น 47 50 Gb 1750 Morgenund Abend opfer in Gefangen. Von Johann Heinrich Wilhelm Witschel, Dekan und Schul- Inspektor im Distritte Gräfenberg und Pfarrer zu Igensdorf. Neueste verbesserte und vermehrte Ausgabe. Reutlingen, in der I. J. Macken'schen Buchhandlung. I8 14. Gb 1750 Univ.- Bibl. Giessen - III M Borrede zur zweyten Auflage. Während die erste Auflage dieses Buchs vom Jahr 1813 einen glücklichen Abgang fand, benußte ich die Eindrücke der angenehmen Gegend, in welcher ich lebe, und arbeitete im Sommer, Herbst und Winter noch eine Reihe von poetischen Morgen und Abend: Andachten aus, welche drey Wochen ausfüllen, deren jede eine Jahrszeit umschließt. Ich fand eine rührende und angenehme Beschäftigung darin, die erhas bene Natur zu betrachten, und in ihrem feverlichen Tempel dem Schöpfemein zoblied zu singen. Dabey wurde der Ges danke sehr lebhaft in meiner Seele, daß wohl unser ganzer Religionskultus der Natur mehr angepaßt werden sollte; denn die Natur und die Religion sind ja zwey Bücher, von wel: chem immer eins das andre erklärt. Und warum macht ges wöhnlich das Erndtefest einen so rührenden Eindruck? Wahrs scheinlich deßwegen, weil hier Natur und Religion so traulich zusammentreten, um die Herzen der Menschen zu gewinnen. Die erste Woche ist für den Frühling bestimmt. In der ersten Auflage war sie dieses freylich nicht; allein da ich diefe Lieder im Frühling verfertigte, so tragen sie fast úberall die Farbe dieser lieblichen Jahrszeit, und wenn schon der Anspies lungen auf die Natur hier weniger vorkommen, als bey den folgenden Jahrszeiten, so sind sie auch hier am leichtesten zu entbehren, da die verjüngte Natur selbst ihre Farben so reis Bend aufträgt, daß sie wohl von feinem Auge übersehen zu werden pflegen. spomen VI- V Vorrede zur vierten Auflage. Da die dritte Auflage im Jahre 1807 nur wenige unbedentende Verbesserungen erhielt, so war es nicht der Mühe wertb, darauf aufmerksam zu machen. Diese gegenwärtige Auflage aber bat einige Vermehrung durch die Wettergefänge von Seite 195 bis 204 erhalten, welche ich seit dieser Zeit, mit einer gewissen Vorliebe, der Natur nachgebildet babe, so gut ich konnte. Das Donnerwetter ist das Drama der Nas tur, und alle religiösen Sånger von Hiob und David bis auf Klopstod fanden sich durch diese feverliche Darstellung zur himmlischen Begeisterung entflammt. Das Feuer vom Himmel sezte die ersten Altáre in Flammen, heißt es. Was re dieser Ausdruck der Poesie, so bieffe es mit andern Wors ten: Der Blik und Donner erweckte bey den Menschen zue erst, wo nicht den Gedanken an Gott, doch die erste Regung der Andacht. Dadurch aber hätte jede Wetterscene eine bes fondere Wichtigkeit für den Menschen. Sobald ich wieder Gelegenheit babe, ein Wetter ruhig zu beobachten und mich die heilige Begeisterung ergreift, so werde ich jene erhebende Ansicht besonders im Auge zu halten suchen. Auch werde ich mit der Seit noch eine Christenepistel nachfolgen lassen, in welcher ich die Geseke bestimmter angeben möchte, nach wel: chen dereinst, meiner Meinung nach, eine Christenvereinis - - O VII gung zu Stande kommen muß. Diese Familiariffrung aller Christen ist meine Lieblingsidee und sie tehrt immer wieder în meine Seele zurück, ohne daß ich sie absichtlich fest zu halten suche. Aber der Gegenstand selbst liegt noch in einem gewissen Hellbunkel vor mir. Die Seele hat ihn erblickt, aber nur immer von einzelnen Seiten. So tritt zuweilen in einer Gegend da und dort eine Varthie ins helle Licht, aber es laufen Wolken unter der Sonne weg und werfen grosse Schate ten auf das Ganze.- Igensdorf den 29sten März 1808. Joh. Heinr. Wilh. Witschel. - VIII Vorrede zur fünften Auflage. Wen Denn schon die wiederholten Auflagen dieses Buchs nicht auf dessen Vollkommenbeit schlleffen laffen; wie ich mich gar gerne bescheide, so beweisen sie doch, daß der religiöse Sinn noch bey vielen Menschen und darunter selbst bev solchen ans getroffen werde, wo man ihn vielleicht nicht vermuthet hätte. Die Religion ist uns angeboren und das Bild derselben ist ſo liebenswürdig, daß es die Menschen auch in einem unvoll fommenen Nachgebilde nicht zurückweisen können. Himmel und Erde werden vergeben, aber die Worte der ewigen Wahrheit werden nicht vergehen. Mit diesem beruhigenden Gedanken habe ich dieses Buch von neuem durchgefeben. Ich habe wenig daran verändert, theils weil bey einem Buch, das zur häuslichen Andacht ges braucht wird, dergleichen Abänderungen mehr schädlich als nüßlich sind, indem sie das Gemüth von dem eigentlichen 3weck entfernen and zum Nachdenken über die Kunst anret zen; theils weil sie zum Glück mehr auf die Form, als auf die Sache Bezug gehabt hätten; theils weil in den Augen so mancher achtungswerthen Leser, dergleichen Veränderungen, welche selbst grosse und berühmte Dichter an ihren Werken vornehmen, nicht immer Verbesserungen zu seyn schienen. Die Meine Zugabe, welche ich mir bey dieser neuen Aufs lage erlaubte, besteht in einem Gesang bey einem sehr schwe ren Gewitter und einer dritten und leßten Epistel an die Christen. Ersterer ist der Nachtlang meiner Empfindung, bep einem furchtbaren mir unvergeslichen nächtlichen Gewitter, das ich hier zwischen meinen Bergen erlebte. Die Epistel - IX P aber habe ich in der Vorrede zur 4ten Auflage versprochen, und sie mußte noch nachgeholt werden, wenn der vorherrs schende Gedanke ausgeführt und das Gemälde nicht von einer Seite ohne gehöriges Licht bleiben sollte. Freilich werden viele denken: es ist die Stimme eines Predigers in der Wüste! Denn viele halten die Religionsvers einigung für eine unmögliche Sache. Zu diesen gehöre ich nicht, ich gestehe es aufrichtig; sondern ich glaube im Gegens theil, daß diese erwünschte Vereinigung zu Stande kommen könne, noch ehe ein Menschenalter vergeht. Die Zeichen der Zeit scheinen darauf hinzudeuten. Denn die bäufige Erörtes rung der Sache selbst in unsern Tagen, das gesunkene Anfes hen des Vatitans, die Aufhebung der Klöster, die veränderte Jugendbildung, das Vorbild der Reformirten, die religiöſe Philosophie, die überall geläuterten Religionsbegriffe, die allmählige Nichtachtung manches Beralteten und Unstatthafs ten, die günstige Stimme der Regierungen, der neubelebte gute Wille, der brüderitche Aufruf von beiden Seiten, die vernunftmäßige Würdigung der Dogmatik und Symbolik, die erneuerte Achtung des Evangeliums, das allgemeine Streben nach Einheit- das alles scheint zu der angenehmen Hoffnung zu berechtigen, daß die Christen nicht mehr weit vom Biele entfernt seyen, zu welchem sie, nach dem Geiste ihrer Religion, schlechterdings gelangen müssen. Habe ich oben falsch prophezeiht, so habe ich mich blos darinn geirrt, daß ich von der Weisheit meines Zeitalters zu vortheilhaft urtheilte. Dann wird mich die Nachwelt recht: fertigen müssen. Bin ich aber ein wahrer Prophet geweſen, so werden wir das schönste Fest unsers Lebens mit einander fevern, und ein Hymnus voll Dank gegen Gott wird mein Schwanengesang feyn. Igensdorf, am 6. Januar 1812. Joh. Heinr. Wilh. Witschel. Ostertag. Himmelfahrt. Pfingstfest. Erndtefest. Christtag. Abendmahlsfeper. An einem Tauftage. Am Geburtstage. XII Terpopt - - In Krankheit. An einem Begräbnistage. Im Ungewitter, bei Tage. Nach dem Wetter. Im Ungewitter, bey Nacht. Bey einem sehr schweren Gewitter, bey Nacht. Nach dem Wetter. An die Christen, erste Epistel. An die Christen, zwepte Epistel. An die Christen, dritte Epistel. - 111 11 IT 1 1 - - - - 1 Seite. 145 150 155 161 166 170 176 178 184 190 193 196 198 C 111 - - - -- 200 202 204 210 216 Erster Theil Frühling. ( Anfang 20. März.) 2 Sonntag. Morgen. Du, den Sonne, Mond und Sterne loben, Den des Seraphs goldne Harfe preißt, Den mein Herz am hellen Freudentage, Wie im Sturme, liebend Vater heißt; Großer Geist, den keine Welt umschließet, Den die Andacht Gott und Vater nennt, Den die tiefste Weisheit nicht ergründet, Den der Mensch nur durch den Glauben fennt; Hdre mich am Tage deiner Ehre, Friede herrscht um mich und Heiterkeit, Hore mein Gebet im Morgenschimmer, Freundlicher, in deiner Herrlichkeit. Herr und Vater, laß mich Gnade finden, Wenn mein Herz in frommer Liebe glüht, Gnade, wenn ich menschlich vor dir rede, Du, der alles ewig weiß und sieht. Soll der Mensch des Frrthums Sklave werden? Laß uns frey im Reich der Wahrheit seyn! Soll die Thorheit unsern Pfad umwelken? 21 2 4 Schenke uns der Weisheit Sonnenschein! Kann die Welt durch Unrecht glücklich werden?- Unser Heil sey die Gerechtigkeit! Kann das Laster unser Herz belohnen? Nur die Tugend giebt uns Seligkeit! Freude lohne allen guten Menschen, Friede sey der Erde Eigenthum! Tugend sey der Menschheit Ehrenkrone, Und die Liebe sey ihr Heiligthum! Blinder Frrthum hat die Welt entzweietMißgunst ist die größte Gündenschuld; Ach in Tempeln und in Herzen wohne Glaube, Liebe, Hoffnung und Geduld! Ruhe herrschet, Sabbathstille wehet, Und die Schöpfung feiert deinen Ruhm. Glocken tonen. Millionen wallen, Anzubeten in dem Heiligthum. Gegne fie; du kenneft ihre Herzen, Leite sie zum wahren Guten hin. Ihr Gesang sey Harmonie der Seele; Ihr Gelübde sey ein reiner Sinn! Führe aus dem Vorhof alle Völker In das Heiligthum der Wahrheit ein. Ach, und wenn die letzte Stunde winket, Bater, laß uns alle selig seyn! 5 AN Sonntag Abend. Lobe deinen Schöpfer, meine Seele, Und vergiß nicht, was er dir gethan. Bater, deine Erde ist umhüllet, Doch der Himmel ist mir aufgethan. Wer kann durch die tiefe Ferne schauen, Wo die letzte deiner Welten steigt? Wo die Schöpfung und der Raum sich endet, Wo das Leben und die Freude schweigt? Ach! unendlich liegt das Reich der Wesen, Deine Schöpfung, vor mir aufgethan; Und du bist ein groffer Gott der Liebe, Mehr, als ichs begreifen, ahnen kann. Ruhe sinkt von deinen Wolken nieder, Feyernd steht der Tempel der Natur, Und der Himmel brennt mit allen Sternen, Alles trägt der groffen Liebe Spur. Dank dir, Vater, der zum Erdenleben Uns ein mildes Licht vom Himmel gab Einen Schimmer, der zur Ruhe leitet, Sanft und freundlich, bis ans stille Crab; Eine Freundin, die den Sünder tröstet Und sich liebend zu dem Frommen neigt; - 6 Einen Engel, der am Sterbebette Unserm Geist die lichte Heimat zeigt. Alle niedern Erdenforgen schwinden, Friede Gottes weht vom Sternenthron Und mein Herz fühlt in der Sabbathstille Deine Freuden, o Religion. Dein Gefeß erhellt die trübe Seele, Sanft bist du, und deine Last ist leicht. Freudig hört der Weise deine Stimme, Wenn sein guter Engel von ihm weicht. Sanft tont deine Stimme aus der Höhe, Wenn der Mensch im Staube sich vergißt; Sanft spricht Jesus: seyd vollkommen, Kinder, Werdet gut, wie euer Vater ist. Vater, guter Vater, dir zu dienen, Dich zu lieben, ewig dein zu seyn Und den Menschen lieb und nüßlich werden, Dieses weihet mich zum Himmel ein. Die Natur entwickelt alle Reime, Und Vollendung folget ihrer Epur, Soll der Mensch alleine rückwärts gehen, Er, der Erstgeborne der Natur? Ist er nur für Eine Welt geboren, Trágt er nicht den Keim der Ewigkeit? Hast du ihn zum Bürgerrecht der Geifter, Am W S -7- Groffer Geist, nicht liebend eingeweiht? Kann er mit sich selbst zufrieden leben, Wenn er seines Lebens Werth vergißt? Kann er dich in deiner Schöpfung lieben, Wenn er nicht des Guten Schöpfer ist? Wird die Nachwelt seinen Namen segnen, Wenn er tråg sein Tagewerk versäumt? Wird er ruhig einst hinüber gehen, Wenn er seinen Lebenstag verträumt? Ach! das Leben eilt so schnell von hinnen, Schnell und tauschend, wie ein Mondenblick, Und die Jahre, die entschlafnen Jahre, Bringt kein Wunsch aus ihrer Gruft zurück. Bater, lehre mich es wohl bedenken, Diese Stätte bleibt nicht ewig mein. Hilf, daß ich den Zweck des Lebens finde, Und das Ziel wird mir nicht schrecklich seyn. Freundlich wird es mir vor Augen stehen, Wie die Lilie im Mondenschein; Vater, deine Engel werden winken, Und mein Sterben wird ein Lächeln seyn. Mondtag. Morgen. Fliche Nacht! die Ruhe ist vorüber, Gottes Schöpfung liegt im Glanz vor mir; Und der Tag, mit allen seinen Strahlen, Neubelebte Menschheit, leuchtet dir. Alles regt sich um mich her und webet, In den großen Hallen der Natur, Labend stößt die Morgenluft vom Berge, Und verweht des Schlafes dumpfe Spur. Auf, mein Sinn! die goldne Lebensstunde Winket dir zur neuen Thätigkeit, Rufet dich zur lieben Arbeit wieder, Zum Genuß, den Gotteshand dir beut. Ach! wer bin ich, daß du mein gedenkest, Daß mich täglich deine Huld umgiebt? Herr, was ist der Mensch, vom Staub geboren, Daß ihn deine Allmacht trágt und liebt? Daß die Arbeit ihn zu Thaten rufet, Daß der Fleiß, der fromme Sohn der Zeit, Unsern Pfad zum Ruhme, und zur Freude, Und zum Grab mit Blumen überstreut? Er belohnt das Herz mit stiller Wonne, - 9 Giebt dem kurzen Daseyn goldnen Werth, Und begränzt uns, wenn der Todesengel Uns für eine begre Welt begehrt. Nur das Thier hängt an Genuß und Ruhe, Sorgt nur, daß es lebe; denket nicht, In dem Traume seines Erdenlebens, An Vollendung, Größe, Recht und Pflicht. Aber eine rege, freye Seele Treibt den Menschen in den Kampf hinein, Er will seiner Hände Arbeit sehen, Will vollenden und vollendet seyn. Darum dank ich dir, du Gott der Liebe, Der zum Leben mir auch Arbeit gab. Nur der Fleiß erhebet uns zum Menschen, Reichet uns den sichern Wanderstab. Laß mich fröhlich wirken, weil die Sonne Noch erleuchtet meine Lebensbahn. Bald erscheint die stille Abendrothe Und die Nacht, wo Niemand wirken kann. Bater, unter deinen Augen trete Ich in meinen Wirkungskreis hinein. Ach! laß meinen Fleiß nie unvernünftig, Meine Arbeit nie verwerflich seyn. 10 Mondtag Abend. In den großen Schattenschleyer hüllet Feverlich die stille Erde sich). Wieder ist ein Tag hinabgesunken Herr des Lebens, du erforscheft mich. Immerdar, ich gehe oder liege, Bin ich, unsichtbarer Geist, vor dir, Und auf jedem Lebenspfade schwebet, Richter, deine Waage über mir. Stillverschwunden gleiten meine Tage, Wie verwelkte Blätter in dem Bach, Hin, auf ewig bin, im Strom der Zeiten, Und wer weiß, bald folgt der leßte nach. Liebe Seele, unter allen Schäßzen deine Lebenszeit. - Ist der größte Ach! du kannst sie nicht zurück erkaufen; Denn ihr Wesen ist Vergånglichkeit. Sieh, mit jedem leisen Tritt verrinnet Unvermerkt sie hinterm Wanderstab, Und kaum hat der Mensch den Lauf begonnen, So erscheint ihm schon das Ziel- das Grab. Blick ich auf Herr über Tod und Leben, Prüfe mich, wie ist mein Herz bestellt? II Bebt es nicht vor dir, dem ewig Nahen, Nicht vor dir, dem Richter aller Welt? Hab ich fromm und tren den Bund gehalten, Den ich weislich mit mir selbst gemacht? Hab ich ohne Fehl gerecht gehandelt, Ohne Tadel meine Pflicht vollbracht? Hat nicht Thorheit, Leichtsinn und Begierde, Hochmuth, Mißgunft, Eigennuß und Wahn Mich von dir, dem guten Geist, entfernet Auf der ungewissen Lebensbahn? Habe ich für meinen Geist gewuchert Mit dem Pfund, daß deine Huld mir leibt? Ist mein Herz an Tugend reicher worden Und dadurch an innrer Seligkeit? Ja, ich fühl es, Gett, zu deinem Frieden Leitet nur der Tugend steile Bahn. Doch wo schlägt das reine Herz auf Erden, Das sich keiner Sünde zeihen kann? Du allein bist immer gut und heilig, Du alleine wohnest in dem Licht, Du bist weise, bist vollkommen, Vater, Aber wir im Staube sind es nicht. Doch dir immer ähnlicher zu werden, Dieser Wunsch ist edel, fromm und groß. Und vom Staube ewig aufwärts streben, 12 Ist ja unser freudenvolles Loos. Dieses, Vater, lehre mich bedenken, Lehre michs in dieser stillen Nacht Und mit diesem großen Wunsch sen heute Dieser Tag und mein Gebet vollbracht. Dienst a g. Morgen. Wenn im Hain der Morgenruf begonnen Und der junge Tag in Often lacht, Wenn der Himmel in Verklärung stehet Und die Erde aus dem Schlaf erwacht; O dann triumphirt das süße Leben, Und das Reich des Todes wird zu Spott; Alle Herzen schlagen neugeboren Und die freye Seele fliegt zu Gott, Betet an, versinkt in hohe Wonne, Fühlet feine Gegenwart im Licht, Strömet hin zur großen Lebensquelle, Opfert ihm des Dankes süsse Pflicht; Ihm, den Sonne, Mond und Sterne ehren, Ihm, der alle Wefen liebend trägt, Jhm, vor deffen Weltenthron der Cherub Seine Krone schweigend niederlegt, Du, o du, der mich dem Nichts entriffen Und ins freudenvolle Leben rief, Du, der meinen Odem mir bewahret, Als ich, wie im stillen Grabe, schlief. O wie dank ich dir das neue Leben? exdyto - 14- Sie vergelt ich deinen Sonnenschein?- Laß mich nicht umsonst dem Licht geboren, Nicht umsonst auf deiner Erde seyn. Laß mich freudig meine Pflicht erfüllen, Nicht zur Rechten, noch zur Linken sehn Laß mich in dem großen Kampf der Menschheit Auf der Seite der Gerechten stehn. Laß mich nie des Lasters Klugheit ehren, Zu der Tugend führt nur eine Bahn: Nur, was recht ist, Vater, laß mich wollen, Fröhlich dem Gefeße unterthan. Eins ist Noth! der größte Schak des Herzens, Reinigkeit vor deinem Angesicht. Laß mich jedem Sterblichen verzeihen, Jedem Sünder- nur mir selber nicht. OPCION 15 Dienstag Abend. Auf, mein Geist, es naht die Geisterstunde, Die der blinde Aberglaube schuf- Immer, immer schlägt die Geisterstunde, Und der Weise hdret ihren Ruf. Wahrheit geht nicht mit der Sonne unter, Die Vernunft umhüllet keine Nacht, Und der Geist erkennt in Finsternissen, Was ihn schon vor Gottes Augen macht. Vater, diese lehte Abendstunde Sey der Andacht und dem Geist geweiht, Eh der Leib zu seiner Ruhe sinket, Im Gefühle seiner Sterblichkeit. Bald wird meine Lebenssonne sinken, Und die Ruhe mahnet an das Grab. Wohl mir dann, wenn ich mit leichtem Herzen Niedersinke an dem Wanderstab; Wenn ich tren mein Tagewerk vollendet, Wenn ich froh zu meinen Vätern geh Und in meiner letzten Abendrothe Deinen Himmel vor mir offen seh; Deine Connen mir entgegen glänzen, Wenn der Tod aus tausend Wogen spricht; Deine Engel freundlich mich umschweben, 16 Wenn mein Nachen an dem Grabstein bricht. Heiligthum, wo Gottes Sterne brennen, Schönes Land, wo alles Klarheit ist, Wo der Geist, von Himmelsluft gehoben, Alles, nur die Wahrheit nicht vergißt. O mein Auge blicket nicht vergebens In das große, stille Heiligthum, Und ich ahne nicht umsonst im Kerker Fene Freyheit in Elysium. Frey von Banden, die das Herz bestricken, Frey von Wahn und Geistessclaverey, Bater, laß mich meinen Lauf vollenden, Daß ich jener Palme würdig sey. Daß ich nicht mit Schaam hinüberblicke, Wo die Wahrheit auf dem Throne sitt; Daß ich die Gerechtigkeit nicht scheue, Deren Schwerdt hin über Welten blißt. Laß mich nie das Eitle liebgewinnen, Bater, gieb mir Weisheit und Verstand, Gieb mir stille Demuth und vor allem Einen Sinn für jenes Vaterland. Deine Sterne blinken freundlich nieder, Deine Schopfung schlummert friedlich ein. Alles ruht am großen Vaterherzen; Auch mein Schlaf wird sanft und stille seyn. Mitt - Mittwoch. morgen. Du, der freundlich alle Wesen nähret, Der das Jahr mit seinem Gute front, Der dem Engel seine Freude spendet, Und des Menschen Lebenstag verschönt; Bater, o der Freuden sind so viele, Als der Blumen auf der schönen Welt; Alles lebt und webt in deiner Liebe, Alles wird von deinem Licht erhellt. Ueberall erscheinet deine Gnade, Ueberall im Tempel der Natur, Wonne trinkt der Mensch mit vollen Zügen; Freude sucht und hascht die Kreatur. Von der Frühlingsblume bis zur Traube, Von der Garbe bis zum Winterheerd Leben, Fühlen, Hoffen und Genießen, Alles ist der Freudenthráne werth. Natur, du ewig reine Quelle, Wohl dem Herzen, das dich nie verkennt, Das in dir die wahre Schönheit findet, Und mit Liebe für den Schöpfer brennt; Für den guten, großen Weltenvater, B 18 Den der Geist nur ahnet, nicht begreift, Ach, auf dessen Wink die Menschheit blühet, Und die Blume und die Traube reift. Ueber Sternen wohnt er in dem Lichte, Wo ein Glanz von tausend Sonnen ist; O mein Herz, du wirst ihn kennen lernen, Wenn du nicht mehr unter Menschen bist. Dann wirst du dein Leben freudig segnen, Dort, wo reiner Himmelsathem weht, Dort, wo alles groß und lieblich pranget, Dort, wo deine Freude nicht vergeht. Fühle dieß im Wonnetag auf Erden, Und die neue Hoffnung tröste dich! Fühle dieß in deiner Leidensstunde, Und die große Hoffnung stärke dich! Freudengeber, laß mich rein genießen, Laß mich im Genuße mäßig seyn Laß mich nicht alleine Rosen pflücken, Laß mich auch für Andre Rosen streux. - - - TOMittwoch Abend. Du, der allen Wesen ihre Lage, Schmerz und Freuden, weislich zugezählt; Du, der für den Wurm das Loos im Staube, Für den Engel Himmelslicht gewählt Weltenlenker, großer Herr der Zeiten, Auch mein Schicksal steht in deiner Hand; Doch hienieden, wo der Frrthum wohnet, Bleibt dein Rath uns Schwächen unbekannt. Fern vom Lichte, wo der Weisheit Schimmer Sich verliert im dunklen Erdenschacht, Wie der Abendstern, die kleine Lampe, In dem weiten Grab der Mitternacht Fern vom Lichte hilft uns nur der Glaube; Unser Wissen schwebt in Dunkelheit, Wenn kein milder Strahl aus bessern Welten Das Gewölke der Vernunft zerstreut. Ohne diesen Aufblick voll Vertrauen Zu der Gottheit, die den Menschen liebt, Ware unser Lebenstag auf Erden, Wie die Nacht, die Flur und Wald umglebt. Vater, o ich will, ich darf es glauben: Du blickst freundlich auch auf meinen Pfad, 32 - 20 o Deine Hand schwebt über meinem Haupte Und du leitest mich nach deinem Rath. Sollte ich mein Schicksal selber wählen ich hätte weder Lust, noch Muth; Aber du, der in die Zukunft blicket, Was du ordnest, das ist schön und gut. Sorge, herz, nicht für den andern Morgen, Laß die eitle Mühe, die dich quält; Denn der Himmelsvater weiß am besten, Was zu deinem wahren Glück dir fehlt. O er sorgt für Millionen Welten, Gorgt für deinen kurzen Lebenstag; Darum sorgt der Weise nicht hienieden, Ausser, wie er weiser werden mag. So vergehet unter Gottes Frieden Unser Leben, wie die stille Nacht. Ach, und Traum und Täuschung ist verschwunden, Wenn der Geist nach deinem Bild erwacht. 