47116 DO ^^/ 80 Gb 254 · 100 Mattaci del. INRI PAA DETR F.C.Bock fe Neues Gebetbuch für aufgeklärte katholische Christen. Mige 8 Fünfte vermehrte und verbesserte Auflage. Heilbronn, 1 80 4. GG 254 G6 " Es kömmt die Zeit ja sie ist schon da, wo di wahren Verehrer Gottes ihn im Geiste und in der Wahr " heit anbeten werden: und nur solche Anbeter will de " Vater haben. Gott ist ein Geist; und die ihn anbeten, müssen ihn im Geiste und in der Wahrheit anbeten. Jefus Christus, bey Joh. 4, 23. 24. 53 Univ.- Bibl. Giessen 8 - 1767 Vorrede. Man an hat schon oft die Frage aufgeworfen, warum die christliche Religion nicht so viel Nugen stifte, als sie, gemäß ihres Zweckes, und ihrer Vortrefflichkeit stiften sollte und könnte?- Das Evangelium Jesu Christi ist so reine, so heitere Wahrheit; und doch so viel Irrthum ſo viel Aberglauben in den Religionsbegriffen der Verehrer desselben! Die christliche Sittenlehre ist dem in uns wohnens den Sittengesetze, den Bedürfnissen, den Wüns schen des menschlichen Herzens, so ganz anges messen; sie knüpft, durch Bruderliebe, das Band der bürgerlichen Gesellschaft so enge und so sanft zusammen; sie ist für jeden Menschen, in jedem Stande, und in jeder Lage, eine unerschöpf liche Quelle des Unterrichts, des Trostes, der Freude, der Beseligung und doch — - 6 zählt man allenthalben unter den Befennern des Christenthums so viele unerleuchtete, unzufriedene, traurige, freudenlose, unglückliche Menschen!!! Es lassen sich hievon mancherley Ursachen angeben, die aber keineswegs in der christlichen Religion selbst aufgesucht werden dürfen. Ein recht großer Theil der Christen hat von den wichtigsten und wohlthätigsten Lehren des Christenthums sehr schiefe, ganz falsche Vors stellungen. Das Volk klebt an nichtsbedeutenden Nebendingen, und vernachläßigt die Haupte fache: verwechselt die Mittel mit dem Zwecke; bürdet sich Lasten auf, von denen die freye Christusreligion nichts weiß( Joh. 8, 32. 2. Ror. 3, 17); schüttelt hingegen leichtsinnig das Joch des Evangeliums ab, welches( den Vernünftigen) nicht drückt, sondern den Les bensgenuß versüßt, zur Tugend und Glückselig; keit führt. Hierinn liegt ein Hauptgrund, warum der gute Saame christlicher Religions. wahrheiten so oft erstickt wird, so oft keine oder doch nicht so reiche und schöne Früchte bringt, als man von ihrer innern Güte erwarten sollte. Besonders irrig, schädlich, und des Chris stenthumes unwürdig sind die Begriffe vom 7 Gebete, welche man bey viclen Christen- felbft bey Volkslehrern antrifft! Da uns fast nichts so geläufig ist, als das Beten, wozu wir schon in unserer ersten Jugend angehalten werden; und da man uns den halb wahren, und halb falschen Grundsat tief eingeprägt hat, daß beym Gebete alles auf eine gute Meynung ankomme- so hålt es schwer, das Fehlerhafte in unsern Gebeten nur zu bemerken, noch schwerer, es zu verbessern. Indessen werden die seligen Wirkungen der Religion Jesu, und ihr mächti ger Einfluß auf das ganze Verhalten des Mens schen durch nichts so sehr gehemmet, als durch die Mängel des Gebetes, durch die verkehrs ten, vernunft und bibelwidrigen Vorstellun gen, welche wir uns von dem höchsten Wes sen und unsern Verhältnissen zu ihm, machen. Darum wird eine kurze Abhandlung, worinn ges meinverständlich erklärt ist, was beten heiße, wie und um was, man beten und nicht beten müsse, was das Gebet für eine Kraft habe? u. s. w. hier nicht am unrechten Orte stehen; ja es wird gewiß von großem Nußen, und durchaus nöthig seyn, diese Abhandlung, ehe man noch einen Blick in das Gebetbuch selbst Paren 8 wirft, mehr dann einmal, mit Aufmerksamkeit, zu lesen und zu beherzigen. Ist man schon zum Voraus mit den hier aufgestellten Grundsätzen vertraut, und von ihrer Wahrheit durchdrungen, so müssen die nachfolgenden Gebete und Betrachtungen einen stärkern und dauerhaftern Eindruck machen, weil dieselben Grundsätze darz inn wiederholt, näher entwickelt und angewendet werden, weil überhaupt das ganze Gebetbuch nach denselben abgefaffet ist. was heißt beten? was ist das - 14 - Also Gebet? Das Gebet besteht in wahren, würdigen, und lebhaften Vorstellungen von Gott und seiner Vaterliebe gegen die Menschen, seine Kinder, wodurch vernünftige Gesinnungen, fromme Empfindungen und heilsame Entschließungen in dem Herzen erweckt und er halten werden. Wenn ich ernstlich und wahrhaft bete, so reisset sich mein Geist gleichsam von der Erde und allem Irdischen los, und nimmt den höch sten Schwung, welchen nur immer seine Kräfte gestatten; ich erhebe mich auf den Flügeln der Andacht bis in den Himmel. Ich mache mir die - 9 erhabensten Vollkommenheiten Gottes Allmacht, Weisheit, Vatergüte die Betrachtung der Werke Gottes anschaulich, und erwärme, veredle dadurch mein betendes Herz. Ich überdenke, wie Millionen Menschen, meine Brüder, in jedem Augenblicke, alles Gute, was sie besitzen und genießen, von Gott, von ihrem allgütigen Schöpfer und Vater, erhalten; ich betrachte auch mich als ein Mitglied dieser uns übersehbaren Gesellschaft, als ein Kind aus dies ser einzigen Brüderfamilie. Ich werde voll Demuth gegen die liebreiche Gottheit; ich er: kenne meine gånzliche Abhängigkeit von ihr, fühle mich aber selbst in dieser Abhängigkeit groß, und noch größer durch meine Bestimmung, der Gotts heit, durch sittliche Güte, ähnlich zu werden. Jest entweichen alle niedrigen und menschen: feindlichen Neigungen aus meinem Herzen; ich fasse die edelsten Vorfäße, und bin voll Kraft, fie auszuführen. Alle Sorgen, aller peinigende Kummer über trübe Aussichten in die Zukunft verschwindet; Ruhe und Heiterkeit ergießt sich in meine dankbare Seele; ich werde meines Lebens froh, und fange an, das mannigfaltige Gute, welches ich aus der freygebigen Hand des Himm - 1 feine. durch IO lischenBaters erhalten habe, mir lebhaft vor Augen zu stellen. Da sehe ich mich denn ungleich reicher und glücklicher, als ich bisher geglaubt habe? ich finde mich unendlich reich und glücklich in der Ueberzeugung, daß mein Vater der Herr der Welt es mir an keinem wahrhaft Gue ten je fehlen lassen könne. Mit Freuden genieße ich nun das mich umgebende Gute, und voll gött lichen Antriebes verbreite ich auch um mich her Wohlfahrt und Glückseligkeit, nach allen meinen Kräften. 15 Diese Gedanken und Empfindungen sind die Seele des Gebetes; das heißt sein Gemüth zu Gott erheben, sich mit Gott unterhalten, mit Gott reden oder beten. Da man sich aber die Vollkommenheiten Gotz tes und unsere Verhältnisse zu denselben auf vers schiedene Weise vorstellen kann: so bekömmt das Gebet auch verschiedene Benennungen. Wenn ich mir die Größe und Erhabenheit Gottes lebhaft denke, meine Niedrigkeit mit dem Unendlichen vergleiche, meine und aller Geschöpfe Abhängigkeit von dem Allmächtigen Alleinherrscher empfinde; wenn ich dann Ehrfurcht gegen ihn fühle, und den ernstlichen Entschluß II P faffe, ihm den vollkommensten Gehorsam zu leis sten- so bete ich Gott an, mein Gebet heißt Anbetung, Lob Gottes. Beschäftige ich mich mit den Vorstellungen der unbegrånzten Güte Gottes, welche alle Augenblicke unnennbar viele Wohlthaten auf mich und auf die ganze Schöpfung ausgießet; werde ich durch diese Betrachtungen mit meiner Lage, mit meinen Schicksalen, mit allen Anordnungen der Vorsicht zufrieden; vermehrt sich mein Muth, auch alle fünftigen Beschwernisfe des Lebens standhaft zu ertragen so danke ich Gott; mein Gebet heißt Dankgebet. Betrachte ich Gott als den gemeinschaftlichen Menschenvater, und setze das zuversichtlichste, kindlichste Vertrauen auf seine Güte; suche ich mir den wichtigen Gedanken: Alles, was ges schieht, ist Verhängniß einer höhern våters lichen Weisheit, recht bekannt und werth zu machen; stimmt dieser Gedanke mein Gemüth zum vernünftigen Genuß der wirklich vorhande: nen Freuden, und zur geduldigen Ertragung unvermeidlicher Uebel; verlange ich vom Vater der Welt mancherley Gutes, und die Abwens dung des Bösen( jedoch immer mit völliger Hinz - 12 - gebung in seinen heiligen Willen) so heißt mein Gebet Anrufung Gottes, Bittgebet*)- Wenn ich nun den Allvater um seinen Segen, um Abwendung des Uebels, nicht nur für mich, son dern auch für andere Menschen bitte, so heißt dieses Bittgebet- Fürbitte. Sie gründet sich auf Bruderliebe: denn es ist natürlich, daß man für diejenigen, welche man liebt, Gutes wünschet, ihre Besserung und ihre Zufriedenheit verlangt. Nach dieser Erklärung der verschiedenen Gebetesarten ist es sehr leicht einzusehen, daß fie im Grunde, und im Wesentlichen nicht von einander unterschieden sind, sondern daß eine auf die andere führt, und eine in die andere fließt; daß folglich jedes Gebet Vorstellung von Gott, und Sprache des Herzens mit Gott sey; und daß derjenige gar nicht beten könne, welcher nicht gewöhnt ist, über Gott und über sich selbst nachzudenken; woraus denn die Nothwendigkeit eines frühzeitigen und gründ; lichen Religionsunterrichtes( religiöser Aufklås rung) von selbst in die Augen leuchtet. *) Mutfchelle's philosophische Gedanken und Abhandlungen 2c. 3tes und 4tes Bändchen. 13 Es ist jetzt auch sehr leicht zu begreifen, worinn der wahre Zweck, die Wirkung, die Kraft des Gebetes bestehe? Durch das Gebet wird Tugend und Rechtschaffenheit unter den Menschen aus. gebreitet. Das Gebet macht den Menschen mit dem Gedanken an Gott, an seine Heiligkeit, Weisheit, Liebe, Wohlthaten, und Vorsehung vertraut; dieser Gedanke, wenn er oft und leb: haft gedacht wird, bleibt uns stets gegenwärtig, und treibt uns bey jeder Gelegenheit an, gut, edel und gemeinnüßig zu handeln. Dadurch erhält unser Glaube an Gott eine unerschütters liche Festigkeit, und eben dieser Glaube wird als denn der stärkste Beweggrund zu jeder Tugend. Wenn ich recht, im Geiste und in der Wahrheit, bete, so betrachte ich Gott als den Urheber der ganzen Schöpfung; ich betrachte mich als einen Theil derselben, dem gewisse Kräfte zu gemessen sind, an seiner eignen sittlichen Vervoll: kommuung zu arbeiten, und das allgemeine Wohl, die gemeinschaftliche Glückseligkeit, mit welcher meine eigene innigst verbunden ist, bes fördern zu helfen. Wie diese Vorstellungen von der sanften Regierung Gottes, und seinen — 14 våterlichen Absichten, sollten mein Herz nicht bessern, nicht zur Rechtschaffenheit bilden? Das Gebet ist das kräftigste Mittel, die ersten sündhaften Regungen zu unterdrücken. Wer dem ersten Gedanken der Sünde durch das Gebet entgegen geht, wird nicht leicht uns terliegen: denn das Gebet verstärkt die Beweg, gründe zum Guten, und schwächt, entkräftet Die Scheingründe, die Reigungen der Sünde. Mein Vorsak, der Tugend treu zu bleiben, wird immer ernster, inniger, fester, wenn ich ihn vor Gott mache, den ich mir durch mein lebhaftes Andenken an ihn vergegenwärtige. Und wie muß mich nicht die Erinnerung: du haft den Vorsatz gut zu seyn, unter den Augen Gottes gemacht, abschrecken, ihn zu brechen? 22 Das Gebet erzeugt und erhöht die Liebe Gottes und die Menschenliebe. Gott ist die Liebe; er ist der Vater der Geschöpfe; er ist die Quelle alles Guten; er kann nichts wollen, als das Gute, das Glück und die Zus friedenheit aller lebenden Wesen; die Menschen nähern sich der Gottheit, wenn sie Gutes, wie Gott, thun. Die Menschen sind Brüder, sie 15 müssen einander lieb und theuer feyn; ein gemeinschaftliches Band des Bluts knüpft fie an einander; weder Religion noch Vaterland soll zwischen ihnen eine Scheidewand machen! Der Jude ist ein Bruder des Heiden; der Heide ein Bruder des Christen. Alle stehen unter einem Bater im Himmel; alle liebt dieser Bater; alle sollen einander lieben, weil sie Brüder, weil sie geliebte Kinder Gottes sind. Gott ist die Liebe, und der Menschen Pflicht ist Liebe." Diese Wahrheiten beherzigt der betende Mensch, beherzigt sie vor Gott, im vertrauten Umgange mit Gott; wie ist es möglich, daß sein Herz daben kalt, eigennüßig, rachfüchtig- liebeleer bleibe? Wir sollten die Liebe nicht wieder lieben? Nein! wir sind nicht få hig, Gott vorsäglich zu belügen, wenn wir für unsere Brüder, für Kinder, Weltern, Gats ten, Freunde und Feinde beten. Das Gebet giebt unserer Menschenliebe neue Kraft, neue Wärme. Die Fürbitte für die Obrigkeiten, und für alle Menschen, die mit uns in einer gemeinschaftlichen Verbindung leben, stärkt und vermehrt unsere Gewissenhaftigkeit in Beobach, tung der gesellschaftlichen Pflichten, und erhebet 16 unsere Gesinnungen zur gemeinnützigen Großmuth. Wenn wir auch noch, zur Stunde des Gebets, an das Gute denken, das uns durch die bürgerliche Gesellschaft zugetheilt wird, so werden wir geneigter, die gemeinen Lasten mit zutragen, und uns den Landesgeseßen gewissen. haft zu unterwerfen. Wer recht betet, wird ein redlicher Bürger, ein nügliches Glied des Staats. 10007 Das Gebet stårkt den Menschen bey Schwierigkeiten und Gefahren; giebt ihm Muth und Entschloffenheit zum Guten. Der Betende denkt ja an seinen Gott, an seinen Schöpfer und Herrn, Vater und Wohlthäter, der jenseits des Grabes jedem nach seinen Ver: diensten vergelten wird, von dem Jesus ver fichert, daß ohne seinen Willen unferm Haupte kein Haar entfällt. Zu diesem Gott hebt der Betende seine Hände auf; zu diesem Gott spricht er voll Vertrauens: Du bist mit mir, wer kann nun wider mich seyn? Vor deinen Augen will ich handeln. du bist meine Stärke und meine Zuversicht! Wer kann muthlos seyn, der unter einem solchen Schuße steht? Das - 17 Das Gebet bringt auch zeitlichen Segen. Wer täglich Gott sein Herz öffnet, und mit Ernste an die Erfüllung seiner Pflichten denkt, das heißt, wer täglich aus dem Herzen betet, wird nothwendig ein ordentliches, vernünftiges, christliches Leben führen; er wird mit Lust und Freude arbeiten, mit Luft Gutes thun, und allen Menschen das erzeigen, was sie mit Billigkeit von ihm fodern, und was er in ähnlichen Fällen von ihnen begehrt. Einem solchen Menschen kann es unmöglich an Heiters keit bey seinen Lasten, an Liebe und Achtung feiner Mitmenschen, an gutem Fortgange bey seinen Unternehmungen kurz, es kann ihm an allem dem nicht fehlen, was man gemeinige lich Segen Gottes nennet. Dieser Mann wird auch zugleich eine vernünftige Hauswirth: schaft führen; er wird sich mit dem, was er besigt, begnügen, und sparsam leben; und so wird ihn niemals eine drückende Noth befallen; es wird ihm an den ersten und nothwendig, sten Bedürfnissen des Lebens nie mangeln; denn das Gebet lehrt ihn seine Wünsche mäßi gen, und seine Bedürfnisse einschränken. S 2 Cummin 18 Das Gebet gießt Ruhe und Zufriedenheit, Troft und Freude, in unser Herz. Der Mensch, der sich niemals, oder gar selten, mit Gott beschäftiget, schwimmt wie auf einem Meere; er wird von allen Seiten bestürmt; er hat nirgends einen festen Ruhepunkt. Wer es sich aber einmal angewöhnt hat, seinen Gott immer gegenwärtig zu denken, der ist so zu sagen in dem Hafen der Sicherheit angelangt. Er legt auf die irdischen, ungewissen Güter keis nen zu hohen Werth, er sieht alles in seinem wahren Lichte, und in allem erblickt er seinen Gott, die Spuren der weisen Vorsicht, die alles zum Ziele leitet. Muß das nicht die Sorge für das Zeitliche måßigen? nicht den Genuß der Freude vernünftiger und unschuldiger mas chen? Wie ruhig, wie froh wird nicht unser Herz durch das unvertilgbare Bewußtseyn unsers Wohlverhaltens werden? Fühlt der Mensch schon Trost und Linderung in seinen Bekümmer nissen, wenn er sein Herz in den Schooß eines Freundes ausschütten kann, was muß er erst empfinden, wenn er wegen seinem An liegen mit Gott felbst, mit seinem ersten Freunde, mit seinem Vater, sprechen kann? 19 Wie muß ihn der Gedanke aufmuntern: Gott ist mein, und aller Menschen Vater! Er lenket alles zum Besten seiner Kinder! Mitten in der Schwermuth ein einziger Aufs blick zu Gott, eine einzige kindliche Ergießung des Herzens zu ihm- o da verschwindet auf einmal der Kummer aus der beängstigten Seele! Alles wird leichter um uns her; Freudigkeit und Ruhe strömt durch diese zus versichtliche Hoffnung auf Gottes Hülfe in unser Herz; wir gehen mit neuem Muthe, und mit neuer Thätigkeit an unsere Berufsgeschäfte. ( Philip. 4, 4-8.) Das Gebet versüßt endlich die Bitter keit des Todes. Wenn alle Gedanken schwin; den, wenn dem Sterbenden alle Sinne verz gehen, wenn er keinen Freund mehr erkeinen, kein Zusprechen mehr hören, keinen Laut mehr von sich geben kann- dann, dann wird seine Seele,( die sich in den Tagen der Gesundheit im Beten geübt hat) in sich selbst verschlossen, ihr vertrauteftes Bild ihren Gott noch fassen, ihren Vater noch denken, und von dem nie ermattenden Gedanken an seine Liebe erquicktin das bessere Vaterland hinüber wallen. 1 20 So groß, so wohlthätig für den Menschen ist die Kraft des Gebetes! Es ist der Kanal, durch welchen die schönsten Gesinnungen dem Herzen zugeführt werden, und von da aus sich wieder über die ganze Menschheit ergießen. Möchten wir doch recht oft über die gesegneten Wirkungen des wahren Gebetes nachdenken, um sie an uns selbst hervorzubringen! Möch ten wir uns aber auch ernstlich bemühen, alle Vorurtheile und irrigen Begriffe abzulegen, wodurch der Nußen, welchen wir aus dem Ges bete schöpfen sollten, vernichtet werden muß! Sehr viele halten das Gebet für einen Frohndienst, den man Gott leisten müsse, und womit man ihm eine besondere Ehre erweise; Andere glauben, daß schon das Beten, und besonders das Vielbeten*) an sich selbst, ein Verdienst, oder eine Tugend sey! Die Ursachen solcher Jrrungen liegen augenscheinlich in den falschen Begriffen, die man sich von Gott, und vom Gebete macht. Man stellt *) S. Prüfung des katholisch- praktischen Religionsunterrichtes. Von einem' fatholischen Neligionslehrer, 1800. G. 371 10. 21 pussard sich Gott gemeiniglich als einen unumschränke ten Monarchen vor, der strenge auf die Leis stung alles dessen hält, was er von seinenUnterthanen fordert, und der erst durch lange, wortreiche Gebete bewegt und gewonnen werden muß, wenn er jemanden eine Wohls that erzeigen soll. Dieß sind abgeschmackte Vorstellungen, welche so gemeinschädlich auf die Ausübung des Christenthums wirken, als fie noch ziemlich allgemein unter dem großen Haus fen herrschend sind. Gott bedarf unserer Dienste nicht;( Apoftelg. 17, 25) er ist unabhängig von uns, das feligste Wesen; wir können ihm nichts geben, ihm auf keine Weise nüglich werden. Er fordert nichts für sich, nichts für seine eigene Person, wenn ich mich so ausdrücken darf. Er sucht feine Ehre, wie sie die Menschen suchen; die Verbreitung der Wahrheit und Jugend ist seine Ehre; er fordert Gehorsam von uns, weil wir nur durch die Befolgung seiner Ges bote fittlich gut und glücklich werden können. Der Zweck des Gebetes ist daher kein anderer, als unsere eigene sittliche Vervollkommnung; wir beten nicht, um Gott zu schmeicheln, oder 22 ihn von unserm Zustande, von unsern Nöthen und Bedürfnissen zu unterrichten;( denn der Vater im Himmel weiß alles, was uns vonnöthen ist, noch ehe wir darum bitten; vor seinen Augen sind alle Dinge offenbar Hebr. 4, 13). Wir beten, damit wir vernünftigere, bessere, glücklichere Menschen werden; im Gebete werden die wichtigsten und trofireichsten Wahrheiten der Religion unserm Verstande eingepråget, und eben dadurch die heiligsten, die füffesten Empfindungen der Gottseligkeit in unser Herz gesenket; daher ist das Gebet blos Mittel zur Frömmigkeit, nicht aber die Frömmigkeit selbst. Das Vielbeten an sich macht noch nicht fromm, weise und ruhig; noch viel weniger taugt das öftere, maschinenmäßige Herfagen gewisser Gebetsformeln. Sie werden uns so geläufig, daß man sie hinplaudert, ohne daran zu dens ken, was man spricht. Diese Unachtsamkeit, diese Nichttheilnehmung der Seele an den Bes wegungen der Zunge und der Lippen, ist uns fogar unwillkührlich; wir können uns keine stundenlange Aufmerksamkeit auf Gegenstände befehlen, die für uns, wenn sie so oft wieders holt werden, allen Reiz der Neuheit, und folg; lich alle Kraft verloren haben, das Herz zu rühren. Dem Scheine nach lange beten, ist Nachahmung der Pharisäer, von denen uns Jesus selbst das häßlichste Bild geliefert hat ( Matth. 23. Mark. 12. Luf. 20, 46. 47). Dieses Heuchlergeschlecht scheint noch nicht auss gestorben zu seyn! Man sieht noch, daß manche, die lange Betstunden halten, und vielen Bruderschaften einverleibet sind, sich darum frommer und besser dünken, als andere, die, anstatt die Zeit mit diesen unnügen Andächtes leyen zu verderben, mit redlichem Herzen ihre Berufsgeschäfte besorgen*). Das Gebet darf رو *) ,, Wenn wir glaucen, daß unsere Gottesverehrung in dem Maße zunehme, in welchem wir die äußern Uebungen fleißiger mitmachen: so wird unsere Andacht ein schnelles Ende nehmen. Wir müssen viel,, mehr die Art an die Wurzel anlegen, damit wir ein,, mal rein von den untergeordneten Neigungen roer,, den, und einen stillen, friedlichen( frommen) Sinn bekommen." S. das Buch von der Nachfolgung, Christi, neu übersetzt und mit einer Einleitung und kurzen Anmerkungen für nachdenkende Christen herausgegeben von J. M. Sailer, Bregenz, 1795. G. 27. 99 83 23 29 www 85 24 nie die Thätigkeit, den Fleiß des Bürgers hins dern, sondern muß ihn vielmehr befördern. Der Bauer kann hinter feinem Pfluge, und der Handwerker in seiner Werkstätte an Gott den ken und sich zur Arbeit ermuntern, indem er fich erinnert, daß Fleiß und Arbeitsamkeit Gott gefallen. Das heißt auch beten. Was würde aus der menschlichen Gesellschaft werden, wenn man den Grundsatz aufstellen wollte, daß es verdienstlicher und Gott angenehmer sey, den Betrachtungen obzuliegen, als zu arbeiten; stundenlange, unverständliche Pfalmen und Rosenkrånze abzuplappern, als sich nütlichen Beschäftigungen zu widmen; den Wahlfahrten nachzuziehen, als Herz und Sitten zu heiligen? Die Schrift empfiehlt keinesweges das lange Gebet. Wenn Paulus( 1. Theff. 5, 17) sagt: betet ohne Unterlaß; so ist gewiß seine Meinung nicht, daß wir den ganzen Tag in der Kirche zubringen, oder zu Hause beståndig über den Erbauungsbüchern sizzen, und immittelst die Geschäfte des Hauswesens vernachläßigen sollen. Er wollte keine from men Müssiggånger bilden! Er ermahnt nur zur öftern, lebhaften Erinnerung an Gottes incomal wasional bord 25 Gegenwart, wodurch unsere Tugend stets neuen Schwung erhält. beståns Das ganze Leben eines Christen muß ein Gebet feyn. Beständig beten heißt dig recht thun, einen immerfort guten Willen haben, immer seinem Berufe und seinen Pflichten getreu feyn. Beståndig beten heißt zu allen Zeiten, an allen Orten, in allen Umständen und Verhältnissen, unserer Bestimmung gemäß dens ken und Handeln, immer an unserer Vervolls kommnung arbeiten, immer Flüger, ehrlicher, besser werden. Ohne Unterlaß beten heißt- ohne Uns terlaß fich Gott unterwerfen, ihm für Glück und Unglück, für Freude und Leiden, für Erhöhung und Erniedrigung danken; heißt- alle Füguns gen der Vorsicht demüthig anbeten, im Kreuze nicht verzagen, im Wohlstande nicht schwelgen; heißt nichts fürchten, als die Sünde; alles freudig dulden, standhaft bis ans Ende ause harren. Dieß ist ein ewiges Gebet, ein ewiger Gottesdienst.*) Ich denke, nun den wahren Begriff des Gebetes hinlänglich entwickelt, und den Eins 1 wewnotenny * Siche chriftliche Sittenlchre ic. von Ferdinand Wanker. 2 Th. S. 172. www 26 fluß desselben auf die Veredlung des mensch, lichen Herzens deutlich genug gezeigt zu haben. Wer nur ein wenig nachdenken kann, wird jetzt leicht begreifen, was den Namen eines achtchristlichen Gebets verdient, und was ihn nicht verdient. Eben so leicht wird er die Gründe einsehen, die den Menschen zum vers nünftigen Gebete verpflichten. Das Gebet macht unsere Erkenntniß von den Vollkommenheiten Gottes reicher, würdiger, lebendiger; es befördert demnach unsere Tugend, unsere Vollkommenheit, unsere Glückseligkeit. Und da es der Wille Gottes ist, daß wir heilig, vollkommen, glückselig seyn sollen: so ist ihm gewiß auch unser Gebet angenehm, welches das wirksameste Mittel zu diesem heiligen Zwecke ist. Freylich giebt uns Gott, vermögefeinerGüte, alles, was wahrhaft gut für uns ist, auch ohne daß, und noch ehe wir darum bitten; allein wir wollen auch durch unser Geset nicht sowohl auf Gott, als vielmehr nur auf uns selbst wirken. Wenn wir z. B. bey Gott um die Vers gebung unserer Sünden bitten, so wollen wir ihn durch unser Gebet nicht ändern, erweichen, versöhnen, als wenn er, wie ein Univ- Bibl Giessen 27 Mensch, über uns zürnte, sondern, weil wir durch das Gebet, und die Rückkehre zu Gott, zur Erkenntniß unserer Fehltritte ges bracht, von unserer Bosheit genesen, so wers den wir der sich immer gleichen Güte Gottes nur wieder fähig und würdig. Auf die Frage: um was man beten soll? ist jetzt die Antwort auch ganz leicht. Um das wahrhaft Gute sollen wir bitten. Aber wie mag dieß der kurzsichtige Mensch erkennen, der so oft das Böse für gut, und das Gute für bis hålt? Darum müssen wir in unserm Gebete nicht schlechterdings und durchaus, gleichsam mit einem frommen Ungestumme und Eigensinne, diefes oder jenes von Gott verlangen; nicht von Gott begeh ren, was uns gut und erwünschlich scheinet, sondern was Er als gut und Heilsam für uns erkennt. Wir müssen allen thôrichten Wünschen entfagen, Gott nichts vorschreiben, und die Erfüllung dessen, was wir bitten, ihm völlig anheimstellen. Der Gedanke, daß Gott unser Vater ist, der alles nach seiner Weisheit, zu unserm Besten lenket, muß unser Bittgebet innig und zuversichtlich 28 machen; muß unsere Bitte in eine völlige Hingebung in Gottes Willen auflösen. Auch dann, wann wir nicht erhört werden, soll unser Vertrauen nicht wanken. Bleiben un fere Wünsche unerfüllt, so ist entweder das, um was wir bitten, nicht gut für uns, oder wir sind der Gewährung unserer Bitte noch nicht würdig; wir sollen noch vorher durch Reinigung und Heiligung unseres Herzens für das erbetene Gut mehr empfänglich wers Den. Eine verzögerte Erhörung ist also für uns eine neue, die größte Wohlthat, und wir sollen demnach immer mit der weisen Bes schränkung beten, wie uns Jesus gelehrt hat: Vater! nicht mein, sondern dein Wille geschehe!( Matth. 26, 39)» Die wahre, ,, weise und tugendhafte, die höchste, in jedem Falle und Unfalle geltende Beruhigung liegt einzig darinn, sagt Hr. Mutschelle a. a. D. S. 76: Gott macht alles gut, und denen, ,, die ihn lieben, die den Kelch des Leidens, wie den Becher der Freude, mit gleichem ,, Danke, mit gleich findlichem Sinne, aus seis ,, ner Vaterhand empfangen, wird alles zum Gus ten dienen( Röm. 8, 28)." ") "> 99 2) ansmand 1 29 Es giebt aber ein Gebet, welches allemal erhört wird das Gebet um Tugend und Weisheit, die Bitte, daß uns Gott Erkennts niß des Guten, Neigung zum Guten, und Kraft, Gutes auszuüben, schenken möge. Darinn bes steht das Reich Gottes, welches wir, nach der Anweisung Jesu, vor allen Dingen suchen sollen; das heißt im Namen Jesu, im Geiste und in der Wahrheit, beten; und dieses Gebet führt seine Erhörung schon selbst mit sich, weil es eben das wirklich macht, was mit ganzer Seele gewünscht wird; weil es unsere Gesins nungen reinigt, und zu reinen Handlungen beseelt. Die meisten schränken ihr Gebet auf das Bittgebet um zeitliche Güter, oder um Abs wendung des leiblichen Uebels ein! Dieß ist ein sehr großer Fehler, den man in diesem Gebetbuche sorgfältig zu vermeiden gesucht hat. Wer nur stets um Hilfe und Gnaden bittet, verfällt öfters auf die widersinnigsten Dinge, verliert den eigentlichen Zweck des Gebetes, die Veredlung der Seele, aus den Augen, und hindert dessen segensvolle Wirkungen auf Geist und Herz, wo nicht ganz, doch zum Theile. 30 Das Gebet, als Beförderungsmittel der Sittlichkeit, muß jeder Menschenvernunft als eine heilige, ehrwürdige Handlung erscheinen; denn sie zielt dahin, uns selbst in den Augen Gottes heilig und werth zu machen, uns mit stets neuer Liebe und Stärke zum Guten zu beleben, uns Mäßigung und Genügsamkeit, Zufriedenheit, Fassung und Muth im Vertrauen auf denjenigen zu gewähren, der hier alles so gut und weislich regiert, und dort so gerecht und so getreu vergilt. Dieser Geist athmet in dem Gebete des Herrn ( Matth. 6, 10-13). Nur kurz, und nur einmal kömmt darinn vor, was die fittliche Natur in Rücksicht des täglichen Unterhaltes wünscht- und es ist noch nicht einmal ausgemacht, ob V. II nicht eben so wohl von der Nahrung der Seele als des Leibes die Rede seyn könne alles Uebrige handelt von dem, was wir vorzüglich wünschen und begehren sollen, daß nämlich Gott verehret, sein Reich, das Reich der Liebe und Wahrheit, überall verbreitet, fein heiligster Wille überall erfüllet, das Böse abgelegt, jede Feindseligkeit aufgehoben, und fernere Sünde vermieden werde. Dieß sind auch, wie sonst so oft, keine unnüßen 31 Wünsche. Denn hier bringt der Wunsch, wenn es damit Ernst ist, die That felbst hervor. Der ernstliche Wunsch, gut zu seyn, macht auch gut. Hier, in diesem Gebete, wehet ein guter, heiliger Geist, der uns zu guten und heiligen Thaten antreibt. O wie reich und fruchtbar an guten Folgen, an reinen Tugend, werken, würde unser Gebet seyn, wenn überall dieser Geist darinn wehete, der zum Guten bes lebt, statt daß nun so oft lediglich der Buch, stabe des Bittgebets darinn vorkommt, der mehr tödtet als lebendig macht. Noch fragt es sich: Wann und wie oft soll man beten? » Bete, wann dein Herz dazu aufgelegt wann es bewegt ist; aber bete auch nur so lange." SONGS AN Der Mensch, welcher nicht ganz unaufmerks sam auf die Natur ist, die ihm alle Tage neue Auftritte, neue Vergnügungen darbietet, und den eine zügellofe Sinnlichkeit nicht ganz betäubet hat, muß wohl oft an Gott, an seine alles regierende Vorsehung denken, und diese Gedanken werden sein Herz in fromme Bewe gung setzen, das ist, er wird oft beten. 32 Wie verschieden, wie mannigfaltig find nicht die Gelegenheiten, welche zum Gebete einladen? Ich lese oder denke z. B. über Wahrs heiten der Religion nach; ich fühle Freude, Beruhigung, Trost dabey. Wird sich da nicht auch bald mein Herz ergießen? Werd' ich da nicht aus dem Herzen beten? Ich sehe, oder höre von einem Unglücklichen und werde zum Mitleiden bewegt. Ich begehe einen Fehler, eine Thorheit und empfinde Reue. Ich ges nieße ein erlaubtes Vergnügen, und das Ges fühl der Dankbarkeit wird in mir rege. Sind das nicht lauter mächtige Antriebe zum Bes ten? Nicht lauter Anlässe, mich meines Gots tes lebhaft zu erinnern? Ich danke dann bald für eine empfangene Wohlthat; äußere bald mein Vertrauen, meine Hoffnung, meine Liebe zu Gott; bereue bald einen Fehltritt, und fasse unter den Augen Gottes, gute Vorfäße; bald bricht mein gerührtes Herz in heiße Wünsche für das Wohl meiner Mits menschen, meiner Kinder, Aeltern, Freunde, Obrigkeiten, Mitbürger u. s. w. aus- das heißt: ich bete( nach dem Sinne des Apostels) ohne Unterlaß. E Will 33 Will man auch gewisse Stunden für das Gebet bestimmen, so wähle man die Morgenund Abendstunden. Am Morgen kann ich die Gelegenheiten, die sich den Tag hindurch mir anbieten werden, Gutes zu thun, und die Veranlassungen, in welche ich geführt werden könnte, Böses zu verüben, gleichsam mit einem Blicke überschauen, und dann Gott feyerlich geloben, nie meine Pflichten zu vers gessen, nie gegen seinen Willen zu Handeln. Dadurch wird meine Seele gestärkt, den sinne lichen Begierden zur Ausschweifung muthig zu widerstehen. Das Gewissen wird zu einer Wachsamkeit erweckt, die es verhindern wird, daß mich keine Thorheit so leicht überrasche. Am Abend prüfe ich mich selbst, im Anges sichte Gottes, ob ich die guten Vorsätze auch erfüllt, und wie weit ich es in der Besserung meines Herzens gebracht habe? Giebt mir das Gewissen Zeugniß vom Wachsthume im Guten, so wird sich Freude über meine Seele vers breiten, und diese Freude wird ein neuer, wiewohl nicht der vornehmste Bewegungsgrund zu fernern edlen Handlungen seyn. Nehme ich aber meine Verschlimmerung wahr, so werde 3 Dent 3€ ich meine Untreue vor Gott bekennen, bereuen, verabscheuen; ich werde aufmerksamer auf mich werden, und so aus dem Bösen selbst Gutes ziehen. Intertome Sonn- und Festtage find ebenfalls sehr schickliche Zeiten zum Gebete; desgleichen die Feyerstunden nach verrichteten Berufsgeschäft ten. Diejenigen, welche sich dieses Gebet: buches redlich bedienen, werden finden, daß es vorzüglich dazu eingerichtet ist, das Wachs; thum der Sittlichkeit zu befördern, und eben dadurch Ruhe und Freude in das Herz zu bringen. Sie werden darinn stets an die große Bestimmung des Menschen, an die erhas bene Würde seiner fittlichen Natur, an seine heiligen Pflichten, und daben auch an das viele Gute erinnert, welches wir in dieser Welt genießen; Gott wird ihnen als der höchste Gesetzgeber, als der heiligste, unparthenischste Richter, als ein liebreicher Vater vorgestellt, von dem alles Gute kömmt, und der seine Freude nur daran hat, wenn wir sittlich gut, vergnügt, und mit dem Ueberflusse seiner Gas ben zufrieden leben. Es wird darinn allents halben der Gründsatz eingeflößt, daß das Gute 95- der Schöpfung auch für uns da sey, daß es uns erlaubt, und sogar unsere Pflicht sen, so viel davon zu genießen, als ohne Abbruch uns serer sittlichen Pflichten und ohne Beeinträch tigung anderer Menschen geschehen kann. un Die Menschen sind oft nicht so unglücklich, als es ihre überspannte Empfindlichkeit wähnt; sie sind nur unzufrieden, und diese Unzufriez denheit rührt blos daher, weil sich ihr wehleidis ges Gefühl nur an die trüben Stunden des Lebens heftet; und weil sie die vielen zufriedenen Tage, den Strom des Vergnügens, der neben dem Wege ihrer irdischen Wanderschaft einhers fließt, und aus welchem sie, ohne es zu wissen, so oftmals schöpfen, ganz aus der Acht lassen. Einer unserer Dichter sagt eben so wahr VIORI* 20* 0.3 mi als schön: Der Mensch trinkt Freude in Strömen, und durftet." Die Gebete dieses Erbauungsbuches sind daher geschickt, unser unzufriedenes Herz zu Heilen, indem sie uns den Gedanken vielfältig zu Gemüthe führen, daß wir nicht so unglück: lich sind, als wir meinen. Wohl uns, wenn wir davon gerührt, in unsere Herzen eingehen, Gr 36 Atanin und alle die besondern Wohlthaten, welche Gott jedem Menschen, durch alle Alter des Lebens, in jedem Jahre, an der Seele und am Leibe, ben jeder besondern Gelegenheit hat zufließen laffen, dankbar beherzigen! Das Gefühl unserer auf Tugend gegründeten Glückseligkeit wird auf diese Art immer zunehmen, und wir werden mit unserer Bestimmung, mit der Lage, mit dem Stande, in welchen uns die Vorsicht gesetzt hat, immer zufriedener werden. Der allgütige Gott gebe, daß dieses Gez betbuch in recht viele Hände komme, und daß diejenigen, die es gebrauchen werden, allen den Nusen daraus ziehen, welchen man bisher erkläret hat. Tiefenbach im Februar 1801. Pfarrer Brunner. $ 3 0620 I. Gebete für alle Tage. Morgengebet. Gott! frühe erwach' ich zu dir. Das Licht eines neuen Tages, das Geschenk deiner Güte, erleuchtet meine Augen, und ruft mich wieder zu den Geschäften meines Standes. Ich fühle meine Glieder durch einen sanften Schlaf erquickt; ich wie verjüngt; eine frische bin, wie neu geboren Fluth von Lebensgeistern wallt durch meine Aldern, und treibt mich zur Arbeit an. Mein erstes Ges Wem anders, schäft sey dir, Schöpfer! gewidmet. als dir, gebühren die Erstlinge von den Kräften, die deine Gabe sind? Gott und Vater! was für zärtliche Regungen der Liebe durchstromen mein dankvolles Herz, wenn ich an die Wohlthaten denke, die mir auch heute wieder aus deiner milden Hand zufließen wer= den. Ich hatte eben so wenig Recht, diesen Tag zu erwarten, als so viele Tausende meiner Mitmenschen, welche in dieser Nacht von ihrem Schicksale über: b G -- 38 eilt wurden, denen der Schlaf zum Tode, die Zeit zur Ewigkeit geworden ist; die entschlafen sind, um nimmermehr hier zu erwachen, und dieses schöne Sonnenlicht nie wieder zu erblicken. Ach ihr! die ihr gestern noch waret, was ich heute bin- Ein wohner dieser Welt; und jetzt seyd, was ich, wer weiß, wie bald? auch seyn werde Bürger jener Welt! ihr, die ihr gestern noch, vielleicht mit großen Anschlägen zu Bette gienget, welche an der heutigen Sonne reifen sollten, nun aber durch den plötzlichen, unvermutheten Todesschlag erstickt sind; ihr, die ihr nun den Schauer jener ernsten Stunde gefühlt habt, welche von dem Schauplatze dieses Lebens abruft--eure erstarrten Leichen sollen meine Lehrer seyn. Eure erblaßten Lippen sollen mir Weisheit predigen. Ihr seyd dahin, wohin ich euch heute oder morgen, unfehlbar, folgen muß. Euer Schicksal ist nun entschieden und festgesetzt. Der Finger Gottes hat das Urtheil über euch, mit unauslöschlicher Schrift, in das Buch der Ewigkeit geschrieben! Mein Schicksal ist noch ungewiß; noch steht es in meinen Händen, oder vielmehr in den deinen, o mein Gott, und mein Herr! Ich lebe noch, um mich durch die Befolgung deines heiligen Willens zu dem Glücke eines ewigen Lebens fähig zu machen. Ich höre noch die rufende Stimme deiner Langmuth- und ich will sie nicht vergebens hören. ( Röm. 2, 4.) - 39 Ich eile zu den Geschäften meines Berufes; ich will sie verrichten, ohne mich von dir, du Allmit möglichster gegenwärtiger! zu entfernen Gewissenhaftigkeit, mit heiterer Freude, will ich sie verrichten: Mein ernstlicher Vorsat ist, nichts zu thun, ja, mir keinen Gedanken zu verstatten, woDie Vergnügun= durch ich dir mißfallen könnte. gen, die du mir heute schenken wirft, Gütigster! will ich als neue Proben deiner Huld ansehen, die mir Triebfedern zur Gottseligkeit seyn sollen. Ich will einen Bund mit meinen Sinnen machen, daß sie sich vom Glanze der irdischen Scheine Alle Neigungen, alle güter nicht blenden lassen. Begierden, alle Wünsche meiner Seele sollen dir heilig seyn- sollen durch die mir verlies hene Vernunft, und nach den Vorschriften der Religion, dem höchsten fittlichen Zwecke untergeordnet werden. 1 *** Allwissender! du kennest mein Herz, und průfest mich. Ich bin schwach, aber nicht kleinBez müthig; ich vertraue auf deinen Beystand. hüte mich vor Versuchungen, die meine Kräfte überg steigen! Bergieb Fehler, welche ein sonst redliches Ges muth aus Uebereilung begeht,( Röm. 7, 14-25) und laß mich nicht in folche Sünden fallen, welche mich der seligen Hoffnung, die ich auf deine Barmherzigkeit seße, berauben könnten. O Gott! o Vater! du bist mein einziges, mein größtes Glück. 40 Dir zu gefallen fey mein Ziel, - Bey allem, was ich thue; So hat, es gehe wie es will, Stets mein Gewissen Ruhe. Denn wer dir, Heiligster! mißfällt, Was nütet dem die ganze Welt Mit allen ihren Schäten?( Mart. 8, 36.) Abendgebet. Wie ficher lebt der Mensch Sein Leben ist ein fallend Laub; Und dennoch schmeichelt er sich gern, Der Tag des Todes sey noch fern. Der Jüngling hofft des Greises Ziel, Der Mann noch seiner Jahre viel; Der Greis zu vielen noch ein Jahr, Und keiner nimmt den Irrthum wahr. Sprich nicht: ich denk in Glück und Noth, Im Herzen oft an meinen Tod. Der, den der Tod nicht weiser macht, at nie mit Ernst an ihn gedacht. Oniwang t - der Staub; Abermal ist von meinen Tagen ein Tag dahin! So viele Augenblicke er hatte, um so viele Schritte bin ich der Ewigkeit näher gekommen. Vielleicht ist es gar der letzte Tag, den ich in dieser Welt zu leben habe! Und wenn dieses seyn sollte, was für ein Loos wartet dann in der Ewigkeit auf mich? Wenn du, o Gott! in dieser Nacht meine Seele von mir fordertest, würde ich wohl bereit seyn, vor dir zu erscheinen? 41 - aber Umsonst zeigt mir eine schmeichelnde betrügerische Hoffnung die angenehme Aussicht in noch viele künftige Lebenstage. Ich fühle mich zwar gesund, und bey Kräften; allein die tägliche Erfahrung lehret mich, wie wenig hierauf zu bauen dieß sey. Ob ich morgen noch leben werde- beruht auf einem ungewissen Vielleicht! Und auf dieses ungewisse Vielleicht soll ich das Glück einer Ewigkeit ankommen lassen? Nein; so unangenehm auch immer die Vorstellung des Todes meiner Sinnlichkeit seyn mag ich will mir Gewalt ana thun, ich will- ich muß mich überwinden. Was ist der Tod? Mein Herz mag bey dieser Frage immer unruhig werden. zittern; von eia ner genauen Untersuchung und Auflösung derselben hängt meine wahre Ruhe, meine innere Zufrieden. heit zu sehr ab, als daß ich mich davon sollte abhalten lassen. - - 1 1 Tod- ist das Ende meines hiesigen, und der Anfang eines künftigen, beffern, überaus glücklichen Lebens. Hier ist die Morgenröthe meis nes Dafeyns; jenseits des Todes der volle Tag. dort im Hier leb' ich im Zustande der Kindheit- Stande des reifen Alters. Hier lern' ich glücklich seyn, indem ich mich bestrebe, tugendhaft zu seyn: dort bin ich wirklich glücklich unaus: -- sprechlich glücklich, indem ich den Lohn der Tugend årndte. Was hat nun dieser Begriff des Todes Schreckliches an sich?- Ich will glücklich seyn, und nur durch den Tod kann ich erst vollkommen glücklich werden, indem erst nach dem Tode Tugend) und Glückseligkeit in ihr genauestes Verhältniß gebracht werden können. Warum fürchte ich ihn denn, als wenn er mein årgster Feind wäre? Welche Widersprüche in mir selber! Hab ich es vergessen, daß ich durch den Tod den Anfang eines weit vollkommenern Zustandes erwarte, als der gegenwärtige ist? Oder finde ich vielleicht meinen Hiesigen Aufenthalt so angenehm, daß ich mir nichts Besferes wünsche? Was sind es denn für Bande, die mich so fest an- diese Erde fesseln? Eingebildete Hoffnungen, welche sich auf nichts, als auf meine übertriebenen und thörichten Wün sche gründen. 42 Wenn ich doch nur in der Welt mein Glück noch weiter bringen könnte! Und warum sollt ich es nicht können, da es schon so vielen möglich gewesen ist? Was hindert mich, zu großern Ehren emporzusteigen, mehr Schäße zu erwerben, mit mehr Ansehen und Bequemlichkeit in der Welt zu leben? Was fehlte meinem Glücke, wenn ich diese oder jene Freude noch erleben sollte? Dann wär' es noch immer Zeit, an das Künftige zu den ken; dann wollte ich gerne sterben." So lautet die geheime Sprache meines irdisch gesinnten Herzens und, o mein Gott! wie thdricht ist diese Sprache, wie unbesonnen sind diese Wünsche! Bin ich denn versichert, daß ich 93 - lange genug leben werde, um meinen Zweck zu erreichen?( 1.Theffal. 5, 2.4. Luk. 12, 16-21) wenn alle meine lind wenn ich ihn erreiche Anschläge gelingen, bin ich denn gewiß, daß dieſe gehoffte, erträumte Glückseligkeit mir in der Nähe das seyn werde, wofür ich sie in der Ferne gehalten habe? Und wenn das ist, bin ich denn sicher, daß aus diesen erfüllten Hoffnungen nicht wieder neue erwachsen werden? Und wenn ich davon ges wiß seyn könnte, würde mir mein zufriedener Zus stand, in welchem ich mich alsdenn befände, den Tod nicht noch schrecklicher machen, als er mir jest ist, da ich weniger durch ihn verlieren kann? Ach! wann werde ich doch einmal klug werden? Schon hundertmal haben mich Hoffnungen dieser Art betrogen; schon hundertmal habe ich es bereuet, so findische Entwürfe gemacht zu haben; und doch doch falle ich immer in dieselben Thore heiten zurück! - 43 - - Gott! wie habe ich den abgeschiedenen Tag Zwar nicht müßig, nicht ohne zugebracht? Beschäftigung. Aber womit habe ich mich beschäftiget? Was trug ich heute zu meiner eige nen sittlichen Vervollkommnung was zur Glückseligkeit und Vollkommenheit meines Nächfren bey? Mein Beruf ist, gut zu seyn; in ruhiger und dankbarer Zufriedenheit die Gü ter zu geniessen, welche mir deine väterliche Güte, o Gott! mitgetheilet hat; meinem 44 Nächsten zu nutzen, und voll freudiger Hoffe nung an meinem und seinem zukünftigen Glücke, durch einen vernünftigen Gebrauch des Gegenwärtigen, durch eine gewissenhafte Erfüllung meiner Berufspflichten, zu arbeiten. Es fehlte mir an nichts, was mich in Stand feßen Sonnte, diesem meinem Berufe Genüge zu teisten. Ein gesünder Leib, ein munteres Gemüth, Unterhalt und Bequemlichkeit sind Vorzüge, welche ich heute vor Tausenden und abermal Tausenden genoffen habe. Allein wie benüßte ich alle diese Güter? Ach jetzt fällt es mir zum ersten Male bey, daß ich heute der glückliche Besiker so großer Schäße war. Unempfindlich für mein heutiges Glück habe ich, voll geschäftiger Unruhe, für ein morgendes gesorgt, von dem ich nicht weiß, ob ich es erleben werde, aber gewiß bin, daß ich es, ( wenn ich morgen nicht besser als heute denke) eben so wenig wie das heutige verdienen werde! Deine Hand, o gütigster Gott! war heute gegen einen Undankbaren und Unempfindlichen freygebig. Ich habe mich deiner Wohlthaten ganz unwürdig gemacht, da ich sie nicht gebraucht ja gar mißbraucht habe! Kränkender Gedanke, der mein In nerstes mit den schmerzlichsten Vorwürfen zerreisfet! Darf es mich nun noch wundern, wenn mich die Erinnerung des Todes schrecket? Kann ich wohl, ohne Verwirrung, an eine Zeit denken, wo du, o gerechter Gott! strenge Rechenschaft von Found — — 45 meiner Haushaltung fordern wirst? Darf ich in der Zukunft ein größeres Glück hoffen, da ich mich des Gegenwärtigen so schlecht bediene? O! wie viel Necht hättest du nicht, mein Gott! mir auf immer deine Gnade zu entziehen. Ich verdiene diesen unerseßlichen Verlust! Aber, ewiger Bater! Du bist ja die Liebe selbst. Deine Güte hat keine Grånzen, und deine Beschämt Erbarmungen sind unerschöpflich. und voll Reue erkenne ich meine Thorheit; ich erkenne sie so lebhaft, ich sehe sie in einem so schrecklichen Lichte, daß es mir unmöglich scheint, Wieje wieder in dieselbe fallen zu können. wenn Besserung erfolgte? Würde nicht auch bey dir Bergebung zu finden seyn? Würde nicht eine ernstliche Bekehrung von dir als Lösegeld für meine heutigen Fehler angenommen werden?- Ja; ich werde noch leben, um deine Güte zu preifen. Du wirst mir deine Gnade wieder schenken, weil ich den festen Vorsatz habe, sie wohl anzuwenden. Gott! deinem allsehenden Auge ist auch das Verborgenste meines Herzens offenbar; hält es deine unergründliche Weisheit für nothwendig, meine Bekehrung durch Strafen zu befördern, und mich durch Schaden klug zu machen: o! so seyen mir deine Züchtigungen willkommen und gesegnet. Ich will in deinen gerechten Strae fen den liebreichen Vater erkennen, welchen ich im Ueberfluß der Glückseligkeit verkannt habe. - 46 Co Nun kehren Ruhe und Frieden wieder in meine Seele zurück; die heiterste Freude ver breitet sich durch mein ganzes Wesen. Wenn der bloße Vorsatz, mich zu bessern, schon ein ſo entzuckendes Vergnügen in mir wirket wie göttlich groß muß erst die himmlische Luft seyn, welche das Bewußtseyn einer geprüften und bestäns digen Tugend in mir hervorbringen wird? - Jetzt überlasse ich mich dem Schlafe unbesorgt, ob ich in dieser oder in jener Welt wieder erwachen werde. Ich ruhe unter deinem Schüße, Allmächtiger! und bin, es komme wie es will, allenthalben in deinen Händen. Deiner gnädigen Obhut, mein Gott und Vater, sey mein Leib und meine Seele befohlen. Deiner Gnade gewiß, fürchte ich kein Unglück. Der letzte Gedanke, dessen ich mir be wußt bin, hat dich zum Gegenstande, und der erste des morgenden Tages soll dir geheiligt seyn. Ich entschlafe, indem ich an dich denke, und wenn ich erwache, bin ich bey dir.( Off. 138, 18) Amen. Reue und Leid. le Allmächtiger, ewiger Gott! vor deinem heiligen Angesichte, in Staub erniedriget, von Neue und Schmerz ganz durchdrungen, bekenne ich, daß icy 47 öfters in Gedanken, Worten und Werken gegen dein heiliges Gesetz gesündiget habe! Ja, Vater im Himmel! vor dir habe ich ge fündiget!( Pf. 50) Mein eigenes Gewissen klagt mich als Uebertreter deiner väterlichen Gebote an; aber du bist mein Vater, und wie sich ein Vater seiner Kinder erbarmt, so erbarmst du dich unser, wenn wir unsere Sünden erkennen, und mit uns felbst unzufrieden auf wahre Besserung bedacht sind.( Pf. 102, 13. Luf. 15, II— 24). Verzeihe mir dann, Vater im Himmel! es ist Heute, ja mein völliger Ernst, besser zu werden. heute noch will ich den Anfang zur Erfüllung dieses gutgemeinten und redlichen Vorfaßes machen. O gieb nur, mein Gott! daß ich in diesem guten Vorsate durch öftere Betrachtung heilsamer Religionswahrheiten gestärkt werde! Laß mich die Schändlichkeit der Sünde, und die Schönheit der Tugend immer mehr erkennen! Laß mich in der Liebe und Neigung zum Guten immer wachfen! Ich will thun, was du willst, daß ich thun foll; ich will darnach ringen, daß ich vollkommen werde, gleichwie du, o Vater im Himmel! vollkommen bist. Amen.( Matth. 5,48). 48 Glaube, Hoffnung und Liebe. Für dieses Leben bleiben nur die drey wichtigsten Stücke:( nach welchen der Geist trachten muß) Glaube, Hoffnung und Liebe; aber die Liebe ist das Größte unter ihnen. 1. Kor. 13, 13. 1) Einiger, unendlicher, ewiger Gott, der du uns zuerst durch die Vernunft, und dann, noch deutlicher, durch Jesum deinen Sohn, unsern Herrn, deine höchsten und anbetungswürdigsten Vollkommenheiten, und deine heiligsten Gesetze zu unserer sittlichen Bervollkommnung geoffenbaret haft; ich glaube, daß du der einige, höchste, alle mächtige Urheber, Erhalter und Regierer der Welt daß du unser Vater und Wohlthäter bist, der jeden Menschen kennt und liebt, für jeden sorgt, und jeden glücklich machen will; daß du der höchste und heiligste Gefeßzgeber und Richter aller vernünf tigen Wesen bist, der jeden dereinst nach seinen Handlungen und Verdiensten belohnen oder strafen wird.( Jerem. 17, 10, Róm. 2, 6. Gal. 6, 7) Ich glaube und befenne, daß uns Jesus Christus von der Sünde und ihren Folgen befreyet hat; daß er wahrer Gott, der Wiederhersteller unserer fittlichen Würde, unser Lehrer, Erldser und Seligs macher ist; daß wir aber die Absicht seiner götts lichen Sendung vereitein, wenn wir nur glauben, was — 49 was er gelehrt hat, seine vortreffliche Gottes- und Sittenlehre aber nicht zu unserer eignen Besserung und Vervollkommnung anwenden( Matth. 28, 20). Ich glaube, daß der heilige Geist uns auf mannigfaltige Weise belehrt und heiliget, und uns Gesinnungen und Kräfte einflößt, durch welche wir Kinder Gottes, und sittlich gute Menschen werden; ( Luk. II, 13) ich freue mich seiner heilsamen Wirkungen, und danke ihm für jede Erkenntniß der Wahrheit, für jeden Antrieb zum Guten, und für die Kraft, es zu vollbringen. Ich glaube um der göttlichen Allwissenheit und Wahrhaftigkeit willen alles, was Gott durch Chris stum geredet und die allgemeine Kirche von jeher als Gottes untrügliches Wort angenommen und geglaubt hat. Dieser Glaube beruhiget mich, und wird mich selig machen, wenn ich mich aus allen Kräften befleißige, nach den Sittenvorschriften desselben zu leben, und nichts zu thun, was meinen Pflichten und meinem Gewissen entgegen ist. 2) Auf deine Weisheit und Gerechtigkeit, o Gott! hoffe und vertraue ich in allen Angelegen= heiten meines Lebens. Du hast mich erschaffen, damit ich tugendhaft leben, und dadurch-glücklich werden möchte; du hast mir auch die Mittel zu meiner Heiligung und Beglückung nahe gelegt. Getrost sehe ich daher allen traurigen Zufällen entgegen, die mir widerfahren können; denn du, o Gott! weißt auch diese zu heiligen und zu guten 4 SO Zwecken zu lenken; und ich bin überzeugt, daß du sie zuletzt in Segen und Seligkeit auflösen wirst. So will ich denn auf nichts, was veränderlich und vergänglich ist, meine letzte Hoffnung sehen; meine höchste Glückseligkeit kann mir nur ein ewiger, weiser und gerechter Gott geben, wel cher dabey auf die Erweisung meiner Treue in Ausübung der sittlichen Pflichten Rücksicht nimmt; und diese Gerechtigkeit, Güte, Treue, und Allmacht Gottes ist es auch allein, auf die sich meine Hoffnung stüßet. 3) Dich o Gott! liebe ich aus ganzem mei: nem Herzen, aus ganzer meiner Seele, und aus allen meinen Kräften; ich liebe und verehre dich vorzüglich als das höchste, heiligste, vollkommenste Wesen, und werde jederzeit mit unbegränzter Achtung die unendliche Würde deiner Vollkommenheit betrachten und anbeten. Ich liebe dich auch, nicht mit schwacher, sinnlicher, sondern mit vernünftiger Liebe, als meinen Vater, Wohlthäter und Erhalter, das ist, als die Urquelle alles Guten und aller Glückseligkeit.( Rom. 8, 15. Gal. 4, 6) Zwar kann ich dich nicht begreifen, Unbegreiflicher! zwar kenne ich deine Vollkommenheiten nicht, wie fie an sich selbst sind, sondern nur nach deinen Wirkungen auf die Welt, darum wird auch meine Liebe und Verehrung gegen dich immer begränzt, immer unter deiner Größe und Würde seyn. Aber dir genügt es, wenn ich nur meine Liebe gegen 51 dich durch gewissenhafte Befolgung deiner heiligen Gebote an Tag lege;( 1. Joh. 1, 3-6) wenn ich dir als dem höchsten, heiligsten und liebens: würdigsten Gute mit allen Kräften anhange, und durch unaufhörliches Streben nach sittlicher Vollkommenheit gleichförmig zu werden suche. Willig, und mit unermüdetem Fleiße will ich daher die Arbeiten meines Berufes fortseken, mit völliger Zufriedenheit mich deinen Führungen überlassen, nach Weisheit streben, nach Gewissen handeln, und Gutes thun, so viel meine Kräfte erlauben. Auch meinen Nächsten will ich lieben, o Gott! wie mich selbst; ihn als ein vernünftiges Geschöpf, wie mich selbst, achten, und an ihm, wie an mir selbst, die Würde der menschlichen Natur, und seine gleiche Bestimmung zur Sittlichkeit und Glückseligkeit schäßen. Ich will diesem seinem hohen Endzwecke nicht nur niemals entgegen handeln, sondern denselben auf alle Art zu befördern suchen; ihm aufrichtig Gutes thun und wünschen; ihm meinen Rath und Beystand nie versagen, seine Schwachheiten mit Geduld ertragen, sein Elend, so viel mir möglich ist, lindern. Dies ist auch ein Hauptgebot des Christenthums, und das ächte Kennzeichen der wahren Jünger Jesu.( Jak. 2, 8. Joh. 13, 35) Selbst meinen Feinden will ich verzeihen, wie auch Jeſus den seinigen verziehen hat. Wir sind alle zum Gebote der gegenseitigen Liebe verpflichtet; wir sind alle 52 Kinder eines Vaters, alle Erben seiner Herrlichkeit, alle Theilnehmer an seiner Erlösung. So wollen wir denn auch alle ein Herz und eine Seele seyn;( Apostelg. 4, 32) so wollen wir denn alle mit dir, o Gott! und untereinander innigst vereinigt durch dieses irdische Leben wallen. Amen. 53 Mingmated II. Meß- Beicht- und Communiongebete. Meßgebete. Die heilige Messe ist erstens eine Erneuerung jenes Liebesmahles, welches Jesus am Abende vor seinem Leiden mit seinen Jüngern hielt. In der Nacht, sagt der heil. Paulus, da der Herr Jesus verrathen wurde, nahm er das Brod, segnete es, brach es, und gab's seinen Freunden, mit den Worten: Nehmet hin, und esset: Dies ist mein Leib. Dann nahm er auch den( mit Wein gefüllten) Kelch und sprach: Nehmet hin, und trinket alle: Dies ist mein Blut. Er machte es feinen Jüngern zur Pflicht, dieſe Heilige Handlung auch mit ihren künftigen Jüngern öfters zu feyern, und sich dabey an ihren Meister und Herrn, an seine Lehre, an seine Tha ten, an seine schöne Religionsstiftung, an seine Liebe zu dem Menschengeschlechte, und an seinen Das thut zu großmüthigen Tod zu erinnern. meinem Andenken! 54 11 13 Die Apostel folgten dem Befehle ihres Meisters, und hielten die Abendmahlsfeyer in ihren Zusammenkünften( Apostelg. 2, 42. 46.) auf eine rührende und erbauliche Art. Vorzüglich bemühte fich Paulus, alles dasjenige zu beseitigen, was den herrlichen Eindruck dieser heiligen Handlung schwächen, und die Gemüthserhebung auf Nebendinge lenken könnte. Der Mensch, sagt er, prüfe sich selbst, wie sein Herz beschaffen sey; er prüfe fich, ob er bey der Feyer des heil. Abendmahles jene Gemüthsverfassung habe, die ihn fähig macht, diefe gottfelige Handlung auf eine vernünftige, dein Zweck ihres Stifters entsprechende Art zu verrichten; er prüfe sich, ob ihm diese heil. Handlung wirklich wichtig genug erscheine, ob er mit dem Sinne, und der Empfindung eines redlichen Verehres Jesu beseelt sey, ob er den Werth seiner Religion erkenne, ob er die Denkungsart und den Geist Jefu habe, dessen Andenken er hier feyert, ob er die Sünde, zu deren Schwächung und Aufhebung Christus so viel gethan, wirklich hasse, verabscheue, und in all seinem Thun und Lassen nach Möglichkeit fliehe; ob er den Geist der allgemeinen Brudertiebe gegen alle Menschen habe, dessen Sinnbild diese heilige Handlung ist? Dann fährt Paulus fort: Dann effe er von dies fem Brode, und trinke von diesem Kelche. ( 1. Kor. 11, 23-29.) onltmanand 55 Was die Apostel nach dem Befehle Jesu unverbrüchlich hielten und thaten, das that auch nach ihrem Absterben die Kirche. Der Priester und seine Gemeine feyerten dasselbe an allen Orten der Welt, wo das Christenthum Eingang gefunden hatte, und sie aßen gemeinschaftlich, wie Paulus sagt: von dem Brode, und tranken vom Kelche. Dieß geschah in der Messe, welche eigentlich die Feyer des heil. Abendmahls ist.- In der Folge der Zeiten hat zwar der Gebrauch auf gehört, die Layen auch Antheil an dem Kelche nehmen zu lassen. In der Folge der Zeiten ere kaltete zwar der Eifer der Gläubigen so sehr, daß sie nicht mehr gemeinschaftlich mit ihrem Priester bey jeder Messe oder Abendmahlsfeyer, sondern nur zu gewissen Zeiten den Leib und das Blut des Herrn genoßen: allein die alte, ehrwürdige Einsetzung des heil. Abendmahles blieb, und wird noch jetzt bey jeder Messe von frommen Christen gefeyert. Die heil. Messe ist aber zweytens auch ein Opfer, welches, wie der Kirchenrath zu Trient ( in der XXII. Siz. K. I.) sagt, das Opfer Jesu am Kreuze, oder seinen großmüthigen Tod fürs ganze Menschengeschlecht, vorstellen, und das Andenken, und die segensvollen Wirkungen desselben bis an's Ende der Zeiten unter den Christen er: neuern sollte; ein Opfer, welches, wie der gelehrte Boffuet schreibt, uns von dem Opfer des Kreuzes nicht nur nicht entfernt, sondern unsere Gedanken 56 vielmehr auf dasselbe zurückführt, denn es bezieht sich ganz auf dasselbe, und hat auch keine andere Kraft, als die es von dorther enthält;*) ein Opfer, aus welchem auch wir, nach dem Maaße unserer Vor bereitung und Gemüthsfassung, mancherley geist liche Vortheile ziehen, wodurch wir nämlich in guten Gesinnungen, und in der Ausübung unserer Pflichten gestärkt werden, wenn wir demselben, nach dem Ausdrucke des tridentinischen Kirchenraths**), mit einem für die Tugend gefühlvollen Herzen, mit wahrem, lebendigen Glauben an Jesu Lehre und Tod, mit Ehrfurcht und Rührung, und mit einer kindlichen Neue wegen un ferer täglichen Schwachheiten und Fehltritte bey wohnen. Aus allem diesem erhellet nun, daß die heil. Messe, als Abendmahlsfeyer, und als Opfer betrachtet, uns nur dann nützlich werden könne, wenn wir mit einer Vorbereitung bey derselben er scheinen, die unsern Ernst, unsern Sinn für religiöse Gegenstände, unsere Willfährigkeit zu allein Guten, und unsere Empfänglichkeit für heilige Eindrücke ankündigt. Die heilsamen Wirkungen, welche die heil. Messe in uns erzeugen kann, stehen mit unserer Vorbereitung in genauer Verbindung, * Exposition de la doctrine de l'eglise catholique, à Paris 1761. pag. ¹54. **) XXII. Giz. K. 2. bestehen darin, daß wir neue Kraft zum Guten, und neue Freude am Guten daraus schöpfen; daß wir immer mehr in der Bruderliebe gestärkt, und zur Ausübung aller christlichen und ges felligen Tugenden dadurch ermuntert werden. " Es wäre aber freylich zu wünschen, sagt der fromme und gelehrte Benediktiner Schwarz, daß manches bey dem öffentlichen Gottesdienste eine 2, folche Einrichtung erhielte, wodurch es den Bey. ,, wohnenden noch mehr erleichtert würde, Antheil ,, an dieser heil. Handlung zu nehmen, und sich ,, mehr zu erbauen."( Handb. der christl. Religion 2. B. S. 301.) 2) 37 رد Vorbereitungsgebet. Allmächtiger, ewiger Gott! ich feyre jetzt jenes heilige Liebesmahl, welches dein geliebter Sohn am Ende seines Lebens mit seinen betrübten Jün gern hielt. Wie er sich da, ehe die Nacht seines Leidens, und seiner letzten traurigen Schicksale einbrach, mit ihnen noch einmal brüderlich ver einigte, ihnen durch die zärtlichsten Reden Muth und Standhaftigkeit in allem Guten einzuflößen suchte;( Joh. 14.) ihnen unter dem Sinnbilde des Brodes und Weines seinen Leib und sein Blut zu geniessen darbot; ihnen zur Pflicht machte, sich öfters seiner zu erinnern, und ein gleiches mit iha 58 - 234 ven Jüngern und Freunden zu thun. so vere einige ich mich jetzt mit dem Priester, und allen anwesenden Christen, dieses christliche Liebesmahl nach dem Geiste Jesu, und nach dem schönen Zwecke seiner Einsehung zu begehen. Bin ich aber auch würdig, an diesem Liebes: mahle Theil zu nehmen? O wenn ich mich prüfe, wenn ich die Falten meines Herzens durchspähe, wenn ich meine Gesinnungen, meine Worte und Handlungen mit der Lehre Jesu vergleiche, die doch mein Gefeß, und meine einzige Nichtschnur ist, wie muß ich vor mir selbst erröthen, daß ich dem Geiste und der That nach so wenig ein Christ bin, was ich doch seyn sollte, und was ich) in den bessern Augenblicken meines Lebens auch zu seyn wünsche! Doch weiß ich auch, daß die Jünger Jefu bey den Lebzeiten ihres Meisters noch schwach im Glauben, und unvollkommen in Handlungen waren,( Matth. 16, 8-10. Lut. 9) und daß Jesus Christus gerade deswegen das letzte zärtliche Abendmahl mit ihnen hielt, um ihren Glauben an seine Sendung und Lehre zu stärken, um ihren Eifer zu großen, menschenfreundlichen Werken zu beleben, und zu entflammen. So will denn auch ich diese heilige Handlung mit dem Priez fter in gleicher Absicht feyern, daß mir die Religion Jefu immer liebenswürdiger und wichtiger werde; daß ich ſeinen Geist, und seine Lehren immer tiefer in mein Herz präge; daß ich immer mehr in d P 59 meinen guten Vorsätzen gestärkt werde; daß ich. das Böse, die Sünde, das Unrecht, zu welchem mich meine Schwachheiten und Leidenschaften manch mal noch fortreißen, immer mehr verabscheue, und alles Gute liebgewinne; daß ich ein wahrer und achter Jünger Jesu werde, in welchem sein Geist, sein Glaube, und seine Liebe zu allen Menschen durch gute Gesinnungen und Handlungen sich im mer mehr offenbare. Auch des herrlichen Todes Jesu will ich mich dabey erinnern; wie er als Menschenfreund die Wahrheit, die er lehrte, durch seinen schmerzvollen Tod versiegelte, und sich selbst dir, himmlischer Vater! zum Opfer für das Heil seiner Brüder darbrachte,( Hebr. 10, 10. 