge: dacht. Vollend ich meinen lauf; Er weckt mich, wenn im grabe Ich ausgeruhet habe, 3um neuen leben auf. 7. Die feel ist unverloren In gottes vaterhand, Der leib wird neu geboren 3um Doch, ewig, vater! zúrnst du 2. Schwer ist der kampf der leiden, schwer, Kaum fühl' ich muth und stärke mehr, Noch länger auszudulden. Von dem Vertrauen auf Gott. 263 nicht, Du gehst mit uns nicht undank widerstreben. Des ins gericht, Strafft nicht nach unsern schulden. Bald ist der thránen maaß gefüllt, Bald meiner seele schmerz gestillt, Bald hat gott all' mein flehn erhört, Mich gnug geprüft, und mich bewährt. Du gott der huld! Erhört von dir, Lobsingt in mir Dann meine ganze seele dir. höchsten macht, Die für mich wacht, Giebt mir stets, was mir fehlet. Bet' an, mein herz, In freud und schmerz Ihn, der dein bestes wählet! 3. Uch! alle leiden dieser zeit, Sind doch nicht werth der herrlichkeit, Die du wirst offenbaren. Bald wird auch mir der buldung lohn, Bald steh auch ich vor deinem thron Mit treuer kämpfer schaaren. Und danke dann dir, gott! verklärt, Der jetzt mich prüft, mich dann bewährt, Daß ich von allen leiden frey, Ein feliger des himmels sey. Barm: herziger! Fest ohne graun Will ich dir traun; Denn einst werd' ich dein antlig schaun. Zufriedenheit mit Gott und Ergebung in sei nen Willen. Mel. Was mein gott will, gescheh. 2. Was gott thut, das ist wohlgetban! Er låsset mich nicht fallen; Er führet die auf rechter bahn, Die seine wege wallen. Trost und ge349. Wawil, gescheh wird mein unglück wenden, as mein gott Giebt seine huld; Er Es steht in seinen hånden. allzeit, Sein will' ist stets der beste. Zu helfen ist er dem bereit, Der an ihn glaubet feste. Der treue gott Hilft in der noth, Und züchtiget mit maaßen. Wer ihm vertraut, Fest duf ihn baut, Den wird er nie verlassen. 3. Will er, daß ich nun sterben foll, Nimmt er mir bald dies leben, So will ich gern und hoffnungsvoll Mich seinem rath ergeben. Dir, gott! befehl' Ich meine feel' In meis nen legten stunden; Dein sohn, o gott! Hat höll' und tod Für mich selbst überwunden. Mel. Was gott thut, das ist. 350. as gott thut, das ist gethan, Es bleibt gerecht sein wille, Wie er fångt meine fachen an. Will ich ihm habe ten stille Er ist mein gott, Der in der noth Mich wohl weiß zu erhalten; Drum laß ich ihn nur walten. 2. Er ist mir troft und zuversicht, Rüb, hoffnung, freude, leben; Drum was er will, dem will ich nicht mit 3. Was gott thut, das st wohlgethan! Nur er weiß, was uns nuget. Wie ungewiß irrt jedermann, Der fich auf ihn nicht stünet! Ja, seine treu Ist immer neu; Drum will ich auf ihn bauen, Und seiner gute trauen. 4. Was gott thut, das ist wohlgethan! Er ist mein licht Pflichten gegen Gott. 264 und leben, Der mir nichts böses gonnen kann; Ihm will ich mich ergeben In freud und leid; Es kommt die zeit, Da öffentlich erscheinet, Wie treulich er es meinet. 5. Was gott thut, das ist wohlgethan! Muß ich den kelch gleich schmecken, Der bitter ist nach meinem wahn, Laß ich mich doch nicht schrecken; Weil er zuletzt Mich doch ergögt Mit süßem trost im herzen; Da weichen alle schmerzen. 6. Was gott thut, das ist wohlgethan! Dabey will ich verbleiben. Es mag mich auf die rauhe bahn Noth, tod und elend treiben, So wird gott mich Doch våterlich In feinen armen halten; Drum laß ich ihn nur walten. Ist ja selbst dein guter geist. hab ich denn nun zum regierer Dich, o du dreyeinger gott! so schreckt mich keine noth. 3. Und wie fönnt ich doch verzagen, Gieng es noch so wunderlich, Da ich kann bis heute fagen: Gottes gute füh: ret mich! Nun, erleb ich denn auch morgen, so lebt auch noch mein gott, Der für mich in jeder noth Treu und lieb, reich ferner sorgen, Weis' und gut mich führen wird, Weil er vater ist, und hirt. 4. Gienge mi: es, wie ich wollte, So ging mir es selten gut. Wenn das stets geschehen sollte, Was sich wünscht mein eigner muth, Würd' ich oft mein unglück wählen; Ich ers fahre gar zu oft Böses, wenn ich guts gehofft; Meine besten wünsche fehlen, Drum in gott, mein herz, sey still! Mir geschehe, was gott will. Mel. Lasset uns den herren. 351. ch ergebe mich dem willen Meines gottes ganz und gar; Der wird auch an mir erfüllen, Was mir nüset immer dar. Siehe, höchster gott, hernieder! Alles, was ich hab und bin, Geb ich dir zu eigen hin. Du gabst es, dir geb ichs wieder; Mache daraus, was du willt, Was tu willt, mein gott und schild! 2. Von dir hab ich ja mein leben, Gott, der du mein vater bist! Mir zum heil hast du gegeben Deinen sohn Mel. Nun ruhen alle wälder. allen meinen felbst, Sefum Chrift; Und 352. In de me 5. Was gott will, geschehe immer; Was ich will, und schädlich ist, Das laß ja ge schehen nimmer, Gott, der du so gütig bist! Und da dir mein unvermögen, Dir zu fol gen, ist bekannt, O so laß doch deine hand Meiner schwachs heit kraft beylegen. Und dann, vater! folg ich dir; Was du willt, geschehe mir! mein sichrer, treuer führer, ich den höchsten rathen, Der Der mir deine wege weist, alles kann und hat; Er muß Von den Vertrauen auf Gott. 265 in allen dingen, Solls anders 8. Ihm hab ich mich erges wohl gelingen, Der helfer ben Zu sterben und zur leben, seyn durch rath und that. Wie und wann er gebeut. Ich lebe oder sterbe, So bleibt mein theil und erbe Des himmels ganze seligkeit. 9. So sey nun, feele, stille! Dein ruhm sey dessen wille, Der dich erschaffen hat. Es gehe, wie es gehe, Dein vater in der höhe, Der weiß zu allen sachen rath. 2. Was nüßen uns vom morgen Bis abend alle for: gen, Wenn sein gedeihn uns fehlt? Er hat uns glück und plage, Und bös und gute tage, Eh wir noch waren, zugezählt. 3. Was gott für mich ersehen, Das soll und muß geschehen, Ist mein beschieden theil. Drum laß ichs mir in allen, Was er mir giebt, geMel. Mein herz und seel ben. fallen, und halt es für mein 353. herr, mein D heil. 4. Ihm trau ich in gefah, ren, Er will mich wohl bewahren, Er, der da will und fann; Such ich nur seinen willen Gehorsam zu erfüllen, So nimmt er selbst sich meiden ich bin und lebe! Gieb, gott! durch daß ich mich in deinen rath ergebe; Laß ewig deinen gu ten willen mein, Und was du thust, auch mir stets theuer seyn. ner an. 2. Du, du regierst, biſt weisheit, lieb und stärke. Du, herr! erbarmst dich aller deiner werke. Was zag' ich doch noch einen augenblick? Du bist mein gott, und willst nichts als mein glück. 3. Von ewigkeit haft du mein loos entschieden, Was du bestimmt, das dient zu meinem frieden. Du, vater! wogst mein glück, du wogst mein leid, Und alles, was du schickst, ist seligkeit. 4. Gefällt es dir, so müsse keine plage Sich zu mir nahn, gieb mir zufriedne tage. Allein verwehrts mein künftig ewigs heil, So bleibe du, gott! nur mein trost und theil. 5. Du giebst aus huld uns 5. Er laffe meine sünden Vor ihm vergebung finden, Durchstreiche meine schuld; Und wenn ich zu ihm schreye, So schenk er mir aufs neue In Christo seine vaterhuld. 6. Leg ich zum schlaf mich nieder, Weckt mich der morgen wieder zu meines lebens pflicht; Irr' ich auf finstern wegen, Eil ich dem kreuz entgegen, So sen sein wort mein trost, mein licht. 7. Schein ich von ihm verlassen, So will ich mich doch fassen, und seiner hülfe traun; Und wenn ich auf der erde Nicht groß und glücklich werde, Voll glaubens in die zukunft schaun. Pflichten gegen Gott. 266 dieser erde freuden; Uus gleicher huld verhångst du unsre leiden. Ist nur mein weh nicht meine eigne schuld, So zag ich nicht, gieb du mir nur geduld. 6. Soll ich ein glück, das du mir gabst, verlieren, Und willst du, gott! mich rauhe wege führen, So wirst du doch, denn du hörst gern mein flehn, Auch väterlich mir eine hülf ersehn. 7. Vielleicht muß ich nach wenig tagen sterben. Herr, wie du willst! soll ich den himmel erben, Und dieser ist gewiß im glauben mein, Wie Mel. Von gott will ich nicht. I'n kann der tod mir dann noch 355. An dich, mein schrecklich seyn? gott! gedenken, Ist pflicht und trost für mich. Wenn forg' und gram mich frånken, So sieht mein aug' auf dich. Dann mindert abe am mein schmerz, Dann fliehn bie bangen forgen, Wie nebel vor dem morgen, Und ruh erfüllt mein herz. 2. Denk ich an deine liebe, Wie werd ich dann erfreut! Wenn alles um mich trube, Und mir ein weiter drauf, Ist sie mein sonnenschein; Mich können keine leiden Von deiner Liebe scheiden, So groß fie immer seyn. 3. Mit fröhlichem gemütbe Denk ich an deine treu; Denn, vater! beine gute Ift alle mor: gen neu. Und seh ich nur auf dich, Wird arbeit mir verfü ßet, Dein vatersegen fließet Huldreich herab auf mic. 4. Du gabst mir aus er Sreude an Gott. ( Siebe auch Nr. 295.) Mel. Jefus, meine zuversicht. 354. herren! Bey dem herrn ist freud und leben, Und er wird( denn er giebt gern) Dir auch, was dir dienet, geben. Seine liebe beut dir an, Was dein herz nur wünschen kann. 2. Laß der welt die eitle lust, Die in weinen sich verkehret. Glaube, wer in seiner brust Gottes liebe fühlt und nähret, Findet stets auf seiner bahn, Was das herz nur wünfchen fann. das herz nur wünschen kann. 4. Wer die lust am berren hat, hat auch lust an seinem willen, Suchet ihn durch wort und that Unverdroffen zu er füllen; Und so trifft er alles an, Was das herz nur wüns schen kann. 3. Lust an gott erfüllt mit licht, Wenn man gott im worte fennet. Lust an gott stärkt uns zur pflicht, Wenn man in der liebe brennet. Solche lust beut alles an, Was 5. Bleibst du auch nicht ohne last, Trag geduldig die befchwerden. Wenn du wohl gelitten bast, Wird dir ew'ge freude werden; Und du trifft im himmel an, Was dein herz nur wünschen kann. Von dem Vertrauen auf Gott. barmen Den sohn, der für mich starb, Und liebevoll mir armen Dein kindschaftsrecht erwarb. In ihm, gott! bin ich dein; Drum kann ich hoffnung fassen, Du wirst mich nie verlassen, Nein, stets mein helfer seyn. 5. Wie gut ists, dein ge. denken! Die welt mag immerhin Ihr herz dem eiteln schenken, Wie schlecht ist ihr gewinn! 3u dir halt ich mich, Vom Gott soll man anbeten. Mel. Herr, nicht schicke beine. ir versöhnt in 267 gott! Dies bringt, auch wenn ich leide, Dem herzen trost und freude, Dies stärkt mich noch im tod. 6. Drum will ich an dich den= fen, So lang ich denken kann. Wird man ins grab mich senken, So geh ich zwar die bahn, Da mein die welt vergißt; Doch du, herr! denkst noch meiner, Wenn auch auf erden keiner Mein eingedenk mehr ist. Gebete. 4. Sollten denn nicht deine frommen Alle betend vor dich kommen, Der du allen vater 356. ding unmöglich ist? Allen hast du, herr! ihr leben, Und was sie erfreut, gegeben, und versprichst, unendlicher! Allen noch unendlich mehr. 5. Ja, wir wollen zu dir nahen, Beten, glauben, und empfahen; Unfrer thaten lobgesang Sey in ewigkeit dein dank! Heil uns christen! du beschüßest Deine kinder, du besitzest Herrlichkeit und kraft und reich! Wo ist dir ein vater gleich? Liegen wir vor deinem throne; Keiner kehrt mit trübem blick unerhört von dir zurück. Alles fleisch von allen enden kommt mit aufgehobnen bånden, Kommt mit hoffnung und begier, Gott! der gern erhört, zu dir. 2. Du bist alles guten fülle! Daß wir beten, ist dein wille; Du verschmähst, o vater! nicht Deiner finder zuversicht. Und du hast so vielen segen, Weit mehr, als wir bitten mögen; Reich und kraft und herrlich= keit, Gott! ist dein in ewigkeit. 3. Was im himmel und auf erden Gut ist, ließ dein wille Erweckung zum Gebet. Mel. Wer nur den lieben gott. ein heil, o werden; Eh es ward, da dach: 357. Dein christ, nicht test du Deinen kindern es schon zu. Ulle sollten deiner gaben Unerschöpften reichthum haben, Ewig sollten alle dein, O allgütiger! sich freun. zu verscherzen, Sey wach und nüchtern zum gebet! Ein flehn aus reinem gutem her: zen hat gott, dein vater, nie verschmäht. Er ist die liebe Pflichten gegen Gott. 268 felbst; er hört, Was seiner tinder herz begehrt. 2. Erschein' vor seinem angesichte Mit dank, mit denauth, oft und gern, Und prüfe dich in seinem lichte, Lind klage deine noth dem herrn; Er eilt, die seinen zu erfreun, Und segnet sie, wenn sie noch schreyn. 3. Welch glück, so hoch ge ehrt zu werden, Und im gebet vor gott zu stehn! Der herr des himmels und der erden, Bedarf der eines menschen flehn? Sists nicht blos deine seligkeit, 2Benn er zu beten dir gebeut? 4. Sagt gott nicht: bittet, daß ihr nehmet? Ist des gebetes frucht nicht dein? Wer sich der pflicht zu beten schåmet, Der schämt sich gottes freund zu seyn; Und, o welch unglück träfe dich, Schämt einstens gott auch deiner sich! 5. Sein glück von seinem gott begehren, Ist dies denn eine schwere pflicht? Und seine wünsche gott erklären, Erhebt das unsre seele nicht? Verleiht es uns nicht muth und kraft 3um siege jeder leidenschaft? 6. Sich in der furcht des höchsten stärken, In dem vertraun, daß gott uns liebt, Im fleiß zu allen guten wer: ken. Ist diese pflicht für dich betrübt, So triffst du nichts auf erden an, Das deinen geist erfreuen kann. 7. Gott! laß mich nicht mein heil verscherzen; Gieb Luft und kraft mir zum gebet. Und wenn mein mund, aus gutem herzen. Zu dirumbülf und gnade fleht. So höre mich von deinem thron, Durch Jesum Christum, deinen sohn. 358. Komm Eigenschaften des Gebets. Mel. Wer nur den lieben Gott. Domm betend oft und mit vergnügen, christ, vor got tes angesicht! Nie müsse trågheit dich besiegen In der ers füllung dieser pflicht. D! übe sie zu gottes preis und dei nem heil, mit treuem fleiß. 2. Bet' oft in einfalt deiner feelen, Gott sieht aufs herz, gott ist ein geist. Wie können dir die worte fehlen, Wofern dein herz dich beten heißt? Der glaub' an gott und seinen sohn Rührt ihn, nicht leerer morte ton. 3. Wer das, was uns zum frieden dienet, Von herzen sucht, der ehret gott. Wer das zu bitten sich erkühnet, Was er nicht wünscht, ents ehret gott. Wer schnell die treu, die er gott schwur, Vergißt, der spottet feiner nur. 4. Bet' oft zu gott, und schmeck in freuden, Wie freund lich er, dein vater, ist. Bet' oft zu gott, und fühl in leiden, Wie göttlich er das leid ver: füßt. Gott hörts, gott ists, der hülfe schafft, Er giebt den müden trost und kraft. 5. Bet' oft, und heiter im gemüthe, Schau dich an ſei nen wundern satt. Schau auf Vom Gebete. 269 en ernst, schau auf die gute, dank, mit wunsch und flehn Womit er dich geleitet hat. Oft irrtest du, er trug geduld; Erkenn' und preise seine huld. 6. Bet' oft; durchschau mit frohem muthe Die herzliche barmherzigkeit Deß, der mit seinem theuren blute Die fünderwelt vom fluch befreyt, Und eigne dir zu deiner ruh, Und heiligung sein opfer zu. Doch meine fehler bey dem beten, Wollst du, mein vater!! übersehn; Weil mich, der dir zur rechten sitt, Durch seinen fürspruch unterstüßt. Erkannte Sehler des Ges bets; auch beym Mans gel der Andacht im Gebet. 7. Bet' oft; gott wohnt an jeder ståtte, In keiner minder oder mehr. Denk nicht, wenn ich mit vielen bete, So find ich ehr bey gott gehör. Ist nur dein wunsch gerecht und gut, So sen gewiß, daß gott ihn thut. 8. Doch säume nicht, inden gemeinen Auch öffentlich gott anzuflehn, Und seinen namen mit den feinen, Mit deinen brüdern zu erhöhn. Wie eifrig war dein heiland nicht In übung dieser selgen pflicht! 9. Bet' oft zu gott für deine brüder, Für alle men: schen, als ihr freund; Denn wir sind eines leibes glieder, Ein glied davon ist auch dein feind. Solch bitten, das aus liebe fließt, Ehrt gott, der selbst die liebe ift. 10. Bet' oft; so wirst du glauben halten, Dich prüfen und das böse scheun, Un lieb und eifer nicht erkalten, Und reich an guten werken seyn. Denn muth und fraft und feelenrub Sagst du, gott! dem, der bittet, zu. 11. Dies reize mich, vor dich zu treten, Mit lob und Mel. War gott nicht mit uns. itseufzen klagich 359. dir, mein gott! Gern wollt ich eifrig beten, Und drückt mich meiner fünden noth, Voll glauben zu dir treten. Gern bråcht ich, lieber vater! dir Im geist und wahrheit mit begier Die opfer meiner lippen. 2. Allein mein hecz, ach gott und herr! Kann sich nicht recht erheben; Zum guten oft zu kalt und schwer, Bleibt es am eiteln kleben. Tråg ist oft leider finn und muth, und oft muß ich mein fleisch und blut 3ur ans dacht mühsam zwingen. 3. Umsonst fass' ich oft den entschluß; Die welt sammt ihren findern Sucht, meinem. herzen zum verdruß, Um beten mich zu hindern, Und fleht mein seufzend herz zu dir, Bringt sie zu meiner kränkung mir Biel eitles ins gemüthe. 4. Dies, herr, mein gott! dies kränkt mich sehr, Und ich denf oft mit schmerzen, 213 wår dein guter geist nicht mehr. In meinem trågen herzen, Das dich so oft beleidigt hat, Weil iuft und andacht feine statt In meiner feele findet. 270 Pflichten gegen Gott. 5. Uch, leider, vater! hab selbst und haß und neid! Verz ich dich nicht allezeit gehöret, föhnt euch und empfindet Der Wenn du in deinem worte mich liebe füßigkeit! Zu einem heil Erweckt, gerührt, gelehret. berufen, Habt alle gleichen Doch schone jeht, verzeihe mir, finn; So tretet zu den stu Wehmüthig fleh ich gott! zu dir, fen Des throns anbetend hin. Vergilt nicht nach verdienste. 6. Ich will hinfort nachlás figkeit Und alle trågheitmeiden. O! mache du mein herz bereit, Vom eiteln mich zu scheiden. Laß es dich hören, und allein Aufs himmlische gerichtet seyn. Gieb du mir kraft und stärke. 3. Shn, der die lieb euch lehret, Durch die ihr seine kinder feyd, Gott, euren gott, entebret Ein lob, das ihm die zwietracht weiht. Die men schen, die sich hassen, Stehn hoffnungslos von fern, Von seiner huld verlassen, Ein gráuel vor dem herrn. Sie hört in ihren nöthen Der gott der liebe nicht, Verbirget, wenn sie beten, Im zorn sein angesicht. 7. Gott! laß den eifer des gebets Ja nie in mir erfalten. Der andacht feuer wollst du stets Durch deine kraft erhals ten. Den hindernissen wehre du, Und sehe mein feel in ruh, Sich frey empor zu schwingen. Nothwendige Linmů. thigkeit beym Gebet. Mel. Nun lob, mein seel, den. 4. Bir aber, deine from men, Wir wollen, gott! in einem geist 3u deinem throne kommen, Benn unser dank: bar lied dich preist. In einem 360. Last uns mit lauten tone Singt durch dein danken treten, Vor unsern gott, mit preis und ruhm! Mit freudigen gebeten Lobt ihn in seinem heiligthum! Shn, der mit ew'ger treue, Was er erschuf, er hålt, Der, daß die welt sich freue, Begnadigt alle welt, Trågt mit geduld die fünder, Hilft seinem volke gern. Lobt ihn, ihr seine kinder, Shr christen, dankt dem herrn! ganzes reich Dir, vater und dem sohne, Die christenheit zugleich. Die eintracht ihrer lieder Dringt auf mit hohem klang, Schallt durch die himmel wieder; Ein englischer gefang! 5. O! pflanze felbst die lies be Mit aller ihrer himmels lust, Pflanz jeden ihrer triebe, 2. Shr, unsers hauptes glieder, Vereinigt liebreich herz und mund, 21s erben und als brüder Macht eures vaters gnade fund! fanftmuth überwindet gott! in unser aller brust. Hilf, daß wir, als die deinen, Uns lieben lebenslang, Und so vor dir erscheinen Mit lob, gebet und dank. Dann steigt aus unsern choren Der eintracht lied empor; Und dieses lied zu hören, Neig', Euch herr, zu uns dein ohr! Durch Vom Gebete. 6. Wenn wir denn vor dir flehen, Erhöre gnädig dies gebet, Laß uns zum heil geschehen, Was unsre seele glaubend sleht. Wenn wir von ganzem Herzen Für ret tung aus der noth, Fúr lins derung der schmerzen Dir danken, unserm gott, Für so viel huld uns alle Dir weihen lebenslang; D vater! fo gefalle Dir deiner kinder dank. Um die Gabe des Gebets. Mel. Wo gott, der herr, nicht. 361. gott! es fehlt uns kraft und licht, Dich würdig zu verehren, Wir wissen so zu beten nicht, Daß du uns kannst er hören. Drum geuß, wie uns dein wort verheißt, Selbst über uns aus deinen geist Der gnad' und des gebetes. 2. Der nehm fich unfrer schwachheit an, Uns kräftig zu vertreten, So oft wir dei nem thron uns nahn, 3u danken und zu beten; Und unser flehn zu dir, o herr! Sen nie ein frostiges geplårr; Es sey ein flehn des herzens. 3. Zieh unser herz zu dir hinauf Im beten und im fingen, Und thu uns auch die lippen auf. Ein opfer dir zu bringen, Daran dein herz gefallen hat, Weil sich auch unser herz dir naht, Und nicht bloß unsre lippen. 4. Im geist uno wahrheit laß zu dir Das herz uns gláubig richten, mit andacht be ten für und für, Ohn' frem 271 des thun und dichten. Gieb uns des glaubens zuversicht, So zweifeln wir in Chrifto nicht, Die bitte zu erhalten. 5. Hilf, daß wir keine zeit und maaß Im beten dir vora schreiben, Unhalten ohne unterlaß, Bey dem allein auch bleiben, Was uns dein wille bitten lehrt, Was deinen gros ßen namen ehrt, Und unser wohl befördert. 6. Laß uns im herzen und gemüth Uuf unser werk nicht bauen, Auf deine nie erschöpfte gut Laß einzig uns vertrauen. Und sind wir auch nicht dessen werth, So sev doch unser flehn erhört Bon dir aus lauter gnade. 7. Du, vater! weißt, was uns gebricht, So lange wir hier leben. Verborgen ist dir gleichfalls nicht, wenn wir in nöthen schweben. Wir, deine finder, flehn dich an; Wir sind gewiß, daß uns nicht kann Dein vaterherz verlassen. 8. Wir haben ja die freudigkeit In Jesu Christ empfangen, Der gnadenstuhl ist da bereit, Die hülfe zu erlangen. Laß heilge hånd uns immer hier Aufheben, vater! und zu dir In wahrer inbrunst rufen. 9. Dein nam', o gott! gehei= ligt werd; Dein reich laß uns erfreuen; Dein will gescheh auch hier auf erd'; Gieb frieden, brod, gedeihen; All' unsre funden uns verzeih; Steh uns in der versuchung bey; Erlöf uns von dem bösen. 272 Pflichten gegen Gott. Der unschuld, die hier weiner, Ihr rettungstag erscheinet. 10. Dies alles, vater, werde frey von schmerz und leiden wahr! Du wellest es erfüllen. Erhör und hilf uns immerdar Um Jesu Christi willen; Denn dein, o herr! ist allezeit, Von ewigkeit zu ewigkeit, Das reich, die macht und ehre. Mel. Was gott thut, das ist. Zuversicht eines glaubi: 363. errecht gen Beters. Mel. Auf meinen lieben gott. fuf meinen gott 362. Auf verläßt Mein herz sich ewig fest. So oft ich im gebete Hin vor sein antlig trete, Wird auf mein kindlich schreyen Mich feine hülf erfreuen. 2. Sein geist, der heilig heißt, Giebt zeugniß meinem geist, Sch sey, obgleich voll sünde, Erwählt zu feinem fins de, Und soll dereinst im sterben Auch seinen himmel erben, 3. Gedanke, welcher mich Bufrieden spricht!-wenn dich In fummervollen tagen Welt, feind und zweifel plagen, So laß dir diesen glauben Nicht welt und kleinmuth rauben. 4. Sind leiden dieser zeit Wohl werth der herrlichkeit, Der ich, jenseits der erde, Mich einst erfreuen werde? Nur dem ist sie bereitet, Den gottes geist hier leitet. 5. Du geist des vaters! geist, Den Christus dem verheißt, Der betend ihn begeh: ret; O sen auch mir gewah ret! Regiere meine seele, Daß sie nie want und fehle. Kraft, uten und Segen des Gebets. 6. Versiegelt bin auch ich, Geist gottes! ja durch dich Auf jenen tag der freuden, Wo, schenkst du mir, Du, dem die seraphinen Vor deinem throne für und für Mit heilger ehrs furcht dienen! Ich erd und staub, Ich fallend laub, Sch darf mich zu dir schwingen, Und Tob und dank dir singen. 2. Wie zärtlich treu liebst du mich nicht! Mit meinem flehn und beten Darf kindlich ich, voll zuversicht, 3u dir, dem vater, treten. In aller noth, Sa selbst im tod, Willst du, gott! mir, dem deinen, Mit hülf und trost erscheinen. 3. Erstickt die sinnlichkeit in mir Die frommen hims melstriebe, Go schwing' ich mich, gott! auf zu dir, Und fühle neue liebe.- Bu dir halt ich, Mein vater! mich; Du bist, auch wenn ich leide, Mir hülfe, schutz und freude. 4. Wie heilsam selig ist es mir, Wenn ich, gott, bis zum grabe, In dem gebete für und für Dich vor den augen habe! Ich stärke mich Alsdann durch dich, Treu jede meiner pflichten Mit vorsicht zu verrichten. 5. Gebricht es mir an fanf brús tem muth Und liebe gegen der, Befien ich betend fleisch und blut, Und hasse niemals Vom Gebete. pieder; Mein herz verzeiht; Voll freundlichkeit Sucht nie mein mund durch schelten Scheltworte zu vergelten. 6. Betracht' ich im gebet mit schmerz Mein fehlerhaftes leben, So wird und kann fich nie mein herz, Von stolz gereizt, erheben. Fleh ich: geh nicht, Herr, ins gericht Mit mir! ach laß mich leben! Dann werd ich auch vergeben. 7. Wenn kummer mich zur erde zieht, Und wenn mich sorgen quälen, Wenn alles, alles von mir flieht, Und wenn mir freunde fehlen, Bet' ich zu dir; Du nahst dich mir! Erhörst mein bittend flehen, und läßt mich hülfe sehen. 273 auf seinen wegen Mit glück, mit trost, mit segen. 11. Welch eine große ses ligkeit, Mit flehen und mit beten Darf ich, mein vater, allezeit Vor deinen thron hintreten! Drum bet ich auch Beym letzten hauch: Mein vater! ich befehle Dir meis nen leib und seele. 10. Wie stärkst du mich, wenn im gebet 3u dem berufs: geschäfte, Mein vater, ich dich angefleht Um weisheit und um kräfte! Den, der dir traut, Und auf dich baut, Kronst du 12. Du geist der kraft und des gebets, Du geist der reinsten liebe, Erweck in meiner feele stets 3um beten fromme triebe! Und kann ich nicht mit zuversicht 3u meinem vater treten, So lehre du mich beten. 13. Schaff in mir wahre heiligkeit, Daß ich gott wohlgefalle, Wenn ich, durch seine lieb erfreut, Ein schwaches danklied lalle. In traurigkeit, In kreuz und leid, Bewahre meinen glauben, Daß nichts ihn mir darf rauben. 8. Berbotne lüfte, stårkern reiz, Des fleisches böse wer: ke, Abgötteren, den niedern geiz, Dämpft des gebetes stårke. Mein gott! durch dich ich, Als christ, den fieg erringen, Und suno 364. Moiesem leben 3ft Mel. Wer nur den lieben gott. Pein bester trost in und fleisch bezwingen. 9. In dem gebete denk ich oft: Was send ihr eiteln freuten! Oft wie geschwind, wie unverhofft Verkehrt ihr euch in leiden! Darum will ich Allein, gott! dich Von ganzem herzen lieben; Was fann mich dann betrüben? ein gebet zu meinem gott; Dies kann mir fraft in schwachheit geben, Geduld und muth in jeder noth, Bey jedem gram, bey jedem schmerz Ein ruhigs und zufriednes herz. 2. Wie kann ich trost und zuflucht finden, Wenn mein gewissen mich verklagt, Wenn bey der menge meiner fünden Mein herz vor seinem richter zagt? Nichts tröstet mehr als ein gebet, Das bey dem herrn um schonung fleht. Pflichten gegen Gott. 274 3. Muß ich um meiner tu gend willen Ein spott der lasterhaften seyn, So bet' ich demuthsvoll im stillen 3u meinem gott; er hört mein schreyn, Nimmt väterlich sich meiner an, und stärkt mich auf der tugend bahn. 7. Wenn eine böse lust zu dämpfen, Mir wille, muth und kraft gebricht, Dann bitt 4. Ich will mich nie zu rächen suchen, Wenn mich ein feind zu tränken sucht, Und nie will ich dem wieder ich gott; er hilft mir fámfluchen, Der mir aus unver: stande flucht. Nein, meine rach sey ein gebet, Das gott um gnade für ihn fleht. 5. Und wenn ein kummer mich verzehret, Den keinem ich entdecken kann, Dann ruf ich gott, der mich erhöret, Um trost in diesem fummer an. Ich weiß, wer ihm mit zuversicht Sein leid klagt, den verwirft er nicht. Gebet- und Das Gebet des Herrn. Mel. Wo gott der herr nicht. ott, unfer vater, 365.& ber du bist Sm himmel hoch erhöhet, Und schauest, was auf erden ist, Und horst, was zu dir flehet! Ber: wirf, gott, unsre zuversicht! Das fleben deiner kinder nicht, Wenn sie voll inbrunst beten. 2. Dem namen, der da heilig ist, Laß uns die ehre geben! Wie groß und wunderbar du bist, Mit freudig: keit erheben; Dich, deine 6. Ruf ich ihn an bey dem geschäfte Des standes, des er mir verlieh, So fleh ich nie umsonst um kräfte; Der gott der stårke giebt mir sie, Er giebt aus väterlicher huld Mir segen, klugheit und geduld. pfen, Er giebt mir muth zu jeder pflicht, Und schenkt mir willigkeit und kraft 3um siege meiner leidenschaft. 8. Wenn ich im letzten kampf des lebens Bey niemand hülfe firden kann, So ruf ich gott doch nicht ver gebens Um seinen trost und beystand an, Der, wenn die sprache mir vergeht, Selbst meine seufzer noch versteht. Bittlieder. weisheit, macht und treu Erkennen, und ohn' heucheley Dir, und dem nächsten dienen. 3. Laß uns in deinem gna denreich Des heilgen geistes gaben, Dein wort und dessen kraft zugleich, Glaub', lieb' und hoffnung haben. Des fa tans reich zerstöre du. Er halte deine kirch in ruh Und wahrheit, dir zur ehre. 4. Gleich als im himmel, so gescheh Dein will auch auf der erde, Daß dir kein wille widersteh, Das fleisch bezäh Gebet- und Bittlieder. 275 Mel. O gott, du frommer gott. met werde. Verleih uns uner freud und leid Ein ruhigs herz, daß jederzeit, Was 366. A vater, unser du willst, uns gefalle. 5. Gieb uns heut unfer tåglich brot Durch arbeit unsrer hånde, Gestatte keiner plag und noth, Daß sie von dir uns wende. Gieb gute obern, fried und heil, Auch 2. Du herrschst im himjedem sein beschieden theil, Und laß uns dran begnügen. gott! Du zeigst durch deine gute, Uns deinen menschen stets Dein väterlich gemüthe; O thäten wir nur auch als kinder unsre pflicht, In furcht, gehorsam, lieb, Und fester zuversicht! 6. Vergieb uns gnädig uns sre schuld Durch unser ganzes leben. Hilf, daß mit lieb und mit geduld Wir andern auch vergeben. Straf uns nicht nach gerechtigkeit, Und laß uns unrecht, haß und neid Nicht an dem nächsten ahnden. 7. In der versuchung gieb uns stårk, Und hilf uns über winden Das fleisch, die welt, des satans werk, Und was uns lockt zu sünden, Daß wollust, ehrsucht oder geiz Durch ihren gleißnerischen reiz Uns dennoch nie besiegen. 8. Von allem übel, angst und noth Erlör uns deine gnade, Daß uns im leben und im tod Des feindes list nicht schade. Bedrángt uns hier schon manches leid, So laß uns doch mit freudigkeit Des glaubens end erhalten. 9. Dies alles, vater! werde wahr, Du wollest es erfüllen, Erhör, und hilf uns immer dar, Um Jesu Christi willen; Denn dein, o herr! ist allezeit, Bon ewigkeit zu ewigkeit, Das reich, die macht, die ehre. melsthron, Bist aller ort und enden, Und willst, daß mit gebet Wir oft uns zu dir wenden, Versprichst, der rets ter selbst In unsrer noth zu seyn; Drum so verwirf uns nicht, Hör, wenn wir zu dir schreyn. 3. Laß deinen guten geist Die große pflicht uns lehren, Dir gläubig zu vertraun, Und dich recht zu verehren; Seig uns, wie mächtig, groß, Und weise du, gott! bist, Wie klein der mensch, der staub, Wie schwach und blind er ist. 4. Das sey das höchste glück Für uns hier auf der erde, Daß deines namens ruhm Von uns gepriesen werde, Daß er in wort und that, Und ohne beucheley, Geheiliget von uns, Und nie entheiligt fey. 5. Dein våterliches reich Ist auch zu uns gekommen, Da in der taufe du uns in der bund genommen. laß in deinem reich Uns fromme burs ger seyn, Und brechen wir den bund, Ihn alsofort erneun. 6. Dein wille, herr! ges schieht 3war auch ohn unfern willen; Doch gieb uns kraft, 52 276 Gebet und daß wir Ihn allzeit gern er: füllen. Die richtschnur unsers thuns Sey stets dein heilig wort, Du aber unsre burg, Und fels und starker hort. 7. Regier auch unser herz, Daß wir in guten tagen Nicht stolz und sicher seyn, In bösen nicht verzagen, Daß wir bey andrer glück Uns brüderlich erfreun, Und gern dem dürftigen Hülf' in der noth verleihn. Bittlieder. 12. Floß uns in unser herz Erhabene gedanken, In un serm glauben laß Uns nie aus leichtsinn wanken, Aufrichtig, tapfer, keusch, Treu, ehrbar, züchtig, rein, Rechts schaffen, demuthsvoll, Und ganz dir heilig seyn. 11. Laß uns, herr! böse lust Nie in versuchung führen, Laß deinen guten geist Uns immerfort regieren; Und wenn wir uns die welt Zum abfall reizen fehn, So gieb uns kraft und muth, Ihr fest zu widerstehn. 13. Zulest erlös' uns auch, O gott! von allem bösen; Denn du hast macht und kraft Allein uns zu erlösen. Laß uns den guten kampf Hier kämpfen, und wenn du Uns rufft, so führ uns selbst In deines himmels ruh. 8. Uch, vater, du bist reich Un allen guten gaben! Laß unser täglich brod Uns heut und immer haben; Sm über fluß gieb uns Die kluge sparsamkeit, Und auch bey wenigem Ruh und zufriedenheit. 9. Herr! handle nicht mit uns Nach unsern großen sünden, Und laß, wenn wir gefehlt, uns wieder gnade finden; Gedenke, was dein sohn Für unsre schulden that, Der die erlösung selbst Mit blut besiegelt hat. 10. Hilf, daß wir denen auch Gern ihre schuld erlasfen, Die uns beleidigen, Sie nicht feindselig hassen, Nicht schmähen, wenn sie schmähn, Nicht drauen, wenn sie draun, Und was fie uns gethan, Ver- 367. Wie was gutes I gessen und verzeihn. haben, Das nicht von dir den ursprung hat? Du bist der geber aller gaben, Und immer groß an rath und that, Du willst, daß mit gebet und flehn Wir stets auf deine hülfe sehn. 2. Drum fomm ich auch 14. Laß uns dereinst ver klårt Zu deiner rechten stehen, Und dich von angesicht Zu angesichte sehen; Denn, herr! dein ist das reich, Die kraft und herrlichkeit Von aller ewigkeit In alle ewigkeit. 15. Hierauf so sprechen wir, In Jesu Christi namen, Auf sein untrüglichs wort Ein glaubigs ja und amen. O Jesu Christ! durch dich Und dein verdienst allein, Wird alles, was wir flehn, Auch ja und amen seyn. Allgemeine Gebetlieder. Mel. Wer nur den lieben gott. Gebet- und Bittlieder. mit meinem beten, O gott! vor deinen heilgen thron. Wie freudig kann ich vor dich treten! Denn mich vertritt bei dir dein sohn. In ihm hab ich die zuversicht, Mein schwaches flehn ver wirfst du nicht. 3. So gieb mir denn nach deinem willen, Was deinem Finde heilsam ist. Du nur fannst meinen mangel stillen, weil du des segens quelle bift. Vor allen dingen sorge du Für meines geistes wahre ruh. 4. Gieb mir beständigkeit im glauben, Laß meine liebe brünstig seyn. Will etwas mir dies kleinod rauben, So schránke die versuchung ein, Und stärke mich mit heilgem muth, So sieg ich über fleisch und blut, 5. Bewahr in mir ein gut gewissen, Ein herz zu dir voll freudigkeit, Ein herz, aufs gute stets beslissen, Das sich vor deinem auge scheut. Und fehl ich, gott! so strafe mich, 3u meiner beßrung, våterlich. 6. Ein herz, das in be. glückten tagen, D vater! deiner nie vergißt, Ein herz, das unter noth und plagen Vor dir still und demüthig ist, Ein herz, voll zuversicht zu dir, Und voll geduld, verleihe mir. 7. Das andre alles wirst du fügen, Du weißt am be sten, was mir nützt. An deiz ner huld laß ich mir gnůgen, Die schwache machtig unterstügt. Zufrieden, vater! 277 folg ich dir, Befestge diesen sinn in mir. d 8. Soll ich auf erden långer leben, So gieb, daß ich dir leben mag. Laß mir den tod vor augen schweben; Und kommt dereinst mein sterbetag, So fey mein ausgang aus der zeit Ein eingang in die herrlichkeit.alpean onu Mel. Es ist das heil uns, Fommen. 368. Gotticht so weit, Mel. Es ift bag bett lit beine So weit die wolken gehen. Du kronst uns mit barmherzigkeit, Und eilst uns beyzustehen. Herr, meine burg, mein fels, mein hort! Vernimm mein flehn, merk auf mein wort! Denn ich will vor dir beten. shuisd 2. Jch bitte nicht um überfluß, Und schätze dieser erden; Laß mir, so viel ich haben muß, Von deiner gnade werden. Gieb mir nur weisheit und verstand, Dich, gott! und den, den du gesandt, Und mich selbst zu erkennen. 3. Sch bitte nicht um ehr und ruhm, So sehr sie menschen rühren; Des guten namens eigenthum Laß mich nur nicht verlieren. Mein wahrer ruhm sey meine pflicht, Der ruhm vor deinem angesicht, Und frommer freunde liebe. 4. So bitt' ich dich, herr zebaoth! Auch nicht um langes leben; Im glücke demuth, muth in noth, Das wollest du mir geben. In deiner hand Gebet- und Bittlieder. 278 steht meine zeit; Laß du mich nur barmherzigkeit Vor dir im tode finden. Mel. Allein auf gott seg bein. ch komme vor 369. dein angesicht, Verwirf, o gott, mein flehen nicht! Vergieb mir alle meine schuld, Du gott der gnade und geduld! 2. Schaff du ein reines herz in mir, Ein herz, voll lieb und furcht zu dir, Ein herz, voll demuth, preis und dank, Ein ruhig herz mein lebelang. 3. Sey mein beschüßer in gefahr; Ich harre deiner im merdar. Ist wohl ein übel, das mich schreckt, Wenn dei: ne vaterhand mich deckt? 4. Ich bin ja, herr! in deiner hand. Von dir empfing ich den verstand; Er halt ihn mir, o herr, mein hort! Und stårk ihn durch dein göttlich wort. 5. Laß, deines namens mich zu freun, Ihn fiets vor mei: nen augen seyn, Laß, meines glaubens mich zu freun, Ihn stets durch liebe thätig seyn. 6. Das ist mein glück, was du mich lehrst; Das sey mein glück, daß ich zuerst Nach deinem reiche tracht, und treu In allen meinen pflichten sey. 7. Ich bin zu schwach aus eigner fraft Sum siege meiner leidenschaft; Du aber ziehst mit fraft mich an, Daß ich den sieg erlangen kann. 8. Gieb von den gütern dieser welt Mir, herr! so viel, als dir gefällt; Gieb deiner knecht ein måßig theil, 3u seinem fleiße, glück und heil, 9. Schenkt deine hand mir überfluß, So laß mich mäßig im genuß. Und dürftge brüder zu erfreun, Mich einen frohen geber seyn. 10. Gieb mir gesundheit und verleih, Daß ich fie nutt und dankbar fey; Und aus liebe gegen sie, Mich zaghaft einer pflicht entzieb. nie, 11. Erwecke mir stets ei nen freund, Ders treu mit meiner wohlfahrt meynt, Mit mir in deiner furcht sich übt, Mir rath, und trost, und beyspiel giebt. 12. Bestimmst du mir ein långres ziel, Und werden mei ner tage viel, So bleib, gott! meine zuversicht; Verlaß mich auch im alter nicht. 13. Und wird sich einst mein ende nahn, So nimm dich meiner herzlich an, Und sey durch Christum, deinen sohn, Mein trost, mein schub, mein ewger lohn. mel. Ich dank dir, gott, durch. 370. mächtiger, der himmel hoch erhöhet! Dhore mich, der erde sohn, Der dir im staube flehet. 2. Du schufst mich staub, und ließest staub Zum engel sich erheben, Hier, unter der verwesung raub, Um ewig dort zu leben. 3. Was ist der mensch? Gebet- und Bittlieder. 279 wie arm, wie bloß Ist er, schallt das lied, Das beine der herr der erden! Was ist der mensch? wie frey, wie groß, Unsterblich soll er werden! 4. Welch ein geschenk gabst du mir nicht, Da du vernunft mir schenktest, Und der erkenntniß göttlichs licht In meine feele fenktest! Verleih mir doch die 371. Mel. Vater unser im himmelreich. 5. err und regent der wissenschaft, Mein ew'ges- Der sie einst schuf, sie noch ganzen welt, glück zu finden. Und gieb erhält! Du bist es, gott! der mir willen, muth und kraft, Mich selbst zu überwinden. 6. Lehr mich, was mein gewissen sagt, Der welt weit vorzuziehen, Und laß mich, was es untersagt, Mehr als die hölle fliehen. alles trågt, Was ist, was lebt, und sich bewegt; Dein ist die macht, kraft, majestát, Durch die der weltbau herrs lich steht. 2. Jcb aber bin blind, dürf tig, bloß, Mein elend, meine noth ist groß. Drum bring ich mein gebet vor dich, Erhör, ers hör es gnädiglich! Schenk du mir, der du gütig bist, Gott! alles, was mir nöthig ist. 3. Erleuchte mein sonst finstres berz, Gieb wahre buße, reu und schmerz, Und habe, bey so mancher schuld, Noch fernerhin mit mir geduld. Gieb meinem glauben kraft und licht, Ersetze du, was mir gebricht. 7. Mach fühlend dieses harte herz, Wenn meine brüder leiden, Und laß an mei nes hassers schmerz Sich nie mein auge weiden. 8. Laß mich nie mit verwegner hand Nach deinem donner trachten, Noch jeden, der dich nicht erkannt, Der hölle würdig achten. 9. Im glücke furcht, im unglück muth, Sey alles, was ich flehe. Was du, mein schöpfer! willst, ist gut, Und was du willst, geschehe. 10. Laß mich mein brot durch deine gunst Und meinen fleiß erwerben, und lehre mich die große kunst, 3u leben und zu sterben. heilgen singen. 12. Ich beug' vor dir, herr! meine knie; Du hast den staub erhoben. Heil mir! ich bin ein geist, wie sie, Der mensch darf, herr! dich loben. 11. O du, vor dem der seraph kniet. Den cherubim umringen! Bon allen sternen 4. Nimm, vater! der es einzig kann, Dich meiner feele liebreich an. Bewahre mich vor heuchelschein, Und mache mein gewissen rein, Daß ich ( o stehe du mir bey!) Ein achter freund der tugend sey. 5. Gieb mir verstand in allem thun, Der weisheit geist laß auf mir ruhn; Und 280 Gebets und Bittlieder. wo mein herz im zweifel verleih Mir einen festen glau steht, Und gleich den kindern wankend geht, Da leite mich nach deinem rath, Und för dere zugleich die that. ben, Der standhaft, treu und thätig sey, Und laß mir den nichts rauben. Gieb, daß ich mich Allzeit auf dich, Und auf dein wort verlasse, Und in der noth, Ja selbst im tod, Dein heil getroft umfasse. 6. Wenn dann mein fleiß das seine schafft, So gieb dem leibe stårk und kraft, Erhalte mich gesund und frisch, Und segne nahrung, haus und tisch. Beschere mir mein täglich brot, Und sorge für mich in der noth. 4. Hilf mir, der ich erlöset bin, Daß ich den heiland liebe, Und bilde mich nach seinem sinn; Gieb, daß ich mich stets übe, Auf ihn zu sehn, Ihm nachzugehn, Mich seiner nicht zu schämen, Und stets bereit, Mit freudigkeit Sein kreuz auf mich zu nehmen. 7. Hilf, daß des lebens his und last, Die du mir auferleget hast, mir nicht zu schwer zu tragen sey. Und bricht des leibes hütt' entzwey, So führ durch Christi blut und pein Den geist in deinen himmel ein. Um geistliche Wohlthaten und Beystand im Guten, Mel. O herre gott, dein göttlich. 5. Nie müsse stolz und eitelfeit Mein schwaches herz res gieren, Nie haß und zorn und bitterkeit 3ur rache mich, vers führen. Dein wort gebeut Bersöhnlichkeit, Verdammt der 372. Ach, höchfier gott! rachsucht triebe! Gieb, daß den feind, bloß den Mein herz aufrichtig liebe. verleihe mir, Daß ich nur dich begehre, Mein ganzes glück nur such' in dir, Und dich allein ver: ehre; Daß ich in noth Dich, meinen gott Und vater glau: big nenne, Daß weder leid, Noch glück und freud Mich jemals von dir trenne. 2. Erfülle mich mit wahrer reu, Wenn ich dich, gott! be: trúbe; Gieb, daß ich alles böse scheu, Und stets das gute liebe. Laß mich doch nicht, Herr! meine pflicht Mit vor: fag je verlegen. Der seele heil, Mein ewges theil Laß mich recht theuer schätzen. 3. Mein gott! ich bitte dich, 6: Nach vielem reichthum, gut und geld, Herr! laß mich ja nicht trachten. Laß mich die ehren dieser welt Für eitle dinge achten, Und nie nach pracht, Nach hoheit, macht, Und würden ängstlich streben; Laß mich vielmehr, Nach deiner lehr, In wahrer demuth leben. 7 Trug, falschheit, lift und heucheley Hilf mir sorgfältig flichen, Nie muss ich mich durch gleißnercy Um menschengunst bemühen. Laß ja und nein Mir heilig seyn; Laß mich nicht lieblos rich Gebet- und Bittlieder. ten, Und zank und streit Mit freundlichkeit, Mit lieb und fanftmuth schlichten. 8. Herr! lehre mich entz haltsamkeit, Gieb mir ein rein gemüthe, Daß ich in dieser prüfungszeit Vor böser lust mich húte. Der lügen feind, Der wahrheit freund, Laß mich aufrichtig wandeln, Und jederzeit Nach billigkeit Mit meinem nächsten handeln. 4. Nimm ganz aus meiner feele Den hang zur fünde hin; Und, mittler! ach beseele Mein herz, daß ich forthin Mich dir zum dienst ergebe, Als dein erlöster lebe, Und dir, herr! dankbar bin. 5. Du helfer deiner chris sten! O widersteh in mir Des fleisches bösen lüsten, Und laß mich für und für Der welt verbotne freuden, Und alle sünden meiden; Und dann, herr! leb ich dir. So 6. Uch! zünde deine liebe In meiner feele an, Daß ich aus innerm triebe Dich ewig lieben kann, Daß ich, um dir vor allen, Mein bester! zu gefallen, Geh auf der tugend bahn. Mel. Herr Chrift, der ein'ge gottes. 7. Verleihe du mir stårke, 373.Herr Jesu, gnaden: Verleih mir kraft und muth, sonne, Du Denn gnadenwerke, Die dein geist schafft und thut. Du weißt, wie ich aus fchwäche Leicht meinen vor= say breche, Er sey auch noch so gut. 9. Gieb, daß ich stets den müssiggang, Sammt aller trågheit fliehe, Daß ich der welt mein lebenlang 3u dienen mich bemühe. Laß meinen fleiß 3u deinem preis, gote! mir wohl gelingen, Und segnest du Das, was ich thu, Dir dafür ehre bringen.d 10. Uch! gieb mir deinen guten geist, Der stets mein herz regiere, Und mich, wie es dein wort verheißt, Auf deinen wegen führe; wird mein herz In freud und schmerz: Dir zu gefallen stre: ben, und du wirst mir, Gott! einst bey dir Den lohn der treue geben. res lebenslicht! Laß leben, heil und wonne Mein blödes angesicht Nach deiner gnad erfreuen, Und meinen geist erneuen; Mein gott, versag' mirs nicht! 281 Und blick auf mich mit huld; Laß deine friedensgaben Mein berz mit tröstung laben, Erhör mich, gott der huld! 3. Befördre dein erkenntniß In mir, mein seelenhort! Und öffne mein verständniß, Herr! durch dein heilig wort. Ach! laß mir meinen glauben Nicht welt, nicht hölle rauben; Wahrhaftig ist dein wort. 2. Vergieb mir meine sünden, Und tilge meine schuld, Laß allen zorn verschwinden, 8. Darum, du gott der gnaden, Du vater aller treu! Wend' allen seelenschaden, Und mach mich täglich neu. Bittlieder. Daß ich allzeit gerecht, Und voll von liebe sey. 6. Soll ich in dieser welt Mein leben höher bringen, Und unter mancher last HinMel: O gott, du frommer gott. 374. gott, du from durch ins alter dringen, So mer gott, Du geber aller gaben, Ohn den nichts ist, was ist, Von dem wir alles haben! Gesunden leib gieb mir, Und daß in solchem leib Ein' unverletzte seel Und rein gewissen bleib. gieb geduld, und mich Vor sund und schand bewahr, Daß ich mit ehren trag Alsdann mein graues haar. 2. Gieb, daß ich thu mit fleiß, Was mir zu thun gebühret, Wozu mich dein befehl In meinem stande führet; Gieb, daß ichs thue bald, Zu der zeit, da ichs soll, Und wenn ichs thu, so gieb, Daß es gerathe wohl. 3. Hilf, daß ich rede stets, Womit ich fann bestehen, Laß kein unnüşes wort Kus mei nem munde gehen. Und wenn nach meiner pflicht Ich reden soll und muß, So gieb den worten kraft, Und nachdruck ohn' verdruß. 282 Gebets und Gieb eifer, deinen willen Mit freuden zu erfüllen, Und steh mir kräftig bey. 7. Laß mich an meinem end Auf Christi tod abschei: den. Die seele nimm zu dir Hinauf zu deinen freuden; Der leib, herr! ruhe sanft In seiner stillen gruft, Bis ihn dein allmachtswort Vers klårt ins leben ruft. 5. Laß mich mit jedermann In fried und freundschaft le= ben, So weit es christlich ist. Willst du mir etwas geben Un reichthum, ehr und glück, So gieb auch dies dabey, 8. Wenn deine stimme wird Die todten all' erwecken, O! dann wird sie sich auch Zu meinem staub erstrecken. Gott, welche wonn' ist mein! Ver klåret schau ich dich! Mit allen seligen Lobsinge dann auch ich. Mel. Ich ruf zu dir, herr Jesu. err, mein erlöfer! 375. nur von dir Kann ich mir hulf erflehen; Ver. Gieb du mir heldenmuth, nimm mein feufzen, eile mir, 4. Wenn mir gefahren drohn, So laß mich nicht verzagen, Und trost in leidenstagen. Mein helfer! benzustehen. Durch sanftmuth lehre mich Des wahren glaubens kraft Besiegen meinen feind; Und und licht, Das selige bestre: wenn ich rath bedarf, Gieb ben, Dir zu lebeny Und muth einen weisen freund. zu dieser pflicht, Das wollest du mir geben. 2. Du hast dein königlich gebot Mir tief ins herz ge schrieben: Von ganzer seele soll ich gott, Wie mich, den nächsten lieben. Wenn ich Gebet- und Bittlieder. 283 nach deinem worte thu, So giere doch mein herz Durch hab ich schon hienieden Gro: deinen guten geist, Daß ich ßen frieden; Und welches heil dem folgsam sey, Was, gott! bast du Den frommen dort dein wort mich beißt. beschieden! 3. Laß mich kein leiden die fer zeit, Kein weltglück dir entreißen; Denn du hast deine feligkeit Den treuen nur verheißen. Und könnten wohl durch ihre můb Sie, solche zu verdienen, Sich erkühnen? Aus gnaden schenkst du sie, Und du erwarbst sie ihnen. 3. Gieb, daß ich von der welt Mich unbefleckt erhalte, Und daß in mir der trieb zum guten nie erkalte. Hilf, daß ich immer wach, Im kampf des glaubens treu, Und in der hoffnung stark, Und fest gegründet sen. 4. Gieb, daß ich als ein christ Mich Christo ähnlich zeige, Und achtsam mein gemüth Zu seiner lehre neige. Sein geist regiere mich, Und nicht der geist der welt; So wandt' ich, herr! vor dir Den weg, der dir gefällt. 5. Ich kämpf, ermatt, und Strauchle oft; Hilf, herr, mein hort! dem schwachen, Der nur auf dich in demuth hofft; Du fannst mich machtig machen. 5. Hilf, daß ich dich, mein In jeder seelennoth laß mich Bey dir erbarmung finden, Trost empfinden, Und endlich, herr! durch dich In allem überwinden. gott! Von ganzer feele liebe, Und lieb und gütigkeit Auch an dem nächsten übe. Laß ohne übermuth Mich bey des glückes schein, und ohne ungeduld In trüben tagen feyn. 6. Nie müsse sich mein herz Des fleisches luft ergeben, Und nie dem schnöden geiz; Mein dir geweihtes leben Sey volt gott, Der neid, Von uns barmherzigkeit, Von unges rechtem gut, Und stolzem 4. Freund meiner feele! du bist ihr Ein weinstock, sie dein rebe. Zeuch sie dir nach, daß sie zu dir Sich von der welt erhebe. Sa laß mich, wenn ich sterben soll, Auf deine gnade bauen, Dir ver: trauen, und dann dort won nevoll Dein antlik ewig schauen. 2. Verleih, daß ich zuerst Nach deinem reiche trachte, und kein vergånglich gut zu übermäßig achte. Wer nach dem ewigen Mit rechtem eifer ringt, Empfängt schon hier zum lohn, Was wahre ruhe bringt. Um göttliche Regierung und Leitung. Mel. O gott, du frommer gott. 376. Mein vater, und du in diesem leben, 3ur leuchte meinem fuß heiligs wort gegeben! Re- sinn befreyt. Dein 284 Gebet und 7., Will deine hand mich hier Auf rauhe wege leiten, So unterstüße mich, Wenn meine tritte gleiten. Laß mich in aller noth Auf deine hülfe baun, Und auch wenn sie verzeucht. Dir doch getrost vertraun. 8. Erlöse endlich mich Von allen meinen leiden; Und ist die stunde da, Aus dieser welt zu schelden, D vater! so ver. laß, Wenn meine bütte bricht, Mich sterbenden mit trost Und froher hoffnung nicht. Mel. In dich hab ich gehoffet, herr. Cuch 377. weiß, mein gott! all' mein thun Und werk auf dei nen willen ruhn; Von dir kommt glück und segen. Was du regierst, Das geht und steht Auf rechten guten wegen. 2. Es steht in keines menschen macht, Daß fein rath werd ins werk gebracht, Und feines gangs sich freue; Des höchsten rath, Der machts allein, Daß menschenrath ge deihe. e. 3. Oft denkt der mensch in seinem muth, Dies oder jenes sey ihm gut, Und ist doch weit gefehlet; Oft sieht er auch Für schädlich an, Was doch gott selbst erwählet. 4. So fångt auch oft ein weiser mann Ein gutes werk mit freuden an, und bringts doch nicht zu stande; Er baut ein schloß Und festes haus, Doch baut er nur auf sande. Bittlieder. 5. Wie mancher schwingt in seinem finn Sich über berg und himmel hin! Und eh er sichs versiehet, So liegt er da, Und sieht im staub, Wie seine größ' enfliehet. 6. Drum lieber vater! der du kron' Und scepter trågst im himmelstbron, Und aus den wolken bligest, Vernimm mein wort, Und höre mich Vom stuhle, da du sigest. 7. Berleihe mir das edle licht, Das stets von deinem angesicht Auf fromme seelen fließet, Und das zugleich Der weisheit kraft Und geist in ſie ergießet. 8. Gieb mir verstand aus deinen höhn, Und laß mich nicht voll trotz bestehn Auf meinem eignen willen; Sey du mein freund Und treuer rath, Was gut ist, zu erfüllen. 9. Führ du mich selbst, und was mir gut, Das gieb mir ein; was fleisch und blut Er wählet, das verwehre. Mein höchster zweck, Mein bestes theil Sey deine lieb und ehre. 10. Was dir gefällt, das laß auch mir, Als meinen ruhm und meine zier, Gefallen, und mich lieben; Was dir mißfällt, Daß laß mich nicht In werk und that verüben. 11. Jsts werk von dir, so hilf zum glück; Ists mens schenthun, so treibs zurück, Und andre meine finnen. Was du nicht wirkst, Pflegt von sich selbst In kurzem zu zerrinnen. Gebet- und Bittlieder. 12. Sucht aber dein und unser feind, Un dem, was dein herz gut gemeint, Voll bosheit sich zu ráchen; Was Mel. In dich hab ich gehoffet. fürcht ich, herr! Bon ſeinem 378. Von ganzer feele leicht ihn brechen! preis' ich dich, Herr! der du mich so våterlich Bis diesen tag erhalten. Ich flehe dich, Laß über mich Dein auge ferner walten. 13. Tritt her zu mir und mache leicht, Was mir sonst fast unmöglich deucht, Und bring zum guten ende, Wo von du selbst Der anfang bist, Durch weisheit deiner hånde. 2. Wer schenkt uns leben, glück und ruh? Wer giebt uns kraft zur pflicht? nur du Schaffst wollen und vollbringen. Wird dein gedeihn nicht uns erfreun, So kann uns nichts gelingen. 3. Du schufft und du regierst die welt Nach deinem rath, wie dirs gefällt, Du lenkst der menschen Herzen. Sey auch mein licht, Und laß mich nicht, Gott! deine huld verscherzen. 14. Sft gleich der anfang etwas schwer, Und muß ich auch ins tiefe meer Der bit tern sorgen treten, So gieb mir kraft, Und laß mich stets Mit inbrunst zu dir beten. 15. Wer fleißig betet, dir vertraut, Wird, was er sonst voll schrecken schaut, Mit tapferm muth bezwingen; Und sorg' und angst Wird ihn dann fliehn, Und er den fieg erringen. 16. Der weg zum guten ist fast wild, Mit dorn und hekken angefüllt; Doch wer ihn freudig gehet, Wird endlich, herr! Durch deinen geist, 3u freud' und wonn' erhöhet. 17. Du bist mein vater, ich dein kind, Was ich bey mir nicht hab und find, Hast du in voller gnüge; So hilf nun, daß. Ich meinen stand Wohl halt und herrlich siege. 285 nem volk Und aller welt, So lang ich leb, erzählen. So lang ich leb 18. Dein soll seyn aller ruhm und ehr, Ich will dein thun je mehr und mehr Aus hocherfreuter feelen, Vor dei4. Dein wort lehrt mich des lebens pflicht; Doch fühl ich auch, was mir gebricht, Die blindheit meiner feele. Uch! gott der huld! Vergieb die schuld, Wenn ich aus schwachbeit fehle. 5. Verstand und herz ist fehlerhaft, Bald fehlt mir licht, bald fehlt mir fraft, Mich weislich zu regieren. Drum bitt' ich dich, Laß, böchster! mich Selbst deine weisheit führen. 6. Herr! dessen huld uns ewig liebt, Laß mich beym segen, den sie giebt, Auf dich, den geber, schauen, Selbst wenn du schlägst, Und Gebet- und Bittlieder. 286 kreuz auflegst, So laß mich dir vertrauen. 7. Gieb, daß ich meine les benszeit, Nur dir mit gana zem ernst geweiht, In deiner furcht vollbringe; Bis ich einst dir, Dort für und für Lob, preis und ehre bringe. Mel. Von gott will ich nicht. 379.11m weisheit, höch- geheiß? dich, der weisheit hat. Du leitest unsre schritte Durch deines geistes rath. Wer ruft zu gott hinauf, Dem er nicht gern gewähret, Was er von ihm begehret? Er giebt und rückts nicht auf. 2. Gieb, vater meiner våter! Mir einen weisen sinn. Du giebst die übertreter In ihrem sinn dahin. Ich aber wünsche mir Ein herz, das dich nur liebe, Gern, was du forderst, übe; Das wünsch ich mir von dir. 3. Der leib beschwert die feele; Wie leicht verirr' ich mich, Wenn ich mein glück mir wähle, Erleuchtet nicht durch dich! Durch jeden schein verführt, Wähl ich mir falsche güter, Wenn, meines lebens hüter! Mich nicht dein rath regiert. verråther Selbst meine finne" sind. 5. Du, herr! regierst und lenkest Solch eine große welt. Geschieht nicht, was du denkest? Nicht, was dir wohlgefällt? Wann überschritt ihr gleiß Die sonne, die du schu: fest? Was ehrt nicht, wenn du rufest, Gleich willig dein 4. Kaum treff' ich, was auf erden Mir gut und heilsam ist; Wie kann ich selig werden, Wenn du mein licht nicht bist? Regierst du nicht dein kind, So wirds ein übertreter, Da meines heils 6. Wenn deine meere to: ben, Und du gebeutst nur: ruht! Hast kaum die hand erhoben, So legt sich ihre wuth. Wie leicht, wenn bdser lust Empörung in mir wüthet, Ruht, wenn dein wink gebietet, Der aufruhr meiner brust! 7. Ach, lenke du mein leben! Dir sey es ganz geweiht! Mein einziges bestreben Sey, was dein rath gebeut! Dann bin ich weis' und klug, Dann thu ich recht auf erden, Dann werd ich selig werden. Dann hab ich, gott, genug! Mel. O gott, du frommer gott. mich 380., gott, verlaß du mir selbst die hånde, Daß ich die pilgrimschaft Des les bens wohl vollende; Frr ich im finstern thal, So sey du selbst mein licht, Mein stab, mein hort, mein schuß. Ach gott, verlaß mich nicht. 2. Uch, gott, verlaß mich nicht! Lehr deinen weg mich wallen, Und laß mich nim mermehr In sünd und thor Gebet und Bittlieder. heit fallen. Gieb mir den guten geist, Des glaubens zuversicht; Und wenn ich straucheln will, Gott! so verlaß mich nicht. 3. Uch, gott, verlaß mich nicht In nöthen und gefahren, Und laß zur rechten zeit Mir hülfe wiederfahren! It meine seel' in angst, Schreckt mich dein strafgericht, Gott, so verlaß mich auch Mit deinem troste nicht! 4. Ach, gott, verlaß mich nicht! Gieb wollen und vermögen; In allem meinem thun Begleite mich mit segen; Die werke meines stands, Die werke meiner pflicht Laß herr! vor dir gedeihn. Ach, gott, verlaß mich nicht! 5. Uch, gott, verlaß mich nicht! Hilf, daß ich, dir ergeben, Voll lieb und hoffnung sey, Recht glauben, christlich leben Und selig sterben mag, Um dich von angesicht 3u angesicht zu schaun. Uch, gott, verlaß mich nicht! Mel. O Jesu, du mein brautigam. ach dir, o herr! verlanget mich, Du bist mein gott, ich hoff auf dich, Ich bleib und bin der zuversicht, Du werdest mich beschämen nicht. 2. Der wird zu schanden, der dich flieht, Und deinem dienste sich entzieht; Der aber, der dich herzlich liebt, Und auf dich hofft, wird nicht betrübt. 287 3. Herr! nimm dich meiner seelen an, Und führe mich die rechte bahn; Laß auf dem weg, der führt zu dir, Stets deine wahrheit leuchten mir. 4. Denn du bist ja mein ew'ges licht, Sonst weiß ich keinen helfer nicht. Ich harre dein bey tag und nacht! Du haft den willen und die macht. 5. Wie groß ist meiner funden heer! Ach, denke ihrer, herr, nicht mehr! Vergieb, was ich von jugend an Bis jegt vor dir nicht recht gethan. 6. Gedenk an deine vater: huld, An die verschonende geduld. Die von dem anfang dieser zeit Stets die gefallne welt erfreut. 7. Der berr ist heilig, fromm und gut Dem, der ihn ehrt und buße thut. Wer seinen bund und zeugniß hålt, Der wird erhalten, wenn er fällt. 8. Ein herz, das gott mit inbrunst liebt, Ihm ganz vertraut, sich ihm ergiebt, Braucht nicht gefahr und gottes, gott ist sein. noth zu scheun, Denn es ist 9. Nun, herr! mein herz ist dir bekannt, Es schwebt mein geist in deiner hand; Du siehst, wie meine seele weint, Bis deine hülfe mir erscheint. 10. 3u dir ruf ich, drum wende nicht Von mir dein gnädigs angesicht; Ich laß dich nicht, bis du gehört, Und deine antwort mir gewährt. 11. Die welt ist falsch, du bist mein freund, Der's treu 288 Gebet- und Bittlieder. lich und von herzen meynt; dir, herr! böf' ist, scheun In Der menschen gunst spricht meinem ganzen leben. nur der mund, Du aber liebst von herzensgrund. 3. Soll ich nach deinem weisen rath, Einst von der welt abscheiden, D, so verleih mir deine gnad, Daß es ge12. Berreiß die netze, die die welt Und fleisch und blut mir immer stellt; Und scheh mit freuden. Herr! seel ist des unglücks nacht vorbey, So gieb, daß ich auch dank bar sey. und leib befehl ich dir; Gieb du ein seligs ende mir, Durch Jesum Christum, amen. 13. Laß mich in deiner furcht bestehn, Und schlecht Mel. O vater, allmächtiger gott. und recht ſtets einher gehn: 383.mächt'ger vater, die dich ehrt, Und lieber duldet, als beschwert. 14. Regier und führe mich zu dir, Auch andre christen neben mir; Nimm, was dir mißfällt, von uns hin, Gieb neue herzen, neuen sinn. 15. Erlös' uns, herr! aus aller noth, Stårk uns im glauben bis zum tod, Und zeig uns nach durchlebter zeit Die größe deiner herrlichkeit. Mel. Herr Jesu Christ, ich weiß. err! wie du willst, 382. so schicks mit mir Sm leben und im sterben; Mein herz verlangt allein nach dir, Entreiß mich dem verderben. Erhalte mich in deiner huld, Sonst wie du willst; gieb mir geduld. Was du willst ist das beste. 2. Zucht, ehr und treu ver: leihe mir, zu deinem worte liebe; Gieb, daß ich wanke nie von dir, Noch deinen geist betrübe. Laß hier und dort mich selig seyn, Und was vor gott 3u deiner langmuth und ge duld Fleyn wir, vergieb uns unsre schuld. Erbarm dich über uns! 2. Uns, die wir gläubig beten, Wirst du bey gott ver: treten, Jesus Christus! Erbarm dich über uns! 3. Uns, die wir standhaft ringen, Hilf du den lauf vollbringen. Für uns bist du gestorben; Erbarm dich über uns! 4. Laß, heilger geist! uns streben Von sünden rein zu leben. Du kannst die kraft uns geben; Erbarm dich über uns! Um Gesundheit. Mel. In dich hab ich gehoffet, herr. on dir, gott 384. V barmherzigkeit! Kann unter gütern dieser zeit Kein größers mir zufließen, als wenn du mich Ge sundheit, gott! Und kräfte läßt genießen. 2. Dank sey, o bester va Gebet- und Bittlieder. 289 Vers ter, dir! Du haft aus großer mein trost, mein gott! zeib mir alle sünden. meinen tod, Herr! selig seyn, Mich ew'ge ruhe finden. liebe mir Dies gut bisher geschenket. Dein ists, daß ich Noch leb und bin; Du bists, der mein gedenket! 3. Laß Uch friste ferner våter: lich mir dies geschenk; denn nur durch dich Kann ich es mir versprechen. Verschone mich, Isis nüßlich mir, Mit krankheit und gebrechen! 10. Ja, gieb mir, was mir nütz und gut, Un feel und' leib, an ehr und gut. Von aller schwachheit leiden Erlose mich, Und schenke dann Mir deines himmels freuden. 4. Auch laß mich meiner sinne nicht, Wenn dirs gefällt, o gott, mein licht! Semals beraubet werden. Er halte sie Mir fernerhin, So lang ich leb auf erden. 5. Mich leite deine vater: hand, Nie laß mich der ge sundheit pfand Durch eigne schuld verscherzen. Auf sünden folgt Schwachheit und noth, Und feel- und Leibesschmerzen. 6. Ein gleicher muth in freud und leid, Zufriedner finn und måßigkeit, und ordnung in geschäften, Dies sey mein ruhm! Laß meinen leib Das laster nie entkräften. 7. Und dann laß mich des lebens kraft, Die deine gute mir verschafft, 3um guten zweck verwenden, 3u deiner ehr, In lieb und pflicht Mich meinen lauf vollenden. 8. Doch schickst du mir auch krankheit zu, So gieb geduld; sey meine ruh! Du kannst mein leid, verfüßen. Mein labsal sey Dann deine gnad, Ein unbefleckt gewissen. 9. Und kommt denn endlich auch mein tod, O da sey du Um Ernährung und irs dischen Segen. 385. Mel. Allein auf gott seg bein. ott, dessen hand die welt ernährt, Und jedermann fein theil gewährt! Laß deinen segen auf mir ruhn, Und mich mein werk mit freuden thun. 2 Du sorgst für mich, doch so, daß ich auch sorgen soll, zu thun, was mich Dein ofe fenbarter wille heißst; Verleih mir dazu deinen geist. 3. Hilf, daß ich in der bdsen welt So lebe, wie es dir gefällt; Laß meine erste forge seyn, Mich von der sünde zu befreyn. 4. Stehts erst mit meiner feele wohl, Dann lehre mich auch, wie ich soll Dem leibe thun, wie ihm gebührt, Daß er nicht stårk und muth vers liert. 5. Und weil du frömmigkeit so liebst, Daß du den frommen segen giebst, So gieb, daß ich in heilger scheu Recht fromm und recht ges segnet fey. 6. Dich ruf ich an, verlaß I 290 Gebet und Bittlieder. mich nicht, Du weißt ja Was man in gottes namen wohl, was mir gebricht; thut, Mit glaubensvollem sinn Doch trohig fordr' ich nichts und muth, Das muß uns von dir, Was du willst ge- wohl gedeihen. ben, gieb du mir. 7. Mit beten geh ich an mein werk, Gieb du dem leibe kraft und stärk; Ich fang mit dir die arbeit an, Durch den ich sie vollenden kann. 8. Erleichtre mir der arbeit last, Laß mich, wie du befoh: len hast. Das thun, was mein beruf mich heißt; Ich weiß, daß du mein helfer seyst. 2. Gott ists, der das vermögen schafft, Was gutes zu vollbringen, Er giebt uns segen, muth und kraft, Und läßt das werk gelingen. Ist er mit uns, giebt er gedeihn, So muß der fleiß gesegnet seyn 3um reichen überflusse. 3. Ullmächtiger, fomm, ftar: ke mich! Dein sey ganz mein geschaffte. Dich fleh ich an. dich suche ich, Gieb munterkeit und fráfte, Gesundheit, und am geist verstand, Daß ich bey dem, was meine hand Vornimmt, dein segnen spüre. 4. Regiere mich durch dei nen geist, Den müssiggang zu meiden, Daß das, was du mich schaffen heißt, Gescheh mit lauter freuden; Hilf, daß ich dir mit aller treu Auf dein gebot gehorsam sey, Und meinem nächsten diene. 11. Ach, wußt ich nur nach deinem sinn, So lang ich noch auf erden bin, Mit deinen gaben umzugehn, Wie wohl würd' es dann um mich stehn! 12. Nun, trener gott, erhöre mich! Mein auge fiehet nur auf dich. Hilf, daß ich forge, wie ich foll; Ja, sorge du, so gehts mir wohl. Um Segen in Berufs- und Nahrungsgeschäfften. Mel. Wår gott nicht mit uns. gottes namen 5. Sey heut und allezeit bey mir. Die werke meiner hånde Befehl ich, treuer vater, dir! Hilf, daß ich sie vollende Zu deines namens herrlichkeit, Und gieb, daß ich zu seiner zeit Des fleißes lohn empfange. Allgemeine Fürbitte. Mel. Was mein gott will. ott, deffen nam' ist wie dein 387. 386. Sang ich an, was ruhm! Vor dich woll'n wir mir zu thun gebühret. Mit jest treten, Und, als für gott wird alles wohlgethan, unser eigenthum, Für andrer Und glücklich ausgeführet; wohlfahrt beten. Für sich 9. Ich trau auf dich mit zuversicht, Du werdest, treuer vater! nicht, Auf meine ar beit und bemühn, Den nah: rungssegen mir entziehn. 10. Du machst die dürren berge naß, Du kleidest lilien, laub und gras, Die vögel speisest du allein; Für deine sorg ist nichts zu klein. Gebet- und Bittlieder. 291 allein Beglückt zu seyn, ehre, Daß weder hochmuth, Bringt christen schlechte freu: haß, noch neid, Dein heis den. Drückt mich kein joch, lig wort verkehre. Laß seine So frånkt mich doch Des macht Des irrthums nacht, nebenchristen leiden. Der laster reich bestreiten, Und seinen schall Sich überall Zu deinem ruhm verbreiten. 2. Drum, herr! von dem der sonnen licht Auf bös' und gute scheinet, Und dessen herz vor wehmuth bricht, So bald der mensch beweinet, Womit er sich So freventlich Un dei ner macht vergangen; Laß al ler schmerz, Und sehnend herz Vor deinen thron gelangen. 3. Du schufft ja, was von adam stammt, 3um wahren glück und leben, Willst allen auch, von lieb entflammt, Die feligkeit gern geben. Erleuchte doch, Die jeho noch, Bey dik ken finsternissen, Sich selbst allhier Den weg zu dir Durch menschenwahn verschließen. 4. Erweiche der versteckten herz, Bekehre die verführ: ten. Ach, daß sie doch der funden schmerz Und deine gnade spurten, und keiner nicht In dein gericht Und strenges urtheil fiele! Uch! treibe fie Doch spát und früh 3um vorgesteckten ziele. 5. Erhalte, die im glauben stehn, Und dich als finder ehren, Daß sie stets weiter vor sich gehn, Und deinen preis vermehren. Hilf ihnen auf In ihrem lauf, Wenn ihre füße gleiten, Und lehre fie, Des lebens müh In deiner kraft bestreiten. 6. Hilf, daß die ganze chri fenheit Dich recht und heilig 7. Gieb, daß sich ehre, recht und treu Im ganzen lande küsse, Daß jeder fromm und beilig sey, Und richte jedes füße Bom lasterweg 3um himmetssteg, Daß deines namens ebre, Herr! durch dein wort Sich fort und fort Bey allen menschen mehre. 8. Gieb armen, daß sie immerzu Sich ihrer arbeit nåhren, Den kranken wollst du sanfte ruh, Betrübten trost gewähren; Wer dich verehrt, Sich redlich nåhrt, Dem schenke glück und segen, Und bey gefahr laß sich die schaar Der engel um sie legen. 9. Wir alle schreyen: wir find ja Ein werk von deinen hånden! Laß nie, ist angst und trübsal da, Dein herz sich von uns wenden. Du bist ja der, Dem nichts zu schwer; Drum sprich durch Jesu namen 3u deren flehn, Die vor dir stehn, Gott! dein allmächtig amen. Sürbitte für die Sürsten. Mel. Wo gott, der herr, nicht. 388. Der 388.Dweltbeherrs fcher ist Ein schemel deinen füßen. Sie sind nur fleisch; du aber bist Gott, dem sie T2 292 Gebet- und dienen müssen! Das reich ist dein, und dein die welt, Du, der sie schuf und sie erhält, Du bist allein ihr herrscher! 2. Du aber sagtest: könige Will ich den völkern geben, Hoch über andre sterbliche Will ich die fürsten heben. Berehret, völker, ihr gebot! Das leben gab ich und den tod, Mein recht in ihre hånde. 3. 3u ihnen sprachst du: fürchtet mich, Den herrn, der erde götter! Regiert mit weis ser huld, wie ich, Und send der unschuld retter; Schafft recht den armen, lasset nicht Die wittwe seufzen im gericht, Laßt nicht den frevel siegen. Bittlieder. 7. Gieb friede; halte fie zurück Von ungerechten kriegen. Ihr ruhm sey der, mit ernstem blick Die laster zu besiegen. Wenn aber völker sie zum streit Durch unrecht reizen, dann gebeut Dem schwert, daß es sie råche. 6. weltbeherrscher! laßfie nie Die rechte bahn verlieren; Bor schmeichlern auch bewahre sie, Daß die sie nicht verführen. Lehr sie ihr eigen herz durchschaun, Und nur mit furcht sich selber traun, Und dich um weisheit bitten. 8. Ach! laß dein wort auch auf dem thron, Jehovah! glau: ben finden. Laß fürsten auch auf deinen sohn Fest ihre hoff: nung gründen. Gott! sie sind fünder, so wie wir; Laß sie doch nicht ihr theil bloß hier In diesem leben haben. 9. So weit dein reich auf er: den geht, Flehn darum deine christen; Erhöre gnädig dies gebet, Du vater deiner christen! So weit dein reich, die erde, geht, Wird jeder deine maje: ståt In seinem fürsten ehren. 4. Ihr send wohl götter; aber bald Sollt ihr wie men. schen sterben; Weh dann euch, habt ihr die gewalt Gemiß: braucht zu verderben! Sch felbst will euer richter seyn, Ein jedes volk der erd ist mein; Sür die Obrigkeit. Mel. Von gott will ich nicht lassen. ehovah, Bon euch will ich sie fodern! 389. tonig! Dir, un 5. Unendlicher! regiere sie, Daß sie getreu dir dienen; ferm gott und herrn. Ist al: Verlaß mit deiner huld sie les unterthänig; Du herrschest nie, Noch ihr geschlecht nach nah und fern, Du gott, herr ihnen. Die furcht vor dir, zebaoth! Erhaben, groß und barmherzigkeit, Und weisheit prächtig, 3u schüßen stark und und gerechtigkeit Sey ihres mächtig, Ein helfer in der hauptes krone. noth! 2. Damit wir rubig leben, Hast du der obrigkeit Ge walt und macht gegeben; Ihr schwert, das frevlern draut, Empfing sie nur von dir. Der Wer ihr zuwider lebet, sündigt, widerstrebet Nicht menschen, sondern dir. Gebet- und Bittlieder. 3. Uch, großer herrscher! lehre Auch mich durch deinen geist, Daß ich die obern ehre, Wie es dein wort uns heißt. Sie tragen ja dein bild; Und wenn wir ihren willen In frömmigkeit erfüllen, Wird dein befehl erfüllt. 4. Laß deinen geist sie führen, Und weisheit sey ihr thun, So wird durch ihr regieren Dein segen auf uns ruhn. Du herrschest selbst im land, Das herz der obrigkeis ten kannst du, wie båche, leis ten, Es steht in deiner hand. 5. Dein wort, o vater! leite Sie stets zu ihrer pflicht, Gerechtigkeit begleite Ihr ur: theil im gericht. Laß sie durch ihr bemühn Der frommen glück vermehren, Den lastern laß sie wehren Und selbst die sünden fliehn. Sür angehende Eheleute. Vor der Trauung. Mel. Wie schon leucht't uns der. on 293 schwur der pflicht Und eintracht abzulegen. Laß sie, Vater! Dir ergeben, Einig leben, Treu sich lieben, Treu die pflicht der christen üben. dereinigkeit! Ward einst der ehe bund ge weiht;! weih auch sie zum fegen, Die hier vor deinem angesicht Bereit ftehn, dir den 2. Du haft sie sich geneigt gemacht, Der liebe flammen angefacht, Die ihre brust entz zünden; D! laß die regung lauter seyn. Laß untreu nie den bund entweihn, 3u dem sie sich verbinden. Immer Laß sie, Dir ergeben, Einig leben, Einig handeln, Fromm und heilig vor dir wandeln. 6. Gieb, daß durch ihr regieren Wir mit zufriedenheit Ein stilles leben führen, In wahrer frömmigkeit. gott! Nach der Trauung, du segnest gern; Auf allen ihren wegen Gieb ihnen heil Mel. Lobt gott, ihr chriften. und ſegen, Durch Christum 391. Auf euch wird gotz tes segen ruhn; Er hat ihn euch gewährt! frommes thun Euch dieses Geht hin, und macht durch segens werth.:,: 2. Der herr erfüllt, was er versprach; Sein heil sollt 390. Kommt nur dem gelübde nach, Das ihr dem herrn gethan.:,: 3. Shm beiligt nun beruf und stand, Ihm heiligt euer herz, Und folgt der Leitung 3. fegne sie, der gern beglückt, Und frommen lohn von oben schickt, Auf allen ihren wegen! Laß ihr ge schlecht sich deiner freun, Gieb ihrem stand und fleiß gedeihn, Und ihr beruf fey segen. Laß sie, Vater! Dir ergeben, Glücklich leben, Freudig sterben; Denn sie sind des himmels erben. 294 Gebet- und feiner hand Durch freuden und durch schmerz!:,: 4. Bis ihr den lauf der pilgerzeit Im sanften tode schließt, Und kommt zu gottes herrlichkeit, Und schaut ihn, wie er ist. Bittlieder. auf ihnen ruhn. Gott, der strafet und belohnet, Keines pflichtvergeßnen schonet, For dert einst von eurer hand Eure kinder, als sein pfand. 5. Menschenschöpfer, tugendmehrer! Laß die ganze menschlichkeit, Våter, mütter, pfleger, lehrer, Fürsten und die obrigkeit Mit vereinter sorgfalt wachen, Jede jugend fromm zu machen, Sie durch gutes beyspiel ziehn, Und selbst sünd und laster fliehn. 6. Pflanz in aller finder her: zen Gottesfurcht und from men sinn; Laß sie nie ihr heil verscherzen, Laß sie trägheit, eigensinn, Aergerniß' und leichtsinn fliehn; Unschuld nur sey ihr bemühn. Führ sie selbst die tugendbahn, Daß ihr fuß nicht gleiten kann. 7. Laß sie ihre eltern lieben, Dankbar seyn für ihre treu, Nie sie krånken und betrü: ben; Ehrfurcht und gehorsam sey Ihnen lust und wahre freude. Schüße sie vor schwe: rem leide, Laß fie bier ges segnet seyn, Führ sie einst zum himmel ein. 8. Welche freud und selig keiten Werden, vater! wir dort fehn, Wenn in deinen herrlichkeiten Eltern, die dann vor dir stehn, Sagen: vater, von den meinen, Die du gabst, verlor ich keinen! Und dann kinder flehn für Thut ihrs, so wird sie: Gott, vergilt der eltern Sür die Erziehung der Jugend. Mel. Alle menschen müssen sterben. Dinder gut und 392.ind fromm erziehen, Dies ist für die menschlich. feit Stets das wichtigste bemühen; Glücklich sie hier in der zeit, Nüglich sie der welt zu machen, Sie des himmels fähig machen, Diese pflicht ist theur und groß; Nichts spricht von ihr eltern los. 2. Wächst der mensch in seiner jugend Ungebildet roh heran, Ohn erkenntniß, ohne tugend, Kann er dann des lebens bahn Würdig mit vernunft betreten? Würdig seinen gott anbeten? Seinem näch: ften brauchbar seyn? Einst den himmel erben? nein! 3. O ihr, denen gott hier kinder, Himmelspfänder anvertraut! Uch. bedenket, sie sind fünder; Denkt, wie ihr ihr glück hier baut! Lehrt sie früh den schöpfer lieben, Jede tugend auszuüben. Dies ist wahre zärtlichkeit, Lieb' auf zeit und ewigkeit. 4. Euch hat gott dazu erfeben, Dieses große werk zu thun. wohlergehen Auf euch und müh! Gebet- und Bittlieder. 295 Sürbitte für alle Kranke. Mel. Herr Jesu Christ, du höchstes. ür alle franke bitt 6. Den kranken, der nun sterben soll, Den lehre, vas ter! sterben. Ach! jeder tugend ich dich, mit werd er voll, Geschickt, dein brüderlichem herzen: Mein heil zu erben. Ach, Jesus! gott! erleichtre väterlich Die last von ihren schmerzen; Sprich tröstung allen schwa: chen ein, Und laß auf dich, und dich allein Mit festem muth sie trauen. mach zum himmelreich Ihn fähig, deinem bilde gleich, Schon heilig hier auf erden. 2. Des gnadenlebens kurze zeit, Den grauel ihrer fünden, Und deine treu und freundlichkeit Laß, vater! sie em: pfinden; Stårk und erwecke ihren geist, Gieb jedem reichlich, was du weißt, Das er bedarf zum heile. 7. Den franken, der durch dich genest, Den lehre heilig leben, Der müsse dich, der ihn erlöst, Durch wahre buß erheben, Nicht mehr im traum der sicherheit, Nein, als ein erb' der herrlichkeit Müss' er unsträflich wandeln. 3. Den geist der rub und der geduld, Sich ganz dir zu ergeben, möchte, vater, deine huld Den schwachen diefen geben! O möchte doch dein will allein Ihr wille, ihre freude seyn, aller gnaden! vater 4. Gieb ihnen allen kraft und muth, Die schmerzen zu besiegen, Sey du, o aller: höchstes gut! Ibr innigstes vergnügen. Die leichte quaal der schnellen zeit Laß durch den trost der ewigkeit 3um quell der freude werden. 5. Uch! jeden, wår er noch so schwach, Laß deine kraft empfinden, Und weise tröster, bater, ach! Laß jeden kranten finden. Die last der krank: heit und ihr schmerz Erwecke manches bruders herz 3um zártlichsten erbarmen. 394. He Um langmüthige Verschonung der Sünder. Mel. Es woll' uns gott genådig. 21 err, wo ist folch J ein gott, wie du? Wer duldet so die fünder? Wie lange schaust du ihnen zu, Und schonest sie wie kinder! Herr, herr, barmherzig, gut, getreu, Mild, willig zu vergeben! Noch werde deine gute neu, Noch laß die fünder leben, Noch wollest du vergeben! 2. Denn gingst du, richter! ins gericht; Wer könnte, gott, bestehen? Noch tône die pofaune nicht, Damit sie nicht vergehen; Daß eingewickelt, wie ein buch, Noch nicht der himmel werde, Daß durch des letzten tages fluch Der frevler von der erde Nicht weggetilget werde. 3. Es können viel gerechte noch Aus ihrem blute stam 296 Gebet- und Bittlieder. men. Unmündige, herr! wirst ren? Verschonst du hier der du doch mit ihnen nicht vers spotter nicht, Wie wollen, dammen. Ein Ninive bebt in dich zu ehren, Sie dann den staub, Weil du noch scho- noch sich bekehren? nen wolltest. Wir waren långst der hölle raub, Wenn du gleich strafen solltest, Wenn du nicht dulden wolltest. 5. Herr, gut, barmherzig, fromm und treu, Stets wil: lig zu vergeben! Um Jesu Christi willen sey Noch gnå: dig, laß sie leben. So samml' in deine scheuren 4. Wann kommt der råcher, fragt der spott, Der tugen den belohner? Doch tausend jahre sind dir, gott, Ein tag nur, o verschoner! Ach kommt einmal, kommt das gericht, Wer kann sich dann bekeh- sünder. ein Noch viel erlöste sünder, Dann werden sich die himmel freun, Und deine neuen kinder, Die noch erlösten Vom Lobe Gottes. Pflicht des Lobes Gottes. Mel. Nun jauchzt dem herrn. Ober: Bom himmel hoch da komm. beruf, 3u dem gott selbst die engel schuf! Welch eine theure süße pflicht, Die uns 395.Auf, christen! preist so reichen lohn verſpricht! 6. Ja, pflicht ists, daß ihr fein gedenkt, Thr, denen er verstand geschenkt; Die ehre des verstandes ist, Daß ihr den ew'gen kennt und wißt. mit Wer preist, was herrlich ist, nicht gern? Und welch ein glanz, der gott verklärt! Wer ist, wie er, des lobes werth? 2. Lobt ihn! sein ganzer nam' ist ruhm, Unendlichkeit sein eigenthum. Dies gráns zenlose meer von licht Durch schauet selbst der engel nicht. 3. Ja, eure lust sey, ihn erhöhn! Solch lob ist heilsam, lieblich, schön, Schärft den verstand, erhebt das herz, Und stillt im leiden allen schmerz. 4. Wie wird der geist da durch entzückt, Hinauf gen himmel hingerückt, Mit sei nem hocherhabnen freund, Mit gott stets inniger vereint! 5. Welch ein fo herrlicher 7. Pflicht ist es, daß ihr ihn besingt, Die ihr von ihm ein herz empfingt, Das sich zu gott mit inbrunst nahn, Und seine größe fühlen kann. 8. Auch euer mund, so oft er spricht, Erinnert euch an diese pflicht. Die sprache dankt ihr ihm allein; Und wolltet nicht voll rühmens seyn? 9. Wer ist gutthätiger als er? Denn welche gabe sollt uns der Nicht schenken, der so sehr uns liebt, Daß er auch seinen sohn uns giebt? 10. Was gebet ihr nun ihm Vom Lobe Gottes. 297 dafür? Ist nicht ein herz voll gnad erquickt uns hier, Und dankbegier. Das ganz in sei- währet dort auch für und für. ner liebe brennt, Das einz'ge, geben könnt? Auf, christen! preist mit mir den herrn! Wer preist nicht milde geber gern? Gedenkt, wie viel er uns gewährt! Wer ist, wie er, des dankes werth? + Ermunterung zum Lobe Gottes. Mel. Vom himmel kam der. 396. Auf! jauchzet gott, auf alle welt! Daß ihr zu seinem dienst euch stellt, Das will ja, chriften, eure pflicht; Kommt vor sein antlit, säumet nicht! was ihr 11. 2. Erkennt, nur gott sey unser berr; Denn er erschuf uns, sich zur ehr, Und nicht wir selber; jeder hat Sein leben nur durch gottes gnad. 3. Er hat uns väterlich bedacht, Zu seinem eigenthum gemacht, 3u schaafen, die er nährt und pflegt, Schüßt, und in seinen armen trágt. 4. Die ihr begehrt des herrn zu seyn, Kommt, geht zu seinem tempel ein! Bon feines großen namens ruhm Erschall sein ganzes heilig: thum! 5. Der herr sey euer lob: gesang, Mit reinem herzen opfert dank! Lobsingt und banket allesammt; Gott preis sen ist ja unfer amt. 6. Er ist voll gut und freundlichkeit, Voll lieb und treu zu jeder zeit; Denn seine Mel. Alle welt, was lebt und. was ist 397. und lebet Auf dem weiten erdenkreis, Was Bringe gott dank, ruhm und nur seine stimm' erhebet, preis! Dienet ihm, wer dies eu'r loblied an! nen kann, Freudig stimmt 2. Gott, gottists, der durch sein werde! Und durch seiner allmacht ruf, Unsern leib aus staub und erde, Unsern geist vernünftig schuf; Wir sind seiner schöpfung ruhm, Sein erlöstes eigenthum. 3. Kommt, mit ehrfurcht zu erscheinen Vor dem ange= sicht des herrn! Kommt froh= lockend mit den seinen, Lobt Denn der herr ist jederzeit ihn herrlich, dient ihm gern! Reich an gnad und gütigkeit. 4. Gott des himmels und der erde, Höchster, unerschaffner geist! Schöpfer, mittler, tröster! werde Jetzt und immerdar gepreist. Mache herz und lippen rein, Dir ein würdig lied zu weihn. Mel. Es ist das heil uns kommen. 398. Stimmt unferm gott ein loblied an Mit freudigem gemüthe, Es rühm und preise, wer da kann, Den geber aller güte. Er macht uns frey von aller noth, Drum lobet ihn, drum lobet gott, Und preiset feinen namen. Vom Lobe Gottes. 298 2. Lobt gott, und rühmet allezeit Die großen wunder werke, Die majestät und berr: lichkeit, Die weisheit, kraft und stärke, Die er beweist in aller welt, Indem er alle ding erhält; Drum danket feinem namen. Mel. Von gott will ich nicht. 3. Lobt gott, der uns ers 399. Lobt gott, den gott der stårke, Der, schaffen bat, Die feele, leib und leben Aus väterlicher huld und gnad Uns allen hat gegeben, Der uns durch seine allmacht schützt, Der täglich schenket, was uns núßt, Drum danket feinem namen. 4. Lobt gott, er giebt uns seinen fohn, Der selbst für uns gestorben, Der uns die ew'ge lebenskron Durch sei: nen tod erworben, Der frie: den hat mit gott gemacht, Und feinen ganzen rath vollbracht; Drum danket seinem namen. 5. Lobt gott, der in uns durch den geist Den glauben angezündet, und seinen beystand uns verheißt, Wenn er uns treu erfindet, Der uns stets durch sein wort regiert, Und auf den weg des lebens führt; Drum danket feinem namen. 6. Lobt gott, er hat dies gute werk Selbst in uns angefangen, Vollbringt es auch, giebt kraft und start', Das kleinod zu erlangen, Das er am ziel uns vorgestellt, und das den himmel in fich bålt; Drum danket seinem namen. 7. Lobt gott, ihr starken ſeraphim, Ihr engel und ihr thronen! Es loben gott mit heller stimm', Die hier auf erden wohnen! Lobt gott, und preist ihn früh und spat; Ja alles, was nur othem hat, Das danke seinem namen. was er will, erschafft, Ihr alle seine werke, Aus aller eurer kraft. Ihr seyd sein eigenthum, So weit der hims mel reichet; Was luft und meer durchstreichet, Verbreite seinen ruhm. 2. Erhabne himmelsgeister! Erwecket euren fleiß; Gebt eurem berrn und meister, Dank, ehre, lob und preis. Stimmt dreymal: heilig! an. Lobt ihn, ihr seraphinen! Lobt ibn, ihr cherubinen! Lobt ihn, was loben kann! 3. Was othem hat und lebet, Was sich bewegt und regt, Was in den lüften schwebet, Und was der him: mel trágt, Sey überall be müht, Den höchsten gott zu loben, Der aus den wolken oben Auf sein geschöpfe sieht. 4. Der herr ist groß und mächtig, Voll beiligkeit und ruhm. Es stehet alles prachtig In seinem heiligthum. Er ist gerecht und gut; Von seinen vatersorgen Beugt je der neue morgen, und alles, was er thut. 5. Drum lobt, erlöste fee: len! Lobt stets den herrn der Vom Lobe Gottes. 299 welt; Helft dessen ruhm er Der, der vom himmel auf zählen, Der euch schuf und erbált, Der euch in Christo liebt, Euch durch sein blut erkaufet, Auf seinen tod euch taufet, Euch einft den himmel giebt. euch sieht, Erschuf euch ihm zum ruhme. Gott zu verehren, feyd ihr da; Er, der euch, eh ihr wurdet, sab, Kennt herzen und gedanken. Der herr ist heilig; er allein Will Israels erretter seyn, Und Jacob soll ihm danken. 6. Lobt gott, der euch re: gieret, Der, als der treuste freund, Selbst dann euch weislich führet, Wenn ihr das kreuz beweint, Das er euch auferlegt; Laßt uns in folchen proben Ihn dennoch kindlich loben, Weil er aus liebe schlägt. 2. Der cherub betet an und brennt; Jhm jauchzen mor: gensterne. Der mensch, der ihn nur schwach erkennt, Ehrt ihn aus dunkler ferne. Ihm jauch: zen tief im staub und gruft, Weit in der see, hoch in der luft, Der schöpfung ganze heere. Der sonne feuerreiche pracht, Das blasfe licht der stillen nacht Verkündigt gottes ehre. 7. Er ist getreu den seinen, Entreißt sie aller noth. Wenn seine finder weinen, So bleibt er doch ihr gott, Wenn der verfolger macht, Wenn ihre routh sie schrecken, So wird sie gott bedecken, Er, der stets für sie wacht. 3. Der herr vergiebt uns unsre schuld, So oft wir vor ihm treten, Trågt unfre schwachheit mit geduld, Und lehrt uns selber beten. Er strafet und verschont zugleich; Der herr ist gott! es komm sein reich! Gott hört der frommen sehnen. Er segnet sie; wenn unfall droht, Era löst er sie von sorg und noth, Und zählet ihre thránen. 8. Lob, ehre, preis und starke Sey dir, o gott. bereit! Denn deine weg' und werke Sind voll von herrlichkeit. Dein zion lobet dich; Merk auf sein schwaches lallen, Und laß dirs wohlgefallen; Erhör uns gnådiglich! 9. Mocht es uns bald gelingen, Bon aller schwachheit frey, Ein opfer dir zu bringen, Das deiner würdig sey! Ach, laß vor deinem thron Uns ewig mit dir leben, Und ewig dich erheben, Dich, vaz ter, und den sohn. Mel. Ein kindelein, so lobelich. 400. Der er herr ist gott! singt ihm ein lied In seinem heiligthume! 4. Jauchzt, volker! jauchzt: golobt sey gott, Preist ihn durch frohe lieder! Sagt, berge, nach: gelobt sey gott! Ihr thäler, hallt es wieder! Gelobt sey gott! mit måcht's gem klang Dring unser hoher lobgesang Bis in die stillsten wüsten. Der frevler zittre! neuer muth Und frommer andacht beil'ge glut Erfüll das herz des christen. 300 Lob- und Danklieder. Das Te Deum. 401. err gott, dichloben wir! Herr gott, wir danken dir! Jehovah ist von ewigkeit, Er schuf die welt, das werk der zeit. Die ganze weite schöpfung preist, Gott vater! dich, dich, sohn! dich, geist! Die cherubim, die seraphim, Die himmel alle fingen ihm: Heilig ist unser gott! Heilig ist unser gott! Heilig ist unser gott! Sebo: vah zebaoth! Weit über alle himmel weit Geht deine macht und herrlichkeit. Sie, die den erbkreis wunderbar Bekehrten, deiner boten schaar, Der lehre Jesu märtyrer, Die preisen ewig dich, o herr! Um grabe noch, noch in der zeit, Preist dich auch deine christenheit, Dich, vater, auf der himmel thron! Dich, Jesu Christ, du uns nicht, Du kommst, du kömmst und hältst gericht. Einst sey im himmel unser theil Dein großer lohn, dein ewigs heil; Hilf deinem volke, Jesu Chrift! Und segne, was dein erbtheil ist, Leit' uns, durch unsrer prüfung zeit, Den' weg zur frohen ewigkeit. Die erd ist auch dein hei ligthum, 2uch sie erfülle stets dein ruhm. In dieser unsrer pilgrimschaft Sst, herr! dein wort uns licht und kraft. Es ist ein reines, helles licht; Wer ihm gehorcht, der sün. digt nicht, Und wer noch fällt und es bereut, Der findet da barmherzigkeit. Die erd erfüll, herr, stets dein ruhm, So wie des himmels heiligthum! Allgemeine Lob- und Danklieder. Mel. Vom himmel kam der. des vaters fohn! Und bich, 402. bin, ich bit gott! du Ein vater, wie kein vater ist! Wo fang ich zu erzählen an, Was du mir thust, und schon gethan? o wunderkraft In fündern neues leben schafft! Du hoherpriester! du pro: phet! Du könig, deß reich nie vergeht! Du hast dich, um uns gott zu weihn, Erniedriget, ein mensch zu seyn, Dem tode nahmst du seine macht, 3um himmel hast du uns ge: bracht. 3ur rechten gottes finest du, mit deinem vater herrschest du. D der für uns geblutet hat, Erwürgt für uns fre missethat! Im grabe läsfest 2. Gab ich mir leben, mund und hand? Ich selbst mir aug', ich mir verstand? Ein menschlich herz, wer gab es mir? Was, vater, was kommt nicht von dir? 3. Ich danke dir, der alles schafft, Für jeden finn, für jede kraft; Für eltern, lehrer, Lob- und Danklieder. brüder, dir; Ich gab sie nicht, du gabst sie mir. 4. Ich danke dir mit froher brust Für jede wohlthat, jede lust, Für jede freud' und jedes glück, Und jeden lebensaugenblick. 5. Für deines wortes un terricht, Für deiner sonne warmes licht, Für deines mondes fanfte pracht, Für deinen tag und deine nacht; 6. Für Jesum Christ und semen geist, Für alles, was er uns verheißt, Für alles, was er giebt und gab, Wie statt ich, vater, dank dir ab? 7. Ich sterbe bald; doch bleib ich nicht Im grabe! denn mein Jesus spricht: Wer an mich glaubt, soll auferstehn; Wie kann ich deine huld erhöhn? 8. Ein sünder bin ich; meine schuld Tilgt, vater, deine va terhuld! Ach Jefus starb und lebt für mich! Wie preif' ich ihn? wie preis' ich dich? 9. Dankt' ich mit jedem othemzug, Ich dankte, vater! nicht genug; Denn dein ist alles! alles ist Geschenk von bir durch Jefum Chrift! 301 ich dir. Mein schicksal hast du stets regiert, Und stets warst du mit mir. 2. Wenn angst und noth sich mir genaht, So hörte gott mein flehn, Und ließ durch seinen gnád'gen rath Darin mich nicht vergehn. 10. Nicht weiß ich, wie ich danken soll, Mein mund ist deines preises voll, Voll dank mein herz; mein leben sey Voll dank für deine va: tertreu! 3. Wenn ich in schmerz und krankheit fank, Und rief: herr, rette mich! So half mir gott; mit welchem dank, Mein gott, erheb ich dich! 4. Betrübte mich des feindes haß. So klagt ich gott den schmerz; Er half mir, daß ich ihn vergaß, Und gab geduld ins herz. 5. Wenn ich den richt'gen pfad verlor, Und mich vers schuldet sah; Rief ich zu dir, mein gott! empor, Und gnade war mir nab. 6. Oft wenn nach trost die feele rang, Gott sich von mir gewandt, Rief ich voll sehn: sucht: herr, wie lang? Und mich hielt feine hand. 7. Er half, noch hilft er siets, der herr; Denn er ist fromm und gut. Aus der versuchung rettet er, Und giebt zur tugend muth. 8. Herr! für die leiden dank ich dir, Dadurch du mich geübt, Und für die freuden, welche mir Dein milder segen giebt. 9. Dir dank ich, herr! daß die natur Mich nåhrt und Mel. Nun sich der tag geendet hat. 403. u bifts, dem ehr mich erfreut. Ich schmec" in ges bührt; Und das, herr! bring jeder creatur, Gott! deine freundlichkeit. 302 Lob- und Danklieder. 10. Ich danke dir für dei und seele gabst du mir; Gott! nen sohn, Der für mich füns, o wie verdank ichs dir? der starb, Und der zu deinem gnadenthron Den zugang mir erwarb. 11. Lobt gott in seinem heiligthum! Erheb' ihn, volk des herrn! Die erd ist voll von seinem ruhm; Er hilft, und rettet gern. 3. Für mich armen, mich verlornen, Mich, der ich ge fallen bin, Gab er seinen eingebornen, Jesum Christum, selber hin. Wer kann, was er that, ergründen? Auf der ganzen erde, wer? Wer aus seiner engel beer Kann es, wie er liebt, ergründen? Seine lieb ist immer neu, Ewig seine gnad und treu, 12. Er hilft und läßt die traurigkeit Bald vor uns übergehn, Will uns, nach kurzer prüfungszeit, 3 um ew'gen glück erhöhn. 13. Vergiß nicht, seele! deinen gott, Was er an dir gethan, Verehr' und halte sein gebot, Und bet' ihn ewig 4. Seinen wunderbaren füh rer, Seinen tröster, seinen geist, Giebt der herr mir zum regierer, Wenn die sünd mich an sich reißt, Daß er meine feel erfülle Mit des glaubens hellem licht. Dann, dann fürcht' ich kein gericht, Und Mel. Nun lasset uns den herren. mein bebend herz wird stille; an. 404.Sollt ich meinem Deines heils darf ich mich freun, ich! du bist mein! gott sin gen? Sollt ich ihm nicht dankbar seyn? Sollte nicht in allen dingen Seine liebe mich erfreun? Lieben ist es, nichts als lieben, Herzliche barmherzigkeit, Die so oft und viel verzeiht. Herr, ich will dich ewig lieben, Ich will, als dein eigenthum, Stets erheben deinen ruhm. 5. Meinem bessern theil, der feele Giebt er trost, und kraft, und ruh; Wenn ich, was er wählte, wähle, Strómet mir sein frieden zu. Was, so lange wir hier wallen, Wir bedürfen in der welt, Was die hütten stüßt und hält, Die dereinst in staub zerfallen, Auch dies giebt uns, dessen ruf Uns für diese welt erschuf. 2. Wie ein adler sein ges fieder Ueber seine jungen streckt, So hat( dankts ihm meine lieder!) mich auch gottes arm bedeckt. Gott, der über mich schon wachte, Als ich kaum zu seyn begann, Sah mit vaterhuld mich an, Eh ich lebte, eh ich dachte. Leib 6. Himmel, erd und ihre heere Sind zu meinem dienste da. Wohin ich mein auge kehre, Ist mir gottes fegen nah. Thier' und fräuter und getreide, In den gründen, Lob- und Danklieder. auf der höh', In den büschen, in der see, Sind mir nahrung, find mir freude. Vom gedeihn und überfluß Trieft des allerhöchsten fuß. 7. Wenn betrübniß meine seele, Elend meinen leib umgiebt, Dann, dann bet' ich, und verhehle Nichts dem gott, der doch mich liebt. Wår er nicht mein gott gewesen, Håtte mich sein angesicht Nicht ers quickt, so war ich nicht Von so vieler quaal genesen. Vom allsehenden bewacht, Ging ich durch die dunkle nacht. 8. Wie ein vater seinem. kinde Niemals ganz sein herz entzeucht, Ob es gleich, ver: führt zur fünde, Von der rechten bahn abweicht, Also fieht auch mein verbrechen Mein Süchtigt mich, daß ichs gethan, Wills nicht mit dem schwerte rächen, Weil, als ichs verirrt beging, Doch mein herz noch an ihm hing. 9. Wohlthat ist das kreuz der christen, Ists gleich, wenn es da ist, pein, Führt es uns in dürre wüsten, Scheints gleich noch so hart zu seyn. Und was haben wir gelitten? Duldeten die mártyrer Nicht viel mehr, als wir, viel mehr, Eh sie ihre fron erstritten? Rühmt in leiden, rühmt und preist Gott, der euch der fund entreißt. 10. Sst, so lang ich leb am grabe, Kreuz und trúbfal oft mein theil; Gott, dem ich 303 geglaubet habe, Gott giebt einst mir ewigs heil. Die, fo hier mit thránen såen, Ernten dort mit freuden ein. Nach des kurzen lebens pein, Werd ich mein geschic verstehen ,. Jauchzen, daß mich gottes rath Diefen weg geleitet hat. 11. Weil denn ohne zabl, ohn' ende Deine gnaden, vater! sind. so heb ich meine hånde 3u dir auf, erhör dein find. Bater! du wollst gnade geben, Dir mich ganz und gar zu weihn, Dein verehrer stets zu seyn, Hier und in dem höhern leben. Heilig, heilig, heilig ist Er, der seyn wird, war und ist. Mel. Nun laßt uns gott dem. uns 405. Laßt unserm gott dank und ehre bringen Daß wir so viele gaben Aus seiner fülle haben. 2. Wer kann es ihm erwiedern? Ein leib mit sinn und gliedern, Ein geist, der will und denket, Ist uns von ihm geschenket. 3. Und wie er erst das le: ben Allmächtig uns gegeben, Will nun, es zu bewahren, Auch seine treu nichts sparen. 4. Er giebt nach vaters weise, Dem leibe tåglich speise, Erhält ihm seine fråfte, Und fördert sein geschaffte. 5. Auch wehrt er dem vers derben; Die seele soll nicht sterben, Die doch in tiefen wuns den Der fünde gift empfunden. Lob und Danklieder. 304 6. Sein einger sohn, das leben, Ist uns zum arzt ge geben; Der hat, als er gestor ben, Genesung uns erworben. 7. Wort, taufe, nachtmahl müssen Die wunden im gewissen Durch kraft des geistes heilen, 3um guten stårk ertheilen. 8. Der sünd ist nun gesteuret, Die ganze feel erneuret, Das berz der straf entbunden, Des todes furcht verschwunden. 9. Das herz schmeckt from me freuden, Hat trost in allen leiden, Wagt es, gott frey zu bitten, Vor ihm sich auszuschütten. 10. Wenn wir schon hier auf erden So hoch begnadigt werden; Gott, was wird nicht für gaben Für uns dein himmel haben? 11. Doch, weil wir hier noch wallen, Wirst du mit wohlgefallen,( Wir wissen, wem wir trauen;) Auf uns hernieder schauen. 12. In noth wirst du uns schüßen, In schwachheit unterstügen, Was wir bedürfen, merken, Uns in versu: chung stärken. 13. Leit uns in deiner wahrheit, Bis wir in voller klarheit, Sott! deine größ' erkennen, Dich würd'ger preis sen können. Mel. Nun sich der tag geendet. 406.Mein geift er staunt, allmåchtiger! Wenn er die gnaden denkt, Womit du mich, mein gott und herr! So unverdient beschenkt. 2. Dann ist mein herz so hoch erfreut, Ganz deiner güte voll, Und weiß vor heis ßer dankbarkeit Nicht, wie es danken soll. 3. Als ich noch in der mutter schooß, In nacht vers borgen, schlief, Bestimmtest du, o herr! mein loos, Das mich zum leben rief. 4. Du sprichst des sterblis chen geschick, Eh er geboren ist; Und so ward ich, o welch ein glück! Durch die geburt ein christ. 5. Schwach an der brust, vernahmst du schon, Was kein gebet noch war, Und neigtest zu des weinens ton Dein obr gefällig dar. 6. Wenn ich als jüngling von dem pfad Der tugend mich verirrt, hat mich höchst liebreich, berr! dein rath Oft wieder drauf geführt. 7. Du warst mein schuß und meine wehr Vor unglück und gefahr, Und vor dem laster, das noch mehr, Wie fie, zu fürchten war. 8. Ich sah, von krankheit bleich, durch dich Mein leben hergestellt, und deine gnade schmückte mich, Wenn sünde mich entstellt. 9. Von freudenstrahlen glänzt mein blick, Da du so hoch mich liebst, und in der wahren freundschaft glück Des lebens trost mir giebst. Lob- und Danklieder. 10. Und welche wohlthat, herr, ist nicht Dies herz, das fühlen kann! Dies berz, ganz dein, das dankbar spricht, Was du an mir gethan! 305 leiden Ist uns ein quell der freuden. 5. Im wort und facramente, Das ich nicht fassen könnte, Wenn mich sein geist nicht lehret, Wird mir dies heil gewähret. 6. Die sünd, und was mich kränket, Nimmt er auf sich und schenket Mir ruhe, fried und leben, und wird mirs ewig geben. 11. Kein tag soll würd'ger mir vergehn, Als, ew'ger! dir zum preis; Ich will frohlokkend dich erhöhn, 213 jungling und als greis. 12. In schrecken, angst, gefahr und noth Trau ich allein auf dich. Durch dich gestärkt, ist selbst der tod Mir nicht mehr fürchterlich. 13. Wenn krachend jetzt der bau der welt Sich aus den angeln reißt, Will ich den preifen, der mich bält, Dich, der mich leben heißt; 8. Erhalt an jedem orte Uns fest in deinem worte, Damit wir deinen namen Mit freuden preisen, amen! 14. Dich, der mich bey der welten sturz Mit starkem arm erhob! Selbst ewigkeit, herr! ist zu kurz, Zu preiſen all' 408. Welch ob10 Mel. Was lobes soll'n wir dir. lob, gott! soll undein lob. ser mund dir singen? Kein Mel. Nun laßt uns gott, den. mensch kann dir nach würden. 407. Laßt uns mit lob solches bringen. und beten Vor 2. Du hast aus nichts den gottes antlig treten. Dankt himmel und die erden, Und ihm für seine gaben, Die wir alles, was darin ist, heißen empfangen haben. werden. 2. Er hat leib, seel und leben Aumächtig uns gegeben, Und wacht mit vaterblicken Uns immer zu beglücken. 3. Er sorgt für unsre tage, Erleichtert noth und plage, Erfreuet unsre herzen, Und heilt der sünden schmerzen. 4. 3um heil, zum trost und leben Ist uns ein arzt gegeben; Denn Christus und sein 7. Drum, vater! voll erbarmen, Sieh huldreich auf uns armen; Laß allen, groß und kleinen, Dein gnadenantlig scheinen. 3. Uns menschen hast du, vater! dieses leben, und ein unsterbliches dazu gegeben. 4. Bon tindheit an hast du uns stets geleitet, Und deine flügel über uns gebreitet. 5. Du speisest alles fleisch mit wohlgefallen, Und schü gest uns, so lange wir hier wallen. 6.In trübsal werden wir von 11 Lob und Danklieder. 306 dir erquicket, Und draus erlöst, wenn sie zu heftig drücket. 7. Du läsfest uns in deinem worte lehren, Wie wir dir die nen sollen, und dich chren. 8. Du sendest uns erlösung von den fünden, Und läßt uns deine gnade wieder finden. 9. Ach, ewig, ewig seyst du, herr! gepriesen Für jede gnade, die du uns erwiesen. 10. Sehr groß ist deine weisheit, gnad und stärke, Mel. Freu dich sehr, o meine feele. Und wunderbar sind alle dei: 410. Gott, mein vas ne werke. ter! sey ge priesen Für die große gútig. keit, Die mir deine hand erwiesen, So vielfältig allezeit. Ach, wie soll ich doch dafür Würdig gnug, gott, danken dir? Alle kräfte meiner feelen Sollen deinen ruhm erzählen. 2. Du bast, was genannt mag werden. Erst aus nichts hervorgebracht, Auch den men. schen aus der erden Wunderbar und schön gemacht; Und wie viele pracht enthält Nicht sein wohnplas, diese welt! Sie viel guter! wie viel freuden! Wie viel hilfe selbst im leiden! 11. Wie schrecklich ist, o gott! wie groß dein namen! Glückselig ist, wer dich stets fürchtet, amen! Mel. Nun danket alle gott. Jun danket alle 409. gott, Mit bers zen, mund und händen, Der große dinge thut. Hier und an allen enden, Der måchtig uns erhält, Und der von kindheit an uns so viel gutes thut, Mehr als man zählen fann. 2. Er, unser, vater, woll' Ein fröhlich herz uns geben; Der herr laß uns, fein volk, In stetem friede leben, und unsre nachwelt auch, Daß feine gnad und tren Das ganze land umfah ,. Sein segen mit uns sey. 3. Der große starke gott Woll' uns von allem bösen, Und was uns schaden kann, Gewaltiglich erlösen; Erschüß uns in gefahr, Er helf uns allezeit, So lang er uns allhier Das leben noch verleiht. 4. Dir, gott! dir sey von uns Stets ehr und preis gegeben; Was in uns ist, soll stets, Herr! deine huld erheben. Und stehn wir einst vers klárt, In deinem heiligthum, So sey dein name, gott! Auf ewig unser ruhm. 3. Daß ich mit verstand geboren, Und gesund bin in der welt. Auch zum christen auserkohren, Wissen kann, was dir gefällt, Oder mag zuwider seyn, Das hab ich von dir allein. Was ist seli: ger zu nennen, Als dich, und uns selbst, erkennen? 4. Du hast auch die straf und plagen, Die mit sünden ich verdient, Deinen sohn ſelbst Lob und Danklieder. 3 307 laffen tragen, Und bist mit 9. Heilig, heilig, heilig mir ausgefühnt, Da er an des kreuzes stamm Meine sünden auf sich nahm, Und mich von dem fluch befreyte, Den mir das gesetze dráute. werde, Gott! dein name stets genannt; Denn der himmel und die erde Machen deinen ruhm bekannt. Deine gute, deine macht. Weisheit, maje: ståt und pracht, D! wo hat fie ihres gleichen? Gott, wer kann dein lob erreichen? 5. Dazu werden deine wege Mir noch täglich kund gethan; Denn du führst zum himmels: stege Mich durch wort und geist hier an, Daß ich schon in meis nem ſinn Durch die hoffnung selig bin, hier im glauben schmecke, Was ich dort im schaun entdecke. 6. Bin ich schon mit kreuz beladen, Sest mir welt und sünde zu, Dies darf meinem heil nicht schaden, Bey dir find ich hilf und ruh. Ja, es muß des kreuzes pein Mir mehr gut als schädlich seyn; Fleisch und welt lehrt sie mich hassen, und mich ganz auf dich verlassen. 7. Reichlich hast du auch gegeben Mir, o gott! mein täglich brod, Läsfest mich in frieden leben, Frey von pest und hungersnoth. Meine ehre, meinen stand Dank ich deiner vaterhand, Und was ich an gütern habe, Ist bloß deine gnadengabe. 8. Ja, herr! deine gut und treue Ist ohn ende, obne zahl, Jeder morgen glänzt aufs neue Mir mit deinem gnaden: strahl. Drum, ihr menschen, bringt mit fleiß Unserm gott lob, ehr und preis, Rühmet feine große gute, Lobt sein väterlich gemüthe! Lobgesang Maria. Mel. Mein Herz und seel den. ganzes 411. as in mir iſt, herzerhebet Dich, höchster gott! der ewig herrscht und lebet. Mein geist in mir, der sich des beilands freut, Rühmt unaufhörlich deine freundlichkeit. 2. Denn du hast mich elenden angesehen; Von deinem throne hörtest du mein flehen, Mich, den die welt zum ziel des spottes macht, Hast du erhöht und väterlich bedacht. 3. Gott, wer kann deine huld und macht ergründen? Wer kann, wie weit dein wohlthun gehet, finden? Wie viel, wie viel hast du an mir gethan! Mehr, als ich jemals dir verdanken kann. 4. In feiner noth hast du mich je verlassen; Wie könntest du dein kind, o vater! bassen? Nein! ewig währet die barma herzigkeit, Die du an dem erzeigst, der sich dir weiht. 5. Du übst gewalt mit deines armes stårke; Gerecht und wunderbar sind deine werke. Die stolz und hoch in ihrem herzen sind, Zerstreuest du, so wie die spreu der wind. U 2 308 Lob- und 6. Die hohen läßt, im angesicht von allen, Dein rath oft schnell aus ihrer hóbe fallen; Die niedrigen zieht deine hand hervor, Und hebet sie ganz unverhofft empor. 7. Die hungrigen, die dich vor augen haben, Erfüllest du mit gütern und mit gaben; Die reichen läßt du leer berm überfluß, Und ihren trop straft efel und verdruß. 8. Du denkest der barmherzigkeit und güte, Und sor: gest selbst mit segnendem ge= müthe, Daß deine kirche steht und sich erhält Bey allem spott und drohen dieser welt. 9. Was du, wie längst vor unsrer zeit den alten, Auch uns verheißen, wirst du ewig halten. Du, herr! verläsfest deine kinder nicht; Denn du allein bist unsre zuversicht. Preis der Vollkommen: heiten Gottes. Mel. Nun freut euch, lieben. 412. rhabner ſchöpfer! deine gut' Will ich, ich staub, erheben, Ich will mit freudigen gemüth In mei: nem ganzen leben, Gott! un aufhörlich preisen dich, Und deinem nomen ewiglich Dank und anbetung bringen. 2. Groß bist du, und sonst keiner mehr, Du kannst in nöthen rathen; Wie unaussprechlich herrlich, herr, Sind alle deine thaten! Wohin auch nur mein auge blickt, Da feh und fühl ich, da entzückt Mich allmacht, gut' und weisheit. Danklieder. 3. Du bist voll gnade, lieb und treu, Voll langmuth und verschonen; Doch heilig und gerecht dabey Im strafen und belohnen. Der herr ist voll barmherzigkeit, Er trågt, er stårket und erfreut Die from men, die ihm trauen. 4. Wohlthätig gegen jeders. mann, Erquickt er auch die armen, Nimmt aller seiner werk sich an; Er ist nichts als erbarmen. Er ists, der in der ganzen welt Durch seiner allmacht kraft erhält, Was iebt und sich beweget. 5. Herr! aller augen sehn auf dich, Um ihren leib zu nåhren; Du sorgst für alle väterlich, Bist liebreich im bescheeren, Du thust auf deine milde hand, Und sättigst alles in dem land Mit lust und wohlgefallen. 6. Groß ist der herr, gut und gerecht In allen seinen wegen, Er segnet die, die recht und schlecht Stets gehn auf seinen wegen; Und wie er heilig ist und rein, So liebt er auch nur die allein, Die heilig vor ihm wandeln. 7. Der herr ist allen denen nah, Die flehend vor ihn treten, Bey allen ist er huldreich da, Die würdig ihn anbeten. Wenn fromme schreyen, so erhört Gott ihre bitten, und gewährt Trost in den schwersten leiden. 8. Die fünder selbst verstößt er nicht, Er will die noch erhören, Die reuevoll zu ihrer Lob und pflicht mit ernst zurücke kehren. Ach er verzeiht! ach er verläßt Der keinen, die, im glauben fest, Ihr sündlich leben bessern! 9. Ja, er, der herr, ermüdet nicht, Zu dulden, zu beloh nen; Doch furchtbar ist sein strafgericht, Hört er je auf zu schonen. Uch! schrecklich ists, wenn seine hand Ein undank: bares volk und land Mit pla= gen schlägt und staupet. 10. Laß deine größ' und herrlichkeit, Gott! auf der ganzen erden, Un allem ort, zu jeder zeit, Erkannt, verehret werden. So weit, herr! deine schöpfung reicht, Die herrlich ist und der nichts gleicht, Bist du anbetungswürdig. 11. Zwar schwach ist unser blöder geist; Wer kann, wer wills erzáblen, Was du für wohlthat uns verleihst, Obwir gleich stündlich fehlen? Doch wollen wir hier in der zeit, Und noch mehr in der ewigkeit, Gott! deinen namen preisen. Danklieder. 309 3. Von unsern våtern wur dest du erhoben, Dich werden unsrer kinder kinder loben, und deine macht lobsingen, deiner stärke Preisvolle werke. 4. Wie herrlich bist du, gott, wie schön und prächtig! Wie groß in deinen wundern, herr, wie mächtig! Das preis' ich, daß dein nam' erhoben werde, Der ganzen erde; 5. Daß deiner wunder ruhm umher erschalle, Die welt von deinen thaten wiederhalle, Und deine wahrheit, deine huld besinge. Und preis dir bringe. 6. Der herr ist mild, von duls dendem gemüthe, Barmherzig, gnädig, und von großer gute, Erbarmt sich seiner werke, hat an allen Sein wohlgefallen. dir lobsingen, und ewig ehre deinem namen bringen. Sen täglich ewig sey von mir er hoben, Dich will ich loben. 2. Der herr ist groß; wer kann ihn gnug erheben? Wer fann mit feinem feurigsten bestreben, Wie groß er ist, begreifen und empfinden? Wer gott ergünden? 7. Jehovah! alle deine werke sollen Dir jauchzend danken; deine frommen wollen Aus allen ihren kråsten sich bestreben, Dich zu erheben. 8. Cie breiten aus den ruhm von deinem reiche; Daß keine macht, Jehovah! deiner gleiche, Das rühmen sie, damit sie auf der erde Mel. Wend ab deinen zorn. 2h will, mein 413. gott, du fönig! Bewundert werde. 9. Dein reich, o gott! ist herrlich, ewig währen Dein reich und teine macht, die wir verehren, Und ewig wird von aller völker zungen Dein lob befungen. 10. Der berr bewahret alle, welche fallen. Jehovah hilft den unterdrückten allen, Und eilt, mit heil die, die um 310 Lob beil ihn bitten, 3u überschütten. 11. Nach dir, gott! schauen aller wesen blicke, Daß deine band sie väterlich erquice, Du giebst auch einem jeden fei: ne speise, Daß er dich preise. und Danklieder. 12. Herr! du erhältst mit deinem wohlgefallen, Was lebt, thust deine hand auf, und giebst allen, Was fie bedürfen; feiner sucht vergebens Dich, quell des lebens! 13. In allen wegen gottes strahlet gnade, Untadelhaft sind alle feine pfade, Und was er thut, gereicht zu seinem preise, Ist gut und weise. 14. Der herr ist nahe denen, die ihn bitten. Die ernstlich ihn um seine hülfe bitten. Er thut, was die gerechten, die ihn ehren, Von ihm begehren. wie untadelhaft Sind alle seine werke! 2. Wie schön, wie würdig feiner macht Sind nicht der himmel beere! Welch herrlich licht, welch eine pracht Be strahlt sie, ihr zu ehre! Das auge sieht sich nimmer satt, Sieht, was es auch gesehen hat, Doch immer neue wunder. 414. d 3. Nicht wunder für das aug allein, Auch wunder für die seele, Damit es ihr, zu erfreun, Un keiner schönheit fehle. Wie kunstvoll an dert er sie ab, Versagt dem, was er andern gab! Und doch ist jedes herrlich. 4. Wo ist ein gras, wo nur ein blatt, Ein stäublein auf der erde, Wodurch, o mensch, nicht gottes rath Und kraft ver klåret werde? O wie ist seine macht so reich! Was aber dei ner trägheit gleich, Daß du's nicht siehst, nicht fühlest! 15. Der herr behütet alle, die ihn lieben; Die aber, die gewalt und frevel üben, Ber: folgt er, daß er sie zum fluche 5. Gab seine macht, die mache, Mit seiner rache. 16. Ja ewig will ich seinen namen loben, Bon allen menschen werde gott erhoben. Was lebet, müsse, herr! zu allen zeiten Dein lob verbreiten. schöpferin Der schönheit und des lebens, Dir deinen geist, so manchen sinn, So viel gefühl vergebens? Für wen, für wen, als dich, erschafft, Erhält und schmůcket seine kraft So vieler wefen arten? Lob der Schöpfung. Mel. Nun freut euch, lieben. obfinger gott, und betet an! Es dank, es rühm, es singe, Es jauchze, wer nur jauchzen kann, Dem schöpfer aller din ge! Wie groß, wie schön ist ſeine kraft; Wie herrlich, froher werden? 6. Dein gott bedarf nichts; feine hand, Die feine schö pfung schmückte, Gab dir empfindung und verstand, Da mit er dich beglückte. Willst du, o mensch, nicht glücklich seyn? Will sich nicht deine seele freun, Nicht immer Lob- und Danklieder. 311 7. O warum fuchest du Wer hindert seine kraft? Wer dein glück In eiteln phanta: feines armes stårke, Die, was seyen? Wirf auf die schöpfung nur gut ist, schafft? Er dehdeinen blick, Da will er dich net, gleich gezelten, Die weierfreuen. Genieß, dein vater ten himmel aus. Er spricht, sieht es gern, Genieß die so gehen welten Aus ihrem freuden deines berrn! Nur nichts beraus. sey es ohne fünde. 8. Er selbst entflammt in dei: ner brust Die sehnsucht nach vergnügen, Er schuf auch quels len, die voll lust Stets rinnen, nie versiegen. Gieb nur auf feine wunder acht; Wohlthá: tig ist des schöpfers macht. Kann dirs an freude mangeln? 9. Dir wohlzuthun, das ist ihr ziel, Zum dank dich zu erwecken. Uch hätt ich nur genug gefühl, Wie gut er ist, zu schmecken! It seiner wohnung vorhof schon So schön; wie wird mich einst fein thron, Wie wird er selbst entzücken! 10. Lobsinget gott, und betet an! Es dank, es rühm, es singe, Es jauchze, wer nur jauchzen kann, Dem schopfer aller dinge, Wie groß ist un: fers schöpfers macht! Wie berr: lich, wie untadelhaft Sind alle feine werke! Lob der Allmacht und der herrlichkeit Gottes in der Natur. Mel. Nun lob, mein seet, den. 415. Kon Dommt, kommt, den herrn zu preisen, Der groß von rath ist, groß ven that, Den gúz tigen, den weisen, der keiz nen, der ihm gleich sey, hat! Der herr thut große werke; 2. Er will, und sonnen flammen; Auch drångt das wasser, wenn er spricht, In wolken sich zusammen, Und ihre schläuche brechen nicht. Er ruft den ungewittern, Das meer wird ungestům, Des himmels säulen zittern, Die erde bebt vor ihm; Er will, und bliße zünden Gebirg' an, sie vergehn. Er spricht, und ruft den winden; Schnell wird sein himmel schön. 3. Wer, wer gebeut den wellen: Hieber! nicht weiter! legt euch hie! Er legt in felsen quellen, Sie riefeln und versiegen nie. Er füllt aud wusteneyen Mit seinen wundern an heißt thiere da gedeihen, o niemand wohnen kann. Wer kann die sterne führen? Wer weiß, als er allein, Die himmel zu regieren? Und du wagst stolz zu seyn! 4. Kannst du mit deiner stimme, O stolzer! donnern, wie gott thut? Streu aus von deinem grimme Verder ben, deiner blite glut, Leg an an gewalt und zeige Dich) mächtig, wie der herr. Schau an die stolzen, beuge. Verfente sie, wie er. Was rühmen denn die thoren Mit ihrer stärke fich? D staub aus Lob- und Danklieder. 312 staub geboren, Nur gottes rühme dich! 5. Herr, dein ist alle stärke, Und alle hülfe, gott! ist dein, Das preisen deine werke, Die deiner kraft allein sich freun. Wir auch erfreun uns ihrer, She lob sey unste pflicht. O vater! o regierer! Wen hält, wen schützt sie nicht? Du lebst, du wirkst in allen, Dir, dir vertrauen wir; Erhalter! wer kann fallen, Getragen, herr! von dir? Mel. Nun danket alle gott. 416. Durh bih, o großer gott! Durch dich bin ich vorhanden. Die himmel und ihr heer, Sind durch dein wort entstan= den; Denn wenn du sprichst, geschiehts, Wenn du gebeutst, stehts da, Mit allmacht bist du mir, Und auch mit gute nah. 2. Du bist der gott der kraft; Dich preisen erd und meere, Und himmel predigen Die wunder deiner ehre. Dich bet ich dankend an; Mein heil kommt von dem herrn. Du hörst der menschen flehn, Und du errettest gern. 3. Und wenn ich deiner huld, gott! gewürdigt werde, Was frag ich außer dir Nach himmel und nach erde? Im himmel donnerst du, Und fchrecken füllt das land; Noch fürcht' ich nichts, denn du Háltst mich bey meiner hand. 4. Wenn ich die himmel seh, Die du, herr! ausgebreitet, Der sonne majestät, Den mond, den du bereitet, So sprech ich: was ist doch Der mensch, daß du sein denkst, Und daß du täglich uns Unzählig gutes schenkst? 5. Als schaafe låst du uns Auf grünen auen weiden, Nährst uns mit speis' und trank, Und füllst das herz mit freuden; Du sahst mich, el der grund Der welt gele: get war, Schon in der mutter. leib, Und als sie mich gebar. 6. Du wogst mein glück mir ab, Und leiden, die mich üben, und meiner tage zahl War auf dein buch geschrieben. Du bist der frommen schuß, Du bist der múden ruh, Ein gott, der gern verzeibt. Wie gnädig, gott, bist du! 7. Wem soll ich sonst ver iraun, 21s dir, du gott der götter? Wen ehren, als nur dich, Mein schuß und mein erretter? Wie sanft ist dein befehl: Gieb mir dein herz, mein sohn, Und wandle meinen weg, Ich bin dein schild und lohn! 8. Herr! dein gebot ist heil, Dein weg ist fried und leben. Wie könnt ich einem gott Der liebe widerstreben? Umsonst lockt mich das glück, Indem das laster blüht, Ich hasse seinen weg, Weil mich dein auge sieht. 9. Auch wenn kein mensch mich sieht, Will ich die fünde fliehen; Denn du wirst aller werk Vor dein gericht einst Lob- und Danklieder. 313 ziehen. Ich will, wenn mei- lich Darauf achten, und be: nem fleisch Was boses noch trachten Deine werke, Gott gelust, Bedenken, daß mein der wahrheit und der stårke! leib, O gott! dein tempel ist. 10. Sollt ich der menschen ruhm Stolz zu erringen trachs ten? Nein, herr! wenn du mich ehrst, Mag mich die welt verachten. Du bist es, dem zum dienst Sch leib und seele weih; Gieb, daß mein wandet stets Boll deines rubmes sey. Lob der Güte Gottes. Mel. Wie schon leucht't uns der. 4. Dein erdreich, gott! das jedermann Giebt brod und kleider, seh ich an, Und schmecke deine gute. Ich rieche, fühl und höre sie Im feld' uno wald'; ich sehe sie In aller fluren bluthe. Von dir Zeugen Alle dinge, So ge ringe Sie mir scheinen, Gott, im großen und im kleinen! 5. D zeuch mich über welt 417. ott, deffen und zeit Zu dir, o herr der starke hand die welt Erschaffen hat und noch erhält! Ich sehe deine gute, Wohin ich seh, an jedem ort, Auf erden hier, am himmel dort. Sobald ich mein gemüthe Auf dich, Schöpfer! Freudig lenke, Und dich denke, Find ich armer Dich als vater und erbarmer. herrlichkeit, Durch deine große liebe! Auf dich laß mich in allem sehn, Für jedes gute dich erhöhn, Belebe meine triebe, mein Vater! Dir in allen Zu gefallen, Dir zu leben Sey mein einziges bestreben. Mel. Es ist das heil uns kommen. 2. Seh ich, so weit mein 418. Wie viele freuden dank ich auge reicht, Gen himmel, so entdeck ich leicht Die spuren deiner gute. Der himmels: lichter lauf und pracht, Sein sternenbeer, das du gemacht, Erwecket mein gemüthe, Großer Schöpfer! Dich zu sin: gen, Dir zu bringen Ehr und stärke. Groß sind deiner hånde werke! 3. In ungewittern, sturm und wind, Die deines thrones diener sind, Entdeck ich deine gute. Das feuer, wie der wasser grund, Macht deine große liebe fund. Mit fröh= lichem gemüthe Will ich Tagdir, Die du mir, herr, ver= lieben! Und wie viel sünden hast du mir Aus gnaden nicht verziehen! D gott von langmuth und geduld, Noch tåglich häuf' ich meine schuld, Und deine liebe währet! 2. Bedenk ich, schöpfer! deine macht, Blick ich in jene ferne, Und überseh des himmels pracht, Und sonne, mond und sterne, So bet ich dich voll ehrfurcht an. Was ist der mensch, ruf ich alsdann, Daß du dich sein erbarmeſt? 3. Dein auge schaut auf ihn herab, So geht er nicht Lob- und Danklieder. 314 verloren. Nicht für die welt. nicht für das grab It er allein geboren. Die welt ver geht mit ihrer lust; Wenn du den willen gottes thust, Soll dein glück ewig dauren. 4. Wenn ich erwache, denk ich dein, Und wenn ich schla: fen gehe; Denn du, mein va: ter! fannst verleihn, Um was ich findlich slehe. Drum seufz' ich immerfort zu dir: Herr, was mir nuset, schenke mir, Um deiner gute willen! Mel. Wer nur den lieben gott. ir, gott! dir lich fingen, Dir, dessen freude wohlthun ist; Dir will ich dank und ehre bringen, Dir, der du gut und freundlich bist. Sa, gott! du bist ganz gnad und treu; Gieb, daß mein herz ganz freude sey. 2. Dich preisen alle engel beere, Dir fingen die verklärten dank; Dir, herrscher! brausen wind und meere, Ihr brausen ist dein lobgefang. Die ganze schöpfung ruft dir zu: Wo ist ein solcher gott, wie du? 3. Du, unser gott, bist hoch zu loben, Denn deine gnade reicht so weit! Du, hoher schöpfer! blickst von oben Auf der geschöpfe dürftigkeit. Kein wurm freucht unbemerket hin, Du siehst, du liebst, du schüßest ihn. 4. Auch, vater! hast du mein gemüthe Durch manche wohltbat oft erfreut; O gieb mir auch nach deiner gute Noch ein geschenk, die dank. barkeit. Lehr alles das, was in mir ist. Froh rühmen, daß du gnädig bist. 5. Wer schuf die feel' und ihre kräfte, Gedächtniß, willen und verstand? Wer segnet des berufs geschäfte? Wer stärkt die arbeitsame hand? Wer schenket mir den edlen freund, Der's treu im fummér mit mir meint? 6. Wer wog mir meine Lei denspfunde Nach meiner kräfte maaß hier zu? Wer gab in der betrübten stunde Mir trost, und ruh? Wer schiste mich vor der gefahr, Die unsichtbar mir nahe war? 7. Wer fristet meine lebenstage? Wer schmückt und krónet sie mit beit? Du, vater, thusts! drum seete, sage: Gott, du bleibst ewiglich mein theil! Bon ganzem Herzen liebst du mich, Von ganzem herzen preif' ich dich. 8. Und so denk ich auch jest zurücke In jene zeit, die froh verfloß; War nicht mein geist- und leiblich glücke Mit jedem tage neu und groß? Erfreut und dankbar ruf ich aus: Was bin ich, herr! was ist mein baus? 9. Wie soll ich deinetreu ver gelten? Ich bin zu arm zudie: serpflicht; Die schåg in millionen welten Bezahlen deine wohlthat nicht. Mein schwa: cher dank ist viel zu klein, Für dich, ogott! ein dank zu seyn. 10. Dir will ich fernerhin Danklieder. 315 wahr; Mit namen kennst du mich, und zählst mein haar. 6. So will ich denn mit kindlichem vertrauen Auf dich allein, so lang ich lebe, trauen; Du bist mein gott, mein rets ter in gefahr, Mein starker fels, mein helfer immerdar. Sür geistliche Wohlthaten. Mel. Herr Jesu Christ, mein's. erster 420. Men 421. Dich, herr und vaz 1 innigstes bestreben Iit, herr, mein gott! dich würdig zu erheben. Unendlich groß ist deine vatertreu, Mit jedem tag ist deine gute neu. 2. Die sonn' enthüllt den schauplay deiner werke, Und alles zeugt von deiner huld und stärke; Sie, die das ziel von ihrer laufbahn weiß, Eilt rastlos hin, und strahlt zu deinem preis. Lob- und vertrauen, Denn du hast mir stets wohlgethan. Ich will mit glauben auf dich schauen; Schau mich mit vaterblicken an. So geh ich ruhig durch die zeit, Und fröhlich in die ewigkeit. Preis der göttlichen Vorsehung. Mel. Mein Herz und feel den. Sein 3. Die erd ist dein, und du regierst dies ganze; Vom menschen an bis auf die kleinste pflanze Seh ich, wie groß sich deine voisicht zeigt, Sie reicht so weit, so weit der himmel reicht. 4. Und fie umfaßt auch mich! du, höchster, denkest Un mich, den staub, der du die himmel lenkest. Du sorgt für mich! gott, wie vergelt ich dir? Ein dankvoll herz, das bring ich dir dafür. 5. Du weißt, wie lang ich hier noch wallen werde. Fällt ohne dich kein sperling auf die erde, So nimmst du, berr! auch meines Lebens Preist mein gesang, und die mißfällt Des menschen stam. melnd danklied nicht, Mein gott und meine zuversicht. 2. Von mutterleib' an warst du es. Wie freut sich meine seele deß, Daß du auch mir ein vater bist, Der seines findes nie vergißt! 3. Früh war ich in der taufe schen Geweihet dir und deinem sohn; Durch dein uns scházbar wort, allein Weiß ich, die ewigkeit ist mein. 4. Wer war der immer güti: ge, Der langmuthsvoll mich leitete? Und, stürmte trübsal auf mich zu, Wer half mir anders, als, gott, du? 5. Herr, dessen augen stets mich fahn! Du ließest auf der pilgerbahn, Durch wohlthun mich zu dir zu ziehn, Für mich fo viele freuden blühn. 6. Du bist und warest immerdar Mein schuß und retter in gefahr, Der stifter meines wohlergebns, Und der erhörer meines flebns. 7. Wie oft entfernt ich mich von dir! Doch du, du Lob und Danklieder. 316 bliebest vater mir, Der, wenn ich reuvoll wieder kam, Mich wieder väterlich annahm. 8. Unzählbar sind, und tåglich neu, Die proben deiner vatertreu; Dir fließt, o gott! der gern erfreut, Die zähre meiner dankbarkeit. 9. Nimm, da ichs nicht vergelten kann, Das opfer meines dankes an, Mein le: ben müsse zeuge seyn, Sch sey erkenntlich, ich sey dein. }{ ey di Mel. Nun lob, mein' seel, den. fuf, meine feele, 422. Nu, finge! Un dir, so unwerth du es bist, Thut gott so große dinge, Weh dir, wenn ihn dein herz vergißt! Gott schenkt dir geistlich leben, Will alle missethat In Christo dir vergeben; Dgnadenvoller rath! Schon hier wirst du mit heile Getröstet und erfreut, Und dort wird dir zu theile Die rub der ewigkeit. 2. Es hat uns wissen lassen Der herr sein recht und fein gericht, Erbarmung ohne maaBen Dem frommen, der den bund nicht bricht. Schnell eilt sein zorn vorüber, Straft nicht nach unsrer schuld; Der here begnadigt lieber, Nimmt lieber auf zur huld. Wohl dem, der Christo lebet! Gott ist er anges nehm, Mit adlersflügeln schwefalt ihm vertraun. Gott weiß es, wir sind fünder, Gott weiß es, wir sind staub, Und der ver= wesung kinder, Ein niederfal: lend laub. Kaum daß die winde wehen, So ist es nicht mehr da. Wir sterbliche vergehen, Stets ist der tod uns nah. men Auf ihre schwachen tin: der schaun, So thut gott an uns armen, Wenn wir in ein4. Des ew'gen gnad alleine Bleibt gleich, als er, in ewigkeit Bey dir, des herrn ges meine, Die ganz sich seinem dienste weiht, Und, daß e selig werde, Mit furcht und zittern ringt. Auf, daß ihr von der erde Euch jetzt schon dorthin schwingt! Dort nimmt mit seinen engeln Auch unsrer bruder schaar, Nun rein Stets von allen mängeln, seines lobes wahr. 5. Anbetung, preis und ehre Sey dir, gott vater, sohn und geist! Wir singens in die chore Der schaar, die dich vollkommen preist. Unbetung, preis und ehre Dir, der du warst und bist! Wir stammelns nur; doch höre, Hör uns, der ewig ist! Einst tragen wir auch palmen, Du gott, auf den wir traun! Einst singen wir dir psalmen, Wenn wir verklärt dich schaun. Sür die Heiligung der Seele. Mel. Lasset uns den herren. 3. Wie väfer mit erbar- 423. Gotten alle dinge Sind, und wirken, und ver gehn, Stärke mich, daß ich bir singe, Lehre mich dein Lob- und Danklieder. 317 lob erhöhn. Laß mich dich im stillen loben, Der du mich voll lieb und huld, Aus den tiefen meiner schuld Zu des chriften höh erhoben. Dich erheb ich immerdar, Der mich schuf und neu gebahr. leben, Das nicht leid, gefahr nicht hat. Sollten mich der erde freuden, Sollte mich der fünder spott, Und das elend. und der tod, Herr! von deiner liebe scheiden? Raubt ich meine frone mir? Nein, ich leb, ich sterbe dir! 2. Könnt ihr die gestirne zählen; Gottes gnaden zählt ihr nicht. Er verneuert unsre seelen, Ist ihr lohn, ihr schild Sür die seligen Sührungen Gottes. und licht. Wenn wir mit den 424. So ift bes Mel. Von gott will ich nicht. roß höchsten gute! Mit versuchungen der lust, mit dem feind in unfrer brust, Wenn wir mit dem tode streiten, Dann ver füßt er kampf und lauf, Und hilft unsrer schwachheit auf. Wer sie nicht achtete, Welch fühllos herz verriethe Der unerkenntliche! Sie rettet uns aus noth, Erquicket uns im leide, Verwandelt es in freude, Versüßet selbst den tod. 3. Wenn uns welt und fün: der meiden, Weil wir ihre lüfte fliehn, Dann giebt gott uns feine freuden; Unser herz empfindet ihn. Kann ich größres glück begehren? Ewiger! hat dich mein herz, so wird es ohne schmerz Alle gunst der welt entbehren. Erd' und himmel wird mir klein, Gegen dich verächtlich seyn. 2. Und meine lippen schwie: gen Bon ihm? ich raubte mir Das himmlische vergnügen, Gott! lobzusingen dir? Nein, herr! von meinem dank Sey jeder morgen zeuge, Und jeden abend steige 3u dir mein lobgesang. 4. Wenn mich leiden nieders drücken, Nehm ich sie als wohlthat an Von der hand, die nur beglücken, Uber niemals scha: den kann. Du belohnst mir sorg und schmerzen, Mit der seele heiterkeit, Und versüßest alles leid, Gott! durch deine ruh im herzen, Die mich neu mit muth belebt, Ueber sorg' und schmerz erhebt. 5. Von gefahr und leid umgeben, Ueber diesen rauhen pfad, Geh ich, vater! in dein 3. Tu wirst mich ferner leiten, So unwerth ichs auch bin. Treu bleibt zu allen zeiten Dein milder vaterfinn, Ich hoffe stets auf dich. Du wirst in kümmernissen Mir wohl zu belfen wissen; Dir überlaß ich mich. 4. Ja, deine huld ist größer, 2013 es der mensch versteht, Dein rath unendlich besser, Als was sein wunsch erfleht. Herr, meine zuversicht, Dir froh mich zu ergeben, Dich dankbar zu erheben, Sey meine liebste pflicht! Lob und Danklieder. 3 318 Mel. Schwing dich auf zu deinem. ott, mein höch425. Sot, stes gut, mein theil, Durch unzähl'ge gnaden Schaffit und förderst du mein heil, Schüßest mich vor schaden. Höchster! ich befenn es frey, Durch mein ganzes le: ben Kann ich deine lieb' und treu Nie genug erheben. 2. Herr! ich leb und bin in dir, Dir dank ich mein wesen. Deine hand ist über mir Im mer noch gewesen. Långst vor anbeginn der zeit Hast du mich erwäblet, Erben jener feligkeit Mich auch zugezáhlet. 3. Durch die taufe weihtest du mich zum gnadenbunde; Treue sagt ich da dir zu, Und bis diese stunde Hältst du, was dein mund versprach; Brach ich mein versprechen, So sah deine huld mir nach, Schonte mein verbrechen. 4. Und dein abendmahl und wort Schenkst du mir zur weide; Dadurch trågst du immerfort Stårkung, trost und freude, Ja, mein ganzes heil mir an, und bringst mir entge= gen, Was ich ie nur wünschen kann. Friede, leben, fegen. 5. Gott! dein auge sieht auf mich, Dein obr hört mein fle: hen, Deine hand eröffnet sich Mir zum wohlergehen. Wenn dein auffehn mich beschütt, Kann mein fuß nicht gleiten; Liebreich giebst du, was mir nutzt, Auch in schweren zeiten. 6. Herr! du hast mich je geliebt, Und zu dir gezogen; Auch dann, wenn ich dich betrübt, Bliebst du mir gewogen; Denn du schlugst bey meiner schuld Mich mit vaterruthen, Lenkrest sie durch deine huld Mir zu vielem guten. 7. Deine vaterlieb und freu Hålt mich ganz umschlossen, Sie fimmt täglich auf mich neu, Strömen gleich, geflos: sen. Wenn ich ernsthaft mich anseh, Find ich allerwegen Ihre breite, tief und höh Mir zum heil und segen. 8. Uch, beir! ich bin zu geting Aller deiner treue. Nimm dafür, was ich dir bring, Meiner sünden reue, Mit dem vorsat, daß ich hier Deinen beilgen willen, Der mein wohl sucht, für und für Will getreu erfüllen. 9. Dein, o gott! soll ewig seyn Dank und preis und ehre: Ruhm und herrlichkeit ist dein; Erd' und himmel böre: Heilig, beilig, heilig ist, Der uns alles giebet! Der die seinen nie vergißt, Sie als vater liebet. 10. Bleibst du nach wie vor mein gott, Wirft mein flebn erhören, So kann fünde, boll' und tod Meine ruh nicht std: ren. Nimm, mit allen meinen mich, Herr! zu treuen hånden, Und dann sende gnädiglich, Was du uns willst senden. 11. Laß uns beyde lebenslang Eins dem andern geben, Du mir gnade, ich dir dank, Ich dir lob, du leben, Du dich mir, und ich mich dir; Lob und Danklieder. 3 319 Ich dir mein vertrauen, Du nen gliedern Hast du stets mir muth und trost dafür, wohlgethan; Wie soll ich dirs Hoffnung, dich zu schauen. erwiedern? Nimm mich zum opfer an. Mel. Herr Jesu Christ, ich weiß. 426. is hieher hat mich gott ge bracht, Durch seine große güte, Bis hieher hat er tag und nacht Bewahrt leib und gemüthe! Bis hieher hat er mich geleit't, Bis hieher hat er mich erfreut, Bis hieher mr geholfen! 2. Hab' lob und ehre, preis und dank Für die bisher'ge treue, Die du, o gott! mir lebenslang Bewiesen täglich In mein gedächtniß schreib ichs an, Der herr hat groß's an mir gethan, Bis hieber mir geholfen! neue. 3. Hilf fernerweit, mein treuster hort! Hilf mir zu allen stunden, Hilf mir an all'm und jedem ort, Hilfmir durch Jesu wunden! Und so sag ich bis in den tod: Durch Christum hilf du mir, mein gott, Wie du bisher geholfen! Dank für die Gesundheit. Mel. Nun lob, mein' seel', den. Melch lob foll 427. elch lob ich dir geben, Daß ich dir würdig dankbar bin? Gott! du beglückst mein leben, Gesundheit hast du mir verliehn. Ich hab aus meinen fráften, Herr! deine fraft gemerkt, zu den berufsgeschäften hat mich dein arm gestärkt, Gesund erschaff. 2. Der größte von den schätzen, Den sich ein mensch zum trost erwählt, Giebt dem doch kein ergözen, Dem ein schatz, die gesundheit, fehlt. Kann den sein glück erfreuen, Hilft dem sein überfluß. Der heiser von dem schreyen, Bey schmerzen áchzen muß? Wird nicht der held selbst beben, Bey langer leibesnoth? Ist nicht ein fieches leben Viel hårter, als der tod? 3. Uns menschen unaussprechlich Ist, schöpfer! deine gnab und huld. Wie schwach und wie zerbrechlich Ist unfer leib durch Udams schuld! Der tod wohnt in der hütte, In der die seele wohnt: Jedoch, der gott der gute Sieht. uns, den staub, und schont. Er wacht, daß keine plage Und frankheit uns erreicht; Durch viel gefunde tage Macht er viel lasten leicht. 