5312 - Ke Donnerstag. Morgen. Du, auf dessen Wort die Nacht verschwindet Und der Morgenstern am Hügel weilt, Du, der allen Geistern, allen Wesen, Ihre Laufbahn weise zugetheilt, Laß mich nie vergessen, daß auch meine Laufbahn unter deinen Händen steht, Und daß jeder, der zum Grabe wandelt, Unter deinem Aug durchs Leben geht. Sollt ich murren, daß im Reich des Lichtes Jeder Mensch mit eignen Augen sieht, Murren, daß zum Rosenhain der Freude Jeder seine eigne Straffe zieht? Sollte ich mit Brüdern mich entzweyen, Weil sie mir gleich unvollkommen sind? Sollte ich des Nächsten Splitter sehen, Und für meinen Balken war ich blind? Vater, über Gute, über Böse Gehet deine Sonne freundlich auf Wer umfaffet deine großen Plane In dem kurzen, dunklen Lebenslauf? Richtet nicht! o diese hohe Lehre, m 22 Wohl dem Menschen, der sie nie vergißt, Und der in der großen Welt- der Schwachen Weislich glaubt, daß er kein Engel ift. Sanftmuth ziemt dem Weisen, Mitleid, Hülfe; Denn die bösen Menschen sind nur krank, Und wer wollte lästern, wenn ein Blinder Etwa aus unreiner Quelle trank? Vater, schenke mir die hohe Liebe, Die den Schwachen mit Geduld erträgt, Jene Liebe, die im Kreis der Sünder Ihre eigne Schwäche still erwägt. Laß mich gut seyn auf der Lebensreise, Auf mein Herz und nicht auf Andre sehn; Und wenn Tausend ihren Pfad verlieren, Laß mich auf geradem Wege gehn. 23 comes Donnerstag Abend, Unter Gottes Sternen wohnet Friede, Ruhe ist des Himmels Eigenthum; Und mit süsser Ahnung blickt die Seele In das grosse, dunkle Heiligthum. Schön ists, wenn das thatenvolle Leben In dem Lichte vor uns wacht und webt; Aber lieblich ruht die stille Erde, Wenn der süsse Schlaf hernieder schwebt, Dieser fromme Schußgeist aller Müden, Dieser Liebling aller Kreatur, Dieses Balsambad der wunden Glieder Diese Labebecher der Natur. Wie ein Sarg im stillen Leichentuche Ruht die Erde in dem Schattenmeer, Und wie Kerzenglanz in Tempelhallen Brennen taufend Sterne um sie her. Ach sie rühmen alle deine Ehre, Herr, im Kreise vor dir hingeneigt, Und mit Millionen Freudenstimmen Jauchzt der Himmel, wenn die Erde schweigt. Aber schlafend schenkest du den Deinen Unterm Monde neue Lebenskraft, M Deinen Menschen frisches Blut in Herzen Und der Blume neuen Purpursaft. Ruhe wehet, Friede herrscht im Lande- Und die Menschheit sieht ein Traumgeficht Millionen Augen sind geschlossen; Nur der Unerschaffne schlummert nicht. Seine Obhut blicket unverwendet, Seguend, schüßend auf den Weltenkreis; Laufend Sonnen gehen um ihn nieder, Und kein Schlummer lohnet seinen Fleiß. Herr, vergieb mir, daß ich menschlich rede, Schöpfer, du bedarfst der Ruhe nicht Nur der Müde schläft, der Schwache ruhet; Ewig wacht der Gottheit Angesicht. Auch ich werde einst nicht mehr ermüden, - - Einst nicht mehr des Leibes Sclave seyn. Doch, so lang das Loos der Schwachheit währet, Schlaf ich unter Dank und Freude ein; Freue mich der füffen, stillen Ruhe, Danke die für jede sanfte Nacht, Bis ich) einst am grossen Morgen rufe. Auch die lezte Ruhe ist vollbracht! Freytag. Morgen Bater, der du einst im Morgenlande, Wo die Sonne glänzend aufersteht... Einen reinen Weisen uns erweckteft, Deffen Leuchte niemals untergeht Der den Bund der Liebe uns gelehret, Der das groffe Wort der Freyheit sprach, Der dir einen hellen Tempel baute, Und die Feffel der Vernunft zerbrach; Heute starb er- gute Menschen weinten, Und die Sonne sant in Trauerflor: Doch umsonst frohlokt der blinde Haufe; Herrlich tritt Er aus der Nacht hervor. Seine Wahrheit kann nicht untergehen, Nur dem Wahne dråut die Todesuacht Heiter neigt sein Haupt der Lichtgeborne, Ruhig spricht der Held: es ist vollbracht! Unter Gottes Auge keimt der Saame, Den er in der Menschheit Schoos, gelegt, Und die Nachwelt banet Dankaltáre, Wenn die Aussaat goldne Früchte trägt. Bater, der du in dem Lichte wohneft, - VINCE comp 26 Nimm mein Herz zum Dankesopfer hin, Daß auch mir der Wahrheit Sonne leuchtet, Daß auch ich zum Licht berufen bin. Zwar du trägst sie alle an dem Herzen, Reichest Allen deine Baterhand, Wirst sie alle einst zum Lichte führen, Dort im groffen, schönen Vaterland Denn ja nur die Wege sind verschieden, Aber nicht das groffe, lekte Ziel; Und der uns zur Ewigkeit erschaffen, Treibt mit uns kein leeres, eitles Spiel, Doch ich danke, danke dir von Herzen, Du, den Jesus liebend Vater heißt, Daß mein Herz yoll kindlich süsser Triebe Dich im Geist und in der Wahrheit preißt; Daß kein schweres Joch mich niederdrücket, Daß kein Kluger mein Gesek verlacht, Daß kein Mensch mir, Mensch zu seyn, verbietet, Daß mich Jesus Christus frey gemacht. Laß mich christlich diesen Tag verleben, Edel, weise, nüglich, sündenfrey Und der Welt durch schöne Thaten zeigen, Daß ich unsers Stifters würdig sey. Univ.- Bibl. Giessen M 27 Freytag Abend. Wenn die Abendglocke friedlich tönet, Heil'ges Schweigen die Natur umfångt Und der Mond, wie eine stille Lampe, In dem hohen Nachtgewölbe hångt Wenn die süsse Ruhe wiederkehret, Wenn der Schlaf die Schlummerkörner streut, Und die Nacht die schöne Welt verhänget, Gleich dem Vorhang vor der Ewigkeit; Dann zieht sich der Geist vom groffen Spiele Still betrachtend in sich selbst zurück; Dann gehört das Herz dem Menschen wieder, Und die Welt erlischt von seinem Blick; Dann ist ihm die Gottheit freundlich nahe Und der Himmel dämmert vor dem Geist, Wie vor einer neu verklärten Seele, Wann sie sich dem Land der Welt entreißt. Wenn ihm sein Gewissen dann bezeuget, Daß er auf der dunklen Lebensbahn, Treu und richtig vor sich hingewandelt, Daß er redlich seine Pflicht gethan dann blickt er fröhlich auf zum Himmel, Dessen Bürgerrecht er långst erwarb, 13 28 Und befiehlt den Geist in Gottes Hände, Wie der Fromme, der am Kreuze starb. Bater, laß mich jeden Tag vollenden, Unter Frieden, unter Herzensruh, Und mit einer stillen Freudenthráne Schliesse sich mein müdes Auge zur Daß ich dein bin, dieser Troftgedanke, ft mein Licht in jeder Erdennacht; Daß ich dein bin, o mit diesem Glauben, Ruf ich einst getroft: es ist vollbracht! Bater, o der grossen Freud und Wonne, Wie den Träumenden wirds dann uns seyn; Alle Schwachheit bleibt zurück im Grabe Und die Menschheit ist verklärt und rein. Ja, es ist noch eine Ruh vorhanden, Stolzer Friede, reines Himmelslicht Du, mein Gott, den ich so herzlich liebe, Du vernichtest diese Liebe nicht. the Sam st a g. Morgen. Wie der lichte Sonnenstrahl von Osten Durch den grauen Morgennebel bricht, Soll die helle Wahrheit uns erleuchten, Wenn der Mensch mit seinem Herzen spricht; Wenn er das Vernunftgesek im Busen Höret, das ihn nie umsonst verklagt; Wenn er redlich seinen Willen prüfet Und sich selbst am Schluß der Woche fragt: Hab ich keiner Thorheit Raum gegeben? Hieng ich nicht an Land und Eitelkeit? Hat der Leichtsinn mich nicht überlistet Auf dem Wege der Gerechtigkeit? Wankte nicht am Scheideweg der Zugend Unentschlossen der verkehrte Sinn? Darf ich froh und frey gen Himmel blicken; Fühl ich, daß ich reines Herzens bin? Ach ich bin noch weit vom hohen Ziele, Wo die Tugend Ehrenkránze flicht. Wollen hab ich wohl, du weißt es, Bater; Aber das Vollbringen find' ich nicht. Vorwärts! ruft die Schaar der Auserwählten, 30 Vorwärts! ruft der gute Geist in mir.- Unsre Ruhe wohnt nur im Gewissen, Und ich fand, ich fand sie noch nicht hier. Und bald wird die Sanduhr mir verrinuen, Bald ertönt der ernste Sensenklang Ach ich höre schon die Sterbeglocke Höre schon den hellen Grabgesang. Mit der Woche fällt von meinem Leben Wieder eine welke Blume hin Es wird Abend- Nacht und Gråber rufen! Fremdling, alles, alles geht dahin! Wohl mir, daß ich noch im Staube walle, Daß ich noch mein Haus bestellen kann; Meine Krone ist noch zu erringen Und die Schranke ist noch aufgethan. Guter Bater, laß mich weise werden Auf dem Wege zu der Ewigkeit! Guter Bater, laß mich schon vollenden, Und dann gieb mir deine Seligkeit. Bungpont - 31- Samstag Abend. Vater, alles eilt zu seinem Ende, Alles folgt dem Ruf der Sterblichkeit; Unvermerkt entfliehen meine Tage In das graue Meer der Ewigkeit. Wohl mir, daß ich nicht vergebens hoffe, Daß mein Glaube nicht vergånglich ist; Die Gewißheit ruht an meinem Herzen, Daß du dort, auch dort mein Vater bist. Daß ich jene Sterne wieder finde, Wenn die letzte Sonne niedersinkt, Daß ein lichtes Eden für mich grünet, Wenn die dunkle Nacht des Todes winkt; Daß ich lerné, was ich angefangen, Hier nur träumen, nicht vollenden kann, Daß ich mich erst meines Wesens freue, Auf der groffen, hellen Sternenbahn; Dieses ist der liebliche Gedanke, Der wie Blumendüfte mich umweht, Dieses ist der Glanz im dunklen Thale, Der wie Gottes Sonne vor mir steht. so schwinde denn du goldne Stunde, Süsses Leben, eile schnell vorbey; ww -32 Nur, daß keiner meiner Erdentage Ungenossen, unbenüßet sey! Ich bin ewig!- laß mich heilig leben, Denn die Welt vergeht mit ihrer Luft; Laß mich, Herr, nach deinem Reiche trachten Und dein Friede sey in meiner Brust. Meine Hoffnung sey das beßre Leben, Meine Liebe die Gerechtigkeit Und mein Glaube, der mich stärkt und tröstet, Die Vollendung in der Ewigkeit. Und so schließ ich fröhlich diese Woche; Vater, Vater, warmen Herzensbank, Daß ich noch auf deiner Erde lebe, Daß ich nicht in Sünd und Thorheit sank. Alles, alles hast du mir gegeben; Unter Dank und Liebe schlaf ich ein 10 Ruhig schläft dein Kind die Sterne blinken Vater, auch im Schlafe bin ich dein. Sommer. Som me r. ( Anfang 21. Junius.) baino as Sonntag. Morgen. Du bist es, der die Morgensonne rufet, Und schweigend tritt sie aus dem Zelt der Luft, Du bists, der die entschlafne Menschheit wecket, Und feyernd steigt sie aus der finstern Gruft. Dich preist mein Lied, du unsichtbarer König, Ju deinem friedenvollen Geisterreich); Du stille Macht, du segensvolle Gröffe, Du Vater, dem kein Herz an Liebe gleicht. Hier stehe ich in deiner Welt voll Frende, Die Morgenluft weht heilig durch die Flur, Das Leben wacht auf Blumen und auf Zweigen, Und deine Sonne flammt in der Natur. Mit hellem Glanze fährt sie auf die Höhe Im blauen Himmelsmeer. Umkrånzt mit Licht Erhebt sich blühend die Gestalt der Erde, Und neiget sich vor deinem Angesicht, Sonne, erstgebornes Kind des Himmels, Du Seel der Welten, Mutter der Natur, Der Gottheit Spiegel, goldne Lebensquelle, Du erste Blume in der Weltenflur, Ein kalter Leichnam ist die Schöpfung ohne 2 36 Dein Licht. Dem tiefen Bache schenkst du Glanz, Umhüllst die Felsenwand mit Rosenschimmer, Und alles blüht in deinem Strahlenkranz. Doch herrlicher und größer ist die Quelle Des Lichts, die dich, o Sonne, einst gebar, Erhabner ist der Meister in der Höhe, Den Licht umfloß, da keine Sonne war. Owohl mir, daß ich diesen Glauben habe: Es ist ein Gott, er ist; ich bin sein Kind. Er ist um mich, er höret meine Worte Und wird nicht zurnen, wenn sie menschlich sind. Gnädiger, dich liebet meine Seele, Und Liebe ist mein Dank und mein Gebet, Dir schlägt mein Herz voll kindlich süßem Frieden, Bis es im stillen Grabe einst vergeht. Die Arbeit ruht; der Friede Gottes herrschet; Die Andacht schließet ihre Tempel auf. Die Sonne schwebt im sanften Morgenrothe, Und winkt herab: vollendet euern Lauf! Hilf mir, o Gott, den schönen Preis erringen, Der dieses Lebens dunklen Traum erhellt. Die Zukunft grünt; das Leben mag verblühen, Denn unsre Krone liegt in jener Welt. 37 atas tetek to this thild bo Sonntag Abend. 3:16 vario# 2 007 9012 Er ist vollbracht, der stille Tag der Ruhe, Vollbracht zu meines Schöpfers Preis und Ruhm. Die Nacht erscheint; die lauten Chöre schweigen, Und feyernd schliesset sich das Heiligthum. Vom Berge neigen hohe Nachtgestalten Und ernste Schattenbilder sich ins Thal. Das Leben ruhet selig über Gråbern, Und Friede weht vom hohen Sternenfaal. schöne Welt, o Paradies des Weisen, O süß gewohntes, wundervolles Land! Wie glücklich kann der Mensch hienieden leben, Wenn Thorheit nie sein freyes Herz umwand; Wenn er mit frohem, bankerfülltem Herzen Genieffet, was der gute Himmel beut, 60 Wenn er bey frommer Aussicht in die Zukunft than the Kein Laster der Vergangenheit bereut. Gein Herz ist leicht, ist mit der Welt zufrieden, Er findet überall der Freude Spur. C Er gönnt den Großen ihre Lust am Kleinen, Sein Erbtheil ist die herrliche Natur, Er hofft das Beste von dem Weltenlenker, Er fordert von den Menschen nicht zu viel. bin 59 38 Sein Geift blickt nach der Laufbahn zu den Sternen; Ach alles strömt zu derVollendung Ziel. In hoher Eintracht ist auf seinem Pfade Das Nüßliche und Schöne fanft vereint, Schöne fo TIDA Den Blumen gleich, im goldnen Alehrenfelde, Wo das Verdienst in Lieblichkeit erscheint. DINS Das Gute nur, das unser Fleiß erzielet, Fro29 # 3 Erfüllt die Seele mit Zufriedenheit. Es giebt kein Glück, als das wir selber bauen, Denn die Natur giebt nur Empfänglichkeit oft, ben Gott, den ich in hoher Andacht ehre, Dir will ich dienen auf der Lebensbohu Durch Freude, Demuth, durch Vernunft und Tugend, Dann bet' ich dich in Geist und Wahrheit an. Und sinket einst mein letzter Abend nieder, Und ist mein Werk für diese Welt vollbracht, Dann noch ein Blick auf deine schöne Erde, Und tausend Dank, und eine sanfte Nacht! #kolmand now Jole og ubin agh ny te mep Mondt 1010 64240 a g. 1944 bup Morgen. Die Sonne winkt. Die Nacht ist hingeschwunden. Der Thau liegt funkelnd auf der Lebensbahn.ci! Nach kurzer Ruhe bricht die laute Woche, Der lange Tag voll Schweis und Arbeit an. Warum, o Gett, ist auf dem Lebenspfade Die Pilgerlast so ungleich ausgetheilt? Der Eine sinkt erschöpft am Stabe nieder, Indeß der Andre leicht vorüber eilt. Den Armen flieht das Glück mit seinen Schäßen, Er ringt mit Sorge um sein täglich Brod; Der Reiche uimmt das Füllhorn ohne Mühe, Und schwelgt oft sündlich bis zum Abendroth. Die Sense måht dem heiffen Tag entgegen, Die Pflugschaar glüht im scharfen Sonnenstrahl; Der Weichling ruht in seinem Müssiggange, D Und fühlet nicht der harten Arbeit Qual. Warum die Welt in solchem Wechsel altert, Das weißt du, Vater, und nur du allein, Du, der dem milden Frühlingsathem winket, So wie dem Dampf im heissen Sonnenschein. Dein ist die Macht, du hast die Welt gegründet, 40 Du giebst das Leben jeder Kreatur, Und leitest jedes Wesen unterm Monde Auf seine eigne stille Freudenspur. Das Leben ist das Größte. O aus diesem Erweckten Funken in der todten Nacht Quillt eine wunderbare Freudenflamme, Und zeiget Jedem seine Welt in Pracht. Ich bin erwacht, ich lebe noch, ich fühle Mein Doseyn mit verneuter Seligkeit.al p Ich stimme jauchzend in der Schöpfung Chöre, Be Mein ganzes Wesen glüht in Dankbarkeit. Das Leben, Gott, ist deine schönste Gabe; Es kommt von dir, es sey mir kindlich werth, Es sey mein Heiligthum; und reine Tugend Entflamme täglich seinen Opferheerd. Und keine Mühe soll mich wankend machen, Und kraftig sey mein Herz und meine Hand! dail Es lohnt sich einst am stillen Feyerabend, Geschieht es nur für Gott und Vaterland. Co will iafdenn mit frischem Muth beginnen, Mit Redlichkeit an meine Arbeit gehn.dall Dir, guter Gott, empfehl ich Leib und Seele, Laß deinen Geist mir sanft zur Seite stehn. 201 and d C 41- Mondtag Abend. sier da Silent Die Abendrothe ist hinabgefunken, Die Luft wird kühl, und schweigend herrscht die Nacht. $ 10 Die Welt wird sanft; die füffe Ruhe winket; Der Müde hat sein Tagewerk vollbracht. Wohl ihm, wenn er mit leichtem Herzen ruhet; Wenn sich der Himmel freundlich zu ihm neigt, Und wenn so ruhig, wie der Sternentempel, Sein frommes Herz und sein Gewiffen schweigt. Wenn kein gerechter Vorwurf ihn belastet, Wenn teine stille Schuld ihn laut verklagt, Wenn keine Reue mahnend ihn verdammet, Kein Schreckensbild die arme Seele plagt. Doch wehe dem, der, Licht und Recht vergessend, Sich zu dem wilden Heer der Bosheit schlug Und, statt der Tugend goldnen Ehrenkrone, Den Sklavenring des frechen Lafters trug. Sein Leben gleichet der Gewitterwolke, Furcht und Entfeßen liegen um sie her, Auf ihrem Wege zischen Feuerflammen; Ihr dunkler Schoos ist kalt und freudenleer. Er blicket unter Beben, unter Grausen 4² Auf die verheerte Lebenszeit zurück. Die Gegenwart ist eine dürre Wüste, Und vor der Zukunft wankt sein starrer Blick; In eine Gruft verwandelt sich die Erde, s Das Leben ist in Trauerflor gehüllt; 012 0 Die Freude naht im blassen Todtenkleide, Ihr Becher ist mit Wermuth angefüllt. Gott, wie schnell ist unser Glück zerstdret, Wenn die Versuchung unser Herz beschleicht! Gott, wie elend ist der Mensch hienieden, Wenn er die Hand dem blinden Lafter reicht! Ich will vor dir mit hellem Geifte wandeln, Mein Wille sey gerecht, mein Herz sey rein; Dann werd ich ruhig, heiter einst vollenden; Mein letter Trost wird mein Gewissen seyn. 3008 Dienst a g. Morgen. Wem dank ich diese frische Lebensquelle, Die neubewegt durch meine Adern wallt? Wer ist der Schöpfer jener großen Freude, Die vom Gebirg und Thale wiederhallt? Wer läßt mich dieses stolze Glück empfinden, Im Glanz der Welt zu denken und zu seyn? Wer führt mich aus des Schlafes dunklem Kerker Aufs neue in das Land der Freiheit ein? Ich lag und schlief- die Sonne war erloschen Mit ihr mein Geist der Sinnen Reiz erftarb Der Traum ließ seine eitlen Farben spielen, Der Blumenflor der Wirklichkeit verdarb. Ich webte ohne Kraft und ohne Willen An einem Leben, das dem Tode glich; Im wunderbaren Wechsel eingewieget, Lag ich betäubt, und Sinn und Welt verblich. Wo ist im Kreise der Natur ein Leben, Auf dem nicht diese dunkle Lähmung ruht? Wer ists, der diese Todten auserwecket? Wo ist die Kraft, die solche Wunder thut? Du bists, o Schöpfer, den ich Bater nenne, www || 44 35 202 An dem mein Herz mit stiller Wonne hängt; Du bist es, ewig hohe Freudenquelle, Die mein Gefühl mit heil'ger Luft umfängt. Du wachteft über meine Lebensstunden, Du warst bey mir im Schattenreich der Nacht, Du sprachst zu mir aufs neue: denk und lebe! Du haft den Geift vom Tode frey gemacht. Wie glänzt die Welt im bunten Morgenschimmer; Geht, alles wogt in Lust und Lebenskraft! Die Sonne flammt im Thau, die Erde rauchet, Als Dankaltar, dir, der die Freude schafft; Dir, der im Himmel und auf Erden lebet, Dir, dessen Glanz den Weltenraum erfüllt, Dir, der den Engel und den Wurm beglücket, Teß Freudenstrom durch Sonn und Sterne quillt. Gelobet seyft du, fröhlich angebetet! Dein Ruhm erschalle durch die Ewigkeit! Ich fühle ganz, daß ich bey dir einst lebe, Vends Und segne freudig meine Sterblichkeit! enima CUSSING ***** 45 Dienstag Abend. Dir dankt mein Geist in dieser Abendstunde, Gott, du Quelle aller Geligkeit! Aus allen deinen Werken spricht die Liebe, Und ewig währet deine Gütigkeit. Vom Wiesengrün bis zu den blauen Bergen, Die still und lieblich in der Ferne stehn. Bom Feuerwurme bis zur goldnen Sonne Fft überall dein Gnadenlicht zu sehn. Vom stillen Dorfe bis zum heil'gen Walde, In welchem jeßt der große Friede ruht, Vom Lampenschimmer bis zur Abendrothe Bist du es, Gott, der allen Gutes thut. Selbst wenn der Sonne Freudenlicht verschwunden, Selbst in des Abends mattem Luftgetdu, Selbst wenn die blaffe Dämmerung erscheinet, Selbst in der Nacht ist deine Welt noch schön. Durchs tiefe Dunkel bricht der Sterne Flimmer, Der blaue Himmel ist mit Gold besät, Ein sanftes Leuchten dämmert durch die Schatten. Die Ruhe herrscht: der Friede Gottes weht, Ein Paradies winkt glänzend dort herüber, Die Lebensbáume stehn in goldner Pracht. 