Gb 1011 Jenna Märin Schatting t Juna Es Eliſatſer Kellerin Univ. Bibl. Giessen. M. Valentin Budrians Paftor der Hauptkirche zu St. Peter in Hamburg, Creuz- Schul, Oder Kenn Zeichen aller wahren evange, lischen Christen; zuc: Unterweisung und Troft allen mit Trubsal beladenen Herzen. Nus Gottes Wort und berühmter Kirchenlehrer Trostschriften zusammen getragen, auch aufs Neue mit Morgen- und Abendsegen, geistlichen Liedern, und Herzensseufzerlein vermehrt. Reuttlingen, bei Johann Jakob Fleischauer, 1802, GG 1011 Matth, XVI, 24. Da sprach JEsus zu seinen Jüngern: Will mir jemand nachfolgen: der verläugne sich selbst, und nehme seir Creuz auf sich, und folge mit nach. ( 3) - An den Christlichen Lefer. Chriftlicher lieber Leser! was in dies gehandelt wird, hast du aus vorgeseztem Titul zu ers sehen. Wofern du nun Lust hast hiers in en zu desen, zweifele ich nicht dur werdes 1 weder ein guter Christ und wahres Glied der Christlichen Kirchen seyn, oder auch durch GOttes Gnade zu werden gedencken. Weil aber das Christenthum ein sonderlicher Stand und Orden ist, darinnen niemand recht leben kann, es sey dann daß er desselber eigentlichen Zustand und Gelegenhet wisse: So solt du davon mit wenigem allhie berichtet werden. Denn vom rechten und wahe ren Christenthum muß man zweyers ley wissen: Eines daß kein anderer Ore A 2 den 4 Vorrede an den den und Stand auf Erden mehr Ehr und Herrlichkeit auf sich habe, als eben dieser: das andere aber, daß kein Stand mehr Elend und Trübsal mit sich bringe, als der Christen Stand und Orden. 1. An Ehr und Herrlichkeit hat das Christenthum unter allen Ständen aufErden nichts seines gleichen. Denn die heilige Christliche Kirche, darinn das Christenthum muß geführet werden, ist das Grapenreich unsers HErrn Jesu Christi das er althier auf Erden führet im Wort, und denen hochwürdigen Sacramenten; Daraus hernach werden soll das Reich der Herrlichkeit, wenn Ers nun Gott seinem Vater wird überantwor tet am jüngsten Tage, da GOlt seyn wird alles in allem, Cor. 15, 24. 28. So viel nun dieser himmlische Fürst und König herrlicher, mächtiger und grösser ist, als andere Potentaten auf Erden, die Scepter und Cronen führen, oder neue Orden und Stan Christlichen Leser. destiften: So viel höherund herrlicher ist au b sein Reich, die heilige Chriftliche Kirche, mit ihren Gliedern und Reichs Genoffen, für allen irrdischen Reichen und Ständen dieser Welti Ja, wie dieser König ewig ist, alſo ist auch sein Reich und Kirche ewig, wenn sonst alle Herrschaften, Gewalt und Obrigkeit aufhören werden. Und das ist auch die Ursach, daß die beilige Christliche Kirch in GOttes Wort so hohe herrliche und fürtrefliche Titul und Namen führet, als sonsten keinem Stande aufErden können oder mögen gegeben werden. Dene Christus unser Heyland nennet sie zu vielmahlen das Himmelreich; weil fie einen Himmlischen König und Regenten hat, und der allmächtige Gott mit seinem Geist und himmlischen Gaben bey und in dir wohnet, also, daß auch der Himmel und das ewige Lebenbey denenglaubigen Christen schon seinen Anfang hat, und das Reich A Y GOta 5 6 Vorrede an den tes in ihnen ist wie Christus sagt, Luc. 17, 21. Sie wir genennet cin Priesterlich Königreich), B. Mos. 19, 6. und Königlich Priesterthum, 1, Petr. 2, 9. Weil ihr Haupt und HErr ein König und Priester zugleich ist, der auch allen ioren Glies bern die Ehre und Herrlichkeit gone net, daß Er sie mit sich zu Königen und Priestern gemacht hat, Off. Joh. 1, 6. 9. 10. Sie heisset die ausera wählte Braut unsers HERIN Jefu Chrifti, mit der er sich vertrauet in Gerechtigkeit und Gerichte, in Gnade und Barmherzigkeit, Hof. 2, 9. Die er nennet seine Schwester, Hohe Lied 4,9. 10. 12 Seine Freun din, seine Taube und seine Schöne, Hohe Lied 2 13. 14. wie könte doch immermehr die Kirche GOttes herrlicher und schöner beschrieben werden? und wie ist es möglich, daß ein Mensch in Betrachtung solcher groffen Ehre und Herrlichkeit, nicht sollte von Hera zen Christlichen Leser. 7 zen Verlangen tragen nach dieser Herrlichen Gesellschaft? und daß sich Leib und Seele nicht hoch erfreuen solltes, wann man hieran gedenket? Aber das ist noch nichts, sagt Augu: stinus, was wir uns in dieser irrdischen Hütten von der Herrlichkeit der Christlichen Kirchen einbilden können: Unsere Herzen sollen diß alles, was wir begreiffen und uns einbilden, fürüber gehen; wir solen gedenken, es müsse noch ein viel grössers und hdhers seyn, weil geschrieben stehet, es sey in keines Menschen Herz gekommen, was GOtt bereitet habe denen, die Ihn lieben, 1 Cor. 2,9. Da es mun möglich wäre, daß wir mit unsern Gedanken ſo hoch steigen, und uns in die Ewigkeit und Herrlichkeit der triumtphirenden Kirchen hinauf schwingen könten, und also von dannen bergb ſehen auf die Königreiche und Fürstenthume, auf die hohe Orden undStände, und alle fürtrefliche Dinge dieser 21 4 Welt, 8 Vorrede an den Welt, da würde uns alles so nichtig und gering dunken, daß wir es kaum werth achteten mit den Augen anzublicken, zu geschweigen einige Anmu thung darzu zu haben. Dann je hóHer man steiget je kleiner und geringer das scheinet, daß darunter ist, wie Cicero von Scipione schreibet,( in Somnio Scip.) Er sey im Traum einmal hinauf gestiegen bis an die Sterne, habe die Grösse und Klarheit derselben angeschauet, darnach auch das Gesicht auf die Erde gewandt; aber ihn habe gedeucht, die ganze Welt wäre so klein, daß er sich auch des ganzen Römischen Reichs geschämet, welches doch so viel Länder, Provinzen und Königreiche in sich begreifen. Also wird uns auch freylich die ganze Welt mit ihrem Pracht und Herrlichkeit gar schimpflich und gering fürkommen, da wir die Ehre und Herrlichkeit der H. Christlichen Kirchen und des Chris stenthums recht verstehen und erfent Christlichen Leser. Fennen könnten. Das ist nun Eins, das von dem Zustand der KircheGOt tes zu wissen ist, damit uns die blinde und thdrichte Vernunft nicht verführe, die da immer gaffet nach dem, daß in der Welt groß und herrlich, und doch an ihm sabst nichtig eitel und vergånglich ist, von der christlichen Herrlichkeit aber des wahren Christenthums nichts fassen oder begreiffen will. Das andere, ist von den grossen Creuz und Trübfal, welches diesem Stande ohnfehlbar anhanget; daß die Christliche Kirche, ob sie schon so hoch und berrlich ist für GOtt und seinem Angesicht, dennoch so grossem Creuz und Elend unterworfen sey; als sonsten kein Stand auf Erden. Dann da wuß niemand gedenken: Wohlan, ist das Christenthum so ein Herrlicher Stand und Orden, so wird es darinnen nichts denn eitel Glück, Freude und Wohlfart geben. Wer ihm eine solche Kirche und ChristenA 5 thum 10 Vorrede an den thum einbildet, der wird weit betrogen. Da stehet eine OrdensRegul, 2 Tim. 3, 12. Alle die gottselig leben wollen in Christo JEsu, die müssen Verfolgung leiden. Denn, da hat GOtt der HErr von Anfang her die Feindschaft gesezt zwischen den Schlangen und dem gebenedeyten Weibes- Saamen, und dabey angemeldet, wie die Schlange den Meßiam würde in die Fersen, daß ist, in seine Glieder, stechen, 1 B. Mos. 3. 15. Welches auch fürgebildet durch das wunderbarliche Gesicht, in der Offenbarung Joh. 12,.1.2 4.13.17. da der höllische Drach auf das gebåhrende Weib, das ist, die Christ liche Kirche, wartet, sie oder das Kind zu verschlingen: Als er aber keines bekommen kan, wird er über die Mas sen zornig, und gehet hin zu streiten mit den übrigen son ihrem Saamen, die GOttes Gebott halten und daß Zeugniß JEsu haben. DiesenStreit führet Christlichen Leser. II führet der Teufel gar heftig und ernstlich mit Hülfe der gottlo en Welt, und der mächtigen Tyrannen, also, daß auch Israel sagen und bekennen muß: Wo der HErr nicht bey mir wäre, wenn die Menschen sich wider uns sezen, so verschtingen sie uns lebendig; wenn ihr Zorn über uns ergrimmet, so ersäufte uns Wasser, Ströhme giengen über unsere Seele, Pf. 12, 24.3.4, In solchem Creuz und Verfolgung jubiliren und frohlocken die Gottlosen; die Glaubigen und Frommen müssen weinen und heulen, Joh. 16, 20. Die Welt lebet in Pracht, Hoffart und Herrlichkeit; die Kinder GOttes werden gespeiset mit Thrånen Brod, und getränket mit gros sem Maaß voll Thránen, Pf. 80, 6. Die Got losen wachsen in Reich thum und Ehren; Die Frommen verz schmachten oftmahls in Armuth und Verachtung. In Summa die Gea rechten müssen viel leiden, Pf.34, 20. und 12 Vorrede an den und durch viel Trubsal in das Reich GOtt seingehen, Act. 14, 12. Wie nun um der innerlichen Ehre und Herrlichkeit willen der heilige Geist in GOttes Wort die Christliche Kirs che mit herrlichen schönen Ehren Titulnpreiſet: also beschreibet Er auch dieselbe, um der Trubsal willen, mit ganz traurigen Namen, da Er sie nennet das verlassene Zion, Ef. 49, 14. Ein armes Würmlein Jacob, einen armen Haufen Israel, Jef. 41, 14, ein elendes Volk, eine Trostlose und Betrübte, über welche alle Wetter gehen, Jes. 55 11. Ein Schiflein das vom Ungewitter auf dem Meer herum getrieben wird, Pf. 39 3.4. Ein Feld das wohl gepflüget, und mit Langen Furchenbezogenmird, Pf. 129, 4. eine Rose und Lilie, die mitten unter denen Dornen stehet, Hohe Lied 2,2. Ein Taublein, das sich in denen Felß- Löchern und Stein- Rizen verkrochen hat, ibid. vers. 14. Wann dann Christlichen Leser. 13 dann nun die Kirche GOttes also nach ihrer Trubsal vom heiligen Geist ab. gemahlet und beschrieben wird, so muß uns auch wahrlich das Creuz und Leyden unserm Christenthum keinen Zweifel machen, ob wir Kinder GOttes sind? sondern uns vielmehr dessen versichern; weil das Creuz ist ein Merkzeichen der Liebe GOttes, und die rechteTessera Christianis mi, doben wir unser Christenthum prüfen und erkennen sollen. Dieweil aber unsere Vernunft, nach des Fleis sches Art, sich in diese Gelegenheit unsers Christenthums sehr übel schickenkann, als welche ihr immer will einbilden ein sammetes und göldenes Evangelium und ein Reich Christi, das von dieser Welt ist, Joh. 18,36. welche sich auch nur ärgert, wenn ihr Christus begegnet in seiner elenden Gestalt, in der Dornen- Krone und mit dem schweren Creuz, das er auch aufleget allen, die mit ihm wollen zur Herrs Vorrede an den Herrlichkeit erhaben werden, Róm. 8, 17. so ist hoch von nöthen, daß ein jeder vom Gluck und Zustand der Christlichen Kirchen aus GOttes Wort fleißig unterrichtet und gelehret werde, damit ersich fürdemgefährlichen Aergerniß bewahren, zu diesem geistlichen Creuz Kampf an miren und muthig mache, auch mit St Paulo desto ritterlicher streiten, und die ewige Freuden und ehren- Crone en jenem Tag erlangen möge, 2Tim. 4.7.8. Darzu aber kann einemjeden Chriftli chen Herzen sonderlich nuzen und dienendiß Creuz- Büchlen, welches ein vornehmer Mann, der in Glück und Unglück wohl v rsucher, und ein wohl geübter Miles Christianus dder Creuz Bruder gewesen, aus GOttes Wort, und viel berühmten Lehrern zusammen geschrieben, und mir zu revidiren überschickt hat: denndar. inn ist zu finden alles, was einem Christlichen Herzen von Creuz und Trib: 14 Chriftlichen Leser. 15 Trübfalder Kinder GOttes zu wissen von. nöthen ist, es an Unterricht, an Lehr, Troft, Ermahn und Barnäng; also daß kein Zweifel, so jemand mit Ernst und Andacht die Büchlein wird lesen, er merkli. chen groffen Nuzen davon in seinem Christenthum werde zu spüren haben. Als ich es nun mein geliebter gefer! mit Fleiß übersehen, in gegenwärtige Ordnung gebracht, und mit etlichen Capituln vers mehret, so übergebe ich es dir hiemit zu deinem Nuzen und seliger Erbauung dei. nes Christenthums in guter Hoffnung und Zuversichy es werde in allen betrübten Herzen, denen mit einfältigem Unterricht und Troft gedienet, lieb und angenehm feyn. Die Weifen und Klugen dieser Welt, die allein nach Kunst und Beredsamkeit ſehen! laß ich gerne fahren, es ist auch für dieselbige nicht geschrieben. Indesſen mos gen sie zusehen, daß sie nicht unter der Zahl derjenigen seyn, von denen Paulus Rom. 1. fagt; das die, so sich für Weise halten, zu Narten werden; Denn Fleish und Blut können zur Zeit der Trübfal nicht helfen, sie sind leidige Trößter, ein Rohr Stab Egyptens, worauf man sich im Fall der Noth nicht teuren fann; Hina gegen, so ist die göttliche Thorheit des troft. lichen Evangelii ,.( wie es die Weisen diefer Welt € 16 Vorrede an den Christlichen Leser. Welt dafür halten und ansehen,) viel weis fer denn die Menschen mit all ihrer mensch. lichen Weißheit; wie die, wie wohl klügeste Heyden, mit ihren Erempeln solches dars thun, und aus ihren Büchern, worinnen fie die Unglückseligen trösten wollen, fatt. famerhellet. Der ewige GOtt und Vater unsers HErrn JEfu Chrifti, der GOtt des Trostes und aller Gedult, Rom. 15, 5. tröste und stärke durch seinen Geist alle Betrübte und traurige Herzen, verkehre ihr Leyd und Trauren in ewige Freude: ( Joh. 16,20.23.) Wische alle Thränen von ihren Augen ab:( Apoc.7, 17 Cap. 21.4.) und lasse fie an jenem Tage mit Freuden erndten, was sie mit Thränen gefået haben. Pf. 126, 5.) Damit sie alle ihres zeit lichen Leydens ergózt, alsdann haben mö gen Freude die Fülle, und liebliches Wesen zu seiner Rechten ewiglich,( Pf. 16, 11.) Amen. M. Valentinus Budrian Pastor der Hauptkirchen, St. Peters in Hamburg. Das ( 17) Das Erste Capitel. Daß die Christen in diesem vers gänglichen Leben ohne Creuz und Leyden nicht seyn können. Actor 14, v. 22. Durch viel Tribsal müssen wir in das Reich GOttes eingehen: Alle die, so Chrifto zugehören, Ihn lies ben und bekennen, müssen ihr Leben allhie auf Erden in fieter Traurigkeit zu bringen, und eite! Creuz, Anfechtung, Noth und Trübfal haben, laut seiner ſelbst eigenen Worten, so Er zu se nen Jüngern spricht, Johannis am 16. Capitel, v. 20. Wahrlich, wahrlich, Ich sage ench: Ihr werdet weinen und Heulen, ic. Und der H. Upostel Paulus in der Aposte:: Ge fchicht, Cap. 14, 22.durch viel Trubsa! mús. fen wir eingehen ins Reich GOttes. Und in den 2. Timoth. 3. lesen wir, das alle, die gottselig leben wollen in Christo JEfu, müssen Verfolgung leyden, nach dem Spric, €. 1. Christen können in diesem Leben Sprichwort: Wer zum Himmelreich ist erfohren, den stechen täglich Distel und Dornen. Jam: Creu, Jammer, Trübe fal, Angst und Noth, ist frommer Chri ften täglich Brod, damit sie hie auf die. fer Erden, von GOtt dem Herrn geſpei. fet werden. Wie der königliche Prophet David sagt im 73. Psalm v. 14. Ich bin geplaget täglich, und meine Straffe ist alle Morgen da. Ja wer ein rechtchaffener Christ ist, dem folget gewiß das Creuz auf dem Ferfen nach: Wie der Schatte dem Leib nachfolget, so folget das Creuz from. men Christen nach, und wann der Mensch megner, das Unglück fen über hundert Mei. len, so ifts foon vorhanden, und stehet für der Thür, und wenn endlich eine Noth aufhöret, so wandern dagegen wohl drey. erley Crübsalen auf breiten Füssfen wieders um daher, ſezen dem Menschen dermaffen zu, daß er sich nicht erwehren kan, sondern muß immerdar die Thür offen haben, und ein Elend nach dem andern mit Hauffe einlaffen, aufnehmen und herbergen; nun wenn es gleich aufbricht und wandert, fo stehet doch allemal etwas anders für der Thuc, fo längst aufgewartet, und hier wis derum von neuem die Herberge will unver. fagt haben. Denn eines Unglücks Ausgang ist des andern Anfang. Ja 18 €. 1. ohne Creuz und Leyden nicht seyn. 19 Ja das liebe Creuz ftehet mit vielen auf, und gehet wieder mit ihnen schlaffen, und wann schon ein Christen Mensch eine kleia ne Ergozung bekommt, und nur gedenkt, sich ein wenig zu erholen, und einmal zu verſuchen, ob er auch konne wieder fröhlich werden, wird es ihm doch so gut nicht, daß er seiner Traurigkeit in etwas könne ge. übriget seyn, sondern der Frölichkeit Ende ist der Traurigkeit Anfang, und da das frd. liche Stündlein aufhörer, da fåhet das traus rige Herzenlend wieder an, wie der König Salomon saget in feinen Sprüchen in 14. Cap. v. 13. Nach dem Lachen kommt Traus ren, und nach Freude kommt Leyd. Und mag hieher wohl gehören, was Franciscus Petrarcha sagt: Das Ende der Frölichkeit ist Traurigkeit. Auch schreibt Martialis: Freude bleibet nicht sondern fleucht davon. Und Seneca sagt: Traurig. Feit hält an: Dahero ein frommer Christ ohne Unterlaß mit dem König David wohl sprechen mag aus dem 38 Psalm v. 18. Ich bin zu lepden gemacht, und mein Schmerzen ist immer für mir. Und aus dem 34 Pfalm v. 2. Der Gerechte mußviel leyden. Nicht sagt der liebe David schlecht: der Gerechte muß leyden, sondern spricht: Er muß viel, viel lenden, daß es der eiens den Natur wehe thut. Merkees wohl, es 32 fann Chriften können in diesem Leben C. T. kann nicht seyn, es ist gar unmöglich, daß einer Chrifti, Jünger und Nachfolger fen, der nicht sein Creuz will tragen. Wer sich demnach für der Trúbsal zu sehr förchtet, der trette nur nicht auf den Weg, der zum Reich Gottes führet. Der Engel Raphael machts noch klärer, Tob. 12, 13. Weil du GOTT lieb wareft, so nuste es also seyn, ohne Anfechtung mußtest du nicht bleiben. Warum muß es denn also seyn, lieber En. get! daß diejenigen, so Gottlieb find, Unfechtungen und Creuz haben müssen? Ant wort: Es muß also seyn. Erstlich, weil es GOtt der HERR also verordnet und beschloffen hat, zum Rom. 7. vers 29. Welche GOTT der HERR versehen hat, das ist, welche er in Christo zum ewi. gen Leben erwähler hat, die hat er auch verordnet, daß sie gleich seyn sollen dem Ebenbilde feines Sohns. Wie GOTT von Ewigkeit her beschlossen, seinen lies ben Sohn in den Tod des Creuzes, für uns dahin zu geben: Also hat er auch gleich falls beschloffen, die wahren Glieder Chrifti unter das Creuz zu stecken, solche Ordnung GOttes muß bleiben. 2. Es muß also feyn, weil es in der H. Schrift also verkündiget, es werde den Glaubigen also ergeben, im 34. Psalm v. 20. Der Gerechte muß viel leiden. Syrach am 21 €. I. ohne Creuz und Leyden nicht seyn. am 2. Cap. v. 1. redet also: Willt du Got tes Diener seyn, so schicke dich zur Anfechtung. Und der Apost. Paulus sagt in der 2. an Timoth. 3. v. 12. Alle die gottfeelig le. ben wollen in Christo JESU, die müſ. sen Verfolgung leyden: In der Epistel an die Hebraer am 12. v. 6. Welchen der Herr lieb hat, den züchtiget er, ståuvet aber ei nen jeglichen Sohn, denn er aufnimmt. Siehe diese Prophezenungen der Scheifft müß fen erfüllet werden, denn es ist die unwan. delbare Wahrheit GOttes. Dennoch wie Chriftus in seinem Leyden zurück sahe, auf die Weisfagungen der Pro. pheten, und um derselben willen zu ſeinen Jungern von dem Leyden sagte: Es muß also gehen, Matth. 26, v. 54. Und also mus ste Christus leyden, Luc. 24, v. 26. Glei. chergestalt follen wir in unserm Creuz auch fehen auf die Prophezenungen der Schrift, und sagen: Es muß also zugehen, also ists geschrieben, also müssen fromme Christen leyden. Endlich muß es also fenn, daß wir durch Leyden dem Herrn Chrifto ähnlich werden, Rom. 8, v. 29. Christus ist das Haupt, wir sind seine Glieder, wie es dem Herrn Christo, dem Haupt ergan. gan ist, so muß es uns, als seinen Glie. dern, auch ergehen. Siehe, da sind drey B 3. star. Christen können in diesem Leben E.T. ftarke Urſachen, um welcher willen es also fenn muß, daß die wahre Christen in diesem Lebep dem Creuz müffen unter worffen seyn. Es werden die Glaubigen, als lebendige Greine, zum geistlichen Hause auf Chris ftum den Eckstein erbauet, in der 1. Petr. am 2. Cap. v. 5. Wie nun die Steine, ſo man jum Gebäu gebraußen will, erfilich müffen behauet und poliret werden, che fie zum Gebäu kommen, je groffer Werkstück, je gröffer Behauens: Also müssen die Chri fien erstlich durche Creuz behauet, gereini. get und voliret werden, ehe sie zum geift. lichen Gebéu des himmlischen Jerusalems tüchtig sind. Im ewigen himmlischen Je. rufalem wird man fein Beil noch Ham. merschlag mehr hören. Wir sind in der Heil. Cauff mit dem Beichen des Creuzes gezeichnet, an der Stirn und an der Brust: An der Stirn, zum Zeichen, daß wir ohne Creuz nicht feyn können, an der Brust, darum, daß wir daffelbe Creuz von ganzem Herzen gern tragen, ſollten und willig und bereit seyn, ein mehreres zu leyden, worzu uns Chri. stus vermahnet, Matth. am 10 V38. da er spricht: Wer nicht sein Creuz auf sich nimmt, und mir nachfolget, der ist mein nicht werth. Also auch Luca, am 9, 23. Wer 29 E. 1. ohne Creuz und Leyden nicht seyn. Wer mir folgen will, der verläugne sich felbst, und nehme sein Creuz auf fich taglich, und folge mir nach. Und abermal, Syrach am 2. Cap. v. 1. Mein Kind! willt du GOttes Diener seyn, so schicke dich zur Anfechtung. Dann es ist geredt, und bleibt geredt: Die Welt wird sich freuen, ihr aber werdet weinen und heulen, Johannis am 16v. 20. Und in der Welt werdet ihr Angst haben, in mir aber Friede. Will damit aus deuten, daß Creuz und Verfolgung bei den Nachfolgern Christi nicht auffen bleiben werde. Dann, gleich wie Joseph feinen liebe sten Bruder dem Beniamin, den Angsts Becher in den Sack zu stecken, befohlen, aus dem 1. B.Mos. am 44. Cav. v. 2 Also fteket Chriftus feinen liebsten Brüdern und Schwestern den Angst. Beder tief ins Herz, daß ihnen ihr Herz ohne Unterlag weynet, und ihrer Seele verdreußt zu les ben, Hiob am 1o. v. 1. Und wann also das Herz im Menschen betrübet, und niederge. fablagen ist, kann es mit feiner dufferlichen Welt Freude wieder aufgerichtet und zu. frieden gestellet werden: Wie der König Salomon schreibet in feinen Sprüchen am 14. v. 10 Wann das Herz traurig ist, so hilft keine dufferliche Freude. Zwar es hat des Menschen Leib je bise weilen seine natürliche Ruhe, aber des Men, 4. C. 1. 94 Christen können in diesem Leben Me schen Herz hat nimmer Ruhe, wels ches von dem weisen Mann Syrach für das allergrößte Wehe angezogen wird, in. dem er spricht am 35 Cap. v. 18. Es ist kein Wehe so groß als Herzenlend. Taulerus im Evangelio auf der heiligen drey König Tag schreibt: Innwendige Leyden sind gar eine bittere Morrhe, und verzehren Fleisch und Blut und Natur, und verwandeln die Farbe. Viel haben keine Kranken im Hause, aber im Bufen steckt ein Kranken: Bett, námli ein betrübtes krankes Herz. Es stellt sich mander in dieser Welt frd. lich von aussen, aber das Herz gehet Manns tieff unter der Erden: Aber dort im ewigen Leben wird das Herz mit ſeliger Freude erfüllet seyn, bis oben an, und fich fort an, in alle Adern und Blutstropf. fen ergieffen. Deßwegen ist solche Angst und Bangigkeit des Herzens kein Zeichen des Zorns, sondern der Gnaden, und ei. mer groffen fünftiger Herrlichkeit, wenn einer nicht allein am Leibe leidet, sondern auch GOtt der Seelen ihrinnerliches Creuz aufleger, diefelbe läffet kämpfen und streia ten, und weidlich schwizen, auf daß also der Mensch an Leib und Seele leyde, und Feinem Herrn desto ähnlicher werde. Der Herr Lutherus hat auch das Seine em pfunden, in dem er spricht: Weil ich mich biga C. T. shne Creuz und Leyden nicht fenn. bisweilen andern zum Trost frölich und muthig stelle, so gedenken viele Leute ich ge he auf Rosen: Aber, spricht er, haltet mich nicht für einen solchen Mann, der alles an die groffe Glock schreibe, wenn ihmetwas wehethut. Daher schreibt auch der heilige Auguftinus: Kein Diener Chrifti ist ohne Creuz und Anfechtung; und wer kein Freuz und Anfechtung hat der ist noch kein Chrift worden. Und St. Bernhardus sagt: Wie das Meernist it ohne Wafferwogen und Wellen, also ist an eines Christen Mensche Leben nicht ohne Creuz und Widerstand dann das Gericht fühet an am Hause des Herrn, 1. Petr. am 4. v. 17. Es ist aber all unfer Crenz und Leyden nichts anders, denn eine gewisse Weise, dadurch wir Chrisko gleichförmig werden. Bum Rom. am 8. Cap. v. 20. ftehet, wie kurz zuvor gedacht: Welche GOtt hat zu. vor versehen zum ewigen Leben, die hat er auch verordnet, daß fie gleich seyn ſollen dem Ebenbild des Sohns Gottes. Nun Fönnen wir dem Ebenbild des Sohns GOts tes auf feine andere Weise gleich werden, denn da wir den bittern Myrrhen Berg, welcher mit allerley Crenz, Anfechtung Trübfal und Jammer gebahnet ist, mit ihm hinan steigen, und unter der Creuz. Sahne vieler Unruhe u. Verfolgungkampf. 35. 26 Christen können in diesem Leben fen und streiten denn JESUS Christus, spricht St. Petrus in feine 1. Epistel am 2. Cap. v. 21 hat uns ein Fürbild gelassen, daß wir sollen nachfolgen seinen Fußstap. fen. Schaue derowegen an den Sohn GOt. tes, als den Herzog des Creuzes, und sie. he, wie ihm alle Heiligen gefolget haben. Er gehet fornen an mit dem allergröffesten Creuz, die Glaubigen folgen nach, und trägt ein jeder sein Joch, in frölicher Hoff. nung, weil sie dem Herrn Christo alhie in Trubsal ähnlich seynd, fie wollen ihm auch ähnlich werden in ewiger Freude und Herrlichkeit. Erstlich zwar seinem trauris gen Bilde in dieser Welt, dem herrlichen Bilde aber in jener Welt. Wir müssen aber diese beyde Bilder nicht gedenken zu scheiden, müssen nicht erwählen dem herr. lichen Bilde Chrifti im ewigen Leben allein ähnlich zu seyn, das traurige Bild aber in diesem Leben zu verschmähen; Nein; Sondern es heiffet, wollen wir mit ihm herrschen und eben, so müssen wir auch mit ihm lenden und sterben Darum sollen wir lernen dem gecreuzig. ten Christo gleich werden, so ist kein Zweis fel, wwir werden hinwieder dem verklärten Christo gleich, und also nach diesem Leben erlangen und überkommen die unaussprech. liche Himmels Freud und Seligkeit in de rer Giessen C. r. ohne Creuz und Leyden nicht seyn. 27 rer Hoffnung und Zuversicht alle Heil. Mårs tyrer ihr Leben gutwillig gelassen und dare gestrecket. Dann wann wir nach diesem Leben die ewige Freud und Seligkeit nicht sollen zu erwarten haben, so würde GOtt der Herr nicht gestattet haben, daß alle heilige Mår. tyrer und der fromme Abel, der in Un. schuld und Heiligkeit gelebet, und GOTT felbst gefallen, fo jammerlich waren ermor. det, und vom Leben gebracht worden. Solches läffet er aber darum geschehen, daß diejenigen, so ihn allzeit geliebet haben, ihre Belohnung nicht hie auf Erden eme pfangen, sondern mit dem allerschwersten Creuz beleget werden sollen, auf daß er mit demselben in aller Menschen Herzen bezeus ge, daß nach diesem Leben erst recht er folgen werde die herrliche überaus reiche Belohnung, die GOtt der HERR den Frommen zubereitet hat: Sintemal Gott der Herr selber gesprochen: Er wolle des nen, so ihn lieben, wohl thun bis ins tau. fende Glied, ime. B. Mosis am 20. Cap. v. 6. Empfangen wir nun die Wohlthat nicht hie in diesem Leben, so werden wie ihrer gewiß an einem andern Ort theil. haftig werden. Dann GOttes Wort mus wahr werden, und obschon Himmel und Erden vergehen, wird doch sein Wort be. stehen €. I. 28 Christen können in diesem Leben stehen, und an demselben im allergering. ften fein Mangel fenn, wie der Mund der Wahrheit Jesus Christus selber redet, Luca am 21 Cap. v. 33. Ist also das Creuz eine gewisse Prob derer, die GOrt zum ewigen Leben in Chrifto erwählet hat. Dero vegen soll uns solches, daß wir in der Zahl der Creuz Brüder und Schwe stern gefunden werden, billig eine groffe Freude seyn: Denn es gehöret keine unter die Zahl der Heiligen im Himmel, fo nicht unter der Creuz- Fahnen Christi ges ftritten haben. Wie würden uns aber die Auserwählten im Himmel anschauen, wann wir das Zeichen des Creuzes nicht mit uns brachten? Sie würden uns wahrlich nicht kennen, wir würden Fremdlinge uns ter ihnen seyn. GOtt der Herr aber würde fragen: Wo ist deine Dörnen Krone? Wo ist mein Feld Zeichen? Und wer solches nicht beweisen und darzeigen kann, den wird er für seinen Bruder nicht. achten. Denn wer des Herrn Chrifti Reichs. Ges nos seyn will, der muß auch seine Hof. Farbe und Mahlzeichen am Leibe tragen, Gal. 6. v. 17. die sich aber des heiligen und lieben Creuzes Schámen, leydet er nicht in ſeinem Reich. Wollen wir nun mit Chrifto zur Herr. ligkeit erhaben werden, so müssen wir erst lich 29 €. 1. ohne Creuz und Leyden nicht seyn. lich mit ihm leiden, zum Rom. am 8. Cap. v. 17. Sennd wir theilhaftig seiner Mar ter, so werden wir auch theithaftig ſeiner Herrlichkeit: Tragen wir mit ihme ſeine Dornen Crone, so werden wir auch ges wißlich seiner Ehren Crone theilhaftig werden. Die Christen tragen mit dem HERRN Christo die Dornen Crone, wann ihnen das Creuz solch Haupt Wehe machet, als wenn ihnen das Gehirn mit spizigen Dörnern durchstochen, daß fie lieber todt seyn wollten, denn leben, wie der Prophet Jonas am 4. Cap. v. 8 fagt, da ihm die Sonne auf den Kopff flach, daß er matt ward. Mit einem Speer werden sie in die Seiten gestochen und verwundet, wann ihnen die Sorge angst und bang machet, als wollte das Herz für groffer Noth zum Munde hinaus steigen. Aber wir müssen gedultig leiden, der Himmel kommt uns fauer an, aufdaß er uns hernach defto füffer werde. Man liefet im Taulero, in der drit. ten Predigt am Tage des Creuzes Erhöh. ung, daß eine fromme und gotiselige Ma. tron inniglich und sehnlich GOTTE anges ruffen, und unabläßlich gebeten, Erwok le ihr doch den Herrn Chriftum erscheinen laffen: Da sey ihr endlich erschienen ein klein schön liebliches Kindlein, mitten im Dorns €. 1. Christen können in diesem Leben Dornbusch fliend, welches sie nicht hat können ohne Rizen, Stechen und Bluta wunden ihre Hände erreichen: Da habe fie verstanden, daß ihr das Kindlein nicht werden möchte denn durch viel Leyden, und daß Christus unter den Dörnern der Trubsal versteckt sey, und wer zu ihm kommen wolle, der müsse durch viel Dir. ner der Widerwärtigkeit zu ihm dringen. Denn wer Christum haben will, der muß fich erwägen aller Pein, und Scharffheit, und Leydens, spricht Taulerus am sel ben Ort. 30 Die Mahler mahlen Christum fein als ein holdfeliges Kindlein, mit einem runden güldenen Apffel, der die vollkommene ewige Freude bedeutet, aber oben auf dem Apfel stehet ein güldenes Creuz. lein. Damit wollen sie zu verstehen ge: ben, wer das JEfus Kindlein mit fei nem lieblichen Apffel haben will, der muß auch das güldene Creuz, welces uns bef fer denn Silber und Gold ist, mitnehmen: Wer derowegen mit dem Herrn der Herr. lichkeit in seinem Reich will fizen, der muß auch mit ihm baden und schwizen; Wer mit ihm will herrschen und leben, der muß zuvor im Elend schweben. GOTT läsfet uns mit Lazaro das Böse empfangen, auf daß wir am jenem Tage mit €. 1. ohne Creuz und Leyden nicht seyn. 3.B mit ihm das Gute haben. Luc. am 6. Cav. v. 25 Pontinus saget: wollen wir des Gus ten habhaft werden: so müssen wir auch zuvor der traurigen Dinge mit geniessen. Taulerus schreiber von dreyen unterschiede lichen Bitterfeiten in Trübfalen: Die erste Bitterkeit, sagt er, begegnet dem Menschen im Anfang seiner Bekehrung, denn es ist schwer, seine alte Gewohna heit, worju er von Natur geneigt, zu verlassen, zu tödten, und auszurotten, denn was er bisher mit Luft und Freud beseffen, daß muß er nun alles von sich austreiben, er muß der Sünde feind wer den, und eben so groffen Abschen dafür tragen, als er zuvor Lust dazu gehabt hat. Die andere Bitterfeit fommt von GOtt, wenn uns derselbe Creuz und Widerwärtigkeit zufchicket, als die aller. beste Gaabe, so von ihm als mag bewie. sen werden. Die dritte Bitterfeit ist die allerbitterfte in deren die geiſtliche Anfechtungen stehen. GOtt vfleget die Auserwählten, welche er entschloffen zu vollkommener Herrlichkeit zu bringen, zuvor durch einen rauhen und abscheuli. chen Weeg und Steig voller Angst zu führen. Aber alle heilige Märtyrer und Creuzträger werden bekennen müſſen, Gott €. r. 32 Christen können in diesem Leben GOtt habe sie keinen bessern Weeg füh ren könnes, fintemal der Creuzweg zu ewigem Reichum und Herrlichkeit berei. tet ist. Wer aber das Treuz fleucht, der fleucht den Weeg zum Himmelreich. GOtt hält diesen Gebrauch: Er zeiget alle Wee. ge, zum ersten das Leyden, und darnach die Herrlichkeit. Er häuffet uns die Trüb. fal, daß er uns den Lohn desto reichlicher austheilen möge, denn je mehr die Trübsal zunimmt, so vielmehr simmt auch zu die Wiedervergeltung der künftigen Herrlich. Feit. Also sehen wir, daß fromme gottesförch. tige Menschen immer unter das Creuz gehalten werden, damit sie den Kindern dieser Welt nicht zu nahe kommen, und aus der Gottsfurcht schreiten, und wann fie etwa mit einem Fehl übereilet wor den, und in Sünden gerathen, so ist GOtt mit dem scharfen Weinmesser dahinden her, und schneider die unnüze Reben ab: Ja, so oft seine liebe Kinder fündigen u. ftrauch: ein, so oft ståupet und züchtiget er fie aus vaterlicher herzlicher Liebe, auf daß sie nicht mit der Welt verdammt werden. Lutherus sagt: Es sey dem Joná ein groß Zeichen der Liebe und Grade gewesen, daß ihn GOTT so bald nach seiner Sünde Beimgesucht und gestraffet hat, Erinnert uns 33 €. 1. ohne Creuz und Leyden nicht seyn. uns hieben, daß es ein groß llnglück ſey, ohne Anfechtung und Creuz leben; Hina gegen aber ein groß Glück und Gnaden. theil, wann Creuz und Anfechtung mit Hauffen kommt. Lactantius fagt: Wann uns GOtt streichet und züchtiget, so wüh. ren wir daraus, daß er an uns in allen Gnaden gedenke, und fic treulich unser angelegen seyn laffe. Gewiß ists, wo kein Creuz ist: da ist kein GOtt, da hat GOtt sein Herz und Gnade von den Leuten abe gewandt, hat ihrer vergessen, und erfennet sie nicht für seine Kinder. Gleicher Weise aber als im Hause, da Kinder sind, die Ruthe nöthig, ohne welche sie nicht wehl erzogen werden können, also muß auch im Hause GOttes die Ruthe des lieben Creuzes seyn, sonst würden wir in una ferm Christenthum nimmer wohl gerathen, fondern bald gottlos und unartig werden. Demüthiges Gebet um Gedult im Creuz und Leyden. A HErr; du frommer, gnädiger und barmherziger GOtt, du liebreicher Vater und Scuz HErr aller, so an deinen Sohn JEfum Chriftum glauben, und in findlicher Zuversicht an dir han. gen, was du in deinem heiligen Rath bes schloffen, und geordnet, das ist alles lob lich 34 Christen sollen sich des Creuzes lich und herruch, das follen wir uns alle auch wohl gefallen lasfen, in Betrachtung, daß du mit deiner wunderbarlichen Regie rung nichts anders, als deines Namens Ehreund aller Menschen Seligkeit fucheft. Weil du es denn also für gut angesehen, und nach deinem heiligen väterlichen Wil len geordnet, daß wir durch viel Creuz und Leyden in dein ewiges Reich und Herrlichkeit eingehen sollen, so regiere gnå. diglich unsere Herzen mit deinem heiligen Geist, daß wir deinen gnädigen Rath und Willen erkennen, unser Creuz gedultig tras gen, und nach ausgestandener Trubjal, hernach mit Christo eingehen mögen, in den himmlischen ewigen Freuden: Saal, und dein heiliges Angesicht in ewigkeit an. schauen, Amen. HErr weil du seibst den Christen Creuz bescheiden ,. So gib Genad, daß wirs geduldig leiden. Das 1. Capitel. Daß fromme Christen das Creuz vielmehr erfreuen, als betri. ben soll. Jac. 1, v. 2. Achtet es eltel Freude, wann ihr in mane cherley Anfechtung fallet, wann die Welt und der Teufel, und alle unsere Seinde das wüßten, was 21*! 35 C. 2. vielmehr erfreuen, als betrüben. was das Geheimniß des Creuzes in sich hält, und wie eine groffe Herrlichkeites ift, fie roürden uns nicht ein Hárlein krummen, sondern uns vom Creuz Chrifti abreiffen, daß wir feiner Herrligkeit nimmermehr theilhaftig würden: Und wann wir das Geheimniß des Creuzes recht verstunden, so würden wir uns aller Trubsal freuen und rühmen, wir würden warlich unfere erste Geburt nicht mit Efau um eine rothe Suppe verkaufen, 2. Mos. 25, 30 31. Dar um sollen wir es für eitel Freude achten, wenn wir in mancherlen Anfechtung fal. len. Denn es ist eitel GOttes Gnade, eitel Himmel, es sind Borbotten der manchers len himmlischen Herrlichkeit. linser Herz fann es für Blodigkeit und Traurigkeit dies fer Welt nicht glauben, aber im Himmel werden wir es mit vollem Munde bekennen, daß es eitel Freude, Troft und Seligkeit fey gewesen. Denn das Creuz dienet uns ja zu eitel Frömmigkeit, zu eitel Gottfelig. keit, zu eitel Beweiß göttlicher Liebe, zu eitel himmlischer Ehre, zu eitel Troft, zu lauter geistlicher Weißheit, und befehleußt in sich lauter Himmel und Seligkeit. So oft uns derowegen ein Unglück begegnet, follen wir mit jenem frommen Mann sa gen: Es ist eitel Glück, Je gröffer das Leiden und die Traurigkeit hie ist, ie gröf. fer 2 36 Christen sollen sich des Creuzes fer und schöner wird die Freud dort seyn, wie David bezeuget, Pfalm. 12, 5. 6. Die mit Thränen säen, werden mit Freu den erndten, sie gehen hin und weinen, und tragen edlen Saamen, und kommen mit Freuden, und bringen ihre Garben. Der Christen Acker ist das Creuz, die Saamen sind die Thränen, die Frucht ist die ewige Freude: Wer aber keine Chrá nen: Saat fået, der wird nicht theilhaf tig der Freuden Erndte. Gott der HErr hat uns ein Faß geleget, das wir mit Thränen füllen sollen, welches, so es ges schehen, wird Er mit der gewünschten Hülf nicht lang aussen bleiben. Mancher fået viel Thränen Saamen in seiner Ver. achtung und Verfolgung, aber er wird eine Erndte der ewigen Ehre und Herrs lichkeit haben. Mancher fået Thránen der Armuth, dafür wird er die Erndte des ewigen Reichthums erlangen. Mancher fået in seiner langwierigen Krankheit viel Thränen, dafür wird er ewige Gefund heit einerndten. Ja, GOtt nimmt an das Weinen, und gibt uns wieder die Freude, er nimmt an das Heulen, und gibt uns wieder das Lachen, das ist es, da seinem Herzen nach verlanget, sagt Ambrofius. Lutherus spricht über das 41.c. des 1. B. Mof. Kein Thrängen muß umsonst ver 37 C. 2. vielmehr erfreuen, als betrüben. vergoffen werden, es wird angeschrieben mit mächtigen groffen Buchstaben im Him. mel. Weinest du, so hat Er ein gülden Becken oder Schüssel, und fäher die Thrä. nen auf. Welche Wort zu reden er von David gelernet hat, der in seinem 56. Pfalm v. 9. betet: Zähle meine Flucht, faffe meine Thränen in deinen Sak, ohne 3weifel du zähleft fie. In solchem unserm Weinen befinden wir, wie daß es uns auch oft so gehet, wie der Herr klaget, Pfalin 69, 12. J weine und faste bitterlich, und man ſpottet mein dazu. Wie es denn auch noch heutiges Tages in der Welt, also zugehet, daß wir, wenn wir in unserm Creuz unserem frommen GOtt unser Anliegen mit Chránen klagen, von der gottloſen Welt dazu verspottet werden, und für eine Schande gehalten wird, wann einer etwa in seinem Creuz weinet, und mit Thrá nen seinen lieben GOtt anrufet. Es werden manchem frommen Chri sten von der gottlosen Welt oft die Thras nen aus den Augen gevresset, daß er sich des Weinens nicht enthalten kan, sondern muß GOTT feine Noth wit Thränen klagen, und ist bey den Heiligen GOttes das Weinen so verächtlich nicht gewesen, wie es leyder jezund bey uns ist. Da wir € 3. lesen 38 Christen sollen sich des Creuzes. leſen, 1 Mof. 45, I 2. wie Joseph, da er sich seinen Brüderr bekennet und offene baret, daßer ihr Bruder sey, den fie verkauft hatten, dermassen überlaut ange. fangen haben zu weinen, daß es auch die Egypter, und das Gesinde Pharao ges höret haben. Und im 2. Sam. 3,23. Da der König David seinen getreuen Diener den Abner, zur Erden bestattet, laut weinete, daß es alles Bolks hörete, Pfalm 6, 7. spricht er: Ich schwemme mein Bett die ganze Nacht, und náze mit meinen Thránen mein Lager, und Psalm 80, 6. Du speisest fie mit Thránen Brod, und tránke fie mit groffem Maas voll Chránen, Pf. 102, 20. Jch mische mein Trank mit Thränen, Pfalm 116, 8. danket er GOtt, daß er seine Augen von den Thra nen erretter habe. Worausatzunehmen, daß die Heiligen GOttes und fromme Chriffen nicht allezeit auf Rosen gangen, und in Freuden gelebet, sondern Wei nen und Heulen ist ihr täglich Brod ges weſen. Und wir follen wissen, daß das ein fehr kräftig Gebet sey, das mit Thränen gemifchet wird, enämlich, wenn man fei ne Noth und Gebet GOtt mit Chránen fann vorbringen, und ist gewis, wer mit Thránen beten kan, denselben wird Got tes 39 E. 2. vielmehr erfreuen, als betrüben. tes Barmherzigkeit nimmer verlassen. Wer aber mit Chránen recht gebetet hat, der foll billich über seine eigene Betrübniß frölich seyn. Derhalben sollen fromme Christen, so im Elend und Creuz hers umziehen, und manche Chránen über die Backen fallen lassen, deß gewis seyn, und gar nicht zweifeln, folche ihre Flucht, Elend und Thränen seyen Gott im Himmelreich nicht allein bewust und bekandt, sondern ihm auch wohlgefällig, und wird ein ewis ges Leben, ein ewiges Lachen und Frohlocks en darauf erfolgen. Darum folt du liebes Herz! deine Thránen, Creuz und Trüb. sal lieb haben, hoch, theuer und werth achten, und mit St. Paulo dich der Trüb. fal rühmen, Rom. 5,3. Denn welche GOtt unter uns darzu gebrauchen will, daß ſie follen eine Zierde seyn an seinem königli chen Saal, die nimmt er hie in dieser Welt, behauet und behöfelt sie durchs Creuz: und je mehr Er also an uns arbeitet, ſo fahda ner und herrlicher wir werden; je herrli. cher wir scheinen werden in jener Welt, je mehr GOtt mit uns prangen wird. Sol. len derowegen, wenn GOtt mit dem Ham. mer des Creuzes auf uns zuschlüge, es ges wis glauben und dafür halten, daß es ein Mittel fey, womit er uns seinem lieben Sohn Chrifto hier im Leyden, und dort € 4. in 40 Christen sollen sich des Creuzes in der Herrlichkeit gleichförmig machen wolle: wie Er spricht, Mat. 5, 12. Send frolich und getroff, es soll euch im Him. mel wohl belohnet werden. Item, Luc. 6,23. Freuet euch und hüpfet, euer Lohn ist gros im Himmel. Jerem. 31, 13. spricht der Herr: Ich will ihr Trauren in Freude verkehren, ich will fie trösten und erfreuen nach ihrer Betrübniß. Soll nun Traurigkeit in Freude ver, Fehrt werden, so muß ja Traurigkeit da feyn; wie fann unsere Traurigkeit zur Freude werden, wenn wir keine Trau rigkeit haben; Darum muß Waffer da feyn, soll der Herr Wein daraus machen, Joh. 2, 7.9. GOtt mabet aus nichts et was, I. Cor. I, 28, Wollen wir, daß GOTT etwas aus uns machen solle, fo müssen wir erst nichts werden. Sehet an den armen Lazarum, ingleichem Hiob, Jofeph und Daniel, wie ist ihr Creuz und Traurigkeit in Freude verkehret wor den? Kann GOtt den Menschen zu Staub und Erden machen, fodte er denn nicht all unfer.Ereuz ändern und in lauter Freude verwandeln können. Bann nun aus Creuz und Traurigkeit foll Frende werden, so sollten wir billich unsere Traurigkeit nicht geben für alle Welt Freude, und unser Berachtung für die €. 2. vielmehr erfreuen, als betrüben. 41 die gröffeste Ehr der Welt, unser Ver. folgung für die höchste Würde, unfer Armuth für den größten Rei@ thum, un fere Chránen für aller Welt Woulust. Also ists ein nothwendig Ding um Creuz und Trübfal, weil es in Herrlichkeit verändert und verwandelt wird. Wollte Gott, wir möchten einen Augenblick die Herrlichkeit, und die überaus groffe Freude derjenigen sehen, so in diesem Leben vieler Trübfal und Elend unterworfen ge wesen, wir würden unserm Creuz viel Meilwegs unter Augen laufen, und es mit ausgefrekten Armen begierig umfa* hen. Ja wir würden uns demüthigen, un fer Creuz, wie groß und schwer es auch wäre, mit Freuden tragen. Wie wür, den wir die Trübfa! für einen groffen Gewinn achten, und für ein edles föstliches Kleinod halten, weil es von lieber Hand kommt, und uns von Gott, als von seinen besten Gaben, vom Himmel zugeschickt wird. Ja, wenn wir solches recht verstünden, würden wir uns von Her. zen bekümmern, so wir ohn daffelbe lea ben sollten. Wenn wir in allem unserm Creuz unfere fünftige Herrlichkeit und GOttes Herz sehen könnten, so würden wir mit ihm lachen, und des Teufels und 65. der 42 Christen sollen sich des Creuzes der Welt spotten: Denn GOtt meynets fo nicht, als er sich stellet, es ist doch eitel Silber und Gold unter der schwarzen Er. den verborgen. Daher Lutherus ſpricht: Wenn wir wüßten, wie viel Guts im Creuz und Leyden verborgen steckte, wir würden uns darum reiffen und schlagen. Daß wir aber nicht wohl damit zu frieden seyn, ist diß die Ursache, daß wir das Creuz nicht mit geistlichen, sondern mit leiblichen Augen ansehen, und daß wir nicht verstehen den Rath GOttes, noch die Frucht des Creuzes, und deffelben Herrlichkeit. Für der Welt zwar ists ein verdichtlich Ding, so wohl für den Augen des aufserlichen Menschen; aber für GOtt dem Herrn und dem geistli chen innerlichen Menschen ist es ein heis lig überaus köstlich Ding, 1. Cor. 1, v. 18. stehet geschrieben: Das Wort vom Creuz ist eine Thorheit denen, die verlohren wer. den, uns aber, die wir selig werden, ist es eine Kraft GOttes Es ist vermuth lich, daß das Zeichen des Menschen Sohns, so in den Wolken erscheinen wird, wird fenn ein Zeichen des Creuzes; Dann so er feinen Feinden und Gottlosen feine Wunden zeigen wird, wie die Schrift redet, 3ach. 12, 10. und Upocal. 1,7. so wird Er ihnen auch das Zeichen des Creus des €. 2. vielmehr erfreuen, als betrüben. 43 zes sehen lassen in dem hellen Licht und Glanz, auf daß sie sehen, wie das schmäh. liche verächtliche Creuz zur Herrlichkeit worden. Daher müssen wir uns zum Creuz schicken, es will doch in dieser Welt nicht anders seyn, wir müssen beym Tisch des Herrn fizen: Und der himmlische Hauss wirth sezt uns bald einen Trunk der Er. quickung, bald einen Angstbecher für: Diefer muß ein Bändelein aus dem Glas fe des bittern Wermuths, und der ander das ganze Glas austrinken, und trinket der Herr, Christus einem jeden Christen ein bitteres Trunklein zu, Matth. 20, 23 Und wer ein Christ seyn will, der muß ihm Bescheid thun. Aus solchem Creuz Becher des Herrn haben auch getrunken Abraham, Isac, Jacob, Moses, Dani. el, Elias, und der liebe Job, ja alle Propheten und Aposteln. Ja wie gut es mit diesem Kelch gemeynet, wie heyl sam und nuzlich derselbe sen, davon le. fe man die absonderliche Predigt, die zu Ende dieser Ereuz- schul gedrukt worden. Wenn man allein betrachtet den Jammer und das Elend der heil. Märtyrer, so muß man dafür erschrecken, noch hat man fie mit keiner Marter und Pein von Christo abwenden können, fie sind mit Freu 44 Christen sollen sich des Creuzes Freuden zum Tode gangen: Ach! was ist unser Creuz dagegen? Es gereicht nicht an den zehenden Theil der Trübfalen der heiligen Märtyrer, wir haben noch nicht bis aufs Blut widerstanden, Hebr. 12, 4. Wir stehen nur unter dem Creuz, unser Erlöser und Seligmacher aber hat in groffer Berachtung daran gehangen, nicht mitten unter seinen Jüngern, ſon dern unter zween Mördern, Joh. 19, 18. das harte Holz des Creuzes ist sein Bett, und die Dornen Krone ist sein Hauptküffen, die Galle und Eßig feine Labung und Erquickung gewesen, zu Ge. fellen hat er gehabt die Mörder, zu Die nern die gottlose Kriegsknechte. Ach lie. ber Mensch! dein Herz ist gecreuziget worden, und du willt ein Christ seyn, und Friede und Ruhe haben? Er ist mit Någeln an Händen und Füssen zerstos chen und zerschlagen worden, und keinem Menschen ähnlich gewesen, und du willt im Roſengarten frölich spaziren gehen, und nicht lenden; der Herr klaget, daß ihm sein Herz zerschlaget und betrübet fey, und du willt ein freudig, frölich und unbetrübtes Herz haben? Nun denke ihm aber ein jedes vernünftiges Herz selber nach, wie es sich doch reimen wollte, daß ein Mensch von Christo den Namen sollte füh 45 vielmehr erfreuen, als betrüben. tr führen, und nicht ein Tründklein aus dem * Creuz Becher und Kelch des HErrn t trinken? -1 1 Wer demnach will GOttes Kind seyn, der muß auch annehmen, was GOtt fei it nen Kindern gibt. Also wissen wir, weil uns GOtt so váterlich züchtiget, daß wir feine liebe Kinder feyn. Freue dich nun lieber Chrift! jezo hast du ein gewisses Zeichen, daß du ein feliger Mensch sey, m est, daß dich GOtt herzlich liebe, weil er dir aus dem Becher seines Sohne eins geschenket, und dich mit seiner Hof- Farbe des Creuzes begleidet: Denn daß du mit dem HErrn Christo den vermyrrheten Wein trinkest, und mit Galle geſveiſet wirst, dafür hast du zu Lohn, daß du mit über seinem Tisch im Himmel fizen, und mit dem ewigen Freudenwein getränket werden sollst. s 11 et 11 t Es fan aber niemand dieser Welt Freud, und folgends die himmlische zugleich haben, fagt der H. Augustinus. Dann ſpricht er: Das Himmel Brod war den Kin dern Ifrael nicht gegeben, weil das Mehl und Brod in Egypten vorhanden. Berna hardus sagt: Lieber Bruder! wenn du dich in und mit dieser Welt ihrer Art nach und nach in Christo freuen wilst, so bist du warlich ein zarter Heiliger, und vermeyna ter Christen follen sich des Creuzes ter Christ der du willt in einer Sanfte, in Wollust und Freude gen Himmel fah ren, das feber nicht an, lieber Bruder! Wir müssen durch viel Trubsal ins Reich Gottes eingehen. Es ist unmüglich, daß einer zugleich der gegenwärtigen und zu künfrigen Güter fönne genieffen, daß er hie den Bauch, und dort das Gemüth er. fülle, daß er von einer Freude in die an dere geh, und daß er in beyder Welt kön ne herrlich seyn. Chrisostom, sagt: Ach lieben Kinder! laffet uns lieber bey der Traurigkeit bleiben, die gewisse Freude bringet, als mit der Welt nach solcher Herrlichkeit trachten, die das ewige Her zenlend gebierer: Dannie gröffer du Wol lust und Freude allhie auf Erden wirst ge nieffen, je groffer Marter und Pein wist du im höllischen Feuer empfinden. Hins gegen aber wie bey den Gottlofen, nach der Freude Leyd, und nach dem Lachen Traurigkeit kommt, in Sprüch. Salom. 14, 1. Also muß bey den frommen Christen nach Angst und Arbeit, Raft und Ruhe folgen. Darum ist ja besser, hie ein we. nig arbeiten, auf daß wir dort mögen ewig feyern und wohlleben: Ja, es ist beffer mit Thränen sehen, und mit Freuden erndten, Pf. 12, 5. 6. Denn gleichwie aus einem Samlein viel Körnlein wach fen: 46 €. 2. €. 2. vielmehr erfreuen, als betrüben. 47 sen: also wird aus einer Trübfal viel Freude werden; und je mehr der Acker unsers Herzens mit Trubsal gedünget, und durchs gepflüget wird, so viel mehr Frucht wird er auch tragen, und so viel mehr und groffere Freude wird daraus erwachsen. Darum sollen wir in keinem Unglück ver. zagen, wie gros es auch für unsern Aus gen scheinet. Sintemal der Sohn GOttes all unfer Creuz und Unglück durch sein Leyden geheiliget und gewenhet hat: dar. unter je so wenig wir, als er, verders ben u. zunicht werden sollen, sondern es für die größe Ehr und Herrlichkeit ach. ten, daß wir von GOtt zu leiden gewür. diget werden, wie geschrieben stehet, Jaca I, 2. Uchtet es für eitel Freude, wann ihr in mancherley Trübfaalen faller. Wann einer hundert Jahr auf den Knien läge und betete, so könnte er Gott nicht genugsam danken für eine einige zugeschickte Trübniß: Ja, wenn uns GOtt der Herr Gold und Perlen von Himmel wollte regnen lassen, wäre es uns doch keineswegs so heilsam, als una fer von GOtt zugeschicktes Creuz. Sumi ma, viel Leiden würket viel Herrlichkeit, das verstehet Fleisch und Blut nicht, fondern spricht: O ich will dir die Herra lichkeit wohl laffen, und nehme gute Ta. ge/ Christen sollen sich des Creuzes Reichthum und Wollust und alles Vollaufdafür. Aber der du solches redest, bist du ein Welt Narr und rechtes Welt Find, und versteheft nichts vom Reich GOttes. Habe die Wahl, wilt du lieber turze zeitliche Freude, oder aber ewige Pein; oder kurzes Leiden, und ewige Freude haben? Moses zwar erwählete lieber Ungemach zu leiden mit den Kin dern GOrtes als die Schäze Egypti, Hebr. 11, 28. Augustinus fagt: Das grofft Glück in dieser Welt verderbet die See le des Menschen. Der Christen Traurig Feit soll auf Erden fern, und im Himmel ihre Freude, der Welt Freud ist auf Er den und ihre Traurigkeit in der Höllen. Der Christen Traurigkeit auf Erden soll ewige Freude im Himmel werden, und der Gottlofen furze Freude auf Erden foll ewige Traurigkeit in der Höllen wer den. Derowegen ergebe ich ein Chrift frölich in GOttes Willen; GOtt regie ret doch feine liebe Kinder nicht anders, dann daß Er sie sauve, mit Thranenbrod fpeife, mit groffem Maaß voll Thränen tränke, aus dem 80 Pf. v. 6. Und sagt GOtt von Herzen Dank, daß Er dir die adeliche und beste Gaben der Trübfal mit welchen Er seinen Sohn so überflüßig begabet, mittheilet, und dich dieselbe zu leyden würdig geachtet har. Ach! 48 ge, 2. C. 2. vielmehr erfreuen, als betrüben. 49 es Ach! verstunden wir den Adel des Creus zes, wie gedultig würden wir in allem It Creuz und Leyden seyn. Iminer Schade wäre es, daß die, so GOtt lieb hat, er ohne Creuz seyn sollten. Dann was wüßs ge ten sie sonst vom himmlifchen Troft? und ge weil ben GOtt beschloffen, daß alle die ett gottselig leben wollen in Chrifto Jesu, n fie fenen wer fie wollen, durch viel Trüb. pr. fal muffen ins Reich GOttes eingehen, T 2. Tim. 3, 12. Apost. Gesch). 14 22. ze Sollen wir solches wohl gegründetes Ur. g theil GOttes ja nicht gedenken zu ändern, el fondern diemeil es heiffer: Conclamatum ir eft, es ist beschioffen, sollen wir das gemeis n. ne Glück gern tragen, und unserm Herrn oll GOtt diesen Macht Spruch nicht auslös and fchen. Er wird um unserer weiden Bauge en und zarten Häutleinswillen nicht zum Lüge ner werden. et iſt ie Wie nun ein Mensch zur Welt erstlich von Mutterleib gebohren wird, da es nicht mit Freuden zugehet, sondern durch od Schmerzen und Wehe, aus dem 1. Mos en 3, 16. und feine erste Stimm ist Wei. gt nen, Weish. 7, 4. Also können auch wir, it wenn wir follen von neuem gebohren al werden, und Kinder GOttes fenn, nicht ig darzu ohne Wehe und Somerzen, ſon: dern durch Creuz, Weinen und Leiden 2 50 Christen sollen sich des Creuzes gelangen. Derohalben sollen sich from me Christen freuen, wann das Creuz vorhander ist, und einer den andern tro sten, und wissen, daß diß eine gewisſe Anzeigung ist, daß fie GOtt durch das Creuz, durch solche Wehe und Schmer zen will wieder gebären zum ewigen Le ben, wie wir vom H. Steph. lesen, all er sahe, daß die Juden Steine aufhu ben, und auf ihn werfen wollten, di sahe er gen Himmel, und freuet fich, daß er alda Christum sahe in seiner Herr lichkeit fizen, deren er auch nach aus gestandener Marter theilhaftig werden Haben wir nun gleich der Frübfal viel, so haben wir wiederum dagegen des Tro ftes viel, 2. Cor. 1. Gleichwie wir del Leidens Christi viel haben, also werden wir auch reichlich getröstet durch Chri ftum. Evagrius schreibet: Unser liebe getreuer GOtt bereitet zuvor die Pflaster, che er die Wunden hauet. Ebener maffen wie die Trübfal ist, also ist auch der Trof darauf gerichtet. Findt sich des Elendi viel und häufig, so findt fich auch der Trefi reichlich und überflüßig. Will mich mein Elend nicht verlassen, so soll ich auch mit Troft unverlaffen seyn. Will Creuz und Elend bey mir bleiben, fo soll auch der Trost bey mir bleiben, und in C. 2. vielmehr erfreuen, als betrüben. 5E in meinem Herzen Wohnung machen. Und wann gleich die Glaubigen keinen Trost in der Welt hätten, so haben ſie dennoch den höchsten und mächtigsten Trost an GOtt, welcher ein eroiger Trost if, und allen Trost im hdchsten Grad in sich begreifet. Denn weil GOtt ein GOtt alles Trostes ist, wie ihn Paulus nennet in der 2. Cor. 1, 3. so wird er seinen Na. men an den Trostlofen beweisen. Ob gleich reiche und arme Leute nicht einerley Güter in der Welt haben, ſo ha. ben sie doch einerley Croft dus GOttes Wort Ach wie würde es in unserm Herzen stehen, wenn Christus mit seinem Troft daraus verlohren würde? Also, daß wenn wir ihn in unserm Herzen nicht mehr fpüreten, noch feinen Troft empfünten, so würde das allergröffeste Herzenlend, und die gröffeste Traurigkeit gebähren, ſo einem Menschen auf dieser Welt immer wiederfahren mag, womit wollte man sich tröften? Darum sollen wir GOtt bitten, daß er uns mit Trost nicht verlaffen wolle, und zu jeder Zeit fromme im Creuz era fahrne Herzen erwecken, die uns in Nothen trösten und behülflich seynd. Denn ein Mensch, der im Creuz und Anfechtung erfahren und wohl geübt ist, D 2. kan 52 Christen sollen sich des Creuzes kann nicht allein sich selbst, sondern auch andern in allerley Widerwärtigkeit und Anfechtung tróften und aufrichten. O was sind das für selige Leute, die ihrem Neben Christen mit Troft beyspringen. Wann aber ein Mensch dem andern in seinen Nothen nicht tröstlich, sonder vielmehr beschwerlich ist, ja feiner Noth darzu spottet, das thut schmerzlich wehe wie es auch dem lieben Job schmerzlid wehe thate, als er in seiner Noth vor Freunden, und von seinem eigenen Wei be verspotter ward, Job. 2,9. Solche Leute verstehen warlich den Rath GOttes nicht, sonst würden fie heilsame re Zungen haben, und tröstlich seyn. Ei ne groffe Linderung ist es, wenn eine dem andern tröstlich ist, und herzlich Mit leiden mit ihm trägt: Gintemal, wam folches geschicht, wird alsdann die Tran rigkeit und die Laste gleichsam getheilet daß, jener halb und dieser halb tråget Wo sind aber dieselbigen? Schadenfrol findet man an allen Erten. Es ist abit eine rechte Teufels Freude, eines anders Unglücks fich freuen. Dafür sollen sich fromme Chriften hüten: Wir sollen den Erempel des HErrn folgen, Er selb grüffet uns in allen unfern Nöthen, und. spricht uns freundlich zu, daß wir nicht verzagen sollen. Dar vielmehr erfreuen, als betrüben. 53 Darum so oft dich GOtt in der Predigt und in seinem Wort tröftet, fo oft falle nieder auf deine Knie, dancke GOtt da für, und fage Amen, es werde wahr, stärke unfern Glauben immerdar, auf daß wir M gar nicht zweiffeln dran! Gleichwie Moses das füffe Holz in das bittere Was fer geworffen, daß es davon füffe worden, 2. Mos. 15, 25. Also follen wir auch in das bittere Waffer des Creuzes, die scos ne Troft Sprüche einwerfen, so werden wir merklichen Trost und Linderung ems pfinden: Denn ein einziger Troft Spruch, der dein Herz labet, ist köstlicher denn die ganze Welt. Wann das Creuz kommt, wie lechzet man nach Trost Sprüchlein, wie kann man ihm manches Sprüchlein zu nuz machen, das man sonsten hat für über rauschen lassen, und keine Achtung darauf gegeben. Weil uns nun GOtt der HErr mit so reichem Troft verfehen, so follen wir ihm von Herzen dafür danken. Sintemal wir sehen, wie groß und viel uns am recht beständigen Troft gelegen, wenn wir mit Chrifto am Creuz stehen, wie der König Hiskia ruffet Efa. 38, 17. Sies he, um Trost war mir sehe bange; Der ihm auch reichlich widerfahren, indem er spricht: Du hast dich meiner Seelen herz. lich angenommen. Wie auch David sagt, D 3 Pr. 00 T 54 Christen sollen sich des Creuzes Pf. 119, 92. HErr wenn dein Wort mein Troff nicht wäre gewesen, ſo wäre ich vergangen in meinem Elend. Ja, hát te mich dein Wort nicht ernähret, mein Elend hätte mich längst verzehret, Pf. 94, 19. fpricht er: Jd hatte viel Beküm merniß in meinem Herzen, aber deine Tröst ungen, Herr, ergozten meine Seele. Frey lich sollen die Eröftungen GOttes mehr bey und gelten, als die vielfältige Be kümmerniß. Wir sollen uns des trösten, zum ersten, daß die H. Dreyfaltigkeit fol dhe befümmerte Herzen nicht veracht; Zum andern, daß solche Traurigkeit viel Gutes in uns schaffet, vielen Sünden sten ret und wehret; und zum dritten, daß es fey ein Zeichen des herzunahenden Jung fien Gerichts. Es fen aber ferne, daß die fündliche Todesquelle mehrBekümmerniß und Trüb fal geben ſollte, denn die lebendige Quelle des Trostes. Es seynd auch aller Welt weisen Hevden Bücher viel zu schwach und blode, daß fie bekümmerte Herzen zufrie den ftellen sollten. Der weise Mann Cicero bekennet felbst, und spricht: Ich hab alle meine Kunst her. für gesucht, die ich jemals gestudiret habe, aber doch nichts darinnen gefunden, dabey mein Herz ruhen und sich zufrieden geben kann. €. 2. 55 vielmehr erfreuen, als betrüben. Fann. Darum ist nichts beffer, als nur ftracks gelauffen zu dem frischen flieffenden Brunnen Ifraels, das ist, zur Heil. Schrift, die gibt uns einen kräftigen bes ständigen Trost, darauf sich das Herz vere laffen, und aller Sawermüthigkeit und Traurigkeit vergeffen kann: Wo aber das Herz voll Welttrostes ist, da kann GOt. tes Trost nicht haften, er ist viel zu hart und zu edel. Gleichwie ein Zunder das Feuer Funks lein nicht fahen kann, wenn derselbe nicht recht gebrennt ist: Also, wann das Herz durchs Feuer der Angst nicht recht gebrannt ist, kann das Funklein güttliches Trostes nicht haften. Gleichwie auch eine Mat ter ihres Kindes nicht genesen kann ohne Angst: also wird kein Trost ohne Angst gebohren: Und gleichwie man Waffer und Del nicht vermischen kann: also läffet fich * der irrdische Trost mit dem himmlischen nicht vermischen. Denwein irrdischer Croft ist doch nichts anders, denn ein nichtiger und flüchtiger Schatte und Spren, fo vom Wind zerstreuet wird: Der rechte wahrhaftige Trost aber muß beständig, ja ewig seyn, denn unsere Seel ist unfterb. lich, darum muß fie auch einen unsterb. lichen und ewigen Trost haben. Gleichwie der Leib zufrieden ist, wann er den Hun D4. ger 1 56 Christen sollen sich des Creuzes ger gestillet: Also ist die Seel zufrieden, und hat Ruhe, wann fie Troft findet. Diesen Trost müssen wir durchs Gebet suchen und erlangen. Gleichwie ein Baum Feine Frucht bringen kann, er muß zuvor blühen, dann aus der Blume entspringet die Frucht: Also kann kein Trost in unsere Herzen kommen, ohne Gebet, der Trost wachser aus der Blumen des Gebets, Gleidwie die Blume lieblich riechet: Also riechet unser Gebet für GOtt, und brin get eine schöne Trost Frucht herfür. Da her ist kein besser Rath im Creuz und An fechtung, dann fleißig beten, sonsten ver lieren wir den Troft, so Gott allwege hinter das Leyden gelegt, aus dem Her. zen, und wenn wir denselben verliehren, so flehet unfer Herz wie eine finstere La terne, da will alsdann kein Troft hafften; Aber se bald wir durchs Gebet Christum mit seinem Trost in die Laterne des Her zens sezen, und in das Rohrlein des Glau bens stecken, da wird alles wieder leicht, lebendig und frölich, wie David fagt, Pfalm 119. HErr! dein Wort hat mich wieder lebendig gemacht. Wenns einem Menschen gleich dufferlich übel gehet, ſo scheinet ihm doch im Herzen das Licht gött liches Trostes: wie David fagt, Pf. 18, 29. Du erleuchtest meine Leuchte! der HERN C. 2. vielmehr erfreuen, als betrüben. 37 HERR mein GOtt maget aus Finster. niß Licht. Dem Herrn fey Lob und Dank für so groffe Erquickung, fo vir in unfern Trubsalen aus seinem Wort schöpfen. Also ist ein rechter GOtt wohlgefälliger Creuz Bruder, der in seiner Trübfal fro lich ist, und mit Gedult alles überwindet. Herzliches Ansuchen, daß wir uns recht lernen in das Creuz schicken. Err JEfu Christe, Du bist mir im Creuz ein sanfter Thau, daß ich an Trost blühe wie die Rofen. Des danke ich dir von Herzen, und dieweil Creuz und Widerwärtigkeit ein Segen ist, über deine glaubige Kinder, so gib du Brunn. quell alles Seegens, und Obrister unter den Creuzträgern auf Erden, daß ich den Sees gen der Kinder GOttes recht verstehe, und mich in den Creuz Segen recht schi. den lerne. Sa, mein HErr JEfu! Dein Creuz Segen ist auch über mich gespro. chen, und in der heiligen Tauf ist er mir zum ersten angedeutet worden. Denn gleichwie das Taufwaffer, über mich ge sprenget wird: also wird auch Creuz und Trubsal über mich regnen an allen Sei ten: Ob es aber wol meinem Fleisch und Blut schwer eingehet, muß es mir doch als ein Seegen seyn: Ja ein Segen und DS. Rein He 58 Christen sollen sich des Creuzes kein Fluch, ein Segen und kein Unglück, es muß mir alles zum besten dienen, auch der Tod selbst. Mein Herr JEfu! wie dringt jezt das Schwerdt der Trübfal, der Verfolgung, der Urmuth, der Anfechtung und Traurigkeit durch mein Herz, Mark und Gebeine. Olindere das groffe Elend, nimm hinweg die traurige Schwermuth, behüte für Ungedult, Murren und Za. gen: Berleihe aber, daß ich in findlicher Zuversicht mich in deine Hände ergebe, gehorsamlich ausdaure, und deiner gewiß fen Hülffe frölich erwarte, Amen. HERR! wann mich trifft des Trubsals, Regen, Gib, daß ichs halt für deinen Seegen; Dieweil es kommt von lieber Hand, Ist deiner Fürsorg theures Pfand. Das. Capitel. Von denen Namen, damit der Christen Trabfalen in GOttes Wort benennet verden. Matt. 1o. v. 38. Wer nicht sein Creuz auf sich nimmt, und folget mir nach, der ist mein nicht werth. Wanr ann ein junger Knab zur Schulen gehalten wird, daß er etwas stu diren und lernen soll, und wird im Era amine so schlecht befunden, daß er noch die €. 2. vielmehr erfreuen, als betrüben. 59 Namen der Kunst nicht weiß und verste. het, die er lernen soll, so ist es ein Zei chen einer groffen Negligens und Nachläßigkeit. Derowegen, wann und and Gott der Herr in die Erenz- Gante führet, so ist es billig, daß wir die Namen verstehen, damit unsere Trübfalen in Gottes Wort benennet werden. Der gemeine Name, damit der Chriften Widerwärtigkeit ge nenwet wird, ist das Creus, daß ein jeg. licher, der in Ndchen ist, sagt: Ich bin mit groffem Creuz beladen, GÖtt hat mir ein schwer Creaz aufgeleget, und der gleichen. Nun möchte einer gedenken, woher doch dieser Name anfänglich komme, und was doch ein Creus für Gleichung habe mit den Trübfalen der Christen? Man weiß, daß ein Treuz eigenth beiffe, wenn man zwen Stühle quer über einander leget, alfo, daß es vier Kanten oder Baden gebe. Und weil bey den Juden und Römer die patibula und Galgen, daran man die llebel thäter aufgehäuset, also gemacht, so hat man einen folden Galgen Crucem oder ein Creuz genennet, daher bey den Römern das Sprichwort fommen, abire in malam Crucem, dafür wir sagen, an den Galgen gehen. In folchem Verstand haben die Ju. den und die Römer zur Zeit des Alt. Te frams 60 C. 2 Christ en sollen sich des Creuzes stam. Das Wort Creuz wohl gebraucht. Aber daß die Israelitische Kirche ihre Wi derwärtigkeit damals also geheiffen, das ist in der Schrifft nirgend zu finden, al lein im N. Testament, da unser Creuz. herr und Seligmacher Christus selbst von den Trübsaalen der Glaubigen und From: men angefangen zu vredigen, hat Er fol che Art zu reden geführet, wie aus dem cap. 10, 38. 16.24 Matth. so wohl auch aus dem 9, 23. und 14. c. Luc. v. 27. zuers sehen, da Christus sagt: Wer sein Diener seyn wolle, der folle sein Creuz auf sich nehmen, und es ihme nachtragen, und wer sich dessen verweigern wollte, seye feiner nicht werth. Da redet der Herr nicht von dem hölzernen Creuz, das Er zur Zeit seiner Marter aus der Stadt Jes rusalem, nach dem Berge Golgatha, auf feinem Rücken schleppen müssen, das ist noch lang dahin und kein Splitter mehr davon. Und obwohl die Pabisten in vies len Kirchen und Clausen, solch Holz und Heiligthum zeigen, das von Christi Creuz noch solle übrig seyn, so ist es doch nur Lügen und Betrug, darauf nichts zu ach ten, und da mans schon hätte, so wäre es doch nirgend zu nuz. Von den Trubsalen und Widerwärtig Feiten aber, redet der Herr, dieselbe nen net 61 €. 2. vielmehr erfreuen, als betrüben. net er das Creuz und will, daß ein jeder Glaubiger mit Gedult sein Creuz tragen, und Christo nachfolgen solle. Allerdings wie folches an Simon von Cyrenen ab. gebildet. Dann er ist eine Figur der christlichen Kirchen. Gleichwie der das hölzerne Creuz dem HErrn nachtragen. Matth. 27, 32. Also muß ein jeder Christ fein Maaß der Trübsal Christo nachtras gen, und im Leiden etlicher maffen feinem Borgånger ähnlich und gleich werden: Wiewohl wir bey weitem nicht so viel heben können, als Christus für uns ge. tragen hat. Daß nun Christus unseren Trubfalen und Anliegen von seinem Creuz der Nas men gegeben, das erinnert uns erstlich daß wir seine Reichsgenossen seynd, und in unserem Leyden seine Mahlzeichen am Halse tragen, Gal. 6, 18. Zu welchem Ende uns auch bey unserer Taufe das Creuz an unserm Borhaupt, und an die Bruft gemacht wird, anzudeuten, daß ein Kindlein nicht allein getauft werde auf den Tod und Verdienst des gecreus zigten JESU Christi, dem es auch als ein Gliedmaß einverleiber wird, sondern daß es auch nunmehr unter das Panier und Creuz Fähnlein Christi tretten, darunter als ein Chriftlicher Creuz, Ritter die 62 Namen, damit der Chriften Trübfalen C. 3. die Zeit feines Lebens kämpfen, und bey seinem HErrn in Lieb und Leyd, in Creuz und Unglück, in Noth und Tod veste steden, und bis ans Ende bestán. dig ausbarren wollte. Darna werden wir auch deffen er innert, daß kein Unglück in dieser Welt fich finden, oder einem frommen Men schen treffen köune, das nicht Christus auch ausgestanden, und zuvor gelitten. Son derlich aber hat sich allerley Lenden und Trubsal gebäuffet, da der Herr an Creuz gehangen und alles ausgestande, was an Leib und Seel den Menschen in die. fer Welt widerfahren mag. Er ist dem dufferlichen Unschen, und seiner geführ ten Klage nach, von GOtt und allen Menschen verlassen, seine Freunde und Verwandten sind ferne von ihm gewi chen, Untreu, Berrátherey und Falsch. heit ist ihm vollauf begegnet, der Teu fel und die Welt haben sich zum duffers ften an ihm versuchet, seine Seele biß in den Tod betrübet, und seinen Leib unmenschlich gemartert. In Summa al les was ein Mensch an Leib und Seel leiden kan, das hat er damals gelitten. Darum uns das Wort des Creuzes troffen soll, weil Christus vorhin all unser Leyden versucht und erfahren, ſo weiß 05 C.3. in GOttes Wort benennet werden. weiß er am besten, wie uns darinn zu Muthe, und wenn es Zeit zur Hülfe und Errettung ist. Zum dritten, weil auch das Leiden Christi am Creuz das Lösegeld ist, für aller Menschen Sünde und Misfethat, so ist auch in unserm Creuz und Leiden zu bedencken, daß, obschon GOtt der Herr um der Sünde willen den Geis nen Unglück zuschicken, es dennoch die Meynung nicht haben könne, daß wir mit unserm Creuz und Leiden für die Sünde Abtrag und Bezahlung thun follten, sondern das hat Christus mit feinem Eruz gethan: Unser Creuz aber ist nur eine väterliche Züchtigung und viel zu gering dazu, daß eine einzige Sünde damit sollte abgetragen werden Fönnen. Ist es aber eine Züchtigung, fo wird uns auch der HErr dem Tode nicht geben, Pf. 118, 18. fondern mit der Anfechtung ein solch Ende machen, daß' wird ertragen können, 1. Cor. 10, 13. Endlich zum Vierten, werden wir durch das Wort Creuz, auch deffen erinnert, daß wir nicht eine jede geringe Widers wärtigkeit, die uns etwan allein ohne andere anhangende Trübfalen zu handen kommt, ein Creuz nennen sollen, wie die zarten Heiligen, so nicht viel ausges standen, 64 Namen, damit der Christen Trubsalen C. standen, dessen gewohner seon; denn so bald sie nur ein wenig leiden follen, Flagen unt rufen fie über ihr Creuz und Unglück, das doch vielmal des Namens nicht werth ist. Man weiß, daß ein Creuz vier Ort oder Zacken hat, und da derfelben eines mangelt, kann es fein Creuz genennet werden: Also möchte auch wohl billich eines Menschen Widerwärtigkeit und An fechtung nicht anders ein Creuz heiffen, es wäre dann, daß zum wenigsten von vier Orten und Enden das Unglück zu ſammen kame? wie es mit dem frommen Job daher gangen, bey dem sich ein groß und schwer Creuz gefunden, das von vier Orten zusammen gestoffen. Ein mal hat er gehabt gar schleunigen Ver lust aller seiner Reidthümer und Güter, die in kurzer Frist dahin gangen, daß er zum armen Mann worden. Darnach ist er beraubet worden aller seiner Kinder auf einen Tag, durch einen unverhofften Einfall des Hauses, darinn sie bey einam. Der versammlet gewesen. Sum dritten, ward er gleichsam mit schwarzen Blattern, an seinem Leibe, dadurch er um feine Ge fundheit kommen, daß er als ein elender Mensch in der Asben fizen, und mit Scherben sich schaben müssen. Zu die. fem C.3. in GOttes Wort benennet werden. 65 fem allen ist zum vierten kommen die Verfolgung seines Weibes, und anderer Verwandten, welche seiner infElende ges spottet, und sonsten seiner Seele fast sehr betrübet haben, Job im 1. und 2. Cap. Also ists auch dem König David gan. gen zur Zeit feines Elendes: Er ist von feinem Königreich ins Elend verjagt, hat feine fönigliche Burg und die Stadt Je, rufalem múffen von auffen anfehen, und feinen Weg mit Thränen und Wehklagen über den Delberg nehmen, 2. Sam. 15, 30. Darneben ist er von Simei und an. dern Seinden gelástert, geschmähet, und treflich ausgemacht worden, daß ihm das Mark in den Beinen davon hätte schmers zen mogen 2. Sam. 16,6.7, weiter ist ihm öfentliche Schande und Schimpf angethan, da ihm ſein gottloser Sohn seine Kebsa weiber auf dem Dache für allem Volk geschåndet 2. Sam. 16, 22. und hat endlich die betrübte Zeitung hören müffen, wie sein Sohn Absolon ein schröcklich Ende ges nommen, da er mit den krausen Haaren an der Eichen hangen blieben, und mit dreyen Spieffen jámmerlich durchflochen, daß er mit blutigem Herzen and bösen Ge. rwissen dahin gefahren, und seiner Seele eine böse Herberge bereitet, darüber sich David am meisten betrübet, und beküm mert 66 Namen, damit der Christen Trübsalen E. 3. mert hat, 2 Sam. 18, 19. Wer nun also angegriffen wird, der mag seine Trübfal billich ein Creuz nennen. Die aber mit einem geringen Anliegen behaftet seynd, und der Heiligen vielfältige Trübfalen Dargegen halten, die mögen wohl scham roth werden, daß fie fich) groffes Creuzes beklagen. Es haben die Heiligen was mehrers erfahren müssen, wie David flaget: El hat mich umgeben Leiden ohne Zahl, und mein Herz hat mich verlassen, Pfalm 40, 13. Meine Seele ist voll Jammers und mein Leben ist nahe bey der Höllen Ich bin elend und ohnmächtig, daß ic so verstoffen bin, Psalm 88, 4. 16. Mein Leben hat abgenommen für Betrübniß und meine Zeit für Seuffzen, meint Kraft ist verfallen, und meine Gebeint find versamachtet, Psalm 31, 11, Consten nennen wir unser Anliegen auch mit andern Ramen, wie aus Da vids Psalmen und der Heiligen Klagen zu ersehen: Dann wir heiffens zu Zei ten Trúbfal, daß in groffem Creuz aud die Seele betribet werde, wie David sagt: im 42 Pfalm, 6. 12. Was betrübst du dich! meine Seele! und bist so unruhig mir, harre auf GOtt, dann ich werd. ihm noch danken, daß Er meines Ange fichts C. 3. in GOttes Wort benennet werden. 67 Und ficts Hülffe und mein GOtt ift. Ca. 26, 20. HErr, wann Taubsal da ist, so fuchet man dia. Im Lateinischen heißts tribulatio a tribulis, von scharfen Disteln und Dornen gienge. Sonderlich aber thut es wehe, und sticht ins Herz, wann man Bosheit leiden muß von denen, welchen man Gutes erwiesen, oder wann man mit Verleumdung und Lästerung der bd. fen Bungen beladen, davon die Alten aus dem 28. Cap. v. 21. Syr. diese Reimen gemacht. Die Dornen, Disteln stechen sehr, Die falschen Zungen noch vielmehr: Ist leidlicher in Dornen baden, Alis seyn mit Lastermund beladen. David nennet auch sein Leiden oftmals Anguftiam, eine Angst, als im 119. Pf.. v. 141. Angst und Noth haben mich getrofs fen. Und abermals im 25. Pf. v. 17. die Angst meines Herzens ist groß, führe mich aus meinen Nöthen. Nun heißt Anguftia, so viel, als eine Bedrängung eines Dinges an einem Ort, da es nicht weichen tann: Und wiro da. mit fürnehmlich auf das Herz gesehen, das sich quäler und angster, als wann es zwi. fchen harten Steinen befiemmet, wann groß Unglüd auf allen Seiten vorhan. I den, daß man weder zur Rechten noch zur 2 68 Namen, damit der Christen Trůbsal C. 3. Linken entweichen kann. Das Herz aber ist in dem menschlichen Leibe das edelste und fürnehmste Glied, principium vitæ, motus& fenfus, ein Anfang des Lebens, aller Bewegung und Sinne, welches ihm auch GOTT sonderlich zu seiner Woh nung erwählet hat, wie zu den Ephef. 3, 16. 17. geschrieben stehet: GOtt gebe euch Kraft, stark zu werden an dem innwendi gen Menschen, und Christum zu wohnen durch den Glauben in euren Herzen. Da hin haben auch die Alten die drey Buch. staben, damit in Lateinischer Sprach das Herz genennet wird, ausgeleget, daß fie so viel heiffen sollen, als camera omnipotentis regis, ein Kammeriein des alimächtigen Königs. Solches weiß der Teufel gar wohl, darum er sonderlich darnach trac tet, wie er in leiblichen und geistlichen Nöthen das Herz angsten und qualen möge, auf daß, wenn er das überwindet, der Mensch hernach nicht ferner Widerstand thun möge Wie er denn mit solcher Herzens Angst dem Sohn GOttes felb ften, zur Zeit feines Leidens hefftig zu. gefejet, daß er hat müffen trauren, zit tern und zagen, Matth. 26, 37. Marc. 14/33. Daher er auch klaget, Pf. 22, 15. Mein Herz ist in meinem Leibe wie zer schmolzen Wachs. In solche Herzens Angst C.3. in GOttes Wort benennet werden. 69 ist auch David gerathen, da auf GOttes Befehl der Prophet Gad zu ihm gekom, men und gesagt, so spricht der HErr: Dreyerlen bringe ich zu dir, erwähle dir eines, daß ich dir thun möge. Willt du, daß sieben Jahr Theurung in dein Land komme? oder, daß du drey Monden für deinem Feind fliehen másfest? Oder, daß dren Tage Pestilenz in deinem Lande sey? 2. Sam. 24/ 12. 13. Das war dreperley schwere Straffe, damit er gleichsam um' geben ward, daß er nicht ausweichen konn te, er mußte derfelben eines erwählen, darum ſprach er: Mir ist fast angst, aber låst uns die Hand des Herrn fallen, denn seine Barmherzigkeit ist groß, v. 14. Solche Angst und Bangigkeit müssen die Frommen mit David oft erfahren, und mit ihm klagen aus dem Pf. 25, 17. Mei, nes Herzens Wehe ist mancherley, aus meiner Noth mich rette, siehe an, wie ich vernichtet bin, vor Angst lieg ich ganz nieder. Wir nennen unser Creuz und Trübfal auch ein miferiam oder Jammer, wie dann David das Leben im 84..Pf. v. 7. Vallem miferiarum, ein Jammertal nennet, und im 25. Pf. v. 18 auch betet; Siehe an meinen Jammer und Elend, und vergib mir alle meine Sünde. Dieser Name ist € 3. fon: 70 Namen, damit der Christen Trübfalen C. 3. sonderlich von dem Mitleiden und Erbars men, das man hat mit einem solchen Men. schen, der in groß Creuz und Elend ge rachen ist, dessen uns jammert, und mit dem wir ein christlich Mitleiden haben. Als den Herrn Chriftum gejammert des Bolts, das in Hungersnoth, über der Begierde seiner Predigt zu hören, gerathen, davon viel hätten jämme lichverfchmachten müffen, da sie der Herr nicht abgeſvei fet und gesättiget hätte, Marc. 8, 1. Wie dann auch die elende Gestalt, das unschul dize Leiden und Tod des Herrn Chrifti die Tochter Jerufalem gejammert, die ihn ben seiner Ausführung beklagt und beweis net baben, Luc 23, 28. Es nenner auch die Schrift unser Creuz und Widerwarrigkeit eine Anfechtung oder Bersachung. Weil im Creuz die Glaubigen und Frommen tentirt und versucht werden nicht zum Bösen, wie der Teufel und die gottlose Welt versucht und anfich:! sondern zum Guten, das man ſehen möge, wie sie bestehen und aushalten können, was sie durch den Glau ben, Hoffnung und Gedult überwinden können! Aufdaß von denen, die sich wohl und ritterlich halten, andere ein Erempel der Nachfolge merken: So sie aber schwach, sind, und unten liegen, menschliche Ums ver C.3. in GOttes Wort benennet werden. 71 vermögenheit und Schwachheit erkennen lernen. Also sagt die Schrift, Gott habe versucht den PatriarchenAbraham, da er ihm befohlen, seinen Sohn Ifaac zu schlachten auf dem Berg Moria: über welchem Befehl Abraham so viel ausges standen, daß es alles nicht leichtlich zu beschreiben ist, jedoch hat Er alles durch den Glauben ritterlich überwunden, Gen. 22, I. 14. solches gefchicht oft bey den Glaubigen, daß fie GOtt versucht und anficht, ob es schon so schwer nicht kommt, als mit Abraham, dem wird auch nicht leichtlich nachthun können: Wann wir aber GOttes Kinder seynd, müssen wir folcher Anfechtung gewärtig seyn, wie der Engel Raphael zu Tobia sagte: Weil du GOtt lieb warest, so mußte es also fenn, ohne Anfechtung mußtest du nicht bleiben, Tob. 12, 13. wolan, so lerne nun ein jeder Christ, was Creuz fey, was Trübfal, Angst, Jammer, Noth und Anfechtung sen, und wie die Heiligen Gottes solches ausgestanden und erlitten haben, so wird Er befinden, daß ihm nichts neues geschehe und widerfahre, sondern daß GOtt der HErs mit den Sei. nen immerdar einerley Comodiam ſpiele mutatis tantum Perfonis, nur daß die Per. sonen abwechseln; Wie es auch sonst mit € 4 allen 72 Namen, damit der Christen Trůbsalen C. 3. allen Dingen in dieser Welt also daher gehet. Herzliche Bitte, daß wir in un ferm Creuz uns allezeit mit unserm Creuze trager Chriflo trösten. Err Allmächtiger, getreuer und barm herziger Gott! der du deinen lieben Sohn Jesum Christum, zum Creuztrá ger für uns gemacht, und durch sein Creuz all unfer Creuz and Leiden wei hen und heiligen lassen. Wir bitten dich durch deffelben Creuz, Leipen und Tod du wollest uns dein väterliches Herz das du gegen uns trágest in unserm Creuz, Trübfal und Anfechtung zu er Fennen geben, damit wir in findlicher Zuversicht und starken Bertrauen auf dich, alles mit Gedult leiden, und wenn wir mit Christo hie zeitlich genug ausge standen, mit ihm auch endlich zur ewi gen Freude und Herrlichkeit eingehen mö gen, Amen. Wie Christus selbst sein Creuz gedul tig tragen, So bilf, daßwir in unserm Creuz, nicht zagen, Und, wie uns hie mit ihm gemein das Leid Wir derten auch geniessen Himmels Freud. Daß C. 4. in GOttes Wort benennet werden. Das IV. Capitel. 73 Daß den Christen das Creuz nicht ungefehr, sondern nach dem Rath und Willen GOttes zugeschickt werde. It auch ein Unglück in der Stadt, daß der HErr nicht thue. We enn der Menso mit viel Trübfal beladen ist, und das Unglück gleich. sam zu allen Thüren und Fenstern herein schlägt, so gibt es offimals groffe Ver. wunderung, und können sich viel nicht darein schicken, urtheilen wunderlich vom Christenthum, und lassen sich bedüncken, GOtt müsse nicht groffe Acht darauf ha ben, wie es unter den Seinen daher gehe. Andere bleiben hangen an den Mittel Ursachen, dadurch ihnen das Un glück angerichtet wird, murren, fluchen und schelten auf die so sie betrüben, be. leidigen und verfolgen. Aber diese alle haben noch nicht recht gelernet, was das Christenthum fey, und was es mit fich bringe, und sind nicht anders, als die unerfahrne Soldaten, die niemals vor dem Feind gewesen, sondern nur in der Besazung und in dem Lager gelegen, wel. che es gar seltsam duncket, wann fie in die Schlacht geführet werden, men die Kugeln um die Ohren sausen. € 5. da ih Amos 3. v. 7. Die 74 Chriften wird das Creuz nicht ungefehr C.4 Die andern aber sind gleich den Hun. den, die in die Steine und Knúttel beiß fen, damit fie geworfen werden, und vergessen dessen, der sie geworfen hat. Demnach ists ein Stück Christlicher Klugheit und Weißheit, wenn man ver stehen und bedencken kann, von wem ursprünglich das Creuz herkomme. Denn da heiffet es auch. Felix, qui potuit rerum congnofcere caufas. Der ist glückselig, hat den Preiß, Der eines Dinges Ursach weiß. Wann wir uns nun in der Schrift um fehen und nachfragen, woher doch ur sprünglich unser Creuz und Leiden komme? fo finden wir hin und wieder viel Sprüche und Erempel, damit erwiesen wird, daß das Erenz und allerley Widerwärtigkeit nicht zufälliger Weise, oder ungefehr von sich selber komme: Sondern es wird uns aus GOttes gewiffen und weisem Rath, Willen und Berhängniß, ja von GOtt felbst zugeschickt, und auferleget, wie ge fchrieben fehet in den Klagi. Jer. 37. Wer kan oder darf fagen, daß solches geschehe ohne des HErrn Befehl? und daß weder Gats noch Bojes komme aus dem Munde des Allerhöchsten? Amos 3,7. Ist auch ein Unglück in der Stadt, das der Herr nicht thue? und Syr. 12, 14. C.4. fondern nach Gottes Willen zugeschikt. 75 Es kommt alles von GDrt, Glück und Unglück, Leben und Cod, Armuth und Reichthum. Und Hanna, die Mutter Samuelis fagt, 1. Sam. 2, 6.7. Der Herr tödtet und macht lebendig, führet in die Holle, und wieder heraus, Er machet arm und reich. Darum spricht auch Job. cav. I, 21. Der Herr hats gegeben, der Herr hats genommen, wie es dem Herrn gefallen hat, also ists geschehen, der Name des Herrn sey gelobet und gebeneden. et. Der Prophet Hofeas fagt: Rommet, wir wollen wieder zum Herrn, denn er hat uns zerrissen, Er wird uns auch hei. len, Er hat uns geschlagen, Er wird uns auch verbinden. cap. 6, 1. Und das ists, das der wohlgeplagte Job sagt, c. 5,17.18.19. Siehe, seelig ist der Mensch, den GOtt straffet: Darum weigere dich der Züchtigung des Allmächtigen nicht; denn Er versezet und verbindet, er zer. fameiffet und feine Hand heilet. Der Meynung spricht auch David, Pf. 68, 20. Gelobet fen der Herr täglich, Gott legt uns eine Saft auf, aber er hilft uns auch, Sela. Wir haben einen GOtt, der da hilft, und den Herrn Herrn, der vom Tod errettet. Und abermal, Pf. 75, 9. Der Herr hat den Becher in der Hand, und mit starkem Wein voll ein. ge₂ 30 76 Christen wird das Creuz nicht ungefähr C. geschentet und schenker aus demselbigen aber die Gottlofen müssen alle trinken und die Beffen ausfauffen, Da macht David GOtt den HErr zu einem groffen Schenken, der den Creup beder in der Hand hat, und einem jegli chen feinen Theil daraus reichet, da di Glaubigen vorab trinken, und den Gott lofen die Heffen der ewigen Pein nachla fen. Es spricht auch Christus selbst, Matth 10, 29. 30. 31. Kasffet man nicht zwen Speriing um einen Pfennig? Noch fäl let derfelben keiner auf die Erd, ohn euren Vater, nun aber sind auch eur Haar auf dem Haupt alle gezehlet, da um fürchtrt euch nicht, ihr send besse denn viel Sperling. Aus welchen Sprüchen ganz klärlid erfolget, daß Gott der Herr allein sey von dem das Creuz herrühret. Darun follen wir auch dabey bleiben, und un dis nicht laffen aus dem Sinne reden Alles was uns widerfähret, das komm von GOTT her, das ordnet und schic GOtt also, wie es seyn soll. Darun wenn wir oder unsere Kinder und An gehörigen durch den Tod weggewürfe werden, unser Bich, Haab und Guth in Abgang geráth, oder uns sonst irgend ein Unfall begegnet, so sollen wir un fern €. 4. fondern nach Gottes Willen zugeschickt. 