12). Dieses Opfer wird jetzt auf dem Altare von mir und allen Gläu bigen erneuert, und auf eine unblutige Weise vora gestellt. Eben derjenige, welcher am Kreuze sich so großmüthig für das Wohl der Menschheit opferte, ist auch jetzt, durch den Dienst des Priesters das Opfer und der Opfernde!*) Dies erkenne ich durch den Glauben, dieß belebt mein ganzes Vers trauen zu dir, o Gott! Dies stärkt meine Liebe, und alle meine guten Entschlüße! Wenn Jesus, um Licht und Wahrheit unter die Menschen zu verbreis ten,( Joh. 1, 9.) einen so rühmlichen Tod starb, so großmüthig sich aufopferte, wie theuer soll mir *) Trid. Kirchenr. XXII. Gis. K. 2. 66 nicht dieses Licht und diese Wahrheit seyn! Und wie follte nicht mein ganzes Leben ein Abdruck jener Lehre seyn, die der Lehrer mit seinem Tode als die achte Gotteslehre bestätigte. Was kann ich dir wohlgefälligeres opfern, o Gott! als den redlichen Vorsatz, den ich jetzt am Opfertische der Christen erneuere, immer nach Heiligkeit zu streben, immer zu thun, was meine Pflicht ist, immer Jefu Lehre und Beyspiel zu folgen, und mich solcher Gestalt selbst dir zum wohlgefälligen Opfer darzubringen, der du nicht an Brandopfern, und an dem Blute der Thiere, sondern an einem guten Willen, und redlichen Herzen Wohlgefallen hast,( Pf. 50, 16.) Amen. Zum Gloria. Ehre sey Gott in der Höhe, und Friede den Menschen auf Erden.( Luc., 2, 14.) Dies war der Zweck, warum Jesus Christus seine heil. Religion stiftete: die wahre Erkenntniß deines Wesens, o Gott! unter die Menschen zu bringen und die Menschen selbst durch sittliche Vorfchriften zur Aehnlichkeit mit dir, zu ihrer wahren Vollkommenheit und Glückseligkeit zu fühten. Dies ist also der Zweck, nach welchem ich streben muß; das ist der Geist des Evangeliums, mit welchem ich beseelt seyn soll dich, o Gott! 61 der du die höchste sittliche Güte bist, das Urbild aller Vollkommenheit, durch Tugend und Pflichts liebe zu ehren, und, indem ich aus allen Kräften nach Heiligkeit ringe, und dir, du heiligstes Wesen! ähnlich zu werden suche, auch jener Glückseligkeit mich würdig zu machen, die in Vereinigung mit Heiligkeit das höchste Gut des Menschen ist. Ehre sey Gott in der Höhe, und Friede dett Menschen auf Erden! so will ich denken, so spres chen, und so auch handeln, Amen. Beym Evangelium. Dank sey dir, o Gott! für alle jene schönen Lehren des Evangeliums, die ich in der Versamma Jung der Gläubigen, und bey dieser Feyer des Abendmahles vorlesen höre. O wie rührt mich die unnachahmliche Einfalt und Herzlichkeit der Era zählungen, in welche Jesus seine Lehren einkleidet! wie erquickt mich nicht der Trost, den mir seine Schilderung deiner Vater Güte, o Gott! und deiner Alles umfaffenden, liebreichen Vorsehung einfidßt! wie werde ich nicht durch seine darinn aufgezeichneten schönen Handlungen und besonders durch seine überall hervorschimmernde Menschenliebe gerührt! welch eine Stärke, und überzeugen= de Kraft ist nicht selbst in seinen Strafreden, die confund 62 PROCESS er gegen Gleißner und Werkheilige gebraucht, wenn fle anstatt Gott durch Tugend und Herzensgüte zu ehren, nur zum Scheine mit einigen Andachtsübungen und Bußwerken prahlen, und die Menschen und Gott zu täuschen glauben!( Matth. 15. Joh. 8, 44.) Dank sey dir, o Gott! für das heilige Evangelium. Ich werde dieses Buch aller Bücher, worinn deine fittlichen Gebote, und meine Pflich ten so schön, so kraftvoll, so vollständig aufgezeichnet sind, immer mit neuem Geschmacke lesen und lesen hören. Aber nicht ein bloßer, eitler Hdrer deines heiligen Willens und Gesetzes, sondern auch ein williger Befolger desselben will ich seyn; ( Jak. 1, 22.) denn nicht die da sprechen: Herr! Herr! sondern die den Willen meines Vaters thun, sagt Jesus,( Matth. 7, 21.) sind würs dige Mitglieder, und Genossen im Reiche Got: tes, Amen. 3 um Credo. Ohne den Glauben, fagt der heil. Paulus, ist's nicht möglich, Gott zu gefallen.( Hebr. 11, 6.) Aber o mein Gott! es wäre klein und abergläubisch von mir gedacht, wenn ich denken wollte, der Mensch würde dir, dem heiligsten, dem vollkommen. sten Wesen, schon gefallen, sobald er sich nur die 63 Mühe nimmt, eine Glaubensformel öfters herzus fagen, oder einigemal im Jahre aus seinem Gebeta buche eine Glaubenserweckung herunterzulesen. Es wäre thdricht, und dem Geiste des Christenthums ganz zuwider, wenn ich denken wollte, es sey schon ein hinreichendes Verdienst vor dir, o Gott! ein Verdienst, welches mich ewiger Belohnungen würe dig macht, alles das mit steifem Sinn zu glauz ben, was du geoffenbaret hast, und mich zwar mit ängstlicher Genauigkeit ganz an den Glauben der Kirche anzuschließen, aber ohne mich darum zu bekümmern, ob mein Leben mit meinem Glauben übereinstimmt. Watter Gen Nein, o Gott! so soll mein Glaube nicht bec schaffen seyn; ein so rechtgläubiger, und doch uns rechthandelnder Christ will ich nicht heissen; mit einem so todten, und unfruchtbaren, und unnüßen Glauben will ich meine Steligion nicht beschimpfen. ( Jakob. 2.) Jede Wahrheit, die ich durch dieVernunft, und das Evangelium erkenne, soll einfluß auf mein Leben haben; was ich meine Pflicht zu seyn glaube, will ich auch als Pflicht erfüllen. Der Glaube ist für mich ein Licht! aber was würde mir dieses Licht nüßen, wenn ich doch in der Finsterniß, das ist, auf dem Wege der Sünde wan= deln will?( 1. Joh. 1, 6.) Was ist der Glau be ohne Liebe, ohne freudige Ausübung meiner Pflichten? Hätte ich auch, sagt der heil. Paulus, einen so festen, so unerschütterlichen Glauben, daß 64 Ich Berge versehen könnte, hätte aber die Liebe nicht, das ist, die guten Werke, die Werke der Liebe nicht, die aus meinem Glauben, als einer lebendigen Quelle, hervorkommen sollen 0, so wäre ich doch nichts; ich könnte nicht die mindeste Hoffnung haben, durch einen so leeren und uns thätigen Glauben dir, o Gott! zu gefallen; ja ich hätte vielleicht( wie Jesus Christus von den Städ ten Korazin und Bethsaida sagt, Matth. 11, 21.) vor deinem Richterstuhle dereinst ein desto strengeres Gericht zu gewarten, je größer das Licht war, welches mir leuchtete, und je weniger ich zu meiner fittlichen Vervollkommnung Gebrauch davon machte. Amen. Beym Offertorium. Commen 1 Jetzt, D o mein Gott! da der Priester das Brod und den Wein in den Händen haltend, in seinem und aller Gläubigen Namen sich zu dir erhebt, dir unsere gemeinsamen Gebete und Wünsche darbringt, vereinige ich mich mit ihm und der ganzen Christengemeine, und opfere dir, was allein dir wohlgefällig ist, mein Herz, mit allen seinen Neigungen und Begierden. Aus dem Herzen, sagt Je= sus Christus, kommen böse Rathschläge, kommen Mord und Hurerey, und falsche Zeugnisse, und Diebstahl, und was die Menschen sonst Böses th 65 - thun( Matth. 15, 19.). S opfere dir dieses Herz, indem ich jetzt den festen und unerschüt terlichen Vorsak hege, nie nach dem blinden Antriebe desselben, sondern immer nach der Vorschrift deines heiligen Gesetzes zu handeln. Wenn mich auf einer Seite die Sinnlichkeit, oder der Zug unmäßiger Begierden zum Bösen anreißt, auf der andern Seite aber die Vernunft und das Evangelium auf meine Pflicht aufmerksam macht: so will ich nie meinem Herzen, diesem blinden Führer, sondern meiner durch die Religion érleuchtéten und gestärkten Vernunft folgen. Nicht was meinen Sinnen angenehm ist, was meinen Neigungen schmeichelt, was meine therichten Wünsche und Triebe befriedigt, nicht was mein Herz will, werde ich thun, sondern was ich als sittlich gut, als recht, als mit deia nem Gefeße, o Gott! übereinstimmend erkenne, das will ich von nun an thun, das vor allem fuchen und lieben. Meine Glückseligkeit selbst werde ich nie mit Hintansehung irgend einer Pflicht zu befördern trachten, eingedenk jenes göttlichen Ausspruches: sucher zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit, befleisfet euch eines gerechten, nüchternen und Gott gefälligen Lebenswandels; das übrige, was ihr bedürfet, wird euch die Vorfehung zukommen lassen. ( Matth. 6, 33.) 5 D 66 Durch diese eines Christen würdige Gesinnungen, durch dieses redliche Opfer meines Herzens werde ich mich auch jenes viel höhern Opfers würdig bezeigen, welches Jesus Christus am Kreuße vollbracht hat, indem er den Tod des größten Menschenfreundes starb. Amen. Ste 3 um Sanktus. Heilig, heilig, heilig ist der Herr Gott Zebaoth! Himmel und Erde sind doll seiner Herrlichkeit.( Jesaj. 6, 3) So singen alle fromme Christen. Heilig! Heilig! ja, die höchste Heiligkeit selbst bist du, Herr Gott Zebaoth! Die höchste Vernunft, der vollkommenste Wille, und eben darum der Heiligste, der Anbetungswürdigste, der Gesetzgeber aller vernünftigen Geschyöpfe, welcher will, und nichts anders wollen kann, als daß wir mit Vernunft begabte Geschöpfe auch heilig und vollkommen zu werden uns bestreben, wie du selbst heilig und vollkommen bist! ( Matth. 5, 48. 1. Petr. 1, 16) Heilig, heilig bist du, Herr Gott Zebaoth! Du, der Anfang und das Ende, der Mittelpunkt und die Fülle aller Heiligkeit! durch dein ewiges Ge eß der sittlichen Güte knüpfest du 67 das Reich der Geister an dich, und lenkest alle Wesen zu dir, denen du Vernunft und Willen. eine mitgetheilet, und gleichsam dein Ebenbild gedrücket hast. Dein Wille ist unsere Heiligung!( 1. Thes fal. 4, 3) Diese Heiligung ist unsere Annäherung zu dir; je mehr wir uns durch sittliche Güte dir nähern, desto mehr nehmen wir auch an deiner Herrlichkeit Antheil; desto größer wird auchy das Maaß der Glückseligkeit seyn, wozu wir Anlage und Trieb in uns fühlen, und durch standhaftes Streben nach Heiligkeit auch Würs digkeit erhalten. Heilig, heilig bist du, Herr Gott Zebaoth! Himmel und Erde find deiner Herrlichkeit voll! Heilig sollen auch wir seyn, um deiner Herrlichkeit Mitgenossen zu werden. Amen. Bey der Wandlung. Am Abend vor seinem Leiden nahm Jesus das Brod in feine heiligen und ehrwürdigen Hånde, erhob dann feine Augen zu dir, o Gott! feinem allmächtigen Vater, dankte dir, und segnete das Brod, brach es, und gab's feinen Jüngern, sprechend: Nehmet hin und effet alle davon; denn dieß ist mein Leib." Meist 68 111 Auf gleiche Weise, nachdem das Abend: mahl vorben war, nahm er auch diesen treffe lichen Kelch in seine heiligen und ehrwürdigen Hände, und dankte dir, o Gott! und segnete den Kelch, und gab ihn seinen Jüngern, sprechend: Nehmet hin, und trinket alle daraus; ,, denn dieß ist der Kelch meines Blus tes, des neuen und ewigen Bundes; 92 ein Geheimniß des Glaubens, welches コラ für euch und viele vergossen werden "> wird, zur Nachlaffung der Sünden." So oft ihr ein Gleiches untereinander thut, thut es zu meinem Andenken. Indem jetzt der Priester diese merkwürdigen Worte ausspricht, so ist, nach dem Glauben der katholischen Kirche, deren Mitglied ich bin, nicht mehr Brod und Wein ist Jesus Chris stus selbst, unter den Gestalten des Brodes und Weines, wahrhaft und wirklich, auf dem Altare gegenwärtig. Er ist da als ein unbeflecktes und ewiges Opfer, und zugleich als ein reiner, unbe: fleckter Opferpriester, welcher sich selbst, wie ehemals am Kreuße, jetzt unter den Simbolen einer Speise und eines Tranfes dir, o Gott! seinem himmlischen Vater, durch die Hände, und den Dienst des Priesters darstellt! - Wohl ein unbegreifliches Geheimniß aber welches mich täglich aufs neue an jene wichtige Lehre erinnert, die schon Paulus seinen Schü - 69 lern zu Korinth so sehr an's Herz legte: ist nicht der gesegnete Kelch, den wir segnen, ein Bekenntniß unserer Theilnahme an dem Blute Chrifti? und das Brod, das wir brechen, ist es nicht eine öffentliche Erklärung unserer Gemeinschaft mit dem Leibe des Herrn? ( 1. Kor. 10, 16). Ja, o mein Gott! durch diese heilige Handlung, welche jeßt auf unsern Altären vorgeht, zeigen wir, und bezeigen aufs kräftigste, daß wir Schüler Jesu sind; daß wir uns zu seiner Lehre verpflichtet halten; daß wir Mitglieder jenes geifts lichen Körpers sind, dessen Oberhaupt Jesus Christus selbst ist( 1. Kor. 12. Ephef. I, 22); daß, wie wir an seinem Leibe und Blute theilnehmen, wir auch seinen Geist und seine Gesin: nungen annehmen müssen. Wir erneuern gleichsam dadurch unsern Taufbund und den damals gefaßten Entschluß, mit nie ermüdetem Eifer nach jener Heiligkeit und Lebensreinigkeit zu streben, die uns Jesus Christus in seinen vortrefflichen Reden und Handlungen vorgezeichnet hat. Wie er selbst ohne Sünde war( 1. Joh. 3, 5), ein heiliger unbefleckter Opferpriester, so sollen auch wir, die wir seinem reinen und heiligen Opfer beywohnen, alle Unreinigkeit verabscheuen und meiden; wir sollen von uns entfernen alle Berke der Finsterniß! nicht in Trunkenheit und Schwel gerey, nicht in unreinen Begierden und Werken ceng 70 - MAYLORUS der Unzucht, nicht in Zank und Feindschaft und Eifersucht soll unser Leben sich verzehren, sondern anziehen sollen wir von nun an Jesum Chris stum, seine Liebe, seine Weisheit, seinen Eifer für alles Gute!( Galat. 3, 27) Wir leben ja in Gemeinschaft mit ihm, dem Reinsten und Hei ligsten unter den Menschen! wir sind gleichsam in einen geistlichen Leib mit ihm als dem Haupte verwachsen, mit welchem alle Glieder so verbunden und verkettet sind, daß der ganze Leib, vermittelst der Verbindung dieser Glieder, deren jedes dem andern nach dem Maaße seiner Kräfte Saft und Nahrung mittheilt, auch gegenseitig fein Wachsthum erhält, und durch die Liebe immer mehr ausgebildet und vervollkommnet wird. ( Kolos. 2, 19). Wer, o mein Gott! an Jesu Leib und Blute Theil nimmt, darf nicht mehr, wie die Menschen, die kein anderes Gesetz als ihre aus fchweifenden Begierden und Leidenschaften er kennen, in Leichtsinn und Thorheit dahin leben. Sene sind fern von den großen Gesinnungen, mit welchen Christus seine Jünger begeistert. Ihr Herz liegt in der tiefsten Unwissenheit und ganzlicher Gefühllosigkeit. Sie haben sich, unempfindlich gegen die Schläge des Gewissens, den niedrig: sten Wollüsten ergeben, und fröhnen täglich der feilen Unzucht. Aber wer einmal am Tische des Herrn das Brod der Starken genossen hat, 71ist auch dadurch verpflichtet, seiner ganzen vorz maligen sündhaften Lebensart zu entsagen, und im Gegentheile solche hohe und heilige Gesinnungen und Grundfäße anzunehmen, wodurch er zu einem beffern Menschen umgewandelt, wahre ächte Un= schuld und Frömmigkeit an sich blicken läßt. ( Ephef. 4, 22-24). Ich würde, o mein Gott! das Opfer schån= den, welches jetzt auf dem Altare vollbracht wird, ich würde den Leib und das Blut Christi zu einer gemeinen Speise herabwürdigen, wenn ich mit andern Gedanken und leberzeugungen dabey zu= gegen wäre, als die mir meine hohe Verpflichtung zur Tugend, und zu einem reinen, gottgefälligen Lebenswandel in Erinnerung bringen. Ich würde unter den åchten Schülern und Jüngern Jesu bey dieser so schönen, begeisterungsvollen Handlung, wie jener treulose Jünger, als der unwürdigste Heuchler erscheinen, wenn ich in meinem Herzen noch eine niedrige Leidenschaft des Hasses, der Unzucht, des Stolzes, und dergleichen Platz geben, und da ich meine innige Gemeinschaft mit Jesu äußerlich durch Worte und Gebehrden bezeuge, innerlich von dieser seligen Gemeinschaft mich gleichs sam lossagen, und auch nur einem jener niedrigen Laster fröhnen wollte, die das Christenthum so feyer: lich verdammt, und so unbeschränkt allen seinen wahren Bekennern verbietet. Amen.( Hebr. 13, 4. 1. Petr. 3, 5. Rom. 12. 1. Kor. 6, 9. 10.) 7.2 SIDE Bey der Communion, Ich sehe, o mein Gott! wie jetzt der Priester unter heiligen Gedanken und Empfindungen Jefum Christum, das reine und unbefleckte Opfer des neuen Bundes, in sein Herz aufnimmt, wie er feine Seele mit der geistlichen Nahrung des wahren Leibes und Blutes unsers Herrn Jesu stärkt und belebt! Ich und alle anwesenden Glaubigen sollten, nach dem Geiste der ersten Einsetzung dieses Liebesmahles, auch zum Tische des Herrn hinzunahen, und an der geheiligten Speise Theil nehmen. Aber nach strenger Prüfung meines Herzens wie fühle ich nicht meine Unwür: digkeit, und den großen Abstand zwischen dem, was ich nach den Vorschriften meiner Religion feyn sollte, und was ich wirklich bin! Daher muß ich, wie jener reuige Sünder,( Luk. 18, 13) nur gleichsam in der Ferne stehen bleiben, und in dem Bewußtseyn meiner täglichen Fehler und Schwachheiten zu dir, o Gott! rufen: Herr! fen gnädig mir armen Sünder. Aber diese Empfindung meiner Unwürdigkeit, die mich jetzt vom Tische des Herrn zurück hålt, soll nicht meinen Muth schwächen, nicht das Gefühl in mir ersticken, daß ich mich bessern kann, sobald es mein ernstlicher Wille ist. Ich s march 73 fühle in mir jene hohe sittliche Freyheit, mit welcher ich die Fesseln aller meiner Schwachheiten und Lieblingsfehler, sobald ich Ernst und Willen habe, zertrümmern, und mich zur Tugend, dem Ziele meiner irdischen Bestimmung, emppre fchwingen kann! Wir strauchein zwar alle, und auf mannigfaltige Weise; aber der nur ist ein Sklave seiner Fehler, welcher es freywillig seyn will, und diese niedrige Sklaverey jener herrlichen Freyheit der Kinder Gottes vorzieht, in welcher man das Böse scheut, weil es böse ist, und Gutes thut, weil es gut ist, durch seinen innerlichen Werth Achtung und Liebe verdient, und von der Pflicht empfohlen wird. Selbst die Empfindung meiner Unwürdigkeit, die mich vom Tische des Herrn zurückhält, foll meine sittlichen Kräfte aufregen, soll den Muth in mir verdoppeln, gegen alle Antriebe der Sinnlichkeit, gegen alle Lüste und Reisungen, die dem Gesetze Jesu und meiner Vernunft zuwi der sind, zu kämpfen und zu ringen, fest überzeugt, daß, wenn ich meiner Seits thue, was in meinen Kräften liegt, deine höhere Hülfe und Unterstützung, a Gott! mir nicht ermangeln werde. Wenn ich so denke und handle, so denke ich als ein würdiger Schüler Jesu! so handle ich ganz nach seinem Evangelium, und nach sei= nem Beyspiele, so werde ich immer enger mit 74 ihm vereinigt, immer würdiger jenes Liebesmahles, an welchem nur edle, für die Tugend begeisterte Seelen, ohne den Vorwurf ihres Gewissens befürchten zu müssen, Theil nehmer können. Amen. Am Ende der heil. Messe. Die heilige Handlung, mit welcher sich der Prie: ster, umringt von andächtigen Christen, bisher bea schäftigte, ist vollendet! o möchte doch der wohlthätige Entzweck davon nie aus meiner Seele verschwinden! möchten doch die heiligen Gedanken und Betrachtungen, die sich meinem Geiste dabey dars boten, wie jener evangelische Saame, der in ein gutes Erdreich fiel, hundertfältige Früchte tragen, und zu den schönsten Handlungen einer uneigennützigen Tugend, und einer großmüthigen Men= schenliebe auffproffen!( Luk. 8, 15.) Ich bin ein Christ, o Gott! und freue mich dieses Namens. Ich habe dem Opfer und Liebesmahl der Christen beygewohnet und fühle mich durch diese herrliche Stiftung erhaben und begeis stert! so will ich dann auch seyn, was ich heisse: ein wahrer Christ, würdig seines Lebens und seis ner Lehre, welche die Bewunderung der Welt, und selbst seiner Feinde verdient haben. 75- W 16 Ein wahrer Christ will ich seyn, o mein Gott! nicht mit vielversprechenden Worten, die oftmals wie leere Feigenblätter, nur den Mangel guter Handlungen bedecken;( Mark. II) nicht durch Glaubensformeln nur, welche daher zu sagen, und tausendmal zu wiederholen, so gar keine Mühe kostet- nein, nicht ein solcher, mit Worten prahlender, und mit Glaubensformeln verdammender Chrift wie könnte ich als solcher vor meinem Meister und Herrn erscheinen? ein wahrer 11 Christ, o mein Gott! will ich seyn, will ich ans ganzem Herzen, aus allen meinen Kräften mich bestreben, zu seyn. Wie Jesus Christus gedacht, wie er gesprochen und gehandelt hat, so will auch ich denken, sprechen und handeln! wie er unter feinen Zeitgenossen umherwandelte, und allen Gu tes that,( Apostelg. 10, 38.) auf's beste, und aus den besten Absichten that; so will auch ich unter meinen Mitmenschen als Menschenfreund erscheinen, und so viel Gutes um mich her verbreiten, als meine Kräfte vermögen; wie er immer den Willen seines Vaters im Himmel zu vollziehen bec schäftiget war,( Joh. 4, 34. K. 6, 38.) so will auch ich diesen göttlichen Willen zur ersten, vornehmsten, und einzigen Nichtschnur meines Lebens machen. Wie er seine Feinde mit großmüthiger, und alle Frrenden und Schwachen mit schonender Liebe umfaßte,( Luk. 23, 34.) so will auch ich nicht nur Freunde und Wohlthäter-das thur: auch 776 die Heiden sondern alle meine Widersacher lieben, gerne die Beleidigungen vergeben, die Schwachheiten der Menschen ertragen, die Frrenden dulden, die Dürftigen unterstüßen.( Matth, 5,47.) Jesus Christus soll in meinen Gesinnungen, in meinen Worten, in meinen täglichen Handlungen herrschen.( Gal. 2, 20. I. Joh. 2, 6.) Sein Geist lebe und webe in mir! Diesen ſe ligen Entschluß, den mir das Bekenntniß des Chris stenthums zur Pflicht macht, den mir die heilige Abendmahlsfeyer so oft in Erinnerung bringt, nehme ich aus dieser frommen Bersammlung mit mir, und er foll die Seele aller meiner Wirksamkeit in dem Kreise meines Verufes seyn. Ein wahrer Christ, ein edler Jünger Jesu, ein getreuer Nachfolger meines Religionsstifters zu werden- dieß sey meine Lust, mein Entschluß, mein theuerstes Bestreben! Amen. AT JOAN > Beichtgebete. Es ist kein Zweifel, daß das Beichtgericht von vortrefflicher Wirkung für die Christen seyn könnte, wenn sie in den wahren Geist desselben eindrängen, und durch zweckmäßiges Benehmen dabey die 26ficht der Einfeßung desselben unterstützten. 11 77 Wer aus seinen Beichten allen geistlichen Vortheil ziehen will, den er daraus ziehen kann und soll, muß erstens einen Beichtvater wählen, gegen welchen er, seiner Einsichten und Rechtschaffene heit wegen, eine wahre Hochachtung hegen kann. Er muß ihn als seinen besten und liebreichsten Freund betrachten, dem er alle geheimen Falten und Irrgånge seines Herzens aufdecken, alle seine Schwachheiten offenbaren, den er mit dem gan= zen Triebwerke feiner Leidenschaften und Lieblingsfehler bekannt machen darf. Er muß in ihm den Arzt und Rathgeber verehren, der die Kranka Heiten seiner Seele untersuchen, seine Verirrungen vom Wege der Tugend beurtheilen, und ihm die Mittel zeigen kann, wodurch seine Seele geneset, und er auf die rechte Bahn des Heils zurückgeführt wird. Er muß zweytens eine strenge Selbstprüfung mit sich vornehmen- nicht nach einer Musterkarte von ausgewählten Sünden, die den Gebetbü chern einverleibt ist, sondern nach jenen ernsthaften und besondern Betrachtungen, die er täglich über Selbstsich selbst zu machen Gelegenheit hat. prüfung führt zur Selbsterkenntniß; und Selbst: erkenntniß ist der einzig mögliche Weg zu einer welche der gründlichen Besserung des Lebens, Wer Zweck des christlichen Beichtinstitutes ist. sich selbst prüft, wird bald wahrnehmen, welche Gegenstände von aussen mächtiger auf sein Gemüth wirken; welche Scheingüter ihm am meisten ges 78 fallen; welche Neigungen seines Herzens die meiste Gewalt über seinen Willen ausüben; welche Gelegenheiten ihn zu den meisten Fehltritten verleitet haben; an welche Menschengattung er sich am liebsten an schließt, und welchen Freunden er durch Nachahmung ihrer Grundsätze und Handlungen am ähnlichsten zu werden sücht; durch welche Schritte und Uebereitungen in ihm endlich eine eiserne Gewohnheit der Sünde, die seinen besten Entschlüs sen, und seinem oft wiederkehrenden Sinne für Tugend troßt, entstanden ist? Wer sich selbst prüft, wird bald die herrschende Maxime all seines Thuns und Strebens wahrnehmen; er wird unfehlbar den ganz eigenen Karakter seiner Aus schweifungen, und die wahre Tendenz seines Her zens zu dem, was ihm besonders angenehm und wünschenswerth ist, ergründen. Endlich wer sich selbst prüft, wird bald die Unlauterkeit dieses Herzens ausforschen, vermöge welcher er oftmals zwar thut, was die Pflicht gebeut, aber nicht, aus alleiniger Achtung für die Pflicht, sonder vielmehr, um die geheimen Absichten des Herzens felbst durch pflichtmäßige Handlungen zu erreichen. Allein wer sich selbst nicht auf solche Weise prüft, nicht alle Tiefen seines Herzens gleichsam durchwühlt, der mag wohl beichten, wie Tausende beichten, aber eben so zweck und sinnlos, als Tausende! Wahre Selbsterkenntniß führt den. Menschen jur Demuth vor Gott und den Menschen, oder 79 1 zur richtigen Selbstschätzung; und diese muß bey dem Anblicke so vieler Fehler und Schwachheiten, denen wir unterworfen sind, wahre Reue, und einen redlichen Entschluß, uns zu bessern, in uns erzeugen, wenn anders nicht alle Achtung für das Geset, und alles Gefühl für Sittlichkeit in uns erstorben ist. Dieß ist der dritte Punkt, von welchem die Nutzbarkeit des Beichtwesens abhängt. Aeltere Moralisten haben die Beichte zu einer so mechanischen Handarbeit, wenn ich so sagen soll, herabgewürdiget; sie haben den Menschen, dem Gott ein hohes Antlig, und Fähigkeit, zum Himmel emporzuschauen gab,*) so tief in den Koth der Erde versenkt, daß sie es für hinreichend erklärten, wenn er nur eine knechtische Reue über seine Sünde erweckte, und durch die Betrachtung der Strafruthe von seinen Fehlern zurückgeschreckt würde. Es war großer Kampf der bessern Theologen nöthig, um auch noch den mächtigen Grundsatz aufrecht zu erhalten, daß keine Reue über die pünden hinreichend sey, welche nicht einigermaßen durch die Liebe zu Gott beseelt würde. Ja, wer die Beichte als ein Mittel seiner Besserung gebrauchen, und diese treffliche Anstalt des Christenthums nicht mit abgestumpftem Skla: vensinne mitmachen will, muß seine Sünden vera * Os homini sublime dedit, caelumque tueri jussit, et erectos ad sydera tollere vultus. 5444 80* abscheuen aus Liebe zu Gott, aus Achtung für die höchste Heiligkeit dieses unendlichen Wesens, öder, was eben so viel sagt, aus Achtung für das Sittengeset, welches er verletzt hat, aus Gefühl für seine Pflicht! Er muß sich emporschwingen zur Höhe und Würde seiner Natur, in den Kreis jener sittlichen Vernunft, die allein, wenn er ihs ren Anforderungen Genüge leistet, seinem Leben Werth und Würdigkeit verschaffen, und seinen Geist veredlen kann. Er muß Neue fühlen, die aus dem Abscheu vor der Knechtschaft entsteht, in die ihn die Sünde stürzt;( Röm. 7, 14.) dann wird die Ueberzeugung von der Nothwendigkeit, sich zu bessern, der Entschluß, nach der allein guten Maxime( Anleitung) des Sittengesetzes zu handeln, ein wahrer, würdiger Mensch zu werden, und dem Höchsten Ideale der Heiligkeit, Gott durch Nachahmung sich immer mehr zu nähern, von selbst nachfolgen. Umsonst beichten wir, wenn nicht diese edle Reue uns zum Beichtstuhle beglei tet, wenn nicht unsere Liebe zu Gott, und mit dieser die Liebe zu unsern Pflichten wächst; wenn nicht der Vorsak, besser zu werden, auf den edelmüthigen Abscheu vor sittlicher Knechtschaft ges pflanzt wird. Die vierte Pflicht des Beichtenden ist, sorgfältig mit sich selbst zu Rathe zu gehn, wie er die Fesseln seiner vielleicht langwierigen bösen Gewohnheiten zerbrechen, wie er der bisherigen Herre 81 Herrschaft seiner Neigungen Abbruch thun, und feine moralischen Kräfte immer mehr verstärken, kurz, wie er seinen gefaßten Entschluß der Besfes rung auch in Erfüllung bringen könne! Er bes trachte ja in dem Beichtvater nicht nur den strengen Richter, dem er jede seiner Sünden ängstlich zergliedern, die Zahl, Umstände und Grade mit kleinfügiger Weitschweifigkeit berechnen müsse*); er sehe ihn vielmehr als einen Engel des gutent Rathes an, welcher den Gang und die Verkettung seiner Schwachheiten vielleicht noch heller und unpartheyischer, als er selbst, beurtheilen, und und ihm mit freundschaftlicher Theilnahme jene Mittel vorzeichnen wird, die ihn bald und sicher zum Ziele seiner Besserung führen können**). O! wer einen solchen Freund hat, kann nicht lange auf dem Irrwege bleiben; und wer tm Ernste will und sucht, wird auch diesen Freund unfehlbar finden. Seine Besserung ist nicht das Werk eines Tages; er muß ihn daher öfters befuchen, er muß ihm seine neuen Erfahrungen auf dem Wege, den er wandelte, treulich mittheilen, und seine Rath. schläge mit willigem herzen aufnehmen und befolgen. *) S.Handb. d. christl. Rel. 3ter Bd. S. 164. **) S. deutsches Brevier, 3ter Bd. S. 438 2c. Dies ses vortreffliche Buch, und nicht weniger das Schwarzsche Religionshandbuch, Werke, auf die das fatholische Deutschland mit Recht stolz ist, sollte in jedem Hause angetroffen werden, wo man gründliche Kenntniß der Religion und wahre Frömmigkeit liebt. 6 82 GAUM- REISE Aber wie niederschlagend ist es für den vernünftigen Beichtvater, wenn er sieht, daß sein Beichtkind nichts, als die unbedeutende Buße, die ihm nach einem allgemeinen Maßstabe auferlegt wird, mit sich aus dem Beichtstuhle davon trägt, und daß er sein ganzes mechanisches Beichtwerk vergißt, sobald diese( ganz uneigentlich so genannte) Buße durch das Dahersagen einiger Gebete abgethan ist! Wo die Beichte aufhört, muß die Bes ferung anfangen. Dieß ist die fünfte und legte Bedingniß einer zweckmäßigen Beichte. Gits Die Beichte ist eine Religionshandlung, der man sich aus Ueberzeugung unterwirft, daß sie ein wirksames Mittel zu unserer sittlichen Vervollkomm nung fey. Sollte dieß nicht bey jedem Beichtenden den richtigen Begriff seines wichtigen Vorha= bens voraussetzen, und daß es dabey auf etwas mehr angesehen ist, als auf langweiliges Sündenbekennt: niß, und auf einige allgemeine Formeln, mit welchen der Beichthdrende und Beichtende sich wechsels: weise quälen? Besser eine einzige Beichte im Jahraber nach dem bisher vorgezeichneten Plane vere richtet- als hundert im Jahre, nach dem gewöhne lichen Zuschnitte, ohne Frucht, und ohne Wirkung, die weiter als über den Augenblick des Beichtens hinausreicht. Wer beichtet, verrichtet ein lang wieriges Geschäft, wovon die Beichte selbst nur der Anfang, die Folgen aber durch eine gänzliche Umwandlung des Lebens außer der Kirche im Kreise POD 63 WAR seiner Familie und seines Berufes allmählig sichte bar werden müssen. 3 62 Daher sind im Durchschnitte alle jene Beichten von zweydeutigem Erfolge, wo der Beichtende feis nen Beichtvater nicht tennt, und also für ihn keine andere Achtung hegen kann, als die ihm sein geiße licher Stand einflößt; wo auch der Beichtende nicht gekannt ist, und selbst durch sein Hinübers schlüpfen über die schwierige Seite seines Herzensalle Erkenntniß seiner Fehler dem geistlichen Agte erschwert. Daher sind jene Beichten for unzuvers läßig, wo die Beichtlinge, angelocht durch einen Ablaß oder eine kirchliche Feyer, zu Hundertert und Tausenden dem Beichtstuhle zuströmen, sich wechselsweise beynahe erdrücken*), und den Beicht vater durch ihre Menge und Abwechslung in die Unmöglichkeit versehen, vernünftige, dem Seelena zustande jedes Beichtenden angemessene Stathschläge zu ertheilen, wo dann die Kirche vielmehr einelt Jahrmarkte gleicht, als einem stillen und feyerlichen Aufenthalte, in welchem ein Freund über das Wichtigste, über das Einzige, was Noth is, ( Luk. 10, 41) über seine fittliche Lage, mit einein erleuchteten und rechtschaffenen Freunde fich bespridi, ihm Offenherzigkeit bezeigt, und von ihm Redliche keit hofft; ihm seine Schwachheiten aufdeckt, und von ihm Muth und Stärke, dieselben zu besiegen, *) Besonders an Wallfahrtsorten. 84 und reife Rathschläge erwartet, ihnen vorzubeugen. Doch wer wollte alle jene Ungereimtheiten, Mißs bräuche, falschen Begriffe und Selbstbetrüge der Beichtlinge nahmhaft machen, durch welche das Beichtgericht seine Würde, seinen Einfluß, und seine ganze Zweckmäßigkeit verliert! MAMLA O Wer sich keiner großen Verbrechen, keiner verderblich und allgewaltig herrschenden Leidenschaft, keiner Gewissen und Bernunft höhnenden Gewohnheit bewußt ist- auch er kann das Beichtsakrament mit vielem Vortheile gebrauchen, theils um die. Gebrechlichkeit seines Herzens in täglichen kleinen Fehltritten immer genauer zu beobachten, theils um durch eine viel unpara theyischere und genauere Beurtheilung seines sittlichen Zustandes von Seite seines Beichtvaters, aller selbst in die redlichsten Seelen einschleichenden Selbsttäuschung vorzubeugen, theils auch, um durch öftere Erneuerung seiner Entschlüsse und Gesinnungen seine fittliche Kraft zu erhöhen, und die Herrschaft des Gewissens über die Sinnlichkeit zu befestigen, und es wird an ihm wahr werden, was dort geschrieben steht:( Offenb. Joh. 22, 11) Wer gerecht ist, wird noch gerechter werden, und wer heilig ist, wird noch an Heiligkeit wachsen. 85 F Gebete vor der Beichte. I. Bitte um den göttlichen Beystand. Bey dem großen Geschäfte, welches ich jetzt vorhabe, meinen Seelenzustand zu prüfen, die Fehl: tritte und Ausschweifungen, in welche ich aus Mane gel der Wachsamkeit über mich selbst so oft verfalle, in ihrer Quelle aufzusuchen, und in ihren bösen Folgen zu beherzigen, und eine gründe liche Besserung meines Lebens, eine wahre Sinnesänderung vorzunehmen bey diesem großen und wichtigen Geschäfte wende ich mich vor allem zu dir, o Gott! dem Bater der Lichter, von wel chem jede gute Gabe herabkömmt!( Sat. 1, 17. 1. Pet. 5, 10.) In deiner heiligen Gegenwart, un ter deinem göttlichen Beystande, und geleitet durch die Wahrheit des Evangeliums, ermuntert und ges stärkt durch den Aufruf Jesu und seines Vorläu fers: bringt würdige Früchte der Buße!( Matth.3, 8.) will ich jetzt in mein Innerstes hineinsteigen, die Tiefen meines Herzens mit der Fackel deines Bortes beleuchten, einem ehrwürdigen Freunde und Rathgeber meines Gewissens die Gebrechen desfela ben aufdecken, seine warnende und belehrende Stim: me mit Ernst und Wahrheitsliebe anhören, und - 86 wenn jemals; gewiß jekt eine des Christenhums würdige Beichte ablegen, eine Beichte, welche den Sinn und Geist des Evangeliums in mich verpflans zen, die Liebe zur Tugend in mir erneuern, und den ernsten Entschluß, ihr mit ganzer Seele nach: zustreben, zur Wirklichkeit zur Reife bringen foll! 16 wil Cressy piacon II, Ernst der Besserung. Aber wie oft habe ich schon diese heiligen Ans regungen zum Guten gefühlt! Bey jeder Beichte, o mein Gott! erkannte ich die Wichtigkeit, die Nothwendigkeit einer gänzlichen Lebensbesserung. Tausendmal stiegen in meiner Seele gute Gedanken und Entschlüsse auf! Wie oft hörte ich nicht die Stimme des Gewissens, welches mich, wegen meiner täglichen Uebertretungen, wegen den Leicht: sinne, mit dem ich über das ernste Geschäfte meiner Sinnesänderung hinwegeilte, wegen meinen Rückfällen, die meinen unkräftigen Vorsätzen, wie auf dem Fuße nachfolgten, vor mir selbst verklaga te! Wird vielleicht meine gegenwärtige Beichte eben fo traft: und fruchtlos vorübergehen? Freylich fühle ich, wie schwer es ist, gegen die Neigungen des Herzens zu kämpfen, welches so lange im Be fihe der Herrschaft über mein besseres Ich war! ▬▬▬▬▬ 1 87 Oftmals habe ich schon das Gute erkannt, oftmals die Tugend liebgewonnen, aber dieses Aufstreben zum Guten wurde durch die Gewalt sinnlicher Bea gierden, durch den Druck einer langwierigen Ge wohnheit wieder zernichtet! Ich wollte das Gute, was ich nicht that; ich that wieder Bises, nas ich nicht wollte! Mein Leben wechselte zwischen edien Entschlüssen, und unedlen Werken, und selbst zwischen guten und bösen Handlungen ab! Und der Grund von diesem immerwährenden Hin- und Herschwanken zwischen der Sünde, die ich that und verabscheute, und der Pflicht, die ich liebte und fürchtete-- was war er anders, als die thörichte Vorstellung von einem traurigen Leben, melches mit der Ausübung der Pflicht, mit der Rückkehr zu einer standhaften Tugend verknüpft wäre? Ich glaubte- und wie tief war nicht die: fer Glaube in alle Vorspiegelungen meines Herzens verwebt, daß die Pflicht mich in eine Welt voll Leiden führe, daß sie mich aller Freuden des Les bens beraube, daß sie mit Tage der Verleugnung bereite, vor welchen die Sinnlichkeit erbebt und spricht: sie gefallen mir nicht. Ich Thor! der ich nicht einfah, daß die reinsten Freuden mit einem ruhigen Gewissen, mit dem stillen Bewußt: seyn guter Handlungen verknüpft sind; daß mit jedem Siege über meine Lieblingsfehler Ruhe und Heiterkeit, und neues freudiges Vertrauen auf meine sittliche Kraft in meine Seele sich ausgießt, ww 88 und daß die öftere Ausübung der Pflicht felbst Liebe zur Pflicht, und Freude am Guten er: zeugt. III, Sinnesänderung. Ich will also eine gänzliche Sinnesänderung in mir vornehmen, und o mein Gott! weit sey es von mir, mich selbst in diesem eben so nothwendigen als weitläuftigen Geschäfte zu täuschen. Sinnesänderung! o welch ein vielbefassendes Wort. Nicht nur einige gute Gedanken und Ueberlegungen, mit welchen ich diese Stunde meiner kirchli chen Andacht ausfülle, reichen hin, das Maaß dieses Wortes zu erschöpfen. Nicht nur einige gute Handlungen drücken diese Herzensumwälzung aus, Handlungen, welche ich, wie Herodes,( Mark. 6, 20.) gleichsam als ein Lösegeld anbiete, um das, was meinem Herzen das liebste ist, zu, retten, und bey dem Scheine der Besserung, die Gegenstände meiner Neigungen noch in Sicherheit zu setzen. Nicht nur eine Besserung wird von mir gefordert, welche den allernächsten Tagen nach) meiner Beichte einigen Schimmer der Frömmigkeit giebt, aber sich bald in die alte Dunkelheit meines fittlichen Verderbens verliert! Alles, was dem Gefeße der Sittlichkeit in mir zuwider ist, soll fortgeschafft werden; kein Lieblingsfehler darf Schotorsio 89 wag nung oder heimliche Begünstigung erhalten; und die Standhaftigkeit, mit welcher ich dem erkannten sittlichen Guten anhange, foll es beurkunden, daß meine Sinnesånderung dieses Namens würdig sey. Ich soll den Sinn und die Denkart Jesu, meis nes heiligen Religionsstifters, mir eigen machen. ( Rom, 13, 14.) Wie er über sinnliche Lüste, über die vergånglichen Güter dieser Welt gedacht hat, soll auch ich denken; wie heilig ihm der Wille fei nes himmlischen Vaters war, welchem alle zeitlichen Rücksichten weichen mußten, so soll auch mir die ser göttliche Wille, und das darauf gegründete Gefühl meiner Pflicht heilig seyn, und über alle Rathschläge, Begierden und Handlungen herrschen. Eine neue Triebfeder, Achtung für das Sittenges feß, soll in das Uhrwert meines thätigen Lebens eingefügt werden, und die Marime, überall nur meiner Pflicht zu folgen, und ihr alle meine Neigungen, all mein Sterben nach Glückseligkeit, alle übrigen Rücksichten, nach welchen wir sonst zu handeln pflegen, unterzuordnen, diese einzige, hochehrwürdige, durch meine Vernunft gerechtfertigte, durch das Evangelium geheiligte Marime foll meinen ganzen Sinn ausfüllen, meinem Herzen unumschränkt gebieten, und aus allen meinen Handlungen wiederstrahlen. IV. is Sittliche Freyheit. Ich kann mich, o Gott! zu dieser Höhe emporschwingen! Ich kann es; denn ich bin ein Mensch, ein freyes Geschöpf, mit Vernunft und Willen begabt, ein Ebenbild deines göttlichen Wefens, mit Kräften zum Guten ausgerüstet, und von deinem heiligen Beystande, wenn ich von mei: nen Kräften den besten Gebrauch mache, durch das Evangelium deines Sohnes überzeugt. Keine Neigung, welche mich zum Bösen fortstößt, ist mir unüberwindlich; kein Blendwerk, mit welchem die Scheingüter dieses Lebens meine Vernunft um: nebeln, ist undurchdringbar; keine Reißung, wel che durch die Sinne in meine Seele eindringt, und meine guten Vorsätze zu erschüttern sucht, hat unwiderstehliche Kraft; ich kann die stärksten Fesseln der Sünde und bösen Gewohnheiten zertrümmern; ich kann selbst meine Lieblingsfehler, welche sich in meinem Herzen, wie in der stärksten Schußwehre verbergen und vertheidigen, besiegen, und aus ihrer lang behaupteten Beste verdrängen. Ich kann es, wenn ich will. Ich kann es, o Gott! in dir und durch dich, der meine redlichen Vorsätze starket, und meine guten Gesinnungen durch seine heiligen Einflüsse befestiget.( 2. Kor. 3, 5.) Tausende vor mir haben es gekonnt; haben mit ihrer moralischen Kraft under der Verläugnung ges de 91 und uns wirkt; haben sich von ihrem sittlichen Verderbenvon einem, weit tiefern Verderben, als das meinige ist zu einer Höhe der Sittlichkeit emporge: fchwungen, auf welcher sie unsere reinste Berehrung und Bewunderung verdienen, durch ihr edles, begeisterndes Beyfpiel die Möglichkeit eines Weges zeigen, den wir mit ihnen und allen vernünftigen Wesen gemeinschaftlich wandeln follen, auf welchem sie mit heroischem Muthe vorausgiengen, und jetzt unsere Schritte durch Lobs sprüche beflügeln, wenn wir ihnen folgen, oder durch Vorwürfe anfpornen, wenn wir ermüden, V. Selbstprüfung, oder Erforschung des Gewissens. Das Erste, was ich nun zu thun habe, der Grundstein des neuen Gebäudes, welches ich jetzt aufzuführen gedenke, ist eine strenge Prüfung meiner selbst. Wenn wir uns selbst richteten, sagt uns ein heil. Apostel,( 1. Kor. 11, 31) so würden wir nicht in deine Richter: Hände fallen, o Gott! Dieser Ausspruch zeigt mir die Nothwendigkeit an, mit mir selbst in's Gericht zu gehen, aber auch die strenge Unpartheylichkeit, die ich dabey handhaben soll. Oftmals schon habe ich mich geprüft; aber ich 92 wenbete meine Augen auf die Seite, um nicht zu sehen, was ich nicht bessern mochte. Ich war streng, wo es mich keine Mühe, keine Verläugnung kostete, aufzuräumen; ich war gelinde, wo es mir wehe that, mich schuldig zu finden. Wirst du, o Gott! auch so parthenisch für den Sünder seyn, am Tage deines Gerichts, wie er felbst in den Tagen seiner noch möglichen Beffe: rung ist? Wirst du wohl einen andern Maßstab feiner Beurtheilung annehmen, als die Heiligkeit, die du ihm zum Ziele seines Ringens und Strebens vorstecktest, und den Umfang seiner Pflichten, die ihm seine Vernunft und das Evangelium mit so hellen, unzweydeutigen Zügen vorzeichneten? So will denn auch ich bey dem Gerichte, welches ich über mich halte, und bey der Prüfung, welcher ich mein Herz unterwerfe, diesen Maßstab, diesen einzigen Maßstab meiner Gesinnungen und Handlungen, gelten lassen. Wie du dereinst richten wirst, o Gott! so will ich mich felbst richten. Wie du Herzen und Nieren der Menschen erforschest, wie du alle Heimlichkeiten des Gemüthes an's Licht hervorziehest, so will auch ich dem Verborgensten nachspüren, und es aus der Finsterniß, welche die Eigenliebe darüber ftreuet, mit schonungslofer Strenge hervorziehen. ( Hier folgt Prüfung seiner selbst nach dem oben gegebenen Unterrichte.) - Pred O um 93 VI. Nach der Selbstprüfung, oder Gewif senserforschung. Wenn ich, o Gott! was mir der strenge Blick in mein Herz kund gemacht hat, zusammenfasse, was finde ich anders, als daß ich noch immer unter der Uebermacht der Sinnlichkeit stehe, daß das Herz, anstatt das Gesetz der Vers nunft überall zu ehren, der Vernunft Gefeße vorschreibe, und die rechtmäßige Gebieterin der Geister zur Dienerin der Neigungen herabwürdige! Ich finde überall die traurigen Spuren jener Gea brechlichkeiten an mir, die selbst bey der lebhafte= sten Erkenntniß des Guten, selbst bey aller Liebe und Achtung für das Gute, in eben dem Augenblicke, wo ich theure Vorsäße der Tugend auss spreche, mich verleitet, daß ich schlimme Werke der Begierlichkeit vollbringe. Mein Geist heißt mich das Gute wählen, Sehnt sich, o Gott! so heiß nach die; Allein das Fleisch verführt den Willen, Macht ihn den Sinnen unterthan; Strebt ihre Lüfternheit zu stiller, Und schmiegt sich, ach! an Sünden an! Ich finde mich überall durch die arglistigsten Bewegungen des Herzens zu einer Unlauterkeit verführt, die zwar oftmals das Gute vollbringt, 94 aber nicht aus Liebe des Guten! die den Dienst der Tugend und der Sünde in eine fünstliche Verbindung bringt,( 1. Kor. 10, 21) und den Weg zur Befriedigung einer Leidenschaft durch das Gebiet guter Handlungen nimmt! Ich lasse mich nur zu oft von meinem Herzen täuschen, welches sich in einen Engel des Lichts verkleidet, und mit den Irrwahn einzaubert, daß ich wirklich der Stimme der Vernunft und des Evangeliums ge= Horche, indem ich, dem Anscheine nach, eine Handlung der Pflicht beginne, ob ich gleich dadurch nur einer schändlichen Neigung fröhne, und eine heimliche Absicht meines lüsternen Herzens selbst durch eine pflichtmäßige Handlung ausführe. Doch, o mein Gott! was sage ich von der Gebrechlichkeit meines Herzens? Ich habe sie ja mit den heiligsten Menschen gemein; und einer der ersten Verbreiter des Christenthums fühlet sich schon gedrungen, in die demüthigende Klage auss zubrechen: Der gute Vorfat, ten ich faffe, Er bleibt ein Traum der Phantasie! Ich thu' das Böse, das ich hasſe, Das Gute, das ich liebe, nie!( Röm, 7, 19.) Was sage ich von der Unlauterkeit selbst meiner pflichtgemäßesten Handlungen? Sie, diese Unlauterkeit, obgleich selbst aus dem Berderbnisse des Herzens erzeugt, kündigt dennoch eine Achtung Compuanns 9.5 für Tugend an; sie bezeuget, daß nicht aller Sinn für's Gute erstickt ist; daß man die Herrschaft der Vernunft anerkenne, und ihr, wenigstens zum Scheine, ein Opfer bringen wolle mit einem Werke, welches von ihr gebilliget und geboten, aber von der Sinnlichkeit zum Werkzeuge ihrer geheimen Absichten gemißbraucht wird. Ich finde sogar Bösartigkeit, und eine gånzliche Verkehrtheit in dem Triebwerke meiner sittlich seyn sollenden Handlungen! Die Neigungen stehen oben an, und lassen der Bernunft kein anderers Geschäft übrig, als die Bertheidigung oder Beschönigung dessen, wornach sie mit blinder Heftigkeit streben. Das Herz, nicht das Gesetz herrscht in mir! Ach! dieses Herz ist gleichsam der Mittelpunkt, von welchem alle meine Thätigkeit ausgeht; es giebt allein die Absichten an, die erreicht, und entwirft die Plane, die ausgeführt werden sollen; es beseelt ganz allein alle meine Kräfte, die in rastlosem Streben sich verzehren, seinen Launen und abwechselnden Wünschen zu willfahren. Und was ist der endliche Gewinn, den mir die Tyranney meines Herzens gewähret, der Sold dieser schimpflichen Sklaverey, in welcher ich seufze? 96 VII. Die Sünde. Ach! welch ein Ungeheuer nenne ich, da ich diefes Wort ausspreche! sie ist das wahre, das alleinige Uebel in dem Reiche vernünftiger Ge schöpfe! sie hindert die moralische Ausbildung zur Heiligkeit erschaffener Wesen; sie hemmet ihre Annäherung zu Gott; sie mindert ihren reinen sittlichen Werth, und eben dadurch auch ihre Befugniß zu einem höhern Maße der Se: ligkeit. Sie zerstört die Würde des Menschen, indem sie ihn aus einem Gesetzgeber feiner felbst zum Lasttråger eines fremden Joches umschafft! sie feffelt den freyen Willen, wel chem die Vernunft zur Leuchte dient, und über: läßt ihn den Stürmen der Leidenschaften, die in dem Dunkel des Selbstbetruges ihn in der Irre umhertreiben! fie füllet feinen Verstand mit Irr thümern an, die sich um so tiefer in alle seine Erkenntnisse einsenken, je mehr das Herz Interesse hat, nicht durch die Wahrheit erleuchtet, sondern durch die Irrthümer geschmeichelt und getäuscht zu werden. Sie zerstört alle bessern Anlagen des Menschen, zernichtet ihre edlen Wirkungen im ersten Keine! Wenn ich sündige, o mein Gott! wie verkehre ich da alle Dinge in und außer mir! wie gebrauche ich da Alles gegen die höchste Ordnung, die du, Ura - 97 Urheber der Natur! in die Geschöpfe pflanztest! das Große ist mir dann klein, das Wichtige un wichtig, das Schädliche wohlthätig! die Wahrheit halte ich dann für Irrthum, Thorheiten und Widersprüche für richtige Grundsäße, das Ungewisse für gewiß! Ich ziehe das Bergängliche dem Unvergänglichen, das Rahe dem Entfernten, det Augenblick der Wollust der steten Zufriedenheit des Gewissens vor; ich ergreife im Taumel der Begierlichkeit einen Giftbecher, welcher mich tddtet, und halte ihn für einen Becher der Freude, welche nie versiegt! Kurz: wenn ich sündige, so handle ich gegen ein allgemeines Gefeß meiner sittlichen Natur, und alle die Ulebel, welche ich eben geschil dert habe, sind wirklich; denn ich handle so, als wenn ich ein bloßes Thier, ein gang finnliches Ge schöpf, und nicht der erhabene Mensch wäre, be stimmt, allein durch die Bernunft geleitet, und von ihr allein beherrscht zu werden. Ich handle so, als ob ich nicht einen ewigen Gefeßgeber, einen Oberherrn und Richter erkennte, welcher mir feinen Willen so deutlich und so vollständig durch das Gewissen, und durch die Offenbarung bekannt macht; welcher die Verbindlichkeit seiner Gebote durch die Kraft der Belohnungen und Strafen schärft, ohne welche kein Reich der Sitten möglich, und selbst mein heißer Wunsch nach Glückseligkeit ein leerer, nie zu erfüllender Traum wäre; denn wie könnte das Gesetz, welches in meinem Innersten 7. 98 gebietet, und seine Forderungen mit so nachsichtsloser Strenge betreibt, mit meiner Sehnsucht nachy Glückseligkeit, die ich eben so wenig unterdrücken als selbst befriedigen kann, in Harmonie gebracht werden, wenn nicht ein höchstes Wesen, wenn nicht du, o mein Gott! über uns waltetest, der unendlich Heilige, wie der unendlich Mächtige! und mit dem Ringen deiner vernünftigen Geschöpfe nach Heiligkeit ein Ebenmaß der Seligkeit verz knüpftest. Wenn ich fündige, so arbeite ich mit blinder Wuth gegen den Plan und Endzweck des Schdpfers, welcher mich und alle vernünftigen Wesen durch sittliche Gesetze zur Heiligkeit führen, und unser Streben nach Tugend durch alle Perioden, unsers Daseyns, auf eine gerechte und väterliche Weise, mit Wohlthun belohnen wird. Ich bin ungehorsam gegen den Gebieter, und undankbar gegen den Wohlthäter; ich widerspreche zugleich seinen weisesten Gesetzen, und seinen wohlthätigsten 206sichten. Was Wunder, wenn ich mir seine Mißbilligung zuziehe, wenn ich dadurch seine Baterhuld verliere, wenn ich), anstatt dem belohnenden Va ter am Ende des Lebens mit Freude mich zu nähern, den strengen Richter mit bebender Seele erwarten muß, welcher das Maß meiner Sünden mit einem gleichen Maße der Strafen erwiedert! -0.99 Wenn ich sündige, so opfere ich auch meisten: theils die Rechte meiner Mitmenschen den ungerechten Anmaßungen meiner Eigenliebe auf. Ich halte sie nicht mehr für meines Gleichen, für Mits bürger eines moralischen Reiches, in welchem sie mit mir gleiche Vorzüge und Rechte behaupten, gleiche Ansprüche an meine vernunftgemäße Behandlung, wie ich an die ihrige, haben; ich gebraus che sie zu meinen niedrigen, selbstsüchtigen Zwecken, ichy erkenne in ihnen nicht mehr die Würde der Menschennatur, die sie mit mir gemein haben. Die Sünde ist ein menschenfeindliches, gemeinschädliches Beginnen. Ich kann sie nicht vollbringen, ohne Kräfte und Güter und Zeit zu vers schwenden, auf welche auch meine Mitmenschen, als mir Verwandte zu eben dem Reiche Gottes ge hörige, unter eben der sittlichen Ordnung, wie ich, stehende Wesen, Anfoderungen machen können. Wer der Sünde fröhnt, dem ist Muth und Kraft zu großen und gemeinnützigen Thaten gelähmt; dem ist das eigene Wohl alles und das Wohl der Mensche heit nichts!!!!! 6 So ist also die Sünde ein Utebel, welches seiz nen Gifthauch über die ganze Schöpfung ausbreis tet; welches den Menschen mit sich selbst in Widerspruch setzt, und gegen Wesen seiner Gattung und seines Ranges ungesellig, und wohl gar feindlich macht. 100 HUMO VIII. Reue. Und doch, o mein Gott! nicht nur einmal ha: be ich gefündiget, nicht nur einmal die Stimme des Gewissens verachtet, gegen den bessern Ruf meiner Vernunft mich verhärtet, nicht nur einmal meiner Pflicht entsagt, um einer schnöden, vor: übergehenden, sinnlichen Neigung zu folgen! Wie fühle ich, o mein Gott! die Erniedrigung, in wel che ich mich selbst gestürzt habe! welche Gründe der Unzufriedenheit mit mir selbst eröffnet mir nicht die Ansicht meiner Fehler, das Bewußtseyn meiner Mängel, die Ueberzeugung, die ich habe, deine Gas ben nicht gut verwendet, mit dem Pfunde, welches du mir anvertrautest, nicht gewuchert zu haben. ( Matth. 25. Luk. 19) Was ich Gutes habe, meine trefflichen Anlagen, die sittliche Einrichtung meiner Natur, Gewissen, Vernunft und Freyheit verdanke ich dir; was ich aber selbst hinzusetze, ach! wie zeugt es nicht von der Gebrechlichkeit meines Herzens, von der Unlauterkeit der Bewegs gründe, die mich bey meinen Handlungen leiten! welche Verkehrtheit in meiner ganzen moralischen Stimmung werde ich gewahr! Ich bin nicht, was ich seyn sollte, was ich seyn könnte; ich bin nicht der freye, moralische Mensch, welcher zu seyn die Stimme des Gewissens, mein Sinn für Tugend und Vollkommenheit, der mitten unter dem Tumulte ΙΟΙ B meiner Leidenschaften noch seine Kraft bewährt, mich auffordern. Gott! wie jammert mich dieser eines Mens fchen unwürdige Zustand! wie sehe ich mit innigster Beschamung, mit einer Demuth, die dem Maße meiner Erniedrigung, und dem ganzen Ge fühle meines Unwerthes entspricht, zu dir empor, dem Reinsten und Heiligsten, welchem ähnlich zu werden, Aufgebot meiner Vernunft und Haupts pflicht des Christenthums ist!( 1. Petr. 1, 15. 16). allo Gott! wie kann ich dir die Neue ausdrücken, die mir mein sittlicher Berfall, und der Anblick fo mannigfaltiger Berirrungen meines Herzens auspreßt! Ich habe dich, den Liebenswürdigsten, nicht geliebt, dem weisesten Gesetzgeber nicht gehorcht, die wohlthätigsten Absichten des höchsten Menschenbeglückers zu vereiteln gesucht! ich habe mich von dir, dem Urbilde der Heiligkeit, nach welcher ich als Mensch und Christ, mit ganzer Seele, und aus allen meinen Kräften, trachten sollte,( Luk. 10, 27) entfernt! ich habe mich zum Sklaven niedriger Begierden gemacht, die ich beherrschen sollte! Ich habe gegen die bessern Regungen meines Gewissens mich gesträubt, ich habe die heilsamen Wahrheiten meiner Religion, und die Hilfsmittel meiner Heiligung, die ich darinn fand, mit schnddem Leichtsinne von mir abgewiesen! Dieß ist der Inhalt meiner traurigen Fehltritte, aber auch der Gegenstand meiner tiefesten Neue: Bater im Himmel! ich habe gesündiget! HAM 102 - IX. di Vorsa B. Aber ich will aufstehen! unfähig, das Ver derbniß meines Herzens länger anzublicken, die Erniedrigung meiner sittlichen Natur langer zu ertraa gen, will ich mich zu dir, o mein Gott! erheben, und vor deinem heiligsten Angesichte mit neuen kräftigent Vorsätzen mich zum Kampfe der Tugend rüsten, und die Freyheit achter Kinder Gottes zu erringen fuchen, in welcher ich dich wieder meinen Vater, alle redlichen, gutgesinnten Menschen meine Brüder, und mich selbst wieder einen Menschen, ein vernünftiges Geschöpf nennen darf.dnd Ferne sey es von mir, mich von sündigen Listen, von irgend einer unordentlichen Leidenschaft tyrannisiren zu lassen, meine Vernunft dadurch zu verläugnen, und meiner Freyheit zu entsagen. Ferne sey es von mir, mehr meinem Glücke nachs zujagen, als meine Vollkommenheit zu befördern, oder meine Glückseligkeit durch Handlungen zu er: taufen, die das Gewissen verdammt, die ich nur mit stråflicher Hintansehung deines heiligen Gesetzes, o Herr! vollbringen kann. Mich selbst zu beherre schen, sey mein vornehmstes Bestreben; mich von äußern Gegenständen, und selbst von meinen auf steigenden Neigungen und Wünschen immer unab= hängiger zu machen; meinen Geist, meinen uns sterblichen Geist, mit Weisheit und Tugend zu 103 schmücken; feine Vollkommenheit als das Einzige, was mir im Tode bleibt,( Matth. 6, 20) vor: züglich zu befördern das müsse das Ziel mei ner Bestrebungen, meine Lust, und, wäre es nöthig, auch mein ausdauernder Kampf seyn. Ferne sey es von mir, o mein Gott! jemals dein Gesetz einem irdischen Bergnügen aufzuopfern, mehr den Trieben meiner Sinnlichkeit als deinem Willen zu gehorchen, mehr auf die Stimme der Verführung als des Gewissens zu achten! Ferne sey von mir, deine Gebote als eine schwere Last, ( Matth. 11, 30) ein tugendhaftes Leben als eine traurige Abgeschiedenheit von aller Freude zu be trachten, die vielen Hindernisse der Tugend als unübersteiglich auszuschreyen; die Reißungen zur Sünde von außen und von innen als eine schnöde Entschuldigung meiner Rückfälle vorzuschützen, und meine sittlichen Kräfte zu mißkennen, die, durch deinen Beystand, o Gott! erhöhet, allen Forderungen deines heiligen Gesetzes gewachsen sind. Ferne sey es von mir, auch nur einer Neigung meines Herzens zu schonen, und dir, o Gott! durch eine so getheilte Besserung gleichsam nur ein halbes Opfer zu bringen. Ja, ò Allwissender! der du mich besser kennst, als die strengste Selbstprüfung mich meinen Augen enthüllt, auch jener Lieblingssünde, welche ihre Wurzeln am tiefften in mein Herz eingesenkt, deren lange und grausame Herrschaft über meinen bessern Sinn mir die gegen: 104 47946 wärtige Erforschung meines Lebens erst recht deut lich aufgedeckt hat, auch diesem Schoostinde mei nes Herzens*) entfage ich hiemit ganz und auf immer, so sehr auch mein nicht ganz unterdrückbarer Hang, und machtige Beyspiele von außen demselben das Wort reden; so schwer auch der Kampf seyn mag, den ich, von bessern Entschlüssen begeistert, unter mancherley Umständen zu kämpfen habe. Nie werde ich muthwillig der Gefahr zu fündigen mich blosgeben; aber auch keine Gefahr scheuen, welche mein Beruf mir zur Pflicht macht. Aufrichtig und ernstlich sind die Vorsätze, die ich hier vor dir fasse, Allwissender! Dein Beystand, o Gott! sey die Seele, die Stüße derselben! durch diesen gestärkt, darf auch der Schwächste nicht verzagen, und, wie ein großer Apostel uns vers sichert, seine Kraft offenbart sich am meisten an jenen, die ihrer Schwachheit sich bewußt, Muth und Bescheidenheit vereinigen; durch jenen die Freyheit des Geistes erringen, durch diesen die er: rungene befestigen und bewahren.( 2. Kor. 12,9) X. Beich tvater. So will ich denn jetzt, o mein Gott! jenem theuren Freunde mich nähern, dessen leitende Rathschläge meinen redlichen Vorsätzen zu Hülfe *) Hier wird dieser Lieblingsfehler genennt. 105 kommen, welcher das Werk meiner Besserung durch die weisen Lehren und Zusprüche, fördert, die er selbst aus der Quelle alles Trostes und aller Stårs te, aus dem Evangelium, schöpfet. Jeh nenne ihn meinen Freund, um die Größe meines Vertrauens, und die Aufrichtigkeit meiner Selbstanklage zu bezeichnen. Wie sollte ich vor ihm erschrecken, seinen Blick in meine Verirrungen scheuen, mich vor seiner warnenden Stimme fürchten? Wie könnte ich ihm meine Fehltritte verhehlen, und sagar mit verdächtiger Eilfertigkeit aus seiner Gegenwart zu entkommen suchen? Dieß find Merkmale eines Sünders, welchen nur das Gebot und die Furcht der Strafe in den Beichtstuhl jagt, welcher seine Neigungen gegen die Anstalten seiner Besserung in Schuß nimmt, und indem er durch den Schein des Büßenden sidy und andere zu täuschen sucht, die schlimme Sache seines vera dorbenen Herzens zu retten bemüht ist. Nein, er soll in das Innerste meiner Seele schauen, wie ich mich selbst erkenne, soll er mich erkennen; was mir die Selbstprüfung entdeckt hat, will ich auf's neue seiner Prüfung unterwerfen, damit seine Liebe mir das Beste rathe, seine Weisheit meinen Bedürfnissen gründlich abhelfe, der Ernst feiner Ermahnungen meinen Entschlüssen neue Stäre te mittheile. Was andere fliehen, seine Lehren, will ich aufsuchen; was andere bemänteln, ihre Fehler, will ich auf allen Seiten in's Licht setzen; 106, werdber sidy andere entrüsten, feine freundlichen Berweise, will ich als Wohlthaten mit Danke an nehmen, und wie Maria die Worte ihres Soh: nes,( Luk. 2, 51) so will ich die Worte dieses Engels des Friedens in meinem Herzen aufbewahren, sie in den Augenblicken der Versuchung mir felbst vergegenwärtigen, und durch Rückerinnerung an dieselbe meinen Muth, und meine Liebe gum Guten stärken, Amen. 6 sto mod# -- Gebete nach der Beichte. IX. Vergebung der Sünden. Onit Indem ich jest, o Gott! alle Heimlichkeiten meines Gewissens in den Busen meines Beicht: vaters, meines geistlichen Freundes, ausgeschüttet, meine Selbstanklage vollendet, und mich der un parthenischen Führung eines mit Einsicht und Lie: be begabten Gewissensrathes übergeben habe: o wie finde ich mich im Herzen erleichtert, welch eine füsse Ruhe und Heiterkeit breitet sich in meine Seele aus! Mich quälen nicht mehr die traurigen Fragen: wird auch das Mißfallen Gottes über meine vori: gen Fehltritte aufhören? wird mir Gott meine 107 Sünden vergeben? wird er den gebefferten, oder nach Besserung strebenden Sünder seine Freund: schaft wieder schenken?-- Jesus Christus hat uns belehret, daß deine ewige Vaterliebe, o Gott! nicht den Tod des Sünders wolle, sondern daß er sich bekehre, und lebe.( Joh. 3, 17.) Day: um kam dieser göttliche Lehrer in die Welt, um durch seine Lehren und sein Beyspiel uns den Weg des Heils zu zeigen,( Joh. 14, 6.) und durch sein Leiden und seinen Tod unser Heilsvollenden, ( 1 Thef. 5, 9, 10.) Er lehrte uns, daß du, o Gott! ein Geist bist, und nur durch Tugend, nur im Geiste und in der Wahrheit, angebetet werden willst;( Joh. 4, 24.) daß du mit Liebe und Freude dem Sünder entgegen kömmst, wenn er sich, von bessern Gesinnungen belebt, mit Reue über seine Vergehungen, und mit einem guten Willen, mit redlichen Vorsätzen der Besserung zu dir wendet,*) wenn er ein aufrichtiges Bestreben an den Tag legt, vom Bösen auszugehen, und in's Gute einzutreten, den alten Menschen auszuziehen, und einen neuen, nach deinem Sinne geformten, nach deinem Geseke handelnden Menschen anzuzie= hen;( Ephes. 4, 20- 32.) wenn er selbst vor der Berläugnung, die ihm seine bessern Entschlüsse - *) Wie schön und rührend ist diese väterliche Gefinnung Gottes gegen den reumüthigen Sünder in der vortrefflichen Erzählung vom ungerathenen Sohne dargestellt!( Luk. 15.) - IOS SE zuziehen, und vor der langen Reihe von Be schwernissen und Kämpfen nicht zurückbebt, die ihm beym Antritte dieser neuen Laufbahn vielleicht be vorstehen, wenn er damit vielmehr ein Opfer seiner Aufrichtigkeit darbringt, und den alten Menschen felbst gleichsam zur Strafe überliefert.( Rom. 6, 6.) Uns von diesen Wahrheiten recht lebhaft zu überzeugen, trat er sein beschwerliches Predigtamt an. Uns deiner Vaterliebe, o Gott! immer näher zu bringen, uns der Vergebung der Sünden wür Diger, und für wahre Glückseligkeit empfänglicher zu machen, war der Zweck feines Erdenlebens. Diefen auszuführen, litt er so viel, und beschloß feine Leiden sogar mit einem größmüthigen Tode, welchen uns die Schrift als ein Lösegeld,( Matth. 