46 Ein weiffer Gang führt durch die Himmelsauen, Und tief im Thale liegt die Erdennacht. Doch ist sie allen Sterblichen willkommen, Und freundlich winket ihre Traulichkeit. Ein grosses Schweigen herrscht. Die Menschen schlafen. Und stärken sich zur neuen Thätigkeit. Der muntre Bogel ruht im grünen Laube, Das Thier im Walde kennt sein stilles Haus, Und emsig schmückt des Schlafes dde Kammern Der leichte Traum mit seinen Bildern aus. Dank dir, du guter Bater aller Wesen, Für Schlaf und Traum, für Mondenschein und Nacht! lieblich wird des Tages Last und Hiße Im Vorgefühl der süssen Nacht vollbracht. Go ruhen wir. Dein helles Auge waltet, Dein sind wir, Herr, im Leben und im Tod. Mit Ruhe laß am Grabe uns entschlafen, Und wecke uns am neuen Morgenroth. — Mittwoch. Morgen. Allmächtiger, auf dessen Wink die Erde Im neuen warmen Morgenlichte strahlt, Auf dessen Wort die hohe Sonne leuchtet, Und Berg und Thal mit frischen Farben mahlt! Zu dir erhebt sich meine wache Seele, Zu dir mein Auge mit vertrautem Blick, Und flehet um Erleuchtung für das Leben, Und für der ganzen Menschheit Wohl und Glück. Ogieffe aus dem Füllhorn deiner Gnade In alle Herzen Licht und Weisheit aus, Und sende früh der Tugend Ehrenwache An jeden Thron, in jedes Land und Haus: Den weisen Frieden, die vertraute Liebe, Die stille Güte, die sich selbst genießt, Die unbelohnt auf edle Thaten sinnet, Durch deren Huld die Thräne sanfter fließt; Die unerschrockne Wahrheit, ernste Würde Des freyen Geistes, den geseßten Muth, Ein mässig Leben, heilsam für die Seele Und seegensreicher Balsam für das Blut; Die fromme Keuschheit, welche sanft erröthet 48 Vor dem Gedanken, den die Schaam verbeut, Die jeden Blick, der die Begierde reißet, Durch heilige Enthaltsamkeit bereut; Den strengen Fleiß, ein unermüdet Wesen, Das für das Wohl des Ganzen lebt und webt; Und sich durch Arbeit, die dem Engel nüßet, Ein unvergänglich Grabmahl selbst erhebt; Das gieb uns, Gott, und darnach laß uns streben, Das ist der Menschheit hohe Gnadenwahl; O Dann herrscht dein Friede, deine Guade waltet, Und deine Erde ist kein Jammerthal. Bon dir kommt Lust und Leben, Heil und Segen, Und die Vernunft, das schönste Lebensgut. Sie leite uns nach deinem Wohlgefallen, Bis unser Herz im stillen Grabe ruht. 22 subordin Confinsta Med sta pihen 18 and in nepple 2 ani..buspos] Set the indust nimen T 49 Mittwoch Abend. Der Tag ist hin; die sanften Stunden kommen, Wo neue Kraft vom Himmel niedersinkt; Wo die Natur im frischen Thau sich) badet, Und fühler Schlaf den müden Gliedern winkt. Co fliegt das Leben bin in Wechselreihen d Und milde Ruhe folgt dem Wanderstab. Wir schlummern auf der freudenvollen Erde, Und unter uns schläft eine Welt im Grab. Noch spielt der Knabe an dem Mutterbusen Und vor ihm lacht die Welt im Glanz und Licht; Bald ruht das Herz, das treu für ihn geschlagen, Doch siehe auch sein Stundenglas zerbricht. Die Saat ist groß, die Erndte ohne Ende, Der Tod ist wach, die Sense ruhet nicht, Die Uhr der Zeit schlägt immer leßte Stunden. Wer kennt das Herz, das jetzt im Kampfe bricht? Nur du allein, Herr über Tod und Leben, Du siehst den Blick, von kaltem Schweiß beneßt, Du hörst der Wesen stille Herzen brechen, Du haft den Sterblichen ihr Ziel gefeßt. O laß sie sanft verscheiden, sanft vollenden, Laß deinen Engel still vorübergehn <-50 Und ihneu freundlich winken in die Kammer, Dort, wo der Vorwelt graue Sárge stehn. Verleihe deinen Kindern jene Ahnung, Die glaubensvoll die Gegenwart besiegt, Ach! einen Blick in deine Paradiese, Wenn diese Welt in Wolkendunst verfliegt. Und darf ich, Herr, vor dir mich unterwinden, so vernimm das Flehn der Menschlichkeit, Und laß auch den Verirrten Gnade finden, u Den Blinden eine lichte Ewigkeit! Du bist ja Vater, bist voll Huld und Güte, Und Liebe blickt aus deinem Sternenschein; Du quälest kein Geschöpf. Das Lafter quàlet; Nur Besserung wird deine Strafe seyn. Ein Geisterchor wallt aus der tiefen Erde Zum Himmel auf. Die goldne Harfe klingt. Owohl mir, wenn mein Geist im Lichtgewande Mit deinen Engeln heilig! heilig! singt. - Donnerstag. Morgen. Die Sonne tritt aus ihrem Purpurzelte, Sie stärkt den Geist, der an den Sadpfer denkt. Du hast, o ewigtreuer Menschenhüter, Mir wieder einen Lebenstag geschenkt. Empfange sein Geschenk, zufriedne Seele, Erkenne fromm, was Gott an dir gethan, Bring ihm der Liebe stilles Morgenopfer, Und bete ihn mit sanfter Rührung an. Ich blicke um mich her, und tausend Leben Erfreuen sich im warmen Sonnenschein. Vernimm, o Herz, die hohen Lobgesänge In Luft und Wald, und stimme freudig ein. Das goldne Thor zum groffen Saal der Freude Ist jedem Wesen gastlich aufgethan, Und eine milde Hand aus Silberwolken Streut Blumen hin auf jede Lebensbahn. Warum verschmäht der Mensch den füssen Frieden, Den ihm Natur und Einfalt zugedacht? Warum sinnt er, im Ueberfluß der Schäße, Auf fremdes Gut, das ihn nicht glücklich macht? Sind jene Wilden in entfernten Zonen D 2 Bey ihrem Golde fröhlicher, als wir? Und wohnen sie, in ihren Palmenwäldern Und Balsamduft, auch sicherer als hier? Ist die Natur in ihrem Pomp zu neiden, Wenn über ihr die heiße Sonne glüht? Was nüzt die Kraft der süssen Spezereyen, Wenn durch die Luft der Todesengel zieht? Olafset uns nicht in die Ferne schauen, So lange Luft und Leben um uns quillt; Laßt uns nicht aus dem Strome trinken wollen Go lang der klare Bach den Durst uns stillt! Nicht Schwelgerey erhält den Seelenfrieden, Nicht theure Kost verleihet Fröhlichkeit. Die Ruhe stirbt, wo die Begierde lebet; Das wahre Glück wohnt in Zufriedenheit. Mit warmen Dank, mit seligem Gewissen, Mit dir ergebnem frohem Kindersinn, So laß, o Gott, mich deine Welt genießen Und liebend fühlen, daß ich glücklich bin. 53- Donnerstag Abend. Still ist die Nacht, und unter Gottes Frieden Erneuern sich die Kräfte der Natur. So wird die Schöpfung täglich neu geboren, Und täglich wallt die Schönheit durch die Flur. So muß der Mensch auch neu geboren werden An Herz und Geist, durch Weisheit und Verstand. Der Geist muß jeden Abend triumphiren, Wenn schon des Leibes Kraft von hinnen schwand. Der heil'ge Funke, der im Herzen glimmet, Wird durch den Hauch der Tugend angefacht. Der stille Geist, der in dem Kerker schmachtet, Wird nur durch Wahrheit stark und frey gemacht. Denn wer vom Fleisch geboren ist, der bleibet Ein tråger dunkler Körper, wenn ihn nicht Der Geift erhellet, der lebendig machet Und die Gewalt der Sinnlichkeit zerbricht. Das ist die Auferstehung zu dem Leben, Wenn die Vernunft sich aus dem Schlaf erhebt. Das ist die Freyheit aus des Todes Banden, Wenn unser Geist für Recht und Wahrheit lebt. So gleicht die beßre Menschheit, ungesehen, Der Luft, die durch die Abendkühlung weht; 54 Sie wirkt im Stillen, hauchet Lebenskräfte Und stärkt den Wandrer, der vorüber geht. Sie bauet an der Weisheit Ehrentempel Und weiht sich treu, zu ihrem Dienste ein, Und jeder Tag, den sie zurücke leget, Muß eine Stufe zur Vollendung seyn. Zu solchen Menschen laß mich aud) gehören, Du grosser Vater, der im Lichte wohnt; Mit jedem Tage laß mich weiser werden, Bis einst der Himmel meinen Geist belohnt. Dort strahlet reine Klarheit mir entgegen, Dort herrscht die Weisheit unter Sternenglanz, Dort wird mich keine Günde mehr entweihen Und meine Seele schwebt im Palmenkranz. O schöne Aussicht in das Land der Freude, Von Gott geschmückt, vom Sternenlicht begränzt! Ewigkeit, wie heilig ist die Stunde, Wo deine Pforte mir entgegen glänzt! Vor diesem Licht, das sanft herüber dämmert, Vor jenem Glanz im funklen Heiligthum, Vor jenen Sternen will ich heilig leben; Und Reinigkeit und Weisheit sey mein Ruhm! an ex Freyt a g. Morgen. Dort, wo die Sonne freundlich alle Wesen Mit goldnem Glanz und Purpursaum umfaßt, Dort, wo das Licht in Osten sich erhebet, Ist einst das milde Licht der Welt erblaßt. Dort, in dem heil'gen Ueberbang der Zedern, Wo unter Moos die fromme Vorwelt ruht, Dort, wo die sanfte Friedenspalme wehet, 12 Vergoß der Mann des Friedens einst sein Blut, Der Himmel wolkte sich, die Erde bebte, Die Sonne floh, die dunkle Schöpfung schwieg. Die Weifen trauerten, der Pobel jauchzte; So feyert die Verblendung ihren Sieg. us Die Unvernunft zwar ist sie bald entlarvet, So bald der Geist auf seine Rechte blickt, Sie wird zu Spott, ihr Name wird geachtet Und hat sich selbst das Brandmahl aufgedrückt- Doch furchtbar sind die Spuren, wo sie hauset, Die Liebe stirbt, die blinde Wuth gedeiht, Das heil'ge Band der Menschheit wird zerrissen, CO 56 PONT t Und Tempel und Altáre sind entweiht. So war es einft in jenen finstern Tagen, Da Geist und Herz durch Priestertrug verdarb, Da, zu der Schmach auf Golgatha verdammet, Der Gottgefandte, der Gerechte starb. Willkommen mir, du Feyer seines Todes; Du Leidender, mein ganzes Herz ist dein. tra O möchte dieser Tag für alle Christen, Ein stiller Sabbath der Erkenntniß seyn! Der Aberglaube baut sein Reich im Dunkeln, Noch zieht die Schaale, wo das Unrecht liegt; Noch kämpft die Zwietradt für die Aufsfenseite; Noch hat die Menschenliebe nicht geſiegt. Willkommen mir, du ernste Todtenfeyer, Du Sterbender, wie schön hast du vollbracht! Kein Mund hat für die Wahrheit so gesprochen, Kein Herz so rein das Heil der Welt bedacht. Gey mir gearüßt in deinem Blutgewande, Du Heiliger, mein ganzes Herz ist dein. Menschen kommt, und laßt uns Brüder werden: Er starb für diesen seligen Verein! u desc Er starb für Alle. Brüder, und wir soll.en Nicht freudig für einander leben hier?- Er starb für eure Menschenrechte. Rommet, Und werdet frey am großen Siegspanier! 57 Das war dein Wille, du erhabner Stifter, So büßtest du dein schönes Leben ein. Wir sind mit Blut erkauft. Du Herz voll Liebe, Dein letzter Wille soll uns heilig seyn! none nodot affi oday 11070 mill ( olie 10 si 60 g smis lined to dest Ko daffredund2 med it al aston sydna sid mu stbo15] MO sinadun Ipangoon s tim 150 rod( med Idade meo 145 29 58 mind and 300 Freytag Abend. Das Leben rinnt mit jedem Tag von hinnen, Die Freude der Vergangenheit entflieht, Der leichten Silberwolke ähnlich, welche Durchs Flittergold der Abendrothe zieht. Wo send ihr nun, ihr frohen Millionen, Die einst der Schauplaß dieser Erde trug? Jeßt schlafet ihr den langen Schlaf im Grabe Und eure Hülle deckt der Aschenkrug. Co schwindet alles, nur die Tugend bleibet, Dem Felsen gleich im stürmevollen Meer. Fahrtausende führt dort die Zeit vorüber; Er steht und troht dem lauten Wellenheer. So steht die Zugend. Berg und Hügel weichen, Die Kraft veraltet an dem Wanderstab, Und eine Menschheit um die andre finket Hinab ins grosse mütterliche Grab. Nur du allein, verklärte Himmelstochter, Haft in die Sonne deinen Thron gebaut. Ihr Licht und deine Kraft ist unvergånglich; Wohl dem, der dir mit festem Muth vertraut. Er sieht am Schlusse eine Abendrothe, Er hört im Tod den Ruf der Ewigkeit, - 59 Und findet in der schwarzen Nacht des Lebens Den Stern der seligen Unsterblichkeit. Wohl mir dereinst, wenn ich den Lauf vollendet, Wenn alles um mich welket, stirbt und schweigt, Mein Auge bricht, mein Herz im Tod erkaltet Und meine Hülle sich zu Grabe neigt; Wohl mir dereinst, daß ich die Tugend liebte, Daß ich mit Luft auf ihrem Pfade gieng, Daß ich die Einfalt und das Wahre suchte Und nicht mein Herz an eitle Träume hieng. Ich fühle es, man kann die Weisheit lieben Und durch die Unschuld reich und glücklich seyn. So lebte Jesus Christus unter Menschen. Er starb am Kreuße, aber schuldenrein. Sein letzter Blick voll Heiterkeit und Liebe Eprach zu der Welt:" der Himmel kennet mich. Dir, Vater, schlägt mein treues Herz entgegen. Es blutet für dein Reich und freuet sich." O Gott, den ich in stiller Nacht verehre, Zu dem mein Herz durch finstre Wolken steigt, Vor dem mein Geist im groffen Weltentempel Sich unter Liebe, unter Andacht neigt, Du Heiliger, laß mich die Welt verachten, Wenn sie des Lasters goldne Schaale beut, Und laß mich hier mit meiner Tugend sterben, Damit dieß Leben dort mich nie gerent. Samst a g. Morgen. Der Morgenstern ist sanft hinab gesunken Und übergiebt der Sonne ihren Tag. Die Zeit hat ihre Sanduhr umgewendet Und hoch vom Himmel tout ein Stundenschlag. Der Tag bricht an, und eine Woche scheidet; Die Stunden kommen, und das Leben flieht, Der Weise harret sinnend an dem Ufer Und blickt in Strom, der rasch vorüberzieht. Er träumet nicht. Sein wacher Geist ist helle, Er denkt die Zukunft und Vergangenheit. Sein Herz ist ruhig. Gott und Vorsicht walten, Und Menschen wandern in die Ewigkeit. Gott lebet noch, der Herrliche, der Gute, Sein Plan gelingt; doch wer begreifet ihn? Sechs tausend Jahre zählet die Geschichte Sein Plan ist ewig; wer umfasset ihn? Den Menschen gab er eine hohe Freundin Und einen Schaß von ungemeßner Luft. Die Freundin ist tie Tugend; unser Reichthum, 61 Ein ruhiges Gewissen in der Brust. So blickt der Mensch der Zukunft froh entgegen, Er fürchtet nicht den ernsten Stundenschlag. So wie der Schnitter in die Erndte blicket; So blickt er auf des Himmels Wonnetag. Dem edlen Geist, der immerdar sich bessert, Was drohet ihm? Vollendung ist sein Ziel. Er ringet nach dem Urbild seiner Wünsche Und hänget nicht am dunkeln Lebensspiel. Die Milde, die aus seinem Wesen strömet, Macht, daß der Traurige in Freude singt. Die Heiterkeit, die seinen Tag umschwebet, Schafft, daß sein Werk mit leichter Müh gelingt. Wer sich erkennt, und seine Pflicht erwäget, Das Wahre sucht aus Menschentand und Schein, diesem wird die ewige Beschauung Des Lebens niemals überdrüssig seyn. Er sieht mit jedem Morgen deine Erde, Gott in jenes Lebens Wiederschein. Sie gleicht dem Blumenflor, vom Thau gebadet, Und deine Sonne streuet Gold darein. Mein Vater dort, im blauen Himmelszelte, Mein Vater hier, im grünen Erdenthal, Dein Auge sieht den jüngsten Tag der Welten, So wie des Säuglings kurze Stundenzahl. 62 - Du sorgest, walteft, schüßeft, nåhreft, liebestFerr, mein Gebet ist stille Dankbarkeit. Mit dir will ich das kurze Leben enden, Mit dir leb ich die lange Ewigkeit. Cortedate 63 - Samstag Abend. Die Abendluft zieht durch die dunkeln Bäume Und streuet süßen Weihrauch auf die Flur, Der Himmel feyert seinen stolzen Frieden Und unter Sternen schlummert die Natur. So neiget alles sich zum frohen Ende, So wird die Woche und der Tag vollbracht. Der Müde schläft, die leßte Sorge schwindet Und alles ruhet, nur die Gottheit wacht. So blicke denn mit Dank zurück, o Seele, Auf die vollbrachte, stille Lebensbahn. Der Sabbath naht, die Woche ist vollendet, So ruhe denn, du hast genug gethan. Doch ach, wie dank ich dir, du Gott der Liebe, Für deine Treue und Barmherzigkeit! Du Menschenvater, ich bin zu geringe, Und schüchtern fühl ich deine Herrlichkeit. So manches offne Grab hat sich geschlossen, Ich lebe noch durch deine Gütigkeit; So mancher achzet auf dem Krankenbette, Ich fühle noch des Lebens Süssigkeit. Dem Mangel und der Schande preisgegeben, Wird manches Herz von schwerem Gram gedrückt. 64 O guter Gott, wie kann ich dirs verdanken, Daß du so mild auf meinen Pfad geblickt? Du gabft mir Kraft, die Arbeit zu vollbringen, Und Lust und Muth und Segen folgte mir. Von bösen Thaten ist mein Herz befreyet, Und diese Ruhe, Bater, dank ich dir. O möchte ich stets richtig vor dir wandeln, Im Geiste frey und im Gewissen rein. O mocht ich ganz des Lebens Werth erkennen Und deiner groffen Güte würdig seyn. Ich will es, Herr! Mit Freudigkeit gelobe Ich, recht zu thun vor deinem Angesicht. Ich will mein Herz vom Lafter rein erhalten, Bis es dereinst im kalten Tode bricht. Das ist mein Schwur. So end' ich diese Woche. Mein Geist, o Gott, fühlt deine Seligkeit, Die Erde ruht. Der Himmel dämmert Frieden, Und lieblich winkt die stille Ewigkeit. Herbst. Herb ft. ( Anfang 20. September.) 5 Sonntag. Morgen. Auf, mein Geist, zum großen Weltenvater, Der dir freundlich Luft und Daseyn beut; Schmücke dich zur Andacht und zur Ruhe; Dieser Tag ist Gott und dir geweiht. Hocherhaben schwebt aus Geisterchören Unsre Freundin, die Religion; Lächelt auf die Erde und besteiget Unter Menschen ihren Segensthron. Aber gleich dem ungesunden Nebel Wogt der Aberglaube aus der Nacht Und umwölkt die reine Himmelsklarheit, Die sie aus der Höhe mitgebracht. Mißgestalten wallen aus der Tiefe, Und die edle Einfalt geht zu Grab. Kleinigkeiten schweben auf der Höhe, Und das wahre Groffe sinkt hinab. Wahrheit und Vernunft wird unterdrücket, Und die Thorheit feyert ihren Sieg; Feuerbrande fliegen von Altáren menja 10 68 Und die Menschenliebe wird zum Krieg. Ach! was hat das arme Herz gewonnen, Wenn der Friede traurig untergeht? Und wie kann der freye Geist sich heben, Wenn des Unfinns grause Fahne weht? Die Vernunft wird ohne Freyheit dunkel, Gleich der Lampe die kein Zufluß nährt, Und das Leben, ohne Licht und Wärme, Gleich dem Wind, der über Stoppeln fährt. Vater, dem wir unsre Hände falten, Dem das Herz mit Luft entgegen wallt; Gott, dem unsre Tempel angehören, Dem der hohe Lobgesang erschallt, Ach! beseele alle deine Kinder, Deren Herz es gut und redlich meint! Ach! erleuchte alle deine Menschen, Die vor dir ein heil'ger Bund vereint, Daß sie dich im Geist und Wahrheit ehren, Auf ihr Herz, nicht auf Gebräuche sehn, Daß sie auf der freyen Bahn des Glaubens Nichts bestreiten, was sie nicht verstehn; Nicht verfolgen, wo der Himmel duldet, Nicht verdammen, wo die Gottheit schweigt, Nicht vom Schauen reden, wo der Glaube Unserm Blick nur dunkle Bilder zeigt. 69 - Führe deine Menschenkinder, Vater, Wie du willst, in deinen Himmel eing Aber laß uns eins seyn in der Liebe; Dieses wird der wahre Glaube seyn. 79 Sonntag Abend. Sey willkommen, traute Schlummerstunde, Sen gesegnet, ernster Stundenschlag! Dankend blick ich zu dem Weltenvater, Fröhlich schließ ich diesen Ruhetag. Heiter zieht die Königin des Tages Im Geleit der Abendrothe hin; Feyernd schließt die Nacht den stillen Tempel Und erscheint als sanfte Trösterin. Aber du, der über Sternen wohnet, Kennst der Sonne dunklen Wechsel nicht, Deine Tage nehmen nie ein Ende, Und vor dir liegt eine Welt voll Licht. Hocherhaben über Abendrdthen, Uleber aller Sonnen Untergang, Schaut dein Blick durch helle Ewigkeiten Ueber Weltenflug und Sternenklang. Aber auch im Staube weilt dein Auge, Nichts ist schlecht, was dein Verstand erschuf. lieberall weht deine Baterliebe, 71=> Und du höreft aller Wesen Ruf, Wohl mir, daß du alles weißt und siehest, Aller Wesen Daseyn, Luft und Schmerz; du kennest auch mein Händefalten, Siehst mein treues, liebevolles Herz, Wie es dankend, preisend an dir hänget, Wie es kindlich seine Leiden trägt, Deine Gröffe fühlet und in Demuth Seine Unvollkommenheit erwägt. Ach! es blüht nur eine Lust hienieden: Selig sind, die reines Herzens sind! Dieses bleibet, wenn der Staub im Grabe, Wie der Sand im Stundenglas verrinnt. O so laß uns denn vollkommen werden, Bater, wie du selbst vollkommen bist, Hier im Staube lehre uns das Wollen, Das Vollbringen dort, wo Freyheit ist. Besser werden ist der Zweck des Lebens Bater, und du gabst uns ja Verstand; O so biete Weisheit sich und Tugend Unter Menschen überall die Hand! An dem Pfluge, wie am Freudentische, Von der Schule bis zum Traualtar: Unter Blumen, wie am Erndtetage, Von der Wiege bis zur Todtenbahr! -72 Unser Leben sey dir, Herr, geweihet, Unser Wandel sey verklärt und rein; So wird einst, wie diese Abendstille, Unser Ende sanft und selig seyn. Mondt a g. Morgen. Dank dir, Vater, der zum neuen Leben Mich durch seine milde Sonne weckt; Der die Luft mit Heiterkeit durchwebet, Und den Baum mit süssen Früchten deckt; Der die stolze Purpurtraube reifet Und das Laub mit bunten Farben mahlt. Der den Flaum des Pfirsichs lieblich röthet Und den Wald mit goldnem Saum bestrahlt! Dank dir, Vater, Schöpfer, Menschenhüter, Alle diese Wonne kommt von dir; Dank dir, ewig milde Frendenquelle, Allen diesen Segen giebst du mir! Wenn die Welt in stillem Frieden schlummert, Blickt dein heitres Auge durch die Nacht, Blickt vom Himmel schüßend auf die Erde, Bis der Tag in seinem Licht erwacht; Sorgt für seine Kinder in der Ruhe, Daß ihr Schlaf gesund und fröhlich sey; Wendet die Gefahr von ihrem Lager, Und ihr Glück ist alle Morgen neu. Herr, ich beuge mich im Staube nieder, - 74 Vater, deine Hand war über mir. Treue Hand, daß ich dich füffen könnte! Vater, meine Seele fliegt zu dir! Gott, der du so freundlich um mich waltest, Dir im Himmel will ich ähnlich seyn. Und so tret ich unter Dank und Freude In die neue Lebenswoche ein. Deinem sanften Rufe will ich folgen, Alles meiden, was verwerflich ist, Alles thun, was dem Gewissen frommet, Weiß ich doch, daß du mir gnädig bist. Ach, mein Vater, Allen bist du gnädig; Lehr uns Alle, gut und weise seyn, Und wo diesen Tag ein Mensch verscheidet, Für ihn sanft zu deinem Frieden ein. 75Mondtag Abend. Still und einsam dåmmern Gottes Sterne, Ruhig liegt die Finsterniß im Thal, Und des Lebens bunte Freudenbühne Wandelt sich zum schwarzen Trauerfaal Falbe Blätter säuseln im Gebüsche, Wenn die Abendluft vom Berge zieht; Kalter Thau sinkt auf die Wiese nieder Und die blaffe Herbstzeitlofe blüht. Alles, alles eilt zu seinem Ende, Uleberall erscheint die Sterblichkeit, Mit dem welken Kranze an der Harfe. " So vergeht des Lebens Herrlichkeit!'* Ach! die Zeit weht über Stoppelfelder Eine Hoffnung nach der andern hin, Und die Menschheit schläft in ihren Gräbern Ohne Sorge, ohne Traum und Sinn. Schlafet wohl, ihr, die ihr hier gewesen, Wo jest eure Kindeskinder sind; Ruhet wohl, ihr, die ihr hingegangen, Wo des Todes grosse Sanduhr rinnt. Alles stirbt! Ich will das Grab nicht fürchten! Zwar ists finster, und die Nacht ist lang. 76 Doch wer weiß, wie lang die Todten schlafen? Wer vernimmt den leisen Himmelsgang? Wenn der Grabgesang ins Thal verhallet, Bricht vielleicht schon euer Morgen an. Ihr erwachet-- und die Sonne röthet Wald und Berge dort in Kanaan. Herr des Lebens, laß mich fröhlich wandeln, Weil noch Blut und Leben in mir fließt! Herr des Todes, laß mich fröhlich scheiden, Wenn die leste Nacht mein Auge schließt. Oft will ich an jene Stunde denken, Wo die Welt mit ihrem Glanz entflieht; Oft will ich den neuen Morgen segnen, Wo der Geist in seine Heimath zieht. Gott, dir leb ich! Gott, dir will ich sterben! Und dein Bote wird nicht schrecklich seyn; Friedlich wirst du deinen Engel senden, Und ich schlaf in seinen Armen ein. Dienst a g. Morgen. Herr, vor dem die Sterne niederſinken, Und die Sonne aus dein Nebel steigt; Herr, vor dem der Weltenkreis verstummet, Und das Chor der Seraphinen schweigt; Ewiger, im gränzenlosen Raume, Mächtiger, in deiner Herrlichkeit, Heiliger, in deinem stillen Himmel, Gütiger, in deiner Seeligkeit! Du gebeutst, und eine Welt entschlummert, Du befiehlst, und eine Welt erwacht. Rustig geht der Mensch an seine Arbeit, Fröhlich sinkt er in den Schooß der Nacht. Du bists, der das Schiff im Meer behütet, Wenn der Sturm an Thau und Segeln reißt; Du bists, der die Biene Vorsicht lehret, Und die fromme Schwalbe ziehen heißt. Du bists, der den langen Tag erwärmet, Wenn die Garbe auf dem Acker liegt; Du bists, der den kalten Tag verkürzet, Wenn das weisse Herbstgewebe fliegt. Nebelberge steigen aus der Tiefe, 78 Und dein Morgenstrahl vernichtet sie. Aufgeheitert liegt das finstre Chaos, Und die Schöpfung lacht in Harmonie. Vater dort, wer wollte dir nicht trauen Auf der ungewissen Lebensbahn? Nicht die Leiden dieser Zeit ertragen, Wenn er deine Werke sehen kann? Deine Sterne, deine Morgenrithe, Deiner Schöpfung lieblich Farbenspiel. Deine Sonne in dem Feyerkleide Und des Lebens seliges Gewühl? Unter Blik und Wetter, Reif und Nebel, Auf der Blüthe stillen Leichenspur, Unfre Hoffnung in den Wintertagen Bist du, hohe Trösterin, Natur! Wie ein Kind will ich dem Vater trauen, Der die Schöpfung und die Zeit regiert, Der mich auf die Lebensreise sandte, Und mich nicht aus seinem Blick verliert. Fröhlich will ich meinen Lauf vollenden, Gott ist nah, es gehe, wie es geh'. Muthig greif ich nach dem Wanderstabe, Soll ich leiden Herr, dein Will gescheh! - 79 Dienstag Abend. Stille herrscht, und dunkle Schatten schweben Einsam über die bethaute Flur, Und der kalte Abendhauch vermindert Traurig die Geschenke der Natur. Bleich erstirbt die Blume auf der Heide, Mit dem Laube sinkt die lehte Frucht. Kalte Schauer wehen durch den Himmel, Wenn das Auge nach den Sternen sucht. Herr, es ist dein Wille; alles endet, Alles sinket in das offne Grab, l Alles geht in seine Ruhekammer, Zeit und Leben blühen herbstlich ab. Nur der Geist blickt jugendlich zurücke, Seine Labung ist Erinnerung. Selig fühlt er seine Menschenfreuden In des Lebens Abenddämmerung. Wenn ich meine Laufbahn übersehe, Meines Daseyns stille Lieblichkeit, Ach! mein Bater, ich bin zu geringe Deiner Treue und Barmherzigkeit. Täglich war dein Vaterherz mir offen, Täglich fühlt' ich deine Segenshand, 89 Täglich fand ich deiner Güte Spuren In der Schöpfung, in dem Vaterlands Jede Sonne, die ich froh begrüßte, Jeder Mond in stiller Himmelspracht, Jeder Morgen, der mein Leben weckte, Jeder Abend, der mich froh gemacht, Jede Stunde, da ich Weisheit lernte, Jede Ahnung, die den Geist erhob, Jeber Tag, an dem ich besser wurde, Und mir Ruhe in das Leben wob; Alles, alles hab ich dir zu danken, Alles, alles hast du mir geschenkt. wie blickt das Auge schnell zum Himmel, Wenn das Herz an seine Freuden denkt. Gott im Himmel, laß mich nie vergessen, Daß du aller Wesen Vater bist, Daß mein Glück aus deinen Händen fliesset, Daß mein Leben deine Wohlthat ist. Demuthsvoll will ich den Lauf vollenden, Sanft und ruhig, wie die stille Nacht, Und mein letter Herzensdank, o Vater, Sey dir an dem Grabe dargebracht. Mitte Mittwoch. Morgen. Eingefunken liegt das Nachtgewölbe, Still am Wald verlischt der Morgenstern. Licht und Glanz fliegt durch die hohen Räume, Alles wacht und preiset Gott den Herrn. Berge dampfen ihre Weihrauchwolken Und die heilge Sonne flammt empor. Feyernd steht der groffe Ehrentempel Und die Schöpfung und der Wesen Chor: Betend tritt die Menschheit zum Altare, Sinket heilig auf das Angesicht, Fleht um Ruhe für das Erdenleben, Fleht um Tugend, fleht um Trost und Licht. Herr, dein Segen sey mit ihnen allen Und dein Licht erhelle ihren Pfad. 20 Gieb dem Armen Brod, dem Schwachen Stärke Und bewahre sie vor Missethat, Alle Sünder lehre deine Wege, Alle Herzen seyen außgeföhnt, Allen måden Sterbenden erscheine Und ihr Glaube sey mit Licht gekrönt. 