GG 1002 Johanna Kotharina Euphrosyjne Tode geb. Wärsker gabor, 16. lezril 1834. confirmirt 21. Jun 1846. getraut 3.4. Mai 1856. Univ.- Bibl. Giessen Morgen- und Abendopfer in Gefangen bon Johann Heinrich Wilhelm Witschel, Detan und Schul Inspektor im Distritte Gräfenberg und Pfarrer zu Igensdorf. Sechste verbesserte und vermehrte Ausgabe. Mit allergnädigstem Königlich Württembergischen Privilegio. Sulzbach, im Regenkreise Baierns, in des Komerzienraths J. E. Seidel Kunst und Buchhandlung. 1817. ( In Commission bey Carl Gerold in Wien.) G Privilegium. Seine Königliche Majestät, der allerdurchlauchtigste großmächtigste König und Herr, Herr Friderich, König von Württemberg 2c. c. haben dem Kommerzienrath Johann Esaias Sei del, Buchhändler in Sulzbach im Regenkreise des Königreichs Baiern, das allerunterthänigst nachgesuchte Privilegium gegen den Nachdruck der in seinem Verlag herauskommenden sechsten verbesserten und vermehrten Auflage der Schrift: " Morgen- und Abendopfer in Gesängen von " J.H. W. Witschel, Pfarrer in Igensdorf," auf sechs Jahre zu ertheilen geruht. Vermöge dieses Privilegiums darf, unter den in der königlichen General- Verordnung vom 25. Febr. 1815, betreffende Privilegien gegen den Büchernach. druck enthaltenen Bestimmungen und bey den daselbst, festgefesten Strafen, diese sechste Auflage der gedachten Schrift binnen der nächsten Sechs Jahre von dem unten gesezten Lage an in dem Königreich Württemberg weder nachgedruckt noch auch etwa das von auswärts veranstaltete Nachdrücke in das Königreich Württemberg zum Verkauf gebracht werden. Gegeben Stuttgart im Königlichen Ober- CensurCollegium, den sten Jul. 1815. von Menoth. ( L. S.) Werkmeister. S. Jäger. Ihro Excellenz 2c. der Frau Ministerin, Gråfin Ernestine von Hohenthal, gebornen von Charpentier, berehrungsvoll gewidmet vom Verleger. VII S Vorrede zur sechsten Auflage. Da sich die fünfte Auflage dieses Gebetbuchs bereits vergriffen hat, ohnerachtet verschiedne widerrechtliche Nachdrücke den Absaz der rechtmäßigen Verlagshandlung verringerten, worüber sich dieselbe mit gutem Grunde beschwerte, und deßwegen um ein königlich Bürttembergisches Privilegium nachsuchte und dasselbe auch erhielt; so habe ich jenes Exemplar von neuem durchgesehen, hie und da verbessert und mit zwen Gefangen am Advent, einein te deum laudamus, einer Litaney, den zehen Geboten und den Artikeln des christlichen Glaubens vermehrt. Ich wollte diese Ausgabe meinem Vater, dem würdigen Stadtpfarrer und Kapitels Senior zu Gräfenberg widmen, allein er ist den 21. Mårt dieses Jahrs in seinem 85. Jahr zu seiner Ruhe eingegangen. Ich habe die letzte Nacht an seinem Sterbebette durch wacht, ich habe mit ihm gebetet, ich habe seinen letzten himmlischen Aufblick gesehen, ich habe ihm die Augen zugedrückt. Ach guter Vater, habe Dank für deine Liebe, habe Dank für deine Treue! Nie konnte ich dir vergelten, was du an mir gethan haft. Aber wenn dein verklärter Geist meine Thränen sah, die so reichlich um dich floßen, so wird er mit der Ueberzeugung von hinnen gegangen seyn, daß ich dich kindlich, herzlich liebte. VIII Und so stehe denn dieses vergångliche Denkmal hier zu meinem Troste und zur Erinnerung für den Wanderer, der noch so glücklich ist, Vater oder Mut ter auf Erden zu besitzen. Es ruffe ihm zu: Erzeige ihnen alle Lieb auf Erden; Sie sind die besten Freunde! Kommt der Tod, Dann wirst du den Verlust tief inne werden, Dann stehst du einsam in dem Abendroth. Gott schenke uns allen Frieden im Herzen und einen freudigen Aufblick, ehe die Augen brechen, Amen. Igensdorf, den 19. Mai 1815. Witschel. " Der -IX- 99 ' Der vernünftige Zweck der Gebete, so wie aller finnlichen Religionsübungen im Allgemeinen, und zugleich das Höchste, was sie wirken können, ist religiöse Erbauung. Diese bes steht in Versinnlichung der Religionsideen für Phantasie und Herz, in einem dadurch gewirkten lebens digen Glauben, in einer Reinigung unserer Ems pfindungen und einer erhöhten Rührung fürs Gus te: Alles zu dem groffen moralisch: ästhetischen Endiweck der Difciplin unsrer Neigungen und der Beförderung einer freyen und leichten Harmonie derselben mit den Forderungen der moralischen Vernunft. Dieß nämlich soll hier unter dem so oft gemißdeuteten Wort: religiofe Erbauung, verstanden werden. Aufs richtung des gefunkenen innern Menschen, Veredlung und Ers hebung der Sinnlichkeit zur zwanglosen Harmonie mit der Vernunft, sollte überhaupt der letzte, der höchste Zweck aller schönen und rührenden Künfte seyn. Jede sollte nach ihrem Vermögen und in ihrem Wirkungskreise dazu beytragen, daß der innere Mensch, der durch Künfteley und Verkünftelung getheilt und zertrümmert worden ist, sich selbst wieder aufbaue und zu einem friedlichen Ganzen vereine. 1 Die Vernunft verlangt gehorfameunterthaner; die guten Künste bestreben sich, diese Unterthanen in liebende Kinder zu verwandeln. Nicht soll die Vernunft für die Sinne lichkeit, aber wohl die Sinnlichkeit für die Vernunft gewons nen werden, damit sie mit Freuden gehorche und zufrieden und glücklich werde unter dem Zepter ihres strengen Monarchen.Nur auf diesem Wege läßt sich eine innere Harmonie hoffen, wenigstens ein Vorschmack von der künftigen Vereinigung der Glückseligkeit mit der Würdigkeit zu derselben, ein Himmel auf Erden im Herzen und Geist des Menschen! Ideen der Gebetsformeln von "> J. J. Mnioch. neming 16 Inhalt. Erster Theil. Morgen und Abendgebete im Frühling. Morgen und Abendgebete im Sommer. Morgen und Abendgebete im Herbst. Morgen und Abendgebete im Winter. Neujahr. Charfreytag. Ostern. Das Gebet Jesu. Am letzten Abend im Jahr. Himmelfahrt. Pfingsten. Erndtefest. Advent. Inha I t. $ Weihnachten. Abendmahlsfeyer. An einem Tauftage. Am Geburtstage. In Krankheit. Zweyter Theil. S XI- 3 $ S S S 3 Seite I 33 65 97 131 133 136 140 145 150 155 161 167 171 175 181 184 190 An einem Begräbnistage. Im Ungewittet, bey Cage. Nach dem Wetter. XII Im Ungewitter, bey Nacht. Bey einem sehr schweren Gewitter. Nach dem Wetter. Dritter Theil. Te deum laudamus. Litaney. s Die tehen Gebote.s Die Artikel des chriftlichen Glaubens. An die Christen, erste Epistel. An die Chriften, wente Epistel. An die Christen, dritte Epistel. S 5 Seite 196 199 203 205 207 209 63213 ** 215 2822218 223 226 232 238 Von dem nämlichen Verfasser und in der nämlichen Verlagshandlung ist auch zu haben: Etwas zur Aufbeiterung in Versen, zweite um gearbeitete Auflage. Erstes Bändchen, 1817. Auf Velin pap er 20 Gr. oder 1 fl. 15 kr., auf Schreibpapier 16 Gr. oder 1 fl., auf Druckpapier 12 Gr. oder 45 kr. Erster Erster Theil. Frühling, Sonntag. Morgen. Du, den Sonne, Mond und Sterne loben, Den des Seraphs goldne Harfe preist, Den mein Herz am hellen Freudentage, Wie im Sturme, liebend Vater heißt; Grosser Geist, den keine Welt umschlieffet, Den die Undacht Gott und Vater nennt, Den die tiefste Weisheit nicht ergründet, Den der Mensch nur durch den Glauben fennt; Hore mich am Tage deiner Ehre, Friede herrscht um mich und Heiterkeit, Hore mein Gebet im Morgenschimmer, Freundlicher, in deiner Herrlichkeit. Herr und Vater, laß mich Gnade finden, Wenn mein Herz in frommer Liebe glüht, Gnade, wenn ich menschlich vor dir rede, Du, der alles ewig weiß und sieht. Soll der Mensch des Irrthums Sclave werden? Laß uns frey im Reich der Wahrheit seyn! Soll die Thorheit unsern Pfad umwölken? Schenke uns der Weisheit Sonnenschein! Kann die Welt durch Unrecht glücklich werden? Unser Heil sey die Gerechtigkeit! Kann das laster unser Herz belohnen? Nur die Zugend giebt uns Seligkeit! Freude lohne allen guten Menschen, Friede sey der Erde Eigenthum! Tugend sey der Menschheit Ehrenfrone, Und die Liebe sey ihr Heiligthum! Blinder Irrthum hat die Welt entzweyetMißgunst ist die größte Sündenschuld; Ach, in Tempeln und in Herzen wohne Glaube, Liebe, Hoffnung und Geduld! Ruhe herrschet, Sabbathstille wehet, Und die Schöpfung feyert deinen Ruhm. Glocken tonen. Millionen wallen, Anzubeten in dem Heiligthum. Segne sie; du kennest ihre Herzen, Leite sie zum wahren Guten hin. Ihr Gesang sey Harmonie der Seele: Ihr Gelübde sey ein reiner Sinn Führe aus dem Vorhof alle Völker In das Heiligthum der Wahrheit ein. Ach, und wenn die leste Stunde winket, Vater, laß uns alle selig seyn! 2 ben d. Lobe deinen Schöpfer, meine Seele, Und vergiß nicht, was er dir gethan. Vater, deine Erde ist, umhüllet, Doch der Himmel ist mir aufgethan. Wer kann durch die tiefe Ferne schauen, Wo die letzte deiner Welten steigt? Wo die Schöpfung und der Raum sich endet, Wo das Leben und die Freude schweigt? Ach! unendlich liegt das Reich der Wesen, Deine Schöpfung vor mir aufgethan; Und du bist ein grosser Gott der Liebe, Mehr, als ichs begreifen, ahnen fann. Ruhe sinkt von deinen Wolken nieder, Feyernd steht der Tempel der Natur, Und der Himmel brennt mit allen Sternen, Alles trågt der grossen Liebe Spur. Dank dir, Vater, der zum Erdenleben Uns ein mildes Licht vom Himmel gab Einen Schimmer, der zur Ruhe leitet, Sanft und freundlich, bis ans stille Grab; Mydnine Eine Freundin, die den Sünder tröstet Und sich lebend zu den Frommen neigt; Einen Engel, der am Sterbebette Unserm Geist die lichte Heimat zeigt. Alle niedern Erdensorgen schwinden, Friede Gottes weht vom Sternenthron, Und mein Herz fühlt in der Sabbatystille Deine Freuden, o Religion.- Dein Gefeß erhellt die trübe Seele, Sanft bist du, und deine Laft ist leicht; Freudig hört der Weise deine Stimme, Wenn sein guter Engel von ihm weicht. Sanft tont deine Stimme aus der Höhe, Wenn der Mensch im Staube sich vergißt; Sanft spricht Jefus: send vollkommen, Kinder, Werdet gut, wie euer Vater ift. Vater, guter Vater, dir zu dienen, Dich zu lieben, ewig dein zu seyn Und den Menschen lieb und nüßlich werden, Dieses weihet mich zum Himmel ein. Die Natur entwickelt alle Keime, Und Vollendung folget ihrer Spur, Soll der Mensch alleine rückwärts gehen, Er, der Erstgeborne der Natur? Ist er nur für Eine Welt geboren, Trågt er nicht den Keim der Ewigkeit? Hast du ihn zum Bürgerrecht der Geister, Grosser Geist, nicht liebend eingeweiht? Kann er mit sich selbst zufrieden leben, Wenn er seines Lebens Werth vergißt? Kann er dich in deiner Schöpfung lieben, Wenn er nicht des Guten Schöpfer ist? Wird die Nachwelt seinen Namen fegnen, Wenn er tråg sein Tagewerk versäumt? Wird er ruhig einst hinüber gehen, Wenn er seinen Lebenstag verträumt? Uch! das Leben eilt so schnell von hinnen, Schnell und tauschend, wie ein Mondenblick, Und die Jahre, die entschlafnen Jahre, * Bringt kein Wunsch aus ihrer Gruft zurück. Vater, lehre mich es wohl bedenken, Diese Stätte bleibt nicht ewig mein. Hilf, daß ich den Zweck des Lebens finde, Und das Ziel wird mir nicht schrecklich seyn. Freundlich wird es mir vor Augen stehen, Wie die Lilie im Mondenschein; Vater, deine Engel werden winken, Und mein Sterben wird ein Lächeln seyn. Mondtag. Morgen. Fliche, Nacht! die Ruhe ist vorüber, Gottes Schöpfung liegt im Glanz vor mir; Und der Tag, mit allen seinen Strahlen, Neubelebte Menschheit, leuchtet dir. Alles regt sich um mich her und webet In den groffen Hallen der Natur, Labend stößt die Morgenluft vom Berge, Und verweht des Schlafes dumpfe Spur. Auf, mein Sinn! die goldne lebensstunde Winket dir zur neuen Thätigkeit, Rufet dich zur lieben Arbeit wieder, Zum Genuß, den Gottes Hand dir beut." Ach! wer bin ich, daß du mein gedenkest, Daß mich täglich deine Huld umgiebt? Herr, was ist der Mensch, vom Staub geboren, Daß ihn deine Allmacht trågt und liebt? Daß die Arbeit ihn zu Thaten rufet, Daß der Fleiß, der fromme Sohn der Zeit, Unsern Pfad zum Ruhme, und zur Freude, Und zum Grab mit Blumen überstreut? -9 Er belohnt das Herz mit stiller Wonne, Giebt dem kurzen Daseyn goldnen Werth, Und befránzt uns, wenn der Todesengel Uns für eine beßre Welt begehrt. Nur das Thier hangt an Genuß und Ruhe, Sorgt nur, daß es lebe; denfet nicht, In dem Traume seines Erdenlebens, P An Vollendung, Größe, Recht und Pflicht. Aber eine rege, freye Seele Treibt den Menschen in den Kampf hinein, Er will seiner Hande Arbeit sehen, Will vollenden und vollendet seyn. Darum dank ich dir, du Gott der Liebe, Der zum Leben mir auch Arbeit gab. Nur der Fleiß erhebet uns zu Menschen, Reichet uns den sichern Wanderstab. Laß mich fröhlich wirken, weil die Sonne Noch erleuchtet meine Lebensbahn. Bald erscheint die stille Abendrothe Und die Nacht, wo Niemand wirken kann. Vater, unter deinen Augen trete Ich in meinen Wirkungsfreis hinein. Uch! laß meinen Fleiß nie unvernünftig, Meine Arbeit nie verwerflich seyn. - 10 - 26 end. In den grossen Schattenschleyer hüllet Feyerlich die stille Erde sich. Wieder ist ein Tag hinabgefunken Herr des Lebens, du erforschest mich. Immerdar, ich gehe oder liege, Bin ich, unsichtbarer Geist, vor dir. Und auf jedem Lebenspfade schwebet, Richter, deine Waage über mir. Stillverschwunden gleiten meine Tage, Wie verwelkte Blätter in dem Bach, Hin, auf ewig hin, im Strom der Zeiten, Und wer weiß, bald folgt der legte' nach. Liebe Seele, unter allen Schäßen Ist der größte deine Lebenszeit. Ach! du kannst sie nicht zurück erkaufen; Denn ihr Weser ist Vergänglichkeit. Sieh, mit jedem leifen Tritt verrinnet Unvermerkt sie hinterm Wanderstab, Und kaum hat der Mensch den Lauf begonnen, So erscheint ihm schon das Ziel- das Grab. Blick ich auf Herr über Tod und Leben, Prüfe mich, wie ist mein Herz bestellt? Bebt es nicht vor dir, dem ewig Nahen, Nicht vor dir, dem Richter aller Welt? Hab ich fromm und treu den Bund gehalten, Den ich weislich mi. mir selbst gemacht? Hab ich ohne Fehl gerecht gehandelt, Ohne Tadel meine Pflicht vollbracht? Hat nicht Thorheit, Leichtsinn und Begierde, Hochmuth, Mißgunst, Eigennuß und Wahn Mich von dir, dem guten Geist, entfernet Auf der ungewissen Lebensbahn? Habe ich für meinen Geist gewuchert MONO Mit dem Pfund, das deine Huld mir leiht? Ist mein Herz an Tugend reicher worden, Und dadurch an innrer Seligkeit? Ja, ich fühl es, Gott, zu deinem Frieden Leitet nur der Zugend steile Bahn. Doch wo schlägt das reine Herz auf Erden, Das sich keiner Sünde zeihen kann? Du allein bist immer gut und heilig, Du alleine wohnes in dem Licht, Du bist weise, bist vollkommen, Vater, Aber wir im Staube sind es nicht. Doch dir immer ähnlicher zu werden, 1 12 Dieser Wunsch ist edel, fromm und groß. Und vom Staube ewig aufwärts streben, Ist ja unfer freudenvolles Loos. Dieses, Vater, lehre mich bedenken, Lehre michs in dieser stillen NachtUnd mit diesem grossen Wunsch sen heute Dieser Tag und mein Gebet vollbracht. - 13- Dienst a g. Morgen. Wenn im Hain der Morgenruf begonnen, Und der junge Tag in Osten lacht, Wenn der Himmel in Verklärung stehet, Und die Erde aus dem Schlaf erwacht; O dann triumphirt das füffe Leben, Und das Reich des Todes wird zu Spott; Alle Herzen schlagen neugeboren, Und die freye Seele fliegt zu Gott, Betet an, versinkt in hohe Wonne, Fühlet seine Gegenwart im Licht. Strömet hin zur groffen Lebensquelle, Opfert ihm des Dankes süffe Pflicht; Ihm, den Sonne, Mond und Sterne ehren, Ihm, der alle Wesen liebend trägt, Ihm, vor dessen Weltenthron der Cherub Seine Krone schweigend niederlegt. Du, o du, der mich dem Nichts entriffen, Und ins freudenvolle Leben rief, Du, der meinen Odem mir bewahret, Als ich, wie im stillen Grabe, schlief, 14BURDED Dwie dank ich dir das neue Leben? Wie vergelt ich deinen Sonnenschein? Laß mich nicht umsonst dem Licht geboren, Nicht umsonst auf deiner Erde seyn. Laß mich freudig meine Pflicht erfüllen, Nicht zur Rechten, noch zur Linken sehn- Laß mich in dem grossen Kampf der Menschheit Auf der Seite der Gerechten stehn. Laß mich nie des lasters Klugheit ehren, Zu der Tugend führt nur Eine Bahn. Nur, was recht ist, Vater, laß mich wollen, Fröhlich dem Gefeße unterthan. Eins ist Noth! der größte Schaß des Herzens, Reinigkeit vor deinem Ungesicht. Laß mich jedem Sterblichen verzeihen, Jedem Sünder- nur mir selber nicht. T -15 15- - 2 ben d. Auf, mein Geist, es naht die Geiſterſtunde, Die der blinde Aberglaube schufImmer, immer schlägt die Geisterstunde, Und der Weise höret ihren Ruf. Wahrheit geht nicht mit der Sonne unter, Die Vernunft umhüllet keine Nacht, Und der Geist erkennt in Finsternissen, Was ihn schon vor Gottes Augen macht. Vater, diese letzte Abendstunde Sen der Undacht und dem Geist geweiht, Eh der Leib zu seiner Ruhe sinket, Im Gefühle seiner Sterblichkeit. Bald wird meine Lebenssonne sinken, - Und die Ruhe mahnet an das Grab. Wohl mir dann, wenn ich mit leichtem Herzen Niedersinke an dem Wanderstab; Wenn ich treu mein Tagewerk vollendet, Wenn ich froh zu meinen Våtern geh, Und in meiner letzten Abendrothe Deinen Himmel vor mir offen seh; Deine Sonnen mir entgegen glänzen, Wenn der Tod aus tausend Wogen spricht; 16 Deine Engel freundlich mich umschweben, Wenn mein Nachen an dem Grabstein bricht, Heiligthum, wo Gottes Sterne brennen, Schönes Land, wo alles Klarheit ist, Wo der Geist, von Himmelsluft gehoben, Alles, nur die Wahrheit nicht vergißt. O mein Auge blicket nicht vergebens In das groffe, stille Heiligthum, Und ich ahne nicht umsonst im Kerker Jene Freyheit im Elysium. Frey von Banden, die das Herz bestricken, Frey von Wahn und Geistessclaverey, Vater, laß mich meinen Lauf vollenden, Daß ich jener Palme würdig sey. Daß ich nicht mit Schaam hinüberblicke, Wo die Wahrheit auf dem Throne sizt; Daß ich die Gerechtigkeit nicht scheue, Deren Schwerdt hin über Welten blißt. Laß mich nie das Eitle liebgewinnen, Vater, gieb mir Weisheit und Verstand, Gieb mir stille Demuth, und vor allem Emen Sinn für jenes Vaterland. Deine Sterne blinken freundlich nieder, Deine Schöpfung schlummert friedlich ein. Alles ruht am grossen Vaterherzen; Auch mein Schlaf wird sanft und stille seyn. Mitte 17Mittwoch. Morgen. Du, der freundlich alle Wesen nähret, Der das Jahr mit seinem Gute front, Der dem Engel seine Freude spendet, Und des Menschen Lebenstag verschönt; Bater, o der Freuden sind so viele, Als der Blumen auf der schönen Welt; Alles lebt und webt in deiner Liebe, Alles wird von deinem Licht erhellt. Ueberall erscheinet deine Gnade, Ueberall im Tempel der Natur, Wonne trinkt der Mensch mit vollen Zügen; Freude sucht und hascht die Kreatur. Von der Frühlingsblume bis zur Traube, Von der Garbe bis zum Winterheerd 4 Leben, Fühlen, Hoffen und Geniessen, Alles ist der Freudenthrane werth. O Natur, du ewig reine Quelle, Wohl dem Herzen, das dich nie verfennt, Das in dir die wahre Schönheit findet, Und mit Liebe für den Schöpfer brennt; -18me Für den guten, groffen Weltenvater, Den der Geist nur ahnet, nicht begreift, Ach, auf dessen Wink die Menschheit blühet, Und die Blume und die Traube reift. Ueber Sternen wohnt er in dem Lichte, Wo ein Glanz von tausend Sonnen ist; O mein Herz, du wirst ihn kennen lernen, Wenn du nicht mehr unter Menschen bist. Dann wirst du dein Leben freudig fegnen, Dort, wo reiner Himmelsathem weht, Dort, wo alles groß und lieblich pranget, Dort, wo deine Freude nicht vergeht. Fühle dieß im Wonnetag auf Erden, Und die neue Hoffnung tröste dich! Fühle dieß in deiner Leidensstunde, Und die groffe Hoffnung stärke dich! Freudengeber, laß mich rein geniessen, Laß mich im Genusse mässig seyn--Laß mich nicht alleine Rosen pflücken, Laß mich auch für Andre Rosen streun, -19. 2 ben d. Du, der allen Wesen ihre Tage, Schmerz und Freuden, weislich zugezählt; Du, der für den Wurm das loos im Staube, Für den Engel Himmelslicht gewählt- Weltenlenker, groffer Herr der Zeiten, Auch mein Schicksal steht in deiner Hand; Doch hienieden, wo der Irrthum wohnet, Bleibt dein Rath uns Schwachen unbekannt. Fern vom lichte, wo der Weisheit Schimmer Sich verliert im dunklen Erdenschacht, Wie der Abendstern, die kleine Lampe, In dem weiten Grab der Mitternacht Fern vom lichte hilft uns nur der Glaube; Unser Wissen schwebt in Dunkelheit, Wenn kein milder Strahl aus bessern Welten Das Gewilke der Vernunft zerstreut. Ohne diesen Aufblick voll Vertrauen J Zu der Gottheit, die den Menschen liebt, Ware unser Lebenstag auf Erden, Wie die Nacht, die Flur und Wald umgiebt. 20- Vater, o ich will, ich darf es glauben: Du blickst freundlich auch auf meinen Pfad, Deine Hand schwebt über meinem Haupte, Und du leitest mich nach deinem Rath. Sollte ich mein Schicksal selber wählen O ich hätte weder Lust, noch Much; Aber du, der in die Zukunft blicket, Was du ordnest, das ist schön und gut, Sorge, Herz, nicht für den andern Morgen, Laß die eitle Mühe, die dich quält; Denn der Himmelsvater weiß am besten, Was zu deinem wahren Glück dir fehlt. O er sorgt für Millionen Welten, Sorgt für deinen kurzen Lebenstag; Darum sorgt der Weise nicht hienieden, Ausser, wie er weiser werden mag. So vergehet unter Gottes Frieden Unser Leben, wie die stille Nacht. Ach, und Traum und Täuschung ist verschwunden, Wenn der Geist nach deinem Bild erwacht. he -21- Donnersta g. morda Morgen. Du, auf dessen Wort die Nacht verschwindet Und der Morgenstern am Hügel weilt, Du, der allen Geistern, allen Wesen, Ihre Laufbahn weise zugetheilt, Laß mich nie vergessen, daß auch meine Laufbahn unter deinen Händen steht, Und daß Jeder, der zum Grabe wandelt, Unter deinem Aug durchs Leben geht. Sollt ich murren, daß im Reich des Lichtes Jeder Mensch mit eignen Augen sieht? Murren, daß zum Rosenhain der Freude Jeder seine eigne Strasse zieht? Sollte ich mit Brüdern mich entzweyen, Weil sie mir gleich- unvollkommen sind? Sollte ich des Nächsten Splitter sehen, Und für meinen Balken war ich blind? Vater, über Gute, über Böse Gehet deine Sonne freundlich auf! Wer umfasset deine groffen Plane In dem kurzen, dunklen Lebenslauf? 22 Richtet nicht! o diese hohe Lehre, Wohl dem Menschen, der sie nie vergißt, Und der in der grossen Welt der Schwachen Weislich glaubt, daß er kein Engel ist. Sanftmuth ziemt dem Weisen, Mitleid, Hülfe; Denn die bösen Menschen sind nur frank, Und wer wollte låstern, wenn ein Blinder Etwa aus unreiner Quelle trank? Vater, schenke mir die hohe Liebe, Die den Schwachen mit Geduld erträgt, Jene Liebe, die im Kreis der Sünder me Ihre eigne Schwäche still erwägt. Laß mich gut seyn auf der Lebensreife, Auf mein Herz und nicht auf Andre sehn; Und wenn Tausend ihren Pfad verlieren, Laß mich auf geradem Wege gehn. - D 23 A ben d. Unter Gottes Sternen wohnet Friede, Ruhe ist des Himmels Eigenthum; Und mit füffer Ahnung blickt die Seele In das grosse, dunkle Heiligthum. Schön ists, wenn das thatenvolle Leben In dem Lichte vor uns wacht und webt; Aber lieblich ruht die stille Erde, Wenn der füffe Schlaf hernieder schwebt, Dieser fromme Schußgeist aller Müden, Dieser Liebling aller Kreatur, Dieses Balsambad der wunden Glieder, Dieser Labebecher der Natur. Wie ein Sarg im stillen Leichentuche Ruht die Erde in dem Schattenmeer, Und wie Kerzenglanz in Tempelhallen, Brennen tausend Sterne um sie her. Ach sie rühmen alle deine Ehre, Herr, im Kreise vor dir hingeneigt, Und mit Millionen Freudenstimmen Jauchzt der Himmel, wenn die Erde schweigt. Aber schlafend schenkest du den Deinen Unterm Monde neue Lebenskraft, Deinen Menschen frisches Blut im Herzen, Und der Blume neuen Purpursaft. Ruhe wehet, Friede herrscht im Lande Und die Menschheit sieht ein Traumgesicht Millionen Augen sind geschlossen; Nur der Unerschaffne schlummert nicht. Seine Obhut blicket unverwendet Segnend, schußend auf den Weltenfreis; Tausend Sonnen gehen um ihn nieder, Und kein Schlummer lohnet seinen Fleiß. Herr, vergieb mir, daß ich menschlich rede, Schöpfer, du bedarfst der Ruhe nichtNur der Müde schläft, der Schwache ruhet; Ewig wacht der Gottheit Angesicht. Auch ich werde einst nicht mehr ermüden, Einst nicht mehr des Leibes Sclave seyn. Doch, so lang das Loos der Schwachheit währet, Schlaf ich unter Dank und Freude ein; Freue mich der füssen, stillen Ruhe, Danke dir für jede sanfte Nacht, Bis ich einst am grossen Morgen rufe: Auch die letzte Ruhe ist vollbracht! -25Freyta g. Morgen. Vater; der du einst im Morgenlande, We die Sonne glänzend aufersteht, Einen reinen Weisen uns erweckteft, Deffen Leuchte niemals untergeht- Der den Bund der Liebe uns gelehret, Der das grosse Wort der Freyheit sprach, Der dir einen hellen Tempel baute, Und die Fessel der Vernunft zerbrach. Heute starb er- gute Menschen weinten, Und die Sonne sank in Trauerflor: Doch umsonst frohlockt der blinde Haufe; Herrlich tritt Er aus der Nacht hervor.