20, 28. Kolof. 2, 14.) als ein Versöhnungsopfer fürs Menschengeschlecht schildert, vermöge dessen wir Vergebung der Sünden, und Rechtfertigung ers halten.( 2. Kor. 5, 18-21. Ephef. 2, 14-18.) Ja, er starb, und nahm durch seinen Tod die Strafen der Sünde auf sich,( Röm. 5, 8.9) er starb, und versicherte uns: durch seinen Tod von deiner Versöhnlichkeit, von deinem ewigen, unveränderlichen Willen, bußfertige und sich bes fernde Sünder nicht ewig dem Gefühle ihres mars ternden Gewissens zu überlassen; er benahm uns alle Furcht vor dir, als vor einem zornigen, Rathe drohenden, willkührliche Genugthuung fodernden Wesen, und flößte uns auf dem Wege unse: 109 ter Besserung Muth und Zuversicht und Freudige keit ein.( Ephes. 2, 18) Ja, er starb und gab uns durch seinen Tod, als einen dir wohlgefälligen Opfer, die beste. Beruhigung im Leben und Sters ben, und machte auf einmal allen willkührlichen Opfern und Versöhnungen ein Ende.( Hebr. 9, 13. 14. R. 13, 11. 12.) Er stellte sich als Mittler zwischen dir und uns schwachen Gesch da. pfen,( 1. Tim. 2, 5) damit uns der unermeßliche Abstand zwischen dir, dem Heiligen und Ges rechten, und uns, den fündigen aber dreuigen. Menschen, nicht erschrecke, und von dir zurückscheuche. Nun können wir bey allem Gefühle un serer Schwachheit und Fehlerhaftigkeit getroft vor dir erscheinen, und uns deiner als eines verscho nenden, gütigen Baters freuen, sobald wir den Weg der Sünde verlassen, und uns mit jenem. reuvollen Sohne aufmachen, und gleichsam die Schwelle des väterlichen Hauses wieder betreten! XII. Wirklicher Anfang der Besserung. Wenn mich aber, o Gott! jene Worte deines geliebtesten Sohnes: welchen ihr die Sünden erlaffet, denen sollen fie eriaffen seyn c.( Joh. 20, 22) aufrichten, und mit dem süßesten Trost erfüllen, o so sey es doch ferne von mir, zu glaus ben, daß der Ausspruch des Priefiers, ohne meine redliche Vorbereitung, und ohne mein sietes Mits wirken, hinreichend sey, mich zu entsündigen; daß der Glaube an eine für mich geleistete Genug: thuung, wobey ich in meinem fittlichen Verderben unthätig bleibe, und alles von fremder Gnade era warte, von meiner Seite das Einzige sey, was mir zu thun und zu wissen obliege; daß ich, die Hand gleichsam im Schoose, mir das göttliche Wohle gefallen, als eine Himmlische Gabe, schon alsdenn eigen mache, wenn ich nur die äußerlichen Beding niffe, und die kirchliche Vorschrift der Beichte nicht verabsäume fern sey es von mir, einen so unchristlichen Aberglauben zu hegen, welcher, was unmöglich ist, zu bewirken, und einen stråflichen Lebenswandel mit der Religion zu vereinigen, die Absicht hat. Ferne sey es auch von mir, in den Irrwahn zu verfallen, als ob eine geringe, vom Priester mir vorgezeichnete Buße, ein kurzes Gebet, eine kleine körperliche Kasteyung, ein geringes Alle mofen das Ende und gleichsam die Krone meis ner Beichtandacht ausmache! Nein, dieser Verirrungen, welche die Bequemlichkeit so mancher Beichtlinge, und ihr geheimer Wunsch, ohne eignes Anstrengen, einer fremden Versöhnung und Heia ligkeit theilhaftig zu werden, aussinnt, will ich mich nicht schuldig machen. 110 110 V Ich erkenne vielmehr, o mein Gott! daß jetzt, wo meine Beichte sich endigt, meine Besserung, als die einzige Bewährung meiner aufrichtigen III Vorfäße, erst anfangen müsse. Ich bin innigst überzeugt, daß ich erst bey dem Anfange eines gro Ben Werkes stehe, und daß der bessere Geist, wel chen ich in dieser feyerlichen Stunde eingesogen habe, sich durch mein ganzes künftiges Leben als das thätige Princip meiner Handlungen offenbaren müsse. Es liegt mir nunmehr ob, die Sinnesänderung, deren ganzen Umfang ich in dieser erbaulichen Kirchenhandlung kennen gelernt habe, an mir selbst wirklich vorzunehmen, und meine redlich gefaßten, theuer beschwornen Vorsätze auf mein Leben anzus wenden. Jetzt ist es Zeit, die Art an die Wurz zel zu setzen, meine Leidenschaften zu bekämpfen, böfe Gewohnheiten durch beffere zu verbringen, die, Gelegenheiten, welche mich zur Sünde verleis teten, ernstlich zu meiden, und die gute Gesinnung, welche ich öffentlich bekenne, durch die That zu beweisen. Ich weiß nunmehr, wo die Quelle meiner bisherigen Berirrungen liegt; welche Neigungen den Meister über meinen Willen spielen, welches meine Lieblingsfehler sind; welches die schwache Seite meines Herzens ist. Aber ich will es nicht bey einem unfruchtbaren Wissen bewenden lassen. Ich würde ja diese heilige Handlung schänden, wenn ich die Einsicht, die sie mir verschaffte, und die guten Eindrücke, die ich dabey fühlte, unbenuşt ließe; ich würde nur mein Gericht vor dir, o Gott! 33 112 untutano erschweren, wenn sich meine bessere Erkenntniß, und selbst meine heutigen guten Borsäße mir gegens über stellten, und dereinst gegen meinen Bankelmuth oder meine Scheinheiligkeit zeugten. Ich habe es gesagt: jetzt will ich anfangen: jekt, nicht morgen! Es soll zwischen meiner Beichte, und meiner Besserung teine tiefe Kluft, nicht einmal ein Augenblick des Aufschubs oder der Zögerung statt finden. O du ewiger, himmlischer Bater! der du mehr Freude bezeigst an einem zurückkehrenden, reuigen Sünder, als an neun und neunzig Gerechten, die der Buße nicht bedürfen, ( Luf. 15, 7) dein heiliger Beystand begleite mich auf allen meinen Wegen. Mit dir fange ich meine Besserung an; im steten Hinblick auf mein Urbild, deine Heiligkeit und Vollkommenheit, will ich nunmehr beginnen, was ich versprochen habe, was ich als meine unnachläßßliche Pflicht erkenne. Dir ähnlich zu werden, durch standhafte Befolgung deines heiligen Ge feszes dir als dem Ziel und Vorbilde meiner Heiligkeit näher zu kommen, zu kommen, das sey mein erstes und letztes, mein unaufhörliches Gefchäft, das sey der glückliche Erfolg meiner heutigen Beichte, und die würdige Frucht meiner Buße. Amen. Anmers 113 Anmerkung. Da es nicht möglich ist, Gebete zu entwerfen, welche auf den individuellen Zustand jedes Beichtenden ganz genau passen, so muß es dem andächtigen Leser dieses Buches selbst übers laffen werden, die Ausdrucke der hier vorkommenden Gebete zu mildern oder zu schärfen, damit sie dem Gewissenszustande dessen, der Gebrauch davon macht, ganz entsprechen. Ueberhaupt dürfen aufgeklärte Christen ihr Gebetbuch nie als eine Sammlung trockener Formulare der Andacht ansehen, sondern als einen Leitfaden ihrer eignen frommen Herzensergießungen, welcher dem Gegenstande ihrer Andacht Ordnung und Vollständigkeit giebt. SUPPPINES mund Diese Gebete werden auch denen dienlich senn, welche sich keiner großen Fehltritte bewußt sind, aber doch unaufhörlich mehr oder minder wichtige Lieblingsfehler zu bekämpfen haben; die mit sich selbst schon unzufrieden sind, wenn sie auf dem Wege zur Vollkommenheit nur manchmal einen Stillstand machen, oder noch die Höhe der Zugend nicht erreicht haben, zu welcher sie Muth und Aufforderung in ihrem Gewissen fühlen. Communiongebete. I. Vor der Communion. Ich habe, o mein Gott! meine Lebensart, meinen Sinn umwandelt; ich habe heilige Ents schlüsse gefaßt, ich habe die Größe und Schäda lichkeit meiner bisherigen Ulebertretungen eingesehen; 8 114 ich habe die Bande meiner bösen Gewohnheiten zerbrochen; ich habe ein neues Leben angefangen, welches in dir, o Gott! nach deinem heiligen Ge feße, gebildet seyn soll! dadebu Welche Handlung der Religion könnte ich wohl schicklicher an diese Erneuerung meines innern Menschen anknüpfen, als die Feyer und den Genuß des heiligen Abendmahls? Wie kann ich meinen bessern Entwürfen mehr Nachdruck und Leben ertheilen, als indem ich mich jetzt an alle gute Christen anschließe, und meinen Geist durch jenes geheiligte Liebesmahl stårke, in welches, auf eine würdige Weise, und nach einer strengen Prüfung genossen, der Stifter des Christenthums gleichsam alle Triebfedern des Guten, und alle Kraft seiner Religion hinterlegt hat. Ja, o mein Gott! ich bin fest überzeugt, daß zur Unterstüßung meiner guten Vorfäße, zur Befestigung meines Willens auf dem jetzt betretenen Wege des Heils, keine kirchliche Handlung für mich rührender und wichtiger seyn könne, als diese Feyer, dieser Genuß des heiligen Abendmahls. Keine öffentliche Religionshandlung, nach dem Geiste Jesu verrichtet, fodert von mir so reine Gesinnungen, eine so aufrichtige Neue über meine Fehltritte und Schwachheiten, eine so willige und unzweydeutige Annahme besserer, vom Christenthum gebilligter Grundfäße, eine so unbedingte, und über alles sich erstreckende Lossagung von der Herr F - IIS aprice schaft der Sinnlichkeit, als die, zu welcher ich mich jetzt vorbereite, da da erinnere ich mich auf's neue an die Wahrheiten der Religion, welche mir Verläugnung böser Neigungen und Lüfste, und einen ernsthaften Kampf für die Tugend zum Gefeße machen; da fühle ich auf's neue die schimpfliche Erniedrigung, in welche mich die Sünde stürzet, und hingegen die ganze Würde der Tugend und des Tugendhaften, in dem Andenken des großmüthigen, menschenfreundlichen Jesus! da verbinde ich mich ja auf's neue zur Sinnesähnlichkeit mit Christo, meinem Meister und Herrn! da bekräftige ich durch meine Theils nahme an dem Leibe und Blute Jesu, aufs Heiz ligste, die guten Vorfäße, die ich in der Stunde meiner Selbstprüfung und meiner Lebensbesserung entworfen habe das wichtige Gelübde, das mich als Schüler Jesu zur Befolgung seiner sittlichen Vorschriften, und zur Beförderung der Wahrheit und Tugend in mir und andern verpflichtet. Da werde ich durch die heilige Speise, die ich in Gesellschaft so vieler redlichen Jünger Jesu empfange, an die ehrwürdige Verbrüderung, an die geistliche Gemeinschaft erinnert, in welcher ich mit meinem Oberhaupte Jesu stehe,( Ephes. I, 22) und welche mir die heiligste Verpflichtung aufera legt, nicht nur allein grobe und selbst vor den Menschen entehrende Laster zu fliehen, die das Christenthum nicht einmal genannt wissen will, PUDING 116 novnat ( Ephef. 5, 3. 4) sondern auch solche täglichen Fehler und Uebertretungen zu meiden, die den Sinn des Christenthums allmählig schwächen, den Eifer im Guten hemmen, der strengen Verbindlich: keit des Gesetzes Milderungen und Ausnahmen entgegenseßen, und endlich wieder zu einer gånzlichen Annahme verderblicher Grundsätze und Marimen vorbereiten. Jesus war am Ende seiner Berufsbahne, hatte das Geschäft vollendet, das ihm von dir, o Bater im Himmel, auferlegt war, hatte deinen Namen den Menschen verkündigt, alle Sünder zur Buße auf: gefordert, alle durch die Last ihrer vorigen Ausschweis fungen, threr verderblichen Gewohnheiten niederge= drückten Seelen zu der viel leichteren Bürde des sitt lichen Gesetzes zurückberufen( Matth. 12, 28-30) und die Lehre der Tugend, des wahren menschlichen Wohls, in den Herzen seiner Schüler gegründet!Schon saß er zum letztenmale mit seinen Jüngern zu Tische. Da nahm er Brod, verrichtete ein Dankgebet darüber, brach es in Stücke, und gab es seinen Freunden. Effet, sprach er, das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Thut fünftig ein Gleiches zu meinem Angedenken. Alsdann nahm er auch den Kelch, segnete ihn, und gab ihn den Jüngern, welche insgesammt davon tranken. Dies fer Kelch, sprach er, ist der neue Bund in meis nem Blute, welches für euch und viele zur Vers gebung der Sünden vergoffen wird. So oft ihr d 117 ihn trinket, thut es zu meinem ingedenken!-- So oft ihr euch gemeinschaftlich versammelt, euch als Christen, als Bekenner meiner Lehre versam melt, fo thut ein Gleiches, und erinnert euch dabey an mich), an euren Meister und Herrn, der seinen Leib für euch hingab, sein Blut für euch vergoß. Fühlet, wie groß und ehrwüdig die Verbindung fey, in welche ihr jetzt, als meine innigsten Freun de, eintretet, die, mit meinem Geiste vertraut, nie anders denken und handeln dürfen, als wie ich selbst gehandelt habe. Fühlet, wie wichtig euch diese Religion seyn müsse, für deren Wahrheit und Gemeinnüßlichkeit ich mit meinem Leben, und mit der Aufopferung alles dessen, was einem Menschen lieb und werth seyn kann, stehe! schäße sie nach dem Maße ihres innerlichen Werthes, denn sie ist die Religion der sittlichen Güte, die Religion der Liebe! fie lehrt, Gott nur allein durch Tugend zu ehren! O Gott! so sprach Jesus zu seinen Jün gern. So spricht er auch zu mir, wenn ich die Feyer des Abendmahles, welches er in jener schauerlichen Nacht mit ihnen hielt, erneuere! auch an mich sind seine freundschaftlichen Beschwörungen, seine ernsten Ermahnungen, seine liebreichen Worte: Nehmet und effet! 2c. gerichtet; auch ich soll an der Wohlthat seines Todes, an dem Bunde, den er mit feinem Slute versiegelt hat, theilnehmen; auch IIS ich soll durch den Genuß seines Leibes und Blu tes in die Zahl seiner innigsten Freunde eine treten, und einmal in diese ehrwürdige Gesellschaft eingeweihet, nie durch irgend ein Wort oder eine That den Geist entehren, von welchem fie belebt und beherrschet wird! as in dia So will ich denn hinzunahen zum Tische des Herrn, und in dieser schönen, rührenden Stiftung neue Kraft zur Ausführung meiner beffern Vorsätze, neuen Muth zur Bekämpfung meiner eingewurzelten Schwachheiten, und neue Liebe zu allem Guten, zu allem, was wahr, was wohlanständig, was gerecht, was heilig, was liebenswürdig ist,( Philipp. 4, 8.) schö pfen, Amen. olella II. Nach der Communion. Das thut zu meinem Angedenken! Ja, großer Gott! jest, da ich den Leib, der für mich dahingegeben ward, dahingegeben ward, das Blut, das für mich vergossen wurde, empfangen habe, will ich mich meines Meisters und Herrn erinnern! Erinnern will ich mich seines großmüthigen, seines menschenfreundlichen Todes, wie viel Jesus für 119 unser die Wahrheit that, wie viel er für die Tugenbi litt, wie einzig ihm das Wohl der Menschheit am Herzen lag! Möchte diese andächtige Erinnerung einen gleichen Eifer für Wahrheit, für Tugend und Menschenliebe in meinem Busen erzeugen! ,, Ist mir auch die Wahrheit, wenn sie meis ne Fehler verdammt, meine Neigungen und Begierden zu bezähmen gebietet, so ehrwürdig, wie sie es meinem Religionsstifter war? Fühle ich mich auch, wie er, aufgelegt, meine eignen, niedrigen Vortheile zu verachten, der Pflicht, die ich erkenne, alle Neigungen, die mich zur Uebertretung derselben anlocken, aufzuopfern, und mit Hintanfeßung aller Selbstsucht, edelmüthige, zum Wohl meiner Mitmenschen abzweckende Werke zu verrichten? Bin ich bey den Be schwernissen, die sich auf dem Wege der Tugend zeigen, eben so standhaft und unerschütterlich, wie er? Bin ich auch fähig, um der Rechtschaf fenheit willen, zu welcher ich mich bey meiner: heutigen Beichte aufs neue, cauf's ernstlichste entschlossen habe, alles zu dulden, und lieber! dem Leben als der Tugend zu dentsagen, wie Jesus?" So, großer Gott, will ich mich jest selbst bey dieser schönen Todesfeyer Jefu fragen. Ich bin ein Christ! ich fühle die Größe dieses Na mens, der mich auffordert, die Tugend zu ehren, CALL I 20 die Tugend zu üben, und in der Zugend den Zweck meines Daseyns zu suchen. Ich bin ein Christ! der Schüler eines göttlichen Mannes, der mir so herrliche Lehren gab, die ich bisher nicht genug beherziget habe; der mir so heilsame, so wohlthätige Grundfäße einflößte, von welchen ich leider! durch meine Sinnlichkeit verführt, mehr als einmal abfiel, und dafür der Stimme zügelloser Neigungen folgte: der mir in seinem eignen Leben fo rührende Beyspiele seiner Grundfäße hinterließ, ob ich mich gleich mehr durch die Beyspiele verdorbener Menschen und die Sita ten, welche die Gewohnheit, nicht die Vernunft rechtfertiget, beherrschen ließ. O ich ich bin cin Christ! ich feyre so oft das Liebesmahi meines Lehrers! gehöre ich aber nicht unter die unwürdigen Gäste am Tische des Herrn, wenn die Erinnerung an Jefu nichts Heiliges in mir zurücke läßt, wenn ich ohne seinen Geist, und seine schö nen Gesinnungen von seinem Abendmahl zurücktrete? wenn ich dabey nichts von dem Eifer für Tugend einathme, mit welchem er ganz beseelet war? wenn ich dadurch nicht im Guten wachse, dessen Ausbreitung und Wachsthum auf Erden das große Geschäft Jesu war? So will ich denn die Erinnerung an Jesu Leben und Tod nicht unfruchtbar für mich seyn laffen. Was ich bisher über meine vorigen Fehl tritte gedacht, erforscht, und beschlossen habe, soll 121 extAzpraty in dieser Stunde eine neue Stärke durch die Er neuerung meines Taufbundes erhalten. Ich bin auf Jesu Lehren getauft! Alle gottesdienstlichen Handlungen des Christenthums bringen mir diesels ben ins Gedächtniß; vorzüglich diese Feyer des heiligen Abendmahles! Den Bund, den ich mit dir, o Gott! schon durch meine reumüthige Beichte, nach dem Geiste Jesu, erneuert habe, will ich durch dieses Heilige Gedächtnißmahl noch mehr befestigen! Welch ein Jünger Jesu wäre ich auch, wenn ichy in der Folge meiner Tage wieder der alte gebrechliche und fündhafte Mensch würde? wo blieben meine Vorfäße? wie müßte ich meines Wankelmuthes, und meiner Schwachheit wegen mich schå= men! Mit welcher Selbstverachtung würde ich mich anschauen, wenn ich, jetzt voll guter Gesinnungen, bald die alte Anhänglichkeit an meine Lieblingsfehler wieder an den Tag legte; wenn ich, jeht ein Tisch: genosse des Heilandes, ein Theilnehmer an feinen Grundfäßen, an seiner Liebe zur Tugend, bald alle diese Gndsätze der Bergessenheit übergeben, und mein fünftiges Leben mit neuen Sünden besudeln wollte! Wie würde ich mich selbst erniedrigen, wenn ich meine Freyheit als eines fittlich guten Menschen aufs neue für die Sklaverey dahingabe, die ich mir durch fündhafte Handlungen aufbürde? Ich, durch eine lange Reihe von Bemerkungen über mich selbst, durch ernsthafte Entschließungen, durchy träftige Maßregeln meiner Besserung über APERIGO I22 mich selbst erhoben; ich, durch diese Theilnahme an dem Leibe und Blute Jesu, mit allen trefflichen Gesinnungen des Christenthums erfüllet, und wie mit einer neuen Seele und einem neuen Herzen ausgerüstet!( Ephef. 4, 23. 24) Sollte ich führohin etwas anderes thun können, als emporstrebent zur Höhe meines Berufes, als Mensch und als Christ? Dieß ist mein ernstlicher Wille, dieß ist mein ewiger, unveränderlicher Bund mit dir, o Gott! Dieß ist meine Beicht und meine Communion; dieß ist der Anfang und das Ende der heiligen Handlung, die ich jetzt nach Anleitung meiner Neligion, und unter der freundschaftlichen Führung eines erleuchteten Gewissensrathes vollbracht habe! Eh' ich aber, o mein Gott! dieſes heilige Haus verlasse, und in den Kreis meiner täglichen Geschäfte, in die mir von deiner ewigen Vorsehung bezeichnete Laufbahn zurückkehre, will ich noch jene Worte des heil. Paulus( 1. Kor. 9, 24-27. R. 10, 1-6 beherzigen, und gleichsam als den passendsten Denkspruch für meine in der Beicht angefangene, durch das heil. Abendmahl bestätigte Sinnesänderung in mein Gedächtniß und in mein Herz einschreiben: Brüder! ist es euch unbekannt, daß dies jenigen, die auf der Laufbahne laufen, zwar alle laufen, aber nur einer trägt den Preis davon! Barberk 123 CONSE Ach! wie viele Christen( iho Name ist Legion!) beginnen das Werk, welches ich jetzt unternommen habe! sie beichten! sie machen Vora fåße eines heiligen Lebens! sie durchlaufen eben die Bahne einer dem Scheine nach ernstlichen Sinnesänderung, die ich jetzt durchlaufen habe! Zwar alle laufen: aber wie wenige tragen den Preis davon! Bin ich vielleicht auch einer jener Unglücklichen, welche in Mitte des Laufes ermůden, und durch die Beschwerlichkeit des Kampfes zurückscheuchet, den Muth und mit diesem den Preis der Beharrlichkeit verlieren! Lanfet so, daß euch der Preiß zu Theile werde! Sid Nicht die Beschwerlichkeit des Laufes, nicht das ferne Ziel des Weges soll mich in meinen Fortschritten zur Heiligkeit stören. Wenn es Mühe kostet, seine Lüfte zu besiegen, und aller äußerlichen und innerlichen Versuchungen ungeach: tet dennoch den Pfad der Tugend nicht zu ver lassen, so müsse mich eben die Tugend, nach welcher ich strebe, und die Siegeskrone, die mir zu Theile wird, aufrecht erhalten! sh Die Wettläufer enthalten sich von allem, was ihre Kräfte schwächt: und dieß um eiz nes vergånglichen Preißes wegen! wir aber kämpfen um ein unvergångliches Gut! Was unternehmen die Menschen nicht, welchen Gefahren des Lebens, welchen Müheseligkeiten chopni shis 124 geben sie sich nicht Preis, um einen Zweck zit erreichen, der oftmals des Menschen unwürdig ist; der ihn erniedrigt, den er selbst mit Verlust feiner sittlichen Ausbildung erkaufen muß! Ach! werden die Kinder der Finsterniß an Klugheit und Geschäftigkeit immer die Kinder des Lichts über: treffen?( Luk. 16, 8) Werde ich weniger thun, um ein rechtschaffener Christ zu werden, als jene um einen kleinen Lohn, eine pergångliche Ehre zu erhaschen? Ist in meinen Augen das Bewußtseyn, überall pflichtmäßig und aus Pflicht gehandelt zu haben, nicht unendlichmal mehr werth, als der Beyfall der Menschen, die in ihren Urtheilen trüglich oft gerade dasjenige billigen, was die Vernunft verwirft, dasjenige rühmen, was die Berachtung, und sogar den Abscheu aller Reda lichen verdient? Darum laufe ich, aber nicht unbedacht, und ohne festen Plan; ich streite, aber nicht um geringe, nichtswürdiger Dinge wegen! als ein wahrer Kämpfer hårte ich durch firenge Måßigkeit meinen Leib ab, und meis ne Sinnlichkeit muß allezeit der Pflicht ges horchen, damit ich nicht, der ich andere zum Laufen ansporne, selbst verworfen werde, und den Preis des Kämpfers verliere.( Bergl. Philipp. 3, 12-14) Ganz aus meinem Herzen herausgesprochen, o heiliger Mann Gottes! Ja ich will 125 laufen, nach jenem festen und heiligen Plane, den ich mir selbst in dieser feyerlichen Stunde vorgezeichnet habe. Ich will streiten, nicht um eitler, nichtiger Zwecke wegen, nein: nein; mein Kampf soll gegen meine Sinnlichkeit seyn, die nur zu oft sich gegen das höhere Gesetz der Vernunft emport;( Gal. 5, 17) der Zweck aller meiner Bemühungen soll feyn, ein neuer Sinn, gebildet nach dem Sinne Jesu! ein neues Leben, geformt nach den Lehren Jes su!( Kolof. 2, 6. Philipp. 2, 5) eine dauerhafte Besserung, gegründet auf eine gänzliche Ums wandlung meiner Grundsäße und Maximen! Traurig, wenn ich nach so vielen Beichten eben der ungebesserte Mensch wie zuvor bliebe! wenn alle meine heute gefaßten guten Vorfäße, gleich einer Wasserblase, wieder zu nichts würden! wenn ich mir gleichsam selbst mein Verdammungsurtheil ſprechen müßte, indem ich, zu schwach, der Wahrheit zu folgen, sie erkännte, um durch sie gerichtet zu werden! Ihr sollt wissen, meine Brüder! daß un: fere Voråltern zwar alle unter der Leitung jes ner wohlthätigen Wolkensäule standen, und den Wunderzug durchs rothe Meer mitmachten, alle durch den Moses, in Kraft jenes Wunders mit der Wolfe und dem Meere, die Einweihungs taufe in den Dienst Jehova's erhielten. Alle haben eben dieselbe Wunderspeise genossen, und CATE 126 eben dasselbe Wunderwasser, das ihnen auf ihrem Zuge nachströmte, getrunken, aus dem Felsen, der ihnen ein Vorbild Christi war! dennoch waren viele dieser unserer Våter Gott nicht angenehm, und er ließ sie in der Wüste umkommen. Dieß soll uns zum Beyspiel dienen, das mit wir ja der Lust zum Bösen entsagen, durch welche sie irre geführt, eine so harte Strafe dulden mußten. Ja, mein Gott! der Vorzug meiner Neligion soll mich nicht blenden; das Licht des Evangeliums in welchem ich wandle, soll mich nicht stolz machen, und mir den Wahn einflößen, daß es schon genug sey, zu glauben, um selig zu werden. Bergebens bin ich durch die Taufe in die Gesellschaft der Christen eingetreten, wenn ich nicht durch die Werke der Rechtschaffenheit mich dieser Gesellschaft würdig mache. Tausende urs ter den Christen nehmen an den heiligen Handlungen ihrer Religion Antheil; sie treten als Gläubige in das Haus des Herrn herein! sie ergiessen sich mit andern andächtigen Glaubensgenossenen in heilige Gesänge; sie nahen sich dem Tische des Herrn, und geniessen die geistliche Speise, den geistlichen Trank der Christen! Aber find sie darum alle in den Augen Gottes würdige Christen! Blickest du, Allwissender! der auch 127 das Herz und die Nieren durchforschet, mit Wohlgefallen auf sie alle herab? Doch was frage ich von andern? Bin ich nicht vielleicht felbst von der Zahl dieser Unglücklichen, die sich durch den Genuß der heiligen Speise den Tod und das Gericht zuziehen? an denen alle trefflichen Anstalten des Christenthums verloren gehen? die von der Nothwendigkeit sich zu bessern, übera zeugt, sie doch auf spåte, vielleicht ihnen nicht mehr vergönnte Jahre hinauszuzdgern? Die, von der Schönheit. der Tugend gerührt, nie den schwes ren Kampf für sie wagen? Die durch das heil. Abendmahl in die Gemeinschaft der Heiligen eingeweihet, diese Gemeinschaft durch ein nur zu schnelles Ausweichen auf die Wege ihrer voriz gen Bergehungen entheiligen! ca Contacts 11 Diese strenge Betrachtung, auf welche mich jetzt die Worte des Heil. Paulus führen, sollen gleichsam der heilsame Stachel seyn, den ich in mein Herz eindrücke, um mein Heil in Furcht und Zittern zu wirken:( Philipper 2, 12.) Sie sollen der Denkspruch seyn, mit wela chem ich mir die ganze Wichtigkeit der heute bes schloffenen Selbstbesserung versinnliche! sie sollen mich auf allen meinen Wegen gleichsam beglei: ten, und meine Begierden im Zaume halten, wenn sie mich vom Pfade der Tugend abfüh. ren wollen; meinem Muthe Beharrlichkeit mit: theilen, wenn er zu finken beginnt, und mir den 128 -- Lauf zu jenem hohen Zwecke erleichtern helfen, welcher ist: ein heiliges, ein gerechtes Leben, in welchem ich nicht nur meine Würde und fitt: liche Vollendung finde, fondern auch die Wür digkeit zu jener unvergänglichen Seligkeit, die ich dann von dir, o Gott! dem Gesetzgeber der vernünftigen Geschöpfe, dem Nichter ihrer Gesinnungen und. Thaten, und dem Vergelter ihrer guten und bösen Handlungen zu gewarten habe, Amen. 200 $ 450 TE III, Bes banes 129 III. Betrachtungen von Gott und seinen Eigenschaften. Am Montage. Es ist ein Gott, der Schöpfer des Weltalls. Gott ist des Guten Quell, der Grund der Kreatur, Selbstständig, unsichtbar, der Schöpfer der Natur. I denn ein solcher Gott? Geh', frage That und Hügel; Die Erde mahlt sein Bild, der Himmel ist sein Spiegel; Der Sturm verkündigt ihn, ihn thut des Donners Mund, Der Bogen in der Luft, des Schnee und Stegen kund. Ihn preiß't der grüne Klee, das Feld mit Korn bedecket, Der Berg, der Wälder trägt, das Haupt in Wolken strecket, Der Baum, von Früchten schwer; der Gärten bunte Flur, Der vollen Rose Pracht trägt seines Fingers Spur. Der Vogel singt von ihm; der Lämmer weiße Heerde, Der Hirsch im stillen Forst, die Würmer in der Erde, Der Fisch, der Wellen speyt, und Masten niederschlägt, Der starre Krokodill, das Thier, so Thürme trägt, Und der Geschöpfe Heer, im Trocknen, in den Meeren, Sind Prediger von Gott, die uns fein Daseyn lehren. Gott! Schöpfer aller Wesen! so unmöglich es ist, daß ein Mensch mit gefunden Augen 9 130 1 HAMARLE das Sonnenlicht nicht empfinde: eben so we nig kann ein Mensch mit gesunder Vernunft sich enthalten, das Bekenntniß deines Daseyns ab: zulegen, und in allen Dingen, die ihn umgeben, deine allmächtige Kraft zu fühlen. Dich, Urheber des Weltalls! verkündigen die Himmel; dich prediget die Erde; dich erblicken wir in jedem Lichtstrahle; mit göttli cher Schrift steht dein Name an der prächtigen Decke des Firmaments geschrieben.( Pf. 8, 2-5. Psalm 18, 2-5) Jeder Stern ist eine Sonne, jeder Planet eine Welt, jede Welt ein Aufenthalt von unzähligen Millionen Geschöpfen. Wer kennt ihre Zahl? Wer mist die Unendlichkeit des Raumes, welcher sie einschließt? Ich sehe unter mich, und erblicke den Theil der Welt, welchen ich bewohne, die Erde, die mich trägt und ernähret. Wer höhlte die Tiefen des Weltmeeres aus? Wer umdämmte seine wilden Fluthen, und bestimmte fein fer? Wer entwarf und vollführte den kühnen Bau der Gebirge, deren Gipfel auch den Bliken unersteiglich sind? Wer legte auf den Bergen die unerschöpflichen Quellen an, aus welchen seit undenklichen Jahrhunderten Segen und Fruchtbarkeit die Länder durchströmen? Wer be fruchtete den Schoos der Erde mit den unendlichen Gattungen von Samen, aus welchen, durch eine Art von Vernichtung, täglich neue 131 Schöpfungen hervorkeimen? Wer versah leblose Körper mit der Fähigkeit, eine Bewegung anzu nehmen, und sie auf andere ihres Gleichen auf eine Art fortzupflanzen, die auch für den Weis festen ein Geheimniß ist? Wer setzte der Bewes gung die Regeln fest, nach denen sie geschieht, welche wir aus Wirkungen wahrnehmen, deren Ursachen auch nicht einmal durch Muthmassungen errathen werden können? Wer setzte die Kräfte so unendlich verschiedener Theile, aus welchen die Körperwelt zusammengefüget ist, in ein so genaues Gleichgewicht gegen einander, daß eine Welt, deren Theile sich augenblicklich auf tausendfache Weise verändern, doch immer besteht, und in Ordnung bleibt? O Vater der Wesen! diese wundervolle Einrichtung ist nicht das Werk des blinden Zufalls( so was könnte nur ein Thor behaupten;) sie ist ein unnachahmliches Meisterstück deiner Weisheit und Allmacht. ( Pf. 103.- 134, 6. 7. 135,5-9. C Er rief dem Nichts; ,, Verschwinde!" Gebot der Schöpfung: ,, Sey!" Dem todten Kloz: ,, Empfinde!" 11 Den Welten: ,, Banget frey!" Und alles ward, und lebte, Wie, wann, wo er gebot, Und stand, und wallt, und firebte, Und rief: Es ist ein Gott! 132 7 Doch, warum suche ich meinen Schöpfer ausser mir, den ich so leicht in mir selbst finden kann? Ich empfinde. Ich denke. Ich bin mir meiner und anderer Dinge ausser mir bewußt, Ich befiße und gebranche alle Augenblicke eine Kraft, von der ich nicht weiß, was sie ist, noch wie sie in mir wirkt, die Einbildungskraft, wodurch ich, so oft ich will, und nicht will, Bil der von Dingen, die auffer mir sind, in mir erschaffe; mit diesen Bildern, als wie mit meinen Geschöpfen, nach Belieben umgehe; sie ans sehe, verbinde, trenne, und aus ihnen alles mache, was ich nur will. Woher kommt dieser Stoff, welchen meine denkende Seele nach fo verschiedenen Formen verarbeitet? Wer hat meinen Körper zu so vielen und mancherley künstlichen Verrichtungen geschickt und bequem zu Bauen gewußt? Wer hat ihm das Gesek vorgeschrieben, daß er meinem Willen ohne Ausnahme gehorsam seyn, und auf meinen Befehl Bewegungen machen muß, von denen ich selbst nicht begreise, wie sie geschehen? Ich brauche täglich und augenblicklich die Glieder meines Leis bes nach meinem Wohlgefallen. Meine Seele regiert meinen Körper gleichsam mit der Macht eines Gottes. Sie will gehen, und sie geht; sie will sprechen, und sie spricht. Sollte man glauben, daß ein Wesen, dessen Macht so unum: schränkt zu seyn scheinet, dasjenige nicht einmal 133 Fenne, worüber sie gebietet? Aber genug; meine Seele weiß, daß diese Herrschaft und die Kraft, wodurch sie dieselbe ausübt, nicht von ihr sey. Sie fühlt, daß du sie mit dieser Kraft ausgerü ftet haft- Schöpfer! Vater der Geister! Ja, wenn ich da bin, wenn die Welt da ist, ( und wer könnte daran zweifeln?) so ist auch ein Schöpfer alles dessen, was ist. Denn weder ich bin von mir selbst, noch ist es die Welt. Es baut sich keine Strohhütte von selbst.( Hebr. 3, 4.) Ein blosses Ungefähr, ein blinder Zufall, kann keine so schöne Welt zusammenwehen, wie diese ist.-Gott! du bist allein die Urquelle der ganz zen Schöpfung! du bist das höchste Wesen, der vollkommenste Geist, thätig durch eigene Kraft. Du besitzest Macht und Weisheit, denn du haft beydes in der Schöpfung bewiesen. Dein Wesen ist der Inbegriff alles Guten, alles Vortreflichen, aller unerineßlich großen Eigenschaften über unsere Begriffe erhaben! Wie unendlich groß muß der Herr der Nas tur seyn! Ein Sandkorn, ein Würmchen, ist ei ne Welt für uns, oder würde es doch seyn, wenn unsere Augen fein genug wären, alle seine Theile unterscheiden zu können. Unzählbare Millionen derselben liegen zu unseren Füssen, ungesehen, oder doch unbemerkt von uns, aber nicht von dem, welcher kein einziges derselben ohne Absicht erschaffen hat. Das Geringste in der Natur ift ww 1 weit Sey 134 ein unerforschliches Geheimniß auch für den tiefsinnigsten menschlichen Geist. Das Grössere ist eben so unergründlich, eben so erstaunenswürdig. Wen macht die Vorstellung eines bodenlosen Meeres nicht schwindeln? Es bedeckt Berge und Länder, deren Höhe und Umfang denen nichts nachgiebt, welche wir bewohnen. Welten liegen unfer seinen Fluthen begraben. In seinen Ab= gründen spielt der König der Fische der Walls fisch. Er durchbrauft die Gewässer; er drängt sich durch Gebirge von Wellen hin, er athmet Ströme, und jede seiner Bewegungen bringt die ganze Wasserwelt in Aufruhr. Und dieses Unge: heuer des Wasserreichs, das Weltmeer selbst, und die Erde, die es einfaffet, mit allen ihren Ber gen, Ländern und Königreichen-- wie klein wür de uns dieß alles vorkommen, wenn wir es von der Höhe eines unserer Sonnenplaneten herab betrachten könnten? Und dieß alles hat sein Daseyn durch den bloßen Willen des Ewigen, des Allerhöchsten erhalten. Hier verliert sich mein Geist ganz in dir, unbegreiflicher Schöpfer! Wer kann dich denken? So groß diese Welten meinem Verstande scheinen, so sind sie doch gegen dich nur wie ein Stäubchen auf der Wage, wie ein Tröpfchen, das im Eimer bleibt, und noch weniger. Wie groß, wie unendlich, wie unaussprechlich groß mußt du seyn, da dich alle die Größen nichts als einen Gedanken kosteten! V - 135 Sind aber alle diese Größen ein Nichts gegen dich, was bin ich denn, der ich klein genug bin, mich in diesem Nichts zu verlieren, aber auch groß genug, um zu erkennen, daß dieses ganze So wunderbar All gegen dich ein Nichts ist? hast du mich gemacht, mein Schöpfer! Gott, meines Wesens einziger Ursprung! Welch ein Glück ist es für mich, daß ich dich kenne! Meine Seele lobe dich, den Unsichtbaren, den Unendlichen, den Unbegreiflichen! Sie erhebe sich mit geistigen Schwingen zu dir, ihrem Ursprunge, dem reinsten, dem göttlichen Geiste. Du allein verdienest Lob, obwohl du über alles Lob unendlich erhaben bist! O du, der Anfang, das Mittel und das Ende aller Dinge!( Jef. 42, 5. 8. K. 44, 6. Off. Joh. 1, 8) von dir bin ich. Du hiessest mich werden; dein gebiethend Wort baute mei: nen Körper. Dein Hauch beseelte ihn. Daß ich bin, ist durch dich. Was ich bin, bin ich durch dich. Ich wäre nicht, ich dachte nicht, wenn du nicht gewollt hättest, daß ich seyn und denken follte. Und wer schrieb mir denn jenes Heilige Gesetz der Sitten in's Herz, das ich nicht übertreten darf, ohne mit mir selbst in den schimpflichsten Widerspruch zu gerathen, und mich in meinen eignen Augen herabzuwürdigen? Woher ist das unbedingte und unerlaßliche Gebot meiner Vernunft, sittlich gut zu seyn, und mich durch Tugend einer Glückseligkeit würdig zu Marverne 138 machen, wornach mein Herz schmachtet? Du, o Gott! bist der Urheber des Sittenreiches, wie du der Herr der Schöpfung bist. So gewiß ich das Böse fliehen, und das Gute ausüben muß, und so gewiß ich nur im Verhältnisse meines sittlichen Berthes glücklich zu seyn verdiene, so gewiß muß es auch eine Glückseligkeit, nach der ich strcbe, und einen Gott geben, der sie nach Würde und Berdienst ertheilet. mode Es zeuget, daß du feys, der göttliche Gedanke, Der jeden Zwang verschmäht, und spottet jede Schranke, Den Himmel ieht erfliegt, zur Hölle dann sich senkt, Das All, sein eigen Sch, und Dich, Erbarmer! denkt. Die ernste Stimme zeigt's, die nimmer schweigt, noch Heuchelt, Die nie dem Triebe fröhnt, und nie den Lüften fchmei chelt. Gelobt, ewig gelobt seyst du, mein Schöpfer, mein Herr, mein Gesetzgeber! Dankbarkeit und Liebe durchwallen mein gerührtes Herz, wenn ich denke, daß ich dein vernünftiges, zu einer erhabe: nen Bestimmung berufenes Geschöpf bin. Unend licher! eine unaussprechliche Freude bemächtiget sich meiner bey diesem großen Gedanken; meine Seele zerfließt in den zärtlichsten Empfindungen. O! möchten sie dir doch nicht mißfallen, die Regungen meines dankvollen Herzens, Gott und Vater! von dem ich alles habe, was ich habe, und durch den ich alles bin, was ith bin! 139 Dein Eigenthum bin ich, Herr des Hims mels und der Erde!( 1. Kor. 8, 6) und ich will es seyn, so lange ich bin. Dir foll mein Leib und meine Seele heilig seyn. Was soll ich thun? Wie soll ich dich verehren? du AllerHöchster! rede, ich will hören. Würdige mich deiner Befehle! Ich brenne vor Eifer, ihnen zu gehorchen. Q! wer giebt mir die Schnelligfeit des Windes, und die Stärke der Feuerflammen, um gleich denen, die vor deinem Throne stehen, auf deinen Wink zu fliegen, und alle deine Gebote zu befolgen? O selige Augenblicke, ach! in welchen man dir dienet! Wann wann, mein Gott und mein Schöpfer! wanit werde ich diese Seligkeit vollkommen besitzen? Wann werde ich im Gehorsam gegen dich ge übt genug seyn, um in die Zahl deiner treuen Knechte aufgenommen zu werden? Ich will alle meine Kräfte aufbieten. Ich will mein einzia ges und ganzes Glück darinn suchen, deinen heiligen Vaterwillen so auf Erden zu volla bringen, wie er im Himmel vollbracht wird. ( Matth. 6, 11). Amen. Www 140 Am Dienstage. Gott ist ewig; unveränderlich. Gott ist und bleibt stets, wie er ist; Wer firebet nicht vergebens Ihn auszusprechen? Wer ermist Die Dauer feines Lebens? Wir Menschen sind von gestern her, Eh' noch die Erde war, war er; Noch eher, als die Himmel. Ewig bist du, mein Gott und Schöpfer! Du warst eher als alle Dinge, die du mit einem allmächtigen Worte aus ihrem Nichts hervorgerufen hast. Eh' die Sonne brannte, eh' sich Welten um ihre Achsen drehten, eh' Geister dachten- warst du!( Pf. 89, 2.) Du bist durch dich selbst; keine fremde Kraft hat dein Daseyn gewirket. Du bist - weil du bist. Du bist alles, was du bist, aus dir selbst, und mit einmal, und du bleibst so ohne einige Veränderung. Zufall und Wechsel sind deiner Natur zuwider. Du kannst an Größe nicht zu und nicht abnehmen; denn wie wärest du sonst unendlich groß? Du wirst in alle Ewigfeit seyn, und in alle Ewigkeit so groß und so voll: femmen seyn, als du vor aller Ewigkeit gewefen bist. Du bist der Vater der Ewigkeit! Du warst $ 141 vor unendlichen Jahrhunderten, und wirst nach unendlichen Jahrhunderten noch seyn. Sprogcen Zusatz von Millionen Jahren verlängert dein Das seyn nicht, und eben soviel davon abgerechnet, verkürzet es nicht. Du Herr! bist der erste und der letzte.( Sef. 41, 4.) Du hast im Anfange die Erde gegründet, und die Himmel sind deiner Hände Werk. Sie werden vergehen, du aber bleibest. Sie werden alle veralten, wie ein Ges wand; sie werden verwandelt, wie ein Kleid, wenn du sie verwandeln wirst. Du aber bleibst, wie du bist, und deine Jahre werden kein En de nehmen.( Hebr. 1, 10. 11. 12.) compens Wem vergeh'n hier nicht alle Gedanken? Kein erschaffener Geist kann den Unerschaffenen denken; und wie will ich, dessen Tage kaum eis ner Hand breit sind, die Unendlichkeit des Ewie gen faffen?- Ich nehme den größten Zeitraum, welchen ich auf einmal denken kann. Ich verdopple ihn mit Millionen und abermal Millionen. Ich bringe eine Summe heraus, die in Ansehung mei= ner unendlich ist. So viel Sandkörner fast das Firmament nicht, als ich Millionen Jahrhunderte denke. Und diese ungeheure Summe reicht doch bey weitem nicht zu, um nur ein Maßstab für die Dauer des Ewigen zu seyn! Wenn auch alle Geister, die je gedacht haben, und je denken werden, sich in ähnlichen Bemühungen mit mir vereinigten, so würden wir doch nichts mehr, um pod 142 wwped den Ewigen zu begreifen, ausrichten können. Ein Tag ist bey dem Herrn, wie tausend Jahre, und tausend Jahre sind bey ihm wie ein Tag! ( 2 Petr. 3, 8.) Ich will also in stiller Bewunderung Den anbeten, den ich nicht begreifen kann. Er, der Ewige, foll der Gegenstand meines Nachdenkens seyn. Auf ihn will ich meine Blicke richten, nicht in der Albsicht, seine Unendlichkeit zu ergründen, ( welche Thorheit, welche Vermessenheit wäre dieß!!) nein, ich will nur empfinden, wie unenda lich der Ewige ist, um desto lebhafter zu fühlen, wie niedrig ich selbst bin, Ich schaue mit Evstaunen gen Himmel. Mir schwindelt beym Anblick eines Gewölbes von unendlichem Umfange, welches von den mächtigen Hans den des Ewigen aufgeführet ist, und für die Ewigkeit gebaut zu seyn scheint. Mein Geist verliert sich in dem unermeßlichen Felde dieser Schöpfung. Connen und Welten sind in einer Menge vor mir, wovon ich das Ende nicht absehe. Wer kann mir sagen, feit wie vielen Jahrhunderten und tausenden diese Sonnen schon brennen, und wie viele Millionen ihres gleichen schon vor ihnen geleuchtet und ausgebrannt haben? Wer weiß es, wie viele Geschlechter von Welten schon gewesen und zerstört find? Wer hat den Stammbaum des Sonnenges schlechtes durchgesehen, welcher an dem gränzen: losen Himmel aufgezeichnet ist? Aber alle diese 143 Sonnen, mit allen ihren Weltent, in allen ihren Geschlechtern, vom Anfange bis jetzt, und bis zu ihrem Ende, mit aller ihrer bisherigen und zukünf tigen Dauer, sind gegen die Deinige, ewiger Du Schöpfer, noch nicht ein Punkt der Zeit. sprichst, und Sonnen entzünden sich, und Weltert werden. Du sprichst wieder, und Sonnen vers löschen, und Welten vergehen. Unverändert und mit ruhigem Blicke siehst du ihrem ersten Aufgange und letzten Untergange zu.( Malach. 3, 6.) Auch die jetzigen werden zu ihrer Zeit vergehen. Dieser Himmel mit seinen Sternen wird allmählig einem andern Himmel mit andern Sternen Platz machen. Aber du, Ewiger! und nur du allein bleibst! Wenn Sonnen veralten, und Weltgebäude sich verwandeln, so bleibst du, wie du bist, und deine Jahre nehmen kein Ende.( Pf. 101, 26. 27. 28) Du, ewiger Vater! schauest von deinem tief in die Ewigkeit gegründeten Throne, mit sicherer Majestät, das Entstehen und das Bergehen der Welten an. Du winkteft mit allmächtigen Blicken, und schnell erhoben sich Welten aus Nichts, und standen da! Du winkest abermal, und siehst sie in ihr Nichts wieder zurücksinken, mit eben so weniger Veränderung, als die Sonne von den kleinen Thierchen leidet, welche in heißen Sommertagen bey ihrem Aufgange geboren werden, und noch vor ihrem Untergange sterben. Disenmont INDINGINEE 144 Und was müssen denn vor dir, Ewiger! meine Tage feyn? Die Augenblicke, seit welchen ich bin, und in welchen ich etwa noch seyn werde wie nichts, wie so gar nichts müssen sie vor dir seyn? Ich, dessen Leben kaum die Långe einer Spanne austrágt!( Pf. 89.) ich), dessen ganzes Daseyn nicht dem zehnten Theile der Zeit gleich kömmt, welche eine Eiche zu ihrem Wachsthume braucht! Ich, gegen dessen Dauer die Dauer der Eiche eine Art von Ewigkeit ist! Demungeachtet bin ich doch groß genug zu erkens nen, daß die Dauer ganzer Weltgebäude gegen die Deinige wie nichts ist. Ja, ich bin groß genug, mir eine Dauer, wie die Deinige, in der Zukunft, zu wünschen, sie zu hoffen, und Ansprüche auf die Ewigkeit zu machen: Ewig, ewig werd ich leben; Sicher der Unsterblichkeit, Streb' ich, mich empor zu heben leber jeden Traum der Zeit. Wandeln will ich fest und still, Jeden Pfad des Rechts, und will Was davon mich locket, haffen, Will die Ewigkeit umfaffen. 2 men. PRIE 145 Um Mittwoch. Gott ist allmächtig. Er spricht, und es geschieht: er gebeut, und es steht da! ( Pf. 33, 9. Vergl. Hiob. 38. 39. 40. 41. 42.) Gott! wie unbegreiflich groß ist deine Macht, die ich mit jedem Blicke in deiner Schöpfung ents decke. Alles, was ich sehe und höre, alles, was ich durch irgend einen meiner Sinne empfinde, ist eine Wirkung dieser unendlichen Macht. Durch sie leuchtet die Sonne, wälzen sich die Welten, leben die Thiere, denken die Geister. Sie ist die Seele der ganzen Schöpfung. Sie erhob die Welt aus dem Nichts, und sie erhält die Welt in ihrem Daseyn. Ohne sie wäre die Welt nicht entstanden; und ohne sie würde die Welt augens blicklich wieder in ihr Nichts zurücksinken.( I B. Mof. I. Rom. 4, 17.) Gott! deine Kraft verbreitet sich durch alle Wesen, sie belebt das Kleinste wie das Größte, das Ganze und alle Theile. Sie leuchtet in den Lichtstrahlen; sie wärmet in dem Feuer; sie wächst in der Pflanze; sie empfindet in dem Thiere; sie denkt in dem Engel. Alles alles ist durch sie, und alles besteht durch sie. Septe 146 Aber was ist die Allmacht? Auf was für eine Art wirkt sie? Dieß sind Fragen, zu deren Auflösung die Einwohner des Himmels und der Erde umsonst ihre Berstandeskräfte vereinigen. Für Geschöpfe ist hier alles unergründlich. Was Allmacht sey, weiß nur der, der sie besitzt nur der Allmächtige. Wie die Allmache wirke, weiß nur der, der sie gebrauchet der Allwirksame. Das Wesen der Allmacht kennen, und selbst allmächtig seyn, ist einerley, und kömmt nur allein dir zu- Allvater! Schöpfer aller Wesen! nur Ich ziehe mich also in die Gränzen zurück, welche mir, als einem endlichen Geiste, gesetzt sind. Ich will den Allmächtigen nicht erforschen, sondern anbeten. Wer kann den Unbegreiflichen begreifen? Eine demüthige Empfindung meiner Schwäche und seiner Stärke ist alles, was mit erlaubt ist, und alles, wozu mir die Erkenntniß des Allmächtigen nüßlich seyn kann. Zu dieser Erkenntniß gelang' ich leicht, wenn ich nur einen aufmerksamen Blick auf mich selbst Hefte. Liegt nicht ein Abdruck der Allmacht in mir? Gewiß, wenn etwas in der Natur ist, was mit dieser göttlichen Eigenschaft einige Zehnlichkeit zu haben scheint, so ist es die fast unumschränkte Macht, welche meine Seele über meinen Körper ausübt. Alle Sinne und Glieder desselben stehen ihr zu Befehl. Kaum will sie, daß sich ein Glied regen 145 regen und bewegen soll, so wird in dem Augena blicke ihr Wille vollzogen. Zwischen ihren Be fehlen und dem Vollzuge derselben geht gar keine Zeit verloren. Sie darf nur denken, und es geschieht schon; gleich als wenn ihre Gedanken so viele unwiderstehlich wirkende Kräfte wären, die alles mit einer undenkbaren Geschwindigkeit ausführen. Darf man das Kleine mit dem Größten vergleichen, so ist Gott in Absicht auf das ganze All, was meine Seele in Absicht auf meinen Körper ist. Er will, daß etwas werden soll, und es wird. Die Sonne soll brennen, und sie brennt. Welten sollen sich um sie bewegen, und augenblicklich treten sie ihre Reise an. Ein Thier foll leben, und es lebt. Ein Geist soll denten, und er denkt. Die Allmacht bedarf keiner Zeit zu ihren Wirkungen. Denken und Thun ist bey ihr eins. Der Allmächtige spricht, und es ge: schieht; er gebeut, und es steht da. O! wie unaussprechlich klein und ohnmächtig bin ich gegen den, der die Völle aller Macht bes fißt. Unendlich groß ist der Unterschied zwischen einem Tropfen Wasser und dem Weltmeere, zwis schen einem Augenblicke und der Ewigkeit. Allein dieser Unterschied verschwindet fast gänzlich, in Vergleichung mit dem, welchen ich zwischen meis ner Kraft, und der Kraft Gottes antreffe. Meine Kräfte( des Leibes und der Seele) sind nur ein Darleihen, nichts Eigenthümliches; nur eine IQ 146 Wirkung, und gleichsam ein Ausfluß von der Allmacht. Ich kenne nicht einmal die Natur und Beschaffenheit meiner Kräfte. Indem ich meine Glieder bewegen will, und wirklich bewege, bin ich mir nicht im geringsten einer Kraft bewußt, welche ich zu diesem Endzwecke anstrenge. Es geschieht, was ich will, ohne daß ich selbst weiß, wie es zugeht. Wie soll ich mich denn nun wundern, wenn mir die unendlich höhere Macht des Schöpfers auf alle Weise unbegreiflich ist?( Ephef. 3, 20.) Brauche ich auch woht mehr zu wissen, als daß die Kräfte, die mir Gott verliehen hat, felbst der stårksie, der augenfälligste Beweis seiner Allmacht sind und daß ich gegen ihn wie nichts bin! The 2 Aber auch die Kräfte der ganzen Natur zufammengenommen, sind nur ein Schattenbild von der Machyt des Unendlichen, von der sie herstam= men, und durch welche sie erhalten werden. Was man in der Natur groß oder klein, stark oder fahwach nennt, ist nicht durch sich selbst groß oder klein, stark oder schwach; sondern alles ist gerade das, was der Allmächtige will, daß es seyn soll. nio Gott! wer ist die gleich? Der Himmel ist dein Thron, und die Erde dein Fußschemel. ( Jes. 66, 1.) Du, Allmächtiger! wohnst in der Höhe, und alle, die auf Erden wohnen, sind vor dir, wie Henschrecken. Du allein bist mächtig; du allein bist groß; dir allein gebüh: 1 147 ret Lob, Ehre und Preis. Durch dich lebt die ganze Schöpfung. Dein Othem beseelt alles; du ziehst ihn zurück, und alles vergeht, und wird zu Staube. Gtack und Linglück sind in deiner Hand, und du theilst selbe aus, wie du willst. Wer kann deinem Willen widerstehen? Wohl dem, den du schützest. Was können ihm Menschen schaden? Bey dir allein steht es, den Niedrigen hoch, und den Hohen niedrig, den König zum Bettler, den Bettler zum König, und beyde zu Staub zu machen. O Allmächtiger! wer sollte dich nicht fürchten? Und was sollte dem sonst noch fürchterlich seyn, der dich recht fürchtet? * Gott! du bist allein die wahre Quelle aller Heiligkeit, alles Glückes, und alles Segens. Deine Reichthümer sind unerschöpflich. Aus dir fließt allen Wesen alles Gute, Leben und Seligkeit, gut. Vergébens streitet die ganze Welt wider mich, wenn du für mich bist; aber vergebens begünstiget mich auch die ganze Welt, wenn du wider mich bist. Deine Hand lenkt alle Mittel, welche mein Glück befördern oder stürzen können. Durch dich, Herr des Himmels und der Erde! durch dich regieren die Könige; sind die Mäch; tigen stark; die Weisen verständig. Du hast die Herzen aller Menschen in deinen Händen, und leitest sie, wie Wasserbäche, wohin du willst. Was sind doch die Menschen, daß ich sie fürchten, was find Menschenfinder, daß ich auf CAM m4 148 1 fie vertrauen sollte? Die höchste Macht der Sterb: lichen erstreckt sich nur über das, was an mir sterblich ist; sie können nur meinen Leib tödten 2 ( Matth. 10, 28.) mein unsterblicher Geist, und das Glück der Ewigkeit, das auf ihn wartet, ist weit weit über alle menschliche Gewalt hinausgefeßt. Sogar mein zeitliches Glück hängt nicht weiter von Menschen ab ats du es zuläfsest, Bater im Himmel! Mein Bestreben soll demnach hauptsächlich nur dahin gehen, mir deine Gnade, o Gott! zu erwerben, und zu erhalten. Alle Empfindungen von Ehrfurcht und Vertrauen, welche in meiner Seele aufsteigen, follen nur für dich seyn. Ich will meine Größe und meine Seligkeit allein darin suchen, von dir abzuhangen. Ein ohnmäch: tiges Wesen, wie ich bin, und wie alle Menschen sind, ist freylich zu gering, dich, den Allmächtigen, nach Würde zu ehren; aber doch nicht zu gering, dich anzubeten, und mit demuthsvoller Zuversicht auf dich zu vertrauen. Mein zeitliches und mein ewiges Glück hängt nur allein von deiner Huld ab, und deine Huld ist der Lohn, welcher die Bemühungen deiner treuen Knechte frönet. Gott! ich will deinen Gesetzen, ohne Ausnahme, gehorchen, und deinen Willen mit Freude vollbringen. Alle Kräfte meines Geistes und meis nes Körpers follen von nun an deinem Dienste, 149 der Tugend und Rechtschaffenheit gewidmet seyn. Und was habe ich alsdann noch zu fürchten?( Jef. 41, 13.) Der Weltbau mag zertrümmern, und die Erde unter meinen Füssen weichen. Ich sehe dem Untergang der Schöpfung ganz unerschrocken ૫. Der, durch den sie vergeht, ist der Allmächtige; und du, Allmächtiger! bist mein Freund! 375070 SID Am Donnerstage. Gott ist allweise, allgegenwärtig, allwissend. sisme Nähm' ich der Morgenröthe Flügel, Und eilte über Thal und Hügel, Bis zu des fernsten Meeres Strand; Spräch' ich: die Nacht soll mich bedecken, Des Meeres Tiefe mich verstecken, So faste mich doch deine Hand. Sucht' ich im Himmel, in der Hölle, In Felfentlüften eine Stelle, Bu flieh'n von deinem Angesicht, Bergebens! In der Tiefe Gründen Wird deine Gegenwart mich finden, Die Finsterniß ist vor die Licht. ( Pf. 138.) # 51912 Gott! wohin ich in der ganzen Natur meinen Blick wende, treffe ich Spuren von der schönsten Ordnung an, welche von deiner Weisheit zeugen. - 150 In der ganzen Schöpfung ist nichts ums sonst. Das Allerkleinste hat seine Absicht, wie das Größere. So unendlich die Anzahl der Theile ist, aus welchen die Welt besteht, und fo sehr sie von einander unterschieden sind, so sind fie doch alle gleich nothwendig zum Ganzen, und zur Hauptabsicht ihres Urhebers gleich unentbehr lich. Die geringste Pflanze ist mit eben so viel Sorgfalt gebaut, als der künstlichsie Körper des vortreflichsten Thieres. Ihr innerer Unterschied wird nur durch die Verschiedenheit der Endzwecke bestimmt, zu welchen sie erschaffen sind; und alle diese verschiedenen Endzwecke laufen endlich in dek Vollkommenheit des Ganzen, als in einem ges meinschaftlichen Mittelpunkte, zusammen. Das Auge des Allwissenden durchschaut denselben in feinem völligen Umfange. Die Zahl der Sandkörner, der Wassertropfen, der Luft: Feuer- und Lichttheilchen, ist ihm eben so deutlich und volla ståndig bekannt, als die Zahl der Sterne.( Pr. 146, 4.) Er erkennt auf das Genaueste das Maß der Kräfte, welche jedes Stäubchen in der Natur für sich allein, und in der Verknüpfung mit andern besitzt. Er hat sie selbst ab: gewogen, und die verschiedene Zusammensetzung derselben angeordnet. Er kennt alle Veränderun gen, welche daraus erfolgen können, und wirklich erfolgen.( Job. 28, 24. 25. 26.) 1907 jais 151 Mit welch einer unbegreiflichen Kunst ist nicht der Körper des geringsten, verächtlichsten, und in meinen Augen ganz unnüßen Thieres gebaut? Er ist so klein, daß er unserm Gesichte entflieht; und doch haben alle seine Theile ihr gehöriges Maß und ihre Stärke. Die Kandle, in wel chen sich seine flüßigen Säfte bewegen, sind nicht weniger künstlich eingerichtet, als jene, die man Seine in dem menschlichen Körper bewundert. Fäferchen haben ihre genau abgemessene Schnell kraft. Mehr oder weniger angespannt, als sie wirklich sind, würden sie dem Thiere unnük seyn. Es hat alle nöthigen Glieder, seine Nahrung zu suchen, sein Leben zu erhalten, seinen Raub zu verfolgen, vor seinem Feinde sich zu hüten, fein Geschlecht zu unterhalten. Der Theil der Schöpfung, welcher ihm zum Aufenthalte und zur Wohnung bestimmt ist, enthält alles, was es zu seiner Nahrung und Erhaltung braucht, in reichlichem Maße. Und wie viele Millionen Arten von Thieren heget der Erdboden? Luft, Wasser, Erde sind so viele Reiche, in wels chen kein Winkel ist, der nicht mit Einwohnern besetzt, und mit unendlichen Gattungen von Thieren belebt wäre, deren jedes in seiner Art mit allen den Eigenschaften versehen ist, welche die Absicht seines Daseyns erfordert.( Sirach 16, 26. 27.) Und alle diese Gattungen leben und erhalten sich seit so vielen Jahrhunderten! MAN Jury 152 Sie erhalten sich, ungeachtet aller Veränderun gen und Zerstörungen, welche von Zeit zu Zeit in der Natur vorgehen! Taufenderley Zufälle konnten auf mehr als eine Art verschiedene Gats tungen derselben vertilgen. Umsonst! sie bleiben alle, zum unwidersprechlichen Beweise, daß der Allwissende alle diese Zufälle vorausgesehen, und daß die höchste Weisheit sie zurückzuhalten gewußt hat.( Pf. 103, 25- 28.) Wem fallt hier ein allgemeiner Endzweck, und eine Menge zu Erreichung desselben angewandter Mittel nicht fogleich in die Augen? Doch ich selbst bin ja der unverwerflichfie Zeuge von der Weisheit meines Schöpfers. Der ganze Bau meines Körpers, alle Glieder desselben, alle Theile, woraus sie zusammengesetzt sind, jedes für sich, und alle in ihrer Verbindung, und nach ihren mannigfaltigen Verrichtungen betrachtet welche Wunderwerke? Der Mensch ist sich selbst das größte Geheimniß. Wie wenig ist es, was er von der Einrichtung seines Körpers, und von den Fähigkeiten seiner Seele weiß! Der kleinste Theil von mir selbst erschöpft alle Kräfte meines Geistes, ohne selbst erschöpft zu werden. Den Gebrauch, welchen ich augenblicklich von meinen Gliedern mache; die Empfindungen, welche ich unaufhörlich durch die Werkzeuge meiner Sinne empfange; die Begriffe, welche meine Seele aus diesen Empfindungen erschaffet; die Erkenntniß, 153 welche ich dadurch erhälte; das edle Vergnügen, welches mir dadurch zuwächst; und der erhabene Stand, welchen ich durch diese Vorzüge in dem dieses alles sind Neiche der Geschöpfe bekomme Folgen von der mir unbekannten Einrichtung meis nes Ichs; Folgen, welche die allerhöchste Weis heit meines Schöpfers um desto mehr beweisen, je verborgener mir die Ursachen von allen diesen wundervollen Wirkungen sind. Zwey Wesen von ganz verschiedener Art, ein Geist und ein Körper, sind in mir vereint, so genau vereint, daß ihre beyderseitigen, obgleich in sich verschiedenen Vera richtungen, doch alle zu einem und demselben Endzwecke eilen. Die Speisen, welche ich zu meiner Nahrung genieße, werden durch eine Art von Zauberkraft stuffenweise in Saft und Blut vera wandelt. Sie ersehen den Abgang, welchen alle flüßigen und festen Theile meines Körpers, durch thren beständigen Gebrauch, unaufhörlich leiden. Das Gehirn ist die Werkstätte der Gedanken das verborgenste Geheimniß der Natur. Hier langen von den entferntesten Theilen des Körpers alle Eindrücke an, welche die äußern Dinge in alle äußern Werkzeuge meiner Sinne machen. Hier werden sie, so zu sagen, geläutert, nehmen ein geistiges Wesen an, werden Gedanken, verlieren sich in das Innerste der Seele, welcher sie zur Nahrung dienen, wie Speise und Trank dem Leibe. Welch eine über alle Vorstellung M cond 154 inayomp erhabene Kunst hat hier gearbeitet? Wie unende lich groß muß die Weisheit desjenigen seyn, der mich so wunderbar gebaut hat? O welch eine Tiefe des Reichthums, der Weisheit, und der Erkenntniß Gottes! Was ist gegen den unendlichen Verstand des Allwissen: den der größte Verstand eines Sterblichen? Ja, was sind gegen seine Erkenntniß die Wissenschaften aller denkenden Wesen? Er allein ist die ewige, unerschöpfliche Quelle des Lichtes und der Wahrheit. Wir sehen nur in seinem Lichte das Licht. Unsere Erkenntniß erstreckt sich nicht weis ter, als sich die Kräfte erstrecken, welche er uns geliehen hat, und die Mittel, welche er uns verschaffet, diese Kräfte zu gebrauchen. Ach! was sind wir denn, daß wir uns erfrechen, die 26sichten des Allwissenden zu ergründen, und die Mittel zu beurtheilen, welche die höchste Weisheit zu Endzwecken anwendet, die nur sie allein völ lig erkennt?( Sirach 16, 20 22. Rom. 11, 33.) POWER Mit der tiefsten Bewunderung verehre ich anbetend die Spuren, welche die Weisheit meis nes Gottes in allen Theilen der Schöpfung zu rückgelassen hat. Es ist kein Punkt des Weltgebäudes, in welchem der Allwissende nicht ges genwärtig wäre;( Serem. 33, 23.) kein Staubchen, welches nicht in dem Verstande des Allwissenden seine eigene Stelle hätte; keine Verz anderung im Ganzen, und in dem kleinsten Theile, welche seinem allgegenwärtigen, Blicke entfliehen könnte. Nichts ist geschehen, nichts geschieht, nichts wird geschehen, was sein alles durchdrin gendes Auge nicht sieht. Alle Gedanken, welche alle Geister gedacht haben, denken, und denken werden, sind vor ihm offenbar.( Pf. 32, 10 15. 138, I 13.) Kann der Weiseste ohne Absichten han WONGAN deln, und müssen die erreichen sich vorgesetzt fommensten seyn? Abfichten, die er zu hat, nicht die voll Ein gesunder Verstand be: antwortet diese Fragen sehr leicht. Wenn ich nun, aber in allem, was ich von den Werken Gottes deutlich erkenne, weise Absichten bemerke, kann ich wohl zweifeln, daß auch in dem, was ich nicht deutlich genug erkenne, wovon ich den Nußen nicht ganz einsehe, dennoch eben so weise und Heilsame Zwecke verborgen liegen, die sich dereinst meinen verklärten Augen so helle, wie das Licht des Tages, und vollkommen gotteswürdig zeigen werden? Unser Wissen ist hier nur Stückwerk! dort wird das Mangelhafte ergänzt werden. Wir sehen hier hur, wie durch eis nen Spiegel; aber dort wird unsere Erkennts niß so klar und deutlich seyn, als wenn sich Die Menschen von Angesicht zu Angesicht bes trachten.( 1 Kor. 13, 9- 12.) Diese Vers heissung haben wir aus dem Munde der Wahrheit. 156 felbst; zu diesen, und noch größern Erwartungen, berechtiget uns das untrügliche Wort des allwis senden Gottes. Ja, Du Allwissender! von dir allein kann ich in der wahren Weisheit unterrichtet werden, und lernen, wie ich meine Kräfte ge: brauchen muß, um zur sittlichen Vollkommenheit, zur Glückseligkeit zu gelangen, deren du mich fähig gemacht, und die du mir zum Ziele gesetzt hast. Dein Licht erleuchtet die Finsterniß des Vergangenen, und durchstrahlet die lange Nacht der Zukunft. In diesem Lichte sehe ich, woher ich bin, wozu ich bin, und was ich einst seyn werde. Es zeigt mir die Dinge in ihrer wahren Gestalt, da sie durch den schwachen Schimmer der so leicht betrogenen Vernunft mir oft in einem ganz falschen Lichte erscheinen. lehrt mich Schäße kennen, die einer Wünsche würdig sind, und entdeckt mir die Wege, welche gerade zu denselben führen. Gott! was für ein unaussprechlich großes Gut ist dein Wort für mich! Meine Vernunft kämpft mit Ungewißheit und 3Zweifeln. Ich frage dich, und deine Aussprüche verschaffen mir Gewißheit. Mein bekümmertes Herz wankt zwie schen verschiedenen Gütern, unschlüßig, welche es wählen soll. Die Lehren deiner Weisheit entscheiden den Streit, und ich wähle das Beste. Was soll ich thun, daß ich selig werde? dans MIMMA Wen finde ich auf Erden, der mir diese Frage mit einer Gründlichkeit beantwortet, die mich zufrieden stellt? So viele Menschen ich um Rath frage, so viele verschiedene Antworten erhalte ich, die mich alle nicht beruhigen können, da sie alle nur auf menschliche Weisheit gegründet sind. O, was hätte ich, wenn ich dein heiliges Wort nicht hätte mein Gott und Herr! ich müßte, von allem Troste und aller Hülfe verlassen, in meis ner peinigenden Ungewißheit vergehen! Gepriesen ewig gepriesen feyst du, Batet des Lichts! Du wohnst zwar in einem ungugånglichen Lichte;( I Tim. 6, 16. Joh. 1, IS.) aber aus göttlichem Mitleiden hast du einen Strahl deines Lichtes zu mir gesandt, um mich auf den rechten Weg der Wahrheit zu leis ten. Die ewige Weisheit selbst würdiget mich, meine Lehrerin zu werden, und ich fühle das große Glück, den erhabenen Vorzug, ihr Schüler zu seyn. Ich kann nun aus der reinsten Quelle schöpfen, und meinen Durst nach Wahrheit stillen. Was den Weisen und Klugen dies ser Welt verborgen ist, das offenbart Gottes Wort den Unmündigen.