Gb 529 Nur zur Benutzung im Lesennal 61 369 18 0 Dieses. Gebethlich gehöret, Konrad Birkenstock ind. Nassau. 1842. Benjamin Schmolcken's, weiland Past. Prim. und Inspect. der evangelischen Kirchen und Schulen vor Schweidniß, Gott geheiligte Morgen- und Abendandachten in gebundener und ungebundener Rede. Mit noch andern trostreichen Gebeten mehr, und sehr vielen erbaulichen Liedern versehen. In zwei Theilen. Sammt der Lebensbeschreibung des sel. Authoris; vermehrt mit Festandachten und Wettergebeten. Neueste Auflage, mit neuen Kupfern. Mit allergnädigstem königl. Sächsischen Privilegio. Sulzbach, in der J. E. v. Seidelschen Buchhandlung, 1 8 3 2. ○ 65% 9 Univ.- Bibl. Giessen. Demnach der durchlauchtigste Fürst und Herr, Herr, Friedrich August, des heiligen Römischen Reichs Erzmarschall und Churfürst zu Sachsen 2c., auch Burggraf zu Magdeburg 2c., mein gnädigster Herr, auf bei Höchst. Denenselben von dem Buchhändler, Herrn Johann Esaias Seidel in Sulzbach beschehenes unterthänigsies Suchen in Gnaden bewilliget, daß derselbe folgende beide Bücher: 1) Benjamin Schmolcken's Gott geheiligte Morgen- und Abend: Undachten. 2) Desselben Buß: Opfer. in sofern er, seinem Anführen nach, das VerlagsRecht darüber von der Pechischen Buchhandlung zu Nürnberg an sich gebracht hat, unter Höchst. Dero Privilegio drucken lasse und verkaufe, von selbigem auch der dießfalls erhaltene Privilegien Schein mir zur Insinuation an die Buchhändler zugestellet, und dann von mir sothanes Privilegium, nach Vorschrift des sub dato Dresden den 18. December 1773. ergangenen gnädigsten Mandats und des demselben beigefügten Regulativs, allen hiesigen sowohl, als den jetzt zur Messe anwesenden fremden Buchhändlern infinuiret worden, immaßen sie solches mittelst eigenhändiger Unterschrift meines Protokolls beken. net haben, und Niemand hierbei etwas erinnert hat. Als habe ich gegenwärtigen Schein unter meiner eigenhändigen Unterschrift und gewöhnlichem Siegel darüber ausgestellet. Sign. Leipziger Jubi late Messe 1806. ( L. S.) Christian Friedrich Gotthelf Weinich, verpflichteter Bücher- Inspektor. Vor: 1 Vorrede. V Es ist das gegenwärtige erbauliche und geistreiche Gebetbuch, welches andächtigen Betern auf das Neue in die Hände geliefert wird, viel zu bekannt, als daß es erst nöthig wäre, dasselbe in einer weitläufigen Vorrede anzupreisen. So wenig in unsrer Kirche an Sammlungen andächtiger Gebete auf alle Fälle ein Mangel ist, so richtig ist es auch, daß diese Schmolckische Andachten, die den Namen dieses frommen Priesters, wie seine übrigen Werke bei allen guten frommen Herzen unvergeßlich gemacht haben, einen gar großen Vorzug verdienen. Denn nicht zu gedenken, daß er bei dieser Arbeit, die ihm besonders eigen gewesene Gabe der Dichtkunst, auf eine erbauliche Weise anzuwenden gewußt habe; so wird ein Jeder, der mit den Worten desselben betet, an sich erfahren, daß er mit derjenigen Salbung geschrieben habe, die nsthig ist, wenn das Opfer unfrer Lippen, nach dem Herzen Gottes sowohl als nach unserm eigenen Herzen eingerichtet seyn soll. Statt aller Beweise aber, daß diese Morgen und Abend. andachten, vor andern Sammlungen dieser Art, jederzeit außerordentlich beliebt gewesen sind, können die verschiedenen Auflagen dienen, die man, seitdem dies ses Buch das erstemal bekannt gemacht worden ist, 2 VI Vorrede. hat veranstalten müssen. Und da auch gegenwärtig eine neue Auflage nöthig war: so hat man alle mögliche Sorgfalt getragen, diesem erbaulichen Handbuch auch im Neußerlichen vor den vorherigen Ausgaben einen Vorzug zu geben. Zu dem Ende sind nicht nur die Kupfer aufs Neue sauber gestochen worden, sons dern man hat noch außer diesem einige andere nüßliche Verbesserungen vorgenommen, die dieser Aus gabe zur Empfehlung dienen müssen, wohin insonderheit die in dem zweiten Theil vorkommenden Fests Andachten gehören, die in den vorigen Auflagen nicht befindlich sind. Der Herr lege einen bleibenden Segen auch auf diese Arbeit, und lasse alle diejenigen, die sich derselben in gesunden und kranken Tagen, in Noth und Tod bedienen, reiche Erhörungsfrüchte einerndten, wie schon hier in der Zeit, am allermeisten dorten in der Ewigkeit. Geschrieben Nürnberg den 12. December 1765. Vor: VII' Vorre de zu den vorigen Ausgaben. Geneigter Leser! Andächtig und erhörlich beten ist eine Kunst, welche nicht den menschlichen Kräften, sondern der Wirkung des Geistes Gottes zuzuschreiben ist, 1 Kor. VII. 3. Dieser treibet die Kinder Gottes an, ihre Noth und Anliegen dem himmlischen Vater, im Vertrauen auf feine Hilfe und Erhörung, durch Christum vorzutragen. Bei ihnen ist ein Gefühl eines Mangels und Elendes; zugleich aber auch eine Absicht auf Gottes Majestät und Güte. Beides unterscheidet sie von den Weltkindern und Heuchlern. Bei diesen spüret und höret man zwar auch etwas vom Gebet, fie reden Gott an mit ihrem Munde, im Herzen aber wissen sie nichts davon. Auf die Majestät und Güte Gottes haben sie keine Absicht, weil sie sonst mit ge: bührender Ehrfurcht des Herzens vor den würden treten, der Herzen und Nieren prüfet, Pf. VII. 10., und nicht bloß äußerlicher andächtiger Geberden sich VIII Vorrede. befleißen. Von dem Elend, worin ihre Seele fie. cket, haben sie kein Gefühl: sonst würde auch dieses vermögend seyn, größern Eifer und Andacht im Gebet bei ihnen zu erwecken. Denn Menschen können so wenig sich selbst glücklich machen, so wenig fie durch eigene Kraft ihre Widerwärtigkeiten überwinden, denselben ausweichen oder sie von sich abkehren mögen, sondern sie müssen Gott um Besorgung ihrer zeitlichen und ewigen Wohlfahrt anflehen. Und also geschieht das Gebet der Heuchler nur mit dem Munde aus Gewohnheit, oder, damit sie von den Leuten gesehen werden. Wenn sie bei demselben auch gleich die beste Ordnung beobachten, der geistreichsten Ausdrücke sich bedienen, und allerlei Bewegungen der Glieder des Leibes machen, dergleichen sonst rechten Betern nur eigen sind; so wird doch ihr Gebet nicht erhöret, sie schånden Gott, dessen Wort fie in ihren Mund nehmen, damit aber Zucht hassen. Pf. L. 16. Ein andächtiger Beter und wahres Kind Gottes aber wird, so oft es vor seinen himmlischen Vater tritt, mit kindlicher Furcht vor ihm erscheinen. Es siehet und weiß, daß ihm nicht nur im Leiblichen manches abgehet, sondern es verspüret auch im Geistlichen mancherlei Mängel und Unvollkommenheit, welchen allein die Güte und Macht Gottes abhelfen kann. Solchemnach ist sein Gebet von dem Gebet eines Heuchlers ganz unterschieden. Dieser betet aus Gewohnheit, jener aus Trieb seines Elendes und Unvermögens: Dieser allein mit dem Munde, und er Vorrede. IX langet keine Erhörung, jener aber hat sie nach der Verheißung Christi gewiß zu erwarten. Joh. XVI. 23. Doch ist auch bei denen, welche alle erforderlichen Eigenschaften eines rechten Beters haben, noch einiger Unterschied zu bemerken. Einige sind für sich selbst im Stande, ihre Noth Gott vorzutragen, ohne sich an eine gewisse Formel zu halten, andere aber sind, wegen ihrer natürlichen Blddigkeit und Einfalt, oder wegen Betrübniß ihrer Seelen, oder wegen anderer Ursachen, nicht im Stande, dieses zu thun. Diese letztern halten sich gerne an solche Gebets Formeln, welche auf ihre Umstände gerichtet sind, oder welche ihnen, zur Erhaltung und Vermehrung ihrer und der Ihrigen Andacht, am hinlånglichsten zu seyn scheinen. Diesen nun nach Wunsch an Handen zu gehen, haben, bald nach dem Anfang der gesegneten Reformation, offentliche Lehrer, oder auch andere andächtige Beter, entweder die von ihnen selbst verfertigten Formeln, oder sol. che, die aus Anderer Schriften gesammelt, zum gemeinen Gebrauch zusammen drucken lassen. Hieher sind zu rechnen, außer Luther's und Melanchthon's Arbeit, Musculi, Mathesii, Melisandri, Arndt's, Ecriver's und andere Sammlungen, so öfters dem Druck übergeben, und von vielen, nicht ohne großen. Segen und Frucht, sind gebraucht worden. Unter den neuesten ist der nunmehro sel. Herr Benja. min Schmolck, wegen seiner geistreichen und wohleingerichteten Gebete am beliebtesten: und da er X Vorrede. auch unter den berühmtesten Dichtern, wegen seiner vielen Lieder und Cantaten, eine Oberstelle verdient: so hat deffen ungemeine Stärke in der deuts schen Dichtkunst viele Gemüther dermaßen eingenommen, daß sie sich seiner Gebets Formeln vor an dern bedient haben. Es werden zwar die vielen Schriften, dieses angesehenen Gotteslehrers, und seine Verdienste um das evangelische Schlesien, das Schmolckische Angedenken nimmermehr untergehen lassen: Da aber doch manche andächtige Beter von den besondern Lebensumständen des sel. Herrn Schmolcken's gerne etwas wissen möchten: so achtet man für nöthig, aus Herrn Weßel's Lebensbeschreibung der Lieder Dichter III. Theil, und Herrn Götten's gelehrtem Europa II. Theil einige derselben anzuführen. D Brauchitschdorf, im Schlesischen Fürstenthum Liegniß, hat die Ehre, Herrn Benjamin Schmol cken's Vaterland zu seyn, woselbst er am Tage des Apostel Thomå, Anno 1672 war geboren worden. Sein Herr Vater, Martin Schmolck, war dafelbst in die 47 Jahre Pastor und Circuli Senior, vorher aber 12 Jahre Conrector in Schmiedeberg, welcher in dem 84ften Jahre seines Alters versiorben ist. Nachdem er den Grund seiner Studien zu Lauban und im Vaterlande gelegt hatte, setzte er dieselben auf der berühmten Leipziger Universität 5 Jahre lang mit großem Ruhm fort, und wurde Vorrede. 5 XI bei seiner Zurückfunft in Patriam Anno 1701 den 2ten Januarii seinem Herrn Vater substituirt. Als aber Anno 1702 Herr Michael Wiedmann, nachmaliger Superintendent zu Stollberg am Harz, von seinem zu Schweidnitz verwaltenden Diaconat abgefordert wurde, succedirte ihm Herr Schmolck noch selbigen Jahrs den 12ten December in dieser Stelle; wurde hierauf in dieser Kirche 1707 ArchiDiaconus, 1712 Senior, 1714 aber Pastor Primarius, wobei ihm zugleich die Inspection dafiger evangelischer Kirchen und Schulen anvertraut wurs de. Während seines rühmlich geführten Lehramtes hat er, außer verschiedenen Leichenpredigten und Abdankungen, auch noch andere sehr viele und herr. liche Schriften in gebundener Rede herausgegeben, von welchen Herr Wegel und Götten in obenangeführten Stellen nachzuschlagen sind. Ob ihn nun endlich gleich Anno 1730 am Sonntage Laetare in seiner Stube die Hand des Herrn gerühret, ſo daß von der Zeit an die rechte Hand, Seite und Fuß gelähmt geblieben, wozu nachgehends noch die Beraubung seines Gesichts gekommen, und der wie. derholte Schlag ihn vollends gar auf das KrankenBett gezogen: so hat er dennoch auch, bei abnehmender Sprache und Gedächtniß, dann und wann verstorbenen Kirchen Kindern zum Andenken noch ein Abschiedslied gedichtet. Seine Zeit brachte er in stils ler Zufriedenheit und großer Gelassenheit meist im Bette zu, und starb endlich selig nach vielem aus XII Vorrede. gestandenem Elende, Anno 1737 den 12ten Februar, alt 64 Jahre, 8 Wochen und 4 Tage. Conf. Herrn M. Klugen's, Pastor. zu Neumark, Evangelischer Begräbniß Lieder Commentarius P. 10. Daß der sel. Herr Schmolcke, wegen seiner reinen und fließenden Gedichte unter die besten deutschen Poeten zu zählen, haben, außer Theod. Crusio in der Vergnügung müßiger Stunden IV. Theil, auch der berühmte Herr Gottlieb Stolle, in der Anleitung zur Historie in der Gelahrtheit, und M. Christoph Pfeiffer im Evangelischen Sabs bath betender Christen mit gutem Grund behauptet: wiewohl Herr Götten meinet, daß, wenn er seine Gedichte nicht in so großer Eile und Menge hätte schreiben müssen, er mit leichter Mühe, die mehrere Reinigkeit der Worte und Reime würde befördert haben, und von seiner trefflichen Fertigkeit noch viele schönere Früchte hätte liefern können. Allein das erstere kann man vielleicht auch von andern Dichtern, welche nicht mindere Verdienste um die deutsche Poesie haben, sagen, das andere aber muß nach der Mundart Schlesiens nur beurtheilt werden. Genug, daß Herrn Schmolcken's Schriften" bishero viele Liebhaber gefunden, und fast die ganze Evangelische Kirche in Deutschland seine Lieder mit allgemeinem Beifall in die öffentlichen Gesang. Bücher Aufgenommen hat. Weil aber nicht Jedermann seine Schriften nach Verlangen hat bekom Vorrede. 2 men können, und doch viele Beter gewünschet, die Morgen- und Abend Andachten von ihm sowohl in gebundener als ungebundener Rede aus allen seinen Schriften, in einem besondern Büchlein gesammelt zu sehen: so hat dieses Herrn Friedrich Rothscholz sel. veranlaßt Anno 1720 die in gebundener Rede geschriebenen Morgen und Abend Gebete dieses geistreichen Gottes Lehrers, vortrefflichen Lieder- Dichters und gekrönten Poetens zusammen zu tras gen, und durch den Druck gemein zu machen, welchen Anno 1721 der andere Theil gefolget, so die in gebundener Rede in sich enthielt. Beiden wurden gewisse Morgen- und Abend, auch andere Gesänge, sowohl Herrn Schmolcken's, als anderer geistreicher Theologorum, beigefügt. Dies ses Unternehmen hatte nicht nur der Herr Autor gebilligt, sondern auch noch andere Sachen zum Verlag der damaligen Tauberischen Buchhandlung über: liefern wollen, wie man mit dessen eigenhändigen Briefen darthun kann, und gewiß geschehen wäre, wenn nicht seine steten Unpäßlichkeiten und endlich der gar erfolgte Tod ihn daran gehindert hätten. Gott hat beiden Werkchen dermaßen viele Liebhaber finden lassen, daß man dieselben sehr oft der Presse hat überliefern müssen, ohne der vielen und häufigen da und dorten auf eine unerlaubte Weise gemachten Nachdrücke zu gedenken. Gott lasfe noch ferner vielen Segen durch diese Sammlung auf die Betenden kommen, und mit der Empfindung F XIII 3 XIV Vorrede. von der Gnaden Gegenwart Jesu, und der Kraft seines Leidens verbinde sich die Empfindung der Gewißheit, daß ihr Gebet Gott angenehm seynwerde! Heilige Heilige Vorbereitung zum Gebet auf alle Tage des Jahrs. Herr err höre, Herr erhöre, breit Deines Namens Ehre an allen Orten aus; behüte die drei Stände, durch Deiner Allmacht Hände, beschüße Kirch und Haus. Uch! laß Dein Wort uns allen, noch ferner reichlich sd allen, zu unfrer Seelen Nut. Bewahr vor allen Rotten, die Deiner Wahrheit spotten, beut allen Feinden Truß. Gib Du getreue Lehrer und unverdroßne Hörer, die beides Thäter seyn. Auf Pflanzen und Begießen laß Dein Gedeihen fließen und erndte reichlich ein. Gib unserm Fürsten Glücke, laß seine Gnadenblicke auf unser Zion geh'n; Schüß ihm auf seinem Throne, und lasse seine Krone in vollem Glanze steh'n. Laß alle, die regieren, ihr Amt getreulich führen, schaff jedermann sein Recht: Daß Fried und Treu sich müssen in unserm Lande küssen, ja segne Herr'n und Knecht. Wend ab in allen Gnaden, so Feu'r: als Wasserschaden, treib Sturm und Hagel ab; bewahr des Landes Früchte, und mache nicht zu nichte, was Deine Hand uns gab. Gib uns den lieben Friede, mach alle Feinde müde, verleih gesunde Luft. Laß keine theure Zeiten auf unsre Grenzen schreiten, da man nach Brode ruft. Die Hungrigen erquicke, und bringe die zurücke, die U B. Schmolken's Andachten. Benjamin Schmolken's Uber Dn, mein Wächter! hast mich mit Hülf und Schuß umgeben, Daß mein Weniges noch da, und die Meinigen noch leben; Ja, daß ich noch selbst vorhanden, das kommt alles, Herr! von Dir. Du schreibst alle meine Tage mir in Deinem Buche für. Darum ehr ich Deine Macht, darum rühm ich Deine Güte. 4 Weiser, starker, treuer Gott, Dich erhebet mein Gemüthe. Sen gepreist für alles Gute, das mich diese Nacht erfreut, Daß du auch mein gestrigs Beten mit Erhörung benedeit! Du hast mir vergnügten Schlaf und ganz fichre Ruh gegeben, Du hast mich gesund erweckt, läsfest mich den Tag erleben, Deine liebe Sonne scheinen, und die Meinen wieder seh'n. Das ist alles aus Genaden, Herr! von Dir allein gescheh'n. Habe Dank, daß Du von mir, so viel Böses abgetrieben; Unter Deiner Uugen Wach bin ich unversehrt geblieben; Unter Deiner Hände Schirmen fand ich ungestörte Ruh; bil Unter Deiner Engel Beistand schloß ich sanft die Augen zu! Da mich Finsterniß umfing, mußte mich Dein Licht umfaffen; 5 allgemeines Morgengebet. Deine Huld verließ mich nicht, obgleich Menschen mich verlassen. Da ich von mir selbst nichts wußte, war ich Dir doch wohl bewußt, Da ich gleichsam todt gelegen, lebtest Du in meiner Brust. Mächtig hast Du mich beschüßt, daß mich Sünde nicht beflecket; Daß kein Schrecken, kein Verlust, keine Krankheit mich erwecket. Gnädig hast Du mich beschirmet, daß des Satans feine List, Und der bösen Menschen Tücke ganz zu Schanden worden ist. Diese Morgenstunde soll aller Deiner Wohlthat denken, Und ein dankbarliches Herz für so viele Treue schenken, Die Du mir Zeit meines Lebens, aus der treuen Vaterhand, Ob ich es gleich nicht verdienet, doch so reichlich zugewandt; Wie Du mich erschaffen hast, da ich vormals nichts gewesen; Wie du mich erlöset hast, da ich doch zum Zorn erlesen; Wie Du ferner mich geheil'get, da ich war verkehrt im Sinn, Und mich bis auf heut erhalten, da ich's doch nicht würdig bin: Alles, alles ist von Dir, und aus Deinem Schoos genommen, Weil ich diesen Morgen nun alles neu ges schenkt bekommen, Benjamin Schmolken's Und auch selber ganz von neuem gleichsam lebend worden bin: Ach! so nimm zu einem Opfer, alles, was ich habe hin. Ich will heut und allezeit Dich bekennen, an Dich denken; 6 Liebe, Lob und Ehrenpreis Dir mit Mund und Herzen schenken. Seele, Leib und was ich habe, stehet Dir zu Dienst bereit; Ich will Deine Güte rühmen hier und dort in Ewigkeit!!** Bitte. Siehe, mein Gott, dieser Tag ist nun abermals erblicket, Und Du weißt, daß jeden Tag seine neue Plage drücket, Ja Du weißt, daß ich noch sündlich, dürftig und beladen sey, Und mein Elend, wie Du kennest, wird auch alle Morgen neu. Drum so laffe diesen Tag, Deine Güte nicht verschwinden, Straf mich nicht, verwirf mich nicht, und verlaß mich nicht in Sünden! Hilf, daß auch der Feind der Seele keine Macht an mir erhält, Und mit seinen Höllenstricken mich nicht gar zu Boden fällt! Uch vergib, wenn ich mein Herz schnöden Lüften eingeräumet, Wenn ich Sündliches gedacht, wenn mir Schändliches geträumet, 7 allgemeines Morgengebet. Meine Lagerstatt beflecket, mein Gewissen sehr verleßt, Meinen Nächsten nachgestellet, und mich wider Dich gesetzt! Frommer Gott, verhänge nicht, daß der Tag, Der mir erschienen, Als ein unglückselger Tag mir zum Falle möge dienen, Deine Gnade zu verscherzen, in verstocktem Sinn zu geh'n, Und also von Deinem Himmel ewiglich ge= trennt zu steh'n! Der Du Vater bist des Lichts, ach! erwecke mein Gewissen, Daß es diesen Tag nicht schläft, weil die Augen wachen müſsen! Laß mich heute nichts Verkehrtes denken, reden oder thun, Deinen Zorn und mein Verderben nicht vor meiner Thüre ruh'n! Laß die Macht der Finsterniß mit der Nacht sich von mir kehren; Laß mich nicht mein Brod umsonst nur mit Müßiggeh'n verzehren! Hilf, daß ich den Tag nicht brauche, wie ein Kind der Finsterniß, Noch das Licht von Deiner Sonne meinen Sünden scheinen muß! Faulheit, Unbedachtsamkeit und unordentliches Wesen Heiße ferne von mir seyn. Was Du mir zu thun erlesen, Laß mich ungehindert schaffen, daß ich die sen ganzen Tag 100 3 Benjamin Schmolken's In Geschäften des Berufes keine Träg heit zeigen mag! Hilf, daß ich nichts unterlaß, nichts vergeſse, nichts verschiebe, Nichts zur Unzeit nehme vor, oder sonst Versäumniß liebe, Daß die Nacht nicht wird zum Tage, und der Tag zur Nacht gemacht, Noch mein Leib durch schnödes Sorgen vor der Zeit ins Grab gebracht! Treib durch Deinen Schuß von mir böse Menschen, böse Thiere; Laß nicht zu, daß mich mein Gang auf Verführungswege führe, Daß ich nicht Gesellschaft finde, die auf mein Verderben sieht, Oder sonsten wohin gehe, wo vielleicht mein Unglück blüht! Soll ich endlich diesen Tag noch auf Erden überleben, Wollest Du in Fried und Ruh einen Feierabend geben, Daß ich alsdann nicht gekränkter und be: trübter schlafen geh, Als ich jetzt an diesem Morgen, Herr! vor Deinen Augen steh. 8 Und in Summa: nimm hinweg alles, was mich sonst betrübet, Hindre alles gnädiglich, was mir etwa Schaden gibet. Soll der Tag mein letzter heißen: o, so steh mir endlich bei, Daß mein Ende nicht unselig, und mein Tod nicht böse sen! allgemeines Morgengebet. 9 Gebet. Vater, dessen Güt und Treu alle Morgen neu geboren, Hör auch jeßund mein Gebet mit genadenreichen Ohren: Gib mir, Herr, nach Deinem Willen, was ich diesen ganzen Tag, Sowohl in dem Christenthume, als im Leben brauchen mag. Friste meine Lebenszeit, und bewahre mein Gefichte; Gib den Gliedern neue Kraft, mach es im Verstande lichte, Und erhalte die Gesundheit; mache mich geschickt dazu, Daß ich, was Du mir befohlen, und was Dir gefällig, thu! Gib, daß ich im Lichte Licht, Dein Erkennt: niß mag erblicken; Deine Gnade müsse mich, wie ein Morgenthau erquicken; Hilf, daß ich mit meinen Kleidern, Jesum Christum an mich zieh, Und, als wie ein Kind des Lichtes, in dem Guten mich bemüh. Laß Gedanken, Wort und Werke gegen Gott und Menschen spüren, Gottesfurcht und Ehrbarkeit, und was sonst für Gaben zieren: Gib, daß ich gerecht, treu, redlich, klug, bescheiden, nüchtern_sey, Und mich Deines jüngsten Tages stets bei gutem Wandel freu. Benjamin Schmolken's O Herr Jesu! sey bei mir, ich will alle meine Sachen, Was ich denke, red und thu, nur in Deinem Namen machen; 10 Mache Du den Anfang fröhlich, stehe mir mit Segen bei, Daß das Mittel ungehindert, und das Ende glücklich sey! Gib mir Kräfte, dem Beruf wohl und treulich vorzustehen; Laß die Tagesstunden mich recht vertheilen, wohl begehen; Gib Gelegenheit zu wirken, das, was Deines Namens Ehr, Andrer Wohlfahrt, wie auch meinen und der Meinen Nußzen mehr! Ist mirs gut, so laß den Tag enden, wie er angehoben, Gib mir heut mein täglich Brod, segne Du mein Thun von oben; Mache leicht, was schwer, und ändre, was Gefahr erwecken mag; Daß ich auch an diesem Tage mit Geduld die Last ertrag. Heilige Dreifaltigkeit! Dir ergeb ich bester massen, Leib und Seele, Hab und Gut, Wissen, Wol len, Thun und Laffen, n Reden, Schweigen, Sißen, Liegen, Ste hen, Gehen aus und ein; Ja mein Leben und mein Sterben laß Dir Herr befohlen seyn! Wie Du mich versorgen willst, stell ich ganz in Dein Gefallen: 11 allgemeines Morgengebet. Laß mich heut und auch hinfort nur in Dei: ner Gnade wallen. Gib mir Deinen guten Engel, daß er mich begleit und führ; Von dem Morgen bis zum Abend sey und bleibe stets bei mir; O Gott Vater! Deine Macht schüße mich zu allen Zeiten, Deine Weisheit, o Gott Sohn! führe mich auf allen Seiten; Deine Kraft, du Geist der Gnaden! Halte mich in aller Noth, Führe mich in Tod und Leben, Dein ist Leben und auch Tod, sed Nun, Herr, segne Deinen necht, und behüte mich vor Schaden; Herr, erleucht Dein Angesicht über mich mit Licht und Gnaden; Herr, erhebe Du Dein Untlik auf Dein Kind und steh mir bei, Daß Dein Friede, heut und immer, und auch ewig bei mir sey! Fürbitte. Lieber Vater, frommer Gott! Du läßt nicht allein den Deinen, pu Sondern auch der bösen Schaar, Deine Gnadensonne scheinen; Uch erbarm Dich aller beider, daß kein Mensch an diesem Tag, Weder zeitlich hier, noch ewig, sein Ver derben finden mag: Benjamin Schmolken's Laß in aller Christenheit Dir mit Ernst und Eifer dienen; Laß in allem Regiment Rath und That zum Frieden grünen; Laß in allen andern Häusern, etwas Nüßliches gedeih'n, 12 Und den Tag bei allen heilig, Dir allein zu Ehren seyn! Hör die Frommen, welche Dir jetzt ein Mor genopfer schenken! Den Boshaftigen verzeih, die an kein Gebete denken, Sondern in den Tag hinleben, ohne Furcht und ohne Scheu, Als ob ihnen nur zur Sünde Licht und Zeit geschaffen sey! Führe wohl die Reisenden, die jetzt auf die Straßen müssen, Sorge für die Dürftigen, die noch keine Speise wissen! Gib Gelegenheit zur Arbeit, dem, der was verdienen will; Set auch eines jeden Plage ihr bestimmtes Maas und Ziel. Laß getreulich jedermann sein befohl'nes Werk vollbringen; Was er thun und schaffen will, das laß alles wohl gelingen! Nimm diejenigen in Obacht, deren Arbeit voll Gefahr, Und stell endlich auch den Müden nach der Last Erquickung dar! Endlich, Herr! befehl ich auch alle Menschen Deiner Güte, 13 allgemeines Morgengebet. Weib und Kinder und wer sonst vom Geblüt und am Gemüthe Mir verwandt und auch verbunden, so be kannt als unbekannt; Auch die Feinde mit den Freunden nimm in Deine Gnadenhand. Leite die nach Deinem Rath, die sich heut zu mir gesellen, Stehe mir und ihnen bei, daß uns nichts vermag zu fällen! Alle Deine Kreaturen laß in Deinem Schuße seyn, Und so bitt ich nur noch dieses: Sprich ein gnädigs Amen drein! 14 Allgemeines Abend gebet auf alle Tage in der Woche. Danksagung. Werde munter mein Gemüth! eh der Leib zur Ruh sich wendet, Dieser Tag ist nun dahin und die Arbeit auch vollendet; Jetzund kommt der Feierabend, und die Nacht bringt ihre Frist, Du bist einen Tag schon älter, als du vor gewesen bist. Stelle dein Bemühen ein, spar die Arbeit bis auf Morgen; Lege deine Sorgen hin, Gott will jeßund für dich sorgen: Denke nunmehr an dich selber, ehe du zu Bette gehst, Daß du auch vor deinem Schöpfer mit Gebet und Lobe stehst. Ewiger getreuer Gott! der Du keinen Wechsel treibest Zwischen Licht und Finsterniß, sondern wie Du bist verbleibest, Deine Jahre sind ohn Ende, beides, Tag und Nacht ist Dein, Du machst, daß Sonn, Mond und Ster: ne im gewissen Laufe seyn! 15 Allgemeines Abendgebet. Du hilfft immer einen Tag nach dem andern hinterlegen, Du weißt täglich eine Last nach der andern abzulegen, Und durch Deine große Güte ist es auch dahin gebracht, Daß Dein Kind nach seiner Arbeit einen Feierabend macht. this Alles, was ich diesen Tag besser bin und zu genommen, Das ist, Herr! allein von Dir, und von Dei: ner Gnade kommen. Was ich älter, flüger, reicher und gesünder worden bin, Heiß ich alles Deinen Segen; denn wo wär es mein Gewinn? Darum dank ich Deiner Huld auch in dieser Abendstunde; Ich erhebe Deine Treu mit dem Herzen, mit dem Munde. Spitz Deine Wohlthat ist unzählig, unbegreiflich Deine Macht, Der Du mir den Tag zur Arbeit, und die Nacht zur Ruh gemacht. Was ich Dich am Morgen bat, hast Du mir am Tag gegeben, Du hast mein Gemüth regiert, Du erhieltest mir das Leben, dal Du erleuchtest mir die Augen, gabst dem Leibe Speis und Trank, Meinen Gliedern die Gesundheit, meiner Arbeit ihren Gang; Und jetzunder da der Tag vor der Nacht hat weichen müssen, 16 Benjamin Schmolken's Läßt Du fröhlich und gesund mich die müden Augen schließen; Daß ich ruhig und mit Freuden in mein Bette gehen kann, Schreib ich alles Deiner Güte mit ver bundnem Herzen an. Es ist alles gut, mein Gott! wenn ich Böses gleich empfangen, Oder nicht nach meinem Wunsch alles wäre wohl ergangen: Hab ichs ärger doch verdienet, würd auch übel um mich steh'n, Wenn Du mirs gelindert hättest, oder bes ser lassen geh'n. Du langmüthiger Gott! Du hast mich so wohl erlesen, Da ich doch nicht allemal Deiner eingedenk gewesen. Manches hab ich nicht gebeten, und Du haft mirs doch verliehn; Defters hab ich dich betrübet, und Du haft mirs doch verziehn. Nun für dieß und alles das sen gelobet und gepriesen! Was Du mir, den Meinigen und sonst Andern haft erwiesen: Was Du Böses abgewendet, was Du Gutes bast gethan, Dieses nehm ich hier und dorten ewiglich mit Danken an! Bitte. Vater der Barmherzigkeit! ach, verzeih um Jesu willen, Was allgemeines Abendgebet. Was ich heute diesen Tag, wider Wissen, wider Willen, Deffentlich sowohl als heimlich gegen Dein Gebot gethan! Siehe mich in Christi Wunden mit Gena: denaugen an, Decke meine Sünden zu, wo das Gute unterblieben; Wo was Böses ich gedacht, bald geredet, bald getrieben, Wider Dich und meinen Nächsten, als auch selbsten wider mich! 17 Straf mich, Herr! nicht nach Verdienste, und vergib genädiglich. Wende diese Nacht von mir alle Macht der Finsternisse, Daß ich nicht im Sündenschlaf meine Augen: lieder schließe. Ich mag schlafen oder wachen, so gib mir Gedanken ein, Welche Dir und dem Gewissen keinerlei zuwider seyn. Treib den Satan von mir weg, und was ihm pflegt anzuhangen, Laß mich mit den Meinigen eine sanfte Ruh erlangen. Schüß uns, Herr! vor Dieb und Mördern, Wassersnoth und Feuersmacht. Steure denen, die nicht schlafen, bis sie böse Ding vollbracht. Laß das Grauen in der Nacht und des bösen Feindes Schrecken, Noch was sonsten Unruh macht, mich vom Schlafe nicht erwecken! B. Schmolken's Andachten. B 18 Benjamin Schmolken's Lasse traurige Gedanken, Furcht und Schre: cken ferne seyn; Wiege mich in Deinem Schooße ohne Sorg und Kummer ein! Gib, daß mich kein schwerer Traum in der sanften Ruhe Hindre, Keine Krankheit meine Kraft weder raube noch vermindre; Keine Schmerzen mich befallen, oder sonst Gefahr und Noth: Hnd zuletzt verhäng mir nicht einen bösen schnellen Tod! Gebet. Herr Gott, Vater Sohn und Geist, sen auch jeßund mir zugegen, Ich will mich in Deinen Schooß und in Deinen Namen legen! Nimm, o Schöpfer, Dein Geschöpfe, Leib und Seele, Hab und Gut, Und was Du mir sonst gegeben, gnädiglich in Deine Hut. Was ich lebe, leb ich Dir, denn Du bist allein mein Leben; Wann ich sterbe, sterb ich Dir, denn Du kannst das Leben geben. Also bin ich in dem Tode und auch in dem Leben Dein: Laffe beides, Tod und Leben, Dir auch wohl befohlen seyn, Hilf, daß ich an alles denk, was ich heut von Dir empfangen, Alle Sünden wohl bereu, die ich diesen Tag begangen, allgemeines Abendgebet. 