77 fern Náchsten nicht beschuldigen, der uns folches nicht hat thun können, mit Wors ten, noch mit narrischen Gebärden, wann er gleich gewollt, und sichs unterstanden hatte: Sondern vielmehr gedenken, daß es GOttes Wille sey, daß wir also ge plaget werden, um unser Sünde willen, denn wenn GOtt an uns etwas thun will, so müssen sie alle dufferliche Mita tel darzu schicken. Es ist aber GOttes Borsichtigkeit in allen Dingen so gros, daß auch kein Sperling( deren man viel um ein ges ringes Geld kaufet, weil man sie nicht groß achtet, darum daß sie den Früchten auf dem Felde schädlich sind,) gefangen oder getödtet wird, es sey dann zuvor von GOtt im Himmel also beschloffen, wie wollte uns dann jemand schaden kona nen, wofern des himmlischen Baters Bes willigung nicht darzu káme? nun sind auch die Haar auf unserm Haupt alle gezählet, also, daß uns derselben keines ausfällt, es wiffe dann unser himmlischer Bater darum, und geschehe mit seinem Willen, wie jezo die Worte Christian geführt; freylich ist das wohl zu bedenken, daß Gott so ein genaues Aufsehen hat auf uns Menschen, daß er nicht allein ein Auge hat auf die vornehmsten Glie: 78 Christen wird das Creuz nicht ungefehr C. Glieder unsers Leibes, sondern hat aud unsere Haar auf unserm Haupt gezäblet und forget dafür, daß der nicht eind ohne seinen Willen davon muß ausfallen Er sagt nicht, eure Haar follen gezáhle werden, sondern sie sind schon gezähle als wollt er fagen: Ihr send schon hi bevor in die Vorschung und Bewahrun GOttes mit eingeregnet; dann nic allein unser Leib und Leben, sonder auch das geringste, nämlich unsere Haar welche wir soaften für ein unnöthig Din achten, in die Vorschung unsers allergi tigsten Baters begriffen seynd. En wi follte uns denn sonsten das allergeringf Unglück, Schade und Nachtheil an un fern Gliedern, an Leib, und Gütern an Ehr und gutem Namen wiederfahre können, daß solches nicht mit gutem Wil len und Rath geschehe? Denn es widerfähret uns nichts bi ses, wie auch nichts guts ungefehr, fon dern daß es Gott also geordnet. Er la aber nicht zu, daß uns etwas Widerwar tiges begegne, Er habe dann zuvor b stimmet, wie weit es reichen, und wil es zum Guten gedeyen solle: Denn de nen die GOtt lieben, müssen alle Dingt zum besten dienen, Rdm. 8, 28. Weiter spricht der Herr im selbigen Cap. Darum förd C. 4. sondern nach Gottes Willen zugefchift. 79 förchtet euch nicht, daß euch böse Leute möchten anfallen und beschädigen, wenn und wie sie wollten, denn ihr send bess fer denn viel Sperlinge: Als die ihr nicht nur zu diesem vergänglichen Leben beschaffen seyd, wie die Sperlinge und andere unvernünftige Thiere: Sondern ihr seyd zum ewigen Leben zubereiter, und hat euch Gott seinen eingebohrnen Sohn zum Erlöser geschenket, daß ihr die ewige Seligkeit erlangen follet. Wie wollte dann GOtt, euer weniger achten auf Erden, als der geringen Bögel, die doch bald sterben, und nimmermehr wies der lebendig werden; Was wäre das für ein widerfinnisch Regiment in der Welt? Diefe Sprüche Chrifti follen wir wohl zu Herzen fassen, so oft uns eine Ge fahr für Augen schwebet, damit wir nicht findisch zagen, sondern vielmehr aus rechtschafnem Vertrauen gegen GOtt den himmlischen Bater, ihn um Hülf anruffen. Also sagte Paulus, da er ſahe, daß er mit seinen Gefährten Schiff bruch leiden würde. Es würde euer kei nem fein Haar vom Haupte entfallen, Actor. 27, 25. Es hat GOtt der Here um einen jeden Christen eine feurige Maus cer erzogen, daß ihm niemand schaden tann, 80 Christen wird das Creuz nicht ungefehr C. 4, kann, wann es GOtt nicht haben will, Zad.2,5. Und wann das Unglück noch ſo graufar und häufig ist, so hat es doch GOtt in seiner Hand, es kann nicht weiter kommen, als GOtt der Herr ihm den Zaum finken lasset, wie der HERR beym Esaja Capv. 10, 5. fagt: Affur ist meines Zorns Ruthe, und ihre Hand meines Grimmes Steden. Mag sich auch eine Art rühmen wider den, so damit hauet? Odereine Sage trozen wider den, so sie zeucht? v. 13. Als wollte er sagen: Gleichroie eine Sage oder Urt nicht um ein Haar breit weiter foreiten kann, denn wie es der Zimmerman, oder der sich des Sagens gebraucht, zugibt: Eben also können alle eure Keinde, oder einig Unglück euch nicht ein Quentlein mehr schaden, dann so weit GOTT ih nen verhänget und nachgiebet. Darum last uns nicht mit den In strumenten und Mitteln zürnen, die uns unsere Beschwerung zugefüget, und bey, gebracht haben, und gedenken! Ach! hätte ich dieses oder jeres nicht gethan, wäre ich hie oder dort nicht gewesen, oder mit diesem oder jenem Menschen nicht zu Schaffen gehabt, so wäre ich in dis Un' glück nicht kommen, oder in folche Ar. much gerathen, und was der Beschwer ungen mehr sind, damit die Menschen Um C C. 4. fondern nach Gottes Willen zugeschikt. 81 um ihrer Sünde willen gestraffet worden; Lieber! sage mir, was kann der Stein und die Ruthe darzu, daß wir gemorffen und gehauen werden? Sondern last es uns mit dem ausfechten, der solchen Grein wider uns führet. Laffer uns betrachten, warum er uns damit auf die Haut werfe, laffet uns nicht über die Ruche, sondern über die Sünde murren. Klagl. Jer. 3:39. Da haben wir nun gewissen Grund aus GOttes Wort, daß das liebe Erenz allein von GOtt herkommt, und uns zugeſtidet wird, und das weder Teufel oder böse Menschen auch keine Creatur einigen Schaden mag zufügen, wo es ihm nicht von GOtt vergönnet und zugelassen wird. Denn so der Teufel den unvernünftigen Thieren den Sauen, ohne Chrifti Er. laubniß, nichts hat thun können, wie wolte er dann die Christen Menschen, so nach dem Bilde GOttes erschaff.n find, durch das Blut Chrifte erlöfer, beleidi gen können? Taulerus fagt: Alles was dir widerfähret, und für Creuz von Gott aufgeleget wird, das hat er von Ewigkeit her versehen, daß er dich dadurch zu deis nem ewigen Heyl befördere. Diesen Rath GOttes des H. Creuzes verstehen wir oft nicht. GOtt läßt St. Paulo fagen: Ich will ihm zeigen, wie viel er um meines F Na, 11 82 Christen wird das Creuz nicht ungefähr C.4 Namens willen leiden soll, Actor. 9, 16, Summa, unser Creuz ist eines von dem geheimen Rath GOttes, daß es also geschehen muß. Kommer nun einem etwa ein Unglüc zu handen, so ſoll ers nicht den nächsten Mitteln oder bösen Menschen zuføreiben, sondern gedenken: Diß Creuz kommet mit vom Himmel herab, von meinem lieber GOtt, der hat es in seinem heiligen Rath also über mich verhängt und beschlossen, und mir zugewogen, wie viel Pfund id in diesem Leben ertragen soll, auch ha der getreue GOtt längst zufoor, ehe ich i dis Elend getretten bin, all mein gegen wärtiges und zukünftiges Elend in fei Buch registriret, und nicht allein alle Jahr sondern auch alle Monat, Tage, Stund und Minuten auf sein Buch geschrieben und wird wohl wissen Zeit und Stunde Art und Weise meiner Errettung, un meiner zu rechter Zeit nicht vergessen. All haben die Heiligen GOttes ihr Crea aufgenommen, und alks GOtt zugeschrie ben. Der Patriarch Joseph, als er von sei nen Brüdern geneidet, verfolget, und um zwanzig Silberling den Ismaeliter verkauft und in die Fremde hinweg ge führet wurde, daß er sich seines Bater HAL C. 4. sondern nach Gottes Willen jugeschickt. 83 Hauses, und aller Verwandten verzeihen mußte, da hat er nicht principalker und ur. sprünglich das Werkseinen Brüdern, fon. dern GOTT dem Herrn zugeschrieben. Dann da nach ausgestandener Trübfal n in Egypten, feine Brüder aus dem Lande Camaan zu ihm fommen, und fich bey ihm des Vorraths an Getraide wollen er. holen, bekennet er sich mit ihnen, und troffet fie in ihrer großen Furchtſamkeit mit diesen Worten: Ich bin Joseph ener Bruder, den ihr in Egnvten verkauft habt, und nun bekümmert euch nicht, und dendet nicht, daß ich darum górne, das ihr * mich hicher verkauft habt. Dann um eures Lebens willen, hat mich GOtt vor euch her gefandt, Gen. 45, 4. 5. In welchen i Worten Jofeph den ganzen Mantel, der 1 mit ihm vorgelauffen, nicht feinen Brü. dern sondern GOtt selbst zugemessen. Inmaffen er denn auch nach ſeines Baters Tod, solches gegen sie wiederholet, da er # sagt: Ihr gedachtets böse, mit mir zu ma. itchen, aber GOtt gedachte es gut zu machen, daß Er that, wie es jezo am Tage ist, Gen. 50, 20. Also auch der fromme und gedultige Job, der von GOtt dem Herrn felber 3. das Zeugniß hat, daß von Frömmigkeit er feines gleichen im Lande nicht zu finden, $ 2 Job 10 84 Christen wird das Creuz nicht ungefehr C. 4. Job. 1, 8. da derselbe auf einen Tag aller feine: Schafe, Cameel, Efel, Rinder un aller Kinder beranbet wird, und in folchem traurigen und betrübten Zustand ist dergleichen nach Christo kaum in der Schrift iemand zu finden: Lieber! wie schicket fich derselbe in die Sache? wem schreibet er die Urfache seines Elends zu? gibt er etwa dem Teufel Schuld, der ſein Ungluck tapfer angerichtet? oder klaget er viel über die Araber u. Chaldaer, die ihm das Bieh weggetrieben? nein, davon hört man nicht, sondern er spricht: Dominus dedit Dominus abftulit, fit nomen Domini benedictum, der HErr hats gegeben: der HErr hats genommen, der Name des HErrn sey gelobet, Job. 1, 21. Und also verhält sich auch David, da er von seinem leiblichen Sohn verfolget, und von Land und Leuten verstoffen wird. Dann als er in seinem Erilio und Elend herum zeucht, da findet sich ein böser ver. wegener Mensch, mit Namen Simei, ein Sohn Gera, der wirf nicht allein nach dem König David mit Steinen, sondern speyet auch die grenlichste Lästerwort aus, schilt den König für einen Bluthund, und einen losen Mann, und macher es so unhöflich, daß auch Ubisai, ein König licher Hof Diener, jur Ungedult bewogen und: C.4. fondern nach Gottes Willen zugeschikt. 85 und entrüstet wurde, daß er sagt: Sollte dieser todte Hund meinem Herrn dem Kö. mig fluchen, ich will hingehen und ihm den Kopf abreiffen. Aber David will es keines weges gestatten, sondern ſpricht: Laß ihn fluchen, dann der HERR hats ihn geheissen, fluche David, wer fann nun sagen, warum thust du also? und bald hernach: Laß ihn zufrieden, daß er fluche, dann der HErr hats ihn geheiffen. Viel. leicht wird der HErr mein Elend ansehen, und mir sein heutiges Fluchen mit Güte vergelten, 2. Sam. 16, 5. 12. Also haben die heiligen Männer ihr Creuz und Unglück angenommen, und allezeit auf GOtt gesehen, der ihnen fol. ches zugeschickt hat. Darum lagt uns in Josephs, Jobs und Davids Fußstapfen tretten, und in unserm Creuz GOttes gnädigen Rath und Willen bedenken, und daß ohne seinen Willen uns nichts wider. fahren müsse. Herzliches Gebetlein, daß wir erkennen, daß uns ohne den Willen GOttes nichts Widriges bes gegnen könne. D du mein himmlischer Bater! gib, daß ich verstehen und glauben möge, daß mir ohne deinen Willen und Verhångniß in dieser Welt nichts begegnen kan, fe $ 3 86 Gott fahikt das Creuz nicht aus Zorn, C. s. so du nicht längst zuvor zu meinem Heyl und Wolfahrt verordnest hast. Hilf du einiger ewiger Helfer, daß ich mich die mit Leib und Seel, mit Ehr und Gut, mit Glück und Unglück, es währe lang oder kurz, aus ganzer Macht vertraut und befehle, Amen! Amen. HErr gib, daß ich mich dir vertraue Auf deinen Willen gänzlich schaue. Auf deine Hülfe baue. Das V. Capitel. Daß Gott seinen lieben Chri ften aus Liebe und nicht aus Zorn, Creuz und Trubsal zufchicke. Sprichw. Sal 3, 12. welchen der HErr Hebet, da straffet Er, und hat Wohlgefallen an thm, wie ei Vater am Sohn. 630 Ott schickt und das Freuz nicht aus Born und Ungnade zu, uns zu ver derben, sondern aus väterlicher Liebe un Barmherzigkeit, daß Er und dadurd zur Buffe und Befferung unfers Lebent reizen und treiben, und uns auch damit zu göttlichen Dingen bereiten und zu sic ziehen möge. Die Natur und die Vernunft bereiten uns zur Welt, und zum weltlichen Leben: Aber das Creuz bereitet uns zum ewigen Leben. Dann man kan jur himm liften Herrlichkeit nicht kommen, man ho be dann das irrdische Leiden gehabt, el 87 €. 5. fondern aus väterlicher Liebe. heißt: Durch viel Trubsal müssen wir eins gehen ins Reich Gottes, Actor. 14, 21, Und ist das Creuz gleichsam als eine geift. liche Mutter, die uns neu gebieret, und andere Menschen aus uns machet, ja der Herr hält allerwegen diesen Gebrauch, daß Er die Seinen durch das Creuz übet, und näher zu sich bringet. Darum haft du mitten in deinem gröften Unglück eis nen gnädigen GOtt, der hat dich als fein Kind viel lieber als alle Engel im Himmel. Keine Trübfal kann so gros feyn, die dich von GOtt kann abreiffen, die Kindschaft austilgen, und den Bund GOttes auf. heben. Taulerius schreibet über das Evang. an der H. drey König Tage: Das geringste oder das gröfte Leiden, das GOtt immer auf dich läffet fallen, das alles gehet aus dem Grunde feiner unaussprechlichen Lie. be, und ist die höchste und gröfte Gabe, die Er dir immer geben mag, oder jemals gegeben: Je gröffer Leiden, je gröffer Ga. be. Es mag nichs so klein Leiden auf dich fallen. GOtt hat es zuvor ewiglich angefehen und beliebet, und einen ewigen Rath darüber gehalten und beschloffen, daß es also kommen soll. Als dein Finger oder dein Haupt thut dir wehe, dich frieret an deine Füffe dich hungert und dürftet, man $ 4 bes A 88 Gottschikt das Creuz nicht aus Zorn, C. 3. betrübet dich mit Worten und Wercken, oder was dir immer widerfahren mag, das alles bereftet dich zum ewigen Leben. Dar um soll ich meine innerliche Augen und Oh. renaufthun, und dancken GOtt von Her zen, daß sein ewiger Rath an mir voll bracht ist. Soll ein Mahler ein schönes Bild machen, so muß er seine Sinne und Gedanken genau darauf legen, wie er fei nen jeglichen Strich an dem Bild streiche, wie lang, wie breit er seyn solle, soll es anders feine rechte Form gewinnen, und die rothe und blaue Farbe erscheinen. Nun ist GOtt tausendmal mehr beflissen, wie er den Menschen mit manchen Strichen des Leidens, und mancherley Farbe der Zrubsal, zu der Form bringe, daß er ihm gefällig werde, und ein Zierrath im ewigen Leben seyn möge. So weit Tauleri Wort. Wann wir derowegen am tiefften im Creuz find, so sind wir GOtt am aller nächsten, alsdann hat er seine göttliche Hánde an uns gesezet, knettet, wurket, be hobelt und poliret uns, daß wir der groben Neste und Knorren loß werden. An unferm alten Adam ist nichts gutes, wird auch nichts gures daraus er werde dann wohl ausgekeh ret, da muß GOtt gute scharffe Lauge zu ha ben, das ist, Teufel Welt, Tyrannen, Krant heit, Jammer und Elend. EL sondern aus väterlicher Liebe. 89 Es ist je besser, wir werden hier gestraf. fet, dann dort, diese Streffe ist zeitlich, jene aber ist ewig. Theophilactus: GOtt züchtiget und in diesem Leben, auf daß er fich im fünftigen Leben desto gnädiger und barmherziger erzeigen und verhalten möge. GOtt der Herr hat zum Erbe verheiffen feinen Kindern das ewige Leben, und des felbigen Freude: Aber sie müssen in die fem Leben erst ein ander Erb nehmen, nám. lich des Creuzes. Wer demnach will Got tes Kind seyn, der muß auch annehmen, was GOtt seinen Kinderr gibt; Er züchs tiget aber einen jeglichen Sohn, den er annimmt. So ihr die Züchtigung erduldet, so erbeut sich auch GOtt als Kindern, wie geschrieben steher, b. 22, 5.6.7.8. Mein Sohn, achte nicht gering die Züchtigung des Herrn, und verzage nicht, wann du von ihm gestraffet wirit, dann welchen er lieb hat, den züchtiget er, er stäuvet aber einen jeglichen Sohn, den er aufnimmt. Send ihr aber ohne Zustigung, so send ihr Bastarte, und nicht Kinder. Wie es unter andern der H. Augustin, erkläret, mit der Gleichniß von einem Bater, der zwey ungleiche Kinder hat, seinen, der sich nicht will züchtigen, noch regieren lassen, fondern leber also, daß der Vater alle Hoffnung an ihm aus und verlohren siehet, 35 dar 90 Gott schikt das Creuz nicht aus Zorn, C. 5. darum ihn gehen läffet, strafet ihn weiter nicht, und schleußt ihn aus seiner kindlichen Erbschaft, den andern, an welchem der Vater gute Hoffnung hat, läffet er nicht also gehen, sondern hält ihn unter der Ru. then, straffet ihn ernstlich und hart, dero wegen er zu allem Guten erwächst, bleibet in des Baters Liebe, und behält sein Erbtheil. Also, wann GOtt der himmlische Va ter seine Kinder, die ihm zu Bastarte wer den, für sich allein läffet hingehen, achtet fie nicht würdig feines H. Creuzes, so ift fein Zorn und Enterbung offenbar für Au gen. Wie er sich aber der Seinen wol an nimmt, hält wohl an mit seiner väterlichen Ruthe, da bezeuget er wahrhaftig, daß ihm dieselbe, bey welchen er also enferig mit dem Joch des lieben Creuzes anhält, von Herzen lieb seynd, auch daß er fie für aller Welt Augen und Ohren öffentlich für seine Kinder erkenne, und für seine Erben bestätige. Augustinus schreiber: der mag fich wol fürchten, der nicht in dieser Welt wegen seiner Sünde gestrafft wird. Aus welchem leichtlich abzunehmen, daß es nicht allerdings wohl um diejenigen ftes het, so ohne Zechtigung des heiligen Creus zes dahin leben, und sie unter die Bastars te gerechnet werden, welches billich zu. teflagen, und keinem Menschen zu gón. nen, 91 sondern aus vaterlicher Liebe. nen, daß er einer unter denjenigen fenn follte, welchen Christus das ewige Wehe d duet, da Er spricht, Luc. 6, 24. 25. 26. W he euch Reichen, dann ihr habt euren Trost dahin. Wehe euch, die ihr voll seyd, dann euch wird hungern. Wehe euch, die ihr hie lacbet, dann ihr werdet weinen und heulen. Wehe euch, wenn euch jemand wohl redet. Und das ist geivis, welchen der Herr lieb hat, den zuchtiget Er, Hebr. 12, 6. Ee heißt, je lieber Kind, je lieber Kind, je schärfer Ruthe; je gröffer Heiliger, je schwerer Creaz; je frömmer Christ, ie gröffer Angst; je lieber GOtt, je gröffer Noth; je näher Gott, je höher Probe des Glaubens; je höherer im Geist zunimmt, je schwerer Creu; er empfindet. Sinte. mal, je náher einer dem Herrn Christo, seinem Houpte, verwandt ift, je mehr Angst und Noth er haben muß. Ist Das vid niot ein Mann nach GOttes Herzens. wunsch? 1. Sam. 13, 41. noch spricht er: Du läffet mich arfahren viel und groffe Angst, Pf. 71, 20. War Abel nicht ein frommes Kind GOttes? Gott fahe ihm ja aus den Augen heraus, ehe, in welche No h muß er geraben? Gen. 4, 9. Ifts nun nicht wahr: Je lieber GOtt, je grdf. ser Noth. Denn die Trübsal muß aus Lies be 92 Gott schikt das Creuz nicht aus Zorn, C.5 be wachsen und zunehmen. Daher ſagt Joh cap. 2, 17. Selig ist der Mann, den GOtt raffet. So spricht der Engel Raphael zum alten Tobta: Weil du GOtt lieb warrst, so mußt es so seyn, ohne Anfechtun mußtest du nicht bleiben, auf daß du bewähret würdest, Tob. 23, 24. Es seynd doch die Plagen nichts anders, welche den Frommen widerfahren, als bittere schmerzhafte Pfeile, aus der barm herzigen gnädigen Hand GOttes gewor fen. A! wie viel achtet Gott nicht wür dig, daß er sie in dieser Welt straffe, son: dern behält sie zur ewigen Berdammniß, und ist also nichts unglückseligers, als wann es den Sündern allhie wohl gehet. Dann wann wir unsere eigene Erfahrung neben GOttes Wort zu Rath nehmen, so müß fen wir bekennen, daß der Mensch, wenns ihm wohl gehet, in groffe Sünde und La fter geráth, auch vielmehr von sich hält, dann er an ihm selber ist. Solchem Un rat zu stewren und fürzukommen, schift GOtt allerley Creuz und Widerwärtig. keit zu, und leget stets den Knüttel bey der Hand, damit wir also in wahrer Demuth erhalten werden; Sa, wann uns GOtt nicht Creuz und Trübsal zu fchifte, würden wir verwehnet, wie die Kinder, mit welchen der Bater stets lachet: 93 sondern aus våterlicher Liebe. €. 5. chet und scherzet; die Ruth aber zieht fromme Kinder. Darum sagt David, Pf. 18, 26. Herr, wann du mich demüthi geft, machest du mich groß. Neben diesen Sprüchen haben wir viel gewaltige Erempel in der heiligen Schrifft, und die sämtliche Kirchen Historien bezei. gen eigentlich, daß GOtt denen, die er am liebsten hat, das gröffeste Creuz auf. leget. Wann das Creuz ein Zeichen des Zorns wäre, so würde der König David nicht gesagt haben: Es ist mir lieb, daß du mich gedemüthiget hast, Pf. 119,71. Item. Ich danke dir, daß du mich demüthigest, und hilfft mir, Pf. 118, 21. Daher schreibt der alte Kirchen Lehrer Bernhardus: Wann du fichest, daß dich GOtt der Herr demüthiget und züchtiget, halt daffelbe für ein gut Zeichen, und für ein fonderbare Vergewisserung, daß GOttes Gnade nicht fern ist; denn wie Hoffart für dem Fall hergehet Prov. 16, 18. alfo Erniedrigung für der Erhöhung. Oder wie gewiß der Fall folget, wenn das Herz hoffärtig wird: also bleibet nicht aus die Erhöhung, wann das Herz ge demüthiget wird durch Anfechtung und Trübfal. Beydes haben wir aus GOttes Wort, nämlich daß Gott der Herr den Hoffärti gen 94 Gott schikt das Creuz nicht aus Zorn, C. 5. gen widerstrebe, und den Nidrigen ſeine Gnade erzeige, I. Petr. 5, 5. Derohalben follen wir bey der Trubsal, die uns GOtt der Herr zusendet, seinen gnädigen Willen erkennen, und daraus lernen, daß wir seine Kinder seyen, die in fein Reich gehören. Darum ist es fein gutes Zeichen wenn es einem Menschen allzeit nach ſeinem Willen geht, und er bisweilen fein Creu und Anfechtung hat, ohne Zweifel hat GOtt folchen Menschen nicht lieb, dem er nicht unterweilen ein Creuz zufchicket, fondern läffet ihn im Glück und Wohl fahrt nach seinem eigenen Willen und Wohlgefallen immer hinleben, fintemal die er lieb hat, die zuchtiget Er, und wirffet fie unter das Creuz, als er ge than hat mit allen feinen liebsten Freun den, und mit feinem allerliebsten Sohn Christo. So will ja folgen, daß er aud die nicht lieb hat, die Er nicht züchtiget, und mit Trübfal heimsucher, als auch folches der Heil. Augustinus bezenget, und spricht: Allzugroß Glück auf Erden bedeutet ewig Unglück in der Höllen. Lind Lyre schreibes: Das groß Glück in dies fer Welt, ist ein gewisser Anfang des ewigen Untergangs. Derowegen soll niemand unter seinem Creus 95 C. 5. fondern aus våterlicher Liebe. Creuz verzagen, dann GOtt ist je unser lieber Vater; und unter der Nuthen be hålt Er auch das väterliche Serz und ftraffet nicht darum, daß er die Seinen gedenket zu verderben, sondern zu sich zu locken. Also versucht uns GOtt zu dem Ende allein, daß er uns helffen und nicht tödten, erquicken und nicht er sticken will. Deß soll ein jeder sich er. innern, wenn er im Creuz steckt, daß er nicht gedencke, er sey von GOtt dar um verworffen: Denn Christus ist nichts destoweniger der liebe Sohn des Vaters, ob er schon duf Erden nicht hat, da Er sein Haupt hinlegen konnte, Matth. 8, 20. So ist Maria auch wohl die ges benedente unter allen Weibern, ob ſie wohl ihre sechs Wochen im Kühfiall halten mußte, Luc. 2, 7. Darum wir die Trübfal als Werke der Barmherzigkeit und geneigten Willen GOttes gegen uns ansehen sollen, und gedenken, auch solches uns aus dem Sinn nicht reben zu lassen, daß GOtt der himmlische Bater und seine Kinder, die wir von ihm gezüchtiget werden, lieb hat, wie er sagt, Apocal. 3, 19. Welche ich lieb habe, die straffe und züchtige ich. Diesen güldenen Spruch 1 las dir einen herzlichen Trost seyn, und 96 Gott schikt das Creuz nicht aus Zorn, C. 5. und halte ihn für dein höchstes Kleinod, wiederkäue ihn wohl in deinem Herzen, auf daß du den rechten Kern prüfest, so wird er dir einen herrlichen Geschmad geben, daß alle deine Traurigkeit, Bes Fümmerniß und Creuz, wann es auch unzählich und unaussprechlich wäre, für nichts zu achten und zu halten: Denn dieser Troft hat einen solchen Geruch und Kraft, der alle andere köftliche Ge rüchte vertreibet, ja alle Kräfte verzeh ret, darum mache dir hinvon einen Kranz um dein Haupt, ein Gehänge um deinen Hals ein Armband um deine Hand, einen Ring an deine Finger, einen Spie gel täglich für deinen Augen, und einen Bifamknopf in deinen Busen, so wird dir kein böser Geruch können schädlich fenn, und fein Lingluck dich überwälti gen und da nieder werfen. In Sum ma, du wirst alles überwinden, was bes gehrest du dann noch mehr? Derowegen bitte GOtt, daß Er dir folden reichen Trost tief in dein Herz Schreiben wolle, damit du ihn faffen und behalten mögest. GOtt lacher uns nicht freundlich an, als wann sichs ansehen láffet, daß er mit uns am heftigsten zürne: denn wir sennd GOtt am füffesten, wann Er'uns bitter dünket, ja wann er uns hart 6 f $ t 11 8 C. 5. sondern aus väterlicher Liebe. 97 hart zuspricht, so ist Er am allerfreundlichsten, und ist eine grosfe väterliche holdfelige Liebe darunter verborgen, denn sich seine göttliche Liebe mehr zu unserm Creuzerzeiget, als zur Freude. Im Him. mel ist die rechte Stádte, da sich Gott allezeit zur Freude erzeiget, und nicht auf Erden. Denn welcher ein reter Christ ist, der befindet die drey Ding an ihm auf Erden, námlich Furcht, Traurigkeit und Freude. Imkünftigen Leben aber be. findet er allein Freude, und diefelte voll. tommen. Derowegen einer allewege viels mehr auf die Sollkommene ewige Freude als auf seine Trübfal seine Augen und Herz wenden soll, und den groffen Nuzen des Creuzes bedencken. Weil dann nun mehr Besserung in Urd muth, denn in Reichthum, mehr im Weinen, denn im Lachen: So erzeiget sich die Liebe GOttes allhier gröffer an uns, wenn sie uns Jammer und Leiden zufbiket, dann wann sie uns Freude und Wollust gibt; derghalben wir uns nichts, als Gnade GOttes im Creuz einbilden follen, und dafür halten. Er werde etwas fonderliches mit uns ausrichten Lutherus sagt: Wann man gedenket, Gott habe uns verworffen, so hat er uns mitten in die Arme gefaffet, und herzet uns: Daher 5 hat 98 Gott schikt das Creuz nicht aus Zorn, C. 5. hat er diesen schönen Reimen geführet ben seinem Wappen, darinnen ein Creuz und auf dem Creuz eine Rose, und auf der Nosen ein Herz lieget. Der Christen Herz auf Rosen geht, Wenns mitten unterm Creuze steht. Dann unser Herz lieget alsdann gleich als auf einer wohlriechenden weichen Ro fen, und je schwerer das Creuz ist, tieffer es das Herz in die weiche Rose, nämlich in den HErrn JEfum, hinein drucket. Und wann es scheinet, als háts te er die Zorn- Larve gegen uns aufgefezet, so ist er uns am allernächsten: denn es seine Lust und Freude ist, also mit seinen Heiligen zu scherzen. O was felige Leute waren wir, wenn wir diß könnten in un fern Nöthen mit uns scherzet und spielet, welches Spiel uns wohl wunderlich vor kommt: Gott aber ifte eine Luft; denn wo er nicht ein väterlich Herz zu uns hätte, würde Er nicht also mit uns spielen. Dero halben ists eine Anzeigung der groffen un aussprechlichen Barmherzigkeit GOttes, daß du unter die gezählte bist. Zu denen GOtt Lust hat, darum gibt Er dir sein Wort und Verheiffung, und fordert von dir nichts mehr, dann daß du sein Spiel vertragen und dulden wollest, welches ihm lustig; und dir heilsam ist. €. 5. sondern aus våterlicher Liebe. 99 Ja, sagst du: Jo versiehe aber dis Spiel nicht? Antwort: das ist recht; dann der H Geist nennet diesen HErrn nicht vergeblich Wunderbar, Ef. 9,6. Dann wunderbar und wunderlich ist Er mit ſeid nem Thun unter den Menschen Kindern, Pl. 66, 5. S. II, 4. GOtt spielet aber mit den Gottlofen nicht also, sondern die felbe werden als bey guten Tagen, fagt Job. c. 11, 13. Sie seynd nicht im Unglück wie andere Leute, werden auch nicht wie andere Menschen geplaget, P.73/ 5. Sie können einem Vorrath nach dem andern herausgeben, daß kein Schade, fein Vers luft noch Klage auf ihren Gasten sey, Pl. 144 13. 14. Dis sind nun keine rechte Kinder GOttes, denn mit denen scherzet und spielet GOtt so nicht, Er hat train mit Sodom und Gomorra so nicht geſpielet, da war Friede und Hoffart, und als les vollauf: Abraham, Isaac, Jacob und Joseph aber wurden hart und über die maffen geplaget, und musten sito leiden. Also gehöret die Weisheit und dis Sviel GOttes allein denen zu, die in groffen Nöthen seynd, so da feufzen und schreyen, denselben muß man diesen Trost vorbehala ten, Pf. 27, 14. Sen getroft und unvers zagt, und harre des Herrn, und in den Klagl. Jer. 3131.32.33. Der Herr verstof fet 2. 100 Gott schikt das Creuz nicht aus Zorn, C. 3. fet nicht ewiglich, E: betrüber zwar wohl, aber Er erbarmet sich wieder nach seiner groffen Güte, dann Er plaget und betrus bet die Menschen nicht von Herzen. Ob wir wohl im Creuz für groffer Angst nicht merken können, daß uns Gott ere höret, so findet sichs doch endlich. Gleich. wie wir wissen, daß unter den trüben Wolken die helle Sonne ist: Also ifts ge. wiß, daß unter dem traurigen Gebet und Creuz GOttes Erhörung und Trost ver borgen lieger. D. Martin Luther spricht; Es ist alles Gutes unter dem Creuz vers borgen, und daher kommts, daß GOtt feine liebe Kinder in diesem Leben mit ſo manderley Creuz angreiffet, und je lies ber Er einen Menschen hat, je mehr er in dieser Welt ihm aufleget, daß Jacob wohl spricht in seiner Epistel, Cap. 1, 2. Lieben Brüder! achter es für eitel Freude, wann ihr in mancherley Anfechtung fal let. Darum sperret euch nicht wider das Creuz, dann da grünet und blüher GOttes Bater Herz gegen euch, liegt also unter den Ruthen das fromme Bater Herz vers borgen. Bann in Sommers Zeiten Donner Wetter aufsteigen, gewinnet es ein übel Ansehen, es fanset, braufet und blizet aus dem Gewölke, und geust sich doch ein 101 €.5. sondern aus väterlicher Liebe. ein fruchtbarer Regen heraus, dadurch alles erfrischet wird; Eben so geußt GOtt feine Gnade durch Sturm und Ungewitter des Creuzes auf uns, also, daß wir an. fänglich nicht verstehen, hernach aber ers fahren, wie so viel Gutes dadurch) ausges richtet ist. Wann ein Weingartner ſeine Trauben abschneider, und sie mit Füssen tritt, und mit dem Preßbaum torquieret und drücker, das geschicht nicht darum, daß er den Weintrauben feind ist, die er von Herzen lieb hat, sondern daß er den edlen, lieblichsten Moft und Wein heraus bringe, der dem Menschen sein Herz erfreuen kann: Ebener Weise drücker uns der himm. lische Weingärtner, mit dem Preßbaum des Creuzes, daß die Chránen von uns flieffen, nicht das er uns feind sey, sondern daß er den edlen, guten Saft des Glau. bens Hoffnung, Gedult und allerley Gott. feligkeit aus uns preffe. Soll das Weyrauch Rornlein Rauch geben, muß man es auf Rohlen legen; find wir nun nicht auch GOttes Opfer? Wir müssen nichtsdestoweniger vomCreuzs Feuer angezündet werden, auf daß wir ein lieblicher Geruch seyen für dem Herrn, Soll eine Wurzel Geschmack geben, muß man sie mit den Zähnen zermalmen. Soll das Balsam Bäumlein Oel geben, muß 33 man 102 Gott schikt das Creuz nicht aus Zorn, C. 5. man es rizen, und die Rinde aufschneiden. Gollen die Saiten klingen, muß man fie ſpannen und angreiffen, und je höher man dieselbe zeucht und spannet, je liebli ver fie flingen. Also wen Gott durchs Creuz snizelt, rizet, und gleichsam wund machet, fo flieffer der Thránen Saft durch die Augen, schlägt Er durchs Creuz und Trübfal, so geben wir einen Reſonanz von uns. Denn die Christen, fo ohne Creuz le ben, seynd gleich den Weintrauben, die an den Reben hangen bleiben, und nicht ausgeprest werden. Augustinus fagt: Gott láffet nichts böses geschehen, wenn Er nicht etwas befferes daraus zu machen gedachte; gedachte Er nicht aus dem Bö fen, das er den Christen wiederfahren läß set, was Gutes zu machen, so lieffe Ers ihnen nimmer zukommen, St. Paulus Rom.8, 28. spricht: Wir wissen daß denen, die GOtt lieben alle Ding zum besten die nen. Honas, Josaphat, David, Daniel, Hanna Sara, hätten so sebone Gebere nicht geschrieben, wann sie nicht die Noth dar zu getrieben: Also blühen die Kinder GOt tes im Creuz und Unglück, und bringen hernach schöne herrliche Früchte. IHA €.5. fondern aus vaterlicher Liebe. 103 Innigliche Bitte, daß uns GOtt feine váterliche Liebe unter dem Creuz zu erkennen gebe. Err allmächtiger GOtt, himmlischer Bater! ich weiß aus deinem heili. gen Wort, daß du als ein gnädiger from mer GOtt nicht Luft haft an unserm Bere derben, sondern mitten in unserm Creuz, wenn es am schwersten ist, väterlich ge. gen uns gefinnet senest, ja, daß du durch Creuz und Trübfal und vielmehr deine Liebe und Treu, als deinen Born zu ers kennen gibst. Weil aber dasselbe unserer blinden Vernunft sehr schwer ist zu ver. stehen, und Fleisch und Blut fich fo übel in deine wunderbare Werke und Ge richte schicken kann, so bitte ich dich von Herzen, du wollest mich durch deinen H. Geist deffelben in meinem Leiden und Trübs fat ohne Unterlaß erinnern, und deine väterliche Liebe und Treue erkennen ler nen, damit ich alles gedultig trage, dir danke für deine Güte, und in wahrem Glauben und Gedult beständig bis an mein Ende beharre, biß daß die endliche und ewige Erlösung zum himmlischen Freuden Leben einmal esfolge, durch Jefum Christum deinen lieben Sohn, meinen getreuen Herrn und Heyland, Amen. HErr 104 Von dreperley HErr gib, daß deine Baters Treu Auch in dem Leyden mich erfreu, Mich deren tröst zu jeder Zeit: Daß ich in deine Weiß mich schicke, Und das, was fünftig, mich) erquicke, Da folgt auf Leyden lauter Freud. 4444 €.6, Das VI. Capitel. Von dreyerley Creuz- Schulen Darein die Kinder GOttes geführet. Psalm 119, 71. Es ist mir lieb, daß du mid gedemüthiget hast, daß ich deine Recht lerne er Herr Christus hat dreyerley Creu Schulen', darein Er seine liebe Kin der führet. Erstlich, eine Zucht Schul wenn Er die Seinen heimsucher um rer Sünde wille. Zum andern eine Probin Schule, wenn Er sie im Glauben Hof nung und Gedult übet. Zum dritten d ne Marter Schule, wenn Er fie verfo gen und tôdten láffet um seines Namen willen. Du bist ja auch ein Junger un Schuler dines Herrn, es wird mir nic fehlen: er führet dich auch täglich in di fer Schulen eine, dann das Creuz mache einen guten Theologen: Also ist das Creu eine herrliche nuzliche Schule, darinn man studieren und lernen kann, was sich son ften bey guten Tagen schwerlich will le ne €. 6. Creuz- Schulen. 105 nen lassen, da schmäcket das liebe Wort GOttes, da heißt es: Anfechtung lehret aufs Wort merken, Jef. 28, 19. Da ge het das Gebert von statten, und preffet aus dem Herzen viel Seuffzen, welches man fonfien ben guten Tagen verfernet hátte: Dann gute Tage und Gottesfurcht findet man felten beysammen, Jef. 26, 20. sagt: HErr, wann Trübfal da ist, da fuchet man dich; ja, so wenig ein Vogel ohne Federn sich in die Höhe heben und fliegen kann, eben so wenig kann sich uns fer Herz zu Gott erheben ohne Creuz und Widerwärtigkeit. Darum, gleichwie man einem, der keine Lust zu essen hat, etwas sauers gibt: ( dahero das Sprichwort kommen: Sauer madt effen,) alfo thut Gott auch! Er fchickt uns was sauers zu, damit uns sein Wort, welches wir sonsten nicht achten, fomácken soll. Dann ein Christ ohne Creuz, ist wie ein Schüler ohne Buch, und wie eine Braut ohne Kranz. Luther fagt: Ein Christaugt ohne Creuz nichts, wer nicht wohl darinnen getbet und erfah. ren ist, mag leichtlich, wann es ihm an allen Orten zuwider geht und sich das Unglück beginnet zu häuffen, und gröffer zu werden, in Verzweiflung gerathen. Der Heil. Augustinus sagt: Darum be. 65 Fichet 106 Von dreyerley C. 6. welches Alfor fuchet GOtt die Seinen so fleißig mit dem lieben Creuz, daß sie als auserwählte Ge fiffe mögen der Schalkheit los, und der Gnaden GOttes voll werden. Summa, das liebe Creuz ist ein hohes groffes Ge heimniß, darinn die höchste Weisheit und Rath GOttes verborgen ligt, Fleisch und Blut nicht verstehet. werden wir im Creuz flug, und lernen d die hohe Sachen GOttes reichlicher ver o stehen, als wann es uns nach unserm ei genen Willen gienge. Auch will unfer liet ber GOtt uns durchs Creuz der Welt Wollust und fleischliche Begierde beneh men, auf daß er unverhindert in uns le be, und sein Wort in uns lebendig macht. Wir werden durchs Creuz fein gereini get, daß wir der Sünden los und from 1 mer werden: Wir seynd ja Gefäffe der S Barmherzigkeit GOttes, Róm. 9, 23. Wie nun ein Goldschmied desto reiner und sau berer Arbeit machet, wann Er einen scharfen Griffel gebrauchet: Also gebraucht auch GOtt an uns scharfe Straf, das lie be Creuz, als ein Werkzeug, daß er aus uns ein rein Gefäffe, ihm selbst, als dem Hausherrn zu Ehren, bräuchlich bereite. Wie ein Drechsel dem Körnlein, die Fei le dem Eisen, der Ofen dem Gold und der Wezstein dem Messer sehr nuzbar ist, eben 10 €. 6. Creuz- Schulen.' ſo nuzlich ist uns auch die Trübfal. Wann man das Eisen mit Ruße liegen låst, so verrostet es, und ist nirgend zu dienlich, wenn man es aber mit der Fei. le streichet, so wird es glanzend; also ges schicht es auch mit den Menschen, welche wie die Morgensterne scheinen, wenn ſie mit mancherley Trübsal beleget werden, die doch sonsten an der Gottseligkeit gar abnehmen, und mit allerley Unsauberkeit der Lafter überzogen werden. Darum fagt der Prophet Efaias, Cap. 48, 10. Ich will dich auserwählt mache im Ofen des Elends. Und wenn wir uns einmal die Schalken unserer Bosheit recht abbrennen laffen, fo können wir darnach in allem Creuzs Feuer desto beffer bestehen, und werden unfern eigenen Willen in GOttes Willen ganz verlieren. 107 Es muß im Menschen, der eine Hand voll Asse und Erd ist, das geistliche Silber des göttlichen Worts probiret werden im Ofen des Elendes, da scheinets dann, da erzeiger es feinen Glanz, sein Leben und Tugend, da hat GOtt der HErr fein Wohlgefallen an, daß die Kraft, Schein und Herrlichkeit, in dem armer, schwachen, irrdischen Gefäß, dem sterblichen Menschen probiret werden. Ist es nicht eine ſchöne Creatur um Silber und Gold, noch kann es 108 Von dreyerley es nicht probieret werden, dann im irrd schen Gefäß, im stärkesten Feuer: Al kann GOttes Wort nicht probiret werden dann allein im Menschen, durchs Feut der Trübfal, da wird offenbar, daß GOttes Wort eine göttliche Kraft ist, wan also Hülfsmittel aufferlich, ja alle Creat ren, verschwinden, alsdann bestehet Go tet Wort allein, und machet auch diejen gen, fo es glauben, zum beständigen G de und Silber im Feuer Ofen der Tri fal. Wie D. Luther schön singer aus de 12ten Psalm: Das Silber durchs Feu'r siebenmal Bewahrt, wird lauter funden: An GOttes Wort man halten soll, Deßgleichen alle Stunden. Es will durchs Creuz bewahret seyn, Da wird erkannt sein Kraft und Schein, Und leucht stark in die Lande. So find nun die Trübfalen Strafen Gottlosen zur ewigen Verdammniß, w den Gottseligen eine Probierung, wie d Heil. Augustinus sagt. Ja, den Gott fen sind sie nichts anders, als das Feu dem Heu, das gar verzehret wird; da Gerechten aber, als das Feuer dem G de. Also ist auch Judas als Heu verze ret, und Job als Gold im Feuer vr birt worden. 8 €. 6. Creuz- Schulen 109 en h A Lutherus schreibet: gleichwie das Feu. er dem Gold keinen Schaden thut verzeh. ret es nicht, machet es auch nicht weniger, sondern nuzet ihm nur, dann es bes nimmt ihm allen Zufaz, daß es recht lau. ter und rein wird: Also auch das Feuer oder Hize der Verfolgung und allerley Creuz und Anfechtung schmerzet wohl und thut dem alten Menschen aus der massen wehe, daß die, so dadurch geübet, traus rig und zuweilen ungedultig werden, aber der Glaube wird dadurch rein und lauter, wie durchläutert Gold oder Silber. Weil aber die arme Menschen gar zu schwach seynd, und die Probe nicht gern ausstehen, so begehren wir oft ehe Rettung, che wir recht warm werden, und geläutert, und genug probiert sind; und wann uns GOtt nicht oft wider unsern Billen, in diesem Ofen des Elendes veft hielte, so würden wir ihm aus der Probe entlaufen, nichts darnach fragen, ob wir recht gelaus tert und gereiniger waren oder nicht. Gleich wie die Kinder, die da immer aus der Badstube entlauffen wollen, ob fie gleich noch nicht rein seynd. GOtt aber fiehet beffer, was uns nuz und gut ist, als wir selber: Darum hat er über uns das Creuz Stündlein beschloffen, so long, bis er seinen Willen an uns vollbracht. Und a wann 110 Von dreyerley €. wann dich GOtt in den Ofen des Elend nicht steckte, würdest du immer in Sünde fortfahren, und je långer je tiefer in di Berdammniß gerathen: Also hat aut GOtt feine Strafe und Unglücke, dam er die Sünde aus unsern Gemüthern aul brennen möge, und bedarf unfere verdo bene Natur einer scharfen beiffenden. Ag nen; denn je groffer die Trübfal, je me Bifes fie wegniment. Die Leute, so noch nicht im Ofen de Elends gewefen, die seynd aufgeblasen hoffärtig und ehrgeizig, darum fahren auch unbesonnen heraus, mit Urtheil und Richten. Solche Leute können m einem Betrübten gar nicht reden, daß ihm troftlich seynd; dann sie haben not nie Unglück versucht, sind noch nie g demüthiget: Die aber erfahren find GOttes Sachen wohl gevenzert, ge get und gedemüthiget, die sind viel ein gezogener und fürsichtiger, und sind ar Bern Betrübten tröstlich, und haben ei herzlich Mitleiden mit ihnen. Ein roh ficherer Mensch nimmt ihm ein groß sta dufferlich Creuz nicht so gar zu Herzen warum? Dann das Herz ist noch nid recht gedemüthiget und gebrochen, son dern es ist noch dicke wie Schmeer, 119, 70. Durchs Creuz wird unfer alg Menfa €. 6. Creuz Schulen. III Mensch getránket und gedämpfet: wird aber der alte Mensch schwach, so nimmt unfer innerlicher Mensch zu, wird das Fleisch in uns getránket, so wird der Geift in uns lebendig. Nun stehet es aber mit denen Christen am allerbesten, wann ihr Geift und innerlicher Mensch zunimmt, darum stehet es auch mit ihnen am besten, wann fie unter dem Creuz liegen. Man pfleget die rothen Rosen Knöpfe in scharfen Wein. eßig zu legen, damit sie lang gut bleiben. Darum erforede nicht, liebes Herz! wann dich GOtt zu vielmalen in einen scharfen Creuz: Eßig wirft, es soll dir alles zum Besten dienen, Rom. 8, 28. damit du desto frischer zum ewigen Leben werdest erhale ten. Ein jedes betrübtes Herz bedenkeje. jund seine Weinlacke, darinn es macerirt und gebeizet wird: In dieser Beize werden die Röslein blaufärbig, aber wenn sie mit dem Scheidwaffer bestrichen werden, so find sie nie rother gewesen: Also werden die Creuz Träger blas und schmahlbackicht im Creuz Eßig, aber wenn sich einmat wird Leib und Seel scheiden, und wann der HErr JEsus am Jüngsten Tag seine Lammlein von den Bocken wird scheiden, da werden wir nie schöner gewesen seyn, da werden wir als die schöne Paradis Roj 4 Von dreyerley €. 6. 112 Rosen für GOttes Angesicht ewig glán, zen. Darum achtet es für eitel Freude, wann ihr in mancherley Anfechtung fal let, Jac. 1/2. Durch stetige Glükseligkeit geráth man leichtlich in Sicherheit, darum ist es gar gefährlich, wann man in steter Glückselig feit schwebt: Aber durchs Creuz werden wir zu Gott geruffen, Hißtias flagt, El. 38, 17. Siehe, um Trost war mir sehr bang, oder wie es in der H. Surach lau tet: Siehe, mir ist bitter weh im Frie den, das ist, bey dufferlichem Frieden, dufferlichem Glük und Wohlfahrt ist den Christen wehe; Ursach, dann von der Gottlosen stehet Pf. 73, 3. 4. 5. das es ihnen immer wohl gehe, sie seyen in keiner Ge fahr des Todes, sondern stehen vest wit ein Pallast, sie seyen nicht in Unglük wit andere Leute, werden auch nicht wie an dere Menschen geplaget. Darum fürchten sich die rechte Christen, und ist ihnen wehe, wann sie durch stetiges Glük den Gottlofen so nahe fommen. Von dem berdammten reichen Mann, Luc. 16, 25. steher, daß er sein Gutes in diesem Leben empfangen. Wann es derowegen den red ten Christen immer wohl gehet, haben sich fich zu fürchten, daß sie ihr Gutes allhit empfangen, und dort keine Belohnung t au hoffen haben. St C. 6. Creuz- Schulen. 113 Je näher Christi Seben, je beffer fre het es mit einem Christen: Nun aber ist derselbe Christi Leben viel näher, der viel Creuz und Unglük leydet, als der allhie im Reichthum der Ehren und Freuden lebet. Darum stehet es auch mit einem folchen Menschen viel besser als welcher stetige Wohlfahrt empfindet; Ein Erempel haben wir an David, als er in seinem Erilio herum wanderte, hat er manchen schönen Pfalmen gemacht, als er aber in feinem Königreich zur Ruhe kam, siehe, da gerieth er in ure: ey, 2. Sam. II, 4. Unser größten Anfechtung und Reizung zur Sünde von unserm Fleische, kann nicht besser gewehret werden, als pann es durchs Creuz gezähmet wird, dann wann mander kein Creng hätte, würde er ged wislich mit Leib und Seel zum Teufel fahren. Hätte der reiche Mann Creuz ge habt, so hatte derselbe vielleicht so gottlos nicht gelebet, und wäre nicht in die Höl. le kommen. Manaffes und der verlohrne Sohn wären wohl in ihren Sünden ged storben, wann sie nicht wiederum durchs Creuz waren bekehrt worden. O wie mancher Mensch verdirbt und wird verdammt ben guten Tagen, da ein anderer bey seinem groffen Elend erhalten wird. Es ist die Trübsal die allerkräftigste 5 C. 6. Von dreyerley 114 Arzney, alle Krankheiten und Wunden der Seelen zu heilen. Ein guter Arzt muß das faule Fleisch aus den Wunden heraus schneiden, und wegwerfen, auf daß der ganze Leib nicht vergiftet und verdorben werde; also greift GOtt unfern Leib an daß die Seele geheiliget werde, GOtt ge be, wie tief der getreue Arzt das Cifen in die Wunden stekt: Wie nun ein Kranke alle Pein und Gewalt vom Arzt leidet, damit er wieder zu seiner Gesundheit fom men möge: wie vielmehr sollen wir Got dazu bitten, daß er uns allhie in diesem zeitlichen Leben züchtige. Dann, gleichwie es sehr gefährlich um einen Kranken, wann ihn der Ar verläßt:( fintemal es eine Anzeugung daß er an seiner Gesundheit zweifelt, un an ihm verzagt.) Eben also steht es sehr forglich mit uns, wann unfer lieber Got aufhöret mit Creuz und Leyden uns heim zusuchen, wie der Heil. Augustinus fagt Wo gar kein Creuz ist, da ist der Zom GOttes nicht ferne. Und Lutherus sag über das 29. c. des 1. B. Mos. Qui non ef Crucianus, non eft Chriftianus, wer nic mit Crenz beladen ist, der ist fürwahr kein rechter Chrift. Hiemit stimmet auch über ein das Sprüchlein des Heiden Seneca welcher also sagt: Das ist je gewis de 11p €. 6. Creuz- Schulen. Unseligste, dem nie nichts Widerwärtiges zu Handen kommen ist. 115 Lebet nun ein Christ Glaubiger Mensch in vollem Creuz, so sey er muthig und frölich; lebt ein andrer in vollem Glük, fo fey er traurig; dann welchen GOtt lieb hat, den züchtiger Er. Wenn es derowe gen uns unter unsern Sünden ganz wohl gehet, so mögen wir uns billig zum höch. ften betrüben. Dann, ob es wohl gebüh: ret, daß wir der Sünden halben allzeit in Furchten ledsp, so ist doch die Gefahr am größten wann wir kein Creuz haben. Man lieset von dem frommen Bischof Ambrosio, daß er einmals auf der Reise bey einem reichen Vorwerks Herrn einges Fehret, und zum Wirth gesprochen habe: Lieber Freund! wie gehts euch? sehr wohl antwortete der Wirth, ich habe Geld und Guth vollauf, die Böden sind mit Korn wohl beschüttet, die Keller sind voll Wein, ich habe schöne gesunde Kinder, o es ist mir die Zeit meines Lebens nichts Widerwäre es zu Handen gekommen. Als Ambros fius folches hörete, erschrikt er, und sagt zu seinen Gefährten: Schift eich bald wie derum zur Reise, und laffet uns heraus gehen aus dem Hause, dann hie wohnet GOtt gewiß nicht, welcher ist ein Vater der Elenden und Betrübten: Was geschicht? 2 so 116 Von dreyerley €. 6. so bald er mit seinen Gesellen herauskommt, thut sich der Erdboden auf, und verschlingt Haus und Hof, Wirth, Gäste und alles was darinn war: Und melden die Geschicht Schreiber, daß noch heutiges Tages die Bestigia des Orts gesehen werden sollen. Hergegen steher im Buch der Alt Báter eine lustige Historie von einem alten Mann den der liebe Gott jährlich mit einer Krank heit heimgesucht, da er ihn aber einma verschonete, und er ein ganzes umgehende Jahr gefund war, hub an, bitterlig zu weinen, und schrye zu Gott, mi folchen Worten: Uch lieber GOtt! wi kommt es doch, daß du jezund mit mi zúrneft, und mich so gar verlaffeft? un als er gefragt ward, was ihm Leyds g schehen? fprader, mein lieber Haus Gall der mich jährlich der Liebe GOttes eri nert hat, bleibet auffen. GOtt muß mit diß Jahr nicht so lieb haben, als zuvor Und jener mit langwieriger Krankheit b haftet, bat einen heiligen Mann, er wol te doch eine Collecte" ben GOtt für ih einlegen, daß er möchte gefund werden Da er aber durch desselben Borbitte g fund ward, und befand, daß er in seine Gesundheit zu allen Sünden geneigter dann zuvor, da bat er denfelben heilige Mann wieder, er wollte doch GOtt bi ten C. 6. Creuz- Schulen. 117 ten, daß er ihm geben möchte, was ihm müzlich wäre, da ward er wieder Krank, litte auch seine Schwachheit gern und ge. dultig. Wann wir auch also thäten, unsers lie ben GOttes Willen für den besten hiel. ten, wie widerfinnig und seltsam es fich auch ansehen läffet, so würde uns doch das liebe Creuz nicht den zehenden Theil so schwer seyn, als jest. Wir sind sonsten so geartet, daß wir dasjenige theuer und werth halten, was von lieber Hand kommt, und mancher babt um Liebe willen ein Bein, wie das Sprichwort lautet, läßt ihm nichts zu fauer und schwer werden. Nun kommt ja auch das Creuz von lie. ber Hand GOttes, deswegen sollen wir es billig lieb und hoch achten, und mit dem H. Augustino sprechen: Ach Herr: hie brenne, hie flich, hie schlage mich, allein verschone mein in jenem Leben. Desgleichen bittet Origenes, und spricht Das begehre ich von Herzen, daß ich allenthalben mit Trübfalso heimgesucht werde, damit mir GOtt die Straffe nicht verschie. be zur ewigen Pein und Verdammniß: Darum, lieber GOtt! so dirs gefällt, so schife mir Unglük zu, ich will sein warten, nimm mir all mein Haab und Gut, es ist dir gefällig, allein die Seele erhalte in H3 deis 10 118 Von dreperley C. 6. deiner Gnade, ich bin zufrieden mit aller ley Ruthen gezüchtiger zu werden, allein daß du dort mein schonest. Tertullianus sagt recht. O wie ist das so ein seliger Diener, bey welchem der Herr anhält mit seiner Strafe bis er sich beffere. Derowegen sollen wir thun, als ein treuer Knecht, der für seines Herrn Tif siehet, und ihn ansiehet, was er woll von ihm gethan haben. Also follen wi uns immer zu Creuz schifen, und daß felbe von der Hand des Herren mit Frew den empfangen. Augustinas sagt; Das i eine gewisse Anzeige und Vermuthung daß du einer senest aus der Zahl der Aut erwählten, wann dich GOtt mit viele und harten Ruthen heimsucht. Wennd nun dahin durch GOttes Gnade kommeß daß dir dein Creuz füffe wird, und folches um deines Erlösers Jesu Chrif willen wohl schmäcket, alsdann scház daß du dein Paradis auf der Erden g funden. Glaube sicherlich, wann ein Mensd den Nuzen des Creuzes verstünde, er wün de nicht allein gedultig, sondern auch fri lich daffelbe auf uns nehmen, und want das Creuz und die Anfechtung fürübe spricht Taulerus, so würbe er fie all wiederum zurük ruffen, und sagen; Kom met wieder! lieben Gäste! ich habe euc m 5. C. 6. Creuz- Schulen. " mit Unwillen vor diesem aufgenommen, in jezt sollt ihr mir lieber ſeyn. Ob nun wohl daß Creuz bey uns fremd, und am übelsten fann gelitten werden, so thuts doch ben uns das beste Freundstück, zwar noch beffer als ein Freundjer sey so gut als er will. Auch ist das Creuz unser bester Freund, ob es wohl von uns gehaffet wird, derge, stalt, daß wir alle Mittel und Rath darzu fuchen, daß wirs mogen vertreiben, fo achtet es doch solches nicht, sondern bleibt doch gleichwokl beständig, welches fein Freund, er ser so gut als er auch immer woll, then wird. Dann das Creuz bey uns Christen nicht allein einkehrt, Her. aberg begehrt und einnimmt, sondern ben den frommsten Christen am meisten, und zum lángsten haushält, und bey ihnen seyn und bleiben will, aus Ursachen, weil uns das Creuz mit Hauffen zukommt, wir auch dahero die Liebsten seynd: dann je beffer Chrift, je mehr Unglück, sagt Lutherus. Damit du nun diesen Freund desto lie. ber haben und empfängen mögeft, fo be. fchaue nachfolgende Gaben, die es mit fich bringet. Das liebe Creuz ist der enge und schmale Weg, der zum Leben führet: Es ist eine váterliche Züchtigung: Es ist nder Morgen Stern, der vor der Sonnen des Troftes hergeht, und machet uns Chri. 4 flo u er it II 720 Von dreyerley €. 6. fro gleich; Zeucht die Baffen der Finster nis aus, und die Waffen des Lichts an ift ein heilſamer K Ich: Eine Probe des Glaubens: Eine Vorgängerin der Gnaden; Eine Arzney der Seelen: Eine Präfervati der Sünden: Eine Erweckerin des geist lichen Lebens: Eine Veränderin des in dischen Gemüths: Eine Verlafferin de Welt: Eine ehliche Verbündniß der Freund schaft GOttes: Eine Vermehrerin de Himmlisten Gaben: Eine Flucht der Ho fart: Eine Säug Amme der Demuth Eine Lehrerin der Gedule: Eine Matte der Weisheit: Eine Anreizerin des G bets: Give Hüterin der Keuschheit: G Edelgestein der Glaubigen: Eine wol riechende Rofe des Paradiefes: Eine Cro der Märtyrer und Zierrach der Auserwäh ten. Derohalben, lieber Mensch! ſey nid traurig fondern frölich, wann dieser Freun mit seinen Gaben zu dir kommt, und wan du ihn nicht vernimmst, so schicke Bott aus, und bitte auch selbst fleißig, daß Dich moge besuchen, end wenn du sieh daß er sich zu dir nahet, so thue ihm nit allein deine Pforten, sondern dein ganze Haus weit auf, und nöthige ihn zu di herein, auf daß deine Wunden geheilig werden, und daß er aufeinem unfruchtbart einen fruchtbaren Baum möge zurichten DA Creuz- Schulen 121 Das liebe Creuz ist die Art, damit uns GOtt behauet und beschnizelt daß wir nicht in das weite Feld hinein wachsen, bis so lang, daß alle durre und böse Zweige von uns feynd, alsdann ist eitel Fruchtbarkeit vorhanden, und so wenig das Beschnizeln den Baumen, das Beschneiden den Weinreben, das Feuer dem Gold, das Salz und Wermuth den Schaafen, eine be. währte Arzney dem Kranken schadet, ja so wenig schadet dir auch dein Creuz 2. Cor. 4, 16. b unser åssferlicher Mensch verweset, so wird doch der innerliche von Tag zu Tag verneuert. Ein foldh núzlich und gut Ding ift es um das H. Creuz, daß einer lieber all ſeine zeitliche Güter verliehren sollt, dann ohne daffelbelebe. D.Luther schreibetüber das 15. cap. S. Joh. Da gehöret nun die Kunst zu, daß man solches glaube, und für wahrhalte, das, was uns wehe thut und verdreußt, soll nicht heiffen Wehe und Leyd geschehen, sons dern Nuz und Frommen gethan; daß wires gleich achten, als men wir sehen einen Weins Gärtner hacken, und arbeiten an ſeinem Weinstof, welcher, wann er vernehmen und reden konnte, und sehe den Weingärtner das her kommen, und mit der Hacken zu ihm eins hauen um die Wurzel, und mit der Hippen, en oder Wein Messer, das Holz von den Reben DA $ 5 Schnei 6. C.6. er 1 e ti if de de of t 10 20 an t di ig ra Von dreyerley schneiden, würde er sagen: Ach was machest dunun, muß ich doch verdorren und ver derben, weil du zufähreft, entzeucht mir die Erde, und fezest mir die eiserne Záhne an den Reben, zerreißfest und schwächest mich allenthalben, und gehest so greulich mit mir um, als man mit feinem Baum noch Gewächse thut: Aber dagegen würde der Wein Gärtner wiederum auch sagen: Du bist ein Narr, und verstehest es nicht, ob ich gleich eine Rebe abhaue, so ist es gar fein unnuger, der dir deine Kraft und Saft nimmet, daß die andern Reben, so da ſollen tragen, müssen abnehmen; dar um nur weg damit, es geschicht dir zum Besten, aufbaß du desto besser und mehr tragen, und guten Wein geben könnest: Also auch, wann der Wein Gärtner Mist an dem Stamm oder Stock schüttet, das thut er auch dem Weinstock zu gute, ob er gleich hierauf möchte Flagen, und sprechen: Was soll das feyn? ist es nicht genug, daß du mich zerhackest und zerschni zelft, sondern muß auch leyden, daß du meine zarte Reben, die guten füffen Saft geben, so schåndlich mit dem unreinen Koth befudelft, denn man weder im Stall, noch fonsten irgends leiden kann. Also deutet Chrifti Leyden, fo Er und seine Christen in der Welt haben sollen, daß es nicht foll 112 F Creuz- Schulen. 123 foll heiffen wehe gethan, oder gelitten, fondern wohl gethan und ihnen, geholfen und eben dazu, daß fie defro beffer und mehr Frucht bringen, das Fleisch ist wohl schwach darzu, feufzet, heulet und wehkla. get, aber GOtt sagt: Du verstehest es nicht, bist ein Narr, dann es ist mein Rath und Wille, daß ich aus diesem deinem Creuz ein groß Guth herfür bringen will. Darum sollen wir mit Begierden und Freuden zur Creuz Schule des Herrn eilen, seine Zuchtigung und Heimsuchung frölich anlachen und die völlige Reforma. tion unserer Seelen und des Leibes, von ganzem Herzen wünschen und begehren. Dann wann einer da lieget, in der Werks statt GOttes, durch die väterliche Züchti gung voliret und geläutert, werden an statt nichtiger, schädlicher Wollüste und Welt. Freude, viel köstliche Saamen und herr. liche schöne Kräutlein und Blümlein allers ley Chriftlicher Tugenden in sein durch. gepflügtes und zerknirschtes Herz geliet und gepflanzt, welche allgemach ein recht Paradiß und schöner Luft: Garte, ein recht himmlisch Leben und Wesen, zurich ten und darstellen, da scheiset und leuchs tet alsdann der glaubige Mensch am als lerhelleften unter dem Creuz, und erlan. get darnach das edle Kleinod, der unver, welfa 124 Von dreyerley €. 6. welkliche Crone des ewigen Lebens, und regieret mit GOtt in höchster Freude und Herrlichkeit. Ein Christ soll wiffen, daß seine Trübsal für den Augen GOttes lau ter köstliche Kleinod und der beste Schmud feynd. Es gehet aber den Kindern GOttes al so, daß, wenn sie Creuz haben, so wei nen sie, und meynen, es sey groß Unglük vorhanden: Aber in der Wahrheit, fie weinen über ihr eigen Glük, das hinter dem Unglük verborgen stecket. Jacob weinete 22. Jahr über een verlohrnen Sohn Joseph, aber zu groffem Glük, daß er aufs Alter einen Versorger hätte Geschicht aber dieser selige Wechsel nicht in diesem Leben, müssen wir das Creuz nicht ins Grab nehmen, so wird es doch wahrhaftig folgen am jüngsten Tage, da wird der Herr Jesus mit uns einen frey en Markt halten, alle Trübfal und Trau rigkeit wegnehmen, und lauter Freude dafür ei enten. Denen, die GOtt lieben, muß alles zum besten gereichen, Nóm. 8,29. Darum, fo uns Unglük widerfähret, follen wir diesen Spruch stets im Herzen und Munde haben. Ist das nicht Freuens werth, daß uns kein Creuz soll schaden, fondern alles zum besten dienen? Ja, das Creuz, so uns wird aufgelegt, das dienet und €. 6. Creuz- Schulen. 125 uns zum ewigen Glük. Darum ſpricht Jac. 1,2. achtet es für eitel Freude, wann ihr in mancherley Anfechtung fallet. Denn wenn uns GOtt ohn allen Wiederstand dahin gehen lieffe, würden wir ihm unter den Händen verderben, und am Glauben und guten Gewissen Schifbruch und Schae den leyden. Darum läffet GOTT so manches schwes res Creuz über dich kommen, daß du in Demuth fallen, und in der Furcht GOta tes bleiben fokt und ist dir solches taus sendmal beffer, denn daß du in guten Tagen, und in groffer Freude und Herr. lichkeit lebest. In einem gottesfürchtigen Menschen bleibet allezeit eine Seele voll GOttes, und ein Leichnam voll Leydens: Dabey du erkennen kanst, daß dich Gott für andern liebe, und ist das wahre Kenn. zeichen, und die rechte Hof Farbe, da. durch die Kinder GOttes von den Kindern dieser Welt unterschieden werden. Wann ich dann eben das Glük der frommen Kin. der GOttes mit ihnen habe, das Zeichen des lieben Creuzes ihnen gleich führe, und in dem Creuzstand mit ihnen stehe und lebe, so bin ich auch meines fieben himme lischen Baters liebstes Kind, meines Herrn Christi wahrhaftiges Gliedmaß, und mit dem Creuz gezeichnetes Schaflein und ein Wais 126 Von dreyerley C. 6. Waizen Körnlein, so von der Spreu der Gottloser abgesondert. Gleichwie das Korn gedroschen, unter der Spreu ver mengt liegt, und hernach von einander geschieden wird im werfen; also wohnen Bose und Gute durch einander, aber wann man worfelt, und der Wind der Trübsal daher wehet, so kann man leichtlich die Glaubigen absondern und erkennen. Bist du nun das reine Korn, was fürchtest du den Wind, dadurch du von der Spren entlediget, und noch einer und schöner wirst, als du zuvor waren? Laß diejeni gen das werfen fürchten, die nicht beste ben können sondern wie Sprea, zurül fliegen. Wir find das Korn GOttes, dar um müssen wir mit Flegeln gedroschen, mit dem rauhen Mühlstein gemahlen, und in dem heiffen Feuerofen der Trübfalen gebacken werden, ehe und zuvor wir das füffe Brod GOttes seyn können. Lieber, wie könnte doch der Himmel unsere Ruheftädte seyn, wann wir auf Er den keine Unruhe ausstünden? Wie könntt GOtt im Himmel unsere Thránen ab. wischen, wenn wir keine auf Erden ver goffen. Wir wollen gern von aller Ar beit, Mühseligkeit und Unruhe fren seyn, und dagegen Freude und Ergözlichkeit ha ben, aber das heisser anders nichts, dann den e 1 A G 31 10 11 11 €. 6. Creuz- Schulen. 127 den Himmel hie wollen auf Erden suchen; folches kann aber nicht seyn. So wir begehren in die selige Pforten der ewigen Freu de und Wonne zu kommen, so müssen wir, fo lang wir hie leben, durch mancherley Ungewitter innerlicher und aufferlicher Anfechtung hinein fchiffen. Du darfit dich aber dafür nicht entsezen, noch den Teu. fel förchten, so du mit dem Glauben gez wafnet, und mit Chrifti Creuz bezeichnet bist. I Wie der Alt Voter Jocab seinem Sohn Joseph ließ einen bunten Rock machen, daran er ihn für allen andern Söhnen erkennete, 1 Mof. 37, 3. Also machet der HErr an uns vielfältige Creuzzeichen, auf daß wir dabey den gewissen Troft ha ben, Gott will ein sonderliches Auge auf ihn haben, und je elender wir seyn, je genauer er uns in acht hat. Und Augu. ftinus schreibt, daß GOtt gar getreue Sorge für uns Menschen trage, also auch, daß er so fleißig sehe auf einen einigen Menschen insonderheit, als auf alle Mens schen insgemein. Ob wir wol ihn mit leiblichen Augen nicht gegenwärtig anschau. en, ſo fiehet er uns doch wol, und stehet uns zur Seiten, daß uns das Unglück nicht unterdrücke! Er stehet hinter der Wand, und sieher durchs Fenster, und gucket Von dreyerley €. 6. 128 gucket durchs Gitter, Hohe Lied 2, 9. und ist nahe, allen die feiner Hülfe begehren. Es ist den Kindern GOttes ein ausbún Diger fürtreflicher Troft, daß fie wissen, daß ihr treuer herzallerliebster Bater fie het und weißt, wie übel es ihnen gehet: Ja, er denker auch auf Mittel und Wee ge, wie er uns helffen und erretten moge da wir vielleicht selber nicht angedenken, daß er sich unser fo treutich annehmen wer de, wie wir endlich im Ausgang in der That spüren und empfinden, und ihn mit dankbarem Herzen dafür ahmen müſsen; und da es ohne diesen Trost wäre, müsten die Christen für Leid vergehen. Demüthiges Ansuchen, daß wit unser Creuz für unsere Probe halten. Umächtiger HERR JEſu Chrifte wie kanst du es doch über dein güti ges und brüderliches Herz bringen, daß du mir so ein Hartes erzeigest, mich mi Angst und Noth fo lang frånfeft? Weiß ich doch, daß ich mit lebendigen feurigen Buchstaben in dein Herz geschrieben bin, daß du mich herzlich liebest, mit deinem theuren Blut erkauft, und mich dir in der H. Tauffe einverleibet hast. Darum bitte ich dich, durch deine heilige fünf Wuns €. 6. Creuz- Schulen. 129 Wunden, du wollest mich mit den Augen deiner Barmherzigkeit ansehen. Ich will dir ¡ war mit Osea keine Zeit bestimmen, sondern dir in deine gnädige Hánde sehen. Du bist ein Nothhelfer zur bequemer Zeit, du bist der Enge! des groffen Raths, du Pweist die beste Gelegenheit, id will dir es alles vertrauen, und wann nicht allein der Teufel, sondern auch alle Menschen, ja alle Engel im Himmel, mir deine Lies be abfündigen, und u dich seiber, mich zu versuchen, wwas io im Soilde führe, fremd und zornig gegen mich stellest, so will ich dennoch nicht verzweifeln, solche Straff auch nicht für ein Zorn Zeichen und Hen fers Ruthe, fondern für ein Gnadens Zeichen und Barers Ruthe halten, und hinter der finstern Wolken der Trübfal deinen freundlichen und brüderlichen Wil. len und füffen Anblick ersehen, und deiner gnädigen Hülfe im Glauben, Gedult und Demuch tröstlich erwarten, Amen! 11 11 11 11 of 11 HErr! wann du mich probierst wie Gold, Versicherst mich, daß du mir hold, Daß ich sen unter deinen Lieben, Die in dein Herz tief eingeschrieben. 3 Das GOtt schikt das Creuz den Das VII. Capitel. Daß GOtt das Creuz uns für nehmlich um unserer Sünde willen zu schicke, und wir dahero um Gnade und Ver gebung der Sünden bitten müssen, damit Er das Ereu; balb von uns wiederum hinweg nehme. Jer. 1, 19. Es ist deiner Bosheit Schuld, daß du so geståupet wirst, um deines Un gehorsams, daß du so gestraffet wirst. Alfo must du inne werden und erfahren, was es für Jammer und Herzenleyd bringet, den HERRN deinen GOTT verlaffen, und Ihn nicht fürchten, spricht der HEr Zebaoth. 130 7₁ W ir fouen und müssen in unsern Ni then zum ersten, und für allen Din. gen bitten um Vergebung der Sünden. Dann wann wir GOtt unserm Bater die Sünden haben abgebeten, so wird gewislich die Krankheit und andere Be sawerung aufhören, oder wird den Be kümmerten durch den gnädigen Willen GOttes, nüz und dienlich seyn, Jer. 28, 3. ftehet geschrieben: Wenn sich die Mens faben befehren von threm bösen Wesen, so will sich der HErr auch gereuen laffen das Bose, so Er gedacht, ihnen zu thun, um ihres bösen Wandels willen. Dero wegen sollen wir GOTT fleißig bitten, daß er wahre Busse in uns wurken, und nicht C. 7. Menschen um der Sünde willen. 131 nicht nach unserm Verdienst, sondern nach seiner Barmherzigkeit mit uns handeln wolle, um Chrifti des Mittlers willen. Dann je länger man die Bekehrung aufschiebet, je mehr man die Straffe häuf fet; und wann sich die Sünden mehren, so mehren sich auch die Beschwehrungen und Straffen der Sünden. Soll GOtt von ſeinem gerearen Zorn abitehen, ſo müssen wir erst von allen Sünden und aller Ungerechtigkeit abtretten, und unsere Sünde, damit wir Ort zum Zorn be wogen, erkennen, ihm einen demüthigen Fußfall chun, und Befferung angeloben: Thun wir das, so wird er uns zu einer Beit wieder fegnen, und helfen, daß wir als ein dürrer Zweig wieder aussproffen und grünen. Wo nun christliche Befehrang angehet, da findet sich auch Linderung der Straffen. Die Naturkündiger schreiben vom Ld. wen, dem grimmigen Thier, wann sich ein Lámmlein für ihm bücke, so schone er ſein: Eben des Ast ist der Low vont Stammen Juda Offenb. Joh. 5, 5. aud wann er am heftigen über uns der Sün de wegen, zur Rach und Straffe erbittert, und wir thun ihm aus busfertigem Her. zen einen Fusfall, so låffet er alt ſeinen Born schwinden. So sey derowegen ein 32 jeder 132 GOtt schikt das Creuz den jeder gottfeliger Creuzträger mit Ernst darauf bedacht, wie er durch wahre Bus fe,( damit dem Unglük allein begegnet und abgeholfen wird) den zeitlichen und ewigen Zorn GOttes möge ftilen und zuvor kommen. Dann so lang sich die Menschen nicht zu GOtt befehren, dür. fen sie keine Milderung der Straffe hof fen, ſondern haben vielmehr noch schwerere und grössere zu gewarten, 2 Mof. 26, 18. 21. 22. 23. Ein Herz, das wahre Buffe thut, ist das rechte Kühlwasser, damit man das hizige Feuer göttlichen Zorns auslöshet. Denn wie ein Feuer von sich selber aus löschet, wann man das Holz davon ab zeucht: Also stillet sich auch das Feuer göttlichen Zorns, und die Strafe wird wieder abgewandt, wann wir mit Gott verföhner seynd, und gnädige Vergebung der Sünden um Chrifti willen bekommen. Manger meynet, fein aufferlich Creuz/ Armuth, Verfolgung, Krankheit, Vers abtung, und der Abschied der Seinigen aus diesem Leben, feye sein größtes Creuz und Elend. Ach nein! die Sünde ift ein groffes Elend, wie David sagt im 25. Pf. v. 18. Siehe an meinen Jammer und Elend, und vergib mir alle meine Sünde. Wenn wir dann Bergebung der 133 €. 7. Menschen um der Sünde willen. der Sünden haben, so ist alles Elend hinweg genommen und kan uns keine Creatur, weder zeitlich noch ewig schaden und ver. derben. Man höret allenthalben, wie fich die Menschen beklagen, von wegen groffer Plagen, und mancherley Trübsas len: Aber niemand will darzwischen sein lasterliches, fündliches, rauhes, viehisches Leben, das eine Ursach alles Ulebels ist, bessern. Weil dann die Bosheit der Men' schen so groß ist, und der alten Vorfahren Einfalt, desgleichen die alte Furcht GOttes und Fleis, wunderlich geschwächet, und fast erloschen ist, was flagen wir dann über GOttes Grausamkeit und Ernst, auch über die schwere Bürden und Plagen? darum spricht der HErr, Jer. 30, 15. Was schreyest du über deinen Schaden, und über deinen verzweiffelt bösen Schmer. zen? Habe ich doch dir solches gethan um deiner groffen Missethat, und um deiner starken Sünde willen. Auch spricht der Herr, Pf. 89,31. 34. wo aber seine Kinder mein Gese; verlaffen, und in meinen Rech ten nicht wandeln, so sie meine Ordnung entheiligen, und meine Gebot nicht halten, so will ich ihre Günde mit Ber Ruthen heimsuchen, und ihre Missethat mit Plas gen, aber meine Gnade will ich nicht von ihnen wenden. Darum sollen wir viel. 33 mehr C. 1 134 GOtt schikt das Creuz den mehr Ach und Wehe sarenen über unsere grosse Sünde, als über unser Creuz und Trubsal, so wir um der Sünde willen lei. Den. Dann allzufehr trauren in Sorgen und Betrübniß, ist nichts anders, als der Günden Freund seyn, die doch Gottes und dein sändlichster Feind ist. Ja, wir sollen ohne alle Widerrede in der Stille allerley Trübsal willig aufnehmen, und immer gedenken man hade viel ein grofferes verdient: ann es begegnet und keine Trubsal, welche mir nicht billig von Rechtswegen wol zehenmal verschuldet haben mit unseren Sünden, ja keiner iſt so heilig, der nicht seine innerliche Sünde und Gebred lichteit hat, und bey dem sich nicht die böse Zuneigungen regen sollen, Dahero werden auch die groffe Heiligen und Auserwählten GOttes durch GOttes gerechtes Urtheil gestraffet, auf daß fie ihre innerliche Fehl und Unreinigkeit. fen nen, wie gesprieben siehet. Jer. 30. 11, Büdtigen will ich dich, doch mit maffen, daß du dich nicht unschuldig baltest. Denn GOtt fraffet nicht allein die auswendige grobe Sünde, fondern auch des Herzend innerliche Schåndliche Affecten und böse Luste Soprüfe fich nun ein jeder, ob er nicht billig von GOtt gezüchtiget werde um feiner E. 7. Menschen um der Sünde willen. 135 feiner Sünde willen, denn GOtt will in allen Straffen anzeigen, die Ordnung feiner Gerechtigkeit wider alle Sünde und Laster, Mich. 8, 9. fagt die Kirche GOttes: Ich will des Herrn Zorn tragen, denn ich habe wider ihn gefündiget. Derowegen follen wir billig im Creuz GOtt loben und danken, nicht wegen des Unfalls, sondern wegen des geredten Willen GOt tes der Gerechtigkein halber, daß er die Sünde strafe. Ja Ort straffet allwege viel gelinder und geringer, als wir mit unsern Sünden verdienet haben, wie Ju. dith c. 8, 26. 27. daffelbe bekennet, da fie fagt: Laffet uns nicht ungedultig werden in diesem Leiden, sondern bekennen, daß die Strafen von GOtt viel geringer, dann unsere Sünden sind, und glauben, daß wir gezüchtiget werden wie seine Knech. te zur Befferung, und nicht zum Verders ben, Wie nun niemand begreiffen kan, wie ein groffes Guth GOtt fey: Alfo kann auch niemand begreifen, was für ein groffes Uebel die Sünde sey. Darum, weil uns nun GOtt so eine gnädige und geringe Straffe zuschikt, da wir doch viel eine groffere verdienet háts ten, so sollen wir sie billig mit Gedult aufnehmen und tragen. Ein Mörder, wann man ihn mit Ruthen streicher, nimmt 34 er 136 €.7 GOtt schikt das Creuz den er folches vorlieb, weil er wohl weiß, daß er das Rad verdienet hat: also auch, wann du Armuth und Krankheit leideft, so ge denke: Bolan, du hast mit deinen Sün den wohl tausendmal mehr verdienet, und wann auch allerley Unglük auf einen Hauf fen geschmelzet wäre, so hättest du wohl mehr verschuldet, nemlich die ewige Ver dammniß: derowegen danke Gott, da ers ſo gnädig mit dir madt. So erfor dert nun GOttes Gerechtigkeit, daß di Günden gestraft werden: dann wann di Sünden nicht gestraft würden, so wan kein gerechter GOtt. Ob aber wolder Her einem Chriftglaubigen die ewige Straf erläffer, so muß er doch die zeitliche Straf fe nach Maaß und Gewicht der Sünde leiden, wie wir am dem Erempel Aaron Mofis, Davids, Sond und anderer sehen Also straft Gott unsere Sünd zeitlich damit wir erkennen, daß wir übel getha haben. Warum wollest du denn wide GOttes Gerechtigkeit und Urtheil murra als wann seine Gerichte und Werke nid recht wären? GOtt thut uns sonsten vo Natur tausendmal lieber Gutes, als da Er aus Zorn straffet und verderbet. Je 23 41. Das sollte meine Lust seyn, da in ihnen Gutes thun sollte. Dann Gutes thun und Gnade erzeigen 137 €. 7. Menschen um der Sünde willen. ist sein natürliches Werk, und darum heif fet er GOtt vom Guten, daß er nicht allein von Natur gut ist, sondern auch den Menschen gutes gonnet, und erzeiget. Zürnen aber, Rache und Strafe üben, plagen und verderben, ist wider Gottes Natur, und ein fremdes Werk, darzu Er durch unabläßige Sünde und Bosheit der Menschen gedrengen wird. Efaias fagt am 28. C.. 22. Ott thut ein fremdes Werk, auf daß er i feinem Werke kome men fan. Das is: Er muß oft zürnen und straffen, auf daß er die Menschen zur Demuth und Buffe treibe, und alsdann fich ihrer erbarmen, und ihnen Gutes er. zeigen könne. Bernhardas gibt davon ein schönes Gleichniß: Wie des Feuers Art ist, wärmen, und der Sonnen Urt ist, scheinen and leuchten: Also ist GOttes Art und Eigensaft, fic erbarmen, und den Menschen guts thun. Wie der Bienen eigenes Werk ist, Honig machen, und ihr fremdes Werk ist mit dem Stachel stehen die, so sie beleidigen. Also ist Gottes eigentliche Art, Gutes thun, Gnade und Barmherzigkeit üben gegen den Buffers tigen, fein fremdes Werk ist zürnen über die Unbusfertigen, und straffen die halss starrige llebelthäter. Da hören wir die Ursachen, 35 warum 1815 138 Gott schikt das Creuz den uns GOtt mit allerley Creuz und Wider' wärtigkeit heimsuchet, nemlich um unserer Sunde willen, Kommt einem nun ein Unglük zu handen, so gedenke er, Gott habe es ihm zugefchifet, um feiner Sünde willen, fintemal er allezeit das Ulebel ge. ftrafet. Solches hat unser erster Bater Adam, nachdem er das göttliche Gebott übertretten, als bald hören müssen: Weil du diß gethan hast, o sen der Acker vers flucht um deinetwillen, mit Kummer follt du dich darauf nährenbein Lebenlang, I. Mof. 3, 16, Deßgleichen weil Eva ihren Mann beredet und angereizet, hat der HErr diß Urtheil über sie gesprochen, Ich will dir viel Schmerzen schaffen, wenn Du schwanger wirst, du sollt deine Kinder mit Schmerzen gebåren, v. 16. Wann man nichts übels thate, so dürffte nichts ges ftraffet werden, und wenn fein Ulebel hárter wäre, so dürffte man der Stöcke und Blöcke nicht. Diese nothwendige Lehre sollen wir nun mit Fleiß merken, wann uns der liebe GOtt mit schwerem Creuz angreif fet, daß wir nicht wie die Hunde an den Stein fallen und beiffen: sondern wir follen betrachten wer uns wirffet, war um und zu welchem Ende es gereichet: nemlich, daß Gott uns um unser Süns de: C. 7. Menschen um der Sünde willen. 139 de willen also zugesezet, daß wir uns be. Fehren und beffern sollen, und lesnen mit David sprechen, aus dem 119. Psalm v. 67. HErr, ehe ich gedemüthiget ward, irrete ich; nun aber hatte ich dein Wort. Und Efa, 64, 6, Siehe du haft gezurnt, denn wir hatten gefündiget. Auch sagte der bußfertige Schächer Luc. 23, 41. Wir leia den billig, was unsere Thaten werth seynd. Item, im Buch Efter, cap. 14, 6. in der lateinischen Bibel; oder in den Stücken Esther in D. Luth. Teuschen Bibel, 2, 6. o Herr, wir haben gefündiget für deinem Ungesicht, deshalben hast du uns gegeben. in die Hände unserer Feinde. Dieweil denn kundbar, daß die Sün de die rechte Thäterin ist, die uns unter das Creuz bringet, sollen wir, wann uns GOtt Creuz und Unfall zuschicker, Gott dem Herrn zu Fuffe fallen, die Sünde bereuen, und sie ihm herzlich abbitten, im Namen ſeines Sohnes Jefu Chrifti, der unser Heyl und Fürsprecher ist. Es hat ja der Sohn GOttes sein Blut am Creuz vergoffen, und ist um unser Sün. de willen gemartert und zuschlagen, Jef $ 3/ 5. Weil nun GOtt felbst für uns bezaba let, und sich an unser statt hat tödten lassen, so wird auch der gerechte GOtt für 140 GOtt schikt das Creuz den für uns arme Sünder die Straffe und Bezahlung nicht zweymal fordern. Dero, wegen wir nicht allein um Abwendung und Linderung des auferlegten Creuzes und der wolverdienten Strafe fondern für. nehmlich um Bergebung der Sünden den lieben GOtt bitten sollen. Denn so lang der Mensch in GOttes Ungnade stehet, so kan ihm nicht aus der Noth geholffen werden, da gleich viel Mittel versucht wer. den: gleichwie einer der von seinem Feinde, den er beleidiget hat, etwas bitten wollte, ihn ja zuvor erst um Verzeihung anlangen müßte: Also sollen wir auch unserm lieben Gott in die Arme fallen, und bitten, Er wolle doch seinen gerechten Zorn gegen uns schwinden, fallen, und fahren laffen, mit uns ja nicht ins Gericht gehen, Pf. 143, 2. oder mit uns handeln nach unfern Sünden, und uns vergelten nach unser Miffethat, Pf. 104, 10. Sondern uns gnás dig fenn, unsere Sünde tilgen nach seiner Barmherzigkeit, Pf. 51, 2. Wer aber allein um die Abwendung der Straffe, und nicht zuerst um Ver.. gebung der Sünden GOtt anruffet, der thut als die ungeschikten Barbierer, die heilen die Wunden oben zu, daraus her. nach den Beschädigten gros Unheil ent frehet. Also hilft es nicht, wann man allein C. 7. 141 C. 7. Menschen um der Sünde willen. allein um Linderung des Creuzes, und nicht zuvor um Vergebung der Sünden bittet. Wir sollen uns so sehr nicht fürchten für der zeitlich und ewigen Strafe, und dasselbe mit Reu und Leyd so sehr beklagen, als daß wir unsern lieben Vater im Himmel beleidiger haben, und wider seinen H. Willen gethan, dann wann wir das nicht erkennen, so ist die Reue nicht recht. Wenn wir uns nun bußfertig be. finden, sollen wir darauf das H. Abends mahl des HErrn wikrim empfahen, mit einem eifrigen Vorfaz unser Leben zu bef. fern, und so viel einer hat zuvor GOtt erzurnet, und sein Gebot übertretten, fo viel innbrünstiger soll er ihn anjezo lieben, und desto grössere innerliche Buffe soll er würfen. Weil aber mancher in der höchsten Noth sich nicht beffert, fondern sich ge. gen GOtt aufbrüstet, und mit seinem unbußfertigen Leben sich vernehmen läs. set, daß er wenig nach der Strafe frage, so ist es auch kein Wunder, daß er die Strafe schärfet, und siebenmal mehr machet; denn er also von uns durch unsere Sünde wider seinen Willen uns zu straffen ge. nöthiget wird, wie Moses spricht, im 5. Buch 25,2. Daß nach den Sünden auch die Maffe der Plagen seyn wird. Scheuen wir $ 42 GOtt schikt das Creuz den €. wir die Strafen, warum scheuen wir nicht vielmehr die Sünde, daraus die Strafen entspringen. Willt du nun alles Unglüft los seyn, so must du allen Sünden absa gen, denfelben feind und gram seyn, und bekümmerte sich ein jeglicher, daß ſein gan zes Leben und Wandel ehrlich und gottes fürchtig sey. Wann dann GOtt unser Besserung sieher, so will Er sich in Gne den wieder zu uns wanden, uns helfen und retten, entweder in diesem oder jenem ben, nachdem Er Fennet, daß es uns an heilsamsten, und endlich die bitterste Trub feligkeiten in die füffeste Freud, verändern Herzliche Bekenntniß daß wir da Creuz mit unsern Sünden verdienet. Barmherziger und getreuer lieber Bater me mit glaubigem Gebet für das Angesic deiner göttlichen Majestát, und bekenne daß ich mich höchlich und schwerlich wide dich verfündiget, und also nicht allein dif mein Creus, fondern auch die ewigeSchmet zen und Tod wohl verdienet, und gnug sam verschuldet habe. Ich bitte dich aber barneben. Berr mein GOtt, du wolleft um Chrifti deines geliebten Sohnes willen mit mir armen Sünder nicht nach meinen Verdienst, sondern nach deiner unaud spred €. 7. Menschen um der Sünde willen. 143 sprechlichen Barmherzigkeit handeln. Sie he, Herr, du hast mich geschlagen, um meiner Sünde willen, mein GOtt, hei le mich wieder, um deiner grossen Barm. herzigkeit willen! und so fern es dir gefäls lig, und mir núzlich seyn soll, daß du mich wiederum hie zeitlich genesen läsfest, und mir meine übrige Wohlfahrt wieder gonnest, daß ich deiner Ordnung nach, mein Brod jelber im Schweiß meines Angesichts erwerben könne, damit ich nie. mand befchwerlich sey; wofern es aber meis nem Leib und Seel gut, und darneben auch dein Will ist, daß ich das auferlegte Creuz långer tragen soll, so bitte ich dich herzlich, du wollest mir Gnade verleihen, daß ich solches in chriftlicher Gedult leiden, und für eine väterliche Züchtigung erkennen, und von dir abnemen moge, und dich und deinen lieben Sohn Jefum Chriftum hie auf Er. den, die Lag meines Lebens rechtschaffen erkennen, dich lieben, fürchten, und die dienen, und folgends nach diefem betrüb. ten Leben, die ewige Freud und Seligkeit erlangen mögen, durch Jefum Chriftum, Amen. Sehr gros ist meine Missethat, Die diese Strap verdienet hat. Drum mach es, HERR, nach deinem Willen Du kannst gar leicht dis Unglük stillen. Das 144 Das Creuz ist zeitlich, Das Vill. Capitel. zeitlich, zeitlich, und Daß unser Creuz €. 8. nicht ewig ware, sondern bald ein Ende nehme. Joh. 16, 16. Ueber ein Kleines, so werdet ihr mich nicht sehen, und aber über ein Kleines, so werdet ihr mich sehen. Als wir nun gehöret, daß wir in un AB ferm Creuz gedultig, und dem Willen GOttes unter vorfen seyn müssen: So wollen wir nun ferner handeln, daß daffelbe Creuz, Trübfal, Elend und Lei. den, zeitlich und vergänglich ist, und bald ein Ende nehmen soll: Ja, nicht das allein, fondern es soll auch in eine herrliche Freud, die unaussprechlich seyn wird, verkehret werden. Hast du nun anliegende Noth, daß du kommst um deine Güter, Handel und Nahrung: Wirst du schmählich an gegriffen, auch sonsten geneider und ver. folget: Kannst du nirgend zu recht tom. men, must hin und wieder das Elend bau en: trågest deine Krankheit Schmerzen and Plagen am Halse, welche dir keine Raft noch Ruhe laffen, sondern frånken immer das Herz, undgebähren eitelSchwer muth und ein stetiges Seufzen. Hingegen kann dir dieses ein Labtrunk geben, daß du sagst: Das ist ja ein mächtiger Trost, Daß und nimmt ein End. 145 €. 8. daß mein Creuz und Elend nicht ewig wah. ren, ſondern bald ein End nehmen soll. Und wann savon ein neues den Anfang bey mir machen ſollte, wird es denno fein Ende mit sich bringen; follte mir aud was ju handen stoffen, und mich über alle Zu. versicht geschwind überfallen und übers eilen, so weiß ich doch, wie geschwind der Anfang, so geschwind kann auch das En. de feyn. Sintemal mit Verlauf der Zeit unser Trubsal auch mit fortgehet, und was hinweg ist, das gehet von unfrer Trübsal ab, welche so vielmehr verkürzt wird. Derowegen, wie die Zeit gestwind hine weg gehet; Also soll auch mein Elend, und was mich quálet, hinweg und darvon gehen. Warum sollt ich denn meinem HErrn, Heiland und Seligmacher JEfu Chrifto, mein Creuz, so er mir aufgelegt, nicht eine kleine Zeit, die so bald zum Ens de lauft, mit Gedult nachtragen? Denn was die Christen betrüber, das findet sich viel und bey groffen Hauffen; was fie aber wiederum erfreuet und tröstet, fann sich auch bald und reichliv finden. Ja, ehe roir uns umsehen ist das zeitliche weg flüchti. ge furze Leben mit ſeinem leichten Leiden und Creuz zum Ende, und dagegen vorhan. den das lange ewig währende Reich mit ſeis ner über alle massen wichtige Herrlichkeit. K 146 Das Creuz ist zeitlich, €. 8. Es lehret der H. Apostel Paulus wie man im Creuz und Unglück der Welt den Rücken, und den Himmel und der Herr. lie feit, die uns daben eingelegt, das Angeficht bieten soll, Ursach: Auf der Welt fiehet man eitel Unglück und Sammer, derhalben soll man ihr den Rücken bieten, im Himmel ist ein ewiges Erbe, und über die maffen wichtige Herrlichkeit beygeleget, derowegen soll man ihm das Angesicht bieten. Da gibt der Morgenstern einen frölichen lieblichen Stral der ewigen Herr lichkeit ins Herz, und spricht, I. Cor. 4 17. Unser Trübsal die zeitlich und leicht ist, foaffet eine ewige, und über alle mas fen wichtige Herrlichkeit, uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare; dann was sichtbar ist, das ist zeitlich, was aber unsichtbar ist, das ist ewig. Bicher gehören auch die trofliche Pre digten unsers Herrn Jesu Chrifti, Matth. 5/4. Selig find die, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden, Cap. 314. Sie werden ein wenig geftaupet, aber Fr viel guts wird ihnen wiederfahren. fagt nicht: Sie werden viel und lang ge stáupet, sondern ein wenig. Und der Herr spricht, Ef. 54, 7. Ich habe dich ein klein Augenblik verlaffen, aber mit groffer Barm €. 8. und nimmt ein End. 147 Barmherzigkeit will ich dich fammlen; ich habe mein Angesicht im Augenblik des Borns ein wenig für dir verborgen, aber mit ewiger Gnade will ich mich dein er. barmen. Es ist aus dermaffen tröstlich, und mit güldenen Buchstaben ins Herz zu schreiben, daß es mit den Christen ein Furzer Ulebergang fen, und nun ein Au. genblik, ja ein klein Augenblik währe. Was kann nun ein Augenblik machen, und was will ein Flein Augenblik anders schaffen und ausrichten, denn das ich meis ne Trübfal nur ein Augenblik für Augen habe, und ein klein Augenblik fehe, und bald aus den Augen und Herzen wieder verliere, und nicht mehr haben noch se. hen foll? Wir werden bald in der That erfahren, daß es wahr sen, was der ko nigliche Propher David spricht, Pi. 30 6. Den Abend lang währer das Weinen, aber des Morgens die Freude. Du haſt meinen Sack ausgezogen, und meine Klas ge über einen Reihen verwandelt, v 12. Wir haben wohl ewige Strafe ver. dienet, aber GOtt verwandelt es feinen Kindern in eine furze und zeitliche Züchtigung, darum wir es mit groffem Dank aufnehmen ſollen, und mit dem Prophes ten Jeremia sprechen, in den Klaglied. 3.3.1. R2 Die C. 8. Das Creuz ist zeitlich, 148 Die Güte des HErrn ists, daß wir nicht gar aus sind. Ihm sey Lob und Dank gesagt! und sollen immer daran gedencken, daß ein besser Leben nach diefem furzen mühseligen Leben vorhanden sey, da aller Christ Glaubiger zeitlich und vergänglich Leyd und Traurigkeit, in ewig währende Freud und Herrlichkeit soll verwandelt werden, Es heißt doch Kurzes Leiden und lange Herrligkeit, ist der Christen Creuz und Seeligkeit. Ja, spricht unser Fleisch und Blut, ist das nur ein kleines, oder ein Augenblick, daß GOtt uns etliche Wochen, etliche Monath, etliche Jahr im Unglück le ben und schweben, rufen und schreyen läffer? Heiffer das ein Augenblick, oder ein Kleines? Antwort: Für GOttes An geficht ist nur ein Augenblick, und auch für unsern Augen, wenn das Creuz für über ist. Dann wann GOtt errettet hat, ist es, als ob wir nicht gelitten hätten; und ob das Creu; etliche Jahr währet, so erstatter doch Gots das Harren über flüßig. Leide ich nur ein Quintlein Creuz und Trübfal, wolan, so werde ich im ewigen Leben für ein Quintlein meiner Anaft und Trübfal, die ich auf dieser Welt erlitten habe viel hundert Centner der himmlischen Freude von meinem lieben GOtt €. 