( Luf. 10, 21.) Nun so will ich denn ganz aufmerksam, ganz gehorsam gegen die Lehren des Himmels seyn. In der frühen Stunde des Tages, und zu der stillen Zeit der Mitternacht will ich mit lehrbes gierigem Herzen zu den Füssen der Weisheit sißen, Cond 157 - 158 und ihren Unterricht hören. Hier will ich mich, mit Davids feurigen Schwingen, zum Gipfel der reinsten Andacht erheben, und schon zum Voraus Theil an dem Glücke der seligen Geister nehmen. Hier will ich den sanften Lehren des vollkommensten und heiligsten Lehrers in der Stille nachdenz ken, und in seinem limgange mein Herz zu ats lem Guten bilden. Hier will ich lernen, was ich in der Ewigkeit wissen muß, und mir den Reichthum von miglichen Kenntnissen, und von tugendhaften Gesinnungen zu erwerben suchen, den mir in Ewigkeit kein Zufall rauben kann. Allwissender, allgegenwärtiger Gott! dein Blick durchforscht das Innerste meines Herzens, ( Serem. 17, 10.) Meine verborgensten Gesin nungen sind vor dir offenbar, und du siehst meine geheimsten Gedanken. Wo ich bin, bist auch du um mich. Du beobachtest mich wo ich von keinem Menschen beobachtet werde.( Sprüchwe 15, 3: T1.) In allen meinen Handlungen habe ich dich, dereinst meinen Richter, zum aufmerkfamen Zeugen. Ich wandle unter deiner bestándigen Aufsicht,( Sir. 23, 27 29.) und ich will auch beständig, wie vor deinen Augen, wandeln. In allen meinen Thun und Lassen will ich auf dich sehen; dein allwissender Blick foll mich leiten; dein Wink soll mein Gesets feyn. Mit Furcht aber mit kindlicher Furcht will ich, voll heiliger Vorsichtigkeit, auf alle GALCESSE meine Tritte merken. Fehltritte follen mich bes hutsam, und die Erkenntniß meiner Schwachheit foll mich bedachtsam machen. Gott! möchte nur mein Herz vor dir rein seyn! möchte ich nur immer meinen guten Entschlüssen getreu bleiben! Prüfe du mich, o Herr! und erhaite in mir die edlen Gesinnungen, die du mir eingeflößt hast. Lehre du mich, Allweiser! ob ich auf dem rechten Wege bin, und erhalte, verstärke in mir die Luft, nur den Weg deiner Gebote zu gehen, Amen. Jan el danys 22 159 polaires Am Freytage. Gott ist höchst gütig. 144 * 100 Ich bin fein Werk, mein Leib ist sein Geschenke; Er schuf in mir den Geist, durch den ich menschlich denke; Er wies die Erde mir zu meiner Wohnung an, Mie macht er Thiey und Fisch, and Vögel unterthan: Für mich füllt feine Hand die Felder mit Getreide, Mit Thieren, mir zur Koft, und meinem Leib zum Kleide. meiner Kindheit Schutz, er meines Alters Stab, Er war es, der mir Brod, Gesundheit, Freude gab; Aus stürmender Gefahr, aus vangen Kümmerniffen, Oft aus des Todes Schlund, hat mich der Herr geriffen. Güte! gegen der des Himmels Raum zu klein, Das Meer ein Tropfen ist die soll mein Herz sich weih'n. Gott! ich begreife dein Wesen nicht, und nie: mand begreift es. Aber so viel begreife ich, daß du- die höchste Güte bist! 1 бо Gott ist die Liebe!( 1 Joh. 4, 8.) Die Neigung, sich mitzutheilen, das heißt, alles zu beglücken, gründet sich so sehr in seiner Natur, ist so unzertrennlich von ihm selbst, und so tief in alle seine Eigenschaften mit eingeflochten, daß man sein Daseyn läugnet, wenn man seine Güte läugnet.( Sefaj. 49, 15.) Die Güte ist, so zu sagen, das Leben und die Seele der Gottheit. Sie ist die einzige und ewige Triebfeder aller göttlichen Handlungen. Ohne sie wäre der unend: liche Verstand Gottes nur ein todter Spiegel, welcher die bloßen Bilder aller möglichen Dinge, ohne die geringste weitere Wirkung, vorstellen würde. Ohne sie wäre die Allmacht Gottes eine leblose Kraft, welche ohne Wirksamkeit durch alle Ewigkeit schlafen würde. Ohne sie wäre die Gott: heit eine unendliche Maschine, welche ewig still stünde, weil der Trieb fehlte, der sie in Bewe; gung setzte. Gott! du bist die höchste Güte! Gott! du bist die Liebe! Himmel und Erde stehen zum Beweise deiner Wahrheit auf. Die ganze Schöpfung, unendlich ausgebreitet durch die Höhe, Tiefe, Breite und Långe des unbegränzten Staumes, den die Hand der Allmacht abgemessen, ist der Schauplaß, auf welchem die ewige Güte ihre Wunder verrichtet, und Welten zu Zuschauern hat. Sie ist die Quelle, aus welcher Leben und Seligkeit das ganze Gebiet der Natur durchströmen, Himmel und Erde Bindens 161 Erde erfüllen, und die Fähigkeiten aller Wesen ersättigen. Durch sie theilt der Allmächtige, gleich sorgfältig gegen die Bedürfnisse des fleinsten Wurmes und des größten Erzengels, die Reichthümer feines unerschöpflichen Schatzes, mit göttlicher Unpartheylichkeit, unter alle Geschöpfe aus. ( Pf. 146, 8. 9) Durch sie ist Gott immer ganz thätig, und seine Thätigkeit ist Liebe! Bater der Menschen! ich selbst bin ein unwidersprechlicher Beweis deiner Güte, deiner unendlichen Liebe. Du gabst mir mein Daseyn; du hast mich mit der Kraft zu empfinden und zu denken versehen, und mir sinnliche Werkzeuge dazu verliehen. Du adeltest mich durch Vernunft und Freyheit. Du botest gleichsam deine Weißheit und Macht auf, um in der Natur alles, was einigen Einfluß auf meine fittliche Ausbildung, und auf meine Glückseligkeit haben kann, so anzuordnen, daß ich mit mir selbst zufrieden, und gerne hier feyn möchte. Gott! du setztest mich in eine Welt, die mit tausend Annehmlichkeiten, mit tausend Steißen geschmückt ist; und diese Welt schenktest du mit zum Eigenthume. Du machtest mich über diesen Theil deiner Schöpfung zum Herrn, indem du mich die Güter genießen heißfest, welche deine freygebige Hand in so reichlichem Ueberflusse ausgestreuet hat. Du befahlst der Sonne, für mich zu leuchten, und mir die Empfindungen der Con II 162 sichtbaren Schönheiten deiner Schöpfung mit den Strömen ihres Lichtes zuzuführen. Auf deinen Befehl, o Gott! wehet mir die sanftwallende Luft geistige Düfte zu, welche sie von balsamischen Pflanzen ablöset, um mich durch die entzückende Empfindung des Geruches zu ergößen, um meinen Lebensgeistern neuen Unterhalt zu verschaffen, um die Kräfte meines Geistes und meines Leibes zu erhöhen und zu vermehren. Du begabtest die Speisen und das Getränke, welche mir zur Nahrung bestimmt sind, mit den angenehmsten Reißen des Geschmackes. Durch eine unaufhörliche Abwechslung des mannigfaltigsten Vergnügens muß die Natur meinem Ekel vorbeugen. Jede Jahrszeit muß durch neue Ergößlichkeiten dem Ueberdrusse zuvorkommen, und die Lust zum Leben neu erhalten. Auf das freudige Geräusche des Tages folgt die gefällige Stille der Nacht, die mich einladet, die Geschäftigkeit mit der Ruhe zu vera wechsein, und durch einen sanften Schlummer mich zu den morgenden Arbeiten zu stärken. Gott! wie groß ist das Glück des Menschen, für den die ganze Schöpfung ist! Gott! wie gütig bist du! Die Gabe der Erfindung ist ein königliches Vorrecht denkender Wesen. Auch diese schenkte die unendliche Güte den Menschen. Nicht zufrieden, ihm alles Gute, dessen er benöthigt war, von außen zufließen zu lassen, versah sie M 163 ihn mit einem innern Vermögen, seine Glück feligkeit, gleichsam nach seiner Willkühr, zu vergrößern, durch neue Erfindungen sich neue Arten des Vergnügens zu verschaffen, und so von einem Theile seines Glückes selbst der Schöpfer zu seyn. Der Allmächtige ließ, so zu sagen, einen Theil seiner Werke unausgearbeitet. In diesem Theile überließ er es dem Menschen, seinen, Verstan) und Wiß zu üben, der Natur durch die Kunst zu Hülfe zu kommen, die zerfireuten Schönheiten der Schöpfung an einem Orte für sich zu sammeln, aus einzelnen Bergnügungen zusammengesetzte hervorzubringen, und so die Freuden seines Daseyns noch mehr zu vervielfältigen, den Genuß seines glücklichen Lebens noch mehr zu versüßen. Noch hatte die unendliche Güte nicht genug für den Menschen gethan, weil sie noch nicht alles gethan hatte! Der einzelne Mensch war auch nur einer einzelnen Glückseligkeit fähig. Die Gesellschaft konnte diefelbe unendlich vergrößern. Die gegenseitige Beyhilfe verschiedener Menschen, welche ihre verschiedenen Gaben und Fähigkeiten zu einem gemeinschaftlichen Zwecke anwenden, macht erst ihr Glück vollkommen. Die Schätze der Natur reichten zum Unterhalt vieler Millionen zu: und der geschäftigte Fleiß eines einzelnen Menschen war nicht hinlänglich, um sich alle diese Schätze zu Nußen zu machen. Die allwissende Güte wählte daher die vereinigten Be: 164 mühungen vieler Menschen, deren jeder mit besondern Gaben zu besondern Geschicklichkeiten ausgerüstet, und zu besondern Erfindungen auf gelegt war, zu einem Mittel, ihre ganze Schöpfung, als einen Gemeinsaß, unter das menschliche Geschlecht zu vertheilen, und es in den Stand zu setzen, alle darinn verschlossenen Güter zu benußen. Nun ward die Geschicklichkeit und die Thätigkeit eines jeden Mitgliedes ein allgemeines Gut der Gesellschaft. Seder genoß die Früchte seiner Erfindung und seines Fleißes, und indem er auch andere Theil daran nehmen ließ, wurde er durch eine gegenseitige Theilnehmung an den thrigen überflüßig belohnt. Er gab, und empfieng wechfelsweise; diese wechselseitige Gefälligkeit machte einen Menschen zum Wohlthäter des andern, und knüpfte die Bande der Gesellschaft durch den Reizeines gemeinschaftlichen Glückes. Die ewige Liebe stiftete die zärtlichen Verhältnisse, welche die Menschen noch enger mit einander verbinden, die Empfindungen der Liebe, dieser fruchtbaren Quelle des edelsten Vergnügens, der Mutter der Tugend und der Glückseligkeit. Sie wächst mit den Kräften des Geistes; steigt stuffena weise höher, bis sie, durch die Vernunft völlig geläutert, den höchsten Gipfel der Vollkommenheit erreichet, und zur Freundschaft wird. Sie, die Tochter der Vernunft und der Tugend, rein vor allem, was blos thierisch ist, sie wurde vom Frands 5445 11 165 Himmel herabgesandt, tugendhafte Menschen schon zum Voraus zu beseligen, noch ehe sie in das Land des Friedens hinüberwallen, wo die reinste und edelste Freundschaft alle seligen Geister beglücket. So sehr ist der Mensch der Liebling des Schöpfers! Und was konnte der Unendliche wohl hiebey zur Absicht haben? Vielleicht sich selbst? Er der keines Zusakes an Größe oder Seligkeit fähig ist? Er der Vollkommenste? Was tonnte er doch von einem Geschöpfe, welches alles, was es hat, von ihm hat,( 1 Kor. 4, 7.) für sich erwarten? Was hatte ich, der ich seit gestern bin, dem Ewigen zuvor gegeben, das ihn nöthigte, auf Wiedervergeltung bedacht zu seyn?( Nöm. II, 35.) Oder was kann ich in Zukunft für ihn thun, um dadurch einen gerechten Anspruch auf feine zuvorkommenden Wohithaten zu erhalten? Nein; die Absicht eines unendlich weisen Schöpfers kann nur allein die fittliche Voll: kommenheit seiner vernünftigen Geschöpfe, und ihre durch Tugend zu erwerbende Glückseligkeit fenn. Gott! du bist die Liebe! 1 motico 111 COND Aber ich weiß, was der Unverstand wider diese so einleuchtenden, so beglückenden Wahrheiten einzuwenden pflegt: ,, Wenn eine allmächtige Güte den Menschen zur höchsten Sittlichkeit und Glückseligkeit geschaffen hat;( fo lautet die freche Sprache des undankbaren Zweiflers) warumi ww 1 166 find denn so wenige Menschen sittlich gut, warum so wenige glücklich? Die ganze Schöpfung foll für den Menschen seyn: und sie scheinet fase ganz wider ihn zu seyn. Ihm leuchtet die Sonne, um ihm eine Menge von Uebeln sichtbar zu machen, die täglich unter ihr geschehen. Wider ihn sind alle Elemente im Streite. In der Natur ist nichts so gering, das nicht mit genugsamen Waffen zu seinem Verderben versehen wäre. Die Speis sen, welche ihn nähren; das Wasser, das ihn tränkt; die Luft, welche er athmet, sind die ge wöhnlichsten Werkzeuge zur Zerstörung seines Wesens. Mit was für einer genauen Kargheit sind ihm die Güter des Glückes zugemessen? Für einen, der Ueberfluß hat, leiden Tausende Noth; und selbst diesen einen Glücklichen setzt der Ueber= fluß, der sein Vorzug ist, tausend Verirrungen, Unruhen und Plagen aus. Stoff zum Elende finden alle allenthalben überflüßig. Der Mensch ist an innern Vorzügen weit über die Thiere erhaben, aber an Glück desto tiefer unter dieselben erniedriget. Er prangt mit dem göttlichen Vorrechte der Vernunft. Allein dieses Kleinod, anstatt ihn glücklich zu machen, ist in den meisten Händen, ein zweyschneidendes Schwert, welches ihr Vergnügen und ihre Ruhe bis auf das Leben verwundet. Durch die Vernunft wird der Mensch sinnreich zu seiner Noth, der Erfinder neuer Arten von Elend; der Schöpfer 167 unzähligen Uebels in der Gesellschaft. Von Sorgen, Furcht, Neid, Haß und Kummer wechselsweise gequält, ist seine vornehmste Beschäftigung, ein beständiger, ängstlicher Kampf wider das Elend, und besteht sein größtes Glück darinn, diesen Kampf, so viel möglich, zu verlängern, oder wie man sagt, das Leben zu erhalten; das Leben, dessen glücklichster Zeitpunkt derjenige ist, mit welchem sich dasselbe im Tode endet. Wie? dieser armselige Mensch soll von einer unendlichen Güte zu der höchsten Glückseligkeit bestimmt- Güte soll die einzige, die ewige Triebfeder aller Unternehmungen des Schöpfers seyn? Ja; sie ist es, und es bleibt ewig wahr, daß der Mensch mit hinlänglichen Fähigkeis ten versehen ist, um sich alle die fittlichen Vorzüge und die Glückseligkeit zu verschafe fen, zu deren Genuß seine Natur aufgelegt ist. Es bleibt ewig wahr, daß ihm der Schöpfer aus keinem andern Grunde, als allein aus Antrieb der Güte, diese Fähige keiten verliehen hat. Von dem rechten Gebrauche derselben hångt nun sein Glück ab; es steht in seiner Freyheit, eine vernünftige Anwens dung davon, und eben dadurch sich glücklich zu machen. Mißbraucht er seine Kräfte, so geschieht, nothwendiger Weise das Gegentheil; der Mißbrauch wird zur Quelle des zahlreichsten und empfindlichften Elendes! 1 168 Aber, sah nicht die Weisheit des Schö pfers dieses alles voraus? Warum verhinderte fie es nicht? Unstreitig sah sie das alles vors aus, und noch vielmehr, als das. Sie fah' nämlich auch voraus, wie unentbehrlich es dem Menschen zu seinem Glücke sey, eine Fertigkeit in dem vernünftigen Gebrauche seiner Kräfte zu erhalten. Diese konnte ihm aber nicht ans erschaffen werden; er konnte sie nur durch Uebung gehörig gebrauchen lernen. Hiezu hatte er eine Art von Erziehung nöthig, und die Bez sorgung derselben nahm die unendliche Güte über sich. Sie setzte den Menschen in den Stand der Prüfung; sie läßt ihm die Freyheit, seine Kräfte auf allerley Art zu versus chen, und nach Willkühr jenen Gebrauch von seinen Fähigkeiten zu machen, welchen er für gut findet. Sie läßt ihn alle Folgen empfin den, welche natürlicher Weise aus seinen Hands lungen fließen. Vernunft und Erfahrung sollen ihn zur Weisheit führen. Er soll selbst, durch die Empfindung der traurigen Folgen des Lasters, überzeugt werden, daß es kein Eigensinn, sondern uneigennützige Güte seines Schöpfers ist, die ihm das Laster untersagt hat. Durch eiges nen Schaden gewikiget, soll er zu der festen und dauerhaften Entschliessung gebracht werden, das erhabene Glück zu suchen, zu welchem er. bestimmt ist, und es auf dem Wege der Tugend 39 19 169 zu suchen, durch Bernunft und Erfahrung übers zeugt, daß es auf keinem andern zu finden ist. Um ihren Zweck nicht zu verfehlen, legte sie seinen Ausschweifungen einen Zügel an; und dice fer Zügel sind selbst die vielfachen lebel, wodurch ihm die Lust verbittert wird, welhe er, zu seinem Verderben, in fündhaften, niedrigen Vergnügun gen suchet, um deren willen er sein wahres Glück hintansetzt. Die ganze Reihe der naturlichen Ulebel, die ungleich größere, welche sich der Mensch durch seine Thorheiten zuziehet: die Nothwendigkeit zu sterben, und die Ungewißheit der Todesstunde sind die nachdrücklichsten Beweise von der väterlichen Güte desjenigen, der mit diesen Ulebeln den Abgrund eines unendlichen Elendes umdåmmet, in welchen sich, ohne dieſe Hindernisse, der Leichtsinn des Menschen stürzen würde. Ach! je mühsamer der Weg ist, der mich zu meiner Bestimmung führt, und je stärker, je empfindlicher die Mittel sind, durch welche die höchste Güte den Abwegen vorbeugt, auf welchen ich mich verlieren könnte; desto höher steigt meine Vorstellung von der erhabenen fittlichen Würde und Seligkeit, die mein endliches Ziel ist; desto lebhafter empfinde ich die Unendlichkeit der Liebe, die mir dieses Ziel gesetzt hat, und mich durch ihre unabläßige Bemühung dahin, zu führen sucht.( Rom. 2, 4. 2. Petr. 3, 9. Luf. 3.) -- O wie unaussprechlich reizend ist die Seite, von welcher die Eigenschaft der Güte mir mei nen Schöpfer zeigt! Er das einzige Wesen in seiner Art( 5. B. Mos. 6, 4) ist aus sich felbst, ewig, gleich groß an Verstand und an Macht, an beyden unendlich. Er wohnt in einem unzugänglichen Lichte, für mich sowohl, als für den ersten Seraph. Geblendet von dem flammenden Glanze seiner Gottheit verliere ich beynahe alle Hoffnung, jemals etwas von ihm erwarten zu dürfen. Die bloße Vorstellung feiner alles erfüllenden Größe drückt mich gänzlich nieder, und ich fühle nur, wie nichts ich gegen ihn bin. Jede seiner Eigenschaften erweckt in mir ein geheimes Schaudern; meine Empfindungen gegen ihn sind Furcht! aber nicht Knechtesfurcht, sondern Kindesfurcht; denn er ist gütig unendlich gütig. Er ist die Liebe! er ist mein Vater!( Matth. 6, 9. Gal. 4, 6) Ihm wohnt ein unendlicher Trieb bey, wohlzus thun, und alle seine Geschöpfe zu beseligen. Er hält das Vermögen, Welten glücklich zu ma chen, für das herrlichste Vorrecht seiner Gottheit. ( Pf. 144) Gütig zu seyn, steht, so zu sagen, nicht in seiner Willkühr; er ist es gemäß seiner Natur. Sein ganzes Sein ganzes Wesen ist Liebe, und Gnade, und Huld. Einen andern Begriff kann sich der menschliche Geist von Gott gar nicht bilden; und dieses ist auch die würdigste Vor- 170 W -- 1 PU stellung von ihm. Gott müßte sich selbst verläugnen können, um nicht höchst gütig zu seyn. Seine Schäße sind unendlich, wie er. Er ver: theilet sie alle unter seine Geschöpfe, und sie blei ben ihm doch ganz. Ihm ist Wohlthun Selig keit, und er ist höchst selig.( Ps. 103). lind dieser ist mein Schöpfer? Dieser unend: lichen Güte verdanke ich mein Daseyn? Diefer ist der Gott, durch den, und in dem ich lebe, und bin, und ewig seyn werde?( Apost. 17, 28) Wie unaussprechlich groß ist mein Glück! Der Unendliche liebet mich.( Joh. 16, 27) Seine ganze Seligkeit, soviel ich ihrer em: pfänglich bin, ist für mich. Er ist unveränder: lich entschlossen, mir nichts mangeln zu lassen, was mich veredeln und beglücken kann. Die Ewigkeit die selige Ewigkeit ist mein. Gott selbst ist mein.( Matth. 6, 25-34. Luf. 21, 18) Unnennbare Empfindungen bemeistern sich meiner ganzen Seele. Mein ganzes Herz wallet von entzückenden Regungen der reinsten Freude. Wo finde ich Worte, mein Glück zu beschreiben, und dem Triebe der Dankbarkeit genug zu thun, welcher mich ganz erfüllet? Gott! mein Vater, zu dem ich mit kind: licher Liebe flehe; den meine ganze Seele an: betet wie soll ich deine Liebe gegen mich erwiedern? Eine unwiderstehliche Gewalt reißt mich, mit der Geschwindigkeit des Windes, und 60 171 - 172 doch noch langsamer, als ich es wünsche, zu deinem Thron hin. Gott! mein Vater, ich bin ganz dein, und alles, was ich kann und habe und bin, ist von dir. Womit soll ich anfangen, die ewige Schuld abzutragen, womit ich dir vera haftet bin? Du bist der Unendliche! Nichts bleibt mir übrig, als die Unendlichkeit deiner Güte zu erkennen, mein irdisches Glück froh und dank: bar zu genießen, mich zu der künftigen Seligkeit vorzubereiten, und mich, beyder durch Güte des Herzens und Heiligkeit des Lebens würdig zu machen. Und hierinn bestehen alle Pflichten, die du von mir forderst? Mit welch' göttlicher Uns eigennüßigkeit muß der lieben, der zur Bergeltung seiner Wohlthaten keine andere, als solche Pflich ten fordert! Ja, Allgütigster! ich erkenne die Größe deiner Liebe, und die Menge deiner Erbarmuns gen. Ich liebe mein Leben, weil es dein Geschenk ist. Ich liebe alle Umstände, alle Ver änderungen meines Lebens, weil sie dich zum Urheber haben. Ich bin von ganzem Herzen mit dem Schicksal zufrieden, welches du mir zugedacht hast; denn ich bin ganz überzeugt, daß es das seligste für mich ist, weil es von dir verhängt ist. Ich empfinde mit der wärm sten, mit der zärtlichsten Dankbarkeit, wie gut es sey, daß du, gütigster Bater! mir die Wahl meines Zustandes nicht überlassen hast. Das 173 Glück, die ganze Welt durch meinen Wink zu regieren, wäre mir unendlich gering gegen das, mein ewiges Glück in deinen allmächtigen Vaters hånden zu wissen. Gott! mein Vater, ohne Sorgen, ohne Rummer überlasse ich mich, mit dem zuversichts lichsten Vertrauen, deiner unermeßlichen Güte. ( 1. Petr. 5, 7). Führe mich nach deinem Nie will Rathe. Ich folge dir mit Freuden. ich, wie auch mein Schicksal seyn mag, mit murrender Unzufriedenheit deine Verhängnisse tadeln. Sie sind alle- ich weiß es gewiß Treue und Liebe. Nie will ich meinen Einsich ten wider die Vorschriften deiner Gebote folgen. Mit kindlicher Selbstverläugnung unterwerfe ich alle meine Neigungen deinem allein guten Willen.( Mark. 10, 18) Dein Gesetz ist mein größtes Gut, und ich will es über alles lieben. Deine Güte ist mir besser, denn das Leben. Gerne will ich es verlassen, wenn du es begehrst. Mein Tod ist mein Glück, wenn du ihn willst. Ich werfe mich, ohne Unruhe, in seitte Arme; denn er führt mich zu dir das Kind zu seinem Bater! O seliger Augenblick, in welchem mein erlöster Geist, nach überstandenen Prüfungsjahren, von der Erde losgesprochen, und zum Glücke des Himmels fähig erklärt wird!( Phil. I, 23) Dann werden sich die Absichten deiner Güte, o Gott! entwickeln, und der Ausgang meines - SEAUTMANRES 1747- GUSTOIDACIA Schicksals wird dich, den Unendlichen, rechtfertigen. Dann werde ich), in deinem ewigen, nicht mehr schrecklichen Lichte, umschlossen von deiner Liebe, selig durch deine Gnade, erfahren, wie sehr ich dein bin, wie nahe ich dir angehöre; wie ich nichts als eine Kraft von deiner allmächtigen Kraft, nichts als ein Licht bin, welches von dir, dem ewigen Lichte, entzündet worden, von dir genähret, und durch einen unsterblichen Hang zu dir, seinem Ursprunge, gezogen wird, und mit dir vereiniget, Theil an deiner Seligkeit nimmt. Unbegreifliches Guick, selige Bestim mung! fast für meinen Glauben zu groß, und weit über alle meine Wünsche erhaben! Ich bin viel zu klein, dich zu fassen; aber dody groß genug ,. dich zu hoffen! Gott! mein Bater, du bist nichts als Güte! du bist die Liebe! Ich bete dich an und verstumme. Gottes 1 2 Am Samstage. Vorsehung. Gott; du bist ein esen von unendlicher Macht, Weisheit und Güte! Du bist der Urheber der Welt! Alles, was in der Welt ist, lebt und webt, das Größte. wie das Kleinste, hat sein Daseyn, und seine Kräfte von dir! Der Wurm ist sowohl dein Geschöpf, 175 als der Seraph; beyde sind Kinder deiner Allmacht; beyde gehören mit in den Plan deiner höchsten Weisheit; beyde sind ein Gegenstand deiner gütigen Vorsehung!( Apostelg. 17, 24-28). Die Welt besteht in einer unzählichen Menge von Theilen, welche alle in einander verkettet sind, und in den engsten Zusammenhang verflochten, Ein das große Ganz- das All ausmachen. Glied umschlingt in dieser Kette das andere; keis nes kann für sich allein, und ohne das andere bestehen; der Fehler an einem Mittelgliede zersprengt die Ordnung und die Festigkeit des Ganzen; der kleinste Theil, aus der Mitte genommen, hebt den Zusammenhang auf, und verursacht Mißlaut in der allgemeinen Harmonie. In der Natur ist kein Stäubchen überflüssig; kein Sandkörnchen oh ne Ursache. Nichts ist, in Absicht auf das Ganze, gleichgültig. So gering Etwas, an sich betrachtet, seyn mag, so hängt doch immer das Größere von dem Kleinern, von der Beschaffenheit des mindesten Theiles die Beschaffenheit des Ganzen ab. Der Schöpfer kann seine Absichten im Ganzen nicht erreichen, wenn er sie zuvor in den einzelnen kleinern Theilen nicht erreicht hat, die alle mit dem Ganzen in der innigsten Verbindung stehen. Das Ganze kann das nicht seyn, was es seyn soll, wenn seine allerkleinsten Theile nicht alle Eigenschaften in dem gehörigen Maße haben, welche ihr Verhältniß zu dem Hauptzwecke des Ganzen erfordert. 176 Dieß ist nun das eigene Geschäft der Vors sehung; sie knüpft, nach festgesetzten Regeln, Theile an Theile; sie ordnet; sie erschafft aus kleic nern Theilen größere, aus den größeren ein Gan zes, und giebt dem Ganzen, durch die Lenkung der kleinsten Theile, die bezielte Richtung. Das allergeringste in der Natur von ihrer weisen Regierung ausschließen wollen, heißt die Zügel der ganzen Schöpfung in die Hände des blinden Sufalls geben, oder ein müßiges, unthätiges, in sich selbst vertieftes Sefen auf den Thron der Gottheit setzen. Wer die Borsehung im Großen, wie im Kleinen, läugnet, der läugnet, daß ein Gott ist! 11 — Getragen auf den Flügeln der Winde schwimmen in der obern Luftgegend jene hängenden Meere, die Wolken, von welchen alles, was in der Luft, und auf der Erde lebt, erhalten wird. Aus ihnen träufelt der Segen auf unsere Feider, die unsere Gaaten nähren; oder sie fließen Stromweise von den Bergen durch niedrige Gegenden, und schlängeln sich durch Gefilde, die sie fruchtbar machen. Ohne sie würde in kurzer Zeit der Erd: boden zur Wüste, und die Wohnung der Lebendigen zu einem allgemeinen Grabe werden. Aber wie viele Millionen kleiner Einrichtungen in den kleinsten Theilen der Materie müssen nicht vorher: gehen, ehe Wolken geboren werden, Thau und Regen fallen, und Flüsse entstehen können?- Die 177 Die innere Beschaffenheit der Luft, des Wassers und der Erde; die gehörigen, abgemessensten Grade der Wärme und der Kälte, durch welche die Dänste und ihre Bewegung verursacht wird wie viele Eigenschaften, Kräfte, Triebfedern seht dieß alles in den Theilen der Körperwelt voraus? Ach! sie sind zu klein, zu vera borgen, als daß wir sie mit unsern Augen entdecken sie sind zu zahlreich, zu mannigfaltig, als daß unser Geist sie fassen könnte! Diese Einrichtungen im Kleinen mußten aber nothwendig vorher gemacht werden, eh' die größern Absichten, welche die Folgen, die Wirkungen davon sind, erhalten werden konnten. Entweder ist das ganze All ohne Absicht da, oder seine kleinsten Theile haben auch ihre Bestimmung. Die Vorsehung erstreckt sich entweder über alles ohne Ausnahme, oder über gar nichts. Hier giebts keinen Mittelweg. Aber von wie großem Umfange ist nicht ihr Gebiet! Ich durchfliege in Gedanken die ganze Schöpfung. Millionen Sonnen und Welten lasse ich hinter mir zurück, und ich sehe ihrer noch eben so viele vor mir. Jener Nebel von lichten Punkten, welchen ich, in einer ungeheuern Ent fernung, mit ungewissen Blicken kaum entdeckte, hat sich in eine Sammlung unzählbarer Weltgebäude verwandelt. Ich durchstreife sie; ich erblicke von neuem hellschimmernde Welten, ver.• 12 - 178 schieden an Glanz und Größe. Gott weiß, wie viele ihres Gleichen sie noch hinter sich haben. Meine Blicke verlieren sich in dem endlosen Raume, den ich vor mir sehe; die Unermeßlichkeit verschlingt meine Gedanken, und ich gebe alle Hoffnung auf, die Gränzen des Weltalls zu finden. Ich ziehe mich zurück in den Theil der Schöpfung, welcher mir näher ist, und dessen Erforschung mehr in meiner Gewalt zu seyn scheint. Ich kann das Ende der Schöpfung nicht fins den, vielleicht entdecke ich ihren Anfang! Ich beschaue mit begierigen Augen den Staub, der zu meinen Füßen liegt, oder dessen leichte Theilchen ein Spiel der Lichtstrahlen sind. Ich nehme das Vergrößerungsglas zu Hülfe, und entdecke zu meinem Erstaunen ein Thierchen, gegen welches das. Sandkorn eine Welt ist! Viele hundert seines Gleichen könnten es bewohnen, und diesen Aufenthalt, wie wir die Erde, für einen Weltkörper ansehen. Ich entdecke Leben und Empfindung, wo ich die Gränzen des Nichts zu finden glaubte! Und ist wohl dieses Thierchen das allerkleinste in der Schöpfung? Endet sich mit ihm das Reich der Wesen? Was habe icy für einen Scheingrund, um dieses auch nur zu vermuthen? Bielleicht hat dieser Bürger des Staubes gegen ein noch unendlich kleineres Thier, ais er ist, eben das Verhältniß einer ungeheuren, Größe, welches der Elephant gegen ihn hat! petrommel 12 179 Song Wer kann die niedrigste Stufe der Schöpfung ausfindig machen?- Hier verlieren sich meine Gedanken auf eben die Art im Kleinen, wie vor hin im Großen! Hier hört alles Denken auf; und ich kann nichts mehr erkennen, als daß hier alle meine Erkenntniß ein Ende hat, und daß hier das Ziel des menschlichen Verstandes ist! Allein, so enge Schranken auch die Unermeßlich keit meinem Auge, und meinem forschenden Geiste feszt: so unfehlbar bin ich doch von der großen, mein ganzes Herz erfüllenden Wahrheit überzeugt, daß in der ganzen Schöpfung fein Sonnens stäubchen ist, welches nicht deine Allmacht, o Gott! erschaffen, deine Alwissenheit gekannt, deine höchste Weisheit als nothwendig zu ihren liebreichen Absichten gefunden; und über wele ches nicht die Fürsorge deiner alles regierenden Vorsehung sich erstrecket! So unermeßlich ist der Umfang des Reichs des unendlichen Königes, welcher das Steuerruder des ganzen Weltalls mit allmächtigen Händen führt! Er durchschaut die ganze Natur; und der geringste Theil der Schöpfung bewegt sich, wie der vornehmste, nur auf seinen Wink. Kein Staubtheilchen verändert seine Stelle ohne sein Vorwissen; der Lichtstrahl wird von seiner Mutter, der Sonne, nicht anders geboren, als mit seiner Beywirkung; und der Wurm kömmt nicht eher zur Welt, bis er ihn zum Leben ruft. M 180 Febr Unbegreiflicher Gott! Wie unaussprechlich groß bist du in allem Betrachte! Du bist auf alle Beise unermeßlich.( Weish. I, 7. Jef. 40, 28.) Alles, was ich von dir denken kann, ist, daß du mit Gedanken nicht erreicht werden kannst. Die Unbegreiflichkeit deiner Eigenschaften, deines Wesens, ist das Einzige, was ich am zuverläßigsten von dir weiß. So sehr aber aucy immer der Begriff deiner über alles sich erstreckens den Vorsehung alle meine Erkenntniß übersteigt, so sehr bin ich eben dadurch von seiner Wahrheit durchdrungen. Wärest du denn der Allerhöchste an Macht und Weisheit, wenn du nicht unendlich mehr thun könntest, als ich zu wissen und zu verstehen fähig bin? " 2 Aber vielleicht eigne ich Gott etwas Un anständiges zu? Vielleicht erniedrigt mein Be griff die Hoheit des Allmächtigen? Scheint es nicht zu geringe zu seyn für den, dessen ewige Majestät über den Himmel thronet, und zu deffen Füßen sich die Welten wälzen, auf jeden Wurm zu achten, und die Bewegung des Staubes zu ordnen? Kann der Allerhöchste, ohne seine Größe zu verläugnen, sich bis zu Kleinigkeiten herablassen, die selbst in menschlichen Augen verächtlich und unbedeutend sind?" Elende, nichtige: Zweifel! Sprache kurzsichtiger Menschen! Woher sind denn diese sogenaunten Kleinigkeiten? Haben sie nicht ihr Daseyn von Gott? Und wozu. M 181 d hat er sie erschaffen? Unstreitig deswegen, weil sie mit zur Welt gehörten. Wenn sie nun zur Welt gehören; wenn ohne sie das Ganze nicht bestehen und die Vollkommenheit nicht haben kann, die es haben soll sind sie denn noch Kleinigkeiten in den Augen desjenigen, der die nathwendige Verknüpfung einsieht, welche auch der kleinste Theil mit dem Ganzen, und mit dem Hauptzwecke hat, um deffentwillen er das Ganze schuf? Mir scheinen sie freylich verächtlich und unbedeutend; allein dieses Urtheil ist in der That nichts anders, als ein Geständniß meiner linwissenheit. Wer sagt mir, daß der Allwissende das auch für unnüß und geringfügig hält, was ich dafür ansche? Daß der Allerweiseste das nicht zu gebrauchen wisse, was mir unbrauchbar scheint? Kann ich, ohne die unsinnigste Lästerung, etwas für überflüßig halten, was der Unendliche zu erschaffen für nöthig gefunden hat? In jenem Thale, in welchem noch nie ein Vich geweidet, welches noch nie der Fuß eines Wanderers betreten hat, grünet unter tausend andern ein Kraut, das bisher den neugierigsten. Blicken der fleißigsten Kräuterforscher verborgen blieb. Es hat seine Blätter, feine Blüthe, seinen Stamm, seine Wurzeln, seine Fäserchen. Es is mit einer Kunst gebaut, die alle Geschicklichkeit der größten Künstler beschämt. Es wird von - 182 der Erde getragen und genährt, von der Sonne belebt, und von dem Thaue des Himmels erquickt. Die Wolken träufein für dasselbe eben so gut Leben und Nahrung, wie für die herrlichste Blume, und die nüglichsie Pflanze. Es nimmt an allem Segen der Schöpfung Theil. Keinem Sterblichen find aber bisher seine Eigenschaften und sein Gebrauch bekannt; keinem Thiere, so viel wir wissen, kommt es zu Nußen. Unserm Urtheile nach könnte es also, ohne den geringsten Vortheil oder Nachtheil für die Welt, da seyn, oder nicht da seyn. Aber es ist nun da. Es hat den allmächtigen Willen des Unendlichen zum Schöpfer. Kann es umsonst seyn? Ein Spiel des Ungefährs des blinden Zufalls? Muß es nicht seine Absichten haben? Jch sehe sie nicht ein diese Absichten! Aber auch der nicht, der alles weiß? Wenn nun Gott für das Kleinste in der Schöpfung sorgt, was hat sich der Mensch nicht von der Vorsehung zu versprechen?( 1. Petr. 5, 7) Er, das Haupt der irdischen Schöpfung; er, welcher der Mittelpunkt ist, auf welchen alles zusammenläuft, was der Allmächtige hier unten geschaffen hat? Je größer demnach seine Vorzüge. sind, welche ihn über alle andere Geschöpfe des Erdbodens erhöhen, desto größer ist auch das Recht, mit welchem er auf die zärtlichste Fürsorge der göttlichen Vorsehung Ansprüche macht. - Supraterang Soll der Unendliche einen Wurm seinet forgfältigen Aufmerksamkeit würdig achten, und Alles in der des Menschen vergessen? Natur ist zu einem Endzwecke bestimmt, und wird dahin geführt. Diese Regel ist allgemein; sie gilt in der ganzen leblofen und lebendigen Schöpfung. und eine Ausnahme von ihr sollte da Statt finden, wo ihre Beobachtung am meisten nöthig ist? Gott foll nur da keine ihm anständigen Absichten haben, wo er die alleredel= sten haben kann? Welche Ungereimtheit! Der Mensch ist vor allen Thieren der erhabensten sittlichen Vollkommenheit, des größten Glückes fähig; und er soll vor andern Thieren allein seines Endzweckes verfehlen? Sein Vorzug soll Gott schuf den Thieren. sein Unglück feyn? keinen Trieb an, welcher nicht sicher zu seinem Zwecke geführt wird; und die Triebe sollen umsonst seyn, die er in das Herz des Menschen gelegt hat? Sie sollen blos darum unbefriedigt bleiben, weil sie von größerem Umfange und edler find; weil sie Vernunft und Freyheit zu Ich kann das Glück meines Führern haben? Dafeyns und den hohen Werth desselben empfinden. Ich wünsche es zu behalten, und der Gedanke: Bernichtung ist mir schreckbar! Vor allen Geschöpfen, mit welchen ich die Nothwendigs keit zu sterben gemein habe, habe ich das Gefühl des Verlustes, den ich im Tode leide, B 183 prometed r maneve 14 184 1 voraus. Und zwischen ihrem und meinem Schicksale foll gar kein Unterschied seyn? Ich foll, wie sie, vergehen, nicht mehr seyn, und ein Daseyn einbußen, welches zu lieben mich meine Natur nöthigt? Ich kann allein, vor allen Thieren, meinen Schöpfer erkennen; den Werth seiner Güte empfinden, und seine Wohlthaten mit freudigem Danke preisen. Und der, dem Wohlthun Seligkeit ist, der alles geben kann, ohne etwas zu verlieren, der soll mir seine Wohlthaten versagen, und nur darum von den Wirkungen seiner Güte mich ausschließen, weil ich am meisten fähig bin, Theil daran zu nehmen? Wie? die ganze Größe des Menschen, alle seine Erkenntniß, alle edlen Wünsche seines Herzens, alle unsterblichen Hoffnungen, die in seiner Seele leben, sollen sich in dem Schicksale auflösen, eine Speise des Wurmes zu werden, der auf der Erde kriecht, und den ein zufälliger zufälliger Fußtritt des Wanderers zer= quetschet? heißt Gott lå stern, und den Menschen, das Meisterstück der Schöpfung, weit unter das vernunftlose Thier herabwürdigen! Wahrlich; dieß Nein; der Mensch ist das edelste Geschöpf auf Erden; und er ist es auch in deinen Augen! Deine väterliche Sorgfalt, Allwissender, erstreckt sich um so mehr über ihn, je mehr er ihrer vor allen andern fähig und bedürftig ist. - 1011 185 Ich bin zu einem höhern, als thierischen Glücke, ich bin zur Unsterblichkeit bestimmt, weil ich sie so sehnlich wünsche! Ja; der heiße Durst im Herzen Nach der Unvergänglichkeit, Dieser Drang in Leid und Schmerzen Nach der Heimath aus der Zeit, Beugen; Bürgen sind sie mir, Daß ich mich, mein Gott! zu dir, Daß ich einst, wohin ich strebe, Mich erheb, und ewig lebe. Stred D vers O wäre nicht Hoffnung jenseits des Grabes, wer ertrüge oft die Qualen des Lebens? Wer wagte, bey der Gewißheit, einst vergessen nichtet zu werden, die Ruhe seines Dafeyns? Nur der Gedanke der ewigen Zukunft hebt unsere Seele über jedes Schicksal hinaus, und die Zuversicht, daß unsere Thaten uns auch jenseits nachfolgen,( Offenb. Joh. 14, 13) macht unsern Lauf muthvoll, und bewahret uns vor Verzweiflung. Eine Sonne ist genug, die Erde zu erleuchten; und eine Hoffnung ist genug, die Seele zu erheitern die Hoffnung der Unsterblichkeit! Freyheit ist die kostbarste Perle in der Krone der erhabenen menschlichen Natur. Zwang ist der Würde dieser Königin unanständig. Sie ift den sittlichen Gesetzen unterthan. Durch willenlosen, blinden Naturtrieb, dem die Thiere nothwendig gehorchen müssen, kann der Mensch 186 nicht zu ſeiner Bestimmung gebracht werden. Allein dafür sind tausend andere Wege gebahnet. Der väterliche Unterricht, den ihm Gott auf vers schiedene Art mittheilt, kann ihn weise und gut machen. Ohne feine Freyheit einzuschränken, kann ihn die Vorsicht durch Wohlthaten oder durch Züchtigungen, in einer kürzern Zeit, durch Erfahrung an sich, oder an andern, auf der geraden Straße, oder durch entfernte Umwege, bald auf einmal, oder stuffenweise, in dieser, oder in einer andern Welt, zu dem Ziele der Vollkommenheit und Glückseligkeit führen, welches ihm die Güte des Schöpfers gesetzt hat. Hiezu kann es dem Allwissen: den nicht an Einsicht, dem Allmächtigen nicht an Vermögen, und dem Allgütigen nicht an Willen fehlen. Dieß sind die Begriffe, die ich mir von den Eigenschaften meines Gottes mache, und auf die sich mein unerschütterlicher Glaube an feine alles umfassende Vorsehung gründet. O, was für felige Hoffnungen steigen jetzt in meiner Seele empor! Mein Herz erhebt sich, und meine Wünsche wallen der Unsterblichkeit ent gegen. Ich finde Aussichten ohne Ende vor mir eröffnet, welche nur durch die schmale Kluft des Grabes vor mir getrennt sind. Mit leichter Mühe schwingen sich meine Gedanken über dieselben hinaus. Ich versehe mich in die ewige Dauer meines künftigen Lebens, und sehe von dort auf den kurzen Augenblick des gegenwärtigen zurück. re Mein Gott! wie sehr verändert dieser neue Ge: sichtspunkt, aus welchem ich die jetzige Welt ansehe, meine Vorstellungen von ihr! Jene wirk lichen lebel des Lebens, jene allgemeinen und bes sondern Plagen, welche mir so manchen Kummer und Schwermuth verursacht, so manche bittere Klage ausgepreßt haben, was sind sie? Flüchtige Nebel, welche auf einen Augenblick die Sonne meiner Glückseligkeit überziehen, um sie bald wieder reizender hervorblicken zu lassen. Die Vergnüs gungen der Erde, ihre vermeinten Schäße, die Güter, mit deren Besiße die menschliche Thorheit sich so gewaltig brüstet, sind die es wohl werth, daß ich, wenn sie mir mangeln, die Vorsehung klar anklage, und mich in das wirkliche Elend eines ungläubigen Mißtrauens stürze? Sind die wohl wichtig genug, daß ich es als einen Fehler in der Weltregierung ansehe, wenn sie sich in den Händen eines Menschen befinden, der sie mißbraucht? - Aber. 187 Ich bin, weil der Unendliche mein Daseyn gewollt hat. Und sind nicht auch alle Umstån= de, in welchen ich lebe, eben sowohl von ihm? Kann etwas ein Uebel seyn, das von dem Allergütigsten kommt? Kann der geringste Um= stand meines Schicksals ohne Nußen für mich seyn, da er von dem Allerweisesten gewählet worden? Mein Glück ist hier nicht vollkommen. hat es denn hier schon vollatting - 188 kommen seyn sollen, und seyn können? Und wird mich das hindern, künftig einmal ganz glücklich zu ſeyn, weil ich es jetzt noch nicht bin, noch nicht seyn kann? muß ich nicht erst gut werden, eh' ich glücklich zu seyn öder zu werden verdiene? Glück und Unglück, Freude und Leid, vers gnügte und widrige Begebenheiten, Tod und Leben, ja sogar meine eigenen Fehler, werden von der Hand der Vorsehung regiert, deren göttliche Geschicklichkeit das Uebel felbst zur Quelle des Guten macht. Die unbehutsame Güte eines zärtlichen Jakobs gegen den Liebs ling unter feinen Söhnen, die kindische Unbedachtsamkeit Josephs, seinen Traum zu erzäh len, wodurch der Neid seiner Brüder gereizt wird, versetzte beyde in die erbärmlichste Lage. Joseph wird von den ergrimmten Brüdern verkauft; er kommt in die Hände fremder Kaufe leute er wird ein Sklave. - Er wird zum zweytenmal verkauft. Dem ersten Anscheine nach lächelt ihm ein neues Glück; er gewinnt das Zutrauen seines Herrn, der sein Schicksal erträglich macht. Aber plötzlich verschwindet der Glücksstern wieder. Joseph wird von Po tiphars wollüstigem Weibe versucht; er bleibt tugendhaft! Das verschmähte Weib schnaubt Stache, und bereitet durch boshafte Kunstgriffe der Tugend Fesseln. Der trostlose Bater beweint Unnurmed 189 den vermeinten Tod seines Sohnes, dessen Leben in der Gefangenschaft mehr seiner Thränen würe dig gewesen wäre. Indessen entwickeln sich ganz unvermuthet die Wege der unergründlichen Vorsehung. Durch einen ganz unvorhergesehenen Fall kommt Joseph aus der Gefangenschaft, und der noch erst in der Niedrigkeit der Sklaverey fchmachtete, besteigt jetzt-- den Thron Egyptens. Ein Königreich wird durch ihn vor dem verhees renden Hunger geschützt und von seinem gånzlichen Untergange gerettet; das Haus Jakobs wird erhalten, der jetzt mit Freudenthränen die Füh rung des Himmels preiset, welche seit vielen Jahren her die Ursache seines Kummers war.( Genes. 37. 39. 40. 41. 2C.) O, wie göttlich erhaben ist die Ruhe, in welche der Begriff einer alles zum Besten ihrer Geschöpfe lenkenden Vorsehung mein Gemüth febet! Die tägliche Erfahrung lehrt mich, wie wenig mein Glück von mir selbst abhängt. Tausend Zufälle, welche vorher zu sehen alle Weisheit der Menschen zu wenig, und denen vorzubeugen alle Macht der Sterblichen zu schwach ist, drohen täglich meinem Glücke. Ich schwimme auf dem Meere des Lebens, ungea wiß, wohin ich getrieben werde. Mein Schick= sal hängt von jeder Welle ab. Ein Ungefähr vernichtet oft in einem Augenblick die Werke vieljähriger Bemühungen. Das Glück erklärt - 190 die klügsten Entwürfe für Thorheit, und krd net noch öfter die unbesonnensten Unternehmun gen. Von allem, was ich vornehme, ist der Ausgang ungewiß; aber noch ungewisser ist es, ob das Gelingen oder Mißlingen meiner Anschläge besser für mich sey. Was könnte mich am Abgrunde der Vers zweiflung, an welchen mich diese melancholischen Gedanken hinführen, noch zurückhalten, wenn mich nicht die allmächtige Hand der allweisen Borsehung unterstüßte? Wie beruhigt, wie aufgeheitert bin ich jetzt! Jch weiß den Ausgang meines Schicksals nicht; aber der weiß ihn, dem eben sowohl, als mir selbst daran gelegen ist, daß er glücklich für mich sey. Ich maché Entz würfe, und gehe ihnen nach. Für mich ist der Erfolg ungewiß: aber er wird von dem Aller: weisesten und Allergütigsten geleitet. Ein Zufall zerstäubt meine Hoffnungen, aber diefer Zufall wird von demjenigen gesandt, welcher das, was mir müßlich ist, besser, als ich, einsieht. Der Unendliche hat mein Schicksal mit allen seinen Umständen vorausgesehen. Er hat es gut gefun den, weil er es gewählt hat. Er würde es an ders eingerichtet haben, wenn eine andere Einrichtung besser für mich gewesen wäre. O, ich billige alles mit dankbarer Zufriedenheit! Jeder Umstand meines Lebens legt mir neue Verbindlichkeiten gegen die gütige PRACOM 191 Vorsehung auf, weil jeder Umstand auf mein Bestes zielet. Lange zuvor, eh' ich war, lag das Urbild von mir schon in dem ewigen Verstande meines Schöpfers; er zeichnete den Grundriß meines ganzen Schicksals bis auf die geringsten Züge mit sorgfältiger Hand. Hier bestimmte er die Stunde meiner Geburt; hier wählte er einen Stand für mich; er wählte ihn vor hundert andern, weil er der beste für mich war. Hier flocht er das Gewebe meines Geschickes, und sette alle besondern Begebenheiten meines Lebens fest, und ordnete dieselben mit einer Sorgfalt, die nicht genauer hätte seyn können, wenn auch dieses Geschäft sein einziges gewesen wäre. Keine Kleinigkeit wurde vergessen. Alle seine Theile paſsen auf das genaueste in das Ganze. Kein glücklicher Umstand blieb zurück, wenn nicht etwa einem größern Glücke daher Hinderniß entstand. Kein unangenehmer Umstand wurde zugelassen, wenn nicht seine glücklichern Folgen ihn nothwendig machten. Er verhängte über mich jenen längst vergangenen Zufall. Wie rauh, wie finster, wie schrecklich war er mir beym ersten Anblick! aber wie felig für mich in seinen Folgen! Ich sehe diese glücklichen Folgen jetzt nur wie durchy einen Nebel. Sie werden immer glänzender, je weiter sie sich in die entfernte Zukunft ver: senken. Ihr Ende ist in der Ewigkeit! In einem tief versteckten Theile derselben verlieren 192 fie sich mit einem Glanze, dessen übermäßiger Schimmer meine Augen blendet. Die Größe meines Glücks drückt mich nieder. Gott! meine ganze Seele betet dich an. O, mein Schöpfer! wie sehr, wie sehr bin ich dein!- Masinand Dein Wort, dein Wink, dein Odem hält, Almächtiger! die ganze Welt. Du lenkest alles wunderbar, Kein Sperling fält, es fält kein Haar, Weltkönig! wider deinen Sinn Vergessen auf die Erde hin. - ( Luk. 21, 18. Matth. 10, 29. 30). Du leitest dein Geschöpf mit Huld, Seigst unaufhörlich väterlich Dem Reichsten und dem Aermsten dich. Owohl mir, dort und hier! Hängt meine Seele fest an dir. Nicht Woulust, Ehre, Goldesglanz, Nur du erfüllst die Seele ganz; Nie nie sey, mir die ganze Welt So lieb, als das, was dir gefällt. Stets sey von meinem Geist gedacht: Der Herr hat alles wohl gemacht. ( Mark. 7, 37). 14 B Zu was für einer Höhe des allergewisfesten: Vertrauens erhebt sich mein befestigter Glaube! Ich fühle mich weit über alle Anfechtungen des Zweifels erhoben. Ich sehe mit ruhiger Zuver sicht, und mit einem edlen Stolze, auf mein Vers hängniß, auf die Unordnungen und Verwirrunsen herab, welche in dieser Welt herrschen. Der Gottesa 193 Gottesverachter auf dem Throne; der Tugende freund in Ketten; der Gerechte unterdrückt von der überwiegenden Macht der Ungerechtigkeit; die Dummheit auf Nichterstühlen, und der Weise verachtet; die Niederträchtigkeit im lleberfluß, und die Großmuth arm!- Diese Anblicke, welche so oft mein Gemüth mit unglaublichem Kummer erfüllten, sind jetzt die kräftigsten Stüken meiner angenehmsten Hoffnung. Ich sehe über die Spanne des gegenwärtigen Lebens hinaus. Jen: seits der Gränzen dieser Welt entdecke ich den An: fang einer neuen, in welcher Gerechtigkeit wohnt. Hier ist der Vorhof der Schöpfung. Hier ist die Pflanzschule, in welcher die väterliche Sorgfalt des Schöpfers aus den Menschen Bürger für die künf tige Welt erzieht. Hier sind sie noch nicht, was sie seyn sollen. Hier werden sie erst zu dem ges bildet, was sie in einer bessern Welt seyn werden. manne O, was habe ich für ein glückliches Loos! Die Pflicht des Gehorsams gegen die Gebote des gütigsten Vaters auszuüben, und an seis ner Hand geleitet durch) die Verwirrungen des gegenwärtigen Lebens einer seligen Ewigkeit zuzueilen, dieß ist meine Bestimmung. Die Wege, welche dazu führen, mögen seyn, wie sie wollen; ihr Ende ist Seligkeit. Ich eile also an der Hand der Vorschung unerschrocken diesem Ziele zu. Kein Widerstand ist mir zu mächtig, und keine Hinderniß unüberwindlich. Je weniger angeneh. 13 dounion Se 194 mes meine gegenwärtigen Aussichten haben, desto weniger Schwierigkeit finde ich, gleichgültig gegen sie, und desto sehnsuchtsvoller gegen die künftigen zu seyn. Mag auch mein zeitliches Glücksgebäude ganz zusammenfallen, wenn sich nur auf seinen Trümmern der Bau meines ewigen gründet. Ich gewinne ja unendlich durch diesen Berlust; und ich soll ja der Tugend um ihrer selbst, nicht um des Gewinnstes willen huldigen. Ja; ich will deswegen nicht weniger ein Freund der Tugend seyn, weil Ehre und Schäße nicht immer in ihrem Gefolge sind. Die Ver: gnügungen der Erde machen nur ihren zufälligen Schmuck, nie ihre wesentliche Zierde aus. Sie ist durch ihren innern Werth geadelt; sie ist reich an eigner Schönheit, und auch ohne allen äußerlichen Glanz groß. Der Schaß der Tus gend wird nicht vom Roste der Zeit verzehrt; ihr Reich ist das Reich der Ewigkeit. - Ewigkeit.( Matth. 6, 19. 20.) Ihre Vorschriften sind meine Pflichten, und die unverleßliche Hochachtung gegen dieselben ist mein höchstes Glück. Mit diesem Entschlusse gehe ich muthig fort auf dem Theile des Pfades zur Ewigkeit, welchen ich noch vor mir sehe. Die Kraft meiner Blicke erstreckt sich nur wenige Schritte vorwärts. Das Uebrige bedeckt ein undurchdringlicher Nebel. Vielleicht finden sich manche rauhe Stellen, die ich noch zu übersteigen habe. Gefahren und MühT 195 seligkeiten von mehr als einer Art, warten viel leicht schon auf mich. Ich erwarte sie ruhig. Wenn diese Hindernisse unbesiegbar wären, 107 würde der, welcher besser, als ich selbst, weiß, wie weit meine Kräfte gehen, mich nicht zum Ste gen auffordern. Sein Befehl macht mich kühn. ( Was ich thun foll, muß ich auch thun können). Ich will nicht, durch Mißtrauen gegen mich, das Vertrauen entehren, dessen mich die Vors sehung würdiget. Der mich berufen hat, ist getreu, und läßt mich nicht über meine Kräfte versuchen.( 1. Kor. 10, 13) ( 1. Kor. 10, 13) Mein Muth kann nicht sinken, da ihn die Zuversicht auf den Allmächtigen unterstüket. Keine Gefahr kann so schrecklich, kein lebel so groß, keine Aussicht so finster und verworren seyn, daß sie nicht zus letzt sich wieder aufhellen, und in den Händen der Vorsehung zu meinem Besten dienen müßte. Mein Schicksal ist unvermeidlich; ich kann ihm nicht entrinnen. Aber es ist so ungezweifelt gut für mich, daß ich ihm auch um alles nicht zu entrinnen wünsche. Es sey immer mühsam; sein Ende ist Friede und Freude. Es sey immer dunkel; aus seinen Finsternissen wird eins mal das reinste Licht aufgehen. Dort erst, wenn ich mit verklårten Augen von den hohen Zinnen des Himmels in das durchz wanderte Thal meines Lebens herabsehe; dort, wenn der Vorhang fällt, der mir die heiligen cavation 196 Wege Gottes verhüllte; dort erst werde ich ero kennen, wie zärtlich der Allerhöchste für mich forgte; dort werde ich, erstaunungsvoll, mit David ausrufen: Herr! was ist doch der Mensch, daß du seiner gedenkest, und was ist das Men schenkind, daß du dich seiner so väterlich ans nimmst!( Pf. 8, 5. Pf. 143, 3) Dort erst werde ich mit namenloser Empfindung des freudigsten Dankes den Gott preisen, der mich hier leitet nach seinem weisen und gütigen Rathe, Amen. BASC $ 5 120 197 watampy IV. Sonntagsgebete. Anbetung Gottes. D kämen alle Völker, deine Geschöpfe, Und beteten vor dir, und ehrten dich! Denn groß bist du, und thust Wunder, Du allein bist Gott.( Pf. 85, 9. 10). P 2 - 1000 ir Hod Fürchtet Gott, und gebt ihm die Ehre! Betet den an, der den Himmel, die Erde, Das Meer, und die Wasserquellen gemacht hat. ( Offenb. Joh. 14, 7). NUTOS id R du! der immer war, immer ist, und im mer seyn wird du höchster, du vollkommen: ster, du einziger Gott! Du, dessen Daseyn, dessen allwirkende Kraft der Mensch unter jedem Himmelsstriche fühlt; den die Völker des Erdbodens in allen Sprachen: Jehova, oder Gott Allvater nennen; den der Fromme, der Beife, und der Barbar mit stiller Ehrfurcht anbetet; du Urs sprung aller Dinge! du Urheber und Erhalter aller Ordnung! auch ich bete dich an vereinigt mit allen Menschen, meinen Brüdern, bete ich dich an. 198 Ich sehe dich nicht; ich höre dich nicht; aber ich sehe deine Werte, ich höre die Stimme deiner Geschöpfe, die dein Daseyn und deine Macht verkündigen. Die Himmel verbreiten deine Herrs lichkeit; die Sterne und Welten rufen mir zu, daß fie Werke deiner Allmacht sind. Die Blumen des Frühlings, das Getreide des Sommers, die Früchte des Herbstes, und die segenvolle Ruhe des Winters zeugen von deiner Weisheit und Güte. Der Mensch, mitten unter den Geschöpfen über feine Kräfte und Vorzüge erstaunt, erkennt in dir ſeinen Urheber und Wohlthäter, seinen Gesetzgeber und Vater. Gott! ich) bete dich an. Walentine di jak Von dir stammt alle Ordnung, und alle Schönheit. Du giebst dem Staube und dem Geiste Gesetze; und alles ist gut und regelmäßig. Wer schrieb dem Menschen Gebote, die er nicht übertreten darf, ins Herz? Wer machte dieſe ewigen Gebote zum geheiligten Bande der menschlichen Gesellschaft, zur Grundlage aller Billigkeit, zum Zaume der Ruchlosen, zur Hoffnung der Ge rechten, selbst zur Quelle des Glaubens an dein Daseyn? O du, Herr der Geschöpfe! du Prüfer der Herzen! du Belohner des Guten! du Rächer der Unschuld! du Bestrafer des Lasters! wenn du nicht wärest- die Menschen müßten dich erfinden; so sehr ist dein Daseyn mit dem in uns lebenden Sittengesehe, und mit unserem ohl verknüpft. Gott ich bete dich an. 1 Graine CO 199 Ich weiß, daß du bist; aber ich weiß nicht, was du bist; und noch hat kein Sterblicher den Schleyer weggezogen, der dich umhüllet. Ich bin ein Mensch, aber du bist kein Mensch. ( 4. B. Mof. 23, 19.) Was ich Großes und Erhabenes von dir denke, ist nur menschlich gea dacht, ist weit, unendlich weit unter deiner Größe und Erhabenheit. Wissen denn die Menschen, was ewig, was unendlich, was unermeßlich, was allgegenwärtig ist? O wir müssen alle schweigen, wenn wir dich denken! Wir haben keine Worte, dein Wesen auszudrücken! Du bist nicht, wie die Menschen, der Veränderung und den Leidenschaften unterworfen.( Jakob. ( Jakob. I, 17) Du theilest nicht Strafen und Gnaden, wie oft die Monarchen, nach Eigeldünkel aus! Deine Etrafen, wie deine Belohnungen, find Ausflüsse deiner weisen Güte, deiner heiligen Gerechtigkeit; sie sind genau dem sittlichen Werthe unserer HandInngen angemessen. Du bist, der du bist! dies ist dein Name! geheiligt sey mir dieser Name! Gott! ich bete dich an. - Kein Mensch weiß, was du bist, aber Weisheit und Güte leuchtet aus deiner Schöpfung. Darum lehrt uns Jesus dein Sohn, unser Bruder ,,. Daß du der Vater aller Geschöpfe, und vorzüglich aller Menschen bist." Dieß ist der Glaube, den uns Jesus gelehrt hat, daß du aller Menschen Vater bist; daß alle Menschen deine 200 Kinder sind; daß wir alle Brüder find. Darin finden wir das Band der allgemeinen Brus derliebe; darum beten wir alle im Geiste des Bera trauens und der Liebe zu dir: Vater, der du int allen Himmeln thronest, wir beten dich an! Gott! ich bete dich- an, nicht als ein furchts samer Sklave- die Liebe verjagt die Furcht( 1 Joh. 4, 18.) als dein Kind, als ein Freys gefinnter, als ein von dir geliebtes, mit Bers nunft und Freyheit begabtes, zur sittlichen Vollkommenheit bestimmtes, zum Glücke, zum frohen Genuß deiner Gaben berufenes Kiud, bete ich dich an! Nicht deßwegen bete ich dich an, als ob meine stammeinde Anbetung ein Zuwachs deiner Herrlichkeit, deiner Glückseligkeit wäre. Der Geist des Herrn wird nicht herrlicher durch mein Entzücken, wird nicht mächtiger durch mein Bera trauen!( Hiob 33, 6. 7.). Du bist selbst alles in allem, du bist die Urquelle alles Guten, aller Seligkeit. Ich bete dich an, um mich an meine Abhängigkeit von dir, und deinem heiligsten Ges feße zu erinnern um mich an dem Andenken deiner Wohlthaten zu erfreuen, um mich in dem beseligenden Glauben an einen allgütigen, allweisen Vater zu befestigen darum, o Gott! darum bete ich dich an. atque Nur der ist kein wahrer Anbeter Gottes, nur der ist ein Feind des Vaters aller Geschöpfe, wels cher den Ausflluß seiner Güte Hemmt, welcher 201 cons - die Seligkeit seiner Mitgeschöpfe zerstört, die Gott beglücken will. Nur der ist ein Anbeter Gottes im Geiste und in der Wahrheit, ein lieber Sohn des Vaters im Himmel, welcher sich mit den Absichten dieses zärtlichsten Vaters vereinigt, und an dem Glücke der Menschen, das Gott so allgemein befördert, nach seinen Kräften insbesondere mitarbeitet. Menschenliebe ist die vorzüglichste Art, Gott wahrhaftig zu lieben und anzubeten.( Joh. 4. 23. 24.) Bater im Himmel! Menschenliebe fey künftig die Sprache meines Dankes gegen dich! Wohla thätigkeit in allen Auftritten meines Lebens sey die ewige Anbetung, die ich dir, der Urquelle des Guten, mit gerührtem, kindlichen Herzen darbringe. Gott! Schöpfer und Bater! ich bete dich an! Dankgebet. Dwie viel Gutes ist in deiner schönen Schdpfung Gott! O wie viele Freuden habe ich feit meiner Kindheit genoffen Bater! O wie viele frohe Menschen sehe ich um mich her Höchs ster Beglücker! Alles, was lebt, lebt von deinem Wohlthun; die Thiere wie die Menschen erhältst du; allen hast du Quelle des Vergnügens auf geschlossen; alles- alles ist da, um entweder Vergnügen zu erwecken, oder Vergnügen zu füh 02 len. Herr, Gott! ich lobpreise dich! ich danke dir, ewiger Vater und Wohlthäter aller Geschöpfe! Dir danke der ganze Erdkreis! Nein; die Welt ist kein Jammerthal. Wie schön, wie schön, o Gott! ist sie, wenn sie dein Licht umfließt! Jhr fehlt's an Engeln nur und nicht an Pracht, daß sie kein Himmel ist. Das Menschengeschlecht kann auf dieser freudenvollen Erde beglückt leben, wenn es nur will; und vieles, viele sind glücklich, und danken dem Schöpfer dafür. Viele, viele sind glücklich, und danken nicht, sondern Elagen fogar. O wie ungerecht sind diese Klagen! denn sie sind gegen dich gerichtet, du weisester und gütigster Bater! Owie übertrieben sind sie nicht diese Klagen! denn unsere gereikte Empfindlichkeit stellt uns das lebel nur allzuoft größer vor, als es ist; unser trüglicher Wahn sieht das Gute für bös, und das Böse für gut an. mod Bater! ich danke dir für alles, was du schufft! denn alles ist gut.( 1 B. Mof. I, 31.) Deine ganze Schöpfung ist ein Spiegel deines unermeßlichen Wohlwollens gegen den Menschen, und eine nie versiegende Quelle der Seligkeiten für ihn. Er trinkt sie hinein, diese Seligkeiten, durch seine Sinne; er erkennt und verdaut sie gleichsam durch feinen denkenden Geist; er ist darüber entzückt, und liebt dich den großen Wohlthäter, durch fein empfindsames Herz. 203 Ich sehe mit meinen Augen die prachtvolle Sonne an, den schönen Himmel und die Erde mit allen ihren Herrlichkeiten und freue mich. Ich höre mit meinen Ohren so viele angenehme Tone, die durch die Luft schallen; so vicle lieblichen Gefänge der Vögel, die ihre Fröhlichkeit verkündigen; ich vernehme die Stimme der Menschen, die mit mir in Gesellschaft und Freundschaft leben, und Gott- Gott! ich freue mich. Ich sauge den süßen Geruch der Blumen ein; ich schmecke die Wollust der Speisen und Getränke, die meinem Körper Stärke und Nahrung verschaffen; ich fühle, was weich und sanft ist, und mir angenehme Empfindungen giebt. Ueber diesen Reichthum des Vergnügens bin ich entzückt, und mein Entzücken ist der lebendigste Dank gegen dich, Schöpfer und Beglücker! zu den Du gabst den Menschen, was die Thiere nicht haben, was ihn weit über die Thiere era hebt die Vernunft. Sein Geist ist geschaf fen, nützliche Wahrheiten zu finden ken. Durch die Vernunft beherrscht er die Vögel der Luft, die Fische des Meeres, und alle friechenden Thiere;( ebend. B. 30) durch sie benutzt er die ganze Erde zu seinem Vortheil; durch sie macht er jede Fähigkeit seiner Seele vollkommener, und genießt das ihm beschiedene Glück des Lebens doppelt, indem er weiß, daß du ihn, o Gott! zum Glücke erschaffen hast. Das - TEX - Quiment 204 menschliche Herz schusst du weich und diese Zärtlichkeit machtest duo - und zärtlich, Menschenbeglücker! zur Quelle der höchsten Menschenfeliga feit auf Erden. Liebe, Freundschaft, Wohls wollen, Dankbarkeit fließen aus diesem Hers zen, als Ströme der darinn wohnenden Zärtlichkeit, und machen die Erde zum Himmel, und die Menschen zu seligen Geistern. Bater! ich danke dir auch für alle Gebote, die du mir auferleget hast; denn sie sind gut, wie alles, was du schufft. Sie machen mich gut und glücklich, und führen mich zu dir, du Urheber aller Ordnung, aller Schönheit, und aller Ses ligkeit! Wer sie erkennt, der befißt die wahre Weisheit; wer sie ausübt, der befißt die achte Tugend, wer sie liebt, und standhaft bis an's Ende des Lebens ausübt, der macht sich würs dig der höchsten, alle Begriffe übersteigenden Glückseligkeit. Die Länder blühen, wenn die Gesetze in Achtung stehen; und die Schöpfung erhält sich durch die ewigen Gesetze ihres Urhebers in ihrer Vollkommenheit. Noch einmal, ich danke dir für alle deine Gebote; und mein Gehorsam ( Of. 6, 6.) sen künftig der aufrichtigste, wärmste Dank gegen dich, Schöpfer und Beglücker! Daß du so viele Menschen um mich her glücklicy machst, auch darum danke ich dir; daß du felbst über die Bösen, wie über die Frommen, deine Sonne scheinen, und deinen Regen Herz travesty 205 perspers unterträufeln låsfest, darum danke ich dir; darinn erkenne ich deine unbegränzte Güte, wel. che nicht aus veränderlicher Neigung,( nach Menschenart), sondern aus wesentlichem Wohlwollen die Geschöpfe liebt. Meine Nachahmung deiner über Feinde und Freunde, über Gottess verehrer und Gottesläugner, sich erstreckenden Güte sey der redlichste, der beste Dank gegen dich), Schöpfer und Beglücker! Bater im Himmel! nie soll das Andenken deiner Wohlthaten in mir verlöschen;( 1 Thessal. 