4. Jauchzt fröhlich, ihr ge= sunden! Der, herr ist meines lebens kraft; Durchlebt die frischen stunden Nicht ungebraucht, lebt tugendhaft. Mein gott! laß alle kranken, Die winselnd zu dir schreyn, Mir einen trieb zum danken Für die gesundheit seyn. Lamm, das du auf der erde Für mich zerschlagen wardst! Sprich, wenn ich frank seyn werde: Ich bin der herr, dein arzt. Lob- und Danklieder. Danksagung für die wie: himmel schwung. dererlangte Gesundheit. Mel. Aus meines herzens grunde. 428.hpreife dich und freuen bülf erhöhn. finge, Herr! 2. So lag ich auch, ich deiner liebe rath, Die mir armer, In sünden, gott ein so große dinge Bisher erwie- grául, Verwundet, ohn' er: sen hat. Dich preisen ist mir barmer, Entfernt von trost pflicht. Ich will mein neues und heil. Doch er, mein va leben Dir ganz zu eigen ge- ter, sah Mein elend, mein ben; Mehr hab' und kann verderben, Und sprach: du ich nicht. follst nicht sterben, Denn ich dein heil, bin da! 320 2. Wie schmerzvoll war ich armer! Du hörtest mein geschrey; Du hilfft uns gern, erbarmer! Du standst mit trost mir bey. Viel andre fuhren hin 3ur finstern todeshöhle; Du hieltest meine seele, Daß ich noch lebend bin. 3. Dein zorn hat bald ein ende, Dein herz ist voller huld. Du reichst uns vaterhånde, Und züchtigst mit geduld. Du thust uns gerne guts. Verging die nacht mit weinen, Muß früh die sonne scheinen, 3ur stårkung unsers muths. Der berr vernahm mein flehn, Er half mir, mein erhalter; Nun soll mein lied und psalter Des Mel. Von gott will ich nicht. 3dh chlag umringt 429. mit schmerzen, Und ohne linderung, Als mein gebet im herzen Sich zu dem 3. Und ich will dir verge: ben, Du sollst begnadigt seyn. Ich friste dir dein leben; Auf! sey gesund und rein. Dein schmuck sey heiligkeit, Und deines lebens ehre, 3u thun, was ich dich lehre; Brich niemals deinen eid. 4. Herr über tod und leben! Du meiner våter gott! Wie soll ich dich erheben? Mein beil, mein herr, mein gott! Was kann doch mein gesang? Wer hat dich gnug erhoben? 3u schwach ist, dich zu loben, Des höchsten engels dank. 4. Mich hat das kreuz be: lehret, Ich sah des todes bild. 5. Und doch von dir zu Nun hast du mich erhöret, schweigen, Wår eine frevel: Und mich mit freud erfüllt.' that. Ich will, ich will's be Herr, nie vergeß ich dein! zeugen, Wie gott errettet Ich will in angst und plagen Vor dir nicht trostlos zagen, Im glück mich deiner freun. hat. Hörts, menschen, gott nur kann Vergeben und ers retten. Ach! wenn wir gott nicht hätten, Wer hulf uns armen dann? 6. Dlaß mich ganz dir leben, Ganz seyn dein eigen thum; Und jedes tags bestre: ben Sey deiner gnade ruhm! Lob und Danklieder. Dir weihen meine zeit, Vor deinen augen wandeln, Und fromm und redlich handeln, Ist meine seligkeit. 3. Auch mir giebst du, mein gott und heil! Noch täglich mein bestimmtes theil. Giebst mir mit huld und freundlichfeit So lang' ich bin, zur rechten zeit. Kein vater forgt so väterlich Für seinen sohn, als du für mich. 321 a für die Ernährung und irdischen Segen. Mel. Vater unser im himmelreich. 6. Mich schufft du nicht für diese zeit, Mein ziel ist in der ewigkeit; Gabft mir vernunft und freyheit, gott! Für mich ging Jesus in den 430. Gott! deine weiſe tod. Nichts, was die erd erzieht und nährt, Gleicht mir. an hobeit und an werth. macht erhålt Die ganze lebenvolle welt, Und aller augen freuen sich, Und warten hoffnungsvoll auf dich, Auf dich, der du sie alle liebst, Und allen ihre ſpeise giebst. 7. Bon dir, der das an mir gethan, Werd ich auch speil' und frank empfahn. Selbit dem, der mich mit fünden schmåht, Giebst du sie ohne sein gebet; Und flebt ich nicht darum zu dir, Gewährtest du sie dennoch mir. 2. Du öffnest deine hand; so fließt Herab, was jedem nothig ist. Mit wohlgefallen fattigt fie Dein aussehn, und versäumt sie nie. Nie sind geschöpfe deiner hand Dir unwerth oder unbekannt. 4. Ich bins gewiß, du fannst mich nicht Verlassen, meine zuversicht! Ich bins gewiß, du thust mir wohl, So lang', ich hier noch leben soll. Nicht überfluß bitt ich von dir; Was ich bedarf, das du mir. 5. Der vegel bauet nicht das land, Du nábrit ihn doch mit milder hand; Du schmückst die blume königlich, Die nicht zur arbeit eilt, als ich. Vergiß es, meine fecle, nie: Weit mehr bin ich vor gott, als fie! 8. Laß du mich nur vergnügsam seyn, Und deiner gaben mich erfreun, Mehr aber deiner, der du dich So freundlich zeigest gegen mich, Der du des lebens quelle bist. Aus welcher jede wohlthat fließt.. 9. Bey deiner gaben überfluß Erhalt mich måßig im genuß; Bewahr mich in der dürftigkeit Vor schmach und unzufriedenheit. Du nåh mich immer; preis und dank Bring ich dir, gott, mein lebetang! Dank für Errettung aus oth und Gefahren. Mel. Nun banket alle gott. ob, ehr und dank 431. fey cir, großer gott, gesungen! Du, du hast die gefahr, Die uns umgab, bezwungen. Das unglück tobte X. 322 Lob und Danklieder. wild; Dein eifer schreckte 7. Und fünftig wollen wir sehr, Und fluthen rauschten stark Und fürchterlich daher. 2. Doch mitten in dem zorn Bewiesest du erbarmen. Es Nur dir zur ehre leben, Nicht mehr dir, wie bisher, Mit sünden widerstreben. Und dann halt, vater! du Mit brach dein vaterherz; Du fernern strafen ein, Und laß zeigtest an uns armen, Daß in deine hand Uns eingezeichs du die menschen nicht Gern net seyn. plagest und betrübst, Und Mel. Nun freut euch, lieben. im betrüben felbst Sie als 432. Den beren leiden ein vater an mein denkt, Mich, wenn ichs ihm erzähle, aus seinem freuden felche tránkt, Erhebet meine seele. Er ist mein lobgesang, mein heil, Mein starker fels, mein licht, mein theil, Das ich auf erden wähle. 2. Er hat durch weisheit und verstand Den himmel aus gebreitet; Wie groß ist er, wenn seine hand Den gang der blige leitet! Wie gnädig, wenn ein frommer weint, Und er in feiner macht erscheint, Und für den frommen streitet! 3. Er fandte schrecken über mich; Da war um trost mir bange. Ich rief: warum verbirgst du dich? Mein gott, ach, wie so lange! Wie lange soll ich traurig seyn? Laß ab, daß ich, nach deinem dráun, Barmherzigkeit erlange! 4. Da fab der herr mein elend an. Wie seine hand mich drückte. Ließ gnad in meiner angst sich náhn, Damit er mich erquickte, Und sprach, als ich im glauben bat: Ich werfe deine missethat Weit hinter mich zurücke. 5. Er strafte, wenn ich von 3. Dein fohn war unser fels, Auf den sich unser hoffen Gewiß und fest verließ; Drum stand dein ohr uns offen. Der sturm erschütterte; Doch fielen wir nicht gar, Weil unsre hoffnung fest Auf ihn gegründet war. 4. Entflohn ist die gefahr, Entflohn ihr schrecklichs toben. Gott! du haft sie bedroht Mit starker hand von oben. Die plage drückt nicht mehr; Das bange herz wird froh, Das voll von furcht und angst, Unbetend zu dir floh. 5. So sey denn jett ge preist, vater, gott der treue! Dank dir, erretter, dank! Dir bringen wir aufs neue Für teine hülf' und huld Uns selbst zum opfer dar; Und unser herz wird ganz Dein lob und dankaltar. 6. Und deiner rettung huld, Die du uns, gott! erwiesen, Soll von uns nicht nur jetzt, Nein, ewig seyn gepriesen. Erschallen soll dein ruhm, So lange wir hier sind; Dich preisen, mächtigster! Noch Find und findesfind. Lob und Danklieder. 323 ihm wich, mit våterlichen prånge; Versammlet euch berschlagen, Und schlug mit menfchenruthen mich Nicht über mein vermögen, Und kam mir, wenn ich zu ihm rief, Damit zu von fern, Gerechte, fingt mit mir dem herrn! Dem herrn singt lobgesånge! Mel. Wer nur den lieben gott. ich nicht im tod' entschlief, 433. Mein herz, era muntre dich und trost entgegen. 6. Oft muß sich meine red lichkeit Bon frevlern spotten lassen; Oft suchen mit mir zank und streit, Die mich ohn urfach bassen; Es redet steif und trotziglich Der falschen mund oft wider mich: Der herr hat ihn verlassen. 7. Da schütt' ich aus vor ihm mein herz, Wenn ich deß innen werde, Und weine find lich meinen schmerz 3um himmel von der erde. Jehovah, der im himmel sist, Sieht auf den erdkreis und beschüßt Die schaafe seiner heerde.e 8. Er spricht: ich habe dich erlöst, Wenn ich nach trost verlange, Vernimmt mein fle: hen, und verstößt Mich nicht, wenn mir ist bange; Er står fet den betrübten muth, Daß wider aller feinde wuth Ich rath und hülf erlonge. 9. Und wenn sein zorn die volker schlägt, Trågt er mich auf den hånden, Wie feinen fohn ein vater trägt, Se: fahren abzuwenden. Empóre, welt! dich wider mich; Gott wacht, und wird mir våterlich Hilf und errettung fenden. 10. Er ist mit mir; ich gittre nicht; Er richtet meine gånge. Kommt mit mir, vor fein angesicht In heiligem ges zum preise Des gottes, der dein vater ist! Bedenke, auf wie viele weise Du ihm zum dank verpflichtet bist. Bring ihm, der stets dein helfer war, Mit freuden ruhm und ehre dar. 2. Herr! deine hand ist immer offen, 3u geben, was mir nüslich ist; Und doch bin ich oft schwach im hoffen Auf dich, der du die Liebe bist. Mein gott! wie wenig bin. ichs werth, Daß mir noch hülfe wiederfährt. 3. Unendlich groß ist dein erbarmen; Nur wohlzuthun bist du gewohnt. Drum wird auch mir, mein gott! mir ara men, Von dir nicht nach verdienst gelohnt. Noch immer steht mir deine treu Mit se gen, trest und hülfe bey. 4. Du bist es, der in meis nen sorgen Mit rettung mir entgegen eilt, Und wenn sie, noch für mich verborgen, Nach meinem wahn zu lang ver: weilt; So kommst du, eh ichs mir versehn. Und hilfft mir, und erhörst mein flehn. 5. Du wählst und wirkest stets das beste. Und, wenn auch meine noth sich häuft, So stebt durch dich mein wohl doch feste. Wenn mich das 2 324 Lob und Danklicder. elend ganz ergreift, So siehest niederdrückt! Gebt unserm du voll liebe drein, Mich vom gott die chre! verderben zu befreyn. 6. Du bist mein heil; mein ganz gemüthe Ist deines ruhms, mein retter! voll. D, könnt ich deine große gute Doch so erheben, wie ich soll! Doch meine kraft reicht nicht dahin: Du weißt es, gott! wie schwach ich bin. 2. Es danken dir die himmelsheer', Beherrscher aller thronen! Und die, die erde, luft und meer Durch deinen schutz bewohnen, Die preisen deine schöpfersmacht, Die uns und sie hervorgebracht. Gebt unserm gott die ehre! 3. Was unser gott erschafs fen hat, Das will er auch erhalten, Darüber wird sein weiser rath Mit vatergnace walten. In seinem unum schránkten reich It alles wei: se, recht und gleich. Gebt unserm gott die ehre! 4. Ich rief in meiner notb zum herrn: Ach gott! vernimm mein weinen, Und er, mein helfer, hörte gern, Ließ hülf und trost erscheinen. Deß dank', o gott, deß dank ich dir! Dankt alle, danket gott mit mir! Gebt unserm gott dieebre! 5. Er, er wird des erbar mens nicht, Auch nicht des wohlthuns můde; Er bleibt der seinen zuversicht, Ihr ses gen, heil und friede. Mit va terhånden leitet er ein volk 7. Und hätt' ich auch viel taufend zungen, So würde deines wohlthuns preis Nie würdig gnug von mir besun: gen, Auch bey dem allergröß: ten fleiß. Denn mehr, herr! als ich rühmen kann, deine huld an mir gethan. Hat 8. Jedoch du siehst mit wohlgefallen Auch auf des her zens redlichkeit, Und hörest selbst das schwache lallen Der deinen mit zufriedenheit; Du hörst es, wie ein vater pflegt, Der seiner finder schwachheit trägt. 9. Drum soll mir deine huld und gute Beständig, gott! vor augen seyn. Ich will mit redlichem gemüthe Mein leben deinem lobe weihn, Bis ich vollkommner deinen ruhm Erheb im höhern heiligthum. Mel. Es ist das heil uns kommen. 434 ob, ehr und preis dem höchsten gut, Dem vater aller gute! Dem gott, ber alle wunder thut, Dem gott, der das gemüthe Bekümmerter mit trost er quickt, Wenn bange noth sie durch trübsal, wist' und meer. Gebt unserm gott die ehre! 6. Wenn alle hülfe mangeln will, Wenn kein mensch mehr kann rathen; Eo feget er der noth ein ziel Durch wunder volle thaten, und zeigt, daß er nur helfer sey, Allweise, mächtig, gnädig, treu. Gebt unserm gott die ebre! 7. Ich will, o gott! dich 325 Der spotter beer werd' selbst ein spott; Der herr ist gott! der herr it gott! Gebt gott, dem höchsten ebre! geist und leib verehre dich! Gebt unserm gott die ehre! 8. Ihr, die ihr Christi na men nennt, Gebt gott, dem höchsten, ehre! Thr, die ihr gottes macht erkennt, Gebt 9. Kommt, laßt uns vor fein angesicht Mit freud und zittern dringen; Bezahlet die gelobte pflicht, Und laßt uns fröhlich singen: Der herr bat alles wohlbedacht, und alles, alles wohl gemacht; Preis gott, dem höchsten, ehre! ihm, und dank, und ehre! Lob und Danklieder. lebenslang, Und einst noch ewig ehren; Man soll, berr! meinen lobgefang an allen orten hören. Mein ganzes herz ermuntre fich, Mein Vom öffentlichen Gottesdienste. Pflicht und Nutzen des öf haus des herren flieht, Wer 435. ſich sich des gottesdienstes schámet, 4. Wer nicht sein ber; vom fentlichen Gottesdienstes. stolz bezahmet, Und frech das Mel. Wer nur den lieben gott. en höchsten öf entzieht, Der raubt gott eine heilge pflicht, Verachtet ihn, und ehrt ihn nicht. ren, und in das haus des herrn zu gebn, Um ehrfurchts: voll sein wort zu hören, Anbetend vor ihm gern zu stehn, Ist eine pflicht, wozu der christ, So lang' er lebt, verbunden ist. 2. Wie billig ists, das höchste wesen, Durch das der mensch ist, lebt und denkt, Den herrn und richter aller wesen, Den, der uns jede wohlthat schenkt, Mit lob' und preise zu erhöhn, Und nene huld uns zu erflehn! 3. Wenn du nur in der still' ihn ehrest, 3war Jesum deinen heiland nennst, Doch nicht ihn öffentlich verehrest, Nicht ihn auch vor der welt bekennst; Bist du dann sein? bist du ein christ, Der der erlösung würdig ist? 5. Auch deinen nächsten zu erbauen, Mußt du zum gotteshause gehn. Wie viele sind, die auf dich schauen, Die bloß auf andrer beyspiel sehn! Wenn er durch dich nun tråge wird, Bist du es nicht, der ihn verführt? 6. Und selber uns in unsern pflichten, Bey unsrer schwäch' und dürftigkeit, Nech immer mehr zu unterrichten, Und fest zu seyn in freud' und leid; Wie nöthig ist dies nicht, o christ, Der du geneigt zu fehlen bist! 7. Wie schwach sind unfre eignen kräfte! Wie schwach erkenntniß und verstand! Der 326 Vom öffentlichen Gottesdienste. gottesdienst ist ein geschäfte, Wozu gott gütig uns verband, Ein mittel, das uns muth und kraft 3um glauben und zur tugend schafft. finder liebt, und liebreich gnad um gnade giebt. 10. Wie nichtig sind der er de freuden Dem, der des himmels freuden schmeckt! Wie süß der trost, wenn man im leiden Sein herz dem besten freund entdeckt! Wie nichts ist alles glück der welt Dem, der mit gott sich unterhält. 11. Kommt, fromme chri: sten, theure brüder! Vereint im geist vor gott zu stehn, Und alle, eines leibes glieder, Den großen schöpfer zu erhöhn. Frohlockend preiset Jefum Christ, Der unser haupt und mittler ift. 12. Dann laßt uns schmecken und empfinden, Wie freundlich gott den feinen ist; Er, der die menge unsrer funden, So bald wir buße thun, ver gißt, Bon neuem uns als 13. Bereite selbst, herr kun: fre seelen, Vertreib aus uns des irrthums nacht; Laß uns der wahrbeit nicht verfehlen, Die du uns selbst hast kund gemacht, Damit dein großer ruhetag Uns ewig dort beglücken mag. 8. Wie manchen trost hab' ich empfunden, Wenn ich das wort des herrn gehört! Wie lieb' ich euch, ihr frohen stunden, Da man anbe: tend gott verehrt, Und, um das ewige bemüht, Sich aller erdensorg' entziebt! Würdige Sonntagsfeyer. Mel. Herr Jesu Christ, mein's. 9. Nichts gleicht dem himm- 436. gott! du bist lischen entzücken, Das hier ein frommes herz belebt, Wenn es in sel'gen augenblicken Sich im gebet zu gott erhebt, Und voll des glücks, das es genießt, Von dank und freu: den überfließt. mein preis und ruhm; Mein herz sey ganz dein eigenthum. Laß mir den fonntag heilig seyn, Und gern ihn deinem dienste weihn. 2. Gieb, daß ich mein ge müth bewahr, Wenn ich mit deiner christenschaar Zu deines hauses ståtte geh, Daß ich mit ehrfurcht vor dir steh. 3. Erinnre felber meinen geist, Daß du mir gegenwärtig seyst, Damit ich deines wortes lehr Mit, andacht und mit nußen hör. 4. Drück alles tief ins herz hinein, Und laß mich nicht bloß hörer seyn; Steh mir mit deiner gnade bey, Daß. ich des wortes thåter ſey. 5. Hilf, daß ich deinen ruhetag 3u meinem segen feyern mag. Bewahr mich vor dem sinn der welt, Die deinen tag verächtlich hält. 6. Doch laß mich nicht das bey bestehn, Dich nur des sonntags zu erbóbn; Herr! meine ganze lebenszeit Sey deinem dienst und ruhm geweiht. Vom offentlichen Gottesdienste. 327 8. Dich bet' ich an, du to: Mel. Wend ab beinen zorn. 437. Dies iſt der tag desüberwinder! Der du an zum segen ein geweihet; Ihn feyert gern, wer deiner, gott! sich freuet. laß auch mich mit freuden vor dich treten, Dich anzubeten! diesem tag zum heil der füns der, Die, fern von gott, in todesschatten saßen, Dein grab verlassen. 9. Dein siegstag ist ein tag des heils der erden; Als sabbath muß er mir stets bheilig werden. Lob sey, erlöser, deinem großen namen Auf ewig, amen! Mel. Vom himmel kam der. ies, chriften, 3. freu ich mich, die ståtte zu begrüßen, Wo' dür: 438. Dift der tage stenden des Lebens bäche fliesen, Und wo dein heil von der erlösten zungen Froh wird besungen! des herrn; Geschäft und müh sey von euch fern, Kommt vor des höchsten angesicht Und grund freuet euch in seinem licht. 2. Kommt, betet euren schos pfer an, Und rühmt, was er an euch gethan! Ihn preifen ist der christen amt; Drum preist und lobt ihn allesammt. 3. Rühmt seine weisheit, kraft und rath, Da er aus nichts erschaffen hat Den himmel und die ganze welt, Und alles, was sie in sich hält. 2. Dich rühmt der lobges fang der himmelsheere; Auch unser tempel schall' von deiner ehre. Auch unser dank und unsers geistes flehen Soll dich erhöhen! 4. Vergebens lockt die welt zu ihren freuden, Mein geist soll sich auf gottes auen weis den; Sein heiligs wort, das feine boten lehren, Das will ich hören. 5. Mit andacht will ich, höchster! vor dich treten. Ich weiß, du liebst, die kindlich zu dir beten. Der thoren glück, die sich der sünde freuen, Wirst du zerstreuen. 6. D! laß auch heute deis nen geist mich lehren, Vom weg, der dir mißfällt, mich abzukehren. Regiere mich, daß meine ganze seele 3um ziel dich wähle. 7. Dein tag sey mir ein denkmal deiner gute, Er bring' mir heil, und lenke mein ges můthe Auf jenen trost, den uns dein sohn erworben, Da er gestorben. 4. Und als er ihren bau vollbracht, hat er den mens schen auch gemacht, Den er nach seinem ebenbild Mit weisheit und verstand erfüllt. 5. Erkennt, um euch voll dank zu freun, Wie er durch seine gut allein Uns täglich schüßet und ernährt, Und manches unglück von uns kehrt. 6. Denkt auch, daß heute Jesus Christ Vom tode auferstanden ist, und durch die 328 Vom öffentlichen größe seiner macht Das leben an das licht gebracht. 7. D gott! der du den er denkreis Erschaffen haft zu deinem preis, Und auch in tribsal und gefahr Uns treu bewahrt so manches jahr; 8. Hilf, daß wir voller dankbegier Erkennen, was du für und für Durch deine weis: heit, gut und macht Gethan, geordnet und vollbracht. 9. Du sieger über tod und grab, Der sich für uns zum opfer gab! Laß uns der wohl that würdig seyn, Und mach uns von den sünden rein. 10. Laß deiner auferstehung kraft, Die neues leben in uns schafft, Uns mit dem hohen troft erfreun, Einst ewig, herr! ben dir zu seyn. 11. D heilger geist! laß uns dein wort So hören heut und immerfort, Daß sich in uns durch deine lehr Glaub', lieb' und hoffnung reichlich mehr.315 12, Erleuchte uns, du wah: res licht! Entzeuch uns deine gnade nicht; Sey unser trost in aller noth, Stárk uns im leben und im tod. Gottesdienste. 2. Wohl dem, der dich in deiner hütte, Gott, zu vereh: ren, ernst beweist! Du hörst sein lob und seine bitte, Und stárkst mit neuer kraft den geist, Daß er auf deiner wahrheit bahn Rechtschaffen vor dir wandeln kann. Mel. Wer nur den lieben gott. 439, ie lieblich ist doch, herr, 3. Dein wort bleibt nie: mals ohne segen, Wenn man's nur recht zu herzen nimmt. Es giebt uns troft auf trúb: falswegen, Die du zu unserm heil bestimmt, Es giebt im fampf uns muth und kraft, Und ist ein schwerdt, das sieg verschafft. 4. Gott! laß auch mir bein antlitz scheinen; Dein sab: bath bring auch mir gewinn, Wenn andachtsvoll ich mit den deinen Vor dir an heilger ståtte bin. Laß dir das lob, das wir dir weibn, Ein ans genehmes opfer seyn. 5. Ja, du bist fonn' und schild den frommen, Du, herr! giebst ihnen gnad und ehr; Und wer nur erst zu dir gekommen, Dem fehlt das wahre glück nicht mehr. Was du verheißest, hältst du fest; Wohl dem, der sie auf dich verläßt: Vor der Predigt. Mel. Liebster Jesu, wir sind hier. die stätte, Da deines namens ebre wohnt! I gieb, daß ich 440. Sefu Chrifte! wir fie gern betrete, Weil da dein fegen die belohnt, Die deines wortes sich erfreun, Und dir des herzens andacht weihu. sind Um dein heilig wort zu hören, Schent uns andacht und bes gier Zu den süßen himmels loren, Daß die herzen von Vom öffentlichen Gottesdienste. der erden Ganz zu dir gezo: gen werden. 2. Dieses lebens wissen: schaft Bleibt mit finsterniß umhüllet, Wenn nicht deines geistes fraft Uns mit licht von gott erfüllet. Lehr uns denn aufs wort recht merken, Laß es uns zum leben stärken. 3. D du glanz der herr lichkeit! Licht vom licht aus gott geboren! Heiligster! von ewigkeit Hast du dir uns auserfohren; Lehre deines himMel. Alle menschen müssen sterben. mels erben, Recht zu leben, 443. Auch zu haus' und recht zu in der Mel. Herr Jesu Christ, bich zu. 441.Der er du stets un fre zuflucht bist. Sen mit den deinen, Jesu Christ! Send uns den geist, der uns regiert, Und uns den weg zur wahrheit führt. 2. Er stárkt den wanken: den verstand, Macht deine lehre uns bekannt, Er flammt zur heiligkeit uns an, Er leitet uns auf rechter bahn. 3. Hallelujah! einst singen wir, Gott! heilig, heilig, heilig, dir, Und schauen dich in deinem licht, Von angesicht zu angesicht. 329 leben. Gieb dem glauben solche stårke, Daß er thätig sey im werke. 2. Unser gott und vater! du, Du nur lehrst uns, was wir sollen. Schenk uns deine kraft dazu, Gieb zum wissen auch das wollen, Und zum wollen das vollbringen; So wird alles wohl gelingen. Pflicht und Nugen des häuslichen Gottes: dienstes. Beym Beschluß des Gots tesdienstes. Mel. Liebster Jesu, wir sind hier. ochster gott! wir 442. danken dir, Daß du uns dein wort gegeben. Hilf uns ferner, daß auch wir Nach demselben heilig Christ! vergiß der andacht nicht. Sie führt dich zur segensfülle, Sie ist eine sel'ge pflicht. Vor gott tåglich mit den deinen Dankbar im gebet erscheinen, Bringt viel vors theil, bringet lust, Trost und ruhe deiner brust. 2. Solltest du nicht den erheben, Der dir täglich gutes schenkt, Der dir fristet glück und leben, Jede stunde dein gedenkt? Kannst du rettung deiner fünden, Kannst du neue gnade finden, Wenn du nicht zu gott hingehst, Und um huld und wohlthat flehst? 3. Welch ein fegensvoll geschäfte Ist ein häusliches gebet! Muth zur arbeit, luft und kräfte Giebt gott dem, der zu ihm fleht. Tröstung in betrübten fromme stets gefunden, Die im gottesdienst bereint, Stille thránen ihm geweint. 4. Sichtbar mehit sich Vom öffentlichen Gottesdienste. 330 glaub' und tugend, Glück und segen blüht und grúnt, Wo das alter und die jugend Gott mit mund und thaten dient; Aber unordnung und sünden Wird man in den häusern finden, Wo man lebt, wie ohne gott, Weder denkt an pflicht, noch tod. 6. Drum, o chrift! ein jeder morgen Jedes abends ruh'ge zeit, Eine stunde, frey von sorgen, Sep vor allen gott geweiht. Bete selbst, bet' mit den deinen; Gott hörts und erfreut die feinen; Achtsam lies die heilge schrift, Sie lehrt, was' dein heil betrifft. 5. Gute fromme kinder has 7. Höchster! mache dies ges ben, Froh in seinem hause schäfte Allen häusern theur seyn, Treue hausgenossen ha- und werth; Gieb dazu uns ben; Gott! wie muß dies trieb und kräfte, Hindre, glück erfreun! Im gebet ist was es uns erschwert; Laß reiz zur tugend Für das alter, dir unser schwaches lallen für die jugend; Sich einans In der stille wohlgefallen, der zu erbaun, Wirket lieb' Bis wir ewig vor dir stehn, und fromm vertraun. Und mit engeln dich erhöhn. Pflichtmäßige Gesinnung gegen Jesum, den Erlöser der Menschen. dahin gegeben. Es komme mir nie aus dem sinn, Wie viel ich dir, hert! schuldig bin; 444. bringt mir das leben. Durch deines opfers ew'ge kraft Hast du, o herr! auch mir verschafft, Was mich vor dem verderben schüßt, Was meinem geiste ewig nutt. Herr Jesu Chrift! Wie liebst du mich! Wie liebst du mich! Gieb, daß ich ewig liebe dich. 3. Mit inbrunst fleh ich, herr! zu dir: Befördre du doch selbst in mir Ein gläubiges gemüthe; Mich dürftet, gleich dem dürren land, Bey deiner liebe unterpfand, Nach deiner großen güte. Ich fühle, berr! Preis für die Erlösung. Mel. Herzlich lieb hab ich dich. elobt sevst du, Gelobt für unsers mittlers tod, Der uns das heil erworben. Wie hast du, gott, auch mich geliebt! Er, der uns ewigs leben giebt, Ist auch für mich gestorben. Mein ganzes herz frohlockt in mir. O vater! ich lobsingedir. Gieb, daß ich jeden tag aufs neu Mich deiner vaterhuld ers freu. Gott meines heils! Sen ewig mein, Und laß mich dir recht dankbar seyn. 2. Voll froher ehrfurcht beug ich mich Vor dir, sohn gottes! der du dich Für mich Pflichtmäßige Gesinnung gegen Jesum, den Erl. 2c. 331 was mir gebricht: O! stårke für; Wer kann dich gnug ers meine zuversicht, Daß du auch mein versöhner seyst, Und mich vom ewgen tod befreyst. Herr! dieser troft Sey fest in mir, Sen fest in mir; So dien' ich voller freuden dir. heben? Eh noch die welt ward, warst du schon, Groß, herrs lich und des höchsten sohn, Ein erbe deiner ehre. Dein ist das reich, die herrlichkeit, Und du beherrschest weit und breit Der creaturen heere. 2. Dein sind sie; denn Durch wessen kraft Ward himmel, meer und erde? Wer hat das leben uns verschafft? Wer sprach zum engel: werde! Du bist das wort, durch. welches gott Der ganzen welt zu seyn gebot. Du bists, der alles tråget, Was sichtbar und unsichtbar ist, Was erd' und himmel in sich schließt, Und was im meer sich reget. 3. Und dennoch bist du uns zu gut In diese welt gekommen, Hast willig unser fleisch und blut, O herr! an dich ges nommen. Aus der erschrecklichsten gefahr 3u retten, was verloren war, Wardst du ein fluch auf erden. Dhuld, die sonst nichts gleiches hat! Du starbst für unsre missethat, Ein heiland uns zu werden. 4. 3ur weisheit und gerechtigkeit, 3ur heiligung und seligkeit Bist du mir ausersehen. Auch mir zum herrlichsten gewinn Sabst du dein leben willig hin; Drum hór icht auf mein flehen. Mein heiland! zeuch mich ganz zu dir, Ja, durch den glauben wohn in mir; So nimmt in mir die seelenruh, Und meines herzens beßrung zu. Mein herr und gott! Berlaß mich nicht, Verlaß mich nicht! So komm ich einst nicht ins gericht. 5. Zu deinem himmel hilf du mir. Der freuden fülle ist bey dir; Laß mich sie einst genießen. Belebe mich mit muth und kraft, So meine ganze pilgrimschaft zu führen und zu schließen, Daß mir dein wort stets heilig sey, Daß ich, bis in den tod dir treu, Mit freuden thu, was dir gefällt, Und dich auch ehre vor der welt. O herr, mein heit! Sey stets mit mir! Sey stets mit mir! So komm ich einst gewiß zu dir. Met. Un wasserflüssen Babylon. 445. Sub, ehre, preis und dank sey dir, Jesu, unser leben! Preiswürdig bist du für und 4. Du wardst es uns, und bist es noch Jetzt auf des him. mels throne, Suchst liebreich von der fünde joch Uno ih= rem schnöden lohne, Die ihr noch dienen, zu befreyn; Beschwerter herzen trost zu seyn, Ist deines herzens freude. Du giebst den müden ſeelen rub, Und wer dich liebt, den stärkest du, Daß nichts ihn von dir scheide. 332 Pflichtmäßige Gesinnung gegen Jesum, 5. Du hörst der deinigen sollen, Wenn sie an dich gebet, Und endest ihre plage, glauben wollen? Du bleibst, bis zeit und welt vergeht, Ben uns noch alle tage. Herr, dir sey ewig dank und rühm, Für deinen tod und marterthum, Für alle deine lie: be! Dir geb ich mich zu eigen hin; Gieb, daßichmich, so lang' ich bin, In deinem lobe übe. 4. Du hast dich deiner herr: lichkeit Entäußert, eine kurze zeit Für uns von gott ver: lassen; Und nun mit ehr und ruhm gekrönt, Nun machst du selig, die versöhnt, Der sünden gráuel hassen. Sün bern Willst du Gern vergeben, Ihnen leben Geben allen Nach des vaters wohlgefallen. 5. Vom aufgang bis zum untergang Erschallet dir der lobgesang Erretteter gerechten. Unzáhlbar sind die schaaren schon, Die gerne dir vor dei nem thron Ein würdig lob lied bråchten. Shrer, Jesu! Jesu! werden Mehr auf erden Dir lobsingen, Preis und dank und ruhm dir bringen. 6. Wie groß, wie angebe: tet ist Dein nam', o herrscher, Jesu Chrift! Wie herrlich bey den deinen! Doch führst du uns zu deiner ruh, wie weit herrlicher wirst du Den deinen denn erscheinen! Ewig Müsse Dir zur ehre Ihrer chóre Lob erschallen, Durch die himmel wiederhallen! Gläubige Zuversicht zu Jesu. Mel. Wo soll ich fliehen hin. 447. Mein Jesus ist getreu; Ju noth steht er mir bey. Auf ihn ist gut vertrauen; Drum will ich auf ihn bauen. Ihm bleibt mein herz ergeben Im tod und auch im leben. 2. Der welt armselger lohn Mel. Wie schön leucht't uns ber. 446. Wie groß, wie angebetet ist Dein nam', o herrscher, Jesu Chrift! Wie theuer deinem volke! Welch licht ging in der finsterniß Mit dir der welt auf! wie zerris, Wie floh des irrthums wolfe! Als du, Heil, kamst, Hörten taube, Und der glaube Half den kranken; Stumme fangen, dir zu danken. 2. Nur fischer waren's, die dein licht Verbreiteten, die weisen nicht. Wo sind sie wo die hohen? Und wo die reichen? wo die macht, Vor der des gößendienstes nacht Und seine schatten flohen? Macht nicht, List nicht; Dei ne gaben, Mittler! haben Dich verklåret, Uns den weg zu gott gelehret. 3. Wir werden deinen ruhm erhöhn; Wir werden deine himmel ſehn, Den preis von deinen leiden, Genießen, weil du für uns starbst, Was du uns durch dein blut erwarbst, Der engel bobe freuden. Was find Menschen, Daß auch fünder Gottes finder Werden den Erlöser der Menschen. 333 Ist schaden, schmach und hohn. Mein trost, mein heil, der Wer den nicht will ererben, Der muß der welt absterben, Muß ihrer nicht begehren, Und sich zu Jesu kehren. 3. Umringet mit gefahr, Nehm ich viel feinde wahr, Die wider mich sich legen. Du, Jesu! bist zugegen, Du lenkst das herz; auch feinte Verwandelst du in freunde. 4. In aller meiner noth, Und war es auch der tod, Bist du's, der für mich ringet, Und noth und tod bezwinget; Ja. vor der hölle schrecken Kann mich dein schuß bedecken. 2. Uch alles, herr! hab ich von dir, Den leib, die feele gabst du mir, Und dies mein erstes leben; Gieb, daß ichs deiner liebe weib, Und meis nen brüdern nüglich sey, Mit dem, was du gegeben. Laß, mittler! mein erfenntniß rein, Und heilig meinen wandel, seyn, Im freuze dir getrost vertraun, Und nur auf deine hülfe schaun. Ach, Jesu Chrift! Mein herr und gott! Mein herr und gott! Hilf mir in meiner letzten noth! 3. Gieb, daß dein engel meinen geist. Wenn dich mein lettes loblied preift, In abrams schooß einst trage. Der leib ruh sanft in seiner gruft, Bis ihn dein wort ins leben ruft, Un jenem großen tage. Und kommst du dann zum weltgericht, So segne mich dein angesicht. Uch, richter, laß mich ohne graun, Dich dann auf deinem throne Liebe gegen Jesum. Mel. Herzlich lieb hab ich dich. 448. Aus ganzem herz schaun! Herr Jesu Christ! Erhöre mich! Erhöre mich! So preif' ich ewig, ewig dich. zen lieb ich dich! Nach gnade, heiland! dürftet mich, Die meine seele labe. Die ganze welt erfreut mich nicht, Nach erd und Mel. Ich ruf zu dir, herr Jesu. himmel frag ich nicht, Wenn 449. Jefu Chrift! mein höchstes ich nur dich, herr! habe, Und wenn mein herz im tobe bricht, Bist du doch meine zuversicht, mich erlöst, Der mich im tode nicht verstößt. Uch Jesu Christ! Mein berr und gott! Mein herr und gott! Ein schlum: mer sey mir einst der tod! 5. Wenn sündenschuld mich plagt, Und mein gewissen nagt. Alsbald eilt deine gnade, Daß ich mich ihr entlade; Tein leiden und dein sterben, Das läßt mich nicht verderben. 6. Sey, Jesu! auch hinfort Mein beystand, schuß und hort. Laß meinen fuß nicht gleiten, Und hilf mir muthig streiten; So will ich deinen namen Von herzen preisen, amen. gut, Mein teil, mein trost, mein leben! Der du für mich dein theures blut Und leben 334 Pflichtmäßige Gesinnung gegen Jesum, hingegeben; Gieb, daß ich, als dein Dich Freude an Jesu. Mel. Jesu, meine freude. Herzlich lieb und ehre, Nichts 450. Je! Beſter troft begehre, Als daß ich deinen ruhm Mit mund und that vermehre. im leide! Bestes gut im glück! Du hast meine liebe, Du fühlst meine triebe, Un dir bångt mein blick. Hab ich dich, Wie reich bin ich! Doch beglückt kann ich auf erden Ohne dich nicht werden. 2. Gieb, daß kein andrer trieb in mir, is dich zu lie: ben, lebe, Daß ich mit herr: schender begier Dir zu gefallen strebe. Nimm alles, alles von mir hin, Was dich und mich kann scheiden; Eitle freuden, Die dir mein herz entziehn, Laß mich mit ernst vermeiden. 2. Unter deinem schirme Können keine stürme Mir er schrecklich seyn. Laß auch feb sen splittern, Laß den erdkreis zittern, Und den einsturz dråun; Was ists mehr? Rings um mich her Mag es don: nern, krachen, blizen; Jesus will mich schützen. 3. Du hast mich je und je geliebt, Mich stets zu dir gezogen; Eh ich noch etwas guts geübt, Warst du mir schon gewogen. Laß noch, freund meiner feligkeit! Mich deine liebe leiten und begleiten, Und sie zu jeder zeit Mir hülfreich stehn zur seiten. 4. Laß meinen stand, darin ich steh, Herr! deine liebe zie: ren, Und wenn ich etwa irre geb, 3u dir zurück mich führen. Laß sie mich stets des christen pflicht Und jede tus gend lehren, Und mir wehren, Daß welt und sünde nicht Mich blenden und bethören. 5. Laß sie mir freudigkeit im leid, In schwachheit starke geben; Und wenn du, nach vollbrachter zeit, Mich rufft aus diesem leben, Ach! dann laß deine lieb und treu Auf mich mit trosfte blicken, Mich erquicken, Und, aller leiden frey, In ewigkeit beglücken. 3. Donnert auch im grims me Des gesetzes stimme; Je fus stillet sie. Mag der tod sich nahen, Mich das grab umfahen; Jesus läßt mich nie. Mich schreckt nicht Das weltgericht; Freudig, daß ich Jesum fehe, Blick ich auf zur höbe. ben 4. Wer ist, der den glau Meinem herzen rauben, Ihn erschüttern kann? Bey der hölle toben Stimm ich, gott zuloben, Freudenlieder an. Sesu macht Hålt mich in acht; Die kann selbst der hölle wü then Ruh in eil gebieten. 5. Lockt nur, gold und schäße! Ehre sey der gåse Der betrognen welt! Mich sout ihr nicht blenden, Nicht von dem mich wenden, Der mich treu erhält. Elend, noth, den Erldser der Menschen. Kreuz, schmach und tod Soll mich, ob ich viel muß leiden, Nicht von Jefu scheiden. 6. Weicht, des eiteln liebe! Weicht, des fleisches triebe! Thoren täuscht nur ihr. Mich sollt ihr, ihr fünden, Nie mehr willig finden, Fliehet fern von mir! Ueppigkeit, Stolz, schmähsucht, neid, Ihr bes schweret das gewissen; Euch will ich nicht wissen. 7. Weichet, forg' und zagen! Schweiget! bange flas gen! Jesus ist ja mein! Je: den, der ihn liebet, Muß, was erst betrübet, Noch zu: legt erfreun. Hab ich hie Viel angst und müh; Jefu! auch im bángsten leide Bleibst du meine freude. 1 Sehnsucht nach der Ver. einigung mit Jesu. Mel. Wie schon leucht't uns der. ie herrlich strahlt 451.W ber morgens stern! O welch ein glanz geht auf im herrn! Wer sollte sein nicht achten? Glanz gottes, der die nacht durchbricht! Stern Jacobs! sieh nach deinem licht Mein' augen sehnlich schmach, ten. Jesu! Jesu! Schön und prachtig! Groß und mächtig! Reich an gaben! Ueber alles hoch erhaben! 2. Du hier mein leben, dort mein lobn! Sohn gottes und des höchsten sohn! Des himmels großer könig! Aus vol: lem herzen preif' ich dich, hab ich nur dich, so rúbret mich, Was alle welt reizt, wenig. 335 Komm doch! Komm doch! Wahrlich keiner Trófet deiner, Brod des Lebens, Wenn ihn hungert, sich vergebens. 3. In dir nur kann ich selig seyn. Geuß tief, tief in mein herz hinein Die flamme deis ner liebe; Daß in mir nichts, als inbrunst sey, Kein weltsinn deine leiben scheu, Kein undank dich betrübe. Nach dir, Nach dir, Den ich fasſe, Nun nicht lasse, Ewig wähle, Dürstet meine ganze feele. 4. Von gott strahlt mir ein freudenlicht, So oft dein lieblich angesicht Sich neigt, mich anzublicken. Mein Jesu, du mein höchstes gut, Dein wort, dein geist, dein leib und blut, Kann feelen recht erquicken. Speif' mich, Tränk mich, Seligmacher! Daß ich schwacher, Daß ich erde Hims melsfreuden innen werde. 5. Und wie, gott vater, preif' ich dich! Gott! ewig, ewig hast du mich In deinem fohn geliebet. Dein sohn hat mich ihm fest vereint, Er felbst, mein könig, ist mein freund. Troß dem nun, was betrübet! Seele! Seele! Ihn, den sieger Stolzer krieger, Wähl zum freunde; Und dann fürchte keine feinde. 6. Ihm, welcher höll und tod bezwang, Ihm, ihm muß unser Lobgefang Mit jedem tag erschallen; Dem lamme, das erwürget ist, Dem freun: de, der uns nie vergißt, 3um ruhm und wohlgefallen. To 336 Pflichtmäßige Gesinnung gegen Jesum, net! Tönet! Jubellieder! gott; Dann schwieg ich furcht: Schallet wieder, Daß die erde sam, schámte mich, Ein christ Ganz voll seines lobes werde. zu seyn, und scheute Mehr ihren spott, als dich. 7. Wie freu ich mich, o Jesu Christ, Daß du der erst' und letzte ist, Der anfang und das ende! Du schließest selig meinen lauf, Du wedst mich auch von todten auf; Deß klopf ich in die hånde. Amen! Amen! Ja, wir wissen, Daß wir müssen, Wenn wirtrauen, Noch dereinst dein antlig schauen. 5. O du, der du dein le: ben, Du herr der ewigkeit, So willig hingegeben Für meine seligkeit! Wie undanks bar, wie schwach war ich, Daß ich den spott der fünder Mehr fürchtete, als dich! Sreymüthiges Bekenntniß der Religion Jesu. Mel. Wenn meine sund' mich. on furcht dahin 6. Uch rechne nicht zur sünde Mir diese schwachheit zu! Den schmerz, den ich em pfinde, Erlöser! siehe du. Du schenktest Petro seine schuld; Bedeck auch mein vergeben 452. V gerissen, Ber: Mit deiner lieb und huld. 7. Laß diese meine roue Mir unvergeßlich seyn, Ich will zu ew'ger treue Dir mei ne seele weihn; Dich zu ver: leugnen, herr, mein gott, Das fürchte meine feele Weit mehr, als selbst den tod! leugnet Petrus dich. Bald straft ihn sein gewissen, Da weint er bitterlich; Tief drin get ihm dein blick ins herz, Er. flebt zu dir um gnade, Und du stilst seinen schmerz. 2. Wie wuchs nun deines zeugen Beständigkeit und muth! Furcht konnt ihn nie mehr beugen, Für dich, herr! flop fein blut; Dich, sei nem herrn und seinen gott Verherrlichte sein leben, Vers herrlichte sein tod. 8. Ich will dich frey bekennen; Wenn gott gericht einst hålt, Wirst du mich auch bekennen Dem richter aller welt. Dein kreuz ist meine zuversicht; Selbst denen, die dich schmähen, Verhebl' ichs, Jefu! nicht. 9. Bedeckt von deiner gna: be, Beracht' ich ihren spott; Wer ist es, der mir schade? Du hilsst mir aus, mein gott! Von meinem haupte fällt kein haar, Und drohten sie mir alle Die schrecklichste gefahr. 3. Betrübt ist meine seele, Erfüllt mit reu und schmerz; Was hilfts, daß ichs verheble? Du schaust mir ja ins herz! Bekennen will ich es vor dir: Ich hab dich oft verleugnet; Vergieb, vergieb es mir! 4. Wenn deines namens haffer Dich schmähten, wenn ihr spott Von ihrem mund als wasſer Dabin floß wider 453. Welch Nachfolge Jefu. mel. Machs mit mir, gott, nach. hobes beyspiel gabst den Erlöser der Menschen. 337 du mir, Mein heiland, durch auf dich, Komm, folge mir, dein leben! Sollt ich nicht und thu, wie ich. Dir gern und mit begier nachzuahmen streben? Und nicht den weg, den du betratst, Uuch gehn, und das thun, was du thatst? 2. Dein herz war voller beiligkeit, So rein, wie deine lehre, Dein thun, lieb und rechtschaffenheit, Dein enda Mel. Ich dank dir, gott, durch. zweck, gottes ebre; Sür uns 454. Erheb, o chrift, allhier Und dort die ew'ge seligkeit. dein herz und finn, Fleuch denkend von der erden! Hinauf schwing dich zum himmel hin; Ein christ muß himmlisch werden. 3. Darum entäußertest du dich, Und stiegst vom himmel nieder, Wardst mensch, ein armer mensch, wie ich, Und meiner schwachheit brüder, Der bosheit raub, der leute spott, In deinem wandel gleich wie gott. 4. In knechtsgestalt er: schienest du, Um uns zu herrn zu machen. Den kranken gabst du trost und ruh, Und warst stark in den schwachen; Du trugst die leiden mit geduld, Und trugst sie sonder eigne schuld. 5. Ein opfer unsrer missethat, Liebt'st du uns doch als freunde, Erfüllt'st für uns des vaters rath, Und batest selbst für feinde. Du starbst, gehorsam bis zum tod, Und ehrtest auch im tode gott. 6. Dies große beyspiel hast du mir 3ur richtschnur hinterlassen, Daß ich gesinnet fey, gleich dir, In meinem thun und lassen. Komm, sprichst du, nimm dein freuz 7. Ich komme, berr! gieb kraft und licht. Daß ich mein heil erkenne, Dein wahrer jün ger sey, und nicht Mich falschlich nur so nenne, Damit ich, deinem beyspiel treu, Auch andern selbst ein beyspiel sey. 2. Was bist du in der welt? ein gast, Ein fremdling und ein wand'rer, Wenn du kurz hausgehalten hast, So erbt dein gut ein andrer. 3. Was hat die welt? was beut sie an? Nur schlecht' und eitle dinge; Wer einen himmel hoffen kann, Der schätzt die welt geringe. 4. Wer gott erkennt, kann der wohl noch Den finn aufs niedre lenken? Wer nur an gott denkt, denket hoch; So músfen christen denken. 5. Sieh, christ, nie sorgsam unter dich. Wenn dich die leiden drücken; Sich glaubig in die höh, und sprich: Der herr wird mich erquicken. 6. Der christen hohes bür gerrecht Ist dort im vater: lande, Der christ, der irdisch denkt, denkt schlecht, und unter seinem stande. 7. Dort ist das reiche CaY 338 Pflichtmäßige Gesinnung gegen Jesum, naan, Wo lebensstróme flies tigkeit. Laß im fampf mich sen; Blick oft hinauf! der nicht erliegen; In versuchung anblick kann Den leidenskelch steh mir bey, Mach mich verfüßen. standhaft und dir treu. 8. Dort oben ist das friedenshaus; Gott theilt zum gnadenlohne Den überwinbern kronen aus; Kampfauch um rub und frone. 9. Dort singen engelchór' aus pflicht Von gott und seinen werken; Freund gottes, sehnest du dich nicht, Dies loblied zu verstärken? 10. Dort herrscht dein hei land, Jesus Christ, Der tilger deiner sünden; Mit dem, durch den du selig bist, Muß sich dein herz verbinden. 11. Hilf, beiland! daß ich für und für Den geist so hoch erhebe, Und daß ich jetzt und ewig dir Gehöre, denke, lebe. Mel. Ach, was soll ich sünder. Refu, du mein 455. Sheit, mein les ben! Du sprichst: kommt und lernt von mir; Sieh! ich fomm, ich fomm zu dir! Gern möcht' ich mich dir er geben. Ursprung meiner fe: ligkeit! Lehr mich selbst die frömmigkeit. 4. Pflanze mir in mein gemuthe, Mittler! deine heiligs keit, Dein' geduld' und freund. lichkeit, Deine liebe, deine gute, Sanftmuth, treu und redlichkeit, Wahrheit und ge rechtigkeit. 3. Hilf, ach! hilf du mir besiegen Alle laster, haß und neid, Stolz und ungerech 5. Laß mich dir zur ehre leben, Jesu, meines berzens licht, Mein trost, heil und zuversicht! Laß mich dir seyn ganz ergeben, Laß mich fliehn die lust der welt, Und nur thun, was dir gefällt. 6. Führe mich auf deinem we gen, Gieb mir, wie dein wort verheißt, Deinen beystand, dei nen geist; Täglich gieb mir gnad und segen, Täglich weis heit, hulf und rath, Segne denken, wort und that. 7. Bis ich endlich werde kommen aus der unvollkommenheit, Jesu! zur vollkom: menheit, Und dann dich mit allen frommen, Helfer mei ner feligkeit! Preisen in der ewigkeit. Nachfolge Jesu im Leiden. Mel. Jesus, meine zuversicht. Cefu! Sesu! 2. Ach, wie ist mein herz verderbet! regt der ke mich, fünde luft Immer noch in 456. Jeff meiner brust! Boses ist mir angeerbet, Schwach ist meine tugendkraft, Mächtig blut und leidenschaft. Wil lig alle last zu tragen. Ach! mein fleisch entsetet sich Vor des bittern kreuzes plagen. Und doch soll ich auch in pein Deinem beyspiel ähnlich seyn. 2. Wer dir nachzufolgen strebt, Muß sich deiner schmach den Erlöser der Menschen. nicht schämen, Und wenn sich das fleisch erhebt, Sich zum steten kampf bequemen. Wer fein kreuz nicht auf sich nimmt, Ist zum himmel nicht bestimmt. 3. D! wie fanft wird mir die last, Wenn ichs zuversichtlich wage, Und, wie du ge= litten hast, Ruhig alle noth Jesus und sein heil, das einzige othwendige. ertrage. Dann wird, was mir 457. Eins if noth! Mel. Jesu, meines lebens leben. ist ach herr! dies und deucht, angenehm und leicht. 4. Uch! viel mehr, unend lich mehr, als ich je von kreuz empfinde, Litt'st du, allerheiligster! Für die welt, für meine fünde; Obne zahl war deine noth, Unaussprechlich schwer dein tod. 5. Durch dein freuz ers warbst du mir Kraft und muth in meinen leiden; Nun kann, Jesu! mich von dir Keine pein, kein tod mich scheiden. Werd ich muthlos, dann stärkt sich Mein er schrocknes herz durch dich. 6. Endlich nimmst du alle noth Mir von meinem wuns, den rücken, Endlich wird ein sanfter tod Den zerschlagnen geist erquicken, und in der verwesung haus Rub ich von der arbeit aus. 7. Dort, wohin du nach dem streit Triumphirend dich geschwungen, Giebst du mir die herrlichkeit, Die du durch dein kreuz errungen; Und bey dir wird jede pein Mir ein neuer segen feyn. 339 deinen hånden. Mich soll nie der lúste reiz, Nie die trübfal von dir wenden. Gern trag' ich, wiewohl noch schwach, Dir dein kreuz, mein Jesu! nach. 8. Nun, ich fliehe nicht dein freuz; Sich, ich nehms aus eine Lehre meine seele doch; Auch beym schimmerreichsten scheine Sst sonst alles nur ein joch, Unter dem das herz sich plaget, Und doch keine ruh erjaget; Alles aber wird ersetzt, Wenn dies eine mich ergont. 2. Seele! willst du dieses finden, Suchs bey keiner kreatur, Laß, was irdisch ist, dahinten, Schwing dich über die natur, Wo der gottheit füll' erscheinet Mit der menschheit selbst vereinet; Da, da ist das beste theil, Da dein alles, da dein heil. 3. So wollt einst Maria wissen, Was dies einzige vers hieß, als sie sich zu Jesu füßen Lernbegierig niederließ. Ach! wie brennt ihr herz, die lehren Aus der weisheit mund zu hören, Sie vergißt die welt und sich, Sieht und hört nur, Jesu! dich. 4. So steht, Jesu! mein verlangen Ganz und einzig nur nach dir. Uch! ich dürst an dir zu hangen, Neige du dein herz zu mir. Wenn auch viele tråg verweilen; Brenn' ich doch, dir nachzueilen. Jes Y 2 340 Pflichtmäßige Gesinnung fu! geist und leben ist, Was von deinen lippen fließt. 5. Ja, mich reizt der weisheit fülle, Die in dir verborgen liegt. Hilf mir nur, daß sich mein wille Ganz in deinen willen fügt, Daß die de: muth mich regieret, Und zur rechten weisheit führet. Mir entdeckt sich ihre spur, Kenn' ich dich, mein Jesu! nur. 6. Nichts kann ich vor gott ja bringen. Als nur dich, mein höchstes gut! Jeju! es muß mir gelingen Durch dein hei: lig köstlich blut; Mir auch hast du, herr! erworben, Als du an dem kreuz gestorben, Meinen schmuck, das reine kleid Gültiger gerechtigkeit. 7. Nun, so gieb, daß meine feele, Herr! zu deinem bild erwacht; Mir bist du, den ich erwähle, Auch zur heiligung gemacht. Was nur dient zum wahren leben, Das ist mir in dir gegeben. Ach! entreiß mich ganz der welt, Daß ich thu, was dir gefällt. Von den Pflichten Pflicht der Selbstliebe. Mel. O gott, du frommer gott. ein will' ists, 458. großer gott! Ich soll mich selber lieben, Dlaß mich diese pflicht Nach deiner vorschrift üben, und schränke selbst den trieb, Froh und beglückt zu seyn, Den du mir eingepflanzt, In heilge grånzen ein. gegen Jesum 2. zc. 8. Herr! was soll ich mehr verlangen, Da in dir mein herz nun ruht? Du bist ein: mal eingegangen In das heilge durch dein blut, Hast mich meiner sünd' entbunden, Ewige erlösung funden, Daß ich mich gott freudig nahn, Kindlich abba! rufen kann. 9. Volle gnüge, fried und freude Ists, was meine seel ergößt. Hirt! auf wie so gute weide Hast du mich, dein schaaf, versetzt! Jesu! soll ich dich nur haben, Was kann mich wohl süßers la: ben? Wo ist, was mich mehr erquickt, als wenn dich mein glaub' erquickt? 10. Drum sollst du mir nur das eine, Du nur sollst mein alles seyn; Prüf' und forsche, wie ichs meyne, Und tilg' allen heuchelschein. Wenn die welt bald lockt, bald höhnet, Sich das fleisch nach eitelm sehnet, Auch die hölle stürmt und droht, Wähl ich dich; denn eins ist noth. gegen uns selbst. 2. Gieb, daß mein ganzes herz Sich deiner liebe weihe, Und daß in allem ich Dein auge kindlich scheue. Wer als ein christ sich liebt, Der flicht auch als ein chrift, Was wis der deine furcht Und menschenliebe ist. 3. Kein schnóder eigennuß Beherrsche meine seele; Und wenn zu meinem glück Ich • Von den Pflichten gegen uns selbst. 341 weg' und mittel wähle, So laß mich stets dabey Selbsterkenntniß. Mel. Wer nur den lieben gott. Auf recht und wahrheit schaun, 459. Wer bin ich? wel mein Auf andrer elend baun. 4. Dein fluch trifft jedes - gluck, Wobei die tugend lei: det; Und glück hat der mensch nie, Der deine wege meidet. Wer unrecht liebt und thut, Erbt deinen himmel nicht. Nie treffe mich, o gott! Dies schreckliche gericht. 09 che wicht'ge frage! Gott! lehre sie mich recht verstehn. Gieb, daß ich mir die wahrbeit fage. Und laß mich achtsam auf mich sehn: Wer sich nicht selbst recht kennen lernt, Bleibt von der weis heit weit entfernt. 5. Nie blende mein gemüth Der eitelkeiten schimmer. Die welt mit ihrer lust Bergeht doch einst auf immer. Was hilft uns furze lust? Was hilft uns eitle pracht? Nicht ein vergånglich gut Isis, was uns glücklich macht. 6. Ein gott ergebnes herz, Ein unverletzt gewissen, Nur das kann uns allein Das leben hier versüßen; Das bleibt uns auch im tod, Und folgt uns aus der zeit 3um großen segen nach, Bis in die ewigkeit. 7. D felig, wer danach mit heilgem eifer trachtet, Und für sein größtes glück, Gott, deine gnade achtet! Der liebt allein sich recht, Der find't schon in der zeit Die wahre rub, und einst Vollkommne feligkeit. 8. Das sey mein zweck, mein fleiß; O fegne mein be: mühen! So wird das wahre wohl nicht meinem wunsch entfliehen. In allem dir ge treu, Und nie ein sclav der welt; So lieb ich weise mich, Und wie es dir gefällt. 2. Ich bin ein werk von deis nen hånden, Du schufft mich, gott! zu deinem preis; Dazu mein leben anzuwenden, Das ist dein väterlich geheiß. Doch leb ich als dein eigenthum, Auch wie ich soll, zu deinem ruhm? 3. Ich bin ein christ nach: dem bekenntniß; Doch bin ichs, berr! auch in der that? öffne du mir mein vers ständniß, Recht einzusebn, ob ich den pfad, Den Jesus mir gewiesen, geb? Und ob ich auch im glauben steh? 4. Du kennest unsers bers zens tiefen, Die uns selbst unergründlich sind: Drum laß mich oft und ernstlich prüfen, Wie ich, mein gott! vor dir gesinnt. Befreye mich ven falschem wahn, Der auch den klugsten tauschen kann. 5. Wer alles weiß, und doch verborgen, Und unbekannt sich selbst noch bleibt, Wie will der für sein bestes sorgen? Was ist, das den zur beßrung treibt? Sich selbst recht kennen, ist verstand; Drum mache mich mit mir bekannt. 6. Was mir zu meinem heil 342 Von den Pflichten gegen uns selbst. noch fehlet, Mein vater! das entdecke mir, Hab ich der wahrheit weg erwählet, So gieb, daß ich ihn nicht verlier. Uch! leite mich mit dei nem licht, So tauschen mich verführer nicht. 7. Bin ich noch fern vom rechten wege, Der mich zum ew'gen leben führt, So bringe mich zurück vom stege, Der ins verderben sich verliert. Gieb mir zur beßrung lust und kraft; Du bists, der beides in uns schafft. 8. Ich muß es einmal doch erfahren, Was ich hier war, und hier gethan. D! laß michs nicht bis dahin sparen, Wo reue nichts mehr helfen kann. Herr! mache mich schon hier recht klug, Und frey vom schnöden selbstbetrug. ihre plage Nur so, wie es dir wohlgefällt. 4. Sollt ich mich denn ers heben. Wenn mir in diesem leben Viel gutes wiederfährt? Was hat dich, herr! bewogen, Daß du mich vorgezogen? Bin ich auch jemals dessen werth? 5. Ich bin viel zu geringe Der huld, die ich befinge; Ganz bin, o herr! ich dein. D! laß michs nie vergessen, So werd ich nicht vermessen Der eigenliebe weihrauch streun. 6. Das nüßlich anzuwen den, Was du mit vaterhånden Mir gütig zugewandt, Dein treuer knecht zu werden, Das sey mein fleiß auf erden; Da zu gieb demuth und verstand. Mel. Nun ruhen alle wälder. 461. aß deiner welt mich dienen, Gott und mich nie erkühnen, Darüber stolz zu seyn; Bey meinen besten werken Muß ich es ofte merken, Wie we nig sie von mångeln rein. 2. Such ich stets deinen willen So eifrig zu erfüllen, Uls es dein wort gebeut? Trag ich der tugend burde, Aus kenntniß ihrer würde, Auch immer mit zufriedenheit? 3. Entzieh ich mich den fün den Auch stets aus rechten gründen? Uus wahrer from migkeit? Oft sind die guten triebe Nicht früchte deiner liebe, Nur früchte der natur und zeit. Demuth. Mel. Nun ruhen alle wälber. 460.2 Sas ich nur gutes habe, It deine milde gabe, Du vater alles tichts! Mein dafeyn und. mein leben Ward mir von dir gegeben, und ohne dich vermag ich nichts. 2. Sowohl verstand als kråste 3um nützlichen geschäfte Hab ich aus deiner huld. Dein ists, wenn gute thaten 3um glück der welt gerathen; An fehlern bin allein ich schuld. 3. Das glück, deß ich mich freue, Wer schafft mirs? deine treue, Du herr der ganzen welt! Du ordnest 4. Der fünden meiner jus unfre tage, Ihr glück und gend, Der mångel meiner tus Von den Pflichten gegen uns selbst. 343 gend, herr, gedenke nicht! Laß deiner huld, durch sichere Willst du mit deinen knechten, Wie sie's verdienen, rechten, So trifft sie alle dein gericht. heit, Durch stolz und durch vermessenheit, Mich dann nicht unwerth werden. 5. Doch, wenn auch, dir zur ehre, Rein meine tugend ware; Weß ist dies eigenthum? Wer ließ mich unter richten? Wer ließ in meinen pflichten Mein glück mich sehn und meinen ruhm? 2. Wie leicht erliegt ein sichrer sinn, Bekämpfet durch die lüfte! Sieht ruhig auf ges fahren hin, Wovor er zittern müßte! Vollkommen glaubet er zu seyn, Denkt, diese füns de sey nur klein, Und jene pflicht nicht wichtig; Nun ist er seinem falle nah, Fällt schrecklich, aber glaubt noch da, Er wandle fest und richtig. 6. Wer gab mir, dich zu lies ben, Und dein gebot zu üben, Die lust und freudigkeit? Wer stárkte meine fråfte Im heili: gungsgeschäfte? Wer gab mir muth und sieg im streit? 3. Wie schwach ist nicht der mensch! wie bald 3ur sünde fortgeriffen! Wie leicht wird nicht sein eifer kalt, Nachges bend sein gewissen! Web ihm, wenn er vermessen ist, Wenn seiner schwachheit er vergißt, In sich nur stärke siehet! Uch! ihn besiegt in jedem streit Der irrthum und die sinnlichkeit, Wenn er nicht flüglich fliehet. 4. Wer sich mit stolzem muth erböht, Kann nicht vor dir bestehen, Wer seine niedrigkeit gesteht, Den wirst du, gott! erhoben. Verachtich ans dre neben mir, Eo mißfällt meine tugend dir, Wie groß ich sie auch finde. Mein glaube selbst beleidigt dich; Denn ohne demuth macht er mich Nicht rein von meiner fünde. 5. Uch! lehre mit behutsamkeit auf meine bahn mich schauen. Und nie, o gott! in sicherheit Auf meine tugend trauen. Wenn die versuchun.. gen mir drohn, Zeig' in der 7. Du schaffst, daß ich dich wähle, Du rufft mich, wenn ich fehle, Auf rechten weg zu rück; Du ziehst mich ab von sünden, und läßt mich gnade finden, Und giebst zu meiner beßrung glück. 8. Sollt ich mich deß er heben, Was du mir, herr! gegeben? Hab ich zum lohn ein recht? Könnt ich auch als les üben, Was du mir vor geschrieben, Wer bin ich? ein unnüßer knecht. Wider Stolz und Ver: messenbeit. 462. 2enn ich, 20 Mel. Un wasserflüssen Babylon. o gott! von dir geführt, Auf deinen wegen wandle, Wenn ich, durch dei: nen geist regiert, Nach deiner vorschrift handle, Wenn mir mein herz das zeugniß giebt, Daß meine feele mehr dich liebt, Als alles gut auf erden; 344 Von den Pflichten gegen uns selbst. ferne mir sie schon, Daß ich mein stand, mein glück Und mich zeitig rüste. Aufmerksam mache meinen blick Auf diese welt, auf zeit und glück, Und auf die macht der lufte. jede gute gabe? Es ist nicht mein, es ist Ein unverdientes gut; Darum bewahre mich Vor stolz und übermuth. 6. Lehr' mich, wie unver mögend ich Bum guten bin, wie tråge; Mein täglich straucheln mache mich Vorsichtig auf dem wege. Find ich mich, herr! auf ebner bahn; So lehre mich, so sehr ich kann, Auf meine schritte wachen. Bewahre meinen fuß, daß nicht Vermessenheit und zuversicht, Und stolz mich fallen machen. 7. Mein glaube meine from migkeit, Und was ich in mir habe Bon tugend, von recht schaffenheit, Ist alles deine gabe. Ich bin nur staub, den du erschufft, Den du begnadigst und berufft. In deinem reich zu leben. Laß mich, entfernt von stolzem wahn, Mit demuth deine gab empfahn, Und dir die ehre geben. 8. So werd' ich, gott! von dir geführt, Auf deinen we gen wandeln, Durch deinen guten geist regiert. Nach deis ner vorschrift handeln. Ich werde nicht durch sicherheit, Durch stolz und durch vermes fenheit Von deinen rechten weichen. Heil allen frommen, heil auch mir! Wir werden, preis und dank sey dir! Des glaubens ziel erreichen. Mel. O gott, du frommer gott. 464. Bestobes Sorge für die Seele. Mel. Machs mit mir, gott. ald oder spåt err 463. les giebst, Von dem ich alles habe! Was ist 2. Wenn ich vielleicht der welt Mehr, als mein nächster, núße, Und wenn ich mehr verstand, als er besigt, be: fite; Bin ich drum mehr, als er? D nein! wer schenkte mir Verstand und tüchtigkeit? Uch! alles kommt von dir. 3. Wenn mir ein größres glück Nach deinem rath be gegnet, Und deine gütigkeit Mich mehr, als andre, fegnet; Giebt diese deine huld Mir wohl zum stolz ein recht? Bin ich darum nicht auch, Was andre sind, dein knecht? 4. Wenn ich, geehrt und groß, In hohen würden stehe, Und andre unter mir In klei nerm glücke sehe; Wer machte sie gering, Und wer erhöhte mich? Ist nicht mein nächster oft Viel würdiger, als ich? 5. Wie könnt' ich mich, o gott! Des guten überheben? Was ich befiz, ist dein; Du sprichst, so bin ich leben; Du sprichst, so bin ich nichts! Bon dir kömmt das gedeihn. Drum laß mich ewig fern Von stolz und hochmuth seyn. raub, Wall ich noch hier auf erden; Allein ich sterblicher, Von den Pflichten gegen uns selbst. 345 ich staub, Soll einst unsterb: giebt kraft und muth, Und lich werden, Und dann ist nur durch Christi stårke Sind mein bestimmtes theil, wir in angst und traurigkeit verwerfung oder heil. Getrost, und überwinden weit. gott! 2. Mit furcht und zittern soll der christ Nach seinem heile ringen, Verachten, was auf erden ist, Hinauf zu gott sich schwingen, Getrost den pfad der trübsal gehn, Und stand haft in versuchung stehn. 3. Noch weiß ich, daß ich laufen muß, Noch bin ich in den schranken, Noch nicht am ziele; doch mein fuß Beginnet oft zu wanken. Herr, stärke mich durch deine fraft Auf dieser kurzen pilgrimschaft! 4. So lang' ich noch ein fremdling hier, In diesem blute walle, So schaff ein reis nes herz in mir, Ein herz, das dir gefalle, Und leite mich auf ebner bahn, Durch deinen geist zu dir hinan. 5. Es sey mein ruhm, die werth zu seyn, Was du gebeutst, zu üben, Mein höchstes gut, mich dein zu freun, Von herzen dich zu lieben, Mein trost, auf deinen schuß zu traun, Und meine hoffnung, dich zu schaun! 6. Die freche thorheit dieser zeit Soll nie mir meinen glau ben, Den süßen trost der ewig: feit, Des himmels hoffnung, rauben. Was lindert sonst des lebens noth? Und was verfüßt mir einst den tod? 7. Verzagt und schwach sind fleisch und blut, Und eitel unsre werke; Der glaub allein 8. Was ist die trubsal dies fer zeit, Und alles leid der erden, Gott! gegen deine herrs lichkeit, Die kund an uns soll werden? Wie schnell flieht dies mein leben hin, Hin, wo ich ewig selig bin! 9. Heil mir! ich bin sein eis genthum; Nichts soll von dir mich scheiden, Nicht wollust, güter, oder ruhm, Nicht schmach, nicht tod, noch leis den! Ich bin durch Jesu blut erkauft, Ich bin auf seinen tod getauft. 10. Der uns in Christo alles giebt, Gott wird mich nicht vernichten; Der uns bis in den tod geliebt, Wird mich nicht strenge richten; Wenn erd' und himmel untergehn, Werd ich zum leben auferstehn. 11. Nicht trübsal mehr, nicht leid und schmerz Betrübet dort die seinen. Nicht klagen mehr wird unser herz, Nur freudenthránen weinen. Er, der für uns sein leben gab, Er trocknet unsre thránen ab. 12. Dort schauen wir und beten an Vor seinem anges fichte, Und die wir hier im cunkeln sahn, Wir werden bort im lichte Die wunder feiner liebe sehn, Des weisen wege ganz verstehn. 13. Ihr, die ihr ihn erhab ner preist, Ihr, engel, meine brüder! Dann singet mein vers 346 Von den Pflichten gegen uns selbst. flårter geist In eure jubellie: fann auch die welt Mit als der, Und eurer hohen barfen klang Ertönt in meinen lobgesang. lem, was sie in sich hålt, Mir deine anad ersetzen? 14. Du, der uns dieses heil erwarb, Laß, Jesu! michs ererben; Du, der für alle menschen starb, Laß, Jesu! dir mich sterben; Gieb, daß ich dir im leben treu, Getreu bis in den tod dir sey. 5. Was führt mich zur zus friedenheit Schon hier in dies sem leben? Was kann mir trost und freudigkeit Uuch selbst im tode geben? Nicht mena schengunst, nicht irdisch glück, Nur gottes gnade, und der blick Auf jenes lebens freuden. Mel. Wo gott, der herr, nicht. ach meiner fee: 465. len seligkeit Laß, berr! mich eifrig ringen. Sollt ich die Furze gnaden zeit In sicherheit verbringen? Wie würd ich einst vor dir bestebn? Wer in dein reich wünscht einzugehn, Muß reiInes herzens werden. 2. Erst an dem schluß der lebensbabn Auf seine fünden sehen, und, wenn man nicht mehr sünd'gen kann. Gott um erbarmung fleben, Das ist der weg zum leben nicht, Den uns, o gott! dein unterricht In deinem worte zeiget. 3. Du rufft uns hier zur beiligung; Drum laß auch hier auf erden, Des geistes wahre besserung Mein haupt: geschäfte werden. Herr, stärke mir dazu den trieb! Nichts fey so groß, nichts mir so lieb, Das ich ihm nicht aufopfre. 4. Gewonn' ich auch ganze welt mit allen ihren freuden, Und sollte das, was dir gefällt, gott! darüber meiden; Was hülfe mirs? die 6. Nach diesem kleinod, herr! laß mich Vor allen dingen trachten, Und was mir daran hinderlich, Mit edlem muth verachten. Daß ich auf deis nen wegen geb, Und im ges richt dereinst besteh, Sey meine größte sorge. 7. Doch, was vermag ich, wenn du nicht Vor trägheit mich beschüßest, Und mich zur treu in dieser pflicht Mit kräfs ten unterstüßest? O stárke mich, mein gott, dazu! So sind ich hier schon wahre rub Und dort das ew'ge leben. Mel. Kommt her zu mir, ſpricht. 466. Herr, meiner feele großen werth, Den mir dein theures wort erklárt, Laß mich mit ernst bedenken, Und auf die forge für ihr wohl So unermüdet, als ich soll, Den größten eifer lenken. 2. Wie hoch ist sie vor dir geacht't! Welch glück hast du ihr zugedacht! Wie viel an sie gewendet! Du schufft fie, gott! dein bild zu seyn. Und hast, von sünd sie zu befreyn, Selbst deinen sohn gesendet. Von den Pflichten 3.3u groß für diese kurze zeit, Bestimmt zum glück der ewig keit, Lebt fie im leib der erden, Durch glauben und gottselig: keit 3u größerer vollkommen heit Im himmel reif zu werden. 4. Mit großer treue willst du fie, Selbst durch des le= bens kurze muh Zu diesem ziele führen. D! laß mich nicht durch eigne schuld, Das heil, das teine vaterhuld Ihr zugedacht, verlieren. 5. Mit dir, o gott! vereint zu seyn, Mich ewig deiner huld zu freun, Und dich zum trost zu wählen, Das sey mein fleiß und höchster zweck; Laß mich dazu den rechten weg Aus leichtsinn nie verfehlen. 6. Wer böse ist, bleibt nicht vor dir; Drum schaffe selbst, o gott! in mir Ein herz, das funden hasset, Das seine schuld vor dir bereut, Und das zu deiner gütigkeit Durch Chriftum hoffnung fasset. 7. Gieb, daß ich dir mich ganz ergeb; Und, was ich hier auf erden leb, Laß mich im glauben leben, An dich, sohn gottes! der du mich So hoch geliebet hast, und dich Für mich dahin gegeben. 8. In meiner ganzen pilgrimschaft Laß mich, gestärkt durch deine kraft, Nach jenem kleinod trachten, Das mir dein ruf vor augen stellt, Und alle leiden dieser welt Wie nichts dagegen achten. 9. Wie felig werd ich dann nicht seyn! Schon hier wird gegen uns selbst. 347 dann mein herz sich freun, In dir, gott! ruhig leben, Und du wirst nach vollbrachter zeit Auch mich gewiß zur herrlichfeit In deinem reich erheben. Bewahrung eines guten Gewissens. 467. Mel. Nun freut euch, lieben christen. welch ein unschågbares gut, Ift, berr, ein rein gewissen! Wer dieses hat, der hat auch muth, Wenn andre zagen müssen. Sein ruhig herz erzittert nicht, Nicht vor dem tod, nicht vor gericht; Denn mit ihm hat er friede. 2. Sich deines beyfalls, gott! bewußt, Freut er sich deiner gnade. Dein friede wohnt in seiner brust, Und wer ist, der ihm schade? Auf dich sieht er bey aller noth, Womit die zukunft ihn bedroht, Ihn tröstet deine vorsicht. 3. Trifft ihn auch hier zus weilen noch Die geißel böser zungen, Bleibt seines herzens ruhe doch, Die er vor dir errungen. Er scheuet jede übelthat. Und denkt, der lúgen wird wohl rath; Gott wird die unschuld retten. 4. Sein geist sieht mit zus friedenheit Der künftgen welt entgegen, Die giebt ihm muth und freudigkeit Auf allen seinen wegen. Denn dort macht selbst, o herr! dein mund Den wahren werth der menschen fund; Da wird der fromme, siegen. 348 Von den Pflichten gegen uns selbst. 5. So hilf denn, daß ich, mir zum heil, Ein unverletzt gewissen, Des lebens allerbe: stes theil, Zu haben sey befliffen. Mit dir, gott! aus: geföhnt zu seyn, Dein heilig recht nie zu entweihn, Das sey mein größter eifer. 6. Gieb, daß ich des gewissens spruch Als deine stimme ehre, Und immer aufmerk: fam genug Auf seine war: nung höre. Erinnerts mich an meine schuld, So laß mich, vater! deine huld Voll reu und glauben suchen. 7. Mit deiner gnade steh mir bey, Und gieb, daß meine seele Auch selbst die kleinste sünde scheu, Und nie aus vor faß fehle, Denn wer nur rei nes herzens ist, hat immer auch, durch Jefum Christ, 3um trost dich, allerhöchster! Wachsamkeit. 468. Mel. Wer nur den lieben gott. icht, daß ichs schon ergriffen hátte; Die beste tugend bleibt noch schwach. Doch, daß ich meine feele rette, Sag' ich dem kleinod eifrig nach; Denn tugend ohne wachsamkeit Ber: liert sich bald in sicherheit. tugend, Oft ist sie nur das werk der zeit. Die wilde hitze rover jugend Wird mit den jahren sittsamkeit; Und was natur und zeit gethan, Sieht unser stolz für tugend an. 4. Oft ist die åndrung deiner seelen Ein tausch der triebe der natur. Du fühlst, wie stolz und ruhmsucht qua Ien, Und dampfit sie; doch du wechselst nur, Dein herz fühlt einen andern reiz, Dein stolz wird wollust, oder geiz. 5. Oft ist es funst und ei genliebe, Was andern strenge tugend scheint. Der trieb des neids, der schmåbsucht triebe Erweckten dir so manchen feind; Du wirst behutsam, schránkst dich ein, Fliehst nicht die schmähsucht, nur den schein. 6. Du denkst, weil dinge dich nicht rühren, Durch die der andern tugend fällt, So werde nichts dein herz verführen; Doch jedes herz hat seine welt. Den, welchen stand und gold nicht rührt, Hat oft ein blick, ein wort verführt. 7. Oft schläft der laster: trieb im herzen. Du scheinst von rachsucht dir befrent; Jest sollst du eine schmach 2. So lang ich hier im verschmerzen, Und sieh, dein leibe walle. Bin ich ein kind, herz wallt auf und draut, Und das strauchelnd geht. Der schilt so lieblos und so hart, sebe zu, daß er nicht falle, Als es zuerst gescholten ward. Der, wenn sein nächster 8. Oft benkt, wenn wir fällt, noch steht. Auch die bekämpfte böse lust Stirbt niemals ganz in unsrer brusf. 3. Nicht jede besserung ist der stille pflegen, Das berz im stillen tugendhaft, Kaum lachet uns die welt entgegen, So regt sich unsre leiden. Von den Pflichten gegen uns selbst. schaft; Wir werden im geräusche schwach, Und geben endlich strafbar nach. 9. Du opferst gott die schwächern triebe Durch einen strengern lebenslauf; Doch opferst du wohl seiner liebe Die stärkste, liebste neigung auf? Dies ist das auge, dies der fuß, Die sich der christ entreißen muß. 10. Du fliehst, geneigt zur ruh und stille, Die welt, und liebst die einsamkeit; Doch bist du, fordert's gottes wille, Auch dieser zu entfliehn bereit? Dein herz hast habsucht, neid und zank; Flieht's unmuth auch und müssiggang? 11. Du bist gerecht; bist du bescheiden? Liebst du bey máßigkeit geduld? Du die nest gern, wenn andre leiden; Bergiebst du feinden auch die schuld? Bon allen lastern sollst du rein, 3u aller tugend willig seyn. 12. Sen nicht vermessen, wach und streite, Denk nicht, daß du schon gnug gethan; Dein herz hat seine schwache feite, Die greift der feind der wohlfahrt an. Die sicherheit droht dir den fall, Drum wache stets, wach überall! Sorge für den Leib und die Erhaltung des Le bens. 349 nen bau verfehren, Verbietet mir dein unterricht. D! stehe mir mit weisheit bey, Daß diese pflicht mir heilig sey. 2. Sollt ich mit vorsas das verletzen, Was zur erhaltung mir vertraut? Sollt ich gering ein kunststück schätzen, Das du als schöpfer selbst erbaut? Was ist mein leib? er ist ja dein; Sollt ich denn sein zerstörer seyn? 3. Ihn zu erhalten, zu beschüßen, Giebst du mit milder vaterhand Die mittel, die dazu uns nüßen, Und zum gebrauch giebst du verstand. Dir ist die sorge nicht zu klein; Wie sollte fie denn mir es seyn? 4. Gefunde glieder, muntre kråste, O gott! wie viel sind die nicht werth! Wer taugt zu des berufs geschäfte, Wenn frankheit seinen leib beschwert? Ist nicht der erde größtes gut Gesundheit und ein heitrer muth? 5. So laß mich denn mit forgfalt meiden, Was meines körpers wohlfeyn stört, Daß nicht, wenn seine kräfte leiden, Mein geist den innern vorwurf hört: Du selbst bist störer deiner ruh, Du zogst dir selbst dein übel zu. 6. Laß jeden sinn und alle glieder Mich zu bewahren, achtsam seyn. Drückt mich die last der frankheit nieder, So flöße selbst geduld mir ein. Gewähr auch dann mir ten und ihn guten muth, Und segne, was náhren, Das ist, o schöpfer! der arzt dann thut. meinepflicht; Muthwillig seiz T. Doch gieb, daß ich nicht, Mel. Wer nur den lieben gott. 469. De es leibes war Von den Pflichten gegen uns selbst. 350 übertreibe, Was auf des lei bes pflege zielt, Nein, stets in jenen schranken bleibe, Die dein gefet mir anbe: fiehlt. Des körpers wohl laß nie allein Den endzweck meiner sorgen seyn. 8. Mein größter fleiß auf dieser erdeSey stets auf meinen geist gericht't, Daß er zum him mel tüchtig werde, Eh dieses leibes hütte bricht. Dazu, herr! fegne meinen fleiß, So leb' ich hier zu deinem preis. mäßigkeit und Enthalts samkeit. Mel. Wer nur den lieben gott. 470.2 ie mannigfal: tig sind die gaben, Wodurch uns, herr, dein wohlthun nährt, Und die, so geist als leib zu laben, Uns täglich deine hand gewährt! Auch das, was unser mund genießt, Zeigt uns, wie freundlich, gott! tu bist. 2. Du giebst uns brod für unser leben, Und unsre herzen zu erfreun, Giebst du den traus benvollen reben Mit segensreis cher band den wein. Wie an genchin ist der genuß Von dem, was uns ernähren muß! 3. Doch laß die kraft uns dies wahren christen an? Das durch wird das, was uns er: nähren, Und unfern geist ers quicken kann, Ein gift, das in die adern schleicht, und krankheit, schmerz und tod erzeugt. 5. Die schwelgeren raubt uns die kräfte Zu dem, was uns die pflicht gebeut, Macht .träge zum berufsgeschäfte, Untüchtig zur gottfeligkeit, Erweckt verwirrung, streit und jank, Und hindert den gott schuld'gen dank. 6. Wer sich den bauch zum gott erfohren, Unmäßig deine gaben braucht, Der geht des himmelreichs verloren, 3u dem kein knecht der lüste taugt. Gott! laß mich ja dies laster scheun, Und mäßig stets und nüchtern seyn. 7. So oft ich speif und trank genieße, So laß es mit vernunft geschehn, Und, daß ich beydes mir versüße, Mit dank auf dich, den geber, sehn, Auf dich, der du uns zärtlich liebst, Uns nahrung und erquickung giebst. Reuschheit. Mel. Freu dich sehr, o meine feele. ergnügen, Die du in 471. Heil'ger vater. du gebietest Keuschheit, zucht und heiligs keit, Und du hasfest und verbietest Bdse luft und uns feuschheit. Dir fleh ich durch Jesum Christ, Der mein beil und vorbild ist: Laß mich, Was vater! alles fliehen, mich kann zur wollust ziehen. zu fpeis' und trank gelegt, Mich nie, o böchster! so besiegen, Daß sie zum mißbrauch mich bewegt. Laß, deiner gaben mich zu freun, Mich måßig im genusse seyn. 4. Mit speis und trank den leib beschweren, Wie steht Von den Pflichten gegen uns selbst. 351 selber rein, Laß mich dir allein mich weihn, Mich und alle meine glieder, Leg ich, vater! vor dir nieder. 2. Welche würde, daß dem bilde Deiner selbst ich ähnlich bin! Und für mich, für mich ( wie milde!) Gabst du deinen sohn dahin! O wie sehr ent= ehrte ich Deinen sohn, und, bater, dich, Wenn ich frech und unrein lebte, Dir durch wollust widerstrebte! 3. Jesus wohnet durch den glauben Selbst in mir mit seinem geist; Dürft ich wohl er ſeinen tempel heißt? Uch, 472. Der zu widerstres herz rauben, Das will ich sein tempel seyn, Soll mich gottes huld erfreun, Muß ich mich nicht selbst entweihen, und mit ernst die wollust scheuen. ben, Laß täglich deine weisheit seyn, Liebst du, o mensch, dein glück und leben; Denn ibre freuden werden pein. Entslich der schmeichelnden begier, Sie raubet dir des herzens zier. 165 4. Gottes geist wird stets betrübet, Wo man unrein denkt und spricht; Und wer fleischesluste liebet, Bleibt 2. Sey, ihr die nahrung zu mit ihm im bunde nicht. Wollust schåndet unser herz, Bringt verachtung, reu und schmerz; Die in solchen sünden sterben, können gottes reich nicht erben. 5. Drum, o herr der reis nen geister! Schenk mir dei: nes geistes kraft. Schöpfer, meines Lebens meister, Leiter meiner pilgrimschaft! Unter drücke du in mir Jede sünd. liche begier, Und hilf mir zu allen zeiten Sed' unreine lust bestreiten. 7. Kreuz'ge alle meine lufte, Heilige mein fündlich herz. Dein erbarmen, Jesu Christe! Und dein leiden, tod und schmerz Tilge jede fund' in mir, Daß mit leib und seelich dir, Dir zur ehre, heilig lebe, Rein sie dir einst wiedergebe. Mel. Wer nur den lieben gott. wollust 6. Tödt in mir der wollust triebe, Todte mein verderbtes fleisch, Deine furcht und beine liebe Mache, heiligster! mich keusch. Mache du mich verwehren, Alzeit ein freund der nüchternheit; Laß speis und trank dich nie beschweren, Und steure deiner sinnlichkeit. Sey deiner schwachheit stets bewußt, Und meid oft selbst erlaubte lust. 3. Sey, um die wollust zu verhüten, Stets schaamhaft gegen deinen leib; Laß nicht dein auge dir gebieten, Flieh eiteln scherz und zeitvertreib. Des frechen wiklings freyer scherz Erniedrigt und verderbt dein herz. 4. Entzieh der wollust ihre fråfte Im schweiße teines ans gesichts. Der unschuld schußwehr sind geschäfte, Nichts thun, das neg des bösewichts. 352 Von den Pflichten gegen uns selbst. Bey trågheit und bey müssiggang Besiegt uns leicht ein böser hang. 5. Wilst du der wollust trieb bekämpfen, Eh er die freiheit dir verwehrt, So such ihn früh in dir zu dám pfen. Hat ihn dein herz zuvor genährt, Und du hast ihn nicht gleich erstickt, So wird er schwerlich unterdrückt. 6. Oft tauschen dich des lasters triebe, Und du erblickst nicht die gefahr; Oft wird das unerlaubte liebe, Was anfangs nichts als freundschaft war; Ein langer umgang macht dich dreift, Und du vergißt, was unrecht heißt. 7. Dein fühlend herz wird sich's verzeihen, Daß es des lasters trieb ernährt, Es wird nur seinen ausbruch scheuen, Weil dieser vor der welt entehrt, Die kleinen fehler übersehn, Und so zu größern übergebn.NG THAY 8. Sts sunde nur die that vollbringen? Ift, der's nicht thut, schon tugendhaft? Soulst du nicht auch den trieb bezwingen, Nicht auch den wunsch der leidenschaft? Soll bloß dein dußrer wandel rein, Soll's nicht auch deine seele jeyn? 9. Begierden sind es, die uns schånden, und die verleben unsre pflicht, Auch ohne daß wir sie vollenden; Drum rühme dich der keuschheit nicht, Wenn du nicht auch den trieb bekämpfst, Und durch den geist die luste dämpfft. 10. Denk oft den mächtigen gedanken: Die unschuld ist der feele glück! Er halte, fångst du an zu wanken, Dich noch von deinem fall zurück. Dir giebt dein ganzer lebens lauf Sie nicht zurück, giebst du sie auf. 11. Denk oft bey dir: der wollust bande Sind selbst schon vor der welt ein spott; Doch strafte mich schon keine schande, So sieht und findet mich doch gott! Gott, dem auch kein gedank entflieht, Und der selbst ins verborgne sieht. 12. Die wollust kürzt des lebens tage, Da keuschheit heil und leben giebt; Ein fiecher leib wird dessen plage, Der ihre gift'gen reize liebt. Wer gottes tempel hier zerstört, Ist seiner strengsten strafe werth. 13. Wie blühte nicht des jünglings jugend. Eh' ihn der wollust reiz bethört! Doch er vergaß den weg der tugend, Und seine fråfte sind verzehrt. Verwesung schåndet fein ges sicht, Und predigt gottes strafgericht. 14. So racht die wollust an den frechen, Früh oder spät mit harter hand Die schwer zu büßenden verbrechen; Sie loh. net dir mit unverstand, Ver dunkelt deiner seele licht, Und dein gewissen schweiget nicht. 15. Sie raubt dem herzen muth und stärke, Erniedrigt dich zum thier herab, Raubt dir den eifer edler werke, Die würde, welche gott dir gab; Von den Pflichten gegen uns selbst. 353 Du bleibst nicht mehr sein stifte, Nie mich zur schmäh ebenbild, Wenn wilde lust sucht reize. dein berz erfüllt. 4. Mein auge, gott! bewah: re mir Vor unverschämten blik: ken, Und vor unzuchtiger begier, Die unschuld zu berücken. Laß mich den schmuck der fi tsamkeit Weit über alles schätzen; Was reiner engel aug erfreut, Das sey auch mein ergößen, Was du liebst, mein bestreben. 16. Drum fliehe vor der wol luft pfade, Und lockt dich schmei: chelnd ihre bahn, So wach und rufe gott um gnade Und weiss beit in versuchung an. Erzittre vor dem ersten fall, Und denk an tod, und künft'ge quaal. Vorsichtigkeit im Reden und im Umgange. Mel. Es woll' uns gott genådig. 473. er du verstand 5. Behüte mich vor schwel= gerey, Die leicht das herz verführet, Vor trunkenheit, die ohne scheu 3u größern fünden führet. Die lust, die bloß den leib ergóst, Berdirbt auch fromme berzen, Und was die welt für freude schåbt, Bringt nachreu, elend, schmerzen, und stürzt zuletzt zur hölle. und tugend schenkst, Gott, vater meines lebens! Wo du mein thun nicht selber lenkst, So leb ich hier vergebens. Denn wen dein geist nicht neu gebiert, Der bleibt der sünd ergeben, Und wen die sünde noch regiert, Der ist zum rechten leben Noch nicht hindurch gedrungen. 2. Drum, vater! neig dich våterlich zu deinem schwachen kinde. Gieb mir ein frommes herz, daß ich mich scheu vor jeder sunde. Bewahre meinen mund, daß mir Kein schlüpf rig wort entfalle, Vielmehr von meinen lippen dir Manch freudig lob erschalle, Den nächsten zu erbauen. 6. Hilf, daß mein geist nichts liebers hört, Nichts lie: bers spricht und denket, 21s was den glauben stärkt und nährt, Und luft zum guten schenket, Was mich zu jenem leben bringt, Wo man bey dir stets lebet, Dein lob mit allen engeln singt, Den beiland sieht, erhebet, Und ihm sich ähnlich schauet. Rechtmäßige Anwendung 3. Bewahre, gott! mein daß ich auf der zeitlichen Güter. Mel. Wår gott nicht mit uns. err! laß mich doch fpötter höre, Damit in mei! 474. gewiffenbaft nem glauben mich Kein frecher thor bethore; Hilf, daß kein wit der låstersucht Mir ohr und herz vergifte, Noch je mals, wie er tückisch sucht, Durch mich dann zwietracht Mein zeitlich gut verwalten. Gieb selbst mir weisheit, gieb mir kraft, Damit so bauszubal: ten, Wie es mir núßt und dir gefällt, Damit ich nicht in jes ner welt Das ewige verliere. 3 Von den Pflichten gegen uns selbst. 354 2. Mein haab und gut kommt ja von dir Und deinem milden segen. Nicht mir zum fallstrick gabst du mir mein zeitliches vermögen, Du gabst es mir zum wahren wohl; Drum gieb, herr! daß ich's, wie ich soll, Nach deiner vorschrift brauche. 3. Was ist das mir geschenk te gut? Vergånglich und von erde. Hilf, daß ich nie zum übermuth Dadurch verleitet werde. Nie reiße irdischer gewinn, Mein herz zu üppigs keiten hin, Die wicht'gre forgen bindern. Wider den Geiz. mel. O gott, du frommer gott. 4. Was hülfe mir die ganze 475. as mich doch welt Mit allen ihren schagen, Verführt mich zeitlich gut und geld, Sorglos hintan zu segen, Was meiner seelen heil begehrt, Und mir ein ewig glück gewährt? Wie strafbar würd' ich handeln! nicht, o gott! Den schågen dieser erden So meine neigung weihn, Daß sie mein abgott werden. Oft fehlt beym überfluß Doch die zus friedenheit; Und was ist ohne sie Des lebens herrlichkeit? 5. Mein größtes trachten fey allhier Nach deines geistes gaben. Wie reich bin ich, o gott, in dir, Wenn ich nur die kann haben! Hab ich nur, höchster! deine huld, Nurglauben, tugend und geduld, Was fehlt dann meiner feele? 6. Den geiz laß ferne von mir seyn, Die wurzel alles bösen. Von unruh und ge: wissenspein Kann reichthum nicht erlófen; Er hilft in todesstunden nichts, Und nichts am tage des gerichts, Er rettet feinen fünder, sparsamkeit Stets nüglich fe anwenden. Sieb mir die klugs beit, daß ich hier Dadurch dem nächsten so, wie mir, Des lebens můh erleichtre. 8. Es kommt ein tag der rechenschaft; Das laß mich stets bedenken, Und mein ges müth gewissenhaft Zur heils gen forgfalt lenken, Also die guter dieser zeit 3u nügen, daß ich einst erfreut Noch fegen davon ernte. 7. Giebst du mir guter dies fer zeit, Laß mich sie nie vers schwenden, Vielmehr in weiser 2. Kann ein vergånglich gut Auch unsre wünsche stillen? Es steht ja sein besit nicht stets in unferm willen; Nicht stets wird's dem zu theil, Der ängstlich darnach ringt, Und schnell verlierts oft der, Dem der besig gelingt. 3. Ein gut, das unsern geist Wahrhaftig soll beglücken, Muß nicht vergånglich seyn, Und für den geist sich schicken. Der thor hat geld und gut, Er hats, und wünscht noch mehr; Noch immer bleibt sein herz Von wahrer rube leer. 4. gott! so wehre doch Den ungerechten trieben, und heilige mein herz, Die guter nicht zu lieben, Die man mit Von den Pflichten gegen uns selbst. 355 4. Der geiz erniedrigt un fer herz, Erstickt die edlern triebe. Die liebe für ein schimmernd erz Verdrängt der tugend liebe, Und machet, der vernunft zum spott, Ein elend gold zu unserm gott. 5. Der geiz, so viel er an sich reißt, Läßt dich fein gut genießen, Er quält durch habsucht deinen geist, Und tödtet dein gewissen, Er reißt durch schmeichelnden gewinn Dich blind zu jedem frevel hin. 6. 11m wenig vortheil wird er schon Aus dir mit meineid sprechen, Dich zwingen, der arbeiter lohn Unmenschlich abzubrechen; Er wird in dir der wittwen flehn, Der waisen thrånen widerstehn. 7. Nie kann ein herz, vom geize hart, Des wohlthuns freuden schmecken, und in des unglücks gegenwart Den ruf zur hulf entdecken. Und wo ist eines standes pflicht, Die nicht der geiz entehrt und bricht? müh gewinnt, Bald prassend sie verzehrt, Bald geizig sie bewacht, Und bald mit fluch vermehrt. 5. Ein weises frommes herz, Das sey mein schat auf erden; Sonst alles, nur nicht dies, Kann mir entriffen werden. Dies bleibt im tod auch mein, Dies folgt mir aus der zeit 3um seligsten gewinn Bis in die ewigkeit. 6. Was sind, wenn dieses fehlt, Die herrlichsten ver: gnügen? Nur süße träume sind's, Die unsern geist be: trügen. Drum lenke, gott! den wunsch Vom irdischen gewinn, Durch deines geistes kraft, 3u ew'gen gütern hin. Mel. Machs mit mir, gott. ohl dem, der 476. 23⁰ beff're schätze liebt, 2018 schätze dieser erden! Wohl dem, der sich mit eifer übt, Un tugend reich zu werden, In dessen herz der glaube lebt, 3ur himmels: würde ihn erhebt! 2. 3war åchte tugend wehrt uns nicht, Hier güter zu be: figen; Gott gab sie uns, und auch die pflicht, mit weisheit sie zu nutzen. Sie sollen un: ser herz erfreun, Und unsrer tugend antrieb seyn. 3. Doch nach den gütern dieser zeit Mit ganzer seele schmachten, Nicht erst nach jener feligkeit Und wahrer tugend trachten; Das ist, o herr! nicht der beruf, Dazu uns deine liebe schuf. 8. Du bist ein vater, und aus geiz Entziehst du dich den findern, und läsfest dich des goldes reiz, Ihr herz zu bilden, hindern, Und glaubst, du habst sie wohl bedacht, Wenn du sie reich, wie dich, gemacht. 9. Du hast ein richterliches amt, Und du wirst dich erfres chen, Die sache, die das recht verdammt, Uus habsucht recht zu sprechen; Und selbst der tugend größter feind Erkauft an die sich einen freund. 32 356 Von den Pflichten gegen uns selbst. 10. Gewinnsucht raubt dir muth und geist, Die wahrheit frey zu lehren; Du schweigst, wenn pflicht dich reden heißt, Ehrst, wo du nicht sollst ehs ren, Und wirst um ein vers achtlich geld. Ein schmeichler und die pest der welt. 11.Drum, herr! erhalte mich dabey, Daß ich mir gnügen las ſe, Geiz ewig, als abgötterey, Von mir entfern' und hasse. Ein weises herz und froher muth Sey meines Lebens größtes gut. Arbeitsamkeit und Sleiß in Berufsgeschäften. Uus tiefer noth schrey ich. 477.3" ur arbeit, nicht zum müssig gang, Sind wir, o herr! auf erden. Drum laß mich doch mein lebelang Kein knecht der trågheit werden. Gieb mir verstand und lust und kraft, Daß ich treu und gewissenhaft In meinem stande lebe. 2. Hast du ein amt, so warte sein; Das ist, o gott! dein wille.! flöße selbst den trieb mir ein, Daß ich ihn treu erfülle. Hilf mir, daß ich von zeit zu zeit An einsicht und an tüchtigkeit 3u meinem amte wachse. 3. O herr! vor tråger weichlichkeit Wollst du mein herz bewahren; So werd ich aus gemächlichkeit Nie meine fråfs te sparen. Erholen werd ich mich nur dann, Wenn ich, von kraft erschöpft, mich kann mich nicht Die zeit mit neben. dingen, Die weit entfernt von meiner pflicht, Verschwende: risch verbringen. Das müsse mein vergnügen seyn, Mich den geschäften ganz zu weihn, Die du mir auferleget. 5. Ein heilger trieb belebe mich, D höchster! meine pflich ten In deiner furcht, gestärkt durch dich, Mit freuden zu verrichten. Ein herz, das sich des guten freut, Giebt zu der arbeit munterfeit, Versüßt uns ihre lasten. 6. Laß mich vor dir, herr! unverrückt, Mit einem herzen wandeln, Das geiz und ehr fucht nie verstrickt, Gewissen, haft zu handeln. Mein leben deinem dienst zu weihn, So nützlich, als ich kann, zu seyn, Das sey mir ehr und reichthum. 7. Dir zu gefallen, sen mein zweck Bey allem, was ich thue, So wandle ich den rechten weg 3u der gewiss sensruhe. Denn wer dir, heiligster! mißfällt, Was nus get dem die ganze welt Mit allen ihren schätzen? dein 8. Laß mich den zeitlichen beruf, Herr! nie geringe ach ten, Das werk, wozu zweck mich schuf, Uls gottes dienst betrachten; Damit ich einst in jener welt, Die ho heren beruf enthält, Bu hd: hern würden steige. Mel. Es ist das heil uns kommen. der 3u neuer arbeit 4. Uus wahrer weisheit laß 478. Gott ingen vermögen Von den Pflichten gegen uns selbst. chafft, Das gute zu vollbrin: gen, Er giebt zur arbeit muth und kraft, Und läßt sie uns ge: lingen. Was man mit ihm nur unternimmt, Wird, wenn's mit seinem willen stimmt, Nicht ohne fortgang bleiben. 2. Wer das zu ſeinem haupt: zweck macht, Gefällig ihm zu werden, und erst nach seinem beyfall tracht't, Dem giebt er auch auf erden Bom irdschen gut mit milder hand So viel beym fleiß in seinem stand, Als ihm wahrhaftig nůbet. 8. Gott ist der frommen schild und lohn, Und krónt er sie mit gnaden, Was sollte ihrer fein de hohn Und mißgunst ihnen schaden? Mit seinem schutz bedeckt er sie, Und segnet, bey des lebens můh, Shr herz mit trost und hoffnung. 4. Drum gieb, o gott! daß ich auf dich Bey meiner arbeit sehe. Mit licht und weiss heit fegne mich, Daß ich nie wege gehe, Die mir dein hei lig wort verbeut. Nach chrift: licher rechtschaffenheit Laß mich vor allen trachten. 5. Laß müssiggang und trågheit mich, Als dir mißfällig, meiden, und hilf, daß ich ge stärkt durch dich, Voll muth, mit lust und freuden In meis nem stand geschäftig sey. Dein segen krone meine treu, Daß sie auch andern nüße. 6. Sey überall, mein gott! mitmir. Die werke meiner håns de Befehl ich, allerhöchster! dir. Hilf, daß ich sie vollende Zu deis 357 nes großen namens preis, Daß mir die frucht von meinem fleiß In jenes leben folge. Zufriedenheit und Ge nügsamkeit. Mel. Wend ab beinen gorn. 479. Gott! bu bleibſt ewig unsrer wohlfahrt meister. Wie thdricht handeln unzufriedne geis ster! Sie quälen sich, und machen ihrem herzen Vers geblich schmerzen. 2. Was helfen uns die ångstlich bangen sorgen Für den noch ungewissen andern morgen? Und müssen wir uns über unserm grámen Nicht nachmals schämen? 3. Es ist umsonst; wir wer den's nicht erzwingen, Wenn wir auch nachte durch mit kummer ringen, Und noch so früh mit ängstlichen geschaff ten Den leib entkräften. 4. Mein glück beruht, o gott! auf deinem segen. Ver trau ich dir, und geh auf deis nen wegen, So wirst du mir auch ohne sorg' und kränken, Was nüglich, schenken. 5. Bin ich getreu mit dem verliehnen pfunde, Und harr ich nur der rechten segens stunde, So kommt sie, und bann werden meine thaten 3um glück gerathen. 6. Drum fördre selbst die werke meiner hånde; Gesegnet sey der anfang und das ende; Gieb guten rath, das mit, was ich vollbringe, Mir wohl gelinge. Von den Pflichten gegen uns selbst. 358 7. Hilf mir mit treue meine pflicht erfüllen, Und dann mein herz mit froher hoffnung stillen. Erlang ich nur, was du, berr! mir be schieden, Bin ich zufrieden. 8. Kann ich den leib auch nicht, wie reiche laben; Ver forge nur den geist mit jenen gaben, Die mehr, als alles irdische erquicken, Ewig be: glücken. 9. Hier hab ich gnug; laß mich nur mit den frommen Zu dem genuß der himmels güter kommen; So wird mein wunsch, den irdisch gut nie stillet, Völlig erfüllet. Mel. Wie groß ist des allmächt'gen. 480. mein herz, mit klagen Den gott, der dich zum glück erschuf. Die můh des le: bens zu ertragen, Und froh zu seyn, ist dein beruf. Der chrift muirt nicht bey den beschwerden Von dieser kur zen lebensbahn; Er sucht, daß sie ihm nüglich werden, Und betet gottes willen an. 2. Gott selbst hat dir dein los beschieden, Nimm's dankbar aus der vorsicht band, Erfülle jede pflicht zufrieden, Die sie mit diefem loos ver: band. Sie giebt dir munterkeit und kräfte, Und nährt und stärkt sie väterlich. Sie brau: chen, dies ist dein geschaffte, Und ihr gebrauch ist ruhm für dich. 3. 3 war jenem hat des himmels segen, Mehr guter anver traut, als dir; Doch soll dies deinen neid erregen? Denk, wer ist gott? und wer sind wir? Weiß er nicht besser, was dir nuget, Und was dem nächsten nüßt, als du? Wenn er dich führt, regiert und schüket, Was fehlt noch wohl zu deiner ruh? 4. Du prangest nicht mit hohen würden; Beneide nicht der großen glück, Sie seufzen unter schweren burden, Und fallen oft im augenblick. Dir ward kein überfluß gewähret; Ihn wünschen, das ist selbstbetrug. Wer gern, was er nicht braucht, entbehret, Der ist beglückt und reich genug. 5. frohen leben, So viel ich brauch', und mehr verliehn, Laß täglich sich mein herz bes streben, Den sorgenvollen gram zu fliehn. In demuth laß mein herz sich üben, Gott! deiner gute sich zu freun; Dich fürchten, die vertraun, dich lieben, Müss' ewig mein vergnügen seyn. 481. 23 Mel. Nun ruhen alle wälder. enn ich nur gott gefalle, So lang' ich hier noch walle, Und menschen nützlich bin; Dann seh ich voller freuden, Auch mitten in dem leiden, Auf meiner laufbahn ende hin. 2. Mir mag auf dieser ers den Glück oder unglück werden, Ich nehm' es dankbar an; Es kommt aus gottes hånden, Der Von den Pflichten gegen uns selbst. 359 tugend inneres gefühl, Und freyheit, wie ich wählen will. leicht den kummer enden, Und meinen geist erfreuen kann. 3. Durch ungerechte klagen Will ich nicht meinen tagen Selbst ihren werth entziehn; Ich will sie froh genießen, Und fest ben mir beschließen, Daß keiner ungenügt soll fliehn. 4. Mit mitleidsvollem hers zen Will ich auch andrer schmerzen, Und fremde noth zerstreun; Und kann ich glück verbreiten, Mit vielen seligs keiten Soll das für mich verbunden seyn. 4. Und dennoch läsfest du mich wissen, Daß dies mein irdisch haus zerbricht. Ich soll zwar dieser welt genies Ben, Doch als genöß ich ihrer nicht; Ich soll der finnen lüste fliehn, Wenn sie mich zu der erde ziehn. 5. Der freude soll ich oft nicht achten, Die mein herz für so schmeichelnd hålt, Nach lust und ehr und geld nicht trachten, Wenns von der tus gend mich abhält; Was mir in ewigkeit wohl thut, Das soll ich wählen, als mein gut. 6. Die prüfung, gott! war nicht vergebens. Du wolltest sehn, ob ich dir treu, In der ges meinschaft jenes lebens Mit dir Mel. Wer nur den lieben gott. 482. Du gabft mir, zu wohnen würdig sey, Ob ich, vom tand des eiteln leer, Einst höh'rer freuden würdig war. ew'ger, dieses leben Nicht für den augenblick der zeit; Nein, was du mir davon gegeben, Gabst du mir für die ewigkeit. Hier ist allein der prüfungsort; Bes strafung und belohnung dort. 7. Denn du willst eine neue erde Und einen neuen himmel baun; Und, daß ich hier geheiligt werde, Soll ich aufs unsichtbare schaun, Dem reiz der lüste widerstehn, Und stets auf deinen wegen gebn. 2. Du schenktest mir verstand und willen, Die wahrheit zu erkennen, licht, Kraft, deine vorschrift zu erfüllen, Und eine richtschnur meiner pflicht, Der 8. Wohl mir, wenn ich es muthig wage, Der großen hoffnung werth zu seyn, Und 5. Es sey mein ganzes les ben Ein eifriges bestreben, 3u thun, was gott gefällt; Nur, wenn ich dieses thue, Genieß ich wahre ruhe, Und wahres glück schon auf der welt. 3. Du schmücktest durch bein mächtigs werde! Mit reiz und pracht mein irdisch haus, Und gossest über diese erde Die wunder aller schönbeit aus, Und schufft mir feine sinnen an, Daß ich sie auch empfinden kann. 6. Und du wirst meine seele, Die ich dir, gott! befehle, Wenn einst mein tod erscheint, Dahin vom staub erheben, Wo fie, mit heil umgeben, Dann ewig bleibt mit dir vereint. Rechtmäßige Anwendung des Lebens. 360 Von den Pflichten gegen uns selbst. diese kurzen prüfungstage Je größer wird mein glück Gott und der tugend bloß zu dort seyn. weihn, Wenn nie mein fuß den pfad verliert, Der mich ¡ um beffern leben führt! 9. Wohl mir, wenn ich den bang zur sunde, Und die verbotne lust der welt, Und jede lockung überwinde, Die noch mein herz gefesselt hält, Und ( o welch glänzender gewinn!) Hier sieger, dort gekrönet bin! 3. Sollt ich dies glück mir rauben? O herr! laß mir, im glauben Der künft'gen erntes zeit, Mein leben auf der er den So werth und wichtig werden, als es mir selbst dein wort gebeut. 4. Mir selbst es zu verkür zen, Mich in den tod zu stür zen, Ist wider meine pflicht, Ist undank deiner gute; Ein redliches gemüthe Verläßt ja seinen standort nicht. 10. gott! gieb deines gei: stes stårke, Der du in schwa: chen mächtig bist, Dem, der zu diesem großen werke 3u 5. Gieb, daß ich klüglich klein, zu schwach, zu sinnlich ist; Lehr mich das irdische verschmähn, Und stets nach meinem ziele sehn. fliehe, Was oft mit leichter mühe Mir gar mein leben nimmt; Doch laß mich auch nicht zagen, Das leben selbst zu wagen, Wenn mich die pflicht dazu bestimmt. 11. Laß mich oft in gesun, den tagen Mein grab mir in gedanken baun, Und bey des lebens freud und plagen Auf dich und auf das túnftge schaun; Damit ich meiner pflicht getreu. lebens fähig sey. Des höhern 6. In deine vaterhånde Befehl ich, herr! mein ende, Und meiner tage lauf. Es sey mein ganzes leben Dir hier zum dienst ergeben; Hilf du felbst meiner schwachheit auf. 2. Hier wird die faat geftreuet, Dort erndtet man er freuet Der tugend früchte ein. Se länger ich hier wandle, Vor dir rechtschaffen handle, 7. Was nügt ein langes leben Dem, der nicht gott ergeben, Nach wahrer tugend strebt? Wer gott und menschen liebet, So feinen glauben übet, Nur der hat lang und wohl gelebt. Mel. Nun ruhen alle wålder. 483. Wa as ist mein zeitlich leben, Das du mir, gott! gegeben? Ein unschäßbares gut. Du gabst mir's, hier auf erden 3um himmel reif zu werden, Worauf mein wahres glück 484. Mein prüfungsMel. O ewigkeit, du donnerwort. leben ist beruht. stand, Der himmel ist mein vaterland, Die ruh ist nicht auf erden. Ich suche die zu künft'ge stadt, Die gott selbſt sest gegründet hat, Da werd Von den Pflichten gegen uns selbst. 361 ich glücklich werden; Mein le- gehen. Fall' ich noch oft, ſo ben ist ein prüfungsstand, Der hilf mir auf, Daß ich vollende himmel ist mein vaterland. meinen lauf. Laß stets mich. feste stehen, Getrost auf deine hülfe traun, Und einst das ew'ge leben schaun. 2. Wie schatten vor der sonne fliehn, So flieht mein leben schnell dubin; Hier werd ich nicht stets bleiben. Ich eile nach der ewigkeit; Herr! mache mich dazu bereit, Laß deinen Selbstverleugnung. Mel. Wo gott der herr nicht. geiſt mich treiben, Daß ich, 485.23ill jemand Chris was zeitlich, irdisch ist, Verachte; als ein wahrer christ. 3. Man trifft auch auf der lebensbahn Sehr viele hinder nisse an; Schwer sind sie zu bestreiten. Sehr weit entfernt ist noch das ziel; Der weg ist schmal, der feinde viel; Leicht ists, mich zu verleiten. Ich muß durch dürre wüsten gehn, Und tann oft keinen ausweg fehn. sti jünger seyn, Der muß sich sein nicht schåmen, Sich selbst verleugnen, Christi pein Und kreuz gern auf sich nehmen. Drum, Jesu! gieb mir deine kraft, Die die ses einzig in mir schafft, Das mit ich dir nachfolge. 2. Du weißt ja, daß es schwerer fällt, Den eigensinn zu lassen, Sich selbst verleugnen, als die welt Und ihre lust zu hassen. Drum wirk in mir, was ich nicht fann, Führ mich zu deiner liebe an, Und dampf die eigenliebe. 4. Wie oft seh ich die sonne nicht, Die hier mit trost, mit heil und licht Des frommen berz beglücket! Der trübfal sturm dringt auf mich zu. Mein müder geist find't nirgends rub; Doch fühl ich mich erquicket, Wenn ich der überwinder kron Betrachte, und der treue lohn. 3. Gieb, daß ich aller bösen lust Absterbe, dir nur lebe; Kein wankelmuth sey mir bewußt, Wenn ich mich dir ergebe. Gieb, Jesu! daß ich niemals mir, Noch meinem willen, sondern dir, Und deis nem willen folge. 5. Hilf du mir selbst, herr Jefu Chrift, Der du selbst mensch geworden bist, Mein fleisch haft angenommen! Laß mich auf der verleugnung pfad, Den mir dein fuß ge zeichnet hat, Dem ziele nás her kommen. Gieb, daß ich standhaft streite hier, Und ewig herrsche dann mit dir. 4. Wird fleisch und blut erst unterdrückt, Wird schnöder eigenwille In meiner eiteln brust erstickt, Sind die begierden stille, So fångt gott sein werk in mir an, Daß ich durch seine gnade kann Mir selber ganz absterben. 6. Verleihe mir beständig: feit, Und laß mich stets mit freudigkeit Auf deinen wegen 5. Mein herz ist eitler lüste voll, Blind, finster, ohne les 362 Von den Pflichten gegen uns selbst. ben; Was gott in mir gefallen schätzen; Dies alles ist für foll, Muß er mir selber geben. mich zu klein. Soll etwas Erleuchtet mich sein gnaden meine feel ergohen, Muß es, schein, So kann ich ihm gefällig gleich ihr, unsterblich seyn. seyn, Und ihm zu ehren leben. Ein glück, das augenblicke 6. Gieb, herr! mir deines währt, Ist das nicht, was lichtes schein, Daß ich dich mein berz begehrt. recht erkenne, Dich ehre, ges gen dich allein In wahrer liebe brenne. Entreiß mich mir, und gieb mich dir, Laß meine seele für und für Mit dir verbunden bleiben. 7. Ich seufze, berr! nach deiner kraft, Stårk mich mit deiner gute. Dein geist, der alles gute schafft, Erfülle mein gemüthe, Daß es nicht eigne ehre such, Dir ähnlich werd, und stets verfluch, Was mich von dir abführet. 8. Herr! deine liebe giebt allein Heil, seligkeit und leben; Die eigenliebe kann nur pein, Unruh und unheil geben. Du giebst uns segen, heil und ruh, Der eigne ruhm schreibt sich es zu; Drum muß es dir mißfallen. 9. Dein ist preis, ehr und ruhm, den dir Doch stolz und hochmuth rauben; Darum erwecke selbst in mir, Herr! demuth, sanftmuth, glauben, Nimm eigenliebe völlig hin, Und gieb mir Christi herz und sinn, Der dich stets liebt und ehret. Verleugnung der Welt 2. Was sind die guter die: ser erden? Ein dampf, ein rauch, verdruß und müh. Sie zeugen sorgen und beschwers den, Und ihr Und ihr genuß befries digt nie, Sie wechseln oft, sie täuschen sehr, Entfliehen schnell, und sind nicht mehr. 3. Hat jemand seine besten tage Ja fleiß und arbeit zu gebracht, und mit erduldung mancher plage Sich ehr' und vortheil hier erjagt, So bleibt doch all sein irdisch glück Bey seinem grabe hier zurück. 4. Wie eingeschränkt ist unser wissen! Wie unerforsch lich die natur! Umhüllt mit dicken finsternissen, Verlier ich leicht der wahrheit spur. Die weisheit, die den christen ziert, Ist, die zu gott, zur tugend führt. 5. Und fönnt ich auch mein ganzes leben Hier finnlichen vergnügen weihn, Und meis nem herzen alles geben, Was fähig ist, es zu erfreun; Folgt doch, ohn' tugend, überdruß, Und ekel bald auf den genuß. 6. Was seyd ihr doch, vers botne freuden? Ein blendend und des Irdischen. nichts, ein raub der zeit, Die Mel. Wer nur den lieben gott. reiche quelle bittrer leiden, ch frage nichts Des geistes grab und eitel nach gold und keit, Ein glück, das man aus 486. Von den Pflichten gegen uns selbst. 363 laster hier erschreckt, So wird doch einst an jenem tage, Wenn gott die todten auferweckt, Des stolzen fünders nicht geschont; Die tugend aber erst belohnt. irrthum wählt, Und das mit spåter reue quält. 7. Was ist die ehre, was sind würden, und die damit ver: bundne pracht? Ein glänzend elend, schwere burden, Wodurch man sich zum sclaven macht. Bey aller ehre kann ich klein, Und ohne sie erhas ben seyn. 8. Dein gold, elender mammonshüter, Was wird es ohne tugend seyn? Es ist die sorge der gemüther, Und eine theur erkaufte pein. Deckt reichthum dich vor schmerz und noth? Und ist er dir ein troft im tod? 9. Nur tugend führt zum wahren glücke; Sie lindert unser ungemach, Schenkt un ferm leben heitre blicke, Folgt in die ewigkeit uns nach, Versichert uns des höchsten huld, Giebt trost im tod, im kreuz geduld. 10. 3war fließen oft des fummers záhren Vom anges sicht der unschuld hin; Der fromme fleht, und sein bes gebren Wird nicht gehört, man fliehet ihn. Er leidet druck und ungemach, Verachtung, dürftigkeit und schmach. 11. Die fünder sieht man stolz sich brüsten, Oft feste, wie 13. Dann wird gott einem jeden geben Nach seinem thun, freud oder pein. Die frommen werden ewig leben; Der sünder theil wird elend seyn. Dies, seele, stårke deis nen muth; Der herr bleibt stets gerecht und gut. 14. Erwarte sie, die frohen tage Noch nie empfundner seligkeit. Gott wird einst alle deine plage Verwandeln in zufriedenheit, Wenn er dich erst nach seinem rath, So wie das gold, geläutert hat. 15. Entreiße dich der erde lüften, Erhebe dich zur ewigkeit. Hier wandelst du noch in der wüsten, Hier lebst du in der prüfungszeit; Bald führet dich des todes hand Nach deinem wahren vaterland. ten auf ihr wohlergebn; Sie fündigen mit zuversicht, und fürchten gottes strafe nicht. 12. Doch wenn gleich keine noth und plage Das freche 16. Der tod ist schwer! viels leicht dem reichen? Dich wird sein anblick hoch erfreun. Dann werden schmerz und elend weichen, Dann wirst du ewig glücklich seyn. Hier ist nur müh und eitelkeit, Dort wahre ruh und seligkeit. - Mel. Nun ruhen alle wälder. pallatie ſtehn; Sie folgen 487. Die herrlichkeit der forglos Muß staub und asche werden, Und nichts bleibt ewig stehn; Das, was uns hier ergößet, Was man für ewig schäßet, Wird als ein leichter traum vergehn. 364 Von den Pflichten gegen uns selbst. 4 2. Was sind doch alle sachen, bet In ihrer schönsten zier, Die uns so trosig machen, Und doch verweikt sich beuget, 21s tand und eitelkeit? Was Eb sich der abend zeiget, Co ist der menschen leben? Stets blühen und verwelken wir. mit gefahr umgeben, Währt es nur eine kurze zeit. 3. Was hilft unnüges wiss fen? Wird's, wenn wir ster: ben müssen, Für uns ein vorzug seyn? Was hilft uns macht und ehre, So glänzend fie auch wäre? Kann fie uns wohl alsdann erfreun? 7. Was sind selbst alle thro. nen? Giebt es wohl ird'sche tronen, Die unverwelklich blühn? Kann vor des grabes schrecken Der purpur dich bedecken, Die krone dich dem tod entziehn? 9. Froh wachsen wir auf erden, und hoffen groß zu werden, Von schmerz und sorgen frey; Doch in den schönsten tagen, Eb wir noch früchte tragen, Bricht uns des todes sturm entzwey. 4. Der ruhm, nach dem wir trachten, Den wir uns sterblich achten, Ist meist ein falscher wahn; Sobald der geist gewichen, Und unser leib verblichen, Fragt oft kein mensch, was wir gethan. 5. Wie bald wird das zers rinnen, Was wir mit müh gewinnen, Was unser fleiß erwirbt! Kann wohl, was wir besitzen, Uns vor dem tode schützen, Und stirbt nicht alles, wenn man stirbt? 11. Dies laßt uns wohl be denken, Und uns zum himmel lenken, Weil er uns of fen steht. Wer dahin will gelangen, Darf an der welt nicht hangen, Da sie mit ihrer lust vergeht. Vorbereitung zum Tode 6. Was sind des lebens freuden? Wie bald folgt angst und zur Ewigkeit. Mel. Wer nur den lieben gott. uen leiden, und reu auf den 488. Jest leb ich; ob ist's, womit ist's, wir prangen? Wo wirst du ehr erlangen, Die nicht zu leht verschwinden muß? ich morgen be, Ob diesen abend, weiß ich nicht. D! lehr du, dem ich mich ergebe, Herr! lehr mich selbst die große pflicht, Durch deines heilgen geiftes kraft, Stets fertig seyn zur rechenschaft. 8. Wie, wenn die fonn' auf gebet, Die rose blühend ste 10. Wir rechnen jahr auf jahre; Inzwischen wird die bahre Vor unser haus ges bracht. Man scheidet von den feinen, Die hülflos uns be weinen, Und uns bedeckt des grabes nacht. 2. Die blume, die am morgen stehet, Fällt vor der abenddämmrung ab. Die luft, die jetzt mich angewehet, Stürzt mich vielleicht ins nahe grab. Der jüngling, eb Von den Pflichten gegen uns selbst. 365 zu haben. Güter, die du bier erwirbst, Würden, die dir menschen gaben, Nichts wird dich im tod erfreun; Diese güter sind nicht dein. 3. Nur ein berz, das Jesum liebt, Nur ein ruhiges ges wissen, Das vor gott dir zeugniß gicbt, Wird dir deinen tod versüßen; Diefer finn, den gott gebeut, Giebt im tode freudigkeit. er's sich versieht, Stirbt, eh er noch ist aufgeblüht. 3. Entziehe dich dem welt: getümmel; Hier ist der kampf, und dort ist rub. Dein wan del, seele, sey im himmel, Du eilst dem bessern leben zu. Nach einer kurzen prüfungszeit Ist ewigkeit, ist ewigkeit. 4. Verschiebe niemals deine pflichten. Was jetzt zu thun du schuldig bist, Denk nicht erst morgen auszurichten; Wer weiß, ob's morgen möglich ist? Mensch! dieser augenblick ist dein; Der künft'ge wirds vielleicht nicht seyn. 5. Noch eh ich dieses lied vollende, Ergreift vielleicht mich schon der tod. Drum lehr mich denken, herr! ans ende, An meine letzte todesnoth. O! laß, stellt sie sich plötzlich ein, Mich stets dazu bereitet seyn. 6. Es sey, o vater meines lebens! Wenn einst die lette stunde schlägt, Der schwache seufzer nicht vergebens, Der dich zur gnade noch bewegt. 2ch sterb ich einen schnellen tod, Sen mir barmherzig, herr, mein gott! Mel. Jesus, meine zuversicht. 489. Meine lebenszeit verstreicht, Stündlich eil' ich zu dem grabe; Und was iss, das ich vielleicht noch allhier zu les ben habe? Denk, o feele, an den tod! Säume nicht: denn eins ist noth. 4. Benn in deiner letzten noth Freunde hülflos um dich beben, Dann wird über welt und tod Dich dies reine herz erheben; Dann erschreckt dich kein gericht; Gott ist deine zuversicht. 5. Daß du dieses herz erwirbst, Fürchte gott, und bet' und wache. Sorge nicht, wie früh du stirbst; Deine zeit ist gortes sache. Lern' nicht nur, den tod nicht scheun, Lern' auch seiner dich erfreun. 6. Ueberwind ihn durch vers traun; Sprich: ich weiß, an wen ich glaube, Und ich weiß, ich werd ihn schaun Einst in diesem meinem leibe. Er, der rief: es ist vollbracht, Nahm dem tode seine macht. 7. Tritt im geist zum grab oft hin, Siehe dein gebein versenken; Sprich: herr! daß ich erde bin, Lehre du mich felbst bedenken, Lehre du michs jeden tag, Daß ich weiser werden mag. Mel. Herr Jefu Chrift, mein's. 2. Lebe ,, wie du, wenn du flirbst, Wünschen wirst gelebt 490. ie ficher lebt mensch, 366 Von den Pflichten gegen uns selbst. dec staub! Sein leben ist ein fallend laub; Und dennoch schmeichelt er sich gern, Der tag des todes sey noch fern. 2. Der jüngling bofft des greises ziel, Der mann noch seiner jahre viel, Der greis zu vielen noch ein jahr; Und keiner nimmt den irrthum wahr. 3. Sprich nicht: ich denk in glück und noth Im herzen oft an meinen tod; Der, den der tod nicht weiser macht, hat nie mit ernst an ihn gedacht. 4. Wir leben hier zur ewigkeit, zu thun, was uns der herr gebeut, Und unsers lebens kleinster theil Ist eine frift zu unserm beil. 5. Der tod rückt seelen vor gericht; Da bringt gott alles an das licht, und macht, was hier verborgen war, Den sinn der herzen offenbar. stets nach ihr, Als wäre sie ein werk von dir. 8. Ein herz, das gottes stimme hört, Ihr folgt und sich vom bösen kehrt, Ein glaubig herz, von lieb erfüllt, Dies ist es, was in Chrifto gilt. 9. Die heiligung erfordert müh; Du wirkst sie nicht, gott wirket sie. Du aber ringe 10. Der ruf des lebens, das du tebst, Dein höchstes ziel, nach dem du strebst. Und was dir ewig glück verschafft, Ift tugend in des glaubens kraft. 11. Ihr alle-seine tage weihn, heißt eingedenk des todes seyn, Und wachsen in der heiligung, It wahre todserinnerung. 12. Wie leicht vergeß ich diese pflicht! Herr, geh mit mir nicht ins gericht! Un meinen tod erinnre mich, Daß ich dir wandle würdiglich. 13. Daß ich mein herz mit jedem tag Vor dir, o gott! erforschen mag, Ob glaube, demuth, lieb und treu, Die frucht des geistes, in mir sey. 14. Daß ich zu dir um gnade fleb, Stets meinen lüsten wis dersteh, Und einstens in des glaubens macht Mit freuden ruf: es ist vollbracht! 6. Drum, da dein tod dir tåglich dráut, So sey doch wachsam und bereit; Prüf deinen glauben als ein christ, Ob er durch liebe thätig ist. 491.& eit beteen, Mel. Wer nur den lieben gott. 3 der letzte von 7. Ein seufzer in der noth, Ein wunsch, durch des erlöfers tod Vor gottes thron gerecht zu seyn, Dies macht dich nicht von fünden rein. Die du hier lebest, mensch! herbey. Erfauf die zeit! und statt zu klagen, Sie sey zu kurz, gebrauch sie treu. Nimm mit erkenntlichem gemüth Der nahen stunde wahr; sie flieht. 2. Getäuscht von eiteln kleinigkeiten, Verlierst du deines lebens zweck, Verschiebst dein heil auf ferne zeiten, Und wirfst so ficher jahre weg! Bist du, zu fühner fterbli Von den Pflichten gegen uns selbst. cher! Des nächsten augen blickes berr? 3. Einst ewigteiten zu be, sizen, Solst du des kurzen lebens zeit, Als deine saatzeit weislich nügen, Und, thun, Mel. Wer nur den lieben gott. was dir der herr gebeut. Er ruft dir menſchenfreundlich 492. Sie kömmt, fie zu: Sieh, eins ist noth! was säumest du? kömmt, die letzte stunde, Schon ist der richter vor der thur; Was für ein wort aus seinem munde Bestimmt mein ewig schicksal mir? Komm, du gesegneter, herein!- Uch! oder? geh zur höllenpein! 2. Herr! prüfe mich noch hier am grabe, Erforsche, wie mein herz es meynt, Und was ich zu erwarten habe, Menn Jesus zum gericht ers scheint. Bin ich noch nicht auf rechter bahn, So nimm dich, vater! meiner an. 4. Drum eil', errette deine feele, Und denke nicht: ein an: dermal! Sey wacker, bet', und überzáhle Der menschen tage kleine zahl. Gefeßt, dein ende wår' auch fern; So wandle doch fromm vor den herrn. 5. Mit jedem neugeschenk: ten morgen Erwecke dich zu dieser pflicht. Sprich: dir, o gott! ist nichts verborgen; Ich bin vor deinem ange sicht, Und will, mich deiner huld zu freun, Mein leben gern der tugend weihn. 6. Erleucht' und stärke meine seele, Weil ohne dich sie nichts vermag. Du gönnst, daß ich mein heil erwähle, Aus gnaden mir noch diesen tag. Was ist nicht eine stunde werth, Die deine langmuth mir gewährt! 7. Wohl mir, wenn ich aus allen fråften Nach gottes reis de bier gestrebt, In gottge: fälligen geschäften Die pilger: tage durchgelebt, Und einst im glauben sagen kann: Du nimmst mich, berr, zu ebren an! 367 meinen geift, o herr! Er schwingt sich über grab und welt 3u dir, wenn feine hütte fällt. S. Mein sprachlos flehn bey meinem ende Vernimmst du, herzenskündiger! In deine treuen vaterbánce Befehl ich 3. Allwissender! ist mein vers trauen Auf Jesum auch von rechter art? Nicht, wie auf ihn die heuchler bauen, Bey denen er zum spotte ward, Die nies mals auf sein beyspiel fehn, Nie folgsam seine wege gehn? 4. hat auch mein glaube furcht und liebe Vor dir, mein gott! in mir erzeugt? Ent: flammte er des dankes triebe, Damit ich kindlich mich ge beugt, Wenn du mich als ein vater trugst, Wenn du mich als ein vater schlugst? 5. Du willst, ich soll die welt verlassen, Thu ichs auch gern und mit geduld? Vergab ich denen, die mich hassen, Mit hand. und herzen ihre 368 Von den Pflichten gegen uns selbst. schuld? That ich auch einem bruder leid, Der über mich noch rache schrent? 6. Empfahl ich dir auch stets die meinen? Hab ich auch treu für sie gewacht? Darf ihrer keiner darum wei nen, Daß ich nicht als ihr freund gedacht? Und sterb ich in der zuversicht: Der herr verläßt die meinen nicht? 7. Such ich in deinem wort erquicfung, Wenn mir um trost jegt bange wird? Sehnt sich mein herz nach der entzückung, Die mir der herr, mein guter hirt, Erworben, und in jener welt Um quell des lebens vorbehålt? 8. Mir fagt sein wort und mein gewissen, Daß ich ein übertreter bin; Laß ich auch fromme thránen fließen, Und fliebe betend zu ihm hin? Bleib' ich getroft durch Christi tod, Wenn mir des grabes schrecken droht? wie bald zur gruft Deiner vorsicht wink mich ruft? 2. Unaussprechlich schnell entfliehn Die uns zugezählten stunden, Eh mans denkt, sind die dahin, Und auf ewig uns verschwunden; Niemals kehrt ein augenblick Uns zum heil davon zurück. 3. Laß bey ihrer flüchtigkeit, Mich, mein gott! doch nie vergessen, Wie unschätbar sey die zeit, Die du hier uns zugemessen, Wie, was hier von uns geschieht, Ew'ge folgen nach sich zieht. 4. Reize mich dadurch zum fleiß, Eh die zeit des heils verlaufen, Mir zur wohl fahrt, dir zum preis, Noch die stunde auszukaufen, Die zu meiner feligkeit Deine gnade mir verleiht. 5. Deine schonende geduld Trage mich, gott! nicht vers gebens. Ach! vergieb mir meine schuld, Daß so man chen theil des lebens Ich zu meiner seelen wohl nicht ge braucht, so wie ich soll. 6. Laß mich meine besserung Für mein hauptgeschäfte ach ten, lind nach meiner heili gung Mit so treuem eifer trach, ten, Als erwartete noch heut Mich gericht und ewigkeit. 7. Deine gnade steb mir bey, Daß mein leben auf der erde Reich an guten früchten sey, Und dem nächsten núg lich werde; Und ist einst mein ende da, D! so sep mit trost mir nah. 9. Gott! richter! vater! schone, schone, Weil er den felch des jornes trank; Gieb mir, gieb mir die siegeskrone, Die er durch seinen sieg er: rang; Dann sag' ich, durch des glaubens macht, Getrost und froh: es ist vollbracht! Mel. Jesus, meine zuversicht. err, ich hab, aus 493.5 deiner treu, Mir zum heil noch zeit in håne den; Gieb doch, daß ich sorg fam fey, Sie recht weislich an zuwenden. Denn wer weiß, Von den Pflichten gegen den Nächsten. Pflicht der Tächstenliebe. Mel. Jesus, meine zuversicht. zu entrichten. Du bist gots res; und dein knecht Hat 494. len christen, und der herr dies vorgeschrieben: Euren nächsten sollet ihr, Als euch selbst, von herzen lieben; Wer ihn haffet, schlägt ihn todt, und die mörder hasset gott. 2. Wir sind bürger einer welt, Alle finder, alle brüder; Wer sie schmäht und unwerth bált, Wüthet gegen seine glie: der; Wir sind ein leib, und gott schuf Uns zu einerley beruf. 3. Eine sterbliche natur Ein gebrechlichs kurzes leben, Eine hoffnung hat uns nur Gott obn' unterschied gege: ben; Eine straf und seligkeit Warter unfer nach der zeit. 4. Ebre, reichthum würde, stand, Seelenkráfte, leibesgas, ben, Und was wir aus gottes hand Sonst für einen vorzug haben, Alles dies bez frent uns nicht Von der menschenliebe pflicht. 369 5. Nein, der gaben unters schied Knüpft das große band auf erden; Jeder, wenn er sich bemüht, kann dem an: dern nüglich werden; Den, der dir hier dienen muß, Nährt mit recht dein überfluß. 6 Nach dem dir vertrauten pfand Messen sich auch deine pflichten, Gab gott viel in deine hand, So hast du viel dort mit dir gleiches recht. 7. Dein erlöser sagt es dir: Pflegst du der geringsten eis nen, So thuft du es selber mir; Denn ihr alle feyd die meinen. Mancher, den die welt verschmäht, Ist in gots tes aug' erhöht. 8. Darum, gott! gieb mir ein herz. Das von menschen. lieb entbrennet, Auch in nies drigkeit und schmerz Seinen nächsten nicht verkennet, Nie voll eiteln wahns vergißt, Daß ein mensch, wie ich, er ist. 9. Ja, gieb, großer menschenfreund, Jesu! daß ich auf der erde Allem stolz und neide feind, Dir an demuth ähnlich werde, Um der hoffnung mich zu freun, Einstens groß vor dir zu seyn. Mel. Uch, was soll ich sünder. ollten menschen, 495. meine brüder, Mir, wie gott, nicht theuer fern? Sollt ich sie nicht gern erfreun? Sie sind alle Christi glieder, Christi, der für alle starb, Alen gottes huld erwarb. 2. Alle sind von einem blus te, 200' und jede menschen find Sein, und jeder ist sein find; 2' erkauft mit einem blute, Alle erben seines fobns, Erben eines gnadenlohns. 3. Gottes tinder wollt ich 20 a 370 Von den Pflichten gegen den Nächsten. bassen, Lieblos, unbarmherzig ihr brüder, Für euch beten, feyn? Meinem feinde nicht euch erfreun, Wohlthun, dul verzeihn, Keine schulden ihm den und verzeihn. erlassen? Und gott, dessen Allgemeine Liebe gegen das gericht, Deß die rach ist, den nächsten. richtet nicht! Mel. Nun danket alle gott. 4. Der du für die übelthås 496.Gieb mir, o gott! ter Liebreich bateft, und die herz, Das last Unsrer schuld getragen jeden menschen lieber, Bey haft, Unser mittler und ver- feinem wohl sich freut, Bey treter! Es verföhnte gott durch dich Eine fünderwelt mit sich. 5. Wenn mein herz, vom hang der sunde Hingerissen, dich verkennt, Und zu haß und rach entbrennt; Ueberwind, o überwinder! Meinen baß, und laß mich fehn In den tod für uns dich gehn. seiner noth betrübet, Ein herz, das eigennut, Und neid und hårte flieht, und sich um andrer glück, Als um sein glück bemüht. 6. Deine thránen, wie sie flossen, Als dein aug um mich geweint. Laß mich sehen, menschenfreund! Und dein blut, vor gott vergossen, Aus: 3. Dies sey mein gottes geschüttet, herr! für mich, Und von gett verlassen dich. 2. Seh ich den dürftigen, So laß mich gütig eilen, Von dem, was du mir giebst, Ihm hülfreich mitzutheilen. Laß mich es willig thun, Nicht um gerühmt zu seyn Und mich verehrt zu fehn, Nein, menschen zu erfreun. 7. Es erton in meinen obren: Was ich that, entzünde dich! Wer den bruder liebt, liebt mich, Wer nicht liebet, ist verlo: ren; Gottes zorn ist über ihm! Gottes zorn ist über ihm! dienst. Uuch unbemerkt von ihnen Muß andern stets mein herz Mit rath und hülfe die nen. Mich treibe nicht erst dank 3u milder woblthat an; Nein, was ich brüdern thu, Das sey dir, gott! gethan. 4. Ein trunk, mit dem mein dienst Dem durstigen begegnet, Ein blick voll trost, womit Mein herz bedrängte segnet, Ein ralb, wodurch mein mund Im fummer an dre stárkt, Nichts bleibt, fo klein es ist, Bon dir, herr! 34053 9. Dihr meines hauptes unbemerkt. das glieder, Christi, der für alle 5. Eilt wo ein boshaft starb, Allen gnad und huld 8. Laß miche hören, daß ich übe, Was dein wille mir gebeut, Nachsicht, fanftmuth, gütigkeit; Daß ich, wie du liebtest, liebe, Feurig liebe, mild und treu, Sanft, und leicht versöhnlich sey. herz, Unfrieden anzurichten, erwarb! Lieben will ich euch, So laß mich sorgsam ſeyn, Von den Pflichten gegen den Nächsten. 371 danieder. Gott ist die lieb, und will, daß ich Den náchsten liebe, gleich als mich. 2. Wer dieser erben guter hat, Und sieht die brüder leis den, Und macht den hungris gen nicht satt, Läßt nackende nicht fleiden, Der ist ein feind der eriten pflicht, Und hat die liebe gottes nicht.. Der brüder zwist zu schlich: ten. Aus schmábsucht fránke nie Mein mund des nächsten ruh; Er rühme sein verdienst, Dec feine fehler zu. 6. Die rach ist dein, o gott! Du sprichst: ich will vergel: ten; Drum laß mich stille seyn, Benn menschen auf mich schelten. Gieb, daß ich dem verzeib, Der mir zu schaden sucht, Den liebe, der mich haßt, Den segne, der mir flucht. 7. Doch laß mich nicht al: lein Auf zeitlich wohlergeben Mit eingeschränktem blick Bey meinem nächsten sehen; Noch stárker müsse mich Sein ewig glück erfreun, Noch mehr sein feelenheil Mir angelegen seyn. 8. Den, der im glauben wankt, Im glauben zu be stärken, Den, der noch sicher ist Bey lasterhaften werken, Von der verkehrten bahn Des lasters abzuziehn; Dazu verleih mir kraft, Und segne. mein bemühn. 3. Wer seines nächsten ehre schmåht, Und gern sie schmås ben höret, Sich freut, wenn sich sein feind vergeht, Und nichts zum besten fehret, Nicht dem verláumber widerspricht, Der liebt auch seinen bruder nicht. 4. Wer zwar mit rath, mit trost und schuß Den nächsten unterstüzet, Doch nur aus stolz, aus eigennut, Aus weichlichkeit ihm núßet, Nicht aus gehorsam, nicht aus pflicht, Der liebt auch seinen nächsten nicht. 5. Wer harret, bis ihn ans zuflehn Ein dürftger erst ers scheinet, Nicht eilt, dem frommen beyzustehn, Der im verborgnen weinet, Nicht güz tig forscht, obs ihm ge= bricht, Der liebt auch seinen nächsten nicht. Mel. Machs mit mir, gott, nach. 497. o jemand spricht: ich liebe gott; Und haßt doch seine brüder, Der treibt mit gottes wahrs 7. Wer für der armen heil beit spott, Und reißt sie ganz und zucht Mit rath und that 6. Wer andre, wenn er sie beschirmt, Mit hårt und vors wurf qualet, und ohne nachficht straft und stürmt, So bald sein nächster fehlet; Wie bleibt bey seinem ungestum Die liebe gottes wohl in ihm? 2 a 2 9 D! beilige du selbst, Herr! meiner feele triebe, Durch deine lieb und furcht, 3u wahrer menschenliebe. Wer nicht den nächsten liebt, Geht nicht zum himmel ein. Laß diese wahrheit, gott! Mir stets vor augen seyn. 372 Von den Pflichten gegen den Nächsten. nicht wachet, Dem übel nicht zu wehren sucht, Das oft sie dürftig machet, Nur sorglos ihnen gaben giebt, Der hat fie wenig noch geliebt. 8. Wahr ist es, du ver magst es nicht, Stets durch die that zu lieben; Doch bist du nur geneigt, die pflicht Getreulich auszuüben, Und wünschest dir die kraft dazu, Und sorgst dafür, so liebest du. 9. Ermattet dieser trieb in dir, So such ihn zu beleben. Sprich oft: gott ist die lieb, er 14. Ein umbarmherziges ges richt Wird über den ergehen, Der nicht barmherzig ist, der nicht Die rettet, die ihm fles hen. Drum gieb mir, gott! durch deinen geift, Ein herz, das dich durch liebe preist. Mel. Un wasserflüssen Babylon. du die liebe felber 498. Der bu bit, und gern uns menschen fegnest, Ja selbst dem, der dein feind noch ist, mit wohlthun doch begegnest; D! bilde meinen sinn nach oir, Und laß mich doch, mein heiland! hier, Wie du gewandelt, wandeln. Die können teine christen seyn, Die sich nicht andrer wohls fahrt freun, Und menschen. feindlich handeln. 2. Dein leben in der sterb lichkeit War für die menschen segen; Dir folgten lieb und freundlichkeit Auf allen beis nen wegen. Wohin du gingst, ging wohlihun mit, Dein wort, dein werk, und jeden schritt Begleitete erbarmen. Du übernahmst die schwerste pein, Uns vom verderben zu befreyn. Und starbst zum heil uns armen. 12. Du schenkit mir täglich fo viel schuld, Du, herr von meinen tagen! Ich aber sollte nicht geduld mit meinen brúdern tragen? Dem nicht verzeihn, dem du vergiebst, Und den nicht lieben, den du liebst? 13. Was ich den frommen 3. Auch jetzt noch auf der himmel thron Bist du das heil der fünder, Uuch da bleibst hier gethan, Dem kleinsten du, o gottessohn! Ein freund geben. Denk oft: gott! was ich bin, ist dein; Sollt ich, wie du nicht gütig seyn? 10. Wir haben einen gott und herrn, Sind eines Iibes glieder; Drum diene deinem nächsten gern, Denn wir sind alle brüder. Gott schuf die welt nicht bloß für mich; Mein nächster ist sein kind, wie ich. auch von diesen, Das siehst du, mein erlöser! an, 2018 hátt ichs dir erwiesen. Und ich, ich sollt ein mensch noch seyn, Und dich in brüdern nicht erfreun? 11. Ein heil ist unser aller aut; Ich sollte brüder hassen, Die gott durch seines sobnes blut So hoch erlaufen lassen? Daß gott mich schuf, und mich verfühnt, Hab ich dies mehr, als sie, verdient? Von den Pflichten gegen den Nächsten. 373 der menschenkinder. Du schafft eitelkeiten, Durch lift, burch den deinen wahre rub, Und zwang, durch anreizung, Den die verirrten suchest du Auf schwachen zu verleiten, Durch rechten weg zu leiten; Du that und bös' exempel ihn In hörst der seufzenden gebet, laster und verderben ziehn; D Und brauchest deine majestát, gott! welch ein verbrechen Nur segen auszubreiten. 4. D! laß in meiner wanders schaft Mich auf dein vorbild sehen. Erfülle mich mit lust und kraft, Dem nächsten bey zustehen, Betrübter herzen trost zu seyn, Mich mit den fröhlichen zu freun, Mit weis nencen zu klagen. Laß mich dem, der sein herz mir weiht, Ein herz voll frommer reolich: feit Und treue nicht versagen. 5. Laß mich mit brüderlicher huld Den strauchelnden erwek: ken, Durch sanftmuth, mits leid und geduld Des nächsten fehler decken. Mein antlig sey nie fürchterlich, Und meine feele neige sich Zu des bedräng: ten flehen. So wird mich in der bessern welt, Die nur die menschenfreund' enthält, Der liebe lohn erhöhen. Sorgfalt für die Seele des Nächsten. Mel. Es ist das heil uns kommen. ott! meines nách Laß mich stets theuer achten, Laß mich nach seiner seele heil Mit lieb und sorgfalt trachten. Sie schufst du zur unsterblichkeit, Sie hast du selbst zur seligkeit Durch deis nen sohn erlöſet. 2. 3um irrthum und vers schlimmerung, Bu sünd und 3. Laß mich nach seiner bess ferung Im glauben und im leben, Durch unterricht, durch anmahnung Und lehrreich bey spiel streben; Erkenntniß und religion Und tugend, die uns lehrt dein sohn, Ihm suchen einzuprägen. 4. Je mehr du mir geles genheit und fähigkeiten gies best, Je mehr laß mich zu jeder zeit Die seele, die du liebest, 3u retten hier beslis sen seyn, Und nicht verdruß, nicht arbeit scheun, Sie, gott! bir zuzuführen. 5. Giebst du mir kinder, herr, mein gott! Giebst du mir bausgenossen, Laß mich bein heiligstes gebot Sie lebs ren unverdrossen; Du gabst sie mir, und deine hand Wird dies mir anvertrante pfand Von mir einst wieder fordern. 6. Kann ich kein zeitlich glück und gut Den meinen hier erwerben, So laß sie doch gut, Die tugend, von mir erben. Laß, vater! dir mich sie erziehn; Laß selbst mich sünd und laster fliehn, Und stets behutsam wandeln. 7. Ach! hab ich jemals eine feel Geargert und verblendet, Durch leichtsinn, bosheit, eig nen fehl Sie dir, mein gott! entwendet; Ist irgendwo, du 374 Von den Pflichten gegen den Nächsten. gott der huld! Durch mein vers 5. Laß mich beständig das fehn, durch meine schuld, Ein mensch, ein sünder worden. hin sehn, Mit jeglichem ſo umzugehn, Wie ichs von ihm begebre, Damit ich keis nes menschen herz Durch meine barte je mit schmerz Und fümmerniß beschwere 8. Erbarmer, vater, ach verzeih Mir diese großen fün: den! Laß mich, laß ibn, auf wahre reu Noch huld und gnade finden. Führ ibn zu: rück zur heiligung, Laß mich durch eigne besserung Ihn stárken und erbauen. Gerechtigkeit gegen den Nächsten. #onl 500.0 Mel. Kommt her zu mir, spricht. u liebst, o gott! gerechtigkeit, Und den, entweiht, Um nächſten unrecht übet. Du 501.Gerechter gott bists, der jedem seinen lohn, Ohn alles ansehn der person, Nach seinen werken giebet. 2. Gerechter gott! laß dei nen geist Zu dem, was recht und billig heißt, Stets meine feele lenken. Nie komm es mir doch in den sinn, Aus schnöder habsucht und gewinn Des náchsten recht zu fránken. 3. Pflanz redlichkeit in mei: ne brust, Und laß mich stets mit wahrer luft, Der liebe pflichten üben. Ein herz, das nur auf unrecht denkt, Nur schaden fucht, und an. dre frånkt, Wie kann das brüder lieben? 4. Nie seufze jemand wider mich Mein ganzes ber; bestrebe sich, Dem nächsten gern zu geben, Was er mit recht verlangen kann, Und immerfort mit jedermann Jn einigkeit zu leben. 6. Herr! mit dem maaß, damit ich hier Dem nächsten messe, wirst du mir Dereinst auch wieder messen. Dies reize mich zur billigkeit; So werd ich auch zu keiner zeit Der liebe pflicht vergessen. Mel. O gott, du frommer gott. du len deine kinder Gerecht seyn, gleich wie du; Allein wie hab ich fünder Dies heilige gesetz Oft wissentlich verlegt, Und die gerechtigkeit So oft hintangefest! 2. Du siehst, wie ich mich oft Mehr als den nächsten liebe, Durch unrecht richten, thun Und reden ihn betrübe. Sein glück befördr' ich nicht, Sein schaden freut mich wehl, Ich thu' ihm nicht, was ich Will, das er mir thun soll. 3. Du, heiligster! der du Die ungerechten strafest, Den unterdrückten hilfst. Den ars men recht verschaffeft, Wie zitte' ich, her, vor dir! Uch geh mit deinem knecht, Mein gott! nicht ins gericht. Wer ist vor dir gerecht? 4. Miß mir nicht mit dem maaß, Mit dem ich oft ge messen; Und mein so lieblos Von den Pflichten gegen den Nächsten. 375 herz, Das dich so oft vergess feligkeit; Des ungerechten fen, Dies bilde du doch ganz lohn Ist fluch in ewigkeit. Durch deinen guten geift 3ur Gerechtigkeit gegen das liebe, daß ich nur Das thue, Eigenthum des Fächsten. was du heißt. Mel. Freu dich sehr, o meine seele. 5. Laß keinen menschen mich 502. Alles, was ich bitt betrüben, trug und list mich fliehn, Nur das aufrichtig lieben. Was recht und billig ist, Was mei: nem nächsten nugt, Und was sein glück und wohl Beför: dert, stärkt und schützt. undhabe, Kömmt, o gott! aus deiner hand; Wie so manche gute gabe Hast du mir herabgesandt! Vater! all mein glück ist dein; Deinem ruhme laß michs weihn. Niemals laß mich mehr verlangen, Als was ich von dir empfangen. 6. Wie leicht fann ehr und ruhm Und geiz das herz bez thören, Leicht menschenfurcht und gunst Von deinem weg abkehren! Süß ist der höhern lob, Noch bittrer ist ihr spott; Und hoffnung bessern glücks, Wie leicht führt die von gott! 2. Laß mich dankbar und zu: frieden Im genuß der guter seyn, Die mir deine huld be: schieden, Auch an andrer glück mich freun; Nie auf fremdes größres glück Neidisch sehn mit scheelem blick, Nie, was du mir gabst, verachten, Und nach fremdem gute trachten. 7. Ach! laß nicht lob, nicht schmach, Laß weder schmerz noch freuden, Noch vortheil und gewinn, Von meiner pflicht mich scheiden. Laß we der freund noch feind Er: schüttern meine treu; Und gieb, daß redlichkeit Mein ruhm und ehre sey. 3. Jedem laß mich willig geben, Was er recht zu fors dern hat, nicht den obern widerstreben, Denn sie sind an deiner statt; Geb ich gern, mit frohem sinn, Schuld'ge steur und gaben hin, So wird freudiges gewissen Mir die herbste pflicht verfüßen. 