82 Mitten in der Lebenswoche eilen Tausend Pilger ihrem Ende 311. Sieb uns, Gott, ein ruhiges Gewissen; Unser Richter, unser Trost bist du. Einst verschwindet jene Nacht am Grabe, Strahlend bricht der neue Morgen an, Alle Todten gehn aus ihren Kammern, Allen winkt die neue Lebensbahn. Herr des Lebens, laß uns freudig wirken, Daß wir jenseits nicht verdrossen stehn. Herr des Todes, laß uns schön vollenden, Daß wir dort nicht schamroth niedersehn. Ungewiß ist unsre leßte Stunde, Und das Ziel in Wolken eingehüllt; Wohl dem Menschen, der den Tod nicht scheuet, Sich den Kelch nicht selbst mit Wermuth füllt. Fröhlich will ich diesen Tag beginnen. Herr, du hilfst; mein Wille ist ja gut. Gieb mir Kraft, das Laster zu verachten, Lust zur Weisheit und zur Tugeyd Muth. -87 83 Mittwoch Abend. Einfam blickt der Abendstern am Himmel Auf die kalte, menschenleere Flur. Alles ruht; nur in dem stillen Raume Wacht der grosse Vater der Natur; Blicket mild auf seine Wesen nieder, Sieht im Dunkeln ihre Lebensbahn, Freut sich, wenn die Menschen, seine Kinder, Auf der Welt, des Guten viel gethan; Wenn ein Herz der Tugend treu geblieben Und das Unrecht muthig von sich wies, Wenn der Geist nach Licht und Wahrheit strebte, Und das Band der Unvernunft zerriß; Wenn der Hohe seine Pflicht erkannte Und der Arme seine Leiden trug, Wenn der Sünder, vom Gefühl ergriffen, An die Brust in stillen Thránen schlug. Dieses, Vater, ist dein Wohlgefallen Dieses schmücket unsern Pilgergang, Deine Engel stimmen ihre Harsen, Und den Himmel füllt ein Hochgesang. Mogen Berge weichen, Hügel fallen; Laßt uns kämpfen, laßt uns feste stehn, 84 Unfre Gonne glänzt an jenem Morgen Und das Gute wird nicht untergehn. Fröhlich werden wir einst auferstehen, Wenn die laute Weltpofanne ruft. Heiter glänzt es um die Ruhekammer Und der Himmel strahlet um die Gruft. Sonnen leuchten, Friedensbogen schimmern, Ueber Welten flammt der Sternenthron Und sie kommen, die da Gutes thaten, Und der Höchste ist ihr grosser Lohn. Und er forget freundlich für die Seinen, Unter Engeln, unter Raum und Sterns Sie empfangen eine schöne Krone, Heil dem Sieger! aus der Hand des Herrn. Jammer, Angst und Seufzen wird verschwinden, Alle Thränenquellen trocknen ein. Lieblich fließt der goldne Strom des Lebens, Und der herbe Tod wird nicht mehr seyn. Hallelujah, Preis und Dank und Ehre Sey dem Vater, dem Erbarmenden! Unser Schöpfer ist kein Gott der Todten, Heil und Trdstung allen Lebenden! Dir befehl ich meinen Leib und Seele, Herr des Lebens, in der finstern Nacht. Laß mich heilig und in Frieden schlafen, Bis die Arbeit und d r Tag erwacht. Donnerstag. Morgen. Nother Glanz verbreitet sich in Often, Nacht und Traum erstirbt am lichten Ziel Und der Schauplaß der Natur eröffnet Sich mit einem bunten Farbenspiel. Gelbe Bäume leuchten aus dem Walde, Rothe Büsche vom Gebirge her, Und der grüne Saame spricht zum Herzenz Die Natur ist nie an Hoffnung leer. Selbst in ihrer leßten Stunde winket Sie noch freundlich ihren Kindern zu. Und aus ihrem Abschied strömet Segen, Stromet Liebe, stromet Seelenruh. Immer steht die Welt in ihrem Glanze, Der den Geist der Sterblichen erhebt, Ueberall ist eine Freudenblume Ju den Kranz des Lebens eingewebt. Ruhe und Gesundheit würzt die Mühe Hoffnung front die arme Menschenwelt Und der Mutter tiefgefühlte Sorge Wird durch süsse Liebe aufgehellt. Gott, du hast das Leben schön geschaffen, 86 Alles blüht vor deinem Angesicht, Und auf einer goldnen Wage ruhet Unser Schicksal in dem Gleichgewicht. Unter Stürmen schmücket sich die Erde, Unter Blißen lacht die Fruchtbarkeit, Unter Reif und Nebel grint der Saame Und der Schnee wacht für die Erndtezeit. Bater, sollte dich mein Herz verkennen, Wenn ein trüber Lebenstag erscheint? Sollte je der Geist an dir verzweifeln, Wenn das Auge eine Thräne weint? Könnte ich die Lebensstunde tadeln, Die mein blödes Auge nicht ermißt? Bater, konnte ich je dein vergessen, Da dein treues Herz mein nie vergißt? Du bist weise, du bist hocherhaben, Du bist Weltenkönig; ich bin Staub. Deine Jahre nehmen nie ein Ende, Meine Tage sind wie fallend Laub. Mag die Sonne ihren Glanz verlieren, Mag die Welt im Sturme untergehn. Liebend, freudig will ich an dir hängen, Und im Sturm den treuen Vater sehn. 87Donnerstag Abend. Finsternis umhüllt die feuchte Erde, Nur der Schein aus bessern Welten blinkt; Wieder ist ein Tagewerk vollendet Und der stille Feyerabend winkt, Jedem war die Arbeit angewiesen In der Hütte, wie auf goldnem Thron, Und der grosse Hausherr reichet jedem Seiner Knechte den verdienten Lohn. Seelenruhe ist der Lohn des Weifen, Der mit Freuden seine Pflicht gethan; Und das eigne Herz verdammt den Sünder, Wenn ihn Niemand sonst verdammen kann. Keine Hoheit kann dein Auge blenden, Denn vor dir, o Herr, ist alles gleich; Keine That kann sich vor dir verhüllen, Vor dem Richter in dem Geisterreich. Friede sey mit deinen Menschen allen, Friede, wenn die Abendrothe lacht. Friede, wenn der Leib zur Ruhe sinket, Friede, wenn der junge Tag erwacht. Gieb uns Herr, ein ruhiges Gewissen; Des stärkt in Freude und in Leid. 88 Ohne dieses ist kein Glück auf Erden, Und im Himmel keine Seligkeit. Traurig geht der Bösewicht durchs Leben; Sein Genuß ist ein verwirrter Traum, Seine Hoffnung eine welke Blume, Seine Freude ein entlaubter Baum. Düfter steht er unter deinen Sternen, Ach sein Herz hat keine Freudigkeit. Schaudernd blickt er nach dem Ziel des Lebens, Und erschrickt vor seiner Ewigkeit. Rube, süsse Himmelsruhe, schwebe Sanft hernieder auf die Menschenwelt, Daß sie heiter aus der Pilgerhütte Aufwärts blicke in das Sternenzelt. Friede sey mit deinen Menschen allen, Du, der liebend für die Seinen wacht, Friede auf der Erde, wie im Himmel, Und den Feinden eine gute Nacht! PXCHAUS 9 Freyt a g Morgen. Sterbend finkt die holde Morgenrdthe In der Erde still bethránten Schoos. Ach sie mahuet an das Blut des Reinen, Das einst dort im Morgenlande floß; An den sanften Weisen, der die Liebe Aus dem Himmel auf die Erde trug; An den Helden, der in Kraft und Wahrheit Gottes und der Menschheit Feinde schlug. Herrlich gieng er zu dem Kampf gerüstet, Mit dem Schwerdt des Geistes angethan, Und die weisse Friedensfahne wehte Auf die unbefleckte Siegesbahn. Herrlich stund er unter seinen Treuen, Hoheit sprach aus seinem Angesicht. Zion bebet, Mofis Tempel wanket, Und die Feffel der Vernunft zerbricht! Herrlich starb er. Sehet ihn vollenden, Groß und heiter, wie der Sieger stirbt. Heil dem Sieger! Preis dem Gottgeweihten, Der den Dank der Menschheit sich erwirbt! Rubig streut der Landmann seinen Saamen 09° In der Erde dunkeln Schoos hinab; Sturm und Nacht zieht über Wald und Fluren, Und der Gegen schläft im stillen Grab, Aber bald erwecket ihn die Sonne, at Grünend steigt die Hoffnung aus dem Grab, Und der Såmann faltet frob die Hände Für die Garben, die der Himmel gab. Laßt uns würken, weil es Tag ist, Brüder, Und nicht auf die nächste Stunde sehn. Mogen wir im fühlen Grabe ruhen; Unfre Tugend wird nicht untergehn. Laffet uns am grossen Tempel bauen, Den die Menschheit der Vernunft geweiht; Laßt uns kühn dem schönen Plane folgen, Die Vollendung giebt die Ewigkeit. Mogen Andre dieser Einfalt spotten, Die uns an die schwüle Arbeit zieht; Mögen Tausend unsern Fleiß verkennen; Wenn ihn nur der grosse Meister sieht, Ja er sieht ihn; und die Welt verstummet, Wenn er seinen Freunden Recht verschaft. Ewiger, laß uns nicht müde werden! Heiliger, gieb uns zum Guten Kraft! 91 Freytag Abend. Guter Bater, der im Lichte wohnet, Wo der Glanz von tausend Sonnen strahlt, Deffen Liebe, dessen Herz voll Treue Keine Rührung und kein Dank bezahlt! Dich falte unter deinen Sternen Meine Hände in der stillen Nacht Und mein Geist ruft an dem Ziel des Tages: Er hat alles, alles wohl gemacht. Aber schaurig weht es durch die Erde, Bleiche Wolken ziehen durch die Luft Und der Schöpfung warmer Freudentempel Wird zu einer kalten Todtengruft. Blaffe Nebel steigen aus der Tiefe, Dürre Blätter rauschen in den Wind, Kalte Schatten wandeln über Gräber Und des Todes stille Sanduhr rinut. Traurig blickt die Seele auf den Wechsel, Auf das Ende dieser Herrlichkeit! Blicket sehnend unter Nacht und Kälte Auf die liebliche Vergangenheit. Liebe Seele, merke diese Lehre Ehe sich der Schlaf mit dir vermählt: 0-92 Unvernunft und rauhe Sitten herrschen, Wenn im Leben Licht und Wärme fehlt. Licht am Throne und in Tempelhallen, Warme für die Pflicht der Menschlichkeit, Licht und Recht, so weit die Sonne scheinet, Lieb und Treue bis zur Ewigkeit Dieses war es, was uns Jesus lehrte; Dieses schwören, dieses glauben wir. Ach wir sind noch weit vom schönen Ziele; Aber, groffer Meister, Dank sey dir! Endlich wird dein sanftes Reich erscheinen, Endlich wird die Finsterniß vergehn, Und die Menschheit wird im Glanz der Tugend Dir mit hellem Sinn entgegengehn. Soll ich diese Zukunft nicht erleben, Geh ich, Herr, zu meiner Ruhe ein; so laß mich, bis dein Engel winket, Fener bessern Tage würdig seyn. 92- à m st a g. Morgen. Feverlich in ihrem Purpurkleide Tritt die Sonne aus der Nacht hervor; Freudig schwebt sie aus dem Dunstgewölbe In das klare Weltenreich empor. Lust und Liebe jauchzen ihr entgegen Auf der neuen grossen Himmelsbahn; Still und heiter kann sie rückwärts blicken. Denn sie hat des Guten viel gethan. Werd' ich auch so heiter und zufrieden Einst hervor aus meinem Grabe gehn? Wird mein Geist in Hoffnung und in Liebe Dort zum neuen Leben auferstehn? Kann ich ohne Sorge rückwärts blicken, Wenn die groffe Wanderschaft beginnt? Kann ich freudig in die Zukunft schauen, Wenn die süsse Gegenwart zerrinnt? Herr, ich zage, wenn ich diese Woche, Diese kurze Laufbahn überseh; Ach wie kann mein Herz in Ruhe bleiben, Wenn ich vor der ganzen Wallfahrt steh? Ady wie oft hat Leichtsinn und Begierde 94- Mich in tiefen Schlummer eingewiegt! Ach wie oft har dein Geseß gesprochen, Und der böse Wille hat gesiegt? Schändlich sind die Gdhen dieser Erde, Hochmuth, Sinnlichkeit und Eigennuß; Niedrig bleibt der Mensch, der ihnen dienet, Denn er bietet seinem Geiste Truß. Aber schnell kommt die Versuchungsstunde, Und das arme Menschenherz ist schwach; Heimlich schleicht die Natter unter Blumen Oft dem unbesorgten Pilger nach. Mide finkt er auf dem Rosenhügel, Träumend schläft er unter Myrthen ein. Wache, Pilger! Gift und Tod ist nahe! Und dein Schlummer wird dein Unglück seyn. Bater, muß die Seele unterliegen, Wenn die Welt den rohen Kampf beginnt? Muß der freye Geist die Fessel tragen, Wenn das Fleisch auf Unterdrückung sinnt? Nein! die Weisheit adelt mich zum Menschen. Bater, nur der freye Geist ist dein. Ich kann wählen. Das Gewissen richtet. Ich will siegen. Ich will weise seyu! 95- Samstag Abend. Winde stürmen durch die fahlen Bäume Schwarz verhüllet stehet Wald und Flur. Aber unter Nacht und Sternen tonet Dir ein Lied am Grabe der Natur. Dir, o Vater, der die Sonne führet, Der die Rose schuf und welken hieß, Der das Erndtefeld mit Segen krönte, Und des Baumes Schåße reifen ließ; Der dem Menschen seine Tage schenket Und mit Hoffnung und Genuß erfüllt; Der ihm sanft die Gegenwart eröffnet Und die Zukunft liebevoll verhüllt; Dir, o Vater, schlägt mein Herz entgegen, Dank und Liebe glüht in meiner Brust; Kindlich blickt mein Auge zu den Sternen Und die Seele ahuet Himmelslust. Deine Freuden zogen mir vorüber, Deine treue Liebe folgte mir. Alles Schöne ist aus dir geflossen, Alles Gute, Vater, kommt von dir. Preiset ihn, im Glanz der Morgensonne! Lobet ihn in stiller Mondenpracht! 96 Liebet ihn am Freudentisch des Lebens! Danket ihm am Sarg der Todesnacht! Danket ihm in jenen Sternenwelten, Und der Wurm im Staube freue sich! COLOR Dankt dem Herrn, denn er ist freundlich Allen; Ceine Güte währet ewiglich! Liebend preißt dich meine frohe Seele, Vater, siehe mein zufriednes Herz! Liebend nimmt es aus den Vaterhånden Luft und Segen, Dürftigkeit und Schmerz: Und so mag die Woche unter Frieden In das Meer der Ewigkeit entfliehn; Berge können weichen, Hügel fallen; Deine Hüld wird nicht vorüberziehn. Schlaft in Frieden! Gottes Auge wachet. Ruhe herrscht im groffen Weltenplan. Alles endet! auch die Lebenswoche. Doch getrost, der Ruhetag bricht an! Winter Wintet. ( Anfang 21. Dezember.) Sonntag. Morgen. Erhabner Gott, vor dem die Sonnen kreisen, Vor dem sich tausend Weltgebäude drehn, Vor dem sich Millionen Wesen bilden, Und Millionen hin zu Grabe gehn; Wie gros bist du; welch eine reiche Liefe An Weisheit und Verstand! Und dein Gericht Wie unbegreiflich ists Und deine Wege Wie unerforschlich, bis das Auge bricht! Denn wer hat jemals deinen Sinn durchschauet? Wer hat dem Rath der Gottheit beygewohnt? Wer hat ihm etwas je zuvor gegeben, Daß ihn der Herr der Welten dafür lohnt? Von ihm und durch ihn ist das Reich der Dinge, Der Blumen Glanz, des Sommers Feyerkleid, Tes Baumes Frucht, des Winters stille Ruhe; Anbetung ihm und Preis in Ewigkeit! Wie groß bist du! Du wohnest nicht in Tempeln, Von eitler Kunst und Menschenhand gemacht. Dein Tempel ist die Welt; und über Sternen Wird dir, wie hier ein Opfer dargebracht. Dan wird auch nicht von Menschenhand gepfleget 100. Wir sind zu schwach, und du bedarfft es nicht. Du giebst uns selber Lebenskraft und Odem, Und leitest uns vor deinem Angesicht. Du Herr bist groß und groß sind deine Werke, Wer ihrer achtet, der hat Lust daran; Denn löblich ist und herrlich, was du ordnest, Und deine Güte lenkt den Weltenplan. So fall ich denn im Staube vor dir nieder, Du Herrlicher, in deinem Lichtgewand, Und danke dir für jede gute Gabe, Und bitte dich um Weisheit und Verstand. Die Ruhe wohnet auf der stillen Erde, Der Friede Gottes herrscht in Wald und Flür, Und eine grosse feyerliche Pause Erfüllt den kalten Tempel der Natur. Gott, unserm König auf dem Weltenthrone, Dem Unvergånglichen in Herrlichkeit, Dem Unsichtbaren, Einzigen und Weisen Sey Ehre, Lob und Preis in Ewigkeit! IOI Sonntag Abend. Dir, Herr, sey Preis! Der Sabbath ist vers gangen, Doch meine frohe Seele ist bey dir. Geheiligt werde dein geweihter Name, Und eine fanfte Rührung folge mir Jus stille Schlafgemach. Du bist der Vater, Den keine Nacht von seinen Kindern trenut. Du bist der König, dessen Ehrentempel Dort über mir von tausend Sternen brennt. So weit die Nacht sich über Wälder dehnet, Bedeckest du die Welt mit deinem Schild; So weit der junge Morgen ist vom Abend, Wird Berg und Thal von deinem Saum erfüllt Dich sieht der Weise unterm Sternenhimmel, Dich fühlt der Fromme an dem Hochaltar, Dir jauchzt der Jüngling seinen Preis entgegen Dir dankt der Greis an seiner Todtenbahr. Wo ist das Land, das keine Tempel bauet, Wo lebt das Volk, das keinen Gott verehrt? fanfter Schimmer in dem Erdendunkel, ist die Lampe, die sich nie verzehrt. Alne oll uns die Tugend lieb und heilig werden. 102 Somuß uns auch die Gottheit heilig seyn. Und wollen wir die Gottheit würdig ehren, So werde unser Herz von Sünden rein. Geheiligt sey dein Name, Herr der Geister. Die Wahrheit siege, trok der Spotter Zunft! Das grosse Reich des Aberglaubens sinke! Geheiligt sey dein Name durch Vernunft! Noch ist die Welt zum Lichte nicht geboren, Wie nah uns auch die Morgensonne sey. Wir beten, wie uns Jesus beten lehrte; Doch unser Geist und Wille ist nicht frey. Du weißt es, Herr, wie oft die Menschheit fehlet, Wie oft der Geist den falschen Wahn bereut, Wie oft das Herz durch Härte sich entehret, Und deinen Tempel Unvernunft entweiht. Olaß es tagen, laß es besser werden, Führ uns zum Licht, zu deinem Frieden ein! Laß uns das Herz zu deinem Dienste weihen, Laß diese Andacht allen heilig seyn. Ja Allen, Herr im Leben und im Tode, In Licht und Nacht, in Lust und Traurigkeit; Bis wir das grosse Hallelujah singen Dort überm Grab, in deiner Herrlichkeit! Sangast a day Mondt a 9. Morgen. Die Flur ift kalt. Das Leben finkt zu Grabe. Das Ziel erscheint, vollendet ist der Lauf. Der Baum ist kahl, des Waldes Sånger schweigen, Und säumend geht die blasse Sonne auf. Wo ist die Schönheit, die das Herz entzückte, Der Blumenkranz der lieblichen Natur? Er ist verwelkt, die Schönheit liegt im Sarge, Und schaurig weht des Todes Leichenspur. Wo send ihr, goldnen Sterne hingesunken? Wo ist der Glanz, wo ist die stille Pracht? Das Heiligthum des Friedens ist verschwunden, Und unter Sorgen ist der Tag erwacht. Wo ist die Menschheit, die noch gestern lebte, Und jetzt im langen Schlaf begraben liegt? Sie ist dahin. Der Kampf ist ausgerungen, Der starke Feind des Lebens hat gesiegt. Die Todtenglocke hallt in Wiegenlieder, Das offne Grab steht an der Lebensbahn. Die Eiche fällt, die Freude geht vorüber, Und alles ist dem Wechsel unterthan. Nur du nicht, Gott, zu dem ich freudig bete, 104 Du Ewiger, in jenem Vaterland; Du hast von Anbeginn die Welt gegründet Und freundlich deine Himmel ausgeſpannt. Sie werden einst vergehn, du aber bleibest; Sie werden einst veralten, wie ein Kleid, Du bleibest, wie du bist, und deine Jahre Sind nur ein Widerschein der Ewigkeit. Von dir, von dir kommt jede gute Gabe. Du lenkst das Glück, doch du bedarfst es nicht, Das Schicksal ist an deinen Rath gebunden, Und Finsterniß verwandelst du in Licht. Ob Berge weichen, Fels und Hügel fallen, Gott, du bist unsre Zuflucht für und für. Was hat der Mensch auf dieser Welt zu fürchten? Er liebe dich, und er vertraue dir. Er zweifle nicht, wenn Troß und Thorheit siegen, Er zage nicht, wenn sich der Sturm erhebt; Er wanke nicht, wenn Menschen sich empören, Er glaube, daß der Weltenkönig lebt. Er lebt, er herrschet! Fallet hin im Staube Und betet ihn mit stillem Geiste an. Sein ist das Reich. Die Prüfung geht vorüber, Und Freude dämmert auf der Lebensbahn. Dotriciens 105- Montag Abend. Der kalte Tag ist rasch hinabgestiegen. Die Gegend schweigt, in Schatten liegt die Welt. Ein groffer Schauer dringet durch die Wesen. Der Himmel ist mit bleichem Glanz erhellt, Und alles ist zur Ruhe eingegangen; Die Schöpfung selber ist zu Schlaf gebracht. Auf reinem Bett liegt die Natur im Traume Und Stille herrscht, die einsam holde Macht. Du Friede Gottes, komm in meine Seele, Erfülle meinen Geist mit Heiterkeit; Laß mich die Erde und die Welt vergessen Und zeige mir das Land der Seligkeit. Dort, wo die stillen Himmelslampen glänzen, Dort, wo das milde Licht herüberschwebt, Dort ist es, wo die reine Zugend wohnet, Dort ist es, wo die hohe Freyheit lebt. Von jenen stillen Gränzen sind die Schrecken, Die eitlen Gößen dieser Welt verbannt; Denn Geiß und Stolz und Wollust Träume Verschwinden dort im hellen Morgenland. biefe 106 p Das Schöne blüht in himmlischen Gestalten, Das Gute siegt und wird von Gott belohnt. Die Freude leuchtet, wo die Tugend hauset, Und Friede herrschet, wo die Wahrheit thront. Ein Glaube waltet dort und Eine Liebe. Dort ist, von blinden Seelen ungestört, Der neue Tempel der Vernunft erbauet, Den hier das alte Vorurtheil entehrt. Du stilles Glück, das über Sternen wohnet, Du fernes Land, du bist mir freundlich nah, Du bist das Reich, das Jesus Christus baute, Als er den Jammer dieser Erde sah. dieses Reich, voll Klarheit und voll Liebe, Dieß Eden, frey von selbst gemachter Qual, Dieß Himmelreich, wo Menschenglück gedeihet, Es komme, Herr, in unser Pilgerthal! Der Aberglaube, der die Herzen trennet, Er finte hin ins todte Reich der Nacht; Und wo ein Mensch des Lasters Fesseln schleppte, Der werde durch die Zugend frey gemacht! Genügsamkeit und holder Friede herrsche, Die Nacht des Irrthums werde aufgebellt! Es komm dein Reich im Lichte und in Wärme, Und ausgefühnet sey die ganze Welt! 107 O fanftes Reich! o Reich voll Glanz und Würde! Es kommt dereinst. Wir werden glücklich seyn, Mit diesem groffen, lieblichen Gedanken Geh ich vergnügt zu meiner Ruhe ein! bit - Dienst a g. Morgen. Allmächtiger, den ich im Staub verehre, Vor dem der Cherub sich in Demuth beugt, Durch den die Erde grünet und verwelket, Vor dem der Mond sich und die Sonne neigt; Du haft mit Weisheit deine Welt bereitet, Mit hellem Blick die Zukunft überdacht, Mit tiefem Sinn den Himmel ausgebreitet, Mit Schöpferkraft das Erdenrund gemacht. Du tránkst mit Thau die junge Frühlingsrose, Erquickst das Laub in