5, 18.) die freudenreiche Ueberzeugung, daß du mich und alle Menschen gut und glücklich machen willst, daß ich, und alle Menschen, mehr, als wir glauben, glücklich sind diese befeligende Ueberzeugung soll mich bey allen meis nen Geschäften stets begleiten. Auf dich, Bater im Himmel! vertraue ich; denn du bist ganz Güte und Weisheit. Bon dir hoffe ich noch ferner Glück und Segen; denn du giebst, was nur immer eine unendliche Güte, durch unenda liche Weisheit geleitet, geben kann. Deine Vorsicht, o Gott! bete ich mit gänzlicher Ergebung an; denn sie ordnet alles liebreich, und bringt alles von einem Ende der Erde zum andern mit Macht und Nachdruck zu Stande. Ich ents fage feyerlich und gerne allen meinen Privats wünschen, die so oft deiner Weisheit, der Tua gend, und meinem wahren Wohl entgegen sind. vegna ton 206 - Ich will nicht mehr eigennüßig beten; denn ach! wie oft waren meine Gebete thöricht, blind, und dir zuwider! Mache mit mir, was du willst: denn du willst immer das Beste; und wenn ich dich, thdrichter Weise, um etwas bitte, so erhöre meine Thorheiten nicht, sondern gieb mir, was deine Weisheit als das nüßlichste erkennt! BANDAR Dieß sey nun und immer mein gefühlvollster Dank gegen dich Schöpfer und Vater! daß ich deine heiligen Gesetze mit willigem Gehorsam befolge; daß ich die Kräfte des Leibes und der Seele zur Beförderung meines Glückes, und zur allgemeinen Wohlfahrt, mit Muth und Vertrauen, anwende, und dann ganz gelassen den Erfolg meiner Bemühungen von deiner Güte erwarte, und mit Herz und Mund spreche: Dein Wille gesches he, wie im Himmel, also auch auf Erden! ( Matth. 6, 10.) Verleih' mir einen frohen Muth, Es gehe, wie es gehe. Was du, mein Vater! willst, ist gut; Drum, was du willst, geschehe! 2 men. avane fem 11 207 Allgemeine Fürbitten. Gott! du bist überall. In dir sind wir, in dir leben wir, in dir bewegen wir uns. Gott! du hörst die flehende Stimme deiner Geschöpfe überall! Du durchschaust alle ihre Gedanken; ihre geheimsten Seufzer und Wünsche sind dir bea kannt.( I. B. d. Chron. 28, 9.) Aber du siehst auch mit Wohlgefallen auf deine Menschen, wenn sie, im Geiste der Liebe, mit brüderlicher Eintracht, zu dir, ihrem gemeinschaftlichen Bater und Wohlthäter, für einander beten; wenn sie ihr wohlwollendes Herz durch gemeinschaftliche Fürs bitte für alle Menschen vor dir ausschütten. Alsdann bist du mitten unter ihnen.( Matth. 18, 20.) Alsdann zeigen sie, daß sie deine guten Kinder sind, daß sie von dem Gebote der Menschenliebe beseelt sind; alsdann stärkt sich ihre thätige Bruder liebe durch das Gebet der Liebe. ( Eph. 6, 18. I Tim. 2, 1. 1 Jaf. 5, 16.) Vater der Menschen! du kennst zwar unsere Bedürfnisse, noch ehe wir sie dir vortragen! Du erhörst, du theilst deine Gaben aus, noch ehe wir darum bitten! Deine Weisheit kennt das Beste; der Undank selbst hemmt deine Wohlthaten nicht. Ich bete jetzt für meine Brüder zu dir, nicht als wenn ich dein Herz ges gen sie erweichen wollte! Nein; denn du bist ja nicht wie die Menschen, unwissend oder harta I Gott! Superd Cuviney 208 Herzig, daß du erst durch viele Worte belehrt und gerührt werden müßtest! du bist ewig und unveränderlich gut; du bist ewig und unveränderlich) weife! Ich bete für meine Brüder, weil ich sie liebe, weil ich an ihrem Wohl und Wehe Herzlichen Antheil nehme, weil in dem Plane deiner Weisheit die Gebete und Handlungen der Menschen selbst als Triebfedern des Guten verwebt sind. Wohnen denn nicht alle in einem ge meinschaftlichen Hause, der Erde, mit mir? Haben nicht alle eben die Bestimmung, wie ich, durch Tugend, Fleiß und Klugheit, ihr Leben zu veredeln, und in dem Genusse des Lebens froh zu seyn? Sind nicht der irdischen Güter genug, um uns alle zu sättigen und glücklich zu machen? Sind nicht alle gleichsam Bein von meinem Beine, und Fleisch von meinem Fleische? Sind nicht alle Menschen meine Brüder, nicht alle deine Kinder, o Vater! wie ich? Darum bete ich jetzt für sie alle zu dir dem Allvater! Gott Mater aller Geschöpfe! gieb allen, was allen nüßlich ist, und entferne alles, was der gemeinschaftlichen Glückseligkeit wahrhaft schaa det. Behüte das Menschengeschlecht vor ansie: ckenden Seuchen, vor Hungersnoth, und vor allen Verwüstungen des Krieges! Sollte aber dein heiliger Wille so schreckliche Gerichte über uns kommen lassen, so mache uns zu Nachahmern deiner Weisheit, daß wir aus dem Bösen alles måga chrono 1 209 Monats mögliche Gute herausziehen. Schenke dem Frommen Kraft zur Geduld, dem Sünder aber Era kenntniß seiner Fehler, und Zurückkehr von seinen bösen Wegen! Segne, o Vater des Segens! mein liebes Vaterland. Erhalte es im Wohlstan= de, mehre seine Einwohner, fördere seinen Handel, seine Gewerbe, seinen Acker( und Wein=) Bau, schenke dienliches Wetter, und gieb zu allem dein Gedeihen! —1 Laß alle Menschen, o Gott! in der Erkenntniß dessen wachsen, was gut ist, und was wahr ist. Die Wahrheit führt zum Guten, und der Besitz des Guten macht glücklich. Befördere die Hülfsmittel, durch welche schädliche Irrthümer aus der menschlichen Gesellschaft vertilgt werden. Wie oft halten wir das für böse, was gut ist; wie oft stellen wir uns das Elend größer vor, als es ist; wie oft kennen wir das wahre Gute nicht, das vor unsern Augen liegt! Ach! wie viel Bez trübniß des Geistes drückt die Menschenkinder, wenn ihr Verstand von diesen drey Irrthümern umnebelt ist! Darum, o Gott! laß die Wahra heit immer mehr ausgebreitet werden, damit auch die Sittlichkeit und Glückseligkeit deiner Menschen wachse, und sie das Uebergewicht des Guten in der Welt immer mehr fühlen, und richtig schätzen lernen. Besonders erwecke, o Gott und Vater! alle Menschen immer mehr zur Erkenntniß heilsamer: 14 Caves 210 SURAD Religionswahrheiten, die Jesus gelehrt hat. Laß sie durch die Betrachtung der Natur, durch das Lesen der heiligen Schrift, und durch den Unterricht aufgeklärter und wohlmeinender Lehrer immer tiefer in den Geist des Christenthums eindringen. Stärke alle Menschen in der Ueberzeugung, daß die christliche Religion eine Religion der Liebe sen, und daß man sich nur durch thätige Ers weisung der Liebe und des Wohlwollens gegen an dere als einen wahren Christen bezeigen könne. Laß uns, Bater aller Menschen! nicht stolz auf unsern Glauben, auf beffere ReligionseinFichten seyn, damit dieser unchristliche Stolz nicht Zank und Hader unter uns stifte, und wir einander verfolgen, einander im Genuße des Lebens stören, und in Ausübung der gesellschaftlichen Pflichten gegen Andersdenkende erkalten. Laß die wahre Religion, welche Tugend, Rechtschaffenheit und Menschenliebe lehret, immer mehrere Bekcnner und Freunde finden. halte die Ruhe, den Frieden, die gesellige Eintracht unter den Christen! Berzite und lenke auch unser Bruderherz zur Liebe aller derjenigen, welche die Religion Jesu gar nicht kennen, oder welche dein heiliges Wort anders als wir, verste= hen, damit wir das Christenthum nicht durch Haß und Unduldsamkeit entchren; sondern bey allem Unterschiede der Glaubensmeinungen, wohlthätig, freundlich, mitleidig gegen alle Menschen, 211 returigans ohne Rücksicht auf ihre Religion, uns bezeigen, und in aufrichtiger Bruderliebe mit ihnen vereinigt leben.( Rom. 14.) Hilf, daß die ganze Christenheit Dich recht und heilig ehre, Daß weder Hochmuth, Haß, noch Neid Dein heiligs Wort verkehre. Laß seine Macht des Irrthums Nacht, Der Sünde Reich bestreiten, Und ſeinen Schall sich überall Zu deinem Stuhm verbreiten. Gott und Vater! behüte die Menschen ver Aberglauben, und mache, daß sie alle auf eine würdige Weise von dir denken. Laß sie nicht auf Nebendinge in der Religion verfallen, sondern nur immer die Hauptsache festhalten;( Matth. 23.) daß sie vor allem dein Reich, das Reich der 2 Wahrheit und der Tugend, suchen; daß sie in sguten und tugendhaften Gesinnungen immer wach sen; daß sie mit Muth und Klugheit ihre Lüste, ,, Begierden und Vergnügungen, und alle Antriebe ,, der Sinnlichkeit durch das in ihnen wohnende Gesetz der Sitten beherrschen, und der Tugend, ,, wenn es nöthig ist, alle anderen Güter des Le,, bens, und das Leben selbst, aufopfern; daß jeder zu des Anderen Glücke, so viel in seinen ,, Kräften steht, beytrage!"-- Gott! diese Religion breite in dem Menschengeschlechte aus, und laß die Früchte dere 212 STUMAS felben von einem Ende der Welt bis zum an dern sich in's Tausendfache vervielfältigen. Segne, o Bater des Segens! und belebe den allgemeinen Fleiß der Menschen, daß sie vor allem sich selbst zu bilden, und vollkommener zu machen bestreben. Leite ihren Verstand auf nüßliche Untersuchungen; lenke ihr Herz auf wohlthätige und gemeinnützige Handlungen; und gieb, daß alle öffentlichen Anstalten zur Verminderung des menschlichen Elendes, und Vermehrung der menschlichen Wohlfahrt gedeihen mögen. Segne, Vater des Segens! den Hausstand; verleihe den Eltern alle Tugenden und Freuden des Ehestandes; segne die Erziehung der Kin der, daß Eltern, Obrigkeiten und Lehrer sich ein gemeinschaftliches Geschäft daraus machen, gute Menschen, Bürger und Christen zu bilden, und das Wachsthum des bürgerlichen Wohls auch für die Nachwelt zu befördern. Gieb den Dienstbothen Treue und Eifer in ihrem Dienste, und dann gute menschenfreundliche Herrschaften, welche daran gedenken, daß auch Diener und Knechte ihre Mitmenschen und Brüder sind.. ( Koloff. 3, 18-25. Ephef. 6, 1-9.) Laß dir, o Vater aller Menschen! alle Menschen empfohlen seyn. Gieb, daß sie in dieser Welt deine unzählichen Wohlthaten mit Dank und Freude genießen; daß sie durch wechelseitige Hülfe und Trost sich einander das Le 213 Ontarted ben versüßen, und mit einander vergnügt und fröhlich einherwandeln; daß sie mit vereinigtem Fleiße die Erde anbauen; alles, was sie liefert, zum allgemeinen Bedürfniß, zur Bequemlichkeit, und selbst zur Verschönerung des Lebens ana wenden. Richte meine und aller Menschen Geschäftigkeit auf gute und nüßliche Dinge; und laß uns dann am geschäftigsten seyn, wenn wir einander helfen, einander trösten und vergnügen können.( I Tim. 2, 1-3.) O Herr! ich bete für das Wohl aller leBendigen Geschöpfe, für alle Menschen. Ins: besondere aber empfehle ich deinem Schuße und Gegen meine Obrigkeiten, meine Eltern, Ehegatten und Kinder, meine Hausgenossen und Untergebene; alle meine Anverwandte, und vor nehmlich meine liebsten Freunde und Wohlthäter- aber auch meine Feinde. Segne, o Vater des Segens! alle meine Beleidiger mit allem Segen, den ich mir selbst wünsche. Gieb mir Kraft, ihnen von Herzen zu verzeihen, und sie durch Liebe zu gewinnen! Gieb allen Liebe, welche nicht lieben; gieb allen Verstand, welche sich in schädlichen Irra thümern befinden; gieb allen Trost, welche Tros sies bedürfen; gieb uns allen unser tågliches Brod;( Luk. 11, 3.) gieb allen, welche Böses gethan haben, ein reuvolles Herz; gieb dem Menschengeschlechte alles, wodurch es besser und - 214 vollkommener, und seiner Bestimmung näher ges bracht wird, gieb uns Tugend, Weisheit, und Freude, und mache, daß wir alle erkennen, wie wenig die Welt ohne Tugend, Weisheit und Freude wünschenswerth sey! Mache endlich, o Gott! daß ein jeder, nachdem er hier seinen Beruf, durch einen tugendhaften Genuß der Les bensgüter, durch Wachsthum in der Tugend und in allem Guten, erfüllt hat, in jene Welt die Früchte eines rechtschaffenen Lebenswandels von deiner Güte einårnten möge! Dieß, ich dich. dieß, o Gott und Vater! bitte Nimm das Rufen, das demüthige und wohlgemeinte Gebet deines Kindes, als ei nen Beweiß seines redlichen und wohlwollenden Herzens an! Aber nicht genug; ich will auch thun, um was ich dich bitte; mein Gebet sey das Losungswort meiner Handlungen. Mit erneuertem Eifer will ich zu meinem und anderer Wohl arbeiten; mit unverleßlicher Ge wissenhaftigkeit will ich alle gesellschaftlichen Pflichten ausüben. Ich habe für mich, und für Andere gebetet; nun will ich auch nach dem Geifte meines Gebetes, für mich und für Ana dere thätig seyn, damit ich nicht durch Nachläßigkeit, Ausschweifung, oder Menschenfeindlich: keit, selbst das Gute hindere und störe, welches ich von deiner Güte- Menschenvater! für mich und Andere erbeten habe, Amen. S wowing Gatorarge 215 - Anteriores Christliche Menschenliebe. FUSS Gott! Schöpfer! Menschenliebe ist dein größe tes Gebot. Du hast den Menschen zur Gefelligkeit, zum Wohlthun, zur Liebe, und durch die Liebe zur Glückseligkeit erschaffen; darum gabst du ihm feinere Empfindungen, als den Thieren; darum schufst du sein Herz so weich, so der Liebe, des Mitleidens empfänglich. O Gott der Liebe! so ist demnach Menschen: liebe der Mittelpunkt, in welchen alles zusam menfließt, was von jeher Moses und die Propheten verkündigt haben! so hat dann derjenige, welcher seinen Brnder liebt, das ganze Gesetz erfüllt! so hast du mir keine höhere Schuld aufe erlegt, als daß ich meine Brüder lieben soll! so ist also Menschenliebe die Fülle des Gesetzes! ( Rom. 13, 8 IO.) Gesetzgeber der Liebe,- Jesu! Men schenliebe ist also dein eigenthümliches Gebot! Das ist mein Gebot, sprachst du nach dem letzten Gastmahle der Liebe, daß ihr einander liebet, wie ich euch geliebet habe."( Joh. 15, 12) ist also Menschenliebe das königliche Gebot 090 das Reichsgesetz des Christenthums!( Jak. 2, 8) So sprachst du vom Anfange bis zum Ende: lies bet cinander! So ist die Liebe das einzige, große Zeichen, an welchem wir unsere Rückkehr 216 vom Laster zur Tugend, vom Tode zum Leben, erfermen!( 1 Joh. 3, II. 14. 15.) Ich gebe euch ein neues Gebot fo sprachst du, erhabenster Gottmensch! und dein Ausspruch ist Befehl für uns, so, wie dein Leben Beyspiel für uns ist. Ich gebe euch ein newes Gebot, daß ihr einander liebet. So, meine Freunde! sollt ihr einander lieben, wie ich euch selbst geliebt habe.( Joh. 13; 34) Das erste, das größte Gebot ist dieß: Du sollst Gott deinen Herrn lieben, aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele, aus allen deinen Kräften. Das zweyte ist jenem gleich: du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst. Alles, was ihr wollt, daß euch eure Mitmenschen thun sollen, das thut ihnen auch.( Matth. 22, 37 40.) - O diese Worte will ich tief in mein Herz schreiben! Sie sind das Wesen, die Grunda tage meines Glaubens. Ich bin nur ein Christe wenn ich liebe; ich bin nur ein Christ, in so fern' ich liebe; ichabin nur ein Christ, so lang' ich liebe. ,, Wenn ich alle Sprachen der Menschen und der Engel redete, aber keine Menschenliebe hätte, so wäre ich vor dir, o Gott! nur ein tonendes Erz, und eine klingende Schålle! Und befäße ich die Gabe des Vortrags, die Gabe zu lehren, in einem so hohen Grade, daß ich alle Geheim nisse verstünde; und hätte ich den Wunderglauben, so, daß ich Berge versetzen könnte, hätte aber keine Menschenliebe; so wäre ich nichts. Und wenn ich all mein Vermögen den Armen gåbe, und sogar meinen Leib für die Religion verbrennen ließ, hätte aber keine Menschenliebe; so wäre mir dies alles nichts nütze."( 1 Kor. ( I I3, I 217 - 3.) Welche eine wichtige Lehre! Ohne Menschen. liebe erfülle ich meinen Beruf nicht! ersten Beruf, den ich als Mensch zweyten, den ich als Christ habe!': 1 - 1 Nicht den nicht den Gott du bist die Liebe; wer in der Lies be bleibt, der ist in Gott, und Gott in ihm. ( 1 Joh. 4, 16.) ,, Liebe Brüder! so lasset uns einander lie: ben: denn die Bruderliebe ist der ächte Sinn Gottes. Wer Liebe hat, ist Gottes Kind, und hat die wahre Erkenntniß Gottes; wer keine Liebe hat, der hat auch die wahre Erkenntniß Gottes nicht; denn Gott ist die Liebe.“( 1 Joh. 4,79.) Wenn ich mich noch so sehr rühme, daß ich Deine Liebe habe, o Gott! und ich habe keine Liebe zu meinen Mitmenschen, so bin ich ein Lügner; denn, wenn ich die Menschen nicht liebe, die ich alle Tage mit Augen sehe, wie werde ich dich, du höchstes Wesen! lieben, den kein sterbliches Auge sah, noch sehen kann? Darum Sp ist es dein Wille, daß ich meine Liebe zu dir durch die Liebe gegen meine Mitmenschen an Tag legen soll.( ebend. V. 20. 21.) 218 Wenn iemand spricht: ich liebe Gott, Und hast doch seine Brüder; Der treibet mit dem Glauben Spott, Und reißt ihn ganz darnieder. Gott ist die Lieb', und will, daß ich Den Nächsten liebe, gleich als mich. ndwety So will ich denn alle Menschen mit der auf richtigsten Liebe umfassen nicht mit Worten oder mit der Zunge allein, sondern in der That und in Wahrheit will ich meine Brüder lieben. ( 1 Joh. 3, 18) So will ich denn gütig, barmherzig und wohlthätig gegen meinen Nächsten seyn, wie auch du, Bater im Himmel! mir und allen Menschen Barmherzigkeit in Jesu Christo erzeiget hast.( Ephef. 4, 32.) Dich dich, o Allbarmherziger! will ich nachahmen. Ich bin ja dein geliebtes Kind! Ewig will ich in der Bruderliebe wandeln. Auch Jesus liebte michy liebte die ganze Menschheit. Er starb für seine Brüder! Kein Opfer ist füßer, ist angenehmer vor deinem Throne, o Gott! als wenn man selbst den Tod nicht scheut, um andere glücklich zu machen.( ebend. 3, I. 2.) Es ist die erhabenste Stufe der Liebe, wenn man sein Leben für seine Freunde hingiebt. ( Joh. 15, 13.) CO- 11 219 Bilderma d Gott! ist dein Gegen, ist Ueberfluß der Güter in meinem Hause, und ich verschließe dennoch mein Herz beym Anblicke des menschlichen Elendes wie kann da deine Liebe in mir seyn?( 1 Joh. 3, 17.) Nein! wer liebt, muß nicht nur gegen den Geliebten wohlwollend seyn; er muß ihm auch, nach Vermögen, Gus tes thun. Dann erst kann ich mir das Zeugniß einer wahren Liebe geben; dann erst bin ich als Menschenfreund vor deinem Angesichte gerechtfertigt, o Herr!( ebend. V. 19.) Verdammt mich aber mein eigenes Herz; was für ein Urtheil, Allwissender! wirst du nicht von mir fällen?( ebend. V. 20.) Wer dieser Erde Güter hat, Und sieht die Brüder leiden, Und macht den Hungrigen nicht fatt, Läst Nackende nicht kleiden, Der ist ein Feind der ersten Pflicht, Und hat die Liebe Gottes nicht. Selig sind die guten, die edelmüthigen Menschenfreunde: denn ihr Herr wird großmüthig gegen sie seyn, wie sie gegen ihre Brüder wa= ren.( Matth. 5, 7.) Wehe aber dem Menschenfeinde, dem hartherzigen Bruder: denn mit eben dem Maße, mit welchem er ausmaß, wird ihm auch eingemessen werden.( Luk. 6, 38.) Die Menschenliebe ist sanftmüthig, ist wohl: thätig! Sie ist nicht neidisch, prahlerisch und 1 220 Around aufgeblafen; sie beträgt sich nicht unanständig; sie ist nicht eigennüßig; sie läßt sich nicht erbit: tern; sie trägt die Beleidigung nicht im rachfüchtigen Andenken. Sie hat kein Wohlgefal ten an der Falschheit; ihre Luft ist Aufrichtigkeit; sie sucht alle Fehler zu bedecken; sie hegt das beste Zutrauen zu jedermann, und die beste Hoffnung von jedem; sie scheut keine Arbeit und Unbequemlichkeit.( 1 Kor. 13, 4 7.) QUE 1 Die Menschenliebe hört nie auf. Nur drey Religionsstücke haben in diesem Leben einen dauerhaften Weeth, einen wichtigen Einfluß auf die fittliche Vollkommenheit und Glückseligkeit des Menschen: Glauben an die gemeinnüßigen Lehs ren Jesu; Hoffnung der Unsterblichkeit; Liebe Gottes und des Menschen. Das größte aber, das vorzüglichste unter diesen dreyen ist die Liebe.( ebend. 2. 8-13.) Ing - O Gott! wie liebenswürdig ist der Mensch, welcher die christliche Menschenliebe im Busen trägt, und durch Werke der Wildthätigkeit of fenbart! Welche erhabene Vorzüge verschafft ihm diese himmlische Tugend! Ehmals fagte man: ,, Liebet euern Nächsten, aber euern Feind dürft ihr hassen!" Du aber Lehrer der Liebe fagst: Lieber auch eure Feinde! Thut Gutes denen, die euch Böses zufügen. Erweiset Wohla thaten denen, die euch haffen, und betet für diejenigen, welche cuch ohne lirfache beleidigen 221 1 und verfolgen. Nur, wenn ich dieses große Gebot mit ganzer Kraft der Seele in Ausübung bringe, nur alsdann bin ich dein wahres Kind o Vater im Himmel! denn auch du läßt die Bösen wie die Guten an dem Ausfluße deinet unbegränzten Liebe Theil nehmen; auch ihnen scheint deine Sonne, auch ihnen träufelt ein wohlthätiger Negen. Was wäre es auch für ein Verdienst, nur jene zu lieben, die mich lieben? Was hätte meine Tugend vorzügliches, wenn ich nur gegen jene, die mit mir in der engsten Verbindung stehen, freundlich und wohlthätig seyn wollte? Thun das nicht selbst die una erleuchteten Menschen, nicht selbst die Gottlosen? ( Matth. 5, 43-47.) -- Ja, besiegen will ich das Unrecht, welches man mir zufügt durch die göttliche Stärke der Tugend. Das ist keine Ehre, wenn ich verdiente Strafen mit Geduld ertrage; aber um guter Handlungen, um der Gerechtigkeit willen, mit Ruhe leiden, o das erwirbt mir Gottes Beyfall; das fordert die Würde des Christen: thums von mir; dazu ermuntert mich, Jesu! dein eigenes bewunderungswürdigstes Beyspiel. ( 1 Petri 2, 20. 21.) 2ch), du Unschuldigster! hattest nie einen Fehler begangen; aus deinem Munde war nie ein unwahres Wort gehört worden; du vergaltest nicht Scheltworte mit Scheitworten; rächtest nicht Mißhandlungen mit 222 Mißhandlungen: sondern überlieffest deine Sache demjenigen, der ohne Ansehen der Personen Ge: richt hält, und allen Gerechtigkeit widerfahren läßt.( ebend. V. 22. 23.) Aber wie oft muß ich meinen Feinden verzeihen? Ist es genug, wenn ich ihnen siebens mal die Hand zur Versöhnung biete? Nicht siebenmal, ruft mir mein Gesetzgeber zu, sondern fieben und siebenzigmal;- nicht siebenmal, sondern so oft sie ihr Unrecht einsehen, und um Nachsicht flehen.( Matth. 18, 21. 22.) Wenn ich den Zorn über erlittenen Schimpf måßige; wenn ich der Begierde, mich zu rächen, wider: strebe; wenn ich meine Feinde durch Sanft= muth und Wohlthun zu gewinnen suche dann darf ich mit Zuversicht meine Augen zum Himmel erheben, und zu meinem Vater im Himmel rufen: Vergieb mir meine Sünden, so wie ich denen vergebe, die mich beleidigt haben.( Luk. II, 4.) Du schenkst mir täglich so viel Schuld, Du Herr von meinen Tagen, Ich aber sollte nicht Geduld Mit meinen Brüdern tragen? Dem nicht verzeih'n, dem du vergiebst, Und den nicht lieben, den du liebst? - Ja, Gott der Liebe! ja ich will voll. kommen, ich will allgemein lieben, wie du. Intanon 223 mos ( Matth. 5, 48.) Selbst für meine Verfolger will ich beten; auch ihnen will ich Gutes wüns schen, und Gutes thun, statt sie zu beschimpfen, oder gegen sie loszuziehen.( Rom. 12, 14.) Gerne will ich meinen dürftigen Glaubensbrüs dern geben, und mich beeifern, gegen alle gastfrey zu seyn.( ebend. V. 13.) Aber auch andere Glaubensgenossen, auch Samariter, auch Jus den, Türken und Heiden, sind meine Brüder; auch auf sie wird sich meine Liebe erstrecken. ( Luk. 10, 30 37.) Dir allein, o Bater der Menschen! kommt es zu, die Menschen über ihre Aufrichtigkeit, über ihr Gewissen, über ihre Meinungen, zu richten.( Matth. 13, 24-30. Róm. 14, 10 13.) Alle Menschen sind meine Brüder, meine Anverwandten.( Apg. 17, 26.) Alle Menschen, o Gott! sind deine Kinder und deine Geschöpfe. Alle Menschen, o Jesu! sind deine Erlößten. ( Joh. 3, 16. 17.) Alle Menschen sind bestimmt, deine Freunde in Ewigkeit zu seyn; sind bestimmt, mit mir, zu einem ewigen Glücke verbunden, meine Mitgenossen im Himmel zu seyn.( I Tim. 2, 1-6. Ephef. 3, 6.) Gott! wie viele Zeichen der Liebenswürdigkeit hast du dem Mens schen nicht eingeprågt? Ich will das Laster verabscheuen; aber selbst im Lasterhaftesten will ich noch die Menschennatur verehren und lieben; denn sie ist das Empfehlungsschreiben, welches 14: 4 224 Garty du, Bater der Menschen! jedem an alle seine Mitmenschen gegeben hest. st Auch da, wo mich kein zeitlicher Vortheil reizet; auch da, wo ich meine eigenen niedrigen Vortheile aufopfern muß, joll meine Liebe gegen Hülfsbedürftige thätig und großmüthig ſeyn; keine Mahe, keine Beleidigung, kein Undank soll sie schwächen.( Luf. 6, 32. 36. I Soh. 3, 16.) An diesem ehrwürdigen Zeichen der Bruderliebe soll die Welt erkennen, daß ich dein Schüler ( deine Schülerin) o Jesu! und Bekenner( Bes kennerin) deiner wohlthätigen Religion bin.( Joh. 13, 35.) Der Geist dieser christlichen Liebe foll künftig mein ganzes Herz, und alle meine Handlungen beseelen! Ein Herz, das vom Neide, von der Eifersucht beherrscht wird, ist kein christliches Herz.( Gal. 5, 25. 26.) Darum, wenn einer meiner Mitbrüder von Fehlern übereilt, wird, will ich ihn, als sein besser denkender Freund im Geis ste der Sanftmuth zurecht weisen; denn auch ich bin von Fehlern nicht frey! Hat nicht jeder Mensch seine Bürde? Müssen wir nicht mit ges meinschaftlichem Eifer uns bestreben, dieselbe eina ander zu erleichtern? Und giebt es in der Brus derschaft Jesu eine höhere Forderung, als diese? ( Gal. 6, 1-3.) Ja, großer Gott! wenn ich einen schwachen Bruder, welcher von der rechten Lebensbahn ab, gewis 225 d gewichen, wieder mit Liebe zu deinem Gefeße zu: rückführe, so habe ich schon eine Seele gerette, und eine ganze Folge von Ausschweifungen in ihrem Keime erstickt!( Jak. 5, 19. 20.) So will ich denn für das Menschengeschlecht seyn, was die Himmelslichter für diese Erde sind ein Mensch, der andern den Weg der Tugend und Glückseligkeit zeiget.( Philipp. 2, 15.) So will ich denn in den Augen aller Menschen leuchten, daß sie, durch mein Beyspiel ermuntert, dich- den himmlischen Vater verherrlichen, und getreu in Befolgung deiner Gebote wandeln. ( Matth. 5, 16.) and 854 Wehe der Welt des Aergernisses wegen! ( Matth. 18, 7.) Wehe dem, welcher Aergerniß giebt, welcher die Bande des Gewissens in zarten Seelen zerreißt, die Schwachen in der Tu gend stark im Laster macht, und die Werke der Gottlosigkeit ausbreitet, da er Tugend verbreiten, und ein guter Geruch Jesu seyn sollte. Gott! laß mich doch nie nie so sehr deiner vergessen! Belebe mich immer mit dem Gedanken, daß die wahre Christengröße auf Erden allein darin be steht, wenn man Gutes stiftet, Wahrheit und Tugend ausbreitet, und mit Aufopferung seis ner selbst dein Werk betreibt. Dieß sey also künftig, o höchstes Wesen! meine angenehmste Beschäftigung dem weinenden Mitbruder eine Thräne des Mitleids zu schenken, 15 226 und mich mit dem Frohen zu erfreuen;( Róm. 12, 15.) dem Bruder, welcher mich besucht, mit Achtung und Ehre zu begegnen,( ebend. 3. 10.) und wenn er fehlt, zu denken: er ist ein Mensch und dann voll Bruderliebe den Schleyer der Nachsicht über seine Fehler zut werfen.( 1 Petri 4, 8.) Hat er aber meine Hülfe nöthig, so will ich nicht müde werden, Gutes an ihm zu thun.( 1 Theff. 3, 12.) Wer sparsam fået, wird auch sparsam årndten, so wie im Gegentheil derjenige, welcher reichlich fået, eine reichliche Aerndte zu gewarten hat. Ich will also geben mit völligem Herzen, nicht ungern, nicht aus Zwang oder Heucheley! Der redliche, der willige Geber allein ist Gott angenehm.( 2 Kor. 9, 6-9. 3war es vermag ein jeder nicht, Stets durch die That zu lieben; Doch bist du nur geneigt, die Pflicht Getreulich auszuüben, Und wünschest dir die Kraft dazui, Und forgst dafür so liebest du. 14 Ein Trunk, mit dem mein Dienst Dem Durstigen begegnet; Ein Blick voll Troft, mit demt Mein Herz Bedrängte segnet; Ein Rath, mit dem mein Mund Im Kummer andre stärkt; Nichts bleibt, so klein es ist, Bon dir, Herr! unbemerkt.( Matth. 10, 41. 6, 3. 4.) <-227 des Dieß fey künftig, o Gott! mein theuerster unverletzlicher Vorsak, redlich und aufrichtig ge gen alle Menschen zu handeln wie ein Sohn des Lichtes, dessen Werke die Prüfung des Tac ges aushalten. O wer im Lichte wandelt, bringt keine andern Früchte als die der Güte, der Billigkeit, der Rechtschaffenheit hervor.( Ephes. 5, 8. 9.) Fliehen will ich jede Lüge und Vers stellung, und in meinen Neden herrsche immer Wahrheit und Ehrlichkeit, immer belebe mich der Gedanke: daß alle Menschen Brüder, daß alle Glieder eines Leibes sind.( Ephef. 4, 25.) Gott! ferne sey es von mir, mit habsüchtigem Herzen zu weit umher zu greifen, und einen redlichen, nichts Arges denkenden Bruder im Handel und Wandel zu übervortheilen! ( 1 Thef. 4, 5.) Es ist besser, ich leide selbst Unrecht, als daß ich Ungerechtigkeit begehe; ( 1 Kor. 6, 7.) denn du, o gerechter Bestrafer alles Bösen! wirst das Unrecht zu seiner Zeit ahnden. Die Nach' ist dein, D Gott! du sprichst: ich will vergelten. Drum laß mich stille seyn, Wenn Menschen auf mich schelten. Gieb, daß ich dem verzeih', Der mir zu schaden sucht, Den liebe, der mich hast, Den fegne, der mir flucht. Wenn also der Mann, welcher mich be einträchtigte, hungert; sowill ich ihn speisen, wenn - Inspromcre 228 Diese er durftet; so will ich ihn trånken. Großmuth wird ihn heilsam beschämen; wird den unseligen Vorsak, ferner zu schaden, mit Gewalt aus seiner Seele reisſen. So von dei: nem Lichte bestrahlt, und von deiner Kraft un terstüßt, so will ich, o Gott der Liebe! das Böse durch das Gute überwinden.( Sprüchw. 25, 21. 22. Rom. 12, 19-21.) Amen. Berufstreue. Ein ieder wandte, wie ihm der Herr mitgetheilet hat, wie ihn Gott berufen hat." 1 Roc. 7, 17. Gott du haft alle Menschen zu Gliedern ei nes Leibes, zu Theilen eines Ganzen, zu Bürgern eines gemeinschaftlichen Staates gemacht. Jedes Glied am Körper, jeder Theil des Gan zen, jeder Bürger im Staate, hat seine eigene Verrichtung, sein ihm angewiesenes, ihm angemessenes Geschäft. Wenn jedes Glied bey seis ner Verrichtung bleibt, dann steht es mit dem ganzen Körper wohl; wenn alle Theile in ihrer Lage sind, und zusammenpassen, dann ist das Ganze vollkommen; wenn jeder Bürger nach feinem Berufe lebt und arbeitet, dann ist der Staat glücklich und in seiner besten Blüthe. ( 229 Dieß ist die unveränderliche Ordnung, welche du, o weiser Schöpfer! in deiner Schöpfung, in dem großen Hause des Weltalls, festgesetzet haft. Ein jeder wandle also, wie du ihm mitgetheilt, wie du ihn berufen hast. Jeder Stand verdient Ehre und Achtung. Der Landmann, den du zur Anbauung der Erde bestimmteft; der Taglöhner, welcher für seinen Tagesschweiß nur wenige Kreuzer einårndtet; der Handwerker, welcher unsere Kleider und Hausgeråthe verfertigt; der Bürger, welcher für unsere Bedürfnisse, für unsere Bequemlichkeit forgt; der Kaufmann, welcher unsern Ueberfluß andern Nationen zuführt, und unsern Mangel durch fremde Waaren ersetzt; der Gelehrte, wels cher in seiner Studierstube für uns denkt, nüßliche Wahrheiten erfindet, oder nüßliche Kenntnisse ausbreitet; die Mutter, welche für ihre Kinder, für ihr Haus Sorge trägt, und die Freude ih, res Mannes ist; die Magd, welche die gez ringsten, eckelhaftesten Arbeiten verrichtet alle verdienen Ehre, Achtung und Dank Ihr Be ruf ist dein Werk, o Gott! Der Standort, auf welchem sie sich befinden, ist ihnen von dir, o ewige Weisheit angewiesen. Ihre Geschäfte sind freylich so glänzend nicht, wie die Geschäfte ei nes Fürsten, eines Staatsmannes; aber sie sind doch nützlich, sie sind nothwendig: sie tragen zum Wohl des Ganzen bey. Ihr Stand ist niedri: emoms BENDRAD 230 - ger, aber auch im niedrigsten Stande giebt es edle, liebenswürdige Seelen, Seelen, welche ihren niedrigen Stand durch Berufstreue, durch Redlichkeit, durch Arbeitsliebe, durch gesellige Sitten, adeln. 1 Jeder Stand hat seine Mühseligkeit, seinen Eckel; seine Arbeit; auch das, o Gott! ist be: wundernswürdige Einrichtung deiner alles umfas fonden Weisheit. Du schufft den Menschen zur Arbeit. Ohne Arbeit trägt ihm die Erde keine Früchte; ohne Arbeit zieht er keinen Vortheil von den Geschöpfen, deine ganze schöne Schdpfung ist todt für ihn; der ganze Vorrath von Lebensgütern, den du ihm bestimmtest, ist verloren für ihn. Ohne Arbeit drückt uns immer Mangel und Bedürfniß; ohne Arbeit sind wir nicht gesund, nicht stark, nicht wohlhabend; ohne Arbeit bleibt unser Verstand in Irrthümern, und unser Herz angebildet, ungebessert; ohne Arbeit ist das Bergnügen selbst nur halb angenehm. So wußtest du, o Gott! unsere Mühe, die Anstren- s gung unserer Kräfte, selbst zur Quelle unsers Glücks zu machen, und Arbeit und Menschenwohl, wie Zwillinge, mit einander zu vereinigen. Jeder Stand hat sein eigenes Geschäft. 2 ich will mir nicht wünschen, was ich nicht haben kann, was mir vielleicht nur in der Ferne besser scheint! Ich will bleiben, wo ich hinberufen bin;( Epheſ. 4, 1.) mein Beruf ist meine muncons 231 Goldgrube. Viel Reichthum ist mit viel Sorgen gepaart;( I Tim, 6, 7. Sir, 14, 3.) nicht jeder Reiche genießt auch, was er hat. Wer den Geruch der Rose einsaugen will, blutet oft von ihren Dornen. Nicht alles, was glänzt, ist Gold. Ueberall ist Mühe. Auch der Fürst auf dem Throne hat seine Mühe; hoher Rang Wer arbeitet, ist Beruf zu großen Arbeiten. hat freylich Mühe, aber auch Freude! wer nich arbeitet, hat Mühe und Eckel zugleich). Dieſe Strafe, o Gott! legtest du dem Faulen auf, der seinen Beruf durch Nichtsthun entehret. Müsſiggang macht unglücklich; denn du schufft den Menschen zur Arbeit.( Sprüchw. 6, 6-11. 10, 4.) Jeder Stand hat auch sein Vergnügen. ist kein Hügel so verbrannt, wo deine wohlthätig: ste Vorsicht, o Gott! nicht eine Blume auffeimen ließ, und kein Stand so mühsam, welcher nicht sein Bergnügen hätte, wenn es auch noch so gering seyn sollte. Oft ist der Landmann zufrie dener, als sein Beherrscher; der Mann von klei nem Vermögen ruhiger, als der Millionen hat. ( Pf. 38, 7. Sprüchw. 15, 16.) Für jeden Menschen hast du, o Gott! Son ne und Mond, und den sternevollen Nachthimmel erschaffen; jeder darf sich an ihren prachtvollen Auftritten weiden; er braucht nur Augen zum fehen, und ein Herz zum fühlen. Für jeden Menschen hast du, ewiger Wohlthäter! die schöne 232 Natur aufgeschioffen; wir können sie am Morgen oder Abend, am Mittage, oder bey Spaziergán/ gen, wir können sie überall in ihrer Herrlichkeit, in ihrem Reichthum finden, sie in allen Jahresund Tageszeiten genieffen; denn sie ist für alle Menschen, und alle Menschen sind für sie. Wie herrlich, o Schöpfer des Menschen! hast du den Menschen begnadigt! Mit wie vielen Werkzeugen des Vergnügens hast du ihn ausges rüstet! Auch der gemeinste Bürger und Bauers: mann hat Sinne und Gefühl für Freude; auch er kann die Wenne einer friedlichen, einträchtigen Ehe in der Gesellschaft seines Weibes genießen: auch er kann die Baterfreuden empfinden, wenn er gutgezogene Kinder, wie Delzweige, um seis nen Tisch, und durch seinen Schweiß genährt, anblicket.( Pf. 127, 3.) Auch er kann fühlen, wie süß die Früchte der Arbeit sind. Der Baum, den er gepflanzt, das Feld, welches durch seinen Fleiß in voller Blüthe dasteht, die Straße, die er herstellt, das aus, in welchem nicht liebers fluß, aber Reinlichkeit, Ordnung, und genüglicher Vorrath herrscht alles wird ihm zur Quelle des Vergnügens, weil er es durch seinen Schweiß errungen, weil deine Güte, o Gott! den Schweiß des treuen Mannes gesegnet hat. Auch er kann die Freuden der Freundschaft, die Freuden der Tugend und Rechtschaffenheit, die Freuden eines guten Gewissens geniessen; auch ihm strahlt die INGVEERD 233 Hoffnung einer bessern Ewigkeit entgegen, wenn er an den Rand feines Lebens tömmt; er kann in Ruhe seine Augen schließen; er hat alles wohl gethan; er geht zu die dem Bater im Him mel als Sohn, zum Herrn als ein treuer Knecht, zur Belohnung, die du deinen Freune den, ohne Ansehen der Person, versprachst. Gott wie weise bist du! Du haft den Kleinen und den Großen, du hast den Niedrigen und den Hohen, den Bettler und den König, den Blödsinnigen und den Verständigen, in einen gesellschaftlichen Körper zusammengefügt; du wei sest jedem einen eigenen Standort, nach dem Maße feiner Talente, jedem eigene Pflichten zum Wohl des Ganzen, jedem eigene Freuden zum Ge nusse seines Dafeyns an; und es ward Ordnung und Schönheit in dem Menschengschlechte. Gott wie gütig bist du! Du haft für den Kleinen und Großen, für den Niedrigen und Hohen, für den Blödsinnigen und Verständigen, für den Bettler und König, gesorgt, für alle Uebersluß erschaffen, für jeden etwas. Jeder findet sein eigenes Maß der Freude an dem Stands ort seines Berufes; jeder erwirbt es durch Eifer, durch Treue in Befolgung seines Berufs; und Glückseligkeit wird das Erbtheil des Menschens geschlechtes. Unendlicher Dank sey dir dafür gesagt weiser, gütiger Allvater! Ich will nun handeln, 234 spomenmat wie du es von mir forderst. In meinem Stande will ich meine Pflichten erfüllen; in meinem Stande will ich Glückseligkeit suchen; durch mei nen Pflichteifer will ich in meinem Stande Glücks feligkeit erwerben. Berufstreue, Arbeitsliebe seyen die Flügel, die mich zum Ziele meiner Bestim mung, zum möglichst besten Genusse des Lebens, tragen. Dieß ist dein Wille, o Gott! Dieß ist mein Glück, dieß ist dein Gegen! Zur Arbeit, nicht zum Müßiggang, Bin ich, o serr! auf Erden; Drum laß mich doch mein Leben lang Kein Mügiggänger werden.s Gieb mir Verstand, und Luft und Kraft, Gefchickt, treu und gewissenhaft, Mein Amt hier zu verwalten. Amen. Ermunterung zur zur Tugend. O duy von welchem alle gute Gabe herunter: firömt,( Jak. 1, 17.) ewiges, heiligstes Wesen! sich, wie dich jest meine so ganz aufrichtige Seele um Kraft zur Tugend bittet! 13 ,, Erkennen möcht' ich, was vecht ist! ,, Lieben, was recht ist! ,, Thun, was recht ist!" Tugend ist heute mein sehrlichsies Verfangen, meine dringendste Bitte: Wie könnte ich ponier 235 auch am etwas bessers bitten, als um Tugend? Sie mindert die Leiden des Unglücklichen, und erhöht die Freuden des Glücklichen. Wenn ich um andere Güter, z. B. um Reichthum bitte, so steht mein Gebet oftmals mit der Anordnung deiner heiligen Vorsicht im Widerspruche; aber wenn ich um Tugend bitte, so kommt meine Bitte mit deinem Gebote, o Herr! überein, und ich werde dich dann immer bereitwillig finden. Welch ein Glück für mich! daß ich um das höchste Gut des Lebens nie vergeblich bitte! id Jede Bitte um Tugend ist sogar schon Wachsthum in der Tugend! Denn um was man ernstlich bittet, dieß verlangt man auch im Ernste. Nun ist aber jedes ernstliche Verlangen ein neuer Zusak des Muthes, und eine neue Auffrischung unserer Thätigkeit; und kann man wohl zweifeln, daß die Tugend wachse, wie der Muth wächst, der uns dazu entflammt? Wetlan Dir, Allerhöchster! kann auch keine Verehrung angenehmer seyn, als wenn man um Tugend und Rechtschaffenheit bittet. Du wärest nicht das höchste, vollkommenste Wefen, wenn dir eine andere Verehrung angenehmer wäre. Nur Götzen, oder die hinter den Gögen stecken, können an einem andern Gottesdienste Wohlgefallen äussern. Der wahre Gott verlangt nichts, als daß sein vernünftiges Geschöpf mit dem Plane der Schöpfung durch Tugend übereinstimme, und Cyl TAG 236 in dieser Uebereinstimmung, als Theil des Gan, zen, glücklich sey. Tugend ist ein ewiger, unaufhörlicher Got die dem ,, tesdienst, und Gebet um Tugend ,, Höchsten angenehmste Andacht." So laß denn, o Gott der Tugend! in meinen Neigungen die Liebe zur Ordnung und Måfigkeit immer mehr herrschend werden, damit sie nicht verderblich ausschweifen, und Menschenelend stiften. Laß meine Handlungen jederzeit durch den Geist der Rechtschaffenheit beseelt werden, das mit sie, Heiligster! vor dir gerecht, und vor der Welt selbst untadelhaft erscheinen. Tugend veredele meine Freuden vor dei: nem Angesichte, o Gott! der du mir so viele Freu: den giebst. Tugend verdopple den Genuß der Freuden durch das Zeugniß, daß sie rein und unschuldig find. Liebe zur Tugend entflamme mei: nen Muth, wenn mich die Trägheit vom Aufschwunge zum Guten zurückhält, wenn mich die lockende Versuchung zum Laster hinreißt, wenn mich ein niederträchtiger Vortheil zur Lüge, zur Ungerechtigkeit reißet. Liebe zur Tugend ents flamme meinen Muth, wenn mir Prüfungen der Nedlichkeit aufstoßen, wenn ich zwischen flüchtigem Glücke und standhafter Rechtschaffenheit wählen muß; wenn mir der Weg der Gerechten Mühe kostet, und Haß verursachet; wenn meine Treue in Ausübung der Pflichten durch Eckel, durch böse 70 237 Beyspiele, durch Liebe zur Bequemlichkeit bestürmt wird; wenn ich, um gemeinnükig und wohlthå= tig zu seyn, ein Opfer des Eigennußes und der Eigenliebe machen muß. O du, von welchem jede gute Gabe her: unterströmt, ewiges, heiligstes Wesen! um( diese himmlische, menschenbeglückende, menschenerheNicht bende Tugend flehe ich heute zu dir!- nur zum Genusse, auch zur Arbeit schufst du mich. Nicht nur empfangen soll ich von andern, auch geben muß ich andern, und so meine Begierde und Liebe zu irdischen Gütern måßigen. Nicht immer darf ich thun, was mich gelüstet; ich muß auch die Lüfte besiegen, um immer meine Pflicht zu thun. Nicht nur in gewöhnlichen Dingen muß ich getreu seyn; auch großmüthig muß ich vor dir, o Herr! erscheinen, wenn mir die Pflicht schwere, aber gemeinnüßige Werke, langwierige, aber edelmüthige Geschäfte auferleget. Nicht nur in Werken muß ich den Geist des Christenthumes, der uns beseelt, scheinen lassen, auch meine Ges danken muß ich ordnen, von unlautern Absichten reinigen,( Matth. 5, 27. 28.) und stets auf D! wer meine Pflichten aufmerksam erhalten. sich in seinem Herzen Bdses erlaubt, weil es vor dem Anblicke der Menschen verschlossen bleibt, be trügt sich ſehr. Winkel der Seele; Gott! du durchschaust ja alle du prüfest das Herz und die Nieren! du siehst, kennst, und zählst alle meis 238 ne Gedanken, so tief sie auch in der Dunkelheit des Herzens versteckt sind.( Jerem. 17, 10. Pf. 7, 10.) O du, von welchem jede gute Gabe her unterströmt, ewiges, heiligstes Wesen! um diese heldenmüthige, allumfassende Tugend flehe ich heute zu dir! Deine Gnade pflanze sie in mein Herz! Der Glaube, die Kraft, und der Trost des Evangeliums unterstüße sie in mir! Das Bey= spiel Jefu erleichtere mir ihre Ausübung! Gott! wie groß ist nicht das Glück, welches deine Weisheit mit der redlichen Ausübung der Tugend auch in dieser Welt verknüpft hat! Sie lindert die Leiden der Menschen; gießt Trost und Zufriedenheit in die Wunden, welche das Schicksal schlägt; ermuntert den sinkenden Geist durch das stille Bertrauen und die hei tere Hoffnung auf deinen Beystand, o Bater der Menschen! Sie erfreuet selbst durch das Gefühl der Stärke, mit welcher sie den Menschen über alle irdischen Unglücksfälle erhebt. Ach! wenn die Tugend niemals liebenswürdig wäre, so müßte sie es beym Anblicke eines leidenden Tugendhaften werden!( 1. Petr. 2, 1923.) Sie adelt die Freuden der Menschen; alles ist süsser und reiner, was uns die Tugend zu geniessen erlaubt. Wie schön ist nicht das Vergnügen der Ehre, wenn man sie durch würdige Handlungen erworben hat! Sie, diese himmlische Tus dobrament 20' 239 gend, erweitert den Genuß des Ansehens und der Macht, weil diese zu großen Handlungen immer fähiger macht. Selbst der Reidthun giebt dem Tugendhaften eine höhere Zufriedenheit, weil er sich weder über die Art, wie er ihn erworben, noch über die Pflichten, ihn gut benützt zu haben, Vorwürfe machen darf. Die ganze Natur liefert dem Rechtschaffenen ein doppeltes Maß des Vergnügens, weil er es ohne Ulebermaß zu geniessen, und ohne Beeinträchtigung anderer zu finden weiß. So fegneft du, o Gott! die Freus den des Menschen, welcher die Tugend über alles schäßt, und die Weisheit deiner Religion allen Vortheilen des Lasters vorzieht! Und wie viele eigenthümliche Freuden hast du nicht, weisester Urheber des Menschengeschlech tes! in die Hebung der Tugend gelegt? Giebt es eine höhere Wollust, als wenn man sich an feine Siege über niedrige Leidenschaften erinnern kann? Der Baum, den ich pflanze, vergnügt mich, wenn er auffproßt, und Früchte bringt, und mein Wachsthum im Guten sollte für mich teine Quelle des Vergnügens seyn? O was ist entzückender, als der Gedanke, dich, o Gott! zum Freunde zu haben- als das Gefühl, nicht un würdig unter den Menschen gewandelt zu habenals die Stimme des Gewissens, welche dem Wandel Beyfall giebt als die Erinnerung des Gu ten, das man gestiftet, der Thränen, die man 240 abgetrocknet, der Wohlthaten, durch weiche man sich den Dank der Menschen erworben hat? Wer kann so ruhig über sich nachdenken, so fröhlich unter seinen Mitmenschen umhersehen, so getrost dem Ende feiner irdischen Tage sich nähern, fo hoffnungsvoll in die Ewigkeit hinüberblicken, als der Tugendhafte? O du, von welchem jede gute Gabe kommt, ewiges, heiligstes Wesen! um diese so liebenswürdige, so segensvolle, so menschenbeglückende Tugend flehe ich heute zu dir! Selbst meine irdische Wohlfahrt ist am sicher: sten gegründet, wenn ich sie auf Tugend baue. Mit ihr, und durch sie fliessen mir meistens alle Güter des Lebens zu. Berschafft sie mir nicht immer Ueberfluß, so giebt sie mir doch das Nöthige, und dieses Ndthige schmeckt mir um so köstlicher, weil es die Tugend herbeygeführt hat. Wer ist thätiger, mit Vorsicht, mit anhaltendem Fleiße thätiger, als der Tugendhafte? Wer macht sich fremder Beyhülfe würdiger, als er, da er selbst so viele Nachsicht, so viele Bescheidenheit, so viele Liebe gegen alle Menschen blicken läßt? Wer ist sparsamer und mäßiger, als der Tugendhafte? Wer schränkt seine Wünsche mehr ein, begnügt sich mit wenigerm, findet in jeder Lage eine reichlichere Quelle der Zufriedenheit, als der Tugendhafte? Und durch was wird die zeitliche Wohlfahrt des Menschen mehr befördert, als gerade TOSCAR 4 G 241 gerade durch diese vortreflichen Eigenschaften dert Tugend? 117 Bened So lehret mich, o Gott! dein heiliges Evangelium selbst: ,, Suchet zuerst das Reich Gottes; strebt vor allem nach Rechtschaffenheit und Tugend; und das übrige wird euch noch hinzuges legt werden; unvermerkt wird euer Wohlstan) zunehmen, und reichlicher Segen in eurem Hause blühen."( Luk. 12, 13.) Aber ich will kein Taglöhner der Tugend seyn; nicht um Sold, um eigennüßige Erwar: tungen, deinem Gesetze, o Gott! fröhnen! Unglücksfälle und Leiden, welche so unzertrennlich vom Loose der Sterblichen sind, können den Rechtschaffenen, wie den Lasterhaften drücken, und werden nach ewigen, geheimen, unbegreiflichen Gefeßen der Vorsehung unter die Menschen vertheilt. Nicht immer leidet das Laster, nicht im mer triumphirt die Tugend. Auch verkannt, auch verfolgt wird die Tugend! Aber auch in diesem Zustande der Verkennung, der Verfolgung soll sie das höchste Gut, und der erste Gegenstand meiner Wünsche, meines Gebetes, und meiner Bemüa hungen seyn. Genug, daß ich meine Pflichten ap ich erkenne, um sie zu erfüllen; genug, daß ich meis ne Bestimmung zur sittlichen Vollkommenheit weiß, um aus allen Kräften darnach zu ringen; genug, daß mich Vernunft und Religion zur Tugend aufs fordert, um ihr alles Irdische, alle Vergnügungen 16 2000 242 der Sinnlichkeit aufzuopfern. Sie, die Tugend, ist selbst ein Himmel, und bey dem größten Mangel zeitlicher Güter ein Kleinod, das seinen Werth durch die ganze Ewigkeit nicht verliert. Weniger fühlt feine Leiden der Tugendhafte, als der Bose! Größern Trost fühlt im Leiden der Tugendhafte, als der Bose! Mehreren Freuden sind in Böſe! die Leiden der Tugendhaften gemischt! Erträgli cher, hoffnungsvoller ist das widrige hicksal des Tugendhaften, als des Bösen! und du, von welchem jebe gute Gabe fimmt, ewiges, heiligstes Wesen! um diese, allen Werth übersteigende, um diese dem Menschengeschlechte im Glück und Unglück so unentbehrliche Gabe um Tugend flehe ich zu dir! SAGR 6 Das Gewissen. Gott! wie wichtig ist die Bitte, die ich jetzt vor deinen Thron bringe! wie groß ist das Gut, welches heute meine Wünsche so vorzüglich entflammt! Möchte doch meine erste und größte Sorge immer auf die Erhaltung eines guten Gewissens gerichtet seyn! Das ist heute mein Wunsch, mein herzinnigstes Gebet zu dir! Möchte ich doch jederzeit nach 243 M der Stimme meines Gewissens handeln! alles thun, was es fordert; in allem folgsam seyn, weil es fordert.- Gott! du hast diesen geheimen Richter in meinem Busen aufgestellt, um mich vor deinem künftigen Gerichte zu warnen!( 1 Kor. 11, 31. 32.) Du hast diesem stillen Lehrer einen Sik in meis nem Herzen angewiesen, um durch seine Aussprüche die Neigungen und Triebe desselben in Ordnung zu erhalten. Du hast diesen strengen Freund unzertrennlich mit meiner Vernunft verbun den, damit sie nicht auf Irrwege gerathe, und nicht selbst die Thorheiten und Ausschweifungen des Herzens vertheidige.( Röm. 2, 14. 15.) Möchte doch, wohlthätigster Schöpfer! mein ganzes Betragen mit diesen liebreichen Absichten und Einrichtungen deiner Weisheit jederzeit übers einstimmen! Aber sieh, o Vater der Menschen, um was Nie ich dich bitte, das verspreche ich dir auch. soll mir das Ansehen irgend eines Menschen ehrwürdiger, dringender seyn, als die Stimme des Gewissens; nie zu Handlungen oder Rathschlägen mich verführen, welche durch die Stimme meines Gewissens verdammt werden. Nie soll mich ein Vergnügen, so reißend, so wollüstig es auch meis nen Augen wäre, bethören und anlocken, wenn es nicht anders, als durch den Verlust des innern Friedens, und der Gewissensruhe, erobert wers 244 den kann. Nie soll ein irdisches Gut, die Hoff nung eines Gewinnstes, die Begierde nach Reichthum, die Gelegenheit ein Glück zu machen, so über mein Herz herrschend werden, daß ich ihm Redlichkeit, Pflicht und Ehre, und mit ihnen das Glück eines guten Gewissens, aufopfere. So verborgen der Winkel auch wäre, in welchem ich angesehen, ungestraft sündigen könnte so soll dennoch deine Gegenwart, o Gott! und der Ruf des Gewissens, das mich bis in die tiefste Finster: niß begleitet, mich selbst vor dem Gedanken der Sünde, vor jedem Scheine des Lasters, zurück: scheuchen! Ich will das heimliche Laster mehr fliehen, Denn als wenn mich die ganze Welt beobachtete. wer entgeht im Dunkeln deinem Blicke? Und wer kann sich vor seinem eigenen Gewissen verbergen? ( Hebr. 4, 13.) Gott! laß mich den Werth und die Glückselig keit eines guten Gewissens nie vergessen, nie hint: ansehen. Dwie ruhig schläft man, wenn man sich am Ende des Tages nicht an böse Werke era innern, nicht das öffentliche Bekanntwerden derselben befürchten muß! Wie munter steht man auf, wenn die Seele so heiter, als der Morgen selbst, nur an würdige Gegenstände denkt, mit welchen sie den Tag anfangen will? Wie wenig scheut man sich vor den Menschen, wenn uns das Gewissen Zeugniß giebt, durch Leutseligkeit und Liebe zu ihrem Glücke beygetragen, und durch keine g 245 Frevelthat ihren Haß verdient zu haben? Wie ruhig ist man im Unglücke, wenn uns das heitere Bewußtseyn unserer guten Thaten in der Mitte des stürmenden Ungewitters nicht verläßt! Mit Muth trag' ich des Lebens Leiden, 3) Verfolgung, Läft'rung, Schmach, und Hohn; Denn des Gewissens Freuden Sind füffer, als der Menschen Lohn: Was kann mir höhern Trost verleih'n, Als leiden, und unschuldig seyn?" Wie süß ist der Genuß alles irdischen Guten, wenn er von der Qual der Gewissensbisse nicht vergiftet, nicht unterbrochen wird! Wie freudig sieht man auf sein vergangenes Leben zurück, wenn man darin teine Quelle der Vorwürfe entdeckt, nicht über sich selbst erzittern, nicht seine eigene Schande darin verabscheuen muß! Wie gelassen stirbt man, wenn bey der Trennung von allem Irdischen, bey dem Abschiede von allen Menfchen, der innere Friede nicht von uns flicht, und das unbescholtene Gewissen bis zum Throne des Richters uns begleitet! Wie unerschüttert verläßt der Geist seine irdische Hülle, wenn ihm die Hoffnung der Unsterblichkeit neues Leben, und noch seligere Tage jenseits des Grabes, wie von ferne, zeigt? Ich eile mit gefestem Schritte Des Lebens leßter Stunde zu; Denn der verfall'nen Leibeshütte Zeigt sich im Grabe fanfte Nuh', Indem mein Geift, der Gott gelebt, 3u feinem Ursprung sich erhebt." 246 2. Gott laß mich doch nie den Werth- den alles irdische Glück übersteigenden Werth eines guten Gewissens aus der Acht lassen. In jeder Handlung, in jedem zweifelhaften Vorfall, bey je: dem wichtigen Geschäfte, sey dieses mein erstes Augenmerk, die Vorschriften der Nedlichkeit nicht zu verleßen, solche Maßregeln zu entwerfen, solche Entschlüsse zu fassen, solche Plane auszuführen, bey welchen ich nicht nur vor den Augen der Welt, sondern auch vor meinem geheimen Sittenrichter, vor meinem unbestechlichen Gewissen, als ein ehrlicher Mensch, und rechtschaffener Christ erscheine. enorite Wer die Stimme des Gewissens auch nur einmal muthwillig unterdrückt oder verachtet, wie bald kann er gegen ihre Vorwürfe ganz taub werden? Wer seiner innern bessern Ueberzeugung auch nur im Kleinern entgegen handelt, wie leicht kann er auch im Großen feine Augen vor der Wahrheit schließ sen, sich selbst täuschen, freywillig dem reißenden Irrthum nachhängen, und ohne Scheu, ohne Zurückhaltung, Böses thun? Wer auch nur einmal vor einer schändlichen Handlung nicht zu er: rdthen gelernt hat, wie bald wird er sich seines Lasters rühmen, und mit frecher Stirne der Zucht, der Ehrbarkeit, der schamhaften Unschuld, spotten? Barmherziger Gott! laß mich doch nie in diese fürchterliche Lage kommen, wo sich Herz und Gewissen in immerwährendem Kampfe befinden, 247 wo das verachtete Gewissen nur droht, und das verdorbene Herz nur lacht dort kein Friede, und hier keine Besserung ist! Aber, o Gott! möchte doch auch meine Vertunft immer mit Demuth, immer ohne Vorutheile, nach der Erkenntniß der Pflichten for: scher! Möchte ich doch immer schädliche Irrthümer vermeiden! Möchte ich mich doch nie aus Mangel der Aufmerksamkeit selbst betrügen; und nie aus Gefälligkeit für meine verdorbenen Neigungen selbst tauschen damit nicht das Gewissen selbst in Srrthum gelathe, und seine Stimme für mich eine falsche, eire unzuverläßige Lehrmeisterinn werde! Ein falsches Gewissen Gott! welch ein Unglück für den Menschen! Mit blindem Eifer glauben, daß etwas git sey, was bös ist daß etwas Hauptsache sey. was nur Nebenwerk ist- daß etwas zur Religion gehöre, was sie nicht billigt, was sie ausdrücklich mißbilligt! Mit heiligem Stolze glauben, daß mar wahre Andacht habe, Gott wahrhaft verehre, da man vielleicht nur Mis brauchen, nur dera Überglauben anhängt.. Ach! welch eine schreckliche Lage des verblendeten Gewissens ist dieß! - - Gott! Laß meine Leidenschaften ja niemals Meister über meine Bernanft werden! Gieb mir Lehrer, die mir den Weg der Wahrheit richtig zeigen! Bilde mein Herz zur Tugend, daß es den Weg der Wahrheit wünsche und liebe! Er 248 leuchte meinen Verstand, daß er dein heiliges Wort recht verstehe, und ich dich im Geiste und in der Wahrheit anbeten lerne! Un jedem Abend will ich dann, in der Stille mei nes Herzens, und mit dem Ernste der Wahrheit vor Deinem Angesichte, du Allgegenwärtiger! mich sebst prüfen, und meine Gedanken, meine Worte, meta Ine Werke, nachy deinem heiligen Geseke, beurtheilen. ,, Habe ich die Stimme des Gewissens jedesmal mit Ruhe angehört, mit Freude gebilligt, mit Treue befolgt?" Dieß soll meine erste Frage an mich seyn; und wenn mich dann das Gewissen keiner Untreue gegen seine geheimen Emahnungen beschuldigt und verdammt wie san't wird mein nächtlicher Schlummer seyn, wie firchtlos werde ich in der Finsterniß da liegen, wi getroft werd' ich mich an den zurückgelegten Tas erinnern, wie ruhig dein Gericht, o Gott! abwarten, wenn diese Nacht die lette meines lebens seyn sollte! ( 2 Kor. 1, 12.) bin CLA - Zufriedenheit. 200 Herr! mache meine Seele stille! Was mich auf Erden fränkt und drückt, Dieß weiß dein ew'ger Kath und Wille, Der nichts zu meinem wahren Schaden schickt. Du bist's, der alles, alles ändern kann, Und was du thust, o Herr! ist wohlgethan. Gott! der du die Himmel, die Welten, und alles, was darin lebt und webt, erschufft; dessen 249 Königreich die ganze Schöpfung ist; von deffen Hoheit und Macht und Segen alle Geschöpfe zeugen; der allen Menschen Leben und reichlichen Genuß des Lebens gab; der ihnen die weite Erde zur Wohnung anwies, und diese Wohnung durch ein Wort seiner Allmacht mit lleberfluß der Güter schmückte Gott! auch ich bin ein Glied der Menschheit; nehme an ihrer glücklichen Bestimmung Antheil; wandle in diesem schönen Hause, der Erde, umher; darf zu dir, König des Weltalls, als Mensch hinaufblicken; darf überzeugt seyn, daß du mich auch in der tiefsten Tiefe deis nes Blickes würdigest, mit Güte und Weisheit meiner gedenteft; daß auch ich unter Millionen Wefen, für welche deine Allmacht wirket, nicht unbemerkt verschwinde. Wie erhebt mich dieser Gedanke! Welchen Trost leitet er in den Gea nuß meiner Tage! Wie zufrieden kann ich durch ihn mit meinem Geschicke seyn! Zufriedenheit! o dieser Balsam des Lebens! Nirgends quillt er so rein, so stärkend, als aus dem Gedanken, daß Gott ist; und daß er der Vater aller Geschöpfe, aller Menschen ist. Gott, du bist die Heiligkeit selbst! Du schufft mich, damit ich fittlich vollkommen dir ähnlich würde. Du schriebst mir die heiligsten Gesetze in's Herz,( Róm. 1, 15.) damit ich durch die Erfüllung derselben zu dieser Würde der Menschheit emporstrebte. Jeder Mensch, und also auch - - strandon 250 ich, ist Zweck an sich selbst, ist Gegenstand der fittlichen Vervollkommnung, und also auch würdiger Gegenstand seiner eigenen Achtung! Aller unser Daseyn hat innern Werth; jeder muß sich selbst zweckmäßig, das ist, nach dem Gesetze seiner Vernunft, behandeln, sich und andere nicht als bloßes Mittel aufopfern, sich und andere nicht als Zweck vernachläßigen. Wenn wir auch das hohe Ziel der Heiligkeit in keinem Zeitpunkte unseres Dafeyns ganz erreichen, so ist es doch innerer Ruf und unabweisliche Forderung unserer Vernunft, nach diesem Ziele aus allen Kräften zu streben, und uns demselben immer mehr zu nähern. Nicht in deinem Gesetze, o Gott! liegen Schranken für uns, in unserer Endlichkeit und Schwachheit müssen wir sie suchen. Gott! du bist die höchste Güte! Du schufft mich, um mich auch glücklich zu machen; du konntest den Menschen nur erschaffen, um ihn, wenn er sittlich gut ist, auch, nach dem Maße seiner sittlichen Güte, glücklich zu machen; und weil du die höchste Güte bist, so gabst du dem Menschen so viel Gutes, als er deffen fähig ist., Nicht in dir liegen die Schranken deiner Wohlthätigkeit; in mir selbst muß ich sie suchen. Gott! du bist die höchste Weisheit! Du übersahst das Weltall, wie wir Menschen etwa den Riß einer kleinen Hütte übersehen; du entwarfst Gesetze, welche dem hohen Endzwecke am 251 angemessensten waren, eine Menge sittlicher Ge schöpfe aufzuftellen die an Bollkommenheit bis in's Unendliche zunahmen, ihnen dann nach Ver dienst Wohlseyn zuzutheilen, und auf solche Weise eine unendliche Summe von Glückseligkeit zu verbreiten. Nicht in deiner Weisheit liegen die Schranken unserer Glückseligkeit; in der Unvoll kommenheit, welche jedem Geschöpfe wesentlich anklebt, müssen wir sie suchen! Sind wir daher glücks lich, so ist es Geschenk deiner heiligen Güte; sind wir unglücklich, so ist es Bestimmung oder Zulafe fung deiner gütigen Weisheit. Unglück trift michy nur, wenn eine größere Menge des Guten für mich nicht anders, als durch Zwischenstunden des Leidens möglich war. Unglück trifft die Menschen nur, wenn die größte möglichste Glückseligkeit Aller nicht anders, als durch Einschränkung, und flüchtiges Elend Einzelner möglich war. 2016 Deine Güte, o Gott! wog meine Freuden-- und sie sind unzählbar! Deine Weisheit wog meine Leiden und sie sind so sparsam ausgetheilt, als es der Zusammenhang einer wesentlich unvolls kommenen Welt zuließ. Wenn ich leide, und meine Befreyung stimmt mit deiner Güte und Weisheit überein, o dann bin ich versichert, du befreyst mich gewiß! Noch ehe ich bete, bist du zur Hülfe da. ( Matth. 6, s.) Aber rettest du mich nicht, so war der Augenblick meines Leidens in deinem ewigen, weifesten Plane; deine Weisheit bereitet dann aus - 252 den Trümmern dieses Schiffbruches ein größeres Wohl für mich, oder für andere, oder für alle zugleich. Dies ist der Felsen, auf welchen der Mensch seine Ruhe, seine Zufriedenheit gründen muß. Ja, Vater der Menschen! du forderst zuerst Tugend von mir; dann bietet mir deine väterliche Hand auch eine belohnende Glückseligkeit dar! Zuerst muß ich gut werden, dann machst du mich auch so glücklich, als ich's verdiene. Aber auch in dieses Leben, wo Streben nach Tugend mein erstes Geschäft bleibt, streutest du Blumen der Freude aus; auch hier finde ich unzählbare Güter des Genusses; aber ich muß den Genuß der hdHeren Pflicht unterordnen, zuweilen ganz auf opfern; ich muß den Genuß durch die Vernunft beherrschen, und ihn wieder zu höhern sittlichen Zwecken benüben. In diesem erhabenen Lichte ers blicke ich das Weltall als ein blühendes Paradies der Freuden! ich erhebe mit Sufriedenheit mein Antlit unter den Geschöpfen, und spreche mit Eins fait und Wahrheit: auch ich bin zum Genusse die: fer Seligkeiten bestimmt! meine Lage, mein Bes ruf, das Maß meiner Kräfte führen mich zu dem Antheil, welchen ich an den Gütern des Lea bens habe. Ja, Vater der Menschen! du wogst jedem deiner Kinder mit väterlicher Zärtlichkeit seinen Antheil zu, und heftetest die Erwerbung dieses SVAR 253 - Antheils an Fleiß, an Klugheit, an Nedlichkeit; und bedachtest das Ganze, ohne die Theile zu verz geffen; du hast die Theile ausgerüstet, ohne das Ganze arm zu machen. In der bürgerlichen Gesellschaft sind so viele, so verschiedene Bedürf nisse! Mußte nicht auch Verschiedenheit der Stana de, der Gaben, der Glücksstuffen unter uns seyn? Vater im Himmel! du konntest nicht allen Kindern gleich viel austheilen; aber wenn schon die Kina destheile ungleich sind, so kann doch jedes mit dem Seinigen zufrieden seyn. Die Ungleichheit war ja zum Wohl des Ganzen nöthig, und können einzeine Glieder glücklich werden, wenn das Ganze zerrüttet ist? mxxccand Wer demnach seine Hoffnungen zu weit ausa dehnt, ist ein Feind des gemeinen Besten! Wer da fordert, daß deine Vorsehung, o Gott! alle seine thörichten, ausschweifenden Hoffnungen bea günstige, der will, daß du Partheylichkeit zeigest, und ihn als deinen Günstling über alle erhebest. O, daß ich doch einmal lernte, mäßig zu hoffen, und wenig zu wünschen! Dann würde ich mehr genießen; dann würde Zufriedenheit dasjenige würzen, was mir deine Güte beschied; dann würz de ich in meinen Augen schon reicher und gesegnes ter scheinen; dann würde ich nie lustern auf frema des Gut schielen, und mich, in der Mitte eines genüglichen Vorraths, nicht durch Neid, Mißgunst und Klagen abhärmen. 