4. Dem, der mühsam für mich schwiste, Der mit sei nen kräften mir Und mit seiner arbeit nüste, Dem gebührt mein lohn dafür. Halten, was mein mund ver. spricht, Sey mir immer beit' ge pflicht; Trug und ausflucht laß mich fliehen, Keinem lohn und sold entziehen.. 8. Laß mich, so viel ich kann, Den unterdrückten schüßen, Und wo ich dies nicht kann, mit rath und troft ihm núßen. Laß mich auch, unterm schein Des rechten, selber nicht Gewalt und unrecht thun, Wenn mir es gleich geschicht. 9. Beseele, herr der welt! Durch deines geistes triebe, Doch aller menschen herz Mit billigkeit und liebe. Nur der gerechte erbt Des himmels 376 Von den Pflichten gegen den Nächsten. 5. Laß, wenn ich von an: dern borge, Zum ersatz mich seyn bereit; Redlichkeit sey meine sorge, Mein bemühn gerechtigkeit. Vorschub, den ein freund mir thut, Ist nicht mein, ist fremdes gut; Danks bar will ich meinen brüdern Beystand, hulf und rath erwiedern. feyn, wie du, Daß mein les ben ohne reu, Obne quaal mein ende sey, Daß mich, wenn ich einf erwache, Keine schuld verdammlich mache. Pflicht gegen die Ehre und guten tamen des Nachsten. Mel. Wend ab deinen zorn. 6. Eigenthum, das ich ent- 503. Hilf, Sefu! daß ich wende, Würde fluch und tod mir seyn; Uber halt ich mei: ne hände Von betrug und raube rein, Dann darf ich sie froh empor Betend heben; gottes ohr Wird des from: men flehn erhören, Den vers brechen nicht entehren. 7. Hab ich mich durch andrer schätze Und durch arglist reich gemacht; Laß mich, gott! daß ichs ersege, Bald und eifrig seyn bedacht, Lie: ber arm und dürftig seyn, 2018 mich meines unrechts શાક freun, Und, nach bald durch träumten freuden, Des ge wissens folter leiden. 8. 3wiefach will ich trug und schaden Dem erstatten, der ihn litt. Wer, mit blut schuld schwer beladen, Einst vor gottes richtstuhl tritt, Wird verworfen im gericht, Bleibt vor jenem antlig nicht, Das dem fünder rache flam: met, Den sein falsches heiz verdammet. 9. Heilger gott! ein frommes leben Liebest du, belohnest du; Gieb mir fraft, und laß mich fireben, Fromm und gut zu liebe, Durch lieblos richten ibn ja nicht betrübe. Ihn nicht vers läumde, noch durch falsche rånke Sein wohlfeyn tránke. 2. Sieb, daß ich nachsichts: voll des nächsten fehle, So viel ich immer kann, der welt verhehle, Und, wenn er fällt, auf mich, der ich noch stehe, Mit vorsicht sehe. be 3. Hilf, daß ich flüglich ihn zu bessern trachte, Und seiner feele wohl mir theuer achte; Denn du haft ſelbst für sie in todesbanden Biel ausgestanden. 4. Und kann ich auch das böse felbst nicht bessern; Laß michs doch ehr verschweigen, als vergrößern, Anstatt es auszubreiten, es vermindern, Und schaden bindern. 5. Den größten fünder laß mich nicht verachten, Noch immer ihn als dein geschöpf betrachten, Nie, die mit mir von einem blut abstammen, Lieblos verdammen. 6. Aufrichtig laß mich scházzen deine gaben, Die andre, herr! von dir empfangen has ben; Es müsse nie mein herz Von den Pflichten gegen den Nächsten. 377 2. Wenn du aus argwohn nur Vom nächsten böses den= fest, Wenn du durch falsch gerucht Ihm schadest und ihn Fránkest, Wenn leichtsinn, neid und haß Ihn vor der welt entehrt; Bist du dann ferner noch Des christennamens werth? des nächsten freuden Boshaft beneiden. 7. Bescheiden laß mich von mir selber denken, Durch stolz und hochmuth keinen menfchen Frånken, Mit sanft: muth selbst dem låsterer be gegnen, Und feinde segnen. 8. Hab ich des nächsten ebre je beflecket, Und seine schwachheit lieblos aufgedek tet, Schlug ich der unschuld in betrübten stunden Schmerz: hafte wunden; 9. So laß mich reuevoll und liebreich eilen, Die ihm geschlagne wunde bald zu heilen, Und, der verläum: dung folgen zu zerstören, Ihm recht gewähren. 3. Wer, wenn er låstrer bört, und unter spottern sibet, 2us scheuer menschens furcht Nicht andrer unschuld schuset, Ber aus gefälligkeit Selbst ein verläumder ist, Und nichts zum besten kehrt; Ist dieser wohl ein christ? 10. Laß alle schmähsucht mich von herzen hassen. 3ur feligkeit wird niemand zugelassen, Der bosheit, neid und grausamkeit hier übet, Und falschheit liebet. 4. mensch! bedenke doch, Gott hört an jedem orte, Wo du zugegen bist, Ein jedes deiner worte. Ach! er, der alles sieht, Wie sollt er dich nicht sehn, Wenn du dich frech erfühnst, Die unschuld selbst zu schmähn? 11. Drum laß mich, Jesu! immer mehr auf erden An liebe, gut' und treu dir áhnlich werden. Gieb dazu kräfte. herr! so will ich dros ben Dich ewig loben. Wider die Schmähsucht. Mel. O gott, du frommer gott. 5. Wenn du der frommen lachst. Wenn du die tugend schåndest, Dem würdigen das lob, Das er verdient, entwendest; Verläumder! gott weiß es, Wie zügellos dann du Ihn in den seinen schmähst; Der råcher hört dir zu. 6. Er zählt die thrănen, die 504. Wenn du des nach Geweint von seinen frommen, sten ehr Und achtung suchst zu schmålern, Selbst Die du entehret hast, Mit seufzen vor ihn kommen. Es kommt, es kommt ein tag, Wo gott einst vor gericht Im angesicht der welt Auch dir dein urtheil spricht. 7. Ach! wolltst du künftig noch Des nächsten ehr vers von nichts liebers sprichst, Uls andrer menschen fehlern, Aus ehrsucht oder stolz Verkleinerst ihren ruhm, Und ihre schuld erhöhst; Wo bleibt dein christenthum? 378 Von den Pflichten gegen den Nächsten. legen? Nein, hast du ihr ges schadt, Such sie ihm zu ersetzen. Des nächsten guter nam Sey selbst dein eigner ruhm, Und schütz und rette ihn Stets als ein heiligthum. 8. D! laß uns, gott der huld! Mit dieser pflicht nie scherzen; Und pråge du viel: mehr In unser aller herzen Die große wahrheit ein: Nur der sey deiner werth, Der feine brüder liebt, und durch die that sie ehrt. Dienstfertigkeit. Mel. O gott, du frommer gott. ie felig lebt ein 505.Wi mensch, Der dienstbegierde kennet, Und ihre pflicht zu thun Aus menschen liebe brennet, Der, wenn ihn auch kein eid Zum dienst der welt verbind't, Beruf und eid und amt Schon in sich selber find't! streben, So treu, als er sich lebt, 3um wobl der welt zu leben. Ihm wird des nächsten beil Sein eignes himmelreich; Er fühlet fremde noth, Als tråf' ihn selbst der streich. 5. Er eilt, dem, ders be: darf, Mit hülfe beyzustehen; Sein anfehn und sein freund, Sein stand, sein wohlerges hen Sind mittel, die er braucht, Behülflich gern zu sevn, Und einen leidenden Mit troste zu erfreun. 4. So denkt der menschenfreund; Und das ist sein be 6. Was andrer nothdurft heischt, Das reizet seine triebe, Auch ohne ruhm und cobr lohn 3u wahrer menschens liebe. Kein stolz, noch eigennutz Wirkt seine gütigkeit. Er sieht auf feinen gott, Der liebe ihm gebeut. 7. So laß mich auch ge sinnt, Mein gott! durch Chris stum werden. Voll regen ei fers sey Mein leben hier auf erden, So nüßlich als ich kann, Dem nächsten stets zu seyn; Dann geh ich einst, o gott! Ins reich der liebe ein. wohlthätigkeit und Liebe 2. Dir, höchster! ahmt er nach, Dir, als ein bild zu gleichen; Durch dienstbefliss fenheit Sucht er dies zu er: reichen; Er hält für eignes wohl Sich nicht allein gemacht. Er bált sich für die welt Von dir hervorgebracht. 3. Die welt, denkt er, hat 506.vater! Du güz gegen Arme. Mel. Nun ruhen alle wälder. menschen allem, wir recht Auf meinen dienst und krafte; Shr nügen, ist für mich Ein feliges geschäfte. Als glieder schuf uns gott, 21s bürger einer welt, In der des einen hand Die hand des andern hält. tigster berather In was uns drückt! Was hier guts genießen, Das läßt du uns zufließen; Du bists, der unser herz erquict. 2. Du läßt dich bey uns fündern Turch undank nicht verhindern, Uns segnend zu Von den Pflichten gegen den Nächsten. 379 selbst uns lehret, Und die gott, den höchsten, ebret. 2. Speiset die, die hunger leiden, Und die durstig sind, die tránft; Eilt, den nackenz den zu kleiden. Tróstet die, die kummer frånkt; Schwache sucht zu unterstützen, Unterdrückte zu beschußen.de erfreun. 3u ewgen seligkeiten Uns sterbliche zu leiten, Wird ewig dein vergnügen seyn. 3. Wie groß ist deine milde! Barmbers'ger vater! bilde Mein berz nach deinem sinn, Daß ich der noth ter armen Mich willig môg' erbarmen; Nimm alle hårte von mir bin. 4. Gieb, daß ich willig gebe, Mich wohlzuthun bestrebe, So wie mein heiland that, Der göttliche erbarmer, Den kein bedrängter armer Bergebens je um hülfe bat. 5. Erhalt in mir die triebe Der mitleidsvollen liebe. Wie du mir guts gethan, So laß um deinetwillen Mich andrer nothourit stillen, So oft ich sie nur stillen kann, 6. 3um fleiß in guten wer: ken Laß mich die Hoffnung stärken, Ber dir, dem herrn der welt, Der frohe geber, 5. Und dies sich nicht an liebet, Sey, was man willig giebet, Ein opfer, das dir wohlgefällt. ed als búrde, nicht als last, be glückter christ! Hoheit ist es, es ist würde, Wenn man mild und hilfreich ist. Welch ein ruhm für dich erlöften, Arme brüder Jesu trösten! 7. Laß mich hier reichlich såen; Denn, terr! was hier geschehen, Folgt uns in jene zeit. und giebet, Und sich im wohlthun übet, Der erntet dort die herrlichkeit. 3. Nicht nur denen, die um liebe, Die um búlf und rettung flehn, Sucht aus christlich: edlem triebe, Nach vermögen beyzustehn; Auch den'n, die im stillen leiden, Gönnet unverhoffte freuden. 4. Dentt,( wie möglich sind die fälle!) Denkt, ihr fühltet jener schmerz: Denkt, ihr wart an ihrer stelle; Und wie dann eu'r leidend herz Sich von andern wünscht ers barmen, So thut ihr auch andern armen. Wer hier gern hilft 6. Und was schaffts für sanfte freuden, Der verlaß nen helfer seyn! Sehn, wie fie in ihren leiden Sich, durch uns gestärkt, erfreun! Ein betrübtes berz erquicken. Brine get himmlisches entzücken. 7. Heil und glück auf uns fern wegen, Ruhe und zufriedenheit, Huld bey menschen, gottes segen Folgt hier auf barmherzigkeit; Und dereinst Mel. Herr, ich habe mißgehandelt. 507.20 ohlzuthun und mitzutheilen, Christen, dies vergesset nicht! Mitleidsvoll und willig ei: len, Armen beyzustehn, ist pflicht, Pflicht, die Jesus 380 Von den Pflichten gegen den nächsten. zum gnadenlohne Schenkt ihr gott des himmels frone. 8. O! so laß uns unsre gaben Gern hier in der zeit ausstreun. Was wir hier gefået haben, Ernten wir einst reichlich ein. Seyd barmher: zig, liebt die armen; Dann wird gott sich eu'r erbarmen. Aufrichtigkeit. Mel. Alle menschen müssen sterben. mich, höchster! danach streben, Stets der wahrheit freund zu seyn. Jenes freudenvolle les ben Nimmt nicht freche lug. ner ein; Denn vor deinem angesichte Werden sie beschämt 508.a zu nichte, Weil verstellung, trug und list, Dir, o gott! ein abscheu ist. 2. Undern zu gefallen lu. gen, Leeren schwäbern gleich zu seyn, Heuchelnd brüder zu betrügen, Herr! das falle mir nie ein. Wahrheit leit an allen orten Mich in wers fen und in worten. Redlich sey des herzens grund, Reda lich spreche auch mein mund. 3. Die der falschheit sich ergeben, Sind vor dir, o gott! ein grául, Und ein unglück felig leben Bleibt gewiß ihr Fünftigs theil. Hier schon trifft verdiente schande Sie bey redlichen im lande; Denn ein jeder menschenfreund Ist ber falschheit rånken feind. 4. Schmåht mich, ohne mein verschulden, Der ver: läumder låstermund, Herr! so laß michs still erdulden, Einst wird doch die wahrheit fund. Darf ich ja nicht lán ger schweigen, Meine unschuld zu bezeugen; O! so gieb, daß stets dabey Herz und mund voll sanftmuth sey. 21st 5. Daß du, berr! an jedem orte Beuge meines wandels bist, Daß kein einzigs meiner worte Deinem ohr verborgen ist; Das sey stets mir im gemüthe, Daß ich mich vor lügen húte; Denn du liebst den wahrheitsfreund, Und bist falschen herzen feind. Mel. Herzlich thut mich verlangen. 509.2ohl bem, der redlich wandelt, Der als ein wahrheitsfreund In wort und werken handelt, Und das ist, was er scheint, Der recht und treue liebet, Und von dem sinn der welt, Die trug und falfchheit übet, Sich unbefleckt erhält! 2. Wohl dem, der lügen haffet, Und der, so oft er spricht, So seine reden faffet, Daß er die wahrheit nicht Mit vorbedacht verleget, Und der an allem ort Sich dies vor augen fehet, Gott merkt auf jedes wort. 3. Wohl ihm, daß sein gemüthe, Herr, deine rechte übt! Shn leitet deine gute, Er wird von dir geliebt. Du wirst ihn einst erhöhen, Wenn in der wahrheit licht Beschämt die falschen stehen, Geschreckt durch dein gericht. 4. Herr! pråge du im leben Von den Pflichten gegen den nächsten. 381 Dies tief ins herz mir ein, Hat dir dein gott gegeben. Und hilf mir, mich bestreben, Der lügen feind zu seyn; Erinnre mein gewissen, Du bassest heucheley, Damit ich stets beslissen Der treu und wahrheit sey. Welch ein geschenk! mißbrauch es nicht! Sie bringet tod und leben; Man fluchet und man lobt damit; Uch gott! erhöre meine bitt', Daß ich fie recht gebrauche. 5. Nie laß mich was vers sprechen. Das ich nicht hals ten fann, Und nie zusagen brechen, Die ich einmal ges than; Nie mich den stolz ver: leiten, Und nie des beyspiels macht, als wahrheit auszubreis ten, Was ich doch selbst erdacht. 6. Drum laß zu allen zeis ten Auch deiner weisheit licht, Herr! meine seele leiten, Da: mit ich meine pflicht Mit flugheit üb', und wisse, Wann ich für andrer wohl Und für mich reden müsse, Und wann ich schweigen soll. 7. Wenn je, um mich zu drücken, Des feindes anschlag gilt, Der sich bey bösen tücken In guten schein verhüllt; So stärke meine feele, Daß sie nicht unterliegt, Und alles dir befehle, Durch den die unschuld siegt. 8. Ein herz voll treu und glauben, Das, gott! zu dir sich hålt, Das soll mir niemand rauben; So kann ich aus der welt Einst mit der hoffnung gehen, Ich werde, als dein kind, Dich mit den frommen sehen, Die reines herzens sind. 2. Laß doch in meines bers zens grund, Gott! deine furcht stets wohnen. Gewissenhaft wird dann mein mund Der wahrheit rechte schonen. Und wohl dem, der von schmeis cheley, List, lástersucht, vers stellung frey, Nicht mit den lippen fúndiat. 3. Auf deinen ruhm und andrer wohl Soll stets mein thun fich lenken. Laß dann auch, wenn ich reden soll, Mich dies mit ernst bedens ken. Dein lod, des nächsten glimpf und nuß. Der tugend ruhm, der unschuld schuß Beschäftge meine zunge. 4. Schandbare worte, fres cher scherz, Unheilge spottes reven Verrathen ein verderb tes berz, Einst muß man sie bereuen. Drum schaff in mir durch deinen geist, Daß dich vielmehr die zunge preift, und deinen namen heiligt. 5. Was züchtig, keusch und ehrbar ist, Was wohl und lieblich klinget, Das redet überall der christ, Spricht, wenn es nusen bringet, Und scheut den, zorn der menschen nicht; Doch schweigen wird alsbald ihm pflicht, Benn es Mel. Bár gott nicht mit uns. 510. Die unge, die vers die liebe fodert. nehmlich spricht, 6. Web aber dem verweg 382 Von den Pflichten nen mund, Der fluch und schwur nicht scheuet! Wie wird des berzens leichtsinn fund, Und oft zu spát bereuet! Uch, fluchen bringet fluch und noth, Und wenn nicht buße folgt, den tod; Laß mich dies stets bedenken! 7. Auch lügen schändet, bringt nur müb, Ist eine frucht der hölle; Lehr mich fie bas sen, daß ich nie Mich lugnern zugefelle. Die wahrbeit brin: get lob und ruhm, Und ziert das ganze christenthum; Da nach laß mich stets streben. Sreundschaft. Mel. O gott, du frommer gott. Creund, der mir al511. les ist, und der mir alles giebet! Freund, der es redlich meint, Und der mich berzlich liebet, Geprüfter freund in noth! O mein herr Jesus Chrift! Im tode auch bewährt! Der du mein nie vergißt! 2. Wie falsch ist nicht die welt! Scheint sie mir gleich gewogen, Wie oft hat mich der schein Bon ihrer gunst betrogen! Wie freundlich that sie nicht, als wär' sie noch so treu; Und war doch weiter nichts, Ats leere schmeicheley! 3. Sie schwur mir beyzustehn Im unglück, wie im glücke, Und ihr betrüglich herz Warf doch verstohine blicke Nur bin auf eigennus; Und faum verschwand men glück, Gleich brach sie ihren eid Im nächsten augenblick, gegen den Nächsten. 4. Wie wenig darf ich denn Der welt mich anvertrauen! Mehr könnte ich auf fand, 21s ihre freundschaft, bauen. Und doch bedarf ich hier Auch einen treuen freund, Der es so gut mit mir, Als mit sich selber mennt. 5. Wo find' ich diesen freund, Daß ich ihn mir ers wähle? Mit dem ich, der mit mir Ein herz fen, eine seele? Herr! wähle du mir den, Der dich liebt, tugend übt; Der ist allein auch der, Der mich von herzen liebt. 6. Den freund gieb mir, Der mich Im glücke nie be neide, Und dessen berz sich nicht Un schadenfreude weide, Wenn mich ein unglück trifft; Dem es zu herzen geh, Mir helfe, was er kann, Der für mich bet' und fleh. 7. Der als ein tugendfreund Mich reiz auf tugend: wegen, Der als des lasters feind, Mich warn' vor laster: stegen: Der nie mit bitterfeit Bestrafe meine schuld, Viels mehr mit sanftem geist Mich trag' und mit geduld. 8. Herr! befter menschens freund! Selbst freund von deinen feinden! Gieb du mir auch dies glück; Mach seinde mir zu freunden; Auch ſchaff in mir ein berz, Das seinem feind vergiebt, und dich und feinen freund Rechtschaffen wieder liebt. 9. welch ein großes glück, Hier so ein herz zu Von den Pflichten gegen den nächsten. 383 haben! Denn beystand, rets frommen freund, Nur du tung, troft, Dies sind selbst kannst ihn mir geben, Der himmelsgaben. Wie selig werd edel und rechtschaffen denkt, ich einst Bey dir, mein Jesu! Der mir in meinem leben Ein seyn, Wo so viele freunde sich reizend tugendmuster sey, Und In deinem himmel freun! bey mir standhaft und getreu Im glück und unglück stehe. Nel. Es ist das heil uns kommen. elch o gott, 6. Der meine unvollkommenheit Mit schonung 512.23 ist freundſchaft trage, Mir fehler ohne bits hier In diesem pilgerleben. Sie kann im unglich und im glück Uns trost und freuden geben. Sie ist der tugend starkes pfand, Vom laster ab führt ihre hand; Sie ist des himmels vorhof. terkeit, Nur mich zu bessern. sage, Der mich vor sünden immerdar, Vor irrthum, scha= den und gefahr Un leib und seele warne. 7. Doch laß mein, berz vorsichtig seyn, Mit wem es freundschaft machet. Kein spotter der religion, Wer über tugend lachet, Kein wollüstling, fein stolzes berz, Wer fühllos ist bey andrer schmerz, Sey niemals mein vertrauter. 2. Der freundschaft pflicht ist achte treu, Verschwiegen: heit und freude Bey unserm glück, und mitgefühl Bey allem unserm leite. Aufrichtig ist sie stets bereit, Sowol auf zeit als ewigkeit Des freundes wohl zu gründen. 3. Sie flieht vor falschheit, wankelmuth, Bor eigennut und neide, Haßt argwohn, niederträchtigkeit, Und list und schadenfreude. Der tugend nur reicht sie die hand; Denn, je: des lasterhafte bano Entehrt der freundschaft würde.ed 4. O Jefu, bester menschen freund! Der du uns fünder liebtest, Nur das, was groß und edel heißt, Uns hier zum benspiel übtest, So göttlich liebreich für uns starbst. Seibst gottes freundschaft uns erwarbst, Uns ewig zu beglücken. 5. Schenk mir auch einen 8. Ein menfch, vom laster angesteckt, Wird mich auch leicht anstecken; Laß mich ihn fliehn als eine pest, Mich nicht durch ihn beflecken. Und wie kann der, der ohne scheu Stets gott verleugnet, menschen treu Und redlich seyn und bleiben? 9. Doch hab ich einen wah= ren freund Von dir, o gott! erhalten, D! so laß dann mein warmes herz Nie gegen ihn erkalten; Daß ich auf: richtig dankbar sey, Verstellung, leichtsinn, schmeicheley, Und eigennut stets fliehe. 10. Gott! präge du der liebe finn So freunden ein, als feinden; Auch die, die meine feinde sind, Die mache mir 384 Von den Pflichten gegen den Nächsten. zu freunden. Bild unser berz zur einigkeit, Lehr uns, daß jene seligkeit nichts sey, als lieb und freundschaft. Sanftmuth und Friedfers tigkeit. ser that, Und dem nachsichts. voll begegnen. Der zum zan ken neigung hat. Für die feine de will ich beten, Uno vor dich, du friedensfürst! Wenn du menschen richten wirst, Mit dem schmuck der liebe treten. des frierens! du ATHER. Mel. Laffet uns den herren preisen. ott, der du 513. menfchen liebest, Mich mit deiner kraft dazu. 5. Ewig beil ist dem beschies den, Der nach frommer eintracht strebt. Höchfter! gieb mir dei nen frieden, Der zur sanftmuth uns erhebt. Er regiere herz und sinnen; Denn wenn er das herz regiert, Wird, was zu ver zwietracht führt. Nies mals übermacht gewinnen; Bis einst in der herrlichkeit Ewger friede uns erfreut. Versöhnlichkeitund Liebe gegen Seinde. Der du nicht ein strenges recht, Sondern lauter gnade übest Un dem sündlichen geschlecht! Laß mich deinen geist beleben, Daß ich, vater! als dein kind, Liebreich sey, wie du, gesinnt. Herr! du wollst den finn mir geben, Der ben fehlern nachficht zeigt, Und mit fanft muth spricht und schweigt. 2. Laß mich meines nách: sten schonen, Willig tragen feine last, Und so lang ich hier soll wohnen, Bleibe zankfucht mir verhaßt. Denn das ist, o gott! dein wille, Und die eintracht liebest du; so bilf auch mir dazu! Gieb ein herz mir, das die stille Und den frieden sucht und liebt, Das ftast rache sanftmuth übt. 3. Dwie wird das berz be: schweret Durch des zornes lei: denschaft! Banksucht und der baß verzehret Nach und nach des körpers kraft, Hemint den lauf von unsern jahren, Macht zum himmel ungeschickt. Herr, der auf mich schwachen blickt! Uch! du wollest mich bewahren, Daß des jachjorns raserey Nie des berzens meister sey. 4. Wer mir flucht, den will ich fegnen, So wie mein erlös Wend ab deinen zorn. err, mein verföb He Mel. 514. ner, der du für mich littest, Und noch zur rechten gottes für mich bits test! Erweck in mir, du mus. ster wahrer liebe, Der sanfts muth triebe. 2. Wann hast du jemals haß mit haß vergolten? Du schaltit nicht wieder, als man dich gescholten. Du segneteſt mit wohlthun nicht bloß freuns de, Nein, selbst auch feinde. 3. Und ich, berr! sollte mich den deinen nennen. Und doch von rachgier gegen ans dre brennen? Ich sollte jes mals haß mit haß vergelten, Und wieder schelten? 4. Wie kann ich vater zu Von den Pflichten gegen den Nächsten. 385 dem höchsten sagen, Und groll, überall nach deinem vorbild im herzen gegen brüder trä: handelt. Drum laß in allem gen? Wie kann ich zu ihm mich schon hier auf erden flehn, mir zu verzeihen, Und Dir ähnlich werden. rache schreyen? 5. Wer nicht vergiebt, der wird für seine fünden Uuch nicht o herr! vergebung finden. Dein jünger ist nur, der, wie du, vergiebet, Und feinde liebet.. 6. So heilige denn meiner seele triebe, Mein heiland! durch den geist der wahren liebe. Bertilge durch die lust zu deinem namen Der rachgier saamen. 7. Wenn brüder mich aus baß und bosheit plagen, Laß mich sie klug, doch stets mit sanftmuth tragen, Und wenn sie mich noch so empfindlich trånken, Un dich gedenken. 8. Erwecke dann, o herr! in meinem herzen Aufs neue das gedächtniß jener schmer: zen, Die du in deinen schwe: ren leidensstunden Für mich empfunden. 9. Laß mich mit sanftmuth meinem feind begegnen, Den, der mir flucht, voll großmuth, wie du, segnen. Herr! mache gegen alle, die mich hassen, Mein herz gelassen. 10. Will zu der rachsucht mich die furcht verführen, 213 würd ich sonst mein ganzes glück verlieren; O herr! so laß mich, ihr zu widerstehen, Auf dich dann fehen. 11. Du schüßest den, der redlich vor dir wandelt, Und Mel. Uus tiefer noth schrey ich. 515. Ach! Sefugieb mir sanften muth, Nach deinem wort zu leben. Wie dürft ich, schwaches fleisch und blut, So trotzig mich erheben? Ich übte rach und hielte zorn? Mag wol zugleich ein süßer born Auch bittres wasser geben? 2. Ein vater hat uns ja gemacht, 3u seines hauses findern; Das leben hat ein herr gebracht Uns ganz erstorbnen sündern; So wie auch ein geist uns regiert, Und in ein himmlisch erbe sübrt, Wenn wir ihn nur nicht hindern. 3. Mein gott! wie darf doch ich, dein kind, Den schwachen bruder hassen? Ach wie so große schulden sind Mir selbst von dir erlassen! Wer wår ich, wenn nicht allezeit Sch willig blieb', in einigkeit Den bruder zu umfassen? 4. Komm, bruder! komm, reich her die hand; Wir wol len uns verföhnen, Uns auch von dem, was uns entbrannt, Von stolz und neid entwöhnen. Verzeihn hält zwar die welt für schmach, Doch wir, wir folgen Jesu nach; Mag doch die welt uns höhnen! 5. Wir tragen allesammt ein joch, Die wir uns christen nennen; Was wollten sich die Bb 386 Von den Pflichten gegen den Nächsten. glieder doch Un einem leibe nicht die stimm in mir: Wie trennen? Un sanftmuth, lieb' du vergiebst, vergiebt gott und freundlichkeit Kunn man dir? ben christen allezeit Als gottes find erkennen. 6. Wir haben alle gottes gnad In einem herrn zu finden, Auch wäscht ein heilig wasserbad Uns alle rein von sünden. Da auch ein nachtmahl alle speist; Wie soll denn nicht ein herz und geist Uns allefammt verbinden? 7. Und haben wir denn einen geist, Wie kannst du rache sprechen? Da dein leib gottes tempel heißt, Wie darf ich ihn zerbrechen? Nein, bruder, grimm sey von uns fern! Wir stehen einst vor einem herrn; Der möcht an uns sich råchen! 1 Die dich erwürgten, batest, Der du vor deinem vater sie, Du menschenfreund, vertratest! Wann werd ich doch dir ähnlich seyn, Und meinem feinde gern verzeihn? 4. Du stimme gottes, schalle mir Durch meine ganze seele: Wie du vergiebst, vergiebt gott dir! Erwäg es, und dann wähle. Der wählt den segen, der vergiebt, Und der den fluch, der rache liebt. Mel. Machs mit mir, gott. 516. Der du, bem tode der uns beyde schuf. für 2. Ich sünder, dem noch rache glüht Im heuchlerischen herzen, Der noch sein wohl gefallen sieht Un seiner feinde schmerzen, Sch trete vor dein angesicht, Du gott der lieb! und zittre nicht? 3. Ich wollte hoffen, trost im tod, Huld im gericht zu finden? Zu dir noch flehen: richte, gott! Mich nicht nach meinen sünden? Und hörte 5. Sey, seele! werth der seligkeit, Dich selbst zu überwinden. Duld und vergieb; denn gott verzeiht, Und straft nicht deine fünden; Nicht rache, segen rufe du, Begnadigte, dem feinde zu. 6. Auch mein beleidiger hat theil Um heiland aller fünder, Mit blut erkauft auch ihn zum heil Der todesübers winder; Un mich und ihn ergeht der ruf Des gottes, 7. O könnt ihn meine sanftmuth noch Zur seligkeit bekehren! Ihn, der mich haßt, das sanfte joch, Die liebe, trage lehren! Wie göttlich würd es mich erfreun, Der retter feines beils zu seyn! 8. Wie wird er mir am weltgericht mit heißen thranen danken, Mein freund und bruder, ewig nicht Von meis ner feite wanken, Und gott erhöhen, dessen hand Uns für die ewigkeit verband! 9. Wie gern will ich, gott, auf dein wort Haß und vers folgung leiden! Wie gern verzeihn, da du mirs bort Vergiltst mit solchen freuden, Von den Pflichten gegen den Nächsten. 387 schwere pflicht; Doch felig, wenn ein gut gewissen Zu unsrer ehre spricht. 6. Dies will ich desto mehr bewahren; So bessert mich Mel. Eigene Melodey. 517. Nie will ich dem mein feind, Und lehrt mich, zu schaden su zu verfahren, chen, Der mir zu schaden ers böse meynt. sucht. Nie will ich meinem feinde fluchen, Wenn er aus baß mir flucht. 2. Mit gute will ich ihm begegnen, Nicht drohen, wenn er droht. Wenn er mich schilt, will ich ihn segnen; Dies ist des herrn gebot. 3. Er, der von keiner sünde wußte, Vergalt die schmach mit huld, Und litt, so viel er leiden mußte, Mit sanftmuth und geduld. 4. Will ich, sein junger, wieder schelten, Da er nicht wieder schalt? Mit liebe nicht den haß vergelten, Wie er den haß vergalt? Wenn mir im himmel nur ein feind Dankbare freuden: thránen weint! 5. Wahr ists, verläum: dung dulden müssen, Ift eine 7. Ich will mich vor den fehlern hüten, Die er von mir erfann, Und auch die fehler mir verbieten, Die er nicht wissen kann. 8. So will ich mich durch sanftmuth råchen, Un ihm das gute sehn, Und dieses gute von ihm sprechen; Wie könnt er länger schmähn? 518. zen des Kreuzes. Mel. In dich hab ich gehoffet. On trubsal, chrift, sey stark im geist! Auch 9. In seinem haß ihn zu ermüden, Will ich ihm gern verzeihn, Und als ein christ, bereit zum frieden, Bereit zu diensten seyn. 10. Und wird er, mich zu untertreten, Durch gute mehr erhißt, Will ich im stillen für ihn beten, Und gott vertraun; gott schüßt! Dritte Abtheilung. Vom Krenze und Troste des Christen. 595 Vom Leiden und Kreuze des Christen. Wohlthätigkeit und uz das ist gut, was trübsal heißt; Erheitre dein gemüthe! Du weißt, auch dich Liebt våterlich Der vater aller güte. 2. Kein leiden kommt von Bb2 Vom Leiden und Kreuze des Christen. 388 ohngefähr; Dein gott schickt dir es zu, und er Zeigt sich in seinen wegen So groß von rath, Als groß von that, Und reich an gnad und segen. 3. Der dich in Jesu herz lich liebt, Sucht, wenn er dich durch freuz betrübt, Das wahre heil der seele, Weckt dich, daß nicht 3u deiner pflicht Dir lust und eifer fehle. 4. Das freuz beugt stolz und übermuth, Erstickt der wollust wilde glut, Bricht die gewalt der sinne, Erweicht das herz. Daß fremder schmerz Dein mitleid leicht gewinne. 5. Auch übt das kreuz dich zur geduld, Erhöht den werth von gottes huld, Stárkt mächtig dein vertrauen; Lehrt im verlust Dich nun mit lust Aufs unsichtbare schauen. vater, liebreich bey, Sorgt, daß er dich erquicke; Er schafft dir rast, Daß deine last Dich nie ganz unterdrücke. 10. Verbürg er auch sein angesicht, Dies raube deinen muth dir nicht; Gott kann sein find nicht bassen. Wer ihn nur liebt, Sich ihm er giebt, Den wird er nicht verlassen. 11. Durch trübsal sind zu aller zeit Die frommen in die herrlichkeit, Gleich Jesu, eingegangen. Denkst denn nur du In tråger ruh Die krone zu erlangen? 7. 3war stort das kreuz oft deine ruh, Mit bangen thrånen säest du, Und unter viel beschwerden; Christ, hoffe doch! Es wird dir noch Zur reichen ernte werden. Mel. Wer nur den lieben gott. 6. Des leidens hit' entflammt dich größrer inbrunst des gebets, und läu: 519. Was ist das leben tert deinen glauben. Weit minder kann Verführung dann Dir deine krone rauben. 8. Verschmerzt ist leicht ein irdisch leid, Kurz ist der augenblick der zeit; Doch ewig, ewig währet Dort dein genuß Ohn' überdruß, Wie ihn der geist begehret. 12. Demüthige dich, gleich als sie, Gleich ihnen bet', und zage nie; Denn gott erhört dein flehen. Bald weicht dein leid, Zu seiner zeit Wird dich dein gott erhöhen. 9. Auch bleibet stets dein gott getreu, Steht dir, als Wo ist hier wohl vollkommenheit? Wer lebt hier frey von den beschwerden Der trúbfal und mühseligkeit? Bald soll die freude unser herz Zur pflicht erwecken, bald der schmerz. 2. Doch das sind treuges mennte schläge Der vater huld, die für uns wacht. Wie hast du doch durch lei: denswege, So manchen schon zu dir gebracht! Denn unge: stortes irdisch glück Hält uns von dir, o gott! zurück. 3. Wenn uns die welt nicht noth erweckte, Vergnügte uns Vom Leiden und Kreuze des Christen. 389 duldig, Das bin ich dir und mei nem heile schuldig. Laß mich die pflicht, die wir so oft vergessen, Tåglich ermessen. 2. Bin ich nicht staub, wie alle meine våter? Bin ich vor dir, herr! nicht ein über: treter? Thu ich zu viel, wenn ich die schweren tage Standhaft ertrage? dein himmel nicht. Wer suchte, wenn ihn nichts erschreckte, Die hulfe, die dein wort ver: spricht? Wer fühlt, wenn kei: ne last ihn drückt, Wie sanft, o gott! dein trost erquickt? 4. 3um dulden führt dein ruf der gnaden, Der uns zu Christi gliedern macht. Wie schwer war der nicht hier be laden! Wie hart verfolgt! wie sehr veracht't! Und doch trug er dies alles gern. Gieb, daß ich folge meinem herrn. 5. Er ward beleidigt ohn' vergelten, Gegeißelt ohne widerstand, Gescholten ohne wiederschelten, Ohn' wider spruch zum kreuz verdammt. Wie? follt ich denn nicht mit geduld Das tragen, was ich selbst verschuldt? 6. Laß, gott! nur dieses le bens leiden 3u meiner beßrung fruchtbar seyn; So geh ich zu des himmels freuden Durch dieser erde trübsal ein. Dort wird mein leben ohne pein, Und meine thránen freude seyn. 7. Drum laß mich mit dem troste fiegen: Gott giebt, nach kurzer prüfungszeit Das al: lerseligste vergnügen, In jenem reich der herrlichkeit. Verschmachte leib, stirb und vergeh! Ich weiß, daß ich einst aufersteh. Rechtmäßiges Verhalten im Leiden. Geduld und Gelassenheit. Mel. Wend ab deinen zorn. in leid und freuz ge3. Wie oft, o gott, wenn wir das böse dulden, Erduls den wir nur unsrer thorheit schulden, Und nennen lohn, den wir verdient bekommen, Ein kreuz der frommen! 4. Sft dürftigkeit, in der die tragen klagen, Sind haß und pein, die stolz und wollust tragen, Des schwelgers schmerz, des neids vermißte freuden, Christliches leiden? 5. Ist deren quaal, die deinen rath verachtet, Nach gottesfurcht und glauben nie getrachtet. Und die sich jest in finstrer schwermuth qualen, Prüfung der seelen? 6. Doch selbst, o gott! in strafen unsrer fünden, Läßt du den weg zu unserm heil uns finden, Wenn wir sie uns, die missethat zu hassen, Züchtigen lassen. 7. Jag ich nur nach dem frieden im gewissen, Wird alles mir zum besten dienen müssen. Du, herr! regierst, und ewig wirkt dein wille Gutes die fülle. 8. Ich bin ein gast und auf der erden, erst dort, dort soll Nicht hier, 390 Vom Leiden und Kreuze des Christen. ich glücklich werden; Und was find gegen euch, ihr ewgen freuden, Dieser zeit leiden? 9. Wenn ich nur nicht mein elend selbst verschulde, Wenn ich als mensch, als christ, hier leid' und dulde; So kann ich mich der hülfe der erlösten Sicher getrösten. 10. Ich bin ein mensch, und leiden müssen krånken; Doch in der noth an seinen schöpfer denken, Und ihm vertraun, dies stärket unsre her. zen Mitten in schmerzen. 11. Schau über dich! wer trågt der himmel heere? Merk auf! wer spricht: bis hieher! zu dem meere? Ist er nicht auch dein helfer und berather, Ewig dein vater? 12. Willst du so viel, als der allweise, wissen? Jetzt weißt du nicht, warum du leiden müssen; Allein du wirst, was seine wege wa ren Nachmals erfahren. 13. Er züchtigt uns, da mit wir zu ihm nahen, Die heiligung des geistes zu em pfahen, und mit dem trost der hülfe, die wir merken, Undre zu stärken. 14. Das kreuz des herrn wirkt weisheit und erfahrung, Erfahrung giebt dem glauben muth und nahrung. Ein star kes berz steht in der noth noch feste. Hoffe das beste! Mel. Was mein gott will, gescheh. 521. ch hab in gottes herz und finn Mein herz und finn ergeben. Was böse scheint, ist mir ge winn, Der tod selbst ist mein leben. Ich bin deß kind, Der von der sünd Mich selbst zu sich gezogen; Wenn er gleich schlägt, und kreuz auflegt, Bleibt er mir doch gewogen. 2. Ich glaub in fester zu: versicht, Mein vater muß mich lieben. Verbirgt er gleich sein angesicht, So will er mich nur üben, Mich durch geduld In seiner buld Gewöhnen fest zu stehen; Wenn sich mein geist Nur treu erweist, So wird er mich erhöhen. 3. Er hat mich selber zus gericht't, Mir feel und leib gegeben; Er ists, der unterhalt verspricht, Er fristet mir mein leben, Erbarmet sich Und zählet mich Uus gnaden zu den seinen; Wer so viel thut, Deß herz und muth Kanns nimmer böse meynen. 4. Bey ihm ist weisheit und verstand, und macht in allen thaten; Zeit, ort und stund ist ihm bekannt, zu Er helfen und zu rathen. weiß, wenn freud, Er weiß, wenn leid Uns, feinen findern, diene; Und was er thut, Ist alles gut, Obs noch so traurig schiene. 5. Du denkest zwar, wenn du nicht hast, Was fleisch und blut begehret, Als ob dich gott mit großer last, Und gar im zorn beschweret; Haft spåt und früh Viel sorg und müh, 3u deinem wunsch zu Vom Leiden und Krenze des Christen. 391 und grab Nach deinem willen gehen; So wirst du mir, mein schuß und stab, Auch dann zur seite stehen. Du bist mein gott, Der in dem tod So meinen lauf vollendet, Daß dich mein geist Dort ewig preist, Und all' mein leid sich endet. kommen, Und denkest nicht, Das, was geschicht, Gescheh zum heil der frommen. 6. Ach! er, der dich geschaffen hat, Und mit vernunft beseelet, Hat långst in seinem weisen rath Dein be stes dir erwählet. Er sieht voll treu, Was dienlich sey Für dich und für die deinen; Drum laß ihn nun, Was er Mel. Nun ruhen alle wälder. will, thun, Er kanns nicht 522.Was ſoll ich angſts meynen. lich Und in der noth verzagen? Der höchsle sorgt für mich. Er sorgt, daß meiner seele Kein wahres gut hier fehle, Genug zum trost, mein herz, für dich! 7. Wills gott, so kanns nicht anders seyn, Es muß zuletzt erfreuen; Was du jest nennest schmerz und pein, Muß dir zum heil gedeihen. Wart in geduld! Denn seine huld Wird endlich rettung fin: den; Angst, noth und quaal Wird auf einmal, Gleich wie ein rauch, verschwinden. 8. Nun, herr, mein gott! so fall ich dir Getrost in deis ne hånde; Erwähle, ordne, sende mir, Bis an mein leßtes ende, Was herz und geist, So wie du weißt, Erbauet, bessert, lehret, Was deinen ruhm, Mein christenthum Und seligkeit vermehret. 9. Giebst du mir ruh und sonnenschein, So nehm ichs an mit freuden; Solls aber kreuz und unglück seyn. Will ichs geduldig leiden. Soll ich allhie Noch fort voll můh, Boll leid und kummer leben; Ich folge dir, Dunkts schwer gleich mir, Gelassen und ergeben. 10. Und soll ich auch in tod 2. Was nüßt es, heidnisch sorgen, Und jeden neuen morgen Mit neuem kummer sehn? Du, vater meiner tage! Weißt, eh ich dir noch sage, Mein Jeid und auch mein wohlergebn. 3. Auf deine hand zu schauen, Dir kindlich zu vertrauen, Das, herr! ist meine pflicht. Ich will sie treulich üben, Und dich, mein vater! lieben; Denn du verläßt die deinen nicht. 4. Der du die blumen kleidest, Und alle thiere weidest, Duschöpfer der natur! Weißt alles, was mir fehlet. Drum, seele, was dich quälet, Befiehl dem herrn, und glaube nur! 5. Herr! alle meine forgen, Die noth, die mich verborgen In meinem geiste nagt, Werf ich auf dich, den treuen; Du weißt den zu erfreuen, 392 Vom Leiden und Krenze des Christen. Der fromm nach deiner hülfe fragt. 6 Wenn meine augen thrå. nen Und sich nach hülfe sehnen, So klag ichs dir, dem herrn. Dir, vater! dir befehle Schje: 2. Groß sind deine werke; den wunsch der seele; Du hörst, du hilfft, du segnest gern! 7. Der du mir hier im leben Schon größres heil gegeben Und deinen sohn geschenkt, Du wirst mir alles schenken, Und mir zum besten lenken, Was mich zu sorgen reizt und kränkt. Niemand ist an stårke Dir, Jehovab! gleich. Du lenkst sonn und sterne, Du bist nah und ferne, Du machst arm und reich. Du bist groß, Herr, göttlich groß! Groß an weisheit, groß an gnade! Wer ist, der mir schade? 8. Du führest, herr, die deinen Nie so, wie sie es mey: nen, Nein, nur nach deinem rath. Ob ich mich auch betrübe, Bleibt doch dein rath voll liebe; Das zeigt der ausgang mit der that. 9. Wenn ich hier tiefen sehe, Und es nicht ganz verstehe, Was du mit mir gethan; Kann ich doch deß mich trösten: Du nimmst mich, mich erlösten, Gewiß dereinst zu ehren an. 10. Dort, bey der frommen schaaren, Dort werd ich es erfahren, Wie gut du mich geführt. Da sing' ich dir mit freuden Nach überstandnen leiden, Den dank, der deiner huld gebührt. Vertrauen und hoffnung auf Gott. Mel. Jesu, meine freude. 523. Auf uf dich, gott der güte! Hoffet mein gemüthe, Ich bin gutes Gott, mein starker schutz! Gründe mich, Mein fels! auf dich, Halt mich fest, daß kein gedanke 3weifelnd von dir wanke. .. 3. Du hast, quell der freu den! In so manchen leiden, Wenn mich noth geschreckt, Treu und voll erbarmen Mich mit liebesarmen Väterlich bedeckt. Deine treu Ist täglich neu; Täglich will ich dich erheben, und dir dankbar leben. 4. Gott! dein weg ist beis lig; Doch du sorgeft treulich Für mein wohl und heil. Auch auf rauhen wegen Wird so mancher segen Mir von dir zu theil. Was du thust, Ist meine lust; Dir, herr! halt ich findlich stille, Dein will ist mein wille. 5. Du liebst die getreuen, Die sich findlich freuen. Daß du gnädig bist. Der ziert deine lehre, Der lebt dir zur etre, Der nie zaghaft ift. Wer sich fest Auf dich verläßt, Der wird, sollt ihn alles hassen. Nimmermehr verlassen. 6. Gott! dir sey mein le ben Und mein herz ergeben; muths; Ohne furcht und Du bist fromm und gut. Uch grauen, Will ich dir vertrauen, gieb, wenn ich leide, Durch Bom Leiden und Krenze des Christen. 393 lieben, Ist alles seligkeit, Ihr jauchzen, ihr betrüben, Ihr siegen und ihr streit, Ihr glück und ihre plage; Shr ganzer lebenslauf, Löst sich am letzten tage In himmelsjubeln auf. den geist der freude Mir des christen muth. Sey mein schild! Laß Jesu bild, Wenn mein auge bricht, mich sehen, Froh einst vor dir stehen. Mel. Herzlich thut mich verlangen. em herrn will 524. ich vertrauen, Verlassen mich auf gott. Auf fand nicht schlösser bauen, Nicht zagen in der noth. Gott ists, der mich geführet, So lang ich denken kann; Er, der die welt regieret; Nimmt sich auch meiner an. 2. Bey ihm ist himmel, erde, Und mensch und engel gleich. Er spricht: vergeb und werde! 3um wurm und königreich. Er firast, und fann behüten; Denn sein ist rach und lohn. Hier läßt er donner wüthen, Dori läßt er sie nur drohn. 3. Ihr thránen, die ich weine, Seyd bloßer unvers stand. Wenn ich verlassen scheine, Hält mich des bochsten hand. Was heut ich unglück nenne, Ist morgen schon mein glück; Ich, der mich selbst nicht kenne, Kenn' min: der mein geschick. 6. Hinweg, ihr bangen plagen Und gram und ungeduld! Durch zit ern und durch zagen Häuft strafe sich und schuld. Wir mehren unsre schmerzen, Vergrößern unsre pein, Und flößen unserm herzen Geheimen gift nur ein. 7. Wie tröstlich sind die lehren, Die gottes wort mir giebt! Mein flehn will gott erhören, Gott züchtigt, den er liebt; Nach trüben augens blicken Geh ich zur frohen rub; Dem geist winkt mit entzücken Die fchaar der selgen zu. 8. Kurz sind der christen leiden, Kurz ihre prüfungszeit, Nicht werth der ewgen. freuden, Und der unsterblichfeit. O trost, wie kannst du trösten, Wie sehr das herz erfreun! Ich geh mit den ers lösten 3um lohn des himmels ein. Gebet. 4. trübe stunben, wenn mancher schwüle 525. nöthen nicht gott Mel. Nun ruhen alle wälder. in meinen tag, Wenn hier geheime wunden, Und wenn dort schlag auf schlag, Und schrecken schnell auf schrecken Den un tergang mir drohn. Ist gott mir stab und stecken, Und schild und großer lohn. vertraun, nicht beten, Wie elend war ich dann! Wenn trost und hoffnung wanken, Wie sollt ichs gott verdanken, Daß ich dann zu ihm beten kann? 5. Den frommen, die gott, 2. Oft raubten bange schmer 394 Bom Leiden und zen Den frieden meinem her zen, Und störten meine ruh; Doch wenn mich fummer quälte, Dann fleht' ich, dann beseelte Dein trost mich, gott! dann hörtest du. Kreuze des Christen. schlummer, Wenn ich dir meis nen fummer, O gott! zuvor geklagt; Von diesem trost umgeben, Daß du wachst für mein leben, War meine feele unverzagt. 3. Dann trug ich meine 6. Noch werden viele tage leiden Mit größerm muth und freuden, Und ruh empfand mein geist; Ich fand dann im gebete Den trost, um den ich flehte, Den trost, den uns dein wort verheißt. Mir traurig, unter plage, Und unter gram vergehn; Laß, herr! in meinen leiden, Mich nie dein antlig meis den, Mich immer freudig zu dir flehn. 4. Fleht' ich zu dir am mor: gen, So schwiegen meine forgen Den ganzen tag in mir; Mit ruhigem gemüthe Vertraut' ich deiner gute, Und überließ mein schicksal dir. 5. Und ruhig war mein Trost gesange, oder Ermunterungen zur Geduld, Zufriedenheit, Vertrauen auf Gott, und Ergebung in seinen Willen. fiehl getrost dem herrn! Er, der die himmel lenket, Ist auch von dir nicht fern. Er wach aus deinem schlummer, 3u gott erhebe dich; Er sie het deinen kummer, Und liebt dich väterlich. 7. Und laß mich stets em: pfinden, Daß die dein antlik finden, Die gläubig dir vertraun. Mit ruhevollem herzen Will ich in meinen schmer zen Auf dich nur meine hoffnung baun. Allgemeine Trostlieder. Mel. Herzlich thut mich verlangen. führet Die reu, die gott ge fällt; Allein den tod gebieret 526. Chrift, alles was Die traurigkeit der welt. 3. Trau gott, nicht deinen schlüssen, Die wahl des besten zu. Sprich, wer wirds besser wissen, Dein schöpfer, oder du? Er weiß ja, was dir fehlet, In jedem augenblick, Was er, dein vater, wählet, Das dient zu deinem glück. 2. Sinds fünden, die dich schmerzen? Ja, fühle deine schuld; Doch trau von gan zem herzen Auf deines got: tes huld. Sur wahren ruhe 4. Der gott, auf dessen se gen Dein ganzes wohl beruht, Ist stets in seinen wegen Hochheilig, weis' und gut. Und was er seinen kindern Zu Trostgesänge. ihrem heil erfah, Kann kein erschaffner hindern; Wenn er gebeut, stehts da. 5. Es mag die hölle wüthen; Umsonst empört sie sich, Wenn er dich will behüten, Und er behütet dich. Wer gleicht ihm? feinen winken Gehorchen erd und meer. Laß deinen muth nicht sinken; Dein schirm und schild ist er. 6. Gott zählet deine zähren, Und wird, was gut ist, gern, Auch deinen wunsch ge währen; Sey stille vor dem herrn! Er ist ein hort der frommen; Hoff unverzagt auf ihn, Denn seine zeit wird kommen, Und deine wohlfahrt blühn. 8. Sey froh; dein gott regieret, Sein rath ist wunders bar; Einst wirst du überführet, Daß er der beste war. Du denkst wohl unterdessen: Der herr erbarmt sich nicht! Der herr hat mein vergessen! Doch höre, was er spricht: 395 ner nicht vergessen! Der herr ists, der dies spricht. 9. Ist auch der mütter eine, Die ihres sohns vergißt? Denk an dies wort, und weine Die freudenthran', o christ! Und Fönnt sie sein vergessen, Will ich doch deiner nicht, Sch dei 10. Mit ruhigem gemüthe Verlaß auf ihn dich fest, Und wiß, daß seine gute Dich ewig nicht verläßt. Er will nach ei ner weile Dich desto mehr ers freun. Bu deinem größern heile Berzieht er; barre sein! Mel. In bich hab' ich gehoffet, herr. 7. Ergieb dich ihm mit 527. Sey, feele! ſtark freuden. Sey stark in seiner kraft, Sen, auch zur zeit der leiden, Ein christ, und tu gendhaft; Und dann ergreif im glauben, Den trost der ewigkeit. Wer kann den trost dir rauben, Der allen gram zerstreut? 11. Wohl dir alsdann, du treuer! Wie groß ist einst dein lobn! Dein richter, dein bes freyer Reicht dir die sieges kron. Auf kurze prüfungstage Folgt ewger preis und dank, Dann schweiget jede klage, Und wird ein lobgesang. und unverzagt, Wenn irgend dich ein kum= mer plagt, Befiehl gott deine sachen. In aller pein Vertrau allein Auf ihn; er wirds wohl machen. 2. Kein leiden kommt von ohngefähr, Die hand des höchsten schickt es her, Sein rath hats so ersehen;. Drum sev nur still, Und was gott will, Laß immer gern geschehen. 3. Erweckt dir gleich das leiden pein, So solls dir doch nicht schädlich seyn; Gott kann sein kind nicht hassen. Wer ihn nur liebt, Sich ihm ergiebt, Den wird er nicht verlassen. 4. Wie lange währt der frommen leid? Nicht ewig, herr! nur kurze zeit. Nach überstandnem leide Erquickest Trostgesänge. 396 du Ihr herz mit rub, Und einst mit ewger freude. 5. Drum hab, o seele! guten muth! Vertraue gott; es wird noch gut Nach aller trubsal werden. Er ziehet dich Durchs freuz zu sich, 3um himmel von der erden. 6. Gott ist dein gott; er ist getreu, Und stehet dir als vater bey, In allem kreuz auf erden. Der leiden heer Wird nie zu schwer Durch ihn dem christen werden. 7. Es baben ja zu aller zeit, Die heiligen in traurig: keit hier oftmals wandeln müssen; Warum willst du Hier nur von rub, Und nichts von trübsal wissen? 8. D! bet' und sich auf deinen gott In aller deiner angst und noth; Laß, wie er will, es gehen. Sein will ist gut; Behalte muth! Gott wird dich einst erhöhen. 9. Der du ein gott des trostes bist! Laß jeden, der hier traurig ist, Doch deinen trost empfinden. Hilf, den du liebst, Und prüfend übst, Den unmuth überwinden. währen; Oft werden unsre zähren Schnell von dir abgewischt. Und seufzen mpir: wie lange Ist meiner feelen bange? So wird mit trost das berz erfrischt. 3. Die lasten, die uns pres sen, Hast du, berr! abges messen, So groß sie immer seyn. Du hilfft sie selbst uns tragen, Und richtest unfre plagen Nach unsern kräften weislich ein. 4. Ja, wenn ichs recht er: wäge, So sinds nur liebes schläge, Womit du uns belegst; Nicht schwerter sinds, nur ruthen, Womit du, bloß zum guten, is vater deine kinder schlägst. 5. Dein väterlich bemühen Will uns hier auferziehen, 3u thun, was dir gefällt; Du willst die luste schwächen, Den eignen willen brechen, Uns bilden für die beßre welt. 6. Du willst den eifer mehren, Gehorsam dich zu ehren, Mit glauben und geduld; Daß, wenn uns feinde haf sen, Und freunde uns vers lassen, Wir dennoch traun auf deine huld. Mel. Nun ruhen alle wälder. 7. Was will uns, herr! 528.Mill mich, o gott! auch scheiden Von dir und hienieden Des lebens last ermüden, So stárke meinen geist; Wenn mich die leiden fränken; So laß mich wohl bedenken, Auch das sey gut, was trübfal heißt. jenen freuden, Die du für uns ersehn? Man lebe oder sterbe, So wird des himmels erbe Doch deinen kindern nicht entgehn. 2. Nicht ewig soll sie 8. 3u jenem bessern leben Willst du auch mich erheben; Der tod ist mein gewinn. Trostgesänge. Muß einst mein leib verwesen, So wird mein geist genesen; Er eilt zu seligkeiten hin. 9.! drücke meinem her: zen, Auch unter forg' und schmerzen, Dies tief und liebreich ein. Der, den du, vater! liebest, Kann auch, wenn du betrübest, Doch hoffnungsvoll und ruhig seyn. 529. Befie Mel. Herzlich thut mich verlangen. refiehl du deine wege, Und was dein herze kränkt, Der treuen vaterpflege Deß, der den weltkreis lenkt; Er zeichnet stern und winden Die aboe. meßne bahn; Sollt er nicht wege finden, Wo dein fuß wandeln kann? 2. Dem berrn mußt du vertrauen, Wenn dirs foll wohlergehn, Und dein werk auf ihn bauen, Soll es vor ihm bestehn. Gott låßt durch sorg und gråmen, Und durch felbst eigne pein Sich keine wohlthat nehmen; Sey fromm, so ist sie dein. 3. Dein aug, o gott der gnade! Sieht immer unge: schwächt, Was gut sey oder schade, Dem sterblichen geschlecht; Und was du denn erlesen, Dein rath fürs beste hålt, Bringst du zum stand und wesen, Wie es dir wohlgefällt. 4. Un wunderbaren wegen Feblt dirs, allweiser! nicht; Dein thun ist gnad und segen, Dein gang ist recht und licht; 397 Und wenn du deinen findern Ein glück hast zugedacht, So Fann dein werk nichts hindern; Du willst, so ists vollbracht. 5. Hoff', o bedrängte seele! Hoff', und sey unverzagt. Gott weiß es, was dich quälet, Den kummer, der dich nagt. Er wird dich ihm entrücken; Erwarte nur die zeit, Bis dich mit holden blicken Sein angesicht erfreut. 6. Auf! wehre deinem schmerze, Der sorgen bange nacht Berfinstre nicht dein herze, Auf! brich der schwermuth macht. Bist du doch nicht regente, Der alles führen foll; Gott sist im regimente, Und führet alles wohl. 7. Drum, feele! laß ihn walten, Er ist ein weiser fürst; Er wird dich aufrecht halten, Daß du dich wundern wirst, Wenn er, wie ihm gebühret, Nach seiner weisheit rath, Das werk hinausgeführet, Das dich geangstet hat. 8. Und blieb' der trost auch lange, Den du von ihm be= begehrt, Und würde dir oft bange, Daß er dich nicht gehört; Er wird dir hülfe senden, Wenn du's am mindsten glaubst, Und all dein unglück wenden, So du ihm treu verbleibst. 9. Wohl endlich deiner treue! Du trägst den sieg davon. Auf! daß dein herz sich freue, Schau nur den reichen lohn. Gott giebt dir selbst die palmen In deine rechte hand, luhnition 398 Trostgefange. Und du fingst freudenpsalmen, seinem wohlergehn Zum scha Dem, der dein leid gewandt. den dient, ganz übersehn? 10. Mach end', o herr! mach ende Hier aller unsrer noth, Und reich uns deine hände Im leben und im tod. Stets laß uns deiner pflege Und treu em pfohlen seyn; So gehen unsre wege Gewiß zum himmel ein. Beym Verzug der gött: lichen Zülfe und Erhörung des Gebets. Mel. Wer nur den lieben gott. err! mache meine 5. Nur du, du kennst und wählst das beste. O vater! mache selbst mein herz In dieser überzeugung feste, So ehr ich auch im größten schmerz Dich noch mit der gelassenheit: Was mein gott will, gescheh allzeit. 6. Die stunde wird doch endlich kommen, Da mich vollkommnes glück erfreut; Denn einmal führst du doch 530. feele stille. Ben die frommen Zur völligen zus friedenheit. Und dann wird jedem offenbar, Daß, gott! dein rath der beste war. allem, was mich kränkt und drückt, Geschieht doch einzig nur dein wille, Der nichts zu meinem schaden schickt. Du bists, der alles andern kann, Und was du thust, ist wohlgethan. 2. Auch auf den allerrauhsten wegen Führst du uns zur glückseligkeit. Selbst trübsal bringt dem ewgen segen, Der dir sein ganzes herze weiht; Ihr ausgang wird doch herrlich seyn, Siehts gleich der blöde geist nicht ein. 3. 7. Dann wird von allen meinen plagen Der ewge nußen mich erfreun; Dann wird mein herz, statt aller klagen, Voll von dem dank und lobe jeyn: Der herr, der für mein heil gewacht, hat alles mit mir wohlgemacht. In Kleinmuthigkeit und beym Mangel an Vertrauen auf Gott. Mel. Alle menschen müssen sterben. Drum laß mich stille ſeyn und hoffen, Wenn du 531.Gott der wahrheit, mir prüfungen bestimmt. Dein vaterherz steht dem doch offen, Der zu dir seine zuflucht nimmt; Wer still in deiner fügung ruht, Mit dem machst du es immer gut. dessen sre hoffnung stüßt und hält! Ich erkenn es voller reue, Daß mich kleinmuth oft be fällt. Uch! mein herz hångt noch an dingen, Die doch keinen trost mir bringen;, wie oft vergeh ich mich, Uengst: lich zweifelnd, wider dich! 4. Uns bleibt oft, was uns nügt, verborgen; Wer hats je ganz genau erkannt? Wie oft find unsre wünsch' und sor: gen Voll thorheit und voll unverstand! Wer kann, was 2. Gott! vergieb mir diese sünde, Nimm die strafe von mir hin. Schenke, vater! dei nem kinde Einen dir ergeb Trostgesänge. nern sinn, Der von dir nur hülfe beischet, Den nicht falsche hoffnung täuschet, Die das herz aufs eitle zieht, Und wie leichter rauch entflieht. 3, Laß mich gram und uns muth meiden, Weil du für mich sorgst und wachst, Und selbst allen druck der leiden Mir zur wahren wohlthat machst. Laß mich auf dein wort stets immer eingetroffen. Gott! wer deinem wort nicht traut, hat auf leichten sand gebaut. 4. Laß mich fest im glauben werden, Daß dein wort wahrhaftig sey; O! so werd ich hier auf erden Bon so mancher unruh frey. Dann werd ich, mein gott! mit flehen Stets auf deine hülfe sehen; Dann wächst meine zuversicht, Und die hoffnung trügt mich nicht. 5. Bater! meine hoffnung gründet Sich auf deines soh: nes tod; Meine seele sucht und findet Darin großen trost in noth, Ja, sein siegreich auferstehen Läßt mich zu dem leben gehen, Das kein trau rig ende nimmt, Wo mir ewigs heil bestimmt. 399 versicht! Bis daß alles einges troffen, Was auch mir dein wort verspricht. Auf dich, quelle alles lebens! Harrt der glaube nie vergebens; Was wir glauben, schauen wir Einst gewiß, o herr! bey dir. Wider_ Verzagtheit und Troftlosigkeit. Mel. O Jesu, du mein bräutigam. o 532. Von dir, materi nimmt herz Glück, unglück, freuden oder schmerz, Bon dir, der nichts als lieben kann, Bertrauensvoll und dankbar an. 2. Nur du, der du allweise bist, Nur du weißt, was mir heilsam ist; Nur du siehst, was mir jedes leid Für heil bringt in der ewigkeit. 3. Die kurze oder långre pein Kann nie umsonst erduldet seyn; Der bittern wur zel frucht ist süß, Und einst quillt licht aus finsterniß. 4. Ist alles dunkel um mich her, Die feele mid und freudenleer, Bist du doch meine zuversicht, Bist in der nacht, o gott! mein licht. 5. Verzage, herz, verzage nie! Gott legt die last auf, gott kennt sie; Er weiß den fummer, der dich quált, Und geben kann er, was dir fehlt. 6. Muß ich gleich noch hier auf erden, Gott, entfernt vom himmel seyn; Wirst du doch von den beschwerden Dieser 6. Wie oft, herr, weint ich, zeit mich einst befreyn. Oer- und wie oft Half deine hand wünschte selge stunden! Ewig mir unverhofft! Oft jammert aller noth entbunden Werd ich untróstbar heut, Und mors ich dich, mein heiland! sehn, gen schon ward ich erfreut. Und zu deiner freud eingehn.7. Oft sah ich keinen aus7. Laß mich fröhlich darauf gang mehr; Dann weint ich hoffen, Herr! herr! meine zus laut und klagte sehr: Wo bist 400 Trostgesänge. du, mein gott? schauest du 16. Und helfen will er, Denn meinem elend gar zweifle nicht! Er hålt getreu, nicht zu? was er verspricht. Nicht las sen will ich, seele! dich; Sey gufes muths, und glaub an mich! 8. Dann hörtest du, o herr! mein flehn, Und eiltest bald mir beyzustehn; Du öffnetest mein auge mir, Ich sah mein glück, und dankte dir. 9. Wie viele seelen hat die nacht Der schwersten trübsal bang gemacht! Und wen, o gott, den du geliebt, Hast du auf erden nie betrübt? 10. Doch so viel feelen auch die nacht Der schwersten trüb: fal bang gemacht, So viel hast du zu rechter zeit Mit deiner gnade, herr! erfreut. 11. Sagts alle, die gott je geprüft, Die ihr zu ihm um hülfe rieft, Sagts, from: me, ob er das gebet Geduldig leidender verschmäht? 12. Die stunde kommt früh oder spåt, Wo dank und freud aus leid entsteht, Wo pein, die stunden nur gewährt, In freudenjahre sich verkehrt. 13. Du erntest deiner leis den lohn Vielleicht in diesem leben schon; Vielleicht, daß, eh du ausgeweint, Dir gott mit seiner hülf erscheint. 14. Schau deinen heiland glaubig an; Benn niemand dich erquicken kann, So schütte du in seinen schooß Dein herz aus; feine hulf ist groß. 15. Einst hat er auch, der menschenfreund, Im thránenthale hier geweint; Auf deine thránen giebt er acht, Und dir zu helfen, hat er macht. Mel. Nun ruhen alle wålder. 22 mich quále? 533.as ists, daß ich Harr seiner, meine seele, Harr und sey unverzagt! Du weißt nicht, was dir nützet; Gott weiß es, und gott schüßet, Er schützet den, der nach ihm fragt. 2. Er zählte meine tage, Mein glück und meine plage, Eh ich die welt noch fah; Eh ich mich selbst noch kannte, Eh ich ihn vater nannte, War er mir schon mit hülfe nah. 3. Die kleinste meiner for gen Ist dem gott nicht ver borgen, Der alles sieht und hält; Und was er mir be schieden, Das dient zu mei nem frieden, Wars auch die größte last der welt. 4. Ich lebe nicht auf erden Ganz glücklich hier zu wer den; Die lust der welt vers geht. Ich lebe hier, im segen Den grund zum glück zu le gen, Das ewig, wie mein geist, besteht. 5. Was dieses glück ver mehret, Sey mir von dir gewähret; Gott! du gewährst es gern. Was dieses glück verleget, Wenns alle welt auch schätzet, Sey, herr, mein gott! mir ewig fern. Trostgesänge. 6. Sind auch der Krankheit plagen, Sft mangel schwer zu tragen, Noch schwerer bag und spott; So harr ich, und bin stille 3u gott; denn nicht mein wille, Dein wille nur, gescheh, o gott! 7. Du bist der müden stårke, Und aller deiner werke Erbarmst du ewig dich. Was kann mir widerfahren, Wenn gott mich will bewahren? Und er, mein gott, bewahret mich. Bey Schwachheit des Glaubens und in zwei fel an der Gnade Gottes. Mel. Freu dich sehr, o meine seele. ch! zweifeln 5. Weicht ihr zweifelnden gedanken: Werd ich treu und standhaft seyn? Werd ich siegen? werd ich wanken? Wank ich, wird mir gott verzeihn? Mein versuchter mittler giebt Hülfe jedem, der Giebt 534. Aden gedanken: mir heilige gedanken, Muth Werd ich treu und standhaft und treue nicht zu wanken. seyn? Werd ich siegen? werd In Gewissensangst und ich wanken? Wank ich, wird Schwermuth. 401 ich hassen. Ach, wie kannst du mich verlassen? 4. Meine seele betet: stärke Mich, o mittler! und du hörst. Ruhe giebst du, denn ich mer ke, Daß du traff und muth gewährst. Ist der lúste weg gleich breit, Schmal der weg der heiligkeit; Fröhlich dorten das getümmel; Führt die stille doch zum himmel. mir verzeihn? Diefer Mel. Uch, was soll ich funder. zweifel find so viel; Dieſe 535. Whrift! betrübere sucher, gott! das ziel Deines rufes meinen blicken Zu ver: dunkeln, zu entrücken. 2. Die versucher meiner seele Sagen: fruchtlos, thóricht seys, Daß ich fromm zu seyn mich quále, 3u hoch sey des glaubens preis; Nicht so blumigt, nicht so breit Sey der weg der heiligkeit, Wie der ebne weg der lúste, Sey ein dornpfad in der wüste. 3. Aber du haft auch gelits ten, Jesu Christe! nicht für dich, Einen harten kampf be= stritten. Der versuchung kampf für mich. Meine hülfe fey Gieb der müden Jede sünde will denn du! feele ruh! Warum klagst und zagest du? Sey getrost! genieß die ruh, Die gott seinen freunden gies bet. Wanfe nicht; gott hált den fest, Der sich fest auf ihn verläßt. 2. Sprich nicht: gott hat mich verlassen, Er entzeucht mir seine huld, Er gedenkt an meine schuld, Er hat urs sach mich zu hassen; Such ich ihn, so flieht er mich, Er verstößt mich ewiglich. 3. Nein, gott fann dich nicht verlassen; Er schenkt sündern seine buld, Die die lasten ihrer schuld Schmerz lich fühlen, ernstlich haffen. ( Sc Trostgesänge. 402 Such ihn nur; er nahet sich, Er verstößt nicht ewiglich. die 4. Sieh die leiden, dich drücken, Nicht für zorn: gerichte an; Sprich nicht: gott, der helfen kann, Will und wird mich nicht erquicken; Borher half er mir so gern, Nun ist seine bülfe fern. 5. Alle leiden, die dich drücken, Sieh als liebeszei: chen an; Gott, der mächtig helfen kann, Wird dich vå: terlich erquicken; Auch noch jest hilft er dir gern, Seine hülf ist nicht mehr fern. nicht am kreuze sich Für die welt, und auch für dich? 10. Ließ er darum sich ermorden, Bist du dazu theur erkauft, Und auf ſeinen tod getauft, Bist du darum glâubig worden, Daß du bis ins grab hinein Soutest voller jammer seyn? 11. Gott kann nie sein kind verschmähen, Das im feelenfummer áchzt, Und nach trost und gnade lechst; Liebreich wird er auf dich sehen. Ehe wankt der berge grund, Als fein treuer friedensbund. 12. Nun so stille deine klas gen, Bete, kämpfe, sey ges treu! Schwachen steht gott mächtig bey. Bald wirst du mit freuden fagen: Gott! ich weiß, du liebest mich, Gott, mein gott! ich hoff auf dich. Hanndor. Met. No. 85. 6. Sprich nicht: meiner seuf: zer stimme Dringt jetzt nicht mehr in sein herz. Selbst im beten wächst mein schmerz; Er verwirft mein flehn im grimme, Meine thrånen und mein schreyn Werden stets vergeblich seyn. 7. Gott hört deiner ſeufzer 536. Du tlagt, och stimme, in sein vaterherz, Er gedenkt an dei- den, Und seufzest, daß der nen schmerz Göttlich gnädig, geist der freuden So weit Du nicht im grimme; Deine von dir gewichen ist. thránen und dein schreyn klagst und rufft: herr! wie Werden nie vergeblich seyn. so lange? Und gott verzeucht. 8. Wirf die sorgen, die und dir wird bange, Daß du dich nagen, Christlich muthig von gott verlassen bist. von dir hin; Gott ist hie, wirf sie auf ihn, Er erbeut fich, sie zu tragen; Ihm wird das zu feiner last, Was du fchwer getragen hast. 2. Sind meine fünden mir vergeben, hat gott mir funder heil und leben In seinem lieben sohn verliehn; Wo find denn seines geistes triebe? Warum empfind ich nicht die liebe, und hoffe nicht getrost auf ihn? 9. Warum kam sein sohn auf erden? Nahm er nicht das elend weg? Hatt' er nicht den felgen zweck, Daß wir follten selig werden? Gab er 3. Mühselig, sprichst du, und beladen Hör ich den trost Troftgefange. 403 vom wort der gnaden, Und nens stimme, Verbirget sich, als wie im grimme, Nur ei nen kleinen augenblick. ich empfind und fühl ihn nicht, Bin abgeneigt vor gott zu treten; Ich bet, und kann nicht glaubig beten, Sch denke gott, doch ohne licht. 4. Sonst wars mir freude, feinen willen Von ganzem herzen zu erfüllen, Sein wort war immer mir gewiß; Jetzt kann ichs nicht zu herzen fassen, Und meine Fraft hat mich verlassen, Und meinen geist deckt finsternis. 9. Gott ließ so manchen sei: ner frommen In dies gefübl des elends kommen, Und stand ihm gleichwol mächtig ben. Du sollst dein nichts erkennen ler: nen, Sollst das vertraun auf dich entfernen, Und sehn, was gottes gnade sey. 5. Oft fühl ich zweifel, die mich quálen, Heul oft vor unruh meiner feelen, Und meine hülf ist von mir fern. Ich suche ruh, die ich nicht finde; In meinem herzen wohnt nur fünde, Nur un muth, feine furcht des herrn. 6. 3ag' nicht, o christ! denn deine schmerzen Sind sichre zeugen besfrer herzen, Als dir dein eignes herz jetzt scheint. Wie könntest du dich so betrů ben, Daß dir die kraft fehlt, gott zu lieben, Wár nicht dein herz mit ihm vereint? 7. Kein mensch vermag gott zu erkennen, Und Jesum sei nen herrn zu nennen, Als nur durch seinen heilgen geist. Hast du nicht diesen geist empfangen? Er ists, der dich nach gott verlangen, Und fein erbarmen suchen heißt. 10. Vor sicherheit dich zu bewahren, Läßt er dich seine streng erfahren, Und schickt dir diese noth und last. Er reinigt dich, wie gold im feuer, Macht dir das heil der seele theuer, Damit du haltest, was du hast. 11. Co wie ein vater über kinder, Erbarmet gott sich über sünder, Die seinen namen ernstlich scheun. Dein seufzen ist ihm nicht verborgen, So fern der abend ist vom morgen, Läßt er von dir die fünde seyn. 12. 3war ist um trost dir jego bange, Denn alle züchtigung, so lange Sie da ist, scheint uns schwer und hart;. Doch nachmals wird sie fried: sam geben Vermehrte tugend, heil und leben Dem, der durch sie geübet ward. 13. Fahr fort zu beten und zu wachen; Gott ist noch mächtig in den schwachen, Ift lieb und gute für und für. Laß dir an seiner gnade gnügen; Sein wort ist wahr, und kann nicht trügen: Ich stårke dich, ich helfe dir! 8. Vertrau auf gott! er wohnt bey denen, Die sich nach seiner hülfe sehnen, Er fennt und will dein wahres 14. Auf! faffe dich in deinen glück. Er höret deines weis nöthen. Sprich: wollte mich ( c2 Trostgesänge. 404 der herr auch tobten, So harr ich dennoch standhaft sein; Mir bleibt das erbtheil der erlösten, Und will mich gott nicht eher trosten, Wird er mich doch im tod erfreun. Trost aus der Erlösung. Mel. Warum sollt ich mich denn. 537.2 arum soll ich mich denn grå men? Hab ich doch Christum noch! Wer will mir den nehmen? Wer will mir den himmel raus ben, Den mir schon Gottes sohn Beygelegt im glauben? 2. Ich kam unter angst und nöthen, Ganz hülflos, Urm und bloß, Einst ans Ticht getreten; Nichts nehm ich auch von der erde Dann mit mir, Wenn ich hier Einst abscheiden werde! 3. Gut und blut, leib, feel und leben Ist nicht mein; Gott allein Ist es, der's ge: geben. Fordert er es einstens wieder; Er nehm's hin, Ich preis ihn Doch durch meine lieder. 4. Schickt er mir ein kreuz zu tragen, Dringt berein Angst und pein, Sollt ich drum verzagen? Der es schickt, der hat's in handen; Er weiß wohl, Wie er soll All mein unglück wenden. 5. Gott hat mich bey guten tagen Oft ergögt; Sollt ich jetzt nicht auch etwas tragen? Fromm ist gott, und schärft mit maaßen Sein ges richt, Kann mich nicht Ganz und gar verlassen. 6. Satan, sünd und ihre rot: ten, können mir nichts mehr hier Thun, als meiner spotten. Laß sie spotten, laß sie lachen; Gott, mein heil, Wird in eil Sie zu schanden machen. 7. Unverzagt und ohne grauen Soll ein christ, Wo es ist, Stets sich lassen schauen. Wollt ihn auch der tod befries gen; Christi blut Und sein muth Hilft auch den besiegen. 8. Denn fein tod kann mich ertödten, Nein, er reißt Meinen geist Aus viel tausend nothen, Endigt dieses lebens leis den, Führt mich dann Himmelan In der engel freuden. 9. Dann wird sich mit bes fern schäßen Geist und herz auf den schmerz Ewig dort ergößen. Hier ist kein recht glück zu finden; Was die welt In sich hält, Muß wie rauch verschwinden. 10. Was sind dieses lebens guter? Unbestand, eitler tand, Kummer der gemüther. Dort, dort sind die edeln gaben, Da mein hirt, Christus, wird Mich ohn' ende laben. 11. Herr, mein birt, brunn aller freuden! Du bist mein! Ich bin dein! Niemand kann uns scheiden. Ich bin dein, weil du dein leben Und dein blut, Mir zu gut, In den tod gegeben. 12. Du bist mein! weil ich dich fasse, Und dich nicht, D mein licht! Aus dem berzen laffe. Laß mich, laß mich hingelangen, Wo du mich, Trostgefange. 405 Und ich dich Ewig werd um noch nicht von dir. Ich fing fangen. und bet; und dann wird schnell Auch trübe finsterniß mir hell. 9. Dann schmeck ich schon Mel. Herr Jesu Christ mein's. 538. Ah, gott! wie mans hier in der zeit Die freuden ches schwere leid Begegnet mir hier in der zeit! Der weg ist schwer und trüb: falvoll, Den ich auf erden wandeln soll. jener herrlichkeit; Mein dor nenweg wird mir nicht mehr Mit allen feinen leiden schwer. 2. Wie widerstrebt nicht fleisch und blut Ihm, unserm wahren, höchsten gut! Du, Jesu, mittler! du allein mußt unsrer schwachbeit stårke seyn. 3. Bey dir fand ich zu jeder zeit, Im unglück rath, und trost im leid; Und wenn ich schon am abgrund stand, Erhielt mich deine starke hand. 4. Du, gottes eingebor: ner sohn! Stiegst von der ewigkeiten thron, Und nahmst der fünder fluch auf dich, Wardst mensch für uns, ein mensch, wie ich. 5. Du littest in des lebens thal, O gottmensch! leiden ohne zahl, Du starbst für mich den kreuzestod, Und ris sest mich aus aller noth. 6. Ich folge dir als jünger nach; Sollt ich, drückt mich ein ungemach, Verzweifeln, ohne hoffnung seyn? Nein, du bist mein, und ich bin dein. 7. Mit leib und seele bin ich dein; Und wollten höll und tod mir dráun, So trau ich deiner starken hand, Die tod und hölle überwand. 8. Verschmachtet selbst mein geist in mir, So laß ich den 10. In dieser glaubenszuversicht Betret ich ihn, und fürcht ihn nicht. Bereite du mich, herr! dazu; Denn meis ne stårk und kraft bist du. 11. Erhalte meine seele rein; So leb und sterb ich dir allein, Und schaue dann nach dieser zeit Dein antlis in gerechtigkeit. Mel. Jesu, meines Lebens leben. Schweiget, bange zweifel, schweis get! Mein erbarmer ist ges treu, Und fein geist in mir bezeuget, Daß ich ihm vers föhnet sey. Mir drohn nicht der hölle flammen; Und will mich mein herz verdammen, Dennoch täuscht mich nicht sein schmerz. Gott ist größer, als mein herz. 539. 5.39. 2. Er, der das verborgne kennet, Kennt auch mich, und weiß allein, Wie dies herz von sehnsucht brennet, Ganz sich seinem dienst zu weihn; Schaut den fummer meiner feele, Der mich beugt, so oft ich fehle, Und nicht meiner zweifel wahn, Meinen glauben sieht er an. 3. Und wie nie sein urtheil wanket, Wankt auch nie sein Trostgefange. 406 ew'ger rath. Rühmet, christen, danket, danket! Groß ist, was er an uns that! Uns, den sündern, den verlornen, Gab er seinen eingebornen. Wahrs lich! alles, alles giebt Der, der seinen sohn uns giebt. 4. Mir aud) ist sein sohn gegeben, Durch den glauben ist er mein. Ja, ich weiß, ich werde leben, und in ihm einst felig seyn. Mich sah gott von seinem throne, Mich erwählt' er in dem sohne, Eh noch seiner allmacht ruf Mich und alle wesen schuf. 8. 3war ich weiß auch, es bethdre Reichthum leicht das herz zum geiz; Blendend ist der glanz der ebre, Süß der wollut falscher reiz; Schlüpf rig sind des glúckes pfade, Schmeichelnd ist der hohen gnade; Stolzes lob führt leicht von gott, Und noch leichter bittrer spott. 9. Dennoch weiß ich, schmerz und freuden, Tod und leben, lov und schmach, Werden mich von gott nicht scheiden; Gott ist stark, bin ich schon schwach. Gunst der großen, haß der feinde, Ueberredungen der freunde, Nichts er: schüttert meine treu; Gottes liebe steht mir bey. 10. Ich beharr' in meinem glauben, Nichts, wenn es auch alles raubt, kann mir gottes liebe rauben; Drum erheb ich froh mein haupt. Gnug, daß meiner der ge denket, Der mir seinen sohn geschenket, Und mich nimmer: mehr verläßt! Dieser fels bleibt ewig fest. Trost aus der göttlichen Vorsehung. Mel. Was gott thut, das ist. 540.2 as zagst du? gott regiert die welt; Und der ist ja allmäch tig. Den arm, der alles fleisch erhält, Was macht dir den verdächtig? Wenn mee resfluth, Schwert, feuers glut, Uns schon ereilet hätten, So fann doch er noch retten. 2. Was zagst du? gott re 5. Theuer bin ich ihm er worben; Heil mir! hier ist Jesus Chrift! Er, der auch für mich gestorben, Auch für mich erstanden ist, Nun zur rechten gottes figet, Auf mich febt, mich machtig schüget, Mich vertritt, mich nie verstößt, Mich aus aller noth erlöst. 6. Truß der welt und ihres spottes! Truß der höll und ihrer wuth! Mir bleibt doch die liebe gottes, Und hålt mich in treuer hut. Was will je von der mich scheiden? Nein, ich werd in allen leiden Mehr, als bloß geduldig seyn, Mich vor gott auch ihrer freun. 7. Laß denn raube wetter stürmen. Alles um mich her sey nacht! Gott, mein gott, wird mich beschirmen, Der für meine wohlfahrt wacht. Wenn ich lang auch hilflos bliebe, Leitet doch mich seine liebe Durch die nacht,( drum fürcht ich nichts,) In die wohnungen des lichts. Trostgefange. 407 Und der ist unser flehen; Wir dürfen Selbst was stets getrost 3u seinem throne gehen. Wenn wir in demuth ihm Nur klagen unsre noth, So werden wir erhört, So hilft uns unser gott.. 2. Es hilft uns unser gott, Der alles weiß und siehet, Dem auch das innerste Des herzens nicht entfliehet. Ja, alles, was uns fehlt, Und unser sehnlich flehn, Das ha der höchste schon Bon ewigfeit gefehn. 3. Es hilft uns unser gott, Der alles wohl vollführet, Und auf das weiseste 3u aller zeit regieret; Sein herrlicher vers stand Sieht es am besten ein, Was uns wahrhaftig kann Gut oder schädlich seyn. giert die welt; ja allwissend. dein herz verborgen hålt, Ist dennoch ihm wohl wissend. Sout' ihm dein schreyn Ber: borgen seyn? Die bitte, die du thatest, Wußt er, noch eh du batest. 3. Was zagst du? gott re: giert die welt; Und der ist ja allweise. Stets dient der weg, der ihm gefällt, 3um heil dir, ihm zum preise. In finsterniß Führt er gewiß Oft aus der nacht der leiden, Ins helfte ticht der freuden. 4. Was zagst du? gott regiert die welt; Ist stets all gegenwärtig, Wenn sich dein herz verlassen hált, Dir nah, zu helfen fertig. Sein othem nur Trågt die natur. Trågt, wo auch jeder walle, Doch allenthalben alle. 4. Es hilft uns unser gott ,. Der alle macht besizet, Dem. nichts unmöglich ist; Wohluns, daß er uns schüßzet! Ist un ser leiden gleich Sehr groß und mancherley; Getrost und unverzagt! Die allmacht steht uns bey. 6. Nun, gott! da du die welt regierst; Wie dürft ich ångstlich zagen? Ein leid, in welches du mich führst, Soll nie mich niederschlagen. Ich hoff auf dich! Du läsfest mich Bald deine hülfe schauen, Dir, dir will ich vertrauen. Mel. O gott, du frommer gott. 5. Es hilft uns unser gott, Den unser jammer frånket, Der sein erbarmend herz Auf unsre bitte lenket; Der, aller gute voll, Die liebe selber ist, und von dem alles heil Auf uns durch Christum fließt. Bey betrübenden SührunMel. In dich hab ich gehoffet, herr. gen Gottes. ott führt die sei= nen wunderlich; 542. Soft 541. hilft uns unfer Bist du sein kind, so schicke gott, Er höret dich, ihm nachzuge= 5. Was zagst du? gott regiert die welt; Und er ist auch geduldig. 3war, wenn er ins gericht uns stellt, Sind selber fromme schuldig; Doch sein gericht Trifft fromme nicht. Drum sey gewiß, er schone Auch dein in seinem sohne. Trostgesänge. 408 hen. Kein weifer kann Die heilge bahn Und ihren zweck verstehen. 2. Die wege, die des höchs sten rath Den feinen ausge, zeichnet hat, Sind nicht der menschen wege; Doch fasse muth! Sein weg ist gut; Sey, ihn zu gehn, nicht tråge. 3. Wenn dein getreuer gott dich führt, Wenn er dein herz und thun regiert, So kann dein herz sich stillen; Du hast genung Beruhigung In got: tes gutem willen. 4. Von keinem blinden ohngefähr, Vom besten vater kommt es herr, Das kreuz, das dir begegnet; Des leis dens tag, Der liebesschlag Sind auch vom herrn gesegnet. 5. Gott hat schon in der alten zeit Mit folcher weiſen Die heiligen tet; Der, den gott rief, Und ihn ergriff, Ward stets von noth begleitet. 6. Die frommen wallen allerseits als pilger, jeder trågt sein kreuz, Sie gehen hin und weinen; Doch jeder spricht Mit zuversicht: Gott fanns nicht böse meynen. 7. Ja, gott ist fromm, und gut, und ireu. Glaubst du, daß gott die liebe sey, So bemme deine klagen. Das leiden drückt, Doch was gott schickt, Hilft er, als gott, auch tragen. 8. Er wog, eh noch die welt entstund, Nach jedes christen kraft das pfund Der leiden uno der schmerzen; Er wog auch schon Den gnadenlohn Auf seinem vaterherzen. 9. Erzurne dich, find gots tes, nicht, Wenn der, der gots tes joch zerbricht, Und frech der fünde dienet, 2018 wie ein baum Im weiten raum Sich breitet, wächst und grünet. 10. Des spotters und des heuchlers glück Währt oft nur einen augenblick, Bald wer den sie zu nichte; en sund' ergött, Den trifft zuletzt Der allmacht strafgerichte. 11. Thu emsig deine chris stenpflicht, Sey fromm vor gottes angesicht, Fahr fort, die welt zu haffen; Bet oft, halt an! Wer beten kann, Den kann gott nicht verlassen. Mel. Freu dich sehr, o meine seele. 543.Wunderbiten, Un schicken, begreiflich ist sein rath; Doch ist herrlich sein erquicken, Dies beweist zuletzt die that. Wohl dem, der dies recht bes denkt, Jhm sein ganz vers trauen schenkt! Der wird schicksal, leib und leben, Got tes führung gern ergeben. 2. So verfährt gott mit den seinen; Die; die er als vater liebt, Werden oft mit bitterm weinen Und mit schwe rem kreuz betrübt. Er, der weis' und gut'ge gott, Stößt sie oft in tiefe noth, Um fie, auf ihr kindlich slehen, Herrlich wieder zu erhöhen. 3. Dies erwäge, meine feele! Wenn dich schmerz und kums Trostgesänge. 409 mer drückt; Denke nicht, daß vertrauen, Und auf seine zus gott dich quale, Nicht im zorne auf dich blickt. Er geht. mit dir wunderlich, Doch stets weif' und väterlich; Laß daher dein herz nicht wanken, Du wirst ihm gewiß noch danken. 4. Wie viel unglück und gefahren hat nicht seine vas terhand Schon seit deiner jus gend jahren Liebreich von dir abgewandt! Defters, wenn du selbst gedacht, Daß du in der leidensnacht Würdst erlies gen und ersterben, ließ dich gott doch nicht verderben. 5. Er, der große herr der erden, Ist stets unveränderlich; Wolltest du jetzt muths los werden? 3weifeln, ob er schüße dich? Nein, fein treues vaterherz Bricht ihm noch bey deinem schmerz, Das bey als lem, was dich krånket, Liebevoll an dich gedenket. 6. Und ihm fehlts auch nicht am können, Uch! er schuf die welt aus nichts; Wer muß ihn nicht mächtig nennen? Wenn er spricht, sogleich geschichts. Nimmt die noth gleich überhand, Mel. Nun ruhen alle wälder. Go find mittel ihm bekannt, 544.2 as foll ich trofts Wie er dich von allem bösen Unbegreiflich kann erlösen. los sorgen? Gott scheint mir zwar verborgen; Doch seine hülf' ist nah, Schafft, daß ich wege gebe, Db ichs gleich nicht verstehe, Die er zu meinem heil erfah. 2. Långst wog er die gefah ren, Eh'erd' und himmel was ren, Nach meinen fråften ab, Er linderte durch freuden Die 7. Dazu hat er nie gebros chen, Was er dir in seinem wort So gewiß und fest ver: sprochen; Er erfüllts, der herr, dein hort. Erd' und himmel wird vergehn, Got tes wort bleibt ewig stehn; Drum kannst du ihm fest fag bauen. 8. Endlich, banges herz! erwäge, Gott ist auch ein weis ser gott. Er nur kennt die bes sten wege, Er lenkt, flüglich freud und noth. Wunderbar wählt er die zeit, Wo er nach dem leid erfreut; Herrlich weiß stets sein regieren Seis nen plan hinauszuführen. 9. Hålts nun gott vor dir verborgen, Wenn, wie, wo er helfen will; O! entschlage dich der sorgen, Sey nur in dem herren still! Er will ses ben, ob auch fest Sich dein herz auf ihn verläßt, Will gebet und tugend mehren, Und dich dankbar werden lehren. 10. Mächtigster! dich laß ich walten. Du, mein troft und freud' und lust, Kannst und wirst mich stets erhals ten; Meine noth ist dir be wußt. Stårke meine zuvers sicht, Und dann wird dein angesicht Huldreich, vater! auf mich blicken, und mich wunderbar beglücken. Trostgefange. 410 tage meiner leiden, Eh' er sie mir zu tragen gab. 3. Mir fonnt' ein glück der erden 3um strick und falle wers den; Die weisheit nahm es mir. Mich konnt' auf seligkeiten Ein fummer vorbereiten. Und gots tes gnade schenkt ihn mir. ich hange. Sich meiner herz: lich an, Und führt, den gram zu stillen, Um feines namens willen, Den irrenden auf eb ner bahn. 4. Vielleicht, wenn pracht und ehre Mein theil auf er den wäre, Würd' ich mich fündlich freun, Und unters drückte würden, In aufgeleg. ten burden, umsonst zu mir nach hülfe schreyn. 10. Preis sey dem herrn gesungen! Auch in den züch tigungen Liebt er mich vå: terlich. Mein glück ist gottes wille; Sein harr' ich, und bin stille, Und rühme meiner trúbsal mich.r Trost unter den Mühses ligkeiten des Lebens, aus der Betrachtung der Ewigkeit. 5. Mich könnten schäße reizen, Mehr schäße zu ergeizen, Und stolz mich aufzublähn; 545.uf ber ich bier 545.Die Mel. Was gott thut, das ist wohl. ie bahn rauh, Dann würd ich arme hassen, Und menschenfeindlich lassen Vor meiner thüre hungrig stehn. 6. Bald könnt' in guten tagen Mein herz verwegen fragen: Ist über mir ein gott? Dann wurd' in schwelgereven Das laster mich entweihen Und tugend wäre mir ein spott. Nach meiner heimath eile. Wie viel gefahr seh ich vor mir! Wie droht sie meinem heile! Gott! wärst du nicht Mein troft, mein licht, Mein So heil in finstern tagen, müßt ich långst verzagen. 7. Gott nahm mir ruhm und schätze, Er zog mich aus dem nege, Das oft den klus gen fällt. Daß ich, treu in der liebe, Sein auserwählter bliebe, Entfernt er die gefahr der welt. 2. Vor dir darf sich mein traurig herz, Erbarmer! nicht verhehlen, Darf seinen kummer, seinen schmerz Vertrau lich dir erzählen. Dann schaf: fest du Mir troft und ruh Aus deiner gottesfülle; Und meine seel' ist stille.. 3. Du lehrest mich den hohen werth Der trübsal, die ich leide, Daß sie mich dir vertrauen lehrt, Mich führt zur wahren freude. Ich wür de dein Mich minder freun, Nur diefer welt begehren, Wenn keine leiden wären. 4.Dein wort giebt mir die zus 8. Oft will in bösen tagen Mein herz zwar furcht ſam klagen: Wo ist der herr, mein licht? Warum verzeucht mein retter? Es lachen mein die spotter; Ich ruf, und er, er hört es nicht. 9. Doch ist um trost mir bange, Nimmt gott, an dem Trostgesänge. versicht, Du sorgt für meine tage; Dein auge schläft und schlummert nicht, Du hörest meine klage; Du fåttigst einst, Wenn du erscheinst In deis nem heiligthume Mit wollust mich und ruhme. 5. D! dann wird alle traus rigkeit Uus meiner brust vers schwinden; Vergessen werd ich ganz mein leid, Und nur dein heil empfinden. Mein lob: gefang, Boll preis und dank, Wird durch die himmel schal: len, Und ewig dir gefallen. 6. Mich, den vollendeten, darf dann nicht mehr die fund entweiben; Mit un: schuld steh ich angethan In deiner kinder reihen, und baterlich Erfreust du mich, Daß ich, der mensch von erde, Gleich deinen engeln werde. 7. Geduldig will ich hier den schmerz Der sterblichkeit ertragen; Beruhigen soll sich mein herz, Nicht mehr voll unmuth klagen. Du bist bes reit, 3u deiner zeit, gott! von allem bösen Mich herr: lich zu erlösen. Mel. Wer nur den lieben gott. 546. as ist mein leben auf der erde? Ein wechsel ists von lust und leid. Hier stört oft unruh und beschwerde Die sanfteste zufriedenheit. Hier wohn ich noch in einer welt, Die kein vollkommnes glück enthält. 2. Weß soll ich mich, o berr! denn trösten? Nur deiner huld; du bist mein heil, 411 Und bleibst, wenn auch die noth am größten, Doch meis nes herzens troft und theil, Und stehst, nach deiner vas tertreu, Mir stets mit rath und hülfe bey. 3. Du stärkst mir unter aller plage, D gott! auf mein gebet, den muih, Daß ich ges lassen sie ertrage, Und machst zulegt doch alles gut. Auf kummer folgt zufriedner dank, Auf klagen froher lobgesang. 4. 3u ungestörten sicher: heiten, Schickt sich gewiß kein průfungsstand. Wie würde, drückt uns nicht zu zeiten Ein leiden, unsre treu ers kannt? Vollkommne ruh und sicherheit Ist nur ein glück der ewigkeit. 5. Was bist du denn, 0 meine seele! In deiner noth so kummervoll? Vertroue gott! nur ihn erwähle Zu deinem trost, er schüßt dein wohl. Einst dankst du ihm nach der gefahr, Daß er dein gott und retter war. 6. Er wird es seyn! ruf in gefahren Ihn als den einz'gen belfer an; Er weiß dich machtig zu bewahren, Uno da, wo niemand helfen kann, Fehlt ihm die kraft zu helfen nicht. Dies stårke deine zuversicht. 7. Befiehl ihm alle deine wege, Hoff und vertrau ihm allezeit. Auch auf dem allerrauhsten stege Sieh fröhlich hin zur ewigkeit; Da sammlest du von aller pein Den segen mit vergnügen ein. Trostgefange. 412 8. So laß mich, gott! stets dahin schauen, Und dann mit starkem muth auf dich Auch in der größten noth, vertrauen. Du bist bey mir; bas stärke mich. Wer dessen fiets ver: sichert ist, Der lebt und stirbt getrost als christ. Mel. Wenn mein stündlein. in frembling bin 547. ich in der welt, Und kurz sind meine tage: So manche noth, die mich befällt, Reizt mich hier noch zur flage. Doch, vater! deine ewigkeit Versüßt mir meine reisezeit, Und starkt mich felbst im leiden. 5. Wenn einst, der jetzt von ferne dráut, Der tod mir nå, her winket, Wenn, nach der arbeit dieser zeit, Mein haupt zum schlummer finket; So sterb ich froh; die ewigkeit Zeigt mir des himmels herrs lichkeit, Die alles übersteiget. 3. In stiller nacht wein' ich oft, herr! Hinauf zu deis ner höhe, Mein schwaches herz seufzt freudenleer, Wenn ich den morgen sehe; Ein blick gen himmel tröstet mich, Und meine thrånen stillen sich Einst ganz in jenem leben. 4. Wenn mich der zukunft. fchicksal schreckt, Die noth der fernen tage, Wenn sie in mir die sorg erweckt, Ob ich sie auch ertrage; So mildert mir die ewigkeit Das kurze elend dieser zeit, Daß nicht mein berz verzage. 6. Herr! diesen trost, der mich erfreut, Bermehr in meinem herzen. Mich stärke deine ewigkeit Bey meiner wallfahrt schmerzen; Sie sey in meinem tod mein heil, Sey einst mein lángst gewünschtes theil, Wenn ich die welt verlasse. Bey Unglücksfällen im Zeitlichen. 2. Jest, da die fünde mich noch drückt, Seufzt meine bange feele. Wie bald ist nicht Mel. Warum betrübst du dich. mein herz berückt! Wer merkt, 548. Was zweifelſt du, betrübtes herz! wie oft er fehle? Doch einst und häufest deiner forgen werd ich vollkommen rein, schmerz Um ein vergänglich Ganz beilig und ganz selig seyn; Dies tröstet meine seele. gut? Zrau deinem gott, der dich, die welt, Und alles schuf und auch erhält. 2. Kennt dich sein vater: auge nicht? Er weiß und sieht, was dir gebricht, Der erd und himmel herr. Ihm, meis nem vater, meinem gott, Trau ich auch in der bångsten noth. 3. Wie ihres fohns die mutter sich Erbarmt, so bricht ihm gegen mich Sein våters liches herz. Mich staub, und hülflos, tröstet nur, Nur er, und keine creatur. 4. Der reiche trobet auf sein geld, Und ich, verachtet Trostgesänge. 413 von der welt Und arm, vers 11. Vergånglich ist das glück der welt; Und macht denn ansehn, stårk und geld Uns von dem grabe frey? Oft ist das größte glück der zeit Ein hinderniß der seligkeit. 12. So spricht dein wort; und mein gesang, Erbarmer! singt dir heißen dank, Obgleich im staube noch. im staube noch. Kraft aus der höhe! steh mir bey, Daß ich hier treu, dort selig sey. 13. Lob, ehr und preis sey dir gebracht, Der väterlich an uns gedacht, Eh erd und himmel war. Drum bet ich: ach verwirf mich nicht, gott, von deinem angesicht! traue gott. Ich glaube, was sein wort verspricht: Der herr verläßt die seinen nicht. 5. Auch dann noch, wenn sein jorn erwacht, und er den him: mel eisern macht, Erbarmt er endlich sich, und gießt aufs lechzend trockne land Den res gen aus mit milder hand. 6. Herr! aller augen war ten dein; Du hörst der jungen raben schreyn, Und hörst des armen flehn, Du sátti: gest voll gütigkeit Auch dein geschöpf in theurer zeit. 7. Nah an des grabes pfor: ten reicht, Wenn alle hülfe von mir weicht, Mein helfer mir die hand. So ward, er dankte gott im staub, Nicht Daniel des lówen raub. Wider ängstliche Sorgen um das Irdische. Mel. Alle welt, was lebt und. 18 So ward, obgleich erst 549. Qualet mich nicht, unterdrückt, herrlicher beglückt, und hoch erhob ihn gott, Der gott, der flamm und wellen wehrt, Daß well' und flamm' uns nicht verzehrt. 9. Du, herrscher! wardst Ifraels theil, Hilfsft deinem volke, kronst mit heil Die, welche dir vertraun. Mach, ist gleich niedrigkeit mein loos, Mich nur in deinen augen groß. 10. Dann acht' ich, ganz dein eigenthum, Kein irdisch lob, auch nicht den ruhm Bon einer ganzen welt. Ein christ, des himmels erbe seyn, Dies ist mein ruhm, mein glück allein. bange Mein versorger lebt und wacht; Ihm ist alles unverborgen, Was die christen traurig macht. Was mein gott beschließt und thut, Ehret ihn, und ist mir gut. 2. Che noch die berge was ren, War mein schicksal ihm bekannt, Und den lauf von meinen jahren Lenket seine weise hand. Nichts geschieht von ohngefähr, Ulles kommt von oben her. 3. Gott, ganz vater! gott, ganz gnade! Bin ichs sünder gleich nicht werth, Wird mir auf des lebens pfade Den noch mancher wunsch ges währt; Eh ich oft noch Trostgesänge. 414 klopfen kann, Wird mir auf: und guts gethan. 4. Dankbar zähl' ich meine tage Bis auf die geburt zu ruck; Zähle fummer, forg' und plage, Båhle freude, ruh und glück; Finde, daß gott immerdar Weise, hülfreich, gütig war. 5. Widme gott dein thun und leben, Trau auf ihn, und sorge nicht; Sorgen, helfen, schüßen, geben, Ist des vaters luft und pflicht. Nahe dich zum herrn und sprich: Gott, du kennst und liebest mich. 6. Werde niemals wankel: müthig. Bist du schwach, gott ist getreu; Bist du zaghaft, gott ist gütig; Such ihn nur, er eilt herbey. Bist du sorg, fam, gott weiß rath, Gott, der alles ist und hat. 7. Bater, ewig reich an gute, Mächtiger regent der welt! Dies ist stündlich meine bitte: Thu mit mir, was dir gefällt. Gott bleibt meine zuversicht; Weicht, ihr sors gen, quålt mich nicht! Mel. Wer nur den lieben. gott. Mer nur den lies schweren sorgen? Was hilft uns unser gram und ach? Was hilft es, daß wir alle morgen Beseufzen unser un gemach? Wir machen unser kreuz und leid Nur größer durch die traurigkeit. 3. Sen, christ! in from.. Und mer ehrfurcht stille, warte, bey dir selbst ver gnügt, Wie gottes gnad' und heilger wille Und sein' allwissenheit es fügt. Gott, der uns ihm hat auserwählt, Der weiß am besten, was uns fehlt. 6. Was sind vor gott der menschen sachen? Sein stars arm vermag Den reichen klein und arm zu ma chen, Den armen aber groß aller und reich: Wie leicht, wie Wer leicht ist's ihm gethan, Der bald erhöhn, bald stürzen kann! 7. Sing', bet' und geh auf gottes wegen, Verrichte deine walten, und hoffet auf ihn allezeit, Den wird er wunderbar erhalten In noth und traurigkeit. gott, dem allerhöchsten, traut, Der hat auf keinen fand ges baut. 2. Was helfen uns die 4. Er kennt die wahren freudenstunden, Er weiß, wann freud' uns nüglich sey; Und wenn er uns bewährt erfunden, Aufrichtig ohne heucheley, So kommt gott, eh wirs uns verfehn, Und laffet uns viel guts geschehn. 5. Denk nicht in deiner drangsalshite, Daß dich dein treuer gott vergißt, Und daß ihm der im schooße sitze, Der reich und groß, und machtig ist; Die zukunft ändert oft sehr viel, und setzet jeglichem sein ziel. Troftgesänge. 415 pflicht getreu; Erau ihm und stands geschäfte, Und nüße seinem reichen segen, So wird er bey dir werden neu. Denn wer nur seine zuvers sicht Uuf gott segt, den vers läßt er nicht. deine lebenszeit. Bey pflicht und fleiß sich gott ergeben, Ein ewig glück in hoffnung sehn, Dies ist der weg zu ruh und leben; Herr! lehre diefen weg mich gehn. Mel. Wie groß ist des allmächt'gen. und. 551.fubleft die bes In Dürftigkeit und Armuth. Des stands, in dem du dürftig lebſt; Du ſtrebeſt 552. ich nicht, Herr, Met. Wo soll ich fliehen hin. ein! murren will glücklicher zu werden, Und fiehst, daß du vergebens strebt. Ja, klage! gott erlaubt die zábren; Doch denk im klagen auch zuruck: Ist denn das glück, das wir begehren, Für uns auch stets ein wahres glück? meine zuversicht! Daß ich nur wenig habe. Des glückes beste gabe Für dieses kurze leben, Hast du mir. herr! gegeben. 2. Mir ward das beste theil; Du bist mein trost und heil. In armuth, die ich leide, Ist Jesus meine freude. Ward mir nicht viel beschieden, Ist doch mein herz zufrieden. 2. Nie schenkt der stand, nie schenken guter Dem men schen die zufriedenheit; Die wahre ruhe der gemüther Ist tugend und genügsamkeit. Genieße, was dir gott befchie den, Entbehre gern, was du nicht hast, Ein jeder stand bat seinen frieden, Ein jeder stand auch seine last. 3. Mein heiland, freund und herr, Wie arm, wie arm war er! Wie viel hat er gelitten, Eh' er ganz ausgestrita ten! Und er hat alle plagen Mit heldenmuth getragen. 4. Jch trag ihm seine schmach als jünger willig nach, Und für den andern morgen Will ich nicht heidnisch sorgen. Du wirst zu allen zeiten Mir meinen tisch bereiten. 3. Gott ist der herr, und seinen segen Bertheilt er stets mit weiser hand; Nicht so, wie wir's zu wünschen pfle: gen, Doch so, wie er's uns beilfam fand. Willst du zu 5. Der armuth joch ist denken dich erkühnen, Daß feine liebe dich vergißt? Er giebt uns mehr, als wir verdienen, Und niemals, was uns schädlich ist. schwer; Kanns seyn, so hilf mir, herr! Von ihren harten plagen; Doch soll ich sie noch tragen, Laß dieser last be= schwerden mir nicht zum falls strickt werden. 4. Verzehre nicht des le. bens kräfte In tråger unzufriedenheit; Besorge deines 6. Nicht ewig währt mein leid; Es kommt die reitungs Trostgesänge. 416 zeit. Muß ich hier darbend weinen, Dort jauchz' ich mit den deinen; Muß ich hier mangel leiden, Dort fåttigen mich freuden. würd' in guten tagen Nicht mehr nach dir und deinen rechten fragen, Mich stolz erheben, und dann, gott! nicht dein, Nur deiner ird= schen gaben mich erfreun. Eines aus gutem Wohl stande ohne seine Schuld in Armuth gerathenen Christen. 7. Es würd' in mir die mens fchenlieb ersterben, Im müs figgang mein leben sich ver derben; Ich würd vielleicht, aus lust zur eitelkeit, Nicht fora 553. D gegeben und ge- gen für die wicht'ge ewigkeit. Mel. Mein herz und seel' den. mir nommen; Ich danke dir, regierer deiner frommen! 3war schmerzlich ist mein geist betrübt in mir; Doch, weiser vater! dank auch jest ich dir. 2. Vorben sind nun die schönsten meiner tage, Nun ist mein loos mühseligkeit und plage. In kummer und in noth und dürftigkeit Bollend' ich traurig meine lebenszeit. 3. Du willst es, gott! uns stråflich ist dein wille; Du bist der herr, und meine seel ist stille. Gewiß führst du auch jetzt mich våterlich; Das weiß ich, gott! und dessen trost ich mich. 4. Wenn's nühlich mir, und wenn es deiner ehre, Allwisfender! gemäß gewesen wäre; So hättest du, mit milder vaterhand, Mir lieber mehr noch liebreich zugewandt. 5. Was hulf's, hätt' ich die ganze welt gewonnen, Und wäre nicht aus der gefahr entronnen, In die der ird'schen güter überfluß Hier geist und leib nothwendig stürzen muß? 6. Du sahst vielleicht, ich 8. Gott! wenn ich dies aufs richtig überlege, So preif' ich dich und ehre deine wege. So viel, so viel gefahren drohten mir, Nun sind sie nicht mehr; deß, deß dank ich dir! 9. Viel segen ist mir doch noch übrig blieben, Ein gu ter ruf, und freunde, die mich lieben, Gesundheit, und, noch mehr. gewissensruh; Wie ghd dig, gott, wie gnädig bist doch du! 10. Soüt ich dir nicht von ganzem Herzen danken? Darf mein vertraun auf deine gute wanken? Erbarmer, helfer, liebest du mich doch mit al ler deiner vaterliebe noch! 11. Ich bins gewiß, du wirst mir ferner geben, Was nöthig ist, in deiner welt zu leben. Vor dir, der so viel tausende ernährt, Hat auch mein einzeln leben einen werth. 12. Ja, fördre du die werke meiner hånde; 3ur arbeit gieb mir träfte bis ans ende, und schütze meine jet'ge dürf tigkeit Vor aller schmat und niederträchtigkeit. 417 13. So werd ich auch an dies fes lebens gaben Mein nöthigs theil, und selbst noch übrig haben; Bis dort am ende meiner lebensbahn Ich ihrer ganz und froh entbehren kann. Bey haß und Verfolgung 5.Den feinden übergieb mich nicht, Die mich voll frevel sdmåben: So werd ich einst dein angesicht Im land des le= benis sehen. Sey frob, bart' uns verzagt des herrn, Mein herz! denn er, der herr, hilft gern; Er ist der arm des schwachen. Troft bey dem Glücke der Gottlosen und dem Un. böser Menschen. Mel. Es ist das heil uns kommen. er berr ist meines 554. lebens kraft; glück der Frommen. Mel. Jesus, meine zuversicht. Soll mir por unglück grauen? Er iſsts, der rath und hülfe 555. Mein gefühl ift traurigkeit, Klas schafft; Ihm mein herz vertrauen. Er schüßt mich vor der feinde beer; Shr stolzer tros fchreckt mich nicht mehr, Hab ich ihn nur zum freunde. gend tónen meine lieder. Gieb mir meine freudigkeit, Mein zus friernes herz mir wieder! Bas ter! täglich barr' ich dein; Eile bald mich zu erfreun. 2. Empöre dich, ohnmächt': ge weit! Mein geift wird nicht erschrecken. Gelt wird in seinem beilgen zelt 3ur bösen zeit mich decken. Sein rath für mich ist wohlergehn, Er wird mich segnen, mich erböhn 3um heile der erlösten. Trostgefange. 3. Ja, vater! neige mir dein ohr, Wenn höll und welt mir fluchen; Mein berz halt bein gebot mir vor: Ihr follt mein antlis suchen. Ich eile, herr! getroft zu dir. Verbirg dein antlig nicht vor mir, Und laß dich gnädig finden. 4. Verlaß mich nicht, o gott, mein heil! Wenn mens schen mich verlassen. Nimm du mich auf, und sey mein theit, Und bessre, die mich hassen. Herr! nimm du mich zu gnaden an, Und lehre mich auf richt'ger bahn In deiner furcht zu wandeln. 2. Ehret cich mein stiller gram? Bricht dein herz nich, wenn ich leide? Wenn ich sonst, berr! vor dich kam, Uch! da war ich lauter freude. Aber nun zerfließt mein herz In bes kümmerniß und schmerz. 3. Es verdreußt mich, gott! auf die, Die dich hassen, die dich schmähen, Es verdreußt mich daß ich sie Mächtig und erhöht muß sehen, Daß die frevler mich zum spott Fras gen: wo ist nun dein gott? 4. Seufzer folgen ihnen nach, Denn ihr fußtritt ist verderben; Lachend sehen sie vor schmach Und vor fummer fromme sterben; Und im himmel wohnest du, Rächer, und siehst ihnen zu! 5. Auch dein wort soll nicht mehr wahr, Noch die tugend tugend bleiben, Dich, der ist Trostgesänge. 418 und ewig war, Drohen sie vom thren zu treiben; Und im himmel wohnest du, Rás cher, und siehst ihnen zu! 6. Seele, was betrübst du dich? Was verzehrst du dich im leide? Laß die welt! gott liebet mich; Gott allein sey meine freude! Gott erschafft, fobald er spricht, Aus den finsternisfen licht. Bey Leiden des Leibes und siechem Leben. Mel. Nun ruhen alle wålder. 556. Hunden Des lebens glück empfunden, Und freuden ohne zahl; So will ich denn gelassen Mich auch in leiden fassen; Geduld vers füßet mir die quaal. 2. Ja, herr! ich bin ein fünder, Und stets strafft du gelinder, Als es der mensch verdient. Will ich, beschwert mit schulden, Kein zeitlich weh erdulden, Das doch zu meinem besten dient? 3. Dir will ich mich ergeben, Dich, meine ruh, mein leben, Dich lieben, meinen herrn. Dir, gott! will ich vertrauen, Und nicht auf menschen bauen; Du hilfft und du errettest gern. 4. Laß du mich gnade fin den, Mich alle meine fünden Erkennen und bereun. Fest hat mein geist noch fräfte; Sein heil laß mein geschäfte, Und deine huld mein leben seyn. 5. Wenn ich in Chrifto sterbe, Bin ich des himmels erbe; Was schreckt mich grab und tod? Auch auf des todes pfade Vertrau ich deiner gnas de; Du herr! bist bey mir in der noth. 6. Ich will den kummer wehren, Gott durch geduld verehren, Im glauben zu ihm flehn. Ich will den troft bedenken: Du herr 1 wirst alles lenken, Und was mir gut ist, wird geschehn. In Krankheiten. Mel. Herzlich thut mich verlangen. eit, die ich feuf557.3 en Boll quaal und ungemach! Betrübt ist meine feele, Und kraft und othem schwach, Fast jeder morgen mehret Beforgniß mir und schmerz; Doch gott will seyn geehret; Ehr' ihn auch hier, mein herz! 2. Was zicht dich noth und plage Bon freud und danken ab? Gedenk der ersten tage, Die dir dein vater gab. D tage, reich an freuden! Un tausend segen reich! Was bleiben alle leiden, Vergleich ich sie mit euch? 3. Daß ihr mich einst bes glücket, Wem dank ichs? got tes huld! Daß frankheit mich jest drücket. Wem dank ich's? meiner schuld! Nun muß mir schmerz beweisen. Was leicht: sinn oft vergißt, Daß, mensch, dein fleisch nicht eisen, Dein bau nicht ehern ist. 4. Mein got!! in tiefer reue, Mich meiner schuld bewußt, Komm ich, der ungetreue, Und schlag an meine brust. Laß Troftgefange. 419 mich nur gnade finden; Und Im sterben, wie im leben, demurhsvoll und gern Trag Bin ich, gottlob! des herrn. ich um meine fünden, Den Zorn des guten herrn. in 16, Mel. O Jesu Christ, du höchstes. 5. Denn gott lenkt stillen herzen Selbst plagen zum gewinn, Seigt mir in schweren schmerzen, Wie nichts, gar nichts ich bin. Den trost, der thoren weidet, Die welt, zeigt er mir an, Die, wenn ein glied nur leidet, Oft nicht mehr trösten fann. 6. Er reißt mich los von sünden. Heilt leeren über muth, läßt schmachtend mich empfinden, Ich hatt' es einst sehr gut. Er zeigt mir nah im rücken Tod, ewigkeit, ges richt, Und giebt jegt augens blicken Bontagen das gewicht. 7.D gott' dein weg ist güte, Und ewig wird ers feyn; Ges rührt soll mein gemütbe Ihm dieses zeugniß weibn. In mei nen tiefsten nöthen Geh ich davon nicht ab, Und wolltest du mich tödten, Nehm' ich es mit ins grab. 8. Gieb mir nur fraft, bes ständig Auf deine band zu fehn. Und lebre mich leben dig Des freuzes heil verstehn, Damit ichs christlich trage, In siegender geduld, Und nimmermehr verzage An dir und deiner huld. 9. Und so gescheb dein wille! Getreuer gott! in dir It meine seele stille; Denn táglich hilfst du mir. Vor nichts brauch ich zu beben, Gehorch ich dir nur gern; 558. Dein wide for ster schöpfer! ist, Daß ich jetzt krankheit tras ge; Doch weiß ich, daß du vater bist, Von dir kömmt glück und plage. Dir ist mein ganzer schmerz bekannt; Mein leben steht in deiner hand, Du giebst mir meine tage. 2. Wenn in mir einen aus genblick Gesundes blut ges flossen; So schenktest du mir, gott! dies glück, Das ich so oft genossen. Oft war ich frey von jedem schmerz, War gus tes muths; drum, o mein herz! Leio' jegt auch unverdrossen. 3. Nein. bester vater! gieb nicht zu, Daß ungeduld mich fránke; Gieb deinen geist mir, der zur rub In dir mein herze lenke, Den geist, der start in schwachen ist; Daß ich an dich, o Jesu Christ! Mit freuden stets gedenke. 4. Vergessen laß michs, vas ter! nie, Du seyst und bleibst die liebe. Gieb nicht zu, daß mein herz doch je Ungläubig sich betrübe. Trag ich nicht meiner fünden schuld? Ist gränzenlos nicht deine huld, Nicht ewig deine liebe? 5. Das eilen meiner leben8= zeit, Uch gott! laß michs erwägen. Der tod: snacht, der ewigkeit Flieg' ich mit macht entgegen. Erst dann, wenn dies mein geist ermißt, 3u gott 002 Troftgefange. 420 fehrt, alles gern vergißt, wird mir mein schmerz zum segen. 6. Sa, gott! ich wende mich zu dir, Dir will ich mich er geben. Schenk wahren ernst und weißheit mir, Mit freude dir zu leben. Bewabre nut für heucheley, D gott! mein herz; zum himmel sey Ge richtet mein bestreben. 7. Uch, jeden, jeden augenblick Mocht ich, mein gott, dir weihen! Zieh von der erde mich zurück, Laß nichts den geist zerstrenen; Kein glück der welt, kein traum der zeit, Nur gott, und nur die ewigkeit, Soll meine feel' erfreuen. 8. Ach! zum gebete schenke mir Noch munterkeit und står ke; Mein herz wird sonst ents fernt von dir, Und tråg zum guten werke. Will gleich mein geist, der leib ist schwach; Hilfdeinem kinde, vater! mach, Daß ich in mir dich merke. 9. Laßt nicht zu, daß der frankheit pein zu groß mir schwachen werde, Erquicke gnådig mein gebein, Und mildre die beschwerde. Du, vater, weißt, was jeden tag Dein schwaches kind ertragen mag, Du weißt es, ich bin erde. Sürbitte für einen KranFen. Mel. Herr, nicht schicke deine. 559. ch will vor dein antlig treten, Du heißt uns für Franke be ten; Drum will ich, gott, zu dir flehn, Du kannst nicht dein wort verschmähn. An dies wort halt ich mich fefre, Was es beißt, das ist das beste; Es bleibt wahr, wenn alle welt Es auch nur für Thorheit bålt. 2. Beff'rung fleh ich für den franken, Herr! ich glaub', laß mich nicht wanken; Dich, der helfen will und kann, Fleht mein herz um hülfe an. Du allmacht'ges, bestes wesen! Laß den franken bald generen, Zeig du an ihm deine fraft, Die vem tode rettung schafft. 3. Stärke die geschwächten glieder, Gieb den muntern geist ihm wieder, Reiß du ihn mit treuer hand Machtig von des todes rand. Wie viel taufend matte herzen Hat von krankheit, angst und schmerzen, Herr! nach deiner zärtlichkeit, Bloß dein wink, dein wort befreyt! 4. Hat die kraft jest abs genommen? Gilt nicht mehr das flehn der frommen? Bist du nicht an huld mehr reich, Nicht dir ewig selber gleich? St jetzt elend, elend minder? Bist du nicht das heil der fünder, Die voll demuth, voll vertraun, Aus dem jammer auf dich schaun?- 5. Zeige, Jesus! daß du lebest, Und den müden stärke gebeft, Daß du trauernde er freuft, Auch für uns ein hei land seyst, Denen, die sich zu dir drangen, Stillst du eh mals ihr verlangen, Wiefest keinen franken ab, Keinen, der sich dir ergab. Troftgesänge. 6. Kuch mich wirst du nicht abweisen; Dich, dich foi mein glaube preifen, Der von wars. mer liebe glüht, Dich umfaßt, wo er nichts fieht. Laß jest während meinem fleben Deine hilf den kranken sehen. Uch jest, Jesus, sáume nicht! Halte, was dein wort verspricht, Trost wider die Schrecken des Todes. 6. Denk an frohen tagen; 560. Wangflich für ist sie gut und unschuldsvoll. Hanndo. Mel. Nr. 35. as forgst bild Sprich dein vergnügen zu versüßen: Welch glück werd ich erst dort genießen, Wo ich unendlich leben soll! 7. Denk an den tod, wenn deinem leben Das fehlt, wos nach die reichen streben; Sprich: bin ich hier, um reich zu seyn? Heil mir, wenn ich in Christo sterbe! Dann ist ein. unbeflecktes erbe, Dann ist des himmels reichthum mein. 8. Denk an den tod, wenn leiden kommen; Sprich: alle trúbsal eines frommen st zeitlich und durch hoffnung leicht. Ich leide; doch von allem bösen Wird mich der tod bald, bald erlösen; Wohl dem, der jenes ziel erreicht! 9. Denk an den tod, wenn freche rotten Des glaubens und der tugend spotten, Und laster stolz ihr haupt erhöhn. Sprich bey dir selbst: gott trägt die spotter; Doch endlich ist für sie kein retter, Wenn sie nicht hier noch in sich gehn. 10. So suche dir in allen. dein leben? Es gott gelassen übergeben. Ist wahre rub und deine plicht. Du sollst es lies ben, weislich nußen, Es dank: bar, als ein glück, besitzen, Verlieren, als verlörst du's nicht. 421 welt erwerben, Beging ich doch folch übel nie. 5. Denk an den tod, wenn rubin und ehren, Wenn deine scháze sich vermehren, Daß du sie nicht so heftig liebst; Denk an die eitelkeit der er den, Daß, wenn sie dir entrissen werden, Du dann dich nicht so sehr betrübst. 2. Der tod soll dich nicht traurig schrecken; Doch dich zur weisheit zu erwecken, Soll er dir stets vor augen seyn. Er soll den wunsch zu leben mins dern, Doch dich an deiner pflicht nicht hindern, Viel: mehr dir kraft dazu verleihn. 3. Ermattest du in deinen pflichten, So laß den tod dich unterrichten, Wie wenig dei: ner tage sind. Sprich: follt ich pflichten wohl verschie: ben? Nein, meine zeit, sie auszuüben, Ist kurz, und sie verfliegt geschwind. 4. Denk an den tod, wenn bose triebe, Wenn lust der welt und ihre liebe Dich rei zen, und ersticke fie. Sprich: kann ich nicht noch heute sters ben? Und könnt ich auch die den tod bey Kann deine ertragen, So 422 Trostgesänge. fållen Den tob oft lebhaft fünde Um Jefu Chrifti wik vorzustellen; So wirst du ihn nicht zitternd scheun, So wird er dir ein trost in klagen, Ein weiser freund in guten tagen. Ein schild 7. Nichts ist, das mich von in der versuchung seyn. Jesu scheide, Nichts, es sey ung feyt len zu. Damit ich hier vers gebung finde, Und dort bey dir vollkommne ruh. Mein gott! ich bitt zc. leben oder tod; Er bleibt im leiden meine freude, Mein schuß, mein alles in der noth. Mein gott! ich bitt 2c. 8. So komm mein end heut oder morgen; Ich weiß, daß mir's mit Jesu glückt. Er ists, der mich in allen sorgen, Er ists, der mich im tod erquickt. Drum glaub ich fest, durch Christi blut Machts gott mit meinem ende gut. - Mel. Wer nur ben lieben gott. Mer er weiß, wie 561. We nahe mir mein ende? Die zeit geht hin, es kommt der tod. Ach, wie geschwind, ach wie behende Kann kommen meine todes noth! Mein gott! ich bitt durch Christi blut, Machs nur mit meinem ende gut. 2. Es kann vor nacht leicht anders werden, als es am So war; lang' ich lebe auf der erden, 562. Wtesäcker feb, Mel. Ermuntre bich, metn. enn ich die gots Leb ich in steter todsgefahr. Mein gott! ich bitt zc. 3. Herr! lehr mich stets ans ende denken, Und laß mich, eh ich sterben muß, Das heil der seele wohl bedenken, Und nicht verschieben meine buß. Mein gott! ich bitt zc. 4. Laß zeitig mich mein baus bestellen, Daß ich bereit 2. Mein gott! befreye mich fey für und für, Und sagen könn' in allen fållen: Herr, wie du willst, so schicks mit mir! Mein gott! ich bitt zc. Und alles könnte lefen, Was der, auf dessen grab ich geh, In seinem sinn gewesen, und was bey ihm die todesnacht Für hoffnungen zu nichts ges macht; So würd' ich oft mit schrecken Mein eigen herz entdecken. vom dunst Der irdischen bes schwerden, und lehre mich die große funst, Bey gråbern klug zu werden. Nur der ist weise, der bedenkt, Wie viel von seinem tod abhängt, Und der dazu in zeiten Sein herz fucht zu bereiten. 5. Erhebe meinen sinn zum himmel, Verbittre mir die fundenlust; Gieb, daß in die fem weltgetümmel Mir nichts als unschuld sen bewußt. Mein gott! ich bitt ze. in 3. Gieb, daß ich dich mit frohem muth 21s meinen gott betrachte, Hingegen freunde, 6. Ach, vater! deck all' meine Trostgesänge. glück und gut Nicht als mein eigen achte; So wird, wenn mich die zeit wegnimmt, Die du zur trennung haft bestimmt, Nichts, was mir war verlie: hen, Mein herz zurücke ziehen. 4. Laß mich auf Jesu berrlichkeit Mit frober hoffnung blicken, und mitten in der dunkelheit Mich sein verdienst erquicken. Dann nimm, herr! nach vollbrachtem lauf, Den geist aus dieser bútte auf. Die einst im reich der deinen Wird neu erbaut erscheinen. 423 den erblicken, Den hier allein der glaube fieht, Den, der dich ewig zu beglücken, 3um fluch gemacht, am kreuz vers schied. Dann jauchze, kein wahn, fein spott Dich hier getrennt von deinem gott. daß 5. Wenn nun der tag des herrn erscheinet, Verläßt dein leib der gråber ruh, 3um zweitenmal mit dir vereinet, Wird er unsterblich, so wie du. D feele! zage långer nicht, Daß deiner hútte bau zerbricht. 3. Dann, seele! wirst du bas verstehen, Was hier kein weiser mund erklärt, Was hier vollkommen einzusehen, Des wissens trieb umsonst begehrt; Dann tauscht dich wabn und irrthum nicht, Und selbst die finsterniß wird licht. 4. Dann wirst du den, ach! Mel. O ewigkeit, du donnerwort. enn, mittler! meine lebenss zeit Geendet ist, und nun der streit Des glaubens ausgestritten; Wenn kaum mein sterbend berz mehr spricht; Dann, Jesu! komm und schweige nicht zu seinen letzten bitten; Nicht, wie du schweigest, wenn zu spåt Ein fünder um erbarmung fleht. 2. Wenn mich kein freund mehr trösten kann, Und doch mein herz bebt, sage dann: Die sünd ist dir vergeben. Uch! wenn des todes schrecken mich Ergreifen, sprich dann, mitts ler! sprich: Nicht sterben sollst du! leben! Ein wort von dir nur, und mir gnügt, Des todes schrecken sind besiegt. 3 Nicht sey mir dann dein angesicht, Wie's missethätern ist, gericht; Erbarmen, nicht verderben! Nicht sterben laß mich), herr! wie die, Die dich verwarfen, die sich nie Bes Mel. Wer nur den lieben gott. 563. Wabu arum erbebst 564. 2 meine seele, Bey dem gedanken an das grab? Nicht dich um schließt einst ſeine höhle, Nur deine hütte sinkt hinab. Sie schuf der allmacht wink aus staub; Drum wird sie der verwesung raub. 2. Du, zur unsterblichkeit erlesen, Schwingst dich empor zu gottes licht, Und schaust den ursprung aller wefen Von angesicht zu angesicht; Be: wunderst deines gottes macht In jener welten bau und pracht. Trostgesänge. 424 reiteten zu sterben. Was ist ſo furchtbar, als der tod, 565. Der ewige verwerfung droht? 4. Uch! flerben, sterben wird den tod, Der ewige vers werfung droht, Wer, berr! dein heil nicht achtet, er nicht in deinem blute rein, Sich treulos weigert, dein zu seyn, Ungläubig dich ber achtet. Ach! den ergreift der tod, der tod, Der ewige vers wersung droht. 5. Doch der ist, Jesu! der 5. Doch der ist, Jesu! der ist frey, Der dir geweiht ist, dir getreu; Shm ist er keine strafe. Gelobet sey der herr, mein licht In jener nacht! fie schreckt mich nicht; mir wird der tod zum schlafe. Es ist ein finstrer weg; doch mir Ein weg zum leben und zu dir. 6. Gelobet fey der herr, mein schild, Der mich mit freudigkeit erfüllt, Mit freu-. digkeit zu sterben! Ich glaub an ihn und bin gewis. Er führt mich aus der finsterniß 3u feiner freuten erben. D, welchen jubel stimm ich dann Dem todesüberwinder an! 7. Gieb deinen frommen, Jesu! kraft, Den schwersten schritt der wanderschaft Mit freudigkeit zu enden. Sprich zu den bangen seelen: ich, Ich bin eu'r heiland! freut euch! sprich: Ich will euch nun vollenden. Erquicke sie, und nach dem streit Erhöhe sie zur seligkeit. Mel. Wenn mein ständlein. nun auch St meine stunde do, Bon dieser welt zu schei: den, So sey mit deiner hülfe nab, Du treußter freund im leiden! Nimm du dich meiner feele an; Dir übergeb ich sie alsdann, O Jesu, mein erlöser! bug thabland 2. Sind meine fünden dann vor mir, Drückt ihre last mich nieder, So ist mein seufzen, berr! vor dir, Und du erhebst mich wieder. Ich denk in meiner tiefen noth Un deine liebe bis zum tód; Die, die wird mich erhalten. 3. Ich bin an deinem leib ein glied; Deß trößt' ich mich von herzen. mich leiden siebt, Du linderst Erbarmer, der meine schmerzen! Und sterb ich nun, so sterb ich dir, Ein ewges leben hast du mir Durch deinen tod erworben. 4. Du, herr! erstandst; so werd auch ich nicht in dem grabe bleiben; Sa deine aufs fahrt lebret mich Die todess furcht vertreiben. Wo du bist, da komm ich auch hin, Daß ich bey dir stets leb und bin; Drum geh ich hin mit freuden. 5. Dein bin ich, dein in ewigkeit; Mich soll das grab nicht schrecken. Nach einer kurzen zwischenzeit Wirst du mich auferwecken. Dann will ich dir, o gottessohn! Du menschenfreund! vor deinem thron Mit freudenthränen danken. Trostgesänge. 425 Verlangen nach dem busty Code. sterbend auge Met. Herzlich thut mich verlangen. Mel. Wenn mein stündlein. 566. Menn einst mein bricht, Mein letzter hauch verz 568. Gern will ich mich Mein leib erstarret, und selbst nicht, Daß er ent schläft, empfindet; Wenn um mich, den entschlummernden, Gott, alle meine freunde stehn, Und angstvoll zu dir weinen; 2. Dann, schöpfer!, nimm ibn auf, den geist, Der sich zu dir erhebet, Der dankbar deine gute preist, Daß er dir hier gelebet; Und troste, die betrübt um mich Mit thrá: nen Flagen laß sie sich Mehr meiner wonne freuen. zu verlassen, welt! Ich geh zum bessern leben, Sobald es gott gefällt. Was wärs, das mich betrübte? Dort schau ich ewig den, Den meine seele liebte, Noch eh ich ihn gesehn. 2. Er ruft zur zeit der schmer zen Uns voll erbarmen zu: Kommt her, beladne herzen, 3u mir und findet ruh! Dies wort aus deinem munde Laß, herr! mich zu erfreun, In meiner letzten Stunde Mir geist und leben seyn. Mel. Wie schon leucht't uns. 3. Mit dir muß es mir 567. Wie wird mir glücken, Den kampf zu überdann, Im entzüks ken Laß meine feele fehn, Wie im gericht für fünder Du mit dem tode rangst, Und wie du, überwinder! Allmächtig ihn bezwangst. siegsgedanke: tod? 4. Der frohe Wo ist dein stachel, Stárk mich, daß ich nicht wanfe In meiner todesnoth; So ist, ob ich gleich sterbe, Doch sterben mein gewinn. Ich bin des himmels erbe; Dein wort sagt, daß ichs bin. 5. Du bist der herr des lebens, Und ich, ich bin ganz dein; Dein blut kann nicht vergebens Für mich vergoffen seyn. Dir trauet meine seele; Dich lobt, was in mir ist, Erlöser meiner seele, Der du die liebe bist. ser, seyn, Wenn ich, mich deiner ganz zu freun, In dir entschlafen werde! Dann, feele! wirst du ganz befreyt Von sünde und von sterblich. keit, Entfliehen dieser erde. Freu dich Innig; Stärfe, tröste Dich, erlöfte, Mit dem leben. Das dir dann dein gott wird geben. 2. Wie werd ich dann so felig seyn, Wenn ich mich deiner ganz erfreun, Dich dort anbeten werde! Dann bin ich frey von sünd und leid, Ein mitgenoß der herr: lichkeit, Nicht mehr gebeugt zur erde. Preis dir, Daß mir Durch dein leiden Jene freuden Offen stehen! Ewig will ich dich erhöhen. Trostgesänge. 426 569. Mel. Von gott will ich nicht. er letzte mei ner tage Sft mir vielleicht nicht fern; D! dann wird meine Elage Ein lobgefang dem herrn. Bolls bracht ist ganz mein lauf; Ich trete zu dem throne, Und gott feßt mir die krone Der überwinder auf. 6. Drum geh tch frey von fummer Des todes finstre bahn; Mir bricht nach kurzem schlummer Ein ewger morgen an. Heil mir, er ist nicht fern, Der letzte meiner tage! Er kómmt, und meine klage Wird lobgesang dem herrn. 4. Ich, der gefahr entren. nen, Geh aus dem kampf hervor. Hoch über alle fon nen Hebt mich mein glaub' empor. Da tret ich in die reibn Der engel, meiner brüder, In ihre hohen lieder Etimm ich, selbst engel, ein. 5. Die leiber feiner from: men Sind faat, von gott ge: fát; Die frohe zeit wird kom men. Da reif die ernte steht. Dann wird der schöpfungstag Ein ganz verjüngtes leben Auch meinem staube geben, Der tief im rode lag. Sreudigkeit des Srommen im Tode. 2. Für seines reiches erben Hat Jesus mich erklärt; Was fürcht ich mich zu sterben, Wenn er mich sterben lehrt? Mir ist der tod gewinn; Daß ich unsterblich werde, Ent. schwing ich mich der erde, Mel. Wer nur ben lieben gott. 2ch will dich noch 570. im tod erheben, Noch nah am grabe preif' ich dich; 3um segen gabst du mir Ich, der ich erde bin. das leben, Du fegnest auch im sterben mich. Mein leben ſucht' ich dir zu weihn; Mein tod auch soll dir beilig seyn. 3. Nicht mich, nur meine burde, Verschließt die finstre gruft, Mich hebt zur höhern würde Mein vater, der mich ruft. Er ruft mich durch den tod; Der reißt die fünden glieder, Den trågen leib, das nieder, Mich selbst führt er zu gott. 2. Gott! welche feverliche stunden, Wenn du mich nun der erd' entzicht; Auf mich, den du getreu befunden, Voll schonenter erbarmung siebst! 2llmächtiger! in dein gericht Gehst du mit mir erlösten nicht. 3. Der leib wird schwach, die irdsche hütte, Der glieder morfcher bau zerfällt; Schon wandeln meine müden schritte Den weg zu gott aus dieser welf. Ich bin getroft, und zage nicht; Denn gott ist selbst mein heil und licht. 4. Wie sollt ich vor dem tobe beben, Da du für mich, erlöser! starbst? Er wird durch dich der weg zum leben, Das du durch sterben mir erwarbst, Wie du ihn sahst, will ich Trostgesänge ihn sehn; Wie du, so werd ich auferstehn. 5. Laß quaal und schmerz mein grab umringen, Und mir die legten schrecken dráun; Du balsst mir, gott! die welt bezwingen, Durch dich darf ich den tod nicht scheun. So nah dem lohn, den gott vers spricht, So nah dem ziele, fink ich nicht. 6. Du wacheft über meine seele, Wenn ihre stärke sich verliert, Giebst deinem engel schon be ehle, Der sie zu deinen freuden führt, Des rodes nacht vor mir verscheucht, Und mir des lebens frone reicht. 7. Ich will dich noch im tod erheben, Noch nav am grabe preis' ich dich; Denn ewig werd' ich vor dir leben; Bie segnet dann dein antlig mich! D tod, o sterben, mein gewinn! Wohl mir, daß ich erlöset bin! Mel. Nun ruhet alle wålder. ie sanft fehn 571. Wie wir den frommen Nun bald der erd entnommen, Sich seinem ziele nahn! Wo sich des les bens freuden Vom frechen fünder scheiden, Da gehn des christen freuden an. 2. Er lächelt feinem ende, Und hebt voll dank die bånde 3u seinem vater auf. Wenn finn' und leib verderben, Lehrt der ihn fröhlich sterben, Nach einem wohlvollbrachten lauf. 427 3. Sein ruhiges gewissen Bebt nicht vor finsternissen Der bahn, die er nicht fennt; Die schreckensvollen pfade Ers leuchtet ihm die gnade Des gottes, den er vater nennt. 4. Hier fließen keine thras nen Der angst; hier ådizt kein stöhnen Der reu, die ihn zerreißt; Sein herz, zu gott erhoben, Empfängt ben trost von oben, Und fried und freud im beilgen geist. 5. Er fegnet frob die sei nen, Die um sein lager weis nen, Ermahnt und tröstet sie; Und seiner treue wegen, Ers füllt gott seinen segen, Und weichet auch von diesen nie. 6. Die engel steigen nieder, Voll froher jubellieder, Die seele zu empfahn; Er stimmt in ihre chore Anbetung, preis und ehre Dem mittler, seis nem beiland, an. 7. Laß, höchster! mich bes streben, So in der welt zu leben, Wie man dies glück erwirbt, Damit ich einst als erbe Der feligkeit, auch fter. be, Wie ein gerechter, from mer stirbt. analoling Met. Werde munter mein. eute, fprach 572. Heute mein heiland, heute, Un sein blutges kreuz erhöht, 21s ein fünder ihm zur feite Sterbend noch um gnade fleht, Heute, so bes theur ich dir, Heute noch solist du mit mir In mein paradies erhaben, Theil an meinem reiche haben! 428 Trostgesänge. 2. Theures wort aus Jesu da ich sterbe, Deine berrlichmunde! Fest versiegelt durch keit ererbe. fein blut! In der finstern toidesstunde Giebst du freus digkeit und muth. Wenn der chrift nun scheiden foll, Bleibt Gebet eines sterbenden Christen. er f efter boffnung voll, Sieht die nacbt in licht verwandelt, Weiß geniß, wohin er wandelt. Mel. Christus, der ist mein leben. Sein Jesus ist 573. Mein 3 feben, Reist schon der tod mich hin; Was soll ich ångstlich beben? Der tod ist mein gewinn! 3. Theures wort des ewgen lebens! Tröste du mein bres chered herz; Und dann ángstet nur vergebens Meinen geist der trennung schmerz. Erfinkt nicht in finsterniß; Denn wahrs haftig und gewiß Ist das wort des treuen zeugen, Hier muß jeder zweifel schweigen. 2. Wer an ihn glaubt, wird felig! Dies wort steht ewig fest. Die freuden sind unzäha lig, Die es mich hoffen läßt. 3. Drum fahr ich bin in frieden 3u dir, o Jesu Christ! Bon dir stete ungeschieden, Der du mein bruder bist. 4. Du kennest meinen glaus ben Und keine furcht, noch pein Wird mir auch nun ihn rauben; Ich bin und bleibe dein. 4. Herr! nun fühl ich ab. zuscheiden Eine beilge luft in mir. Dort sind unbefleckte freuden, Uber müh und fün. den hier. Kein auch noch so frühes grab Kürzet je mein leben ab; Es soll nur, los von beschwerden, Beitiger vers edelt werden. 5. Bald hab ich überwunden! Schon weicht die finsterniß; Denn, berr! durch deine wuns den Ist mir der sieg gewiß. 6. Durch sie bin ich gereinigt; Durch sie mit gett versöhnt, Durch sie dir fest vereinigt, Und bald mit preis gefront. 7. Wer kann dich gnug erbes ben? Du hast, sohn gottes! dich Für uns dahin gegeben; Heil mir! du auch für mich! 8. Du wolltest strafen dulden, Die ich doch auf mich lud, Du tilgtest meine schulden Ganz durch dein göttlich blut. Geheilt ist nun mein schade, Sm himmel ist mein theil. O theure hohe gnade! Dunaussprechlichs beil! 10. Erldser! sieh, ich sammle 5. Selig, furchtlos, rein von mángeln, Ja von nun an selig ist, Brüderlich begrüßt von engeln, Der im herrn entschlafne chrift! Was sein glaube je gethan, Jedes gute werk folgt dann Seiner feele von der erden, Hin vor gott fein lohn zu werden. 6. Nun auch ich, o herr! befehle, Wenn ich kaum noch lallen kann, Die durch dich 9. erlöste feele Deinen treuen hånden an. Und du, heiland! stärke mich, Rufest mir auch zu, daß ich Schon am tage, Trostgesänge. Noch meine legte kraft, Und preise tich, und flammle, Welch heil du mir verschafft. 11. Bu dir, berr! will ich flehen, So lang' ich lallen kann; Du fannst mein innres sehen, Und nimmst auch seufzer an. 12. Du ſelber hilfft mir ringen; Allmächtig hilfst du mir Ins leben durchzubringen. Bald, bald bin ich bey dir! 13. O wohl mir! ich vollende Nun bald den schweren lauf; Du nimmst in deine hände Den geist, mein heiland! auf. Sürbitte für einen Ster: benden. Mel. Herr, nicht schicke deine. 574. ter ater aller men: schenkinder! Jesus! mittler aller fünder! Jefus, der uns helfen kann, Höre unfre fürbitt' an! Uch! mit göttlichem erbarmen Komm zu hülfe dieser armen Hülfentblößten kreatur! Liebe bist du! liebe nur! 2. Laß sie nicht in angst versinken; Jesus, du, du darfst nur winken, Laß sie nicht in noth vergehn. Was du willst, 429 das muß geschehn! Heiland, arzt find deine namen! In der schwachen feele namen, Die nicht laut mehr flehen kann, Fleben wir dich, beiland! an. 3. Sen mit deiner tröstung nahe. Was kein aug' auf erben sabe, Laß fie fehn in deinem licht; Gieb ihr muth und zuversicht. Laß fie bald dein beil empfinden, Tod und schmerzen überwinden. Glauben, was dein wort verheißt; Hilf ihr, gott! durch deinen geist. 4. Reinige fie ganz von sün: den, Laß sie gnade vor dir sin den, Der du sie verföhnet hast, Nimm von ihr die schwere laf. Nimm du an des lebend ende, Mittler! sie in deine hände, Eile und erlöfe fie, Diese feet', aus aller mü' gott! schon in der prüfungs zeit, Selbst unter viel beschwerden, Wenn unser herz sich dir 5. Laß. herr! nicht zu deinen füßen Unser herz in angst zerfließen; Ach beschließe ihren lauf, Nimm die mide seele auf, auf zu dir, weg von der erde. Daß sie ewig selig wers de, Daß wir ewig uns mit ihr Freun, und selig seyn in dir. Von der Glückseligkeit des Christen. würde und Größe des ergiebt, Und treu in Jesu dienst Christen. fich übt! Wie groß wird fie einst werden, Wenn sich HerrMel. Wie schon leucht't uns der. 575.2 ie groß ist un- lich) Jenes leben Wird anheben, fre seligkeit, Wo man freuden Erntet von der faat der leiden! 2. Dwie erhaben in das recht, Das du uns giebest, dein 430 Von der Glückseligkeit des Christen. geschlecht Und freunde hier zu heißen! Bey dir ist unser vater: land; Und wer will deiner star ken hand, Ullmächtger! uns en: reißen? Wenn wir Gleich bier Müssen streiten Und zu zeiten Schwach uns finden, Hilsst du uns doch überwinden. 3. Du deckest unfre schulden zu, Schenkst unsern fees len wahre ruh, Und stårkest uns mit freuden. Dein sohn ist unser haupt und ruhm, Wir sein erkauftes eigen thum, Und schaafe seiner weide. Gutes Muthes Sind auf erden, In beschwerden Unsre seelen; Herr, was kann ben dir uns feblen? 4. Es bleiber war der hohe werth Der gnade, die uns wiederfährt, Verborgen bier auf erden; Doch wenn dereinst vor aller welt, Er, un fer haupt, gerichtstag hålt, Dann wird er sichtbar wer: den. Alsdann Sieht man Ihn mit frenen Uns beloh nen, Und mit ehren Für tie seinen uns erklären. ter! Ihr zittert, wo der from me glaubt. Mein herz hat seis nen gott zum retter, Und eine hoffnung, die nichts raubt, Ich sehe meinen heiland leben; Ich weiß, daß ich nicht ers ben kann. Ich weiß, mit dies sem fleisch umgeben, Schau ich den gott der timmel an. 2. Was seyd ibr, stolze weltbezwinger, Wenn euch die prächt'ge hoffnung fehlt? Gott achtet eure macht gerina ger, Als ihr den sklaven, den ihr quält. Wie kurze zeit, mit wie viel sorgen Genießt ihr eurer ehrsucht raub! Ihr sieget beut, man haßt euch morgen; Ihr waret götter, und send staub. 3. Was sind, weltmenschen, eure freuden? Die wollust, die euch trunfen macht? Ein chrift sollt cuer glück beneis den? Folgt es euch in des grabes nacht? For rechnet mit erhiştem blute Des fers nen tages wollust aus; Die nahe schredliche minute Tilgt euer glück auf ewig aus. 5. Wie glücklich, gott, sind 4. Jhr seyd dahin! des christen dann! Wie viel haft christen größe Geht auf, bes Um du an uns gethan! D! laß siegt die kurze nacht, uns unfre würde Vor augen tage, da gott eure bléße 3um haben jeverzeit; So tragen schauspiel aller augen macht. wir mit willigkeit Der kur: Der tag macht könige den zen leiden bürde, Herr! gieb knechten, Und bettler den Den trieb In den seelen, Dich monarchen gleich; Der tag zu wählen, und das leben giebt adel dem gerechten, Ganz zu Jefu diens zu geben. Und macht des christen seele Mel. Wie groß ist des allmächt'gen. 576. ntfernet euch, reich. 5. Ein blick in meine zus unsel'ge fpót funft treibet Verdruß und Von der Glückseligkeit des Christen. 431 angst aus meiner brust; Ein ist, Davor erschrickt niemals berz, das nicht auf erden bleis der christ. bet, Ist sich des himmels fets bewußt. Kein unglück kann mich niederschlagen. Ich weiß, mein glück entgeht mir nie; Ich darf vor feinden nicht verzagen, Ich weiß, mein tod entwaffnet sie. 6. Du, letzte slunde meines lebens, Die du dem christen beilig bist! Ich warte nicht auf dich vergebens, Sch thu, was deiner würdig ist. lehrst mein leben mich genie: ßen; Du bist mein lohn aus gottes hand. Wie sanft wird sich mein auge schließen! Mein geist erblickt sein vaterland! Du 4. Versichert, daß der herr fein retter, Daß gott ihm schild und sonne sev, Ist ihm der zorn der ercengötter, Und ihre gunst ihm einerley. Der ist des himmels schutz nicht werth, Der sterbliche als götter ehrt. 5. Verfolgt ein bittrer feind sein leben, Biebt list ihn in ihr net binein; Was kann der christ? er kann vergeben, Kann lieben, und gott ábulich seyn, kann seiner basser ticke sehn, Und für sie um erbarmung flebn. 6 Ist schmähsucht wider ibn geflissen; Wie leicht erträgt er ihren spott! Was ist sein. trost? fein gut gewissen! Wo hat er wahren ruhm? bey gott! Ein neid, der dieses glück nicht stört, Ist keiner christentbräne werth. er Mel. Wer nur den lieben gott. 577. mensch, der menschen furcht nicht kennet, Für seine tugend alles wagt. Und wenn die welt ihn bülflos nennet, Un gottes hülfe nie verzagt; Wie groß, wie liebenswürdig ist Der wahre held, der åchte christ! 2. Er bleibt geruhig, wenn von oben Des donners stimme sich erhebt, Wenn um ihn her die meere toben, und unter ihm die erde bebt; Er weiß, eh nicht der schöpfer spricht, Versehrt die kreatur ihn nicht. 3. Des höchsten wink zu widerstreben, Des hohen rufs nicht werth zu seyn. Sich fehler selber zu vergeben, Dies fürchtet er, und dies allein; Was fündern aber furchtbar 7. Gleich froh durchlebt er seine tage Im schooße der zus friedenheit, Entfernt im leid von feiger klage, Von über: muth zur guten zeit; So zeigt er stets, wie groß der christ, Wie stark der freund des höchsten ist. 8. Mein Jesu! mächtig in den schwachen! Belebe mich mit deiner fraft; Sie kann mich stark im unglück ma: chen, Sie ists, die alles in mir schafft. In ihr, herr! werd ich nicht allein Hier streiter, nein, auch sieger seyn. 432 Von der Glückseligkeit des Christen. 578. Werth der Tugend. Mel. Kommt her zu mir, spricht. ermunire, feele! dich und sey Dem gott, der dich geschaffen, treu, Mel. Wer nur den lieben gott. Und folge dem gewiſſen. Nie, 579.2enn ich ein gut glaub es, wird es gereun. Hast du, unstråflich fromm zu seyn, Aufrichtig dich beslissen. 2. Gehorch nicht deinem fleisch und blut; Gehorche gott gott meynt es gut, as er gebent, ist fegen. Er liebt uns menschen väterlich, Führt durch geduld und tugend dich Dem höchsten heil entgegen. 3. Gott theilt dir seine stårke mit; Drum gehe stets mit festem schritt Fort auf der tugend pfade. Die lust verführt, die tugend nie, Und gott, dein gott, bekrönet sie Mit namenloser gnade. 4. Laß dir die schreckensvolle pein Der fünde hell vor augen seyn, Wenn sie dich lockt zu freuden. Gott kennt den quälenden verdruß, Der auf die fünde folgen muß, Und will sie dir verleiden. gericht, und an die sieges: kronen. 