- Seine Wahrheit kann nicht untergehen, Nur dem Wahne dråut die TodesnachtHeiter neigt sein Haupt der Lichtgeborne, Ruhig spricht der Held: es ist vollbracht! Unter Gottes Auge feimt der Saame, Den er in der Menschheit Schoos gelegt, Und die Nachwelt bauet Dankaltare, Wenn die Aussaat goldne Früchte trägt. - 18 Q <-26 Vater, der du in dem Lichte wohnest, Nimm mein Herz zum Dankesopfer hin, Daß auch mir der Wahrheit Sonne leuchtet, Daß auch ich zum Licht berufen bin. Zwar du trägst sie Alle an dem Herzen, Reichest Allen deine Vaterhand, Wirst sie Alle einst zum Lichte führen, Dort im groffen, schönen Vaterland Denn ja nur die Wege sind verschieden, Aber nicht das grosse, leste Ziel;- Und der uns zur Ewigkeit erschaffen, Treibt mit uns fein leeres, eitles Spiel. Doch ich danke, danke dir von Herzen, Du, den Jesus liebend Vater heißt, Daß mein Herz voll findlich süsser Triebe, Dich im Geist und in der Wahrheit preist; Daß kein schweres Joch mich niederdrücket, Daß kein Kluger mein Geseß verlacht, Daß kein Mensch mir, Mensch zu seyn, verbietet, Daß mich Jesus Christus frey gemacht. Laß mich christlich diesen Tag verleben, Edel, weise, nüglich, sündenfrenUnd der Welt durch schöne Thaten zeigen, Daß ich unsers Stifters würdig sey. Univ. Bibl. Giessen wanawa 27 с 2 ben d. Wenn die Abendglocke friedlich tönet, Heil'ges Schweigen die Natur umfängt, Und der Mond, wie eine stille Lampe, In dem hohen Nachtgewölbe hångtWenn die füffe Ruhe wiederkehret, Wenn der Schlaf die Schlummerkörner streut, Und die Nacht die schöne Welt verhänget, Gleich dem Vorhang vor der Ewigkeit; Dann zieht sich der Geist vom groffen Spiele Still betrachtend in sich selbst zurück; Dann gehört das Herz dem Menschen wieder, Und die Welt erlischt vor seinem Blick; Dann ist ihm die Gottheit freundlich nahe, Und der Himmel dåmmert vor dem Geist, Wie vor einer neu verklärten Seele, Wann sie sich dem Land der Welt entreißt. Wenn ihm sein Gewissen dann bezeuget, Daß er auf der dunklen Lebensbahn Treu und richtig vor sich hingewandelt, Daß er redlich seine Pflicht gethan WAPKING 13 F 28 O bann blickt er fröhlich auf zum Himmel, Deffen Bürgerrecht er långst erwarb, Und befiehlt den Geist in Gottes Hände, Wie der Fromme, der am Kreuze starb. Vater, laß mich jeden Tag vollenden, Unter Frieden, unter Herzensruh, Und mit einer stillen Freudenthráne Schliesse sich mein müdes Auge zu. Daß ich dein bin, dieser Trostgedanke Ist mein Licht in jeder Erdennacht; Daß ich dein bin, o mit diesem Glauben Ruf ich einst getrost: es ist vollbracht! Vater, o der grossen Freud und Wonne, Wie den Träumenden wirds dann uns seyn; Alle Schwachheit bleibt zurück im Grabe, Und die Menschheit ist verklärt und rein. Ja, es ist noch eine Ruh vorhanden, Stolzer Friede, reines Himmelslicht Du, mein Gott, den ich so herzlich liebe, Du vernichtest diese Liebe nicht. - ARE 29 Sonnabend. Morgen. Wie der lichte Sonnenstrahl von Osten 200 Durch den grauen Morgenmebel bricht, Soll die helle Wahrheit uns erleuchten, Wenn der Mensch mit seinem Herzen spricht; Wenn er das Vernunftgeset im Busen Höret, das ihn nie umsonst verklagt; Wenn er redlich seinen Willen prüfet, Und sich selbst am Schluß der Woche fragt: Hab ich keiner Thorheit Raum gegeben? Hieng ich nicht an Land und Eitelkeit? Hat der Leichtsinn mich nicht überlistet Auf dem Wege der Gerechtigkeit? Wankte nicht am Scheideweg der Tugend Unentschloffen der verkehrte Sinn? Darf ich froh und frey gen Himmel blicken; Fühl ich, daß ich reines Herzens bin? Ach, ich bin noch weit vom hohen Ziele, Wo die Tugend Ehrenkränze flicht. Wollen hab ich wohl, du weißt es, Vater; Aber das Vollbringen find' ich nicht. 30- Vorwärts! ruft die Schaar der Auserwählten, Vorwärts! ruft der gute Geist in mir. Unfre Ruhe wohnt nur im Gewissen, Und ich fand, ich fand sie noch nicht hier. Und bald wird die Sanduhr mir verrinnen, Bald ertönt der ernste Sensentlang Ach, ich höre schon die Sterbeglocke- Hore schon den hellen Grabgefang.Mit der Woche fällt von meinem Leben Wieder eine welke Blume hin Es wird Abend- Nacht und Gråber rufen: Fremdling, alles, alles geht dahin! Wohl mir, daß ich noch im Staube walle, Daß ich noch mein Haus bestellen kann; Meine Krone ist noch zu erringen, Und die Schranke ist noch aufgethan. Guter Vater, laß mich weise werden Auf dem Wege zu der Ewigkeit! Guter Vater, laß mich schön vollenden, Und dann gieb mir deine Seligkeit. och d 31 2 ben d. Vater, alles eitt zu seinem Ende, Alles folgt dem Ruf der Sterblichkeit; Unvermerkt entfliehen meine Tage In das graue meer der Ewigkeit. Wohl mir, daß ich nicht vergebens hoffe, Daß mein Glaube nicht vergänglich ist; Die Gewißheit ruht an meinem Herzen, Daß du dort, auch dort mein Vater bist. Daß ich jene Sterne wieder finde, Wenn die letzte Sonne niedersinkt, Daß ein lichtes Eden für mich grünet, Wenn die dunkle Nacht des Todes winkt; Daß ich lerne, was ich angefangen, Hier nur träumen, nicht vollenden kann, Daß ich mich erst meines Wesens freue, Auf der grossen, hellen Sternenbahn; Dieses ist der liebliche Gedanke, Der wie Blumendüfte mich umweht, Dieses ist der Glanz im dunklen Thale, Der wie Gottes Sonne vor mir steht. 32 O so schwinde denn, du goldne Stunde, Süsses Leben, eile schnell vorbey; Nur, daß keiner meiner Erdentage Ungenoffen, unbenußet sey! Ich bin ewig!- Laß mich heilig leben, Denn die Welt vergeht mit ihrer Lust; Laß mich, Herr, nach deinem Reiche trachten, Und dein Friede sey in meiner Brust. Meine Hoffnung sey das beßre Leben, Meine Liebe die Gerechtigkeit, Und mein Glaube, der mich stärkt und tröstet, Die Vollendung in der Ewigkeit. Und so schließ ich fröhlich diese Woche; Vater, Vater, warmen Herzensdank, Daß ich noch auf deiner Erde lebe, Daß ich nicht in Sünd und Thorheit fant. Alles, alles hast du mir gegeben; Unter Dank und Liebe schlaf ich einRuhig schläft dein Kind-- die Sterne blinken Vater, auch im Schlafe bin ich dein. 1939 COM t Sommer. SO 0 om mer. - 55 autom Sonntag. Gotts Morgen. Du bist es, der die Morgensonne rufet, Und schweigend tritt sie aus dem Zelt der Luft; Du bists, der die entschlafne Menschheit wecket, Und feyernd steigt sie aus der finstern Gruft. Dich preist mein Lied, du unsichtbarer König, In deinem friedenvollen Geisterreich; Du stille Macht, du segensvolle Gröffe, Du Vater, dem kein Herz an Liebe gleich. Hier stehe ich in deiner Welt voll Freude, Die Morgenluft weht heilig durch die Flur, Das Leben wacht auf Blumen und auf Zweigen, Und deine Sonne flammt in der Natur. Mit hellem Glanze fährt sie auf die Höhe Im blauen Himmelsmeer. Umfrånzt mit licht Erhebt sich blühend die Gestalt der Erde, Und neiget sich vor deinem Angesicht. O Sonne, erstgebornes Kind des Himmels, Du Seel der Welten, Mutter der Natur, Der Gottheit Spiegel, goldne Lebensquelle, Du erste Blume in der Weltenflur, He 36 ches Ein kalter Leichnam ist die Schöpfung ohne Dein licht. Dem tiefen Bache schenkst du Glanz, Umhüllst die Felsenwand mit Rosenschimmer, Und alles blüht in deinem Strahlenkranz. Doch herrlicher und grösser ist die Quelle Des Lichts, die dich, o Sonne, einst gebar, Erhabner ist der Meister in der Höhe, Den licht umfloß, da keine Sonne war. O wohl mir, daß ich diesen Glauben habe: Es ist ein Gott, er ist; ich bin sein Kind. Er ist um mich, er höret meine Worte Und wird nicht zürnen, wenn sie menschlich sind. O Gnädiger, dich liebet meine Seele, Und Liebe ist mein Dank und mein Gebet. Dir schlägt mein Herz voll kindlich süssen Frieden, Bis es im stillen Grabe einst vergeht. Die Arbeit rüht; der Friede Gottes herrschet; Die Undacht schliesset ihre Tempel auf. Die Sonne schwebt im sanften Morgenrothe, Und winkt herab: vollendet euern kauf! Hilf mir, o Gott, den schönen Preis erringen, Der dieses Lebens dunklen Traum erhellt. Die Zukunft grint; das Leben mag verblühen, Denn unsre Krone liegt in jener Welt. - 37= 2 ben d. ist vollbracht, der stille Tag der Ruhe, Vollbracht zu meines Schöpfers Preis und Ruhm. Die Nacht erscheint; die lauten Chöre schweigen, Und feyernd schlieffet sich das Heiligthum. Vom Berge neigen hohe Nachtgestalten Und ernste Schattenbilder sich ins Thal; Das Leben ruhet felig über Gråbern, Und Friede weht vom hohen Sternenfaal. O schöne Welt, o Paradies des Weisen, füß gewohntes, wundervolles Land! Wie glücklich kann der Mensch hienieden leben, Wenn Thorheit nie sein freyes Herz umwand; Wenn er mit frohem, dankerfülltem Herzen Geniesset, was der gute Himmel beut, Wenn er bei frommer Aussicht in die Zukunft Kein Laster der Vergangenheit bereut. Sein Herz ist leicht, ist mit der Welt zufrieden, Er findet überall der Freude Spur. Er gönnt den Groffen ihre Lust am Kleinen, Seln Erbtheil ist die herrliche Natur. 38- Er hofft das Beste von dem Weltenlenker, Er fordert von den Menschen. nicht zu viel. Sein Geist blickt nach der Laufbahn zu den Sternen; Ach alles strömt zu der Vollendung Ziel. In hoher Eintracht ist auf seinem Pfade Das Nüßliche und Schöne fanft vereint, Den Blumen gleich, im goldnen ehrenfelde, Wo das Verdienst in Lieblichkeit erscheint. Das Gute nur, das unser Fleiß erzielet, Erfüllt die Seele mit Zufriedenheit. Es giebt kein Glück, als das wir selber bauen, Denn die Natur giebt nur Empfänglichkeit. Gott, den ich in hoher Andacht ehre, Dir will ich dienen auf der Lebensbahn Durch Freude, Demuth, durch Vernunft und Tugend, Dann bet' ich dich in Geist und Wahrheit an. Und sinket einst mein letzter Abend nieder, Und ist mein Werk für diese Welt vollbracht, Dann noch ein Blick auf deine schöne Erde, Und tausend Dank, und eine sanfte Nacht! 3g Mondt a g. Morgen. Die Sonne winkt. Die Nacht ist hingeschwunden. Der Thau liegt funkelnd auf der Lebensbahn. Nach kurzer Ruhe bricht die laute Woche, Der lange Tag voll Schweiß und Arbeit an. Warum, o Gott, ist auf dem Lebenspfade Die Pilgerlast so ungleich ausgetheilt? Der Eine sinkt erschöpft am Stabe nieder, Indeß der Andre leicht vorüber eilt. Den Armen flieht das Glück mit seinen Schäßen, Er ringt mit Sorge um fein täglich Brod; Der Reiche nimmt das Füllhorn ohne Mühe, Und schwelgt oft sündlich bis zum Abendroth. Die Sense måht dem heissen Tag entgegen, Die Pflugschaar glüht im scharfen Sonnenstrahl; Der Weichling ruht in seinem Müssiggange, Und fühlet nicht der harten Arbeit Qual. Warum die Welt in solchem Wechsel altert, Das weißt du, Vater, und nur du allein, Du, der dem milden Frühlingsathem winket, So wie dem Dampf im heissen Sonnenschein. 40 Dein ist die Macht, du hast die Welt gegründet, Du giebst das Leben jeder Kreatur, Und leitest jedes Wesen unterm Monde Auf seine eigne stille Freudenspur. Das Leben ist das Größte. O aus diesem Erweckten Funken in der todten Nacht Quillt eine wunderbare Freudenflamme, Und zeiget Jedem seine Welt in Pracht. Ich bin erwacht, ich lebe noch, ich fühle Mein Daseyn mit verneuter Seligkeit. Ich stimme jauchzend in der Schöpfung Chöre, Mein ganzes Wesen glüht in Dankbarkeit. Das Leben, Gott, ist deine schönste Gabe; Es kommt von dir, es sen mir findlich werth, Es sey mein Heiligthum; und reine Tugend Entflamme täglich seinen Opferheerd. Und keine Mühe soll mich wankend machen, Und kraftig sey mein Herz und meine Hand! Es lohnt sich einst am stillen Feyerabend, Geschieht es nur für Gott und Vaterland. So will ich denn mit frischem Muth beginnen, Mit Redlichkeit an meine Arbeit gehn. Dir, guter Gott, empfehl ich Leib und Seele, Laß deinen Geist mir sanft zur Seite stehn. - 41 2 ben d. Die Abendrothe ist hinabgefunken, Die Luft wird fühl, und schweigend herrscht die Nacht. Die Welt wird fanft; die füffe Ruhe winket; Der Müde hat sein Tagewerk vollbracht. Wohl ihm, wenn er mit leichtem Herzen ruhet; Wenn sich der Himmel freundlich zu ihm neigt, Und wenn so ruhig, wie der Sternentempel, Sein frommes Herz und sein Gewissen schweigt. Wenn fein gerechter Vorwurf ihn belaſtet, Wenn feine stille Schuld ihn laut verklagt, Wenn keine Reue mahnend ihn verdammet, Kein Schreckensbild die arme Seele plagt. Doch wehe dem, der, Licht und Recht vergessend, Eich zu dem wilden Heer der Bosheit schlug, Und, statt der Tugend goldnen Ehrenkrone, Den Sclavenring des frechen lasters trug. Sein Leben gleichet der Gewitterwolfe, Furcht und Entfeßen liegen um sie her, Auf ihrem Wege zischen Feuerflammen; Ihr dunkler Schoos ist kalt und freudenleer. 4-4 Er blicket unter Beben, unter Grausen Auf die verheerte Lebenszeit zurück. Die Gegenwart ist eine durre Wüste, Und vor der Zukunft wankt sein starrer Blick; In eine Gruft verwandelt sich die Erde, Das Leben ist in Trauerflor gehüllt; Die Freude naht im blasfen Todtenkleide, Ihr Becher ist mit Wermuth angefüllt. O Gott, wie schnell ist unser Glück zerstöret, Wenn die Versuchung unser Herz beschleicht; O Gott, wie elend ist der Mensch hienieden, Wenn er die Hand dem blinden Laster reicht! Ich will vor dir mit hellem Geiste wandeln, Mein Wille sey gerecht, mein Herz sey rein; Dann werd ich ruhig, heiter einst vollenden; Mein letzter Trost wird mein Gewissen seyn. <-43Dienst a g. Morgen. Wem dank ich diese frische Lebensquelle, Die neubewegt durch meine Adern wallt? Wer ist der Schöpfer jener grossen Freude, Die vom Gebirg und Thale wiederhallt? Wer läßt mich dieses stolze Glück empfinden, Im Glanz der Welt zu denken und zu seyn? Wer führt mich aus des Schlafes dunklem Kerker Aufs neue in das Land der Freyheit ein? Ich lag und schlief die Sonne war erloschen Mit ihr mein Geist der Sinnen Reiß erstarb Der Traum ließ seine eitlen Farben spielen, Das frische Grün der Wirklichkeit verdarb. Ich webte ohne Kraft und ohne Willen An einem Leben, das dem Tode glich; Im wunderbaren Wechsel eingewieget, Lag ich betäubt, und Sinn und Welt verblich. Wo ist im Kreise der Natur ein Leben, Auf dem nicht diese dunkle Lähmung ruht? Wer ists, der diese, Todten auferwecket? Wo ist die Kraft, die solche Wunder thut? PARKING 800 44- Du bists, o Schöpfer, den ich Vater nenne, An dem mein Herz mit stiller Wonne hångt; Du bist es, ewig hohe Freudenquelle, Die mein Gefühl mit heil'ger Lust umfångt. Du wachtest über meine Lebensstunden, Du warst ben mir im Schattenreich der Nacht, Du sprachst zu mir aufs neue: denk und lebe! Du haft den Geist vom Tode fren gemacht. Wie glänzt die Welt im bunten Morgenschimmer; Seht, alles wogte in Lust und Lebenskraft, Die Sonne flammt im Thau, die Erde rauchet, Als Dankaltar, dir, der die Freude schafft; Dir, der im Himmel und auf Erden lebet, Dir, dessen Glanz den Weltenraum erfüllt, Dir, der den Engel und den Wurm beglücket, Deß Freudenstrom durch Sonn und Sterne quillt. Gelobet feyst du, fröhlich angebetet; Dein Ruhm erschalle durch die Ewigkeit! Ich fühle ganz, daß ich bey dir einst lebe, Und segne freudig meine Sterblichkeit! - 45- 2 ben d. Dir dankt mein Geist in dieser Abendstunde, O Gott, du Quelle aller Seligkeit! Aus allen deinen Werken spricht die Liebe, Und ewig wahret deine Gütigkeit. Vom Wiesengrün bis zu den blauen Bergen, Die still und lieblich in der Ferne stehn, Vom Feuerwurme bis zur goldnen Sonne Ist überall dein Gnadenlicht zu sehn. Vom stillen Dorfe bis zum heil'gen Walde, In welchem jeht der grosse Friede ruht, Vom Lampenschimmer bis zur Abendrothe Bist du es, Gott, der Allen Gutes thut. Selbst, wenn der Sonne Freudenlicht verschwunden, Noch in des Abends mattem Lustgeton, Selbst wenn die blaffe Dämmerung erscheinet, Auch in der Nacht ist deine Welt noch schön. Durchs tiefe Dunkel bricht der Sterne Flimmer, Der blaue Himmel ist mit Gold befåt, Ein sanftes Leuchten dämmert durch die Schatten, Die Ruhe herrscht, der Friede Gottes weht. y 46 Ein Paradies winkt glänzend dort herüber, Die Lebensbäume stehn in goldner Pracht. Ein weisser Gang führt durch die Himmelsauen, Und tief im Thale liegt die Erdennacht. Doch ist sie allen Sterblichen willkommen, Und freundlich winket ihre Traulichkeit. Ein groffes Schweigen herrscht. Die Menschen fchlafen, Und stärken sich zur neuen Thätigkeit. Der muntre Vogel ruht im grünen Laube, Das Thier im Walde kennt sein stilles Haus, Und emsig schmückt des Schlafes öde Kammern Der leichte Traum mit seinen Bildern aus. Dank dir, du guter Vater aller Wesen, Für Schlaf und Traum, für Mondenschein und Nacht! Olieblich wird des Tages Last und Hike Im Vorgefühl der süssen Nacht vollbracht. So ruhen wir. Dein helles Auge waltet, Dein sind wir, Herr, im Leben und im Tod. Mit Ruhe laß am Grabe uns entschlafen, Und wecke uns am neuen Morgenroth. -47Mittwoch. Morgen. Allmächtiger, auf dessen Wink die Erde Im neuen warmen Morgenlichte strahlt, Auf dessen Wort die hohe Sonne leuchtet, Und Berg und Thal mit frischen Farben mahlt! Zu die erhebt sich meine wache Seele, 2 Zu dir mein Auge mit vertrautem Blick, Und flehet um Erleuchtung für das Leben, Und für der ganzen Menschheit Wohl und Glück. O gieffe aus dem Füllhorn deiner Gnade In alle Herzen Licht und Weisheit aus, Und sende früh der Zugend Ehrenwache Un jeden Thron, in jedes Land und Haus: Den weisen Frieden, die vertraute Liebe, Die stille Güte, die sich selbst genießt, Die unbelohnt auf edle Thaten sinnet, Durch deren Huld die Thrane sanfter fließt; Die unerschrockne Wahrheit, ernste Würde Des freyen Geistes, den gesetzten Much, Ein måsfig Leben, heilsam für die Seele Und segensreicher Balsam für das Blut; Q 48- Die fromme Keuschheit, welche sanft erröthet Vor dem Gedanken, den die Schaam verbeut, Die jeden Blick, der die Begierde reißet, Durch heilige Enthaltsamkeit bereut; Den strengen Fleiß, ein unermüdet Wesen, Das für das Wohl des Ganzen lebt und webt, Und sich durch Arbeit, die dem Enkel nůßet, Ein unvergånglich Grabmahl selbst erhebt; Das gieb uns, Gott, und darnach laß uns streben, Das ist der Menschheit hohe Gnadenwahl; Dann herrscht dein Friede, deine Liebe waltet, Und deine Erde ist kein Jammerthal. Von dir kommt Lust und Leben, Heil und Segen, Und die Vernunft, das schönste Lebensgut. Sie leite uns nach deinem Wohlgefallen, Bis unser Herz im stillen Grabe ruht. Abend. 49- 2 ben d. er Tag ist hin; die sanften Stunden kommen, Wo neue Kraft vom Himmel niedersinkt, Wo die Natur im frischen Thau sich badet, Und fühler Schlaf den můden Gliedern winkt. So fliegt das Leben hin in Wechselreihen Und milde Ruhe folgt dem Wanderstab. Wir schlummern auf der freudenvollen Erde, Und unter uns schläft eine Welt im Grab. Noch spielt der Knabe an dem Mutterbusen Und vor ihm lacht die Welt im Glanz und Licht; Bald ruht das Herz, das treu für ihn geschlagen, Doch siehe, auch sein Stundenglas zerbricht. Die Saat ist groß, die Erndte ohne Ende, Der Tod ist wach, die Sense ruhet nicht, Die Uhr der Zeit schlägt immer letzte Stunden. Wer kennt das Herz, das jest im Kampfe bricht? Nur du allein, Herr über Tod und Leben, Du siehst den Blick, vom falten Schweiß beneßt, Du hörst der Wesen stille Herzen brechen, Du hast den Sterblichen ihr Ziel gefest. 4 SURING 50 laß sie sanft verscheiden, sanft vollenden, Laß deinen Engel still vorübergehn Und ihnen freundlich winken in die Kammer, Dort, wo der Vorwelt graue Sárge stehn. Verleihe deinen Kindern jene Ahnung, Die glaubensvoll die Gegenwart besiegt, Ach! einen Blick in deine Paradiese, Wenn diese Welt in Wolkendunst verfliegt. Und darf ich, Herr, vor dir mich unterwinden, so vernimm das Flehn der Menschlichkeit, Und laß auch den Verirrten Gnade finden, Den Blinden eine lichte Ewigkeit! Du bist ja Vater, bist voll Huld und Güte, Und Liebe blickt aus deinem Sternenschein; Du quálest kein Geschöpf. Das laster quålet; Nur Besserung wird deine Strafe feyn.- Ein Geisterchor wallt aus der tiefen Erde Zum Himmel auf. Die goldne Harfe klingt. O wohl mir, wenn mein Geist im Lichtgewande Mit deinen Engeln heilig! heilig! singt. 51 Donnerstag. 240 Morgen. Die Sonne tritt aus ihrem Purpurzelte, Sie stärkt den Geist, der an den Schöpfer denkt. Du hast, o ewigtreuer Menschenhüter, Mir wieder einen Lebenstag geschenkt. Empfange fein Geschenk, zufriedne Seele, Erkenne fromm, was Gott an dir gethan, Bring ihm der Liebe stilles Morgenopfer, Und bete ihn mit sanfter Rührung an. Ich blicke um mich her, und tausend Leben Erfreuen sich im warmen Sonnenschein. Vernimm, o Herz, die hohen Lobgefånge In Luft und Wald, und stimme freudig ein. Das goldne Thor zum grossen Saal der Freude Ist jedem Wesen gastlich aufgethan, Und eine milde Hand aus Silberwolken Streut Blumen hin auf jede Lebensbahn. Warum verschmåht der Mensch den süssen Frieden, Den ihm Natur und Einfalt zugedacht? Warum sinnt er im Ueberfluß der Schäße Auf fremdes Gut, das ihn nicht glücklich macht? 