254 O Gott! gieb mir diesen Sinn der Bescheiden heit und Mäßigung, ohne welchen der Mensch nie zum ruhigen Genuße des Lebens kömmt. Laß mich mit meinem Stande, so wenig glänzendes er auch hat, mit meinen Umständen, so niedrig und eine geschränkt sie auch scheinen, mit dem kleinen oder größern Zirkel des Berufes, in welchen du mich gesetzt hast, zufrieden seyn. Laß mich mehr an das denken, was ich habe, als an das, was mit mangelt; mehr in mir selbst, als ausser mir Trost und Freude suchen; mehr durch Arbeit ein fleines Glück gewinnen, als durch vergebliche Wünsche nach einem großen Glück schmachten. Pflanze mir vor allem die wichtige Ueberzeugung tief ins Herz, daß ohne Erfüllung aller meiner Pflichten, ohne gewissenhafte Befolgung deiner heiligen Liebesreligion, keine wahre, dauerhafte und vollständige Zufriedenheit möglich sey.. 12 Gott! ich betheure im Geiste der Liebe und des Friedens, daß ich von heute an mit allen Mena fchen, unter welche mich deine Vorsicht bringen wird, in Friede und Einigkeit leben, mich an ihrem Wohle freuen, mich in ihre Schwachheit fchicken, und sie nicht ihrer Irrthümer wegen Hassen will. Welche Quelle der Zufriedenheit wird mir dieser christliche Vorsatz eröffnen! O die Menschen sind oft nicht so böse, als es der mürris sche, unzufriedene Menschenfeind glaubt! Wie viele Zweige des Guten treibt die Menschheit a 716 255 nicht, wenn man sie nur, wie die Kräuterkenner die heilsamen Pflanzen, mit Sorgfalt aufsuchen will! Sie die Menschheit ist liebenswürdig; verdient selbst bey ihren Mängeln meine Nachsicht, da ich selbst ein Mitglied von ihr bin. Ueberall findet man gute, obgleich vielleicht schwache Menschen; überall redliche, obgleich vielleicht irrende; überall wohlgesinnte, obgleich vielleicht verkannte, verläumdere Menschen. Und wenn an dem Orte, wo mich deine heilige Vorsicht, o Gott! Hinrief, auch nur eine einzige edle, mit mir gleichgestimmte Seele anzutreffen wäre, müßte mich nicht das schon beruhigen, und mit dem Menschengeschlechte ausföhnen? Müßte nicht das schon Aufforderung für mich seyn, tausend Schwachen zu verzeihen, und tausend Thoren mit stiller Zufriedenheit zu ertragen? 29 in Die von dem Loose der Menschheit u zera trennlichen Leiden auch diese, o Gott! sollen künftig meine Zufriedenheit nicht stören. Deine Weisheit ist es ja, welche mir den bittern Trank mischet! es ist oft nicht einmal böse, was ich da für halte; oft auch nicht so böfe, als es mir scheint." Meine Empfindlichkeit und Einbildung täuschet mich gemeiniglich, vergrößert meine Leiden; und ich murre dann meiner Hirngespinste wegen über deine heilige Vorsehung! Sollte wohl der Schöpfer seine Geschöpfe plagen wollen, ihre Natur zerstören wollen, ihnen mehr auflegen, als - 256 bene. ihre Kräfte tragen können? Welch ein ungeheurer Gedanke! Und doch denkt ihn der Unzufries Gott! was ich auch leiden muß, so weiß ich gewiß, daß du Kräfte in mich legtest, um mich davon loszuwickeln, oder mir es wenigstens zu erleichtern, die Folgen und Wirkungen desselben allmählig von mir abzuwenden; und diese will ich dann auch gebrauchen. Gott! was ich auch leiden muß, so weiß ich gewiß, du konntest es nur aus heiligen und wohlthätigen Absichten über mich schicken, Leiden der Geschöpfe konnte kein Zweck des Schöpfers seyn, konnte unter seinen Händen nur Mittel seyn, seine Geschöpfe zu größerer Vollkommenheit und Glückseligkeit zu leiten. Das ist der einzige gotteswürdige Gedanke in allen Leiden; und wie beruhigend ist er nicht!( Hebr. 12, 5. B. d. W. 3, 5-8. Sirach 2, 45.) he Ich sehe zwar, o Gott! deine Wege nicht immer ein; das Laster triumphirt manchmal, die Tugend unterliegt. Der Schauplak dieser Erde führt das Spiel unsers Lebens nicht immer zu Ende; es bleiben Dunkelheiten in den Schicksalen der Mensaheit. Nicht immer findet der Tugendhafa te, so lange er auch lebt, Gerechtigkeit; nicht immer der Gottlose feine Strafe. Aber Dank der Vernunft, die du dem Menschen gegeben! Dank der Religion, mit welcher du ihn, o Gott! bea glückt haft! Sie öffnen mir die herrlichste Aussicht in die Zukunft! Sie zeigen mir durch die Lehre Hodon er Man 257 Lehre der Unsterblichkeit den Strahl der Hoffnung, welche den Menschen über alle alle Leiden er: hebt. Ich werde nicht ganz sterben; mein Tod ist ein Ulebergang in ein neues Leben! Die Vor sicht wird mich zu neuen Umwandlungen fortführen;( 1 Kor. 15.) ich werde ewig leben, und in dieser Fortdauer meines Daseyns werden sich meine Leiden in verhältnißmäßiges Glück und Se: ligkeit auflösen.( 2. Kor. 4, 17. 5, 10.) Die verkannte Tugend wird Recht finden, und das stolze Laster verurtheilt, bestraft werden; die Ord: nung des Schöpfers, welche durch verschlungene Wege führt, und dem Auge des Sterblichen verworren schien, wird entwickelt und gerechtfer tigt da stehen; deine Güte und Weisheit, o Gott! wird vor allen Augen in ihrem vollen Glanze erscheinen. Mape. Cont Unsterblichkeit! du bist das Siegel der menschlichen Zufriedenheit; durch dich ist meine Ruhe unerschütterlich! In allen Stürmen bist du das wohlthätige Gestirn, welches mir leuchs tet, den sichern Eingang in den Haven der Siet- a tung verkündigt, und mich mit Gott, mit mir felbst, mit den Menschen, sogar mit dem Gotte losen, und selbst mit dem Unglücke, zufrieden. macht. Amen! 5- food 17 d 258 Das Leben Jesu. Gott! ich danke dir, daß du mich in der Reli gion der Liebe geboren werden ließest. Gott! ich freue mich, daß die Religion Jesu die Meinige ist. Wie erhebt sich mein Herz, wie fühle ich den Werth der Menschheit! wie bildet, wie veredelt sich meine Menschennatur, wenn ich die Religion Jefu mit Thaten betenne, Gott! der wahre Christ ist dein Anbeter im Geiste und in der Wahrheit; der wahre Christ ist der edelmüthigste Menschenfreund; der wahre Christ ist ein so vollkommener Mensch, als er hier schon seyn fann. 11 O, möchte ich diese liebenswürdige Religion doch immer nach diesem Gesichtspunkte betrachten; nie auf Nebendinge zu viel bauen; sie nie durch unnüße Grübeleyen und Zusäße verunstalten! Möchte ich sie doch vorzüglich als Triebfeder der Tugend gebrauchen, und ihr wahres, gottgefälliges Wachsthum auf Erden nur nach den Früchten der Liebe, der Geselligkeit, der Gerechtigkeit, des öffentlichen Wohlstandes, den sie unter den Mens schen erzeugt, beurtheilen und schäßzen! „ Der Buchstabe tödtet, der Geist aber macht lebendig." So dachte, so handelte Jesus, der verehrungswürdige Stifter der Liebesreligion. Diese Gesinnung brachte er aus deinem Schoose, 259 1 BACTER o Vater! herab in die Gesellschaft der Menschen. Er war dir gleich, er war eins mit dir,( Joh. 10, 30.) und wollte uns mit dir vereinigen. Er war von Ewigkeit dein Sohn,( Apost. 8, 37. Hebr. 1, 2- 14.) und wollte uns Menschen zu seinen Brüdern machen, daß auch wir den Geist angenommener Kinder Gottes empfiengen, und dich im Vertrauen unsern Vater nennen möchten. Seine Lehre ist die Stimme der Natur, der Weisheit, und der wohlthätige Plan, welchen du, o Vater im Himmel! insbesondere mit dem Mene schengeschlechte vorhattest. Sein Leben aber ist das vollkommenste Ideal der Menschheit, das herre lichste Schauspiel der Tugend, und das ausgebils deteste Muster der Menschengröße für alle seine Schüler. Er war der beste aller Menschen; in ihm war nichts Arges, keine Falte der Unredlichs keit zu finden; sein Charakter war in allen Auf tritten des Lebens ganz aus Güte und Wohlwollen zusammengesetzt. Ewig soll dies Leben Jesu der Gegenstand meiner Bewunderung, meiner Bes trachtung, und meiner Nachahmung seyn! Mit ganzer Entschlossenheit der Seele widmete er sich dem mühsamen Berufe, in welchen du ihn, o Gott! versetzt hattest; mit unverwandten Augen gieng er die Bahn, die du, ihm vorgezeiche net hattest; mit Freude vollendete er das Werk, das deine heiligste Vorsicht ihm übertrug. Keine Mühe ermüdete ihn; keine Demüthigung schwächte MO Sound 260 seinen Muth; kein Undank erbitterte sein Herz; Liebe beflügelte den Eifer seines Berufes; Liebe war der Balsam seiner Schmerzen; Liebe war die Ursache feines, in seiner Art, einzigen Todes. Gott! welch ein Reichthum der Güte, welch ein Beyspiel der Berufstreue für mich! O wie ganz anders betrachtete er die Freuden und Leiden des Lebens, als wir Menschen! Wie genau kannte er die Blumen und Dornen des Reichthums, den Reiß und die Mühe der irdischen Größe! Wie richtig wußte er den Werth und Un werth alles dessen, was man Güter des Lebens nennt, zu schäßen! Im riedrigsten Stande lebte er vergnügt. Ueberall trug er in seinem Busen Ruhe und Zufriedenheit mit sich. Von seinem Antlike strahlte göttlicher Friede. Alles genoß ev mit Dank, was deine Vorsicht, o Gott! in seine Wege gelegt. Nichts war ihm unheilig, was vom Schöpfer kömmt; nichts eckelhaft, weil es gemein ist; nichts reizte aber auch zu sehr seine Wünsche, beunruhig te seine Seele, empörte seine Leidenschaften, was über dem Bezirke seines Berufs schwebte. P O, er wußte selbst einen Himmel um sich her zu schaffen, da wir oftmals in dem Schoose des Vergnügens uns selbst mit Kummer, Ueberdruß und Eckel quälen! Aus allem zog er Freude, was ihn umgab; nirgends fand er aber so viel Vergnüs gen, als im Umgange unschuldsvoller Kinder, in 261 der Gesellschaft schöner, redlicher Seelen, aus al: O mit len Ständen, Geschlechtern und Völkern. welcher Wärme nahm er die Kleinen in seine Arme und in feinen Schoos! Ihre Unschuld werkte alle gleichlautenden Gefühle seines Herzens; er sah sich selbst in ihnen, wie in einem reinen rund glänzenden Spiegel. ( Mit welcher Inbrunst sprach er von der Natur! Wie rein liebte er ihre ungeschminkten AufStritte! Wie innigst fühlte er ihre Schönheiten, und webte sie bey jedem Anlaß in seine Gespräche und Unterweisungen! O Gott! wie gut muß man feyn, wenn man die Reize und Vollkommenheit deiner schönen Schöpfung so innigst fühlen kann! Er hatte so genug am Wenigen; der empfand fo viel wo der Wollustling nichts mehr empfindet, ( und zeigte uns so lebhaft durch sein liebenswürdiges Beyspiel, daß Zufriedenheit des Lebens nicht -an Reichthum, nicht an erhabenem Stande, nicht an Befriedigung übermäßiger und thörich: ter Wünsche klebe, sondern in einer weisen, bes scheidenen Seele wohne, in einer Seele, wel: che den verborgenen Freudenschatz ihres Beru: fes, und die allenthalben ausgebreiteten Schäße der freudenvollen Natur zu genießen fähig ist. Aber auch in den trübsten Schicksalen, mit welchen je ein Sterblicher kämpfte, blieb seine Seele unerschüttert, sein Herz zufrieden, seis Geift an die Leitungen deiner Borsicht, o Gott! geheftet. te 262 dimarts Welche überirdische Stärke begleitete ihn in den Fesseln, vor dem Rathe der Gottlosen, bey den Mißhandlungen niedriger Knechte, bey dem öffentlichen Mordgeschrey der Priester und des Volkes? Welche Größe der Seele schimmerte selbst in fei: nem Todeskampfe hervor, und zwang sogar die Feinde, zu bekennen, daß er weniger nicht seyn könne, als Gottes Sohn.( Matth. 27, 54.) O! er trant den Kelch des Leidens bis an die Hefen aus. Aus Liebe seiner Brüder that er's, und ich thue so wenig für meine Brüder. Unschuldig litt er; ich aber leide oftmals nach Verdienst, und fülle doch die Welt mit Klagen an. Mit Herzlicher Ergebung in die Rathschlüsse des Vaters im Himmel litt er, und that den Mund nicht auf, wie das Lamm auf der Schlachtbank!( Sef. 53, 7. Apostelg. 8, 32.) Ich aber klage die Vorsicht an, daß sie mich zu einem Menschen, und nicht zu einem Gott schuf!--O wie groß ist Jefus im Leiden! Die Weisheit erstaunt über diesen Helden der Wahrheit und Menschenliebe! Wie liebenswürdig ist Jesus im Leiden! Die Menschheit hat kein größeres Bild von Menschengröße, als ihn. Unter einem so rohen Volke eine so himm: lische Weisheit; unter so verdorbenen tiefgefunke: nen Menschen eine so göttliche, unter einer Rotte von Betrügern und Gleißnern eine so unerschütterfiche Rechtschaffenheit, und Wahrheitsliebe- das 263 Wyd alles war in Jesu vereinigt. Er gieng umher, und that allen Gutes. Diefer Zug allein vers ewigt schon den göttlichen Menschenfreund, und verkündigt uns mit lauter Stimme, daß er dein wahrer Sohn, o Gott! war, der du ebenfalls deinen lebendigen Geschöpfen alles Gute mittheilft, die Bösen wie die Frommen mit Gütern des Les bens überhäufest. NUETS O! er duldete so zártlich die Schwachen, heilte fo liebreich die Kranken, lehrte so unermüdet die Unwissenden, streute so langmüthig und aus: harrend den Samen gemeinnütziger Wahrheiten aus; scheute keine Mühe, ward durch kein Hinders niß geschreckt; hatte keine Feinde, als die geschwors nen Feinde der Tugend und Wahrheit selbst, und liebte selbst diese Feinde so redlich; duldete fo fanftmüthig ihre Verfolgung und ihren Haß, war gegen niemand strenge, als gegen das Laster und die Verstockung, und zeigte durch die unnachahm liche Klugheit und Aufrichtigkeit seines Betragens, daß man wohl gegen Irrthum und Laster kämpfen müsse, nie aber den Lasterhaften haffen dürfe. Ach! was der Stolz der übrigen Menschen An dem Landverwarf, das nahm Jesus auf. manne gefiel ihm die redliche Einfalt: die Elenden machten ihm ihr Elend selbst schäßbar und ehrwürdig: wen der Priester verachtete, weil er ihn für einen Sünder oder Irrgläubigen hielt, den würdigte er seiner Freundschaft, weil er ihn mehr 264 unwissend als unvedlich, oder mehr schwach als boshaft fand. War es nicht ein Vorwurf gegen ihn, daß er mit Zöllnern und Sündern Umgang pflegte?( Luk. 15, 2.) bara * O! der Gute fannte diese Unterschiede der Stände nicht, die den Bürger vom Adel trennen, und zwischen Pharisäern und Heiden Feindschaft erweckten. Er liebte überall die schöne Ment fchennatutp Wie ein Tropfen Wasser zum andern fließt, so floß sein Herz an jedes MenschenHerz, das Kennzeichen irgend einer guten Eigens schaft verrieth Ob der Mann ein paar Lehrfäße der Synagoge mehr oder weniger glaubte; ob er in Jerusalem oder Garizim opferte;( 5 B. Mof. 12, 5. Joh. 4, 20.) ob ihn der Schriftgelehrte verdammte oder nicht ach! das machte ihn nicht irre. Die Redlichen liebte er um ihre Redlichkeit willen und die Bösen weil er sie zu beffern hoffte. Den Unvollkommnen verzieh et um der Vollkommenheit wegen, und bey Mens schen schien es ihm überhaupt genug, daß sie Menschen waren, um sie mit Bruderzärtlichkeit ju umarmen. 5d, too bb Jesus war die Wohlthätigkeit selbst! Die Menschen, seine Brüder, besser, tugendhafter, glücklicher zu machen das war sein erhabener Beruf! Nicht nur zum Glücke einzelner Menfchen beyzutragen, sondern die verdorbene, Denk: art des ganzen Menschengeschlechts umzustimmen, 11 - 265 und zu veredeln: bey allen Völkern des Erdbodens einen gesegneten Eindruck der Wahrheit und Tugend zurückzulassen; darum fandtest du ihn, o Gott! in die Welt;( Apostelg. 13, 47.) das war sein erhabener Beruf! 114 eine Wie rühmt man nicht die Güte eines Mannes, welcher zur Minderung des menschlichen Leidens, in dem Bezirke seiner Stadt oder seines Dorfes feines engen: Wirkungstreifes wohlthätige Anstalt zu Stande bringt! Bie tiebenswürdig scheint er nicht jedem, der Gefühl des Menschenwohls hat! Aber Jesus hat die größte Anstalt zur Beseligung aller Menschen entworfen, hat sie ausgeführt, und sie steht bereits als ein Gegenstand des Erstaunens und der Bewänderung seit achtzehn Jahrhunderten in dem Mittelpunkte des Menschengeschlechtes da Neing nie hatte vor ihm ein Mensch den wohlthätigen, den großen Gedanken gedacht, für alle Menschen insgesammt. für ihre Aufklärung, für ihre Bildung, und für ihre Vereinigung, zu sorgen, wie er. Sein Plan war die höchste Stufe der Menschenliebe, die nie ein Herz fühlte, und nie ein Geist dachte. Nein; nicht nur seinen Zeitgenossen zu nutzen, sondern auch allen folgenden Zeitaltern, der spätesten Nachwelt, durch Ausbreitung gemeinnütiger Wahrheiten ein Vermächtniß seiner Liebe zu stiften: ein Wohlthäter aller Erdtheile und aller Zeiten zu werden; überall, wo die Sonne scheint, auch 1 B 266 1 Aufklärung hinzuleiten; Gefühl, Berehrung und Liebe der Tugend hinzupflanzen- darum fandtest du ihn, o Gott! in die Welt; dahin zielten alle feine Entwürfe Handlungen und Worte, das war sein erhabener Beruf. Den Bürgerhaß unter den Völkern in seinem Keime zu zerstören; durch die Gesetze der Menschlichkeit, der Geselligkeit, der Bruderliebender Freundschaft, deren Gepräge er im menschlichen Herzen wieder auffrischte, den wechselseitigen Frie: den des Menschengeschlechtes, tiefer zu gründen, den Religionshaß unter den: Nationen zu tilgen, aus Samariten, Juden, Zöllnern und Heiden gemeinschaftliche Verehrer Gottes im Geiste und in der Wahrheit zu bilden; den Priestern Vere träglichkeit und Sanftmuth, allen Steligionsglie: dern Liebe und Wohlwollen bey den Schwachheiten und Irrthümern der Menschen einzuflößen; den befeligenden Geist der Duldung, als eine Grundfeste der Bertraulichkeit, Ruhe und Eintracht in der Welt aufzustellen, und alle Völker der Welt durch innigste Verbindung zu einer großen Gefellschaft liebender Brüder zu vereinigen- darum fandtest du ihn, o Gott! in die Welt; das war sein erhabenes Werk; dahin zielten alle seine Entwürfe, Handlungen und Worte! Mit diesem Liebesgeiste beseelte er auch eine Anzahl Schüler; die fer würdige, erste Gedanke menfhlicher Größe und Güte athmete in allen seinen öffentlichen Reden; 267 mit diesen, vom Himmel stammenden, und in seinem Herzen zur Reife gebrachten Grundsägen entflammte er alle redlichen Seelen, die ihn hör: Iten, und die Erinnerung an seinen Tod, die er uns zuin Gesetze, zur gemeinschaftlichen Feyer bestimmte, war eigentlich eine Erinnerung, Aufe munterung, Begeisterung, ein feyerliches Ge lübde, dein Werk, o Gott! in der Welt forts zusehen, seinen angefangenen Plan ferner auszuführen, immer nach seinem Geifte zu arbeiten, und mit seinem Eifer, mit seiner Liebe ewig in dem schönen Geschäfte der Menschenvervollkomm nung und Menschenbeglückung zu verharren. Auch wenn wir uns jetzt noch an den Predigten feines Evangeliums erbauen, und in den Vorträgen der Lehrer seiner Religion Troft and Bea ruhigung der Seele fühlen, so ist dieß alles nur Fortsetzung jener Anstait, welche er— der liebens: würdigste Mann der Welt bereits vor mehr als anderthalbtausend Jahren ausgedacht, ausgeführt, und unter allem Wechsel der Zeiten und der menschlichen Staaten auf dem Erdboden ver: ewigt hat. Pump PARA O Gott! welch ein Muster der Größe, der Tugend, der Menschenliebe hast du in Jesu aufgestellt! Sich, Herzensprüfer! sich meinen redlichen Vorsaß mit Wohlgefallen an: den Borsak, meinen Herrn und Meister, nach meiner Lage, und den mir verliehenen Kräften, in allem Guten 268 nachzuahmen. Wo ich Gutes thun, wo ich einen Betrübten trösten, einem Kranken sein Leiden mildern, einem Armen aus meinem Ueberfluße helfen, einen Schwachen durch Rath and That unterstützen, wo ich der Unschuld ein gutes Zeugniß geben, Friede unter den Entzweyten her: stellen, den Wittwen und Waisen in der Noth beystehen kann, da will ich es recht nach dem Geiste und Beyfpiele Sesu thun, nach allen Kräften thun, mit innigem Bergnügen, und aus ganzer Seele, thun.s 180 In Leiden und Freuden sey Jefus mein Muster! Nie will ich der Tugend und Nedlichkeit treulos werden; nichts foll mich von der Liebe trennen!( Rom. 8, 3439.) Der Geist Jefu sey in mir; die Religion Jesu belebe mich: und der Gedanke: daß du, Gott! unser gemeins schaftlicher Vater bist, stärkesfelbst in den hårtesten Prüfungen, meine Tugend wie er Jesum gestärkt hat.** Wo ich Wahrheit mit bescheidenem Eifer aus: breiten, Irrthümer zerstreuen, Vorurtheile besireis ten kann, da will ich es, unter dem Einfluße der Canftmuth und Vernunft, bewerkstelligen! Wo ich zur Ausbildung und Beredlung junger Seelen durch Erziehung und Lehre beytragen kann, da will ich mich, wie Jesus, als ein wahrer Kinders freund, zeigen, und das Glück der Nachwelt das durch zu befördern suchen. 269 Vorzüglich will ich mich aber selbst nach dem Vorbilde Jesu bessern, und deinen heiligsten Augen, o Gott! mich gefällig machen. Jesus sey mein Muster! Tugend die Größe, nach der ich strebe! und jede Ausübung der Tugend ein festliches Era eigniß für mich, in welchem ich dich, o Gott! und deinen Sohn verehre, wie du von Menschen verehret werden willst, Amen. DES Die christliche Religion. Von icher hast du ausgefandt Propheten, deine Knechte; Sie machten in der Welt bekannt Dein Heil, und deine Nechte; Zuletzt ist selbst dein eig'ner Sohn O Vater! von des Himmels Thron Gekommen, uns zu lehren. Gott! wie verehrungswürdig ist die Religion Jes fu! Sie erzeugt in allen ihren ächten Bekennern die herrlichsten Früchte der Weisheit und Rechtschaffenheit; sie bringt die besten Wirkungen in dem Geiste und Herzen aller derjenigen hervor, welche Wahrheit und Tugend redlich suchen, und sie nicht durch geflissentliche Hindernisse ihrer Kraft berauben; sie führt den Berstand zur Selbstkennt: niß; sie gießt Trost und Freudigkeit in unser Herz; sie giebt der Seele Muth und Stärke zur Tugend, 270 zur Ausübung aller Pflichten. Gott! wie lies benswürdig ist die Religion deines Sohnes! Dank! ewiger Dank sey dir dafür gesagt, daß auch mir das Licht des Evangeliums zu Theil ward, daß ich ein Schüler Jefu bin, daß ich die Worte des Lebens lesen und verstehen kann. Die Religion Jesu, geläutert von mensch lichen Zusäßen, gereinigt von den Flecken roher Jahrhunderte, gelehrt in ihrer evangelischen Einfalt und Lauterkeit, ist eine Schule der Tu gend, eine Stüße der Staaten, eine Quelle der Beruhigung, ein Lehrgebäude wahrer Glückselig keit, und selbst in den Augen der prüfenden BVernunft ein herrliches Denkmahl des erhabenen Geis ftes, und der Größe ihres Stifters. Jeder Mensch, er mag reich oder arm, hoch oder niedrig, mit vielen oder wenigen Geisteskräften ausgerüstet seyn, jeder kann die Weisheit Jefu fassen, sich durch seine Lehre zur Tugend bilden, und in der Ausa übung derselben seine Zufriedenheit, seine Ruhe, und sein Glück finden. Dank! ewiger Dank sey dir, o Gott! für diese unaussprechliche Wohlthat gefagt. - Höchstes Wesen! du liessest zwar dein Daseyn und deine Gebote nie unbezeugt; was an dir unsichtbar ist, deine Weisheit, deine Güte, deine Allmacht, ist von jeher durch die Geschöpfe sichtbar geworden.( Rom. 1, 20.) Die ganze Natur ist ein ewiges Evangelium, welches den 271 Menschen zur Erkenntniß des Schöpfers, und zur Liebe der Tugend führt; auch das menschliche Herz ist ein Buch sittlicher Gefeße, die deine Hand mit unauslöschlicher Schrift, als ein leben: diges Denkmahl deiner Gesetzgebung, hineingrub. ( Rom. 2, 15) In der Folge der Zeiten machtest du den Völkern deinen Willen auf mancherley Art bekannt; ließest unter ihnen Männer aufstehen, welche, mit deinem Geiste berathen, die Züge deia ner ewigen Gesetze in den Herzen der Menschen wieder erneuerten und belebten, Licht und Wahrheit nach der Empfänglichkeit und dem Bedürfniß des Zeitalters ausbreiteten, die Völker mit weisen Gea setzen verfahen, Zucht und Ordnung unter ihnen befestigten, und sie auf dich, als den Schöpfer und Erhalter aller Geschöpfe, als die ewige, anbetungswürdige Urquelle aller sittlichen Gesetze und erschaffe= nen Güter, aufmerksam machten.( Hebr. 1, 1-3.) Aber nie war ein Lehrer göttlicher Dinge dem Lehrer Jesus gleich; nie eine Religion so allgemein und einfach, so in allen ihren erhabenen Lehren der Gottheit, welche sie verkündigte, würdig, so den Bedürfnissen der immer an Bildung wachsen. den Menschheit angemessen, als die Religion Jesu; fie enthält lauter große, fruchtbare Wahrheiten; fie führt zu lauter großen, heldenmüthigen Handlungen; sie trägt in ihrem ganzen wohlthätigen Umfange die glänzendsten Merkmähle eines göttlichen Ursprunges. Dank, ewiger Dank sey dir, 272 a Gott! für diese himmlische, alles beglückende Religion gesagt. Gott! durch Jesum kennen wir dich als Vater der Menschen, als die ewige und unver änderliche Güte, welche unaufhörlich über ihre ganze Schöpfung Strahlen des Wohlwollens und der Glückseligkelt ausgießt! Allen Menschen und allen Völkern bist du auf gleiche Art- Vater; in allen Himmein, wie auf der Erde, wo nur immer Leben ist, wo nur immer empfindende Gea schöpfe sind, bist du der gemeinschaftliche Bater, Wohlthäter und Beglücker. Ben dir ist kein Ansehen der Person,( Rolof. 3, 25.) keine Pars theylichkeit; aus allerley Volk gefallen dir alle, welche rechtschaffen handeln; selbst über die Bösen, wie über die Guten, låst du deine Sonne scheinen, und deinen fruchtbaren Regen Herabträufeln.( Matth. 5, 45.) Keine Nache ist in dir; du willst nicht zerstören, was du schufft, nicht den Frevler tödten, sondern auf die Wege der Tugend und des Lebens zurück führen.( Luk. 19, 10.) Durch Jesum erkenne ich deinen Willen, deine Gebote, und deine Verheissungen, o Gott! Dein Wille ist, daß ich nach dem Maße meiner Kräfte Gutes thue; daß ich meine Brüder wie mich selbst liebe; daß ich, nach dem Zwecke der menschlichen Natur, auch hier Bergnügen und Zus friedenheit suche. Deine Gebote sind leicht; fie - 273 sie sind auf meine wahre Wohlfahrt, auf meine Bedürfnisse selbst gegründet, und ich fühle in mir jene Freyheit des Geistes, welche alle Reizungen der Sinnlichkeit besiegen, und allen Forderungen deines Gefeßes Genüge leisten kann. Deine Gez bote find süß; durch sie werd' ich gut, und mit meinem Schicksale zufrieden.( Matth. 11, 28-30) Deine Verheissungen sind Friede und Hoffnung einer seligen Unsterblichkeit. Wer sollte nicht ges horchen, wenn es der liebreichste Vater will? Wenn seine segensvolle Gebote mit meiner Vernunft und Freyheit übereinstimmen; wenn sie mich zur sitte lichen Güte, zum wahrenGenuß des Lebens, zum wahren Glücke führen; wenn seine untrüglichen Verheiss fungen mit meinen Wünschen, mit meinen edelsten Trieben übereinkommen, das ist Religion Jeſu! das ist die Fülle seines heiligsten Unterrichtes! Durch Jesum lerne ich dich, o Gott! im Geiste und in der Wahrheit anbeten. Nicht Opfer, sondern ein reines, aufrichtiges Herz gefällt dir; ( Matth. 9, 13.) nicht Worte, sondern Handlungen verlangst du von mir;( Matth. 7, 21-27. 1. Kor. 4, 20.) nicht das Blut der Thiere soll ich zu deiner Ehre vergießen, sondern meine Leis denschaften måßigen, meine Standespflichten freu dig ausüben, das Gute mit Dank genießen, und in trüben Tagen Muth zum Wirken, Vertrauen auf deinen Schuß, und Liebe zur Tugend nicht verlieren. Ueberall bist du gegenwärtig, die -- IS 274 ganze Schöpfung ist dein Tempel und dein Altar;( Jer. 23, 23. 24. Apostelg. 7, 48. 49.) vom Aufgange bis zum Niedergange ist dein Name unter den Völkern geehret! lleberall wird dir ein reines Opfer gebracht, wo Tugend ges schätzt und Wahrheit geliebt wird. Tugend ist eine ewige, unaufhörliche Gottesverehrung, und Gebet um Tugend die angenehmste Andacht vor deinen Augen, o Gott! das ist Religion Jesu! das ist die Fülle seines heiligsten Unterrichtes!. GIM Durch Jesum terne ich auf dich, o Gott! als Vater hoffen, wenn ich gehorsam bin; dich als Bater fürchten, wenn ich Böses thue; zu dir als meinem Vater zurückkehren, wenn ich das Böse erkenne und bereue.( Matth. 18, 12-14. Luk. 16) Dein Gesetz fordert zwar strenge Heiligkeit, und immer fortgesetzte Annäherung zu derselben; allein du wirst auch eine unvollkommene Tugend belöhnen; die menschliche Schwachheit ist dir bekannt; die natürlichen Mängel und Schrauken unsers Wesens, die Fehlbarkeit unsers Verstandes, die Veränderlichkeit unsers Herzens, die Täuschungen der Sinne, die Reize der sinnlichen Gegenstände, alles, was uns in Irrthum führen, und von der Bahn der Tugend so leicht entfernen kann, alles liegt vor deis ner Allwissenheit, vor deiner Allgerechtigkeit und Güte. Nur ein redliches, wohlmeinendes Herz, nur ein aufrichtiges Verlangen, dir zu gefallen, und deine Gebote zu halten, nur ein ernstliches, C 275 anhaltendes Bestreben, immer besser und weiser, und durch Güte und Weisheit immer vollkomme: ner zu werden;( Matth. 5.) nur Zurückkehr von unsern bösen Wegen, wenn wir uns verirrt haben; nur Reue, wenn wir gefehlt, nur einen rechtschaffenen, thätigen Willen, das Vöse zu vergüten, das wir gestiftet haben nur dieß, o Gott! forderst du von uns! und hierinn besteht der Trost und die Strenge der Religion Jesu. Du liebst. uns, selbst, wenn wir schwach sind, und in Fehler stürzen; du freust dich über uns, wenn wir unsere Schwachheiten erkennen, unsere Fehler verabscheuen, und uns durch angemessene Thätigkeit zum Guten erschwingen; unsere Schwachheiten heben deine Liebe nicht auf; aber nur in dem Maße, in wel chem wir selbst Gutes thaten, wird uns deine weiseste Güte einst Gutes thun; hingegen die Fol gen des Lasters, die Zucht deiner weisen Gerechtiga keit, ziehen wir uns selbst in dem Maße zu, als wir Böses thun.( Matth. 16, 27. Mark. 4, 24* Rom. 2, 6.) 1 Durch Jesum lerne ich die Unsterblichkeit hoffen, mit welcher mich die Vernunft selbst bea kannt macht, und tröstet; Unsterblichkeit und ewiges Leben das ist die frohe Botschaft, die uns Jesus gebracht hat; die der Tugendhafted wünscht, und der Weise bestätigt; die mit unserer Natur, mit, unsern Anlagen und bessern Trieben so genau übereinstimmt; ohne welche dieß irdische Ban 276 Leben eine Wanderschaft in Wind und Wetter, ohne den Trost, Abends in einer Herberge Ruhe und Sicherheit zu finden, seyn würde. Nicht alles stirbt an uns; der Geist kehrt zum Schöpfer zurück, indeß die rohe Hülle, der Körper, zu Staub wird. Wir verändern nur den Ort unsers Dafeyns, aber das Daseyn selbst vera lieren wir nicht; wir gehen in eine andere Welt über, und nehmen die Thaten mit uns, die wir hier, jeder an seinem Standorte, ausgefået haben.se Dieß ist die Religion Jesu! Für die Gewißheit dieser trostvollen Lehren ist Jesus Bürge geworden! Freylich sind hier unsere Schicksale manchmal verworren; unsere Ruhe wird gestört; unsere edelsten Absichten werden verkaunt; unsere Lebenstage sind kurz;( Job. 7, 6. 7. Jat. 4, 15.) die Tugend leidet; der Rechtschaffene muß oft mit Elend kämpfen; das Verhältniß der Glückseligkeit und der Sittlichkeit wird nicht immer beobachtet; aber die Unsterblichkeit löset diese Näthsel auf, belebt unsere Hoffnung, stärkt uns in den Prüfungen der Tugend, und rechtfertigt die Wege des Schöpfers vor seinen Geschöpfen. Wir gehen durch die wechselnden Auftritte des Lebens mit der Fackel der Hoffnung, und erwarten nach vollendeter Reise an der Pforte der Ewigkeit dich, den liebreichsten Bater, der du uns auch jenseits des Grabes deiner Vorsicht und Liebe würdigen, expose 277 COTONE und die Güter dieses Lebens, die du zu unferm zeitlichen Genuß schufft, mit neuen und höhern Gütern in der Ewigkeit verwechseln wirst. Das lehrt uns die Keligion Jesu! Mit dies fen Tröstungen nährt sie den Eifer des Tus gendhaften. Und doch, o Gott! sind nicht alle Menschen Bekenner dieser so wohlthätigen Religion, wissen zum Theile nichts davon, oder wollen zum Theile nichts davon wissen - trennen sich sogar von den Bekennern derselben! Aber du, Bater im Himmel! duldest sie doch, überhäufft sie, wie uns, mit dem Segen des Lebens; und ich sollte sie, als meine Brüder, als meine Mitgenossen und Erdenfreunde, nicht ebenfalls dulden, ihnen nicht den Segen gönnen, den sie genießen? Bey vielen ist es Mangel des Unterrichts, bey vielen sind es vielleicht Vorurtheile, ben einigen sogar die ergernisse. der Christen, welche verhindern, daß sie den Werth dieser wohlthätigen Religion nicht erkennen! O Vater! ich will sie nicht haffen, nicht mißhandeln oder verdammen. Das verbictet die Religion der Liebe; sie gehören dir an, sind meine Brüder; vielleicht auch redlichere Tugendfreunde, als ihre christlichen Brüder selbst. Durch Liebe will ich ihnen zeigen, daß ich ein Christ bin. 278 Gott! durchy Treue gegen die Vorschriften meiner Religion, will ich meine Uleberzeugung von der Güte meines Glaubens an den Tag legen; durch das Licht der Rechtschaffenheit, durch die gesegneten Früchte der Tugend, durch edelmüthige, gotteswürdige Sitten will ich der Welt das Zeugniß geben, daß deine Religion, o Jefu! zu immer höherer Vollkommenheit, zur wahren Bestimmung des Menschen, zur Ruhe und Zufriedenheit der Seele, zum besten Genuß des Lebens, und endlich zum Vater im Himmel, als der Urquelle aller Heiligkeit und Glückseligkeit führet. Amen. ater ande Atardumine 279 V. Gebete an den Festtagen des Herrn. m Am Weihnachtsfeste. to 752831 Das Wort( der Sohn Gottes) ist Mensch ge worden, und wohnte unter uns; wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit, wie sie dem Eins gebohrnen des Vaters zukommt; wir fahen ihn voll Gnade und Wahrheit."( Joh. 1, 14.) be Gott! wie freudenreich, wie gesegnet für das ganze Menschengeschlecht ist nicht die Geburt dei nes Sohnes, unsers Herrn und Lehrers Jefu Chrifti, des Welterlosers! So lange die Menschheit den Werth der Weisheit und Tugend, so lange sie den Adel der Menschenliebe fühlt, wird ihr seine Geburt und sein Andenken heilig seyn. Gott! welche große und heilsamen Fortschritte in den Sitten und Religionskenntnissen hat nicht Deine heilige Vorsehung durch diesen bewunderungs würdigen Mann bewirkt, der heute in der tiefsten Erniedrigung gebohren,( Phil. 2, 7. 8.) durch das Ansehen, und den allbesiegenden Eindruck der 280 Subventur Wahrheit und Tugend das Angesicht der Erde verändert hat. Die Welt lag in Finsternisfen! Jesus kam, und es ward Licht. Er konnte mit der innigsten Ueberzeugung selbst seinen Feinden sagen: Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolgt, der wandelt nicht im Finstern, der wandelt im Lichte des Lebens;( Joh. 8, 12.) seine Lehre war das Licht des Lebens. Die Menschen feufzten unter der Bürde ausgearteter Leidenschaf ten, und unter den Fesseln schändlicher Laster. Das Verderbniß der Sitten hatte sich über alle Stande, wie ein schleichendes Gift, verbreitet. Jesus zeigte den Weg des Heils, die Quellen der Berirrungen, und die Hülfsmittel zur Besserung.Ein unnatürlicher, der Vernunft widersprechender Götterdienst herrschte über den größten Theil des Erdbodens. Die Menschen warfen sich wieder vor Stein und Holz, oder vor unvernünftigen Thieren. Sie hoben die gefalteten Hände zur Sonne, und zu den Sternen des Himmels empor. Unfähig, bis zur Urquelle aller Wesen bis zum Schöpfer hinaufzusteigen, blieben sie bey den Geschöpfen stehen, und erzeigten leblosen Dingen jene Ver: ehrung, welche nur dem lebendigen Gott gebührt. Sesus führte sie auf die Erkenntniß dieses einzigen, wahren Gottes zurück, und zeigter- den Vater im Himmel, welcher in seinen Geschöpfen sichtbar, alles, was lebt, mit Wohlthäten überhäuft. L - 281 Die Engel verkündigten ehemals den einsamen Hirten: Freude über die Ankunft Jefu in die Welt!( Luk. 2 13. 14.) Aber nun ist keine Engelsstimme mehr nöthig. O! jede feiner mens fchenfreundlichen Thaten ist ein schöner Engel, wel cher noch jetzt, nach mehr als tausend Jahren, zur Freude ermantert. Man kann nicht umhin, selbst die Mutter felig zu preisen, die ihn in ihrem Schooße trug, und von deven Brust er die erste Nahrung des Lebens sog. Gott! durch Jesum hast du nimmehr Bere ehrer im Geiste und in der Wahrheit. Durch Jesum belehrt, bete ich dicht als die Liebe an! Durch die Liebe regierst du die Welt; durch das Gebot der Liebe vereinigst du die Menschen, und durch Werke einer wohlthätigen Liebe führst du sie zu ihrer wahren Glückseligkeit. Von Jesu ermuntert, bete ich dich, o Gott! durch Tugend an. Sie ist mein Gefeß, mein Trost, meine einzige Würde. Gott! dieß ist die Wahrheit, mit welcher dein Sohn die Finsterniß des Aberglaubens und der Unwissenheit vertrieb. Diese Wahrheit, dies fer Glaube blühet noch immer unter dem Men schengeschlechte, hat sich schon über alle Theile der Welt ausgebreitet; gewinnt immer neue Verehrer und Schüler; hat die Menschheit nicht nur im Einzelnen, sondern sogar im Ganzen veredelt; hat ihr die würdigsten Gesinnungen eingefläßt, die erhabensten Tugenden erzeugt, Millionen Leta 282 dende getröstet, Millionen Zufriedene gemacht, und hört nicht auf, diese schönen Früchte auch jetzt noch hervorzubringen, wenn man ihm nicht gez fliffentlich Hindernisse im Herzen entgegenfeßt. So viel Gutes, o Gott! kann der Mensch unter seinen Mitbrädern stiften, wenn er ernstlich will; zwar nicht immer in so großem Umfange tann er's, wie Jesus; aber doch Gutes, nach dem Maße seines Berufes und der ihm verliehes nen Kräfte. Auch ich erneuere heut vor dir, 0 Gott! den edelmüthigen Borsak, Gutes zu thun, so viel ich kann, und so lange mir das Licht des Lebens leuchtet.bid diss Nach dem Beyspiele Jesu will ich durch Wohls thun mein Andenken unter den Menschen vera ewigen. So klein auch mein Beytrag zum Glücke der Welt ist, so wird er, da in der Schöpfung nichts verloren geht, nichts vor deinem allbetrach tenden Auge, o Gott! unbemerkt bleibt, doch ewige Spuren meiner Seelengüte zurücklassen. Nicht die Größe des Werkes allein, sondern auch die Größe des Eifers und Wohlwollens bestimmen den Werth meiner Handlungen. Gott fegne diesen Vorsaß meines Herzens; er ist die Frucht des feyerlichen Andenkens an die Geburt Jesu, des größten Menschenfreundes; ihm nachstreben, ihm ähnlich werden, ist die Ehre des Christen und des Christenthums. Amen. smo 283 L Am neuen Jahrstage. Wo eilt ihr hin, ihr Lebensstunden? the sin, the Seit, edle Zeit, wo fliehst du hin? Wie mancher Tag ist schon verschwunden, Seit dem ich lebt, und sterblich bin! Vielleicht der größte Theil der Zeit od ne It schon im Meer, der Ewigkeit! So hat mich also deine ewige Güte, o Gott! wieder ein Jahr vollenden den Segen eines Jahres genießen lassen! So steh' ich nun, durch deine liebreiche Vorsehung geleitet, an dem Eina gange eines neuen Jahres, in welchem neue Schäke des Genusfes, neue Güter des Lebens auf mich warten! O möchte ich doch auch die Kunst vers stehen, diesen neuen Zuwachs des Lebens recht zu gebrauchen! Sieh höchstes, gütigstes, heiligstes Wesen! Ich lege dir heute den Plan meines künftigen Lebens vor. Du giebst mir so viel, und so vies ferley Gutes; sollte icy nicht mit Bernunft darüber nachdenken, und den Genuß des Guten fo sehr zu veredeln und zu vervielfältigen suchen, als es nur immer möglich ist? Was mir deine Güte bisher gegeben hat, und noch geben wird, will ich mit Dank genießen, und so jeden Tropfen der Süßigkeit, die du über mein Leben gießeft, einfaugen. Es sind deine Gaben; ihr Gebrauch ist meine Pflicht, und zugleich mein bester Dank. w 284 Aber ferne, ferne fey von mir alle Unmäßigkeit! Sie zerstört meinen Leib, sie erfüllt mich mit Eckel, sie verschwendet den Vorrath, und stürzt in Dürftigkeit. Der Unmäßige ist sein eigener Feind; er raubt sich selbst, was du ihm schenktest. Ferne, ferne sey von mir aller Neid! Das Maß der Güter die du, o Gott! den Menschen mittheiltest, konnte nicht gleich seyn; die Berufsarten, in welche du sie versetztest, konnten nicht gleich seyn; die Gaben und Vorzüge der mensch lichen Natur konnten es eben so wenig seyn. Ich will also mit demjenigen, was mir deine Güte gab, zufrieden leben; nicht mürrisch beym Anblick der Höhern, nicht ungesellig im Ulingange der Niedrigen seyn; nicht durch übertriebene Wünsche meine Ruhe stören, meinen Genuß verbittern, meine Tage abkürzen. Was du mir schenktest, nicht als ein menschenscheuer Sonderling genießen, sondern in Gesellschaft mit meinen Brüdern vers zehren, sie an meinem Segen Antheil nehmen lassen, sie in ihren Bedürfnissen nach dem Maße meines Vorrathes unterstüßen, und mit ihnen auf deine Vorsicht und Güte, ohne Geiz und Klein müthigkeit, aber auch ohne Verschwendung und Vermessenheit, trauen. Dabey will ich, nach deiner weisesten Anordnung, o Gott! meine Kräfte und Talente zur Erhaltung meines Wohlstandes täglich aufs neue gebrauchen, und durch verhältnismäßige combinat 285 Arbeit den Vorrath meiner Lebensgüter vermehren. Nicht eine thdrichte, zweckiose Liebe zum Reichthum, sondern die Pflicht für meine Angehörigen zu fors gen, die Pflicht, meine Zeit zur Beförderung des eigenen und gemeinschaftlichen Wohls zu benutzen, die Pflicht, das Leben nicht ungenossen verstreichen zu lassen, soll die Triebfeder meiner Arbeiten und Berufsgeschäfte seyn. In allen aber will ich, o Gott! mein vora nehmstes Augenmerk dahin richten, daß ich in allem, was die Pflicht befiehlt, mit unausgefester, immer neuer Treue, vor deinem heiligen Angesichte wandle, daß ich auch immer als ein redlicher, rechtschaffener Mensch unter meinen Mitbrüdern einhergehe. Gerechtigkeit, Wohlwollen, Treue im Handel und Wandel sollen die Tugenden seyn, die mich in der Gesellschaft der Menschen jederzeit aus zeichnen; niemand soll durch mich betrübt, übervortheilt, ins Unglück gestürzt werden; allen will ich Gutes wünschen, Gutes gönnen, und nach Vermögen Gutes thun. O Gott! segne diesen christlichen Vorsas, mit welchem ich den ersten Tag dieses neuen Jahres anfange, und gieb, daß er als ein glåns zender Leitstern vor allen meinen Handlungen hergehe, und mich allmählig zum Zwecke meines Dafeyns, zum besten Gebrauch meines Lebens führe, Amen. sisid had him 2 286 Am Feste der Erscheinung des Herrn. 17/ Unter allen Völkern, o Gott! giebt es redliche, Menschen, welche die Wahrheit suchen; überall finden sich Weise, welche nach Tugend streben. Vom Aufgange bis zum Niedergange werden die edeln, die tugendhaften Seelen, die äußerlich nicht zu deinem Reiche, o Gott! zu gehören scheinen, in der Gesellschaft aller Rechtschaffenen an den Gütern deines Reiches Theil nehmen. Du bist aller Menschen Gott aller Menschen Vater! ( Apostelg. 10, 34. 35.) Davon überzeugt mich der heutige Festtag. Nicht der Name giebt Em pfehlung vor dir; auch bessere Religionskenntnisse erheben mich noch nicht über weniger erleuchtete Menschen; umsonst ruft man zu dir: Herr, Herr! wenn die Thaten nicht mit dem Glauben übereins stimmen.( Matth. 7, 21.) dito C Ich sag': ich bin ein Chrift! Der ist's, der Jesum kennet, Ihn seinen Gott und Herrn Nicht nur mit Worten nennet; Nein! sondern willig thut, Was ihm sein Herz gebeut; Thu' ich das nicht, so ist Mein Ruhm nur Eitelkeit. 8 O daß ich diese, dem Christen so wichtige Wahrheit, doch nie vergesse! Daß mich doch dieser 287 entscheidende Ausspruch Jefu auf mein Verhalten, auf meine wahren christlichen Pflichten immer aufe merksam erhalten möchte! Durch Jesum erkenne ich dich, o Gott! als meinen Schöpfer, als meinen Gesetzgeber, als met nen Wohlthäter; aber ist auch diese Erkenntniß fruchtbar und wirksam in mir? Welchen Eindruck macht der Glaube an deine Allherrschaft und Allgegenwart auf meine Seele? Scheue ich mich, die Gebote zu übertreten, die deine Weisheit in mein Herz grub? Wandle ich stets in deiner Gegens wart? Habe ich auch den Geist eines gut gearte: ten Kindes, da ich dich so oft Vater und Wohl thåter nenne?# Durch Jesum erkenne ich, was gut und bös ist ettenne ich deine Gebote, meine Pflichten, die wahren Quellen und Hilfsmittel, vollkommener zu werden, den wahren Weg, zu dir, o Gott zu gelangen; durch Jesum erkenne ich dieß alles viel deutlicher und vollständiger, als es jemals die Welt im Ganzen erkannte. Aber thue ich auch mehr Gutes, als jene Menschen, die von der heilfamen Religion Jesu gar nichts wissen? Darf ich dems nach auf meine größere Erleuchtung stolz seyn? Sind meine Handlungen nicht vielleicht ein Were gerniß des Christenthums, und wird dadurch nicht vielleicht jene Weissägung Jesu aufs Neue erfüllt: Es werden vom Morgen und Abend viele kommen, und mit Abraham, Isak und Sakob, als phas - 288 Freunde der Wahrheit, als treue Anhänger der Tugend, in Gottes Herrlichkeit eingehen; da im Gegentheile unzählbar viele von denen, welche sich äusserlich, und dem Namen nach als Glieder der wahren Religion bekennen, davon ausgeschlossen, und den Folgen ihres Ungehorsams überlassen werden sollen."( Matth. 8, 11. 12.) Nie, nie o Gott! will ich die Feyer des heutigen Tages wiederholen, ohne den Eifer des thätigen Christenthums durch diese Betrachtungen in mir zu erneuern. Amen! Jusco nes Am grünen Donnerstage und Frohnleichnamstage.! „ In eben der Nacht, in welcher der Herr Jesus verrathen ward, nahm er das Brod, seg= nete es und sagte, da er's brach: Nehmet hin, und esset, das ist mein Leib, der für euch wird ,, dargegeben werden; dieß thut zu meinem Ana ,, denken. Eben so gab er nach dem Abendmahl ,, den Kelch, mit den Worten: Dieser Kelch ist ,, der neue Bund in meinem Blute; so oft ihr ihn trinket, thut dieß zu meinem Andenken. Denn so oft ihr dieses Brod effet, und diesen Kelch 289 Ketch trinket, follt ihr den Tod des Herrn ver15, kündigen, bis er( zum Gerichte) kömmnt. Wer also dieses Brod ist, und diesen Kelch trinkt, aber unwürdig, der verfündigt sich an dem Leibe und Blute des Herrn. Jeder prüfe sich daher, eh' er von dem Brode ist, und aus dem Kelche trinkt. Denn wer unwürdig davon. ißt und trinkt, der ist und trinkt sich sein Gericht, ( er macht sich strafwürdig) weil er den Leib des Herrn( von einer gemeinen Speise) nicht unters scheidet."( 1. Kor. 11, 23-29.) G Jesus war am Ende seiner Berufsbahn! Menschenliebe war die Triebfeder seines wohlthåtigen Erlösungswerkes, feines mühsamen Lehvamtes; aber Menschenliebe war auch die Triebfeder seines Todes! Er starb, wiesters lebte, als ein Opfer der Wahrheit; als ein Opfer des reinsten Wohlwollens für seine Brüder! Er wollte unser Heil, und das Wachsthum seiner Lehre, durch sei nen freywilligen Tod,( Joh. 3, 16. 17. Gal. 1, 4.) durch den Tod eines Helden für Wahrheit und Tugend, sicher stellen. Schon saß er zum letztenmale mit seinen Jüngern zu Tische. Da nahm er Brod, segnete es, brach's in Stücke, und gab's seinen Freunden. ,, Esset, sprach er liebevoll, das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Thut künftig ein Gleiches zu meinem Angedenken." Eben so nahm er auch den Kelch, segnete ihn, und gab ihn den 19 4290 Jüngern, welche insgesammt davon tranken. Dieser Kelch, sprach er, ist der neue Vund in meinem Blute, welches für euch und viele zur Vergebung der Sünden vergossen wird. So oft ihr ihn trinket, thut dieß zu meinein Angedenken." ( Matth. 20, 26-28. Mark. 14, 22-24. Lut. 22, 17 20.. 1. Kor. II, 23- 26.) So oft ihr euch gemeinschaftlich versammelt wollte er sagen- euch als Christen, als Bekenner meiner Lehre versammelt, so thut ein Gleiches, und erinnert euch dabey an mich, an euern Meis ster und Herrn, der seinen Leib für euch hingab, fein Blut für euch vergos. Denket, wie viel mich die Gründung einer bessern Religion kostete, schåbet sie nach dem Maße ihres innerlichen Werthes, und nach der Größe des Opfers, welches ich dabey machte. Fühlt, wie wichtig euch diese Religion seyn müsse, wie groß und ehrwürdig die Verbindung sey, die ihr als Christen eingehet! Mein Leib mein Blut begeistere eure Treue, euren Eifer, eure Thätigkeit! Kann ein Freund mehr thun, als sein Leben für seine Freunde hingeben?( Rom. 5, 7.) Konnte ich für die ganze Menschheit mehr thun, als sterben, um ihre Ueberzeugung von der Wahrheit meiner Lehre, und eben dadurch das Werk ihrer Beseligung zu vollenden? 10:25 - - — O Gott! auch mich geht die Wohlthat des Todes Jesu an; auch ich bin in dem Bunde be 291 - - griffen, welchen er mit seinem Vlute versiegelt hat; auch ich soll in dem Mahle der Liebe an seine Liebe für mich für die ganze Menschheit, an meinen Bund mit ihm, an die Pflicht und den hohen Beruf eines Christen denken. Ja, großer Gott! so oft ich das heilige Abend mahl genieße, will ich mich auch daran erinnern, wie erhaben, wie menschenfreundlich der Tod Jefu war, wie viel er für die Wahrheit that, wie viel er für die Tugend litt, wie einzig ihm das Wohl der Menschheit am Herzen lag! Möchte dann das Andenken an diesen liebenswürdigen Stifter der christlichen Religion in meinem Busen ähnliche Gesinnungen der Wahrheitsliebe, der Tugendliebe, der Menschenliebe erzeugen! Ein jeder prüfe sich selbst, spricht der heilige Paulus,( 1. Kor. II, 27-29.) und so effe er von dieser geheiligten Speise; denn, wer den Leib des Herrn unwürdig ist, und von dem Kelche un würdig trinkt, der ist und trinkt sein eigenes Gericht; er wird desto sträflicher, je weniger er mit den Gesinnungen des Christenthums erfüllt ist, an dessen äußerlichen Anstalten er Antheil nimmt." Ist denn mein Herz von allen bösen Ge, finnungen rein? Jst mir die Wahrheit so ehr würdig, wie Jesu? Fühle ich mich, wie er, aufgelegt, meine eigenen, niedrigen Vortheile zu verachten, und edelmüthige, zum Wohl meiner Mitmenschen abzielende Werke zu unternehmen? 1 292 Habe ich jetzt mehr als jemals den schönen Vorsatz in meiner Seele, nach dem Umfange meines Standes, so viel Gutes zu thun, als ich nur immer kann? Bin ich in Gefahren so unerschrocken, wie Jesus? Bin ich auch fähig, um der Rechtschaffenheit willen zu leiden, wie er? Bin ich entschlossen, der Tugend, selbst unter den größten Prüfungen, getreu zu bleiben, und lieber dem Leben, als ihr zu entfagen, wie Jesus? So, großer Gott! will ich mich selbst, bey der Todesfeyer Jesu, beym Genusse des heili gen Abendmahls, prüfen. So oft ich das heilige Abendmahl empfange, will ich auch nach dem Geiste Jesu den Bund des Christenthums erneuern, welchen er selbst mit uns Menschen, und dann mit dir, o Bater im Himmel! und uns Menschen gleichsam geschlossen hat. Heilig müsse mir in dem Genusse feines Leibes und Blutes das Evangelium feyn, das er verkündigte! Dank, innigster Dank müsse dann in meis nem Herzen über dieses Geschenk deiner Vorsicht rege werden; unverleßlich müsse mir dann jede Menschenpflicht seyn, die für mich durch die Annahme des Christenthums eine doppelte Wichtigkeit erhalten hat. Nur dann genieße ich die Speise des Herrn mit Würde, wenn ich mit einem redlichen Herzen, mit dem lebendigen Bewußtseyn meines Strebens Po 293 nach Tugend, hinzunahe; nur dann genieße ich sie, wie ich sie genießen soll, wenn durch sie die Neigungen zur Tugend in mir lebendiger werden, wenn jedes Laster in einer neuen Häßlichkeit vor mir erscheint, wenn ich dabey vom Gefühle des Werthes, ein Christ zu seyn, und vom Gefühle der Pflicht, als ein Christ zu handeln, durchdrungen bin. Das heißt, das heilige Abendmahl nach dem Sinne des großen Stifters Jesu genießen. Diese heilige Handlung muß mich zu einem bessern Menschen, Bürger und Christen machen. Das ist der Zweck derselben; an diesen Früchten kann ich erkennen, ob ich ein würdiger oder unwürdiger Tischgenosse bey dem Liebesmahle Jesu bin. So will ich mich denn, großer Gott! so oft ich das Abendmahl Jesu feyre, auch in dem Geiste der Bruderliebe erneuern, und das Gebot dieser Liebe meiner Seele immer tiefer einprågen. Wir sind alle insgesammt Glieder eines geheimnißvollen Leibes, der christlichen Gesellschaft, deffen Haupt Jefus, dein Sohn ist;( Ephes. 5, 23. Rom. 12, 5.) wir essen alle von eben derselben geheimnisvollen Speise, wie die Kinder einer Fa milie! Liebe soll demnachy die Seele meiner Handlungen, der Geist meines Lebens in Jefu feyn! Liebe soll das Zeichen seyn, daß ich zur christlichen Verbrüderung gehöre! Liebe foll mein unaufhörlicher Gottesdienst, soll meine ewige Anbetung Gottes im Geiste und in der Wahrheit seyn! d 11 294 - Nie will ich zum Tische des Herrn treten, ohne mich durch Werke der christlichen Liebe dazu vorbereitet zu haben; nie will ich vom Tische des Herrn weggehen, ohne mich daran zu erinnern, daß Jesus alle Menschen liebte thätig liebte, bis in den Tod liebte; und daß ich seiner unwürdig bin, seine heilige Speise zum Strafgericht für mich genieße, wenn ich nicht allem Haße feyerlich entsage,( Matth. 5, 25.) wenn ich nicht allen Menschen, von ganzem Herzen, wohl will; nicht allen Menschen, nach allen meinen Kräften, Gutes thue; nicht mit allen Menschen, nach dem Umfange meines Berufes und Standortes, in welchen mich deine Vorsehung, o Gott! gesetzt hat, in Einigkeit und Frieden lebe.( Hebr. 12, 14.) Wohl mir, wenn ich auf solche Art die Speise des Herrn von einer gemeinen Speise unters scheide! Wohl mir, wenn ich mich mit geprüftem, gereinigtem Herzen dem Altare des Herrn nahe! Wohl mir, wenn diese äußerliche Kirchenhandlung immer von würdigen Gesinnungen des innerlichen Christenthums begleitet ist! Dann erfülle ich die segensvolle Absicht Jesu bey der Stiftung seines geistlichen Liebesmahles; dann wird die Feyer sei: nes Todes eine immerwährende Begeisterung meis ner Tugend seyn; dann wird der Leib, den er für mich hingab, das Blut, das er für mich vergoß, ein ewiger Saame des christlichen Heldenmuthes seyn, und bis an's Ende der Zeiten das 295 Am SA Wachsthum der Wahrheit, die er predigte, und der Rechtschaffenheit, die er ausübte, unter seinen Glaubensfreunden in der Welt befördern. Charfreytage. 60317Dieß spricht der Herr in ihrer Noth werden sie mich suchen, und zu einander sagen: Kommt, laßt uns zurückkehren zu dem Herrn! er hat uns verwundet, er wird uns wieder heilen; er hat uns geschlagen, er wird uns wieder trösten. Er wird uns plötzlich wieder aufrichten, und wie vom Tode erwecken, und wir werden durch ihn froh einher: wandeln. Laßt uns wieder zum Dienst Jehova's, zu seiner Erkenntniß zurückkehren, und seine Hülfe wird uns so lieblich aufgehen, wie die Morgenrd: the; kommen wird sie, wie ein fruchtbarer Regen gleich nach der Saat, oder kurz vor der Erndte." Was soll ich mit dir anfangen, o Ephraim, mit dir, o Juda! Eure Rückkehr ist so flüchtig, als eine Wolke am Morgen, als der schnellzerfließende Thau! Ich habe sie durch meine Propheten erschüttert, durch die Worte meines Mun des niedergedrückt, und bald werden meine Dro Was mir hungen wie Feuerflammen ausbrechen. gefällt, sind nicht Opfer, sondern Barmherzigkeit, ( Gehorsam, wahre Besserung) nicht Brandopfer, sondern Erkenntniß( wahre Berehrung im Herzen)." Hoseas 6. 39 296 dan O: Gott! du folderst also von deinen vernünf tigen Geschöpfen nicht Opfer, sondern Tugend, nicht Brandstücke, sondern Verehrung und Ans betung im Geiste und in der Wahrheit. Dieß ist die Religion, welche die Propheten( vorher ver: kündigten, welche Jesus lehrte, und durch seinen großmüthigen Tod gleichsam versiegelte. Mocyte mein es immer von den edeln Empfindungen dieser heiligen Religion beseelet seyn; möchte ich immer an Erkenntniß der Wahrheit und an sitt: ficher Güte wachsen. Dieß ist meine erste und vorzüglichste Bitte bey der heutigen Fever des Todes Jesu. Er- bahnte uns den Weg zur Glück seligkeit.( Joh. 8, 12. R. 10, 9.) Gott! wie edel starb er, dein geliebter Sohn, und wie erhaben, war der Zweck seines blutigen Opfertodes! heilig und feyerlich sey mir immer die Erinnerung an seine bis in Tod unbesiegbare Menschenliebe. Tiefer Ernst, und andächtige Aufmerks samkeit bemächtigt sich jetzt meines Herzens, indem ich nun die schmerzlichste und zugleich bewunderungswürdigste Geschichte des Leidens und des Todes Sefu lesen, und fromme Betrachtungen darüber, anstellen will. d Enschedeun 0 27002)( im) 1 297 P Leidens- und Todesgeschichte Jesu. ( Nach den 4 Evangelißen. Matth. 26. 27. Mark. 14. 15. Luf. 22. 23. Joh. 18. 19.). 777 Nachdem Jesus seine trostvolle Abschiedsrede an seine Freunde, und das rührende Gebet an seinen himmlischen Vater( Joh. 17.) geendigt hatte, gieng er mit seinen Jüngern über den Bach Ze dron, und kam zu einem Mayerhofe, Gethsemane genannt, wobey ein Garten war. In diesen gieng er mit seinen Jüngern. Als er an dem Orte an gelangt, sprach er zu ihnen: fehet euch hier, indessen ich dort hingehe und bete. Nur Petrus, und die beyden Söhne des Zebedaus, Jakobus und Johannes,( die auch seiner Verklärung auf dem Berge beywohnten, Matth. 17, 1.), nahm er mit sich. Jetzt überfiel ihn tiefe Schwermuth und Bangigkeit. Meine Seele, sprach er, ist bis in Tod betrübt. Bleibt hier, wachet und betet, da Dann mit ihr nicht der Versuchung nuterlieget. gieng er etwas vorwärts, entfernte sich etwa einen Steinwurf weit von ihnen, fiel auf seine Knice auf sein Angesicht zur Erde nieder, und bat, daß er, wenn's möglich wäre, mit dieser Leidensstunde verschont, würde, Bater! fagte er, mein Bater! wenn es möglich ist,( und dir ist ja alles möglich) wenn es dein Wille ist, so nimm diesen 298 Kelch( des Leidens) von mir hinweg. Doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe. Da erschien ihm ein Engel vom Himmel, der ihn stärkte. Nun kam er wieder zu den Jüngern, und fand sie schlafend. Simon! sprach er, schläfst du? so konntet ihr dann auch nicht eine Stunde lang mit mir wachen? wachet und betet, daß ihr nicht in Versuchung gerathet. Der Geist ist zwar willig, aber das Fleisch ist schwach! Die Angst ergriff ihn wieder; er gieng zum zweytenmale hin, und betete fein voriges Gebet noch dringender: mein Bater! wenn dieser( Leidens) Kelch nicht von mir weichen mag, ohne daß ich ihn trinke, so geschehe dein Wille. Sein Schweiß war wie Blutstropfen, die zur Erde herabrannen. Als er vom Gebet aufgestanden, und wieder zu seinen Jüngern zu rückgieng, traf er sie abermal mit festgeschlossenen Augen, vor Betrübniß schlafend an. Warum schlaft ihr, sagte er, stehet auf und betet, daß ihr nicht in Versuchung fallet. Sie wußten ihm hierauf nichts zu artworten. Er verließ sie, gieng wieder hin, und betete zum drittenmale das nåm= liche Gebet, und als er zum drittenmale zn seinen Jüngern zurückkam, sprach er zu ihnen: schlafet nun und ruhet! nun geht's zu Ende. Sehet die Stunde ist angerückt, da der Menschensohn in die Hände der Sünder überliefert wird. Stehet auf, laßt uns gehen. 299 envproking Noch hatte er nicht ausgeredet, fich! da kam ein Haufe mit Schwerdtern und Spiessen, aus: gesandt von Hohenpriestern, Schriftgelehrten und den Aeltesten des Volkes, angeführt von Judas Iskariot, einem der Zwolfe. Dieser sein Vera råther wußte den Ort auch wohl, weil sich Jesus mit seinen Jüngern oft da eingefunden hatte. Jetzt hatte er eine Rotte Soldaten und Diener von den Priestern und Pharifäern mit sich genommen, und kam mit Lampen, Fackeln und Waffen dahin. Er hatte ihnen ein Zeichen gegeben: den ich füssen werde, sprach er, der ist's, den greift, führt, und bewahrt ihn genau. Da er nun angekommen war, eilte er auf Jesus zu: Lehrer! sey ge= grüßt, sagte er, und küßte ihn. Freund! era wiederte Jesus, wozu bist du da? Mit einem Kuffe verräthst du den Menschensohn?- Doch da er alles, was ihm bevorstand, vorher wußte, trat er ihnen entgegen, und fragte sie: wen sucht ihr? Jesum von Nazareth, war ihre Antwort. Ich bin's, sprach Jesus zu ihnen. Judas sein Vers råther stand auch dabey; und wie er sprach: ich bin's, wichen sie zurück, und fielen zu Boden. Er fragte sie noch einmal, wen sie suchten? Jesum den Nazarenerantworteten sie. Ich Wenn ihr habe es euch schon gesagt: ich bin's. nur mich suchet, so lasset diese gehen. So mußte fein Wort in Erfüllung kommen, da er sagte: 300 ich ließ von denen, die du mir zugegeben hast, teia nen zu Grunde gehen. Nun traten sie hinzu, legten Hand an Jesum, und nahmen ihn gefan: gen. Als seine Jünger um ihn her sahen, wo es: hinaus wollte, fragten sie: sollen wir mit dem Schwerdte darein schlagen? Wirklich streckte einer der Umstehenden, Simon Petrus, der ein Schwerdt hatte, die Hand aus, zuckte daffelbe, schlug nach dem Knechte des Hohenpriesters, und hieb ihm das rechte Ohr ab. Der Knecht hieß Malchus. Laßt es bleiben, sprach Jesus zu ihnen; zum Pea trus aber fagte er: stecke dein Schwerdt in die Scheide, denn jeder, der nach dem Schwerdte greift, kommt durchs Schwerdt um. Meinst du, ich könnte jetzt nicht meinen Vater bitten? würde mir mehr dann zwölf Legionen Engel zu Hülfe senden. Allein wie würde dann die Schrift erfüllet, nach welcher es so gehen soll? Oder sollte ich den Kelch, den mir mein Vater darreicht, nicht trinken? Er rührte das Ohr des Knechts an, und heilte es. Alsdenn sprach er zu den Oberpriestern, den Tempelvorstehern, den Aeltesten, und zu der Rotte, die ihn aufzuheben gekommen war: wie gegen einen Mörder seyd ihr mit Schwerdtern und Prügeln auf mich losgegangen, um mich gefangen zu nehnem; saß ich doch täglich bey euch im Tema pel, und lehrte, und ihr strecktet keine Hand gegen mich aus. Aber dieß ist eure Stunde, dieß 301 ADA SEMU die Gewalt des Satans.*) Die Weissagungen der Propheten müssen ja erfüllt werden; darum geschieht dieß alles. Jeht hatten sich die Rotte, der Oberste, und die jüdischen Rathsdiener Jesu bemächtiget, und ihn gebunden. Da verließen ihn alle seine SJünger, und flohen davon. Ein Jüngling folgte ihm nach, der nichts als eine Leinwand auf dem Leibe hatte. Sie hielten ihn an; er aber ließ die Leinwand fahren, und ents wischte ihnen unbekleidet. Die Jesum gefangen genommen hatten, führ: ten ihn in des Hohenpriesters Pallast, erst zu Annas, dem Schwiegervater des Kaiphas, der in demselben Jahre Hoherpriester war. Dieser Kaiphas war der nämliche, der den Juden den Rath gegeben hatte, es wäre beffer, ein Mensch stürbe statt des Volkes.