19 Hab ich heut im Thun und Reden mir zum Schaden was gemacht, Ei, so bringe Du zu rechte, was ich unrecht angebracht! Decke mich in dieser Nacht mit dem Schatten Deiner Güte, Daß mich Deiner Hände Schuß und der Engel Wacht behüte! Gib mir fröhliche Gedanken, wenn ich in mein Bette geh, Daß ich ungehindert ruhe, und gesünder aufersteh! Sen bei mir, wenn ich allein; führe mich auf finstern Wegen; Tröste mich in aller Furcht, schlaf ich, wache Du dagegen; Wach ich, laß mich an Dich denken, warne mich vor der Gefahr; Wecke mich auch morgen frühe, wenn die Urbeit wieder dar! Gib ein fröhliches Gemüth und gesunde Lei beskräfte, Wenn ich aus dem Bette geh: laß mich die Berufsgeschäfte Mit Gebete vor mich nehmen, frist auch meine Lebenszeit, Dir zu Ehren, mir zum Besten, und des Nächsten Nutzbarkeit. Doch weil auch mein Leben sich endlich muß zum Ende lenken, Und ich keine Stunde weiß: ach! so laß mich wohl bedenken, Wenn ich mich zur Ruhe lege, daß der Tod stets um mich geh; B2 20 Benjamin Schmolfen's Daß der Sarg bei meinem Bette täglich in Gedanken steh, Ja, wenn gar in dieser Nacht mich mein Ende treffen sollte, Oder auch Dein jüngster Tag mich zur Rechnung rufen wollte: O so sen mir, Herr, genädig, nimm mich in den Himmel ein: Laß den letzten Blick auf Erden dort bei Dir den ersten seyn! Fürbitte. Herr, Du Hüter Israel! welchem aller Schlaf verborgen, Wolleft auch in dieser Nacht, für die lieben Meinen sorgen; Ja für alle Menschenkinder sorge heut und Morgen früh, Laß Dein Auge für sie wachen, Deine Hand bedecke sie! Höre gnädig und erhör, wann die Frommen jehund beten; Schone der Beleidiger, die Dir heut zu nah getreten! Trag Geduld mit jenen Sündern, die, bei dieser finstern Nacht, Nur auf Fressen, Saufen, Huren und Berauben sind bedacht. Reiß die Trunkenen nicht hin, wenn sie noch in Sünden stehen; Laß die Sonne nicht im Zorn bei den Zänfern untergeben; Und erbarme Dich auch derer, die sich ießund zwar gelegt, 21 allgemeines Abendgebet. Uber Dich durch kein Gebete zur Versöhnlichkeit bewegt! Laß die Müden wohl erquickt ihr gehabtes Werk beschließen; Stärke die, so in der Nacht noch aus Noth arbeiten müssen! Gib, daß Niemand in dem Finstern seinen Fall und Schaden find; Hilf den Reisenden zurechte, die noch auf den Straßen sind; Schaffe denen einen Ort, die noch keine Bleibung haben; Welche hungrig schlafen gehen, wollest du mit Stärke laben; Wache selbsten bei den Kranken; nimm die Kinder wohl in acht; Denen, die nicht schlafen können, kürze selbst die lange Nacht! Steh mit Deinem Trofte bei, allen die in Nöthen stecken, Die sich heut mit Angst und Schmerz und mit lauter Kummer decken. Mache der Elenden Nächte helle durch den Gnadenschein, Und laß ihre Last erträglich auf dem Jammerlager seyn. Endlich lasse Stadt und Land unter Deinem Schuße stehen, Lärmen, Aufruhr und Gewalt ferne von den Grenzen gehen; Rauben, Stehlen, Mord und Todtschlag, Wassersnoth und Feuersgluth, Treib genädiglich zurücke, daß uns gar nichts Schaden thut! 22 B. Schmolken's allgemeines Abendgebet. Laß die Wächter auf der Hut treulich für uns alle wachen, Und erhalt in Fried und Ruh einem jeden seine Sachen, Bis wir aus den Finsternissen zu dem gro: Ben Tage gehn, Und alsdann laß uns im Lichte ewiglich ers freuet stehn; Amen! 23 Morgensegen am Sonntage. Willkommen, lieber Tag, Tag über alle Tage! Du bist des Herren Tag, den Er hat selbst gemacht. Mein Herze schläget schon bei deinem Glockenschlage, und gibt der Finsterniß mit Freuden gute Nacht. Wie schöne siehst du aus, du angenehmer Morgen, da deiner Sonnen Glanz mir in die Augen lacht; doch lieget unter dir ein größer Licht verborgen, das mir ins Herze scheint, und einen Sonntag macht. Mein Jesu! Du bist es, Du heißest meine Sonne, Dich bet ich nur allein an diesem Morgen an. Geh in der Seele auf mit reiner Lust und Wonne, daß ich durch Dich das Licht im Lichte sehen kann. Ich grüße Deinen Tag als einen Tag der Wunder, weil Deine Wunderhand ihn oft gezeichnet hat. D! lege Du in mich, den wahren Glaubenszunder, so fängt mein Herze Gluth durch Deine Wunderthat. Das war Dein Ostertag, an welchem Du erstanden, ach! laß mich heute doch aus meinem Grabe gehn; befreie meinen Fuß von allen Todesbanden, und wirke selbst in mir ein geistlichs Auferstehn. Geuß Deinen Geist auf mich, und mache heute Pfingsten, wie wei land dieser Tag dadurch geheiligt ward. Dein Wort erleuchte mich, daß ich nicht im geringsten von diesem weichen mag, was Du mir offenbart. Gib Augen, welche Dich und Deinen Sohn erkennen; Gib Ohren, welche Dir Benjamin Schmolfen's begierigst offen stehn; Gib Lippen, die voll Geist in Deinem Lobe brennen; Gib Füße, die mit Lust in Deinen Vorhof gehn. Vor allem gib ein Herz, das gleich dem guten Lande im Glauben und Geduld viel hundert Früchte bringt. Behüte meinen Sinn vor allem Mißverstande, damit das gute Werk bei mir sehr wohl gelingt. Mein Hirte weide mich auf Deiner grünen Aue, und führe mich, Dein Schaf, zum frischen Wasser hin; Schleuß Deinen Himmel auf, daß er mit Manna thane, laß mir Vergiß mein nicht in deinem Worte blühn. Mich hungert, lasse mich mit Lebensbrode speisen; mich dürftet, tränke mich vom Brünnlein Israel; Gib Deinen Dienern Kraft, daß sie mich unterweisen, aus ihrem Munde geuß die reine Lebensquell. Dein Weinberg ist für mich, ach! laß mich Trauben bringen, und keine Härlinge an meinem Stocke stehn. Erwecke Saft und Kraft, die bis zur Wurzel dringen, daß Deine Werke bald bei mir ins Leben gehn. Laß mich mein Untliß nicht im Spiegel so beschauen, wie einer der vergißt, wie er gestaltet war! Ein jedes Wort, das Du mir läsfest anvertrauen, stell als ein Denkmal mir im ganzen Leben dar. Sobald mich Dein Gesetz mit seinem Hammer troffen, so: bald sen auch mein Herz zermalmet und zerEnirscht: Dein Evangelium steh mir auch wieder offen, wenn der geängste Geist nach Deinem Worte dürst. Laß einen Tempel mich in Deinen Tempel bringen; mein Herz Dein Predigtstuhl, die Lippen Dein Altar; der Weih rauch mein Gebet, das Opfer Flehn und Sin 24 Morgensegen am Sonntage. gen: Du aber stell Dich selbst zu meinem Pries ster dar. So geh ich in Dein Haus auf Dei: ne große Güte und seße mich getroft zu Deinen Füßen hin: verberge mich allhier in Dein Gezelt und Hütte, daß ich ganz ungestört in Deinem Dienste bin. Ach Herr, wie lieblich sind die Wohnungen zu nennen! Wie freuet sich mein Geist auf Zions Heiligthum! dort seh ich Licht und Recht auf Deinem Herde brennen; dort predigt man Dein Heil und Deines Namens Ruhm. So wollst Du nun mein Herz beim Einigen erhalten, daß Deinen Namen ich mit Ernste fürchten mag; ja lasse Deinen Geist in meiner Seele walten, so wird Dein Sonntag mir ein rechter Sonnentag. Die Welt mag ihre Luft nach eitlem Sinne pflegen, ich will, Gott hilf es mir! kein Sabbathsschänder seyn, und diese Worte mir tief in mein Herze prägen: stellt euch der Welt nicht gleich, dient euerm Gott allein. Bet ich, so schleuß mir auf Dein Herz und Deinen Himmel; sing ich, so spiele Du in meiner Seele drein; mach es ganz still in mir, laß alles Weltgetümmel, das sonst die Undacht stört, von mir verbannet seyn. Kein Schlaf verschließe mir die Augen und die Sinnen, kein Nachbar irre mich mit seiner Plauderei; ja laß mich selbsten nichts, noch reden, noch beginnen, was Deines Wortes Lauf in mir zuwider sey. Gib, daß ein guter Geist auf alle Seelen falle, die heute, Herr! vor Dir, in Deinem Tempel stehn; damit das Wort nicht nur in ihren Ohren schalle, so lasse seine Kraft durch ihre Herzen gehn. Erhör die Betenden, 25 BREBES 26 Benjamin Schmolken's und die, für die wir beten, laß auch in ihrer Noth nicht ohne Hilfe stehn. Gib, daß die Beichtenden mit Neue vor Dich treten, mit Glauben würdiglich zu Deiner Tafel gehn. Die allgemeine Noth laß Dir zu Herzen gehen, nimm Deiner Kirchen Dich und ihrer Glieder an; daß wir im Geiste hier verknüpft beisammen stehen, und keines Feindes Macht Dein Häuflein stürzen kann. Wohlan, Du rufest mir! so will ich mit dem Haufen zum Hause wallen gehn, wo Dein Gedächtniß ist. Bewahre meinen Fuß, und laß mich also laufen, daß Du mir Wahrheit, Weg, und auch das Leben bist. Laß mich nicht ohne Dich alsdann zurücke gehen, wenn ich gelehrt, vermahnt, gewarnt, getröstet bin. Laß einen Brand in mir nach Deinem Wort entstehen, wie dort bei Emahus der Jünger Herzen glühn. So ehr ich Deinen Tag, o Du dreieinigs Wesen, Gott Vater, Sohn und Geist, als Dein gez weihtes Fest, und werde diese Schrift an allen Wänden lesen: Gedenk des Sabbathes, daß du ihn heiligest. Morgenlied. Mel. Meinen Jesum laß ich nicht. Licht vom Licht! erleuchte mich bei dem neuen Tageslichte; Gnadensonne, stelle dich vor mein muntres Ungesichte; wohne mir mit Glanze bei, daß mein Sabbath lustig sey. 2. Brunnquell aller Süßigkeit, laß mir deine Strd. me fließen! mache Mund und Herz bereit, dich in Andacht recht zu küßen. Streu das Wort mit Segen ein, laß es hundertfrüchtig seyn. Univ.- Bibl. Giessen 27 Abendsegen am Sonntage. 3. Zünde selbst das Opfer an, das auf meinen Lippen lieget; sey mir Weisheit, Licht und Bahn, daß kein Irrthum mich betrüget, und kein fremdes Feuer brennt, welches Dein Altar nicht kennt. 4. Laß mich heut und allezeit heilig, heilig, heilig fingen, und mich in die Ewigkeit mit des Geistes Flu gel schwingen, gib mir einen Vorschmack ein, wie es werd im Himmel seyn. 5. Ruh in mir, und ich in Dir, bau ein Paradies ins Herze. Offenbare Dich doch mir, und gieß meiner Andachtskerze immer neues Dele zu, o Du Liebesflamme Du. 6. Dieser Tag sen Dir geweiht. Weg mit allen Eitelkeiten. Ich will Deiner Herrlichkeit einen Tempel zubereiten, nichts sonst wollen, nichts sonst thun, als in Deiner Liebe ruhn. 7. Du bist mehr als Salomon; laß mich Deine Weisheit hören, ich will Deinen Gnadenthron mit ges beugten Knieen ehren, bis mir Deine Sonne lacht, und den schönsten Sonntag macht. Abendsegen am Sonntage. Der Sonntag ist vollbracht, der Sonnenglanz verschwunden: mein Jesu, der Du mir mehr als die Sonne bist, bestrahle durch Dein Licht die dunklen Abendstunden; gib Deinen Schein der Nacht, die schon vorhanden ist. Entreiffe meinen Geist den schwarzen Finsternissen, wenn mich der sanfte Schlaf zum Tode tenbilde macht; laß mich die suiße Ruh in Dir allein genießen, so wird es Sonntag senn auch mitten in der Nacht. Uch aber wie so schwarz bin ich vor Deinen Augen! ich sollte, Herr, vor Dir ein Kind des Lichtes seyn; so find ich Werke hier, die leider gar nichts taugen Benjamin Schmolken's und mit der Höllenmacht zu einem Lohne dräun. Dein lieber Sonntag ist von mir entheiligt worden; wie hab ich doch Dein Wort so schläfrig angehört! Wie wenig mich bemüht, im wahren Christenorden dasjenige zu thun, was Du mich haft gelehrt; mein Ohr ist gleichsam taub, mein Herze todt gewesen; mein ganzer Gottesdienst nur laulicht und verkehrt, und also sollt ich wohl ein Urtheil von Dir lesen: der Sünder sey nicht mehr so großer Gnade werth. O eine schwarze Nacht, die meine Sünden machen; Ach stoß mich darum nicht ins Finsterniß hinaus. Errette doch, mein Gott! mich aus des Todes Rachen, und tilge meine Schuld mit Chrifti Unschuld aus. Mein Herze suchet Dich, ach laß Dich wieder finden, ich klopf an Deine Thür, thu mir genädig auf: Ich will von neuem Dir mich ganz und gar verbinden, und gebe Herz und Hand zu einem Pfande drauf. Schreib alles in den Sinn, was diesen Tag geschehen, und laß Dein Wort in mir ja nicht vergebens seyn: Du Herzenskündiger kannst in das Herze sehen, ach! so bewahre mich vor allem Heuchelschein. Laß Deine Lehren mich wie Milch und Honig speisen, damit der Nachschmack mir die ganze Woche bleibt: Laß die Vermahnungen mir Ziel und Maase weisen, wie man das Christenthum mit rechtem Eifer treibt. Laß Deine Tröstungen wie lauter Zucker schmecken; wenn mich das Kreuze drückt, ach so verlaß mich nie! Laß Deine Warnungen mich im Gewissen schrecken, daß ich die Sünde mehr, als eine Schlange flieh. Dein Saamkorn muß 28 Abendsegen am Sonntage. 29 in mir verlangte Früchte bringen, daß ich kein fauler Baum in Deinem Garten bin: Dieß Kleinod wecke mich zum Laufen und zum Ringen, dieß Wort befestige in mir des Geistes Sinn. Hat Moses mich geweckt mit des Gesetzes Flüchen, so laß mir seinen Schall durch Ohr und Herzen gehn. Hat Jesus mich getröst mit seinen Segensprüchen, so laß mich darauf fest in Noth und Tod bestehn. Der Glaube werde start durch Deines Geistes Lehren, die Liebe zünde sich bei diesem Feuer an, die Hoffnung müsse sich durch diesen Anker mehren, so grünt ein Kleeblatt hier, das nie verwelken kann. Im Glauben laß mich Dich und auch Dein Wort bekennen, im Leben führe mich nach Christi Stapfen hin. Im Leiden laß mich nichts von Deiner Liebe trennen, im Sterben mache selbst den Tod mir zum Gewinn. Gib, daß ich nicht allein ein Christ im Wis sen heiße, vielmehr ein wahrer Christ nach dem Gewissen sey; und daß ich mich mit Ernst der Heiligkeit befieiße, entfernt vom eitlen Ruhm und schnöder Heuchelei. Laß mich vor allem Dich von ganzem Herzen lieben, und meinen Nächsten denn, als wenn ichs selber wär. Ja! laß mir Dein Gesetz ins Herze senn geschrie: ben, und was Dein Wille heischt, das sen auch mein Begehr. Bin ich auf Dich getauft, und bin Dein Glied geworden, so hilf, daß mich kein Feind von Deinem Leibe reißt: Dein Geist regiere mich im reinen Christenorden, der Dich als Haupt erkennt, und Deine Kirche heißt. Ich kann nicht immer hier im Gottes Hause bleiben; drum geb ich Dir mein Herz zu Dei Benjamin Schmolken's nem Tempel ein, und will an meine Brust die süße Losung schreiben: Hier ist der Herr, mein Gott, hier soll ein Bethel seyn. Gleichwie ein Hirsche hier nach frischem Wasser schreiet, so schreiet meine Seel, und dürftet, Gott! nach Dir; wann komm ich doch dahin, wann werd ich doch erfreuet, Dein Ungesicht zu sehn, in Sions schönster Zier? Wohlan! Du wirst mich einst aus dieser Kirche führen, die nur die streitende auf Erden wird genennt; dort aber geht man ein zu andern Kirchenthüren, wo man Triumphe singt, und keinen Feind mehr kennt. Ich werde diese Lust hier in der Ferne schauen, bis daß mein Glaube mich zum wahren Schauen bringt. Indessen will ich mich nur Deiner Macht vertrauen, da abermal der Schlaf zu meinen Augen dringt. Hast Du, mein Gott, in mir die Ruhe heut genommen, so nehm ich meine Ruh auch wiederum in Dir: Du bist zu mir ins Herz mit Deinem Wort gekommen, so komme doch auch nun in meine Kammer hier. Sen über mir mit Schuß, sen neben mir mit Segen, sen in mir, daß ich auch in Dir verbleiben kann; so mag der Teufel sich mit allen Schuppen regen, mein Bette bleibet doch ein sichres Kanaan. Ich werf in Deinen Schooß auch alle meine Lieben, o Vater! lege Du auch Deine Hand auf sie: Laß weder Stadt noch Land, Mord, Raub und Brand betrüben, so schallet überall Dein Lobspruch morgen früh. Die neue Woche wird von neuer Güte sagen, denn die ist über uns an allen Morgen neu. Man wird nicht über Noth und über Mangel Flagen; Gott ist für uns, wer ist, der uns zu30 31 Morgensegen am Mondtage. wider sen? So geh ich dann zur Ruh, auch, wenn Du willst zu Grabe, geuß Du nur Glaubensöl in meine Lampen ein; ich weiß, wenn ich genug und sanft geschlafen habe, daß dort im Himmel wird der rechte Sonntag seyn. 2 bendlied. Mel. Nun ruhen alle Wälder. Der Sabbath ist vergangen, ich habe mein Verlan gen nach Herzenswunsch erfüllt. Gott hat mich unterweiset, mit Lebensbrod gespeiset, und meiner Seelen Durst gestillt. 2. Gott ruht durchs Wort im Herzen, drum leg ich ohne Schmerzen auch meinen Leib zur Ruh: denn allen Sündenschaden deckt Jesus nun in Gnaden mit seinem Purpurmantel zu. 3. du dreieinigs Wesen! mein Geist ist schon genesen, weil ich Dein Tempel bin. Ich habe Licht vom Lichte, Dein leuchtend Angesichte treibt alle Finsternisse hin. 4. Du wirst schon bei mir wachen, und eine Sonne machen, auch mitten in der Nacht. Bis bei den Cherubinen ein Sonntag ist erschienen, der alle Nacht zu Schanden macht. 5. Ich schlafe ganz vergnüget, denn wo mein Herze lieget, da ist der Engel Heer. Mich stört kein Weltgetümmel, es träumt mir nur vom Himmel, ach! wer doch nur bald droben wär. Morgensegen am Mondtage. Gott! der Du Sonn und Mond am Himmel läsfest scheinen, der Mondtag hat nunmehr den Sonntag abgelöst, und Deine Güt und Treu ist täglich bei den Deinen, weil Du nur immer auf und nimmer untergehst. Ich beuge Benjamin Schmolken's meine Knie vor Deinem Gnadenthrone, und opfre Dank und Ruhm für den verliehnenSchuß. Du warest in der Nacht mein Schild und meine Krone, drum bot ich aller Noth, und allen Feinden Truß. Ich schlief, so hat: test Du die Augen offen stehen: ich lag, Du stundest mir zur recht und linken Hand; ich war den Todten gleich, Du heißt mich aufer= stehen, und machest Deine Huld aufs neue mir bekannt. Nimm hin die Erstlinge von dieser neuen Wochen, der Anfang soll allein in Deinem Namen ſeyn; was Du mir gestern schon für Segen hast versprochen, der stelle heute sich in der Erfüllung ein. Der Mond muß ja sein Licht von seiner Sonne nehmen: ich nehme Licht und Heil, mein Jesu, nur von Dir! doch laß mich auch der Art des blasfen Mondes schämen, daß ich nicht Unbestand in meinem Schilde führ. Die Ruh ist nun vorbei, die Glieder sind erquicket, ici) hülle meinen Leib in seine Kleider ein; gib, daß die Seele sich mit Tugendkleidern schmücket, und wasche nebst der Hand auch das Gewissen rein. Sen meines Leibes Licht, und auch das Licht der See: len, daß ich den ganzen Tag ein Kind des Lichtes bin: Vor Deiner Augen Licht kann niemand sich verhehlen, drum leite meinen Fuß auf rechten Wegen hin. Zur Arbeit hast Du mich, und nicht zum Müßiggange in diese Welt gebracht, wo Schweiß und Fleiß gebührt; so gib mir Deine Kraft, daß ich den Zweck er: lange, zu dem mich Dein Beruf und mein Ge horsam führt. Erleuchte den Verstand, daß ich wohl unterscheide, was Nuß und Schaden bringt, 32 Morgensegen am Mondtage. bringt, was Fluch und Segen ist: den Willen bessere, daß ich das Böse meide, und das hingegen thu, woraus der Segen fließt. Dein Geist regiere mich, daß ich recht christlich wandle, und denke, daß mein Lauf nur nach dem Himmel geht; steh mir in allem bei, daß, was ich thu und handle, mir und dem Nächsten nüßt, und Deinen Ruhm erhöht. Gib beides Rath und That, das Wollen und Vollbringen, daß nichts versäumet wird, auch nichts umsonst geschieht; den Anfang segene, das Mittel laß gelingen, das Ende benedei, so ist es wohl verricht. Du Uufgang aus der Höh, laß Deine Güte thauen, auf alles, was ich heut gedenke, red und thu; ich will allein auf Dich und Deine Gnade trauen, schleuß Du Dein Herze nicht vor meinem Seufzer zu. Geh mit mir aus und ein auf allen meinen Wegen, Dein Auge leite mich, Dein Urm beschüßze mich: sobald ein Unfall sich will wider mich erregen, sobald verbirge Du Dein Schäflein hinter Dich. Es muß ein jeder Tag auch seine Plage haben, drum werd ich heute wohl nicht ohne Kreuze seyn; doch wirst Du mich, mein Gott, auch in der Trübsal laben, Du richtest ja die Last nach unsern Schultern ein. Es sen Dir heimgestellt, wie Du mit mir willst fahren; ich nehme Lust und Last von Deiner Schickung an. Es muß Dein Herze doch sich endlich offenbaren, wie es zu keiner Zeit was Böses meinen kann. Laß mich mein Bißlein Brod in stiller Ruh genießen, gib wenig oder viel, ich bin mit Dir vergnügt; denn hab ich nur dabei ein freudiges Gewissen, so C 3. Schmolken's Andachten. 33 Benjamin Schmolken's ists ein großer Schaß, der mir im Herzen liegt. Behüte Leib und Seel vor allen Unglücksfällen, besonders vor dem Fall, den uns die Sünde dräut. Laß Deine Gegenwart mir stets vor Augen stellen, die alles sieht und hört, und richtet mit der Zeit. Geselle mich ja nicht zu gottsvergeffnen Leuten, man wird von ihrem Thun gar leichtlich angesteckt; laß mich der Engel Schaar den ganzen Tag begleiten, daß mich der Satan nicht mit seinen Klauen schreckt. Bleib auch der Meinigen getreuer Gott und Vater, bewahre, sättige und überschatte- fie. Im Kummer sey ihr Trost, im Mangel ihr Berather, damit durch Deine Hand ihr Wohlergehen blüh. Bewahre Stadt und Land vor allen Fährlichkeiten, hilf, daß kein Ungemach Lehr: Wehr: und Nährstand trennt; sen Deiner Kirchen Fels in diesen letzten Beiten, erhalt uns gnädiglich dein Wort und Sakrament! Nun, Herr, ich laß Dich nicht, Du hast mich denn gesegnet! sprich nur ein einzigs Wort, so ist mein Wunsch erfüllt. So nehm ich alles an, was heute mir begegnet, und wär es auch der Tod, wenn Du, Herr! also willt. Ich leb und sterbe Dir, es sen heut oder morgen, es kommt der letzte Tag doch einmal ganz ge wiß: drum laß mich in der Zeit für meine Seele sorgen, fo tret ich dort ans Licht nach aller Finsterniß. Indessen weil ich noch in dieser Hütte wohne, tret ich mein Amt und Pflicht in Deinem Namen an: in Deinem Namen seys Gott Vater, sammt dem Sohne, und Dir, o werther Geist! so ist es wohlge: than. 34 Abendsegen am Mondtage. Morgenlied. Mel. Wohlan, es geht nunmehr zum Ende sc. Ein neuer Tag, ein neues Leben geht mit der neuen Woche an; Gott will mir heut aufs Neue geben, was mir sonst niemand geben kann. Denn hätt' ich seine Gnade nicht, wer gåbe mir sonst Trost und Licht? 35 2. Ich grüße diesen lieben Morgen und küsse Gots tes Vaterhand, die diese Nacht so manche Sorgen in Gnaden von mir abgewandt. Ach Herr! was bin ich Armer doch? Du sorgst für mich, ich lebe noch. 3. Nun das erkennet meine Seele, und gibt sich selbst zum Opfer hin: doch weil ich noch in dieser Hülle mit Noth und Tod umgeben bin, so weich auch heute nicht von mir, denn meine Hülfe steht bei Dir. 4. Mein Glück in dieser neuen Woche, soll nur in Deinem Namen blühn. Ach laß mich nicht am Sündenjoche mit meinem Fleisch und Blute ziehn. Gib Deinen Geist, der mich regiert, und nur nach Deinem Willen führt. 5. Soll ich mein Brod mit Kummer essen, so laß es doch gesegnet seyn, und was Du sonsten zugemessen, das richte mir zum Besten ein; ich bitte keinen Ueber. fluß, nur was ich nöthig haben muß. 6. So thue nun, mein Gott! das Deine, und laß mich auch das Meine thun. Behüte beides, Groß und Kleine, daß sie auf Deiner Huld beruhn, und daß ein jedes diesen Tag mit Dir vergnügt beschließen mag. Abendsegen am Mondtage. S. o stirbt der erste Tag in dieser neuen Wo: chen; mein Jesu! habe Dank für Deine Güt und Treu, und weil die hereingebrochen, so gib, Dir gesegnet sen. finstre Nacht bereits daß meine Ruh in Doch denk ich auch zuvor an meine Missethaten, die schon den ersten Tag € 2 36 Benjamin Schmolken's von mir begangen seyn. In was für große Schuld bin ich bei Dir gerathen? Gedanken, Wort und Werk sind keines vor Dir rein. Dein Auge hats gesehen, Dein Ohr hat es gehöret, und Deine Hand hat es gewißlich aufgemerkt, wie oft mich Satan, Welt und eigne Lust be: thöret, ja in der Bosheit noch erhalten und gestärkt. Vor Dir ist alles bloß, Du prüfest Herz und Nieren, es kann das Innerste Dir nicht verborgen seyn; und wollt ich gleich mein Thun mit eitlem Ruhme zieren, so gilt vor Dir kein Scherz, kein falscher Heuchelschein. Allwissender! Du weißt die Menge meiner Sün= den, die ich nicht alle weiß, und auch nicht zählen kann; die wird man groß und klein in Dei= nem Buche finden, wie übel hab ich doch, o Herr, vor Dir gethan! Wann Dein Gesetze spricht, ich soll Dich herzlich lieben, so hab ich mehr die Welt und ihre Luft geliebt. Was mir das Christenthum für Regeln vorgeschrieben, die hab ich niemals recht, wohl gar nicht ausgeübt. Mein Jesus ist mir wohl mit Beispiel vorgegangen, allein wie folg ich ihm in seinen Stapfen nach? Ich sollte Fleisch und Blut fest an sein Kreuze hangen, so laß ich ihm den Baum, und scheue seine Schmach. Kein Wunder, wenn Du mich gar nicht mehr kennen wolltest, weil ich so ferne nun von Dir gewichen bin; ja wenn Du, Herr! nach Recht mit mir verfahren solltest, müßt ich vor Deinem Grimm hinab zur Hölle fliehn! Jedoch Du hast gesagt, ich soll Dein Antlits suchen, mein Herze hält jeßund Dein eigen Wort Dir vor; kehr Deinen Zorn in Huld und segne für 37 Abendsegen am Mondtage. das Fluchen, verstoß mich Wermsten nicht von Deiner Gnadentbür. Du wirst ja wohl gerecht, doch auch barmherzig heißen; so handle nur mit mir nach Gnade, nicht nach Recht, und laß mich Deine Hand aus dem Verderben reiBen, so wird ein Gnadenkind aus einem Sündenknecht. Mein Jesu! mache gut mein sünd: liches Verbrechen, durchstreich mit Deinem Blut der Sünden Handschrift gar; brich Deines Vaters Herz, wenn es die Schuld will rächen, und stelle Dein Verdienst zum Gnadenstuhle dar. Laß keine Sünde mich mit mir ins Bette nehmen, es möchte mir gewiß ein hartes Kissen seyn: Ja laß mich auch des Nachts vor Deinem Auge schämen, denn dieses dringet auch zur finstern Kammer ein. Mein Geist erquicke sich, durch Deines Geistes Kräfte, daß, wenn der Leib schon schläft, das Herze dennoch wacht. Ertödte Du in mir die sündlichen Geschäfte, dadurch uns oft der Feind die Ruh zur Unruh macht. Zerbrich des Satans List, der in dem Finstern schleichet, Du weißt, daß Fleisch und Blut nicht widerstehen kann; Drum gib, daß seine Macht den Willen nicht erreichet, und lege Du ein Schloß an seinen Rachen an. Umgib mich diese Nacht mit Deinen Feuerflammen; umlagre Herz und Haus zu Deines Namens Ruhm, und schleuß die Meinigen in Deine Hand zusammen, denn ich befehl sie Dir, als wie Dein Eigenthum. Die mir mit Muth und Blut gefreundet und verbunden, ja meine Feinde selbst, die mir zuwider seyn, die leg ich, Jesu! Dir in Deine Gnadenwunden! Flügel hülle sie mit lauter Segen ein. Dein Ver: Benjamin Schmolken's giß, o Hüter nicht; auch diese zu behüten, die arm, verwaist, betrübt, krank und in Nöthen seyn. Steh bei den Sterbenden, und, wenn fie gnug gelitten, so führe sie zur Ruh in Deinen Himmel ein. Besonders sen Dir, Herr! Dein Zion anbefohlen; bewahre Du Dein Haus, und wer darinnen dient, bis Du uns einstens wirst ins andre Zion holen, wo Deine Kirchgemein im rechten Flore grünt. Nun will ich schlafen gehn, Du wirst mich selber wiegen, die Engel singen mich mit süßen Liedern ein; ja unter meinem Haupt wird Deine Linke liegen, die Rechte herzet mich: wie ruhig werd ich seyn! Doch sollt es ja mit mir in dieser Nacht geschehen, ich müßt auf Dein Geheiß zur letzten Ruhe gehn, so laß mich auch Dein Licht im Todesschlafe sehen, und an dem großen Tag mit Freuden auferstehn. Schließt euch, ihr Augen, zu, in meines Jesu Namen, er schließet hinter mir auch meine Kammer ein. Mein Seufzen ist erhört, denn Gott spricht selbst das Umen: dieß soll mein erstes Wort und auch mein letztes seyn. 38 Abendlied. Mel. Jefu meine Freude ze. Sirte Deiner Schafe, der von keinem Schlafe etwas wissen mag. Deine Wundergüte war mein Schild und Hütte den vergangnen Tag! Sey die Nacht auch auf der Wacht, und laß mich von Deinen Schaaren um und um bewahren. 2. Decke mich von oben, vor der Feinde Toben, mit der Vaterhuld: ein versöhnt Gewissen sey mein Schulterkiffen, drum bergib die Schuld: denn Dein 39 Morgensegen am Diensttage. Sohn hat mich davon, durch die tief geschlagne Wunden, gnädiglich entbunden. 3. Laß auch meine Lieben keine Noth betrüben, sie find mein und Dein. Schleuß uns mit Erbarmen in Dein' Vaterarmen ohne Sorgen ein. Du bei mir und ich bei Dir, also find wir ungeschieden, und ich schlaf im Frieden. 4. Komm, verschleuß die Kammer und laß allen Jammer ferne von uns seyn. Sey Du Schloß und Riegel, unter Deinem Flügel nimm Dein Küchlein ein. Decke zu mit Schutz und Ruh, so wird uns nicht durfen grauen vor des Gatans Klauen. 5. Wie, wenn ich mein Bette heut zum Grabe hätte? Wie bald roth, bald todt! Doch hast Du beschlossen, daß mein Ziel verflossen, kommt die Todesnoth: so will ich nicht wider Dich, lieg ich nur in Jesu Wunden, sterb ich alle Stunden. 6. Nun wohlan! ich thue, in vergnügter Ruhe Mund und Augen zu. Seele, Leib und Leben hab ich Dir ergeben, o Du Hüter Du! Gute Nacht: nimm mich in Acht; und erleb ich ja den Morgen, wirst Du weiter sorgen. Morgensegen am Diensttage. Der Tag vertreibt die Nacht, das Dunkle weicht dem Lichte; die Morgenröthe sagt den Glanz der Sonnen an: Ach! leuchte mir, mein Gott! mit Deinem Ungesichte, daß ich mit Freudigkeit gen Himmel sehen kann. Gibst Du mir jeßund Kraft, die Augen aufzumachen, so weck auch meinen Geist durch Deines Geistes Trieb: Laß mein Gewissen jetzt von Neuem wieder wachen! Du hast der Seele Licht mehr, als des Leibes, lieb. Soll ich des Tages Werk am Tage nun vollbringen, so reinige den Sinn durch Deinen Gnadenschein; Laß keine Finster Benjamin Schmolken's niß in den Verstand sich dringen, und meinen Willen auch in allem Lichte seyn. Mein erster Odem soll Dein Morgenopfer heißen, mein erster Unblick soll nach Deinen Bergen gehn: Laß die Gedanken sich vom Irdischen entreißen, und mich vor Deinem Thron in heißer Undacht stehn. Das Halleluja schallt aus meines Herzens Grunde, zu Deines Namens Ruhm, Du Herrscher aller Welt. Der Lippen Harfenklang preist Dich in dieser Stunde, daß Du die Wache hast bei mir so wohl bestellt. Dein Zelt, die Dunkelheit, hielt meinen Leib bedecket, ich lag als wie ein Kind an seiner Mutter Brust; und wenn sonst da und dort die Nacht mit Grauen schrecket, war mir in Deinem Schoos nichts Schreckliches bewußt. Nun hebt mich Deine Hand auch selber aus dem Bette, und Deine Liebe legt mir meine Kleider an. Ja, wenn mich Deine Kraft nicht neu belebet hätte, so ginge längst mein Fuß auf schwarzer Todtenbahn. Nun leb ich wiederum, und lobe Deine Güte, ich klopfe wie: der an vor Deiner Gnadenthür, und bitte, Vater! Dich mit kindlichem Gemüthe, sen diesen Tag aufs Neu mit Deiner Huld bei mir. Ich trage meinen Schatz im irdischen Gefäße, die arme Seele schwebt in mancherlei Gefahr, gleich als ich in der Welt in lauter Dornen fäße; Drum stelle heute Dich zu meinem Schuße dar. Laß meine Tritte nicht von Deinen Wegen gleiten, Du weißt, wie bald der Feind uns einen Abweg zeigt. Sen, wo ich geh und steh, mit Deiner Furcht zur Seiten, gib mir ein Herz, das sich nach Deiner Rechten neigt. 40 41 Morgensegen am Diensttage. Will mein Beruf und Umt durch Mühe sauer werden, so stell mir vor, daß Du es so geschaffen hast. Wer hat was ohne Fleiß auf dieser rauhen Erden? Wenn nicht die Sünde wär, so wäre keine Laft. Der ganze Lebenslauf wird wohl ein Diensttag bleiben! o! laß mich nur getren in Deinem Dienste seyn, und nicht nur obenhin mein Werk und Wesen treiben, so wird mein Egg und Pflug sich auch der Ernte freun. Nichts bin ich ohne Dich, durch Dich vermag ich alles, ohn' Dich ist alles Fluch, mit Dir ist alles Heil: Regierst Du meinen Gang, so fürcht ich keines Falles, von Deinem Segen kommt auch mein bescheiden Theil. Erhalt in meiner Brust ein ruhiges Gewissen, das mich am Ende nicht des Lebens halber beißt. Ich bin ein Sterblicher, wie kann ich also wissen, ob mich nicht heute noch der Tod zum Grabe weist? Gib daß ich lebe so, als müßt ich heute sterben, so findet mich der Tod, wie er mich haben will; und reiß mich, wenn er kommt, durch ihn aus dem Verderben, hier ist ja wenig Guts, und Böses gar zu viel. Nun schreibe diesen Tag in Deine Vaterhände mit einer solchen Schrift, die lau ter Heil bedeut, daß ich ihn, als ein Christ, aufs christlichste vollende, so gib mir Christi Kraft, des Geistes Willigkeit. Soll ich auch diesen Tag die Vaterruthe küssen, so schlage Du nur zu, ich bleibe doch Dein Kind, es wird doch alles mir zum Besten dienen müssen, kein Dorn ist so verwirrt, wo man nicht Rosen findt. Nicht bitt ich nur für mich, ich bitt auch für die Meinen, die mein mit Blut und Muth, Benjamin Schmolken's auch sonst an Glauben seyn: Laß ihnen insge sammt die Gnadensonne scheinen, schleuß Deine Christenheit in Deine Schußhand ein. Laß überall den Fuß von lanter Fette triefen, und Fröne Jahr und Tag mit Deiner Güt und Treu. Ja, was in dem Gebet nicht alles ist begriffen, erfülle Du gleichwohl, damit es Amen sey! 42 Morgenlied. Mel Lieber Gott! wann werd ich sterben ze. Angenehme Morgenblicke, die mir Gottes Auge macht! Ich gedenke noch zurücke an die todte schwarze Nacht, die, mit ihren Finsternissen, jeßt der Sonne weichen müssen. 2. Ach! wie tief lag ich begraben in dem Schlaf, als in den Tod; jetzt kann ich mich wieder laben: daß ich lebe, macht mein Gott. Ach! Herr über Tod und Leben, soll ich nicht Dein Lob erheben? 3. Gib mir heut ein neues Leben, das ganz todt in Lastern sey. Laß mich nicht am Eitlen kleben, mache mich vom Dienste frei, der das Joch der Höllen tråget, den der Sünden Diensttag heget. 4. Niemand kann zwei Herren dienen; Ach! so gib mich Dir allein. Laß den Tag, der mir erschienen, einen heil'gen Diensttag seyn: Daß ich dir zu Ehren lebe, und des Glaubens Früchte gebe. 5. Dein Herz sey mit meinem Herzen, Deine Hand mit meiner Hand. Macht mir Deine Ruthe Schmerzen, wird ein Kreuze zugesandt: Ach! so gib Geduld zum Leiden, nach dem Leiden wieder Freuden. 6. Laß Gedanken, Wort und Werke heilig und ges fegnet seyn, und des guten Geistes Stärke mir so Kraft, als Troft verleihn. Diesen Führer laß mich führen, diesen Beistand nicht verlieren. 7. Nun Du wirst am Besten machen, denn auf Dich fommt alles an; Drum vollführe meine Sachen, daß ich Flüglich handeln kann. Morgen, Mittag, Abend müssen nichts als lauter Gnaden wissen. 