milder Abendluft, Du läßt den Sturm durch kahle Eichen faufen, Du schliesseft ihn in seine dunkle Gruft, Du läßt die Sonne still im Meere glänzen, Du blihest schrecklich aus dem Wolkensaum, Du läßt den Menschen seinen Tag erleben, Und streuest Licht im grossen Weltenraum, Du sprichst, da reget sich der Schoos der Erde, Und alles strahlt in junger Herrlichkeit. Du sprichst, da neigt sich die Natur zu Grabe Und schläft verhüllt im weissen Sterbekleid. Dich fürchte alle Welt! und vor dir scheue 100 Sich alles, was den Erdenkreis bewohnt. Du schufft die Welt; du winkst und sie vergehet! Groß ist die Macht, die übern Sternen thront. könnt ich dich mit Engelharfen preisen, Begeistert von dem reinen Himmelsklang! Wer führet mich in jene Tempelhallen, Wer lehret mich den hohen Lobgesang! Hier ist mein Lied nur eine schwache Stimme, Die aus dem stillen Herzen wiederhallt. Ach einst, wie froh werd ich hinüberblicken, Wenn mir dein süßer Ton entgegen schallt, Ewigkeit! Gett! vor dem ich bete, Durch dessen Macht ich wieder leb und bin, und wenn es nicht mehr Dein sey mein Herz fchläget, Dann seh ich dich, dann nimm mich ewig hin! TIO Dienstag Abend. id m Der Tag verhüllet sich in trübe Schatten Der Himmel ist mit blasfem Licht erhellt, Ein Trauerflor sinkt von den Sternen nieder Und deckt die Sünden der entschlafnen Welt; Die Hårte, die des Wohlthuns Glück verschmähet, Den blinden Geiz, der seine Schande sucht, Die Uleppigkeit, die sich mit Dornen krånget, Den siechen Neid, der sein Geschick verflucht! Das stolze Haupt, das seine Brüder kränkte, Die freche Hand, die Menschenblut vergoß, Das feige Herz, von Heucheley entehret, Die Thräne, die aus falschem Auge floß Bedecke, Nacht, die grosse Sündenmenge Erschüttre fie, du kalte Todtengruft, Die Ungerechten, die der Reiz des Lasters Mit jedem Tag zu neuem Frevel ruft! Erschüttre fie, du feyerliche Stunde, Die alle Herrlichkeit zu Grabe senkt, Wo jeder, sey er Bettler oder König, Mit Ernst den Pfad des Lebens überdenkt! Erschüttre fie, du stiller Gottes Acker, Mit Hoffnung für die Ewigkeit besát! d 3520 mis S ( or G III Dort ruhen sie, dort werden sie erwachen, Wenn einst der neue Frühlingsathem weht. Dort reifen sie den grossen Tag entgegen, Wo Gott dem Herzen und der Welt vergilt, Wo seine Hand, mit ihrer heil'gen Wage, Den Klaggefang der ganzen Menschheit stillt. Du Vater dort, zu dem mein Herz sich nahet, Du Heiliger, in deiner Herrlichkeit, Dein Will gescheh auf Erden, wie im Himmel, Und dein Gebot sey unfre Seligkeit! Du willst ja nur die Wohlfahrt deiner Kinder, Und darum gab uns deine Schöpferhand Das größte Gut, das deine Engel haben, Den stillen Schmuck- Gewissen und Verstand. Dein Will gescheh auf Erden wie im Himmel, So treu, so froh, so liebevoll und rein; Dann wird das Leben wie ein Morgenschimmer, Das Sterben eine Ruhestunde seyn. Mittwoch Morgen. Allwissender, vor dein das Buch der Zeiten Ju jeder Stunde aufgeschlagen liegt, Vor dessen Blick die leichte Flocke schwebet, Vor dessen Aug die Schaar der Welten fliegt! Du bist mein Gott, bir schlägt mein Herz entgegen, Mein ganzes Wesen ehrt und feyert dich, Du siehst mich beten- leben, fehlen, denken, Du richteft, Herr; denn du erforschest mich. Was nůzt es mir, wenn ich die Menschen täusche, Wenn ich mich Seffer stelle, als ich bin? Ach, eitler Ruhm, den sich der Heuchler bauet, Er fällt wie Spren vor deinen Augen hin! Ach, eitler Ruhm, den mir die Welt gewähret, Die nur zu oft für blossen Schein entflammt, Wenn mich das Herz, der unbestochne Richter, Das stille Herz vor Gott und Welt verdammt! Was hilft es mir, wenn mich die Nachwelt jegnet, Und einst mein Grab mit Blumen überstreut? Wer giebt der Seele ihre goldne Ruhe, Wenn eine That zu Gott um Rache schreit! Schwarz 113 Schwarz ist die Nacht; das tiefe Grab ist düster; Doch finstrer ist des Lasters Nachtgestalt. Es gleicht dem Sturm, der auf der Heide raset Und aus der Erde Tiefen wiederhallt. O sanfte Tugend, heilig ist dein Name, Licht ist dein Kleid, dein Antlik mild und rein. Und dein Gewissen leicht und ohne Flecken, Es gleicht dem Schnee im klaren Morgenschein. Das Leben eilt wie eine Nacht vorüber, Die Glocke mahnt an die Vergånglichkeit; Bald ist der lehte Sand hinabgeronnen; Was sagst du, Herz? Was spricht die Ewigkeit? Was ahnet dir, wenn einst die stille Kammer, Das finstre Grab, ein neuer Glanz erhellt, Und eine Stimme aus den Wolken rufet: Steht auf, ihr Todten, für die andre Welt! Allwissender, zu dem mein Herz sich neiget. Dir sey dieß schwache Menschenherz geweiht. Du bists, der Jedem seine Erdensorgen, Doch für die Zugend freye Wahl verleiht, Du siebest mich; und wenn das Lafter winket, Im Sounenglanz, im stillen Mondenschein; Dann soll- o heil'ger Bater, laß mich siegen!- Ein Blick zum Himmel mein Erretter seyn. $ 2 114 Mondtag Abend. Die große Feverstunde hat geschlagen, Es weht der Ruhe friedliches Panier. Die Sorge flieht, der Tag ist überwunden Und traulich still liegt eine Welt vor dir, Du Gütiger, der über Sternen waltet Und dessen Aug die dunkle Nacht besiegt; Der freundlich für den andern Morgen forget, Wenn sein Geschöpf in tiefem Schlummer liegt. Wie staunt mein Geist, wenn ich die Zahl erwäge, Die deine Weisheit täglich glücklich macht! Wie schlägt mein Herz, wenn ich den Trost bedenke, Daß deine Liebe für die Menschen wacht! Ach! sollten wir für unsre Erde sorgen, Bald würde Noth und Jammer vor uns stehn; Und sollten wir die Vorrathskammer füllen; So würden Millionen untergehn. Nur du kannst diesen Lebenskreis erhalten, Der um dich her in tausend Farben blüht; Nur du kannst geben, segnen, retten, schüßen, Deß klares Auge Zweck und Mittel sieht. So falle, Menschheit, falle bin im Staube, Im Morgenschimmer und im Abendroth; 115 Blick auf zu Gott, sey ruhevoll und bete: Erhalter, Schöpfer, Vater, gieb uns Brod! Wir wissen nicht, was unserm Leben frommet Von jenen stolzen Gütern dieser Welt. Der Mensch braucht wenig, wenn das Licht des Friedens Sein stilles Herz und seinen Geist erhellt. Das Leben ist des Himmels größte Gabe; Im Leben schon liegt eine Seligkeit. In dieses Band hat Gott mein Glück gewebet Und knüpft es dort an jene Ewigkeit. So will ich denn zufrieden vorwärts gehen, Bis einst der feyerliche Wechsel naht. Mein Herz sey rein, und meine Lebensreise Sey Eine ftill vollbrachte gute That. Geräuschlos will ich milde Gaben säen, So wie der Schnee im Dunkeln niederwallt. Sanft will ich meinem Nebenmenschen rathen, Wie Glockenton in stiller Nacht verhallt. Dann wird mein Abend friedlich einft erscheinen, Mit Heiterkeit werd ich hinübergehn, Mit heil'ger Liebe durdy die Wolken dringen Und unter Sternen meinen Vater sehn. Donnerstag. Morgen. Allgütiger, die Nacht iſt hingeſchieden, Der Tag erwacht in seiner Herrlichkeit, Die Menschheit wallt aus ihrer Ruhekammer Und fühlt des Lebens neue Seligkeit. Du Herr bist Allen gütig und erbarmest Dich aller deiner Werke Tag und Nacht. Du lächelst aus der Abendröthe Schimmer, Du waltest in dem Grab der Mitternacht. Du bist die Liebe! jauchzt der Frühlingsmorgen, Du bist die Liebe! ruft der Erndtetag, Du bist die Liebe! singt der Herbst im Thale, Und traulich tonts der stille Winter nach. Du führst den Knaben über Blumenwiesen, Du gönnst dem Jüngling seine Blüthenzeit; Du reichst dem Mann die goldne Frucht des Lebens Und schenkst dem Greise Ruh und Heiterkeit. Wer schmückt die Welt mit ihrem Schwanen kleide? Wer streuet Diamanten auf den Schnee? Wer baut des Haines weisse Pyramiden Und führt krystallne Brücken übern See? 117 Allgütiger, wie groß sind deine Werke! Wer threr achtet, der hat Lust daran. Du bist der rechte Vater über alles, Und was du thust, ist immer wohl gethan. Dort gehet deine Sonne über Gute Und über Böse mild und freundlich auf. Ach Menschen alle, fühlt die grosse Liebe Und weihet ihr den kurzen Lebenslauf! Sie wacht, sie sorgt, sie winkt aus allen Sternen, Sie strahlet aus des Morgens Wiederschein, Sie giebt uns Leben, Glück, Verstand und Hoffnung; Ach armes Herz, wie willst du dankbar seyn! Du guter Gott, ich will dich wieder lieben, Und diese Liebe sey mein Schmuck und Heil. Nicht Sclavenfurcht soll mich zur Tugend treiben; Ein freyer Geist sey meines Herzens Theil! Du wohnst im Licht. Hier wandeln deine Kinder. Weg Neid und Zwietracht, Geiß und Heuchelschein! Die Welt darf unfre Seele nicht bethören! Denn unser Wandel muß im Himmel seyn. Dort herrscht der grosse Friede und die Liebe, Die Alle segnet, duldet, schonet, trägt. Dir will ich folgen, ewig holde Liebe, Wenn sich in mir das wilde Herz bewegt. 118 Donnerstag Abend. Gelobt fey Sott! das Tagwerk ist vollendet. Die Erde ruht, es kommt die holde Nacht. Ihr goldner Wagen hålt im stillen Norden Und schweigend glänzt des Himmels sanfte Pracht. Gelobt sey Gott! die Menschheit wallt zum Ziele, Sie wandelt, gleich den Sternen, ihre Bahn. Sey immerhin der Glanz auch hier verschieden, So wird des Guten dennoch viel gethan. Wie manches Herz ward heute ausgeföhnet Mit der gekránkten Tugend, mit der Welt; Wie manche Thräne wurde abgetrocknet, Wie mancher Blick voll Trübsinn aufgehellt! Wie mancher Darbende vergaß des Kummers Durch eines Edlen gaftlichen Behuf! Wie mancher Fromme hielt am Pilgerwege, Und stillte froh der Wehmuth Shmerzensruf! Gelobt sey Gott! die Zugend lebt im Stillen, Und ihre Herrschaft wird unendlich seyn. So fließt die warme Quelle unterm Froste Aus ihrem grünen Moose sanft und rein. Doch laßt uns nicht der Tugend überheben; Es giebt noch Herzen, wo sie nie gewohnt. 119= Ach! finster lieget, wie die Nacht im Walde, Der grosse Umkreis, wo das Laster thront. Mit jedem Tage steigen neue Sünden, Gleich trüben Dünsten von der Erde auf. Und jede Nacht bedeckt mit schwarzem Schleyer Ein wildes Heer im raschen Sündenlauf! Doch lebt der Mensch, daß er die Andern richte? Was macht uns stolz? Fm Stanbe kriechen wir. Der Beste fehlt. Der Größte wird zum Kinde. Ach Gott, wie schwach ist unser Herz vor dir! Vergieb uns denn, so wie wir auch vergeben. Vergieb den Schwachen ihre Missethat. Vergiß die Schuld, so wie wir auch vergessen, Wenn uns ein böses Herz gekránket hat! Du trägst die Welt mit ihren Uebelthaten; Ach! deine Weisheit sieht nur Unverstand, Nur Wahnsinn, wenn die Menschen sich empdren, Und darum schonet deine Baterhand. Ach! loß mich diesen grossen Frieden erben, Bis einst mein Herz zur langen Ruhe sinkt, Laß mich vergeben; und das Urtheil sparen, Bis mir dereinst die helle Zukunft winft. AMING 120 Dort werd ich Manchen, den ich hier verkannte, Im weissen, milden Lichtgewande sehn; Und alles Dunkel wird vor deinem Throne, Wie diese Nacht am Sonnenglanz, vergehn. Freytag. Morgen. Aus heil'gem Dunkel tritt die Morgensonne Wie eine stille Priesterin heraus. Gen Himmel wallt die blaue Opferwolke. Die Erde wird zum frommen Gotteshaus. Du Heiliger, vor dem die Sterne schwinden, Vor dem der Sonne reiner Blick sich neigt, Vor dem der Seraph seine Hände faltet, Vor dem die Andacht sich im Staube beugt! Du bist der Menschheit liebender Gedanke, Du bist der Harfe füffer Morgenklang, Du bist der Glanz, der unsern Pfad erleuchtet, Du bist der Seele heil'ger Schwanensang. Du hoher Geist! du kenneft keine Sünde, Du irreft nie. Dich reuet keine That. Dich mahnet nie ein donnerndes Gewissen; Denn ew'ge Klarheit wallt um deinen Pfad. Du lebest rein in allen deinen Werken, Du hast die Wonne der Vollkommenheit. Du bleibeft rein in jeglichen Gedanken. Das ist die Fülle deiner Seligkeit, Wie ist der Mensch so klein vor deiner Gröffe, 122 So ungeweiht vor deiner Heiligkeit, So dunkel ach vor deinem Himmelsglanze, Co freudenarm vor deiner Herrlichkeit. Wie ist der Mensch, in Thorheit eingehüllet, So oft für seine wahre Schönheit blind; So oft vergessend unterm Freudentaumel: Nur selig sind, die reines Herzens sind. So will ich denn mein Auge nie verwenden Von dem, was gut und schön und heilig ist. Mit hellem Blicke will ich vorwärts dringen, Wo du, mein Urbild, du, mein Vater bist. Mit Hoffnung will ich auf mich selbst vertrauen, Der Geist ist stark; auch ich kann heilig seyn. Das Fleisch ist schwach; ich will mich selber achten. Die Freyheit kehrt bey keinem Sclaven ein. Bald ist es aus, bald ist der Kampf vorüber, Bald naht des Grabes stille Winternacht. Mit freyem Blick, wie Jesus an dem Kreuße, Ruf ich dann aus: mein Gott, es ist vollbracht! 123 con Freytag Abend. Die Nacht gießt ihre Schatten auf die Erde, Die laute Schöpfung wird zum Todtenhaus Und an der grauen Abendpforte löschet Der müde Tag die bleiche Fackel aus. Auf kalten Bergen dåmmern Nachtgestirne, Im trüben Nebel liegt der Fichtenwald, Der Froft erscheint auf seinem Silberthrone Und alles fühlet feine Allgewalt. Wohl Jedem, der mit ruhigem Gewissen Der ernsten Mitternacht entgegen geht; Wohl Jedem, der die Fahne nicht beschimpfet, Die hoch und heilig vor der Menschheit weht! So geb' uns Gott und schenk uns Gott den Frieden, Uns Allen, die das Haus der Nacht umgiebt! Und wessen Herz den frommen Tag entweihte, Der finke hin und bete tiefbetrübt! Und wo ein Mensch auf bösem Wege ziehet, Und unter Sternen noch auf Frevel sinnt; Der sehe, wie der Tod vorüber gehet, Und wie der Sand der Lebens- Uhr verrinnt! Und wo im letzten Kampfe eine Seele Mit Welt und Tod und dem Gewissen ringt, 124 Bonds Gott tröste sie! Doch seufzend steht der Himmel, Wenn ihm die Erde schwarze Herzen bringt. O guter Gott, führ uns nicht in Versuchung! Gieb uns nicht, was das Herz so laut begehrt. Entzieh uns lieber jede Erdenfreude Und mach uns nur der heil'gen Zukunft werth! Wir wissen nicht, was unser Glück begründet; Denn unser Ange reicht nur spannenweit. Du weißt es, Vater, du begreifft das Leben Und vor dir liegt die ferne Ewigkeit. Verleih uns Demuth, wenn der Geist sich hebet, Verleih uns Vorsicht, wenn das Herz sich fühlt, Zufriedenheit mit jeder Pilgergabe, Ein festes Herz, wenn die Versuchung zielt; Auf daß wir fröhlich einst von hinnen gehen, Wenn uns der stille Friedensbote winkt, Auf daß wir ruhig unser Haus bestellen, Wenn einst die morsche Hütte niedersinkt. In Gottes Namen gehen wir zur Ruhe Und schlafen bis der neue Zag erwacht. Ihr Lieben und Getreuen, nah und ferne, Gott schenk euch allen eine sanfte Nacht! Sam sta g. Morgen. Der Tag bricht an. Die Woche geht zu Ende, Ein kleiner Theil von meiner Lebenszeit; Doch wichtig für die Laufbahn ohne Ende Und für die Palme der Unsterblichkeit. Wer weiß, bald kann die leßte Stunde schlagen, Wer weiß, bald geht die letzte Sonne auf, Der Abend naht, der Hausherr ruft die Knechte Und eine Frage schließt den Pilgerlauf. Wer bist du? fragt der Richter über Sternen, Der keine Täuschung und kein Unrecht kennt, Der nach dem Herzen, nach Gedanken richtet Und streng und klar den Schein von Wesen trenut. Wer bist du? tdnet seine Vaterstimme. Dein Leben steht im hellen Sonnenschein, Die goldne Waage steiget auf und nieder, Dein eignes Herz wird dein Verräther seyn. Gott ist gerecht. Berzage nicht, o Sünder, Der aus Versehen und aus Frrthum fiel; Doch zittre, galt die Wahrheit dir, wie Lüge; Die Tugend, wie des Lasters Saitenspiel. Gott ist gerecht in allen seinen Werken. 126 1 Betrachte dich; er gab dir ja Verstand, Er gab dir Freyheit, die dich dort verdammet, Wenn dich die Welt mit ihren Stricken band. Verstand und That entscheidet in der Wage, Ich fühl es tief, o Gott, du bist gerecht. Und hat der Mensch dieß Leben frech entweihet, Wie käme er zu jenem Bürgerrecht? Es ist nicht dunkel, wo die Menschheit gehet, Wo die Natur, das Herz und Jesus spricht. Ein jeder Pfad hat seinen Strahl von oben, Der fromme Pilger kennet seine Pflicht, Und lebet für die Hoffnung jener Freuden; Go harrt die grüne Aussaat unterm Schnee. Der Wald verstummt, die Quelle schweigt im Thale Und weisse Blumen starren auf dem See. Doch bald erhebt der Frühling sich im Glanze Und lachend ist die Schöpfung aufgethan. Geduld und Muth! die Finsterniß vergehet Und unter Schatten zieht das Licht heran. Der Sabbath naht, die stille Ruhe winket, O Gott, ich fühle deine Freundlichkeit. Du segneft hier, du segnest dort, Erbarmer, Und Freudenblumen trágt die Ewigkeit. 127 G Samstag Abend. Gelobt sey Gott! die Woche ist vollendet; Gelobt sey Gott! die Arbeit ist vollbracht, Und aus dem Himmel, aus den Sternen winket Der stille Friede und die sanfte Nacht. Willkommen, Nacht, willkommen, stiller Friede, Ihr Abgesandte aus dem Geisterreich, Ihr trauten Freunde in dem Erdenthale, Ihr Lieblichen; die Menschheit grüffet euch. Ihr hemmt das Schwerdt im rothen Mordgewühle, Ihr giesset Ruhe um den Pilgerstab, Ihr stillet tausend bittre Jammerthränen, Und breitet sanft den Schleyer auf das Grab. Der Sclave sieht die Geissel nicht mehr drohen, Der Kranke lächelt zu dem Sternenschein, Der Arme hat die Sorge überwunden, Der Müde geht zu seiner Ruhe ein. Des Lebens Bürde nahet mit der Sonne; Die Finsterniß bringt Ruhe in die Welt. O Nacht, du giebst der Menschheit ihren Frieden, Da jeder Tag den neuen Kampf erhellt. Ofernes Ziel, wann wird der Jammer enden, Den Unvernunft auf Erden ausgesät? 128 Wann wird der Mensch die Sichel kennen lernen? Die feine Freudenblumen niedermäht? O guter Gott, erlöse uns vom Uebel! Gieb uns das höchste Glück, gieb uns Verstand! Die Thorheit herrschet unter Menschenkindern Und zwingt die Herzen, wie der Frost das Land. guter Gott, erlöse uns vom Ulebel! Gieb uns ein weises und verständig Herz. Die Nacht vergeht. Der Sabbath glänzt herüber. Wir schlummern ein. Es stirbt der letzte Schmerz. Bald dämmert es. Die neue Sonne flammet Und Engel schweben um den Leichenstein. O du, der seine Welt zum Himmel lenket, Laß uns nur fromm, laß uns zufrieden seyn! Laß uns im Lichte wandeln! Ohne Sünde Laß uns zu Bette und zu Grabe gehn! Nun gute Nacht! Herr, segne und behüte Uns Alle, bis wir deine Klarheit sehn. LAB 3 wey. Das Gebet Jesu. Vater, den uns Jefus offenbaret, Den der Geist mit hoher Andacht nennt, Vater, den kein Himmel von der Erde, Keine Welt von seinen Kindern trennt; Hochgelobet sey dein grosser Name, Ungebetet deine Herrlichkeit; Heilig ehre dich der Mensch im Staube, Von der Wiege bis zur Ewigkeit! Dein Reich komme! Jenes Reich des Friedens, Das durch Weisheit und durch Liebe blüht; Jenes Reich, das Jesus Christus baute, Das die Menschen für den Himmel zieht! Es gescheh dein Wille, hier auf Erden, Wie in jenem lichten Geisterreich); Und die Wahrheit und die Tugend mache, Alle Menschen deinen Engeln gleich! Gieb uns, ewig groffe Freudenquelle, Gieb uns, was wir brauchen in der Noth; Ach wir bitten nicht um Gold und Schäße, Gieb uns, Herr, Zufriedenheit und Brød! Wenn wir auf dem Pfad der Tugend feraucheln, 132 Herr, vergieb uns unsre Missethat, Co wie wir auch gern verzeihen wollen, Wenn der Nächste uns gekrånket hat! Leite uns in jeder Prüfungsstunde, Wo die Tugend mit dem Lafter ringt; Laß uns auf die Himmelskrone blicken, Wenn die Erde unser Herz umschlingt! Co erlöse uns von allem Ulebel, t Das den Geist und unser Herz bedroht! Gram und Reue werden dann verschwinden, Und wir troßen jeder Lebensnoth. Dein, Herr, ist das Reich der Macht und Stärke, Ewig währet deine Herrlichkeit. Alle Himmel rühmen deine Ehre, Und dein Tempel ist die Ewigkeit! Am letzten Abend im Jahr. Bald hat wieder eine groffe Stunde In der Lebensglocke ausgetönt! Schweigend fißt die Nacht auf ihrem Throne Und mit Sternen ist ihr Haupt gekrönt. Feverlich umschlieffet mich die Erde; Noch bin ich im heil'gen Dienst der Zeit; Aber hinter Wolken steht und winket Schon der Bote der Unsterblichkeit. Millionen fanken hin zur Ruhe, Millionen an dem Wanderstab. Schaurig weht die schwarze Todesfahne Und die ganze Erde ist ein Grab. Stille Geister, schwebt ihr um die Menschen? Ist der Himmel vor euch aufgehellt? Ach nur Eine Stimme aus der Wolke, Einen Blick in jene Geisterwelt! Doch der kalte Tempel bleibt verschloffen, Stumin das Grab und still die Ewigkeit. Vor uns såt das Leben seine Blumen; Hinter uns måht die Vergänglichkeit. Vater, daß Du über Sternen waltest ,, Daß du ewig nah und ferne bist, 134 Daß mich stündlich deine Güte mahnet, Wenn mein Herz im Staube dich vergißt; Dieses tröstet mich am Scheidewege, Wo der Wechsel und der Tod erscheint. Laß mich an die Morgensonne denken, Wenn der Abend seine Thránen weint. Lieblich, wie der Mond vorüberziehet, Sind die Tage der Vergangenheit; Und auf jedem Lebenspfade glänzet Eine Zinne deiner Herrlichkeit. Bater, hochgelobet, hochgepriesen Sey dein Walten, deine Mildigkeit; Sey dein heitres Auge dort im Himmel, Deine Liebe in der Ewigkeit! - Gnade ist es, daß wir sind und leben, Gnade, daß uns Speis und Trank erquickt, Gnade, daß der Geist den Himmel abnet Und mit Hoffnung über Gråber blickt! Mag die Zukunft freundlich niederschweben, Mag das Leben kalt und stürmisch seyn; Alles wechselt, alles geht vorüber, Treuer Vater, und wir sind ja dein; Dein im Leben, dein im stillen Grabe, Auf der Wallfahrt, in der Ewigkeit! Menschenkinder, laßt den Bater forgen 135 Und vertrauet feiner Gütigkeit! Habe Dank, du Seift der stillen Liebe, Habe Dank für das entschlafne Jahr! Leite mich nach deinem Wohlgefallen Bis zum Wechsel an der Todtenbahr. an Neujahr. Morgen. Herr, vor dem im groffen Himmelsraume Tausend Sonnen auf und nieder gehn, Und um dessen Thron aus Licht gebauet Welten sich im stillen Kreise drehn. Du, der ewig lebend aus den Wolken Hin auf Millionen Gråber schaut, Und sich aus dem Staube der Verwesung Täglich eine neue Schöpfung bant Deine Fabre sind nicht aufgeschrieben, Deinem Wesen drohet keine Zeit, Nur die Weltenuhr schlägt deine Stunden Und dein Tag ist eine Ewigkeit. Ach! was ist der Mensch, vom Staub geboren, Dieser Zögling der Vergänglichkeit, Daß du sein gedenkest und ihn schüßeft In dem fluthenvollen Strom der Zeit? Daß sein Schiflein unter tausend Klippen Nicht zertrümmert, eh der Morgen flieht; Daß er sicher nach dem Hafen steuert, Den dein Wille freundlich ihm beschied? - AUTE 137 Du bist ewig! meine Kraft