8. und nimmt ein End. 149 GOtt bekommen. Also empfahen wir nu unser Creuz bey Quintlein, aber die darauf folgende Freude mit groffen La sten. Also liegt nun nichts daran, wann gleich alle Unglück, als hohe ungeheure Wellen, sich wider mich erheben, und über mein Haupt zu mir herein fallen, ich aber habe das Ewige, das fällt endlich über sie zu, daß sie darunter vergehen und ster. ben müssen. Derowegen drücke dich eine kleine Weile, und halte dem HErrn fill, es foll bald besser werden, GOtt wird dir helf. fen in Eurzem, entweder zu dieſem oder jenem Leben, und nach dem Plazregen wird ein lieblicher Sonnenschein folgen. Die Naturkündiger schreiben vom Affen, wenn es schon gut Wetter ist, so trauret er, den er beforget, es werde ein Ungewitter hernach folgen; wenn es aber regs net, und ein lingewitter vorhanden, ſo ist er leichtsinnig, lauffet und springet, dann er hoffet, das Ungewitter werde vergehen, und diesliebe Sonn bald wie. der scheinen. Wann auf dem Meer gros Ungestimm und Ungewitter ist, so pflegen die Syrenen im Meer lieblich zu singen, der Hoffnung, daß schön Wetter nach dem Ungestumm erfolgen werde; da gegen so thun sie kläglich heulen und weinen, wann K3 es €. 8. Das Creuz ist zeitlich, 130 es schon am Himmel, und still auf dem Meer ist, dann fie fürchten sich, es wer. de das Wetter sich bald wenden, und Ungewitter darauf erfolgen. Dergleichen fchreibet man von den Delphinen, daß sie spielen, scherzen und lustig seynd im Un gewitter: also thue du auch, wann es dir glücklich und wol ergehet, so erhebe dich nicht, werde nicht stolz und hoffärtig, fon dern beforge dich daß das Glück bald in Unglük fann verkehret werden; Hinwie derum, wann es dir übel geher, so ver zage nicht, dann das Unglük kann bald in Glük verwandelt werden; dann welcher Mensch bald im Unglük verzaget, der ist nichts zu achten. Derowegen muß man im Glük und Un glük dem Gebrauch jenes weisen Mannes nachfolgen, welcher traurig war, wann es ihm wol gienge, und wuste daß auf Glük und Frölichkeit pfleget ein Trauren und Unglük zu kommen; und wanns ihm übel gienge, lustig und frölich wäre, weil er erfahren, daß nach dem Bösen etwas Gutes erfolgete. Derowegen, O Mensch, ftolzire und erhebe dich nicht, wanns nach deines Hers zens Wunsch gehet, verzage auch nicht, wanns Creuz regnet und schneyet! GOtt wird dich mit einem frölichen Sonnenschein in C. 8. und nimmt ein End. 151 in deinem langwierigen Haus Creuz wie der erfreuen. Darum heiffet das gemeine Sprichwort: Bedencke das Glück. Im Unglück haben einen Löwen Muth, vera traue Gott, es wird wohl wieder gut werden. Leide, meide, und erwarte der Zeit bis daß Traurigkeit von ihnen scheidt. Es hat noch nie der liebe GOtt keinen verlaffen in der Noth. Senn Geduft, Gedult, der edle Schaz Behält dennoch den besten Plaz. Es haben sich auch die Heiden, die doch keine Verheiffung gehabt, getröstet und uns viel feiner Sprüche hinter ihnen gelassen. Als Aeneas im Virgil sich und die feinen tröstet in ihrem Unglück, und spricht: GOtt wird des auch ein Ende machen. Horatius. Es wird noch alles werden gut, Viel besser, als man hoffen thut. Ovidius: Gleichwie es ist gewolcket ist, Zu Zeiten auch mit Donner blizt Doch wiederum der Sonnen- Licht, Zu rechter Zeit herrür jezt bricht, Also gedenk auch jedermann, Daß es noch all's gut werden kann. Wohlan, weil dann die Heyden an GOttes Berheissung sich also getröstet st 4 ha C. 8. 152) Das Creuz ist zeitlich, haben: Wie vielmehr sollen wir Christen, die wir deffen von GOt viel feiner und ftárkere Berheiffung haben, solches thun? Darum sey getroft und habe Gedult, glaube und hoffe. Befieht dem HErrn deine Wege, und hoffe auf ihn, er wirds wohl machen, Pf. 37.5. Hofnung läßt nicht zu schanden werden, Nom. 5, 4. Die Hoff nung spricht: habe einen guten Muth, verzage nicht, es wird wohi werden out: Also follen wir der gewissen Rettung durch vesten Glauben und unbewegliche Hoff nung er varten, wie Habacuc am 2, 3. fpicht: Ob der HErr verzeucht, so har re sein, er wird gewißlich kommen, und nicht verziehen. Im Fall schon das Creuz, lang wir allhie leben, auf uns liegen bleiber, so ist doch das unser Trost, daß folches, wann wir sterben, ein Ende nehme. Gott wird den Gerechten nicht ewig in Unruhe lassen. Pf. 55,32. Im Tode werden wir aufgelöset und ausgespannet aus dem Creuz Karren, und ist niemand dem Unglük zu flug, kann auch ihm nicht ehe und beffer ent; gehen, er sterbe dann. Dann in dem Augenblik höret all unser Jammer und Elend auf und fähet sich an die ewige Freud und Seligkeit: Hilft uns GOtt ja nicht zum zeitlichen, so hilft Er uns ges €. 8. und nimmt ein End. 153 gewißlich zum Ewigen, und gibt uns was beffers. Es dienet auch zu dieser Zeit Leiden darzu, daß dich der Tod desto leichter an. komme; die aber vorhin wenig und nicht viel gelitten, dem sparet GOtt wohl das Leiden bis in den Tod, da wird es deſto schwerer. Manchem leget Gott in seis ner blühenden Jugend bald das Joch und Creuz auf, welches für eine sonder bare Liebe GOttes zu achten. Darum der Prophet Jeremias in den Klagl. c. 3, 27. spricht: Es ist ein köstlich Ding einem Mann, daß er das Jod in seiner Jugend trage. Denn weil er von Jugend auf des Creuzes gewohnet, ist er desto gedultiger. Sintemal er wohl weiß, daß er hie kein beffer Leben finden wird; derhalben hat er ein Verlangen in ein ander Leben, und hat Urfach, GOtt um die gnädige Zukunft feines Reichs zu bitten. Andere bringer er erstlich herzu im Alter, daß fie von feinem Unglüf und Widerstand das geringste erfahren haben, die müssen noch im Alter daran, und ihr Leben beschwers lich beschlieffen. Welche nun von Jugend auf unter und in dem Creuz geübet fennd, denen Fommets nachmals desto leichter an, kons nen auch andere viel leichter troften. So K5 ift 154 Das Creuz ist zeitlich, €. 8. ist es nun vielen Heiligen ergangen, deren in der besten Blühte ihrer Jugend, wenn andere Leute am frölich und freu. digsten seyn, ihr Creuz und Widerwärtig keit ist entstanden. Joseph war 17. Jahr alt, da er in Egypten verkauft ward. David mußte in seinen besten Jahren, da er nämlich des Königs Sauls Tochter zum Weibe genom. men hatte, flüchtig werden, und war in 10. Jahren seines Lebens nicht sicher. Jeremias war noch jung, da er ins Amt Fam. Daniel ward in der Jugend gefan gen weggeführet, mit seinen Gesellen, ins Land Babel. Johannes der Evangelist ist noch jung geweßt, da er unter dem Creuz stund. Deßgleichen trägt sichs noch heutiges Tages zu, daß den Christen die beste Zeit ihres Lebens verfalzen wird, auf daß sie nicht samt der Welt verdammt werden, I. Cor. 11, 32. Und haben es die viel besser, so da zeitlich bey gefunden Tagen das Creuz erfahren, als die andern, ſo es allererst am lezten Ende, oder im Alter lernen müssen. Welche nun Gott der HErr von Sui gend auf mit Creuz gedrückt und müde gemacht, mit denfelbigen handelt Er auch im Alter und am Ende desto säuberlicher. Es besuche dich Gott früh oder spatt, ſo bilde €. 8. und nimmt ein End. 155 bilde dir ein, all dein Leiden sen nur ein Augenblick gegen der ewigen Herrlichkeit, die dir in jenem Leben bengelegt ist, wels che fein Ende nehmen, sondern ewig bleis ben wird. Darum wird dir dort in je nem Leben anders nicht seyn, als wann du hier nur ein Augenblick gelitten hát. test. Lutherus spricht: Wir felige Menschen werden serber in jenem Leben wider uns müssen sagen: Pfuy dich en, bin ich doch nicht werth, daß ich soll Gottes Kind heiss sen, darum, daß ich mein Leiden auf Era den so groß, und die überschwengliche Freude so gering geachtet habe, dann ich sehe nun, und erfahre es jezt, daß aller Welt Leiden nichts gewest gegen der Herr. lichkeit, die an den Kindern GOttes offens baret wird. Das macet St. Paulus so freu dig, daß, so jemand denselben hätte wol. len fragen: Lieber Paule, warum lásfest du dich so schänden und Lästern, staupen und steinigen, martern und angstigen, schlagen und plagen, und kannst solches alles ausharren, und nicht allein mit Ge dult ertragen, sondern bist noch unerfcbroken, frölich und guter Dinge darzu? Ey, spricht Paulus: Was darfs viel Fras gens? Dieser Zeit Leiden ist nicht werth der Herrlichkeit, so an uns soll offenba. ret 156 Das Creuz ist zeitlich, ret werden, Rom. 8, 18. Dann aus der bittern Wurzein der Trúbfalen, eine lieb. liche Fracht der ewigen Herrlichkeit er. zeuget wird. Es ist in Wahrheit all diß Uebel, das wir iegund leyden, und uns noch künftig zustehet, weder schwer noch gros, son. dern die eingebildete Furcht und Wahn erhebts! und sicher ihm so groffe weite Hosen an. Du aber, so du wizig bist, ſolt diese umgewundene Wolle abnehmen, und die Dinge in einem hellem Licht besehen. Aber wir arme Menschen wenden uns nur auf das, was liederlich und dufferlich ist. Siehe, wenn du nun auf der See bift, und das Wasser groß beginnt zu werden, so fällt dir das Herz gar hinweg, zitterst und bebeft, nicht anderst, als wann du im Schifforuch das ganze Meer aus: faffen múffeft; aber gib dich zufrieden, ein Röffel oder zwen wird eben genug fern. Wann plözlich ein Erdbeben entste het, wie schreyest du? und mennest, daß die ganze Stadt, oder ja das ganze Haus auf dich fallen werde, und weist nicht, wie deinen Hirnschädel zu zerschlagen, ein einiger Stein gros genug, und mehr als zu viel ist. Eben so ergehet es auch in unserm Creuz und Unglük, das bilden wir uns viel größ fer €. 8. und nimmt ein End. 157 fer ein, als es an ihm selber ist. Gleich, wie der Hagel, ob er wohl mit groffem Praffeln auf die Erde daher fällt, den noch nichts verfängt, sondern nur selbst in Stücken zerspringet: Also auch, wann alles Unglück wie es Namen haben mag, auf ein beständig Gemüth fällt, so wirds nur selbst gebrochen und thut gar feinen Schaden. Wann wir das stets betrachten, würden wir unser Creuz ja für nichts achten, wann aber ein Mensch im Creuz ist, muzet ers hoch auf, und machet eitel hohe Berge und Meer daraus. Aber dein Leiden ist nur wie ein Tropflein Baffers gegen das Meer, und wie ein Sandkörns lein gegen die groffe weite Welt, wenn du es hieltest gegen die groffe, ewige, wich. tige Herrlichkeit. Ja, wann du gleich taus fend Jahr lebrest, und ein stätiger Creuz. Träger wäreft, hättest auch taufend Hål. se, und liffest fie alle um des Herrn Chrifti willen, was wäre es gegen der groffen Frend und Herrlichkeit, die du mit dei. nem Herrn Chriftp befizen, und darin. nen ewiglich triumphiren und herrschen follt. Siehest du nun auf dein Leiden, und kannst das hoch aufmuzen, so fiche viel. mehr auf die ewige Herrlichkeit, erwäge und betrachte auch dieselbe nach ihrem 158 Das Creuz ist zeitlich, €. 8. Gewicht und Grösse. Wenn wir verstin. den die künftige Herrlichkeit, deren die, ser Zeit Leiden nicht werth ist, wir wür. den unser Creuz für einen groffen Schaz halten, und mit Freuden tragen. Ach wie kommt es, daß du immer auf diß zeitliche Leiden deine Augen wirfest, und nicht vielmehr hinauf gen Himmel fiehest, was du da zu gewarten haft: Mactst du dein Creu; groß, un muzest es hoch auf, war um muzest du die fünftige Herrligkeit auch nicht hoch auf diß ist aber die Urfach, daß ihrer viel in ihrem Creuz so ungedultig seynd, nämlich, daß sie die grosse Freude und Herrlichkeit des ewigen Lebens, fo auf das augenbliflice Creuz erfolget, noch nicht gegenwärtig ſehen. Wann es eine Herrlichkeit wäre, die man für Augen sehen könnte, so würden ihrer viel gedultig leiden: Nun sie aber dieselbe nicht sehen, und allein das Creuz für Augen haben, damit sie gedrukt wer. den, so seynd sie ungedultig, daß sie im mer über Elend schreyen. Aber rechte Christen sollen vielmehr sehen auf dassel. bige, was droben im Himmel zu erwar ten, als auf dasjenige, so allhie auf Erden vorhanden ist, unsere Augen sehen nur auf die grosse Noth; und sehen nicht, daß GOttes Hülfe groffer ist, dann all unser Noth; €. 8. und nimmt ein End. 159 Noth; unsere Hülfe ist GOttes, wie fonn. te doch die Hülfe grösfer feyn? In die Noth groß, so ist doch GOtt noch grösfer. Es ist sehr viel daran gelegen, daß man von zufälligen Dingen einen rechten Un. terschied faffe, dann es scheinet uns ein jedes Ding darnach, als es von den Ge, danken des Gemüths formiset und gestal. tet ist. Achtet einer sein Ereuz und andere zeitliche Güter gering, als sie billig zu ach. ten seynd, so kann er derselben leichtlich ohne Schmerzen entbehren. Wiederum, so er fie theuer und werth scházet, so wird er desto höher betrübet, wann er derselben beraubt wird. Dergleichen in andern zu. fällen, bildet ihm oft einer selbst ein, es fey ihm ein unerträglich Unglük wiederfah, ren, welches dob, wenn ers recht ansie. het, gar klein, oder kein Unglük, ja viel, mehr sein Glük ist: Und ob es bereits nicht klein ist, so soll es doch klein geachtet wer. den, weil es nur allein oder selb dritte, und nicht selb hundert zu uns kommt; denn es ist ein Wunder Zeichen, und eine son. derliche Gnade des Aumächtigen GOttes, daß wir von allerley Creuz und Trubsal die von der Welt und dem Satan auf uns dringen, nicht ohne Unterlaß überfallen, und gänzlich vertilget werden, und GOtt dene 100 €. 8. Das Creuz ist zeitlich, dennoch in so mancherley Trübniß was Gutes mit einmenget: Als wann du einen schwaben gebrechlichen Leib hast, und dens noch ein stark Gemüth, oder ein gar bes kümmert Gemüth, und einen starken Leib dabey; oder wirst beraubt der zeitlichen Güter, haft aber christliche Tugenden das gegen, und bist desto reicher in geistlichen Gütern, die viel edler und besser synd; denn es stehet nicht vergeblich im 104. P. v.24. OHErr, die Erde ist voll dei ner Güter. Sie soll ein bekümmert Ge müthe mit dem Gedanken von Betrachtung der gegenwärtigen Trübfalen abgezogen werden, auf die Betrachtung anderer Gü ter, ſo noch vorhanden, und also eines ge. gen das ander auf die Wagschaalen legen. 2 Kurzes Herzens Seufzerlein, daß wir die Kürze des Leidens und die Beharrlichkeit der Freude bedenken. err JEfu Christ, der de mir die Zeit meines Creuzes nur ein klein Augen' blick beschreibeft; hilff, daß ich es miral. so einblide, und dieselbe kleine Zeit mit aller Gedult ausdaure; und gieb mir nach dieser zeitlichen Trubsal die ewige Freude und Seeligkeit, Amen. HErr JEfu Christ nach diesem Augenblick, Mit Lust und Freud mich) ewig dort erquick. €.9. und nimmt ein End. Das IX. Capitel. 161 Von der Hoffnung." Psalm 32, 11. Wer auf den HErrn hoffet, den wird die Gute umfahen. faja am 40,30. Die auf den HErrn harren, friegen neue Kraft, das sie auffahren mit Flügeln wie Adler, daß fie lauffen und nicht maft werden, daß fie wandeln und nicht müde werden. In diesem Sprüchlein ist beschrieben die Frucht und Kraft der edlen Tugend der Hoff nung, so allein an GOttes Gnade hanget, Hülffe, Rettung und Trost in Gedult er. wartet. Die das thun, faget dieses Sprüch, lein, bekommen neue Kraft, das in, gottliche, geistliche Stärke, neu Herz, Sinn und Much, welche aus GOit durch die Hoffnung herab fleaßt ins Herz und Gemuch, dadurch man sich gleic sam im Geist erneuert und erfreuet: Wie sich ein Adler jährlich aus Art seiner Natur erneuert: Also verneuren sich die innerliche geistlis che Kräften der Seelen durch GOttes Kraft, so durch die Hoffnung zu uns kommt, daß wir unsern Lauf vollbringen, und unser Amt mit Freuden thun, auch) un. fer Creuz gedultig tragen, und durch den Glazben überwinden. Dann Hoffnung läßt nicht E. 9. Glaube Dann diese drey Tugenden, Hoffnung und Gedult sind ganz geistlich, und ist nichts irrdisches in ihnen; sie seynd auf das Unsichtbare gerichtet, und haben GOtt zum Grund und Fundament, fennd allein bloß auf Gott gerichtet. Der aber auf unsichtbare Dinge, so einer für Au gen sehen, und mit der Bernunft begrei fen kann, seine Hoffnung fezet, der hat nicht den unsichtbaren Gott zum Grund, fondern nur einen Schatten. Obwohl die Gottlofen auch keine Hoffnung haben, ists doch keine lebendige, sondern eine todte Hoffnung; dann die Sünde nimmt der Hoffnung das Leben. Dann gleich als kein Ding ist, so der Hoffnung mehr Stärke, Kraft und Le ben gibt, als ein gut Gewissen: Alſo ist dagegen kein Ding, so der Hoffnung mehr Stärke, Kraft und Leben entgeucht, als ein biß Gewissen. Und wie der Schatte dem Leibe allezeit nachfolget: Also ist ein bos Gewissen nimmer ohne Furcht und Bagbaftiakeit. So stehet auch der Gott lofen Hoffnung allein ist äusserlichem Troft; ja, die Kinder dieser Welt haben ihre Hoff nung in dieser Welt, hangen am Frrdi schen und Zeitlichen, an der Gnade, hoher Personen und werden zu schanden: wie folches die Exempel der täglichen Erfah rung 162 zu schanden werden. 163 C. 9. rung bezeugen, sonderlich an Herren Hofen: wie viel werden zu scharden, die sich auf Herren Gnade verlassen Pf. 146, 3. Solche Hoffnung ist wie ein dünner Waffer Schaum oder Wasserblale, die vom Ungewitter hingefloset wird; und wie ein Rauch, der vom Wind hin und her zerstreuet wird. So bleibt nun deine Sees le ben demjenigen behangen, darauf sie ihe re Hoffnung gefezet, und damit sie vers einiget ift. Sit deine Seele mit dem Irrdischen vereinigt, und hat dasselbe lieb gewonnen, und ihren Troft und Hoffnung arauf ee fezt, weh deiner armen Seelen; sie wird auch da bleiben, da ihre Hoffnung ges wefen ist, nemlich bey der Walt, und dem Fürsten dieser Welt. Darum siche dich wohl für, woran deine Seele hanget, und wohin sie ihre Hoffnung gefe et, auf GOtt den HErrn oder auf die Welt; dann da wird sie auch bleiben. Darum willt du unbetrogen seyn, so feze einzia und allein deine Hoffnung zu Gott, hoffe auf Hoffnung, da nichts zu hoffen ist, so wirst du in allem Unglück sicher bleiben. Es ist aber der warhaftigen, lebendis gen Hoffnung Eigenschaft und Art ersta lich, daß sie an GOtt hanget, an GOt. tes Aumacht und Weisheit( es sey die Noth L2 fo €.9. 164 Hoffnung läßt nicht so groß als sie wolle,) und keine Creatur, Feinem Menschen, oder sonst irrdischen fterblichen und vergånglichen Dingen; dann dieselbe ist keine rechte lebendige Hoffning, sondern eine todte Hoffnung die auch endlich läst zu schanden werden. Zum andern, sicher die Hoffnung auf ein höher und besser Gut, dann dieses ver gångliche Wesen ist; dann das vergång lich ist nicht das beste, sondern das un vergängliche und an demselben hanget die Hoffnung. Summa es ist der Hoff nung eigentliche Art, daß sie gewiß weiß, GOtt wird seine Verheiffung treulich hal ten und erfüllen; und ist wol zufrieden, es erfülle GOtt der HErr dieselbe zeitlich oder ewig. Sie weiß, daß sie gewiß wird erfüllet werden. Zum dritten; ist in der Hoffnung groß se Gedult, und verzaget nicht im Creuz, sondern hält sich fest an GOtt: Derowei gen probiret GOtt die Hoffnung in uns ob sie auch fest und beständig ben uns fen. Dann in der Prob der Hoffnung müssen uns alle Dinge entzogen werden, darauf wir füffen möchten? und in folcher Probe muß man hoffen, da nichts zu hof fen ist, und muß hoffen wider die Hoff nung, Romer 4,18. Die Hoffnung aber, die man für Augen siehet, ist nicht Hoffnung; dann zu schanden werden. 165€.9. dann wie kann man das hoffen, das pran fiehet, Römer 8, 25. Was ich gegenbárs tig sehe und hoffe, das kann ich nior hofe fen; dann es allbereit mein ist; dann, Hoff nung ist das Erwarten des Creuzes Lin. derung, und der göttlichen Hülfe, nachh dem Rath GOttes, in diesem Leben, D. Luther schreiber über das 14. cap. St. Johannis: So ihr meine Jünger und rechs te Christen fend, müsset ihr nicht immers dar bleiben hangen an dem Fühlen und Sehen äußerliches Trostes, sondern fors fahren und lernen die Kunst, welche ist der Christen Kunst, daß ihr ungezwei. felt glaubet, daß ich euch helffen könne; und weil ihrs nicht sehen noch fühlen köns net, sondern das Widerspiel seher und fühlet, fo follet ihr allezeit den Troft be. halten, daß ihr GOtt und mich habt, obgleich sonsten alles euch absaget und entfällt. Luth. schreibt an einem andern Ort: Da Abraham in der größten Gefahr ist, hielt ers doch, daß es unmöglich sen, daß Gott die, so an ihn glauben, verlaffen Fönnen, und ließ die Hoffnung nicht fallen. Solches follen wir auch thun, und den Glauben und Hoffnung uns nicht nehmen laffen. Jd habe zwar solches selber erfah ren, in vielen sehr groffen Nöthen und £ 3 Hoffnung läßt nicht Gefährlichkeiten: aber gemeiniglich gehet es also, daß uns unser Fleisch gefangen nimmt; wie sich deß auch St. Paulus be. Flaget, Rómer 7, 24. So sehe ein ander Ge fez in meinen Gliedern; der Geist ist wohl willig, nimmt GOttes Wort an, trofiet fich des in Gefährlichkeiten, und begeh. ret auch im Creuz Freude und Frohlock, ung, wird aber vom Fleisch überwunden, welches seiner Weise nach allein gaffer nach dem Gegenwärtigen, und sich deß allein annimmt; das andere aber, davon das Wort lehret, achtet es für nichts, weil es das felbe nicht siehet: darum stöffet es zu bey den Seiten an, nemlich wann es wohl und übel gehet, im Glück und Unglück: Wenn es wohl gehet, hält es keine Maß fe! dann es fiehet nicht das Unglück, das dar auf folget; Gehet es übel, so ist es nicht zu rroften; dann es fiehet die Hülff und Rettung, welche das Wort zusaget, nir gends, und bleibet dennoch in den From men, das Seufzen zuförderst im Herzen, welches etlicher maffen, jedoch in Schwach heit, dem Unglauben, Berzweiflung und Ungedult, die im Fleisch ist, widerstehet: Auf daffelbe fiehet der HErr, und verzei het uns das ander. 166 €.9. Darum foll man bedenken, daß Got tes Hülfe unsichtbar ist, übernatürlich, Un zu schanden werden. 167 unbegre flich, für aller Menschen Augen verborgen. Wenn wir die Mittel der Hülfe für unsern fleischlichen Augen sea hen und mit unserer Bernunft begreiffen Fönnten, so wäre uns lang so an ist und bang nicht. Dahero der Heil. Alpostel Paulus spricht, Romer 8, 25. Go wir das hoffen, das wir nicht sehen, so wars ten wir sein durch Gedult. Und der wei. se Mann Syr. spricht, c. 34, 16. Wer den HErrn fürchtet, der darf für nichts erschrecken, noch sich entsezen, dann er ist seis ne Zuversicht. Hieron. Savanorola schreibet über den 31. Pf. Die Hoffnung wird wider die Traurigkeit ausziehen, und sie überwältigen; und so die Hoffnung kommen wird, wer will sich wider sie se. zen; wie auch David sagt im 112. Pfalm, 7. Wann eine Plage daher gehet, fo fürch. te ich mich nicht, mein Herz hoffet unver. zagt auf den Herrn, Augustinus schreis bet: Wie kann einer da hoffen, das er nicht glaubet? Wir sollen uns darzu ge. wohnen, daß wir immer an der Hoff nung halten. Weh denen, spricht Sirach 2, 16. so nicht beharren! Dann was kann gewiffer folgen, wann man das Wort und Hoffnung verlohren hat, als Verzweifel. ung. €. 9. Darum, o lieber GOtt, wann die Dize 24 der 168 Hoffnung last nicht €.9. der Sonnen auf mich fault, meine Blát. ter nicht verwelken, laß meinen Glauben nicht veridichen, die Liebe nicht erkalten, und die Hoffnung nicht verschwinden. Ei vermahner und die Schrift überall, daß wir auf den HErrn warten sollen, das ist, wir follen nicht kleinmüthig werden, und die Hoffnung fahren lassen, auf daß uns dieses nicht widerfahre, so dem un glaubigen Ifraelitischen Bolk widerfuhr in der Wüsten, davon der 78. Pf.35. faget: Er ließ sie dahin sterben, daß sie nicht erlangeten, ſondern musten geplaget seyn ihr Lebenlang. Chrisostomus sagt: Die Hoffnung ist eben wie eine starke glüdene Kette, welche vom Himmel herab hanget, hieran follten wir uns fest halten; und wann diefelbe Kette über fich gezogen wird, fo zeucht fie, und nimmt mit fich alle, die sich stark an sie halten, über die gefährliche Wafferquellen dieses Lebens; wer aber aus Jurat und Baghafriafeit die Kette fahren läffet, der fällt ins Meer der Verzweiflung und in den ewigen Tod. Der H. Cyprian. nennet die Barm herzigkeit GOttes einen unerschöpflichen Brunnen aller Gaben und Gnaden GOt tes; die Hoffnung aber ein Geschirr, darein folche Gaben und Gütes geschüttet und go C. 9. zu schanden werden. róg gegoffen werden, und sagt: je groffer das Geschirr ist, ie gröffer und härfiger die Gaben sind. Derohalben sollen wir Gott fleißig bitten, daß er uns wolle stärken, auf daß wir defto fefter halten an der an. gebottenen Hoffnung, als an einem sich ern und festen Anker unsrer Seelen, Ebrder 6, 19. auf daß wir im künftigen Leben mit der That befizen, was wir allhie gehoffet haben. Augustinus fagt: Wer sich hie in der Hoffnung erfreuet, der wird sich dort in der That auch erfreuen. Es muß ein Adeliches Gemüth nicht erschrocken ſeyn, noch von der Hoffnung um schwerer schreck. licher Trubsaaien willen abfallen, oder zurück weichen. Erempel: thut doch ein Kaufmann oft eine weite und gefährliche Reife, waget Leib und Leben allein um zeitliches Geniesses willen, und ist doch die Hoffnung ungewiß, ob es gerathen wer. de oder nicht, und wann es ihm schon ges råth, so bringt er doch nur zeitlich und ver. gånglich Gut daven: Also haben wir alle eine weite und gefährliche Reise für uns, von der Erde biß in Himmel; sollen wir uns denn nicht billig darum gedulden und leiden, da doch unser Hoffnung versichert ist der ewigen Güter um JEfu Chrifte wila len. Es kommt aber das fleischliche Ver. 25 trauen 170 Hoffnung läßt nicht C. 9. trauen und die mensoliche Hoffnung aus zeitlichen Dingen und aus der Vernunft, und das währet, so lang die Augen auf zeitliche sichtbare Mittel und Erhaltung sehen; wenn die aus seynd, so ist das Vertrauen auch aus: aber das geistliche gött, liche Vertrauen ist eine solche übernatür che geistliche Kraft GOttes, die allein ihren Ursprung aus GOtt hat, und fest an GOtt hanget unbeweglich, wann gleich alles Irrdische, alle sichtbare Mittel auf. hören, und ein Ende haben; wie den drey Männern im feurigen Ofen geschahe, Dan. 3, 17. 18. wie Daniel in der Löwen, gruben, Daniel. 9, 22. Wie den Kindern Ifrael im rothen Meer, 2 B. Mos, am 14. Wie Konig Hiskia in der Belagerung Jerusalems 2 B. Kón. 18, 19. Wie David in seiner Verfolgung, da er feine menfch. liche Hülff sahe, sondern er hatte nur das Wort der Ve heiffung GOttes, daran hieng er, daran hielt er sich. Dann keine Noth ist so groß, die uns von GOtt könnte abgerissen, und daraus er uns nicht helf. fen konnte, wenn wir die Hoffnung und das Bertrauen unbeweglich und fest in unserm Herzen behalten. Daraus ist nun abzunehmen, welch eine edle, theure, köstliche Gabe GOttes das Vertrauen zu Gott ist, welches uns bey zu schanden werden. * 71 bey GOtt erhält. Nichts höhers, nichts ediers und bessers kann in eines sterblichen Menschen Seele kommen, als ein folch herzliches Vertrauen: dann da ist, Gottes Kraft, Stárke, Sieg, Macht und Gewalt selbst in uns? und keine weltliche Gewalt ist so groß, die diese göttliche Ges walt und Stärke in uns dampfen und tils gen könnte; wie an den H. Märtyrern zu fehen ist. Diß Vertrauen haben noch wenig Leute erfahren, ohne die in groffem Creuz feynd, da ein Mensch helffen kann, und alle Mittel aus den Augen verschwuns den, darum gehöret zu diesem göttlichen Vertrauen groffe Gedult, und ein stiller Geist, der die Hülf in starker Hoffnung erwarte. Auf daß wir nun weiter zur Hoffnung schreiten, so ist zu wissen, daß die Hoffnung zweyerley: Die eine von Natur, die ander aus dem Glauben. Die natürliche Hoffnung ist, daß einer nicht bald verzaget, fondern in allem Creuz hoffet, es werde bald gut und besser wer. den, und erwartes, bis daß das Unglück fürüber ist. Die Glaubens Hoffnung ist eine sonderliche Gabe und Geschenk Got. tes So nun die menschliche und natürlis che Hoffnung eine solche Kraft hat; follte dann die andere Hoffnung nicht gröffere Gedult und Stärke verleihen, welche der Geist 6.9. €. 9. Hoffnung läßt nicht 179 Geist Gottes durch den Glauben in der Christen Herzen ausgeußt? Der Gottlo. fen Hoffnung ist nichts als Fleisch, der Frommen aber ist Geist: Die eine ift an. ders nichts als Mensch, die andere ist GOtt. Also daß so groß der Unter fchied it zwischen GOtt und dem Mens fchen, so groffer Unterschied ist auch zwischen diesen beiden Hoffnungen. Dar um sagt der Prophet: Verlasset euch nicht auf Fürsten, fie sind Menschen, und können ja nicht hoffen, Pf. 146, 3. Wie vergleichen sie aber die Früchte dieser Hoffnung? nemlich der einen Hoffnung. Frucht ist der Fall und Verderben; die ander aber ist die Aufrichtung Erhöh ung, oder die Leberwindung. Demnach diejenigen, so sich auf duffer. liche Mittel und Menschen verlassen, nicht unbillig mogen verglichen werden dem thôrichten Mann dort im Evangelio, fo fein Haus auf den Sand bauete, und fiel ein Plazregen, und kam ein Gewäffer, und weheten die Winde, und fliesen an das Haus, da fiel es, und that einen grof., fen Fall, Matthái 7, 16. 17. Die sich aber auf den HErrn verlaffen, feynd dem Flugen Manne gleich, der sein Haus auf den Felsen bauete, v.25. welches ficher und unbeweglich wider alles Ungewitter ift. zu schanden werden. 273 €. 9. ist. Im Propheten Jerem. 17,5. stehet geschrieben: Berflucht ist der Mensch, der fich auf Menschen verläßt, und Fleisch für seinen Arm hält, und mit feinem Hers zen vom HErrn abweichet: von dem Ge. rechten aber redet er das Widerspiel: ge. segnet ist der Mann, der sein Vertrauen auf den HErrn sezet, und des Hoffnung der HErr ist, GOtt selbst ist der Elenden Hoffnung, weil derselben Hoffnung an GOtt hanget; ja diese Hoffnung läffet GOtt nicht zu schanden werden, darum, daß dieselbe nicht hanget an irdischen, ver. gånglichen, sterblichen Dingen, sondern an dem allmächtigen, ewigen unsterblichen GOtt. Was ist nun anders, ohne christliche Hoffnung leben, als ohne GOtt leben? Welches Volk oder Nation auf der gan zen breiten weiten Welt ist so gar grob, wild, und ohne alle Religion, daß von Gott gar kein Wissen oder Erkänntniß hårte, oder nicht etwas, es sey, auch was es wolle, für ein göttliches Ding oder We sen hielte; und sich zu demselben nicht et. wa einer Gutthat, oder göttlichen Vera suchung versehe und getroffe? Gleich als das Weib von Natur der Hülffe und Bey, standes des Mannes begehret, die als ei ne unvollkommene und schwache Creatur er 174 Hoffnung läßt nicht erkennet, daß sie seiner Hülffe bedürftig sey; also sucht unsere menschliche Natur, als der for eigen und vielfältiger Mangel und Gebrechen wohl bewust, gleichsam aus ihrer Eigenschaft den Sou; und Scirm GOttes, 2c. Kann der Leib ohne die Seel, und die Seel ohne GOTT den Allmächtigen nicht leben; so bedarfst du je GOttes nicht weniger zu dem einen Leben, als der Seelen zu dem andern. Und ist die lebendige Hofinung, der ei nige Anker und Aufenthalt unsers Lebens; En wie darfst du did in Gefahr dieſes wütenden Meers einlassen und hinaus begeben, wann das Geiff dieses Ankers berauber ist: Ist die Hoffnung der eini ge Sci d, darmit du dich beschůzen fannst; en wie getrauest du dich dann selbst mit ten unter ſo viel Feinden zu verwahren, wann du den Swild nicht bey handen haft? If die Hoffnung der stärkste Stab und Stecken, daran sich die Menschen in ihren Nöthen halten müssen; was will denn der schwache und kranke Mensch ohn solchen Stab der Hoffnung anfahen ,. oder worauf will er sich steuren? Also hat die einige Hoffnung GOtt den HErrn zum Schuz und Grundfeste, die andere aber verläßt sich auf einen zerbrochenen Rohrstab. Dann obwohl die natürliche Hoff €..9. zu schanden werden. 175 Hoffnung oft viel treuget, und ungewiß ist, so berrieget doch die Christliche Hoff. nung nimmermehr. Daß aber GOtt feine lieben Christen oftmals mit der Roth lang ringen läffer, und sich eine Zeitlang gar fremd gegen fie stellet, als höret und achtet er ihr Ruf. fen nicht, das muß so seyn, auf daß Glaub und Hoffnung probiret und be. währet werden. Man findet viel Heurs ler und Schein. Christen, welche, ſo lang es ihnen glücklich und wol gehet, diefen oder dergleichen schönen Reimen auf der Zungen und in dem Munde führen: Wer GOtt vertrauet, hat wohl gebauet, der kann in Ewigkeit nicht zu schanden werden: ich hab mein Sach zu GOtt gestellt, der mach es, wie es ihm gefällt; wie GOtt will, so ist mein Ziel; all mein Hoffnung zu GOtt, zc Item; mein Hoffnung und Trost auf dieser Welt, sez ich zu GOtt alleine, der mich auch nicht verlassen wird, weil ich Ihn herzlich menne; ob mir die Welt heftig nachstellt, und neidt mich sehr, was kann sie mehr? Gott wird mich wol erretten; aber wenn sich das Blatt umwendet, und es dahin kommt, daß sie dasjenige, fo fie mit fols den schönen trößlichen Sprüchen aerüh. met und benennet haben, zur Zeit der Noth €. 9. 476 Hoffnung läßt nicht Noth üben sollen, da will es nirgends mit ihnen fort! und da ihr Reim zuvor geheiffen: All mein Hoffnung zu Gott, so heißt es darnach: All mein Hoffnung im Koch. Was aber rechte Christen seynd, die führen, vorgemeldten köstlichen Reimen nicht allein im Munde, sondern auch im Herzen; und ob sich GOrt eine Zeitlang mit der Hülffe verbirget, so werffen sie doch ihr Vertrauen nicht hinweg, Hebr. 10, 35. fondern bleiben in der Hoffnung beständig, trauen der Verheissung Got tes, und erwarten deß von ihm bestimm ten Stündleins, und sprechen: Die Hoffnung wart der rechten Zeit, Die GOttes Wort zusaget: Wann das geschehen soll zur Freud, Sest GOtt kein g'wisse Tage: Er weiß wohl wenns am besten ist, Und braucht an uns kein arge Lift, Das soll'n wir ihm vertrauen. Und abermal: Die Weisfagung wird ja noch erfüllet werden zu feiner Zeit, und wird endlich frei an Tag kommen, und nicht ausfen bleiben; ob fie aber ver zeucht, so harre ihr, sie wird gewißlich kommen, und nicht verziehen, Hab. 2,3. Und ob es währet bis in die Nacht, und wieder an den Morgen, doch soll mein Herz an GOttes Macht verzweiffeln nicht noch €. 9. zu schanden werdeu. 177 noch sorgen, fingt Lutherus aus dem 130. Pfalm vers 6. Wann mir gleich Leib und Seel verschmachtet, so bist du tha, GOtt, allezeit meines Herzens Trost und mein Theil, Psalm 73, 26. Ob mir auch gleich mein Herz zers bricht, So ist doch GOtt mein Zuversicht Ob mir gleich Leib und Seel vers schmacht, So weist du, Herr, daß ichs nicht acht. Ich will dem Herrn meinen Rücken zuhalten, und mich darauf fráupen laf. fen, so lang es fein våtterlicher Wille, und will nicht aufhören zu hoffen, wann Er mich gleich tod ståupere. An solchen Christlichen beständigen Erpectanten hat GOtt ein herzliches Wohlgefallen, und läffet sie nimmer zu schanden werden. In der Welt macht Hoffen und Hare ren manden zum Narren, aber für Ort nicht, wie David Ef. 25, 1.2. faget; Nach dir, Herr, verlanget mich, mein GOtt, ich hoffe auf dich; laß mich nicht zu schanden werden, das sich meine Feinde nicht freuen über mich. Pf. 22, 5. Unsere Bätter hoffeten auf dich, und da sie hoffeten, halffest du ihnen aus. Und Paulus schreibeft, Rd. mer 5, 4. Hoffnung läßt nicht zu schanden werden. Und die Christliche Kirche finger. m Wer 178 Hoffnung läßt nicht Wer hofft in GOtt: und ihm vertraut, Der wird nimmer zu schanden: Denn wer auf diesen Feisen baut, Ob ihm gleich geht zu handen Viel Unfalls hie; hab ich doch nie Den Menschen fehen fallen, Der sich verläßt auf GOttes Trost, Er hilft sein'n Glaubigen allen. €.9. ren, Also wust du immer hoffen und har biß sich der Err deiner erbarmet. Dann die Hoffnung in allen Dingen künff tige Freude machet, und lindert die ge genwärtige Schmerzen; darum erwart das Ende. David sagt im 57. Pfalm, 3. Ich ruffe zu GOtt dem Allerhöchsten, zu GOtt, der meines Jammers ein En de machet. In welchen Worten wir ei nen herrlichen Trost haben, daß Gott alle unsere Trübfal nicht allein weiß, son dern auch diefelbe gezählet, und derselben ein Ziel gefest, wie lang sie währen ſoll. Darum fann je niemand unfers Creuzes und Elendes ein Ende machen als GOtt felbft, und zwar ein gutes feliges Ende; nicht ein schlechtes Ende, daß das Creuz bloß aufhören werde, sondern daß uns dafür unaussprechliche ewige Freude gege ben werde solle. Es laffen sich die Christen zur Zeit des Creuzes bedenken, als müsten sie un tergehen, dieweil sie ihrer Trübsaal kein Ende 179 €. 9. zu schanden werden. Ende noch Ausgang für sich sehen: Wenn fie aber durch die Anfechtungen hindurch gedrungen, werden sie zum hösten er. freuet, darum daß ihnen foloe Veran. derung des Creuzes und Trübfal; und der gnädigen Hülfe GOttes zum befien gedienet hat. In dieser Welt hat ein jedes Ding seinen Anfang und Ende, und wann man das Ende nicht erwartet, so wird nichts daraus. Mancher saurer Wind gehet über die Früchsen auf dem Felde, che fie reif werden, was aber bleis bet, und das Ende der Reiffuna abwartet, das wird gar, süsse und wohlschmeckend; So ist es auch mit dem Creuz, erwartet man das Ende mit Gedult, so wird es eine friedsame Frucht der Gerechtigkeit bringen, denen die dadurch geüber sind, Hebr. 12, 11. Darum wollen wir nicht in Gedult und Beständigkeit verharren, so erlangen wir die rechte Hülfe nicht und verkürzen und daran, und verscherzen die rechte Hülfe; Gleichwie einer, der das Gedraide allzu zeitlich abschneidet und die Beintrauben vor der Zeit der Reiffung abnimmt, der verderbet alles, und bringet fich um ſei men Segen. Darum fagt David, Har. re des HErrn, sen getrost und unverzagt, und harre des HErrn, Pf. 27, 14. Die M 2 Schif C. 9. 180 Hoffnung läßt nicht Schifleute, ob sie gleich mit groffem Scha den und Gefahr des Lebens Soifbruch und Schaden erlitten, schiffen dennoch auf Hoffnung wieder hinaus: Wie auch der Ackermann, ob ihm schon diß Jahr die Früchte durch Hagel und Ungewitter verderbet werden, so läßt er doch nich nac, den Ader wiederum zu bauen und zu fáen, in Hoffnung der fünftigen Früc te; Alſo auch du, der du weist und glau best, daß GOtt mächtig und stark genu sey, dir zu helfen, es läßt sich aber als mit dir ansehen, als wollte nichts daraul werden, es habe lange Zeit mit dir g währet, und will sich weder andern nod beffern, und läsfet dich bedünken, es fiel le sich unser Herr GOtt also gegen did als wollt er mit der Hülfe gar auffin bla ben; so gedenke wiederum an ſeinen her lichen Namen; da er heißt Wahrhaftig er habe es zugesagt, und wolle es aud gewiß und treulich halten. GOrt abe erfüller alle seine Berheistung und Zusag an uns, nicht wie wir gedenken, nach de Vernunft, sondern wunder und unb greiflicher Weise, wider alle Gedanke und Vernunft. Sprich derhalben; Herr, ob ich gleich deine Wunder mi meiner Vernunft nicht begreiffen, noc mit meinen Augen deinen Rath sehe Fann F zu schanden werden. 181 €. 9. Fann; so weiß ich doch, daß du wunderli. cher, übernatürlicher Weise deine Barm, herzigkeit an mir beweisen wirst. Wann derowegen unsere Bernunft gang das Widerspiel het, wollen wir doch glaus ben, und des gewig seyn, daß eben in dem, das wider alle Vernunft ist, GOtt feine Berheiffung erfüllet, nach seinem uners forschlichen Rath. Dann alle Werke GOt tes seynd wunderbarlich unbegreiflich, gött. lich, und GOtt der HErr erfüllet feine Bufage viel anders, als ein Mensch denket. GOtt hat den Kindern Israel, die Er. lösung aus Egypten verheissen aber wie wunderlich macht es unser lieber GOtt? nicht nach der Vernunft. Moses kommt mit einem Stab, sie von einem mächti gen König zu erlösen; und da Moses kam, ward die Drangfal schwerer; und indem er fie also ließ unterdrukt werden, daß fie menneten, es wäre nun gar aus, indem ja eben dadurch half Er ihnen, und erlo. fete fie. So gieng es den Männern im feurigen Ofen, indem sie GOtt ließ ins Feuer werfen, indem half er ihnen. Den H. David ließ GOtt verfolget were den, und eben dadurch macht Er ihn herr' lich; denn es ward offenbar bey jeder. mann, daß ihn Saul mit aller seiner Macht nicht vertilgen könnte. So gehet M 3 es 182 Hoffnung läßt nicht es mit allen Glaubigen, die Gott vest ver. trauen; indem er fie demüthiget und her. unter wirft, alles Ungewitter über fle ge. hen läffer, indem hilft er ihnen, und er. füllet feine Berheiffung getreulich, ja GOtt hair seine Berheiffung treulich, kann auch nimmer geändert werden, und läffer doch gleich des Widerspiel fürfallen, damit Er unsv ruchet. Ja, GOtt probiret unfern Glauben, und spricht: Laß sehen, will er auch vest halten an meiner Berheissung; ich will ihm alle Mittel wegnehmen, die die Vernunft erdenken kann, und will doch meine Zusage wider und über alle Vernunft halten. Dies ist unsers Herrn Goties wunderlich Regiment, davon St. Paulus Nom 11, 33. mit groffer Berwuns derung ruffet: O welch eine Tiefe des Reichthums, beyde der Weisheit und Er Fänntniß GOttes! Wie gar unbegreiflich find seine Gerichte, und unerforschlich ſei ne Wege! Dann wer hat des HErrn Sinn erkannt? oder wer ist sein Rathgeber ge, wefen? Darum sollen wir GOtt bitten, daß er uns seine Berheiffung in unserm Herzen durch wahren Glauben wolle veri fiegeln, und gewiß machen. Und wann einer einen Spruch göttlicher Verheiffung aus der H. Schrift im Glauben ergreiffer, und sich darauf verläßt, der hat einen köst lichen €.9. 183 €. 9. zu schanden werden. lichen Schaz erlanget, und hat mehr als Denn er wünschen und begehren mag. wenn uns GOtt in einem Wort etwas verheiffet, das ist so gewiß, als wann es bereits geschehen, und der Glaub begreift es, als wann es gegenwärtig da wäre. Derowegen sollen wir uns durch Bey stand des Heil Geistes, für dem schándli. chen Laster des Mißtrauens mit höchstem Ernst hüten, in Betrachtung, woman in GOtt ein Mißtrauen sezet, da schilt man ihn für einen Lügner, als fen es nicht wahr, was er uns zusage, wie Johannes in der I. Epistel 5, 10. spricht: Wer GOtt nicht glaubet, der macht ihn zum Lügner. Kann nun der HErr Christus den Teus fer nicht irger mennen, dann daß er ihn einen Lügner schilt; und verdreusts einen ehrlichen Mann, wann man ihn Lügen straffet, und zu seinen Worten, Verheis. fung und Zusagung ein Mistrauen stellet; wie vielmehr verdreußt den allmächtigen wahrhaftigen GOtt, wann man in feine göttliche gnädige Verheissung, die da Ja und Amen seynd, ein Zweifel und Mißtrauen sezet, Diebstahl, Hureren und Code fchlag sind zwar groffe Sünden; aber noch groffere Sünde ist es, wann einer GOttes Berheiffung aus den Augen sezet, oder die. felben in Zweifel stellet. Lieber, was M 4 hilft 184 Hoffnung läßt nicht zu schanden ze. C. 9. hilft es, das uns GOttes Almacht, Wahr heit und Barmherzigkeit wird gerühmet, wann wir uns darauf nicht verlaffen? Dar um follen wir unsere Hoffnung und Ver trauen feines Weges auf die dufferliche Mittel, fondern allein auf den allmächti gen wahrhaftigen und barmherzigen GOtt fesen, und die göttliche Berheissung unt nimmermehr aus dem Herzen kommen laffen; und je gröffer die Noch wird, je ftirter soll die Hoffnung in uns werden. Sehnliches Gebet um bestån dige Hoffnung. ERR, du allmächtiger, getreuer GOt von dir müssen alle gute Gaben her kommen, Du must allen Glauben und Hof nung geben, du must wirken bende dal Wollen und Vollbringen. Ich bitte did von Herzen, erhatte mich in vestem Glau ben, beständiger Hoffnung und Zuversicht auf dich, auf das ich alles gedultig ertra gen, und in starker Hoffnung, dich nicht läß fet zu schanden werden, wie ein geistlicher Ritter überwinden, und wie ein guter Streiter JEfu Chrifti, an jenem Tag mit der Freuden Crone der ewigen Seligkeit geerdnet werden möge, durch denselben, der mir die Crone verdienet und erworben hat. Jefum Chriftum meinen HErrn und Hey, land, Amen! 185 €. 10. GOtt verzeucht bisweilen feine 2c. Erhalt in mir, HErr, Hoffnung und den Glauben, Diß geistlich Schwerdt laß keinen Feind mir rauben. Das X. Capitel. Daß Gott bißweilen seine Hülffe lang verzeucht. Pfalm 13, 2. HErr, wie lang willt du mein fo gar vergessen? Ble lang soll ich forgen in Antliz für mir? Wie lang foll ich sorgen in meiner Seele, und mich ångsten in meinem Herzen täglich? Wie lang foll sich mein Feind erheben? Mann uns GOTT bisweilen auf unser Geber bald zu helffen bedacht ist, so zeucht Er doch oftmals die Hülffe lang auf. Erfilich, uns zu erinnern, daß wir die Buß gegen ihm auch lang aufgeschoben haben. Dann also spricht der HErr: Weil ich rufe, und ihr weigert euch, so will ich auch lachen, in eurem Unfall. Prov. 1, 24, 26. Dann ich ließ dir sagen, mich follt du fürdten; aber du bist fleißig alle Bosheit zu üben, darum müffet ihr auch wiederum meiner warten, biß zu feiner Zeit, Zephan. 317.8. Denn weil wir im Glük und Wohlfahrt oft frech und sicher werden, so verleurt sich GOtt nicht un. M 5 billich C. 10. 186 Gott verzeucht bisweilen billich wiederum, als ein Vater von seinen unachtsamen Kindern, wie Er spricht, Hof. 6, 15. Ich will wiederum an meis nen Ort gehen, bis sie ihre Schuld erken. nen, und mein Angesicht suchen. Ob wir wohl fláglich zu ihm ruffen, und ihn suchen, so läffet er sich doch nicht bald von uns finden, sondern siellet sich, als ob er schlieffe, und unser Gebet nicht erhöre; damit er uns erinnere, wie wir ihn auch, da es uns wohl gienge, haben ruffen und fahrenen lassen, und solch fei. nesSchreyens wenig geachtet; darum will Er uns mit gleicher Münze bezahlen, und eben mit der Maaß messen, damit wir Ihm gemessen haben, Luc. 6, 38. Dann da haben wir leider die böse Un. art an uns, wenn uns gleich Gott der HErr einen Tag und alle Tag zur Buß und Besserung des fündlichen Lebens durch das Predig: Amt von der Canzel läßt vermahnen; wenn er gleich den gan. zen Tag da stehet, recket und strecket ſeine Gnaden Arm aus, und ruffet überlaut; Kehret euch zu mir, so will ich mich zu euch kehren, Zac. 1, 2. Thut Buß und glaubet dem Evangelio, Marc. 1, 15. fo laffen wir doch solche Buspredigen für unsern tauben Ohren fürüber rauschen, und gehen dahin wie Roß und Mäuler, die €. 10. feine Hülfe lang. 187 die keinen Verstand haben, Pf. 32, IO. daß alles Rufen und Schreyen umsonst und verlohren ist. Derowegen strafet uns GOtt der HErr eben dadurch, womit wir gefündiget ha. ben: Und damit wir in uns selber gehen und verstehen mögen, wie es ihm gefalle, wann wir ihn oft und vergeblich rufen und schreyen laffen, so verstopfet er gleichsam hinwiederum eine geraume Zeit feine Oha ren unserm Raffen und Schreyen, und stellet sie als habe er uns verlassen, und unser vergessen, und wolle und keine Gna. de mehr erzeigen; wie er dann allen Un. busfertigen orduet, Zeph. 3,8. Prov. 1,28. Darum lieber Mensch, willst du, daß dich auch Gott bald und schleunig foll erhören, und seine Ohren für deinem Gebet nicht verstopfen, so verstopfe du dein Herz nicht, fondern bekehre dich zum Herrn deinem Gott, so wird er sich auch gewiß. lich zu dir in Gnaden kehren und wenden. Zum andern, zeucht GOtt feine Hülfe und Segen, so erups verheiffen hat, nicht allein lang auf, sondern läffet uns auch bisweilen in folchem Aufzuge ein solches begegnen, daß seiner gethanen Berheiß fung und Zusage straks entgegen ist; auf daß er unfern Glauben probire, ob er auch, weil er das Widerspiel siehet, beständig bleis 188 €. 10. GOtt verzeucht bisweilen bleiben und haften will? ob er stark oder schwach ist? Syr. spricht im 2, 5. Gleich, wie das Gold durchs Feuer, also werden die, fo GOtt gefallen, durchs Feuer der Trubsaal bewähret. Sprichst du aber: Ja lieber; was be. darfs viel Bewährens und Probirens? Gott der Herr ist ein allwissender Gott, er weiß vorhin wohl, wie schwach und stark wir im Glauben sind: sintemal er felber den Glauben in uns schaffen und wirken muß. Darauf gibt der H. Augu ftinus gar eine herrliche Antwort, und spricht: Es weißt GOtt der HErr frey lich wohl, wie es mit eines jeden Glauben be randt und beschaffen ist; nichts desto weniger aber schicket er ihm eine solche Pro. birung zu, damit unser Glaube, der vors hin ihm allein befandt, auch der ganzen Welt befandt werde, und daß sich andern zu seinem Erempel spiegeln und trösten, und daraus klärlich folge, daß GOttes Almacht und die Herrlichkeit seines Na mens desto weiter ausgebreitet werde. Derowegen, wann bir der Herr Creuz und Trübfaa! zuschiket, so sprich in deis nem Herzen: Ey nun GOtt sey Lob und Dank! mein Glaube soll abermal beffer geübt und bewähret, ja schöner und größ fer werden. Zum 3ten verzeucht er ſeine Hülfe E. 10. seine Hülfe lang. Hülfe darum, weil wir noch menschliche Hülfe suchen, und unsers Herzens Vertrauen darauf fezen. 3um 4. verzeucht GOtt seine Hülfe, daß wir im Gebet de. sto emfiger sollen anhalten, und daß er uns zum Gebet will inbrünstig machen: GOtt stellet fich oft fremd gegen uns, als acte Er unser Schreyen nicht, zu diesem Ende, daß wir sollen in uns schlagen, und gedenken; O lieber GOtt! thut es so we. he, wann du uns etliche Stunden, Tage, Wochen oder Jahre in zeitlichen Nöthen ringen, ruffen und schreyen läsfest; ach! was wird es für eine unaussprechlice Pein seyn, die die Verdammten in der Höllenglut ewig werden leiden! O lieber GOtt! behüte uns für solcher ewigen höllischen Noth, und gib uns Stärke und Kraft, daß wir in allen zeitlichen Nöthen deiner göttlichen Hülfe mit Gedult erwarten. Zum s. verzeucht GOtt mit seiner Hülfe, auf daß sie auch darnach desto angenehmer sey und desto beffer schmeke, und man da. ben seine Hülfe erbenne, daß sie vom Hims mel fomme, und ihn von Herzen dafür rühme und preife. Um dieser und derglei. chen Urfachen willen verzeucht Gott, und steller fich fremd gegen seine liebe Christen, läffet fie eine Zeitlang mit der Noth rin. rin. Sürnehmlich, wann Ereine fonder. 189 C. 10. Gott verzeucht bißweilen 190 liche That im Sinn hat, so verzeucht er am allerlángsten, und stellet sich am frem desten, bis die Noch auf den höchsten Knopf kommt, so komt er denn und hilft, daß es geholfen heist, und jedermann sich verwundert; Und wann gleich die ganze Welt, und alle Teufel auf allen Seiten hemmeten und wehreten, und sich in die Långe und Quer in den Weg legten, fo können sie es doch nicht hindern; denn GOttes Rath ist wunderbarlich, und füh ret es herrlich hinaus, Efa. 28, 29. Deswegen sollen wir uns in GOttes Weise und Gewohnheit lernen schicken, und veßiglich Glauben, daß Er mit der Hülff am nächsten seyn, wann die Noth am gröffesten ist, und das Wasser über die Körbe lauft, wie der Prophet Nahum 1,7 ſpricht: Der HErrist gütig, und ein Beste zur Zeit der Roth, und kenner die, so auf ihn trauen, und wann die Fluth überber lauft, so machet Ers mit derfelben ein Ende. Ja, wann sein Stündlein kommet, so schencket Er Freude and Wohlgefallen ein, und hilft und errettet aus aller Noth, zeitlich und geisttid, und machet es viel beffer, als wir es hatten denken und wün Schen können. Also nun nicht anders thut unser lieber HErr GOtt, und beweiset al. so seine groffe Macht und Herrlichkeit Wann E. 10, feine Hülfe lang. 191 wann er sich eine Zeitlang gestellet hat, als könne Er nicht helffen, daß er darnach, wann fein Stündlein kommt, desto ges waltiger und stattlicher seine Hülfe er. zeiget, daß fie oftmals auch als ein GOt teswunder zu achten sey. Sintemal GOtt seine größte Wunder in unserm Creuz und Elend, wann es am höchsten ist, beweisen will: Dann GOttes Allmacht und Wahra heit nicht kann offenbar werden, wann kei. ne Noth da ist. Wie kann eines Medici Kunst offenbar werden, wenn niemand Frank ist. Das soll aber betrübten Christen Trost seyn, daß GOtt allezeit, an den Betrüb. ten ſeine Wunder und Allmacht offenba: ret habe, das wird auch GOtt an dir thun zu seiner Zeit. Immittelst arbeite und bes te, und erwarte des Hülf Stündleins des Herrn. Aus vorhergehenden Ursachen sea hen wir, daß sein Verzug mit nichten da hin gemeinet, daß Er dich in der Roth will laffen verderben, sondern daß er deinen Glauben will probigen, und dich hernach desto herrlicher erretten, und zugleich feine wunderbare göttliche Allmacht erklären und beweisen, die man traun sonsten nicht spü. ren noch erkennen könnte, wann es allezeit glücklich und wohl stünde, und keine Noth vorhanden wäre. Wir lesen, Joh.9, 2. VON €. 10. 192 GOtt verzeucht bißweilen von dem blind gebornen Menschen, da die Junger fragten: Meister, wer hat gefün. diget, dieser oder seine Eltern, daß er blind gebohren ist? Da gibt der Herr ihnen zur Antwort, und ſpricht: Es hat weder die fer noch seine Eltern gefündiget, sondern daß die WerfGOttes an ihm offenbar wer. den. So schicket nun GOtt auch noch heu tiges Tages Krankheit, Armuth, Wider wärtigkeiten, Verfolgung und andere Be schwernissen, daß wir daraus die Allmacht unsers lieben GOttes erkennen, und die selbe mit dankbarem Gemüth rühmen und preisen. Ja, uns selber gelangt es zum Ruhm alldieweil wir wissen, daß wir durch solch Creuz und Leiden dem Ebenbilde un fers Herrn Chrifti gleichförmig werden, Rom. 8, 29. Auf daß wir aber nicht gedenken mögen, wann GOtt feine Hülfe etwas lang auf schiebet, als wiederführe und was neues, das vor zeiten den Kindern GOttes nicht widerfahren; follen wir bedenken die Erem pel der Heiligen, wie dieselbe haben müs fen in ihrem langweiligen Creuz Gedult tragen, und der Hülfe des Herrn erwar. ten. Abraham und seine Sara giengen da hin in groffer Betrübnis, wegen ihrer Unfruchtbarkeit, das sie kein Kind und Er. ben härten, dadurch die Berheiffung könn te C. 10. seine Hülfe lang. 193 te erfüllet werden, die GOtt gethan, daß Er feinen Saamen wollte mehren, wie die Sterne am Himmel, Gen. 15,5. und den Staub auf Erden, Gen. 13, 16. und daß alle Geschlechte auf Erden durch ihn ſollen gesegnet werden, Gen. 12. In folcher Be. kümmerniß hat er muffen dabin arben ben 25. Jahren, ehe ihn GOtt gefegnet, und den Isaac bescheret, welches gefche. hen in ſeinem hohen Alter, da alle poff. nung fast ausgewesen ist, Gen. 21, 2. Der Patriarch Jacob gericht in die Fremde und Dienstbarkeit, wegen der Dráu Wort seines Bruders Esau, und mußte sich in die 20. Jahr fümmerli in Mesopotamia, ben Laban, behelffen, bey dem er wenig Freude und gute Tage ge habt, wie er klaget, Gen. 31, 38.40. Diese 20. Jahr habe ich in deinem Hause gedies net, des Tages verfomaotete ich vor Hize, und des Nachts für Frost, und kam kein Schlaf in meine Augen. Da er nun mit seinen Weibern und Kindern von dannen gezogen, jaget ihm Laban nach mit starker Hand, und gedenket ihn auf dem Berge Gilead aufzutreiben; Aber GOtt that ihm Einhalt; und gebeut ihm, er foll nicht anders dann freundlich mit ihm re. den, Gen. 31,24. Da er dem Laban ent. gangen, ziehet ihm sein Bruder Esau n mit 194 Gott verzeucht bisweilen mit 400. Mann entgegen, darüber er große Furcht und Strecken gerieth: aber GOtt wender ihm auch das Herz, daß er allen Zorn muß fallen lassen, und seinen Bruder freundlich empfahen, Gen/ 32/ 7-331 35. Darauf folget bald das Unglück, daß ihm feine Tochter Dina geschåndet wird von Sichem, dadurch ein groß Blutbad angerichtet ward, Gen. 34, 2. 26. bald her: nach stoffet ihm das schwere Haus. Creuz zu handen, daß ihm sein allerliebstes Che weib die Rahel in Kindesnöthen bleibet, und stirbt in weitem Felde nicht weit von Bethel, die er mit viel Thránen beweinet hat, Gen. 35, 18. Sein Sohn Ruben be schmizet feines Baters Lager, und schändet ihm sein Ehe Weib, Gen. 35, 21. Sein lieber Sohn Joseph wird ihm unter den Handen weggestohlen, und in Egypten verkauft, mit dem Fürgeben, als hätten ihn die wilden Thiere zerriffen; darüber Jacob fo traurig wird, daß er nicht ge denket fein Lebenlang wieder froh zu wer den, sondern will seine graue Haar mit Leid und Trauren hinanter in die Grube bringen, Gen. 37, 28. 35. GOtt läßtihn auch in folchem Trauren und Sorgen ste den über zwanzig Jahr, ehe ers muß erfahren, das sein Sohn Joseph noch lebet; biß er endlich selbst in Egypten hinah €. 10. C. 10. seine Hülfe lang. 195 hinab zeucht mit seinem ganzen Haufe Gen. 46. und in einem geruhigen Aiter stirbt, Gen. 49, 33. Was wollen wir aber fagen von Joseph? Hat nicht der auch eine lange Zeit müssen aushalten, ehe er zu Ehren kommen? Hat er nicht müssen viele Jahr in Egypten dienen, Gen. 39, 1. im Ges fängniß liegen, und viel erdulden, Gen. 39, 20. biß ihn endlich Gott erhöhet und zu Ehren gesezt hat, Gen. 41, 20. Alfo auch der König David, der hatte feinen Beruf für sich, daß er ein König seyn follre über Ifrael? Aber ehe er kann zu Ehren kommen, muß er zuvor wohl leia den, nach Salomonis Spruch, Sprüchw. 15,33. Er muß fich in die gehen Jahr von Saul verfolgen lassen, der ihm nach dem Leben gestanden, also, daß er feine Stun. de ficher gewesen; Aber GOtt hat ihn nicht immerdar in der Unruhe gelaffen, fondern endlich errettet, und von seinen Feinden erloset. Weil dann nun GOtt mit den groffen Heiligen also gespielet und seine Hülfe lang verzogen, so sollen wir uns auch nicht be. fremden laffen, wann es mit unserer Ers rettung etwas lang währet; die Zeit und Stunde wird wohl kommen, die Gott darzu bestimmet har: Er weiß wohl, wenns N 2 am 196 GOtt verzeucht bisweilen C. 10. am besten ist, und braucht an uns fein ar ge List, das sollen wir ihm vertrauen. Ernstliches Gebet, daß wir uns lernen in den Berzug göttlicher Hülfe schicken. Het Err, himmlischer Vater, du ewiger Menschen Freund, hilf daß ich in allem meinem Elend Dich allein anflehe: Und bey dir die rechte treue Hülfe suche; Und ob du aus Ursachen: die mir nid bewußt, deine Hülfe verzeuchst, und mei ne Noth und Elend lang und schwer wit de, so gib indessen wahre Gedult, rechter Trost, und beständige Hoffnung. Hilf, da ich des Verzugs haiben in Anrufung de ner Hülfe nicht müde werde, noch mid dadurch vom Gebet abfchrecken laffe, son dern immer anhalte, und durch ein gla biges und andächtiges Gebett alles Unglü wegbete, und durch deine Gnade und Hül fe alle meine Noth. Berge verseze, durd Jefum Chriftum, Amen! HErr, lehre michyins Creuz recht schicken, Daß ich darinn gedultig sey, Biß daß dein Hülfftund kommt herbey, Mich zu erlösen und erquicken. Dai €. 11. GOtt legt uns nicht mehr auf 2. 197 Das XI. Capitel. Daß Gott uns nicht mehr auflegen werde, als wir ertragen, können. Jerem. 30, 11. Mit dir will ichs nicht ein Ende machen, züchtigen aber will ich dich mit Maasse, daß du dich nicht un schuldig haltest. Bedenke, daß Sanct Paulus ſpricht: spricht mit sehr schönen tröstlichen Worten, 1 Cor. 10, 13. GOtt ist getreu, und läffet niemand versuchet werden über fein Bermogen, sondern machet, daß die Versuchung so ein Ende gewinne, daß wirs können ertragen. Und deucht uns zu Zei. ten, GOtt mache es zu viel und lang, laffe und gar zu lang unter dem Creuz; und beſorgen uns, es werde gar kein Ende nehmen, und wir werden es in die Lan. ge nicht ertragen mögen, und beständig bleiben; so follen wir dennech vest halten, in Betrachtung, GOtt wisse wohl, wie viel ein jeglicher Mensch erdulden könne, wir selber können es nicht wiffen. Dann gleichwie ein vorsichtiger und kluger Schiff. mann, mit allem Fleiß darauf Achtung giebt, daß das Schiff nicht allzusehr beldfliget werde, damit er sich nichts übels dürfte befürchten, daß es sollte den Grund N 3 suchen; 198 GOtt legt uns nicht mehr auf, C. n fuchen; Eben also ist auch GOtt ein ges treuer GOtt, Er wird dir nicht mehr auf. legen, als du ertragen und erdulden Fanft; denn Er weiß eines jeden Natur am besten, wie viel ein jeder tragen kan; mehr und weniger wird Er uns nicht auf legen. So bald GOrt der Allmächtige sich mit den Seinigen in den Bund seiner Gnaden einlaffer, und sie für seine Kinder auf nimmt, schleußt Er im Anfang ihres Chri stenthems die Gewichte und Maaß mit in solchen Band hinein, nicht anders, als sprache Er; Diß oder jenes Creuz sollt du mir tragen, fo und so schwer foll es dir seyn, und das soll dein Theil seyn, das du leiden sollt um meines Namens willen. Daher es dann nicht verbleiben kan, wel che ihmangehören, seine Kinder, Diener und Jünger seyn wollen, und in ihm ein gottfeliges Leben führen, die müssen Anfechtung, Creuz und Noth ertragen, wie die Schrift redet, Matth. 10, 21. Sir. I, I. 2. Tim. 3, 12. Hebr. 12, 6. jedoch der fromme getreue GOtt mindert und tem perirt dasselbe allwege, wie jezt gemeldt, daß Frs den Seinen nicht zu schwer mas che, viel weniger fie über ihr Bermögen überlade. Er weiß auch die Last des Creu. zes und der Anfechtungen, wie viel Kräfte und C. 11. als wir ertragen können. 199 und Stärke dazu gehören; und solche bens de vergleichet der getreue Gott mit einan. der, also, daß er das Creuz messe nas des Menschen Kräften, und gebe den Menschen Kräfte nach dem Creuz; denn beydes hat er in seiner Gewalt. Weiß und befindet Ernun, daß sein Vermogen gros ist, und zu einem schweren Creuz dienet, daß es daffelbe austragen könne, und dir fonder. lich gut, so schicket Er dirs also, und gibt deinen Kräften ihre Last, nach ihrer Star. de, zu deinem Heil. Weiß und befindet er auch, daß dein zugeordnetes Creuz größ fer ist, als etwa dein Vermögen in dir felbst seyn mag, und dir dennoch Heyl und Herrlichkeit daran hanget, so gibt er dir was du nicht hast, und schaffet, was dir mangelt, das du von dir selbff nicht nehmen fanft, nemlich, die Kräfte nach dem Creuze. Leget Er nun auf die Last, so hat Er fie in seinen Händen, und was get fie uns ab, wie ein getreuer Medicus, und nimmt die rechte Dofin, und so viel von der Arzney, deren Kräfte er wol weiß, fo viel uns feinen Patienten dienen will; Auch siehet Er wohl zu, zu welchem Creuz er einen jeden nimmt. Darum fage mir, warum gibt ein Medicus diesem mehr Wera muth, als einem andern? Nehmlich, daß folches feine Krankheit oder Natur erfodert. 24 Darum GOtt legt uns nicht mehr auf, C. 11. Darum foll ein jeder mit seinem zuge. meffenen Theil zufrieden feyn; und wann mir würde die Wahl gelaffen, daß ich eins von allen sollte erwehlen, und zu mir neh men, so wollte ich mein Creuz wieder neh men: denn ich weiß, daß es von GOtt also gemacht ist, daß es mir am bequem ften( nach meinem Vermögen) zutragen, weldes mir GOtt gegeben hat. Derower gen balte es gewiß dafür, daß dich Gott der Herr durch dein gegenwärtiges Creuz für andern Creuzen bewahre, die sonsten noch gröffer und schwerer fallen würden. Wie nun einem jeden das Kleid, so ihm gemacht ist, und sich auf seinen Leib fahi det, am besten anstehet also ist einem je den das Creuz am bequemsten, so ihm GOtt selbst auferleget hat. Ja, GOtt der Herr legte gröffers Creuz auf Abraham, Isaac, Jacob, und auf andere Heiligen, als auf uns, dann sie konnten mehr ertragen, als wir nach den Gaben des Heil. Geistes, die ihnen größ fer gewest fenn, als en uns. Keine Heili gen können fein groß Creuz tragen; dar um legt GOtt aus hochweisem Rath auf groffe Heiligen groffes Creuz, auf kleine Heiligen kleines Creuz. Wir sollen uns dessen trösten, daß GOtt genaue Achtung auf die Seinen gibt; ja, ehe wir noch ein einiges 200 201 €. 11. A als wir ertragen können. einiges Creuz und Unglück sehen und füh len, ist es schon bey unferm getreuen lieben GOtt( wie nach der Länge angezo. gen) abgezirkelt, wie lang wir uns da. mit schleppen sollen, und was es für ein End und Ausgang gewinnen soll; und hat ein jeder Christ sein gewisses Antheil, das er gewiß haben muß, und dessen ſo viel, als die Austheilung mit fich bringet, und von seinem Herrn und Heyland selbst zu. erkannt und gegonnet, zugemeffen und ein. geschrendkt ist, welcher den Creuz Kelch in der Hand hat, und aus demselben schenckt, von einem Chriften zum andern låſt um. her gehen; bekommt also ein jeder frommer Christ nicht mehr, als sein zugemessenes theil, damit er muß vorlieb nehmen: Le get er uns gleich eine Laft auf, so hilft Eruns doch wiederum darvon, Pf. 69, 20. und er stehet uns zur Seiten, und siehet, daß uns das Unglück nicht unterdrücke, ob. wol die Laft des Creuzes uns drücket. Er läßt uns wol senken, aber nicht ertrin. ken; der Krug mus wol zu Waffer gehen, aber nicht gar zu Grund. GOtt siehet wohl, in was Noth und Gefahr wir stehen Er weiß auch am allerbesten, wie und zu welcher Zeit uns zu rathen und zu hel; fen sey, damit seine Ehre und unser Se ligkeit gefördert wird; Er siehet und weiß N 5 nicht 202 GOtt legt uns nicht mehr auf, E. 11. nicht allein alle Dinge, sondern er macht auch alles: Wenn schon unser Leiden je långer je groffer würde, so ist doch GOtt tauſendmal gröffer; so gewaltig er ist, so gnädig und barmherzig ist Er auch, und ist nicht möglich, daß einer, der Christum hat, möge von der Sünde, Teufel, Welt, oder allen Creaturen unterdrukt werden. Wann nun das Creuz am schwersten ift, so kommt der H. Geist, tritt unter die Bürde, und läsfet uns ruhen, und zum Athem kommen, daß das Creuz uns nicht darnider werfe.Zum Erempel: Ein Haupt mann laffet seine Kriegs- Leute unterwei. len ruhen und kurzweilen, auf daß fie sich ein wenig erquicken, und darnach dea fto mannlicher streiten: Also unser geist. licher Hauptmann verleihet seinen Chris ften offt Fried und Ruhe, auf daß sie sich erholen, und bey Kräften bleiben, und darnach desto ritterlicher streiten. Also gonnet der fromme GOtt dem armen Creuzträger auch bisweilen eine Erquick Stund, damit er nicht gar verders be. Denn wann es immer regnen sollte, so würde alles auf dem Feld verfaulen; also auch wenn wir immer sollten Trau rigkeit haben, so würden wir es in die Län ge nicht aussehen können. Dann allezeit trauren, kann nicht dauren., Wann wir auch €. 11. als wir ertragen können. 203 auch lang sollten Creuzloß seyn, und im, mer in Freuden hergehen, so giengen wir in kurzer Zeit zu Grunde: Allzeit frölich ist nicht selig. Wenn die Sonne immer scheinen sollte, so würde alles auf dem gan. zen Erdboden verdorren und umkommen: Also wenn die Freudensonne dem Men. fchen fort und fort scheinen, und das Glück ihm nach Wunsch und Willen immerzu dienen sollte: würde die Gottfeligkeit samt allen andern Tugenden in seinem Herz. Acker bald verscheinen und verdorren. Die gute Tage brachten die Bürger zu Sodom zu vielen schröcklichen Sünden; denn ei tel gute fröliche Tage bringen nur eitel Jammer and Herzenlend Wann die Sonne im Frühling warm scheinet, so freucht das Ungeziefer häufig herfür: Also, wann und die Sonne des Glücks, und die gute Tage zu heiß an. scheinen, geschichts leicht, daß aus der bös fen Brunnquell des Herzens die angebohr. ne Sünden heraus schlagen, und in uns herrschen. Weil dann die guten Tage den Menschen, und sonderlich den Christen nicht gut seyn, auch GOtt der Herr uns fere Complerion viel beffer kennet, denn wir selbst, so wechselt Gott ab, und temperirt das zeitliche Leben mit Glück und Unglück durcheinander nachdem Er vers merket, 204 GOtt legt uns nicht mehr auf, E. 11. merket, daß es einem jeden nöthig, nůz. lich, erträglich, dienstlich und selig ist. Mit dieser gnädigen Bermischung der Feu. de und Traurigkeit, beweiser GOtt recht sein Vater Herz gegen uns. Dann wann es einem Menschen stets gehet nach ſeines Herzenswunsch, und er weiß von feinem Elend, und von keiner Traurigkeit zu sagen, da stehets wahrlich nicht wol um ihn, und ist ein gewißZeichen, daß unser HERR GOtt mit demselben zurne. Denn seine Kinder, die er lieb hat, läßt er nicht oh ne Creuz in der Welt herum wandern; dann er einem jeden sein Theil, seine Por tion aus groffer Liebe eingeschenket; und was nun aus lieber Hand kommt, soll auch billig mit Liebe angenommen werden. Es baue und traue niemand auf gute Tage, und auf zeitliches Glück; denn es kan plözlich vergehen, und ein schröcklis ches Ende nehme. Der mag sich wol für den elendesten und unglückseligsten Men schen halten, der niemals fein Unglück ge. habt oder kein Creu; geschmeckt noch ge fühlet. Läffet dich GOtt bisweilen in dei. nem Creuz lang stecken, und hilft dir nicht so bald, als du es gern fiehest, so thut er es dir zum besten und dem Teufel zu Truz, damit derselbe, wann er deine Gedult fie. het, zu schanden gemacht werde. So vers mischet 205 C. II. als wir ertragen können. mischet GOtt das menschliche Leben mit Freud und Traurigkeit, darum, damit als ſo die innerliche und im Herzen steckende Sünde und Luftfeuche getödtet und ausge. löschet, der Glaube aber im Herzen getáu. tert, die Hoffnung gemehret, und die Andacht gestärkt werde. Gleichwie durch die bittere Gall des kisches dem alten Tobia das Fell von den Augen gewischt würde, Tob. 11, 13. 14. Also wischer GOtt der HErr durchs Creuz die Nebel unsers Her. zens weg, daß wir die Menge unserer Sünden erkennen mögen. Wenn GOtt durchs H. Creuz nicht wehrete, so würde die Sicherheit ohn Unterlag wachsen und zu. nehmen; da würde der Glaub, das Gebet und die Hoffnung verschwinden: Aber durch Trübfal, Traurigkeit und Anfechtung wird die Sündenlast getödtet, und dagegen das Herz eines Menschen zu brün. stiger Andacht und Gottfeligkeit bewogen. Owol nun dem Menschen, der die Anfech. tung erduldet! denn nach dem er bewäh ret ift, wird er die Crone des Lebens und der Gerechtigkeit empfahen Jac. 1, 12. Es will uns der Sohn GOttes in unferm Kampf und Streit je mehr und mehr stårfen, unfer Crenz selber tragen helfen, und es in der höchsten Noth von uns nehmen, u. läßt ers lieber über sich gehe als über uns. Luthe r 206 GOtt legt uns nicht mehr auf, E. 11. Lutherus spricht; GOtt verläßt uns wol eine zeitlang, auf daß wir ihm vertrauen lernen; aber es wird nicht ewig währen, auf daß wir nicht gar von ihm abfallen. Darum soll niemand gedencken, daß er über sein Vermögen beschweret werde, wie folches der 103. Pf. v. 13. 14. bezeuger: Wie sich ein Vater über die Kinder erbar. met, so erbarmet, sich der Herr über die, ſo ihn fürchten; denn Erkennet, was wir für ein Gechächte seynd. Ein Vater hat Gedult mit seinem Kind, ob es sich gleich bißweilen unrein machet und schrevet, dies weil es weiß, daß es von Natur anders nicht thun kan: Item, so er ihm etwas be. fiehlet, daß es ihm zutragen und bringen foll, als eine Kanne von der Bank, oder was anders, und das Kind greift es an, zieher es von der Bank, und füh let und befindet darnach, daß es ihm zu schwehr ist, schrepet darüber, daß es das. felbe nicht ausrichten kan, wie es gern woll. te, an ſolchem hat der Vater ein herzli. ches Wohlgefallen, lauft zu, und hilft es ihm an seinen Ort tragen, nimmt dar. nach das Kind zu fich, lobet und beloh: net es ihm: Also auch GOtt unfer himm lischer Bater; er befiehlet uns seinen schwa chen, gebrechlichen Kindern, daß wir fol len im Creuz Gedult haben; wann wir nun C. 11. als wir ertragen können. 207 nun dasselbe aus Liebe, als gehorsame Kin. der gern thun wollen. und fahen es an zu thun, so befinden wir, daß wir schwach und unvermöglich darzu seynd, schreyen derowegen darüber, und bitten um Hülf fe, da kommt GOtt der Herr, und läs set ihm folchen angefangenen Gehorsam herzlich wol gefallen, hilft und verleihet Gedult, und that uns darnach viel Gu. tes dagegen, hilft die schwere Bürde des Creuzes überwinden. Wenn wir deros wegen mennen, wir seyen in der äuffersten Noth, so ist das Creuz schon ganz und gar von uns hinweg, wie die Erempel der h. Schrift häufig ausweisen. Auch ver. menget GOtt unser Creuz bisweilen mit zeitlicher Freude und Ergözlichkeit, damit wir es desto besser ertragen können. Lutherus schreiber über den 9 Pfal. Es müssen die, so in Trubsal, Angst und Anfechtung stecken, zu: Zeiten getröstet wer den, auf daßfie können aushalten. Deroa wegen sehen wir, daß zu Zeiten fröliche, zu Zeiten traurige Psalmen durch man. derlen Ordnung untereinander vermen. get werden; denn GOtt der Herr wecha felt allezeir ab, daß wir bald Traurigkeit, bald wiederum Freude haben; darum spricht er: Uleber ein kleines, so werdet ihr mich nicht sehen; und aber über ein kleines, so wer. 初 208 GOtt legt uns nicht mehr auf, C. 11. werdet ihr mich ſehen, Joh. 16, 16. Bald verwundet er, bald verbindet er; bald stöß set er in die Hölle, bald hebt er wieder heraus; bald macht er arm, bald wieder reich; bald erniedrigt er, bald erhöhet er wieder; bald betrübt er, bald erfreuet er. Auch schreibet Lutherus an einem andern Ort: Wann Gott seine Heiligen erfreu et, hat er sie bald wieder traurig gemacht, auf daß sie sich nicht erhebten und sicher würden. Es heist wol: der Gerechte mus vielleiven, Pf. 34/ 20 Es fteher aber da ben: Der HErr hilft ihm aus dem allen. David sagt, Pf. 118, 18. Der Herr züch tiget mich wohl; stehet aber dabey: er gibt mich dem Tod nicht. Job sagt wol, C. St 18. 19. Der Herr verlegt, zerschmeißt, aber darneben fagt er auch: Er verbindet, und seine Hand heilet. Aus sechs Trub's len wird er dich erretten und in der sie benden wird dich kein Uebel rühren: Han na fagt wo!, 1 Sam. 2, 6. Der Herrtod tet und führet in die Hölle; Aber es sie het auch daben: Er macht lebendig, und führet wieder heraus. Der Herr betrübet wol aber er erbarmet sich wieder nach sei ner groffen Güte? dann er die Menschen nicht von Herzen betrübet und plaget, Klagl. Jer. 3, 32. 33. Lutherus spricht oft: GOtt betrübet niemand, sondern er gibt das €. 11. als wir ertragen können. 209 das Leben, Freude, Woane und alles gut. tes, GOttes eigentlich Werk ist, heilen und helffen. Deßwegen sollen wir ihm in der Roth still halten, und gedenken: Gott fey getreu, und stehe daben, und sehe zu, daß uns das Creng nicht zu schwer wers de; und hilfft, wann sein Stündlein kommt, das muß man mit Gedult erwarten: so wiffe er auch wol, daß er uns nicht von Eisen und Stahl gemacht hat, oder daß wir seynd, wie ein Fels, der hart sey, und viel ausstehen kan, sondern daß wir Fleisch und Blut seynd, wie der 103. Pfalm. v. 14. fagt: Er erkennet, was für ein Ge. machte wir sennd, Er gedenker dran, daß thir Staub sind. Ja, Er weiß frenlich wol daß wir Zárt und Weichlinge seynd, und ſo viel nicht ertragen können. Es möchte ein frommes Herz gedencken: Aber dennoch macht Er und offt so schwer, und die Somerzen so groß, daß man bey nahe darunter vergehet: Darauf fola len wir den schönen Spruch aus dem Buch. Joh. 10,8. 2c. ergreiffen, da er spricht: Dei. ne Hände haben mit gearbeiter und ges macht, alles, was ich um und um bin, und versenden mich so gar: Gedende doch, daß du mich aus Laimen gemacht hast, und wirst mich wieder zur Erden machen, Hast du mich nicht wie Milch gemolken, und 210 GOtt legt uns nicht mehr auf, C. II. und wie Käse laffen gerinnen? Du hast mir Haut und Fleisch angezogen, mit Beinen und Adern hast du mich zusam. men gefüget, Leben und Wohlthat haft du an mir gethan, und dein Aufsehen bewahret meinen Athem. Und wiewohl du solches in deinem Herzen verbirgest, so weiß ich doch, daß du deß gedenkest. Als wollte er sagen: Fürwahr es ist nicht anderst, Er verbirget nur sein Herz, und meynet es nicht so bós mit uns, wie es fich ansehen läffet, und wir uns bedün den lassen; wann Er sich schon stellet, als wollte Er uns ein hartes erzeigen, so fichet Er doch nichts liebers, als daß er uns, wann wir ihn von Herzen an ruffen, erscheinen und erfreuen möge. GOTT kann auf viel und mancherley Weife helffen, daß die Last der Trübfaal uns zwar drucker, aber nicht unterdru. cket; daß das Creuz beschweret, aber nicht verzehret; daß uns GOtt läffet in Angst klagen, aber nicht verzagen: Er pfleget und wartet unser in unserm Creuz und thut bey uns, wie ein Vater ben sei nem Kranken Kinde, Er ist bey und, wie ein Hirt bey seinen Schaafen, wie ein Arzt bey seinen Patienten, wie ein Sdiffmann bey denen, so auf dem Meer in Gefaht stehen; Er trägt mit uns das Creuz, C. 11. 211 als wir ertragen können. Creuz, Er gehet voran, und bricht die Bahn, wir folgen nach; Er ist bey uns in den Ströhmen, und in dem Feuer des Creuzes und Flendes; und wann wir durc Wasser und Feuer gehen, verhütet Er, daß wir dennoch von den Stromen und Flamen nicht verdorben werden. Jef. 43/2 Und gleich wie jener Busch brannte, und doch nicht verbrannte, Erod. 3, 3. Also fizen wir auch in den Flammen des Elend des, und kommen gleichwol nicht um. Dahin will auch St. Paulus sehen, wenn er spricht, 2 Cor. 4/ 8.9. Wir haben allent. halben Trübfal, aber wir angsten uns nicht: wir leyden Berfolgung, aber wir werden nicht verlaffen; wir werden unter gedrüc det, aber wir kommen nicht um. Sft das nicht eine göttliche Allmacht? Wie Jonas im Bauch des Baufisches. Jon. 2. und die drey Männer im feuri. gen Ofen seynd erhalten worden, Dans 3. Gleicher Gestalt glänzet GOttes All. macht, wenn wir mitten unter unferm Creuz und Elend bewahret werden. Dara um sen getroft, habe Gedult, fyrich oder finge mit David in deinem Herzen! Und ob es währt bis in die Nacht, und wie der an den Morgen, doch soll mein Herz an GOttes Macht, verzweifeln nicht noch sorgen. Es möchte einer sagen: Gott 2 GOtt legt uns nicht mehr auf, E. II. beschwehre ihn höher, und lege ihm mehr Creuz auf, als einem andern; En das ist gut, und stehet die Sach sehr wohl, deß ſollst du dich mehr erfreuen, als betrüben; denn, so du ein gröffer Creuz haft, und schwerer geplager wirst, denn andere, fo wirst du dort so viel grössere Freude ha ben, und desto herrlicher gecrónet wer. den; denn ſo du ein Kind GOttes seyn wilt so must du warlich durchs Feuer der Trubsal probirt werden. Erschrecke für demjenigen nicht, was dir nuz und heilsam ist, was dir eine Ehr ist, dafür sollt du dich nicht scheuen. Nun ist das Creuz dir eine groffe Ehre, in dem Creuz gehest du mit himmlischen Gedanken um, und mit dem Glauben schwingest du dich hinauf in den Himmel, und gewohneft fein der irrdi schen Sachen und Händel, dich mit der Beit zu entschlagen. Herz begieriges Ansuchen daß uns GOtt nicht mehr auflege, als wir ertragen können. D barmherziger GOtt, komme und befuche mich in meiner Noth in Gna den, und nicht in deinem Grimm und Born; sen du Vater, und nicht Richter, und beschaue alle Winket meines Elendes. Siche, wo es mir mangelt, und rathe mir, wie ich meines Jammers moge los wer. 212 €. II. als wir ertragen können. 213 werden. Auf dich allmächtigen GOtt und lieben Vater werfe is all meine anliegen. de Noth, in gewisser Hoffnung, und finde licher Zuversicht, weil Du unsere Comple rion und Natur am besten weist, du wirst mir nicht mehr auflegen, als ich tragen fan. Ac! wache über mich in Gnaden, und bewahre mich, daß mich kein Unfall stürs ze; erhalte mich mitten im Unglück, daß ich nimmermehr zu schanden, noch meinen Feinden zu Spott werde; sondern hilf, daß ich, ohne Verlegung meiner Ehren und Gerichts, bis in meine Grube mit Ehren möge hindurch kommen. Gerechter GOtt, sey du das scharfe Meffer, das all mein Unglück und die Bande meines bea trübten Herzens entzwey schneide, daß ich frölich, und ewig selig werde; Amen, Amen. Ach HERR! auf deine Gnade will ichs wagen: Leg nicht mehr auf, als ichs kann ertragen, Und straf mich nicht in deinem Zorn, Sonst bin ich ganz und ich ganz und gar verlorn. 0 3 Das ( 214) K Das XII. Capitel. Daß wir GOTT gedultig im Creuz aushalten, und uns für Ungedult hüten sollen. Sir. 1, 35 Der Glaube und die Gedult gefallen GOTT wohl. Weit eil wir nun wissen und glauben, daß alles, was uns wiederfähret, von GOTT herfommt, und, daß GOtt fei nen lieben Christen aus Liebe und Barm herzigkeit, und nicht Zorns Weise Creuz und Tribfal zuschickt, so können wir de fo beffer zur Gedult greiffen, darzu uns der Herr vermahnet, Luc. 21, 19. Faffet eure Seelen mit Gedult. Und 2 Tim. 2, 3. Lende dich, als ein guter Streiter Jesu Christe. Item Cbr. 10, 36. Geduit ist euch noth, auf daß ihr den Willen GOt tes thut, und die Verheiffung empfahet. Hie hören wir, daß diß ein göttlich Man' dat und Befeyl ist, daß wir wider ihn nicht murten und zurnen sollen, wann Er uns züchtiget, sondern wir sollen uns feinem heiligen Willen unterwerfen, die Straffe williglich tragen, auf daß wir feiner göttlichen Gerechtigkeit gehorsam feynd: denn es stehet geschrieben in der 1. Cor. 10, 10. und Num, 21, 5.6. Murret nicht, C. 12. 215 und für Ungedult uns zu húten. nicht, wie jener etliche murreten, und wurs den umgebracht durch den Verderber. Da die Kinder Israel das Wasser zu Mara nicht krinken konnten, darum daß es bitter war, murreten fie, und sprachen: Was sollen wir trinken? Erod. 15, 25. Ingleichem stehet Erod. 16,3. Wollte Gott, wir waren in Egypten gestorben, durch des Herrn Hand, da wir bey den Fleisch. topfen saffen und hatten die Folle Brod zu effen; denn ihr habt, uns darum ausges führet in die Wüsten, daß ihr die ganze Gemeine Hungers sterben taffet, Num. 11, 1. Da sich das Volkungedultig machte, fiel es übel für den Ohren des Herrn: Und als es der Herr hörte, ergrimmete fein Zorn, und zündet das Feuer des Herrn unter ihnen an, das verzehret die duffersten Låger. Darum wir die Gedult, als einen schuldigen Gehorsam Gott ere zeigen sollen. Wenn du bedenkest, daß du dein Creuz und Widerwärtigkeit mit deinen Sünden verschuldet und verdienet haft, so erfodert allweg die Gerechtigkeit, daß du die Wunde an deinem Leibe dul. dest, so du mit eigenen Händen haft ges hauen. Ach! es ist eine schwere Sünde, über GOttes Urtheil zurnen, und GOttes Willen widerstreben. Diesem göttlichen Ulr. 04 216 Gott im Creuz gedultig aushalten, C. 12. Urtheil und Befehi follen wir folgen, und Feines Wegs unserer Vernunft, und dem leidigen Teufel der uns zur Ungedult rei zer, und grosfe Luft dazu hat; und die weil die göttliche Barmherzigkeit die schwe re Strafen, die du sonst in alle Ewig. Feit in der Höllen hättest leiden und aus flehen müssen, in eine solche väterliche milde Ruthe verandert und verwechselt, so follt de folde willig annehmen, und dei nem GOt für ſolche groffe Gnade von Herzen danken. Derowegen sollen wir ftreiten wider die Ungedult, als einen fearigen Pfeil des Teufels, welcher unfe re Herzen dazu treibet, daß sie ungedub tig werden, auf daß er uns den Glau ben und Gedult in Widerwärtigkeit mit Gewalt nehmen möge. Nun ist es keine schlechte kindische Süm de, im Creuz ungedultig seyn, und ver zagen, und GOttes Willen widerstreben. Colches mennet und verstehet mancher, daß es keine groffe verdammte Sünde sey, aber es ift auch eine rechte groffe, schwe re, verdammte Missethat. Zu dem, fo ist es auch eine rechte höllische Sünde, in dem sie sich nicht will erkennen laffen, als andere Sünde: Ein jeder hält es für ein gering Ding, und machet ihm kein Gewissen, daß er im Creuz ungehalten 217 €. 12. und für Ungedult uns zu húten. ist, und verzaget, so doch Gott keine gröf. sere Unehre wiederfahren kann, als wann man im Creuz und Unglück verzaget, und ihn um Hilf und Beystand nicht anrufet. Damit sich nun einer mit Ungedult und Mißtrauen an GOtt nicht verfündige, und ihn mit Sünden stark beleidige, foll er für und für, wann es ihm übel gehet, feine Augen kehren vom Unglück, und über sich wenden zu GOtt, nicht seine Noth, sondern GOtt ansehen, der uns zugesagt hab, er wolle uns nicht laffen. Und hat die Juden diß einige zu Fall gebracht, daß fie ihre Augen nur allein auf ihre gegen. wärtige Noth- und die Arabische Wüsten haben gewandt, darinn man nichts zu ef fen noch zu trinken gehabt. Lutherus spricht: Wann wir diß Kunst stucklein, so oft wir in Noth und Gefahr fommen, wohl in Acht hätten, daß wir sprachen: Ich habe einen GOtt und Bater, der mir har zugefaget: Er woll mich nicht verlass fen, er woll mich erretten und an Leib und Geel erhalten, so müßte zulegt unser Uns glück verschwinden, ja es mußten unsere Feinde zu Pulver und Aschen, und alle Speise zuStrohhalmen werden, und spricht der H. Mann: Wer nicht glaubet, mit dem kann GOtt fein Miracul oder Bunderwerk thun, sondern er muß unterge DS hen? 218 GOtt im Creuz gedultig aushalten' C. 12. hen? Item wenn gleich alle Welt, Hima mel und Erde, und alle Sterne wider dich waren und sich als Feinde und Verfolger erzeigeten, sollt du dennoch dem Wort GOttes vertrauen, wer es glaubt, der hat es. Nun es ist ein köstlich Ding, und ei ne edle Geräthschaft in eines Christen Hause, gedultig seyn, und auf die Hül fe des Herrn warten, Klaglied. Jer. 31 27. Der Herr behüte dich für Petri Ver meffenheit, und für Judá Berzweifflung. O spricht mancher, wie will ichs machen? Was will ich in der Welt angeben? El ist jezt alles verlohren, heulet und schrey et, und wünschet ihm aus groffer Unge dult selbst den Tod, und kan dennoch dem. felben nicht entlauffen, was ihm GOtt zui geordnet, daß er ausstehen soll. Was ist das anders, als auf eigene Kräfte sehen, und die Bernunft zu Rathe ziehen, als ob kein Christus vorhanden, der sich unser annehmen werde. Dann es ist keine gröf. fere Thorheit auf Erden, als wann du im Creuz und Leyden deine Vernunft zu Nath nimmst: Wenn wir unfer Elend nach der Vernunft ansehen, so scheinets lauter Unehr und greulich Ding zu ſeyn; Aber wenn wir es gegen die H. Schrifft halten, ſo ists lauter Ehre; dann es ist Chrifti Hof- Farbe und lauter Glück. Sie. he 219 C. 12. und für Ungedult uns zu hüten. he erstlich und merke: Die Schrift lehret, unser Creuz und Trübsal sey Christi Joch, das uns der Herr selber nach seinem Wil. len aufleget, Matth. 11, 20. Deine Ber. nunfft aber fagt, es fomme vom Teufel und bösen Menschen: Item, aus diesen und jenen Ursachen, zc. Die Schrift leh. ret: Die GOtt lieb habe, die züchtiget er als liebe Kinder, Apoc. 3, 19. Deine Vernunft aber fagt, welche GOtt züchtia get, denen ist er gram. Die Schrift sagt! GOtt sey ben uns in der Noth, und ha. be ein gnädiges Auge auf uns, Pfalm 91, 15. Deine Vernunft aber sagt: GOtt fer in Nothen ferne von uns, denn so GOtt bey uns wäre, wie könnte es uns so übel gehen? Die Schrifft lehret, Röm. 8, 28. Das Creuz sey heilsam, und diene allen Glaubigen, die GOtt lieben, zum besten. Deine Vernunft aber sagt: Das Creuz fey bós und schwer, GOtt wolle uns dadurch tödten und verderben. Die Schrifft lehret: Das Creuz und Leiden foll nicht lang währen, Joh. 16, 16. Dei. ne Vernunfft aber schreyet immer mit Ungedult, zu lang, zu lang. Die Schrifft lehret, Actor. 10, 22. Wir müssen durch viel Trubsal zum Reich GOttes eingehen; deine Vernunfft aber wollte lieber durch eisel Wollust in den Himmel gehen. Es 220 Gott im Creuz gedultig aushalten, E. 12. Es meynen zwar die Menschen, wann fie im Creuz stecken, GOtt habe ihrer verseffen, handele greulich mit ihnen, und habe sie von seinen Augen verstoffen; A. ber das find fleischliche Gedanken, dann GOtt machet es mit denen nicht anders die er lieb hat. Er schifet das Creuz zu feinen Dienern und Kindern, und das ist Gottes Gebrauch, fagt D. Luther, daß er die, so er lieb hat, herzet, daß ihnen die Seele ausgehet. Ach! wie fo gar nicht kann sich Fleisch und Blut in dig tröstliche Creuz Geheimniß schicken. Darum, sobald dich Herzelend wird über fallen, so eile bald zur H. Schrift sprich die Diener des Worts an, oder forsche felber. Es kommt aber daher, das uns, das Creuz so schwer dünket, weil wir die Schrift aus den Augen sezen, und uns fer Creuz nach der Vernunft meffen wob len, und GOttes Rath und Willen hindan fezen. Wenn wir uns jederzeit, und son derlich im Creuz, GOtt dem HErrn gång, lich ergeben, würden wir gewißlich manch mal ehe Hülff erlangen, wann wir von Herzen fagten: HErr, so du willt, und es mir nuzlich und selig, so nimm diß Creuz von mir, willt du aber nicht, und erkennest, daß es mir núzlich ist, so will ichs 221 Denn €. 