1 5. Gott sieht der ewigkeiten nacht, Wo funder, die ihn hier verlacht, In tiefem jammer schmachten. Gott kennt der tugend hohen werth, Und den bat Jesus dich gelehrt; Und den willst du verachten? Glück eines guten Ge wissens.veld Wie groß ist meine feligkeit! Es ist des himmels beste gabe, Das größte glück in dieser zeit. In freud und leiden giebt es hier Die wahre ruh der seele mir. 2. Ich bebe nicht, wenn fünder beben, Daß gott gerecht und heilig ist; Mein herz giebt zeugniß meinem leben, Daß ich gewandelt, als ein christ, Des göttlichen be rufes werth, Der mich hier göttlich wandeln lehrt. 3. Getrost wag ichs, vor gott zu treten, Und ihn voll glaubensfreudigkeit, Uls meinen vater anzubeten, Der mir, was ich bedarf, verleiht, Unt jedem heil und segen giebt, Der ihn mit treuem herzen liebt. 4. Mit muth frag ich des lebens leiten, Verfolgung, låstrung, schmach und hohn; Denn des gewissens innre freuden Sind süßer, als der beste lohn, Und was kann höhern trost verleihn, Als lei den, und nicht schuldig seyn? 5. Die fröhlichkeit in meis nem herzen Verbreitet sich auf 6. Nein, wach und kämpf, mein gesicht; Ein labsal ist sie und bete du! Dein gott, dein mir in schmerzen, In finster richter schaut dir zu; Einst niß ist sie mein licht, Sie wird er dich belohnen; D! bleib macht getrost, wenn selbst ihm treu, und wante nicht; die welt Erzittert und in Denk an den tod und ans trümmern fällt. Von der Glückseligkeit des Christen. 433 5. Ich stürzte mich in jene pein, Der sünde fluch mit mir Umber zu tragen, und von ihr Stets angeklagt zu seyn? 6. Sch eile mit gesetztem schritte Des lebens letter stunde zu; Denn der verfallnen leibeshütte Zeigt sich im grabe sanfte ruh, Indem mein geist, der gott gelebt, 3u seinem ursprung sich erhebt. 7. Für meines vor'gen le: bens fünde Giebt mir mein heiland trost und muth: Ich weiß, daß ich begnad'gung finde In der versöhnung durch sein blut. Er, der für mich gelitten hat, Tilgt alle meine misfethat. 3. Welch ein erhabener ges winn, Wenn meine fünde schweigt, Wenn gottes geist felbst in mir zeugt, Daß ich ihm ähnlich bin! 6. Laß es der pflichten schwerste seyn, Daß du dich selbst bekriegft; O welche lust wird, wenn du siegst, Dich nach dem kampf erfreun! 4. Und dieses glück, und diese ruh, Den seligen gewinn, Gåb ich für luft der fünde hin? Das lasse gott nicht zu! 7. Welch hohe freude, ist man sich Mit wahrheit selbst bewußt: Ich brannte zwar von böser lust, Mit gott be schüßt' ich mich! 8. Darum, o feele! sey bes flissen, Daß unbefleckte hei: ligkeit Dir immerdar ein gut gewissen Und glaubenszuvers sicht verleiht. Und du, mein gott! regiere mich; Denn dies glück hab ich nur durch dich. Mel. Nun sich der tag geendet. 580. Hab ich ein gut augenblick. nur, Wohl mir! was fürcht ich dann? Nichts schrecklichs, zagte jedermann, St mehr in der natur. 2. Dies fey mein ruhm, dies fey mein theil, Trotz dem, der mir es raubt! Ein reines herz, das thätig glaubt; Sodann ist gott mein theil. 8. Und, o welch schreckliches gericht, Muß ich mir selbst gestehn: Dem falle konnt ich zwar entgehn, Und ich entging ihm nicht! 9. Ein reines herz nur kann im glück Den werth des glücks erhöhn, Dies, dies versüßt im wohlergehn Den frohen 10. Was ist, das deiner lei den schmerz In deinem schmerze stillt, 31 dich mit freude gar ers füllt? Ein gottgelaßnes herz. 11. Ein edles herz nur giebt dir muth, Die guter zu ver schmähn, Worauf die niedern seelen sehn, Dies herz, dies beste gut. 12. Erduldet hier der from me spott; D! der ist ruhm für ihn. Das gute thun, das böse fliehn, Schafft ruhm, den ruhm bey gott. 13. 3u gott, in seinem her zen rein, Hinauf gen himmel schaun, Und sagen: du bist mein vertraun! Welch glück kann größer seyn? Ee 434 Von der Glückseligkeit des Christen. 14. Sieh, alles um dich Will ich gottes rath verehren, her entweicht, Bald kömmt Unter keiner plage sinken, Und die letzte nacht; Und nur ein den kelch der leiden trinken. gut gewissen macht Den tod selbst süß und leicht. 4. Du hast selbst der men: schen plagen, Heiland! voll geduld ertragen, Mit dem schwersten tod gestritten, Tausendfach mein leid gelitten. Laß mich deine kraft beleben, Wenn die matten hände be ben; Laß sie mir den sieg gewähren, Trockne, trockne meine zähren. Mel. Wie groß ist des allmächt'gen. 582. Wie ie machtig spricht in meiner seele, Herr, teine stimme voller huld! Du siehst er. barmend, wenn ich fehle, Zürnst nicht, hast väterlich geduld, Schickst deinen geist, mich zu re gieren, Sprichst meinem her: zen freundlich zu, Wirst nie: mals múde, mich zu führen, So viel ich falsche tritte thu. 15. Wohl dem, der diese ruh genießt, Dem sein ge wissen sagt, Daß nichts, was ihn bey gott verklagt, Verdammlichs an ihm ist! 16. Fest steht der fromme, wenn die welt Und erd und himmel bricht, Steht felfen fest und zaget nicht; Gott ist es, der ihn hålt. Ruhe der Seele. Mel. Schmücke dich, o liebe seele. 581. Vo om geräusch der welt geschie: den, Schmeck ich des erlösers frieden. Und die freude, schon auf erden, Gott! mit dir vereint zu werden; Sehe diese welt der fünden Unter meinen füßen schwinden, Und das glück von jenem leben Den entzückten geist umgeben. 2. Gott! was bleibt der reiz von listen Ueber sie erhabnen christen? Was der glanz der citeln freuden? Was des le: bens furze leiden? Wenn sie deinen lohn erblicken, Der sie ewig wird beglücken, Und des kranzes werth empfinden, Den dort engel für sie winden? 3. Verfündigt ich mich wohl mit willen an einem gotte, 3. Nun mag elend auf mich der vergiebt? Der mir gebote stürmen; Gottes trost wird zu erfüllen Gegeben hat, weil mich beschirmen. Kurz sind er mich liebt? Der die erfüls dieses lebens pfade; Ewig lung kleinster pflichten U13 währt der lohn der gnade. eine wohlthat mir vergilt, Mit des dankes stillen zähren Und der, anstatt mich streng 2. Erbarmer deiner creaturen! Liebreicher gott der ganz zen welt, Die deiner gute reiche spuren In jedem son nenstaub enthält! Mein herz denkt nimmer so vermessen, Daß es dir, vater! trogen kann. Nie soll es undankbar vergessen, Was du zu seinem heil gethan. Von der Glückseligkeit des Christen. 435 tröstet den, der schatten sucht, Der wandrer segnet ihn. 5. Das ist der fromme! was er macht, Geråth ihm und gedeiht; Staub ist der fünder, der sein lacht, Spreu, die der wind zerstreut. zu richten, Mein herz mit trost und freud erfüllt? 4. Sein dienst ist leben meiner feele, Gehorsam meine feligkeit. Wie kindlich wein ich, wenn ich fehle, Vor ihm, dem ' vater, der verzeiht! Ich fühle jede meiner fünden, Die weder menfch noch engel büßt; Wie selig kann ichs dann empfinden, Daß Christus mein erlöser ist! 5. Den majestätischen gedanken Gåb ich für alle wel: ten nicht; Er bleibet wahr, die thronen wanken; Er blei: bet fest, die welt zerbricht. Es mögen fündigen und zit: tern, Die beuten des verders bens find! Gott wird der erde grund bebe nicht, ich bin sein kind. Irdischer Segen des Chri: sten. . Mel. Nun sich der tag geendet. ohl, wohl dem 583. menschen, der dem rath Der frevler sich entzieht, Dem menschen, der den krummen pfad Der übertreter flieht. 2. Der, wo der gottheit spotter lacht, Sich fromm und weit entfernt, Sich gottes recht zur freude macht, Und tag und nacht es lernt! 3. Er grünet, wie am bach ein baum Von seinem segen schwillt, Sich bebt, und einen weiten raum Mit seinem wipfel füllt. Er trågt, wenn seine zeit kommt, frucht, Stets unentlaubt und grün; Er 6. Der, der sich gegen gott emport, Besteht nicht im gericht; In der gemeine, die gott chrt, Bleibt der verbrecher nicht. 7. Dir, höchster! dir gefällt die bahn, Die der gerechte geht. Im zorn schaust du den fünder an; Des sünders weg vergeht. Häusliches Glück des Christen. Mel. Wer nur den lieben gott. 584. dich millen wollen Du gott! der frommen wandel liebt, Und bittenden, was sie be= gehren, Was ihnen nüßt und wohlthut, giebt; Schon oft sind wir erquickt, erhört, Von deinem thron zurückgekehrt. 2. Uns alle, die dir flehn, verbindet Des blutes und der freundschaft band, und unser dank, o gott, empfindet Die milde leitung deiner hand, Und preis't dich, ewger menschenfreund! Der uns in dieses band vereint. 3. Wohl dem, der in der ehe bunde, In fester lieb' und eintracht, lebt! Ihm wird so manche lebensstunde Mit seligkeit und lust durchwebt; Er blickt mit ruh und heiterm sinn Auf pfad und ziel der wallfahrt hin. e2 436 Von der Glückseligkeit des Christen. 4. Wohl uns, wenn from: thron die unsern kennen, Mit mer finder segen Der ehe ihnen dankend vor ihm stehn; bund noch schöner macht, Da, wo kein tod mehr tren: Wenn sie im herzen tugend nen kann, Stehn wir vereint, begen, Wenn in den blicken und beten an. unschuld lacht, Wenn sie der eltern beyspiel rührt, Und auf den weg des lebens führt! 10. Und preifen ewig gottes gute, Die unaussprechlich uns geliebt, Und dem ihm heiligen gemüthe Schon hier des hims mels vorschmack giebt, Durch freundschaft uns aur ewigkeit, Zurwonne der verklartenweiht. Ewige Belohnung des dess Christen. Mel. Wend ab deinen gorn. 5. Wohl uns, wenn unfern hausgenossen Die furcht des berrn vor augen schwebt, und jeder treu und unverdrossen Nach seiner pflicht erfüllung strebt, Wenn eintracht und zufriedenheit Ein haus zum sig des fegens weiht! 6. Denn denen, die dih 585. Men wird, o scheun und ehren, D vater! strömt den segen zu; Sie wandeln folgfam deinen leh: ren, Und traun auf dich, und fincen ruh, Und finden freu: de, deren, werth Und dauer feine zeit zerstört. nip gott, die wonne der erlösten Nach die: ses lebens furzem kampfe troffen? Wen fchmuct im himmel einst vor deinem throne Des mittlers frone? 7. 3war oft wird auch der felch der leiden Den deinen, herr! von dir gefandt; Die muß oft tod und trenning fcheiden, Die blut und treate fest verband; Oft fort des grams; des unfalls wuth, it frankheit ihren heitern mach. 8. Doch trinken sie ben feich gelassen, Den du, ihr vater, 4. Wer, was er glaubt, eingeschenkt; Du zürnst nicht ewig, kannst nicht hassen, Du, gett der feiner finder denkt, Und wenn ihr glaube stand: haft ringt, Durch leiden sie zur wonne bringt. 3. Wer deine wahrheit un ter Udams kindern Verbreitet. sie erleuchtet, und die fünder Durch thaten reizt, mit einem bessern leben Dich zu erheben. gewissenhaft auch fibet, Die menschen all als seine brüder liebet, Nicht lästert, fie nicht trántt, nicht stol; sich bláhet, Und teinen schmähet. 5. Wer finder haffet, und doch mit den sündern Mitlei den fühlet, und an deinen kindern Die gottesfurcht und 9. Mag doch des todes arm uns trennen; Wir werden einst uns wiedersehn, Bor gottes 2. Wer heilig wird, wer abgewandt' vom böfen, Sich von der sünde herrschaft låst erlösen; Wer an den sohn glaubt, feinen herrn ihn nennet, Ihn frey bekennet. Von der Glückseligkeit bes Christen. 437 3. Was feyd ihr, leiden tiefer zeit, Mir, der ich einer ewigkeit Mit rub entgegen schaue? Bald ruft mich gott, und ewiglich Belohnet und er: quickt er mich. Weil ich ihm bier vertraue. Bald, bald ver: schwindet mir mein fchmerz, Und, himmelsfreude schmeckt ihre gaben ehret, Hålt, was er schwöret. 6. Wer nicht der brüder ruhm und glück beneidet, Selbst reich, die armen sveist, die nackten fleidet, Frob, ohne wucher auch mit milden gaben Genütt zu haben. 7. Wer züchtig in gedanken, keusch auch lebet, Wer, mein herz. feiner bobeit fich nicht überz bebet, Im glücke måßig, gutig und bescheiden, Getrost in leiden. 8. Den, den wird, gott! die wonne der erlösten, Nach die: fes lebens kurzem kampfe trös sten; Den schmückt im him mel einst vor deinem throne Des mittlers krone. Mel. O ewigkeit, bu donnerwort. du 586. Mein glaub' iſt meines lebens ruh, Und führt mich deinem himmel zu, D du, an den ich glaube! Uch! gieb mir, berr! beständigkeit, Daß die fen trost der sterblichkeit Nichts meiner feele raube. Tief pråg es meinem herzen ein, Welch heil es ist, ein chrift zu seyn! 2. Du hast dem sterblichen geschlecht Zu teiner ewigkeit fein recht Durch deinen tod erworben. Nun bin ich nicht mebr asch' und staub, Nicht mehr des todes ew'ger raub; Du bist für mich gestorben! Mir, der ich dein erlöster bin. Ist dieses leibes tod gewinn. 4. Bin ich gleich schwach, fo trag ich doch nicht mehr. der fünde schmachvoll joch In meinem lauf auf erden. Die tugend ist mie süße pflicht; Doch fühl ich es, ich bin noch nicht, Was ich dereinst foll werden. Mein troft ist ties: gott hat geduld, Und straft mich nicht nach meiner schuld. 5. Der du den tob für mich bezwangst, Du hast mich, mittler! aus der angſt. In der ich lag, geriffen. Dir, die verdank ich meine ruh, Du heiltest meine wunden zu, Du stilltest mein gewissen, Und fall ich noch in meinem lauf, Go richtest du mich wieder auf. 6. Gelobt fey gott! ich bin ein christ, Und seine gnad und wahrheit ist Un mir auch nicht vergebens. Ich wacht' in meiner heiligung, Ich spüre täglich besserung Des herzens und des lebens, Ich fübie, daß des geistes kraft Den neuen menschen in mir schafft. 7. Dank dir, o vater, dank und ruhm! Du lehrtest mich das christenthum Fest glau: Neujahrsgesänge. 438 ben, willig üben. Dir, gott, mein lehrer, lob und preis! Ich lieb es immer noch, und weiß, Ich werd es ewig lies Vierte Abtheilung. Auf besondere Zeiten, Umstände und Personen. ben. Jegt und mein künftig leben lang Bring ich dir, höchster! preis und dank. Neujahrsgefange. Mel. Herr, ich habe mißgehandelt. dem geliebten, Mich aufs neu 587. ilf, herr Jesu! zum kinde an. laß gelingen, vater! nicht verderben, Nicht Hilf! ein neues jahr geht an. mich ohne bess'rung sterben. Laß es neue kräfte bringen, Daß aufs neu ich wandeln kann; Neues heil und neues leben Wollst du mir in gnaben geben. 5. Herr! du wollst mit gnade geben, Daß dies jahr mir heilig sey, Und ich christlich könne leben, Ohne falsch, ohn' heucheley; Daß ich fromm allhier auf erden, Und dort selig moge werden. 6. Laß mich deine gnade ziehen Auf den weg zur from migkeit, Reiz zur funde laß mich fliehen, Wachsam seyn zu jeder zeit; Laß mich alle laster meiden, und im freuz geduldig leiden. 7. Was ich denke, red' und thue, Das gescheh mit dir allein, Wenn ich wache, wenn ich ruhe, Wollest du, herr! bey mir seyn; Im beruf wollst du mich leiten, Und mit fegen mich begleiten. 8. Wenn ich leide, mich betrübe, Und voll angst und zagen bin, D, dann tröste, 2. Dankbar beug ich meine knie, Gott! vor dir, daß deine hand Gnad und wohlthat, spåt und frühe Liebreich mir hat zugewandt. Mein gebet, mein dank, mein flehen, Muß, herr! deis nen ruhm erhöhen. 3. Laß dies seyn ein jahr der gnaden. Hilf, daß ich für meine sünd', Womit ich bin bart beladen, Heute noch verzeihung find'. Gott! du kannst, du willst verzeis hen, und zur beßrung kraft verleihen. 4. Båble los mich hochbetrübten, Sieh nicht an, was ich gethan; Nimm in Jesu, 439 Du, du kannst in gefahren Auch fünftig uns bewahren. 8. O! stårk uns, voll vertrauen Hinauf zu dir zu schauen, Mit festem muth im leiden, Und dankerfüllt in freuden. 9. Leit uns mit mildem segen Auf allen unsern wegen; Laß großen und laß kleinen Dein licht der gnade scheinen. 10. Gieb, vater! allen denen, Die sich nach hülfe sehnen, Ein das Mel. Nun laßt uns gott den. Dommt, laßt 588. Komfort uns und klagend nie verschuldet. gott treten, Ihn kindlich anzubeten! Sein arm hat unserm leben Bis hieher kraft gege: ben. Neujahrsgesänge. gott der liebe! Mein gebeugtes berz und sinn, Und wenn sünd und tod mich schrecken, Laß mich deine gnade decken. 9. Jesu! laß mich fröhlich enden Dieses angefangne jahr; Trage mich auf deinen hånden, Bleibe bey mir in gefahr. Freudig will ich dich umfassen, Wenn ich soll die welt verlassen. 2. Wir erdenpilger wan dern Von einem jahr zum andern; Die schnelle flucht der stunden Wird kaum von uns empfunden. 3. Und diese unsre tage Erschwert uns manche plage; Wir gehn auf prüfungswe: gen Der ewigkeit entgegen. 4. Doch gott liebt uns als finder, Er tilgt die schuld der fünder, Und trågt uns voll erbarmen Auf seinen vaterarmen. 5. Auf allen unsern wegen Hat gnade, heil und segen Sich jeden tag erneuet, Und unser berz erfreuet. 11. Verfüß durch deine freuden Den herben kelch der leiden, Und laß, wo thrånen fließen, Sich deinen troft ergießen. 12. Sey der verlaßnen va: ter, Den irrenden ein rather. Der unversorgten gabe, Der armen gut und habe. 13. Hilf gnädig allen kranfen, Gieb fröhliche gedanken Den tiefgebeugten feelen, Die sich mit schwermuth quälen. 7. Dir, hüter unsers lebens, Dir traun wir nie vergebens; 14. Und endlich, was das meiste, Füll uns mit deinem geiste, Der uns hier selig leite, Žum himmel uns bereite. 15. Dies wollest du uns geben, Du, herr von unserm leben! So werden wir in se gen Dies jahr zurücke legen. 6. Im surm gehäufter pla: gen, In trauervollen tagen, Met. Allein gott in der höh sey. Im schauder dunkler nächte 589. Gott schuf die Beschützt uns seine rechte. sonne und den mond, Die zeiten abzutheilen. Er macht es, daß man sicher wohnt, Er heißt 440 Neujahrsgesänge. die zeiten eilen. Er ordnet bey uns sey; Dies, lieber jahre, tag und nacht, Der vater! dies verleih In Christo, gott der ordnung und der deinem sohne.. macht; Shm laßt uns dank mel. Es ist das heil uns kommen. u, gott! du theile herr, der da ist und 590.Dbiber berr der da war! Von dankerfüllten zungen Sev dir für das verflossne jahr Ein heilig lied gefungen; Für leben, wohl fahrt, trost und rath, Für fried und ruh, für jede that, Die uns durch dich gelungen. 3. Laß auch dies jahr ge segnet seyn, Das du uns neu gegeben. Verleih uns kraft, die kraft ist dein, In deiner furcht zu leben. Du schützest uns, und du vermehrst Der menschen glück, wenn sie zuerst Nach deinem reiche streben. 4. Gieb mir, wofern es dir gefällt, Des lebens rub und freuden; Doch schadet mir das glück der welt, So gieb mir kreuz und leiden. Nur stärke mit geduld mein herz, Und laß mich nicht in noth und schmerz Die glücklichen beneiden. 5. Hilf deinem volke våterlich In diesem jahre wieder. Erbarme der verlaßnen dich, Und der bedrängten glieder. Gieb glück zu jeder guten that, Und laß dich, gott! mit heil und rath, Auf unfern- fürsten nieder. 6. Daß weisheit und gerechtigkeit Auf seinem stuble throne, Daß tugend und zufriedenheit In unserm lande wohne, Daß treu und liebe der zeit, Und auch der ewigkeiten. Laß mich auch jetzt mit freudigkeit Dein hohes lob verbreiten. Ein jahr ist abermal dahin; Wem dank ichs, gott! daß ich noch bin? Nur deiner gnad und güte. 2. Dich, ewiger, dich bet ich an, Unwandelbares we sen, Dich, den kein wechsel treffen kann! Wir werden, find gewesen, Wir blühen und vergehn durch dich; Nur du bist unveränderlich, Du warst, und bist, und bleibest. 3. Herr! ewig währet deine treu, Mit huld uns zu begeg nen, Und jeden morgen wird sie neu, Mit wohlthun uns zu segnen. Ich kenne feinen augenblick, Da nicht von ihr stets neues glück Mir zugeflossen wäre. 4. Du hast auch im verfloßnen jahr Mich väterlich gelei: tet, Und wenn mein herz voll sorgen war, Mir hulf und trost bereitet. Von ganzer seele preif' ich dich. Aufs neue übergeb ich mich, Gott! deiner weisen führung. 5. Bergieb mir die gehäuste schuld Von den verflossnen ta gen, Und laß mich deine va terhuld In Christo ferner tra gen. Laß mich in deiner gna de ruhn, Und lehre lebens Neujahrsgesänge. 441 der nacht, Ein jahr erzählt dem nächsten jahre Die großen wunder deiner macht. Dein thron, o gott! bleibt ewig ste hen, Du bleibst derfelbe; wir vergeben. Wie schnell versirdmet unsre zeit! Schon wieder ist ein jahr vom leben, Das deine gnade uns gegeben, Im abgrund der vergånglichkeit. 3. Kommt! dies sey, uns ein tag des bundes! Dem frommen bunde bleibet treu, Und den gelübden unsers mundes Stimm' unverstellt das herz auch bey. O land! gelobe, gott zu dienen, Und du wirst wie ein garten grünen, Den er sich selbst gepflanzet bat. Nur wandelt treu auf seinen wegen; Und aus der fülle seiner segen Macht uns dann seine gnade satt. 4. Gott! schau herab von deinen höhen, Du, der du deine menschen liebst! Erböre. unser findlich slehen, Weil du uns gerne gutées giebst. So fåttge dann mit langem Mel. Wie wohl ist mir, o freund. Herr err, den die 591. He sonnen und leben, Den du zum vater die erden Durch ihren bau voll pracht erhöhn. Durch dessen machtwort welten werden, Und welten wieder un tergebn! Herr, den durch fro: he lobgesänge Der creaturen ganze menge Und aller zeiten lauf erhob! Der engel chóre nachzuahmen, Lallt unsre freude deinen namen, Und unsern mund erfüllt dein lob. uns gegeben; Befest'qe unsers fürsten thron. Und segne ihn mit holden blicken, Lehr du ihn selbst das land beglücken, Und sey sein heil, sein schuß und lohn. 5. Tritt den gewaltigen zur feite, Die um den thron des fürsten stehn, Daß ihren anschlag glück begleite. Und sie des polfes wohl erhöhn. Auf alles, was den staat kann bauen, Laß sie mit wahrer lang mich thun Nach deinem wohlgefallen. 6. Gieb neue lust und neue fraft Vor dir gerecht zu wan: deln, Laß mich, herr, stets gewissenhaft Mit mir und andern handeln. Dein geift belebe herz und muth, Dich, o du allerhöchstes gut! Und nicht die welt zu lieben. 7. Die welt vergeht; dies reize mich Die lust der welt zu fliehen; Um bes're freuden müsse sich Mein geist schon jetzt bemühen. Den engeln bin ich ja verwandt, Im hímmel ist mein vaterland; Da hin, berr! laß mich trachten. 8. D! lehre selbst mich meine zeit Recht weislich auszutau: fen, Laß mich die bahn zur ewigkeit mit heilger vorsicht laufen; Der tage last er leichtre mir, Bis meine rube einst bey dir Kein wechsel weiter störet. A 2. Wie deine kraft die welt bewahre, Verkündiget der tag Neujahrsgesänge. 442 forgfalt schauen, Sie, die des fürsten auge sind; Der unschuld flehn, des lands be: gehren, Laß sie mit wahrer sorg 592.W falt bören, Sie, die das ohr des fürsten sind. 6. Erfüll mit eifer unsre lehrer Für deiner lehre lauter keit, Daß einst die spätesten verehrer Noch dein wohlthå: tig wort erfreut. Hilf ihnen, herr, daß ihre lehren Nie ohne früchte wiederkehren, Wir ganz der gottesfurcht uns weihn. Laß deinen segen auf uns fließen, Denn wenn sie pflanzen und begießen, So kömmt von dir nur das gedeihn. 7. Den obrigkeiten dieses landes Steh in den schweren pflichten bey, wohlfahrt jeden standes, Und jedes fleiß durch sie gedeih. Bild' auch das herz der zar ten jugend, Gieb, gott! daß weisheit, fleiß und tugend In allen unsern schulen blüh. Des landes hoffnung laß ge. rathen, Daß man dort bur: ger unsern staaten, Dem himmel christen auferzieh. Ach! keinen laß sein heil verscherzen, Und mache du die thoren flug. Gieb trost und traft bebrángten herzen, Und unsern armen brod genug. Dies unser flehu sey ja und amen In Jesu: denn in Jesu namen Giebst du, was unser herz begehrt. Auch dies jahr segne, dir zum preife, O va: ter! auch an uns beweise, Du feyst es, der gebet erhört. Prüfung beym Anfange und Schlusse des Jahrs. Mel. Alle menschen müssen sterben. 592. W verschwunden! Ach! es kommt nicht mehr zurück! Mehr als achtmal tausend stunden Schwanden, wie ein augenblick. Flohn zugleich auch meine sünden? Nein, die werd ich wieder finden, Wenn der richter aller welt Einst vor seinen thron mich stellt. 2. Wort', gedanken, tha: tenheere! Ach! dürst ihr das licht nicht scheun? Wenn ich nun gestorben wäre, Wo würd' meine seele seyn? War' ich jetzt fern von den fündern? Stånd' ich jetzt bey Damit die gottes kindern, Ganz von seiner lieb entflammt? Oder war ich jegt verdammt? 3. Hab' ich den, der leben giebet, Niemals undankbar betrübt? Und den gott, der mich geliebet, Hab' ich redlich ihn geliebt? Lebt' ich fromm nach seinem willen, Deffentlich und fromm im stillen? War vor seinem angesicht Ich ein benspiel jeder pflicht? 4. Wie?-darf ichs zu den ken wagen, Wår ich reif zur ewigkeit? Was würd' mein ge wissen sagen, Rief gottmir: du stirbst noch heut? Könnt ich froh vor ihm erscheinen? Hätt' ich nichts mehr zu beweinen? Ift, o heiligster! vor dir keine sünde mehr in mir? 5. Vater! du kennst meine funden! Viel sind ihrer dieses Neujahrsgesänge. jahr. Uch, mit schaam muß ich empfinden, Wie so oft ich treulos war. Vater! es ist lauter gnade, Wenn du auf des lebens pfade Nur noch ein, ein jahr mir schenkst, Und mein herz zum guten lenkst. 6. Nur noch ein jahr, gott, auf erden! Noch droht mir der sünden schuld. Ich muß, ich will frömmer werden; Schone, trage noch geduld. Kaum, auch kaum darf ich es denken! Doch du kannst noch gnade schenken, Wenn, der dein gebot entweiht, Herzlich seine schuld bereut. 443 ich hören, Frey zum gotteshause gehn, Deffentlich ihn da verehren, Neue gnaden mir erflehn. Oft empfand ich seine liebe, Oft erwachten neue triebe, Fromm zu seyn, in meiner brust, Ihn zu lieben neue lust. 7. Wie so manchen heitern morgen Sah ich dieses jahr gesund! Wie oft aß, befreyt von sorgen, Speisen, die gott gab, mein mund! Wie viel schreckliche gefahren hat, wenn tausend elend waren, Seine treue vaterhand Lieb: reich von mir abgewandt! 8. Gottes wahrheit konnt 9. Mußt ich auch in schmerzen ringen, D! so hielt mich seine hand; Bald konnt ich ihm froh lobsingen, Weil ich wieder hülfe fand. Gott! dir danket mein gemüthe, Des muthsvoll preis' ich die gute, Die kein undank mindern kann; Dich bet' ich im staube an. 10. Ach, verzeih! ach schenk erbarmen, Denke meines uns danks nicht! Seig dem reuenden und armen. Der dich sucht, dein angesicht! Dir nur will ich künftig leben, Eifrig will ich mich bestreben, Deinem dienst mich ganz zu weihn, Und binfort ein christ zu seyn. Am Reformationsfeste. Mel. Durch Adams fall ist ganz. acht't, Nur bloß auf Jesum 593. Sherri bein schauet. seligmachend wort Ist lang verdunkelt blie: ben. Es ward vorhin an je: dem ort Nur menschentand getrieben, Der glaubenskraft ward nicht gedacht, Durch die man dir vertrauet, Und allen andern trost nicht 2. Die heilgen wurden immerdar 3ur fürbitt hergezählet, Verehrt, und endlich auch sogar 3u helfern auserwählet; Da du doch, gott! der belfer bist Im himmel und auf erden, Der nur im namen Jesu Christ Will angerufen werden. Am Reformationsfeste. 444 3. Die werke, die man da befahl, Hatt' eigenwit er funden, Der aberglaube ward zumal Den herzen eingebun den; Was aber du geboten hast, Das war nicht noth zu wissen, War man nur sonst die menschenlast 3u tragen recht beflissen. 4. Dies einzuführen ist die lift Bornehmlich die gewesen: Dein wort, das unsre richtschnur ist, Hat man nicht dürfen lesen. Und da wars leicht, zur blinden zeit, Ge müther zu betrügen; Sie wußten nicht den unterschied Der wahrheit und der lügen. 5. Da wurde denn nach eignem sinn Ein gottesdienst erdichtet, Den man. aus geiz, nur auf gewinn Und heucheley gerichtet. Des höchsten wort blieb unbekannt, Man konnt' es selten hören; So mußte sich der menschentand Fast täglich noch vermehren. 6. Und wenn man gleich das schwere joch Durch lan ge zeit getragen, So zweifelten die herzen doch, Und konnte niemand sagen, Ob er damit genug gethan, Den himmel zu erwerben; Und trat die lehte noth heran, Mußt er im zweifel sterben. 7. Herr! dir sey dank gebracht, daß wir Zur wahr heit sind gekommen, Und deines wortes licht uns hier Der blindheit hat entnommen. Wir wissen, wer auf Christum. traut, Erlanget heil und leben; Denn wenn er gläubig auf ihn schaut, Wird ihm die schuld vergeben. 8. Dann thut der mensch, auf gottes rath, Und durch des geistes stärke, Was gott ihm anbefohlen hat, Als rechte gute werke; Daß er sich in bescheidenheit, Geduld, treu, demuth, übet, Voll keuschheit, friede, freudigkeit, Gott und den nächsten liebet. 9. So viel fagt uns des herren mund, Wobey wir feste bleiben; Wir lassen uns von diesem grund Durch keinen menschen treiben. Nun wird von uns die große gut, Die gott an uns erwiesen, Allzeit mit dankbarem gemüth Erkannt und hochgepriesen. 10. Herr! eile und bekehre noch, Die in der irre geben. Wach auf, zerbrich und stürze doch, Die dir entgegen ste hen. Laß nichts bein feligmachend wort Und seinen fort gang bindern; Erbalt und fchenk es, fert und fort, Nach uns auch unsern kindern. An öffentlichen Bußtagen. Mel. Herzlich lieb hab ich dich. flucht ist! Gott unfer mitt Du 594. ¹ u gott, ber ler, Sefu Chrift! Gott heil unsre zu ger geist der gnaden! Unend An öffentlichen Bußtagen. 445 licher! verwirf uns nicht. erde kam, Und unsre schwacha Wir kommen vor dein ange: ficht Mit missethat beladen; Nimm von uns unsre sünden schuld, Du gott der langmuth und geduld! Und merk auf unsér heißes slehn, Daß wir dein heil, erbarmer! sehn. Herr, unser gott! Berbirg vns nicht Dein angesicht, Und geh mit uns nicht ins gericht. 2. Wir haben unsern bund entweibt, Gebrochen unsern theuren eid, Und deinen weg verlassen; Doch sieb, wir kehren voller reu, Zurück zu dir; o! laß aufs neu Uns deis ne rechte fassen: Laß sie uns leiten auf denpfad. Den dein befehl geheiligt hat, Daß irrthum und versuchung nie Uns auf die bahn des lasters zieb. Herr, unser gott! Vor ungeduld, Vor aller schuld Behut uns deine vaterhuld. 3 Dein antlig leucht auf unser land, Rings um be: deckt von deiner hand, Laß es der rub genießen. Wend' ab von uns, mit deiner hut Der flammen grimm, den zorn der sluth, Des krieges blutvergießen. Eey rettend mit uns, wenn die noth Des mangels und ter seuchen droht, Und schütz uns, nicht ihr raub zu seyn; Laß sicher heit das land erfreun. Herr, unser gott! Das land ist dein; D! laß gedeihn Und sicherheit das land erfreun. 4. Sohn gottes, der zur heit auf sich nahm, Um gott uns zu versöhnen, Der durch den tod ins leben drang, Sich dann zur rechten gottes schwang, Wo ehr und preis dich krönen! Vertritt, o mittLer! uns bey gott, Durch deine leiden, deinen tod. Stárk uns in unsrer prüfung lauf, Und wenn wir straucheln, hilf uns auf. Herr, unser gott! Dein trost, dein licht Verlaß uns nicht m tod, im grab, im weltgericht. 5. Schüß uns vor irrthum und gefahr. Erhalte deiner frommen schaar Der glau benseintracht segen; Uns leite, gott! dein guter geist, Und was dein wort verspricht und heißt, Sen licht auf un sern wegen. Laß auch in lehr und wandel rein Die diener deines wortes seyn, Und bringe zu der wahrheit glück, Zu dir die irrenden zurück. Herr, unser gott! Breit aus dein wort Un jedem ort, Gieb geist und kraft zu deinem wort. 6. Auch die regenten lenke du, Daß sie durch weisheit und durch ruh Der lånder wohlstand heben. Dem für: sten, der uns schüßt und liebt, Gieb, der in ihm so viel uns giebt, Das beste, ſpåtste le= ben. Noch lange sey sein vaterblick Uns, seinen kindern, schutz und glück; O! schütt' auf ihn und auf sein haus, Und seine råthe fegnung aus; Herr, unser gott! In deiner 446 In allgemeinen Nöthen hand Ist unser land; Be- 8. Du thuft weit mehr, als glück es, segne jeden stand. wir verstehn, Kannst mehr ge 7. Bernimm der leidenden gebet; Wer in gefahr und noth dir fleht, Dem bilf aus seinen nöthen. Gieb Franken lindes rung und ruh, Die sterbenden erlöse du, Erhör ihr letztes beten. Sey aller unterdrück: ten heil, Der wittwen und der waisen theil; Bereitle der verfolger rath, Und lehre sie den rechten pfad. Herr, unser gott! Durch alles leid Der pilgerzeit Führ uns zu dei ner herrlichkeit. währen, als wir flehn; Laß uns erhörung finden. D! neig' auf unser flehn dein ohr, Heb unser herz zu dir empor, Und mach uns rein von sünden. Laß uns nun ganz dein eigen seyn, Im leben und im tode dein; Wir sind durch Christi blut erlöst. D du, der fünder nicht verstößt, Herr, unser gott! Erbarme dich! Erbar me dich! Bergieb uns, leit uns väterlich. ( Siehe auch Nr. 387 und 394.) In allgemeinen Nöthen und öffentlichen Trubsalen. Mel. Un wasserflüssen Babylon. u råcher, gott, 595. wie schrecklich drohn Uns deines zornes flam: men! Sie drohn nicht mehr, fie schlagen schon Hoch über uns zusammen! Du trugst uns lange mit geduld, 3u groß, zu schwer ward unsre schuld, Du bist des schonens müde! Nun lagert deiner strafen heer, gott! sich furchtbar um uns her, Und in uns ist kein friede. sprechen. Die zahl der heilis gen wird klein; Dir glauben, das muß thorheit seyn, Dich fürchten, ein verbrechen. 3. Wie fluthen, die dein zorn gesandt, Die saaten zu zer, nichten, So stromen laster hin ins land Mit allen ihren früchten. Nicht schüchtern, mit verhülltem haupt, Nein, frech, gebietrisch und erlaubt, Tritt sie einher, die sünde, Und zweifelt nicht, und ist gewiß, Daß jedes werk der finsterniß Lob und belohnung finde. 2. Die freche thorheit, dei nen sohn, Den mittler, nicht zu ehren, Erhebt sich stolz und spricht dir hohn, Und ruft: wer will mirs wehren? Vom throne bis zur hutte zieht Sie alles hin in ihr gebiet, Låßt sich nicht wider: sie, und sie fühlens nicht, 4. Du aber sprichst: nun ist es zeit 3u strafen, die mich bassen; Der fünde schmach und schädlichkeit Will ich sie fühlen lassen. Du gehst mit ih nen ins gericht, Du schlägst und öffentlichen Trübfalen. 447 Und wollen es nicht fühlen. bewohnen. Sie, die den dienst Sie tragen ihrer laster schmach, Und geben darum doch nicht nach, Und wollen es nicht fühlen. der sünde flohn, Dir standhaft folgten, gottes sohn, Sie rett' aus dem verderben; Errette sie zur bösen zeit, Und laß sie einst mit freudigkeit In deinem namen sterben. 5. Wie lange, råcher, wer: den sie Selbst deinen zorn nicht achten? Wird der ge: strafte sünder nie Nach deiner gnade schmachten? Kannst du, Mel. O gott, du frommer gott. vor dem die hölle bebt, Bor 596. Wie gnädig welchem zittert, was da tebt, Und sturm und abgrund schweigen, Kannst du, du allgewaltiger! Du gnädigster! du schrecklichster! Nicht men: schenherzen beugen? 6. Du bist die liebe! wende dich Zu ihnen, deinen findern. Vielleicht beweis't dein wohlthun fich Noch mächtig an den fündern; Vielleicht läßt sich ihr stolzes herz, Unbiegfam gegen quaal und schmerz, Durch dein erbarmen rühren; Bereuet seine missethat, Läßt dich, der es begnadigt hat, Sich und sein thun regieren. 7. Doch mußt du strafen, so gescheh, Herr, unser gott! dein wille. Du, erdkreis! volker! könige! Erzittert, wer det stille. Gott zürnet, der das meer erregt, Und felfen in den abgrund schlägt, Und aus den wolken blihet; Er, er verzehrt durch seinen hauch Den stolzen fünder, wenn er auch Auf einem throne siget, 8. O du gerechte vaterhand! Du wollst der frommen schonen, Die dann das sünden volle land, Das du so strafft, warst du, gott, Vor alters deinem lande! Wie halfst du ihm, wie oft Zerbrachst du unsre bande! Und schonteft deines volks Mit väterlicher huld, Vergabst die missethat, Be: decktest seine schuld! 2. Dein strenger zorn ers losch Mit allen seinen flams men, Sobald es sich ents schloß. Die sünde zu verdammen. Die menschen fündigen; Du bleibst dir immer gleich, Gerecht und heilig stets, Und stets an gnade reich. 3. Hilf, hilf uns, unser gott! Laß wegen unsrer fün: den Uns deine rache nicht, Herr, unser heil! empfinden. Wie schrecklich ist dein grimm! Ach soll er ewig glühn? Und willst du deine huld Auf ewig uns entziehn? 4. Wann kehrt zu uns zus rück Dein trost, o gott! dein segen, Daß wir, dein erba theil, uns In dir erfreuen mögen? D laß uns leben, gott! Laß uns dein antlig sehn! Sey gnådig, hilf uns aus, Hilf, ehe wir vergehn! 5. Jedoch, ich hör uns schon 448 In allgemeinen Nöthen Den gott des trostes trösten; tranen, zu, Durch den, der Heil giebt er seinem volk, unser mittler ist, Durch unUnd ruhe den erlösten, Die fern heiland, Jesum Christ. er erwählet hat, Wenn wir nur heilig sind, Und unsre seele nicht Die thorheit lieb gewinnt. 6. Geschwinde naht sein heil Sich seinen frommen knechten, Und gottes ehre wohnt Im lande der gerechten. Barmherzigkeit und treu Umfahn sich schwesterlich, Gerechtigkeit und fried' Umfahn und küssen sich. 7. Der herr begnadigt uns; Das land bringt seine früchte, Und seine huld geht her Vor ſeinem angesichte, Verbreitet glück und heil Auf gottes ei: Mel. Wenn wir in höchsten nöthen. genthum, Und Israel froh: 598. Ni berr! wir flehn imm von uns, lockt, und bringt ihm preis und ruhm. dich an, Du, der allein uns helfen kann, Nimm von uns, berr! der strafe laft, Die du uns auferleget hast. Mel. Wenn wir in höchsten nöthen. ehn wir nur 597. trübfal um uns her, Und wissen keinen ausgang mehr, Und finden weder schuß noch rath, Ob wir auch sorgen früh und spat; 2. Dann ist es unser trost allein, Daß wir uns deiner noch erfreun, Und fliehn zu dir, du freuer gott! Du einz: ger helfer in der noth! 3. Wir beben unfer aug' und herz Hinauf zu dir in unserm schmerz, Und flehn dich um begnadigung Und aller strafen linderung. 4. Nach deiner gnade faz gest du Dies allen, die die 5. Dir, unserm vater, un ferm gott, Dir klagen wir all unsre noth. Ach! deine va teraugen fehn, Wie so vers lassen wir da stehn. 6. Nur du bist unsre zu: versicht! Vergilt nach unsrer schuld uns nicht; Steh uns um Chrifti willen bey, Und mach uns aller plagen frey. 7. Dann danken und lob fingen wir mit freuderfültem herzen dir; Gehorsam deinem theuren wort, Herr! preisen wir dich hier und dort. 2. Herr! unfrer schulden zabt ist groß, Wer wird die böse neigung los? Wer ists, der feine fünden zählt? Wer weiß es, herr! wie oft er fehlt? 3. Nicht schwachheit nur, ach! miffethat Ifts, die uns, herr! geschieden hat. Oft ta: bèn wir der menschheit werth, Dein göttlich ebenbild, entehrt. 4. Doch laß vor uns vor übergehn, Die über unserm haupte stehn, Die strafgerichte, die uns drohn, Und gieb uns nicht verdienten lohn. 5. Hörst du nicht uns, hor Jesum Christ, Der unser mitta und öffentlichen Trübfalen. 449 6. O geiſt der gnad und des gebets! Behût uns heut, behút uns stets. Laß sünden uns nicht mehr entweihn, Behutsam unsern wandel seyn. 7. Strom deinen segen, herr! ins land; Es leit uns 3. Nicht flagen will ich, deine treue hand. Gieb allen frieden und gedeihn, Hör nie auf, unser schutz zu seyn. 2. Ich aber darf auf dich allein Mit ganzer feele trauen, Wie finster auch die zeiten seyn, Darf dennoch mir nicht grauen. Ich kenne dich, Und weiß, daß ich Nach deinen rechten frage, Weiß, deine treu Wird täglich neu, Und sorgt für meine tage. 8. Entzieh uns deines wor: tes licht, Der seele troft und hoffnung nicht; Es ist das licht, das uns die nacht Des pilgerlebens belle macht. gott! vor dir, Nicht weinend zu dir treten; Mit zuversicht, die giebst du mir, Mit freuden will ich beten. Dein angesicht Berbirgt sich nicht Vor denen, die dich ehren; Du merkst auf sie, Verwirfft sie 9. Und fährt dein zern zu nie, Und eilst, ſie zu erhören. strafen fort, So schone, gott! nur unsrer dort, Und gebe, vater! gehe nicht mit deinen fnechten ins gericht. 4. Du wollst mich in der bösen zeit Mit deinem schilde decken; Mich setze, gott! in sicherheit Vor allen ihren schrecken. Mich treffe nicht Dein zorngericht; Du wollest meiner schonen. Bey taus senden, Die untergebn, Laß unversehrt mich wohnen. ( Siehe auch Nr. 281.) Trost des Frommen in traurigen Zeiten. Mel. Was mein gott will, gescheh. 599. ler war und ist, und laß noch stehen diefes jahr Den baum, der ohne früchte war. nen, die nicht, gott! Nach deinen rechten fra gen, Die müssen in der zeit der noth Mit banger seele klagen. Beklemmt von schmerz Berzagt ihr herz, Und findet keinen ret ter; Denn du bist nicht Die zuversicht Der sünder und der ſpotter. 5 Gott! hilf mir, daß ich immer bier Ein göttlich leben führe, Und meine freudigkeit zu dir Durch sünden nicht verliere. Der finder schmach Folgt ihnen nach, Du zurnest, und sie zittern; Doch mich wird nie, Dein zorn. wie sie, Wenn du sie strafft, erschüttern. In Kriegeszeiten. Mel. Wer nur den lieben gott. ter Jeht über unser haupt 600.& zieht, o gott! daher. Bist du nicht unser ein kriegeswet schug und retter, So ist die 450 In Kriegeszeiten. plage uns zu schwer. Sieh, 7. Doch findet, herr! dein wie die fürsten sich entzweyn. Und sich zu unterdrücken traun! 2. O, laß uns hier allein, o vater! Auf dich und deine vorsicht schaun, Auf dich, den besten freund und rather, Und nicht auf menschenhülfe baun, Die, gott! uns ohne dich nichts nust. Und nur durch weiser wille Noch ferner züch. tigung uns gut; Wohlan, wir schweigen und sind stille Bey dem, was deine vorsicht thut. Laß uns nur deiner plagen noth 3ur beff'rung leiten, macht'ger gott! st motions 8. Nicht zu verderben, nein mit maaßen Treff' uns dann auch dein strafgericht. Du dich uns kräftig schüßt. kannst, du wirst uns nicht 3. Kein blinder zufall herrscht auf erden; Du bist es, der die welt regiert. Laß uns der feinde fpott nicht werden, Die stolz und neid zu uns geführt. Send böse, verlassen: Nein, vater! nein, das thust du nicht! Erbarmend rette deine hand Auch uns und unser vaterland. Mel. Uch gott, vom himmel sieh. völker! rüstet euch! Deckst du 601. 2 gott! wir tres ten vor uns, gott! fo fehlt ihr streich. 4. Die allerfeinsten krieges listen Bereitelt leicht dein weiser rath. Nie wird ein feind ein land verwüsten, Das dich, gott! zum beschů ber hat. Mit dir hat oft die kleinste macht Ein großes heer zur flucht gebracht. 5. Dem feinde hilft nicht große menge, Dem riesen hilft nicht seine kraft; Der roff' und wagen stark gedrange Ists nicht, was völkern sieg verschafft. Der stolze traut dara auf zwar gern; Allein der fieg fommt nur vom herrn. 6. Wir werfen uns in deine arme, Du vater der barmher: zigkeit! Und beten voll ver traun: erbarme, Erbarme dich zur schweren zeit! O merke, mert auf unser flehn, Laß gnade noch für recht ergehn! dich Mit traurigem gemütbe, Und unser herz seufzt ångstiglich, Rett uns durch deine gute, Schau, wie jetzt noth und kriegsgefahr Uns bart umringt, und uns sogar Zod und verderben drohet. 2. Gedenke, vater! jetzt nicht mehr, Daß wirs verdienet haben; Gedenke nicht, daß wir so sehr Die uns verliehs nen gaben Entehret, und so lange zeit, 3ur wolluft, pracht und üppigkeit Sie undankbar gemißbraucht. 3. Wie oft ist unser nes benchrist Gedrückt, wie oft betrogen, Durch schein des rechts, gewalt und list, Das seine ihm entzogen! Jest, råcher! ist dein zorn ents brannt, Die fünde, die wir nicht erkannt, Wird öffentlich geahndet. In Kriegeszeiten. 451 4. Doch, herr! verzeih die schanden werden Die, so in missethat, Um Jesu Christi willen, Er, der für uns gelitten hat, kann deinen zorn nur stillen. Ach! er, der una fre fünde trågt, Die du ihm. felbst haft auferlegt, hat uns ja dir versöhnet. ihren nöthen und beschwerden Bey tag und nacht auf deine gute sehen, Und zu dir flehen. 2. Mach alle die zu schans den, die dich hassen, Die sich allein auf ihre macht verlassen. Ach! febre dich mit göttlichem erbarmen Doch zu uns armen. 5. Um seinentwillen schone du, Und höre unsre klagen; Verleih uns wieder fried und 3. Schaff du uns beystand ruh, Und mindre deine plagen. wider unsre feinde. Sprichst Erbarm, o herr! erbarme dich, du ein wort, so werden sie Und rett' uns alle gnådiglich bald freunde, Dann müssen Von krieg und kriegsbeschwer: sie die waffen niederlegen, den. Und sich nicht regen. 6. Du kannst, o gott! der fürsten herz Wie wasserbáche lenken; Ach! laß sie doch der völker schmerz Recht väterlich bedenken, Sprich du selbst ihnen mächtig zu, Daß sie doch ihrer länder ruh Und wohl mit ernst befördern. 4. Wir haben niemand, dem wir uns vertrauen, Verges bens ists, auf menschenbülfe bauen; Mit dir nur kann man thaten thun und kampfen, Die feinde dämpfen. 5. Du bist der held, der fie kann untertreten, Und die erretten, die im glauben. beten. Wir traun auf dich, wir schrey'n in Jesu namen: Hilf, helfer! amen. 7. Wir fallen dir voll reu zu fuß: Du wollest uns erhö: ren. Hilf, daß wir uns mit wahrer buß, O gott! zu dir bekehren; Damit wir nicht an unserm theil, Selbst unser eignes glück und beil, Den theuren frieden, hindern. Danklied für wiederhers gestellten Frieden. Mel. Es ist das heil uns kommen. 8. Breit über unser ganz zes land Die flügel deiner 603. obfingt dem gott, der unser gnaden, Beschütze huldreich denkt, Der unsre thránen jeden stand Vor drangsal, stillet. Der uns den goldnen noth und schaden. Dann frieden schenkt, Und flehn und wollen wir zu jeder zeit Dich, wunsch erfüllet! Gott! unfer vater der barmherzigkeit, Mit jammer drang zu dir, Du dank und preis erheben. hörst gebet; dir wollen wir In der gemeine danken. 2. Dein antlig war hinweg Mel. Wend ab deinen zorn. err, 602. laß nicht zu gewandt. Das nun uns wieFf2 In Kriegeszeiten. 452 der leitet, Und über uns und unser land War bange noth verbreitet. Herr! wenn dein zorn den freoler schilt, Wenn du mit fündern rechten willt; Wer kann vor dir bestehen? 3. Im ftaube blickten wir empor, Und sichten: hilf uns wieder! Du hörst, du hilfft, du neigst dein ohr, Uuf unfer flehn hernieter, Und schenfft uns rub und sicherheit, Und bemmst des frieges graufam keit, Und steureft dem verderben. 4. Wie furchtbar zog des krieges grimm Daher, gleich wilden fluthen. Und traf, mit gleichem ungeftum, Die bösen und die guten! Doch gott hat feiner wuth gewehrt; 3ur pflugschaar ist des würgers schwert, Der spieß zur fichel worden. 5. Die klage wird zum lobgefang, Und steigt empor zum himmel, Der angst ge: schrev, des elends drang Wird lauter tuftgetümmel. Befreyt vom gram, geheilt vom schmerz, Lobsingt eer mund, frohlockt das herz, Entströmt die freudenthráne. 6. gott! erhalt uns lange zeit Dies glück, von dir gegeben, und laß in stiller sicher: heit, In deiner furcht rus leben. Rub, fried und eintracht schmuck uns hier; Du führst uns einst hinauf zu dir, 3u wohnungen des friedens. Mel. Wer nur den lieben gott. illkommen, du 604. 20¹ geschenk des himmels, O friede, der die welt beglückt! Gott bat die schrecken des getümmels, Des würgens und der angst er. stickt; Gott hat das flehn der noth erhört, In freuden un fer leid verkehrt. 2. Gott ist der Herr der kriegesschaaren! Er schlägt und bricht der stolzen trug. Er ist der retter aus gefahren; Er, er ist der verlaßnen fcbug. Auf, menschen! preiset seine macht, Die liebevou an uns gedacht. 3. Preist ihn, der bart, doch mit erbarmen Und stets voll huld, die sünder schlägt, Ihn, der zugleich auf vaterarmen Die feinen, wie auf flügeln trägt. Die ihr durch ihn bes gnadigt seyd, Auf! werdet jetzt ganz dankbarkeit. 4. Preist ihn, und lernt ihm ferner trauen, Wenn sich ein unglück auf euch stürzt. Ibr. wertet seine hülfe schauen; Denn seine hand ist nie ver: kürzt, Und ewig feine gnad', als er; Wer bleibet bey ihm hoffnungsleer? 5. Auf! preist ihn durch ein frommes leben, und reizet feinen arm nicht mehr. Be denkt mit heiligem erbeben, Hart war sein zorn, sein eifer schwer, Und doch trug er, der gott der huld, Noch schonend unsre größre schuld. 6. Preist ihn durch woblthun und erbarmen, Wo elend eure brüder drückt; Die bülfebe: dürftigen und armen, Ach! diefe kleidet und erquickt, Daß je In Kriegeszeiten. 453 der fich des friedens freu, Und kein fürchterlicher truk; Wir niemand ferner traurig sey. können unter deinem schutz Noch immer sicher wohnen. 7. Dann singt ihr wahre friedenslieder, Dann ist eu'r berz ganz dankbarkeit, Wenn ihr, als eines leibes glieder, In lieb und frömmigkeit euch freut. Dies glück, dies große gluck, o gott! Erhalt uns bis an unsern tod. 4. Laß. böchfier! deine vas tertreu Auch künftig uns bes wahren! Steh du, allmächti ger! uns bey, Und deck uns vor gefahren. Breit' in der weit den frieden aus, Gieb fried im land, in jedem haus, Und rub auf unsern gränzen. 5. Und wenn ein feind uns überfiel, So woliest bu ihm wehren; Set du ihm schrans ken, maaß und ziel, Heiß ihn zurücke kehren. Beschütze mächtig unser land, Laß ficherheit durch deine hand Sich über uns verbreiten. 8. Laß fest an deinem wort uns halten, Und treu dir im gehorsam seyn, In lieb und tugend nie erkalten, Und dankbar jedes laster scheun. So sind wir froh hier in der zeit, Und selig einst in ewigkeit. Um Erhaltung des Srie dens und dessen Segens. Mel. Es ist gewißlich an der zeit. 6. Gieb allen mächtigen den sinn, In frieden zu res gott! Und laß in 605. preifen beine macht Mit freudigem gemu the. Du hast bisher für uns gewacht, Du hast aus großer gute Vor krieg und raub und schwerem leid, Das deine hand den sündern draut, Uns väterlich behütet. feit forthin uns beine gnabe spüren. Erhalt uns deine Iehr und wort, Und laß in ruh an jedem ort Glück, heil und segen blühen. Melodey bekannt. erleih uns fries 606. Verlei den gnådiglich, Herr gott! zu unsern zeiten; Es ist doch ja kein andrer nicht, Der für uns könne streiten, Denn du, unser gott, alleine. 2. Wir häufen täglich uns fre schuld Durch unser sünd: lich leben; Und doch bleibt uns, du gott der huld! Die wohlthat noch gegeben, Daß jebermann von uns in ruh Sein' arbeit und beruf, wie du Befiehlest, kann verrichten. 3. In unserm lande blitt kein schwert, Unschuldige zu tódten; Es ist von seinden unverheert, Und frey von Friegesnsthen. Uns schredt ehrbarkeit. 2. Gieb unserm fürsten und aller obrigkeit Fried und gut regiment, Daß wir uns ter ihnen Ein geruhiges und stilles leben führen mögen In aller gottseligkeit und Umen. 454 Bey ansteckenden Krankheiten. Mel. In dich hab ich gehoffet, herr. Wenn trübfal da ist, suchen, 607. Gott, ott, dessen aug' Dir ganz uns weihn, Stets uns stets be: wacht! Du bist allein die hulf und macht Von uns hülflosen schwachen. Wir bitten dich dankbar seyn, Und aller fünde fluchen. Demüthiglich, Auch über uns 608. zu wachen. Met. In dich hab ich gehoffet, herr. err gott! vor deiner majestát Wirft unser brünstiges gebet, Mit angst erfüllt, sich nieder. Dein grimm erwacht, Der seuche macht Würgt schon die nahen brüder. 2. Uns schrecket, daß der feuche gift Schon hin und wie: der manchen trifft, Sie hebt schon an zu wüthen. Drum flehen wir, Und schreyn zu dir, Du wolleft uns behüten. 3. Gott, furchtbar ist dein zorngericht; Mich und die meinen treffe nicht Die môrderische feuche, Hilf uns, o gott! Hilf, treuer gott! Daß fie uns nicht erreiche. 4. Uch handle nicht, herr zebaoth! Uch handle nicht, liebreicher gott! Mit uns nach unsern fünden. Barmherzig: keit, Barmherzigkeit! Laß uns doch bey dir finden. 5. Schau an der herzen traurigkeit, Schau, wie uns unsre schuld gereut! Ach! um des mittlers willen, Der für uns starb, Uns gnad erwarb, Laß deinen zorn sich stillen. 6. Streck aus, herr! deine starke hand, Deck unsern ort, schüß unser land, Sammt al: lem, was wir haben, Heil un fern schmerz, Still' unser herz, Laß reichen trost uns laben. 7. Froh stimmen wir dein lob, herr! an, Und wollen nun dich nicht bloß dann, 2. O gott, wie groß ist diese noth! Sie kommt, sie wächst, und fall und tod Bedeckt das land mit leichen. Kein wis derstand Von menschenhand Macht den verderber weichen. 3. Sie draut auch unsrer miss sethat, Wenn nicht dein liebe: voller rath, Uns noch mit lang. muth tråget. Sind wir mehr werth, Als die dein schwerdt Jeßt häufig niederschläget? 4. Uch vater! gehe mit uns nicht nach unsern suns den ins gericht, Erbarmer, ach verschone! Erlaß die schuld, Nach deiner huld In deinem liebsten sobne. 5. Erbarme dich, erbarme dich, und blicke jetzt auch våterlich Auf tiefgebeugte fünder. Du kannst allein Mit bülf erfreun; Errette deine kinder. 6. Errette mächtig land und ort Bon diefer bösen seuche mord. Entferne furcht und plagen. Gieb, was uns gut, Gieb frohen muth, Das glück von unsern tagen. Ben ansteckenden Krankheiten. 455 7. Doch sollen wir gezüch: Die heilkunst war vergebens. tigt seyn, So floß uns die Nichts trieb des würgers gesinnung ein, Daß wir bes macht zurück! Auch uns schien reitet stehen, Wenn dirs ge jeder augenblick Der Der letzte fällt, Aus dieser welt Bor unsers lebens. deinen thron zu gehen. 8. Beut denen deine hånde dar. Die jest in tödtlicher gefahr Umringt mit bangen schrecken, Und laß ihr herz Im herben schmerz, Den kelch des troftes schmecken. 3. 3u dir, gott, unserm ret: ter, schrien Der deinen bange herzen; Und du hast gnådig uns verziehn, Du sahest un fre schmerzen. Erbarmungss voll hat deine hand Das übel von uns abgewandt, Nach sünden nicht gelohnet. Preis dir, o gott, wir leben noch! Groß war die noth, schwer unser joch; Noch größer du, der schonet.. 9. Laß, da die demuth vor die fleht, Laß, treuer va ter! dies gebet Zu dir erhör: lich dringen; So soll den dank Dir lebenslang Das herz zum opfer bringen. ( Siehe auch Nr. 393.) Nach geendigten Seuchen. Mel. Un wasserflüssen Babylon. un wollen wir 609. preis, Gott, unser helfer! bringen, Dir wollen wir, mit bes stem fleiß, mit herz und mund lobsingen. Du hast uns in der sterbensnoth So treu be schüßet, daß der tod Uns nicht dahin gerissen. Pflicht ist es, daß wir lebenslang, Ullgú. tigster! dir dafür dank Von herzen sagen müssen. 2. Wir waren, höchster! überall Mit todesfurcht umgeben, Wir sahen der geplagten quaal, Und sterbende voll beben. Der tod riß táglich viel ins grab, Die noth nahm zu, die menschen ab, 4. Preis sey dir, gott im höchsten thron, Für deine vatergüte! Preis singt dir, mittler, gottes sohn, Mein mund, herz und gemüthe! Preis dir, o tröster, beilger In ewigkeit du gepreist, Gott, der uns hat erhöret. Nun zeigst du uns, wer stets fich fest Auf dich, den mächtigen, verläßt, Dem werde trost gewähret. 5. O laß uns fünftig, gut's ger gott! Die fünde dankbar fliehen; Durch strafen, durch gefahr und noth Willst du uns zu dir ziehen. Wohlan, mein herz! der fünde lauf Hör' in dir künftig völlig auf; D! thu des heilgen wils len. Vielleicht möcht er nicht mehr verzeihn; Heil dir! er wird dir kraft verleihn, Den vorsag zu erfüllen. 456 no In Theurung. 360 Mel. Von gott will ich nicht. u bester trost 610. ber armen, D Gott, schöpfer aller welt! Du vater voll erbarmen, Der feine zusag hålt! Du, du er hörst gebet; So her, was unser glaube 3u dir jetzt aus dem staube In noth und theurung flebt.de no 2. Uch unser sündhaft leben Verklagt vor dir uns hart; Doch schonen und vergeben It ja der våter art. Du, treuer vater! du Bist gut vor allen våtern, Und neigst selbst übertretern Dein herz bald wieder zu. bülflos zu dir flehen, Ber: laß, verlaß uns nicht! 3. Wenn sie mit ernster reue 3u dir um hülfe schreyn, So willst du auch aufs neue Ihr gott und retter seyn. Herr, zuversicht! Auf Mel. Nun freut euch, lieben christen. hast, o gua den auch wir jegt ſehen, und 611.Duchaficher gott! 4. Gott, unser beil! ach wende Der zeiten schweren lauf, Thu deine milden hånde, Den schatz der allmacht, auf. Was nur ein leben hat, Nährst du mit wohlgefallen; D! schaffe denn uns allen Bey unferm mangel rath. ren, Wenns uns unmöglich deucht. 6. Laß unsre frucht geras then, und deine bülf uns fehn, Erquicke unsre faaten, So oft fie traurig stehn. Herr! baue selbst das land, Tránk es mit thau und regen, Und füll es an mit fegen, Aus deiner milden hand. 7. Erhör uns, gott! und krone Das jahr mit deinem gut; Sey gnädig und verföhne Uns dir durch Christi blut. Laß uns wohlthätig seyn, Bon dem, was wir noch haben, Und deine vatergaben Durch mißbrauch nie entweihn. 5. Herr, der du uns auch schufest! Hör unser angstge: schrey. Allmächtiger! du rus fest Dem nichts, damit es sey. 3u helfen ist dir leicht; Nach geendigter Theurung. In theurung uns ernäbret, Im elend und in hungersnoth Errettung uns gewähret; Und nun hat deine segenshand Von uns und unserm vaterland Den mangel abgewendet. 2. Dich jammerte der mens schen leid, Du hörtst das schreyn der armen; Du, va ter der barmherzigkeit! Sahst auf sie mit erbarmen. Groß war die noth, groß unire schuld; Noch größer war, gott 1 deine huld, Und deiner allmacht stárke. Du kannst dem mangel weh: 3. Dir sey, o bester vater, ren, In theurung uns ernäh: dank, Unbetung, preis und In Theurung. 457 traun, Und jede wohlthat schätzen. ebre! Erheb ihn würdig, mein kindlich fürchten, bir vers gefang! Und erd und himmel höre. Der höchste hält, was er verspricht. So lang' die schöpfung steht, soll nicht Hier faat und ernt' aufhören. 6. Laß uns, wenn du schenkst überfluß, Uns nie durch stolz erheben, Stets máßig bleiben im genuß, Der wollust widerstreben; Von dem, was deine vatergnad Uns mildreich giebt, durch liebesthat Den armen gern erfreuen. 7. Und künftig wollst du gnädiglich Vor mangel uns bewahren. Dann ist fein übel fürchterlich, Deckst du uns vor gefahren. Mit lust, o vater! wendest du Dem lande deinen segen zu, In welchem fromme wohnen. 4. Gott! unsre sunde wars, die dich Zur züchtigung bewos gen; Laß uns, da du uns väterlich Jeht zu dir bast ge zogen, Die fünden künftig ernstlich fliehn, Und dir, der gnädig uns verziehn, Ganz unser leben wicmen. 5. Wie fürchterlich lebrt hungersnoth Uns unfer nichts erkennen!! laß uns dich allein, o gott! Etets unfern vater nennen. Lehr uns in allem auf dich schaun, Dich Für die Feld- und Landfrüchte. Mel. Es ist das heil uns kommen. 3. Das land, das erst er 612. ob fey gott, der storben lag, Erwacht und lebt den frühling schafft! Gott, der den erd: Freis schmucket! Preis sey ibm, ehre, stårk und fraft, Der, was er schuf, beglücket. Der herr erschafft, der berr erhält, Er liebt und segnet seine welt! Lobsinget ihm, geschöpfe! nun wieder; Es siromet jeden neuen tag Dein segen neu hernieder. Der wurm, der in dem staube webt, Der vogel, der in lüften schwebt, Erfreut sich seines lebens. 4. Der erden antlig ist vers jungt, Erheitert glänzt der himmel; Gebirg und thal und wald erklingt Von freudigem getümmel; Und voll erbarmen schaut herab," Der allen feyn und leben gab, Auf sei ner schöpfung werke. 5. Doch fühllos nur und unbeseelt Sind auen und ge filde, Auch hast du nicht die 2. Eh noch der mensch den herrn verließ In jenen hei tern tagen, Da war die erd' ein paradies, Frey von der sünde plagen. Nun hat uns fund und straf entstellt; Doch sind wir noch in deiner welt, Im vorhof deines himmels. 458 Für die Feld und Landfrüchte. thier' erwählt zu deinem ebens bilde; Der menfch nur freuet deiner fich, Kennt, fühlet und empfindet dich, Und hofft ein ewig leben. 6. Lobfinget ihm, er ist uns nah; Singt, alle feine heere! Der herr ist allenthalben da, Im himmel, erd und meere. Ich preise dich, ich finge dir! Denn du bist, wo ich bin, bey mir. Mit allmacht, lieb und gnade. 7. Du rufft die wolken in bas land, Und stillst den durft der erde, Daß mit den ga: ben deiner hand Der mensch gesegnet werde: Du machest regen, thau und wind, Die deiner allmacht boten sind, 3u unfrer freude quellen. 8. Selbst wenn, vom don nersturm bedråut, Erschrock ne länder zittern, Strömt stårkung, segen, fruchtbarkeit Aus schwarzen ungewittern; Dann bricht die sonne neu hervor, Und alles jauchzt zu dir empor, Vor dem die wetter schweigen. 9. Bon dir kómmt, was uns hier erfreut, Du brunn quell aller gaben! Dort wirst du uns mit seligkeit In reichern stromen laben. Wohl, wohl den menschen, die schon bier Sich dir ergeben, und einst dir In Christo freudig sterben! Mel. Alle welt, was lebt und. elle leuchtet 513. He deine gute, Deine macht und weisheit, gott! Jedem fühlenden gemüthe Ruft der frühling: gott ist gott! Ist ein quell, dem freud' entquillt, Der mit leben alles füllt. 2. Millionen blumen duf ten, Alle felder werden grün; Wie wenn tausend stimmen ruften, Hör ich: fühlt und preiset ihn, Shn, der erd und himmel trågt, All ihr heer schuf und bewegt. 3. Ulles drängt sich, aufzus leben In verschönerter gestalt; Frohe vogelschaaren schweben, Jauchzen im belaubten wald, Und insekten ohne zahl Kreuzen sich an berg und thal. 4. Alles athmet nur vers gnügen, Alles redet dir zum ruhm. Vögel, die die luft durchfliegen, Schmetterling' auf jeder blum', Bienen, feinde träger ruh, Gott ist; ruft mir alles zu. 5. Seh ich wasserquellen fließen, Baum' an bächen ,. bútten dran, Menschen, die der milch genießen, Die aus fräutern werden kann, Seh ich auf den weiden vieh; Deine huld, wie fühl ich sie! 6. O du vater, o du treuer! Quell, dem segen nur ents fließt! Aller lebenden erfreuer! Wer spricht aus, wie gut du bist? Wer preist würdig deine kraft, Die aus winter frühling schafft? Mel. Lobt gott, ihr christen. Soch immer wechs 614. seln ordentlich Für die Feld und Landfrüchte. 459 Des jahres zeiten ab. Dein kurze zeit, Herr! bießeft du segen, gott! ergießet sich uns seyn; Du schufft uns Noch auf die erd' herab., für die ewigkeit, Uns ewig dein zu freun. 2. Du öffnest deine milde hand, Uns menschen wohlzuthun, Und läsfest auch auf unserm land Noch immer se: gen ruhn. 3. Von deinem himmel, höchster! tråuft Gedeihn und fruchtbarkeit; Die faat geht auf, und blüht und reift, Und fåttigt und erfreut. 4. Bon dir gesegnet, giebt der baum Den schatten, den man sucht, und unter seiner zweige raum Erfrischung und auch frucht. 5. Du nåhrest jede creatur. O herr! wer ist dir gleich? Dein vorrathshaus, gott! die nas tur, Ist unerschöpflich reich. 6. Wem strömt sie nicht, von dir erfüllt, Lust und ver: gnügen zu? Wer ist so gut, so treu, so mild, So våters lich, wie du? 7. Herr! ohne dich vergingen wir, Und wir verdien: ten's auch; Und dennoch le: ben wir in dir, Beseelt durch deinen hauch. 8. Wer, gott! erfährt nicht deine huld? Wem strahlet nicht dein licht? Mit welcher langs muth und geduld Berschonst du unser nicht! 9. O, betet gott, ihr men fchen, an! Erwägts und dankt ihm nun. Was hat gott schon an uns gethan? Was will er nicht noch thun? 10. Nicht bloß für diese 11. Läst du uns deine freundlichkeit Schon hier so herrlich sehn; Was wird in der vollkommenheit Der künftgen welt geschehn? 12. Noch tiefer dringt als dann mein blick In deine wunder ein. O herr! laß dies erhabne glück Mir stets vor augen seyn. 615. Mel. Allein gott in der höh sey. gott! sobald tag ers wacht, Erfreust du, was da webet, Und abends danket deiner macht, Was auf der erde lebet. Du wässerst unsrer erde schooß; So wächst der felder reichthum groß, Nährt menschen und auch thiere. 2. Dein brunn erquickt sie früh und spåt, Und jeder grashalm zeuget Von dir, durch den die saat geråth, Hinauf zu halmen sleiget. Wenn furch' und fluren sich verneun, So giebst du wachsthum und gedeihn Durch sonnenschein und regen. 3. Du krónst mit uners schöpfter hand, Herr! alle jahreszeiten. Du träufelst auf das ganze land Des segens fettigkeiten; Es trieft durch ihren milden guß Die wüste selbst vom überfluß, Und freude schmückt die bügel. 4. Die ånger stehen rings umher Boll schaaf; es stehn Für die Feld- und Landfrüchte. 460 die auen Von goldnem korne dick und schwer, So weit die blicke schauen. Der bocherfreute landmann singt, Daß berg und that und hain erklingt, O gott! von deiner gute. Um Gesegnung der Seld, früchte. 616. s Mel. Es ist das heil uns kommen. s baut, berr! deiner men schen schaar Auf dein geheiß die erde, Und hofft dabey von jahr zu jahr, Daß sie versors get werde; Denn du ver: ſprichst, du treuer gott! Daß fie bey fleiß und müh, ihr brod Von dir erhalten solle, 2. Bis bieber trifft die zu fag' ein. Gieb ferner deinen fegen; Laß unsre früchte wohl gedeihn, Gieb fonnenschein und regen. Denn ohne deine fegenshand Bringt selbst ein fettes gutes land Uns nim. mer, was es könnte. 5. Entstehen wetter und ges fahr, So laß den blig nicht zünden. Vor großer dürre uns bewahr, Und gar zu trocks. nen winden. Mach auch die erde nicht zu naß, Und laß uns kammern, scheur und faß Mit deinem segen füllen. 6. Gieb gnädig, was uns deine hand Jeht in der hoffs nung weiset. Und front dein segen unser land, O dann sey, berr! gepreiset. Dann bringen wir dir dank und ehr, Der du der kreaturen heer Mit wohlgefallen fattigst. 7. Wir trauen dir, wohl. that'ger gott! Dich lassen wir frey walten. Du, vater! kennst all unsre noth, Haft lange hausgehalten. Du wirst in deinem eigenthum, 3u un ferm wohl. zu deinem ruhm, Dich ferner gnáådig zeigen. Um Regen bey großer Dürre. 3. Vergebens ist all unfre Mel. O gott, du frommer gott. kunst, All müb und zubereierr, allerhöcher ten, Wenn nicht, gott! deine gott, Sm hims gnad und gunst Hier unsern mel und auf erden. Dem wols fleiß begleiten. Durch dich. ken, luft und wind Allzeit gehors nur keint der faamen auf, sam werden! Was du befiehlst, Wachst, treibt, sest frucht geschieht; D! laß auch unser und reift darauf; Du bists, flebn Durch dich, allmächtiger! der alles giebet. Jetzt in erfüllung gebn. 617. 2. Wir bitten findlich dich Um deinen vatersegen; Gieb uns, o vater! gieb uns einen milden regen, Staub ist jetzt unser land, Erstorben jede flur; Es schmachtet feld und thier, Es trauret die natur. 3. Wir haben es verdient; 4. Staf uns, herr! nicht in deinem zorn; Sep uns ein gott der gü: e. Erhalte unsrer felder forn, Ach, vater! ach behüte, Daß frost und sturm, und bagelschlag Sie nicht zer: störend treffen mag, Und wir vann trauren mußten. Für die Feld und Landfrüchte. 461 Ach! groß sind unsre fünden, Und billig strafft du uns; Doch laß uns gnade finden. Verfrüchte, Er, der versorger seiner welt. Steif steht die faat, die ihren Vom márk gieb uns unfre schuld; Thu der erde vou, Das seine men: auf die milde band, Wirf einen vaterblick Auf uns und unser land. schen nähren, Und thier' erfreuen soll. Weit schallt es ins gefilde: Gott ists, der regen schickt! Auf! preiset seine milde! Die erde ist erquickt! regen träufle sanft Auf ånger, 3. Gott! laß uns nicht garien, wälder. Das, was bisher gelechat, Erquicke, berr! aufs neu. Daß jede kreatur Dir freudig dankbar ſey. vergebens Die gaben deiner hand empfahn, uns nicht, du quel des lebens, Dir uns dankbar und fruchtlos nahn. Du sendest thau und regen, Giebst milden sonnenschein, Du eilst mit deinem segen Uns alle zu erfreun. Ach! laß uns nicht vergebens So manche gab empfahn, Laß nicht, du quell des lebens! Uns undankbar dir nahn. 4. Befeuchte berg und thal, Eifrische unsre felder, Dein 5. Ergieß zugleich dein wort, Gleich einem milden regen, Auf unser tråges herz Mit tausendfachem segen. Der fromme nur kann sich, Gott! deines segens freun; O laß uns alle reich Un wahrer tus gend sern. Danklied für verliehenen Regen. Bey anhaltendem Regen um Sonnenschein. Mel. Wår gott nicht mit uns. in milder res gen finket Gr. 619. S gott, der du Ers den himmel ganz Mit wolken kannst bes decken, Und bald der heitern fonne glanz Auch wiederum erwecken! Halt deinen regen jest zurück, Und laß der sonne frohen blick Uns wie derum erfreuen. 2. Die felder trauren über= all, Die faat und früchte leis den; Des regens überhäufter fall, Erstickt der fluren freuden; Der segen, den du uns gezeigt, Der sich betrübt zur eroe neigt, Droht nunmehr Mel. Nun lob, mein sect, den. 618. quickend auf die dürre flur. Wie labt sie sich! wie trinket Ihn die verschmachtende na: tur! Die sanften ströme fühlen Der lüfte weites meer, Und die geschöpfe fühlen Sich nicht mehr tråg und schwer. Gott spricht; das seufzen schweiget, Und hit' und dürre fliehn. Der frommen danks lied steiget Hinauf und preis fet ibn. 2. Mit muth im angesichte Beschaut des ackers herr sein feld. Erquickt hat gott die zu verderben. Für die Feld- und Landfrüchte. 462 3. Herr! unfre sünd und missethat Hat dies sehr wohl verdienet; Jedoch erzeig uns huld und gnad, Dein sohn hat uns verfühnet. Wir nahn zu dir voll reu uns aun, Wir wollen ernstlich buße thun, Und unser leben bessern. 4. Gieb uns, o du lieb: reicher gott! Den heitern schein der sonne, Und überschütt uns nach der noth Mit freude, lust Und zeig uns jest, nach deiner treu, Daß 621. ber aller gas außer dir kein segen sey, Im himmel und auf erden. gleichwohl lauter liebe, Stehts mit uns menschen gleich Oft fummervoll und trube, Scheints gleich, als dachtest du, Bey unsrer sündenschuld, Nicht fernér mehr an uns Mit vatertreu und huld. 2. Die wolken mußten fets Das sonnenlicht bedecken; Wind, regenwetter, sturm, Erfüllten uns mit schrecken, Weil man nur dunkelheit Und finstre nebel sab, Und unsers landes frucht War dem verderben nah. ser flebn, Bey unfrer kümmers niß So liebreich hat gesehn. 3. Nun hast du sonnenschein Uns wiederum gegeben; Die felder sind erquict, Erquict auch unser leben. Wir preisen deine huld. Die, gott! auf un4. Ja, herr! wir preisen dich Mit freudigem gemüthe. O! sorg' auch fünftig noch Für uns mit vatergúte; Gieb uns zu rechter zeit Thau, regen, sonnenschein, Wir wollen dir dafür Von herzen dankbar seyn. Danksagung für den Sonnenschein nach anhaltendem Regen. Mel. Nun danket alle gott. ben! Herr! dir gebühret rubm und dank. Du hörst das schreyn der jungen raben, Du liebst der lerche lobgefang. Oneige jest dein ohr zu mir! Du forderst dank; ich danke dir! 2. Die kleinste deiner frea: 620. Mngeht, und turen Macht deine weisheit offenbar, Man siehet deiner güte spuren Und deine macht von jahr zu jahr. Ein jedes gras belehret mich: Wie groß ist gott, wie klein bin ich! 3. Du forgst, nach treuer våter weise, Für deine menschen und fürs vieh, Du schenkest allem fleische speise, Du sorgst und segnest ſpåt und früh; Auch bösen wirfst du gutes zu. Wo ist ein solcher gott, wie du! 4. Der erdkreis ist von deiner güte, Von deiner weisheit ist er voll. Herr! unterweise mein gemüthe, Wie ich dich würdig loben foll; Gieb, daß mein herz dich freudig liebt, Dich, der mir so viel gutes giebt. Danklied für die Erndte, Mel. Wer nur den lieben gott. Für die Feld und Landfrüchte. 463 5. Das saamkorn wird in 8. Gieb, vater! daß uns deinem namen Auf hoffnung deine liebe Zu deinem rubm in das feld gestreut. Du, großer schöpfer! gabst dem faas men, Da du ihn schufft, die fruchtbarkeit; Der acker, den du heimgesucht, Bringt nur durch deinen fegen frucht. und ehr erfreut; Dein segen mehr in uns die triebe Bur demuth und zur dankbarkeit. Du hast uns gnådig guts ge than; Treib uns zur pflicht des guten an. 6. Was dürr ist, feuchtest du mit regen, Was kalt ist, wármt dein sonnenschein. Du theilst die zeiten, wie den se: gen, 3u unserm besten weiss lich ein. Bey warme, biße, kalt' und frost Grünt, wächst und reifet unsre kost. 9. Gieb denen herzliches erbarmen, Die deine hand mit gütern füllt, Damit ihr überfluß der armen Bekümmerniß und hunger stillt. Herr! der du aller vater bist, Gieb jedem, was ihm nöthig ist. 7. Kommt, laßt uns bey 10. Beschüße die verliehnen den vollen scheuren, Dem herrn güter, Laß uns die gaben der erndte dankbar seyn; Laßt wohl gedeihn; Laß theure zeit uns den bund mit ihm erneu und ungewitter Entfernt von ren, Ihm selbst, was er uns unsern gränzen seyn. Verhüschenkte, weihn. Kommt, laßt te krieg und hungersnoth, uns feine macht erhöhn; Der Und gieb uns unser tåg herr ist gut; sein lob sey schön! lich brod. Bey Ehrfurcht gegen Gott bey Gewittern. Mel. Wie groß ist des allmächt'gen. er mächtige, der Gewitter n. Vor dem der seraph niederfällt, Gott, redet donnernd aus dem wetter, Und ruft voll majestát der welt. Anbetend sinkt der erdkreis nieder; Der wald er tont, es bebt die flur; Und blize fagens blißen wieder: Gott ist der herrscher der natur. 2. Laß dich auch seine stimme rühren, Sep ganz empfindung, o mein herz! Den dank, das lob, die ihm gebühren, Entweihe kein unheilger scherz. Es rufen gottes wahgnad und segen zu; Sie rufen. schonend sichern fündern, Und ihren ruf versteh auch du. 3. Verstumme, freches heer der spotter! Furcht und vers zweiflung warten dein. Der herr ist gott! es fagts das wetter, Die welt, die ganze welt ist sein. Ihr bebt, elende! wollt ihr fliehen? Kein ort 464 Bey Gewittern. schüßt euch und euren spott. fülle sie mit reu und schmerz, Nichts fann dem mácht'gen Und trage noch geduld. euch entziehen; Er fennt, er jiraft eucy; er ist gott! 9. Bor deines gottes maje: ståt Erzittre nicht, o christ! Wenn er in donnerwolken geht, Und um sich blise schießt. Mel. Nun sich der tag geendet. donnert; 623.* mensch! wer donneit? wer Blißt aus dem wolkenzelt? Schau auf, o sünder! wer? der herr, Der große herr der welt! 2 In seiner ausgestreckten hand Liegt schweigend die natur, Und erd und himmel ist im brand, Ist nicht mehr, spricht er nur. 3. Es donnert! gott! wie schrecklich ist Des bimmels wetternacht! Ea blist! es donnert! gott, du bist! Und groß ist deine macht! 10. Und wenn sein don nerndes geschütz Den frevler ticf erschreckt; So wiss', daß gott dich vor dem blik Und seinem donner deckt. 8. Bekehre noch ihr böses herz, Und tilae ihre schuld, Er11. Der pfeil des berrn fährt wunderbar Von seinem wolkenthron, Trifft, wen er will, und krümmt kein haar, Wenn gott ihn ruft: verschon! 12. Sprich: wenn mein gett mich tödten will; Gerecht ist sein gericht! Er ist der herr! ich halte still, Und laß im tod ihn nicht. 4. Gott donnert in des funders ohr; Der fünder börts und zagt, hebt zit ternd kaum sein aug' empor, Wenn sein gewissen sagt: 5. Den, der dich schuf, er: nährt und schützt, Dich vå: terlich umfing, Den gort, der nun am himmel blitzt, Den hieltest du gering! 6. Gott fennt dein herz. und weiß dein thun, Er, der Met. Nun sich der tag geendet. die menſchen wägt; Was bist 624. Der hohe himmel du, wenn sein nun Dich schnell zu boden schlägt? 7. Verschone, herr! ver: schone noch Der fünder nur diesmal; Barmherzig biſt du, bater! doch; Zu groß ist ihre zahl. 13. Des donners könig ist mein freund; Wenn er mich schnell entrückt, So weiß ich, daß ers, gütig meynt, Und ewig mich entzückt. 14. Wer gott bey stillem himmel ehrt, Singt ihm auch frob ein lied, Wenn er auf schwarzen wolken fährt, Steht, wenn der sünder flieht. Ein wetter gottes draut. Ich bebe nicht; ich freue mich, Herr! deiner herrlichkeit. 2. Du zürnest, wenn du donnerst, nicht; Du bist der menschen freund. Nicht blaf: ser sey mein angesicht, Wenn uns der blig erscheint. Bey Gewittern. 465 3. Dem fünder nur, der 3. Wenn bey erhinter dündich nicht kennt; Dem bist du fürchterlich; Dem aber, der dich vater nennt, Zeigst du als vater dich. ste glühen Sowol die menschen, als das vieh, Den othem matt und keichend ziehen; Wie froh, wie munter werden sie, Wenn in die ängstlich schwüle luft Der donner fühle winde ruft! 4. Wie lieblich hebt sich das getreide, Gestärket durch den regenguß! Und wie vergnügt betritt die weide Der neube= lebten thiere fuß! Der muntern vögel frohes heer Verkündigt des erhalters ehr. 5. Auch ich will seine gute loben. Im wetter, wie beym sonnenschein, serd er von dir, mein herz, erhoben! Du kannst dich feiner gute freun; Und wenn des don ners stimme brüllt, Ist er dein helfer und dein schild. Mel. Jesu, meines lebens leben. des= 7. Laß frey das herz von ångsten seyn, Wenn uns dein wetter droht. Weg, furcht! wir lieben; furcht hat pein; 626. Gott, durch befe Du lieb', o gott! Nach dem Gewitter. Mel. Wer nur den lieben gott. fen macht und starke Erd' und himmel sich bewegt! Wenn mein herz 625. W des höchsten macht überlegt; So bekenn' Mie ie gnädig werke Deiner allfönig! Mein verstand ist viel zu wenig, Deine wege bleiben mir Unbegreiflich für und für. 2. Geb ich auf des himmels fräfte Und auferd' und wasser acht, Wie ein jedes fein geschäfte, Und wozu du es gemacht, Gleich auf dein geheiß vollbringe; Find ich 4. Uns segen ist der sonne licht, Uns segen tag und nacht; Auch ſegen ist uns dein gericht, und deines bliBes pracht. 5. Doch, menschen sind wir, vater! schwach! Gedenk, wie schwach wir sind! Sprich nicht: zerstöre hagel!- ach! Sprich nicht zum blis: entzünd! 6. Du reinigst durch den blig die luft, Dein regen fühlt die saat; Und donnerst du, dein donner ruft: Sey rein von missethat! wille! Der donner schweigt, ich, höchster die blige fliehn. Bald schmückt, bey angenehmer stille, Der fonne glanz das feuchte grün. Erhebe deinen lobgefang, Qu, meine seele, opfre dank. 2. Onimm bewundernd got: tes gute Im blitz und unge: witter wahr! Dem frohen forschenden gemüthe Stellt sich ein großer schauplatz dar ja in jedem dinge Wunder, Von ungezählter segensspur, deren hohen preis Ich nicht 3um labsal aller kreatur. auszusprechen weiß. 6 9 466 Bey Gewittern. 3. Du, herr! bringst des ner finder. Ob es dir gleich windes brausen Aus verborg- ist bekannt, Daß sie böse sind, nen orten her, Und sein uns und sünder, Hört doch deine gestum, sein fausen, Kommen milde hand Noch nicht auf, das nicht von obngefähr. Wenn land zu segnen; Nein, du läst die wolken sich ergießen, Und nicht immer regnen, Es muß die blize heftig schießen, Wenn auch der sonnenschein Nach der donner tönt und fracht, dem regen fruchtbar seyn. Beigst du deine große macht. 4. Doch vergißt du deine liebe Gegen deine kinder nicht. Sind die wolken schwarz und trübe, Ihnen scheint dein gnadenlicht. Mitten, gott! im sturm und wetter Bist du selbst ihr schuß uno retter, Schonest ihrer bangigkeit, Wenn ihr herz in ångsten schreyt. 5. Wenn du sprichst, so muß sich stillen Regen, donner, sturm und wind, is die alle deinen willen Auszurichten fertig sind. Sommer, winter, frost und hige Dronest du so, wie es nuße Zu der erde fruchtbarkeit, Alles zur bestimmten zeit. 6. Denn dich jammert dei7. Wer ist, der die liebes: thaten Deiner hand nicht rühmen muß? Wenn du alles wohlgerathen, und von deis nem überfluß Uns die fülle läsfest nehmen, Muß ich mich ja billig schämen, Daß dich, gott! mein tråger geist Würs dig gnug nicht rühmt und preist. 8. Uch, daß wir doch, wie wir sollten, Lebten dir, dir gott, allein! Nichts als deinen willen wollten, Dir ge horfam möchten seyn, Und von erde, luft und fiernen Selbst gehorsam möchten ler nen! Uch! mach du zu jeder zeit Dir zu dienen uns bereit. ( Siehe auch Nr. 415. 416.) Morgengesånge. Mel. Nun laßt uns gott den. 3. Mit zärtlichem erbar 627. Wach auf, mein mten Beschüstest du mich arherz! men; und finge Dem schöpfer aller din ge, Dem geber aller güter, Der menschen treuem húter. man; Und ich schlief ohne grauen, und kann die sonn' jegt schauen. 2. Als mächtliche gefahren Verborgen um mich waren, Als ich nicht sah, nicht dachte, Warst du's, der für mich wachte. 4. Wie fühl ich mich er quicket! Du, der uns stets beglücket, Du machst, daß ich aufs neue Mich meines le: bens freue. 5. Steig auf, mein bank, 467 tugend pfad zu stehn. Dir gefallen, dir mich weihn, Müsse mein bestreben seyn. 6. Hor', gütigster! mein fleben, Du kannst ins herze sehen; Laß dir mein findlich tallen, Mein vater! wohlges fallen. 4. Mich erinnre jeder mors gen, Gott! an jenen großen tag, Und die erste meiner for gen Sey, wie ich bestehen. mag, Wenn dein furchtbar weltgericht Einst auch mir mein urtheil spricht. 7. Laß deinen geist mich leiten, Das ich zu allen zei- 5. Uch! ich fehle leicht; drum ten Mich dir zum opfer gebe, Und heilig dankbar lebe. 8. 3u jeglichem geschäfte Gieb muth, verstand und fráfte; So werd ich meine pflich ten Mit lust vor dir, verrichten. leite Mich, o herr! nach deinem wort. Sey du, vater! mir auch heute Schuß und rath an jedem ort; Denn ich kann durch dich allein Fromm und gut und ruhig seyn. 9. Gieb mir denn deinen segen Auf allen meinen we gen. Dein wort sey meine ſpeise Auf meiner himmels: reiſe. 6. Dir, o großer gott! befehle Sch mit findlich frohem sinn Meinen leib und meine feele, Was ich habe, was ich bin. Segne mich; ich bin ja dein, Und ich will es ewig seyn. Mel. Alle welt, was lebt und. oft des him: 628. Gott mels und der erden, Bater, sohn und heilger geist, Der du tag und nacht läßt werden, Mond und sonne scheinen heißt, Dessen allmacht seine welt, Und was drinnen ist, erhält! 7. Deine macht wird mich bewahren, Wenn gewalt und list mir droht. Laß mich je den tag erfahren, Du seyst mein getreuer gott. Sterb' ich; so erhebe du, Vater! mich zur ew'gen rub. 2. Gott! ich danke dir von herzen, Daß du mith in die fer nacht, Vor gefahr, angst, noth und schmerzen Haft be: hütet und bewacht, und bey aller meiner schuld Mich noch trågst mit vaterhuld. 8. Gieb mir, gott! was ich begehre, Und was mir dein wort verheißt. Dir ser lob und preis und ehre, Vater, fehn und beilger geist! Sch. der hier nur stammlen kann, Bete dich einst würd'ger an. Mel. Wend ab deinen zorn. 3. Laß jetzt alle luft zu fünden, Gleich der nacht, in 629. diefer mors mir vergehn, Und mich muth und stärke finden, Auf der genstund' will ich dich loben, O gott, mein vater, in dem himmel oben! 6g2 Morgengesänge. zum throne! Dem vater und dem sohne, Dem geist des herrn sey ehre, Anbetung, preis und ehre! 468 Morgengesänge. Für alle gnaden, die du mir 9. Auch alle, die mir lieb erwiesen, Sey du gepriesen. sind, alle meinen, Nimm, 2. Von dir hab ich mein le- gott! in deinen schut; sie ben, gott! bekommen; Durch sind die deinen; Verwandte, dich bin ich zum christen an- freunde, alles, was ich habe, genommen; Du lásfest mich Ist deine gabe. vergebung meiner fünden 10. Sey der beschützer unDurch Jefum finden. frer obrigkeiten, Laß fried' 3. Du hast mir deinen gu ten geist gegeben, Der mich hier lehrt und führt in mei nem leben, Damit ich, herr! auf dich allein nur schaue, Und dir vertraue. und glück sich unter uns ver: breiten; Behút' uns alle, mächt'ger gott! aus gnaden, Vor sünd' und schaden. 11. 3u meiner arbeit, mei ner hånde werken, Wollst du auch heute meine kräfte stårken; O! segne sie; laß mich in ihnen allen Dir wohlge fallen. 12. Und wenn ich einst, mein gott! aus diesen leiden, Heut sey es oder morgen, werde scheiden, Dann laß auf Christi tod mich fröhlich sterben, Den himmel erben. 4. Du hast mich allzeit våterlich ernähret, Was ich bedurfte, liebreich mir gewähret, Mich aus des elends öden finsternissen Herausgerissen. 5. Auch jetzt hast du durch deiner engel schaaren Mich lassen sicher diese nacht be wahren, Daß mich kein übel traf, kein leid erschreckte, Kein unfall weckte. 6. So groß, o gott, ist deine gnad und gute! Ich preife sie mit wallendem ge= müthe. Wie morgenthau fließt jest dein segen wieder Auf mich hernieder. 13. Dann bin ich ganz an seel' und leib genesen, Bin hier auf erden dein, o gott! gewesen, und bin von dir bewährt und treu erfunden, Hab überwunden. 7. O, laß mich, gott! von deinem fernern fegen Gelei tet gehn auf allen meinen mel. Ich dank dir, lieber herre. Ober: Aus diesem tiefen grunde. wegen; Auch heute schüße 630. Mit freudigem ges mich, du gott der gnaden! Vor allem schaden. 8. Erhalte mir das beste glück des chriften, In deiner furcht zu wandeln, frey von luften; Erhalte mir den eifer, deinen willen Gern zu erfül len. ich dir meinen dank; Es preise deine gute Mein früher lobge: sang! D du, der mir das leben Bis diefen tag verlangt, Mir kraft und heil gegeben, Und täglich neu geschenkt! 2. Beherrscher aller welten. Mein gott! wie dank ich dir? Morgengesänge. Wie soll ich dir vergelten, Was du gethan an mir? Ich bin viel zu geringe; Doch du verschmähest nicht Das opfer, das ich bringe, 3. Gedent nicht meine fünde, Gott der barmherzigkeit! Sen deinem schwachen finde Ein vater, der verzeiht. Du, gott der liebe! dämpfe Die sinnliche begier, Mit der ich stets noch kämpfe, Und ziehe mich zu dir. 469 ich voll freudigkeit Des glaus bens sprechen könne: Komm, herr, ich bin bereit! Mel. Wer nur den lieben gott. 631. Mein gott! nun morgen, Die nacht vollendet ihren lauf; Nun wachen alle meine sorgen Mit meinen pflichten wieder auf. Die ruh ist aus, der schlaf dahin, Und ich seb wieder, wo ich bin. 4. Herr! send' auf meinen wegen Mir deine hülfe zu, Und sprich du selbst den segen 3u allem, was ich thu. Ja, fende du mir fráfte Von dei ner himmelshöh, Damit all' mein geschäfte Erwünscht von statten geh. 2. Ich bin noch immer auf der erde, o jeder tag sein elend hat, Und wo ich immer älter werde Bey wiederholter missethat. O gott! der mich beschüßt und nährt, War ich doch deiner liebe werth! 5. Gieb mir vor allen din gen Getrosten muth und geist, Das freudig zu vollbringen, Was mein beruf mich heißt. Laß mich in guten tagen Nicht übermüthig seyn; Doch auch nicht trostlos zagen, Dringt gleich ein freuz herein. 3. Gieb, daß ich dir, herr! auferstehe, Dir einzig lebe, nicht der welt; Es gehe sonst mir, wie es gehe, Thu ich nur, was dir wohlgefällt. Schließ mich in deine vorsicht ein, So bin ich todt und lebend dein. 4. Vergieb mir, vater! alle fünden, Die ich von jugend auf gethan; Und daß ich gnade möge finden, So siehe meinen mittler an. In dessen namen bitt' ich dich: Er ist dein sohn, er starb für mich. 6. Hilf, daß in meinem stande Ich thu, was dir gefällt, Und laß mich nicht in schande Gerathen vor der welt. Richt', hert! mein gan- 5. Hilf du in allen fachen zes leben Nach deinem willen rathen; Denn wo war ich ein; Laß, die du mir geges mir selbst genug? Behüte ben, Von dir gesegnet seyn. mich vor missethaten, Vor 7. Gieb, daß im glück und, böser menschen lift und trug. leide Sch stets so leben mag, Führ du mich selbst auf eb Daß ich mit heilger freude ner bahn, Und was ich thu, Denk an den letzten tag; Und sey wohlgethan. kommt er, so vergönne, Daß 6. Bewahre mir leib, feel' Morgengesänge. 470 und leben, Verwandt' und freunde, haab und gut. Willst du mir kreuz zu tragen geben. So gieb dabey mir trost und muth; Doch soll mich auch ein glück erfreun, So laß es mir durch dich gedeihn. Mel. Ich dank dir, gott, durch. 632. M ein erst ge und dank! Erheb ihn, meine feele! Der herr hört deinen lobgefang; Lobsing' ihm, mei: ne ſeele! 2. Mich selbst zu schützen obne macht, Lag ich und schlief in frieden. Wer schafft die sicherheit der nacht, und ruhe für die müden? 3. Wer wachte für mich, da ich schlief? Wer schützte mich vor schrecken? Wer war es, der dem lichte rief, Mich wieder aufzuwecken? 4. retter in gefahr, Ein vater, wenn ich fehle. 8. Gieb mir ein herz voll zuversicht, Erfüllt mit lieb und ruhe, Ein weises herz, das seine pflicht Erkenn' und willig thue. 9. Daß ich als ein getreuer knecht Nach deinem reiche strebe, Gottfelig, züchtig und gott der welt! Und dein ist unser leben. Du bist es, der es uns erhålt, Und mir's jetzt neu gegeben. lebe. 10. Daß ich, dem nächsten beyzustern, Nie fleiß und arbeit scheue, Mich über andrer wohlergehn, Und ihre tugend und ihre freue. 11. Daß ich das glück der lebenszeit In deiner furcht genieße, Und meinen lauf mit freudigkeit, Wenn du gebeutst, beschließe. Mel. Warum betrübst du dich. hm, der das Du biſt es, herr und 633. ht entstehen licht hieß, Und mich gefund er: wachen ließ, Sen preis und froher dank! Des neuen morgens heiterkeit Sey mei nem gott zuerst geweiht! 5. Selobet fenst du, gott der macht! Gelobt sey deine treue, Daß ich nach einer fanften nacht Mich dieses tags erfreue. 2. Sieh, herr! ich unters winde mich Mit dir zu reden, staub bin ich, Von deinem hauch beseelt. Gleich als ein todter lag ich hier; Daß ich noch lebe, dank ich dir. 6. Laß deinen segen auf mir ruhn, Mich deine wege wallen, Und lehre du mich selber thun Nach deinem wohlgefallen. 7. Nimm 3. Und jedes gut, deß ich mich freu, Empfang ich jetzo wieder neu Aus deiner milden hand. Mein auge wird, wohin es blickt, Von wun meines Lebens gnädig wahr: Auf dich hofft meine seele. Sey mir ein dern deiner huld entzückt. 17 4. Dich, dem ich nicht vergelten kann, Dich, vater! bet' ich findlich an; Ich opfre dir mein herz. Ein herz voll dank und zuversicht Berwirfst, er habner gott! du nicht. 5. du, den meine seele preist! Erwecke mich durch deinen geist Zu meiner chri: stenpflicht; Er belfe meiner schwachheit auf, Bis ich voll ende meinen lauf. Morgengesånge. 6. Ein gut gewissen sey mein theil; Dies wirk in mir, o berr! mein heil, Und segne meinen fleiß. Dir ist, was ich bedarf, bekannt, Und alles steht in deiner hand. 7. Die blume fleidest du mit pracht, Nährst jeden vo: gel, gott der macht! Bin ich nicht mehr, denn sie? Ich werfe meine sorg' auf dich, Du, mein erbarmer! sorgst für mich. Mel. Ich dank dir, gott, durch. 634. Din; gott feny ie nacht ist gepreist Für seine große gute! Lobsing ihm dankbar, feel und geist, Lobsing ihm, mein ge můthe! 2. Er hat mich våterlich bewacht, Er hat beschüßt mein leben, Da ich in dunkelheit der nacht War mit gefahr umgeben. 3. Auch mein gebet hat er erhört, Mir süßen schlaf verlieben; Sein arm, der sicher: heit gewährt, Hieß jeden feind mich fliehen. 471 4. O gott, der du so viel gethan Un mir, an deinem kinde! Nimm dich auch heute meiner an. Vergieb mir mei. ne sünde. 5. Verleihe, daß der geist der kraft Mein schwaches herz regiere, Daß er, der gutes in uns schafft, Auch mich zum guten führe. 6. Daß ich mit dem zu. frieden sey, Was du, herr! mir beschieden. Mit meinem nächsten handle treu, Mit jedem leb' in frieden. 7. Du bist mein gott! ach lehre mich Dich lieben, fürchs ten, ehren; Und dann wirft du mich väterlich, So oft ich bet', erhören. 8. Dann wird dir, vater! auch mein dank Am abend wohlgefallen; Dann preiset dich mein lobgefang. Und du merkst auf mein. lallen. Mel. Wie schon leucht't uns. licht, und freue mich der edlen 635. Dich seh ich wies pflicht, Dem höchsten lobzus singen. Ich will, entbrannt von dankbegier, O mildester erbarmer! dir Mit beilgem muth lobsingen. Schöpfer! Vater! Deine treue Rührt aufs neue Mein gemüthe; Froh empfind ich deine gute. 2. Du warst auch diese nacht um mich. Was war ich, båttest du nicht dich Se hilfreich mir bewiesen? Zu meinem leben setzest du Jeht einen neuen tag hinzu; Sey hoch 472 Morgengefange. dafür gepriesen. Durch dich glieder. Du gabst den sters Bin ich, Und ich merke Neue stärke; Dich erhebe Meine zunge, weil ich lebe. nen ihre pracht, Du führst den tag herauf durch nacht, Du sagst der sonne: leuchte! 3. Verzeih, o gott der lieb. 2. Sey angebetet, herr der und macht! Daß sünd und welt! Gelobt von allen zun gram, wie dieſe nacht, Auf ewig von mir fliehe; Daß ich die kurze lebenszeit In chrift licher zufriedenheit 3u nügen mich bemühe. Lehre, Zeig mir, Wie ichs meyne; Dir ist keine Meiner sorgen, Auch die kleinste nicht verborgen. gen; Von jedem, den dein arm erhält, Sey dank dir zugesungen. Der greis und jüngling preise dich, Und alles, alles freue sich, Herr! dieses neuen tages. 3. 3ur arbeit gieb uns, va ter! kraft, Und lust an jeder tugend. Wohl dem, der gutes lernt und schafft, Dich kennt schon in der jugend! Ja, deis ner foll mein herz fich freun, Nicht dieser tag verloren seyn, Verloren keine stunde. 4. Ich bin ein christ; o herr! verleih, Daß dieser ehr ich würdig sey; Mein ruhm ist deine gnade. Denn ach, was bin ich ohne dich? Ein irrend schaaf; erhalte mich, Mein hirt! auf deinem pfade. Stárk mich, Daß ich Stets mich übe, Deine liebe Zu betrachten, Ueber alles dich zu achten. 5. Auch im geräusch der welt soll mich Der heilige gedank' an dich Oft still zu dir erheben. Im dunkeln thale wall' ich hier; Einst nimmst du mich hinauf zu dir, 3um licht und höhern leben. Auf dich Hoff' ich. Herr! ich werde Mich der erde Gern entschwingen, Dir dort ewig lob zu singen. 4. Was man mich thun und lassen heißt, Gehorch ich schnell mit freuden. Lehr, herr! durch deinen guten geist Mich auch geduldig leiden. Bewahre mich vor aller schuld, Und laß mich immer deine huld Mit dank barkeit empfinden. 5. Gerieth ich heut in angst und noth, Und drohten mir gefahren, So denk ich glau big: gott, mein gott, Kann retten, kann bewahren. Mein gott weicht feinen augenblick, Er liebt mich, und will nur mein glück; Un ihn will ich mich halten.. Mel. Es ist das heil uns kommen. 6. Eo eilt der tag mit luft 636. Mit munterfeit dahin. Ich kann ihn froh be schließen; Ich weiß es, daß ich gottes bin, Mich straft nicht mein gewissen; Dann schließ ich sanft die augen zu, erwachen wir; Du schauest auf uns nieder, Gott! neues leben kömmt von dir, und neue kraft der Morgengesänge. Und gott gönnt meinem lei be rub, Und frieden meiner feele. Mel. Allein auf gott seg dein. u deinem thro637.3" ne nah ich mich, Und demuthsvoll, gott! bitt ich dich: Verwirf von deinem angesicht Den reue: vollen fünder nicht. 2. Du schufst, von vatera huld erfüllt, Mich, gott! nach deinem ebenbild; Ich bin und leb allein durch dich, Du nährst, erhältst und schüßest mich. 3. Wie oft war deine hülfe da, Wenn ich schon tod und abgrund fab! Wie oft sank ich in meinem lauf, Und du halfft väterlich mir auf! 4. Gesundheit, leben und verstand, Empfing ich, herr! aus deiner hand, Ein redlich herz, das gern vergiebt, Und einen freund, der treu mich liebt. 5. Sohn gottes! du hast mir zu gut Vergoffen dein so theures blut; Du bists, der für mich liebreich starb, Und mir des vaters huld erwarb. 6. Wenn mein gewissen mich verklagt, Und in mir meine seele zagt, Dann rettet mich dein mittleramt, Daß mich der vater nicht verdammt. 473 8. Gott, beilger geist! du, dessen kraft Glaub', lieb' und hoffnung in mir schafft; Ist etwas gutes noch an mir, So kommt es, tröster! nur von dir. 7. Du bist mein erbe, bist mein theil, In deinem leiden find ich heil; Durch dein verdienst ist mir bereit Hier ruh, dort aber seligkeit. 9. Von dir, daß ich gott als ein christ Erkenn', und er mein vater ist, Daß ich in meinem wandel rein Vor ihm erfunden werde seyn. 10. Daß mich, von dei nem trost bedeckt, Nicht anfechtung, nicht trůbsal schreckt; Daß, wenn mich noth und tod bekriegt, Mein fester glaube endlich siegt. 11. Drum dank ich dir voll freudigkeit, Mein vater! jetzt und allezeit, Für jede güte deiner buld, Und treu, und langmuth und geduld. 12. Ach! deine gnadenreiche hand Bleib' über mir stets ausgespannt. Mein leib und feele, haab' und gut Befehl ich deiner vaterhut. 13. Die frömmigkeit sey nur mein ruhm, Damit mein ganzes christenthum Aufrichtig, deiner würdig sey, Nicht augenschein, nicht heucheley. 14. Erlaß mir meine fündenschuld, Und trage mich noch mit geduld; 3und in mir lieb' und glauben an, Daß ich den himmel hoffen kann. 15. Laß einst mein ende selig seyn, Und bricht dein großer tag herein, So wecke und verkläre mich; Dann will ich ewig preisen dich. Morgengesänge. 474 Mel. Christus, der ist mein leben. 11. Daß ich, dir innig 638. och läst ber trauend, Das gute standhaft herr mich gen himmel schauend, Denk: herr, mich siehest du! 12. Bereit den lauf zu schließen Auf deinen wink, o gott! Und lauter im gewis sen; So finde mich der tod! Mel. Uus meines herzens grunde. ers ben! Mit fröhlichem gemüth Eil ich, ihn zu erheben; Er hört mein frühes lied. 2. 3u ihm entzückt mich wies der Der morgensonne pracht; Ich falle vor ihm nieder, Der fie und mich gemacht. aller 3. Du, ten! Nimmſt dich auch meiner 639. Des morgen an, Wie soll ich dir vergel: ten, Was du an mir gethan? 4. Wirst du nach opfern schauen? Sie gelten nichts vor dir; Du forderst nur vertrauen, Nur liebe, gott! von mir. 5. So will ich dir lobsingen, Mich deines namens freun, Nach deiner gnade ringen, Mein ganzes herz dir weihn. 6. O tilger meiner sunden, Mein mittler, Jesu Christ! Laß mich den trost empfinden, Daß du so gnádig bist. 7. Dir hab ich mich erge: ben, Ich freue mich in dir; Erfreuender, als leben, Ist deine gute mir. 8. Sie führe mich auch heute Auf deiner tugend pfad. Du ewigweiser! leite Mich selbst nach deinem rath. 9. Nur eins laß mich erfle= hen: Das christlich weise herz, Auf dich stets aufzusehen, In freuden, wie im schmerz. 10. Daß ich am ersten trachte Nach dem, was dir gefällt, Mehr deinen beyfall achte, Als allen ruhm der welt. ich, mein gott! dir weihn. Mein herz stimmt mit dem munde Zu deinem lobe ein. Ach! laß den ganzen tag Mich so vor dir, herr! wandeln, Daß ich nicht bloß fromm handeln, Nein, auch fromm denken mag. 2. Fromm laß mich, doch gesellig, Klug, doch von falschheit rein, Freymüthig, doch gefällig, Und stark zur tugend seyn; Auch standhaft in der noth. Kein zorn schwäch meine liebe, Kein ernst der sanftmuth triebe, Kein scherz die furcht vor gott.: 3. Was dein gebot ver: leget, Laß nie mit lust mich schaun; Wenn es die welt ergoßet, Erweck es mir doch graun. Schnell wirkt des la flers gift; Nichts, nichts sey mir verhaßter, Doch daß mein haß das laster, Nicht meinen mitknecht trifft. 4. Des nächsten ehre schmålern, Entehrt mein christenthum; Ein ruhm aus andrer fehlern Ist schande, und kein ruhm. Das richten laß mich Morgengesänge. fliehn, Nie schlimm, was gut ist, deuten, Und seh ich andre gleiten, Es jedem aug' entziehn. 5. Ben fleiß und arbeit schleiche Kein geiz sich in mein herz; Und fremde noth erweiche Mich leicht bey jedem schmerz. Kein glück, das an: dern blüht, Empóre mich zum neide, Und kein genuß der freude Berzärtle mein gemüth. 6. Gieb, daß an diesem tage Sich mir kein unfall naht; Und trifft mich eine plage, Nach deinem weisen rath, So gieb, daß ich alsdann Mein leiden nie verschulde, Nicht murre, christlich dulde, Froh dir vertrauen kann. 7. Wie bald ists überwunden, Das leiden dieser zeit! Auf wenig bange stunden Folgt glück in ewigkeit. Dies ftárket mich in noth, ich nicht angstlich zage, letzten meiner tage Giebt dies mir muth im tod. Daß Um 475 Herz! laß dies glück dir nicht entfliebn; Laß nicht nochmal des abends schein Dein klåger bey dem schöpfer seyn. 2. Gott hat mir noch zu meinem leben Aus gnaden ei nen tag verliehn; Welch gro: Bes pfand ist mir gegeben! 3. Ich sagte gestern dir im stillen Auf heute, vater! beßrung zu; Der tag erfors dert mein erfüllen, Denn dazu stärkte mich die rub. Gott hats gehört, ich weiß die pflicht; Herz, spotte deis nes schöpfers nicht! 4. Des höchsten auge siehet alles, Er sieht auch mich; herz, fürchte dich! Er ist der zeuge meines falles; Wer deckt vor ihm, dem richter, mich? Doch der mich sieht, ist auch zugleich Un lieb und an erbarmung reich. 5. Dein vaterauge sey auch heute Mein leiter auf des lebens bahn. Sey du mein hüter, wenn ich gleite, Fall ich, so blick mich warnend an; Erweck zur reue mich geschwind, Daß ich dich fürchte als dein kind. Mel. Wer nur den lieben gott. 6. So werf ich alle meine 640. fliehn die sorgen Mit luft in meines 3 schatten schatten von gottes schooß, und mach' mich der erde, Gehorsam steigt das gleich am frühen morgen Von licht herauf; Der gott, der allem schmerz und kummer ehmals sprach: es werde! los. Gott will ich fürchten, Deckt wieder seine schöpfung kindlich scheun; Und dann auf. O würd' auch jetzt, wird er mein vater seyn. gleich der natur, Ich selbst zur neuen kreatur! 7. Und so ergreif ich meine bürde, Die mir mein schöpfer auferlegt. Sch thu sein werk: welch eine würde! Und trage, was gott selber trågt. Wie groß ist mein beruf schon hier! Morgengesänge. 476 Ich diene gott, der welt und mir. Met. Kommt her zu mir, spricht. " Umächtiger, du 641. gott der welt! Der sie erschuf, fie noch ers hålt! Du rufft der morgenrothe; Sie kommt, ein wunder deiner hand, Die jene himmel ausgespannt, Mit sternen sie besäte. 2. Noch heut seh ich der sonne pracht, In ihrem gans zen schmucke lacht mir die na: tur aufs neue; Vielleicht seh ich des tages licht Nur heute, aber morgen nicht; Du weißt es, gott der treue! 3. Ich fühle, daß ich sterb. lich bin, Mein leben welkt wie gras dahin, Verdorret gleich dem laube; Wer weiß, wie unerwartet bald Des höchsten wort an mir erschallt: Komm wieder hin zum staube! 4. Wenn mich das finstre grab umschlingt, Ein tiefes schweigen mich umringt, Wenn mich verwesung naget, Alsdann bleibt alles doch zurück, Und hätte gleich ein lächelnd glück Mir keinen wunsch verfaget. 5. O thorheit, wenn ich mich verkannt, Und nach der erde lieblingstand, Nach großem gut gegeizet! Wenn mich der ehre schimmernd kleid, Und aller prunk der eitelkeit 3u niederm geiz gereizet! 6. Verlangt mein leiser wunsch zu viel? Verfolg ich ein zu weites ziel Auf uns gewissem pfade? O gott, ich beuge mich vor dir! Hier bin ich; es gescheh an mir Der rathschluß deiner gnade. 7. Der mensch, der aufge: blaf'ne thor, Schreibt seis nem schöpfer weisheit vor, Wünscht, was er nüßlich meynet; Du liebst ihn mehr, als er fich liebt, enn deine huld nicht immer giebt, Was jedem nüglich scheinet. 8. Wenn der bethaute morgen lacht, Wenn von den fittigen der nacht Die lüfte kühler wehen; Spricht mir die weisheit liebreich zu: O sterblicher! was sorgest du, Wie dirs wird künftig gehen? 9. Der dich gemacht, sorgt auch für dich, Er, der dich schuf, bestimmte dich nicht bloß zum glück der erden; Dies leben ist ein augenblick, Ein frühlingstraum das längste glück, Du seist unsterblich werden. 10. Gedanke der unsterblich keit, Der über erde, welt und zeit Ein edles herz erhebet! Empore dich in meiner brust, Wenn reiz und lockung falscher lust Mich klein zu machen strebet. 11. Die rofen um des la: sters haupt Verblühen, ehe wirs geglaubt, und ihr genuß entehret. Ich bin ein fremd ling in der zeit; Nur freuden einer ewigkeit Sind, was mein herz begehret. 12, Gieb mir, o du, der Morgengesänge. willig giebt, Ein herz, das nur das gute liebt, Und rein und heilig handle. Mach andre groß, o gott! und reich; Gnug, wenn ich, dei nem bilde gleich, Unsträflich vor dir wandle. 477 5. Getroft, mein geist! ermüde In deinem kampfe nicht; Dich stärket gottes friede Mit kraft und zuversicht. Ermuntre dich und streite; Des fies ges lohn ist nah! Getrost! vielleicht ist heute Des kampfes ende da! Mel. Aus diesem tiefen grunde. 642. ob fey gott, der Uns fender noch der nacht, den morgen Der, wenn wir ohne sorgen Entschlummern, für uns wacht, Der uns im schlaf erquicket, Und unsre kraft erneut, Gott, der die erde schmücket, Und was er schuf, erfreut! 2. Der engel heilge heere Erhöhn ihn mit gefang; Auf! singt in ihre chóre, In ihrer jubel klang! Wer wollte gott nicht lieben, Wer ihm sein herz nicht weihn, Sich in der tugend üben, Um ihm recht werth zu seyn? 3. Bon dir ist mir gegeben, Herr! was ich hab und bin; Und dies mein irdisch leben Flieht schnell zum tode hin. Bald ist sie ganz verschwunden, Der wallfahrt kurze zeit; Doch bångt an ihren stunden Das heil der ewigkeit. 4. O süßer, hoher glaube! Nicht ewig zu vergehn! Es soll der mensch vom staube Einst wieder auferstehn. Ach, laß michs nie vergessen! Der heilgen hoffnung voll, Laß täglich mich ermessen, Was ich einst werden soll. Mel. Alle welt, was lebt und webet. 643. Difen preis! ir sey der, Vater! und empfinde mich; Mit mir machen meine lieder, Und erheben dankbar dich. Denn dein aug' hat in der nacht Ueber mich, dein kind, gewacht. 2. Wenn ich einst vollendet habe Diese meine wanderzeit, Rub ich auch also im grabe, Saame für die ewigkeit. Auch in dieser langen nacht Wird mein staub von dir bewacht. 3. Aber ich erwach auch wieder, Und mein lobgefang mit mir; Dann erschallen meine lieder Mächtiger und reiner dir. Ewig wird der morgen seyn; Ewig schlaf ich nicht mehr ein. 4. Wach auch über meine tage, Bater, meine zuver= sicht! Daß mich keiner einst verklage, Wenn du kommst zum weltgericht; Daß ich meiner pflicht hier treu, Und dort unerschrocken sey. 5. Keinen tag zahlst du vergebens, Gott! durch den ich bin, mir zu; Jeder ist ein theil des lebens, Jeden, jeden richtest du. Lehr' mich Morgengesånge. 478 wachen, daß mir nie Unge: nügt ein tag entflieh. Morgengesang eines Rindes Mel. Nun sich der tag geendet. frommem 645. un iſt es tagi bank Verlaß ich bett und ruh. Herr, höre meinen lobgefang! Mein erstes wort bist du. 2. Wie hat der schummer mich erquickt! Ich fühle neuen muth. Vor tausenden bin ich Mel. Freu' dich sehr, o meine seele, beglückt, Die nicht so sanft Die nicht ſo auſt 644. Wenn ich einſt geruht. 6. Heute leb ich, laß auch heute nicht umſonst mein le: ben seyn, Laß mich, nach vollbrachtem streite, Dieses tages auch mich freun; Recht zn handeln, gieb mir heut Stärke, lust, gelegenheit. von jenem schlummer, Welcher tod heißt, aufersteh, Und, erlöst von allem fummer, Jenen schönern morgen seh; D, dann wach ich anders auf! Denn am ziel ist dann mein lauf. Sorgen, die mich angstvoll machten, Werd ich dann für traume achten. 3. Mich schwaches Find be: schüßest du, Du wachtest über mir; Du schlossfest meine augen zu, Nun öffnest du sie mir. 4. Wie viele, die so rosen: roth, So hold, wie ich, ge blüht, Sind, eh der morgen kam, im tod Wie durres laub verblüht! 2. Hilf, daß keiner meiner tage, Bater meiner lebens zeit! Einst mich im gericht verklage, Er sey ganz von 5. Ich blühe noch; doch eh die nacht Auch diesen tag beschließt, Wer weiß, ob noch mein auge lacht, Mein geist so munter ist? mir entweiht. Auch noch 6. Drum will ich meine heute wacht' ich auf; Herr, mein gott! zu dir hinauf Musse jeder tag mich leiten, Mich zur ewigkeit bereiten. kurze zeit Dir und der tus gend weihn, Und mich mit weifer fröhlichkeit Der jus gendtage freun. 7. Dann wird es niemals mich gereun, Wenn ich den tag durchlebt; Ich werde froh und selig seyn. Wenn man mich jung begråbt. 3. Daß ich nicht untröstbar zittre, Wenn mein leg: ter tag erscheint, Mich nicht hollenangst erschüttre, Wenn mein freund nun um mich weint; Lindre dann die to: despein, Laß mein end' ihm lehrreich seyn, Coß ich ihn Bey Antretung der Arbeit. Mel. Wer nur den lieben gott. mor zum himmel weise, und dich, 646. Der froe medi herr des preise. gen wedt Morgengefange. mich wieder, Und ladet mich zur arbeit ein. Der schlaf er quickte meine glieder; Nun will ich wieder thätig seyn. Mit frohem herzen will ich nun, Was meine pflicht er. fodert, thun. 2. Gott! dir sey dank für meinen schlummer, Und dir befehl ich mich aufs neu, In deinem schuß bin ich von fummer, Bin ich von allen for gen frey. Du weißt es, was mir nüßlich ist, Und giebst es, weil du gútig bift. 3. Du unterhältst mir meis ne fråfte, Damit ich sie ges brauchen sou; Und treib ich redlich mein geschäfte, D! so geråtb es mit dir wohl, Bey treu und fleiß giebst du ge deihn; Drum will ich treu und fleißig seyn. 4. Ich will es seyn, so lang' ich lebe, So lange du mir träfte schenkst. Damit ich mir das glück erstrebe, Daß du mit benfall an mich denkst. Dann hab ich hier zufrieden heit, Und dort vollkommne ſeligkeit. 479 2. So traurig, als die abendstunden. Ist dieser neue tag für mich, Die quaal, die ich bisher empfunden, Verneuet mit demselben sich. Ich hoffte trost in meiner pein; Doch meine hoffnung traf nicht ein. meine flage Wird jetzt mit diesem morgen neu. Wie traurig eilen meine tage Der bangen wanderschaft vorbey! Der fonne neugeschenktes licht Erheitert meine seele nicht. 3. Noch immer bin ich auf der erde, Wo mich gefahr und noth umringt, Und tåglich hårtere beschaverde Zu kla= gen und zu thránen zwingt; Noch immer fleh ich unerhört Um labung, die mein herz begehrt. 4. Herr! eile doch mir beyzustehen, Verlaß den müden wandrer nicht. Mein vater! neige auf mein flehen Zu mir dein freundlich angesicht. Gieb mir geduld, und bey dem schmerz Ein hoffend und zufriednes herz. 5. Mir ist mein schicksal noch verborgen, Das diesen tag mich treffen soll; Doch ich bin ohne gram und for: gen, Du, vater! fennst mein wahres wohl; Und was dein rath beschließt und thut, Sft heilig, und gerecht und gut. Morgenlied im Leiden. Mel. Wer nur den lieben gott. er morgen 6. Soll ich die last noch långer tragen; Ich halte deiner Dein will 647. Dommt, und geschehe, will ich sagen, Herr! wie du willst, nicht wie ich will. So laß mich, vater! in der pein Geduldig, wie mein heiland, seyn. 7. Hab ich des lebens last empfunden, So rückt mein ende einst herbey, Dann hab Tischlieder. 480 ich ewig überwunden, Und bin von aller trübsal frey; Und du giebst mir, o gottessohn! Den theurerworbnen gnadenlohn. 8. Gestärkt durch diesen hohen glauben, Tret ich auf Tischlieder. meinen leidenspfad. Herr! stärke, stårke meinen glauben, Auch dann, wenn sich der tod mir naht. Vielleicht er scheint er heute mir; Wohl mir! ich leb und sterbe dir! lebens kräfte nåhrt, Wird uns durch fruchtbarkeit, Durch kraft zum fleiß von dir gewährt; Wir dans kens dir erfreut. Vor der Mahlzeit. der tag geendet. Mel. Nun ott! was des Was hoch in den lüften 648. Gott! 2. Gieb von den früchten dieser welt Uns unser nöthig theil, Und wenn der fleiß dir wohlgefällt, So schenk ihm glück und heil. 3. Durch deinen segen haben wir auch heute unser brod; Wir nehmens an und danken dir, Dir, vater, unserm gott! 4. Bernünftig froh laß im genuß, und stets uns mäßig seyn, Und schenkest du uns überfluß, Den dürftigen er freun. 2. Alles, alles, was ich seb, In den gründen, in der höh, schwebt, Was im tiefen meere lebt, Hofft, versorger! nur auf dich, Freuet deiner ga ben sich, Und du giebst sie mildiglich. 3. Ach! auch mich, auch mich erfreut Deiner gute mil digkeit. Du bists, vater! der mir schenkt, Was mich speis set, was mich tránkt, Reichlich schenkt, und gern es thut, Und im wohlthun nimmer ruht. D! wie ist mein gott so gut! Nach der Mahlzeit. 4. Dank, ach dank sey dir dafür, Milder geber! daß du mir Väterlich auch jest bescheert, Was mir unters halt gewährt, Daß ich auch mit frohem sinn, Was du Mel. Singen wir aus herzensgrund. gnädig mir verliehn, zu ge as den leib nießen fähig bin. 5. Hilf, daß ich beym nährt, hat uns unser gott überfluß Deiner gaben, im gewährt, Der uns alle gaben reicht, Dem im wohlthun keiner gleicht, Der die ganze weite welt, Wie es seinem rath gefällt, Durch sein all machtswort erhält. 649. erhält und genuß Niemals überhebe mich, Allzeit, höchster! fürchte dich, Und wenn ich mich ihrer freu, Auch aus menschenlieb dabey Eingedenk des armen sey. Tischlieder. 6. So werd ich zu deiner ehr, Wie du mir befiehlst, o berr! Froh genießen, was du mir Gnädig haft verliehen hier, Und mich hoffnungsvoll erfreun, Daß auch künftig du allein Werdest mein versorger seyn. Mel. Singen wir aus herzensgr. und wollust scheun. 650. Singt dem herrn lob, preis und dank! Froh erheb ihn mein gesang! Ihn, der täglich uns ernährt, Täglich uns viel guts gewährt. Er, der unser vater heißt, Der uns reichlich hat gespeist, seligkeit. Mel. Werde munter, mein. 481 Sey von uns auch jetzt gepreist. 2. Ja, mit freuden fingen wir Dank und lob, versorger! dir; Doch erhör auch unser flehn: Lehr du uns die kunst verstehn, Deiner gut uns recht zu freun, Laß uns fromm und måßig seyn. Uebermuth Abendges ånge. 3. Doch, da ich voll danks, fuf, o seele, werde erzähle, Wie so groß dein wohlthun war, Stellen sich auch meiner seele Die bes gangnen sünden dar. Ach! sie sind gewiß nicht klein; Wer ist, höchster! vor dir rein? In gedanken, wort und werken Fehl ich oft, ohn' es zu merken. 651.Af, munter! Lob ist immer deine pflicht; Denn die sonne geht zwar unter, Aber gottes gute nicht. Heut auch hat sie mich genährt, Trost und freude mir gewährt, Vor gefahren mich beschüßet, Und in schwachheit unterstüßet. 2. Ungebetet, hochgeprie fen Sen, mein treuer gott, von mir! Was du gutes mir erwiesen, Danft mein gan= zes leben dir. Du hast, war ichs schon nicht werth, Gnådig mein gebet erhört, Das ich heut, als ich erwachte, Dir, mein schöpfer, gläubig brachte. 3. Segn' uns ferner, unfer gott! Gieb uns unser täglich brod. Jedem laß zu seinem heil Nehmen sein benöthigt theil. Schenk uns, herr! zu friedenheit, Glück, gesundheit, einigkeit, Fried und einst die 4. Doch, von ernster reu durchdrungen, Wag ichs, gott! mich dir zu nahn. Sieh nicht die beleidigungen, Nein, mit gnade sieh mich an; Sprich mich frey von straf und schuld, Schenk mir wieder deine huld, Laß vergebung aller sünden, Mich in meinem mittler finden. 5. Gieb nun bis zum frohen h b Abendgesänge. 482 morgen Meinem leibe sanfte ruh. Durch dich schlaf ich ohne sorgen; Wenn ich schla: fe, wachst ja du. Seel und leib befehl ich dir; Walte mächtig über mir. Sey auch du der gott der meinen, 3áhl fie alle zu den deinen. 6. Ach! laß uns kein ban ges schrecken, Räuber nicht, nicht feuersglut, Plötzlich aus dem schlafe wecken; Halt uns fest in deiner hut. Hilf, wenn krankheit oder tod Uns im fichern schlafe droht; Soll ich aber plößlich sterben, So geschehs nicht zum verderben. 7. Gott, mein vater! ach erhöre, Was dein kind ven dir begehrt. Dir, sohn got: tes! dir zur ehre, Werd es mir durch dich gewährt. Heilger geist! laß mit vertraun Auf des mittlers tod mich baun. Hor, o gott, mein kindlich flehen! Amen! ja! es wird geschehen. Mel. Es ist gewißlich an der. 652. Mit preis und danke ich mich, Gott! tir, und falle nieder; Denn du erzeigtest heute dich Auch mir als vater wieder. Viel mehr, als ich erzählen kann, Hast du mir heute guts gethan: Wie soll ich, gott! dir dana ken? heut gegeben. Mich führte deine vaterhand; Dein wort, herr! lehrte den verstand, Und stårkte mein gemüthe. 3. Du hast mich heute vå terlich Gespeiset und getrån. ket, Behütet vor gefahren mich, 3um guten mich ge lenket, Und in versuchung halfst du mir, Für jeden an laß dank ich dir, Den da mir gabst zur tugend. 4. Doch hab ich auch vor dir, o gott! Unsträflich heut gewandelt? Nicht wider dich und dein gebot, Nicht wider mich gehandelt? Ach nein! zu oft vergaß ich dein, Und suchte nicht stets dir allein, Mein schöpfer! zu gefallen. 5. Ach! nimm die strafe von mir hin, Und laß mich gnade finden, Gieb mir noch Jesu Chrini finn, Und wasche mich von sünden; Und laß mich ru big diese nacht, Von deiner gur', o gott! bewacht, Und rein von fünden schlafen. 6. Ich übergebe, vater! dir Mich ganz mit leib und feele. du, mein trener gott! bey mir; Was ist dann das mir fehle? Weck' morgen mich zu rechter zeit, Und laß mich heiliger, als heut, Vor deinen augen leben. Mel. Wend ab deinen zorn. 653. Entflohen sind auch 2. Du, der erbålt, was er erschafft, Erhieltest mir mein stunden, An dem wir noch leben, Gesundheit, segen, des lebens glück empfunden; frieden, kraft, Hast du mir Mit frohem dank laßt uns Abendgesänge. den herrn erheben, Durch den wir leben. 2. Des lebens müh und elend zu versüßen, Giebt uns der herr viel freuden zu ge nießen; Und welche güter schenkt er unsern seelen! Wer kann sie zahlen? 3. Wie unwerth sind wir, vater, deiner treue! Prüf unser herz, es fleht zu dir voll reue. Ach laß es uns vor dir im glauben stillen, Um Chris sti willen. 4. Uns wohlthun ist dein göttliches vergnügen. Du, gott, beschirmst uns, wenn wir bülflos liegen, Und, wie entfeelt, umhüllt von finster: nissen, Von uns nichts wissen. 5. Wår dies für uns der lehte tag auf erden, Soll unfer schlaf ein todesschlummer werden, Dann wedst du uns, die wir uns dir' ergeben, 3um ewgen leben. 6. So legen wir getroft zur ruh uns nieder. Gehn wir erfreut die morgensonne wieder, Dann preisen wir mit heiterem gemüthe Des höchsien gute. Mel. Nun sich der tag geendet. 20 fliehen un 654. fre tage hin! Auch dieser ist nicht mehr. Die nacht, der müden trò: sterin, Eilt wieder zu uns her. 4 2. Herr! du nur bleibest, wie du bist, Du schlässt und schlummerst nicht; Die fin483 sterniß, die uns umschließt ,. Ist deinem auge licht. 3. Dir übergeb ich voll ver traun Mich auch in dieser nacht. Und wofür sollte mir denn graun? Mich schüzet deine macht. 4. Hab ich an deiner gnade nur noch theil, o herr, mein gott! So fürcht ich keine freac tur, Und schene nicht den tod. 5. Zwar ich erkenne meine schuld, Mit reue fühl ich sie; Doch, mein versöhner, deine huld, Wie trosivoll ist mir die! 6. Ich eil im glauben zu dir hin, Und weiß, wie sicher ich Im schatten deiner flügel bin, Du wacheft über mich. 7. Flieht, finstre forgen, weit von mir! Herr Jefv, du allein Sey mein gedanke! weibe dir Mein herz zum tempel ein. 8. Vielleicht ist dies die letzte nacht In meiner prüfungszeit. Dann führe mich durch deine macht 3um licht der ewigkeit. 9. Ich lebe dir, ich sterbe dir, Ja dein bin ich auch todt! Du, mein erret: er! bist ben mir, Und hilft aus aller noth. Mel. In dich hab ich gehoffet, herr. 655. Für alle gute fen Gott, vater, sohn und beilger geist! Ihr bin ich zu geringe; Vernimm den dank, Den lobges sang, Den ich dir kindlich finge. 2. Du habmst dich meiner herzlich an; Hast großes heut an mir gethan, Mir mein geH62 Abendgesänge. 484 bet gewähret, East våterlich Mein haus und mich Beschützet und genähret. 3. Herr! was ich bin, ist dein geschenk, Der geist, mit dem ich dein gedenk, Ein ruhiges gemüthe; Was ich vermag Bis diesen tag, Ist alles deine gute. 656. Mel. Nun ruhen alle wälder. err, der du mir das leben Bis diesen tag gegeben, Dich bet ich findlich an! Ich bin viel zu geringe Der treu, die ich besinge, Die du bisher an mir gethan. 2. Mit dankendem gemüthe Freu ich mich deiner güte, Sch freue mich in dir. Du giebst mir kraft und stårke, Gedeihn zu meinem werke, Und schaffst ein reines herz in mir. gnaden, Und in dem himmel ist mein theil. 4. Sen auch, nach deiner Mel. Nun ruhen alle wälder. lieb und macht, Mein schuts 657.Bef efreyt von sorg und, schirm in dieser nacht, und kummer Vergieb mir meine fünden; Ruht nun in süßem schlum. Und kommt mein tod, Herr mer Ein theil der müden zebaoth! So laß mich gnade welt. Erhebet euch, gedanfinden. fen! Erhebt euch, dem zu danken, Dem dank der herzen wohlgefällt. 2. Lobsinge, feel! und sage, Wie auch an diesem tage Dein gott dir wohlgethan. Durch Jesum dir verföhnet, Mit gnad und heil gekrönet, Bet ich dich, vater! kindlich an. 5. D! leite mich im segen Dem großen ziel entgegen, Wohin dein wort mich weißt. Mein leben und mein ende Ist dein; in deine hånde Befehl ich, vater! meinen geist. 3. Gott, welche ruh der sees len, Nach deines worts befeh: len, Einher im leben gehn! Auf deine gute hoffen, Im geist den himmel offen, und dort den preis des glaubens sehn! 3. Dein ist, daß ich noch lebe, Jetzt deine treu erhebe, Mich deiner liebe freu. 3u jeglichem geschäfte Berliehst du mir die kräfte, Und standest mir auch mächtig bey. 4. Bewahrt vor herben lei den, Ward ich mit speis' und freuden Bey meinem fleiß er quickt. Wie viel annehmlichkeiten hat nicht von allen seiten Mein aug' in dieser welt erblickt! 4. Ich weiß, an wen ich glaube, Und nahe mich im ftaube 3u dir, o gott, mein heil! Ich bin der schuld entladen, Ich bin bey dir in erheitert, Und freud das herz 5. Nicht für den andern morgen Mit gram und angst zu sorgen: Dies glück verleibst du mir; Wenn sich die stirn Abendgesänge. 485 erweitert, Auch das ist ein geschenk von dir. 6. Du lenktest thun und dichten, Da mir bey meinen pflichten Das fleisch oft wis derstand. Durch dich ists mir Daß weis Dir haabe, leib und feele, Und schlaf in sichrer ruh. Ich trau auf deine gnade; Was ist wohl, das mir schade? Ul. mächtiger, mein schuß bist du! Mel. Nun ruhen alle wälder. sinkt die sonne gerungen Der finnlichkeit doch 658.ter, before überwand. 7. 3war straucht' ich oft und gleite, Ich weiß, mein gott, auch heute Sind mei: ner fehler viel; Doch du hast mich geleitet, Und, wenn mein fuß gegleitet, Es nicht gestattet, daß ich fiel. 8. Umsonst sinnt mein gemüthe, Wie es, herr! deine gute Nach würden preifen soll. Doch hat es sie empfunden; Denn jede meiner stunden Ist, vater! deines wohlthuns voll. 9. Stets bist du hoch zu loben. Von deiner liebe proben Beugt nicht der tag allein, Gott! deine liebe wollte, Die stille nacht auch sollte Für uns reich an erquickung seyn. 10. Wenn wir im schlaf vergraben, Selbst kein be: wußtseyn haben, Umschließet uns dein schuß. Will mich mein gott beschirmen, So biet ich allen stürmen, Und aller list der bösen truß. 11. Ich darf nicht ängstlich beben, Denn mir bewahrt mein leben Der selbst, der mir es gab; Bis ich es hier be: schließe, Dort seines lichts genieße, 3ieht er von mir die hand nicht ab. 12. Nun, vater! ich befehle nacht kommt wieder, Und mit ihr schlaf und ruh. Sie schenkt uns neue kråfte, Bes schließt die tagsgeschäfte, Und drückt die müden augen zu. 2. Noch wach ich und ers zähle Mit tief gerührter seele, Was gott an mir gethan. Sey dankbar, mein gemüthe! Sing deines schöpfers gute; Er hört dein stilles loblied an. 3. Von ihm kömmt jede gabe, Das leben, das ich habe, Die ruhe dieser nacht. Er ist der quell der guter, Mein schuß und mein behúz ter, Der, wenn ich schlummre, für mich wacht. 4. Er låßt es finster werden, Und hüllt den kreis der erden In sanfte dunkelheit; In städten und in wäldern, Und auf des landmanns fel= dern, Herrscht todte stille weit und breit. 5. Er führt aus dunkler ferne Den mond und tausend sterne Mit majeståt herauf; Sie leuchten, ihm zur ehre, Hoch über erd und meere, und seine hand lenkt ihren lauf. 6. Voll ordnung, pracht und stärke, Steyn lauter wun Abendgesänge. 486 derwerke In seiner schöpfung da. Sobald er rief: es wer: de! So standen meer und erde Und alle welten herrlich da. 7. Herr! deinen ruhm zu fingen, Dir täglich dank zu bringen, Ist meine schönste pflicht. Du kennst das herz der deinen, Du weist es, wie wirs meinen, Und unser lob mißfällt dir nicht. 8. Dir wird mein kindlich lallen Einst ewig wohlgefal len, enn mein verklärter geist, Bom förper losgerungen, 3um lichte durchgeorungen, Mit allen seligen dich preist. Mel. Christ, der du bist der helle. herz in mir! Gedanke, wie erschrichts vor dir! Der tod vollendet mich vielleicht, Eh' diese nacht dem morgen weicht! 6. Vor einem bösen schnel len tod Bewahre gnädig mich, o gott! 3ur besserung, zur frömmigkeit Gieb, mein er: barmer, mir noch zeit! 9. Von dir bewacht, entso viel tagen, nun; Laß mich in 659. 3 die mit fchon fanfier ſtille rubn. Mein erſtgefühl nach meiner ruh Sey mein gelübde, gott, sey du! 7. Erhöre väterlich mein flehn, Laß mich den morgen wieder fehn; Verkürze meine tage nicht, Führ nicht sobald mich ins gericht. 8. Von allem bösen vorsatz rein Will ich dir ganz mein leben weihn. Kein tag foll wieder mir entfliehn. Es segne denn dein beyfall ihn. 4. Der tod vollendet mich vielleicht, Eh' diese nacht dem morgen weicht, Und fübret mich, wie ich hier bin, Vor gott, vor meinen richter, bin! 5. Wie angstvoll bebt mein Von meiner prüfungszeit entflohn, Stürzt sich auch dieser, den ich heut Durchlebt, ins meer der ewigkeit. 2. Gott, dessen auge mich bewacht, Gott wie ich Prüfung am Abend. Mel. Nun danket alle gott. er tag wieder ibn zugebracht; Was ich gc: 660.nd dies gedacht, geredt, gethan, Sah er genau und merkt es an. 3. O feele! fodert er dich nicht um diesen tag einst vors gericht? Hängt nicht dein lees in ewigkeit Auch mit an die sem punkt der zeit? sen theil des lebens, Wie hab ich ihn verbracht? Ver: strich er mir vergebens? Hab ich mit allem ernst Dem guz ten nachgestrebt? Hab ich vielleicht nur mir, Nicht meiner pflicht gelebt? 2. Wars in der furcht des herrn, Daß ich ihn angefan gen? Mit dank und mit ge bet, Mit eifrigem verlangen, 21s ein geschöpf von gott, Der tugend mich zu weihn, Abendgesänge. Und züchtig und gerecht, Und gottes freund zu seyn? 3. Hab ich in dem beruf, Den gott mir angewiesen, Durch eifer und durch fleiß, Ihn, diesen gott, gepriesen? Mir und der welt genügt, Und jeden dienst gethan, Weil ihn der herr gebot, Nicht, weil mich menschen sahn? 487 8. War mirder fehltritt leid, Sobald ich ihn begangen? Bestritt ich auch in mir Ein unerlaubt verlangen? Und wenn in dieser nacht Gott über mich gebeut, Bin ich, vor ihm zu stehn, Auch wil lig und bereit? 7. Hab ich die meinigen Durch sorgfalt mir verpflichtet, Sie durch mein beyspiel still 3um guten unterrichtet? Bar zu des mitleids pflicht Mein herz nicht zu bequem? Ein glück, das andre traf, War dies mir angenehm? 9. Gott! der du alles weißt, Was könnt ich dir verhehlen? Ich fühle täglich noch Die schwachheit meiner feelen. Vergieb durch Christi blut Mir die verlegte pflicht, Vergieb und gehe du Nicht mit mir ins gericht. 10. Ja, du verzeihest dem, Den feine fünden kránken; Du liebst barmherzigkeit, Und wirst auch mir sie schenken. Auch diese nacht bist du Der wächter über mir; Leb' ich, so leb' ich dir, Sterb' ich, so 4. Wie hab ich diesen tag Mein eigen herz regieret? Hat mich im stillen oft Ein blick auf gott gerühret? Er: freut ich mich des herrn, Der unser flehn bemerkt, Und hab ich im vertraun Auf ihn mein herz geſtärkt? 5. Dacht ich bey dem ge: nuß Der güter dieser erden Un den allmächtigen, Durch den sie sind und werden? Berehrt ich ihn im staub, Em. pfand ich feine huld? Trug sterb' ich dir. ich das glück mit dank, Den unfall mit geduld? Am Sonnabend Abend. Mel. Christ, der du bist der helle. 6. Und wie genoß mein herz Des umgangs füße stunden? 661. 11nwiederbringlich Füblt ich der freundschaft glück? Sprach ich, was ich empfunden? War auch mein ernst noch fanft, Mein scherz noch unschuldsvoll? Und hab ich nichts gered't, Das ich bereuen soll? Die tage, die uns gott geliehn. Die woche kommt und eilt davon; Vergangen ist auch diese schon. 2. Dank dir, du ewigtreuer ' gott, Für deinen beystand in der noth, Für tausend pros ben deiner treu! Denn deine huld war täglich neu. 3. Wenn unser herz von schuld befreyt, Sich mancher guten that erfreut, Wes war die kraft? wer gab gedeihn? Dir, herr! gebührt der ruhm allein. 488 4. Oft feblten wir, und merkten's nichts; Verzeih uns die verlegte pflicht. Du siehst, erbarmer, unfre reu; Um Christi willen sprich uns frey. 5. Wir eilen mit dem strom Abendgesänge. regiere du mein leben, Und mein innigstes bestreben Sey, es dir zum dienst zu weihn. O wie selig werd ich seyn! Nach der Arbeit. Mel. Nun lob, mein seel, den. der zeit Stets näher hin zur 663. Dein name feyers Du die zugezählt, Die legte weislich uns verhehlt. 6. Herr unsers lebens! mache du Uns selber recht geschickt dazu, Daß nicht, indem wir sicher sind, Der tod uns unbereitet find'. 7. Ist einst die zahl der stunden voll, Die unser loos entscheiden soll, So führ uns aus der prüfungszeit Zu deis ner frohen ewigkeit. 8. Da sind wir unsers heils gewiß, Da wechseln licht und Abendlied im Leiden. Mel. Nun sich der tag geendet. finsterniß nicht mehr, wie 664.Auch dieſen tag bab du ewges Herr, unser gott, verlaß uns nicht! Abendlied eines Kindes. Mel. Jesu, meines lebens. vollbracht, Mit aller seiner noth; Nur deiner vaterlieb und macht Verdank ich es, o gott! 2. Wärst du nicht meines 662. allgútigfter er lebens kraft, Mein retter und mein heil, So würd in meis ner wanderschaft Kein trost mir je zu theil. 3. Uch! ohne dich, allgütigster! Berging ich in der noth, Bon trost und aller hoffnung leer Wår ohne dich mein tod. 4. Doch welchen troft fühlt nun mein herz! Du bist und bleibst mein gott; Dein wort versüßt mir jeden schmerz, Und lindert jede noth. 5. Froh kann ich mich dem schlaf vertraun, Auch schla halter! Meine feele preiset dich; Denn mein jugendliches alter Blühet und gedeiht durch dich. Jede stunde meines Lebens Gabst du mir, gott! nicht verges bens, Sondern mir zu meis nem glück; Legt ich sie doch gut zurück! 2. Fröhlich könnt ich jetzt dem schlummer Dieser nacht entgegen sehn, Und einst ohne pein und fummer Auch zu meinem grabe gehn. Herr! vater der barmherzigkeit! Du, der so oft von oben Mit kraft und stärke mich erfreut! Die arbeit meiner hände Geseg: netest, herr! du. Dein fey der ruhm, ach sende Mir ferner hülfe zu, Daß ich das meine thue, Als treuer fnecht, als christ, Bis felig: keit und ruhe Mein theil auf ewig ist. In besondern persönlichen Umständen. 489 fend bin ich dein; Bor kei: nacht Des leidens letzte seyn; nem unfall foll mich graun, Wohl mir! dann ist mein Du wirst mein helfer seyn. lauf vollbracht, Vollbracht 6. Und sollt, o vater! diese des lebens pein. In besondern persönlichen Umständen. Am Geburtstage. Mel. Wer nur den lieben gott. 665. rwache fröhlich, 666. mein gemüthe! leben Ein jahr, ein großer theil dahin! Dir dank ich, der du mirs gegeben, Herr, meiner zeit! daß ich noch bin. Für alle deine gut und treue, Der ich bis diesen tag mich freue, Der ich nicht werth bin, preis' ich dich. Mein vater! auch in diesem jahre, Wenn ichs vollenden soll, be= wahre Mit deiner weisen vors sicht mich. 2. Wie sind die tage meis nes lebens Bis hieher mir so schnell entflohn! Ach! lebt ich auch bisher vergeben?? Reif ich vielleicht zum tode schon? Könnt ich mit freudi: gem vertrauen, Mein himm-. lisch vaterland zu schauen, Nun durch die nacht des grabes gehn? Könnt ich mit frobem angesichte Vor dir erscheinen im gerichte, Vor dir, allwissender! bestehn? 3. Entfernt von weisheit und von tugend, Betrat ich meines lebens bahn; Mich flagt die fünde meiner jugend, Vor dir und vor mir selber an. Von meinem leichtsinn hingerissen, Betäubt ich enda Jetzt, da der leib vom schlaf erwacht, Schwing dich zum vater, dessen güte Mir diesen tag zur freude macht. Stimm, herz und mund, ein danklied. an; Der herr hat wohl an mir gethan. 2. Ein jahr ist wiederum verflossen, Ein jahr von mei: ner lebenszeit; Unzählig guts hab ich genoffen Von dir, dem gott der gütigkeit. Du gabst, vergabst, und standst mir bey; Ja, vater, ja, du bist getreu! 3. Wie soll ich deine huld erheben? Gott! du bist groß, mein dank ist klein. O, möchte doch mein ganzes leben Ein dank für deine gnade seyn! Nimm, gott! durch den ich fröhlich bin, Mein treues herz zum opfer hin. Mel. Wie wohl ist mir, o freund. chon wieder ist von meinem 4. Herr, dessen treu auf allen wegen Mir nahe, sicht: bar, tröstlich war!! leg auch einen vatersegen Auf dieses neue lebensjahr. Gott! der du weis und gütig bist, Gieb mir stets, was mir nüglich ist. 490 In besondern persönlichen Umständen. lich mein gewissen, Hort ich nicht dich nicht meine pflicht. Von zügellosen trieben brannte Mein junges herz, ich lebt und kannte Die absicht mei nes lebens nicht. fleisches triebe, Der innen aufruhr nicht gestillt. 7. Ach! rufe noch nicht von der erde Mich, ungeschickt zum himmel, ab; Verzeuch, bis ich vollkommner werde, Dann erst eröffne mir das grab. Noch brauch ich jahre, mich zu står: ken, Im glauben und in guten werken, 3u wachsen in der heiligung; Du kennst uns menschen, wie geschwinde Vera tiefen wir uns in die sünde! Wie langsam ist die besserung! 8. Das hoff ich, daß du mich erhörest, Du vater der barmherzigkeit! Ich hoffe freu. dig, du gewährest Zu meiner besserung mir zeit. Herr! ich will nicht mehr sie verschwen den, Gewissenhaft sie anzu wenden, Sey mir unendlich theure pflicht. Gieb. daß an jedem meiner tage mir mein gewissen ernstlich fage: Ver giß, wozu du lebest, nicht! 4. Wie kann ich würdig gnug dich loben! Du führtest mich zurück zu dir, Du stilla test meiner lufte toben, Schufft einen menschen, gott! aus mir. Ich sah die drohenden gefahren, Die meiner laster früchte waren, Sab, wie ge: recht und gut du bist, Bereute meiner fünden freuden, Entschloß mich ernstlich, sie zu meiden, Bat dich um gnad, und ward ein christ. 5. Du sahst mein herz; o gott! ich wollte Dich lieben, dir gehorsam seyn; Mein ganz zes leben, wie ich sollte. Vers ſprach ich deinem dienst zu weihn; Die mich, wollt ich die brüder lieben, In guten thaten stets mich üben, Mit freuden und mit redlichkeit; Die fünde wollt ich ewig has: fen, Bon deinem geiſt mich 667.11n6 beilig follo lassen, wachsen in der frömmigkeit. Christlicher Eheleute. Mel. Wie schön leucht't uns der. ns der ehstand seyn! Du, schöpfer, fet est selbst 6. Siis möglich, daß ichs ihn ein, Der welt zum glúdk dir verheble? Berdammt mein und segen. Noch immer fließt eignes herz mich nicht? Ist in diesem stand aus deiner in der tiefe meiner feele milden vaterhand Den from: Nicht alles deinem auge licht? men heil entgegen. Stifter! Wie oft hab ich den bund Stifter! Dich erböhen, Die gebrochen, Wie selten, was in ehen Dein sich freuen, ich dir versprochen, So fest beschworen hab', erfüllt! Noch immer fühl ich fünden: 2. Wie glücklich lebt ein liebe, Noch immer sind des frommer mann, Wenn die fein Durch dich blühen und ges deihen. In besondern persönlichen Umständen. 491 herz ihm abgewann, Die gott üppigkeit Auf freuden, die ihm außersehen! Wie glück lich lebt an seiner hand Die fromme, die gott ihm verband, Ihm hülfreich beyzustehen! Heil euch! Heil euch! Fromme gatten! In dem schatten Seiner güte Jauchzt mit fröhlichem gemüthe. 