52 Sind jene Wilden in entfernten Zonen Ben ihrem Golde fröhlicher, als wir? Und wohnen sie in ihren Palmenwäldern Und Balsamduft auch sicherer, als hier? Ist die Natur in ihrem Pomp zu neiden, Wenn über ihr die heisse Sonne glüht? Was nügt die Kraft der süssen Spezereyen, nie bie str Wenn durch die Luft der Todesengel zieht? O lasset uns nicht in die Ferne schauen, So lange Luft und Leben um uns quillt; Laßt uns nicht aus dem Strome trinken wollen, So lang der klare Bach den Durst uns stillt! Nicht Schwelgeren erhält den Seelenfrieden, Nicht theure Kost verleihet Fröhlichkeit. Die Ruhe stirbt, wo die Begierde lebet; Das wahre Glück wohnt in Zufriedenheit. Mit warmem Dank, mit feligem Gewissen, Mit dir ergebnem frohem Kindersinn, So laß, o Gott, mich deine Welt geniessen Und liebend fühlen, daß ich glücklich bin. 201 -53- 2 ben d. Still ist die Nacht, und unter Gottes Frieden Erneuern sich die Kräfte der Natur. So wird die Schöpfung täglich neu geboren, Und täglich wallt die Schönheit durch die Flur. So muß der Mensch auch neu geboren werden An Herz und Geist, durch Weisheit und Verstand. Der Geist muß jeden Abend triumphiren, Wenn schon des Leibes Kraft von hinnen schwand. Der heil'ge Funke, der im Herzen glimmet, Wird durch den Hauch der Tugend angefacht. Der stille Geist, der in dem Kerfer schmachtet, Wird nur durch Wahrheit stark und frey gemacht. Denn wer vom Fleisch geboren ist, der bleibet Ein tråger dunkler Körper, wenn ihn nicht Der Geist erhellet, der lebendig machet Und die Gewalt der Sinnlichkeit zerbricht. Das ist die Auferstehung zu dem Leben, Wenn die Vernunft sich aus dem Schlaf erhebt. Das ist die Freyheit aus des Todes Banden, Wenn unser Geist für Recht und Wahrheit lebt. 54- So gleicht die beßre Menschheit, ungesehen, Der Luft, die durch die Abendkühlung weht;: Sie wirft im Stillen, hauchet Lebenskräfte Und stårkt den Wandrer, der vorüber geht. Sie bauet an der Weisheit Ehrentempel Und weiht sich treu, zu ihrem Dienste ein, Und jeder Tag, den sie zurücke leget, Muß eine Stufe zur Vollendung feyn. Zu solchen Menschen laß mich auch gehören, Du groffer Vater, der im Lichte wohnt; Mit jedem Tage laß mich weiser werden, Bis einst der Himmel meinen Geist belohnt. Dort strahlet reine Klarheit mir entgegen, Dort herrscht die Weisheit unter Sternenglanz, Dort wird mich keine Sünde mehr entweihen Und meine Seele schwebt im Palmenkranz. O schöne Aussicht in das Land der Freude, Von Gott geschmückt, vom Sternenlicht bekrångt! Ewigkeit, wie heilig ist die Stunde, Wo deine Pforte mir entgegen glänzt! Vor diesem licht, das sanft herüber dämmert, Vor jenem Glanz im dunklen Heiligthum, Vor jenen Sternen will ich heilig leben; Und Reinigkeit und Weisheit sey mein Ruhm! 55- Freyta g. Morgen. Dort, wo die Sonne freundlich alle Wesen Mit goldnem Glanz und Purpursaum umfaßt, Dort, wo das Licht in Often sich erhebet, Ist einst das milde Licht der Welt erblaßt. Dort, in dem heil'gen Ueberhang der Zedern, Wo unter Moos die fromme Vorwelt ruht, Dort, wo die sanfte Friedenspalme wehet, Vergoß der Mann des Frietens einst sein Blut. Der Himmel wolkte sich, die Erde bebte, Die Sonne floh, die dunkle Schöpfung schwieg, Die Weisen trauerten, der Pöbel jauchzte; So feyert die Verblendung ihren Sieg. Die Unvernunft- zwar ist sie bald entlarvet, So bald der Geist auf seine Rechte blickt, Sie wird zu Spott, ihr Name wird geachtet Und hat sich selbst das Brandmahl aufgedrückt- Doch furchtbar sind die Spuren, wo sie hauset, Die Liebe stirbt, die blinde Wuth gedeiht, -56- P Das heil'ge Band der Menschheit wird zerrissen, Und Tempel und Altåre sind entweiht. So war es einst in jenen finstern Tagen, Da Geist und Herz durch Priestertrug verdarv, Da, zu der Schmach auf Golgatha verdammet, Der Gottgefandte, der Gerechte starb. Willkommen mir, du Feyer seines Todes; Du leidender, mein ganzes Herz ist dein. O möchte dieser Tag für alle Christen Ein stiller Sabbath der Erkenntniß seyn! Der Aberglaube baut sein Reich im Dunkeln, Noch zieht die Schaale, wo das Unrecht liegt; Noch kämpft die Zwietracht für die Aussenfeite; Noch hat die Menschenliebe nicht gesiegt. Willkommen mir, du ernste Todtenfeyer, Du Sterbender, wie schön hast du vollbracht! Kein Mund hat für die Wahrheit so gesprochen, Kein Herz so rein das Heil der Welt bedacht. Sey mir gegrüßt in deinem Blutgewande, Du Heiliger, mein ganzes Herz ist dein. O Menschen kommt, und laßt uns Brüder werden; Er starb für diesen feligen Verein! Er starb für Alle. Brüder, und wir sollten Nicht freudig für einander leben hier? Er starb für eure Menschenrechte. Kommet, 57 Und werdet frey am groffen. Siegspanier! Das war dein Wille, du erhabner Stifter, So büßtest du dein schönes Leben ein. Wir sind mit Blut erkauft. Du Herz voll Liebe, Dein letzter Wille soll uns heilig seyn! - A 58- 2 ben d. 1 Das Leben rinnt mit jedem Tag von hinnen, Die Freude der Vergangenheit entflieht, Der leichten Silberwolke ähnlich, welche Durchs Flittergold der Abendrothe zieht. Wo send ihr nun, ihr frohen Millionen, Die einst der Schauplaß dieser Erde trug? Jest schlafet ihr den langen Schlaf im Grabe Und eure Hülle deckt der Aschenkrug., So schwindet alles, nur die Zugend bleibet, Dem Felfen gleich im stürmevollen Meer. Jahrtausende führt dort die Zeit vorüber; Er steht und troßt dem lauten Wellenheer. So steht die Tugend. Berg und Hügel weichen, Die Kraft veraltet an dem Wanderstab, Und eine Menschheit um die andre sinket Hinab ins groffe mütterliche Grab. Nur du allein, verklärte Himmelstochter, Haft in die Sonne deinen Thron gebaut. Ihr Licht und deine Kraft ist unvergånglich; Wohl dem, der dir mit festem Muth vertraut. Er sieht am Schlusse eine Abendrothe, Er hört im Tod den Ruf der Ewigkeit, -59 Und findet in der schwarzen Nacht des Lebens Den Stern der seligen Unsterblichkeit. me Wohl mir dereinst, wenn ich den Lauf vollendet, Wenn alles um mich welket, stirbt und schweigt, Mein Auge bricht, mein Herz im Tod erkaltet Und meine Hülle sich zu Grabe neigt; Wohl mir dereinst, daß ich die Tugend liebte, Daß ich mit Lust auf ihrem Pfade gieng, Daß ich die Einfalt und das Wahre suchte Und nicht mein Herz an eitle Träume hieng. Ich fühl' es tief, man kann die Weisheit lieben Und durch die Unschuld reich und glücklich seyn. So lebte Jesus Christus unter Menschen. Er starb am Kreuge, aber schuldenrein. Sein letzter Blick voll Heiterkeit und Liebe Sprach zu der Welt:" der Himmel fennet mich. Dir, Vater, schlägt mein treues Herz entgegen. Es blutet für dein Reich und freuet sich." O Gott, den ich in stiller Nacht verehre, Zu dem mein Herz durch finstre Wolken steigt, Vor dem mein Geist im grossen Weltentempel Sich unter Liebe, unter Andacht neigt, Du Heiliger, laß mich die Welt verachten, Wenn sie des Lasters goldne Schaale beut, Und laß mich hier mit meiner Tugend sterben, Damit dieß Leben dort mich nie gereut. PUPAY 60 Sonnabend. Morgen. Der Morgenstern ist sanft hinabgefunken Und übergiebt der Sonne ihren Tag. Die Zeit hat ihre Sanduhr umgewendet Und hoch vom Himmel tönt ein Stundenschlag. Der Tag bricht an, und eine Woche scheidet; Die Stunden kommen, und das Leben flieht, Der Weise harret sinnend an dem Ufer Und blickt in Strom, der rasch vorüberzieht. Er träumet nicht. Sein wacher Geist ist helle, Er denkt die Zukunft und Vergangenheit. Sein Herz ist ruhig, Gott und Vorsicht walten, Und Menschen wandern in die Ewigkeit. Gott lebet noch, der Herrliche, der Gute, Sein Plan gelingt; doch wer begreifet ihn? Sechs tausend Jahre zählet die Geschichte Sein Plan ist ewig; wer umfasset ihn? Den Menschen gab er eine hohe Freundin Und einen Schak von ungemeßner Lust. 61 Com Die Freundin ist die Tugend; unfer Reichthum, Ein ruhiges Gewissen in der Brust. So blickt der Mensch der Zukunft froh entgegen, Er fürchtet nicht den ernsten Stundenschlag. So wie der Schnitter in die Erndte blicket; So blickt er auf des Himmels Wonnetag. Dem edlen Geist, der immerdar sich bessert, Was drohet ihm? Vollendung ist sein Ziel. Er ringet nach dem Urbild seiner Wünsche Und hånget nicht am dunkeln Lebensspiel. Die Milde, die aus seinem Wesen strömet, Macht, daß der Traurige in Freude singt. Die Heiterkeit, die seinen Tag umschwebet, Schafft, daß sein Werk mit leichter Müh gelingt. Wer sich erkennt, und seine Pflicht erwäget, Das Wahre sucht aus Menschentand und Schein, O diesem wird die ewige Beschauung Des Lebens niemals überdrüssig seyn. Er sieht mit jedem Morgen deine Erde, O Gott in jenes Lebens Wiederschein. Sie gleicht dem Blumenflor, vom Thau gebadet, Und deine Sonne streuet Gold darein. Mein Vater dort, im blauen Himmelszelte, Mein Vater hier, im grünen Erdenthal, Dein Auge sieht den jüngsten Tag der Welten, 62 manas AUTOS So wie des Säuglings furze Stundenzahl. Du forgest, waltest, schüßest, nähreft, liebest- Herr, mein Gebet ist stille Dankbarkeit. Mit dir will ich das kurze Leben enden, Mit dir leb ich die lange Ewigkeit. 63- Abend. Die Abendluft zieht durch die dunkeln Bäume Und streuet süssen Weihrauch auf die Flur, Der Himmel feyert seinen stolzen Frieden, Und unter Sternen schlummert die Natur. So neiget alles sich zum frohen Ende, So wird die Woche und der Tag vollbracht. Der Müde schläft, die lehte Sorge schwindet Und alles ruhet, nur die Gottheit wacht. So blicke denn mit Dank zurück, o Seele, Auf die vollbrachte, stille Lebensbahn. Der Sabbath naht, die Woche ist vollendet, So ruhe denn, du haft genug gethan. Doch ach, wie dank ich dir, du Gott der Liebe, Für deine Treue und Barmherzigkeit! Du Menschenvater, ich bin zu geringe, Und schüchtern fühl ich deine Herrlichkeit. So manches offne Grab hat sich geschlossen, Ich lebe noch durch deine Gütigkeit; So Mancher achzet auf dem Krankenbette, Ich fühle noch des Lebens Süssigkeit. Parent 64 Dem Mangel und der Schande preisgegeben, Wird manches Herz von schwerem Gram gedrückt. O guter Gott, wie kann ich dirs verdanken, Daß du so mild auf meinen Pfad geblickt? Du gabst mir Kraft, die Arbeit zu vollbringen, Und Lust und Muth und Segen folgte mir. Von bösen Thaten ist mein Herz befreyet, Und diese Ruhe, Vater, dank ich dir. O möchte ich stets richtig vor dir wandeln, Im Geiste fren und im Gewissen rein. O möcht ich ganz des Lebens Werth erkennen, Und deiner groffen Güte würdig seyn. Ich will es, Herr! mit Freudigkeit gelobe Ich, recht zu thun vor deinem Angesicht. Ich will mein Herz vom Laster rein erhalten, Bis es dereinst im kalten Tode bricht. Das ist mein Schwur. So end' ich diese Woche. Mein Geist, o Gott, fühlt deine Seligkeit. Die Erde ruht. Der Himmel dämmert Frieden, Und lieblich winkt die stille Ewigkeit. Herbst. Herb ft. 5 mamm 67 Sonntag. Morgen. Auf, mein Geist, zum groffen Weltenvater, Der dir freundlich Lust und Daseyn beut; Schmücke dich zur Andacht und zur Ruhe; Dieser Tag ist Gott und dir geweiht. Hocherhaben schwebt aus Geisterchören Unfre Freundin, die Religion; Lächelt auf die Erde und besteiget Unter Menschen ihren Segensthron. Aber gleich dem ungesunden Nebel Wogt der Aberglaube aus der Nacht Und umwölkt die reine Himmelsklarheit, Die sie aus der Höhe mitgebracht. Mißgestalten wallen aus der Tiefe, Und die edle Einfalt geht zu Grab. Kleinigkeiten schweben auf der Höhe, Und das wahre Grosse sinkt hinab. Wahrheit und Vernunft wird unterdrücket, Und die Thorheit feyert ihren Sieg; tometers 68Feuerbrande fliegen von Altåren, Und die Menschenliebe wird zum Krieg, Ach! was hat das arme Herz gewonnen, Wenn der Friede traurig untergeht? Und wie kann der freye Geist sich heben, Wenn des. Unfinns grause Fahne weht? Die Vernunft wird ohne Freyheit dunkel, Gleich der Lampe, die kein Zufluß nährt, Und das Leben, ohne Licht und Wärme, Gleicht dem Wind, der über Stoppeln fährt. Vater, dem wir unsre Hände falten, Dem das Herz mit Lust entgegen wallt; Gott, dem unsre Tempel angehören, Dem der hohe Lobgesang erschallt, Uch! beseele alle deine Kinder, Deren Herz es gut und redlich meint! Ach! erleuchte alle deine Menschen, Die vor dir ein heil'ger Bund vereint, Daß sie dich im Geist und Wahrheit ehren, Auf ihr Herz, nicht auf Gebräuche fehn, Daß sie auf der freyen Bahn des Glaubens Nichts bestreiten, was sie nicht verstehn; Nicht verfolgen, wo der Himmel duldet, Nicht verdammen, wo die Gottheit schweigt, Nicht vom Schauen reden, wo der Glaube ne 69 POCED Unserm Blick nur dunkle Bilder zeigt. Führe deine Menschenkinder, Vater, Wie du willst, in deinen Himmel ein; Aber laß uns eins seyn in der Liebe; Dieses wird der wahre Glaube seyn. <-70 2 ben d. Sey en willkommen, traute Schlummerstunde, Sen gesegnet, ernster Stundenschlag! Dankend blick ich zu dem Weltenvater, Fröhlich schließ ich diesen Ruhetag. Heiter zieht die Königin des Tages Im Geleit der Abendrothe hin; Feyernd schließt die Nacht den stillen Tempel Und erscheint als sanfte Trösterin. Aber du, der über Sternen wohnet, Kennst der Sonne dunklen Wechsel nicht, Deine Tage nehmen nie ein Ende, Und vor dir liegt eine Welt voll Licht. Hocherhaben über Abendröthen, Ueber aller Sonnen Untergang, Schaut dein Blick durch helle Ewigkeiten Ueber Weltenflug und Sternenklang. Aber auch im Staube weilt dein Auge, Nichts ist schlecht, was dein Verstand erschuf. <-71->> Ueberall weht deine Vaterliebe, Und du hörest aller Wesen Ruf. Wohl mir, daß du alles weißt und siehest, Aller Wesen Daseyn, Luft und Schmerz; O du kennest auch mein Handefalten, Siehst mein treues, liebevolles Herz, Wie es dankend, preisend an dir hänget, Wie es kindlich seine leiden trågt, Deine Griffe fühlet und in Demuth Seine Unvollkommenheit erwägt. Ach! es blüht nur eine Lust hienieden: Selig sind, die reines Herzens sind! Dieses bleibet, wenn der Staub im Grabe, Wie der Sand im Stundenglas verrinnt. O so laß uns denn vollkommen werden, Vater, wie du selbst vollkommen bist, Hier im Staube lehre uns das Wollen, Das Vollbringen dort, wo Freyheit ist. Besser werden ist der Zweck des Lebens, Vater, und du gabst uns ja Verstand; O so biete Weisheit sich und Tugend Unter Menschen überall die Hand! An dem Pfluge, wie am Freudentische, Von der Schule bis zum Traualtar; Unter Blumen, wie am Erndtetage, -72Von der Wiege bis zur Todtenbahr! Unser Leben sey dir, Herr, geweihet, Unser Wandel sen verklärt und rein; So wird einst, wie diese Abendstille, Unser Ende sanft und selig seyn. MECH - -73D Mondt a g. Morgen. Dank dir, Vater, der zum neuen Leben Mich durch seine milde Sonne weckt; Der die Luft mit Heiterkeit durchwebet, Und den Baum mit füffen Früchten deckt; Der die stolze Purpurtraube reifet Und das Laub mit bunten Farben mahlt, Der den Flaum des Pfirsichs lieblich röthet, Und den Wald mit goldnem Saum bestrahlt! Dank dir, Vater, Schöpfer, Menschenhüter, Alle diese Wonne kommt von dir; Dank dir, ewig milde Freudenquelle, Allen diesen Segen giebst du mir! Wenn die Welt in stillem Frieden schlummert, Blickt dein heitres Auge durch die Nacht, Blickt vom Himmel schüßend auf die Erde, Bis der Tag in seinem Licht erwacht; Sorgt für seine Kinder in der Ruhe, Daß ihr Schlaf gesund und fröhlich sey; Wendet die Gefahr von ihrem lager, Und ihr Glück ist alle Morgen neu. - 74- Herr, ich beuge mich im Staube nieder, Vater, deine Hand war über mir. Treue Hand, daß ich dich küssen könnte! Vater, meine Seele fliegt zu dir! Gott, der du so freundlich um mich waltest, Dir im Himmel will ich ähnlich seyn. Und so tret ich unter Dank und Freude In die neue Lebenswoche ein. Deinem fanften Rufe will ich folgen, Alles meiden, was verwerflich ist, Alles thun, was dem Gewissen frommet, Weiß ich doch, daß du mir gnådig bist. Ach, mein Vater, Allen bist du gnådig; Lehr uns Alle, gut und weise seyn, Und wo diesen Tag ein Mensch verscheidet, Führ ihn sanft zu deinem Frieden ein. - 75= A ben d. till und einsam dåmmern Gottes Sterne, Ruhig liegt die Finsterniß im Thal, Und des Lebens bunte Freudenbühne Wandelt sich zum schwarzen Trauerfaal. Falbe Blätter fäuseln im Gebüsche, Wenn die Abendluft vom Berge zieht; Kalter Thau sinkt auf die Wiese nieder Und die blaffe Herbstzeitlose blüht. Alles, alles eilt zu seinem Ende, Ueberall erscheint die Sterblichkeit. Mit dem welken Kranze an der Harfe. " So vergeht des Lebens Herrlichkeit!" Ach! die Zeit weht über Stoppelfelder Eine Hoffnung nach der andern hin, Und die Menschheit schläft in ihren Gräbern Ohne Sorge, ohne Traum und Sinn. Schlafet wohl, ihr, die ihr hier gewesen, Wo jetzt eure Kindeskinder sind; Ruhet wohl, ihr, die ihr hingegangen, Wo des Todes grosse Sanduhr rinnt. 76 Alles stirbt! Ich will das Grab nicht fürchten! Zwar ists finster, und die Nacht ist lang. Doch wer weiß, wie lang die Todten schlafen? Wer vernimmt den leisen Himmelsgang? Wenn der Grabgesang ins Thal verhallet, Bricht vielleicht schon euer Morgen an. Ihr erwachet und die Sonne rothet Wald und Berge dort in Kanaan. Herr des Lebens, laß mich fröhlich wandeln, Weil noch Blut und Leben in mir fließt! Herr des Todes, laß mich fröhlich scheiden, Wenn die leste Nacht mein Auge schließt. Oft will ich an jene Stunde denken, Wo die Welt mit ihrem Glanz entflieht; Oft will ich den neuen Morgen fegnen, Wo der Geist in seine Heimath zieht. Gott, dir leb ich! Gott, dir will ich sterben! Und dein Bote wird nicht schrecklich seyn; Friedlich wirst du deinen Engel senden, Und ich schlaf in seinen Armen ein. twend - 77- Dienst a g. Morgen. Herr, vor dem die Sterne niedersinken, Und die Sonne aus dem Nebel steigt; Herr, vor dem der Weltenkreis verstummet, Und das Chor der Seraphinen schweigt; Ewiger, im grånzenlosen Raume, Mächtiger, in deiner Herrlichkeit, Heiliger, in deinem stillen Himmel, Gütiger, in deiner Seligkeit! Du gebeutst, und eine Welt entschlummert, Du befiehlst, und eine Welt erwacht. Rustig geht der Mensch an seine Arbeit, Frihlich sinkt er in den Schoos der Nacht. Du bists, der das Schiff im Meer behütet, Wenn der Sturm an Tau und Segeln reißt; Du bists, der die Biene Vorsicht lehret, Und die fromme Schwalbe ziehen heißt. Du bists, der den langen Tag erwärmet, Wenn die Garbe auf dem Acker liegt; Du bists, der den falten Tag verkürzet, Wenn das weisse Herbstgewebe fliegt. 78-> Nebelberge steigen aus der Tiefe, Und dein Morgenstrahl vernichtet sie. Aufgeheitert liegt das finstre Chaos, Und die Schöpfung lacht in Harmonie. Vater dort, wer wollte dir nicht trauen Auf der ungewissen Lebensbahn? Nicht die Leiden dieser Zeit ertragen, Wenn er deine Werke sehen kann? Deine Sterne, deine Morgenrothe, Deiner Schöpfung lieblich Farbenspiel, Deine Sonne in dem Feyerkleide Und des Lebens seliges Gewühl? Unter Blik und Wetter, Reif und Nebel, Auf der Blüthe stillen Leichenspur, Unfre Hoffnung in den Wintertagen Bist du, hohe Trösterin, Natur! Wie ein Kind will ich dem Vater trauen, Der die Schöpfung und die Zeit regiert, Der mich auf die Lebensreise sandte, Und mich nicht aus seinem Blick verliert. Fröhlich will ich meinen Lauf vollenden, Gott ist nah, es gehe, wie es geh. Muthig greif ich nach dem Wanderstabe, Soll ich leiden Herr, dein Will gescheh! ene -792 ben d. Stille herrscht, und dunkle Schatten schweben Einsam über die bethaute Flur, Und der falte Abendhauch vermindert Traurig die Geschenke der Natur. Bleich erstirbt die Blume auf der Heide, Mit dem Laube sinkt die letzte Frucht. Kalte Schauer wehen durch den Himmel, Wenn das Auge nach den Sternen sucht. Herr, es ist dein Wille; alles endet, Alles sinket in das offne Grab, Alles geht in seine Ruhekammer, Zeit und Leben blühen herbstlich ab. Nur der Geist blickt jugendlich zurücke, Seine Labung ist Erinnerung. Selig fühlt er seine Menschenfreuden In des Lebens Abenddämmerung. Wenn ich meine Laufbahn übersehe, Meines Daseyns stille Lieblichkeit, Ach! mein Vater, ich bin zu geringe Deiner Treue und Barmherzigkeit. Super 80 Täglich war dein Vaterherz mir offen, Täglich fühlt' ich deine Segenshand, Täglich fand ich deiner Güte Spuren In der Schöpfung, in dem Vaterland. Jede Sonne, die ich froh begrüßte, Jeder Mond in stiller Himmelspracht, Jeder Morgen, der mein Leben weckte, Jeder Abend, der mich froh gemacht, Jede Stunde, da ich Weisheit lernte, Jede Ahnung, die den Geist erhob, Jeder Tag, an dem ich besser wurde, Und mir Ruhe in das Leben wob; Alles, alles hab ich dir zu danken, Alles, alles hast du mir geschenkt. Dwie blickt das Auge schnell zum Himmel, Wenn das Herz an seine Freuden denkt. Gott im Himmel, laß mich nie vergessen, Daß du aller Wesen Vater bist, Daß mein Glück aus deinen Händen fliesset, Daß mein Leben deine Wohlthat ist. Demuthsvoll will ich den Lauf vollenden, Sanft und ruhig, wie die stille Nacht, Und mein letter Herzensdank, o Vater, Sey dir an dem Grabe dargebracht. Mitte 20 81 - Mittwoch. Morgen. Eingefunken liegt das Nachtgewölbe, Still am Wald verlischt der Morgenstern. Licht und Glanz fliegt durch die hohen Räume, Alles wacht und preiset Gott den Herrn, Berge dampfen ihre Weihrauchwolken Und die heilge Sonne flammt empor. Feyernd steht der grosse Ehrentempel Und die Schöpfung und der Wesen Chor, Betend tritt die Menschheit zum Altare, Sinket heilig auf das Angesicht, Fleht um Ruhe für das Erdenleben, Fleht um Tugend, fleht um Trost und Licht. Herr, dein Segen sen mit ihnen allen Und dein Licht erhelle ihren Pfad. Gieb dem Armen Brod, dem Schwachen Stärke Und bewahre sie vor Missethat. Alle Sünder lehre deine Wege, Alle Herzen seyen ausgeföhnt, Allen müden Sterbenden erscheine Und ihr Glaube sey mit Licht gekrönt. 6 -82 Mitten in der Lebenswoche eilen Tausend Pilger ihrem Ende zu. Gieb uns, Gott, ein ruhiges Gewiffen; Unser Richter, unser Trost bist du. Einst verschwinder jene Nacht am Grabe, Strahlend bricht der neue Morgen an, Alle Todten gehn aus ihren Kammern, Allen winkt die neue Lebensbahn. Herr des Lebens, laß uns freudig wirken, Daß wir jenseits nicht verdrossen stehn. Herr des Todes, laß uns schön vollenden, Daß wir dort nicht schamroth niedersehn. Ungewiß ist unsre lehte Stunde, Und das Ziel in Wolken eingehüllt; Wohl dem Menschen, der den Tod nicht scheuet, Sich den Kelch nicht selbst mit Wermuth füllt. Fröhlich will ich diesen Tag beginnen. Herr, du hilfft; mein Wille ist ja gut. Gieb mir Kraft, das Laster zu verachten, Luft zur Weisheit und zur Tugend Much. 83 2 6 en d. Einfam blickt der Abendstern am Himmel Auf die kalte, menschenleere Flur. Alles ruht; nur in dem stillen Raume Wacht der grosse Vater der Natur; Blicket mild auf seine Wefen nieder, Sieht im Dunkeln ihre Lebensbahn, Freut sich, wenn die Menschen, feine Kinder, Auf der Welt des Guten viel gethan; Wenn ein Herz der Tugend treu geblieben Und das Unrecht muthig von sich wies, Wenn der Geist nach licht und Wahrheit strebte, Und das Band der Unvernunft zerriß; Wenn der Hohe seine Pflicht erkannte Und der Arme seine Leiden trug, Wenn der Sünder, vom Gefühl ergriffen, An die Brust in stillen Thränen schlug. Dieses, Vater, ist dein Wohlgefallen, Dieses schmücket unsern Pilgergang, Deine Engel stimmen ihre Harfen, Und den Himmel füllt ein Hochgefang. Mogen Berge weichen, Hügel fallen; Laßt uns kampfen, laßt uns feste stehn, Moynd 84 mons Unfre Sonne glänzt an jenem Morgen Und das Gute wird nicht untergehn. Fröhlich werden wir einst auferstehen, Wenn die laute Weltposaune ruft. Heiter glänzt es um die Ruhekammer Und der Himmel strahlet um die Gruft. Sonnen leuchten, Friedensbogen schimmern, Ueber Welten flammt der Sternenthron, Und sie kommen, die da Gutes thaten, Und der Höchste ist ihr groffer lohn. Und er forget freundlich für die Seinen, Unter Engeln, unter Raum und Stern. Sie empfangen eine schöne Krone, Heil dem Sieger! aus der Hand des Herrn. Jammer, Angst und Seufzen wird verschwinden, Alle Thränenquellen trocknen ein. Lieblich fließt der goldne Strom des Lebens, Und der herbe Tod wird nicht mehr seyn. Hallelujah, Preis und Dank und Ehre Sey dem Vater, dem Erbarmenden! Unser Schöpfer ist kein Gott der Todten, Heil und Tröftung allen Lebenden! Dir befehl ich meinen Leib und Seele, Herr des Lebens, in der finstern Nacht. Laß mich heilig und in Frieden schlafen, Bis die Arbeit und der Tag erwacht. - 85- Donnerstag. Morgen. Nother Glanz verbreitet sich in Oſten, Nacht und Traum erstirbt am lichten Ziel Und der Schauplaß der Natur eröffnet Sich mit einem bunten Farbenspiel. Gelbe Bäume leuchten aus dem Walde, Rothe Büsche vom Gebirge her, Und der grüne Saame spricht zum Herzen: Die Natur ist nie an Hoffnung leer. Selbst in ihrer letzten Stunde winket Sie noch freundlich ihren Kindern zu, Und aus ihrem Abschied strömet Segen, Strömet Liebe, strömet Seelenruh. Immer steht die Welt in ihrem Glanze, Der den Geist der Sterblichen erhebt. Ueberall ist eine Freudenblume In den Kranz des Lebens eingewebt. Ruhe und Gesundheit würzt die Mühe, Hoffnung front die arme Menschenwelt, Und der Mutter tiefgefühlte Sorge Wird durch füffe Liebe aufgehellt. VELN 86 4Gott, du hast das Leben schön geschaffen, Alles blüht vor deinem Angesicht, Und auf einer goldnen Waage ruhet Unser Schicksal in dem Gleichgewicht. Unter Stürmen schmücket sich die Erde, Unter Bligen lacht die Fruchtbarkeit, Unter Reif und Nebel grünt der Saame Und der Schnee wacht für die Erndtezeit. Vater, sollte dich mein Herz verkennen, Wenn ein trüber Lebenstag erscheint? Sollte je der Geist an dir verzweifeln, Wenn das Auge seine Thräne weint? Konnte ich die Lebensstunde tadeln, Die mein blödes Auge nicht ermißt? Vater, könnte ich je dein vergessen, Da dein treues Herz mein nie vergißt? Du bist weise, du bist hocherhaben, Du bist Weltenkönig; ich bin Staub. Deine Jahre nehmen nie ein Ende, Meine Tage sind wie fallend Laub. Mag die Sonne ihren Glanz verlieren, Mag die Welt im Sturme untergehn, Liebend, freudig will ich an dir hängen, Und im Sturm den treuen Vater sehn. 87 2 ben d. Finsterniß umhüllt die feuchte Erde, Nur der Schein aus bessern Welten blinkt; Wieder ist ein Tagewerk vollendet Und der stille Feyerabend winkt. Jedem war die Arbeit angewiesen In der Hütte, wie auf goldnem Thron, Und der grosse Hausherr reichet jedem. Seiner Knechte den verdienten lohn. Seelenruhe ist der Lohn des Weisen, Der mit Freuden seine Pflicht gethan; Und das eigne Herz verdammt den Sünder, Wenn ihn niemand sonst verdammen kann. Keine Hoheit kann dein Auge blenden, Denn vor dir, o Herr, ist alles gleich; Keine That kann sich vor dir verhüllen, Vor dem Nichter in dem Geisterreich. Friede sen mit deinen Menschen allen, Friede, wenn die Abendrothe lacht, Friede, wenn der Leib zur Ruhe sinket, Friede, wenn der junge Tag erwacht. ISA min 88. Gieb uns, Herr, ein ruhiges Gewiffen; Des starkt in Freude und in Leid. Ohne dieses ist kein Glück auf Erden, Und im Himmel feine Seligkeit. Traurig geht der Bösewicht durchs Leben; Sein Genuß ist ein verwirrter Traum, Seine Hoffnung eine welke Blume, Seine Freude ein entlaubter Baum. Duster steht er unter deinen Sternen, Ach fein Herz hat keine Freudigkeit. Schaudernd blickt er nach dem Ziel des Lebens, Und erschrickt vor seiner Ewigkeit. Ruhe, füsse Himmelsruhe, schwebe Sanft hernieder auf die Menschenwelt, Daß sie heiter aus der Pilgerhütte Aufwärts blicke in das Sternenzelt. Friede sen mit deinen Menschen allen, Du, der liebend für die Seinen wacht, Friede auf der Erde, wie im Himmel, Und den Feinden eine gute Nacht! GOVE 89 memanis bend Freytag. Morgen. Sterbend finkt die holde Morgenröthe In der Erde still bethranten Schoos. Ach sie mahnet- an das Blut des Reinen, Das einst dort im Morgenlande floß; An den sanften Weisen, der die Liebe Aus dem Himmel auf die Erde trug; An den Helden, der in Kraft und Wahrheit Gottes und der Menschheit Feinde schlug. Herrlich gieng er zu dem Kampf gerüstet, Mit dem Schwerdt des Geistes angethan, Und die weisse Friedensfahne wehte Auf die unbefleckte Siegesbahn. Herrlich stund er unter seinen Treuen, Hoheit sprach aus seinem Angesicht. Zion bebet, Mofis Tempel wanket, Und die Fessel der Vernunft zerbricht! Herrlich starb er. Sehet ihn vollenden, Groß und heiter, wie der Sieger stirbt. Heil dem Sieger! Preis dem Gottgeweihten, Der den Dank der Menschheit sich erwirbt! 