43 Abendfegen am Diensttage. Abendsegen am Diensttage. Mein Gott! der Abend hat sich wieder eingefunden, daß ich um einen Schritt dem Grabe näher bin; Ach! wie vergeht die Zeit, wie ei len alle Stunden, wie bald ist doch ein Tag von meinem Leben hin! Drum gib mir, Herr, ein Herz, das stets and Ende denket, so ofte Tag und Nacht in ihrem Wechsel stehn: denn, wie die Sonne sich zum Untergange lenket, so wird auch dermaleinst mein Leben untergehn. Eh ich zu Bette geh, so laß mich selber fra: gen, ob ich am Diensttag auch Dir einen Dienst gethan? Und ob ich dem Beruf, den Du mir aufgetragen, so treulich nachgelebt, daß ich bestehen kann? Es ist ja nicht genug, nur bloß gelebt zu haben, und wenn der Tag vor: bei, so liefe man zur Ruh. Du sorderst Rechenschaft von allen Deinen Gaben: thu Rechnung, rufst Du mir vor meinem Bette zu. Ach! hier muß ich mein Knie in tiefster Demuth beugen; wenn Du Herr rechten willst, weiß ich kein Wörtlein nicht, und muß aus lauter Scham vor Deinem Throne schweigen; nur schrei ich: Herr! Ach! geh nicht mit mir ins Gericht! Wo ist der Wucher denn von meinem Pfunde blieben, das Du mir anvertraut in dieser Sterblichkeit? Du haft den Ueber: schlag in allem aufgeschrieben, verschwendet hab ich nur die theure Gnadenzeit. Ich habe wohlgeschmeckt, wie freundlich Du gewesen, es ging kein Augenblick ohn Deinen Segen hin: doch Du hast wenig Frucht für Deine Huld gelesen, weil ich ein Schuldner stets in Deinem Benjamin Schmolken's Buche bin. Du hast mich mit Geduld so lange Zeit getragen, und den und jenen dort in Sünden hingerafft; da Du auch billig mich zu Boden können schlagen, weil Deine Langmuth nichts zur Buße hat geschafft. Wenn Du mich auch gestraft, so hab ich wohl versprochen, ich wollte frömmer seyn und Deinen Willen thun. Ullein, wie öfters ist der Vorsatz schon gebrochen, die Sünde will nur stets vor meiner Thüre ruhn! Jetzt schrecket mich Dein Zorn, jetzt weckt mich mein Gewissen, wo soll ich aber hin vor Deinem Antlitz gehn? Hier wind ich armer Wurm mich, Herr! vor Deinen Füßen, laß Gnade gehn für Recht, sonst kann ich nicht bestehn. Mein Hirte, suche doch das arme Schäflein wieder, nimm das verlorne Kind, Du lieber Vater, auf! Laß Deinen Gnadenstuhl zu meinen Seufzern nie: der, hingegen meine Noth vor Deinen Thron hinauf. Ach! hast Du noch ein Herz, so laß es jetzo wallen; hast Du noch einen Trost, so ruf ihn mir doch zu! Es darf ein Wörtlein nur aus Deinem Munde schallen, das von der Gnade spricht, so geb ich mich zur Ruh. Wohlan! ich zweifle nicht, mein Glaube heißt mich hoffen; der Friede zwischen uns ist wie: derum gemacht: Dein Sohn hat den Vergleich mit seinem Blut getroffen, so geb ich künftig nun den Sünden gute Nacht. Du wirst ja mir, o Gott! ein reines Herze geben, und einen neuen Geist durch Deine Kraft verleihn: ich will Dir nimmermehr mit Bosheit widerstreben, und ein gehorsam Kind vor Deinen Augen seyn. Das Wollen ist bereit, gib Du 44 45 Abendsegen am Diensttage. nur das Vollbringen und mache morgen mich zur neuen Kreatur; so will ich Dir, mein Gott, ein neues Loblied singen, und mein Gelübde thun, das Dir mein Herze schwur. Ich gehe nun versöhnt mit Dir, mein Gott! zu Bette, ich führe Dich zu mir in meine Kammer ein: und wenn ich sonsten nichts zu meinem Lager hätte: so soll Dein Gnadenschooß die sanfte Ruhstatt seyn. Du Hüter Israel! ich werfe meinen Kummer auf Deinen Rücken hin, der alles tragen kann! komm lege meinen Leib in einen süßen Schlummer, doch schauet Dich Solls mein Geist auch in dem Dunkel an. aber anders seyn, daß sich nach Deinem Willen Die letzte Lagerstatt in einen Sarg verkehrt, so sterb ich auf Dein Wort, und ruhe ganz im Stillen, weil meines Jesu Blut den Schlaftrunk mir gewährt. D, welch ein Morgen wird in Zion dort erscheinen! Dort wird kein Diensttag nicht, ein rechter Freitag seyn: Negypten, gute Nacht! Gott führt zuletzt die Seinen, da, wo kein Diensthaus ist, zur Himmels= freiheit ein. Indessen schlaf ich nun, sen Du bei Groß und Kleinen, sie seyn hier oder da, mit Deiner Vaterhut: Du wirst es treu mit uns, wie wir mit Dir es meinen. Versiegle dieß Gebet mit Deines Sohnes Blut. 7 Abendlied. Mel. Christ, der du bist der helle Tag ic. Ein Tag geht nach dem andern hin, da ich noch stets im Leben bin, die Zeit verlauft und ich mit ihr, nur Du, mein Gott, bist stets bei mir. Benjamin Schmolken's 2. Du gibest, daß ich manchen Tag mit Segen hinterlegen mag: und wenn mich eine Last gedrückt, so bist Du es, der mich erquickt. 3. Hingegen ist mein Wandel nicht nach Deinem Willen eingericht. Ich bin nicht werth, daß Deine Gnad so lange mich verschonet hat. 46 4. Doch trau ich fest auf Deine Huld, die größer ist, als meine Schuld. Ich halte Dich und laß Dich nicht, bis mir Dein Mund den Segen spricht. 5. Ach segne, Vater! meine Ruh und gib mir Dein Geleite zu: so schlaf ich wie ein Jacob ein, weil Mahanaim um mich seyn. 6. Getreuster Jesu, steh mir bei, und tritt des Satans Kopf entzwei, daß, wenn mich seine List bekriegt, er bald zu meinen Füßen liegt. 7. Gib, guter Geist, daß mir Dein Licht auch in dem Dunklen nicht gebricht; verleih mir einen solchen Sinn, daß ich im Schlaf auch machend bin. 8. Du heilige Dreifaltigkeit, Dein bin und bleib ich allezeit; soll diese Nacht die letzte seyn, so leb und sterb ich Dir allein. Morgensegen am Mittwoch. Mein Gott, es kommet hier bei frühen Morgenröthen, ein Jacob, der mit Dir im Glauben ringen will; es hat mich diese Nacht kein Esau können tödten, denn Deine starke Hand war aller Feinde Ziel. Ich preise Dich dafür mit aufgehobnen Händen, mein Mund und auch mein Herz erhebet Deine Macht: es soll sich Leib und Seel zur Dankbarkeit verpfänden, dieweil Du beides hast so väterlich bewacht. Doch Esau lebet noch, der Feind ist noch vor: handen, der mein im Tage so, wie in der Nacht, begehrt. Bewahr auch heute mich vor den gelegten Banden, und gib, daß Pfeil und 47 Morgensegen am Mittwoch. List bei mir vorüberfährt. Ich lasse dich nun nicht, bis Du mich, Herr! gesegnet, ich hab und halte Dich, bis mir die Sonne lacht; so fürcht ich keinen Feind, der heute mir begegnet, ich habe Gott besiegt, troß aller Feinde Macht! Die Morgenstunde trägt sonst lauter Gold im Munde; ich aber trage Gott in meinem Herzen ein: so hab ich mehr als Gold, und kann mit gutem Grunde bei Deiner Vaterhuld reich und gesegnet seyn. Nun bin ich heut ein Mensch, gleichwie die andern Tage, ich kann was Menschliches erfahren und be gehn: drum brauch ich Deinen Geist, der sich ins Mittel schlage, daß ich er Sünde kann mit Ernste widerstehn. Durch diesen führe mich auf der gebahnten Straße, die man die richtige vor allen andern heißt; und leite meinen Gang nach Deines Wortes Maße, daß mich kein Sündenfall so leicht zu Boden reißt, Nächstdem werf ich mein Neß, in Deines Soh nes Namen, mit allen Freuden aus, wie Du befohlen haft: gib einen Segenszug, wie dort in Petri Hamen, und wenn mirs sauer wird, so mache Lust aus Last. Es lebt niemand da von, daß er viel Güter heget; der größte Reichthum ist nur die Genügsamkeit. Haft Du mir diesen Schatz im Herzen beigeleget, so frag ich nichts darnach, was andrer Herz erfreut. Du weißt, was ich bedarf, ich will Dich lassen sorgen, weil Du so lange Zeit schon Haus gehalten hast: gibst Du mir heute was, so gibst Du es auch morgen, denn mein bescheiden Theil hast Du schon abgefaßt. Laß mich vernünftig seyn bei allen meinen Benjamin Schmolken's Werken, auch nichts zur Unzeit thun, auch nichts versäumet seyn: gibt sich ein Fehler an, so laß mich ihn bald merken, und gib mir Besserung zu meinem Besten ein. Du wirst mich heute wohl vom Kreuze nicht verschonen: es sen groß oder klein, so bring es immer her! Wer ohne Dornen will in dieser Wüste wohnen, der ist kein rechter Christ, und alles Trostes leer. Sind meine Schultern schwach, Du haft den breiten Rücken, der aller Frommen Kreuz und Trübsal überträgt: drückst Du, so wirst Du auch zu rechter Zeit erquicken, Du heilst mit einer Hand, wenn gleich die andre schlägt. Und weil so in der Welt die Lebenszeit vergehet, wann immerfort ein Tag den andern abgelöst: so gib, daß auch der Tod mir stets vor Augen stebet, der uns nach aller Noth mit sanfter Ruhe tröst't. Wer weiß, ob ich den Tag zu Ende bringen werde? Du weißt es wohl, mein Gott, drum mache mich geschickt: ich bin doch weiter nichts, als eine Hand voll Erde; wohl mir, wenn Deine Hand mein Auge zugedrückt. Doch bin ich Dir, mein Gott! noch in der Welt was nüße, so flöße heute mir ein neues Leben ein! erhalte, kräftige, versorge, leite, schüße mich als Dein Eigenthum, ich will Dir dankbar seyn. Leib, Seele, Freund und Feind, die Deinen und die Meinen, Kirch, Regiment und Haus befehl ich Deiner Hand; laß allen überall Dein Gnadenantlits scheinen, mach fruchtbar unser Herz, und auch das liebe Land. So bleibe dann bei uns auch mitten in der Wochen, auch mit= ten im Beruf, auch mitten in der Noth. Du wirst 48 49 Abendsegen am Mittwoch. wirst es alles thun, der Mittler hats versprochen, zuleßt bist Du bei uns, auch mitten in dem Tod. Morgenlied. Mel. Aus meines Herzens Grunde zc. Du Aufgang aus der Höhe, Du Glanz der Herrlichkeit; durch Deine Gnade gehe ich aus der Dunkelheit, den hellen Tag zu sehn. Ach! laffe seine Strahlen mir recht vor Augen malen, wie wohl ist mir geschehn. 2. Ich lag in sanftem Schlummer in der vergange nen Nacht, und dacht an keinen Kummer, der Andre traurig macht. Jetzt, da das Licht erblickt, so leb ich gleichsam wieder, und habe meine Glieder mit neuer Kraft erquickt. 3. Nun, Herr! von Deinen Sorgen kommt alles Wohlergehn; der Abend und der Morgen muß Deis nen Ruhm erhöhn. Ach! halte ferner an, daß mein Berufsgeschäfte der neuen Lebenskräfte auch wohl genießen kann. 4. Erfüll mit Deiner Gnade mein Herze früh und spat, daß mir kein Unfall schade; gib beides, Rath und That. Erhalt in Lieb und Leid ein ruhiges Ges wissen! Soll ich mein Leben schließen? Ach komm! ich bin bereit. Abendsegen am Mittwoch. Die Nacht ist wieder da, mein Bette ruft mich wieder; doch ruft mich auch mein Gott vorher zur Dankbarkeit. Drum werf ich mich allhier vor seinem Throne nieder, und habe Herz und Hand zur Andacht ihm geweiht. Allein, wie darf sich wohl ein Sünder unterstehen, vor dem gerechten Gott so ungerecht zu gehen? Es donnert ja sein Grimm von den entbrannten Höhen, kein Missethäter kann vor D 3. Schmolken's Andachten. Benjamin Schmollen's seinem Wetter stehen. Ach ja! mein Herze will mich leider selbst verdammen, der Satan zeiget mir der Sünden Handschrift für; mich schrecket Gottes Zorn, wie auch der Höllen Flammen, ach! wo verberg ich mich? Mein Gott! ich flich zu Dir. Die Mittwoch lässet mich wohl mitten in der Sünde; ich seh, wohin ich will, so ist nichts recht gethan: doch dieses ist mein Trost, daß ich den Mittler finde, der mitten in dem Zorn, Dich, Vater! stillen kann. Bin ich es gleich nicht werth, doch hats Dein Sohn verdienet, daß Du noch gnädig bist, wenn man zum Kreuze kriecht; der hat mich durch sein Blut bei Dir schon ausgefühnet, weil er gerichtet ward, so fürcht ich kein Gericht. Bedecke meine Schuld mit seinem PurpurKleide, und zeuch mir sein Verdienst als einen Schlafrock an. Mein Hirte, lasse nicht das Schäflein Deiner Weide, daß mir der HöllenMein wolf kein Schrecken bringen kann. Glaube sagt es mir, Du willst mich nicht verschmähen, es läßt es Deine Huld und Christi Tod nicht zu: drum will ich nur getroft auf Deine Güte sehen, in Dir allein besteht ihr allerbeste Ruh. Doch weil ich noch an mir den Leib der Sünde trage, so lehre künftig mich dem Fleische widerstehn: daß kein Gewissenswurm an meinem Herzen nage, und meine Füße stets auf Deinen Wegen gehn. Ich will, vollbringe Du; und soll ich morgen leben, so wirke selbst in mir rechtschaffne Besserung: Mein ganzer Wandel sey nur Dir allein ergeben, ich leb und sterbe Dir, so hab ich schon genug. Kein füßer Wort kann mir in meinen Ohren schal50 Abendsegen am Mittwoch. len, als wenn Du mir versprichst: ich bin bei dir in Noth! Ob tausend und noch mehr, zur Recht und Linken fallen: so steh ich dennoch fest bei Dir, Herr Zebaoth. Besonders laß die Nacht mich überall erfahren, Du eben senst der Gott, der unsre Zuflucht ist: wo Deine Hand mich nur will decken und bewah: ren, so frag ich nicht ein Haar nach aller Feinde List. Un Davids Bette stund: Ich lieg und schlaf im Friede, denn Du, Herr! hil: fest mir, auf daß ich sicher wohn: O! tröste doch auch mich mit diesem Abendliede; ich lege mich mit Dir, sey Du mein Schild und Lohn. Sey, Jesu, Du mein Licht bei diesen Finsternis sen, sen meine Sonne mir auch mitten in der Nacht: Laß Deiner Engel Schaar den Feind an Ketten schließen, der wie ein Löwe nur auf mein Verderben wacht. Dein Name sey das Schloß, die Liebe sey das Zeichen, so mir als ein Panier an meinem Bette steht: ich will Dein theures Blut an Haus und Herze streichen, damit des Würgers Schwert umsonst vorüber geht. Hilf, daß kein Naub, noch Brand, noch anders Ungewitter, uns von dem Schlafe weckt und unsre Ruhe stört; sen auch der Meinen Schuß und gnädiger Behüter, daß keinen, wer sie seyn, ein Ungemach versehrt. Träumt uns, so bilde Dich in unsere Gedanken, und leg uns unvermerkt, die Jakobsleiter an: Sen bei den Traurigen, Verfolgeten und Kranken, daß jeder seine Noth bei Dir vergessen kann. Laß den verwichnen Tag mir Diese Lehre geben, wie er als Mittwoch hie, der Wochen Mittel sen, so sey ich Sterblicher D2 US 51 Benjamin Schmolfen's auch mitten in dem Leben, mit Noth und Tod umringt, und nie vom Sterben frei. Soll heute nun mein Schlaf sich mit dem Tode küssen, so nehm ich Deinen Tod, o Jesu! mit ins Grab; der kann die Bitterkeit im Tode mir versüßen. O selig, wer so stirbt, der scheidet fröhlich ab. 52 Abendlied. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten 2c. Ich suche dich in meinem Bette, holdseligster Immanuel! O daß ich dich gefunden hätte: so freuet sich mein Leib und Seel. Komm, kehre willig bei mir ein; mein Herz soll deine Kammer seyn. 2. Kannst du dein Haupt sonst nirgends legen, ach! leg es her auf meine Brust; so kann ich süße So Ruhe pflegen, und nichts verstöret meine Lust. schläft der Leib, das Herze wacht: so wird es Tag bei finstrer Nacht. 3. Ihr angenehmen Jesus Hände, kommt drückt die müden Augen zu, und schreibt dieß Wort an alle Wände: Ein Gotteskind hat hier die Ruh. Werft allen Kummer hinter mich, und schwächt des Satans Fersenstich. 4. Laß mich die schöne Morgenråthe in deinem Lichte wieder sehn, daß sie die Macht der Sünden tödte; und lehre mich die Welt verschmähn, die nur Egyptens Schatten liebt, und wenig Licht der Tugend gibt. 5. Wohlan! du treuer Freund der Seelen, ich habe dich, ich halte dich; schlaf ich in deiner Wuns den Höhlen, so ist mir gar nichts hinderlich. weiß, daß, wo du Jesus bist, mein Bette gar der Himmel ist. Ich Morgensegen am Donnerstage. Ermuntre dich, mein Geist! in dieser Morgenstunde, und feure meinen Mund zum Lobe 53 Morgensegen am Donnerstag. Gottes an. Erneuere die Pflicht von seinem Gnadenbunde, daß ich den neuen Tag auch recht begehen kann. Herr! der Du meine Zeit in Deinen Händen trägest, und meine Tage haft in Deinem Buche stehn; der Du den Odem noch in meiner Brust bewegest, und Deine Kräfte läßt in meine Seele gehn. Ich rühme Deine Huld, die nach den dunklen Schatten ein helles Tagelicht mir wieder aufgesteckt; die Augen, welche sich mit Schlaf verhüllet hatten, hat Deine sanfte Hand gemächlich aufge: weckt. Daß mir mein Bette nicht zum Grabe können werden, daß mich kein Feind gestört, kein Unfall hat berührt, und daß ich sonst noch frei von anderen Beschwerden, das alles hast Du, Herr! ganz glücklich ausgeführt. Drum nimm, Du höchstes Gut! den Dank für Deine Güte, so sehr ich in der Zeit aus Schwachheit danken kann! Nun kommt der neue Tag mit einer neuen Bitte, nimm sie auch gnädiglich in Christi Namen an. Dieweil ich von mir selbst nichts Gutes kann vollbringen, so sen Du überall bei, in und neben mir: laß alles, was ich thu, durch Deine Kraft gelin: gen, und stecke mir ein Licht in Deinem Worte für. Ich bin ein armes Schaf, wie leichte kann ich irren, drum gehe mir, mein Hirt, stets auf dem Fuße nach, und laß mich nicht ins Netz der Eitelkeit verwirren, so stürzt der Thorheit Schuld mich in kein Ungemach. Gib, daß ich heute mag mit frommen Leuten wandeln, auch mit der bösen Schaar stets unan: stößig seyn. Laß denken, reden, thun, mich nach Gewissen handeln, und schleuß mich über Benjamin Schmolken's all in Deine Vorsicht ein. Soll ich mein täglich Brod mit Kummerfalzen effen, so lege deine Huld als einen Zucker bei: ich weiß, Du wirst mich auch im Kreuze nicht vergessen, Dein Herze sagt es mir, das über alles treu. Ich gebe Dir mein Herz, lenk es nach Deinem Willen; ich gebe Dir das Ohr, gib ihm des Wortes Frucht; ich gebe Dir den Mund, laß ihn Dein Lob erfüllen; mein Auge geb ich Dir, halt es in deiner Zucht. Ich gebe Dir die Hand, laß sie was Gutes machen; ich gebe Dir den Fuß, führ ihn auf ebner Bahn; ja alles geb ich Dir; in allen meinen Sachen, will ich Dein eigen seyn, was ich nur bin und kann. Gib Dich hinwieder mir, laß mich Dein Uuge leiten, Dein Ohr erhöre mich, Dein Mund erfreue mich; Es steh mir Deine Hand in aller Noth zur Seiten, sen meines Herzens Herz, so hab und halt ich Dich. Gib, daß ich leb in Dir; laß alles in mir sterben, was Deines Reiches Macht in mir verhindern kann; denn Satan, Welt und Fleisch, gehn nur auf mein Verderben, und locken mei nen Fuß auf breite Höllenbahn. Versalze mir die Welt, die in den Argen lieget, und halt das wilde Fleisch durch Dein Gesetz im Zaum: gib, daß der Seelen Feind mich nicht ins Neßze krieget, und, wenn er an mich setzt, so find er keinen Naum. Nun ich befehle Dir mein Leben und mein Leiden; und sollte beides auch den Tag zu Ende gehn, so will ich gerne mich auf dein Geheiß bescheiden, laß mich im Tode nur auf Christum feste stehn. Es ist das Letzte doch, wenn wir gelebet haben, so macht 54 55 Morgensegen am Donnerstage. der Tod den Schluß, und führt uns aus der Welt; da wird der Himmel uns nach aller Arbeit laben, wo keine Hitze mehr auf unsre Glieder fällt. In dieser Hoffnung will ich an die Arbeit gehen, und an dem Joche noch, so lang ich lebe, ziehn. Ach, laß in Deiner Huld mich und die Meinen stehen! und Deines Se gens Kraft an allen Orten blühn. Sey unser aller Gott jest und zu allen Zeiten, so werden wir Dein Volk und Deine Kinder seyn: Es decke uns Dein Schild bei allen Fährlichkeiten, und Deine milde Hand versorge Groß und Klein. So wird kein Donner uns am Donnerstage schrecken, und lauter Sonnenlicht um unsre Scheitel seyn: ja, wenn Dein Donner wird uns zum Gerichte wecken, so gehn wir freudenvoll ins stille Zion ein. morgenlied. Mel. Gott des Himmels und der Erden 2c. Gott, Du wohnst in einem Lichte, dahin niemand kommen kann; doch Dein helles Angesichte schaut uns alle Morgen an, daß uns ein solch Licht umfaßt, welches Du geschaffen hast. 2. Da der Vorhang aufgezogen, den die Nacht um uns gehüllt, und die Träume hingeflogen, die mit Schrecken angefüllt; sehen wir mit Freuden an, was du, Herr, an uns gethan. 3. Deinen Schild, der uns bedecket, falben wir mit Dankbarkeit. Deine Hand die uns gewecket, küssen wir, und sind erfreut, daß Du noch an uns gedenkst, und uns neues Leben schenkst. 4. Unsrer wäre längst vergessen, unser Bette längst ein Grab! doch Du wachtest unterdessen, bis der Schlaf sich weg begab: und so ists, als stünden wir neu geboren hier vor Dir. Benjamin Schmolken's 5. O! Du hochgepriesner Schöpfer, laß nicht Deis ner Hände Werk! Wir sind Thon, Du bist der Töpfer! wir voll Schwachheit, Du voll Stärk. Hast Du uns ans Licht gebracht, schüß uns auch durch Deine Macht. 56 6. Schreib Du das, was wir verrichten, in das große Segensbuch. Unser Reden, Thun und Dichten sey vor Dir ein Wohlgeruch, daß die angewandte Müh viel Gedeihen nach sich zieh. 7. Lock uns stets mit Deinem Himmel, schreck uns mit der Hölle ab; zeig uns bei dem Weltgetümmel, was zulette folgt, das Grab: daß man an das Ende denkt, und das Herz auf Klugheit lenkt. 8. Folgt der Lob uns auf dem Fuße, ach! so schärf uns täglich ein, wie man immer in der Buße seiner muß gewärtig seyn, daß auf diesen Donnerstag uns kein Donner schrecken mag. Abendsegen am Donnerstage. Gott Lob, der Donnerstag ist auch nun überlebet! Ach donnerte mein Gott, nur Dein Gefeße nicht: Denn weil ich diesen Tag Dir öfters widerstrebet, so zieht ein Wetter auf, und droht mir Dein Gericht. Mein Herze schlägt mir schon, ach! schone Du mit Schla gen! doch, wo Du schlagen willst, so denk an Deinen Sohn, der hat ja meine Schuld und Deinen Zorn getragen: ich werfe mich zerknirscht vor diesem Gnadenthron. Ist meine Sünde groß, Du hast viel größre Gnade; ist sie wie Sand am Meer, gehäufter denn mein Haar, ich weiß, daß Deine Huld sie dennoch überlade, und meines Jesu Blut stellt viel mehr Tropfen dar. Nimm diesen Bürgen an, und schreib die Sündenschulden aus dem Gerichts 57 Abendsegen am Donnerstage. buch ab, in die Vergessenheit: Mein Hoherpriester will das alles für mich dulden, was die Gerechtigkeit für Strafe mir gebeut. Laß Deinen Donner sich in Sonnenschein verkehren; verwandle Deinen Fluch in Segen und Gedeihn: denn sollt ich Deinen Blick in dieser Nacht entbehren, so wollt ich lieber todt, als so verlassen seyn. Nun! Du Herzfreundlicher und allertreuster Vater, nimm das verlorne Kind noch einmal wieder auf: und sen ins Künftige mein Führer und Berather, Dein Geist verbeuge mir den alten Sündenlauf. Hilf mir mein Fleisch und Blut durch Kraft von oben dämpfen; vergälle mir die Welt, die man verleugnen muß, und will mein ärgster Feind, der Satan, mit mir kämpfen, so tritt den Be lial selbst unter meinen Fuß. Hast Du mich diesen Tag auf Deiner Hand getragen, so küß ich sie dafür in tiefster Dankbarkeit; hat Deine Ruthe mich, als wie ein Kind, geschlagen, so dank ich Dir, mein Gott! von Dir kommt Lieb und Leid. Du hast mir manches Kreuz schon helfen überwinden, war mir die Last zu schwer, so warf ich sie auf Dich, und lerne mich nunmehr in Deine Weise finden; Du führest wunderlich, doch aber seliglich. Du wirst es immer gut mit Deinen Kindern machen: wer seine Wege Dir mit Ernste nur be: fiehlt, kann mitten in der Noth, wie in den Rosen, lachen, weil Deine Ruthe stets auf unser Bestes zielt. Und also nehm ich Dich auch Heute mit zu Bette, ich werfe mich auf Dich, ich lasse nicht von Dir: wenn aller Feinde Schaar mich gleich umgeben hätte, bin ich doch Benjamin Schmolken's sicher gnug, denn Du, Herr! bist bei mir. Du wirst um mich herum die sechzig Starken stellen, durch die ein Salomo die Furcht der Nacht vertreibt, und mir das große Heer getreulich zugesellen, bei dem ein Jakob dort unangetastet bleibt. Du bist mein Licht und Heil vor wem sollt ich erschrecken? Du bist des Lebens Kraft, so grauet mir vor nichts! Du bist mein Schirm und Schild, mein Stab und auch mein Stecken, so acht ich keine Lift des alten Bösewichts. Drei Hütten hab ich hier, mein Jesu! bei Dir funden; die erste gibet mir der Füße Nägelmahl, die andre bau ich mir in Deiner Hände Wunden, und Deine offne Brust zeigt mir die dritte Zahl. O Jesu! laß mich hier die süße Ruh genießen. Ein andrer hülle sich in Sammt und Seide ein, ich will mich nur allein in Deine Wunden schließen, und sage ganz getrost: o Herr! hier ist gut seyn. Laß morgen Deine Kraft mich wieder neu beleben, und wecke mich zu dem, was mein Beruf mich heißt: soll aber mich mein Schlaf dem Tode übergeben, so bitt ich, daß Du mir mein Weg zum Himmel seyst. Ich bitt auch, Herr! für die, die Du mir anvertrauet; laß Krankheit, Furcht und Noth von ihnen ferne seyn; die Kirche, die auf Dich, als ihren Fels, gebauet, beleuchte Tag und Nacht durch Deinen Gnadenschein. Wohlan! ich lege mich, verschleuß Du meine Kammer: ich schlafe, wache Du, bis daß die Nacht verschwindt: So ruhet Leib und Seel befreit von allem Jammer, und an dem Bette steht: Hier schlä fet Gottes Kind. 58 Morgensegen am Freitage. Abendlied. Mel. Die Nacht ist vor der Thür ic. Die Nacht ist niemands Freund! doch weil ich Jesum habe, so fürcht ich keinen Feind bei solcher Uebergabe. Er ists, der mir die Nacht zur guten Freundin macht. 2. Heb alle Feindschaft auf, Freund, den mein Herze liebet; und wo mein Lebenslauf dich da und dort betrübet, fo tilge meine Schuld mit Huld und mit Geduld. 59 1 3. Zwar hab ich einen Feind, der voller List und Tücke; doch wo dein Antlig scheint, da fällt er bald zurücke. Troß Teufel und die Höll! Hier ist Ims manuel. 4. Ich werde diese Nacht als wie ein Todter liegen; drum laffe beine Macht sich um mein Lager füs gen, und deiner Allmacht Schein bei meiner Ohnmacht seyn. 5. Der Schlaf, des Todes Bild, heißt mich ans Grab gedenken; doch komme, wenn du willt, ich will mich gar nicht frånken; mich bringt der letzte Feind zu dir, mein bester Freund. Morgensegen am Freitage. Gott Lob! der Freitag hat mich von der Nacht befreiet, die in dem dunkeln Schoos mich ganz gefangen hielt; es hat sich meine Kraft erholet und erneuet, mich schrecket nun nicht mehr der Träume Todtenbild. Der helle Himmel zeugt von meines Schöpfers Güte, die immer neues Licht und neues Leben gibt: und fordert jekund auf mein dankbares Ge müthe, daß es mit Freuden sich in Deinem Lobe übe. Du überreicher Gott, du Brunnquell aller Gnaden, groß von Barmherzigkeit, und übergroß an Treu; vor Deinem Vater Benjamin Schmolken's 60 schuß wich aller Seelenschaden, der Leib war von Gefahr in Deinen Armen frei. Du hattest meine Ruh mit Engeln ganz umgeben, und ihre Wagenburg war meine Lagerstatt: so durfte nicht ein Haar vor Satans Grimme beben, wie eifrig er die Nacht mir nachgestellet hat. Uch Herr! ich bin zu schwach für alles Dich zu preisen, so nimm nun für die That den guten Willen an! Ich will Dir lebenslang verbundne Pflicht erweisen, bis ich im Himmel dort Dein Lob verbessern kann. Doch meine Dankbarkeit ist eine neue Bitte; der Freitag brauchet auch die Blicke Deiner Huld: So zeichne demnach ihn mit Deiner Wundergüte; verbinde heute mich zu einer neuen Schuld. Laß mich den Tag begehn zu Deines Sohnes Ehren, es war sein Leidenstag und auch sein Sterbetag; was könnt ich schöners wohl von seinem Tode hören, als daß ich, Vater, Dich in Christo nennen mag? Die Morgenröthe kann mit ihrem Purpur prangen: Mir heißet Jesus Blut das schönste Morgenroth, darin die Sonne mir zum Leben aufgegangen sonst wär ich in der Nacht ja gar in Sünden todt. Gib also, daß ich stets an den Erlöser denke, daß ich ihn heute nicht aufs Neue kreuzige, und meine Blicke stets auf seine Wunden lenke, damit ein Wohlgeruch zum Leben draus entsteh. Wenn sich Gelegenheit zu einer Sünde zeiget, so zeige mir sein Blut und seine Todespein, und, wenn mein Herze sich zur Welt und Wollust neiget, laß seinen Dornenkranz mir bald vor Augen seyn. Laß seinen Angstschweiß sich mit meinem Schweiße mischen, den mein Morgensegen am Freitage. 61 Laß Beruf mir hie aus meinen Adern treibt. seinen Gallentrank mein Thränenmaß erfrischen, und gib, daß mir sein Kreuz ein Trost im Kreuze bleibt. Mit seinen Banden zeuch mich immer von der Erden, in seine offne Seit begrabe meine Noth; und soll ich heute noch zur blaßen Leiche werden, so sen durch seinen Tod auch meines Todes Tod. So wird mir dieser Tag ein rechter Freitag bleiben, und keinesweges nicht der Bosheit Deckel seyn: Du wirst ihn in Dein Buch mit Chrifti Blute schreiben, dasselbe machet mich von aller Sünde rein. Und Du, o Gotteslamm! laß mich Dein Vorbild lieben, daß ich gehorsam bin, wie Du gewesen bist, daß ich geduldig sey, wenn man mich will betrüben, daß meine Liebe treu, so wie die Deine ist. Dann bleibet mir der Trost: hast Du so viel gelitten, daß meine Seele nun nicht darf verloren gehn; so wirst Du auch den Leib mit Segen überschütten, und mich, Dein Gliedmaß, nicht in Kummer lassen stehn. Die Schädelstätte wird mir lauter Gnade thauen; wo du gedurstet hast, werd ich gesättigt seyn. Wo dich Dein Gott verließ, werd ich Dein Untliß schauen; wo du getrauert hast, da werd ich mich erfreun. Wo man Dir alles nahm, wirst Du mir alles geben; wo man Dich hat entblößt, ziehst Du Dich selbst mir an; wo du gestorben bist, da wirst Du mir das Leben; Dein Weg zum Kreuze hin ist meine Himmelsbahn. Du wirst ein Fluch für mich und ich durch Dich ein Segen; Du trugest Gottes Zorn, und ich die Huld davon. Das laß mich heute nun mit rechtem Benjamin Schmolken's Ernst erwägen, daß ich die Sünde flich, die Dir gab solchen Lohn. Laß auch den Meinigen aus Deinen Wunden fließen, was sie vergnügen kann; Dein Blut, ihr rothes Seil, bei dessen Zeichen sie von keinem Unfall wis sen, dieß sen ihr Trost, ihr Schuß, ihr allerbestes Theil. Und endlich sen auch stets bei Deiner Kreuzgemeine, die Deiner Fahne folgt, und Dich als König schäßt; gib, daß uns dermaleins ein Freitag dort erscheine, der aus Egypten uns ins freie Land versetzt, Amen. 62 Morgenlied. Mel. Meinen Jesum laß ich nicht zc. Schließet euch ihr Augen auf; denn das Auge dieser Erden will durch seinen neuen Lauf, euch zur Morgenfackel werden. Seht! die Sonne geht euch vor, und weist euch zu Gott empor. 2. Lasset euern ersten Blick sich nach Zions Höhe wenden. Sehet auf die Nacht zurück, die Gott half so glücklich enden. Ach! ein solcher Gott verdient, daß sein Lob beständig grunt. 3. Herr Zebaoth! deine Treu, hat wie Flügel mich bedecket, und jetzt wird sie wieder neu, da du mich haft aufgewecket: ach, was geb ich dir dafür? Ich verehr mich selber dir. 4. Bin ich nun dein Eigenthum, so versorge mich auch heute, daß zu deines Namens Ruhm, Lieb und Segen mich begleite. Was ich thun und reden soll, alles dieß gerathe wohl. 5. Laß den Himmel offen seyn, wenn mein Herz sich zu dir hebet; und laß meine Seufzer ein, wenn die Noth vor Augen schwebet. Sprich ein gnädigs Wort zu mir: fürcht dich nicht, ich bin mit dir. 6. Laß mich dein Augapfel seyn, denn du, Herr! wirst wohl bewahren; und mir deinen Gegenschein aller Orten wiederfahren. Eey mir immer Sonn und Schild, sonsten mach es, wie du willt. Abendsegen am Freitage. 63 7. Gib, daß ich kein Brandmahl mir ins Gewiss sen heute mache. Schieb der Sünd den Riegel für, hilf mir, daß ich bet und wache; denn wer weiß, ob diesen Tag nicht mein Ende kommen mag? 8. Nun ich werfe mich auf Dich, Du kannst alles übertragen: Deine Hand erhalte mich, wenn mich Kreuz und Unglück plagen. Kommt der Abend dann herbei, gib, daß ich gebessert sey! Abendsegen am Freitage. Herr err Jesu! bleib bei mir, denn es will Abend werden, der Tag hat sich geneigt; die finstre Nacht ist da; komm, kehre bei mir ein, mein bester Trost auf Erden, sen mir mit Deiner Huld auch in dem Finstern nah. Der Freis tag ist vorbei, ach! wär ich frei von Sün: den, so würd ich auch bei Dir frei von der Strafe seyn. Allein, so muß ich mich auch heute schuldig finden, mir kommt viel Böses jeßt und wenig Gutes ein. Ich hab es schlecht bedacht, wie Du an diesem Tage, für aller Menschen Schuld so schmerzlich haft gebüßt, wie Dir Dein Leidensgang durch ungemeine Plage, bis an des Kreuzes Stamm, so sauer worden ist. Die Banden, die Du trugst; die Dornen, die Dich rißzten; die Geißeln, die den Leib mit Striemen angefüllt; die Wunden, welche Blut mit ganzen Strömen schwitzten; Dein Durst, Dein Gallentrank, Dein blasses Todtenbild, die hätten heute mir vor Augen sollen schweben, Dir, Du Gekreuzigter, sollt ich gekreuzigt seyn; allein mich überzeugt mein sündenvolles Leben, Dein Blut will über mich 64 Benjamin Schmolken's und meine Bosheit schrein. O unbeflecktes Lamm! ich habe Dich erwürget, und meine Missethat hat Dich ans Kreuz gebracht; doch hast Du meine Schuld mit Blut und Tod ver: bürget, und selbsten Dich für mich zum Schuldener gemacht. Ich zeige Dir Dein Blut, das Du für mich vergoffen; soll dieser theure Schat an mir verloren seyn? Du hast ja Deine Brust den Sündern aufgeschlossen, so nimm mich Wermsten auch in Deine Wunden ein. Aus Deinen Dornen laß mir lauter Rosen blühen, durch Deiner Bande Kraft verbinde mich mit Dir. Dein Kreuze müsse mich recht nach der Höhe ziehen, die offne Seite sey mein Weg zur Gnadenthür. Ach! sprenge doch Dein Blut auf mein zerknirschtes Herze, lösch ab des Vaters Zorn in dieser rothen Fluth; hilf mir durch Deinen Schmerz von meinem Sündenschmerze, was ich nicht recht gethan, mach alles wieder gut. Ich will mein Fleisch und Blut hinfort ans Kreuze heften, die Welt soll künftig mir, ich ihr, gekreuzigt seyn. Doch, weil ich viel zu schwach in meinen eignen Kräften, so pflanze Du mir selbst Dein Kreuz ins Herz hinein. Laß Deine Nägel mir durch mein Ge wissen gehen, so ofte mich die Luft zu einer Sünde trägt. Traf dieß das grüne Holz, wie wirds ums dürre stehen, wie wird der Knecht gestraft, wenn Gott den Sohn so schlägt? Ganz ferne sen von mir, mich von was anders rühmen, als, Jesu! nur von Dir und Deinem Kreuz allein. Dieß nur allein soll mir zu meinem Trost geziemen, in Deinen Wunden soll mein einzigs Labsal seyn. Laß auch in dieser Nacht 65 Abendsegen am Freitage. Nacht Dein hochgepriefnes Kreuze, zum Beichen über mir und meinem Bette stehn, daß mich mein Fleisch und Blut zu keiner Sünde reize, und alle Feinde sonst bei mir vorüber gehn. Laß Deine Trauernacht zur Freudennacht mir werden, der Engel sen bei mir, der Dich gestärket hat! Dein hartes Lager dort am Delberg auf der Erden verwandle sich bei mir zur fanften Ruhestatt. Doch lasse mich nicht so, wie Deine Jünger schlafen; Gebet und Wachs samkeit, erfordert auch mein Stand; kommt Judas und die Schaar mit Satans Wehr und Waffen, so gib des Geistes Schwert mir in die Glaubenshand. Will mich der arge Feind als wie den Weißen sichten, so bete Du für mich, damit mein Glaube bleibt! Bewahre meinen Schlaf vor Satans Mordgerichten, die er sonst in der Nacht mit seinen Schuppen treibt. Wie Du am Kreuze Dich dem Vater haft befohlen, so laß auch meinen Geist Dir jeßt ergeben seyn. Willst Du mich heute noch in Deinen Himmel holen, so schlaf ich ganz getrost in Deinen Wunden ein. Dein Kreuzweg führet mich aus allem Kreuz und Leiden, Dein Tod macht meinen Tod zur rechten Le bensbahn: Dein letztes Ungstgeschrei erwirbt mir Himmelsfreuden, auf Deinem Golgatha treff ich mein Tabor an. Du hast Dich in der Noth der Deinen angenommen, so laß die Meinen auch in Deiner Obsicht stehn: Will ihnen diese Nacht etwas zu nahe kommen, sprich nur ein einzigs Wort: Fort, laß mir diese gehn! Wir machen Dein Verdienst zu unserm Schulterkissen, und legen uns zur Ruh, weil Du für B. Schmolken's Andachten. & 66 Benjamin Schmolken's uns gewacht, so können wir getroft die müdenAugen schließen, und auf den Freitag folgt auch eine freie Nacht. Abendlied. Mel. Die Nacht ist vor der Thür zc. Lamm Gottes! fiehe mich vor Deinem Kreuze liegen, mein mattes Herz will sich in Deine Wunden schmiegen, ach! öffne diese Kluft der Seele, die da ruft. 2. Geschlagner Fels, nimm jetzt Dein Taublein in die Ritzen; das Blut, das Du geschwitzt, laß mir auch heute nüßzen, daß es die Schulden löscht und mich von Sünden wäscht. 