12. und für Ungedult uns zu húten. icbs gern lánger tragen; So würde Chri. ftus bald also antworten; Ich wills thun, es foll weg seyn. es ist mit aller Anfectung und Trübfaal, die er den Sei. nen zuschicket, dahin gemeinet, daß sie ihm das Herz ergeben, und in seinen Willen fich senken sollen. Wann nun der Mensch daffelbe thut, so hat GOtt allbereit das Ende erlanget, um welches willen Er das Creuz zufchicket, und darum hilfft Er als. dann bald. Derowegen sollen wir uns feinem Wils len ergeben, und uns denselben gefallen laffen: Thun wirs nan, wohl und gut, so hat GOtt einen Gefallen daran, daß wir ihm im Creuz gehorsam seynd: Then wird nicht, so wird er unsers Unwillens wegen, seinen Willen nicht ändern, und gleichwohl thun, was er einmal beschlos. fen hat, und wollen wir denn unsern Wil. len nicht darein ergeben, so müssen wir leiden, und keinen Dank darzu haben, erzurnen darzu Gott im Himmel, und verursachen ihn durch unsern Ungehorsam nicht allein zum Zorn, sondern zu allerlen Strafen. Wir begehren die Heili gung des göttlichen Namens, nun wird GOttes Name am meisten geheiliget, wann wir in der größten Noth seynd, und GOtt mit dem Glauben und Gedult anhangen. Wir 122 Gott im Creuz gedultig aushalten E. 12. Wir begehren, daß Gottes Reich zu uns komme, wenn nun Gott in uns des Teu fels und der Sünden Reich durch das Creuz will zerstören, und uns gar in ſein himmlisches Reich nehmen, und wir wol len dagegen ungedaltig werden, so heißt es wider sich selbst beren; Wir beten, daß Gottes Will geschehe, so es nun Gottes Will ist, daß wir Angst und Noth auf Erden haben sollen, mit was Fug dörfen wir denn seinem Willen widerstreben; E haben die weise Heyden die Tugend der Gedult hoch gehalten, Cicero schrei bet: Du sollt also gefinnet seyn, und es gewiß dafür halten, daß ohne Schuld und Günde dem Menschen nichts schröckliches begegnen kan, dafür er sich entseze. Sob the weltweise Heyden haben die Gedull nicht allein mit Worten gelobet, sondern auch mit der That bewiesen. Haben das nun die Heyden aus der Vernunfft gethan, wie viel höher sollen wir, die wir ja Chri sten seyn und heiffen, so wir GOttes Wort, GOttes Mandat und Befehl für uns haben, die edie Gedult achten und halten. Die Gedult ist die höchste Tugend, so in der H. Schrifft geloben und gepreiset wird, wir richten doch mit unsrer Ungedult nichts aus, denn daß wir unser Creuz nur doppelt 223 C. 12. und für Ungedult uns zu hüten. doppelt machen, es wird Lingedult mit Una gedult vermehret, daß der Mensch je lån. ger je angsthafftiger und verzagter wird, Prov. 14, 29. wer ungedultig ist, der zeiget Thorheit an, Prov. 16, 32. Ein Gea dultiger ist besser, denn ein Starker, Rom. 5. 4. Gedult bringet Erfahrung, Er. fahrung bringet Hoffnung, Hoffnung aber läßt nicht zu schanden werden, Gal. 5, 23. Die Frucht des Geistes ist Liebe, Freu, de, Friede, Gedult, Demuth, Gebet, Sanftmuth, find alle des Glaubens Blus the, so unter dem Creuz blühen. Dar. um sollen wir uns für Ungedult hüten, und zur Gedult begeben, denn die Ungea dult verwirret das Gemüth, und berau. bet uns aller Sinne. Wenn sich aber einer gehorsamlich in den Willen GOttes ergibt, so ist ihm der Unfall der sonst nicht zu verbessern, leich. ter und geringer Wiederum, alldieweil sich der Mensch in den Willen GOttes nicht gibt, und die Hülff von ihm ers warten will, so ist ihm desto banger, ja er verbittert ihm selbst sein ganzes Leben, mit angstlichen Sorgen. Wir richten mit unfrer Ungedult nicht mehr aus, als ein Wild, wann es dem Jáger in sein Garn gerathen, denn je mehr es sich ausreiffen will, je mehr es sich einwickelt, bis es end 224 Gott im Creuz gedultig aushalten, E.12. endlich erschlagen wird; Und je mehr die Vögelein an der Leimstangen flattern, und sich entfrenen wollen, je vester fie antles ben; Also auch, je unwilliger fich einer stellet unter dem Creuz, je fchwerer es ihn druckt. So nun GOtt all dein Unalúd nicht allein zuläffet, sondern selbst schicket, was thast du widerspenstiger, ungedultiger Mensch denn anders, als daß du Gott nach dem Scepter greiffest, und ins Re gimenst fälleft? Wie find doch wir arme Menschen so blind? die Sonne, der Mond, die Sterne, die Elementen, und alles, was geschaffen ist, sind mit gutem Willen des Höchsten Ordnung unterworfen und gehor fam, und das arme, elendefte Geschöpf GOttes, nämlich der Mensch, darf sic wider seinen Schöpfer auflehnen, und ihm widerstehen. Wann du das Segel aufgezogen, must du dahin da dich der Wind hintreibet, und nicht da du etwa mit den Gedanken hin flatterft, und du willt in diesem Meer des Lebens nicht dem Geist folgen, der alle Ding regieret, und du kannst dennoch nicht darwider, du must folgen, oder du wirst bei den Haaren mit fortgezogen: Dann, was droben im Himmel befoloffen, das wird mit seiner Macht und Maaß also ge schehen, du gebest gleic deinen Willen drein, oder. 225 C. 12: und für Ungedult uns zu húten. oder nicht. Wann einer etwa im Meer einen Strick an einem Selfen vest gemacht, und in einem Schiff den Strick zöge, und mennete, daß dadurch der Felß zu ihm fáme, da er doch in der Wahrheit sich famt dem Schiff hin an den Felß ziehet, würde derselbe nicht jämmerlich verlachet werden? Noch gröffer ist unsere Narrheit, die wir an den Felß der ewigen Vorschung GOttes verknüpffet seynd, und wollen uns doch mit unserm Schleppen und Wis derspenstigkeit widersezen, daß dieselbe thun soll, was wir wollen, da wir doch billich ihre Folge leisten sollen. Laßt uns doch folche unnüze, liederliche Dinge einmal erfahren lassen, so wir anders Sinne ha. ben, so laffet uns derselben hohen Gewalt nicht widerstreben, dieweil es zumalen bil. lich, daß dasjenige, was GOtt gefallen hat, auch nicht den Menschen mißfalle. Die weise Heyden sagen: Was geschehen ſoll, muß mit willen geschehen, das gehet leicht zu, und höret die Noth auf, wenn der Will herben kommet. Daher sagt Plinius recht: Ein frölich Gemüth im Creuz nimmt den halben Unfall weg. Ein guter Muth, wenns und wehe thut, nimmt den Schmerzen halb vom Herzen. Es ist eine groffe Gabe GOttes, dem GOtt ein fröliches Herz im Creuz gibt. Der P Heyds 228 GOtt im Creuz gedultig aushalten C. 12. Heyde Seneca sagt: Diesen Eyd haben wir schwören müssen, daß wir alles, was uns in dieſem sterblichen Leben nur wie derfahren kann und mag mit Gedult gut. willig tragen, und uns das nicht wollen schrecken lassen, welches wir keines wegs meyden können. Der berühmte Mann Joachimus von Beust schreiber über das Evangelium am Tage Johannis des Evangelisten: Perfer& obdura, necte crux terre ulla, Qua profitus fueris in ftatione, mane. Das ist; Leid, duld und trag, kein Creuz dich schreck, Im Creuz bleib unverzagt und keck. Und es lautet der gemeine Spruch uni ter den Heyden: Die angstliche Furcht oder Vorsorge thut mehr, als das Leiden felber. Ein rechter Christ muß nicht so schüch tern ſeyn, ſondern veste stehen, wie ein Ambos, so der Schlag gewohnet ist, und that wie ein tapferer Fechter, der die Schlä ge auffängt und überwindet. Wir müs sen nicht allein die gegenwärtige Trübsal, sondern die wunderschönen Früchte, ſo dar C. 12. und für Ungedult uns zu hüten. 227 daraus wachsen, ansehen. Ja, GOtt der HErr fronet uns in unserm Elend, und wann wir gedultig bis ans Ende verhar. ren, will Er uns die Crone der Ehren und Herrlichkeit auffejen, da wir ewig in pran gen sollen, Jac, 1, 12, Selig ist der Mann, der die Anfechtung erduldet, denn nach. dem er bewähret ist, wird er die Crone des Lebens empfahen. Gleich wie nie. mand gecronet wird, er habe denn vora hin ritterlich gefochten und gestritten, welches ohne groffe Mühe und Arbeit nicht geschehen Fan, Daher St Paulus schreibet, 2. Tim. 1, 5. so jemand kämpfet, wird er doch nicht gekrönt, er kämpfe denn recht. Also erlanget niemand die ewige Crone, er habe denn vorhin in dieser Welt viel Angst und Noth erlitten; Dann hie ist der Streit und dort der Lohn. Es soll aber niemand gedenken, daß wir um der Gedult willen die Seligkeit ver. dienen, welche allein Christus verdienet, wir werden aber der Gedult und allerley Müh und Arbeit ewig genieffen. Zudem bringt die Gedult nicht allein Nuz, dem, der sie hat, sondern auch andern Leuten: Denn, wenn ein andrer deine Gedult zu üben. Derowegen sollen wir nicht zag. hofftig seyn, als ob uns GOtt verlaffen hätte, und kein ander Leben vorhanden P2 ware: 228 Gott im Creuz gedultig aushalten, C. 12. ware: Dann, wann der Mensch von kei. nem andern und bessern Leben weiß, so ist kein Wunder, daß er endlich verzaget: Und je mehr er auf fich, oder auf andere zeitliche Dinge fiehet, je weniger er in Trübfaal bestehen kann. Daher sollen wir uns bey Zeiten sæbik. ken, und rüsten zum Creuz, wenn die Saden noch wohl stehen, und den ver gänglichen Gütern nicht zu viel anhangen, auf daß, wenn es von nöthen that, wir sie gedultig verlaffen können. Denn die Gedultigen halten GOtt gedultig aus, nicht um zeitliches Geniesses willen, son dern daß sie dem HErrn gehorfam find; Das ist ein groß Gut, und geistliche Voll kommenheit, GOtt für sein Creuz so wohl danken, als für seine Wohlfahrt, und ihn auch unter dem Creuz loben und prei fen. Zum Erempel: GOtt wird eben so hoch gelobet und gepreiset im ganzen Königreich, da sich die drey Gesellen Danie lis gedultig in den feurigen Ofen wer. fen lieffen, als aus der groffen fürtref. lichen Weisheit Danielis, der dem Kö nig die Träume auslegen konnte, Dan. c. 2. und 3. Also wird GOtt auch durch una sere Gedult, nach ausgestandenem Creuz, groß und herrlich gemacht. Ja, HErr, wenn die Heiligen um deinetwillen leiden: Pr.4 229 C. 12. und für Ungedult uns zu huten. Pf. 16, 3. preisen sie dich aufs höchste, und ihnen selbst kann keine gröffere Ehre wies derfahren: Wenn sie dich aber ehren, so chrest du sie wieder; Also verkündigest du auch dem lieben Petro lang zuvor, mit welchem Tod er dich preifen würde, Johann. am 12, 19. So laffet uns das einen starken Troft seyn in unserm Creuz, daß es gewißlich zu GOttes Ehren dienen wera de. Es ist auch unser Creuz im Himmel unfre Ehre, ob es wohl vor der Welt für eine Schande angesehen wird, aber vor GOtt ist es unsere größte Ehre. Gleich. wie es Chrifto eine besondere Ehre ist, daß Er durch sein Creuz uns erlöset, und zu höchsten Ehren erhoben: Also will Er dich auch durch dein Ereuz zu Ehren machen, mennest du, daß er dich durch einen andern Weg führen, und zu Chren bringen wird, denn durch dein Creuz? In glücklichen Zeiten hat die Ge. duit keinen Ruhm, durch Gedult aber wird GOttes Wort practicirt, und in Practica desselben Trost allererst recht vers standen und wahrhaftig befunden. Ob dennoch das Creuz anfänglich fauer und schwer ist, so wird es doch lezlich aar füß und wohlschmeckend, wie der Meis fter der Epistel an die Ebr. 12, 11. schrei. bet; Alle Züchtigung, wann sie da ist, P3 Deucht 230 Gott im Creuz gedultig aushalten z. C. 12. deucht sie uns nicht Freud, sondern Trau. richkeit ſeyn: Aber darnach wird sie geben eine friedsame Frucht der Gerechtigkeit denen, die darnach geüber seynd. Demuthiges Gebet, um ein ge dultiges Herz. Bater! ich befinde bey mir, wie fchwer es sey, im Creuz gebührliche Ge, dult haben: Weil aber dig edie Krást. lein nirgend will wachsen, ohne, wo du es pflanzest, so bitte ich dich, du wollest mir deinen Geist und Gnade verleihen, daß ich mit gedultigem Herzen alles lei de und trage, was du mir auflegeft, auf daß ich endlich die Gnaden Belohnung der Gedult erlange, und darvon trage, Amen! HErr, folls gelitten seyn, so gib Gedult dem Herzen, Ach! laß durch Ungedult dein Gnad mich nicht verscherzen. Das', *( 231) Das XI. Capitel. Von denen Erempeln der Ge dult bey den Heiligen, und wie wir denen nachfolgen sollen. Jac. 5, 10 Nehmet meine lieben Brüder zum Exempel des Leydens und der Ge dult, die Propheten, die zu euch geredet haben in dem Namen des HErrn. Siehe, wir preifen selig, die erdultet haben. Gedult Hiobs habt ihr gehöret, und das Ende des HErrn habt ihr gesehen. Die Wir ir haben viel und berühmte Erem pel der H. Aposteln und Marty, rer, welche durch die Liebe zu Gott ihr Creuz mit Freuden getragen, da man befunden, daß etliche vorbin die Zaghafs tigste gewesen, und hernach durch GOta tes Kraft im Glauben gestärket, nicht allein mit frölichem Geist an die Marter gegangen seynd, sondern haben auch die andern unverzagt und unerschrocken ges tröstet, wider die Art und Natur des menschlichen Fleisches. Wer hat die dren Männer im feurigen Ofen so stark gemacht? Hat es nicht Chri. stus gethan? Woher har Laurentius das genommen, daß er aus frölichem Geist aus dem heiffen Roft den Tyrannen Oecium angeredet, und gesprochen: WenP4 de C. 13. 232. Erempel der Gedult de mich um, an dieser Seiten, welche gar genug ist, und iß davon; Hat ers nicht von diesem Herrn? Wer hat Ste phanum fo gestärkt, daß er frölich in den Tod gegangen? Hat es nicht Chri stus gethan? Der liebe Mártyrer Theo dorus welchen Julianus martern las sen, sprach: Ich habe die Schmerzen ein wenig gefühlet, es ist aber allemal ein fchöner liebreicher Jüngling bey mir ge standen, der hat meinen Angst. Soweit mit einem schönen meiffen Tuch abgedruck net, und frisch Wasser auf mio gegos fen, daß ich trauriger worden, wann man mich von der Marter hat abnehmen wol len, Eufeb, lib. 10. lib. 36. Sehet, wie beständig der H. Igna tius gewesen, als er sollte zur Marter gehen, und von den wilden Thieren zer riffen werden, sprach er: Jezund, fahe ich erst an, ein rechter Jünger und Sti ler zu ſeyn meines Herlandes Jeſu Chri sti, so frage ich nichts weder nach dem Sichtbarlichen, noch nach dem, das un sichtbarlich ist, allein das ich meinen Er löser und Heyland Jesum Christum er lange und behalte. Darum gilt es mir auch gleich, ich sterbe im Feuer, oder am Galgen, ich werde von den wilden Thie ren zerriffen, oder gefreffen, oder mir wer bey den Heiligen. 233 C. 13. werden meine Bein zerbrochen, so frage ich auch nichts darnach, wann mir schon alle meine Glieder, ja mein ganzer Leib germalmet, und alles Unglück, ſo der Teufel erdenken möchte, auf mich allein kommen würde, allein daß ich bey mei. nem Erlöser Christo bleibe, Eufeb. lib. 3. cap. 36 Siehe, alfo fann GOtt der Herr die Seinen in der Noth und im Tod stärken, daß fie getroster und freudiger darinn sind, denn andere, die aufferhalb des Leydens seynd. Merke, wer sein Herz wendet auf das Leiden Christi, der fühlet feine Schmerzen nicht. Also leidet ein Heilia ger mit Freuden, und ist nicht Wunder, daß er am Leibe keine Schmerzen fühlet, der mit der Seel auffer dem Leibe bey dem Herrn Christo ist: Und ob er gleich Bekümmerniß und Schmerzen fühlet, fo überwindet er dieselbe doch in der groffen Liebe Christi. Derowegen sollen wir GOtt in uns würfen lassen, und ihn um einen beständis gen und unverzagten Muth, und um ein großmüthiges Herz, das nicht viel nach Unglück fraget, sondern sich vielmehr der Trubsaal rühmet, ernstlich anruffen. Es gehet Fleisch und Blut schwer ein, und bat Mühe und Arbeit, ehe du mit Sanct P5 Paus C. 13. Erempel der Gedult 234 Paulo fagen lernest: Wir rühmen uns der Trubsaal, Rom. 5, 3. Fürwahr, es ist schwer, allerley Crübfaat für Freude zu achten, und sich derselben berühmen; es ist wol leicht zu reden, aber zumal schwer zu erfüllen. Es ist groffe Tugend, im Creuz gedultig seyn; viel eine groffere Tu gend aber ist es, im Creuz ich freuen. Wann du ja dein Creuz nidt fanit mit Freuden tragen. so bitte Sott, das dues mögest gedultig tragen: Und in Trübfaa, len gedultig ſeyn, ist niot menschlich, fondern der Heil. Geist muß es in uns würfen. Die Gedult im Crenz ist für Gott ein angenehmes Opfer, und ein mächtig groß ses Ding: Ja, Glaube und Gedult seynd die wohlriechende Blumen, die unter den Dornenwachsen, die uns in unserer Schwer. michigkeit erquicken. Aus den Rosen, so unter den Dörnern wachsen, werden die gefundeste Waffer gebrennet; ja unter dem fchweren Creuzstein liegt eine überaus groß fe Freude verborgen, darzu wir durch Ge dult und Sanftmuth araben müssen. Dann wie wollte Gedult und Beständigkeit ihre Kraft erreichen, wann sie nicht durchs Crenz herfür gedrungen würde? Gott erhöhet uns eben so wohl, wann Er uns Gedult gibt im Creuz, als wann Er die Widers bey den Heiligen. C. 134 Widerwärtigkeit gar von uns wegnehme. Es ist auch eine merkliche gewisse Anzei gung und Kundschaft der Ewigen Gna. denwahl, wenn wir das liebe Creuz, fo uns GOtt am besten auflegt, gedultig tragen. 235 Darum, o lieber Mensch! kannst du dein aufgelegtes Creuz, also gedultig tra. gen, so bist du wahrhaftig ein auserwählt Kind Gottes; weil du die Wahrzeichen der Kinder GOttes an dir hast, und das Feldzeichen der großen Heiligen. Wenn du nun dein Creuz gedultig auf dich nimmit, so wirst du Gottes Wunder an dir ſpi ren, und allhier mit der Grade GOttes und denn dort mit himmlischer Herrlichkeit reichlich begabet werden. Mancher, so im Creuz stekt, daran GOTE seine Wun, der und Allmacht wohl beweiset, der will und kann GOtt nicht still halten, erzárnet ihn mit Ungedult und Ungehorfam, und das geschicht gemeiniglich aus diesen Ursachen: Erstlich, weil die Menschen die Schrift aus den Augen sezen, und das Creuz nach der Vernunft meffen wollen. Zum 2. daß sie gegen GOtt gar kleine, gegen ihnen selbst aber gar grosse Liebe haben. Zum 3. daß sie die überaus grosse Belohs nung der ewigen Freude und Seeligkeit, mit E. 13. 236 Exempel der Gedult mit welchen GOtt die, so ihr Creuz ge. dultig tragen begaben wird, nicht gnugſam betrachten. Zum 4 daß sie das bittere schwe. re Seiden Christi nicht gnugsam erwägen. Endlich, so verstehen sie die Schrift und die Kraft GOttes nicht, sie sind die zar te Heiligen und weiche Herzen, die in Christi Schule noch nicht studiret; dero wegen auch GOttes Kunst nicht gelernet, noch die Süßigkeit, so unter dem Creu stecket, geschmecket haben; daher fie fich im Creuz nicht zu schicken wissen, sondern wollen gar aus der Haut fahren, und fal len aus einer Ungedult in die andere. Der Ungedultige nimmt ab in allen Tugenden, deren er je långer je mehr beraubet wird, und läßt den Gehorsam und den Glauben, und das Gebet gegen GOTT,( dem er nicht mag eine kleint Zeit still halten, und die Sorge auftra gen,) fahren; und weil er keine Armuth und Widerwärtigkeit lenden und dulden will, hebt er an zu lügen, trügen, steh len, wuchern und andere greuliche Laster zu begehen. Willt du nun um so gerin ger Trübfaal willen GOtt von dir trei ben, gleichwie einer mit der Hand daß Scheermesser des Balbierers ausschlägt? Cf. 45, 9. fehet geschrieben: Wehe de nen, die mit ihrem Schöpfer hadern. Spricht bey den Heiligen. 237 C. 13. Spricht auch der Thon zu seinem Töpfer, was machst du? Hat aber nicht ein Töpfer Macht aus einem Klumpen zu machen ein Faß zu Ehren, und das ander zu Unehren? Rom. 9, 22. Wehe dem Verzagten, dann fie glauben nicht, darum werden sie auch nicht beschirmet. Sir. 2, 15. Darum sehe ein jeder zu, daß er die edle Gedult nicht aus seinem Herzen verliere, und dadurch den Glauben schwäche, Jac. 1, 3. ſpricht: Wisset, daß cuer Glaub, so er rechtschaf fen ist, Gedult wirket. Und Sirach am 2, 4. Aber, was dir widerfähret das leis de, und sey gedultig in allerley Trúbsaal. Wer sich hierin nicht schicken kann, ſon. dern will nach allem seinem Willen, ohne allen Widerstand leben, der ist im ge. fährlichen Stand, und bleibet ungeüber und unerfahren, stirbt zulezt in Ungedult und groffer Traurigkeit, als ein zarter Märtyrer in Verzweiflung. Ein Mensch, der im Creuz und Ans fechtung erfahren und wohl geübet ift, kann nicht allein sich selbst, sondern auch andere in allerley Widerwärtigkeit und Anfechtung trösten und aufrichten; wel ches nicht ein fleines Wunderwerk ist, ja so groß, als wann es Todten auferwecket, daß er billich mag heiffen ein Wunder. mann. Denn wer nicht geübet ist, dee vera C. 13, 238 Erempel der Gedult verstehet wenig, Gyr. 34, 10. Uebung bringt Kunst; Also ist es mit einem Men schen, ist er ohne Creuz, so kann er fei, ne Gottseligkeit nicht üben, und nimmt nicht zu darinn, sondern er wird faul und nachlägig; aber einer, den GOtt der Herr durds Creuz und Leyden heimsuchet, und gleichsam durch die Kohlen rücket, der wird getrieben und geübt, daß er von Tag zu Tag in der Gottseligkeit zunimmt; denn es ruhet der Geist, der ein Geist der Herrligkeit GOttes ist, auf denen Lew ten, welche leyden, 1 Pet. 4, 14. Wie soll ten sie dann nicht herrliche Ding ausrich ten? Darum fagt der Apostel, daß die Trubsaal gebe eine friedsame Frucht der Gerechtigkeit denen, die dadurch geübet feynd, Hebr. 2, II. Wo kein Creuz und Trübfaal ist, da ist gemeiniglich noch Finsternis des Her zens. Ursache: Wo immerwährende Glück feligkeit ist, da ist gemeiniglich Sicherheit: wo Sicherheit ist, da kehret man sich nicht zu GOtt; wo man sich nicht zu Gott Fehret, da ist auch keine Erleuchtung. Als der H. Stephanus hinaus geführet ward zur Steinigung, fahe er gen Himmel, und fahe die Herrlichkeit GOttes, und Jefum stehen zu seiner Rechten, Act. 7. 56.57. Wie sich damals Christus dem Ste phane C. 13. bey den Heiligen. 239 phana offenbaret in feinem Creuz und Lei. den: also offenbaret er sich nochmals einer Seelen in Anfechtung, und im Greuz era leuchtet er sie. Darum ist ein versuch ter Christ beffer, dann hundert unver. suchte. Summa, ein ungeplagter und ungebrochener Mensch, bleibet in geist. lichen Sachen ein Thor, er sey sonst für der Welt so gelehret, so geschickt, so beredt, als er will. Solche unerfahrne Menschen mennen, GOtt thue ihnen unrecht, wenn er sie wes gen ihren Sünden hart angreiffet. Nimm ein Erempel und stelle dir für Augen den allerunseligsten, verlassen und trübfelig. Sten Menschen, als je einer geweſen, oder auch in der Welt seyn wird, und gedenke auch dabey, daß du auch eben ein fola her hättest werden können: wenn dich GOtt zu einem solchen Menschen hätte machen wollen, oder du nach deinem Bera dienst hättest leiden ſollen. Wir follen GOtt billich so lieb haben, daß, wenn ers haben wollte, daß wir die elendeste Menschen auf Erden seyn sollten, wir es ihme zu Ehren mit Freuden erdulden; Das hat der H. Job gethan. Diß ist das höchfte Lob GOttes, das GOtt in dem höch. sten Creuz geben wird. Darum laß dir GOttes Ordnung und Weise 240 Erempel der Gedult Weise gefallen, sen gedultig und Gott gehorsam in deinem Creuz. Dann du allhie in Gedult in einer Stunde kannst mehr erwerben, als dort in tausendmal tausend Jahren; wie solches der Apostel St. Paulus bezeuget, 2. Tim. 2, 11. Das ist je gewißlich wahr, sterben wir mit, fo werden wir mit herrschen. Bergeffet it nicht den Spruch, Hebr. 10, 36. Gedult ist euch noth, auf daß ihr den willen Go tes thut, u. die Verheiffung empfahet. De rowegen sollen wir uns mit höchstem Flei für Ungedult, als eitel Seelengift hüten; wir richten nichts damit aus, als daß wir unsern Schaden damit haufen und mehren: Denn hundert Centner Ungedult dem Creuz nicht ein Quintlein können bo nehmen. Ein glaubiges und andächtige Baterunfer thut tausendma! beffer, dann tausend Centner vergebliche Sorge. Bischof Albrecht von Maynz hat pfle gen zu sagen, des Menschen Herz sen gleich einem Mühlstein auf einer Mühle; wann man das Korn darauf schüttet, und e herum läuft, so zermalmet er daffelbe, und macht es zu Mehl, hat er aber nicht i mahlen, ſo läuft er gleichwohl herum, germalmet und zerreibet sich selbst, ja zun det die Mühle wohl gar an; Also will das menschliche Herz was zu schaffen ha ben: €. 13. bey den Heiligen 241 ben? hat es nicht die Werke des Berufs für, daß es dieselbe ausrichte, fo kommt der Teufel, und scheust Anfechtung, Sowermuth und Traurigkeit darein, daß es darüber verschmachten muß, und mana cher sich zu tode bekümmert? wie Syrach fagt: Daß Traurigkeit des Menschen Mark und Bein verzehret, und schwächer die Kräften, Snr. 38, 18. Mancher Mensch plaget nnd martert fich, weißt doch nicht warum? er veiniger sich selbst, und fürchtet sich, da er nichts zu fürchten hat. Lutherus: Ein folcher Mensch beweget und betrachtet nur das, so bose ist, mit groffem Fleiß, und so ibn etwa ein Unglück drücket und angster, das bilder er ihm so schwer und gefährd lich ein, daß er in die Gedanken geräth es sen fein unfelicher Mensch dann er, es fen auch niemand, dem sein Bornehmen so sehr zurück gehe, dann ihm, darzu eis nen solchen bösen Ausgang werde nehmen, als eben, was er anfähet nnd für hat: Ein solcher Mensch deutet alles zum árga sten, um alle andere, läßt er dünken, stehe es wohl; derohalben es ihme wehe thut, daß es andern nach ihrem Willen hinaus gehet, ihm aber das Widerspies begegne. So weit Lutherus. Mit solchen und dergleichen Gedanken plaget €. 13. 242 Exempel der Gedult plaget der Teufel manchen Menschen, denn er ist mißgünstig; und weil er weiß, daß er die Gnade GOttes verlohren und dieselbe nicht wieder erlangen mag, so kann er dem Menschen nicht gönnen; daß er frölich sey; Gott aber gönnet dem Men fchen Freude in feinem Herzen, darum daß er wissen soll, daß er einen gnädigen GOtt, und durch den Glauben Frieden in ihm habe. Auch taugt es nicht, daß einer feinem Wiedersacher, dem Teufel wollte Freude machen mit seiner Traurig keit. Christus unser HErr erinnert uns, das wir uns nicht fürchten sollen: finte: mal kein Härlein von unserm Haupt falle, ohn den gnádigen Willen des Vaters: ja nicht ein Sperling vom Dach falle ohne ihn, viel weniger und etwas begegne, oh ne feinen Willen, Matth. 10, 29. wie diß im anderen Capitel dieses Buchs nach der Långe angezogen: Darum wir uns billich gar nichts anfechten, sondern GOtt for gen lassen sollen. Phil. 4. 5. Der Herr ist nahe, forget nicht. 1. Petr. 5, 7. Al eure Sorge werffet auf Ihn dann Er for get für euch Ef. 37, 5. Befiehl dem Herrn deine Werge, und hoffe auf Ihn, Er wirds wohl machen. Item, Ef. 55, 23. Wirf dein Anliegen auf den Herrn, der wird dich versorgen, und den Gerechten nicht ewig in C. 13. ben den Heiligen. 243 in Unruhe laffen, und wo der Satan ei. nen Menschen hierüber mit unnöthigen Ges danken und Phantasey plagen wollte, so foll fich der Mensch ben Leibe hüten, daß er denselben nicht nachánge: denn, wo man einen einigen Gedanken einläffet nnd zuhöret, fo treiber er wohl zehen hin. hach. Das beste Mittel hierinn, ist, bea ten daß uns der freudige Geist enthalten wolle. Pf. 51, 13. Wie Jacobus ſagt: Leider jemand unter euch, der bete, C. 5, 14. Auch soll man seine tröstlige Plate men fingen, womit man des Teufels Eingeben, und solche traurige Gedanken heftig vertreiben kann. Es nimmt auch viel bose Gedanken von dem bekümmerten Menschen hinweg, wann er seinem ehr. lichen Amt, darzu er beruffen, fleißig nachtrachtet und sich mit ehrlichen Ge. schäften bekümmert; denn Müßiggang schaffet nichts Gutes, machet vielmehr, daß die Traurigkeit desto tieffer ins Herz sich senket. Wir haben sonst in unserm Fleisch und Blut anders nicht, als Uln. gedult, sollen wir aber zu der Gedult kommen, so muß uns GOtt dieselbe in unsere Herzen senden und geben, von GOtt muß sie herkommen. Wirft die nun der Teufel einen Bauffen Sorgstei. he €. 13 Exempel der Gedult 244 ne in den Nacken, so wirf du sie wieder. um getroft auf den HERRN, der wird dich verſorgen, und den Gerechten nicht ewig in Unruh laffen, Pfalm. 55, 23. und 2. Petr. 2, 9. Der HERR weiß die Gottseligen aus der Versuchnung zu erló, fen. Darum last euer Anliegen nicht auf euch selbst liegen; denn ihr könnet es nicht ertragen und müsset endlich darunter vergehen. Derohalben sollen sich die Be trübten darzu gewöhnen, daß, so bald fie einige Noth und Unfall spühren, sie diefelbige nicht ben sich in ihrem Herzen behalten, sondern wenden sich zu dem eifrigen Gebet, und tragen dem lieben GOtt alles für, was ihnen mangelt. Inmaffen auch der Herr Lutherus mit geistreichen Worten schreiber: Ruffen mußt du lernen, das hörest du wohl, und nicht da fizen bey dir selbst, oder liegen auf der Bank, den Kopf hängen und schüt teln, und mit deinen Gedanken dich beis sen und fressen, und nichts anders anse, hen, denn roie übel es dir gehe, wie we he dir sen, wie ein elender Mensch du feyest? fondern wohlauf du Sauler; auf die Knie fallen, die Hände und Augen gen Himmel erhoben, einen Psalm oder Bacer unser fürgenommen, und deine Noth E. 13. ben den Heiligen. Noth mit Weinen für GOtt dargelegt, geklaget und angeruffen. Weiter spricht er: Beten, die Noth anzeigen, und Han. de aufheben, feyn GOtt die allerangenehmste Opfer? Er begehret es, Ge wills haben, daß du deine. Noth ihm folltest fürlegen, nicht auf dir liegen lass fen, und damit dich schleppen, nagen und martern. Und über das 7 Cap. Matth. schreiber der Herr Lutherus über die Worte Christi: Bittet, so wird euch gegeben, suchet, so werdet ihr finden; Flopffet an so wird euch aufgethan: As ber das ist die schwereste Kunst; da ist Noth und Angst, ehe man es darzu bringet, daß man bete; und der elendes ste Jammer, daß wir uns immerza martern und freffen, mit unsern eigenen Sorgen und Gedanken, daß wird selbst wollen vom Halse legen, und los werden. Dann es ist ein böser schalkhaftiger Teu. fel, der mich so wohl plaget, als ande. und mir oft solche Tücke bewiesen re, hat. 245 Darum follen wir lernen diese Wort wohl ins Herz schreiben und uns datan gewöhnen; so bald uns eine Angst und Noth unter Augen stoffet, nur fort auf die Knie fallen, GOtt die Noth fürles gen, und ihm seine eigene Wort und Q3 Zusage E. 13. 246 Exempel der Gedult ze. Zusage fürhalten; so wird uns geholffen, das wir uns nicht dürfen zermartern, mit unsern eigenen Gedanken Hülfe zu fechen. Dann es ist eine sehr Föstliche Arzney, die da gewißlich hilft, und nim mermehr, wann man sie nur brau chet. Flehentliches Gebet, um schuldi gen Gehorsam. du deinen Heiligen und Glaubigen in ihrem Leyden und Trübsaal Gedult verliehen bast, erzeige mir deine Gnade, und gib mir Gedult und Gelaffenheit in meiner Trübfaal; daß ich dir in schuldi gem Gehorsam nach deinem Willen aud hatte, und midy für Ungedult und Mur ren wider dich hüten möge. Was aber aus Schwachheit meines Fleisches gesche hen möchte, das wollest Du mir gná diglich verzeihen, und nicht zurechnen. Herr hilf tragen und überwinden, fo will ich dich vreifen in Ewigkeit Amen. Herr JEfu, laß mich nicht verzagen, gedultig tragen, Was du für Creuz bescheiden mir; Laß ritterlich mich überwinden, dein Hülf stets finden! So will ich herzlich danken dir. ( 247) K Das XIV. Capitel. Daß wir all unser Anliegen auf denn HErrn werffen sollen. Pf. 55, 25. Wirff dein Anliegen auf den Herrn, der wird dich versorgen, und den Gerechten nicht ewiglich in Unruhe laffen. Goit will die Sorgen in unsern Her zen nicht haben, wie sie auch nicht darein gehören, sondern vom Teufel dar. ein gefäet werden. Wir sollen all unfer Gorge auf Gott werfen, und in ſeinen Schooß fütten, fo find wir geneſen. Auch spricht Lutherus: Wer diß Werf, fen wohl lernen könnte, der würde es in der That erfahren, daß es also sey. Wer aber diß Werfen nicht lernet, der bleibt ein verworffen, zerworffen, unter. worffen, ausgeworffen, abgeworffen und ungeworfener Mensch. Diß hat Luthe. rus in vieler Leute Bücher mit eigener Hand geschrieben. Darum laßt uns aus dem Angst- Feuer der groffen unnüzen vergeblichen Sorgen ausgehen, auf daß wir nicht verbrennen und umkommen. So sollen wir demnach in unserem Creuz, Schwachheit und Todes Nothen unfer Anliegen auf den HErrn werffen, nach der Vermahunng des Apostels Pes tri in der 1. Epift. 5, 7. da er spricht, Aa $ 4 eure C. 14. 248 All unser Anliegen sollen eure Gorge werffet auf Ihn, denn er forget für euch. Dis ist einer von den führnehmsten Trost Sprüchen, so ihm D. Luther zum sonderbahren Schaz in fein Gebet Büchlein aufgeschrieben, und hat dabey, zur Erklärung dieses Sprucs, folgende Worte gefezet; All wollte der Apostel fagen: Sammelt all eure Sorgen und Anliegen auf ein Bünd lein, und faffet die allergröffeste Sor gen auf ein Kneulein! und werffet fie auf ihn, überantwortet fie Christo, der forget für euch. Auch schreibet er: Seh let und mangelt euch etwas, wolan, da ift gut Rath zu: schüttet euer Herz für Ihm aus, flaget nur fren, berget ihm nichts, es fey was es wolle, ſo darft ihr euer Herz einem guten Freunde ganz eröfnen; Er höret es gern, will auch gern helffen und rathen; scheuet euch nicht für ihm, und denket nicht, es sey zu groß oder anviel, getroft heraus, und solltens eitel Sacke voll Mangels seyn, alles her. aus; Er ist gröffer, und vermag und will auch mehr thun, dann nnfere Gebrechen find; fiückele es ihm nur niche: Er ist Fein Mensch, dem man könnte zu viel Bettels und Bittens vortragen? je mehe Du beteft, je lieber er dich höret; Schüt te nur alles heraus, tropffele nicht; denn er 249 C. 14. wir auf den Herrn werffen. er wird auch nicht tröpffeln, son. dern mit Sündfluch dich überschütten. Derohalben, alles, was dir wehe thut, das wirf und wälze auf den breiten Ru cken des Herrn, so ist die zeitlich und ewig geholfen. Dann die Kinder GOt. tes, so ihre Sorge auf den Herrn werf. fen, die fennd unerscrocken, keck und muthig in allem Unglück, auch in Todes Noth und Gefahr, daher spricht St. Petrus: Laffet euch die Hize, so euch bes gegnet, nicht befremden, als wiederfüh re euch etwas seltsames; fondern freuet euch, daß ihr mit Chrifio leydet, auf daß ihr auch zur Zeit der Offenbahrung seiner Herrlichkeit, Freude und Wonne haben möget, 1. Petr. 4, 13. 14. Derowegen lerne, lieber Christ! mita ten unter dem Creuz, da GOtt im Werk ist, uns seinem Sohn ähnlich zu machen, ihm fein still auszuhalten; dann Gott es lang zuvor beschlossen, wie Ers mit die machen wolle, und was du leiden sollt. Darum fen still dem Herrn, und warte anf ihn; Es geher nicht, wie du denkeft; GOtt führet uns oft einen andern Weeg, den wir nicht wissen; wie Er die Kinder Ifrael einen unbekannten Weeg führete. Wir müffen den ungebahnten Weeg ge hen, durch den Abgrund der Berge, wie 25 Die 250 All unser Anliegen sollen Cap. 14. die Ifraeliten im rothen Meer; und hina ter uns her haben den Teufel mit all ſei. nem Heer; auf beyden Seiten die hohe Berge und Felsen, alles was hoch, mäch tig und gewaltig ist auf Erden; für uns das rothe Meer, das ist Jammer und Noth, Anaft und Tod, und allerley Trüb faal und Widerwärtigkeit, so unter der Sonnen ist, innerlich und äusserlich; und muffen also die Schrift verstehen lernen, was für herzlicher Saft und unaussprech licher Trost in Gottes Wort sey. Dar um trage du nur Wasser zu, laß ihn ko, chen und braten: Er führet doch seine liebe Kinder nicht anderst, als durch Creuz und Leiden zum Reich Gottes. Wir sehen ia, daß Gott keinen Hei ligen mit dem Creuz verschonet, sondern denselben das schwereste und gröffefte mit Hauffen zugetheilet: Haben sie schon nicht alle durch Marter und Tod Chriftum be zeuget, so haben sie doch ihr innerliches Herzenleid, und auswendige Plage und Unglücks vollauf gehabt. Gregorius fagt: Wir können auch wohl ohne Schwerdt und Feuer heilige Mártyrer werden, wenn wir in unserm Creuz gedultig aus halten. inwiederum verläugnen auch Dieienigen den allmächtigen ewigen Gott, welche ihr Creuz nicht wollen mit Gedult wir auf den Herrn werfen. 25E C. 14: tragen. Darum spricht Christus, Luc. 14/27. Wer nicht sein Creuz trägt, und mir nachfolget, der kann nicht mein Jun. ger und Diener seyn. Wer nun will ein Glied der Kirchen und lieber Jün. ger des HErrn seyn, den muß es nicht befremden, wann er unter das Creuz tretten muß. Soll uns Christus mit feinem Blut besprengen, so müssen wir uns nicht weigern zu folgen, wenn Er uns unter das Crenz ruffet; denn es ges het nicht anders zu: Wer Jesum will im Herzen und Munde tragen, der wird Jammers genug erfahren müssen. Derowegen sollen wir uns zur Gedult schicken, damit, wenn die Reihe an uns kommt, wird Gott getroft aus. halten können. Und wenn du ohne Creuz bist, und gute Tage haft, so schicke dich doch darauf, damit du gegen dem zukünfz tigen Unglück könnest gefaßt seyn, auf daß du nachmahls, wann du etwann des fen möchtest ungewohnt seyn, nicht wis derspenstig u. ungedultig darüber werdeft; und ob du gleich heut eben diesen Tag dein Creuz empfindest, so wird doch die Zeit kommen, daß du deffen genau haben und empfinden wirst. Wann du je aus menschlicher Schwach, heit aus Ungedult in deinem Creuz übers eilet C. 14 252 All unfer Anliegen sollen eiler würdest, so verzage nicht, sondern ermuntere dich wiederum, und wende dich zu einem Christlichen und eiferichen Ge bet, erinnere dich, daß du die Gabe GOt. tes erweckest, die in dir ist. Das zerstof fene Rohr wird er nicht zerbrechen, und das glimmende Tocht wird er nicht aus löschen, Ef. 42, 3. Sonderlich betrachte den H. Beruf des Herrn, und seine freundliche Stimme; fommet her, alle die ihr mühſelig und beladen seyd, Jø will euch erquicken. Matth. 11, 28. Ge denke, daß du eben senest der Mühseligen einer, auf den die Stimme des Herrn gerichtet ist, und merkt, daß er nicht zu fich fodert die Frölichen, sondern die Mühselichen und Betrübten. Wir fin den nicht, daß GOtt gesagt habe, er woh ne in den Frölichen, sondern in den Be trübten und Traurigen. Dann Gott fucht keine liebere Stätte und begehret Feine beffere Herberge, als da Noth und Herzenleid ist, da kehret er am ersten ein, das ist GOttes Art und weise, daß er fich gefellet zu den Clenden und Verlaf fenen Fo wohne bey denen, so zerfabla gen und demüthiges Geistes find, auf daß ich erquicke den Geist der Gedemüthig ten, und das Herz der zerschlagenen, spricht er selbst, Ef. 57, 15. Etliche Men schen 253 C. 14. wir auf den Herrn werffen. schen halten sich immer am liebsten zu dem was stark, reich, mächtig und herrlich für der Welt ist, aber unser Herr GOtt thut das Widerspiel, seine Augen sehen nach den Elenden, Geringen und Schwachen. Der HERR ist nahe bey denen die zu brochenes Herzens find, und hilft denen, die zuschlagenes Gemüth haben, spricht David, Pf. 34, 19. Lieber warum that doch der HErr das? Datum, weil gemeiniglich die, so für der Welt stark, reich, mächtig und herrlich seynd, ihr Vertranen mehr sezen auf zeitliche Dinge, dann auf Gott, darum läffet fie GOtt fahren, und wendet sich zu den Geringen, Betrübten und Elenden: du bist der Geringen Stärke, der Armen Stärke in Trübsal, eine Zuflucht für dem Ungewitter, ein Schat, ten für der Hiz, stehet geschrieben Ef. 25, 4. Und weil der Elende forft in dieser Welt keine Hülffe hat, so ist er freylich GOtt gelassen, und gleichsam für die Füsse ge. leget, weil er cin GOtt alles Troffes ist, und lauter Lebensworte in seinem Munde hat, so siehet Er auf die Elenden, und die zerbrochenes Geistes und betrübtes Herzens seynd. Wo nun der H. Geist feine Wohnung machen will, da schickt er gemeiniglich seine Borbotten hin, nemlich €. 14 All unser Anliegen sollen 254 Angst und noch die das Herz bekümmern, demüthigen und niedergeschlagen, auf daß er desto mehr Plaz finde, und alles Gu tes darinn würfe. Wie kann dein Leiden und Creuz fo groß seyn, als dieser Trost, daß Christus, dein Haupt ist, und du sein Gliedmaß, daß er in dir wohnet, und in dir leidet, und all dein Creuz für sein eigen achtet? GOtt spricht, Jerem. 31, 20. Es bricht mir mein Herz, daß ich mich Ephraims erbarmen muß. Er fann unserm Jam mer nicht zuſehen, sein Herz mocht ihm darüber Blut weinen, oder in hundert taufenb Stücken zerspringen, wenn es uns übel gehet. GOtt der Vater fiehet so scharf auf einen Christen im Creuz und Leiden, als er auf seinen Sohn JE fum Chriftum sahe, da eram Creuz hieng. Erbarmet sich nun GOtt unfer Noth, und thut ihm herzlich wehe, warlich er wird sie abschaffen, so bald sichs nur wird erleiden, und zum besten gereichen sollen. Dann was einem wehe thut und frånket, das pfleger Er abzuwenden, so bald sichs erleiden will. Das laß dir ein herrlicher Troft seyn. Derhalben halte dich fest an GOTT, wirf all dein Anliegen aufJhn, verlaß dich auf sein Wort und Zusage, denn alle Wort GOttes haben Endes Straft, C. 14 wir auf den Herrn werffen. 255 Kraft, und wer fie darauf verläßt, der wird nimmer mehr zu schanden; fein Wort lag dir gewisfer seyn, und ob dein Herz spricht lauter nein, so laß dech dir nicht grauen. Dann Gott ist gröffer, und fein Wort viel gewisser als dein eigen Herz. Unsere Augen sehen nur auf die groffe Noth und sehen nicht, daß Got. tes Hülffe gröffer ist, denn all unser Noth, unser Hülff ist GOttes, wie könnte doch die Hülffe gröffer seyn? Ist die Noth groß so ist doch GOTT now größ fer. Darum mangelt uns oft, daß wir nicht von Herzen sprechen können: Dein Will geschehe auf Erden, wie im Hima mel. Also sieher man, wie die Vernunft aus groffer Ungedult wieder GOtt mura ret, und des Troftes vergiffet, welchem GOtt allwege hinder das Leiden stellet und verbirget. Kayser Lotharius hat diß für sein Symbolum gebraucht: Was traurest du doch? GOtt lebet noch. Darum, o lieber Mensch! gráme dich nicht, faffe einen frischen Muth, laß deia nen lieben GOtt walten, der mit seinen Sorgen dir helffen kann. Was hilffe dich deine Bekümmerniß? Du richtest damit nichts aus, du begehest nur Sunde, und schwächeft deinen Leib damit: Ja, du verkürzest nur dein Leben, und bes €.14 256 All unser Anliegen sollen befümmerst dein Herz und machest den Teufel frölich, denn es ist seine Luft, wenn du traurig bist. O welch eine groffe Ga be Gottes ist diefes, wenn man sicher und getrost in Widerwärtigfeit ift, und von göttlicher Hülffe zu fagen weiß, und alle Bekümmernis und herzliche Betrübs niß aus dem Herzen treibet, und sich felbst also mit wahrem Trost göttlicher Gnaden mit dem lieben David anredet, wie Pf. 42, 12. und Pf. 43/5. da er spricht: Was betrübst du dich meine Seele, und bist so unruhig in mir? harre auf Gott, dann ich werde ihm noch danken, daß er meines Angesichs Hülfe und mein Got ist. Origenes sagt: Je beständiger und fester wir im Creuz stehen, ie schwi cher der Satan wird, wann wir aber be ginnen sowach zu werden, so lehnet sich der Teufel desto stärker gegen und auf Derowegen frisch auf, und hofire demi Tew fel und deinen Feinden nicht, sep frölich in Chrifto deinem Erlöfer, las trauren die, so keine Hoffnung haben, und sprich: Ich bin getauft in Christi Blut, Das ist mein Schaz und höchstes Gut, Des trost ich mich in aller Noth, Truz alle Teufel, Höll und Tod. Also ist der Mensa selig, der sein Noth und Anliegen auf den HErrnwerfen kann. Sehn €. 14: wir auf den Herrn werffen. 257Sehnliches Gebet, um gnädige Erlösung aus dem Creuz. Err aumd@ tiger GOtt, verlenhe gnädiglich mir Elenden, daß ich die. sen Kelch, den du mir jest eingeschenket hast, gedultig und gehorsamlich möge aus. trinken, las die Anfechtung deine Frucht nicht aus meinem Herzen reiffen, den Glaus ben schwächen, das Gebet dámpfen, Una gedult und Unfriede in mir erwecken. Ges fällt es dir, o lieber HErr, daß du willt mein Creuz und Somerzen mehren, ach! so mehre auch in mir die Gabe der Ges dult, daß ich all mein Anliegen auf dich werfen, und dieß mein zeitlich Anliegen mir endlich zum besten dienen möge. Laß mich bald nach diesem Ungewitter meiner Trubsalen einen frölichen Anblick meiner Erlösung fehen, so will ich dich loben und dir danken in Ewigkeit, Amen! Amen. H HErr, wann mein Glaub will werden schwach, Und die Gedult will nehmen abe, Alsdann du Achtung auf mich habe, Und über mich in Gnaden wach. n Das GOtt hilfft im Creuz Das XV. Capitel C. 15, Von der Zeit und Stunde göttlicher Hülffe HErr, du wollest dich aufs machen, und über Zion erbarmen, dann es ist Zeit, daß du ihr gnädig seyest, und die Stunde ist kommen. Pf. 102. 14. Auf das ihr aber wiffet, welches da ſey die und daring GOTT am liebsten hilft, müssen wir dieselbe anzeigen. Wir finden allenthal ben in der H. Schrift, wenn die Noth am höchsten ist, das alle menschliche Hülf aus ist, und alle ordentliche Mittel zerrin nen und nicht heiffen können, wenn die Ochsen am Berge stehen, und können nicht mehr ziehen, oder wie Efaias am 37, 3. Wenn die Kinder bis an die Go burt fommen seynd, und ist keine Kraft da, zu gebähren: Co kommet denn der liebe GOtt, und hilft unversehens aus aller Noth, das ist seine Zeit, und das hin wahret Er auch gemeinialich seine Hülffe: Denn das if GOttes Gebrauch, wenn Mensden Hülffe aufhöret, da will er om liebsten helffen, wenn weltlicher Trost dahin ist, da will er seinen himmli fhen Trost senden. Ein schwanger Weib weiß nicht, wenn Gott 259 €. 15. zu rechter Zeit und Stunde. GOtt mit ſeiner Hülffe fich werde sehen laffen; es begibt sich aber gemeiniglich, wenn die Angst am gröffesten, und die Hoffnung am gerinsten ist, da findet fich GOttes gnadige Hülffe in einem Augenblick, also zu reden, the mand innen wird: Denn der Anfang fiehet dem Tod gleich, aber in der Eyl ist der Tod und alle Gefahr hinweg, und findet fich ein gedoppeltes Leben: Also auch, spricht Chriftus foll es sich mit meinen Christen plozlich ändern, wenn die Noth am gröffesten, und die Hoffnung am schwächsten ist, so soll Trost, Hülff und Rettung ohne Maag folgen. Darum fiea he nicht allein auf die Wort Chrifti: Ihr werdet weinen und heulen, sondern fiebe auch auf das andere Wort: Eure Traurigkeit soll in Freude verkehret wera den, Joh. 19, 20. Und wiffet wenn das Heulen und Beinen angehet, daß du jezt auf der rechten Bahn bist, da man zur rechten und ewigen Freude eingehet: Das lerne und fen getroit, thue die Angen zu, gedenke, es ist um ein saures Tränklein zu thun, darnach wirds besser, Gen. 41, 14. half GOtt Joseph aus dem Gefäng. niß, da er von allen Menschen verlaffen war. David ward nicht ehe zum König erwählt, bis er weder bey Juden und R 2 Hep. E. 15 960 Feyden mehr sicher war. Da die Kin der Ifrael aus Egypten zogen, hatten fie hinter sich die Egypter, und für sich das tieffe rothe Meer, und on benden Sei ten hohe Gebürge: Da sie nun in der hoastei noch seynd, und nichts anders als den Tod für Augen sehen, theilet der HErr das Meer in zwey Theil, und ließ die Kinder Ifrael hindurch gehen, Erod. 14, 22. Also kann GOtt der HERR wunderliche Mittel schaffen, daß ich mein Creuz überwinde und hindurch komme, wie Er einen Weeg macher durch das rothe Meer, so wunderlich als fein Mensch hätte denken können. Erstlich theiler sich das Meer von einander; zum andern stunds auf benden Seiten, mit zwo Mauren. Zum dritten, kam ein Wind, und ma bet das Meer trocken: Also wird mein HErr Christus das Creuz Meer aud zertheilen, und einen Beeg durch ma den. 2. Wann gleich auf beyden Seiten mein Creuz stünde, wie es zum Beweis, Richter 15, 18. 19. meinete Simson, et müßte Dursis halber sterben, GOtt aber spaltete einen Backen Zahn in dem faus len Esels Kinbacken, daß Waffer daraus gieng. Jon, 2, 11. half GQtt Jona aus dem Bauch des Wallfifces, Danielis Gesellen aus dem feurigen Ofen Dan. 3. Daniel GOtt hilft im Creuz 261 E. 15. zu rechter Zeit und Stunde. Daniel selbst aus der Löwengruben, Dan6, 22. 23. Und Matth 8, 24. da das Schiff mit Bellen bedecket war, und die Jünger schrizen: HErr hilff uns, wir verderben, da halff Christus, bedränere Waffer und Wind, daß es still ward. GOTT der HERR hat auch die Sufanna wunder. lich errettet, wie sie zum Tode verurtheis let, Hift. Sus. v 63. Also hat auch der HERR der betrübten Wittwen zu Main ihren einigen Sohn, so schon zu Grabe getragen ward, erwecket, und ihr dens felben, da alle menschliche Hülff aus war, und da seine Stunde kommen, wieder zus gefteller, Lucá 7, 15. In der Historie Jus dith haben wir ein merklich Erempel an den Leuten zu Bethulia, die sich schon darein ergeben hatten, fie müßten dem Holoferni die Stadt aufgeben: Wie fie nun keine menschliche Hülffe mehr für Augen gesehen, da schickt es GOTT bald über Menschen Vernunft und Gedanken, daß der Tyrann felbst in seinem eigenen Blut mußte erfaufen, und die Feinde von der Belagerung mit Shanden abzie. hen, Judith 15, 2. Wenn wir derowe. gen meynen, wir seynd in der differsten Noth, so nimmt GOtt, ehe wirs recht gewahr werden, das Creuz gar von uns hinweg: Dann das ist GOttes Stunde, dabin 23 262 Gott hilft im Creuz € 15 dahin sparet er seine Hülffe, bis die Noth aufs höchste kommt, und das Baß fer über den Kopf schlagen will, ja wann jedermann übel troffet, so nahet fich feine Stund, so hält Er mit der Hülffe für der Thür. Lutherus schreibet in feiner Haus Postil über das Evangelium am Tage der Verkündigung Mariá: Also pfleget GOtt mit seinen Werken zu thun, wenn jedermann verzweifelt, und saget, da Fann nichts mehr aus werden, so hebet Er am allerersten an, und machet viel herrliches und groffes Dinges daraus, deß fich kein Mensch hätte können vermuthen. Soviel Lutheri Wort. Summa, wenn Menschen Vernunft verlohren geht, ſo gehen GOttes Wunder mit Gewalt an, Philo spricht: Wo menschliche Hülff aufhöret, da hebt die Göttliche an. Und Lutherus sagt: Je gröffer Noth, je nd her GOtt mit seiner Hülffe ben uns ist. Daher Taulerus sagt: Wenn die Na. tur mit ihren dufferlichen Mittlen ausges het, da gehet GOtt ein, ja wenn Men. fchen Troft untergehet, so gehet GOttes Trost auf. Je naher wir dem Unglück seyn, Je näher kommt GOttes Hülff herein Stema €. 15. zu rechter Zeit und Stunde. Item GOtt ist, der nur allein weißt Rath, Wenn Menschen Hülff ein Ende hat. 969 Wenn nun die Noth am gröften iff, und alle menschliche Hülffe aufhöret, und GOtt alsbann hilft, so gewinnen wir ihn defto lieber, und können ihm desto herz. licher danken, und ihm hinfort mehr trauen und glauben. Darum schiebet der HERN seine Wunderwerk und Hülffe auf, bis zulegt, wann der Wein gar aus ist, daß man das Faß umstürzet und man sehen kann, das nichts mehr darinn ift, da hilfft Er am liebsten, und daselbs ften schmecket auch seine Hülff am besten, und ist am allerangenemsten, da wird dann seine Hülffe recht erkannt, daß fie vom Himmel komme. Daher wird Er genannt ein Helffer zu rechter Zeit, und eine Hülff in den groffen Nöthen, die uns getroffen haben, Pr. 46, 2. Denn wenn und GOTT der HERR alsbald aus und aufhülffe, che die Noth am höchsten, so würde man GOttes Alle macht wenig dabey spühren, es würde auch solche Hülffe uns nicht so anmuthig und angenehm seyn, sondern es dörfte wohl mancher gedenken, es geschehe ohne gefähr also, oder es sey ihm durch die nature 4 €. 13 # 64 GOtt hilft im Creuz natürliche Mittel gerathen und geholfen worden. Darum muß GOtt der HErr mit der Hülffe zurück halten, bis aller Menfeen Huiffe aus, und verlohren, da kommt Er endlich, wenn die O& fen am Berge stehen, und läffer seine Hülfe an gehen, da hilfft er mit Seivalt, und läß fet feine göttliche Aumacht angenscheinlich fehen, und beweisfet im Werk, daß Er der rechte Meister zu helffen, Jef. 36, 1. Der Helffer zu rechter Zeit, der alle Hülfe thut, so auf Erden geschiehet, Pialm 74, 12. Und darum läffer GOtt Die Geinen in groffe Roth gerathen, auf daß Er Urfach habe, seine Allmacht an ihnen zu beweisen, und daß der Mensch auch erkenne, daß die Hülff allein von ihm herkomme. Wenn wir derowegen in groffen und schweren Nöthen seynd, und dieselbe dermaffen überhand genom men haben, daß wir mit unserer Ver nunfft nicht anders schlieffen, und an unfern fünf Singern nicht anders aus rechnen können, denn daß es mit uns aus sey; In Summa, wie schrocklich und heblich es sich auch anfehen läßt, ſo fot len wir doch nicht verzweiffeln, und ge denken: Nun fen es ganz und gar ver lohren, der Schade sey allzu groß, wit müssen nun verderben: Sondern wir fol. len €. 15. zu rechter Zeit und Stunde. 265 daß len wiffen und festiglich glauben, GOtt mit seiner Hülffe alsdann am allera nähesten bey uns ist, und ein fleißig Aufe fehen auf uns hat. te. Derowegen gedenke doch, daß des HErrn Hand unverkürzet sey, denn keis ne Roth an Leib und Seel so schröcklich ist, daraus und GOtt durch ſeine una endliche Almachtigkeit nicht helffen könne Er weiß aber am besten, wenn es Zeit ist, die will er nicht vorbey gehen, feinen tròftlichen Titul wird Er nicht umsonst führen, denn je groffer die Noth, und je mehr der Gefahr ist, je fefter sollt du glauben, daß GOtt der Vater feinen Namen, und Christus sein Amt an uns deno kraftiger beweisen werde: Und weil GOtt eine gewisse Zeit bestimmt hatte, wie lang die Ifraeliten zu Babylon ges fangen ſeyn, die Stadt Tyrus und Egyptenland follten wüst liegen: Wie follte Er dann nicht Zeit und Masse treffen, wie und wenn Er seine Glaubis gen retten ſoll? Gleichwie ein weiser Bau Meister, oder Hausvater, der sei. nem Gesinde Arbeit aufleget, weißt, zu welcher Zeit und Stunde sie können mit Der Arbeit fertig werden: Also hat auch der weise GOTT einem jeden sein Creuz also zugemessen, daß Er auch gewiß weißt X 5 die €.15 266 GOtt hilft im Creuz die Stunde, in welcher es sich enden foll. Wenn derowegen GOtt der HErr mit der Hülffe etwas verzeucht, und an sich halt, fo sollen wir immer gedenken, feine Zeit und Stund ist noch nicht kommen, was GOtt dir versagt in deiner Jugend, das wird Er dir aufs Alter geben.€ 6 har GOtt der Allmächtige feine fonderli de Zeit zu belffen, die Er in seinem al lerweisesten Nath beschlossen hat, und ist eine solche Zeit, dadurch zuvörderst des allmächtigen GOttes Ehre am besten offenbahret wird, und des Menschen See legkeit befödert, das weiß und verfiehet GOtt am besten, wenn, wo und wie er helffen soll, und dann hilfft er also, daß jedermann seine Hülffe greifet und fie het, und bekennen muß, das hat GOLE gethan, es ist GOttes Werk. Ja, Gott kommt oft zu der Zeit, da man tausend Ende darauf schwüre, es würde nimmer mehr nichts daraus, daher auch die Christ liche Kirche gar recht und wohl finget: Die Hoffnung wart der rechten Seit Was GOttes Wort zusaget, Wann das geschehen soll zur Freud, Sest GOtt kein gewisse Tage. Er weiß wohl, wenns am besten ist, Und braucht an uns kein arge List, Das sollen wir Ihm vertrauen. Alſ C. 15. zu rechter Zeit und Stunde. 267 Also mug den betrübten Herzen die Hülff, zu dero von GOTT verordneten Stund gewiß widerfahren. Gedenkt doch weld ein groffe Liebe GOttes das fen, das er uns arme Würmlein so hoch achtet, daß Er darüber einen ewigen Rath hält, zu welcher Zeit und Stunde unser Leiden aufhören ſoll, das sollte einem Chriften, wann ers recht bedachte, sein Herz ges troft und fröhlich machen. Ein Mensch will ehe Hülff haben, und sich loß wür. Fen aus ſeinem Unglück che GOttes Zeit kommet, und gerätch immer tieffer hins ein, weil er dem HErrn nicht will still halten, und GOttes Werk, das Er mit ihm für hat, gedenket zu verhindern. Summa GOtt hat einem jeden Ding seine Zeit verordnet. Glück und Unglück Leid und Freud, alles hat seine Zeit. Aber Menschen Zeit ist nicht GOttes Zeit. Got tes Zeit ist in der höchsten Noth, und in der allerhöchsten Schwachheit der Mens schen, helffen in der Niedrigkeit und in der Demuth erhöhen, in der Schwachheit über GOtt seine Stärke. Dann zweyers ley Stärke, Göttliche und Menschliche, swicken sich wohl zusammen, eine muß der andern weichen, darum machet fich GOts tes Stárke alsdann auf, wann dieSchwachs beit der Menschen am grösten ist, und Wann 268 GOtt hilft im Creuz C. 13. wann der Mensch am elendesten, dann zweyerley Herrlichkeit ficken sich hier nicht zusammen, menschliche Herrlichkeit Pracht, Ruhm, Ehre, und GOttes Herrlichkeit können nicht ben einander sie. hen. Soll GOTT seine Herrlichkeit an dir erfüllen, so muß deine Herrlichkeit, Pratt, Ruhm, ftolzer Sinn und Muth untergehen. Summa, GOttes Stärke nimmt au nnfere Schwabheit, GOttes Herrlichkeit nimmt an unfer Elend, GOttes Trost in unser Traurigkeit und Angst, wann uns oft fo angst ist, als einer Gebähre rinn. Darum sollen die Schwachen und Traurigen in ihrer Schwachheit und Tran. rigkeit nicht verzagen, sondern GOTT vers trauen und beten, und des Hülff Stund. leins von GOTT in Gedult erwarten. Und weil uns nun GOtt der Herr Zeit und Weise zu heiffen verborgen hält, so follen wir feines weges aus mensolidem Borwiz nachforschen, wann und wie dies felben geschehen soll, sondern ihn dafür forgen lassen, und es in seinen anådigen Willen stellen, daß Er uns helffe zu der Zeit, und auf diese Weise, welche ihm darzu gefällig ist, und seine göttliche Eh re dadurch möge befördert werden. Es dünket uns zwar wohl ein Verzug, wenn GOtt mit seiner Hülffe ein wenig an fio hält. 269 €. 15 zu rechter Zeit und Stunde. hålt, aber den GOtt ist kein Verzug, sonDern ein ftátiges Eilen znr Hülffe, ja er eilet mit der Hülffe vielmehr als wir selbst. Sintemal ihm unsere Noth in Herzen ges het, und wehe thut. Darum so forget er so sehr für das Ereuz, daß er auch die Jahre, Monden, Tage und Stunde zeh let. Weil der mächtige GOTT nach seinem weisen Rach einem jeden Menschen fein Creuz abgezehlet, abgewogen und gemes fen hat, wie lang und wie viel er leiden foll, so last GOtt der HErr eins nach dem andern ergehen, und eilet, damit die Zahl der bey GOtt beschlossenen Trüb. faalen erfüllet werde, und hilfft immer eins uach dem andern überwinden biß ans Ende. Und dasselbe dünket uns dann ein Verzug göttlicher Hülffe, aber wir wiffen und verstehen nicht, wie sehr GOtt damit eilet, biß die Zahl der beschloffenen Trúbfalen erfüllet werde, darum gebührt uns nicht zu wissen Zeit und Stunde gött. licher Hülffe. Das könneu wir aber wohl thun, follens auch fhun, daß wir Gott darum bitten, daß Er mit der Stunde der gnädigen Hülffe eilen wolle. Wird Doch unfer lieber GOtt die bdsen Tage der lezten Zeit verkürzen um der Ausers wählten willen, und wird eilen mit, dep End. 270 GOft hilft im Creuze. endlichen vollkommenen Erlösung; Ep follte Er denn nicht um seiner lieben Kin der willen auch im proffen Ereuz mit der zeitlichen Hüiffe eilen und die Tage der Trübfal verkürzen? Darum, was bey uns ein Verzug ist, das ist bey GOtt ein stätiges Eilen zur Erlöseng. Herzliches Anlangen und Bitte um eilende Hülfe ERR JEfu Christe! thue das beste He bey mir, wenn meine Noth am höchsten ist, und ich deren kein Auskom men weiß; Ja, wenns alle Welt vers lohren gibt, so beweiſe an meiner Noth deine göttliche Aumacht und Meisterstück, der du der rechte Meister zu helfen bist. Erfülle deine Zusage an mir, und be weife es in der That, daß du der reb te Nothhelfer seyest; auf das ich hie zeit lich bey Ehren, und dort ewig ben dir erhalten werden möge. HErr JEfu, Fomm zu rechter Zeit; und winde dem Unglück, so muß es weichen; bedrdue all mein Elend, so muß es vergehen; dann du bist ein groffer HErr, groß von Rath, und machtig von That: Ey To hilf mir du werther Name JEsu Chrift, hochgelobet und gepreisen in Ewigs Feit, Amen! Amen. Ach ( 271) Ach HErr! Ach HErr! Ach zu mir eileAch, mir zu helfen nicht verweile! Du weift allein die rechte Zeit, Ach hilf aus allem Unglücks- Streit. 4444 Das XVI. Capitel. Daß wir im Creuz immer beten, und nicht müde werden sollen. Luc. 18, 7. Golte GOtt nicht retten seine Auserwälten, die zu ihm Tag und Nacht ruffen, und folte Gedult darüber haben? Ich fage euch: Er wird sie erretten in eis ner Kurze. Se will dir, lieber Chrift! diese Leh. re geben, welche du wohl merten und behalten solt: Das liebe Gebet foll dein Schifflein feyn; deine Noth, Jam. mer und Elend follen die Baaren ſeyn, damit das Schiflein muß beladen wer. den? deine Thränen sollen das Meer fenn, darauf das Schiffein segeln muß; Christi Creuz soll der rechte Mastbaum seyn; Christus foll Bas Segel seyn: der Heilige Geift soll der Wind seyn; Wann du also das Stiflein zurichten wirst, fo wird es gewiß und fürwahr hindurch fegeln, und für GOttes Angesicht fom men: Welcher denn einen schönen Wech fel 272 Im Creuz sollen wir stets beten,€. 16. fel mit dir halten, deine Baaren aus laden, und an derselben Statt, die bimm lische Gürer einwerffen wird, welche fennd die Hülfe und grådige Ausführung. Bafilius spricht: Das Gebett ist der groß se und starke Wind, dadurch allerley lei bes- und Seelen: Angst von unfer Thir hinweg gewehet wird. Es ist auch fagt Augustinus die rechte Röhre, dadurch wir uns selbst Lufft zu unserm beflemmeten Herzen machen, und den schweren Stein der nagenden urd plagenden Sorgen da von abwälzen. Das glaubige Gebetif die schönste Cantorey, und das herrlichste Saitenspiel, welches GOtt, feinen Ohren und Herzen mit Freude und Wonne ge fällt; und der Schall und Klang unfer Jammer Gefangs gefällt ihm fo wohl, und nimmt ihm sein väterliches Herz der maffen ein, dag Ers nicht laffen fan, über uns Mühseligen seine Gnade und Gütht reichlich auszuschütten. Wenn wir anfahen zu beten, sagt Efai fas 57, 9. so antwortet GOtt: Hie bin ich, fiehe, ich wills thun. Derohalben nut getroft angeklopffet. Luc. 11, 9. und frü he und spath das liebliche Rauchwerk des Gebets zu GOtt hinauf geschikt, Avo. 7, 3. 4. Bedenke, lieber Christ, das uns Cott befohlen hat, daß wir beten, und ihm €. 16. und nicht müde werden. 273 ihn anruffen sollen; wie er spricht, P 50, 15. Nuffe mich an in der Roth, fo will ich dich erretten, und du follt mich preifen. Des ist eine groffe Günde, wenn einer in Nöthen steckt, und Gott nicht anruft. Auguftinus fagt in der Person des HErrn: Darum habe ich dir die Seit der Trübfaal zugeschickt, daß du mich sollst anruffen: Wenn du Frine Trúbsaal haft, so ruffest du mich nicht an; und wenn du mich nicht anruffest, fo erhöre ich dich nicht. Derowegen läßt uns GOtt zuweilen in groffe Angst und Noth gerathen, damit Er das Geber heraus preffe. Ja, GOtt låst uns die Noth ergreis fen, auf daß wir beten sollen, und Er helfen könne. Denn die Glaubigen werden nach dem beschlossenen Rath unsers GOttes versucht und angefochten, die Angefochtenen beten und schreyen, die rechten Beter werden erhöret und getröstet, und was Troft empfindet, das danket und lobet GOtt Gregorius fagt: Das Uebel, so uns drücket, macher uns Füsse zu Gott; denn, wo das Gebet nicht durchs Creuz ausgepreffet wird, fo kommt es nicht aus des Herzens Grund; aber Angst und Noth stecket das Herz an, treiber und jaget uns zu Gott, wie 274 3m Creuz sollen wir stefs beten, C. 16 wie Jefaias fagt am 26. HErr, wann Trubsaal da ist, so sucht man dich; und wann du sie züchtigest, so ruffen fle ang ftiglich; Und GOtt der HErr selbst of 6, 1. Wanns ihnen übel gehet, fo werden sie mich früh suchen müssen. Als wolte er sagen: Achten sie meiner nicht im Glück und guten Tagen, so muß ich fie durch Trubsaal Angst und Noth zu mir treiben, Tertullianus spricht: Wann man Gebet halte, so stehe GOtt gleich in der Mitte wie ein rechter Allmosen Geber, und theile aus; denn Er wird mit dem Geber, als mit einer Wagen burg, umschlossen, er muß helfen, kan sonst nicht aus dem Craig kommen. Da her Bernhardus schreibet: Das Gebet überwindet den unüberwindlichen GOtt, und bindet den Unbindlichen und All mächtigen. Es ist nichts mächtigers, denn ein Mensch, der da betet: Ein andächtiges and glaubiges Gebet erwirbet und überwindet alle Ding. Ja der Glaube und das Gebett sind über die Natur, überwinden den Himmel, und alle böse Einfluß und Wirkung auch ab ler Feinde Anschläge und Gedanken, und macet einen Weeg durch alles Unglück hindurch: als wie Moses mit seinem Stab das Meer theilete, und einen Weeg hin durch . 16. und nicht müde werden. 275 durch machte. Er. 14, 21. 22. Das solla te uns je bewegen unsern Mund aufzuthun, und getroft zuruffen: Ein jeder bedenke seine eigene Roth, so wird er nicht lang still soweigen können. Wenn wir mit Ernst und Andacht beten in festem Glauben und starcker Zuversicht, und zweiffeln an der Erhörung nicht, so stehen wir gleichsam mit Spiessen und Hellebarden für GOttes Angesicht, wol. len ihn gleichsam uns zu erretten, gefan. gen nehmen. Also können wir durch ein emsiges und glaubiges Gebet den unüber. windlichen GOtt uns überwindlich ma chen, daß Er sich unserm Willen ergebe. O es ist eine groffe Kunst und Meis sterstück, daß man GOtt mitten in der Noth kann ergreiffen. Diß geschicht nun also, wenn wir Ihn seiner eigenen Zus fage erinnern. Ja, wir können unsern lieben GOTT nicht besser und ehe bewegen daß er uns Hülfe erzeige, als wenn wir ihm seine eigene Wort, Vera heifung und Zusage vorhalten. Deros wegen, lieber Christ! sprich in deinem Herzen: Allerliebster HErr und Vater, du befichlest mir, ich sollte bitten und be. ten; wenn ich denn nun so viel mir in meiner Schwachheit möglich, Gehorsam leiste, und komme mit meiner Noth da. her 276 Im Creuz sollen wir fiets beten, C. 16 folte id her gezogen, und klopffe an alsdann nicht erhöret werden? Mit nich ten, du allmächtiger Amens GOtt!& stehet dein Wort, du willt heiffen in de Noth, du wirst ja meinetwegen nicht zum Lügner werden. So ein ehrlicher Man fein Wort hált, wie vielmehr wirst de dein Wort- und theuren End halten? Ich will kurzum von deiner Verheiffung und Gnadenthür nicht hinweg gehen, di erhörest denn meine Bitte: Willt du meiner nicht schonen, so schone doch de ner Ehre und Wahrheit, weil du den Ab fchied selbst gegeben: Wenn Noth da ih foll man von Stund an dich anruffen, Pr. 50, 51: Ja, che wir ruffen, so wird du antworten; und wenn wir noch reden, so willst du hören, Ef.65,24. Derowe gen bitte ich allein um Bollziehung fehlen niger Hülffe. Ciche, herzliebster Bater Du allein weist meine Noth, uud fiches wie es mir gehet; und wo du mir nid hilffest, wird mich die Unglück in die auf ferste Noth stürzen. Und aus dem 25. Pfalm v. 16. 17. 18. HErr wende dichz mir, und sen mir gnädig! denn ich bin einſam und elegd, die Angst meines Her zens ist groß, führe mich aus meinen No then. Siehe an meinen Jammer und Elend, und vergib mir alle meine Sünde Wann C. 19. 277 und nicht müde werden. Wann wir GOtt mit solchen und der. gleichen Worten beykommen, und also in feinen Verheiffungen ergreiffen, und das Herz treffen, fo fann er nicht Umgang haben, sondern muß und erhören, ja er thut alsdann überschwenglich, mehr als wie bitten und begehren. Wir sollen diese Kunst von dem lieben David lernen, davon er im 27. Pfalm v. 9. spricht: Mein herz hält dir für dein Wort, ihr folt mein Antliz fuchen; darum suche ich auch HErr dein Untliz. Also fuche du auch: HErr, da stehet dein Wort, das fanft du, und wirst es auch nicht läug. nen, das lautet also: Rufe mich an in der Zeit der Noth, so will ich dich erretten, Pf. 50, 15. Und Joel am 2, 33. Wer den Namen des HErrn wird anruffen, der soll errettet werden. Item: Er begehret mein, so will ich ihm aushelffen, Pfalm 91, 14. Item: Alles was ihr in eurem Gebet bittet, so ihrs glaubt, so werdet ihrs empfahen, Matth. 21, 22. Und im Propheten Efaia am 49, 15. spricht GOtt: Kann auch ein Weid ihres Kindleins ver. geffen, daß sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibs? und ob sie schon def. felben vergaffe, so will ich doch dein nicht vergessen Siche, in meine Hände habe ich dich gezeichnet. Denn wie fan Gott 63 unser 278 Im Creuz follen wir stets beten, C. 16. unser vergessen, weil sein Geist in uns seufzet und betet; Gal. 4.9. Ja Gott, der das Gedächtniß selbst in das Haupt gepflanzer hat, follte der unser nicht felbst gedenken? Der das erbarmende Herz ge macht hat, folte der sich nicht ſelbit era barmen? Durch unser Elend wird GO tes Barmherzigkeit erwecken; denn unser Elend ist eine Urface feiner Barmherzig Feit. Wie eine Mutter ihrem weinen den Kindlein ihre Brüste reichet: Co reicher uns GOtt, wenn wir weinen, und von Herzen betrübt sind, die Brüste feines Troftes und seiner Barmherzigkeit. Und wie ein Kind immer nach der Mutter Brüften schreyet; Also follen wir auch nimmer ohne Seufzen seyn, nach GOttes Erbarmung. Das ist ein Kenn zeichen eines wahren Christen und buß fertigen Herzens. Zu dem heift uns GOtt der Vater nicht allein, daß wir ihn anruffen und bitten follen, sondern unser HErr und Heiland JEsus Chri ftud lehret uns auch selbst, wie wir recht beten und bitten sollen, daß wir wahrhaft tig erhöret werden, da er spricht in dem Gleichniß, Luc. 11, 5. und feq. mit diesen Worten: Welcher ist unter euch, der ei nen Freund hat, und gienge zu ihm zu Mitternacht, und spräche zu ihm; Lieber Freund! C. 16. und nicht müde werden. 279 Freund! lethe mir drey Brod, denn es ist mein Freund zu mir fommen von der Straffen, und ich hab nicht, daß ich ihm fürlege; Und er würde antworten und sprechen: Mache mir keine Unruh, die Thir ist schon zugeschlossen, und meine Kinder sind bey mir in der Kammer, ich Fan nicht aufstehen und dir geben. I fage euch, ob er nicht aufstehen und gibt ihm, darum daß er sein Freund ist, so wird er doch um feines unverschämten Geilens willen aufstehen, und ihm geben, wie viel er bedarf. Und ich sage euch: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden: klopfer an, so wird euch aufgethan. Denn wer da bittet, der nimmt; wer da suchet, der findet; wer da anklopfet, dem wird aufgethan. Und Joh. 16, 24. Warlich, warlich, ich fage euch, so ihr den Vater etwas bittet, werdet in meinem Nomen, so wird ers euch geben: das ist: Wenn ihr in meinem Namen betet, so betet ihr nicht allein, fondern ich rein H. Name, mein Ver dinst und die Kraft meines Blutes und Todes schreyet in euch, mit euch, und ne. ben euch; darum fürchtet euch nicht für dem Vater, trettet nur getroft zu ihm. Und lehret uns der Herr Christus, Luc. 18, I. mit dem Gleichnuß von dem unge. rechten 250 Im Treuz follen wir stets beten, C. 16. rechten Richter, der die arme Wittwe nicht hören noch ihr helfen will, ob sie wol vielfältig bey ihm anhielt, bis das fie ihn so lang plaget, und ihm in den Ohren ligt, daß er endlich ihr zu rechte hilft, will er anders ihrer los werden. Da fast der HErr: So thut ihr auch, liebe Christen, ruffet Tag und Nacht GOtt und laffet ihme keine Ruhe, so wird Er euch helffen und retten in kurzem, das ist, zu folcher Zeit, darinn ihr euch der Hülfe GOttes zum wenigsten verso hen hätter. Denn so bald ihr anfaher zu Elagen und feufzen, so ergehet die Stims me: Er begehret mein, darum will id ihm aushelffen, Pf. 91, 14. Wenn es dir nun gehet, daß du dein Herzenieid nicht fanft von dir geben, du fchámest dichs zu offenbaren, du fagest oft davon mie dunkeln Worten; du fürchtest dich, man würde dein fpotten, fo du es iemand entdecktest, und dadurch würde dein Kummer gedoppelt werten; darum du meynes, du müffest es bey die behab ten, und mit ins Gräblein nehmen; ſo offenbare dein Herz dem getreuen Gott, der wird dein nicht spotten, Er wird dich nicht bewäfchen noch verrathen. Er wird dir warhaftig helfen, und dich trösten David sagt Pfalm. 102, 18. Er wendet 1 fich C. 16 und nicht müde werden. 28t sich zum Gebet der Verlaffenen, und verschmäher ihr Gebet nicht. Ein Mensch wird unsers Wehklagens bald müde, und beschwehret sich unser: Aber je mehr hilft und tröster Gott. Lutherus schreibet in feiner Haus Poi still am Sonntag Efto mihi: Das Ges ber macht es, daß GOtt eilet, da Er fonst nicht also eilen würde: Darum dies net das Anhalten des Gebets darzu, daß man ein Ding desto che erlange, das fonst länger würde verzogen. An dem ist kein Zweifel, aller Chriften Gebet, die im Geist und in der Warheit zu Gott fahrenen, ist gewiß erhöret; Darum fein rechtschaffener Geufzer und Bater Unser von Anbegin der Welt verlohren ist: ob es sich gleich verzogen hat, oder Gott in leiblichen Fällen nicht alles angegeben, nach der Anruffer Willen, fo find doch alle Seufzer, die von Herzen gehen, beygelegt, und hat es GOtt reichlich er. füllet, als jemand jemalen hätte begehren dörfen; und ist unmüglich, daß GOtt eines glaubigen Christen Geber niot follte erhören, oder das Berdienst Christi müßs te Fraftlos werden, und bey Gott nichts mehr gelten, welches doch unsere ewige Erlösung ist. D. Lutherus schreibet in feinen Trosts S5 Sprů Im Creuz sollen wir stets beten, C. 16. Sprüchen: O daß wir so fleißig waren zu bitten, zum wenigsten mit Seufzen des Herzen, als GOtt mit reizen, lob ken, gebieten, verheiffen und nöthigen zum Gebet. Ach! wir sind je zu faul und undanckbar, das vergebe uns Gott, und stärke unsern Glauben. Ob die mocht einfallen, du seyest nicht würdig, daß di, ott erhöre, so kehre dich doch nicht daran; denn Gott hat dir, wie vor hin gemeldet, die Erhörung zugefaget. Solcher Zusage GOttes folt du ja mehr glauben, dann allen Teufeln oder deinem Fleisch und Blut, oder auch der ganzen Welt. Ja, wenn ein Engel vom Him mel, oder Gott selbst dich zu versuchen, zu dir ſpräche, er wolle deines Gebets nicht, so sollt du doch fest und ungezwei felt an seiner göttlichen Zusage halten. Er wird je feine Ehre und Zufage an dir nicht laffen geschåndet werden. Er ist die ewige Wahrheit, und ist kein Betrug jemals in seinem Munde erfunden wors den. Denn GOtt versucht dich zu dem Ende also, daß Er dich will prüfen, ob du dich auch bald willst abweisen lassen; Und wenn sich GOtt stellet als kenne er uns nicht, und wolle uns gar verstoffen, so follen wir uns doch nicht von Ihm verstoffen lassen, sondern desto näher zu ihm 782 C. 16 und nicht müde werden. 283 ihm kriechen, und mit beten an halten. Kan man doch einen groffen Baum mit einem Hieb nicht abhauen, sondern man muß derer viel thun. Man muß doch an eines irrdisden Fürsten Hof solicitiren und anhalten, sollten wir denn an dem Hofe des himmlischen Fürsten, so bald zurück lauffen, wenn man uns unsers Ge. fallens nicht anfhüpffet? Da laß dich, lieber Chrift! nicht abweisen, mache weid. lich ein Getümmel und Gepolter an der Himmels Thur mit dem Gebet, laß die Bung und dein Herz Glöcklein fo lang Flingen, bis dir Gott die Thür ſeiner Gnaden eröffnet. Hat dich der zornige GOtt zu einer Thür aus dem Hause gejagt, so lauff du stracks zur andern Thür wieder hinein; Und je mehr der Satan wehret, je mehr die Welt dein spottet, und je zaghaftiger dein Fleisch und Blut wird, je mehr schreye zu Gott, je fleißiger fahre die fort, und halte an mit beten und feufa zen, biß du Teufel und Welt, dich selbst und deine Noth übertäubest und über. schreiest: sprich nicht: Ich kan nicht beten. Ey kanst du nicht beten? seufze; Sanft du nicht seufzen, so weine dem HErrn deine Noth zu. Ich seze den Fall, es könnte ein Mensch nicht mehr beten, ja auch nicht 284 Im Creuz sollen wir stets beten, C. 16 nicht mehr seufzen, da scheinet es wol als wäre es alles aus; dennoch wenn einem angst und bang darnach ist, er wollte gern beten, kan aber nicht, und thut ihm in feinem Herze wehe, und das ist seine grosse Klag und Angst, daß er es nicht Fan; dennoch so betet er eben damit, daß er klaget, er könne es nicht thun für großer Angst; und daß es ihm inner. lich wehe thut, daß er nicht kan beten, und daß es ihm herzlich leid ist, eben das mit betet er am hefftigsten. Und das ist das unaussprechlichste Seufzen des Geistes, Rom. 9, 27. Der ewige GOtt fiehet nicht an die Wort, fondern das zerschlagene betrübte Herz; Er vernimmt das Verlangen und die Begirden unsers Herzens ganz fleißig und eigentlich; ja unfer Noth darinn wir stehen, schreyet an unfer statt, oder je mit uns für den Ohren seiner Barmher zigkeit. So wahr er lebt, und wahrhaf tiger GOtt ist, wird kein Seufzer, der aus deinem glaubigen Herzen gehet, uns erhöret bleiben. Siehe an den blinden Better Bartimáum, Marc. 10, 49. Ob wol der HERR sein Angesicht straks auf Jerusalem gewendet, und dazumahl mit hohen Gedanken feines bittern Leydens und Sterbens umgieng, dennoch stehet Fr C. 16 und nicht müde werden. 285 Er diesem verachteten und elenden Menfchen, auf fein immerwährendes Sereys en und Anhalten still, und wartet, bis er zu ihm kommt. So wird der HERN auch thun: Er wird dir still stehen, wenn du betest; und mit hülfreicher Hand dir begegnen, wenn du ruffest So hielt auch das blutflüßige Weib den HErrn auf, mit ihrem anhaltenden Gebet, und Er faget: Er fühle, daß eine Kraft von ihm ausgegangen, Luc. 8, 46. Da fehen wir was ein glaubiges Gebet vermag. Mit einem herzlichen Gebet fan man manch grosfes aufziehendes Unglücks. wetter wegbeten. Gleichwie eine gute Arzney unserm Franken und schwachen Leibe Kraft giebt, wann wir derfelben recht gebrauchen: also ziehen wir durchs Gebet die Kraft GOttes und seine Hül. fe an uns, gleichwie der Magnet das Eisen; das Eisen ist des Magnets Speis se und Leben: Und zichen wir durch den Glauben und Gebet Gottes Hülffe und Kraft dermassen an uns, daß wir stárker werden, als unser Creuz; denn wir müssen stärker seyn dann unser Creuza fouen wird überwinden. GOtt wendet sich oft eine Zeitlang von uns, und stellet sich, als wolle Er unser, und unsers Gebets nicht: Ja, er 286 Im Creuz sollen wir stets beten. C. 16 laffet uns oft kleinmüthig und zaghaftig werden, und schwere Gedanken fühlen; dann GOtt erhöret die wahren Anruf fer nicht, bis in der lezten und höchsten Noth, wenn sonsten im Himmel und auf Erden keine Hülff und Mittel mehr vorhanden seynd. Denn er will die wah ren Unbeter probiren, ob sie auch mit rechtem Ernst und Beständigkeit beten, und Ihm aushalten, und alle Sachen in seinen Willen stellen können. Wann sich nun ein Herz durch keinen Verzug lågt abweisen, ein folch Herz erfästet endlich, daß GOtt warhaftig und getren ist, hilft und gibt mehr, als jemand hoffen und begehren kan. Darum musst du in der Noth nicht still schweigen, den Kopf hängen, sauer sehen, unwillig seyn und murren, son, dern ernstlich über sich sehen, Mund, Augen, Hände und Herz zu Gott er heben, Ihn anruffen, flehen und bitten, und schreyen so lang ohn Verzug, big daß du Hülfe erlangest. Es gilt war. lich aushalten, nicht zurück GOtt aus den Händen fallen; es gilt warten und harren, und etwas beffers hoffen; und ob du schon keine Hülffe fühlest, und dufferlich siehest, so höre, woran es die fehlet Du fürchtest und trauest deinem lieben C. 19. und nicht müde werden. 287 lieben GOTT nicht ernstlich, hältest Ihn und sein liebes Wort allzugering, darum dir auch billich so geringe, oder ganz keine Hülfe wiederfähret. Deßwegen fürchte GOtt, halte fein liebens Wort in Ehren, und laß dich bey Leibe sein Sauerfehen vom Gebet nicht abschrecken: es ist ihm doch kein Ernst, Er meynet doch anders nichts damit, denn daß Er Lust darzu hat, daß wir fleißig sollen anhalten, und lernen von Herzen beten; und daß wir erkennen, daß wir diß wol verdienet haben, daß uns GOtt auch eine zeitlang schweiget: Und da wir gleich, wie Lazarus in unserm Elend müssen sterben, werden wir darum nicht verderben, sondern dort allererst recht sehen und erfahren, was wir mit unserm andachtigen Gebett und glaubia gen Bater Unser für groffe Dinge aus gerichtet und erhalten haben. GOtt giebt bigweilen einen groffen Muth im Herzen seinen lieben Kindern im Gebet, daß sie ihm können getroft, und mit aller Zu. versicht zusprechen; wie David thut im 46. Pf. v. 3. da er mit groffer Freudigkeit fagte GOtt ist unser Zuversicht und Stärke, eine Hülff in den groffen Nöthen, die uns troffen haben: darum förchten wir uns nicht, wann gleich die Welt un ter. 288 Im Creuz follen wir stets beten 2c. C. 16. tergieng, und die Berge mitten ins Meer sinken. Begrüssung des HErrn JEsu um gnådige Hülffsmittel daß wir in dem Gebet nicht müde werden. Hilf ilf, HErr Jesu: daß ich in meinem Gebet nicht müde werd, noch deines Verzugs halber von meinem Fleisch und Blut mich davon abschrecken laffe, fondern anhalte wie Mofes, und die unverdrosse ne Wittwe, und durch ein glaubiges und andachtiges Gebet alles Unglück hinweg bete, und alle meine Roth Berge verseze. Deine alte Wunden laß du gecreuzigter HERR JEfu an mir wieder neu werden, und durch Kraft deines Creuzes dámpfe all mein Elend, so will ich dir ewig dan ken, und dich ehren, loben und preisen, Amen! Amen. Gib, daß mein Herz dein Zufag tec lich faß. In dem Gebet nicht werde můd noch laß Das ( 289) Das XVII. Capitel. Von sonderbarem Trost im Creuz und Widerwärtigkeit. 2. Cor. 1, 5. Gleichwie wie des Lendens Christi viel haben: Also werden wir auch reichlich getröstet durch Christum. unverzagt in deinem Creuz und Elend, dann wer weiß, was für ein groß Glück dein gegenwärtiges Unglück in kurzem Fan verschlingen. Denn das ist der alte Proceß GOttes unsers Herrn, den er zu allen Zeiten ben seinen Glaubigen gea halten hat, daß, wenn er sie wol betru. bet, so hat er sie auch wiederum erfreuta et, wie der Prophet Jeremias fagt: Der Herr betrübet wol, aber er erbarmet sich wieder nach seiner groffen Güte, denn er nicht von Herzen die Menschen plaget und betrüber, Klagi. 3, 32. Denn es ist seine gewöhnliche Weise, wenns foll sehr gut werden, so muß es vorhin sehr böse werden, vor groffem Glück muß immer groß Unglück vorher gehen, gleichwie nach der Nacht und Finfiers muß, der Tag und das Licht erfolget, also folger auch auf das Unglück das Glück wieder. Was GOtt der Herr र vers 290 Sonderbarer Troft im Creuz C. 17. verbinden und heilen will, das muß vors hin geschlagen und verwundt seyn; und was er mit Freuden und Wonne Frönen will, das muß vorhin zu Grund gesen. det, und mit Jammer und Herzenlend überhaupft seyn, denn welche Gott er höhen will, die demüthiget er zuerst, und welchen er trösten will, den schref Fet er erst. Lutherus schreibet: Diese Regul und Ordnung wird allwege gehalten, daß, che der Troff fommt, man allezeit Creuz und Leyden fühlet; Denn GOtt tröftet nie mand, dann die Traurigen, wie Er auch niemand lebendig machet, denn die Sünder, denn aus nichts schaffet Er al les, in der Auslegung des 5. Cap. debi Buch Mosis. Warum hált GOtt det Herr einen solchen Preceß, daß er erst betrüber, ehe er erfrevet? Antwort: E ist niemand der göttlichen Hülfe würdig, er sey denn zuvor aller weltlichen Hülfe und irrdischen Troffes leer und entlediget. Die göttliche Hülf und der himmliſche Trost thut sich nicht ehe herfür, biß Menfen Hülf und Troft aufhöret und hinweg ist, daß man nirgend keine Hüls fe mehr weiß, und keinen Freund mehr in der Welt hat, also, daß man mit Christo sagen muß: Meine Freunde und Ver C. 17. und Widerwärtigkeiten: 291 Verwandten stehen von ferne, und scheuen fich für meiner Plage, Pf. 38, 12. Denn so lang wir noch etwas haben, das uns von auffen erfreuet, und da wir unsers Herzens Vertrauen auffezen, fo fragen wir nichts nach GOttes Trost, und haben kein biziges Verlangen nach GOttes Hülfe und Rettung. Darum, wollen wir etwas für GOtt gelten, und seine Hülfe erlangen, so müssen wir erst für der Welt nichts gelten, und in uns selber nichts fenn. Gumma, es hält uns die H. Shrift alles für: Was GOtt will zu Ehren machen, das ma, chet er vorhin zu nichte und zu schanden, welchen er aufs höchste erfreuen will, den machet er zuvor voll Traurens und Herzenleids. Je tiefer er seine Ausera wählten sinken läffet, je höher er sie era heben will. Gott läsfet erst zerbrechen, wenn er bauen will, und tödtet erst, ehe er das Leben gibt. Du sprichst: Ach ich bin arm und elend, das ist recht und muß so seyn, auf daß dir GOtt helfe. Item: Ich bin verachtet, recht, daß dich GOtt heraus reiffe und zu Ehren mache. Also dienet uns nun der Tod zum Leben, die Traurigkeit zur Freude, das Leben zum Herrschen, die Armuth zum Reichthum, die Erniedrigung zur T2 Er. €. 17. Sonderbarer Trost im Creuz Erhöhung, die Schmach und Schande zur Ehre, wie GOttes Reim lautet: 292 Dem ich zu helfen willens bin, Denselben plag ich wohl vorhin, Auch der ist nur das liebste Kind, Dem ich oft eine Ruthe bind, Deß ich mich recht annehmen will, Dem schick ich vor des Creuzes viel, Der muß vor hohen Sport und Hohn, Dem sez ich auf die Ehren- Cron, In Wasserfluth den Mann ich senk, Dem ich mein Hand zu bieten denk. Daraus erscheinet nun unser Croft, daß denen, die GOlt lieben, alle( auch widerwärtige) Dinge zum besten dienen, Rom. 7,28. und einen guten Ausgang gewinnen, müssen. Denn es ist GOttel Weise, daß er nicht das beste zuvor, sondern zulezt auftragen läst, und machts den Seinigen erst sauer, darnach süß: Da der böse Feind und die Welt das Widerspiel halten, die geben anfanglich alles gut für, und muß zum Eingang alles gros und köstlich Ding seyn, aber nichts dahinden, nur im Ausgang Betrüb. nis, Traurigkeit, Jammer, Noth, Elend und der Tod. In welche Weise GOttes wir uns sollen schicken lernen, daß, ob uns wol Christus zum ersten Creuz, Vers folgung Gefängniß und den Tod aufleget, indem er uns allerley Unglück unterwirft, C. 17. und Widerwärtigkeit. 293 so will er uns doch wiederum erfreuen, geschicht es nicht in diesem, so soll es doch in jenem Leben desto reichlicher gesche. hen: Immittelt willer mit seinem himmlischen und göttlichen Trost nicht von uns sezen. Also sollen wir unser Creuz ansehen, daß wir nicht mennen, es sey eitel Gall und Unglück darunter, sondern daß wir dadurch herrlich und groß gemacht werden. Und wann man meinet, du liegest jezund gar unter, so wird doch dein Licht bald aufgehen und herfür brea chen, wie der schöne Morgenstern. Denn wenn und Gott will zu Ehren bringen, fo macht er uns erst für der Welt zu schanden, und lasset uns in Verachtung gerathen. Der heilige und gedultige Job saß in großer Armut und Berachtung, weinete und traurete sieben Jahr. Nach diesem gehet es nach seinem Willen, hundert und vierzig Jahr, und was er einfältig verlohren, daß gibt ihm GOtt siebenfál. tig wieder. Die Apostel weineten viers zig Stunden, dargegen richtet ihnen der Herr zu vierzig ganzer Freuden- Tage, David war zehen Jahr im Elend, aber vierzig Jahr in Königlichen Ehren und Würden. Der Herr führet den lieben Joseph ins Elend und groffes Trauren € 3 in €. 11 294 Sonderbarer Troft im Creuz in Egypten, aber er hätte vor längst vor ihn geforget, wie er ihn daselbst erhal. ten und herrlich machen wolte, denn GOtt läst ihn in seinem Creuz ſtehen dreyzehen Jahr, dieser Verzug hat ihm zu grossem Nuz und Ehren dienen müß fen, dann da er verkauft ward, ist er fiebenzehn Jahr seines Alters, und da ihn GOtt aus dem Gefängniß erlöfete, war er dreyßig Jahr alt, und ward durchs Creuz wol bewähret, und hers nach zu groffer Herrlichkeit gebracht. Sn dieser Herrlichkeit hat er achzig Jahr ge leber, und ist ihm das dreyzehen jährige Creuz wol belohnet worden, daß er dar nach wol siebenmal drenzehen Jahr in groffen Dignitáten und Würden gelebt hat. Also hat auch GOtt deiner Trüb fal ein Ziel gefezt, wenn sie dasselbe ers reichet hat, ſo wird er dich viel höher erfreuen, als er dich zuvor betrübet hat. Tobias war arm und blind, Gott macht ihn nicht allein wieder sehend, fondern auch sehr reich, Cap. 12. und 14. und brachte die übrige Zeit feines Lebens mit Freuden zu. Da heißt es recht wie der 91. Pfalm sagt, v. 15. Erruffe mich an, so will ich ihn erhören, ich bin bey ihm in der Noth, ich will ihn heraus reiffen, und zu Ehren machen. Alſo müssen und Widerwärtigkeit. 