verschwindet, Wenn der Tod mit seiner Sense draut Du bist ewig wenn die Sonne bleichet, Wenn der Himmel altet, wie ein Kleid. - D O Du, der alles ewig denkt und lenket, Du, der alles, alles wohl gemacht, Unter Dank und unter Freudenthráånen Sey mein Herz zum Opfer dir gebracht, Voll Ergebung, wenn die Hand vom Himmel Mir den dunkeln Kelch der Leiden beut, Voll Bertrauen, daß am Ziel der Reife Deine Sonne meine Nacht zerstreut. Und so hab ich keinen Wunsch hienieden, Der um Glück und Erdenfreuden fleht. Du giebst Allen Gutes. Sollt ich flehen? Herr, mein Flehen wird zum Dankgebet. ext DER #f 138 Neujahr Abend. Schöpfer, deine Nacht hat mich umfangen, Und ich denke ans entschlafue Jahr, An die Freuden, die vorüber zogen, An so manche frühe Todtenbahr IN Ach! die Menschen welken, wie die Blumen, Die der kalte Winterfrost gebleicht Fallen, wie das bunte Laub im Herbste, Wenn ein Blatt ums andre wiederschleicht. Horch, ein leises Rauschen nah und ferne Deine Freude weht der Wind herab; Und kaum, daß du ihre Spur gewahrteft, Liegt sie schon im dunklen Erdengrab. Herr des Lebens, so verschwinden Menschen, Wenn der Tod durch ihre Reihen haucht; Da und dort verlischt die Lebenslampe Und die letzte Freudenglut verraucht. Aber sollte ich darüber klagen, Daß der Tod die leßte Scene schließt; Und daß aus der grossen Lebensquelle Die Verwesung, wie die Freude, fließt? Nein, das Loos, das Allen zugefallen, Muß das beste Loos für Alle seyn; 139 Und wo eine ganze Menschheit sinket, Sinkt man leicht mit ihr ins Grab hinein. Doch so lang die Lebensstunde währet, Freue ich mich ihrer Lieblichkeit Und geniesse, was du mir beschieden, Unter Hoffnung und Zufriedenheit. Danke dir mit jeder Abendrothe Für den zugelegten Lebenstag, Trage keine Sorge in dem Herzen, Auffer, wie ich besser werden mag. Friede sey mit allen Menschenkindern, Jeßt und wenn der grosse Tag erwacht! Laß uns dulden, hoffen, lieben, glauben: Gott hat alles, alles wohl gemacht! Keine Sorge für den andern Morgen! Unter Dank und Liebe schlaf ich ein, Bater, und wenn ich hinübergehe, Soll mein Abschied dir ein Loblied seyn! Charfreytag. Morgen. Sammle dich, mein Geist, zu Schmerz und Freude, Sammle dich von Welt und Eitelkeit, Heute ist das Fest der Menschenliebe Und der tiefgefallnen Menschlichkeit! Wahrheit, ach! dein Erstgeborner finket, Und du rettest deinen Liebling nicht? Gerechtigkeit warum verhüllet Eine Binde hier dein Angesicht? Priesterwuth, Betrug und Irrthum siegen, Und der Weise trägt die Dornenkron! Pharifder leben- und am Kreuße Stirbt der reine, grosse Menschensohn! Wahrheit, Tugend schöne, leere Namen Jefus ftirbt in seiner Vaterstadt. Leider, war er nicht das erste Opfer, Das die Unvernunft geschlachtet hat! Lebt ein Gott, der seine Welt regieret, Oder lenkt der Zufall dieses Spiel? Und auf solchen blutbesprißten Wegen Kommt die arme Menschheit an das Ziel? 141 Ach! nur unter Blig und Donner sieget Das Gesetz im Reich der Sterblichkeit; Wahrheit in dem sanften Mund der Tugend Ist die Blume der Vergänglichkeit, Einfam ringt sie in dem Leidensgarten, Welket von dem falschen Judaskuß, Neigt ihr Haupt im wilden Priestersturme, Und verscheidet- mit dem Friedensgruß. Weltenlenker, kann der Wurm im Staube Prüfen, was dein weiser Rath beschließt? Kann der Mensch den Strom der Zeiten fassen, Der sich in die Ewigkeit ergießt? Wenn er in dem Frühling ausgesået, Bringt der Sommer ihm die Garben ein; Aber was der Ewige gepflanzet, Muß für Zeit und Ewigkeiten seyn. Wenn die Sonne fröhlich auferstehet, Ahnest du der groffen Liebe Spur; Aber wenn der Blitz vom Himmel fähret, Kommt er nicht vom Vater der Natur? Berge mögen weichen, Hügel fallen; Ewig bleibt der Bund der Liebe stehn! Welten, Herr, kann deine Hand zertrümmern, Deine Gnade wird nicht untergehn. 142= Durch die Schmerzen einer Dornenkrone Wird die Wahrheit für die Welt gekrönt; Durch die Freundschaft einer Prieſterrotte Wird die groffe Menschheit ausgesßhut! Laß mich fromm zu deinem Himmel blicken, Wenn der Sturm durch deine Erde weht; Vater, laß mich fest auf dich vertrauen, Wenn die Tugend leidend untergeht. Wenn ich einst am grossen Tag erwache, Liegt das Dunkel vor mir aufgehellt Weltenvater, dieser Glaube führe Mich zum Schauen in der bessern Welt. 8372 AVD 3 weyter Theil 22 ** op 143 Charfreytag Abend. Ausgeduldet hast du an dem Pfahle, Den die Bosheit in die Erde schlug! Jesu, habe Dank!- Die Erde bebet Und der Himmel seufzt: es ist genug! Deine frommen Augen sind geschlossen, In der friedevollen Todesnacht; Alle deine Feinde sind verschwunden Mit dem grossen Wort: es ist vollbracht! So verläßt der Mensch am Scheidewege Dieses Lebens dornenvolle Bahn, Und der freye Geist, zum Glück erschaffen, Schwingt sich triumphirend himmelan. Jede Leidensstunde geht vorüber, Jeden Kummer nimmt die holde Zeit; Alles eilet hin zum letzten Ziele, Nähert sich der stillen Ewigkeit. Gleich der Lilie im Abendrothe Sinkt dein blasser Leichnamn hin zur Ruh. Freunde weinen um die schöne Hülle, Und die Liebe schließt dein Grabmahl zu. 144 Ach! geliebt, beweint von hinnen gehen, Ist des Menschen schönes, leßtes Lob. Bald verwittert in dem Sturm der Zeiten Jedes Denkmal, das die Kunst erhob. Bitter wurde dir der Kelch gereichet In dem Garten zu Gethsemane; Doch im stillen Felsengrabe findest Du Ersaß für jedes Erdenweh. Co umdämmert uns die Kummerwolke Oft im schönen Garten der Natur; Doch es harrt ein Grab für müde Seelen, Dort versieget jede Thränenspur. Duster war dein Lebenstag hienieden, Doch ihm folget eine sanfte Nacht. Herrlich, göttlich groß hast du vollendet Und dein Gott hat alles wohl gemacht. Menschenvater, laß mich dir vertrauen, Gut ist alles, was dein Rath beschließt! Jede Nacht wird sich in Licht verwandeln, Wo die neue Lebensquelle fließt. Ostertag. tollast foam suisd siis? Ofertas de mamian 6p mis side 1.2 din 300it di morgen. into no ન હતું કે do Preis dir, Vater! Menschheit triumphire; Gott regieret deinen Wanderstab. Nacht und Nebel fliehen vor der Sonne, Und die Wahrheit steiget aus dem Grab! el montevedrime Hingelehnt um unfruchtbaren Felsen Jos sid dall Blicket ihr der Knecht des Frrthums nach. sd anle Die zertretne Schlange zischt im Staube Und verdirbt an ihrer eignen Schmach! id dui! Preis dir, Vater! Erd und Himmel, jauchzet Finsterniß und Bosheit sind verhöhnt. Zions Tempel stürzet in Ruinen, her Und der Ueberwinder wird gekrönt! Siehe, neues Leben weckt die Erde, Die Natur erwacht in ihrer Gruft; Was vermag des Winters schwere Kette, duls piors Nico nic bmw 32 Wenn die Sonne sie zur Freyheit rust? So durchbricht die Wahrheit Schloß und Riegel Und verläßt das falte Felsengrab; Co erwacht die Menschheit aus dem Traume Und ergreift den neuen Wanderstab. K sid sis © smise 146 Preis dir, Vater! deine Allmacht waltet- Und die blinde Menschen schaar zerstäubt, Wie ein Wetterstrahl aus deinem Himmel Nacht und Wolken aus einander treibt. Jesus Christus schwingt die Siegesfahne Von dem Aufgang bis zum Niedergang. T3100 Holle, deine Flamme ist gedämpfet, Tod, wo ist dein stolzer Siegsgefang? Mördergruben werden Friedenstempel, desią Und die Feffel der Vernunft zerbricht. Aus den Gråbern werden Rosenhügel, Und die Nacht verwandelt sich in Licht. estrans Se 3 si@ vidase dall d Wenn die Sonne wie ein Kleid veraltet, Wenn der Sand der Weltenuhr verrinnt Preis dir, Vater! deine Gnade waltet, ng Leques amoig Deine Güte währt, auf Kindeskind. Du bist ewig; ewig Gott der Liebe; Deine Menschheit wird nicht untergehn Laß uns freudig für die Wahrheit kämpfen, Und im Kampf auf die Vollendung sehn! on 812 YES SURG le midag 24-120 di Bolbo ded: 22 sid 1birdcard o - DE endime dall 100 sidrihsorts 0: 0 Guk non med fing, ent 147 M Ostertag Abend. Wie der Abendstern am Fichtenwalde, big and nie Wie der Vollmond durch die Wolken bricht; So erscheint ein Strahl aus bessern Welten Und gewährt der dunklen Seele Licht. Sanft und glänzend dämmert es herüber dator philph Aus der schönen, fernen Ewigkeit, 100 s01e in mod dail 660 asilie Und die Seele blicket wonnetrunken In den Tempel der Unsterblichkeit. Welch ein Schauer bebet durch ihr Wesen! dulf Welche Klarheit wallt vor ihrem Blick! harg Alles schwimmt in heiliger Verklärung Und die Erde sinkt in Nacht zurück. Omis Saw bad dul Wie einst Moses von dem Todesberge In das Land der goldnen Freyheit sah, So ersteigt der Mensch den Grabeshügel, Und die Zukunft liegt ihm freundlich nah. Jede trübe Nebelwolke schwindet, Wenn er sich zum reinen Aether schwingt; Seine Erdenleiden sind verwehet, Und das grosse Halleluja klingt. Vorwärts ist das Land der freyen Wesen, Liegt der Tugend grosse Blumenflur, R 2 148 - Weht der Liebe Harfenton herüber, Glänzt der Wahrheit helle Sonnenspur. Drüben wallt die weisse Friedensfahne, An dem Ziel der dunkeln Erdenbahn Die Natur enthüllet ihre Gånge lloc? and side Und das Schicksal liegt uns aufgethan, od st 9 Neue Sonnen, neue Weltgebånde ed tydborg dul! Sind wie Rosen auf den Weg gestreut, 390000 ( A) red only Täglich wird das Grosse neu geboren, Und das Schöne blüht in Ewigkeit, Geister fliegen um die Wesenkette, gegs mad m2 Und erforschen und begreifen sie; bais plste Engel singen ihre Himmelslieder 100 110 ishl2 sphég Und den Raum erfüllet Harmonie. Alles Schöne neigt sich dort zusammensi dall Und das Gute findet seinen Lohn; is siteg Alles Grosse blüht im freyen Raume Und zum Engel wird der Menschensohn.js Ⓒ id dull -- Gott, vor dem ich betend niedersinke, thit re- ansfie Welche Freude füllt den Lebenstag; Joniqab Gott, ich werde dich im Licht erkennen Blandry anis An dem grossen Auferstehungstag! Werde deine Liebe dort begreifen, Die für Menschen und für Welten wacht; safjor9 disgd - and doll prebutrole 149 BOD WO Werde unter Freudenthrånen rufen: Du, mein Gott, hast alles wohl gemacht! Eingeschrieben in das Buch des Lebens, Eingeweihet in den Geisterbund, Feyre ich das Passahfest der Freyheit, Und die Stunde, wo ich auferstund; Preise dich mit wonnetrunkner Seele, Bete dich im Geist und Wahrheit an, Und mein Glück im Himmel ist der Glaube, Vater, daß es nie vollenden kann. #busdag espaid spre anbiedel santian sering mo be got and લ છે. mi 1 ild aboned 102 10 dne! 03 Himmelfarth ignis Morgen.d Du bist mein Lied, der über Wolken thronet, Der sich ein Reich aus allen Welten baut, d dail Vor dessen Aug die Blume sich entfaltet Und der die Nacht der Zukunft hell durchschaut. Du bist mein Lied, der seine Erde schmücket, Und Blüthenduft durch alle Fluren strent; Der Berg und Thal mit süsser Freude füllet, Und allen Wesen Licht und Ruhe beut. Zu dir erhebt sich meine trunkne Seele, Im Morgenschimmer fliegt mein Geist zu dir, Mein Herz umwallt das groffe Meer der Wonne Und deine Huld ist freundlich über mir. Wie schön, o Herr, ist deine Welt geschaffen! Die Schöpfung lacht, und alles blüht umher. Der Himmel neigt sich liebevoll zur Erde Und Zeit und Raum ist nirgends freudenleer. Das ist dein Werk, Erhalter, Schöpfer, Vater, Es ist der Zukunft goldner Wiederschein. O fühle, Herz, im Schimmer dieses Lebens: Wie herrlich wird es übern Grabe seyn! Wir wandeln hier im Glauben, nicht im Schauen; D - 151 Doch blickt das Ange nach der Ewigkeit, Und jeder fühlt, zum Daseyn auserkohren, Die grosse Ahnung der Unsterblichkeit. Du giengst voran, die Státte zu bereiten, Du sanfter Liebling des Unendlichen, Zu deinem Vater und zu unserm Vater; In jenem Hause sind viel Wohnungen. Sie dämmern unterm Sternenlicht herüber, Die Nacht enthüllet unser Vaterland. Wir steigen kindlich auf den Grabeshügel, Und aus den Wolken reicht die Vaterhand. Gott und Vater, Herr und Freund des Lebens, Dir sey mein stiller Erdentag geweiht. Gewiß, nur durch die Göttlichkeit der Tugend Wird diese Welt dem Himmel angereiht. Die Stunde naht. Mein Lauf geht einst vorüber. Das Auge bricht. Gott, ich harre dein! Du wirst dein Kind nicht täuschen, milder Vaterz Dein Ebenbild muß unvergånglich seyn! seyn! WICHES 152 N920 SAN Himmelfarth. Abend.) wild bo di coll Die Himmel, Herr, erzählen deine Ehre,# Dein Werk verkündiget das Erdenrund; incluG. Ein Tag sagt es dem andern, wie du walteft," E Und eine Nacht thut es der andern fund. Ja alles, was ich sehe, fühle, höre, Der stille Mond in seiner Herrlichkeit, Der Blüthenduft im grossen Schöpfungsgarten, Der Nachtgefang in seiner Fröhlichkeit, di Ach alles rufet: groß und mannigfaltig 400 Sind deine Werke, groffer Geist der Welt; e Du haft sie alle weislich angeordner, Vom Blumenkelche bis zum Sternenfeld. Dich lobet die Natur mit ihren Zeiten, aus Dich rühmet Sonne, Mondenlicht und Stern, Dich preiset jede Blume auf der Heide Und alle Engelchöre nah und fern. dus nis@ Ja alles, was da lebet, freut sich deiner, Und fühlt sich durch das schöne Daseyn groß; Es ist kein Winkel fast auf dieser Erde, *) Nach Zollikofer Predigten nach seinem Tode herausgeges ben. 6. B. S. 253. 153 Wo niemals eine Freudenthrane floß. an thless Die Wesen alle ringen nach dem Ziele, Das ihnen deine Weisheit vorgesteckt, for n sur 02 Und unter allen Keimen, die du schufest, Ward keiner je vergebens aufgeweckt. Und wir, die Fürsten deines Reichs hienieden, So reich und edel av Vernunft und Kraft, So nahe dir, durch unsern Geist von oben, Der gleich dem Schöpfer ewig denkt und schaft, Wir sollten uns nicht findlich deiner freuen? Dir nicht frohlockend danken, daß wir sind? Wir sollten dir nicht liebevoll gehorchen, Für unser Glück und für die Zukunft blind? Wir sollten frech den heil'gen Einklang stdren, Der sanft durch alle Schöpfungshallen tont? Wir sollten nicht das Schöne fromm vermehren, Das den Altar des Erbenlebens front? Nein, ferne sey dieß tråge Untergehen, Das jedes Land und jede Gruft entweiht; Und ferne jenes niedrige Beginnen, Das weder Gott, noch unser Herz verzeiht. Nein, dich zu lieben, deiner mid) zu freuen; Im Geifte aufgeklärt, im Herzen rein Vor dir zu wandeln, und das Böse meiden, Das soll mein Ruhm und meine Ehre seyn. 154 Dann låffest du mich einst in Frieden fahren Und lieblich wird die frische Palme wehn; Das groffe Fest des Lebens wird beginnen, Ich werde Gott und die Vollendung sehn! dell 938 di jeb) dan — Ats 28 en no tbt ist, lloj t Pfingstfe ft. 3 3.2 Morgen.-16 p Hochgelobet seyfst du, Gott der Liebe, Hochgelobet in dem Sternenthron, Engel preisen dich mit Himmelsharfen, Wir im Staube durch Religion. Habe Dank für diese Freudenblume, Die der herrlichen Natur entsproß; Habe Dank für diesen schönen Glauben, Der aus deinem Himmel niederfloß. Vater, deine Gotteskraft ist ewig, Ewig in der schaffenden Natur; Aber auch in unserm Herzen wohnet Deines Daseyns hohe Segensspur. Leise weht die heilige Empfindung In dem Lenze unsrer Lebenszeit, adiuto Und in stiller Ahnung deiner Liebe Ist die junge Seele dir geweiht. Aber wenn der Herbst des Erdenlebens Wie ein Garten Gottes vor uns steht, Wenn wir deine Vaterliebe kennen, d Die so freundlich vor uns übergeht- Wenn wir hin auf jene Tage sehen, qui # 10 320 12 RS( 2016R 156 Die uns deine Freundlichkeit geliehn; Wenn wir auf die jungen Saaten blicken, Die durch deine Vaterhuld gediehn; Wenn wir an die Freudenblumen denken, Die auf unserm Pilgerpfad geblüht, delscho ( 2 An die füffen Früchte, die voll Reife dolapchaft Für das lebensmüde Herz geglüht; y Ispar An der Jahre schöne Wechselreihe, An die Wolke, die vorüber zog, sill An die Wahrheit, die uns reich belohnte, si An die Tugend, die uns nie betrog; An den Glanz so vieler Morgensonnen, u An des stillen Mondes sanfte Pracht, CANCES An den Reiß so vieler Abendröthen, mi gid An so manche liebe Sternennacht - An den Weg, den deine Hand mich führte, mis An das Herz, das du mir zugesellt; An die Stunde, wo mich Nacht bedeckte, 2 An die Stunde, wo sichs ausgehellt- 32 Vater, ewig treuer Menschenhüter, muli 2 Ach! dann fliegt das Herz zu dir empor, Ach! dann bist du mir so freundlich nahe is si In dem ungeheuern Weltenchor. sist sies mus? Ewig will ich findlich an dir hängen 1910 Auf dem ungewissen Lebenspfad, sive and 157 Ewig dich durch stille Tugend preisen; Bater, leite mich nach deinem Rath! Und wenn sich des Lebens Werktag endet, Dort am Ziele meiner Pilgerbahn; Wenn der grosse Himmelsfabbath winket, Vater, nimm mich dann mit Ehren an! plin 136 trop buiser spated hand in Bilduspuse. dem 22 Top and wond par si achig siden 182 18 de ding#oiluun het schli st 45 dito? 409lad chim that de 21050 gan din siste dow sid vil sid tun? tohiemprot un cad willCal sim²0. 0300 odds a nipp dan vid bì Q s0j1 Mm BaC. - 158 Pfingstfest Abend. umpan onli 10 In Heilige Entzückung, die den Menschen Zu dem Thron des Unerschaffnen hebt, Wenn der Geist, der alles Gute wirket, Unser Herz zum frommen Dank belebt; durchdringe meine ganze Seele, Weihe mich zum hohen Lobgesang, Und mein Lied in Nacht und Sternenschimmer Tone in der Engel Harfenklang! Blumendüfte ziehen mir entgegen, Frische Kraft umwallet Feld und Flur, Blüthenbäume wehen und der Friede Wandelt in dem Garten der Natur. Vater, Vater, meine ganze Seele Dankt dir für den süssen Augenblick, Dankt dir für die goldne Lebensstunde, Dankt für Daseyn und für Menschenglück! Daß ich dir und Jesu angehöre, Daß der Geist der Wahrheit mich belebt Und, wie jene ersten Christenbrüder, Aus dem Staube zur Verklärung hebt; Daß ich deine Vaterliebe kenne, Daß mich keine Sorge niederdrückt, 159 Daß mein Auge unter Sturm und Wetter Kindlich auf zu deinem Himmel blickt; Daß ich in dem grossen Bunde lebe, Der die Menschen zu der Tugend führt; Daß ich jener Freyheit nicht entbehre, Die dem Menschen und dem Geist gebührt; Daß ich nicht an dieser Erde hänge Und an ihrer süssen Herrlichkeit Daß ich kalt auf Tod und Gräber blicke Im Gefühle meiner Ewigkeit: - - - 10 mism wasOR ( 2 200 Dieses dank ich dir, du Gott der Liebe, Und dem Geiste, der durch Jesum sprach, al Dieses feyert die entzückte Seele, Und die Bunge stammelts leise nach. W mo Angebetet sey dein grosser Name, Diese Erde sey dein Heiligthum, Und dein väterliches Wohlgefallen Sey der Menschheit grosses Eigenthum. Alle Tempel seyen dir geweihet, Wie Vernunft und Geist sie weihen kann, Und die Welt, von Jesu Wort erleuchtet, Bete dich im Geist und Wahrheit an! Liebe sey das Band der Menschenkinder Ihre Krone die Gerechtigkeit; Ihr Vertrauen du, der Alles lenket, nisme d Und ihr Glaube die Unsterblichkeit! jon bildi mi bi jne Preise ihn, der über Sonnen wohnet, sind Preise ihn, du stille Blumenpracht, Preiset ihn, ihr süssen Frühlingslüfte, sd sic Preise ihn, du milde Sternennacht! And du Gott, den ich im Staube fühle HORNY e Ach, wenn einst mein sterbend Auge bricht, YUD Wenn mein Geist hinauf zum Lichte flieget von Angesicht zu Angesicht! Dann sup Welten schwinden fene Klarheit dämmert Und der Himmel ist mir aufgethan! Gott erscheinet Mit den Engeln heilig! heilig! an. - vedatim 160 - tabla bi Bo zdi na dull me and R9tx_bbs und ich stimme selig sid dall & SG or wisd] 151sdagnl mallajagido asilisi misd dail taudinspreefforze disqasid sed ps delare vid ug) Isse met madison sij is dan muurse, sta las pe north sid dull no tisgadh dnu ismi bid and od dan bad( s) sesi? tissid smart** Erndte Erndte fè ft. OL Morgen Sey gesegnet, stille Morgensonne, Sey willkommen, schöner Ruhetag. Heiter blickt der Mensch auf die Gefilde, Wo sein Brod in goldnen Aehren lag. Alle seine Sorge ist verschwunden; Die er in dem schwachen Herzen trug. Ach, der gute Vater dort im Himmel Gab uns Kindern wieder Brod genugs Er ist mächtig; aus dem Körnlein schaffet Er des Menschen beste Lebenskraft; Er ists, der den todten Reim erwecket Und das Grosse aus dem Kleinen schaft: Seele, stehe stille und betrachte! Diese Erde ist dein Mutterland. Hingesået bist du, um zu reifen; Bist ein Saatkorn aus des Schöpfers Hand. Längst schon ist der todte Keim erwecket, Ist das Leben für dich aufgethan. Wachse, blühe, reife für den Himmel; Dort fängt eine neue Aussaat an! 162 - Unter Morgenthau und Abendrothe, Unter Nacht und mildem Sonnenschein, Unter Wettersturm und Friedensbogen Reifest du für jenes grosse Seyn. Nicht umsonst hat Gott den Lebensfunken, Mensch von Erde, in dir aufgeregt; Nicht umsonst so viele Kraft und Stärke, Pilger, in dein täglich Brod gelegt. Alles, alles dient zu deinem Frommen, Wandle fröhlich durch das Leben hin! Aber Unschuld sey des Leibes Zierde, Und die Kraft der Seele dein Gewinn. Herrscher, der die Welt mit Gütern füllet, Die kein Auge überzählen kann, Bater, der die Freudenblume ziehet In dem Staube, auf der Sonnenbahn; Dankend sink ich hin vor deinem Throne, Dankend blick ich auf die schöne Welt, Dankend auf die bunte Saat der Freuden, Dankend auf das goldne Erudtefeld. Ewig will ich findlich dir vertrauen, Freudig will ich deinen Willen thun; d Laß mich einst am groffen Erndtetage In dem Lande der Vollendung ruhn. 163 w Erndtefest Abend. Sen gepriesen, treuer Menschenvater Wie mein Herz im Staube es vermag, Für des Lebens, für der Andacht Freude Des war ein schöner Ruhetag! Deine Freuden zogen mir vorüber In dem Schimmer der Vergangenheit; Deine Milde stand vor meinen Augen, Wie der Mond in seiner Herrlichkeit. Wenn die Welt zu einem Tempel würde, Jeder Schall zum hellen Glockenklang, Jeder Hauch zum hohen Orgeltone, Jeder Laut zum groffen Lobgefang; O sie könnten deine Macht nicht preisen, Deine gnadenvolle Majestát, Könnten deine Wunder nicht erzählen, Du, der über Sonn und Sternen geht. Wie die Klarheit in der Abendrothe, - Ist dein Blick, der für die Menschen wacht; Und von deinem Throne wehet Ruhe, Gleich dem Frieden in der Sommernacht. £ 2 164 Herrlich hast du deine Welt erschaffen, Alles wallt in süsser Lieblichkeit Doch am schönsten sieht der Mensch die Erde In dem Lichte der Zufriedenheit, Wenn er nach der Weisheit Schäßen trachtet Und sein Brod in stillem Frieden ist; Sich nicht um den nächsten Morgen quâlet, Nicht die frohe Gegenwart vergißt; Wenn er dir mit festem Sinn vertrauet, Der die Lilien des Feldes schmückt, Und auf dich mit stillem Muthe hoffet, Der mit Milde auf den Sperling blickt. Dieser kleine Stern der Muttererde Ist ja nur der kurzen Freude Spiel. Einst vergeht er unter unsern Füssent Und wir sehen der Vollendung Ziel. Warum dieses Drängen, dieses Streben, In dem Reiche der Vergånglichkeit? Sehet, wenig braucht der Mensch hienieden, Und dieß Wenige nur kurze Zeit. 81 Bater, laß mich nach dem Reiche trachten, Wo der Tugend reine Blume sprießt, Nach dem schönen grossen Himmelreiche, Wo das Licht aus reinér Quelle fließt. - 165 Dann wird mir der Lebenstag verschwinden Wie ein Traum im sanften Sternenschein, Und mein stilles; ruhevolles Ende Wird der Anfang jener Erndte seyn, Christt a g.. Morgen. Freue dich, o Himmel, jauchze Erde Menschheit finge einen Lobgefang! Freye Christen, betet an und danket, Unter Orgelton und Glockenklang. Freude halle von den Bergen wieder, Jeder Hügel sey ein Dankaltar, Und ein Friedenskuß sey die Versöhnung, Wo die Zwietracht Haß und Neid gebar. Heil uns, jene Kette ist zerrissen, Die des Menschen freyen Geist umschloß; Heil uns, Jesus Christus ist geboren, Und sein Reich erhebt sich frey und groß! Tyranney und Aberglaube sinken, Wenn die Wahrheit ihren Chron besteigt; Und der Friede wohnet auf der Erde, Wenn die Liebe sich zum Menschen neigt. Wenn der Lichtgeborne mit der Geiffel Trug und Habsucht aus dem Tempel scheucht; Wenn der Pharisder vom Altare, 167 Und das Volk von seinen Gößen weicht; Wenn die Tugend auf der Welt regieret, Ohne Eigennuß und Heucheley; R O dann wohnt der Himmel auf der Erde, Liebe herrschet und die Welt ist frey. Vater, habe Dank für deine Gnade, Nimm das fromme Opfer huldreich an. Jesus Christus ist vorangegangen Und wir folgen seiner Siegesbahu. 