3. herrn, man nie bereut, Auf freuden ächter tugend. Selbst unser hohes alter sey Von drückens den beschwerden frey, Noch munter gleich der jugend. Segne, Segne, Unser vater, Näher, rather, Schuß der ehen, Uns, die wir auf dich nur sehen! Sie sind gesegnete des Sie fliehet haß und argwohn fern, Um sie glänzt einer schwangern Frau. mel. Es woll' uns gott genådig. laft des kreuzes sich, Sie tra: 668. u baſt, o weiser gen sie gemeinschaftlich, Daß fie fie nicht ermüde. Wenn fie Beten, Wirds gott hören, Leiden wehren, Schmerzen lindern, Und des freuzes bür de mindern. 4. So strecket sich weit um ein haus Ein rebenreicher weinstock aus, So blühn auch ebgenoffen. Ringsum um= pflanzen ihren tisch Die kin: der fröhlich, munter, frisch, Wie junge frühlingssprossen. Sorgt nicht! Gorgt nicht! Wie viel beter Zählt ihr vás ter, Zählt ihr mütter! Sorg und müh ist hier nicht bitter. 5. Gott! der du auch an uns gedacht, Hab auch auf uns, noch ferner acht. Daß uns kein segen fehle. Laß nie uns unsern bund entweiba, Keusch laß uns, friedsam, zärtlich seyn, Ein herz und eine feele. Heilge, Heilge, Gott der liebe, Unfre liebe! Gieb uns gnade, Stets zu wandeln deine pfade. 6. Lenk ab das herz von Jeht leibesfrucht gegeben; Von herzen dank ich dir das für, Du herr von meinem le= ben! Erbeten war sie, gott! von dir, Du ließest fie mir werden! Ach, laß sie auch, zur ehre dir, Dein eigenthum auf erden, Und einst dein erbe werden. 2. Behüte mich bey tag und nacht Vor sorgen, furcht und schrecken; Laß mich, gott, Deine gut und macht Vor allem unfall decken. Es kann dein liebreich augenmerk Dem unglück leicht gebieten. Ach! schüße deiner hände werk; Nur du kannst mich behüten, Und meine frucht bewahren. 3. Gieb meinem finde eine feel Geschmücket mit verstinde, Und die den tugendweg erwähl, Und fliehe sünd und schande. Gieb ihm auch einen muntern leib; Du kannst ges brechen wehren. Und wenn, o gott! ich schwaches weib Mein kind nun soll gebähren, So hilf du mir in nöthen. 492 In besondern persönlichen Umständen. 4. Ja, kommt, gott! meine 3. Sollt ich für so reiche stund und zeit; Dann stårke gute Dir nicht herzlich dank mich in gnaden, Entbinde bar seyn? Mit frohlockendem mich zu rechter zeit, Behüte gemüthe Mich vor dir nicht mich vor schaden. Gieb zur immer freun? O wie theuer geburt mir muth und kraft, sind sie mir! Und hab ich sie Und lindre meine schmerzen. nicht von dir? Ja, mein gott, Du bist es, der mir hülfe wie manchen segen Schenkst schafft, Sch sieh aus ganzem du mir auch ihrentwegen! herzen, Erhöre mich, o vater! 5. Und wenn mein liebes kind nun ist Gesund zur welt gekommen, So laß es, o berr Jefu Chrift! Dann werden aufgenommen In deinen taufund gnadenbund; Schenk du ihm geistlichs leben. So soll, o gott! mein herz und mund Stets deine gut erheben, Und lob und preis dir bringen. Der Eltern für ihre Rinder: Mel. Freu bich sehr, o meine feele. ir befehl ich 669. Dit meine kinder, Der mit ewger gnade krönt! 3war auch sie sind vor dir sünder, Doch durch Jesum dir versöhnt, Und dir, vater, sohn und geist! Gott! den unser glaube preist, Dein zu seyn und dir zu leben, Durch den taufbund übergeben. 2. Ihr gelall hast du erhöret, Ihre schwachheit unter stust, Sie verpfleget, sie genáhret, Und durch engel sie beschützt; Engel schaun dein angesicht, und doch schämen sie sich nicht Der beschirmung dieser kleinen, Die uns oft verachtet scheinen. 4. Du, mein schöpfer und erhalter! Bist von kindheit auf mein gott, Bleibst mein gott auch einst im alter; Sey auch meiner kinder gott. Segne und bebüte sie; Deine furcht erfül' sie früh, Daß sie, dir zum wohlgefallen, Jung schon deine wege wallen. 5. Wie viel lockende gefah: ren Warten ihrer in der welt! Ihr verstand ist unerfahren, Welttand schimmert und ge fällt; Auch ihr herz ist bald erweicht, Boses benspiel haf tet leicht; Groß ist die gewalt des spottes, Er vertilgt oft selbst furcht gottes. 6. Ach! daß sie mit furcht dir dienen, Ist nur dein werk; ach! nimm nie Deinen heil gen geist von ihnen, Daß ihr fuß verführer flieh, Und ich einst voll zuversicht, Daß der Lüste gift nun nicht Ihr unschuldig herz verderbe, Froh sie segne, wenn ich sterbe. 7. Keiner unter allen wer: de, Das, das bitt ich, herr, mein gott! Se den freunden zur beschwerde, Noch den feinden je zum spott. Sey ihr schild und fester stab, Daß fie sich bis in ihr grab Harten In besondern persönlichen Umständen. 493 mangels stets erwehren, Sh- weiht, Heilig dir mein ganz res fleißes redlich nähren. zes leben! Denn aus freyer mildigkeit Hast du selbst es mir gegeben, Es durch eltern mir verliehn, Die zur tugend mich erziehn. 8. Nicht bitt' ich, daß du mit leiden Ihre herzen ganz verschonst; Nicht, daß du mit steten freuden Ihrer tugend hier schon lohnst; Nicht, daß du sie hoch erhebst, Ihnen großen reichthum gebst, Je den anschlag stets erfüllest, Jeden ihrer wünsche stillest. 2. Gott, der du sie mir ersahst! Du hast sie mir auch erhalten. Du läßt, drückt sie schon die last, Ihren eifer nicht erkalten, Giebst für mich auch ihnen glück, Ordnest mir auch ihr geschick. 9. Gieb du ihnen, o all weiser! Wie es långst dein rath bedacht, Das nur, was fie frommer, weiser Und zum himmel reifer macht. Nie kann eine ganze welt, Wenn ihr reiz die feele fällt, Nie von allen ihren schäßen Den verlust der seel' ersetzen. 3. Sie, fie haben schon, als ich mich zu fühlen kaum begonnte, Als ich selbst noch nicht für mich Denken, for gen, wählen konnte, Stets für mich, von treu beseelt, Ueberdacht, gesorgt, gewählt. 10. Doch was ich zu bitten wage, Find ein gnädiges gebór! Kann es seyn, laß ihre tage nicht an freuden gånzlich leer; Werden sie geprüft durch dich, Gott! so fey es våterlich, Und dann laß es ihren seelen Nicht an trost und stårke fehlen. 5. Sollt ich diese liebe nicht Immerdar zu herzen nehmen? Ach! der oft verlegten pflicht Muß ich, gott! vor dir mich schämen. O wie so beschämt steh ich, O wie krånkt mein undank mich! 6. Laß hinfort, wie du verlangst, Jede kindspflicht mich erfüllen. Denn wie oft hat sorg und angst Sie beschwert um meinentwillen; Tief ver= wundete mein schmerz, Wenn ich litt, ihr zitternd herz. 7. Hilf, daß gegen sie mein mein dank ge- berz Kindlich sey, und nicht 11. Jener siegstag der gerechten Sey auch mir ein freu: dentag; Hilf, daß zu des rich ters rechten Auch nicht einer fehlen mag. Dann frohlock' ich: richter, sieh! Hier bin ich; hier sind auch die, Die dein vater mir verliehen, Sie dem himmel zu erziehen! 4. Welche wohlthat, gott! daß sie Ihren besten fleiß mir schenken, Und mein sündlich herz schon früh Von der sünd aufs gute lenken, Stets auf meine wege schaun, Liebreich meine wohlfahrt baun! DerKinderfürihre Eltern. Mel. Jefus, meine zuversicht. 670.ir, gott, fey 494 In besondern persönlichen Umständen. trifft sie ein schmerz, 3u dir heiße záhren weine; Für ihr glück dir dankbar sey, Und mich ihrer freuden freu. bloß scheine, Und daß ich, geht mir treu zur feite? Wer warnt mich, wenn gefahren drohn, Und lehrt mich in der ferne schon, Daß sie mich nicht erreichen, Die klugheit, auszuweichen? 3. Eh ich dich kannte, hast du mich Im mutterleib bereis tet, Und durch die kindheit väterlich mich bis hieher ge leitet. Jeßt, herr! da ich dir danken fann, Nimm dich auch meiner jugend an, Daß ich auf meinem wege Un stråflich wandeln möge. 4. Mein herz, noch unver führt und rein, Ist jung und unerfahren; Wie leicht, ges blendet durch den schein, Stürzt es sich in gefahren! Ach! mache mich mir selbst bekannt, Und gieb mir weis: heit und verstand, Stets auf dein wort zu schauen, Und nie mir selbst zu trauen. 5. Du pflanztest, herr! in meine brust, Die triebe zun Lied eines Jünglings. vergnügen; Ach! stärke mich, Mel. Ermuntre mich, mein. den hang zur luft Der sunde trete vor dein Dein unaus 671. Sangesicht, Du bleibliches gericht Bergeſſe meine feele nicht, Und lehr' mich, fromme freuden Bon lusten unterscheiden. schöpfer meiner jugend! Ver wirf mein findlich flehen nicht, Um weisheit und um tugend. Der du den säugling beten lehrst, Und gern sein stamm lend flehen hörst, Hor' auch mit wohlgefallen Mein betend lied erfchallen. 6. Von dir, o gott! werd ich bewacht, Bin ganz mit dir umgeben; Vor dir bedeckt nicht mitternacht, Noch ein samkeit mein leben. Die sún: de, die im finstern schleicht, Verbirgt vor menschen sich viel leicht; Vor deinem angesichte Steht sie im hellen lichte. 8. Jesus, stelle mir dich dar, Du, das beyspiel from: mer finder! Du, der herr vom himmel war, Gottes sohn, das heil der fünder, Warest doch von kindheit an Deinen eltern unterthan. 9. Lust und freude seys auch mir, Felgsam seyn; denn das ist billig, Und gefällt auch, höchster! dir, Mache du mich dazu willig. Dann nur, vater! wird auch mein Dein verheißner segen seyn. 10. Lang erhalte sie mir doch. Hor, o gott, mein zárt lich flehen! Laß im späten ålter noch Sie an mir nur freude sehen; Und erhör'auch ihr gebet, Das für mich um weisheit fleht. 2. Mein weg ist schlüpfrig; wer erhält Mich, daß mein fuß nicht gleite? Wer führt mich sicher in die welt, Und In besondern persönlichen Umständen. 495 Laß nicht umsonst seyn, seg: ne sie; Laß auch durch mich auf erden Dein werk gefördert werden. 7. Den leichtsinn, der mich oft verführt, Das böse zu erwählen, Den ehrgeiz, der den stolz gebiert, Das merk mal schwacher feelen, Die trägheit, die den geist verzebrt, Und jeden trieb zum laster nährt; Laß nie zu ihren sünden, gott! mich willig finden. 8. Wenn sich auf meiner jugend bahn, Mich in ihr net zu ziehen, Vérführer, meiner seele nahn, So laß mich fluglich flichen. Ihr süßes locken mein herz von Dir und meiner pflicht, 3hr 672. Seinsamkeit zu die Mel. Ermuntre dich, mein. will spotten und ihr lachen Laß nie mich wankend machen. mein herz erheben! Du selber wollst mir freudigkeit Dich anzurufen geben. Bernimm, o vater! mein gebet, Das nicht aus falschem munde geht; Um deiner liebe willen, Eil, herr! es zu erfüllen. 2. Du bist mein vater, ich dein kind, Mein heil ist, dich zu lieben. Ach! mache mich dir gleich gesinnt In allen meinen trieben. Laß meine fcele keusch und rein, Und treu in deiner liebe seyn, Und suchen, dir vor allen, D vater! zu gefallen. 9. Der glaub an Jesum bleibe mir, gott! unendlich wichtig; Denn er macht mich gerecht vor dir, Und meine steige richtig. Nicht zweifel, die ein berz erzeugt, Das sich zur sündenliebe neigt, Noch lust zu widersprechen, Laß meinen glauben schwächen. 10. Der tugend- heilige mich ganz, Mein schöpfer und er halter! Sie werde meiner jugend glanz, Und einst mein trost im alter. Erhalte mein gewissen rein, Laß keinen meiner tage seyn, Der nicht zu deiner ehre Geschmückt mit tugend wäre. 11. Ach! lehre mich den werth der zeit, Daß ich sie nie verschwende. Daß ich mit fluger thätigkeit Auf weis: heit sie verwende. Gott! meiner jugend fleiß und müh 12. Erhöre gnädig mein gebet, Du schöpfer meiner. jugend! Erhör es, meine feele fleht Um weisheit und um tugend. Mein ganzes leben dank ich dir; Weich nur, ers barmer! nicht von mir, Das mit ich meine wege Unsträflich gehen möge. Lines jungen Frauenzimmers. 3. Vor stolzer selbstgefälligkeit Bewahre meine jugend; Ihr vorzug sey bescheidenheit, Und ihre schönheit tu gend. Gieb mir den sanften stillen geist, Der dich durch feine demuth preist, Den nächsten nicht verachtet, Sich selbst zu bessern trachtet. 496 In besondern persönlichen Umständen. 4. Die lust der eitelkeit gang, der verführung droht, laß nicht Mein junges herz Herr! lehr' mich fliehen als entzünden; Sie macht mich den tod, Und willig alle untreu meiner pflicht, Und freuden Der wilden weltlust bahnt den weg zu sünden. meiden. Gesuchte zier und pracht der welt Ist nicht der schmuck, der dir gefällt; Du willst, ich soll bescheiden. Mit ehrbarkeit mich kleiden. 9. Die frevler, die mit ih rem spott Sogar dein wort beflecken, Vertreibe fern von mir, o gott! Daß sie mich nicht erschrecken. Dich låstern sie und deinen sohn, Und sprechen deiner wahrbeit hohn. Unselige verführer! Erbarm', erbarm' dich ihrer! 10. Laß fromme freundinnen in mir Ein herz, wie ihres, finden, Verknüpf durch unschuld uns, daß wir Der freundschaft glück empfinden. Laß unfre liebe fanft und rein, Wie deiner engel um. gang, seyn, Daß nimmer unsre seelen Neid oder argwohn quälen. 5. Preis dir und dank, mein schöpfer, gott! Du gabst mir eine seele. Preis dir und dank, mein mittler, gott! Du starbst für meine feele. Mein leib ist doch nur asch und staub, Nie wird mein geist des to bes raub, Mein erst geschäft auf erden Sey, schön am geist zu werden. 6. Gott! lehre du mich eilen, ihn mit weisheit aus zuschmücken; Denn meine tage fliehn dahin, Gleich schnellen augenblicken. Gieb, daß zu tráger tåndeley Mir meine zeit zu kostbar sey, Und laß es mir gelingen, Sie nüglich zuzubringen. 7. Bewahr mein auge, daß es nie Unreine lust entzünde, Und meine rede, gott! daß fie Niemand zweideutig fin de. Die unschuld sey mein liebster ruhm, Ein guter ruf mein eigenthum, Den jeder gern mir gönne, Und niemand låstern könne. 8. Bewaffnet sey mit ernst mein blick, Mit ernst der keu= schen tugend; Seht ihn, und bebet scheu zurück, Versucher frommer jugend! Den um 11. Schickst du einst einen freund für mich, So gieb, daß ich ihn wähle; Er sey ein christ und fürchte dich, Und lieb auch meine seele. Laß seines hauses edle zier Mich werden; gott! laß ihn in mir Die beste deiner gaben Für dies sein leben haben. 12. Dèr du mich selbst durch dein gebot Den weg zum heile lehrest, Ich will dich preisen, meinen gott, Daß du mein flehn erhörest. Sch opfre dir, mein lebenlang, Der unschuld und der tugend dank; Dort will ich in den choren Der engel dich verehren. In besondern persönlichen Umständen. 497 Im Alter. und zuversicht, Mein schöpfer Mel. Ich ruf zu dir, Herr Jesu. und erhalter! Verlaß, verlaß 673. Sieh, feele! hin auch jetzt mich nicht In schwachter dich zurück Auf die durchlebten jabre. Uuch vor dich hin wirf einen blick; Was fiebst du? grab und bahre. Ich bin schon alt; Wie bald, wie bald Sind meine zeit und stunden Hier verschwunden! Nach kurzem aufenthalt Werd ich nicht mehr gefunden. beit und im alter. Die zeit eitt hin, Die kráfte fliehu, Mir zeigen meine jahre Nab die babre; Gieb, daß, so lang' ich bin, Ich deine kraft erfahre. 2. Gott! was ich bin, bin ich durch dich; Erwåg es, mein gemüthe! Auf vaterhånden trugst du mich, Dein weg war lauter gute. Herr, ruhm sey dir! Denn du hast mir In meinem langen leben Biel ge. geben; Was geb ich dir dafür? Wie soll ich dich erheben? 3. Du, meines lebens grund und fraft. Mein gepriesen! Du haft auf mei ner wanderschaft Mir sind: lich guts erwiesen. Gott! du bast mich Oft wunderlich, Und doch stets wohl geführet, Wobl regieret; Im kummer selbst hab ich Dich nah und treu gespüuret. 4. Ich hab' durch deine kraft und stark, Was schwer. war, überstiegen; Du machtest ein mir furchtbar werk Mir oft mals zum vergnügen. Du, gott der buld! Hast mit geduld, Da fünden auf mir lagen, Mich getragen; Uch! tilge noch die schuld Bon al len meinen tagen.. be 5. Mein gott, mein fels 6. Komm und erlöse mich! ich bin Von langem kampfe múde; Nimm meine feele bald dahin, Wo wohnt dein ewger friede. Schließ meinen lauf; Froh hoff ich drauf, Ich werde nach dem sterben nicht verderben; Verklärt steh ich einst auf, Die felig, keit zu erben. Unter den BeschwerlichFeiten des Alters. Mel. Nun ruhen alle wälder. 674.Durch viele große mich der berr getragen, Bon mei, ner jugend auf; Ich sah auf meinen wegen Des höchsten hand und segen, Er lenkte meines lebens lauf 2. Sein weg war oft vers borgen; Doch wie der helle morgen Uus dunklen nächten bricht, So hab ich stets gespåret, Der weg, den gott mich führet. Bringt mich durch finsterniß zum licht. 3. War menschenbülf' vers gebens, So kam der herr des lebens, Und half und machte bahn. Wußt ich mir nicht zu rathen, So that gott große thaten, Und nahm sich mách. tig meiner an. E In besondern persönlichen Umständen. 498 4. Bis in des alters ta gen Will ich dich liebreich tragen, Und dein erretter seyn, Dies hat mir gott ver: sprochen, Der nie sein wort gebrochen, Ich werde sein mich ewig freun. 5. Er wird mir schwachen alten, Was er verheißen, halten; Denn er ist fromm und treu. Bin ich gleich matt und müde; Er giebt mir troft und friede, Und steht mit muth und fraft mir bey. 6. Nach wenig bangen stunden, Hab ich ganz über wunden; Ich bin vom ziel nicht weit. Triumph, o welche freuden Sind, nach den legten leiden, Vor gottes thron für mich bereit! 7. Ich warte froh und stille, Bis meines gottes wille Mich nach dem kampfe front; An meiner laufbahn ende, Sink ich in Jesu hån: de, Der mich dem richter hat versöhnt., Sürbitte für abwesende Freunde. Mel. O ewigkeit, du donnerwort. u, welchen keine Der du allgegenwärtig bist Mit allem deinen seaen! Du bist, du schöpfer Jehovah! Auch meinen fernen freunden nah, Auf allen ihren wegen. Du übersiehst, o gott! fie nie; Uch segne, vater, segne fie!& fon 2. Du selber trenntest sie von mir; Da seufzte laut mein herz zu dir, Da flossen meine thránen. Ich suchte sie und fand sie nicht; Du men fchenfreund! mein angesicht Verfiel von meinem ſehnen. Doch du gabst meiner feele ruh; Ich will ihr gott seyn, sagtest du. 3. Ja, sey und bleib ihr freund, ihr gott, Ihr schuß, ihr retter aus der noth, Auf den sie sicher trauen. Laß sie im glanze deines lichts Die gnade deines angesichts, die geliebten! schauen. Stárk sie auf ihrer wanderschaft Bey jedem tritt mit neuer kraft. 4. Bau ihnen häuser ohne müh, Bereichre sie, und fegne sie, Und auch noch ihren saa: men. Gesegnet sey durch sie das land, In welches fie dein wink gesandt, Mach herrlich ihren namen. Laß fie in fried und wohlergehn Einst ihrer tinder finder sehn. 5. Gieb, daß sie ihrer tus gend ruhm, Ihr unverleßlich eigenthum, Einst durch den tod begleite. Ihr tod müss' als ihr leben seyn; Ja du wirst sterbend sie erfreun, Und stür: heute. Ein tag, ein froher tag erscheint, Der ewig mich und sie vereint. 6. Dwie gedenk ich dein so gern, Du tag des lebens, tag des herrn! Wann wird dein licht erscheinen? Tag, der auch die mir wiedergiebt, Die ich, entfernt von mir, geliebt, Die seligen, die meis nen! Wie wird sich unsre In besondern persönlichen Umständen. 499 feele freun! Gott, welch ein Ihn tragen will ich, ihm anblick wird das seyn! verzeibn. Sein pfleger in der krankheit seyn, Sein freund im glück und unglück. Liner Herrschaft. Mel. Uus tiefer noth schrey ich. 676. Durch dich, gott! bin ich, was Lines Dienstboten. Mel. Nun ruhen alle wålder. ich bin, und es ist deine gas 677. gott! bu gott ich, als und gewinn Von meinen brüdern habe. Daß sie mir ihre kräfte leihn, Das kommt von dir, von dir allein; Du bist der herr der menschen. der deinen, Der großen und der kleinen! Auch ich bin, schöpfer! dein. Du bast auch mich auf erden 3um menschen lassen werden, Und deiner soll mein herz sich freun. 2. Ich soll hier andern dienen; Ich thu's, und folg ich ihnen, So folg ich dir, mein gott! Laß meiner herra schaft willen Mich gern und froh erfüllen; Denn dies ist dein will' und gebot. 2. Mich zu beglücken, die nen sie, Verzehren ihre kräfte, Und dulden gern des lebens müh In meinem hausgeschäfte. Ach! dafür laß mich dankbar seyn, Und nie dies vorrecht stolz entweihn, Das du mir, vater! gabest. 3. Auch der geringste diener ist Bestimmt zum ewgen leben, Für ihn und mich hat Jesus Christ Sich in den tod gegeben. Vor gottes richtstuhl hat mein knecht Mit mir dera einst ein gleiches recht; Dort sind wir nicht verschieden. 3. Behüte mich vor flagen, Laß still mein joch mich tragen, Auf dich im dienste sehn. Lehr du mich reden, schweigen, Mich redlich treu bezeigen, Und schlecht und recht einherzugehn. 4. Gott! präge mir dies ernsthaft ein, Üls bruder ihn zu lieben. Laß diese pflicht mir freude seyn; Wie sollt ich den betrüben, Der über meine grausamkeit Um rache still zum himmel schreyt! Zu 4. Bor frechheit, stolz und neide, Bor list und schadens freude Bewahre, gott! mein herz. Was meine herrschaft frånket, In unmuth sie versenket, Das sey zugleich mein eigner schmerz. 5. Gern will ich sie erfreuen, dir, gott, meinem richter! Gern mein verfehn bereuen, 5. Laß mich ihm seine faure pflicht Durch mensch lichkeit versüßen, Und wenn ihm hulf und rath gebricht, Muss' er sie stets genießen. Und willig folgsam seyn. Ich will sie redlich lieben, m fleiße gern mich üben, Und müssiggang und trägheit scheun. Ji2 500 In besondern persönlichen Umständen. 6. Laß mich sie nie betrů. gen; Rechtthun sey mir vers gnügen, Und freude jede pflicht. Was ich denk, red und thue, Ich gehe oder ruhe, Gescheh vor deinem angesicht. 7. Du, gott der herrn und knechte! Bertheilst mit milder rechte Den hoh'n und niedern heil; Wer niedrig ist auf er den, Kann groß im himmel werden, Hat fürsten gleich, an dir, gott! theil. 8. Auch mich wirst du be lohnen, Bey dir werd ich dort wohnen, Und mich mit engeln freun. Laß mich dies stets ermessen, Nie deiner hier vergessen; Und dann werd ich einst selig seyn. Nicht murren, klagen will ich nur. 3. Auch meine thránen preis sen dich, Sie sind die zeugen, gott! daß ich Die liebte, die du liebest, Und nun im lichte deines throns, In der ge meinschaft deines sohns, In aller tugend übest. Herr! meis ne seufzer danken dir; Du, du vertrautest sie nur mir. 4. Mit thránen preif' ich dich auch einst, Wenn du zum weltgericht erscheinst, Uch dann mit freudenthránen! Dann werd ich meine kinder fehn, Mit ihnen dankend vor dir stehn, Mich nicht mehr trostlos sehnen. Dann werd ich froh bey ihnen seyn, Und ewig mich mit ihnen freun. Beym Absterben unserer Anverwandten und Sreunde. Der Eltern beym Abster ben ihrer Kinder. Mel. O ewigkeit, du donnerwort. Mel. Kommt her zu mir, spricht. 678.h! meine kin= der sind nicht mehr! Mein traurig herz ist 679. Ah! bier nicht mehr, ach! fern hoffnungsleer, Von freuden von mir Bist du! ich weiß leer mein leben! Ich sah sie nichts mehr von dir, liebe, wie den frühling blühn; Dir, treue feele! Entflohn aus bir hofft ich sie zu erziehn, meinen armen weit Bist du, Gott, der sie mir gegeben! vom thal der sterblichkeit, Mein alter sollten sie erfreun, beste, treuste seele! Und mir einst trost im tode feyn. 2. Der freundschaft labsal ist dahin, Dein trost, wenn ich verlassen bin, Dein mit: leid, wenn ich leide! Mir fehlt, mir fehlt die treue hand. Um weg' ins begre vaters land; Dein blick voll ernst und freude! 3. Ja, weinen darf ich, gott! vor dir ,, Daß du die 2. Herr, ich verehre dein gebot! Laß mich jetzt meiner finder tod, Barmherziger! beweinen. Du, der du aller vater bist, Und weißt, was herz der eltern ist, Laß mich jest gehn und weinen! Ver: zeib den trieben der natur; In besondern persönlichen Umständen. 501 fromme feele mir So früh glaubt, wird dort ihn schaun, und bald entriffen. Die wun. de blutet febr; und ich, Sch flag, geliebtes herz, um dich; Gott hat dich mir entrissen! Und hier ihn schon empfins den. Ich weiß, ring ich vom staub empor, Ich werde, was ich hier verlor, Bey gott dort wieder finden. 4. Ach, vater! war mein herz nicht rein? War sie nicht werth, geliebt zu seyn, Die feele, die ich liebte? War ich nicht ihrer liebe werth, Daß du mein flehen nicht erhört, Mich deine hand betrübte? 5. Doch sey mein schmerz auch noch so groß, Die seele ruht in gottes schooß; Geduldig will ich schweigen. Nein! theure! feinen augens blick Wünsch ich dich in den staub zurück; Ich will vor gott mich beugen. 6. Der leichnam rubt im kühlen grab, Gott nahm ihm seine schmerzen ab, Und jede last von leiden; Empor schwang sich der frohe geist Zu dem, der ganz die liebe heißt, Genießt nun gottes * freuden. 7. Die feele, die hier heilig war, Feirt dort mit der verklärten schaar Den sabbath der 10. 3war hört, wenn einst mein auge bricht, Mein ohr von dir, o theure! nicht Ges bet, nicht trost, nicht segen; Doch wenn, durch gottes geist, mein geiſst Sich im triumph dem staub entreißt, So eilst du mir entgegen. schaut!- das sollte nicht Mein banges herze trösten? 8. D trost, o hoher troft für mich! Mein banges herz, erheitre dich, Und stille deine klagen! Erlöst von ihres lei: besjoch, Lebt die geliebte feele noch; Und ich, ich sollte zagen? 9. Nein, stille will ich gott " vertraun, Wer hier ihm 11. Dann schau und bet' ich an mit dir; Wir beyd' ein herz! dann singen wir von weggeweinten leiden, Und von der tugend hohem lohn; Sind freud und dank, und schmecken schon Der seligkeis ten freuden. 12. Gedanke der unsterblichkeit! Durchheitre jede dunkel-= heit, Gieb muth mir, wenn ich wanke; Veredle jede leidenschaft, Erfülle mich mit hels denkraft, Erhabener gedanke! Einer Wittwe. Mel. Nun ruhen alle wälder. est soll mein' bank und licht, und lebt, the 680. Foung fehen; Gott hört der wittwen fles hen! Er ist mir mehr als mann. In jedem schmerz und leide Ist gott mein trost und freude, Der fels, auf den ich bauen kann. 2, Getrost! ruft seine gnas de, Ich bin auf jedem pfade Bey dir bis an dein grab! Nie will ich dich verlassen! 502 In besondern persönlichen Umständen. Dies soll mein glaube faffen 9. Mit ernst und frohen Als meinen wittwenwander- muthes Will ich, mein vastab. ter! gutes Vor deinen augen thun, Gern mich der welt entziehen, 3erfireuung, thorheit fliehen, Und nur in dei nem schooße ruhn. 10. Dann eilen meine ta ge Mit jeder last und plage Leicht, wie ein traum, dahin; Dann leg ich meine glieder Froh einst im tode nieder, Wenn ich zum himmel reifer bin! 3. Die, die in stiller kammer Dir klagten ihren jammer, Erhörtest ehmals du; Auf sie floß, gott! dein segen, Auf allen ihren wegen War friede, sicherheit und ruh. 4. So viel seit so viel jahren Betrübte wittwen waren, So viel hast du verpflegt. Die in bekümmernissen Sich, gott! auf dich verließen, Sahn ihre last auf dich gelegt. 5. Auch mich wird dein arm stärken, auf mich dein auge merken, Und auf mein flehn dein ohr. Mit ernstem, heißem flehen Will ich auch vor dir stehen, Und seufzen, gott! zu dir empor. 6. Still will mein joch ich tragen; Dir, vater, darf ich fagen, Was je mein herze drückt. Du bist mir in der nåbe, Gott! den ich zwar nicht sehe, Den aber doch mein glaub' erblickt. 7. Du fiebst mich( o ge: danke Des trostes, wenn ich wanke!) In meiner einsamfeit; Und du wirst, herr der welten, Mirs öffentlich ver: gelten, Wenn deiner still mein herz sich freut. 8. Ja, bis zum letzten schritte, Ja, wenn ich noch mehr litte, Seh ich mit lust auf dich. Nur dir, dir zu gefallen, Unstråflich hier zu wallen, Sey mein bestreben; stårke mich! 11. Dann geh ich, den zu schauen, Der mein stab, mein vertrauen, Mein gott ist, und mein freund. Wie will ich dann ihn ehren! Wie danken für die zähren, Die ich als wittwe bier geweint! 12. Dann find ich, die ich liebte, Der'n abschied mich betrübte, In meines schöpfershand; Wo freudenquellen fließen, Dort werd ich sie genießen Sm thränenfreyen vaterland. 13. Drum fort die heißen pfade! Mich kühlt des vaters gnade; Er trågt mir meine noth. Nicht ewig werd ich weinen, Ich komme zu den meinen, Bald seh ich sie bey meinem gott. ( Wenn sie Kinder hat.) 14. Dann soll'n auch mei ne waisen Den gütgen vas ter preisen, Der fie erhalten kann. Ja, dir will ich sie bilden; Uch. schau mit deis ner milden Erbarmung deine schaafe an. In besondern persönlichen Umständen. 503 Einer Waise. 7. Und seit viel tausend Mel. Nun ruhen alle wälder. jahren Hast du, die waifen m frühling mei 681. S nerjahre, Gott! Die sich auf dich verließen, sah ich schon die bahre Des besten vaters stehn, Und fie, die mich geboren, War früh für mich verloren, Als kind mußt ich ihr grab schon sehn! 2. Uch er, der mich so liebte, Mich früh im guten übte, 3u gott mich wies, ach er, Der zärtlich für mich wachte, Daß er mich glück: lich machte, Mein bester vas ter ist nicht mehr! 3. Und sie, die mich ver: pflegte, Als ihren liebling begte, Und, nie an liebe leer, Mit jedem frühen morgen Erneurte ibre sorgen, Die treue mutter ist nicht mehr! 4. Hülflos, verlassen. elend, Unwissend, immer fehlend. Zu schwach mir vorzustehn, Ohn schüger, ohne vater, Ohn führer, ohne rather; O gütger gott! wie wird mirs gehn? 5. Doch wer wars, der mich beugte, So tief zum staube neigte? Warst du's nicht, weiser gott? Dein weis ſer rath regieret Der men fchen schicksal, führet Es fort durch leben und durch tod. 6. Du willst dich auch an waifen, Allmächtger! stark be: weisen, An armen wunder thun; Verlaßne willst du nåhren, Die vaterlosen eh: ren, Durch dich soll unser fummer ruhn. Sahn, gott! zu deinen füßen Ihr heißes flehn von dir er: hört. 8. Auch mich kannst du nicht hassen, Auch mich nicht ganz verlassen, Auch ich will dir vertraun. Dein herz sey mir auch offen; Auch ich will auf dich hoffen, In trüben stunden auf dich schaun.d 9. Du wirst auch mich ernähren, Mir unterhalt ge währen, Du, mein versorger, du! Was ich bedarf, das schenke Mir, deinem find, und lenke Mir frommer men: schen liebe zu. 10. Und wenn in zarten jahren Verführung und ge fahren, Wenn laster um mich find, D! da sey du mein vater, Mein führer, freund und rather; O da verlaß, gott, nie dein kind! 11. Ja pflanz in früher jugend Schon gottesfurcht und tugend Mir, vater! tief ins herz; Fromm seyn auf deinen wegen, Sey freude mir und segen, Und fünde thun allein mein schmerz. 12. Arbeitsamkeit und treue Begangner fehler reue, Ein wahres christenthum, Ein zärtlich herz für freunde, Verföhnlichkeit für feinde. Dies sey mein bestes waifenthum. 13. Und sie, die mich erzie: hen, Mit redlichem bemühen 504 In besondern persönlichen Umständen. Un eltern statt mir sind, Die laß mich treu verehren, Sie durch gehorsam ehren, Sie dankbar lieben, als ihr find. 14. Sey du, gott! ihr be lohner, Wohlthäter und verschoner Für das, was sie mir thun; Und wenn sie nun einst sterben, Laß sie den himmel, erben, und mich mit ihnen ewig ruhn. Hing 15. Berklärt werd ich dann stehen, Die eltern wiederse: hen, um die ich hier geweint. Da werd ich vor dich treten, 3u dir, erlöser! beten: Lohn' ihnen ewig, menschenfreund! Vor und a Vor und auf der Reise. gen, muth, verstand und rath Zu meinem thun und lassen: ( 4. Bring mich gefund, zur rechten zeit, Zu den geliebten meinen; Erhalt und schütze sie vor leid, Sie sind ja, gott, die deinen! D! laß sie dir em pfohlen seyn, Und dann vor dir uns dankbar freun, Wenn wir uns wiederfehen.) 5. Du wollst mein ganzes leben hier, O vater! selbst regieren. Wo hülfe noth ist, hilf du mir, Laß deinen geist mich führen. Und end' ich einst hier meinen lauf, Dann nimm mich froh und selig auf 3u deiner ewgen ruhe. Mel. Uus tiefer noth schrey ich. Nach der Reise. 682. Sen ou, o mein Mel. Wer nur den lieben gott. gott! Mit mir auf meiner reife; 683.Dank dir, beſchüzs Bewahr mich vor gefahr und noth; Bu deines namens preise. Herr! meinen weg empfehl ich dir, Mich selbst und alles, was du mir Auf diefer welt gegeben. 2. Schick deinen engel vor mir her, Laß ihn mich sicher leiten, Befiehl, daß er dem ungluck wehr, Und allen bd sen leuten. Nimm, vater! meiner gnädig wahr, Daß kein verderben und gefahr Un feel und leib mir schade. 3. Du, bester führer, gott! verleih, Daß ich stets chriftlich wandle, Stets fromm, getroft und weise sey, Nie kühn, nie strafbar handle. Regiere du meines les bens! Du hast mich froh zu růck gebracht; Ich flehte nicht zu dir vergebens, Du bast mich våterlich bewacht. Dein schutz und schirm war über mir, Durch deine gnade bin ich hier. 2. Nun kann ich wieder mit den meinen Mich deiner reichen gute freun, Mit ih nen mein gebet vereinen, Und dir des dankes opfer, weihn, Daß du die wohlthat uns gewährt, Und gnädig unser flehn erhört. 3. Du hast gesundheit mir verliehen, Gefahr und schaden abgewandt; Du segnetest auch mein bemühen Mit deiner felbst meinen pfad, Gieb sea milden vaterhand. Auch mei In besondern persönlichen Umständen. 505 ner seele wandtest du, Du 7. Der reiz der sünd' und gott der huld! viel gutes zu. eiteifeit Entlo de dir mich nie; Was kurz vergnügt und lang gereut, Gieb, daß ichs redlich flieh. 4. Sey nun gelobt, sey hoch gepriesen Für alles gute, das du mir auf meiner reise haft erwiesen; Mein dürftig lob gefalle dir! Dir will ich ganz mein leben weihn; Laß ewig mich den deinen seyn. Eines in fremde Länder reisenden Jünglings. Mel. Nun sich der tag geendet. 9. Die bibel und dein heis lig wort Laß mich ja nir. gends fliehn, Und mich zu 684. außer meis keiner zeit und ort Dem gots tesdienst entziehn. nem vaterland, Wirst du, gott! mit mir seyn; Wo immer nur mich deine hand Hinführt, da bin ich dein. 10. Wers treu nicht mit der wahrheit meynt, Dem freund von list und spott, Dem freund des spiels, der tugend feind, Entreiße mich, mein gott! 11. Der wollüstling, der freund der pracht Soll mir verächtlich seyn; Und vor dem wurm, der deiner lacht, Erzittre mein gebein. 12. Wer nichts als wahrs heit sucht und dich, Wer redlich ist, und still. Und sanft und klug, der ists, den ich 3um freunde wählen will. 13. Uch! einen, der die tugend liebt, Deß beyspiel führt zu dir, O du, der als les hat und giebt, gott! solchen freund gieb mir. 14. Mit bruderlieb umfasse stets Mein herz, wen ich erblick, Das ziel des täglichen gebets, Sey meines nächsten glück. 6. Ja, deine gegenwart, gott! sey Stets fühlbar nahe mir, Daß ich der tugend immer ( 15. In andrer diensten treu, Und fröhlich sey in dir. laß mich treu, Still und 2. Du schufft, erhältst, be seelest mich, Du, du giebst alles mir. Umgeben immers dar bin ich, Ulmächtiger! von dir. 8. Wo man mich sieht, wo man mich fennt, Laß tugendhaft mich seyn, Und selbst da, wo kein mensch mich kennt, Das laster ernstlich scheun. 3. Vergåß' ich dieser wahr heit, ach! Berloren wär' mein herz: Dann gåb ich leicht dem laster nach Und sucht' in freuden fchmerz. 4. Vergeß ich dieser wahr heit nicht, So bleibt die feele rein, Und heilig mir beruf und pflicht, Und ich kann freudig seyn. 5. Leb ich unstråflich, gott! wie froh Bin ich, wie segens reich! Was immer für gefahr mir droh, Bleibt doch mein muth sich gleich. 506 Des seligen Dr. Martin Luthers bescheiden seyn. Gieb, daß ich stolz und frechheit scheu, Und jeden heuchelschein.) 16. Vollkommner, weiser, und ein christ, Betret ich dann das land. Das mir von gott bezeichnet ist, Wo ich mein leben fand. sters mir bewußt, Begleit ich sie zum grab. 18. Mir folgt ihr segen jahre lang, Bis einst mein auge bricht; Dann macht kein tod, kein grab mich bang, Dann schreckt mich kein gericht. 19. Nein, ewigkeit! un sterblichkeit! Erhebe dich, 17. Der frommen eltern mein geist! Es ist die frohe tuhm und lust, Sm alter ewigkeit, Wohin der jüng noch ihr stab, Und keines la- ling reist. Des feligen Dr. Martin Luthers sämmtliche Lieder, ohne alle Veränderung aus dessen Werken. Von der Dreyeinigkeit. war'n verloren, Am kreuz ge685. Wir glauben all' storben, Und vom tod Wied'r auferstanden ist durch gott. an einen gott, Schöpfer himmels und der erden, Der sich zum vater geben hat, Daß wir seine kinder werden; Er will uns allzeit ernähren, Leib und feel auch wohl bewahren, Allem unfall will er wehren, Kein leio soll uns wiederfahren, Er forget für uns, Hüt't und wacht, Es steht alles in sei ner macht. 3. Wir glauben an den heilgen geist, Gott mit vater und dem sobne, Der aller blöden tröster heißt, Uns mit gaben zieret schone, Die ganze chris stenheit auf erden Hålt in einem sinn gar eben; Hier all' sünd' vergeben werden, Das fleisch soll uns wieder leben, Nach diesem elend ist bereit Uns ein leben in ewigkeit. 2. Wir glauben auch an Jes sum Christ, Seinen sohn und unsern herren, Der ewig bey dem vater ist, Gleicher gott von macht und ehren; Von Maria, der jungfrauen, Sst er wahrer mensch geboren, Durch den heilgen geist im glauben, Für uns, die wir 686. Der du bist drey in einigkeit, wahrer gott von ewigkeit, Die sonn mit dem tag von uns weicht; Laß uns leuchten dein göttlich licht. 2. Des morgens, gott! dich loben wir, Des abends auch sämmtliche Lieder. 507 beten vor dir; Unser armes bey ihm fürwahr kein scherz, lied rühmet dich Shund, immer und ewiglich. Er ließ sein bestes kosten. 3. Gott vater, dem sey ewig ehr, Gott sohn, der ist der einig herr, Und dem trò: ster, beilgen geist Von nun an bis in ewigkit! Umen. 5. Er sprach zu seinem lieben sohn: Die zeit ist hier zu erbarmen, Fahr hin, mein's herzens werthe fron, Und sey das heil dem armen, Und hilf ihm aus der fün dennoth, Erwürg für ihn den bittern too, Und laß ihn mit Von der Erlösung. 687 un freut euch, dir leben! lieben christen g'mein, Und laßt uns fróhlich springen, Daß wir ge trost und all in ein Mit lust und liebe singen, Was gott an uns gewendet hat, Und feine süße wunderthat, Gar theur hat er's erworben. 2. Dem teufel ich gefan: gen lag, Im tod war ich verloren, Meine sünd mich quálet nacht und tag, Darin ich war geboren; Ich fiel auch immer tiefer drein, Es war kein guts am leben mein, Die sünd hatt' mich besessen. 3. Mein gute werk die gol: ten nicht, Es war mit ihn'n verdorben; Der frey will has: set gotts gericht, Er war zum guten erstorben; Die angst mich zu verzweifeln trieb, Daß nichts denn sterben bey mir blieb, Zur hölle mußt ich sinken. 4. Da jammert gott in ewigkeit Mein elend üb'r die maaßen, Er dacht an sein barmherzigkeit, Er wollt mir helfen lassen; Er wandt zu mir sein vaterherz, Es war 6. Der sohn dem vat'r gehorsam ward, Er kam zu mir auf erden von einer jungfrau rein und zart, Er wollt mein bruder werden; Gar heimlich führt er sein gewalt, Er ging in einer armen g'sfalt, Den teufel wollt er fangen. 7. Er sprach zu mir: balt dich an mich, Es soll dir jetzt gelingen, Ich geb mich selber ganz für dich, Da will ich für dich ringen; Denn ich bin dein und du bist mein, Und wo ich bleib, da sollt du seyn, Uns soll der feind nicht scheiden. 8. Vergießen wird er mie mein blut, Darzu mein leben rauben; Das leid ich alles dir zu gut, Das halt mit festem glauben. Den tod verschlingt das leben mein, Mein unschuld trägt die fünde dein; Da bist du selig worden. 9. Sen himmel, zu dem vater mein, Fahr ich aus dies sem leben, Da will ich seyn der meister dein, Den geist will ich dir geben. Der dich in trübsal trösten soll, Und 508 Des feligen Dr. Martin Luthers lehren mich erkennen wohl, Und in der wahrheit leiten. 10. Was ich gethan hab und gelehrt, Das sollt du thun und lehren, Damit das reich gott's werd' gemehrt 3u lob und seinen ehren; Und but dich vor der menschen g'sat, Davon verdirbt der edle schay; Das laß ich dir zulette. Von der Menschwerdung und Geburt Jesu. bo un komm', der 3. heiden heiland! Der jungfrauen find er kannt, Deß sich wundert alle welt, Gott solch geburt ihm bestellt. 2. Nicht von mannsblut, noch vom fleisch, Allein von dem heilgen geist Ist gottes wort word'n ein mensch, Und blüht ein frucht weibes fleisch. 3. Der jungfrau leib schwans ger ward, Doch blieb keusch heit rein bewahrt, Leucht't hers für manch tugend schon; Gott da war in feinem thron. 4. Er ging aus der fams mer sein, Dem königlichen saal so rein; Gott von art und mensch, ein held, Sein'n weg er zu laufen eilt. 5. Sein lauf kam vom vater her, Und kehrt wieder zum va ter, Fuhr hinunter zu der höll, Und wieder zu gottes stuhl. 6. Der du bist dem vater gleich, Führ hinaus den sieg im fleisch, Daß dein ewig gottes g'walt In uns das Frank fleisch enthalt. 7. Dein krippen glänzt hell und flar, Die nacht giebt ein hell licht dar, Dunkel muß nicht kommen drein; Der glaub bleibt immer im schein. I 8. Lob sey gott dem vater g'thon! Lob sey gott sein'm ein'gen sohn! Lob sey gott dem heilgen geist! Immer und in ewigkeit. 689.Celobet feyft bu Christ! Daß du mensch geboren bist Von einer jungfrau, das ist wahr, Deß freuet sich der engel schaar. Kyrie, eleifend any aut 2. Des ewgen vaters einig find Jest man in der krippen find't; In unser armes fleisch und blut Verkleidet sich das ewge gut. Kyrie, eleison! 3. Den aller weltkreis nie beschloß, Der liegt in Marien schooß; Er ist ein kindlein worden klein, Der alle ding erhält allein. Kyrie, eleison! 4. Das ewge licht geht da herein, Giebt der welt ein'n neuen schein, Es leucht't wohl mitten in der nacht, Und uns des lichtes finder macht. Kyrie, eleison! 5. Der sohn des vaters, gott von art, Ein gast in der welt er ward, Und führt uns aus dem jammerthal, Er macht uns erb'n in sei nem faal. Kyrie, eleison! 6. Er ist auf erden kommen arm, Daß er unfer sich erbarm, Uns in dem himmel mache * sämmtliche Lieder. reich und seinen lieben en geln gleich. Kyrie, eleison! 7. Das hat er alles uns ges than, Sein groß lieb zu zeigen an; Deß freu sich alle chriz ftenbeit, Und dank ihm deß in ewigkeit. Kyrie, eleison! 690. Der tag der iſt so freudenreich 509 schaarn, Bie chrift geboren wäre, Ein könig üb'r all' kda nig groß. Herod's die red gar sehr verdroß. Aussandt er feine boten. Ey! wie gar eine falsche lift Erdacht er wider Jefum Chrift, Die kindlein ließ er tödten. Aller creature; Denn gottes 691. om himmel hoch da komm ich sohn vom himmelreich Ueber her. Ich bring euch gute neue die nature, Von einer jung: måhr, Der guten måhr frau ist geborn. Maria du bing ich so viel, Davon ich bist auserkohrn. Daß du muts sing'n und sagen will. ter wärest. Was geschah so wunderlich? Gettes fohn vom himmelreich, Der ist mensch geboren. 2. Euch in ein kindlein beut geborn, Bon einer jungfrau auserkohrn, Ein kindelein fo zart und fein, Das soll eu'r freud und wenne feyn. 2. Ein Findelein so löbelich Ist uns geboren heute, Bon einer jungfrau faäuberlich, 3u trost uns armen leuten. Wär uns das kindlein nicht gebern, So wär'n wir allzumal ver lorn; Das beil ist unser aller. Ey, du süßer Jefu Chrift! Daß du mensch, geboren bist, Behüt uns für der hölle. 3. Es ist der berr Christ. unfer gott, Der will euch führn aus alter noth, Er will eu'r heiland selber seyn, Bon allen sünden machen rein. 3. is die sonn durchfcheint das glas Mit Ihrem klaren fcheine, Und doch nicht versehret das, So merket allges meine: 3u gleicher weis geboren ward Von einer jung: frau rein und zart Gottes ſohn, der werthe. In ein krippen ward er gelegt, Gro: ße marter für uns trágt All hier auf dieser erden. 4. Die hirten auf dem felde war'n, Erfuhren neue mahre, Von den engelischen 4. Er bringt euch alle fes ligteit, Die gott der bater hat bercit, Daß ihr mit uns im himmelreich Sollt leben nun und ewiglich. 5. So merket nun das zeichen recht, Die frippen, windelein so schlecht; Da fin det ihr das find gelegt, Das alle welt erbält und trägt. 6. Deß last uns alle fröhlich seyn, Und mit den hirten gebn hinein, 3u sehen, was gott bat bescheert, Mit sei= nem lieben fohn verehrt. 7. Merk auf, mein herz 2 und sich dort hin, Was liegt dort in dem frippelein? Wes 510 Des seligen Dr. Martin Luthers ist das schöne kindelein? Es ist das liebe Jefulein. 8. Bist willkommen, du ed: ler gast, Den fünder nicht verschmåhet hast, Und kommst ins elend her zu mir; soll ich immer danken dir? Wie 9. Ach, herr! du schöpfer aller ding! Wie bist du wor den so gering, Daß du da liegst auf dürrem gras, Da: von ein rind und esel aß! 10. Und wår die welt vielmal so weit, Von edelg'stein und gold bereit, So wår sie dir doch viel zu klein, 3u seyn ein enges wiegelein. 11. Der fammet und die seis de dein, Das ist grob heu und windelein, Darauf du könig so groß und reich Herprangst, als wärs dein himmelreich. 12. Das hat also gefallen dir, Die wahrheit anzuzeigen mir, Wie aller welt macht, ehr und gut Vor dir nichts gilt, nichts hilft, noch thut, 13. Ach! mein herzliebes Sefulein! Mach dir ein rein fanft bettelein, 3u ruhn in meines herzens schrein, Daß ich nimmer vergesse dein. 14. lich sey, 3u springen, singen, immer frey Daš rechte su: fannine schon mit herzens luft und süßem ton. 692. V der engel schaar, om kam Erschien den hirten offenbar, Sie sagten ihn'n: ein kindlein zart Das liegt dort in der krippen hart. Davon ich allzeit fröh- 693. Chriftum wir fol len loben schon, Der reinen magd marien sohn, So weit die liebe son ne leucht't, Und an aller welt ende reicht. 2. Der selge schöpfer aller ding 3og an ein'n knechtesleib aering, Daß er das fleisch durchs fleisch erwürb, Und fein geschöpf nicht all's verdurb. 15. Lob, ehr sey gott im höchsten thron, Der uns schenkt seinen eingen sohn! Deß freuet sich der engel schaar, Und singen uns solchs weues jahr. 2. 3u bethlehem in Davids stadt, Wie Micha das verkün digt hat: Er ist der herre Jesus Christ, Der euer aller heiland ist. 3. Deß sollt ihr alle fröh: lich seyn, Daß gott mit euch ist worden ein; Er ist geborn eur fleisch und blut, Eur brus der ist das ewge gut. 4. Was kann euch thun die sünd und tod? Ihr habt mit euch den wahren gott; Last zürnen, teufel und die höll, Gott's sohn ist worden eur gefell. 5. Er fann und will euch lassen nicht, Setzt nur auf ihn eur zuversicht. Es mögen euch viel fechten an; Dem sey troß, der's nicht lassen kann. 6. Zuletzt müßt ihr doch haben recht, Jbr send nun worden gott's geschlecht; Deß danket gott in ewigkeit, Ge duldig, fröhlich allezeit. sämmtliche Lieder. 3. Die göttlich gnad vom himmel groß Sich in die keu sche mutter goß; Ein mågdlein trug ein heimlich pfand, Das der natur war unbekannt. 4. Das züchtig haus des herzens zart Gar bald ein tempel gottes ward, Die kein mann rühret, noch erkannt, Von gott's wort man sie schwanger fand. 5. Die edle mutter hat ges born, Den gabriel verhieß zuvorn, Den sfanct Johann's mit springen zeigt, Da er noch lag im mutterleib. 4. Ein wunderwerk da neu geschah, Sechs steinern krüge man da sah Voll wasser, das verlor sein art, Rother wein durch sein wort draus ward. 6. Er lag im heu mit ar muth groß, Die krippen hart ihn nicht verdroß; Es war ein kleine milch sein speis, Der nie kein vöglein hungern ließ. 7. Des himmels chor sich freuen drob, Und die engel fingen gott lob; Den armen 5. Lob, ehr und dank sey. bir gesagt, Christ, gebor'n, von der reinen magd, Mit vater und dem heilgen geist, Von nun an bis in ewigkeit! Umen. Von der Auferstehung Jesu.. hirten wird vermeld't Der 695. Christ lag in todeshirt und schöpfer aller welt. 8. Lob, ehr und dank sey dir gesagt, Christ, gebor'n von der reinen magd, Mit vater und dem heilgen geist, Von nun an bis in ewigkeit! Amen. banden, Für unsre sünd gegeben, Der ist wieder erstanden, und hat uns bracht das leben. Deß wir sollen fröhlich seyn, Gott loben und dankbar seyn, Und singen hallelujah. Hallelujah! 2. Den tod niemand zwingen kunnt Bey allen menschenkindern, Das macht alles unsre sünd', Kein unschuld 694. Was fürcht'st du war zu finden; Davon kam der tod so bald, Und nahm über uns gewalt, hielt uns in sein'm reich gefangen. Hallelujah! Auf das Sest der Erscheinung Christi. 511 folgten nach, Solch licht zum rechten licht sie bracht, Sie zeugten mit den gaben drey, Dies kind gott, mensch und könig sey. 3. Die tauf im jordan an sich nahm Das himmelische gotteslamm, Dadurch, der nie kein' sünde that, Von sünden uns gewaschen hat. feind herodes fehr, Daß uns geborn kömmt Christ, der herr? Er sucht kein sterblich königreich, Der zu uns bringt sein himmelreich. 2. Dem stern die weisen 3. Jesus Christus, gottes sohn, An unser statt ist kommen, Und hat die sünde ab 512 Des feligen Dr. gethan, Damit dem tod genommen All sein recht und fein gewalt, Da bleibet nichts denn todsgestalt, Den stach'l hat er verloren. Hallelujah! 4. Es war ein wunderli cher friea, Da tod und leben rungen, Das leben behielt den fieg, Es hat den tod ver: schlungen. Die schrift hat verkündigt das. Wie ein tod den andern fraß, Ein spott, aus dem tod ist worden. Hallelujah! Martin Luthers 2. Bár er nicht erstanden, So war die welt vergangen; Eeit daß er erstanden ist. So lob'n wir den herrn Jesum Chrift. Kyrie ,, eleifon! 3. Allelujah! Allelujah! Allelujah! Deß sollen wir alle froh senn, Christ will unser trost seyn. Kyrie, eleison! 697.Sefer heiland, Der Cesus un den tod überwand, Ist aufer: standen, Die fund hat er ge fangen. Kyrie, eleiſon! 5. Hier ist das rechte ofter lamm, Davon gott hat gebo= ten, Das ist an des freuzes flamm In heißer lieb gebraten, Deß blut zeichnet unsre thúr, Das hält der glaub dem tode für; Der würg'r fann uns nicht rühren. Hallelujah! 2. Der obne funde war geboren, Trug für uns got: tes zorn, hat uns verfóbnet, Daß uns gott sein' buld gón: net. Kyrie, eleison! 3. Tod, sund, teufel, leben und gnad, All's in hans den er hat; Er fann errets ten Alle, die zu ihm treten. Kyrie, eleison! 6. Go fevern wir das hohe fest Mit berzens freud' und wonne, Das uns der berr erscheinen läßt; Er ist selber die somme, Der durch seiner gnaden glanz Dom heiligen Geiste. Domm, beiligergeist, herzen ganz, Der fünden nacht 698. mmberger. gott! Gra füll mit deiner gnaden gut Deiner glaubigen berz, mutb und sinn, Dein brünstig lich entzünd in ibn'n. Oberr! durch deines lichtes glanz zu dem glauben versammlest ganz, Das volk aus aller welt zungen; Das sey dir, berr! zu lob geſungen. Alleist vergangen. Hallelujab! 7. Bir essen hier und leben wohl In rechten ofterfladen, Der alte sauerteig nicht soll Seyn bey dem wort der gnaden; Chriftus will die koste seyn, Und speifen die feel allein, Der glaub' will fein's antern leben. Hallelujah! 696.Christ ist erstanden lujah, allelujah! Von der marter alle; Deß follen wir alle froh seyn, Christ will unser trost seyn. Kyric, eleison! 2. Du heiliges licht, edler hert! Laß uns leuchten des les bens wort, Und lehr uns gott recht erkennen, Bon herzen sämmtliche Lieder. 513 wir dein'm leiten folgen gern, Und meiden der seelen schad. vater ihn nennen. O herr! bey uns deine gnad, Daß behüt für fremder lehr, Daß wir nicht meister suchen mehr, Denn Jesum Christ, mit rechtem glauben, und ihm aus ganzer macht vertrauen. Alle lujah, allelujah! 6. Lehr uns den vater kennen wohl, Dazu Jesum Christ, seinen sohn, Daß wir des glaubens werden voll, Dich beider geist zu verstohn. 3. Du heilige brunst, süßer trost! Nun hilf uns fröhlich und getrost In deinem dienst beständig bleiben, Die trübsal uns nicht abtreiben. Oherr! durch dein' kraft uns bereit, Und stårk des fleisches blo digkeit, Daß wir hier ritters tod und leben zu dir dringen. Allelu. 700. berre gott! dein 7. Gott vater sey lob, und dem sohn, Der von den tods ten auferstund, Dem tröster sey dasselb' gethan, In ewigs keit alle stund! Vom Worte Gottes. jah, allelujah! Comm, gott schöpfer, heiliger geist! Besuch das herz der menschen dein, Mit gnaden fie full', wie du weißt, Daß dein geschöpf vorhin sey. 2. Denn du bist der tröster genannt, Des allerhöchsten gabe theur, Ein geistlich falb an uns gewandt, Ein lebend brunn, lieb' und feuer. 3. 3und uns ein licht an im verstand, Gieb uns ins herz der liebe brunst, Das schwach' fleisch in uns, die bekannt, Erhalt fest deine gnad und gunst. 4. Du bist mit gaben sie benfalt, Der fing'r an got tes rechter hand; Des vaters wort giebst du gar bald Mit jungen in alle land. 5. Des feindes list treib von uns fern, Den fried schaff Sit lang verdunkelt blieben, Bis durch dein gnad uns ist gesagt, Was Paulus hat geschrieben, und andere apostel mehr, aus dein'm göttlichen munde; Deß dank'n wir dir Mit fleiß, daß wir Erlebet han die stunde. 2. Daß es mit macht an tag ist bracht, Wie klårlich ist vor augen. Uch gott, mein berr! erbarm dich der'r, Die dich noch jetzt verleugnen, Und achten sehr Auf menschenlehr, Darin sie doch vers derben; Dein's worts verstand Mach ihn'n bekannt, Daß sie nicht ewig sterben. 3. Willt du nun fein gut christe seyn, So mußt du christlich glauben, Seh'n dein vertraun, darauf fest bau Hoffnung und lieb' im glauben, Allein durch christ, 3u aller frist; Dein'n nächsten lieb darneben, Das g'wissen RE 514 Des seligen Dr. Martin Luthers frey, Rein herz dabey, Das fein' creatur fann geben. 4. Allein, herr! du mußt folches thun, Doch gar aus tauter gnaden. Wer sich deß tröst't, der ist erlöst, Und kann ihm niemand schaden. Ob wollten gleich Pabst, kaiser, reich, Sie und dein wort vertreiben, Ist doch ihr' macht Geg'n dir nichts g'acht't, Sie ch gott! vom him. werd'ns wohl lassen bleiben. 701.29 mel sieh darein, 5. Hilf, herre gott! in die ser noth, Daß sich die auch bekehren, Die nichts betracht'n, dein wort veracht'n Und wol lens auch nicht lehren. Sie fprechen schlecht. Es sey nicht recht, Und habens nie gele: fen, Auch nie gehört Das edle wort; Ils nicht ein teuflisch wesen? Und laß dich deß erbarmen, Wie wenig find der heil'gen dein, Berlaffen sind wir ar men! Dein wort man läßt nicht haben wahr, Der glaub ist auch verloschen gar Bey allen menfchenkindern. 6. Ich glaub' g'wiß gar, daß es sey mabr, Was Paulus uns thut schreiben; Es muß geschehn, daß all's vergebn, Dein göttlich wort soll blei ben In ewigkeit, War es auch leid Viel hort verstock: ten herzen; Kehr'n sie nicht um, Werden sie drum Leiden gar große schmerzen. 7. Gott ist mein herr, so bin ich der, Dem flerben kommt zu gute, Dadurch uns haft aus aller laft, Erlöst mit deinem blute; Deß dank' ich dir, Drum wirst du mir Nach tein't verheiffung geben, Was ich dich bitt, Berfag' mirs nicht, Im tod und auch im leben. 8. Her! ich hoff' je, du werdest die In keiner noth verlassen, Die dein wort recht als treue fnecht Im berz'n und glauben faffen. Giebst ihn'n bereit Die feligkeit, und läß'st sie nicht verder: ben. O herr! ourch dich, Bitt ich, laß mich Fröhlich und willig sterben. 2. Sie lehren eitel falsche fift, Was eigen wit erfindet, Ihr herz nicht eines finnes ist, In gottes wort gegrün det; Der wähler dies, der andre das, Sie trennen uns ohn alle maaß, Und gleissen schön von außen. 3. Gott woll ausrotten alle lahr, Die falschen schein uns lehren, Darzu ihr zung stolz offenbar Spricht: troß! wer wills uns wehren? Wir ha ben recht und macht allein, Was wir setzen, das gilt ge mein; Wer ist, der uns soll meistern? 4. Darum spricht gott: ich muß auf seyn, Die armen sind zerföret, Ihr seufzen bringt zu mir herein. Ich hab ihr' Flag gehöret! Mein heilsam wort foll auf den plan Ge trost und frisch sie greifen såmintliche Lieder. an, Und seyn die kraft der armen. 5. Das silber, durchs feu'r siebenmal Bewährt, wird lau: ter funden; Un gottes wort man warten soll Desgleichen alle stunden. Es will durchs krenz bewähret seyn, Da wird erfannt fein' fraft und schein, Und leucht't start in die lande. 6. Das wollst du, gott! be: wabren rein Für diesem arg'n geschlechte, Und laß uns die befohlen seyn, Daß sichs in uns nicht slechte; Der gott: los hauf sich umber find't, Wo diese böse leute sind, In deinem volk erhaben. 2. Gott selbst vom himmel fah herab Auf alle menschenkinder, Zu schauen sie er sich begab, Ob er jemand möcht' finden, Der sein'n verstand gerichtet hätt, Mit ernst nach gottes morten that, Und fragt nach seinem willen. 515 4. Wie lang' wollen unwissend seyn, Die solche müh aufladen, Und fressen dafür das volk mein, Und náhr'n sich mit sein'm schaden? Es steht ihr trauen nicht auf gott, Sie rufen ihn nicht in der noth, Sie woll'n sich selbst versorgen. 702.8 spricht der un- men 3u zion heil erlangen? weisen mund wohl: Den rechten gott wir meynen; Doch ist ihr herz unglaubensvoll, Mit that sie ihn verneinen. Ihr wesen ist verderbet zwar, Vor gott ist es ein grauel gar, Es thut ihr keiner kein gut. 3. Da war niemand auf rechter bahn, Sie war'n all' ausgeschritten, Ein jeder ging nach seinem wahn. Und hielt verlorne sitten; Es that ihr keiner doch kein gut, Wie wohl gar viel betreg der muth, Ihr thun sollt gott gefallen. 5. Darum ist ihr herz nim. mer still, Und steht allzeit in. fürchten; Gott bey den fremmen bleiben will, Dem sie mit. glauben gehorchen. Ihr aber schmåbt des armen rath, Und böhnet alles, was er sagt, Daß gott fein troft ist worden. 6. Wer soll ifrael dem arerbarmen, Und lösen die gefangnen; Das wird er thun durch seinen sohn, Davon wird jacob wonne han, Und Israel sich freuen. Mensch! willt du 703. leben feliglich, Und bey gott bleiben ewiglich, Sollt du halten die zehn gebot', Die uns gebeut unser gott. Kyrie, eleison. 2. Dein gott und herr allein bin ich, Kein ander gott soll irren dich; Trauen soll mir das herze dein, Mein eigen reich sollt du seyn. Kprie, eleison. 3. Du sollt mein'n namen ehren schon, Und in der noth mich rufen an; Du sollt heil'gen den fabbathtag, Daß ich in dir wirken mag. Kyrie, eleison. Kl 2 Des seligen Dr. Martin Luthers 516 4. Dem vater und der mutter dein Sollt du nach mir gehorsam seyn, Niemand tod: ten, noch zornig seyn, Und deine eh' halten rein. Kyrie, eleison. 5. Du sollt ein'm andern stehlen nicht, auf niemand falsches zeugen nicht, Deines nächsten weib nicht begehr'n, Und all sein's guts gern ent: behr'n. Kyrie, eleison. 3. Du follt nicht führen zu unehr'n Den namen got tes deines herrn; Du sollt nicht preisen recht und gut, Ohn was gott selbst red't und thut. Kyrie, eleison! 6. Du sollt nicht tödten zorniglich, Nicht bassen, noch selbst rächen dich, Geduld haben, und sanften muth, Und auch dem feinde thun das gut. Kyrie, eleison! 704. Dies sind die heilgen zehn gez bot, Die uns gab unser herre gott Durch Mosen seinen diener treu, Hoch auf dem berge sinai. Kyrie, eleison! 9. 4. Du sollt heiligen den sieb'nden tag, Daß du und dein haus ruhen mag, Du follt von dein'm thun lassen ab, Daß gott sein werk in dir hab. Kyrie, eleison! 7. Dein eh' sollt du be wahren rein, Daß auch dein herz kein ander meyn, Und halten keusch das leben dein, Mit zucht und máßigkeit fein. Kyrie, eleison! 2. Ich bin allein dein gott und herr, Kein' gotter follt zeuge seyn, Nicht lügen auf du haben mehr, Du sollt mir ganz vertrauen dich, Von herzen grund lieben mich. Kyrie, eleison! den nächsten dein, Sein uns schuld sollt auch retten du, Und seine schande decken zu. Kyrie, eleison! 5. Du sollt ehr'n und gehorsam seyn Dem vater und der mutter dein, Und wo dein hand ihn'n dienen kann; So wirst du langes leben ban. Kyrie, eleison! 8. Du sollt nicht stehlen geld noch gut, Nicht wuchern jemands schweiß noch blut; Du sollt aufthun dein milde hand Den armen in deinem land. Kyrie, eleison! Du sollt kein falscher 10. Du sollt dein's nach: sten weib und haus Begehren nicht, noch etwas draus; Du sollt ihm wünschen alles gut, Wie dir dein herz selber thut. Kyrie, eleison! 11. Die g'bot all' uns ge geben sind, Daß du dein' sünd, o menschenkind! Er. kennen sollst, und lernen wohl, Wie man vor gott recht leben soll. Kyrie, eleison! 12. Das helf uns der herr Jesus Christ, Der unser mitt ler worden ist; Es ist mit unserm thun verlor'n, Verdienen doch nur eitel zorn. Kyrie, eleison! sämmtliche Lieder. 517 Von der christlichen unfern schaden; Dem tröster, heiligen geist, Von fund'n er Kirche. 705.in' fefte burg ist uns reißt, 3um reich gottes unser gott, Ein' gute wehr und waffen; Er hilft uns frey aus aller noth, heischt, Den weg zum himmel weißt, Der helf uns fröhlich! Amen. 3 Die uns jest hat betroffen. 706. Es woll uns gott genådig seyn, und seinen segen geben, Sein antlig uns mit hellem schein Erleucht't zum ewgen leben, Daß wir erkennen feine werf, Und was ihn liebt auf erden, Und Jesus Christus heil und stårk Bekannt den heiden werden; Und sie zu gott bekehren. 2. So danken gott und loben dich Die heiden überalle, Und alle welt die freue sich, Und sing mit großem schalle, Daß du auf erden richter bist, Und läßt die sünd' nicht walten, Dein wort die hut und weide ist, Die alles volk erhalten, In rechter bahn zu wallen.. ers jest meynt, Groß macht und viel lift Sein' grausam rüstung ist, Auf erd ist nicht seins gleichen. 2. Mit unsrer macht ist nichts gethan, Wir sind gar bald verloren; Es streit't für uns der rechte mann, Den gott selbst hat erkehren. Fragst du, wer der ist? Er heißt Sesus Christ, Der herr zebaoth, Und ist kein ander gott, Das feld muß er behalten. 3. Und wenn die welt voll teufel war, und wollt'n uns gar verschlingen, So fürchten wir uns nicht so sehr, Es soll uns doch gelingen. Der fürst dieser welt, Wie saur er sich stellt, Thut er uns doch nicht; Das macht, er ist gericht't, Ein wörtlein kann ihn fällen. 4. Das wort sie sollen lassen stahn Und kein'n dank dazu haben; Er ist bey uns wohl auf dem plan mit seinem geist und gaben. Nehmen sie uns den leib, Gut, ehr, kind und weib, Laß fahren dahin, Sie 707. Erhalt uns, herr, ben deinem wort, babens kein gewinn, Das reich muß uns doch bleiben. Und steur des pabst und türken mord, Die Jesum Christum deinen sohn Stürzen wollen von seinem thron. 2. Beweis' dein' macht, herr Jefu Chrift! Der du herr 5. Preis, lob und ehr dem böchsten gott, Dem vater als ler gnaden! Der uns aus lieb gegeben hat Sein'n sohn für 3. Es danke, gott! und lobe dich Das volk in guten tha ten; Das land bringt frucht und bessert sich, Dein wort ist wohl gerathen. Uns segne vater und der sohn, Uns fegne gott der heilge geist, Dem alle welt die ehre thut, Für ihn sich fürchte allermeist! Nun sprecht von herzen: Umen. 518 Des feligen Dr. Martin Luthers aller herren bift, Beschirm dein' arme christenheit, Daß sie dich lob in ewigkeit. Von der Taufe. 3. Gott heilger geist, du trôfter werth! Gieb dein'm volt 709. Chrift, unfer herr, einerley finn auf erd, Steh bey uns in der letzten noth, G'leit uns ins leben aus dem tod. zum jordan Nach seines vaters willen, Von sanct Johann's die taufe nahm, Sein werk, und amt zu' rfüllen; Da wollt er stif ten uns ein bad, 3u waschen uns von fünden, Ersäufen auch den bittern tod Durch sein selbst blut und wunden; Es galt ein neues leben. 2. So hört und merket alle wohl, Was gott felbst beißt die taufe, Und was ein christe glauben soll, Bu meiden keger: banfen; Gott spricht, und will, daß wasser sey, Doch nicht al: 708. år gott nicht mit uns diese zeit, lein schlecht wasser, Sein heiligs wort ist auch dubey, Mit So soll israel sagen, Bár reichem geist ohn maaßen, gott nicht mit uns diese zeit, Wir hatten müss'n verzagen, Die so ein armes häuflein sind, Veracht't von so viel menschen kind, Die an uns sehen alle. Der ist allhier der täufer. 2. Auf uns ist so zornig ihr finn; Wo gott das hått zuges ben, Verschlungen hätten sie uns hin Mit ganzem leib und leben; Wir wär'n als die ein fluth erfauft, Und über die groß wasser läuft, Und mit gewalt verschwemmet. Dr. Justi Jonå Zusag. 4. Ihr anschlåg, herr, zu nichte mach, Laß sie treffen die bose sach, Und stürz sie in die grub hinein, Die sie machen den christen dein. 5. So werden sie erkennen doch, Daß du, uns'r herr gott, lebet noch, Und hilfst gewal tig deiner schaar, Die sich auf dich verlassen gar. 3. Gott lob und dank, der nicht zugab, Daß ihr schlund uns möcht fangen! Wie ein vogel des stricks kommt ab, Ist unsre feel entgangen; Strick ist entzwen und ich bin frey, Des herren name steh uns bey, Des gott's himmels und der erden. 3. Solchs hat er uns berpiesen klar Mit bildern und mit worten. Des vaters stimm man offenbar Daselbst am Jor dan hörte; Er sprach: das ist mein lieber sohn, An dem ich hab gefallen, Den will ich euch befohlen han, Daß ihr ihn höret alle, Und folget feiner lehre. 4. Auch gottes fohn hier felber steht In seiner zarten menschheit, Der heilge geist hernieder fährt, In taubens bild verkleidet; Daß wir nicht sollen zweifeln dran, Wenn wir getaufet werden, All drey Da perfo'n getaufet han, mit bey uns auf erden 3u wohnen sich ergeben. sämmtliche Lieder. 519 2. Der heilige leichnam ist für uns gegeben Zum tod, daß wir dadurch leben; Nicht größer güt könnt er uns schenken, Dabey wir sein soll'n gedenken. Kyrie, eleison! Herr! dein' lieb' so groß dich gezwungen hat. Daß dein blut an uns groß wunder that, Und bezahlt unfre schuld, Daß uns gott ist worden huld. Kyrie, eleison! 3. Gott geb uns allen seinen gnadensegen, Daß wir gehn auf seinen wegen In rechter lieb und brüderlicher treue, Daß uns die speis nicht ge reve. Kyrie, eleison! Herr! dein heilger geist uns nimmer laß, Der uns geb zu halten rechte, maaß, Daß deine arme christenheit Leb in fried uno einigkeit. Kyrie, cleison! Joh. Huß Lied, verbessert durch D. M. Luther. esus Christus, un 7. Das aug' allein das wasser sieht, Wie menschen wasser gießen; Der glaub im geist die fraft versteht Des blutes Jefu Chrifti, Und ist vor ein' Bon Chrifti blut gefärbet; 711. fer heiland, Der Die allen schaden beilen thut, Von Adam her geerbet, Uuch von uns selbst begangen. Dombeiligen Abendmahl. 5. Sein jünger heißt der herre Christ: Geht hin, all' welt zu lehren, Daß sie ver: lor'n in fünden ist. Sich soll zur buße kehren; Wer gläubet und sich laufen läßt, Soll das durch selig werden, Ein neu: geborner mensch er heißt, Der nicht mehr könne sterben, Das himmelreich soll erben. 6. Wer nicht glaubt dieser großen gnad, Der bleibt in sei: nen sünden, Und ist verdammt zum ew'gen tod, Lief in der höllen grunde; Nichts hilft sein eigen beiligkeit, 2ll sein thun ist verloren, Die erbsünd machts zur nichtigkeit, Darin er ist geboren, Vermag ihm felbst nichts helfen. von uns den gottes zorn wandt, Durch das bittre leis den sein Half er uns aus der höllen pein. 710.Suntgebenebenet, vergessen, Gab er uns ſein'n 2. wir nimmer deß leib zu essen, Berborgen im brod so klein, Und zu trinken sein blut im wein. Der uns selber hat gespeiset Mit seinem fleische und mit seinem blute! Das gieb uns berr gott zu gute. Kyrie, eleifon! Herr! durch deinen beiligen leichnam, Der von deiner mutter Maria fam, Und das beilige blut, Hilf uns, herr! aus aller noth. Kyrie, eleison! 3. Wer sich zu dem tisch will machen, Der bab' wohl acht auf seine fachen; Wer unwürdig binzu gebt, Für das leben den tod empfäbt. 4. Du sollt gott den vatér preisen, Daß er dich so wohl Des seligen Dr. Martin Luthers 520 thut speisen, Und für deine missethat, In den tod sein'n sohn gegeben hat. 5. Du sollt glauben und nicht wanken, Daß ein' speise sey der kranken, Den'n ihr herz von sünden schwer Und für angst ist betrübet sehr. 6. Solch groß gnad und barmherzigkeit Sucht ein herz in großer arbeit; Ist dir wohl, so bleib davon, Daß du nicht kriegst bösen lohn. 7. Er spricht selber: kommt ihr armen, Laßt mich über euch erbarmen; Kein arzt ist dem starken noth, Sein' kunst wird an ihm gar ein spott. 8. hätt'st du dir was tonn'n erwerben, Was dürft ich dann für dich sterben? Dieser tisch auch dir nicht gilt, So du felber dir helfen willt. 9. Glaubst du das von herzensgrunde, Und bekennests mit dem munde, So bist du recht wohl geschickt, und die speif' dein' seel' erquickt. 10. Die frucht soll auch nicht ausbleiben, Deinen näch sten sollt du lieben, Daß er dein genießen kann, Wie dein gott an dir gethan. Von der Buße. fus tiefer noth 712.Aus chrey ich zu bir: Herr gott! erhör mein rufen, Dein gnädig ohr wend her zu mir, Und meiner bitt fie offen; Denn fo du willt das sehen an, Was sünd und unrecht ist gethan, Wer kann, ber! für dir bleiben? 2. Bey dir gilt nichts denn gnad und gunst, Die fünde zu vergeben, Es ist doch un-= ser thun umsonst Auch in dem besten leben. Für dir niemand sich rühmen kann, Deß muß sich fürchten jedermann Und deiner gnade leben. 3. Darum auf gott will hof fen ich, Auf mein verdienst nicht bauen, Auf ihn mein herz soll lassen sich, Und seiner gute trauen, Die mir zu sagt sein werthes wort; Das ist mein troft und treuer hort, Deß will ich allzeit barren. 4. Und ob es wahrt bis in die nacht, Und wieder an den morgen, Doch soll mein herz an gottes macht Verzweifeln nicht, noch sorgen. So thu Israel rechter art, Der aus dem geist erzeuget ward, Und seines gott's erharre. 5. Ob ben uns ist der fün den viel, Bey gott ist viel mehr gnade, Sein hand zu helfen hat kein ziel, Wie groß auch sey der schade; Er ist allein der gute hirt, Der Israel erlösen wird aus seis nen sünden allen. Vom Gebet. 713.Vater unfer im himmelreich, Der du uns alle heißest gleich Brüs der seyn und dich rufen an, Und willst das beten von uns han! Gieb, daß nicht bet ala lein der mund, Hilf, daß es geh von herzen grund. 2. Geheiligt werd der name sämmtliche Lieder. dein, Dein wort bey uns hilf halten rein, Daß wir auch leben heiliglich Nach deinem namen würdiglich. Behût uns, herr! für falscher lehr, Das arm verführte volk bekehr. 3. Es fomm dein reich zu dieser zeit und dort hernach in ewigkeit, Der heilge geist uns wohne bey Mit seinen gaben mancherley; Des sa tans zorn und groß gewalt Berbrich, für ihm dein' kirch' erhalt. 4. Dein will gescheh, herr gott! zugleich Auf erden wie im himmelreich; Sieb uns ge duld in leidenszeit, Gehorsam seyn in lieb und leid; Wehr und steur' allem fleisch und blut, Das wider deinen wils len thut. 5. Gieb uns heut unfer tågs lich brod, Und was man darf zur leibes noth; B'hůt uns, berr! für unfried und streit, Für feuchen und für theurer zeit. Daß wir in gutem frie: de stehn, Der sorg und geis zes müssig stehn. 6. All unsre schuld vergieb uns, herr! Daß sie uns nicht betrübe mehr, Wie wir auch unsern schuldigern Ihr schuld und fehl vergeben gern; 3u dienen mach uns all bereit, In rechter lieb und einigkeit. 7. Führ uns, herr! in verfuchung nicht, Wenn uns der böse geift ansicht, Sur linken und zur rechten hand, Hilf uns thun starken widerstand, Im glauben fest und wohl 521 gerüst't, Und durch des heilgen geistes trost. 8. Bon allem übel uns erlöf', Es sind die zeit und tage bös'; Erlös uns von dem ewa gen tod, Und tröst uns in der letzten noth, Bescheer uns all'n ein selges end, Nimm unsre feel in deine hånd. 9. Amen! das ist, es werde wahr; Stårk unsern glauben immerdar, Auf daß wir ja nicht zweifeln dran, Was wir hiemit gebeten han; Auf dein wort, in dem namen dein, So sprechen wir das amen fein. Te Deum laudamus. Verdeutscht durch Dr. Martin Luther. 714. err gott! dich los ben wir! Herr gott! wir danken dir! Dich, gott vater in ewigkeit, Ehret die welt weit und breit. All engel und himmelsheer, Und was dienet deiner ehr, Auch cherubim und seraphim Singen immer mit hoher stimm: Heilig ist unser gott! Heilig ist unser gott! Heilig ist unser gott! Der herre zebaoth! Dein göttlich macht und herrlichkeit Geht über himmel und erde weit. Der heiligen zwölf boten zahl, Und die lieben propheten all, Die theuren mårt'rer allzumal Loben dich, herr! mit großem schall. Die ganze werthe christenheit Rübmt dich auf erden allezeit; Dich, gott vater, im höchsten thron, Deinen rechten und 522 Des feligen Dr. ein'gen fohn, Den heilgen geift und tröster werth, Mit rechtem dienst fie lobt und ehrt. Du fönig der ehren, Jesu Christ! Gott vaters ewger sohn du bist. Der jungfraun leib nicht hast verschmäht, Zu'rld: sen das menschliche geschlecht; Du hast dem tod zerstört sein' macht, und all' christen zum himmel bracht; Du sitz'st zur rechten gottes gleich Mit aller ehr ins vaters reich; Ein rich ter du zukünftig bist Alles, was todt und lebend ist. Martin Luthers Daß wir gnad' erlangen? Das bist du, berr! alleine. Uns reuet unfre missethat, Die dich, herr! erzürnet hat. Heiliger herre gott! Heiliger starker gott! Heiliger barmherziger beiland! Dn ewiger gott! Laß uns nicht versinken In der bittern todesnoth. Kyrie, eleison. 2. Mitten in dem tod anficht Uns der höllen rachen; Wer will uns aus solcher noth Frey und ledig machen? Das thust du, herr! alleine. Es jammert dein barmherzigkeit Unser fünd und großes leid. Heilger berre gott! Heiliger starter gott! Heiliger barmherziger heiland! Du ewiger gott! Laß uns nicht verzagen Für der tiefen höllenglut. Kyrie, eleison. Täglich, herr gott! wir lo: ben dich, Und ehr'n deinen namen stetiglich. Behût uns heut, o treuer gott! Für aller sünd und missethat. Sey uns gnädig, o herre gott! Sey uns gnådig in aller norb. Beig uns deine barmherzigkeit, Wie unsre hoffnung zu dir 3. Mitten in der höllen: angst Unsre sünd uns treiben; Wo soll'n wir denn fliehen bin, Da wir mögen bleiben? Bu dir, herr Christ! alleine. Bergossen ist dein theures blut, Das gnug für die fünde thut. Heiliger herre gott! Heis liger starker gott! Heiliger barmherziger heiland! Du emis ger gott! Laß uns nicht ent fallen Von des rechten glausteht. Auf dich hoffen wir ,, bens trost. Kyrie, eleison. lieber herr! In schanden laß uns nimmermehr. Amen. vater! Vom Glauben und Ver: 716. Gott er weer wohn uns bey, Und laß uns nicht verderben; Mach uns aller sünden frey, Und hilf uns selig fierben; Für dem teufel uns bewabr, Halt uns bep festem glauben, Nun hilf uns, herr! den die nern dein, Die mit dein'm theuren blut erlöset seyn. Laß uns im himmel haben theil, Mit den heilgen am ewgen heil. Hilf deinem volk, herr Jesu Christ! Und fegne, was dein erbtheil ist; Wart und pfleg ihr'r zu aller zeit, Und heb' sie hoch in ewigkeit. trauen auf Gott. Sitten wir im le: 715.Mitt ben find Mit dem tod umfangen; Ben fuch'n wir, der hülfe that, sämmtliche Lieder. Und auf dich laß uns bauen, Uus herzensgrund vertrauen, Diruns laffen ganz und gar, Mit allen rechten christen Ent: fliehn des teufels listen, Mit waffen gottes uns rusten. Amen, amen, das sey wahr! singen wir Trost im Tode. und 2. Jesus Christus; wohn 718.Mifruti ich fahr uns bey 2c. 3. Heilger geist! uns wohne bey zc. 717. Mohl dem, der in gottes furcht 523 5. Fristen wird er das les ben dein, Und mit güte stets bey dir seyn, Daß du wirst sehen kindeskind, Und daß Israel friede find't. fleht, Und auch auf seinem wege gebt! Dein eigen hand dich nähren soll, So lebst du recht, und geht dir wohl. 2. Dein weib wird in dein'm 2. Dein weib wird in dein'm hause seyn, Wie ein rebe voll trauben fein, Und deine kind'r um deinen tisch. Wie ölpflanzen, gesund und frisch. 3. Sieh, fo reich fegen hangt dem an, Wo in gottes furcht lebt ein mann! Bon ihm låst der alt fluch und zorn, Den menschenkindern angebohrn. 4. Aus zion wird gott fegnen dich, Daß du wirst schauen stetiglich Das glück der stadt jerufalem, Vor gott in gnaden angenehm. dahin. In gottes willen; Getrost ist mir mein herz und sinn, Sanft und stille, Wie gott mir verheißen hat; Der tod ist mein schlaf worden. 2. Das macht Christus, wahr'r gottes sohn, Der treue heiland, Den du mich, herr! haft sehn lahn, Und machst bekannt, Daß er sey das lez ben und heil In noth und ben und beil In noth und auch im sterben. 3. Den hast du allen vorgestellt Mit großen gnaden, 3u seinem reich die ganze welt Heißen laden Durch dein theuer heilsam wort, Un allem ort erschollen. 4. Er ist das heil und fel'ge licht Für die heiden, zu erz leuchten, die dich kennen nicht, Und zu weiden. Er ist deins volkes israel Der preis, ehr, freud und wonne. Gebete zur häuslichen und Privatandacht. 1. Gebet, um recht und Gott wohlgefällig zu beten. Mein Dein Gott! So oft ich beten will, und wirklich bete, laß mich erkennen und bedenken, daß das Gebet keine solche Handlung sey, wodurch dir, dem höchsten und vollkommensten Wesen, ein besonderer Dienst geschehe, oder dir ein Vortheil und Nußen, eine höhere Vollkommenheit und Würde zuwachse; sondern daß du mir diese Pflicht bloß um mein selbst willen und zu meinem eignen Besten anbefohlen hast, und daß das Gebet mir ein Mittel zu meiner eigenen Wohl fahrt, ein Mittel zur Erweckung und Unterhaltung meines Glaubens und meines thátigen Christenthums seyn solle. Laß mich daher jederzeit so beten, daß dieser große Endzweck an meiner Seele erreicht werden kann. Laß mich bedenken, daß ich ein schwaches, ein ohnmächtiges und dürftiges Geschöpf bin, das allein durch dich sein Leben und Daseyn, Vers nunft und Kräfte erhalten hat, und ich jedes zeitliche und geistliche Gut, das ich besige, noch immerfort durch deine Weisheit, Allmacht und Güte besige; daß ich also völlig von dir abhange, daß du mein Vater und Schöpfer, mein Wohlthäter und Erhalter, mein Herr und mein Richter bist; daß ich daher verpflichtet bin, dich in allem diesem Betracht kinds lich zu verehren, alles, was ich bedarf, von dir in Demuth und Glauben zu erbitten und zu erwarten, und, um dies zu können, deine Befehle gewissenhaft zu erfüllen, und mich nach deinem Willen zu bilden. D! laß das Gebet mir ein kräftiges Mittel werden, mich stets zu allem Guten zu erwecken. Laß es mir ein Mittel werden, mich in der Furcht vor dir, in der Liebe und Dankbarkeit gegen dich, in dem Vertrauen auf dich, zu stårken; mich in der christlichen Gewissenhaftigkeit, in der Demuth, Reinigkeit und Heiligkeit meines Herzens, in der Liebe gegen meine Nebenmenschen, und in allen Tugenden zu ermuntern und zu befestigen. Lehre mich meine Schwachheit, meine Sündlichkeit und Unvollkommenheit immer mehr erkennen, um mich ernstlich zu bestreben, immer besser und Morgengebete. 525 tugendhafter zu werden. Schenke mir den Geist des Gebets, daß ich oft und mit Luft vor dich trete, und in der Empfindung der Würde und Ehre, mit dir, dem erhabensten Wesen, als ein niedriges und sündliches Geschöpf reden zu dürfen, mich gern mit dir unterhalte. Erleuchte meinen Verstand, daß ich dich und deine Herrlichkeit immer besser erkennen und verehren lerne. Bey einem jeden Gebete ziehe du mein Herz zu dir; laß meine Undacht nie durch Leichtsinn, durch Zerstreuung, durch Gedanken an das Irdische, gestört und vereitelt werden; måßige überhaupt in mir die Liebe und den Hang zu irdischen und vergånglichere Dingen, und laß mich nach den wahren und dauerhafter Gütern, nach dem Vorzuge, dir zu gefallen, und rechtschaf fen und fromm zu seyn, immer zuerst und am meisten trachten. Jedes Gute, was ich bedarf, laß mich von dir erbitten, und jede Wohlthat, die du mir schenkest, mit Dankbarkeit erkennen, und dich dafür preisen. Keinen Tag, kein Geschäfte laß mich ohne Gebet anfangen, und keinen Tag und Geschäfte ohne Gebet beschließen, auch mich ges wöhnen, bey jeder vorkommenden besondern Veranlassung mein Herz zu dir zu erheben. Gieb, daß die Uebungen der bauslichen Undacht und des häuslichen Gottesdienstes mir immer leichter, angenehmer und nützlicher werden, das mit ich sie allen sündlichen Ergötungen und kindischen Zeitvertreiben irdischgesinnter Menschen vorziehe, und mich immer mehr an dem vergnügen lerne, was mich ewig erfreuen soll. Erhöre mich, um Jesu Christi meines Heis landes willen. Amen. 2. Morgengebete. Unen nendlicher und allmächtiger Gott! Durch deine Güte bin ich abermal zu diesem Leben erwacht, da ich gestern nicht wissen konnte, ob nicht der Schlaf meines Körpers von dieser Nacht bis an jenen Tag der allgemeinen Erwek-= fung aller Todten dauern würde. Verleihe mir denn nun auch die Gnade, daß ich als ein Mensch, als ein Geschöpf von Vernunft und Nachdenken, erwacht seyn möge; als ein Geschöpf, das dich, den unendlichen Urheber seines Daseyns, erkennen, fürchten und lieben, und von deiner unendlichen, so unverdienten Güte recht tief gerührt seyn kann und soll. Und, o! du Gott von unermeßlicher Erbarmung! Wie kann ich deine gnådige Fürsorge genugsam loben und prei 526 Morgengebete. fen, die mich, während meines ganzen Lebens, und auch in dieser Nacht, vor so mannigfaltigen unglücklichen Zufällen bewahrt hat, vor welchem mich sonst nichts, als deine allmächtige und allwissende Regierung bewahren konnte! Erhalte du selbst die Empfindung beständig lebhaft in meiner Seele, daß mein Leben und Kräfte, daß alles, was ich bin und was ich habe, meine Arbeiten und Beschäftigungen, meine Schicksale und Begegnungen, meine zeitliche und ewige Wohlfahrt bloß in deinen Händen stehen, und ganz lich auf deiner allgegenwärtigen Macht, Weisheit und Güte beruhen. Laß mich durch den beständigen Genuß deiner unendlichen, so unverdienten und so unermüdeten Güte auch bes ständig und kräftig angetrieben werden, mit dankbarer Freu digkeit und kindlichem Gehorsam dieses zeitliche Leben überhaupt, und die besondern Umstände, worein deine anabens volle Vorsebung mich gefest hat, und künftig sehen wird, zur Erfüllung deiner weisen und gütigen Absichten anzus wenden. Hilf, daß ich niemale die Wichtigkeit dieſes fur zen und flüchtigen Lebens vergeffe, das, bey aller seiner Kürze und Flüchtigkeit, durch die böse oder gute Anwendung des ſelben mich entweder zu dem allerunwürdigsten und un glücklichsten, oder zu dem edelsten und glücklichfien deiner Geschöpfe machen kann. Laß mich auch insonderheit heute so glücklich seyn, daß ich durch den Beystand deiner Gnade diesen Tag nicht blos in irdischen Geschäften, noch weniger aber in einer unfruchtbaren Unthätigkeit, in leeren 3erftreuungen und unnügen Beschäftigungen verliere; sondern daß ich heute die Erkenntniß meines Verstandes und die Empfindungen meines Herzens zu verbessern, und alle Handlungen der Rechtschaffenheit, Wohlthätigkeit, Dienst fertigkeit und Leutseligkeit, wozu ich nur Gelegenheit finden kann, auszuüben bemüht seyn möge. Wenn ich in den Ge fellschaften, worein ich etwa heute komme, oder ben andern Gelegenheiten und Vorfällen, sehe und höre, daß Wahrheit, Religion und Zugend unterdrückt, oder verachtet und ver spottet wird; so laß mich ja nicht verfäumen, meine Ehrerbietung und Liebe für die Wahrheit, mit Verstande, mit mens schenfreundlicher Güte, und mit männlichem Ernste zu beweis fen. Und da du, Allwissender! meine Schwäche im Guten kennest, da in den verderbten Neigungen meiner Natur, in den Reizungen einer ganzen sinnlichen Welt, in den herr: schenden Grundsäßen und Lebensarten des großen Haufens, Morgengebete. 527 sowohl der angesehenften als unangesehenften Menschen, selbst für die edelste und glücklichste Gemüthsverfassung des Christen so viel Gefährliches liegt, so stärke du meinen Glauben und meine Tugend durch deine Gnade. Erhalte und vermehre in mir die Lebhaftigkeit meiner Ueberzeugungen von meiner so theuren Versöhnung, und die Lebhaftigkeit meiner Erkenntniß und Empfindung, daß Tugend, Rechtschaffenheit und Gutherzigkeit, daß Unschuld des Herzens und des Wandels die wohlthätigsten Wirkungen auf die Ruhe, und das Gluck der Menschen, sowohl für mich als andere, haben. Laß daher meine Einsicht und Empfindung von meiner höchsten und unaufhörlichen Verpflichtung zu dieser Tugend und Reinigkeit meines Herzens und Wandels, und von ihrer Liebenswürdigkeit und Möglichkeit, durch keine böse Exempel und Grundsätze des Leichtsinns, der Wollust und der Gottesvergeffenbeit geschwächt und vermindert werden. Erbarme dich denn auch, unendlich gütiger Gott und Vater der Menschen! heute aller elenden, unterdrückten, und bekümmerten Menschen, wo sie auch immer seyn mögen, und insonderheit auch aller derjenigen, die mir besonders angehdren. Bringe sie immer mehr und mehr zur Erkenntniß und Empfindung der Glückseligkeit, deren sie durch Religion und Tugend fähig sind; und segne sie auch im Leiblichen mit allem demjenigen, wovon deine Weisheit sieht, daß es ihnen gut und beilfam ist. Erbóre mein demüthiges Gebet, unendlich liebreicher Gott! nach deiner großen Erbarmung, die du uns in Jesu Christo, deinem Sohne, meinem gostlichen Mittler, geoffenbaret hast. Amen. 3. Ein anderes Morgengebet. 6° ott, Echöpfer und Herr Himmels und der Erden! barmberziger Wohlthäter und Vater der Menschen! Dich bete ich als den Urheber und Erhalter meines Lebens, als den Gott meines Heils, als die ewige und unerschöpfliche Quelle meiner Glückseligkeit, demüthigst an. Dir danke ich mit Freuden für mein Leben, für meine Gesundheit, für meine Kräfte für alle geistliche und leibliche Bortheile, die ich befige. Dir egnke ich insbesondere dafür, daß du mich in dieser Nacht mit deinem mächtigen Schutze bedecket, daß du alle Gefahren, die mir droheten, von mir abgewandt, daß du memen Leib durch einen sanften Schlaf erquidet, und mir neue Kraft und neues Leben eingeflößet hast. Gott! beine 528 Morgengebete. Güte ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß. Sie übertrifft alle unsre Verdienste unendlich; sie ist weit größer, als daß wir dir jemals genug dafür danken könnten. Wer bin ich, o Gott! wer bin ich, daß du auch mein gedenkest, und dich meiner so våterlich annimmst? Ich bin ein Sünder, der deine heiligen Gesetze übertreten, der deine Wohlthaten öfters gemißbraucht, der sich des schändlichsten Undanks gegen dich schuldig gemacht, und als ein solcher nichts als Ungnade und Strafe verdienet hat. Ja, Herr! wie könnte ich bestehen, wenn du mit mir ins Gericht geben wolltest! Uber du handelst nicht mit uns nach unsern Sünden, und vergiltst uns nicht nach unsern Missetbaten. Noch schonest du meiner, wie ein Vater seines Sohnes schonet. Noch fährst du fort, mich zu seanen und mir Gutes zu thun. Noch willst du mich durch Güte zur Buße leiten. Noch schenkst du mir Zeit und Kräfte, an meiner Besserung zu arbeiten, und meine Heiligung in deiner Furcht zu vollenden. Wie bes schämt mich deine Güte und Huld, o Gott! wie reuet es mich, daß ich dich, meinen Vater und Wohlthåter, so oft beleidiget, und dir den schuldigen Gehorsam geweigert habe! Ach, strafe mich nicht, wie ich es verdienet habe. Sey mir gnädig in Christo, deinem Sohne, und verzeihe mir um ſeis nentwillen alle meine Sünden. Siehe, ich heilige mich dir ganz und gar. Ich verabschere das Böse, das ich bisher ge than habe; ich wünsche nichts mehr, als immer besser, immer tugendhafter und heiliger zu werden. Ich erneure hie mit in deiner Gegenwart, o Gott! den aufrichtigen Vorsak, alle unordentlichen Begierden, die in mir aufsteigen, zu un terdrücken, alle böse Gewohnheiten, die ich noch an mir habe, zu bestreiten, und mich in meinem ganzen Verhalten, nicht nach dem Willen meines Fleisches, oder nach dem Beyspiele der Lasterhaften, sondern allein nach deinen guten und heiligen Geboten, zu richten. Dir, meinem Schöpfer und Herrn, zu gehorchen, deiner Gnade und deines Beyfalls mich zu versichern, nach deinem Bilde erneuert, und dadurch deis ner feligsten Gemeinschaft fähig zu werden; dies foll meine ernstliche Bemühung, dies soll meine Ehre, mein Ruhm und meine Gückseligkeit seyn. Ja, ich schwöre es, und will es bals ten, daß ich deine gerechten, weisen und guten Gebote halten will. Gott! stehe mir selber mit deiner Gnade bey, diesen guten Vorfaz mit Treue zu erfüllen; denn ohne dich vermag ich nichts. Schenke mir deinen Geist, der mich erleuchte, reinige, und auf den Weg der Wahrheit und Tugend Morgengebete. führe. Bewahre mich auch heute vor allen Versuchungen zur Sünde; und wenn ich versucht werde, so laß mich nicht fallen. Bewahre mich insonderheit vor den Sünden, zu denen ich am meisten geneigt bin, und die noch die größte Gewalt über mich haben. Gieb, daß ich sorgfältig über mich selbst wache, daß ich alle Anlässe und Gelegenheiten zum Bösen fliehe, und jeden sündlichen Gedanken, jede unerlaubte Neigung, die in mir entstehen, unverzüglich unterdrücke. Laß die Vorstellung von deiner Auwissenheit und deiner mich allenthalben umgebenden Gegenwart mich überall begleiten, und mein Herz mit der tiefsten Ehrfurcht vor dir und deinen Gefeßen erfüllen. Laß mich oft an den Tod, an dein zukünftiges Gericht, und an die Ewigkeit gedenken und dadurch weise werden zur Seligkeit. Erfülle mich mit einer aufrichtigen Liebe gegen alle Menschen, und laß mich meinen Brüdern so nüßlich werden, als es die Fähigkeiten, die du mir verliehen, und die Umstände, in welche du mich gefehet hast, erlauben. Verleihe mir Gesundheit und Kräfte zu meinen Berufsgeschäften, und begleite sie mit deinem Segen. Gieb, daß ich bey meiner Arbeit mein Herz oft zu dir erhebe, deine Vorfehung in allem, was mir begegnet, demüthig verehre, und weder dem Geize noch der Ungerechtigkeit, noch irgend einem andern Laster, den Zugang zu meiner Seele verstatte. salud yan onionsin din 529 Dir und deiner Gnade, o Gott! empfehle ich alle Menschen. Laß das Licht deiner Offenbarung sich über alle Bolfer ausbreiten. Wehre dem Unglauben und dem Uberglauben, und erweitere die Gränzen des Reichs der Wahrheit und der Tugend. Segne unfern Landesherrn und die Obrigkeit, die du über uns gesehet hast. Segne die Lehrer, und laß sie reizende Muster der wahren Weisheit, der Liebe und aller christlichen Tugenden seyn. Segne diese Stadt, ( diesen Ort) dieses Land, und alle Einwohner desselben. Segne insbesondere diejenigen, die du durch die Bande des Bluts und der Freundschaft mit mir verbunden hast. Sieb, daß wir alle die Pflichten unsers Berufs treulich erfüllen, daß wir das allgemeine Beste unserm befondern Nutzen vorziehen, und deine Ehre und das Heil unsrer unsterblichen Seele zum letzten Endzwecke aller unsrer Bemühungen machen. Erhöre mich, Vater der Barmherzigkeit! sey mir gnädig um Jesu Christi willen. Amen. 2 1 530 todopingta nambut an 4. Abendgebet. Uten nendlicher und allgegenwärtigen Gott! So bin ich denn abermals fo glücklich, daß ich mich mit Gebet zu dir wenden kann, und daß ich es zu dir, als meinem in Chrifto verföhnten Vater non unaussprechlicher gnädiger Horablassung und Geduld mit der tintlichen Zuversicht than fahn, mein demüthiger Dank werde die bey aller seiner Unvollkommen heit angenehm feyn, und meine fleheitliche Bitte erhöret werden Ning du Gott der Barmherzigkeit mit gerührtem Herzen danke ich dir für alle deine Gnade, die du auch heute mir erwiesen hast, daß du mich auch den heutigen Tag unter dem so. offenbaren Einflusse deiner gnadenvellen Regierung haft zurücklegen lassen, und daß du mich an demselben vor so vielem Kummer und Elend bewahret hast, das mich in meiner eigenen Person und in meinen Angehörigen håtte treffen können. Insonderheit danke ich dir, erbarmungsvoller Gott!( und o möchte ich fähig seyn, diesen Reichthum deiner väterlichen Güterecht zu erkennen und zu prei sen!) infonderheit danke ich dir, daß ich bey dem Slusse dieses Tages ein fo glückliches Gefchöpf bin, daß ich mich durch Christum von deiner Gnade und väterlichen Zufriedenheit versichern kann, und daß selbst meine heutigen Feiler und Verfündigungen mir deine väterliche Liebe und Erbarmung nicht geraubet haben, sondern daß ich ihre Vergebung bey dir durch Christum suchen und erhalten kann. Co vers gieb mir denn, mein Gott! mein Vater! vergieb mir, nach deiner erbarmenden Liebe zu deinen Menschen, nach der theuren Verheißung meines Erlöfers, alles, was ich heute in meinen Pflichten versäumet, oder was ich aus Flüchtigkeit oder 3erstreuung, oder aus Mangel des schuldigen Eifers im Guten, gefehlet habe. Ja, ich weiß, du vergiebst es mir, fo gewiß, als ich mit gerührtem und kindlichem bußfertigem Hers zen dich durch Jesum Christum darum anflehe, und auf des sen theure Erlösung und deine unendliche Erbarmung allein mein Vertrauen sege. Ewiges Lob, ewiger Preis und Dank sey deiner göttlichen Liebe für die Religion, welche die Versöhnung, welche die Begnadigung undankbarer Sünder predigt, und doch den Sündern keine Ursache zur Leichtsinnigkeit und Sorglofigkeit giebt! Sa, unendlich gütiger Gott! mit innigst gerührtem und dankbarem Herzen, und aus eigener freudiger Erfahrung erkenne ich es, daß nur durch die in deinem Worte und durch unsern ewig anbetungswürdigen Abendgebete. 531 Erlöser geoffenbarte Religion der Mensch mit Vernunft ruhig seyn, daß er nur durch sie ein so gutes und glückliches Geschöpf werden kann, als er nach seiner Natur, und nach deinen gütigen Absichten seyn soll; daß er ohne sie nur elend, nie mit Vernunft rubig seyn würde, und daß er ohne sie nie die Kräfte haben könnte, seine Pflichten so auszuüben, als zu seiner eigenen Glückseligkeit, und zur Wohlfahrt sei ner Nebenmenschen unumgänglich nothwendig ist. O! so laß mich gegen deine unaussprechliche Güte, du Gott der Erbarmung! nie so undankbar werden, dies wieder zu vergess fen. Erhalte du meine Einsicht und Empfindung von dies ser großen und theuren Wahrheit immer lebendig in meiner Seele, wenn auch noch so viele Menschen zu ihrem eigenen Unglücke, die Wohlthätigkeit deiner Religion und den unendlichen Werth deiner Erbarmung in Chrifto verkennen und unempfindlich dagegen bleiben sollten. Ich erneure hie mit nochmals meine dankbare Entschließung zur Treue und Folgsamkeit gegen die Religion und deine darin geoffenbarte Güte. Verlaß mich nicht bey meiner natürlichen Schwachheit, bey den Hindernissen, die mich von allen Seiten umgeben, und bey der Gefahr, worin ich immer noch wegen meiner eigenen Sinnlichkeit bin. Erfehe vielmehr mein Unvermögen durch den kräftigen Einfluß der Erinnerungen und Triebe des Geistes. Ja, gütiger, unendlich gü tiger Gott! du erhörst das Gebet deiner Menschen; du fannst es nicht unerhört lassen. Nur in diesem kindlichen Vertrauen, in dieser Empfindung von meiner Glückseligkeit, die ich durch dich Gott! und durch deinen eingebornen Sohn, meinen Erlöser, besiße, übergebe ich mich dir auch in dieser Nacht, mit allen meinen Angehörigen und Freunden. Sorge für sie und auch für mich, nach deiner väterlichen Erbarmung. Soll ich nach deinem gnädigen Willen noch långer hier leben, so laß mich morgen mit einer dankbaren Empfindung deiner Güte erwachen, und mich den Tag zu der Erfüllung deiner gütigen Absichten anwenden. Sollte ich aber in dieser Nacht dieses Leben der Vorbereitung zur Ewigkeit verlassen; o so vergieb mir, was ich von diesem großen Endzwecke versäumet babe, um Jefu Chrifti willen, und erfülle deine theure Verheißung, daß du mich um seis ner theuren Erlösung willen, ohne mein Verdienst, als vols lig begnadigt annehmen, und bey dir ewig selig machen wollest. Erhöre mich, mein Gott! mein Vater! um Seiz Christi willen. Amen. 212 Abendgebete. um 5. Ein anderes Abendgebet. CHE Ich ch freue mich deiner Güte, o Gott! und komme mit Danken vor dein Ungesicht. Jeder Tag, jede Stunde, jeder Augenblick meines Lebens giebt mir neue Beweise von deiner väterlichen Huld und Gnade, und legt mir neue Verpflichtungen zur Dankbarkeit und zum Gehorsam gegen dich, meinen Vater und Wohltbåter, auf. Auch heute hast du dich an mir Unwürdigen nicht unbezeugt gelassen. Auch heute hast du mir, in allen Absichten, viel Gutes gethan. Wie viele bekannte und unbekannte Gefahren und Uebel hast du durch deine gnådige Vorsehung von mir abgewandt! Vor wie vielen Sünden, die unter allen Uebeln die größten sind, hast du mich Schwachen bewahret! Wie viele geistliche und leibliche Wohlthaten habe ich aus deiner freygebigen Hand empfangen! Womit soll ich dir, dem Herrn, alle das Gute vergelten, was du an mir gethan haft? Nimm meinen Leib und meine Seele zum Opfer hin. Sie sind dein, und dei: nem Dienste, deiner Verherrlichung sollen sie auf ewig ge heiliget seyn. Möchte nur mein Eifer, dir zu gefallen, bes ständiger, möchte der Gehorsam, den ich dir leiste, reiner und vollkommner seyn! Aber, o mein Gott, wie weit bin ich noch von dem Siele der christlichen Vollkommenheit ent fernt! Wie vieler Nachlässigkeit und Trägheit im Guten, wie vieler Bergehungen und Fehler muß ich mich täglich vor deinem Angesichte beschuldigen! Habe ich wohl den vergangenen Tag in allen Absichten so zugebracht, wie es einem vernünftigen Geschöpfe, einem Christen, einem Erben der zukünftigen Herrlichkeit anständig ist? Habe ich in dei ner Furcht gewandelt, und die Empfindungen deiner Gegen wart sorgfältig in meiner Seele unterhalten? Habe ich mir das Beyspiel meines Herrn und Heilandes zum Muster der Nachahmung vorgesetzt, und durch mein Verhalten bewiesen, daß ich ein Junger und Nachfolger des demüthigen, des fanftmüthigen, des wohlthätigen und himmlischgesinnten Jesu sey? Habe ich jeden Anlaß zum Guten, jede Gelegen heit, mich selbst zu bessern und Ändern nützlich zu werden, Ei begierig ergriffen? allen Reizungen zum Stolze, zur telkeit, zum 3orne, zur Unzufriedenheit, zur Wollust widerstanden, und mich recht sorgfältig gehütet, weder mit Ge danken und Begierden, noch mit Worten und Werken zu fündigen? Habe ich meine Zeit, meine Kräfte, meine Gåter, mein Unsehn so wohl angewandt, als ich håtte thun $ 19 532 Abendgebete. 533 sollen und können? Habe ich meine Pflichten gegen dich, gegen meinen Nächsten und gegen mich selbst, mit der Willigkeit, mit dem Eifer, mit der Treue erfüllt, als es deine Boblthaten und meine Schultigkeit von mir fordern? Bin ich in einer solchen Verfassung, daß ich freudig sterben und mich einer seligen Ewigkeit getrösten könnte, wenn es gefallen sollte, meinem irdischen Leben in dieser Nacht ein Ende zu machen? dir Nacht ein Gott! wie beschåmet, wie erniedriget mich diese Průfung! Herr! wer kann merken, wie oft er fehlet? Verzeihe mir auch die verborgenen Fehler! Gehe nicht ins Gericht mit deinem Knechte,( mit deiner Magd) denn vor dir ist kein Lebendiger gerecht. Ich bekenne dir meine Sünden und Uebertretungen; ich bereue sie von ganzem Herzen; ich entschließe mich, in deiner Furcht mich immer mehr von al len Befleckungen des Fleisches und des Geistes zu reinigen, und meine Heiligung zu vollenden. Stärke mich selbst, o Gott in diesem guten Vorsage. Stehe mir in der Ausführung desselben mächtig bey. Gieb, daß ich alles, was dir zuwider ist, hasse, und als das größte Uebel meide und fliebe. Gieb, daß ich alles, was dein beiliger Wille von mir fordert, aufrichtig und mit Freuden thue. Laß mir den morgenden Tag heiliger seyn, als den heutigen. Laß mich täglich an Weisheit und Tugend wachsen, und immer mehr nach deinem Ebenbilde erneuert werden. Hege ich Neid und Haß gegen irgend einen Menschen in meinem Herzen; so laß den Schlaf ferne von mir seyn, bis ich ihm verzeihe, bis ich ihm mit Aufrichtigkeit Gutes wünsche, und ich ihm solches wirklich zu erzeigen geneigt bin. Laß mich so ein schlafen, wie ich zu sterben und dereinst vor deinem Richterstuhle zu erscheinen wünsche. Dein mächtiger Schuß bedecke mich und die Meinigen auch in dieser Nacht, damit uns kein Unglück begegne, und teine Plage sich zu unsrer Wohnung nahe. Schenke mir einen sanften und erquickenden Schlaf; laß mich morgen, wenn es dir gefällt, mit neuen Leibes- und Seelenkräften wieder aufwachen, und gieb, daß ich sie nach deinem Willen und zu deiner Ehre anwende. Troste, barmherziger Gott! tröste meine elenden Mitchristen, die in dieser Nacht durch Schmerzen und Krank: beit oder andere Arten des Elends der süßen Ruhe beraubt sind, und mit Verlangen auf den Anbruch des Tages warten. Stärke die Sterbenden, un laß sie Gnade vor dir 534 Abendgebete. finden. Hindre die Werke der Finsterniß; erbarme dich der Sünder, und bekehre sie. Dir, Herr, mein Gott! übergebe ich meinen Leib und meine Seele, mein Leben und alle meine Schicksale. Führe mich selbst bey deiner Hand, leite mich nach deinem weisen Rath, und nimm mich dereinst in deine Herrlichkeit auf. Ich bitte dich um dieses alles in dem Namen und als ein Jünger Jesu Christi, unsers Mitt lers und Seligmachers. Amen. Sonntags andacht. 6. Morgengebet am Sonntage. Großer und anbetungswürdiger Gott! du Schöpfer und der Du mei: nes Lebens und aller meiner Glückseligkeit! Du läsfest mich abermals einen Sonntag erleben. Mit dem demüthigsten Danke preise ich dich für alles mir von jeher geschenkte Gute, und besonders an diesem Morgen für den mir in der vergangenen Nacht verliehenen Schuß und die Erhaltung meines Lebens. D Gott! alle deine Wohlthaten verpflichten mich aufs stärkste, mein ganzes Leben deinem Dienste und deiner Verehrung zu widmen. Ganz vorzüglich aber bin ich dir den Theil der Zeit schuldig, den du mir dazu selbst auf eine besondere Weise angewiesen hast. Ich danke dir für die Einsehung des Sonne tags, dieses Tags der heiligen Ruhe, den du von weltli: chen Sorgen und Arbeiten zu deiner unmittelbaren Verchrung ausgezeichnet hast. Wie glücklich werde ich seyn, wenn ich ihn recht heilige, und ihn deiner würdig zubringe! Bie viele dieser Tage habe ich auf eine thörichte, eitle Urt, verschwendet! D! laß nicht diesen Sonntag, die Anzahl der verlornen vermehren, sondern gieb, daß ich ihn in deiner Furcht zubringe, und ihn zu heiligen Handlungen und from men Uebungen anwende. Laß mich immer mehr in deiner Erkenntniß und in allen christlichen Zugenden wachsen, und darin meinen Trost und, Glückseligkeit finden. Dies ist der Tag, an dem der Erlöser der Welt, nachdem er für die Sünden der Menschen gestorben war, siegreich vom Tode wieder auferstanden ist. O möchte ich mich doch auch vom Tode der Sünde zum Leben der Tugend und Rechtschaf fenheit erheben und nach denjenigen Dingen, die droben sind, wo er zu deiner Rechten fizet, nach himmlischen Gesinnungen und nach einem himmlischen Wandel, streben! Gieb mir libing) 10 Sonntagsandacht. 535 felbst Kraft, mich den Lüften der Welt und des Fleisches zu entziehen, und mein Herz zu geistlichen und himmlischen Dingen zu erheben. Laß alle meine Gedanken, meine Worte und Handlungen von diesem Augenblicke an, diefen ganzen Tag und künftig allezeit vor dir heilig und unsträflich seyn. Gieb mir, o Gott! folche würdige Begriffe von deiner anbetungswürdigen Natur und deinen großen Eigenschaften, solche erhabene Vorstellungen von deiner erschaffenden Macht und Weisheit, von deiner fürsorgenden Aufsicht auf alle deine Geschöpfe, und von deiner erbarmenden Liebe und Gnade, die fähig sind, in meiner Seele die Empfindungen der tiefsten Chrerbietung gegen dich, der reinsien Liebe zu dir, der lebhaften Hoffnung und Freude an dir, zu erwecken. Mache meine Seele dir selbst ähnlich, und gieb, daß mein Herz durch den Einfluß deines guten Geistes erneuert, und ich ein guter, ein frommer und dir wohlgefälliger Mensch werden möge. Laß mich alles, was die Religion mir vors schreibt, als das ehrenvollste, wichtigste und angenehmste Geschäfte ansehen, das ich verrichten kann, und laß mich darin niemals träge und nachläffig, sondern allezeit bereit seyn, die mit Freudigkeit, Eifer und Treue zu dienen. Dir, mein Gott! widme ich mich denn mit aller Ernſthaftigkeit und Aufrichtigkeit aufs neue an diesem Morgen. Dein bin ich, und dein wünsche ich auch auf ewig zu seyn: Nimm du mein Herz, das du dir selbst gebildet hast, ganz in Besiz, und gieb, daß ich dir, dem alle Dinge gehören, alles, was ich bin und habe, ohne Heucheley ganz übergebe. Halte du mich selbst fest an dir, und laß mich nichts von deiner Liebe trennen. Laß mich o Gott! unter der beständigen Empfindung deiner Gegenwart leben, und mit dir, meinem himmlischen Vater und deinem Sohne Jesu Christo, den du zu meinem Heile in die Welt gesandt hast, in beständiger Gemeinschaft bleiben. Laß mich es fühlen, welch eine Glückseligkeit es für mich sey, daß ich ein Christ bin, daß ich dein Wort und deine, heilige Religion habe, daß ich mich mit dir durch meine häusliche Andacht unterhalten, mich mit andern Christen zum öffentlichen Gottesdienste versammlen, dadurch meine Erkenntniß, meinen Glauben und meine Tugend stärken und vermehren, und mich in der seligen Hoffnung befestigen kann, daß ich dich dereinst im Himmel werde vollkommner anbeten und verehren können. Präge mir zugleich durch die Uebungen meiner Andacht die Neigung ein, dir, dem gütigsten unter allen Wesen, darin Sonntagsandacht. nachzuahmen, daß ich alle meine Nebenmenschen, die eben sowol, als ich, beine Geschöpfe und meine Brüder sind, aufrichtig und von Herzen liebe, daß ich es nicht bloß da: bey bewenden lasse, ihnen Gutes zu wünschen, und mich aller Beleidigungen gegen sie zu enthalten, sondern auch bereit seyn möge, ihnen, so viel in meinem Vermögen ist, alles Gute gern und willig zu erweisen. Insonderheit aber laß mich niemals diejenigen Pflichten versäumen, die meine besondern Umstände und Verbindungen, mein Stand, mein Beruf( und Umt) von mir fodern. Gieb mir Weisheit, dasjenige zu erkennen, und dem nachzustreben, was zu mei ner wahren Weisheit und Glückseligkeit dienet. Lehre mich, das Beste meiner Seele allen irdischen Bortheilen vorzuzie hen, alle meine Begierden und Leidenschaften in den gehd. rigen Schranken zu halten, und die reizenden Tugenden der Demuth, der Sanftmuth, der Mäßigkeit und Zufrieden. heit auszuüben, unter allen Mühseligkeiten dieses Lebens geduldig, und unter allen Versuchungen standhaft zu seyn, und nach der künftigen und ewigen Glückseligkeit vor allen Dingen zu trachten. 536 Segne, o gütiger Gott, alle die Mittel der Gnade, die du mir zu diesen großen Absichten gegeben hast; insbesondere die Gelegenheit, die ich heute haben werde, in der gottesdienstlichen Versammlung mit meinen Nebenchristen mich von deinem Willen zu unterrichten, und dich anzubeten. Rüfte deine Diener mit Weisheit und Verstand aus; gieb ihren Worten Kraft, die Herzen ihrer Zuhörer zu heiligen und dir wohl, gefällige Gesinnungen zu erwecken, und laß ihren Dienst in deinem Heiligthume gesegnete Früchte bringen. Umen. 7. Gebet vor dem Gottesdienste. er heutige Tag ist bir, o Gott! und deiner Verehrung besonders gewidmet, und dich zu verehren ist meine höchste Seligkeit. Laß mich dies, mein gütigster himmli scher Bater! recht erkennen, und diesen Tag einen Tag des Segens für mich und andre werden. Gott, wie glücklich bin ich, daß ich mich heute, von allen irdischen Geschäften und Sorgen frey, in deinem Hause mit meinen Nebenchristen versammeln kann! daß ich da über alles, woran mir am meisten gelegen, mit stillem Geiste nachdenken, mich bis zu dir, meinem Schöpfer und Bater erheben, mich von deinem Willen unterrichten, mich im Sonntagsandacht. 537 Glauben an dich und deinen Sohn Jesum stårken, mich deiner Wohlthaten und der Hoffnung der seligen Unsterblichkeit freuen, und so meinen Geist nåhren, und zu einem bessern, höhern Leben vorbereiten kann! Dank sey es deiner weisen, våterlichen Güte, die diese Veranstaltung getroffen, und uns bis auf diesen Tag in dem Genusse derselben erhalten hat. O! laß mich sie heute und immerdar recht würdig gebrauchen. Sammle doch meine Gedanken aus der 3erstreuung; richte sie ganz auf dich und auf den beilsamen Unterricht. den du mir durch die Lehren der Religion ertheilst, damit ich dich immer besser erkennen, immer herzlicher lieben, dir immer freudiger vertrauen und deinen Geboten immer wil liger und treuer gehorchen lerne möge. Laß insbesondere den Gedanken von der Auferstehung und Erhöhung deines Sohnes Jesu, an welche mich dieser Tag erinnert, mich in dem Glauben an seine göttliche Lehre, und im Bertrauen an seine Berheißungen stårken, mich zur Nachfolge seines heiligen, wohlthätigen, gemeinnützigen Lebens, das einen so herrlichen Ausgang genommen hat, erwecken, und mir recht christliche, himmlische Gesinnungen einflößen. Laß sich die Gewißheit seines wiedererlangten Lebens durch die kräftigsten Wirkungen seiner Lehre und seines Bey. fpiels auch an mir und meinen Nebenchristen offenbaren. und mich diesen Tag nicht zurücklegen, ohne an demselben etwas Gutes gelernet, und mehr Erkenntniß der Wahrheit, mehr Liebe und Kraft zur Tugend und Frömmigkeit, mehr Weisheit zur Führung des gegenwärtigen, und mehr Fähigkeit zum Genusse des zukünftigen Lebens erlangt zu haben. Dein Segen, o Gott! begleite alles, was ich heute denken, reden, lesen und hören werde, damit es reiche Früchte der Besserung und der Beruhigung in mir hervorbringe, durch Sesum Christum. Amen. 8. Nach dem Gottesdienste. armherziger, gútigster Gott! Wie oft kann ich mich in deinem Hause und zu deiner Verehrung mit meinen Nebenchristen versammlen! Wie viel Unterricht, wie viel Trost, wie viel Ermunterung zum Guten kann ich da erhalten! und wie weise, wie tugendhaft, wie glücklich mußte ich nicht seyn und werden, wenn ich mir diese Mittel der Besserung und Beruhigung recht zu nute machte! Wie viele Vorzüge habe ich nicht in dieser Absicht vor 538 Sonntagsandacht so vielen von meinen Brüdern, die weder dich noch den du gefandt hast, Jefum Christum, kennen, oder die noch in den Fesseln des Aberglaubens schmachten, und nur ein sehr ge ringes Maaß der Erkenntniß der Wahrheit haben! Wie weit follte ich sie denn nicht auch an Weisheit, an christlicher Rechtschaffenheit und Zugend, an herzlicher Liebe zu dir und zu allen Menschen, an Zufriedenheit und Seligkeit übertref= fen! und wie sehr würde es mich dereinst beschämen, wenn es sich finden sollte, daß jene ihrem schwachen Lichte treuer gefolgt sind, als ich dem weit hellern Lichte, das du über mich leuchten läsfest! Wie groß würde da meine Verantwortung, wie schwer, wie gerecht meine Strafe seyn! Gott! dieser Gedanke bekümmert und verwirrt mich. Ich kann es nicht leugnen, daß ich noch weit von dem Ziele der christlichen Bollkommenteit entfernt bin; daß ich es oft wohl gar aus dem Gesicht verliere, daß ich mich demselben nur mit langfamen, wankenden Schritten náhere. Ich höre wohl die Lehren der Religion und des Christenthums, die du uns verkündigen läsfest, ich muß sie für wahr und gut erkennen, hóre sie vielleicht mit Wohlgefallen, und wünsche wohl, ihre Kraft zu erfahren, und fo zu leben, wie Christen leben follen; aber dabey lasse iche nur gar zu oft be wenden, denke nicht weiter darüber nach; und dann kommen Berfireuungen, Geschäfte und Sorgen dieses Lebens. Leicht finn und Trägheit, und löschen alle diese guten Eindrücke wieder aus. Gott! laß mich doch nicht mehr so unbedachtsam han deln, und deine Wohlthaten so schåndlich mißbrauchen. Laß. mich die Lehren der Wahrheit in einem feinen guten Hers zen bewahren, fie oft und anhaltend überlegen, sie in der Kirche und zu Hause mit aller Unpartheylichkeit auf mich felbst anwenden, und ihrer Kraft zu meiner Besserung niemals widerstreben, oder Hindernisse in den Weg legen. Sieb, daß ich und alle, die das Glück haben, dich und deinen Sohn Jesum zu kennen, uns desselben durch einen tu gendhaften heiligen Wandel immer würdiger machen. Laß dies Glück auch denjenigen zu Theil werden, die es noch entbehren müssen. Laß die Siege der Wahrheit über den Irrthum, der Tugend über das Laster, der Freiheit über die Knechtschaft, des vernünftigen christlichen Gottesdienstes über den Aberglauben immer mannigfaltiger und herrlicher, und die Menge sowohl, als die Rechtschaffenheit deiner Berehrer immer größer werden. Gegne uns alle mit Weis Sonntagsandacht. 539 heit und Tugend und christlicher Frömmigkeit, mit der Freude des Rechts und Wohlthuns, und der getrosten Hoff nung eines bessern, ewigen Lebens, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 9. Abendgebet am Sonntage. da och einmal an dem heutigen Abend erhebe ich mein Herz zu dir, Gott, meines Herzens Trost und mein Theil in Ewigkeit! um mich deiner Wohlthaten dankbar zu erinnern, und dich um die Fortdauer deiner Güte und Liebe anzuflehen. Dank sey dir für die erneuerte Gelegenheit, die ich diesen Tag gehabt habe, dich in deinem Hause anzubeten, mich mit meinen Nebenchristen öffentlich zu deinem Dienste zu vereinigen, dein heiliges Wort zu hören, und dadurch) unterrichtet, zur Tugend erweckt, gestärkt und getröster zu werden. Gieb mir, o Gott! die Gnade, daß ich nun auch künftig die Erweckung zum Guten, die du mir heute verschafft hast, mir gehörig zu Nute machen möge, und es nicht bloß bey dem Hören bewenden lasse, sondern durch die That beweise, daß ich sie zu meiner Besserung anwende. Mache mich durch deinen Geist geschickt, daß ich der Würde eines Christen, eines durch Jesum Erlöseten, eines Erben der ewigen Seligkeit gemäß lebe; gemäß meinem Stande und Berufe, worein du mich gefegt, gemäß den Pflichten, die du mir auferlegt haft, gemäß den Verheissungen, die ich zu erwarten habe. Práge deine Gefeße so tief in mein Herz, daß die Wahrheiten, die ich heute gehört, meinem Gedächtnisse getreu, und sowohl zum bessern Unterrichte meines Berstandes, als zur weisern Einrichtung und Regierung meiner Gesinnungen und meines Lebens, mir immer lebhaft und gegenwärtig bleiben. Bergieb es mir, gütigster Vater! daß meine Andacht auch heute mit so vieler Unvollkommenheit begleitet gewesen ist. Vergieb mir die Trägheit und Laulichkeit meiner Empfindungen, die Zerstreuung meiner Gedanken, die wenige Aufmerksamkeit auf deine Gebote. Bie beschämt bin ich, wenn ich daran gedenke, wie wenig ich mein Herz im Gebete und Danke zu dir zu erheben wußte, mit welcher Gleichgültigkeit ich deine Gnadenverheissungen angehört, und auf deine Vorschriften geachtet, wie wenig ich die Sünde verabscheuet; den Werth meiner Seele, die Wichtigkeit eines ewigen Lebens, und die Hoheit der zukünftigen Herrlichkeit und Glückseligkeit empfunden und geschätzt habe, die einst denjenigen, die dich wahrhaftig lies. 540 Conntagsandacht. ven, gewiß zu Theil werden wird! O gieb, daß ich die künftigen Sonntage immer heiliger zubringe, daß ich immer weiser und ernsthafter, andächtiger und himmlischgesinnter werden möge, als ich bisher gewesen bin. Gieb mir mehr Lust zu deinem Worte. Laß mich immer mehr die Freude und den Frieden schmecken, die die gewissen Folgen einer immer zunehmenden Gemeinschaft mit dir sind. Reinige und heilige meine Begierden. Laß mich die irdischen Dinge nicht so lieben, als wenn die Welt meine einzige( Stückfe ligkeit wäre, und ich keine weitere Aussicht auf ein besseres Erbtheil hätte; sondern lehre mich erkennen, daß ich bier feine bleibende Stätte habe, und daß ich dem Himmel und Der Ewigkeit entgegen eile, wozu ich mich hier in meine ganzen Leben vorbereiten soll. Laß mich durch ein tägliches Wachsthum im Guten dieses meines ewigen Erbtheils im mer fähiger werden, und hilf mir alle Schwierigkeiten, Hin dernisse. Gefahren und Versuchungen überwinden, die mir auf meinem Wege zum Himmel begegnen, und mich meines großen Biels verlustig machen könnten. Für alle deine Gnade, o Gott! die du mir an meiner Seele erwiesen, für die wohlthätige Beranstaltung, die du in der christlichen Religion zu meiner Erlösung, zu meinem Unterrichte, zu meiner Besserung, zu meiner Begnadigung und Seligkeit, durch deinen Sohn Jefum Christum getrof fen haft, preife ich dich demuthsvoll an diesem Abend. Auch für die vielen irdischen Wohltbafen, womit du mich täglich überhäufest, und besonders für die mir an diesem zurückge legten Tage verliehene Erhaltung und Segnungen, bringe ich dir von Herzen Lob und Dank. D! laß die Empfindung deiner unverdienten Güte stets mein Herz rühren, und gieb, daß ich dich nicht bloß durch meine Worte, sondern auch vornehmlich durch ein frommes Leben preise. Und nun, o Gott! nimm mich auch diese Nacht in dei nen gnädigen Schuß. Behüte mich vor allem Uebel und Gefahr, und erquicke mich durch eine sanfte und stärkende Ruhe. Dir empfehle ich alle meine Berwandte und Freun de; thue ihnen Gutes, und fegne sie mit allen denjenigen geistlichen und leiblichen Gütern, wovon du weißt, daß sie derfelben am meisten bedürfen. Stehe den Unglücklichen und Peidenden bey; gieb ihnen Geduld und Ergebung in deinen Willen, und befreye sie von ihrem Elende durch deine Hülfe und göttlichen Tröstungen, deren du so viele hast. Laß alle meine Mitchristen, laß das ganze menschliche Geschlecht Sonntagsandacht. 541 deiner wohlthätigen Güte empfohlen seyn, und breite Fr kenntniß, Wahrheit und Frömmigkeit unter allen Menschen aus. Siehe mit Gnade auf unser Vaterland herab. Flöße unserm Landesherrn, und allen seinen Ráthen und Obrige feiten, Liebe und Hochachtung gegen Religion und Tugend, Weisheit und Gerechtigkeit ein, und leite seine und ihre Rathschläge auf das allgemeine Beste. Vergieb die Sünden unserm Volke, und wirke unter uns allgemeine Besserung. Gieb den Dienern der Religion Geist und Verstand, und laß ihrer Seits die Sache des wahren Christenthums durch nüßlichen Unterricht und ein exemplarisches Leben befördert werden. Erhöre, gütigsier Gott und Bater! dies mein de müthiges Gebet, um Jesu Christi willen. Amen. Tägliche Erweckung zum frommen Sinn und Wandel vor Gott. 10. Vertrauen auf Gott und rechtmäßige Gesinnung gegen ihn. armherziger Bater und Schöpfer der Menschen! Von dir allein muß ich alles, was zur Nahrung, Bekleie dung und Erhaltung meines Leibes und Lebens und über haupt zu meinem ganzen Glücke in Zeit und Ewigkeit noth wendig und ersprießlich ist, erwarten; und ich kann dies auch, nach deiner gnädigen 3usage, bey einem redlichen Ge horsam gegen deine Gefeße erwarten. In deine allmäch tige treue Baterhånde lege ich daher alles, was du mir von irdischen Gütern, an Bequemlichkeit, Vergnügen und Ehre, verliehen hast, in Demuth nieder. Dank sey dir, Va, ter! für den fröhlichen Genuß, den du mir davon bisher wider alles mein Verdienst, geschenket hast. Durch deine Gnade will ich mich bereit erhalten, dies alles, wenn du es befiehlst, freudig wieder hinzugeben. Ja, ich bitte dich herzlich, laß mir alle meine irdischen Vortheile nicht einen Augenblick långer, als es mit Bewahrung und Stärkung meines Glaubens und guten Gewiffens bestehen kann. Laß keinen meiner Wünsche und Begierden, wovon du, nie ir=; rende Weisheit! einsiehest, daß er thöricht ist, und meiner unsterblichen Seele zum Fallstrick und Verderben gereichet, so schmeichelhaft er auch immer seyn mag, erfüllet werden, sondern vereitle fie alle. Ehe du, o Bater meiner Seele! zu 542 Erweckung zum frommen Sinn laffest, daß ich nach so unermeßlichen, unaussprechlichen, , unzähligen Wohlthaten, die du mir erwiesen hast, in irgend eine vorsägliche Sünde gegen dich falle, oder daß meine An dacht und Christentugend einige Abnahme leide, nimm mir lieber, fo bitter und peinlich es mir auch immer feyn mag, meine Gesundheit, meine Bequemlichkeit, mein irdisches Vermögen, meine Ehrenstellen in der Welt, und belege mich da gegen mit schmerzbafter, langwieriget Krankheit, bitterer Armuth, unschuldiger Berachtung, und andern Leiden dieses balb, bald vorübereilenden Lebens. Nur bitte ich dich inbrünstig, laß mich nicht meine Leiden etwa durch Unmäßig: keit, durch Lieblosigkeit, oder sonst eine Verletzung meiner Pflichten selbst verursachen. Und wenn dann ein Leiden aus deiner Hand über mich fommt, oder auch etwa durch meine Schwachbeit väterlichen Ubsicht, in der Beherrschung aller unordentlichen Begierden, in dem himmlischen Sinn, in der allerfeligsten Kunst, deinen Willen schlechterdings zu dem meinigen zu machen, befestigen und stärken, und meiner Seele die himmlischen Früchte einer festgegründeten, geübten, gestärkten Tugend geben. Laß mich auch auf den Fall vorbereitet seyn, wenn du von mir für den Dienst der Wahrheit und der Eugend meine irdischen Vortheile( meine Güter, mein Umt, meine Ehrenstellen, und selbst mein Leben) zum Opfer for: dern und mich in die Umstände führen solltest, wo ich, um cin unverlegtes Gewiffen zu bewahren; meine Vorzüge und Bequemlichkeiten aufgeben, und mich drückenden Umständen bloß stellen mußte. So laß denn von nun an alles, was irgend einer Verdrießlichkeit oder mürrischen Klage über deine Regierung áhnlich sieht, mir abscheulich, und aus meinem Herzen und Munde verbannet feyn. Dagegen will ich mich treulich bestreben, alle Mühseligkeiten dieses Lebens, die Be schwerden eines fiecben Leibes, und was du mir sonst an andern Trübfalen hinzufügen möchtest, nicht allein mit de muthiger Ergebung in deinen Willen, sondern auch als Ers hörung meiner frommen Gebete und als wahre Wohlthat mit einem dankbaren und heitern Herzen zu tragen, und zu meiner immer größern Reinigung und Besserung anzuwen den. Auch will ich mich befleißigen, ein aufgeräumtes freundliches Wesen im Umgange mit meinen Nebenmenschen im mermehr anzunehmen, um dadurch deiner göttlichen Regie: rung in der Welt Ehre und meinen Nebenmenschen Freude zu machen. Wie viel tausendmal habe ich dir, mein Gott, und Wandel vor, Gott. 543 zu danken Ursache gehabt, daß du ehedem diejenigen Wüna sche vereitelt, diejenigen Absichten, mich nicht haft erreichenlassen, die mir damals so angenehm waren, und mir zu meinem Wohl unentbehrlich schienen! Háttest du mich das vermeinte Glück erlangen lassen, das ich so angstlich und rastlos suchte; bättest du mir die Bortheile gewähret, die ich als mein Glück so sehnlich wünschte; fo würde mein ganzes irdisches und ewiges Wohl zernichtet. Dies sehe ich jego ein, da der Ausgang deiner weisen und gütigen Füh rungen vor mir liegt. D1 dies stärke mich, daß ich schlech terdings keinen andern Willen babe, als den deinigen, daß ich ben allen meinen Wünschen und Hoffnungen, bey allem meinem Thun und Vernehmen, mit meinem Erlöser sage: Gott, nicht mein, sondern dein Wille geschehe! daß ich alles zeit und unter allen Umständen dich findlich fürchte, liebe und dir vertraue, und mit deiner väterlichen Regierung im mer zufrieden, ruhig und dankbar fen. Amen. Dur 11. Demuthsübung. id sud) urch deine Gnade, du heiligstes und vollkommenstes Wes sen! will ich es stetsizu meinem Hauptgeschäfte machen, meine Seele von allem Kothe und Schlamme des für mich fo thörichten, und dir so abscheulichen Stolzes zu reinigen. Ath! noch immer ist in meinem Herzen ein fo trauriger Ueberrest dieser schändlichen und schädlichen Gemitheart, und der ehe maligen bösen Gewohnheit und Fertigkeit vorhanden, der mich an der Ausübung einer jeden Tugend so sehr hindert, und mich in so manche und selbst grobe Fehltritte stürzt. So will ich denn( du, Gott! einziger Geber aller meiner Kraft zum Guten! wirst mir helfen!) so will ich denn mir die Betrachtung und Empfindung immer gewohnter, geläu figer und kräftiger zu machen suchen, daß ich in allen, auch den kleinsten und unerheblichsten Dingen, nur von dir ab hange, und alle meine Kräfte und Gaben nur von dir em pfangen habe; daß ich sie nur dazu empfangen habe, um dadurch Vergnügen, Ruhe und Wohlfahrt in deiner Fami lie, unter meinen Nebenmenschen, auszubreiten; und daß ich folglich ein schåndlicher Rebell in deinem liebevollen Reiche werde, wenn ich irgend eine diefer deiner Kräfte und Gaben dazu mißbrauche, irgend einen deiner Menschen ohne Noth und Recht zu frånken, zu berüben, zu beleidigen und zu beschadigen; daß ich nur eine gar sehr geringe Brauchbarkeit in deinem Dienste habe, vielleicht auch meine eigene Nachlässigkeit und Trägheit Schuld daran ist, daß ich nicht 544 Erweckung zum frommen Sinn nüßlicher bin; und daß hingegen so viele hunderte meiner Nebenmenschen viel größere Kenntnisse und Geschicklichkeiten besißen, und deinem Reiche weit mehrere und wichtigere Dienste leisten; daß der Zadel und die Widersprüche, die ich von 2ndern erfahre, in deiner Hand Segnungen werden und Mittel sind, meine Einsichten zu vermehren, meine Gesinnun gen und Handlungen zu bessern, und mich in so mancher Tu gend zu erwecken und zu üben, daß die wahre Ehre nicht in den, meist leichtsinnigen, veranderlichen und nichts bedeutenden Ur: theilen der Welt, sondern nur in dem Ruhme vor dir, in deis nem Beyfalle und Wohlgefallen, bestehet; und insbesondere, daß ich durch mein ehemaliges ficheres, böses Leben, und durch meine noch immer fortdauernden großen und vielfältigen Mån, gel, Schwachheiten und Fehltritte, von dir nicht allein gar nichts Gutes, sondern vielmehr Strafe verdiene. Uch, wie würde es mit mir stehen, wenn du mit mir nach Gerechtig, keit, ohne Erbarmung verfahren wolltest! Herr, mein Gott! thue du durch deine allwaltende Borsebung, sollte es mir auch die krankendsten Urtheile und Verachtungen meiner Nebens menschen kosten, thue alles, so bitter und peinlich mir es immer feyn mag, um diesen Stolz, den ich hasse, aber doch immer so sehr in mir fühle, zu demüthigen, und allmählig mit der Wurzel auszurotten. Gieb jenen Betrachtungen die Kraft in meinem Herzen, daß ich dadurch alle Reguns gen der Unzufriedenbeit und Verdrießlichkeit bey den Müh feligkeiten und Trübsalen meines Lebens, alle Regungen ei ner aufblähenden Meinung von meinen Einsichten, Gaben und Vorzügen, einer verächtlichen Meinung von meinen Nebenmenschen, und insbesondere von denen, die mit mir in einerlen Geschäfte( oder Umte) arbeiten, der Unleidlichkeit bey den Widersprüchen und dem Tadel anderer, einer vers achtlichen Beurtheilung meiner Nebenmenschen, und besonders derer, die sich mit mir um einerley Sache und Vortheile be werben, der übergroßen Begierde nach Ruhm und Beyfall vor der Welt, alle Regungen eines gebieterischen und auf fahrenden Wesens, sogleich mit unerbittlicher Strenge aus meiner Seele verbanne. Bater! jene uneingeschränkte, unverbrüchliche Unterwerfung unter dich, jene bescheidene Meinung von mir selbst, jene liebevolle Beurtheilung und aufrichtige Werthschätzung meiner Nebenmenschen, jene chrift: liche Gelaffenbeit und Folgsamkeit bey den auch ungerechten und bittern Widersprüchen und Tadel Anderer, jener fanfte, gefällige, menschenfreundliche Gebrauch aller meiner und Wandel vor Gott. 545 Kräfte und Gaben, diese åchte Demuth deines Sohnes und meines Herrn, ach! diese Zierde meiner Seele, diese Grundlage aller meiner Tugenden, laß immer mehr mein Eigenthum werden. Darum bitte ich dich um Jesu Christi willen. Amen. 12. Um Keuschheit und Mäßigkeit. Unter nter der Aufsicht deiner schüßenden Vorsehung, mein Gott und Vater! und unter den Einflüssen deiner herzlenkenden bessernden Kraft, will ich zu allen Zeiten meine chriftliche Mäßigkeit und Keuschheit zu bewahren und zu stärken trachten. Alle Gelegenheiten zu jenen unwürdigen, schimpfli: chen, viehischen Lüsten alle neugierigen Unblicke, und allen unvorsichtigen Genuß der Nahrung will ich mit aller Sorgfalt, aber auch mit aller christlichen Klugheit zu vermeiden suchen. Da, wo ich diesen Gelegenheiten und Gefahren nicht ausweichen kann, ohne mich in Kengstlichkeit, Muthlosigkeit, Bestürzung und öftere Versuchung zu setzen, oder irgend eine meiner Pflichten zu vernachlässigen, oder zu übertreten, da will ich ihnen getrost und muthig entgegen gehen, und suchen, mich daran zu gewöhnen, und die gefähr: lichen Eindrücke davon auf meine Seele zu verringern. Du allwissender Vater! der du weißt, daß ich es nicht aus Selbstvermessenheit oder Kühnheit thue, sondern in der frommen Absicht, deinen Willen desto besser, leichter und freudiger zu üben, du wirst mich gewiß mit deiner Gotteskraft da nicht verlassen, und mich der Sünde zur Beute nicht hingeben. Mit einem demüthigen herzlichen Danke nehme ich zu meiner Stärkung die troftvolle Zusage deines Evangelii an, daß du die unwillkührlichen Regungen dieser und anderer mir abscheulichen Gedanken und Begierden, die ich hasse, bekämpfe und zu verhindern suche, mir um Jesu Christi willen gar nicht zurechnest, hingegen jeden treuen Kampf dawider mit einem höhern Grade deines Beyfalls und deiner Vaterliebe belohnest. Hierdurch gestärkt, will ich also alle muthlose Furcht und Uengstlichkeit verbannen, und sie übersehen und verachten; aber auch durch deine Gnade, mein Gott! ihnen nicht den geringsten Aufenthalt in meiner Seele gestatten; sondern sie augenblicklich durch Gebet, durch Nachdenken und Betrachtung oder auch durch heilsame Beschäf= tigung, mit Haß und Abscheu in ihrer ersten Geburt erstlikken, und diesen treuen, edlen, christlichen Glaubenskampf, erquickt und gestärkt durch das fröhliche Bewußtseyn, daß du der liebevolle Zeuge und Richter desselben bist, mit unM m 546 Erweckung zum frommen Sinn verbrüchlicher Treue fortseßen. Und so will ich mich von ganzem Herzen bestreben, daß ich dir heute und jederzeit mit einer ganz unbefleckten Reinigkeit der Seele, der Rede und des Wandels diene, und dir durch Jesum Christum wohlgefalle. Auch bitt' ich dich um die Gnade, mich so zu regieren. daß ich die Speisen, den Trank und die Nahrungsmittel, die deine Baterliebe mir schenken wird, jederzeit mit aller Vorsicht, Selbstbeherrschung und Enthaltsamkeit zu mir nehme, damit ich ja nicht felbst dein Geschenke schändlicher Weise mißbrauche, meine christliche Arbeitfamkeit, Undacht, Keuschheit und andere Tugenden deines Gefeßes zu hin dern und zu erschweren. Mit folcher christlichen Mäßigkeit will ich denn dein kostbares Geschenk, meine Gesundheit und Leben, zu erhalten, zu benußen, dir meine herzliche Dankbarkeit für deine väterliche Fürsorge zu beweisen, und meine Andacht und christlichen Tugenden auf eine edle Art zu bewahren und zu üben suchen. Lehre mich, Bater! eben folche Mäßigkeit auch in dem Gebrauche aller deiner andern irdischen Güter, aller auch unschuldigen Bergnügen des Lebens, die du mir gönneft. Mit dem lebhaften Gefühl der Geringfügigkeit und Vergånglichkeit aller, auch der be sten irdischen Güter, und mit der standhaftesten Entschlossen. heit, sie auf deinen Befehl in deine wohlthätige Baterhand gern zurück zu geben, will ich sie befißen und genießen, als ein Christ, der unendlich bessere Güter kennet, und für eine felige Ewigkeit arbeitet. Stehe du mir dazu bey, durch Jesum, meinen Erloser. Amen. 1 13. Um brüderliche Liebe, Mitfreude und Mitleid. Liebreicher und gnädiger Gott und Schöpfer deiner Mens unendlich Regent der ganzen Welt! Jedes rechtmäßige Vergnügen meiner Nebenmenschen ist ein Geschenk deiner allgemeinen Vaterliebe; Neid, Mißgunst, Schadenfrohheit, machen mich folglich zu einem Rebellen in deinem liebevollen Reiche. Durch diese feindseligen Leidenschaften werde ich den niedrigsten und unwürdigsten Geschöpfen, ja dem Teufel und seiner höllischen Gesellschaft ähnlich, und in den allerunseligsten Zustand ge stürzt, wo ich, ohne Gotteslästerung, von dir keine Gnade und Antheil an dem Verdienste deines Sohnes erwar: ten kann. Weit, weit größere Ehre und Freude schaffet es mir, wenn ich mit Selbstüberwindung das Vergnü gen meiner Nebenmenschen empfinde, als wenn ich den und Wandel vor Gott, 547 glänzendsten Ruhm und lautesten volleften Beyfall und Lob der ganzen Welt erhielte. Und je mehr Selbstüberwindung mir diese Tugend kostet, desto edler und wichtiger ist fie, nach deiner liebreichen Schätzung; und allen den Berlust, den ich je an eigenem irdischem Ruhme, Bequemlichkeit und andern Gütern der Erde leiden kann, ersetet sie mir durch) den höhern Grad deines Beyfalls und Vaterliebe unend lich. Durch diese Betrachtungen göttlich gestärkt, will ich mir denn jene höllischen Leidenschaften, Neid, Misgunst und schadenfrohes Wesen, immer verhaßter und abscheulicher machen, und sie, wenn sie sich in meiner Seele regen, mit aller Macht daraus verbannen. Hingegen will ich mich immer mehr an eine zärtliche, chriftlich brüderliche Theilnehmung bey der Noth meiner Nebenmenschen zu gewöhnen suchen; sie als die meinige ansehen und fühlen, sie auf alle nur mögliche Art, mit Gelde, durch thätigen Beystand, und vornehmlich mit meinen Kräften und Gaben, zu erleichtern oder zu endigen suchen, und mich in die Bereitschaft versehen, sie ihnen wenn es deiner Weisheit so gefiele, abzunehmen und an ih: rer Stelle zu tragen. Zu diesem Ende will ich, so viel im mer möglich ist, keinen Armen, der sich an mich wendet gehen lassen, ohne ihn selbst zu sprechen. Kann ich ihm gleich nicht helfen, so kann ich ihm doch vielleicht Muth und Trost einsprechen, und so hilst er doch mir, durch diesen Anblick seiner Noth dankbar gegen dich, meinen wohlthätigen Gott, der du mich von ihm ohne mein Berdienst so liebreich unter schieden hast, und gegen deine Menschen mitleidiger zu werden. Insbesondere aber will ich mich, weil mir dies am schwersten wird, immer mehr befleißigen, jedes rechtmäßige Vergnügen meiner Nebenmenschen, besonders derer, die mit mir einerley Stand, Amt und Vortheil haben, vornehmlich da, wo es meinen eignen irdischen Ruhm und Ehre verdun: felt, und meine irdischen Vortheile verringert, als mein eignes Vergnügen mit Freude zu empfinden, ihr Bestes auf alle mir mögliche Urt, durch gelegentliche rühmliche Urtheile, Warnung vor Schaden, Bereitlung böser Unschläge gegen fie, durch nützliche Rathschläge und Nachrichten, Empfehlungen, und auf andere Weise zu sichern und zu befördern, auch wenn das Gespräch hierauf in Gesellschaft fällt, durch gefliffentliche Fortsegung desselben meinen Neid zu krånken, und meine brüderliche Gemüthsart zu stärken fuchen. Herr, mein Gott! hilf mir auch hierin die traurigen Ueberreste meines ehemaligen bösen unchristlichen Lebens immer mehr verM m 2 2 548 Erweckung zum frommen Sinn nichten. Gieb mir Gegenwart des Gemüths und Weisheit, daß ich diese Christentugend nicht bloß zur Hälfte ausübe, nicht bloß mein Herz vom Neide reinige, sondern auch die, noch so sehr, sehr schwache, zärtliche Mitfreude stårke, und die Mittel dazu immer besser erkenne und immer treuer und glücklicher anwende. Um Jesu Christi, deines Sohnes, des größten Menschenfreundes willen, bitte ich dich hierum. Amen. 14. Um Nachsicht, Sanftmuth, Leutseligkeit und Langmuth. Gott, wie du bist, der Sünden ver: W giebt, der mit den Sündern nicht nach Verdienst verfährt, und die so oft wiederholten Fehltritte und Schwach: heiten der Menschen mit unbegreiflicher Geduld und Scho nung trågt? laß mich doch, mein Gott! durch die dank bare Erinnerung des unermeßlichen Reichthums der Lang: muth, der Batertreue, der Nachsicht, der Herablassung, der Leutseligkeit und Freundlichkeit, die du mir um Jesu Christi willen geschenket baff, und noch immerfort schenkest, erweckt und göttlich gestärkt werden, mich von aller auffahrenden Heftigkeit, Ungestüm und Hiße, die einem Unterthan und Kinde des so herablassenden, sanftmüthigen, freundlichen Gottes, und einem Erlöfeten des so sanftmüthigen Heilandes äußerst, äußerst schimpflich ist, zu reinigen, diesen bösen Regungen mit aller Wachsamkeit den Eingang in meine Seele zu verschließen, und wenn sie sich da einfinden, mir als dann keine Rede und That eher zu erlauben, bis ich die Sache dir im Gebet vorgetragen, und mir da eine beſtimmte Art des Verfahrens vorgeschrieben habe. Ja, mein Gott! unter deinem Beystande will ich mich als ein Christ befleißi gen, sowohl bey den Unordnungen und Vergehungen derer, die mir untergeben und von mir abhängig sind, als auch bey alle dem, was mir an meinen Nebenmenschen unangenehm und verdrießlich ist, mich an eine immer größere Nachsicht zu gewöhnen, die nöthigen Erinnerungen, Be weise und Bestrafungen, die ich andern zu geben habe, mit einem fanften und leutseligen Wesen zu geben, in der Belehrung, Bearbeitung und Besserung der Irrenden und Fehlenden nie zu ermüden; oder auch, so viel immer mög lich, die sanften Mittel den strengen vorzuzuziehen, und über haupt so sanft gegen andere, als strenge gegen mich selbst, zu seyn. und Wandel vor Gott. 549 15. Um christliche Gefälligkeit und Freundschaft. Alle les das, mein Gott! was irgend einem meiner Nebenmenschen, ohne Noth und Recht, nur einen mißvergnügten Augenblick verursacht, will ich mir immer verhaßter und abscheulicher zu machen, und alles mürrische, verdrieß: liche und unfreundliche Besen immer mehr und mehr abzulegen suchen. Dagegen will ich mich( hilf du mir selbst dazu!) immer mehr gewöhnen, alles, was irgend einem meiner Nebenmenschen ein rechtmäßiges Vergnügen und unschuldige Freude macht, auch in Kleinigkeiten zu bemerken; und dies will ich nicht etwa aus Schmeicheley und Menschengefälligkeit, sondern durch die edle Begierde angetrieben, dir, mein Gott! ähnlich zu werden und deine Menschen zu vergnügen, mit aller Treue und Lust ins Werk rich: ten. Nicht allein in großen und wichtigen Dingen, sondern auch in Kleinigkeiten, gütig, fanft und freundlich zu seyn; andern wohlzuthun auf die gefälligste Weise; die Ehre meiner Nebenmenschen mit der größten 3årtlichkeit zu behandeln, und allezeit wohl eingedenk zu seyn, welche schmerzende Kránkung andern durch die Verletzung ihrer Ehre und guten Namens verursacht werden; den großen 3weck, zu vergnügen und wohlzuthun, stets vor Augen haben; das, das ist Ehre, Ruhm und Glück für mich, einen Christen, der berufen ist, Segen von dir zu empfangen und Segen unter deine Menschen zu verbreiten. Gott! laß mich dies bey keiner Gelegenheit vergessen. 