295 C. 17. müssen Christen viel Creuz und Leiden haben, daß GOtt der Herr Gelegen. heit und Ursach bekomme, ihnen mit groß sen und herrlichen Wohlthaten zu vergelten und zu belohnen, 2 Sam. 16, 6. Da Si: mei dem David fluchte, und ihn einen Bluthund schalt, da sagte David: Laffet ihn fluchen, dann der Herr hats ihn ge. heiffen, vielleicht wird der HERR mein Elend ansehen, und mir vergelten fein heutiges Fluchen. Wir lesen von dem Valentiniano in Tripart lib. 6 c. 35. welcher ein Kriegsmann unter dem Inliano gewesen, da er einsmals dem Kaiser in die Kirche nachgefolget, ward er mit Weyhwaffer von den abgöttischen Pfaffen besprenget, welches ihn verdroß, schlug derohalben den Pfaffen ins Angeficht, und fagte, er wäre vielmehr von demſelben Waffer verunreiniget, denn er werde ein Chrift: Derohalben er erstlich gefänglich eingezogen, darnach verwiesen, und ins Elend gestoffen. Diß vergalte ihm hernachmals GOtt, daß er nach dem Juliano zum Kaiser erwählet ward. Gibe, so fann GOtt aus einem groffen Unglück ein groß Glück erwecken, aus der Armut den größten Reichthum, aus der Verach. tung die größte Ehre. Denn GOtt der Herr zehlet die Thränen seiner Glaubi. £ 4 gen, 296 Sonderbarer Trost im Creuz C. 17. gen, und wenn die. Zahl derselben erfül let, so müssen die Augen mit Freuden und Wollust verstopfet werden. Wenn einer ein fower Lager gehabt, und lange Zeit frank gewesen, dem dün cet darnach die Gesundheit viel ein fößt licher Ding fern, als wenn er die Krank heit nicht erfahren hatte. Also beraubt GOtt bisweilen uns auch der zeitlichen Güter, auf daß wir desto höher erfreuct werden, wenn er fie uns wieder gibt. Als wir dessen ein fbón Erempel haben am verlornen Schaafe und verlornen Groschen, und veriohrnen Sohn, deren hätte man sich so hoch nicht erfreuct, wenn sie nicht verlohren gewesen, und man vorhin um fie nicht getrauret hätte. Effen und Trinken somácket nimmer beffer, denn wenn man hungerig und dur ftig ist. Es wird sich meine Freude ver mehren, wenn ich gelitten, süß und sau er gekostet habe, es währet wol etwas lange, ehe die Süffigkeit und Freude die Bitterfeit und das Trauren hinweg nimmt, aber endlich kommt es dennoch, auf daß ich sie hernach defto lieber habe, und die se groffe Wohlthot desto höher erkenne. Die Bienen sammlen aus den bitter. ften Heublumen den füffesten Honig. Also verschaffen die Berständigen aus gl C. 17. und Widerwärtigkeit. 297 gegenwärtiger Traurigkeit groffe Nuzbar. feit, und geschicht oft wer Achtung dara auf gibt, daß einem fein Unglück zu groß serem Glück gereichet. Darum sollen wir wissen, daß alle unsere Noth und Elend im Ausgang gut ist: Obwol folches unse. re blinde Gemüther nicht verstehen können, dennoch sollen wir es gänzlich darfür hals ten, ob sich schon der Anfang låst wunder. lich ansehen, daß gleichwol das Ende und der Ausgang werde gewünschet und glück. felig seyn. Denn es ist gewiß, wann das Creuz und die Beschwerlichkeiten der Gottfeligen wachsen, auch zugleich die Hülfe Gottes sich desto scheinbarlicher herfür thut. D. Luther schreiber über das 35. Cap. des 1. B. Mof. Unser Herr GOtt hat eine Hebräische Sprache, das hinterft zu förderst, das Leiden zuvor, und die Herrlichkeit hernach, das Creuz und Leiden muß vorher gehen, wie St Per. fagt 1 Ep. I, II. daß der Geist Chrifti in den Propheten zuvor bezeuget hat die Leiden, die in Chrifto find, und die Here. lichkeit darnach. So weit Luth, wie wir auch fingen in unferm chriftlichen Gefang. Angst, Trübfal, Noth und Pein, Muß stets im Vorrath seyn, Darnach so thut her retten, ड्र 5 Das 298 Conderbarer Troft im Creuz. Das Glück auf allen Seiten. GOtt kan das Unglück stillen, Und dich mit Freud erfüllen. Daher nennet Basilius die Trübfal einen Borläufer der Hülfe. Darum trau re nicht liebes Herz, wann dein Unglüc ficiat, denn das Glück, das dir GOtt befcheret hat, wird dich bald wiederum erfreuce. Ower diß glauben fonte, wie fti and sanftméthig würde er feyn, wie gedultig und freudig würde er leyden? Es ist unmöglich, daß GOtt einen from. men Christen, der seinem Sohn so blut fauer zu erlöfen worden, und der ihm mit dem Blut Chrifti fo ticfins Herz geschrie ben ist, folte verlaffen. Ja, so wenig der allmächtige Gott kann zu Boden gehen, der du in feine allmächtige Hande geschlof fen bist. Daher ein frommer Mann gat Chriftlich und wol gesagt hat: Es sey unserm Herrn GOtt alles möglich, und Foune alles thun, aber das fónne er nicht thun, das sey ihm unmüglich, daß er die Geinen, die ihm vertrauen und anhan. gen, folte verlaffen, oder im Ereuz, Elend und Unglück flecken, und in ihrer Hoffnung zu schanden werden laffen. €. 17. Solt auch der Himmel fallen ein, Und die Natur geändert seyn, Go wird verlaffen nicht der Mann Der GOtt dem HErrn vertrauen kap. Hat €. 17. 299 und Widerwärtigkeit. Hat der Sohn GOttes feine Kirche al. so hochgeliebet, ehe er noch menschliche Natur an sich genommen, und ist bey ihr gewest, sie herrlich und gewaltig ers rettet? was wollen wir doch groeifeln nach dem er unser Immanuel, das ist Gott mit uns, geworden, und wir Glieder ſeines Leibes, von seinem Fleisch und von feinen Gebeinen seynd, so muß er und ja herzlich lieb haben. Ja er leider in feinen Gliedmassen, fintemal was ihm, dem Haupt angehet, was seinem Leibe und Gliedern wiederfähret, bes nimmt er sich selber an, wie er solches beſlátti. get, Act. 9, 6. Zach. 2,9. Denn wir find feines Leibes Glieder, Fleisch von seinem Fleisch, 1 Cor. 12, 27. Wie wäre es nun müglich, daß er nicht fühlen folte, was feinem Glied an seinem Leibe, ja was sei. nem eigenen Fleisch anliege, oder wie fön. te er sein eigen Fleisch haffen? Eph. 5, 29. oder ein Glied feines eigenen Leibes vers werfen, daß er deffen Leid nicht tragen folte? Er fühlet es gewis, und nimme fichs als sein eigen an. Denn wer fonce fein Fleisch und ein Glied feines Leibes, das an ihm ist, in Unglück, in Noth und in Schmerzen, die ihm wehe thun, ke. den, und zum Verderben gerathen las sen, da er helfen könnte, und dasselbe zir e Sonderbarer Troft im Creuz 300 erretten magtig wäre? Nun seynd wit fein: Glieder, fein Fleisch und Blut, wie freden in Nöthen und Trübfaal, die ihm wehe thun, die er an seinem Leibe fühlt, er fan helfen, derhalben mag uns ſeine Hülfe und Beystand nicht fehlen, Chri ftus muß es ja herzlich gut mit und men nen, weil er nicht allein unfer Sleifa und Blut an sich genommen, sondern aus hiziger, brünstiger Liebe, sein Leib und Leben an uns gewendet, uns ſo bitter theuer, nicht mit Gold oder Silber, ſom bern mit seinem rofinfarben Blut erwor ben und erfauft hat. Wie ists denn müglich, daß er uns in einiger Noth vers laffen folte, weil er sich für uns in den Tod hinein gestecket hat, uns beym Le ben zu erhalten, und sich in so groß Lend ergeben, und zu erfreuen, und ewige Bonne zu bringen. En sich, er ist ein Meister zu helfen, er ist dein Gott und Bater, vertraue ihm, und gedenke nicht, daß er dich verlaffen werde; aus feinen allmächtigen Händen soll dich niemand reiffen. C. 17 Ob du schon iezt von allen Menschen verlaffen bist, so bist du von GOtt noc nicht verlaffen, denn es hat noch keinen verstmdhet, der ihn angeruffen hat, und alles was ihn geförchtet, und das beſte 301 €. 17: und Widerwärtigkeit. von ihm gehoffer har, dem ini allzeit Gnad und Croft reichlich widerfahren. Also be. zenget die Schrift durchaus, wer auf GOtt trauet, habe wol gebauet, wer sich aber auf was anders verlafie, der müsſe zu schanden werden, Jer. 17,5 Derowegen glaube, hoffe feft auf Gott, so soll dich kein Unglück verderben, kein Gretham verführen, und fein Unfall stürzen. Dara um labe deine Grele mit dem Wort des Herrn, fürchte dich nicht, sondern glau. be nur, Marc. 5, 36. Und je groffer deis ne Noth ist, je förfer der Glaube und die Hoffnung zu Gott werden soll. Also ergaben sich die drey Männer in GOttes Willen: Als man file in den feurigen Ofen wirft, glauben fiec, daß fie GOtt mitten im Feuer wol behüten, und daraus erretten fönne, in dem man fie binget, und in den Ofen werfen will, bedenken fie, wann in diesem Fall Gott am meisten zu Ehren gereichen wolle, schliessen und fallen darauf, Gott wers de fie dismal nicht verbrennen laffen, Cold Bertrauen machte der H. Grift so stark in ihnen, daß sie daran gar nicht aweifeln; Darum muß es auch geschehen wie sie glauben, wie dann auch das grau, fame Feuer fie nicht verbrennet hat, auch nicht einen Faden an ihren Kleis dern C. 17. 302 Sonderbarer Trost im Creuz dern versengen könnte; Gintemal es un müglich, daß es anders gehen soll, als ein alaubiges Herz ben fich beschleußt, denn Soffnung und Glaube laffen nicht zu schan den werden, Rom. 5, 4. So muß nun unser Glance faffen, daß Gott könnt über Menschen Vernunft und Gedanken helfen, denn je mehr wir uns gegen GO tes Almacht im Crenz und Widerwir riefcit einbilden, je mehr Hülfe und Er rettung uns widerfähret. Daß aber einer in seinem Creuz fo zaghaftig, und im Glauben so schwach ist, daß er fast mit der Berzweifelung ringet, das kommt allein daher, daß dem Menschen die göttliche Verheiffure gen, und Zufagung unbekannt seyn, oder diefelben aus den Augen fest; und sich deren nicht erinnert und auf sich zeucht. Wer nun das Vertrauen zu Gost nicht hat, daßer ihn, laut seiner Berheiffing, erretten fan, der muß in seiner Noth verlinken und untergehen, weil er GOt feine Ehre raubet, daß er mächtig gnug ist uns zu helfen, wie groß auch die Noth sey. Es habe nun ein Christ so ein schwei res Creuz als er immer wolle, erinnert er sich aber der frölichen Auferstehung Jefu Chrifti; so wird er gewiß die rechte inner E. 17. und Widerwärtigkeit. 303 innerliche cristliche Herzens- Freude ein. finden, daß er also schlieffen wird: Ey wolan, hat Christus meinetwegen so viel ausgestanden, hat er meinetivegen die mei. ften Feinde, die grimmigsten Feinde, den Tod, Teufel und Hölle, durch seine Auferstehung erlegt, nur daß fie mir nicht Schaden, daß fie mich nicht verderben; En so wird Er auch ja nicht zugeben, daß diefes oder jenes Eren; mich überwältige, diefes oder jenes Uebel an mir, als feis nem Glied, zum Retter werte, ſondern er wird mich, wie seniten also auch infonderheit in meinem Elend, in diesem meinem Crenz, feiner freudenreichen Auf erstehung geniessen laffen. Go uns mun GOtt errettet aus der emigen Noth, als von Gund, Tod, Teufel und Hölle, da wir seiner Hülfe noch nicht begehrt, wie folte er uns denn nicht aus zeitlichen Nöthen erretten, weil wir ihn darum bitten, und er und jezo für seine Freunde und Brüder erkennet und erfohren, da deine Noth und Gefahr jeso nicht so groß, als dazumal des Leibes und der Seelen Schade gewesen ist? All. fo haltet nun eigentlich und gewiß dafür, Er weiß shon Wege, wie er une erret. ten ſoll, allein das es noch zur Zeit für unsern Augen verborgen ist. Und ob er gleich C. 17. Sonderbarer Troft im Trenz 304 gleich die Hülfe eine Weil verzeucht, und läffet uns nach seinem Gefallen hie unter dem Creuz mit Weib und Kinder schla fen gehen, ſo sollen wir doch so wenig an der Hülffe, die wir mit unserm Gebet fort fördern, zweifeln, als ob wir ſie be reits gegenwärtig in den Händen hätten. Ach lieber Mensch, wie gehest du denn fo traurig und plagest dich in deinem Herzen? weist du nicht, daß GOtt dein Bater it? Hast du vergessen, daß er dich aus Murter Leibe gezogen, und dich bis auf diese Stunde erhalten und beschirmet hat, meynest du, daß GOtt deiner ver geffen habe? Ach nein, darum befehl ihm deine anliegende Noth, und hoffe auf ihn, er wird helfen, wie er dir zuvor geholfen hat. Gedencke doch daran, wie oft dir der Herr geholfen hat, da es dir ſo übel gieng als jezund Ef. 54, 4 troffet und der Herr, und spricht: Förchte dich nicht, du folt nicht zu schanden werden, werde nicht blöde, denn du folt nicht zu Spott werden. Wie dein Herr Christus ein Herr über alle Creaturen ist, der mit einem Wort den Wind und das Meer stillen Fan, Marc. 4, 86. vielmehr kan er mit einem Wincken deinem Elend gebieten, daß es aufhören und still seyn muß. Daher wirst du dich nicht entfezen, Cs und Widerwärtigkeit. 305 €. 17. es sey Pestilenz oder andere Krankheit, oder ein Unglück, wie groß es auch in unsern Augen scheinet, weil du diesen Herrn bey dir hast, dann so hast du auch die Hoffnung, Er kan alles zum besten wenden, daß die schädliche Pestilenz dei. nem Leben eben so wenig moge schaden, als ein Floh oder Mücke, ja daß dich kein Unglück überwältigen fan, denn GOTT fan niemand verlaffen, der auf ihn trauet, und sich alles gutes zu ihm vera fieher. Ueberfällt uns ja unvermuthlich ein Unglück, davon man kein Auskommen weiß, flugs auf die Knie gefalleh, Hande und Herzen zu GOtt erhoben, so wird sich alle Furcht und Traurigkeit legen. Wir lesen 2 Chr. 20, 1. und seqq. Als der König Jofaphar Bottschaft bekam, daß die Moabiter und Ammoniter mit einer groffen Macht wieder in fein Land kámen, für welchen er sich nicht wuste zut schůzen noch Widerstand zu thun, nimint er ſeine Zuflucht zu Gott und ſagt: Herr, wenn wir keinen Troft bey uns finden, fo fommen wir zu dir, so must du Herr das beste thun, und uns erreta ten, und helffen, wir wissen nicht was wir thun follen, sondern unsere Augen sehen auf dich, gib du Rath, wie wirs 11 ane C. 17. Sonderbarer Trost im Crenz 306 angreifen follen, wir uns selbst nicht zu rathen: Also müssen wir auch unsere Sa chen, worinn wir kein Auskommen wis. fen, diesem unserm Rathgeber befehlen und heimstelien, daß der für uns rathe, was unser bestes sey. Denn wer GOL anrufet, und stellet es gedultig seinem gnädigen Rath und Wohlgefallen heim, der wird gewißlich zu seiner Zeit erhö het, und reichlich ausgeholfen, weit dari ber, und viel höher und herrlicher, als man sich hatte versehen dörfen. Wenn derowegen niemand in der Welt weiß, wie uns zu helfen stehet, ſo fan GOtt bald Rath fchaffen, dann er weiß tausend Mittel und Wege uns zu helfen, che wir selbst auf eins gedenken. Dero wegen sollen wir mit festem Glauben Schlieffen, und sagen: Haft du mir mein getreuer GOtt zuvor von Mutter Leibe an, so viel und groffe Wohl haten erzei get, haß du mich aus meinen Eltern Geblüt erschaffen, da ich nichts überall war, hast du mir Leib und Seel gegeben ,. hast du mich als eine getreue Hebamme, mit deinen göttlichen Händen aus meiner Mutter Leibe gezogen, da ich sonsten hát te müssen sterben, oder in der fümmerli chen Geburt verderben, hast du mir nad der Geburt, in meiner Mutter Brüste Mild E. 17. und Widerwärtigkeit. 307 Mild zur Speise verschaffet, da ich in meiner Martigkeit hätte verfch machten müssen, hast du meiner von Jugend auf gepfleger und gemartet, mir aus meinem Koth und Unflat auf die Füffe geholfen; du hast mio von Jugend auf geschüzer und erhalten, und mich zu meinen Jah. ren gebracht, mit himmlischen Gütern begabet, in den heiligen Cheftand gegol. fen, mich in einen gewissen Beruf g pract, und in mancherlen groffer Gefahr bis da her erhalten: Hast du dis gethan, mein GOtt! en so wirst du mich in dieser meiner Angst and Noth auch nicht stecken laffen, sondern muur gnädig aushelfen; damit deine vorige Wohlthaten nicht verges bens an mir ſeyen, sondern daß ich dich hie jeitlich und dort ewiglich preifen möge. Aw! daß mein Herz nicht sogar verblindet und mein Verstand nicht so gering wäre, diesem wunderschönen 2: oit nach. zudenken, und die hosen theuren Wort gründlich zu verstehen und zu glauben, daß ich den überaus reichen Treit, so dar. inn begriffen, vernehmen könnte? Herzens Seufzer um Trost in Trúbfaal. ERR allmächtiger GOTT und Bar ter unsers HERRN JESU Chri. 11 2 He 308 Sonderbarer Troft im Creuz C. 17. fti, ein Vater der Barmherzigkeit, und GOtt alles Trostes, der du uns reichlich tröstest in allem unserm Leiden und Trüb. faal; laß mich auch die Süßigkeit deines Troftes in meinem bittern Creuz schmi cken, auf daß, wenn ich des Leidens viel habe, auch reichlich möge getröstet werden durch JESUM Christum! HENN mein GOtt, laß mich deine Wunder sehen: so will ich dich preisen in Ewigkeit, Amen. Ach HERR mein GOTT, in allem Herzenleid Mich schmäcken laß Deins Trostes Süßigkeit. ( 309) Das XVIII. Capitel. Frommer Christen Trost, wenn fie von der Welt verläumdet, und von bösen Zungen verfolget werden. HERR errette meine Seele von den Lügen Mäulern und falschen Zungen. Pfalm. 120, 3. 3 nicht feyn. Die glaubigen Kinder GOttes können ohne Feinde und Verfolgung Wie Job am 7, 1. geschrieben ste. het: Muß nicht der Mensch immer im Streit fenn auf Erden? Solches bezeiget auch selbst die Erfahrung, an den Kindern GOttes; so bald sie in den heiligen Band GOttes aufgenommen werden, haben sie wider sich, alles was wider GOtt ist. Denn die keine wahre Religion, feinen Glauben und keine Gottes. furcht haben, solche brauchet der Teufel zu feinen Werkzeugen. Nun sind aber Gottlose und Gottesfürchtige allezeit wi. der einander; darum kan niemand, der GOtt fürchtet, ohne Feinde seyn; er wird die Gottlosen wider fich haben, die ihn heimlich und öffentlich anfeinden, neiden, haffen, belügen, perläumden und lästern, 2. Tim. 3, 12. Alle, die gottselig leben wol. len in Chrifto Jefu, die müssen Vera folgung leiden. Mercke das Wort, Al 11 3: le; 310 Trost, wenn man verläumbet, C. 18. le; da ist kein Gottes fürchtiger ausgeschlos fen. Joh. 15, 18. spricht Chriftus: Wäret ihr von der Welt, so hatte die Welt das ihre lieb. Stem ich habe euch von der Welt erwähler. Hie werden wir erinnert, wie der Teufel und gottlose Leute mit ihrem fabindlichen Lügen und Lästern, mit ih. rem Wüten und Toben, als grausame und ftachlichte Dornen, Christum und ſeine Glebmaffen greulich stechen und beleidi g.n; darum ein jeder Christ gewohnen mag auf Erden eine Rofe unter den Dors ren av fenn, Cap. 2. 2. Darwider können die Christen nichts beffers thun dann bes ten, so wird sie GOtt im Ungevitter er hotten Dann so viel Lift des Teufels Werkzeug wider uns üben, so viel Mit. tel und Wege weißt GOtt, uns zu er retten. Darum sollen sich fromme Chri sien trösten, daß fie GOtt der Herr mit. ten in ihrer Verfolgung und Gefahr gná dig bewahren wird. Denn je mehr uns die Gottlof n verfolgen und nachstellen, je mehr fie zu ihrer Strafe eilen, und die Cache fördern, daß GOtt darein ſehen muß, und zu helffen, und sie zu stürzen: Ja in die Grube, die sie dir zugerichtet haben, werden fie selber fallen, und in ihrem eigenen Meze, das sie dir geftellet, gefangen werden; und je gröffer Gewalt fic €. 18. u. von bösen Zungen gelåstert wird. 311 fie gegen dich üven, und dir nachstellen, je tieffer fie ihnen die Gruben machen. Ist das nicht ein wunderlich Gericht GOttes, das ein Mensch eben das über fich bringet, das er über andere zu brin gen vermeynet? Summa, je mehr deine Feinde wider dich wüten, je mehr GOtt seine Macht und Gewalt wider sie rüstet. Lutherus schreibet: Wo ein Christ ist, der glaubet, daß es wahr sey: Wer euch antaitet, der tastet meinen Augapfel an. Lieber, was mag er dencken, wenn er anslehet, der ihm Leyd thut? Freylich muß er nicht an viel Zorn noch Rache denken, nicht allein gedultig, sondern auch barmherzig und mitleidig muß er seyn über feinen Feind, und sagen: Ach du armer Mensch, was machst du do? Thust du mir doch nichts, sondern greifest dem ins Auge, der dir viel zu machtig ist, und der heißt GOTT. Daraus wird er bewegt, nicht allein gedultig zu leiden, sondern auch zu bitten, ja auch zu sterben für ſei. ne Feinde, ob er sie möchte von dessen Zorn erretten, dem sie in die Augen ge: griffen. Nun ist nichts unleidlichers, denn in die Augen viel Taffens machen; damit sich Gott, uns zum Troft, dem Feind zum Schrecken erzeiget, wie gar zart er sey, zu gedulden, wenn wir angetaffet 11-4 wer: 312 Trost, wenn man verläumdet, E. 18. werden, auf daß uns nicht noth fey, zu zürnen, und zu rächen. Er läugnet zwar nicht, daß wir angetastet werden müssen, weil er spricht: Wer euch antastet; Aber es soll dem nicht wol gelingen, der sichs unterwindet. In der Auslegung des 2 Cav. Zach. Als Saul die wahren Christen verfolg te, spricht Chriftus zu ihm: Saul, Saul was verfolgest du mich? Act. 9, 4. Di hören wir, wenn die Christen verfolge werden, so wird Christus verfolget? Nehmlich darum, weil Christus das Haupt und sie seine Glieder sind. So befehle nun GOtt die Rache, der da recht richte; schweige, gedulde und leide dich, so wirt du sehen, wie es deinem Beleidiger un Widersacher vergolten wird; wie uns die Reimen lehren: Geh deinen Weg auf rechten Steg, Fahr fort und leid, trag keinen Neid, Bett, hoff auf GOtt in aller Noth, Sey still und trau, hab acht und schau, Groß Wunder wirst du sehen. Denn wenn man GOtt dem Herrn in der Stille und Hoffnung seine Sache befiehler, fo fan ers wunderlich machen, willt du es aber felbst ausführen, so ist GOtt still, und thut nichts darzu; wenn du aber still bleibest und leidest, so macht fich €. 18. und von bösen Zungen gelåstert wird. 313 fich GOtt auf, deine Sache zu führen, schmeißt hier und dort deiner Feinde ei nen nach dem andern an ein Ohr, ma. chet fie zu nichte und zu schanden; denn durch unser Schweigen und Leiden übet GOtt seine Stärke und Gewalt. Derowegen glaube gewiß, du kanst dich an deinen Feinden nicht höher rächen, als wenn du die Rache und Straffe GOtt befiehleft. O wehe deinem Widerfacher, den du in GOttes Rache und Gericht übergiebest! Und sollt ein Mensch lieber die ganze Welt zum Feinde haben, denn eines einigen Christen Gebet, das mit Ernst wider ihn wird ausgesprochen; denn es find eitel Donnerschläge, was sie in solcher Noth reden, die da gewißlich tref fen; Daher das Sprichwort kommen ist, Es ist mit den Heiligen nicht zu scherzen, denn sie zeichnen gern. Wenn wir gottfelig und fromm bleia ben, so können uns die Gottlosen mit Beleidigung und Verfolgung keinen Scha. den noch Leid zufügen; denn der dich vertheidiges und beschůzet, ist viel mächtiger, als derjenige, der dich verfolget. Hast du GOttes Gnade und Schuz, so laß im. merhin wüten und toben Teufel, Welt und alle böse Menschen, sie werden die kein Härlein von deinem Haupt nehmen 115. Fon. C. 18 314 Trost, wenn man verläumdet, können; Und du kannst keine beffere Wehr und Waffen gegen deine Feinde und Verfolger gebrauchen, als das liebe Gebet. Wirst du verfolget, und man gedencket dich zu unterdrucken, so sprich mit dem König und Propheten aus dem 54. Pf. v. 2. Hilf mir GOtt durch deinen Nahmen, und schaffe mir recht durch deine Gewalt! als wollte er sagen: Jezt fey die Noth vorhanden, er soll nun mit der That beweisen, daß er ein Nothhelffer fen. Wie nun David allhie GOttes Ge walt anruffer wider seine Verfolger, also follen alle diejenigen, so Gewalt leiden, die höchste Gewalt GOttes anruffen: Sintemal wir unsern Feinden, und de nen so Gewalt an uns üben, nicht weher thun können, als wenn wir GOttes Ge. walt und Namen anruffen. Und wann schon deine Feinde dich, wie ein Hauffe Hunde umgeben, so fürchte dich nicht denn der Herr will kommen, dir in Eil zu helffen aus dem Nachen des Löwen, Pl. 22/22. Er will deinen Feinden et nen Ring in die Nafen legen, 2 Kon. 19, 18. und wenn gleich alle Pferde gefattelt, alle Schwerdter gezücet, alle Büchsen geladen, rno alle weltliche Gewalt benfammen ware, so hat es dochb feine Noth, wenn du nur GOtt auf deiner Seiten hait, € 18. u. von böfen Zungen gelåstert wird. 315 haft, und ihm von Herzen vertraueft, Darum sprich mit David: fürchte mich nicht für viel hundert taufend, die fich umher wider mich legen, Plalm 3, 7. Je mehr sich deine Berfolger befleisfen dir Schaden zu thun, je mehr du erhö. ret wirst von GOtt. Die Gottloſen mei. nen wol, den Frommen groß Herzlend zu thun, und wissen nicht, daß diß Creuz ihre höchste Ehre im Himmel ist. Daher Lutherus über das 15. Cap. Joh. schreibet: Die Welt megnet es wohl sehr bis zu machen, aber damit that sie nicht mehr, dena wie die Kirche von den Märtyrer fingt: sie wissen felber nicht, daß fie die Christen durch Marter und Tod zur ewis gen Freude bringen, weil folche Marter nichts anders ist, denn säuberlich bey den Armen genommen, und gen Himmel, als eine Braut zum Tanz geführet. Weiter schreiber Lutherus: Wilt du ein Christ seyn, so freue dich, daß du mein Wort haft, und durch das Wort mich selbst; was schadet dir deine Noth? was schadet dir der Gottlosen Pochen, der ganzen Welt Ungnade, und eller Teufel Zorn? Du hast GOttes Wort und sie nicht. Du bift in GOttes Gnaden bey mir, und sie nicht; Du bist mein Kind, und sie sind meine Feinde. Lieber, laß dir doch mein Wort 316 Trost, wenn man verläumdet, E. 18. Wort einen Schaz feyn, und ein Himmel reich in deiner Armut, Elend und Jam mer. Mein Wort bleibet ewig, und du auch im Wort! Aber jener Hochmuth und Troz vergehet, ehe mans meynet. Gott macht es mit den Seinen wunderlich, Er läffet erstlich ihre Feinde und Ver folger über sie herrschen, da sie höh, nen, fpotten, lästern, belügen und un terdrücken. Dazu muß ein Christ oft schweigen, still seyn, und durch Gedult lernen flatt feyn und überwinden, wir müssen und gedulden, bis das Unglück fürübergehe wie ein Gespenst, das in der Nacht pol dert, und am Tage verschwinder. Und Tmn man also in Gedult und stiller Hoffnung ausgewartet hat, so kommt denn der Herr, und erhebet eines fol dhen unterdruckten Menschen Haupt über alle seine Feinde; Denn GOCE ist ein folcher Meister, der die Kunst kann, das was uns will hindern und schaden, das muß uns fördern und núzen. Wenn did jemand beleidiget, so halt ihm das zu gut, wende es zum besten, und gedenke wie jener Heil. Märtyrer, da ihm all fein Gut genommen ward, sprach er: Sie werden mir ja Chriflum nicht neh men: Also fage du auch. Es that mir €. 18. u. von bösen Zungen gelåftert wird.. 317 auch keinen Schaden an meinem Glauben; warum sollte ichs ihm denn nicht zu gut halten, und ihm weichen? Denn die Eu. gend verweldet, wenn sie keine Widerwärtigkeit hat. Glaubest du, daß Gott droben size, und nicht schlaffe, noch dein vergessen habe, so kannst du ja nicht kla gen über Schaden und Leyd, so dir wider. fähret; denn Gott siehet alles, was du darüber klaget und seufzest. Obwohl GOtt unsern Feinden zuläs, fet, die Glaubigen zu verfolgen, so wird ihnen doch ein Ziel gesteckt, daß sie dies selben über dasselbe nicht beleidigen noch verfolgen mögen ihres Gefallens, auf daß wir nicht über Vermögen versucht werden I Cor. 10, 13. Jm Buch Job sagt GOtt zu dem Satan, Cap. 1, 12. Sie. he, alles was er hat, sey in deinen Hån. den; und steckte ihm ein Ziel und Maaß, weil er hinzu sezte: ohn allein an ihn Und der felbft lege deine Hand nicht. Satan mußte bey dem, so viel ihm er. laubet war, bleiben. Dann gleicher Weis se, wie er auch dem Meer sein Ziel gegeben, daben zu bleiben, da er spricht: Job.38, 11. Bis hieher sollt du kommen, und nicht weiter, hie sollen sich legen dei. ne stolze Wellen: Also auch allen unfern Widersachern, Bekümmernüssen und Ana fecha Trost, wenn man verlaumbet, C. 18. fechtungen, die uns verfolgen und über fallen, daß sie an uns nichts mehr ver mogen, dann ſo viel ihnen GOTT ver hänger und zuläffer, uns Schaden zu thun. 318 Derohalben follen sich alle Verfolate trösten, das sie GOtt in ihrem Amt schü gen und erhalten wolle, und sie wieder einfezen, ob fie gleich die Welt abgefezet und ausgestoffen. Was GOTT der Herr ordnet, einfest und ber ffet, das muß der Teufel und die gottlose Welt wohl sizen laffen, wider ihren Danck, da fie gluch noch fo hefftig darwider wütet und tobet. Und ob dir nun wo! folebe deine Ver folgung, und allerley Bosheit der Welt, wehe thut, so fey doch unverzagt: Danh wer vom Teufel und feinen Suppen in dieser Welt nicht wird angefocten, ge plaget und unruhig gemacht, derfelbe ligt gar gefangen unter der Gewalt der Fin sternuß, und ist ein Leibeigener Knect des Satans. Denn so lang der gewap nete seinen Pallast bewahret, so bleibet das seine mit Freuden, Luc. 11, 12. Lutherus sagt: es ist nicht anders, we Christus ist, das mus seyn Judas, Pi Harus, Herodes, Caiphas, Hannas, dar zu auch sein Creuz, oder er ist nicht der rechte Christus. Auch schreiber er: Wer nicht C. 18. und von bösen Zungen gelåstert wird. 319 nicht Haffer, Lasterer und Verfolger hat, der ist noch nicht ein Chrift, oder hat noch nicht sein Christenthum bewiesen, mit dufferlicher That und Bekanntnis. Joh. 15, 19. fagt der Herr Christus: Wäret ihr von der Welt, so hatte die Welt das ihre lieb; aber nun ihr nicht von der Welt send, sondern ich habe euch von der Welt erwählet, darum haffet euch die Welt. Wer nun also in der Welt mit dem Teufel und bösen Menschen sich beis fet, der wird dieses Lebens fatt und überdrüßig, und hat ein herzliches Berlangen nach dem ewigen Leben, und lernet wil, lig sterben. Deswegen kommt GOrt und verfalzet es, daß wir des Lebens müde werden, und mit Paulo sagen: Ich elender Mensch, wer will mich vom Lei. be diefes Codes erlösen? Róm. 7, 25. Derowegen sollen wir uns zur Gedult begeben, und uns an der Welt verfolgung und falsche Zungen nicht kehren. Denn darum haffet uns die Welt, weil GOtt feine Freude an uns hat: Und ist gewiß, je gleichförmiger ein Mensch Chri sto ist, und je fleißiger Nachfolger Chris fti, je mehr ihn falsche Zungen verfol gen; denn Gott brauchet oft einer bösen Bungen Gift zur Arzney der Seinen. Sehet den Joseph an, hätte ihn die böse 320 Trost, wenn man verläumdét, C. 18 bdse Zung des unzüchtigen Weibes nicht ins Gefängniß gebracht, er wäre nimmer. mehr erhöhet worden. Hätten die bösen Mauler den Mosen nicht verfolger, daß er aus Egypten in Midian fliehen muste für Pharao, so wäre ihm GOtt nicht erschienen im feurigen Busch. Hätte die bdse Zunge des Doegs den David nicht so verfolget, er hätte so viel herrliche Psalmen nicht gemacht. Also musten auch böse Mäuler, die Hof- Råthe des Konigs in Persien, den Daniel in die Löwen- Gruben bringen, auf daß Gott seine Almacht an ihm beweifete, diesel ben bose Mauler waren Daniels Erho hung. Die keusche Susanna wäre nim mermehr in so groffem Lob und Ehren gehalten worden, wenn sie nicht zuvot ware veriáumdet worden. Wer das Licht mit den Fingern nimmt, der machet zwar sich selber un sauber, aber das Licht scheinet desto bel ler darnach: Also auch, wer einem from men Menschen seinen guten Namen go denckt zu nehmen, derfelbe bemackelt ſeine Seele und Gewissen, und gibt dem From men Ursach, daß er in Tugenden zu nimmt, und von GOtt desto mehr erhö het wird. Denn wenn die Welt vermey net, uns damit Schaden zu thun, ſo tend €. 18. und von bösen Zungen gelästert wird. 321 wendet es GOtt zu unserm Heil und Besten. So hat GOtt auch feine fon. derliche Ursachen, warum er folche Máu. der über uns schicket und verhänget; auf daß nehmlich des Fleisches Unart gedämfs fet, und die Hoffart nieder gedrücket wers de. Verachtung thut einem Hoffärtigen viel weher als der Tod; also muß oft unser Fleisch getödtet: die Art an den Baum gelegt, und die böse Wurzel ab. gehauen werden. Derowegen sollt du die dufferliche Verachtung und Lästerung nicht mit Zorn und Rachgier aufnehmen, sondern ges dencken, es sey eine Probe deines Her. zens: dadurch GOtt offenbaren will, was in dir verborgen ligt; ob Sanfte muth und Demut, oder Hoffart und Born in dir sey. It nun Sanftmuth und Demuth bey dir, so wirst du es als eine Züchtigung des Allmächtigen hald ten: wie David spricht, als ihn Simei lästerte: Vielleicht hat es ihm der Herr befohlen; Fluche David, 2 Sam. 16, 10. Zudem so ist GOtt getreu und gütig, daß er für eine unverschuldete Lästerung vielmehr Ehre und Gnade gibt. Wenn denn David es für ein gewig Zeichen hält, daß ihn die Lästerung Simei, wie auch geschahe, da er spricht: GOtt låst X 322 Trost, wenn man verläumdet, E. 18. es geschehen, auf daß er mir wieder guts vergelte für sein Schelten. Darum soll dich das nicht betrüben, was die Menschen von dir reden, sondern du follt dich freuen, daß über den Ver achteten und Verschmäheren der Geist der Herrlichkeit ruhet, 1 Petr. 4, 14 Daher glaube nun, und sey gewiß, de ganze Welt kann dir nicht schaden, nod) Lend thun, wenn du GOtt aller befiehlest, und ohne Ungedult und Zorn bleibest. Darum schweig als ein Tod ter im Grabe, und siche, was dir die Welt thun fann: Wahrlich fie that nichts anders, denn daß sie dir eine Crone deines Lebens bey GOtt bereitet. Denn dieser Menso erhält einen herrlichen Sieg welcher seinen Lästerern nicht antwor tet, sondern jederzeit mit Stillschweigen überwintet; denn die Wahrheit kann in die Lange nicht verborgen bleiben. Deswegen trößte dich deines guten G wissene, und merke: Ist es was, was man von dir fagt, so wird es bleiben und zunehmen; ists aber erlogen, fo wird es bald verdorren und hinfallen, und wird dir zu Lob und Ehren gereis chen. Denn wenn man meynet, du lis geist jeund unter, so wird doch deine Unschuld bald aufgehen, und herfür bres chen C. 18. und von bisen Zungen gelåstert wird. 323 chen, wie der schöne Morgenstern. Wenn du aber Sheltwort mit Scheltwort wirst bergelten, so wird dir diß fürwahr zur höchsten Stande gereichen. Es ist besser, allerley Schmach von einem zu leyden; denn einem anzuchun, Daher spricht auch St. Paulus: Ver. geltet niemand bofes mit bofem, rachet euch selber nicht meine Lieben, ſondern gebet Raum dem Zorn GOttes: benn es stehet geschrieben; Die Rach ist mein, Ich will vergelten, spricht der Herr; So nun deinen Feind hungert, so ſpeise ihn; dürftet ihn, so tráncke ihn; wenn du das thuft, so wirst du feurige Koh. len auf sein Haupt sammlen. Las dich das böse nicht überwinden, sondern über. winde das Böse mit Gutem, Rom. 12, b. 17. und feqq. Dis ist der höchste Grad und Tugend, sich selbst überwinden, vergeben und vergessen, keine Schmach achten, sondern den Zorn in Sanftmuth verwandlen. Des ist eine groffe Kunst und Stärde, Verläumdung und Ver. folgung mit Gedult überwinden; denn da gehöret GOttes Starcke und Krafft zu. Daher spricht der weise Mann, Prov. 16, 32. Ein Gedultiger ist beffer, denn ein Starcker; und der feines Muths ein Herr ist, denn der groffe Städte X- 35 ges 324 Trost, wenn man verläumdet.€. 18. gewinnet. Soher kan dic Tugend nicht steigen. Da Socrates vermahnet ward, einem Lasterer zu antworten, sprach er: Wenn mich ein Esel getretten hätte, sollt ich ihn stracks bey den Ohren nehmen, und für den Richter bringen? Erempel: Wenn ein muthiges Pferd von einem kleinen Hundlein angebellet wird, so trabet es fürüber, achtet des Hündleins Bellen nicht: Darum laß den gemeinen Pöbel immer in den Hauffen hinein plaudern, biß er müde werde; wenn sie nun wie Hunde lang grausam gebeliet, werden fie endlich wohl selbst aufhören. Als Pericles einen Lästerer den gana zen Tag erduldet hätte, ließ er ihn auf den Abend in sein Haus leiten, damit er nicht Schaden nehme, und sagte: Es ist keine Kunft, die Tugend schelten, sondern ihr folgen. Alexander Magnus spricht: Es ist ei ne Königliche Tugend, daß man leiden kan böse Nachrede, wenn man den Leu ten guts thut; denn es ist eine Anzeis gung eines herrlich: n tapferen männlichen Herzens, welches die Injurien nichts achtet. Wie uns doch Christus der Herr lehret, Mat. 5, 11. da er spricht: Selig send ihr, so euch die Menschen schmähen und C. 18. und von bösen Zungen gelästert wird 325 und verfolgen, und allerley Ulebels wider euch reden, so sie daran lügen; Send frö. lich und getroft, es foll euch im Himmel wohl belohnet werden. O! wer wollte doch um dieser groffen Belohnung und Herrlichkeit willen nicht zeitlichen Hohn und Spott leiden? denn also haben sie verfolget, geschmähet und gehönet die Propheten, welche für euch gewesen sind. Sollte uns nun Lásterung und Verfola gung nicht lieb feyn, weil sie uns den Propheten gleich machet, und wir mit ihnen gleicher Belohnung theilhaftig werd den. Derowegen, wenn die Leute dich schmås hen, und übels von dir reden, und die Winde um dich her wehen, und bist im weiten Meer unter die Wellen der bösen Zungen und gemeinen Pöbels ges rathen, so gehe von den Sturmwinden in die Kammer deines Herzens, befries dige. daffelbe; ifte da still und ruhig ins nen, so magst du dich in die Faust er. freuen. Es gebührt ja feinem erbahru Mann, daß er den Schatten an der Wand fürchte, denn ein redlicher und tugendhafter Mensch siehet nichts an als Ehrbarkeit, und achtet nicht was der ges meine Mann plaudert. Welcher Fürst mag fich rühmen, daß er nicht geschån. det 326 Trost, wenn man verleumdet. C. 18: det und ausgetragen wird von heillosen Leuten? ja es ist kein Mensch in der Welt hiervon frey. Wird doch der Herr Christus selbst von den gottlosen Leuten verfolget, ges fabandet und geschmähet; welcher hat hi ren müssen, als er auf Erden gewandelt, daß er vom Teufel befeffen; wurde ein Beinfauffer und Verführer des Volks gescholten: Er hat eine dorne Cron ge tragen, sich veitfchen und verspotten las fen. Also müßen wir uns auch mit Hohn und Spott krönen, und mit fal faber Zungen und Verfolgung peitschen laffen: denn es wird uns, als seinen Gliedmaffen, auch nicht besser gehen. Christus ist von jedermann verachtet und verschmähet; und du willt von jeder mann geehret und geliebet feyn? Er hat Afterredner und Lästerer gehabt; und du willt lauter Freunde haben, und von ies dermann gelobet und geehret seyn; Das wäre ja ein groffer Uebalstand, daß es der Knecht wollte beffer haben, als fein Herr, Matth. 10, 25. Denn woher foll deine Geduld gekrönet werden, so du nichts widerwärtiges leiden willt. Daß aber die Tugend frommer red. licher Leute durch Neid und Haß nicht follte angefochten werden, ist unmöglich; max C. 18 und von böfen Zungen gefäffert wird 322 man laffe sich genügen, daß sie nicht gar anriffen werde. Es befleißige fich nur einer, daß er bey fth in seinem Her. zen und bey ehrlichen frommen Leuten ei. nen guten Namen habe, und halte an der Tugend und Gottesfurcht. Diß laß deine eigene Königen feyn, so wird es mit deinem guten Leumut keine Noth haben; die Tugend wird dich genug berühmt machen, und das Volk, das von dir dis oder jenes redet, nur befandter; freue dich nur deiner Unschuld. Zum Erem. pel: Wenn einer die Sonne schälte, and foráche, fie wäre Finsternis, davon wir. de fie ja nicht finster werden, sondern nichts desto weniger in ihrem Schein und Glanz bleiben; was für test du dich denn für Menschen Urtheil. Sihe, daß du in GOttes Gericht bestehen. Ein Mensch ist und lebet heut, morgen ligt er da; Warum fürchtest du dich denn für ihrem Urtheil? Muft du je der Verleumder Wort leiden, die dir bofen Namen ma, ben, wenn du nur einen guten Namen im Himmel haft, und dein Name im Himmel angeschrieben ist, fo freue dich, Lucá 10, 20. Du siehest, wie die Welt gefinnet ift: die einen heut in den Himmel erheben wollen, morgen stieffen sie ihn wohl in die 328 Trost, wenn man verläumdet, C. 18. die Hölle, wenn sie könnten. Darum must du deinen Frieden nicht sezen in der Menschen Mäuler, sondern in GOtt und dein gut Gewiffen. Wider die Feinde aber gebrauch nur Davids Pfalm. Buch, und sonderlich den 3. 7. 10. 13.25.35.52. 54. 56.57.59.92. 70. 71. 94. 120. Pfalm, da wirst du Anleitung finden, wider sie zu beten. Innigliche Bitte, daß wir alle Schmah, Berachtung und Verfol gung der Welt geduldig trag en. HER ERN Jesu Christe, der du deine Propheten und Aposteln jederzeit dargestellet haft, als die Allergeringsten in dieser Welt; ihnen auch den Geist und Muth gegeben, alle Schmach, Verach tung und Verfolgung freudig und fröh lich zu leiden: Ogieb, mein Gott, daß ich in ihre Fußstapfen trete, und mich ke ne Schmach und Verfolgung von dir ab wenden laffe! Und weil ich in dieser Welt ja muß verfolget! gelåstert und geschmi het werden, und mit feiner äufferlichen Gewalt mich schůzen kann, so habe ich meine Zuflucht zu dir, und ruffe deinen Schuz an; errette mich von böfen frem len Leuten! denn von solchen kann mich nie C. 18. und von bösen Zungen gelästert wird 329 niemand erretten, denn du allein: Ver. leihe mir Gedult, daß ich mit dem heili. gen Apostel Paulo durch Schande und Ehre, durch gute und böse Gerüchte zu dir durchdringe, in die ewige Ehr und Freude! Amen! Herr Jesu Christe, Amen! HErr sey mein Fleiß, dahin ich fliche, Und suche Zuflucht unverzagt; Weil du mir Hülffe zugesagt, Aus meiner Feinde Hand mich ziehe i Der ists kein Mühe. Das XIX Capitel. Wie ein Christ wider den Teufel, die Welt, und sein eigen Fleisch kämpfen und streiten foll. Tim. 2, 3. 5. Leide dich, als ein guter Streiter JESU Christi: Und so jes mand auch kämpfet, wird er doch nicht gekrönet, er låmpfe denn recht. er einen mächtigen Feind hat der muß wol gerüstet seyn, so er ge. denket zu gewinnen. Ein Christ aber hat nicht nur einen Feind, der mächtig ist, sondern viele; insonderheit geben ihm zu swaffen die drey Haupt Feinde, der Teu* 5 fel, 330 Ein Chrift soll wider den Teufel, C. 16. fel, die gottlose Welt, und fein eigen Fleisch, das er ben sich im Busen trägt, mit denen muß er sich ohn Unterlaß über. werffen; daß Joh. c. 7, 1. recht faget: der Mensch muß immer im Streit seyn: und der Poet Prosper hat wohl gespro chen: Den Frommen, die der HERR hat von der Welt erwählet, Hat es noch nie an Krieg, an Streit und Kampt gefehlet. Und solches haben die lieben Alten der Jugend fürgebildet, mit dem Gedicht vom Ritter Tantalo zc. Derselben, wit er will ins Paradies wandlen, geráth auf einen behenden schmalen Steg, der mit eitel scharfen spizigen Scheermessern befleckt ist, und darzu glatt und schlüpffe rig, daß zumahl grosse Borsichtigkeit will vonndthen seyn, so er sich nicht beschadi gen, oder zu Fall kommen soll; Unter dem Stege aber ist ein feuriger Pful, volle Pech und Schwefel, und ligt mitten da rinnen ein feuriger Drach, der sperret fei nen Rachen weit auf, und schnappet mit groffer Begierde nach dem armen Wan dersmann, der auf dem samahlen Stege daher gezogen kommt; darzu muß er auf feinem Rücken tragen eine schwere Bürde, die ihn allein fast zu Boden will drucken; und C. 19. Welt und sein eigen Fleisch kämpfen 331 und begegnet ihm über das alles ein star. ker gewapneter Mann, der ihm gleich den Paß verleget: daß er also in hoch. sten Nothen fehet, und weder für sich noch hinter sich kommen kann; da denn wahrlich dem guten Ritter nicht wohl muß zu Muthe gewesen seyn. Dieß ist nichts anders als ein Bild eines christlichen Ritters, der den Weg und Steg zum ewis gen Leben wandern will; der hat einen folchen engen Steg, und sehr schlipferigen Weg, mit spizigen Stachlen und Scher. meffern der Anfechtung und Trübfaal ve. stecket; wider den hat die Hölle ihren Rachen weit aufgesperret, der muß die Last feines fündlichen Fleisches und Blutes auf dem Halse tragen: Er muß der gottlofen bösen Welt als einem geharnischs ten Mann tapfer unter Augen gehen, und muß immerdar mit dem feurigen Drachen, dem Teufel, fechten und strei. ten. Das ist aber das gefährlichſte, daß diese Feinde zugleich mit einander wider einen frommen Christen seynd, und zus ſammen halten. Der Satan dichtet darauf wie er und Fallstricke lege, er stellet uns nach mit Gold und Silber, und mit allem, was wir gern mißbrauchen, auf daß wir dur. zu Lust gewinnen und gefangen werden. Fr 332 Ein Chrift soll wider den Teufel C. r Er leget nicht allein feine Stricke und Neze, sondern hat auch seine Leimstan gen, nehmlich die Luft zu groffen Gütern Liebe zu groffer Freundschaft, Verlangen nach groffen Ehren, und Begirde nad fleischlichen Wollusten; mit diesen allen wird die Seele gefangen, bleibet kleben, wie ein Bogel in einem Leim, daß sie die Flügel ihrer Andacht nicht regen kann: Seine Pfeile aber sind Zorn, Ha Neid, Freffen und Sauffen, Unzucht, und andre Laster mehr, damit er unsere Seel überwindet; Ich muß mich hüten bende im Schmerz und Zorn; denn durc Scherzen habe ich oft viel Aergerniß ge geben. Ich muß mich vorsehen so wohl im Glück als im Unglück; dann das Glüd ist betrüglich, und kan mich durch seine Lieblichkeit leicht sicher machen, Unglüd aber ist herb und bitter, ich fürchte mich dafür, wie für einem sauren Trunck. Jt im fürchte mich vielmehr für denen Sun den, die ich heimlich und im Verborgenen thue, als für denen die offenbar sind. Denn wenn ich heimlich fündige, so ist niemand, der mich darum strafet; wo aber feine Strafe zu fürchten ist, da hat der Ver sucher einen sichern Zutritt, und gehet die Sündeglatt ein. Wenn nun im Herzen die irrdische Ga E. 19. Welt und sein eigen Fleisch kämpfen. 333 Gedanken und Sorgen aufgehen, das kommt vom Fleisch und Blut; wenn aber das Herz zu Ehrgeiz, Hoffart und Ule. bermut Luft gewinnet, das komt von der Welt; wenn ich aber zum Zorn, Haß und Widerwillen gereizet werde, so ist es des Teufels Eingeben, welchem allein wir, als dem Satan, selber, widerstehen, und uns dafür húten sollen, als für der ewigen Berdammnus. Der böse Feind studiret täglich auf un. fer Unglück, kann es flüglich angehen ar. tig ins Herz bilden und liftiglich voll. führen; er blåset das Herz voll böser Begierden, und entzündet es mit fündlichen Gedanken; er erreget Haß und Neid, machet Lust zu Freffen und Sauffen, und sezet mit allen feinen Tausend Kün. ften denen Herzen der Menschen zu, fie zu verderben: Also schlägt er uns mit un. ferm eigenen Stabe, und bindet uns un Tere Hände mit unserm eigenen Gürtel, daß uns unser eigen Fleisch und Blut, welches uns zu einem Gehülfen gegeben ist, zum Fall und zum Schaden gelana get. Darum muffen wir uns zum geist. lichen Streit und Kampf benzeiten rusten und schicken; denn unser Fleisch und Blut, die Welt, samt ihrem Fürsten dem Teu fel, bieten uns einen sehr gefährlichen ein. beis 334 Ein Chrift soll wider den Teufel, C. 10. heimlichen blutigen Kampf an. Die unversöhnliche und schröckliche Feinde stel len uns täglich nach unserer Seelen und Seligkeit, und legen uns Stricke in Wor ten und Gedancken: Ja der Fürst diese Welt trachtet Tag und Nacht nach de nem Untergang? gedenker ohn Unterlaj darauf, wie er deine Seele moge ver lezen, verwundet dieselbe, che du es go wahr wirst; er wachet stets, dich zu er würgen: warum woltest du denn nic wachen, dich selbst zu erretten? Darum follt du die Hülfe deines Siegs. Fürsten Christi allezeit begehren, damit du in Streit bestehen mögest. O! es ist ein schwerer Streit, wide sich selbst zu Felde liegen, wider sich felbf ftreiten, und sich selber überwinden! 0 der groffen Gefahr! da der meinendig und verrätherische Feind zwischen den Mauren unsers eigenen Leibs verborgen lieget, den wir bey und um uns tragen ernähren und erhalten müssen! O mit oft bringet uns Fleisch und Blut groffen schweren Sünden und zu Fall! Innwendig hat der Mensch die Emp rung der Geilheit und andere Anfechtung des Gemüths, mit welchen er stets kamp fen, streiten und fechten muß, so er fe ne Seel will bewahren; auswendig i die E. 19. Welt und sein eigen Fleisch kämpfen. 335 die Welt, das Fleisch und der Teufel die ihn nimmer angefochten bleiben laffen; bald durch freundlich, bald durch feinda liche Mittel, bald durch Schmeicheln, bald durch Dráuungen, bald durch Lift zur Erhöhung, bald durch Trübsaal und Verfolgung. Und muß ein Christ diesen allen widerstehen, so er die Crone der ewigen Seeligkeit nicht will verliehren; wie Jac. 1, 12. geschrieben fiehet: Selig ist der Mann, der die Anfechtung erdulder, denn nachdem er bewähret ist, wird er die Crone des Lebens empfahen, welche GOtt verheissen hat denen, die ihn lieb habon Denn welche GOtt wahrhaftig lieben, die ringen mit den Anfechtungen, und befleißigen sich, dieselben zu überwinden; auf daß nicht, wenn sie in diesem Kampf weichen, GOtt über sie erzürnet wer de. Da fie aber je aus Schwachheit des -Fleisches bisweilen zurück weichen, so thut fie Buffe, tretten wieder an den Kampf, und streiten mit viel einem gröf fern Eifer wider den Satan, die Welt und ihr eigen Fleisch: als zuvor nie gea stehen. Auf daß wir aber in folchen Streit beherzt und mannlich und erzei gen, soll uns allzeit die unverwelkliche Crone der Ehren für Augen schweben; wels 336 Ein Chrift soll wider den Teufel, C. 194. Belche und der Herr im andern Leben auffezen wird. Diejenigen zwar, so in groffen Sünden ohne Buffe leben, kommt dieser Streit nicht schwer an; fintemal sie ihren Lüften und Begierden, ohn alles Wide: streben, folgen: Die aber von ihrem fündlichen Leben und Lüften des Fleisches abstehen, und in rechter Buß und wahrer Gott feligkeit ihr Leben zuzubringen, ben sich entschloffen, denselben kommt diefer Streit gar schwer an. So du nun dem bösen Feind nicht widerstanden, und ihn durch GOttes Kraft überwunden, sondern dich überwinden lassen, so wirst du der Teu fel Spott seyn an jenem Tage, in alle Ewigkeit. Darum, wenn du böse Gedanken füh left, und vom Satan angefochten wirft, fo fenre mit dem Gebet nicht; gedenk, der Teufel, der liflige Feind ist vorhanden, und wirft seine höllische Anker aus, und wollte gern den Tempel GOttes vers unreinigen, wolte gern dein Herz und Seele als den Tempel GOttes anzunden; Othue deine Augen auffeufze! Komm H. Geist, und lösche die feurigen Teufels Funden in meinem Herzen aus! Widerstehe den bösen Gedanken, und bete: O mein Gott, ich protestire, daß ich keinen Ges *. 19. Welt und sein eigen Fleisch kämpfen. 337 Gefallen habe an diesem bösen Eingeben des Teufels; komm H. Geist, nimm die bösen Gedanken von mir weg, das ich sie nicht ins Werk richte! Wirst du also bes ten, so ſollen dir deine böse Gedanken nicht zum ewigen Verdammniß zugerech. net werden. GOtt will sie mit ſeinem Gnaden Mantel bedecken. Der H. Au gustinus fagt: Der hat sich Feiner Strafe zu bewahren, welcher keine Schuld auf sich hat. Und Luther forict, Ob dir bofe Gedanken einfallen; so gieb doch dein Jawort nicht darein, so sollen sie dir vergeben werden. Wer sich aber mit bdsen Gedanken füzelt, und denen Naum giebt, derselbe verleurt den heilis gen Geist. Der H. Augustinus ſagt; Hast du in die Sünde gewilliget, bift du derselben gehorsam worden, so bist du der Sünden Knecht und hast die Strafe verdienet. Hast du Lust und Freude an deinen bösen Gedanken, so ifts für GOtt, als hättest du die Sünde mit der That foon begangen. Darum thue ein jeder die Augen seines Leibes und Herzens auf damit er auf den bdsen Feind Achtung gebe. Wenn der Mensch sterben, und mit dem Tod ringen soll, da feuert der Satan nicht, versucht seine äusserste Macht und Gewalt, ob er den glaubigen Christen denglau auf 338 Ein Chri ftsoll wider den Teufel. C. 19 auf der feligen Himmels Reife stöhren, and vom ewigen Leben abführen möge. Darum mache sich ein jeder fertig, daß er mit GOttes Wort gefaßt fey, und sich ritterlich wehren, und den Sieg erhalten Fonne. Es ist ein erbärmlich Ding, daß fich ein Mensch vom Teufel also über winden läffet, da doch ein Christ mit GOttes Wort, Geist und Kraft gerüstet. Es ist gleich, als wenn ein wohl gerüster Mann sich niederlegete für einer Fliegen und liesse sich zu tode stechen und beiffen. Darum must du dich oftmahls sezen zu freiten wider deine Begierden und un jiemliche Bewegung des Gemüths, so wirst du des Streits desto besser gewoh net, und wir dieselben desto cher und ge dultiger überwinden: Also must du nun, wann dich die Bewegungen überfallen, und die bösen Gedanken dermaffen über hand nehmen, das gleichsam die Ver nunft darein verwilliget, den Karren von stund an umwenden, und Gott ernstlich bitten, daß er dich mit seinem Geist to gieren, und alle böse Afecten und Be wegungen in dir vertreiben wolle. Det Feind wird am allerleichtesten überwun den, so er mit Nichten durch das Thir lein des Gemüths eingelassen wird, son dern wenn ihm zur Stunde, als er an Flopffet. Daruh €. 19. Welt und sein eigen Fleisch kämpfen. 339 Flopffet, widerstanden wird. widerstehe dem Anfang, sonsten wird die Arznen zu spät bereitet, wo die Krand. heit überhand nimmt; denn je länger fich ein Mensch säumet, ie schwächer er tåglich, ihm selber zu widerstehen, und der Feind wider ihn nur stärder wird. Mer. fe, das zum ersten fommt in das Gemüth ein schlechter Gedanke, darnad) starcke Einbildung, darnach Lust und böse An. muthung: Also gehet der böse Feind mählig Aanz in den Menschen, wo ihm im Unfang nicht widerstanden wird. Badende, daß aus den Gedanken die Wort entstehen, und aus den Worten kommt man zum Wercke. Die Mühle gibt dir solch Mehl, als das Korn ist, das du aufgeschüttet haft: Deine Einbildung geht stets herum, wie ein Mühl Rad, und so du ihr gute Gedanken vorschlägest, gibt fie dir ein schönes, reines Mehl und gu. ter GOTT, wohlgefälliger Wercke; da du dir aber böse, unreine Gedancken für. bildest, werden auch die Wercke densele ben gleichförmig werden Es ist der Mensch in seinen Gedancken und Willen wunderlich von GOtt ge. schaffen, und seine Einbildung ist stard und fraftig, hat eine anziehende Kraft. Sedendket er himmlische Dinge, so zeucht 2 340 Ein Christ soll wider den Teufel€. 19. er GOtt und die H. Engel nach sich! denn fie nahen sich gern zu einem himmliſchen Gemüth: Gedendet er aber an irrdi. sche Dinge, und nichts denn an die Welt so zithet er den GOtt dieser Welt nach fich; ja der Satan vereiniget fich mit folgen irrdischen Gedanken, und woh net darinn; gleichwie GOtt sich mit himmlischen Gedanken vereiniget. Siche der Satan ist ein verdammter Geist, derowegen er nichts anders ein giebt, denn verdammliche Gedanken; darum blase selbst nicht auf die böse Ge danten in deinem Herzen, wie ein Feu ers Fünklein, daraus ein groffes Feuer werden kann; sondern dåmpfe das ins wendige Feuer ben Zeiten, daß es nid: zulezt ausschlage, und die Uleberhand ge winne, und dich hernach anstecke und ver brenne. Es fezen manchem frommen Herzen die bösen Gedanken so heftig und plagen es dermaffen, daß es lieber tod feen wollte denn leben, denn es weis und verstehet, daß alle seine Gedanken GOTT dem Herrn bekant und offen bar seynd; wünschet derowegen, daß es fie möchte oder könnte von sich ausrotten und vertilgen. Demnach sollt du folde böse einfallende Gedanken also ansehen, das dieselbe nigt son dir, als von einem wit 7€. C. 19. Welt und sein eigen Fleisch kämpfen. 342 widergebohrnen Menschen herrühren: weil du, als ein Widergebohrner, des alten Adams Geschäfte haffett. Derowe gen must du dich erinnern, daß solche Gei danken von dem alten Adam und von deis nem fündlichen Fleisch herkommen; wie auch St Paulus sagt, Römer 7, 20. Ich thue es nicht, sondern die Sünde, die in mir wohnet. Ob du wohl der böfen Ges danken dich nicht ganz erwehren fannst, so wenig du den BVögeln wehren kannst, daß sie nicht in der Luft über dir herflies gen; ſo kannst du doch wehren, daß die Gedanken nicht zu Werk gerichtet werden, wie du den Bögeln wohl wehren fanft, daß sie nicht in denen Haaren nißen. Nimm ein Erempel: Wenn der Feind vor der Stadt liegt, Feuer hinein schießt, das mus man zwar leyden; aber gleichwel zusehen, daß man es lösche! so viel man Fan: Also können wir arme Mensen dem Satan nicht wehren, das er nicht feine feurige Pfeile in unsere Herzenfaiest. aber weil wir nicht darein bewilligen, fondern widerfireben denselben, so müffen fie endlich verlöschen, und können uns nicht schaden. Deswegen mast du den böfen, einfallenden Gedanken niet viel in deinem Herzen Plaz geben, auf daß dich nicht überwinden und darnieder 23. wer 342 Ein Chrift soll wider den Teufel, e.ro werfen! Sondern du must sie geschwinde auf die Schnauzen schlagen: gib ihnen kein Gehör, besprich dich erst mit GOD tes Wort; wende dichzu gottfeligen Ge danden, die den vorigen gar zuwider feynd; und halte dich zu frommen Len ten; hute dich, daß du nimmer müßig fepest. Wer also die bösen Gedanken vertreibet, und die Anfechtung des Ge müths weiß zu regieren, der wird vorge gogen einem, der eine Stadt belägert und umgekehret hat, Prov. 19, 32. Wenn aber einer im Streit will trág und faul feyn, und dem Feind zu viel Willen lif fet, fich nicht tapfer wehret, so wird das Feld verwüstet, die Häuser geplündert, die Dörfer angesteckt, die Mannschaft erstochen, Frauen und Jungfrauen ge schbindet, und aller Jammer angerichtet: Also im geistlichen Kampf, so wir dem Teufel und unserm Fleisch zu viel nach geben, und nicht mit dem Glauben und Gebet widerstehen, so werden wir von unfern Feinden an der Seelen jämmer lich acplundert, und unser Herz und um fer Seel wird gar verwüstet, zc. 2m therus sareiber über den 51. Pfalm: Wenn wir durch Unkeuschheit, Zorn oder Rachgier angefochten werden, und man denn einen zum Gebet vermahurt, 76. C. 19. Welt und sein eigen Fleisch kämpfen. 343 fo fallen ihm bald solche Gedanden ein: Sihe, du gehest mit bösen Gedanden um, darum kannst da und sollt nicht be. ten; Dargegen muß man dann das Wis derspiel treiben, und bey Leibe nicht mit dem Gebett verziehen und warten, big die Gedancken der Unkeuschheit, oder ei. nes andern Lafters uns vergehen, oder die Anfechtung aufhöre; sondern wenn du fühlest, daß die Anfechtung am stärks sten und gröften ist; und du zum Gebett am ungeschicktesten bist, so gehe in bein Kammerlein, oder an einen besondern Ort, da dich niemand verstöhret, fnye nieder, und bete mit Ernst ein Bater unser, oder was dir einfällt, wider den Satan und seine Versuchung, so wirft du gewißlich erfahren, daß sich die Vers suchung legen, und der Satan die Flucht geben wird. Wenn aber einer meynet, daß er nicht eher beten müffe oder solte, big sein Herz von den böfen Gedankes los und rein werde, der thut nichts an ders, denn daß er den Satan, der sonst allzu stard ist, durch solche feine Klugheit noch stärker machet, und ihm Raum gibt. So weit Luther. Darum gieb deinen Seinden, die zwischen den Mauren dei. nes Fleisches verborgen fieden, einen Streich über den andern, und sprich in 24 dri. 344 Ein Chrift soll wider denn Teufel C.i deinem Herzen: 0 Herr Jesu hilf mie Schwachen, und errette mich von meinen Feinden: denn fie find mir zu mächtig worden! Item 3d lieg im Streit und widersireb, hilff, O Herr Christ dem Schwachen, an deiner Gnad allein ich Fleb, du fanft mich slårcker machen: fommt nun Anfechtung her, so wehr, daß fic mich nicht umffoffen du kanst massen, daß mits nicht bring Gefahr, ich weiß, du wirsts nicht laffen! Item: O heber Herr, verlaß mich nicht, wenn mich der bose Feind und mein Fleisch anficht! Dif thue so oft und viel, big du befindest, daß du überwunden haft, und sich die bösen Gedanken verlohren haben: Denn der Teufel erschridt für des Menschen Stimme, so aus GOttes Wort herrüh ret. Derewegen, o mein Kind! wenn da dich also wirst úben, so wirst du mit der Hülffe GOttes in furzem ganz geist reich, und also ein neuer Mensch werden Also erlangt man die himmlische Tugend, wenn man seinen Willen nach dem Wil len GOttes beuget. Es bilde sich aber niemand ein, daß er Gott dem Herrn Fonne gefällig fenn, wenn er sich nicht rüstet zu diesem innerlichen geistlichen Streit. Und da wir uns auf diesen Streitplaz nicht wollen begeben und be fill C. 19. Welt und sein eigen Fleisch kämpfen 345 finden laffen, so verlassen wir die Waf. fen, und geben fie unsern Feinden, die uns heimlicher Weise überfallen. Darum Fönnen wir nicht beffer thun, denn daß wir uns frisch in diesen Streit begeben; worze uns denn der Herr vermahnet, und hilfft uns überwinden: Und wenn wir tapffer streiten, so hat der Herr Luft zu uns; wenn wir schwach werden, so hilfft Er uns; und wenn wir den Sieg behalten, fo fronet er uns. Gleichwie in der Fechtschule, oder auf dem Streits plaz derjenige Lob und Ehre und das Kleinod bekommt, der wohl gefochten und gestriten hat: Also ist es viel herrliger die geistliche Feinde zu überwinden, da. durch man das himmlische Kleinod erlan: get, und des bey GOtt dem Herrn Lob und Ehr hat. Denn wenn wir den bo. sen Anstiftungen und Begierden tapfer begegnen und Widerstand thun, so übers winden wir den Teufel, und erfreuen die Engel, und ehren Gott den Herrn. Ein Siffmann dörffte sich nicht in die Gefährlichkeit des Meers wagen; wenner nur die Mühe allein, welche auf dem Meer vorfällt, bedächte; So würde auch der Bauersmann solche Kälte und Hize nicht ausstehen, wenn er nicht vorhoffie cinquerndten: Und wenn es dich schon 95 mity 346 Ein Chrift foll wider den Teufel C, 19 mühsam duncket, den Anfechtungen Wi. derstand zu thun, so sollte dich doch die Belohnung, fo man darmit erobert, de to herzhafter machen, darauf du deine Gedanken richten must. Bedenke auch, daß so schwer der Kampff allhie ist, ſo viel ehrlicher und herrlicher wird auch der Sieg seyn, wenn man überwindet; denn hie ist die Zeit des Streits, dort folget die Zeit des Triumphs und Crónung. Einen im Krieg wohlverdienten Helden pflegt man zu verehren mit Dörffern, Lehengütern, Adels Briefen: Warum bist du denn so kleinmüthig und verzagt? mennst du, daß GOtt die Arbeit deines Gemüths und Mühseligkeit deiner See len, mit fo feblechten und geringen Dins gen belohne? Ach nein; sondern wiffe daß GOtt ein milder und gerechter Va ter ist, der da weißt und verstehet, daß deine geistliche Arbeit einer viel mehrern und höhern Verehrung wurdig. Derowegen hat GÖtt der Herr für deine geistliche Arbeit, Seelen Streit und Kampf, dir eine geistliche himmlische Crone jur Belohnung bengelegt, wie geschrieben stehet, Apoc. 2, 10, Sey getreu biß in den Tod, so will ich dir die Crone des Lebens geben. Item, Avoc. 2, 5. wer überwindet, der soll mit weiß fem 7.19. Welt und fein eigen Fleisch kämpfen 347 sen Kleider angelegt werden, und ich will seinen Namen nicht austilgen aus dem Buch des Lebens. Wir wollen aber an der Ulberwindung nicht zweifflen, weil wir Christum unsern Siegs- Fürsten bey uns haben, der trit neben uns, ftehet und bey und streitet für uns. Wie wir lesen von Antonio, daß er vom Satan viel Plage erlitten: Einsmals trägt sichs zu, daß ihm mit greulichen Anfechtun. gen angst und bange gemacht; Als er aber aus der groffen Noch ein wenig zu sich felbst kommt, hebt er an, und spricht: Ach lieber Herr Jesu! wo warest du doch, da es mir so herzlich übel gieng, da ich den schweren Kampff und Streit allein ausstehen mußte? Darauf soll ihm Chriftus geantwortet haben; Lieber Uns toni, ich habe dich nicht verlaffen, sondern ich bin ben dir gestanden, und habe deis nen Kampff fehr wol gesehen, auch dir geholffen, daß du nicht überwältiget wors den bist. Das ist es, was Gott der HERR sagt: Fürchte dich nicht: Ich bin ben dir, ich stärke dich, ich helfe dir, ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit, Efa. 41, 10. Werden doch die Kriegs Leute viel freudiger, wenn sie ihren Herrn selber bey ihnen haben, der ihnen freudig zuspricht: 92 348 Ein Christ foll wider den Teufel. C. r Ey, warum wollten wir Christen denn Fleinmüthig fenn im Streit, well wir den Herrn aller Herrn Christum Jefum bey und haben, der uns zuschreyet; Fürd te dich nicht, ich bin bey dir. Weil wir nun den bey und haben, so können wir nicht unten liegen. Er ist derjeni ge, der uns befohlen hat zu beten; Süh re uns nicht in Bersuchung, laß uns nicht überwältiget werden vom bösen Feinde, wenn er an uns sest; der und so gewaltig vertröstet hat, Er wolle und retten, und für dem Feinde schuzen, auch uns helfen streiten und kämpfen, daß wir endlich das Feld behalten, und den Teufel unter die Füffe treten sollen, Rom. 16. 20. Er will auch endlich uns auf den Tri umph Wagen sezen, nach dieser Uebers windung, und mit groffer Pracht und Herrlichkeit, mit Ehr und Ruhm und einführen in das Himmelreich. In dies fem Trost, und in der feeligen Hoffnung laffet uns ritterlich tämpffen und t gen, mit Freuden und vollen Sprüngen zu unserm Herrn Christo hindurch drin gen; so werden wir davon bringen die Cron der Gerechtigkeit, welche der Sohn GOttes zur Ausbeute allen glaubigen Kampfern und Ueberwindern versprochen hat, 2 Timoth 4: 3. Hold €. 19. Welt und sein eigen Fleisch kämpfen 349 Holdselige Begrüssung des HErrn JEsa, daß er uns wolle hel. fen kampfen wider die Feinde uns ferer Seeligkeit. D gnädiger und barmherziger Gott! nachdem ich ohne deine Hülfe dem greulichen Feind zu schwach bin; so will ich jejund und allezeit für dir, o Herr Jesu Chrifti! protestiret und bezeuget haben, daß wann schon der listige Feind durch seine abschreckliche Versuchung mich zu überwältigen würde anfallen, und ich etwann wider Hoffnung und Zuversicht follte schwach seyn, und überwunden wer den,( dafür u mich doch gnädig behüten wolleft!) so laß dob dasselbe als nichtig, ungültig und unkräftig, und meiner ar men Seelen ganz und gar unschädlich feyn. Denn, o Herr Jesu Christ, wie könnte ich für dem greulichen Versucher sicher und unangefochten bleiben? hat er sich doch unterslanden, auch dich ſelbst zu versuchen; wie sollte er denn meiner verschonen, der ich ein armer Sünder bin? O Herr, ist doch meine Stärke nicht steinern, so ist mein Fleisch nicht cifern; wie sollte ich Schwader dem greus lichen Feind, ohne deine Hülffe und Barmherzigkeit, können genugsam Wis derstand thun? Derohalben schreye ich 3 au 850 Ein Christ soll wider den Teufel 2c. C. 19, zu dir inniglich, O Herr Jesu Christe! und bitte dich von Herzen um deines ro. finfarben Bluts willen, welches du für mich und der ganzen Welt Sünde ver. goffen hast, du wollest dich mein erbara men, und mich wider die Feinde meiner Seligkeit vertretten, sie zu Boden fchla. gen, und für mir flüchtig machen! dafür will ich dich loben immer und ewiglich, Amen! Amen. Ach JESU, hilf mir männlich kämpfen, Und meiner Seelen Feinde dämpfen; Ach hilf, ach hilf mir Schwachen fiegen. Die Cron der Ehren endlich kriegen. A44 Das xx. Capitel. Von GOttes treuem Beystand und Rettung in allem Creuz und Unglück. Pf. 46, 19. Ich hatte viel Bekümmerniß, abes deine Tröstungen, HERR ergözen mei ne Seele. Es seynd viel herrliche und schöne Trost Sprüche in GOttes Wort, daraus man sich im Creuz und Unglück aufrich ten und trösten fan; aber man foll kaum einen finden, darinn mehr Troft und Fri E. 20. Gottes Beystand 35 A Erquickung wäre als in diesem, der im Propheten Jef am 41,8. gefchrieben ste. het: Fürchte dich nicht du Ifrael mein Knecht Jacob, du Auserwählter, du Saa. men Abrahams meines Geliebten; der ich dich gestarcker habe von der Welt Ende her, und habe dich geruffen, und ſprach zu dir; Du sollt mein Knecht seyn; denn ich erwähle dich, und verwerffe dich nicht. Ich bin bey dir, weiche nicht; denn ich bin dein GOTE, ich frårde dich, ich helfe dir auch, ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerech. tigkeit. Sihe, fie sollen zu Sport und Schande werden, alle, die dir gram find; und die Leuthe, die mit dir ganden, follen werden als nichts: denn ich bin der Herr dein Gott, der deine rechte Hand stärket, and zu dir spricht: Fürchte dich nicht, ich helffe dir. So fürchte dig nun nicht, du Würmlein Jacob, du ar. mer Hauffe Israel; Ich helfe dir, ſpricht der Herr dein Erlöser, der Heilige in Ifrael. Sihe, Ich habe dich zum schara fen neuen Dres Wagen gemacht, der Backen hat; daß du sollt Berge zudre sen und zermalmen, und die Hügel wie Spreu machen. Du sollt sie zerfireus en, daß fie der Wind wegführe, und der Wirbel verwehe. Du aber wirst frolich feyn 352 GOttes Beystand und Rettung. E. 20 feyn im Herrn, und wirst dich rühmen des Heiligen in Ifrael. Hier sehen wir GOttes Freundlichkeit und Leutseligkeit, daß dieser große Herr sich nicht schdmet, mit uns feinen unwir digen Knechten so freundlich zu reden. Darum wir wohl mit Mofe sagen mögen aus dem 5. Buch im 33 Cap. v. 3. Sibe wie hat er die Leute so lieb! Und mit David aus dem 34. Pf. v. 9. Semadet und feber wie freundlich der HERR it. Derowegen sollen wir uns aller Hülfe und Troftes zu GOtt versehen. Denn macher dir das in der Noth einen Muth und Herz, wenn dir ein groffer Herr oder Fürst seine Hülfe aufagt und zuschreibet; warum wolltest du dich dessen nicht freuen und trößten, und darauf trozen und bau en, daß dir GOtt vom Himmel läffet ju schreyen und zuschreiben: So spricht de Herr dein GOtt und dein Erlöser: Fürb te dich nicht, ich bin bey dir; weide nicht, ich bin dein GOtt, ich stärche dich, ich erhalte dich, ich helfe dir auch. Das follte ja einem, der es nur glaubte, daß es GOtt redet, in der höchsten Noth ein freudig Berz machen. Die Kinder seynd sehr furchsam, und erschrecken leichtlich, dennoch sind sie g troft, und fürchten sich nichts, wenn ihre €. 20. m allem Creuz und Unglück. 353 ihre liebe Eltern um und um bep fich haben, die doch nur ohnmächtige und sterbiide Menschen sind: Sollen wir uns Denn nicht freuen, und in Nöthen einen Muth daraus schöpfen, daß wir unsern himmlischen unsterblichen Bater bey und haben? wie er hie sagt: Fürchte dich nicht; ich bin bey dir, es soll dir kein Leid wiederfahren. Bist du arm und unglücks felig, so bin ich reich und glückselig, ha. be Glück und Seegen in meinen Hans den; ich fan im Augenblick dein Ulna glück in Glück verwandeln, und alle gedenliche Nothdurft und Wolfart an Leib und Seel, Guth und Ehr besches ren: darum weiche nicht, ich bin dein GOtt, ich bin dein höchster Scuz und Gut, ich sorge für dich, ich weiß, was dir gebricht. Ich will und kann bich ernehren, darum traue und verzage nicht; vertraue und diene du mir, so soll es keis ne Noth mit dir haben. Daß uns nun Gott so hold und günstig ist, das hat uns Christus durch sein bitter Leiden und schmerzlichen Tod erworben: Gott era beut fich, unser gnädiger GOtt und höch stes Buch zu seyn, Christus erbeut sich unser Heyland und Helfer zu feyn? das follen wir tief in unsere Herzen bila den, $ 54 GOttes Beystand und Rettung. C. 20, den, und GOtt den Herrn anruffen, daß Er uns starken Glauben an diese gnädige Verheisung in unfern Herzen erwecke, fiets vermehre und erhalte, daß wir daraus in aller Noth und Wider wärtigkeit Troft schöpfen möge. Wir müssen uns oftmals bedüncken, als müsten wir in unserm Creuz zu Grand und Boden gehen, und könnten feines Wegs ausharren und bestehen? Aber wider die schwere Gedanken tröffet und hie GOtt der Herr, indem er spricht: Fürchte dich nicht, 3ch stärke dich? all wolte er fagen: Las dich nicht irren, la dich nicht zu kleinmüthig machen, wenn du die schwach befindest, und gedenkeit, daß du wider das Toben der Welt, und wider des Creuzes Vielheit nicht werde bestehen können? Jd will dich wol erret ten, erfenne nur deine Gewachheit, und feufie darüber; Ruffe mich an; und ver. traue mir, das ich dich könne und wolle in aller deiner Angst und Widerwärtig feit färden und erhalten; du folt wel ausdenren, das Ereuz ertragen, unde hen feligen und freudenreichen Ausgang erlangen, wie ich dir solches ahhie ver fprece und zulage. Darum, fe oft uns Furdt und Schri ken überfällt, und wir unsere Schwach heit €. 20. in allem Creuz und Unglück. 355 heit und Blodigkeit befinden, daß wir für Angst nicht zu bleiben wiffen, so sollen wir uns der Troft Worte GOttes erin. pern, da er hie sagt: Fürchte dich nicht. Ich starcke dio; folien anser Gebet darauf gründen, und zu ihm um Starde und Kraft in unserm Creuz und Leiden getroft ruffen und schreyen mit dem Propheten Seremia, c. 7, 17, Herr Gott, fey du mir nur nicht schrecklich, da meine Zuversicht in der Noth! Laß sie zu schanden werden, die mich verfolgen, und laß den Tag des Unglücks über sie gehen, und über mich nicht! Laß sie erschrecken und mich nicht. Oder Angen und sagen: Ib lieg im Streit und widerstreb, hilf, O Herr Christ, mir Gewachen; an deiner Gnad allein ich kleb, du kanst mich stärker machen; kommt nun Anfechtung her, so wehr, daß fie mich nicht um. stoffen, du kanst maffen, daß mirs nicht bring Gefahr; ich weiß du wirsts nicht laffen, Oder: O Herr, durch dein Kraft 1- ns bereit, und stark des Fleisches Blo, digkeit, daß wir hie ritterlich ringen, durch Tod und Leben zu dir dringen! Wenn wir das thun, so hat es feine Noth mit uns, so werden wir von GOtt geſtärket und befestiget werden; denn Er sagt zu Paulo, 2 Cor. 12, 9. Las dir an meiner 33 Onde 356 GOttes: Beystand und Rettung.€.29 Gnade genigen, denn meine Kraft ist in den Sowachen mächtig. Und Paulus fagt, 1 Corint. 10, 13. GOtt is getreu, und läsfer niemand versuchen über fein Vermögen. Wie auch David bezeuget im 62. Pf. v. 1. Meine Seele ist stil GOtt, der mir hilft; denn er ist mein Hilfe mein Hort mein Schuz, das mid kein Fall fürzen wird, wie groß er aud ift. Ach! meine Seele, horre nur auf GOtt; denn er ist meine Hoffnung, a ist mein Hort, meine Hülfe und mein Souz, daß ich nicht fallen werde. Dar um spricht auch Esaias; Wenn ihr stil send und hoffet, so werdet ihr start seyn, im 30. cap v. 16 und abermal im 43.000. v. 1. So spricht der Herr, der dich go schaffen hat: Fürchte dich nicht, dennid habe dich erlöset, ich habe dich bey de nem Stamen geruffen, du bist mein: So du durchs Waffer gehest, will ich beg dir seen, daß dich die Strome nicht fol Ten ersäuffen; und fo du durchs Feutr gehest, fout du nicht brennen, und die Slamme foll dich nicht anzünden; denn ich hun der HERR dein GOtt, und he be dich licb. Und ger. I, 18. Sürde dich nicht, spricht der Herr; Wenn se gleich wider dich streiten, sollen sie den noch nicht wider dich liegen; denn i bin E. 20. in allem Creuz und Unglück 557 fagt, bin bey dir, spricht der Herr, das ich dich errette. Daher David so fröhlic Pf. 27, 1. Der Herr ist mein Licht und mein Heyl, für wenn folt ich mich fürchten? der Herr ist meines Les rens Kraft, für wem folt mit grauen? Darum, fo die Bösen meine Widerfas cher und Feinde an mich wollen, mein Fleisch zufreffen, müssen sie doch antanf fen und fallen; wenn ich ein Heer wis ber mich leget, fo fürchtet sich doch mein Herz nicht; wenn sich Krieg wider mich erhebet, so verlaß ich mich auf did, I Macc. 2, 61. faget der alte Matthias zu seinen Söhnen: Bedenket was zu jes der Zeit geschehen ist, so werdet ihr fin. den, daß alle, so auf GOtt trauen, ers halten werden. Auf daß wir uns aller desto freudiger auf solche versprochene Hülfe verlassen Fonnen, wiederholet GOtt diefe ſeine hie gethane Busage in heiliger Schrift eft and vielmais; damit wir ja daraus er. kennen und sehen, es fep ihm ein Ernst, er wolle es in der That erfüllen, was Er in Worten und hat- verfrechen las fen; wie Salomo fagt, 1 Reg. 8, 14. Mit dem Munde reder ers, und mit der Hand erfüllet ere. Und Bileam fagt, Rum. 23, 19. Sollte GOtt was reden 8.3 HRD 358 GOttes Beystand und Rettung C. 20, und nicht thun? Sollte er was zusagen und nicht halten? Es find wahrlich sehr denkwürdige Bort, daß GOtt faget: Fürchte dich nicht, So erhalte dich, Ich nehme dich auf durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit. Darmit giebt uns GOtt einen starken kräftigen Trost von Aufnehmung und Erhaltung unserer Seelen. Ob gleich der Leib unter dem Creuz muß herhalten, und in der Noth unter gehen; als wollte GOtt fagen: Lieber Chrift! du must dich das nicht irren, oder gar von mir abwenden laffen, daß ich oft meine glaubige Kinder laffe unter dem Ereuz sterbeh, und in aller ihrer Noth und Widerwärtigkeit zeitlich ver derben; sie sind mir ja der angeerbten und anklebenden Sünden halben den Cod schuldig, dadurch mag ich sie abfodern, wie und wenn ich will: Ich breche aud nicht damit meine gethane Sufage von Leistung der Hülffe; denn was ich ihnen an Leib, an zeitlicher Hülffe und Trost abbredbe, das lege ich ihnen an der Set len, an geistlichem Trost und an ewiger Hülffe zu; Jo thue darum nicht übel an ihnen, will Gott fagen, ob ich gleich nicht allen aus Krankheit wieder aufhelf. fe, aus leiblicher Gefahr und Noth fie alle C. 20. in allem Creuz und Unglück. 359 alle erretre; fondern thue qar väterlich und wol an ihnen; denn ich erlöfe fie von ihrer Müh und Arbeit, Sorg und Herzinleid, und bringe sie zu beständi ger Rub, und zu gewünschtem Fried und Freide; Ich nehme ihre Geele auf in meine Hand da sie keine Qual kan.rühren, Sap, 3, 1. Da sie gerröftet und er. freuet roird, Luc. 16, 26, Je erhalte ih. ren Leib im Tod and Grabe, daß er fanfft ruhe und schlaffe, und am JungBen Tage frölich auferstehe, mit der Geelen wieder vereiniger werde, und zu ewiger Herrlichkeit und Seeligkeit eingehe. Das mepnet GOtt allhie mit den Worten: Ich nehme dich auf, und erhalte dich. So thate GOtt mit Abel, den ließ er nach dem Leibe von seinem Bruder Cain ertödtet werden, aber seine Seele nahm er in sein Reich und ließ fie Freu. de die Fülle haben. Gen. 4 So hat er gethan, mit den lieben Märtyrern und Aposteln, die hatte er alle areulich las. sen hinrichten, und jämmerlich am Leibe martern; Aber ihre Seelen hat er aufgenommen, die find für feinem Thron, fehen feine göttliche Maiestát, leben im Friede, und in groffer Freude und Herr. lichkeit; wie geschrieben fehet, Apoc. 79. 34 30 360 GOttes Beystand und Rettung. C. 20 Ich fahe eine grosse Schaar, welche nies mand jehlen konnte, aus allen Heyden und Boffern, stehen für dem Stuhl und Lamm, angethan mit weiffen Kleidern, und Palmen in ihren Händen, schreyen mit lauter Stimm; Hent sey dem, der auf dem Stul fizet, unserm GOtt und Dem Samm! Und der Aeltesten einer fragt mich, und sprach: Wer sind diese? Lind woher sind sie kommen? Und ic forach zu ihme: Herr, du weist es; und er sprach zu mir: Es find die, so kom men find and groffer Trübfaal, und ha ben ihte Kleider gewaschen in dem Blut des Sammes: Darum sind sie nun für dem Stul GOttes, und dienen ihm Tag und Nacht in seinem Tempel; sie wird weder hungern noch dürften, es wird auch keine Size auf fie fallen, das Lamm mitten im Stal leitet sie zu dem lebens bigen Wafferbrunnen, und Gott wi fahrt alle Chránen von ihren Augen. Stephanum ließ Er unter der Jüden Gawak, daß fie ihn mit Steinen j tode würffen; tröstet und erhält ihn aber an der Seelen, da er ihm den Himmel läßt aufthun, und Christus sich ihm zur Rechten GOttes stehende in groffer Herrs libfeit off nbahret, anzuzeigen, Er woll to thn in dieſem Jammerthal nicht lan €. 20. in allem Creuz und Unglück 361 ger laffen, sondern in dem Freuden, Saal zu sich aufnehmen; dadurch er al. so getröstet ward, daß er den Tod nicht fürchtet, fondern sich freuet, schreye: Herr Jefa, nimm meinen Geift auf! Act. 7, 60. Da der Schächer Christum am Creuz bat, erhöret Er ihn, ließ awar seinen Leib in schmerzen und Schaden am Creuz hangen, aber an der Seelen fagt Er ihm den Himmel zu: Heute follt du mit mir im Paradies seyn, Luc. 23, 43. Das heißt nun hie; 3 nehme dich auf, Ich erhalte dich. Wir haben auch in diesem Spruch Troft wider unsere Feind und Widerfacher, da der Herr sagt: Sie sollen zu Spott und Schanden werden, alle die dir gram seynd; fie sollen werden wie nichts; und die Leute so mit dir hadern, sollen um. kommen. Das ist so viel gesagt: Sie mögen es feindlich oder böse mit dir für. nehmen, und dir das allerárgste drauen und sich gewißlich berathflagen, wie fie dich vertilgen und zu nichte machen wollen; Aber gib dich zufrieden, fürchte dich nicht, es soll ihnen nicht gelingen, fie follens im Wert nicht können vollbringen; Ich dein Gott und Vater will sie in ihrem Bornehmen zu Spott und Schanden ma. ben, das jedermann ihrer lachen soll. 85 362 GOttes Beystand und Rettung. C. 20 Also follen wir des lustigen Drauens und Berachschlagens unserer Seinde und erinnern, und uns freuen und trösten, daß ans GOtthie guruffet und faget: Sie follen au Spott und zu schanden werden alle, die dir gram feyn; wie wir aud sonsten davon zu singen pflegen: Was Menschen Krafft und Wig anfäht, foll und billla sight fchrecken; er flict an der Höchfen Stätt, Er wird ihren Rath auf decken, wenn sies aufs tigste greifen an, ſo seht doch Gott eine anore Bahn, cs seht in ſeinen Händen. Darum wenn unsere Feinde fich am böfesten stellen, und mit ihren Renken zunt fiffigsten umgehen: So beten wit mit David aus dem 72. pr. vers I. 13, und sprechen: HERR, ich trade auf dib, lag mit nimmermehr zu Schanden werden; mit Stand und Hohn müsſen sie überschüttet werden, diemeintlnglük suchen. Ja GOST spricht, fie sollen werden als nichts die mit uns zanken: die Leu te ſo mit ans hadern, sollen umkommen weldes zu merken. Denn Gott will nicht allein den bösen Rathschlag unserer Feinde hindern und abwenden, sondern auch fie felber, wenn sie lang genug ge tobet haben, zu nichte machen, in die Gruben stürzen, die sie uns gemacht. Darum C. 20, in allem Creuz und Unglück. 363 Darum wenn unsere Feinde fich) zum greulichsten wider uns auflehnen, und zum heftigsten wider uns toben, so erine nern und trößten wir und dieser Wohl. that GOttes, und gründen unser Gebet auf die Berheiffung, and sprechen mit David. Psalm 54, 2. Hilf mir GOtt durch deinen Namen, und schaffe mir Recht durch deine Gewalt. Gott erhöre mein Geber, und vernimm die Rede meines Mandes! dens Stolze fezen fich wider mich, und Trozige stehen mie nach meie ner Seelen; zerstöbre fie durch deine Treue Pfalm 40, 18. Du bist mein Hel. fer und Erretter, mein GOTT verzend nicht. Im 60. Pfalm vers 18. Thue ein Zei den an mir daß es mir wohl gehe, daß es sehen, die mich haffen, und sich scház men müssen, das du mir beystehest, Herr, und tröstet mich. Auf solche Wohlfarth und fröhlichen Ausgang unserer Verfolgung und Wie derwärtigkeit vertrösten uns auch die folgende Wort, da GOtt spricht: Du aber wirft fröhlich seyn im Herrn, und wirft die rühmen des Heiligen in f rael. Da hören wir, daß das Pochen und Pralen der Gottlosen, und die Furcht, Schrecken, Zittern, Weinen und Heus len der Glaubigen nicht stets und ims 364 GOttes Benstand und Rettung, mer währen soll, sondern es soll eine Abwechslung gehalten werden, daß auf der Gottlosen Lust und Freude, Angst und Leid, und auf der Glaubigen Betrübs niß und Traurigkeit, Troft und Freude folgen wird; wie GOtt hie jugesagt: Du aber wirst fröhlich seyn im Herrn, und wirst dich rühmen des Heiligen in Ifrael; wie folches auch Christus feinen betrübten Jüngern verspricht. Joh 16,20, Ihr werdet weinen und heulen, aber die Welt wird sich freuen, aber ihr werdet traurig seyn, doch eure Traurigkeit foll zur Freude werden. Ich will euch wie der sehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude foll niemand von cu nehmen. David sagt im 30. Pfalm v. 12. Du hast meine Klage verwandelt in ein Reigen, du hast mir meinen Sad ausgezogen, und mich mit Freuden ge gürtet, auf daß dir meine Zunge lob finge. Tob. 3,22. faget die liebe Gara: Nach dem Ungewitter läffet GOTT die liebe Sonne wieder scheinen, und nac der Trübfaat überschüttet er uns mit Freuden. Im 129. Pfalm. Wenn der Herr die Gefangenen aus Zion erlösen wird, so werden wir seyn, wie die Trau menden für Freuden. Denn wird unfer Mund voll Lachens seyn, und unser BUM 305 C. 20. in allem Creuz und Unglück. Surge voll Rühmens da wird man fagen: Der Herr hat groffes an uns gethan, des seynd wir fröhlich. Die mit Chránen fäen, die werden mit Freuden erndten, Ein schdn Erempel haben wir in der Historia Judith: Denn da Bethulia von Holoferne belagert war, und kein Was fer mehr vorhanden, da erhub sich ein groß Trauren und Klagen unter Jung und Alt; aber da GOtt fie errettet hatte durch die Judith, da war jedermann frohlich, fungen und sprungen, beyde Jung und Alt, die Feinde aber waren furcsam, flüchtig und traurig, Jud. 8. So traurig und betrübt die Juden waren, als der stolze Haman ein Mandat ließ ausgehen, daß man sie in allen Landen, auf einen Tag sollte tödten; also freudig unb fröhlich wurden fie, als Haman ihr Feind gehenfet, und der Jud Mardochbaus an seine flatt zum föniglis chen Rath erwählet, und Hamans blut. durstiges Mandat wieder zurück getries ben ward, Esto. 8. Wie traurig Jacob ward, als er hörete, sein Sohn Joseph wäre von den wilden Thieren zerriffen, also höchlich und herrlich ward er wieder erfreuet, da er die Bottschaft bekam, Joseph lebete noch, und wäre ein groffer Herr 366 GOttes Benstand und Rettung, 20 Herr in Egyptenland, und da er die Waagen fahe, die ihm Joseph geschickt hatte, daß er darauf zu ihm in Egypten fahren sollte, Gen 45. temit starken wir unsern schwachen Glauben, trößten damit unfere befüm merte Herzen: und schliessen gewiß: Wie GOtt nach seinem wahren Wort und mit dem Crenz und Verfolgung beladen bat: Also wird er auch nach dieser Ver heiffung uns wider erfreuen; trösten und frölich machen, daß auch andere über uns, und durch uns wieder getrò, ftet und erfreuet werden, wenn sie GOt tes Rettung an uns sehen. An solchen fröhlichen Ausgang follen wir immer gedenken, in unserm Leiden und Trübfaal gedultig seyn, und GOTL eine kleine Zeit still halten, und mit Da vid aus dem 32. Pf. vers 8. beten: O GOtt! du bist mein Schirm, du wollest mich für Angst behüten, daß ich errettet ganz fröhlich rühmen könne. Sm 51. pr. vers 9. Laß mich hören Freud und Wonne, daß die Gebeine fröhlich wer den, die du zerschlagen hast. Trößte mich noieder mit deiner Hülfe, und der freu dige Geist enthalte mich: So werden noir, als geistliche Ritter: alles tapfer gushalten und überwinden. C& F in allem Creuz und Ungrick. 367 Uho diefe der Christen Freude im Herrn; nach diesem ausgestandenen Leiden, wird erst recht in jenem Leben sich anfahen, und recht vollkommen werden; wie Efa. 51. 11. ftehet: Die Erlöseten des HERRN werden gen 3ion fommen mit Jawbzen, ewige Freude wird über ihrem Haupt seyn, Wonne und Freude werden sie er. greiffen, aber Trauren und Seufzen wird von ihnen fliehen. Efaias am 65, 14. hált gegen einander das ewige Leid und Trauren der Gottlos fen nach furger gettlicher Freude, und die ewige Freud und Bonne der Gottfeli. gen nach farzem erlittenen Seiden, und fagt: Giebe meine Knechte follen für gue tem Muth jaugen, ihr aber follet für Herzenleid fchreyen, und für Jammer healten; Lind im 9 vers aber bey meinem Volk soll nicht mehr gehöret werden die Stimme des Heutend, Weinens und Klas gens; dann der vorigen Angit ist verges. fen, Soh. 16, 23 spricht Chriftus zu seis nen fleinmüthigen betrübten Jüngern: al ſo fou lich euer Herz freuen, und euer Freade foll in Ewigkeit niemand von euch nehmen. Apoc. 21. 