21. 40 Dein Reich komme! Licht und Tugend siege Von dem Aufgang bis zum Niedergang, Wahn und Laster sterbe, und der Jubel Aller Menschen sey ihr Grabgesang! Ehre, Ehre sey Gott in der Höhe! mis ses Friede sey der Menschheit Eigenthum! Tugend werde unser Wohlgefallen, Und die Erde sey ein Heiligthum! IN I 168 Chrifttag Abend. Ats Maria ihren Sohn geboren, Zinte nächtlich füffer Himmelstlang, Und die Engel, unterm Sternenlichte, Brachten einen fanften Lobgefang. Lächelnd blickte ihren Neugebornend mail Die beglückte Auserwählte an; Aber konnte sie im Geifte ahuen, Was die Welt an ihrem Sohn gewann? Ausgeschmückt mit seinem Sternenglanze Feyerte der Himmel diese Nacht; Aber konntest du, o Erde, wissen, Welch ein Schimmer für dich aufgewacht? Deine Sonne kann nicht untergehen, Seit der Aufgang aus der Höh erschien, Feyre, Menschheit, ewig jene Stunde! Si Liebe, ehre, diene, preise ihn, Shn, den Gott zu deiner Rettung fandte, Deinen Friedensfürsten, deinen Freund; Thu, des Himmels und der Menschen Freude, Der die Welt durch Licht und Recht vereint; Deinen Meister, der dich Wahrheit lehret, Wenn der Irrthum deinen Geist umhüllt, 169 Deinen Retter, wenn das Lafter winket Und mit Gift den golduen Becher füllt; Deinen Tröster, der dein Herz voll Glauben, Voll Vertrauen zu der Gottheit lenkt; Deinen Heiland in der Todesstunde, Wenn der Geist an die Verwesung denkt, ANON Vater, du verstehest meine Worte, Wenn mein Herz in stummer Andacht spricht! Innig fühlen kann ich deine Liebe, Doch sie würdig preisen kann ich nicht. Ach verleihe mir und allen Menschen, Denn wir Alle sind ja ewig dein, Allen, Herr, so weit die Sonne leuchtet, Fromm und gut in Jesu Geift zu seyn. Gieb uns Tugend, die das Herz erfreuet, Gieb uns Wahrheit, die uns glücklich macht; Und das Reich der Finsterniß vergehe Ewig, Herr, wie diese Winternacht! Abendmahlsfeyer. Morgen. Sen gegrüffet, stille Morgenstunde, Sey willkommen, milder Sonnenstrahl! Sanfte Rührung wärmet meine Seele, Und ich feyre Jesu Abendmahl. Weiche, Welt, mit deinen Eitelkeiten, s Hier ift Gröffe, hier ist Gottesruh; Hingeneigt zu deinem schönen Leben, Eil ich, Jesu, deiner Kirche zu; Weihe mich aufs neue jenem Bunde, Ten die Wahrheit mit der Tugend schloß; Denke liebend an den Freund der Menschen, Der sein Blut auf Golgatha vergoß; Huldige der sanften Bruderliebe, Die dem Sünder und dem Feind vergiebt; Neige mich zu jener Himmelstugend, Die das Gute, weil es gut ist, liebt; Ehre und bekenne meinen Glauben Unter Demuth, unter Brudersinn; Freue mich, daß ich zum Licht geboren, Daß ich frey vor Gott und Menschen bin; Trette fröhlich in das hohe Leben, 171 Das den Staub zum neuen Menschen macht; Blicke fromm und ahnungsvoll hinüber In die Klarheit nach der Todesnacht. Ach, dort ist das große Ziel erreichet, Dort ist alle Schwachheit abgethan, Und die Menschen wallen rein und heiter Auf der lichten, freyen Sternenbahn. Alle Herzen sind dort ausgeföhnet, Friede herrscht im stillen Weltensaal, Und wir feyern unter Engelchdren Neugeboren unser Liebesmahl. Oder Freude, wenn in jenem Tempel, Wo der Wahrheit reine Lampe hängt, Unser Herz, den ersten Gruß der Liebe, Unser Geist das erste Licht empfängt! Aufgeldset sind die lezten Bande, Hingeschwunden ist die arme Welt, Und die Seele blicket ronnetrunken In das nahe grosse Steruenfeld. Bater, laß mich für den Himmel leben, Und mein Wille sey verklärt und rein! Laß mich keinen Lebenstag entweihen, Und mein letter wird der schönste seyn. 172 Abendmahls feyer. Abend. Unter Ruhe, unter Gottes Frieden Sinkt die Nacht ins Erdenthal herab. Stille herrscht. Ich will an Jesum denken, An die Lehren, die der Weise gab, Als er heiter bey dem Abschiedsmahle In dem Kreise seiner Treuen saß, Und voll Liebe für die bessern Menschen Alle Hinterlift der Welt vergaß. Voll des Glaubens zu dem Weltenpater, Boll der innern, reinen Seligkeit Eprach er diese fanften Lebensworte Auf dem Hingang zu der Ewigkeit. " Freunde, tradhtet nicht nach hohen Dingen, Gleichheit lehrt das grosse Menschenrecht, Jeder diene freundlich seinem Bruder, Einer sey des Andern freyer Knecht.*) Liebet euch, so wie ich euch geliebet, Dieß Gebot gilt für die Ewigkeit; An der Liebe soll die Welt erkennen, ➜) Joh. 13, 12. thin 173 Daß ihr meine rechten Jünger seyd. Trauet Gott und glaubet meiner Rede, Ewig währt die Scheidestunde nicht; Dort im groffen Haufe meines Vaters Wohnen wir im neuen Sonnenlicht. Jenen Geist, der zu der Wahrheit leitet, Ach! die Welt hat keinen Sinn dafür, Diesen Trost wird euch der Vater senden, Freunde, wenn ich euch verlasse hier. Gleich den schönen, traubenvollen Reben, Traget Früchte für die begre Welt. Nur die Ranke darf am Weinstock bleiben, Die sich stets in frischer Kraft erhält. Haffet euch die blinde Welt, so wiffet, Daß sie mich vor euch gehaffet hat. Eure Tugend wird die Zukunft ehrett, Und die Welt trågt ihre Missethat. Wenn ein Weib gebieret, hat fie Kummer, Ihren Geist umwolket Traurigkeit; Doch die Schmerzensstunde geht vorüber Und verwandelt sich in Fröhlichkeit. Traget muthig dieser Erde Leiden, Duldet freudig für die beßre Welt: Dort will ich euch fröhlich wiedersehen, Wo die Tugend ihren Lohn erhält, - 174 Bittet Gott; der Vater wird euch geben, Was mein Reich auf dieser Welt vermehrt; Eure Freude soll vollkommen werden, Euer Wunsch ist durch sich selbst erhört." Endlich, Vater, wird dein Reich erscheinen, Deine Liebe kann nicht untergehn. Jesu Wahrheit wird die Welt erleuchten, Und die Menschheit wird im Glanze stehn. Die Natur schaft nicht mit Einem Male; Erst erscheint die sanfte Dämmerung, Dann beginnt der Glanz der Morgeurdthe, Endlich folgt die groffe Huldigung. Strahlend flammt die hohe Lebenssonne, Prachtig kommt die schöne Siegerin, Und die Tempel, die der Nebel baute, Einken schweigend in Ruinen hin. Endlich, Bater, wird dein Reich erscheinen, Deine Liebe kann nicht untergehu, Jesu Wahrheit wird die Welt erleuchten Und die Menschheit wird im Glanze stehn. Dann will ich aus deinem Himmel blicken, Auf die Erde in dem Lichtgewand. 175 Freude athmend will ich niedersehen Auf das fromme, theure Vaterland. ihr Reinen! unter stolzem Frieden, Blickt ihr auf den Krieg der Welt zurück; Lebet für das Gute und das Schöne Und entschlummert unter Engelglück. Vater, angebetet sey dein Name! Dein Reich komme, Herr der Ewigkeit, Und dein Will' geschehe auf der Erde, Wie im Lande der Unsterblichkeit! An einem Tauftage. Abend. Herr des Lebens, deine Güte waltet Von dem Aufgang bis zum Niedergang; Alle Welten rühmen deine Ehre Und die Himmel füllt dein Lobgesang. Wer hat uns dem finstern Nichts entriffen? Licht und Freude, Bater, kommt von dir; Du bescherst die goldne Lebensstunde; Hingesunken, freudig danken wir. Ach wir fühlen innig deine Gnade, Deine freundliche Barmherzigkeit. Leben ist die Krone aller Wesen, Daseyn ist das Pfand der Ewigkeit. Hochgelobet seyft du, Herr des Lebens, Für die Luft, die unser Aug erhellt. Dank dir für das theure Pfand der Liebe; Für den neuen Fremdling deiner Welt. Du haft ihm das Bürgerrecht ertheilet Für die Erde, für die Ewigkeit; Hast das junge Herz in Schuß genommen Durch die Weihe zur Gerechtigkeit. Nun 177 Nun ist ihm ein Kreis von Brüdern nahe, Liebe blüht um seine Lebensbahu, Deine Schöpfung lächelt ihm entgegen, Und der Himmel ist ihm aufgethan. Sollten wir der Zukunft nicht vertrauen? Menschenvater, unser Kind ist dein! Leite es zur Wahrheit und zur Tugend, Laß es deiner Liebe würdig seyn. Gieb, daß wir die Blume nicht verderben, Die für dich und deinen Himmel blüht; Gieb, daß wir die Seele nicht verleßen, Deren Hoffnung unter Sternen glüht. Daß es früh die goldne Wahrheit ehre, Laß uns selber stets wahrhaftig seyn; Daß es früh den Kranz der Tugend trage, Mach uns selber tugendhaft und rein! Und sind wir in Frieden hingeschieden, Blickt der stille Mond auf unser Grab, Schlägt das treue Herz nicht mehr auf Erden, Für die Lieben, die der Himmel gab; Bater, o so leite fie zum Frieden Und bewahre ihre Herzen rein; Laß uns froh und fröhlich dort umarmen, Laß uns ewig durch sie glücklich seyu! - com m Am Geburtstage Morgen. Du, der über alle Zeit erhaben, In dem hohen Sternentempel throut, Du, der ewig mit gerechter Wage, Dort die Engel, hier die Menschen lohnt; Geist im Lichte, der mit Wohlgefaller Auf das gute Herz im Staube sieht, Guter Vater, der mit hoher Weisheit Seine Kinder für den Himmel zieht; Ach! wie kann, wie kann ich dir verdanken, Was du mir auf dieser Pilgerbahn, Von der Wiege bis auf diese Stunde, Unaussprechlich Gutes haft gethan! Jede Sonne, die ich froh begrüßte, Jede ahnungsvolle Sternennacht, Jeder Baum in seiner Frühlingsblüthe, Jede Blume in enthüllter Pracht, Jeder Tag, voll Heiterkeit und Leben, Jede Rührung in der Einsamkeit, Jede Hoffnung, die mich froh umschwebte, Jede Wonne der Vergangenheit; Alles, alles, hast du mir gegeben, 179 Jede gute Gabe kommt von dir., ac 110 Ach! für alles blick ich froh zum Himmel, me To Danke, Bater, denke dir dafür. windsid onil mind that Dir will ich mit festem Muth vertrauen, Unter Stürmen, unter Sonnenschein. 125 Gieb mir, wie du willst. Ich will im Glücke 1 Und im Mißgeschick zufrieden seyn. Weisheit bringt den Menschen nur zu EhrenWohl ihm, wenn er deine Rechte hält: Fromm will ich zum hohen Ziele schreiten, Meine Krone liegt in jener Welt. Was der Mensch gefäet, wird er erndten. Elend folgt der wilden Sinnlichkeit; Aber wer auf Geist und Tugend fået, Erndtet in der langen Ewigkeit. Vater, ja im Geifte will ich wandeln, Der Begierde mächtig widerstehn, Schåndlich ist der Schlangenweg der Sünde, Auf geradem Pfade will ich gehn! Wenn der Mensch sein Alles hier verlieret, Wenn er deinen Beifall nur gewinnt. Hoffnung dämmert in der Abenbröthe: Selig find, die reines Herzens find! 2 - 180 Gott, was ist der Mensch im kurzen Leben, Wenn er seines Lebens Werth vergißt, Und die wahre Größe, die ihm winket, Nach dem Tand der Eitelkeiten mißt! Bater, dir nur will ich angehören, Und der Tugend sey mein Herz geweiht! Meine Freude ist dann Seelenruhe, Meine Hoffnung- deine Ewigkeit. $ 16 181 COM Am Geburtstag Abend. Vater, der mit stillem Wonneblicke Leben in das Heer der Wesen senkt, Und zum Leben diesen Wesen allen Luft in Liebe, Kraft in Schmerzen schenkt; Fröhlich steht der Mensch vor deinem Throne, Seinen Geist umschwebet Heiterkeit, Wenn er im Gefühle deiner Gnade Rückwärts blickt auf die Vergangenheit. 2018 Jene Bilder, aus den Jugendtagen, Die kein Gram aus unserm Geist verwischt; Fener Schimmer, der so freundlich dämmert, Bis er einst mit uns am Grab erlischt; Jene Tage, wo die Welt voll Blumen Ohne Dornen uns vor Augen stand, Wo die Liebe uns mit allen Wesen Froh und sorgenlos zusammenband Ach! sie stehen freundlich uns vor Augen, Gleich den Sternen in der Sommernacht. Und wir hängen still und wonnetrunken An dem Bilde, das uns glücklich macht. MAR LUNAR 182 Gott, du gabst uns jene Freudenstunden, Habe Dank für deine Gütigkeit! Jene Kindheit, sie ist hingeschwunden; Doch das Herz bleibt kindlich dir geweiht. Ach! es ist das Schönste, was wir retten, Jener fromme, milde Kindersinn; Er geleite mich durchs Erdenleben Bis zu meinem stillen Grabe hin! POLER 052 Ausgeföhnet mit den Menschen allen, Ohne Hoffart, ohne Trug und List, Immer von dem Glauben aufgerichtet, Daß du, Gott, mein guter Vater bift; Ohne Kummer für den andern Morgen, Voll Vertrauen zu der Menschenwelt Und zu dir, dem grossen Weltenlenker, Der das Ganze liebend trägt und hält; Hingeneigt zum Guten und zum Schönen, Angeflammt für die Gerechtigkeit, Heiter im Genusse dieses Lebens Und voll Hoffnung für die Ewigkeit; So will ich mein Tagewerk vollenden, Daß dein weifer Rathschluß mir beschiedd So will ich zu deinen Engeln wallen, P vod Wenn die Lebensblume abgeblüht. 183 Gute Menschen werden um mich weinen, Ruhig steht mein Grab im Mondenschein, Und wie eine fanfte Abendrothe Wird mein Nachruhm auf der Erde seyn. Guter Vater, laß mich weise werden, Eh' der goldne Lebensstrom entfließt. Dann laß mich in Frieden hingelangen, Wo die Guten Eine Welt umschließt. R Pys In Krankheit. Cdo/ 0 Morgen. Langsam geht die Leidensnacht vorüber, whit Matt entschleicht der Trauerstunden Chor. Goldner Morgen, Wiederkehr des Lebens, Komm, ach komm aus deiner Nacht hervor!$ 200 Doch, was nüßet mir die Morgensonne, Die mein Aug so oft mit Wehmuth sah? Warum ist der Mensch, der Lebensmüde, Sich und Andern noch zur Plage da? Warum sinkt die Freude vor uns nieder, Eh' wir ihren Aufgang noch gesehn? Unter Thránen wird der Mensch geboren, Unter Schmerz soll er zu Grabe gehn. Warum säumt die rasche Todessense, Wenn die welke Lebensblume ruft? Warum fáumst du, mütterliche Erde, Mit der Ruhe in der stillen Gruft? Gott, ich klage!- ach! vergieb dem Armen, Den der schwere Kummer niederdrückt. Ach, vergieb mir, wenn mein schwaches Auge Nicht mit Kraft zu deinem Himmel blickt; 3 G 185 Wenn die Gegenwart mich trüb umschwebet, Wie den Blinden in der Einsamkeit, Wenn der Geist zu matt ist, hinzudenken, In die Zukunft und Vergangenheit!-bin Vater, o der Freuden waren viele, Die du hin auf meinen Pfad gestreut; Selbst mein Leben zwischen Tod und Grabe, Ist ein Gut, das deine Hand mir beut. Gott, du bist die Liebe, und die Erde Ift und bleibet deiner Gûte voll. Ach! wie unrecht thut der Mensch im Staube, Wenn er murret, wo er danken foll! Jede Gabe, jede reine Freude, Vater in dem Lichte, kommt von dir. Unaussprechlich waltet deine Güte, Du bist unsre Zuflucht für und für. Du haft einst das Erdenrund gegründet Und den Himmel prächtig ausgespannt. Gott, du bleibest, wenn das All vergehet, Und mich schüßet deine Baterhand. Unerforschlich sind mir deine Wege, Allbekannt ist deine Gütigkeit. Durch dich und in dir sind alle Dinge; Dir sey Ehre, Herr, in Ewigkeit! - Ong bi 186 Laß mich fest auf deine Hand vertrauen, Laß mich fröhlich in der Hoffnung feyn; Und wenn meine lehte Stunde winket, Führe mich ins Land der Ruhe ein. Doy GOOD DAR Hand sid ani O sh 12 you did 200 51.00 187- In Krankheit. Abend. Wieder ist ein Leidenstag verlebet xid mmadR In der Schule meiner Prüfungszeit. mer ell Alles schwindet, alles geht vorüber un sting Näher kommt die schöne Ewigkeit. mmp mo po Wie das Gold durchs Feuer sich bewähreted Gui So bewährt der Christ sich in der Noth; Und den Redlichen, die Gott gefallen, sit( all Winkt der Zukunft lichtes Morgenroth. Wodolf Unsre Trübfal ist ja leicht und zeitlich; and al Doch sie schaffet große Herrlichkeitilgid Uns, die nicht auf dieses Leben sehen, d Sondern auf den Lohn der Ewigkeit. Alle Züchtigung, sie dunket freylich Uns nicht Freude, sondern Traurigkeit; Aber für den edlen, bessern Menschen Trågt sie Früchte der Gerechtigkeit. 100 Was betrübst du dich und bist verzaget, 10 Meine Seele, harre fest auf Gott, Er ist deines Angesichtes Hülfe, Glaube, und dein Leiden wird zu Spott. Denen, die Gott lieben, muß ja Alles 188Hier zum Besten dienen. Diese Zeit Mit den Leiden allen, die sie bringet, Reichet nicht an jene Herrlichkeit. Sey in Hoffnung fröhlich, sen geduldig, Wenn der Trübfal schwarze Fahne weht; 192 Und wenn auch der legte Stern verschwindet, Halte an mit heiligem Gebet.e Sey am guten Tage guter Dinge, Und den bösen Tag nimm auch für gut; and si Denn Gott schaffet diesen neben jenem, Und die Zukunft bringet neuen Muth. Ueberall ist Trübfal auf der Erde, Und der Schmerz keimt unter Freuden auf; Schöner glänzt die Blume nach dem Regen, Und der Wechsel führt den Weltenlauf. Vater, laß den Kelch vorüber gehen; Doch nicht mein, dein Wille nur gescheh! Hier ist Nacht. Dort aber wird es helle, Wenn ich auf zu deinem Himmel seh. Dort ist Freiheit, dort zerreißt die Feffel, Die den Geist an diesen Körper band. Jene Sterne sind für mich geschaffen, Dort ist Ruhe, dert im Vaterland, Laß mich dulden, gieb mir Muth zum Leiden, C 189Muth zum Sterben, zur Vollendung Muth. Was dein weiser Rath beschließt, Erbarmer, Ist für diese Welt und jene gut. Gott, dir leb ich, dein bin ich im Tode, Heiter schließ ich meine Lebensbahn. Sott mein Vater! wenn die Erde weichet, Ist der Himmel vor mir aufgethan. - An einem Begräbnißtage 0 Abend 8. Wie die Blätter von den Bäumen fallen, ris. Seht, so fällt die Menschheit hin zu Grab. Täglich blickt der Mond auf neue Hügel, 2 Auf erblaßte Leichname herab. Immer schlägt die ernste Todtenglocke, Ewig rinnt des Lebens Sanduhr hinz Täglich wehen schwarze Leichentücher Um die Wehmuth, um den Menschen sinn. Herr des Lebens, es gescheh dein Wille, Wenn der stille Friedensbote ruft; Herr des Todes, deine Liebe waltet Von der Wiege bis zur Todtengruft. Ist der Traum des Lebens hingeschwunden, Beiget fich kein goldner Morgensaum, Sinken wir ins alte Nichts zurücke; Nun es war ein großer, schöner Traum. Dank dir, Vater, für die Lebensstunde Für der Tugend heilgen Ehrenkranz, Für der Wahrheit mächtige Gefühle, Für der Hoffnung stillen Abendglanz. Doch es ist noch eine Ruh vorhanden! IQİ Hinter Sternen liegt die Ewigkeit. Selig sind, die in dem Herrn vollenden! Unser Glaube lehrt Unsterblichkeit. Welch ein Morgen, wenn die neue Sonne Den erwachten, freyen Geist entjückt; Wenn er himmlisch froh zum leßtenmale Auf die abgeworfue Hülle blickt! Welch ein Morgen, wenn er wonnetrunken An der neuen goldnen Schöpfung hångt; Wenn ein Chor von milden Lichtgestalten Ten Verklärten brüderlich umfångt! Wenn das große Weltall sich eröffnet, Heilig füße Harfentône wehu, Millionen Paradiese blühen, Tausend Sonnen auf und nieder gehn! Friedensbogen schimmern in der Höhe, Heil'ger Jubel hallt donenlang, Engel fliegen durch die blaue Tiefe Und wir singen unter Harfenklang: Heilig, heilig, heilig, bist du Vater, Der die Menschen zur Vollendung ruft! Angebetet sey dein grosser Name Von der Wiege bis zur Todtengruft. Wieder ist ein Mensch dahin geschieden, - 192 Herr und Gott, wir danken dir dafür. Friede, Friede sen mit dieser Aschehe Und mit dem verklärten Geist bey dir! Vater, laß uns in dem Lichte wandeln, Laß uns heilig, laß uns weise seyn! 10 amate Und wenn einst die letzte Stunde winket, Führ uns sanft zu deinen Freuden ein! Indoe roden den je mo 103 of ville lsd] 20141 asdro is 0 neid 201 del big idee 110 22 Im Ungewitter. Bey Tage. Der Staub fährt auf. Der Wind durchfsaußt die Bäume. Die Sonne flieht. Die Wetterwolke naht. Der Fremdling eilt. Der Landmann geht mit Sorgen Der Heimath zu auf seinem stillen Pfad. Wie schauerlich dringt das Gemurmel näher, Das dumpf von fernen Bergen wiederhallt; Wie Kriegsgetümmel, wenn in Nacht und Dunkel Der Feind mit wildem Heer vorüberwallt. Sieh, drohend schießt der ferne Blik hernieder Auf das Gebirg, der graue Wolkensaum Reißt da und dort entzündet von einander Und gießet Feuer in den Weltenraum. Der sanfte blaue Himmel ist verschwunden; Verborgen ist der Sonne freundlich Licht. Der trübe Himmel hänget voll Gefahren Und seine Flamme fchröckt das Angesicht. Die Schöpfung zagt. Was wird uns wieder, fahren? Noch schont der Strahl. Noch sind wir unversehrt. N 194 - Allein wie schnell kann unsre Hoffnung sterben, Wie bald ist eine Freudenwelt zerstört! Wo ist die Freystatt vor dem Donnerkeile? Wo schlägt das Herz, das solche Kraft verhöhnt? Wo lebt der Geist, der nicht in Sorgen schwebte, Wenn Grabgefang aus allen Wolken tont? Es braust die Luft. Das Wetter rauschet näher, Und furchtbar hallt der laute Donnerschlag. Gott sey uns allen gnädig und barmherzig! Und jeder denke an den Sterbetag. Welch Ungestümm! Es rauscht und wogt und frachet. Der Sturm regiert die Welt. Und Schlag auf Schlag Und Blik auf Blik erfüllt das Herz mit Schre cken Und mahut die Welt an jenen Unglückstag, Wo Conne, Mond und Sterne sich verwandeln Und Bangigkeit der Menschen Brust erfüllt; Die Meere und die Wasserwogen brausen Und was da lebt Ein schwarzes Grab umhüllt! Groß ist die Macht, die in der Wolke hauset, Die Allgewalt, die solchem Sturm gebeut. 