3. Zerbrich in dieser Nacht die Macht der Finsterniffe, daß ich bei Deiner Macht die Augen fröhlich schließe. Dein Dornkranz stelle mir ein Rosenkissen für. 4. Wirf mir den Purpur zu, den Du mit Blut bes flécket, daß er bei meiner Ruh mich als ein Schlafrock decket; vor dieser schönen Tracht, entfärbt sich selbst die Nacht. 5. Breit über meinen Schlaf die ausgestreckten Armen, und laß Dein armes Schaf an Deiner Brust ers warmen, Dein offner Seitenriß sey mir ein Paradies. 6. Laß einen Schlaftrunk mir aus Deinen Wunden fließen, und Deine Lippen hier zur guten Nacht mich füßen, weil mich nach Dir nur dürst, o Du, mein Lebensfürst! 7. Kein Teufel soll mich hier von Deinem Kreuze reißen, ich will es mein Panier und meine Freistatt heißen; wo dieses Zeichen steckt, da bin ich wohl bes deckt. 8. So schlaf ich ruhig ein auf Dein Verdienst und Leiden, es kann mich keine Pein von deiner Liebe scheis den: aus Liebe wünsch ich mir, zu sterben gar mit Dir. 67 Morgensegen am Sonnabend. Morgensegen am Sonnabend. as Auge dieser Welt zeigt wieder seine Strahlen; ach brenne du mein Herz! die Andachtsflamme an. Die Sonne suchet dir im Bilde vorzumalen, wie man zu Gottes Ruhm am Morgen leuchten kann. Vater alles Lichts! erleuchte mein Gewissen, damit die Sündennacht im Herzen Abschied nimmt: Denn Deine Kindschaft weiß von keinen Finsternissen, so wenig Tag und Nacht jemals zusammen stimmt. Entzünde meinen Mund zu lauter Lobessprüchen und mache Dir mein Herz zu einem Dankaltar. Weil Du die ganze Nacht nicht bist von mir gewichen, und alles abge: wandt, was zu befürchten war. Nimm meine Seele hin zu Deinem Eigenthume, ich gebe Dir den Leib zu einem Tempel ein; verkläre Dich in mir, zu Deines Namens Ruhme, und laß mich festiglich mit Dir vereinigt seyn! Ich bin jeßund bereit, die Kleider anzuziehen, zeuch Deine Liebe mir als einen Leibrock an, und laß den güldnen Schmuck in allen Werken blühen, der mich in Christo nur gefällig machen kann. Ja schmücke Du mich selbst mit Glaus ben und mit Liebe, mit Keuschheit, mit Geduld, mit Demuth, Mäßigkeit, und führe meinen Fuß, nach Deines Geistes- Triebe, in wahrer Gottesfurcht und auch Gelassenheit. Laß Deine Gegenwart mir stets vor Augen schweben, die, wo ich geh und steh, mich wie die Luft umgibt: und weil Du alles siehst, so gib mir so zu leben, daß sich Dein Vaterblick nicht über mich betrübt. Verleihe Deine Kraft, mir selb€ 2 Benjamin Schmolken's sten abzusterben, und für den alten Mensch den neuen anzuziehn; ja was die Welt sonst liebt, zu ihrem Selbstverderben, das laß mich alle= mal als eine Schlange fliehn. Der Feind läßt seinen Pfeil auch an dem Tage fliegen: drum gib mir einen Schild, an dem kein Stoß nicht haft; und sucht mich seine List in Sünden ein: zuwiegen, so weck und schrecke mich mit Deines Donners Kraft. Gib beides, Rath und That, zum Sinnen und Beginnen, was ich in Christo thu, sen alles wohl gethan; und laß in dieser Welt mich nur so viel gewinnen, daß ich den Meinigen die Nothdurft reichen kann. Dein Segen machet reich, nicht aber unsre Mühe; doch gibst Du keinem was, der müs fig gehen will: so schaff, daß meine Hand die Arbeit niemals fliehe, und fülle sie alsdann mit wenig oder viel. Kehrst Du mit Trübsal ein, so mach es nur erträglich: das ist kein guter Tag, da man kein Kreuze hat. Dein süßer Trost macht mir die größte Noth behaglich, und alles Leid verschwindt, wenn Jesus zu mir naht. Die schwere Kreuzeslast macht doch ein leicht Gemüthe, das Herze hebet sich nur drunter mehr empor, und endlich scheinet doch die treue Vatergüte, der Zucker Deiner Huld schmeckt allem Wermuth vor. Sey Du mir Sonn und Schild, bei mir und bei den Meinen, wend ab Gefahr und Leid, Pest, Krieg und Hungersnoth, und sollte diesen Tag mein Ende gar erscheinen, so gib durch Christi Blut mir einen sanften Tod. Ich lebe länger nicht als Du mein Ziel gestecket, der Tod klopft täglich auch bei meiner Schwachheit an: drum 68 Morgensegen am Sonnabend. 69 gib, daß jeder Tag zum Sterben mich erwecket, und ich ihm freudiglich entgegen gehen kann. Laß mich indessen nicht dem Namen nach nur leben; wer dich nicht liebt und ehrt, der ist lebendig todt. Vielmehr laß allezeit mich zu erkennen geben, mein Leben sey aus Dir, so hats mit mir nicht Noth. Denn keiner lebt ihm selbst, kann auch ihm selbst nicht sterben: drum leb ich, leb ich Dir: sterb ich, so sterb ich Dir, und also kann ich todt und lebend nicht verder= ben, Du bist des Todes Herr, und meine Lebensthür. Die Woche wird auch sich mit diesem Tage schließen, ein gutes Ende macht auch alles andre gut; das aber wirst Du, Herr! mir selbst verleihen müssen, Du bist das A und O, so schließ ich wohlgemuth. Noch heute währt die Müh, denn Morgen ist gut feiern, ein einz'ger Tag wird mich auf alle sechs erfreun: da werd ich meine Kraft in Deiner Kraft erneuern, der Sonnenabend wird mein Feierabend seyn. Morgenlied. Mel. Die Nacht ist vor der Thür zc. Die Nacht gibt gute Nacht, der Tag herrscht schon auf Erden, Gott, der da beides macht, soll hoch ge. priesen werden. Du Herr der ganzen Welt, hast alles wohl bestellt. 2. Ja mehr, und mehr als wohl, hat mich Dein Schild bedecket, das ich erkennen soll, wie Deine Güte schmecket, und daß sonst keine Treu so groß als Deine sey. 3. Ach! laß Dir meinen Dank in Schwachheit hier gefallen, Dein Lob soll Lebenslang in meinem Munde Benjamin Schmolken's schallen; ich werde niemals mein, nur Dein alleine seyn. 70 4. Du wollst mich diesen Tag ins Buch des Se. gens schreiben, daß ich so leben mag, wie mich Dein Geist wird treiben, durch dessen Leitung führ mich mehr und mehr zu Dir. 5. Mein Thun und Lassen laß Dein Aufsehn nicht verlassen: Dein Wort sey mein Compaß, den Lauf darnach zu fassen; gib ein bescheiden Theil am Kreuz und auch am Heil. 6. Versorge meinen Mund, doch aber mehr die Seele, erhalte sie gesund in ihres Leibes Höhle; gib einen Gnadenblick auch zu der Meinen Glück. 7. Die Woche laufet nun an diesem Tag zum Ende, drum hilf, daß ich mein Thun in Deiner Kraft vollende, daß Morgen mich der Tag geruhig finden mag. 8. Laß mich die kurze Zeit des Lebens flüglich theilen, und nach der Ewigkeit mit frohen Schritten eilen: so leb ich, weil es gilt; so sterb ich, wann du willt. Abendsegen am Sonnabend. So endigt sich der Tag zugleich mit dieser Wochen: ach endige, mein Gott, nur Deine Gnade nicht. Ich habe heute zwar aufs Neue viel verbrochen: doch tröstet mich Dein Wort, Du willst mein Sterben nicht. Und also werf ich hier mein Herz zu Deinen Füßen, mit Wehmuth ganz zerknirscht, doch glaubig und getrost, laß mich nur einen Blick von Deiner Huld ges nießen, und hemme Deinen Grimm, der sonst zur Höllen stoßt. Kein Mensch ist Engelrein, wir allzumal sind Sünder, es mangelt uns der Ruhm, der uns vor Gott gebührt: Jedoch Dein Sohn hat mich, und andre Sündenkinder, vor Deinen Gnadenstuhl durch sein Ver 71 Abendsegen am Sonnabend. dienst geführt. Uch! streich die Schulden aus mit seinem rothen Blute, und kühle Deinen Born in diesen Strömen ab: Was er gelitten hat, das komme mir zu gute, der Wunden tiefes Meer sen meiner Sünden Grab. In diesem Glauben geht mein mattes Herz zu Bette, ich werde wieder Kind, Du wieder Vater seyn: Wenn ich auch diesen Trost bei meiner Ruh nicht hätte, so schlief ich ganz gewiß auf lauter Dornen ein. Doch ehe sich mein Haupt zum Schlafe niedersenket, so brenn ich dir zuvor der Lippen Weihrauch an: Du hast mir so viel Heil die Woche durch geschenket, daß ich Dir Deine Treu nicht gnug verdanken kann. Kein Tag ging mir vorbei, ich zählte keine Stunde, es war kein Augenblick, der nicht gesegnet hieß: mein Wohlseyn stund bei Dir auf einem fe sten Grunde, daran der arge Feind sich selbst den Kopf zerstieß. Du hast im Geistlichen die Seele wohl berathen, und auch im Irdischen den armen Leib bedacht; mein armes Leben zeigt von Deinen Wunderthaten, Du hast es auch mit mir im Kreuze gut gemacht. Dein Segen war bei mir, daß ich in meinem Schweiße mein Brod mit Freuden aß, und mir begnügen ließ: es kam von Deiner Kraft und nicht von meinem Fleiße, wenn ich was Nüßliches in meinem Amte wies. Wer weiß, was son: sten mich für Elend hätte troffen, wenn Du das Beste nicht, o Gott! bei mir gethan? so hast Du über mir Dein Auge täglich offen, daß ich vor mancher Noth befreiet leben kann. Was bin ich besser wohl, als andre MenschenFinder, die Du die Woche durch im Zorne Benjamin Schmolken's heimgesucht? Die andern strafest Du, und fährst mit mir gelinder, da Dein Gesetze mir, sowohl als ihnen flucht. O Langmuth! o Ge= duld! o freundliches Erbarmen! wo schreib ich solche Treu und solche Gnade hin? Sch werfe mich dafür in Deine Liebesarmen, und sage, daß ich ganz und gar Dein eigen bin. Vater voller Huld! o Heiland voller Le ben! o Geist voll Süßigkeit! nimm dieses Opfer an; Herz, Mund und Hand soll Dir Lob, Preis und Ehre geben, bis ich im Him: mel dort vollkommen danken kann. Fahr aber ferner fort mit Deiner großen Gnade; voraus in dieser Nacht, sey Du mein Trost und Licht: daß mir kein Ungemach an Leib und Seele schade, so gönne mir nur, Herr! Dein gnädigs Angesicht. Laß in der Dunkelheit Dein helles Auge wachen, Dein Urm umfaffe mich, daß uns nichts trennen kann; treib ab die Grausamkeit des alten Höllendrachen, und stecke vor mein Bett des Glaubens Siegesfahn. Der Träume Larvenspiel laß meinen Sinn nicht schrecken! Fluth, Gluth und Satansbrut, sey fern von meiner Ruh: es müsse mich kein Leid und keine Sorge wecken, Dein Flügel decke mich als wie ein Küchlein zu. Schließ eine Wagenburg um mich und um die Meinen, sen Mauer, Schild und Wacht durch Deinen Cherubim: ruht etwan Haupt und Herz auf harten Kummersteinen, so stelle mir zum Trost auch Jacobs Leiter hin. Wie süße werden wir in Deinem Namen schlafen? wie ruhig wird der Leib und auch die Seele seyn? denn Du, der Hirte, bist bei Deinen lieben Schafen, 72 73 Abendsegen am Sonnabend. und wirst dein Eigenthum von aller Noth befrein. Laß Morgen mich gesund zu Deinem Throne treten! Dein Sonntag wecke mich mit Loben wieder auf; so werd ich vor Dir stehn, mit Hören, Singen, Beten: ach wie sehr freuet sich mein Herze schon darauf! Soll aber in der Nacht der Tod die Augen brechen, und dies ser Woche Schluß der Schluß des Lebens seyn: so laß mir Deinen Mund ein gnädigs Urtheil sprechen, und binde meine Seel ins Lebensbündlein ein. Wo kann mir besser seyn, als droben in dem Himmel? Man trifft doch in der Welt nur Marterwochen an: Mein Jesu! eile doch, daß ich dem Weltgetümmel die letzte gute Nacht auf Erden sagen kann. Indessen will ich mich dem Irdischen entreißen, und nur des Himmlischen im Glauben mich erfreun: Ein sanfter Tod wird mir ein Son nenabend heißen, und wenn ich aufersteh, mein Sonnenmorgen seyn. Abendlied. Mel. Herzlich thut mich verlangen ze. Die Woche geht zum Ende, nicht aber Gottes Treu: denn wo ich mich hinwende, da ist sie immer neu. Die Zeit kann wohl verschwinden, nur Gottes Güte nicht; fie läßt sich täglich finden, und gibet Trost und Licht. 2. Genädigster Erhalter von allem, was ich bin, bor meines Mundes Psalter, und nimm mein Opfer hin: es sind ja Deine Gaben, die nicht zu zählen seyn, und was ich nur kann haben, das ist ja alles Dein. 3. Die ganze Woche zeiget von Deiner Gütigkeit, die Du mir zugeneiget: ja meine Lebenszeit, vom Anfang bis jeßzünder, auf diesen Augenblick rühmt Deine Gnadenwunder im Glück und Ungelück. 74, B. Schmolken's Abendsegen am Sonnabend. 4. Allein mein Herze bebet, wenn es zurücke denkt, wie übel ich gelebet, und Dich, mein Gott! gekränkt; jemehr Du mich geliebet, und meiner hast verschont, jemehr ich Dich betrübet, und nur mit Haß belohnt. 5. Ach! strafe nicht im Grimme gehäufte Misses that: weil Deine Vaterstimme mich selbst gerufen hat, so schrei ich um Erbarmen; erbarm Dich über mich! Ich fall Dir in die Armen; ach schone gnädiglich. 6. Mein Glaube heißt mich hoffen, es sey durch Christi Blut ein neuer Bund getroffen und alles wieder gut: Drum will ich Dir geloben, auf ewig treu zu seyn; Dein guter Geist von oben wird mir die Kraft verleihn. 7. Ich bin Dein Kind aufs Neue, drum gib, daß diese Nacht mich auch Dein Schuß erfreue, der alles sicher macht. Ich werde gleichsam sterben, der Schlaf ist wie ein Tod: doch kann ich nicht verderben, Du lebst in mir, mein Gott. 8. Ja, Du mein Gott! wirst wachen, ich werde rubig seyn: so mag der Hölle Rachen, gleich Donner auf mich spein: Dein Kind wird nichts empfinden, als wenns im Himmel war; von vornen und von hinten deckt mich der Engel Heer. 9. Du wirst auch die versorgen, die mein und Deine seyn; so werden wir uns Morgen in Deiner Kraft erfreun. Wir werden Opfer bringen mit Herzen, Mund und Hand, und Dir ein Loblied singen, wo Du, Herr! bist bekannt. 10. Soll das in diesem Leben die letzte Woche seyn, will ich nicht widerstreben, und mich im Geiste freun, auf einen Feierabend, den Christi Tod gemacht und diese Hoffnung habend, sprech ich nun: gute Nacht! 75 Allgemeine Morgen- und Abendlieder. morgen lied. Der Tag ist vor der Thür, und liegt schon auf der Erden; mein Jesu tritt herfür, und laß es lichte wer den; denn nur bei Dir allein ist lauter Sonnenschein. 2. Geh in dem Herzen auf, Du Sonne meiner Seelen; erleucht durch Deinen Lauf die dunklen Jammers höhlen, damit ich diesen Tag im Lichte finden mag. 3. Nimm dieses Opfer hin, ich kann Dir sonst nichts geben, als was ich selber bin: Dir schenk ich Leib und Leben. Ach laß des Herzens Schrein nur Deinen Weihrauch seyn. 4. Gib, daß die schwarze Nacht der Sünden sich verliere, und daß ich mit Bedacht mein Leben heute führe: Es geh kein Augenblick ohn Deine Furcht zurück. 5. Laß alles, was ich thu, in Deinem Namen machen! ich bete, segne Du; sprich ja zu allen Sachen: kein Stündlein geh vorbei, das mir nicht selig sey. 6. Willst Du mich diesen Tag mit Kreuz und Kums mer plagen, so gib, daß ich es mag still und geduldig tragen. Führst Du mich wunderlich, so machs nur feliglich. 7. Und endlich lasse mich den Abend auch erleben: alsdann so will ich Dich mit diesem Ruhm erheben: daß Deine Vatertreu noch tåglich neue sey. 8. Wohlan, so will ich nun zu meiner Arbeit schrei ten, Gott wird mein ganzes Thun mit Segen schon begleiten. Mein Anfang soll allein der Name Jesu seyn. Abendlied. Mel. Nun sich der Tag geendet ze. Die schwarze Nacht zieht ihren Flor um unser Schlafgemach; der Himmel führt das Sternenchor, dem blassen Monde nach. Benjamin Schmollen's 2. Nur Du, mein Jesu, bleibest Licht, wenn alles dunkel ist: Dein Gnadenglanz verfinstert nicht, ist gleich die Sonn zu Rüst. 76 3. Ach aber was für Finsterniß erblick ich doch in mir? mein fündlichs Herze stellt gewiß die schwarzste Nacht mir für. 4. So oft ich diesen Tag vollbracht, das Dich betrüben kann: so ofte ficht der Höllen Nacht mich im Gewissen an. 5. Doch weiche darum nicht von mir, Du Gnadensonne Du! Ich sage Dir, mein Gott, hinfür ein neues Leben zu. 6. Die Abendrothe weiset mich auf Dein vergoßnes Blut: dieß bring ich, Herr! mit Reu vor Dich, es mas chet alles gut. 7. Schleuß mich in Deine Arme ein, Dein Herz laß meinen Pfühl, Dein Auge meine Decke seyn, wenn ich mich legen will. 8. Schaff, daß mein Herze zu Dir wacht, wenn sich das Auge schließt: daß Dich mein Geist die ganze Nacht in süßen Träumen füßt. 9. Gib, daß die Morgenröthe mich frisch und ges fund erweckt, damit mein Herz von Neuem Dich in Deiner Güte schmeckt. 10. So geh ich auf mein Bette zu, wer weiß, wann in das Grab; drum hilf, daß ich die legte Ruh stets in Gedanken hab. 11. Jhr Engel! kommt, deckt meinen Ort mit eu. rer Flügel Wacht; ich schlafe schon, doch noch ein Wort: Mein Jesu, gute Nacht! muntre Frühstunde. Mein Auge schließ ich nun in Gottes Namen auf, der ausgeruhte Leib befördert seinen Lauf! weiß aber nicht, ob ich den Abend möchte leben, es könnte mich vielleicht der Tod noch heut umgeben. 2. Drum sag ich Dir, o Gott! von Herzen Lob und Preis, weil Deine Güt' und Treu bei mir kein Ende weiß. Du hast mich diese Nacht so väterlich bedecket, daß mich kein Ungeluck in meiner Ruh ers schrecket. Morgen und Abendlieder. 3. Du hast des Satans Grimm genådig abgewehrt, der Fürst der Finsterniß hat mir kein Haar versehrt: beschütz auch diesen Tag mich, Herr! auf meinen Wegen, laß Deine Engel mir die Hand selbst unterlegen. 77 4. Negiere mein Gemüth, und richt es ganz zu Dir, daß keine böse Lust zur Sünde mich verführ. Gib, daß ich den Beruf mit allen Freuden treibe, und auch in meinem Schweiß nicht ohne Segen bleibe. 5. Also, wenn sich der Tag zu seinem Ende neigt, verheiß ich Dir ein Lob, das nach dem Himmel steigt. Nimm alle Sorgen selbst auf Deinen Vaterrücken, mach alles Kreuze leicht, so Du wirst überschicken. 6. Und so ja dieser Tag mein letzter Tag soll seyn, so richte meinen Gang in solchen Wandel ein, auf daß ich wohl bereit im wahren Glauben stehe, und als dann voller Glanz zum großen Tage gehe. Gottgeheiligte Nachtstunde. Schlaf ein, mein Herz! und singe, dem Schöpfer aller Dinge, zuvor ein Lied der Buße, fall ihm bes trübt zu Fuße. 2. Wie sehr hast du betrübet, den, der dich hat ges liebet, den Geber aller Güter, den frommen Menschenhüter. 3. Sind es nicht Sündenschatten, die dich umges ben hatten? du hast dich nicht gewehret, da Satan dein begehret. 4. Gott will ein Opfer haben: drum bringe deine Gaben; dein Weihrauch und dein Widder sey'n deine Thränenlieder. 5. Ach seufze: Herr! genadig mach mich von Schul: den ledig, um Christi Blutes willen, laß Deinen Zorn doch stillen. 6. Gib, daß die Dunkelheiten mir nicht ein Grab bereiten, eh ich in meinen Sünden kann Buß und Gnade finden. 7. Sprich doch: mein Kind, nun liege, trotz dem, der dich betrüge; schlaf wohl, laß dir nicht grauen, dein Kind will auf Dich schauen. Benjamin Schmolken's 8. Will gleich der Satan brüllen, so laß ihm nicht den Willen: daß ich kann sanfte schlafen, bei Deiner Engel Waffen. 9. Bedecke, Herr! die Meinen, verlasse heute feinen, daß sie in Deinem Segen sich alle niederlegen. 10. Und laß mich endlich morgen, befreit von allen Sorgen, aus meinem Bette gehen, so will ich Dich erhöhen. 78 11. Schlaf nur mein Herz, und ruhe, und glaube, daß Gott thue, was deine Seufzer bitten, du schläfft, Gott will behüten. Morgenlied. Mel. Was Gott thut, das ist wohlgethan 2c. Die ie Nacht ist hin, wach auf, mein Herz! du sollst ein Opfer bringen; laß deine Flügel himmelwärts sich nach den Wolken schwingen: Denn Gottes Treu ist wieder neu, er hat dir Licht und Leben von Neuem jetzt gegeben. 2. Ihr Seuffer, bringet Wohlgeruch vor eures Schöpfers Throne, kommt, bittet Segen für den Fluch in Christi, seinem Sohne: die Gnadenthür ist offen hier, drum laffet euer Beten zu Gottes Herzen treten. 3. Du Sonne der Gerechtigkeit, vertreib die Nacht der Sünden, und laß an diesem Morgen heut viel Gnadenthau mich finden. Hast Du die Nacht mich wohl bewacht, so sey auch nun am Tage ein Schuk vor aller Plage. 4. Das Gute wende Du zu mir, das Böse laß mich fliehen, und Deine Hand mich für und für nur nach dem Himmel ziehen. Gib Rath und That, so früh als spat, zu allen meinen Werken, laß Deinen Geist mich stärken. 5. Ich werfe meine Last auf Dich, ach! hilf fie treulich tragen: Machs wunderlich, nur seliglich, ich will es auf Dich wagen. Kein Kreuz ist mir zu schwer bei Dir! es thut mir Deine Ruthe auch heute was zu gute. 6. Du bist mein Gott, das weiß ich wohl, laß mich nur Deine bleiben, und was ich heute wirken soll, zu Deinen Ehren treiben. Dein Segen blüh durch meine Morgen und Abendlieder. 79 Mih, daß, wenn ich Schweiß vergieße, er nicht um sonste fließe. 7. Laß auch die Meinen diesen Tag Dein Gnadenauge leiten, und weil ich gar nicht wissen mag das Ende meiner Zeiten: so gib, daß ich mich stetiglich des letzten Tags erfreue, und meine Schuld bereue. Abendlie d. In voriger Melodie. Der Tag ist hin, ich lebe noch, mein Schöpfer sen gepreiset: Ach! was für Wohlthat hast Du doch von Neuem mir erweiset. Dein Gnadenstrahl hat überall mit Segen mich geschmücket, ja Leib und Seel erquicker. 2. Hingegen hab ich Dich betrübt, viel Missethat begangen; doch weil sich Jesus für mich gibt, so laß mich Gnad erlangen! Sein theures Blut macht alles gut, drum will ich meine Sünden auf seinen Rücken binden. 3. In Deine Wunden bett ich mir, ach laß mich fanfte liegen. Ist Deine Liebe mein Panier, so schlaf ich mit Vergnügen. Dein Schatten macht, daß diese Nacht, ohn einzige Beschwerden, mir muß zum Tage werden. 4. Komm, drücke mir die Augen zu; doch laß mein Herze wachen, damit ich nicht des Leibes Ruh zur Sünde möge machen. Träumt etwa mir, so feys von Dir, damit Dich meine Sinnen auch schlafend lieb gewinnen. 5. Die Starken Salomons gib mir zur Rechten und zur Linken, auf daß sie um mein Bette hier, wie Dothans Lager blinken; so wird der Feind, der Arges meint, mit seinen Finsternissen von dannen fliehen müssen. 6. Mein Weib und Kind( keib und Seel), mein Hab und Gut, befehl ich Deinen Händen; laß sich Beraubung, Mord und Glut von unserm Haupte wen Benjamin Schmolken's den; deck unsre Ruh mit Segen zu, daß uns kein Feind erschrecke, auch Krankheit nicht erwecke. 80 7. Soll aber diese Nacht der Tod des Schlafes Bruder werden, so mache mir nach aller Noth ein Bettlein in der Erden. Auf Christi Blut entschläft sichs gut: drum laß mich dieß erwerben, ihm leben und auch sterben. Geistliche Frühwache. Mel. Wach auf mein Herz und singe zc. Du angenehmer Morgen, dein Gruß vertreibt die Sorgen, dein Glanz verschlingt die Schatten, die mich umhüllet hatten. 2. Komm, bringe Licht ins Herze, daß deine Sonnenkerze mich nicht in Sünden finde, und, wie er, so vers schwinde. 3. Du Aufgang aus der Höhe, schau, wie ich vor Dir stehe, und Dich, Du Morgensterne, von Neuem ken: nen lerne. 4. Du hast die Nacht vertrieben, Du bist bei mir geblieben; Du lagst an meiner Seite, Du wecktest mich auch heute. 5. So nimm nun Dank und Lieder, ich lebe heute wieder: doch dieses neue Leben sey Dir allein gegeben. 6. Sey Du mein Gott auch heute, daß mich Dein Auge leite; Dein Herz mein Herze rühre, und Deine Hand mich führe. 7. Laß Schweiß und Fleiß gelingen, und solche Früchte bringen, die Deinen Namen ehren, und meinen Nutz vermehren. 8. Gib ein vergnügtes Herze in Lust und auch im Schmerze! Soll ich im Kummer leben, so gib Ges duld darneben. 9. Bleib mir und meinen Lieben mit Liebe zugeschries ben: Ja, Deine Gnadensonne sey aller Menschen Wonne. 10. Ich hab es Dir befohlen, willst Du mich heute holen, so seys nach Deinem Willen, nur selig und im Stillen. Geist Morgen und Abendlieder. Geistliche Nachtwache. Nach eigner Melodie. Abend, heller als der Morgen, weil mein Jesus bei mir ist, gute Nacht, ihr müden Sorgen, sanfte Liebe, sey gegrüßt. Weil mich Gottes Flügel decket, und sein Auge für mich wacht, ach! so werd ich nicht erschrecket von der sonst betrübten Nacht. 2. Kommt, ihr angenehmen Schatten, wieget meine Glieder ein, daß sie ihre Kraft erstatten, wenn sie wie gestorben seyn. Deckt, ihr schwarzen Finsternisse, dieses Tages Fehler zu, und wenn ich mein Bette grüße, so befördert meine Ruh. 81 3. Aber du mein Herze wache! denn dein Jesus klopfet an, daß er sich ein Lager mache, wo er bei dir ruhen kann. Laß die Glaubenslampe brennen, geuß das Del der Andacht ein, so wirst du den Freund ers kennen, der dir will zur Seite seyn. 4. Laß mein Opfer Dir gefallen, ewiger Genadens thron! höre meines Mundes Lallen, und der Lippen schwachen Con. Ach! durchstreich mit Deinem Blute des vergangnen Tages Schuld, schone heute mit der Ruthe und erzeige mir Geduld. 5. Treuer Hirte Deiner Schafe, Wächter mitten in der Nacht, decke mich in meinem Schlafe, gib mir Deiner Engel Wacht. Sey Du meine Feuersäule, daß der arge Feind erschrickt, wenn er die vergiften Pfeile auf mein schlafend Herze drückt. 6. Deine Wagenburg umschließe alles, was mir angehört, daß man nichts von Grauen wisse, welches sonst die Ruh verstört; laß an unser Bette schreiben: Gottes Kinder schlafen hier! und Gott wird bei ihnen bleiben: Dwie sanfte schlafen wir! B. Schmolken's Andachten. F 82 Benjamin Schmolfen's Eagliche Erinnerung an das Ende. Gebet um ein seliges Ende. Mein Gott, ich lebe wohl, doch weiß ich nicht, wie lange? Mein Tod ist ganz gewiß, nur seine Stunde nicht, und daß mein Leben nur an ei= nem Faden hange, bezeugt mein fiecher Leib, der alle Stunden bricht. Ich habe Manchen schon zum Grabe helfen tragen, der jünger war, als ich; gesünder war, als ich: Ach! sollte nicht dabei mein schwaches Herz mir schlagen? denn es ist ausgemacht, die Reih kommt auch an mich. Und dennoch denk ich doch so selten an mein Ende, als wenn der Tod mit mir gar einen Bund gemacht. Er aber faßt vielleicht den Pfeil schon in die Hände, und ist auf meinen Fall und auf mein Grab bedacht. Was bild ich mir wohl ein, daß ich so ficher lebe? Was hab ich auf der Welt? vielleicht die goldne Zeit? Ist meine Freude nicht, wie eine Spinnenwebe, und die geringste Lust vermengt mit Bitterkeit? Wie bitter wird der Tod, wenn man bei guten Tagen so we= nig an ihn denkt? Und wie entsetzt man sich, wenn er uns unverhofft die Worte lässet sagen: Bestelle du dein Haus, hier ist kein Raum für dich! Ach, mein Gott! stelle mir mein Ende stets vor Augen, weil nichts gewissers doch einmal erfolgen kann, eh mir der Tod die Kraft Erinnerung an das Ende. beginnet auszusaugen, so führe fleißig mich die letzte Todesbahn. Es ist mir Jahr und Tag und Augenblick verborgen, der Tod mahnt seine Schuld oft unversehens ein, drum laß, o lieb: ster Gott! von allen meinen Sorgen, die größt und wichtigste die Todessorge seyn. Es ist nicht Rath, daß ich die Buße wollte sparen, bis auf den letzten Punkt: die späte Reu ist schwer, wie übel würd ich doch in meine Grube fahren, wenn in der Eil kein Raum zu meiner Buße wär? Da kommt die Sünde denn mit Haufen vor das Bette, der Satan leget uns ein schwarz Register vor; die Hölle schnappt nach uns, man wünschet, daß man hätte nicht in der Welt gelebt, als so gesündigt hier. Das alles lehre mich im Leben wohl erwägen, weil es noch heute heißt, so laß mich Buße thun. Verleih mir deine Kraft, die Sünden abzulegen, ich würde sonsten schwer auf diesem Kissen ruhn. Wer fröhlich sterben will, muß sterben, eh er stirbet; so sterbe denn mein Herz der Sünde zeitlich ab; gib, daß in mir die Welt, mit ihrer Lust verdirbet, und zeige stündlich mir der Eitelkeiten Grab. Ach reiß das Herze los von dem, was irdisch heißet: Befreie meinen Sinn, der an der Erde klebt, denn wer sich allzusehr aufs Zeitliche befleißet, vergißt das Ewige, und stirbt schon, weil er lebt. Betäube Fleisch und Blut, und tödte meine Glieder, damit die Sünde nicht darinnen herrschen kann: denn wirft mich diese Last aufs Krankenbette nieder, so seh ich meinen Tod als eine Marter an. Ein gut Gewissen kann das Ende leichte machen: Gib, daß ich diesen Schatz F2 83 Benjamin Schmolken's stets rein bei mir bewahr: denn wenn es erst beginnt, im Sterben aufzuwachen, und Satan bläset zu, so steht man in Gefahr. Laß mich des Lebens Wort mit Lust und Andacht hören, weil ich noch bin gesund; das gibt im Tode Kraft: man hat den Vorschmack schon in sol chen Himmelslehren, was uns für Süßigkeit das andre Leben schafft. In Liebe laß mich auch mit meinem Nächsten leben: denn dort im Himmel wird nur lauter Liebe seyn. Und wenn ich dann der Welt die gute Nacht foll geben, so schleuß vor allem mich in Jesu den ein. n Gib, daß ich in den Tod, als auf den Kampfplatz gehe, darauf dein eigner Sohn für mich gerungen hat, und daß ich, wie ein Held, im Glauben feste stehe, je näher sich der Tod zu meinem Herzen naht. Vergeht mir alle Kraft, die Zunge kann nicht sprechen, die Hände werden laß, die Füße kaltes Eis, das Ohr verstopfet sich, die müden Augen brechen, durch meinen ganzen Leib lauft kalter Todesschweiß. Mein Angesicht verfällt, es starren alle Sinnen, die Kraft zerfleußt wie Wachs, der letzte Stoß ist da: alsdann so weiche doch, mein Jesu! nicht von hinnen, und zeuge mir im Geist Dein blutigs Golgatha. Hilf, daß ich als ein Christ auf deinen Wunden sterbe, und daß der letzte Blick in Deine Seite flieht; im Tode zeige mir das schöne Himmelserbe, wie dort ein Stephanus den offnen Himmel sieht. Dein rother Purpur soll mein Sterbes kittel werden, der Lippen letzter Hauch Dein süßer Jesus Nam. Alsdann so kommt mein Leib, die Erde zu der Erden. Der Geist zu 84 26 މހކ މ 85 Erinnerung an das Ende. Dir, mein Gott! von dem er erstlich kam. Nun ich befehle Dir mein Leben und mein Sterben; leb ich, so leb ich Dir, sterb ich, so sterb ich Dir: Dein Sterben läßt mich auch im Sterben nicht verderben, und, weil Du ewig lebst, so lebst Du auch in mir. Indessen lasse mich das Ende stets bedenken, das Ende meiner Noth, das Ende meiner Zeit; und wenn sich Leib und Geist zu ihrem Ursprung lenken; so führe mich erlöst zur süßen Ewigkeit. Täglicher Blick in das Grab. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten zc. as Grab ist da! hier steht mein Bette, da ich den Tod umarmen soll. Ach! wer sich gut gebettet hätte, der schliefe sanft und ruhte wohl; man denket gar zu wenig dran, daß man so leichtlich sterben kann. 2. Das Grab ist da! so heißt es immer, wir gehen ein und gehen aus: Die Welt ist wohl ein schönes Zimmer, doch aber ein geborgtes Haus: bequemt man sich am besten hier, so weiset uns der Tod die Thür. 3. Das Grab ist da! oft bei der Wiegen, wie manches Kind grüßt kaum die Welt, so muß es schon im Sarge liegen, dieweil der Tod nicht Ordnung hält, und alles ohn Erbarmen bricht, die Frucht sey zeitig oder nicht. 4. Das Grab ist da! die besten Jahre sind auch des blassen Codes Raub, der wirft den Stärksten auf die Bahre, und legt den Schönsten in den Staub: ein jeder Schritt, den man vollbracht, naht sich mit uns zur Grabesnacht. 5. Das Grab ist da! so bald wir älter, so gehn wir auf den Kirchhof zu, die Glieder werden immer kälter, und sehnen sich selbst nach der Ruh; denn Sterben ist der feste Schluß: der Junge kann, der Alte muß. Benjamin Schmolken's 6. Das Grab ist da! was sollt ich wähnen, daß es noch ferne von mir sey? denn man begräbt ja den und jenen, und jeder muß an diese Reih; wie Manchen legt man auf die Bahr, der jünger und ges sünder war? 86 7. Das Grab ist da! ich will mit Buße dahin stets meine Wallfahrt thun. Ich falle dir, mein Gott! zu Fuße, ach, laß mich nicht in Sünden ruhn. Wer Sünde mit sich nimmt ins Grab, stirbt Dir und auch dem Himmel ab. 8. Das Grab ist da! wo michs soll laben, so muß auch ich im Glauben mich in meines Jesu Wuns den graben: Mein Heiland! ich umfasse Dich. Denn Du bist meines Codes Tod, steh mir bei in der letzten Noth. 9. Das Grab ist da! mein kurzes Leben soll künftig desto frommer seyn, und nicht nach Pracht und Reichthum streben, das ist ein kahler Leichenstein. Die Grabschrift, die die Tugend gråbt, macht, daß man auch im Tode lebt. 10. Das Grab ist da! kein Weltgetümmel stort mich bei dem Gedanken nicht. Je näher Grab, je näher Himmel, wer weiß, wie bald mein Herze bricht, und doch erschreck ich nicht dafür, mein Grab wird mir zur Himmelsthur. 