4. GOtt wird ben den Glaubigen wohnen, und wird alle Thránen von ihren Augen abwi, schen, und der Tod wird nicht mehr seyn, kein 368 GOttes Beystandund Rettung. Fein Leid noch Schmerz wird da seyn. Wer nun solchen herrlichen schönen Trost zu Herzen nimmt, und in seinem Creuz und Berfolgung recht gebraucht, der kann fich in ſeinem Leiden, Trubsaal und Vers folgung am besten erfreuen, und mit St. Paulo fagen: Ich rühme mich der Trübe faal, Noiner 3, 3. fie sind mir eine Ehre und schöner Bierrath in meinem Christeni thum, darum foll es mir der Teufel und die Welt nimmer zu viel machen, ich will ihnen durch Hilf und Beystand meines hohen Schuz. Herrn und Patronen wohl gewachsen seyn, fie follen mich nicht über winden, sondern ich will sie überwinden, und das Ehrenkränzlein davon tragen, nehmlich die Krone der Gerechtigkeit, die mir geben wird der gerechte Richter, Christus Jesus, fammt allen, die feine Erscheinung lieb haben, 2 Tim. 418. Herzliches Gebet, um gnädigen Berstand im Creuz und Leiden. GOTT, schaff es, wie es dir gefällt, So lang id) leb auf dieser Welt! Dir ist bewußt mein grosses Leid, Herr, mir zu helffen sen bereit! Mein Creuz ist unverborgen Dir! Du kannst allein wohl helffen mir: Drum bitt ich dich, Du treuer GOtt, Schick doch zum besten meine Noth, Im Tod und Leben bin ich Dein, Laß ewig mich Dein eigen seyn 2 Ach €. 21.sar.es d.Böf.wohl.v.d.From.üb.gehe.369 Das XXI. Capitel. Warum es, nach dem gemeinen Weltlauf, den Bösen so wohl, und den Frommen so übel gehe. Pred. Sal. 8, 1. Es sind Gerechte, denen gehet es, als hätten sie Werke der Gott. losen: und sind Gottlose, denen gehet es, als hätten sie Werke der Gerechten. s ist allwege gewesen und wird noch bis an den Junaften Tag bleiben, daß es gemeiner Weise den Bösen in der Welt dufferlich wohl gehet, Hiob. 22, 157 Willt du der Welt Lauff achten, darinn die Ungerechten gegangen feynd? Denn es sind Gottlose, denen gehet es; als hätten sie Werke der Gerechten, im Pred. Sal. 8, 14. fie find machtig und groß, Pf. 38 20. und haben groffe Ehre auf Erden, Pf. 49. 12. sind nicht in Unglück wie andere Leute, werden auch nicht wie andere Menschen gevlaget, sondern sind glückselig in der Welt, und werden reich, Pf. 73 V. 5. 12. haben die Fülle Biob 21, 7. Sie werden alt, und nehmen zu mit Gütern, ihr Same ist sicher um fie her, und ihre Nackömmlingen find bey ihnen, ihr Haus hat Friede für der Furcht und GOttes Ruthe ist nicht über ihnen; sie werden alt bey guten Tagen, und ers #a fchrea 370 Warum es den Bösen so wohl e schrecken kaum ein Augenblick für der hi len. Jiem, Ef. 17. 14. GOrt für ihr Bauch mit seinem Gdaz. Und im 4 Psalm v. 12. Ihre Wohnungen bleib für und für, und haben groffe Ehre d Erden. Item, Pfalm 144, 3hre St ne wachsen auf wie die Pflanzen, um ihre Tochtern wie die ausgehauene der, gleichwie die Palláste; ihre Ka mern seynd voll, und kennen einen V rath nach dem andern heraus geben, un ist kein Schade kein Verlust noch Klag f ihren Gaffen. Daher sie auch nid als Kinder GOttes, sondern als frem Stinder, mit dem elenden Antheil dies ihres Lebens sich helfen müssen. Also gebet es zu in der Welt, árgsten Buben erlangen in der W die höchsie Ehre, fie sind reich, gefund von andren hoch grachtet, gehen in flat lichen Kleidern, haber mit groffen Her ren Gemeinschaft. Summa, je árger Schalk, je beffer Glück: je frömma Chrift, je groffer Unglück. Der got lose Cain ward am ersten mächtig, da er eine Stadt baute, und fein Gestled vermehret, Gen. 4, 17. Der Efau war the reich und machtig, als Jacob, un kamen gewaltige Könige von ihm, Gen 36, 31. Sodomawar Wasserreich, und Al €. 21 und den Frommen so übel gehe. 371 als ein Garten des Herrs, Gen. 13, 10. alles war vollauf bey ihnen: Nabal war reich, und groffen Vermögens, und doch boshaftig in seinem Thun, 1 Sam 25/3. Item der reiche Mann, Luc. 16, 19 hat. te alles Bollauf, und 1.bete alle Tage herrlich und in Freuden. Der Bofen find ein ganzes Land voll, der Frommen kaum ein Hand voll. In Summa die Gottlosen steigen iejo g waltig, und ist nunmehr ein grosser Mangel und Gebrechen an den Leuten, so fromm und aufrichtig befunden werden; wie hierüber der Prophet Micha klaget, am 7. cap. v. 12. Aw! es gehet mir wie einem, der im Weinberge nachliefet, da man feine Trauben findet zu essen, und wollte doch gern die besten Früchte haben, die From. men sind weg aus diesem Lande, und die Gerechten sind nicht mehr unter den Leuten. Da findet man unter hundert oder tausend fanm einen, der fromm ist. Zur Zeit der Sundfluth wurden nur adt Seelen gefunden, so dem Herrn gefielen, und demnach war der ungerech: te Cham darunter. Gen, 7, 13 In den volfreichen Städten Sodoma und Gommora fand GOtt in fünf Közigreichen nur vier fromme Herzen, dennoch wantete das eine, nehmlich des Loths WA2 Weibe 372 Warum es den Bösen so wo,€.₁1€ Weib, und ward zur Salzfáupe, Genar 19, 16. 17. Darzu spricht auch Christude felbst zu seinen Jüngern: Habe ich nigba euer zwölf erwählet, und euer einer be der Teufel? Joh. 6,70 Matth. 54/ 4id Siehe, zwo werden mahlen auf di Mühlen, eine wird angenommen, u die andere verlaffen werden, zc. Die jehde Ausfäzigen haben alle im Glauben me 2 angefangen, aber nur einer blieb befi dig, Luc. 17 15. August spricht; Di unter 10. Menschen Faum einer seba wird, weil der meiste Theil den verlenge ten Weeg gehe, und sich den Weeg Go tes nicht wolle führen noch regieren laffa G Sieran follen sich die fromme Chri nicht ärgern, daß der Frommen fo nig, sondern sich viel herzlicher freuen daß fie in dem kleinen Hauffen der From ni men befunden werden, und Got tim ten, daß fie bis ans Ende dabey behang ren mögen. TO Sprich derowegen in deinem Herzen: C Lieber GOrt, regiere mich mit deinen a Heil. Gein, daß ich fromm fey und ble be, und dir nach deinem Willen diene hilf mir, daß ich allewege sey unter den kleinen Haufen deiner glaubigen Freun den und Verwandten. Sa wann ich e ben werde, daß die Heiligen abnehmen C. 21. and den Frommen so übel gehe. 373 and der frommen wenig werden auf Er uden, so verleihe mir, daß ich mich nicht baran árgere, fondern ben deinem Wort beständig bleibe biß ans Ende! Und wenn ich der Welt Spott und Greuel bin, ſo hilff, daß ich auf dich hoffe. Denn da wirft mich zu Lob und Ehren machen in dem Lande, darinn man mich verachtet. Verleihe, daß ich zu dir schreye und von Herzen glaube, daß den Frommen das Licht aufgehe, mitten in der Finsternis, von dem barmherzigen und gnädi. gen GOtt, Pf. 112, 4. In groffen Landstraffen fiehet fich Gott der Herr nach frommen glazbigen Leuten um, die feinen Zorn, wie eine Mauer aufhalten, und wider den Niß fehen gegen ihm, für das Land, daß ers nicht verderbe, Ezech. 22,30. Darum mag man fromme Leute, die wohl beten fön nen, wol zu rathe halten, und nicht ge. ting achten, denn fie find thener für 60tt geachtet. Hebet man doch Gold aus dem Koth auf; follte man denn die Stommen und Gotfredfürchtigen, die bes er find denn Geld auch nicht ehren? Bir erfahren zwar in der Welt das Gegenspiel; wer fromm ist, und sich hriftlich hält, der geneußt fein gegen r Welt gar felten; denn Frömmig A a3 feit 10 374 Warum es den Bösen so wohl C. Frit läßt man bettlen gehen, Tyranny behält jezt den Thron. Ein unbillige Lohn wird Jofeph für seinen treun Dinst den er ganzer dreyzehen Jah lang treulich geleistet, gegeben. Der haben dörfen fromme Christen auch nes andern Lohns von der Welt erwe ten? denn sie gewinnen zu ihren getre en Dinsten gemeinniglich Haß und Neid Und kann hieher der Reim oder das g meine Spriewert gezogen werden. Recht thun hat mich betrogen, Ich thate recht, und ward belogen: Doch seynd den Herrn die Schmeichler lieb, Und stehlen mehr, denn andre Dieb. In Summa, wer fich jest nicht wil oder weißt nach der Welt Lauf zu den, der bleibt ein Stümper und Mar torer in der Welt. Denn je frommet und christlicher ein Mensch seyn will, it bitterer ihm das Leben wird; dagegen wer geschwinde; und auf alle Schalkheit gerigter, vochen, trozen, fluchen und facramenti en fann, der kommt zu Geld, Guth und Ehren, da schlägt das Glüc mir Hauffen zu: Es läuft aber zu gleichem Ende: ein frommer Mensch fan feitlio von den geschwinden Weltkin. dern berüchtiget werden, fintemal der 375 Car und den Frommen so übel gehe. Fromme von seinem eigenen Herzen ana dere Leute urtheilet, und gedenket, jeder. mann foll ohne Falsch seyn, wie er ist: darum hdlt er einen jeglichen Menschen für fromm und wahrhaftig, Treu und Glauben zu halten, wie er that; er trachter nicht nach Schaden, hat keinen Argwohn noch böfe Gedanken auf andere Leut, sondern Fehret alles zum besten, und geduldet alles; deßwegen wird er auch betrogen, man bringer ihn um das Seinige, er wird bedränget und untertretten, er wird belogen und fälschlich angegeben, man giebt ihm gute Wort aus falschem Herzen, man verlacht ihn noch zu seinem Schaden; wie Job klager lim 30. Capitel vers 1. Dagegen fegnd die Gottlofen gemeiniglich scharfsinnig und vi; findig, haben starke Erfinnen und erdenken allerley Practicken, den Krommen zu betrügen, und übers Seil zu werfen, und auf allerley subtile Weece, wie die Namen haben mögen, zu benadh heil n; und wann fie einen frommen Menschen betrogen haben, meynen sie, es fen eine Kunst und keine Sünde: Aber Chriftus fagt, Matth 7, 12 Alles was ihr wollt, as euch die Leute thun follen, das that ihr ihnen auch, das ist das Gesez und die Propheten. Dieß aber betrachten die 910 Gott. 376 Warum es den bösen so wohl. 21: Gottlosen nicht. In Summa, Jäger und Baldleute tracten dem Wildprit und Vögeln nicht mit so groffem Fleiß, noch mit so vielen Stricken nach), als die verschlagene arglistige Menschen den Einfältigen und. Frommen. Ach! wie find doch die Frommen in dieser Welt so übel daran! weil die Welt voll Bos heit ist in allen Standen, daß ein from Mensch nicht wohl kan unverlegt bleiben, weil er mitten unter den Don nen wohner. mer Wir müssen erfahren, daß es uns ge het, wie ben dem Efaia vermeldet wird; bücke dich, daß wir über ihn gehen; und lege deinen Rücken zur Erden wie eine Gaffe, das man überhinlauffe, Ef. 51,23 Die Kinder GOttes, weil sie nicht von der Welt find, so ifts bey GOLL beschloffen, daß sie die Welt haffen muß: Darum muß mans mit Gedult tragen, die Sache GOTT befehlen, der wird die Welt stürzen, und die Seinige erheben in jenem Leben. Ein frommes Herz wollte gern, daß alle Leute in der Welt fromm wären: dargegen thut ihm das weht, als wenn es geſvieffer wäre, wann un fer Christenthum verachtet wird von bo sen Leuten, und gottlose Leute die Ub berhand nehmen. Ach! C. 21 und den Frommen so übel gehe. 277 Ach es liegen die Gottfeligen jeziger Beit mitten unter den grimmigen Lo wen; wie der H. David fagt, Ef. 57, 5. S liege mit meiner Seelen unter den Löwen, die Menschen. Kinder sind Flammen, ihre Zähne find Spieffe und Pfeile, und ihre Zungen sind scharffe Schwerdter. Ferner beschreibt David ihre Person, Pf. 73, 8. 9. Sie brú. sten sich wie ein faißter Wanst, fie thun was sie nur gedenken, fie vernichten ala les, und reden übels davon, und reden, das muß vom Himmel herab geredt seyn; was sie sagen, das muß gelten auf Erden. Die bösesten Buben reiffen bald die höchste Herrlichkeit und Gewalt in der Welt zu sich; die árgsten Schålte haben das beste Glück, fie fizen in der Schmalz Gruben. Beom Gellio Noct. Art lib. 10, cap. 17. lesen wir, daß Democritus ihm selbst die Augen ausgestochen habe, darum daß er nicht sehen möchte, daß es den böfen Buben wohl gienge. Also thut es vielen Herzen wehe, und árgern sich zum heftig. sten daran, wenn sie sehen, daß oft die verzweifelsten Buben das gröffeste Glück haben und zu dem höchsten Ehrenstande erhoben seynd, und dagegen die Aller, frommesten am allerübelsten geplager, Aas und $ 378 Warum es den Bösen so wohl, G. 21 und mit dem Creuz gedruckt werden. Trübsaal im Hause des Frommen ist ei ne heimliche Barmherzigkeit Goites, gleichwie des gottlofen Glück GOttes Ana gesichts verdeckter Zorn ist. Wir Christen follen uns aber Gottes Ordnung und Weise gefallen laffen, und unserm Herrn GOTT die Waag. schale feiner Gerechtigkeit nicht aus den Handen reiffen, und dieselbe nach unfern Ginnen und Gedanken wägen. Wem nun GOttes Rath und Willen nicht ge. fällt, darum, daß er sich mit feinem Kopf nicht reimet, der ist so wenig zu hören als dieser, der eines Hauswirths Haushaltung und Hauszucht tadelt, wenn er nun über Nacht bey ihm geherberget: oder der einer Statt Regiment straffen will, und sich nur in Garfüchen und Schenkhäufern aufgehalten hat. Gleichwie ein Kind ist er, das von feines Vaters Sachen urtheilen wollte; oder ein Stallknecht, so des Raths De. cret unbilliget, fo er doch verföhnlich nicht mit in dem Rath gewesen ist, sondern al, lein feines Herrn Reit Roß oder Maul. Efel vor der Rathstuben gehalten. En wie kann der allererfahrneste Ackermann die Gelegenheit eines fremden Bodens effer wissen, als der Einheimische, der ihn 379 C. 21 und den Frommenso übel gehe. ihn sein Lebtag gepflüget? Also: was sind wir elende Menschen gegen GOtt? foute er uns in seinem Bornehmen zu Rath nehmen? so wird doch den Glanz, ja Schatten seines Antlizes nicht ertragen können. Was wissen wir denn von GOtt, denn nur so viel er sich geoffen. bahret hat? Denn wenn der Mensch GOttes Rathschläge gründlich faffen und verstehen könnte, so wäre zwischen GOTT und Menschen, und ihrer beyder An. schläge fein Unterschied; darum bedarfst du eines schönen Sonnenstrals, der die Finsterniß deines Hauvts erleuchtet. Nun ist hie die Frage; So denn die Welt durch die göttliche Vorsehung regieret wird, wie fommt es denn, daß es den Frommen übel, und den Bösen wohl gehet? Die laffer uns erstlich der Namen hat. ben überein kommen, che wir zum HauptHandel greiffen. Erstlich frage ich, welche du die Frommen, und welche du die Bösen nenneft? So du reiche, gewaltige, starke und ge. funde Leute fromm, und Reichthum, Gewalt und macht Wohlfahrt heißfest, so fehlest du weit: Sondern dieß heissen und sind die Frommen, die Tugend und Gottseligkeit, als den rechten wahrek 380 Warum es des Bösen so wohl, ren Gütern nachtrachten; und dies heiß fen die Bösen, die sich der Untugend und Lafter befleißigen. Also geben die Dinge die du böß achi test, den Frommen Anleitung zu vielen Tugenden; nehmlich ihre Armuth lehret fie eingezogen leben, ihre Niedrigkeit leha ret fie Sanftmuth, ihre Krankheit lehret fie Gedult, ihre Widerwärtigkeit lehret fie in Trübfaal und Noth zu GOtt Zu flucht haben, und nach der Erledigung andere Bedränten zu trösten und ihnen zu Hülfe zu kommen; nicht anderst, als wie ein franker ungefunder Leib und Ma gen, geſunde Speis in bis Geblüt und Feuchtigkeiten; ein gesunder Leib aber und Magen auch ungesunde Speise in gute Nahrung verwandelt. Darum sollen wir uns an der gottlos sen Glück und Wohlfahrt in dieser Welt nicht ärgern, sondern ihr End und Aus. gang betrachten. Daher der König und Provher David fagt, Pf. 73,2.3. J hátte fobier geftrauchelt mit meinen Füß fen, und meine Tritt hätten beynahe ge itten; denn es verdroß mich auf die Ruhmredigen, da ich sahe, daß es den Bottlosen so wol ging. Und im folgen. en 15. 16. 17. v. Ich gedachte ihm nach, aß ichs begreiffen möchte, aber es war 381 e.. und den Frommen so übel gehe. mi zu schwer, biß, daß ich ging ins Helligthum GOttes, und merke auf ihr Ende. Das ist: Jo gedachte hin und her mit groffem Fleiß und Ernst, was es doch für eine Gelegenheit hårte? was rum ès den Frommen so übel, und den Gottlosen so wol gieng? Aber ich konnte die Ursach in meiner Vernunfft nicht finden, biß daß ich in GOttes Heilig. thum, das ist in GOttes Wort mich umfahe, und merdte, was für ein Fi. nal und Ende es mit ihnen nehme, weil am Scheiden der Danck liegt. Nun gewinnet es aber mit den Gotta lofen ein solches Ende, wie David sagt Pf. 34, 12. Das Unglück wird den gottlosen tödten; weil er gesehen und erfah. ren, daß sie hoch erhaben werden, auf daß fie so viel tieffer und schwerer fallen müssen. Ob sichs bisweilen ansehen läffet, als schweige Gott, weil die Menschen jubi. liren, und ihr Lieblein fingen, so sollt du gedenken, daß er zu rechter Zeit wider aufwachen werde: Und wenn du siehest, wie die Gottlosen in dieser Welt pran. gen und pralen, oben aus und nirgends an wollen; dagegen wie die Frommen müssen in der Asche fizen! und über sich berlauffen laffen: So solt du wiffen, 382 Warum den Bösen so wohl, G.. daß Gott schon längst ben sich belof sen, und Anordung und Borsehung ge than habe, wie der Gottlosen Hochmut übel ablauffen, und der Frommen Elend einen fröhlichen Ausgang gewinnen folle. In mittler Weile thut dirs wehe, daß ein andrer reicher und in hörein Anse hen ist, als du; da gedencke, ob du auch mit ihm wechseln, und die geistlichen Güter und Gaben des Gemüths entrathen wolleft: und daß es viel beffer bey GOtt, als fonsten bey dem gewaltigsten Herrn auf Erden, in Gnaden stehen, und hoch sitzen. Darum laß dichs nicht irren, ob einer reich wird, und die Herrlichkeit feines Hauses groß ist, Pf. 49, 17. Wünsche dir ben Leibe der Gottlosen Herrlichkeit nicht: sie seyen so herrlich als sie wollen, so wird es doch nicht lang währen, weil fie sich um den beständigen Reichthum der Seelen nicht haben umgethan: Denn der Gottlosen Glück ist auf einen Trieb. fand und scbpl feriges Wesen gebauet. Es gehet ihnen eben, als einem der da traumet, daß er in groffen königlichen Würden size: wenn er aber erwache, fo ist Luft und Freude hinweg: also ist al. Ler Gottlosen Glück nur ein vergeblicher unnizer Traum, sie werden plezlich zu. nichte, e. 1. und den Frommenbe gehe. 383 nich, wenn sie ihr Magkerfüllet haben. Cleidwie ein Glaß erfren zerbricht, wenk es am schönsten scheinet: also auch, je gröffer Glück die Gottlosen haben; je náher fie dem Verderben find. Da. rum fagt man: Glück und Glaß, wie bald bricht das? und wenn es dem Men. fchen gefowinde glücket, das Unglück ihn gewiß redlich drücket: Siehe, das ist der Ausgang der Gottlosen zeitlichen Glücks und Wolfart. Denn je glück. licer ihre böse Anschläge für sich gehen, je groffer und schwerer Unglück ihnen auf dem Hals liegt. Ja das groffe Glück die. fer Welt, ist ein gewisser Anfang des ewigen Untergangs. Ebener maffen fagt auch Ambrofius: die tägliche Glückselig. keit und Wohlfart in den zeitlichen Gu tern, ist eine gewisse Anzeigung der ewis gen Verwerffung Und Augustinus fagt: Es ist nichts unfeligers denn die Glück. feligkeit decer, die da fündigen, welche Glückseligkeit nicht bestehen kan. Sirach fagt, Cap. 20,9. Es glücker manchem in bösen Sachen, aber es gedevet ihm zum Verderben. Sie feynd die Leute dieser Welt, welche ihr Theil haben in diesem Leben, welchen du mit deinem Schaz den Bauch füllest, P. 17, 14. O welch ein erschröcklich Wort ist diß! welche ihr Theil 384 21. Warum es den Bösen so wohl, Theil haben in dieser Welt, und amit von dem ewigen ut abgeschnitten ſeyn! O weh dem Menschen, der um furger zeitlicher Wolult willen, die ewige Freu de und Seligkeit verscherzet! Nicht wenis ger ist dis Wort in acht zu nehmen: Welchen du den Bauch fülleft mit dei nem Schaz. Die zeitliche Güter find GOttes Gaben; aber weil die Gottlosen nur Sáu sind, die allein auf den Bauch sehen, so werden ihnen die zeitlichen Güter als Eicheln zugeworffen, davon ſie nur gemástet werden, daß sie gefolach tet werden zum ewigen Berderben; wie geschrieben steht, Jer. 12, 3. Du láſfesi sie frey gehen wie Swaafe, daß sie geschlach, tet werden, und sparest fie, daß fie ge würget werden. Die Gottlosen ſeynd unfers Herrn GOttes ungerathene Stief Kinder, die richtet er bamit den Gütern dieser Welt, und weiset ihnen die Thür. Lutherus schreiber über den 23. Pfalm: Diese Kunst follen wir auch lernen, nem lich die Kunst immer lassen hin rühmen von groffem Reichthum, Ehr und Ge walt. Denn es ist doch eine lose unges wiffe vergängliche Waar, die GOtt in die Rappuse hinwirft, Es ist ihm eine schlechte Sach, daß er einem bösen Buben, der ihn zu Lohn dafür lästert und schändet, ein €. 21. und den Frommen so über gehe. 385 ein Königreich, Fürstenthum, oder sonst Ehr und Gut auf Erden gibt; es find feine Kleyen und Treber, damit er den Sauen den Bauch füllet, die er falachten will; Seinen Kindern aber giebt er den rechten und besten Schaz; so weit Lutheri Wort. Der Herr Themnitius gedenckt an ei nem Ort: GOtt hält es mit den Gott. lofen wie man es dem Mastvich pflegt zu machen. Das Leib und Hausvich das übergehen soll, das hält man mit geringem Futter hin, daß er Leibs Nahrung hab; was man aber in die Küchen will schlach. ten, dem gibt man das beste Futter, und hält es feist, daß man es erwürge, und brauche es zur Speise: Also hält GOtt die Gottlosen in dieser Welt feist, giebt ihnen voll auf; Wenn sie sich nun wol in den zeitlichen Gütern gemästet haben, so nimmt Er sie alsdann hin, und schlachtet die feisten Schweine, und wirfft fie ins höllische Feuer; denn fie, als des Teufels Mast Schweine, in diesem Bes ben mit dem reichen Mann ihren Hims mel haben; wie geschrieben steher. Luc. 6, 24. Wehe euch Reichen, denn ihr habt euren Trost dahin. Und Jac. 5, 5. Ihr habt wohl geliebt auf Erden, und euer Wollust gehabt, und euer Herz geweidet Bb als 286 Warum es den Bösen so wohl; C. als auf einen Schlacht. Tag, un Luc. 19, 25. Gedenké Corn, daß du dein Gu te, empfangen haft in deinem Leben. Daß aber die Gottlofen, so hier t grossen Ehren und Dignitäten schweben; dort so groffe, grausame, erforecklio Qual und Pein, an Leib und Seel, in Abgrund der Höllen ewig leiden sollen, folches ist der blinden thòrichten Wel tief verborgen, und ein unbegreiflich Ge heimniß. Die Frommen aber seynd un fers Herrn Gottes rechte Herzens- Kin der, die speiset er knap ab, und hält ſt eine Zeitlang fireng, aber endlich ri met Er ihnen alle himmlische Güter ein: Denn GOtt hilft seinen Glaubigen nicht allerege zur Lincken, das ist am zeitlichen, aber gewißlich zur Rechten, das ist, am ewigen Heil. Denn Gott entzeucht seinen Angehörigen allhie das Irrdische, und giebt ihnen dafür das Ewige und Himmlife. Einen frommen Mann näh ret der Himmel, einen bösen aber die Fede. Welche derowegen vom Himmel gelietet werden, dieselte sind verhaft von der Eiden. Summa, der Herr führet feine Heiligen wunderlich, Pfalm 4, 4 laffet fie gemeiniglich die allerelen defien, unglüdhaftigften und geplagi flen Leute auf Erten seyn. Die ihm Die 387 C. 21. und den Frommen fo übel gehe. die Isten Kindlein schnd, fühlen auch und beweinen ohn Unterlaß ihre Schwach. heiten, mit welchen sie beladen sind, has ben ein herzliches Berlangen nach der ewigen Seligkeit, und feufzen immer nach ihrer vollkommenen endliden Fr. lofung. Es kommt solches auch vornehm. lich her vom leidigen Eatan, von der argen bösen Welt, und ihrem ſelbst eis genen verderbten Fleisch und Blut. Der Teufel sest niemand mehr und here tiger zu auf allen Seiten, läffet auch niemand zu Tag und Nacht weniger Ruh als den Christen; so ist auch nies mand árger geplaget von der Welt, denn fromme Christen, daß es immer heiffer: Auswendig streit: inwendig Schrecken und Furcht, I Cor. 8, 5. So bleibt es wohl daben, daß Christen armselige Len te auf Erden feynd. Denn der Teufel ift sonderlich den Frommen und ihren Nacfommen, feind, und das ist auch die Ursach, daß oft frommer Leute Kin. der wenig Glück haben. Daher einer foll gesagt haben: Er frage nichts fonder. liches nach der Christen Lehr und Reli. gion, verstehe sie auch nicht, aber das wiffe er sehr wol, daß, die GOtt und dem Kapser dienen, arme elende Leute feyen. 312 Die 388 Waremed des Bösen so wohl, C. 21. Die bende heilige Märtyrer, Leon tius und Carpophorue, da sie gefraget wurden, warum sie Christen wären? was sie dabey für Glück hátten? haben fie geantwortet; Die Christen wüsten von feinem Glück: Denn wer ein Chrift seyn wollte, der müste fich zu allerley Unglück bereiten, und tåglich Thránen bred effen; denn bey den Christen heiffe es: Meine Thränen sind meine Speise Tag und Nacht, Pi. 42, 4. ihr Glück ist burveigen und Leyden. Soll es aber damit aus seyn und sollen sie ihre Hoff nung nicht ferne zu geniessen haben? Nein, das fey ferne, sonsten wäre fein elender Volk in der Welt, als Chriften. Ja es wäre beffer, sie wären niemals gebohren, oder hätten an Christum niemals geglaubt, wenn sie nach diesem Leben nichts bessers, und keine Auferstehung der Todten zu erwarten hätten. Lutherus schreibet: Die Vernunft fiehet aber das nicht, daß Gott den Ge rechten aus linglück und Llebel hilft, und über die Bösen seinen Zorn ausschüttet. Der Deil Geift heiffet uns aber nicht blos darauf ſehen, wie es den Frommen eine Beitlang gehet, ſondern auch sehen was ihnen darnach folget, und mit was Bedinge, das ich also sage, es einem so übel E. 21. und den Frommen so übel gehe. 389 übel ghe, davon im 43. Pf. v. 20 stehet: Der Gerechte muß viel leiden, aber der Herr hilfft ihm aus dem allen. Darum laffen die Heiligen nicht so bald Gottes Gebot fahren, wenn sie sehen; daß fie geplaget werden, sondern schlieffen mit dem Glauben und haltens dafür, Gott werde ja auch sie aus ihrem Unglü f und Nothen retten; Item, die Bernunft fies het auf das gegenwärtige Glück und Wold fahrt, damit läffet sie sich fangen und einnehmen, die Berheiffung aber vom gufünfftigen weißt sie ganz und gar nicht s Der Geist aber heiffet uns, daß wir das Bakünftige allein fehen sollen. Harre, spricht er, sey getroft und unverzagt, und harre des Herrn, Psalm 27, 14. Ciferig's Gebet, daß wir int Glück und Unglück beständig ausharren. Herr allmächtiger, gerechter GOtt deine Gerichte wunderlich seynd, und wir deinen Rath nicht erforschen können, so wiffen wir doch, daß deine Regierung und Gerichte recht seynd, und du nies mand unrecht thuft: Darum tragen wis billig Glück und Unglück nach deinem heis ligen Willen; hilff du aber, daß wir uns in Glud nicht erheben, und gottios were 363 den, 390 War.es. Bif.wohl.u.d.from.ub.gehe. C.22 den, im Unglück aber auch nicht verza gen, sondern in Lieb und Leid bey die bftandig bleiben biß ans Ende, durch unsern Herrn Jefum Chriftum, Amen! HERR, wie du willt, so soll mein Wil auch seyn, In Li- b und Leyd bin ich und bleibe dein, Fm Leben und im Tod, In Schmach und Ehr, arm oder reich Krank und gesund gilt alles gleich. Das XXII. Capitel. Wie viel höher die Frommen in ihrem Unglück, als die Gottlosen ihrem Glück für GOtt ges achtet sind. Mfalm 18, 36 Wenn du mich demüthigest, machest du mich groß. Ch wie find doch die Glaubigen und Fremmen so hoch angesehen, und geachtet für GOtt dem Herrn in ih rem Elend und Unglück! Aber wie Un. glückflia seynd für GOtt diejenigen, wiche für der Welt glückselig gefcházet werden. In jenem Leben wird alle Welt sehen und erkennen, daß eben diese techre Orres Kinder seynd, welche in dieser Welt die allerunwertheften und ver achtesten seyn und heiffen müsfen, sie fe yard 5:22. als die Gottlofen in ihrem Blük. 398 feynd e verachtet dort aber werden fie desto mehr geehrer und desto höher geach. tet werden. Die Welt ist als ein Meer, daffelbe leidet nur in sich, was lebendig ist, alles was tod und gestorben, wirfiz es aus: Also, wer der Welt abgestorben, welchen die Welt gecreuziget, den wirfft und stoffet sie aus; die andern so sich ihr gleichstellen, mit ihr in Geiz und Fleis fdes Brüsten, in Hoffart leben, die seynd ihre liebe Kinder. Es ist nichts Berächtlichers vor der Welt, als das Leben eines Christen, Joh. 12, 5. ftehet geschrieben; Der Gerechte und Fromme muß verlacht seyn, und ist ein verachtetes Lichtlein für den Gedanken der Stolzen. Job foreibet von sich selbst Cap. 30, 9. Jd bin ihr Saitenspiel worden, und muß ihr Mährlein feyn. Ja es ift nichts gemeiners in der Welt, denn das fromme Leute von den gottlosen Baben veracter, verfolger und verspottet werden, darum daß sie sich der Welt und ihrem Prinzen nicht gleich stellen, sondern halten sich n ihrem Erbherrn Jefu Christo, dem fie in der Tauff gehuldiger und geschworen baben. Es ist le folch Berachten nichts anders, denn ein gewisses Zeichen, daß wir nicht mehr von der Welt seond, fonsten wurde die Welt das ihre lieb haben. 364 Darum 392 die Freumen in ihrem Unglück höher, C'n, Darum soll ein Christ an der Welt Vers adetung fich nicht fehren, auch mit Welt Kindern keine Gemeinschaft machen, son dern die Regut Jacobi bedenken: Der Welt Freundschaft ist GOttes Feind twaft, Cap 4, 4. Und die Regul St. Pan li. Wenn ich der Welt gefallen wollte, so wäre ich Christus Diener nicht, Gal 1, 10. Bie nun dieses eine groffe Sünde ist, die Gottlosen hoch achten, und ihre Freundschaft begehren; Also ist diß aud eine groffe Sünde, einen frommen gett fürchtigen Menschen nicht ehren, lieben und seine Freundschaft begehren, sondern verachten, und schimpflich von ihm ro den, darum daß er arm, und so weltweis nicht ist, au man seiner nicht genies fen fan, wie des gottlofen Reichen. O du blindes Welt Kind! du weist nicht, wie hoch GOtt felbft einen Gottesfürch tige hålt, ja weit über alles was in der Welt herrlich ist; denn der Herr hat einen Gefallen an denen die ihn fürchten Pf. 147, II. Konige und Fürsten seynd groß, fagt Sirach; Aber so groß sind sie nicht, als der, fo GOtt fürchtet, C. 10, 27. ($ 3 find aber fromme Kinder GOttes auf Erden fo tief verborgen, und ist so gae eine dicke Haut über der Gottlosen Au SCH C 22. als die Gottlosen in ihrem Glück. 393 gen ge ogen, daß fie GOttes Kinder nicht erkennen, ja fie sind gleichwie mit Mift oder andern Koth gar überschüttet, daß fie niemand sehen kan. Auf der Welt haben die Frommen keinen Namen, niemand will fie fennen, jedermann duffert und schámet sich ihrer, wenn sie gleich Bekandte und Blutsverwandten find: für GOtt aber und den Heil. Engeln haben sie einen groffen Namen und ewigen Ruhmm. Wie. derum die Welt Kinder haben für der Welt groffe Titul und Namen, für GOtt aber sind sie nichts geachtet; denn der heilige Geist haffer die grosse Titul und Namen der Menschen; die Frommen aber, fo für der Welt verachtet seynd, hat GOtt fürtreflich lieb, darum daß sie ihn auch von Herzen wiederum lieben, und solche Liebe gegen ihn mit der That beweisen. Deswegen sehe ein jeder zu daß er fromme Leute nicht betrübe; und følte man lieber die ganze Welt ergürnen, als einen frommen Christen, der herzlich beten kan; und wehe dem Menschen, der Urfach darzu giebt, daß ein frommer Chrift über ihn feufzet! O! es ist nicht ein schlecht gemein Ding um einen rechten Christen, wie die blinde Welt mennet, sondern ein 365 from $ 94 bie Frokumen in ihrem Unglück höher, C.. frommer Christen ist das edelste Scirod auf Erden welche GOtt lieben, feynd mehr dann tausend Welt, und ein feltener Bogel und gleichsam ein groß Miracul und Wunder. Werk. So lieb und werth nun fromme Christen bey Gott dem HERRN seynd, so unwerth und ver achtet sind dagegen die Gottlosen bey ihm. David fagt, Pfalm I, 4. daß die Gottlosen seyn wie die Spreu, das find Hülsen und unnüz Gemose, Staub und Roth so von den Bäumen abfällt, wo um der Säuberung der Bäume wil len abgehauen wird, welches man auf die Gaffen schüttet, wenn man die Gar ten reiniget, welches zu Koth wird: So seynd die Gotttofen. Sie lernen wir, wie gering die Gottlosen für Go tes Augen geachtet feynd, ob sie wol für der Welt so groß sind, und einen groffen Namen haben, so find sie dod ganz unwerth und gering für Gott, dar um daß fie feine Gottesfurcht haben. Denn nichts ist zu groß für GOtt Augen, als einer, der GOtt fürchtet. Summa, Gettesfurcht macht groß für GOtt, für GOTT werden alle Men fchen nach dem innerlichen Grund des Herzens geurtheilet. Ist nun Gotte furcht im Herzen, nehmlich wahre Buz 22. 395 als die Gottlosen in ihrem Click. Bus, Glauben und Demuth, so ift daffelbe Herz für GOtt köntlich und gut geachtet, und wenn es auch für der Welt der allerverachteste unwerthefte Mensch wäre, als der arme Lazarus, Luc. 16. Schet, wie verachtet er auch für der Welt war! Hinwiederum ist der Menfch gleich noch so herrlich und glüf. felig in der Welt, und hat keine Gota tesfurcht, so ift er mit aller seiner Herrs lichkeit für GOtt ein lauterer Roth und Unflath: dann GOtt urtheilet nach dem Herzen und was für der Welt hoch ist, das ist für GOtt ein Greuel. Darum stehet Efa. 5,26. Pf. 18/44. Pf. 33, 11. Der Gottlose ist wie ein Koth auf der Gaffen. Jtem Pfalm 119, 119. Du wirffest die Gottlofen weg wie Schlacken. Und ist der Gottlofen Glückseligkeit und Reichthum für GOttes Augen nicht anderst als ein groffer Spreuhauffen, wenn der Wind drein bläset so spies let er damit in der Lufft. Was nun in dieser Welt von den Gottlosen vernichtet und verachtet wird und die Welt als eine unzeitige Fruct weg wirft, das nimmt Chriftus an, als feine liebste Kinderlein. Sind wir hie in dieser Welt die Lezten, dort wollen wir die Ersten seyn, Mat. 22, 16. fennd heir 396 die Froremen in ihrem Unglück höher, C. n wir hie verachtet, dort sollen wir geeh ret werden, das ehret GOtt. Gleichwie die Welt alles thut das wider GOtt ist: Also thut GOtt alles was wider die Welt ist; was die Welt verachtet, das ehret GOtt; was die Welt haffet, das lieber GOtt; was die Welt verflucht, das fegnet GOtt; was die Welt ver wirfft, das nimmt GOtt auf; was die Welt unterdrückt, das erhält GOtt: was die Welt verdammt, das macht Gott felig. Derowegen drgere fich niemand, wenn er sicher, daß die Frömmesten immer die geplagtesten Leute in der Welt feynd, im Himmel soll es besser werden. Dennje verachter die Frommen in dieser Welt fenn, so vielmehr werden sich die Gott lofen die sie allhie verachtet und verfdb get haben, an jenem Tage über ihre Geligkeit, der sie sich nicht versehen hat ten, zu verwundern haben; wie gefchrie ben steht, Cap. 5, I. feqq. Älsdann wird der Gerechte stehen mit groffer Freudigkeit, wider die, so ihn geångftet, und seine Arbeit verworffen haben. Wenn fie nun solches sehen, werden fie grau fam erschrecken für solcher Seligkeit, des ren sie sich nicht versehen hät on, und werden untereinander reden mit Reu, MOD C. 22. die Frommen in ihrem Click. 397 und Für Angst des Geistes seufzen: Das ist der, welchen wir etwa für ei. nen. Spott hielten, und für ein höh nisch Beyspiel, wir Narren hielten sein Leben für unsinnig und sein Ende für Schande; Wie ist er nun gezehlet una ter die Kinder GOttes, und fein Erbe ist unter den Heiligen? Darum so haben wir des rechten Wegs gefehlet, und das Licht der Gerechtigkeit hat uns nicht gefcheinet, und die Sonne ist uns nicht aufgegangen; wir sind eitel unrecht und schädliche Wege gangen, und haben ges wandelt wüfte Umwege: Aber des Herrn Herrn Wege baben wir nicht gewußt. Was hilft uns nun unfer Pracht, was bringet uns unfer Reichthum samt dem Hochmuth? Es ist alles dahin gefahren als ein Schatten iſt alles Ein närrischer Mensch müste der seyn, der viel tausend Gülden zum Erbtheil zu erwarten hátte: und er verkauffte desselben Anwartung um ein bloß klein Geld, das er verschlemmet und darnach die Zeit feines Lebens jammerlich ver. derben müßte: Viel närrischer aver find die Gottlosen, die für das himmliſche ewige Erbe das augenblickliche, nichtige Guth dieser Welt erwählen, sich darauf ibres Antheils am Himmel begeben, und 398 die Frymmen in ihrem Unglück höher, E.n ihr Leib und Seel allen Teuffeln ewig au martern und zu quälen unterwerffen. Darum laffet uns nur ein solch gut Theil erwählen, das von uns nicht ge nommen wird, Luc. 10, 42 sondern und nachfolget ins ewige Leben, und laßt die Gottlosen ihr Theil und Bescheid hie haben. Wenn ich nur ein Weltkind wäre, so wäre ich nicht GOttes Kind, sondern gehörte unter die fremde Kinder, und hátte auch mein Antheil in dieser Welt, und kein Antheil am Erbgut Gottes und der ewigen Geligkeit: Ja ich würde gar von GOTT dem Herrn abkommen, und zum Teuffel und seinen Kindern gehö ren, dafür mich GOTT gnädig behüten und bewahren wolle. Die Gottlosen haben nichts im Him mel, fo follen die Frommen nichts mit den Bösen auf Erden haben: Haben die Frommen hie nichts, oder gar wenig, so sollen sie doch im Himmel alles ha ben: Der Gottlosen Thun ist nur auf das Irrdische gerichtet; sie wenden mehr Fleis an wie sie nur reich, als wie fit mögen selig werden; fie haben lieber die Ehre bey den Menschen, denn die Ehre bey GOtt, Joh. 12. 43. Aber die From men verachten die irrdischen, und han gen €. 22 als die Gottlofen in threm Glück. 399 gen an den himmlischen Gâtern. Det Gottlose freuet fich in weltlicher Pracht, der Glaubige freuet sich in sei. ner Trübsaal: Denn die weltliche Freude wird in guten Tagen gebohren, die himmlische Freude aber in Trübsal: wie Christus spricht, Joh. 16, 20. 3hr wers det weinen und heulen, aber die Welt wird sich freuen, ihr aber werdet traurig seyn, doch eure Traurigkeit soll in Freu de verkehret werden; 2 Tim 3, 12. Alle die gottselig leben wollen in Christo Je sa, die müssen Verfolgung leiden. Abel war fromm und aufrichrig, und ward doch von seinem Bruder Cain er. schlagen, Gen. 4/ 9. Auch mußte Jacob für feinem Bruder Esau fliehen, Genef. 27, 42. Joseph ward von seinen Brüs dern in die Gruben geworfen, Gen. 37, 23. Mofes auf Erden, für alten andern Menschen, Num, 12, 3. David schreiber von sich selbst: Ich bin zu Leiden gemacht Pfalm 39, 18. Es hat mich umgeben Leis den ohne Zahl, Pf. 40, 13. Wer ist fremmer gewesen im ganzen Lande, als Job? Wem hat es übeler gangen im ganzen Lande, als ihm? wie er selber fagt: Wenn man meinen Jammer wage, und mein Leyden zusammen in eine Was ge legte, so würde es werer form, ICHA 400 die Fremmen in ihrem Unglück höher C.n denn Sand am Meer, Job. 6, 1.2. St nicht Jacob ein herzfrommer Mann ge wesen? noch ist er immerdar ein elendes Querholz auf Erden. Dem lieben Jo feph sahen alle Tagenden zu den Augen heraus, nichts desto weniger mußt e bitter Wasser die Fülle haben in feinen jungen Jahren. Der alte Tobias war arm und blind, Tob. 2, 11. Lazarus lag voller Schweren arm und elend, Lut 13/ 20. 1 Cor. 11. und 12. erzehlet Pan lus feine vielfältige Trübfal. Já, Gott hat das Creuz feinem Heiligen in der Welt gesparet, die frommen Christen haben in dieser Welt ihr Fegfeuer, das beste wird ihnen im Himmel gespahret. Es heißt doch: Je gröffer Heiliger, fowerer Creuz; je lieber GOtt, je groß Ser Noth. Die getreusten im Hauk GOttes feynd gemeiniglich die allerge plagtesten, damit sie dieses Lebens fatt und überdrüßig werden, und ein herz lich Verlangen nach dem Ewigen haben, da ihr Herzelend in ewige Freud wird ver wandelt werden. Darum sollen sie sich an der Welt Verachtung u. Verfolgung nicht tehren; find fie gleich für der Welt schab ab und verachtet, so haben sie doch einen gnádi gen GOtt, und sind bey ihrem himmlischen Bater in desto höherm Ansehen u. Ehre Wer E.22. als die Gottlosen in ihrem& uck, 401 Wer für Gott will groß feyn, der muß für der Welt klein feyn: je kleiner für der Welt, je gröffer für GOtt; und je groffer für der Welt, je kleiner für GOtt. Christen find groffe Leute für GOtt, ob sie für der Welt noch so gering seyn. In der Menschen Augen groß feyn. ist nichts, und währer eine kleine Zeit; aber für GOtt groß feyn, das währet ewig: denn die Menschen sehen nur an den dusserlichen Menschen, aber Gott fihet das Herz an. Gott ist so freund. lich, wenn er arme betrübte Leute fles het, da wendet er sich hin: fintemal er lebet und webet in ihnen, und wird mit ihnen ein Geist, und ein Herz, hungert mit ihnen, weinet mit ihnen, ist frank mit ihnen, wird mit ihnen verfolget. Derowegen je elender und verachtet du in deinem Herzen bist, ie lieber du GOtt bist, und je gnädiger er dich an. fithet; Den GOttes Ansehen ist nicht wie ein Mensch einen ansiehet, davon man feine Kraft empfindet; sondern GOttes Ansehen ist eitel Kraft, Hülfe, Leben und Troft, und eines solchen Ansehens ist ein elendes, glaubiges Hers fähig und theilhaftig. Man 402 Die Frimmen in ihrem Unglück höher, C. Man spricht jest: Hilf GOtt! wie reid und wie machtig ist der Mann. Aber wie fanftmüthig demüthig, gedultig und andächtig er sey, das sagt man nicht. Al fiehet man nur den Menschen von aussen an; aber das innwendige, so das edelste und beste ist siehet man nicht an. O nun wol GOtt zuläffer, daß fromme Le te zuweilen straucheln und fallen, fo folt du wissen, wenn er solche Fälle de Frommen also anfchiket, daß sie dadurc zur Befferung ihres Lebens, und gröffer Liebe der Gottseligkeit angeleitet und ge bracht werden; also wird die Sünde selbs in den Frommen zu ihrem Heyl gewandt. Warlich wenn GOtt allezeit mit feint Hand über uns hielte, so würden wit Feinmal ftrauchlen noch fallen, sondern würdens dafür halten, als hätten wir d aus unsern Kräften und Bermögen, und waren so stark, daß wir seiner Hülf und Beystandes durchaus nicht bedürfen; welches nicht allein gestrauchelt, sondern einen schweren Fall gethan heiffet. Auf daß wir aber uns unserer Schwad heit, in deren GOtt kräftig ist, erinnern, laffet uns GOtt bisweilen alleine stehen, da finken wir dann dahin; dieses Schaft in uns so viel, daß wir GOtt anschrey en, daß er uns seine Gnaden. Hand bie ten C. 22 als die Gottlosen in ihrem Glück. 405 ten molle, die uns wieder aufhelfe, lei. te und führe. So wird nun zu Zeiten zu ficher und zu vermessen seyn, läffet uns GOtt eis nen Fall thun: Er hänget aber an den Sall Reu, Schmerzen und Leid, daß wir die Sünde erkennen und meiden lernen. Gleichwie ein Vater, wenn ein Kindlein den Finger an ein Licht hält, zuläffet, daß es sich ein wenig verbren. ne; auf daß es sich für dem Feuer his ten lerne; solches verhütet dem Kinde, daß es sich nicht weiter und árger vers brenne am Angesicht oder Leibe. Erema pel haben wir an David und Petro, welchen ihre Fälle zur Buffe und Be tehrung gedienet; und ist kein Zweifel, daß auch die Heyden haben wahrgenom men, daß Strauchlen und Fallen dem Menschen Urfach gebe fürsichtiger und tugendfamer zu handlen und wandlen. Darum laffet es uns nicht verdriessen wenn wir sehen, daß es Gottlosen wohl gehet, es ist ihnen böß und nicht gut: Hinwiederum soll es uns auch nicht be. trüben und irren, fo es den Frommen übel gehet, es ist ihnen gut, und nicht bos. Lasset uns auch die After Güter Der Bosen, als Reichthum, Gewalt, Stárke, nicht irr machen, sie dienen ihs ( 12 S 404 die Frommen in ihrem Unglück höher, C. 22 nen zu Sünden und zu Scanden Las fet und über der Frommen Straucheln und Sallen nicht betrüben, sie werden dadurch zu allen guten Tugenden geleitet. Bist du unter der Zahl der Frommen, To betrachte, wie viel bofes du unterlas fen hast, weil dir die zeitlichen Güter haben gemangelt; wie viel Nuzen, das Bose und die Biberwártiakeit, so du er litten hast, bey dir geschaffet; wie oft du das gewünschet und begehret hast, das bir schädlich gewesen wäre wie manchmal du bey guter Fürsichtigkeit dennoch der rechten Straffen gefehlet, und doch unver sehens und unverhofter Dinge wiederum auf die rechte Bahn kommen biſt. glauben Wer dieses fleißig wahrnehmen, und in Acht halten wird, der wird ohn len Zweifel richtig bekennen, und bezeugen, daß alle menschliche So den, ja das ganze menschliche Leben und Wesen, Handel und Wandel allenthal ben durch die göttliche Vorfehung, weide lich und machtig ergieret werde. Hoch begieriges Antangen, daß GOtt uns wolle aufnehmen, wenn uns die Welt verlåffet. 5" n treuer Heyland, Herr JESU Chrifte, deine bestandige Treu und Gunst walte über mich und die Meinen in 3 €.22. als die Gottlosen in ihrem Glück. 405 in Emigkeit! O Herr! weil ich von der Weit vergessen und verlassen bin, so gea dence du an mich, und verlaß mich nicht! bekümmere dich um mich! je mehr mich die Welt neidet, je mehr wolleft du mich trösten: je weniger die Welt von mir hält, je mehr Ehre du mich mit deinem Segen. Und wann ich von der Welt verlaffen bin, so nimm du mich in deine Freundschaft, und gib, Herr Jesu, daß deines Namens Ehre ben uns Elenden, und in der Welt un werthen Leuten, groß geachtet werde Amen. Wenn mir die Welt zuwider ist, Bleibst Du mein Freund HERR JEsu Chrift! Das XXIII. Capitel. Unterricht und Trost, in Verlust der zeitlichen Güter. * Tim. 6, 6. 7. Es ist ein groffer Gewinn, wer gottfelig ist, und läßt ihm genügen. Denn wir haben nichts in die Welt ges bracht, darum offenbar ist, wir werden auch nichts hinaus bringen. W3 thun GOTT, unrecht, und erzürnen daß wir uns um Verlust zeits @ c3 406 Unterricht und Trost geitlider Güter frånken und qualen, die uns GOtt, als ein geliehen und vertrau et Gut untergeben, und uns zu Haus haltern darüber gesest. Derowegen hat er ja guten Fug und Recht, dieselbe ja das Leben selbst, nach seinem Willen und Wolgefallen wieder abzufordern: Alſo follen wir nicht ungedultig werden, wenn Er durch ein Unglück doffelbe von uns abfordert, was er uns durch das Glük bescheret hat, und unser niemal gewesen ist: Gondern wir follen vielmehr mit Job beten, und sagen: Haben wir Gu tes empfangen von GOtt, und solten. das Böse auch nicht annehmen? Job. 2, 10. llnd abermal: Der Herr hats ge geben, der Herr hats genommen, als es dem Herrn gefallen, so ists geſche hen, der Name des Herrn fen gelobet. In diesem allen fündigte Job nicht, und that nichts thörliches wider GOtt, Job. I, 22. Zum Erempel: Wenn ein Jubilirer dir ein edles wolgemachtes Kleinod eine Beitlang leihere, er aber das seine her nach wieder abforderte, woltest du dich darum so hoch bekümmern? woltest du darum sauer sehen, und mit ihm zürz nen, oder mit ihm darum rechten, daß er das seine wiederum abforderte? Viel mehe €. 23 €. 23. in Berlust der zeitlichen Güter. 407 mehr foltest du ihm danken, daß du es fo lange gebraucht hast. Vielleicht haſt du auch so getreulich nach GOttes Wila len nicht hausgehalten, oder es haben wol folche zeitliche Güter dir am Ewigen hinderlich feyn können? auch nimmt Gott unsere Fresheiten, weil wir dere felben haben zum Muthwillen mißbraucht. GOtt entzeucht die Nahrung, und läffet uns in Armut gerathen; nicht daß er uns das gónne, denn das ist seine Lust, das er Gutes thun foll; auch nicht, daß er so arm fey, und es nicht vermöge: Ach nein, Himmel und Erden, und alles ist fein; sondern daß unser alter Mensch das durch Zaumrecht werde, sich nicht in Wollust flechte, zeitlich Gut nicht zum Abgott mache, den Goldklumpen nicht zur Zuversicht stelle, und sage: Du biſt mein Trost, Joh. 31, 24. Dann Verlust und Schaden ist ein recht Pflaster über die Wunden, wo Strafe und Wort nicht helfen wollen. Denn irrdischer Reichthum wendet den Menschen von Gott ab, aber Armuth und Dürftigkeit führet ihn zu Gott. Augus ftinus sagt: Wegen des zeitlichen vergånlia Chen Geldes und Gewinits, thun ihnen die Menschen Kinder einen groffen unwieder. bringlichen Schaden in ihrem Gewissen ( 14 Du Unterricht und Trost. € 23. Derohalben, wer uns schaden zufüget, und Ursach zu unser Armuth giebt, de thut uns mehr Gutes, als wenn er und ein ganzes Königreich voller irrdischen Güter schenkte, fintemal Er uns wide unfern Willen zu GOtt treibet. Denn was seynd die Menschen und Creaturen anders, denn Instrumente und Werk zeuge GOttes? deren Dinfis fich Gon gebraucht zu unserer Straf und Best rung: nicht anderst, als wie ein Vater der Ruthen, damit er seine Kinder züch tiget. 408 Man fagt, daß die Perfier, wann sit einem fürtreflichen hohen Mann die höchste Straf anlegen wollen, demfelben fein Kleid und königl. Hut abziehen, und denselben aufhängen und schlagen, als wenn es ein Mensch wäre: Eben augst thut unser himmlischer Vater mit uns, welcher in aller Züchtigung nicht uns, angreift, sondern unfern Leib, Necker, Guter und alles Auswendige. Diese Strafen fennd nun um ans, und nicht in uns, und gehen nur den Leib und die Güter, und nicht das innwendige Ge much an. Drum befehle GOtt alles, Er weiß am allerbesten; wie er dich zur Selig keit führen soll, durch Reichthum oder Are Er. vera C. 23. in Verlust der zeitlichen Güter. 409 Armuth, durch Ehre oder Schande. Ein Arst weiß am allerbesten, was einem Kranken zu Erlangung der Gesundheit dienlich, bittere Tränke oder füffe Labfal. Ergib dich GOtt ganz und gar, welcher sich selbst unfern Arzt nennet. 15, 26. Wenn du franc wirst, so beut dir der Leib. Arzt zu mehrmalen die Speise, die du zuvor isfest, schreibet dir gewisse Ordnung für, wie du dich mit Effen und Trinken, und andern äuss ferlichen Dingen verhalten folt, verschrán. det dir alle Ergöglichkeit; Dem gehor. dest du willig und gern, und sperreft dich nicht dagegen; denx er hat dir das Was fer besehen, und den Puls begriffen. O du elender Mensch! folt du denn nicht vielmehr gehorsam feyn dem allerhöchsten GOtt, der dich geschaffen und gebildet hat? Golte dieser Herr, der den Puls deiner Seelen von Ewigkeit her geprüfet hat, nicht macht haben, dir deine zeitliche Güter zu entziehen, davon du härrest können verderbt wera den? so er doch dich und sie geschaffen hat. Aber es thut die wehe, daß die Gott deine, und nicht andern mehr, ihre Güter genommen? Ey lieber, fage mir, wie kommts, daß der Arzt dir oft viel sine stärkere Arzney eingeben, und die 615 eine 410 Unterricht und Trost eine stärkere Purgation anordnen muß als einem andern? also findet man aud Leute, die durch einen schlechten gerin gen Schaden zur Bekehrung zu GOE zu bewegen: da ein ander durch groffim Brandschaden, Verlust seiner Güter, oder Gefängniß nicht zu gewinnen: G denn um die Dinge, die du böse nennes, heilwärtige Mittel und Arzneyen sind, nicht unbillich, daß solche Arzneyen aud nach Gelegenheit der Patienten gebraud werden; Trauest du dir doch in leibli den Krankheiten je felber nicht, sondern brauchst anderer verständiger Leute Nath: gleicher Gestalt ist es auch gethan mil biesem und jenem, da einem um eben mágigen Verbrechens willen mehr Zig tigung bedarf als andere, und weiß Got am besten, was einem und dem andern nuz und gut ist. Mancher Mensch, wann er nicht stets unter der Ruthen gehalten, so wird er stolz und übermüthig: Dage gen will ein andrer bald durch die Erden fallen, wenn ihm GOtt die Ruthe ze get; ein andrer will oben aus, wenn ihm ein wenig zu wohl ist, und er nicht zu Haus Verfolgung, Armuth und Wi de rwärtigkeit leidet; Ein andrer ift fried lich und still, wartet seines Berufs, life set sich an dem Geringen, so ihm Gott bea C. 43 023 in Verlust der zeitlichen Güter. 411 bescheret, wol genügen. Also gehet es auch mit den Bäumen und Kräuter. Gea wachsen zu, etliche muß man düngen, etliche umgraben, etliche benpfropfen, daß fie aus wilder Art milde werden, etliche mus man gar abhauen; diß alles läffet ihm ein fleißiger Baumgartner ans gelegen feyn; aber wenn ein Kind eine folche felzame Arbeit treiben fiehet, vera wundert es sich darüber: Wer aber der Bäume und Kräuter Gelegenheit weiß, der verlacht des Kindes Unverstand a und den bescheidenen Gärtner. Gleichwie man den Vogeln die Fei dern abschneidet, wenn sie so hoch, oder zu weit fliegen wollen: Also verringert GOtt oft unfern Reichthum: Ansehen, Chre und Gewalt, auf daß wir uns der Gaben nicht überheben. Also weißt der allwissende GOtt auch am besten, wann und zu welchem Ende Er uns mit Ar. muth und Verlust zeitlicher Güter heima suchet; nehmlich nicht zu unserm Schaden und Untergang, sondern zur Befördera ung unserer Seligkeit; denn, was uns am jeitlichen abgehet, das gehet uns deſto häufiger am Ewigen zu. Derowegen las fahren, was nicht bleiben kan, und zer. gänglich ist; es schader nicht, daß du dein Geld und Gut verlohren hast, wenns 412 Unterricht und Troft.€ 21. nur dich nicht verlohren und verderbe hat. Seneca spricht, Vielleicht hätten deine Güter, die die GOtt genommen wenn du sie behalten hättest, dich unferm Herrn GOtt genommen, und dich vo ihm abgewandt. Lieber, wie oft h du deinem Kinde das Meffer, damit fich hätte beschadigen können, ungeacht feines Beinens, genommen? Bedende wenn du ein Kindlein entwehnest, w du es mit ihm meyneft, feindlich ode väterlich? Ob du es thuft dem Kindl zum Schaden oder Frommen? Und b wilt dich verwundern, daß dir GO läffet deine Güter auf der Meerfahr dieser Welt versincken und ertrinden Die Gestalt des Geldes ist schädlich, fein Schein der Menschen Gift, wit eine Schlang mit güldenen Schuppen gleiffer. Darum freue dich, daß es nu hin ist; das dich schädlich vergiften un verderben möchte: Hat dich aber Gift ein wenig berühret, so wiffe, das alle Ursach aufgehebt, dich weiter zu ve giften; Die, fo rebr klug find, zehlen Gold und Silber nicht unter rechtsch fene Güter, sondern nur allein die garten Herzens und die weiches Ge müths sind. Cicero spricht: Nichts chr lichers, nichts großmuthigers ist, denn Geld 23. in Verlust der zeitlichen Güter. 413 Geld können verachten; wie uns der teutsche Reim lehret. Wer Schaden leidt an seinem Gut. Der trag und hab ein stolzen Muth, Ob das vergänglich Guth hinfällt, Gnug, wenn er das Ewig erhält, Darum sey unverzagt in Mangel der zeitlichen Güter: Denn Welt ift Welt Geld ist Geld; wol dem, der dich Herr Sefu, im Herzen behält! Bin ich um meine zeitliche Güter kommen, so habe ich noch meinen Herrn Jesum in meis nem Herzen, mit einem heiligen Namen, den höchsten Schaz soll mir der Teufel nicht nehmen. Ob nun gleich die Gerechten oft zeit. liche Traurigkeit haben, wegen Berlust zeitlicher Güter, zeitliche Ehre und Wolfahrt, so erfreuet fie doch wieder der cwige Reichthum; ob sie gleich der Vera luft zeitlicher Ehre betrübt, so erfreuet fie doch die himmlische Ehre; Darum ist der Christen Freude über alle Freude: Und ob sie gleich um Berlust zeitlicher Güter betrübt werden, so ists doch nur eine zeitliche Betrübnis, welche durch dle himmlische Güter gelindert, und end, lich überwunden wird. Die Gottlosen aber, wenn sie durch Berlust zeitlicher Ehre und Gut betrüber werden, ver. zwei 414 Unterricht und Trost, €.23 gweifeln sie, und machen, daß aus ihre zeitlichen Betrübniß eine ewige Betrüb viß und Herzeleid wird, weil sie thre rechte Herzens Freude nicht am eivigen Gut gehabt haben. Wir wissen aus GOttes Wort, daß wir um einig zeitlich Unglück oder Scha den nicht, sondern sehlecht und allein um unser Sünde trauren sollen; weil wir alles was zeitlich ist, ja auch unser eigen Leib und Leben laffen müssen, wo wit anders follen und wollen des ewigen Le bens, darzu wir geschaffen und beruffen, theilhaftig werden. Solches hat Chri stus unser Heyland, mit diesem Spruc genugsam zu verstehen gegeben, da sagt: Fürchtet euch nicht für denen, die den Leib tödten, aber die Seele nicht mo gen tödten, Mat. 10, 28. Nun aber hat der Mensch nach der Seelen kein besſer natürlich Gut, denn sein Leib und ben; darum ihm auch fein gröffer Unglüud mag geschehen, denn da ihm Leib und Leben genommen wird; sintemal ihm mit demselben genommen werden alle Güter, die er auf Erden gehabt, oder hatte bekommen mögen. Soll nun ein Chrift fich fürchten noch traurig werden, da er muß Leib und Leben verlassen; viel weniger soll er trauren um andere gerina gere €. 23. in Verlust der zeitlichen Güter. 415 gere Schaden, als Versportung, Schel tung, Berfolgung, übnehmung und Verderbung seiner Güter; noch auch um gemeinen Schaden, als da ist Krieg Hunger, Pestilenz, Lingewitter und der gleichen auch um feines Unglücks, Schas dens oder Absterbens willen unserer Eltern, Kinder, Brüder, Schwestern, Ver. wandten, Jungen und Alten, Reichen und Armen. Denn da man das Ende aller solcher Schäden recht zu Gedanken nimmt, find dieselben theils den Menschen zu Nuz und gut, theils dem allmách. tigen GOtt zu Ehren gerichtet. Des Menschen Nuz, den er daraus empfähet, ist Ablegung und Bezahlung der wohls verdienten Strafen, Bezwingung der Hoffart, Annehmung der Demuth, Abhaltung von vielen Sünden, und Be. wahrung für schweren folgenden Schá. den; lezlich Bewährung der Gedult in Frommen und Unschuldigen, wie die Frommen von Job und Tobia bezeugen: Was anlangt die Ehre GOttes, die durch Bufügung solcher Schäden geschaffen wird, wissen wir Christen wohl, das fein Unglück oder Schade uns wiederfah ren mag, es wolle es denen GOTE auß feinem gerechten Urtheil also haben, ist auch ein Unglück in der Stadt, das der Herr 416 Unterricht und Troft. C.23 Herr nicht thue? spricht Amos, c. 3/7 Derohalben durch Schaden erzeiget er, daß er sey gerecht, und feine Sünde noch Ungerechtigkeit wolle ungestraft laffen; Darneben zeiget er auch in den Strafen feine groffe Barmherzigkeit, daß er und arme Sünder, da er und unserm Ver brechen nach wohl härter und ernstlicher könnte und folte strafen. dennoch so mild und vátterlich nur züchtiget. Folget hieraus, daß ein Christen Mensch nicht Urfach habe, um einiges zeitliches Unglück oder Schaden zu traus ren, fintemal da ers recht bedenkfet, und ben sich im Herzen Christlich erweget, ihme ob folchem Unglük mehr Nuz denn Schaden erfolget. Denn je mehr er hi in dieser Welt Unglück gedultig leidet und hält, ie gröffern Trost, Freude und Be lohnung er im künftigen Leben zu ge warten hat, und auch erlangen wird. Selig find die da Leid tragen, sagt der HERR Chriftus selbst, Matth. 5,4 denn sie sollen getröstet werden. Und darum sollen wir Christen in allem zeitli then Unglück uns mehr erfreuen denn be trüben, oder darüber trauren; Und es wol wegen menschlicher Schwachheit oder Blödigkeit, selten ohne Betrübniß und Traurigkeit abgehet, jedoch ie wents €. 23. in Verlust der zeitlichen Güter 417 ger und stiller solches geschicht, je christ. lider und rühmliber es ist; denn die natürlichen Affecten und Zuneigung sollen durch chriftliche Bernunft in guter Ord. nung gehalten werden, daß fie sich nicht zu weit auslaffen, sonst mögen fie bald in Unbescheidenheit und sündliche Bewegung verkehret werden. Darum foll ein jeder frommer Christ in allem Unfall durch das tägliche Ge bet GOtt alles befehlen, und mit stille halten in Gedult ihm dienen, alldieweil mit Trauren fein Schade gewendet oder gebeffert werden fan. ofern es auch darzu fáme, daß ein Christen Mensch, durchs des Teufels Eingeben, ihm eine bildete, würde und müßte verdammt wer. den, darum er genugsam zu trauren hate te, weil folches der auergröfte Sabad wäre, den man erdenken könnte; so soll derfelbige fracks gedenken und wiffen, daß Gott niemand ohne Schuld nicht fonne oder wolle verdammen: Soll dero. wegen der Mensch nicht wegen der Straf der Verdamminiß, sondern wegen seie ner Sünden, mit welchen er die Vers dammniß verdienet, trauren: Lind ob dig Trauren wol von Herzen, und auch billig geschehen muß, so soll es doch ohn alle Kleinmüthigkeit und Verzweiflung gea DD fche. 318 Unterricht und Trost schehen, und das Berdinst Chrißi allme ge, ja der geringste Blutstropf theur und werther, als der Welt Sünde, in Blauben geachtet werden. Ebenet G ftalt soll und kan auch in allem ander Unglück und Scaben alles also betrad tet werden; nehmlich, wenn einem etwa widerfähret, das schädlich ist, und ihr menschlicher Art nach, zu naturlige Traurigkeit bewegt, soll er alsbald un und nachdenken, ob er mit wiffentliche Sünden solchen Schaden nicht verursacht oder verschuldet. Befindet er denn in feinem Herzen und Gewissen zu folde Strafe mit wissentlichen Sünden fid schuldig, so hat er GOtt billich zu danke daß sein Herz nicht verstockt bleibt, for Dern es wird alsdann die Traurigkeit des Schadene halben aufhören, und daraufdit wolbedachte herzliche Traurigkeit um det Sünde willen anfahen, und die zu red ter Buß und Bekehrung bleiben. Solde Sünde aber, damit wir alles Unglid, Plage und Straf verdienet haben, sollen wir nicht um der Strafe willen betraus ren, sondern allein darum, daß wir GOTT den Allmachtigen erzürnet, und weder ihn von ganzem Herzen, noch un fern Nächsten, als uns selbst, geliebet. Darum traure nicht um Berlust eit liger £. 23. in Verlust der zeitlichen Güter 419 licher Güter, fondern bekümmere dich vielmehr um Berlust der ewigen Güther! denn die ewigen Güther sind die besten; wenn wir die haben, sollen wir content und zufrieden seyn und uns mit dem Stück Brods genügen lassen, das uns GOtt zugeworfen hat. Ob nun wohl die Frommen in dieser Welt mehrentheils geringe Güterlein had ben so haben sie doch das hoofle Gut im Himmel, welches ihnen niemand neh. men fan. Derowegen sollen fromme gottfelige Leute in ihrer Armuth nicht uns gedultig seyn, sondern je drmer und vers achter fie seynd, je fleißiger fie beten, fit ihres Mangels bey GOtt erholen, und je mehr fie der Gottfeligkeit und Tugend befleißigen sollen, und sich tro ften, daß wenn Gott will, er fie leichta lich reich machen fan, wie arm fie auch seyn mögen; wie Jacobs, Josephs, Da vids und anderer Erempel ausweisen. Ob jemand gleich arm ist, wie ein Baum, dem die Aeste und Zweige ver. lürzt find, kan er doch wieder ausfclas gen und grünen; denn gleichwie iegund einer, der treflich reich ist, bald gar arm werden mag: also wer iezund gar arm ist, kan bald gar reich werden. Syrach Cap. 11, 24. sprigt; Der O 02 Herr Unterricht und Trost, €.33 420 Derr fegnet den Frommen ihre Guter und wenn die Zeit kommt, gedegen sit bald. Darum ſollen wir in unserer A mut( welche der Herr Christus gehri lizer und gesegnet) Feineswegs an Go tes Gnade verzagen, sondern gewig glan ben, is ármer und elender wir sind, treulicher er fich unser annehme. he Christus mit seiner Begräbniß unser Gråber heiligen können, so hat er aud mit seiner Armuth unsere Armuth heil gen und confecriren können. Derowegen must du so bereit seyn Armuth, als zum Reichthum; ja was GOtt über dich wird kommen lassen, fröhliches, oder trauriges, das folt du von der Hand des Herrn willig empfahen. Lazarus ift arm gewesen, und hat übe all feinen leiblichen Gegen gehabt Aut Erden in zeitlichen Gütern; doch batt den geistlichen Segen in himmlischen Gu tern ererber, der viel beffer, dann allt Scháze auf Erden. Arme fromme Lew te haben ihren Echaz und Reichthum im Himmel, und nicht auf Erden. Darum follen fich arme Lente, denen dieser Welt Güter manglen, nicht betrüben, sondern wiffen, das die Armuth ist ein Zettul oder Brieflein GOttes, damit er den Armen das Himmelreich zu geben sich beri €. 23* in Verlust der zeitlichen Güter. 42 verschreibet; wie Chriftus sagt, 2nc. 67 20. Selig find die Armen, denn das Himmelreich ist ihr. Dagegen aber ist dis ein hart fordeklich Wort, v. 26. We. he ench, Reichen, denn ihr habt euren Trost hinweg. Und Jac. 5, 1. 2. 3. Wo. lan nun ihr Reichen, welnet und heulet über eser Elend, das über euch kommen wird; Euer Reichthum ift verfaulet, eure Kinder sind motenfreßig worden, euer Gold und Silber ist verroftet: und ihr Roft wird euch zum Zeugnis feyn, und wird euer Fleisch freffen wie ein Feuer. Das ist, euer Geld habt ihr lieber wol len verrosten lassen, als den Armen das von mittheilen; ihr habt wol gelebt auf Erden, und euer, Bolluft gehabt, und eure Herzen geleidet wie auf einen Schlacht Tag. Derowegen ist ja taufendmal beffer, hie arm und elend seyn, als reich und herrlich, und dort ewig arm und vox GOtt versloffen seyn: Da gedenfe nun ein jeglicher, ob er lieber des Reichen zeitlis thes Glück und ewiges Unglüf, oder des Urmen zeitliches Unglüf und ewiges Glük wünschen wolle? also ist es viel beffer, mit Lazaro arm seyn. als mit dem Ten fel im Rohr fizen, und Pfeifen schncis den, wo man will. Dann was hülfe es 013 den 422 Unterricht und Trost, €.23 den Menschen, wann er die aanze Welt gewonne, und nehme doch Schaden an feiner Seele? spricht Christus selbst Matth 16, 26. Auguftinus sagt: Das heiß recht reich seyn, armseyn in dem Kasten, und reich fenn im Gewissen, wie folgend Reimlein lehren und lauten: Wer Armuth wohl behaufen kan, Den halt ich für einen reichen Mann: Dem Herzen Armuth Friede gibt, Und Reichthum groffe Sorgen liebt. Den halte ich für reich, der ein frðli ches Derz, ein gut Gewissen und Chri ftum bep sich hat; daher er bete: Ach lie ber GOtt, foll ja es dazu kommen, daß ich alles verlieren soll in dieser Welt, las mich doch meinen Heren Jefum nicht verlieren, und ziehe deine Hände nidt von mir ab: Der Heil. Eugenius sagt; Der ist reich genug, der mit Chrifto arm ist: das ist, der ben seiner Armuth sich der Armuth Chrifti tröftet, und Chri fto zu Ehren seine Armuth gedultig trågt; und ist viel beffer, heilige Armuth, ungerechter Reichthum. Darum liebes Herz schließ und halt es dafür, daß es vielleicht das Creuz fegn foll, darinn du deinem Herrn und Meißler bie auf Erden gleichformig werden folt. Wann du derowegen in Armuth fällest, 429 C. 23. in Verlust der zeislichen Güter. ſo gedenke, daß du eben Christam zum Buchtmeister, die Apostel und viel heilis ge Leute von Anfang zu Brüdern und Mitgesfellen haft: Denn dein Herr und Hepland ist in groffer Armuth gebohren, in Armath erzogen, bloß am Creuz gehana gen; auf daß er damit anzeigte und lehrs te, daß durch ihn der einige Weg zum ewigen Reichthum zu bekommen ware: Er ist deinetwegen arm worden, und da heilloser Mensch schámest dich, um ſeinet. willen Armut und Verfolgung zu leiden. Darum wer allhie auf Erden an den armen, bloffen und elenden Chriftum recht gedenket, der wird mitten in seiner Armut der Allerheiligste seyn, und nach keines Kaisers Gut fragen: Sintemal ſeiz Gemüte mit dem höchsten Gut schon be pestigt und eingenommen. Das ist ein herrlicher Trost für die Armen, daß fle in ihrer Armuth reich, und in der größ feften Schande und Gefahr Chre haben, und mitten in der Finsterniß ihren die Sonne der Gerechtigkeit Jesus Chrikus in ihrem Herzen aufgehet und scheinet. Daher laß es dir eine Luft und Freude seyn, mit Chrifto in seiner Armuth Gesells schaft zu halten, auf daß du im Himmel mit ihme und allen seinen Nachfolgern des vigen unvergänglichen Reisthams ges Ø14 Dich 424 Unterricht und Trost. nieffen und theilhaftig werden mögen. Hat der nichts in der Weit haben sol len, der mit dem Bater alles erfchaffen hat; was fuchest du denn, und liebest die Welt, und war darinnen ist? Fürchte dic dafür, daß er Joh. 8, 23. zu den Jüden fagt: the seyd von dieser Welt. Wann nun einer sterben wird, to folle er wollen und wünschen, daß er viel drmer gewen als ein Hirte hinter den Schaafen? das ist gemeiniglich groffer Herrn Leated Bort; wenn sie sterben sollen. Denn wenn die Armuth nicht so ein gut Ding gewesen, fo hätte der Engel Gob tes nicht so eigentlich den armen Hirten am ersten die Güter der Armuth ſpecfici ret und angedeutet, indem er fagte Luc 2, 12, Jhr werdet finden das Kindlein in einer Krippen liegen; Item Matth. II, 5. Den Armen wird das Evangelium geprediget. Auch gefiel Christo die arme Witwe, ob fie wohl nur zwey Scherflein in den Gotteskasten einlegte, Marc. 13 43. Es ist aber hierben in acht zu neh men, daß allhie von Frommen und Gott feligen allein geredtet wird. Es folgen auch aus Armuth schöne Thi genden, als Sanftmuth, Demuth, Mäßig keit und Bescheidenheit; auch erwachsen and Armuth viel verborgene Künste, wie 425 C. 23. in Verlust der zeitlichen Güter. man im Sprichwort sagt; Armuth lernt Geigen. Neue Sünde kommen von ar. men Leuthen, wie viel Menschen wer den durch ihre Armuth zur Tugend und Frömmigkeit verursachet? dagegen wer. den viel durch ihren Reichthum und Würdigkeit verderbet. Wie hat Plato, in der Schifbruch zu Erlangung groffer Weißheit, Kunst und Verstand gediener? also ift Armuth eine Erfindung aller Dinge: Daher wird die Tugend in zerriffe. nn Kleidern abgemahlt: Reichthum und Wolluft wird von der Thorheit ges boren, Reidthum ist und bleibt Reich. thum, und Glük gebierer Narren: Denn da leidet und erfähret man nichts, man waget und über sich auch nicht: Die Weißheit aber wird durch Armuth, Leiden, Erfahrung, Schweiß und Armut gezeuget; Daher Spr. 10, 33. ſpricht: Der Arme wird geehret um seiner Klug. heit willen. Und bald hernach; Die Beisheit des Geringen bringt ihn zu Ehren. Fleißige Bitte um gnädige Er leuchtung, daß wir den HERRN JEfum für unfern höchsten Schaz halten. H Err JEfu, wann ich nur dich ha: be, so frage ich nichts nach Himmel 426 Unterricht und Trost. €. 23 und Erde; wann schon Leib und Lebens und all mein Haab und Gut dahir ist) also, daß alles an mir verlohren gehen wann ich hur dich habe und behalte, so ist doch nichts verlohren. Dann du Herr Jesu fiehest mir für alles; ia menn ich dich habe, so habe ich einen Schaz über alle Schäze, welcher mit dir liegen verborgen alle Scháze der Weißs heit und Erkänntnüffe; und was du haft, ist alles mein. O wie könnte doch gröffer Reichthum seyn, du bist meines Herzens Saz, mein Teftament und meine Ge rechtigkeit? darauf lebe ich, darauf fier be ich; hilf mir zu dir in Ewigkeit! Amen. Wann mir gleich Leib und Seel ver schmacht, So weist du Herr, daß ichs nicht acht. Du bleibst mein Schaz und Testament, Wann alles zeitlich mit zerrinnt. Das XXIV, Capitel. Daß wir mit dem Herzen dent ewigen, und nicht den zeitlichen Gütern anhangen follen. a Cor. 4, 18. Was sichtbar ist, das ist zeitlich, Was aber unsichtbar ist, das ist ewig. urch Berlust zeitlicher Güter zündet uns GOtt gleichsam ein Licht an C. 24. mit Herzfoll mand.r.big.u.n.d.zeitl.anh. 427 auf daß wir die ewigen und himmlischen Güter desto emsiger suchen sollten. Dara um sollen wir fürnemlich nach dem Reicha thum unserer Seelen trachten, wie unser chriftliches Gesang faget! Mach mich an meiner Seelen reich, so hab ich anug hie und ewiglich. Selig ist der Mensch, welcher für einen groffen Gewinn der Seelen achtet, wenn er zeitlichen Schai den leidet. Man höret manchen Menschen klagen wegen leiblicher Armut: aber daß die Seele so arm ist, keinen Glauben, Liebe, Hoffnung, Demuth, Gedult, und Gebet hat, Friede und Freude in GOtt, da hö. ret man selten über klagen. Wer dero. wegen arm ift am Guth, der trachtet dara nach, daß er moge in GOtt und an der Seelen defto reicher seyn! und bitte GOtt, daß er könne und moge in seinem Erkännt. niß, und an allen christlichen Tugenden, je länger je reicher werden. Denn wenn man an der Seelen reich ist, so hat man den rechten Haupt Schaz. Und soll ein Mensch ihm denselben verschaffen, damit er auch recht bestehen kan, und soll alle feine Gedanken dahin richten, allen Fleiß darauf wenden, daß er diesen Schaz haben möge, und also mit Marien das beste Theil er. wehlen, Luc. 10, 24. und gedenken, wie ya, 428 Mit dem Herzen soll man den ewigen C.34. haben alles, wenn wir nun einen gnädi gen Gott haben; und ist nichts beffers in dieser Welt, als wann einer diesen Sca; hat, und denselben als ein köftli des Kleinod ars Herz banget; wie die fer Reim bezeugt, deffen D. Luther in den Lifereden gedenket: Ich weiß ein Wort, das hat ein 2, Wer das sieht, der begehrt es schnell, Wann das nicht darinnen ist, Kein gröffer Schaz auf Erden ist. Dann wann das 2 darinn bleibt, fo heißt es Gold wenn aber das 2 daraus, fo heißt es GOtt. Wer etwas liebet, das weit geringer ist, als er selber, der that ihm felber eine Linehre an. Nun ist je alles Zeitfide weit geringer, als unsere Seele, welbe von GOtt zur Ewige Feit erschaffen und himmlischer Natur ist, warum wolten wir denn unsere Seele durch Lieb ans Zeitliche hängen? Unsere Seele ist also erschaffen, daß fie kan för big werden des ewigen unendlichen Guts: Che fie dazu kommt, mag fie keine Ruhe haben; soll sie aber sich zu demselben höchs ften unendlichen Gut wenden, so muß fie das unvollkommene zerstückte Gut in zeit lichen Dingen fahren laffen; soll sie zum Schöpfer kommen, muß fie den Creatu ren Urlaub geben, soll sie zum rechten Wefen €. 24. u. nicht den zeitli. Gütern anhangen 429 Wefen kommen, muß sie den Schatten der Creataren fahren laffen. Es kanauch nicht fenn, daß die Begirde der Seelen erfüllet werde duró das zeitliche, ſona dern je mehr sie hat je mehr durfter fle; Aber ben Gott und bey Chrifto findet fie ihre Fülle und Sättigung. Darum ferior Christus Joh. 4, 14. Wer des Waffers trinken wird, das ich ihm ge be, den wird ewiglich nicht dürften. Derowegen sollen wir den zeitlichen Reichthum mit dem linken, aber die ewi. gen Güther mit dem rechten Auge begies rig ansehen, und dieselben schnell begeh. ren, das unsichtbare verborgene Wesen ist der Ursprung alles Reichthums. Wir mennen, das sichtbare fey der gröffefte Reichthum, das ist ein merklich Wahrzei. chen, daß wir nicht verstehen die verbor. gehe Scháze bes himmlischen Reichthums: Denn das ist nicht der rechte Schaz, den wir mit Augen sehen, sondern der unsichtbare Soaz; der storbare Reich thum fan bald aufhören, aber der und sichtbare höret nimmer auf. Darum find das recte Narren, die allein aufs sichtbare sehen, und wenn die Augen nichts mehr sehen, meynen, GOtt sey nun auch arm worden, and habe nichts mehr, denn die Augen fes hen. 430 Mit.dem Herzen soll man den ewigen E. 24 hen. Also ist unser höchster Scha; nicht ein auswendiges, sondern ein inwendi ges Gut, welches wir stets bey uns tragen, verborgen für aller Welt; der weit hö her und gröffer ist, denn aller Welt Gut seyn mag, welches uns weder Welt noch Teufel nehmen kan. Dann obwohl wahre Christen dusferlich verachtet und arm fegu, fo find sie doch herrlich und reid in GOtt, nach dem innwendigen Menschen. Verlieren wir schon das dufferliche Gut, so bleibt und doch das innerliche wahre Gut; wenn wir im Glauben und festen Bertrauen an GOtt halten. At muth ist dem Fleisch und dem dufferli chen Menschen bitter; aber was dem Fleisch und dem dufferlicben Menschen bitter ist, das ist dem Geist und innerli chen Menschen nüzlich. Nun foll und viel lieber seyn, was zu des Geistes Stärke, und zu des innerlichen Menschens 3* nehmen gereicht, als was dem Fleifd und dem dufferlichen Menschen lieb ift. Christus sagt Luc. 17, 21. Das Reith GO. tes ift inwendig in euch. Warum suchen wir denn aufferlichen Reichthum und Pracht für den Men fchen, weil wir inwendig in uns alles haben? Denn inwendig im Herzen ist der 22 €. 24. und nicht den seit Güter anhangen. 431 der göttliche Pract, und der höchste Reichthum der Seelen, wie geschrieben steht, Pfalm 45, 14. Des Königs Toche ter ist ganz herrlic inwendig. Wenn gleich der Leib seinen dufferlichen Trost verleurt in Armuch, Krankheit und Vers folgung, die Seele aber ihren Trost bea hält, nehmlich den Herrn Jefum, fo überwindet der innwendige Seelen. Trojt alles zeitliche Linglück mit Freuden: Denn der sichbare Trost ist nicht der rechte, es ist ein falscher Trost; der innerliche himmliſche Trost, ist der rechte, der ewig ist, auf daß also der Glaube geüber werde. Denn es glaubet fich gar fein und leicht wenn die Augen alles sehen, wie mans haben will; Aber was ist das für ein Glaube? Es thut aber Fleisc und Blut wehe, in der Welt keinen sicht. baren Troft haben, und sich in zeitlis der Armuth, und in so vielem Creuz und Elende an dem unsichtbaren, himm lifchen, zufünftigen Trost halten. Ach wie wehe thate es Loths Weib, da sie ihr schones Sodoma folte verlaffen, und davon gehen; und sahe zurück, und ward darüber zur Salz Saules, im IB Mof. 19, 20. Die aber allein äusserlichen Welt. Trost suchen, und auf dem äusserlichen Reichs 432 Mit dem Herzen soll man den ewigen C.. Neithem, und nach weltlicher Chr und Pracht sehen, und trachten immer nach Geld und Gut, wie sie ihren ver gånglichen Schaz vermehren mögen, di feynd die allerdrmsten und elendesten an der Seelen; Also ist diß der rechte Reid thum, dadurch das ewige Leben ergriffen wird; durchs Zeltliche wird es verhin dert, derhalben so ists der rechte Reid thum nicht. Gottfeligkeit ist ein Scha im Himmel, derowegen ist fie der red te Reichthum. Nazianzenus schreibet in der Leich. Predigt seines Baters: Cin politischer Weltmann trachtet nach Guth und suchet Ehre und Reichthum auf Er den; aber ein Christ trachtet nach dem ewigen Güthern, und suchet die Gelip feit im Himmel. Das Irrdische mag man wol gebrauchen, aber das Himmlis sche soll man mit herzlichem Verlangen begehren. Darum sollen wir uns Gait fammlen, bie ewig bleiben; wie uns Christus vermahnet, Matth. 6, 20. Au gustinus spricht: Der Armen Reichthum ist Chriftus und der Himmel, der Hoffars tigen und geizigen Reichthum ist der Leu fel und die Hölle. Demnach befleißige dich du frommer Christ, daß du an himme lifchen Gütern reich, und in jenem Leben herrlich bey Gott werdest, so wirst du fol! €. 24. und nicht den zeitl. Güter anhangen 433 folchen Schaz in deinem Sterben mitnehmen, der wird dich trößten und stärken; deine Herrlichkeit wird dir nachfahren, daß du als ein Himmelsfürst die Herr. lisfeit Chrifti fehen, und ihm in ewis ger Freude beywohnen wirst. Diesem himmlischen Gcaz, den uns Chriftus mit feinem Leyden, Sterben und Auferstehung erworben hat, will er ans nicht in diesem Leben geben und schenken, wir mdeten fonft leichtlich wieder drum fommen: Darum nimmt er ihn mit in den Himmel, und will ihn dafelbst beylegen bey feinem himmlischen Bater, da uns denfelben niemand neh. men fan, Lutherus schreibt: Kommt ein Schalt, und fihlt und raubet mir das meine, oder hintergehet mich mit guten süffen Worten, und betreugt mich, da hat er mir einen schlechten Schaden ge than, hat mir nur die Minde vom Brod. hinweg genommen, der droben fizet, er thut ihme ſelber mehr Schaden, denn mit; er nimmt mir die Rinden, ein schlecht Teller. Brod; und machet ihme felber einen ungnädigen und zornigen GOtt; und ich behalte noch den, der im Himmel ist der alle Dinge hat, da ich meinen besten Schaz habe, denn mir nic mand, auch kein Dieb, stehlen kan. fe Nimmt 434 Mit dem Herzenfod man den ewigen C. 24 Nimmt man uns gleich die zeitlichen Güter, so kan man uns Chriftnm, mit denen uns erworbenen Himmels God zen nicht nehmen; haben wir das geitlin de Gut verlohren, so haben wir das ewige zum besten. Denn das zeitliche Guth, so uns dún Fet verlohren zu seyn, das findet man taufendfältig im ewigen Leben wieder Was du hie fäest und pflanzeft, als Leib, Guth und Ehre, denke nicht, daß du d wirst verlieren, sondern du fáeft und pflanzest es auf Hoffnung der zukünftigen groffen reichen Erndte. Derowegen must du der Zeit mit Gedult erwarten, als dann bekommst du es tausendfältig auf einmal. Also foll ein Christ seine Seele in Ge dult fassen, und gewiß glauben, daß die groffe Erndre des lieben jüngsten Tages alles wieder bringen wird, was hie ver lohren, ja nicht verlohren, sondern nur ausgefäet und gepflanzet wird. GOtt achter diese zeitliche vergängli che Güter zu geringsházig, ja zu we nig und zu findifch, den Seinigen ihr Elend( so sie auf dieser Welt leiden und ausstehen) damit zu belohnen; denn alle Sachen, die dem Tode unterworfen, fon nen frommen Leuten kein Recompens oder €. 24. und nicht den zeitl. Güter anhangen. 435 oder Ergdzlichkeit ihrer Arbeit seyn. Gleich, wie ein Hausvater für seine Kinder viel köftlichern Vorrath fammelt und nachläs set, als für die Knechte: wie auch ein Kriegs Heer den gemeinen Kriegsleuten følechten Sold, den doppelten Söldnern aber und Dienern, so sic in Eroberung der Städte und Schlösser, woi und ritter. lich verhalten, and das beste thun, viel, mehr und bessere Verehrung gibt: Unter den gemeinen Pöbel streuet man Geld und anders, aber unter die vom Adel und fürnehme Leut, theilt man Aemter und Würden aus: Also hält auch unser Herr Gott für die Seinen die beste Belohnung: zu dem soll jedes Geschenk nicht nach der Person des Einnehmers, sondern nach der Excellenz und dem Ges müthe des Gebers geachtet werden. Wenn du nun deines Serzens Schaz in Himmel legen und verbergen wirft, so wirst du nicht viel darnach fragen, was du auf Erden verlierest; Sintemal diese irrdische Güter nicht dir, sondern der Welt zugehören. Derowegen ein Christ nichts von seinem Gut verlieret; denn er hat nicht sein Gut auf Erden, sondern im Himmel; verliert ein Mens schon alles auf Erden, so soll er darge. sen alles erben im Himmel. Was GOLT Ft2 dir 436 Mit dem Herzen soll man den ewigen Ca dir in deinem Leben wird abbrechen, wit dem fieben Lazaro, das wird er dir ge ben julegt in deinem lesten Stündlein, Da wird deine Seele vollen Troft haben. Und wann wir gleich von der Welt ver trieben werden, haben nirgends feine bleibende Státt auf Erden, so sollen wir doch darüber nicht erschrecken, sondern uns trösten, daß der Spruch Chrifti a uns erfüllet, uns zu Gute und zu Troß gerebet fen: In meines Baters paust find viel Wohnungen, und ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten, Joh. 14,2 Als wolt er sprechen: Liebe Kindlein, will ench die Welt nicht leiden, und feint He berge noch Stätte auf Erden vergèn nen, feyb Anbekümmert; ich will eng Wohnung daug schaffen im Simmel; in meines Vaters Hause sind Wohnungen vollauf, und riefelbe sind voller liebrei der und gentiler Güter. Haben wit Doch bie kein Vaterland, sondern droben im Himmel; Unterdessen ligt uns nichts dran, wie wir auf Erden schweben; wenn and denn die Welt verjagen und vertrei ben will, so gehet es uns, wie es dem Haupt Chriflo felbst, und seiner Kirchen wahren Gliedmaffen ergangen, und noch gehet, die müssen das, gehet aus, packet euch, redlich practicieren, und mit der Sch C. 24. und nicht den zeitl. Gütern anhangen 437 Sohne GOttes in Egypten, Matth. 2, 14. dann fie in dieser Welt feine gewiffe Ståtte haben, sondern werden von eia nem Ort zum andern vertrieben, und bauen auf das Elende, welches sich schon angefangen in der Zeit, da unfere erfte Eltern, um der Sünde willen, aus dem Paradieß verstoffen worden sind, Gen. 3,24. Hievon haben wir Zeugniß, PL 15, 1. HERR, wer wird wohnen in deiner Hütten? allwo die Kirche alhier vom Propheten eine Hütt genannt wird, da bie frommen Chriften, als GOttes Kriegs Leute in dieser Welt, da die freitende Kirche ist, keinen gewissen Ort and Stätte haben, sondern ihr ganzes Leben ist eine Wallfahrt, biß so lange sie zu dem ewigen Leben kommen. Der 11. Pfalm hat in fich von diesem eine fhone Figur und Bildnis, da er die Kirs de und Gliedmaffen Chrifti vergleichet einem Bögelein, welches aus seinem Ne ste geschüchtert und verjaget ist, und welchem mit Pfeilen feindlich nachgestof, fen wird, daffelbe zufällen, v. 1. 2. Darum sollen wir nun allzeit in al ferley Widerwärtigkeit, fo fi in dies fem Jammerthal zuträgt, gefaßt seyn; Als da feynd Armut, Verlust der Gi **, Abschneidung des ehrlichen Stamens 438 Mitdem Herzen soll man den ewigen€.4 und Gerüchts; und wegen Abtreibung und Berjagung von Haus und Güte gedultia fenn, und aus diesem Chriß Kindleine Erempel lernen, welcher in uns Menschen und um unser Gelight willen ein Pilger worden ist, daß w und auch bey Zeiten auf folche Ballfahrt fchicken ſollen, nach dem bekanten Verl Ein Piger war der HERR, des Glide wir sennd worden, Wir Diener geben ihm Gefährtenb dem Orden. Sollen aber inmittelst mit David a dem 55. Pfalm. v. 9. beten: Herr je meine Flucht; Faffe meine Thränen den Sack, ohne Zweifel du zehleft it is wolte er fagen: Wann schon t Mensch mein Elend bedenken will, schauest du doch Herr so genau dara du du in meiner Flucht und Elend alle meine Schritte zehleft, wie oft, wie weit, wie fern ich verjagt werde, und laufen muß, und vergiffest keiner Ehránen, die mir in meinem Elende über meine Ba den fliessen, sondern ich weiß, daß du fie in dein Register schreibeft, und reid lich belohnen wirst. Das follen wir be Dencken, wann wir von Haus und Hob von unfern Gütern ins Elende verjagt and vertrieben werden; Gedencke, want did €.24. und nicht den zeitl. Güter anhangen. 439 dich endlich der Erdboden nicht länger tragen will, so wird dir doch der Hims mel seinen Schoos öfnen, und muß ans Das Reich GOttes bleiben! Denn wer GOtt von Herzen liebet, der hat den Vortritt im Himmelreich, ob er gleich für der Welt der ärmste Bettler wäre. Derowegen verschmähe von Herzen den vergänglichen Reichthum; well uns GOtt an deffen Stätte den ewigen bes ständigen Reichthum schenket, und unsed re Herzen mit seinem Schaz erfület. Wer diese Süßigkeit des himmlischen Reichthums einmal recht geschmäcket håre te, dem würde das Zeitliche bald bitter werden. Die Furst GOttes hilft viel dazu, daß man dieser Welt Güter wenig achtet; denn wer diese zeitliche Dinge nicht groß achtet, der zanket nicht leichte lich mit jemand darum; fintemal er füha let und empfindet viel gröffers in feinem Herzen, weil daffelbe mit himmlischen Gütern erfüllet ift. Denn je näher der Himmel, uno je mehr himmlische Gedanken, ie weniger wird man der zeitlichen Güter achten, und nach denselben trachten; Aber mehr man irrdish gefinnt ift, je mehr fiehet man auf das Jerdische, und ie hd. ber achter man es, Joh. 3. 31. Wer es' c von C4 440 Mit dem Herzen soll man den ewigen C. 24 von der Erden ist, der ist von der Ets den, und redet von der Erden. O was ist das für ein feliger Mensch dem GOtt diese Gnade giebt, daß er fei ner weltlichen Ehre und Reichthums in dieser Welt begebren? Wir finden.aber leyder das Gegenspiel, und gibts die tig liche Erfahrung, daß die meiste Sorge, so den Leuten anlieget, ist, wie fie mo gen reich werden: Ber bemühet sich aber damit, daß er möge felig werden? Wann du aber die vergänglichen Reichthümer so fehr liebest, und dieselben zu überkommen dich so heftig bekümmert und bemühest, Lieber was thust du anders, als daß du dein kostbares Herz um Dreck und Um reinigkeit der Erden gibst? und zeigest da mit an, daß du nicht allein dich selbs nicht fenneft, sondern auch dich deiner vornehmsten Privilegien begiebeff. Sichest du nicht, daß du Schlangen und Scorpionen in deinem Busen erit hest und wenn du sie mit deiner War. me ausgeprütet hast, so werden sie dod mit ihrem Gift tödten und embringen. Gleichwie der ein groffer Narr ist, den einem Heller nachtrachtet, und verdu met unterdeffen einen Goldgülden: Alle wdren wir unsinnige Narren, wir wolten dem Zeitlichen nachgehen went €.24. und nicht den jeitt. Güter anhangen. 441 und darüber das ewige versäumen und vorfcherzen. Derowegen wende dein Gemüthe das von ab, und ergib das BOtt allein, und teinem ſo geringsbázigen Ding; denn darju hat dich Gott erschaffen, das du die himmlisten, und nicht die irrdischen Dinge lieben folt. Wer aber fein Herz fo fehr auf das zeitliche, vergängliche Gut sezet, der achtet das ewige wenig. Solche Leute geben darmit zu erkennen, das sie des Himmels unwürdig seynd, und keine Wohnung daselbst haben. Wenn wir gleich wenig Segens in zeits lichen Gütern nach dem Billen GOttes haben, wenn wir nur die ewigen himm. lischen Güter erlangen, und reich in GOtt seyn, so leiden wir keinen Ver. luft, so uns nur der beste Schaz bleibt, nehmlich GOttes Wort, und das ewige Leben. Denn was fan uns fehlen und gebrechen, wann wir GOtt haben? Wer aber in GOtt nicht reich ist, wenn er gleich alle Güter dieser Welt hätte, wäre er dennoch der Elendeste auf Erden. Da es uns derowegen mangelt am zeitlis ben, fo haben wir dagegen den ewigen lleberfluß an hinimlischen Gütern. De rowegen last und mit David sagen: Herr, wenn ich nur dich habe, so frage € ¢ 5 ich 442 micb, Sers form benbig.u.n.D.geitt. anh. Coại ich nichts nach Himmel und Erden; und wann mir gleich Leib und Seele ver fchmachtet, ſo bist du doch GOtt allezeit meines Herzens Trost und mein Theil, Pr. 73/ 25. 