( Joh. 11, 50.) Simon Petrus, und ein anderer Sünger, giengen Sefir von Ferne nach bis zum Vorhofe des Hohenpries sters. Der Junger hatte Bekanntschaft mit dies sem, und gieng zugleich mit Jesu in den Vorhof hinein; Petrus aber blieb draussen an der Thüre stehen. Jener, der Bekannte des Hohenpriesters, *) Dieses ist die Stunde, in der euch Gott die Ausführung eures bésen Vorhabens zuläßt, und das, was ihr thut, ist ein Beweis, wie weit es die Blindheit und Bosheit der Menschen treiben kann! atronne 302 COM 7900 gieng dann hinaus, sprach mit der Pförtnerin, und brachte den Petrus herein. Die Knechte und Gerichtsdiener trugen Glut zusammen, und mache ten mitten im Hefe Feuer auf, um welches sie, weil es falt war, umherstanden und saßen, und sich wärmten. Auch Petrus stand bey ihnen, und wärmte sich, setzte sich unter sie hin, und wollte das Endea bwarten. Indessen befragte der Hohepriester Sefum wegen seiner Jünger und Lehre. Jesus gab zur Antwort: ich sprach öffentlich, und vor jederz mann; ich lehrte immer in der Synagoge und im Tempel, wo alle Juden zusammen kommen, und nie insgeheim. Warum fragst du denn mich? Frage die, welche meinem Lehrvortrage zuhörten; sie werden's wissen, was ich sagte. Da er so redete, gab einer der umstehenden Gerichtsdiener Jesu einen Backenstreich), und sprach: giebst du dem Hohenpriester so eine Antwort? Jesus ant wortete: habe ich unrecht geredet, so zeige das Unrecht; habe ich aber recht geredet, warum schlägst du mich? Nun ließ ihn Annas zum Kaiphas dem Hohenpriester abführen, bey dem fich alle Häupter der Priesterschaft, die Weltesten und Schriftlehrer versammelt hatten. Der ganze hohe Rath suchte falsches Zeugniß wider Jesum aufzubringen, damit er ihm das Leben nehmen könnte, fanden aber keines. Denn obgleich viele mit falschen Zeugnissen wider ihn auftraten, ſo waren doch ihre Aussagen nicht hinlänglich. End 303- pued lich standen zwey falsche Zeugen auf und sagten über ihn aus: wir hörten ihn sprechen: ich will diesen von Menschenhänden erbauten Tempel nie. derreissen, und in drey Tagen einen andern, ohne Beyhülfe einer Menschenhand, herstellen. Aber auch diese Zeugnisse waren nicht übereina stimmend. Da stand der Hohepriester in die Mitte hervor, und sprach zu ihm: antwortest die nichts darauf? hörst du, was diese wider dich aussagen? Jesus aber schwieg, und sagte tein Wort dazu. Darauf fuhr der Hohepriester fort: ich beschwöre dich bey dem lebendigen Gott, fag uns, bist du der Messias, der Sohn Gottes des Hochgelobten? Jesus antwortete: ja ich bins; und versichere euch: bald werdet ihr des Men schen Sohn zu der Rechten Gottes sitzen, und auf den Wolken des Himmels kommen sehen. Da zerriß der Hohepriester seine Kleider und sprach: Er hat Gott gelåstert! wozu haben wir noch Zeugen nöthig? Seht, nun habt ihr selbst seine Lästerung gehört. Was ist eure Meinung? Alle verurtheilten ihn einhellig und riefen: er ist des Todes schuldig. Darauf trieben die Gerichtsdiener, die Jesum gefangen hielten, ihr Gespött mit ihm. Sie schlugen auf ihn zu, spieen ihm ins Angesicht, umhüllten ihm die Augen, gaben ihm Faustschläge und Backenstreiche, und sprachen: Wohlan, Messias! weissage uns, wer ist's, der dich geschlagen hat? und dergleichen noch viel 304 andere muthwillige Reden stießen sie wider ihn aus. Mittlerweile saß Petrus unten im Hofe. Eine von des Hohenpriesters Mägden, die Pförtnerin, kommt herbey, sieht Petrus sich wärmen, fäßt ihn fo, wie er im Lichte saß, ins Gesicht, und sagt: auch der hielt zu Jesu dem Galilder. Bist du nicht auch ein Schüler Jesu des Nazareners? Er aber läugnete es vor allen. Weib, sprach er, ich bin keiner von ihm, ich kenne ihn nicht und weiß nicht, was du sagest. Nun gieng er zum äußern Vorhof hinaus, und der Hahn krähete. Bald darauf sah ihn eine andere Magd, die zu den Umstehenden sprach: der hält es auch mit Jesu von Nazareth. Ja sagte einer, du bist auch einer von seiner Gesellschaft. Petrus läugnete es aber mal, und schwor darauf: Mensch, sprach er, ich bin keiner von ihm, ich kenne den Mann nicht. Ungefähr eine Stunde hernach behauptete das ein anderer, und sprach: wahrhaftig, auch dieser war um ihn, er ist ja ein Galiläer. Mensch! erwies derte Petrus, was du sagst, davon weiß ich nichts; Es ist doch so, antworteten die Umstehenden, die auf Petrus zukamen, du bist einer von seinen Jüngern; denn du bist auch ein Galilder, deine Mundart verråth dich. Nein, fagte Petrus, ich: bin keiner von ihnen. Da drang ein Knecht des Hohenpriesters, ein Anverwandter dessen, dem Petrus das Ohr abgehauen, an ihn: habe ich dich nicht im Garten bey ihm gesehen? Petrus läugnete 305läugnete es abermal, und fieng an unter Fluchen. und Schwören zu betheuern: ich kenne den Menfchen nicht, von dem ihr redet. Alsbald, da er noch sprach, frähete der Hahn zum zweytenmale. Seßt wandte der Herr sich gegen Petrus, und blickte ihn an. Gleich erinnerte sich Petrus des Wortes, das ihm Jesus gesagt hatte: ehe der Hahn zweymal krähet, wirst du mich dreymal. verläugnen, und er gieng hinaus, hüllte sich in seine Kleider, und fieng an, bitterlich zu weinen. Mit Tagesanbruch versammelten sich die Hohenst priester, die Aeltesten des Volks, die Schrifte! gelehrten, und der ganze hohe Rath, und berathschlagten sich gegen Jesu, wie sie ihn um's Leben brachten. Sie ließen ihn zu ihrer Rathsversamm lung hereinführen, und legten ihm die Frage vor: fage uns, bist du der Messias? Wenn ich's euchy sage, antwortete er, so glaubt thr's doch nicht. Frage ich euch, so gebe ihr mir keine Antwort, und lasset mich doch nicht los. Ja, von nun an wird des Menschen Sohn zur Rechten der Allmacht Gottes fiken*). So bist du denn, riefen sie alle, der Sohn Gottes? Ja, ich bin's, sprach Jesus. Nun brauchen wir weiter kein Zeugniß, erwiederten sie, wir haben es selbst aus seinem Munde gehört. Jest standen alle, so viel ihrer waren, auf, ließen. ihn binden, führten ihn von des Kaiphas Pallaste *) Bergl. Matth. 28, 18. 1000 word 20 306 weg zu dem römischen hin, und überlieferten ihn dem Landpfleger Pontius Pilatus. Sie giengen. aber nicht selbst in den Pallast hinein, um sich nicht zu verunreinigen, und das Osterlamm effen zu dürfen. Pilatus gieng also zu ihnen heraus, und fragte, was sie für eine Klage wider diesen Menschen hätten? Wäre er nicht ein lebelthäter, antworteten sie, so hatten wir ihn dir nicht ein geliefert. Pilatus nehmet ihn also hin, und straft ihn nach eurem Gesetze. Die Juden: Wir haben kein Recht über Leben und Tod. mußte sich das Wort Jesu erfüllen, da er die Art feines Todes vorhersagte.. Da fiengen sie an, ihre Klagen wider ihn vorzubringen, und sprachen: wir haben an diesem Menschen gefunden, daß er das Volk verführt, dem Kaiser Tribut zu bezahlen abwehrt, und sich für den Messias, den König, ausgiebt. Pilatus wandte sich mit der Frage zu Jesu, der vor ihm stand: bist du der Judenkönig? Ja, ich bin's. Auf die vielen Klagen, aber, welche die Hohenpriester und Weltesten wider ihn vorbrachten, gab er keine Antwort, so daß ihn Pilatus fragte: hörst du nicht, was für schwere Klagen sie gegen dich vorbringen? antwor test du nichts hierauf? Jesus erwiederte tein Wort, so, daß sich der Landpfleger sehr verwun derte. Pilatus gieng also wieder in seinen Pallast, ließ Jesum vor sich fordern, und fragte ihn: bist du der König der Juden? Jesus: sagst du das 307 aus dir selbst, oder haben dir's andere von mir gesagt? Pilatus: bin ich denn ein Jude? deine Nation und die Oberpriester haben dich mir eingehändiget. Was hast du begangen? Jesus: mein Reich ist nicht von dieser Welt; wäre mein Reich ein Beltreich, so würden meine Unter gebenen für mich) gekämpft, und mich nicht in die Hände der Juden haben fallen lassen. Nun ist aber mein Reich kein Weltreich. Pilatus: fo bist du aber doch ein König? Jesus: ja, ich bin ein König. Darum ward ich gebohren, und dazu kam ich in die Welt, um der Wahrheit Zeugniß zu geben. Wer es mit der Wahrheit hält, der giebt mir Gehör. Pilatus: was ist Wahrheit?*) und gleich auf dieses Wort gieng er wieder zu den Juden hinaus, und sagte zu den Hohenpriestern und dem Volke: ich finde feine Schuld an diesem Menschen. Sie aber bestanden noch heftiger auf ihrer Aussage: er wiegelt das Bolk auf, und breitet seine Lehre durch ganz Judäa von Galiläa an bis hieher aus. Als Pilatus vor Galiläa reden hörte, fragte er, ob der Mann ein Galiläer wäre? und als er vernahm, daß derselbe aus dem Gebiete des Herodes sey, schickte er ihn dem Herodes zu, der sich eben damals zu Jerus falem befand. Als ihn Herodes zu Gesichte be tam, freuete er sich sehr, denn er hätte ihn schon *) Vergl. Joh. 17/ 3. NOMMER 308 - lange gern gesehen, weil er vieles von ihm gehört hatte, und hoffte, daß er jekt ein Wunder von ihm sehen würde. Er legte ihm daher mancherley Fragen vor, er aber antwortete ihm nicht. Ina dessen verklagten ihn die umherstehenden Obera priester und Schriftgelehrten hart. Herodes aber: mit seinen Hofleuten verachtete und verspottete ihn; ließ ihm ein weißes Kleid anlegen*), und schickte. ihn wieder dem Pilatus zu. Bey dieser Gelegen, heit wurden Pilatus und Herodes wieder Freunde, nachdem sie zuvor miteinander uneins gewesen waren. Nun rief Pilatus die Hohenpriester, die Vors steher und das Volk zusammen, und sprach zu iha uen: ihr habt mir diesen Menschen als einen Auf wiegler des Volts eingeliefert; und sehet! ich habe ihn in eurer Gegenwart verhört, finde ihn. aber in keinem Stücke, worüber ihr ihn anklagt, schuldig. Herodes auch nicht, denn da ich euch an ihn verwies, behandelte er ihn durchaus nicht als einen, der den Tod verdient hat. Ich will ihn also geißeln, und dann frey lassen. Der Landpfleger mußte auf das Osterfest dem Bolfe einen Gefangenen losgeben, den es verlangte. Das Volk rief hinauf, und begehrte, er möchte ihnen darin, wie herkömmlich, willfahren. Nun hatte er einen verrufenen Gefangenen, Barabbas. Die *) Um ihn lächerlich zu machen. 309 fet war ein Mörder, und mit andern Aufrührern wegen der Empörung und eines Todschlages, den sie im Aufruhr verübt hatten, ins Gefängniß ges worfen worden. Pilatus fragte die Versammelten: wen wollt ihr, daß ich euch losgebe, den Barabbas, oder Jesus, den man Christus( Meßias) nennt? denn er wußte wohl, daß sie ihn aus Neid überliefert hatten. Als er eben zu Gerichte faß, schickte seine Frau za ihm, und ließ ihm sagen: habe mit diesem Gerechten nichts zu schaffen, denn ich habe diese Nacht seinetwegen viel im Traume gelitten. Aber die Hohenpriester und Aeltesten beredeten das Volk, um die Los lassung des Barabbas zu bitten, und auf Jesu Tod zu dringen. Als sie nun Pilatus abermal fragte: welchen von beyden wollt ihr los haben? soll ich euch den König der Juden frey lassen? schrieen sie insgesammt: weg mit ihm! laß uns den Barrabbas los. Pilatus, der gerne Jefum frey lassen wollte, rief ihnen noch einmal zu: was soll ich dann mit jenem anfangen, den ihr Judenkönig heißt, mit Jesu dem sogenannten Meßias? Sie riefen alle: an's Kreuz, ans Kreuz mit ihm! Pilatus blieb zum drittenmale darauf: was hat er denn Bifes gethan? ich finde kein Verbrechen an ihm, das des Todes würdig wäre; geißeln will ich ihn also und dann frey lassen. Nun setzten sie mit noch größerm Geschrey in ihn, Hier und verlangten, daß er gekreuziget würde. - 310 ließ ihnen Pilatus den Barabbas los, der um des Aufruhrs und Mordes willen gefangen, von ih: nen aber losgebeten war, Jefum hingegen ließ er binden und geißeln. Die Soldaten des Land: pflegers führten ihn in das Richthaus, und riefen. die ganze Rotte zusammen, legten ihm, nachdem sie ihn ausgezogen hatten, einen Purpurmantel um, flochten eine Krone von Dornen, setzten fie auf sein Haupt, gaben ihm in die Rechte ein Rohr, fielen vor ihm auf die Kniee, verspotteten ihn, und sagten: es lebe der König der Juden! spieen ihn an, gaben ihm Backenstreiche, nahmen das Rohr, und schlugen ihn auf's Haupt. Jetzt kam Pilatus wieder heraus, und sagte zu ihnen: fehet, nich lasse ihn wieder zu euch herausführen, damit ihr wisset, daß ich keine Schuld an ihm finde. Jesus kam heraus, die Dornenkrone auf dem Haupt, und mit dem Purpurmantel umgeben. Sehet den Menschen an, sprach Pilatus. Sos ald ihn die Oberpriester und ihre Diener sahen, riefen sie mit Geschrey: An's Kreuz an's Kreuz mit ihm! Pilatus: nehmet ihr ihn hin, und freu ziget ihn, ich finde nichts ftrafbares an ihm. Die Juden: Wir haben ein Geseß, und nach diesem muß er sterben, weil er sich für Gottes Sohn, ausgab. Diese Rede setzte den Pilatus in noch größere Verlegenheit. Er gieng nochmal in den Pallast, und fragte Sesum: woher bist du? Jes fus gab ihm keine Antwort. Mir, fuhr Pilatus 1 311 fort, giebst du keine Antwort? weißt du nicht, daß ich macht habe, dich kreuzigen, oder dich frey zu lassen? Jesus antwortete: Du hättest keine Macht über mich, wenn sie die nicht wäre von oben verstattet worden. Die größere Schuld aber Von trägt jener, der mich dir eingeliefert hat. nun an war Pilatus noch mehr darauf bedacht, ihn loszulassen. Aber die Juden schrieen ihm zu: wenn du diesen loslåssest, so bist du kein Freund. des Kaisers, denn jeder, der sich zum Könige Da aufwirft, empèrt sich gegen den Kaiser. Pilatus diese Reden hörte, ließ er Jesum heraus: führen, und setzte sich auf den Richterstuhl an dem erhabenen Plate, den man griechisch Litho: firoton,( Marmorpflaster) hebräisch Gabatha nennt. Es war ungefähr um neun Uhr am Vorbereitungstage vor dem Osterfabbath. Pilatus sprach hier zu den Juden: sehet da euern König! sie aber schrieen: Weg! Weg! Kreuzige ihn! Und als Pilatus sagte: soll ich euern König freuzigen? fo antworteten ihm die Priester: wir haben keinen König, als den Kaiser. Das Beschrey des Volks und der Hohenpriester nahm immer mehr über: hand. Da nun Pilatus sah, daß er nichts ausrichte, und das Getümmel nur immer größer würde, nahm er Wasser, wusch sich die Hände vor allem Volke, und sprach: ich bin unschuldig an dem Blute dieses Gerechten 2 sehet ihr zu!*) Das ****) Ihr mögt's verantworten. 59001 312 ww ganze Volk antwortete: Sein Blut komme über uns, und unsere Kinder! Pilatus, ihren Willen zu thun, gab Jesum ihrer Willkühr preiß, und ließ ihn zur Kreuzigung abfolgen. Sogleich nahmen die Soldaten des Landpflegers Jesum in's Richthaus hinein, zogen ihm, nachdem sie thn ausgehöhnt hatten, den Purpurmantel wie: der aus, legten ihm seine eigene Kleider wieder an, und führten ihn zur Kreuzigung hinaus. Mit dem Kreuze auf den Schultern gieng er in die Schedelstätte, hebräisch Golgatha genannt. Unterwegs trafen sie einen Mann von Zyrene an, Simon mit Nanren, Alexanders und Rufus Bater. Da er eben vom Felde kam, und vorbeygehen wollte, hielten sie ihn an, legten ihm das Kreuz auf, und zwan gen ihn, es Jesu nachzutragen. Unter der großen Menge Volks, welches ihm nachfolgte, befanden sich auch viele Weiber, die ihn beklagten und be: weinten. Zu diesen wandte sich Jesus um, und sprach zu ihnen: weinet nicht über mich, über euch felbst und eure Kinder weinet! denn es kommt die Zeit, wo man sagen wird: glücklich die Unfruchtbaren, deren Leiber nicht gebohren, und deren Brüste nicht gesäugt haben. Dann wird man den Bergen zurufen: fallet über uns, und den Hügeln, bedecket uns! Denn widerfährt dergleichen dem grünen Hol ze, was wird dem dürren geschehen?*) 3wey *) Bildliche Ausdrücke, welche Gerechte und Ungerechte bedeuten. Ezed). 20, 47. R. 21, 3. MBO 313 andere Missethäter wurden noch mit ihm zur Hins richtung ausgeführt. Als sie zu dem Plate kas men, der Golgatha oder Schedelståtte heißt, bothen sie ihm eßigten Wein mit Myrchen vermischt zu trinken an, den er aber, sobald er ihn vers fostete, nicht trinken wollte. Jetzt schlugen fie ihn an's Kreuz, und neben ihm die zwen andern Straffenräuber, den einen zur Rechten, den andern zur Linken, so daß Jesus in die Mitte kam. Dadurch erfüllte sich die Schriftstelle: er ward unter die Missethäter gerechnet. Jesus aber sprach: Vater! Verzeih ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun. Pilatus hatte auch eine Aufschrift gemacht, und die Ursache feines Todes über fei: nem Haupte an's Kreuz angeheftet. Sie lautete also: Dieser ist Jesus von Nazareth, der König der Juden. Da der Ort, wo Jesus gekreuzigt ward, nahe bey der Stadt war, hatten viele Juden die Aufschrift gelesen. Sie war in he bräischer, griechischer und lateinischer Sprache ge= schrieben. Die Hohenpriester der Juden sagten zu Pilatus: schreib nicht: dieser ist der König der Juden; sondern: dieser ist's, der sich für den König der Juden ausgab. Was ich geschrieben habe, das bleibt geschrieben, antwortete Pilatus. Es war die neunte Stunde( Morgens), da fie Jefum freuzigten. Die Soldaten nahmen seine Kleider, und theilten sie in vier Theile, für jeden Soldaten einen. Das Unterkleid aber, welches B 314 53 ohne Naht und durchaus gewebt war, zertheilten fie nicht, sondern sagten zu einander: den wollen wir nicht zertrennen, sondern durch's Loos aus: machen, wem er zukommen soll. So gieng die Schriftstelle in Erfüllung: sie haben meine Kleider unter sich getheilt und über mein Gewand das Loos geworfen.( Pf. 21, 19.) Dieß thaten die Soldaten, und saßen da, und bewachten ihn; das Volk stand dabey und sah zu. Die aber vorüber giengen, lästerten ihn, schüttelten die Köpfe, und sprachen: Ha! der du den Tempel zerstörst, und in dreyen Tagen wieder aufbaueft, hilf dir nun felbst! steig herunter vom Kreuze, wenn du Gottes Sohn bist! Auf gleiche Weise verhöhnten ihn nebst dem Volke die Hohenpriester, Schriftgelehrten, Weltesten und Vorsteher: Andern, fagten sie, hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen. Ist er Christus( der Messias) der König Israels, der Liebling Gottes, so steige er nun vom Kreuße, damit wir es sehen, und ihm glauben. Er hat auf Gott vertraut, nun, wenn er ihn lieb hat, mag er ihm helfen. Er hat ja gesagt: Ich bin Gottes Sohn. Auch die Goldaten spotteten seiner, indem sie ihm Essig darboten, und sprachen: Bist du der König der Juden, so hilf dir selbst. Auch einer der mit ihm gekreußigten Näuber låsterte ihn: Bist du der Messias, so hilf dir und uns. Allein der andere verwies ihm das, und sprach zu ihm: Auch du fürchtest dich nicht vor Gott, da du 621 ▲ 315 gleiche Strafe zu leiden hast? Wir zwar mit Recht; wir empfangen, was unsere Thaten verdienen; dieser aber hat nichts strafwürdiges gethan. Dann sprach er zu Jesu: Herr! gedenke meiner, wenn du in dein Reich kommst! Jesus antwortete ihm: Wahrlich sage ich dir: Heute wirst du ben mir im Paradiese seyn. Bey dem Kreuge stand seine Mutter, und ihre Schwester Maria, Kleophas Frau, und Maria von Magdala. Da nun Jesus seine Mutter, und seinen liebsten Jünger( Johannes) hier stehen sah, sprach er zu seiner Mutter: Weib! siehe da deinen Sohn. Dann fagte er zum Jünger: Sieh da deine Mutter! Von dem Augenblick an nahm sie der Jünger zu sich in sein Haus. Es war ungefähr Mittag,( gegen 12 Uhr) da eine Sonnenfinsterniß über das ganze Land kam, und bis drey Uhr( Nachmittags) anhielt. Um drey Uhr rief Jesus mit lauter Stimme: Eli, Eli, Lama Sabachthani. Das heißt: Mein Gott, mein Gott! warum hast du mich verlassen! Als dieses einige von den Umstehenden hörten, fprachen fie: Er ruft dem Elias. Hierauf als Jesus wohl wußte, daß nun alles vollendet fey, sprach er, damit die Schrift erfüllet würde: mich dürftet! Es stand ein Geschirr voll Essig da. Segleich lief einer von den Umstehenden, nahm einen Schwamm, füllte ihn mit Effig, steckte ihn auf einen hysopstengel, hielt ihm folchen an den 1 316 Mund, und gab ihm zu trinken, indem er sagte: Halt, laß sehen, ob Elias fömmt, ihn herabzunehmen. Auch die Uebrigen sagten fo. Als Jesus den Effig genommen hatte, rief er noch einmal mit lanter Stimme: Es ist solbracht! Vater! in deine Hände empfehle ich meinen Geist! neigte sein Haupt und gab seinen Geist auf. Und sieh! der Vorhang im Tempel riß mitten entzwey, von oben bis unten, die Erde bebte, die Felfen zerborsten, die Gråber eröffneten sich. Viele Leiber der entschlafenen Frommen standen auf, giengen nach seiner Auferstehung aus ihren Gräbern hervor, tamen in die heilige Stadt, und erschienen vielen. Der Hauptmann, der Jesu gerade gegenüber stand, und die, so mit ihm Je= fum bewachten, als sie das Erdbeben, und wie er mit so lautem Rufe den Geift aufgegeben, und alles das sahen, geriethen in heftigen Schrecken, gaben Gott die Ehre und sprachen: Ja, wahrs haftig, dieser Mensch war unschuldig, er war Gottes Sohn. Auch alles übrige Volk, welches das mit anfah, schlug an die Brust, und kehrte um. Alle seine Bekannten aber, und viele Frauenss personen standen von ferne und sahen zu, unter andern Maria von Magdala, Maria Jakobs des Kleinen, und Joses Mutter, und Salome, die Mutter der Kinder Zebedat, die ihn schon, da er sich in Galiläa aufhielt, begleitet und bedient hattte, fammt vielen andern, die mit ihm amrs P 317 Galilda nach Jerufalem gekommen waren. Damit nun die Leichname nicht über den Sabbath am Kreuße hangen blieben,( es wat jekt Vorberei: tungstag, und der folgende Sabbath befonders feyerlich) hielten die Jaden bey Pilatus an, er möchte ihnen die Beine zerschlagen, und sie ab= nehmen lassen. Die Soldaten tamen also, und zerschlugen einem und hernach dem andern die Beine. Da sie aber an Jefum hinkamen, und ihn schon todt fanden, zerschlugen sie ihm die Beine nicht; dagegen stach ihn ein Soidat mit dem Speer in die Seite, und sogleich floß Blut und Wasser heraus. Der dieß bezeugt, hat es selbst gesehen, und sein Zeugniß ist wahr; er weiß es sicher, daß er Wahrheit spricht; so glaubet auch ihr: denn dieß ges schah, damit die Schrift erfüllt würde: man foll ihm kein Bein zerbrechen.( 2. B.Mose 12, 46. 5. B. M. 9, 12.) Und eine andere Schriftstelle sagt: Sie werden sehen, in wen sie gestochen haben.( Bach. 12, 10.) m Da es nun Abend und Borsabbath war, tam ein reicher Mann von Arimathia, einer jüdisahen Stadt, Namens Joseph, ein Mitglied des hohen Rathes, ein gottesfürchtiger Mann, der in ihren' Rath und in ihre That nicht eingestimmt hatte, sondern seiner Seits auch auf das Reich Gottes ( des Messias) wartete, und ein Jünger Jesit, jedoch aus Furcht vor den Juden, in geheim war. Dieser hatte den Muth, trat zu Pilatus, und bat 318 sich den Leichnam Jesu aus. Pilatus wunderte) sich, daß er schon gestorben sey, ließ den Hauptmann rufen, und fragte, ob er schon todt wäre?. Sobald er es von dem Hauptmann vernommen; hatte, ließ er dem Joseph den Leichnam verabfolgen. Dieser gieng also hin, kaufte feine Leinwand, und nahm den Leichnam ab. Zu ihm gesellte sich auch Nikodemus, der vormals bey der Nacht zu Jesu gekommen war, und brachte bey hundert Pfund Spezereyen von Myrrhen und Aloe. Sie übers: nahmen den Leichnam Jesu, und banden ihn, nachd jüdischem Begräbnißgebrauche, sammt dem Gez würzwerk, in reine Leinwand( Grabtücher) ein. Nächst am Orte, wo Jesus gekreuziget ward, lag ein Garten, und darin fein neues Grab, das sich I Joseph in einen Felsen hatte hauen lassen, und worein noch niemand war beygesetzt worden. In dieses brachten sie, Nähe halber, und weil es Borsabbath der Juden war, und sich der Sab bath nahte, den Leichnam Jesu. Joseph wälzte@ einen großen Stein vor den Eingang des Grabes, und gieng weg. Auch Frauenspersonen, welche mits Jesu aus Galiláa angekommen waren, Maria Magdalena, und Maria Joses Mutter, folgten e dahin, und setzten sich gegenüber, um zu sehen, C in welches Grab, und wie sein Leichnam beygesetzt) würde; und kehrten dann zurücke. Am folgenden Tage nach dem Rüsttage, kamen die Hohenpriester i und Pharisäer zu Pilatus und sprachen zu ihm: N 319 Wir erinnern uns, daß jener Betrüger bey seinen Lebzeiten fagte: Nach drey Tagen werd' ich wies der auferstehen. Laß also das Grab bis an den dritten Tag wohl bewachen, damit nicht etwa feine Sünger kommen, ihn stehlen, und dann zum Volke sagen: Er ist von den Todten auferstanden. So würde der letzte Betrug ärger als der erste seyn. Pilatus erwiederte ihnen: da habt ihr eine Wache, gehet hin, und verwahret es, so gut ihr könnet. Sie giengen hin, versiegelten den Stein, und befekten das Grab mit Wächtern. Gebete für alle Stände und Gattungen und der Menschen. 456 39302 Für die heilige Kirche Gottes. in 2 m Daß sie nicht nach dem Buchstaben, welcher tödtet, sondern nach dem belebenden Geiste Jesu trachte; daß aus allen ihren Anstalten mehr die Belehrung als Beherrschung( 2 Kor. 1, 24.) der Glaubigen hervorleuchte, und daß sie stets die Verbreitung sittlicher und ächter Religionswahrheiten, zur Beförderung menschlicher Tugend, als den vornehmsten Zweck ihrer Stiftung, betrachte. Allmächtiger, ewiger Gott! behüte die Chri stengemeine, die sich im Namen und unter der 320 heilsamen Lehre Jesu vereiniget hat, vor dem zer: störenden Geiste der Herrschsucht, wie auch vor aller Zwietracht und Haß. Laß alle Menschen an fruchtbaren Religionskenntniffen wachsen; laß uns alle, mit redlichen und demüthigen Herzen, nach Wahrheit trachten; laß uns alle, mit standhaftem Eifer, was recht und gut ist, ausüben, und gieb, daß wir die Einigkeit des Christenthums vorzüge) lich, durch diesen brüderlichen Wetteifer, und durch die Befolgung der allgemeinen Sittenlehre, die est empfiehlt, zu erreichen suchen.( Philipp. 2, 2.): Amen! Für den Pabst, den ersten Hirten, für die Bischöfe, und für alle Vorsteher und Lehrer der Kirche. Daß sie mit Demuth nach Wahrheit forschen, daß sie Wahrheiten mit Sanftmuth lehren, und dem bescheidenen Wahrheitsforscher mit Duldung, Liebe und Dank begegnen; daß sie der Gemeine: Gottes mit erleuchtetem Eifer, und noch mehr durch ihr Beyspiel, als durch den Eindruck ihrer erhabenen Würde, vorstehen. 2758 Allmächtiger, ewiger Gott! dessen geliebter Sohn, der edelste Menschenfreund, der treuestest Lehrer der Wahrheit, von jüdischen Priestern mißac kannt, mißverstanden, und bis in den Tod mißhandelt und verfolgt, als ein Opfer der Unduldsamkeit, der 321 D der Bosheit, und des Religionshaffes starb! gieb, daß die heutige Feyer des Todes Jesu, des Gerechten, des Unschuldigen, einen unausisschlichen Abschen vor aller Unduldsamkeit und Verfol gungssucht in meinem, und aller Menschen Here zen zurücklasse. Flöße allen Menschen, besonders aber allen Priestern, den Geist der Liebe und Sanftmuth ein, und gieb, daß sie, frey von Borurtheilen und Stolze, überall der Wahrheit huldigen, mit dem Wachsthume einer redlichen Aufklärung in unsern Tagen fortschreiten, sich nur durch gründliche Gelehrsamkeit und einen auferbaulichy: n Lebenswandel auszeichnen, und dat urch ihren Stand sowohl als die Religion selbst ehrwürdig machen. Amen.' Für den Landesregenten. Daß er es fühle, wie gut es fey, ein ga ter Regent zu seyn; daß er in seinen Unterthanen immer seine Brüder und Mitmenschen erkenne und schätze; daß er nicht nach Laune und Willkühr, sondern nach gerechten und menschlichen Geschen Land und Leute regiere; daß er niemals jene gesegnete Wahrheit vergesse, die das Wohl der Staaten gründet und befestiget: die Fürsten sind ihrer Unterthanen, nicht die Unterthanen ihrer Fürsten wegen da! 21 322 S Allmächtiger, ewiger Gott! leite und lenke das Herz unsers Regenten, daß er sein Glück, seinen Ruhm, und selbst seine Frömmigkeit darein setze und suche, ein gerechter, weiser und wohl thätiger Fürst zu seyn. Laß sein öffentliches und sein häusliches Leben durch fürstliche Tugenden, durch Milde, Sanftmuth und Wohlthätigkeit, glänzen. Nie werde unter ihm eine Seele durch fürstliche Leidenschaft betrübt; nie weine durch seine Schuld ein Unterthan. O Gott! mehre durch ihn die Zahl guter Fürsten, und laß ihn und sein Land lange den Segen einer weisen und wohl thätigen Regierung genießen. Amen. Für alle Obrigkeiten. Daß sie die Pflichten ihres großen Berufes recht erkennen und getreu erfüllen; daß sie ohne Ansehen der Person, ohne Menschenfurcht und Eis gennuk, dem Armen wie dem Reichen, dem Hohen wie dem Niedrigen, Recht sprechen; daß sie die öffentliche Ruhe und Sicherheit handhaben, sich der Wittwen und Waisen, und der gedrückten Unschuld vorzüglich annehmen, und überhaupt das Wohl aller ihrer Untergebenen, mit unermůdetem Eifer, befördern. Allmächtiger, ewiger Gott! alle Gewalt kommt von dir, und es ist dein heiliger Wille, daß jeder Mensch seiner vorgesetzten Obrigkeit einen 323 START O präge gewissen Gehorsam leiste.( Ndm. 13.) diese wehlthätige, dem Volker und Staaten- Glücke unentbehrliche Wahrheit tief in jedes Menschenherz ein. Laß nicht zu, daß der Geist der Unruhe und der Widerspenstigkeit Zerrüttung und Elend über den Erdboden verbreite. Je aufgeklärter die Menschen werden, desto tiefer sey auch ihre Achtung gegen das Gesek, desto williger ihr Gehorsam. Gott! regiere das Herz aller Obern, daß sie nicht felbst durch den Mißbrauch der ihnen anvertrauten Gewalt den Samen des Mißvergnügens und der Empörung ausstreuen; sondern durch Gerechtigkeit, Wohlwollen und Menschlichkeit sich die Liebe und das Vertrauen ihrer Untergebenen erobern, Amen. Für alle Stände der bürgerlichen Gesellschaft. Daß sie alle Glieder eines Leibes einander durch wechselseitige Hülfe unterstüßen; daß sie von Vaterlandsliebe und Menschenliebe gleich beseelet, in der großmüthigen Beförderung des gemeinschaft: lichen Wohls ihre eigene Wohlfahrt suchen, und durch Thätigkeit, Klugheit und Liebe die von der Menschheit unzertrennlichen Uebel zu mindern, oder wenn es zum Theil seyn kann, auch zu tilgen, sich bestreben mögen. Allmächtiger, ewiger Gott! du hast uns alle in einen gesellschaftlichen Körper, wie die Glieder eines Leibes, zusammengefügt, damit wir unsere 324 wechselseitigen Bedürfnisse uns durch wechselseitige Hülfe erleichterten; laß alle Menschen mit gemeinschaftlichem Eifer an Beförderung des gemeinschaft: lichen Wohls arbeiten. Ein Herz und eine Seele belebe uns alle. Keiner trachte aus Eigennuß nach Vortheilen, welche dem Ganzen schädlich sind. Kei ner scheue die Mühe, die vielen, obschon ihm selbst nicht unmittelbar, nüßlich ist. Gewinne ich denn nicht gewinnen denn nicht alle und jede bey dem Wohle des Ganzen? Von diesem Grundsaße, aber noch viel mehr und zuerst von der erhabenen Pflicht, welche uns bey dem Rufe des Gefeßes zu allen auch den schwersten Verlängnungen der Eigenliebe auffordert, will ich mich immer mehr über zeugen. Die Vorstellung dieser heiligen Pflicht soll die einzige Triebfeder aller meiner Handlungen, die Seele aller meiner Berufsgeschäfte seyn. Ein guter, redlicher, uneigennüßiger Bürger des Staats zu werden, soll eine meiner vorzüglichsten Bestres bungen, und in meinem Berufe eine der schönsten Tugenden seyn. Amen. Für alle Christen, die in der Religion anders denken und glauben. Daß sie die Wahrheit redlich suchen, und in der Erkenntniß derselben mit uns gemeinschaftlich wachsen:( Ephef. 5, 10.) daß, wenn wir gleich ihren Glaubensmeinungen nicht beystimmen können, 325 wir doch in aufrichtiger Bruderliebe mit ihnen vereinigt leben mögen. Allmächtiger, ewiger Gott! Von dir stammt die Verschiedenheit unserer Geisteskräfte, das ungleiche Maß unserer Fähigkeiten her. Möchten wir doch einsehen, daß der Vorzug des Glaubens allein, ohne treue Befolgung deiner Gebote, uns keinen ausschließenden Anspruch auf deine Liebe und die Seligkeit gebe.( Jak. 2, 14.) Wenn daher viele Christen der Erkenntniß nach, in mehreren Punkten von unsern Ueberzeugungen in der Religion abweichen, so wollen wir desto mehr bemüht seyn, daß wir wenigstens in einem guten Lebenswandel, und in einer allgemeinen Liebe für cinander zusammentreffen. Deine heilige Vorfehung wird uns zu seiner Zeit auch in der Ers fenntniß einander näher bringen. Auch diese Verschiedenheit des Menschengeschlechtes in Religionsmeinungen muß am Ende zu dem wundervollen Plane deiner göttlichen Weltregierung über einstimmen. Sie erzeuge in uns ein eifriges For schen nach Wahrheit; sie bringt durch Widersprüche felbst Aufklärung und Wachsthum der Wahrheit unter uns hervor; sie läßt unsere geistigen Kräfte nie in jene gefährliche Stockung und Unthätigkeit versinken, in welcher die Unwissenheit, der Aberglaube, und der Irrthum unter dem Menschengeschlechte überhand nehmen, und selbst die reinen Grundfäße der Sittenlehre untergraben. Ich dan 326 ke dir, o Gott! für das Maß des Lichtes, wel ches du mir haft zukommen laffen; ich will auch andere mit Liebe und Bescheidenheit daran Theil nehmen lassen, aber Niemand dazu zwingen: Glaubt! Ich will die Wahrheit selbst nicht oder deßwegen hassen, weil er nicht, wie ich durch Drohungen, durch Flüche und Verwünschungen, durch heimliche Ränke und Anschläge, oder andere unsittliche, dem Geiste der christlichen Duldsamkeit zuwiderlaufende Mittel verbreitet. O Gott! ich empfehle deinem heiligen Schuhe alle meine Mitchristen, von welchem Glaubensbekenntniße sie auch seyn mögen. Bey allem Unterschiede in Glaubenslehren können sie doch redlich und tugendhaft seyn; und wie könntest du, o heiligster Gott! Tugend und Redlichkeit bestrafen, wenn sie auch mit Irrthum verknüpft wäre? und wie sollte ich meine Brüder verdammen, welche mir dein Apostel zu verdammen verbietet,( Rom. 14, 4.) über deren Redlichkeit und Wahrheitsliebe dir allein das Urtheil zustehet? Nein, lieben will ich sie, und durch diese Liebe bezeugen, daß ich ein ächter Schüler deines Sohnes, daß ich ein redlicher und aufgeklärter Bekenner seines Evangeliums sey Amen. Für die Juden. Daß sie sich im Geiste der Menschenliebe an die übrigen Nationen des Erdbodens anschliessen, an ihrer Bildung und Aufklärung Theil nehmen, 327 - und mit ihnen, ohne allzugroße Vorliebe für ihre väterlichen Erblehren und Gebräuche, durch die Bande des Blutes, der Gesetze, und der Kenntniffe vereinigt, gute sittliche Menschen, und wür dige Bürger des Staates werden mögen. Allmächtiger, ewiger Gott! ich flehe zu dir für das Wohl einer zerstreuten Nation, die so manchen Druck, so manche Berachtung, besonders in der Vorzeit, dulden mußte. Ach! das Elend dieser Unglücklichen schien vielen ein Triumph der Lehre Jesu zu seyn, und um diesen Triumph desto glänzender zu machen, vergrößerte man ihr Elend, und zerstörte in diesem geschäftigen Volke jeden Keim des bürgerlichen und häuslichen Glückes. Die Religion Jefu wurde ihnen verhaßt, weil so manche Bekenner derselben ihre ewige und gleichNie soll ein sam geschwornen Feinde waren. so unwürdiger und feindseliger Glaubensstolz mein Da ich, o Herz verblenden, und verderben. mein Gott! von Jesu gelernt habe, daß alle Menschen Brüder sind, so will ich an ihnen die Menschennatur, und die Menschenrechte verehren, die sie mit mir gemein haben; ihr Elend selbst, und ihre bürgerliche Erniedrigung soll mir fürohin die thatigste Begierde einflößen, sie zu trösten, ihr Leiden zu mildern, und sie durch den Antheil, den ich an ihrem Schicksal nehme, von dem betäubenden Schlage ihrer ehmaligen Zerstörung wieder aufzurichten, Amen. 328 PHOTY Für die leidende Menschheit. Für alle, die in Gefängniffen schmachten, die in Gefahren, in Angst und Ndthen sich befinden, für Wittwen und Waisen, für alle kranke und fleche Menschen, für diejenigen, welche sich in gefährlichen Unternehmungen, im Kriege, Reifen, außer ihrem geliebten Vaterlande, unter bösen und grausamen Herren als Sklaven befinden; für alle, deren Gemüth durch traurige Vorstellungen oder allgemeine Unglücksfälle niedergedrückt ist; endlich für alle, die unter dem Drucke der Armuth), der Nahrungssorgen, und der Verachtung seusjen, die von ihrem eigenen böfen Gewissen, oder von tösen Menschen wie immer verfolgt werden. Allmächtiger, ewiger Gott! liebreicher Bater im Himmel, gerechter und gütiger Weltregierer! laß tir alle meine Mitmenschen empfohlen seyn, die von was immer für einem Unglücke gebeugt, von Mens schen verlassen, verkannt, oder vielleicht gar mißLandelt, nur noch durch den Glauben an deine heis lige Vorsehung unterstützt werden. Befreye alle můden und kummervollen Seelen( wenn es dein hei: liger Wille ist, dem alle Geschöpfe unterthan blei ben müssen) von ihrer druckenden Last. Laß sie, bey der Fortdauer ihrer, Leiden, in der stillen, ergebenheitsvollen Anbetung und Verehrung dei: nes heiligen Willens, Trost und Beruhigung, und in dem Berspiele deines bis in den Tod duldenden Sohnes, Kraft und Ermunterung finden. Gieb, ente 329 PORED daß sie durch diese zeitlichen Leiden, wenn sie sich von dem Wege der Tugend entfernt haben, das rauf zurückgeführt, oder wenn sie unschuldig leiz den, wie das Gold im Feuer, nur mehr noch bea währt und geläutert, zu höhern Stufen ihrer sitt: lichen Vervollkommnung geführt werden. Laß in dem Menschengeschlechte, bey der sich immer mehe ausbreitenden Aufklärung und Menschlichkeit, alle heilsamen Anstalten zur Minderung des menschlia chen Elendes gedeihen. Segne die pflichtmäßigen Bemühungen der Unglücklichen, wodurch sie sich felbst helfen, oder wenigstens einen Theil ihrer Laft von sich abwälzen wollen. Segne auch meinen Entschluß, den ich, durch die heutige Feyer des Todes Jefu begeistert, aufs neue faffe, zur Mina derung des menschlichen Elendes, in meinem Wirkungskreise und Berufe, so viel beyzutragen, als ich vermag, und als Vernunft und Religion, und selbst mein innigst gerührtes Herz mir auferleget, Amen, Für alle Menschen. Daß Wahrheit und Aufklärung, Religion und Tugend unter allen Völkern des Erdbodens immer mehr verbreitet werde; daß alle Menschen mit edlem Wetteifer, und durch gegenseitige Beyspiele ermuntert an ihrer sittlichen Bervollkommnung uns aufhörlich arbeiten, und nach dem höchsten Gute 15mm 330 der Heiligkeit aus allen Kräften streben; daß ferner die Güter des Lebens, welche uns die göttliche Vorsehung auf dem ganzen Erdenrunde so reichlich zugetheilt hat, durch geschäftiges Nachdenken immer mehr entdeckt, durch gemeinschaftlichen Fleiß immer mehr bearbeitet, durch guten Ges schmack immer mehr veredelt, und von allen Men= schen, ohne schädliches Uebermaß, ohne Nachtheil ihrer Brüder, und ohne Verlegung höherer Pflichten, genoffen werden mögen. Allmächtiger, ewiger Gott! unter deiner heis ligen Vorsehung steht das Menschengeschlecht als eine zur Tugend und Glückseligkeit bestimmte große Familie. Laß alle Menschen an den liebreichen Anstalten deiner heiligen und weisen Weltregierung gesegneten Antheil nehmen; gieb, daß alle Natio= nen immer mehr von threr rohen Denkart, von Irrthümern und Aberglauben, sich reinigen, und fähig und würdig werden, ein Volk Gottes un ter sittlichen Geseßen zu seyn. Gieb, daß die Anhänger aller Kirchen immer mehr ihre Abweichungen von der reinen Sitten und Religions. lehre, ihre Mißbräuche, ihren schwärmerisayen Sek tengeist, wo er noch herrscht, verlassen, und sich zu jener vollkommenen Religion erheben, welche das Menschengeschlecht fruchtbar an guten Werken macht, und wo das Band der Einigkeit die wahre Erkennt: niß Gottes, und des sittlichen Guten ist.( Joh. I, 17.) Gieb, daß alle Völker der Erde, in fried11 lovgiven odedoremt 331 licher Vereinigung mit ihren Fürsten und Regenten, ihre bürgerlichen Gesetze, mit aufgeklärtem und ruhigem Eifer, zu verbessern trachten, und dabey unter der Leitung einer reinen Gotteserkenntniß, und in Verbindung mit den Forderungen des Sittengesetzes, nur das allgemeine Wohl zum Endzwecke machen. Gieb, daß die Menschen überall an Wissenschaften und Künsten zunehmen, wodurch die Barbarey des Geistes verschwindet, dle Sitte lichkeit gewinnt, edle Gesinnungen entstehen, die Güter des Lebens erkannt, gemeinnüßiger gemacht, vervielfältiget, veredelt, und zum vergnügten Auf enthalt auf dieser Erde verwendet werden. Gieb, daß die Barbarey des Krieges immer mehr entfernt, der Krieg selbst menschlicher und schonender geführt werde; daß die Nationen der Erde durch Aners kennung und Ausübung fittlicher Pflichten gegen einander, durch Genügsamkeit und Redlichkeit im Handel und Wandel, in Verträgen, in Bündnissen eines fortwährenden Zustands des Friedens immer empfänglicher werden. Gieb, daß alle Menschen an geselligen Tugenden, und an jener allgemeinen Menschenliebe wachsen, welche macht, daß wir nichts für gering oder fremd achten, was immer Menschen betrifft, daß wir in unserer Liebe und Achtung alle Menschen aufnehmen, sie mögen von was immer für einer gebildeten oder ungebildeten Nation, von was immer für einer Religion seyn. Gieb endlich, o Gott! daß dich alle Menschen als das höchste 332 Mendayou Gut, als das Urbild der höchsten Heiligkeit, vers ehren und lieben; daß alle Menschen durch eine getreue und unausgesetzte Beobachtung deiner sittlichen Gesetze auch würdig werden, jenseits des Grabes die Verheiffungen der Glückseligkeit einzu årndten, welche denen gemacht sind, die Gott lieben, und seine Gebote halten.( Gal, 6, 9.) Umen, Am Osterfeste. Er ist erstanden Jesus Christ, Der unfer Trost und Helfer ist. Als Sieger trat er auf den Staub, infort nicht mehr des Todes Staub Er hat erfüllt, was er verhieß, Eh' er fein Leben für uns ließ: ..Drey Tage sollen nicht vergehen, So werdet ihr mich lebend sehen." ( Matth. 17, 29.) motved Der Held aus Juda hat gesiegt! Christus ift erstanden! Er lebt! Er lebt! und der Tod wird künstig nicht mehr über ihn herrschen. Dieß ist, o Gott! auch mein, dieß ist aller Sterblichen Trost! Die Tugend hat hier mit mancherley Schwierigkeiten zu kämpfen; die Ausübung der Pflichten ist oftmals mit Mühe und Eckel verbunden; das Glück der Lasterhaften macht uns öfters so misvers Socia 333 gnügt, daß wir versucht werden, sie in ihrem Wohlstande zu beneiden. Aber mußte nicht Jesus leiden, so in seine Herrlichkeit eingehen? O! er meinte es so gut mit allen, duldete fo liebreich die Schwachheit der Menschen, hatte keine andere Absicht, als allen alles zu werden, und ließ sich weder durch Undank, noch durch äußerliche Hindernisse, weder durch die Größe seiner Arbeit, noch durch den Tod selbst abschrecken, ein Menschenfreund zu seyn, und deinen Willen, Bater im Himmel! zu vollbringen.- O! die Güte feines Herzens erschien nie im schöneren Glanze, als unter den Verfolgungen, die Man wird ihm die Zukunft der Bösen bereitete. unwillig, wenn man die Vorwürfe liest, welche Neid und Heucheley dem Besten aller Menschen machten. Abgeriffene Stücke seiner Reden wur den als Keßereyen gebrandmarkt; Liebeswerke als Verletzung des mosaischen Gesetzes verdreht; jest schalt man ihn einen Aufwiegler des Volkes, einen Störer der öffentlichen Ruhe; jetzt einen Feind Gottes. Und wie betrug sich der Gute bey allen Stürmen? Ruhig und heiter sprach die Liebe aus ihm; und wenn er allzeit siegte, so war es nicht Ungestům, nicht Leidenschaft, was ihm den Sieg erwarb. Die Wahrheit und sie allein war seine Gehülfinn. Er bestrafte einen Königdurch ruhiges Stillschweigen; er belehrte einen Jünger durch einen sanften Blick. Der Richter, Mod 334 - der ihn verdammte, wird ihm geneigt durch die Milde seiner Verantwortung; die Priester knirschen ihre Zähne gegen ihn, und er steht vor ih nen, wie ein gutes Lamm, das zur Schlachts bank bestimmt war; das Volk, welches ihn verurtheilt, und zugleich- bedauert, hört von ihm nur Worte der Sanftmuth; weinet nicht über mich, spricht er, weinet über euch selbst. O. der Beste geht mit eben der ruhigen Würde zum Tod hinaus, als er je in das Haus einer seiner Freunde oder Freundinnen eintrat! weil ergut war; weil er aus seinem Tode selbst ein Gut für die Menschheit keimen sah, das in seinen Augen das Opfer des Lebens gering machte. Ach! wie verschönerte seine Sanftmuth noch die letzten Augenblicke seines Lebens. ,, Herr verzeih ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun!" Dieß war der letzte Strahl der Güte, den er über die Menschheit ausbreitete, die ihn verachtet, verdammt, und zu Tode gemartert hat. Jetzt find aber die Tage seines Leidens vor über; feine Seele war größer, als alle Prüfungen, die er auf seinem Wege fand. Er besiegte alle Beschwernisse und Verfolgungen, wie die Sonne über die dichtesten Nebel triumphirt. Christus ist erstanden, er lebt, und der Tod wird künf tig nicht mehr über ihn herrschen. O! wie foll mich künftig sein Beyfpiel stär ten, wenn ich unter dem Drucke des Schicksals chuuuser 13 335 fast zu erliegen scheine. Wie soll der Sieg, den er durch seinen großmüthigen Tod erwarb, meinen Muth zu ähnlichen Siegen der Tugend entflammen! Du hast, o Gott! mit weifer und wohlthåtiger Hand die Schicksale der Menschen gemischet! nicht immer schlägt die Stunde des Leidens; viel Angenehmes fließt in den Strom des Lebens; in allen Auftritten des Lebens herrscht ein wohlthätiger Wechsel des Guten, und allgemein empfindet man, wenn man nur mit dankbarer Aufmerksamkeit seine Tage durchforscht, ein großes Uebergewicht des Gu ten und Angenehmen über die traurigen und unangenehmen Ereignisse des Lebens. Oft erquickst du den Menschen mit heimlichem Trost, und innerem Vergnügen; oft sind seine Arbeiten auch auf serlich gesegnet; und ob er gleich mit Mühe aus fået, so årndtet er doch mit Jauchzen und Froh. locken ein, und trägt die Früchte seiner Bemů, hungen voll Entzückens einher.( Ps. 125, 5. 6.) Wenn dann aber auch eine Stunde des Lei: dens kömmt; wenn ein Berufsgeschäft meinen Ernst verlangt; wenn ich auf einige Zeit dem Ber: gnügen entsagen muß, um mich der Pflicht zu widmen; wenn die Redlichkeit, die Berufstreue von mir Opfer und Berläugnung fordert; wenn die Tugend mir Berfolgung zuzieht; wenn meine redlichsten Absichten verkannt, meine bestgemeinten Handlungen getadelt werden- so will ich, o Gott! 336 exhinahay an deinen Sohn, meinen Lehrer und mein Muster, denken; mit ihm will ich leiden, und mich durch die Hoffnung der Ewigkeit, der Unsterblichkeit, auf der Tugendbahn erhalten; mit ihm will ich siegen! Dann werd ich auch einst mit ihm zum neuen herrlichen Leben auferstehen, und der Tod wird. über mich nicht mehr herrschen.( Rom. 8, 17. 2 Tim. 2, II.) Amen. Am Himmelfahrtstage. 62 Wie herrlich, Jefu, starker Heldy Du Netter einer Sündenwelt, pat sich dein Kreuz geendet! Nach übersand'nem Leidenslauf, Fährst du verklärt zum Vater auf, Der dich zu uns gesendet. ( Mark. 16, 19.), Ich gehe zu meinem und eurem Vater, zu meinem und eurem Gott. So sprach Jesus zu feinen Jüngern, eh' er heute die Welt verlies, und triumphirend gen Himmel hinauf fuhr! So bist du also, o Gott! mein Vater aller Menfchen Bater! So ist denn mein Hinscheiden aus dieser Welt eine Heimkehr zu dir, o Vater! Der Tugendhafte, wenn ihn auch der Tod überrascht, kömmt nur früher zum Vater; er wird, wie ein müder — 337 müder Wanderer bey der Mittagshike, in dem Hause des Baters erquickendes Labsal finden. machind Frühe hat Jesus ausgerungen, frühe den Lauf vollendet, den er zu laufen hatte. Nun ist er zur Rechten der Allmacht; nun, o Gott, o Bater! nun ist er bey dir!- Mit welchem Wonnegefühl konnte er nochmals die Erde überschauen, die er verließ! Der hat allen wohlgethan! Ueberall traf fein forschendes Auge Spuren seiner edel müthigen Handlungen an. Nichts, nichts trübte, seinen Blick; kein Elend, das durch ihn entstand, keine Thränen, die er auspreßte, keine Unglücklichen, die er machte. Er hat allen wohlges than! er hat alles wohlgemacht! Mit diesem herrlichen, lautern Bewußtseyn konnte er umhera blicken, und ruhig, vergnügt und heiter von der Welt Abschied nehmen, die ihn verkannte, die ihm Gutes mit Bösem lohnte. O! das war der seligste Abschied, den je ein Mensch von der Welt nahin! weil das Gefühl seiner großmüthigsten Menschens liebe einen Vorschmack des Himmels darein legte. O Gott! laß meinen Tod, wie den Tod dies ses Gerechten, meinen Abschied aus der Welt, wie den Abschied dieses Menschenfreundes seyn! so werde ich die Schrecken und Schmerzen meiner letzten Auflösung weniger fühlen, so werde ich, wie Jesus heute, zu meinen umstehenden Freunden im Tone des Sieges sprechen können: ich gehe zu meinem und euerm Vater! 22 338 - Aber ich bin noch nicht am Ende der Laufe. bahn, Gott! deine Vorsicht mag mir nun noch viele oder nur wenige Stunden des Lebens zuge= messen haben, sie sollen mir alle heilig seyn, sie sollen durch meinen wohlthätigen Gebrauch heilig werden. Was ich Gutes thun kann, will ich eifrig thun; jeden Augenblick will ich mit dem Stempel der Tugend zeichnen; nichts, was in dem Kreise meines Berufes liegt, sey mir verächtlich gering; nichts, was die Menschen betrifft, sey mir fremde. O! ich will mir am Rande des Grabes auch einen solchen Freudenblick auf die Welt, die ich verlasse, erkaufen, wie ihn mein Erlöfer, bey seinem Abschiede, genoß, den wonnevollen Blick des Tu gendhaften, des Menschenfreundes und dann will ich gern die Augen für diese Welt schließen, um zu dir, o Vater! zu gehen, und in deinem Lichte neue und höhere Auftritte des ewigen Lebens zu sehen und zu genießen: Amen. - Am Pfingstfeste. Gott! ich flehe heut zu dir um jenen heiligen Geist, welcher ehemals, nach der Verheiffung Jesu von dir über die schüchternen Jünger herabgesendet, sie zu Helden der Wahrheit umschuf;( Apoft. 2.) um jenen göttlichen Geist, welcher am Pfingsttage über sie ausgegossen, ihre Herzen mitten unter den 339 Stürmen der Berfolgungen mit deinem Frieden, mit der Heiterkeit der Tugend, mit dem Bewußt: seyn der guten Sache beseligte. -- Sende ihn auf mich herab diesen Geist der Wahrheit, daß er die Seele aller meiner Gedanken sey, daß er meine Worte von aller Falsche heit, von allem Bösen reinige, daß er in der Redlichkeit aller meiner Handlungen an mir sichtbar werde. Kein irdischer Vortheil soll jemals die Auf richtigkeit meiner Absichten verrücken; feine Leiden: fihaft soll mich jemals in dem Bekenntniß der Wahrheit irre machen, nie will ich anders reden, als ich denke; nie will ich meine Zunge durch Ver läumdung, durch Verletzung fremder Ehre beflecken; nie soll unter der äußerlichen Hülle scheinbar guter Werke die Schlange des Hasses, der Schadenfreude, und anderer niedriger Rathschläge, wie im Hinter: halte, verborgen liegen. Sende ihn herab diesen Geist des Frie: dens, auf mich, auf alle deine Anbeter, daß alle Menschen durch die Liebe eins werden, daß alle durch die Gesinnungen der Eintracht, der christlichen Duldsamkeit, des gegenseitigen Wohlwollens immer enger vereinigt nur eine einige Brüderfamilie ausmachen, in welcher du, o Vater! gemeinschaftlich verehret wirst, in welcher dein Sohn Jesus als Verkündiger der Wahrheit, und als Muster der Tugend herrscher; in welcher dein Geist unaufhselich Früchte des Friedens und der Liebe wirket. - - 340 Wir Menschen haben deinen Geist, o Gott! wenn wir als wohlgesinnte Kinder deine väterlichen Gebote mit Freude erfüllen. Wir haben deinen Geist, o Gott! wenn wir einander als Brüder lieben, mehr durch Thaten, als durch Worte lieben." 7) Bir haben deinen Geist, o Gott! wenn wir bey den widrigen Schicksalen des Lebens nie untreu werden, und keinen andern Tröster wünschen, als das Bewußtseyn unserer Unschuld, die Wonne eines gutvollbrachten Lebens, und die Ruhe eines Herzens, das sich unter dem Schuße deiner Vorsicht, über alle Schwierigkeiten erhebt, und durch die Hoffnung, dem Schöpfer ewig zu gefallen, mit allen Geschöpfen, in allen Stand: orten der Schöpfung, zufrieden lebt." Amen. bcmeste atipun Am Feste der heil. Dreyeinigkeit. Gott! welch ein Glück ist es, daß dein eingebors ner, ewiger Sohn Jesus Christus die Weit mit dem wohlthätigen Lichte des Evangeliums erleuch tet hat! Ehmals lag sie in der Finsterniß der 26götterey vergraben; Götter wurden angebetet, deren Laster und Ausschweifungen, deren Zwistiga keiten und Thorheiten, ein Scheufal der mensch 341 lichen Vernunft, und ein Aergerniß aller redlichen, und für die Tugend gefühlvoller Seelen war. Es ist kein Gott, als du, der einige, wahe re, allmächtige Gott,( 1. Kor. 8, 4 6.) welchem Himmel und Erde sein Daseyn, feine Ordnung und Schönheit, welchem wir alles Gute, das Leben und alle Wohlthaten des Lebens, zu verdanken haben; welchen alle vernünftigen Gea schöpfe als ihren heiligsten Gesetzgeber, und uns partheyischen, allwiffenden Richter verehren. " Das glaubt jetzt der durch die Lehre Jesu er leuchtete Mensch, und dieser Gluabe belebt seine besten Hoffnungen, entflammt seine Gottes: und Bruderliebe. B 111 Welch ein Glück ist es für die Menschen, o Gott! daß sie dich jetzt in dem milden und Herzerhebenden Lichte des Evangeliums erkennen! Du giebst ihnen deine Gebote nicht mehr unter Dons ner und Blißen, du ziehst nicht mehr im Sturz me vorüber, um Schrecken zu verbreiten; Feuer und Schwefel, Würgengel, Pest und Seuchen, sind nicht mehr die Diener deines Zornes und deiner Rache.( 2. Kor. 3, 17.) Es ist keine Furchtreligion, welche deine Anbeter vor deinem heiligen Altare versammelt. Wir erkennen als freye, mit Vernunft begabte Wesen die hohe Verbindlichkeit, vollkommen zu werden, wie du voll: kommen bist.( Matth. 5, 48.) Wir heben jetzt unsere Hände zu dir, als deine Kinder, auf, die 342 für deinen väterlichen Segen danken; wir rufen zu dir als zu unserem gemeinschaftlichen Bater, weicher, seine lebendigen Geschöpfe liebt, und ihr Da seyn nach dem Maße ihrer Empfänglichkeit durch Güte und Weisheit beglücket. Dieß ist die gute Botschaft das Evangelium, die Wahrheit, die dein eingeborner Sohn unter die Sterblichen brachte, und wodurch sich das Christenthum unter allen Religionen des Erdbodens auszeichnet. Bater, ich bete dich an! Wie herrlich haft du deine Liebe gegen die Menschheit geoffenbaret, indem du deinen göttlichen Sohn auf die Erde fandtest, damit wir alle durch ihn belehrt, tugendhaft und durch Tugend selig würden,( 1. Joh, 4, 9.) Er war bey dir, ehe der Weltgrund gelegt ward. Er gieng von dir aus, o Bater! und wohnte unter uns voll Gnade und Wahrheit. Er war dazu gez boren, daß er die Wahrheit bezeugen sollte.( Joh. IS, 37.) Er war von dir, uns zur Weisheit, zur Gerechtigkeit, zur Heiligung und Erlösung bestimmt. ( 1. Kor. 1, 30.) Darum hast du ihn erhöhet, und ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist. ( Phil. 2, 9.) Darum sitzt er jetzt an deiner Rech ten, und ist allen, die ihm gehorsam sind, eine Ur sache der ewigen Sefigkeit.( Hebr. 5, 9.) Bater! ich bete dich an. Wie wohlthätig bezeigtest du dich gegen die ersten Verkündiger des Christenthums, indem du ihre niedergeschlagenen Seelen durch den verheissenen Tröster and deinen 343 heiligen Geift( Joh. 14, 16. 17.) wieder auf gerichtet, und ihre noch mangelhaften Kenntnisse vom Reiche und der Lehre Jesu durch diesen Geist der Wahrheit gereinigt und vervollkommnet hast. ( Phil. 2, 13.) Noch jetzt wirkt dieser Geist das Wollen und Vollbringen alles Guten in uns, wenn unser Herz redlich und der Tugend geweihet ist, wenn unser Verstand das Licht der Wahrheit vertragen kann. Noch jetzt theilst du die Gaben dieses heiligen Geistes allen deinen gutgesinnten Kindern mit; denn wenn die Menschen, welche doch des Bösen fähig sind, ihren Kindern gute Gaben mittheilen, wie vielmehr wirst du, o Vater im Himmel, deinen heiligen Geist denjenigen, die dich darum bitten, mittheilen?( Luk. II, 13.) Cuu Dieß ist nun die Fülle meines Glaubens! ,, Ein Vater im Himmel, der Schöpfer, der Erhalter des Weltalls, der Gesetzgeber und Nichter aller vernünftigen Geschöpfe, der Beglücker alles dessen, was Leben hat, besonders aber der Menschen, in so ferne sie sich durch Tugend seiner Wohlthaten würdig und empfänglich machen.< ,, Ein ewiger Sohn, der Mittler zwischen uns und dem Vater, der Erldser des fündigen Menschengeschlechts, welcher uns jenes Sittengesek, das tief in unser Herz eingegraben ist, aufs neue mit helleren Zügen vorzeichnete, und uns durch seine erleuch: teten Lehren den Weg zeigte, aus der Sklavercy der Sünde und des Aberglaubens zu entkommen, 344 entered und als freye, vernünftige, dem heiligen Sittengeseße durchaus gehorsame Menschen, vor Gott zu wandeln." ,, Ein heiliger Geist, welcher mit dem Vater und Sohne eins ist, von beyden auf gleiche Art ausgeht; Wahrheit, Liebe, Berträglichkeit und Frieden ausbreitet; die Menschen zur Tugend hei ligt, und zum Ziele ihrer seligen Bestimmung führt. Dieß ist der Innhalt des Christenthums; denn ich bin getauft im Namen des Vaters, des Sohnes, und des heiligen Geistes." Auf diesem Bekenntniße bleibe ich nach diesem Bekenntniße lebe ich als O Gott! stårke mich in diesem Glauben, daß er Früchte der Tugend trage! Laß mich diesen Glanz ben immer durch die guten Gesinnungen und Handlungen, die er in mir erzeugt, verherrlichen. Amen. Christ; Christ. - Mich hier und ewig zu erfreu'n. ( Matth. 28, 19. 20.) Amen. - Ich bin getauft auf Jefu Lehren, Dich, Vater! deinen Sohn und Geist, So zu bekennen und zu ehren, Das Herz und Mund und That dich preißt; Und dann des Glücks, ein Christ zu seyn, 345 ny VI. Gebete auf die feyerlichen Gedächtnißtage der Heiligen. Die Glaubenslehre der katholischen Kirche von der Berehrung und Anrufung der Heiligen ist sehr einfach. Was in der Ausübung noch jetzt häufig gefehlt wird, läuft gerade gegen die auss drückliche Vorschrift des Kirchenraths von Trient. Dieser hat die ganze Lehre unserer Religion, dies sen Gegenstand betreffend, in folgende zwey Säke zusammengefaßt: a) Christum beten wir an; die Heiligen ver: ehren wir. b) Es ist gut und nützlich, die Heiligen ans zurufen.( 25. Sig.) Wir Katholiken beten also 1) Gott allein an; und diese Anbetung Gottes im Geiste und in der Wahrheit besteht, wie Bossuet*) sagt, vorzüglich darinn, daß wir *) Expofition de la Doctrine de l'Eglife Catholique, f. 14. 346 ihn als den Schöpfer aller Dinge, als unsern Herrn erkennen, ihm durch Glauben, Hoffnung und Liebe aus ganzem Herzen anhangen, und von ihm allein alles Gute erwarten, weil er selbst das höchste und unendliche Gut ist.- Nicht so denken wir von Maria und den übrigen Heiligen. Wir beten sie nicht an; wir setzen nicht unser Vertrauen auf sie; wir hängen ihnen nicht durch Glauben, Hoffnung und Liebe an; wir halten sie nicht für die Quelle alles Guten, aus welcher auch unsere zeitliche und ewige Wohlfahrt herkömmt. Wir verehren sie nur, und bezeigen ihnen unsere brüderliche Achtung wegen den vorzüglichen Tugenden, die sie in ihrem Leben ausgeübt haben. Diese Verehrung, sagt der Papst Hadrian ( epift. ad. Conftant. Imper.) ist von eben der Art, wie die Verehrung, mit welcher wir sündige Menschen auf Erden einander begrüßen, ,, und unsere Liebe und Achtung gegen einander ,, ausdrücken.< >> BATM >> 2) Die Anbetung Gottes ist ein nothwendiger und wesentlicher Gegenstand der Religion. Die Berehrung und Anrufung der Heiligen aber ist nicht geboten, sondern nur erlaubt. Merkwür: dig ist, was Holden*) hierüber schreibt: ,, Es ist eine falsche Aufbürdung, wenn man sagt, wir müßten die Heiligen verehren und anrufen, und *) Analyf. fid. I. II. c. 7. edit. 1792. 347 zwar unter der Strafe der ewigen Verdammniß! Wir glauben wohl, diese Berehrung und Ans rufung sey nüglich; aber daß alle Katholiken dazu verbunden wären, davon sagt der katholische Glaube tein Wort. Man kann selig werden, und vielleicht werden wirklich manche Katholiken selig, ohne je mals einen Heiligen im Himmel angerufen zu haben. 3) Die Verehrung der Heiligen gründet sich auf die Achtung, welche wir ihren aus gezeichneten Tugenden bezeigen. Wir verehren die heiligen Apostel wegen ihrem unermüdeten Eifer in Ausbreitung der Wahrheiten, die sie vont Jesu Christo erlernt haben; die heiligen Mårtys rer wegen ihrer heldenmüthigen Standhaftigkeit in dem Bekenntnisse dieser Wahrheiten, u. s. w. Mot Wer die Heiligen vernünftig verehrt, muß schon vorläufig Achtung für alles sittliche Gute has ben; er muß Gefühl für Tugend und für die Würde des Tugendhaften besigen;( welches auch selbst wieder durch diese Verehrung geweckt und erhöhet wird) sonst ist sie entweder Heuchelen, oder eine bloße Gewohnheit, oder gar Eigennuß, indem man dadurch weiter nichts bezweckt, als sich bey den Heiligen, wie bey Menschen, einzuschmeichein und ihre Gunst zu erhalten. Wir können nur dann versichert seyn, daß wir die Heiligen vernünftig, und nach dem Geiste unserer Kirche verchren, wenn wir merken, daß diese Vereh, rung auf unser Leben wirkt, daß wir immer YOCH but 348 SUM beffer und tugendhafter, und den Heiligen, die wit verehren, ähnlicher werden. Daher sind unstreitig jene Gebete an die Hei ligen die besten, in welchen ihre Tugenden uns dargestellt, und in Erinnerung gebracht werden. Diese Erinnerung wird alsdenn für uns ein Antrieb, ihnen nachzuahmen; welches auch der voral nehmste Zweck ist, warum man in der katholischen Kirche die Heiligen zur Berehrung aufstellt. Der Heilige Augustin sagt sehr schön: ,, Nur jener , Christ feyert auf eine vollständige und würdige ,, Weise die Festtage der Märtyrer, der dem Beya spiele derfelben nachfolgt; denn diese Festtage sind eigentlich dazu bestimmt, uns zur Standhaftigkeit der Märtyrer anzuspornen." "} 4) Die Verchrung der Heiligen darf der Anbetung Gottes nicht im Wege stehen. Gott ist der erste und einzige Gegenstand unserer Relia gion. Auch die Verehrung der Heiligen muß sich in Gott endigen; denn auch sie haben alles von Gott, und sind, was sie sind, nur durch Gott; denn sie können uns nichts geben; sondern nur für uns bitten; sie sind auch als Heilige bloße Menschen. Daher sollten auch in unfern Gebetabüchern immer die Gebete zu Gott voranstehen. Der Gebete zu den Heiligen dürfen nicht so viele, wie zu Gott, seyn, damit auch in unsern Andachten der Geist unserer Religion sichtbar sey. Die Gebete zu den Heiligen dürfen unser Vertrauen - 349 auf Gott nicht schwächen. Er bleibt immer der Geber alles Guten sie nur unsere Fürbitter. Ich bemerke hier noch erstens, daß nicht alle Handlungen der Heiligen sittlich gut waren, und unsere Berehrung verdienen. Die Heiligen wa ren Menschen, wie wir, gebrechlich, den Berfuchungen unterworfen; viele von ihnen waren von Irrthümern nicht frey, und viele fogar große Sünder, die sich erst durch eine wahre Herzensånderung zu Gott und zur Tugend erschwingen mußten. Wir müssen also ihre Handlungen nachy dem Sittengeseße, wie uns solches durch die Stelia gion und Vernunft in seiner Reinigkeit gelehrt wird, prüfen; und wir dürfen ihnen also nur in soweit nachahmen, als ihre Handlungen sittlich gut, und der Nachahmung würdig sind. Zweys tens Es ist kein Glaubenssaß, daß dieser oder jener Heilige( wenn seine Heiligkeit nicht durch die Schrift selbst bezeugt wird) wirklich heilig sey; denn weder der Pabst noch die Kirche, sagt der berühmte Veron, sind unfehlbar in ihrem Urtheile über die Heiligkeit eines Menschen. Ja, es ist nicht einmal Glaubenssaß, daß alle diese Men= schen, die man für heilig hält, wirklich gelebt haben. 1 grunmas Noch vielweniger gehört es drittens zu unserem Glauben, daß alle die Historien von den Heiligen, welche in den Legenden vorkommen, alle die Wunder, welche an den sogenannten Gnaden 655 350 örtern geschehen seyn sollen, wahr und zuverläßig sind. Ja, die aufgeklärtesten und frömmsten Schriftsteller unter uns haben sich sehr stark gegen die Fabeln und Erdichtungen ausgelassen, mit welchen die Lebensbeschreibungen der Heiligen anges füllt sind. Der achtungswürdige Bischoff Melchior Ka nus( loc. theol. 1. 11. c. 6.) schreibt hierüber: ,, Mit Bedauern muß ich gestehen, daß das Leben ,, der alten Weltweisen von Diogenes Laertius, und das Leben der Kaiser von Suetonius mit mehr ,, Gewissenhaftigkeit und Treue, als die Leben der ,, Heiligen von christlichen Schriftstellern verfaßt sind. Diese zogen meistens nur ihre ,, Neigungen und Leidenschaften zu Rathe, und er ,, dichteten so viele sonderbare, lächerliche und un ,, glaubliche Dinge, daß man sie ohne Eckel und Widerwillen nicht lesen kann. 25 so weit gekommen, daß man Offenbarungen und Wunder für wesentliche Ingredienzien des Lebens ,, cines Heiligen hält, und deren eine Menge ohne gründliche Beweise, und ohne hinlängliche GeMan ver,, währleistung auf die Bahn bringt. gißt, daß die Heiligen auch Menschen waren, ,, und erhebt sie weit über die Grenzen der Mensch ,, heit. Selbst in Absicht auf das Leben Christi und Mariä hat man tausend Ungereimtheiten ersonnen, und sie wohl gar für besondere Offen ,, barungen ausgegeben. Der Erfolg davon ist, 351 JE ,, daß leichtsinnige und irreligiöse Menschen über unsere Religion spotten, gute und vernünftige ,, Chriften aber erröthen, und blutige Thränen weinen möchten." 