11. Das Grab ist da! ich steh vielleichte mit einem Fuß darinnen schon, wie, wann ichs heute noch erreichte; die Zeit eilt flügelschnell davon. Doch ich bin immerdar bereit, das Grab sey nahe oder weit. 12. Das Grab ist da! weg, Eitelkeiten! bei euch vergißt man nur das Grab. Ich will mich tågs lich so bereiten, daß ich den Tod vor Augen hab. Ich bin ein Mensch, so heißt es ja: Das Grab ist da! Das Grab ist da! Das wohlbedachte Ende. Mel. Herzlich thut mich verlangen 2c. Mensch, gedenk ans Ende! willst du nicht Uebels thun! der Tod bringt oft behende das allerletzte Erinnerung an das Ende. 687 Nun; an einem Augenblicke hångt ewig Wohl und Weh: drum denke wohl zurücke, wohin dein Leben geh. 2. O Mensch, gedenk ans Ende! wer weiß, ob nicht noch heut der Tod sich zu dir wende! drum mache dich bereit, wenn du sollst Rechnung geben von dem, was du gethan, damit dein eigen Leben dich nicht verklagen kann. 3. O Mensch, gedenk ans Ende! Stirb stets ben Sünden ab: Gib dich in Gottes Hände und fürchte nicht das Grab. Sen fertig alle Stunden, halt dich an Christi Blut; stirbst du in Jesu Wunden, so ist dein Ende gut. Testament frommer. Christen. Mel. Herzlich thut mich verlangen 2c. Ich hab Luft abzuscheiden, mein Sinn geht aus der Welt! ich sehne mich mit Freuden nach Zions Rosen: feld. Weil aber keine Stunde zum Abschied ist bes nennt: so hört aus meinem Munde mein letztes Testament. 2. Gott Vater, meine Seele bescheid ich Deiner Hand, führe sie aus dieser Höhle ins rechte Vaterland: Du hast sie mir gegeben, so nimm sie wieder hin, daß ich im Tod und Leben nur Dein alleine bin. 3. Was werd ich, Jesu, finden, das dir gefallen kann? Ach! nimm Du meine Sünden als ein Vermächtniß an: wirf sie in Deine Wunden, ins rothe Meer hinein, so hab ich heil gefunden, und schlafe felig ein. 4. Dir, o du Geist der Gnaden! laß ich den letzten Blick: werd ich im Schweiße baden, so sieh auf mich zurück. Ach schrei in meinem Herzen, wenn ich kein Glied mehr rühr, und stell in meinen Schmerzen mir nichts als Jesum für. 5. Jhr, Engel! nehmt die Thränen von meinen Wangen an; ich weiß, daß euer Sehnen sonst nichts erfreuen kann. Wann Leib und Seele scheiden, tragt mich) in Abrams Schoos, so bin ich voller Freuden und aller Thränen los. 88 Benjamin Schmolken's Erinnerung an das Ende. 6. Euch aber, meine Lieben! die ihr mich dann be weint, euch hab ich was verschrieben, Gott, euren bes sten Freund: drum nehmt den letzten Segen, es wird gewiß geschehn, daß wir auf Zions: Wegen einander wieder sehn. 7. Zuletzt sey dir, o Erde! mein blasser Leib vermacht: damit dir wieder werde, was du mir zuges bracht: Mach ihn zu Asch und Staube, bis Gottes Stimme ruft: denn dieses sagt mein Glaube, er bleibt nicht in der Gruft. 8. Das ist mein letzter Wille, Gott drückt das Siegel drauf; nun wart ich in der Stille, bis daß ich meinen Lauf durch Christi Tod vollende: So geh ich freudig hin, und weiß, daß ich ohn Ende des Him mels Erbe bin. Behen Lieder Herrn Benjamin Schmolken's, für sterbensbegierige Christen. 89 Denkzettel des Todes. Mel. Wohlan, es geht nunmehr zc. Ich steh mit einem Buß im Grabe, es ist um einen Schritt gethan: So leg ich meine Hütten abe, die nichts als Schwachheit heilen kann. Drum sey mir stets ein Wort bewußt: Gedenke, daß du sters ben mußt! S 2. Den Menschen ist ein Ziel geseget, und da wird auch nichts anders draus. Wenn man am sichersten sich schätzet, so ist der Lebensseiger aus. Drum schreib ich stets an meine Brust: Gedenke, daß du ster. ben mußt! 3. Wie mancher ist vorhergegangen, wer weiß, wenn ich ihm folgen muß? Der Tod gibt oft den frischen Wangen ganz unverhofft den kalten Kuß. Drum weg, mein Herz, mit eitler Luft: Gedenke, daß du sterben mußt! 4. Wohlan so will ich täglich sterben, daß ich nicht ewig sterben muß: Ein Kluger fliehet das Verderben, und macht sich diesen festen Schluß: O Mensch! in allem, was du thust: Gedenke, daß du sterben mußt! Die nöthige Bereitschaft zum Sterben. In voriger Melodie. Bestell dein Haus, denn du mußt sterben, wer weiß, wenn mich die Stimme ruft? wir sind doch alle Todeserben, auf jeden wartet Sarg und Gruft. Go 90 Benjamin Schmolken's bild ich mir nicht anders ein: Es muß einmal gestorben seyn. 2. Was ist mein Leib; ein Haus der Sünden, ein Ort, wo mancher Gräuel wohnt: und sollte mich der Tod so finden, so würd ich wahrlich nicht vers schont. Drum laß michs räumen in der Zeit, durch wahre Buß und Sündenleid. 3. Wie mancher Schmerz pocht an die Thüre, und jede Krankheit ist ein Bot. Wohin ich meinen Fuß nur rühre, begleitet mich der blaffe Tod. Mein Leben nimmt im Werden ab, ein jeder Schritt führt mich zum Grab. 4. Drum laß mich stets ans Ende denken in dies ser meiner Sterblichkeit! Mein Gott! hilf meine Sinne lenken, und mache du mich selbst bereit. Dein Himmelshaus sey mir bestellt, wenn mir mein mors sches Haus zerfällt. Ein Blick in den Sarg. Mel. Herzlich thut mich verlangen 2c. Mein letztes Haus auf Erden, wie traurig ſiehst du aus! Mir sollte bange werden vor dir, du Todtenhaus. Doch weg mit dem Gedanken; denn wer dich recht betracht, der findt in deinen Schranken, was ihm Vergnügen macht. 2. Du bist mein Ruhekasten, wenn ich in dieser Welt nicht mehr vermag zu rasten, wenn eine Sünds fluth fällt: So ist der Tod beschieden, der muß mein Noa seyn, und nimmt mich auch mit Frieden in diese Arche ein. 3. Du bist die sichre Kammer, wo Gott sein Kind hinführt; wenn nichts, als lauter Jammer, auf Erden hier regiert: so schleußt Gott selbst die Thüre nach seinen Kindern zu. Troß dem, der uns berühre in dieser stillen Ruh. 4. Du bist mein sanftes Bette; wenn ich auf Dornen hier gleich stets geschlafen hätte, so find ich doch in dir ein weiches Rosenkissen, darauf mein Haupt sich lehnt, wenn sich die Augen schließen, nachdem fie gnug gethránt. Erinnerung an das Ende. 91 5. Wohlan, bleib in Gedanken mir immer vorges stellt: ich weiß, daß mich dein Schranken nicht ewig in sich hålt. Wie dort des Fisches Rachen den Jo, nas wieder gab, so wirst du auch es machen, wenn Gott schleußt auf mein Grab. Der Himmel im Grabe. Mel. Wohlan, es geht nunmehr zum Ende zc. Beglücktes Herz, was willst du haben, ach! wenn du deinen Jesum hast; recht selig kannst du dich nun laben, bei ihm ist ja dein Lustpallast; auf seinem Schooß, in seiner Hand rührt dich fein eitler Unbes stand. 2. Ach! sagt mir nichts mehr von der Erden, hier find ich mehr, als Himmel heißt. Es trägt die Erde nur Beschwerden, Luft wird mit Thränen abges speist. Ein Augenblick, wo ich jetzt bin, nimmt mehr als tausend Welten hin. 3. An Jesu Brust schlaf ich nun süße, getränkt mit lauter Engelwein. Auf Rosen wandeln meine Füße: Licht ist mein Kleid, wie Sonnenschein. Ich sehe Gott von Angesicht, so brauch ich keiner Thränen nicht. 4. Cypressen sind zu Palmen worden, Halleluja heißt jetzt mein Lied. Ja, ich bin in des Lammes Ors den nun eine rechte Sulamith. Mein Auge sieht, was tausend schön, mein Ohr hört lauter Lustgetön. 5. Verschmachte, Leib, in deinem Grabe, bis dir die Frühlingssonne scheint. Und weil ich nichts auf Erden habe, als den, der meinen Tod beweint, so ruf ich ihm noch dieses zu: Jm Himmel leben ich und du. Tägliche Sterbensgedanken. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten zc. Mein Gott! ich weiß wohl, daß ich sterbe. Ich bin ein Mensch, der bald vergeht, und finde hier kein folches Erbe, das ewig in der Welt besteht. Drum zeige mir in Gnaden an, wie ich recht felig sterben kann. Benjamin Schmolken's 2. Mein Gott! ich weiß nicht, wann ich sterbe, kein Augenblick geht sicher hin! wie bald zerbricht doch eine Scherbe: Die Blume kann ja leicht verblühn. Drum mache mich nur stets bereit hier in der Zeit zur Ewigkeit. 10 m 92 3. Mein Gott! ich weiß nicht, wie ich sterbe; dieweil der Tod viel Wege hält! Dem einen wird das Scheiden herbe, wenn sonst ein andrer sanfte fällt. Doch wie du willst, gib, daß dabei mein Ende nur vernünftig sey.. 4. Mein Gott! ich weiß nicht, wo ich sterbe, und welcher Sand mein Grab verdeckt! Doch wenn ich dieses nur ererbe, daß Deine Hand mich auferweckt: So nehm ich gleich ein Stellchen ein: die Erd ist allenthalben Dein. 5. Nun, liebster Gott! wenn ich ja sterbe, so nimm Du meinen Geist zu Dir, den ich mit Christi Blute fårbe; und hab ich den im Grabe hier, so gilt mirs gleich, und geht mir wohl, wenn, wo, und wie ich sterben soll. Kirchhofsblume. Mel. Was Gott thut, das ist wohlgethan. Ich weiß, daß mein Erlöser lebt, was sollte mir denn grauen, wenn mir der Tod vor Augen schwebt, und ich mein Grab soll bauen? Er lebt gewiß, und ich weiß dieß: Er kann mir auch das Leben im Tode wieder geben. 2. Die schwarze Gruft erschrecket wohl; des Todes Nacht ist finster. Wo man im Kerker ruhen soll, find lauter Wurmgespinster. Doch ist bei mir auch Jesus hier, so muß die Last der Erden zum Wollenbette werden. 3. Laßt seyn, daß ich die Würmer muß mit meinem Leibe spetsen! Es bringt mir keinen Ueberdruß; denn Jesus kann erweisen, daß Asch und Staub, wie grünend Laub zum Leben wird erstattet, wenn er uns überschattet. 4. Die Sünde wird ins Grab gelegt, wir sterben in dem Herren: weil er des Todes Schlüssel trägt, kann uns Riemand versperren. Sobald er ruft, Erinnerung an das Ende. 93 springt unsre Gruft, und wir sind so erlesen, zum We sen durchs Verwesen. 5. Drum wißt ihr Andern, was ihr wollt; wisst, wie ihr reich sollt werden; wißt, wie ihr höher steis gen sollt; wißt alle Lust der Erden. Gnug, daß ich dieß weiß so gewiß, wenn mich die Welt vergråbet, daß mein Erlöser lebet. Krankenlied. In voriger Melodie. Was Gott thut, das ist immer gut, wie sollt ich mich denn krånken, ob er mir gleich jetzt wehe thut, und einen Kelch will schenken, der voller Leid und Bitterkeit durch meine Glieder fähret, ja Mark und Bein verzehret. 2. Was Gott thut, daß ist immer gut, es geh auch, wie es gehet, ob es gleich unser Fleisch und Blut nicht allemal verstehet; doch weiß der Geist, daß allermeist Gott diese nur betrübet, die er von Herzen liebet. 3. Was Gott thut, das ist immer gut, lacht man in guten Tagen, so muß man auch mit gutem Muth die bösen Tage tragen. Denn Gottes Hand ist bald gewandt, und hat in wenig Stunden geschlagen und verbunden. 4. Was Gott thut, das ist immer gut, durch Krankheit sucht er eben, als wie ein Schmelzer durch die Gluth, dem Golde Glanz zu geben, das heißt bewährt, und der erfährt, der an dem Fleische leidet, daß Sünde von ihm scheidet. 5. Was Gott thut, das ist immer gut, wenn wir es nur bedenken, so soll uns keine Jammerfluth im Kreuze hier ertrånken. Es kost ein Wort, so muß der Ort, wo wir im Siechbett freißen, ein Siegesbette heißen. 6. Was Gott thut, das ist immer gut, kein Arzt ist ihm zu gleichen. Die Kranken sind in seiner Hut, er kann ein Labsal reichen für alles Gift, das uns betrifft: auch gar von Todesketten, weiß seine Hand zu retten. Benjamin Schmolfen's 7. Was Gott thut, das ist immer gut, ich will es auch erkennen, und was er jegund an mir thut, nur lauter Liebe nennen. Mein krantes Herz soll allen Schmerz in Christi Wunden senken. Was darf ich mich dann krånken? 94 8. Was Gott thut, das ist immer gut, will er noch långer schlagen, so bleib ich länger wohlgemuth: er wird es helfen tragen. Ja, wenn die Noth auch gar im Tod mich endlich sollte reißen, so wird es doch gut beißen. 9. Was Gott thut, das ist immer gut, auch mits ten in dem Sterben. Denn, stirbet man auf Christi Blut, so heißt das Sterben Erben. Dort ist es gut! Drum wohlgemuth, geht es aus diesem Leben, Gott wird ein bessers geben. Sterben und Erben. Mel. Es ist genug 2c. Welt, gute Nacht! Mein Weg geht Himmelan nach Zions Freudensaal. Er ist vollbracht der harte Leidenskampf, der Weg durchs Thränenthal. Mein Kreuze wird zu lauter Palmen, mein Thränenlied zu lauter Psalmen. Welt, gute Nacht! 2. Welt, gute Nacht! Ich lasse zwar in dir, was mich bisher erfreut. Mein Sterben macht viel Herzen voller Schmerz, viel Wunden voller Leid: doch weiß ich, daß auf Edens Auen wir dort einander wieder schauen. Welt, gute Nacht! 3. Himmelslust! Auf Rosen geht mein Fuß, voll Lachen ist mein Mund. An Jesu Bruft schlaf ich ganz ungestört. Nun bin ich erst gesund, die Schmerzen sind ja nun vergraben, hingegen muß mich Freude laben. D Himmelslust! 4. O Himmelslust! Ihr Thränen stört mich nicht; ruft, Lieben, mir Glück zu! Mir ist bewußt, was unaussprechlich ist, in ewig süßer Ruh. Mein Sterbtag ist im Himmelsorden ein Namens- und Geburtstag worden. D Himmelslust! 95 Erinnerung an das Ende. Der felige Ueberwinder. Aus der Offenbarung III, 5. Mel. Christus, der ist mein Leben sc. Nun hab ich überwunden, zu guter Nacht, o Welt! Ich zieh durch Christi Wunden ins rechte Sie: geszelt. 2. Die Bande sind zerrissen, die mir die Welt ges legt, und das liegt mir zu Füßen, was Noth und Schmerz erregt. 3. Die Wahlstatt ist gefärbet mit meines Jesu Blut, der alles mir ererbet, was meiner Seele gut. 4. Hier ist die Siegeskrone, die meinen Scheitel deckt, und die zu einem Lohne des Glaubens ausges steckt. 5. Den Rock von weißer Seide legt mir mein Jes sus an, wo ich auf Sions Weide die Rosen brechen kann. 6. Mein Name steht geschrieben im Buch der Seligkeit, da ist er nun geblieben, trotz aller Feinde Neid. 7. Hier löscht ihn keine Sünde und auch kein Tod nicht aus: da, wo ich Jesum finde, da ist mein Vaterhaus. 8. Schreibt er doch meinen Namen vor Gott und Engel an, daß ich statt Thränensamen nur Freuden ernten kann. 9. Beweint mich nicht, ihr Lieben! ich sterbe, Gott mit euch. Was wollt ihr euch betrüben? ich bin in Gottes Reich. 10. Gedenkt an euren Vater und folgt ihm selig nach: Ihr habt Gott zum Berather, was seufzt ihr Ach und Ach! 11. Nun gute Nacht, du Erde, du Himmel sey ges grüßt! wo ich getröstet werde mit dem, was ewig ist. 12. Laßt mir die Grabschrift hauen: Hier schlief ein Pilger ein, der muß in Sions Auen ein guter Bürger seyn! 96 Der redende Z.odte. Sterblicher, du gehst vorbei, wo man mich hat hin: gelegt, schaue hier dein Konterfei, wenn man dich zum Grabe trägt. Meine Gruft ist dein Prophet, daß es dir, wie mir, ergeht. Dieser Staub ist auch vorhin Fleisch und Bein wie du gewesen; wie ich jetzund Asche bin, so wird man von dir auch lesen. Man vergißt im Tode mein, so wird dein vergessen seyn. Heute mir, und morgen dir, du mußt endlich an den Reihen; darum stirb in Zeiten hier, so darfst du den Tod nicht scheuen, du hast, keine Todesfrist Mensch, bedenke, was du bist! Ben: Benjamin Schmolcken's, weiland Past. Prim. und Inspect. der evangelischen Kirchen und Schulen vor Schweidnik, Gott geheiligte Morgen- und Abendandachten. Zweiter Theil. Mit des seligen M. Scriver's täglichem Haus- und Herzensopfer frommer Christen, täglichen Gewissensprüfungen, nebst einigen andern geistreichen Betrachtungen und Liedern. Mit allergnädigstem königl. Sächsischen Privilegio. Neue unveränderte Auflage. Sulzbach, in der J. E. v. Seidel'schen Buchhandlung, 1 8 3 1. 99 Geneigter Leser! Je mehr Veränderungen ein Mensch unterwor fen und je mehr Geschäfte er vor sich siehet, in welche er verwickelt wird: desto sorgfältiger muß er seine Zeit eintheilen, und keinen Theil derselben, da er von Geschäften frei ist, vorbei gehen lassen, in welchen er nicht im Gebet mit Gott rede. Die Morgen- und Abend- Stunden soll er vor andern hiezu ausstellen: nicht, als ob er die übrige Tageszeit gar nicht beten dürfte, welches wider den apostolischen Befehl wäre, 1 Theff. V. 17. Ephef. VI. 18., sondern weil zu folcher Zeit das menschliche Gemüth von Sorgen am ersten frei: überdieß man in den Morgenstunden Gott für den Nachtschuß, in den Abendstunden aber für die den Tag über bewiefene Güte zu danken, und ihm zugleich um fernere Fortseßung derselben anzuflehen Ursache hat. Dieses geschiehet von den Meisten, entweder mit eigenen Worten, oder sie bedienen sich der Worte eines Undern, die sie nach ihren Umstånden eingerichtet zu seyn erachten. Gegenwärti. ger andere Theil der Schmolckischen Mors gen- und Abendandachten, welcher die in ungebundener Rede von dem nunmehr seligen Herrn Verfasser verfertigten Gebete in sich enthält, scheinet ehemals aus gleicher Absicht gefammelt zu seyn. Man hat auch bisher wahr30 100 Vorrede. genommen, daß diese Sammlung bei vielen andächtigen Betern Frucht geschafft, weil wieder eine neue Auflage hievon an das Licht treten kann. Gott laffe ferner durch dieses Buch viele Beter erwecket werden, und erhöre, was sie bitten: damit sein Name verherrlichet, die betenden Seelen aber erquicket werden. Gehabe dich wohl! Herrn Benjamin Schmolcken's Vorrede 101 zu seinem Betalt a r. Andächtiger Beter! Ich habe lange angestanden, mit meiner wenigen Arbeit die Menge der Gebetbücher zu ver= mehren. Ob ich zwar dafür halte, daß das beste Gebetbuch in dem Herzen eis nes glaubigen Anrufers sey: so bin ich doch auch überzeugt, daß die geistreichen Gebetbücher gar nügliche Gefäße des Heiligthums sind. Da aber von denselben schon ein gesegneter Vorrath vorhanden ist, so hätte ich gewünschet, daß die wenigen Bogen, die ich vor etlichen Jahren allbereit einer Person zu Liebe verfertiget, im Verborgenen geblieben wären. Allein, das gütige Verlangen Anderer, die gerne mit mir beten wollten, hat mich zur Fortsegung solcher Andachten aufgemuntert. Hier stehet nun mein Betaltar. Du siehest, daß er keinem unbekannten Gott gewidmet ist. Was Paulus zu Athen gefunden, das muß man nicht in Zion antreffen. Was ich zu deiner Andacht aufgebauet, führet die Ueberschrift: zur heiligen Dreifaltigkeit. Du findest hier Gelegenheit, wie du dich zu einer jeden Person mit besondern Seufzern wenden kannst. Das war schon eine Weise Benjamin Schmolcken's der ersten Kirche; und so wenig dieselbe sich an die dawider låsternden Arianer und Macedonianer kehrete, eben so wenig fragen die heutigen Beter darnach, was ein Sandius und Whiston ihnen noch für gottlose Einwendungen machen. Opfere deine Gabe ungehindert auf diesem Altare. deiner Lippen. Schaalen deines deiner Thränen. Bringe hieher die Farren Schütte hier aus die güldenen Rauchwerks, auch die Fülle Je kleiner dieser Betaltar ist, desto leichter kannst du ihn für deinen Scherf anschaffen. Ein reicher Obed Edom mag sich eine ganze Bundeslade in sein Haus holen: du aber nimm vorlieb mit diesem kleinen Bettische. Die Steine dazu find in dem geistlichen Jordan gesammelt, das Holz darauf aus dem Walde Zions geholet, die Kohlen aus den Seufzern der Heiligen genommen. In der Stiftshütte und Tempel war ein Altar mit Gold überzogen. Opfere Gott ein Herz voller Glauben und Liebe, so wird dein Altar gülden, der Allmächtige selbst dein Gold seyn. Bitte von dem Höchsten, daß sein Feuer und Heerd unter uns bleibe, und der Himmel selbst unsere Flammen anzünden möge. Der Herr rieche den lieblichen Geruch deines Opfers, und das Lamm, welches sich selbst ohne Wandel ge= opfert hat, besprenge dasselbe mit dem Blut des Bundes, daß es ein gerader Rauch gen Himmel sey. Deine Trübsal sey kein Wasser, sondern Del in deine Flammen: und der Sturm des Unglücks blase sie nicht aus, sondern auf. Kurz: Dein Betaltar 102 Vorrede zu seinem Betaltar. werde allemal zu einem Dankaltar; bis du einstens ein ewiges Feuer opfern wirst, auf einem Altar, der nicht mit Händen gemacht ist. Gott erhöre Und vermehre 103 Deiner Andacht heiße Gluth. Laß die Flammen Nur zusammen, Geuß darein die Thränenfluth. Das heißt Del ins Feuer schütten; Du wirst nicht vergebens bitten: Dein Gebete, Flehn und Schrein, Das wird Abels Opfer seyn; Amen! Komm und bet in Jesus Namen! 104 Heilige Vorbereitung zum Gebet. Gott Vater, Sohn und Geist verleih, Daß mein Gebet erhörlich sey: Hör, Vater! und vertritt mich Sohn, Geist des Gebetes gib den Ton! Gott Bater, mein Vater! Ich dein Kind, erscheine vor Deinem Angesichte, und klopfe mit einem brünstigen Abba an Dein väterliches Herze. Ich will beten, denn mich locket Deine Barm= Herzigkeit. Ich soll beten, so erfordert es meine Dürftigkeit. Wie kann ich aber beten, ohne Deines Geistes Beredtsamkeit? Darum laß mir denselben in meiner Schwachheit aushelfen. Hast Du mich gerufen, daß ich zu Dir kommen soll: so rufe ich jeßund Dich, daß Du zu mir kommen mögest. Ich weiß wohl, daß ich nicht werth bin, Dein Kind zu heißen: Aber ich weiß auch, daß Du Dich über mich erbarmest, wie ein Va ter über sein Kind. Ach! so erzeige mir Deine Gnade, und verbirg Dein Ungesicht nicht vor mir. Laß Dir wohlgefallen die Rede meines Mundes, und das Gespräch meines Herzens. Neige Dein Ohr, gönne mir Deinen Blick, öffne mir Dein Herz. O wie fröhlich werde ich seyn über Deine Hilfe, wenn Du mein Gebet wirst erhöret und meine Thränen gesehen haben. Gott Sohn, mein Erlöser! Löse meine Bunge mit dem Finger Deiner Ullmacht. Thue Heilige Vorbereitung zum Gebet. auf den Mund zum Lobe, das Herz zum Gebete. Laß Dein Blut heute für mich reden, daß ich mit Freudigkeit hinzutrete zum Gnadenstubl, und Hilfe suche zur Zeit, da es noth ist. Zerreiß den Himmel über mir, daß mein Gebet hin durch dringe. Zeige mir durch Deine Wunden das brünstige Herz Deines himmlischen Vaters. Mache es weich in Deinem Blute, daß es gegen mich breche, und ich daran denke, was Er mir geredet hat, ja, wo ich nicht beten kann, so sey Du selbst mein Fürsprecher, und vertritt mich zur Rechten Gottes. Mache mich frei von der Sünde, damit ich defto freier mit Gott reden möge. Schweige den Satan, bedräue die Welt, tödte Fleisch und Blut, daß mein Gebet im Glauben desto lebendiger, in der Liebe desto himmlischer, in der Versuchung desto sieghaster sen. Du wirsts wohl machen. 105 Gott heiliger Geist, mein Tröster! ach! seufze in meinem Herzen und schreie in meinem Munde. Ohne Dich kann ich meinen Jesum keinen Herrn heißen. Ohne Dich hab ich kein Zeugniß der göttlichen Kundschaft. Ohne Dich kann ich nichts thun. Ach so wirke doch in mir jeßo, du Geist des Gebetes! Lege alle Worte auf meine Lippen. Presse alle Seufzer aus meiner Seele. Gib in mir eine heilige Stille, reinige die Sinnen von aller eitlen Absicht. Erleuchte den Verstand, heilige den Willen, befestige den Vorsatz, vermehre das Vertrauen, gründe die Hoffnung, erwecke die Geduld. Mein Herz sen Dein Bethaus. Meine Seele Dein Sela. Laß mich also beten, damit ich nicht die Ant 106 Benjamin Schmolcken's wort hören möge: Ihr wisset nicht, was ihr bittet! O heilige Dreifaltigkeit! Erhöre mich: Erhöre mich! Erhöre mich! Ich bete an zu Deinem Fußschemel. Ich liege vor Dir im Vertrauen auf Deine Barmherzigkeit. Hei liger Gott! Barmherziger Gott! Wahrhafti: ger Gott! Ich halte Dir vor Deine Ullmacht. Ich berufe mich auf Deine Liebe. Ich gründe mich auf alle Deine Verheißungen. Ich lasse Dich nicht, Du segnest mich denn. Sprich nur ein Wort, so heißt es Amen, in Deinem allerglorwürdigsten Namen, Amen! Du hochgepries'ne Majestät! Erhör mein sehnliches Gebete, Daß es von Herz zu Herzen geht! Und da ich jeßund vor Dich frete, So fieh auf mich von Deiner Hdb, Bis ich mit Amen von Dir geh! Morgenandacht am heil. Sonntage. Mein Gott! die Sonne geht herfür. Sey Du ein helles Licht in mir: Du Sonne der Gerechtigkeit, Vertreib der Sünden Dunkelheit. Gott Bater! mein Schöpfer! O wie heilig ist dieser Tag, an welchem Du selbst ge ruhet hast. Ich komme von der Ruhe und gehe zur Ruhe. Geruhet habe ich diese Nacht in Deinen Armen, dafür danke ich Dir. Diesen Tag willst Du in meinem Herzen ruhen, darüber freue ich mich. Die Nacht ist vergangen, Morgensegen am Sonntage. der Tag aber herbei kommen. Laß es nun auch lichte werden in meinem Herzen, Du Vater des Lichtes! daß ich in Deinem Lichte sehe das Licht, und darinnen wandle. Bewahre meinen Fuß, wann ich heute zu Deinem Hause gehe. Meine Seele verlanget und sehnet sich nach Deinen Vorhöfen. Lege Dein Wort in meinen Mund. Erfülle mit Deiner Stimme meine Ohren. Erleuchte mit Deiner Wahrheit 107 meine Augen. ne Lippen. Rühre mit Deinem Finger meiErfülle mit Deiner Süßigkeit mein Herz. Laß meine Gottesfurcht nicht Heuchelei fenn, und meinen Gottesdienst nicht Menschen Werk. Wenn ich mit dem Zöllner in Deinem Borhofe stehe, so sen mein erster Seufzer: Gott sey mir Sünder gnädig! Gott Sobn, mein Heiland! Dieser Tag ist Dein. An dem bist Du auferstanden. Ach! laß mich heute auferstehn vom Irrthum gur Wahrheit, von der Sünde zur Heiligkeit, vom Trauern zu der Zufriedenheit. Du bist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Uch! rede heute in Deinem Heiligthum, so bin ich froh. Ich lege mich an Deine Brust. Tränke mich mit der Milch des lautern Evangelii. Du aber lege Dich durch Dein Wort in mein Herz, daß ich reichen Trost von Deinem Hause habe. Erhalte mein Herz bei dem einigen, daß ich Deinen Namen fürchte. Baue dieses Land und wässere es, denn Deine Brünnlein haben Wassers die Fülle. Streue Deinen Samen auf ein gutes Feld, daß es hundertfältige Früchte bringe. Laß Dein Wort seyn mein Licht auf dem Wege, meinen Weg zum Himmel, meinen Benjamin Schmolcken's Himmel im Herzen. So werde ich Lust an deinen Zeugnissen, und selbst einen lustigen Sabbath haben. 108 Gott heiliger Geist, mein Tröster! Der Tag ist auch Dein Tag, an welchem Du sichtbarlich bist ausgegossen worden. Ergieße Dich heute über mich, gieße Dich heute in mich. Beige mir an diesem Sonntage die Sonne der Gerechtigkeit, und Heil unter ihren Flügeln. Falle Du auf mich, wenn ich das Wort höre. Laß mirs durch die Ohren ins Herze gehen. Schreibe es durch Deinen Finger in meinen Sinn. Reinige mich in der Buße. Befestige mich im Glauben. Erbaue mich in der Liebe. Bessere mich im Leben. Tröste mich in der Anfechtung. Bereite mich zu einem ſeligen Sterben. So werde ich nicht nur ein Hörer, sondern auch ein Thäter seyn. Du aber wirst geben das Wollen und Vollbringen, und die gute Beilage in mir bewahren, ja versiegeln bis auf den Tag meiner Erlösung. Heilige Dreifaltigkeit! Heilige mich heute durch und durch. Sey Du alles in mir, so vermag ich alles durch Dich. Mache Dir einen Tempel in meinem Herzen, so wird meinem Hause beute Heil widerfahren. Wohne nicht nur in mir, sondern bleibe auch in mir. Die Gemeine der Glaubigen sen an diesem Tage ein Herz und eine Seele. Niemand diene Dir mit falschem Herzen. Behalte alle From: men in einer heiligen Ruhe: bis wir noch eine Ruhe finden, welche dem Volke Gottes vor: handen ist. Dort werden wir mit allen Aus TURVITUD1147 Morgensegen am Sonntage. 109 erwählten einen Sabbath nach dem andern halten, Amen. Mein Herz ist willig und bereit, Dir, heilige Dreifaltigkeit! Ein Heiligthum in sich zu bauen. Ach! kehre gnädig bei mir ein, Und laß mich Deinen Sonnenschein Bis auf den späten Abend schauen! Morgenlied am Sonntage. Mel. Des Morgens, wann ich früh aufsteh zc. Mein Gott! die Sonne geht herfür, sey Du die Sonne selbst in mir, Du Sonne der Gerechtigkeit, ver. treib der Sünden Dunkelheit. 2. Mein erstes Opfer ist Dein Ruhm, mein Herz ist selbst Dein Eigenthum; ach! kehre gnädig bei mir ein, Du mußt Dir selbst den Tempel weihn. 3. Gib, daß ich meinen Fuß bewahr, eh ich mit Deiner Kirchen Schaar zum Hause Gottes wallen geb, daß ich auch heilig vor Dir steh. 4. Bereite Herze, Mund und Hand und gib mir Weisheit und Verstand, daß ich Dein Wort mit Andacht hör, und Deines großen Namen Ehr. 5. Schreib alles fest in meinen Sinn, daß ich nicht nur ein Hörer bin, verleihe Deine Kraft dabei, daß ich zugleich ein Thäter sey. 6. Hilf, daß ich diesen ganzen Tag mit Leib und Seele feiern mag. Bewahr mich vor der argen Welt, die Deinen Sabbath sündlich) hält. 7. So geh ich denn mit Freuden hin, wo ich bei Dir zu Hause bin, mein Herz ist willig und bereit, o heilige Dreifaltigkeit. Benjamin Schmolcken's Abendandacht am heil. Conntage. 110 Mein Gott! die Sonne geht zur Nuh, Komm, drücke mir die Augen zu, Doch lasse meinen Geist Dich schauen, So darf mir vor der Nacht nicht grauen. Gott Vater! mein Wächter! Du Hüter Ifrael. Ich nehme meine Zuflucht an diesem Abend zu Deinen offenen Augen. Du schläfest und schlummerst nicht. Ich aber muß beides thun, daß der müde Leib erquicket werde. Erleuchte demnach meine Augen, daß ich nicht im Tode entschlafe. Ich habe heute die Wunder in Deinem Gefeße gesehen. Wie deutlich hast du mich gelehret, wie väterlich ermahnet, wie treulich gewarnet, wie herzlich getröstet! 2ber, ich erschrecke, wenn ich dagegen auf mich sehe. Wie sparsam hab ich Dich gehöret, wie laulich Dich geliebet, wie ungerne Dir gefolget, wie muthwillig Deinen Zug verachtet! Uch! laß mich das Wort, welches ich verachtet habe, nicht richten an jenem Tage. Laß nicht die Sonne über meine Bosheit und Deinen Zorn untergehen, Gnade für Recht bitte ich: Erbarmen für Züchtigung. Sen auch in der Finsterniß mein Licht, daß ich morgen zu einem neuen Licht und Wandel auferstehe. Gott Sohn! mein Hirte! Mache mir jetzt in Deinem Blute eine schöne Abendröthe. Dein Schäflein leget sich in Deinen Schooß. Dein Hühnlein wirft sich unter Deine Flügel. Dein Jünger( Deine Jüngerin) schmieget sich au Deine Brust. Bewahre mich, wie Deinen Abendsegen am Sonntage. Augapfel. Seße mich wie ein Siegel auf Deinen Urm. Halte mich wie einen Ring an Deinen Finger. Laß Deine Liebe meinen Traum, und Dein Wort das Gespräch meines Herzens auf meinem Lager senn. Deine Linke lege fich unter mein Haupt, und Deine Rechte herze mich. Kleide mich aus von den heutigen Sünden, und kleide mich an mit dem Purpur Deines Verdienstes! In diesem Schlafkleide werde ich süße ruhen, bis der Tag anbricht, und der Morgenstern aufgehet in meinem Herzen. Gott heiliger Geist! mein Beistand! Versiegle in mir, was ich diesen Tag gehöret habe. Du hast mir Himmel und Hölle vorgestellet, Segen und Fluch angekündiget, Leben und Tod zur Wahl gegeben. Laß mich also wählen, daß ich das Beste und Einige wählen möge. Sen in mir ein Brunn des lebendigen Wassers, das ins ewige Leben quillt. Zertheile in mir die angeborne Finsterniß durch Dein himmlisches Licht, lösche dagegen die Liebe der Welt in meinem Herzen aus. Laß mich diese bevorstehende Nacht in Deiner Liebe einschlafen, und in derselben auch wiederum fröhlich erwachen. Ermuntre meine Seele durch heilige Bewegungen, daß sie stets zu Dir wache, obgleich der Leib schläfet. Beige mir auch im Bette meinen Sarg, und in meinem Schlafe den Tod, daß mich der letzte Schlaf nicht übereiten, son dern wachend und betend finden möge. Tröste die Betrübten, beruhige die Unruhigen, bekehre die Boshaften! 111 Heilige Dreifaltigkeit! meiner Väter Gott! erbarme dich der Meinen und aller Benjamin Schmolcken's Menschen. Laß Deinen heiligen Sonntag über: all Strahlen der Liebe und Gnade zurücklassen. Deine Sonne gehe keinem unter, der Dich nur erkennet und liebet. Niemand ist gut, denn Du, einiger Gott! Laß uns von Dir nichts trennen, o du unzertrennliches Wesen, bis wir zu dem ewigen Sabbath kommen, und das Dreimal Heilig unaufhörlich rufen werden! Amen. 112 Schleuß dich, o Herzenstempel! zu, Denn Gott hat in dir seine Ruh; Die Ueberschrift steht an der Thür: Gott Bater, Sohn und Geist ist hier! Abendlied am Sonntage. In voriger Melodie. Mein Gott, die Sonne geht zur Ruh! komm, drucke mir die Augen zu, laß mich vor Deinem Antlig stehn, und höre meines Herzens Flehn. 2. Dein Schäflein kommt in Deinem Schooß, ach mach es aller Sünden los; ist dieser Tag nicht recht vollbracht: Dein Sohn hat alles gut gemacht. 