195 Gott ist es, der den Erdenkreis erschüttert, Der Schreckliche in seiner Herrlichkeit! Was ist der Mensch, Herr, daß du sein ges denkeft, Ihn schüßest auf der dunkeln Lebensbahn, In Nacht und Graus ihn väterlich beschirmest, Ihn rettest, wo ihn niemand retten kann! Herr, Herr, Gott, Bater, gnädig und barmherzig, Laß deinen Donner mild vorübergehn', Laß uns im wilden Sturme dein Erbarmen, In Fluth und Wetter deine Gnade sehn! Die Welt hat ihre Freundlichkeit verloren. Ein Meer von Schrecken brauset um uns her. Das Schifflein wankt. Herr hilf uns, wir vers derben! Du schiltst die Welt. Und deine Hand ist schwer. Doch nein! Du große Liebe kannst nicht zürnen. Du trägst die Welt mit ihrer Miffethat, Und winkeft nur mit deinen Donnerschlägen Auf die verlaßne stille Tugendbahn. Thn betet an! Er ist der Weltenmeister. Er liebt euch alle. Ihm vertrauet nur! Doch wo ein Mensch das Vaterherz betrübet, Der zittre vor dem Herrscher der Natur! № 2 Nach dem Wetter. Bey Tag e. Sturm und Wetter sind dahin gezogen, Freundlich naht der Sonne goldner Schein. Lieber Vater, du hast uns gerettet, Guter, guter Vater, wir sind Dein. Matt erlischt des Blißes Schwefelflamme, Sanfte Kühlung wehet durch die Flur Und das Herz, von neuer Freude trunken, Wallt zum grossen Vater der Natur. Mild verhallen seine Donnerschläge, Lieblich flisterts in der reinen Luft; Freude quillt von allen Himmeln nieder, Wenn die Gottheit uns zur Freude ruft. Welch ein Schimmer! Welche Jubeltone! Hoch in Lüften wehet dein Panier. Suffes Leben! Namenlose Schönheit! Was da lebet, lebt und webt in dir, Gnadenreicher! Heilig angebetet Sey dein Name, deine Herrlichkeit, Heilig angebetet deine Größe, Deine Liebe, deine Freundlichkeit! 197 Tausend bange Herzen sind getröstet, Alles ruft: der Herr ist freundlich nah! Staunend blickt der Mensch auf die Verklärung, Wo sein Auge Nacht und Schrecken sah. Gott, wer sollte dir nicht fest vertrauen, Der du ewig sprichst: ich bin bey dir. Heiter will ich meinen Pfad vollenden, Heiter bis zum Grab; Gott ist bey mir! - Im Ungewitter. Bei Nacht. Kein Stern erscheint am schwarz verhängten Himmel, Erloschen ist des Mondes Silberlicht; Am Walde liegt die schwere Wetterwolke, Und die Natur verbirgt ihr Angesicht. Wie braußt der Sturm! Wie fährt das Herz zusammen, Wenn über ihm der laute Donner kracht! Wer darf die beilge Stille unterbrechen, Das Eigenthum der mütterlichen Nacht? Welch scharfer Glanz! Wie bebt das Aug zurücke, Wenn Blig auf Blig aus dunkler Wolke bricht! Wer darf die milde Dunkelheit verscheuchen Mit solchem ungewohnten Flammenlicht? Der süsse Friede ist hinweggeschwunden Und Aufruhr herrschet in dem Weltenraum. Wer darf die große Ruhe dir entreiffen, Du måde Welt, und deinen stillen Traum? Wo ist die Macht, die solche That vollbringet, Weß ist der Arm, der diesen Flammenschild Vom Himmel auf die Erde niedersenket, 199 Und eine Welt mit Furcht und Graus erfüllt! Wie hallt die Flur von seinem Donnerwagen! Wie rauscht sein Lauf! Wie flammet sein Geschoß! Wie feyerlich ertónet seine Stimme: Verstumme Welt; denn ich allein bin groß! emorvient Ja groß bist du und heilig, heilig, heilig, Du Unsichtbarer; Licht ist dein Gewand. Die Sternenkrone glänzt auf deinem Haupte, Das ewge Zepter ruht in deiner Hand. Vor dir sinkt Mensch und Engel hin im Staube, Jehovah, Weltenrichter, Zebaoth! Ein Wink von dir kann eine Welt vernichten, Erbarme dich, du ewig groffer Gott! Laß diese Wetternacht vorübergehen Zum Segen, Herr, und nicht zum Untergang! Der Tod ist nah'. Schenk uns das füffe Leben, Erhalte uns zu deinem Lobgesang! Der Tod ist nah. Des Himmels Pfeile fliegen. Dir leben wir. Dir sterben wir, o Gott. Wir sinken leicht, von deiner Hand berühret, Und sind bey dir, du Bater Zebaoth, Ben einem sehr schweren Gewitter. Bey Nach t. Durch Nacht und Graus fliegt zu dem Wel tenvater Mein kindlich liebevoller Geist empor, Und feyert unter Blik und Donnerschlägen Den Herrn der Welt, in fürchterlichem Chor. Ein Wink von ihm und eine Welt zertrümmert, Die Sonne strahlet ihren lehten Blick; Die Erde wankt, die Elemente beben, Die Schöpfung stürzet in ihr Nichts zurück. Wie heult der Sturm! Wie braußt die Wass serwoge! Welch Aufruhr tobet in der schwarzen Luft! Der Himmel droht die Erde zu vernichten Und Blike leuchten in die Todtengruft! Berschmetternd fallen schwere Donnerkeile! Die Nacht wird bell; es kracht das Firmament! Das Auge blikt verwundet in die Flammen Und schaudert vor dem Todes Element! Wo find ich Trost in dieser Schreckens- Stunde, Wo Angst und Ohnmacht Freund vom Freunde trennt! 201 Herr, Herr, Gott, gnädig und barmherzig stärke Das Herz, das dich im Sturme Vater nennt. Du bist bey mir, wenn Erd und Himmel weichen, Du bist bey mir, wenn dieser Leib zerfällt, Und wenn dein Strahl mich furchtbar nieder: schmettert, Du bist es, Vater, dessen Hand mich hält. welch Bertraun! Welch heilig süße Flamme, Die in dem Herzen des Gerechten glüht, Die jede Nacht mit sanften Strahl erleuchtet, Wenn Muth und Kraft und selbst die Hoffnung flieht. Dir leb ich, Bater, und dir will ich sterben; Der Geift erhebt sich über Fleisch und Blut. Du wirst dein Kind nicht lassen, noch verderben, An deinem Baterherzen ruht sichs gut. Nach dem Wetter, Bey Nach t. Wir sind befreyt. Die Donnerwolke ziehet Jm schnellen Flug den fernen Bergen zu. Gelobt sey Gott. Am Fichtenwalde glühet Ein froher Stern und lächelt Fried und Ruh. Der Nacht geweihte Stille kehrt zurücke. Der Sturm verbraußt. Der laute Donner schweigt. Der Himmel lächelt mit versöhntem Blicke Die Erde an, die sich in Demuth neigt. Der Feuerstrahl, vor dem das Auge bebte, Verlieret sich in stille Heiterkeit. Der Vorhang fällt, den Gottes Finger webte, Und bringt der Welt die heilge Dunkelheit, Heil uns, der milde Friede kehret wieder, Der Friede Gottes! Seine Palme weht, Und alles sinkt zur kühlen Ruhe nieder, Und dankt dir, dessen Treue nicht vergeht. O Vater, dessen Majestät in Gnade Und dessen Herrlichkeit in Liebe ruht, Die grosse Welt ist deine Bundeslade, Und was da lebet, steht in deiner Hut. 203 Dir tout mein Lied, dir schlägt mein Herz ents gegen. Im Säuseln und im Sturme bin ich dein. Und überall auf allen meinen Wegen Sieht dich mein Geist und du bist ewig mein. diese Liebe ist mein Glück auf Erden, welch Gefühl, dem keine Wonne gleicht! Laß mich o Gott zu einem Engel werden, Daß einst mein Herz sein lektes Ziel erreicht- Dich rein zu lieben! Rein von Erdensünden, Von eitlem Wahn, von jeder Schwachheit rein. Tu Allgeliebter, laß mich Gnade finden, Und laß mich Eins in deiner Liebe seyn. Dieß sey mein Dank. Was kann ich sonst dir geben? Mein Geist ist stets bey dir und freuet sich. Dein ist mein Sinn, dein ist mein Erdenleben, Mein Herz, mein ganzes Wesen lebt für dich. An die Christen. Erste Epistel. Lockte eine wilde Kriegeshymne Tausende zum heissen Todesgang; Oso höret, mit besiegtem Herzen, Hört der Menschenliebe Harfenklang! Hingelehnet an dem Sühnaltare Stehst du weinend, o Religion, Und dir, Hohenpriesterin vom Himmel, Epricht der Undant deiner Kinder Hohn. Nicht ihr Herz, nur kalte Mauersteine, Weiben sie zu deinem Heiligthum. Worte sind es, ångstliche Gebrauche Und das nennen sie ihr Christenthum! ihr seyd noch weit vom groffen Ziele, Das euch Jesus Christus dargestellt; Seyd noch immerdar der Menschen Knechte Und der Freyheit noch nicht zugefellt! Ists genug, daß ihr mit frommen Grimme Euch nicht mehr zum Blutgerichte zerrt? Ifts genug, daß ihr um todte Formeln Euch nicht mehr das Himmelreich versperrt? - 205 Iste genug, daß ihr euch kindisch tristet Mit der Wahrheit erstem Morgenroth? Ifts genug, daß ihr am Schnißwerk beffert, Wenn ein Riß das ganze Haus bedroht? Zwietracht herrschet in den Friedenstempeln, Misgunst in der Liebe Heiligthum. Schüchtern steht der Priester am Altare Und verzweifelt an dem Christenthum. Statt auf euern Meister zu vertrauen Und zu folgen seinem hellen Licht, dret ihr, mit eingewiegter Seele, Was Gregor, Kalvin und Luther spricht. Horet sie! doch das Geseß der Liebe Schwebe ewig eurem Geiste vor. Hebet Jesus die Gesehestafel Nicht verklårt vor allem Volk empor? Schamet euch, ihr streitet um den Glauben, Und verkennet eure erste Pflicht. Jünger seyd ihr, aber schwach am Geiste, Kinder seyd ihr, aber Christen nicht. Ach! da ihr das schöne Band zerrissen, Womit Jesus seine Kirch umwand, Stieg die Zwietracht blutig aus der Hölle Mit dem jammervollen Feuerbrand. med 206 wes aeterne Särge werden aus dem Grab gerissen Städte dampfen Reiche sind entzweyt Halbverbrannte Todtenbeine rauchen Gift und Dolch sind unserm Gott geweiht; Shm, dem Gott der Liebe, der uns Alle Nährt und schüßet unser Lebenlang; Ihm, dem Vater, dessen Sonne scheinet Von dem Aufgang bis zum Niedergang! 141 Romney Hat euch dieses euer Hert errungen, Als er blutig an dem Kreuze starb? Ach! dann Schade, daß der Unglückssaame Nicht in seinem ersten Keim verdarb. Euer Meister sprach das Wort des Friedens; Doch ihr wählet eine andre Pflicht. Eure Spaltung ist der grosse Meineid, Welcher eurem Glauben widerspricht. Gab er euch nicht das Gebot der Liebe, Bis sein sanftes Aug im Tode brach? Fast zwey tausend Jahre sind vergangen, Und ihr sprecht von Duldung- welche Schmach! Christen, wer für euern Glauben ftritte Und dabey von Haß und Trennung sprach, Dieser that wie Moses an dem Berge, Als er zürnend das Gesek zerbrach. 207 Wehe dem, der sich zuerst erfrechte, Und die wilde Kriegstrompete blies; Wehe dem, der unsre Friedensfahne Mit entweihter Bruderhand zerriß! - Chriften, wählet, wollt ihr länger säumen, Långer noch den groffen Bund entweihn; Oder euch versöhnt die Hände bieten Und im Geist und Wahrheit Chriften seyn? Las Gefeß wer kann es überhören? Tas Geset spricht laut, und offenbar. Laffet es in seiner Kraft erscheinen, Und ihr lebt im grossen Friedensjahr. es waren mehr, als fromme Träume, Was euch mancher Diener Gottes tieth. Man verlachte ihn. Er gieng hinüber, Wo ihm Gott der Treue Lohn beschied. Christen, eure Stunde hat, geschlagen, Macht euch von der langen Schande frey. Auf! beschn dret erst den Bund der Liebe, Und dann prüfet, was das Beste sey! Aber Habsucht, Stolz und Geistesschwäche Komme in den Rath der Väter nicht. Treibt den Miethling aus der Tempelhalle, Der dem Grundgesehe widerspricht./ - - 208 Friede ziemt dem Menschen! Laßt die There Cich in Grimm und Unvernunft entzweyn. Eins ist noth und euer Stifter wollte Dieses Einzige der Welt verleihn. Darum starb er blutig an dem Kreuße, Daß sein Tod das letzte Opfer sey; Darum siegten jene Ungeheuer, Daß die Unvernunft geachtet sey. Meinen Frieden gebe, meinen Frieden Laffe ich euch! Kennt ihr dieses Wort? Diesen Frieden habt ihr långst gebrochen. Worte habt ihr doch der Geist ist fort. Dieß ist, sprecht ihr, eine harte Rede, Welcher die Erfahrung widerspricht. Ach! es ist im Kleinen nur geholfen. Helft im Sanzen! Dieses wollt ihr nicht. Euer Wille hat das Band zerrissen, Hat der Zwietracht Fackel angebrannt. Wollet; und der Friede ist geschlossen Und die Christen gehen Hand in Hand. — - Haben wir nicht Einen Gott und Vater? Schlieffet uns nicht Eine Erde ein? Eine Wahrheit, Eine Tugend, Brüder, Wird der Weg zu Einem Himmel seyn. Tras 209 Tragen wir nicht Einen Christennamen, Weihet uns nicht Eine Taufe ein: Und das Grundgesek der Bruderliebe Sollte nicht für Alle gültig seyn? Eine Handschrift ist uns hinterlassen, Eine Taufe und Ein Nachtmal giltJesus sey der Weinstock, wir die Reben, Von der Wahrheit Feuergeift erfüllt! Auf der Trift, die zur Vollendung führet, Muß Ein Hirt und Eine Heerde seyn. Menschen, die durch Wahrheit frey geworden, Schlieffe auch Ein freyer Tempel ein! Christen, meine kleine Harfe schweiget- Und ist alles in den Wind dahin - WES so laßt mich mit der Hoffnung sterben. Daß ihr Eins seyd, wenn ich nicht mehr bin. S 210 - An die Christen. Zweyte Epistel. Allen Brüdern, die für Wahrheit leben, Von dem Rheine bis zum Donaufluß, Von dem Dånen bis zum freyen Schweißer, Meinen Segen, meinen Brudergruß! Wohlthat ist es meinem trenen Herzen, Daß noch hie und da die Liebe glimmt; Daß noch mancher lebet, Seffen Wandel Ueberein mit seiner Lehre stimmt. Aber stille Wehmuth beugt mich nieder, Wenn mein Auge bey dem Ganzen weilt, Wenn ich jene Sekten überzähle, Deren Kampf das Erbe Chrifti theilt; Wenn ich höre, daß der Geist der Zwietracht Euch zurickführt' in die alte Nacht: Daß ein Talmud, den der Wiß erdachte, Unser freyes Volk zu Sclaven macht; Wenn ich fühle, daß in solchen Wolken Nie der Geist des Christenthums erscheint, Daß in solcher Wüsteney der Stifter Nie sein Volk mit seinem Ziel vereint. exam 211 Ach wie tont es lieblich aus der Ferne, Aus der Urwelt heilgem Mondenlicht: Kinder, bleibet bey der Bruderliebe! Prüfet alles, nur verfolget nicht! Ach wie strömt es freundlich in die Seele, Wenn der liebevolle Alte mahnt,*) Und durch seine Stimme aus dem Grabe Uns den Weg zum frohen Leben bahnt! Eins ist noth! Was zürnen wir, Geliebte? Friedlich winkt der stille Aschenkrug. Endlich, Christen, muß es Friede werden, Oder euer Christenthum ist Trug! Warum holt ihr nicht in Einem Tempel Eure Taufe, euer Abendmahl? Warum legt ihr eifernd Schloß und Riegel An der Liebe freyen Himmelssaal? Lügt euch glücklich, heuchelt Menschenliebe Sprecht, was seyd ihr auf der Lebensbahn? Bettler vor der schönen Thür des Tempels, Arm und lahm von Mutterleibe an.( Apostg. 3, 2.) Warum ruft ihr schauernd: Tod in Töpfen! Wenn die Wahrheit ihre Blumen streut, Und mit frommen, unbesorgtem Blicke *) Johannes in feinen Episteln. 212 O Euch die goldne Lebensstärkung beut?. Durstig harrt die Menschheit an dem Strome, Und ihr murret, wenn der Starke trank? Warum kämpft ihr um den Gränzstein, Brüder, Der vor tausend Jahren schon versant? Seyd ihr nicht zu Einem Bund erkoren? Machet euch nicht Eine Taufe gleich? Habt ihr nicht zu Einem Gott geschworen? Und doch Feinde?- Sprecht, was trennet euch)? Nicht das Helle, nur das Dunkle, Christen, Nur die Finsterniß und nicht das Licht. Keiner wird die Morgensonne läugnen, Wenn sie aus der Purpurwolke bricht. Ward es heller als die Båter stritten Ueber Logos Homousios? Ach! Nicda sah die Nacht der Christen! Denn ein Fluch war des Verirrten Loos. Ifts entschieden, was Konstantinopel Schon im vierten Gekulum entschied? Oder gab es keinen Freund des Geistes, Der den Geist dort selbst in Zweifel zieht? Glaubt die Welt, was einst Cyrillus lehrte, Der den Kaiser und das Reich belog? Und zu Ephesus durch List und Ränke Alle Christen um ihr Recht betrog? 213 Ward es Licht in Jesu zwei Naturen Durch das Reichsmandat zu Chalcedon? Palästina und Egypten blutet, Und der Jammer spricht dem Vorwik Hohn! Sünde ists, dem freyen Geist gebieten, Wo der Glaube uns nicht besser macht. Thorheit ist es, von Erleuchtung sprechen, In dem Grab der finstern Mitternacht. Uebers Klare pflegt man nicht zu streiten; Jeder Tag erwirbt sein eignes Licht. Nur das Trübe lockt zu raschem Kampfe. Ach man wüthet, und erkennt sich nicht! Prüft die Vorwelt, prüfet euern Glauben, Ift euch helle, was dort finster war? Manches; aber viel noch liegt im Schatten Heute wie im ersten Jubeljahr. Keiner zweifle, daß es lichter werde In dem alten groffen Heiligthum; - Und vielleicht in Stambuls Mauern findet Sich noch ein Ur- Evangelium, Aber was seit achtzehnhundert Jahren, Lieben Brüder, noch im Dunkeln liegt, Darob laßt uns jeht nicht mehr entzweyen, Oder traun, die alte Thorheit siegt. Ehrt die Schrift, und leset sie mit Freuden; 214 p Aber, wo sie unbegreiflich spricht, Da, ihr Brüder, reichet euch die Hände, Und bekennet: wir verstehens nicht! Laßt uns nicht an leeren Formeln hängen! Unser Herz, doch auch der Geist sey rein! Ach! der Friede wåre bald geschloffen, Christen, laßt uns nur wahrhaftig seyn! Nichts bestimmen, was wir nicht umfaffen; Nichts behaupten, was wir nicht verstehu. Alles Groffe ist durch Einfalt herrlich; Jeder Glaube wird durch Tugend schön. Eintracht wollte Jesus Chriftus stiften, Gottesliebe ist Religion; - Aber eure blinden Zionswächter Sprechen Gott und ihren Tempeln Hohn. Blut und Leben gaben die Apoftel Freudig für die groffe Sache hin. Doch, was fragt der Miethling nach der Heerde, Bleibt ihm nur der baare Goldgewinn! Priester, schämt euch! aller Zwift der Kirche Kommt von euch. und Duldung von dem Thron! Fürsten mußten euch zum Frieden zwingen! Edle Fürsten, Gott ist euer Lohu. omen 215 Wachet ihr für unsern stillen Frieden, Für die Freyheit, die uns Jesus gab. Laßt uns denken, daß wir weiser werden. Jeder Frrthum sinkt von selbst zu Grab. Chriften, wollt ihr Eines Glaubens leben? Wünschet ihr der Liebe Palmenkron? Will der Priester sich euch vorenthalten: Gehet hin und fordert sie vom Chron. Sprecht: wir wollen nach Erkenntniß streben; Aber frey von Wahn und Schüchternheit. Denn nur Wahrheit gilt, und das Gepräg. Des Vollkommnen ist Nothwendigkeit Freyheit hat dem Geifte nie geschadet, Nur in Fesseln drückt ihn kalte Nacht. Licht ist Licht! der blinde Buchstab tödtet, Und der Geist ists, der lebendig macht! 216 An die Christen. Dritte Epistel. Der er alten und der neuen Kirche Christi, Die mich im grossen Erdenrund umgiebt, Die meinen Geist, wie die Natur erhebet Und die ich, wie die Wahrheit, stets geliebt; Nicht aber ich alleine, meine Brüder, Nein sondern jeder, der nach Weisheit ringt, Und dem auf dunkler Wanderschaft durchs Leben Der grosse Fund, die inure That gelingt; Barmherzigkeit und Friede, Huld und Gnade Von Gott, dem Vater, in dem Weltenreich, Und von dem Sohn des Vaters, Jesu Christo Dem Erstgebornen in dem Gottesreich!*) Ihr Lieben alle, um der Wahrheit willen, Die in uns bleibet, trok der Menschlichkeit, Die mit uns reifet in dem Gang der Zeiten Und bey uns seyn wird in der Ewigkeit; Mit stiller Ahnung blick ich auf die Woge, Die langsam schon dem Ufer näher treibt. Der Sturm verhallt. Die Elemente schweigen. Der Schaum zerrinnt.-Die klare Sonne bleibt. ) 2 Joh. v. 1-3. Triumph! 217 Triumpf! fie blickt durch die zerrißne Wolke Und strahlt umher in milder Seligkeit, Und feyert im verklärten Meeres: Spiegel Den Tag des Siegs und ihre Herrlichkeit. Heil dir, Glück zu! so ist die Nacht vergangen, Der Sturm der Zwietracht, schöne Christenwelt. Du blickest heiter in die lichte Ferne; Ein guter Geift hat deinen Tag erhellt. Der alte Dom erscheint im jungen Glanze, So schön, wie ihn Johannes kaum geträumt:*) Denn was der breite Strom der Zeit versandet, Das wird mit rascher Kraft hinweggeräumt. Er öffnet sich. Die Herzen sind versöhnet. Mit Palmen zieht die Schaar der Christen ein. Ein Engelchor bekrånzet ihre Priester Und Gott ist da im süßen Freudenschein. ge O fanftes Licht! O Strahl aus beffern Welten! Die Welt erlischt. Die Ewigkeit vergeht! Mein Herz zerfließt. Der Geist, der Geist nur lebet In frischer Luft, die aus den Himmeln weht. Und horch! welch hoher Lobgefang erschallet! Ein Hymnus, wie ihn nur die Andacht bringt, Wenn Herz in Herz und Geist in Geist ergoffen, Nach einem Vorschmack jenes Lebens ringt: *) Offenb. Joh. 21. - 218 Wir glauben alle einen Gott und Vater. Und lieben ihn, so viel das Herz vermag. Wir glauben an die Ewigkeit der Freude Und harren still auf jenen Erndtes tag; Wo wirin süßer, namenloser Liebe Einander stammeln, wie uns Gott beglückt! Der grosse Stifter schwingt die Siegesfahne. Die Harfe klingt. Der Himmel ist entzückt. llnd ewig, ewig sinken wir dem Vater, Dem unaussprechlich Milden an die Brust. Das Herz schlägt Ruhe. AlleSterne blinken Und liebend trinkt die Seele Hims melslust. 1 - Die Harfe ist mir aus der Hand gesunken. Das Herz, ist matt und die Entzückung flieht. So strahlt die Lilie im Mondenglanze Und ist nach kurzer Herrlichkeit verblüht. Wo ist die Welt, die ich im Traum erblickte? Ein böser Geift hat das Gebild zerstreut; 219 Die holde Welt, voll Eintracht und voll Liebe; Ich finde sie nicht in der Wirklichkeit. Die Herzen sind sich näher, als es scheinet, Der Wille Nur ist wundersam gehemmt. Wer reißt die magische Gewalt darnieder? Ihr Priester, nur die Tempel sind sich fremd, Wie ihr einander! Ist es Aberglaube, Ifts Selbstsucht, Geiß, ists blide Furchtsamkeit, Was euch zurück vom grossen Frieden treibet? Ffits Glaube, Wahrheitsliebe, Frömmigkeit? Wie? soll das Lafter eure Tugend krönen? Die Finsterniß besteht nicht vor dem Licht. Gebt euch gefangen, wo der Geist entscheidet Und schweiget still, wenn Jesus Christus spricht. Auf eure Bücher send ihr nicht getaufet, Die Zeit der Katechismen ist vorbey. Der Meister spricht!- in Einfalt und in Würde. Was wollt ihr noch mit eurem Allerley! Der Kirchenvater muß zurücke stehen, Wenn der Apostel auf den Lehrstuhl tritt. Und welch Konzil vermag den Geist zu dämpfen, Da, wo die Wahrheit ihren Kranz erstritt? Mein Joch ist sanft, spricht unser Herr und Meister, Und daran ärgert sich der After: Geist. Der Mensch ist mit dem Leichten nicht zufrieden, Er häuft die Laft, bis er beladen ist. Die Wahrheit lebt; o lagt euch nicht bethören, Der Kranz ist welk, den euch der Frrwahn flicht. Wollt ihr den Ruf des Zeitgeists überhören? Ihr werdet sterben, doch die Wahrheit nicht. 220 Dann tritt der Enkel kalt an eure Urne Und spricht euch noch im stillen Grabe Hohn. Und eine freye Nachwelt fühlt im Herzen: Das was euch fehlte, war Religu. ******* Ein hartes Wort. Ich nehme es zurücke; Ach Irrthum ist ja unfer aller Lood. Laßt uns einander rathen, nicht verdammen, Die Menschheit und die Menschlichkeit ist groß! So hbret denn, ihr, die ihr Frieden liebet, Ein Wort vom Himmel, das durch Wahrheit frommt, Hört, Christen! Hört es, unversöhnte Brüder, Auf welchem Weg der Friede zu euch kommt. Der Katholik, der stille Reformirte, Der Protestant, das ganze Christenthum Vertraue sich aufs neu' dem grossen Stifter, Und huldige- dem Evangelium! Dann flieht die Nacht. Dann lichtet es im Often. Dann bricht die Sonne aus der Dämmerung. Natur und Lieb' erwachen in Verklärung Und freuen sich der neuen Huldigung. Seite. Zeile. 23 25 27 74 Druckfehler. Io von unten statt diese lies dieser I von oben statt in Herzen lies im Herzen II von unten statt von seinem Blick, lies vor ic. I von unten statt für lies führ' Inches 1 Centimetres Blue 2 3 2 Cyan 5 6 17 Farbkarte# 13 Green 3 8 Yellow 9 4 10 Red LO 5 11 12 13 Magenta 14 ( O 6 15 White | 16 17 7 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 8