16. Um christliche Liebe gegen Feinde. Sollten mir auch, mein Gott! unter deiner allwissenden und väterlichen Vorsehung, Beleidiger, auch grobe Beleidiger und Feinde begegnen; o! so laß mich, so will ich aus herzlicher Dankbarkeit für deine ganz unermeßliche Gnade, die mir solche Beleidigungen, wogegen auch die gröbsten Feindseligkeiten der årgsten Bösewichter gegen mich nicht zu rechnen sind, um Jefu Chrifti willen ganz vergeben hat, auch meinen årgsten Feinden sogleich und von ganzem Herzen vergeben, ihnen alles Gute aufrichtig gönnen und anwünschen, jeden nur möglichen Dienst ihnen gern leisten, und nach 550 Erweckung zum frommen Sinn dem Muster meines Herrn Jesu Christi, durch Wohlthun und Liebe sie zu besiegen trachten. Diese Gefinnungen, barmherziger und verzeihender Gott! verleihe, erhalte und befestige in mir, zur Ehre deines Namens und deiner hei: ligsten Religion und zu meiner eigenen Ruhe und Selig feit. Amen. 17. Um Heiligung der Reden und ganzen Betragens. Laß mich, o Gott! stets bedenken, daß auf mein Verhal: ten im Umgange mit andern Menschen so viel an: kömmt, und daß üble Reden nicht selten eben so viel Un heil stiften, als üble Thaten. Gieb, daß ich mich daher ben meinen Reden und in meinem ganzen Betragen, sowol bey den Geschäften meines Standes( und Umtes) als im Umgange mit andern, mich einer strengen Ueberlegung im mer mehr befleißige. Laß mich da, nach dem Muster deiner Treue und Wahrhaftigkeit, die allerstrengste christliche Auf richtigkeit üben, und mir nicht das geringste unwahre Wort gestatten, auch über mein Herz fleißig wachen, daß nicht etwa der Anfang der Heucheley sich bey mir einschleiche, das zu scheinen, was ich nicht bin, oder es mehr zu scheinen. als ichs bin. Za, unter deinem Beystande fasse ich hiermit die feste Entschließung: Ullenthalben soll mich der christlich: liebevolle Geist in der Beurtheilung meiner Nebenmen fchen regieren, daß ich nie eine Unwahrheit, nie etwas er dichtetes Böses oder Nachtheiliges von ihnen sage, daß ich ihre Mängel, Fehler und Vergehungen auf jede rechtmäßi ge Art unterdrücke und verberge, daß ich davon nie ohne Noth, nie anders als zu irgend einer guten Absicht, und immer mit einem innern Widerwillen, immer mit dem Wunfde, das Gegentheil sagen zu können, spreche, daß ich hin gegen ihre rühmlichen Eigenschaften und Handlungen forg: fältig bemerke, und diese zum liebsten Inhalte meiner Un terrebungen und Gespräche mache. Auch will ich wachsam auf die Gelegenheiten und den Beruf seyn, den du mir er theilest, vor der Welt ein dankvolles Bekenntniß meiner un endlichen Verpflichtung gegen deine Religion, und das gött: liche, ewig theure Verdienst meines gekreuzigten Heilandes abzulegen. Ben allen schicklichen Anlässen will ich es mei nen Nebenmenschen sagen, daß ich alle meine Gewissens und Wandel vor Gott. 551 ruhe, alle meine Kraft, Licht und Stärke zum Anfange in der Tugend, alle Freuden dieses Lebens, allen Trost im Tode, alle frohe Aussichten jenseits des Grabes, nur dem Verdienste Jesu zu danken habe;, und hiedurch will ich suchen, mich und meine Nebenmenschen immer mehr zur ehr: furchtsvollen tiefen Werthschätzung und treuen Ausübung dieser ewig, ewig ersprießlichen Religion zu erwecken. Verleihe mir dazu Kraft und Gnade, Gott der Wahrheit und meines Heils! um Jesu Christi willen. Amen. 18. Um christlichen Gebrauch der Vergehungen, Thorheiten und Laster unsrer Nebenmenschen. Menn ich Thorheiten, Bergehungen und Laster von meiso laß, o mitleidsvoller und barmherziger Gott! diese traurigen Erfahrungen meine Menschenliebe gegen sie nicht schwächen; und verhindre dies in mir durch die erweckenden Lehren deiner Religion, daß auch dem árgsten Bösewichte, in jedem Augenblicke der Zutritt zu deiner Gnade eröffnet ist, um durch sie gebessert, geheiliget, begnadiget und zu deiner Freundschaft wieder aufgenommen zu werden, und daß Neigungen und Handlungen, welche bey mir, der ich mehr Erkenntniß und Mittel zur Besserung habe, den Verlust des Gnadenstandes unausbleiblich verursachen würden, bey meinen Nebenmenschen Unwissenheits- und Schwachheitssünden seyn können. Dann aber las mich auch eben diese trauris gen Erfahrung, nach der Belehrung deiner Religion, als ein Christ gebrauchen. Laß mich sie anwenden, mich zur Demuth zu erwecken und zu stärken, indem ich mich dadurch an mein eignes ehemaliges Sündenleben und an die noch fortwährenden großen Mängel und Flecken meiner Tugend erinnere. Laß mich sie anwenden, meine Dankbarkeit gegen dich zu erwecken und zu stärken, und mich deiner unermeß= lichen Gnade erinnern, die mich aus dem Abgrunde des Lasters und des Unglücks herausgerissen und mich vor so manchen großen Sünden bewahret hat. Laß mich sie zur Erweckung und Stärkung meiner christlichen Vorsicht und Wachfamkeit gebrauchen, und mich erinnern, daß ich den Saamen zu allen solchen und andern Lastern in mir trage, und meine Tugend jeden Augenblick gleichen tödtlichen Ge 552 Erweckung zum frommen Sinn fabren ausgesetzt ist. Laß mich endlich dadurch zum christ lichen Mitleiden und zur Wohlthätigkeit erweckt und gestärkt werden, daß ich dies allergrößte Elend meiner Nebenmen: fchen mit herzlicher Theilnehmung empfinde, und, anstatt fie durch Verachtung, Haß und harte Begegnung zu erbit: tern, und in das Elend noch tiefer hineinzustürzen, viel: mehr alle Gelegenheiten forgfältig bemerke und treulich ge: brauche, um durch ihre Besserung ein Wohlthäter sowohl an ihnen, als an deinem ganzen Reiche auf der Erde, zu werden. Laß mich auch hierin das Beyfpiel meines men: schenfreundlichen Erlösers stets zum Muster der Nachfol ge vor Augen haben, und erhöre mich um dessentwillen. Umen. 19. Um christlichen Gebrauch der Zeit, Kräfte und Gaben Gottes. Mit herzlichem ehrfurchtsvollen Danke erkenne und rühme mein Gott! daß du mich hier auf der Erde in ein arbeitfames Leben, in einen solchen Stand und Verbindung gesetzet hast, wo mich eine Arbeit nach der anderen beschäftigen muß, und eben hiedurch die Erhaltung meiner Christentugend mir so sehr erleichtert, und mir mein Leben, heilsam, ruhig, angenehm und er quickend gemacht wird. Ich preise deine Gnade, welche mir bisher dies Leben, diese Kräfte und Munterkeit meines Leibes und Gemüths, den fröhlichen Gebrauch meiner Au gen und andern Sinne, meine Vernunft und Sprache, und die Gaben im FIrdischen anvertrauet, und mir dadurch das ehrenvolle Zeugniß giebt, daß du mich in deinem Reiche noch núßlich findest. Aber nicht bloß mein Mund, sondern aud mein Herz und Wandel, soll dir dafür danken, indem ich diese deine Geschenke als ein treuer Haushalter gebrauche. Durch deine Gnade will ich die Geschäfte in dem Stande und Berufe( in dem Umt und Posten), den du mir in deiner Welt angewiesen hast, und die einen Haupttheil meines Christenberufes hier in dieser Vorbereitungszeit aus machen, mit aller Treue, mit Anstrengung aller meiner Kräfte und nöthiger Selbstüberwindung, in gewissenhafter Hintansehung der mir angenehmern Beschäftigungen, aus richten; ich will sie stets mit freudiger Unverdrossenheit, als einen christlichen Gottesdienst, ausrichten; ich will dabey mit einem kindlichen Vertrauen dich ehren, indem ich die Be und Wandel vor Gott. 553 schwerden, die damit wegen der etwanigen Schwachheit meines Leibes und anderer Zufälle verbunden sind, nebst dem oft mißlingenden guten Erfolge, geduldig als deine Anordnung trage, und ohne alle ångstliche Ueberlegungen und unruhige Bestrebungen den Fortgang und Ausgang davon lediglich deiner weisen und väterlichen Borsehung überlasse. Insbesondere schenke mir, Vater meiner Seele! deine Gnade, daß ich sie immer mehr mit einer recht christlichen Lauterkeit ausrichte. Reinige mich von der großen Anhänglichkeit an dem irdischen Lobe und Beyfalle, und von aller übertriebenen Begierde, dadurch mir zeitliche Vortheile zu erwerben, und setze mein Herz, durch die Liebe zu dir und durch die christliche Hoffnung jenes ewigen Lebens, immer mehr in die allerfeligste Verfas sung, daß ich alle meine Geschäfte, wo möglich, o Gott, mein Gott! nur ganz allein in der edlen Absicht thue, dadurch dir zu gefallen, deinen Befehl auszurichten, deinem Reiche nützlich zu werden, und für meine Ewigkeit heilsam zu arbeiten. Wie vernünftig, wie edel, wie heilsam ist es doch für mich, wenn ich, bey solchem Herzen und Leben, es dir lediglich überlasse, ob und wie viele irdische Ehre, Beyfall und andere zeitliche Güter du mir durch meine Geschäfte schenken willst. Durch deine Gnade will ich mich aber auch bereit halten, auch die andern menschenfreundlichen Handlungen, wozu ich in dem Laufe eines jeden Tages Gelegenheit und Kräfte finde, wo ich meinen lieben Nebenmenschen mit Belehrung und gutem Rathe zu statten kommen, liebreichen, freundlichen Umgang mit ihnen pflegen, thátige Unterstügung, Erquickung, Erfreuung, Aufmunterung zum Guten, und so weiter, ihnen geben oder durch andere verschaffen kann, mit aller Treue und Lust auszurichten. Die Wohlthaten, die du mir selbst an Leib und Seele erzeigen wirst, will ich mit frobem, dankbarem, unschuldigem und zufriedenem Herzen genießen. Ich will darin deine Vaterliebe schmecken und empfinden, mich über dich freuen, und durch solche Freude meine Dankbarkeit und willigen Gehorsam gegen dich zu verstärken suchen. Jede Freude, die mir auf dem Wege durch dieses Leben begegnet, laß mich mit einem solchen Herzen, voll von Zärtlichkeit gegen dich und voll Liebe zu deinen Menschen, so ganz und inniglich genießen. Denn du, Vater der Freude! giebst sie uns nur dazu, daß wir uns freuen sollen; und sie freudig genießen, ist Gehorsam gegen dich. Ich will endlich die als lerfeligste Erlaubniß, die du mir durch Jesum geschenket hast, in jedem Augenblicke mit kindlicher Freymüthigkeit mich zu 554 Erweckung zum frommen Sinn dir zu nahen, sorgfältig benußen; ich will das beständige Undenken an dich in mir erhalten, meine Seele mit öftern gottseligen Empfindungen, Betrachtungen, oder auch Seuf: zern und Gebeten für mich und meine lieben Nebenmenschen, zu dir emporschwingen, und mich also in den christlichen Geist des beständigen Gebets immer mehr zu versehen su chen. Arzt und Vater meiner Seele! hilf mir zu der Gegenwart des Gemüths, daß meine Pflichten nebst den großen Bewegungsgründen und schicklichen Mitteln, sie zu erfüllen, mir zu jeder schicklichen und bequemen Zeit ein fallen, und mich zu allen jenen guten, edlen, seligen Tha: ten stärken. Schaffe du selbst in mir, was dir wohlgefällt. Ewig sey dir Ehre und Anbetung gebracht! Amen. 20. Aufmunterung zu solchem Wandel vor Gott. o vor dir, mein Gott, zu wandeln, so vor dir als ein Christ zu wachen, zu kämpfen, zu beten und zu han deln, soll mich 1) die kindliche Liebe und Dankbarkeit gegen dich ermuntern. Ganz unzählig und unermeßlich find deine Wohlthaten, womit du mich durch das Verdienst Jesu Christi erfreuet hast und noch immer fort erfreuest. Jeder Tag, jede Nacht sind mit neuen Gunstbezeugungen bezeich net. Der sanfte erquickende Schlaf, den du mir schenfest, dieser fröhliche Gebrauch meiner Augen, Ohren und ande: rer Sinne, meiner Vernunft und Sprache, mein zeitlicher Wohlstand, meine Gemüths- und Leibeskräfte, diese neue Nahrung für meine Seele, die gnädige Erlaubniß, zu dir zu beten: Herr! mehr als Haare auf meinem Haupte, mehr als Sandkörner am Ufer des Meers, mehr als Strah: len aus der Sonne feit dem Unfange der Welt gefahren find, sind die Gunstbezeugungen, die du mir bisher erwie: sen bast, und noch immerfort durch alle Ewigkeit erzeigen willst. Gott, wie äußerst schåndlich und strafbar wird für mich jede Sünde! Wie stark und viel sind die Bande der Liebe und Treue, womit ich dir zum findlichen Gehor sam verbunden bin! D! ich mußte der allerniederträchtigste, fwändlichste Mensch, ein rechtes Scheufal und Schandsled in deiner Schöpfung müßte ich seyn, wenn ich mich nun noch von irgend einer Sünde wollte sclavisch beherrschen, und durch irgend etwas in deinem Dienst muthlos und verdrossen machen lassen. Gott, mein Vater! gieb mir Weisheit und Kraft, daß ich in dem Laufe eines jeden Ta -- und Wandel vor Gott. 555 ges deine vorzüglichen Liebesproben sorgfältig bemerke, meine Herz zu dir, dem so liebreichen, so großmüthigen und freundlichen Wohlthäter, durch innige Empfindungen oder auch Seufzer und Gebete des Ruhms und Dankes emporhebe, und dadurch dieser meiner noch so sehr schwachen Liebe und Dankbarkeit gegen dich neue Nahrung und Stärke verschaffe. So laß denn auch heute meine Seele immer mehr mit der allertiefsten Ehrfurcht und Anbetung deiner unermeßlichen Majestät, und mit einer recht zártlichen Liebe gegen dich, mein Vater! angefüllet werden, und hiedurch neue Gotteskraft zum Hasse und ewigen Kampfe wider alle Sunde, und zu einem ungetheilten, recht willigen, freudigen Gehorsam gegen alle deine noch so bittern Schickungen, und gegen alle deine, auch noch so schwere Befehle, empfangen. Ich ermuntre mich zu diesem frommen Wandel 2) durch die christliche Ehrbegierde, durch die Betrachtung der Gróße, der Vorzüge und Glückseligkeit, die ich als ein Christ be sige, und dereinst noch besitzen werde. Diese edle Empfindung meiner allererhabensten Würde, um Jesu willen dein Freund und Kind zu seyn, soll mich mit Ekel und Abscheu gegen alle Sünde, als die alleräußerste Schande, anfüllen, mir Ehrfurcht gegen mich selbst, und ein demüthiges Selbstgefallen einflößen, und dadurch ein kräftiger Untrieb werden, daß ich aus aller Macht dahin strebe, dir, meinem Freunde und Vater, ähnlich zu werden, und in allen Stücken meiner erhabenen Würde gemäß zu denken, zu begehren und zu handeln. Ich ermuntre mich dazu 3) durch die christliche erleuchtete Selbstliebe. Zum Ruhm deiner Barmherzigkeit muß ich es bekennen, daß dein redlicher Dienst bisher, aller seiner vielen und großen Mängel und Flecken ohngeachtet, eine göttliche Ruhe, Zufriedenheit, Heiterkeit und so manche himmlische Freuden in meiner Seele verbreitet hat. Nur die Sünde allein ist der einzige Feind und Storer meis nes Glücks. Diese will ich daher von ganzem Herzen has sen und fliehen, und alle meine Kräfte darauf richten, daß ich die Zahl meiner christlichen, gottfeligen Gesinnungen und Thaten immer vermehre, und dadurch neue göttliche Ruhe und Freude in meine Seele leite. Ich ermuntre mich 4) dazu durch das lebhafte 2ndenken an deine 2llgegenwärt. In alle Ewigkeit kann ich dir die allerfeligste Belehrung, die mir deine Religion giebt, nicht genug verdanken, daß du, mein allmächtiger, allwis 556 Erweckung zum frommen Sinn fender! unendlich liebreicher Gott und Bater! mir allent: halben und zu allen Zeiten, im Hause und außer dem Hause, bey meinen Arbeiten und Ergötungen, in meiner Einsamkeit und in meinen Gesellschaften, bey meinen Lei den und Freuden, unmittelbar zugegen, und der allwissende liebevolle Zeuge meiner Handlungen, Reden, Begierden, und der geheimsten Gedanken meiner Seele bist. So weiß ich denn, daß mich keine zu schwere Versuchung befallen, und es mir nie an Kraft zum Guten fehlen kann; denn deine Macht ist mir stets zur Seite. So weiß ich auch, daß nicht das Geringste von allem dem, was ich in deinem redlichen Dienste unternehme, verloren ist. Jede gottselige Ergebung in deinen Willen, womit ich die Mühseligkeiten bey meinen Arbeiten, die Trübfale dieses Lebens, die Krankheiten und Beschwerden eines siechen Leibes, die du mir etwa auflegen mögtest, ertragen werde; jede Selbstüberwindung, die ich mir bey dem Genusse der Nahrung und erlaubter Vergnügen, bey den Beleidigungen anderer, bey den Regungen des Stol zes, oder bey andern Gelegenheiten, aus Gehorsam gegen dich anthue; jeder treue Kampf, den ich wider die Unmáßigkeit, Heftigkeit, Zorn und andre Reizungen führe; jede fromme, auch bloß innere Bestrebung, womit ich dir wohlzugefallen trachten werde; ja, jeder Kummer, jede Sehnsucht, jeder Seufzer, den mir die Empfindung meines geistlichen Unver mögens, und das Undenken der bessern, ewigen Welt auspressen wird; dies alles, so schuldig, so unvoukommen, und wenig be deutend es auch ist, wird von dir, mein Gott! mit Gnade be merkt, bleibt, wenn ich es selbst schon lange vergessen habe, deinem allwissenden Verstande ewig gegenwärtig, wird mir von dir, um Jesu willen, mit deinem Beyfalle und größern Liebe belohnt, wird mir ein Denkmal vor dir im Himmel, und wird mich, noch nach Jahrhunderten, in deinem Himmel ergößen. Dies soll mir neue Lust und Stärke einflößen, allenthalben nur nach gläubigen edlen Werken und hiedurch nach dem ewigen Leben zu trachten. Endlich 5) laß mir das große Ziel aller christlichen Wün sche, Hoffnungen und Bestrebungen, die selige Ewigkeit, nie aus dem Gesichte kommen. Wenn die Beschwerden und Mühseligkeiten dieses Leibes und Lebens mich niederschlagen; wenn die Peinlichkeiten bey den Kämpfen wider die Sünde mich muthlos und verdrossen machen wollen; wenn die Mühe, die mein verdorbnes Herz mir bey der Ausübung und Befol. gung deiner Gebote verursachet, mir eine Last werden will; und Wandel vor Gott. 557 alsdann laß die fröhliche Erwartung des künftigen, bessern, durch die vollkommenste Tugend und feurigste Andacht ewig beglückten Lebens, und die Erinnerung, daß mich jeder Augenblick dahin einführen kann, mein Anker, meine Stüße, mein Labsal werden. Da will ich denn meine Glaubensblicke in jene ewige Welt richten, sie an mein Vaterland heften, und mich dadurch göttlich stårken. So, mein Gott! will ich, so,( denn du bist meine Hülfe!) so werde ich heute und in der folgenden Zeit meiner Tage leben, daß ich in jedem Augenblicke, mit Zustimmung meines Gewissens und mit Uebereinstimmung meines ganzen Lebens, sagen kann: Ich habe den edlen Glaubenskampf gekämpfet, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Treue gegen dich bewahret. Darum liegt nun auch schon die Krone der Tugend für ,, mich bereitet da, welche du, Herr, mein gütiger Richter ,, mir und alle den vielen Tausenden geben wirst, die dich von Herzen lieb haben." Amen! Amen! 21. Tägliches Gebet einer gottesfürchtigen Familie. Umächtiger Gott, Vater und Schöpfer aller Menschen und Geschlechter auf Erden, von dem wir alle Leben und jede Art der Glückseligkeit haben, und der du würdig bist, dafür von uns in Worten und Thaten gepriesen und anges betet zu werden! Wir naben uns zu dir, dir insbesondere für die häuslichen Glückseligkeiten, die du uns verliehen hast, mit inniger Empfindung unsrer Herzen zu danken. Wir danken dir, weiser und gütiger Vater! für die geselligen und freundschaftlichen Neigungen, die du uns eingepflanzet, und für die süßen Empfindungen der wechselseitigen Liebe, wodurch so viele Freuden im häuslichen Leben auf uns zurückfallen, für die Gesundheit und Ruhe, die du uns verliehen, für die Speise und Trank, womit du uns erquickt und genährt, für die Kleidung, womit du uns bedeckt; für die friedliche Wohnung, worein du uns gesetzt, für den guten Fortgang, womit bu unsere Geschäfte gesegnet, für den Trost, wodurch du uns bey Unglücksfällen gestärkt und aufgemuntert; und für alles, was du uns zu unfrer Zufriedenheit und zu unserm Wohlstande gegeben haft. Dich, Vater unsrer Seelen! preisen wir infonderheit für die Vortheile, die du uns durch unsere häusliche Verbindung geschenket hast, uns zum gemeinschaftlichen 558 Tägliches Gebet Gebete vor dir zu vereinigen, uns unter einander in guten Grundsägen der Religion und Tugend zu befestigen, lieb: reiche, wohlwollende und tugendhafte Neigungen zu unter halten, und unsere gegenseitige Wohlfahrt zu befördern. O Gott, der du bisher unter uns gewohnet, und uns ins: gesammt, und jeden insbesondere, mit Wohlthaten begnadigt hast; sey auch fünftig der stets gegenwärtige, gnådige und gütige Gott und Vater unsers Hauses. Wir überlassen uns auch künftig deiner Aufsicht und Vorsehung. Dir, der du nach deiner Allwissenheit am besten weißt, was uns gut ist, dir vertrauen wir mit kindlicher Zuversicht, du werdest uns auch künftig, wenn es uns heilsam ist, vor Krankheit, vor Gram und traurigen Zufällen bewahren, uns in der Fortdauer unsrer häuslichen Glückseligkeit erhalten, uns die Ga ben deiner Güte mit frohem Muthe und Vergnügsamkeit ge nießen lassen, und unser Herz mit Freude und Dank über die Wohlfahrt eines jeden Gliedes unsers Hauses erfüllen. Sollte es aber deiner unendlichen Weisheit gefallen, uns mit. Leiden am Leibe oder an der Seele, oder mit Verlust unserer Güter heimzusuchen; so gieb auch, daß wir uns alsdann deinen Schickungen geduldig unterwerfen, uns da durch desto mehr zum Gehorsam gegen deine Gebote erwecken, und bereitwillig sind, durch gegenseitige Liebe und Mitlei den einer des andern Last zu erleichtern und zu tragen. Mache du, Gott der Heiligkeit und der Liebe! mache uns alle zu einer christlich- frommen und gottesfürchtigen Familie. Laß jeden unter uns, nach seinem Stande und Umständen, seine Pflicht mit gewissenhafter Treue und Eifer thun. Mache die Häupter und Herrschaft dieses Hauses zu Mustern der Frömmigkeit, des Fleißes, der Mäßigkeit und Keuschheit, der Menschenliebe, der Sanftmuth und jeder andern Tugend, und gieb, daß wir durch ihren núglichen Unterricht, noch mehr aber durch ihr gutes Erempel, die Fallstricke des Lasters und der Sünde vermeiden, und ihrem edlen Beyspiele nachfolgen mögen. Laß die Eltern es zu ihrem täglichen und wichtigsten Geschäfte machen, ihre Kin: der fromm und christlich zu erziehen, ihnen Erkenntniß, Liebe und Ehrfurcht gegen deine Religion, und jede Tugend des Christenthums einzuprågen, und sie zu Zierden ihrer Fami lie, zu nüglichen und würdigen Menschen, und zu künftigen Erben der Seligkeit zu bilden. Flöße den Kindern dieses Hauses Gehorsam und Ehrerbietung gegen ihre Eltern und Vorgesetzten, und Nachsicht und Gefälligkeit gegen einander einer gottesfürchtigen Familie. 559 ein, damit sie in beständigem Frieden unter einander leben. Laß alles Gute, wodurch sie fromm, glücklich und der Welt brauchbar werden können, mit Eifer lernen, und den Unterricht ihrer Lehrer und Freunde mit Demuth und Dank annehmen. Befreye ihre Herzen von aller Bosheit und Rachsucht, und laß sie alle Lügen, Unredlichkeit, Falfchheit, Betrug und Verläumdung als den árgsten Schandfleck fliehen. Präge ihren Gemüthern eine stets dankbare Erinnerung ge gen ihre Eltern, Verwandte, Lehrer, Freunde und Wohlthäter ein, damit sie nie das Gute vergessen, das sie von ihnen empfangen haben. Laß ihr Herz mitleidig gegen Arme und Traurige seyn, und eine wahre Freude am Wohlthun empfinden, und mit den Jahren, so wie am Alter, also auch am Verstande, an Tugend und Gnade bey dir immer mehr zunehmen; damit sie sowohl in diesem als in jenem zukünftigen Leben glücklich seyn mögen. Unsern Dienstboten( und allen denen, die auf eine oder die andere Weise in dem Dienste dieses Hauses stehen) pråge Gottesfurcht und Tugend, die Grundlage aller Redlichkeit und Treue, in ihr Herz. Lehre und überzeuge sie, daß gewissenhafte Treue und Fleiß in der Abwartung ihrer Arbeiten, und redliche Ausrichtung der Befehle ihrer Herrschaft ein Haupttheil ihres christlichen Gottesdienstes sey; daß Aufrichtigkeit und Treue, daß Ehrerbietung, Folgfamkeit, Liebe und Bescheidenheit gegen ihre Herrschaft, daß Keuschheit und Ehrbarkeit ihr Schmuck und ihre Ehre, und hingegen Müssiggang und Faulheit, Ungehorsam, Grobheit und Widerspenstigkeit, daß Lügen, Betrug und Schadenfreude, nfeuschheit und wüstes Leben ihre wahre Schande sey. Erfülle sie daher mit Ekel und Abschen gegen diese und alle übrige Laster, und mit Sehnsucht, Liebe und Unverdrossenheit zu jenen Tugenden; damit sie auch gegen dich, den allmächtigen und höchsten Herrn, als getreue und fromme Knechte und Mågde erfunden werden, und der Belohnungen in deinem Reiche fähig fenn mögen. Mache uns endlich, Gott, unser Vater! zu einer solchen Familie, worin wahrhaftig liebreiche Gesinnung und christliche Eintracht herrschet. Laß uns alle uns unter einander aufrichtig und mit reinem Herzen lieben. Laß uns jedes gute Werk nach den Umständen unsers verschiedenen Berufs, mit Freuden thun, jeden das Seinige zum allgemeinen Beten unsers Hauses treulich beytragen, und jeder des andern Glück und Wohlfahrt recht herzlich zu befördern fuchen. Nic. mand unter uns müsse dem andern, ohne Noth und Recht, 560 Tägliches Gebet einer gottesfürchtigen Familie. Betrübniß, Kränkung, Gram oder Verdruß verursachen. Laß die, die unter uns jung sind, den betagten und grauen Häuptern dieses Hauses durch jede mögliche Beweise der Uch tung, der Dienstfertigkeit und Gefälligkeit die Tage des Alters, der Schwachheit und des Unvermögens erträglich zu machen suchen, und die Alten laß für die Jüngern ein tåg liches Muster der Nachsicht, der Zärtlichkeit, der Geduld und Einträchtigkeit seyn. Stolz und Neid, Unzufriedenheit und unnütze Klagen und mürrisches Wesen, Urgwohn und Eifer: fucht, 3anfsucht und 3orn, und alle unfreundliche, menschenfeindliche Leidenschaften sollen ferne von uns seyn. Wir wol ten einer des andern Schwachheit geduldig tragen, und mit Sanftmuth und Liebe seine Fehler zu verbessern suchen. Alle edlen, liebenswürdigen und freundschaftlichen Empfindungen sollen unsere Herzen beherrschen, und die Begierde, einander zu dienen und zu gefallen, soll in allen unsern Handlungen sichtbar werden. Unsere Wohnung foll ein Sitz der Freund schaft und der Liebe seyn; Unschuld und Tugend soll mitten unter uns wohnen; und die Stimme der frommen Freude und Dankbarkeit gegen dich, unsern gemeinschaftlichen Vater und Wohlthäter, soll sich täglich unter uns hören lassen. Und so wollen wir unser ganzes Leben hindurch erfahren und em pfinden, wie sanft und lieblich es ist, wenn christliche Brüder einträchtig bey einander wohnen, und Friede und Freundschaft fich in einem Hause küssen. Und wenn endlich der traurige Augenblick unserer Trennung auf Erden erscheint, so bringe uns dahin, wo wir nie wieder getrennt werden, sondern in den Wohnungen des Friedens und der Freude ewig durch deine unendliche Gnade ben einander wohnen, die uns Je fus, unser Erlöser und Mittler, erworben hat. Ihm und dir, seinem und unserm Vater, sey Preis und Anbetung in Ewigkeit! Amen. Weber das heilige Abendmahl. 22. Nachdenken über den Zweck und Nußen des heiligen Abendmahls. D as beilige Abendmahl, das von Jesu Christo gestiftet und eingesetzet, und dessen Genuß mir und allen Be kennern seiner heiligsten Religion anbefohlen ist, ist eine Ueber das heilige Abendmahl. 561 gottesdienstliche Handlung, die ich eben so wenig als die übrigen Anordnungen seiner Religion, vorsäglich unterlassen darf, wenn ich ein Christ seyn will. Vielmehr lege ich durch diesen Genuß ein feyerliches Bekenntniß ab, daß ich ein Christ bin, daß ich es für eine Ehre und Glück halte, ein Christ zu seyn, und daß ich mich meines Erldsers vor Gott und aller Welt rühme und freue. Und will ich von diesem Genusse Nugen haben; so bin ich nicht nur verbunden, mich desselben oft zu bedienen, und den Genuß fleißig zu wieder: holen, sondern mir auch richtige Begriffe davon zu machen, und mit dem Gebrauche desselben die rechten Absichten, und eine schickliche christliche Gemüthsverfassung zu verbinden. Dieser Genuß des heiligen Abendmahls aber soll mir 1) ein demüthiges und herzliches Lobopfer für die un ermeßliche Gnade meines Gottes seyn, daß er mir durch Jesum Christum die Mittel zu meiner Besserung, Begnadigung und Seligkeit geschenkt und mir so unzählige, schåndliche und strafbare Sünden vergeben hat. Welch eine unaussprechliche Wohlthat ist es, daß Gott der Welt und mir einen Erlöser geschenkt, der mir durch seine heiligste Lehre den deutlichsten und zuverlässigsten linterricht von dem Willen meines Schöpfers, von meiner Bestimmung, von mei nen Pflichten, von dem Wege zu meiner Glückseligkeit, und dabei die trostreiche Versicherung gegeben hat, daß er für meine Sünden gestorben sey, damit ich durch ihn Gnade, Vergebung, Unsterblichkeit und ewiges Leben erlangen sollte! Uch, was würde aus mir geworden seyn, wo wollte ich Ruhe des Gewissens, Muth und Kraft zum Anfange und Fortgange in der Tugend hernehmen, wenn ich nicht die Wahrheiten der Religion und das Verdienst meines Heilandes hätte! Welch eine unaussprechliche Liebe Gottes, die so viel für mich gethan, mir so viel vergeben hat! Was thut Gott nicht noch an mir, indem er mir den Genuß dieser Gnade noch immer fortsetzet, mich in der Theilnehmung an der christlichen Religion und der Erlösung Jesu noch immer bleiben läßt, mir tägliche Erweckungen, tägliche Hilfsmittel zur christlichen Frömmigkeit schenkt, mir jede Stufe der Heiligung erleichtert, mir die Versuchungen zur Sünde übers winden, und die Hindernisse auf dem Wege der Tugend besiegen hilft! Welche unermeßliche Reichthümer von Langmuth, zärtlicher Vatertreue, Sorgfalt und Bemühung für meine Besserung; welche Barmherzigkeit, Wohlthätigkeit und Freundlichkeit Gottes erblicke und empfinde ich, wenn N n 562 Ueber das heilige Abendmahl. ich in mein voriges Sündenleben zurücksehe! Mehr als Sand am Meer sind seine Gnaden! An dies alles erinnert mich das Gedächtnißmahl meines Erlösers, in welchem und durch welchen mir alle diefe Gnaden wiederfahren sind und noch wiederfahren; und dies soll, dies muß mich nothwendig zur aufrichtigsten, innigsten Dankbarkeit, Verehrung und Liebe gegen Gott, meinen höchsten Wohlthäter und treuesten Freund, erwecken. Der Genuß des heiligen Abendmahls soll mir 2) eine dankbare Erinnerung und Verherrlichung des am Rreuze gestorbenen Erlöfers seyn. Jesus, der Sohn Got tes, der allererhabenste, der Gegenstand des allerhöchsten Wohl gefallens Gottes, stirbt am Kreuze aus Gehorsam gegen seinen himmlischen Vater! Was für Begriffe giebt mir diese Unter.. werfung von seiner erhabenen Seele! Mit welcher Ehrfurcht muß ich ihn nicht preisen und verehren! Wie muß mit nicht dieser Anblick die Wahrheit tief einprågen, daß nichts, als liebevoller Gehorsam gegen Gott, uns vor ihm theuer und werth mache! Dies soll meinen himmlischen Einn mit neuer Stárke beleben. Nicht in den Gütern dieser Welt, nicht in dem Beyfalle und Ruhme, dem Unsehen, dem Gelde, und der Macht der Erde, sondern in dem Besize der durch Jesum den Gekreuzigten uns erworbenen gött lichen Gnade und Seligkeit im Himmel, soll ich von nun an mit verstärktem Eifer mein Ein und Aües suchen. Ich soll mich dabey 3) des heilandes dankbar erin nern, der für unsre Sünde gestorben ist. Welch eineinleuchtender, schrecklicher Beweis des heiligsten Haffes Got: tes gegen alle Sünde, und seiner allervollkommensten Strafs gerechtigkeit! Dies soll denn auch meinen Haß und Abscheu gegen alle und jede Sünde verstärken. Keine einzige Sünde darf ich hegen. Jede soll ich verabscheuen, ewig hassen und verbannen. Auch alles Glück in der Welt foll mir nichts werth, soll mir schrecklich seyn, wenn ich es durch Sünden erkaufen muß. Dies aber soll auch meinen Glauben und mein Vertrauen auf Gott durch Jesum Christum stárken und neu beleben. Durch seinen Tod sind nun alle meine Sünden verföhnet, auch meine noch fortdauernden Mängel und Schwachheiten gut gemacht. Nun kann mein Glaube in Gott einen gnädigen Gott anbeten, zuversichtlich seinen ununterbrochenen Beystand zu allem Guten bis an meinen feligen Tod erwarten, und freudig nach dem bessern, in Tugend und Andacht vollkommenen Leben aussehen. Ueber das heilige Abendmahl. 563 Dies soll endlich meine treueste, dankbarsie, zártlichste Gegenliebe gegen meinen Erlöser, an welchem und durch wel chen Gott solche Wunder seiner unermeßlichen Liebe bewies sen hat, stärken und mit neuer Kraft beleben. Endlich soll mir dieser Genuß eine dankbare Erinnerung und Lobpreisung des Heilandes seyn, der für alle Mens schen gestorben ist. Wie theuer, wie unermeßlich theuer ist also ein Mensch in den Augen meines Heilandes und meines Gottes! Und ich, ich sollte den nicht ehren, dem nicht wohlwollen, den nicht herzlich lieben, für den Jesus sein Leben gelassen, für den Gott seinen Sohn dabin gegeben hat?Ja hier im Abendmahl überzeuge ich mich auf's neue von meiner Pflicht einer allgemeinen Menschenliebe, und wiederhole dazu meine heiligsten Gelübde. Bey dem Brode, von dem ich in Gesellschaft mit meinen vornehmen und niedris gen, mit meinen reichen und armen Nebenmenschen esse, bey dem Freundschaftsbecher, aus welchem ich mit ihnen allen trinke, bey diesem Ehren- und Freudenmahle des Menschengeschlechts, zu dem auch ich geladen werde, bey dem Leibe und Blute meines Bruders und Herrn gelobe und schwöre ich: ,, Neid, und Groll, und Haß, und Lieblosigkeit sollen ,, meine årgsten Feinde, jeder Mensch, auch der niedrigste ,, Knecht, auch mein årgster Feind, soll ein Gegenstand ,, meines Wohlwollens, andern Vergnügen machen, und ,, Wohlthun soll meine Freude seyn." 23. Selbstprüfung vor dem Genusse des heiligen Abendmahls. ies soll die Absicht, dies soll der Nußen, dies sollen die Gesinnungen und die Gemüthsfassung seyn, womit und weswegen ich mich bey dem Tische des Herrn für seinen Jünger und Nachfolger erkláre, und durch diese hei lige Handlung es jedermann sage, daß ich mich glücklich schåße, Gemeinschaft mit ihm zu haben, und sein Bereha rer, sein Erlöseter, fein Unterthan zu seyn. Aber habe ich diese Absicht wirklich? Habe ich die Eigenschaften an mir, die wahre Christen haben müssen?- Halte ich Jefum Christum für denjenigen, der er wirklich ist? Verehre ich ihn als den Sohn und Gesandten Gottes, als den Herrn und König der Welt? Weiß ich, was er zum Besten der Menschen gethan und gelitten hat, und empfinde ich den Nn2 564 Ueber das heilige Abendmahl. Werth seiner großmüthigen, alles für uns aufopfernden Liebe? Habe ich eine hinlängliche, eine zu meiner Besse rung und Beruhigung hinlängliche Erkenntniß von der Lehre, die er vom Himmel gebracht und uns durch seine Boten kund gemacht, und von den Regeln des Verhaltens, die er mir vorgeschrieben hat? Halte ich diese Lehre für wahr und göttlich? Sehe ich diese Vorschriften als Gesege an, denen ich allen Gehorsam schuldig bin? Berlasse ich mich auf seine Verheißungen als auf Zusagen Gottes, die mich unmöglich täuschen können? Ehre ich ihn also mit wahrem Glauben, mit dem festen 3utrauen, daß ich unter seiner Unführung und in seiner Nachfolge nicht irre gehen, und des Biels der Vollkommenheit nicht verfehlen kann? Bin ich durch Jesum wirklich felig worden? Genieße ich wirklich, wenigstens dem Unfange nach, die Freyheit, die er den Menschen zu verschaffen in die Welt gekommen ist? Bin ich frey von dem heidnischen Aberglauben und der jüdischen lengstlichkeit in Absicht auf Religionsfachen und gottesdienstliche Gebrauche? frey von allen knechtischen Gesinnungen gegen Gott und von allen feindseligen Ge finnungen gegen die Menschen? frey von der Herrschaft der Sünde und des Lasters, von der Tyranney unordentli cher Begierden und Leidenschaften, von der sclavischen Furcht vor dem Tode und der Hölle? Bemühe ich mich insbesondere, um immer mehr ein Christ, und dadurch immer seliger zu werden, bemühe ich mich ernstlich, meinen Sinn und mein Verhalten ganz nach dem Sinne und dem Verhalten Jesu Christi einzurichten? Dies, dies ist ja das wesentlichste Kennzeichen des wahren Chris sten. Mein Heiland selbst sagt mir: Wer mein Jünger seyn will, der verleugne sich selbst, und nehme sein Kreuz auf sich, und folge mir nach. Ein Beyspiel habe ich euch gegeben, daß ihr thun sollt, wie ich euch gethan habe. Das ist mein Gebot, daß ihr euch unter einander liebet, gleichwie ich euch geliebet habe. Und seine Boten rufen mir allenthalben zu: Ein jeglicher sey gesinnet, wie Jesus Christus gesinnet war! Sehet auf Jesum, das höchste Muster der Treue und Standhaftigkeit; wer in ihm bleibt, wer seiner Gemeinschaft sich rühmen will, der soll auch wandeln, gleichwie er gewandelt hat. Kommt denn wohl meine Gesinnung und Denkungsart, kommt mein Verhal ten mit dem Sinne und dem Verhalten meines Herrn überein? Könnte wohl derjenige, der die Geschichte Jesu Ueber das heilige Abendmahl. 565 låse, und dann ein unbemerkter 3euge meiner Gesinnungen und meiner Handlungen wäre, den richtigen Schluß daraus ziehen, daß ich mir die Person, deren Geschichte er ge lesen, zum Muster vorgeseht hätte, und daß sich eine merkliche Aehnlichkeit zwischen ihr und mir zeigte? Bin ich so gegen Gott gefinnet, wie Jesus Christus gegen seinen himmlischen Vater gesinnet war? Wird mein Herz von den Empfindungen der Ehrfurcht, der Liebe, des Gehorsams, der Unterwerfung, der Dankbarkeit, des Vertrauens gegen dieses erhabenste Wesen belebt, wie Jesus zu allen Zeiten und unter allen Umständen seinen Vater verehrte? Ziehe ich, gleich ihm, seine Gunst und Wohlge fallen allen Gütern und Freuden dieser Erde, dem Beyfalle der ganzen Welt vor? Ist es mir, gleich ihm, vornehmlich darum zu thun, seinen Willen zu erfüllen, die Absichten, weswegen er mich auf den Erdboden und in den Stand, worin ich mich befinde, gesetzt hat, zu erreichen, die Gaben und Kräfte, die er mir verliehen, auf die nüßlichste Art anzuwenden, und seine Ehre durch ein heiliges Leben zu befördern? Richte ich, wie mein Heiland that, meine Gedanken und mein Herz auf Gott, um ihm alles Gute als unverdiente Wohlthaten zu verdanken, und alles Böse als weise, gütige Schickungen seiner Borsehung von seiner väterlichen Hand anzunehmen? Finde ich, gleich meinem Heilande, ein inniges Vergnügen daran, mich mit meinem Geiste zu ihm zu erheben, mich mit seiner Anbetung und Lobpreisung zu beschäftigen, ihn öffentlich und gemeinschaftlich mit meinen Brüdern zu verehren, und durch dies alles Gemeinschaft mit ihm zu haben, und mich seiner nå hern Gemeinschaft immer fähiger zu machen? Bin ich ferner so gegen meine ebenmenschen gefin net, wie Jesus gegen die Menschen gesinnet war? Verhalte ich mich so gegen sie, wie er sich gegen sie verhielt? Er liebte fie alle als seine Brüder, als Kinder seines Va ters, und schloß selbst seine Feinde und Verfolger nicht von seiner Liebe aus. Er suchte ihnen allen nützlich zu werden, that gerne allen Gutes, und ließ sich auch durch ih ren größten Undank nicht abhalten, solches zu thun. Er war gegen jedermann gerecht, billig, freundlich, gütig, herablas fend; bewies sich gegen alle demüthig, fanftmüthig, geduldig, verföhnlich; ob er gleich die größten Vorzüge vor allen befaß, und niemand die geringste Ursache gegeben hatte, ihn zu beleidigen, oder ihm mit Verachtung zu be 566 Ueber das heilige Abendmahl. gegnen. Nie vergalt er Böses mit Bösem, oder Schelt: worte mit Scheltworten; nie råchte er sich selbst, ob er gleich die Macht dazu in Händen hatte, und das Unrecht allemal ganz allein auf der Seite seiner Beleidiger war. Enthaltsamkeit, Selbstverläugnung, Aufopferung, Leiden, Reden, Thun, alles war dem Besten seiner Brüder, dem Heile der Menschen gewidmet. Ist dies auch die Art, wie ich alle meine Nebenmenschen ansehe, wie ich sie liebe, wie ich mit ihnen umgehe, wie ich ihre zeitliche und geistliche Glückseligkeit suche und befördere? Sind dies die Regeln, denen ich in meinem Verhalten gegen sie folge, ich mag es mit Niedrigen oder mit Bornehmen, mit Urmen oder mit Reichen, mit Klugen oder Einfältigen, mit Feinden oder mit Freunden zu thun haben? Denke und empfinde, und arbeite, und lebe ich eben sowohl und noch mehr für andere, als für mich selbst? Welche Bortheile, welche Ver: gnügungen, welche Bequemlichkeiten opfere ich ihnen wohl auf? Strebe ich wenigstens ernstlich und unablássig danach, mir diesen demüthigen, wohlthätigen, versöhnlichen, gemeinnütigen, großmüthigen Sinn Jesu recht zu eigen zu machen, und darin meine Ehre und Glückseligkeit zu suchen, wenn ihn auch alle Welt für Schwachheit, für Niederträchtigkeit, für Mangel des Muths und der Empfindlichkeit halten sollte? - Bin ich endlich so gegen die gegenwärtigen und zu Fünftigen Dinge gesinnet, wie Jesus Christus gesinnet war? Beurtheile ich die Güter, die Vorzüge, die Bergnügungen der Erde so, wie er sie beurtheilte? Halte ich sie, gleich ihm, für Dinge, die keinen großen Werth haben, deren Besin wir nie zum letzten Ziele unsers Bestrebens allein machen, die wir nicht als Endzwecke, sondern als Mittel, unsre Kräfte und unsre Tugend zu üben und andern wohl zuthun, schätzen und lieben dürfen? Suche ich in dem Be size und in dem Genusse dieser Dinge eben so wenig mei ne ganze höchste Glückseligkeit, als er sie darin suchte? Bin ich, gleich ihm, bereit, alle diese Dinge, ja mein Le ben selbst, fahren zu lassen und sie meinem Gewissen und meiner Pflicht aufzuopfern, wenn ich sie nicht behalten kann, ohne diese zu verletzen? Wollte ich lieber noch ſo arm, noch so verachtet, in den Augen der Welt noch fo elend seyn, als daß ich vorsäglich Böses thun, und die Gefeße meines Gottes übertreten sollte? Suche ich hinge gen in der Erkenntniß der Wahrheit, in der Ausübung der Ucber das heilige Abendmahl. Tugend, in einem frommen, wohlthätigen, gemeinnützigen Leben, meinen größten Gewinn und meine ganze Ehre, wenn ich gleich vor der Welt unbekannt und wenig geachtet und unbelohnt bliebe? Gewährt mir jeder Sieg, den ich über mich selbst erhalte, jede gute That, die ich vers richte, jeder Schritt, wodurch ich mich der christlichen Vollkommenheit náhere, mehr wahres Vergnügen, als der glückliche Fortgang meiner irdischen Geschäfte? Betrachte ich mich, gleich meinem Erlöser, als einen Gast und Fremdling hier auf Erden, der seine höhere Bestimmung stets vor Augen hat, nach dem Hause seines Vaters eilet, und schon jetzt mit seinen vornehmsten Gedanken und Be: gierden da ist, wo er ewig zu seyn gedenket? Sind Tod, Gericht und Ewigkeit, sind die Schicksale, die in der zu künftigen Welt auf mich warten, meinem Geiste oft ge genwärtig, und gewöhne ich mich daran, stets so zu denken, zu urtheilen, zu handeln, wie ich dereinst wünschen werde, gedacht, geurtheilet und gehandelt zu haben? Ach, welche wichtige, wie viel in sich fassende Fragen! Wie kann ich mit Ueberzeugung und Beruhigung darauf Ja antworten! Vielleicht ist mir manche darunter noch ganz fremd; vielleicht habe ich über manche davon noch nie ernstlich nachgedacht! Und doch ist keine einzige darunter unnöthig. So soll, so muß ich seyn, wenn ich ein Christ feyn, wenn ich mich bey dem Genusse des heiligen Abendmahls meines Gottes und meines Erlösers dankbar freuen will. Denn wer Christi Sinn nicht hat, der ist nicht sein. Wer sich nicht aufrichtig und unabläffig bemühet, in allen Stücken, so wie er, gesinnet zu seyn, und sich so wie er zu verhalten, dem wird der Name, den er trågt, die Lehre, die er bekennt, das Abendmahl, das er hålt, dem werden alle äußere Merkmale, Vorzüge und Uebungen eines Christen nichts helfen. Ich kann es nicht leugnen, ich bin noch weit, noch immer weit von der Boukommenheit dieser Christengesinnung und dieses Christenwandels entfernt. Was will ich also thun? Um mich bey dem heiligen Abendmahl nicht mit Heucheley für einen Christen auszugeben, um mich da mit gegründeter Zuversicht der Seligkeit zu getrösten, die mir mein Gott durch Jefum verheißen und bereitet hat, will ich von nun an meine tägliche Beschäftigung daraus machen, meinem Gott, meinem Erlöser immer ähnlicher zu werden, und bey dem heiligen Abendmahl meine Vorsätze und Entschließun567 568 Ueber das heilige Abendmahl. gen zum Guten stärken und befestigen, und mir Gottes Kraft zu ihrer Ausübung erbitten. 24. Um Vergebung der Sünden. err, Herr Gott! barmherzig und gnädig, geduldig, von großer Güte und Treue, der du Gnade beweifest, und vergiebst Missethat, Uebertretung und Sünde! Dich bete ich als den einigen wahren und lebendigen Gott, als den. Gott und Vater unsers Herrn Jesu Christi, und in ihm als den Vater der Barmherzigkeit und den Gott alles Trostes, demüthigst an. Dir danke ich mit gerührtem Herzen für die außerordentlichen Beweise, die du uns durch Christum von deiner mehr als váterlichen Liebe ge= geben hast. Du hast ihn, deinen Sohn, für uns in die Welt gesandt, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Du haft ihn für uns in den Tod dahin gegeben, und willst uns mit ihm und um feinetwillen alles schenken, was wir zu unserer wahren und ewigen Glückseligkeit nöthig ba ben. Auch mich, barmherziger Gott! auch mich Unwürdi gen hast du zur Erkenntniß dieses großen Heils gebracht. Auch mir bietest du, auf die billigsten Bedingungen, Vers gebung der Sünden, Gnade, Leben und Seligkeit an. Auch mir willst du von diesem allen die feyerlichsten Pfán: der und Versicherungen mittheilen, wenn ich mit wahrer Bußfertigkeit, mit lebendigem Glauben, und mit dem auf richtigen Vorsage, ein heiliges Leben zu führen, mich zu dir O Gott! wo wollte ich dem Verderben entrinnen, wenn ich eine solche Seligkeit nicht achtete, wenn ich mich durch diese Beweise deiner Güte nicht zur Buße und zur Dankbarkeit leiten ließe? Nein, ferne fey es von mir, mich eines solchen Verbrechens schuldig zu machen! Ich em pfinde den Werth deiner Gnade. Ich bewundere die Größe deiner Barmherzigkeit und Menschenliebe. Ich wünsche sehnlich, an den Früchten der Erlösung, die durch Christum geschehen ist, Theil zu haben, und durch ihn gerecht und felig zu werden. Ich bin willig und bereit, alle Bebin gungen, unter welchen du mir alle diese unschätzbaren Vortheile anbietest, zu erfüllen. Gott! verzeihe mir, daß ich bisher meinen Verpflichtungen so oft zuwider gehandelt, daß ich mich nicht dankbarer und gehorsamer gegen dich, meinen unendlichen Wohlthäter, bewiesen habe. Meine nahe. Ueber das heilige Abendmahl. 569 Sünden haben mich von dir entfernet. Aber siehe, ich komme wieder zu dir, Herr mein Gott! Mein Herz sagt mir von deinetwegen: Ihr sollt mein Untlig suchen. Ich suche es, o Herr! verbirge dein Angesicht nicht vor mir. Deinem Dienste, o Gott! und dem Gehorsam deiner Gebote foll mein ganzes übriges Leben gewidmet seyn. Ich entsage in deiner Gegenwart allen Sünden, und dein heiliger Wille soll von nun an die einzige Richtschnur meines Verhaltens seyn. Ach, schenke mir selber Kraft und Stärke, meine Gelübde zu erfüllen. Laß die Betrachtung deiner unendlichen Liebe, laß den Genuß der Pfänder derselben, die ich an dem Tische meines Herrn empfangen werde, laß die Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit, die du mir vorhåltst, so gesegnete Eindrücke auf mich machen, daß ich alle Versuchungen zum Bösen mit neuem Muthe bestreite, alle Pflichten meines himmlischen Berufs mit neuer Sorgfalt erfülle, und dir bis in den Tod getreu bleibe. Amen. 25. Vor dem Genusse des heiligen Abendmahls. Göttlicher Erlöser, Herr Jesu Christe! du hast ein Gez we nige Stunden vor deinem Leiden sehtest du das heilige Abendmahl zum Troste deiner Verehrer und zur Stärkung ihres Glaubens ein, und du läsfest mich auch noch jetzt einladen, diese feyerliche Handlung gemeinschaftlich mit meinen Ne benchriften zu begehen. Wie glücklich bin ich, o Herr! daß ich dich, den einigen und vollkommnen Mittler zwischen Gott und Menschen, daß ich deine Lehre und dein Heil kenne, daß ich dich meinen Herrn und Erldser nennen, mich deiner feligen Gemeinschaft rühmen, und zu deinen Eridseten und Freunden zählen darf! wie viel habe ich dir, meinem Heilande, zu danken! Wie unwissend, wie verderbt, wie troftlos, wie elend würde ich ohne dich und deine Gnade seyn! Wie unerträglich würde mir die Last meiner Sünden, wie fürchterlich die Erwartung der damit verdienten Strafen, wie schrecklich der Anblick des Todes und des Grabes seyn, wenn du uns nicht selbst den gnädigen Willen Gots tes bekannt gemacht, wenn du dich nicht zum Opfer für unsre Sünden dahingegeben, und uns durch deinen Tod Gnade, Leben und ewige Seligkeit erworben hättest! Ja, alles Licht, das mich erleuchtet, aller Trost, der mich erquicket, alle Hoffnung, die mich belebet, sind Geschenke 570 Ueber das heilige Abendmahl. deiner unverdienten Liebe. Wie theuer soll mir denn nicht dein Gedächtniß seyn! Würde ich nicht der undankbarsie, der niederträchtigste unter allen Sterblichen seyn, wenn ich deiner vergåße; wenn ich mit Kaltsinnigkeit und Gleichgül tigkeit an dich gedachte, wenn ich mich weigerte, dir die Ehre und den Dank zu geben, die dir gebühren? Nein, göttlicher Erlöser! ich folge deiner liebreichen Einladung mit Begierde und mit Freude. Ich komme, mich öffentlich für deinen Jünger und Berehrer zu bekennen, und es jedermann zu sagen, daß ich es für mein Glück und meinen Ruhm halte, der Deinige zu seyn. Ich komme als ein mühseliger und beladener Sünder, Ruhe für meine Seele zu suchen, und ergreife mit bußfertigem Glauben die Gnade, die du mir anbietest, und das große Heil, das du gestiftet hast. Ich komme, dir für dein Leiden und Sterben feyerlich zu danken, mich dir zum Eigenthum aufzuopfern, und den hei ligen Vorsatz zu erneuern, nicht mehr mir selber, sondern nur dir zu leben, der du für mich gestorben und auferstanden bist. Ich komme, meine Gemeinschaft mit allen Gläubigen zu unterhalten, und mich auf's neue zu einer aufrichtigen und brüderlichen Liebe gegen sie und alle Menschen zu verpflich ten. Herr! laß mein Vorhaben gesegnet seyn. Erlaube nicht, daß ich mich bloß mit den Lippen zu dir nahe, aber mit dem Herzen ferne von dir sey. Sende mir dein Licht und deinen Geist, und laß den Gedanken, daß du Herzen und Nieren prúfest, alle Falschheit und Verstellung aus mei ner Seele vertreiben. Laß mich die Wunder deiner Barmherzigkeit so bedenken, daß Glaube, Liebe und Hoffnung dadurch in mir gestärkt, und ich auf das kräftigste bewo gen werde, die Versprechungen, die ich dir thue, mit un verbrüchlicher Treue zu halten. Amen. 26. Noch andere Betrachtungen und Erweckungen vor dem heiligen Abendmahle. gewiß, als ich im heiligen Abendmahl Brod esse und Wein trinke, so gewiß habe ich Theil an dem Leibe meines Heilandes, der für mich gebrochen, und an seinem Blute, das für mich vergossen ist. Auf keine eindrücklichere und gegen alle Zweifel und Besorgnisse des Gewissens mehr gesicherte Urt hätte mich Gott überzeugen können, daß ich, bey redlicher Besserung der Seele und des Lebens, auf das Verdienst Jesu mein Vertrauen setzen, und durch diesen Ueber das heilige Abendmahl. 571 Glauben gerecht und felig seyn soll. So will ich denn, du unermeßliche Liebe! dich mit einem demüthigen und starken Vertrauen ehren. Fest, unwandelbar fest will ich glauben, dir glauben, damit ich auch die Gerechtigkeit von dir erlange Und dies soll denn auch mein Trost seyn bey den noch übrigen so mannigfaltigen großen Mängeln und Flecken, die sich noch an meiner Liebe und meinem Gehorsam finden. Nun aber ist auch meine Hoffnung des ewigen Lebens um so viel fester. Dies soll mir ein neuer Zügel gegen die Sünde, und ein neuer Sporn zu allem Guten werden. Eine solche Barmherzigkeit meines Gottes, und eine solche Seligkeit foll mich denn auch mit neuer Geduld und neuem Muth bewaffnen. Bey den Beschwerden und Zufällen meines Leibes, bey den Widerwärtigkeiten des Lebens, bey den Beunruhigungen und Mühseligkeiten, die mit den Geschäften meines Standes und Berufs verbunden sind, bey den beschwerlichen und gefahrvollen Kämpfen wider die Sünde, da, und sonst allenthalben, wo ich die Last meiner Wanderschaft schwer fühle, will ich auf dich blicken, Sohn Gottes! der du selbst durch Leiden zu einem gütigen Regenten deiner Menschen eingeweihet worden bist. Durch Gottes Gnade kann ich auch von mir sagen: Mir ist viel, sehr viel vergeben. Ach, möchte ich doch auch fagen können: Darum liebe- ich dich auch viel! Du, o Gott! wirst mit meiner Schwachheit gnädiges Erbarmen tragen, und ihr gnådig aufhelfen. Solche unermeßliche Herablassung, Langmuth, Barmherzigkeit, Wohlthätigkeit und Freundlichkeit soll mich nun auch in dem Fleiße aller der edlen Werke stårken, die mir die Religion meines Heilandes gebeut, und deren Summe, Menschenliebe gebildet nach dem Muster Gottes, ist. Amen. 27. Nach dem Genusse des heiligen Abendmahls. Lobe den Herrn, meine Seele! und was in mir ist, ſeinen heiligen Lobe den Herrn, meine Seele! und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Der dir alle deine Sünden vergiebt, und heilet alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöset, und dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit. Barmherzig und gnädig ist der Herr; geduldig und von großer Güte. Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden, und vergilt uns nicht nach 572 Ueber das heilige Abendmahl. unsern Missethaten. Wie sich ein Vater über seine Kinder erbarmet, so erbarmet sich der Herr über die, so ihn fürchWohl dem, dem die Uebertretungen vergeben sind, dem die Sünde bedecket ist! Wohl dem Menschen, dem der Herr die Misfethat nicht zurechnet, in dessen Geiste kein Falsch ist! Ich sprach: ich will dem Herrn meine Uebertretungen bekennen; da vergabst du mir die Misfethat mei: ner Seele. Wo ist ein solcher Gott, wie du bist? Du hast deines Sohnes nicht verschonet um unferntwillen! du hast ihn für uns in den Tod dahin gegeben; wie solltest du uns mit ihm nicht alles schenken? Ja, gelobet sey Gott und der Vater unsers Herrn Jesu Christi, der uns gesegnet hat mit den kostbarsten geistlichen und himmlischen Gütern durch Christum. In ihm, dem Geliebten, sind wir dem Höchsten angenehm geworden. In ihm dürfen wir Gott unsern Bater, und uns seine Kinder nennen. Un ihm haben wir einen vollkommnen Seligmacher, der immerdar lebet und für uns bittet. Durch seine Auferstehung von den Todten haben wir die gewisse Hoffnung eines unvergånglichen, un befleckten und ewigen Erbes; das behalten wird im Himmel. Gott! womit soll ich dir alle das Gute vergelten, das du an mir gethan bhast? Ich will dich erhöhen, mein Gott, du König! und dich preisen immer und ewig. lich. Ich will dich täglich loben, und deine Gnade immer und ewig loben. Dir will ich Dank opfern, und öffentlich meine Gelübde und Zusagen erfüllen. Großer Erlöser! meine Seele erbebet dich, den Herrn, und mein Geist freuet sich in dir, meinem Heilande. Du bist würdig zu nehmen Kraft und Reichthum, Weisheit und Stárke, und Preis und Ehre und Lob. Denn du bist auch für mich erwürget worden, und hast mich mit deinem Blute erkauft. Durch dich habe ich Frieden mit Gott, und einen freyen Zugang zu deiner Gnade. Durch dich bin ich von der Gewalt der Sünde und des Todes erlöset, und darf mich der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit rühmen. Wie kann ich dir deine Liebe jemals vergelten? Ich will dich ewig lieben, denn du hast mich zuerst, du hast mich bis in den Tod geliebet. Du hast deinen Leib für mich ge geben! du bast dein Blut für mich vergossen, zur Verges bung der Sünden; du bist für mich gestorben! du hast dich selbst für mich geopfert. Ich will ganz der Deinige feyn. Dir will ich leben, dir will ich sterben; dir sey mein Leib und meine Seele, dir sey mein ganzes Leben heilig! Dich Ueber das heilige Abendmahl. 573 zu kennen, dich zu lieben, dir zu gehorchen, deinem Beyspiel zu folgen, deinen Namen unter den Menschen zu verkündigen, dein Reich hier auf Erden zu erweitern, um mich zu deiner nåhern Gemeinschaft im Himmel geschickt zu machen, dies soll meine Ehre, mein Ruhm, mein vors nehmstes und beständiges Geschäfte, meine ganze Seligkeit seyn! Amen. 28. Ein anderes Gebet nach dem heiligen Abendmahl. o habe ich mich denn feyerlich dem Dienste Gottes, meines gnädigen Vaters und Wohlthåters, gewidmet. So habe ich mich verpflichtet, als ein Jünger und Nachfolger meines hochgelobten Erlösers zu leben, und ihm mit meinem Geiste und meinem Leibe, die beide sein Eigen.thum sind, zu preisen. Wie heilig sind diese Verpflichtun gen! Wie undankbar, wie unglücklich würde ich nicht seyn, wenn ich diese 3usagen vergåße, wenn ich diese Versprechungen nicht hielte! Welch eine Verantwortung, welch ein Gericht würde ich zu erwarten haben, wenn ich nun noch der Sünde diente; wenn ich nicht alle Fehler, alle böse Gewohnheiten, die ich an mir habe, ernstlich bestritte; wenn ich eben so tråge und nachlässig im Guten wäre, als ich es ehemals gewesen bin! So würde ich mich ja aller Vorrechte und Seligkeiten, die ich als ein Christ besitze, verlustig, und meine Verdammniß um so viel schwerer machen. Uch Gott! laß es nicht zu, daß ich so undankbar gegen dich, und so feindselig gegen mich selbst handle. Sey du mir in meiner Schwachheit machtig. Befestige meine guten Entschließun gen, und verleihe mir Gnade, an der Ausführung dersel: ben unverzüglich und unermüdet zu arbeiten. Schenke mir neue Kraft deines Geistes, und leite mich durch ihn zu allen Tugenden, damit ich meine Heiligung in deiner Furcht vollende. Bewahre mich vor Versuchungen; stärke mich, wenn ich darein gerathe; und laß mich die ewige Seligkeit, zu welcher du mich durch Christum berufen und erlöset hast, nie aus den Augen verlieren. So werde ich den guten Kampf fámpfen, den Glauben behalten, und meinen Lauf glücklich vollenden. So werde ich dereinst die Krone der Gerechtigkeit aus deiner Hand empfangen, und dir Lob und Ehre bringen in Ewigkeit. Amen. 574 Ueber das heilige Abendmahl. 29. Eines rechtschaffenen Christen nach dem heiligen Abendmahl. Much fuch ich, der ich dies gesegnete Brod gegessen, und aus diesem Becher getrunken habe, gehöre zu denen, die Gott so sehr geliebet, daß er seines eingebornen Sohnes nicht verschonet hat. Auch auf mich siehest du, o Gott! mit Wohlgefallen herab, da ich,( Dank sey es dir, ewiger Vater meiner Seele!) die Siegel deiner gnädigen Wirkungen in der Besserung und Heiligung meiner Seele an mir sebe. Mein ist der Reichthum deiner Erbarmung für meine vormaligen Sünden. Auch mir beweisest du väterliche Nachsicht. Auch mich wirst du unstråflich bewahren bis ans Ende. Mein ist die ganze Fülle und Macht deiner Liebe, so gewiß als ich dieses Brod gegessen, und von diesem Weine getrunken habe. Herr vor deinem Throne in den Staub hingeworfen, flehe ich: Laß mich jenen großen Zweck des Leidens und Todes meines Heilandes, mich dadurch zum Gliede seines, eigentbümlichen Bolkes zu machen, welches recht eifrig in allen Tugendthaten sey, diesen großen Zweck laß mir stets, stets vor Augen schweben. Laß mich seinen Tod, seine Reli gion bey jeder schicklichen Gelegenheit mit dem Munde preifen, ihn, bis an den letzten Hauch meines Lebens, als mein theuerstes Kleinod erheben. Laß mich ihn aber auch vornehms lich mit meinem Wandel preifen. Ach! dieser werde immer mehr ein Abdruckt seines Musters, und deines großen Erem pels, Vater meiner Seele! Laß mich insbesondere immer mehr der redliche, herz: liche, allgemeine Freund der Menschen werden, der Er war, und der du bist. Du weißt, Allwissender! wie wenig ich noch der bin, der ich zu seyn von Herzen wünsche, und für den mich auch viele meiner Nebenmenschen halten. So viele Widersetzungen fühle ich noch in mir wider das, was ich mit der innigsten Ueberzeu gung für meine größte Ehre und Freude ansehe. Ach! das schmerzt mich im Innersten! Eine Liebe, wie die Deinige, ein Gott, wie du bist, kann mich noch immer nicht zu dem ganz vollkommen guten, gehorsamen, dankbaren, liebevollen Men fchen machen! Doch, das Wollen, der Wunsch, den du in mit gewirket hast, ist mir Bürge, daß du auch immer mehr das Vollbringen in mir wirken wirst. Bester, zärtlichster Bater! hier an dem Kreuze deines Sohnes öffne ich dir ganz mein. Herz! Fülle es ganz mit dem Geiste der Liebe. Ueber das heilige Abendmahl. 575 Ach, wie schmerzlich sehnet sich meine Seele nach jenem rechten, durch Andacht und Tugend vollkommnen Leben!- Welche, o welche Seligkeit! Welche Wonne! Jene tiefen Blicke in die Abgründe deiner Werke und Wunder! Jene Riesenschritte auf dem Wege der Tugend! Jene unendlich wichtigern und entzückendern Geschäfte! Jene erhabene, entzückende, göttliche Freundschaft mit den Personen, die hier meinem Herzen theuer sind, mit allen edlen, großen Seelen unter den Menschen, mit Engeln und Erzengeln, mit meinem besten Freunde und größten Wohlthäter Jesu Christo! ihm, der mir den Weg zum Leben, zu dieser Wonne in deiner Gesellschaft gebahnt hat!- Diefe Hoffnung laß mir auch heute mit neuer Klarheit und Stärke ins Herz gedrückt werden. Sie, und deine Liebe, sey der Trost in meinem Leiden, das Gewürz meiner Freuden, der kraftigste Antrieb zu allen Tugendthaten; sey der Führer auf dieser Reise durchs Leben, bin in mein Vaterland! Ach! wann, wann werde ich dahin kommen! Gott! Vater! ganz durchdrungen von deinen unzähligen und unermeßlichen Liebesproben, widme ich mich, dir auf's neue ganz und gar. Du sollst mein alles seyn. Dir, nur dir will ich leben; dir will ich sterben; dich will ich in der Ewigkeit, in den Chören deiner heiligen, seligen Menschen und Engel preisen! Amen! In Krankheiten. 30. Beym Anfange einer Krankheit. err, allmächtiger Gott, Schöpfer Himmels und der Erden! der du das Leben, die Gesundheit und jeden andern Segen giebst; aber auch wieder nimmst, wenn es dir gefällt! lehre mich erkennen, daß alles, was mir begegnet, von deiner Hand kommt, damit ich bey allen Leitungen deiner gnädigen Vorsehung nur auf dich sehe, und sie mir zu deiner, als ihres Urhebers Ehre, zu Nuten machen möge. Du hast mich jetzt mit einer Krankheit heimgesucht, von der ich nicht weiß, was sie für Folgen für mich haben kann. Ich nehme daher gleich beym Anfange derseiben meine 3uflucht zu dir, und bitte dich, erleichtre meine Schmerzen, befreye mich, wenn es dein heiliger Wille ift, bald wieder davon. Verleihe mir aber vornehmlich die Gnade, daß ich diese Krankheit, wenn sie länger anhalten sollte, nicht nur 576 In Krankheiten. mit Geduld und Unterweisung unter deinen Willen tragen, sondern sie auch zu meiner Heiligung anwenden möge. Gieb, daß ich dadurch gebessert werde, und auf die Absicht, die du bey dieser Süchtigung hast, aufmerksam sey, damit sie auch an mir erreicht werde. Ist sie eine Strafe für meine Sünden, so laß sie meine Seele kräftig ermuntern, die Sünden, deren ich mich in meinem bisherigen Verhal ten schuldig weiß, zu erkennen, sie aufrichtig zu bereuen, und dir künftig in wahrer Heiligkeit und rechtschaffener Frömmigkeit zu dienen. Gieb, daß ich nie wieder in ders gleichen Thorheiten verfalle, wodurch ich mir vielleicht diese Krankheit zugezogen habe; mir künftig nie etwas erlaube, was nicht zu deiner Ehre gereichet, und mein eignes Vera derben befördert. Gott! ich soll mein Leben in keiner andern Absicht lieben, als dir zu dienen und meine Seele zu erretten. Wenn ich denn zu diesem Endzweck leben soll; so schenke mir den Genuß meiner vorigen Gesundheit und Stärke wieder, und die Gnade, sie auch alsdann zu diesem Endzwecke anzuwenden. Soll aber der Tod das Ende meiner gegenwärtigen Krankheit seyn; so gieb, daß ich diese Welt als ein rechtschaffener Christ verlassen möge, mit eis nem festen Vertrauen auf meines Erlöfers Vermittelung und Fürsprache bey dir, mit Gleichgültigkeit gegen die Gü ter dieses Lebens, und freudiger Erwartung der unvergång: lichen Güter des ewigen Lebens, mit ungeheuchelter Bereuung aller meiner Vergehungen und Sünden, mit einer willigen Ergebung meiner Seele in deine Hände, als in die treuen Hände meines Schöpfers und barmherzigen himmlischen Baters. Erhöre mich um Jesu Christi willen! Amen. 31. Um christliches Verhalten in der Krankheit. Her err, barmherziger Gott, der du nicht willst den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe! der du kein Wohlgefallen daran hast, deine Menschen mit Plagen zu belegen, sondern sie auch dann, wenn du sie züchtigest, noch liebest! siebe mit gnädigen Augen auf deinen unwür: digen Knecht,( deine unwürdige Magd) den( die) du mit Krankheit beimgesucht hast, herab. Sprich zu meiner Seele: es ist Friede! Mache mich gewiß, daß du mit mir ver: föhnt und geneigt bist, mir alle meine Sünden zu vergeben. Lehre mich deine Büchtigungen so tragen, als es sich für den In Krankheiten. 577 Zustand schicket, in welchen du mich gefehet hast. Wende mein Herz von der Welt und ihren vergånglichen Freuden ab; fie find jetzt für mich ganz unnuß, und ich muß sie doch gewiß einmal verlassen, ich mag sterben, wenn ich will. Mache mich zu allem dem geschickt, wozu du mich in dieser und in jener Welt bestimmt hast. Ich mag leben oder sters ben, so laß mein Herz über deine weife Leitung ganz ruhig, ganz zufrieden seyn. Erneure in mir, o Gott! was meine eigentliche fündliche Neigungen und Begierden zerstört haben. Erhalte mich in dem wahren Glauben deines Evangelii, und bewahre mich vor allem Irrthum und vor allen Arten der Sünde. Laß dir meine Demüthigung gefallen, und nimm meine Thränen an; erleichtre meine Schmerzen, wenn es dir für mich zutráglich scheint. Mache mich tuchtig, mich in allen Fällen auf deine Verheißung fest zu verlassen, und niemals zu zweifeln, daß du für die sorgest, die auf dich trauen. Herr! erhöre mich, erhöre alle, die für mich beten. Wache beständig für mein Bestes; verlaß mich nicht; vergiß meiner nicht; erlöse mich von allem Ues bel, und hilf mir endlich auch zu deinem ewigen himmlischen Reiche, durch Jesum Christum. Amen. 32. Um Gnade, die Krankheit zur Heiligung anzuwenden. flmächtiger, ewiger Gott, liebreicher himmlischer Vater! über deine Menschen vervielfältigst, und zu einer andern Seit ihnen diesen Segen wieder entziehest, entweder um sie dadurch zu bessern, oder ihre Herzen von den vergånglichen Gütern dieses Lebens zu entwöhnen, und sie zu dem Genusse herrlicher und dauerhafter Güter in einem vollkomm neren und beffern Leben vorzubereiten; beweise auch an mir deine große Barmherzigkeit, und nimm dich meiner in den Umständen, worin ich mich jest befinde, gnädig an. Segne du selbst meine Krankheit! tróste, stärke mich bey diefer deiner väterlichen Züchtigung; heilige sie so, daß sie mir ein Mittel werde, mein Herz zu reinigen, und es zu himmlischen Gesinnungen zu erheben. Bereite mich je mehr und mehr zu einem bessern Leben, wo keine Sünde, keine Krankheit, kein Tod mehr seyn wird. Ich weiß es, o Herr! daß es aus Liebe gegen mich geschieht, wenn du mich zuchDo 578 In Krankheiten. tigeft. Meine Krankheit soll mir nichts schaden, wenn ich mir nur nicht selber schade; sie soll nach deiner unendlichen Gute zu meinem Besten gereichen; sie soll mir den Tod von ferne zeigen, damit ich sterben lerne; sie soll meine Seele er beben und stärken, und meine guten Vorsätze und Entschliess fungen dauerhaft machen. Laß denn alle diese Endzwecke, o Goit! durch diese Krankheit an mir erreicht werden, damit sie zu deiner Ehre und zur Beförderung meiner, ewis gen Seligkeit gereichen möge. Umen. 33. Bey heftigen und anhaltenden Schmerzen. Heilf eiliger, aber auch barmherziger Gott! der du kein Wohlgefallen an dem Elende der Menschen hast, sondern vielmehr in deinem Worte versprichst, die zu erretten, die dich in ihrer Noth anrufen, und dich von denen willst finden lassen, die dich suchen! ich komme jest, da deine Hand schwer auf mir liegt, und deine Züchtigungen mich bart getroffen haben, mit meinem Gebete vor dich, und bitte dich demüthig, versage mir in diesen heftigen und an haltenden Schmerzen, die mir meine Krankheit verursacht, deine Hülfe und Beystand nicht. und Beystand nicht. Sen mir gnådig, Gott! denn ich bin schwach; heile mich, denn meine Kräfte haben mich verlassen; hilf mir um deiner Güte willen. Wie cin Wanderer in der Sonnenhige sich nach dem Schatten seb net, und ein Taglöhner, daß seine Arbeit aus sey, also habe ich auch schon ganze Tage vergeblich geseufzet, und der elenden Nächte sind mir viel geworden. Wenn ich mich nie: derlegte, sprach ich: wann werde ich aufstehen? Und hernach rechnete ich wieder, wenns Abend werden wollte. Siehe an meinen Jammer, o Gott! und laß dir mein Elend zu Herzen geben. Von dir allein muß meine Hülfe kommen. Wenn du willst, kannst du mir leicht helfen, meine Schmerzen lin dern, und mich wieder gesund machen. Ich muß es zwar be kennen, daß ich noch weniger leide, als ich verdient habe, und daß ich es deiner Güte allein zu danken habe, daß es noch nicht gar mit mir aus ist. Ich weigere mich auch deiner Züchtigung nicht, und bin nicht ungeduldig über deine Strafe, ob sie mit gleich jetzt keine Freude, sondern Taurigkeit macht; denn ich weiß, daß du meine Besserung und Heiligung dabey zur Absicht hast. Inzwischen wage ich es dennoch, deine Barmherzigkeit anzufleben, daß du nicht nach meinen Uebertretungen und Sünden, sondern nach deiner großen Güte mit mir handeln, In Krankheiten. 579 mich nicht im 3orne, sondern mit Gnade und Güte züchtis gen wolleft. Befreye mich, wenn es deiner Weisheit gemäß ist, bald wieder von allen meinen Schmerzen, die ich jetzt in einem so großen Maaße leide; oder lindre sie wenigstens dadurch, daß du diejenigen Mittel segnest, welche ich in dieser Absicht gebrauche. In allem aber, was du auch über mich beschloffen bast, gieb, daß ich mich deinem heiligen und weisen Willen, mit einer gånzlichen Ergebung in denselben, und mit einem völligen Vertrauen, daß du. Herr! alles mit mir wohl machen werdest, unterwerfe. Erhalte mir den Glauben an deine alles regierende Borsehung, und laß auch diese schmerzhafte Krankheit dazu dienen, mich in demselben zu stärken. Gieb, daß ich auch in dieser Absicht bewährt von dir erfunden werden möge, damit ich die Krone des Lebens empfahe, die du denen, die dich lieb haben, verheißen hast. Amen. 34. Nach der Genesung von der Krankheit. nendlich liebreicher und erbarmungsvoller Gott, der du allen denen gnädig bist, die auf dich trauen, auch ich weiß es jetzt aus eigner Erfahrung, daß du mit deiner Hülfe denen nahe bist, die dich mit Ernst darum anrufen; denn da ich in meiner Noth zu dir rief, da erhörtest du mich, und halfest mir wieder von meiner Krankheit, so, daß ich dich jest mit fröhlichem Herzen dafür preifen kann. Lobe denn, meine Seele, den Herrn, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat! Lobe den Herrn, der dein Leben vom Verderben errettet, und dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit! daß mein Herz durch diese neue Bohlthat so stark und innigst gerührt würde, daß ich es nie wieder wagte, eine so außerordentliche Güte zu mißbrauchen, sondern jeden Tag, den du, o Gott! zu meinem Leben noch hinzufügst, zur treuen Beobachtung deiner Gesebe, und zu deiner Verherrlichung anwendete! Ich bin nun wieder genesen, und mit jedem neuen Tage erhålt meine Gesundheit eine größere Festigkeit und Stärke. So will ich mich von nun an mit allem Fleiß und Sorgfalt hú ten, daß ich nicht wider dich aufs neue sündige, damit mir nicht noch etwas árgeres widerfahre. Laß die öftere Erin: nerung der Umstände, in welchen ich mich befunden habe, einen so starken Eindruck auf mein Gemüth machen, daß ich alles dasjenige sorgfältig vermeide, was mich von neuem auf das Krankenbette werfen, und in Gefahr des Todes D02 580 In Krankheiten. bringen könnte. Vornehmlich aber gieb, daß ich in Erfül lung aller meiner Pflichten emsig und treu sey, damit ich in den Tagen der Krankheit, wenn ich in Zukunft nicht gånzlich davon befreyt seyn sollte, durch keine Verdammungen meines Gewissens das Gefühl meiner Schmerzen vers mehren, und mir meinen Zustand noch beschwerlicher ma chen möge. Wie unglücklich würde ich seyn, wenn mich ben einem verlegten und noch nicht beruhigten Gewissen, über lang oder furz eine noch heftigere Krankheit überfiele, und ich dann außer Stand gesetzt wäre, für das, was zum Frieden meiner Seele dient, zu sorgen! Laß mich also keine Zeit verlieren, meine Seligkeit zu schaffen, sondern allen Fleiß anwenden, meinen Beruf zum ewigen Leben fest zu machen, damit ich auf jeden Vorfall bereit seyn, und mir, wenn mich Krankheit und Tod übereilet, der Eingang in jenes bessere und vollkommnere Leben eröffnet werden möge. Du schenkest mir nun Zeit zur Besserung, gieb mir denn auch ein Herz, das sich bemüht, sich zu bessern. Lehre mich bedenken, daß ich nicht nur sterben muß, sondern auch. plöglich sterben kann, und daß, wenn es nicht diese Krank: heit gewesen, es vielleicht eine andere seyn wird, die mei nem Leben hier auf Erden ein Ende macht, damit ich bey Zeiten das thue, was ich dann zu spát wünschen würde, gethan zu haben. Laß keine Sünde über mich herrschen, keine Versuchung mich überwinden, noch mich auf die theuren Pflichten, die ich dir und meinem Erlöser schuldig bin, unachtsam machen. Wirke in mir nicht nur das Wollen, sondern auch das Vollbringen des Guten, nach deinem Wohlgefallen. Mache mich mit jedem Tage zu deinem ewigen himmlischen Reiche geschickter; und wenn du mich endlich von dem Leibe dieses Todes erlösen wirst, fo führe meine Seele in das bessere Leben ein, wo kein Schmerz und kein Tod mehr seyn wird. Amen. 35. Gebet eines Kranken bey Annäherung seines Todes. Soft ott, von dessen unendlicher Güte und Gnade ich in je dem Augenblicke meines Lebens abhange, deffen Eigen thum ich auch noch im Tode bin, und in alle Ewigkeit bleiben werde! So groß auch die Veränderung fern mag, die mit mei nem Zustande alsdann vorgehen wird; welch ein unaussprech liches Glück ist es für mich, daß ich dich als meinen Schöpfer In Krankheiten. 581 und Vater kenne, daß ich weiß, daß du mich zu einem ewis gen Leben erschaffen, und auch so liebreich dafür gesorgt hast, mich hier in eine solche Verfassung zu sehen, bey der ich hoffen darf, an den Glückseligkeiten des zukünftigen Lea bens Theil zu haben! Ich freue mich des Vorzugs, den ich als ein Christ genieße, daß ich, so oft ich an dich denke, dich mir als meinen Bater denken kann, und ich preise dich, daß du mich auch Jefum Chriftum als denjenigen hast erkennen lassen, durch welchen du deine väterliche Liebe und Treue gegen mich und alle Menschen, auf eine dich so sehr verherrs lichende Weise, offenbart hast. Ich empfinde insbesondere anjeßt den ganzen Werth dieses Glücks auf eine sehr lebhafte Weise, da ich mich dem Augenblicke nabe, in welchem meine Seele sich von ihrem Leibe trennen und mit dieser Trennung denn auch zugleich für sie dies Leben der Vorbereitung ein Ende nehmen wird. Wie schrecklich würde nicht für mich dieser Augenblick seyn, wie viel Ursache würde ich nicht haben zu wünschen, daß er der legie meines ganzen Daseyns wäre, wenn ich nicht durch den Glauben an den, welchen du mir zum Mittler und Heiland geschenket hast, die fröhliche und gegründete Gewißheit erlanget bätte, daß du, auf meine Reue und Besserung in diesem Leben, mir alles, was in demselben unrecht und sündlich gewesen ist, vergeben, und mich in dem zukünftigen aller der Glückseligkeit theilhaftig machen wollest, die du denen, welche dich mit Gehorsam und glaubigem Vertrauen ehren, bereitet und verheißen hast! Wie ruhig kann ich hingegen nicht jetzt in Ansehung meines Tos des seyn, und mit welcher freudigen Hoffnung kann ich nicht die Ankunft desselben erwarten, da ich weiß, daß sich mit demselben auch meine völlige Erlösung nahet; weiß, an wen ich glaube, und gewiß bin, daß der, welcher mich zur Glückfeligkeit erschaffen hat, fie mir auch als eine Beylage, als ein Geschenk, das mir durch Christum von neuem aus seiner Hand zu Theil werden, soll, bis an jenen Tag bewahren kann! Unbetung, Preis und Dank sey dir, barmherziger himmlischer Vater! für alles, was du in meinem ganzen Leben Gutes an mir gethan haft! Insonderheit aber preise ich dich für die weise Fügung deiner gnådigen Vorsehung, nach welcher ich zur Erkenntniß deines Willens, und des den Sundern durch Christum bereiteten Heils, auch zur Erkenntniß meines eignen Antheils an diefem Heile, noch in diesem Leben gekommen bin. Ich preise dich für die großen und vielfältigen Beweise, die du mir in dem Laufe meines Lebens, und noch in 582 In Krankheiten. dieser meiner letzten Krankheit, von deiner Liebe gegen mich, und von der gnädigen Fürsorge gegeben hast, mit der du stets für mein Bestes wachtest. Ich danke dir für alles, was mir an leiblichen oder geistlichen Gesegnungen, von mei ner Kindheit an bis jetzt, von dir ist zu Theile geworden, und ich bitte dich, sege zu allen den Wohlthaten, die du mir erzeiget hast, auch noch diese hinzu, daß du ein dankbares Andenken an dieselben, und ein festes Vertrauen auf deine Gnade durch Jefum Chriftum in meiner Seele bis an mein En. de bewahrest. Erhalte meine Seele bis auf den letzten Augenblick in der guten Verfassung, in welcher sie jetzt steht. Laß keine Furcht des Todes, wenn er nun mit allen seinen Schrekken da seyn wird, einige Macht über ihren Glauben und über ihre Hoffnung haben, sondern stärke sie in dem letzten Kampfe, den sie hier noch kämpfen muß, mit göttlicher Kraft; und nimm sie dann in deine ewige himmlische Seligkeit auf, um Jesu Christi willen! Umen. Kirchengebete. 1. Deffentliche Beichte. Ich ch armer Sünder bekenne Gott, meinem himmlischen Bater, daß ich leider schwerlich und mannigfaltig gesündigt habe;( nicht allein mit äußerlichen groben Sünden, sondern auch und vielmehr mit innerlicher angeborner Blindheit, Unglauben, 3weifelung, Kleinmüthigkeit, Ungeduld, Hoffarth, bösen Lüsten, Geiz, heimlichen Neid, Haß, Mißgunst und andern Sünden) daß ich auf mancherley Weise mit Gedan: ken, Gebärden, Worten und Werken die allerheiligsten Gebote Gottes übertreten habe, wie das mein Herr und Gott an mir erkennet, und ich leider so vollkömmlich nicht erkennen kann, also gereuen sie mich, und sind mir leid, und be gehre von Herzen Gnade von Gott durch seinen lieben Sohn Jefum Christum, und bitte, daß er mir seinen heiligen Geist zur Besserung meines Lebens mittheilen wolle! Amen. Der allmächtige Gott hat sich euer erbarmet, und durch das Verdienst des allerheiligsten Leidens, Sterbens und Auferstehens unsers Herrn Jesu Christi, feines gelieb, ten Sohnes, vergiebt er euch alle eure Sünden; und ich als ein verordneter Diener der christlichen Kirche, verkün. Kirchengebete. 583 dige allen denen, so wahrhaftige Buße thun, und durch den Glauben all ihr Vertrauen auf das einige Verdienst Jesu Christi setzen, und gedenken ihr Leben nach den Geboten und willen Gottes anzustellen, solche Vergebung aller ihrer Sünden, im Namen Gottes des Vaters, und des Sohnes, und des heiligen Geistes. Amen. Dagegen aber sage ich allen Unbußfertigen und Ungläubigen aus Gottes Wort und im amen Jesu Christi, daß ihnen Gott ihre Sünden vorbehalten hat, und gewißlich strafen wird. Gott gebe ihnen seinen heiligen Geist, daß sie mögen wahre Buße thun, und selig werden. 2. Allgemeines Kirchengebet. ewiger, allmächtiger Gott! wir beten dich an in tiefster Ehrfurcht unserer Herzen; danken dir demüthigst für die unzähligen Wohlthaten, womit du uns bishero obne alles unser Verdienst und Würdigkeit an Seele und Leib so reichlich gesegnet hast. Wir preisen dich infonderheit, daß du dein feligmachendes Wort und den reinen Gottesdienst noch immer unter uns erhältst, obgleich so viele den unschäßbaren Werth dieser theuren Gabe, der einzigen Quelle alles Trostes und aller wahren Glückseligkeit zu wenig, oder wol gar nicht erkennen mögen. Langmüthiger Gott! werde des Erbarmens nicht mů de; bekehre die Verachter deines Wortes, und erhalte das selbe uns und unsern Nachkommen bis ans Ende der Welt Vereitle die unseligen und menschenfeindlichen Bemühungen derjenigen, welche die göttliche Religion Jesu verdächtig, die Schwachen irre machen, und deinen Erlöseten die ewige Grundfeste der Ruhe im Leben, und des erquicklichsten Trostes im Tode rauben wollen. Schenke uns allen die Gnade, daß wir diese heilige und wohlthätige Religion von Herzen lieben und ehren, und nach ihren Vorschriften unser Leben in dieser Welt führen mögen, damit wir in der künftigen ihre seligen Verheißungen ewiglich genießen können. Walte mit deiner allmächtigen Gnade über den römis schen Kaiser, und neige sein und aller christlichen Könige, Churfürsten, Fürsten und Herren, Herzen, zur Wahrheit deines Worts und dem lieben Frieden. Segne und erhalte unsern Herzog mit seinem Hause und alle hohen Angehörigen und Verwandten desselben. 584 Kirchengebete. Laß die Regierung hiesiger Lande zur Ausbreitung der Ehre deines Namens, zur Beförderung deiner auf die Glückselig keit aller Menschen gerichteten liebevollen Absichten, und zur möglichsten Erhaltung und Verbesserung des allgemei nen Wohlstandes, allenthalben glücklich und gesegnet seyn. Verleihe den zur Erleichterung der Regierungslast vers ordneten geheimen Råthen, den Fürstlichen Collegiis, auch allen übrigen Befehlshabern und Obrigkeiten, Weisheit, Erfahrung und Einigkeit, damit sie ihre Geschäfte mit klus ger Vorsicht und gewissenhafter Treue und Rechtschaffenheit verrichten, und nie vergessen mögen, daß sie dir, heiliger und gerechter Gott!: einmal strenge Rechenschaft davon geben müssen. Gieb, daß in unserm Lande Ehre wohne, daß Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen. Laß dir zu dem Ende die Akademie zu Helmstädt, auch das Fürstliche Collegium Carolinum, nebst allen höhern und niedern Schulen im Lande befohlen fern. Mache sie zu Pflanzstätten nicht nur nüglicher und heilsamer Wissen. schaften, sondern auch christlicher Tugenden und Sitten. Segne die menschenfreundlichen Bemühungen derer, die sich die öffentlichen Erziehungs- und Versorgungsanstalten bes fonders angelegen seyn lassen. Erwecke unter uns viele wohlthätige Herzen, die sich der Noth ihrer armen und kranken Brüder mitleidig annehmen. Sey ein Vater der Wittwen und Waisen, ein Helfer der Kranken und Noth leidenden, ein Trost der Betrübten. Wende Feuers- und Wasa sersnoth, Krieg und Seuchen, Mißwachs und Theurung, und andre mit unsern Sünden wohlverdiente Landesplagen in Gnaden von uns ab. Segne dahingegen den Fleiß der Handwerker, und die Arbeit des Landmannes, mit frucht barem Gedeihen. Laß Handel und Wandel, Künste und nüßliche Gewerbe immer mehr blühen, wachsen und zuneh: Erhalte Liebe und Einigkeit, Folgsamkeit und Ehr barkeit unter Ehegatten; Eltern und Kindern, Herrschaften und Bedienten. Belebe unser aller Herzen mit dem Geiste der Liebe, damit wir einer für des andern Glück und Bestes gern und mit Freuden thun mögen, was einem jeglichen in seinen Umständen möglich ist. Und da wir nur Fremdlinge und Gäste auf Erden sind, und hieselbst keine bleibende Ståtte haben, sondern allen Menschen gesest ist einmal zu sterben, und hernach das Ge richt; so hilf uns, daß wir uns dazu im Glauben und wahrer Kirchengebete. 585 Gottfeligkeit täglich und siúndlich bereit halten, und thun mögen das Werk, wozu du uns in der kurzen Zeit der Vorbereitung in einer glücklichen Ewigkeit bestimmt hast, weil es noch Tag ist, ehe denn die Sacht kommt, da niemand wirken fann. EAS Nimin uns denn endlich nach überstandenen Mühseligfeiten unserer Wallfahrt auf Erden in deine ewige Ruhe zu dem immerwährenden Genuß der seligen Freuden des Himmels, um deines lieben Sohnes Jesu Christi, unsers Herrn und Heilandes willen. Umen. Bey der öffentlichen Communion. 3. Vor der Communion. Der Herr sey mit euch! Und mit deinem Geist. Erbebet zum Himmel eure Herzen! Wir haben sie erhoben. Danksaget dem Herrn, unserm Gott! Das ist billig und recht. Wahrlich es ist billig und recht, daß wir dir, unserm Gott, danksagen und dich loben; weil dein lieber Sohn mit seinem bittern Leiden für unsere Sünde bezahlet hat, welcher um unserer Missethat willen verwundet, und um unserer Sünde willen zerschlagen ist. Darum wir mit allen Engeln und Erzengeln, und allen himmlischen Heerschaaren, zu deiner Ehr ohn Unterlaß sagen: Heilig ist Gott, der Herre Sebaoth! Heilig ist Gott, der Herre Zebaoth! Heilig ist Gott, der Herre Sebaoth! Seine Ehr die ganze Welt erfüllet hat. Meine eine Allerliebsten in Gott! Dieweil wir das Abendmahl unsers Herren Jesu Christi wollen halten, darin uns sein Fleisch zu einer Speise, und sein Blut zu einem Tranke gegeben wird, daß wir dabey seines Todes gedenken; und ihm von Herzen danksagen sollen, so wollen wir Gott den Vater im Namen Jesu Christi anrufen, und von Grund des Herzens also beten: err Gott, himmlischer Vater! wir danken dir von Her und Heiland, Jesum Christum, für unsere Sünde zu unsrer Seligkeit hast Mensch werden, so viele unaussprechliche Mar 586 Kirchengebete. ter leiden, und am Kreuze eines bittern Todes sterben lassen; welcher uns auch befohlen hat, damit wir dessen, was er für uns ausgestanden, nicht vergessen möchten, dieses gegenwär tige Gedächtniß seiner Marter und Todes im heiligen Abendmahl zu halten, in welchem er uns, aus unaussprechlicher Liebe zu uns, eben denselben Leib, welcher am Kreuz für uns gestorben, und eben dasselbe Blut, welches am Kreuze für uns vergoffen, in und mit gegenwärtigem Brod und Wein wahrhaftig zu essen und zu trinken giebt, damit wir nicht zweifeln, sondern desto fejter glauben möchten, sein Tod und Blutvergießung am Kreuz sey unsere gewisse Seligkeit. Durch denselbigen deinen lieben Sohn, als den einigen Mittler zwischen dir, dem gerechten Gott, und uns armen Sün: dern, und durch dessen blutiges Verdienst bitten wir dich, o himmlischer Bater! du wolleft dich unser aller erbarmen. Siehe an das Angesicht solches unsers getreuen Mittlers, deines lieben Sohnes Jefu Chrifti, welcher zu deiner Rechten für uns bittet und uns vertritt. Siehe an sein heiliges unschuldiges Blutvergießen, Leiden und Sterben, welches er für unsre Missethat, aus unaussprechlicher Liebe gegen uns verlorne Menschen, mit höchster Geduld ausgestanden. Vergieb uns unsre Sünde, und laß uns würdige Gäste bey die fer himmlischen Mahlzeit seyn. Stärke unfern schwachen Glauben, und gieb, daß wir an das Leiden und Sterben deines lieben Sohnes zu unserm Troste gedenken, und die füße Kraft desselben in unsern Herzen freudig empfinden môgen. Gieb uns auch deinen heiligen Geist, daß wir vers leugnen das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüfte, bingegen aber mäßig gegen uns selbst, gerecht gegen unsern Nächsten, und in steter kindlicher Furcht gegen dich, Gott, unsern himmlischen Vater, leben in dieser Welt, und warten auf die felige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes, deines lieben Sohnes, unsers Heilandes Jesu Christi. Laß auch einen jeglichen unter uns sein Kreuz auf sich nehmen, deinem lieben Sohn nachfolgen, einer den andern lieben, gleichwie dein lieber Sohn uns geliebet hat; denn es ist dieses heilige Sacrament ein Brod, wir Alle aber ein Leib, weil wir eines Brobes theilhaftig werden, und alle aus einem Kelche trinken. Gieb uns auch und allen glaubigen Christen, was uns sonsten nüglich und dienlich ist, dieses Leben in deiner Furcht zu führen, selig zu beschließen, und die ewige Seligkeit zu erlangen. Darauf sprechen wir von Herzen: Umen. Kirchengebete. 587 Unser Herr Jesus Christus, in der Nacht, da er verrathen ward, nahm er das Brod, dankte und brachs, und gabs seinen Jüngern und sprach: Nehmet hin und effet, das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; solches thut zu meinem Gedächtniß. Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Abendmahl, dankte und gab ibnen den und sprach: Trinket alle daraus; dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut, das für euch vergessen wird zur Vergebung der Sünden; solches thut, so oft ihr's trinket, zu meinem Gedächtniß. 4. Nach der Communion. Der 23. Pfalm. er Herr ist mein Hirte mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue, und führet mich zu frischem Wasser. Er erquicket meine Seele, er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Und ob ich schon wandle im finstern Thal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bey mir, dein Stecken und Stab trösten mich. Du bereitest für mich einen Tisch gegen meine Feinde, du falbest mein Haupt mit Dele, und schenkest mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Lebenlang, nd ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar. Danket dem Herrn, denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich. Wir danken dir, allmächtiger Herr Gott! daß du uns durch diese beilsame Gabe haft erquicket, und bitten deine Barmherzigkeit, daß du uns solches gedeihen läsfest zu starkem Glauben gegen dich, und zu brünstiger Liebe unter uns allen, um Jesu Christi unsers Herrn willen. Der Herr segne dich und behüte dich zc. Amen. 5. In den Montagsbetstunden. wiger, allmächtiger Gott, barmherziger Bater! Wir er scheinen jetzt abermals in deinem Bethause, erkennen und bekennen vor dir mit demüthigem, bußfertigem Herzen, daß wir nicht werth sind, unsere Augen gen Himmel aufzuheben, und unser Gebet dir vorzutragen. Denn wir haben ja vielfältig und schwerlich gesündigt allesammt; wir haben der Zeit unserer gnädigen Heimsuchung nicht wahrgenommen, deines heiligen Wortes und darin geoffenbarten gnädigen 588 Kirchengebete. Willens, nicht geachtet; des lieben Friedens, den du uns gnádiglich geschenket, auch des jährlichen Segens, womit du uns mehrentheils so mildiglich angesehen, zur Sicherheit, Stolz, Pracht, Geiz, Wollusi. Unmäßigkeit, Haß, Neid, Zank unt andern Sünden gemißbrauchet. Die Erempel anderer bes nachbarten Länder, an welchen wir deinen gerechten Born ges sehen, auch die unterschiedenen scharfen Züchtigungen, mit welchen du uns absonderlich mannigmal beimgeſucht hast, haben wir nicht zu Herzen genommen, noch dadurch zu ernstDaher licher Buße und Besserung uns bewegen lassen. kommts denn auch, daß du, als ein gerechter Richter, deine Hand wieder ausstreckest, und mit neuen Strafen hin und wieder uns drauest; so, daß zu befürchten, wir werden nebst andern deine scharfe Ruthe, wegen unsers beharrlichen Ungehorsams, rechtschaffen und noch heftiger, als vorhin, empfinden müssen. Uch lieber Gott und Vater, wir gestehen und bekennen vor dir, daß wir solches überflüssig verdienet haben, und daß du uns nicht unrecht thatest, wenn du gleich deine Hand würdest gar von uns abziehen, und uns zum ganzlichen Verderben dahin geben. Weil du aber, o unser Gott und Vater! in deinem Worte verheißen haft, deinen gefaßten Zorn abzuwenden, von denjenigen, die ihre Missethaten und Uebertretungen bereuen, und in herzlicher Buß fertigkeit und findlichem Vertrauen dein Antlitz suchen; so beklagen und bereuen wir von Grund unserer Seelen, daß wir an dir so vielfältig gefündiget, und deinem heiligen Willen so vorsätzlich entgegen gehandelt haben. Wir demüthigen uns vor dir mit zerschlagenem Herzen, und stellen zwischen unsere Sünde und deinen gerechten Born in wahrem Glauben, den einigen Mittler, Jesum Christum, deinen lieben Sohn. Siehe doch an, barmherziger Gott und Vater! desselben Genug: thuung. Nimm an für unsere Schuld seine Unschuld, für unfern Ungehorfam feinen Gehorsam, für unsere Ungerechtig: keit feine Gerechtigkeit. Sey uns um seinentwillen gnädig, und rechne uns nicht zu unsere Sünde, sondern gedenke unser nach deiner großen Gnade und Barmherzigkeit. Laß doch nicht das Feuer deines Zorns nach unserm Verdienste wider uns brennen; sondern schone unser, als ein lieber Vater, und behüte uns doch fünftig in Gnaden vor Pestilenz und allen andern ansteckenden Krankheiten, vor Unruhe und Kriegslast, vor Mißwachs, schädlichem Ungewitter, vor Theu rung, Feuer- und Wassersnoth, und allem andern Unheil, fo du den Uebertretern deiner Gebote und Rechte gedrauet haſt. Kirchengebete. Und damit wir zu einem bessern und dir wohlgefälligern Leben aufgerichtet werden, so erneure du selber unser aller Herzen durch die Kraft deines heiligen Geistes, und mache uns geschickt, vor dir nach deinen Geboten zu leben, und in deinen Wegen zu wandeln. Wir bitten dich auch, o höchster Gott und Herr aller Herren! für alle christliche Herrschaften und Regenten, insonderheit für unsre liebe Landesfürstliche Obrigkeit und alle Derofelben Angehörige; walte über sie mit deiner Güte und Gnade, und lasse fie zum Segen gefehet seyn, hier zeitlich und dort ewiglich. Erleuchte und regiere du die Herzen und Gemüther aller Gewalthabenden auf Erden, daß sie dahin trachten, wie vor allen Dingen die Wahrheit deines Worts vertheidiget, die Ehre deines göttlichen Namens ausgebreitet, der Unterthanen Bohlfahrt, und insonderheit der heilsame Friede allenthalben gesuchet, befördert und erhalten werden möge; damit wir, und alle andre unfré Nebenchristen, allhier in beinem Gnadenreiche auf Erden in Friede und Ruhe unsere Lebenszeit mögen zubringen, und ohne Hinderniß mit DanEen vor deinem beiligen Angefichte erscheinen, und die uns sern schuldigen Gottesdienst mit Freude und Lust unserer Herzen leisten und abstatten können. Nun du allgútigster, barmherzigster& ott und Bater! wir, teine Kinder, hoffen darauf, daß du so gnädig bist, unser Herz freuet sich, daß du so gerne hilfest; so erböre uns dom, und hilf uns und deiner ganzen nothleidenden Christenheit, um deines allerliebsten wohlgefälligen Sohnes, unsers Herrn und Heilandes Jesu Chrifli willen, in dessen Namen wir in kindlicher Suversicht sprechen: Umen! Amen! 589 6. Die Litaney. Kyrie prie, eleison! Christe, eleifon! Kyrie, eleison! Christe, era höre uns! Herr Gott Vater im Himmel, erbarme dich über uns! Herr Gott Sohn, der Welt Heiland, erbarme dich über uns! Herr Gott heil'ger Geißt, ervarme dich über uns! Sey uns gnådig, verschone uns, lieber Herre Gott! Sey uns gnädig, hilf uns, lieber Herre Gott! Vor allen Sünden, vor allem Irrthum, vor allem Uebel, vor des Teufels Trug und List, vor bösem schnellen Tad, vor Pestilenz und theurer Zeit, vor Krieg und Blutvergießen, vor Aufruhr und 3wietracht, vor Hagel und Ungewitter, vor Feuer- und Wassersnoth, vor dem ewigen Tod, behüt uns, lieber Herre Gott! Durch deine 590 Kirchengebete. heilige Geburt, durch deinen Todeskampf und blutigen Schweiß, durch dein Kreuz und Tod, durch dein heiliges Auferstehen und Himmelfahrt, hilf uns, lieber Herre Gott! In unsrer letten Noth, am júngsten Gericht, hilf uns, lieber Herre Gott! Wir armen Sünder bitten, du wollest uns erhören, lies ber Herre Gott! Und deine heilige christliche Kirche regieren und führen; alle Bischöfe, Pfarrberren, Kirchen und Schuldiener im heilsamen Wort und heiligem Leben erhalten; allen Rotten und Nergernissen wehren; alle Frrige und Verführte wieder urechte bringen; den Satan unter unsre Füße treten; treue Urbeiter in deine Ernte senden; deinen Geist und Kraft zum Worte geben; allen Betrübten und Blöden helfen und fie trößten! Erhör uns, lieber Herr Gott! Allen Königen und Fürsten Friede und Eintracht geben; unserm Kaiser ein ges neigtes Herz zu der Wahrheit deines Wortes und dem lieben Frieden, auch steten Sieg wider die Feinde deiner Christenheit verleihen; unfern Landesherrn, mit allen seinen Gewaltigen leiten und schützen; unsern Rath und Gemeinde segnen und bes hüten; allen, so in Noth und Gefahr sind, mit Hülfe erscheis nen; allen Schwangern und Säugern fröhliche Frucht und Ges deihen geben; aller Kinder und Kranken pflegen und warten; alle unschuldig Gefangene los und ledig lassen; alle Wittwen und Waisen vertheidigen und versorgen; all Menschen dich erbarmen! Erhór uns, lieber Herre Gott! Unsern Feinden, Ver folgern und Lästerern vergeben, und sie bekehren; die Früchte auf dem Lande geben und bewahren; und uns gnädiglich ers boren! Jesu Christe, Gottes Sohn, erhör uns, lieber Herr Gott! Odu Gotteslamm, das der Welt Sünde trägt. erbarme dich über uns! du Gotteslamm, das der Welt Sünde trågt, erbarme dich über uns! O du Gotteslamm, das der Welt Sünde trägt, verleib uns steten Frieden! Christe, erhöre uns! Kyrie, eleison! Christe, eleison! Kyrie, eleison! Amen. 7. An öffentlichen Bußtagen. ch Herr! Herr! barmherzig und gnådig, geduldig und von großer Güte und Treue! wir liegen allhier vor deinem allers heiligsten Angesicht, dürfen aber unsre Augen nicht aufheben zu dir, denn wir müssen uns schämen, daß wir so gesündigt bas ben. Wir haben gefündiget, Unrecht gethan, und sind leider gottlos gewesen; wir sind von deinen Geboten und Rechten ges wichen; also, daß auch nach ausgestandenen vielen harten Stras fen, der Ungehorsam gegen dich und dein Wort nur immer Kirchengebete. 591 größer worden, und allerhand Ungerechtigkeit und Sün den auch bey uns und in diefen Landen fast überhand genommen; wie solches offenbar und am Zage ist, und wir vor dir, du allwissender und allgegenwärtiger Gott! nicht leugnen können. Darum, so lásfest du auch deinen gerechten. Born wieder angehen, deine Hand hast du wieder ausgerecket; und dráuest mit neuen Strafen und Plagen. Aber! o du gerechter Gott! wir erkennen unsre große Undankbarkeit und schwere Sünden, suchen und bitten Gnade. Uch Herr! vers gieb uns doch solchen unsern Undank und alle Uebertretung. Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte, die von der Welt her gewesen ist. Gedenke nicht unserer und unserer Båter Sünde und Missethat. Gedenke aber unser nach deiner großen Barmherzigkeit, um deiner Güte willen. Du hast ja mit einem theuren Eide bekräftiget, du wollest nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe. Ach Herr! Herr! bekehre du uns, so werden wir be kehret, und laß uns doch nicht verderben. Hast du doch der kleinen Kinder( und des unvernünftigen Viehes) zu den Zeiten des Propheten Jonå dich jammern lassen, daß du die Stadt Ninive nicht verderbetest. Ach Herr! es sind derer sehr viel bep uns, und noch mehr anderswo in der Christenheit, die noch nicht wissen, was recht oder link ist; so laß doch derselben und unser aller Noth, Untergang und Verderben dir, liebster Bater! auch zu Herzen gehen. Strafe uns nicht in deinem 3orn, und züchtige uns nicht in deinem Grimm; sondern sey uns gnädig, Herr! und errette uns von der Hand aller, die uns haffen. Siehe deswegen an das Ungesicht deines lieben Sohnes, unsers getreuen Mittlers und Fürbitters Jesu Christi; siehe an sein heiliges Haupt mit der Dornenkrone zerrissen; siehe an sein Kreuz, Marter und Tod, und sey uns gnådig. Du auch, o gebenedeyeter Friedensfürst! Herr Jesu Christe! babe du über uns und die ganze Christenheit Gedanken des Friedens, und nicht des Leides; so wollen wir dich unsern Erlöser, sammt dem Vater und heiligem Geiste, dafür von Herzen loben, und deinem Namen danken, daß er so liebreich ist, hier zeitlich und dort ewiglich. Amen. 8. Auf Hagelfeyer. err, allmächtiger Gott, du König Himmels und der Erden! der du durch deine überschwengliche Güte den 592 Kirchengebete. ganzen Erdboden mit allerley Früchten zierest und erfüllest, davon Menschen und Vieh ihre Nahrung haben wir bitten dich um deiner Barmherzigkeit willen, du wollest unser Land segnen und gebenedeyen, daß es seine Früchte und Vermögen gebe! denn wir von uns selber nicht ein Körn lein aus der Erde können hervorbringen oder demselben helfen, wo du nicht das Gedeihen giebest. Darum verleihe den lieben Früchten ein gnådiges Gewitter, daß sie wachsen und wohlgerathen; behüte sie vor Hagel und Ungewitter, vor Verheerung von allerley Ungeziefer und Schaden. Laß das Land nicht fevern in deinem Born, daß es nicht wüste liege und unfruchtbar bleibe. Schließe den Himmel nicht zu in deinem Grimm, um unserer Sünde willen, daß er nicht werde wie Eisen, und die Erde wie Erz; sondern gieb uns Früh- und Epatregen, dazu fruchtbare Zeiten; fuche das Land heim und wässere es, und mache es sehr reich; Gottes Brünnlein hat Waffer die Fülle. D Herr! laß uns unfer Getreide wohl gerathen; denn also bauest du das Land., Tränke unsre Furchen, und feuchte sein Gepflügtes mit Re gen; mache es weich, und fegne fein Gewächs. Kröne das Jahr mit deinem Gut, daß deine Fußstapfen triefen von Fette; so werden die Wohnungen in der Wüsten auch fett werden, daß sie triefen, und die Hügel umber werden lustig seyn, die Wenger werden voll Schaafe seyn, und die Auen werden dicke stehen mit Korn, daß man jauchzet und singet. So laß dir, lieber Gott! in deinen gnädigen Schuß befohlen fenn den lieben Saamen und alle Früchte des ganzen Erdreichs. Erhalte sie vor Frost, Kälte, im Wind, Hiße und Dürre, im Regen und allem vorfallenden Wetter, daß sie nicht beschädiget werden. Bebüte uns vor Mißwachs, vor Theurung, Hunger und Kummer. Siehe, wir bekennen unsere Sünde mit reuigem Herzen, und schreyen zu dir, uns ferm Gott, du wolleft hören im Himmel, in dem Sie, da du wohnest und gnädig seyn der Sünde deines Volks; uns nicht verlassen mit leiblicher Nahrung, sondern uns verfors gen, auf daß wir in allen Dingen deine göttliche Kraft und milde Hand mit Danksagung erkennen, und dich preisen, der du uns reichlich ernábrest an Leib und Seele, hier zeit lich und dort ewiglich. Amen. 9. Bey der Confirmation der Kinder. Smächtiger und barmherziger Gott, ein Vater unfers Herrn Jesu Christi, der du allein alle gute Werke in Kirchengebete. 593 uns anfäbest, bestätigest und vollendest. Wir danken dir von Herzen, daß du gegenwärtige Kinder deiner Kirche geschenfet, und durch die heilige Taufe wiedergeboren, und nun auch so weit erleuchtet hast, daß sie diese deine Gnade und Güte, und ihre Erlösung in Christo, deinem lieben Sohne unserm Herrn, selbst erkennen, und vor deiner Gemeinde ibund bekennet haben. Wir bitten dich herzlich, du wolleft das gute Werk, so du in ihnen angefangen bast, stårken, deinen heiligen Geist in ihnen mehren, auf daß sie in deiner Kirche und Gemeine und im wahren Gehorsam des Evangelii stetigst bleiben und beständig beharren, daß sie keine falsche Lehre noch fleischliche Lüste von bekannter Wahrheit abführen; sondern gieb ihnen, daß sie zu allem deinen Ges fallen immer wachsen, und einmal das vollkommene månnliche Ulter erreichen, in aller Weisheit, Heligkeit und Ges rechtigkeit, damit sie dich und deinen lieben Sohn, unsern Herrn, sammt dem heiligen Geiste, einigen wahren Gott, immer vollkommener erkennen, herzlich lieben, und bey iha rem Nächsten mit Worten und ihrem ganzen Leben je låns ger, je beständiger bekennen, loben und preisen; daß sie also nach ihrem Zaufbunde, Glauben und gut Gewissen bewahren, christlich leben, geduldig leiden, ritterlich ringen, und durch Tod und Leben zu dir in den Himmel dringen mógen; durch denselben unfern Herrn Jesum Christum, der mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret, gleicher Gott, hochgelobet in Ewigkeit. Amen. 10. Auf Advent. Hen err Jesu! du Sohn des allmächtigen Gottes, wir danken dir von ganzem Herzen, daß du vom Himmel herab ins Fleisch kommen bist, und menschliche Natur angenommen. Du hast deine Gottheit mit unsrer Menschheit vereis niget; darum vereinige dich doch auch mit unserm Herzen. 3war es ist dasselbe fleischlich und irdisch, aber du kannst es durch deine Kraft göttlich machen. Siehe in unser Herz ein, und mache dir daselbst eine beständige Wohnung. Hilf, daß wir dir den Weg durch wahren Glauben und ein christliches Leben dazu bereiten, auch allezeit in guter Bereit: schaft erfunden werden, damit wir bey deiner letzten Zus kunft das Ende des Glaubens, der Seelen Seligkeit davon bringen; allwo wir dir, sammt deinem und unserm himmlischen Bater, auch heiligem Geiste, ewiglich Lob, Ehre, Preis und Dank sagen werden. Amen. Pp 394 Kirchengebete. 11. Um Weihnachtsfeste. S Herr Jesu! du holdseliger Heiland! wie sollen wir deine unbegreifliche Liebe und Güte zur Genüge rühe men und preisen! daß du uns arme Menschen so hoch ges würdiget, und ein Menschenkind in unserm Fleische und Blute, dazu arm und elend, in einem schlechten Stalle haft wollen geboren werden, damit du uns von Sünde, Tod, Teufel und Hölle ertösen, und wiederum ben deinem himms lischen Vater zu Gnaden bringen möchtest. Dir sey für folche Liebe, Demuth und Gnade ewig Lob und Preis ge fagt. Du, Herr Jesu! bist nicht uns allein, oder etlichen wenigen, sondern der ganzen Welt zu Dienste, also Mensch geboren worden. Uch, daß wir möchten auch so glücklich seyn, von der ganzen Welt und aller Menschen Schaar dich dafür loben zu hören! Aber leider! derjenige Haufe, der dich in deinem Krippelein empfangen und willkommen bei ßen, ist klein; denn die meisten wollen an dir nicht Theil haben. Darum unsre Seele sich bemühen soll, daß wir uns fers Orts diese Schuldigkeit mit Lob und Dank, mit Freu den und Frohlocken so vielmehr zu Werke richten. Weil du auch, liebster Heiland! deswegen Mensch worden, gelitten bast, und gestorben bist, damit du unser Mittler bey Gott seyn möchtest, und bey demselben uns wieder ausföhnen; ach! so hilf uns durch deine Barmherzigkeit, daß wir also in wahrer Buße und allen christlichen Tugenden leben, das mit wir dieses deines theuren Mittleramts mögen fähig seyn, und der großen Wohlthat, die du uns durch deine beis lige Geburt erworben, genießen können; hier in diesem Jams merthal durch einen lebendigen Glauben, durch eine freudis ge, trofliche Hoffnung und großmuthige Zuversicht, bort aber in deinem Himmelreich, durch ewige Freude und Ses ligkeit, allwo wir dich, mit allen Engeln und Auserwähl ten, ohne Ende rühmen und preisen werden. Amen. 12. Um Neujahrstage. mächtiger, gnädiger Gott und Vater! Wir haben heute abermal ein Jahr unsers elenden Lebens zu Ende ge bracht, und fangen in deinem Namen wiederum ein neues an. Uch Herr! wie groß ist deine Güte, die du uns bisher aus väterlichem Herzen so unzählig erwiesen hast! da wir doch mit unsern Sünden nichts als Strafe und Böses bey dir Kirchengebete. 595 verdient haben. Wie oft hätten wir in Kreuz und Unglück, in Jammer und gemeinen Landesnöthen, als vielen andern geschehen, elendiglich verderben müssen, wenn deine Gna: denhand uns nicht errettet und beschirmet hätte! Wir sagen. dir dafür von Herzen Lob, Ehre, Preis und Dank. Vers zeihe uns alle Sünde und Missethat. Fange mit diesem neuen Jahre an, uns aufs neue zu segnen. Erneure deine väterliche Liebe und Treue gegen uns. Erhalte uns dein reis nes Wort. Erbaue Kirchen und Schulen. Erleuchte alle Lehrer und Prediger. Stårke alle Regenten und Obrigkeiten. Segne Hausväter und Hausmütter. Regiere Kinder und Gesinde. Bewahre uns vor Krieg und Aufruhr. Wende ab Pest und Theurung. Beschere uns gut Gewitter. Kröne das Jahr mit deinem Gute. Gieb Friede im Lande, Freude unsern Herzen, Gesundheit unsern Leibern, und in Summa, erbarme dich aller Menschen. Uch Herr Jesu, du treuer Heiland! sey auch für deine großen und unzähligen Wohlthaten, die du uns armen Sündern erwiesen hast, von Her zen gepriesen. Und gleichwie du am heutigen Tage den Unfang, dein heiliges Blut zu vergießen, um unserntwillen ge macht hast; also bitten wir, bleibe bis in Ewigkeit uns mit deiner holdseligen Liebe zugethan, und laß uns deines heiligen Namens und deines theuren Verdienstes in Noth und Tod uns getrösten. Ach Gott, heiliger Geist! unendlich Lob und Preis sey dir für deinen Beystand, für deine Hülfe und tröstliche Leitung, deren du uns bisher genießen lassen. Regiere uns ferner durch deine Gnade, daß wir heilig und unsträflich wandeln, ein neugebornes Herz in dieses neue Jahr bringen, alle alte Missethat aber mit dem alten Jahre ablegen, und also unser Christenthum wohl ausführen, und die Krone der ewigen Herrlichkeit erlangen mögen. Amen. 13. Um Feste der Erscheinung Chriſti. Liebster Herr Jefu Christe! wir danken dir von Herzen, daß als armer in und uns zu deinem Reiche berufen haft. Erhalte uns ferner das helle Licht deines seligmachenden reinen Wortes, als den einigen Leitstern, der uns aus dieser dunkeln verkehrten Welt zu deinem Himmelreich führen muß. Erleuchte unfre Herzen, daß wir solchem deinem göttlichen Worte mit Fleiß folgen, dich allein suchen, bekennen und ehren. Laß uns auch keine Mühe, Gefahr, noch Unlust in dieser unfrer Pils 596 Kirchengebete. gerschaft scheuen; sondern dir in Noth und Tod getroft fol. -gen, bis wir den vorgefeßten Ort, nämlich deine himmlische Frieden und Freudenstadt erreichen werden. Bewahre uns inzwischen, wie du den Weisen aus Morgenlande getban, vor allem Anlaufe des Teufels und der gottlosen bösen Welt, damit wir unser geliebtes Baterland bey dir sicher und ohne Anstoß erlangen mögen, um deiner Liebe und Barmherzigkeit willen. Amen. 14. Am Feste der Reinigung Maria. Wit ir danken dir, Herr Jesu Christe! daß du die Weissas gung und das Gefeß erfüllen, in deinen Tempel hast kommen, mit deinen Erstgebornen, die der Reinigung be durften, sich dafelbst darstellen, und was im Gesetz geschrie: ben, an dir vollbringen lassen wollen, auf daß für die, die unter dem Gefeße waren, die Kindschaft und ewige Erlösung erfunden würde. Aus deinen Erlöseten hast du einen Tema pel Gottes gemacht, in welchem du durch den Glauben wohs) nen und bis an der Welt Ende bey ihnen seyn winst. Ver: leihe uns, leutseliger Heiland! daß wir mit Glaubensarmen dich inbrünstig fassen, als Theyererkaufte dich am Geiste une Leibe preisen, deine Gnade nicht fahren lassen noch versau: men, sondern in Erwägung, nun sey die angenehme Zeit, nun sey der Tag des Heils, durch dies gegenwärtige Nun, aus dem, das vergangen ist, nach dem, das künftig und ewig ist, in täglicher Buße, in Wachen und Beten, so lange es heute heißt, ringen, damit wir zu der gewünschten Aufs lösung und Heimfahrt im Frieden, in welchen du den Tod deiner Gläubigen verwandelt tast, uns bereiten, und wir hier im Glauben, also dort im Schauen, dich sammt Bater und heiligem Geist umfangen, und deiner Herrlichkeit theil baftig werden von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 15. Am Feste der Verkündigung Maria. Herr err Gott, himmlischer Vater! wir danken dir, daß du deine tröstliche Verheißung erfüllet, uns deinen allerhei ligsten einigen Sohn zum Heilande gesendet, und denselben in dem Leibe der Jungfrau Marid hast menschliche Natur annehmen lassen. Hilf, daß wir uns folcher beiner Liebe, die du hierinnen gegen uns arme Sünder erwiesen, jederzeit von Herzen trösten und erfreuen. Laß deines Sohnes heilige Empfängniß unsere Unreinigkeit, Sünde und Missethat til Kirchengebete. 597 gen, daß wir deiner Gnade wieder theilhaftig feyn mögen. D Herr Jesu Christe, Gottes und Mariá Sohn! wir dans ken dir, daß du unsre menschliche Natur an dich genommen, unser Heiland und Seligmacher worden bist. Wir freuen uns dessen von Herzen, und sind nun versichert, daß du uns, als dein eigen Fleisch und Blut nie verlassen werdest. Du bist ja darum Mensch worden, daß du uns helfen möchtest; daher vertritt uns bey deinem himmlischen Bater. Schüße und erhalte uns wider Welt, Sünde, Teufel, Tod und Hölle, und laß uns in deinem Reiche mit dir leben, und dir dienen in ewiger Gerechtigkeit, Unschuld und Se ligkeit. Gott, heiliger Geist! der du durch deine Kraft die Empfängniß des Sohnes Gottes gewirket hast, hilf, daß wir uns einer unendlichen Kraft und Macht jederzeit trösten, dir mit wahrem Glauben, willigem Gehorsam und herzlicher Demuth jederzeit anhangen, und also die Fruchtder feligmachenden Menschwerdung Christi, nämlich die - ewige Freude im Himmel, davon bringen und erhalten mó gen. Amen. 16. Auf das Leiden Jesu. ir danken dir, Herr Jesu Christe, wahrer Gott und Menschen ohne alle unsere Werke, Verdienst und WürdigFeit erlöset hast, durch dein heiliges Leiden, Sterben und Blutvergießen. Herr Jesu Christe! wie groß ist dein Leiden! wie schwer ist deine Pein! wie viel ist deiner Marter! wie tief sind deine Wunden! wie bitter und schmerzlich ist dein Tod! wie unaussprechlich ist deine Liebe, damit du uns deinem lieben Vater versöhnet hast, da du am Delberge blutigen Schweiß vor großer Angst geschwißet, daß die Blutstropfen auf die Erde gefallen, und darauf von al len deinen Jüngern verlassen, dich in die Hände der schnsden Juden und gottlofen Schaar willig für uns ergeben haft; welche dich hart gebunden und verstricket, und von ei nem ungerechten Richter zum andern unbarmherzig gefüh ret. Daselbst bist du fälschlich verklaget, verurtheilet, vers speiet, verhöhnet, und mit Fäusten ins Angesicht geschlagen worden. Du bist um unserer Missethat willen verwundet, und um unserer Sünde willen zerschlagen, gegeisselt und mit Dornen gekrönet, und jämmerlich zugerichtet, wie ein armer Wurm, der keinem Menschen ähnlich. Denn du warest der Allerverachtetste und Unwertheste, voller Schmerzen 598 Kirchengebete. und Krankheit, also, daß es auch ein heidnisch Herz erbar: met hat, und gesagt: fiche, welch ein Mensch ist das! Du bist von wegen unsrer Mißhandlung mitten unter zween Uebelthäter gerechnet, und als ein Fluch aufgehänget, an Händen und Füßen mit Någeln durd; graben, dazu in dei nem höchsten Durst mit Essig und Gallen getránket, und mit großen Schmerzen hast du deinen Geist aufgegeben, auf daß du unsre Schuld bezahletest, und wir durch deine Wunden geheilet würden. Für alle diese deine Marter und Pein sagen wir dir Lob und Dank, uno bitten dich, laß dein heilig bitter Leiden an uns nicht verloren seyn; fon dern gieb, daß wir uns dessen von Herzen trösten und rüh: men, auch desselben Gedächtniß also begeben, und es fol chermaßen betrachten, daß alle böse Lüste dadurch in uns ausgelöschet und gedämpfet, dagegen aber alle Tugenden in uns eingepflanzet und gemehret werden, auf daß wir der Sünde abgestorben, der Gerechtigkeit leben, und deinem uns gelassenen Vorbilde nachfolgen, in deine Fußstapfen treten, das Uebel mit Geduld ertragen und das Unrecht mit gutem Gewissen leiden. Das gieb und verleihe uns, o Herr Jesu! um deines heiligen theuren Verdienstes willen. Amen. 17. Um Osterfeste. ewiger, allmächtiger Gott, himmlischer Bater! Es freuen sich alle heilige Engel, es freuen sich alle Creaturen, es freuen sich alle Auserwählte, es freuet sich unser Herz und Seele, daß dein liebster Sohn, der um unserer Sünde wil len gestorben war, heute von den Todten wieder auferstan den, und alle unsre Missethat in seinem Grabe verborgen und versiegelt hat. Dafür danken wir dir nun von Grund der Seelen; und bitten dich um solcher fröhlichen Auferstes hung willen, du wollest uns aus dem Todesschlafe der Sün den auch aufmuntern und erwecken, daß wir alle unsere Lust und Verlangen zu dir hinauf in den Himmel haben mögen. Bilde unserer Seelen wohl ein, was maßen sie auf deines lieben Sohnes und unsers Heilandes freudenreiche Auferstes bung jederzeit soll getrost seyn, und festiglich glauben, daß Sunde, Tod, Teufel und Hölle getilgt sind, auch nun es mit keinem Christen mehr Noth habe, wenn er nur mit wahrem Glauben sich der Gerechtigkeit bedient, die uns dein liebster Sohn erworben hat. Dieses wollest du uns, so lange wir hier zu leben haben, gnáciglich verleihen, bis wir dermaleinst gar zu dir kommen, dich von Ungesicht zu Un Kirchengebete. 599 geficht schauen, auch mit allen heiligen Engeln und Außerwählten ewiglich rúbmen und leben werden. Umen, in Jesu, unsers auferstandenen Heilandes Namen. Amen. 18. Um Himmelfahrtsfeste. err Christe, du allmächtiger Siegesfürst! Lob, Ehre, Preis und Dank fen dir gesagt, daß du, nach erhalte: nem fröhlichen Siege wider Sünde, Tot, Teufel und Hötte, gen Himmel gefahren, und dich zur Rechten deines himmlischen Baters gesetzt hast, da du dich unser in allen Nöthen annimmst, und uns treulich verbittest. Gieb uns deine Gnade, daß wir mit unsern Herzen und Gedanken immer bey dir fenn. Laß uns alles Weltliche verachten, und in fteter Bereitschaft deine herrliche Wiederkunst erwarten. Wir glauben und trösten uns, nun fejliglich, weil du als unser Haupt, gen Himmel gefahren, du werdest uns, als deine Gieder, nicht immer im Elente zurücklassen, sondern der: maleinst auch nachhoten. So bilf denn, wenn die Zeit hera annahet, da du uns abfordern wirst, daß wir mit glänbigem Herzen, betendem Munde und inniglicher Zuversicht auf dein heiliges Verdienst in Frieden fahren mögen. 3war sind wir dieser etenden Wallfahrt auf Erden von Herzen müde, und verlangen mit Schmerzen auf die selige Erlösung und Nachreise, Uber, liebster Herr Jesu! es stehet allein bey dir und in deinem gnådigen Willen, wann wir dir folgen sollen. Daher, so lange wir auf dein Gutbefinden das Elend hier noch bauen müssen, wollest du uns durch deinen Geist Stärke und Kräfte verleihen, alles freudig und getroft zu überwinden, uns in aller Widerwärtigkeit trösten, wider alle Feinde schützen, und endlich mit erwünschtem Triumph in deine ewige Herrlichkeit gelangen lassen. Dir, sammt dem Vater und heiligem Geiste, sey nochmals Lob und Preis gesagt, jest und in alle Ewigkeit. Amen. 19. Am Pfingstfeste. Gott, heiliger Geist! Wir arme elende Creaturen kommen deine Majestát, und weil wir ohne deine Hülfe in unserm Christenthume nichts vermögen, so bitten wir dich herzlich, du wollest in uns wohnen, uns Jeifen, regieren und führen, daß wir das Enoe unsers Glau bens, der Seelen Seligkeit davon bringen mögen. Du bist ein Geist der Lehre; ach unterweise uns in deinem heiligen Borte, damit wir dasselbe wohl fassen, behalten und das 600 Kirchengebete. nach leben mögen; lehre uns unfern Gott erkennen, über alles fürchten, lieben, ehren und vertrauen. Du bist ein Geist der Andacht und des Gebets; ach erwecke in uns eine heilige Begierde oft und viel, auch eine herzliche Undacht kräftig und rechtschaffen zu beten, daß wir damit durch die Wolken dringen, und die Erhörung erhalten mögen. Du bist ein Geist der Reinigkeit und Heiligkeit; ach reinige un ser Herz von allem Bösen, schaffe in uns ein reines feusches Gemüth, daß wir allen Sünden und bösen Lüsten feind seyn, vor denselben uns hüten, und nimmer in einige Sunde willigen. Du bist ein Geist der Beisheit; ach er: leuchte unsern dunkein Verstand; erfülle uns mit deiner Weisheit, daß wir mögen erkennen, was gut oder böse, wahr oder falsch, schädlich oder nüglich sey; stårke uns in unserm Berufe, daß wir denselben nach Gebühr verrichten können. Du bist ein Geist aller Tugenden; ach laß uns deinen Tempel und mit allen christlichen Tugenden schön geschmücket seyn. Insonderheit bist du ein Geist der Freude. und des Trostes; ach vertreibe bei uns alle unnöthigen Corgen und Kleinmüthigkeit. Mache uns freudig und ge trost in aller Trúbsal, die in diesen letzten Zeiten der Welt häufig ist, damit wir unserm Heilande durch Noth und Tod mit freudigem Muthe folgen. Treibe von uns des Satans Schrecken und alle traurige Anfechtungen; abson derlich an unserm lesten Ende, wenn uns aller menschlicher Trost verläßt, da stehe du uns mit deinem göttlichen Troste bey. Sprich uns ein freudig Herz ein, und versichere uns der Vergebung unsrer Sünden, der Gnade und Kindschaft Gottes, daß wir stille und ruhig, uns Gott gelassen, unfre arme Seele in die Hände unsers Erissers andächtig befeb: len, und also auf sein heiliges Verdienst selig einſchlafen, auch hernach in der ewigen Freude dich für alle solche Wohl thaten ohne Ende rühmen mögen. Amen, um deiner Liebe und Barmherzigkeit willen. Amen. 20. Am Feste der heiligen Dreyeinigkeit. S du heilige Dreyfaltigkeit, Gott Vater, Sohn und hei liger Geist! Wir danken dir, daß du dich in deinem Worte uns haft zu erkennen gegeben. Uch, du großer Gott! erhalte uns und unsern Nachkommen solches dein seligma chendes Erkenntniß; laß uns auch bey demselben fest bebar ren, und uns nichts davon abwendig machen. Du heilige buchgelobte Dreyfaltigkeit! wir rühmen, ehren und preifer Kirchengebete. 601 dich: heilig, heilig, heilig ist unser Gott, der Herr Bebaoth! alle Lande, Himmel und Erde sind seiner Herrlichkeit und Ehren voll. Gott Vater, sey uns gnädig, und erfreue uns mit deiner Liebe! O Gott Sohn, sey uns gnädig, und erhalte uns durch dein Verdienst! D Gott heilger Geist! fen uns gnådig, erquicke und tröste uns mit deiner heiligen Beiwohnung! O du heilige Dreyfaltigkeit! sey uns gnädig, hilf uns recht glauben, christlich leben, geduldig leiden, und endlich, wenn die rechte Zeit kommt, selig sterben, damit wir mit allen Engein und Auserwählten dich von Angesicht zu Ungeficht schauen, und daselbst ewig lieben, loben und preis sen mogen. Amen, Herr Jesu, in deinem Namen. Amen. 21. Um Feste Johannis des Täufers. Sumächtiger Gott, ewiger Vater! wir rühmen und preifen dich, daß du durch Sanct Jobannem, den ersten Prediger des neuen Testaments, die fröhliche Bothschaft des heiligen Evangelii hast verkündigen, auch solche nachmals uns fund thun lassen. Wir bitten dich imgleichen demü: thiglich, du wollest bieses dein seligmachendes Wort in unfern Kirchen und Herzen durch deinen heiligen Geist erhal= ten, dasselbe uns fest glauben, und wider alle Anfechtung von Sünde, Tod, Teufel und Hölle zum kråstigen Trost gereihen lassen. Hilf auch, daß solche gnadenreiche Bothschaft uns zu keiner Sicherheit diene, sondern wir vor dir mit willigem Gehorsam, in Heiligkeit und Gerechtigkeit zu leben bemühet seyn, bis wir dort bei dir zur seligen Bollkommenheit gelangen, durch Jesum Christum unsern Heiland und Helfer! Umen. 22. Um Feste der Heimsuchang Maria. N Umächtiger Gott! der du die heilige Mutter deines lieben Sohns auf ihrer Reise gnädiglich behütet hast, wir bitten dich, leite, führe und beschüße uns auf unsern Wegen und Stegen. Regiere uns, daß wir in Demuth und Freundlichkeit die Werke der christlichen Liebe und Barmherzigkeit einander fleißig erweisen. Hilf, daß unsere Seele und Leib sich in dir stets erfreuen, unnöthige Traurigkeit aber meiden. Siehe gnädig an das viele Elend, dem wir in dieser Welt unterworfen sind, und errette uns daraus durch deinen gewaltigen Arm. Stürze deine Feinde, die dein geringes Hauflein zu vertilgen suchen. Erfülle uns mit deinen himmMischen Gütern, nach welchen wir Hunger und Durst leiden. 602 Kirchengebete. Erhalte uns in deiner Furcht, tamit deine Barmherzigkeit für und für bey uns bleiben möge. Dafür foll unsre Seele und Geist deinen Namen mit ewigem Ruhm erheben und preisen. Amen, um Jesu deines liebsten Sohnes willen. Amen. 23. Um Michaelis feste. eiliger großer Gott! Wir danken dir, daß du, nach deis ner göttlichen Weisheit und våterlichen Liebe gegen uns, die lieben Engel uns zu Dienern und Wächtern bestellet hast, die uns als eine feurige Mauer umgeben, und vor Schaden und Gefahr behüten müssen. Lieber Bater! laß diefe deine starken Helden und himmlischen Heerschaaren sich hinferner um deine liebe Kirche und unser ganzes Land las gern, daß sie des Teufels, wie auch aller seiner Glieder und Diener, Bosheit, List, Macht und Gewalt abtreiben und verjagen. Sende deine lieben Engel in unsre Häuser und. Wohnungen, laß fie uns auf allen unsern Wegen und Ste: gen mit ihrem Echuhe begleiten, daß uns kein Unglück und Uebel berühre. Gieb uns auch diese deine väterliche Liebe nach Gnüge zu erkennen, damit wir dich allezeit dafür lo: ben, uns eines englischen, heiligen und reinen Lebens be fleißigen, auf daß wir die lieben Engel durch Sünde und Laster von uns nicht verjagen, noch denen bösen Geistern über uns Macht einräumen. Endlich, wenn unfre Seele nach dem Himmel reisen soll, bestelle derselben das Geleite der heiligen Engel; so wollen wir in ihrer und aller Auserwählten Gesellschaft dich, sammt deinem Sohn und heis ligem Geiste, in Ewigkeit loben und preisen. Amen. Episteln und Evangelia auf die Sonn- und Festtage; nebst der 200 Leidensgeschichte Jesu, und kurzen Morgen- und Abendgebeten auf jeden Tag in der Woche. Braunschweig, bei Johann Heinrich Meyer, 1828. Episteln und Evangelia. Am 1. Sonntage des Advents. Epistel, Rom. 13. v. 11-14. Lieben brüder, weil wir solches wisſen, nämlich die zeit, daß die stunde da ist, aufzustehen vom schlaf,( sintemal unser heil jegt nåher ist, denn da wirs glaubten) die nacht ist vergangen, der tag aber herbei kommen; so lasset uns ablegen die werke der finsterniß, und anlegen die waffen des lichts. Lasset uns ehrbarlich wandeln als am tage, nicht in fressen und saufen, nicht in kammern und unzucht, nicht in hader und neid, sondern ziehet an den Herrn Jesum Chrift, und wartet des leibes; doch also, daß er nicht geil werde. Evangelium, Matth. 21. v. 1-9. a fie nun nahe bei Jerufalem kamen, gen Bethphage an den öl zu ihnen: Gehet hin in den flecken, der vor euch lieget, und bald werdet ihr eine eselin finden angebunden, und ein füllen bei ihr; löset sie auf und führet sie zu mir. Und so euch jemand wird etwas sagen, so sprechet: Der Herr bedarf ihr! sobald wird er fie euch lassen. Das geschah aber alles, auf daß erfüllet würde, das gesagt ist durch den propheten, der da spricht: Sage der tochter zion, siehe, dein könig kommt zu dir sanftmüthig, und reitet auf einem esel, und auf einem füllen der lastbaren eselin. Die jünger gingen hin und thaten, wie ih nen Jesus befohlen hatte, und brachten die eselin und das füllen, und legten ihre kleider darauf und segten ihn darauf. Aber viel volks breitete die kleider auf den weg; die andern hieben zweige von den bäumen und streueten sie auf den weg. Das volk aber, das vorging und nachfolgte, schrie und sprach: Hosianna dem sohn David, ge lobet sey, der da kommt im namen des Herrn! Hosianna in der höhe. Am 2. Sonntage des Advente. Epistel, Röm. 15. v. 4:13. Lieben brüder, was aber vorhin geschrieben ist, das iſt uns zur lehre geschrieben, und der nung haben. Gott aber der geduld und des trostes gebe euch, daß ihr einerley gesinnet send unter einander, nach Jesu Christ; auf daß ihr einmüthiglich mit einem munde lobet Gott und den Vater unsers Herrn Jesu Christi. Darum nehmet euch unter einander auf, gleich wie euch Christus hat aufgenommen, zu Gottes lob. Ich sage aber, daß Jesus Christus sey ein diener gewesen der beschneidung, um der wahrheit willen Gottes, zu bestätigen die verheißung, den vátern geschehen. Daß die heiden aber Gott loben um der barmherzigkeit willen, wie geschrieben stehet: Darum will ich dich loben unter den heiden, und deinen aamen singen. Und abermals spricht er: Freuet euch, ihr heiden, mit seinem volk. Und abermal: Lobet den Herrn, alle heiden und preiset ihn, alle völker. Und abermal spricht Esaias: Es wird seyn die wurzel Jesse, und der auferstehen wird zu herrs schen über die heiden, auf den werden die heiden hoffen. Gott aber der hoffnung erfülle euch mit aller freude und frieden im glauben, daß ihr völlige hoffnung habet, durch die kraft des heiligen geistes. Evangelium, Luc. 21. v. 25:36. Un nd es werden zeichen geschehen an der sonne und mond, und ster nen, und auf erden wird den leuten bange seyn, und werden zagen, und das meer und die wasserwogen werden brausen, und die menschen werden verschmachten, vor furcht und vor warten der dinge Episteln und Evangelia. 