3. Nimm Du sein Blut für meine Schuld, erneure Deine Vaterhuld, und nimm Dein Kind zu Gnaden an, daß ich fein sanfte ruhen kann. 4. Du bist der Wächter Israel, bewahre beides Leib und Seel, sen mir und auch der Meinen Schild, wenn Satan in dem Finstern brüllt. 5. Und ståret etwas meine Ruh, so ruf mir Deine Worte zu, die heute mich sowohl erquickt; so werd ich träumend auch entzückt. 6. Des Schlafes Bruder ist der Tod, doch hat es mit mir keine Noth; ich leb und sterbe Dir allein, so schlaf ich fanft und selig ein. 7. Schleuß dich, o Herzenstempel! zu, denn Gott bat in dir seine Ruh. Die Ueberschrift steht an der Thur: Gott Vater, Sohn und Geist ist hier. Mor Morgensegen am Mondtage. Morgenandacht am Mondtage. Mein Gott! erwecke Herz und Mund, Erneure Deinen Gnadenbund, Daß dieser Wochen erster Tag In Dir gesegnet heißen mag. Gott Vater, mein Herr! das ist Dein Name, denn Du willst Deine Ehre keinem Undern geben. In diesem allerheiligsten Namen stehe ich jeßund auf, und bringe Dir am ersten Wo: chentage die Erstlinge meiner Lippen. Ich preise Dich, Vater und Herr Himmels und der Erde, daß Du mich die abgewichene Nacht mit Deiner Gnade bedecket, mit Deiner Liebe über: schattet, und mit Deiner Ullmacht umgeben hast. Sen gelobet, o Du verborgener Gott! daß Du mich so wohl verbirgest, und jetzo aus dem Verborgenen wiederum ans Licht hervortreten läsfest. Fülle mich nun auch frühe mit Deiner Gnade: frühe wollest Du meine Stimme hören; frühe will ich mich zu Dir schicken und darauf merken. Ich komme heute zum Anfang der neuen Woche. Im Namen unsers Gottes werfe ich mein Panier auf. Ich rufe Dir, daß Du mir beistehest in dem, wozu Du mich gerufen hast. Du bist der Brunnquell alles Guten, laß Deine Brünnlein reichlich auf mich fließen. Du bist meine Kraft, kräftige meinen Leib und Seele. Du bist mein Licht, sende Deine Weisheit herab von Deinem heiligen Himmel, daß sie bei mir sen, und mit mir arbeite, damit ich erkenne, was Dir wohlgefalle. Gott Sohn, mein 2 und O! Du bist der Erste und der Letzte. Mit Dir trete ich 5 B. Schmolken's Andachten. 113 Benjamin Schmolcken's in die neue Woche: vertritt mich mit Deiner Fräftigen Fürbitte, daß ich in Deinem süßesten Jesusnamen viel Segen erbitte. Der Tag führet den Namen von dem Mond, der Mond hat sein Licht von der Sonne. Du bist das wahre Licht, und der Glanz der Herrlichkeit. Ertheile mir nur ein Fünklein von dem Lichte Deiner Gnaden, so werde ich heller senn, als der Mond. Der Mond nimmt ab und zu: laß mich im Bösen ab: und im Guten hingegen zunehmen. Und sollte heute der Tag kommen, an welchem Sonne, Mond und Sterne sich verfinstern werden, so mache mich theilhaftig Deines ewigen Lichtes, daß ich in Deinem Reiche leuchte, wie des Himmels Glanz, wie die Ster= ne immer und ewiglich. Indeffen segne mich, so lang ich in dieser Hütte wohne. Segne alle Tritte, die ich auf Deinen Wegen thue. Segne alle Worte, die von meinen Lippen gehen. Seg ne alle Werke, die ich in meinem Beruf treibe. Segne alle Biffen, die ich in meinen Mund stecke. Segne alle Menschen, mit denen ich umgehe. Segne auch alles Kreuz, daß es zu meinem Besten diene! 114 Gott heiliger Geist, mein Pfleger! Pflege meiner mit Geist und Gnade. Mache in der neuen Woche aus mir einen neuen Menschen, und laß mich in einem neuen Leben wan-= deln. Gib mir Gaben, daß ich dieselben Gott und meinem Nächsten wieder geben kann. Erwecke in mir Lust und Fleiß zu den Werken meines Berufes, und betäube hingegen mein Fleisch und Blut, welches zu lauter Trägheit geneigt ist. Mache meinen Verstand weise fürs Morgensegen am Mondtage. Gute, meinen Willen begierig zum Guten. Guter Geist, führe mich auf ebner Bahn! Führe auch alle meine Lieben, und behüte uns und alle Fromme vor Unsegen. 115 Heilige Dreifaltigkeit! Du bist reich an Barmherzigkeit. Erbarme Dich unser! Du bist die Liebe selbst; ach! so liebe uns je und ie, und zeuch uns zu Dir aus lauter Güte. Gib Friede im Lande, segne einen Jeden in sei: nem Stande. Laß unser Herz und Haus Deines Ruhmes voll werden. Wenn die Tage unsers Leidens werden ein Ende haben, so laß uns einen Tag anbrechen in Deinen Vorhöfen, der besser ist, denn sonst tausend. Indessen rufen wir: Gelobet sey der Herr täglich! Umen. Gottlob, der Anfang ist gemacht! Ich habe mein Gebet vollbracht, Und gehe nun an den Beruf; Gott, der die Welt und mich erschuf, Wird Kraft von oben mir verleihn, Der Anfang und das Ende seyn! Morgenlied am Mondtage. Nach voriger Melodie. Mein Gott, erwecke Herz und Mund, erneure Deinen Gnadenbund, daß dieser Wochen erster Tag in Dir ges fegnet heißen mag. 2. Die Nacht war mir, als wie der Tag, weil ich in Deinen Armen lag. Steh mir nun in Genaden bei, daß mir der Tag nicht finster sey. 3. Laß mich in Deinem Lichte stehn, kein Werk der Finsterniß begehn. Gib mir ein Dir ergebnes Herz, daß ich nicht Deine Huld verscherz. H2 Benjamin Schmolcken's 4. Dein Auge sieht mich, wo ich bin, Dein Ohr bort aller Orten hin. Du wirst von Allem Richter seyn, dieß binde mir zur Warnung ein. 5. Weil Deine Hand der Brunnquell ist, aus wel chem alles Gute fließt: so wirke Du damit bei mir, daß ich den Lauf mit Freuden führ. 6. Kehrt auch das Kreuze bei mir ein: so laß es nur erträglich seyn. Ein Blick von Deiner Gnade macht, daß auch mein Herz in Dornen lacht. 7. So geh ich freudig zum Beruf; Gott, der die Welt und mich erschuf, wird Kraft von oben mir verleihn, der Anfang und das Ende seyn. 116 Abendandacht am Mondtage. Herr Zebaoth, Dein Ruhm verdient, Daß er in meinem Herzen grünt; Daß es ein Tag dem andern Tage, Und eine Nacht der andern sage: Drum nimm auch diesen Abend an, Was Deinen Ruhm vermehren kann! Gott Vater, meine Stärke! Dank sey Dir, daß Du mich stark gemacht, des Tages Last und Hiße zu ertragen. Lob sey Dir, daß Du ein väterliches Aufsehen auf mich gehabt, und in meinem Berufe mannigfaltig gesegnet haft! Groß sind Deine Wunder und Deine Wohl= thaten. Ich will sie verkündigen und davon sagen, wiewohl sie nicht zu zählen sind. Du haft mir heute viel Gutes gethan: allein ich habe Dir, leider! viel Böses dafür erwiesen. Mein Gewissen zeiget mir mehr Flecken, als der Mond in seinem Lichte. Ja der Mondtag überzeuget mich einer großen Finsterniß meines Herzens. Mein Mund beklaget es, Mein Herz bereuet es. Ach! richte, Herr, Dein 117 Abendsegen am Mondtage. Angesicht nicht wider mich, sondern auf mich. Sen mir Sünder gnädig! Errette mich von der Obrigkeit der Finsterniß, und laß mich nicht im Schatten des Todes sitzen. Ueberschatte mich aber mit Deiner Nechten in der gegenwärtigen Nacht, und laß meine Zuversicht unter Deinen Flügeln seyn. Sen mir eine feurige Mauer, mein Schild wider alles Schrecken, meine Ruhe in der Unruhe, mein Leben, wenn ich als ein Todter liegen werde. Gott Sohn, mein Heil! Ach nimm doch alles Unheil von mir, welches meine Sünde heute angerichtet. Heile die Wunden meines Gewissens, daß ich nicht heulen dürfe vor Unruhe meines Herzens. Streich Dein Blut an die Pfosten meiner Kammer, daß der Würgengel vorüber gehe. Ich will mein Herz mit Deinem theuern Nomen versiegeln. Laß dieses meine Losung, laß dieses mein Zeichen seyn, daß ich Dir zugehöre, und der Satan kein Theil an mir habe. Bleibe bei mir, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneiget. Sehe ich um mein Lager nichts als ein fin: steres Egypten, so laß doch ein lichtes Gosen durch Deinen Glanz in meinem Herzen seyn. Denn auch Finsterniß ist nicht finster bei Dir, und die Nacht leuchtet, wie der Tag, wo Du bist, o du Licht vom Lichte. Himmlischer Sa: lomon! stelle Deine Starken um mein Bett, und lasse mich mit Augen des Geistes sehen, daß derer mehr, die bei mir sind, als derer, die wider mich sind. Du Engel des großen, Raths, laß mich nicht der Engel mangeln! son: dern berathe Leib und Seele mit diesen heiligen Benjamin Schmolcken's Wächtern, daß ich bei Deinem Schuß sicher ruhen mögé. Gott heiliger Geist, mein Trost! Habe Dank, daß Du viel Gutes heute in mir gewirket hast. Sen gepriesen, daß Du viel Böses heute in mir verhindert hast. Es ist Dein, was ich Löbliches gethan habe; mein aber, was gefehlet und versehen ist. Habe ich heute den Tempel meines Herzens verunreiniget: ach so weiche darum nicht von mir. Heilige und rei= nige ihn wiederum in dem Blute des Lammes. Seße das Siegel wieder auf mein Herz, wel ches ich durch meine Sünden abgerissen. Ue berschatte mich heute, du Kraft des Höchsten. Bezeuge in mir göttliche Kindschaft: zeige mir im Schlafe die himmlische Erbschaft, und bereite mich durch Erblickung des Todes zu meines Lebens seliger Endschaft. 118 Heilige Dreifaltigkeit! Von Dir sind alle Dinge, und wir in Dir. Du unerforsch: liche Tiefe des Neichthums, erbarme Dich heute über Reiche und Arme! Habe ein Aufsehn auf Deine Auserwählten. Behüte Verwandte und Bekannte. Schüße Einheimische und Fremde. Segne Freunde und Feinde. Sen aller Nothleidenden Gott, aller Betrübten Trost, aller Schlafenden Hüter und Wächter. Niemand ist gut, als Du, einiger Gott! Also verleihe auch uns allen in Dir eine gute Nacht, Umen. Zu guter Nacht, mein Jesus wacht, Daß mir die Nacht kein Grauen macht. Jetzt schließt die Ruh mein Auge zu; Mein Gott ist mein, und ich bin sein, Das soll die letzte Losung seyn! 119 Morgensegen am Diensttage. Abendlied am Mondtage. In voriger Melodie. Herr Zebaoth, Dein Ruhm verdient, daß er in meinem Herzen grünt: drum nimm auch diesen Abend an, was Deinen Ruhm vermehren kann. 2. Du hast mich heute sehr geliebt, da ich Dich leis der sehr betrübt, und mein Gewissen stellet mir die allergrößten Sünden für. 3. Mein Mund beklagt, mein Herz bereut des Wandels Ungerechtigkeit; und hätt ich meinen Jesum nicht, so kam ich billig ins Gericht. 4. Den laffe meinen Bürger seyn, sein Blut wird kräftig für mich schrein, sich doch in seinen Wunden an, was er, und nicht, was ich gethan. 5. Um Chrifti willen bleib bei mir, versiegle meine Kammerthür, und streich das Blut des Lammes dran, daß mich kein Würger tödten kann. 6. So heilige denn meine Ruh, und schließe mir die Augen zu. Soll ich den Tod im Schlafe sehn: wer Dir stirbt, dem ist wohl geschehn. 7. Nun gute Nacht! mein Jesus wacht, der nimmt die Meinen auch in acht: mein Gott ist mein, und ich bin sein, das soll die letzte Losung seyn. Morgenandacht am Diensttage. Du guter Gott! machst Deine Treu An diesem Morgen wieder neu: So komm ich auch von Neuem hier, Und trage Dir mein Herze für. Gott Vater, mein Erhalter! Der Dienst: tag erfordert einen neuen Dienst von mir. Ach! sen gepriesen für Deinen gnädigen Schuß, der mich die vergangene Nacht umgeben hat. Im Schlaf war ich außer mir, aber Du warst in Benjamin Schmolcken's mir. Der arge Feind gedachte es böse mit mir zu machen, aber Du, Gott! hast es gut gemacht, wie es jetzt am Tage ist. Du allergetreuester Menschenhüter! wie groß ist Deine Güte, daß Menschen unter dem Schatten Deiner Flü: gel trauen! Habe Dank, daß Du meines Angesichts Hilfe und mein Gott bist. Laß aber auch diesen Morgen mit dem neuen Lichte Dein Untliß aufs Neue über mich leuchten, daß mein Leib und Seele genese. Hat ein jeglicher Tag seine eigene Plage, so laß auch einen jeglichen Tag seinen Segen finden. Sen mir heute wie ein Thau, der das Land befeuchtet. Laß mich nicht nur im Schweiße meines Ungesichtes, sondern auch im Preise Deiner göttlichen Güte mein Brod essen. Deine Hand sen mit mir im Werke, daß ich mit meinen Händen etwas Gutes schaffe. Willst Du mich züchtigen, ach! so thue es nicht im Grimm, daß Du mich nicht aufreibest. 120 Gott Sohn, mein Immanuel, Gott mit uns! Sen auch heute mit mir. Mache an dies sem Tage ein Gefäß Deiner Gnade und Ehre aus mir. Bei Dir allein ist Gnade und viel Erlösung. Sündige ich, ach! so behalte meine Sünde nicht. Falle ich, so laß mich nicht lie: gen. Schreibe meine Schulden nicht auf, sondern ab. Tilge meinen Namen nicht aus dem Buche der Lebendigen. Laß mich an diesem Diensttage nicht dienen der Sünde, denn sie lohnet mit lauter Reue; nicht dienen der Welt, denn sie bezahlet uns mit unserm eigenen Verderben; nicht dienen dem Satan, denn sein Lohn ist in dem Pfuhle. Gib, daß ich Dir diene Morgensegen am Diensttage. in Heiligkeit und Gerechtigkeit, wel che Dir gefällig ist, und alsdann sey auch mein Schild und mein sehr großer Lohn; ich will vor Dir wandeln und fromm seyn. Laß mich Deinen Geist unter den vielfältigen Versuchungen in alle Wahrheit führen. Unter den mancherlei Trübfalen aber gib mir ein Herz nach Deinem Willen. Schlägest Du, so verbinde auch. Betrübest Du, so erfreue auch. Soll ich mit Thränen säen, so laß mich auch mit Freuden ernten. Ich will des Morgens Deine Gnade und des Nachts Deine Wahrheit verkündigen. 121 Gott heiliger Geist, mein Gnadengeist! Laß mich auch heute wandeln im Geiste und die Lüste des Fleisches nicht vollbringen. Erleuchte die Augen meines Verstandes, daß ich erkennen möge, welches da sey die Hoffnung meines Berufes. Verleihe das Wollen, wirke das Vollbringen. Du bist der Finger Gottes, schreibe Jesum Chriftum in mein Herz. Erneuere mich an dem inwendigen Menschen. Herrsche in allen meinen Gliedern. Gib mir Einfalt des Herzens und Lauterkeit des Mundes. Wirke Alles in allem nach Deinem Wohlgefallen. Laß mich jederzeit prüfen, welches das Beste sen, und erfülle mich mit Früchten der Gerechtigkeit, die durch Jesum Christum geschehen, zur Ehre und Lobe Gottes. Bewahre den theuern Schaß, den ich in einem irdischen Gefäße trage. Und sollte heute mein letztes Stündlein kommen, so bewahre und erhalte mich zum einigen Leben. Benjamin Schmolcken's O heilige Dreifaltigkeit! Ich begebe mich Dir zu einem Opfer, das da lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist. Sen mit mir und den Meinen im Glück und Unglück, in Gesunds heit und Krankheit, in allem Anliegen. Laß heute mich) nicht, und keine Seele verloren gehen. Erhalte uns in Einigkeit des Glaubens, im Bande des Friedens, und in der Hoffnung unsers Erbes. Mache endlich durch einen seligen Tod unsern mühseligen Diensttag zu einem himmlischen Frei und Freudentag, und führe uns aus Egypten durchs rothe Meer der Wunden Jesu ins ewige Kanaan. Da wollen wir Dir dienen in Deinem Tempel Tag und Nacht! Umen. 122 Nun geht es auf die Arbeit los, Mein Gott, eröffne Deinen Schooß, Und schütte Segen aus die Fülle. Nur Deine Ehre heißt mein Ziel, Gibst Du mir wenig oder viel, Ach! so geschehe, Herr, Dein Wille! Morgenlied am Diensttage. In voriger Melodie. Du, guter Gott! machst Deine Treu an diesem Morgen wieder neu, so komm ich auch vou Neuem hier und trage Dir mein Herze für. 2. Ach! habe Dank für Deine Hut, Du höchstes Gut, machsts immer gut. Im Schlafe war ich außer mir, Du aber in mir für und für. 3. Der Feind hat Böses wohl gedacht, Du aber hast es gut gemacht: das ist nunmehr am Tage da, mein Herze singt: Halleluja! 4. Ach! sey mir heute wie ein Thau, daß ich mein Werk im Segen bau, der Schweiß auf meinem Angeficht fließt ohne Deinen Segen nicht. Abendsegen am Diensitage. 5. Fall ich, so hebe Du mich auf, laß Fleisch und Blut nicht seinen Lauf: der Dienstag fördre Deinen Dienst, Dein Guadenlohn sey mein Gewinnst. 123 6. Sey Du mein Schild und großer Lohn, und mein Immanuel Dein Sohn; schlägst Du, verbinde mich doch auch, und handle nur nach Vatersbrauch. 7. So geht es auf die Arbeit los, mein Gott, eröffne Deinen Schooß, gib mir nun wenig oder viel; denn was Gott will, das ist mein Ziel. Abendandacht am Diensttage. Die Nacht verlöscht des Tages Licht: Mein Gott, nimm Deinen Glanz mir nicht; Zeuch Du in meinem Herzen ein, So hab ich immer Sonnenschein! Gott Vater, mein Hort und Heil! Es ist abermal ein Tag zu Ende, aber Deine Güte nicht, welche kein Ende hat. Ach! daß doch meine Sünde auch ein Ende hätte, mit welcher ich diesen Tag mein Gewissen beschweret habe. ich elender Mensch! wer will mich erlösen von dem Leibe dieses Todes? Ich habe leider an diesem Diensttage meine Glieder sehr wenig begeben zum Dienste der Gerechtigkeit, daß sie heilig würden. Ich hätte Dir allein dienen sollen, denn Niemand kann zween Herren dienen: aber so habe ich dem Geschöpfe mehr gedient, als dem Schöpfer. Ich bin der Sünden Knecht ( Magd) worden, und habe sie lassen herrschen in meinem sterblichen Leibe, ihr Gehorsam zu leisten in ihren Lüsten. Was hab ich nun zu Benjamin Schmolcken's der Zeit für Frucht, derer ich mich schämen muß, denn das Ende derselben ist der Tod. Uch, Bater! strafe mich nicht, wie ich verdie: net habe. Laß auch an diesem Diensttage das Verdienst Deines Sohnes gelten für alle meine Sünden. Weil es dunkel wird, so stelle meine Sünden nicht ins Licht vor Deinem Ungesichte, sondern laß sie in den Wunden Jesu vergraben seyn. 124 Gott Sohn, mein Herr und mein Gott! Du bist unter uns wie ein Diener gewesen, und haft Knechtsgestalt an Dich genommen, daß Du uns von der Sünde Knechtschaft befreien, und zur himmlischen Freiheit der Kinder Got tes bringen möchtest. Ach, befreie mich auch heute von dem Dienst der Ungerechtigkeit, daß ich hinfort der Sünde nicht mehr diene. Gib mir Deine dienstbaren Geister zu, die um Deinen Thron stehen. Steure, o Du Löwe vom Stamme Juda! dem brüllenden Löwen, der mich zu verschlingen suchet. Hast Du mich heute mit Deinen Augen geleitet, so drücke auch nun selber meine müden Augen zu. Bewahre mich und das Meinige, denn es ist das Deinige. Wende ab Wassers- und Feuersnoth, denn Du bist der Nothhelfer. Behüte vor Grauen und Erschrecken, Deine Hand kann alles ändern. Du hast mir heute viel Gutes erwiesen; ach! seße auch dieses hinzu, daß ich ein mit Dir ver: föhntes Herze zur Ruhe bringen möge. Sollte etwa das Bette zu meinem Grabe werden, so laß mich an Dein Grab gedenken, und meine Seele in Deine Wunden betten! 125 Abendsegen am Diensttage. Gott heiliger Geist, mein Licht vom Lichte! laß mir Dein Gnadenlicht nicht mit der Sonne zu Rüste gehen. Schlafen die Augen, so laß doch mein Gewissen wachen. Laß mich mein Lager lieber mit Thränen, als mit Sünden beflecken. Behüte mich vor ärgerlichen und entseßlichen Träumen. Mache mein Herz zu Deinem Heiligthum, und heilige es in meiner Ruhe, durch Deine süßen Regungen. Befreie mein Gemüth von der Last aller irdischen Sor gen, und laß mich keine, als menschliche Versuchung betreten. So oft ich einen Diensttag beschließe, so oft gib mir zu bedenken, daß die ses Leben nur ein Diensthaus sen, damit ich mich freue, den Dienst der Eitelkeit abzulegen, und mich stets bereite, Dir einstens im ewigen Lichte zu dienen. Erhalte mich in Deinem Dienst getreu bis in den Tod, auf daß, wo mein Jesus ist, alsdann ich, sein Diener,( seine Dienerin) auch seyn möge! Heilige Dreifaltigkeit! offenbare Deine Herrlichkeit auch diese Nacht an mir und allen Menschen, die Deiner Macht vertrauen, Deine Gnade suchen, Deines Schußes bedürfen. Gedenk an Deine Verheißung: Ich will Dich nicht verlassen, noch versäumen. Sey Du, großer Gott, bei Deinem kleinen Häuflein; Du reicher Gott, bei den Armen; Du starker Gott, bei den Schwa: chen; Du Vater des Trosts, bei den Betrübten; Du Arzt Israels, bei den Kranken; Du ewiges Leben, bei den Sterbenden. Verhilf uns allen end Benjamin Schmolcken's lich dahin, wo keine Nacht mehr ist, sondern lauter Licht immer und ewiglich! Amen. 126 Komm, süßer Schlaf, erquicke mich, Mein müder Leib begehret dich, Wirf meine Glieder sanfte hin, Laß allen Schrecken von mir fliehn, Bis daß die Nacht ihr Ende findt. Gott selbsten ruft: Nun schlaf, mein Kind! Abendlied am Diensttage. In voriger Melodie. Die Nacht verlöscht des Tages Licht, mein Gott! nimm Deinen Glanz mir nicht, zeuch Du in meinem Herzen ein, so hab ich immer Sonnenschein. 2. Allein die Nacht der Sünden schreckt, die mein Gewissen aufgedeckt, der Diensttag ist ein Sündentag, da ich im Sündendienste lag. 3. Doch das Verdienst von Deinem Sohn wird mir ein rechter Gnadenthron. Ach! siehe, lieber Vater! drauf, schreib ab die Schulden, und nicht auf. 4. O Menschenhüter! hüte mein, die Geister, die Dir dienstbar seyn, gib mir zu einer starken Wach, des Satans List zu Schanden mach. 5. Bleib bei mir, weil es Abend wird, mein Gast, mein Trost, mein guter Hirt! mein Bett sieht wie Egypten aus, ach! mach ein lichtes Gosen draus. 6. Halt mir Dein Wort, das immer gilt, daß Du mich nicht versäumen willt, und hilf mir endlich dorten hin, wo ich in keiner Nacht mehr bin. 7. Komm, süßer Schlaf, erquicke mich: der müde Leib begehret dich, bis daß die Nacht ihr Ende findt. Gott selber ruft: Nun schlaf, mein Kind! Morgensegen am Mittwoche. Morgenandacht am Mittwoche. Brich an, gewünschte Morgenstunde. Du trågest lauter Gold im Munde: In meinem Munde soll allein Mein Gott, mein Gold, mein Alles seyn! 127 Gott Vater, mein Erbarmer! mein Herz ist bereit, Gott, mein Herz ist bereit; ich will fingen und dichten. Deine Barmherzigkeit ist es, daß ich nicht gar aus bin. Der anbrechende Tag leuchtet mir nicht so sehr in die Augen, als Deine Güte uud Treue, die alle Morgen bei mir neu ist. O! wie soll ich Dich genugsam preisen, daß Du so wohl an mir thust. Mitten in der Woche, mitten in dem Leben, mit dem Tode umfangen. Ich lag, als wäre ich begraben. Wie leicht hätte mich der Schlaf seinem Bruder, dem Tode, überantworten kön nen? Aber in Deiner Kraft stehe ich gesund von meinem Lager auf. Du haft durch Dein Aufsehen meinen Odem bewahret, ich will Dich preisen, so lange ein Odem in mir ist. Du hast mich behütet wie einen Augapfel, mein Auge soll dafür auf den Herrn sehen. Du hast meine müden Hände gestärket, ich breite sie aus zu Dir, Du hast mein Herz erquicket, ich werfe es dafür, als ein Opfer in Deinen Schooß. Mein ganzes Leben sen Dir ergeben, weil Du mich lebendig erhalten hast. Gedenke auch heute meiner im Besten. Behüte den Leib vor Krankheit, die Seele vor Verführung. Lasse Dir all mein Thun und Lassen in Deine Hände befohlen seyn! Benjamin Schmolcken's Gott Sohn, mein Mittler! laß mir alle Tage eine Mittwoche seyn. Tritt mitten ein bei mir und bei den Meinen, wie bei Deinen Jüngern durch den Kuß des Friedens. Mittle alles heute zu meiner Seligkeit. Segne in mei nem Thun Unfang, Mittel und Ende. Sey bei mir mitten in der Arbeit, und erleichtere mir die Last meines Berufes. Sey bei mir mitten im Kreuze, und versuche mich nicht über mein Vermögen. Wenn ich mitten in der Angst wandle, so erquicke mich. Sündige ich, so tritt mitten zwischen mich und den erzürnten Bater mit dem Rauchwerk Deiner hohenpriesterlichen Fürbitte, damit der Plage gewehret werde. Laß mich auch die Mittwoche erinnern, wie Du mich in Deinem Weinberge gemiethet, daß ich nicht müßig stehe an dem Markte, dieser Welt, sondern als ein treuer Arbeiter in dema selben erfunden werde. Soll ich heute seyn, als eine Rose mitten unter den Dornen, als ein Schaf mitten unter den Wölfen: ach! so verlaß mich nicht mit Deinem Troste, denn mit Dir kann ich alles überwinden. 128 Gott heiliger Geist, mein Führer! führe mich auch an diesem Tage nach dem Worte meines Gottes, daß ich als ein Kind Gottes sey ohne Tadel, lauter und unsträflich, mitten unter dem unartigen und argen Geschlechte. Mache meinen Gang gewiß auf Deia nem Fußsteige. 3äume meine Zunge, halte meine Augen, betäube meine Ohren, binde meine Hände und Füße, betäube mein Herz, wenn böse Gedanken, Worte und Werke hervorbre: chen Morgensegen am Mittwoch. chen wollen. Behüte mich vor meinem eigenen Willen, und gib mir ein Herz nach Deinem Willen. Neiß die Welt aus meiner Brust, und pflanze hingegen in derselben das Reich Gottes. Laß mich alle meine Berufsgeschäfte im Glauben ohne Zweifel anfangen, in der Liebe ohne Hinderniß fortseßen, in der Hoffnung ohne Unsegen vollenden. Mache mich tüchtig, wo ich untüchtig; mache mich erleuchtet, wo ich thöricht; mache mich getrost, wo ich betrübt bin. Ohne Dich kann ich nichts, durch Dich will ich Alles thun! 129 Heilige Dreifaltigkeit! Sen an die: ser Mittwoche mit uns, unter uns, in uns. Wenn alle Berge mitten ins Meer sänken und die Welt unterginge, so laß uns dennoch erfahren, daß Du mitten unter Israel bist, und daß Du der Herr, unser Gott, seyst. Wie Du, o starker Gott! Dein Volk mitten durchs rothe Meer führtest, so führe uns auch mitten durch alle Angstfluthen hindurch. Erhalte uns mit: ten in der Anfechtung, wie die frommen Männer mitten im feurigen Ofen. Endlich bringe uns mitten durch Noth und Tod hindurch ins ewige Leben, so wollen wir Dir mitten in der Gemeine lobsingen, die bei Dir im Himmel ist, Umen. Es wolle mich nun segnen Gott Vater, Sohn und Geist, So kann mir nichts begegnen, Was Noth und Uebel heißt. Es muß mir alles Nußzen geben, Lieb oder Leid, Tod oder Leben. B. Schmolcken's Andachten. I Benjamin Schmolcken's Morgenlied am Mittwoch. In voriger Melodie. Brich an, gewünschte Morgenstund, es tråget lauter Gold Dein Mund; in meinem Munde soll allein mein Gott, mein Gold, mein Alles seyn. 2. Gott Vater, nimm mein Opfer hin, das ich mit Leib und Seele bin: denn beide hast Du wohl bes wacht, und wieder an das Licht gebracht. 3. Jch breite meine Hände dar: ach! nimm auch heute meiner wahr, Du siehst, was ich nicht sehen Fann, wie schlüpfrig meine Lebensbahn. 130 4. Welt, Fleisch und Teufel gehn mir nach, und drauen mir viel Ungemach; ach! waffne mich mit Tapferkeit, und stärke mich in diesem Streit. 5. Laß Deine Weisheit bei mir stehn, und mich auf guten Wegen gehn, was Du mir hier befohlen hast, das mache mir zu keiner Last. 6. Herr, segne mir mein täglich Brod, gib, daß ich denke an den Tod: Ein Tag geht nach dem andern hin, daß ich stets fromm und fertig bin. 7. Auf Dich, mein Gott kommt alles an, was Du nicht thust, heißt nicht gethan: so thu auch heute wohl an mir, gib mir den Nuk, die Ehre Dir. Abendandacht am Mittwoch. Die Last ist aus, nun kommt die Lust, Die mir in sanfter Ruh bewußt. Mit Jesu wach und schlaf ich ein, Wie sollt ich denn nicht fröhlich seyn? Gott Vater, mein Erretter! ich will Dir abermal ein Freudenopfer bringen und Deinem Namen danken, daß er so tröstlich ist. Durerrettest mich aus aller meiner Noth. Je mehr ich Tage hinter mich lege, je mehr erfahre ich Abendfegen am Mittwoch. Deine Treue, je mehr genieße ich Deine Liebe, je mehr schmecke ich Deine Freundlichkeit: je näher aber komme ich auch dem Tage, der allen meinen Tagen ein Ende macht. Uch! daß ich doch einen jeden und also auch den heuti gen Tag also zugebracht hätte, daß Deine Liebe nicht wäre beleidiget, Deine Gerechtigkeit nicht gereizet, mein Gewissen nicht beschweret, meine Strafe nicht gehäufet worden. Ach, ich erkenne die Finsterniß meines Herzens bei diesem dunlen Abend. Die Mittwoche zeiget mir eine Mitternacht meiner Sünden. Wo soll ich hin= gehen vor Deinem Angesicht? Sollte mich nicht Dein Fluch treffen, daß meine Leuchte ver löschte mitten in Finsterniß? Ach, mein Gott! züchtige mich nicht nach Deiner Gerechtigkeit. Verwandle Deinen Richterstuhl in einen Gnadenstuhl. Laß meine Sünde wohl ferne von mir seyn, Du aber sen nicht ferne von mir. Vergib und vergiß meine Schuld: gedenke aber an Deine Huld, und sey auch in der zukünftigen Nacht mein Gott, der sich über mich erbarmet. 131 Gott Sohn, mein Fürsprecher! tilge aus die Handschrift, so wider mich ist. Thue aus der Mitte, was ich an dieser Mittwoche gesündiget habe. Du Baum des Lebens mitten im Paradiese Gottes, laß mich heute unter Deinem Schatten ruhen. Ich suche auch des Nachts Dich, den meine Seele liebet. Ruhe bei mir, so schlafe ich sicher. Ruhe in mir, so schlafe ich selig. Wo ja meine Feinde nicht ruhen, so widerstehe ihnen mit Deinem Urme. Liege ich mitten unter den Löwen, so laß mich J2 Benjamin Schmolcken's auch mitten unter den Engeln liegen, die ihreu Rachen zuhalten. Bin ich wie ein Mensch, der mitten im Meer schläft, so gib mir dennoch eine Stille in meinem Herzen, daß meine Seele nicht unruhig seyn dürfe. Verbirg mich heimlich in Deinem Gezelte, welches die Losung hat: Die Liebe ist sein Panier über mir! Gott heiliger Geist, mein Redner! laß mich diesen Feierabend mit feurigem Gebete machen. Bin ich heute kaltsinnig gewesen in meinem Christenthum, so entzünde Deine brünstige Liebe in mir, und laß das Fünklein meines Glaubens nicht in der 2sche ersticken. Habe ich gewandelt nach dem Fleische, so er: neure mich im Geiste. Lege ich meine Kleider ab, so ziehe mir Jesum Christum an. Schließe ich meine Augen zu, so erwecke Du mein Gewissen. Seufze ich in der Nacht, so schreie Du selbst das Abba für mich. Rede ich mit meinem Herzen auf meinem Lager, so laß den Inhalt meines Gespräches nichts als meinen Jesum seyn. Will mir eine Furcht ankommen, so halte mir vor, daß ich nicht einen knechtischen, sondern einen kindlichen Geist empfangen habe, und mich also nicht fürchten dürfe! Heilige Dreifaltigkeit! auf Deine Gnade lege ich mich, mit Deiner Barmherzigkeit decke ich mich, hinter Deine Allmacht ver: berge ich mich. Verriegle mein Haus, verfiegle mein Herz mit Deinem Schutz. Sen bei uns zur Rechten und Linken. Sen meiner Freunde Freund. Erquicke alle Mühselige und Beladene. Gib uns auf eine ruhige Nacht einen fröhlichen Morgen, bis endlich kein Mitt: 132 Abendsegen am Mittwoch. woch mehr seyn wird, und wir alle dort ver: sammelt werden, wo das Lamm mitten auf dem Stuhl uns weiden wird. Dir sen Ehre in Zeit und Ewigkeit! Amen. 133 So bin ich nun in Gottes Hand, Die alles Grauen hat verbannt. Ich fürchte weder Noth noch Tod: Denn, wo ich bin, da ist mein Gott. Mit Jefu will ich schlafen gehn, Mit Jesu wieder auferstehn! Abendlied am Mittwoch. Nach voriger Melodie. Die Laft ist aus, nun kommt die Lust, die mir in sanfter Ruh bewußt; mit Jesu wach und schlaf ich ein, wie sollt ich denn nicht fröhlich seyn? 2. Ach aber, wie betrübt bin ich! ich denke jetzt, mein Gott! an Dich, und mein Gewissen klagt mich an, weil ich die Schuld nicht laugnen kann. 3. Ach! dieser Abend stellet mir des Tages finstre Werke für: für Deine Liebe gab ich Haß, zum Bösen schnell, zum Guten laß. 4. Ach! laß den Fluch nicht auf mir ruhn, und Jesum die Bezahlung thun: bin ich nicht heilig und gerecht, er ist ja der gerechte Knecht. 5. Der Feierabend stellt sich ein, laß mein Gebet jetzt fertig seyn: und gib, daß meine Lagerstatt Elias Roß und Wagen hat. 6. Verbirge mich in Dein Gezelt, wo selbst die Liebe Wache hält; des Löwen Rachen stopfe zu, daß er mir keinen Schaden thu. 7. So schlaf ich wohl in Deiner Hand, die alles Grauen abgewandt: ich fürchte weder Noth noch) Tod, denn, wo ich bin, da ist mein Gott. 134 Benjamin Schmolcken's Morgenandacht am Donnerstage. Mein Gott, du schaffest dieses Licht, Das jezund durch die Wolken bricht, Laß es auch lichte bei mir werden, Gib einen Himmel auf der Erden! Gott Vater, mein Versorger! Meine erste Sorge an diesem Morgen ist das Lob Deiner unaussprechlichen Güte. Der Donnerstag ist nun auch erlebet, und ich lebe noch. Dafür bringe ich Dir das Opfer meiner Lippen, und bezahle Dir das Gelübde meines Herzens. Ich sage mit Jakob, da er aufwachete: Wahrlich ist der Herr an diesem Orte. Um mein Bette finde ich die Fußstapfen Deiner Liebe. Die hat meine Wache bestellet, die hat meine Ruhe gewirket, die hat mich jetzo sanft wiederum aufgewecket. Ach, wer bin ich, Herr! daß Du Dich meiner so herzlich angenommen? Du hast mein Lager nicht zur Todtenbahre, noch mein Haus zur Mördergrube werden las sen. Unter Deinem Schirm verlachte ich den Sturm der Gottlosen. Deine Macht widerstand der Macht der Finsterniß. Nun haben sich meine Kräfte gesammelt, meine Glieder erquicket, und ich stehe gesund vor Deinen Augen. Uch Vater! nimm Dich auch heute Dei: nes Kindes an. Laß Deine Barmherzigkeit hervorbrechen wie die Morgenröthe, und Deine Gnade wie einen Thau, der das Land befeuchtet. Gib, daß alle meine Tritte von Segen triefen, die ich auf Deinen Wegen thun werde. 