26. Ja, wenn einer GOtt mm Freunde bat, so steben seine Sachen auf der maß sen richtig und wol; denn er fan fic feiner Nothdurft bey ihm erholen, wie der alte Tobias feinen Sohn lehrete, und sprach: Sorge nur night, mein Sohn, wir sind wol arm, aber wir werden viel Gutes haben, so wir Gott werden fürchten, die Sünde meiden, und Gutes thun, Tob, 4, 23. Herzliches Gebet um Reichthum der Seelen. Herr err Jesu, du bist das ewige und allerhöchste Gut: laß mich von dir, und dich von mir nimmermehr geschieden werden: du bist mein gewiffes Biel, mein Reichthum und mein Seegen; ich mag haben wenig oder viel, daran if nichts gelegen, wann ich nur deines Geis ftes Gab zu Troft in meinem Herzen hab. so hab ich alle Scháze. Darum erhalte mich anádliglich bey diesem Reichthum men ner Seelen biß an mein leztes Ende damit ich deiner, als des ewigen und allerhöchsten Guts, in Ewigkeit genieffen möge, Amen! €, 25.die Bauchs.verm.u.sem Bert. auf gottfes.443 Mich tröstet, das, was ewig ist Darzu hilf mir HErr JEsu Christ. Das XXV. Capitel. Von Vermeidung der Bauchforge, und Vertrauen auf Gott, daß er uns väterlich erhalten und ernähren wolle, aus der Predigt Chrifti, Mat. 6. a Tim. 4, 8. Die Gottseligkeit ist zu allen Dingen nuze, und hat die Verheiffung dieses und des zukünftigen Lebens. Der König David sagt im 39. Pf. v. 7. 8. Nd wie gar nichts find alle Menschen, die doch so ficher leben! Sela. Sie gehen daher wie ein Scha men, und machen ihnen viel vergeblis cher Unruhe; fie fammlen, und wissen nicht, wer es friegen wird. Das ist eine sonderliche Klage von der Menschen Art und Zustand hie auf Erden, die auf diesen dreyen Stücken beruhet und steht; Erfilich, daß die Menschen in ihrem Leben nichtig und gebrechlich fynd, und ganz keine Rechnung machen Zönnen mit ihrem Leben, sondern müssen alle Stunde des Tods erwarten; ſie find heut jung und lang, Morgen schwach und Frank, bald müssen sie gar sterben: Zum 444 Die Bauchforge zu vermeiden, C. 25 Bum andern, daß sie mitten in folcher Richtigkeit und Gebrechlichkeit gleichwol ficher dahin leben, und sich wenig für dem Tod fürchten, oder auch für die Seele sorgen: Zum dritten, daß sie ih nen selbsten viel vergebliche Unruhe ma chen, sonderlich damit, das sie viel famm len, und wissen doch nicht wer es noch befizen und geniessen solle. Diese ver gebliche Unruhe und unnöthige Sorg if fehr gemein bey den Menschen auf Er den; also, das sich fast ein jeder damit plaget; daher auch Christus felbft für néthig erachtet, eine sonderliche Predigt darwider anzustellen, im Evangelio Matth. 6. da er mit anmutigem, nachdenk lichen und beweglichen Worten von fol cher unnöthigen Sorge abgemahnet, und folche Argumenta und Gründe geführet bat, dergleichen kein Orator und Red ner auf Erden hätten herfür bringen mo gen. Zum ersten fagte er: Wir können nicht zweyen Herrn zugleich dienen; wir müssen einen haffen, und den andern lieben; dem einen anhangen, und den andern verachten. Darum wir aub nicht dem wahren GOTT und den Mammon zugleich dienen können; Das ift, wir können nicht zugleich unser Her an GOtt und an zeitliche Güter hae E. 25. und sein Vertrauen auf Gott sezen, 445 gen, sondern wo ihr nach bem Mammon und zeitlichem Gut tracten, so müffen wir das Vertrauen und Zuversicht auf den wahren GOtt fahren laffen; dann GOtt spricht; Allein mein, oder lag gar seyn. Daraus nun erfolget, daß es eine Abgötterey und Abfall von GOtt sey, wenn sich der Mensch mit den Sor. gen plaget, wie er wolle reich werden; dieweil er feinem lieben GOtt über alle Dinge soll vertrauen, und glauben, ee werde doch mol geben und bescheren. was wir bedürfen. Darum ist die Sors ge der Nahrung; der Geiz und die Luft. feuche nach dem vergänglichen Reichthum, warlich nicht eine schlechte Sünde, son. dern eine solche, die Christus dahin rechts net, daß ein Mensch mit seinem Herzen von GOtt abweicht, Abgötterey begehet, und dem Mammon nachhuret, demiſel. ben dienet, und alle Hoffnung darauf fe. zet. Daher nennet auch St. Paulus die Geizigen Gizenbiener, Eph. 5, 5. und den Geiz eine Abgötterey, Col. 3.5. Der H. Job, als er anzeiget, für wels den Dingen er sich von Jugend auf hütet habe, spricht unter andern: Has be ich jemals das Gold zu meiner Zuversicht gestellet? und zum Goldklumpen gesagt, du bist mein Trost? Job. 31, 24. Damit 446 Die Bauchforge zu vermeiden,€.25 Damit er beschreibet die sondde Geld fucht, daß fie eine Abgötterey sey, da man Gold und Geld, als ein Abcctt aufrichtet, und für seinen Kroft hält. Nun will aber niemand den Namen be ben, das er ein Gözendiener sey, daß er von Ort abfalle; aber glei@ wol schicht es doch, durch die leidige unnug Bauchforge; die man darum auch mei den soll, so lieb uns GOttes Gnad, und unsere ewige Seligkeit. Es ist wahrlich ein nachdenklich Wort, das Christus sagt, Luc. 17/24. Wie fchweri lich werden die Reichen in das Reig Got tes kommen! die nehmlich, so ihr Ver trauen auf Reichthum segen; wie er Dieses erkläret, Marc. 1o, 24. damit er anzeigt, es werden wenig Reice felig werden. Es ist leider der Haufe der Se ligen doch klein genug; wer wolte fid aber noch um Reichthümer so groß be Fümmern, die doch so sehr hinderlich find an der Seligkeit, wenn sie unrecht an gewendet werden; man hat vielmehr mit David zu beten: Herr neige mein Herz zu deinen Zeugnissen, und nicht zum Geiz, Pf. 119, 36. Odu Gott V ter und Herr meines Lebens, behüte mich für der schädlichen Sorge der Nah rung, laß mein Herz allezeit an dir, als dem €.25. und fein Vertrat auf GOtt fezen. 447 dem ewigen Gut hangen, und meine Hoffnung auf dich, den wahren GOtt fezen; damit ich nimmermehr zu schanden werde. Zum andern lehret uns Chri stus, wir follen bedenken, daß das Le ben vielmehr fen, als die Sveise und der Leib vielmehr, dann die Kleidung. Denn, hat uns GOtt das Leben gege ben, und unsern Leib erschaffen, ohn alle unsere Sorge, darzu wir gar nichts gethan; ist er für uns so forgfaltig ge wefen in Mutterleibe, da er uns Leib und Seel gegeben, alle Gebein gezeh. let, und alle unsere Tag auf sein Bud geschrieben, so viel der werden sollen; wie folte er dann die Speise nicht ge ben, dadurch das Leben erhalten; und die Kleidung, damit der Leib bedekt muß werden? Gott ist so gütig und machtig, daß er den Todten das Leben fchenket; folte er denn nicht vielmehr den Lebendigen das Leben erhalten? Bedenkt, daß du in GOtt lebest und werdest. Darum der dein Leben ist, der ist auch deine Speise. Ja Gott ist ein Gott unsers Lebens, darum wird er auch unfer Leben erhalten, speisen, versorgen. und den Anfang, Mittel und Ende res ieren zu unserm beften. 3ft aber un. ter Leben in und aus GOtt, was for. gen 448 Die Bauchforge zu vermeiden,€.25 gen wir dann für die Speife? Wenn er nicht wußte, fo viel lebendige Men fchen zu ernähren, Er würde so vielen das Leben nicht gegeben haben; Ola gedenkest tu das GOtt nicht wiffe, daj alles, was da leber, effen müffe: Ad es ist GOtt sm ein Wort zu thun, so ist alles gesättiget mit Wohlgefallen. Das predigen uns unsere Fleine Tisch Prediger in dem täglichen Tijd. Gebet allemal vor aus dem 145. Pf. v 16. Okt meprest du, daß er dir das eine werde halten, und das ander als ein Treulofer abschlagen? O nein! denn Himmel und Erden vergehen, aber sein Wert verge het nicht, Luc. 21. 33. Es ist das tägli de Brod ein aufferlich Ding, das wit mun für Augen sehen und greiffen; dai himmlische Gut aber ist unsichtbar, das wir mifen mit dem Glauben faffen: Darum sollen wir ja an dem Sichtbarn so sehr nicht zweifeln; Aber wir find fo tieinglaubig, daß wir am dufferlichen So wohl zweifeln, als am Geistliche, GOtt der Herr aber prüfet in den aufferlichen Dingen unsern Glauben, and fiehet eben darauf, wie viel fir ihm in solchen Sachen vertrauen Wenn er uns denn ungeschickt befinder, verweiset er uns daffelbe, und sagt: Bollet C. 25. und sein Vertrauen auf Gott zu sezen 449 Wollet ihr mir trauen, daß ich euch das ewige Gut geben wolle; und könnet mie nicht das Zeitliche zutrauen? O ihr Kleinglaubigen! Zum dritten, weifet uns Chrißus auf die Blümlein auf dem Felde, die wir follen ansehen und betrachten: fie fden nicht, fie erndten nicht, fie famten nicht in die Scheuren und Goit der himmli. sche Bater ernähret sie doch; nun sind wir aber vielmehr dann sie. Darum auch ja kein Zweifel, GOtt werde uns en. schen, die er nach seinem Bilde erschaffen, durch seinen Sohn erlösen, und durch seis nen Heil. Geist erleuchtet har, der Nothdurft nach wohl versorgen. Diß ist ein solch errlich Argument, das uns allein alle Sorge vertreiben und vernich. ten solte, wenn wir es nur recht mich. ten zu Herzen nehmen. Der fromme Job fogt, Cap. 12, 7. Frage das Bieh, das wird dichs lehren, und die Vögel uns ter dem Himmel, die werden dirs fas gen. Ja freylich würdens uns die Bogel sagen, da sie nur reden könnten: Die jungen Raben würdens verkündigen, die und David fürstellet, Pfalm. 147, 9. und feft: Sie rufen den Herrn an auf ihre Weife Man hält es aber dafür, daß die ungen Raben von den Alten eine Zeit. Sf lang 350 Die Bauchsorge zu vermeiden, C. 15 lang verlafen werden, wann fie nod Fahl und ohne Redern feynd, bis b lang sie fdwarz werden, da sie dann die Alten wieder herzu finden; unterdefi aber verschaffet ihnen GOtt Würmien aus ihrem eigenen Miste, davon sie fid ernähren. Und schbeinet daß Job dahin fehe, wann er fagt Cap. 39, 3. Wer be reitet dem Raben die Speise, wenn fein Jungen zu Gott rufen, und fliegen in re, wenn sie nicht zu essen haben? Al wolte er fagen: Das thut niemand, all der Herr unser GOtt allein. Alſo müß sen die Bogel unter dem Himmel, und die jungen Raben unsere Prediger und Schulmeister seyn, sie müssen und lehren, daß wir doch GOtt die Ehre geben, und ihme zutrauen, daß er uns ernähren wol le: Welches alles wir uns sollen zu Ge müth führen, und zu Herzen nehmen, so oft wir und unsere Kinder für dem Tisch der jungen Raben in unserm Gro tias erwehnen. Die kleinen Sperlinge, deren feiner ohne den Billen GOttes muß umkoms men, Matth. 10, 29. Die in fo graffer Menge, bey viel tausendmal taufenders nähret werden, auch in der Falten ha ten Winterszeit, da der Erdboden mit Sroft und Schnee bedeckt, und fein Körn €. 25 und sein vertrauen auf Gott zu sezen 451 Kornlein zu finden ist, die könnten gan. ze Predigten hievon halten, und Gottes Güte und väterliche Fürsorge rühmen; Beweiset er nun folches an den Begelein; wie folte ers denn nicht uns Menschen than. Die Vögel sind ja um uns Menschen willen erschaffen, und nicht die Menschen. um der Vögel willen: So hat uns auch GOtt für allen Creaturen so hoch geehret und gezieret, daß er uns nicht allein nach seinem Bilde erschaffen; fondern auch aus des Teufels Reich durch das theure Blut feines allerliebsten Sohns uns er lösen laffen, damit Er uns ja moch. te ewig herrlich und seelig machen. Das hat er weder den Naben noch einigen andern Bögelein bewiesen, noch sorgt er für fie; darum wird er vielmehr für uns sorgen. Wenn wir nun in unserer Sorg. fältigkeit GOtt nicht trauen, so möchten uns die Bögel für GOtt anklagen, und sprechen; Sihe, wir arme Bögelein un. ter dem Himmel verlaffen uns auf deine Gute; wir ehren und loben dich so viel unsere Natur vermag: und wenn uns huigert, trauen wir dir; du läsfest uns Auch nicht Hungers fierben; Aber fibe, die Menschen, die unsere Herrscher feyn folten, die du nach deinem Bilde geschaf. Ff2 fen 452 Die Bauchferge zu vermeiden, C. 25 fen, deren Bater du mich nenneft, wie fawach und unglaubig seynd fle! wie viel vergebliche måtrische Eorgen haben sie! fie wollen immer an deiner Hülfe un Gnade verzagen. Gleiswie aber der Herr Chriftu mit der Vögel Erempel und lehret, da wir nicht sollen für Effen und Trinka forgen: Also lehret er uns durch de Furbild der Blumen auf dem Felde daß wir nicht Sorge tragen sollen für die Kleidung; denn da spricht er: War um forget thr für die Kleidung? Schand die Lilien auf dem Felde, wie sie wad sen; sie arbeiten nicht: auch spinnen ſit nicht: Jd fage euch, daß auch Salom in aller seiner Herrlichkeit nicht bekleidet gewesen, als derselben eins. So den GOtt das Gras auf dem Felde also flei det, das doch heute fiehet: und morgen in den Ofen geworfen wird; folt er and das nicht vielmehr thun, O ihr Kleinglau bigen! Derohalben, so oft wir eine Blume auf dem Felde, oder im Garten sehen in ihren schönen Farben daher prangen, follen wir uns der gnädigen Fürsorge GOttes erinnern, und also gedenk Ist das nicht ein wunderlicher, welk und almächtiger Herr, der das ve gangliche Graf, und die Blumen au den C. 25. und sein Vertrauen auf Gott fezen 453 dem Felde in ihrer mancherley Art, mit so herrlichen schönen lebendigen Farben unterschiedlich kleidet, schmücket und zie ret, daß es kein Mahler in seiner höchsten Kunft nachthun und erreichen fan; ja dag auch Salomon in aller feiner Herrlichs feit und königlichen Pragt dergleichen nicht gezieret gewesen; Wohlan, that nun GOtt folches den vergänglichen Blus men auf dem Felde, Barum wolten denn wir Menschen ihm nicht vertrauen, das er unsern Leib mit Kleidung verforgen werde, der da vielmehr ist, als die Blus men, und alles Graß, das auf dem Fels de wächset? 3um vierten, gibt uns auch Chriftus zu bedenken, wie vergeblich unsere Sora ge fey, die wir in diesem Stücke tragen, wenn er fagt; wer ist, der seiner Länge eine Ehle zufezen fan, wenn er schon darum forget? Damit er so viel fagen will: Wenn etwan ein kurzes Männlein wäre, das sich hoch und sehr bekümmert wegen feiner kleinen Länge und Statur, daß er nicht so groß gewachsen, als ane dere Leute, wußte aber sonst feinen Rath; allein er feste fie hin, hinter den fen, oder in einen andern Winkel, and fienge an zu trauren und zu sorgen, gr wolte gern so groß seyn als andere Leus Sf3 30 454 Die Bauchforge zu vermeiden, E. 15 te: Lieber fage doch, was wäre von d nem folden Zwerglein zu halten? Wür de nicht jederman friner Thorheit lachen und sein zu seinen Sorgen noch darzu spot ten? Also will der Herr allhie fagen: Hat Gott einem jeden seine Maasse und bescheiden Theil bestimmt, wie e hoch mit feinem Reichthum und Gütern kommen ſoll; darüber muß er nicht sti gen, er mag ſo viel forgen als er wollt Man fagt fonst im gemeinen Sprichwort: Wer auf einen Kreuzer gemünzet ist, kommt nimmer auf den Groschen; Das ist, wer von GOttt zur Armuth erschaf fen, wird sich langfam reid sorgen. Will aber jemand durch ungebührliche Mittel höher steigen! und sich bemühen, fo mag ihm zwar GOtt verhängen, daß er sein Gut mit Unrecht zusammen bringe, es wird aber keinen Bestand haben, sondern ihm selbst zum Verbrechen gereiden, und auch seinen Nachkommen nicht gedeyen; davon Spr. c.31., 1. 2. spricht: Wachen nach Reichthum verzehret den Leib, und darum sorgen, läffet nicht schlafen, wenn einer ligt und forget, so wachet er imper auf, gleichwie groffe Krankheit immer aufweket. Und St. Paulus sagt. 1 Tin 6,9. 10. Welche reich wollen werden, die fallen in Berfuchung und Stricke, und viel E. 25 und sein Vertrauen auf Gott zu sezen. 455 viel thörichter und schädlicher Lüfte, die den Menschen versenken ins Berderben und Berdammniß. Denn Geiz ist eine Wurzel ales Uebels, welches hat etliche gelüftet, und sind vom Glauben irre gangen, und machen ihnen selbst viel Schmerzen. Was ist es dann mit den unnügen Sorgen? Hat es dann der Mensch wol ausgerichtet, wenn er ihm das zeitliche Leben bitter gemacht, und sich selbst in die Höll hinein gesorgt hat? Was hilfe es den Menschen, spricht Chris ftus, wenn er die ganze Welt gervinne und nehme doch Schaden an seiner Ste len? Matth. 16, 26. Das mag wohl eine unfelige verdamte Sorge seyn, das durch ein Mensch in das höllisce Feuer gefezet, und allda ewiges Verderben oh. ne Ende und Aufhoren leiden mug. So ist es nun umsonst, daß man sein Glük höher bringen will, als es GOtt ge fällt; Er gibt gleichwol nur nach seinem Willen; wie es den Kindern Ifrael gans gen, da der Herr das Manna regnen daffen in der Wüsten. Denn obwol der eine viel, der andere wenig gefammlet; so hat doch der nichts übrige gehabt; der viel gefammlet; und der ander auch feis en Mangel gespüret, der wenig gesamme et, sondern ein jeder hat seine Nothdurft Sf4 456 Die Bauchforge zu vermeiden, C. cefunden; wie zu lesen 2 B. Mof. 16, 17. Also gehet es mit unserm Gorgh und Gammlen! der GOtt trauet, un wenig Mühe hat, kommt so weit, al der sich zu Tode rennt und lauft, od geizen und fargen will. Zum fünften, fagt der Sohn GOttel folche Gorg sen heydnisch, wann wi fagen: was werden wir effen? W werden wir trinfen? womit werden wi uns fleiden? Denn nach folchem alla trachten die Heyden. Die Heyden find also gefinnet, weil fie den rechten wa ren GOtt nicht erkennen, so vermeynen fie, fie müssen sich selber mit ihrem ang lichen Sorgen ernähren; Und weil sit nicht Hoffnung haben eines bessern bens, fo tracten fie darnach, weil sit in diesem Leben mögen groß Gut, Reids thum, Nahrung und Vorrath auf lang Brit bekommen. Wir aber, warum find wir Christen worden? nicht, daß wit nach dem Zeitlichen trachten, fondern die himmlischen Güter suchen wollen. Wer derowegen auf die Bauchserge sid gibt, der fällt wieder aus seinem Chri Senthum zur Heydenschaft. Die Her den mögen wot für dies zeittiche sorge denn sie wissen kein beffers: Wir Chra Ken aber haben Verheiffung der zulint tigen C. 25. und sein Vertrauen auf Gott zu sezen, 457 tigen Hertlichkeit. Darum follen wir und des zeitlichen Lebens nicht so sehr an. nehmen. Wer aufs fünftige fiehet, ach: tes tes gegenwärtigen nicht groß; wer auf die Grigkeit denfet, actet das flüchtige gar gering; wer in seinem Herzen geschmäckt hat die Süßigkeit der himm. lischen Gather, dem werden die weltlis then nicht mehr so füffe seyn, daß er sei. ne Liebe und Begirde daran hänge. Wir haben hie keine bleibende státt, Tondern die Zukünftige suchen wir, Hebr. 13, 14. Wenn wollten wir denn for. gen und uns groß befümmern, wie es uns in dieſer kurzen Zeit ergehen werde? Dieses follen wir nun nicht ohnehin hö. ren, daß Christus die den Heyden gleich achtet, welche in der Bauchsorge stecken, sondern es wohl zu Herzen faffen, und billig darauf erswrecken. Denn, feynd die alle Heyden, welche so auf das zeits liche Guch allein sehen, und Tag und Nacht dafür sorgen; Hilf GOtt, wie werden so wenig Christen in der Welt seyn? wie wird hingegen die Heydenschaft so groß feyn? Man meynt jest, die Chris fenheit auf Erden fen weit ausgebreitet, und das ist wahr, dem äusserlich Be Fánntniß nach aber hie höreft du, daß das nicht rechte Christen find, welche $ fs 458 Die Bauchsorge zu vermeiden.€.25. in der Sorgfältigkeit der Nahrung stecken. Darum sollen wir mit dem Herzen glau ben, was wir mit dem Munde singen; Er der Herr, will uns allezeit ernäh ren, Leib und Stel auch wohl bewah ren, allem Unfall will er wehren, kein Leyd soll uns widerfahren; Er forget für und, but und wacht, es steht alles in seiner Macht. Zum sechsten führt uns Chriftus auf die váterliche Fürsorge feines himmlischen Vaters, den follen wir sorgen lassen; Er sey auch unser himmlischer Vater, und wisse wol, was wir bedürfen. Wei fet uns damit auf das Vorbild der lie ben Kinder, welche nicht sorgen, wie sie wollen zu effen und zu trinken Friegen, fie folafen ruhig dahin ohne alle Sor ge, befehlens ihren Eltern, wie fle ih nen Speiß und Trank verschaffen, und hangen mit einem kindlichen Bertrauen und voller Liebe an ihren Eltern; wi fen, wann sie von ihnen Brod begeh ren, so werden sie ihnen nicht einen Stein dafür bieten, Matth. 7,9. Dar um follen wir auch diß Stück wohl mers ken, und von unsern Kindern lernen GOtt den himmlischen Vater über der zeitlichen Nahrung vertrauen, wann wir DAS €.25 und sein Vertrauen auf Gott zu fezen 459 das unsere gethan, und im Glauben die Werke unsers Berufs ausgerichtet, und ihn um ſeinen göttlichen Segen haben angeruffen. Und also soll einem jeden Vater und Mutter diß sein eigen Herz predigen; wie sie nicht gern wolten, daß ihre Kin der verderben, und Hungers sterben fol. ten; wie viel wenizer Fan GOtt der himmlische Vater erdulden, daß seine lie. be Kinder, die ihm so herzlich vertrauen, in folcher ihrer findlichen Zuversicht fol. ten zu Spott und zu Schanden werden. Darum laffen wir ihn walten und for gen, er wird als der getreue Wächter Ifrael über unsere Haushaltung ein was chendes Auge halten, und laut seiner Busage uns väterlich ernähren. Nimm ein Erempel: wann einer an eines Königs Hof käme, und fähe, was geftalt alle Tische zubereitet, und mit allerley Speisen überfest wären, und fragte, wann folches gefcbehe, und wohin es angesehen sen? So würde man ihm zur Antwort geben. Der eine Tifch gehöre für den König, der ander für seine Räthe, der dritte für seine Hof Junkern, der vierte für seine Trabanten, der fünfte für fein Stallgesinde; So würde ein solcher bey ihm selbst gedens ten: 460 Die Bauchsorge zu vermeiden, C. ken: Weil dieser König so gar vorsic tig ist, und vor jedermann, ja für die Alergeringsten fochen und zubereiten läß fet so wird er gewißlich nicht leyden noch gestatten, daß seine Kinder. Freunde und Verwandten, Noth und Hunger leiden. Lieber folte GOtt ein Vater Herz ge macht haben, und folte selbst kein Vater Ber: gegen seine Kinder und Glaubigen ha ben? Das sey ferne. Ja ehe er uns feine Kinder folte in Betrug und Noth verderben lassen, ehe müße er feinen Namen Bater verlieren; Denn warum hat ihm GOtt diesen Namen Vater ge geben, wenn er kein Vater. Herz wolte haben? Darum follen wir in unserm Mangel GOtt unfern himmlischen Vater in folcher Zuversicht anruffen als die Kinder, wenn fie in Noth und Gefahr find, ihre leibliche Eltern anschreyen. Wohlan, Was plagest du dich dann mit Gorgen? bist du nicht ein groffer Narr? Darum warte deines Amts, deiner Ar beit, bete und vertraue GOtt, der wird dich nicht laffen verderben; denn Gott bertrauen, feinem Wort glauben, fleißig beten, und feines Berufs warten, lass fen keinen Menschen verderben. Im Glauben ist der größte Reichthum, im Unglauben die höchste Armuth. Wer Gott E. 25. und fein vertrauen auf Gott zu sezen 461 GOtt nicht vertrauet der ist recht arm; Wirst du nun GOtt und seinem Wort vertrauen, und glauben, daß er dich, laut der Berheiffung feines Borts, vd. terlich erhalten will, so wird das Wort GOttes an dir Wunder thun zu feiner Zeit; jedoch solches verborgener Weise, Efa 45, 15.. Ja che wir folten Noth lei. den, so müßte es Brod vom Himmel regnen, Erod. 16. und müßten harte Steine und Felfen Wasser geben. Grod. 17. Ja che müßten die Raben Brod in den Lüften auführen, wie dem Elid, 1 Reg. 17, 7. Wie wir deffen herrliche Erempel in der heiligen Schrift, und an. dern Historien haben. Blafium haben in der Verfolgung unter Diocletiano die Bögel ernähret, wie Marolus Spalatinus schreibet: Der auch meldet von Erafmo, daß er bey dieser Verfolgung auf den Berg Libanum ge wichen, da follen ihm die Raben Sveiſse gebracht haben; Daselbst wird auch ges dacht des Aegidii, den foll ein Hirsch ernähret haben. Daniel ließ GOtt in die Löwengrus ben werffen, aber Er hatte schon vora längst bedacht, wer ihm Speise bringen folte, dannenhero singet die christ. liche Kirche: Die 462 Die Bauchsorge zu vermeiden,€.25 Des Daniels GOtt nicht vergaß, Da er unter den Löwen saß, Seinen Engel fandt er hin, Und lies ihm Speise bringen gut, Durch seinen Diener Habacuc. In den Stücken Daniels vom Dra chen zu Babel, v. 32 und sega. Der Herr hrift den Propheten Eliam an den Bad Crith gehen, aber er hatte schon den Ra ben befohlen daß sie ihn daselbst ernäh ren ſollen, I Reg. 17, 6. Er fandt ihn endlich gen Sarepta zu einer Wittwe, diefelbe hatte nicht mehr, dann ein we nig meels; aber der Herr hatte schon beschloffen, wie er sammt der armen Wittwe follte erhalten und ernähret wer den, 1 Reg. 17, 9. So wunderlich weiß der himmlische Vater für seine Kinder zu sorgen. Endlich fagt auch Chriftus! Wir sollen nicht sorgen für den andern Morgen! denn der morgende Tag werde für das feine forgen, und sey genug, daß ein je der Tag seine eigene Plage habe. D mit zwar der Herr nicht verbieten will, daß man für Kinder forge, nach St. Paus li Lehr, 2 Cor. 12, 14 oder aber sonst in feiner Haushaltung bestellt, was fünftig nothig ist; als daß der Hauswirth gegen Den Winter seine Küche versorge, oder der A €. 25. und sein Vertrauen auf GOtt fezen.463 der Ackermann das Feld bestellt, davon er das zukünftige Jahr gedenket Früchte zu haben. Sendern frafet allein die verdammliche Gorge des Mißtrauens gee gen GOtt, dadurch ihm der Mensch ein eirel Leben sauer modet ohn alle Noth, das er nicht bedürfte; denn das Leben ist doch voller Mühe, und findet ein jeg licher Tag, ohne das, seine eigene Pla ge. Darum will GOtt der Herr nicht, daß ihm ein Mensch soll mehr Mühe und Arbeit machen, als ihm fonft zu handen geht; sondern er will vielmehr, daß wir follen vergebliche Sorge, Angst und Mühe, der wir können mit gutem Ge wiffen entübriget fenn, fliehen, auf das wir nicht an uns selbst zu Mördern werden. Der weise König Salomo hat ein ganz Buch gefchrieben von der Eitelkeit menschlichen Lebens, darinn er unter andern auch anzeiget, feiner soll sich in Sorgen und Noth quälen. Ja, spricht er, was friegt ein Mensch von aller seiner Arbeit und Mühe seines Herzens, die er hat unter der Sonnen, denn all sein Lebtag Schmerzen mit Gramen und Lend, daß auch sein Herz des Nachts nicht ruhet? das ist auch eis tel. Ifts nun nicht besser, daß ein Mensch effe und trinke, und seine Seel guter Ding 464 Die Bauchforge zu vermeiden ,, C. 25. Ding fey in seiner Arbeit? Aber folded fage ich euch, daß es von GOttes Hand) kommet, Pred. 2,22. 23. 24. Und aber mal: Gehe hin, is dein Brod mit Freu den, trink deinen Wein mit gutem Muth dann dein Werk gefällt GOtt wol Pred.. 91 7. Hinwiederum fagt Syrac Cap. 30 22. 23. 24. 25 Mache dich selbst nicht traurig, und plage dich nicht selbst mit deinen eigenen Gedanken! Denn ein fro lich Herz ist des Menschen Leben, und feine Freude ist fein langes Leben. Thue bir gutes, und trößte dein Herz, und treb be Traurigkeit ferne von dir, denn Trap rigkeit tddtet viel Leute, und dienet, doch nirgend zu. Und das sind also die nachy denklichen und hochwichtigen Ursachen, warum wir uns für der unnöthigen Bauch Sorge in diesem Leben hüten und für ben folien, die und der himmlische Orator Christus Jesus in seiner herrlichen Per digt angeführet hat. Sehnliches, Gebet der zeitlichen Güter fie recht zu ge H ERR Jesu brauchen. Christe, der du deine Glaubigen wunderlich speisest und ernährest: Ach gedenke auch an mich, und verfage mir das tägliche Brod nicht; er nähre mich in dieser undankbaren wüsten Welt 25. und sein Vertrauen auf Gott zu sezen. 465 Belt, und erwecke irgend ein gutes Herz, bas fich meiner annehme und sorge du für mich, der du von Anbegin allen from men Herzen ihre Nahrung gefegnet; Gegne auch meinen geringen Vorrath, und mein geringes Vermögen, auf daß io dir stets danksagen, und dich loben und preisen mège. Ich befehle mich die mit Leib und Leben, mit Ehre und Gut; erhalte mich so lange du wilt, befobere mir, was du wilt; du bist mein Leben, und die Länge meiner Tage, meine Zeit Behet in deinen Händen: Gib, daß ich nicht auf meine Armuth und Mangel, sondern auf deine allmächtige Hand sehe: Verleihe, daß ich für allen Dingen fu dhe, zum ersten die Speise meiner See. len, auf daß ich zu rechter Zeit finde die Speise meines Leibes; Hilf, das ich geschickt sen, bende fatt zu seyn, und zu hungern, bende übrig zu haben, und Mangel zu leiden nach deinem Wohlges fallen. Verleihe mir mein GOtt, daß ich bey groffem Segen demüthig, und ben geringem Vorrath gedultig sey; auf daß ich mich gegen die mit Llebermuth nicht verfündige, noch an deiner väterli. hen Vorsorge aus Kleinmithigkeit verzas ge: Schreib mir aber deine Wort und Bunder in mein Herz, und gib, daß ich 466 An Gottes Gegen Cas ich mich deiner Vorfage stets trost und mich in allen Dingen nach deinem Wort richte, Amen! HERR, lehre mich satt seyn, und Mang leyden, Vergnüget seyn mit dem was du bescheide Den Geiz zu meiden. 2-4-4-4 Das XXVI. Capitel Daß an GOttes Segen allei alles gelegen fey. Pfalm 127, 3. Es ist umsonst, daß ihr fri aufstehet, und hernach lang sizet, und f euer Brod mit Sorgen; denn sein Freunden gibt ers schlafend. daß er Segen des Herrn macht reich ohne Mühe, sagt der König Salomo Prov. 1o, 22. hat mit GOttes Seegen solche Gelegenheit, das er sich nicht rechnen noch messen läßt; er geht heimlich und verborgen, wie das Korn auf dem Felde, und die Blumen in den Gärten wad fen: Stehest du dabey ftill, gehest heut, mor gen, übermorgen hinzu, wilt messen und sehe wie es wachse, wirst du nichts finden noch mete Ten; aber harre etliche Wochen, so findest du einen merklichen Unterschied: Also ists mit Got tes Segen duch; wer rechnet und misset, vers leuret ihn; wer GOtt vertrauet, seines Berufs wartet, und gar nicht forget, der findet ihn mit Haufen. Die Gottlosen und Unglaubigen wol len es nicht darzu kommen lassen, daß sie GOtt fegne, sie selbst wollen ihnen den Segen schaffen, aber €. 26. alles gelegen. 467 aber es gerath übel. Denn gleichwie wir sehen, daß in der Wüsten zwölf Körbe Brocken übers bleiben, weil da GOttes Segen war, Joh. 6, 13. Also muß dagegen alles zerrinnen, wo die Leuthe sich selbst fegnen, das ist, durch Geiz und Wucher zu Geld und Gut kommen; wie die Exempel vor Augen sind, daß so greffe herrs liche Geschlecht zu Boden gehen, verderben, und im Elend sterben. Darum balte dich zu GOtt und seinem Wort ob dich Mangel und Noth anstößt, da liegt nichts an; du haft den bey dir, der ein Herr über alles ist. Ist nichts da, so kan er etwas machen, wie er aus nichts alle Ding gemacht; Ist wenig da, so kan ers mehs ren, daß es weiter reichen, und dir besser helfen foll, denn andern ihre herrliche Fürsten Schaze. Darum laß dich den Mangel nicht betrüben und anfechten, tröste dich deines HERRN Chrifti, feiner Güte und Allmächtigkeit. Derhalben fol len wir nicht auf unsern Vorrath, oder auf unsere gute und böfe Nahrung fehen, sondern auf die allmächtige Wunderhand GOttes trauen, und das Stucklein Brods, so er uns zugewor fen, fegnen wolle. Es wollen etliche fagen: Es wachsen nicht fo viel Garben, Getraids auf dem Felde, als Menschen seynd auf Erden. Kaiser Friderich, Erz Herzog zu Desterreich, Kansers Maximiliani Vater hat auf dem Reichs Tag zu Cöllen am Rhein das greffe Volk, so dazumal zu Collen aus allen Landen, Infuln und Königreichen ver fammlet, zehlen lassen, auch das Brod, damit man gegen Abend das Volk speisen wollte; und De man alle Häupter der Fremden und Einheis 6ga mischen 468 An GOttes Segen C. 6. mischen gegen die Brod, welche sie allenthalben in der Stadt gefunden, angeschlagen hatte, bat allezeit das vierte und fünfte Haupt auf ein Pfenning Brods getroffen, des andern Tags hat der Kayser wiederum fragen laffen an alm Orten, ob des Brods genug sen gewefen, un hat sich befunden, daß allenthalben noch Bra gnug übrig gewesen ist: Noch dennoch will de Welt verzweifeln an GOTT, er werde fie la Hungers sterben. Man möchte nicht unbillig fragen: Liebe! was habt ihr doch in eurem Christenthum zug nommen, und aus GOttes Wort gelernet? Könnet ihr auch mehr glauben, als ihr mit cura Augen sehen und mit den Händen greifen könne? Des ist ju beklagen, daß wir zu sehr an Vernunft und an äusserlichen Mitteln hange und GOttes Allmacht aus den Augen f wodurch wir uns selbst den gröften Sch thun, denn trauen und glaufen wir seinem tigen Wort nicht, so will er uns auch fein Treue und Glauben halten, sondern uns in u ferm unglauben versinken und verderben laffen. Ma trauet leyder unserm Herrn GO nicht weiter, als man ihn siehet; man glaubt ſo lang, als man den Glauben in den Händen alles genug und einen groffen Vorrath auf v Jahre hat; so ist es ein köstlicb Ding, da glaubt man gern, daß GOtt werde uns die unfern for nen erhalten: So bald aber der Vorrath Ende hat, und die äusserlichen Mittel verschwin den auch alsbald aller Glaube und alles Ver trauen zu GOtt, da meynet man, man mul sich nun selber versorgen, und wo es da man gelt, so müsse man Hungers serben. €, 16. alles gelegen. 469 Solchen und dergleichen Gedanken sollen wir mit Hilfe des H. Geistes widerstehen, und sie durch ein andächtiges Gebet aus unserm Hers gen vertreiben. Dann GOtt der Herr nimmt oft die aufserlichen Mittel hinwea, und versucht uns, ob wir ihm auch unsern Bauch vertrauen dörfen. Darum sollen wir nicht verzweifeln, wenn wir die Mittel nicht mit Augen sehen, oder mit der Vernunft ausrechnen können; denn GOtt ist an die Mittel nicht gebunden, er kan auch ohne Mittel wunderbarlicher Weise helfen. Dann wann wir stets Mittel und Wege sehen, wodurch uns könne geholfen werden, so bedürfen wir uns fers Herrn GOttes so groß nicht, und ware nicht nöthig, daß man betete, und ihn darum angrieffe. Ja, wenn wir gleich Mittel haben und ses hen, sollen wir doch GOtt anrufen, daß er da durch kräftig seyn und wirken wolle: Denn es fiehet alles in GOttes Hand, und die Mittel müssen würken, als GOtt will, und nicht als wir wollen und denken. Gehen aber unsere Aus gen keine Mittel, sollen wir darum nicht vers lagen; denn GOtt kan im Augenblick Mittel schaffen, oder ohne Mittel helfen. Wir můsens aber also machen wie Abraham, welcher glaubte auf Hoffnung, daß nichts zu hoffen war. temal GOtt kan schaffen und machen, da nichts ist, daß es etwas fey, Róm. 4, 17. 18. Daß mancher spricht: Ach lieber, ich frecke th groffen Schulden, Beschwehrungen, Creuz and Elend, wie will ich doch immermehr heraus tammen? Nun der GOtt, der dich hineinges n führet, 470 An GOttes Seegen C. führet hat, der wird dich auch gewißlich wiede heraus führen, wenn du gleich nimmermehr keine Mittel noch Wege für Augen siehest. Was hatte die elende Wittwe für Mittel ihre Schul zu bezahlen, die dem Propheten Elisa Elagte wie die Schuldner ihre benden Kinder zu leib eigenen Knechten nehmen wollten? Sie hatt nichts im Hause als einen Delkrug: Doch auf des Propheten Wort und Befehl leihete fie fammen ein Hauffen Gefäffe, und goß aus b rem Krug immer ein, bis sie alle voll wurde und ward der Delkrug noch nicht ledig. Wem fie nun alle Gefäffe gefüllet, fagt sie es de Mann GOttes an; er aber sagt zu ihr: Gek hin, und bezahle deine Schuldner, du aber un beine Söhne nåhret euch von dem übrigen: Kon. 4, 1.2c. Also weiß GOtt Rath und Mi tel, wenn wir keine wissen; hilft euch oftmals wunderlich, wenn wir ganz verzagt seynd, und uns ergeben haben. Als Hagar in die Wün mit ihrem Kindlein verjagt wärd, gedachte nicht anderst, sie und ihr liebes Kind müßten bede Hungers und Durstes halben sterben, und das Leben kommen; wie sie denn erbärmlich the get, und das Kind von sich legt, damit sie sti nen Tod nicht ansehen möchte; schreyet und meis net kläglich zum Herrn in ihrem Herzen: Aber mitten in der höchsten Noth kommt der Engel ju thr, und zeiget ihr Wasser und Speise, und tröstet sie freundlich, Gen. 21. Derowegen lasset uns an GOttes Almacht nicht zweifeln; der alte fromme GOtt lebt noch hat mehr denn er jemals vergab; denn wo wes nig ist, da kan ers vermehren; da nichts ist, Faz € 262 alles gelegen. 472 lan ers verschaffen. Darum sollen wir den Herrn Christum lernen recht erkennen, als einen Herrn über die ganze Creatur der die Creatur nach feinem Willen andern, mehren oder mindern kan, wie es ihn gelüstet, auf daß, wenn wir mangel haben, und es ungerathen mit uns zugehet, wir nicht so bald verzagen, sondern durch den Herrn Chris ftum als der ein Herr über alles ist, und ein allmächtiges Wort hat, der Besserung hoffen: Gintemal er ein geringes fegnen und mehren, ein schädliches abwenden oder andern, und in Summa, in allem Anliegen helfen kann. Denn, wenn wir meynen, wir seyen in der aussersten Noth, so fist GOtt der Herr, und forget für uns, und überschlägt seine Speis- Kam mer und Korn- Kasten, davon er uns speisen wolle; denn er weiß gar wohl, wie seinen Brüdern und Schwestern, die in Noth und Kummer stecken zu Muth ist; fintemal er versucht ist in allem, da rinn wir können versucht werden Hebr. 4, 15. 1 Derowegen wird GOtt der Herr die Seel des Gerechten nicht laffen Hunger leiden, Prov. 10, 3. Wie auch David sagt, Psalm 37, 25Ich bin jung gewesen und alt worden, und hab noch nie gesehen den Gerechten verlaffen, der feinen Saamen nach Brod gehen. Diese Wort Eerkläret Clemens Alexandrinus also: Dem Ges rechten mangelt es nicht an Brod, es ware denn Sach, daß kein ander Gerechter vorhanden was re, der sich seiner annehme: Es muß nicht da hin kommen, daß die Frommen und Gerechtes oder ihr Saame, das ist, ihre Kinder Mangel haben! Im Fall sie schon keinen Ueberfluß haben, fo wird ihnen doch GOtt täglich ihre Nothdurst geben; PRESSR 472 An GOttes Segen geben; und ob sie schon endlich schwach und als werden, sollen sie doch nicht zweifeln, daß der felbe, welcher sie von Jugend auf ernähret hat, fie auch im Alter nicht verlaffen werde; wie der Herr sagt, EL 46, 4. Ich will euch trager bis ins Alter, und bis ihr grau werdet. David fast Pfalm. 71, 9. Verwirff mich nicht in mei nem Alter verlaß mich nicht, wenn ich schwach und grau werde. Hat dich GOtt, du frommer Chrift, fünf sig, jechzig oder siebenzig Jahr ernähret, wird er dich vollendes zwen oder drey Jahr, und die übrigen geringe Zeit auch ernähren und verforgen. Und obschon wenig oder gar nichts bey from men Gottesfürchtigen Leuten, wann sie sterben, übrig bleibet, fo wird doch Gott die ihrigen nicht verlassen, sondern sich deren allererst, als ein Vater der Wittwen und Waisen, annehmen; denn GOtt spahret oft den Seegen auf die Kin der, biß die Eltern das Haupt alle geleget, und zu Ruhe kommen seynd, und läsfet ihnen alsdenn erst deren Frömmigkeit und Gottes furcht reichlich geniessen. Müssen sie schon ihres leiblichen Vaters und ihrer frommen Mutter ente rathen, bleibt ihnen doch der unsterbliche Vater, der sie beffer verforget als die Eltern. Gott fors dert oft Eltern, Kinder, Geschwister, Freuns de, und was sonsten lieb ist, hinweg; diß muß darzu dienen, daß das Herz und Vertrauen allein an Gott hanget, sich von den leiblichen Freuden zu Christo dem liebsten, áltesten, bea ſten und freuesten Freund und Bruder haltes Lieget alfo unter diesem Creus ein Schaz vere borgen E. 16: alles gelegen. 473 Lieb und borgen, der heift, Gott vertrauen, Hoffnung auf ihn richten; wie David sagt: Herr wenn ich nur dich hab so frage ich nichts nach Him mel und Erden, Pf. 83, 25. Denn so GOtt frommer Christen das ewige Leben verheissen, und sie zu seinen Kindern und Erben der ewigen Seeligkeit erwählet und angenommen, auch seines eigenen Sohns um ihrentwillen nicht verschonet; wie sollte er ihnen Dann mit demselben nicht alles schenken? Róm. 8, 32. und geben was zu Unterhaltung dieses Lebens nöthig ist? * Diefen Trost wollte uns der Satan gern aus unsern Herzen reiffen: Derowegen soll ein Christ sein Weib und Kinder an seinem lezten Ende GOtt befehlen, und sie vermahnen, daß fie GOtt im Himmel vor ihren obersten Vors mund und Pfleg Vater halten und erkennen, ihme gehorsam seyn, und nach seinen Gebotten einber gehen und wandlen, und sich stets mit GOtt und seinem Wort belustigen sollen; so werden sie keinen Mangel haben, sondern geseg net seyn zu Haus und zu Felde, an ihrem Land an ihrem Viehe: gesegnet wird seyn ihr Korb und übriges, gesegnet werden sie seyn, wenn sie ein und ausgehen, 5. Mof. 28, 3. 4. 5. 6. Sintemal der Seegen in GOttes Wort verbora gen ligt. Also tröstet der alte Tobias sein Weib und Kind: Sorge nur nicht, mein Sohn! wir sind wohl arm, aber wir werden viel Guts haben, so wir GOtt werden fürchten, die Günde meyden und Gutes thun, Tob. 4, 22. GOtt will niemand verdammt haben, so wenig als er keinen will Hungers sterben und ver. An Gottes Segen €.: 26. 474 verderben lassen; daß aber viel tausend Men. schen verdammt werden oder Hungers sterben und verderben, da hat der gütige GOt keine Schuld daran, sondern die abgekehrten Menschen, so da nicht beten: Dein Reich kom me, oder, unser täglich Brod gieb uns heut. Wollen wir nun, daß es uns zeitlich und ewig wohl möge ergehen, so müssen wir für allen Din gen GOtt für Augen haben, seinem Wort glaue ben, und dasselbe in Ehren halten, uns ernstlich um das Ewige bekümmern und darnach trach ten, wie wir mögen selig werden. Wer das thut, der leidet keinen Mangel, sondern hat ges nug, und soll das zeitliche, so viel wir dessen zur Nothdurft Leibes und des Lebens bedürfen, das her kommen, da wirs nicht gehofft hätten: Denn GOtt vertrauen, seinem Wort glauben, flei Big beten und seines Berufs warten, lassen teie nen Menschen verderben, wie oben im 24. Ca pitel gedacht worden. Wer nun diesen Stücken nachfezet, den will GOtt nicht verlassen, sondern versorgen; ob es gleich zuweilen sparsam zugehet, da ligt nichts an: hast du es nicht scheffelich, so hast du es doch löffelich: fleußt es nicht, so treuffet es doch: Also sollen wir mit GOttes Willen zufrieden seyn, und nichts anders begehren und wünschen, Und wann ein Mensch einen Heller mehr, oder etwas anders, als ihm GOtt zugeordnet, wünschen oder begehren würde, dasselbe wurde ihm zu lauter Seelen- Gift werden. Darum befehle dem Herrn deine Weege, und hoffe auf ihn, Er wirds woht machen, Pfalm. 37/5 Wünsche oder begehre derowegen bey leibe der Gotte €.26. alles gelegen. 475 Gottlosen Glück und Herrlichkeit nicht; Denn die Güter, so den Gottlosen von GOtt gegeben werden, sind unheilsame Geschenke, und ware besser, sie bekamen gar nichts. Denn weil sie es nicht erkennen, daß es von GOtt herkomme, und solches nicht mit Danksagung empfahen, so hat es keinen Seegen, sie nehmen es auch mit Sünden, es kommt ihnen nicht zum Gedeyen, fondern sie freffen den Tod und das höllische Feuer dran. Darum sen mit dem zufrieden, was dir GOtt rechtmäßiger Weise bescheret hat; will dich GOtt der Herr so groß, reich und herrlich haben, und diener es zu seinen Ehren, und zu deiner Seligkeit, so wird er dirs wohl geben: Will er dich aber ktein und arm haben, follt du auch zufrieden seyn, und wider ihn nicht murren. D. Luth. sagt! Will dich GOtt wozu haben, so wird er dich, wohl finden, und dich nicht verlassen noch versäumen, sollte er auch einen Engel zu dir senden. Inmittelft bleib in der Furcht des Herrn, befehle ihm deiue Weege, und laß es dabey bewenden, da es GOtt hins geordnet hat. GOtt fegnet manchem Menschen das wenige, das er hat, daß es länger währet, dann man ches Menschen groffes Guth; das machet, daß in dem wenigen, das ein Frommer hat, der Ses gen ist. Es geschicht oftmals, wenn ein Mensch mit grossen Sorgen und Mühe, Geld und Guth ges fammlet, so zerstreuet es GOtt der Herr durch den Wind des Verderbens, und gehet uns eben wie den Kindlein, welche mit emsigem Fleiß Hauslein bauen, so blåset manchmal der Vater der 476 An Gottes Segen der dabey fizt, alle ihre Mühe und Arbeit von einander mit einem Anhauchen: So thut auch GOtt offtermals, wenn wir mit groffen Sor gen Geld und Guth gesammlet, blåset er mit seinem Zorn drein, und zerstreuet es wie Staub vom Wind verjagt wird; daß wir sehen, wie so gar nichtige und närrische Arbeit es ist, ohne und wider GOttes Willen reich seyn. Welche sich nun darauf legen, daß sie viel Güter sammlen, die werden vom Teufel auf mancherlei Weise angefochten, und in seinen Stricken verwickelt, daß sie mit Recht und Un recht zusammen bringen, was sie nur können, und aus einem närrischen Muth immer mehr begehren, welche doch dem Menschen an der Sees ligkeit nur hinderlich oder schädlich seynd, und einen geizigen Menschen ins ewige, oft auch dare zu ins zeitliche Verderben stürzen. Denn einem geizigen Menschen mangelt eben so wohl dasjenige, was er hat, als was er nicht hat: Gleichwie ein Wassersüchtiger je mehr er getrunken hat, je mehr er trinken will: und wie das Geld zunimmt, also nimmt die Luft und Liebe auch zum Geld zu, und wird immer größ fer: Darum sind die geizigen Leute des Teufels Märtyrer, und seine lebendige Knechte, mit de nen er sein Gespött treibe; dieweil alle geizige Leute, die so emsig nach zeitlichen Gütern trady ten, dadurch die ewigen himmlischen Gütern verlieren und verscherzen. Weil dann der Geiz ein solcher Greuel für den Augen GOttes ist, so laffe sich ein jedes genügen mit dem, was ihm GOtt mit gutem Gewissen beschehret; Denn es ist ein groffe €. 26 alles gelegen. 377 Gewinn, wer gottselig ist, und lasset ihm gea nügen, 1 Tim. 6, 6. Denn der ist wahrhafs tig reich, welcher fromm und gottselig ist, und sich mit dem Geringen genügen lasset, was ihm GOtt beschehret: So verstehet auch GOtt am besten, weme er den Reichthum geben soll, und wer ihn recht nach seinem Willen zu gebrauchen weiß; und in unserer Seelen weit beffer, ein wenig mit Gottes Huld und gutem Gewissen, denn viel mit Gottes Zorn und bösem Gewiffen. Daher Salomon fagt: Es ist besser, ein wes nig mit Gottesfurcht, denn groffe Schaze, da Unruhe ist, Prov. 15, 16. Ein glaubig Gebet zu Gott um seinen Gegen, und um ein ziemliches Auskommen, ist viel ein gewisserer Zins, als ob man viel tausend auf Rente hätte, mis bosem Gewissen, Lutherus sagt: wenn wir nur konnten glauben, so hatte es feinen Mangel; unser Herr Gott ist ein guter Goldschmid, er Fan aus einem Gulden mehr dann hundert schmie Den; es ligt nicht an der Baarschaft; es kann einer mit taufend Gülden so weit nicht kommen mit unglaubigem Herzen, als einer, der Gott vertraut, mit einem Gülden. Lutherus schreibet abermal über den 112. Pfalm. also: Die Glaubigen haben einen stattlichen Schaz und Silber- Kammer. Hier sprichst du: Wie seynd sie reich; so doch Paulus, Elias und Elisaus arm gewesen seyn? David ist von feinem eigenen Sohn aus seinem Reich) vertries ben; und andere Heiligen haben in grosser Ara muth gelebet? Antwort; Sie haben ihre Schaze Kammer, Kasten und Keller zu GOtt gesezet, an einen ſolchen Ort, da sie kein Dieb Fehlen kan; 478 An Gottes Segen alles gelegen.€.2 Ean; sie wissen, daß sie genug haben, und fie es gleich nicht haben auf diese Weise, daß der Beutel pauset, Kisten und Taschen, Göller und Keller voll sind, so sind sie doch gewiß, Gott werde sie speisen; und ob sie wohl eine Weil Mangel leiden, und Gott fie versuchet, so bleibt doch Gott nicht aussen, sie müssen Essen und Nothdurft haben, sollte auch der Himmel Brod regnen; wie das Exempel der Ifraeliten in der Büsten und andere ausweisen, 1. Mos. 16. Flehentliches Gebet wider den Geiz. ERR du Allmächtiger, reicher Gott, der du alles in deiner Hand hast und durch deinen Seegen allein reich machest: Ich bitte dich von Herzen, du wollest mein Herz zu deis nen Zeugnissen wenden, damit ich nicht aus Be gierlichkeit des vergånglichen Reichthums, in Versuchung und schädliche Lüste gerathe, die meine Seele senken mögen ins Verderben. Er halte mich bey dem einigen, daß ich deinen Na men fürchte, und allein nach dem ewigen Gut trachte; so wird mich dein Seegen wohl reich machen, daß ich genug habe hie zeitlich und dort ewiglich. Dessen hilf du mir, durch Jesum Christum deinen Sohn, meinen lieben Herrn and Heyland, Amen. Ach HErr, laß deinen reichen Seegen, Und deine milde Hand sich regen, Bey mir allwegen: DAB ( 479) Das XXVII. Capitel. Wie sich ein Mensch gegen seis nen Nächsten, der in Trübsal und Nöthen ist, schicken und verhalten soll. Matth. 7, 12. Alles was ihr wollet, das euch die Leute thun sollen, das thut ihr ihnen. Cs s gehet leyder in dieser bösen Welt also daher: Go lange ein Mensch in Glück und Wohlfahrt schwebet, hat er Freunde und Beystand vollauf, und will ein jeder gern Freund und Kundschaft mit dem Glückseligen machen; aber wenn sich das Blatt wendet, und das Glück in Unglück verkehret ist, da sichet man Wunder, wie sich alle Freunde verlieren, und in der Noth abfallen, also, daß sie auch nichts von der vorigen Freundschaft wissen wollen. Ja da sagt mancher in glücklichem Zustand groffe Treu und Glauben zu, er wolle Gut und Blut beym andern auffezen; wenns aber darzu kome met, so ist niemand, der den alten Freund mehs kennen toill: und das Laster der Untreu und Une beständigkeit ist alt und gemein in der Welt. Davon haben die alten Poeten geschrieben. Fortuna mutante, vices mutantur amici. Eau Verkehret fich dein Glücke, Dein Freund weicht auch zurücke. Item Ovid. Trift. 1. Eleg. 8. Cum fris felix, multos numerabis amicos Tempora fi fuerint nubila, folus eris. 480 Wie sich ein Mensch gegen seinen C So lange dir das Glück in alle Seegel mehet So lange haft du Freund; Sm Fall es f verdrehet, Und trübes Wetter wird, so fizest du allein, Und will denn feiner sonst dein Freund und Gönner seyn. Davon haben die alten Teutschen gesagt, wie D. Luther in der Teutschen Bibel, Son 6, 8. am Rande meldet: Freunde in der Noth gehen 25. auf ein Loth: folls ein harter Stand fepn, gehen wohl fünfzig auf Quintlein. Und der König David hat viel Klagen davon in si nen Psalmen, wie seine Freunde und Verwand ten von ihm getretten, und ihn verlaffen haben. Denn so lange er an Sauls Hof in Gnaden ware, hatte er Freunde genug, man woll te ihm des Königs Tochter geben; aber da Gnade aus ist, da verliehren sich die Freun de mit Hauffen; also sagt auch Job im 29. cap. v. 7. von seiner grossen Ehre und Ansehung, so er gehabt in den Tagen, da ihn Gott für Unglück behütet, wie er seinen Stuhl auf de Gaffen bereiten lassen, wie die Jungen sich für ihm verstecket, und die Alten für thm anfgeftan den; da ihm aber der Herr seine Ehre ausge gogen, und die Krone von seinem Haupt genom men, haben sich seine Brüder ferne von ihm g than, seine Verwandten sind ihm zu Feinde wo den, seine Nächsten haben sich entzogen, und feine Freunde haben sein vergessen, Joh. 19, 13. 24. Das ist es, was Syrach cap. 6, 10. fa get. Es sind etliche Tischfreunde, und halten nicht in der Noth: Weil dirs wohl gehet, sind sie deine Gesellen, und leben in deinem Hu $ ₂ C.27. Nächsten in Trübsal verhalten ſoll. 48% feals wären sie auch Hausherren; gehts die aber übel, so stehen sie wider dich, und laffen sich nirgends finden. So gehet es mit dem une getreuen, falschen und unbeständigen Menschen. Aber Gott hat an folche Lintreu ganz kein Ges fallen, der will, daß wir sollen frölich seyn mit den Fröhlichen, und weinen mit den Weinenden, Róm. 13, 15. Das ist, wir sollen in Glück und Unglück beständig bleiben. Was sollen wir aber unserm Freund und Nächsten thun, wann er in Trübsaal und Nöthen ist? Erstlich, sollen wir für allen Dingen ein aufrichs tig, redlich Herz und Gemüth gegen ihm behalten, und uns wegen seines Creuzes und Unglücks nicht von ihm entziehen: Denn das ist die Unz beständigkeit und Untreu, davon jezo gefaget, die einem Christen und redlichen Herzen nicht anstehet, die auch Geft wiederum also zu stra fen pfleget, daß ein solcher in seinem eigenen Unglück mit gleichem Maaß bezahlet werde. Darnach lehret uns auch Gottes Wort, daß wir mit dem Nächsten in seinen Trübfaalen herzliches Mitleiden tragen sollen, welches sich wohl finden wird, wo das Herz richtig bleibet, und nicht entfremdet. Denn eines andern Un glück und Elend nicht achten oder zu Herzen nehmen, das ist eine Stoische Härtigkeit, die nicht von Gott, sondern vom Teufel herrühret, der ist ein Schadenfroh, und weiß von keinem Erbarmen. Was aber Christen Menschen sind, die richten sich nach Christi und St. Pauli Lehr: daß sie mitleidig und barmherzig seyen, und das herzliche Erbarmen, als die Auserwählten Gots -tes anziehes, Luc. 6, 36. Col. 3, 12. Zum Ob Drittens 482 Wie sich ein Mensch gegen seinen C.. dritten, müssen wir auch den Betrübten Elende die Werke der Barmherzigkeit, und in gefärbter Liebe erzeigen, sonst wäre es nur fir Heucheley zu halten. Wo es nun möglich ist, daß dem Nächsten iu seinem Ereuz und Trübs kann geholfen werden, da follen wir ihn nicht verlassen; Denn darum låsset auch Gott man chen wohlhabenben Menschen einen betrübten Creuzträger zur Hand kommen, auf daß er s hen möge, wie er seinen Glauben, Liebe und Barmherzigkeit an ihm beweisen werde. We darum der arme Lazarus für des Reichen Thie kommen müssen, auf daß der Reiche Ursach hätte, seine Hand aufzuthun, und dem Lajar zu helffen, da er aber sein Herz für ihm ver schlossen, ist seine Verdammniß desto schwere worden, Luc. 16, 26. Nun ist zwar das Eremy und Unglück eines Menschen mancherley, und allezeit also nicht beschaffen, daß man helfen kan, sondern die Hülffe muß oftmal von Gott allen kommen: Aber wann wir anderst nicht können und vermogen, so müssen wir mit Trost helfen. Als zum Exempel: Wann ein Mensch mit geist licher Anfechtung beladen ist, daß ihm der Lev fel mit schwermuthigen Gedanken, mit gefährli chen Versuchungen, mit Verzweiflung und an dern vergifteten Pfeilen zusezt, so bald wir f ches spüren und merken, sollen wir unsern Freund und Nächsten oft besuchen, ihn aus Gottes Wort treften, mit uns zur Kirchen führen, auch selbst fleißig für ihn beten! Wenn wir das thun, so thun wir alles, was uns möglich, und damit ist Gott wohl zufrieden. Ist aber jemand in Krankheit und Schwachheit gerathen, so folln wit 1 S C.27. Nächsten in Trübfal verhalten soll. 483 ir ihm rathen und helfen, so viel wir immer können: Können wir aber sonst nicht, so sollen wir ihn oft besuchen, ihn nicht verlassen, sondern seiner pflegen und warten, insonderheit wo wir wissen, daß es ihme an der Pflege und Auf wartung mangelt. Das ist der herrlichen Christen Werk eines, das der Sohn Gottes am Jüngsten Tage für aller Welt rühmen will, als sey es ihm selbst wiederfahren, wenn er sagen wird: Ich bin Frank gewesen, und ihr habt mich besucht; ich bin gefangen gewesen, und ihr send zu mir koms men, Matth. 25, 23. Wird auch dein Freund und Nächster mit Nothdurft und Armuth ges drücket, daß ihme darinn wehe ist, und nicht hat sich oder die Seinigen zu erhalten oder zu ernähren; da sollen wir unser Herz nicht abwen den, sondern von unserm Vorrath und Vers mogen ihme gerne helffen; daß er seinen guten Namen erretten, seine Schuld und Beschwes rung so viel möglich abtragen, und sein Auss kommen haben möge. Daben wir bedenken sol len, was Armut für eine bittere Plage und schweres Creuz fen: wie wehe es demselben im Herzen thun müsse, der auch vormals reich und wohlhabend gewesen, und hernach in Armuth gerathen: Man soll bey ihm selbst abnehmen wenn wir in folcher Armuth wären, was wir gern von unfern reichen Freunden haben und wünschen wollten, und das soll man den andern auch wiederfabren laffen. Gott ist ein wunders licher Gott, Er kan den Armen bald reich, und den Reichen bald arm machen. Ein Reicher tan nicht sagen, was ihm und den Seinen noch 562 wies 484 Wie sich ein Mensch gegen seinen€. 27. wiederfahren könne. Ist er nun hart und u barmherzig gegen feinen armen Freund, ihm Fann einmal mit gleicher Maaß wieder vergol ten werden. Die Heil. Schrifft lehret uns mit Sprüchen und Exempeln, was uns hierin ges bühre. Thue guts deinem Freunde, und ge denke an ihn, wenn du reich wirst, sagt Syrach, C. 37, 6. Also hat Tobias seinen Brüdern und Verwandten gethan, sonderlich hat er dem Gabel aus seinem Stamm gebohren, der sehr arm war, zehen Pfund Silbers vorgestrecket, Tob. 1, 16. Deßgleichen fagt auch Boas zu Ruth, sei ner armen Bluts Freundin; Du sollt nicht auf einen andern Acker gehen aufzulesen, sondern hatt dich zu meinen Dirnen, und wann es Ef fens Zeit ist, so mache dich herzu; gab ihr auch sechs ranß Gersten, und sprach: Du sollt nicht leer wieder zu den deinen kommen, Ruth c. 2. und 3. So lesen wir auch, daß Joseph befob len, seinen Brüdern ihre Säcke mit Getraid zu füllen, und ihnen ihr Geld wieder zu geben, darzu Zehrung auf den Weeg, Gen. 44, 1 Ee fordert auch hernach seinen Vater, samt sei nem ganzen Hausgesinde zu sich in Egypten, und versorgte sie daselbst, und jeglichen nachdem er Kinder hatte, Gen. 47, 11. Das ist ein schön Exempel, dem billig die Reichen nachfolgen follen. Darzu Syrach weiter vermahnet, 42, 24. Scháme dich dein Angesicht von dei nen Bluts- Freunden zu wenden, und Salo mon Prov. 3, 17 Weigere dich nicht dem Dürf tigen gutes zu thun, 2c. Deut. 12, 8. 9. 10. Du follt dein Herz nicht verhärten, noch deine Hans DE €. 27. Nächsten in Trübfal verhalten soll. 485 zu halten gegen deinen armen Bruder, sondern du sollt sie ihm austhun; dann um solches willen wird dich der Herr dein Gott segnen in allen deinen Werken, die du vornimmst. Wann also reihe wohlhabende Leute ihren armen Freunden oder andern nothleidenden Leuten helfen, haben sich dessen nicht allein für der Welt Ruhm und Dank, sondern Gott will sie deshalb reichs lich fegnen. Syr. 12. 2. Thue den Frommen Guts, so wird dirs reichlich vergolten, wo nicht von ihm, so geschicht es gewis von dem Herrn, Prov. 19, 17. Wer sich des Armen erbarmet, Der leihet dem Herrn, der wird ihm wieder Gu tes vergelten; der darf für keine Wiederzahlung forgen, dann Gott ist ein gewisser Wiederzahler. Wann aber jemand dieser Welt Güther hat, und siehet seinen Bruder darben, und schleust sein Herz für ihm zu, wo bleibt die Liebe GOt tes ben ihm? sagt der Apostel Johannes, 1 Ep. 3/ 17. Man findet auch viel, die nicht allein ihrer nothleidenden Freunden nicht zu Steuer und Hülfe kommen, sondern sich auch wol dazu in ihrem Elend mit ihren verdrießlichen Worten gedenken verzagter zu machen; worüber Job klagt, Cap. 6, 22. und spricht: Ihr seyd zu mir kom men, und weil ihr meinen Jammer sehet, furch tet ihr euch; und v. 26. Ihr erdenket Worte, daß ihr nur strafet, und daß ihr nur pauset: Worte die mich sollen verzagt machen; als wol te er sagen: Es schmerzet euch meine Noth nicht aus mitleidendem Herzen, sondern, weil ich in Armuth und Verachtung kommen, und ihr meis nen Jammer sehet, fürchtet ihr euch, daß eure Ebre 486 Wie sich ein Mensch gegen seinen* C.27. Ehre und Ansehen durch mein Unglück möchte geringert werden; deswegen feyd ihr nicht kom men, mich in meinen Trubniffen zu trösten, fon dern ihr gedenket nur verdrießliche Worte, die mich sollen verzagt machen: oder in Verzweiflung bringen. Das ist leyder vieler Menschen Art, daß sie nur Freundschaft halten, und gewogen fennd, so lange die Wagschale auf unsere Seite schlägt, und das Glück für unser Thür stil halt, daß sie alsdann Hoffnung haben mögen, sie wollens ben uns geniessen, wann wir Giud und Heit haben: Und wiederum, wenn Un glück für unsere Thür kommt, und sich das Gluk von uns wendet, da uns etwan ein Unfall über den andern reitet, friffet und plaget und die Weit allenthalben; da ziehen unsere gute Freunde den Kopf aus der Schlingen, und dor fen uns auch wohl selber darzu feind werden, übel von uns reden und Schaden thun: Dann fie, haben Sorge, sie müssen auch unsers Unfalls entgelten, mit uns ins Leyden kommen, oder uns mit ihrer Gefahr und Schaden aus unserm Unheil helfen: Wie dann Adams Kinder immer cicennúzig, verwizig und listig sind, sehen allein auf ihren Nuzen, suchen allein ihre Ehre, Glit und Frommen an uns. Aber also thut ihm w fer getreuer Gott und Vater nicht, sondern übler es uns gehet, je lieber wir ihm seyn, wir anderst im rechten Glauben an ihme han gen Er thut, wie ein Vater, der aus vater licher Liebe das Kind, so krank und elend ist, oder sonsten Unfall kommt, viel lieber hat, dann die andern; Also hat uns GOtt unser himmlis. scher Bater sonderlich lieb, wann wir in Ur glück kommen, und in Leyden stecken. 1 1 C. 27. Nächsten in Trübsal verhalten soll. 587 Deffen Erempel follen wir nacharten, einer dem andern in Nöthen behülflich seyn. Wann aber ein Mensch dem andern nicht nuzet, hilft und fördert, der ist dem Fluch unterworfen, wie der Feigenbaum. Derohalben müssen das unselige Leute feyn, die niemand dienen, und in Nöthen benspringen, ja noch wol den Leuten Schaden thun. Wo sie geben sollen, da neh men sie; wo sie retten sollen plagen sie, Und da gehts gemeiniglich also in der Welt, da wir bile lig die meiste Hülfe von haben sollen, die sind uns mehr beschwerlich dann tröstlich; Aber das ist der Vermahnung Sprachs nicht gemás, der da sagt: Man folle den betrübten Herzen nicht mehr Leydes machen, C. 4, 3. Denn wo ein Herz zerschlagen und voll Kümmerniß ist, dass felbige foll man nicht mehr martern und plagen, sondern trösten; Gleichwie man einen Wagen der auf die eine Seite hangen und fallen will, halten, und nicht fortan zu Boden stoffen und reissen soll, denn dasselbe geschicht ohne das, wenn er sinket, daß er gar leichtlich niederfällt. Es treibet aber der Satan viel gottlose reiche Leuthe dahin, daß sie weder Gottes Verheiffung noch Drauung was achten, sondern in deme, daß sie den armen Leuten, auch wol ihren nächs sten Blutsfreunden, so ihnen in folchem Elend, aus hochdringender Noth, thre Armuth verkaufs fen müsfen, zum wolfellsten abkauffen. Daher spricht Gott der HERR, Mich. 2, 8. 9. Sie rauben beyde Mantel und Rock denen, so sicher Daher gehen, gleichwie die, so aus dem Kriege kommen; ihr treibet die Weiber meines Volks Aus ihren Häusern, und nehmet stets von ihren 564 Jun 588 Wie sich ein Mensch gegen feinen C. Jungen Kindern meinen Schmuck. Und Ca 3,2. Ihr schindet ihnen die Haut ab, und das Fleisch von ihren Beinen, und freffet das Fleis meines Bolks, spricht der Herr. Das mögen die Geizhälse und Stufräube wol bedenken, wenn sie ihren Nachfien also be rauben; nemlich, daß sie ihnen ihre Häußlein, Hausgeråth, Kleider, Korn, und was es for ften feyn mag, nicht che, dann um halb Geb abzukaufen pflegen. 25 Darum ja& Gott der HERR, Fred. Wann du Geld leihest meinem Volk, das arm ist bey dir, so solt du ihn nicht zu Schv den bringen, und kenen Wucher auf ihn tr ben. Und Lev. 25/ 5. 36. Wann dein Br der verarmet, und neben dir abnimmt, fo foll du ihn aufnehmen, als einen Fremdling ode Gast, daß er lebe neben dir; und folt nicht Wucher von ihm nehmen noch übersezen, fo Dern dich fürchten für deinem Gott, auf da dein Bruder neben dir leben könne. Daraus ir gnugsam offenbar, was Got von uns fordere und haben wolle, wann we in Glück und Wohlstand sizen, unser Freund und Nachfter aber im Elend und Unglück schwebt. Da wird es warlich ein unbarmherzig fing Urtheit geben am Jüngsten Tage, wann m felche Unbarmherzigkeit seinem Nachften erzeiget. Es ist mancher reicher wohlhabender Mann, feinen Freund gar leichtlich aus allem feinem glük erlösen könnte, da er nur von seinem groff Reichthum etwas angreifen wolte; aber da i er fo hart und unbarmherzig, daß er den andern lieber in seinem Etende will stecken lassen, heer das Des n DIM 24 06 704 Cia A DOC 04 DIR 10 t. g 1 10 1 18 €. 27. Nächsten in Trůbsal verhalten soll. 489 9 das geringste von dem Seinigen daran sezen will. Bedenke aber einer, was für Blindheit und Thorheit das ist; was ist doch das schnöde Geld? wie viel Tonnen muß der Mensch sammlen am Schaz, che er von dem elenden Mammon that? Er sammlete aller Welt Gut zusammen, und hörete doch nicht einmal sagen: Habe Dank, daß du mich gesammlet haft; Das wird aber noch ein ehrlich und christlich Herz thun, dem damit geholfen wird. So iss auch ein schlech: ter Ruhm, groß Geld und Gut nachlassen; denn das thun die gottlosen Geizhalfe, die des Teufels Märtyrer seynd, gemeiniglich alle: Aber fein Geld und Gut zu Gottes Ehren, und des Nächsten Besten wol anwenden, das gibt Ehre und Ruhm, und bringet Segen und Gedeyen auf alle NachFommen. Es seynd Leute, die nicht einen eini gen Erben in der Welt haben, und lassen doch wol ihre eigene Verwandten in Unglück und Eiend stecken; sie sind recht in des Teufels Stri cfen, der nicht will, daß sie was guts thun fol len; und die pflegen gern hernach ihren rechten Lohn zu kriegen, wann sie an statt des Danks, für ihr Gut, von den Freunden oder weiten Er ben in der Erden verflucht werden, und das Gut nichts geachtet ist, wie solche pflegen zu sagen: Der und der hole mich in der Erden, hat eg nicht mehr als so viel nachlaffen wollen? Lieber fage mir, wäre es nicht viel besser und christlicher gewesen, ben seinem Leben einem Freunde aus der Noth zu helfen, als sein Gut also für undankbare Erben zu sparen? Aber das ist ein Stük der menschlichen Eitelkeit und Thorheit, Die man nicht erkennen kan. 490 Wie sich ein Mensch gegen seinen E.17. So sehe nun ein jeder zu, daß er sich in d Nächsten Creuz und Unglük also schicke, daß a nach Gottes Gerichte ihm nichts grófferes auf den Hals führe; denn es heißt recht: Wie eine fündiget, wird er auch gemeiniglich gestraft, Cap. 11, 17. Angst. Gebet in Hungers Noth. u gnädiger und barmherziger lieber GOt und Vater, unter allem andern leiblichen Creuz und Leyden ist menschlichem Fleisch und Blut kein unleidlichers, noch unerträglicheres, dann die Hungersnoth und der Mangel an tay liche Leibes Nahrung; welche Strafe du über uns, aus deinem gerechten und billigen Zorn, wegen des grossen Hoffarts und schändlichen lo sen Mißbrauchs deiner vielfåltigen Gaben und Gnaden in die undankbare Welt sendest: Wie dann auch mich Armen samt meinem ganzen Hausgesinde vielfältiger Mangel überfallen, und sehr schwer und hart drücket und ångstiget: Weil du uns aber in deinem heiligen Wort nothwen dige Unterhaltung zugesagt und versprochen haft auch als ein allwissender, und getreuer Vater am besten weist, was uns deinen aumen Kinde kein nüzlich und nöthig ist; so bitte ich dich von Herzen, du wollest dein väterlich Herz wieder Bu uns wenden, und deiner gnädigen Verheiße fung eingedenk seyn, und die wohlverdiente Strafe gnädiglich von uns wegnehmen: Wir verzagen je noch nicht in solcher grossen und be schwerlichen Hungersnoth, sondern wir vertrauen. einfältig deiner wahrhaftigen Zusage, daß denen Die C.27. Nächsten in Trübsal verhalten soll. 491 die dich suchen, nicht an irgend einem Guthe mangeln soll. Du haft Eliam den Propheten, durch einen Engel und Raben, Elisaum durch eine Wittwe, und Daniel in der Löwen- Gruben wunderlich ernähret und erhalten; Deine Hand Herr ist je nicht verkürzet, daß du mir auch nicht helfen könneft. Darum bin ich der gewissen Hoffnung und Zuversicht, du wirst uns in unserm Stand und Beruf hie zeitlich wol wissen zu erhalten; bis wir nach diesem Leben in deinem Reich essen und trinken die himmlische und ewige unvergängliche Speiß und Trank, nemlich die ewige Freud und Seligkeit, durch Jefum Christum unsern Herrn Amen! Ach HErr, beschehr das täglich Brod, Wend ab die schwere Hungers. Noth, Ach laß uns ja nicht Hungers sterben, Noch gar verderben. Das XXVIII. Capitel. Wie wir uns nach ausgestandes nem Creuz gegen GOtt ver. halten sollen. Psalm, 116, 12. 13. Wie soll ich dem Heren vergelten alle seine Wohlthat, die Er an mir thut: Ich will den heilsamen Kelch nehmen, und des Herrn Namen predigen. W ann uns GOtt aus Nothen gnädigst gez holfen hat, sollen wir seiner Hülfe einges denk seyn, auch dieselbe allein GOtt zuschreiben, und das Deo gratias nicht vergessen, sondern, wie 492 Wie sich ein Mensch gegen GOtt C.2% wie wir unter dem Creuz das Miferere mei m David gewinselt, und aus seinem 4. Pfalm go seufzet: Sey mir gnädig, und erhöre mein Se bet! Also sollen wir auch nach erlangter Erret tung, das Te Deum Laudamus mit ihm anstim men, und mit Esaja sprechen: Ich danke die, Herr! daß du so zornig gewesen bist über mich und dein Zorn sich gewendet hat, und tröstet mich, Esa. 12, 1. und mit David aus dem 163. Pf. v. 1.. Lobe den Herrn, meine Seel und vergiß nicht, was er dir Guts gethan hat. Aber die Welt Menschen kehren es um, und vergessen der Dankbarkeit. Denn viel Men schen, weil sie mit Angst und Noth gedruckt und gedranget werden, ganz erbärmlich klagen, schreyen, weinen, flehen und bitten, und sind alsdann sehr milde mit Verheissungen, und neh mens hoch auf sich, wie dankbar sie seyn wollen, wann ihnen Gott aus ihren Nöthen werde hels fen: Aber so bald nur die Ruthe aufhöret, wird der Danksagung vergessen, und findet sich nach erlangter Errettung unter Tausenden kaum ei ner, der mit David Dank opfert, und bezah let dem Höchfien seine Gelübde, Pfalm. 50, 14 Da verleurt sich der vorige Vorfaz, da erlo schet bey vielen die Andacht, und wird bald vers geffen wie groffe Gnade der Herr an ihnen ge than habe. Darüber fallen sie wieder in the voriges Wesen, fangen wieder an, da sie es gelassen haben, und geht nach dem Sprichwort: Da der Krank genaß, ward er árger dann e nie war. Das ist aber ein schädlich Ding, daß man so liederlich der Wohlthaten Gottes verge fen soll. Da möchte man wol mit Mofe fagen Dans €. 28. sach ausgestand. Creuz foll verhalten. 493 Dankest du also dem Herrn deinem Gott, du toll und thórichtes Volk? Deut. 23, 16. Als der Sohn Gottes die zehn ausfäzige Männer von threr abscheulichen Krankheit errettet, und ihr Creuz und Elend von ihnen genommen, hat sich nicht mehr als ein einiger Samariter gefunden, der fein dankbar Herz sehen lassen, welcher wies der kommen, auf sein Angesicht zur Erden ges fallen, und dem Herrn Christo herzlich gedane ket hat. Darüber hat der Herr eine ganz sehns liche Klage geführet; Seynd ihrer nicht zehen rein worden? wo sind aber die neune? hat sich sonst niemand funden, der wiederkehre, und ges be Gott die Ehre? Luc. 17, 17. 18. Daraus man wol höret, wie es dem Herrn gefallen, daß fie so undankbare Gefellen gewesen: Der Pred. Salomo fagt, c. 5, 3. 4. Wenn du Gott ein Gelübd thust so verzeuch es nicht zu halten; denn er hat kein Gefallen an den Narren; was du gelobest, das halt. Es ist besser, du gelobest nichts, denn daß du nichts haltest, was du ge lobest, Nun ist ja niemand, der in seiner Noth nicht selte angeloben, fromm und dankbar zu seyn. Darum auch GOtt haben will, daß wir dem nachkommen, und unsere Gelübde bezah len: Und so viel von der Undankbarkeit insges mein. Der König Salomon fagt. Daß von des Undankbaren Hause das Unglük nicht weis chen solle, Prov. 17, 13. Wie vielmehr Uns glük und Strafe wird ergehen über die, ſo dem allerhöchsten Gott undankbar feynd, ihr Gelübde brechen, und sich in die vorige Sünde wieder einflechten? Mit denselben wird gewißlich das lezte arger werden als das erste, 2 Pet. 2, 20. Darum 2 494 Wie sich ein Mensch gegen Gott. E. 28. Darum ermahnet auch der König David alle diejenigen, jo in Trübsal und Nöthen seynd, und vom Herrn daraus errettet werden, daß sie dem Herrn danken sollen um seine Güte, und um seine Wunder, die er an den Menschen Kin dern thut; sie sollen Dank opfern, und des Herrn Werk mit Freuden erzehlen, PE 107, 21.22. Wer nun Gott Dank faget, für die em pfangene Wohlihat der bemeget Gott, mehr von ihm zu erlangen. Hergegen aber Undank barkeit ist ein schändlicher Schleim, welcher das Brúnniein Gottes verstopft, daß es nicht meht Wohlthaten zu uns heraus gibt. Undankbarkeit ist ein rauher Wind, welcher den Thau göttlicher Gnade vertrucknet. Web cher nicht dankbar ist für das empfangene, ist nicht würdig mehr zu empfahen. Es soll aber die Dankbarkeit rechtschaffen seyn, die Zunge muß nicht allein sagen: Herr ich danke dir. Denn Gort hat nicht allein dei ner Zungen guts gethan, sondern deinem Leib und deiner Seelen; darum soll deine Seele Gott loben, und du sollt hinwiederum alle deine Glieder Gott zu Dienft ergeben. Gott hat dich nicht allein mit Worten ges tröstet, sondern dir auch oftmals in der That geholfen; Darum folt du ihm nicht allein mit Werten, sondern in der That danken. Es gefällt Gott kein Lob, es muß aus rech ter Liebe herrühren. Wenn ich zu einem Men Schen, der mir Guts gethan, sagte: Ich wüßte es ihm grossen Dank; und nichts desto weniger immer fortführe, ihm alles zu Verdruß zu thun würde er drob viel höher erzurnt werden; denn er € 28. nah ausgestand. Creuz soll verhalten. 495 er würde folches für einen Spott achten: Also ist es nur Heuchelen, und ein lauterer Spott, wenn wir GOtt mit dem Mund danken, und gleichwol unser Leben nicht bessern wollen, sons dern fahren immerdar fort mit unsern Sünden, ihn zu erzurnén. Und ist unser Herr Gott eben einem groffen dicken Baum gleich, darunter man sich verkries chet, wann man von einem ungestůmmen Plaz regen ergriffen wird; So bald er aber für über und die Sonne wieder aufblicket, daß man des Baumes zum Regen- Deckel nicht mehr bes darf, so schmeisset man seinen Unflath himan, oder hauet mit Arten, Beulen und Barten drein, das ist das Trank Geld. Solchem schändlichen und vermaledeyten Uns Dank follen wir nicht nacharten, sondern Gottes wunderliche Hülf ohn Unterlaß und Verdruß zum höchsten rühmen, davon singen und sagen: Gott im Himmel hat mir seine heilsame Hand gereichet, und in der äussersten Noth, da ich sicher sinken und verderben folte, ganz gnädig hindurch und ausgeholfen, dafür ich ihm herzlich danken will, hie zeitlich und dort ewiglich. Wer in der Noth beter, und nach der Noth Dank opfert, der gefällt Gott, und hat den schönen Trost, daß fürwahr feiner werde ges dacht werden für dem Herrn: Ein fleissiger Bets ter und Danker soll erlöset werden von allen feinen Feinden. Darnach sollen wir nach empfangener Hülfe mit unserm, Erempel andere betrübte, nothleis dende, und von jedermann verlassene Leute in ihe tem Creuz tróften und stärken, mit dem Troste, Damit 496 Wie sich ein Mensch gegen Get C. is. damit wir getröstet werden von Gott, 2. Cots I, 4. Also hat sich der liebe David getröstet, da er spricht: Schmäcker und sebet, wie freundlich der Herr ist; wel allen die auf ihn trauen, Pf. 34/ 9. Kommet her, höret zu, alle die the Gott fürchtet; ich will erzehlen, was er an mei ner Seelen gethan hat, Pfaim. 66,'10. Dant du Herr haft meine Kage verwandelt in einen Reigen, du hast meinen Sack ausgezogen, und mich) mit Freuden gegürtelt, Pf im. 30, 12. Endlich follen wir uns unfer ausgestander Creuz ein Memorial und Erinnerung feyn las sen, daß wir uns fortan die Zeit unsers Lebens mit mehr und grösserm Fleiß für Sünden hütent Wir sollen nicht, wann wir ein wenig Luft füh len, wieder fort in die alte Buben- Haut krie chen, und uns, wie des Teufels Mast Schweis ne, nach der Schwemme wieder in dem Sün den- Schlamm sudeln und wälzen, damit nicht das lezte ärger, denn das erste werde, 2 Pet. 2, 52. Also thate Pharao, wann die Schrift vorüber war, so verstockte er sein Herz aufs neu, bis er endlich mit seiner besten Mannschaft im rothen Meer erfoffen, 2 mos. 14, 28. Gleich falls wirds auch allen denjenigen gehen, die sich beffern, wann ihnen Gott mit Gnaden aus ih rem Ereuz geholfen hat. und Denn gleichwie einer, der um einer began genen Missethat willen gefänglich eingezogen, wieder durch Uhrfehd ausgebürdet worden, wann derselbe hernach er aufs neue in voriger Ulebel that, oder wol in grösserer Mißhandlung ergrif fen wird, viel heftiger als vorhin, ja wol am. Lebey C, 28. nach ausgestand. Creuz soll verhalten 497 Leben gestraft wird; also strafet auch Gott dies jenigen freulich, die er unter seiner Ruthen im Gefängniß und Kerker des Creuzes gehabt, die sich bey ihm ausgelogen, zur Besserung erbotten, und den Bund, den sie mit Gott gemacht, gleichs wol gebrochen haben, Gleichwie es mit den Kranken viel gefährli cher stehet, die nach erlangter Gesundhier wieder in vorige Krankheit fallen: Eben also stehet es gefährlicher und sorglicher mit denen Menschen, die nach der Züchtigung böser werden. fagt recht: Die Kinder, die sich einmal vere brannt haben, die hüten sich stets vor dem Feuer. Man Derowegen soll alles Creuz und Unglück uns eine Wizung und Warnung seyn, daß wir uns fortan, als die gebrannten Kinder, für dem Feuer der Sünden hüten, und dem lieben Gott unser Lebenlang in Heiligkeit und Gerechtigkeit, die ihm gefällt ist, dienen; damit wir ihn nicht aufs neu erzurnen, und zu schweren Strafen verursachen. Dieweil aber solches in unsern Kräften und Vermogen nicht stehet, so sollen wir auf unsere Knie fallen, und mit erhobener Stimme und Herzen Gott den Allmächtigen ohn Unterlaß um seine Gnade und Heiligen Geist ersuchen und ers langen, welcher denen, die darum bitten, vers heissen wird, Luc. 11, 13. Und mit dem Pros pheten Jeremia beten: Bekehre du mich, so so werde ich bekehret. Wer das mit herzlichem Ernst thut, des wird GOttes gnädige Hülfe und Schuz wirke lich empfinden. Was ein Mensch nach ausgeft,€: 29. Demüthige Bitte, daß uns GOtt wolle behüten für Undankbarfeit gegen seine Gutthaten. 498 HErr mein Gott, du kannſt ſchlagen und wie der heilen; 32, todten, und wieder lebendig machen; kanst in die Hölle und wieder heraus führen; fanft arm, und wie derum reich machen; kanst erniedrigen und erh hen,( 1 Sam. 2, 6. 7.) O wie oft hast du folches an mir bewiesen, und mich in keiner Noth jemahls verlassen! behüte mich, daß ich solchet Wohlthaten nicht vergesse, und mich nicht mit Undankbarkeit an dir verfündige: Dann die Hof nung des Undankbaren vergehet, wie ein Reif im Winter, und verfleußt, wie unnüz Wassers Sap. 1o, 29.) Gib, mein Gett, daß ich die bante mein Lebenlang mit Worten und Werken, das ich dir diene mit allem, was in mir ist, in nerlich) und aufferlichen, bis an mein Ende, Amen. Ach Herr für Undant mich behüte, Weil gegen und groß deine Güte. Das XXIX. Capitel. Was wir nach ausgestandenem Creuz und Trübfal endlich zu gewarten haben. Offenbahr Joh. 2, 11. Sey getreu bis in den Tod, so will ich dir die Crone des Lebens geben. ann ein Mensch in dieser mühseligen und be trübten Welt eine Hoffnung hat, daß er feiner 333 £. 29., Exquz und Trübsal zu gewarten. 499 Mühe und Arbeit einmal werde genieffen, so ist er nicht allein so vielmehr in allem gedultig, sons dern fasset auch einen Muth, daß er alles tapfer ertragen, und der endlichen Belohnung einmal geniessen wolle. Also lasset sich ein Soldat gebrauchen, und leidet Hunger und Durst, Frost und Hize, stela let auch sein Leib und Leben dar, und lasset sich nichts verdriessen; damit er gedenkt einmal zu Ehren zu kommen, oder auch sonst einen statt lichen Gewinn davon zu tragen. Ein Kaufmann ziehet dahin über die wilde See, und gibt sich in die groffe Gefahr dieweil er hoffet, einen Verz dienst und Gewinn zu erlangen. Ein Fechter last ihm die Haut wol dreschen, und gehet oft mit blutigem Kopf nach Hause, weil er gedacht hat, das Kranzlein zu erwerben. Wie ist es aber mit uns Christen beschaffen? die wir unser dem Panier und Fähnlein unsers Herrn Jesu Christi bis in den Tod kämpfen; die mit dem Teufel, der Welt und unserm eigenen Fleisch ohn Unterlaß fechten, und ein trübfeliges Elend und jammerliches Leben führen, von Mutterleibe an, bis wir wieder in die Erden begraben were den, Syr. 40, 1. Haben wir dann auch nicht eine Hoffnung, daß wir nach ausgestandener Trúbfal einmal etwas erlangen, und zur Bes lohnung haben sollen? Oder sollen wir nur ume sonst kampfen, oder also fechten, als ob wir in der Luft strichen? Cor. 9, 27. Nein keines wegs; denn wir haben freylich eine Hoffnung, Die höher ist, als aller Solda en auf Erden in zeitlicher und irrdischer Belohnung. Unser Kriegss aberster ist höher, als alle Kayser und Potenta Jia tch 300 Was ein Mensch nach ausgestand..E. 19. ten auf Erden, darum ist auch unsere Hoffnung grösser. Se grófferm Herrn ich diene, je höher Belohnung ich, hoffe: Nicht aber hoffen wir Belohnung nach Verdienst der Werke, oder nach dem Maß unsers Leydens, sondern nach dem Reichthum der Gnaden, die in unserm Herrn und Obristen Christo überschwenglich ist. Was ist es aber, dessen wir zu gewartet haben? Davon haben wir herrliche und hohe Vertröstungen in Gottes Wort. Unser Heyland und Seligmacher spricht zu seinen Jüngern und allen getreuen Creuz- Brüdern, Matth. 19, 28. Warlich ich sage euch, daß ihr, die ihr mit fend nachgefolget in der Wiedergeburt, wann des Menschen Sohn sizen wird auf dem Stuhl feiner Herrlichkeit, so werdet ihr auch sizen auf zwölf Stühlen, und richten die zwölf Geschlechte Ifrael. Das ist eine tröstliche Verheiffung, um derer willen man keines Leydens und Creuzes foite mud werden. Denn was wolte ein So dat nicht für ein Herz faffen, wann sein Hert ihm zufagte: Giehe da, halte dich tapfer und mannlich, wann ich das Land gewinne, so sollt du ben mir fizen, und neben mir herrschen und regieren? Solte er nicht mit frölichem Muthe feinem Feinde unter die Augen gehen, und sich ritterlich erzeigen? Das hat aber Christus ver heiffen allen denen, die ben ihm beständig bis ans Ende verharren. Wie dann abermal feine herrliche Zusage lautet, Luc. 22, 28. Jhr seyd es, die ben mir beharret sind in meinen Untech tungen, und ich will euch das Reich bescheiden daß ihr effen und trinken sollet über meinem Tisch in meinem Reiche, und sizen auf Stüh len, E. 26., i Creuz und Trübfal zu gewarten. soz Len, und richten die zwölf Geschlechte Ifrael. Laffet uns aber hievon St Paulum hören; der ein guter Streiter und Kämpfer Jesu Christi, ja ein treflicher berühmter Creuzträger gewesen ist. Der sagt 2 Cor. 4 17. Unser Trübfal, die zeitlich und leicht ist, schaffet eine ewige und über alle Masse wichtige Herrlichkeit, uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf Das Unsichtbare; denn was aber unsichtbar ist, das ist ewig. Ach wolte Gott daß wir diese schöne Wort nur recht möchten bedenken und zu Herzen nehmen, wir würden uns gewik der Trübfal mehr freuen und rühmen, als betrüben. Er hält gegen einander die zeitliche Trübfal und die künftige Freude und Herrlichkeit, aber in ungleicher Proportion: Die feitliche Trubsal nennet er momentaneam afflictionis levitatem, eine leichte Trübfal, die kaum einen Augenblick währet; die ewige Freude heisset er æternum pondus gloriæ, ein ewiges Gewicht der Herrs lichkeit. Das mag ja gegen einander nichts ges rechnet werden! Was ist es dann, daß wir so viel über die Länge und Gröffe unsers Elendes klagen? daß wir aus dem Augenblick unsers Lei Dens eine so grosse Last machen, die nicht zu tragen sey? Laß die Gottlosen zagen und klagen, Die das pondus æternum afflictionis, die ewige über alle Maß erschröckliche Pein und Quaal nach diesem Leben zu gewarten haben: weil sie bie die momentaneam gaudii mundani levita tem gehabt, und der kurzen hinflüchtigen Welt Freude genoffen! die mögen zittern und zagen, wann sie an ihren Wechsel gedenken.. Wie aber, die wir einen andern und bessern Wechsel zu ges Ji3 warten, 502 Was ein Mensch nach ausgeft. E. 29. warten haben, follen uns billig freuen, und mit St. Paulo sagen: Wir sind gewiß, und hal tens dafür, daß dieser Zeit Leyden nicht werth sen der Herrlichkeit, die an uns soll offenbahret werden, Rom. 8, 18. Dieser groffen Freude und künftigen Herrlich feit hat sich jezt gedachter Apostel in allen feinen Leiden und Anfechtungen getröstet; sonderlich aber da die Zeit seines Abschieds vorhanden ge wesen, da er mit ganz freudigem Muth geschries ben an seinen Jünger Timotheum, 2 Timoth 4, 7. 8. Ich habe einen guten Kampf gekáme pfet, ich habe meinen Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten. Was hat aber Paulus das von? hat er umsonst gekämpfet, hat er umsonst gelaufen, und Glauben gehalten? Nein keines wegs; denn hinfüro, spricht er, ist mir beyges leger die Crone der Gerechtigkeit, welche mir der HERR, der gerechte Richter, geben wird an jenem Tage, aber nicht allein mir, sondern auch allen, die seine Erscheinung lieb haben. Was nun allhie der Apostel von sich schreibet, das können wir auch auf uns ziehen, so fern wir mit ihm recht kämpfen, bestandig laufen, und treulich Glauben halten. Recht müssen wir kampfen; denn niemand wird gekrönet, er kams nfo denn recht, 2 Tim. 2, 5. Wir müssen wi der den Teufel die Welt und unser Fleisch rit terlich streiten, und uns nicht überwinden lassen. Wir müssen auch recht laufen, nemlich in den Schranken unsers Berufs, daß wir nicht aus weichen, zur Rechten oder zur Linken, sondern fort eilen nach dem fürgestekten Ziel, und nach dem Kleinod, welches fürhält die himmlische Be rufung E. 29. Creuz und Trübfal zu gewarten. 5° 3 rufung Gottes in Christo Jesu, Phil. 3, 14. Auch müssen wir treulich Glauben halten, und was weder Tod noch Leben, weder gegenwäre liges noch zukünftiges scheiden lassen von der Liebe GOttes, die da ist in Christo Jesu unserm Herrn, Rom. 8, 38. 39, Thun wir das, fo follen wir auch gewis, nach ausgestandenem Kampf und Streit nach vollendetem Lauf unsers Christenthums, und nach gehaltener Treu und Glaue ben, die köftliche Ausbeute, auf welche St. Paulus gehoffet hat, erlangen, welche der Sohn Gottes selber, als der gerechte Richter austheis len wird allen, die seine Erscheinung lieb haben. Es ist aber aus der Massen lieblich und tröstlich, daß die Kleinod genennet wird, Corona juftitiæ, eine Krone der Gerechtigkeit; Denn das ist nicht eine solche Krone, als die Kayser und Konig auf ihrem Haupt tragen, die Menschen Hande machen und bereiten können, von Gold und köstlichen Edelgesteinen; wie des Ahasveri Kron gewesen, die er der Esther eingesezt, und sie dars mit zur Königin gecronet, Esth, 2, 17. Oder wie die Kron des Königs der Amoniter, die ein Centner Goldes gewogen, und ihm von David abgenommen werden, 2 Sam. 12, 30. Nach welcher Erone man in jenem Leben nicht mehe fragen wird: Sondern diese Crone ist die ewige über alle Masse wichtige Herrlichkeit, die kein Aug gesehen, kein Ohr gehört, und in keines Menschen Herz kommen ist, 1 Cor. 2, 9. Davon auch das B. der Weish. 