3 die da kommen sollen auf erden: denn auch der himmel kräfte sich bes wegen werden. Und alsdann werden sie sehen des menschen sohn kommen in den wolken mit großer kraft und herrlichkeit. Wenn aber dieses anfähet zu geschehen, so sehet auf, und hebet eure häupter auf, darum, daß sich eure erlösung: nahet. Und er sagte ihnen ein gleichniß: Sehet an den feigenbaum und alle bäume, wenn sie jetzt ausschlagen, so sehet ihr an ihnen, und merket, daß jeßt der som mer nahe ist. Also auch ihr, wenn ihr dies alles seht angehen, so wisset, daß das reich Gottes nahe ist. Wahrlich ich sage euch: dies geschlecht wird nicht vergehen, bis daß es alles geschehe. Himmel und erde werden vergehen, aber meine worte vergehen nicht. Über hütet euch, daß eure herzen nicht beschweret werden mit fressen und saufen, und mit sorgen der nahrung, und komme dieser tag schnell über euch. Denn wie ein fallstrick wird er kommen über alle, die auf erden wohnen. So seyd nun wacker allezeit, und betet, daß ihr würdig werden möget zu entfliehen diesem allen, das geschehen soll, und zu stehen vor des menschen sohn. Am 3. Sonntage des Advents. Epistel, 1 Cor. 4. v. 1-5. 10 uns für diener und halter über Gottes geheimnisse. Nun suchet man nicht mehr an den haushaltern, denn daß fie treu erfunden werden. Mir aber ists ein geringes, daß ich von euch gerichtet werde, oder von einem menschlichen tage; auch richte ich mich selbst nicht. Ich bin mir wol nichts bewußt, aber darinnen bin ich nicht gerechtfertigt: Der herr ists aber, der mich richtet. Darum richtet nicht vor der zeit, bis der Herr komme, welcher auch wird ans licht bringen, was im finstern verborgen ist, und den rath der herzen offenbaren; alsdann wird einem jeglichen von Gott lob wiederfahren. Evangelium, Marth. 11. v. 2-10. a aber Johannes im gefängniß die werke Christi hörete, sandte er seiner jünger zween, und hieß ihm sagen: Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Gehet hin und saget Johanni wieder, was ihr sehet und höret: die blinden sehen, die lahmen gehen, die aussäßigen werden rein, und die tauben hören, die todten stehen auf, und den armen wird das evangelium gepredigt; und selig ist, der sich nicht an mir árgert. Da sie hingingen, fing Jesus an zu reden zu dem volke von Johanne: Was send ihr hinausgegangen in die wüsten zu sehen? Wollt ihr ein rohr sehen, das der wind hin und herwehet? Oder. was send ihr hinausgegangen zu sehen? Wollet ihr einen menschen in weichen kleidern sehen? Siehe, die da weiche kleider tragen, sind in der könige häuser. Oder was seyd ihr hinausgegangen zu sehen? Wollet ihr einen propheten sehen? Ja ich sage euch, der auch mehr ist denn ein prophet. Denn dieser ists, von dem geschrieben stehet: Siche, ich sende meinen, engel vor dir her, der deinen weg vor dir bereiten soll. Um 4. Sonntage des Advents. Epistel, Pbil. 4. v. 4: 7. ieben brüder, freuet euch in dem herrn alle weğe; und abermais fage ich: freuet euch. Eure lindigkeit laffet kund seyn allen menschen. Der herr ist nahe. Sorget nicht, sondern vor allen dingen lasset eure bitten im gebet und flehen mit danksagung vor Gott kund werden. Und der friede Gottes, welcher höher ist, denn alle verunft, bewahre eure herzen und sinne in Christo Jefu. 22 Episteln und Evangelia. Evangelium, Joh. 1. v. 19:28. Und nd dies ist das zeugniß Johannes, da die juden sandten von Je rusalem priester und leviten, daß sie ihn fragten: Wer bist du? Und er bekannte und leugnete nicht. Und er bekannte: Ich bin nicht Christus. Und sie fragten ihn: Was denn? Bist du Elias? Ér ſprach: Ich bins nicht. Bist du ein prophet? Und er antwortete: Nein. Da sprachen sie zu ihm: Was bist du denn? daß wir antwort geben denen die uns gesandt haben. Was sagst du von dir selbst? Er sprach: Ich bin eine stimme eines predigers in der wüsten, rich tet den weg des Herrn, wie der prophet Esaias gesagt hat. Und. die gefandt waren, die waren von den pharisäern, und fragten ihn, und sprachen zu ihm: warum taufest du denn? so du nicht Christus bist, noch Elias, noch ein prophet? Johannes antwortete ihnen und sprach: Ich taufe mit wasser; aber er ist mitten unter euch getreten, den ihr nicht kennet. Der ists, der nach mir kommen wird, welcher vor mir gewesen ist, deß ich nicht werth bin, daß ich seine schuhriemen auflöse. Dies geschah in Bethabra, jenseits des Jordans, da Johannes taufte. 4 Am 1. Weihnachtstage. Epistel, Tit. 2. v. 11-14. die allen züchtigt uns, daß wir sollen verleugnen das ungöttliche wesen, und die weltlichen lüste, und züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser welt, und warten auf die selige hoffnung und erscheinung der herrlichkeit des großen Gottes, und unsers Heilandes Jesu Chrifti, der sich selbst für uns gegeben hat, auf daß er uns erlösete von aller ungerechtigkeit, und reinigte ihm selbst ein volk zum eigenthum, das fleißig wäre zu guten werken. Evangelium, Quc. 2. v. 1-14. die 8 begab sich aber zu der zeit, daß ein gebot vom kaiser Augusto ausging, daß alle welt geschäßet würde. Und diese scházung war die allererste, und geschah zu der zeit, da Cyrenius landpfleger in Syrien war. Und jedermann ging, daß er sich schågen ließe, ein jeg licher in seine stadt. Da machte sich auch auf Joseph aus Galilaa, aus der stadt Stazareth, in das judische land zur stadt David, da heißt Bethlehem, darum daß er vom hause und geschlechte David war, auf daß er sich schäßen ließe mit Maria, seinem vertrauten weibe, die war schwanger. Und als sie daselbst waren, kam die zeit, daß sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten sohn, und wit kelte ihn in windeln, und legte ihn in eine krippe, denn sie hatten sonst keinen raum in der herberge. Und es waren hirten in dersel bigen gegend auf dem felde bei den hürden, die hüteten des nachts ihre heerde. Und siehe, des Herren engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht, siehe, ich vers kundige euch große freude, die allem volke widerfahren wird. Denn euch ist heute der heiland geboren, welcher ist Christus der Herr, in der stadt David. Und das habt zum zeichen: Ihr werdet finder das kindlein in windeln gewickelt, und in einer krippe liegen. Und alsbald war da bei den engeln die menge der himmlischen heerschaaren, die lobten Gott, und sprachen: Ehre sey Gott in der höhe, und friede auf erden, und den menschen ein wohlgefallen. 5 Episteln und Evangelia. Am Tage Stephani oder 2. Weihnachtstage. Epistel, Apostelgeschichte 6 und 7. 7 tephanus aber, voll glaubens und kräfte, that wunder und große zeichen unter dem volke. Da stunden etliche auf von der schule, die da heißt der Libertiner, und der Cyrener, und der Alexanderer und derer die aus Cylicia und Asia waren, und befragten sich mit Stephano. Und sie vermochten nicht zu widerstehen der weisheit und dem geiste, der da redete. Da richteten sie zu etliche manner, die sprachen: Wir haben ihn gehört låsterworte reden wider Moses und wider Gott; und bewegten das volk und die ältesten, und die schriftgelehrten; und traten hinzu, und rissen ihn, und führten ihn vor den rath. und stellten falsche zeugen dar, die sprachen: Dieser mensch hört nicht auf, lasterworte zu reden wider die heilige ståtte und das gefeß. Denn wir haben ihn hören sagen: Jesus von Nazareth wird diese ståtte zerstören, und ändern die sitten, die uns Moses gegeben hat. Und sie sahen auf ihn alle, die im rathe saßen, und sahen sein angesicht wie eines engels angesicht. Da sprach der hohepriester: Ist dem also? Er aber sprach: Lieben brüder und våter, höret zu ze. Ihr halsstarrige und unbeschnittene an herzen und ohren, ihr widerstrebet allezeit dem heiligen geist, wie eure váter, also auch ihr 2c. Da sie solches hörten, gings ihnen durchs herz, und bisfen ihre zähne zusammen über ihn. Als er aber voll heiligen geiftes war, sabe er auf gen himmel, und sahe die herrlichkeit Got tes, und Jesum stehen zur rechten Gottes, und sprach: Siehe, ich sehe den himmel offen, und des menschen sohn zur rechten Gottes stehen. Sie aber schrien laut, und hielten ihre ohren zu, und stürm= ten einmüthiglich zu ihm ein, stießen ihn zur stadt hinaus und steinigten ihn. Und die zeugen legten ab ihre kleider zu den füßen eines junglings, der hieß Saulus, und steinigten Stephanum, der anrief und sprach: Herr Jesu, nimm meinen geist auf. Er kniete aber nieder, und schrie laut: Herr! behalte ihnen diese sünde nicht. Und als er das gesagt, entschlief er. Evangelium, Matth. 23. v. 34:39. Deften er herr sprach zu den pharisäern und schriftgelehrten und oberweisen und schriftgelehrten, und derselbigen werdet ihr etliche tödten und freuzigen, und etliche werdet ihr geißeln in euren schulen, und werdet sie verfolgen von einer stadt zur andern. Auf daß über euch komme alle das gerechte blut, das vergossen ist auf erden, von dem blut an desi gerechten Abels, bis auf das blut Zacharia, Barachia sohn, welchen ihr getödtet habt zwischen dem tempel und altar. Warlich, ich sage euch, daß solches alles wird über dies geschlecht kommen. Jerusalem, Jerusalem, die du tödtest die propheten, und steinigest die zu dir gesandt sind, wie oft habe ich deine kinder versammeln wollen, wie eine henne versammelt ihre küchlein unter ihre flügel, und ihr habt mich nicht gewollt? Siche, euer haus soll euch wüste gelassen werden. Denn ich fage euch: Ihr werdet mich von nun an nicht sehen, pihr sprechet: Gelobt sey, der da kommt im namen des herrn. Am Sonntage nach Weihnachten. Epistel, Fal. 4. v. 1-7. ieben brüder! ich sage euch: so lange der erbe ein kind ist, so ist unter ihm und einem knecht kein unterschied, ob er wohl ein herr ist der güter; sondern er ist unter den vormåndern und pflegern bis auf 6 Episteln und Evangelia. die bestimmte zeit vom vater. Also auch wir, da wir finder waren, waren wir gefangen unter den äußerlichen sagungen. Da aber die zeit crfüllet war, sandte gott seinen sohn, geboren von einem weibe, und unter das geses gethan, auf daß er die, so unter dem geset waren, erlöfete, daß wir die kindschaft empfingen. Weil ihr denn kinder seyd, hat Gott gefandt den geist seines sohnes in eure herzen, der schreiet: Abba, lieber vater. Also ist nun hier kein knecht mehr, sondern eitet" kinder. Sinds aber kinder, so sinds auch erben Gottes durch Christum. Evangelium, Luc. 2. v. 33- 40. und nd sein vater und mutter verwunderten sich deß, das von ihm geredet ward. Und Simeon segnete sie, und sprach zu Maria, seiner mutter: Siehe, dieser wird gesegt zu einem fall und auferstehung vieler in Israel, und zu einem zeichen, dem widersprochen wird. Und es wird ein schwert durch seine seete dringen, auf daß vieler herzen gedanken offenbar werden. Und es war eine prophetin, Hanna, eine tochter Phanuel, vom geschlecht User, die war wohl betagt, und hatte gelebt sieben. jahr mit ihrem manne nach ihrer jungfrauschaft, und war nun eine wittwe bei vier und achtzig jahren, die kam nim. mer vom tempel, dienete gott mit fasten und beten tag und nacht. Dieselbe trat auch hinzu zu derselbigen stunde, und preisete den herrn, und redete von ihm zu allen, die auf die ertösung zu Jerufalem warteten. Und da sie alles vollendet hatten, nach dem gefes.. des Herrn, kehrten sie wieder in Galildam, zu ihrer stadt Nazareth. Aber das kind wuchs, und ward stark im geist, voller weis. heit, und Gottes gnade war bei ihm. Um Neujahrstage. Epistel, Gal. 3. v. 23-29. denn aber der glaube kam, wurden wir unter dem geseg ver 1 ret werden. Also ist das geset unser zuchtmeister gewesen auf Chriftum, daß wir durch den glauben gerecht würden. Nun aber der glaube kommen ist, sind wir nicht mehr unter dem zuchtmeister. Denn ihr send alle Gottes kinder durch den glauben an Christo Jesu; denn wie viel euer getauft sind, die haben Christum angezogen. Sie ist kein jude noch grieche, hie ist kein knecht noch freyer, hie ist kein mann noch weib; denn ihr seyd allzumal einer in Christo Jesu. Seyd ihr aber Chrifti, so send ihr ja Abrahams saamen, und nach der verheißung, erben. Evangelium, Luc. 2. v. 21. und nd da acht tage um waren, daß das kindlein beschnitten würde, ward sein name genennet Jesus, welcher genennet war von dem engel, ehe denn er im mutterleibe empfangen ward. 2m Sonnr. nach dem Neujahrstage. Epistel, Tit. 3. v. 4: 8. Liebe ieben brüder, da aber erschien die freudigkeit und leutseligkeit Gottes unsers Heilandes, nicht um der werke willen der gerech tigkeit, die wir gethan hatten, sondern nach seiner barmherzigkeit, machte er uns selig durch das bad der wiedergeburt und erneuerung des heiligen geistes, welchen er ausgegossen hat über uns reichlich, durch Jesum Christum unsern heiland, auf daß wir durch desselben gnade gerecht und erben seyn des ewigen lebens, nach der hoffnung. Das ist je gewißlich wahr. Evangelium, Matth. 2. v. 13- 23. a fie aber hinweg gezogen waren, siehe, da erschien der engel des Herrn dem Joseph im traum, und sprach: Stete auf, und nimm das kindlein und seine mutter zu dir, und fleuch in Egyptenland, u Episteln und Evangelia. 7 bleib allda, bis ich dir sage: denn es ist vorhanden, daß Herodes das kindlein suche, dasselbe umzubringen. Und er stund auf, und nahm das kindlein und seine mutter zu sich, bei der nacht, und ents wich in Egyptenland, und blieb allda, bis nach dem tode Herodes. Auf daß erfüllet würde, was der herr durch den propheten geſagt hat, der da spricht: Aus Egypten habe ich meinen sohn gerufen. Da Herodes nun sahe, daß er von den weisen betrogen war, ward er sehr zornig, und schickte aus, und ließ alle kinder zu Bethlehem tödten, und an ihren ganzen grenzen, die da zweijährig und darunter wa ren, nach der zeit, die er mit fleiß von den weisen erlernt hatte. Da ist erfüllet, das gesagt ist von dem propheten Jeremia, der da ſpricht: Auf dem gebirge hat man ein geschrei gehöret, viel klagens, weinens und heulens: Rahel beweinte ihre kinder und wollte sich nicht trösten lassen, denn es war aus mit ihnen. Da aber Herodes gestorben war, siehe, da erschien der engel des Herrn dem Joseph im traum, in Egyptenland, und sprach: Stehe auf und nimm das find: lein und seine mutter zu dir, und zeuch hin in das land Israel; sie sind gestorben, die dem kinde nach dem leben stunden. Und er stund und kam in auf, und nahm das kindlein und seine mutter zu sich, das land Israel. Da er aber hörte, daß Archelaus im jüdischen lande fönig war, anstatt seines vaters Herodis, fürchtete er sich das a hin zu kommen, und im traum empfing er befehl von Gott und zog in die orter des galiläischen Landes, und kam und wohnte in der stadt, die da heißt Nazareth. Auf daß erfüllet würde, das da geschrieben ist durch den Propheten: Er soll Nazarenus heißen. / Das andere Evangelium auf diesen Sonntag. Matth. 3. v. 13-17. u der zeit kam Jesus aus Galilda an den Jordan zu Johanne, 3 daß er sich von ihm taufen ließe. Uber Johannes wehrte ihm und sprach: Ich bedarf wohl, daß ich von dir getauft werde, und du kommest zu mir? Jesus aber antwortete, und sprach zu ihm: Laß es jest also seyn: also gebühret uns, alle gerechtigkeit zu erfüllen. Da ließ ers ihm zu. Und da Jesus getauft war, stieg er bald hers aus aus dem wasser, und siehe, da that sich der himmel auf über ihm. Und Johannes sahe dem geist Gottes, gleich als eine taube, herab fahren und über ihn kommen. und siehe, eine stimme vom himmel herab, sprach: Dies ist mein lieber sohn, an welchem ich wohlgefallen habe. Am Feste der heil. 3 Könige. Epistel, said 60. v. 1: 6. Mache dich, auf werde licht: denn dein licht kommt und die herrlichkeit gehet auf über dir. siehe, bedecket das erdreich, und dunkel die völker. Aber über dir gehet auf der Herr und seine herrlichkeit erscheinet über dir. Und die heiden werden in deinem lichte wandeln, und die könige im glanz, der über dir hergehet. Hebe deine augen auf, und siehe umher, diese alle versammelt kommen zu dir. Deine söhne werden von ferne kommen, und deine töchter zur seiten erzogen werden. Dann wirst du deine lust sehen, und ausbrechen, und dein herz wird sich wundern und ausbreiten, wenn sich die menge am meere zu dir bekehret, und die macht der heiden zu dir kömmt. Denn die menge der kamecle wird dich bedecken, und die läufer aus median und Epha. Sie wers den aus Saba alle kommen, gold und weihrauch bringen. Und des perrn lob verkündigen. Episteln und Evangelia. Evangelium, Matth. 2. v. 1-12. a Sesus geboren war zu Bethlehem im jüdischen lande, zur zeit des königs Herodes, siehe, da kamen die weisen vom morgenlande gen Jerusalem und sprachen: Wo ist der neugeborne könig der juden? Wir haben seinen stern gesehn im morgenlande, und sind kommen, ihn anzubeten. Da das der könig Herodes hörte, erschrak er, und mit ihm das ganze Jerusalem, und ließ versammeln alle hohenpriester und schriftgelehrten unter dem volke, und erforschte von ihnen, wo Christus sollte geboren werden. Und sie sagten zu ihm: zu Bethlehem im jüdischen lande. Denn also stehet geschrieben durch den propheten: Und du Bethlehem im jüdischen lande, du bist mit nichten die kleinste unter den fürsten Juda: denn aus dir soll mir kommen der herzog, der über mein volk Israel ein herr sey. Da berief Herodes die weisen heimlich, und erlernte mit fleiß von ihnen, wann der stern erschienen wäre, und weisete sie gen Bethlehem, und sprach: Biehet hin, und forschet fleißig rach dem kindelein, und wenn ihrs findet, so sagt mirs wieder, daß ich auch komme, und es anbete. Als sie nun den könig gehöret hatten, zogen sie hin. Und siehe, der stern, den sie im morgenlande gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis daß er kam und stund oben über, da das kindlein war. Da sie den stern sahen, wurden sie hoch erfreuet und gingen in das haus, und funden das kindlein mit Maria, seiner mutter, und fielen nieder und beteten es an, und thåten ihre schäße auf, und schenkten ihm gold, weihrauch und myrrhen. Und gott befahl ihnen im traum, daß sie sich nicht sollten wieder zu Herodes tenken. Und zogen durch einen andern weg wieder in ihr land. 8 Am 1. Sonntage nach. 3 Könige. Epistel, Röv. 12. v. 1-6. ch ermahne euch, lieben brüder, durch die barmherzigkeit Gottes, und gott wohlgefällig sey, welches sey euer vernünftiger Gottes: dienst. Und stellet euch nicht dieser welt gleich, sondern verändert euch durch verneuerung eures sinnes, auf daß ihr prüfen möget, wel ches da sey der gute, der wohlgefällige und der vollkommene Gotteswille. Denn ich sage durch die gnade, die mir gegeben ist, jeder: mann unter euch, daß niemand weiter von ihm halte, denn sichs gebühret zu halten, sondern daß er von ihm mäßiglich halte, ein jeglicher, nach dem Gott ausgetheilet hat das maaß des glaubens. Denn gleicher weise, als wir in einem leibe viel glieder haben, aber alle glieder nicht einerlen geschäfte haben: Also sind wir viele ein leib in Chrifto, aber unter einander ist einer des andern glied. Und haben mancherlei gaben, nach der gnade, die uns gegeben ist. Evangelium, Luc. 2. v. 41-52. und nd seine eltern gingen alle jahr gen Jerusalem auf das ofterfest. Und da er zwölf jahr alt war, gingen sie hinauf gen Jerusalem, nach gewohnheit des festes. Und da die tage vollendet waren, und sie wieder zu Hause gingen, blieb das kind Jesus zu Jerusalem, und ſeine eltern wußtens nicht: sie meinten aber, er wäre unter den ge fährten, und kamen eine tagereise und suchten ihn unter den gefreundUnd da sie ihn nicht funden, gingen sie wiederum gen Jerusalem und suchten ihn. Und es begab sich nach dreien ta gen, fanden sie ihn im tempel sigen, mitten unter lehrern, daß er ihnen zuhörte, und sie fragte. Und alle, die ihm zuhöreten ten und bekannten. Episteln und Evangelia. verwunderten sich seines verstandes und seiner antwort. und dd fie ihn sahen, entsegten sie sich; und seine mutter sprach zu ihm: Mein sohn, warum hast du uns das. gethan? Siehe, dein vater und ich haben dich mit schmerzen gesucht. Und er sprach zu ihnen: Was ists, daß ihr mich gesucht habt? Wisset ihr nicht, daß ich seyn muß in dem, das meines vaters iſtand er ging mit ihnen hinab, und kam Und sie verstanden das wort nicht, daß er mit ihnen redete. mutter behielt gen Nazareth, und war ihnen unterthan. Und seine alle diese worte in ihrem herzen. Und Jesus nahm zu an weisheit, alter und gnade bei gott und den menschen. Am 2. Sonntage nach. 3 Könige. Epistel, Rom. 12. v. 7-16. ieben brüder, wir haben mancherlei gaben, nach der gnade, die uns gegeben ist. Hat jemand weissagung, so sey sie dem glauben ähnlich. Hat jemand ein amt, so warte er des amtes. Lehret jemand, so warte er der lehre. Ermahnet jemand, so warte er des ermahnens. Giebt jemand, so gebe er einfältiglich. Regieret jemand, so sey er sorgfältig. Uebet jemand barmherzigkeit, so thue ers mit lust. Die liebe sey nicht falsch. Hasset das arge, hanget dem guten an. Die brüderliche liebe unter einander sey herzlich. Einer komme dem andern mit ehrerbietung zuvor. Seyd nicht tråge, was ihr thun sollt. Seyd brünstig im geist. Schicket euch in die zeit. Seyd fröhlich in hoffnung: geduldig in trübsal; haltet an am gebet. Nehmet euch der heiligen nothdurft an. Herberget gerne. Segnet die euch verfolgen. Segnet und fluchet nicht. Freuet euch mit den fröhlichen, und weinet mit den weinenden! habt einerlei sinn unter einander. Trachtet nicht nach hohen dingen, sondern haltet euch herunter zu den niedrigen. Evangelium, Job. 2. v. 1-11. 11 no nd am dritten tage war eine hochzeit zu Cana in Galilåa, und die mutter Jesu war da. Jesus aber und seine jünger wurden auch auf die hochzeit geladen. Und da es am wein gebrach, spricht die mutter Jesu zu ihm: Sie haben nicht wein. Jesus spricht zu ihr: Weib, was habe ich mit dir zu schaffen? Meine stunde ist noch nicht kommen. Seine mutter spricht zu den dienern: Was er euch faget, das thut. Es waren aber allda sechs steinerne wasserkrüge geſetzt, nach der weise der jüdischen reinigung, und gingen je in einen zwo oder drei maaß. Jesus spricht zu ihnen: Füllet die wasserkrüge mit wasser; und sie füllten sie bis oben an. und er spricht zu ihnen: Schöpfet nun, und bringets dem speiſemeister. Und sie brachtens. Als aber der speisemeister kostete den wein, der wasser gewesen war, und wußte nicht, von wannen er kam, die diener aber wußtens, die das wasser geschöpft hatten; rufet der speisemeister den bräutigam, und spricht zu ihm: Jedermann giebt zum ersten den guten wein, und wann sie trunken worden sind, alsdann den geringern; du haft den guten wein bisher behalten. Das ist das erste zeichen, das Jesus that, geschehen zu Cana in Galiláa, und offenbarte seine herrlichkeit. Und seine jünger glaubten an ihn. Am 3. Sonntage nach. 3 Roniae. piel, Rom. 12. v. 17:21. Lieb ieben brüder, haltet euch nicht selbst für klug. Vergeltet niemand boses mit bösem. Fleißiget euch der ehrbarkeit gegen jedermann. Ist es möglich, so viel an euch ist, so habt mit allen menschen friede. Rachet euch selber nicht, meine liebsten, scadern gebet raum dem zorn. 10 Episteln und Evangelia. Denn es stehet geschrieben: die rache ist mein, ich will vergelten, spricht der herr. So nun deinen feind hungert, so speise ihn; dürstet ihn, so tránke ihn. Wenn dir das thust, so wirst du feurige Laß dich nicht das böse überwinden, kohlen auf sein haupt sammeln. sondern überwinde das böse mit gutem. Evangelium, Matth. 8. v. 1-13, a aber Jesus vom berge herab ging, folgte ihm viel volks nach. Und siehe, ein ausságiger kam, und betete ihn an, und sprach: Und Jesus streckte Herr, so du willt, kannst du mich wohl reinigen, seine hand aus, rührte ihn an und sprach: Ich wills thun, sey ge= Und Jesus reiniget, Und alsbald war er von seinem aussag rein. sprach zu ihm: siehe zu, sage es niemand, sondern gehe hin, und zeige dich dem priester und opfere die gabe, die Moses befohlen hat zu einem zeugniß über sie. Da aber Jesus einging zu Capernaum, trat ein hauptmann zu ihm, der bat ihn und sprach: Herr, mein knecht liegt zu hause, und ist gichtbrüchig und hat große quaal. Jesus sprach zu ihm: Ich will kommen und ihn gesund machen. Der hauptmann antwortete und sprach: Herr ich bin nicht werth, daß du unter mein dach gehest ,, sondern sprich nur ein wort, so wird mein knecht gesund. Denn ich bin ein mensch, darzu der obrigkeit unter: than, und habe unter mir kriegsknechte: nem: er; und zu meinem Enechte: Thue das, so thut ers. Da das Jesus hörte, verwunderte er sich, und sprach zu denen, die ihm nachfolge: ten: Währlich ich sage euch; solchen glauben habe ich in Israel nicht funden. Aber ich sage euch: Viele werden kommen vom morgen und vom abend, und mit Abraham, Isaac und Jacob im himmelreich sigen. Aber die kinder des reichs werden ausgestoßen in die finster: niß hinaus, und da wird seyn heulen und zähnklappen. Und Jesus ſprach zu dem hauptmanne: Gehe hin, dir geschehe, wie du ge glaubet haft. Und sein knecht ward gefund zu derselbigen stunde. noch wenn ich sage zu ei Gehe hin, so gehet er; und zum andern: komm her, so kommt 2m 4. Sonntage nach, 3 Rönige. Epistel, Rom. 13. v. 8-10. Lieben brüder, seys niemand nichts schuldig, denn daß ihr euch unter einander liebet; denn wer den andern liebet, der hat das ge seg erfüllet. Denn das da gesagt ist: du sollt nicht ehebrechen, du follt nicht tödten, du sollt nicht stehlen, du sollt nicht falsch zeugniß geben, dich soll nichts getüsten, und so ein ander gebot mehr ist, das wird in diesem gebote verfasset: Du sollt deinen nächsten lieben, als dich ſelbst. Die liebe thut dem nächsten nichts böses. So ist nun die liebe des gefeses erfüllung. Evangelium, Matth, 8. v. 23:27. 11 nd Jesus trat in das schiff, und seine jünger folgten ihm. Und Und die siehe, da erhob sich ein großes ungestüm im meer, also daß auch das schifflein mit wellen bedeckt ward, und er schlief. junger traten zu ihm, und weckten ihn auf und sprachen: Herr bilf uns, wir verderben! Da sagte er zu ihnen: Ihr kleingläubigen, warum fend ihr so furchtsam, und stund auf, Die menschen aber wind und das meer, da ward es ganz stille. verwunderten sich und sprachen: Was ist das für ein mann, daß ihm wind und meer gehorsam ist! und bedräute den 11 Episteln und Evangelia. Um fefte der Reinigung Marià. Epistel, Mal. 3. v. 1: 4. iehe ich will meinen engel senden, der vor dir her den weg bes reiten soll; und bald wird kommen zu seinem tempel der Herr, den ihr suchet, und der engel des bundes, deß ihr begehret. Siehe, er kommt, spricht der Herr Zebaoth. Wer wird aber den tag seiner zukunft erleiden mögen? Und wer wird bestehen, wenn er wird erscheinen? Denn er ist wie das feuer eines goldschmiedes, und wie die seife der wascher. Er wird sigen und schmelzen, und das silber reinigen: er wird die kinder Levi reinigen und läutern, wie gold und silber. Dann werden sie dem Herrn speisopfer bringen in gerechtigkeit; und wird dem Herrn wohlgefallen das speisopfer Juda und Jerusalem: wie vorhin und vor langen jahren. Evangelium, Luc. 2. v. 22-32. 11n nd da die tage ihrer reinigung nach dem geset Moses kamen, brachten sie das kind Jesus gen Jerusalem, auf daß sie ihn dar: stelleten dem Herrn;( wie denn geschrieben stehet im geseß des Herrn: Allerlei männlein, das zum ersten die mutter bricht, soll dem Herrn geheiliget heißen) und daß sie geben das opfer nach dem gesagt ist im geseß des Herrn: Ein paar turteltauben oder zwo junge tauben. Und siehe, ein mensch war zu Jerusalem mit namen Simeon, und derselbe mensch war fromm und gottesfürchtig, und wartete auf den trost Ifrael, und der heilige geist war in ihm. Und ihm war eine antwort worden von dem heiligen geist, er sollte den tod nicht seUnd kam hen, er hätte denn zuvor den Chrift des Herrn gesehn. aus anregen des geistes in den tempel. Und da die eltern das kind Jesus in den tempel brachten, daß sie für ihn thåten, wie man pflegt, nach dem geses, da nahm er ihn auf seine arme, und lobete Gott und sprach: Herr, nun läsfest du deinen diener in friede fahren, wie du gesaget hast; denn meine augen haben deinen heiland gesehen, welchen du bereitet hast vor allen völkern, ein licht zu erleuchten die heiden, und zum preis deines volkes Israel. 2m 5. Sonntage nach .3 Könige, Epistel, Coloff. 3. v. 12:17. nun an als die ligen und geliebten, herzliches erbarmen, freundlichkeit, demuth, sanftmuth und geduld, und vertraget einer den andern, und vergebet euch unter einander, so jemand klage hat wider den andern, gleich wie Christus euch vergeben hat, also auch ihr. Ueber das alles aber zichet an die liebe, die da ist das band der vollkommenheit, und der friede Gottes regiere in euren herzen, zu welchem ihr auch berufen send in einem leibe; und seyd dankbar. Laffet das wort Christi unter euch reichlich wohnen in aller weisheit: lehret und vermahnet euch selbst mit psalmen und lobgesängen, und geistlichen lieblichen liedern, und singt dem herrn in euren herzen. Und alles, was ihr thut, mit worten oder mit werken, das alles thut in dem namen des Herrn Jesu, und danket Gott und dem vater durch ihn. Evangelium, Matth. 13. v. 24-30, nd er legte ihnen ein gleichniß vor, und sprach: Das himmelreich Da aber die leute schliefen, kam sein feind und fåete unkraut zwischen den weizen, und ging davon. Da nun das kraut wuchs und frucht brachte, da fand sich auch das unkraut. Da traten die knechte zu dem haushalter und sprachen: Herr, hast du nicht guten saamen auf dei 12 Episteln und Evangelia. nen acker gesået, woher hat er denn das unkraut? Er sprach zu ihnen: das hat der feind gethan. Da sprachen die knechte: Willt du denn, daß wir hingehen und es ausjäten? Er sprach: Nein, auf daß ihr nicht zugleich den weizen mit ausrauft, so ihr das unkraut ausjätet. Lasset beides mit einander wachsen bis zu der ernte, und um der ernte zeit will ich zu den schnittern sagen: Sammlet zuvor das unkraut, und bindets in bundlein, daß man es vers brenne: aber den weizen sammlet in meine scheuren. Am 6. Sonnt. nach 5.3 Könige. Epistel, 2 Petr. 1. v. 16:21. W Herrn ir haben nicht den klugen fabeln gefolget, da wir euch kund gesondern wir haben seine herrlichkeit selber gesehen, da er empfing von gott dem vater ehre und preis, durch eine stimme, die zu ihm geschah von der großen herrlichkeit, der maaßen: dies ist mein lieber sohn, an dem ich wohlgefallen habe. Und diese stimme haben wir gehört vom himmel gebracht, da wir mit ihm waren auf dem heili gen berge. Wir haben ein festes prophetisches wort, und ihr thut wohl, wenn ihr darauf achtet, als auf ein licht, was da scheinet in einem dunkeln ort, bis der tag anbreche, und der morgenstern auf gehe in euren herzen. Und das sollt ihr für das erste wissen, daß keine weissagung in der schrift geschieht aus eigner auslegung: denn es ist noch nie keine weissagung aus menschlichem willen hervorgebracht, sondern die heiligen männer Gottes haben geredet, getrieben von dem heiligen geist. Evangelium, matth. 17. v. 1-9. Elia eine. Und nd nach sechs tagen nahm Jesus zu sich Petrum und Jacobum und Johannem, feinen bruder, und führte sie beiseits auf einen hohen berg, und ward verklåret vor ihnen, und sein angesicht leuchtete wie die sonne, und seine kleider wurden weiß wie ein licht. und siehe, da erschienen ihnen Moses und Elias, die redeten mit ihm. Petrus aber antwortete und sprach zu Jesu: Herr, hie ist gut seyn, willt du, so wollen wir hie drei hutten machen, dir eine, Most eine und Da er noch also redete, siehe, da überschattete sie eine lichte wolke. Und siehe, eine stimme aus den wolken sprach: Dies ist mein lieber sohn, an welchem ich wohlgefallen habe, den sollt ihr hören. Da das die junger hörten, fielen sie auf ihr angesicht und erschraken sehr. Jesus aber trat zu ihnen, rührte sie an, und sprach: Stehet auf und fürchtet euch nicht. Da sie aber ihre augen aufhuben, sahen sie niemand, denn Jesum alleine. Und da sie vom berge hinabgingen, gebot ihnen Jesus und sprach: Ihr sollt dies gesicht niemand sagen, bis des menschen sohn von den todten auferstanden ist. Am Sonntage Septuagesima. Epistel, 1 Cor. 9. und 10. Cap. Liet ieben brüder, wisset ihr nicht, daß die, so in den schranken laufen, die laufen alle, aber einer erlanget das kleinod? Laufet nun also, daß ihrs ergreifet. Ein jeglicher aber der da kämpfet, enthält sich alles dinges: jene also, daß sie eine vergängliche krone empfahn, wir aber eine unvergängliche. Ich laufe aber also, nicht als aufs unges wisse: ich fechte also, nicht als der in der luft streichet; sondern ia betäube meinen leib und zähme ihn, daß ich nicht andern predige, und selbst verwerflich werde. Ich will euch aber, lieben brüder, nicht verz halten, daß unsere våter sind unter den wolken gewesen, und sind alle. durchs meer gegangen, und sind alle unter Mofen getauft mit der 13 Episteln und Evangelia. wolken und mit dem meer, und haben alle einerley geistliche Speiſe gegessen, und haben alle einerley geistlichen trank getrunken. Sie tranken aber von dem geistlichen fels, der mit folgte, welcher war Christus. Aber an ihrer vielen hatte Gott keinen wohlgefallen; denn sie sind niedergeschlagen in der wüsten. 1 Evangelium, Matth. 20. v. 1-16. as himmelreich ist gleich einem hausvater, der am morgen auss ging, arbeiter zu miethen in seinen weinberg. Und da er mit den arbeitern eins war um einen groschen zum tagelohn, fandte er sie in seinen weinberg, Und ging aus um die dritte stunde, und sahe andere am markte müssig stehen, und speach zu ihnen: Gehet ihr auch hin in den weinberg, ich will euch geben, was recht ist. Und sie gingen hin. Abermals ging er aus, um die sechste und neunte stunde und that gleich also. Um die eilfte stunde ging er aus, und fand andere müssig stehen, und sprach zu ihnen: Was stehet ihr hie den gan= zen tag müssig? Sie sprachen zu ihm: Es hat uns niemand gedinget. Er sprach zu ihnen: gehet ihr auch in den weinberg, und was recht seyn wird, soll euch werden. Da es nun abend war, sprach der herr des meinberges zu seinem schaffner: Rufe den arbeitern, und gieb ihnen den lohn, und hebe an von dem legten bis zu dem ersten. Da kamen, die um die eilfte stunde gedinget waren, und empfing ein jeglis cher seinen groschen. Da aber die ersten kamen, meinten sie, sie würden mehr empfahn; und sie empfingen auch ein jeglicher seinen groschen. Und da sie den empfingen, murrten sie wider den hausvater, und sprachen: diese legten haben nur eine stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleich gemacht, die wir des tages last und hige getragen has ben? Er antwortete aber, und sagte zu einem unter ihnen: Mein freund, ich thue dir nicht unrecht; bist du nicht mit mir eins worden um einen groschen? Nimm was dein ist, und gehe hin; ich will aber diesen legten geben gleich wie dir. Oder habe ich nicht macht zu thun, was ich will mit dem meinen? Siehest du darum scheel, daß ich so gütig bin? Also werden die legten die ersten, und die ersten die legten seyn. Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählet. Am Sonntage Seragesima. Epistel, 2 Cor. 11 und 12. Zieben brüder, ihr vertraget gern die narren, dieweil ihr klug seyd. Ihr vertraget, so euch jemand zum Enecht machet, so euch jemand schindet, so euch jemand nimmt, so euch jemand troßet, so euch jemand in das gesicht streichet. Das sage ich nach der unehre, als wären wir schwach worden. Worauf nun jemand kühne ist,( ich rede in thorheit) darauf bin ich auch kühne. Sie sind Ebråer: ich auch. Sie sind Ifraeliter: ich auch. Sie sind Abrahams saamen: ich auch. Sie sind diener Christi;( ich rede thörlich) ich bin wohl mehr. Ich habe mehr gearbeitet; ich habe mehr schläge erlitten; ich bin öfters gez fangen, oft in todesnöthen gewesen. Von den juden habe ich fünfmal empfangen vierzig streiche weniger eins. Ich bin dreimal gestäupet, einmal gesteinigt, dreimal habe ich schiffbruch gelitten, tag und nacht habe ich zugebracht in der tiefe des meeres. Ich habe oft gereiset; ich vin in fährlichkeiten gewesen zu waffer, in fährlichkeit unter den mördern, in fährlichkeit unter den juden, in fährlichkeit unter den heiden, in fährlichkeit in den städten, in fährlichkeit in der wüsten, in fährlichFeit auf dem meere, in fährlichkeit unter den falschen brüdern; in mühe und arbeit, in viel wachert, in hunger und durst, in viel fasten, 14 Episteln und Evangelia. in froft und blöße. Ohne was sich sonst zutrågt, nemlich, daß ich täglich werde angelaufen, und trage sorgen für alle gemeinen. Wer ist schwach, und ich werde nicht schwach? wer wird geärgert, und ich brenne nicht? So ich mich je rühmen soll, will ich mich meiner schwach heit rühmen. Gott und der vater unsers herrn Jesu Christi, wel cher sey gelobt in ewigkeit, weiß daß ich nicht lüge. Zu Damasco der landpfleger des königs von Areta verwahrte die stadt der Da mascer, und wollte mich greifen. Und ich ward in einem korbe zum fenster aus durch die mauern niedergelassen und entrann aus seinen hånden. Es ist mir ja das rühmen nichts nüge; doch ich will kom men auf die geschichte und offenbarung des Herrn. Ich kenne einen menschen in Christo, vor vierzehn jahren,( ist er im leibe gewesen, so weiß ichs nicht, oder ist er außer dem leibe gewesen, so weiß ichs auch nicht, Gott weiß es) derselbe war entzückt bis in den dritten himmel. Und ich kenne denselben menschen( ob er in dem leibe oder, außer dem leibe gewesen, weiß ich nicht, Gott weiß es). Er war entzückt in das paradies, und hörte unaussprechliche worte, welche kein mensch sagen kann. Davon will ich mich rühmen; von mir selbst aber will ich mich nicht rühmen, ohne meine schwachheit. Und so ich mich rühmen wollte, thate ich darum nicht thörlich! denn ich wollte die wahrheit sagen; Ich enthalte mich aber deß, auf daß nie: mand mich höher achte, denn er mich siehet, oder von mir höret. Und auf daß ich mich nicht der hohen offenbarung überhebe, ist mir gege ben ein pfahl ins fleisch, nämlich des satans engel, der mich mit fausten schlage, auf daß ich mich nicht überhebe. Dafür ich dreimal den Herrn geflehet habe, daß er von mir wiche, und er hat zu mir gesagt: Laß dich an meiner gnade genügen, denn meine kraft ist in den schwachen mächtig. Darum will ich mich am allerliebsten rühmen meiner schwachheit, auf daß die kraft Christi bei mir wohne. 1 Evangelium, Luc. 8. v. 4:15. a nun viel volks bei einander war, und aus den städten zu ihm eilten, sprach er durch ein gleichniß: Es ging ein säemann aus, und zu såen seinen saamen; und indem er såete, fiel etliches an den weg und ward vertreten, und die vögel unter dem himmel fraßens auf. Und etliches fiel auf den fels; und da es aufging, verdorrete es, darum daß es nicht saft hatte. Und etliches fiel mitten unter die dornen, die dornen gingen mit auf, und ersticktens; und etliches fiel auf ein gut land, und es ging auf und trug hundertfältige frucht. Da er das sagte, rief er: wer ohren hat zu hören, der höre. Es fragten ihn aber seine jünger und sprachen: Was dies gleichniß wäre. Er aber sprach: Euch ist gegeben zu wissen das geheimniß des reichs Got tes, den andern aber in gleichnissen, daß sie es nicht sehen, ob sie es schon sehen, und nicht verstehen, ob sie es schon hören. Das ist aber dies gleichniß: der saame ist das wort Gottes. Die aber an dem wege sind, das sind, die es hören; darnach kommt der teufel, und nimmt das wort von ihren herzen, auf daß sie nicht glauben und selig wer den. Die aber auf dem fels, sind die, wenn sie es hören, nehmen das wort mit freuden an; und die haben nicht wurzel, eine zeitlang glauben sie, und zur zeit der anfechtung fallen sie ab. Das aber une ter die dornen fiet, sind die, so es hören, und gehen hin unter den sorgen, reichthum und wollust dieses lebens, und ersticken und bring gen keine frucht. Das aber auf dem guten lande, sind die das wort he Episteln und Evangelia. 15 ren, und behalten in einem guten und feinen herzen, und bringen frucht in geduld. Am Sonntage Estomihi. Epistel, 1 Cor. 13. v. 1:13. Lieben ieben brüder, wenn ich mit menschen und mit engelzungen redete, und hätte der liebe nicht, so wäre ich ein tönend erz, oder eine klingende schelle. Und wenn ich weissagen könnte, und wüßte alle geheimnisse, und alle erkenntniß, und hatte allen glauben, also daß ich berge versette, und hätte der liebe nicht, so wäre ich nichts. Und wenn ich alle meine Haabe den armen gåbe, und ließe meinen leib brennen, und hätte der liebe nicht, so wäre mir nicht nuße. Die liebe ist langmüthig und freundlich; die liebe eifert nicht; die liebe treibet nicht muthwillen; sie blåhet sich nicht; sie stellet sich nicht ungebärdig; sie suchet nicht das ihre; sie láffet sich nicht erbittern; sie trachtet nicht nach schaden; sie freuet sich nicht der ungerechtigkeit; fie freuet sich aber der wahrheit; sie verträågt alles, sie glaubet alles, sie hoffet alles, sie duldet alles. Die liebe höret nimmer auf, so doch die weissagungen aufhören werden, und die sprachen aufhören werden, und das erkenntniß aufhören wird. Denn unser wissen ist stückwerk und unser weissagen ist stückwerk: Wenn aber kommen wird das vollkommene, so wird das stuckwerk aufhören. Da ich ein kind war, da redete ich wie ein kind, und war klug, wie ein kind, und hatte kindische anschläge; da ich aber ein mann ward, that ich ab, was kindisch war. Wir sehen jetzt durch einen spiegel in einem dunklen wort; dann aber von angesicht zu angesicht. Jest erkenne ichs stückweise, dann aber werde ichs erkennen, gleichwie ich erkennet bin. Nun aber bleibet glaube, hoffnung, liebe, diese drey; aber die liebe ist die größte unter ihnen. Evangelium, Luc. 18. v. 31-43. Er sich die und wir " gehen hinauf gen Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, das geschrieben ist durch die propheten von des menschen sohn. Denn er wird überantwortet werden den heiden, und er wird verspottet, und verschmähet, und verspeyet werden; und sie werden ihn geisseln, und tödten; und am dritten tage wird er wieder auferstehen. Sie aber vernahmen der keins, und die rede war ihnen verborgen, und wußten nicht, was da gesagt war. Es geschah aber, da er nahe zu Jericho kam, saß ein blinder am wege und bettelte. Da er aber hörte das volk, das durchging, forschte er, was da wäre. Da verkündigten sie ihm, Jesus von Nazareth ginge vorüber. Und er rief und sprach: Jesu, du sohn David, erbarme dich meiner. Die aber vorne an gingen, bedräueten ihn, er sollte schweigen. Er aber schrie vielmehr: Du sohn David, erbarme dich mein. Jesus aber stund still und hieß ihn zu sich führen. Da sie ihn aber nahe bei ihm brachten, fragte er ihn und sprach: Was willt du, das ich dir thun soll? Er sprach: Herr, daß ich sehen möge. Und Jesus sprach zu ihm: Sey sehend, dein glaube hat dir geholfen. Und alsbald ward er sehend, und folgte ihm nach, und preisete Gott. Und alles , das solches sah, lobete Gott. Am 1.Sonntage in der Fasten, Invocavit. Epistel, 2. Cor. 6. v. 1-10. verz wir geblich die gnade gottes empfahet. Denn er spricht: ich habe dich der angenehmen zeit erhöret, und habe die am tage des heils 16 Episteln und Evangelia. geholfen. Sehet, jest ist die angenehme zeit, jetzt ist der tag des heils. Lasset uns aber niemand irgend ein ärgerniß geben, auf daß unser amt nicht verlåstert werde; sondern in allen dingen lasset uns beweis sen, als die diener gottes; in großer geduld, in trübsalen, in nöthen, in ångsten, in schlågen, in gefängnissen, in aufruhren, in arbeit, in wachen, in fasten, in keuschheit, in erkenntniß, in langmuth, in freundlichkeit, in dem heiligen geifte, in ungefärbter liebe, in dem worte der wahrheit, in der kraft gottes, durch waffen der gerechtigkeit, zur rechten und zur linken; durch ehre und schande, durch böse gerüchte und gute gerüchte; als die verführer und doch wahrhaftig; als die unbekannten, und doch bekannten, als die sterbenden, und siche, wir leben; als die gezüchtigten, und doch nicht ertödtet; als traurigen, aber allezeit fröhlich; als die armen, aber die doch viel reich machen; als die nichts inne haben, und doch alles haben. Evangelium, matth. 4. v. 1-11. in er teufel versuchet würde. Und da er vierzig tage und vierzig nachte gefaftet hatte, hungerte ihn. Und der versucher trat zu ihm, und sprach: bist du Gottes sohn, so sprich, daß diese steine brod werden. Und er antwortete und sprach: Es stehet geschrieben: der mensch le= bet nicht vom brod allein, sondern von einem jeglichen wort, das durch den mund gottes geht. Da führte ihn der teufel mit sich in die heilige stadt, und stellte ihn auf die zinne des tempels, und sprach zu ihm: Bist du gottes sohn, so laß dich hinab; denn es stehet geschrieben: Er wird seinen engeln über dir befehl thun, und sie werden dich auf den hånden tragen, auf daß du deinen fuß nicht an einen stein stößest. Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum stehet auch geschrieben: Du sollt Gott deinen herren nicht versuchen. Wie derum führte ihn der teufel mit sich auf einen sehr hohen berg, und zeigte ihm alle reiche der welt und ihre herrlichkeit, und sprach zu ihm: Dies alles will ich dir geben, so du niederfälleft und mich anbetest. Da sprach Jesus zu ihm: Hebe dich weg von mir, satan, denn es stehet geschrieben: Du sollt anbeten Gott deinen Herren, und ihm allein dienen. Da verließ ihn der teufel, und siehe, da traten die engel zu ihm, und dieneten ihm. 1 Am 2. Sonntage in der Fasten, Reminiscere. Epistel, 1. Theff. 4. v. 1-7. wir in dem nachdem ihr von uns empfangen habt, wie ihr sollt wandeln und Gott gefallen, daß ihr immer völliger werdet. Denn ihr wisſet, welche gebote wir euch gegeben haben, durch den Herrn Jeſum. Denn das ist der wille Gottes, eure heiligung, daß ihr meidet die hurerey, und ein jeglicher unter euch wisse sein faß zu behalten in heiligung und ehren, nicht in der lustseuche, wie die heiden, die von Gott nichts wissen. Und daß niemand zu weit greife, noch vervortheile seinen bruder im handel; denn der Herr ist rächer über das alles, wie wir euch zuvor gesagt und bezeuget haben. Denn Gott hat uns nicht bes rufen zur unreinigkeit, sondern zur heiligung. Evangelium, Maith. 15. v. 21-28. und nd Jefus ging aus von dannen und entwich in die gegend Tyrie und Sidon. Und siehe, ein Cananáisches weib ging aus derselbigen grenze, und schrie ihm nach und sprach: Uch Herr, du sohn David, Episteln und Evangelia. 17 erbarme dich mein, meine tochter wird vom teufel übel geplagt. Und er antwortete ihr kein wort. Da traten zu ihm seine junger, baten ihn, und sprachen: Laß sie doch von dir, denn sie schreiet uns nach. Er antwortete aber und sprach: Ich bin nicht gefandt denn nur zu den verlorenen schaafen von dem hause Ifrael. Sie kam aber, und fiel vor ihm nieder, und sprach: Herr, hilf mir. Aber er antwors tete, und sprach: Es ist nicht sein, daß man den kindern ihr brot nehme, und werfe es vor die hunde. Sie sprach: Ja, herr, aber doch essen die hündlein von den brosaamen, die von ihrer herren tische fallen. Da antwortete Jesus und sprach zu ihr: O weib, dein glaube ist groß, dir geschehe, wie du willt. Und ihre tochter ward gesund zu derselbigen stunde. Am 3. Sonntage in der fasten. Oculi, Epistel, Ephef. 5. v.1-9. o send nun Gottes nachfolger, als die lieben kinder. Und wan= delt in der liebe, gleich wie Christus uns geliebet, und sich felbst dargegeben für uns zur gabe und opfer, Gott zu einem süßen geruch. Hurerey aber, und alle unreinigkeit, oder geiz, laffet nicht von euch gesagt werden, wie den heiligen zustehet: Auch schandbare worte und narrentheidungen, oder scherz, welche euch nicht geziemen: sondern vielmehr danksagung. Denn das sollt ihr wissen, daß kein hurer oder unreiner, oder geiziger,( welcher. ist ein gögendiener) erbe habe an dem reiche Christi und Gottes. Laffet euch niemand verführen mit vergeblichen worten;/ denn um dieser willen kommt der zorn Gottes über die kinder des unglaubens. Darum seyd nicht ihre mits genossen. Denn ihr waret weiland finsterniß; nun aber seyd ihr ein licht in dem Herrn: Wandelt, wie die kinder des lichts. Die frucht des geistes ist allerley gütigkeit und gerechtigkeit und wahrheit. Evangelium, Luc. 11. v. 14-28. 11¹ nd Jesus trieb einen teufel aus, der war stumm; und es geschah, da der teufel, ausfuhr, redete der stumme. Und das volk verwuns derte sich. Etliche aber unter ihnen sprachen: Er treibet die teus fel qus durch Beelzebub, den obersten der teufel. Die andern aber versuchten ihn, und begehrten ein zeichen von ihm vom himmel. Er aber vernahm ihre gedanken, und sprach zu ihnen: Ein jechlich reich, so es mit ihm selbst uneins wird, das wird wüste, und ein haus fällt über das andere. Ist denn der satanas auch mit ihm selbst uneins, wie will sein reich bestehen, dieweil ihr saget: Ich treibe die teufel aus durch Beelzebub. So ich aber die teufel durch Beelzebub austreibe, durch wen treiben sie eure kinder aus? Darum werden sie eure richter seyn. So ich aber durch Gottes finger die teufel ause treibe, so kommt je das reich Gottes zu euch. Wenn ein starker ge wapneter seinen pallast bewahret, so bleibet das seine mit frieden. Wenn aber ein stärkerer über ihn kommt, und überwindet ihn, so nimmt er ihm seinen harnisch, darauf er sich verließ, und theilet den raub aus. Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich, und wer nicht mit mir sammlet, der zerstreuet. Wenn der unsaubre geist von dem menschen ausfahret, so durchwandelt er dürre stätten, suchet ruhe, no findet ihr nicht; so spricht er: Ich will wieder umkehren in mein haus, daraus ich gegangen bin. Und wenn er kommt, so findet ers mit besen gekehret und geschmücket. Dann gehet er hin, und nimmt sieben geister zu sich, die ärger sind denn er selbst, und wenn sie hine inkommen, wohnen sie da, und wird hernach mit demselbigen mens B 18 Episteln und Evangelia. schen ärger denn vorhin. Und es begab sich, da er solches redete, erhub ein weib im volt ihre stimme, und sprach zu ihm: Selig ist der leib, der dich getragen hat, und die brüste, die du gesogen hast. Er aber sprach: Ja, selig sind die, die Gottes wort hören und bewahren. 2m 4. Sonnt. in der Fasten, Låtare. Epistel, Gal. 4. v. 21-31. fagt die dem habt ihr das geses nicht gehöret? Denn es stehet geschrieben, daß Abraham zween söhne hatte, einen von der magd, den andern von der freyen. Aber der von der magd war, ist nach dem fleische gebo ren; der aber von der freyen, ist durch die verheißung geboren. Die worte bedeuten etwas. Denn das sind die zwei testamente, eines von dem berge Sina, das zur knechtschaft gebieret, welches ist die Agar. Denn Agar heißet in Arabia der berg Sina, und langte bis gen Jerusalem, das zu dieser zeit ist, und ist dienstbar mit seinen kindern. Aber das Jerusalem, das droben ist, das ist die freye, die ist unser aller mutter. Denn es stehet geschrieben: Sen fröhlich, du unfruchtbare, die du nicht gebierest, und brich hervor und rufe, die du nicht schwanger bist; denn die einsame hat viel mehr kinder, denn die den mann hat Wir aber, lieben brüder, sind Isaaks, nach der verheißung, kinder. Uber gleichwie zu der zeit, der nach dem fleisch geboren war, verfolgte den, der nach dem geist geboren war; also gehet es jetzt auch. Aber was spricht die schrift? Stoß die magd hinaus mit ihrem sohn; denn der magd sohn soll nicht erben mit dem sohn der freyen. So sind wir nun, lieben brüder, nicht der magd Einder, sondern der freyen. Evangelium, Joh. 6. v. 1:15. Darnach fuhr Jefus weg über das meer an der stadt Tiberias in und es volks nach, daß sie die zeichen sähen, die er an den kranken that. Jesus aber ging hinauf auf einen berg, und sagte sich daselbst mit seinen jüngern. Es war aber nahe die Ostern, der juden fest. Da hub Jesus seine augen auf, und siehet daß viel volks zu ihm kommt, und spricht zu Philippo: wo kaufen wir brot, daß diese essen?( Das sagte er aber, ihn zu versuchen, denn er wußte wohl, was er thun wollte.) Phis lippus antwortete ihm: 3wei Hundert pfennig werths brod ist nicht genug unter sie, daß ein jeglicher ein wenig nehme. Spricht zu ihm einer seiner junger, Andreas, der bruder Simonis Petri: Es ist ein knabe hie, der hat fünf gerstenbrote und zween sische; aber was ist das unter so viele? Jesus aber sprach: Schaffet, daß sich das volk lagere. Es war aber viel gras an dem orte. Da la gerten sich bei fünf tausend mann. Jesus aber nahm die brote, dankte und gab sie den jüngern, die jünger aber denen die sich ge lagert hatten; desselbigen gleichen auch von den fischen, wie viel er wollte. Da sie aber satt waren, sprach er zu seinen jüngern: Sammlet die übrigen brocken, daß nichts umkomme. Da sammelten sie, und füllten zwölf körbe mit brocken, von den fünf gerstenbroten die überblieben denen, die gespeißt worden. Da nun die menschen das zeichen sahen das Jesus that, sprachen sie: das ist wahrlich der prophet, der in die welt kommen soll. Da Jesus nun merkte, daß sie kommen würden und ihn haschen, daß sie ihn zum könig mach ten, entwich er abermal auf den berg, er selbst allein. Episteln und Evangelia. 19 2m 5. Sonnt. in der Fasten, Judica. Epistel, Zebr. 9. v. 11-15. Christus ist kommen, daß er sey ein hoherprieſter der zukünftigen güter, eine der hand gemacht ist, das ist, die nicht also gebauet ist. Auch nicht durch der böcke oder kålber blut, sondern er ist durch sein eigen blut einmal in das heilige eingegangen, und hat eine ewige erlösung er: funden. Denn so der ochsen und der böcke blut; und die asche von der kuh gesprenget heiliget die unreinen zu der leiblichen reinigkeit; wie vielmehr wird das blut Christi, der sich selbst ohne allen wandel durch den heiligen Geist Gott geopfert hat, unser gewissen reinigen von den todten werken, zu dienen dem lebendigen Gott. Und darum ist er auch ein mittler des neuen testaments, auf daß durch den tod, so geschehen ist zur erlösung von den übertretungen,( die unter dem ersten testament waren) die so berufen sind, das verheiBene erbe empfahen. Evangelium, Job. 8. v. 46-59. sünde zeihen? Da So ich euch aber die wahrheit sage, warum glaubet ihr mir nicht? Wer von Gott ist, der höret Gottes wort; darum höret ihr nicht, denn ihr seyd nicht von Gott. antworteten die juden und sprachen zu ihm: Sagen wir nicht recht, daß du ein Sas mariter bist, und hast den teufel? Jesus antwortete: Ich habe keinen teufel, sondern ich ehre meinen vater, und ihr unehrt mich. Ich fuche nicht meine ehre; es ist aber einer, der sie suchet und richtet. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: So jemand mein wort wird halten, der wird den tod nicht sehen ewiglich. Da sprachen die juden zu ihm: Nun erkennen wir, daß du den teufel haft. Abraham ist gestorben, und die propheten, und du sprichst: So jemand mein wort hält, der wird den tod nicht schmecken ewiglich. Bist du mehr, denn unser vater Abraham, welcher gestorben ist? und die propheten sind gestorben? Was machst du aus dir selbst? Jesus aber antwortete: So ich mich selber ehre, so ist meine ehre nichts. Es ist aber mein vater, der mich eh ret, welchen ihr sprechet: Es sey euer Gott. Und kennet ihn nicht! Ich aber kenne ihn. Ich kenne ihn nicht, und so ich sagen würde: so würde ich ein lügner, gleichwie ihr seyd. Aber ich kenne ihn, und halte sein wort. Abraham, euer vater, war froh, daß er meinen tag sehen sollte, und er sahe ihn, und freuete sich. Da sprachen die juden zu ihm: Du bist noch nicht funfzig jahr alt, und hast Abraham gesehen? Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe denn Abraham war, bin ich. Da huben sie steine auf, daß sie auf ihn würfen; aber Jesus verbarg sich, und ging zum tempel hinaus. Am feite der Verkündigung Marià. Epistel, Jef. 7. v. 10-15. uns nd der Herr redete abermals zu Uhas und sprach: Fordere dir ein zeichen von dem herrn deinem Gott, es sey unten in der hölle, oder droben in der höhe. Aber Ahas sprach: Ich wills nicht fordern, daß ich den Herrn nicht versuche. Da sprach er: Wohlan, so höret ihr vom hause David: Ists euch zu wenig, daß ihr die teute beleidiget; ihr müsset auch meinen Gott beleidigen? Darum so wird euch der Herr selbst ein zeichen geben: Siehe, eine junge frau ist schwanger, und wird einen sohn gebähren, den wird sie heiBen Immanuel. daß er wisse boButter und honig wird er essen, und gutes zu wählen. es zu verwerfen, B2 Episteln und Evangelia. Evangelium, Luc. 1. v. 26-38. 11n nd im sechsten mond ward der engel Gabriel gefandt von Gott in eine stadt in Galiläa, die da heißt Nazareth, zu einer jungfrau, die vertraut war einem manne, mit namen Joseph, vom hauſe Da vid, und die jungfrau hieß Maria. Und der engel kam zu ihr hin ein, und sprach: Gegrüßet seyst du, holdselige; der Herr ist mit dir, du gebenedeyete unter den weibern. Da sie aber ihn sahe, erschrack sie über seine rede, und gedachte, welch ein gruß ist das! Und der engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria, du hast gnade bei Gott funden: Siehe, du wirst schwanger werden im leibe, und einen sohn gebähren, deß namen sollt du Jesus heißen. Der wird groß und ein sohn des höchsten genennet werden, und Gott der herr wird ihm den stuhl seines vaters David geben: und er wird ein könig seyn über das haus Jacob ewiglich, und seines königreichs wird kein ende seyn. Da sprach Maria zu dem engel: Wie soll das zugehen; sintemal ich von keinem manne weiß? Der engel antwortete und sprach zu ihr: Der heilige geist wird über dich kommen, und die kraft des höchsten wird dich überschatten. Darum auch das heilige, das von dir geboren wird, wird Gottes sohn genennet werden. Und siehe, Elisabeth, deine gefreundete, ist auch schwanger mit einem sohn in ihrem alter, und gehet jetzt im sechsten mond, die im geschren ist, daß sie unfruchtbar sey; denn bei gott ist kein ding unmöglich. Maria aber sprach: Siehe ich bin des herrn magd, mir geschehe, wie du gesagt hast. Und der engel schied von ihr. 20 Am Palmsonntage. Epistel, phil. 2. v. 5:11. jechlicher sey gefinnet, wie Jesus Christus auch war, welcher, ob er wohl in göttlicher gestalt war, hielt ers nicht für einen raub, Gott gleich seyn, sondern außerte sich selbst, und nahm knechts: gestalt an, ward gleich, wie ein anderer mensch, und an gebährden als ein mensch erfunden. Er erniedrigte sich selbst, und ward gehorsam bis zum tode, ja zum tode am kreuz. Darum hat ihn auch Gott er höhet, und hat ihm einen namen gegeben, der über alle namen ist; daß in dem namen Jesu sich beugen sollen alle knie derer, die im himmel und auf erden, und unter der erden sind, und alle zungen bekennen follen, daß Jesus Christus der Herr sey, zur ehre Gottes des Vaters. & in Sin Evangelium, Matth. 21. v. 1-9. ( Suche am ersten Sonntage des Udvents.) Am grünen Donnerstage. Epistel, 1 Cor. 11. v. 23-32. ch habe es von dem Herrn empfangen, daß ich euch gegeben habe. Denn der Herr Jesus in der nacht, da er verrathen ward, nahm er das brot, dankte und brachs, und sprach: Nehmet, effet, das ist mein leib, der für euch gebrochen wird; solches thut zu meinem gedächtniß. Desselbigen gleichen auch den kelch nach dem abendmahl, und sprach: Dieser kelch ist das neue testament in meinem blute; folches thut, so oft ihrs trinket, zu meinem gedächtniß. Denn so oft ihr von diesem brot esset, und von diesem kelch trinket, sollt ihr des Herrn tod verkündigen, bis daß er kommt. Welcher nun unwürdig von diesem brot isset, und von dem kelch des Herrn trinket, der ist schuldig an dem leibe und blute des Herrn. Der mensch prüfe aber sich selbst, und also esse er von diesem brote; und trinke von diesem Belche. Denn welcher unwürdig isset und trinket, der jiffer Episteln und Evangelia. und trinket ihm selber das gericht, damit, daß er nicht unterscheidet den leib des Herrn. Darum sind auch so viele schwache und kranke unter euch, und ein gut theil schlafen. Denn so wir uns selber richten, so würden wir nicht gerichtet. Wenn wir aber gerichtet werden, so werden wir von dem Herrn gezüchtiget, auf daß wir nicht sammt der welt verdammet werden. 21 Am 1. Ostertage, Epistel, 1 Cor. 5. v. 6-8, Lieben brüder, euer ruhm ist nicht fein. Wiſſet ihr nicht, daß ein sauerteig ganzen den alten sauerteig aus, auf daß ihr ein neuer teig seyd, gleichwie ihr ungesäuert seyd. Denn wir haben auch ein osterlamm, das ist Chris ftus, für uns geopfert. Darum lasset uns ostern halten, nicht im alten fauerteige, auch nicht im fauerteige der bosheit und schalkheit, sondern in dem süßteige der lauterkeit und wahrheit. Evangelium, Marc. 16. v. 1-8. 11nd nd da der sabbath vergangen war, kauften Maria Magdalena, und Maria Jacobi, und Salome specerey, auf daß sie kámen, und salbten ihn. Und sie kamen zum grabe, an einem sabbather sehr frühe, da die sonne aufging. Und sie sprachen unter einander: Wer wälzet uns den stein von des grabes thür? Und sie sahen das hin, und wurden gewahr, daß der stein abgewälzet war: denn er war sehr groß. Und sie gingen hinein in das grab, und sahen einen jüngling zur rechten hand sigen, der hatte ein lang weiß kleid an; und sie entfaßten sich. Er aber sprach zu ihnen: ihr suchet Jesum von Nazareth, den gekreuzigten; und ist nicht hie. Siehe da die státte, da sie ihn hinlegten. Gehet aber hin und sagts seinen jüngern und Petro, daß er vor euch hingehen wird in Galilda: da werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat. Und sie gingen schnell heraus, und flohen von dem grabe; denn es war sie zittern und entsegen ankommen, und sagten niemand nichts, denn sie fürchteten sich. Entseget euch nicht, er ist auferstanden, Am 2. Ostertane. Epistel, Up. Gesch. 10. v. 34:41. Metrus aber that ſeinen mund auf, und ſprach: Nun erfahre ich mit person nicht in allerlei volk; wer ihn fürchtet und recht thut, der ist ihm angenehm. Ihr wisset wohl von der predigt, die Gott zu den kindern Israel ges fandt hat und verkündigen lassen den frieden durch Jesum Christum ( welcher ist ein herr über alles) die durchs ganze jüdische land geschehen ist, und angegangen in Galilda, nach der taufe, die Johannes pres digte; wie Gott denselbigen Jesum von Nazareth gesalbet hat mit dem heiligen geist und kraft, der umhergezogen ist, und hat wohlgethan, und gesund gemacht alle, die vom teufel überwältigt waren; denn Gott war mit ihm. Und wir sind zeugen alles deß, das er gethan hat, im jüdischen lande, und zu Jerusalem. Den haben sie getödtet, und an ein holz gehangen. Denselben hat Gott auferwecket am dritten tage, und ihn lassen offenbar werden, nicht allem volk, sonbern uns, den auserwählten zeugen von Gott, die wir mit ihm gegesTen und getrunken haben, nachdem er auferstanden ist von den todten. Evangelium, Luc. 24. v. 13:35. 11nd nd siehe, zween aus ihnen gingen an demselbigen tage in einen flecken, der war von Jerusalem sechzig feldweges weit, deß' name beißt Emahus. Und sie redeten mit einander von allen diesen ge 22 Episteln und Evangelia. schichten. Und es geschah, da sie so redeten, und befragten sich mit einander, nahete Jesus zit ihnen, und wandelte mit ihnen. Aber ihre augen wurden gehalten, daß sie ihn nicht kannten. Er aber sprach zu ihnen: Was sind das für reden, die ihr zwischen euch handelt unterweges, und seyd traurig? Da antwortete einer mit namen Cleophas, und sprach zu ihm: Bist du allein unter den fremd: lingen zu Jerusalem, der nicht wisse, was in diesen tagen darinnen geschehen ist? Und er sprach zu ihnen: Welches? Sie aber sprachen zu ihm: Das von Jesu von Nazareth, welcher war ein prophet, mächtig von thaten und worten, vor Gott und allem volk: Wie ihn unsere hohenpriester und obersten überantwortet haben zum verdammniß des todes, und gekreuziget. Wir aber hofften, er sollte Israel erlösen. Und über das alles ist heute der dritte tag, daß solches geschehen ist. Auch haben uns erschreckt etliche weiber der unsern, die find frühe bey dem grabe gewesen, haben seinen leib nicht funden, kommen und sagen, sie haben ein gesicht der engel gesehen, welche sagen, er lebe. und etliche unter ihnen gingen hin zum grabe, und fundens also, wie die weiber sagten; aber ihn funden sie nicht. Und er sprach zu ihnen: Oihr thoren und tråges herzens, zu glauben dem, was die propheten geredet haben. Mußte Christus nicht solches leiden, um zu seiner herrlichkeit einzugehen? Und sing an von Mose und allen propheten, und legte ihnen alle schriften aus, die von ihm gesagt waren. Und sie kamen nahe zum flecken, da sie hingingen. Und er stellte sich, als wollte er fürder gehen. Und sie nöthigten ihn, und sprachen: Bleibe bey uns, denn es will abend werden, und der tag hat sich geneiget. Und er ging hinein, bei ihnen zu bleiben. Und es geschah, da er mit ihnen zu tische saß, nahm er das brot, dankte, brachs, und gabs ihnen. Da wurden ihre augen geöffnet, und erkannten ihn. Und er verschwand vor ihnen. Und sie sprachen unter einander: Brannte nicht unser herz in uns, da er mit uns redete auf dem wege, als er uns die schrift öffnete? Und sie stunden auf zu derselbigen stunde, kehrten wieder gen Jerusalem und funden die elfe versammelt, und die bei ihnen waren, welche sprachen: Der Herr ist wahrhaftig auferstanden, und Simoai erschienen. Und sie erzählten ihnen, was auf dem wege geschehen war, und wie er von ihnen erkannt wåre, an dem, da er das brot brach. Am 1. Sonntage nach Ostern, Quasimodogeniti. Epistel, 1. Joh. 5. v. 4:10, Lieben brüder, alles was von Gott geboren ist, überwindet die welt und unser glaube ist der sieg, der die welt überwunden hat. Wer ist aber, der die welt überwindet, ohne der da glaubet, daß Jesus Gottes sehn ist? Dieser ist es, der da kommet mit wasser und blut. Jesus Chriftus: nicht mit wasser allein, sondern mit was fer und blut. Und der geist ist, der da zeuget, daß geist wahrheit ist. Denn drei sind, die da zeugen im himmel, der Vater, das wort und der heilige geist: und diese drei sind eins. Und drei sind die zeugen auf erden, der geist und das waffer, und das blut; und dieſe drei sind beysammen. fo So wir der menschen zeugniß annehmen, ist Gottes zeugniß größer! Denn Gottes zeugniß ist das, das er ges zeuget hat von seinem sohn. Wer da glaubet an den sohn Gottes, der hat solches zeugniß bey ihm. Episteln und Evangelia. Evangelium, Joh. 20. v. 19:31. fm abend aber desselbigen sabbaths, da die junger versammlet, und die thüren verschlossen waren, aus furcht vor den juden, kam Jesus, und trat mitten ein, und sprach zu ihnen: Friede sey mit euch. Und als er das sagte, zeigte er ihnen die hände und seine feite. Da wurden die jünger froh daß sie den Herrn sahen. Da sprach Jefus abermal zu ihnen: Friede sey mit euch. Gleichwie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Und da er das sagte, blies er sie an, und sprach zu ihnen: Nehmet hin den heiligen geist! weichen ihr die sünden erlasset, denen sind sie erlassen, und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten. Thomas aber, der zwölfen einer, der da heißet 3willing, war nicht bei ihnen, da Jesus kam. Da sagten die andern jünger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er aber sprach zu ihnen: Es sey denn, daß ich in seinen hånden sehe die någelmal, und lege meine finger in die någelmal, , und lege meine hand in seine seite, will ichs nicht glauben. Und über acht tage waren abermal seine jünger darinnen und Thomas mit ihnen. Kommt Jesus, da die thüren verschlossen waren, und tritt mitten ein, und spricht: Friede sey mit euch. Darnach spricht er zu Thoma: Reiche deine finger her, und siehe meine hånde; und reiche deine hand her, und lege sie in meine seiten, und sey nicht ungläubig, sondern glaubig. Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott. Spricht Jesus zu ihm: Dieweil du mich gesehen haft, Thoma, so glaubest du; selig sind, die nicht sehen und doch glauben. Auch viele andere zeichen that Jesus vor seinen Jüngern, die nicht ge= schrieben sind in diesem buche. Diese aber sind geschrieben, daß ihr glaubet, Jesus sey der Christ, der fohn Gottes, und daß ihr durch den glauben das ewige leben habt in seinem namen. 23 Am 2. Sonntage nach Ostern, Misericordias Domini, Epistel, 1 Petr. 2. v. 21-25. Liet ieben brüder, dazu seyd ihr berufen; sintemal Christus gelitten hat für uns, und uns ein vorbild gelassen, daß ihr sollt nachfolgen seinen fußstapfen. Welcher keine sünde gethan hat, ist auch kein betrug in seinem munde erfunden. Welcher nicht wieder schalt, da er gescholten ward, nicht drauete, da er litte; er stellete es aber dem heim, der da recht richtet. Welcher unsere sünde selbst geopfert hat an seinem leibe auf dem holz, auf daß wir der sünde abgestore ben, der gerechtigkeit leben, durch welches wunden ihr seyd heil worden. Denn ihr waret wie die irrenden schaafe; aber ihr seyd nun bekehret zu dem hirten und bischof eurer seelen. Evangelium, Job, 10. v. 12-16. ch bin ein guter hirte; ein guter hirte låsset sein leben für die schaafe, ein miethling aber, der nicht hirte ist, deß die schaafe nicht eigen sind, siehet den wolf kommen, und verlåsset die schaafe, und fleucht; und der wolf erhaschet und zerstreuet die schaafe. Der miethling aber fleucht; denn er ist ein miethling, und achtet der schaafe nicht. Ich bin ein guter hirte, und erkenne die meinen, und bin bekannt den meinen, wie mich mein vater fennet, und ich kenne den vater; und ich lasse mein Leben für die schaafe. Und ich habe noch andere schaafe, die sind nicht aus diesem stalle, und dieselbigen muß ich herführen, und sie werden meine stimme hören, und wird eine heerde und ein hirte werden. 24 Episteln und Evangelia. Am 3. Sonnt. nach Ostern, Jubilate. Epistel, 1 Petr. 2. v. 11:20. Lieben brüder, ich ermahne euch, als die fremdlinge und pilgrimme. Enthaltet von wider streiten. Und führet einen guten wandel unter den heiden, auf daß die so von euch afterreden, als von übelthätern, eure gute werke sehen, und Gott preisen, wenns nun an den tag kommen wird. Send unterthan aller menschlichen ordnung um des herrn willen, es sey dem könige, als dem obersten oder den hauptleuten, als den gesand. ten von ihm, zur rache über die übelthäter, und zu lobe den frommen. Denn das ist der wille gottes, daß ihr mit wohlthun verstop fet die unwissenheit der thörichten menschen, als die freyen, und nicht, als hättet ihr die freyheit zum deckel der bosheit, sondern als die knechte Gottes. Thut ehre jedermann. Habt die brüder lieb. Fürchtet Gott! ehret den könig. Ihr knechte send unterthan mit aller furcht den herren, nicht allein den gütigen und gelinden, son: dern auch den wunderlichen. Denn das ist gnade, so jemand um des gewissens willen zu Gott das übel vertråget, und leidet das unrecht. Denn was ist das für ein ruhm, so ihr um missethat willen streiche leidet? Aber wenn ihr um wohlthat willen leidet und erduldet, das ist gnade bei Gott. 1 Evangelium, Job. 16. v. 16-23. ein mich nicht sehen, und aber über ein kleines, so werdet ihr mich sehen: Denn ich gehe zum Vater. Da sprachen etliche unter seinen jungern unter einander: Was ist das, das er saget zu uns: Ueber ein kleines, so werdet ihr mich nicht sehen, und aber über ein klei nes, so werdet ihr mich sehen, und daß ich zum vater gehe? Da sprachen sie: Was ist das, das er da saget: Ueber ein kleines? Wir wissen nicht, was er redet. Da merkte Jesus, daß sie ihn fragen wollten, und sprach zu ihnen: Davon fraget ihr unter einander, daß ich geſagt habe über ein kleines, so werdet ihr mich nicht sehen, und aber über ein kleines, so werdet ihr mich sehen. Wahrlich, wahrz lich ich sage euch: ihr werdet weinen und heulen, aber die welt wird sich freuen: ihr aber werdet traurig seyn, doch eure traurigkeit soll in freude verkehret werden. Ein weib, wenn sie gebieret, so hat ſie traurigkeit; denn ihre stunde ist kommen. Wenn sie aber das kind geboren hat, denket sie nicht mehr an die angst, um der freude willen, daß der mensch zur welt geboren ist. Und ihr habt auch nun trau rigkeit, aber ich will euch wieder sehen, und euer herz soll sich freuen, und eure freude soll niemand von euch nehmen. Und an demselbigen tage werdet ihr mich um nichts fragen. Um 4. Sonnt. nach Ostern, Cantare. Epistel, Jac. 1. v. 16:21. Lieben brüder, alle gute gabe, und alle vollkommene gabe kommt von oben herab, von dem vater des lichts, bei welchem ist keine veränderung noch wechsel des lichts und finsterniß. Er hat uns ge zeuget nach seinem willen, durch das wort der wahrheit, auf das wir waren erstlinge seiner creaturen. Darum, lieben brüder, jeglicher mensch sen schnell zu hören, langsam aber zu reden, und langsam zum zorn; denn des menschen zorn thut nicht, was vot Gott recht ist. Darum, so leget ab alle unsauberkeit, und alle boss. heit, und nehmet das wort an mit sanftmuth, das in euch gepflanzet ift, welches kann eure seelen selig machen. Episteln und Evangelia. Evangelium, Job. 16. v. 5:15. un aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat, und nie25 weil ich solches zu euch geredet habe, ist euer herz voll tratterns wor= den. Über ich sage euch die wahrheit: Es ist euch gut, daß ich hingehe. Denn so ich nicht hingehe, so kommt der tröster nicht zu euch; so ich aber hingehe, will ich ihn zu euch senden. Und wenn derselbige kommt, der wird die welt strafen um die sünde, um die gerechtigkeit, und um das gerichte. Um die sünde, daß sie nicht glauben an mich; um die gerechtigkeit aber, daß ich zum vater gehe, und ihr mich hinfort nicht sehet; um das gerichte, daß der fürst dieser welt gerichtet ist. Ich habe euch noch viel zu sagen, aber ihr könnet es jetzt nicht tra= gen. Wenn aber jener, der geist der wahrheit kommen wird, der wird euch in alle wahrheit leiten. Denn er wird nicht von ihm selber reden, sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen. Derselbige wird mich verkláren; denn von dem meinen wird ers nehmen, und euch verkündigen. Alles, was der vater hat, das ist mein; darum habe ich gesagt: Er wirds von dem meinen nehmen, und euch verkündigen. Am 5. Sonntage nach Ostern, Vocem Jucunditatis, oder Rogate. Epistel, Jac. 1. v. 22-27. geyd thäter des worts, und nicht hörer allein, damit ihr euch nicht selbst betrüget. Denn so jemand ist ein hörer des worts und nicht ein thäter, der ist gleich einem manne, der sein lieblich ange= sicht im spiegel beschauet. Denn nachdem er sich beschauet hat, gehet er davon, und vergisset von stund an, wie er gestaltet war. Wer aber durchschauet in das vollkommene geseß der freyheit, und darinnen beharret, und ist nicht ein vergeßlicher hörer, sondern ein thäter, derselbe wird selig seyn in seiner that. So aber sich jemand unter euch läßt dunken, er diene Gott, und hält seine zunge nicht im zaum, sondern verführet sein herz, deß gottesdienst ist eitel. Ein reiner und unbefleckter gottesdienst vor Gott dem Vater ist der, die waisen und wittwen in ihrem trübsal besuchen; und sich von der welt unbefleckt behalten. Evangelium, Joh. 16. v. 23:30. Mahrlich, wahrlich ich sage euch: So ihr den Vater etwas bitten werdet, namen, so wird ers euch geben. Bisher habet ihr nicht gebeten in meinem namen. Bittet, so werdet ihr nehmen, daß eure freude vollkommen sey. Solches habe ich zu euch durch sprichwort geredet; es kommt aber die zeit, daß ich nicht mehr durch sprichwort mit euch reden werde, sondern euch frei heraus verkündigen von meinem vater. Un demselben tage werdet ihr bitten in meinem namen; und ich sage euch nicht, daß ich den Vater für euch bitten will; denn er selbst, der Vater, hat euch lieb, darum, daß ihr mich liebet, und glaubet, daß ich von Gott ausgegangen bin. Ich bin von Gott ausgegangen, und kommen in die welt; wiederum verlasse ich die welt, und gehe zum Vater. Sprechen zu ihm seine jünger: Siehe, nun redest du frey heraus, und sageft kein sprichwort. Nun wissen wir daß du alle dinge weißest, und bedarfst nicht, daß dich jemand frage. Draum glauben wir, das du von Gott ausgegangen bist.. 26 Episteln und Evangelia. Am Tage der Himmelfahrt Christi. Epistel, Ap. Gesch. 1. v. 1 ie erste rede habe ich zwar gethan, lieber Theophile, von dem, das Jesus anfing, beyde zu thun und lehren, bis an tag, da er aufgenommen ward, nachdem er den aposteln,( welche hatte erwählet) durch den heiligen Geist befehl gethan hatte, wel er sich nach seinen leiden lebendig erzeiget hatte durch manche erweisung, und ließ sich sehen unter ihnen vierzig tage lang, redete mit ihnen vom reiche Gottes. Und als er sie versammlet ha befahl er ihnen, daß sie nicht von Jerusalem wichen, sondern m teten auf die verheißung des vaters, welche ihr habt gehört( spr er) von mir. Denn Johannes hat mit wasser getauft, ihr a follt mit dem heiligen Geist getauft werden, nicht lange nach die tagen. Die aber, so zusammen kommen waren, fragten ihn L sprachen: Herr, wirst du auf diese zeit wieder aufrichten das re Israel? Er aber sprach zu ihnen: Es gebühret euch nicht zu wis zeit oder stunde, welche der vater seiner macht vorbehalten he sondern ihr werdet die kraft des heiligen geistes empfahn, weld auf euch kommen wird, und werdet meine zeugen seyn zu Jeru lem, und in ganz Judda und Samaria, und bis an das ende erden. Und da er solches gesagt, ward er aufgehoben zusehen und eine wolke nahm ihn auf vor ihren augen weg. Und als ihm nachsahen gen himmel fahren, siche, da stunden bei ihnen zwe manner in weißen kleidern, welche auch sagten: Ihr månner v Galiläa, was stehet ihr, und sehet gen himmel? Dieser Jefum welcher von euch ist aufgenommen gen himmel, wird kommen, m ihr ihn gesehen habt gen himmel fahren. Evangelium, Marc. 16. v. 14:20. ulest, ba bie eilfe zu tische saßen, offenbarte sich der Herr, am schalt ihren unglauben und ihres herzens hårtigkeit, daß sie nic geglaubet hatten denen, die ihn gesehen hatten auferstanden. Un sprach zu ihnen: Gehet hin in alle welt, und prediget das evange lium aller creatur: Wer da glaubet und getauft wird, der wit selig werden; wer aber nicht glaubet, der wird verdammt werden Die zeichen aber, die da folgen werden denen, die da glauben, sin die: In meinem namen werden sie teufel austreiben; mit neur gungen reden; schlangen vertreiben; und so sie etwas tödtliches tri ken, wirds ihnen nicht schaden: auf die kranken werden sie die hand legen, so wirds besser mit ihnen werden. Und der Herr, nachdem er mit ihnen geredet hatte, ward er aufgehoben gen himmel, un siset zur rechten hand Gottes. Sie aber gingen aus, und predigt an allen orten, und der Herr wirkte mit ihnen, und bekräftigte de wort durch mitfolgende zeichen. Am 6. Sonnr, nach Ostern, Eraudi, Epistel, 1. Perr, 4. v. 8-11 nun und allen dingen habt unter einander eine brünstige liebe, denn die liebe becket auch der sünden menge. Seyd gastfrey unter einande ohne murmein. Und dienet einander, ein jeglicher mit der gabe, bie er empfangen hat, als die guten haushalter der mancherlei gnaden Gottes. Go jemand redet, daß ers rede als Gottes wort. So je mand ein amt hat, daß ers thue als aus dem vermögen, das Gott 1 Epipeln und Evangelia. 27 1-1 darreichet; auf daß in allen dingen Gott gepriesen werde durch Jeſum Christ, welchem sey ehre und gewalt von ewigkeit zu ewigkeit. Amen. Evangelium, Joh. 15 und 16. he M enn aber der tröfter kommen wird, welchen ich euch senden werde her 1 att send vom anfang bei mir gewesen. vom Vater, der geist der wahrheit, der vom Vater ausgehet, der wird zeugen von mir. und ihr werdet auch zeugen; denn ihr Solches habe ich zu euch geredet, Sie werden euch in den bann thun. Es wer euch tödtet, wird meynen, er thue 100 pra abo Und solches werden sie euch darum thun, Die daß sie weder meinen vater noch mich kennen. Aber solches habe ich zu euch geredet, auf daß, wenn die zeit kommen wird, daß ihr daran gedenket, daß ichs euch gesagt habe. Solches aber habe ich euch vom anfang nicht gesagt: denn ich war bei euch. rei Sije hat Ich Am 1. Pfingstrage. Epistel, Av. Gesch. 2. v. 1:13. ruf Un nd als der tag der pfingsten erfüllet war, waren sie alle einmüthig bey einander. und es geschah schnell ein brausen vom - himmel als eines gewaltigen windes, und erfüllete das ganze haus, end da sie saßen. Und man sahe an ihnen die zungen zertheilet, als waren fie feurig, und er sagte sich zu einem jeglichen unter ihnen, und ve wurden alle voll des heiligen Geistes, und fingen an zu predigen mit vandern zungen, nachdem der Geist ihnen gab auszusprechen. Es wafuren aber Juden zu Jerusalem wohnend, die waren gottesfürchtige m manner, aus allerley volk, das unter dem himmel ist. Da nun dieſe ftimme geschah, kam die menge zusammen, und wurden verstürzt; denn es hörte, ein jeglicher, daß sie mit seiner sprache redeten. Sie entfaßten sich aber alle, verwunderten sich und sprachen unter einander: Siehe, sind diese nicht alle, die da reden, aus Galilda? Wie hören wir denn ein jeglicher seine sprache, darinnen wir geboren sind? Parther und Meder, und Elamiter, und die wir wohnen in Mesopotamia, und in Judda und Cappadocia, Ponto und Asia, Phrygia und Pamphilia, Egypten und an den enden der Libien, bey Cyrenen, und ausländer von Rom, juden und judengenossen, Ereter und Araber; wir hören sie mit unsern zungen die großen thaten Gottes reden. Sie entfaßten sich aber alle, und wurden irre, und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden? Die andern aber hat: ten ihren spott und sprachen: Sie sind voll süßen weins. id L th daß ihr euch nicht ärgert. kommt aber die zeit, daß, Gott einen dienſt daran. em Evangelium, Job. 14. v. 23:31. Mer mich liebet, der wird mein wort halten, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und wohnung bey ihm machen. Wer aber mich nicht liebet, der hålt mein wort richt; und das wort, das ihr höret, ist nicht mein, sondern des Vaters, der mich gesandt hat. Solches habe ich zu euch geredet, weil ich bey euch gewesen bin. Aber der tröster, der heilige Geist, So welchen mein Vater senden wird in meinem namen, derselbige wird di euch alles lehren, und erinnern alles deß, das ich euch gesagt habe. Den frieden lasse ich euch; meinen frieden gebe ich euch. Nicht gebe be ich euch, wie die welt giebet. en sich nicht. Ihr habt gehört, daß ich euch gesagt habe: Ich gehe hin, Euer herz erschrecke nicht und fürchte je und komme wieder zu euch. Hättet ihr mich lieb, so würdet ihe ott euch freuen, daß ich gesagt habe, ich gehe zum Bater; denn der in 28 Episteln und Evangelia. Vater ist größer, denn ich. Und nun habe ichs euch gesagt, ehe denn es geschiehet, auf daß, wenn es nun geschehen wird, ihrs glaus bet. Ich werde hinfort nicht viel mehr mit euch reden; denn es kömmt der fürst dieser welt, und hat nichts an mir. Aber, auf daß die welt erkenne, daß ich den Vater liebe, und ich also thue, wie mir der Vater geboten hat; stehet auf und lasset uns von hinnen gehen. 2m 2. Pfingstage. Epistel, ap. Gesch. 10. v. 42-48. nd der uns zu dem und gen, daß er ist verordnet von Gott, ein richter der lebendigen und der fodten. Von diesem zeugen alle propheten, daß durch seinen namen alle, die an ihn glauben, vergebung der fünden empfahen sollen. Da Petrus noch diese worte redete, fiel der heilige geist auf alle, die dem worte zuhöreten. Und die gläubigen aus der beschneidung, die mit Petro kommen waren, entsagten sich, daß auch auf die hei den die gabe des heiligen geistes ausgegossen ward. Denn sie höreten, daß sie mit zungen redeten, und Gott hoch preiseten. Da antwortete Petrus: Mag auch jemand das wasser wehren, daß diese nicht ge tauft werden, die den heiligen geist empfangen haben, gleichwie auch wir? Und befahl sie zu taufen in dem namen des Herrn. Evangelium, Joh. 3. v. 16-21. o hat Gott die welt geliebt, daß er seinen eingebornen sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige leben haben. Denn Gott hat seinen sohn nicht gefandt in die welt, daß er die welt richte, sondern daß die welt durch ihn selig werde. Wer an hn glaubet, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubet, der ist schon gerichtet, denn er glaubet nicht an den namen des eingebornen sohnes Gottes. Das ist aber das ges richte, daß das licht in die welt kommen ist, und die menschen lieb ten die finsterniß mehr, denn das licht; denn ihre werke waren böse. Wer arges thut, der hasfet das licht, und kommt nicht an das licht, auf daß seine werke nicht gestraft werden. Wer aber die wahrheit thut, der kommt an das licht, daß seine werke offenbar werden; denn sie sind in Gott gethan. Am Sonn. und feste Trinitatis. Epistel, Rom. 11. v. 33:36. welch eine tiefe des reichthums, beide der weisheit und erkennt niß Gottes! Wie gar unbegreiflich sind seine gerichte, und un erforschlich seine wege! Denn wer hat des herrn sinn erkannt? Oder wer ist sein rathgeber gewesen? Oder wer hat ihm etwas zuvor gez geben, das ihm werde wieder vergolten? Denn von ihm, und durch ihn, und in ihm sind alle dinge. Ihm sey ehre in ewigkeit. Amen. Evangelium, Job. 3. v. 1:15. & war ein mensch unter den pharifáern, mit namen Nicodemus, ein oberster unter den juden; der kam zu Jesu bey der nacht, und sprach zu ihm: Meister, wir wissen, daß du bist ein lehrer von Gott kommen, denn niemand kann die zeichen thun, die du thust es sey denn Gott mit ihm. Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sey denn, daß jemand von neuem geboren werde, kann er das reich( Sattes nicht sehen. Nicodemus ſpricht zu ihm: Wie kann ein mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er auch wiederum in seiner mutter leib gehen, und geboren Episteln und Evangelia. 29 werden? Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir, es sey denn, daß jemand geboren werde aus dem wasser und geist, so kann er nicht in das reich Gottes kommen. Was vom fleisch geboren wird, das ist fleisch, und was vom geist geboren wird, das ist geist. Laß dichs nicht wundern, daß ich dir gesagt habe: Ihr müffet von neuem geboren werden. Der wind bláset, wo er will, und du horest sein sausen wohl, aber du weißt nicht, von wannen er kommt, und wohin er fähret. Also ein jechlicher, der aus dem geist geboren ist. Nicodemus antwortete und sprach zu ihm: Wie mag solches zugehen? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Bist du ein meiſter in Ifrael, und weißt das nicht? Wahrlich, wahrlich ich sage dir: Wir reden, daß wir wissen, und zeugen, daß wir gesehen haben z und ihr nehmet unser zeugniß nicht an. Glaubet ihe nicht, wenn ich euch von irdischen dingen sage: wie würdet ihr glauben, wenn ich euch von himmlischen dingen sagen würde? Und niemand fähret zum himmel, denn der vom himmel hernieder kommen ist, nämlich des menschen sohn, der im himmel ist. Und wie Moses in der wüsten eine schlange erhöhet hat; also muß des menschen sohn erhöhet werden, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige leben haben. Am 1. Sonntage nach Trinitatis, Epistel, 1 Joh. 4. v. 16-21. ott ist die liebe, und wer in der liebe bleibet, der bleibet in Gott und Gott in ihm. Darum ist die liebe völlig bei uns, auf daß wir eine freudigkeit haben am tage des gerichts, denn gleich wie er ist, so sind auch wir in dieser welt. Furcht ist nicht in der liebe, sondern die völlige liebe treibet die furcht aus, denn die furcht hat pein. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht völlig in der liebe. Laffet uns ihn lieben: denn er hat uns zuerst geliebet. So jemand spricht: ich liebe gott, und hasset seinen bruder, der ist ein lügner. Denn wer seinen bruder nicht liebet, den er siehet; wie kann er Gott lieben, den er nicht siehet? Und dies gebot haben wir von ihm, daß, wer Gott liebet, daß der auch seinen bruder liebet. Evangelium, Quc. 16. v. 19:31. Es war ein reicher mann, der kleidete sich mit purpur und köstlichem 1 tage herrlich und war aber ein armer, mit namen Lazarus, der lag vor seiner thür voller schwären, und begehrte sich zu sättigen von den brosaamen, die von des reichen tische fielen: doch kamen die hunde und leckten ihm seine schwären. Es begab sich aber, daß der arme starb, und ward getragen von den engeln in Abrahams schooß. Der reiche aber starb auch, und ward begraben. Als er nun in der hölle und in der quaal war, hub er seine augen auf und sahe Abraham von ferne und Lazarum in seinem schooß, rief und sprach: Vater Abraham, erbarme dich mein, und sende Lazarum, daß er das äußerste seines fingers ins wasser tauche, und kühle meine zunge; denn ich leide pein in dieser flamme. Abraham aber sprach: Gedenke, sohn, daß du dein gutes empfangen haft in deinem leben, und Lazarus dagegen hat böses empfangen: Nun aber wird er getröstet, und du wirst gepeiniget. Und über das alles ist zwischen uns und euch eine große kluft befestiget, daß, die da wollten von hinnen hinabfahren zu euch, können nicht, und auch nicht von dannen zu uns hinüber fahren. Da sprach er: so bitte ich dich, vater, daß du ihn sendest in meines vater haus. Denn ich habe noch 30 Episteln und Evangelia. fünf brüder, daß er ihnen bezeuge, auf daß sie nicht auch kommen an diesen ort der quaal. Abraham sprach zu ihm: Sie haben Mosen und die propheten, laß sie dieselbigen hören. Er aber sprach: Nein, vater Abraham, sondern wenn einer von den todten zu ihnen ginge, so würden sie buße thun. Er sprach zu ihm: hören sie Mo sen und die propheten nicht, so würden sie auch nicht glauben, ob jemand von den todten auferstünde. Am 2. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, 1 Job. 3. v. 13-18. Nich ieben brüder, verwundert euch nicht, ob euch die welt haffet. Wir wissen, daß wir aus dem tode ins Leben kommen sind; denn wir lieben die brüder. Wer den bruder nicht liebet, der bleibet im tode. Wer seinen bruder hasset, der ist ein todtschläger, und ihr wisset, daß ein todtschläger nicht hat das ewige leben bei ihm bleibend. Daran haben wir erkannt die liebe, daß er sein leben für uns ge lassen hat; und wir sollen auch das leben für die brüder laffen. Wenn aber jemand dieser welt güter hat, und siehet seinen bruder darben, und schleußt sein herz vor ihm zu; wie bleibet die liebe Gottes bey ihm? Mein kindlein, lasset uns nicht lieben mit worten, noch mit der zunge, sondern mit der that und mit der wahrheit. Evangelium, quc. 14. v. 16-24. war ein mensch, der machte ein groß abendmahl, und lud viel dazu. und sandte seinen knecht aus zur stunde des abendmahls, zu sagen den geladenen: Kommet, denn es ist alles bereitet. Und sie fingen an alle nach einander sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen acker gekauft, und muß hinaus gehen, und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Und der andere sprach: Ich habe fünf joch ochfen gekauft, und gehe jest hin, sie zu be sehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Und der dritte sprach: ich habe ein weib genommen, darum kann ich nicht kommen. Und der knecht kam, und sagte das seinem herrn wieder. Da ward der hausherr zornig, und sprach zu seinem knechte: Gehe aus bald auf die straßen und gassen der stadt, und führe die armen und krüppel, und lahmen und blinden herein. Und der knecht sprach: Herr, es ist ge schehen wie du befohlen hast; es ist aber noch raum da. Und der herr sprach zu dem knechte: Gehe aus auf die landstraßen und an zäune, und nöthige sie hereinzukommen, auf daß mein haus voll werde. Ich sage euch aber, daß der männer keiner, die gelas den sind, mein abendmahl schmecken wird. die Am 3. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, 1. Petri 5. v. 6:11. ieben brüder, so demüthiget euch nun unter die gewaltige hand Gottes, daß er euch erhöhe zu seiner zeit. Alle eure sorgen wer fet auf ihn, denn er forget für euch. Seyd nüchtern und wachet: denn cuer widersacher, der teufel gehet umher, wie ein brüllender lowe, und suchet, welchen er verschlinge. Dem widerstehet fest im glauben, und wisset, daß eben dieselbigen leiden über eure brüder in der welt gehen. Der Gott aber aller gnade, der uns berufen hat zu seiner ewigen herrlichkeit in Chrifto Jesu, derselbige wird euch, die ihr eine kleine zeit leidet, vorbereiten, stårken, kräftigen, gründen. Demselbigen sey ehre und macht von ewigkeit zu ewigkeit. Amen. Evangelium, Quc. 15. v. 1-10. s naheten aber zu ihm alleriey zöllner und sünder, daß sie ihn horten. Und die pharisäer und schriftgelehrten murrten und Episteln und Evangelia. 31 sprachen: dieser nimmt die fünder an und isset mit ihnen. Er sagte aber zu ihnen dies gleichniß, und sprach: Welcher mensch ist unter euch, der hundert schaafe hat, und so er der eins verlieret, der nicht lasse die neun und neunzig in der wüsten, und hingehe nach dem verlornen, bis daß er es finde? Und wenn ers funden hat, ſo legt er es auf seine achsel mit freuden. Und wenn er heim kommt, rufet er seinen freunden und nachbaren, und spricht zu ihnen: Freuet euch mit mir, denn ich habe mein schaaf funden, das verloren war. Ich sage euch, also wird auch freude im himmel seyn über einen súnder, der buße thut, für neun und neunzig gerechte, die der buße nicht bedürfen. Oder, welch weib ist, die zehn groschen hat, so sie der einen verlieret, die nicht ein licht anzünde, und kehre das haus, und suche mit fleiß, bis daß sie ihn finde? Und wenn sie ihn funden hat, rufet sie ihre freundinnen und nachbarinnen, und spricht: Freuet euch mit mir, denn ich habe meinen groschen funden, den ich verloren hatte. Also auch, sage ich euch, wird freude seyn vor den engeln Gottes über einen sünder, der buße thut. Am Feste Johannis des Täufers. Epistel, Jef. 40. v. 1-5. Pröstet, tröstet mein volk, spricht euer Gott. Rede mit Jerusalem freundlich, und prediget ihr, daß ihre ritterschaft ein ende hat: denn ihre missethat ist vergeben; denn sie hat zwiefältiges empfangen von der hand des herrn, um alle ihre sünde. Es ist eine stimme eines predigers in der wüsten: bereitet dem Herrn den weg, machet auf dem gefilde eine ebene bahn unserm Gott! alle thale sollen erhöhet werden, und alle berge und, hügel sollen erniedrigt werden; und was ungleich ist, soll eben, und was hockricht ist, soll schlicht werden. Denn die herrlichkeit des Herrn soll offenbart werden; und alles fleisch mit einander wird sehen, daß des Herrn mund redet. Evangelium, Luc. 1. v. 57-80. Unt nd Elisabeth kam ihre zeit, daß sie gebähren sollte: und sie gebar einen sohn. Und ihre nachbarn und gefreundeten hörten, daß der Herr große barriherzigkeit an ihr gethan hatte, und freueten sich mit ihr. Und es begab sich am achten tage, kamen sie zu beschneiden das kindlein, und hießen ihn nach seinem vater Zacharias. Aber seine mutter antwortete und sprach: mit nichten, sondern er soll Johannes heißen. Und sie sprachen zu ihr: Ist doch niemand in deiner freundschaft, der also heißet. Und sie winkte seinem vater, wie er ihn wollte heißen lassen, und er forderte ein täflein, schrieb und sprach: Er heißet Johannes. Und sie verwunderten sich alle. Und alsbald ward sein mund und seine zunge aufgethan, und. redete und lobete Gott, und es kam eine furcht über alle nachbarn. Und dies geschicht ward alles ruchtbar auf dem ganzen jüdischen gebirge; und alle, die es hores. ten, nahmen es zu herzen, und sprachen: Was meynest du, will aus dem kindlein werden? Denn die hand des herrn war mit ihm. und sein vater Zacharias ward des heiligen Geistes voll, weissagete und sprach: Gelobet sey der Herr, der Gott Israel: denn er hat besucht und ers loset sein volk. und hat uns aufgerichtet ein horn des heils, in dem Hause seines vaters David: Als er vor zeiten geredet hat durch den mund seiner heiligen propheten; daß er uns errette von unsern feinden, und von der hand aller, die uns hassen, und die barmherzigkeit erzeigte unsern vätern, und gedachte an seinen heiligen bund, und an den eid, den er geschworen hat unserm vater Abraham, uns 32 Episteln und Evangelia. zu geben; daß wir, erlöset von der hand unserer feinde, ihm dieneten ohne furcht unser lebelang, in heiligkeit und gerechtigkeit, die ihm gefällig ist. Und du, kindlein, wirst ein prophet des höchsten heißen: du wirst vor dem herren hergehen, daß du seinen weg berei: test, und erkenntniß des heils gebest seinem volk, die da ist in ver: gebung ihrer sünden, durch die herzliche barmherzigkeit unsers got: tes, durch welche uns besucht hat der anfang aus der höhe; auf daß er erscheine denen, die da sigen in finsterniß und schatten des todes, und richte unsre füße auf den weg des friedens. Und das kindlein wuchs, und ward stark im geist; und war in der wüsten, bis daß er sollte hervortreten vor das volk Iſrael. 2m 4. Sonntage nach Trinitatis, Epistel, Rom. 8. v. 18:23. ieben brüder, ich halte es dafür, daß dieser zeit leiden der herrlichkeit nicht werth sey, die an uns soll offenbaret werden. Denn das ängstliche harren der creatur wartet auf die offenbarung der kinder Gottes. Sintemal die creatur unterworfen ist der eitelkeit, ohne ihren willen, sondern um deß willen, der sie unterworfen hat auf hoffnung. Denn auch die creatur frei werden wird von dem dienst des vergänglichen wesens, zu der herrlichen freyheit der kinder Gottes. Denn wir wissen, daß alle creatur sehnet sich mit uns, und angstia get sich noch immerdar, nicht allein aber sie, sondern auch wir selbst, die wir haben des geistes erstlinge, sehnen uns auch bei uns selbst nach der kindschaft und warten auf unsers leibes erlösung. Evangelium, Luc. 6. v. 36-42. wie euer vater Nichtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammet nicht, so werdet ihr auch nicht verdammet. Vergebet, so wird euch verges ben. Gebet, so wird euch gegeben. Ein voll, gedrückt, gerüttelt, und überflüssiges maaß wird man in euren schooß geben: Denn eben mit dem maaß, da ihr mit messet, wird man euch wieder messen. Und er sagte ihnen ein gleichniß: Mag auch ein blinder einem blin den den weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die grube fal len? Der junger ist nicht über seinen meister; wenn der jünger ist, wie sein meister, so ist er vollkommen. Was siehest du aber einen ſplitter in deines bruders auge, und den balken in deinem auge wirst du nicht gewahr? Oder wie kannst du sagen zu deinem bruder: Halt stille, bruder, ich will den splitter aus deinem auge zies hen; und du siehest selbst nicht den balken in deinem auge? Du heuchler! zeuch zuvor den balken aus deinem auge, und bestehe dann, daß du den splitter aus deines bruders auge ziehest. Am Feste der Heimsuchung Marià. Epistel, Eia. 11. v. 1.5. und nd es wird eine ruthe aufgehen von dem stamm Isai, und ein ziveig aus seiner wurzel frucht bringen, auf welchem wird ruhen der geist des Herrn, der geist der weisheit und des verstandes, der geist des raths und der stårke, der geist der erkenntniß und der furcht des Herrn. Und sein richten wird seyn in der furcht des Herrn. Er wird nicht richten, nachdem seine augen sehen, noch strafen, nachdem feine ohren hören; sondern wird mit gerechtigkeit richten die armen, und mit gericht strafen die elenden im lande. und wird mit dem stabe seines mundes die erde schlagen, und mit dem othem seiner lippen die gottlosen tödten. Gerechtigkeit wird die gurt seiner lens den feyn, und der glaube die gurt seiner nieren. Episteln und Evangelia. Evangelium, Luc. 1. v. 39:56. Maria aber stund auf in den tagen, und ging auf das gebürge zur Juda, in das 33 und grüßte Elisabeth. Und es begab sich, als Elisabeth den gruß Maria hörte, hüpfte das kind in ihrem leibe. Und Elisabeth ward des heiligen geistes voll, und rief laut und sprach: Gebenedeyet bist du unter den weibern, und gebenedeyet ist die frucht deines leibes. Und woher kommt mir das, daß die mutter meines herren zu mir kommt? Siehe, da ich die stimme deines grußes hörete, hüpfte mit freuden das kind in meinem leibe. Und o selig bist du, daß du ge= glaubet hast; denn es wird vollendet werden, was dir gesagt ist von dem Herren. Und Maria sprach: Meine seele erhebet den Herrn, und mein geist freuet sich Gottes meines Heilandes. Denn er hat seine elende magd angesehen; siehe von nun an werden mich selig preisen alle findeskind. Denn er hat große dinge an mir gethan, der da mächtig ist, und deß name heilig ist. Und seine barmherzigkeit währet immer für und für, bei denen, die ihn fürchten. Er übet ger walt mit seinem arm, und zerstreuet, die hoffärtig sind in ihres herzéns sinn. Er stößet die gewaltigen vom stuhl, und erhebet die niedrigen. Die hungrigen füllet er mit gutern, und lässet die reichen leer. Er denket der barmherzigkeit, und hilft seinem diener Ifrael auf. Wie er geredet hat unsern våtern, Abraham und seinem saamen ewiglich. Und Maria blieb bei ihr drei monden; darnach kehrte sie wiederum heim. Am 5. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, 1. Petri 3. v. 8-15. Endlich aber send alleſammt gleich gesinnt, mitleidig, brüderlich, barmherzig, freundlich. Vergeltet nicht böses mit bösem, oder scheltwort mit scheltwort; sondern dagegen segnet, und wisset, daß ihr dazu berufen seyd, daß ihr den segen ererbet. Denn wer leben will und gute tage sehen, der schweige seine zunge, daß sie nichts böses rede, und seine lippen, daß sie nicht trügen. Er wende sich vom bösen, und thue gutes, er suche frieden, und jage ihm nach. Denn die augen des Herrn sehen auf die gerechten, und seine ohren auf ihr gebet. Das angesicht aber des Herren siehet auf die, so da bofes thun. Und wer ist, der euch schaden könne, so ihr dem guten nachkommet? und ob ihr auch leidet um der gerechtigkeit willen, so feyd ihr doch selig. Fürchtet euch aber vor ihrem trogen nicht, und erschrecket nicht; heiliget aber gott den Herrn in euren herzen. Evangelium, Luc. 5. v. 1:11. & s begab sich aber, daß sich das volk zu ihm drang, zu hören das wort gottes; und er stand am see Genezareth, und sahe zwei schiffe am see stehen; die fischer aber waren ausgetreten und wuschen ihre nege. Da trat er in der schiffe eines, welches Simonis war, und bat ihn, daß ers ein wenig vom lande führete; und er sagte sich und lehrete das volk aus dem schiffe. Und als er hatte aufgehöret zu reden, er zu Simon: Fahret auf die höhe eure nege aus, daß ihr einen zug thut. Und Simon antwortete, und prach zu ihm: Meister wir haben die ganze nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein wort will ich das neß auswerfen. Und da sie das thaten, beschlossen sie eine große menge fische, und ihr neg zerriß. Und sie winkten ihren gesellen, die im andern schiffe waren, daß sie kámen und hülfen ihnen ziehen. Und sie tamen und fülleten ( S 34 Episteln und Evangelia. beide schiffe voll, also daß sie sunken. Da das Simon Petrus sahe, fiel er Jesu zu den knien und sprach: Herr, gehe von mir hinaus, ich bin ein sündiger mensch. Denn es war ihm ein schrecken ankom men und alle, die mit ihm waren über diesen fischzug, den sie mit einander gethan hatten, desselbigen gleichen auch Jacobum und Jo hannem, die söhne Zebedái, Simonis gesellen. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht, denn von nun an wirst du menschen fahen. Und sie führten die schiffe zu lande, und verließen alles und folgten ihm nach. Am 6. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Röm. 6. v. 3:11. Winter iset ihr nicht, daß alle, die wir in Jesum Christ getauft sind, die sind auf seinen tod getauft? So sind wir je mit ihm begraben durch die taufe in den tod, auf daß, gleich wie Christus ist aufer wecket von den todten, durch die herrlichkeit des vaters, also sollen wir auch in einem neuen leben wandeln. So wir aber sammt ihm gepflanzet werden zu gleichem tode, so werden wir auch der auferste hung gleich seyn, dieweil wir wissen, daß unser alter mensch sammt ihm gekreuziget ist, auf daß der sündliche leit aufhöre, daß wir hin fort der sünde nicht dienen. Denn wer gestorben ist, der ist gerecht fertigt von der fünde. Sind wir aber mit Christo gestorben, glauben wir, daß wir auch mit ihm leben werden; und wisset, daß Christus, von den todten auferwecket, hinfort nicht, stirbet; der tod wird hinfort nicht über ihn herrschen. Denn daß er gestorben ist, das ist er der sünde gestorben zu einem mal: daß er aber lebet, das lebet er Gott. Also auch ihr, haltet euch dafür, daß ihr der sünde gestorben send, und lebet ott, in Christo Jesu unserm Herrn. * vangelium, Matth. 5. v. 20-26. e sey denn eure gerechtigkeit besser, denn der schriftgelehrten und pharisder; so werdet ihr nicht in das himmelreich kommen. Ihr habt gehört, daß zu den alten gesagt ist: Du sollt nicht tödten; wer aber tödtet, der soll des gerichts schuldig seyn. Ich aber sage euch: wer mit seinem bruder zúrnet, der ist des gerichts schuldig; wer aber zu seinem bruder saget: Racha, der ist des raths schuldig; wer aber saget: du narr, der ist des höllischen feuers schuldig. Darum, wenn du deine gabe auf dem altar opferst, und wirst allda eindenken, daß dein bruder etwas wider dich habe; so laß allda vor dem altar deine gabe, und gehe zuvor hin, und versöhne dich mit deinem bru der, und alsdann komm, und opfere deine gabe. Sey willfertig dei nem widersacher bald, dieweil du noch bei ihm auf dem wege bist, auf daß dich der widersacher nicht dermaleinst überantworte dem richter, und der richter überantworte dich dem diener, und werdest in den kerker geworfen. Ich sage dir: wahrlich, du wirst nicht von dannen herauskommen, bis du auch den letzten heller bezahleft. Am 7. Sonntane nach Trinitatis. Epistel, Rom. 6. v. 19-23. ch muß menschlich davon reden, um der schwachheit willen eures unreinigkeit, und von einer ungerechtigkeit zu der andern, also be gebet auch nun eure glieder zum dienste der gerechtigkeit, daß fie heilig werden. Denn da ihr der sünde Enechte waret, da waret ihr frei von der gerechtigkeit. Was hattet ihr nun zu der zeit für furcht? welcher ihr euch jetzt schämet: denn das ende derselben ist der tod. Nun ihr aber sepd von der sünd frei, und gottes Enechte worden Episteln und Evangelia. 35 habt ihr eure frucht, daß ihr heilig werdet; das ende aber das ewige leben. Denn der tod ist der sünden sold; aber die gabe Gottes ist das ewige leben, in Christo Jesu unserm herrn. Evangelium, Marc. 8. v. 1-9. u der zeit, da viel volks da war und hatten nichts zu essen, rief Jesus seine junger zu sich, und sprach zu ihnen: Mich jammert des volks, denn sie haben nun drei tage bei mir verharrt, und haben nichts zu essen! Und wenn ich sie ungegessen von mir heim ließe gehen, würden sie auf dem wege verschmachten. Denn etliche waren von ferne kommen. Seine junger antworteten ihm: Woher nehmen wir brod hier in der wüsten, daß wir sie fattigen? Und er fragte sie: wie viel habt ihr brod? Sie sprachen: Sieben. Und er gebot dem volk, daß sie sich auf die erde lagerten. Und er nahm die sieben brodte und dankte, und brach sie, und gab sie seinen jüngern, daß sie dieselben vorlegten, und sie legten dem volke vor. Und hatten ein wenig fischlein; und er dankte und hieß dieselben auch vortragen. Sie aßen aber, und wurden satt, und huben die übrigen brocken auf, sieben körbe und ihrer waren bei.. vier tausend, die da gegessen hatten, und er ließ sie von sich. Um 8. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Rom. 8. v. 12-17. o sind wir nun lieben brüder, schuldner, nicht dem fleische, daß wir nach dem fleische leben. Denn wo ihr nach dem fleische lebét, so werdet ihr sterben müssen; wo ihr aber durch den geist des flei sches geschäfte tödtet, so werdet ihr leben. Denn welche der geist gottes treibet, die sind gottes kinder. Denn ihr habt nicht einen knechtischen geist empfangen, daß ihr euch abermal fürchten müßtet: sondern ihr habt einen kindlichen geist empfangen, durch welchen wir rufen: Abba, lieber vater. Derselbige geist giebt zeugniß unserm geist, daß wir gottes kinder sind. Sind wir denn kinder, so sind wir auch erben, nemlich gottes erben, und miterben Christi; so wir anders mit leiden, auf daß wir auch mit zur herrlichkeit erhoben werden. Evangelium, Mattb. 7. v. 15:23. Sehet euch vor, vor den falſchen propheten, die in schaafskleidern zu aber ihren früchten sollt ihr sie erkennen. Kann man auch trauben lesen von den dornen, oder feigen von den disteln? Also ein jeglicher guter baum bringet gute früchte, aber ein fauler baum bringet arge früchte. Ein guter baum kann nicht arge früchte bringen, und ein fauter baum kann nicht gute früchte bringen. Ein jeglicher baum, der nicht gute früchte bringet, wird abgehauen, und ins feuer ge worfen. Darum an ihren früchten sollt ihr sie erkennen. Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, herr, in das himmelreich kommen, sondern die den willen thun meines vaters im himmel. Es werden viele zu mir sagen an jenem tage: Herr, herr, haben wir nicht in deinem namen geweisfaget? Haben wir nicht in deinem namen teufel ausgetrieben? Haben wir nicht in deinem namen viel thaten gethan? Dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch noch nie erkannt, weichet von mir, ihr übelthäter. Am 9. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, 1. Cor. 10. v. 6-13, as ist aber uns zum vorbilde geschehen, daß wir uns nicht getüfren lassen des bösen, gleichwie jene gelüftet hat. Werdet auch ( 2 36 Episteln und Evangelia. nicht abgöttische, gleichwie jener etliche wurden, als geschrieben ste het: Das volk sagte sich nieder zu essen und zu trinken, und stund auf zu spielen. Auch lasset uns nicht hurerey treiben, wie etliche unter jenen hurerey trieben, und fielen auf einen tag drey und zwanzig tausend. Lasset uns aber auch Christum nicht versuchen, wie etliche von jenen ihn versuchten, und wurden von den schlangen umbracht. Murret auch nicht, gleichwie jener etliche murreten, und wurden umbracht durch den verderber. Solches alles widerfuhr ih nen zum vorbilde: Es ist aber geschrieben uns zur warnung, auf welche das ende der welt kommen ist. Darum, wer sich låsset dünken, er stehe, mag wohl zusehen, daß er nicht falle. Es hat euch noch keine denn menschliche versuchung betreten; aber Gott ist getreu, der euch nicht läßt versuchen über euer vermögen, sondern machet, daß die versuchung so ein ende gewinne, daß ihr es fónnet ertragen. Evangelium, Luc. 16. v. 1-9. For sprach aber zu seinen jüngern: Es war ein reicher mann, der der war vor ihm berüchtigt, als hätte Und er forderte ihn und sprach zu ihm: Thue rechnung von deinem haushalten; hatte einen haushalter, er ihm seine guter umbracht. Wie höre ich das von dir? denn du kannst hinfort nicht mehr haushalter seyn. Der haushalter sprach bei sich selbst: Was soll ich thun? Mein herr nimmt das amt von mir: graben mag ich nicht, so schäme ich mich zu betteln. Ich weiß wohl, was ich thun will, wenn ich nun von dem amte geseget werde, daß sie mich in ihre häuser nehmen. Und er rief zu sich alle schuldner seines herrn, und sprach zu dem ersten: Wie viel bist du mei nem herrn schuldig? Er sprach: hundert tonnen dls. Und sprach zu ihm: Nimm deinen brief, sege dich und schreibe fluchs funfzig. Dars nach sprach er zu dem andern: Du aber, wie viel bist du schuldig? Er sprach: hundert malter weizen. Und er sprach zu ihm: Ninim deinen brief und schreibe achzig. Und der herr lobte den ungerechten haushalter, daß er flüglich gethan hatte. Denn die kinder dieser welt find kluger, denn die kinder des lichts in ihrem geschlecht. Und ich fage euch auch: Machet euch freunde mit dem ungerechten mammon, auf daß, wenn ihr nun darbet, sie euch aufnehmen in die ewigen hútten. 21m 10. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, 1. Cor. 12. v. 1:11. on den geistlichen gaben aber will ich euch, lieben brüder, nicht verhalten. Ihr wisset, daß ihr heiden seyd gewesen, und hingegangen zu dem stummen gößen, wie ihr geführet wurdet. Darum thue ich euch kund, daß niemand Jesum verfluche, der durch den geist gottes redet; und niemand kann Jesum einen herren heißen, ohne durch den heiligen geist. Es sind mancherlei gaben, aber es ist Ein geist; und es sind mancherlei ámter, aber es ist Ein herr; und es sind mancherlei kráfte, aber es ist Ein Gott, der da wirket alles in allen. In einem jeglichen erzeigen sich die gaben des geistes zum gemeinen nuß. Einem wird gegeben durch den geist zu reden von der weisheit; dem andern wird gegeben zu reden von der erkenntniß nach demselbis gen geist; einem andern der glaube, in demselbigen geist; einem an dern, die gabe gefund zu machen, in demselbigen geist; einem an dern, wunder zu thun; einem andern, weissagung; einem andern, geister zu unterscheiden; einem andern, mancherley sprachen; einem andern, bie sprachen auszulegen. Dies alles aber wirket derselbige einige geist, und theilet einem jeglichen seines zu, nachdem er will. Episteln und Evangelia. Evangelium, Luc. 19. v. 41-48. Und nd als Jesus nahe hinzu kam, sah er die stadt an und weinete über sie und sprach: Wenn du es wüßtest, so würdest du auch bedenken zu dieser deiner zeit, was zu deinem frieden dienet; aber nun ist es vor deinen augen verborgen. Denn es wird eine zeit über dich kommen, daß deine feinde werden um dich, und deine kinder mit dir eine wagenburg schlagen, dich belagern, und an allen orten angsten; und werden dich schleifen, und keinen stein auf dem andern" lassen; darum, daß du nicht erkennet hast die zeit, darinnen du heimgesucht bist. Und er ging in den tempel, und fing an auszutreiben, die darinnen verkauften und kauften, und sprach zu ihnen: Es stehet geschrieben: Mein haus ist ein bethaus: ihr aber habts gemacht zur mördergrube. Und er lehrte täglich im tempel. Aber die hohenpriester und schriftgelehrten, und die vornehmsten im volk, trachteten ihm nach, daß sie ihn umbrachten, und funden nicht, wie sie ihm thun sollten. Den alles volk hing ihm an und hörete ihn. 37 Am 11. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, 1. Cor. 15. v. 1-10. ch erinnere euch aber, lieben brüder, des evangelit, das ich euch chem ihr auch stehet, durch welches ihr auch selig werdet, welcher ges stalt ich es euch verkündiget habe, so ihrs behalten habt; es wäre denn, daß ihrs umsonst geglaubet hättet. Denn ich habe euch zuförs derst gegeben, welches ich auch empfangen habe, daß Christus ges storben sey für unsre sunde, nach der schrift; und daß er begraben sey; und daß er auferstanden am dritten tage, nach der schrift; und daß er gesehen worden ist von Kephas, darnach von den zwölfen. Darnach ist er gesehen worden von mehr denn fünfhundert brüdern auf einmal, derer noch viele leben, etliche aber sind entschlafen. Darnach ist er gesehen worden von Jacobo, hernach von allen aposteln. Um letzten, nach allen, ist er auch von mir, als einer unzeitigen geburt, gesehen worden. Denn ich bin der geringste unter den aposteln, als der ich nicht werth bin, daß ich ein apostel heiße, darum, daß ich die gemeine gottes verfolgt habe. Aber von gottes gnade bin ich, das ich bin, und seine gnade an mir ist nicht vergeblich ge= wesen, sondern ich habe viel mehr gearbeitet, denn sie alle; nicht aber ich, sondern gottes gnade, die in mir ist. 4 Evangelium, Luc. 18. v. 9:14. Ir sagte aber zu etlichen, die sich selbst vermaßen, daß sie fromm wären, und verachteten die andern, ein solch gleichniß. Es gingen zween menschen hinauf in den tempel zu beten; einer ein pharifaer, der andere ein zöllner. Der pharisäer stund, und betete bey sich selbst also: Ich danke dir, Gott, daß ich nicht bin wie andere leute, räuber, ungerechte, ehebrecher, oder auch wie dieser zöllner; ich faste zwier in der wochen, und gebe den zehnten von allem, das ich habe. Und der zöllner stand von ferne, wollte auch seine augen nicht aufheben gen himmel, sondern schlug an seine brust, und sprach: Gott, sey mir sünder gnädig! Ich sage euch, dieser ging hinab gerechtfertiget in sein haus vor jenem. Denn wer sich selbft erhöhet, der wird erniedriget werden, und wer sich selbst erniedrie get, der wird erhöhet werden. 38 Episteln und Evangelia. 2m 12. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, 2. Cor. 3. v. 4-9. Lieben brüder, ein solch vertrauen aber haben wir durch Chriſtum daß wir tüchtig sind, von uns etwas zu denken, als von uns selber; sondern daß wir tüchtig sind, ist von Gott. Welcher auch uns tüchtig gemacht hat, das amt zu führen des neuen testaments, nicht des buchstabens, sondern des geistes. Denn der buchstabe tödtet, aber der geist macht lebendig. So aber das amt, das durch die buchstaben tödtet, und in die steine ist ge bildet, klarheit hatte; also daß die kinder Israel nicht konnten ansehen das angesicht Mosis um der klarheit willen seines angesichts, die doch aufhöret; wie sollte nicht vielmehr das amt, das den geist giebt, klarheit haben? Denn so das amt, das die verdammniß predi get, klarheit hat; vielmehr hat das amt, das die gerechtigkeit prediget, überschwengliche klarheit. Evangelium, Marc. 7. v. 31-37. und nd da Jesus wieder ausging von den grenzen Tyri und Sidon, kam er an das galiläische meer, mitten unter die grenze der zehn städte. Und sie brachten zu ihm einen tauben, der stumm war, und sie baten ihn, daß er die hand auf ihn legte. Und er nahm ihn von dem volke besonders, und legte ihm die finger in die ohren, und ſpüßete, und rührte seine zunge und sahe auf gen himmel, seufzete und sprach zu ihm: Hephata, das ist, thue dich auf. Und alsbald thaten sich seine ohren auf, und das band seiner zunge ward los und redete recht. Und er verbot ihnen, sie solltens niemand sagen. Se mehr er aber verbot, jemehr sie es ausbreiteten. Und verwunderten sich über die maaße und sprachen: Er hat alles wohl gemacht, die tauben macht er hörend, und die sprachlosen redend. Am 13. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Gal. 3. v. 15:22. ieben brüder, ich will nach menschlicher weise reden. Verachtet man doch eines menschen testament nicht, wenn es bestätigt ist, und thut auch nichts darzu. Nun ist die verheißung Abraham und seinem saamen zugesagt. Er spricht nicht durch die saamen, als durch viele: sondern als durch einen, durch deinen saamen, welcher ist Christus. Ich sage aber davon, das testament, das von gott zuvor bestätiget ist auf Christum, wird nicht aufgehoben, daß die verheißung sollte durch das gefes aufhören, welches gegeben ist über vierhundert und dreißig jahr hernach. Denn so das erbe durch das geseß erworben würde; so würde es nicht durch verheißung gegeben. Gott aber hats Abraham durch verheißung frei geschenket. Was soll denn das geſes? Es ist darzu kommen um der sünde willen, bis der saame káme, dem die verheißung geschehen ist, und ist gestellet von den engeln, durch die hand des mittlers. Ein mittler aber ist nicht eines einigen mittler. Gott aber ist einig. Wie? ist denn das gefes wider gottes verheißung? Das sey ferne. Wenn aber ein gefeß gegeben wäre, da könnte lebendig machen; so káme die gerechtigkeit wahrhaftig aus dem geses. Aber die schrift hat es alles beschlossen unter die fünde, auf daß die verheißung käme durch den glauben an Jesum Christum gegeben denen, die da glauben. das Evangelium, Luc. 10. v. 23-37. Unter wandte ſich zu ſeinen jungern, und sprach inſonderheit: Selli augen, die das ihr euch Biele propheten und könige wollten sehen, das ihr sehet, und habens 7 Episteln und Evangelia. 39 nicht gesehen; und hören, das ihr höret, und habens nicht gehöret. Und siehe, da stund ein schriftgelehrter auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muß ich thun, daß ich das ewige leben ererbe? Er aber sprach zu ihm: Was stehet im gesetz geschrieben? wie liefest du? Er antwortete und sprach: Du sollt gott, deinen herren lieben von gans zem herzen, von ganzer seele, von allen kräften und von ganzem ges müthe; und deinen nächsten als dich selbst. Er aber sprach zu ihm: du haft recht geantwortet; thue das, so wirst du leben. Er aber wollte sich selbst rechtfertigen, und sprach zu Jesu: Wer ist denn mein nächster? Da antwortete Jesus und Es war ein mensch, der ging von Jerusalem hinab generis und fiel unter die mörder; die zogen ihn aus und schlugen ihn, und gingen davon und ließen ihn halb todt liegen. Es begab sich aber von ohngefähr, daß ein priester dieselbige straße hinab zog, und da er ihn sahe, ging er vorüber. Des ſelbigen gleichen auch ein levit, da er kam bei die ståtte, und sahe ihn, ging er vorüber. Ein Samariter aber reisete, und kam dahin; und da er ihn sahe, jammerte ihn sein, ging zu ihm, verband ihm seine wunden, und goß darin öhl und wein, und hub ihn auf sein thier, und führte ihn in die herberge und pflegte sein. Des andern tages reiſete er, und zog heraus zween groschen, und gab sie dem wirth, und sprach zu ihm: Pflege sein, und so du was mehr wirst darthun, will ichs dir bezahlen, wenn ich wiederkomme. Welcher dünfet dich, der unter diesen dreien der nächste sey gewesen dem, der unter die mörder gefallen war? Er sprach: der die barmherzigkeit an ihm that. Da sprach Jesus zu ihm: so gehe hin und thue desgleichen. 2m 14. Sonnrage nach Trinitatis. Epistel, Gal. 5. v. 16:24. ieben brüder, wandelt im geiste, so werdet ihr die lüfte des fleisayes nicht vollbringen. Denn das fleisch gelüftet wider den geist, und der geist wider das fleisch; dieselbigen sind wider einander, daß ihr nicht thut, was ihr wollet. Regieret euch aber der geist, so seyd ihr nicht unter dem geseg. Offenbar aber sind die werke des fleisches, als da sind: Ehebruch, hurerey, unreinigkeit, unzucht, abgötteren, zauberey, feindschaft, hader, neid, zorn, zank, zwietracht, rotten, haß, mord, saufen, fressen und dergleichen, von welchen ich euch habe zuvor gesagt, und sage noch zuvor, daß, die solches thun, werden das reich gottes nicht ererben. Die frucht aber des geistes ist liebe, freude, friede, geduld, freundlichkeit, gütigkeit, glaube, sanftmuth, keuſchheit. Bider solche ist das geses nicht. Welche aber Christum anges hören, die kreutzigen ihr fleisch, sammt den lüften und begierden. Evangelium, Luc. 17. v. 11-19. Un nd es begab sich, daß Jesus reisete gen Jerusalem, zog er mitten durch Samariam und Galiláam. Und als er in einen markt kam, begegneten ihm zehn aussäßige männer, die stunden von ferne und erhuben ihre stimme, und sprachen: Jesu, lieber meister, erbarme dich unser. Und da er sie sahe, sprach er zu ihnen: Gehet hin, und zeiget euch dem priester. Und es geschah, da sie hingingen, wurden sie rein. Einer aber unter ihnen, da er sahe, daß er gefund worden war, tehrete er um, und preisete gott mit lauter stimme, und fiel auf sein ans gesicht zu seinen füßen, und dankte ihm, und das war ein Samariter. Jesus aber antwortete, und sprach: Sind ihrer nicht zehn rein worden, wo sind aber die andern neun? Hat sich sonst keiner funden, der wieder umkehre, und gebe goft die ehre, denn dieser fremad 40 Episteln und Evangelia. ling? und er sprach zu ihm: Stehe auf, gehe hin, dein glaube hat dir geholfen. 2m 15. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Gal. 5. v. 25.- 6. v. 10. o wir im geiste leben, so lasset uns auch im geiste wandeln. Lasset uns nicht eitler ehre geizig seyn, uns unter einander zu entrusten und zu hassen. Lieben brüder, so ein mensch etwa von einem fehl über. eilet würde, so helft ihm wieder zurecht mit sanftmüthigem geist, die ihr geistlich seyd. Und siehe auf dich selbst, daß du nicht auch versu chet werdest. Einer trage des andern last, so werdet ihr das gefeg Christi erfüllen. So sich aber jemand läßt dúnken, er sey etwas, so er doch nichts ist, der betrüget sich selbst. Ein jeglicher aber prüfe sein selbstwerk, und alsdann wird er an ihm selbst ruhm haben, und nicht an einem andern. Denn ein jeglicher wird seine last tragen. Der aber unterrichtet wird mit dem worte, der theile mit allerlei gutes dem, der ihn unterrichtet. Irret euch nicht, gott läßt sich nicht spotten. Denn was der mensch sået, das wird er ernten. Wer auf sein fleisch fået, der wird vom fleisch das verderben ernten. Wer aber auf den geist sået, der wird vom geist das ewige leben ernten. Lasset uns aber gutes thun und nicht müde werden; denn zu seiner zeit werden wir auch ernten ohne aufhören. Als wir denn nun zeit haben, so lasset uns gutes thun an jedermann, allermeist aber an den glaubensgenossen. Evangelium, Matth. 6. v. 24-34. Ni iemand kann zween herren dienen: entweder er wird den einen hassen, und den andern lieben; oder wird einem anhangen, und den andern verachten. Ihr könnet nicht gott dienen und dem mammon. Darum sage ich euch: Sorget nicht für euer leben, was ihr essen und trinken werdet, auch nicht für euren leib, was ihr anziehen werdet. Ist denn das leben mehr, denn die spiese, und der leib mehr, denn die kleidung? Sehet die vögel unter dem himmel an: sie såen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die scheuren, und euer himmlischer vater ernähret sie doch. Seyd ihr denn nicht vielmehr, denn sie? Wer ist nun unter euch, der seiner lange cine elle zuseßen möge, ob er gleich darum forget? Und warum sorget ihr für die kleidung? Schauet die lilien auf dem felde, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht: Ich sage euch, daß auch Salomo in aller seiner herrlichkeit nicht bekleidet gewesen ist, als derselben eins. So denn Gott das gras auf dem felde also bekleidet, das doch heute stehet, und morgen in den ofen geworfen wird; sollte er das nicht vielmehr euch thun? O ihr kleingläubigen! Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? was werden wir trinken? womit werden wir uns kleiden? Nach solchem allen trachten die heiden; denn euer himmlischer vater weiß, daß ihr deß alles bedürfet. Trach tet am ersten nach dem reiche gottes, und nach seiner gerechtigkeit, so wird euch solches alles zufallen. Darum forget nicht für den andern morgen, denn der morgende tag wird für das seine sorgen. Es ist genug, daß ein jeglicher tag seine eigene plage habe. Am 16. Sonntage nach Trinitatie. Epistel, Epbes. 3. v. 13:21.. Lieb Lieben brüder, darum bitte ich, daß ihr nicht müde werdet um meis ner trübsal willen, die ich für euch leide, welche euch eine ehre find. Derohalben beuge ich meine knie gegen den vater unsers herrn Jesu Christi, der der rechte vater ist über alles, was da kinder heisset, Episteln und Evangelia. 41 im himmel und auf erden, daß er euch kraft gebe nach dem reichthum seiner herrlichkeit, stark zu werden durch seinen geist an dem inwendigen menschen, und Christum zu wohnen durch den glauben in euren herzen, und durch die liebe eingewurzelt und gegründet werden: auf daß ihr begreifen möget mit allen heiligen: welches da sey die breite, und die lange, und die tiefe, und die höhe: auch erkennen, daß Christum lieb haben viel besser ist, denn alles wissen, auf daß ihr erfüllet werden mit allerlei gottesfülle. Dem aber, der überschwengs lich thun kann über alles, das wir bitten und verstehen, nach der kraft, die da in uns wirket, dem sey ehre in der gemeine, die in Christo Jesu ist, zu aller zeit, von ewigkeit zu ewigkeit. Evangelium, Luc. 7. v. 11-17. und nd es begab sich hernach, daß er in eine stadt mit namen Nain ging und seiner jünger gingen viel mit ihm, und viel volks. Als er aber nahe an das stadtthor kam, siehe, da trug man einen todten heraus, der ein einziger sohn war von seiner mutter; und ſie war eine wittwe; und viel volks aus der stadt ging mit thr. Und da sie der herr sahe, jammerte ihn derselbigen, und sprach zu ihr: Weine nicht. Und trat hinzu, und rührte den sarg an, und die tráger stunden. Und er sprach: Jüngling! ich sage dir, stehe auf! Und der todte richtete sich auf, und fing an zu reden. Und er gab ihn seiner mutter. Und es kam sie alle eine furcht an, und preiseten gott, und sprachen: Es ist ein großer prophet unter uns aufgestanden, und gott hat sein volk heimgesucht. Und diese rede von ihm erscholl in das ganze jüdische land, und in alle umliegende länder. Am Feste Michaelis. Epistel, Offenb. Joh. 12. v. 7:12. Und nd es erhub sich ein streit im himmel: Michael und seine engel stritten mit dem drachen, und der drache stritt, und seine engel, und siegten nicht, auch ward ihre státte nicht mehr funden im himmel. und es ward ausgeworfen der große drache, die alte schlange, die da heißet der teufel und satanas, der die ganze welt verführet, und ward geworfen auf die erde; und seine engel wurden auch dahin geworfen. Und ich hörte eine stimme, die sprach im himmel: Nun ist das heil, und die kraft, und das reich, und die macht unsers gottes, seines Chris stus worden, weil der verworfen ist, der sie verklaget tag und nacht vor gott: und sie haben ihn überwunden durch des lammes blut, und durch das wort ihrer zeugniß, und haben ihr leben nicht geliebt bis an den tod. Darum freuet euch, ihr himmel und die darinnen wohnen. Evangelium, Matth. 18. v. 1-11. u derselbigen stunde traten die jünger zu Jesu, und sprachen: Wer 3 ein 1 stellte es mitten unter sie, und sprach: Wahrlich ich sage euch, es sey denn, daß ihr euch umkehret und werdet wie die kinder, so werdet ihr nicht in das himmelreich kommen. Wer sich nun selbst erniedriget, wie dies kind, der ist der größeste im himmelreich. Und wer ein solch find aufnimmt in meinem namen, der nimmt mich auf. Wer aber ärgert dieser geringsten einen, die an mich glauben, dem wäre besser, daß ein mühtstein an seinen hals gehänget würde, und er erfäufet würde im meere, da es am tiefsten ist. Wehe der welt der ärgerniß halben, es muß ja ärgerniß kommen; doch wehe dem menschen, durch welchen árgerniß kommt. So aber deine hand oder dein fuß dich ärgert, ſo 42 Episteln und Evangelia. baue ihn ab, und wirf ihn von dir; es ist dir besser, daß du zum leben lahm oder ein krüppel eingehest, denn daß du zwei hände oder zwei füße habeft und werdest in das höllische feuer geworfen. Und so dich dein auge, árgert, reiß es aus und wirf es von dir; es ist dir besser, daß du einäugig zum leben eingehest, denn daß du zwei augen habest, und werdest in das höllische feuer geworfen. Sehet zu, daß ihr niemand von diesen Eleinen verachtet. Denn ich sage euch: Ihre engel im himmel sehen allezeit das angesicht meines vaters im himmel. Denn des menschen sohn ist kommen, selig zu machen, das verloren ist. Um 17. Sonntage nach Trinitatie. Epistel, Ephef. 4. v. 1-6. Lieben ieben brüder, so ermahne nun euch ich gefangener in dem herrn, daß ihr wandelt, wie sichs gebühret eurem beruf, darinnen ihr berufen send mit aller demuth und sanftmuth, mit geduld, und vertraget einer den andern in der liebe, und seyd fleißig zu halten die einigkeit im geift, durch das band des friedens. Ein leib und Ein geist, wie ihr auch berufen seyd auf einerley hoffnung eures berufs; Ein herr, Ein glaube, Eine taufe. Ein gott und vater unser aller, der da ist über euch alle, und durch euch alle und in euch allen. Evangelium, uc. 14. v. 1-11... und nd es begab sich, daß Jesus kam in ein haus eines obersten der pharisäer, auf einen sabbath, das brod zu essen: und sie hielten auf ihn. Und siehe, da war ein mensch vor ihm, der war wassersüchtig. und Jesus antwortete und sagte zu den schriftgelehrten und pharis fåern, und sprach: Ists auch recht auf den sabbath heilen? Sie aber schwiegen stille. Und er griff ihn an und heilte ihn, und ließ ihn gehen. Und antwortete und sprach zu ihnen: Welcher ist unter euch, dem sein ochse oder esel in den brunnen fällt, und er nicht alsbald ihn heraus ziehet am sabbathtage? und sie konnten ihm darauf nicht wieder antwort geben. Er sagte aber ein gleichniß zu den gästen, da er merkte, wie sie erwähleten, oben an zu sigen, und sprach zu ihnen: Wenn du von jemand geladen wirst zur Hochzeit: so sebe dich nicht oben an, daß nicht etwa ein ehrlicher, denn du, von ihm geladen sey; und sodann kommt, der dich und ihn geladen hat, spreche zu dir: Weiche diesem, und du müsfest dann mit schaam unten an sigen; sondern wenn du geladen wirst, so gehe hin und sebe dich unten an, auf daß, wenn da kommt, der dich geladen hat, spreche zu dir: Freund, rücke hinauf! dann wirst du ehre haben von denen, die mit dir zu tische sißen. Denn wer sich selbst erhöhet, der soll erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedrigt, der soll erhöhet werden. Liebe Am 18. Sonntage nach Trinitarie. Epistel, 1. Cor. 1. r.4.9. ieben brüder, ich danke meinem gott allezeit eurenthalben für die gnade gottes, die euch gegeben ist, in Chrifto Jesu, daß ihr seyd durch ihn in allen stücken reich gemacht, in aller lehre, und in aller erkenntniß. Wie denn die predigt von Christo in euch kräftig worden ist, also, daß ihr keinen mangel habt an irgend einer gabe, und wartet nur auf die offenbarung unsers herrn Jesu Christi. Welcher auch euch wird fest behalten bis ans ende, daß ihr unsträflich send auf den tag unsers Herrn Jesu Christi. Denn gott ist treu, durch welchen ihr bes rufen sepd zur gemeinschaft seines sehnes Jesu Christi, unsers gerrn. Episteln und Evangelia. Evangelium, Matth. 