73 facetog 90 Ruhig streut der Landmann seinen Saamen In der Erde dunkeln Schoos hinab; Sturm und Nacht zieht über Wald und Fluren, Und der Segen schläft im stillen Grab. Aber bald erwecket ihn die Sonne, Grünend steigt die Hoffnung aus dem Grab, Und der Såmann faltet froh die Hånde Für die Garben, die der Himmel gab. Laßt uns wirken, weil es Tag ist, Brüder, Und nicht auf die nächste Stunde sehn. Megen wir im fühlen Grabe ruhen; Unsre Tugend wird nicht untergehn. Laffet uns am groffen Tempel bauen, Den die Menschheit der Vernunft geweiht; Laßt uns fühn dem schönen Plane folgen, Die Vollendung giebt die Ewigkeit. Mogen Andre dieser Einfalt spotten, Die uns an die schwüle Arbeit zieht; Mögen Tausend unsern Fleiß verkennen; Wenn ihn nur der grosse Meister sieht. Ja er sieht ihn; und die Welt verstummet, Wenn er seinen Freunden Recht verschafft. Ewiger, laß uns nicht müde werden! Heiliger, gieb uns zum Guten Kraft! 9¹- 2 ben d. Guter Bater, der im Lichte wohnet, Wo der Glanz von tausend Sonnen strahlt, Deffen Liebe, dessen Herz voll Treue Keine Rührung und kein Dank bezahlt! O ich falte unter deinen Sternen Meine Hände in der stillen Nacht Und mein Geist ruft an dem Ziel des Tages: Er hat alles, alles wohl gemacht. Aber schaurig weht es durch die Erde, Bleiche Wolken ziehen durch die Luft Und der Schöpfung warmer Freudentempel Wird zu einer falten Todtengruft. Blaffe Nebel steigen aus der Tiefe, Dürre Blätter rauschen in den Wind, Kalte Schatten wandeln über Gråber Und des Todes stille Sanduhr rinnt. Traurig blickt die Seele auf den Wechsel, Auf das Ende dieser Herrlichkeit! Blicket sehnend unter Nacht und Kälte Auf die liebliche Vergangenheit. S 92- Liebe Seele, merke diese Lehre Ehe sich der Schlaf mit dir vermählt: Unvernunft und rauhe Sitten herrschen, Wenn im Leben Licht und Wärme fehlt. Licht am Throne und in Tempelhallen, Wärme für die Pflicht der Menschlichkeit, Licht und Recht, so weit die Sonne scheinet, Lieb und Treue bis zur Ewigkeit- Dieses war es, was uns Jesus lehrte;, Dieses schwören, dieses glauben wir. Ach wir sind noch weit vom schönen Ziele; Uber, groffer Meister, Dank sey dir! Endlich wird dein fanftes Reich erscheinen, Endlich wird die Finsterniß vergehn, Und die Menschheit wird im Glanz der Tugend Dir mit hellem Sinn entgegengehn. Soll ich diese Zukunft nicht erleben, Geh ich, Herr, zu meiner Ruhe ein; O so laß mich, bis dein Engel winket, Jener bessern Tage würdig seyn. AND 93- Sonnabend. Morgen. Feyerlich in ihrem Purpurkleide Tritt die Sonne aus der Nacht hervor; Freudig schwebt sie aus dem Dunstgewölbe In das klare Weltenreich empor. Luft und Liebe jauchzen ihr entgegen Auf der neuen grossen Himmelsbahn; Still und heiter kann sie rückwärts blicken, Denn sie hat des Guten viel gethan. Werd' ich auch so heiter und zufrieden Einst hervor aus meinem Grabe gehn? Wird mein Geist in Hoffnung und in Liebe Dort zum neuen Leben auferstehn? Kann ich ohne Sorge rückwärts blicken, Wenn die groffe Wanderschaft beginnt? Kann ich freudig in die Zukunft schauen, Wenn die füffe Gegenwart zerrinnt? Herr, ich zage, wenn ich diese Woche, Diese furze Laufbahn überseh;. 2ch wie kann mein Herz in Ruhe bleiben, Wenn ich vor der ganzen Wallfahrt steh? po st - <-94Ach wie oft hat Leichtsinn und Begierde Mich in tiefen Schlummer eingewiegt! Ach wie oft hat dein Gesetz gesprochen, Und der böse Wille hat gesiegt? Schändlich sind die Gößen dieser Erde, Hochmuth, Sinnlichkeit und Eigennuß; Niedrig bleibt der Mensch, der ihnen dienet, Denn er bietet seinem Geiste Truß. a Aber schnell kommt die Versuchungsstunde, Und das arme Menschenherz ist schwach; Heimlich schleicht die Natter unter Blumen Oft dem unbesorgten Pilger nach. Müde sinkt er auf den Rosenhügel, Träumend schläft er unter Myrthen ein. Wache, Pilger! Gift und Tod ist nahe! Und dein Schlummer wird dein Unglück seyn. Vater, muß die Seele unterliegen, Wenn die Welt den rohen Kampf beginnt? Muß der freye Geist die Fessel tragen, Wenn das Fleisch auf Unterdrückung sinnt? Nein! die Weisheit adelt mich zum Menschen. Vater, nur der freye Geist ist dein. Ich kann wählen. Das Gewissen richtet. Ich will siegen. Ich will weise seyn! 95- n d. A ben Winde stürmen durch die fahlen Bäume, Schwarz verhüllet stehet Wald und Flur. Abec unter Nacht und Sternen tonet Dir ein lied am Grabe der Natur. Dir, o Vater, der die Sonne führet, Der die Rose schuf und welken hieß, Der das Erndtefeld mit Segen fronte, Und des Baumes Schåße reifen ließ; q Der dem Menschen seine Tage schenket Und mit Hoffnung und Genuß erfüllt; Der ihm sanft die Gegenwart eröffnet Und die Zukunft liebevoll verhüllt; o Dir, o Vater, schlägt mein Herz entgegen, Dank und liebe glüht in meiner Brust; Kindlich blickt mein Auge zu den Sternen Und die Seele ahnet Himmelsluft. Deine Freuden zogen mir vorüber, Deine treue Liebe folgte mir. Alles Schöne ist aus dir geflossen, Alles Gute, Vater, kommt von dir. -96 Preiset ihn, im Glanz der Morgensonne! Lobet ihn, in stiller Mondenpracht! Liebet ihn, am Freudentisch des Lebens! Danket ihm, am Sarg der Todesnacht! Danket ihm in jenen Sternenwelten, Und der Wurm im Staube freue sich! Dankt dem Herrn, denn er ist freundlich Ullen; Seine Güte währet ewiglich! Liebend preißt dich meine frohe Seele, Bater, siehe mein zufriednes Herz! Liebend nimmt es aus den Vaterhånden Lust und Segen, Dürftigkeit und Schmerz. Und so mag die Woche unter Frieden In das Meer der Ewigkeit entfliehn; 23 Berge können weichen, Hügel fallen; Deine Huld wird nicht vorüberziehn; Schlaft in Frieden! Gottes Auge wachet. Ruhe herrscht im groffen Weltenplan. Alles endet! auch die Lebenswoche. Doch getrost, der Ruhetag bricht an! Winter. Winter. L 99 s onntag. Morgen. Erhabner Gott, vor dem die Sonnen freifen, Vor dem sich tausend Weltgebäude drehn, Vor dem sich Millionen Wesen bilden, Und Millionen hin zu Grabe gehn; Wie groß bist du; welch eine reiche Tiefe An Weisheit und Verstand! Und dein Gericht Wie unbegreiflich ists! Und deine Wege Wie unerforschlich, bis das Auge bricht! Denn wer hat jemals deinen Sinn durchschauet? Wer hat dem Rath der Gottheit beygewöhnt? Wer hat ihm etwas je zuvor gegeben, Daß ihn der Herr der Welten dafür lohnt? Von ihm und durch ihn ist das Reich der Dinge, Der Blumen Glanz, des Sommers Feyerkleid, Des Baumes Frucht, des Winters stille Ruhe; Anbetung ihm und Preis in Ewigkeit! Wie groß bist du! Du wohnest nicht in Tempeln, Von eitler Kunst und Menschenhand gemacht. Dein Tempel ist die Welt; und über Sternen Wird dir, wie hier, ein Opfer dargebracht. 100 Dein wird auch nicht von Menschenhand gepfleget; Wir sind zu schwach, und du bedarfst es nicht. Du giebst uns selber Lebenskraft und Odem, Und leitest uns vor deinem Angesicht. Du, Herr, bist groß und groß sind deine Werke, Wer ihrer achtet, der hat Lust daran; Denn löblich ist und herrlich, was du ordnest, Und deine Güte lenkt den Weltenplan. So fall ich denn im Staube vor dir nieder, Du Herrlicher, in deinem Lichtgewand, Und danke dir für jede gute Gabe, Und bitte dich um Weisheit und Verstand. Die Ruhe wohnet auf der stillen Erde, Der Friede Gottes herrscht in Wald und Flur, Und eine grosse feierliche Pause Erfüllt den falten Tempel der Natur. Gott, unferm König auf dem Weltenthrone, Dem Unvergånglichen in Herrlichkeit, Dem Unsichtbaren, Einzigen und Weisen Sen Ehre, Lob und Preis in Ewigkeit! 1012 ben d. 16. Dir, Herr, fey Preis! Der Sabbath ist vergangen, Doch meine frohe Seele ist bey dir. Geheiligt werde dein geweihter Name, Und eine sanfte Rührung folge mir Ins stille Schlafgemach. Du bist der Vater, Den keine Nacht von seinen Kindern trennt. Du bist der König, deffen Ehrentempel Dort über mir von tausend Sternen brennt. So weit die Nacht sich über Wälder dehnet, Bedeckest du die Welt mit deinem Schild; So weit der junge Morgen ist vom Abend, Wird Berg und Thal von deinem Saum erfüllt. Dich sieht der Weise unterm Sternenhimmel, Dich fühlt der Fromme an dem Hochaltar, Dir jauchzt der Jüngling seinen Preis entgegen, Dir dankt der Greis an seiner Todtenbahr. Wo ist das Land, das keine Tempel bauet, Wo lebt das Volk, das keinen Gott verehrt? O fanfter Schimmer in dem Erdendunkel, Du bist die lampe, die sich nie verzehrt. 102 Soll uns die Zugend lieb und heilig werden, So muß uns auch die Gottheit heilig seyn. Und wollen wir die Gottheit würdig ehren, So werde unser Herz von Sünden rein. Geheiligt sey dein Name, Herr der Geister. Die Wahrheit siege, troß der Spotter Zunft! Das groffe Reich des Aberglaubens finke! Geheiligt sen dein Name durch Vernunft! Noch ist die Welt zum Lichte nicht geboren, Wie nah uns auch die Morgensonne sey. Wir beten, wie uns Jefus beten lehrte; Doch unser Geist und Wille ist nicht frey. Du weißt es, Herr, wie oft die Menschheit fehlet, Wie oft der Geist den falschen Wahn bereut, Wie oft das Herz durch Härte sich entehret, Und deinen Tempel Unvernunft entweiht. O laß es tagen, laß es besser werden, Führ uns zum licht, zu deinem Frieden ein! Laß uns das Herz zu deinem Dienste weihen, Laß diese Undacht allen heilig seyn. Ja, Allen, Herr, im Leben und im Tode, In licht und Nacht, in Lust und Traurigkeit; Bis wir das grosse Hallelujah singen Dort übern Grab, in deiner Herrlichkeit! D 103 Mondta g. Morgen. Die Flur ist kalt. Das Leben sinkt zu Grabe. Das Ziel erscheint, vollendet ist der Lauf. Der Baum ist kahl, des Waldes Sånger schweigen Und säumend geht die blasfe Sonne auf. Wo ist die Schönheit, die das Herz entzückte? Der Blumenkranz der lieblichen Natur? Er ist verwelkt, die Schönheit liegt im Sarge, Und schaurig weht des Todes Leichenſpur. Wo send ihr, goldnen Sterne hingeſunken? Wo ist der Glanz, wo ist die stille Pracht? Das Heiligthum des Friedens ist verschwunden, Und unter Sorgen ist der Tag erwacht. Wo ist die Menschheit, die noch gestern lebte, Und jetzt im langen Schlaf begraben liegt? Sie ist dahin. Der Kampf ist ausgerungen, Der starke Feind des Lebens hat gesiegt. Die Todtenglocke hallt in Wiegenlieder, Das offne Grab steht an der Lebensbahn. Die Eiche fällt, die Freude geht vorüber, Und alles ist dem Wechsel unterthan. <-104 Nur du nicht, Gott, zu dem ich freudig bete, Du Ewiger, in jenem Vaterland; Du hast von Unbeginn die Welt gegründet Und freundlich deine Himmel ausgespannt. Sie werden einst vergehn, du aber bleibest; Sie werden einst veralten, wie ein Kleid, Du bleibest, wie du bist, und deine Jahre Sind nur ein Widerschein der Ewigkeit. Von dir, von dir kommt jede gute Gabe. Du lenkst das Glück, doch du bedarfst es nicht, Das Schicksal ist an deinen Rath gebunden, Und Finsterniß verwandelst du in Licht. Ob Berge weichen, Fels und Hügel fallen, Gott, du bist unsre Zuflucht für und für. Was hat der Mensch auf dieser Welt zu fürchten? Er liebe dich und er vertraue dir. w Er zweifle nicht, wenn Troß und Thorheit siegen, Er zage nicht, wenn sich der Sturm erhebt; Er wanke nicht, wenn Menschen sich empören, Er glaube, daß der Weltenkönig lebt. Er lebt, er herrschet! Fallet hin im Staube Und betet ihn mit stillem Geiste an. Sein ist das Reich. Die Prüfung geht vorüber, Und Freude dämmert auf der Lebensbahn. end 105 WATOTO 2 ben d. Der kalte Zag ist rasch hinabgestiegen. Die Gegend schweigt, im Schatten liegt die Welt. Ein groffer Schauer dringet durch die Wesen. Der Himmel ist mit bleichem Glanz erhellt, Und alles ist zur Ruhe eingegangen; Die Schöpfung selber ist zu Schlaf gebracht. Auf reinem Bett liegt die Natur im Traume, Und Stille herrscht, die einsam holde Macht. Du Friede Gottes, fomm in meine Seele, Erfülle meinen Geist mit Heiterkeit; Laß mich die Erde und die Welt vergessen Und zeige mir das Land der Seligkeit. Dort, wo die stillen Himmelslampen glänzen, Dort, wo das milde Licht herüberschwebt, Dort ist es, wo die reine Tugend wohnet, Dort ist es, wo die hohe Freyheit lebt. Von jenen stillen Gränzen sind die Schrecken, Die eitlen Gößen dieser Welt verbannt; Denn Geiß und Stolz und Wollust Träume Verschwinden dort im hellen Morgenland. M dieſe <-106 Das Schöne blüht in himmlischen Gestalten, Das Gute fiegt und wird von Gott belohnt. Die Freude leuchtet, wo die Tugend hauset, Und Friede herrschet, wo die Wahrheit thront. Ein Glaube waltet dort und Eine Liebe, Dort ist, von blinden Seelen ungestört, Der neue Tempel der Vernunft erbauet, Den hier das alte Vorurtheil entehrt. Du stilles Glück, das über Sternen wohnet, Du fernes land, du bist mir freundlich nah, Du bist das Reich, das Jesus Christus baute, Als er den Jammer dieser Erde fah. O dieses Reich, voll Klarheit und voll Liebe, Dieß Eden, frey von selbst gemachter Qual. Dieß Himmelreich, wo Menschenglück gedeihet, Es komme, Herr, in unser Pilgerthal! Der Aberglaube, der die Herzen trennet, Er sinke hin ins todte Reich der Nacht; Und wo ein Mensch des Lasters Fesseln schleppte, Der werde durch die Zugend frey gemacht! Genügsamkeit und holder Friede herrsche, Die Nacht des Irrthums werde aufgehellt! Es fomm dein Reich im Lichte und in Warme, Und ausgeföhnet sen die ganze Welt! 85 -107 O fanftes Reich! o Reich voll Glanz und Würde! Es kommt dereinst. Wir werden glücklich seyn. Mit diesem groffen, lieblichen Gedanken Geh ich vergnügt zu meiner Ruhe ein! 108- Dienst a g. Morgen. Allmächtiger, den ich im Staub verehre, Vor dem der Cherub sich in Demuth beugt, Durch den die Erde grünet und verwelket, Vor dem der Mond sich und die Sonne neigt; Du hast mit Weisheit deine Welt bereitet, Mit hellem Blick die Zukunft überdacht, Mit tiefem Sinn den Himmel ausgebreitet, Mit Schöpferkraft das Erdenrund gemacht. Du tranfft mit Thau die junge Frühlingsrose, Erquickst das Laub in milder Abendluft, Du läßt den Sturm durch kahle Eichen faufen, Du schliessest ihn in seine dunkle Gruft. Du läßt die Sonne still im Meere glänzen, Du bligest schrecklich aus dem Wolkensaum, Du läßt den Menschen seinen Tag erleben, Und streuest Licht im groffen Weltenraum, Du sprichst, da reget sich der Schoos der Erde, Und alles strahlt in junger Herrlichkeit. Du sprichst, da neigt sich die Natur zu Grabe Und schläft verhüllt im weissen Sterbekleid. 109 Dich fürchte alle Welt! und vor dir scheue Sich alles, was den Erdenkreis bewohnt. Du schufft die Welt; du winkst und sie vergehet! Groß ist die Macht, die übern Sternen thront. O könnt ich dich mit Engelharfen preisen, Begeistert von dem reinen Himmelsklang! Wer führet mich in jene Tempelhallen, Wer lehret mich den hohen Lobgefang! Hier ist mein Lied nur eine schwache Stimme, Die aus dem stillen Herzen wiederhallt. Ach einst, wie froh werd ich hinüberblicken, Wenn mir dein füsser Zon entgegenschallt, O Ewigkeit! Sulm Gott! vor dem ich bete, Durch dessen Macht ich wieder leb und bin, Dein sey mein Herz und wenn es nicht mehr schläget, Dann seh ich dich, dann nimm mich ewig hin! 11026 ben d. Der Tag verhüllet sich in trübe Schatten, Der Himmel ist mit blasfem Licht erhellt, Ein Trauerflor sinkt von den Sternen nieder Und deckt die Sünden der entschlafnen Welt; Die Härte, die des Wohlthuns Glück verschmähet, Den blinden Geiß, der seine Schande sucht, Die Uleppigkeit, die sich mit Dornen frånzet, Den fiechen Neid, der sein Geschick verflucht! Das stolze Haupt, das seine Brüder frånfte, Die freche Hand, die Menschenblut vergoß, Das feige Herz, von Heucheley entehret, Die Thrane, die aus falschem Auge floß Bedecke, Nacht, die grosse Sündenmenge, Erschüttre fie, du kalte Todtengruft, Die Ungerechten, die der Reiß des lasters Mit jedem Tag zu neuem Frevel ruft! Erschüttre fie, du feyerliche Stunde, Die alle Herrlichkeit zu Grabe senkt, Wo jeder, sey er Bettler oder König, Mit Ernst den Pfad des Lebens überdenkt! 111 - Erschüttre fie, du stiller Gottes- Acker, Mit Hoffnung für die Ewigkeit befåt! Dort ruhen sie, dort werden sie erwachen, Wenn einst der neue Frühlingsathem weht, Dort reifen sie dem großen Tag entgegen, Wo Gott dem Herzen und der Welt vergilt, Wo seine Hand mit ihrer heil'gen Waage, Den Klaggefang der ganzen Menschheit stillt. Du Vater dort, zu dem mein Herz sich nahet, Du Heiliger, in deiner Herrlichkeit, Dein Will gescheh auf Erden, wie im Himmel, - Und dein Gebot fey unfre Seligkeit! Du willst ja nur die Wohlfahrt deiner Kinder, Und darum gab uns deine Schöpferhand Das größte Gut, das deine Engel haben, Den stillen Schmuck Gewissen und Verstand. Dein Will gescheh auf Erden, wie im Himmel, So treu, so froh, so liebevoll und rein; Dann wird das Leben wie ein Morgenschimmer, Das Sterben eine Ruhestunde seyn. 112, Mittwoch. Morgen. Allwiffender, vor dem das Buch der Zeiten In jeder Stunde aufgeschlagen liegt, Vor dessen Blick die leichte Flocke schwebet, Vor dessen Aug die Schaar der Welten fliegt! Du bist mein Gott, dir schlägt mein Herz entgegen, Mein ganzes Wesen ehrt und feyert dich, Du siehst mich beten- leben, fehlen, denken, Du richtest, Herr; denn du erforschest mich. Was nůzt es mir, wenn ich die Menschen täusche, Wenn ich mich besser stelle, als ich bin? Ach, eitler Ruhm, den sich der Heuchler bauet, Er fällt wie Spreu vor deinen Augen hin! Ach, eitler Ruhm, den mir die Welt gewähret, Die nur zu oft für blossen Schein entflammt, Wenn mich das Herz, der unbestochne Richter, Das stille Herz vor Gott und Welt verdammt! Was hilft es mir, wenn mich die Nachwelt fegnet, Und einst mein Grab mit Blumen überstreut? Wer giebt der Seele ihre goldne Ruhe, Wenn Eine That zu Gott um Rache schreit! Schwarz 113 - Schwarz ist die Nacht; das tiefe Grab ist düster; Doch finstrer ist des lasters Nachtgestalt. Es gleicht dem Sturm, der auf der Heide raset Und aus der Erde Tiefen wiederhallt. O sanfte Tugend, heilig ist dein Name, Licht ist dein Kleid, dein Untlik mild und rein. Und dein Gewissen leicht und ohne Flecken, Es gleicht dem Schnee im klaren Morgenschein. Das Leben eilt wie eine Nacht vorüber, Die Glocke mahnt an die Vergänglichkeit; Bald ist der letzte Sand hinabgeronnen; Was sagst du, Herz? Was spricht die Ewigkeit? Was ahnet dir, wenn einst die stille Kammer, Das finstee Grab, ein neuer Glanz erhellt, Und eine Stimme aus den Wolken rufet: Steht auf, ihr Todten, für die andre Welt! Allwissender, zu dem mein Herz sich neiget, Dir sey dieß schwache Menschenherz geweiht. Du bists, der Jedem seine Erdenforgen, Doch für die Tugend freye Wahl verleiht. Du siehest mich; und wenn das Laster winket, Im Sonnenglang; im stillen Mondenschein; Dann foll--o heil'ger Vater, laß mich fiegen!-- Ein Blick zum Himmel mein Erretter seyn. 8 HADES 114 P A ben d. Die ie grosse Feyerstunde hat geschlagen, Es weht der Ruhe friedliches Panier. Die Sorge flieht, der Tag ist überwunden Und traulich still liegt eine Welt vor dir, Du Gütiger, der über Sternen waltet Und dessen Aug die dunkle Nacht besiegt; Der freundlich für den andern Morgen forget, Wenn sein Geschöpf in tiefem Schlummer liegt. Wie staunt mein Geist, wenn ich die Zahl erwäge, Die deine Weisheit täglich glücklich macht! Wie schlägt mein Herz, wenn ich den Trost bedenke, Daß deine Liebe für die Menschen wacht! Ach! sollten wir für unsre Erde sorgen, Bald würde Noth und Jammer vor uns stehn; Und sollten wir die Vorrathskammer füllen; So würden Millionen untergehn. Nur du kannst diesen Lebenskreis erhalten, Der um dich her in tausend Farben blüht; Nur du kannst geben, segnen, retten, schüßen, Deß flares Auge Zweck und Mittel sieht, 115 So falle, Menschheit, falle hin im Staube, Im Morgenschimmer und im Abendroth; Blick auf zu Gott, sey ruhevoll und bete: Erhalter, Schöpfer, Vater, gieb uns Brod! Wir wissen nicht, was unserm Leben frommet Von jenen stolzen Gütern dieser Welt. Der Mensch braucht wenig, wenn das Licht des Friedens Sein stilles Herz und seinen Geist erhellt. Das Leben ist des Himmels größte Gabe; Im Leben schon liegt eine Seligkeit. In dieses Band hat Gott mein Glück gewebet, Und knüpft es dort an jene Ewigkeit. So will ich denn zufrieden vorwärts gehen, Bis einst der feyerliche Wechsel naht. Mein Herz sey rein, und meine Lebensreiſe Sey Eine still vollbrachte gute That. Geräuschlos will ich milde Gaben såen, So wie der Schnee im Dunkeln niederwallt. Sanft will ich meinem Nebenmenschen rathen, Wie Glockenton in stiller Nacht verhallt. Dann wird mein Abend friedlich einst erscheinen, Mit Heiterkeit werd ich hinübergehn, Mit heil'ger Liebe durch die Wolken dringen Und unter Sternen meinen Vater sehn. - 116-> Donnerstag. Morgen. Altzütiger, die Nacht ist hingeſchieden, Der Tag erwacht in seiner Herrlichkeit, Die Menschheit wallt aus ihrer Ruhekammer Und fühlt des Lebens neue Seligkeit. Du, Herr, bist Allen gütig und erbarmest Dich aller deiner Werke Tag und Nacht. Du lächelst aus der Abendrothe Schimmer, Du waltest in dem Grab der Mitternacht. Du bist die Liebe! jauchzt der Frühlingsmorgen, Du bist die Liebe! ruft der Erndtetag, Du bist die Liebe! singt der Herbst im Thale, Und traulich tonts der stille Winter nach. Du führst den Knaben über Blumenwiesen, Du gönnst dem Jüngling seine Blüthenzeit; Du reichst dem Mann die goldne Frucht des Lebens Und schenkst dem Greise Ruh und Heiterkeit. Wer schmückt die Welt mit ihrem SchwanenFleide? Wer streuet Diamanten auf den Schnee? Ber baut des Haines weisse Pyramiden, Und führt krystallne Brücken übern See? 117Allgütiger, wie groß sind deine Werke! Wer ihrer achtet, der hat Lust daran. Du bist der rechte Vater über alles, Und was du thust, ist immer wohl gethan. Dort gehet deine Sonne über Gute Und über Böse mild und freundlich auf. Ach, Menschen alle, fühlt die grosse Liebe Und weihet ihr den kurzen Lebenslauf! Sie wacht, sie sorgt, sie winkt aus allen Sternen, Sie strahlet aus des Morgens Wiederschein, Sie giebt uns Leben, Glück, Verstand und Hoffnung; Ach, armes Herz, wie willst du dankbar seyn! Du guter Gott, ich will dich wieder lieben, Und diese Liebe sey mein Schmuck und Heil. Nicht Sclavenfurcht soll mich zur Tugend treiben; Ein freier Geist sey meines Herzens Theil! Du wohnst im Licht. Hier wandeln deine Kinder. Weg Neid und Zwietracht, Geiß und Heuchelschein! Die Welt darf unsre Seele nicht bethören! Denn unser Wandel muß im Himmel seyn. Dort herrscht der grosse Friede und die Liebe, Die Alle segnet, duldet, schonet, trägt. Dir will ich folgen, ewig holde Liebe, Wenn sich in mir das wilde Herz bewegt. 