5, 16. sagt: Die Ges rechten werden ewiglich leben, und ein herrliches Reich und schone Krone empfahen von der Hand des Herrn 314 Wann 504 Was ein Mensch nach ausgestand. E. 29. Wann nun der H. Geist das Gnaden. Ge schenk des ewigen Lebens, und die künftige Be lohnung eine Crone genennet, so will er uns dae mit auf dreyerley Ehre und Herrlichkeit vertros sten, die uns in jenem Leben( wiederfahren soll: Erstlich follen wir gekronet und geehret werden, wie eine Braut am Tage ihrer Hochzeit, die mit einer schönen Cron und Kränzlein daher tritt; darüber sich die Kirche Gottes erfreuet bey dem Propheten Esaj. Cap. 16, 10. Ich freue mich in dem Herrn, und meine Seele ist frölich in meinem Gott; denn er hat mich angezogen mit Kleidern des Heyls und mit dem Rock der Ge rechtigkeit befieidet; wie ein Bräutigam mit priesterlichem Schmuck gezieret, und wie eine Braut in ihrem Geschmeide pranget. So fagt auch Johannes, Apoc. 21, 2. Die christliche Kirche sen zubereitet, wie eine geschmückte Braut ihrem Manne. Demnach so wird die Freude und Ehr des zukünftigen Lebens eine rechte Hoch zeit Freude seyn, da der Bräutigam Chriftus Jesus seine liebe Braut, die christliche Kirche, wird heimholen, und sie in den Poffeß der himme lischen Güter einsetzen; und also das geistliche Eh- Gelübde, so allbereit durch den Glauben in diesem Leben angefangen ist, in Ewigkeit volle ziehen, nach seinem Wort und Verheissung, Pf. 2, 19. Ich will mich mit dir verloben in Ewige keit; Ich will mich mit dir vertrauen in Gerechtige keit und Gerichte, in Gnaden und Barmherzige keit; ja im Glauben will ich mich mit dir ver trauen, und du wirst den Herrn erkennen. Zum andern, follen wir gekrónet werden, wie ein König in seinen hohen Ehren und Wire den. €.29. Creuz und Trübfal zu gewarten. 505 den. Denn Cronen tragen; ist eigentlich der Könige und groffer Potentaten Werk: wir aber follen alsdann noch weit über irrdische Könige er hoben werden, wir sollen zu königlichen Würden im Himmel gelangen und für dem Angesicht des Herrn, als die Durchleuchtigsten Könige und Fürsten einher prangen, in einem solchen herrlichen Glanz, der die Klarheit der Sonnen, und aller Sternen wird weit übertreffen. Weil un fere Leiber dem verklärten Leib Chrifti follen gleich werden, und Christus selbst gesagt: Die Gerechten werden leuchten wie die Sonne in ihres Vaters Reich, Matth. 12, 43. Das wird eine unaussprec) liche Ehre und Freude seyn, viel höher, als wenn ein König oder Fürst in dieser Welt mit grossem Triumph gehuldiget und ges Frónet wird, daben man sonst nichts anders, als gratuliren, triumphiren und frolocken zu hören pfleget; wie von der herrlichen Krönung des Kö nigs Salomonis, 1 Reg. 1, 39. 40. geschrieben stebet, daß sie mit grossem Geschren geruffen: Slik zu dem Könige! und so frölich gewesen, daß die Erde von ihrem Freuden. Geschrey er schollen ist. Aber vielmehr Frotocken und Triumphiren wird im Himmel gehöret werden, wann Der ewige Himmels König feine Glaubigen und Auserwählten zu Himmels- Fürsten krönen wird; da wird erfüllet werden, was Esaias sagt, Cap. Die Erlöseten des Herrn werden wiederkehren, und gen Zion kommen mit Jauchzen, ewige Freud wird über ihrem Haupte seyn, Freude und Bonne werden sie ergreiffen, und Schmerzen und Seufzen wird weg müssen. 35, 10. 11. Zum dritten werden wir gekrönet werden, als 315 Uebers 506 Was ein Mensch nach ausgestand. E. 29. Ueberwinder, weil wir wider unsere mächtige Feinde, den Teufel und die Welt das Feld bes halten. Denn gleich wie man vor Zeiten bey den Römern den Gebrauch hielt, daß, wann sich einer im Krieg und den Scharmüzeln wol ges halten, die Feinde tapfer und männlich angee griffen, in die Flucht geschlagen, oder auch gar erlegt, so ward ihm eine Ehren- Crone aufges fest, als ein Siegs- Zeichen; das hielt man für eine groffe Ehre, und damit prangte man here ein, als mit einem köstlichen Kleinod: Und was ren die Cronen von unterschiedlichen Materien de macht; theils von klaren Golde, theils von Sile ber, theils von Kräutern und Blumen; und hatten nach Gelegenheit der rittermäßigen Tha ten ihre unterschiedliche Namen: 1. 5. c. 6. so follen auch an jenem Tage die Glaubense Kämpfer und Uleberwinder mit der himmlischen Freude und Ehrenkrone geschmůcket und gezie ret werden, darinnen sie als himmlische Sieger ewig prangen werden; Denn es wird seyn eine Krone, die nimmer vergehen oder verwelken wird; davon St. Petrus sagt, 1 Pet. 3. und 1 Pet. 5, 4. Gelobet fen Gott, und der Vater unsers Herrn Jefu Chrifti, der uns nach seiner groffen Barmherzigkeit wiedergeboren hat, ju einer lebendigen Hoffnung, durch die Auferste hung Jesu Christi ven den Todten, zu einem unvergånglichen, unbeflekten und unverwelklichen Erbe, das im Himmel behalten wird, euch die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bes wahret werdet zur Seligkeit. Das ist nun die herrliche Gnaden- Bergeltung, die alle Creu Brüder und Streiter Jesu Christi, so da recht Támpfen, zu gewarten haben. Damm C. 29.- Creuz und Trübsal zu gewarten. 507 Darum sollen wir nicht mit den Gottlosen sagen: Es ist umsonst, daß man seine Gebot halt, und ein hart Leben in viel Leiden und Trüb. fal führet? Die Veráchter habens am besten, die Gottlosen nehmen zu, versuchen Gott, und gehet ihnen alles wol hinaus, Mal. 3, 14. 15. Denn die Belohnung wird an jenem Tag kom men, da wird man sehen, was für ein Unter schied sen zwischen den Gerechten und Gottlosen, und zwischen dem der Gott dienet, und dem der ihm nicht gedienet. Es kommt ein Mensch ofta mals mit David in kümmerlichen Gedanken, wann er mit so viel Creuz und Trübfal beladen ist, daß er vermeynet, es sey alles umsonst, was er ben seiner Gottesfurcht muß leiden und ausstehen; aber man gehe nur mit David ins Haus des Herrn. Pf. 73, 17. Und lasse sich da aus Gottes Wort recht berichten; alsdann wird man bald anders gesinnet werden, und mit al len Kindern Gottes sagen und singen aus deme felbigen Pfalm: Du Herr bist mein gewisses Ziel, Mein Reichthum und mein Segen z Mag haben wenig oder viel, Daran ist nichts gelegen: Wann ich nur deine Geistes Gab 3u Trost in meinem Herzen hab, So hab ich alle Schaze, Ob mir gleich Leib und Seel verschmacht Und die Welt untergienge, Jedoch mein Herz an seiner Macht, An deiner Gnad vest hienge; Denn ich weiß, daß Du, Jesu Chrik, Mein Reichthum, Ehr und Freude bist, Du wirß mich wohl bewahren. 508 Was ein Mensch nach ausgeft. E. 29. Cifriges Anklopfen, daß wir in Ansehung der himmlischen Beloha nung, alles Creuz gedultig tragen. Herr err allmächtiger, ewiger, barmherziger Goth der du zugesaget hast, wohl zu belohnen alle, die deinen Namen fürchten: du weist meine große Schwachheit, wie sauer und schwer michs an kommt, mein Creuz und Leiden gedultig zu tra gen, und mich der künftigen ewigen Freude und Herrlichkeit zu trösten. Ich bitte dich von Her zen te laß mich durch deinen Geist erquicket und gestärket werden, daß dich hören möge Freud und Wonne, und meine Gebeine frölich werden, die du also serschlagen hast, Pf. 51, 9. Damit ich in meiner vielfältigen Trubsal nicht müde werde, sondern als ein beständiger Streiter J SU Chrifti ritterlich kämpfen, alle Widerwär tigkeit überwinden; und dann auch endlich an jenem Tage die Crone des Lebens, der himmli schen Ehren und Gerechtigkeit, mit allen Auser wählten erlangen, und an statt der zeitlichen Trubsal, der ewigen Freude und Herrlichkeit ohne Ende und Aufhören geniessen möge! durd deinen lieben Sohn Jefum Christum, der durc sein Leiden und dornene Crene mir diese Ehrens Crone verdienet und erworben hat, Amen. Du Siegs- Fürst JEfu bilf mir siegen, Laß mich in einem Creuz erliegen, Daß ich erlang den Gnaden Lehn, In deinem Reich die Ehren- Cron, Für deinem Thron! S Das ( 509) Das XXX. Capitel Worinnen fürnemlich die Freude des ewigen Lebens bestehen werde. Psalm 16, 11. Für dir ist Freude die Fülle, und lieblich Wesen zu deiner Rechten ewiglich. Nachdem wir im vorigen Capitel gemeldet, auf die ewige Freude und Seligkeit erfolgen werde: So wollen wir nun zum Beschluß dieses Büchleins auch aus Gottes Wort berichten, worinnen fürnehmlich die Freude und Herrlich, keit des ewigen Lebens bestehen werde. Insges mein aber hievon zu reden, wird das die höchste Freude seyn, daß wir bey Christo ewig leben und bleiben sollen: Darum Er auch die Seinen darauf vertröstet hat, sie sollen seyn, da Er ist, und seine Herrlichkeit sehen, die ihm der Vater gegeben hat, Joh. 17, 24. Und St. Paulus wünschet abzuscheiden und bey Christo zu seyn, Phil. 1, 23. Das ist zwar gar bald gefagt, aber so bald nicht verstanden; und ist wohl gewißlich wahr, wenn alle hochbegabte Redner in dieser Welt thre höchste Kunst daran festen, würden sie diß nicht, den Würden nach beschreiben und heraus streichen können, was da heiffe, bey Christo zu feyn. Der hocherleuchtete Apostel Paulus, wies wol er selbst einen Vorschmack dieser herrlichen himmlischen Benwohnung in seiner Entzückung empfunden, fo fan er doch nicht viel davon nach fagen: dann er weiß nicht, ob er im Leibe, oder auffer Worinnen die Freude €.30 510 auffer dem Leibe damals gewesen sey, und sagt: Er habe gehört das seynd so unaussprechliche Ding und Wort die kein Mensch sagen kann, 2 Cor. 12, 3. 4. Und ist wol gewis, daß in die sem Wort, bey Christo seyn, das ganze Freu den Wesen des ewigen Lebens und die höchste Seligkeit begriffen sey, welche die menschliche Gedanken nicht vollkommen in dieser Schwache heit erreichen, viel weniger Menschen- Zungen aussprechen können; dann es hats kein Aug ge sehen, kein Ohr gehöret, und ist in keines Mens schen Herz kommen, was Gott bereitet hat de nen die ihn lieben, 1 Cor. 2, 9. Es weifet uns aber die heilige Schrift viel sonderliche Herre lichkeiten und Freuden- Stück, darinn die Se ligkeit der Auserwählten bestehen wird. Zum ersten, sollen wir wohnen in dem himme lischen Freuden- Paradieß, dahin der Glaubigen Seelen aufgenommen werden, wann sie vom Leibe abscheiden. Dann was ist der felige Freus den Ort, dahin diejen gen kommen so bey Chris sto seyn sollen: wie der HERR zum Schächer am Creuz sagte. Heute wirst du mit mir im Paradieß seyn, Luc. 23, 43. Item. Wer übers windet, dem will ich zu essen geben von dem Holz des Lebens, das im Paradieß Gottes ist, Apoc. 2, 7. Und von seiner Entzuckung sagt St. Paulus, 2 Cor. 12, 4. Ich kenne einen Men schen in Christo, der war entzücket in das Pas radieß. Nun wissen wir, daß Paradifus so viel heiffe, als ein herrlicher schöner Lust- Garte, darinnen nichts dann eitel Freude und Lust zu sehen und su hören. Aber dabey müssen wir uns nicht SIX €. 30. des ewigen Lebens bestehe. einbilden, als wäre das himmlische ewige Leben ein folch Freuden- Feld und Freuden- Land, wie man es aufs schönste und herrlichste in dieser Welt haben möchte, wie die Poeten davon fas buliren, und der Türkische alcoran den Hims mel beschreibet: Sondern ein Gleichniß ist es Darinn uns etlicher maffen das unaussprechliche Freuden Leben abgebildet wird; inmassen wir dann desselben eigentliche Beschreibung in dieser unser irrdischen Schwachheit und Blindheit nicht verstehen noch begreiffen können. Dann gleicher Weise, wie auf Erden ein herrlich Freuden- Leben seyn würde, wenn man einen jungen Men schen in blühenden Jahren in einen königlichen schönen Luftgarten führete, darinn allerley herrliche Bäume, edle Früchte, wohlriechende Kräuter, schöne Rosen, Lilien und Blumen, auch prachtige Lusthäuser und Hütten, von allerley Lustwerk köstlich durchflochten, gefunden wirs den, darinnen liebliche und lustige Spaziergan ge, Wasserbache, Fischteiche, Sommerteiche in feiner Ordnung angeleget, da man die Nache tigall und andere Vögelein ohn Unterlaß durch einander hörete fingen; man fåhe auch daselbst titel groffe Herren, stattliche Leute, junge Ges fellen und schone Jungfrauen zu Tische sizen, von köstlichen theurbaren und niedlichen Speiffen essen, den allerbesten Wein und Malvasier trins ken, darnach ſpazieren, singen, tanzen, spielen, und hätten dabey die allerbesten Musicanten, und lieblichsten Instrumenten, Lauten, Geigen, Harpfen, Cymbeln, Posaunen und dergleichen also, daß es an keinem Stück, dadurch das menschliche Herz möchte erfreuet werden, man €.3⁰. 512 Worinnen die Frende gelte; da man einen solchen Garten billig ein Baradieß, und die Freude darinnen, ein irrdis sches Paradieß Leben nennen méchte: Also ist auch das ewige Leben voller himmlischen Freu de und Wollust, da die Glaubigen nicht anderst, als in einem himmlischen Luft- Garten, werden ewig bleiben; da es unaussprechliche Freude und Lust, Schönheit, Klarheit, Majestät und Herr lichkeit geben wird; da alles wird leben, lachen, fingen, springen, so lieblich, so prächtig, so ge waltig, so tröftlich und so herrlich, daß es auch kein Mensch mit seiner Zungen ausreden kan; wie Paulus aus dem Efaja, Cap. 64, 4. 1 Cor. 1, 9. bezeuget. Wir werden aber bey diesem Gleichniß erinnert, daß wir nach diesem Leben wieder gelangen sollen zur Herrlichkeit und voll kommenen Seligkeit, darinn unsere erste Eltern Adam und Eva gestanden vor dem Sünden Fall, da noch das irrdische Paradieß ihr Vaterland gewesen. Dann, was wir in dem ersten Adam haben verlohren, das finden wir bey Christo dem andern Adam der Herr vom Himmel ist, reich lich und überflüßig wieder. Nun ist aber das Leben unserer ersten Eltern nichts anders gewes sen, als ein recht Paradies Leben, und Para diß- Freud, ein herrliche Gemeinschaft mit Gott und seinen Engeln; da fie Gottes Tempel und Eigenthum gewesen, und gewohnet in dem ede ten schönen Luft- Garten, den Gott ihnen ſelbst bereitet hatte: leuchteten von Heiligkeit und Ge rechtigkeit, liebeten Gott von ganzem Herzen, ganzer Seelen, und allen Kräften; waren kei ner Krankheit und Schmerzen, viel weniger den Tod unterworfen; sondern giengen daher in Lu und €. 30. des ewigen Lebens bestehe. 513 und Freuden, als ein König und Königin, de nen alles unterworfen, was im Paradiß vors handen war; das ist ja freylich ein herrlich Paz radiß- Leben gewesen! Diß Freuden- Leben ist durch den Sünden Fall Adams verlohren, und an desselben statt ein elendes Jammer- Leben ers felget. Wenn aber Christus das Reich seinem Vater wird überantworten, und Gott seyn wird in allem, 1 Cor. 15, 24. 28. Zum andern, sollen wir die göttliche Majes ståt im ewigen Leben in unaussprechlicher Herrs lichkeit sehen und schauen. Dann da werden die Auserwehlten im himmlischen Paradis den ewigen GOtt von Angesicht zu Angesicht sehen, nicht im dunkeln Wort, wie auf dieser Welt sondern in seiner grossen Majestät und Herrlich keit, ohne Fürhang und Decke: Sie werden schauen die hochwürdigste Dreyfaltigkeit, mit aufgedecktem Angesicht, und sehen den Bater im Sohn, und den Sohn im Vater, und den H. Geist im Vater und Sohn, auch das grosse Geheimniß der vereinigten Naturen in Chrifto, wie das Wort Fleisch worden, und wie die Fülle der Gottheit in Jesu, der Jungfrauen Maria Sohn leibhaftig wohnet. Freud über alle Freu de, und Trost über allen Trost gebieret solche Anschauung Gottes, da die Majestátischen Aus gen GOttes leuchten und brennen von eitel Lies bes- Flammen, und der Vater Himmels und der Erden mit seinem freundlichen Anblick aller Ens gel und Menschen Augen zu sich wenden wird; daß sie nichts im Himmel noch auf Erden so gere ne sehen werden als ihn und seinen Sohn; und sich von keinem Dinge so fattigen lassen, als von KE 514 Worinnen die Freude der Anschauung seines allerheiligsten, allerfreund lichsten, allerliebsten und allerschönsten Wesens. Da wird das Angesicht GOttes des Vaters viet freundlicher und liebreicher ſeyn, als kein våterlich oder mütterlich Angesicht auf Erden je mals geſpühret worden: Keines Brautigams Angesich: tt jemals auf Erden seiner Braut so holdfelt fürkommen als das Angesicht des Sohns Gottes fürkommen wird seiner Braut, der Auss erwählten Kirchen. Auch werden sie an dem H. Geist ein so tröstlich Bilde sehen, daß dergleichen weder im Himmel noch auf Erden mag gesehen werden. In diesem Anschauen der göttlichen Majestät wird das fürnehmste Stück der ewi gen Freud und Herrlichkeit stehen in jenem Le ben, wote denn auch deffelben unter andern der fromme Job gedenket in seinem schönen Glaus bens- Bekanntniß, da er sich wider den Tod und Todesschmerzen tröstet, wann er fagt, et werde nach seiner Auferstehung in seinem Fleische Gott sehen, und seine Augen werden ihn schauen, Job 9. 20. 27. Als die Königin aus dem Reich Arabien fabe die Herriichkeit Saremonts, preifete fie feine Knechte und Leute felig, daß sie für ihm stün den, und seine Weißheit höreten, und sagte: Es ist wahr, was ich in meinem Lande gehört babe von deinem Wesen und von deiner Weis heit und ich habe es nicht wollen glauben, bis ich kommen bin, und habe es mit meinen Au gen gesehen, und siche, es ist mir nicht die Helf te gejagt, du haft mehr Weißheit und Gutes, denn das Gerüchte ist, das ich gehöret habe,! Kon. 10, 0. 7. Also werden auch die Ausers wählten €. 30.1 des ewigen Lebens bestehe. 515 wählten Gottes Kinder sich untereinander felig preisen, wann sie die unaussprechliche Weißheit des himmlischen Salomonis sehen und hören wers den: Ja sie werden bekennen, daß die Herrliche keit viel gröffer sen, als sie haben glauben kons nen, und das Gerüchte gewesen, das aus dem Wort für sie kommen sey. Als der König Ahasverus seine betrübte Ges mahlin, die gorffelige Esther, tröstet, fie freund lich ansiehet, und fraget: Was ist dir Efther? Ich bin dein Bruder, fürchte dich nicht; Ante wortet sie: Da ich dich ansahe, dauchte mich ich sehe einen Engel Gottes; darum erschrack ich für deiner groffen Majestát; denn du biſt schröcklich, und deine Gestalt ist ganz herrlich; Stuck in Esth. 3, 22. 26. Aber was ist solche Herrlichkeit gegen der Herrlichkeit des ewigen Gottes, welcher als ein Vater der Barmhers zigkeit, und GOtt alles Trostes, 2 Cor. 1, 3. mit Freude und Wonne erfüllen wird alle, die für feinem Angesicht erscheinen, daß sie nicht für ein Augenblick solcher Herrlichkeit die ganze Welt mit ihrem Reichthum nehmen würden. Als sich der Meßias dem Patriarchen Jacob in menschlicher Gestalt offenbaret, und nach ges haltenem Kampf etlicher massen zu erkennen gab, ward der Patriarch frölich), und sagt: ich habe den Herrn gesehen von Angesicht, und meine Seele ist genesen, Gen. 32, 30. Hat nun dieſe dunkele Offenbahrung solche Freude gebracht; was werden wol für Freudenwort gehöret wer den im ewigen Leben, wann die Glaubigen das* Angesicht Christi in seiner eigentlichen Klarheit und Herrlichkeit sehen werden? Mit dem Mann Rt 2 Gottes 516 Borinnen die Freude C. 30. Gottes Mose hat Gott der Herr geredet von Angesicht zu Angesicht, als ein Freund mit dem andern redet; Jedoch hat er ihn seine volle Herr lichkeit und eigentliche Gestalt nicht sehen lassen, welche auch Moses, als ein irrdischer Mensch, nicht hatte ertragen können: Darum als er an hielt bey dem Herrn: Laß mich doch deine Herr lichkeit sehen; sagte der Herr zu ihm: ich will für deinem Angesicht her alle meine Güte gehen laffen, und will lassen predigen des Herrn No men für dir; mein Angesicht aber kanst du nicht sehen; denn kein Mensch wird leben, der mich siehet; 2 Mof. 33, 18. 19. 20. Wiewol nun Moses das eigentliche Angesicht des Herrn nicht sehen konnte, hat er doch von solcher Offenba rung, so viel er auch in seiner Schwachheit ere tragen können, ſo viel davon gebracht, daß sein Angesicht dermassen glänzet und geleuchtet, daß auch die Kinder Ifrael seines Angesichts Klare heit nicht haben ertragen mögen, sondern hat eine Decke müssen fürlegen, so oft er mit ihnen reden wollen, 2 Mos. 14, 33. 2 Cor. 3, 13. Solche Schwachheit aber, die Klarheit Got tes zu ertragen, wird in jenem Leben aufhören, da wir mit frölichen Augen in Heiligkeit und Gerechtigkeit das Angesicht Gottes wol schauen können, und den herrlichen Glanz feiner Majes stát durch des H. Geiftes Kraft wol ertragen, daß wir dadurch nicht vergehen, noch sterben, fondern vielmehr erfreut, und ganz herrlich ers quickt werden; und mag keine Augen Arzney Das blöde menschliche Gesicht so stark, lauter und scharfsichtig machen, als Gottes Antliz und Wesen der Auserwählten Augen im Himmel frischen 517 €. 30. des ewigen Lebens bestehe. frischen, lautern und erklären wird. Und ob man schon hie auf Erden aller Dinge in die Lån ge müde wird, nach dem Sprichwort: Vilefcit quotidianum, so wird man doch solches Ane schauens immer und ewiglich nicht müde werden können. Dann es ist, wie Augustinus fast, solch Anschauen Gottes das allerhöchste Gut, aller Engel und Heiligen Freude; ja Gott sehen ist der Lohn des ewigen Lebens ein Herrlichkeit der himmlischen Geister, eine ewige Freude und Ehren- Crone, das rechte Kleinod der Seeligkeit, eine rechte Rast und Ruhe, und schöner Friede, eine inwendige und auswendige Freude, ja ein Paradiß Gottes, ein himmlisches Jerusalem, ein feliges Leben, und die Fülle der Seligkeit, eine ewige Freude, Gottes Frieden, der alle Vernunft übertrift. Zum dritten, sollen wir im ewigen Leben mit den Engeln in höchster Liebe und Freundschaft converfiren. Dann weil Gott der Herr in diesem Leben schon den Engeln über uns be fohlen, daß sie uns auf unsern Wegen behüten, und auf den Händen tragen sollen, Pf. 91, 11. Ja, daß sie sich um die herlagern, und ihnen aufhelfen sollen, so den Herrn fürchten, Pf. 341 8. Inmassen sie auch dienstbare Geister sennd, ausgefandt um derer willen, die ererben sollen die Seligkeit, Hebr. 1, 14. So werden vielmehr in jenem Leben die Engel Lust und Freude haben, mit den Auserwehlten Gottes umzugehen, und stets ben ihnen zu seyn; daß ihre Hut und Wacht in dieser Welt nicht umsonst angewandt: Dar um sie auch mit groffer Freude der seligverstor benen Seelen tragen, und begleiten ins ewige KE 3 Leben; €. 30. Worinnen die Freude 518 Leben; wie der Herr Chriftus fagt von Lazart Seele, fie fen getragen von den Engeln in den Schoos Abrahá, Luc. 16, 22, Worüber der HChryfoftomus die Frage anstellet: Warum daffelbe nicht ein Engel thun und verrichten kön nen, daß ihrer viel darzu kommen? Und gibt die ntwort: Daß frenlich zu solcher Bestal lung ein Engel machtig und stark genug gewesen; Aber es seynd viel darzu kommen, zur Anzei gung der Freude, die sie empfinden über der enschen Seligkeit. Dann ein jeder Engel hat Lust und Freude folchen Dienst zu thun, und laj ihm diese Arbeit, die Menschen in das ewis ge Leben zu führen, gern auflegen. Solche Herrlichkeit daß der allmachtige Gott so statte lich unsere Seelen in den Himmel führen, und begleiten lässer, können wir nimmermehr genug sam rühmen und erkennen. Man gedenke nur, wann etwa ein irrdischer Kayfer einen armen ge fangenen Ulebeltháter aus grosser Liebe zu Gnas den aufnehme, ihm nicht allein seine Missethat vergebe, sondern auch die königliche Kindschaft anbieten lieffe; und schickte stattliche Furien, Grafen und ansehnliche Herren, mit prächtigen Wagen, Reutern und Ressen, daß sie den Ges fangenen aus der Gefängniß, abholen, und ihme zuführen folten; und würde solches mit Freuden verrichtet, die Abgefandten umgåben mit ihrem reisigen Zeug das Gefängniß, nahmen den Ge fan enen hereus, mengten ihn mit groffem Fro jocken und Triumph unter sich, sezten ihn auf einen güldenen Wagen, und führeten ihn mit herrlicher Golennität zum Kayser; und wurde also in ein sehr schönes Schiop hinein geführet, da 519 €. 30. des ewigen Lebens bestehe. da er honfort bleiben, und gleich den Fürsten und Herren geehret und tractiret werden solte: mas Fönnte oder möchte doch auch der ganzen weiten Welt einem solchen Mens ben höhers, edlers und prachtigers wiederfahren? Aber diß alles wäre gegen die himmlische Ehre und Herrlichkeit nur Kinderspiel und Doppenwerk, da der allerhöchs ste König seine himmlische Fürstin zu einem glau bigen Menschen abgefertiget, daß fie desselben fleißig warten, und ihn in den Pallast des ewis gen Freuden Lebens einführen sollen. Ach! wer kann oder mag doch beschreiben das lieblichste Gespräch, und die tröstliche Uns terredung, so zwischen den Heil. Engeln und auserwählten Menschen fürfallen wird? Der Apostel St. Paulus sagt von seiner Entzuckung in das Paradieß, daß er da unaussprechliche Wort gehöret, die kein Mensch sagen kan, 2 Cor. 12, 4. Darum auch unmöglich in dieser Schwachheit solche himmlische Reden, und engs lische Worte auszusprechen. Ja, es bedencke ein chriftliches Herz, was für Freude die himm lische Cantoren und Musica wird, wann für Gottes Thron und seinem heiligen Angesicht, die Engel und Menschen werden zusammen ime men. Wird doch einem Menschen sein Herz ge reget und bewogen, wann man ein liebliches Caitenspiel, oder andere kunstreiche Musicam allhie höret; was will das für Freude zu hören feyn im ewigen Leben, Ehre sen GOtt in der Höhe, Luc. 2, 14. Heilia, Heilig, Heilia, Esa. 0, 3. Heyl sey dem, der auf dem Stuhl fizet, Apoc. 7, 10. HERR Gott Dich loben wir, danken Dir! mit englischen und menschlichen Stime C. 30. Worinnen die Freude 520 Stimmen im ewigen Leben in höchster Fieblich keit wird ohne Aufhören gesungen werden? Hie auf Erden ist keine Musika so schön und lieblich, wann fie lang gehöret wird so kann man ihret zulezt fatt und müde werden: Uber nicht also im Himmel, da man solcher Freud in Ewigkeit nicht kan ersättiget werden; weil es ein unvergånglie ches, unbeflecktes und unverwelkliches Erbe ist als Petrus 1 Ep. 1, 4. schreibet. Zum vierten und lezten sollen wir an Leib und Seel glorifiziret und verkläret werden. Dann der Leib wird erlangen eine unaussprechliche Klare heit, darinnen er in Ewigkeit funkeln und leuch ten wird, viel schöner, als alles Urabische und Ungarische Gold, gegen welche Klarheit der Kön nigliche Rock und Ornat des Alexander Magni, wie auch das köstliche Kleid des Königs Herodis, Actor. 12, 21. und auch der fürtrefliche Schmuck wie gar nichts zu rechnen; davon der Prophet Daniel, Cap. 12,3. sagt: Sie werden leuchten, wie des Himmeis- Glanz. Und Chriftus der HERR selbst, Matthy. 13, 43. Die Gerechten werden leuchten, wie die Sonne in ihres Va ters Reich. Es werden unsere Leiber auch mit folcher Agilität und Behändigkeit begabet seyn, daß sie ohn alle Beschwerung in einem Augen blick werden seyn können, wo sie wollen; wie Sap. 3. 7. geschrieben stehet. Sie werden das her fahren, wie Flammen über den Stoppeln. Und der alte Lehrer Augustinus sagt: Wo nur die Seele seyn wird mit den Gedanken, da wird auch der Leib mit seinen Gliedern feyn können. So werden auch die Leiber eine beständige und stets wehrende Gesundheit haben, daß man sich Feiner 52t t €. 30. des ewigen Lebens bestehe. keiner Schwachheit und Gebrechlichkeit zu befah ren haf; denn da wird die Wurzel aller Krank heit ganz ausgerottet feyn; und weil die Sünder als ein Ursach alles Jaminers, im Grabe vers scharret bleiben soll, so muß auch derselben Straf aufhören. Darum dann auch unsere Leiber un sterblich, und dem Tode nicht mehr unterwor fen seyn werden. Denn der Tod ist der Sün den Cold, Rom. 5, 23. Daher auch der Apostel, Cor. 15, 43. 44. sagt; Es wird gefået verweßlich, und wird auferstehen unverweßlich, Es wird gesaet in Unehre, und wird auferstehen in Kraft; Es wird gefået ein natürlicher Leib, und wird auferstehen ein geistlicher Leib. Und was vom Herrn Christo, da er der Sünden ein mal gestorben, der Apostel sagt der Tod wird hinfort nicht mehr über ihn herrschen, Róm. 6, 8. Das können wir von seinen Gliedern den Glaubigen auch sagen, daß sie hernach nimmers mehr sterben werden. Das sind alle miteinan der fürtrefliche herrliche Gaben, damit unsere Leiber in jenem Leben bey Christo gezieret werden sollen. So viel aber die Seele anfanget, wird auch dieselbige mit hohen fürtreflichen Kleinodien her aus staffiret werden. Dann sie wird haben das vollkommene Erkánntniß Gottes, bende nach sei nem Wesen und Willen; welches allhie mit uns nur Stuckwerk ist," das da aufhören wird, wann das Vollkommene wird angehen, 1 Cor. 13, 9. 10. Darzu auch kommen wird, eine vollkom mene Weißheit und Verstand aller Dinge, auch der groffen Geheimnissen, die wir hie nicht has ben verstehen noch begreisfen können. Daher der Upos 522 Worinnen die Freude C. 30. Apostel Johannes fagt: Meine Lieben, wir sind nun Gottes Kinder, und ist noch nicht erschienen, was wir seyn werden: Wir wissen aber, wenn es erscheinen wird, daß wir ihm gleich seyn wer den; denn wir werden ihn sehen wie er ist, x Joh. 3, 2. Es wird auch die Seele leuchten in vollkom mener Gerechtigkeit und Heiligkeit; denn was die Glaubigen in dieser Welt haben, daß es aus Gnaden zugerechnet, und Anfangs Weise; das werden sie dort haben in voller Besizung, und werden daher treten in dem Kleide der Gerech tigkeit und Unschuld, als die Durchläuchtigste Könige und Himmels Fürsten von welchem man fagen wird: Diese sind es, die kommen sind aus groffem Trubsal, und haben ihre Kleider helle gemacht im Blut des Lamms: Darum sind wir für dem Stuhl Gottes, und dienen ihme Tag und Nacht in seinem Tempel; und der auf dem Stuhl wird über ihnen wohnen: Sie wird nicht mehr hungern oder dürsten, es wird auch nicht mehr auf sie fallen die Sonne, oder ir end eine Hize; denn das Lamm mitten im Stuhl wird sie weyden, und leiten zu den lebendigen Wasser Brunnen, und Gott wird abwischen alle Thränen von ihren Augen, Apoc. 7, 14. Demüthige Besprechung des HErrn daß wir durch seine Gnad, in Bea trachtung der Freude des ewigen Lebens, in aller Trübfal freudig aushalten. Mein allerliebster Heyland und Seligmacher Jesu Christe, ich habe aus deinem Wort Und €.30. des ewigen Lebens bestehe. 523 und Evangelio in meinem Christenthum gelernet, daß ein jeder, der mit dir will jur ewigen Freu de und Herrlichkeit erhalten werden, zuvor auch #mit dir leiden, und das Creuz dir nachtragen müsse. Nun ist aber Creuz und Lendem dem schwachen Fleisch ein sehr ärgerlich Ding, und eine Last, darunter viel liegen bleiben, wann sie durch dein Wort und Geist nicht gestärket und aufges richtet werden. Ich befinde auch ben mir selbst meine groffe Schwachheit, daß oft mein Herz ben mir verzagt ist, und alle meine- Kräfte mich verlassen wollen, über der schweren Laft, die ich zu tragen habe. Weil ich aber über keinem Dinge mehr erfreuet, getröstet und erquicket werde, als wann ich an die unanssprechliche Herrlichkeit des ewigen Lebens gedenke, die auf unfer zeitliches Lenden und Trübfal erfolgen wird; So bitte ich dich mein Heyland und Erlöser, du wollest dein Wort und Geist aus meinem Herzen nicht kommen lassen, sondern durch dess selben Kraft mich stärken, regieren und erhalten; daß ich in Betrachtung des ewigen himmlischen Freuden- Lebens alles gedultig leiden, um das aufgesezte Ehren Gränzlein ritterlich streiten, und nach ausgestandenem Ereuz und Trübfal zu dir in das himmlische Paradieß gelangen, Dein heiliges Angesicht in Freuden und Herrlichanschauen, mit den Engel und Auserwählten ewiglich conversiren, und also mein verklärter Leib und Seele sich ewiglich in dir freuen möge. Dahin hilf mir, mein lieber Herr Jeju Chrife, nach deinem Wort und Verheizung Um Amen! HEre 524 Worin. d. Freud. des ewig. Leb. best. C. 30 HErr JEfu, laß dort sehen dich; In deinem Gehen freuen mich; Laß mich in allem Creuz und Leyd Erfreuen, was uns dort bereit, In Ewigteit. ENDE. Wine Anhang Etlicher andächtigen Gebete, kurzen biblischen Herzens Seufzers tein, und geistreichen Gesange, auf diese Materie gerichtet. I. Sehnliches Angst- Gebett unter dem Creuz- Joch. HErr JESU Christe, mein treuer Heys land, der du die schweren Creuz Bürden, so dir dein himmlischer Vater, um meiner Sün den willen auferlegt hat, so gedultig ertragen, und am Creuzes Stamm den bittern Tod für mich gelitten! Auch darneben befohlen hast, das fern wir deine rechte Kinder seyn wollen, daß wir auch unser Creuz auf uns nehmen, und die nachs folgen sollen: Dich bitte id) demüthiglich von Herzen, du wollest Gnad verleihen, daß ich mein Creuz, so du nach deinem gerechten und väterlis chen Willen mir aufgeleget hast, mit aller Ges dult tragen, und getrost in deinen Fußstapfen tretten möge. Herr Jesu, weil dir auch meis ne grosse Schwachheit auf dieser Creuz Fahrt unverborgen, so bitte ich dich, du wollest deine allmächs 526. Um die Gnade des H. Geistes im Creuz. allmächtige Macht Schulter unter mein schwe res Joch mit unterschlagen, und mir dasselbe he ben und tragen helfen, daß es mir ja nicht zu schwer werde; auf daß ich also durch deine Kraft gestärket, bis ans Ende gedultig ausdauren, und endlich von allem Creuz und Leyden erlöset, die Crone der Ehren, so du allen beständigen Creus tragern zugesaget hast, davon bringen, und für alles Creuz und Leyden ewiglich erquicket, und erfreuet werden, möge, Amen! O treuer Hey land, Amen. II. Demüthiges Ausuchen um die Gnade des H. Geistes, daß wir uns in dem Creuz GOtt ergeben D allmächtiger, barmherziger GOtt, himmlis scher Vater! der du tödtest und lebendig machest: zur Hollen juhreft, und wider heraus; Der du sablageft und heilest, verlezest und vers bindelt, und ohne deinen gnädigen Willen nicht ein Härlein von meinem Haupt kan fallen viel weniger einiges Creuz und Unglück mich kan re tretten. Ich bitte dich verzlich, weil du mir aus väterlichem Wolgefallen ein Ereuz zugeschickt, du wollest mir deine Gnad und H. Geist verleihen, daß ich mich dir mit Leib und Seel gehorsams lich ergebe, und mich dessen herzlich trofie, du werdest mir diß Creuz nicht lassen zu schwer wers den, sondern mich darunter Fräftiglich starken, daß ichs ertragen, und selig überwinden möge, um deines allerheiligen Namens Ehr, und meis ner zeitlichen und ewigen Wohlfart willen, men. III. Gebet Gebet um Linderung des Creuzes. III. Unterthäniges um rbarm dich mein, Herr! erbarm dich mein, der ich so oft wider dich gesündiget, übel für dir gethan, und dich zum gerechten Zorn gereis zet habe, und deswegen billich gezüchtiget werde. Ach Herr! wann ich deine Zuchtigung gegen mei ne Missethaten halte, so seynd sie noch viel, viel gröffer und schwerer, dann deine Züchtigung ist; Sie ist vielmehr für eine Barmherzigkeit, als einen Zorn zu halten. Dann wann du mich für dein strenges Gericht fordern wolleft, so wür de fein feuriger Schwefel Regen genug seyn, mich nach meinem Verdinst abzuftrafen; Du magst es in dieser Welt mit mir machen, wie du wilt, so bist du gerecht, und deine Gerichte seynd rechtschffen: Ich aber bin ungerecht, und aller Ungnade würdig. Aber, Herr, der du bist ein Trost der Angefochtenen, eine Freude der Traurigen, und eine Zuflucht allen Berlaffes nen, warum woltest du wider ein fliegend Blatt so ernst seyn, und einen dürren Halm so hart verfolgen? Ach! handele nimmermehr mit mir nach dem Verdienstm einer Sünde, sondern nach der Größe deiner Barmherzigkeit, welche nicht clicin meine, sondern auch der ganzen Welt Sunde vielfältig überwieget. Du weist Herr, wie schwach ich bin, und wie bald ich von gros sem Creuz und Trübfaal kan überwältiget wers den: Derowegen rufe ich zu dir, aus der Tieffe meines Elends, ich flehe dich an, O, du GOtt alles Trostes, und bitte dich herzinniglich, daß du Erb Anlangen, des Creuzes. Linderung 527 528 Gebett um Linderung des Creuzes du in diesem meinem kümmerlichen Zustand mich in dem Glauben bekräftigeft, in der Hoffnung stärkest, und in der Gedult bevestigest: Aufdaß ich alle Widerwärtigkeit mit einem standhafti gen Gemüth ertrage, niemals wider dich und Deinen väterlichen Willen murre. Gefällt es die so nimm diesen Creuz Kelch von mir, und laß nach dem Ungewitter die Sonne wieder scheinen, und überschütte mich nach dem Heulen und Weis nen mit Freuden: Doch nicht wie du wilt. Dann siehest du daß es zu meiner Seligkeit núzlich ist, unter solcher Trübsal noch länger zu leben, wole an, so geschehe dein heiliger Will: erhalte mich nur in vester Gedult, daß ich unbeweglich glaus be, du mein Gott seyest getreu, und werdest also mich nicht über Vermögen versuchen laffen, sondern machen, daß die Versuchung so ein End gewinne, daß ichs kónne ertragen, so werde ich Deinem herrlichen Namen Ehr und Lob sagen, jezt und in alle Ewigkeit, O Gott! mein Gott! Amen, Amen. IV. Christlicher Morgenfeegen eines betrangten Creuzträgers. barmherziger Gott, mudreicher Vater! der du bist eine Freud der Traurigen, ein Trost Der Betrübten, eine Stärke der Schwachen: Ich danke dir von Grund meines Herzens, daß du mich in dieser Nacht in meinem grossen Elend und Trangfal so gnädiglich behütet, von des Teufels feurigen Pfeilen errettet, von unruhi gen Sorgen befreyet, von gänzlichem Verderben erlós Morgenfeegen eines Creuzträgers. 529 erlöfet, und so kräftiglich getröstet haft; daß Deine Kraft in mir Schwachen so mächtig, und Dein Trost in mir Trostlosen so thatig gewesen Ast, daß die Nacht mich mit ihrer Nuh erquicket, und mit ihrem Schatten bedecket hat. ach Herr! dieses ist deine Gnad, wie kan ich solche genugs sam rühmen und preisen? Ich will dich deßwe gen loben allezeit, dein Lob soll immerdar in meinem Munde seyn. Nun Herr, diese Nacht, darauf ich wegen Herzplagender Gedanken ges forget, ist fürüber, und damit alle Furcht und Schrecken der Nacht, und ist der liebe Tag mit seinem erfreuenden Echein wieder angebro chen. Ach du mildreicher Vater, laß damit auch deine Gnade über mich) neu aufgehen; Ere halte mich auch diesen Tag in meinem Eiend: du hast mich geschlagen, heile mich auch wieder; du hast mich verwundet, verbinde mich auch Und wann es dein göttlicher Will, mir auch gut und selig ist, so nimme heut diesen Tag mein Creuz und Elend von mir; ist es aber mir bes fer und seliger, långer darunter zu fizen und zu schwizen; Ach! so tröste mich auch diesen Tag mit deinem heiligen Geist, und verleihe Gedult, daß ich mich diesem deinem guten Willen gehors samlich) untergebe; auch Kraft und Stärke, daß ich es könne ertragen, und selig überwinden. Id) befehte dir auch diesen Tag mein Leib und Geel, und alles was ich hab, in deine heilige Hande Sey mir gnädig und barmherzig! und wohlgefällig, was zu deiner Ehr, und zu meis nez zeitlichen und ewigen Wohlfahrt nüzlich und gut ist, um JESU Christi deines lieben Sohns, meines Mittlers und Erlösers willen, 21 Der 4530 Abendfeegen der darum versuchet worden, daß er helfen kön ne denen, die versuchet werden: Nimm an seine Fürbitt, und erhöre mich um seinet willen, Umen! Amen! V. Christlicher Abendseegen eines bedrangten Creuzträgers. D du mein lieber Gott und Vater! nun habe ich abermal einen Tag an meiner irrdischen Pilgerfahrt zurückgelegt, und in meinem Creaz und Beschwerden überstrebet. Daß ich nun die fen Tag in meinem Elend nicht untergangen und verschmachtet bin; daß mich der Satan nicht überwunden, oder mein Creuz niedergedruckt hat, daß mein Glaub nicht gar aufgehöret, oder meine Hoffnung verschwunden ist, das hat deine Gnade allein gethan, die hat mich Betrübten ges trostet, und mich Schwachen gestärket: Darum will ich auch diefelbe rühmen und preisen mein Lebentang Demnach aber die Nacht vorhan den, welche Grauen und Schrecken macht, in welcher der Teufel, als ein Fürst der Finster niß, herrschte; den Menschen manchmal mit sei nen feurigen Pfeilen also zusezt, daß sie keine Ruhe haben können, sondern wünschen, daß es bald Tag werde, und die Morgenrothe anbres che: und ich vorhin mit Beschwerniß und herz plagenden Gedanken erfüllet bin: Co bitte ich dich, Oli breicher Bater! du wollest auch diese Nacht mir gnädiglich beystehen, daß ich sanf ohne übrige Sorg und Bekümmerniß möge schla fen; daß mich nicht das Elend, so mir oblieget, an eines Creuzträgers. 531 an den Schlaf hindere und unruhig mache; sons dern ein fanfter Schlaf mir dasselbe erleuchtere, und der Kraftverzehrenden Sorgen befrepe. Uch HERR! sen du in Finsterniß mein Licht, im Schrecken meine Erquickung, in der Angst meine Labsal, und in Traurigkeit meines Herzens Freude! Gib gnädiglich, daß ich mich deines Fräftigen Trofts und väterlichen Beystands in allen Anfechtungen tröste, und durch dich alles Unglück freudig und selig überwinde! Laß mich den morgenden Tag gesund wieder erleben, und mit frölichem Herzen von dem Schlaf aufstehen! Das bitte ich dich um Jesu Christi willen, der darum von Herzen betrübet worden, daß er uns hie und dort mit Freuden erfülle, Amen! D getreuer GOtt Amen. HErr erbarm dich, 2c. Bater Unser ac. 212 Kurze ( 532) Kurze biblische HerzensSeufzerlein. Klag über den Verzug göttlicher Hülfe in groffer Noth. Pfalm. 10, 1. le fommt es doch, mein lieber GOTT! Wie Daß du so fern trittst in der Noth, Und du zu mir ganz nicht gefellst. Gar unbekannt und fremd dich stellst? Pfalm. 42, 10. Ich frage dich men farker GOZZ! Denkst du nicht mehr an meine Noth, Willt du denn nicht mehr nach mir fragen? Warum muß ich so traurig gehn, Und hören stets der Feinde Sqmahn, Daß sie mich potten und zerplagen! Plalm. 42. 24. 25. 26. HErr! Wach auf, laß die erwecken, Warum icblärst du immerdar? Laß und in der Noth nicht steken, Und verstoß uns nicht so gar; Belg dein andoig ungeficht, Und vergiß meins Elends nicht; Mach dich auf, und mich behüte, Hiif mir durch delne groffe Güthe. Palm 69. 2. 3. 4. Ach GOTT! hilf mir, die Flarh will an die Ecele dringen, Des Waffers tiefer Schlund will mich in Grund verschlingen; 2013 € 1 Herzens Seufzerlein. 533 Es brauset ble und da, die Waffer laufen an; Ich sente mehr und mehr und doch nicht grüne den fan. wit Von schreyen bin ich můd, mein Stimm hat abs genommen, Mein Augen Licht vergeht, weil keine Hülf wid fommen. Weil mir ob meinem Hals so lange liegt die Noth. Muß harren Jabe und Zag, betrübt auf meinen GOTT! Ejaj. 37. 3. Es ist diß wol des Trübfals. Tag Voll scheltens, lästerns: voller Plag: Das Rindelein stekt hart in Banden, Kein Kraft ist zur Geburt vorbanden. Jer. 14, 19. HENR, bast du uns veritosfen gar? Hat deln Seel Efel immerbar. An uns, daß du uns so geschlagen, Daß nirgend fein Hülf wo wir flagen? Fer. 15, 18. Ach, warum will doch unser Schmerz Durchschneiden immer unser Herz? Kann dann die Wunden niemand hellen? Ist kein Arzt, der tdunt Raty ertheilen? Du stelleft dich, als wann nunmehr Kein Hülf ben mir zu hoffen war, Als wie ein Brunn, der ganz versiegen. 2 Bey dem man für Durst mocht erliegen. Klaa. Lled. 3. 19. 20. 21. O höchster GOTT, HERR Zebaoth, Geden doch an mel e Notb: Im Efend bin ich ganz vrienfet, Darz man Wermuth mt clnschenket; Da wirft es ja vergessen nicht Wie meine Seele mir verspricht, Das faß ich stelf in meinem Herzen. Habac. 1, 1. 2. 3. Ach HERR, wie lang foll schreven ich, Und du wilt, nicht erhören mich? 213 534 Herzens Seufzerlein. Und über groffen Jammer flagen, Und du wilt mir kein Hülf zusagen? Marum låßt du mich Mühe sehen? Raub, Plündern über mich ergehen? Gewalt für Recht im Land regleret, Und allenthalb den Fahnen führet; Gerechte Sach dahinten steht, Sant Hader in dem Schwange gebt; Der Bdß den Frommen ftets betreuget. Und seine gute Sache beuget: Bekanntniß daß wir das Creus mit unfern Sünden verdienen. Jer. 14 7. 8. 9. N HERN, ach unfer Misfechat, Die Straf gar wohl verdienet hat; Doch hilf um deines Namens willen, Laß deine Gnad des Zorns.Wuth stillen; Jerem, 10, 24 HERR züchtige mich doch mit Maß, Die wohlverdiente Straf erlaß. Mich nur in deinem Grimm nicht ftrafe, Noch schnell in deinem Zorn hinraffe.. Demuthige Bitte, um gnädige Abweni dung der wohlverdienten Sünden Strafe. Psalm 86/17. u bist genelgt, HErr, zur Gebult. Barmherzigkeit erläßt die Schuld: Ach: siehe mich auch wieder an, Daß deine Gnad ich spüren kan! Pfalm 90, 16. Kehr wieder HErr, mir deinen Bu rechter Belt mit Gnaden mich erquife, Troft zuschile, Eta Herzens Seufferlein. Erfiu mich nun, weil du mich plageft lang. Das Unglük wend; das mir lang machet bang? Unterthäniges Ansuchen, um gnädige Erhörung unsers Angst- Geschreyes. Psalm 4, 1. 7. dre mich HERR wann ich schrey, Laß es dir zu Herzen gehen, Und in Nengsten steh mir bey, Wann du mich in Noth siehst stehen. Belg mir deinen Gnaden Schein, Du meines Herzens. Freud allein; Dann schlaf ich ohne Sorgen, Durch die Nacht bis an den Morgen. Psalm 5, 1. HERR mein König und mein GOTT, Wann ich früh mein Herz ausschütte, Bann Ich fchrey in meiner Noth, 535 Wann ich kläglich für dir bitte, So erhöre mein Gefchrey, Merk darauf und steh mir bey, Hor, was morgens vor dem Lage, Ich mit vielem Seufzen flage! Pfalm 56, 4. HErr, mein Flüchten alle zähl, Die schon erlitten meine Seel: Faß meine Thränen in ein Sad, Behalt sie auf, und wohl einpak! Doch haft bu fie gezählet schon, Und angeschrieben in pelm Thron; Wann ich zu dir ruf in der Noth, Erfar ich, daß du seyft mein GOTT. Pfalm 56, 1.9. HErr höre mich, dich mein erbarm, Dein Ohr zu meinem Schreyen neige! Dent, daß ich elend bin und arm, Dein gnädig Angesicht mir zeige! Ach HErr, mir Leib und Seel bewahr, 214 Und 536 Herzens- Seufzerlein. Und friste mir mein schwaches Leben; Hilf deinem Knecht bald aus Gefahr, Der dir fich gänzlich hat ergeben. Zu dir HErr schrey ich alle Zag, Nach dir auch meine Seel verlanget, Erfreue sich nach vieler Klag, 2ell ganz und gar sie an dir hanget: Dann du gnädig bist und gut, Dem der dich fudbt von groffer Güte, Und der dich bitt, und Gutes thut, 3u dir erhebt sich mein Gemüthe. Klag Lied. c. 7, 56. 57. HErr! die Ohren zu mir neige; Bann ich rufe, du nicht schwelge. Nahe dich, und steh mir bey: Bann ich zu dir feuffzend gliffe: Laß mich merken deine Hülffe: Sprich: Getroft ich bin bey dir. Fibre meiner Seelen Sach, Und mein Leben ledig mach. Demüthiges Anlangen, um väterlichen Beystand und Erlösung aus Creuz und Trübfal. Fede Psalm 16, 1. In aller Angst und Noth, mein GOTT! ben wahre mich Dieweil mein Seel allein dir ganz vertrauet sich. Psalm 22. 12. 20. HErr! feb mir bey, von mir wollst je nicht weichen, Die Angst ist nab, will an die Seele reichen: Well niemand ist, dann du mein GOtt allein Der in der Noth mir könnt zu Hülfe seyn. HErr sev nicht weit, und laß mich nicht ersizem. cb ell, ach ell, mich armen zu beschůzen! Beweiß dein Macht, dann je die Noth ist Und laß mhh nicht sogar allein und bloß. Just groß; Pfalma Herzens Seufzerlein. Psalm 27. 9. Berbirge nicht, o HErr, dein gnädig Angesicht! Dann du bist meine Hülf, meins Herzens Zuversicht, In deinem grimmen Zorn dein'n Knecht verstoffe nicht! Auf dich, O GOtt mein Heil! mein Hoffnung i gericht. Pfalm 57. 2. 3. 4. HERR dich gnädig wend zu mir, Dann meine Seele tranet bir; Damit ich finde Ruh und Schatten, Den deine Flügel mir gestatten Biß daß kein Unglüt sich mehr find. Durch deine Fürsorg bald verschwind: Vom Himmel send mir deine Güte, Und mich für aller Schmach behüte. 537 ra sike Jer. 17, 14. 17. HERR belle mich, so werd to hell, Mir in der Noth deln Hülf erthell.. So ist mir g'holfen und gerathen: Und ich will rühmen deine Thaten, Ach sey du nur nicht schröflich mir Bleib meine Zuflucht für und für. Die mich verfolgen, mach zu Schanden im Verstrike sie mit Unglüks Banden. 96) de mag Psalm 109, 21. 22. 23. HErr ich bitt, wollst bey mir halten, Wegen deines Namens Zier, Delne Gno laß ob mir walten; Die mein Troft für und für. Dayn ich arm und elend bin, Sot ganz ist mein Herz dahin; Sonst ich wie ein Schatt verschwinde, Werd verjagt als von dem Winde. 26 163 Samak Gift alm 413 110/31065 dotie 23 be 5) Coming soon Drins Herzens Seufzerlein. Dringendes Flehen um eilende Hülfe. Psalm 38, 22. 23. channe Ach lieber GOtt verlaß mich nicht. Dann du bist meine Zuversicht; Und steh mir bey. zu helfen ell, Dieweil du bift mein Theil und Hell. Pfalm 70, 2. 3. GOtt fomm schnell und hilf mir bald. Du bist mein Troft und Aufenthalt, Erlög mich aus der Angst bevende, Mach an dem Jammer bald ein Ende. 538 Schuldige Danksagung für die väterliche Zucht Ruthe des HErrn. Psalm 218, 18. 21. GOTT bielt mich unter feiner Zucht, Von wegen meiner groffen Sünden; Doch hat er nicht den Tod gesucht, Er ließ mich wieder Gnade finden: Darum für solche Baters. Ruth, Damit er freundlich mich geschlagen. ( Well Ers gemetnet herzlich gut) Will ich ihm schuldigen Dank fagen. Efat. 12, 3. Mein Mund und Herzens tieffter Grund, Coll HERR dir für und für Dank fagen, Diewell du mich zwar hart perwund, In deinem grimmen Zorn geslagen; Nun aber jezt erbarmest bidh; Dein Gnab sich wieder hat gefunden; Nach Angst und Trauren trößteft mich. Bis mein betrübt Herz Troft empfunden. Zob, 11, 17, GOTZ Ifrael! Ich danke dir Von Grund des Herzens für und für, Dal Klag und Trost- Lieder. Daß du mich züchtigst väterlich, Und wieder haft erlöset mich. Geistreiche Gesänge. 339 I. Der schöne Klag, und Trost Spruch. - Ef. c. 49, 14. 15. 16. Gefangs weiß gestellet, durch M. O. Im Thon: Wie nach einer Wasser Quelle, c 1. Qlon flagt mit Angst und Schmerzen, Zlon GOttes werthe Stadt, Die er trågt in seinem Herzen, Die er ihm erwählet hat: Ach! spricht sie, wie hat mein GOTT. Mich verlassen in der Noth, Und läßt mich mit Jammer pressen? Meiner hat er ganz vergessen. 2. GOTT der mir hat neu versprochen Seinen Beystand in dem Leyd, Läßt mich nun vergeblich pochen, An die Thür der Gnaden- Zelt. Ach! will er dann für und für modn Graufam zürnen über mir? Kan und will er sich der Armen Jezund nicht wie vor erbarmen? 3. Zion du Bielgellebte! Sprach zu ihr des HErren Mund. Du bist jezub die Betrübte, See und Gelft ist dir verwundt; Dochy ftell alles Trauren ein. Wo mag eine Mutter seyn, Die thr eigen Kind haffen, Und aus ihrer Sorge laffen. 4. Ja, wann man auch solte finden, Einen solchen Marters Sinn, Da die Liebe fonnt verschwinden; So bleib ich doch wer ich bin: Meine 540 Klag und Troft- Lieder. Meine Treu bleibt gegen dir, 3lon, du meine Zier; Mein Herz hast du mir beseffen, Deiner kan ich nicht vergeffen. 5. Laß dich nicht den Saran blenden Der sonst nichts als fibrecken kan: Schau doch! hier in meinen Händen Hab ich dich geschrieben an. Wie fan es dann enders seyn? Ich muß ja gedenken bein: Deine Mauren will ich bauen, Und dich fort und fort anschauen. 6. Du bist mir stets für den Augen, Du llegt mir auf meinem Schoos, Wie die Kindlein die noch saugen, Meine Gnad ist über groß: Dich und mich fan Feine. Zelt Keine Noth, Gefabr und Streit, Ja die Hölle selbst nicht scheiden, Bleib getreu in allem Leiden. II. Klag- und Troft Im Thon: Uch Gott! I. Lied, G. P. Bi erhór mein Seufzen, 14. A. ch GOTT, A GOTT, Ach haft bu vergeffen? Willst du mich mit des Creuzes. Last zerpressen? Die bofe Rott, hat mit mir Spott, Den Thränen Becher übervoll gemessen. Wie lana ach HErr! wie lang foll t mich quälen? Wie gar zerknirichest du der Krommen Seelen? Die Todes Pfell und Donner. Reul Erhaschen mich, und sind fast nicht zu zählen. 3. Nun meine Seel: laß dich beiänftigt ftillen, Und murr nicht wider deines GOttes Willen. Wer GOtt vertraut, vest auf ihn baut, Den will er nach dem Leyd mit Freud erfüllen. 4. Geh hin und frag die lang, bejährten Greisen, Ob sie in ihrem Leben können wetsen Nut Klag und Trost- Lieder. Yor einen Mann, der sagen farm, Gtt laß ihn sonder Trost von hinnen reisen? 5. Bergleichest du den Himmel mit der Erden? Der Raben Farb den Wollen, weiffen Heerden? Die Herrlichkeit wird nach der Zelt Uns ewig, ewig offenbaret werden. 6. Bin ich bie an der Erden End vertrieben? So bin ich doch in Gites hand geschrieben, Die für und für ift hart auf mir Wenn er mich schläget, will ich ihn doch lieben. 7. So hat GOtt meiner nimmer nicht vergeffen? Ob mich gleich Noth und Tod fast aufgefressen? Das Sonnen. Rad folgt trübem Pfad, Der Lorbeer Kranz den Klag und Traur Cypressen. III. Klag. Lied über groß und lanpwieriges Elend und Trübfal. 541 Aus J. N. Im Thon: Wie nach einer Wasser- Quelle. c. 1. GOTTires Trostes, HErr der Gnaden, Vater der Barmherzigkeit; Jcb mit Trubial fiart beladen, Mir Bekümmerniß und Leyd, Klage dir, treuer GOtt! Meinen harten Strelt und Noth, Und mit ganz betrübrem Herzen, Meine tausendfache Echmerzen. 2. HErr 1 hab es wohl verdienet, Daß dein Hand so drücker mich; Vielmahls hab ich mich erfühnet, Hitig zu erzürnen Dich; Meine schwere Miffetbar, Diese Straf verdienet hat. Drum ich Deinen Grimm will tragen, Laß mich aber nicht verzagen. 3. Diesen Kelch will ich zwar trinken, Schenk thn nun mit larger Sand. Und Klag und Troft- Lieder. 542 Und laß mich nicht gar verfenten, Un dem jåben Unglüks Stand: Ach! erhalt mich bey der Hand, Hilf mir frölich an das Land Wann des Trübfals starke Billen Un mich sezen, mich zu fällen. 4. Hast du mein dann ganz vergessen? Wilt du nirmer gnädig fenn? Soll ich stets mit Seufzen effen, Und genteffen Thränen- Weln? Bin ich dir so ganz verbaßt, Daß ich unter dieser Last Soll mit Uch und Web verderben, Reine Gunft nicht mehr erwerben? 5. Laß doch wieder mich erquicken, Und gib mir um etwas Raft Laß deln' Gnade mich aublicken, Die du oft verhelffen haft; Mitten in der Angst und Leyd Denke defner Gütigkeit, 21ch bilf mir bedrängten Armen, Durch dein väterlich) Erbarmen. 6. Du kanst schlagen, tu fanft töbten: Wann dein grimmer Zorn entbrandt; Doch hilft bald aus solchen Nothen Delne treue Bater Hand. Drum hell das zerstoßne Rohr, Hebe bald mein Haupt empor; Sey mein GOtt nicht nur in Freuden; Bleib es auch in allem Leiden. 7. Dieser Unfall, der mich troffen, Kommt van deinem Willen her; Stärfe nur meln schwaches Hoffen, Dann fo fällt mir nichts ze schwehr; Well das Erenz ein theures Pfand, Dadurch unser Glaub erkannt, Gib Gedult, daß ich nicht wante, Sondern herzlich dafür danke. 8. Ran auch eine Mutter haffen Ein von ihr gebohrnes Kind? Kann ein Vater auch verlassen. se Klag und Troft- Lieder. C Tie von ihm erzeuget find? Ja, wann diß geschehen folt, Bleibt du dech geneigt und hold, Drum, Vater! deinen Eiben Laß ja ewig nicht verderben. 9. Deinen Namen will ich nennen, HErr mein Lidt, Rath, Troft und Thell; Etandhaft will ich ihn bekennen: Zeige mir, D GOTT dein Heil! Laß mich deine Hülfe sehen; Dann so fan ich wohl bestehen: Schmücke mich mit Ehr und Leben, Laß mich alles überstreben! 54.3 IV. Sehnliches Klag Lied über den Vers - zug göttlicher Hülfe. Aus dem 13. Psalmen Toelde. Im Thon: O höchster Gott, o unfer ze. le lang, wie lang, willt du HErr, meis • vergeffen, Wie lange foll mich Corg und Kummer fressen? Wie lang verbirgst dein Angesicht für mir? Wie lang foll fich mein Herz selbst ångsten hier? 2. Wie lang willt du den Rücken mir zu kehren? Wie lange foll der Feind sich doch empören? Laß seben mich dein gnådtg Angesicht, Ach! laß mich ja im Tod entfchlafen nicht. 3. D HErr mein GOTT, mein sehnlich Flehen höre, Und nimen mub en, der Seelen Unfall wehre: Ach komm! Ach bff! und rette mich mein Gott! Eh mich betrübt des Unglüfe starke Rott. 4. Dann gänzlich ich vertraue deiner Güte, Es freuet mich dein väterlich Gemüthe, So gerne hilft: darum, HErr sing ich dire Well so viel Guts du haft gethan an mit, V₁ Klag und Troft Lieder. V. Klag- und Trof. Lied, M. N. Aus dem 77. Pfalm. Im Thon: Sulf GOtt, daß mirs gelinde, 26. Creuz Trubial. Ungst und Leiden, Anfechtung Noth und Tod, Die Kein Chriften Mensch tan meiden, Es ist sein täglich Brod; Das aber ist sein Aufenthalt: Die rechte Hand ees Höchsten Kan wenden alles bald. 2. Entsteht ein Trübes Wetter, Kommt es nicht ungefehr, Bon dem GOTT aller Götter, Aus weisem Ratbichluß her: Den Anfang, Fortgang und das End Die rechte Hand des Höchsten Schift, führt, regiert und wendt. 3. Darum mit meiner Stimme Schrey ich zu meinem GOTT; Laß ab von deinem Grimme 544 In meiner Angst und- Noth? Des Nachts ich außref meine Hand: Die rechte Hand des Höchften. Wend allen Unglüts. Stand. 4. Wann ich bin sehr betrübet, Beiß weder aus noch ein, Bann Angst mein Herz umgiebet, So troft mich dig allein; Daß die verwichne Lebens. Jahr Die rechte Hand des Höchsten Errettet aus Gefahr. 3. Doch leget sich darwider, Mein schwaches Fleisch und Blut, Es finnet auf und nieder. Und spricht mit schwerem Muth: ft dann nun ganz und gar verkürzt Die rechte Hand des Höchsten; Hat sie mich ganz gestürzt? 19 6. 30 Klag- und Trost- Lieder. 6.ft dann so gar verschloffen Sein altes Vaters- Herz? Will Er mich ganz verstoffen Zuruf und Höllen wärts? Jedoch ich endlich schließ bey mir: Die rechte Hand des Höchsten Ift treu und gut dafür. 7. Ist dann nun ganz verlohren, Sein alte Vater= Treu? Sein Wort, da er geschworen: Er will mir stehen bey? Onein: Ich frånk mich nicht zu tod; Die rechte Hand des Höchsten Kan ändern alle Noth. 8. Ich denke seiner Werke, Die er vorhin gethan; Aus seinen Wundern merke, Die niemand nachthun fan, Daß machtig seyn, und stark allein, Die rechte Hand des Höchsten! Kein solcher GOtt mag seyn. 9. Solt ich ihm widerstreben? Er ist mir viel zu hoch, Shm will ich mich esgeben, Ich muß es leiden doch, Und fråß ich mit Gebein und Mark, Die rechte Hand des Höchsten, Die ist mir viel zu stark. 10. Trift doch mich armen Sünder Der Unfall nicht allein, Ich und all Adams Kinder In gleichem Ereuz, Joch seyn; An GOttes Heiligthum und Haus Die rechte Hand des Höchsten 34 schlagen pfleget aus. 11. Se lleber uns die Kinder. Je schärfer ist die Ruth; Seynd Eltern was gelinder, Thuts Kindern selten gut. Die Ruth der Kinder Bestes sucht Die rechte Hand des Höchsten Halt uns in guter Zucht, Mm S 545 Nad 546 Klag und Trost- Lieder. 12. Nach Regen scheint die Sonne, Nach Doaner wächst das Gras; Dem Trauren Freud und Wonne Folgt nach ohn Unterlaß; Des Wetters Wechsel wart ich auch, e rechte Hand des Hochsten Hålt thren alten Brauch. 23. Crenz Rettung, Tod und Leben Hat Christus in der Hand, Daß wir uns ihn ergeben 1 Im Gluck ano Unglücs, Stand, Uno glauben vest in aller Noth. Die rechte Hand des Hochsten Errettet aus dem Tod. 14. Darum in allen Nöthen Ruf den an, liebe Geel! Der würgen an und tödten, Und führen in die Höll, Und auch darauß zu retten weiß; Die rechte Hand des Hochsten Behält den Ehren Preiß. VI. Absagung, feines eigenen, und Erges bung in GOttes Willen. • Nach Gries Willen richt ich mich, 1. Sein Will ist doch der beste, Ob schon Bernanft zu Zeiten sich Darwider fezt gar veste Doch glaub ich frey, Es bleibt dabey, Vernunft muß sich doch stillen; Es geh wies woll, wells so seyn soll, So gehts nach GOttes Willen. 2. Nach GOttes Bill'n vonnbegin tengs, eh die 2Belt geschaffen; Nach diesem wird es gehn forthin, Bis GOTT fie wird aufraffen; Well fort und fort, Gott wird sein Work Unfehlbarlich erfüllen, So wids bereit, in Ewigkeit Ergehn nach Gottes Willen, 3. Nach Ergebung in Gottes Willen. Nach Gottes Willen, weils dann geht, Und soll darben auch bleiben, Eo soll mich nichts, wie es geråth, Bon meiner Hoffnung treiben: Es hab Vernunft, mit ihrer Zunft, Was fie nur wöll, für Grillen; Sie fag, fie Flag, ja gar verzag, Gehts doch nach Gottes Willen. 4. Nach Gottes Will'n ergeb ich mich In Lieb und auch im Leyde, Nach Gottes Willen ånderte sich, Nach Leyd kommt wohl noch Freude! Drum balt tcb fill, Ifts Gottes Will, Kan Er das Unglück stillen; Wies ihm gefällt, so seys bestellt, Richt mich nach seinem Willen, 5. Nach Gottes Willen, weil ich dann Jezunder hab mein Leben, Und wandele der Chriften Bahn, 2Bill ich ins Creuz mich geben. Gedultiglich, Nicht wegern mich, Des HERRN Rath zu erfüllen. Dann zeltlich Lend bringt ewig Freud Einmal nach Gottes Willen. 6. Nach Gottes Will'n bin ich bereit, 3u leben und zu sterben, Der wird mich auch in meinem Leyd Nicht laffen gar verderben: Will mir dann Gott, durch Todes Noth Mein Angesicht verhüllen, Wanns thm beliebt mich nicht betrübt, Ich ferb nach Gottes Willen. 7. Nach Gortes Willn, mein liebe Seel So ruft dich nun von hinnen, Dein'n Maden. Sal der Erd befehl Kanft beffers nichts gewinnen, Dann was Gott dort, nach seinem Wort, Unfehlbar wird erfüllen; Dann dir bereit, die Geligkeit, Oewis nach Gottes Willen. Mm 2 547 VII. 548 Um Gedult. VIL Demüthiges Gebet ied um christliche Gedult in groffem Creuz. Aus F. R. D Jm Thon: Wenn mein Stündlein c. Gottes Lamm, der du die Schuld Der Menschen wilt ertragen, Jcb muß, daß mir die Ungebult Fast angebohren, klagen; Dieweil mein GOTT! Ich wider dich Mit Murren oft verfündigt mich, Kan nich) Ins Creuz nicht schlken. e. Ach HERR verzeih mir diese Sünd, Und gib mir zu erkennen, Daß mein erschroken Herz ergründ, Was wir hie Zrübfal nennen Das fomm von deiner treuen Hand, Co mir zum besten zu erkannt, Aus deinem guten Willen. 3. Daß Trùbfal, Elend, Ereuz und Pein Wir Chriften müssen leyden, Darinnen auch gedultig seyn, Der Höllen Angst zu meden; Weil alles Creuz für uns zu schlecht, 218 wie wir fepud der Sünden- Knecht, Und noch vielmehr verdienen. 4. HErr JESU! gib doch, daß mein Herz Sur Nachfolg dich anfcbaue; Durch deine Wenden Pein und Schmerz, In allem Ereuz dir traue, Bell du mit himmlischer Gedult Bezahlet haft für fremde Schuld, Des Vaters Zorn zu filllen, f. Hulf alles Unglük, Noth uno plag Gedultig überwinden, Laß alles Herzenleyd und Klag, Durch deinen Trost verschwinden, Daß ich werf alle Sorg auf dich, Und deines Beystands Trofie mich Aus fartem vesten Glauben. Gott ist das beste Gut. 6. b bin gewis! Und zweifle nicht, Daß du, wann du betrübest, Der dich hålt für fein Zuversicht, Am allermeisten Itebeft; Drum hoff ich, daß die Noth und Peln. Alsdann, wanns mir wird nůzlich seyn, Du werdest zeitlich ändern. 7. Darum verlelhe, treuer GOTT! Daß ich ja nicht vergage, Crenz, Trubsal, Krankheit, Hohn und Spott, Ganz unverzagt ertrage; Im Streit mich halte ritterlich, Nicht wanke, weiche hinter sich, Bis ich das Ziel erreiche. 8. Und demnach ja keln frommer Christ, So lang er hle zu wallen, Nicht obne Ereuz und Leyden ist, Es ist bescheiden allen; So wollst mein Schwachheit sehen an, Nicht mehr auflegen als ich kan Mit deiner Hülf ertragen. 9. HErr JEfn! mach mir nicht zu schwer Die aufgebürdte Plagen; HErr JEfu diß ist mein Begehr, Sllf mir mein Elend tragen; Erlöse mich von Straf und Schuld, Ach JEsu! gib mir nur Gedult, Das bitt ich herzlich, Amen. 549 VIII - Andachts Lied in welchem eine glaus bige Seele GOTT den HErrn für alle weltliche Freud und irrdische Güter erwählet. Gm Thon: Wie nach einer Wasser Quelle, Alle lles Guth der Welt ist flüchtig, Balder als der Rauch vergeht; Aller Pracht und Schönheit nichtig, Ja die Länge nicht besteht: Alles, was der Mensch boch hält, Mm 3 Auf Leyd folgt Freud. Dem die Welt verrucht nachstellt, Vidzlich wie der Wind verschwindet, Bald man keine Spur mehr findet. 2. Nichts kann mir der Reichthem nůzen, Bann die Welt ich lassen foll; Weber Gold noch Silber schůzen, Hått ich gleich viel Käften voll: Alles mit der Welt vergeht Wer drauf hoffet nicht besteht 550 Macht ihm felber tausend Plagen, Die thm doch das Herz abnagen. 3. Wann ich dich, mein GOtt! dan haben, Hab ich allen Ueberfluß; Deine Gnade kan mich laben, Bann ich alles laffen muß: Guth und Reichthum bist du mir, Ueber Ellber, Gold, Saphir; Nichts mir an der Welt gelegen, Dieweil du mein Schaz und Segen. IX. Himmlifdes Frenden und Troft: Lied, daß auf zeitliche Trübsalen ewige Freud erfolge. G. P. H. Aus der Offenbahrung Joh. 7. 9. 13. Im Thon: Allein zu dir HErr Jesu Christ, ic Sau hie meln entzüktes Herz! Dort in die Himmels. Höhen: Echau die, fogletch der Sonnen- Kers Mir Geld beglänzer ftehen: Shr Rield it bell und Silber weiß Sie geben GOtt Lob, Ebr und Preiß, lind tragen mit erfreuter Hand Der Sleger Pfand, Die Palmen in der Engel Land. 2. Woher sie kommen, frageft du, Und wer sie so bekleidet? Es ist die daar, die fonder Ruh, Auf dieser Welte leidet: Aus Vuf Leyd folgt Freud. Mus mancher Trůbfal: Thränen. Fluth Hat sie des reinen Lämmleins. Blut Errettet und gewaschen rein, Der belle Scheits Wird ewig thre Kleidung fenn. 3. Nun seynd sie frölich angelangt Für Ihres Kontys Throne; Ein jeder ganz verflåret prangt, Und dlenet GOttes Sohne: Sie halten alle gute Wacht In seinem Tempel Tag und Nacht; Es wohnt an fo verlangter Stell 5'51 Immanuel Die Freude der verklärten Geel. 4. Das Elend ist des Lebens Stand, Ift nunmehr weggenommen; Durst, Hunger und der Sonnen Brand Kan nicht zu thnen kommen: Sie werden von dem Lamm gespeißt, Das thuen Lebens. Quellen weißt, Und wischt ab ihre Thränen. Fluth, Des Baters Mut Erfüllet fie mit höchstem Guth. 5. Lob, Chre, Weisheit, Dank und Kraft Sey unserm GOTZ gesungen! Der seinen eil'gen Ruhe schaft, Die ritterlich gerungen: Von Ewigkeit zu Ewigkeit Sen GOttes Lamm gebenedent! Wir schauen GOttes Angesicht, Des Glaubens Licht Ma hend, was man siehet nicht. X. Tröftliches Zusprechen der alaubigen Seel, daß sie sich in aller Trübsal mit Christi Bey stand, und der ewigen Freud geirdste. Im Thon: Sehr lang ist mir. O Gott mein Herr. 1. Cn JESU fren ich mich allein; Er ist ganz mein und ich bin feln, Mm 4 Meis 552 Auf Lend folgt Freud. Mein Herz und meines Heylands Herz Ist eines ohne Lift und Scherz. 2. Er denkt an mich zu jeder Zelt: Ich hab auf seine Freundlichkeit Gerkhtet meinen ganzen Sinn, Weil er bey mir ist, wo ich bin. 3. Er spannet mich zwar an sein Joch. Führt mich gefangen, daß ich noch Darunter fein Liebhaber bin, Doch ist mein Leiden mein Gewinn. 4. Macht mir das Joch nicht gar zu schwer, Und leget mir auch auf nicht mehr, Als meine Schwachbeit tragen fan, Und greift mit seiner Hand daran. 5. Ob ich gleich leide manche Stund So gibt mir doch fein füffer Mund, Troft, Labfal, Stårke, Lebenskraft, Erquicfet mich mit Himmels Saft. 6. Werd ich von Trübfal gleich erhizt, Mein Herz mit Pfellen durchgerist, Er mir Ergozung wieder glebt; Ich lieb Jhn, Er mich wieder liebt. 7. Er allzelt bleibt mein Troft und Theil, Und drucket feiner Liebe Pfell In mein Herz immer tiefer ein; Er ist ganz mein, und ich bin sein, 8. Er bindt mich mit der Liebe Band, Und zeichnet mich in seine Hand, Er ist ganz freundlich, gut und mild Aus feinen Lippen Honig quillt. 9. Drum liebe Seel! verzage nicht, Wann dich die Htz der Trübfal sticht, Dieweil das Leiden dieser Zelt Nicht werth versprochner Herrlichkeit. 10. Für zeitliche Leyden, kurzes Leld, Solt du fort haben ewig Freud; Ein Frend, die nichts von Trübfal weißt. Die dir deß HErren Geist verheißt. Auf Lend folgt Freud. In GOtt wirst du erfreuen dich, Mit ihme berrschen ewiglich, Von Angesicht zu Angesicht Den schauen, der das ewig Licht. 12. Der fellg, frölich Gnaden- Bltk Befanftet Creuz und Ungelük: HERR! züchtige, fchlag, plag ble mich, Laß mich nur borten sehen dich. 13. Laß ble und dort mich doch allein Nur dein geringster Diener seyn; Mich balt, daß ewig dein ich bleib, Kein Creuz, noch Trubsal von dir treib. 14. HERR JEsu! nach dem groffen Leyd Bring mich zu deiner Himmels- Freud. In dir erfreu ich mich allein, Du bist ganz mein, und ich bin dein mm 5 55: 3 M. B. S. V. Regis Register. Register und Inhalt über die Capfel, so in dieser Creuz Schul enthalten, und richtig zu finden. Kap. 1. Daß die Chriften in diesem vergänglichen Leben ohne Ereuz und Leiden nicht seyn können. pag. 17 2. Daß fromme Christen das Creuz vielmehr erfreuena als betrüben soll. 34 3. Von denen Namen, damit der Christen Trübsaalen in GOttes Wort benennet werden. 58 4. Daß den Christen das Creuz nicht von ungefähr, sondern nach dem Rath und Willen GOttes zus geschikt werde. 73 5. Daß GOtt feinen lieben Chriften aus Liebe und nicht aus Zorn, Creuz und Trübfal zuschile. 86 6. Von dreierlei Ereuz Schulen, barein die Kinder Gottes geführet werden, und was sie darinnen studiren und lernen. 104 7. Daß Gott das Creuz fürnehmlich um unserer Süns den willen zuschlke, und wir dahero um Gnade und Vergebung der Sünden bitten müffen, damit er das Ereuz bald wiedergm von uns wegnehme. 130 8. Daß unfer Creaz zeitlich und nicht ewig währe, fondern bald ein Ende nehme. 144 161 9. Von der Hoffnung. 10. Von dem langen Berzug göttlicher Hülfe. 185 11. Daß uns Gott nicht mehr auflegen werde, weder uns für Ungedult håten sollen. 33. Bon den Erempeln der Gedu wir ertragen können. 197 12. Daß wir Gott gedultig im Creuz aushalten, und 214 und wie wir denselben nachfolgen sollen. bet den Heiligen. 231 14. Daß wir all unser Anliegen auf den HErrn wers fen sollen. 247 15. Bon Zelt und Stund göttlicher Hülfe. 258 16, Daß wir im Ereuz immer beten, und nicht müde werden sollen. 271 17. Von fonderbarem Zroft Im Ereuz und Widerwårs tigkeit. 289 18. Froma Register. 18. Srommer Christen Trost, wenn sie von der Welt verleumbet, verfolget, und von böfen 3ungen ges 309 låstert werden. 19. Wie ein Chrift wider den Teufel, die Welt und 329 fein eigen Flelfch ftreiten soll. 20. Von Gottes treuem Beistand und Rettung in allem Creu; und Unglük. 35Q 21. Warum es nach gemeinem Welt. Lauf den Bösen so wohl, und den Frommen so übel gehe. 369 22. Daß die Frommen viel höher in threm Unglüt, als die Gottlosen in ihrem Glüt für Gott geach tet seyen.. 390 23. Unterricht und Troft in Berlust zeltlicher Güter 415 24 Daß wir den ewigen, und nicht den zeitlichen Gus thern mit unsern Herzen anhangen sollen. 426 25. Daß man die Bauchforge meiden, und Gott allein vertrauen soll. 443 26 Daß an Gottes Segen alles gelegen. 466 27. Wie sich ein Mensch gegen felsen Nächsten In Trübsal und Nöthen verhalten solle 479 28 Wie wir uns nach ausgeslandenem Ereuz gegen Gott verhalten sollen. 495 20. Was wir nach ausgestandenem Creuz und Trüb. fal endlich zu gewarten haben. 498 30. Worinnen fürnehmlich die Freude des ewigen Les bens bestehen werde. Anhang und was darlunen begriffen. 1. Blatt. Zeiger. Der merkwürdigsten 509 525 Sachen, so in diesem Buch begriffen. Adam und na haben das herrlichste Leben gehabt. 428 Alter, Dott erudit dle Frommen auch im Alter. Ambrofius, hält groß Glück für ein Zeichen bevorsten henden Unglüfs. 474 15 Armer, Urmuth, Troft in Armuth, 419 Armuth beffer, als Netchbtbum, 419. Nuz der Armuth, 40r Das Fleisch fan sich übel drein schicken, 1354 Urmén soll man helfen. 484 Auferstehung Christi, gibt einen Troft im Creuz und 2Biberwärtigfelt. 226 Bauchsorge, die soll man fliehen. 445 Register. Betrübte, folt man nicht mehr betrüben; 486, 508. 252 253 Gott wohnet in thnen. Blumen, predigen uns von Gottes Fürsorg. Bos Gewiffent, ist nimmer ohne Furcht: Bose Lüsten und Begierden, denen follt man bersteifen, 338 folchen Streit belohnet Gott, 345 Chriftus hilft uns streiten. Buß, erlangt Linderung der Strafen. Chrsten, müssen alle thr Thell Ereuz haben, 248 134 17 43. 388. Warum das? 20. Das Creuz folle fie mehr erfreuen, als betrübten 34. Müssen Ihrer in dem Erenz spotten laffen. 35. so nicht wenig schmers zet, 2. Em Chrift befindet dreierlet bet ihm, 97. hat unterschiedliche Feind, 364. Warum wir Christen worden. 452 238 wis 456 Christenthum, Fein Stand oder Orden hat mehr auf Erden, als diefer, 4. aber auch mehr Trüůbsal Christus, Ihm müssen alle Christen im Ereuz ähnlich werden, 28. 29. 30. Seln Bildniß. 9 31 Schwere seines Leidens, 23 leidet in seinen Gliedern, 299. warum er arm worden. 422 215 Cretaturen, find Gottes Willen unterworfen. Danksagung, derer wir nach erlangter Erlösung bald vergessen, 492. wie geschehen soll. 495 Democritus, warum er ihm selbst die Augen auss geftochen. 377 Eltern, Gott spahret oft der Eltern Seegen auf die Kinder, 455. was sie an threm End ihren Kindern befehlen sollen, 475 Ewiges Leben gegen diesem ist das irrdische nichts zu achten, 7. dahin können wir ohne Ereuz nicht Fommen, 26. 29. Je gröffer ble das Leiden, je grös fer wird dort die Herrlichkeit sein 31 da wird sein lauter Freud ohne Traurigkeit, 95. übertrift alle Herrlichkeit dieser Welt, 4. 7. Der Weg dahin ist fehr gefährlich, 329. 330, Chriftus bot es denen ver. helffen, die im Streit wider die Sünde und Teufel fich männlich halten, 500, wird einer Eron verglis chen, 543. 504. worinn die Frende desselben bestehe, 507 Feind, wie man sich an seinen Feinden am besten rås chen könne, 312, Gott schůzet uns wider sie, 354 362 Fleisch Register. Fleta), das gebraucht der Teufel zu unserm Verders be, ist unser årgster Feind, 333 Freud, nach Freud fommt Leld, 19. Es fan niemand dieser Welt und des Himmels Frend zugléich haben, 46. Gott wechselt mit Freud und Traurigkelt ab, 202 Freund, richten sich nach dem Glück, 486 in der Noth treten fie belfelt. 594 Sromme, man findet wenig Fromme, 358. baran sols 360 len sich die rechte Frommen nicbt årgern; müssen viel leiden, 438. konnen obne Verfolgung nicht feyn, 309. Erempel deffen, 325. seq. warum fie fo viel leiden müssen, 764. warum sie Gott etwan una ter dem Creuz laffe sterben, 358. Gott handelt wune derlich mit ihnen, 181. müssen sich von den Gottlos fen plagen laffen, 391. feq. feynd verbergen, 394. elu edles Kleinod 395. marum Gott auch fie fallen laffe, 403 Fürsorg Gottes, Gott forget für uns alle, 77. 127. Gott follen wir für uns sorgen lassen. 212 feq. Es ist unmöglich, daß Gott einen frommen Chris 298. 299 sten sollte verlaffen, Gebet, das fonst mit Thränen geschiehet, Ist fråftig, 38. ist das beste Mittel in dem Ereuz, 56. 243. feq. 273. das Ereuz treibt zum Gebet, 103 Ruhm des Gebets, 370. Kraft deffen, 363. übermindet Gott, 298. wird gewiß von Gott erhöret, 266. feq. warum uns Gott nicht allzeit ble Bitt gewähre, 185. 205. Geifil. Schif: Gebet, 269. follen immer damit anhalten, 287. eines Christen Gebet ist wie 312 ein Donnerschlag. Gedanken des Menschen, haben eine anziehende Kraft, 339. den Bösen soll man wehren, 342. dars 343 wider beten 323 Gedult, ist es Gaab, 233. Erempel der Gedult, 231. seq. Ist ein zelgen der Guaden Wahl, 334die Helden habens hoch gehalten Geiz. Ist eine schwehre Sünde, 445. feq. verderbet, 467. Gelzigen werden in des Teufels Striken vera wifelt, 478. frlegen nimmer genug, Glaub, wird auch durch Trubsal bewährt. 2 479 187 Glück, Wohlfahrt, es ist nicht allezeit gut, wann es einem Menschen glücklicher gehet. Des Glüts soll man sich nicht überheben. 93, III, 202 150 GOT Register. GOtt wechselt mit Glüf und Unglük ab, es madhet viel Freude. GOtt, ist in allem Erenz der beste Trost, 51. ihm zu danken, 54. wohnet in dem Herzen. forget für uns alle, 110. Er thut uns lieber Gutes, als daß er uns ftrafet, 137. alle Mensa en erkennen, daß ein GOtt sey. 173. Er wohnet in den Betrübs ten, 252. Warum das? 253. Er hilft, wann Mens saben pulfe aus 1st, 259. Erempel, 261. seq. Was rum das? 266 3 203 433 dafür 62 Gottlose, denen gehet es wohl in der Welt. 100 Warnm das? 447. Ihr Glüf währe nicht lang, 370. fennd the bor GOtt unwerth, 589. haben tb. ren Theil in diesem Leben. 383 Gute Werk, auch unsere unvollkommene Werk gefal len OOZT. 207 Berz, ist das edelste Glied, 67, Gott wohnet darinn, der Zenfe! quålet es am meisten. 68 251 Zeuler, halten nicht in der Noth. Seyden, in ihren Büchern ist kein Troft zu finden 8 haben sich doch wissen zu trösten, 151. haben die Gedult bech gehalten, 227. suchen nur das Zeltlt. dhe. 456. feq. Dle Heydenschaft ist groß unter den Christen, 458 Boffnung, Ihre Eigenschaft, 478. Frucht und Kraft, 161. at Gott zum Grund, 162. Hoffnung auf irre difcbe Ding, oder auf Menschen, ist nichts, 162. Ift eine Gabe Gottes, 173. isi zweyerley, 174. unser Anfer, 178. berrieger nicht, werden oft darzu erwahnet. 174 176 Zülf Gottes, ist unfichidar, 168. marum fie GOtt etwann lang anzlebet, 190. 275. Ere npel denen, da GOtt feine Hülfe lang verzogen. 2,0 Rampf, die Christen haben net drey Feinden zu fämpfen, 334 Kirch Christi, ist sein Gnadenreich, 4. daraus soll werden, das Reich der Herrlichfett, 4. übertritt alle irrdische Reich, 4. 5. Ihr Ehren, Titul, 5. 6. 7. 8. in groffem Ereuz und Elend unterworfen, 10. was rum dieses? II Kreuz, Trúbfal, Widerwärtigkeit; Das Creuz findet fich Register. 13. 99. fie allezeit bey rechten Chriften. Warum diefes? 212. feq. es fommt nicht von ohne gefehr, sondern von GOtt, 448. wie die Heiligen GOttes bekennen, 82. legt aber nicht mehr auf als wir ertragen können, 105. bilft auch selber tragen, 206. legts auf um der eunde willen, 138 ist aber doch ein Zeichen seiner Liebe, 49. 87. seq. und daß wir GOttes Kinder feyn 10. 491. Er gibt den lleba ften Kindern am melften Ereuz, 90. 204. Er fezt ihm aber ein 3lel, 184. wigts ab, 198. 210. vers gleichet es mit des Menschen Stärke, 198. wozu es diene, 139. 156. die Christen werden dadurch pells ret, 20. 87. werden Chrifio ähnlich und gleichfors mig, 24. wehret der Sünde, 90. 205. fondert uns von den Gottlofen, 188. machet, daß wir aufs Wort GOttes merken, 100. erleuchtet, 238 verlethet uns diß zeitliche Leben, 323. und erwekt ein Verlangen nach dem Ewigen, 150. It eine Prob der Auser= wählten, 29. ob gleich Git fie vorhin fennet, 187. machet eine Hoffnung der ewigen Seligfelt, 27. 87. wird im Himmel belobnet, 46. Je schmerer allhie das Ereuz, je gröffes wird dort die ewige herrliche feit seyn, 33. 124. 394. Das Creuz Ist die größte Gnade GOttes, 49. und fofilich für ihm 42. If da. runter viel Guts verborgen, 42. 108 ist beffer hie zeltlich, als dort ewig leiden, 119. bas Creuz Ist der Christen gröfte 3lerd, 125. und Ehre, 230. ob es wohl für der Welt verächtlich, 45. bey dem Ereuz befindet sich auch Troft, 50. 143. deffen sollen wir uns trofleu, 31. unter dem Erenz nicht verzagen, fondern gedulig seyn, 121. 234. seq. und des Ends mit Gedult warten, 185. uns in GOttes Willen ergeben, 26 Ursachen der Gebult, 180, 288. Crems pel, 232. Das Ceuz folle und mehr erfreuen, alsbetrüben, 55. ohne diğ können wir nicht in Himmel kommen, 128. 136. ist doch nichts gegen fünftiger Herrlichkeit, 158. wir sollen GOtt darum danken, 46. Dann er weiß darum, 202, fan es ohne Mitleis den nicht sehen, 254. 363. hilft gewiß, 189. ellt bas zu, 267. warum er etwan mit seiner Hülje verziehe 174. 204. Exempel des Verzugs, 193. seq. wir fols len all unser Anliegen auf GOLZ werfen, 246. um bie 2 Rt Register. die Hülfftund bitten, 246. mit unserm Creuz- ufries den seyn, 198. 313. uus by Zeit zum Creuz schis den, 106, dann keines haben, ist groß Unglük, 34. 115. und die nicht dadurch geübet seyn wissen nichts, 262. dann Ereuz und Unglük muß vor der Freud und Glück hergeben, 297. Ezempel 299. woher diß Fomme 301. In dem Ereuz seynd dreyerley Bits ketten, 32. dreyerley Creuz, Schulen, 102. des Creuz ist eine Schul. 103. Ehren. Titul des Creuzes, 122. woher Creuz, Ereuz heiffe, 66. warum Christus uns ferm Creuz von seinem Ereuz den Namen gegeben, 60. warum es beisfe Trübfal, 65. Angst, 67. Kume mer, 70. Anfechtung oder Versuchung, wie nicht eine jede Widerwärtigfelt ist ein Ereuz zu nennen, 63. une ser Creuz ist der Märtirer Creuz nicht gleich. 43. mit unserm Creuz können wir die Sünde nicht bezah. len., 62. follen aber darunter am ersten bitten um Vergebung der Sünden. 132. GOtt spielet mit uns, 97. und bewelset doch in der Noth seine Macht am melsten, 190. den Gottlosen ist das Ereuz schädlich! 111. viel fönnen sich nicht recht ins Creuz schlken, 18. 73. 234. Woher diß komme? 42, 236. Ein Chrift folle den andern im Ereuz trösten, 5. warum Gott etwan goubige Christen unter dem Erenz laffe unters geben und sterben, 358, wie wir ans nach ausgestane denem Ereuz gegen GOtt verhalten sollen, 592. Am End wird es lieblich, 229, was wir nach ausgestans denem Ereuz endlich zu gewarten haben, nåhmlich ewis ge Freud. 27. 96. 128. Kreuz Christi, fein hölzern Ereuz ist iicht mehr vore handen, 58. Schwehre felnes Erenze) und Leidens, 61. hat damit die Günde bezahlet, 62 Last maul, siehe Verläumbung. Low, schonet des Lämmleius, sich für ihm bufet. 133 Lutherus, hat auch seinen Thell Creuz gehabt. 23. Mangel, den fan GOtt leichlich erfezen. 473 250 Martyer, alle, Christen seynd Märtirer, Mensch, Menschen können uns ohne Bottes Willen nen Schaden zufügen, 77. auf Menschen folle man fich nicht verlassen, 173, Gott hat die Menschen vor allen andern Creatures angesehen. 468 Müß Register 2620 migiang. Ift fehr schädlich Nachster, wie man sich gegen thme verhalten folle wann er in Trubial und Mothen ist. 41.$ 2. Paradieß, was es sele, 526 feq. Reicher, Reichthum, zeitliche Güter, Troft in Ver luft zeitlicher Güter, 407. Die Urmen boven es bef fer, als die Reichen, 426, wir sollen nicht an deg zeitlichen, sondern an den ewigen Gütern mit dem Herzen anhangen, 435, Gort achtet die zeitlichen Gür ter zu geringichåzig, die Seinige damit zu belohnen, 435. Ein Chrift verleurt nichts von seinem Gut. 436. man tractet vielmehr nach den zeltlichen, als nach den ewigen Gütern, 285, wer wabrhaftig reich? 477 reldbe Leute handlen übel mit den Armen. 498Reichtbum danket nicht, daß man ihn gesammlet 498 465 Segen GOttes, daran ist alles gelegen. Simon von Cyrenen, Ist ein Vorbild der Chrifil. chen Kirchen. 59 Straffen zurnen, ift bel Gott ein fremdes Wert, 137. wird darzu genbrbiget. Sund, Sünder: Die Sünd ist das gröfte Clero, * 34. und ist eine Urfache alles Elends, follen wer die Sünd, nicht über das Elend flagen. 135. Die Sünden muß Gott strafen, 136. bie Betrübtenbes wirft Gott nicht. Cantalus, It ein Bild eines Chriftl. Ritters 252 328 Tauff, waram man an Zhells Orten den Zäufling mit dem Erenz zeichnet. 21 Teufel, fanne Gottes Verhåsaniß nicht schaden. 83. gönnet em Menschen keine Freud, 240 bat von Got feln 3iel, 317. wie er die Leute vers fübre 331. ollen wieder ihn streiten. 322 Christus hilfft uns weer the ftreiten. 370 Tod, wann der Mensch sterben soll ist der Teufel am geschäftigsten Thränen, werden im Himmel bergolten werden, 36 103. feq. feq. das Creuz treibet sie aus. Traurigkeit, des Herzens Traurigkeit ist eine heimlis de Krankhelt, 24. 25. It Zornzeichen, fbid, mug vor der Freud seyn, 41, feq. Gott wechselt mit Freud and Traurigkeit ab, 202. follet ihr nicht nachhängen 239 Site Na -00 0 60 60 8 5 Register. Mittel, die Traurigkeit zu vertrelben, 241. seq. Jollen fürnehmlich wegen der Sünd trauren. 416 Trost, woher wir den besten Troft haben. 50. Angst muß vor dem Trost seyn. 58. müssen ihn durch dad Gebet erlangen. 56 Tugend welches die höchste, 321 Verfolgung, glaubige Chriften können ohne Verfols gung nicht feln. 307. Troft darinn. 308 Vergebung der Sünden, wann wir die haben, fo tft alles Elend hinweg genommen. 62 Verheissung GOttes, die erfüllet Gott gewiß doch wunderbarer Weiß, 257. darein sollen wir keinen 3welfel fezen, 267. sonst begehen wir eine schwere Sünd, ibid. Verleumdung, Troft dawider 307 Dernunft, årgert sich an dem Creuz, nach derselben follen wir unfer Creng nicht ansehen, dann sie urthels len anderst, als die Schrift. 222 Versuchung, warum Gott die Seinigen versuche. 71 Vertrauen zu Gott ist eine toftliche Gabe Gottes, 170. Dle ihm vertrauen, erhält er gewis. 296. feq. Form deren 40s. Gott ernähret die, die ihm vers Frauen, 461. 475. Exempei, 462, verlischet: wann man Mangel hat. Undankbarkeit, ist eine schäoliche Sünde, 469 475 tingedult, gefällt Gott übel, 227. tft eine fcbwere Sunde, 228. wie derselben vorzubauen, 232. erlans gen nichts damit, 234. 238. gibt Ursach zu vielen Sünden, 233. Exempel der Ungedultigen, 228. Ursachs then der Ungeduk. tinglaub, ist eine schwere Sünd Vogel, find nasere Lehrmeifter. Wort Gttes Geil. Schrift; mit derfelben 233 469 449 Trofte fprüchen follen wir uns im Gebet auchten, $ 4 barlon ist der beste Troft., 55. ein Spruch daraus If ein Poftitcher Schaz. 260 Betchen, Zeichen des Menschen Sohns, 42 zeltliche Güter, siehe Reichthum. Gebete. z. Um Gedult im Creuz und Leiden. 2. Daß wir uns recht lernen in Bas Creuz schicken, 3. Paß wir in unferm Ereuz und mit unserm Creuze trager Chrifto trößten, 33 57 72 4. Das 4 Register. 4. Daß wir erkennen, daß uns ohne den Millen Gottes nichts widriges begegnen könne, 85 s. Daß uns Gott seine väterliche Liebe unter dem Creuz zu erkennen gebe, 103 6. Daß wir unser Creuz für unsere Prob besten, 128 7. Bekänntniß, daß wir das Ereuz mit unsern Sünden verdienen, 142 8. Daß wir die Kürze bes Leidens, und die Behare lichkeit der Freude bedenken, 9. Um beständige Hoffnung, 10. Daß wir lernen, uns in den Berzug göttlicher Spülfe zu schicken. 160 184 196 1. Daß und Gott nicht mehr auflege, als wir ertras gen können. 212 12 Um ein gedultiges Herz, 230 13. Um schuldigen Gehorsam, 246 14. Um gnådige Erldsung aus dem Creuz 257 # 5 Um ellende Hülfe. 270 16 Um gnädige Hülfs Mittel, daß wir im Gebet nicht müde werden, 288 307 17 Um Trost in Trübsgl, 18. Daß wir alle Schmach, Berachtung und Verfolgung der Welt gedultig tragen, 328 19. Daß Chriftus und welle helfen fåmpfen wider die Felude unserer Seligkeit, 349 eo. Um gnädigen Beistand im Crenz, 368 21. Daß wir in Glük und Unglüf beständig ausharren, 389 22. Daß uns Gott wolle aufnehmen, wann und die Welt ve agr. 404 23. Daß wir den HErrn JEfum für unsern besten Schaz heten, 425 24. Um benichthum der Seelen, 442 25. Der zeitliwen ter fich recht zu gebrauchen, 494 46. Wider den Geiz, 478 490 27. In Hungers. Noth, 28. Daß unsGott behüre fürlindantgeg.feineGutthat.498 29 Daß wir in Ansebung der himmlischen Belohnung alles Creuz gebultig tragen, 308 10. Daß wir in Betrachtung der Freude des ewige Lebens in aller Tribfal freudig aushalten. $ 22 31. Gehnilches Angk Gebet unter dem Erenz. Jody. 525 32. Um die Gnade des H. Gelftes, daß wir uns in dein Great Register. Creuz Gott ergeben, 527 33. Um Linderung des Creuzes, 306 34. Chriftliche Morgen und Abendfegen eines beträngs ten Creuzträgers, 530 3. Blat zeiger, der biblischen Zerzens Seufzerlein 1. Klag über den Verzug, göttlicher Hülf. 332 2. Bekanntniß, daß wir das Ereuz mit unfern Sünden 534 Demüthige Bitt um gnädige Abwendung der wohle verdienten Günben Etrafen. verdienet, 534 4. Anfachung, um gnädige Erbörung unsers Angst. Gen schreles. 535 5. Um våtterlichen Beistand und Erlösung aus Creuz und Trübfal. 536 6. Dringendes Flehen um ellende Hülf. 3374 7. Dankfagung[ für ble väterliche Zucht Ruthe des HErrn. $ 37 4. Gefänge. 1. Der fædne Klag.. and Troft- Spruch, Esa. 49, 14. 15. 16. Gefange. Weiß. 539 2. Klag und Troft, Lied. 540 3. Klag. Lied über groß und langwübriges Elend und Trubfal. $ 43 $ 43 4. Klag Lied über den Verzug göttlicher Hülfe. 5. Klag und Troft Lied. 544 6. Absagung seines eigenen, und Ergebung In Gottes Billen. 546 7. Geber. Lied, um Chrifli Gedult in groffem Creaz 548 8. Andachts. Lled, in welchem eine glaubige Geel Gott den HErrn für alle weltliche eude und frrdis fcbe Güter erwäblet. 549 9. Himmlisch Freuden- und Troft Liebbaß auf zeitli be Trubsal eintge Freude erfe. 550 10. Troftliches Zusprecben der glaubigen Seel, daß fie fich in aller Zrübfal, Christi Belstand und der ewigen Freud geträfte. $ 55 ENDE. ㅏ Inches Centimetres Blue 2 3 4 Cyan 21 15 ¹6 17 3 Farbkarte# 13 Green 8 Yellow 19 10 Red 11 12 LO 5 13 Magenta 14 6 15 White 16 17 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 8 Inches Centimetres Blue 2 3 4 Cyan 21 15 ¹6 17 3 Farbkarte# 13 Green 8 Yellow 19 10 Red 11 12 LO 5 13 Magenta 14 6 15 White 16 17 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 8