5) Die Anrufung der Heiligen ist, wie die Verehrung derselben, nicht nothwendig, nicht geboten, sondern nur erlaubt. Wie wir unsere lebenden Mitbrüder um ihr Gebet für uns bey Gott ansprechen dürfen, so ist es uns erlaubt, auch die Heiligen im Himmel anzusprechen. Die Heiz ligen, und selbst Maria werden also von uns nur um ihre Fürbitte angerufen; sie können nicht mehr, als unsere lebenden Mitchriften thunGott für uns bitten. Der Kirchenrath von Trient sagt: es sey nůßlich, sie auf diese Art anzurufen; allein er setzt sogleich hinzu, daß wir die Heiligen nicht so betrachten dürfen als wären sie selbst Ause spender der Wohlthaten, um welche wir bitten. ( Diese können wir nur von Gott erhalten.) Auch nicht als unsere Mittler bey Gott. Christus allein ist unser wahrer Mittler,( 1 Tim. 2, 5.) die Heiligen bitten Gott für uns, wie auch wie bitten durch Jesum Christum unfern Herrn. ( Schwarz Handb. d. christl. Rel. 3 B. S. 246 2.) Diese Bestimmungen müssen wir immer genau vor Augen haben, damit wir in unfern Gebetbüchern nicht ausschweifen, und die Heiligen hdher erheben, ihnen größere Vorzüge und Ehren: namen beylegen, auf sie mehr Vertrauen sehen, 352 PARA und mehr von ihnen erwarten, als es unsere heis lige Glaubenslehre erlaubt; denn man kann diese eben so sehr durch zu viel als durch zu wenig verletzen. 6) Es ist keine Glaubenslehre, daß die Heiz ligen die Gebete alle erkennen und wissen, die wir zu ihnen verrichten; es hängt von Gott ab, wie weit er ihnen davon Kenntniß mittheilen will. Es ist keine Glaubenslehre, daß Gott die Fürbitte der Heiligen allemal erhört; denn Gott regiert die Welt nach den weisesten Gesetzen, und nach einem vollkommenen Plane, dem selbst die Gebete und Fürbitten der Heiligen untergeordnet seyn müssen. Es ist keine Glaubenslehre, daß die Heiligen im mer einsehen, was zu unserm wahren Wohl gereicht. Wenn sie also für uns bitten, so müssen sie es Gott anheim stellen, ob die Erhörung ihrer Für bitte mit den heiligsten und weisesten Rathschlüs fen Gottes zusammenstimmt, und also statt haben kann oder nicht. 7) Es wäre ein unerträglicher Aberglaube, wenn wir in dem Wahne stünden, Gott werde uns nicht erhören, wenn wir ihn unmittelbar um etwas bitten; wenn wir zu ihm kommen, ohne einen Patronen, der unser Gesuch durch feine Fürbitte unterstützte. Er ist ja unser Bater! wir sind ja seine Kinder! darf denn ein Kind nicht frey, ohne Mitteiperson, ohne einen Fürsprecher, zu seinem Bater kommen, und ihn 353 ihn um eine gute Gabe bitten? wie sollte es also nöthig seyn, daß immer ein Fürbitter vor angehe, wenn wir von Gott etwas erhaiten wollen? Warum sollten wir nicht allein, ohne einen Patronen, zu Gott unserm himmlischen Vater kommen, und ihn um eine gute Gabe bitten dürfen?( Luf. II.) Es wäre ein eben so verwerflicher Aberglaube, wenn wir uns Gott wie einen irdischen Monarchen vorstellten, und die Heiligen, wie feine Hofherren, zu denen wir zuerst kommen müs sen, wenn wir von jenem etwas erhalten wollen; oder wie seine Günstlinge, die uns unfehlbar hela fen können, wenn sie wollen. Es ist leider nur allzugewiß, daß manche Christen sich diese Vorstellung machen, wenn sie die Heiligen anrufen. Selbst in einigen Gebetbüchern, und von manchen Predigern wird dieſe falsche Vorstellung unterhalten. Allein unser Glauz be sagt uns das Gegentheil. Die Heiligen können uns nicht helfen. Unsere Hülfe, sagt der hei lige Sånger, ist allein vom Herrn, der Hime mel und Erde gemacht hat. Die Heiligen können wohl für uns bitten; allein sie beten nicht zu einem schwachen, leidene schaftlichen Menschen, nicht zu einem Monarchen, bey welchem alle Gnaden nach Gunst und Willkühr vertheilt werden, sondern zu Gott, zu der ewigen, anendlichen Weisheit, welche das Weltall nach den 23 354 metabo baba vollkommensten Gesetzen ordnet und erhält. Ihr Gebet kann nicht kräftiger und nachdrücklicher seyn, als das Gebet Jesu; und doch betete er in seinem höchsten Leiden: Nicht mein Wille, o Bater! sondern der deinige geschehe.( Luk. 22, 42.) So müssen dann die Heiligen auch immer mit Ergebung in den Willen Gottes beten; und nicht jede ihrer Fürbitten kann erhört werden. Im Himmel gilt kein Recht der Günstlinge; da regiert die ewi ge, unveränderliche, höchste Weisheit selbst. Aus allem bisher gesagten folgt nun, daß, wenn wir die Heiligen anrufen wollen, diese 2n= rufung Gottes, der Heiligen, und unserer selbst würdig seyn müsse. Sie muß Gottes würdig seyn. Wir müssen dabey nicht ausser Acht lassen, daß Gott allein helfen könne; daß wir unser Vertrauen einzig und allein auf Gott seßen müssen; daß, wie der heis lige Jacobus sagt, alle gute Gabe, sie mag unser zeitliches oder ewiges Wohl betreffen, nur von oben Herab, von dem Vater der Lichter, kömmt; daß also Gott der erste und vornehmste Gegenstand unseres Gebets, und unserer Anrufung ist- daß er gleicfam die Seele aller unserer Gebete seyn muß. Daher richtet auch die Kirche, selbst an den Festtagen der Heiligen, an Gott; von ihm allein was sie durch die Fürbite ten wünscht. ihre Gebete nur allein erwartet und hofft sie, der Heiligen zu erhats RE 355 SAMO Sie muß der Heiligen würdig seyrt. Wir sollen sie nur in wichtigen Dingen anrufen. Den Heiligen war in ihrem Leben nichts wichtiger, als nach Heiligkeit streben. Auch uns darf nichts wichtiger seyn. Wenn wir sie also anrufen, so muß es vorzüglich in der Absicht geschehen, um durch ihre Fürbitte von Gott Kraft, Muth und Liebe zum sittlichen Guten zu erhalten. Um zeitliche Dinge dürfen wir nur in soweit bitten, daß uns Gott geben möchte unser tägliches Brod, d. i. so viel, als wir bedürfen zum Unterhalte des Lebens, um alsdenn unsern sittlichen Pflichten desto freudiger und ungestörter obliegen zu können. Vers werflich ist also unsere Anrufung der Heiligen, und ihrer ganz unwürdig, wenn wir sie bey ihren Altåren nur immer mit Bitten bestürmen, um Abwendung uns nüßlicher Leiden; um Erhaltung überflüßiger Glücksgüter, um lauter irdische Dinge, an welchen unser Herz mit übermäßiger Nei gung hångt; da wir indessen der Tugend gar nicht achten, und ungebesserte, unsittliche Menschen bleiben, die die Heiligen nicht ihrer Heiligkeit wegen achten, sondern nur aus eigennüßigen Absichten zu ihnen rufen und flehen. Sie muß auch unserer selbst würdig seyn. Wir sind Christen, unterrichtet in der reinen Lehre des Evangeliums, geleitet durch die aufgeklärten Vorstellungen unsers Zeitalters, und unserer Kir: che. Wir sollen also die Heiligen so anrufen, daß 356 wir selbst durch diese Anrufung zeigen, wir schwes ben nicht mehr in den Finsternissen der dunkeln Jahrhunderte, sondern in dem Lichte der Aufklä rung, und der bessern Religionseinsichten. Wir sollen mehr zu Gott als zu den Heiligen beten; wir sollen öfters zu Gott beten, ohne die Heilia gen anzurufen, um zu zeigen, daß wir unsere einzige Hoffnung auf ihn setzen: daß wir in ihm den liebreichsten Vater erkennen, und alles Gute ganz allein von Ihm erwarten. Wir sollen kein blindes und unbeschränktes Vertrauen auf die Fürbitte der Heiligen sehen; dieß würde den Mangel eines ächten Religionsunterrichtes bey uns nur zu sehr verrathen. Wir follen nicht bey jedem kleinen Unfalle, bey jeder von Gott uns zugeschickten Prüfung, zu den Altären der Heiligen laufen, und sie in Bewegung setzen, daß sie ja augenblicklich bey Gott um Abwendung derselben für uns anhalten! Der Mensch wird nur durch Leiden von seinen Fehlern geläutert, zur Tugend zurückgeführt, in der Tugend gestärkt und bewährt.( Röm. 5, 3- 5.) Die meisten Uebel, um deren Abwendung wir die Fürbitte der Heiligen anrufen, sind uns von Gott zu unserm Frommen zugeschickt; die Heiligen würden etwas von Gott verlangen, was ans schädlich, und gegen seine weiseste Güte wäre, wenn sie jedesmal um Abwendung derselben für uns bey Gott bittend einkommen wollten. Trifft uns ein Unglück, so sollen wir unsere Kräfte ans - 357 wenden, um durch eigene Thätigkeit es zu mildern, oder wegzuräumen; es zeugt von einem sklavisthen Gemüthe, wenn man den Muth sinken läßt, nicht alle seine Kräfte, nicht auch die in unserer Gewalt liegenden natürlichen Mittel zur Abwendung deſſelben gebraucht, sondern alles nur durch die Heilis gen, durch fremde Fürbitte, durch Wunder aus: zurichten glaubt. Die Verehrung und Anrufung der Heiligen muß aufgeklärt seyn, wenn sie uns serer würdig seyn soll; und sie ist aufgeklärt, wenn sie genau mit dem jetzt gegebenen Unters richte übereinstimmt. Auf die Festtage Maria. MO Selig ist der Leib, der dich getragen hat; felig sind die Brüste, die du gesogen hast! ( Luk. II, 27.) So sprach einst ein Weib zu Jesu, in der vollen Bewunderung seiner schönen Lehren, und seiner edlen Handlungen; so pries sie, vermuthlich selbst eine Mutter, die Mutter des Heren, die das Glück hatte, einen so weisen, so tugendhaften, so in Wort und Thaten großen und erhabenen Sohn zu besitzen. Aber auch ich will und muß sie selig preisen wegen ihrer eigenen 358 H Tugenden, mit welchen sie ihre irdische Wander schaft ausgezeichnet, und mir ein rühmliches Veya ſpiel der Gottseligkeit und Gettergebenheit zurück: gelassen hat. Mütter und Jungfrauen, und jeder Menschensohn kann von ihr lernen, wie man die Pflichten gewissenhaft üben müsse, die Beruf und Stand uns auferlegen. Ihr Beyspiel kann uns überzeugen, daß es uns nicht an Kräften fehlt, Gutes zu thun, wenn wir nur immer guten Willen, und Enta schlossenheit dazu hätten. Durch ihre Rechtschaf fenheit, die sie nach den beschränkten Religions: kenntnissen ihres Volkes in sich ausbildete, be: schämt sie manche Schüler ihres Sohnes, obgleich diese in der Religion Jefu viel wirksamere Ana triebe zum Guten, und vollkommnere Belehrungen über Gott und ihre Pflichten finden. Die Geschichte ihres Sohnes enthält so mane che vortreffliche Züge ihrer edlen Herzensgüte, und ihres reinen sittlichen Charakters, wodurch sie dein Wohlgefallen, po du heiligstes und vollkommenstes Wesen! auf sich zog. Als Jungfrau war sie ein Muster von Ent Haltsamkeit und Reinlichkeit in Wandel und Gea finnungen. Die niedere Wollust, die heut zu Tage so viele Herzen vergiftet war ihr ein Greuel, den jedes Auge mit Ekel und Abscheu betrachtet. Häusliche Eingezogenheit, stille Bea 359 forgung häuslicher Geschäfte, ohne Sucht, Aufsehen zu erregen, waren ihre Lieblingstugenden. Wie viele Töchter sind ihr hierinn ganz und gar nicht ähnlich, indem sie nichts weniger ertragen können, als in stiller Eingezogenheit sich selbst, und ihrem häuslichen Berufe getreu zu leben; indem sie nichts sehnlicher wünschen, als überall gesehen, bewundert, oder, wie der abgöttische Ausdruck Lautet angebetet, und mit elenden Schmeiche: leyen überhäuft zu werden; indem sie der Eitel: keit, und der Zerstreuung alle die schönen und stillen Freuden an der Seite ihrer besser gesinnten Schwester und ihrer zärtlichen Aleltern so gerne auf opfern. Für diese ist Maria, die Mutter Jesu, ein treffliches Muster, nach welchem sie sich bilden müſ sen, wenn sie ihres Namens würdig seyn wollen. Als Gehülfinn ihres redlichen und theilnehmenden Gatten Josephs, war sie, o Gott! für jedes Ehepaar, und besonders für jede Ehegenossinn, ein Mufter des guten Einverständnisses der Treue und Liebe, der häuslichen Sorgfalt, und des im merwährenden Bestrebens, alle Freuden und Lei: den des Lebens mit ihrem geliebten Gemahle zu theilen. pom Als Mutter und o! welch eine zärtliche und liebevolle, welch eine gewissenhafte und from: me Mutter war sie nicht- als Mutter zeigte sie in der That, was Mutterpflicht in ihrem gangen Umfange sey. 360 Aber wie groß mußte auch die Mutterfreude feyn, als sie bemerkte, daß der Liebling ihres Herzens an Alter, Weisheit und Wohlgefallen bey dir, o Gott! und bey den Menschen zunahm. ( Luk. 2, 52.) Wie sehr mußte sich nicht ihre Liebe, ihre Freude, und ihre Achtung für ihn erweitern, als sie ihn als Lehrer feines Zeitalters auftreten sah; als sie aus seinem Munde so er habene Begriffe von dir, o Gott, und deinem heiligsten Willen, eine so reine und vollkommene Sittenlehre vernahm; als er von seinen Landsleuten, seiner Weisheit und Tugend wegen, so allgemein bewundert, seiner wohlthätigen Handlungen wegen so allgemein gepriesen und geliebt ward! Aber welche Standhaftigkeit, welche Stärke der Seele, welche Gottergebenheit zeigte sie nicht damals, als sie unter dem Kreuze stand, und diesen zärtlich geliebten Sohn von undankbaren und wankelmüthigen Menschen daran geheftet, seinen Geist aufgeben fah; als sie und ein liebender Jünger beynahe die Einzigen waren, die die Unschuld und Größe dieses gekreuzigten Menschen: freundes zu fühlen vermochten, und durch ihre Gegenwart seine letzten Augenblicke versüßten, und feine letzten Segnungen empfiengen! * Gott! laß diese schönen Tugenden der Mutter Jesu, laß ihre Demuth und ihr Vertrauen auf dich, ihre Sanftmuth und Menschenliebe, ihre Ergebenheit in deine weißesten Anordnungen 361 und die Reinigkeit ihrer Sitten mir zum Vorbilde, und zur täglichen Aufmunterung dienen. Rein sey künftig mein Herz, und mein Gewissen; unsträflich mein Wandel; eingezogen, sittsam und bescheiden mein ganzes Betragen. empre Deinen Willen treu befolgen, im Stillen Gutes thun, die Obliegenheit meines Standes genau erfüllen, auch unbemerkt, und von Menfchen unbelohnt, oder unbelobt, meine Pflichten beobachten- dieß sey in Zukunft meine Ehre, und mein Bestreben, dieß sey auch die Frucht meiner Verehrung Mariá; so wird das Andenken an ih ren frommen Lebenswandel für mich gesegnet seyn; so werde ich mich deines heiligen Wohlgefallens, o Gott! und ihrer Fürbitte bey dir würdig mas dhyen, und dereinst an jener Glückseligkelt Theil nehmen, die du den Tugendhaften, nach dem Maß ihrer Tugend, austheilest. Amen. Auf die ( postel Feste. Der Gedächtnißtag eines Apostels, oder Jünger des Herrn, ist eine frohe Erinnerung an jenen glücklichen Zeitpunkt des aufkeimenden Christenthums, in welchem du, o Gott! dem Menschengeschlechte neue Quellen des Lichtes eröffnet, neuc F 362 bis dahin unbekannte, oder nicht genug be: herzigte Wahrheiten mitgetheilt, and uns den Weg zur sittlichen Vollkommenheit auf eine viel hellere Weise gezeigt, und weit dringender em pfohlen hast. HAVE In diesem, von deiner Vorsehung, o Gott! längst vorbereiteten, und allmählich entwickelten Zeitpunkte, fahen wir würdige Männer erscheinen, welche unter der Leitung und durch das Beyspiel ihres Meisters und Lehrers Jesu Christi gebildet, Muth und Eifer genug an Tag legten, dem alle gemeinen Weltverderbniße entgegen zu arbeiten, und die Finsternisse der Abgötterey und des drůz kendsten Aberglaubens durch Verbreitung einer bessern Religions: Sittenlehre zu zerstreuen. Welche Achtung und Liebe, weichen unbesieg baren Eifer bezeigten sie nicht für das von Jeſu ihnen anvertraute Kleinod einer göttlichen Religion! Voll deines Geistes, o Gott! achteten sie es für nichts, Länder zu durchwandern, Verfolgung zu leiden, vor Gericht gezogen zu werden, den Stürmen des Meeres ausgesetzt zu seyn, Habe und Gut zu verlassen, ihren Anverwandten auf ewig Lebewohl zu sagen, mit Hunger und Durst zu kämpfen, alle Augenblicke mit dem grausamsten Tode bedroht zu seyn, wenn sie nur dein Reich, o Gott! dadurch ausbreiten, wenn sie nur den unwissenden oder irrenden oder abergläubischen Menschen reinere Begriffe von dir, und ihrer 363 fittlichen Bestimmung beybringen, wenn sie nur die Sünder von ihren böfen Wegen zurückführen, und alle ihre Zeitgenossen auf ihre sittliche Würde aufmerksam, und mit der höheren und reinern Sittenlehre Jesu, als dem einzigen Mittel ihrer Vervollkommnung, bekannt machen konnten. Was fo viele Menschen mit rastloser Thätigkeit unters nehmen, um Reichthum, Macht und Ehre zu ers werben: das thaten sie mit weit edlerem Mathe für Wahrheit und Tugend; das thaten sie, mit bez wunderungswürdiger Aufopferung aller Bequemlichkeiten des Lebens, zur Aufklärung und sittlichen Bildung des Menschengeschlechtes. Oheiligstes Wesen, welches ich, durch diese Männer belehrt, jetzt nach den reinen Begriffen des Christenthums, das ist, im Geifte und in der Wahrheit, anbete! hätte ich auch nur einen Theil ihrer Unerschrockenheit, wenn Menschens ansehen mich abhalten will, irgend eine Pflicht zu erfüllen; nur einen Theil ihrer Selbstverläugnung, wenn die Stimme der Eigenliebe mit der Stimme der Vernunft und des Gewissens im Widerspruche steht; nur einen Theil ihrer Uneigennüßigkeit, wenn ich aus Achtung für das Sittengeset, aus Treue gegen meine Pflicht zeitliche Vortheile vers achten, und von mir abweisen soll; nur einen Theil ihres reinsten Eifers, wenn es darauf ankömmt, die Wahrheit der Religion zu bezeugen, und durch Handlungen zu empfehlen; nur einen 364 Theil ihrer Standhaftigkeit, wenn Beschwernisse und gefährliche Versuchungen mich) umringen, und die wirksamen Antriebe der Religion in mir schwå: chen, oder gar vernichten wollen!- Es ist zwar wahr, und die Lebensgeschichte Jesu bezeugt es öfters, daß sie, besonders in den ersten Jahren ihres vertrauten Umganges mit ih rem göttlichen Lehrmeister, noch sehr unvollkoma mene Schüler waren. Wie oft mußte nicht Jesus ihre im Sudenthum eingesogenen Vorurtheile und Irrthümer bekämpfen! wie oft ihre Begriffe be richtigen, die sie zwar von ihm gehört, aber unrichtig aufgefaßt hatten!( Matth. 16, 5 12.) wie oft erklärte er sie zur Zeit noch für unfähig, gewisse Wahrheiten vollkommen zu begreifen, und in ihrem ganzen wohlthätigen Umfange zu durchfchauen;( Joh. 16, 12. 13.) wie oft mußte er ihrer Kleingläubigkeit, und ihrem durch das Ju denthum verengten Herzen Verweise geben?( Matth. 8, 24 26. R. 14, 25- 31.) wie oft iha ren mehr leidenschaftlichen als aufgeklärten Eifer in die Schranken der Vernunft und der Menschenlies be zurückdrängen!( Luk. 9, 54- 56.) wie sorg fältig suchte er bey der Annäherung seines trauris gen und martervollen Todes ihre schwachen Herzen aufzurichten, ihre Kleinmüthigkeit anzufeuern, und dem Aergernisse, welches sie an ihm nehmen wür den, zuvorzukommen!( Joh. 16.) wie wehmuthsvoll verkündigte er ihnen, was er in ihren wana 13 365 kenden Gemüthern voraussah, ihre Flucht bey seis ner Gefangennehmung, und die Berläugnung, die er selbst von demjenigen Jünger ertragen mußte, der mit ihm bis in den Tod zu gehen versprach! ( Matth. 26.) Aber o mein Gott! wenn sie auch Ursache genug hatten, vor dir, dem Herzensprüfer, tåglich ihre Schwachheiten und Unvollkommenheiten zu bekennen, so zeigten sie doch in der Folge Eifer und Thätigkeit genug, um in der Erkenntniß der Wahrheit, und in Ausübung der Tugend unter der Anführung ihres großen Meisters immer weitere Fortschritte zu machen, und, durch sein Beyspiel gestärkt, würdige Schüler dieses Weisen, und würdige Werkzeuge zur Ausbreitung seiner göttlichen Religion zu werden. Sie lehren mich dadurch auf eine unwidersprechliche Art, daß auch ich, bey allen Unvollkommenheiten meines Geistes und Herz zens, dennoch) in allem Guten wachsen, an fruchyt: baren Kenntnissen, und wahren Tugenden zunehmen werde, wenn ich nur, wie sie, einen guten Willen, ein lernbegieriges Herz besiße; wenn ich nur, wie sie, die Stimme der Religion, die sie uns verkündigt haben, immer gewissenhaft verehre und anhöre; wenn ich mich nur bestrebe, durch ernstliche Beherzigung ihrer Lehren, in den Geist Jefu immer tiefer einzudringen; wenn ich nur, wie sie, auf mich selbst aufmerksam bin; wie sie, gegen die Reizungen der Sinnlichkeit kämpfe; Gott FE B 366 und meine Pflicht über alles schätze, und wie sie, mit unverrücktem Auge auf Heiligkeit, als das Ziel meines Lebens, hinsehe, und mich täglich in dem Muthe und Entschlusse befestige, nach nichts geringerem, als nach diesem erhabenen Ziele mit allen Kräften zu streben. zmow conra In dieser Absicht, o Gott! will ich öfters den herrlichen Unterricht benutzen, den Jesus Christus seinen Jüngern gab, den sie wieder ihren Schülern gaben, und der auch zu meiner Erbauung in ihren hinterlassenen Schriften aufbewahret ist. Mit wißbegierigem Herzen will ich die Evangelien und Briefe der Apostel lesen, und mit strenger Unpartheylichkeit will ich mich dann selbst prüfen, ob ich den christlichen Glauben, den sie geprediget haben, durch meine Handlungen ehre oder schånde? O Gott! gieb mir ein gelehriges, wahrheitliebendes Herz, daß ich erkenne, was gut ist, daß ich liebe, was gut ist, daß ich überall und immer thue, was recht ist, was ich als fittlich gut erken= ne und liebe. Vorzüglich aber will ich mich be eifern, nach dem Beyspiele der heiligen Apostel und Jünger, Wahrheit und Tugend unter den Menschen zu verbreiten, Irrthümer und Aber: glauben, so viel in meinen Kräften steht, zu une tergraben, dein Reich, o Gott! das ist, eine all mählige Vereinigung des Menschengeschlechtes. unter fittlichen Geseßen, zu befördern, und die Menschen zu einem Volke Gottes zu bilden, dessen 367 großes, erhabenes Geschäft darinn besteht, Früch te der Tugend zu tragen, und sich mit unermüde: tem Fleiße in guten Werken, in gottgefälligen Handlungen zu üben. So werde ich in meinem Stande und Berufe, für mich selbst, und für meine Mitbrüder ein Apostel werden, und mich jener Glückseligkeit würdig und empfänglich machen, die du, o Gott! für alle Menschen be stimmt hast, die das wahre, das sittlich Gute die Tugend, mit redlichem Herzen umfaffen, und in der Liebe und Ausübung derselben bis ans Ende verharren. propor — - Auf Aller Heiligen, auch auf die Feste einzelner Heiligen. Gott! du haft dem Menschen seine sittlichent Pflichten nahe ans Herz gelegt; seine Vernunft zeigt ihm den hohen Beruf, nach Heiligkeit und Vollkommenheit zu trachten. In dem Bewußts feyn seiner Freyheit und seiner Unabhängigkeit von allen äusserlichen Reizungen erkennt er die strenge Nothwendigkeit, seine Neigungen zu beherrschen, seiner Pflicht alle Antriebe der Sinnlichkeit aufzuz opfern, sich nach allen seinen Kräften in der Tu gend zu üben, und sein ganzes Leben hindurch dem Urbilde der Heiligkeit nachzujagen, welches ihm in 368 seiner Vernunft gegenwärtig, und durch die Religion als wirklich dargestellt wird. So weit die Nachrichten des Menschenges schlechtes reichen, finden wir auch unter allen Nationen des Erdbodens vortrefliche Menschen, die die Bewunderung selbst der spätesten Nachwelt auf sich zogen; die dem in ihnen wohnenden Gesetze der Heiligkeit durch beyfallswürdige Handlungen Zeugniß gaben; die ihrem Zeitalter und ihren Landesgenossen schöne Muster der Sittlichkeit auf steliten, deren schöne, im Licht der Menschenliebe glänzende, durch das Gefühl der Pflicht beseelte Thaten auch unsere ganze Verehrung verdienen. Wenn wir unter was immer für einem Himmelsstriche, in welchem gebildeten oder ungebilde: ten Volke, sittlich gute, und durch ihren großen Tugendsinn ausgezeichnete Menschen wahrnehmen, so dürfen so müssen wir sie achten; so müs fen wir uns an ihrem Daseyn freuen, und alt ihrem Beyspiele erwärmen. Auch dir, o Gott! gefallen aus allerley Volke, die da tugendhaft leben; ben dir ist kein Ansehen der Personen; wahre Tugend ist, was dir wohl. gefällt, was dir allein gefallen kann, und was dir aus allen ohne Rücksicht auf äusserliche Verhält nisse gefällt.( Apostelg. 10, 34. 35.) Dieſe tugendhaften, diese edeln, nachahmungswürdigen Seelen wir nennen sie Heilige- sind dieses erhabenen Namens auch würdig, denn sie strebten, jeder 1 1433 369 jeder nach dem Maße des empfangenen Lichtes, jeder nach dem mehr oder weniger entwickelten Gefühle der Pflicht, sie strebten alle, heilig zu seyn, wie du, o Vater im Himmel! Heie lig bist.( 1. Petr. 1, 16.) sch Als du, o Gott, durch deinen Sohn, un fern Herrn und Heiland ein neues Maß des Lichtes und der Kenntnisse über die Welt ver breitetest; als sich so viele für die Tugend ge fühlvolle, nach höherem Lichte schmachtende Men schen, zurückgescheucht von den Lastern, Irrthumern und Verderbnissen ihres Zeitalters, an die Religion Jesu anschmiegten, welche allein mit ihren bessern Empfindungen, und mit ihrem Durste nach Wahrheit übereinstimmte, so nannte man alle Anhänger dieser himmlischen Lehre Heilige!( Rom. I, 7.) Aber ach! wie bald bemerkte man auch, daß nicht der Besitz beses rer Religionseinsichten, sondern die Treue und der Eifer in Ausübung der erkannten sittlis chen Pflichten zu dem vielbefassenden Namen eines Heiligen berechtige.( Matth. 7, 21. Jaf. Iy22.) Die Religion kann heilig seyn und die herrlichsten Vorschriften der Heiligkeit ent halten, aber die Bekenner derselben können ausgeartete, verderbte, unsittliche, in deinen Aygen, o Gott! verwerfliche Geschöpfe seyn. ſeyn. Man ward gezwungen, unter Christen und Christen, nach den Stufen ihrer Sittlichkeit, einen beya 24 370 mature nahe größern Unterschied, als unter Christen und Heiden zu machen, und nur denen dieſe ehrwürdige Benennung zu lassen, die sich durch eine vorzügliche Tugend, durch einen höhern Grad sittlicher Güte, ausgezeichnet haben. * Aber, o mein Gott, du hast so viele Keime des Guten in den Menschen gelegt, eine so tiefe, unvertilgbare Achtung für das Sittengesetz in sein Herz gepflanzt, daß es in dem Menschengeschlechte nie ganz an Früchten der Heiligkeit fehlen kann. Die Geschichte liefert uns die herrlichsten Thaten, von schwachen Menschen vollbracht, als Beweise von dem würdigen Gebrauche ihrer Freyheit, als Ausflüsse ihres guten und unverdorbenen Willens, als Beyspiele, die uns die Kraft und die mächtigen Anregungen der Pflicht kund machen. Sie, diese Geschichte, zeigt uns große Menschen, welche über alle unsittlichen Begierden erhaben, durch heldenmüthige Verläugnung sinnticher Luste, niedriger Vortheile, einer eiteln Ehre, ansteckender bösen Sitten, nach dem einzigen großen Ziele ihrer sittlichen Vervollkommnung strebten; in allen Verhältnissen des Lebens in den verwickeltsten Lagen, bey den gefährlichsten Berführungen, denen sie ausgesetzt waren, muthvoll an dem Sittengesetz hiengen, durch die Liebe desselben begeistert, die größten Lavdi nstur med p ( 00 3500 40 371 und manchfaltigsten Beyfpiele der Tugend für uns zurückließen. Wir dürfen sie verehren, diese Helden der Tugend, diese erhabenen Freunde alles Guten. Was ist unter Menschen wohl verehrungswürdiger als die Tugend? es liegt in der mensch= lichen Natur, alles was edel und tugendhaft ist, zu bewundern, hochzuschätzen und nachzuahmen. Wer kennt nicht die Kraft der Beye spiele? Wenn uns die Lehren der Weisheit rühren, so werden wir durch die Beyfpiele der Tugend hingerissen. O! man muß selbst kein gutes Herz haben, man muß den hohen Werth und die reizende Schönheit der Tugend gar nicht kennen, wenn man sich weigern kann, ihr den Zoll der Hochachtung zu entrichten. Die Verehrung der Heiligen ist dem Christenthume eben so angemessen, als der Vers kunft; denn sie ist im Grunde nichts anders, als Verehrung Gottes in seinen Heiligen Verehrung Jefu in seinen frommen Jüngern. Wir betrachten die Heiligen, deren Andenken uns ehrwürdig ist, als Reben am großen Weinstocke Jesus;( Joh. 15.) ihre Tugenden als Ausflüsse aus der Quelle alles Guten, das von oben herabströmt, von dir, du Vater des Lich tes, der Wahrheit und Heiligkeit.( Sat. 1, 17.) Wir ehren an den Heiligen nur das, was Ehre verdient ihre Heiligkeit; und verehren die 372 Heiligen besonders dadurch und darum, daß wir, begeistert von ihren liebenswürdigen Beyspielen, den schönen Entschluß fassen, in ihre Fußstapfen einzutreten, ihre edelmüthigen Ge sinnungen und tugendhaften Handlungen nach zuahmen, und so dich, o Gott! dem allein die höchste Ehre gebührt, in deinen Werken und durch die Ausübung des gemeinnützigen Guten zu verherrlichen. Ja, wir dürfen sie, diese Heiligen, in from men Andenken erhalten; aber wir sollen dabey nicht vergessen, daß sie dennoch, was alle Men schen sind, unvollkommene Menschen, warene daß ihre Gesinnungen und Handlungen nicht. alle von gleichem, sittlichem Werthe waren; daß sie, als mit den Schwachheiten unserer Nas tur behaftete Menschen, auch ein Gefeß in den Gliedern ihres Leibes fühlten, welches dem Gesebe des Geistes widersprach;( Rom. 7, 23.) daß, indem sie nach reiner Heiligkeit rangen, fie nur eine menschliche, obgleich eine hohe, be wunderungswürdige Tugend etrangen, eine Tu gend, welche den Kampf bezeichnet, den die Vernunft mit der Sinnlichkeit unaufhörlich zu kämpfen hatte.( Ndm. 7, 1522.): Wir sollens nicht vergessen, daß du, o Gott! allein ganze gut, ganz vollkommen, ganz, heilig alleim die höchste, unendliche Heiligkeit, bists 61. Konse 2, 2. Mart. 1o, 18.) daß dir allein von allene 373 vernünftigen Geschöpfen Anbetung, Preis, und ewiger Ruhm gebührt; daß wir gegen die Vorschriften unserer Religion handeln, wenn wir selbst die edelsten, die vortrefflichsten Menschen an deine Seite setzen, and die Ehre, die dir, als dem Schöpfer, als dem Erhalter des Weltalls, als dem Innbegriff aller sittlichen Vollkommenheit zukommt,( 1. Tim. 1, 17.) an unvollkommene Geschöpfe verschwenden. 5010 Wir dürfen auch zu ihnen rufen, wenn uns der Drang des Leidens überwältigt, und wir dann urs näher an gefühlvolle Seelen anzuschließen genöthiget sind. Wir dürfen alle unsere lebenden Brüder zur Vereinigung ihres Gebetes mit den unsrigen auffordern. Aber wir dürfen nicht vergesen, daß sie nicht Gott, nicht Helfer, nicht Netter aus unsern Ndthen find; daß sie, wie wir, von deiner Allmacht und Weisheit, o Gott! abhängig, deinem heiligsten Willen unterthan; alle unsere Schicksale deiner ewigen Vorsehung anheimstellen müssen. Bist du denn nicht der liebreichste Vater aller deiner Geschöpfe? und hat uns nicht Jesus Christus deine ewige Vorsorge für uns unter diesem schönen und einladenden Namen eines Vaters verkündigt?( Matth. 6, 25-34Joh. 16, 26. 27.) Können wir uns irgendwo hinwenden, wo eine größere Weisheit und Güte zu finden wäre, als bey dir? und die 374 Heiligen selbst bey ihrer nunmehrigen höhern Erleuchtung, bey ihrer vollkommnern Erkenntniß, müssen sie nicht mit noch mehr Uebers zeugung, als wir selbst, ausrufen und singen: Wer ist, wie unser Gott? Er, der hoch droben wohnt, und doch hinab schaut auf die Himmel und den Erdboden! Er, der auf richtet aus dem Staube den Elenden, aus dem Kothe erhöhet den Armen!( Ps. 112.) Unermeßlich ist seine Kenntniß; Er giebt dem Müden Stärke, und den Kraftlosen führet er mit Macht.( Jef. 40.) Jede heilsame Gabe, und jedes ächte Geschenk kommt von ihm herab, dem Vater des Lichtes, ben wels chem kein Wechsel ist, auch kein Schatten von Veränderung.( Sat. 1, 17.) Das Andenken an heilige und tugendhafte Menschen sey uns also vorzüglich darum wichtig, weil wir aus der Betrachtung ihrer Tugenden lernen, was der Mensch Gutes thun kann, wenn er mit Ernst und Nachdruck will, und deiner Gnade, o Gott! durch männliche Mitwirkung entspricht. Sie zeigen uns die Kraft und den Sieg unserer Freyheit über alle Anreizungen der Sinnlichkeit. Wir sind frey,( welch ein erhabe: ner Gedanke!) und können die Fesseln böser Gewohnheiten zerreißen, wenn wir wollen. Wir find frey!( welch ein ermunternder Gedanke!) und können den beschwerlichen Weg der Pflicht Per MMY 375 wandern, fo bald es unser ernsthafter Wille ift! Keine Versuchungen, teine sinnliche Lust, nichts kann uns Gewalt anthun, nichts kann uns zwingen, böse zu seyn! Es wohnt eine Gabe Got tes in uns, unsere Freyheit, welche jedem Reize zur Sünde troßen kann; und wenn sie sich hina reissen läßt zum Bösen, durch eigenen Entschluß, und nicht durch nånßere Mächte, dazu ver leitet wird.( Sat. 1 14.) Das, o Gott! lernen wir aus dem Beyspiele der Heiligen, die, durch deine:: Gnade und die Wahrheiten der Religion unterstüßt, Meister ihrer Sinnlichkeit würden, und mit unerschütterlicher Treue den Beg ihrer Pflichten und deiner Gebote giengen, ohne durch so mancherlen Versuchungen des Geis zes, der Hoffart, der Wollust, und böser Ges legenheiten, überwältigt, vom Pfade der Tugend und dis sittlichen Guten abzuweichen. Sie zei gen uns auch, daß man in jedem Stande jeder Lared des Lebens tugendhaft seyn, und tugendhaft bleiben könne. Finden wir nicht überall, unter rohen wie unter gebildeten Nationen, auf dem Throne, wie in der ländlichen Hütte, im weltlichen wie im geistlichen Stande; vortreffliche Menschen, die der erkannten Pflicht in ihrer Lage nit bewunderungswürdiger Treue nachleben, unsere Schwachheit durch ihre: Stärke, unsere Wankelmützigkeit durch ihre ausdauernde Kraft, unsere stlavische Neigung zur Sünde in 376 durch ihre edle Freyheit in der Wahl des Guten beschamen? sidZwar nicht alles, was wir in den Lebensa beschreibungen der Heiligen lefen, ist für uns anwendbar. Wir wollen uns nicht an die Wunder halten, welche oft mehr zum Schmucke, als zur Wahrheit der Geschichte gehören. Wir waren auch keine wahrhaften Schüler deines Sohnes Jesu Christi, wenn wir noch zu sehr nach Wundern und Zeichen begierig wären. Diese Wundersucht hat er ja an den Juden ges tadelt!( Matth. 12, 39.- 16, 4.) um wie viel mehr würde er sie als Schwachheit an sei: nen Schülern verwerfen. Wir wollen uns nicht an die ausserordentlichen Werke halten, die von den Heiligen erzählt werden. Nicht alles, was auch gute Menschen thun, ist gut, und mit deinem heiligen Gesetze, o Gott überanstima mend. Nicht alles, was Menschen erzählen, ist wahr; nicht alles, was die Bobroner der Heiligen von ihren Thaten rühmen, verdient Ruhm und Beyfall. Das Evangelium, die Sittenlehre Jesu, und unsere Vernunft sollen uns in Beurtheilung ihrer Handlungen lei ten. Wo sie eine Pflicht erfillten, wo sie deine uns bekannten fittlichen Gesetze beobach. teten, wo sie thaten, was recht und gut ift, und allgemeine Achtung verdient, da wollen wir ihnen nachahnien nicht ihrer wegen, sondern V 3770 um der Pflicht willen, die wir mit ihnen ge mein haben. Da wollen wir mit ihnen gleichsam wetteifern, und zeigen, daß wir auch die Freyheit deiner Kinder, o Gott! haben; ( 2 Kor. 3, 17.) und daß wir, durch deine Gnade, und die Empfindungen der Religion gestärkt, alles Gute, wie sie, können, und alles Gute wollen. Sollen Ro gieb mir denn, o Gott! deinen reichlichen Segen, daß ich diese jetzt beherzigten Wahrheiten nie mehr vergesse, daß ich den jetzt gefaßten guten Entschließungen immer getren nachkomme! laß mich in den Tugenden der Heiligen immer neue Antriebe zur Ausübung meis ner eigenen Pflichten finden, damit ich von eben so warmer Liebe zu allem Guten, wie sie, getrieben, unaufhörlich zum Ziele meines Lebens, zu immer größerem Wachsthume in Tugend und 5 Heiligkeit,( Offenb. Joh. 22, 11.) strebe, und mit ihnen dereinst auch an den Belohnungen Theil nehme, welche denen versprochen sind, die in der Ausübung ihrer sittlichen Pflichten bis an's Ende verharren.( Matth. 10, 22. Kap. 24, 13. Sat. I, 12.) Amen. samspil dinspo #C maj( 470 m2 250 40 378 50 50 3M biste sentid sllaren dun si DA wspiegarmis VII. ponied 1500 an 90 dond pise Gebete... 200 din am Gedächtnißtage aller verstorbenen Gläubigen. 2920 29990 mobi n Es ist Glaube der katholischen Kirche, daß dies jenigen Menschen, welche zwar im Herrn ents schlafen sind, aber bey ihrem Absterben sich noch nicht von allen( sittlichen) Flecken und Un vollkommenheiten losgemacht hatten, an der Vollendung ihrer Seligkeit dadurch gehindert, und von Gott in einen Zustand in eine Lage versekt worden, in welcher sie sich zuvor von den ihnen noch anklebenden Mängeln reinigen, und so der ewigen Glückseligkeit empfänglich machen müssen. Diese Lage nennt man das Fegefeuer,( rich: tiger aber den Reinigungsstand) und die Art ihrer Reinigung wird als eine våterliche Strafe Gottes betrachtet. Der Kirchenrath von Trient hat hierüber ( in der 26sten Sik.) folgende Glaubenssäke 379 vorgetragen: 1) daß es ein Fegefeuer: gebe, d. i. einen solchen Zustand der Abgeschiedenen, wie wir ihn so eben beschrieben haben; 2) daß es für die in diesem Zustande Befindlichen ersprießlich sen, wenn die lebenden Gläubigen sie in ihrem Gebete, und besonders durch das heilige Mesopfer Gott empfehlen. Springs CFA- RO 13A Der besagte Kirchenrath legt es allen Bischöffen an's Herz, daß sie ja von diesem Ge genstande eine reine, und von allen Privatmetmeinungen gesäuberte Lehre, sowohl in Predigten als in christlichen Unterweisungen vortragen lass sen sollen; daß man dem gemeinen Volke nichts spißfindiges und schwer verständliches, welches zur Erbauung nichts taugt, hierüber beybringen müsſe, und daß man besonders sich hüten soll, un gewisle, unerweisliche unerweisliche, oder wohl gar falsche Meinungen über das Fegefeuer auszustreuen, oder Geschichten und Fragen in Umlauf in bringen, die nur den Fürwik reizen, den Aberglauben nähren, das Volk unnöthiger Weise um's Geld bringen, und solcher Gestalt dem Unglånbigen Gelegenheit zum Spott, dem Gläubigen aber den traurigsten Anlaß zum Aergerniß geben. In dieser Absicht wollen wir denn auch das Gewisse vom Ungewissen absondern, und nachdem wir bemerkt haben, was der Glaube von uns fordere, nunmehr anzeigen, was nicht 380 pup zum katholischen Glauben gehöre, was man käugnen und verwerfen könne, ohne der Lehre des Kirchenraths zunähe zu treten. nd Es ist also erstens gar nichts Bestimmtes entschieden über den Aufenthaltsort, über die Art und Dauer der Reinigung, durch welche die abgeschiedenen Seelen hindurchgeführt, dem Ziele ihrer Bestimmung, der Heiligkeit in Hars monie mit Glückseligkeit, sich nähern. Vielweniger ist es Glaubenssache, daß sie in einem traurigen, unterirdischen Kerker, durch materielles Feuer, oder körperliche Peinen gereiniget werden; und alle die sinnlichen Schilderungen, alle die unglaublichen Geschichten und Erscheinungen, wel che in manchen Erbauungsbüchern mit so vieler Zuverläßigkeit vorgetragen werden, sind wenig wehr, ats bloße Erdichtungen, die, nach dem Ausdrucke des Kirchenraths von Trient, nur den Fürwiß unterhalten, abergläubische Vorstellungen erzeugen, und am Ende unfern ge= heiligten Glauben dem Gespötte und der Verachtung preis geben. Es ist zwentens gar nicht entschieden, daß die Gebete der Lebenden den Berstorbenen une fehlbar helfen, oder daß sie dieser oder jenér befondern Seele besonders zu gut kommen. Alles hängt von der weisesten Güte Gottes ab, welcher, ob er gleich unsere zärtlich bittende 381 compa Bruderliebe selbst gegen hingefchiedene Freunde und Christen genehmigt, dennoch in den Wegen, durch welche er unsere frommen aber unvollkommenen Brüder nach dem Tode zu ihrer Vollendung führt, nicht immer auf unsere Bitten, sondern auf die viel vollkommnern Gesetze seis ner, Weisheit Rücksicht nimmt. Noch viel weniger ist es entschiedene Glaubenslehre, daß wir durch unsere Gebete, guten Werke oder sogenannten Bußübungen für die abgeschiedenen Seelen eine vor Gott giltige Genugthuung leisten können. Hievon lehrt die Kirche nichts; und was in den Schulen aus muthmaßlichen Gründen disputirt wird, kann nicht zur Richt: schnur unseres Glaubens oder unserer Gebete im Geiste und in der Wahrheit dienen. Es ist drittens nicht entschieden, daß selbst die für die Verstorbenen( es sey auf einem privilegirten oder nicht privilegirten Altare) geles fene heilige Messe ihnen unfehlbar, oder einzelnen Seelen insbesondere, und unfehlbar zu gewendet werde, oder daß sie eine andere Wirkung habe, als die Wirkung eines Gebetes, wobey alles der Weisheit und Güte Gottes ar Heim gestellt bleibt. Endlich ist es auch keine Glaubenslehre, daß AN 040 die in der Kirche üblichen Abläße im eigentlichen Sinne auf die Verstorbenen ausgedehnt werden können. 382 Es bleiben demnach nur folgende selbst der Vernunft*) einleuchtende Lehren übrig: dis ( 1) Daß die Seele unserer hingeschiedenen Brüder und Schwestern, welche zwar unter uns einen rechtschaffenen Lebenswandel führten, aber noch mit manchen Unvollkommenheiten und Mängeln behaftet dies Leben verließen, in einen Zustand der Reinigung und sittlichen Läuterung versetzt werden, wo sie, wie wir in diesem irdischen Leben, durch mancherley ihnen beschwer liche Schicksale von den Schlacken menschlicher Schwachheiten gereinigt, ihrer Vollendung entgegengeführt werden; 2) Daß, wie wir für unsere lebenden Mit menschen zu Gott bitten, und an ihren anges nehmen und unangenehmen Schicksalen herzli chen Antheil nehmen,( Sakob. 5, 16.) wir un fere Liebe auch auf jene Seelen ausdehnen,**) auch sie durch Gebete und Religionsübungen der Vaterliebe Gottes empfehlen dürfen, da sie mit uns durch die Bande der Menschheit und des Glaubens ehemals vereinigt waren; dg *) S. Schwarz Syandbuch der christl. Religion, 3r Bd. S. 221. 250. C. **) ch überlasse, schrieb Pope an den Bischof, 4.Ärbutnoth, meine verstorbene Mutter der Sørge einer Religion, die ihre Liebe noch jenseits des Grabes ausdehnt." 383 3) Daß diese unsere Gebete, als Ausgüffe unserer Bruderliebe, als Beweife unseres zärts lichen Andenkens an die Bürger jener Welt, in die auch wir nach dem Tode eingehen, Gott nicht mißfallen werden; daß wir es aber gez trost dem allweisesten und allgütigsten Bater des Weltalls überlassen sollen, ob, und in wie ferne er bey der fernern Leitung unserer vers storbenen Freunde und Brüder Rücksicht auf unsere gutgemeinten Gebete und Religionsübungen nehmen wolle; daß wir unsern geistlis chen Werken und Andachten für die Verstore benen teine unfehivare, und den Weltrichter gleichsam nöthigende Kraft beylegen dürfen; und daß wir uns über den Zustand dieser Ab: geschiedenen in keine nähere Untersuchung eina lassen sollen, da uns dabey die Fackelndes Glaubens nicht vorleuchtet, wir also Gefahr laufen, irrige und abergläubische Meinungen hierüber auszuspinnen, und in falsche Andachten zu verfallen, die uns zu unnöthigem Geldaufe wande verleiten, und unsere sonst so reine, heilige und ehrwürdige Religion lächerlich und verächtlich machen.( Vergl. D. Brevir, 4. B. 20 20 43 10. 88 C. SGUST 54000 540 slodhe 384 G e bete. sape2 mangizéelln KO 3279 Sterblichkeit.d. 39 6 5678 n mein Gott! welch eine feyerliche und rüh rende Traurigkeit ist über das Haus verbreitet, in welches ich jetzt eingetreten bin, dich anzubeten, und mich zu erbauen. Diese schwarze Hülle, mit welcher die Alltåre des Tempels umwunden sind, diese düster brennenden Lampen und Kerzen, dieser tiefe und gebrochene Gesang der Priester, die Bilder der Verwesung, welche heute den Schmuck des Bethauses ausmachen, beweisen min alle, daß wir den Gedächtnißtag, der menschlichen Sterbs lichkeit feyern.. 31/390 Somor dan Ach!, es ist eine wehmuthsvolle, aber doch auch süße Erinnerung sie sind vor uns hins über gegangen in das Land des Friedens, un sere Freunde, Weiber, Kinder, Mitbürger, mit welchen wir so manches Leid, so manche Freude getheilt haben. Wir werden, wir müssen ihnen folgen, frühe oder spåt! Es ist ein Geses für alle 1 385 arman alle Menschen, daß fie sterben.( Swach 44, 12.) Der Mensch maß hinüberwallen in das Haus der Ewigkeit, von welchem niemand zurücke kommt! Die Gebeine und Schädel, die auf dem Gottesacker aufgethürmt sind rufen den Borübergehenden zu denke o Mensch! daß di von Staube bist und wieder zu Staube wers den souft.( Prediger 127 69sion( bun dis Ja, so mein Gott! ich soll es hier vergess fen, öfters beherzigen, und besonders am heutigen Tage tief in mein Gedächtniß einprägen, daß ich ein schwaches Geschöpf, und dem Ges fete der Verwesung unterworfen bin. All mein Streben und Weben, alle meine Entwürfe und Anstalten, alle meine gehäuften Schäße, meine Klagen und Lustgesänge, meine Sorgen und Errungenschaften sind mit dem Stempel des Hinfälligkeit bezeichnet, und werden sich vielleicht früher, als ich glaube, in dem Abgründe des Todes verlieren mit mir vergehen und verschwinden, wie das Rauschen des Pfeiles in der Luft, wie der schnelle Flug des Schiffes aufim Meere, von welchem bald keine Spur in den Fluthen mehr übrig ist!( B. d. Weish.5.). - Die vor tuns gewesen sind, haben ihren Nacken vor dem schweren Joches des zerstören? den Todes beugen müssen; nichts ist von ihnen übrig, als ein kleiner Rest von Staub und Mos der, in welchen jetzt Würmer und Motten ume 25 386 herwühlen die mit uns waren, in einem Hause mit uns wohnten an einem Tische mit uns aßen ach wie viele von diesen hat der unerbittliche Tod von unserer Seite geviffen! die brünfiigen Gebete, die wir jetzt für sie zu dir o Gott! fchicken, ach diese selbst führen den schauervol len Gedanken mit sich: sie sind nicht mehr und auch wir werden bald nicht mehr seyn: nicht mehr an der schönen Sonne uns fregen, nicht mehr die strohenden Früchte der Erde genießen, nicht mehr an den geselligen Freuden unserer Mitbürger Theilnehmen. Sie verschwanden vor unsern Augens wir fassen sie nur noch mit unserem zärtlichen Andenken, die wir nicht mehr haben; auch wir werden vor den Augen der Lebenden verschwinden, und die Seufzer, die sie uns nachschicken, werden auch ihnen ohne Unterlaß wiederholen, daß wir nicht mehr sind; daß fie selbst bald nicht mehr seyn werden! So fürchterlich aber diese Todesgedanken scheinen mögen so schwer auch auf uns das Aus Ana denken an unsere Verweslichkeit liegt, so ist es doch vortheilhafter, eine traurige Wahrheit df ters zu beherzigen als uns durch falsche Hoff nungen zu täuschen, und das kurze Ziel unseres Lebens durch erkünstelte Träume der Sorglosig teit vor unfern Augen zu verhüllen. bodo na In diesen Absicht, o mein Gott! komme ich auch heute in dieses Haus der Trauer; Ernst ww 387 Becomandamen und Stille begleiten mich, und indem ich mei ne Augen an die feyerlichen Darstellungen der menschlichen Hinfälligkeit hefte, indem ich mich an den rührenden Todesgängen der Diener des Altars weide; indem ich mit Bruderliebe und Brudertreue für glle Hingeschiedene aus meinem Hause aus meiner Gemeine, aus dem Kreife meiner Freunde und Verwandten- ja, aus der ganzen, großen Menschenfamilie, zu dir, o Gott! flehe, so werde ich an das Ende aller Menschen erinnert, und ich, der Lebende, von dessen Seite bereits mancher Bekannte, mancher Freund und Tischgenosse durch den Schlag des Todes getroffen, hinweggefallen ist, ich sehe in dem Andenken an sie, was auch mir bevorsteht, und wie auch ich nur später, aber nicht weniger gewiß, von der Seite meiner Lieben hinwegsinken werde! Ich lerne dann, daß ich mich immer zur Rechenschaft bereit hale ten, daß ich täglich, auf den Abschied gefaßt, mein Haus bestellen, daß ich, von der Gewiße heit meines Todes überzeugt, die Kunst des Lebens desto vollkommener ausüben müsse.( Luk. 12, 39. 1.Theff. 5.) Ich schränke meine Hoff= nungen und Entwürfe ein; ich feßle den una bändigen Flug meiner Leidenschaft; ich widme meine Tage der mir vorgezeichneten Pflicht, welcher folgend ich nie vom Tode überrascht werden kann. Ich lebe dann als ein würdiger 388 Mensch als ein achter Christ, der die Liebe seiner Freunde, den Segen seiner Zeitgenossen, die Ruhe meines Gewissens, das Bewußtseyn meines Ringens und Strebens nach allem sitt lichen Guten, und die Hoffnung eines erfreulichen Spruches aus dem Munde des Weltrichters mit mir ins Grab nehmen möge.( Matth. 25.is 42 tomisen p song and A concentras meg ** TI* Unsterblichkeit. day Comm galania bodo tud Zwar auch die Lafterhaftesten erinnern sich manchmal des Todes; aber sie schließen sogleich wieder ihre Augen vor ihm, und dieß flüchtige Andenken selbst muß ihnen neue Gründe zur Befriedigung ihrer thörichten Lüstebildarbieten, und die Verdorbenheit ihres Herzens gleichsam rechtfertigen, indem sie, o mein Gott! dein Daseyn, und den Adel ihrer unsterblichen Seele läugnen.( Pf. 13, 1.), Kurz, sprechen sie, ist unsere Lebenszeit! ein Augenblick, so sind ,, wir nicht mehr! bald ist unser Körper Staub, und was man Seele nennt, zerfließt in weiche ,, Luft. Kommt, lasset uns das Gute genießen, so lange wir's haschen können; laßt uns überall die Blüthe pflücken; köstlicher Wein era 389 freue unser Herz; wohldüftende Salben stärken ,, unsere Glieder; jeder Augenblick sey uns wichtig, sey wie eine Blume, die wir mit gierigen Händen ergreifen und brechen. Lasset uns ,, unsere Scheitel mit Nofen bekränzen, ch' sie ,, welten! Auf allen Triften wollen wir umherschwelgen, und genießen, was uns begegnet. Jeder full seinen Gelüsten freyen Lauf lassen; überall wollen wir Spuren unseres Wohl= wollens zurücklaffen. Das ist unser Theil, ,, weiter haben wir keine Hoffnung. Steht uns ein Armer, der sich mit Redlichkeit ernährt, eine Wittwe entgegen, so wollen wir sie uns terdrücken, um des Ihrigen habhaft zu werden; die grauen Haare des Greifen sollen uns nicht Ehrfurcht oder Mitleiden einflößen. Stårte sey unfer Recht! Der Schwache ist dazu ,, verdammt, ein Sklave zu seyn. Der Fromme ist ein einfältiger Thor; wir wollen ihn in der Schlinge seiner Einfalt und Tugend fangen, surd er foll es mit seinem Gute bezahlen, daß er unsere Wege tadelt, und unsere Lebensweise durch das Gegenspiel der feinigen bestraft. ,, Wohlan wir wollen Gutes genießen; alles gehört uns, was wir auf unsern Wegen finden; ein Thor, welcher sich durch Sittenlehren um Vergnügen und Wohllust bringt! denn morgen ist's aus mit uns! wir müssen sterben, und wie die Thiere vergehen."( B. d. W. 2.) >> ور - 390 Nicht so hält uns die Religion das heilsame Bild des Todes vor! nicht so erinnert uns der heutige Tag an das ewige Gefeß unserer Sterblichkeit! nicht so will ich in der Verweslichkeit meines Körpers die hohe Bestimmung des Menschen zu einem ewigen Leben, in welchem meine verstorbenen Mitbrüder sich bereits befinden, mißkennen. Ach! sie sind freylich nicht mehr! Wir weinen um sie, wir bitten für sie; aber es ist doch um sie, die Hinübergegangenen, und um uns, die noch Zurückgelassenen, ein ewiges Band geschlungen; wenn die Scheidewand der Zeit durchbrochen ist, werden wir ihnen nachrücken, um, wie sie, und mit ihnen, unserer Vollen: dung entgegen zu eilen: denn wir alle find Geis ster, zur Ewigkeit bestimmt! Das Andenken an fie, niederschlagend durch den Gedanken einer gleichen Sterblichkeit, ist auch herzerhebend durch die Hoffnungen eines ewigen Fortschreitens auf der Bahn unferer Bestimmung. Die Gebete, die heute zu dir, o Gott! unseren Herzen für diese Abgeschiedenen entfirömen, erinnern uns, daß wir zwar für Verstorbene, aber auch für Unsterbliche beten, und daß wir selbst unsterblich sind. Aus dem Dunkel der Leichentücher, die wir hier erblicken, strahlt uns dieser Gedanke entgegen; der ernste Ruf des Priesters: Herr! gieb ihnen die ewige Ruhe! ist mit diesem hohen begeisternden Sinne durchwebt! 391 Gott! du bist ein Geist, der vollkommenste, der ewige Geist!( I Tim. 1, 17.) Auch wir sind Geister, um deinen großen Thron Schöpfung die umher vertheilt; unsere Seele ist nicht von Staub gemacht, nicht gemacht, um in Staub und Verwesung überzugehen. Dieser sterbliche Körper wird allein die Beute des Todes! Aber er ist nicht der Mensch! Er ist nur die Wohnung des Menschen, nur das Gezelt des unsterblichen Geistes,( 2 Kor. 110.) welcher nach einigen hier überlebten Tagen der ersten Bildung zur höhern Bestimmung forteilt! so schildert uns Vernunft und Religion das Wesen des Menschen. Die Stunde des Todes, schauerlich durch die schmerzhafte Auflösung der irdischen Hülle, ist für uns zugleich die Stunde des lleberganges in neue, hellere Wohnungen des ewigen Lebens! Hier in diesem geweihten Gottesacker liegt nur der sterbliche Theil des Menschen; hier ruht nur Staub im Staube, nicht der Mensch, nicht der edlere, der unsterb: liche Geist! Wie überströmt mich, o mein Gott! dieser große Gedanke mit Muth und Eifer zu allem Guten! mein besserer Theil wird dereinst die Früchte der Tugend und des Kampfes gegen die Reizungen des Lasters in einen bessern Leben einårndten! Möge immer das Laster auf dieser Erde stolz einhergehen; möge immer der Tugendhafte hier verbannt und verachtet, von Gütern 392 des, Lebens entblößt, teine anderes Süße seiner Redlichkeit, als das dem Sünder for unbegreifliche, ihm so wenig bedeutende Gefühl der Pflicht haben; der Tod umwandelt die Gestalt der Dinge! Nur schrecklich für den, welcher feine Wünsche und Hoffnungen alle diesfeits des Grabes laffen muß, führt er, als ein ernster aber freundschaftlicher Jüngling, den Frommen ins beffere Vaterland, zeigt ihm neue Aussichten der Beseligung, die sich an sein ehmaliges Streben nach Tugend und Sittlichkeit anschließen, und weiset ihm den höhern Standpunkt an, auf welchem er weitere und schnellere Schritte zu seiner Vollendung machen soll. moins73.600 Wenn ich einst todt bin, wenn mein Gebein wie Staub Lange zerstreut ist, wenn du mein Auge, nun ¡ Ueber das Schicksal meines Lebens gangsdoll d moddasou Ausgeweint haft, und gebrochen zufällft.Dann wird ein Tag seyn, dann werde ich auferstehen Dann trennt kein Schicksal mehr die Seelen, dualDie du einander, Natur! bestimmtest. Dann wiegt die Wage des Gerichts in der Hand, Gott Glück und Tugend- einander gleich is Was in der Dinge Lauf mistlingt,) Tönt dann in ewigen Harmonieen. - 19.039 Wie mildert dieser erhabene und erquickende Gedanke nicht die Wehmuth, und den schmerzvollen Ernst, mit welchem wir heute das Andenken so vieler Lieben, die der Tod von uns getrennt hat, feyern! Ueberzeugt, daß in die REPREN 4393 fent Gråbern nur der zufällige und verwestiche Theit unserer Freunde und Mitbrüder ruht, ev: heben wir unsere Augen zum Himmel und fua chen, ihren Geist in jenen ewigen Gefilden wo die Gerechten, wie die Sterne, glänzen. Ges heilet von dem Schmerze der ersten Trennung von ihnen, sehen wir jetzt ihre Todesstunde als die Stunde ihrer Geburt zu einem neuen herrfichern Leben an; wir sehen, daß bey ihrem Hintritte nur wir Lebenden verlieren, fie dhingegen gewinnen; daß nur wir durch den Anblick ihres zerstörten Körpers erschreckt werden, sie hingegen von den Banden der Sinnlichkeit erlöst, siit einen viel frevern und größern Kreis des Lebens hinübertreten. sa tobbe be as binile aby bor, molla snow- densif da suomenis apa2 aid d ahoj vod Vergebt u nog m 135 005), 25 bu s nofo Hier fåeten fie dort werden sie årndten. ( Gal. 6, 8.) Hier streuten sie unter mancherley Kummer, unter taufend Thränen den. Samen aus; dort, werden sie mit Jauchzen einhergehen, und die segenvollen Garben, die Früchte ihres Fleißes vorzeigen.( Pf 1155 Was wir 8394 Gutes und Böses gethan haben, wird uns in die Ewigkeit begleiten unsere Werke folgen uns!( Offenb. 147 13.) Wohl uns und ihnen, wenn du, o mein Gott! mit Wohlgefallen auf diese Werke blickest, wenn du an denselben das Merkmal unserer Empfänglichkeit für deine wei tern Wohlthaten und Belohnungen wahrnimmst! Du bist der Vater aller Geschöpfe, du reichest des nen, welche dein Wink von dieser Welt abruft, und in höhere Gegenden verpflanzt, deine våterlichen Hände; aber du, der Allerheiligste, du bist auch der Richter derer, die zu dir kommen; ihre Werke müssen deinem prüfenden Auge sich darstellen, und du, vorf welchem der ewige Glanz der Gestirne nicht rein ist, wirst auch an allem, was von Menschen herkömmt, die Spuren threr Gebrechlichkeit und Invollkommenheit wahrs nehmen. Dieser Anblick wird die Wege bestimmen, auf welchen du sie in der Folge von ihren irdischen Flecken reinigest, und ihre Tugend vollendest. Denn wo ist selbst der Frömmste, der Recht schaffenste, welcher vor dir, der Quelle, dem teini Inbegriffe aller Heiligkeit, vollkommen rein und tadellos erfunden würde? wo der Heiligste, welcher von dem vollen Genusse der Glückseligkeit, die du, o Gott! in so strengem Ebenmaß mit dem fittlichen Werthe der Geschöpfe austheilest, nicht einigermaßen zurückgehalten würde?#gil ww www 395 IV. Fürbitte. Compe so empfehlen wir dann deiner ewigen Vatergüte diese Verstorbenen, deren Andenken uns so heilig ist, mit welchen wir ehmals in füßer Ge= sellschaft lebten, und mit welchen wir noch jetzt durch die Bande der Liebe und Achtung, und durch die Hoffnung einer gleichen Seligkeit nach unserem Hintritte vereinigt sind. Wir empfehs len die Geschöpfe dem Schöpfer, die Kinder ihrem Vater, die Schwachen und Unvollkom menen dem heiligsten Richter, die Frommen. Dem weisesten Belohner! Führe sie dahin, wo das Ziel ihrer Wünsche, und die Quelle der Se: ligkeit ist, welcher würdig zu werden sie sich rühmlichst, obgleich als schwache und gebrechliche Menschen, beslissen! Führe sie in dem Geschäfte ihrer Läuterung auf den Wegen deiner ewigen Weisheit und Güte, daß sie von Stufe zu Stufe ihrer sittlichen Vollendung sich nähern, und in eben dem Maße an ewigen Belohnungen Theil nehmen. Laß diese zur Heiligkeit und zum Glücke erschaffenen Geister immer weiter fortstreben zu ihrer hohen Bestimmung, immer deines ewigen Reiches empfänglicher werden. b), kg and so 396 Nicht als ob wir an deiner väterlichen Güte zweifelten, bitten wir für sie; nicht als ob wir den Lauf deiner Gerechtigkeit hemmen, oder dei ner Allwissenheit und Weisheit Maßregeln des Verhaltens vorzeichnen wollten, bitten wir für fie; aber eben die Liebe, welche du uns für le bende Mitmenschen zum ersten und vornehmsten Gefeße machtest, dringt uns auch, diejenigen deia ner Vatergüte zu empfehlen, die unsere Dankbarkeit und Freundschaft noch jenseits des Grabes nicht vergessen kann. Eben jene Liebe, mit wel cher du felbst alle deine Geschöpfe umfassest, und die du besonders den mit deinem Ebenbilde ge= zierten Geistern bezeigest, läßt uns hoffen, daß du diese unsere Gebete als Ausdrücke unserer Zårte lichkeit und Liebe, als Beweise unserer Theilnahme am Wohl und Wehe anderer, mit Wohl gefallen aufnehmen werdest. Wie könnte dir auch, o mein Gott! eine gute Tochter mißfallen, wel che, hingelehnt aufs Grab ihrer Mutter, im weh. muthsvollen Andenken an ihren Verlust, ihre Seufzer und ihre Gebete aus der Tiefe ihres Herzens hervorstößt, um diese ihr so theure, so una vergeßliche Seele deiner ewigen Liebe zu empfeh ten, und so dem Gefühle ihrer tindlichen Sehna sucht Genüge zu leisten! wie könnte dir jener Bater mißfallen, welcher durch die heutige Feyer an das zu schnelle Hinscheiden seines Sohnes era Mot 397 innert, alle Wünsche seines Vaterherzens für den Liebling, den er verlor, vor dir ausschütten, und nun nichts mehr für ihn then kann, als dich, den ewigen Vater, zu bitten, daß du über die Irrthümer und Schwachheiten feiner Ju gend ein väterliches Gericht haltend, ihn in dei nem ewigen Reiche durch die Wege deiner Weise heit und Güte ferner erziehen, reinigen und vollenden mögesta wirtsbun So wollen wir denn jetzt unser Gebet mit dem Gebete der Kirche vereinigen, und indem wir, o Gott! alle die werthen Seelen unserer Bekannten und Freunde und aller ehmaligen Mitbürger deiner unendlichen Güte gleichsam vorstellen, zu dir, im Gefühle der Liebe und Freundschaft rufen: Herr! gieb ihnen allen die ewige Nuhe, laß ihnen allen das ewige Licht leuchten! Amen. Wir verlassen jetzt, o Gott! dieses ehrwürdige Bethaus; aber die Gräber, durch welche wir schreiten, sollen uns erinnern, daß wir sterb, lich sind, und der Himmel über uns, daß wir unsterblich sind. Das Gebet, welches wir für die Vollendung und Beseeligung unserer verstorbenen Brüder und Schwestern darbrachten, bestärke uns im Glauz ben, daß auch uns jenseits des Grabes ein stren 398 ges Gericht erwartet; daß unsere Werke uns i die Ewigkeit begleiten; daß dort ein Zustand de Vergeltung bevorstehe;( Mark. 16.) und da du, o Gott! als ein weiser und gerechter Rich ter, ohne Ansehung der Personen, ohne Haß un Gunst, jedem geben wirst nach seinen Werker ( Rom. 2.) Amen. sidd sbisie aspi dim meginler must myont s #bas! 119431000 nadig wis 850 sia lo au tipd ***/**** Badet and m 038 d 16 Bup and m ES 342 828 gebe lad# 2 Ochrohdet Inhalt. .I. DE Gebete für alle Tage. Morgengebet. Abendgebet, ad popod** 9194° Neue und Leid. • 9220antiat Glaube, Hoffnung und Liebe, spodendo Tous S 088 s as Imunion, usd sing 88 Meß- Beicht und Kommuniongebete. Meßgebete. Beichtgebetel Kommuniongebete. #role dadu nothing oreils soilin Geite 37 modis( sombre sin vis dadi III. Betrachtungen von Gott und seinen Eigen288 schaften die Woche hindurch. Am Montag. Es ist ein Gott. J 129 Dienstag. Gott ist ewig, unveränderlich. 140 Mittwoch. Gott ist allmächtig. 19( 245) Donnerstag. Gott ist allweise, allge genwärtig, allwissend. IV. Sonntagsgebete. Anbetung Gottes. Dankgebet. Allgemeine Fürbitten. Christliche Menschenliebe. Berufstreue. 192 sid SV 910 Frentag. Gott ist höchst gütig. Samstag. Gottes Vorsehung. lagitis 18 id bunnpilis ant mailog som 46 ( 9 53 85 113 48 un spottinthast me 99 msaidu 1 149 159 174 197 201 207 215 228 Inhalt Ermunterung zur Tugend. Das Gewissen. Zufriedenheit. Das Leben Jesu allt Die christliche Religion, ods: - TE V. o+ Gebete an den Festtagen des Herrn Am Weihnachtsfeste. Neuen Jahrstage. 286 Feste der Erscheinung des Herrn. Grünen Donnerstag und Fronleichnamstag, 288 Charfreytag. * atsdog295 a) Leidens- und Todesgeschichte Jesus 97 1 b) Gebete für alle Stände und Gattungen der Menschen. III Seite 234 242 248 258 269 Jadsomgroe VH. Gebete am Gedächtnißtage TOR nen Gläubigen. dis? dau 112 279 2012 anu enung ode 283 319 Ofterfeste. 332 336 Himmelfahrtstage med merind Pfingstfestend sa gid notinch) matindi -Feste der heil. Dreyeinigkeit.. na 340 338 in VI. posi OLI Gebete auf die feyerlichen Gedächtnißtage der Heiligen. 19 solla olis olla 90 Auf die Festtage Marià.* 1000 89105 357 Auf die Apostelfeste.stre astags Auf Aller Heiligen, auch auf die Feste einzelner Heiligen. 19190 Hino 1 ms 361 367 to prutadak aller verstorbe. tidnigsnism 378 dailus din soilfirdy ***** ܤܐ ܐ KU Inches 1 Centimetres Blue 2 ¹3 4 Cyan 2 5 WANAT 14 ¹6 17 3 Farbkarte# 13 Green ¹8 Yellow 19 O 4 10 Red 11 12 5 13 Magenta 14 6 15 White 16 17 7 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 8