118- 2 ben d. 5 Gelobt- fey Gott! das Tagwerk ist vollendet. Die Erde ruht, es kommt die holde Nacht. Ihr goldner Wagen hålt im stillen Norden Und schweigend glänzt des Himmels fanfte Pracht. Gelobt sey Gott! die Menschheit wallt zum Ziele, Sie wandelt, gleich den Sternen, ihre Bahn. Sen immerhin der Glanz auch hier verschieden, So wird des Guten dennoch viel gethan. Wie manches Herz ward heute ausgeföhnet Mit der gefränkten Zugend, mit der Welt; Wie manche Thräne wurde abgetrocknet, Wie mancher Blick voll Trübsinn aufgehellt! Wie mancher Darbende vergaß des Kummers Durch eines Edlen gastlichen Behuf! Wie mancher Fromme hielt am Pilgerwege, Und stillte froh der Wehmuth Schmerzensruf! Gelobt sey Gott! die Tugend lebt im Stillen, Und ihre Herrschaft wird unendlich seyn. 119 So fließt die warme Quelle unterm Forste Aus ihrem grünen Moose sanft und rein. Doch laßt uns nicht der Tugend überheben; Es giebt noch Herzen, wo sie nie gewohnt. Ach! finster lieget, wie die Nacht im Walde, Der groffe Umfreis, wo das Laster thront. Mit jedem Tage steigen neue Sünden, Gleich trüben Dünsten von der Erde auf. Und jede Nacht bedeckt mit schwarzem Schleyer Ein wildes Heer im raschen Sündenlauf! Doch lebt der Mensch, daß er die Undern richte? -- Was macht uns stolz? Jm Staube friechen wir. Der Beste fehlt. Der Größte wird zum Kinde. Ach Gott, wie schwach ist unser Herz vor dir! Vergieb uns denn, so wie wir auch vergeben. Vergieb den Schwachen ihre Missethat! Vergiß die Schuld, so wie wir auch vergessen, Wenn uns ein böses Herz gekrånket hat! Du trägst die Welt mit ihren Uebelthaten; Ach! deine Weisheit sieht nur Unverstand, Nur Wahnsinn, wenn die Menschen sich emporen, Und darum schonet deine Vaterhand. 120 Ach! laß mich diesen grossen Frieden erben, Bis einst mein Herz zur langen Ruhe sinkt, Laß mich vergeben; und das Urtheil sparen, Bis mir dereinst die helle Zukunft winkt. Dort werd ich Manchen, den ich hier verkannte, Im weissen, milden Lichtgewande fehn; Und alles Dunkel wird vor deinem Throne, Wie diese Nacht am Sonnenglanz, vergehen. 121 Frent a g. FORES Morgen. Aus heil'gem Dunkel tritt die Morgensonne Wie eine stille Priesterin heraus. Gen Himmel wallt die blaue Opferwolke, Die Erde wird zum frommen Gotteshaus. Du Heiliger, vor dem die Sterne schwinden, Vor dem der Sonne reiner Blick sich neigt, Vor dem der Seraph seine Hände faltet, Vor dem die Andacht sich im Staube beugt! Du bist der Menschheit liebender Gedanke, Du bist der Harfe füffer Morgenklang, Du bist der Glanz, der unsern Pfad erleuchtet, Du bist der Seele heil'ger Schwanensang. Du hoher Geist! du kennest keine Sünde, Du irrest nie. Dich reuet feine That. Dich mahnet nie ein donnerndes Gewissen; Denn ew'ge Klarheit wallt um deinen Pfad. Du lebest rein in allen deinen Werken, Du hast die Wonne der Vollkommenheit. Du bleibest rein in jeglichem Gedanken, Das ist die Fülle deiner Seligkeit. 4 Sh 122 Wie ist der Mensch so klein vor deiner Gröffe, So ungeweiht vor deiner Heiligkeit, So dunkel ach vor deinem Himmelsglanze, So freudenarm vor deiner Seligkeit. Wie ist der Mensch, in Thorheit eingehüllet, So oft für seine wahre Schönheit blind; So oft vergessend unterm Freudentaumel: Nur selig sind, die reines Herzens sind. So will ich denn mein Auge nie verwenden Von dem, was gut und schön und heilig ist. Mit hellem Blicke will ich vorwärts dringen, Wo du, mein Urbild, du, mein Vater bist. Mit Hoffnung will ich auf mich selbst vertrauen, Der Geist ist stark; auch ich kann heilig seyn. Das Fleisch ist schwach; ich will mich selber achten. Die Freyheit kehrt ben keinem Sclaven ein. Bald ist es aus, bald ist der Kampf vorüber, Bald naht des Grabes stille Winternacht. Mit freyem Blick, wie Jesus an dem Kreuße, Ruf ich dann aus: mein Gott, es ist vollbracht! -125- 2, 6 en d. Die Nacht gießt ihre Schatten auf die Erde, Die laute Schöpfung wird zum Todtenhaus Und an der grauen Abendpforte löschet Der müde Tag die bleiche Fackel aus. Auf kalten Bergen dämmern Nachtgestirne, Im trüben Nebel liegt der Fichtenwald, Der Frost erscheint auf seinem Silberthrone Und alles fühlet seine Allgewalt. Wohl Jedem, der mit ruhigem Gewissen Der ernsten Mitternacht entgegen geht; Wohl Jedem, der die Fahne nicht beschimpfet, Die hoch und heilig vor der Menschheit weht! So geb' uns Gott und schenk uns Gott den Frieden, Uns allen, die das Haus der Nacht umgiebt! Und wessen Herz den frommen Tag entweihte, Der finke hin und bete tiefbetrübt! Und wo ein Mensch auf bösem Wege ziehet, Und unter Sternen noch auf Frevel sinnt; Der sehe, wie der Tod vorüber gehet, Und wie der Sand der Lebens- Uhr verrinnt! 124 Und wo im leßten Kampfe eine Seele Mit Welt und Tod und dem Gewissen ringt, Gott tröste sie! Doch seufzend steht der Himmel, Wenn ihm die Erde schwarze Herzen bringt. O guter Gott, führ uns nicht in Bersuchung! Gieb uns nicht, was das Herz so laut begehrt. Entzieh uns lieber jede Erdenfreude Und mach uns nur der heil'gen Zukunft werth! Wir wissen nicht, was unser Glück begründet; Denn unfer Auge reicht nur spannenweit. Du weißt es, Vater, du begreifst das Leben Und vor dir liegt die ferne Ewigkeit. Verleih uns Demuth, wenn der Geist sich hebet, Verleih uns Vorsicht, wenn das Herz sich fühlt, Zufriedenheit mit jeder Pilgergabe, Ein festes Herz, wenn die Versuchung zielt; Auf daß wir fröhlich einst von hinnen gehen, Wenn ans der stille Friedensbote winkt, Auf daß wir ruhig unser Haus bestellen, Wenn einst die morsche Hütte niedersinkt. In Gottes Namen gehen wir zur Ruhe Und schlafen bis der neue Tag erwacht. Ihr Lieben und Getreuen, nah und ferne, Gott schenk euch allen eine fanfte Nacht! 125 GPS Sonnabend. Morgen. D er Tag bricht an. Die Woche geht zu Ende, Ein kleiner Theil von meiner Lebenszeit; Doch wichtig für die Laufbahn ohne Ende Und für die Palme der Unsterblichkeit. Wer weiß, bald kann die letzte Stunde schlagen, Wer weiß, bald geht die letzte Sonne auf, Der Abend naht, der Hausherr ruft die Knechte Und eine Frage schließt den Pilgerlauf. 99 Wer bist du"? fragt der Richter über Sternen, Der keine Täuschung und kein Unrecht fennt, Der nach dem Herzen, nach Gedanken richtet Und streng und klar den Schein vom Wesen trennt. Wer bist du? tonet seine Vaterstimme, Dein Leben steht im hellen Sonnenschein, Die goldne Waage steiget auf und nieder, Dein eignes Herz wird dein Verräther ſeyn. Gott ist gerecht. Verzage nicht, o Sünder, Der aus Versehen und aus Irrthum fiel; Doch zittre, galt die Wahrheit dir, wie luge; Die Tugend, wie des fasters Saitenspiel. om 126-> Gott ist gerecht in allen seinen Werken. Betrachte dich; er gab dir ja Verstand, Er gab dir Freyheit, die dich dort verdammet, Wenn dich die Welt mit ihren Stricken band. Verstand und That entscheidet in der Waage, Ich fühl es tief, o Gott, du bist gerecht. Und hat der Mensch dieß Leben frech entweihet, Wie fâme er zu jenem Bürgerrecht? Es ist nicht dunkel, wo die Menschheit gehet, Wo die Natur, das Herz und Jesus spricht. Ein jeder Pfad hat seinen Strahl von oben, Der fromme Pilger fennet feine Pflicht, Und lebet für die Hoffnung jener Freuden; So harrt die grüne Ausfaat unterm Schnee. Der Wald verstummt, die Quelle schweigt im Thale Und weisse Blumen starren auf dem See. Doch bald erhebt der Frühling sich im Glanze Und lachend ist die Schöpfung aufgethan. Geduld und Muth; die Finsterniß vergehet Und unter Schatten zieht das Licht heran. Der Sabbath naht, die stille Ruhe winket, O Gott, ich fühle deine Freundlichkeit. Du fegneft hier, du fegnest dort, Erbarmer, Und Freudenblumen trågt die Ewigkeit. diop com - 127- 2 ben d. G. elobt sey Gott! die Woche ist vollendet; Gelobt sey Gott! die Arbeit ist vollbracht, Und aus dem Himmel, aus den Sternen winket Der stille Friede und die sanfte Nacht. Willkommen, Nacht, willkommen, stiller Friede, Ihr Abgesandte aus dem Geisterreich, Ihr trauten Freunde in dem Erdenthale, Ihr Lieblichen; die Menschheit grüffet euch. Ihr hemmt das Schwerdt im rothen Mordgewühle, Ihr gieffet Ruhe um den Pilgerstab, Ihr stillet tausend bittre Jammerthrånen, Und breitet sanft den Schleyer auf das Grab. Der Sclave sieht die Geiffel nicht mehr drohen, Der Kranke lächelt zu dem Sternenschein, Der Arme hat die Sorge überwunden, Der Müde geht zu seiner Ruhe ein. Des Lebens Bürde nahet mit der Sonne; Die Finsterniß bringt Ruhe in die Welt. O Nacht, du giebst der Menschheit ihren Frieden, Da jeder Tag den neuen Kampf erhellt. <-128 O fernes Ziel, wann wird der Jammer enden, Den Unvernunft auf Erden ausgesåt? Wann wird der Mensch die Sichel kennen lernen, Die feine Freudenblumen niedermäht? O guter Gott, erlöse uns vom Uebel! Gieb uns das höchste Glück, gieb uns Verstand! Die Thorheit herrschet unter Menschenkindern Und zwingt die Herzen, wie der Frost das Land. O guter Gott, erlöse uns vom Uebel! Gieb uns ein weises und verständig Herz. Die Nacht vergeht. Der Sabbath glänzt herüber. Wir schlummern ein. Es stirbt der letzte Schmerz. Bald dämmert es. Die neue Sonne flammet Und Engel schweben um den Leichenstein. O du, der seine Welt zum Himmel lenfet, Laß uns nur fromm, laß uns zufrieden seyn! Laß uns im Lichte wandeln! Ohne Sünde Laß uns zu Bette und zu Grabe gehn! Nun gute Nacht! Herr, segne und behüte Uns Alle, bis wir deine Klarheit sehn. S Jangost 2012 2 min and previdst Zwey= 169 3 weyter Theil. 70ers 131, Das Gebet Jesu. Vater, ater, den uns Jefus offenbaret, 1233 Den der Geist mit hoher Andacht nennt, Vater, den kein Himmel von der Erde, Keine Welt von seinen Kindern trennt; Hochgelobet fen dein groffer Name, Angebetet deine Herrlichkeit; Heilig ehre dich der Mensch im Staube, Von der Wiege bis zur Ewigkeit! Dein Reich komme! Jenes Reich des Friedens, Das durch Weisheit und durch Liebe blüht; Jenes Reich, das Jesus Christus baute, Das die Menschen für den Himmel zieht! Es gescheh dein Wille hier auf Erden, Wie in jenem lichten Geisterreich; Und die Wahrheit und die Zugend mache Alle Menschen deinen Engeln gleich! Gieb uns, ewig grosse Freudenquelle, Gieb uns, was wir brauchen in der Noth; Ach wir bitten nicht um Gold und Schake, Gieb uns, Herr, Zufriedenheit und Brod! 132-> Wenn wir auf dem Pfad der Tugend straucheln, Herr, vergieb uns unsre Missethat, So wie wir auch gern verzeihen wollen, Wenn der Nächste uns gefrånket hat! Leite uns in jeder Prüfungsstunde, Wo die Tugend mit dem Lafter ringt; Laß uns auf die Himmelskrone blicken, Wenn die Erde unser Herz umschlingt! So erlöse uns von allem Uebel, Das den Geist und unser Herz bedroht! Gram und Reue werden dann verschwinden, Und wir trogen jeder Lebensnoth. Dein, Herr, ist das Reich der Macht und Stärke, Ewig währet deine Herrlichkeit. Alle Himmel rühmen deine Ehre, Und dein Tempel ist die Ewigkeit! 100 SAN - 135 135- Am leßten Abend im Jahr. Bald hat wieder eine grosſe Stunde In der Lebensglocke ausgetönt! Schweigend sist die Nacht auf ihrem Throne Und mit Sternen ist ihr Haupt gefront. Feierlich umschlieffet mich die Erde; Noch bin ich im heil'gen Dienst der Zeit; Aber hinter Wolken steht und winfet Schon der Bote der Unsterblichkeit. Millionen sanken hin zur Ruhe, Millionen an dem Wanderstab. Schaurig weht die schwarze Todesfahne Und die ganze Erde ist ein Grab. Stille Geister, schwebt ihr um die Menschen? Ist der Himmel vor euch aufgehellt? Uch nur Eine Stimme aus der Wolke, Einen Blick in jene Geisterwelt! Doch der kalte Tempel bleibt verschlossen, Stumm das Grab und still die Ewigkeit. Vor uns såt das Leben seine Blumen; Hinter uns måht die Vergänglichkeit. 134 newmed Vater, daß Du über Sternen walteft, Y Daß du ewig nah und ferne bist, Daß mich stündlich deine Güte mahnet," Wenn mein Herz im Staube dich vergißt; Dieses tröstet mich am Scheidewege, Wo der Wechsel und der Tod erscheint. Laß mich an die Morgensonne denken, Wenn der Abend seine Thränen weint. Lieblich, wie der Mond vorüberziehet, Sind die Lage der Vergangenheit; Und auf jedem Lebenspfade glânzet Eine Zinne deiner Herrlichkeit. Bater, hochgelobet, hochgepriesen Sen dein Walten, deine Mildigkeit; Sen dein heitres Auge dort im Himmel, Deine Liebe in der Ewigkeit! Gnade ist es, daß wir sind und leben, Gnade, daß uns Speis und Trank erquickt, Gnade, daß der Geist den Himmel ahnet Und mit Hoffnung über Gråber blickt! Mag die Zukunft freundlich niederschweben, Mag das Leben falt und stürmisch seyn; Alles wechselt, alles geht vorüber, Treuer Vater, und wir sind ja dein; Dein im Leben, dein im stillen Grabe, thin 135 Auf der. Wallfahrt, in der Ewigkeit! Menschenkinder, laßt den Vater sorgen Und verfrauet seiner Gütigkeit! Habe Dank, du Geist der stillen Liebe, Habe Dank für das entschlafne Jahr! Leite mich nach deinem Wohlgefallen Bis zum Wechsel an der Todtenbahr. mome atonk 136 Rap Neujahr. Morgen. Herr, vor dem im groffen Himmelsraume Tausend Sonnen auf und nieder gehn, Und um dessen Thron aus Licht gebauet Welten sich im stillen Kreise drehn; Du, der ewig lebend aus den Wolken Hin auf Millionen Gräber schaut, Und sich aus dem Staube der Verwesung Täglich eine neue Schöpfung baut Deine Jahre sind nicht aufgeschrieben, Deinem Wesen drohet keine Zeit, Nur die Weltenuhr schlägt deine Stunden Und dein Tag ist eine Ewigkeit. Ach! was ist der Mensch, vom Staub geboren, Dieser Zögling der Vergånglichkeit, Daß du sein gedenkest und ihn schüßest In dem fluthenvollen Strom der Zeit? Daß sein Schiflein unter tausend Klippen Nicht zertrümmert, eh der Morgen flieht; Daß er sicher nach dem Hafen steuert, Den dein Bille freundlich ihm beschied? -157 Du bist ewig! meine Kraft verschwindet, Wenn der Tod mit seiner Sense dråut Du bist ewig wenn die Sonne bleichet, Wenn der Himmel altet, wie ein Kleid. Sop Du, der alles ewig denkt und lenket, Du, der alles, alles wohl gemacht, Unter Dank und unter Freudenthránen Sen mein Herz zum Opfer dir gebracht, Voll Ergebung, wenn die Hand vom Himmel Mir den dunkeln Kelch der Leiden beut, Voll Vertrauen, daß am Ziel der Reise Deine Sonne meine Nacht zerstreut. Und so hab ich keinen Wunsch hienieden, Der um Glück und Erdenfreuden fleht. Du giebst Allen Gutes. Sollt ich flehen? Herr, mein Flehen wird zum Dankgebet. - 158- 2 ben d. Schöpfer, deine Nacht hat mich umfangen, Und ich denke ans entschlafne Jahr, An die Freuden, die vorüber zogen, An so manche frühe Todtenbahr Ach! die Menschen welken, wie die Blumen, Die der kalte Winterfrost gebleicht- Fallen, wie das bunte Laub im Herbste, Wenn ein Blatt ums andre niederschleicht. Horch, ein leises Rauschen nah und ferne Deine Freude weht der Wind herab; Und kaum, daß du ihre Spur gewahrtest, Liegt sie schon im dunklen Erdengrab. Herr des Lebens, so verschwinden Menschen, Wenn der Tod durch ihre Reihen haucht; Da und dort verlischt die Lebenslampe Und die letzte Freudenglut verraucht. - Aber sollte ich darüber, klagen, Daß der Tod die leßte Scene schließt; Und daß aus der groffen Lebensquelle Die Verwesung, wie die Freude, fließt? monst BOS 159 S Nein, das Loos, das Allen zugefallen, Muß das beste Loos für Alle seyn; Und wo eine ganze Menschheit sinket, Sinkt man leicht mit ihr ins Grab hinein. Doch so lang die Lebensstunde währet, Freue ich mich ihrer Lieblichkeit Und geniesse, was du mir beschieden, Unter Hoffnung und Zufriedenheit. Danke dir mit jeder Abendrothe Für den zugelegten Lebenstag, Trage keine Sorge in dem Herzen, Ausser, wie ich besser werden mag. Friede sey mit allen Menschenkindern, Jeßt und wenn der grosse Tag erwacht! Laßt uns dulden, hoffen, lieben, glauben:* 19 Gott hat alles, alles wohl gemacht! Keine Sorge für den andern Morgen! Unter Dank und Liebe schlaf ich ein, Bater, und wenn ich hinübergehe, Soll mein Abschied dir ein Loblied seyn! - 140Sammle Charfreyta g. Morgen. ammle dich, mein Geist, zu Schmerz und Freude, Sammle dich von Welt und Eitelkeit, Heute ist das Fest der Menschenliebe Und der tiefgefallnen Menschlichkeit! Wahrheit, ach! dein Erstgeborner sinfet, Und du rettest deinen Liebling nicht? D Gerechtigkeit, warum verhüllet Eine Binde hier dein Angesicht? Priesterwuth, Betrug und Irrthum fiegen, Und der Weise trågt die Dornenfron! Pharifaer leben und am Kreuke - Stirbt der reine, grosse Menschensohn! Wahrheit, Tugend schöne, leere Namen Jesus stirbt in seiner Vaterstadt. Leider, war er nicht das erste Opfer, Das die Unvernunft geschlachtet hat! Lebt ein Gott, der seine Welt regieret, Ober lenkt der Zufall dieses Spiel? -141 Und auf solchen blutbesprißten Wegen Kommt die arme Menschheit an das Ziel? Ach! nur unter Blik und Donner sieget Das Gefeß im Reich der Sterblichkeit; Wahrheit in dem sanften Mund der Tugend Ist die Blume der Vergänglichkeit, Einfam ringt sie in dem Leidensgarten, Welket von dem falschen Judaskuß, Neigt ihr Haupt im wilden Priestersturme, Und verscheidet mit dem Friedensgruß. - Weltenlenker, fann der Wurm im Staube Prüfen, was dein weiser Rath beschließt? Kann der Mensch den Strom der Zeiten fassen, Der sich in die Ewigkeit ergießt? Wenn er in dem Frühling ausgefået, Bringt der Sommer ihm die Garben ein; Aber was der Ewige gepflanzet, Muß für Zeit und Ewigkeiten seyn. Wenn die Sonne fröhlich auferstehet, Ahnest du der groffen Liebe Spur; Aber wenn der Blig vom Himmel fähret, Kommt er nicht vom Vater der Natur? Berge mögen weichen, Hügel fallen; Ewig bleibt der Bund der Liebe stehn! Welten, Herr, kann deine Hand zertrümmern, Deine Gnade wird nicht untergehn. Durch die Schmerzen einer Dornenkrone Wird die Wahrheit für die Welt gekrönt; Durch die Feindschaft einer Priesterrotte Wird die groffe Menschheit ausgeföhnt! Laß mich fromm zu deinem Himmel blicken, Wenn der Sturm durch deine Erde weht; Vater, laß mich fest auf dich vertrauen, Wenn die Tugend leidend untergeht. Wenn ich einst am groffen Tag erwache, Liegt das Dunkel vor mir aufgehellt Weltenvater, dieser Glaube führe Mich zum Schauen in der bessern Welt. -145- - 2 ben d. Ausgeduldet hast du an dem Pfahle, Den die Bosheit in die Erde schlug! Jesus, habe Dank! Die Erde bebet Und der Himmel seufzt: es ist genug! Deine frommen Augen sind geschlossen, In der friedevollen Todesnacht; Alle deine Feinde sind verschwunden Mit dem grossen Wort: es ist vollbracht! So verläßt der Mensch am Scheidewege Dieses Lebens dornenvolle Bahn, Und der freye Geist, zum Glück erschaffen, Schwingt sich triumphirend himmelan. Jede Leidensstunde geht vorüber, Jeden Kummer nimmt die holde Zeit; Alles eilet hin zum letzten Ziele, Nähert sich der stillen Ewigkeit. Gleich der Klie im Abendrothe Sinkt dein blaffer Leichnam hin zur Ruh, - 144 Freunde weinen um die schöne Hülle, Und die Liebe schließt dein Grabmal zu. Ach! geliebt, beweint von hinnen gehen, Ist des Menschen schönes, letztes Lob. Bald verwittert in dem Sturm der Zeiten Jedes Denkmal, das die Kunst erhob. Bitter wurde dir der Kelch gereichet In dem Garten zu Gethsemane; Doch im stillen Felsengrabe findest Du Ersaß für jedes Erdenweh; So umdåmmert uns die Kummerwolke Oft im schönen Garten der Natur; Doch es harrt ein Grab für müde Seelen, Dort versieget jede Thränenspur. Düfter war dein Lebenstag hienieden, Doch ihm folget eine sanfte Nacht. Herrlich, göttlich groß hast du vollendet Und dein Gott hat alles wohl gemacht. Menschenvater, laß mich dir vertrauen, Gut ist alles, was dein Rath beschließt! Jede Nacht wird sich in Licht verwandeln, Wo die neue Lebensquelle fließt. 3 Ostern. 145 Prote Oster 11. Morgen. Preis dir, Vater! reis dir, Vater! Menschheit triumphire; Gott regieret deinen Wanderstab. Nacht und Nebel fliehen vor der Sonne, Und die Wahrheit steiget aus dem Grab! Hingelehnt am unfruchtbaren Felsen Blicket ihr der Knecht des Irrthums nach. Die zertretne Schlange zischt im Staube Und verdirbt an ihrer eignen Schmach! Preis dir, Vater! Erd und Himmel, jauchzet! Finsterniß und Bosheit sind verhöhnt. Zions Tempel stürzet in Ruinen, Und der Ueberwinder wird gekrönt!- Siehe, neues Leben weckt die Erde, Die Natur erwacht in ihrer Gruft; Was vermag des Winters schwere Kette, Wenn die Sonne sie zur Freyheit ruft? So durchbricht die Wahrheit Schloß und Riegel Und verläßt das falte Felsengrab; So erwacht die Menschheit aus dem Traume Und ergreift den neuen Wanderstab. IQ -146 Preis dir, Vater! deine Allmacht waltet Und die blinde Menstheitschaar zerstäubt, Wie ein Wetterstrahl aus deinem Himmel Nacht und Wolken auseinander treibt. Jesus Christus schwingt die Siegesfahne Von dem Aufgang bis zum Niedergang. Holle, deine Flamme ist gedämpfet, Tod, wo ist dein stolzer Siegsgefang? Mördergruben werden Friedenstempel, Und die Fessel der Vernunft zerbricht. Aus den Gräbern werden Rosenhügel, Und die Nacht verwandelt sich in Licht. Wenn die Sonne wie ein Kleid veraltet, Wenn der Sand der Weltenuhr verrinnt Preis dir, Vater! deine Gnade waltet, Deine Güte währt, auf Kindeskind. Du bist ewig; ewig Gott der Liebe; Deine Menschheit wird nicht untergehn Laß uns freudig für die Wahrheit kämpfen, Und im Kampf auf die Vollendung sehn! Vedet - 147= 2 ben d. Wie der Abendstern am Fichtenwalde, Wie der Vollmond durch die Wolken bricht; So erscheint ein Strahl aus bessern Welten Und gewährt der dunklen Seele licht. Sanft und glänzend dåmmert es herüber Aus der schönen, fernen Ewigkeit, Und die Seele blicket wonnetrunken In den Tempel der Unsterblichkeit. Welch ein Schauer bebet durch ihr Wesen! Welche Klarheit wallt vor ihrem Blick! Alles schwimmt in heiliger Verklärung Und die Erde sinkt in Nacht zurück. Wie einst Moses von dem Todesberge In das Land der goldnen Freyheit fah, So ersteigt der Mensch den Grabeshügel, Und die Zukunft liegt ihm freundlich nah. Jede trübe Nebelwolke schwindet, Wenn er sich zum reinen Aether schwingt; Seine Erdenleiden sind verwehet, Und das grosse Hallelujah klingt. -148 Vorwärts ist das Land der freyen Wesen, Liegt der Tugend grosse Blumenflur, Weht der Liebe Harfenton herüber, Glänzt der Wahrheit helle Sonnenſpur. Drüben wallt die weisse Friedensfahne, An dem Ziel der dunkeln Erdenbahn Die Natur enthüllet ihre Gänge Und das Schicksal liegt uns aufgethan. Neue Sonnen, neue Weltgebäude Sind wie Rosen auf den Weg gestreut, Täglich wird das Grosse neugeboren, Und das Schöne blüht in Ewigkeit. Geister fliegen um die Wesenkette, Und erforschen und begreifen sie; Engel singen ihre Himmelslieder Und den Raum erfüllet Harmonie. Alles Schöne neigt sich dort zusammen Und das Gute findet seinen Lohn; Alles Grosse blüht im freyen Raume Und zum Engel wird der Menschensohn. - 524 Gott, vor dem ich betend niederfinfe, Welche Freude füllt den Lebenstäg; Gott, ich werde dich im Licht erkennen An dem grossen Auferstehungstag! 