135 Morgensegen am Donnerstage. Schlecht und Recht behüte mich, denn ich harre dein, erlöse mich aus aller meiner Noth! Gott Sohn, mein König! laß mich auch an diesem Morgen den Scepter Deiner Gnade küssen. Wenn Dein Angesicht freundlich ist, so ists mein Leben. Laß auch an diesem Donners: tage dasselbe leuchten, daß meine Seele genese. Sen mir freundlich, und fördere das Werk meiner Hände. Sollte ich ja heute ein verirr: tes und verlornes Schäflein werden: Uch! so suche Deinen Knecht. Bekehre Du mich, Herr! so werde ich bekehret, hilf Du mir, Herr! so ist mir geholfen. Behüte mich vor Sicherheit des Herzens, und vor Gottlosigkeit des Wandels. Zeige mir Deine Fußstapfen, daß ich nicht mir, noch der Welt, oder dem Satan folgen möge. Zeuch mich Dir nach, so laufe ich; und wo Du mir ein menschliches Joch auflegest, so laß mich doch dabei den ganzen Tag in den Seilen der Liebe gehen. Gib, daß dieser und jeder Tag, den ich noch zu leben habe, mein Donnerstag sey: daß ich mich erinnere des letzten Gerichtsdonners, erschrecke vor dem gegenwärtigen Gesetzdonner, und also täglich in wahrer Buße erfunden werde. Weil ich nicht weiß, wenn das letzte Stündlein kommt: so laß mich alle Stunden bereit seyn, Dir, meinem Könige, entgegen zu gehen! Gott heiliger Geist, meine Stärke! Sen auch in mir Schwachen heute mächtig. Laß mich diesen Tag also leben, daß es mich auf den Abend nicht reuen möge, gelebet zu haben. Zünde mir ein Licht an in dem Ver stande, und baue Dir ein Heiligthum in meinem 136 Benjamin Schmolcken's Willen. Laß mich in dem Rathe der Frommen wandeln. Meine Seele komme nicht in den Rath der Gottlosen. Mein Fuß trete nicht auf den Weg der Sünder. Lege meinen fündlichen Neigungen Zaum und Gebiß an, daß sie in dem Gehorsam des Reichs Christi behalten werden. Beruhige mein Gewissen, daß Gerechtigkeit und Friede sich in meiner Seele küssen. Verwandle alle Bitterkeit des Kreuzes in eine Arzenei, und bringe das Licht des Trostes mitten aus der Finsterniß der Trübsale hervor. Gib mir ein vergnügtes Herz bei meinem bescheidenen Theile. Laß mich nicht begierig senn nach Gütern, die mich eitel machen: son= dern pflanze in mich eine Sehnsucht nach den wahren Schäßen, die ein beständiges Vergnügen geben, und die ich auch im Sterben mitnehmen kann! Heilige Dreifaltigkeit! Ich heilige Dir heute meinen Leib und Seele. Uch laß mein Leben und Weben ein stetes Lob Deiner Herrlichkeit seyn. Wende Dich auch zum Gebet der Verlassenen. Erbarme Dich Deines Erbes. Segne Dein Volk. Laß die Meinen nicht aus Deinen Augen, noch aus Deinem Herzen. Leite uns nach Deinem Rath und nimm uns endlich mit Ehren an. Ehre sey Dir, Gott in der Höhe, Friede auf Erden, und den Mene schen ein Wohlgefallen! Amen. So sieh ich meine Kleider an, Und bin mit Jesu angethan, Der kann den rechten Schmuck mir schenken. Jedoch bei Allem, was ich thu, Will ich auch an die letzte Ruh Und an den Sterbekittel denken. 157 Abendsegen am Donnerstage. Morgenlied am Donnerstage. In voriger Melodie. Mein Gott, Du schaffest dieses Licht, das jetzund durch die Wolken bricht, laß es auch lichte bei mir feyn, durch Deinen neuen Gnadenschein. 2. Der Donnerstag ist auch erlebt, darüber Dich mein Herz erhebt; mein erstes Wort ist Jacobs Wort: der Herr ist wahrlich an dem Ort. 3. Nimm auch nun mein Gelübde hin, mit dem ich Dir verbunden bin, und gib, daß ich den ganzen Tag Dir solches auch bezahlen mag. 4. Laß Jesumt heute mir allein Weg, Wahrheit und das Leben seyn; sein Name heilige mein Thun, so wird dein Segen auf mir ruhn. 5. Verleih mir ein vergnügtes Herz, und lenk es immer Himmelwärts; laß mich im Rath der Frommen gehn, und allem Bösen widerstehn. 6. Ich werfe meine Noth auf Dich, es ist Dein Joch, erquicke mich; Du hast ja wohl ein Thränenmaas, toch aber auch ein Stundenglas. 7. Gib, daß ich diesen Donnerstag an den Ges richtstag denken mag, und also hier mein Leben führ, daß mich alsdann kein Donner rühr. Abendandacht am Donnerstag. Dank und Ruhm sey Dir bereit, Du Herr der Herrlichkeit! Daß ich wieder einen Tag Fröhlich hinterlegen mag! Gott Vater, mein höchstes Gut, wie gut hast Du es abermal an dem vergangenen Tage mit mir gemacht! Deine Güte ist besser, denn Leben. Wenn ich meine Unwürdigkeit mit der Größe Deiner Barmherzigkeit vergleiche, so muß ich mit Jacob sagen: Ich bin dessen nicht Benjamin Schmolcken's werth, was Du an mir gethan hast. Mit was für väterlicher Fürsorge hast Du mich berathen? Mit was für getreuer Wachsamkeit hast Du mich so vielen tausend Gefährlichkeiten entrissen? Mit was für Langmuth hast Du mich in meinen Sünden getragen? Mit was für Geduld und Liebe hast Du mich zur Buße geleitet? Ach! gib mir doch eine rechte Empfindung von der Größe dessen, was ich Dir schuldig bin. Aber wie erschrecke ich auch, wenn ich bei allem diesem Guten in meinem Fleische nichts Gutes finde! Du hast mich wohl mit Wohlthaten überschüttet: aber ich habe Deine Gnade und Gabe gemißbraucht. Diese Seile der Liebe habe ich zerrissen. Meine Sünde ist jetzt vor mir, Dein Zorn über mir, die Angst der Hölle in mir. Vater der BarmherzigFeit! wie sündlich ich auch bin, so nebme ich dennoch meine Zuflucht zu Dir. Bei Dir ist die Vergebung, daß man Dich fürchte. Ach Herr, vergib nach Deiner Liebe, die Du fest zu mir trägest! 138 Gott Sohn, meine einzige Zuflucht! Zu Dir flehe ich, verstoße mich nicht. Ich höre wohl an diesem Donnerstage Dein Gesetz don: nern, aber auch Dein süßes Evangelium Friede und Gerechtigkeit predigen. Habe ich schon große Ursache, traurig zu seyn über meine Sünde: so habe ich doch noch viel größere llr: sache, mich zu freuen über Deine Liebe, die mich nicht will lassen verloren gehen. Ver: wandle durch diese Liebe den Zorn Deines himmlischen Vaters in lauter Gnade, die Finsterniß der gegenwärtigen Nacht in lauter Licht, ia Abendsegen am Donnerstage. 139 meinen Tod, wenn er heute erfolgen sollte, in lauter Leben. Hast Du nichts, o Seelenfreund, wo Du Dein Haupt hintegeft, ach! lege es heute auf mein Herz, so werde ich in Dir ruhen, und. Du in mir. Ich will Dich halten und nicht las sen, bis ich Dich in meine Kammer bringe. Ach! bist Du bei mir darinnen, so werde ich wohl bleiben. Gott heiliger Geist, mein Pfand und Siegel! versiegle mich auch heute mit dem Zeichen der göttlichen Kindschaft. Erinnere mich meines Taufbundes, damit ich im Bündlein der Lebendigen eingebunden bleibe. Baue Dir auch im Schlafe einen Tempel in mein Herz, und erfülle dasselbe mit süßen Träumen. Verlaß mich nicht, wenn mich alle Menschen verlassen. Wenn ich von mir selber nichts weiß, so gedenke Du an mich. Befreie meinen Geist von der Last aller irdischen Sorgen, welche mir oft die Nacht zum Tage machen. Verbanne aus meinen Gedanken alle unreinen Lüste, aus meinen Ohren alle böse Zeitungen, aus meinen Augen alle Schreckbilder der Hölle. Wecke mich wieder zu einer glückseligen Stunde. Ist aber mein letztes Stündlein vor der Thüre, so laß meinen Blick in die Wunden Jesu gehn. Nur selig, obgleich plößlich. Auf Christum, und in Christo, ist es am besten schlafen gehn. Heilige Dreifaltigkeit! laß auch heute die Meinigen dieses Siegel haben: der Herr kennet die Seinen. Mache zunichte den Nath der Gottlosen. Heilige die Ruhe al: ler Frommen. Schüße die Wohnungen Ja Benjamin Schmolcken's Fobs. Gib uns diejenigen zu, die um Deinen Thron stehen; so wollen wir uns morgen vor diesem Throne bücken, und sagen: Der Gott Israels ist mit uns, der Gott Jakob schüßzet uns. In Deinem Namen sprechen wir indessen Umen. 140 In Jesu Namen schlaf ich ein: Der Feind mag lauter Donner spein. Ich werde darum nicht erwachen. Gott wendet einen jeden Schlag, Und kann auf einen Donnerstag Die angenehmste Stille machen! Abendlied am Donnerstage. Nach erster Melodie. Dir, o Du Herr der Herrlichkeit! sey Lob und Dank und Ruhm bereit, daß ich nun wieder einen Tag in Segen hinterlegen mag. 2. Ich bin nicht werth der großen Huld, ja es ver: diente meine Schuld nur lauter Zorn und Ungenad, dieweil sie Dich verworfen hat. 3. Ach Herr, verwirf mich darum nicht! schau, wie der Sohn Dein Herze bricht; den halt ich Dir im Glauben für, sey gnädig und verzeihe mir. 4. In Jesu Wunden leg ich mich, zu meiner Decke nehm ich Dich: so schrecket mich kein Höllenbild, ich bin in Dir ganz eingehüllt. 5. Gefelle mir bei meiner Ruh die Starken Salos monis zu, und laß sie um mein Bette stehn, daß sie der Noth entgegen gehn. 6. Leb ich, so trag ich morgen Dir ein dankergebnes Herze für: Sterb ich, so binde mich alsdann ins Bundlein der Lebendigen. 7. In Deinem Namen schlaf ich ein, laß mich bei Dir ganz sicher seyn, damit auf diesen Donnerstag auch eine Stille folgen mag. Morgensegen am Freitage. Morgenandacht am Freitage. Gib, Jesu! daß die Morgenrothe Die Macht der Finsternisse tödte; In Deinem Blute stelle mir Den rechten Himmelspurpur für! 141 Gott Vater, meine Freude! so stehe ich wieder auf zu Deinem Lobe. Wache auf meine Ehre. Das Herze, mein Psalter, die Lippen, meine Harfen klingen von Deinem Ruhme. Dieser Freitag mein Frei Tag. Mein Auge frei von der Finsterniß; mein Ohr frei vom Schrecken; meine Füße frei vom Stricke des Jägers; mein Herz frei von allen Grauen der Nacht. O herrliche Freiheit! Das Auge siehet es, der Mund rühmet es, die Seele erkennet es. Fahre fort, o allergütigster Vater! in solcher Freiheit mich zu befestigen. Befreie mich von allem, was mir schädlich und Dir mißfällig ist. Ziehe meinen Fuß aus dem Netze, das mir Welt und Satan gestellet hat. Zerschneide alle Bande der Eitelkeit, die mich fest an die Erde heften und vom Himmel losreißen. Laß meine Begierde nicht ruhen auf Dingen, die keine Ruhe haben. Schütte in mir aus Deine Gnade, und gib mir keinen geringern Reichthum, als Dich selbst. Mache mich in meinem Berufe emsig und vergnügt. Deine Liebe und Dein Segen versüße mir, was mir zu sauer wird. Fern vom Kreuze will ich an diesem Freitage nicht seyn; ich werde auch, leider! nicht frei von der Sünde bleiben. Dort aber laß mich Deinen Trost, und hier Deine Gnade Benjamin Schmolcken's finden, wenn ich sie suchen werde. Laß mich im Kreuze nicht verzagt, in der Sünde nicht verstockt seyn; in jenem Linderung, in dieser aber Vergebung erhalten. Sen mein Gott, der mir hilft, und meine Hilfe, die mich in keiner Noth verläßt! 142 Gott Sohn, meine Freiheit! Der Freitag war Dein Sterbetag. Durch Deinen Tod hast Du mich frei gemacht vom ewigen Tod. Hast Du, Sohn Gottes, mich frei gemacht, so bin ich recht frei. Gib, daß dieser Tag mir heute und nimmer aus dem Gedächtnisse komme. Heute bin ich mit Ifrael aus dem Diensthause gegangen, heute hast Du meine Seele aus dem Kerker geführet: das danke ich Deinem Namen. Ach! laß mich die herrliche Freiheit, die Du mit Deinen Banden erworben haft, nicht gebrauchen zum Deckmantel der Bosheit, daß Deine Gnade an mir nicht vergebens sen. Gib vielmehr, daß ich eine Dienstbarkeit mit der andern verwechsle, die Dienstbarkeit der Sünden mit der Dienstbarkeit der Gerechtigkeit. Du hast mich theuer erkauft, laß mich heute und künftig Dein eigen seyn, damit ich mich nicht wieder von dem knechtischen Joche fangen lasse. Pflanze heute Dein Kreuz in mein Herze. Drücke Deine Dornen in mein Fleisch, daß es nicht geil werde. Hefte mich an Dich mit Nägeln der Liebe. Zeige mir durch die geöffnete Brust Dein im Blute wallendes Herz, als meine einzige Freistatt, wenn die Seele in Nengster ist. Gib Balsam her aus Deinem geheiligter.. Wunden für mein geängstigtes Gewissen. Dein im Tode geneigtes Haupt laß mich heute küs Morgensegen am Freitage. sen, wo ich nach Deinem Willen dem Tode begegnen sollte. Das sen meine Losung an diesem Tage: Jesus, meine Liebe, ist ge Freuziget! 143 Gott heiliger Geist, mein Freund! Bewahre mich heute vor aller Sünde, welche ist eine Feindschaft wider Gott. Laß mich der Welt Feind und Gottes Freund seyn, und alsdann auch schmecken und sehen, wie freundlich der Herr ist. O was für Freiheit werde ich an diesem Freitage besißen, wenn ich meinen Verstand und Willen Dir völlig unterwerfen werde. Denn wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit. Gib, daß ich dem Fleische nicht Raum gebe, noch mich lasse von dem eitlen Wahn der Welt gefangen nehmen. Reiß mich je mehr und mehr los von dem, was irdisch ist: und zeige mir bei allen Trübsalen, daß auch einstens die Kreatur frei werden wird vom Dienste der Eitelkeit, zur herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. Wir sind Kinder der Freien, und warten auf das Jerusalem, das droben ist, da ist die Freie, die unser aller Mutter ist. Da werden wir vollkommen frei senn. Unsere Seele aus dem Tode gerissen, unser Auge frei von Thränen, unser Fuß frei vom Gleiten. Eja wären wir da! Heilige Dreifaltigkeit! sen heute nicht ferne von einem jeglichen unter uns; in dir leben, weben und sind wir. Ifrael hoffet auf Dich, laß unsere Hoffnung nicht zu Schanden werden: denn Du bist unser Gott. Erhebe über uns das Licht Deines Untlitzes. Vermehre Dein Reich in uns. Bleibe mit Deiner Wahr Benjamin Schmolcken's heit bei uns. Laß uns muthig glauben, heilig leben, geduldig leiden, selig sterben. Wir las sen Dich nicht, Du segnest uns denn! Amen. 144 Ich bitte, Jesu! Dich, Dein Blut komm über mich, Doch aber in Genaden! So kann mir keine Noth, Kein Elend und kein Tod, Auch gar kein Teufel schaden! Morgenlied am Freitage. Nach voriger Melodie. Der er Morgenglang macht hellen Schein, mein Jesu, kehre bei mir ein, in Deinem Blute stelle mir die rechte Morgenröthe für. 2. Der Freitag war Dein Sterbetag, da ich aufs Neue leben mag; gib, daß ich so mein Leben führ, daß Welt und Sünde sterb in mir. 3. Ich seh Dich als mein Opfer an, das ich dem Vater bringen kann, wenn er ein Lamm von mir bes gehrt, daß sich sein Zorn in Huld verkehrt. 4. Besprenge meinen Morgendank, und meines Herzens Lobgefang mit Deines Blutes Lebensthau, daß Gott darauf in Gnaden schau. 5. In meinem Wandel stelle mir Dein Vorbild heut und allzeit für: verleih mir Deine Kraft dabei, daß ich der Welt gekreuzigt sey. 6. Aus Deinen Wunden quelle mir ein rechter Se: gensbach herfür. Mit Deinem Kreuze labe mich, wenn Kreuz und Trübsal findet sich. 7. Und wenn mein Lauf zu Ende geht, gib, daß Dein Kreuze vor mir steht; die offne Seite sey die Thür, die mich zu Dir gen Himmel führ. Abend: Abendsegen am Freitage. 145 Abendandacht am Freitage. Ihr blutigen Wunden der leidenden Liebe, Ich lege mein Herze mit Glauben in euch: So hab ich ein Bette dem Salomon gleich, Und fürchte nicht, daß mich ein Unfall betrübe. Gott Vater, mein Geber alles Guten, was gebe ich Dir wieder für alle Deine Gaben, die ich diesen verflossenen Tag von Dir empfangen habe? Ich bin ein Kind des Zorns; und dennoch hast Du mir Deine Gnade so reichlich er: wiesen. Da ich nichts verdienet, so hast Du mir alles gegeben, was mir noch ist. Alle Wohlthaten, die Du über mich ausgeschüttet, find Früchte Deiner erbarmenden Liebe. Alles Kreuz, das Du mir zugeschicket, ist eine Wirkung Deiner väterlichen Neigung. Und diesen Augenblick muß ich sagen: bis hieher hat mir der Herr geholfen! Ach! warum habe ich nicht Engelzungen, Deine Treue und Barmherzigkeit nach Würden zu erheben? Ullein, wie beschämet mich meine Sünde vor Dei: nem Angesichte, daß ich mich fürchten muß, mein Dankopfer werde Dir nicht gefällig seyn! Es ist wahr, daß der Sünder vor Dir nicht bestehen kann: aber das ist auch gewiß, daß Du den Sünder in seiner Buße nicht verstoßen willst. Ich will Deine heilige Verheißung ergreifen, daß, wer an Jesum Christum glaubt, nicht soll verloren werden. In diesem Glauben rechtfertige mich; in dieser Gerechtigkeit absolvire mich. Sen mir um Christi willen B. Schmolcken's Andachten. K Benjamin Schmolcken's gnädig und barmherzig. Finsterniß bedecket nun das Erdreich! Du aber decke mich mit Deiner allergetreuesten Liebe. Sende mir Deine Nachtwache bis zur fröhlichen Morgenwache! 146 Gott Sohn, mein Alles in Allem! Je= dermann denket jeßund an seine Ruhe. Ich aber denke an meine Sünde. Uch! meine Gedanken sind heute nicht allemal Deine Gedanken, und meine Wege nicht immer Deine Wege ge= wesen. Ich weiß aber, daß Du nicht Gedanken des Leides, sondern Gedanken des Friedens über mich hast. O! so denke an mich in Deiner Barmherzigkeit, wie Du am Kreuze des armen Schächers gedacht hast. Wirf meine Sünden in die Tiefen des Meers, daß ihrer nimmermehr gedacht werde. Gedenk, o Herr, der schweren Zeit, darin der Leib gefangen leit. Der Seele, die Du hast erlöst, gib, o Herr Jesu! Deinen Trost. Tröste mich in dies ser Nacht durch das Undenken Deiner Wunden, weil Du mich in derselben von der Obrigkeit der Finsterniß errettet hast, so laß mich auch jeho vor des Satans Grauen und Klauen ficher ruhen. Dein letztes Wort sen auch mein Wort: Vater, ich befehle meinen Geist in Deine Hände! Sollte ich diese Nacht mein Haupt neigen müssen, so laffe es Dir auf Deine blutrünstige Brust fallen. Soll mir mein Herz brechen: ach! so breche es in Deiner ge= öffneten- Seite. Das sey mein Weg ins Paradies. Ich küsse Deine hohepriesterliche Wunden, und sage: Dir leb ich, Dir sterb ich, Dein bin ich todt und lebendig! 0 Abendsegen am Freitage. Gott heiliger Geist, mein Vertreter! Beschließ meine Seufzer mit Deinem Abba. Be sprenge sie mit dem Blute des unschuldigen Lammes. Versiegle sie mit dem letzten Angstgeschrei meines sterbenden Jesu. Wenn ich jeßt mein Licht auslöschen werde, so sen das Licht in meinem Herzen. Wenn ich meine Kleider ablege, so zeuch mich an mit Kraft aus der Höhe, daß ich wider alle listigen Anläufe des Satans bestehen möge. Wenn ich die matten Glieder auf mein Lager werfe, so versichere meine Seele, daß ich in den Wunden meines Jesu ruhe. Laß auch mein Bette mir von meinem Grabe predigen, daß ich nicht in Sicherheit schlafe wie die Jünger am Delberge, sondern alle Augenblicke mein Ende erwarte. Stecke das Kreuz meines Erlösers als ein Siegeszeichen vor mein Bette. Das soll meine Ruhe, das soll meine Ehre seyn. Bekehre auch alle Feinde des Kreuzes Christi, daß sie sich unter dieses Panier sammeln, und der Verdammniß entgehen mögen. Versiegle auch mit die sem Gnadenzeichen die Ruhe der Meinigen, und laß keinen verloren gehen, den Du damit bezeichnet haft! 147 Heilige Dreifaltigkeit! Deine Gnade sen unser Licht im Finstern. Deine Kraft sen unsere Stärke in der Schwachheit. Dein Schuß sen unser Schild in der Gefahr. So wird sich keine Plage zu unserer Hütte nahen. Sen mit uns, o Vater! in Deinem Sohne, mit Dei: nem Geiste. Laß diese Schrift an unser Haus und Herz geschrieben seyn: Hier ist der K2 Benjamin Schmolcken's Herr! Ist Gott für uns, wer will wi der uns seyn? Amen. 148 So ist der Freitag nun vorbei Und Du, mein Jesu, machst mich frei, Daß ich in Deinen tiefen Wunden Der Kinder Gottes Freiheit funden. Gib auch nunmehr durch Deine Macht, Zum Freitag eine freie Nacht! Abendlied am Freitage. In voriger Melodie. So ist der Freitag nun vorbei, ach! wär ich von der Sünde frei, die ich auch heute schon verübt und Gottes Vaterherz betrübt. 2. Wie wenig hab ich doch bedacht, was Jesum an das Kreuz gebracht; vielmehr gethan, gedacht, ges rebt, was ihn aufs Neue kreuziget. 3. Ach Bater, schlugst Du Deinen Sohn mit so viel Schmerzen, Schmach und Hohn, da er doch fremde Schuld versühnt: was hab ich Sünder dann verdient! 4. Jedoch mein Glaube tröstet sich, Dein Sohn vers goß sein Blut für mich; nimm diese Zahlung für mich an, und sen mir wieder zugethan. 5. Wirf meine Sünd ins tiefe Meer, und gib mir seine Wunden her, weil ich kein Lager sonst nicht weiß, so schlaf ich wie im Paradeis. 6. Dein letztes Wort soll meine seyn, ich will aus ganzem Herzen schrein: mein Gott, der Du mein Va. ter heißt, nur Dir befehl ich meinen Geist. 7. Die Kleider sind schon abgethan, ich ziehe meinen Jesum an, der gibet mir durch seine Macht zum Freitag eine freie Nacht. K Morgensegen am Sonnabend. Morgenandacht am Sonnabend. Mein Jesu, sey mein Morgenthau, Erquicke meines Herzens Au: Und laß mich heute fruchtbar seyn Mit Früchten, welche Dich erfreun. 149 Gott Vater, meine Hilfe! Bis hieher haft Du abermals geholfen. Du hast Großes an mir gethan, deß bin ich fröhlich. Groß war die Gefahr, darinnen ich diese vergangene Nacht schwebte. Groß die Macht und List der Feinde, die auf meine Seele lauerten. Noch viel gröBer aber Deine Kraft, die mich wider alles mächtig beschüßzet hat. Darum will ich des Morgens Deine Güte und des Abends Deine Wahr: heit verkündigen. Wie soll ich Dir aber Deine Wohlthaten vergelten, ich, der ich nichts habe, was nicht Dein ist? Ich will Dir alles wiedergeben, was Dir gehöret. Ich heilige Dir meinen Leib zu einem lebendigen Opfer, und meine Seele zu einem immerwährenden Eigenthum. Mein Herz soll Dich lieben, mein Mund soll Dich loben; alle meine Gliedmaßen sollen Dir dienen, alle meine Sinnen Dir gehorchen. Ich bitte aber auch für diesen Tag, daß Du denselben mit Deinem Segen heiligen wollest. Laß mich wandeln, wie sichs gebühret, in meinem Berufe, darin ich berufen bin. Negiere die Zufälle meines Lebens nach Deiner Weisheit, ich will Dir in allem stille halten. Du kannst mir mehr geben, als ich bitte. Du kannst etwas Besseres geben, als ich begehre. Ich bitte aber nichts mehr, als dieses: Herr, Dein Benjamin Schmolcken's Wille geschehe. Du wirst, Du kannst, Du willst nichts Böses über mich wol len. Dein Wille ist der beste! 150 Gott Sohn, mein Hoherpriester! Ich bringe Dir diesen Morgen ein Lamm zum Opfer. Was könnte ich Dir wohl Ungenehmeres bringen, als Dich selber? Ich richte mich jetzt auf in Deinen Wunden, in welchen ich gestern zu Bette ging. Lasse dieses die Brunnen seyn, aus wel chen mir heute alles Heil zufließet. Laffe dies ses die Fenster senn, durch welche mir heute Dein himmlischer Vater die Gnadenblicke zuwerfe. Laffe dieses die Felsenrißen seyn, in welche ich mich heute, bei aller Gefahr als ein schüchter: nes Täublein verbergen könne. Laffe dieses die Lippen seyn, welche heute mich bei Gott ver= treten, wenn ich in Sünden und Strafen fal: len sollte. Rathe mir heute nach Deinem Her: gen, daß ich nicht auf Abwege gerathe. Bei Dir ist Rath und That; Du kannst mir geben, was mein Herz wünschet. Rüfte mich mit Kraft aus der Höhe, und mache meine Wege ohne Wandel. Ich hoffe darauf, daß Du so gnädig bist, mein Herz freuet sich, daß Du so gerne hilfest. Breite Deine Güte über die, so Dich kennen, und Deine Gerechtigkeit über die Frommen. Laß mich den letzten Tag in dieser Woche also zubringen, daß, wenn es der letzte meines Leben seyn sollte, ich denselben in Dir sanft und selig beschließen möge! Gott heiliger Geist, mein Leitstern! Leite mich heute auf rechter Bahn. Schaffe, daß ich mich übe, ein gutes Gewissen zu ha ben, damit dasselbe mich nicht beißen möge mei: 151 Morgensegen am Sonnabend. nes ganzen Lebens halber. Bewahre mich wider die Verführungen. Erhalte mich in den Versuchungen, stärke mich wider die Verfol gungen. Sen mein Rathgeber, wenn ich zweifle. Sen mein Geleitsmann, wenn ich wand: le. Stärke mich bei dem Elende dieses mühfeligen Lebens mit der Hoffnung eines bessern und ewigen Lebens. Herrsche über alle meine Neigungen. Gebiete über alle meine Werke, mache allen meinen Wandel zu einem guten Geruch vor Gott. Befriedige mein Herz durch Deine heiligen Verordnungen, daß es aller unordentlichen Sorge müßig gehe, und Deiner gött: lichen Vorsehung keinen Eintrag thue. Laß mich zuvörderst das Reich Gottes suchen, und alsdann versichert seyn, daß mir das Andere al les zufallen werde. Und, nach allen Deinen Gaben gib Du Dich mir selber, wie ich von meiner Seite wünsche, Dir ganz und gar ergeben zu seyn! Heilige Dreifaltigkeit! vollende das gute Werk in mir beim Ende dieser Wo: che. Mache an diesem Tage gut, was ich an den übrigen böse gemacht habe. Schüße und errette Deine arme Christenheit bis an das Ende der Welt. Gib uns des Glaubens Beständig: keit, Geduld in Kreuz und Widerwärtigkeit. Gib unsern Grenzen Friede, unsern Häusern Segen, unsern Ungehörigen Leben und volle Genüge. Erlöse uns, so lange wir leben, Amen. Nun Jesu, sprich den Gegen! Auf allen meinen Wegen, Und stecke selbst das Ziel: So wird das Wert vollführet, Wie mir zu thun gebühret, Und deine Ehr es haben will! 152 Benjamin Schmolcken's Morgenlied am Sonnabend. In voriger Melodie. Du u angenehmer Morgenthau, mein Jesu, laß des Herzens Au von Deiner Gnade triefend seyn, und feuchte mich mit Segen ein. 2. Sehr groß war heute die Gefahr, darinnen ich begraben war, doch noch viel größer Deine Macht, die mich gesund ans Licht gebracht. 3. Dafür bin ich Dein Eigenthum, ich opfere Dir Dank und Ruhm; Niemand auf Erden ist Dir gleich, so mächtig und so gnadenreich. 4. Ach! gib mir ferner Rath und That, daß dieser Tag das Seine hat, und leite mich in meiner Pflicht durch Deines Geistes Gnadenlicht. 5. Behalte mein Gewissen rein, regiere Du in mir allein, daß ich der Sünden müßig geh, und stets zum Tode fertig steh. 6. Der Tag ist dieser Woche Schluß: wenn ich nun auch beschließen muß, schleuß mich in Deine Wun den ein, die aller Frommen Zuflucht seyn. 7. Indessen leb ich in der Welt, so lange Dirs, mein Gott, gefällt; gib, daß einmal der letzte Tag der erst im Himmel heißen mag. Abendandacht am Sonnabend. Die Sonne geht zu Rüste, Bleib Du bei mir, Herr Christe, So hab ich Licht und Leben! Wenn mich die Nacht umgeben! Gott Vater! mein Anfang und Ende in allen meinen Dingen! Wie ich diese Woche mit Deiner Gnade angefangen, also habe ich sie auch durch dieseibe zu Ende gebracht. Uch, was für Dankbarkeit, was für Liebe bin ich 153 Abendsegen am Sonnabend. Dir, meinem Gott, schuldig für so viele unaus. sprechliche Wohlthaten, die ich zwischen diesem Anfang und Ende genossen habe! Du hast mir so viel Liebes erwiesen, da ich Dich doch belei: diget habe. Du bist so nahe bei mir gewesen, da ich doch meine Augen so oft von Dir abge= wendet. Du hast Gutes, ich Böses gehäufet. Uch! ich kann die Größe Deiner Liebe nicht ge= nugsam begreifen, aber auch leider! die Menge meiner Uebertretungen nicht übersehen. Jedoch, o barmherziger Vater! nehme ich meine Zuflucht zu Deiner theuern Verheißung: Wo meine Sünde mächtig ist, da ist Deine Gnade noch viel mächtiger. Uch Herr! der Du das Werk Deiner Hände nicht verschmähest, was erwartest Du anders von mir armen Sünder, als ein zerknirschtes Herz, welches sich vom ganzem Herzen zu Dir bekehret, und von Deiner Gerechtigkeit zu Deiner Barmherzigkeit seine Zuflucht nimmt? Laß doch heute Deine Gnade seyn, wie einen Abendregen. So ferne der Morgen ist vom Abend, so ferne laß auch meine Sünde an diesem Sonnabend von mir seyn. Gib, daß ich das Ende dieser Woche also mache, daß ich nicht ein Ende nehme mit Schrecken, wie die Gottlosen, deren Ende ist die Verdammniß; sonDern laß mich aus Gnaden davon bringen das Ende des Glaubens, welches ist der Seelen Seligkeit! Gott Sohn, meine Gerechtigkeit! Du bist des Gefeßes Ende: wer an Dich glaubet, der wird gerecht. Ich schließe mich, beim Schlusse dieser Woche, in Deine Wunden. Stelle mich Deinem himmlischen Vater vor in Deinem Blute. Bekleide mich mit Deiner Ge Benjamin Schmolcken's rechtigkeit. Tilge meine Sünde durch Deine ewige Liebe. Ich befehle Dir Leib und Seele; Du hast beides erlöset, Du getreuer Gott! 154 Zeichne mich in Deine durchbohrten Hände. Laß heute Dein Haupt über mir voll Thaues, und Deine Locken voller Nachttropfen seyn. Gib auch, daß ich allezeit unter den klugen Jungfrauen erfunden werde, und, wenn Du um Mitternacht kommest, mit dem Dele des Glau: bens Dir entgegen gehen möge. Weil ich auch unter denen bin, auf welche das Ende der Welt kommen soll: so lasse mich, beim Ende dieser Woche, auf eine selige Bereitschaft be dacht seyn, Deine Zukunft mit Freuden zu er warten. Wie Du die Deinen bis ans Ende gez liebet, so bleibe auch bei uns bis ans Ende der Welt nach Deiner allergetreuesten Verheißung. Gib uns Beständigkeit des Glaubens in der Liebe, und erfülle endlich Dein Wort an uns: wer beharret bis ans Ende, der soll selig werden. So wollen wir Dich ohne Ende rühmen, dort, wo Deines Königreichs wird kein Ende seyn. Gott heiliger Geist, mein Lehrer! Lehre mich heute inbrünstig beten: Herr, lehre mich bedenken, daß es ein Ende mit mir haben muß; daß mein Leben ein Ziel hat, und ich davon muß. Bereite mich alle Abende zum Tode, und lasse mich niemals in Sicherheit zu Bette gehen. Gib, daß ich allezeit warte auf die Offenba: rung Jesu Christi, welcher auch mich wird feste behalten, bis ans Ende: daß ich unsträf Abendsegen am Sonnabend. Indes lich sey auf den Tag seiner Zukunft. Soll ich morgen leben, so erwecke mich zu einem geistlichen Leben. Morgen ist des Herrn Fest. Bereite mich dazu in heiliger Furcht. sen versiegle meine Ruhe heute mit der Gnade und Liebe meines Jesu. Breite Deine Flügel über alle meine Angehörige. Sen der Traurigen Leuchte in der Finsterniß. Erleichtere die Last aller Müden. Schaffe, daß bei den Kreuzträgern die Versuchung so ein Ende gewinne, daß sie es ertragen können. Laß heute alle Menschen an ihr Ende gedenken, so wer den sie nimmermehr Ulebels thun! 155 Heilige Dreifaltigkeit! Deine Jahre nehmen kein Ende, aber bei uns ist nahe kommen das Ende aller Dinge. Uch laß es nicht gar aus seyn mit uns, noch auch Deine Barmhergigkeit ein Ende haben! Und wenn sich das Ende unsers Lebens herzu nahen sollte, so lasse uns kommen zum Anfange der großen himmlischen Woche, die Du Deinem Erbe längst schon verheißen hast. Lasse uns sterben des Todes der Gerechten, und unser Ende seyn, wie das Ende der Frommen, so heißet es: Ende gut, alles gut, Umen! So ist die Woche nun beschlossen, Und auch zugleich der Tag verflossen: Wer weiß, wie nah mein Ende sey. Nimm, Jesu, mich in Deine Hände; So komme, wann du willst, mein Ende; Ich warte dessen ohne Scheu. Denn was mein Ende hier auf Erden, Das muß mir dort der Anfang werden. 156 Benjamin Schmolcken's Abendlied am Sonnabend. In voriger Melodie. Der er letzte Wochentag ist hin, dafür ich Dir verbun: den bin; Du bist, mein Gott, das A und O, und Deine Weisheit schafft es so. 2. Der Anfang war mit Dir gemacht, mit Dir ist auch das End' vollbracht: O habe Dank für Deine Treu, und steh auch in der Nacht mir bei! 3. Die Menge meiner Sünden schreckt, ich habe Deinen Zorn erweckt: doch lösch ihn nur in Christi Blut, so ist mein Herze wohlgemuth. 4. Laß meine Sünde ferne seyn, Du aber kehre bei mir ein; Dein Herz begleite mich zur Ruh, und decke mich mit Liebe zu. 5. Der Fürst der Finsterniß stellt sich in seiner Rü. stung wider mich: ich halt ihm nur Dein Kreuze für, bald schreckt ihn dieses Siegspanier. 6. Gib, daß ich mich bereiten mag: denn morgen ist des Herren Tag, daß ich auch geistlich aufersteh, und meinen Kirchweg fröhlich geh. 7. Der Feierabend kommt herbei; wer weiß, wie nah mein Ende sey? Das Ende dieser Woche spricht: 0 Mensch, vergiß dein Ende nicht! 