22. v. 34:46. D a aber die pharisäer hörten, daß er den sadducåern das maut gestopft hatte, versammelten sie sich. Und einer unter ihnen, ein schriftgelehrter, versuchte ihn und sprach: Meister, welches ist das vornehmste gebot im geset? Jesus aber sprach zu ihm: Du sollt lieben gott, deinen herrn, von ganzem Herzen, von ganzer seele, von ganzem gemüth. Das ist das vornehmste und größte gebot. Das andere aber ist dem gleich: Du sollt deinen nächsten lieben, als dich selbst. In diesen zween geboten hanget das ganze geseg und die propheten. Da nun die pharisäer bei einander waren, fragte sie Jesus und sprach: Was dünket euch um Christo? Weß sohn ist er? Sie sprachen: Davids. Er sprach zu ihnen: Wie nennet ihn denn David im geist einen Herrn? da er saget: Der Herr hat gesagt zu meinem herrn: Seke dich zu meiner rechten, bis daß ich lege deine feinde zum schemel deiner füße. So nun David ihn einen herrn nennt, wie ist er denn sein sohn? Und niemand konnte ihm ein wort antworten, und durfte auch niemand von dem tage an hinfort ihn fragen. 43 2m 19. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Ephes. 4. v. 22-28. Nie Lieben brüder, so leget nun von euch ab, nach dem vorigen wandel den alten menschen, der durch lufte in irrthum sich verderbet. Erneuert euch aber im geist eures gemüths, und ziehet den neuen menschen an, der nach gott geschaffen ist in rechtschaffener gerechtigkeit und heiligkeit. Darum leget die lügen ab und redet die wahrheit, ein jeglicher mit seinem nächsten, sintemal wir unter einander glieder sind. 3ürnet und fündiget nicht: lasset die sonne nicht über eurem zorn untergehen. Gebet auch nicht raum dem lästerer. Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr, sondern arbeite und schaffe mit den häns den etwas gutes, auf daß er habe zu geben dem dürftigen. Evangelium, Matth. 9. v. 1-8. a trat Jesus in das schiff, und fuhr wieder herüber, und kam in zu einen 1 der lag auf einem bette. Da nun Jesus ihren glauben sahe, sprach er zu dem gichtbrüchigen: Sey getrost, mein sohn, deine sünden sind dir, vergeben. Und siehe, etliche unter den schriftgelehrten sprachen ben sich selbst: dieser lästert gott. Da aber Jesus ihre ge= danken sahe, sprach er: Warum denket ihr so arges in eurem herzen? Welches ist leichter zu sagen: Dir sind deine sünden vergeben? oder zu sagen: Stehe auf und wandle? Auf daß ihr aber wisset, daß des menschen sohn macht habe auf erden, die sünde zu vergeben, sprach er zu dem gichtbrüchigen: Stehe auf, bebe dein bett auf, und gehe heim. Und er stund auf und ging heim. Da das volk das sahe, verwunderte es sich, und preisete Gott, der solche macht dem menschen gegeben hat. Am 20. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Ephef. 5. v. 15-21. Nieben brüder, sehet zu, daß ihr vorsichtig wandelt, nicht als die unweisen, sondern als die weisen. Und schicket euch in die zeit, denn es ist böse zeit. Darum werdet nicht unverständig, sondern verständig, was da sey des herrn wille. Und saufet euch nicht voll weins, daraus ein unordentliches wesen folget; sondern werdet voll geistes, und redet unter einander von psalmen und lobgesängen, und geistlichen liedern; singet und spielet dem herrn in eurem perzen: 44 Episteln und Evangelia. und saget dank allezeit für alles, gott und dem vater, in dem na men unsers herrn Jesu Christi, und send unter einander unterthan in der furcht gottes. Evangelium, Matth. 22. v. 1:14. und nd Jesus antwortete und redete abermal durch gleichnisse zu ihnen, und sprach: das himmelreich ist gleich einem könige, der seinem sohn hochzeit machte. Und sandte seine Enechte aus, daß sie den gåsten zur hochzeit rufeten; und sie wollten nicht kommen. Abermal fandte er andere knechte aus und sprach: Saget den gåsten: Siehe, meine mahlzeit habe ich bereitet, meine ochsen und mein mastvieh ist ge schlachtet, und alles bereit; kommet zur hochzeit. Aber sie verachte ten das, und gingen hin, einer auf seinen acker, der andere zu seiner handthierung. Etliche aber griffen seine knechte, höhneten und tödteten fie. Da das der könig hörete, ward er zornig, und schickte sein heer aus, und brachte diese mörder um, und zündete ihre stadt an. Da sprach er zu seinen knechten: die hochzeit ist zwar bereit, aber die gåste warens nicht werth: Darum gehet hin auf die straßen, und ladet zur Hochzeit, wen ihr findet. Und die knechte gingen aus auf die stra ßen, und brachten zusammen, wen sie funden, böse und gute; und die tische wurden alle voll. Da ging der könig hinein, die gaste zu besehen, und sahe allda einen menschen, der hatte kein hochzeitlich kleid an, und sprach zu ihm: Freund, wie bist du hereinkommen, und haft doch kein hochzeitlich kleid an? Er aber verstummte. Da sprach der könig zu seinen dienern: Bindet ihm hände und füße, und werfet ihn in die äußerste finsterniß hinaus, da wird seyn heulen und zähnElappen. Denn viele sind berufen, aber wenig sind auserwählet. Zuletzt 2m 21. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Ephef. 6. v. 10:17. ulegt meine brüder, send stark in dem herrn, und in der macht seiner stårke. Ziehet an den harnisch gottes, daß ihr bestehen könnet gegen die listigen anläufe des teufels. Denn wir haben nicht mit fleisch und blut zu kämpfen, sondern mit fürsten und gewaltigen, nemlich mit den herren der welt, die in der finsterniß dieser welt herrschen, mit den bösen geistern unter dem himmel. Um deß willen, fo ergreifet den harnisch gottes, auf daß ihr, wenn das böse stündlein kommt, widerstand thun, und alles wohl ausrichten, und das feld behalten möget. So stehet nun, umgürtet eure lenden mit wahrheit, und angezogen mit dem krebs der gerechtigkeit, und an beinen gestiefelt, als fertig zu treiben das evangelium des friedens, damit ihr bereitet seyd. Vor allen dingen aber ergreifet den schild des glaubens, mit welchem ihr auslöschen könnt alle feurige pfeile des bösewichts; und nehmet den helm des heils, und das schwerdt des geistes, welches ist das wort gottes. Evangelium, Joh. 4. v. 47:54. 11nd nd es war ein königscher, deß sohn lag krank zu Capernaum. Dies ser hörete, daß Jesus kam aus Judáa in Galildam, und ging hin zu ihm, und bat ihn, daß er hinab káme, und hülfe seinen sohn; denn er war todtkrank. Und Jesus sprach zu ihm: Wenn ihr nicht zeichen und wunder sehet, so glaubet ihr nicht. Der königsche sprach zu ihm: Herr, komme hinab, ehe denn mein kind stirbet. Jesus spricht zu ihm: Gehe hin, dein sohn lebet. Der mensch glaubete dem wort, das Jefus zu ihm sagte, und ging hin, und indem er hinab ging, be Episteln und Evangelia. 45 gegneten ihm seine knechte, verkündigten ihm und sprachen: Dein kind lebet. Da forschte er von ihnen die stunde, in welcher es besser mit ihm worden war. Und sie sprachen zu ihm: Gestern um die siebente stunde verließ ihn das fieber. Da merkte der vater, daß es um die stunde wäre, in welcher Jesns zu ihm gesagt hatte: dein sohn lebet. Und er glaubte mit seinem ganzen hause. Das ist nun das andere zeichen, das Jesus that, da er aus Judda in Galilda kam. Am 22. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, phil. 1. v. 3-11. ch danke meinem Gott, so oft ich euer gedenke( welches ich allezeit thue in alle meinem gebete für euch alle: und thue das gebet mit freuden) über eure gemeinschaft am evangelio, vom ersten tage an, bis hieher; und bin desselbigen in guter zuversicht, daß der in euch angefangen hat das gute werk, der wirds auch vollführen bis an den tag Jesu Christi: wie es denn mir billig ist, daß ich dermaßen von euch allen halte, darum, daß ich euch in meinem herzen habe, in diesem meinem gefängniß, darin ich das evangelium verantworte und bekräftige, als die ihr alle mit mir der gnade theilhaftig seyd: Denn Gott ist mein zeuge, wie mich nach euch allen verlanget von herzenss grund, in Ghrifto Jesu. Und daselbst um bete ich, daß eure liebe je mehr und mehr reich werde in allerlei erkenntniß und erfahrung; daß ihr prüfen möget, was das beste sey, auf daß ihr seyd lauter und unanstößig bis an den tag Christi, erfüllet mit früchten der gerechtigkeit, die durch Jefum Christum geschehen( in euch) zur ehre und lobe Gottes. Evangelium, Matth. 18. v. 23:35. arum ist das himmelreich gleich einem könige, der mit seinen Enechten rechnen wollte. Und als er anfing zu rechnen, kam ihm einer vor, der war ihm zehntausend pfund schuldig. Da ers nun nicht hatte zu bezahlen, hieß der herr verkaufen ihn, und sein weib, und seine kinder, und alles, was er hatte, und bezahlen. Da fiel der knecht nieder, und betete ihn an und sprach: Herr, habe geduld mit mir, ich will dir alles bezahlen. Da jammerte den herrn desselbigen knechts, und. ließ ihn los, und die schuld erließ er ihm auch. Da ging derselbige knecht hinaus, und fand einen seiner mitknechte, der war ihm hundert groschen schuldig, und er griff ihn an und würgte ihn, und sprach: Bezahle, was du mir schuldig bist. Da fiel sein mitknecht nieder, und bat ihn und sprach: Habe geduld mit mir, ich will dir alles bezahlen. Er wollte aber nicht, sondern ging hin und warf ihn ins gefängniß, bis daß er bezahlete, was er schuldig war. Da aber seine mitknechte solches sahen, wurden sie sehr betrübt, und kamen, und brachten vor ihren herrn alles, was sich begeben hatte. Da forderte ihn sein herr vor sich, und sprach zu ihm: Du schalksknecht, alle dieſe schulden habe ich dir erlassen, weil du mich batest; solltest du dich denn nicht auch erbarmen über deinen mitknecht, wie ich mich über dich erbarmet habe? Und sein herr ward zornig, und überantwortete ihn den peinigern, bis daß er bezahlte alles, was er schuldig war. Also wird euch mein himmlischer vater auch thun, so ihr nicht vergebet von eurem herzen, ein jeglicher seinem bruder seine fehler. 2m 23. Sonnrage nach Trinitatis. Evistel, pbil. 3. v. 17:21. olget mir, lieben brüder, und sehet auf die, die also wandeln, wie ihr uns habt zum vorbilde. Denn viele wandeln, von welchen Foo 46 Episteln und Evangelia. euch oft gesagt habe, nun aber sage ich euch mit weinen, die feinde des freuzes Christi, welcher ende ist das verdammniß, welchen der bauch ihr gott ist, und ihre ehre zu schanden wird, derer die irdisch gesinnt sind. Unser wandel aber ist im himmel, von dannen wir auch warten des heilands Jesu Christi des herrn, welcher unsern nichtigen leib verkláren wird, daß er ähnlich werde seinem verklärten leibe nach der wirkung, damit er kann alle dinge ihm unterthänig machen. Evangelium, Matth. 22. v. 15= 22. D a gingen die pharisäer hin, und hielten einen rath, wie sie ihn fingen in seiner rede. Und sandten zu ihm ihre jünger, sammt Herodes dienern und sprachen: Meister, wir wissen daß du wahrhaftig bist, und lehrest den weg gottes recht, und du frageft nach niemand; denn du achtest nicht das ansehen der menschen. Darum sage uns, was dünket dich? Ists recht, daß man dem kaiser zins gebe, oder nicht? Da nun Jefus aber merkte ihre schalkheit, sprach er: Ihr heuchler, was versuchet ihr mich? Weiset mir die zinsemünze. und sie reichten ihm einen groschen dar. Und er sprach zu ihnen: Weß ist das bildniß und die überschrift? Sie sprachen zu ihm: Des kaisers. Da sprach er zu ihnen: so gebet dem kaiser, was des kai fers ist und götte, was gottes ist. Da sie das hörten, verwunderten sie sich und ließen ihn, und gingen davon. Am 24. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, Col. 1. v. 9:14. auch dem da wirs gehört ren wir nicht auf, für euch zu beten und zu bitten, daß ihr er füllet werdet mit erkenntniß seines willens in allerlei geistlicher weis: heit und verstand, daß ihr wandelt würdiglich, dem herrn zu allem gefallen und fruchtbar send in allen guten werken, und wachset in der erkenntniß gottes, und gestärket werdet mit aller kraft nach seiner herrlichen macht, in aller geduld und langmüthigkeit mit freuden. Und danksaget dem vater, der uns tüchtig gemacht hat zu dem erbtheil der heiligen im licht, welcher uns errettet hat von der obrigkeit der finsterniß und hat uns verfest in das reich feines lieben sohnes, an welchem wir haben die erlösung durch sein blut, nemlich die vergebung der sünden. Evangelium, Matth. 9. v. 18-26. a Jesus folches mit ihnen redete, siehe, da kam der obersten einer und fiel vor ihm nieder, und sprach: Herr, meine tochter ist jest gestorben, aber komm, und lege deine hand auf sie, so wird sie lebendig. Und Jesus stund auf, und folgte ihm nach, und seine jünger. Und siehe, ein weib, das zwölf jahr den blutgang gehabt, trat von hinten zu ihm, und rührte seines kleides saum an. Denn sie sprach bei sich selbst: Möchte ich nur sein kleid anrühren, so würde ich gesund. Da wendete sich Sesus um und sahe sie und sprach: Sen getroft meine tochter, dein glaube hat dir geholfen. Und das weiß ward gesund zu derselbigen stunde. Und als er in des obersten haus kam und sahe die pfeifer und das getümmel des volks, sprach er zu ihnen: Weichet, denn das mágblein ist nicht todt, sondern es schlaft. Und sie verlachten ihn. Als aber das volk ausgetrieben war, ging er hinein, und ergriff sie bei der hand, da stund das mágdlein auf. Und dies gerücht erscholl in dasselbige ganze land. Episteln und Evangelia. 47 Um 25. Sonntage nach Trinitatis. Epiftel, 1. Theff. 4. v. 13-18. ir wollen euch aber, lieben brüder, nicht verhalten, von denen, W ihr nicht die andern, 7 die keine hoffnung haben. Denn so wir glauben, daß Jesus gestorben und wieder auferstanden ist: also wird gott auch, die da entschlafen sind, durch Jesum mit ihm führen. Denn das sagen wir euch, als ein wort des herrn, daß wir, die wir leben und überbleiben in der zukunft des Herrn, werden denen nicht vorkommen, die da schlafen. Denn er selbst, der herr, wird mit einem feldgeschrei und stimme des erzengels, und mit der posaune gottes hernieder kommen vom himmel, und die todten in Christo werden auferstehen zuerst. Darnach wir, die wir leben und überbleiben, werden zugleich mit denselbi gen hingerücket werden in den wolken, dem herrn entgegen in der luft, und werden also bei dem herrn seyn allezeit. So tröstet euch nun mit diesen worten unter einander. Evangelium, Matth. 24. v. 15:28. W enn ihr nun sehen werdet den greuel der verwüstung, davon gesa get ist durch den propheten Daniel, daß er stehe an der heiligen ståtte( wer das liefet, der merke darauf;) alsdann fliehe auf die berge, wer im jüdischen lande ist, und wer auf dem dache ist, der steige nicht hernieder, etwas aus seinem hause zu holen. Und wer auf dem felde ist, der fehre nicht um, seine kleider zu holen. Wehe aber den schwangern und säugern zu der zeit. Littet aber, daß eure flucht nicht ge schehe im winter oder am sabbath. Denn es wird alsdann eine große trübsal seyn, als nicht gewesen ist vom anfang der welt bisher, und als auch nicht werden wird. Und wo diefe tage nicht würden verkürzet, so würde kein mensch selig; aber um der auserwählten willen wers den die tage verkürzet. So alsdann jemand zu euch wird sagen: Siehe, hier ist Christus, oder da; so sollt ihrs nicht glauben. Denn es werden falsche Christi und falsche propheten aufstehen, und große zeichen und wunder thun, daß verführet werden in den irrthum( wo es mögs lich ware) auch die auserwählten. Siehe, ich habe es euch zuvor gesagt. Darum, wenn sie zu euch sagen werden: Siehe, er ist in der wüsten, so gehet nicht hinaus; siehe, er ist in der kammer, so glaus bets nicht. Denn gleichwie der blik aufgehet vom anfang, und scheinet bis zum niedergang; also wird auch seyn die zukunft des menschen sohns. Wo aber ein aas ist, da versammeln sich die adler. 1nd Am 26. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, 2. Petr. 3. v. 3-14. nd wisset das aufs erste, daß in den legten tagen kommen werden. spotter, die nach ihren eigenen listen wandeln und sagen: Wo ist die verheißung seiner zukunft? denn nachdem die våter entschlafen sind, bleibt es alles, wie es vom anfang der creatur gewesen ist. Aber muthwillens wollen sie nicht wissen, daß der himmel vor zeiten auch war, dazu die erde aus wasser und in wasser bestanden, durch gottes wort. Dennoch ward zu der zeit die welt durch derselbigen mit der sündfluth verderbet. Also auch der himmel jegund und die erde werden durch sein wort geſparet, daß sie zum feuer behalten werden am tage des gerichts und verdammniß der gottlosen menschen. Eines aber sey euch unvers halten, ihr lieben, daß ein tag vor dem herrn ist, wie tausend jahr, und tausend jahr, wie ein tag. Der herr verzeucht nicht die verheißung, wie es etliche für einen verzug achten; sondern er hat ges duld mit uns, und will nicht, daß jemand verloren werde, sondern 48 Episteln und Evangelia. daß sich jedermann zur buße bekehre. Es wird aber des Herrn tag kommen als ein dieb in der nacht, in welchem die himmel zergehen werden mit großem krachen, die elemente aber werden vor hize zer: schmelzen, und die erde, und die werke, die darinnen sind, werden verbrennen. So nun das alles soll zergehen, wie sollt ihr denn ge schickt seyn mit heiligem wandel und gottseligem wesen, daß ihr wartet und eilet in der zukunft des tages des herrn, in welchem die himmel vom feuer zergehen und die elemente vor hike zerschmelzen werden? Wir warten aber eines neuen himmels, und einer neuen erde nach seiner verheißung, in welchen gerechtigkeit wohnet. Evangelium, Mattb. 25. v. 31-46. Me enn aber des menschen sohn kommen wird in seiner herrlichkeit, und alle heiligen engel mit ihm; dann wird er sigen auf dem stuhl seiner herrlichkeit. Und werden vor ihm alle volker versammlet wer den; und er wird sie von einander scheiden, gleich als ein hirte die schaafe von den böcken scheidet; und wird die schaafe zu seiner rechten stellen, und die bócke zur linken. Da wird denn der könig fagen zu denen zu seiner rechten: Kommet her, ihr gesegneten meines vaters, er erbet das reich, das euch bereitet ist von anbeginn der welt. Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich gespeiset; ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich getránket; ich bin ein gast gewesen, und ihr habt mich beherberget; ich bin nackend gewesen, und ihr habt mich bekleidet; ich bin frank gewesen, und ihr habt mich besuchet; ich bin gefangen gewesen, und ihr seyd zu mir kommen. Dann werden ihm die gerechten antworten und sagen: Herr, wenn haben wir dich hungrig gesehen, und haben dich gespeiset? oder durstig, und haben dich getränket? Wenn haben wir dich einen gast gesehen, und beherberget? oder nackend, und haben dich bekleidet? Wenn haben wir dich krank oder gefangen gesehen, und sind zu dir kom men? Und der könig wird antworten und sagen zu ihnen: Wahrlich Ich sage euch, was ihr gethan habt einem unter diesen meinen geringsten brüdern, das habt ihr mir gethan. Dann wird er auch sagen zu denen zur linken: Gehet hin von mir, ihr verfluchten, in das ewige feuer, das bereitet ist dem teufel und seinen engeln. Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich nicht gespeiset; ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich nicht getränket; ich bin ein gast gewesen, und ihr habt mich nicht beherberget; ich bin nackend gewesen, und ihr habt mich nicht bekleidet; ich bin krank und gefangen gewesen, und ihr habt mich nicht besucht. Da werden sie ihm auch antworten und sagen: Herr, wenn haben wir dich gesehen hungrig oder durstig, oder einen gast, oder nackend, oder krank, oder gefangen, und haben dir nicht gedienet? Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch, was ihr nicht gethan hábt einem unter diesen geringsten, das habt ihr mir auch nicht gethan. Und sie werden in die ewige pein gehen; aber die gerechten in das ewige leben. > Am 27. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, 1. Theff. 5. v. 1.11. Nº on den zeiten aber und stunden, lieben brüder, ist nicht noth euch zu schreiben. Denn ihr selbst wisset gewiß, daß der tag des Herrn wird kommen wie ein dieb in der nacht. Denn wenn sie werden fa gen: Es ist friede, es hat keine gefahr: so wird sie das verderben schnell überfallen, gleichwie der schmerz ein schwanger weib, und wers den nicht entfliehen. Ihr aber, lieben brüder, seyd nicht in der fine Episteln und Evangelia. 49 sterniß, daß euch der tag wie ein dieb ergreife. Ihr seyd allzumal finder des lichts, und finder des tages; wir sind nicht von der nacht, noch von der finsterniß. So affet uns nun nicht schlafen, wie die andern, sondern lasset uns wachen und nüchtern seyn. Denn die da schlafen, die schlafen des nachts, und die da trunken sind, die sind des nachts trunken. Wir aber, die wir des tages sind, sollen nüchtern seyn, angethan mit dem krebs des glaubens und der liebe, und mit dem helm der hoffnung zur seligkeit. Denn gott hat uns nicht gesegt zum zorn, sondern die seligkeit zu besigen, durch unsern Herrn Jesum Christ, der für uns gestorben ist, auf daß, wir wachen oder schlafen, zugleich mit ihm leben sollen. Darum ermahnet euch unter einander, und bauet einer den andern, wie ihr denn thut. Evangelium, Matth. 25. v. 1 13. ann wird das himmelreich gleich seyn zehn jungfrauen, die ihre lampen nahmen, und gingen aus, dem bräutigam entgegen. Aber fünf unter ihnen waren thöricht, und fünf waren klug. Die thörichten nahmen ihre lampen, aber sie nahmen nicht öht mit sich. Die klugen aber nahmen öht in ihren gefäßen, sammt ihren lampen. Da nun der bräutigam verzog, wurden sie alle schläfrig, und ents schliefen. 3ur mitternacht aber ward ein geschrey: siehe, der bräutigam kömmt, gehet aus ihm entgegen; da stunden die jungfrauen alle auf, und schmückten ihre lampen. Die thörichten aber sprachen zu den klugen: Gebet uns von eurem öhle, denn unsere lampen vere löschen. Da antworteten die klugen und sprachen: Nicht also, auf daß nicht uns und euch gebreche; gehet aber hin zu den krämern, und kaufet für euch selbst. Und da sie hingingen zu kaufen, kam der brautigam, und welche bereit waren, gingen mit ihm hinein zur hochgeit, und die thüre ward verschlossen. Bulegt kamen die andern jungfrauen und sprachen: Herr, Herr, thue uns auf. Er antwore tete aber, und sprach: Wahrlich, ich sage euch, ich kenne euer nicht. Darum wachet; denn ihr wisset weder tag noch stunde, in welcher des menschen sohn kommen wird. Leidensgeschichte Jesu, aus den vier Evangelisten zusammengezogen. Das erste Hauptstud. Was kurz vor dem Leiden Jesu und seiner Gefangennehmung vorgegangen. s war aber nahe das fest der süßen brodte, das da ostern heißet. Und Jesus sprach zu seinen jungern: Ihr wisset, daß nach zweyen tagen oftern wird, und des menschen sohn wird überantwortet were: den, daß er gekreuziget werde. Da versammelten sich die hohenpriester und schriftgelehrten und die ältesten im volk in dem palafte des hohenpriesters, der da hieß Caiphas, und hielten rath, wie sie Jesum mit list ergriffen und tödtee 50 Leidensgeschichte Jesu. ten; denn sie fürchteten sich vor dem volt. Sie sprachen aber: Ja nicht auf das fest, auf daß nicht werde ein aufruhr im volk. Und da nun Jesus war zu Bethanien, im hause Simonis des aussägigen, trat zu ihm ein weib, das hatte ein glas mit ungefälsch tem und köstlichem nardenwasser, und zerbrach das glas, und goß es auf sein haupt, da er zu tische saß. Da das seine jünger sahen, wur den sie unwillig und sprachen: Was soll doch dieser unrath; man konnte das wasser um mehr denn dreihundert groschen verkauft haben, und dasselbige den armen geben; und murrten über sie. Da das Jesus merkte, sprach er zu ihnen, Lasset sie zufrieden, was bekümmert ihr das weib! Sie hat ein gut werk an mir gethan; ihr habt allezeit arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnet ihr ihnen gutes thun; mich aber habt ihr nicht allezeit; sie hat gethan, was sie gekonnt; denn daß sie dies wasser hat auf meinen leib gegoffen, damit ist sie zuvorkommen, meinen leichnam zu salben zu meinem begräbniß. Wahr: lich, ich sage euch, wo dies evangelium gepredigt wird, in aller welt, da wird man auch das sagen zu ihrem gedächtniß, was sie gethan hat. Es war aber der satanas gefahren in Judas, genannt Ischarioth, der da war aus der zahl der zwölfen; und er ging hin, und redete mit den hohenpriestern und hauptleuten, daß er ihn ver riethe, und sprach: Was wollt ihr mir geben, ich will ihn euch ver: rathen? da sie das hörten, wurden sie froh; und sie boten ihm dreiBig silberlinge. Und er versprach sich. Und von dem an suchte er ge legenheit, daß er ihn ohne rumor überantwortete. Aber am ersten tage der süßen brodte, auf welchem man mußte opfern das ofterlamm, traten die jünger zu Jesu, und sprachen zu ihm: Wo willt du, daß wir hingehen und bereiten dir das ofterlamm zu essen? Und er sandte Petrum und Johannem, und sprach: Gehet hin in die stadt! fehet, wenn ihr hinkommet, wird euch ein mensch begegnen, der trågt einen wasserkrug: folget ihm nach in das haus, da er hingehet, und saget zu dem haushalter: der meister läßt dir sagen, meine zeit ist herbei kommen, ich will bei dir die oftern halten; wo ist das gasthaus, damit ich das ofterlamm essen möge mit meinen jungern? Und er wird euch einen großen gepflasterten saal zei= gen; daselbst bereitet es. Sie gingen hin und funden, wie er ihnen gesagt hatte, und bereiteten das osterlamm. Und am abend kam er, und segte sich zu tische mit den zwölf aposteln; und er sprach zu ih nen: Mich hat herzlich verlanget, dies osterlamm mit euch zu essen: ehe denn ich leide; denn ich sage euch, daß ich hinfort nicht mehr das von essen werde, bis daß alles erfüllet werde im reiche Gottes. und er nahm den kelch, dankte und sprach: Nehmet denselben und theilet ihn unter euch; denn ich sage euch, ihr werdet nicht trinken von dem gewächse des weinstocks, bis das reich Gottes komme, an dem tage, da ichs neu trinken werde mit euch in mei nes baters reich. Und indem sie aßen, in der nacht, da er verrathen ward: nahm der Herr Jesus das brodt, dankte und brachs, und gabs den jún gern und sprach: Nehmet, esset, das ist mein leib, der für euch ges geben wird; solches thut zu meinem gedächtniß. Desselbigen gleichen nahm er auch den kelch nach dem abendmahh dankete, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus; dieser kelch ist das neue testament in meinem blut, das für euch und für viele ver Leidensgeschichte Jesu. 51 gegossen wird zur vergebung der sünden, solches thut, so oft ihre trin. ket, zu meinem gedächtniß. Und sie trunken alle daraus. Vor dem feste aber der oftern, das ist, auf demselbigen abend, da Jesus erkennete, daß seine zeit gekommen war, daß er aus der welt ginge zum vater, wie er hatte geliebet die seinen, die in der welt waren, so liebte er sie bis ans ende. Und nach dem abendessen, da schon der teufet hatte dem Judas Simonis Ischarioth ins herz gege= ben, daß er ihn verriethe, wußte Jesus, daß ihm der vater hatte alles in seine hände gegeben, und daß er von Gott kommen war, und zu Gott ging, stund er vom abendmahl auf, legte seine kleider Darnach goß er ab, und nahm einen schurz und umgürtete sich. wasser in ein becken, hub an den jüngern die füße zu waschen, und trocknete sie mit dem schurz, damit er umgürtet war. Da kam er auch zu Simon Petro, und derselbige sprach zu ihm: Herr, solltest du mir die füße waschen? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Was ich thue, das weißt du jest nicht, du wirst es aber hernach erfahren. Da sprach Petrus zu ihm: Nimmermehr sollt du mir die füße waschen. Jesus antwortete ihm: werde ich dich nicht waschen, so hast du kein theil an mir. Spricht zu ihm Simon Petrus: Herr! nicht die füße allein, sondern auch die hände und das haupt. Spricht Jesus zu ihm: Wer gewaschen ist, der darf nicht denn die füße waschen, sondern er ist ganz rein; und ihr seyd rein; aber nicht alle. Denn er wußte seinen verräther wohl; darum sagte er: Ihr seyd nicht alle rein. Da er nun die füße gewaschen hatte, nahm er seine kleider und segte sich wieder nieder, und sprach abermal zu ihnen: Wisset ihr, was ich euch gethan habe? Ihr heißet mich meister und hert, und ihr saget recht daran; denn ich bins auch. So ich nun, euer meister und herr, euch die füße gewaschen habe; so sollt ihr euch auch unter einander die füße waschen. Ein beispiel habe ich euch gegeben, daß ihr thut, wie ich euch gethan habe. Wahrlich, wahrlich ich sage euch, der knecht ist nicht größer denn sein herr; noch der apostel größer, denn der ihn gesandt hat. So ihr solches wisset; selig send ihr, so ihrs thut. Nicht sage ich von euch allen; ich weiß, let habe; sondern daß die schrift erfüllet würde: Der mein brod iffet, der tritt mich mit füßen. Jest sage ichs euch, ehe denn es geschieht, auf daß, wenn es geschehen wird, daß ihr glaubet, daß ichs bin. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wer aufnimmt, so ich jemand senden werde, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat. welche ich erwäh Da Jesus solches gesagt hatte, ward er betrübt im geist, und zeugete und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, der mit mir isset, wird mich verrathen, siehe, die hand meines verråthers ist mit mir über tische. Und die jünger wurden sehr traurig, sahen sich unter einander an, und ward ihnen bange, von welchem er redete. Und fie fingen an zu fragen unter sich selbst, welcher es doch wäre unter ihnen, der es thun würde: und sagten zu ihm einer nach dem andern: Herr, bin ichs? und der andere: bin ichs? Er antwortete und sprach: Giner aus den zwölfen, der mit mir in die schüssel tauchet, der wird mich verrathen. Des menschen sohn gehet zwar dahin, wie vor ihm beschlossen und geschrieben ist; doch wehe dem menschen, durch welchen des menschen sohn verrathen wird. Es wäre ihm, besser, D2 52 Leidensgeschichte Jesu. daß derselbige mensch nie geboren wäre. Da antwortete Judas der ihn verrieth, und sprach: Bin ichs, Rabbi? Er sprach zu ihm: du fageft es. Es war aber einer unter seinen jüngern, der zu tische saß an der brust Jesu, welchen Jesus lieb hatte, den winkte Simon Petrus, daß er forschen sollte, wer es wäre, von dem er sagte; denn derselbe lag an der brust Jesu, und sprach zu ihm: Herr, wer ists? Jefus antwortete: Der ists, dem ich den bissen eintauche und gebe. Und er tauchte den bissen ein und gab ihn Judas Simonis Jfcharioth. Und nach dem bissen fuhr der, satan in ihn. Da sprach Jesus zu ihm: Was du thust, das thue bald. Dassel bige aber wußte niemand über tische, wozu ers ihm sagte. Etliche meinten, weil Judas den beutel hatte, Jesus spräche zu ihm: Kaufe was uns noth ist aufs fest: oder daß er den armen etwas gábe. Da er nun den bissen genommen hatte, ging er alssobald hinaus: und es war nacht. Da aber Judas hinausgegangen war, erhub sich ein zank unter ihnen, welcher unter ihnen sollte für den größten gehalten werden? Er aber sprach zu ihnen, die weltlichen könige herrschen, und die ge waltigen nennt man gnädige herren; ihr aber nicht also, sondern der größeste unter euch soll seyn wie der jüngste, und der vornehmste wie ein diener. Denn welcher ist der größeste? der zu tische sigt, oder der da dienet? Ists nicht also, daß der zu tische sigt? Ich bin aber mitten unter euch wie ein diener, ihr aber seyde, die ihr beharret habt, bei mir in meinen anfechtungen; und ich will euch das reich bescheiden, wie mirs mein vater beschieden hat, daß ihr essen und trinken sollt über meinen tisch, in meinem reich; und sigen auf den stühlen und richten die zwölf geschlechte Israel. Da sprach Jesus, nun ist des menschen sohn verklåret, und Gott ist verklaret in ihm. Ist Gott verklåret in ihm; so wird ihn Gott auch verkláren in ihm selbst, und wird ihn bald verklären. Lieben kindlein, ich bin noch eine kleine weite bei euch. Ihr werdet mich suchen; und wie ich zu den juden sagte: Wo ich hin gehe, da könnt ihr nicht hinkommen, und sage euch nun: Ein neu gebot gebe ich euch: daß ihr euch unter einander liebet, wie ich euch geliebet habe; auf daß ihr auch einander lieb habet. Dabei wird jedermann erkennen, daß ihr meine jünger seyd, so ihr liebe unter einander habt. Da sprach Simon Petrus zu ihm: Herr, wo gehest du hin? Je sus antwortete ihm: Da ich hingehe, kannst du mir diesmal nicht fol gen. Petrus sprach zu ihm: Herr, warum kann ich dir diesmal nicht folgen? ich will mein leben bei dir lassen. Jesus antwortete: Soll: test du dein leben bei mir lassen? Simon, Simon, siehe der satanas hat euer begehret, daß er euch möchte sichten, wie den weißen; ich aber habe für euch gebeten, daß dein glaube nicht aufhöre: Und wenn du dich dermaleinst bekehrest, so stárke deine brüder. Er sprach aber zu ihm: Herr ich bin bereit, mit dir ins gefängniß und in den tod zu gehen. Er sprach aber: Wahrlich, wahrlich ich sage dir, Petre, der hahn wird heute nicht krähen, ehe denn du dreimal verleugnet hast, daß du mich kennest. Und er sprach zu ihnen: So oft ich euch gesandt habe ohne beutel, ohne tasche und ohne schuh, habt ihr auch je mangel gehabt? Sie Sprachen: nie keinen. Da sprach er zu ihnen: Uber nun, wer einen bestel hat, der nehme hin, desselbigen gleichen auch die tasche; wer Leidensgeschichte Jesu. 53 aber nicht hat, der verkaufe sein kleid, und kaufe ein schwerdt. Denn ich sage euch, es muß doch alles vollendet werden an mir, das ges schrieben stehet: Er ist unter die übelthäter gerechnet; denn was von mir geschrieben ist, das hat ein ende. Sie sprachen aber: hier sind zwei schwerdter. Er aber sprach zu ihnen: es ist genug. Herr, Das zweite Hauptstů ck. Von dem Leiden Jefu am Oelberge, und seiner Gefangennehmung. Und nd da sie den Lobgefang gesprochen hatten, ging Jesus hinaus, nach seiner gewohnheit, über den Bach Kidron an den ölberg. Es folgten ihm aber seine jünger nach. Da sprach er zu ihnen: In dieser nacht werdet ihr euch alle årgern an mir; denn es stehet ges schrieben: Ich werde den hirten schlagen, und die schaafe der herde werden sich zerstreuen: wenn ich aber auferstehe, will ich vor euch hingehen in Galiláa. Petrus aber antwortete und sprach zu ihm: Wenn sie sich auch alle an dir árgerten, so will ich mich doch nime mermehr an dir árgern. Jesus spricht zu ihm: Wahrlich, ich sage dir, heute in dieser nacht, ehe denn der hahn zweimal krähet, wirst du mich dreimal verläugnen. Er aber redete noch weiter: Ja wenn ich auch mit dir" sterben müßte, wollte ich dich nicht verleugnen. Desselbigen gleichen sagten auch alle junger. dna Gethsemane; Judas aber Da kam Jesus mit ihnen zu einem hofe, der hieß da war garte; darin ging Jesus und seine jünger. der ihn verrieth, wußte den ort auch; denn Jesus versammelte fich oft daselbst mit seinen jungern. Da sprach Jesus zu ihnen: segeteuch hie, bis ich dort hingehe und bete. Und er nahm zu sich Petrum und Jacobum und Johannem, die zween söhne Zebedai, und fing an zu trauern und zu zittern, und zu zagen, und sprach zu ihnen: Meine seele ist betrübt bis in den tod: bleibet hie und wachet mit mir, betet, auf daß ihr nicht in anfechtung fallet. Und er riß sich von ihnen bei einem steinwurf und kniete nieder, fiel auf sein angesicht auf die erde, und betete, daß, so es möglich wäre, die stunde vorüber ginge, und sprach: Abba, mein vater, es ist dir alles möglich, überhebe mich dieses kelches; doch nicht wie ich will, sondern wie du willt. Und er kam zu seinen jüngern, und fand sie schlafend, und sprach zu Petro: Simon, schläfest du? Vermagst du nicht eine stunde mit mir zu wachen? Wachet und betet, daß ihr nicht in anfechtung fallet; der geist ist willig, aber das fleisch ist schwach. 3um andernmal ging er aber hin, betete und sprach: Mein vas ter, ists nicht möglich, daß dieser kelch von mir gehe, ich trinke ihn denn; so geschehe dein wille. Und er kam, und fand sie abermal schlas fend, und ihre augen waren voll schlafs, und wußten nicht, was sie ihm antworteten. Und er ließ sie, ging aber hin, und betete zum drittenmale dieselbigen worte, und sprach: Vater willt du, so nimm diesen kelch von mir; doch nicht mein, sondern dein wille geschehe. Es erschien ihm aber ein engel vom himmel, und stärkte ihr. Und es kam, daß er mit dem tode rang, und betete heftiger. Es war aber sein schweiß, wie blutstropfen, die fielen auf die erde. Leidensgeschichte Jesu. Und er stund auf vom gebet, und kam von feinen jüngern, und fand sie schlafend vor traurigkeit, und sprach zu ihnen: Ach! wollt ihr nun schlafen und ruhen? Was schlafet ihr! Es ist genug; fehet die stunde ist kommen, und des menschen sohn wird überant: wortet in der sünder hände; stehet auf, und lasset uns gehen; siehe, der mich verräth ist nahe; betet aber, auf daß ihr nicht in anfechtung fallet. 54 ner, Und alsbald, da er noch redete, fiehe, Judas, der zwölfen ei: da er nun zu sich hatte genommen die schaar und diener der hohenpriester und pharifáer, der ältesten und schriftgelehrten, ging er zuvor der schaar, und kam dahin mit fackeln, lampen, schwerdtern und stangen. Der verråther aber hatte ihnen ein zeichen gegeben, und gesagt: Welchen ich küssen werde, der ists, den greifet und führet ihn ge wiß. Als nun Jesus wußte alles, was ihm begegnen sollte, ging er hinaus, und sprach zu ihnen: Wen suchet ihr? Sie antworteten ihm: Jesum von Nazareth. Jesus sprach zu ihnen: Ich bins. Judas aber, der ihn verrieth, stund auch bei ihnen. Als nun Jesus zu ihnen sprach: Ich bins, wichen sie zurücke, und fielen zu boden. Da fragte er sie abermal: Wen suchet ihr? Sie sprachen: Jesum von Nazareth. Jesus antwortete: Ich habe euch gesagt, daß ichs sey: suchet ihr denn mich, so lasset diese gehen. Auf daß das wort erfüllet würde, welches er sagte: Ich habe der keinen verloren, die du mir gegeben haft. Und Judas nahete sich zu Jesu, ihn zu küssen: und alsbalb trat er zu ihm, und sprach: Gegrüßet seyst du, Rabbi; und küffete ihn. Jesus aber sprach zu ihm: Mein freund, warum bist du kom men? Juda, verräthst du des menschen sohn mit einem kuß? Da traten sie hinzu und legten die hande an Jesum, und griffen ihn. Da aber sahen die um ihn waren, was da werden sollte, spras chen sie zu ihm: Herr, sollen wir mit dem schwerdte drein schlagen? Da hatte Simon Petrus ein schwerdt, und zog es aus, und schlug nach des hohenpriesters Enecht, und hieb ihm sein rechtes ohr ab; und der Enecht hieß Malchus. Jefus aber antwortete und sprach: Lasset sie doch so ferner machen. Und sprach zu Petro: Stecke dein schwerdt in die scheide; denn wer das schwerdt nimmt, der soll durchs schwerdt umkommen. Oder meinst du, daß ich nicht könne meinen vater bitten, daß er mir zuschickt mehr denn zwölf legionen engel? Soll ich den Felch nicht trinken, den mir mein vater gegeben hat? Wie würde aber die schrift erfüllet? Es muß also geschehen. Und er rührte sein ohr an, und heilete ihn. Zu der stunde sprach Jesus zu den hohenpriestern und hauptleuten des tempels und den ältesten, die über ihn kommen waren: Ibr send als zu einem mörder mit schwerdtern und stangen ausges gangen mich zu fahen; bin ich doch täglich gesessen bey euch, und habe gelehrt im tempel, und ihr habt keine hand an mich geleget. Über dies ist eure stunde und die macht der finsterniß, auf daß die schrift erfüllet würde. Das ist aber alles geschehen, auf daß erfüllet würde die schrift der propheten. Da verließen ihn alle jünger und flohen. und es war ein jungling, der folgte ihm nach, der war mit leinwand bekleidet auf der bloßen haut, und die jünglinge griffen ihn: er aber ließ die leinwand fahren, und flohe bloß von ihnen. 55 Leidensgeschichte Jesu. Das dritte Hauptstü d. was in Caiphas Hause vor der Versammlung des jüdischen Gerichts, mit Jesu vorgegangen. Die schaar aber, und der oberhauptmann und die diener der juden, nahmen Jesum an und bunden ihn, führten ihn aufs erste zu Hannas, der war Caiphas schwäher, welcher des jahrs hoherpriester war. Es aber war Caipyas, der den juden rieth, es wäre gut, daß ein mensch würde umgebracht für das volk. und sie führeten ihn vor den hohenpriester Caiphas, das ist zum fürsten der priester, dahin alle hohenpriester und schriftgelehrten und ältesten sich versammelt hatten. Simon Petrus aber folgte Jesu von ferne, und ein andrer jünger, bis an den pallast des hohenpries sters. Derselbige jünger war dem hohenpriester bekannt, und ging mit Jesum hinein in des hohenpriesters pallast. Petrus aber stund draußen vor der thur. Da ging der andere jünger, der dem hohens priester bekannt war, hinaus und redete mit der thürhüterin, und führte Petrum hinein. Es stunden aber die knechte und diener, und hatten ein kohlfeuer gemacht danieden mitten im pallast: denn es war kalt, und wärmeten sich. Petrus aber stund bei ihnen, und wärmete sich, auf daß er sehe, wo es hinaus wollte. Die magd aber des hohenpriesters, die thürhüterin, sahe Petrum bei dem licht, da er sich wärmete, und sahe eben auf ihn, und sprach: Und du warest auch mit dem Jesu von Galilda? Bist du auch nicht dieses menschen júnger einer? Er läugnete aber vor allen und sprach: Weib, ich bins nicht; ich kenne sein nicht; ich weiß auch nicht, was du sagest. Uber der hohepriester fragte Jesum um seine junger und um seine lehre. Jesus antwortete: Ich habe frey öffentlich geredet vor der welt. Ich habe allezeit gelehret in der schule und in dem tempel, da alle juden zusammen kommen, und habe nichts im winkel geredet: Was frågst du mich darum? Frage die darum, die es gehört haz ben, was ich geredet habe; siehe dieselbigen wissen, was ich gesagt habe. Als er aber solches redete, gab der diener einer, die dabei stunden, Jesu einen backenstreich, und sprach: Solltest du dem hohenpriester also antworten? Jesus antwortete: Habe ich übel geredet, so beweise es, daß es unrecht sey; habe ich aber recht geredet, was schlägest du mich denn? Und Hannas hatte ihn gebunden gesandt zu dem hohenpriester Caiphas. Simon Petrus aber stund und wärmete sich. Und über eine Fleine weile, nach dem ersten verleugnen, als er hinaus ging nach dem vorhof, krähete der hahn. Und eine andere magd sahe ihn, und hub abermal an zu sagen zu denen, die dabei stunden: Dieser war auch mit Jesu von Nazareth. Da sprachen sie zu ihm: Bist du nicht seiner jünger einer? Und ein andrer sprach: du bist auch der einer. Und er leugnete abermal, und schwur dazu, und sprach: Mensch, ich bins nicht, und kenne auch des menschen nicht. und über eine kleine weile, bei einer stunde, bekräftigets ein anberer, mit denen die dabei stunden, und sprach: Wahrlich, du bist auch der einer, denn du bist ein Galilder; und deine sprache verräth dich. Spricht des hohenpriesters knecht, ein gefreundeter deß, dem Petrus das ohr abgehauen batte: Sabe ich dich nicht im garten bei ihm? Da 56 Leidensgeschichte Jeſu. fing er an sich zu versluchen und zu schwören: ich kenne des mens schen nicht, von dem ihr saget. mal. alsbald, da er noch redete: krähete der hahn zum andern, nd der herr wandte sich um, und sahe Petrum an. Da ge: dachte Petrus an das wort Jesu, als er zu ihm gesagt hatte: The der hahn zweimal krähet, wirst du mich dreimal verläugnen; und ging hinaus und weinte bitterlich. Die hohenpriester aber und die ältesten, und der ganze rath, fuchten falsch zeugniß wider Jesum, um daß sie ihn zu tode hülfen, und funden keins, wiewohl viele falsche zeugen herzu traten; denn ihre zeugnisse stimmten nicht überein. 3utest stunden auf und traten herzu zween falsche zeugen, und gaben falsche zeugniß wider ihn, und ſprachen, wir haben gehört, daß er sagte: Ich kann und will ab brechen den tempel gottes, der mit handen gemacht ist, und in dreyen tagen einen andern bauen, der nicht mit hånden gemacht ist. Und ihre zeugnisse stimmten noch nicht überein. Und der hohepriester stund auf unter fie, und fragte Jefum, und sprach: antwortest du nichts zu dem, das diese wider dich zeus gen: Jesus aber schwieg stille und antwortete nichts. Da fragte ihn der hohepriester abermals, und sprach zu ihm: Bist du Chriftus, der sohn des Hochgelobten? Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, daß du uns sagest, ob du seyst Christus, der sohn Gottes. Jesus sprach: Du sagest es, ich bins; doch ich sage euch: Von nun an werdet ihr sehen des menschen sohn figen zur rechten hand der kraft, und kommen in den wolken des himmels. Da zerriß der hohepriester feine kleider, und sprach: Er hat Gott gelästert, was dur fen wir weiter zeugnis. Ciche, jest habt ihr seine gettestásterung gehö ret, was dünket euch? Sie aber verdammten ihn alle, und sprachen: Er ist des todes schuldig. Die manner aber, die Jesum hielten, ver: spotteten ihn, und speyeten aus in sein angesicht, und schlugen ihn mit fáusten. Etliche aber verdeckten ihn, und schlugen ihn ins angesicht, besonders die knechte, und sprachen: der dich schlug? und viele andere låsterungen sagten sie wider ihn. Weissage uns Chrifte, wer ists, Des morgens aber versammelten sich alle hohenpriester und schriftgelehrten und ältesten des volks, dazu der ganze rath, und hielten einen rath über Jesum, daß sie ihn zum fode hülfen: und führten ihn hinauf vor ihren rath, und sprachen: Bist du Christus? fage es uns. Er aber sprach zu ihnen: Sage ichs euch, so glaubet ihr nicht; frage ich aber, so antwortet ihr nicht, und laffet mich dennoch nicht los: Darum, von nun an wird des menschen sohn sigen zur rechten hand der kraft Gottes. Da sprachen sie alle: Bist du denn Gottes sohn? Er sprach zu ihnen: ihr saget es, denn ich bins. Sie aber sprachen: Was dürfen wir weiter zeugniß? Wir habens felbst gehört aus seinem munde. Das vierte Hauptstück. Was vor Pontio Pilato, als der römischen beidnischen Obrigkeit, mit Jesus vorgegangen. und nd der ganze haufen stund auf und bunden Jesum und führeten ihn. von Caiphas vor das richthaus, und überantworteten ihn dem landpfleger Pontio Pilato; und es war noch frühe. Leidensgeschichte Jesu. Da das Judas sahe, der ihn verrathen hatte, daß er verdammet war zum tode, gereuete es ihm, und brachte hernieder die dreyßig silberlinge den hohenpriestern und ältesten, und sprach: Ich habe übel gethan, daß ich unschuldig blut verrathen habe. Sie sprachen: Was gehts uns an! da siehe du zu. Und er warf die silberlinge in den tempel, und hub sich davon und erhenkte sich selbst, und, ist mitten entzwei geborsten, und hat sein eingeweide herausgeschüttet. Über die hohenpriester nahmen die silberlinge und sprachen: Es taugt nicht, daß wir sie in den gotteskasten legen: denn es ist blutgeld. 57 Sie hielten aber einen rath, und kauften um diese silberlinge, den lohn der ungerechtigkeit, einen topfersacker, zum begräbniß der pilger. Und es ist kund worden allen, die zu Jerusalem wohnen, also, daß derselbige acter genennet wird auf ihre sprache Hakeldama, das ist, ein blutacker, bis auf den heutigen tag. Da ist erfüllet, das da gesagt ist durch den propheten Jeremia, der da spricht: Sie haben genommen dreißig silberlinge, damit bezahlt ward der verkaufte, welchen sie kauften von den kindern Israel; und haben sie gegeben um eines tópfers acker, als mir der herr befohlen hat. Die juden aber gingen nicht in das richthaus, auf daß sie nicht unrein würden, sondern die ostern essen möchten. Da ging Pilatus zu ihnen heraus und sprach: Was bringet ihr für eine klage wider diesen menschen? Sie antworteten und sprachen zu ihm: Wäre dies ser nicht ein übelthäter, wir hätten ihn dir nicht überantwortet. Da sprach Pilatus zu ihnen: So nehmet ihr ihn hin, und richtet ihn. nach eurem geseß. Da sprachen die juden zu ihm: Wir dürfen nies mand tödten. Auf daß erfüllet würde das wort Jesu, welches er sagte, da er deutete, welches todes er sterben würde, Da fingen an die hohenpriester und ältesten ihn hart zu verklagen, und sprachen: Diesen finden wir, daß er das volk abwendet und verbeut den schoß dem kaiser zu geben, und spricht, er sey Christus, ein könig. Da ging Pilatus wieder hinein in das richthaus, und rief Jesum und fragte ihn, und sprach: Bist du der juden könig? Jesus stund vor ihm und antwortete: Redest du das von dir selbst, oder habens dir andere' von mir gesagt. Pilatus antwortete: Bin ich ein jude? Dein volk und die hohenpriester haben dich mir überantwortet, was hast du gethan? Jesus antwortete: mein reich ist nicht von dies ser welt! wäre mein reich von dieser welt, meine diener würden drob kämpfen, daß ich den juden nicht überantwortet würde; aber nun ist mein reich nicht von dannen, Da sprach Pilatus zu ihm: So bist du dennoch ein könig? Jesus antwortete: du sagest es, ich bin ein könig: ich bin dazu geboren und in die welt kommen, daß ich die wahrheit zeugen soll. Wer aus der wahrheit ist, der höret meine stimme, Spricht Pilatus zu ihm: Was ist wahrheit? Und da er das gesagt, ging er wieder hinaus zu den juden, und sprach zu ihnen: ich finde keine schuld an ihm. Und da er verklaget ward von den hohenpriestern und ältesten, antwortete er nichts. Pilatus aber fragte ihn abermal und sprach: antwortest du nichts? siche, wie hart sie dich verklagen! hórest du nicht? Und er antwortete ihm nicht auf ein wort mehr, also daß sich auch der landpfleger sehr verwunderte, Sie aber hielten an, und sprachen: Er hat das volk erreget, damit, daß er gelehret hat hin und her im ganzen jüdischen lande, und hat in Galiláa angefangen, bis hieher. 58 Leidensgeschichte Jesu. Da aber Pilatus Galilda hörete, fragte er: ob er aus Galiläa wäre? und als er vernahm, daß er unter Herodis obrigkeit war, sandte er ihn zu Herodes, welcher in denselbigen tagen auch zu Jerusalem war. Da aber Herodes Jesum sahe, ward er sehr froh, denn er hätte ihn längst gerne gesehen; denn er hatte viel von ihm gehöret, und hoffte er würde ein zeichen von ihm sehen. Und er fragte ihn mancherlei. Er antwortete ihm aber nicht. Die hohenpriester aber und schriftgelehrten stunden und verklagten ihn hart. Über Herodes mit seinem hofgesinde verklagte und verspottete ihn, legte ihm ein weißes kleid an, und sandte ihn wieder zu Pilato. Auf den tag wurden Pilatus und Herodes freunde mit einander; denn zuvor waren sie einander feind. Pilatus aber rief die hohenpriester und die obersten und das volk zusammen, und sprach zu ihnen: Ihr habt diesen menschen mir bracht, als ob er das volk abwende, und siehe, ich habe ihn vor euch verhöret, und finde an dem menschen der sache keine, der ihr ihn beschuldiget: Herodes auch nicht, denn ich habe euch zu ihm gefandt, und siehe: man hat nichts auf ihn bracht, das des todes werth sey; darum will ich ihn züchtigen und los lassen.. Auf das fest aber mußte der landpfleger, nach gewohnheit dem volke einen gefangenen losgeben, welchen sie begehrten. Er hatte aber zu der zeit einen gefangenen, der war fast rüchtig, nemlich ein übelthäter und mörder, der hieß Barrabas, der mit den aufrührerischen war ins gefängniß geworfen, welcher im aufruhr der in der stadt geschahe, einen mord begangen hatte. Und das volk ging hinauf und bat, daß er thate, wie er pflegte. Und da sie versammelt waren, antwortete ihnen Pilatus: Ihr habt eine gewohnheit, daß ich euch ei nen los gebe auf ostern, welchen wollt ihr, daß ich euch los gebe? Barrabam oder Jesum, den könig der juden, den man nennt Christus? Denn er wußte, daß ihn die hohenpriester aus neid überantwortet hatten. Und da er auf dem richtstuhl saß, schickte sein weib zu ihm, und ließ ihm sagen: Habe du nichts zu schaffen mit diesem gerechten, ich habe viel gelitten im traum von seinetwegen. Uber die hohenpriester und ältesten überredeten und reizten das volk, daß sie um Barrabam bitten sollten, und Jesum umbráchten. Da antwortete nun der landpfleger, und sprach zu ihnen: Welchen wollt ihr unter diesen zweyen, den ich euch soll losgeben? Da schrie ber ganze haufen und sprach: Hinweg mit diesem, und gieb uns Barrabam los. Da rief Pilatus abermal zu ihnen, und wollte Sesum los lassen, und sprach: Was soll ich denn mit Jesu machen, den man Christus nennt? Sie schrieen abermal: Kreuzige, kreuzige ihn. Er aber sprach zum drittenmal zu ihnen: Was hat er denn übels gethan? Ich finde keine ursach des todes an ihm: darum will ich ihn züchtigen und los lassen. Aber sie schrieen noch vielmehr und sprachen: Kreuzige ihn. Und sie lagen ihm an mit großem geschrey, forderten, daß er gekreuziget würde, und ihr und der hohenpriester geschrey nahm überhand. Da nahm Pilatus Jesum und geißelte ihn. Die kriegsknechte aber des landpflegers führten ihn hinein in das richthaus, und riefen zusammen die ganze rotte, und zogen ihn aus, und legten ihm einen purpurmantel an, und flochten eine frone von dornen, und sehen sie auf sein haupt, und gaben ihm ein rohr in seine rechte hand, und beugten Leidensgeschichte Jesu. 59 die knie vor ihm, und spotteten, und fingen an ihn zu grüßen, und sprachen: Gegrüßet seyft du, könig der juden, und schlugen ihn ins angesicht und speieten ihn an, und nahmen das rohr und schlugen damit sein haupt, und fielen auf die knie und beteten ihn an. Da ging Pilatus wieder hinaus, und sprach zu ihnen: Sehet, ich führe ihn hinaus zu euch, daß ihr erkennet, daß ich keine schuld an ihm finde. Also ging Jesus hinaus, und trug eine dornenkrone und purpurkleid. Und er sprach zu ihnen: Sehet, welch ein mensch! Da ihn die hohenpriester und diener sahen, schrieen sie und sprachen: Kreuzige, kreuzige ihn. Pilatus sprach zu ihnen, nehmet ihr ihn hin, und kreuziget ihn, denn ich finde keine schuld an ihm. Die juden antworteten ihm: Wir haben ein geseß, und nach dem gesek soll er sterben, denn er hat sich selbst zu Gottes sohn gemacht. Da Pilatus das wort hörete, fürchtete er sich noch viel mehr, und ging wieder hinein in das richthaus, und sprach zu Jesu: Von wannen bist du? Aber Jesus gab ihm keine antwort. Da sprach Pilatus zu ihm: Redest du nicht mit mir, weißt du nicht, daß ich macht habe dich zu kreuzigen; und macht habe dich los zu geben? Jesus antwortete: Du hättest keine macht über mich, wenn sie dir nicht wäre von oben herab gegeben: darum der mich dir überantwor= tet hat, der hats größere sünde. Von dem an trachtete Pilatus, wie er ihn los ließe. Die juden aber schrieen und sprachen: Läsfest du diesen los, so bist du des kaisers freund nicht; denn wer sich zum könige macht, der ist wider den kaiser. Da Pilatus das wort hörete, führete er Jesum heraus, und fegte sich auf den richtstuhl an der ståtte, die da heißet hochpflaster, auf hebräisch aber golgatha. Es war aber der rüfttag in der oftern um die sechste stunde, und er sprach zu den juden: Sehet, da ist euer könig. Sie schrieen aber: Weg, weg mit dem! Spricht Pilatus zu ihnen: Soll ich euren könig kreuzigen? Die hohenpriester antworteten: Wir haben keinen könig, denn den kaiser. Da aber Pilatus sahe, daß er nichts schaffete, sondern daß viel ein größer getümmel ward, gedachte er dem volke genug zu thun, und urtheilete, daß ihre bitte geschehe; nahm wasser, und wusch die hände vor dem volk, und sprach: Ich bin unschuldig an dem blute dieses gerechten, sehet ihr zu. Da antwortete das ganze volf, und sprach: Sein blut komme über uns und unsere kinder, Da gab er ihnen Barrabam los, der um aufruhrs und mords willen war ins gefängniß geworfen, um welchen sie baten; Jesum aber gegeißelt und verspottet, übergab er ihrem willen, daß er ges kreuziget würde. Das fünfte Hauptstů d. Von der Kreuzigung Jef u. Dª a nahmen die kriegsknechte Jesum, zogen ihm den mantel aus, und zogen ihm seine kleider an, und führeten ihn hin, daß fie ihn kreuzigten; und er trug sein kreuz. Und indem sie hinaus gingen, funden sie einen menschen, der vorüberging, von Cyrene, mit namen Simon, der vom felde kam, der ein vater Alexandri und Ruffi war, den zwungen sie, daß er ihm sein kreuz trüge, und legten das freuz auf ihn, daß ers Jesum nachtruge. Es folgten ihm aber nach ein großer haufen volke und weiber, die 60 Leidensgeschichte Jesu. klagten und beweinten ihn. Jesus aber wandte sich um zu ihnen, und sprach: Ihr töcher von Jerusalem, weinet nicht über mich, son: dern weinet über euch selbst, und über eure kinder. Denn sehet, es wird die zeit kommen, in welcher man sagen wird: Selig sind die unfruchtbaren, und die leiber, die nicht geboren haben: und die brüste, die nicht gesäuget haben. Dann werden sie anfahen zu sagen zu den bergen: Fallet über uns! und zu den hügeln: bedecket uns! denn so man das thut am grünen holz, was will am dürren werden. Es wurden aber auch hingeführt zween andere übelthäter, daß sie mit ihm abgethan würden. unb sie brachten ihn an die ståtte, die da heißt auf hebräisch Golgatha, das ist verdolmetschet: Schädelstätte. und sie gaben ihm effig, oder vermyrrten wein zu trinken, mit gallen vermischt, und da ers schmeckte, wollte ers nicht trinken. Und sie kreuzigten ihn an die ståtte Golgatha, und zween übels thäter mit ihm, einen zur rechten und einen zur linken hand. Jefum aber mitten inne. und die schrift ist erfüllet, die da faget: Er ist unter die übelthäter gerechnet. Und es war die dritte stunde, da sie ihn kreuzigten. Jefus aber sprach: Vater vergieb ihnen! denn sie wissen nicht, was sie thun. Pilatus aber schrieb eine überschrift, geschehen, was man ihm schuld gab, die ursach seines todes, und segte sie auf das kreuz oben zu seinem haupte. Es war aber geschrieben: Jesus von Nazareth, der Juden König. Diese überschrift lasen viele juden; denn die ståtte war nahe bei der stadt, da Jesus gekreuzigt war, denn es war geschrieben auf hebräische, griechische und lateinische sprache. Da sprachen die hohenpriester und die juden zu Pilato: Schreibe nicht der juden könig; sondern daß er gesagt habe: Ich bin der juden könig. Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben. Die kriegsknechte, da sie Jesum gekreuzigt hatten, nahmen sie seine kleider, und machten vier theile; einem jeglichen kriegsknecht sein theil, dazu auch den rock. Der rock war aber ungenähet, von oben an gewirket durch und durch. Da sprachen sie unter einander: Lasset uns ben rock nicht zertheilen, sondern darum loosen, weß er seyn soll. Auf daß erfüllet, würde die schrift, die da saget: Sie ha ben meine kleider unter sich getheilet, und haben über meinen rock das Loos geworfen. Und sie saßen allda, und hüteten sein. Solches thaten die kriegsknechte, und das volk stund und sahe zu. Es stunden aber bei dem kreuze Jesu seine mutter, und seiner mutter schwester Maria, Cleophas weib, und Maria Magdalena. nun er sehr lieb hatte, sprach er zu seiner mutter: Weib, suhe, das ist dein sehn! Darnach sprach er zu dem sünger: Siehe, das ist deine mutter, und von stund an nahm sie der jünger zu sich. Die aber vorüber gingen, låsterten ihn, und schüttelten die kopfe, und sprachen: Pfui dich! wie fein zerbrichst du den tempel, und bauest Ihn in breyen tagen! hilf dir selber; bist du Gottes sohn, so steig berab vom Ereuze. Desgleichen auch die hohenpriester verspotteten ihn unter einander mit den schriftgelehrten und ältesten, sammt dem volk und sprachen: er hat andern geholfen, und kann ihm selber nicht belfen; Ift er Chriftus, der könig von Israel, der auserwählte Gots Leidensgeschichte Jeſu. 61 tes, so helfe er ihm selber, und steige nun vom freuz, auf daß wir sehen, und glauben ihm; er hat Gott vertrauet, der helfe ihm nun, lústets ihm; denn er hat gesagt: Ich bin Gottes sohn. Dasselbe rückten ihm auch vor die morder, die mit ihm gekreuziget waren, und verschmäheten ihn. Es verspotteten ihn auch die kriegsknechte, traten zu ihm, und brachten ihm essig, und sprachen: Bist du der juden könig, so hilf dir selber. Aber der übelthäter einer, und sprach: Bist du Christus, wortete der andere, strafte ihn, und sprach: Und du fürchtest dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleicher verdammniß bist; und zwar wir sind billig darinnen, denn wir empfahen, was unsere thaten werth sind, dieser aber hat nichts ungeschicktes gehandelt. und sprach zu Jesu: Herr, gedenke an mich, wenn du in dein reich kommst! Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir, heute wirst du mit mir im paradiese seyn. die da gehänget waren, låsterte ihn, so hilf dir selbst und uns. Da ant Und da es um die sechste stunde kam, ward eine finsterniß über das ganze land, bis um die neunte stunde, und die sonne verlor ih= ren schein. Und um die neunte stunde rief Jesus laut und sprach: Eti, Eli, lama asabtani: das ist verdollmetschet: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Etliche aber, die da stunden, da sie das höreten, sprachen: der rufet dem Elias. Darnach als Jeſus wußte, daß schon alles vollbracht war, daß die schrift erfüllet würde, sprach er: mich dürstet! Da stund ein gefäß voll essig, und bald lief einer unter ihnen hin, nahm einen schwamm, und füllte ihn mit essig und isopen, und steckte ihn auf ein rohr, und hielts ihm dar zum munde, und tránkete ihn. Die andern aber sprachen: Halt, laß sehen, ob Elias komme, und ihn herab nehme. Da nun Jesus den essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht!" und abermal rief er laut und sprach: Bater ich befehle meinen geist in deine hånde; und als er das gesagt, neigte er das haupt, und gab seinen geist auf. und siehe da, der vorhang im tempel zerriß in zwei stücke von oben an bis unten aus; und die erde erbebte, und die felfen zers rissen, und die gråber thaten sich auf, und stunden auf viele leiber der heiligen, die da schliefen, und gingen aus den gråbern nach seiner auferstehung, und kamen in die heilige stadt, und erschienen vielen. Aber der hauptmann, der dabei stund gegen ihm über, und die bei ihm waren, und bewahrten Jesum, da sie sahen, daß er mit solchem geschrei verschied, und sahen das erdbeben, und was da ges schah, erschraken sie sehr und preiseten Gott, und sprachen: Wahrs lich, dieser ist ein frommer mensch gewesen, und Gottes sohn. Und alles volk, das dabei war, und zusahe, da sie sahen, was da ges schah, schlugen sie an ihre brust, und wandten wieder um. Es stunden aber alle seine verwandten von ferne, und viele wets ber, die ihm aus Galiláa nachgefolgt waren, und sahen das alles, unter welchen war Maria Magdalena, und Maria des kleinen Jacobs und Josephs mutter, und Salome, die mutter der kinder Zebedai, welche ihm auch nachgefolget hatten, da er in Galilåa war, und gedienet und viele andere, die mit ihm hinauf gen Jeruſalem gegangen waren. 62 Leidensgeschichte Jesu. Das sechste Hauptstück. von dem 23 egräbniß Jef u. Die juden aber, dieweil es der rufttag war, daß nicht die leichname am sabbath war groß;) baten sie Pilatum, daß ihre beine gebrochen und abge: nommen würden. Da kamen die kriegsknechte und brachen dem er: sten die beine, und dem andern, der mit ihm gekreuzigt war. Als sie aber zu Jesu kamen, da sie sahen, daß er schon gestorben war, brachen sie ihm die beine nicht, sondern der kriegsknechte einer öffnete seine feite mit einem speere, und alsbald ging blut mit wasser heraus. Und der das gesehen hat, der hat es bezeuget, und sein zeugniß ist wahr, und derselbige weiß, daß er die wahrheit sagt, auf daß auch ihr glaubet; denn solches ist geschehen, daß die schrift erfüllet würde: Ihr sollt ihm kein bein zerbrechen. Und abermal spricht eine andere schrift: Sie werden sehen, in welchen sie gestochen haben. Darnach am abend, dieweil es der rústtag war, welcher ist der vorsabbath, kam Joseph von Arimathia, der stadt der juden, ein reicher mann, ein rathsherr, ein guter frommer mann, der hatte nicht gewilligt in ihren rath und handel, welcher auf das reich gottes wartete, denn er war ein jünger Jesu, doch heimlich, aus furcht vor den juden, der wagte es und ging hinein zu Pilato, und bat, daß er möchte abnehmen den leichnam Jesu. Pilatus aber verwunderte sich, daß er schon todt war, und rief den hauptmann und fragte ihn: ob er långst gestorben wäre? und als ers erkundete von dem hauptmann, gab er Joseph den leichnam Jesu und befahl, man sollte ihn ihm geben. Und Joseph kaufte ein leinwand. Es kam aber auch Nicodemus, der vormals bei der nacht zu Jesu kommen war, und brachte myrrhen und aloe unter einander bei hundert pfunden. Da nahmen sie den leichnam Jesu, der abge nommen war, und wickelten ihn in rein leinwand, und bunden leinen tüchern, und mit specereyen, wie die juden ihn mit pflegten zu begraben. Es war aber an der ståtte, da er gekreuzigt ward, ein garten, und im garten ein neu grab, das war Josephs, welches er hatte las sen hauen in einen felsen, in welches niemand je gelegt war. Daselbst hin legten sie Jesum, um des rüsttags willen der juden, daß der fabbath anbrach, und das grab nahe war, und wälzten einen großen Es waren aber stein vor die thur des grabes, und gingen davon. allda Maria Magdalena und Maria Joseph, die segten sich gegen das grab, und andere weiber, die da Jesus auch waren nachgefolger von Galiláa, beschaueten, wohin und wie sein leib geleget ward. Sie kehreten aber um, und bereiteten die specereyen und salben, und den sabbath über waren sie stille nach dem gesen. Des andern tages, der da folget nach dem růsttage, kamen die hohenpriester und pharisder sämmtlich zu Pilatus, und sprachen: Herr! wir haben gedacht, daß dieser verführer sprach, da er noch lebte: Ich will nach dreyen tagen auferstehen. Darum befiehle, daß man das grab verwahre bis an den dritten tag, auf daß nicht seine junger kommen und stehlen ihn, und sagen zum volke: Er ist auferstanden von den tobten; und werde der letzte betrug ärger denn der erste. Pis latus sprach zu ihnen: Da habt ihr die húter, gehet hin, und verwahrets, ● 63 wie ihr wisset. Und sie gingen hin, und verwahrten das grab mit hür tern, und versiegelten den stein. Beschreibung der Zerstöhrung der Stadt Jerusalem. As die zeit herbei nahete, daß Gott über Jerusalem, und das júdische volk den endlichen zorn gehen lassen wollte, wie die propheten und der Herr Christus selbst ihnen gedrquet und zuvor gesagt hatten; sind die nachfolgenden zeichen vorher gegangen: Es ist am himmel ein Comet gesehen worden, wie ein schwert gestaltet, welcher ein ganzes jahr gegen der stadt über gestanden, und von jedermann ist gesehen worden. Eben in den tagen der ungesäuerten brodte, am achten tage des monats april, um neun uhr in der nacht, ist bei dem altar im tempel ein solch hellglänzendes licht erschienen, daß jeder: mann meinte, es wäre tag. Ein ehrenes großes starkes thor am innern tempel, daran zwanzig mann heben mußten, wenn man es aufthun wollte, welches mit starken eisernen riegeln verwahret war, hat sich um die sechste nachtstunde selbst aufgethan. Den ein und zwanzigsten Junii hat man in der luft und an den wolken an vielen orten des himmels wagen schweben, und sich wie eine große rüstung von reutern und knechten an den wolken zusammen ziehen, und mit gepraffel in der nacht schlagen sehen. Vor dem pfingsttage, als die priester inwendig im tempel bereiten wollten, was zum feste gehöret, haben sie ein groß getümmel und gepolter, und hernach eine stimme gehöret, welche gerufen hat: Lasset uns von hinnen wegziehen! wiewohl etliche sagen, das sey geschehen zu der zeit, da der vorhang im tempel unter Christi leiden zerrissen ist. Auch ist ein mensch ge= wesen, Jesus, genannt Unani, eines gemeinen mannes sohn, welcher, als er zu Jerusalem kommen, auf das fest der lauberhütten, aus einem besondern geiste geschrieen hat: ein geschrei vom morgen! Dein geschrei vom abend! O ein geschrei von den vier winden! Dein geschrei über ganz Jerusalem und den tempel! eine elende klage über braut und brautigam! ein geschrei über alles volk! Und solch klägliches geschrei trieb er tag und nacht nach einander, und lief wüthend in der stadt umher. Und wiewohl ihn etliche mit geiffeln und ruthen straften, die diese worte als eine böse deutung über die stadt nicht gerne höreten, so hörete er doch nicht auf. Und als man diesen menschen dem landpfleger gebracht, welchen die Rómer damals zu Jerusalem hatten, der ihn auch mit geisseln hart bis auf das blut, ståupen und peitschen ließ: hat er doch mit keinem worte gnade gebeten, hat auch nicht eine thráne fallen lassen, sondern hat ohne unterlaß überlaut geschrien: Wehe, wehe dir, o du armes Jerusalem; Albinus, der richter, hat ihn als einen thoren verachtet. Dieser mensch aber ist sieben jahr nach einander nicht viel mit leuten umgegangen, sondern allein gegangen, wie ein mensch, der etwas tief bei sich besinnet oder dichtet, und hat immerdar diese worte von sich hören lassen: Wehe, wehe dir, o du armes Jerufulem! und von solchem rufen ist er nicht müde worden. Als aber nun die stadt von den Römern belagert worden, ist er auf den mauern umher gegangen, und hat immer geschrien: Wehe über den tempel!. 64 Beschreibung der Zerstörung der Stadt Jerusalem. und über das ganze volk; und zulegt hat er auch eine zeit diese un gewöhnlichen worte dazu gesagt: Wehe auch mir! in dem worte ist er ohngefähr von der feinde geschoß getroffen worden, und also todt geblieben. Diese und andere große zeichen sind vorhergegangen, ehe Jerusalem zerstört worden ist. Nun wollen wir auch von der zerstörung an ihr selbst reden. Da die juden, wie Stephanus saget, als mörder und verräther, den gerechten und unschuldigen Christum getödtet hatten, ist es mit dem ganzen jüdischen reiche in allen städten immer ärger geworden. Die hohenpriester huben an, und übten tyranney wider die andern prie: ster; unter den andern gewaltigen war allerlei haß und neid, und schickte sich alles zur uneinigkeit im regimenté, und ließ sich es ansehen, daß eine große ånderung und zerrüttung des reichs vorhanden wäre. Aus solchem zwiespalt und haß der gewaltigen unter sich, er huben sich rotten, und allerlei zertrennungen: und außerdem trug sich allerlei unglück zu, viel raubens und mordens in und außer der stadt Jerusalem: und schickten sich alle sachen, daß beide regimente des volks, das geistliche und weltliche, in trümmern gehen wollten. Daher geschah es auch, daß der kaiser Nero Cestium Florum in das jüdische land schickte; und als er den juden sehr hart war, und in vielen dingen seinen geiz, stolz und muthwillen übte, haben ihn die juden verjagt, und als er mit ihnen zu schlagen kam, hat er fünf tausend mann der seinigen verloren. Also wütheten die juden durch gottes verhängniß, daß sie sich auch wider die Römer setzten, und von ihnen abfielen. Als aber der kaiser Nero das erfuhr, schickte er Flavium Vespasianum mit ſeinem sohne in Syrien, Es ist um diese zeit im ganzen Orient, wie auch Tranquillus schreibet, eine gemeine fage und ein gerüchte gewesen, daß eben um biese zeit etliche, so aus Judda kommen würden, sehr groß und sehr prachtig in aller welt werden sollten. Und wiewohl das an dem geistlichen reiche Christi also wahr ward, daß der name Chrifti durch die predigt des evangelii, welcher aus dem jüdischen stamme gebos ren ist, in aller welt groß ward, so haben es doch etliche von dem Vespasianus verstanden; die juden aber zogen die weissagung auf sich, und nachdem ihnen etliche schlachten wider die feinde geriethen, wurs ben sie stolz, machten drei hauptleute, und griffen mit gewalt die stadt Ascalon an, da sind sie in zweien schlachten darnieder gelegt worden, haben, ohne die hauptleute, die umkommen sind, bei die zwanzigtausend mann verloren. Nachdem zog also Vespasianus auf befehl des Kaisers in Gali láa, welches ein volkreiches land war, verwüstete und verheerete alles burchaus, und ward des mordens, raubens und brennens kein ende; da wurden viel tausend Juden, und auf einmal an die funfzig tau send wehrhafte månner erschlagen, ohne weiber, kinder, gemeinen pobel und landvolk. Das kriegsvolk hat da weder alt noch jung vers schonet, nicht der schwangern, nicht der kinder in den wiegen. Sechs tausend junge manner hat Vespasianus auf einmal, als leibeigene leute geschickt, an dem Isthmo zu graben in Uchaja. Dreißig tausend jüdische kriegsleute sind zu der zeit auf einmal für leibeigen verkaufet. Fünf tausend haben sich aus verzweifelung selbst von hohen felsen berab gestürzt Beschreibung der Zerstörung der Stadt Jerufalem. 65 Zu der zeit war ein trefflicher mann, sehr gelehrt, weise und verständig, priesterlichen amtes, unter den juden und der obersten einer im kriege mit namen Josephus: als er im ersten schrecken mit etlichen wenigen in eine höhle geflohen, bei der stadt Sotapata, in Galilia, ward er ergriffen und zu Vespasiand geführet; und als er demselben prophezeihete, er würde noch kaiser werden, hat er ihn gnädig erhalten; und derselbe Josephus hat uns geschrieben hinter lassen, was wir von der geschichte wissen. Als dies in Galiläa geschah, ist ein haufe gesammeltes, freches rauberisches volk gen Jerusalem kommen, da hat einer der großen herren, Ichannes, zuwege gebracht, daß er durch diese rotte das regiment an sich brächte. Da ist abermal ein heimliches morden, viel rauberey und plünderey zu Jerusalem gewesen, und hat es sich allenthalben zum großen unglück geschicket und ist die arme stadt allenthalben sehr geplaget worden. Es sind um diese zeit etliche hohenpriester erschlagen, und viel blut, auch sogar im tempel, vergoffen worden. Josephus schreibet, daß zwölf tausend von den edelsten und besten juden in diesem lärm umkommen sind, deren guter und häuser man dem pöbel und knechten zu plündern gegeben. Etliche meinen, daß dieses die römer durch list zugerichtet haben. So war nun damals schon, ehe das rechte wetter sie überfiel, Jerusalem mit dreierlei unglück geplaget, nemlich mit dem kriege der romer, mit aufruhr und allerlei meuterei in der stadt, und mit den tyrannen, welche sich durch gewalt und list einer nach dem andern aufwarfen, und ist um der herrschaft willen viel blut vergossen worden. Als nun zu derselbigen zeit die Gardarener sich den Römern widersegten, mußte sich Vespasianus eilends aus dem winterlager erheben, und nahm er Gedara, die stadt ein, und er schlug durch seinen hauptmann Placidum bei die dreißig tausend bürger in die flucht, zwei tausend nahm er gefangen, der andere pöbel und flüchtige haufen stürzte sich in den Jordan, und ihre tobten körper find im Jordan bis an die see Aspaliten fortgeflossen, welche man das todte meer nennet'; darauf sind jenseit des Jordans bis zum Mas charon allenthalben alle juden von den Römern überfallen worden, und im großen schrecken umkommen. Es war bei dem ausgange des winters im anfange des frühe lings, als Vespasianus hôrete, daß Nero todt ware; er lag zu Gåsaria, und machte sich eilends auf. Er hatte alle städte der fuden eingenommen, außer etlichen schlössern, welche einige fremde krieger inne hatten, und hatte er allenthalben die stádte mit römischem kriegsvolk befeßt, daß er Jerusalem, welches allein überblieben war, desto leichter stürmen und einnehmen könnte. Eben damals ist Ve fpafianus von seinem kriegsvolke zum kaiser aufgeworfen worden; er zog derohalb in Egypten, von dannen wollte er in Italien gehen, und übergab Tito indessen das kriegsvolk wider die juden. Titus aber, als er kundschaft halber an einige örter nahe bei Jerusalem geritten war, entkam schwerlich, daß er nicht von den juden gefangen ward: darnach schlug er sein, lager auf bei Scopas, eine viertelmeile von der stadt, und theilte sein kriegsvolk, um die stadt an mehr denn einem orte zu belagern. Mittler zeit war ein großes und machtiges volk aus allen städten, von allen orten auf das & 66 Beschreibung der Serstörung der Stadt Jerusalem. ofterfest des gottesdienstes halber zu Jerusalem zusammen ommen. So war auch, wie oben angezeiget worden, zuvor in der stadt viel zusammengelaufenes volt, welches aus Galiläa vertrieben worden. Es waren drei partheien in der stadt, welche die einigkeit und das regiment je långer je mehr zerrissen, wie es zu gehen pflegt. Ein theil hatte den tempel inne, unter denen war Eleazarus der oberste, ein sohn Simonis, mit dem hielten es die Beloten, ein böses heuchlerisches volk, das den bürgern sehr feind war. Den untern theil der stadt hatte Johannes inne, welcher ein anfang alles unglücks war. Den obern theil hatte Simon inne, mit zwanzig tausend Idumdern, welche erfordert waren, die stadt von der Zeloten muthwilligen und grausamen vornehmen zu schüßen: da man derselbigen gåste gerne wieder los gewesen wäre, hat man ihrer nicht los werden können. Titus, als er nun merkte, daß die stadt Jerusalem mit so unzähligem volke überladen und überhäuft wäre, rüstete und stärkete sich in großer eil, die stadt zu belagern und eine wagenburg um sie zu schlagen,( wie Christus zuvor gesagt hatte) dieweil das volk bey einander wäre, daß sie der hunger desto hårter drångete und ångstete. Da das die juden sahen, versuchten sie das äußerste, es zu hindern, zu wehren und ihnen zuvor zu kommen; aber es war aus mit ihnen, da war kein glück mehr; unser herr gott wollte das garaus mit ihnen spielen; darum ging ihnen kein rath noch anschlag von statten, da war lauter uneinigkeit. Und ist in dieser zeit in der stadt ein aufruhr entstanden, daß eine große menge volks bey dem tempel erschlagen worden. Die stadt Jerusalem war sehr fest an dem orte, wo man zu der stadt kommen konnte, sie hatte drei mauern, drum rückte das ro mische kriegsvolk mit ganzer macht hinan, um die stadt zu stürmen: und nach großer arbeit ist die doppelte mauer erstiegen und eingenom men worden. Um dieselbige zeit ist eine unzählige menge volks hungers gestorben, wie Josephus schreibet. um einen kleinen bissen brot haben sich oft die besten freunde gehauen und gestochen: die kinder haben den eltern, vater und mutter den kindern oft speise aus dem munde gerissen; da hat sich weder bruder noch schwester des andern erbarmet. Ein scheffel torn hat viele gulden gegolten, etliche haben aus großem hunger kuhmist, etliche die riemen von den satteln, das leder von den schildern und dergleichen abgenaget und gegessen; etliche haben noch heu im munde gehabt und sind also todt gefunden worden; etliche haben in den heimlichen gemächern gesuchet, sich mit unflath und mist für den hunger zu erreiten, und ist eine folche große menge hungers gestorben, daß Ananias, Eleazari sohn, welcher zu der zeit der belagerung zu Tito geflohen, angezeiget hat, daß hundert und funfzehn tausend todte körper in der stadt gefunden und begraben seyen. Hegesippus schreibet, daß allein zu einer pforte viele tausend leichen hinausgetragen worden, und daß bei fechs hundert tausend menschen, seit der belagerung, todt geblieben sind. Die juden hatten noch die burg Untoniam innen, welches eine starke feftung war; so hatten sie auch den tempel, von welchem eine brücke in die stadt ging. Diese festung zu erobern, kostete viel mehr arbeit, als alle andern örter. Tito aber, wiewohl er gewiß war, daß der hunger endlich die juden in der stadt tilgen und theilen würde, ward doch die zeit zu lang, und hielt an und vermahnte. Beschreibung der Zerstörung der Stadt Jerusalem. 67 das kriegsvolk, die feftung mit gewalt zu stürmen. Wiewohl nun große gefahr dabey war, so gerieth doch den Römern alles, und war kein sieg noch glück bei den juden. Als nun die Römer das schloß inne hatten, gab der trompeter mit der posaune ein zeichen und wurden die juden, welche in dem schlosse waren, alle erschlagen. Etliche sind von den mauern geworfen worden, etliche sind bey der nacht eilends in die stadt kommen. Folgendes hat sich das kriegs: volk nunmehr gegen die, so den tempel inne hatten, der sache ernstlich angenommen. Man sagt, Titus sey willens gewesen, den tempel zu verschonen, um der religion willen: aber es war aus; Gott schickte es, daß da kein verschonen war. Denn als man lange und heftig gestritten und gearbeitet hatte, und die juden weder mit drauen und vermahnen zu bewegen gewesen, die festen örter zu übergeben; merkte das kriegsvolk, daß ihnen an diesem orte nicht anders als mit hunger ( welches denn lange dauern würde), oder mit feuer beyzukommen wäre. Dannenbero haben etliche der kriegsknechte feuer in den tempel geworfen, das ist angegangen, und ist also dieselbige stunde das herrliche, treffliche und kostbare gebau, welches damals hoch und weit berühmt war, verbrannt und zu asche geworden. Die juden, so den obern ort der stadt inne hatten, sind zum theil in die stadt geflohen; aber viel mehr sind durch das feuer und schwerdt umkommen. Die priester haben gebeten und geflehet, daß man ihnen das Leben fristen möge: aber da ist gnade bei gott und den leuten ausgewesen. Titus hat, wie Hegesippus schreibet, ges antwortet: So ihr tempel und gottesdienst dahin sey, bedürfe man der priester nicht mehr. Die verwüstung des tempels ist den zehnten tag des monats Augusti geschehen, gleich auf den tag, da der erste tempel vom könige zu Babylon verbrannt ist, und ist der tag sonderlich ein unglückstag für den tempel gewesen. Von dem ersten tempel und seiner erbauung an, welche Salomo vollführt, bis auf das andere jahr Vespasiani, da der tempel gånzlich verwüstet worden, sind eilf hundert und zwei jahr, von der zeit aber, da man den andern tempel wieder angefangen zu bauen, welches geschehen im andern jahre des Königs Cyri, sind fünfhundert und neun und sechzig jahr verflossen. Da nun die juden so geångstet wurden, und keine hoffnung der errettung war, starben viele tausend hungers, doch blieben die übrigen auf ihrem vornehmen. Josephus schreibet: daß sich in den tagen, als der tempel verz brannt und verwüstet worden sey, ein schrecklich und gráulicher fall begeben, welchen man bei den nachkommen kaum glauben wird. Es war eine ehrliche frau, welche reich und von gutem geschlechte war, jenseits des Jordans, aus furcht mit den andern gen Jerusalem geflohen; als nun die stadt so hart bedrånget und mit hunger geångftiget ward; hat sie ihr kleines kindlein in der wiegen,( mit was für jammer und schmerzen, ist wohl zu gedenken) geschlachtet, und das halbe theil gebraten und gegessen, als die kriegsknechte umher gelaufen und speise gesucht, hat sie ihnen die andere hälfte vorgeseget, die kriegsknechte aber haben sich vor dem gráulichen anblick entseget, und sich doch des elenden weibes erbarmet, und die sache den großen herren zu Jerusalem geoffenbaret. 2 68 Beschreibung der 3erstörung der Stadt Jerusalem. Dieser schreckliche fall hat sie beweget, daß sie von dem tage an bedacht gewesen, sich zu ergeben, sind mit Tito zu einer unterredung und unterhaltung gekommen; aber dieweil sie zu lange geharret hatten, friede zu machen, und sie um friede und freiheit baten, da sie schon ausgehungert, und auf das höchste bedrängt waren nichts daraus, und die stadt ist nur wenige tage kümmerlich aufge: halten worden. Mittler zeit ist eine unzählige menge volks aus großer angst und höchster noth, wegen des unerträglichen hungers, ward * aus der stadt in das lager, den feinden in die hande gelaufen; da hat man sie sehr wohlfeil verkaufet. Damals haben die kriegsknechte ohngefähr gesehen, daß ein jude aus seinem eigenen miste gulden gelesen, welche er eingeschluckt gehabt; da ist bald ein gerücht durch das ganze lager unter dem kriegsvolke gegangen, die juden, fo heraus in das lager geflohen, hätten gold eingeschluckt;( denn es waren etliche, welche wegen fleißiges besuchen sonst nichts als gold wegbringen, oder vor den soldaten behalten konnten) dies gerücht gab nun urfach, daß vor den kriegsknechten, welche gedachten, fie würden bei allen juden gold finden, über zwei tausend juden in einer nacht aufgeschnitten wurden; und ihrer wären noch viel mehr umkommen, wenn Titus nicht hätte ausrufen und gebieten lassen, daß man die gefangenen nicht tödten sollte. Endlich ist die stadt Jerusalem erobert, und weder jung noch alt verschonet worden; doch hat man ein gebot ausgerufen, daß man aller elenden leute, so zu keiner wehr und widerstand vermögend waren, schonen sollte. Also ist ganz Jerusalem durchaus von den feinden schrecklich geplündert, angesteckt und verbrannt, der größte theil zerrüttet und verwüstet worden, wenige gebäude sind stehen ge= ¹ blieben, daß man nur etliches römisches kriegsvolk darinnen zur be fagung lassen können. So sind auch etliche einzelne wüste gebäude und thürme übrig geblieben, allein nur öde, zur anzeigung, daß dafelbst eine stadt ehemals gewesen wäre. Und ist also Jerusalem verwüstet, und zu grunde verderbet, den achten tag des Septembris im fünften monat darnach als sie zuerst belagert worden. Der ge fangenen hat Titus bei siebzehn tausend, alle junge starke mannspersonen, gen Alexandriam geschickt, um daselbst wie leibeigene Enechte steine zu tragen, und zu arbeiten. Viele juden hat man wie das vieh gar wohlfeil verkaufet, zwei tausend hat man hin und wieder in die länder durch das ganze römische reich ausgetheilet, daß man sie, wenn man schauspiele gehalten, zum gepränge, von den wilden thieren hat zerreißen laffen. 1 Die menge aller gefangenen, so am leben geblieben, find an der zaht sieben und neunzig tausend, da doch, als die belagerung an gefangen wurde, wohl zehn mal hundert tausend in der stadt gewesen sind, welche mehrentheils fremde und nicht bürger, wiewohl alle vom jüdischen stamm und geblüt gewesen sint. Als nun Titus Jerusalem mit gewalt eingenommen, verbrannt, zerrüttet und verheeret hatte; besegte er den ort des landes mit etlichen kriegsknechten, um der umliegenden länder willen, und rückte bis an den fluß Euphrat, denn so weit ging damals das romische reich. Als aber die gewaltige, berühmte und heilige stadt Jerusalem zerstört worden, hat man gezählt von anbeginn der welt vier tausend und vier und dreißig, vom anfange der stadt Nom acht hundert und drei und zwanzig, nach dem leiden Christi vierzig jahr. Beschreibung der Zerstörung der Stadt Jerusalem. 69 Also hat Jerusalem, die allerberühmteste stadt im ganzen morgens lande, wegen ihrer sünden, bosheit und widerspenstigkeit gegen gott und Jesum, ein elendes und jämmerliches ende genommen. Morgen- und Abendgebete auf jeden Tag in der Woche. Am Sonntage morgens. Gott, ott, mein vater! mit freude und danke erscheine ich jetzt vor deis nem angesicht. Ich freue mich des lebens, was du mir von neuem geschenkt hast, und aller wohlthaten, die ich durch dasselbe von dir erhalten habe. Ich danke dir für den schuß, den du mir in der vers wichenen nacht verliehen, für die ruhe, wodurch du meinen leib erquicket, und für den neuen morgen, den du mich haft erleben lassen. Über dieser neue morgen erinnert mich auch auf's neue an dasjenige, was ich dir schuldig bin. So oft schon, wenn ich einen neuen tag erlebte, habe ich dir, du herr und vater meines Lebens, zugesagt, besser, weiser und frömmer zu werden; und ob ich gleich in der ers füllung dieser meiner zusage noch immer so nachlässig und unvollkommen geblieben bin; so hast du dennoch nicht aufgehöret, mir, deinem undankbaren kinde, wohlzuthun, und mich durch wohlthaten zu meis ner pflicht zurückzuführen. O laß mich den heutigen sonntag, der deinem dienste feierlich gewidmet ist, dazu besonders gebrauchen, daß ich mit ernst anfange, ein wahrer christ zu werden. In den verwis chenen wochentagen habe ich mich oft durch meine geschäfte, forgen und zerstreuungen abhalten lassen, für die heiligung und besserung meiner seele gehörig sorge zu tragen; oft vergaß ich unter den bes mühungen nach vergnügen und irdischen vortheilen die seligkeit des himmels, und unter der begierde, menschen zu gefallen, den beifall und die freundschaft gottes. Desto mehr will ich heute mein gemüth von allem, was mich bisher im guten gehindert hat, abziehen. Mache du mich durch deinen geist tüchtig, dir recht wohlgefällig zu dienen, und dein wort andächtig zu betrachten. Wenn ich in der stille, oder öffentlich in der kirche mit meinen nebenmenschen dich anbete, oder dir und deinem sohne Jesu Christo zu ehren loblieder singe; so pråge meiner feele eine lebendige empfindung deiner gegenwart, deiner gute und heiligkeit ein, damit ich mit tiefster ehrfurcht, mit andacht und inbrunst, mit gläubiger zuversicht, mit liebe und verlangen dir zu gefallen, singe und bete. Wenn ich die lehren deines worts betrachte oder verkündigen höre: so mache sie an meinem herzen kraftig, das mit ich dadurch in erkenntniß und glauben befestigt, zur tugend ers weckt, gebesfert, gestärkt und getröstet werde. So laß dieſen tag für mich ein tag des segens werden, deffen ich mich einst freuen könne, wenn ich zu der versammlung der seligen im himmel gelange. Deinem segen und gnade, barmherziger vater der menschen, empfehle ich auch diesen tag alle meine mitchristen. Erbarme dich der unwissen: den und irrenden, und führe sie alle zur erkenntniß deiner wahrheit. Bekehre die lasterhaften, und laß heute viele zur tugend gewonnen werden. Stärke die schwachen im guten. Gieb allen traurigen heute trost und freude für ihr herz, und den kranken erquictung ung boff 70 Morgen- und Abendgebete. nung. Sorge väterlich für alle meinigen und laß sie und alle meine verwandten und freunde fromme und dir wohlgefällige menschen seyn und bleiben. Sorge auch für mich nach deiner weisen und gnädigen regierung. Du weißt, was ich bedarf, und ich traue dir es zu, du wirst mir um Christi willen alles geben, was mir nüglich ist. Schenke mir nur bei dem wenigen, was ich zu diesem zeitlichen leben nöthig habe, ein zufriedenes herz, ein gutes gewissen, und die versicherung deiner gnade; dann wird alles, was mir begegnet, zu meinem wahren glücke dienen. Amen. Am Sonntage Abends. viel du mir an tage erwiesen! Unter diner liebevollen Aufsicht bin ich heute von so vielen gefahren und leiden befreit geblieben, die so manche meiner nebenmenschen getroffen haben. Du hast mir gesundheit, nahrung und freuden geschenket, und was noch mehr, du haft für die bedürf nisse meiner unsterblichen seele gesorgt, und mir aus deinem worte unterricht, erweckung zur tugend und trost geschenket. Für alle diese wohlthaten bringe ich dir in dieser abendstunde den demüthigsten und herzlichsten dank. Möchte nur mein leben ein beständiger dank für deine gnadenerweisungen seyn. Alwissender! vor dir ist nichts von allen dem verborgen, was ich heute gutes gedacht, geredet und ge= than habe; aber dir ist auch bekannt, worin ich heute gefehlet, worin ich in gedanken, worten und werken gegen dich gesündiget habe. Und wie wenig ist des guten, wie viel hingegen des bösen, woran mich jest mein gewissen errinnert! Du gabst mir heute durch die betrach tung und anhörung deines worts, durch das gebet, das ich öffentlich und zu hause verrichtete, so manche rührung und ermuntes rung zum guten: aber wie beschämt werde ich, wenn ich bedenke, wie wenig ich dadurch frommer, in der ausübung der tugend williger und sorgfältiger, in der vermeidung meiner lieblingsfehler und der versuchung zum bösen standhafter, in der liebe gegen dich und mei nen nächsten vollkommener geworden bin. Verzeihe mir, vater der barmherzigkeit, vergieb mir um Jesu Christi willen alle fehltritte dieses tages, und besonders den leichtsinn, den ich auch heute noch gegen mein ewiges heil, und bei der anwendung der mittel meiner heiligung und besserung bewiesen. Verleihe mir deinen beistand, daß ich von heute an von allen sündenwegen umkehre, und es mir einen ernst seyn lasse, ein rechtschaffener christ in allen stücken zu seyn. So viele abende habe ich mich schon mit schaam und reue um meiner funde willen dir nahen müssen; o laß mich doch so glücklich werden, daß ich mich den nächsten abend, den ich erlebe, nur lauter guz tes erinnern, lauter tugendhafter handlungen mich freuen kann, die ich durch deine gnade ausgeübet habe. Mit diesem festen entschlusſe einer wahren frömmigkeit will ich mich jetzt zu bette legen; hilf du ihn mir, gütiger vater meiner feele, morgen und künftig alle tage zur erfüllung bringen. Deinem allmächtigen schuße übergebe ich mich mit leib und feele. Beschüße, erquicke und segne mich, und alle meine angehörigen und freunde. Auch allen meinen mitchristen und nebena menschen erzeige deine väterliche liebe. Jeht in dieser abendstunde steigen so viele millionen seufzer und lobgesänge, thránen und gebete von glücklichen und unglücklichen, frommen und sündern, kranken und gefunden zu deinem himmel empor: siehe gnädig auf alle, und auch auf mich herab, um Jesu Christi willen. Amen. Morgen und Abendgebete. Am Montage Morgens. Herti err, du erhalter meines lebens! jest da ich vom schlafe erwacht bin, ist meiner seele deine macht und güte aufs neue gegenwärtig und lebendig. Wie leicht hätte ich in der verwichenen nacht mit fo vielen tausenden durch den tod dahin genommen werden können! Uber dein aufsehen hat meinen odem bewahret und mein leben erhalten. Deine gute ist alle morgen neu, und deine treue ist groß. Gelobet seyst du, du liebhaber des lebens! Mein erster gedanke soll dir ges heiliget, mein erstes wort soll ein lobgesang deiner gute seyn. O laß, mein vater und schöpfer! laß diese deine gute, die ich jetzt in diesen augenblicken besinge, mir den ganzen tag über vor augen bleiben. Wie sehr bin ich es dir schuldig, mich dir zum eigenthum zu ergeben, und dich von ganzem Herzen zu lieben! Vom anfange meines lebens an, bis auf diese stunde hast du mich väterlich geführet, und mich so reichlich gesegnet; durch Jesum Christum hast du mich begnadigt und zum ewigen leben ausersehen. Dies alles fordert mich zur aufrichtis gen liebe, dankbarkeit und gehorsam gegen dich auf. Und wie könnte ich deines fernern wohlthuns fähig seyn, wenn ich dabei kalt und fühllos, und ungebessert bliebe! Nein, in dieser morgenstunde gelobe ich dir, mein Gott! ich will aus dankbarkeit gegen dich jede sünde meiden, und alles gute thun, und meinen sinn und wandel so eins richten, daß du durch meine worte und werke gepriesen werdest. Stärke du meine schwachheit, daß ich dies gelübde nie leichtsinnig breche. Du kennest die versuchungen und reizungen, die mich auf dieser erde umgeben, verlaß mich nicht, mein Gott, und gieb mir verstand, muth und kraft, jeder sünde zu widerstehen. Laß mir den gedanken stets gegenwärtig seyn, daß ich dein kind, dein erlöster, ein bestimmter erbe deiner, himmlischen seligkeit bin, und laß mich daher nichts denken, reden und thun, was dieser meiner erhabenen würde und deinen geboten zuwider ist. Dann wird es mir den ganzen tag über nicht an glück und freude fehlen. Bist du mein gnädiger Gott: so mag mir begegnen, was da will, alles wird mir zum besten dienen. Gefällt es dir, mir vergnügen zu schenken; so werde ich desto fröhs licher seyn können; und komme ich in noth, so kann ich mich damit trösten, daß du mich nicht verlassen wirst. Und so fange ich denn in deinem namen meine berufsgeschäfte mit dieser woche an. Dir befehle ich alles, was ich thun und vornehmen werde; und ich traue dir zu, du wirst alles wohl machen. Herr, fegne und behüte uns! Umen. Am Montage Abends. 71 Voll oll freudiger zuversicht erhebe ich jetzt mein herz zu dir, du Gott aller gnade. Auch heute hast du mich durch neue erfahrungen überzeugt, wie sehr du mich liebest. Du hast mich vor schmerzlichen leiden bewahret, und mich nicht die verdienten folgen meiner vielfäl tigen sünden treffen lassen: viele neue und fortgesette wohlthaten hast du mir erwiesen; noch hast du nicht aufgehört, an meiner feele zu arbeiten und mich durch so viele sanfte wege deiner gute zur danks barkeit, zur buße und zur tugend zu erwecken. Gott, laß jest in dieser abendstunde das gefühl deiner gute so lebendig in meiner feele seyn, daß ich aus dankbarkeit gegen deine liebe, alle meine sünden und abweichungen von deinen geboten schmerzhaft bereue, und den ernstlichen vorsag fasse, künftig frömmer und rechtschaffener vor dir zu wandeln. Vergieb mir alle meine versündigungen und fehltritte 72 Morgen- und Abendgebete. mein Erhöre um Jesu meines mittlers willen. Ich bringe dir ein ruhiges und kindliches Herz dar, und sehe meine zuversicht ganz auf die gnade, die mir in Christo Jesu angeboten ist. In diesem vertrauen auf deine vatergute, die auch in diesem augenblicke, da ich bete, mir nahe ist, flehe ich dich denn auch jego kindlich an, sey auch in dieser nacht um mich und behüte mich. Ich weiß, ich schlafe unter deiner aufsicht, und ohne deinen willen kann mir nichts trauriges begegnen. Sey du meines Lebens schuß und kraft, mein licht in der dunkelheit, freund in der einsamkeit, und mein beystand in allen nöthen. mich und alle die, die in dieser abendstunde zu dir beten. Laß jeden sünder, der noch ungerührt und ungebesfert ist, erweckt werden, deine gnade zu suchen. Beruhige durch den trost deines geistes das Herz aller bekümmerten und traurigen. Erquicke auf ihrem lager alle kranken und leidenden, und gieb ihnen freudigkeit, dir zu vertrauen und deine hülfe mit gelassenheit zu erwarten. Blicke gnädig, o vater, auf alle deine erlösten herab, und nimm dich ihrer bedürfnisse váter lich an. Besonders flehe ich zu dir für alle meine mitchristen, die in dieser nacht sterben werden; gieb ihnen die versicherung, daß sie durch Jesum begnadigt und erben deiner seligkeit sind. Und sollte ich selbst unter der zahl der sterbenden seyn, so laß mich eben diesen trost und zuversicht in meinem tode haben. Doch ist es mir erlaubt, dich um die verlängerung meines lebens anzuflehen: so bitte ich dich, laß diese nacht noch nicht die legte meines lebens seyn, sondern gieb mir noch länger frist zur buße, und gelegenheit, mich auf ein seliges ende und auf die ewigkeit durch andacht und wahre tugend vorzube: reiten. Dein bin ich ganz, mein Gott, ich lebe oder ich sterbe; denn dein bin ich in zeit und ewigkeit. Amen. Am Dienstage Morgens. Mit it der ganzen inbrunst meiner seele preise ich dich, mein Gott, mein vater, in dieser morgenstunde, für die unzähligen proben deiner vaterliebe; und dieser tag, den ich wieder gefund erlebt habe, ist ein neuer beweis deiner unveränderlichen ewig fortwährenden treue. Du bists, der mir durch die erweckung aus dem schlafe mein leben aufs neue geschenkt, mir den gebrauch aller meiner sinnen wiederges geben, mir so viele quellen des vergnügens geöffnet, und mir gele: genheit gegeben hat, das glück meines Lebens zu genießen. O möchte ich doch lernen, mein leben nun recht zu genießen! Lehre du mich, mein gott, die weisheit, es recht anzuwenden. Laß mich es dazu gebrauchen, mich in jeder frommen gesinnung immer mehr zu befe: ftigen, deine rede durch alles, was ich denke, rede und thue, zu be fördern, die geschäfte meines berufs und standes gewissenhaft abzu warten, meinen nächsten willig und aufrichtig zu dienen, um mich auf den himmel durch tugend und gottseligkeit vorzubereiten. Es sey genug, daß ich einen großen theil meiner lebenszeit verschwendet oder wider deine absicht gebraucht habe. Laß mich heute den anfang machen, für mich und meinen erlöser, für meinen unsterblichen geist, und für die beförderung meines wahren heils zu leben; und stärke mich zu dem ende täglich mehr in dem abscheu gegen die sünde, und in der ausübung alles guten. Und so überlasse ich dir, mein Gott, und deiner weisheit und güte alle meine irdischen schicksale. Dir sey es ganz heimgestellt, was und wie viel du mir von zeitlichem glücke zutheilen willst. Gefällt es dir, mich an diesem tage einige leiden empfinden zu lassen, Herr! so geschehe dein wille! Ich bin gewiß, Morgen- und Abendgebete. 73 dienen. auch die leiden werden zur beförderung meines seelenheils Hast du mir aber auf diesen tag frohe stunden bestimmt, so verleihe mir gnade, daß ich dich im glücke nicht aus den augen sege, sondern vielmehr dadurch zu desto innigerer liebe und dankbarkeit gegen dich, zu desto gewissenhafterer demuth und tugend, zu desto aufrichtigerer liebe und dienstfertigkeit gegen meine nebenmenschen erweckt werde. Doch dieser tag mag für mein zeitliches leben glücklich oder unglück= lich seyn, so will ich immer zufrieden seyn, wenn ich ihn nur nicht vergeblich zubringe. Und diese wohlthat erbitte ich auch von dir für alle meine nebenchristen. Bessere du alle sünder; stärke und befestige alle frommen im guten. Deine gnade leite insonderheit meine anverwandten und freunde. Stärke und segne sie und mich zum ewigen leben, durch Jesum Christum. Amen. Am Dienstage Abends. Du, o ewiger, unveränderlicher Gott! du allein biſt meine zuflucht für auf der erde tig und hinfällig. Auch heute habe ich den wechsel und die flüchtige keit der menschlichen dinge erfahren. Wie schnell ist dieser tag vers gangen! und unter welchen veränderungen ist er vergangen! So viele, die am morgen gesund waren, sind krank geworden; so viele, die sich glücklich priesen, hat eine einzige stunde elend, arm und hülflos ges macht; und manche, die heute früh noch lebten, sind schon todt. Ich selbst, mein Gott, ob ich gleich durch deine gnade noch lebe, und ges sund, froh und ruhig bin, habe heute manche veränderung erfahren; und wer weiß, was mir noch künftig, was mir selbst diese nacht bevorsteht. Wie leicht, wie bald, wie unerwartet, kann ich schwach und krank, arm, elend und traurig werden, oder gar sterben. Auf dich, mein gnädiger und in Jesu Christo versöhnter vater, und auf deine unwandelbare mächtige, weise und gütige vorsehung, will ich unter der vorstellung alles dessen, was mir auch diese nacht begegnen könnte, meine kindliche mich allein beruhigende zuversicht sehen. Ich habe es bisher in dem ganzen laufe meines Lebens und auch diesen tag erfahren, wie unveränderlich treu und gütig du gegen mich ges finnet bist. So wenig ich es bei meinem undank und sünden vers diente, so hast du dennoch nicht aufgehöret mir wohlzuthun. Denn, mein gott und vater! ich muß es vor deinem angesichte bekennen, daß ich oftmals treulos gegen dich gehandelt habe. So oft, und noch an dem heutigen morgen, versprach ich dir besserung, gehorsam und liebe: aber wie oft habe ich in dem geräusche dieses lebens, in den zerstreuungen meines berufs, in dem umgange mit andern menschen, meine pflicht vergessen und aus den augen gesegt; o Gott! verzeihe mir meine undankbarkeit, und vergilt mir nicht nach meiner missethat. Mache du in diesem augenblicke durch deine liebe, die so unveränderlich über mich waltet, einen so starken eindruck auf meine seele, daß ich künftig allen leichtsinn und wankelmuth ablege, und dir von ganzem Herzen und mit unwandelbarer treue ergeben seyn möge. Ich übergebe mich jetzt, da ich mich zur ruhe lege, ganz deiner vateraufsicht. Bewahre mich in dieser nacht vor allem, was meine ruhe stören kann. Laß meine erschöpften kräfte durch den schlaf wieder gestärkt werden. Beschüße und segne die lieben meinigen, und alle deine menschen, und laß alle, die an diesem abend zu dir beten, gnade vor dir finden. Dir sey Lob und preis geſagt, durch Jesum Christum. Amen. Morgen und Abendgebete. Am Mittwoch Morgens. Ewiger, allmächtiger und allgitiger gott, du schöpfer und vater aller creaturen! ich nahe mich deinem throne mit den empfin ungen eines demüthigen und dankerfüllten herzens. Unendlich mehr, als rdische våter an ihren kindern thun, hast du an mir gethan; und u kannst mit recht von mir fordern, daß ich dich über alles liebe, ind dir von ganzem Herzen vertraue. Bis diese stunde hast du mich in seele und leib erhalten, vor gefahren geschüßt, in leiden gestärkt, nir nahrung und freuden geschenkt; durch die taufe hast du mich zum interthan deines seligen reichs aufgenommen, mich durch Jesum den weg zum himmel schren und dazu erlösen lassen, und durch deinen geist erweckest du mich immer mehr zum guten. O flöße du( denn urch mich selbst kann ich nichts); flöße du selbst meiner seele die empfindungen der ehrfurcht, der dankbarkeit und liebe gegen dich ein. Gieb, daß ich deine eigenschaften, die du allen deinen geschöpfen und auch an mir so sichtbar geoffenbaret hast, recht erkenne, und auch alles, was ich kann, dazu beitrage, daß andre dich besser erkennen, lieben und verehren lernen. Laß das andenken an deine allgegenwart mir diesen ganzen tag über lebendig und gegenwärtig seyn, damit ich mich scheue, nicht zu sündigen, und mich bestrebe, dir durch wil ligen gehorsam und heiligen wandel zu gefallen, und deiner himm lischen seligkeit, wozu du mich durch Jesum bestimmt hast, fähig zu werden. Du kennst mein unvermögen und die schwachheit meiner kräfte; du weißt, wie viele versuchungen auch heute meine tugend umgeben. Wie gefährlich kann die welt, in die ich jetzt aufs neue trete, für mein herz werden! wie leicht kann dies mein so eitles herz durch den reiz des irdischen zum stolze, zur wolluft, zur gottesvers gessenheit verführet werden! wie leicht können die erempel der leichts sinnigen und lasterhaften mich von dir abziehen! wie leicht die leiden und unglück dieses lebens mich zum mißtrauen gegen deine vorsehung, und zur ungeduld verleiten! Stárke du, o Gott! meinen glauben; befestige meinen trieb dir zu gefallen; und mehre in mir die gewissen hafte bestrebung, nicht den verderbten begierden meines herzens, nicht den thörigten und sündlichen beispielen der welt, sondern dem erempel Jesu und seinen heiligen geboten bei allem, was ich denke, rede und thue, zu folgen. Und will ich dich täglich durch meine sünden beleidige; so verzieb mir um Jesu Christi willen alle meine übertre tungen und befreie mich von den strafen, die ich damit verdient habe. Laß mich auch bereit seyn, allen denen zu vergeben, die mich beleidi gen, und meine liebe gegen alle meine nebenmenschen und mitchriften immer stärker und thätiger werden. Und so überlässe ich deiner weisheit und güte alle meine irdischen bedürfnisse. Gieb mir auf jeden tag mein brodt, und alles, was mir und den meinigen zum unterhalte dieses lebens nöthig ist: aber gieb mir auch ein weises herz, deine gabe recht zu gebrauchen, damit ich nicht fárglich geize, noch kleinmüthig forge. Segne meine arbeit und geschäfte. Ist es deiner weisheit und meiner wahren wohlfahrt gemäß, so wende traurige zufälle und empfindliche leiden von mir und den meinigen ab. Sft es aber dein wille, mich durch leiden zu prüfen, so hilf sie mir tragen, und gieb mir geduld und unterwerfung unter deinen willen. Laß mich unter allen umständen meines Lebens deiner vatergüte vertrauen, und bei allen meinen schicksalen und beschäftigungen hauptsächlich für mein eigenes wohl besorgt seyn. Amen. 4 Morgen und Abendgebete. =- 175 Am Mittwoch Abends. Auch uch diesen tag habe ich, allgütiger Gott! unter deinem schuße und fegen zugebracht. Auch heute hast du mir so viel gutes gethan; so manche noth und gefahr von mir abgewandt; mich vor vielen sünden, die ich hätte leicht begehen können, gnådig behütet! mir zur ausrichtung meiner arbeiten gesundheit und kräfte, zur erhaltung meines Lebens meine bedürfnisse verliehen. Dank, innigster dank erfüllt mein herz, o Gott, für deine gute. Auch mein ganzer wandel follte zugleich ein beständiger dank für diese deine gute seyn; und noch heute habe ich dir dies in meinem morgengebete zugesagt. Über wie beschämt muß ich vor deinem angesicht über meine treulosigkeit werden, wenn ich auch mein heutiges verhalten untersuche! wie wenig kann ich sagen, daß ich heute dich, mein Gott, bei allem, was ich dachte, redete und that, vor augen gehabt! daß ich dich über alles geliebt, deinen willen mit freuden erfüllet, und aus kindlicher ehrfurcht gegen dich, alles böse vermieden! daß ich allen reizungen zur eitelkeit, zum stolze, zum zorne, zur wollust sorgfältig widerstanden, immer auf meine eigene befferung allen mir möglichen fleiß gewandt, meine schuldigkeit treu erfüllet; daß ich keinen menschen durch hårte und unbilligkeit gekränkt, sondern vielmehr meine zeit, meine güter, meine fähigkeiten und kräfte zu deiner ehre und zum besten meiner nebenmenschen angewandt habe! Und wenn du, allmächtiger! nun dieſe nacht meine seele von mir fordertest, wie wenig wäre ich noch immer im stande freudig zu sterben, und mich einer seligen ewigkeit zu getrösten! O Gott! ich empfinde mit reue und schmerzen, daß ich täglich fündige, und mich dadurch längst deiner gnade unwerth gemacht habe. Bergieb mir, um Jesu meines mittlers willen, alle sünden dieses tages; vergieb mir auch meine verborgenen und unerkannten fehler. Ich will mich hüten, daß ich nicht wieder gegen dich fündige. Stärke du mich selbst durch deinen geist in diesem guten vorsage, und gieb mir kraft, ihn so treu auszuführen, daß ich morgen frommer als heute seyn, daß ich künftig täglich in allem guten zunehmen, und jeden abend zum tode vorbereitet und zum himmel reif seyn möge. Laß diese nacht für mich eine ruhige nacht seyn, und mich durch einen sanften und erquickenden schlaf zu den geschaf ten des morgenden tages gestärkt werden. Beschüße mich und die meinigen vor aller gefahr und übel, und nimm dich aller elenden und nothleidenden, aller kranken und sterbenden, auch aller fünder und unbekehrten, väterlich an. Erhöre mich um Jefu Chrifti willen. Amen. Am Donnerstage Morgene. Stoß, , unendlich groß ist deine gute, treuer und gnädiger Gott, gegen deine menschen! Auch mir sagt es jeder morgen und jeder abend, wie erbarmungsvoll und väterlich du gegen mich gesinnet bist. Unter den vielen millionen deiner geschöpfe hast du mich nicht aus der acht gelassen, sondern mich durch deine allmacht und gute geschüzget und gesegnet. Mit erneuertem leben bin ich jetzt von meinem lager aufgestanden; meine empfindungen, meine kräfte und fähigkeis ten sind aufs neue in mir erwacht, und ich bin dadurch wieder in den stand gesegt, die schönheit deiner welt und mein leben zu genießen. Dies muß mich also aufs neue zu meinen pflichten ermuntern. Ja mit diesem morgen muß und will ich mich dir, mein Gott und mein erlöser, aufs neue zum eigenthum ergeben; mit neuem eifer 16 Morgen und Abendgebete. bill ich auf dem wege deiner gebote wandeln, neue fromme vorsäge uf mein künftiges leben faffen, und neue treue in deinem dienst jeweisen. Ich will in dem stande, und in den umständen, worin du aich gesetzt hast, mit neuer redlichkeit für deine ehre und das beste neiner nebenmenschen thätig seyn, und meine kräfte und fähigkeiten, neine glücksgüter und arbeiten zu diesem zwecke gewissenhaft und pillig anwenden. Aber, mein gott, mitten unter diesen erneuerten orsagen werden mich auch neue versuchungen und anlässe zur sünde imgeben: ich mag noch so entschlossen zum guten seyn, ich mag noch o gute rührungen in meiner feele bey dieser meiner stillen morgenandacht haben: so können doch diese guten entschließungen unter den erstreuungen und sorgen meines berufs, und die verbindungen, worin ch mit andern menschen stehe, durch unerwartete begegnungen ind vorfälle, leicht wieder in mir geschwächt werden und verschwins Sen. Gott, unterstüße du mich durch deinen beystand, daß ich bey einer gelegenheit fünde begehe und deine gnade verliere. Laß die rinnerung an deine allgegenwart stets einen so lebendigen eindruck uf mein herz machen, daß ich mich scheue, auch selbst im verborges hen nichts böses zu thun; und gieb, daß jeder gedanke meiner ſeele, ede empfindung und neigung meines herzens auf frömmigkeit, tus gend und menschenliebe gerichtet sey. Und so will ich denn diesen fag ohne angstliche sorgen und bekümmerniß anfangen, und freudig an meine arbeit gehen. Ich will deiner weisen regierung, du vater meiner seele! das ganze glück meines lebens mit kindlicher zuversicht überlassen. So viele tage hast du schon väterlich für mich geforget, und mich aus so mancher noth herausgerissen; ich traue es dir, der du mich durch Jesum Christum zur ewigen seligkeit erlöset hast, dir und deiner vatergüte traue ich es zu, du wirst auch diesen tag mit mir seyn, mich behüten, versorgen und segnen, und alle meine irdis fchen angelegenheiten so ordnen und leiten, daß mein wahres zeitliches und ewiges glück dadurch befördert wird. Dies bitte ich von dir für mich, für die meinigen, und für alle menschen, um Jesu Christi willen. Umen. Am Donnerstage Abends. in err, unendlich gütiger Gott! unter so vielen tagen, die ich schon einziger verstrichen, an welchem du mir nicht unzählig viel gutes gethan, mich väterlich geleitet, vor vielem bösen bewahret, und mit geistlichen und leiblichen wohlthaten begnadigt hast. Auch für die gute des heutigen tages muß ich dich in dieser abendstunde preisen. Ich rief dich an dem heutigen morgen um die erhaltung meines Lebens, um schuß in gefahren, um segen zu meinen arbeiten, um die regierung deines guten geistes an: und du hast mein gebet erhöret, ja noch mehr ge than, als warum ich dich bat. Wie ruhig könnte jest mein herz, wie freudig mein dank, wie sanft und erquickend mein schlaf seyn, wenn ich mich bey dem genusse deiner wohlthaten keiner verfündigung fchuldig gemacht hatte; aber mein gott, auch dieser tag ist von mir nicht ohne viele sünden durchlebt worden. Wie viele fehler habe ich heute begangen, zu welchen ich schon durch mein temperament, durch meine lieblingsneigungen, durch mein alter und lebensart, oder auch durch den umgang mit andern menschen verleitet worden bin! Wie viel gutes hätte ich denken, reden und thun können, wenn ich die gelegenheiten und ermunterungen, die du mir dazu geschenkt, Morgen- und Abendgebete. forgfältig hätte gebrauchen wollen! Wie viel habe ich unterlaffen wodurch ich dich, mein gott, verherrlichen, wodurch ich meinen näch sten erbauen und ihn aufhelfen, wodurch ich mich selbst hätte besser und glücklicher machen können! Wie vieles hingegen habe ich wohl gethan, wodurch deiner ehre geschadet, wodurch mein mitchrist geargert oder gefränkt, und meine tugend befleckt oder gehindert ist! Ber: zeihe mir, barmherziger vater, um deines sohnes Jesu Christi, meines mittlers willen, alles was ich gutes versäumet und böses gethan habe; und flöße mir noch diesen abend durch die erinnerung an deine strafgerechtigkeit, durch die unruhe, die jest den frieden meines ges müths störet, durch den gedanken an den tod, gericht und ewigkeit, durch die erwägung des leidens meines erlösers, das er um meinetwillen erduldet hat, den stärksten abscheu gegen alle sünden und die innigste liebe zu allem guten ein. Mache mich durch deine gnade endlich so glücklich, daß ich nach so vielen tagen, die ich mit reue beschlossen habe, einen abend erleben möge, an welchem ich mich bloß des durch deinen beistand vollbrachten guten freuen könne. Mit dies sen gesinnungen will ich mich jetzt zur ruhe legen. Laß du mich unter deiner aufsicht diese nacht sanft und sicher schlafen. Bleibe mit deiner gnade und hülfe bei mir und allen, die ich liebe und die mir ange hören. Behüte uns vor schrecken und schaden. Wehre der bosheit derer menschen, die schaden und böses thun wollen, und bekehre sie. Troste alle weinenden, und erbarme dich aller, die jest um hülfe zu bir rufen. Herr Jesu, dir lebe ich; herr Jesu, dir sterbe ich! dein bin ich todt und lebendig. Amen. 72 21m Freitage Morgens. S” Ondem ich mich, mein gott, in dieser morgenstunde durch mein ges bet zur dankbarkeit gegen dich, und zur würdigen anwendung dieses tages ermuntern will; so kann nichts mein tråges herz so sehr zur andacht beleben, nichts meine liebe zu dir und meinen miterlösten ſo kräftig anzünden, nichts meinen eifer zur tugend und frömmigkeit so nachdrücklich stärken, als die betrachtung der unendlichen gnade, wosmit du mich in Jesu Christo gesegnet hast. Deinen einigen sohn, mein vater und schöpfer, hast du für mich gegeben und mir in ihm die mits tel zu meiner bekehrung und besserung, zu meiner begnadigung und seligkeit geschenkt. Für mich, für mich bist du gestorben, ewiger sohn gottes. Nun kann ich mit jedem neuen morgen der vaterliebe gottes versichert seyn, und mit fester zuversicht erwarten, daß er mir alle meine sünden, wenn ich sie ernstlich verabscheue und meide, gnädig vergeben: daß er auch bei den fehltritten, die ich vielleicht heute beges hen möchte, mich mit geduld und schonung tragen; daß er auch heute und künftig für meine leiblichen bedürfnisse sorgen; mich bei allen widerwärtigkeiten, die mich etwa treffen mögten, unterstüßen und aufrichten, und mir selbst im tode gnädig seyn werde. Was kann mich unglücklich machen? was kann mich verderben? Christus ist hie, der für mich gestorben ist! O laß mich, erbarmungsvoller gott! las mich diesen tag und mein ganzes leben hindurch daran denken, was für verbindlichkeiten du mir durch diese liebe auferlegt hast. Bei jeder versuchung und reizung zur sünde, bei jeder gelegenheit, wo die luste der welt, wo sündliche vergnügen mir gefährlich werden könnten, da pråge mir die erinnerung an die lehren, das leben und die leiden Jesu Christi, haß und abscheu gegen die sünde und liebe zur tugend ein. D laß mich, mein mittler und erlöser, in allem nach deinem beispiele 78 Morgen und Abendgebete. handeln. Laß mich, wie du, dem willen meines vaters mit aller treue gehorsam seyn, und mich allen seinen fügungen in stiller gelassenheit unterwerfen. Laf mich, wie du gethan hast, für andre leben, und, wo ich nur gelegenheit finde, das beste meiner nebenmenschen befördern, der elenden und verlaßnen fürsprecher und beystand, der irrenden führer und warner, der schwachen aufmunterung und trost seyn; laß mich so wie du, freude daran finden, überall gutes zu thun. Sollte mein himmlischer vater mir, zur rettung und besserung meiner feele, freuz und züchtigung auftegen; so laß michs eben so willig, wie du, tragen, und es zu meinem heil anwenden. Und sollte endlich heute der tag meines todes seyn: so laß mich mit gutem gewissen und im glauben an dich selig sterben, und zu dir in den himmel eingehen. Amen. Am Freytage Abends. aß ich an diesem abend noch lebe, daß ich bis diese fiunde gefund und munter in rufe geschäftig zu erweisen; daß viel unglück und gefahren von mir abgewandt sind, daß ich meinen unterhalt gehabt, und so mannigfaltige wohlthaten zu meiner nothdurft, bequemlichkeit und vergnügen genoffen habe, dies alles danke ich dir o herr und pater meines lebens und habe ich heute in einiger hinsicht meinem chris stenberufe eine genüge gethan; habe ich nur eine gute that verrichtet, oder nur eine fünde vermieden; so ist dies bloß dein werk, mein gott, wofür ich dich mit innigst gerührter feele preise. Aber wie wenig ist leider des guten, das ich heute gethan habe! und wie weit mehr gutes hätte ich thun können, wenn ich die mir verliehenen ges legenheiten, fräfte und ermunterungen gewissenhaft gebraucht und nicht durch träg heit und leichtsinn versäumet hätte. Wie viele verfündigungen in gedanken, worten und werken hätte ich heute vermeiden können, wenn ich dich beständig vor augen gehabt, wenn ich über mein herz und begierden forgfältiger gewacht, und vorsichtiger gehandelt, wenn ich den regungen deines geistes nicht so oft widers strebt, und deine großen wohlthaten, wodurch du mich zur buße und frommen les rben leiten wolltest, nicht größtentheils umsonst genossen hätte, Gerechter Gott, handle nicht mit mir nach meinen funden, und vergilt mir nicht nach meinen mies thaten! Um meines erlösers und fürsprechers willen, in welchem du den fündern gnade und vergebung verheißen bast, siehe auch mich mit erbarmung an, und laß alles, was ich gutes unterlassen und böses gethan babe, ausgelöscht und vergeben ! seyn. Stärke mich, daß ich künftig alles böse meiden, und aus liebe zu dir alles : gute thun möge: Und je länger du mich leben läsfest, desto mehrere schwachheis ten und fehler laß mich täglich) abiegen, desto treuer in deinem dienste, desto fers tiger in allem guten, desto gegründeter in der hoffnung des ewigen lebens wer den. In dem vertrauen auf deine güte, mein vater, lege ich mich jeßt zum schlafe nieder. Nichts soll mich beunruhigen; denn in die finde ich alles, was mich erfreuen und auf zeit und ewigkeit glücklich machen kann. Wache du auch über die lieben meinigen, und über alle meine freunde und verwandten in der nähe und ferne. Deine gnade umfasse alle, die dich fürchten. Allen fündern, die jest noch mit der vollbringung des bösen beschäftiget sind, oder in ihren funden einschlafen wollen, rübre ihr gewissen, daß sie über ihrem verderben ere zittern, und zu dir um gnade rufen mögen. Breite deine güte über unser ganz zes vateriand aus, und laß sie mit dem anbrechenden morgen wieder über uns neu werden. Amen. - Am Sonnabend Morgens. auch an lezten durch deine gnade erlebt habe, komme ich mit meinem danke und stehen zu dir. Du bast mein morgengebet, welches ich mit dem anfange eines jeden tages zu dir vere richtete, nicht verschmähet, nimm es auch heute gnädig an, und laß die mein demüthiges herz um Christi willen wohlgefallen. In diesem augenblicke werden mir alle die vielen wohlthaten, die du mir in der vergangenen woche und in der ganzen seit meines lebens erwiesen hast, recht lebhaft gegenwärtig. O verleihe mir die gnade, daß ich dich dafür nicht bloß mit meinen lippen preise, sondern vielmehr durch meine gesinnungen und wandel an den tag lege, wie gerührt ich über deine unermüdete güte bin. Ja, mein Gott! die erinnerung des vielen gus ten, das du an mir gethan hast, soll mir ein mächtiger antrieb seyn, dich des fto inniger ju lieben und die desto inniger zu gehorchen. Die stärkung, die du mir durch einen gefunden und ruhigen schlaf geschenkt haft, will ich anwenden, alle geschäfte meines standes und berufs desto gewissenhafter und unverdroffener zu verrichten. Das andenken an deine bewährende und erhaltende güte, die ich Morgen- und Abendgebere. in so vielen nächten erfahren, soll mich ermuntern, dir gänzlich zu vertrauen und dir alle meine schicksale und begegnungen desto zuversichtlicher zu empfehlen So, mein Gott, will ich den ganzen tag, so will ich nunmehr alle tage mid dankbar gegen dich beweisen, und die rührung, die ich jeßt über deine gute em pfinde, müsſe mich nie verlaffen, sondern mich vielmehr immer beleben und stärken, dich durch alles, was ich rede und thue, zu verehren und zu preisen Da ich aber ein so schwaches und sündliches geschöpf bin; so bitte ich dich fle hentlich, besfre du durch deinen geist mein verderbtes und zur sunde geneigtes herz. Bewahre mich, daß ich nie durch leichtsinnige übertretung auch nur eines deiner gefeße, durch vorseßliche versäumung auch nur einer meiner pflichten, dir treulos werde. Mache mich stark, allen versuchungen zum bösen zu widerstehen. Laß mich oft und lebhaft an dich, an deine gebote, an meinen tod, an dein, funftiges gericht und an meine lezte rechenschaft gedenken; und insonderheit mich beständig erinnern, wie theur ich durch Jesum erkauft bin, damit ich stets tu gendhaft und unschuldig lebe, und deiner gnade versichert bleibe. Wie ruhig und jufrieden werde ich alsdann diesen tag seyn können; wie freudig meine arbeiten, verrichten! wie froh und heiter die vergnügen, die du mir gönnen wirst, geniess fen! wie getrost und geduldig auch die leiden ertragen, die du etwa über mich fommen lassen möchtest! Du hast verheissen, du wollest es den frommen wohl gehen laffen: Auch an mir wirst du diese verheissung erfüllen, wenn ich aufrich tig auf dem wege der tugend wandle. Herr, lehre mich thun nach deinem wohls gefallen, und dein guter geist führe mich auf ebener bahn! Erhalte mein herz fandhaft, daß ich deinen namen fürchte. Diese gnade erzeige auch allen meinen mitchristen. Sen unserm vaterlande, sey unserm fürsten und seinem hause und unterthanen, sey hohen und niedrigen, reichen und armen, gesunden und frans fin, glücklichen und unglücklichen, fey allen bewohnern des erdbodens gnädig. Gen auch den meinigen und meinen freunden, und auch mir gnädig, um Jesu Christi willen. Amen. Um Sonnabend Abends. Mit it welcher freudigkeit und zuversicht könnte ich mich jest, mein gütiger Gott und schöpfer, bey dem schlusse dieser woche zu dir nahen, wenn mit min gewissen das zeugniß gäbe, daß ich diese woche hindurch als dein dankbaa re und gehorsames kind vor dir gewandelt hätte. Aber so muß ich mich freys lih vor dir schämen und bekennen, daß ich ſo oft gegen dich gesündigt, und deis nm willen zuwider gehandelt, und mich dadurch des namens deines findes uns wirdig gemacht habe. Wie undankbar und gleichgültig war ich oft gegen deine whlthaten; wie widerspenstig gegen deine lockungen zum guten; wie verkehrt in meinen begierden; wie sorglos für mein feelenheil; wie wenig treu und geviffenhaft selbst in der ausrichtung meiner berufsgeschäfte; wie träge und umvillig, meinen nebenmenschen dienste und liebe zu erweisen! Gott, ich rufe judir um vergebung meiner funden, und fasse aufs neue den vorsag, mich di ganz zu ergeben. Sey mir gnädig um Jesu Christi willen, der auch für mih gelitten und mich dir versöhnet hat. Laß die sünden dieser woche nicht ein in deinem gerichte zu meiner verdammniß gegen mich zeugen. Laß mich jeg mit der tröstenden versicherung zu bette gehen, daß du mich um deines soh neswillen nicht von deiner väterlichen liebe und erbarmung ausschließen wols lest. Diese deine vatergüte ist ja in dieser woche, so wie in meinem ganzen les ben täglich neu über mir gewesen. So wenig ich es auch bey meinem undanke unden meinen vielen sünden verdienet; so bist du doch des erbarmens nicht müs de gworden. Ja, mein Gott, mein in Jesu verföhnter vater! ich preife dich, daß du nicht aufgehöret hast, mir auf meinen irrwegen, bey meinen fehlern, las stern und schwachheiten mit liebevoller gesinnung nachzugehen, und mir tausende fache ermunterungen zur besserung zu geben. Ich preise dich für deine echals tung, wodurch du mir von einem tage zum andern, von einem augenblicke zum anden, neues leben und neue kräfte mitgetheilet hast. Ich preise dich für die speien, die mich nähren und stärken; für die wohnung, die mich schüßt, für die feidung, die mich bedeckt; für die fähigkeiten und kräfte, die du mir zu meinem berufe schenkest; für so viele freuden, die bisher mein leben verfüßt bas ben; für jeden persönlichen und häuslichen segen, womit du mich überschüttet hast. Für jeden guten gedanken, für jede fromme rührung, für jeden heiligen vorfaß, für jede regung der menschenliebe, die du in meiner seele durch deinen geist gewirket bast: für jeden trost, den du mir im fummer und leiden verlies ben: für deine noch immerfortwährende geduld, langmuth und verschonende gúr 78 Morgen und Abendgebete. brows preise und erhebe ich dich, mein Gott! Aus dankbarkeit gegen dich, will 154 i alles gute, das du an mir gethan hast, dazu anwenden, sich immer besser zu fennen und aufrichtiger zu lieben. Stärke mich in dem entschlusse, und leibe mir kraft, ihn auszuführen. Deiner weisen und väterlichen regierung bergebe ich auf die ganze zukunft, alle meine mangel, bedürfnisse, wünsche und schicksale. Auch in der bevorstehenden nacht kann ich unter deiner aufsicht ficher und ruhig schlafen. Sen du bei mir, damit kein unfall sich mir nahe, und keine gefahr mich erschrecke. Laß deinen segen nicht von unserm lande weichen. Bergieb allen einwohnern ihre sünden, und laß weisheit und tugend immer mehr unter uns ausgebreitet werden. Tröste in dieser abendstunde alle leidende und bekümmerte; erquicke alle franke; forge für alle dürftige; erbarme dich aller fünder; und laß alle die vielleicht in dieser nacht sterben werden, um Jefu Chrifti willen barmherzigkeit vor dir finden. Amen. 2 bendgefange. Mel. O Gott, du frommer Gott. Mein ein Gott, auch dieser tag( diese woch) Ist jest durch dich verfloffen. Auch heut hab ich von dir Viel vaterhuld genoffen. Erfüllt mit dankbarkeit, Bet ich dich findlich an, Und rühme laut, der Herr Har viel an mir gethan! 2. Wer sonsi, als du, mein Gott, hat mir gedeihn und leben, Gesundheit, unterhalt, und freud und kraft gegeben? Wer war es sonst als du, Der mir in der gefahr, Die mir verborgen blieb, Mit hülfe nabe war. 3. Herr, du erforschest mich; Dir kann ich nichts verheelen: Du siehest jede that, Du kennst den rath der feelen, Du weißt es, ach auch heut Vergaß ich meiner paicht, Und that, was du befiehlst, Von ganzem Herzen nicht. 4. Mit reue denk ich jetzt Der menge meiner sunden. An dir, Gott, fün bigt ich! Laß mich erbarmung finden. Gedenke nicht der schuld, Der oft ve fáumten pflicht! Verivirf mich armen nicht von deinem angesicht. 5. Auwissender, wer kann, Wie oft er fehlet, merken? Sey gnädig, hant Snicht mit mir nach meinen werken. Vergilt mir sunder nicht nach meine Pisethat! Sieh Jesum an, der mich mit dir versöhnet hat. 6. Getroft leg ich mich nun, Von sorg und arbeit müde, Und schlummre, ruhig ein. Sterb' ich, so laß in friede Mich) selig sterben, Sott, Und führe meinen geist In deinen himmel ein, Wo er dich ewig preist. Met. Der lieben sonne licht und pracht. Sreis sey dir, meinem Gott, gebracht, Jeßt, da der tag fich neiget, Jegt, da die sternenvolle nacht Von deiner allmacht zeuget. Dich, herr, lobt jeder istern, und ruft: auf! lobt den herin! Erheb dich, seele! lob' erfreut, Den rherrn des himmels und der zeit. 2. Wie groß, wie unermeßlich ist, Weltschöpfer, deine stärke! Daß du der allerhöchste bist, Sagt jedes deiner werke. Mit göttlich weiser macht Regierst du tag und nacht; Das, was du schufft, tbut dein gebot, Uud dienet dir, herr, jebaoth. 3. Was bin ich, ewiger! por dir, Daß du mich täglich liebest? Womit derdien ichs, daß du mir So viele gaben giebest? Herr Seine snad ist groß: Reiß seele, reiß dich loß, Vom eiteln, was dein herz beschwert; Gott, gott allein ist liebenswerth. 4. Mir ward der tag, der jetzt vergeht, Durch dich zum gnadentage. Dein arm, dem niemand widersteht, Beschußte mich vor plage. Du gabst mir, was ich bat, Ben allem, was ich thar, Ward mir durch glück und segen klar, Daß Gott mein freund und helfer war. 5. Ach! fordre mich nicht ins gericht, Gott, bey des tages schluffe! Bers schmah mein abendopfer nicht, nicht mein gebet und buße; Hab noch mit mir geduld; Vergieb mic alle schuld, Sieb von dem strengen richterthron, Auf mei nen burgen, deinen sohu! 6. Gieb nach der sanften rub der nacht, mir einen frohen morgen. Ja, da dein auge um mich wacht, So schlaf ich ohne sorgen. Ich wach und schlafe ndir, Du, herr, bist stets bey mir, uch, vater, meine zuversicht, Verlaß mich acinst im tode nicht! 78 broe V ار کو heun Kilhe IMA Min E. Inches 1 Centimetres Blue 2 3 4 Cyan 2 5 CO 6 17 3 Farbkarte# 13 Green 8 Yellow 19 4 10 Red 11 12 5 13 Magenta 14 6 () 15 White 16 17 7 3/ Color 18 19 B.I.G. Black