149 Werde deine Liebe dort begreifen, Die für Menschen und für Welten wacht; Werde unter Freudenthránen rufen: Du, mein Gott, haft alles wohl gemacht! Eingeschrieben in das Buch des Lebens, Eingeweihet in den Geisferbund, Feyre ich das Passahfest der Freyheit, Und die Stunde, wo ich auferstund; Preise dich mit wonnetrunkner Seele, Bete dich im Geist und Wahrheit an, Und mein Glück im Himmel ist der Glaube, Batec, daß es nie vollenden kann. 150 Himmelfahrt. Morgen. Du u bist mein Lied, der über Wolken thronet, Der sich ein Reich aus allen Welten baut, Vor dessen Aug die Blume sich entfaltet Und der die Nacht der Zukunft hell durchschaut. Du bist mein lied, der seine Erde schmücket, Und Blüthenduft durch alle Fluren streut; Der Berg und Khal mit füffer Freude füllet, Und allen Wesen Licht und Ruhe beut. Zu dir erhebt sich meine trunkne Seele, Im Morgenschimmer fliegt mein Geist zu dir, Mein Herz umwallt das grosse Meer der Wonne Und deine Huld ist freundlich über mir. Wie schön, o Herr, ist deine Welt geschaffen! Die Schöpfung lacht, und alles blüht umher. Der Himmel neigt sich liebevoll zur Erde Und Zeit und Raum ist nirgends freudenleer. Das ist dein Werk, Erhalter, Schöpfer, Vater, Es ist der Zukunft goldner Wiederschein. O fühle, Herz, im Schimmer dieses Lebens: Wie herrlich wird es überm Grabe seyn! 151 Wir wandeln hier im Glauben, nicht im Schauen; Doch blickt das Auge nach der Ewigkeit, Und jeder fühlt, zum Daseyn auserkohren, Die grosse Ahnung der Unsterblichkeit. Du giengst voran, die Stätte zu bereiten, Du fanfter Liebling des Unendlichen, Zu deinem Vater und zu unserm Vater; In jenem Hause sind viel Wohnungen. Sie dammern unterm Sternenlicht herüber, Die Nacht enthüllet unser Vaterland. Wir steigen findlich auf den Grabeshügel, Und aus den Wolken reicht die Vaterhand. O Gott und Vater, Herr und Freund des Lebens, Dir sey mein stiller Erdeatag geweiht. Gewiß, nur durch die Göttlichkeit der Tugend Wird diese Welt dem Himmel angereiht, Die Stunde naht. Mein Lauf geht einst vorüber. Gott, ich harre dein! Das Auge bricht. Du wirst dein Kind nicht tauschen, milder Vater; Dein Ebenbils muß unvergånglich seyn! 152 2 ben d.*) Die Die Himmel, Herr, erzählen deine Ehre, Dein Werk verkündiget das Erdenrund; Ein Tag sagt es dem andern, wie du waltest, Und eine Nacht thut es der andern kund. Ja alles, was ich sehe, fühle, höre, Der stille Mond in seiner Herrlichkeit, Der Blüthenduft im groffen Schöpfungsgarten, Der Nachtgefang in seiner Fröhlichkeit, Ach alles ruffet: groß und mannichfaltig Sind deine Werke, groffer Geist der Welt; Du hast sie alle weislich angeordnet, Vom Blumenfelche bis zum Sternenfeld. Dich lobet die Natur mit ihren Zeiten, Dich rühmet Sonne, Mondenlicht und Stern, Dich preiset jede Blume auf der Heide Und alle Engelchöre nah und fern. Ja alles, was da lebet, freut sich deiner, Und fühlt sich durch das schöne Daseyn groß; * Nach Zollikofer. Predigten nach seinem Tode beraus: gegeben. 6. B. S. 253. M 155 ww Es ist kein Winkel fast auf dieser Erde, Wo niemals eine Freudenthrane floß. Die Wesen alle ringen nach dem Ziele, Das ihnen deine Weisheit vorgesteckt, Und unter allen Keimen, die du schufest, Ward keiner je vergebens aufgeweckt Und wir, die Fürsten deines Reichs hienieden, So reich und edel an Vernunft und Kraft, So nahe dir, durch unsern Geist von oben, Der gleich dem Schöpfer ewig denkt und schaft, Wir sollten uns nicht findlich deiner freuen? Dir nicht frohlockend danken, daß wir sind? Bir sollten dir nicht liebevoll gehorchen, Für unser Glück und für die Zukunft blind? Wir sollten frech den heil'gen Einklang stören, Der sanft durch alle Schöpfungshallen tont? Wir sollten nicht das Schöne fromm vermehren, Das den Altar des Erdenlebens front? Nein, ferne sen dieß tråge Untergehen, Das jedes Land und jede Gruft entweiht; Und ferne jenes niedrige Beginnen, Das weder Gott, noch unser Herz verzeiht. Nein, dich zu lieben, deiner mich zu freuen; Im Geiste aufgeklärt, im Herzen rein Vor die zu wandeln, und das Böse meiden, 154- Das foll mein Ruhm und meine Ehre seyn. Dann läsfest du mich einst in Frieden fahren. Und lieblich wird die frische Palme wehn; Das grosse Fest des Lebens wird beginnen, Ich werde Gott und die Vollendung sehn! 1 155 FOOT Pfingsten. Morgen. Hochgelobet feyst du, Gott der Liebe, Hochgelobet in dem Sternenthron, Engel preisen dich mit Himmelsharfen, Wir im Staube durch Religion. Habe Dank für diese Freudenblume, Die der herrlichen Natur entsproß; Habe Dank für diesen schönen Glauben, Der aus deinem Himmel niederfloß. Vater, deine Gotteskraft ist ewig, Ewig in der schaffenden Natur; Aber auch in unserm Herzen wohnet. Deines Dafeyns hohe Segensspur. Leise weht die heilige Empfindung In dem Lenze unsrer Lebenszeit, Und in stiller Ahnung deiner Liebe Ist die junge Seele dir geweiht. Aber wenn der Herbst des Erdenlebens Wie ein Garten Gottes vor uns steht, Wenn wir deine Vaterliebe kennen, BOO 156 Die so freundlich vor uns übergeht Wenn wir hin auf jene Tage sehen, Die uns deine Freundlichkeit geliehn; Wenn wir auf die jungen Saaten blicken, Die durch deine Baterhuld gediehn; Wenn wir an die Freudenblumen denken, Die auf unserm Pilgerpfad geblüht, An die füffen Früchte, die voll Reife Für das lebensmüve Herz geglüht; An der Jahre schöne Wechseireihe An die Wolke, die vorüber zog, An die Wahrheit, die uns reich belohnte, Un die Tugend, die uns nie betrog; An den Glanz so vieler Morgensonnen, An des stillen Mondes sanfte Pracht, An den Reiß so vieler Abendröchen, An so manche liebe Sternennacht An den Weg, den deine Hand mich führte, An das Herz, das du mir zugesellt; Un die Stunde, wo mich Nacht bedeckte, An die Stunde, wo sichs ausgehellt Bater, ewig treuer Menschenhüter, Ach! dann fliegt das Herz zu dir empor, 2ch! dann bist du mir so freundlich nahe In dem ungeheuern, Weltenchor. O -157 Ewig will ich findlich an dir hängen Auf dem ungewissen Lebenspfad, Ewig dich durch stille Tugend preisen; Vater leite mich nach deinem Rath! Und wenn sich des Lebens Werktag endet, Dert am Ziele meiner Pilgerbahn; Wenn der grosse Himmelsfabbath winket, Vater ,, nimm mich dann mit Ehren an! OPELLER Open 158A ben d. Heilige Entzückung, die den Menschen Zu dem Thron des Unerschaffnen hebt, Wenn der Geist, der alles Gute wirket, Unser Herz zum frommen Dank belebt; O durchdringe meine ganze Seele, Beihe mich zum hohen Lobgefang, Und mein Lied in Nacht und Sternenschimmer Tone in der Engel Harfenklang! Blumendüfte ziehen mir entgegen, Frische Kraft umwallet Feld und Flur, Blüthenbäume wehen und der Friede Wandelt in dem Garten der. Natur. Vater, Vater, meine ganze Seele Danft dir für den füssen Augenblick, Dankt dir für die goldne Lebensstunde, Danke für Daseyn und für Menschenglück! Daß ich dir und Jesu angehöre, Daß der Geist der Wahrheit mich belebt. Und, wie jene ersten Christenbrüder, Aus dem Staube zur Verklärung hebt; enwe 159 Daß ich deine Vaterliebe tenne, Daß mich keine Sorge niederdrückt, Daß mein Auge unter Sturm und Wetter Kindlich auf zu deinem Himmel blickt; Daß ich in dem grossen, Bunde lebe, Der die Menschen zu der Tugend führt; Daß ich jener Freyheit nicht entbehre, Die dem Menschen und dem Geist gebührt; Daß ich nicht an dieser Erde hånge Und an ihrer süssen Herrlichkeit Daß ich kalt auf Tod und Gräber blicke Im Gefühle meiner Ewigkeit: Dieses dank ich dir, du Gott der Liebe, Und dem Geiste, der durch Jesum sprach, Dieses feyert die entzückte Seele, Und die Zunge stammelts leise nach. Angebetet fey dein grosser Name, Diese Erde sey dein Heiligthum, Und dein väterliches Wohlgefallen Sen der Menschheit groffes Eigenthumi. Alle Tempel seyen dir geweihet, Wie Vernunft und Geist sie weihen fann, Und die Welt, von Jesu Wort erleuchtet, Bete dich im Geist und Wahrheit an! 160 Liebe sey das Band der Menschenkinder Ihre Krone die Gerechtigkeit; Ihr Vertrauen du, der Alles lenket, Und ihr Glaube die Unsterblichkeit! Preise ihn, der über Sonnen wohnet, Preise ihn, du stille Blumenpracht, Preiset ihn, ihr füffen Frühlingslüfte, Preise ihn, du milde Sternennacht! O du Gott, den ich im Staube fühle Ach, wenn einst mein sterbend Auge bricht, Wenn mein Geist hinauf zum Lichte flieget Dann- von Angesicht zu. Angesicht! Welten schwinden- jene Klarheit dämmert Und der Himmel ist mir aufgethan! Gott erscheinet und ich stimme selig Mit den Engeln heilig! heilig! an.— og Erndte 161 offr Erndte fe ft. Morgen. S en gesegnet, stille Morgensonne, Sey willkommen, schöner Ruhetag. Heiter blickt der Mensch auf die Gefilde, Wo sein Brod in goldnen Aehren lag. Alle seine Sorge ist verschwunden, Die er in dem schwachen Herzen trug. Ach, der gute Vater dort im Himmel Gab uns Kindern wieder Brod genug. Er ist mächtig; aus dem Körnlein schaffet Er des Menschen beste Lebenskraft; Er ists, der den todten Keim erwecket Und das Grosse aus dem Kleinen schaft. Seele, stehe stille und betrachte! Diese Erde ist dein Mutterland. Hingesäet bist du, um zu reifen; Bist ein Saatkorn aus des Schöpfers Hand. 162 - Långst schon ist der todte Keim erwecket, Ist das Leben für dich aufgethan. Wachse, blühe, reife für den Himmel; Dort fängt eine neue Aussaat an! Unter Morgenthau und Abendrothe, Unter Nacht und mildem Sonnenschein, Unter Wettersturm und Friedensbogen Reifest du für jenes grosse Seyn. Nicht umsonst hat Gott den Lebensfunken, Mensch von Erde, in dir aufgeregt; Nicht umsonst so viele Kraft und Stärke, Pilger, in dein täglich Brod gelegt. Alles, alles dient ju deinem Frommen, Wandle fröhlich durch das Leben hin! Aber Unschuld sey des Leibes Zierde, Und die Kraft der Seele dein Gewinn. Herrscher, der die Welt mit Gütern füller, Die kein Auge überzählen kann, Bater, der die Freudenblume ziehet In dem Staube, auf der Sonnenbahn; Dankend sink ich hin vor deinem Throne, Dankend blick' ich auf die schöne Welt, Dankend auf die bunte Saat der Freuden, Dankend auf das goldne Erndtefeld. - 163 Ewig will ich findlich dir vertrauen, Freudig will ich deinen Willen thun; Laß mich einst am grossen Erndtetage In dem Lande der Vollendung ruhn. <-164Tocopter A ben d. Sey gepriesen, treuer Menſchenvater, Wie mein Herz im Staube es vermag, Für des Lebens, für der Andacht Freude O es war ein schöner Ruhetag! Deine Freuden zogen mir vorüber In dem Schimmer der Vergangenheit; Deine Milde stand vor meinen Augen, Wie der Mond in seiner Herrlichkeit. Wenn die Welt zu einem Tempel würde, Jeder Schall zum hellen Glockenflang, Jeder Hauch zum hohen Orgeltone, Jeder laut zum grossen Lobgefang; O sie könnten deine Macht nicht preisen, Deine gnadenvolle Majestät, Könnten deine Wunder nicht erzählen, Du, der über Sonn und Sternen geht. Wie die Klarheit in der Abendrothe, WORDS Ist dein Blick, der für die Menschen wacht: Und von deinem Throne wehet Ruhe, Gleich dem Frieden in der Sommernacht. -165 Herrlich hast du deine Welt erschaffen, Alles wallt in süsser Lieblichkeit Doch am schönsten sieht der Mensch die Erde In dem lichte der Zufriedenheit, Wenn er nach der Weisheit Schäßen trachtet Und sein Brod in stillem Frieden ißt; Sich nicht um den nächsten Morgen quålet, Nicht die frohe Gegenwart vergißt; Wenn er dir mit festem Simm vertrauet, Der die Lilien des Feldes schmückt, Und auf dich mit stillem Muthe hoffet, Der mit Milde auf den Sperling blickt. Dieser kleine Stern der Muttererde Ist ja nur der kurzen Freude Spiel. Einst vergeht er unter unsern Füffen Und wir sehen der Vollendung Ziel. Warum dieses Drången, dieses Streben, In dem Reiche der Vergänglichkeit?! Sehet, wenig braucht der Mensch hienieden, Und dieß Wenige nur kurze Zeit. Vater, laß mich nach dem Reiche trachten, Wo der Tugend reine Blume sprießt, Nach dem schönen groffen Himmelreiche, Wo das Licht aus reiner Quelle fließt. 166 Dann wird mir der Lebenstag verschwinden Wie ein Traum im fanften Sternenschein, Und mein stilles, ruhevolles Ende Wird der Anfang jener Erndte feyn. D 167 Advent. Morgen. Hofianna unserm Auserkornen! Sen gegrüffet, frommes Licht der Welt! Groß erscheinst du unter hohen Menschen, Wie die Sonne in dem Sternenfeld. Hochgelobt im Namen deines Gottes Wandelst du die rauhe Siegerbahn; Mörder jauchzen, und vom Kreuzesberge Weht dich kalt die blutge Palme' an. Seht, wir gehen hin, sprichst du mit Ruhe, Und mein herbes Schicksal wird erfüllt; Dort ists, mag der heilge Zion blinken, Wo die Sonne bald ihr Haupt verhüllt. Uch entweihet steht Jehovah's Tempel Un dem Passah, das ihm nicht gefällt, Sclaven singen eitle Freyheits- Psalmen Und ein grosses Opfer heischt die Welt. Blutig schwebt der Tod vor meinen Blicken Und der Unschuld harret tiefe Schmach. Laßt mich sterben, daß die Menschheit lebe Bald erscheint der Auferstehungs- Tag. mot 168 Und er gieng, wohin sein Gott ihn fandte; Seines Vaters Willen muß er thun. Heiter blickt sein Aug in lichte Fernen Und des Lebens süße Wünsche ruhn. Ein Gedanke lebt in seiner Seele: Gott, dir leb ich! Rettung für die Welt! Gott, dir sterb ich! Sicher ruht der Saame, Und der Himmel ist mein Erndtefeld. WED Und so trittst du, ewig reines Urbild, Gleich der Sonne aus der stillen Nacht. Fürst des Lichts, des Lebens und der Liebe; Gottmensch, du hast alles wohl gemacht. Vater, du hast ihn der Welt gegeben, Habe Dank! Ihr Tempel, öffnet euch! Tonet alle Glocken seine Ehre! Und der Sabbath sen an Frieden reich. <-169Quier 2 ben b. infam ruhet die Natur im Stillen, Sanft bedecket von dem Schild der Nacht, Und des Winters Abendglocke tonet, Und das grosse Tagwerk ist vollbracht. Unter Hoffnung ist sie aufgeblühet, Unter Segen gehet sie zur Ruh. Heilger Schlaf! die Sterne lächeln nieder Und der Himmel winkt ihr Beyfall zu. So entschläft der Menschenfreund auf Erden, Seine Ahnung ist die beßre Welt, Sein Gedächtniß blüht in frommen Segen, Seine Krone glänzt im Sternenfeld. Wirke! Kämpfe! wenn du auch im Leben Keine Ruhe findest. Glaube nur! Jeden treuen Pilger in der Wüste Führt der Tod auf jene Blumenflur, Wo das Leben sich an Leben reihet, Wo der Geist im Lichte sich verklärt, Wo der goldne Schimmer uns umfließet, 170 Welchen Gott und Seligkeit gewährt. Darum stehet muthig in den Schranken, Und wird euch die Pforte aufgethan, Dringet vorwärts! Tragt das Ziel im Herzen! Gott ist nahe! laufet eure Bahn! Ob die Welt euch fluche, oder segne, Wanket nicht; das Gute muß geschehn! Eins ist noth, und haben wirs errungen, O dann laßt uns ruhig untergehn! Unser Vorbild glänzt durch jedes Dunkel; Jesus spricht: ich bin das Licht der Welt. Wer mir folgt, wird nicht im Finstern wandeln, Und die Zukunft liegt ihm aufgehellt. Diese Worte will ich nie vergessen. Herr, dein Beispiel soll mir heilig feyn! Freudig will ich meine Pflicht erfüllen, Freudig sterben, denn ich bin ja dein. Starke alle, die im Kampfe wanken, Vater, schüße unsern lebenspfad. Laß uns nie dem Himmel untreu werden, Sondern leite uns nach deinem Rath! -171p Weihnachten. Morgen. Freue reue dich, o Himmel, jauchze Erde, Menschheit singe einen Lobgefang! Freye Christen, betet an und danket, Unter Orgelton und Glockenklang. Freude halle von den Bergen wieder, Jeder Hügel fen ein Dankaltar, Und ein Friedenskuß sey die Versöhnung, Wo die Zwietracht Haß und Neid gebar. Heil uns, jene Kette ist zerriffen, Die des Menschen freyen Geist umschloßß; Heil uns, Jesus Christus ist geboren, Und sein Reich erhebt sich frey und groß! Tyrannen und Aberglaube sinken, Wenn die Wahrheit ihren Thron besteigt; Und der Friede wohnet auf der Erde, Wenn die Liebe sich zum Menschen neigt. 172Wenn der Lichtgeborne mit der Geiffel Trug und Habsucht aus dem Tempel scheucht; Wenn der Pharifåer vom Altare, Und das Volk von seinen Gößen weicht; Wenn die Tugend auf der Welt regieret, Ohne Eigennuß und Heucheley; O dann wohnt der Himmel auf der Erde, Liebe herrscher und die Welt ist frey. Vater, habe Dank für deine Gnade, Nimm das fromme Opfer huldreich an. Jesus Christus ist vorangegangen Und wir folgen seiner Siegesbahn. Dein Reich komme! Licht und Tugend siege Von dem Aufgang bis zum Niedergang, Wahn und Laster sterbe, und der Jubel Aller Menschen sen ihr Grabgesang! Ehre, Ehre sey Gott in der Höhe! Friede sey der Menschheit Eigenthum! Tugend werde unser Wohlgefallen, Und die Erde sey ein Heiligthum! fils 173- 2 ben b. Als Maria ihren Sohn geboren, Tonte nächtlich füsser Himmelsflang, Und die Engel, unterm Sternenlichte, Brachten einen sanften Lobgesang. Lächelnd blickte ihren Neugebornen Die beglückte Auserwählte an; Aber konnte sie im Geiste ahnen, Was die Welt an ihrem Sohn gewann? Ausgeschmückt mit hohem Sternenglanze Feyerte der Himmel diese Nacht; 2lber konntest du, o Erde, wissen, Welch ein Schimmer für dich aufgewacht? Deine Sonne kann nicht untergehen, Seit der Aufgang aus der Höh erschien. Seyre ,, Menschheit, ewig jene Stunde! Liebe, ehre, diene, preise ihn, Ihn, den Gott zu deiner Rettung fandte, Deinen Friedensfürsten, deinen Freund; Ihn, des Himmels und der Menschen Freude, Der die Welt durch Licht und Recht vereint; - 174 Deinen Meister, der dich Wahrheit lehrer, Wenn der Irrthum deinen Geist umhüllt, Deinen Retter, wenn das Laster winket Und mit Gift den goldnen Becher füllt; Deinen Tröster, der dein Herz voll Glauben, Voll Vertrauen zu der Gottheit lenkt; Deinen Heiland in der Todesstunde, Wenn der Geist an die Verwesung denkt. Vater, du verstehest meine Worte, Wenn mein Herz in stummer Andacht spricht! Innig fühlen kann ich deine Liebe, Doch sie würdig preisen kann ich nicht. Ach verleihe mir und allen Menschen, Denn wir Alle sind ja ewig dein, Allen, Herr, so weit die Sonne leuchtet, Fromm und gut in Jesu Geist zu seyn. Chieb uns Tugend, die das Herz erfreuet, Gieb uns Wahrheit, die uns glücklich macht; Und das Reich der Finsterniß vergehe Ewig, Herr, wie diese Winternacht! 175 d Abendmah is fever. Morgen. Sen gegrüffet, stille Morgenſtunde, Sey willkommen, milder Sonnenstrahl! Sanfte Rührung wärmet meine Seele, Und ich feyre Jesu Abendmahl. Weiche, Welt, mit deinen Eitelkeiten, Hier ist Grösse, hier ist Gottesruh; Hingeneigt zu deinem schönen Leben, Eil ich, Jesu, deiner Kirche zu; Weihe mich aufs neue jenem Bunde, Den die Wahrheit mit der Zugend schloß; Denke liebend an den Freund der Menschen, Der sein Blut auf Golgatha vergoß; Huldige der fanften Bruderliebe, Die dem Sünder und dem Feind vergiebt; Neige mich zu jener Himmelstugend, Die das Gute, weil es gut ist, liebt; Ehre und bekenne meinen Glauben Unter Demuth, unter Brudersinn; Freue mich, daß ich zum Licht geboren, Daß ich fren vor Gott und Menschen bin; 176-> Trete fröhlich in das hohe Leben, Das den Staub zum neuen Menschen macht; Blicke fromm und ahnungsvoll hinüber In die Klarheit nach der Todeshacht. Ach, dort ist das groffe Ziel erreichet, Dort ist alle Schwachheit abgethan, Und die Menschen wallen rein und heiter Auf der lichten, freyen Sternenbahn. Alle Herzen sind dort ausgeföhnet, Friede herrscht im stillen Weltensaal, Und wir feyern unter Engelchören Neugeboren unser Liebesmahl. GEAM O der Freude, wenn in jenem Tempel, Wo der Wahrheit reine Lampe hångt, Unser Herz, den ersten Gruß der Liebe, Unser Geist, das erste Licht empfängt! Aufgelöset sind die letzten Bande, Hingeschwunden ist die arme Welt, Und die Seele blicket wonnetrunken In das nahe grosse Sternenfeld. Vater, laß mich für den Himmel leben, Und mein Wille sey verklärt und rein! Laß mich keinen Lebenstag entweihen, Und mein letter wird der schönste seyn. Abend = 17721 ben b. Unter Ruhe, unter Gottes Frieden Sinkt die Nacht ins Erdenthal herab. Stille herrscht. Ich will an Jesum denken, Un die Lehren, die der Weise gab, Als er heiter bey dem Abschiedsmahle In dem Kreise seiner Treuen saß Und voll Liebe für die bessern Menschen Alle Hinterlift der Welt vergaß. Voll des Glaubens zu dem Weltenvater, Voll der innern, reinen Seligkeit Sprach er diese fanften Lebensworte Auf dem Hingang zu der Ewigkeit. *) Job. 13, 12. Freunde trachtet nicht nach hohen Dingen, Gleichheit lehrt das grosse Menschenrecht, Jeder diene freundlich seinem Bruder, Einer sey des Undern freyer Knecht.") 12 www 178 Siebet euch, so wie ich euch geliebet, Dieß Gebot gilt für die Ewigkeit; An der Liebe soll die Welt erkennen, Daß ihr meine rechten Junger seyd. Trauet Gott und glaubet meiner Rede, Ewig währt die Scheidestunde nicht; Dort im grossen Hause meines Vaters Wohnen wir im neuen Sonnenlicht. Jenen Geist, der zu der Wahrheit leitet, Ach! die Welt hat keinen Sinn dafür, Diesen Trost wird euch der Vater senden, Freunde, wenn ich euch verlasse hier. Gleich den schönen, traubenvollen Reben, Traget Früchte für die beßre Welt. Nur die Ranke darf am Weinstock bleiben, Die sich stets in frischer Kraft erhält. Haffet euch die blinde Welt, so wiffet, Daß sie mich vor euch gehaffet hat. Eure Tugend wird die Zukunft ehren, Und die Welt trågt ihre Missethat. Wenn ein Weib gebieret, hat sie Kummer, Ihren Geist umwölket Traurigkeit; Doch die Schmerzensstunde geht vorüber Und verwandelt sich in Fröhlichkeit. Traget muthig dieser Erde Leiden, manda w abo 179 Duldet freudig für die beßre Welt; Dort will ich euch fröhlich wiedersehen, Wo die Tugend ihren Sohn erhält. Bittet Gott, der Vater wird euch geben, Was mein Reich auf dieser Welt vermehrt; Eure Freude soll vollkommen werden, Euer Wunsch ist durch sich selbst erhört." s Endlich, Vater, wird dein Reich erscheinen, Deine Liebe kann nicht untergehn. Jesu Wahrheit wird die Welt erleuchten, Und die Menschheit wird im Glanze stehn. Die Natur schaft nicht mit Einem Male; Erst erscheint die sanfte Dammerung, Dann beginnt der Glanz der Morgenrothe, Endlich folgt die groffe Huldigung. Strahlend flammt die hohe Lebenssonne, Prachtig fommt die schöne Siegerin, Und die Tempel, die der Nebel baute, Einken schweigend in Ruinen hin. Endlich, Vater, wird dein Reich erscheinen, Deine Liebe kann nicht untergehn. Jefu Wahrheit wird die Welt erleuchten, Und die Menschheit wird im Glanze stehn. ve 180 Dann will ich aus deinem Himmel blicken, Auf die Erde in dem Lichtgewand. Freude athmend will ich niedersehen Auf das fromme, theure Vaterland. O ihr Reinen! unter stolzem Frieden Blickt ihr auf den Krieg der Welt zurück; Lebet für das Gute und das Schöne Und entschlummert unter Engelglück. Vater, angebetet sey dein Name! Dein Reich komme, Herr der Ewigkeit Und dein Will' geschehe auf der Erde Wie im Lande der Unsterblichkeit! <-181-> An einem Tauftage Abend s. Here err des Lebens, deine Güte waltet Von dem Aufgang bis zum Niedergang; Alle Welten rühmen deine Ehre Und die Himmel füllt dein Lobgefang. Wer hat uns dem finstern Nichts entrissen? Licht und Freude, Vater, kommt von dirs Du bescherst die goldne Lebensstunde; Hingefunken, freudig danken wir. Ach wir fühlen innig deine Gnade, Deine freundliche Barmherzigkeit. Leben ist die Krone aller Wesen, Daseyn ist das Pfand der Ewigkeit. Hochgelobet seyst du, Herr des Lebens, Für die Lust, die unser Aug erhellt. Dank dir für das theure Pfand der Liebe, Für den neuen Fremdling deiner Welt. TEA -182 Du hast ihm das Bürgerrecht ertheilet Für die Erde, für die Ewigkeit; Hast das junge Herz in Schuß genommen Durch die Weihe zur Gerechtigkeit. Nun ist ihm ein Kreis von Brüdern nahe, Liebe blüht um seine Lebensbahn, Deine Schöpfung lächelt ihm entgegen, Und der Himmel ist ihm aufgethan. Sollten wir der Zukunft nicht vertrauen? Menschenvater, unser Kind ist dein! Leite es zur Wahrheit und zur Tugend, Laß es deiner Liebe wurdig seyn. Gieb, daß wir die Blume nicht verderben, Die für dich und deinen Himmel blüht; Gieb, daß wir die Seele nicht verlegen, Deren Hoffnung unter Sternen glüht. Daß es früh die goldne Wahrheit ehre, Laß uns selber stets wahrhaftig seyn; Daß es früh den Kranz der Tugend trage, Mach uns selber tugendhaft und rein! Und sind wir in Frieden hingeschieden, Backt der stille Mond auf unser Grab, Schlägt das treue Herz nicht mehr auf Erden Für die Lieben, die der Himmel gab; 183 Vater, o so leite fie zum Frieden Und bewahre ihre Herzen rein; Laß uns froh und fröhlich dort umarmen, Laß uns ewig durch sie glücklich seyn! njer so U de 30 62 din 19 402 3 32 30.0* 2 184 2 m Geburtstage. Morgen. Du, der über alle Zeit erhaben, In dem hohen Sternentempel thront, Du, der ewig mit gerechter Waage, Dort die Engel, hier die Menschen lohnt; Geist im lichte, der mit Wohlgefallen Auf das gute Herz im Staube sieht, Guter Vater, der mit hoher Weisheit Seine Kinder für den Himmel zieht; Ach! wie kann, wie kann ich dir verdanken, Was du auf des Lebens Pilgerbahn, Von der Wiege bis auf diese Stunde Unaussprechlich Gutes mir gethan!" Jede Sonne, die ich froh, begrüßte, Jede ahnungsvolle Sternennacht, Jeder Baum in seiner Frühlingsblüthe, Jede Blume in enthüllter Pracht, Jeder Tag, voll Heiterkeit und Leben, Jede Rührung in der Einsamkeit, Jede Hoffnung, die mich froh umschwebte, Jede Wonne der Vergangenheit; -185 Alles, alles, hast du mir gegeben, Jede gute Gabe kommt von dir. Ach! für alles blick ich froh zum Himmel, Danke, Vater, danke dir dafür. E t 30 Dir will ich mit festem Muth vertrauen, Unter Stürmen, unter Sonnenschein. Gieb mir, wie du willst. Ich will im Glücke Und im Mißgeschick zufrieden seyn. Weisheit bringt den Menschen nur zu EhrenWohl ihm, wenn er deine Rechte hält: Fromm will ich zum hohen Ziele schreiten, Meine Krone liegt in jener Welt. Was der Mensch gefået, wird er erndten. Elend folgt der wilden Sinnlichkeit; Aber wer auf Geist und Tugend fået, Erndtet in der langen Ewigkeit. Vater, ja im Geiste will ich wandeln, Der Begierde mächtig widerstehn, Schändlich ist der Schlangenweg der Sünde, Auf geradem Pfade will ich gehn! Wenn der Mensch sein Alles hier verlieret, Wenn er deinen Beyfall nur gewinnt. Hoffnung dämmert in der Abendrothe; Selig sind, die reines Herzens sind! a 186 Gott, was ist der Mensch im kurzen Leben, Wenn er seines Lebens Werth vergißt, Und die wahre Gröffe, die ihm winket, Nach dem Land der Eitelkeiten mißt! Bater, dir nur will ich angehören, Und der Tugend sey mein Herz geweiht! Meine Freude ist dann Seelenruhe, Meine Hoffnung deine Ewigkeit. 187- 2 ben d. Vater, ater, der mit stillem Wonneblicke Leben in das Heer der Wesen senkt, Und zum Leben diesen Wesen allen Lust in Liebe, Kraft in Schmerzen schenkt; Fröhlich steht der Mensch vor deinem Throne, Seinen Geist umschwebet Heiterkeit, Wenn er im Gefühle deiner Gnade Rückwarts blickt auf die Vergangenheit. Jene Bilder, aus den Jugendtagen, Die kein Gram aus unserm Geist verwischt; Jener Schimmer, der so freundlich dämmert, Bis er einst mit uns am Grab erlischt; Jene Tage, wo die Welt voll Blumen Ohne Dornen uns vor Augen stand, Wo die Liebe uns mit allen Wesen Froh und sorgenlos zusammenband Ach! sie stehen freundlich uns vor Augen, Gleich den Sternen in der Sommernacht, Und wir hången still und wonnetrunken An dem Bilde, das uns glücklich macht. nitra ma 188 Gott, du gabst uns jene Freudenstunden, Habe Dank für deine Gütigkeit! Jene Kindheit, fie ist hingeschwunden; Doch das Herz bleibt findlich dir geweiht. Ach! es ist das Schönste, was wir retten, Jener fromme, milde Kindersinn; Er geleite mich durchs Erdenleben Bis zu meinem stillen Grabe hin! Ausgeföhnet mit den Menschen allen, Ohne Hoffart, ohne Trug und lift, Immer von dem Glauben aufgerichtet, Daß du, Gott, mein guter Vater bist; Ohne Kummer für den andern Morgen, Voll Vertrauen zu der Menschenwelt Und zu dir, dem groffen Weltenlenker, Der das Ganze liebend trågt und hält; Hingeneigt zum Guten und zum Schönen, Ungeflammt für die Gerechtigkeit, Heiter im Genusfe dieses Lebens Und voll Hoffnung für die Ewigkeit: So will ich mein Tagewerk vollenden, Das dein weiser Rathschluß mir beschied, So will ich zu deinen Engeln wallen, Wenn die Lebensblume abgeblüht. in 189 Gute Menschen werden um mich weinen, Ruhig steht mein Grab im Mondenschein, Und wie eine fanfte Abendrothe Wird mein Nachruhm auf der Erde seyn. Guter Vater, laß mich weise werden, Eh der goldne Lebensstrom entfließt. Dann laß mich in Frieden hingelangen, Wo die Guten eine Welt umschließt. P 190 CO In Krankheit. Morgen. Langsam geht die Leidensnacht vorüber, Matt entschleicht der Trauerstunden Chor. Goldner Morgen, Wiederkehr des Lebens, Komm, ach komm aus deiner Nacht hervor! Doch, was núßet mir die Morgenfonne, Die mein Aug so oft mit Wehmuth sah? Warum ist der Mensch, der Lebensmůde, Sich und Undern noch zur Plage da? Warum sinkt die Freude vor uns nieder, Eh wir ihren Aufgang noch gesehn? Unter Thránen wird der Mensch geboren, Unter Schmerz soll er zu Grabe gehn. Warum säumt die rasche Todessense, Wenn die welke Lebensblume ruft? Warum fáumst du, mütterliche Erde, Mit der Ruhe in der stillen Gruft? Gott, ich klage!-ach vergieb dem Urmen, Den der schwere Kummer niederdrückt. Ach, vergieb mir, wenn mein schwaches Auge 11 191 Nicht mit Kraft zu deinem Himmel blickt; Wenn die Gegenwart mich trüb umschwebet, Wie den Blinden in der Einsamkeit, Wenn der Geist zu matt ist, hinzudenken, In die Zukunft und Vergangenheit! Vater, o der Freuden waren viele, RO Die du hin auf meinen Pfad gestreut; Selbst mein Leben zwischen Tod und Grabe, Ist ein Gut, das deine Hand mir beut. Gott, du bist die Liebe, und die Erde Ist und bleibet deiner Güte voll. Ach! wie unrecht thut der Mensch im Staube, Wenn er murret, wo er danken soll! Jede Gabe, jede reine Freude, Vater in dem Lichte, kommt von dir. Unaussprechlich waltet deine Güte, Du bist unsre Zuflucht für und für. Du hast einst das Erdenrund gegründet Und den Himmel prachtig ausgespannt. Gott, du bleibest, wenn das All vergehet, Und mich schüßet deine Vaterhand. Unerforschlich sind mir deine Wege, Allbekannt ist deine Gütigkeit. Durch dich und in dir sind alle Dinge; Dir sey Ehre, Herr, in Ewigkeit! 19% Laß mich fest auf deine Huld vertrauen, ce Laß mich fröhlich in der Hoffnung seyn; Und wenn meine leßte Stunde winket, Führe mich ins Land der Ruhe ein.. Abend. 193 2 ben d. Pieder ist ein Leidenstag verlebet In der Schule meiner Prüfungszeit; Alles schwindet, alles geht vorüber Näher kommt die schöne Ewigkeit. Wie das Gold durchs Feuer sich bewähret, So bewährt der Christ sich in der Noth; Und den Redlichen, die Gott gefallen, Winkt der Zukunft lichtes Morgenroth. Unfre Trůbsal ist ja leicht und zeitlich; Doch sie schaffet groffe Herrlichkeit Uns, die nicht auf dieses Leben sehen, Sondern auf den Lohn der Ewigkeit. Alle Züchtigung, sie dunket freylich Uns nicht Freude, sondern Traurigkeit; Aber für den edlen, bessern Menschen Trågt sie Früchte der Gerechtigkeit. Was betrübst du dich und bist verzaget, Meine Seele, harre fest auf Gott, Er ist deines Angesichtes Hülfe. Glaube! und dein Leiden wird zu Spott. 13 194 Denen, die Gott lieben, muß ja Alles Hier zum Besten dienen. Diese Zeit Mit den Leiden allen, die sie bringet, Reiches nicht an jene Herrlichkeit. Sey in Hoffnung fröhlich, sey geduldig, Wenn der Trübfal schwarze Fahne weht; Und wenn auch der letzte Stern verschwindet, Halte an mit heiligen Gebet. Sey am guten Tage guter Dinge, Und den bösen Tag nimm auch für gut; Denn Gott schaffet diesen neben jenem, Und die Zukunft bringet neuen Muth. Ueberall ist Trübfal auf der Erde, Und der Schmerz keimt unter Freuden auf; Schöner glångt die Blume nach dem Regen, Und der Wechsel führt den Weltenlauf. Vater, laß den Kelch vorübergehen: Doch nicht mein, dein Wille nur gescheh! Hier ist Nacht. Dort aber wird es helle, Wenn ich auf zu deinem Himmel seh. Dort ist Freyheit, dort zerreißt die Fessel, Die den Geist an diesen Körper band. Jene Sterne sind für mich geschaffen, Dort 4st Ruhe, dort im Vaterland. 195 Laß mich dulden, gieb mir Muth zum Leiden, Muth zum Sterben, zur Vollendung Muth. Was dein weiser Rath beschließt, Erbarmer, Ist für diese Welt und jene gut. Gott, dir leb ich, dein bin ich im Tode, Heiter schließ ich meine Lebensbahn. Gott mein Vater! wenn die Erde weichet, Ist der Himmel vor mir aufgethan. S 196 Un einem Begräbnißtage. ( 6 º n Ó છે. Wie Pie die Blätter von den Bäumen fallen, Seht, so fällt die Menschheit hin zu Grab. Täglich blickt der Mond auf neue Hügel, Auf erblaßte Leichname herab. Immer schlägt die ernste Todtenglocke, Feyerlich! die leise Sanduhr ruft; Täglich wehen schwarze Leichentücher Um die Wehmuth, auf der Menschengruft. Herr des Lebens, es gescheh dein Wille, Wenn der stille Friedensbote ruft; Herr des Todes, deine Liebe waltet Von der Wiege bis zur Todtengruft. Ist der Traum des Lebens hingeschwunden, Zeiget sich fein goldner Morgenfaum, Sinfen wir ins alte Nichts zurücke; Nun es war ein groffer, schöner Traum. Dank dir, Vater, für die Lebensstunde, Für der Tugend heilgen Ehrenkranz, Für der Wahrheit machtige Gefühle, Für der Hoffnung stillen Abendglanz, 197 Doch es ist noch eine Ruh vorhanden! Hinter Sternen liegt die Ewigkeit. Selig sind, die in dem Herrn vollenden! Unser Glaube lehrt Unsterblichkeit. Welch ein Morgen, wenn die neue Sonne Den erwachten, freyen Geist entzückt; Wenn er himmlisch froh zum leßtenmale Auf die abgeworfne Hülle blickt! Welch ein Morgen, wenn er wonnetrunken An der neuen goldnen Schöpfung hångt; Wenn ein Chor von milden lichtgestalten Den Verklärten brüderlich umfångt! Wenn das grosse Weltall sich eröffnet, Heilig füffe Harfentöne wehn, Millionen Paradiese blühen, Tausend Sonnen auf und nieder gehn! Friedensbogen schimmern in der Höhe, Heil'ger Jubel hallt donenlang, Engel fliegen durch die blaue Tiefe Und wir singen unter Harfenklang: Heilig, heilig, heilig, bist du Vater, Der die Menschen zur Vollendung ruft! Angebetet sey dein grosser NameVon der Wiege bis zur Zodtengruft. d mad 198 Wieder ist ein Mensch dahin geschieden, Herr und Gott, wir danken die dafür. Friede, Friede sen mit dieser Asche Und mit dem ver lårten Geist bey dir! Bater, laß uns in dem Lichte wandeln, Laß uns heilig, laß uns weise senn! Und wenn einst die letzte Stunde winket, Führ uns fanft zu deinen Freuden ein! -199 3605 ontlgabe Im Ungewitter. Bey Tage. Der er Staub fährt auf. Der Wind durchsaußt die Baume. Die Sonne flieht. Die Wetterwolke naht. Der Fremdling eilt. Der Landmann geht mit Sorgen Der Heimath zu auf seinem stillen Pfad. Wie schauerlich dringt das Gemurmel näher, Das dumpf von fernen Bergen wiederhallt; Wie Kriegsgetümmel, wenn in Nacht und Dunkel Der Feind mit wildem Heer vorüberwallt. Sich, drehend schießt der ferne Blig hernieder Auf das Gebirg, der graue Wolkenfaum Reißt da und dort entzündet von einander Und gieffet Feuer in den Weltenraum. Der fanfte blaue Himmel ist verschwunden; Verborgen ist der Sonne freundlich Licht. Der trübe Himmel hånget voll Gefahren Und seine Flamme schröckt das Angesicht. 200 Die Schöpfung zagt. Was wird uns wiederfahren? Noch schont der Strahl. Noch sind wir unvers fehrt. Allein wie schnell kann unsre Hoffnung sterben, Wie bald ist eine Freudenwelt zerstört! Wo ist die Freystatt vor dem Donnerkeile? Wo schlägt das Herz, das solche Kraft verhöhnt? Wo lebt der Geist, der nicht in Sorgen schwebte, Wenn Grgbgefang aus allen Wolken tont? Es braußt die Luft. Das Wetter rauscher näher, Und furchtbar hallt der laute Donnerschlag. Gott sey uns allen gnådig und barmherzig! Und jeder denke an den Sterbetag. Welch Ungestům! Es rauscht und wogt und krachet. Der Sturm regiert die Welt. Und Schlag auf Schlag Und Blig auf Blik erfüllt das Herz mit Schrecken Und mahnt die Welt an jenen Unglückstag, Wo Sonne, Mond und Sterne sich verwandeln Und Bangigkeit der Menschen Brust erfüllt; Gamping 201 hogy Die Meere und die Wasserwogen braufen Und was da lebt Ein schwarzes Grab umhüllt! Groß ist die Macht, die in der Wolke haufet, Die Allgewalt, die folchem Sturm gebeut. Gott ist es, der den Erdenkreis erschüttert, Der Schreckliche in seiner Herrlichkeit! Was ist der Mensch, Herr, daß du sein gedenkest, Ihn schüßest auf der dunkeln, Lebensbahn, In Nacht und Graus ihn väterlich beschirmest, Ihn rettest, wo ihn niemand retten kann! Herr, Herr, Gott, Vater, gnädig und barmherzig, Laß deinen Donner mild vorübergehn, Laß uns im wilden Sturme dein Erbarmen, In Fluch und Wetter deine Gnade sehn! Die Welt hat ihre Freundlichkeit verloren. Ein Meer von Schrecken brauser um uns her. Das Schifflein wankt. Herr hilf uns, wir verderben! Du schiltst die Welt. Und deine Hand ist schwer. Doch nein! Du grosse Liebe kannst nicht zürnen. Du trägst die Welt mit ihrer Missethat, 202 Und winkest nur mit deinen Donnerschlägen Auf die verlaßne stille Tugendbahn. Ihn betet an! Er ist der Weltenmeister. Er liebt euch alle. Ihm vertrauet nur! Doch wo ein Mensch das Vaterherz betrübet, Der zittre vor dem Herrscher der Natur! 203 and Nach dem Wetter. Sturm und Wetter sind dahin gezogen, Freundlich naht der Sonne goldner Schein. Lieber Bater, du hast uns gerettet, Guter, guter Vater, wir sind Dein. Matt erlischt des Blißes Schwefelflamme, Sanfte Kühlung wehet durch die Flur Und das Herz, von neuer Freude trunken, Wallt zum grossen Vater der Natur. Mild verhallen seine Donnerschläge, Lieblich flisterts in der reinen Luft; Freude quillt von allen Himmeln nieder, Wenn die Gottheit uns zur Freude ruft. Welch ein Schimmer! Welche Jubeltone! Hoch in Lüften wehet dein Panier. Suffes Leben! Namenlose Schönheit! Was da lebet, lebt und webt in dir, Gnadenreicher! Heilig angebetet Sen dein Name, deine Herrlichkeit, Heilig angebetet deine Gröffe, RA 204 Deine Liebe, deine Freundlichkeit! Tausend bange Herzen sind getröstet, Alles ruft: der Herr ist freundlich nah! Staunend blickt der Mensch auf die Verklärung, Wo sein Auge Nacht und Schrecken fah. Gott, wer sollte dir nicht fest vertrauen, Der du ewig sprichst: ich bin bey dir. Heiter will ich meinen Pfad vollenden, Heiter bis zum Grab; Gott ist bey mir! 205 7 Im Ungewitter CH Ben Nacht. Kein Stern erscheint am schwarz verhängten Himmel, Erloschen ist des Mondes Silberlicht; Am Walde liegt die schwere Wetterwolke, Und die Natur verbirgt ihr Angesicht. Wie braußt der Sturm! Wie fährt das Herz zusammen, Wenn über ihm der laute Donner kracht! Wer darf die heilge Stille unterbrechen, Das Eigenthum der mütterlichen Nacht? Welch scharfer Glanz! Wie bebt das Aug zurücke, Wenn Bliß auf Blig aus dunkler Wolke richt! Wer darf die milde Dunkelheit verscheuchen Mit solchem ungewohnten Flammenlicht?" Der süsse Friede ist hinweggeschwunden Und Aufruhr herrschet in dem Weltenraum. Wer darf die grosse Ruhe dir entreiffen, Du můde Welt, und deinen stillen Traum? Wo ist die Macht, die solche That pollbringet, hay 206 muned Weß ist der Arm, der diesen Flammenschild Vom Himmel auf die Erde niedersenket, Und eine Welt mit Furcht und Graus erfüllt? Wie hallt die Flur von seinem Donnerwagen! Wie rauscht sein Lauf! Wie flammet sein Geschoß! Wie feyerlich ertönet seine Stimme: Verstumme Welt; denn ich allein bin groß! Ja groß bist du und heilig, heilig, heilig, Du Unsichtbarer! Licht ist dein Gewand. Die Sternenkrone glångt auf deinem Haupte, Das ewge Zepter ruht in deiner Hand. Vor die sinkt Mensch und Engel hin im Staube, Jehovah, Weltenrichter, Zebaoth! Ein Wink von dir kann eine Welt vernichten, Erbarme dich, du ewig groffer Gott! Laß diese Wetternacht vorübergehen Zum Segen, Herr, und nicht zum Untergang! Der Tod ist nah'. Schenk uns das süsse Leben, Erhalte uns zu deinem Lobgesang! Der Tod ist nah. Des Himmels Pfeile fliegen. Dir leben wir. Dir sterben wir, o Gott. Wir sinken leicht, von deiner Hand berühret, Und sind bey dir, du Vater Zebaoth, -207 Ben einem sehr schweren Gewitter. Durch Nacht und Graus fliegt zu dem Weltenvater Mein kindlich liebevoller Geist empor, Und feyert unter Blig und Donnerschlägen Den Herrn der Welt, in fürchterlichem Chor. Ein Wink von ihm und eine Welt zertrümmert, Die Sonne strahlet ihren lehten Blick; Die Erde wankt, die Elemente beben, Die Schöpfung stürzet in ihr Nichts zurück. Wie heult der Sturm! Wie braußt die Wasserwoge! Welch Aufruhr tobet in der schwarzen Luft! Der Himmel droht die Erde zu vernichten Und Blige leuchten in die Todtengruft! Zerschmetternd fallen schwere Donnerkeile! Die Nacht wird hell; es kracht das Firmament! Das Auge blickt verwundet in die Flammen Und schaudert vor dem Todes Element! 208 Wo find ich Trost in dieser SchreckensStunde, Wo Angst und Ohnmacht Freund vom Freunde trennt! Herr, Herr, Gott, gnådig und barmherzig stårke Das Herz, das dich im Sturme Vater nennt. Du bist bey mir, wenn Erd und Himmel weichen, Du bist ben mir, wenn dieser Leib zerfällt, Und wenn dein Strahl mich furchtbar niederschmettert, Du bist es, Vater, dessen Hand mich hålt. Hom O welch Vertraun! Welch heilig füße Flamme, Die in dem Herzen des Gerechten glüht, Die jede Nacht mit sanften Strahl erleuchtet, Wenn Muth und Kraft und selbst die Hoffnung flieht. Dir leb ich, Vater, und dir will ich sterben; Der Geist erhebt sich über Fleisch und Blut. Du wirst dein Kind nicht lassen, noch verderben, Un deinem Vaterherzen ruht sichs gut. Nach meto 209 Nach dem Wetter. Wir find befreyt. Die Donnerwolke ziehet Im schnellen Flug den fernen Bergen zu. Gelobt sey Gott. Um Fichtenwalde glühet Ein froher Stern und lächelt Fried und Ruh. Der Nacht geweihte Stille kehrt zurücke. Der Sturm verbraußt. Der laute Donner schweigt. Der Himmel lächelt mit versöhntem Blicke Die Erde an, die sich in Demuth neigt. Der Feuerstrahl, vor dem das Auge bebte, Verlieret sich in stille Heiterkeit. Der Vorhang fällt, den Gottes Finger webte, Und bringt der Welt die heilge Dunkelheit. Heil uns, der milde Friede kehret wieder, Der Friede Gottes! Seine Palme weht, Und alles sinkt zur fühlen Ruhe nieder, Und dankt dir, deffen Treue nicht vergeht. D. Vater, dessen Majestät in Gnade Und dessen Herrlichkeit in Liebe ruht, Die grosse Welt ist deine Bundeslade, 14 210 Und was da lebet, steht in deiner Hut. Dir tont mein Lied, dir schlägt mein Herz entgegen. Im Säuseln und im Sturme bin ich dein. Und überall auf allen meinen Wegen Sieht dich mein Geist und du bist ewig mein. O diese Liebe ist mein Glück auf Erden, O welch Gefühl, dem keine Bonne gleicht! Laß mich, o Gott, zu einem Engel werden, Daß einst mein Herz sein letztes Ziel erreicht Dich rein zu lieben! Rein von Erdenfunden, Von eitlem Wahn, von jeder Schwachheit rein. Du Allgeliebter, laß mich Gnade finden, Und laß mich Eins in deiner Liebe seyn. Dieß sey mein Dank. Was kann ich sonst dir geben? Mein Geist ist stets bey dir und freuet sich. Dein ist mein Sinn, dein ist mein Erdenleben, Mein Herz, mein ganzes Wesen lebt für dich. Dritter Theil. 215 Te deum laudamus. Hingefunken unter Dank und Freude Preisen wir dich, groffer Herr der Welt, Und die Herzen, neugeboren heute, Sind von heilger Liebe aufgehellt. Du bist groß und herrlich. Unter Sternen Glänzt dein Thron im Dom der Ewigkeit Und vor dir, in ungemeßnen Fernen, Blüht die Welt in ewger Heiterkeit. Kraft und Leben strömt aus goldnen Thoren, Wenn der Tag im Morgenroth erwacht, Alles wird vom Lichte neu geboren, Und die Schöpfung blüht in Jugendpracht. Freundlich tönt der grosse Zeitenhammer In der letzten Stunde Abendroth. Lieblich tritt die Nacht aus ihrer Kammer Und im Kranze naht der schöne Tod. Halleluja, grosser Welten- Meister, In dem Vorhof dieser Erden- Welt! Halleluja in dem Chor der Geister, Wenn dereinst der groffe Schleier fällt, Honen 7,314 Horcht! das hohe lied der Seraphinen! Milder Klang im fanften Sternen Licht! Jauchzet, Brüder, wenn der Tag erschienen, Wo das Leben aus dem Grabe bricht! Welch ein Glanz in jener Himmelsferne! Welche Freyheit in dem Weltenraum! Freut euch, Seelen; ach auf jedem Sterne Blüth verklårt ein goldner Lebens- Baum. Heilig, heilig, heilig! Gott erscheinet Segnend, liebend, auf der Sonnenbahn Und die letzte Thräne ist geweinet Und der Tag der Seligkeit bricht an. Grosse Liebe, süße Freuden- Quelle O wie schon ist deine Erdenwelt. Grosse Liebe, o wie mild und helle Blickt die Zukunft aus dem Sternen- Zelt. Halleluja! Betet, lobet, danket! Gott ist unser größtes, bestes Gut. Liebet, hoffet, wenn das Schifflein wanket, Wohlgethan ist, was der Vater thut. Preiß und Dank! Dein, dein ist unser Leben, Unfre Liebe, bis das Herze bricht, Bis wir einst dich würdiger erheben, Vater, dort vor deinem Angesicht. D 215 Litaney. Ewiger, vor dem die Erde bebet, Weltenkönig, Herr, erbarme dich! Menschenvater, der im Sturme segnet, Freudengeber, Gott, erbarme dich! Mach uns frey von Jerthum und von Sünden, Ach das Herz vergeht durch Mifferhat, Und durch stets erneutem Sündenfalle Weicht das Paradies von unserm Pfad. Sen uns gnädig, hilf uns überwinden, Laß uns freudig in dem Kampfe stehn, Und wenn Dunkel unser Aug umhüllet, Laß uns auf die helle Zukunft sehn! Alles weicht und alles stirbt am Grabe, Vater, Schöpfer, laß uns weise seyn! Laß uns täglich geistlich auferstehen, Herr des Lebens, o dann sind wir dein. Gieb uns Frieden, Frieden im Gewissen, Schent uns frommen Glauben in der Noth, Laß die heilge Liebe nicht erkalten, Und die Hoffnung trófte uns im Tod. Aus dem Dunkel führe uns zum Lichte, 216 Alles Unrecht werde abgethan. Jeder denke an die lehte Stunde, Reich und Armer, Fürst und Unterthan. Deine Welt ist ewig schön geschmücket, Ueber Blumen schwebt der Zeiten Flug; Laß uns danken unter Freudenthránen, Denn du gabst uns allen Brod genug, Unfre lange Zwietracht sey vernichtet! Hochmuth, Wollust und der schnöde Geth. Jeder Feind, der unser Herz bedrohet, Sinke, liege, sterbe unterm Kreuß! Hilf uns, stark uns, tröst uns, lieber Vater! Führ uns über Welt und Grab zu dir. Jesus Christus sey gebenedeyet Und sein Reich erscheine dort und hier! Jesus Christus, unser Herr und Meister, Lehr uns Wahrheit, Liebe, Recht und Pflicht! Deine Tugend, unter Engeln heilig, Walte stets vor unserm Angesicht! Deine Liebe zu dem Weltenvater, Deine Andacht vor des Schöpfers Thron, Dein Gehorsam bis zum Tod am Kreuße, Deine Sanftmuth bey der Menschen Hohn, Deine Freude, Noth und Schmerz zu lindern, Deine Milde, wenn der Schwache fiel, 217 Deine Hoheit in dem Kreis der Sünder, Deine Demuth an der Weisheit Ziel; Dein Gebet im letzten Mondenschimmer, Deine Worte: weinet über euch! Grosses Herz, das für die Feinde betet, Mach uns die in heilger Liebe gleich! Dein Vertrauen mehre unsern Glauben; Deine Liebe lindre Sorg und Noth; Und die Hoffnung, die dein Herz belebte, Tröste uns im legten Abendroth! Geist der Weisheit, der in Liebe waltet, Der uns dort der ew'gen Gnade weiht, Gente dich auf alle Herzen nieder, Leite uns zum Quell der Seligkeit! Mach uns weise! Laß die Wahrheit fiegen! Gib uns Liebe zur Gerechtigkeit! Lehr uns findlich beten, findlich glauben, Bis zum Schauen in der Ewigkeit. Jehon - Amen! Ehre sey Gott in der Höhe! Friede herrsche auf dem Erdenkreis! Menschenvater, der im Sturme segnet, Dir sey Ehre, Lob und Dank und Preiß. U 218 Die zehen Gebote. Ich bin der Herr, dein Gott! In Zeit und Naume 23 Bin ich allein mir selber ewig gleich! Ich wecke Zeit und Ich bin dein Gott! Welten aus dem Traume! Mensch, du bist ewig reich. Du bist mein Gott. Herr, wenn ich nur dich habe, So mag der Himmel und die Welt vergehn. Wenn Leib und Seele schmachtet, dort am Grabe Mit dir will ich den grossen Kampf bestehn. 2. 99 " Du sollst den Namen Gottes nicht entweihen, Vor ihm erbebt der grosse Welten- Plan! Ich bin der Herr, spricht Gott zu seinen Treuen, Ich donnre und ich liebe! Bete an!" Ich bete an, voll Demuth und voll Liebe, Ein süßer Schauer dringt durch mein Gebein. Du bist mein lied. O kindlich fromme Triebe! Das Leben fann in Gott nur selig seyn! 219 3+ " Bereite dich, den Ruhetag zu feyern! Er ist der Seele köftlich Eigenthum. Wie Licht und Wärme die Natur erneuern. So winkt die Andacht in dem Heiligthum." Die Welt mit ihrer Herrlichkeit verschwindet, Wenn sich der Geist zu dir, o Gott, erhebt. Die Fessel sinkt. Der Ruhetag entbindet Die mide Seele, und der Glaube lebt. 4. " Du sollst den Vater und die Mutter ehren! Die Gottheit spricht. Bewahre dieses Wort. Die Urne winkt; sie soll dich liebe lehren, Dann lebt dein Glück in deinen Kindern fort." O sanfter Zug, der unser Leben, weiher, Er kommt von dir, dem Vater der Natur. Die Welt ist tod. Durch liebe nur gedeihet Das Leben und der Freude Blumenflur. 5. " Du sollst nicht tödten! Rache schreit die Erde, Wenn Kinderblut den Mutterschoos entweiht. Der Mörder bebt. Der Schuggeist weicht vom Heerde, Und Nachtgewölfe deckt die Ewigkeit." 220 d Du bist die Liebe! fäufelts unter Sternen! Du bist die Liebe! tónts im Erdenthal. Könnt ich mich je von dir in Nacht entfernen O Vater dort, dann leuchte mir dein Strahl! c 6. " Du sollst der Ehe frommen Bund nicht brechen. Du warst ja fren. Gott hörte deinen Schwur. Die Keuschheit blüht. Verwelfte Jahre rächen Die Sünde an der heiligen Natur!" 7. Süß ist die Luft und machtig lockt die Sünde. Doch ach die blaffe Reue folgt geschwind. Rein ist das licht! Hilf, daß ich überwinde; Denn selig sind, die reines Herzens sind. " Du sollst nicht stehlen! Engel lächeln nieder, Wenn Recht und Treue unter Menschen wohnt. Der Wilde raubt. Die Keule mordet Brüder, Wo Habsucht unter Diebsgesellen thront." Ich kann nicht irren, wenn die Habsucht winket; Der innre Richter spricht: es ist nicht dein! Wenn alles vor dem Gößen niedersinket, Laß mich gerecht und deiner würdig seyn! A 221 8. Pent " Du sollst kein falsches Zeugniß geben! Frage Dein Herz, und rede wie es dir gebeut. Das Herz ist wahr. Gott winkt in jeder Lage Und wer ihm folget, hat es nie bereut." Der falsche Mund besteht nicht im Gerichte. Die Wahrheit, nicht die Lüge lenkt die Welt. Du bist mein Gott. Du wohnest in dem Lichte, Du winkst. Der Redliche behält das Feld.. 8. " Die Schlange lifpelt. Laß dich nicht gelüsten! Begehre nicht des Nächsten Gut und Haus. Der Thor mag sich im lecken Schiffe brüsten; Das legte Urtheil spricht der Himmel aus! Laß mich zuerst nach deinem Reiche trachten, Dann schenke mir, o Gott, Zufriedenheit. Laß mich das Kleine lieben, nicht verachten; Der Mensch braucht wenig und auf kurze Zeit. IO. " Der Apfel locket. Laß dich nicht gelüften! Das Aug schielt gerne nach verbottner Frucht. Doch weh dem Herzen, wenn es unter. Wüsten Nach dem verlornen Paradiese sucht." 222- Der Geist ist willig, aber stark die Sünde. Laß die Versuchung, Herr, vorüber gehn! Das Fleisch ist schwach. Am, Grabe fällt die Binde. Laß mich den Himmel ohne Vorwurf sehn. 7,223 Die Artikel des christlichen Glaubens. I. Ich glaub an Gott den Vater, der allmächtig, Den schönen Himmel und die Erde schuf. Ceitdem erscheint das Nachtgewilk so prachtig, Erwacht im Licht der grosse Freudenruf. Seitdem bekrångt der Frühling sich mit Rosen, Es wallt und wogt das goldne Nehrenfeld, Die Traube schwillt vom grünen Laub umfloffen, Ein weisser Vorhang schließt die Lust der Welt. Und alles lobt den Herrn, und jede Seele Spricht innig fromm: Gott, wie vergelt ich dir! Wo schlägt das Herz, das deinen Ruhm erzähle! Du bist mein Hort! Ach alles giebst du mir. 2. Ich glaub an Jesum Christum, eingeboren, Des Geistes und der Unschuld hohen Sohn. I Von Gott zum Heil der Menschen auserkoren, Der Herrliche auf lichtumfloßnen Thron! Er litt am Kreuß, er starb und ward begraben, Er stieg hinab ins falte Todtenreich; SECOND 224 Doch mit der Siegesfahne, hocherhaben, Bricht er hervor, der Morgensonne gleich. Er schwebt empor, zum Vater in der Höhe, Die Himmel feyern ihren Jubeltag. Einst fehrt er wieder, aber Wehe, Wehe! Wer vor dem Richter nicht bestehen mag. Preiß ihm, der unser Heiligthum gegründet, Das, gleich dem Himmel, eine Welt umschließt! Er gieng voran. Wer Ruhe sucht, der findet Sie in dem Licht, das aus dem Urquell fließt. Er gieng voran. Die Menschheit steht betroffen, Ein heilger Schimmer wallt um feine Bahn. Wer mit ihm wandelt, sieht den Himmel offen; Er hat Gott und der Welt genug gethan. Es kommt sein Reich in Glauben, Hoffnung, Liebe; Durch ihn wird einst die Menschheit ausgeföhnt. Die Wahrheit blühet mit verjüngtem Triebe Wir ruhen. Und der Friede wird gefront. imakacs 3. Ich glaube an den heilgen Geist auf Erden, In dem die fromme Tugend lebt und webt. Die Kirche muß durch ihn geweihet werden, Er ists, der alle Heiligen umschwebt. Das Herz ist frey. Die Sünde ist vergeben, 225 Die Seele mit dem Schöpfer ausgeföhnt. Die Auferstehung und ein ewigs Leben Winkt jenseits, und der Sieger wird gekrönt. Verleihuns, Gott, daß wir den Geist erkennen, Der unter licht und Wärme sich verklärt, Dann wird kein Wahn die Herzen feindlich trennen; Uns bindet ein Sympol, das ewig währt. Ein Gott, Ein Glaub und Eine Tugend führen Zum wahren Licht, zur innern Seligkeit. Nicht eitle Namen, sondern Thaten zieren Den Christen an dem Thor der Ewigkeit. So gieb uns denn, du Vater in der Höhe, Die Weihe, die uns Alle glücklich macht. Es komm dein Reich! Der Geist vom Himmel wehe Die Erde an und scheide Licht und Nacht. $ 5 D 226 hab Un die Christen. Erste Epistet. Lockte eine wilde Kriegeshymne Tausende zum heissen Todesgang; O so höret, mit besiegtem Herzen, Hort der Menschenliebe Harfenklang! Hingelehnet an dem Sühnaltare Stehst du weinend, o Religion, Und dir, Hohenpriesterin vom Himmel, Spricht der Undank deiner Kinder Hohn. Nicht ihr Herz, nur falte Mauersteine, Weihen sie zu deinem Heiligthum. Worte sind es, angstliche Gebrauche Und das nennen sie ihr Christenthum! Dihr send noch weit vom grossen Ziele, Das euch Jesus Christus dargestellt; Send noch immerdar der Menschen Knechte Und der Freyheit noch nicht zugesellt! Ists genug, daß ihr mit frommen Grimme Fuch nicht mehr zum Blutgerichte zerrt? Ists genug, daß ihr um todte Formeln Euch nicht mehr das Himmelreich versperrt? -227Ifts genug, daß ihr euch kindisch tröstet Mit der Wahrheit erstem Morgenroth? Ists genug, daß ihr am Schnißwerk besert, Wenn ein Riß das ganze Haus bedroht? 3wietracht herrschet in den Friedenstempeln, Mißgunst in der Liebe Heiligthum. Schüchtern steht der Priester am Altare Und verzweifelt an dem Christenthum. Statt auf euern Meister zu vertrauen Und zu folgen seinem hellen Licht, Horet ihr, mit eingewiegter Seele, Was Gregor, Kalvin und Luther spricht.. Horet sie! doch das Gefeß der Liebe Schwebe ewig eurem Geiste vor. Hebet Jesus die Gesegestafel Nicht verklårt vor allem Volk empor? Schämet euch, ihr streitet um den Glauben, Und verkennet eure erste Pflicht. Junger send ihr, aber schwach am Geiste, Kinder send ihr, aber Christen nicht. Ach! da ihr das schöne Band zerriffen, Womit Jesus seine Kirch umwand, Stieg die Zwietracht blutig aus der Hölle Mit dem jammervollen Feuerbrand, Ca - 228 Sarge werden aus dem Grab geriffen Städte dampfen Reiche sind entzweyt Halbverbrannte Todtenbeine rauchen Gift und Dolch sind unserm Gott geweiht; Ihm, dem Gott der Liebe, der uns Alle Nährt und schüßet unser Lebenlang; Ihm, dem Vater, dessen Sonne scheinet Von dem Aufgang bis zum Niedergang! Hat euch dieses euer Herr errungen, Als er blutig an dem Kreuße starb? Ach! dann Schade, daß der Unglückssaame Nicht in seinem ersten Keim verdarb. Euer Meister sprach das Wort des Friedens; Doch ihr wählet eine andre Pflicht. Eure Spaltung ist der grosse Meineid, Welcher eurem Glauben widerspricht. Gab er euch nicht das Gebot der Liebe, Bis sein sanftes Aug im Tode brach? Fast zwen tausend Jahre sind vergangen, Und ihr sprecht von Duldung- welche Schmach! Christen, wer für euern Glauben stritte Und dabey von Haß und Trennung sprach, Dieser that wie Moses an dem Berge, Als er zürnend das Gefeß zerbrach. B 229 Wehe dem, der sich zuerst erfrechte, Und die wilde Kriegstrompete blies; Wehe dem, der unsre Friedensfahne Mit entweihter Bruderhand zerriß! Christen, wählet, wollt ihr långer säumen, Långer noch den groffen Bund entweihn; Oder euch versöhnt die Hände bieten Und im Geist und Wahrheit Christen seyn? Das Geseh- wer kann es überhören? Das Gesek spricht laut und offenbar. Laffet es in seiner Kraft erscheinen, Und ihr lebt im grossen Friedensjahr. O es waren mehr, als fromme Traume, Was euch mancher Diener Gottes rieth. Man verlachte ihn. Er gieng hinüber, Wo ihm Gott der Treue Lohn beschied. Christen, eure Stunde hat geschlagen, Macht euch von der langen Schande frey. Auf! beschwöret erst den Bund der Liebe, Und dann prüfet, was das Beste sen! Aber Habsucht, Stolz und Geistesschwäche Komme in den Rath der Våter nicht. Treibt den Miethling aus der Tempelhalle, Der dem Grundgesehe widerspricht. - 250 Friede ziemt den Menschen! Laßt die Thiere Sich in Grimm und Unvernunft entzweyn. Eins ist noth- und euer Stifter, wollte Dieses Einzige der Welt verleihn. Darum starb er blutig an dem Kreuße, Daß sein Tod das legte Opfer sey; Darum siegten jene Ungeheuer, Daß die Unvernunft geachtet sen. Meinen Frieden gebe, meinen Frieden Lasse ich euch! Kennt ihr dieses Wort? Diesen Frieden habt ihr långst gebrochen. Worte habt ihr doch der Geist ist fort. Dieß ist, sprecht ihr, eine harte Rede, Welcher die Erfahrung widerspricht. Ach! es ist im Kleinen nur geholfen. Helft im Ganzen! Dieses wollt ihr nicht. Euer Wille hat das Band zerriffen, Hat der Zwietracht Fackel angebrannt. Wollet; und der Friede ist geschloffen Und die Christen gehen Hand in Hand. Haben wir nicht Einen Gott und Vater? Schlieffet uns nicht Eine Erde ein? Eine Wahrheit, Eine Tugend, Brüder, Wird der, Weg zu Einem Himmel feyn. 251 d Tragen wir nicht Einen Christennamen Weihet uns nicht Eine Taufe ein Und das Grundgeset der Bruderliebe Sollte nicht für Alle gültig seyn? Eine Handschrift ist uns hinterlaffen, Eine Taufe und Ein Nachtmahl gilt Jesus sey der Weinstock, wir die Reben, Von der Wahrheit Feuergeist erfüllt! Auf der Trift, die zur Vollendung führet, Muß ein Hirt und eine Heerde seyn. Menschen, die durch Wahrheit fren geworden, Schlieffe auch Ein freyer Tempel ein! Christen, meine kleine Harfe schweiget Und ist alles in den Wind dahin D so laßt mich mit der Hoffnung sterben, Daß ihr Eins seyd, wenn ich nicht mehr bin. eventy 252 An die Christen. 3 weite Epistel. Allen Brüdern, die für Wahrheit leben, Von dem Rheine bis zum Donaufluß, Von dem Dánen bis zum freyen Schweißer, Meinen Segen, meinen Brudergruß! Wohlthat ist es meinem treuen Herzen, Daß noch hie und da die Liebe glimmt; Daß noch mancher lebet, dessen Wandel Ueberein mit seiner Lehre stimmt. Aber stille Wehmuth beugt mich nieder, Wenn mein Auge bey dem Ganzen weilt, Wenn ich jene Sekten überzähle, Deren Kampf das Erbe Chrifti theilt; Wenn ich höre, daß der Geist der Zwietracht Euch zurückführt in die alte Nacht: Daß ein Talmud, den der Wiz erdachte, Unser freyes Volk zu Sclaven macht; Wenn ich fühle, daß in solchen Wolken Nie der Geist des Christenthums erscheint, Daß in solcher Wüsteney der Stifter Nie sein Volk mit seinem Ziel vereint. 235Ach wie tont es lieblich aus der Ferne, Aus der Urwelt heilgem Mondenlicht: Kinder, bleibet ben der Bruderliebe! Prüfet alles, nur verfolget nicht! Ach wie strömt es freundlich in die Seele, Wenn der liebevolle Alte mahnt,*) Und durch seine Stimme aus dem Grabe Uns den Weg zum frohen Leben bahnt! Eins ist noth! Was zurnen wir, Geliebte? Friedlich winkt der stille Aschenkrug. Endlich, Christen, muß es Friede werden, Oder euer Christenthum ist Trug! AN Warum holt ihr nicht in Einem Tempel Eure Taufe, euer Abendmahl? Warum legt ihr eifernd Schloß und Riegel An der Liebe freyen Himmelsfaal? Lügt euch glücklich, heuchelt Menschenliebe Sprecht, was send ihr auf der Lebensbahn? Bettler vor der schönen Thür des Tempels, Arm und lahm von Mutterleibe an.( Apstg. 3, 2.) Warum ruft ihr schauernd: Tod in Töpfen! Wenn die Wahrheit ihre Blumen streut, Und mit frommen, unbesorgtem Blicke *) Johannes in seinen Epifteln. <-234 Euch die goldne Lebensstärkung beut? Durstig harrt die Menschheit an dem Strome, Und ihr murret, wenn der Starke trank? Warum kampft ihr um den Gränzstein, Brüder, Der vor tausend Jahren schon verfant? Send ihr nicht zu Einem Bund erforen? Machet euch nicht Eine Taufe gleich? Habt ihr nicht zu Einem Gott geschworen? Und doch Feinde?-Sprecht, was trennet euch? Nicht das Helle, nur das Dunkle, Christen, Nur die Finsterniß und nicht das licht. Keiner wird die Morgensonne läugnen, Wenn sie aus der Purpurwolke bricht. Ward es heller, als die Våter stritten Ueber Logos Homousios? Ach! Nicáa sah die Nacht der Christen! Denn ein Fluch war des Verirrten Loos. Ists entschieden, was Konstantinopel Schon im vierten Sekulum entschied? Oder giebt es keinen Freund der Wahrheit, Der den Machtspruch noch in Zweifel zieht? Glaubt die Welt, was einst Cyrillus lehrte, Der den Kaiser und das Reich belog; Und zu Ephesus durch List und Ranke Alle Christen um ihr Recht betrog? 235Ward es Licht in Jesu zwey Naturen( Durch das Reichsmandat zu Chalcedon? Palästina und Egypten blutet, Und der Jammer spricht dem Vorwiß Hohn! Sünde ists, dem freyen Geist gebieten, Wo der Glaube uns nicht besser macht. Thorheit ist es, von Erleuchtung sprechen, In dem Grab der finstern Mitternacht. Uebers Klare pflegt man nicht zu streiten; Jeder Tag erwirbt sein eignes Licht. Nur das Trübe lockt zu raschem Kampfe. Ach man wüthet, und erkennt sich nicht! Prüft die Vorwelt, prüfet euern Glauben, Ist euch helle, was bort finster war? Manches; aber viel noch liegt im Schatten Heute wie im ersten Jubeljahr. Keiner zweifle, daß es lichter werde In dem alten groffen Heiligthum; going Und vielleicht in Stambuls Mauern findet Sich noch ein Ur- Evangelium. Aber was seit achtzehnhundert Jahren, Lieben Brüder, noch im Dunkeln liegt, Darob laßt uns jetzt nicht mehr entzweyen, Oder traun, die alte Thorheit siegt. Ehrt die Schrift, und leset sie mit Freuden; Bond 236- Aber, wo sie unbegreiflich spricht, Da, ihr Brüder, reichet euch die Hände, Und bekennet: wir verstehens nicht! Laßt uns nicht an leeren Formeln hången! Unser Herz, doch auch der Geist sey rein! Ach! der Friede ware bald geschlossen, Christen, laßt uns nur wahrhaftig fenn! Nichts bestimmen, was wir nicht umfaffen; Nichts behaupten, was wir nicht verstehn. Alles Groffe ist durch Einfalt herrlich; Jeder Glaube wird durch Tugend schön. Eintracht wollte Jesus Christus stiften, Gottesliebe ist Religion; Aber eure blinden Zionswächter Sprechen Gott und ihren Tempeln Hohn. Blut und Leben gaben die Apostele Freudig für die groffe Sache hin. Doch, was fragt der Miethling nach der Heerde, Bleibt ihm nur der baare Goldgewinn! Priester, schåmt euch! aller Zwist der Kirche Kommt von euch und Duldung von dem Thron! - Fürsten mußten euch zum Frieden zwingen! Edle Fürsten, Gott ist euer Lohn. 257Wachet ihr für unsern stillen Frieden, Für die Freyheit, die uns Jefus gab. Laßt uns denken, daß wir weiser werden. Jeder Irrthum sinkt von selbst zu Grab. Christen, wollt ihr Eines Glaubens leben? Wünschet ihr der Liebe Palmenkron? Will der Priester sie euch vorenthalten: Gehet hin und fordert sie vom Thron. Sprecht: wir wollen nach Erkenntniß streben! Aber frey von Wahn und Schüchternheit. Denn nur Wahrheit gilt, und das Gepräge Des Vollkommnen ist Nothwendigkeit. Freyheit hat dem Geiste nie geschadet, Nur in Feffeln drückt ihn kalte Nacht. Licht ist Licht! der blinde Buchstab tödtet, Und der Geist ists, der lebendig macht! Q -238 DODHAD An die Christen. Dritte Epistel. er alten und der neuen Kirche Chrifti, Die mich im grossen Erdenrund umgiebt, Die meinen Geist, wie die Natur erhebet Und die ich, wie die Wahrheit, stets geliebt; Nicht aber ich alleine, meine Brüder, Nein, sondern jeder, der nach Weisheit ringt, Und dem auf dunkler Wanderschaft durchs Leben Der grosse Fund, die innre That gelingt; Barmherzigkeit und Friede, Huld und Gnade Von Gott, dem Vater, in dem Weltenreich, Und von dem Sohn des Vaters, Jesu Christo Dem Erstgebornen in dem Gottesreich!*) *) a Joh. v. 1- 3. Ihr lieben alle, um der Wahrheit willen, Die in uns bleibet, trok der Menschlichkeit, Die mit uns reifet in dem Gang der Zeiten Und bey uns seyn wird in der Ewigkeit; 259- Mit stiller Ahnung blick ich auf die Boge, Die langsam schon dem Ufer näher treibt. Der Sturm verhallt. Die Elemente schweigen. Der Schaum jerrinnt.. Die flare Sonne bleibt. Triumpf! fie blickt durch die zerrisne Wolke Und strahlt umher in milder Seligkeit, Und feyert im verklärten Meeres- Spiegel Den Tag des Siegs und ihre Herrlichkeit. Mob Heil dir, Glück zu! die Nacht ist hinges schwunden, Der Sturm der Zwietracht, schöne Christenwelt. Du blickest heiter in die lichte Ferne; Ein guter Geist hat deinen Tag erhellt. Der alte Dom erscheint im jungen Glanze, So schön, wie ihn Johannes kaum geträumt:*) Denn was der breite Strom der Zeit versandet, Das wird mit rascher Kraft hinweggeräumt. Er öffnet sich. Die Herzen sind verföhnet. Mit Palmen zieht die Schaar der Christen ein. Ein Engelchor bekrånzet ihre Priester Und Gott ist da im süßen Freudenschein. *) Offenb. Joh. s91. Pomn 240 O sanftes Licht! Die Welt erlischt. Die Ewigkeit vergeht! Mein Herz zerfließt. Strahl aus bessern Welten! Der Geist, der Geist nur lebet, In frischer Luft, die aus den Himmeln weht. Und horch! welch hoher Lobgesang erschallet! Ein Hymnus, wie ihn nur die Andacht bringt, Wenn Herz in Herz und Geist in Geist ergoffen, Nach einem Vorschmack jenes Lebens ringt: Wir glauben alle einen Gott und Vater. Und lieben ihn, so viel das Herz vermag. Wir glauben an die Ewigkeit der Freude Und harren still auf jenen Erndtetag; Wo wir in süßer, namenloser Liebe Einander stammeln, wie uns Gott beglückt! Der groffe Stifter schwingt die Siegesfahne. Die Harfe klingt. Der Himmel ist entzückt. Und 241- Und ewig, ewig sinken wir dem Vater, Dem unaussprechlich Milden an die Brust. Das Herz schlägt Ruhe. Alle Sterz ne blinken Und liebend trinkt die Seele Himmelslust. F Die Harfe ist mir aus der Hand gesunken. Das Herz ist matt und die Entzückung flieht. So strahlt die Lilie im Mondenglanze Und ist nach kurzer Hertlichkeit verblüht. Wo ist die Welt, die ich im Traum erblickte? Ein böser Geist hat das Gebild zerstreut; Die holde Welt, voll Eintracht und voll Liebe; Ich finde sie nicht in der Wirklichkeit. Die Herzen sind sich näher, als es scheinet, Der Wille nur ist wundersam gehemmt. Wer reißt die magische Gewalt darnieder? Ihr Priester, nur die Tempel sind sich fremd, Wie ihr einander! Ist es Aberglaube, Ists Selbstfucht, Geiß, ists blöde Furchtsamkeit, 16 Mater 242 - - Was euch zurück vom grossen Frieden treibet? Ists Glaube, Wahrheitsliebe, Frömmigkeit? Wie? soll das Laster eure Tugend krönen? Die Finsterniß besteht nicht vor dem Licht. Gebt euch gefangen, wo der Geist entscheidet Und schweiget still, wenn Jesus Christus spricht. Auf eure Bücher send ihr nicht getaufet, Die Zeit der Katechismen ist vorben. Der Meister spricht! in Einfalt und in Würde. Was wollt ihr noch mit eurem Allerley! Der Kirchenvater muß zurücke stehen, Wenn der Apostel auf den Lehrstuhl tritt. Und welch Konzil vermag den Geist zu dámpfen, Da wo die Wahrheit ihren Kranz erstritt? Mein Joch ist sanft, spricht unser Herr und Meister Und daran årgert sich der After Christ. Der Mensch ist mit dem leichten nicht zufrieden, Er häuft die Last, bis er beladen ist. Die Wahrheit lebt; o laßt euch nicht bethören, Der Kranz ist welk, den euch der Irrwahn flicht. Wollt ihr den Ruf des Zeitgeifts überhören? Ihr werdet sterben, doch die Wahrheit nicht. Dann tritt der Enkel kalt an eure Urne Und spricht euch noch im stillen Grabe Hohn. Und eine freye Nachwelt fühlt im Herzen: P tem 245 Das was euch fehlte, warP - CAS Ein hartes Wort. Ich nehme es zurücke; - Religion. Ach Irrthum ist ja unser aller Loos. Laßt uns einander rathen, nicht verdammen, Die Menschheit und die Menschlichkeit ist groß! So höret denn, ihr, die ihr Frieden liebet, Ein Wort vom Himmel, das durch Wahrheit frommt, Hort, Christen! Hört es, unversöhnte Brüder, Auf welchem Weg der Friede zu euch kommt. Der Katholik, der stille Neformirte, Der Protestant, das ganze Christenthum Vertraue sich aufs neu' dem groffen Stifter, Und huldige dem Evangelium! Dann flieht die Nacht. Dann lichtet es im Often. Dann bricht die Sonne aus der Dämmerung. Natur und lieb' erwachen in Verklärung Und freuen sich der neuen Huldigung. Ankündigung. es Oberhofprediger Reinhards sämmtliche Predigten und übrigen theologischen Werke sind längst ein Eigenthum der protestantischen Christenheit geworden. Und nicht bloß das protestantische Deutschland, auch das katholische schöpfte reiche Belehrung und Erbauung aus diesem acht christlichen Quell. So ist Reinhard ein Mann der Nation geworden. Und wie tief greift Er in die Befürchtungen und Hoffnungen dieser verhängnisvollen Zeit ein. Man lese feine berühmte Jos hannispredigt von 1806, wie herrlich hat die göttliche Welt: ordnung nun endlich hinausgeführt, was nur Er so voraus: man lese seine Bußtagspredigten, zusagen gewagt hatte. die alle auch als wahre evangelische Volksreden und Stimme. der Zeit anzusehen sind. Ueberall trägt Er die Leiden und Drangfale einer durch harte Prüfungen zu läuternden dem Himmel aufs neue zuzuführenden Menschheit in seiner Bruft. Da aber dieser Echaz von noch recht vielen, die feiner ents behren, gefunden und im Innersten aufgenommen werden foll; fo sehe ich mich veranlaßt, um jedem widerrechtlichen Nachdrucke zu begegnen, die sämmtlichen Reinhardschen Schrif ten meines Verlags auf immer im Preise herabzufeßen: Reinhards Predigten für Familienerbauung von Hacker, 4 Bände, statt des bisherigen Ladenpreises von 5 Rthlr. oder 9fl. für 21 Rthlr. oder 4 fl. 1795 bis 1812, groß Octav, 34 Bånde, statt 31 Rthlr. 8 ggr. oder 65 fl. für 24 Rthlr. oder 40 fl. 1. 1 --einzelne Jahrgänge von 2 Bånden statt 1 Rthlr. 20 ggr. oder 3 fl. 36 kr. für 1 Rthlr. 12 ggr. oder 2 fl. 24 kr. P 1795 bis 1812 ordinar Octay, 35 Bånde, statt 26 Rthlr. oder 56 fl. 27 kr. für 17 Rthlr. oder 26 fl. 15 fr. einzelne Jahrgänge von 2 Bånden, statt 1 Rthlr. 12 ggr. oder 2 fl. 42 kr. für 1 Rthlr. oder 1 fl. 30 kr. Geständnisfe, seine Predigten und seine Bil dung zum Prediger betreffend, statt 20 ggr. oder 1 fl. 15 kr. für 12 ggr. oder 45 kr. Dogmatik von Berger, 4te Auflage behält den geringen Preis von 1 Rthlr. 20 ggr. oder 2 fl. 45 Fr. Polis Darstellung der Reinhardschen Lehrfäße, 4 Bånde, statt 5 Rthlr. 8 ggr. oder 8 fl. für 3 Rthlr. oder 4 fl. 30 Fr. Inches 1 Centimetres Blue 2 3 4 Cyan 2 15 CO 6 17 3 Farbkarte# 13 Green 8 Yellow 9 10 Red 11 5 N t 13 Magenta 14 6 15 White 17 17 16 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 8