8. Wohlan, mein Glaube hält Dich fest, und wenn der Tod mich rufen läßt, so bin ich dennoch wohlges muth: denn Ende gut, macht alles gut. Morgenandacht eines Neisenden. Mein Herr und Gott, Herr Jesu Christ, Der Du Weg, Wahrheit, Leben bist. In Deinem Namen will ich reisen. Wirst Du in Gnaden mit mir seyn, Und meine Reise benedein, So soll Dich Mund und Herze preisen. Gott Vater, mein Schuß! Deine Gnade bricht über mich herfür, wie die schöne Mor 157 Morgenandacht eines Reisenden. genröthe. Du gibst einen hellen Schein in mein Herz von Deiner erbarmenden Liebe. In Deinem Lichte sehe ich das Licht. Gelobet sen dafür Dein herrlicher Name, vom Aufgang der Sonne bis zum Niedergange. Sen mir aber auch heute ein Licht auf meinem Wege, den ich ziehen soll: ich bin beides, Dein Pilgrim, und auch Dein Bürger, wie alle meine Väter. Wo Du mich nicht leitest, so irre ich; wo Du mich nicht trägest, so falle ich; wo Du mich nicht schüßzest, so leide ich Hefahr und Unglück. Darum leite mich mit Deinen Augen, führe mich an Deinen Händen, bedecke mich unter Deinen Flügeln. Ich sitze oder stehe auf, so weißt Du es. Ich gehe oder liege, so bist Du um mich, und siehest alle meine Wege. Behüte mich vor bösen Menschen, bewahre mich vor gefährlichen Orten. Dein Stecken und Stab trö: ften mich. Sen in der Noth mein Gott! Gott Sohn, mein Truß! mit Dir trotze ich allen Gefährlichkeiten, die mir heute begeg nen können. Schreibe mir einen Paß zu meis ner Reise mit Deinem Blute, und sprich wider alle meine geistliche und leibliche Feinde: laffet diesen gehen. Du heißest Immanuel: sen auch Gott mit mir. Wo ich gehe und stehe, laffe Deine süße Verheißung überall in meinen Ohren schallen: fürchte dich nicht, ich habe dich erlöset, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein. Soll ich demnach durchs Wasser gehen, so laffe die Ströme mich nicht ersäufen. Soll ich durchs Feuer gehen, so laß die Flamme mich nicht anzünden. Unter Deinen Schirmen sey ich vor den Stürmen aller Feinde frei. Begegnet mir Benjamin Schmolcken's der höllische Efau, so sey Du auch bei mir, wie bei dem verlassenen Jakob, und erlöse mich, wie denselben, aus allem Uebel. Deine Be= gleitung sen mir eine Feuer: und Wolkensäule, wie Israel in der Wüste. Wenn ich wie ein Schiff auf den Wellen des Unglücks schwebe, so besuche mich, wie Deine Jünger auf dem Meer. Wo ich meinen Fuß nur werde hinsehen, da laß einen jeden Ort den Namen führen: Wahrlich ist der Herr an diesem Orte! 158 Gott heiliger Geift, mein Trost! Tröste mich auf meinem heutigen Wege mit Deiner gnädigen Gegenwart. Werde ich müde, so sen meine Kraft; werde ich furchtsam, so sen meine Freudigkeit; werde ich einsam, so sen mein Gefährte; werde ich mit Finsterniß umgeben, so sey mein Licht; werde ich von Fein= den verfolget, so versichere mich in meinem Herzen, daß derer mehr sind, die bei mir, als bei ihnen sind. Behüte den Leib vor Krankheit; bewahre die Seele vor Verführung; befreie das Gewissen vor Verletzung. Geselle mich zu frommen Leuten; sen Du aber selbst mein treuer Gefährte und mein bester Wegweiser. Laß mich das Meine wohl zu Rathe halten, meine Zunge bedachtsam reden, meine Augen vorsichtig seyn, und meinen Fuß nicht glei ten, damit ich nicht falle. Bringe mich gesund und ungehindert an Ort und Stelle, wo ich zu schaffen habe: und segne meine Verrichtungen, daß ich fröhlich zurückkehre, woher ich gekommen bin. Breite indessen Deine Flügel über die Meinigen. Sen Du Haus- und Morgenandacht eines Reisenden. 159 Schutzherr bei den Verlassenen. Verleihe uns, unter Deinem Aufsehen, ein erfreuliches Wiedersehen. Sollen wir aber auf der Welt durch dieses Scheiden geschieden werden: so laß uns deßwegen nicht von Dir geschieden seyn, und dort im Himmel einander wieder finden. Un ser Wandel ist im Himmel, er wird auch zum Himmel seyn! Heilige Dreifaltigkeit! so erhebe denn über mich das Licht Deines Untlikes. In Deinem Namen mache ich mich auf den Weg. Laß mich vor Dir wandeln und fromm seyn. Sen Du mein Schild und mein sehr großer Lohn. Wirst Du mit mir seyn auf diesem Wege, so soll der Herr mein Gott seyn. Ich will Dir einen Altar bauen in Deinem Hause und in meinem Herzen, und das soll mein Halleluja senn: Gelobet sey der Herr täglich, Amen. Segne, Jesu, wie ich bitte, Alle Tritte, alle Schritte, Aus und Eingang fegne Du: Leib und Seele wollst Du segnen, Und mir überall begegnen, Wo ich etwas schaff und thu. So reif' ich mit Jesu gar fröhlich davon; So bleibet auch Jesus mein Schild und mein Lohn! 160 Benjamin Schmolcken's Abendandacht eines Reisenden. Mein Jesu! kehre mit mir ein; Der Tag hat sich nunmehr geneiget: Laß Deinen Schooß mein Lager seyn, Wenn Nacht und Feind mir Grauen zeiget; Wo Deine Huld die Wache häålt, Da ist die Herberg wohl bestellt. Du bist der Hirte bei den Schafen; Ach! laß Dein Schäflein sicher schlafen! Gott Vater, meine Hilfe! Bis hieher haft Du geholfen. Du bist der Gott, der alle Hilfe thut, so auf Erden geschiehet! Das erkenne ich mit meinem Herzen, und preise es mit meinem Munde. Du hast mich heute auf meinen Wegen treulich geführet, väterlich versorget, mächtig beschüßet, und überall in den Seilen Deiner Liebe gehen lassen. Zeige mir auch hier nun einen sichern Ort, wo ich die matten Glie: der erquicken und meine Kräfte wieder sammeln kann. Allein ich vertraue Dir, Du Hüter Israels. Aus Deiner Hand kann mich nichts reißen. Du wirst meinen Fuß aus dem Netze ziehen, daß ich errettet Dich fröhlich rühmen könne. Hadere mit meinen Haderern, streite wider meine Bestreiter. Sprich zu meiner Seele: Ich bin deine Hilfe. Sen bei mir, wie bei einem Jakob auf seinem harten Lager: wie bei einem David in der finstern Hölle: wie bei einem Paulo in den Gefährlichkeiten zu Wasser und Land; wie bei einem Petro in dem Gefängnisse. Wann meine Pil= grimschaft einstens zu Ende, so gib meinem Leibe eine stille Herberge im Grabe, meiner Seele Abendandacht eines Reisenden. Seele aber die Einkehr in den Wunden meines Jesu. Gott Sohn, mein Begleiter! Du hast mich heute begleitet zur Rechten und Linken. Lege nun auch Deine Linke unter mein Haupt, und schüßze mich durch die Rechte Deiner Ges rechtigkeit. Laß mich die Bürde der Sünden von meinen Schultern werfen, die mich diesen Tag über gedrückt hat, daß sie nicht zu einem harten Stein unter meinem Haupte werde. Schaffe, daß ich mich lagere, und lagere auch Deine Engel um mich her, daß sie mir aushelfen. Laß keine List der Gottlosen unter der Decke der Finsterniß an mich kommen, und be: decke mich in Deiner Hütte, verberge mich heimlich in Deinem Gezelt. Die Erde ist allenthal: ben Dein, ich bin an allen Orten unter Gott: der Himmel ist überall offen über mir. Du wirst mich nicht verlassen, noch versäumen. Du bist der Schild für mich, der mich zu Ehren setzet, und mein Haupt aufrichtet. Du hast alle meine Haare auf dem Haupte gezählet, Du wirst desselben keines laffen verloren gehen. In solchem Vertrauen werfe ich mein Haupt in Deinen Schooß und sage: wer will mich von Jesu scheiden? 161 Gott heiliger Geist, mein Beistand! Zeichne mich heute in die Hände meines gekreuzigten Jesu. Ich denke wohl: o möchte ich bis morgen leben! Aber ich lebe, und weiß nicht, ob ich das Tageslicht wieder sehen werde. Wie bald könnte sich die Herberge in eine Mördergrube, und meine Lagerstätte in eine Wahlstätte verwandeln? Ach, so weiche nicht von B. Schmolcken's Andachten. £ 162 Benjamin Schmolcken's mir, Du Geist des Rathes, der Kraft und Stärte! Stärke mich wider alle Anfechtungen des sen, der ein Mörder vom Anfang ist. Waffne mich mit Glauben und Gebet wider alle Bos= heit seiner Schuppen. Treibe alles Unglück hinter mich. Warne mich, wie die Weisen aus Morgenland, wenn Gefahr vorhanden ist. Sollte aber auch an diesem Orte der Grenzstein aller meiner Wallfahrt seyn, so führe mich durch die Wunden Jesu aus dem fremden ins Vaterland, von Jericho nach Jerusalem, aus der Pilgrimschaft zur himmlischen Bürgerschaft. Heilige Dreifaltigkeit! Das Vers langen der Elenden hörest Du, mein Herz ist Wende gewiß, daß Dein Ohr darauf merket. Dich auch zum Gebet aller Verlassenen; und verschmähe an diesem Abende ihr Gebet nicht. Breite Deine Güte über sie. Sen ihr Licht und Heil, daß sie sich nicht fürchten dürfen. Gib sie nicht in den Willen ihrer Feinde. So soll unsre fröhliche und gesunde Zusammenkunft Deines Ruhmes voll werden, Du Aug und Wächter Israel! Amen. Und so schlaf ich nun im Friede, Von der Reise matt und müde, Gottes Engel steht bei mir; Ja, mein Jesus ruht im Herzen, Also fürcht ich keine Schmerzen, Jakobs Leiter lieget hier, Und wenn mir gleich sollte vom Tode was träumen: So werd ich den Himmel nicht drüber versäumen. Morgenandacht eines Kranken. Morgenandacht eines Kranken andern Kreuzträgers. Betrübte Nacht, weich nun dem Tage; Du aber, Jesu, sey das Licht! Benn auch der Tag mir wird zur Plage, Daß mirs am Troste nicht gebricht. Ich leide, weil Du selbst gelitten: Nur gib Geduld, das ist mein Bitten. obert 163 Gott Vater, mein Erbarmer! O wie groß ist Deine Barmherzigkeit, die mich Aermsten auch in dieser elenden Nacht erhalten hat. Wäre diese nicht gewesen, so wäre ich vergangen in meinem Elende. Deine Güte ist es, daß ich nicht gar aus bin. Meine Augen wurden gehalten, daß sie nicht schlafen konnten. Der Schmerz ging durch alle meine Gliedmaßen. Meine Seele war voll Jammers, und mein Leben gleichsam nahe bei der Hölle. Ich suchte Ruhe, und fand sie nicht. O hätte ich bald gedacht: Ist der Herr mit mir, warum ist mir solches alles widerfahren? Doch hast Du Dich meiner Seele herzlich angenommen, daß sie nicht verderbe. Die Last hat mich wohl drücken, aber nicht unterdrücken können. Du hast mich wohl gezüchtiget, aber dem Tode nicht übergeben. Darum preise ich Dich auch jeho in meinen Thränen. Du, Herr, verstößest nicht ewiglich! Du betrübest wohl, aber Du erbar: mest Dich auch wieder nach Deiner großen Güte. Ich weiß aber auch, daß dieser Tag wird seine Plage haben. Das Kreuz lieget schon bei mei: L2 164 Benjamin Schmolcken's nem Bette, das ich heute auf meine Schultern nehmen soll. Laß Du aber auch den Zucker Deiner Liebe in den Wermuthkelch fallen, den Du mir eingeschenket hast, wenn es ja nicht möglich ist, daß er bei mir vorüber gehe. Lasse mich nicht versuchet werden über mein Vermögen, sondern schaffe, daß ichs ertragen könne. Wenn Du mich schon tödten willst, so will ich doch auf Dich hoffen. Gott Sohn, mein Vorgänger! Ich bin Dein Jünger( Deine Jüngerin), Du mein Haupt, ich ein Glied Deines Leibes: wie kann mirs besser geben als Dir? Welch eine elende Nacht hattest Du um meiner Sünde willen? Sollte ich mich Deiner blutigen Fußstapfen schämen, die Du so willig getreten hast? Sollte ich wünschen auf Rosen zu ruhen, da Du, mein König, mit Dornen gekrönet bist? Du hast alles mein Leiden geheiliget, wie sollte es mir nicht zum Besten dienen. Deine Mahlzeichen find meine Siegeszeichen. Besser ist es, mit Dir leiden, als mit der Welt ohne Dich in Freuden leben. Ach so laß mir, nach der Nachttraurigkeit, die Sonne Deines Trostes an die sem Morgen aufgehen. Du bist der Arzt des Leibes. Wenn weder Kraut, noch Pflaster hilft, so ist Dein Wort, Herr, welches alles heilet. Heile Du, mich, Herr! so werde ich heil; hilf Du mir, Herr! so ist mir geholfen. Du bist der Arzt der Seelen. Heile Du mein vera wundetes Gewissen. Vergib mir alle meine Sünde. Reinige mich vom Aussaße der todten Werke. Nimm von mir die Blindheit des Verstandes. Löse meine Zunge von den Ban 165 Morgenandacht eines Kranken. den des faulen Geschwäßzes. Deffne meine Ohren vor Deiner Bußstimme, brich mein Herz durch Deine göttliche Traurigkeit. Neiß mich aus den Klauen des Satans. Siehe hinein in die Tiefe meines Elendes. Ich rufe an die Tiefe Deiner Barmherzigkeit. Doch, Herr! nicht wie ich will, sondern wie Du willst. Ich will gerne Deinen Zorn tragen, denn ich habe wider Dich gesündiget. Ist mir dieses Kreuz( diese Krankheit) seliger, ach! so unterwerfe ich mich derselben geduldig, und sage: Ich will schweigen, Du wirsts wohl machen. Gott heiliger Geist, mein Tröster! Ich dachte wohl, mein Bette sollte mich trö: sten: aber um Trost war mir sehr bang. Ich Heulete, und meine Hilfe war doch fern; wie: wohl mein Jammer,( wie groß er ist,) mir doch nicht die Empfindung Deines Trostes hat rauben können. Du bist in der Schwachheit meine Stärke, in der Nacht mein Licht, im Tode mein Leben gewesen. Ach Du göttliche Kraft! ohne Dich werde ich auch die heutigen Trübsale nicht ertragen können. Ach! gib mir zuvör: derst Deine heilsame Erkenntniß der Liebe Got: tes, welche sich in meinem Kreuze offenbaret. Je lieber Kind, je schärfer Ruthe. Wirke in meiner Seele heilige Geduld und Hoffnung, welche köstlich sind vor Gott. Lasse mein Kreuz Die selige Kraft haben, mich von der Welt los zu reißen und ans Kreuz Christi zu heften. Segne geistliche und leibliche Arznei zu einer heilsamen Genesung. Zeige mir auf dem Boden des bittern Kelchs Deine Hilfe. Tröfte mich in aller Trübsal in der Herrlichkeit, die ein 166 Benjamin Schmolcken's stens an mir soll geoffenbaret werden. Bringe endlich meinen Jammer und Elend zu einem seligen Ende. Heilige Dreifaltigkeit! Ich opfere Dir mein betrübtes Herz. Ich weiß, daß Du am allermeisten Lust hast, in solchem Herzen zu wohnen. Starker Gott! stärke mich. Gnä: diger Gott! heile mich. Trostreicher Gott! tröste mich. Es sen zum Leben oder zum Ster: ben. Dein Wille ist der beste. Erlöse mich endlich von allem Uebel. Indessen sen heute und allezeit mit mir. Mit Dir ins Kreuze, durchs Kreuze, aus dem Kreuze! Amen. Das Kreuze beut mir guten Morgen, Ich heiß es auch willkommen seyn! Und lasse meinen Jesum sorgen, Der mich mit Troste wird erfreun. Daß auch der allerschlimmste Tag, Bei mir ein guter heißen mag! Abendandacht eines Kranken oder andern Kreuzträgers. Des Tages Last tst wohl dahin, Da ich noch an dem Kreuze bin. Wer weiß, ob meine Noth die Nacht Nicht auch zu einem Tage macht: Jedoch, es geh mir, wie Gott will, Geduld und Hoffnung sind mein Ziel. Gott Vater, mein Licht und Heil! Wie traurig siehet die gegenwärtige Nacht aus. Aber viel trauriger ist mein Herz unter dem Abendandacht eines Kranken. 167 Der Kreuze, das mich noch immer drücket. Tag ist wohl zu Ende, aber nicht mein Leiden. Du weißt es besser, als ichs erzählen kann. Ich kann und will mich nicht unschuldig machen, als ob ich solches nicht verdienet hätte. Wer wider seinen Schöpfer fündiget, der muß dem Arzte in die Hände fallen. Es ist meiner Bosheit Schuld, daß ich also gestäupet werde. Aber ich weiß auch, daß Du diejenigen lieb haft, die Du strafest und züchtigest. Also will ich Deine Zucht nicht verwerfen, und nicht ungeduldig seyn unter Deiner Strafe. Legest Du mir diese Last auf, ach! so hilf mir auch. In Deinem Borne hast Du mich geschlagen: aber nach Deiner Gnade erbarme Dich wieder über mich. Verbinde, was Du verletzet haft: Deine Hand heile wieder, was sie geschlagen hat. Beruhige mich auch mitten in der Unruhe der gegenwärtigen Nacht, und laß mich durch Stilleseyn und Hoffen stark werden. Verläsfest Du mich einen kleinen Augenblick, so sammle mich auch wieder mit großer Barmherzigkeit. Gott Sohn, mein Licht und Leben! Du hattest ein hartes Lager dort am Delberge bei Deiner anbrechenden Kreuzesnacht. Ich lege mich, und weiß wohl, daß ich auch heute mein Lager mit Thränen netzen werde. Aber Du Trost aller Traurigen! Deine heiligen Thränen, Dein ausgepreßter Angstschweiß und Deine geronnenen Blutstropfen sollen mein mattes Herz besprißen und erquicken. Ich will in dieser Nacht gerne mit betrübten Jammerstunden vorlieb nehmen: verkürze mir nur die Zeit mit Deiner so geduldig leidenden Liebe. Tröfte mein er: Benjamin Schmolcken's schrockenes Gewissen, daß ich in Dir Friede habe. Wenn ich denke, ich sey von Deinen Augen verstoßen, so sprich zu meiner Seele: ich bin Deine Hilfe. In Deiner Hand stehet Leben und Tod. Sprich nur ein Wort, so wird Dein Knecht( Deine Magd) gesund. Soll ich aber sterben: ach! so laß von mir nicht ab, daß ich mich erquicke, ehe ich hinfahre. Du bist mein Leben; Sterben ist mein Gewinn. In Deine Hände befehl ich meinen Geist, Du hast mich erlöset, Herr, Du getreuer Gott! Gott heiliger Geist, mein Licht und Trost! Was soll ich für Freude haben, der ich hier im Finstern sißze? Herr, weß soll ich mich nun trösten? Ich hoffe auf Dich. Laß das zerstoßene Rohr nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht nicht auslöschen. Furcht und Zittern ist mir ankommen und Grauen hat mich überfallen. Ich winsele wie ein Kranich, und girre wie eine Taube. Ich leide Noth, lindere mirs. Thue nicht von mir Deine Gnaden= hand ab. Habe Geduld mit meiner Schwach heit. Erquicke mich mit Deinen Tröstungen. Wenn ich müde vom Seufzen bin, so seufze Du in meinem Herzen. Steh bei mir, getreue: ster Beistand; und wollten sich diese Nacht meine Augen verdunkeln, so erleuchte mein Herz mit der Klarheit meines Jesu. Ich bitte Dich durch Christi Blut, mach nur mein letztes Ende gut. Thue mir die Himmelsthüre weit auf, wenn ich beschließ meinen Lebenslauf. Soll ich aber noch länger unter dieser Ruthe bleiben, ach! so wirke Geduld in meiner Seele. Viel: leicht heißt es auch: Des Herrn Zorn währet 168 Vorbereitung zum Tode. 169 einen Augenblick, und er hat Lust zum Leben. Den Abend lang währet das Weinen, aber des Morgens die Freude. Heilige Dreifaltigkeit! Herrscher über Tod und Leben! Ich bin bereit. Komm heute oder morgen. Mitten im Leben mit dem Tod umfangen. Heiliger Herr Gott! heiliger starker Gott! heiliger barmherziger Heiland! Du ewiger Gott! Laß mich nicht verfinken in der bittern Todesnoth! Laß mich nicht verzagen vor der tiefen Höllengluth! Laß mir nicht entfallen des rechten Glaubens Trost. Indessen zeige mir auf meinem Kreuzbette den Schooß Abrahams, und in meiner Trübsal des Himmels Labsal! Umen. Nun mag ich schlafen oder wachen, Mein Gott wird es erträglich machen! Ich werfe meine Noth auf ihn, Und soll ich gar im Kreuze sterben, So muß ich doch den Himmel erben, Weil ich ein Kind des Höchsten bin. Die langste Nacht muß doch verschwinden, Die größte Noth ein Ende finden. Tägliche Vorbereitung zum Tode. Der Tod ist wohl gewiß, Doch ungewiß die Stunde, Mein Gott, verleih mir dieß, Daß ich vom Herzensgrunde Stets um ein seligs Ende bete, Dem Grabe täglich näher trete! Gott Vater! Du haft mir Leib und Seele gegeben: doch also, daß ich Dir beides einmal Benjamin Schmolcken's wieder geben muß. Der Tag, da ich sterben muß, wird so gewiß kommen als der heutige: und ich bin keinen Augenblick sicher, ob er nicht der Leßte sen. Ich gehe aus meinem Hause, und weiß nicht, ob ich wieder darein gehen werde. Ich fange ein Werk an, und weiß nicht, ob ich es vollenden werde. Ich seße mich zu Tische, und weiß nicht, ob vielleicht der Tod in den Töpfen sen. Ich lege mich schlafen, und weiß nicht, ob ich wieder aufstehen werde. Der Tod folget mir auf allen Schritten; er isfet mit mir aus der Schüssel, er lieget bei mir im Bette, ich trage ihn in meinem Busen. Ich bin geboren zum Tode, und werde seiner nicht los, bis ich be graben bin. Da nun mein Tod so unvermeid: lich, die Stunde aber meines Todes so unge: wiß ist: so erinnere mich täglich meines Abschiedes, daß mich dieser Fallstrick nicht übereilen möge. Habe ich kein Theil auf der Welt, so laß mich bei Zeiten allem Irdischen entsagen. Reiße aus meinem Herzen alle Sor gen dieses Lebens; und gib, daß ich mich um nichts mehr bekümmere, als wie ich Dir ge= fallen möge. Schaffe, daß ich mein Gewissen reinige von den todten Werken, und mich der Tod in keinen herrschenden Sünden finden möge. Laß mich Buße thun im Staub und Asche, ehe du mich in den Staub legest: daß, wenn mein Grab vor mir ist, auch meine Sünde immer vor mir sen, und ich mich ernstlich bemühen möge, mich dem Leibe dieses Todes zu entreißen. Ich empfehle Dir meinen Geist immer in Deine Hände. Weil ich nicht weiß, zu 170 Vorbereitung zum Tode. welcher Zeit, an welchem Orte, und auf was für Art und Weise der Tod mir begegnen wird: so stelle ich alles Deiner heiligen Vorsicht heim. Siehe, hier bin ich, mache es mit mir im Leben und Sterben, wie es Dir gefäl lig und mir selig ist. Dein bin ich todt und lebendig. 171 Gott Sohn! Du hast mich erlöset, Du getreuer Gott! auch vom Tode, doch also, daß ich gleichwohl sterben muß. Wohl mir aber, daß Du auch vor mir, und für mich gestorben bist. Olaffe mich täglich Deines Todes ge Denken, so werde ich meines Todes nicht ver: gessen. Laß mich unter Deinem Kreuze recht sterben lernen: Freuzige mein Fleisch, und laß mich auch der Welt gekreuziget seyn, daß ich nicht im Fleische lebe, sondern durch den Geist des Fleisches Geschäfte tödte: daß ich mich nicht in die Welt verliebe, sondern verläugne, was in der Welt ist. Deffne mir die Wunden zu allen Stunden, daß mich der Tod sonst nirgends finde, wenn er mich suchen wird. Hefte mich mit Nägeln der Liebe an Dein Kreuz, daß mich auch der Tod davon nicht reißen möge. Erwecke in mir einen inbrünstigen Durst nach meiner Seligkeit und nach Deiner Herrlichkeit, daß mich keine Bitterkeit des To: Des schrecken möge. Dein Blut sey immer das Zeichen an meiner Stirne und die Beis lage in meinem Herzen, daß Du mich kennen mögest, wenn mich der Tod vor Dein Gerichte stellt. Laß mein letztes Wort Deinen süßen Namen seyn, meinen letzten Blick in Deine offene Benjamin Schmolcken's Seite gehen: so werde ich auch den Himmel offen finden, wenn ich die Welt verlassen werde. 172 Gott heiliger Geist! Durch Dich bin ich zum geistlichen Leben kommen, daß ich des ewigen Lebens theilhaftig werde. Aber lehre mich bedenken, was für ein elend Ding es um ein natürliches Leben sey. Das Letzte ist doch der Tod. Laß aber den Tod immer das Erste in meinen Gedanken seyn. Gib, daß ich täglich sterbe! Ob ich gleich noch im Leibe walle, so laß mich doch immer mit meinem Geiste im Himmel seyn. Ich bin hier ein Fremder: erwecke in mir eine sehnliche Bes gierde nach dem himmlischen Vaterlande. Ich habe vor mir eine schwere Reise: laß mich bei Zeiten die Bande der Sünde abwerfen. Durch den Tod ist die Sünde in die Welt kommen: aber wehe mir, wenn ich mit der Sünde in den Tod gehe wollte. Zerknirsche mein Herz täglich, daß es zum Tode mürbe werde. Zeuch mir durch wahre Buße die Sündenkleider ab: und kleide mich in den Rock der Gerechtigkeit Christi: das wird ein schöner Sterbekittel seyn; darin werde ich bestehn, wenn ich vor Gott treten soll. Erhalte mich in einem heiligen Wandel, und laß mich sterben des Todes der Gerechten. Heilige Dreifaltigkeit! Du läsfest die Menschen sterben, und sprichst: kommt wieder, ihr Menschenkinder! Laß mich Dir leben, so werde ich auch Dir sterben. Ja lebe Du in mir, so werde ich nicht sterben. Du bist mein Gebet eines Kranken. Leben, und Sterben wird alsdann mein Gewinn seyn! Amen. 173 An einem kleinen Augenblicke Hängt ewigs Wohl und ewigs Weh. Hilf, Gott! daß, wo ich geh und steh, Ich stets mein Grab vor mir erblicke. Wohl dem, der täglich sterben kann, Der trifft im Tod das Leben an. Gebet eines Kranken. Herr, heile mich in Gnaden, Denn ich bin schwach und frank, Und lindre meinen Schaden, So opfre ich Dir Dank. Hilf mir so, wie mirs selig ist, Dich hab ich mir zum Arzt erkiest! Gott Vater! ich fühle Deine Ruthe. Kein Wunder, daß Du ein ungehorsames Kind züchtigest. Es ist meiner Bosheit Schuld, daß ich also gestäupet werde. Wäre ich meinem Schöpfer nicht ungehorsam gewesen, so dürfte ich nicht dem Arzt in die Hände fallen. Die Sünde ist der Leute Verderben. Es ist nichts Gesundes an meinem Leibe vor Deinem Dräuen, und ist kein Friede in meinen Gebeinen vor meiner Sünde. Wo soll ich Hilfe suchen, da ich Dich, meinen Gott, erzürnet habe? Aber ich küsse Deine Ruthe. Es ist mir lieb, Herr! daß Du mich gedemüthiget hast, daß ich Deine Rechte lerne. Nun, mein Gott! züchtige mich, doch mit Maßen, daß Du mich nicht gar auf: reibest. Wenn Du mich gleich tödten wolltest, Benjamin Schmolcken's so will ich doch auf Dich hoffen. Heile Du mich, Herr! so werde ich heil; hilf Du mir, Herr! so ist mir geholfen. Erquicke mich unter dieser meiner Last, und laß mich wieder Lust an Deiner Gnade sehen. Heilet mich weder Kraut noch Pflaster, so ist es Dein Wort, welches alles heilet. Doch alles nach Deinem Willen! Dein bin ich frisch und krank, laß mir beides zum Besten dienen. 174 Gott Sohn! Fürwahr! Du trugest unsere Krankheiten. Du bist auch der Arzt Is rael. So nehme ich meine Zuflucht zu Deiner Liebe und Barmherzigkeit. Du kannst verwunden, aber auch verbinden; tödten, aber auch le= bendig machen. So Du willst, kannst Du mich wohl heilen, Jesu! lieber Meister, erbarme Dich meiner. Um Deiner Schmerzen willen lin= dere meine Schmerzen. Dein Name, wenn ich ihn anrufe, sen mir eine ausgeschüttete Salbe. Dein Wort, wenn ich mich damit tröste, ergöße meine Seele. Sen mir nicht schrecklich, meine Zuversicht in der Noth. Weich nicht von mir, stärke mich, hilf mir aus durch die Rechte Deiner Gerechtigkeit. Vergib mir alle meine Sünden, heile alle meine Gebrechen, errette mein Leben vom Verderben. Kröne mich mit Gnade und Barmherzigkeit. Soll ich länger leben, so will ich Dir leben, und Deinen Namen loben, und Deine Rechte lieben. Gott beiliger Geist! Sen durch Deine Kraft in mir Schwachem mächtig. Vertritt mich in meinem Herzen mit unaussprechlichem Seufzen. Bewahre meine Seele vor aller Gebet eines Kranken. 175 Ungeduld. Laß mich nicht hinweggerafft werden mit den Sündern. Leide ich am Fleische, so stärke mich im Geist. Befördere durch des Leibes Krankheit die Gesundheit der Seele. Jage mich durch dieses Kreuz zu Gott. Lehre mich in dieser Noth beten. Führe mich durch diese Schwachheit zur Erkenntniß meiner selbst. Verleide mir durch diesen Kreuz Kelch die Sünde. Verbittre mir durch dieses Elend die Welt. Ist meine Krankheit nicht zum Tode, so sen sie zur Ehre Gottes, zu meiner Besserung, zu seiner Verherrlichung. Durch Stilleseyn und Hoffen laß mich indessen stark seyn, bis Dein gnädiger Wille an mir wird erfüllet seyn! : Heilige Dreifaltigkeit! Ich ergebe mich in Deinen heiligen Willen. Von Dir habe ich das Leben: willst Du mir dasselbe fristen, so sollst Du mein Gott seyn, und ich will Dir dienen mein Leben lang. Willst Du mir aber auch dasselbe wieder nehmen, so will ich mit Hiob sagen: Der Herr hat es gegeben, der Herr hat es genommen. Der Name des Herrn sen gelobet. Weil ich doch ein besser Leben hoffe, da ich nicht mehr sterben werde! Amen. Lindre, Jesu! meine Schmerzen, Und nimm meine Noth zu Herzen, Hilf mir, wie Du willst und weißt, Daß es gut und selig heißt! 176 Benjamin Schmolcken's Gebet bei barter und langwieriger Krankheit. Ach! hast Du mein vergessen? Mein Gott! hörst Du mich nicht? Mein Herz vor Nengsten bricht Und will nur Thränen pressen. Ach! sieh doch einmal drein; Erhör der Armen Schrein! Gott Vater! hast Du denn vergessen, ein Vater zu seyn, der sich über seine Kinder erbarmet? Will Dein Herze nicht mehr brechen, da mein Herz vor Angst zerbricht? Hier liege ich auf meinem Krankenbette, und Du legest Deine Hand hart auf mich. Mein Saft ist vertrocknet, meine Kraft hat mich verlassen; ich bin ausgeschüttet wie Wasser, mein Herze ist in meinem Leibe verzehret. Ich heule, aber meine Hilfe ist ferne. Ich rufe, und Du antwortest nicht. Deine Pfeile stecken in mir, Deine Hand drücket mich. Ach! Du Herr, wie lange? Wende Dich doch, und errette mich. Nach Dir, Herr, verlanget mich, mein Gott! ich hoffe auf Dich. Habe ich Deinen Zorn gereizet durch meine große Sünden: so laß Dich doch zur Gnade bewegen durch Deine übergroße Barmherzigkeit. Leide ich billig, weil ich Dich beleidiget habe: so hat ja Dein Sohn unschuldig gelitten, daß Du wieder versöhnt würdest. Erbarme Dich! Erbarme Dich, Gott! mein Erbarmer, über mich! Was bin ich denn? ein armer Wurm, und wird Deine Barmher= zigkeit nicht überschwenglicher seyn, wenn Du mich Gebet eines Kranken. mich schonest, als Deine Gerechtigkeit, wenn Du mich zertreten wolltest? Laß von mir ab, daß ich mich erquicke, ehe ich hinfahre. Und soll ich unter dieser Last erliegen, so laß mich doch auch Lust an Deiner Gnade sehen. Willst Du mir nicht Besserung verleihen, ach so vergönne mir doch nur Linderung! Soll ich nicht wieder gesund werden, ach! so laß mich doch nur bald erlöset werden. Doch Dein Wille geschehe, der ist der beste. 177 Gott Sohn! Willst Du das Girren Deiner Taube, meiner geängsteten Seele, nicht hören? Du hast ja noch ein Bruder: Herz willst Du Deines Fleisches und Blutes vergessen? Der elenden Nächte sind mir viel geworden; wann wird der Tag des Heils kommen? Mein Gebein klebet an meinem Fleische vor Heulen und Seufzen; wann willst Du meine Noth lindern? Ich stimme mit Dir an Deinem Kreuze an: Mein Gott! mein Gott! warum hast Du mich verlassen? Verlaß mich doch nicht, Herr, mein Gott! Sen nicht ferne von mir. Eile mir beizustehen, Herr, meine Hilfe! Ist kein Pflaster in Gilead; so ist ja Balsam in Deinen Wunden. Ist keine Hilfe bei Menschen; so bist Du ja der Trost Israels, und mein Nothhelfer. Sprich doch nur ein Wort, so wird Dein Knecht( Deine Magd) gesund. Ich lege mich in meinem Kreuze auf Dein Kreuz. Ich werfe mich an Dein treues Herz, wie ich von Mutter Leibe auf Dich geworfen bin: Herr! ich lasse Dich nicht, Du segnest mich dann! Laß mich doch die Stimme hören: Ich will Dich B. Schmolcken's Andachten. M Benjamin Schmolcken's nicht verlassen noch versäumen. Nun ich hoffe auf Dich. Du wirst, Du willst, Du mußt mich hören. Aber ich will auch nicht anders erhöret seyn, als wie es Deine Ehre, und mein Bestes ist. Soll ich diesen Kreuzkelch noch länger trinken, versüße ihn mit Deiner Liebe, weil auch die krank liegen, die Du liebest. Ja, gib mir christliche Geduld, daß ich es wohl fühle, wenn Du mich schlägst; aber nicht murre wider Dich. Daß ich mit Beten anhalte, mit Geduld aushalte, und endlich erhalte, was Du über mich zu meiner Seligkeit beschlossen hast. 178 Gott heiliger Geist! Uch sey mit meinem Geiste, der in mir geängstet ist. In dem Leibe dieses Todes weiß ich nicht, wessen ich mich trösten soll. Die Ungst meines Herzens ist groß, führe mich aus meinen Nöthen. Siehe an meinen Jammer und Elend, und vergib mir alle meine Sünde. Ach! die Sünde ists frei: lich, die ein Mord in meinen Gebeinen ist. Mein Gewissen sagt es mir: ich habe nicht nur diese zeitliche, sondern auch ewige Strafe verdienet. Du solltest mich in die Hölle betten und mich ewig von Deinem Angesicht verstoßen. Aber ich schwemme mein Bette die ganze Nacht, und neße mit Thränen mein Lager. Meine begangenen Sünden reuen mich, der Gnade Gottes tröste ich mich. Zürne Du nicht ewig. Laß die Gebeine fröhlich wer= den, die Du zerschlagen hast. Verbirg Dein Untlitz vor meiner Sünde, nicht aber vor meinen Thränen. Versichre mich nur der Gnade Gottes, alsdann schlage, so lange Du willst. Gebet eines Kranken. 179 Mache mein Kreuz zu einem Zeichen Deiner Liebe, so trage ichs mit Geduld. Segne alle Heilsame Mittel, so rühme ich Dich in Deinen Werken. Richte mich auf, wo es in Deinem Rathe beschlossen ist. Nimm mich aber auch weg, wo es mir rathsam ist. Der Tod ist beffer, als ein fieches Leben. Lieber heute, als morgen, so bin ich ewig gesund. Heilige Dreifaltigkeit! Aus der Tiefe meines Elendes rufe ich zu dem Abgrunde Deiner Barmherzigkeit. Hilf mir, Herr, um Deines Namens willen! Errette mich aus der Noth um Deiner Güte willen! Ich werfe mein Anliegen auf Dich, Du wirst es wohl machen. Soll ich hier das Elend noch länger bauen, so wirst Du meine Kraft seyn. Soll ich aber durch diesen Kreuzweg aus der Welt gehen, so wirst Du im Himmel mein Theil seyn! Amen. Reiche Deine Hand mir Schwachen, Starker Gott! erquicke mich, Meine Seele hofft auf Dich, Du wirst alles besser machen, Wird es auch nicht besser hier, Ist das Beste dort bei Dir! M2 Benjamin Schmolcken's Gebet eines zum Tode Kranken. 180 Genug, mein Gott, ich sehne mich Nunmehr nach einem bessern Leben, Ich will mich willig drein ergeben. Mein Jesu! warum saumst Du Dich? Zerreiße doch des Elends Kette, Mein Siechbett wird ein Siegesbette! Gotts ott Vater! Ich merke es wohl, Dein Kind soll ins Vaterland kommen. Es stehet ein harter Bote vor meinem Bette. Meine Krank heit wird sich nicht eher, als mit einem seligen Tode enden. Der Tod wird mein bester Arzt seyn. Will ich doch gerne mit ihm fort, je länger hier, desto später dort. Aber sterben ist nicht Rosenbrechen. So stärke mich doch mit Deiner Kraft, daß ich mit diesem letzten Feinde alle andere überwinden möge. Es wird nicht nur der Schmerz größer, da der Tod ans Herz kommt; meine Seele ist auch betrübt bis in den Tod. Nun denke ich an die Menge meiner Sünden! aber denke Du an die Größe Deiner Barmherzigkeit. Mein Glaube ist ein kleiner Docht, aber lasse Du ihn nicht aus: löschen. Der Satan will mich, wie den Waizen, sichten; aber stopfe Du ihm seinen Rachen. Der Tod will mir zu einem Könige des Schre: ckens werden; aber tritt Du ihn unter meine Füße. Die Thränen der Verlaffenen wollen mir das Herz brechen; aber sorge Du für sie. Laß mich nur nicht entfallen von des rechten Glaubens Trost. Ich glaube fest, daß ich nach Deiner Verheißung bald sehen werde das 181 Gebet eines Kranken. Gute des Herrn im Lande der Lebendigen. Eja, wäre ich schon da! Gott Sohn! Denke nun an mich in Deinem Reiche. Jetzt liege ich noch am Delberge: Dein Blutschweiß versüße meinen Todes: schweiß. Dein Todeskampf helfe mir ritterlich ringen. Dein Angstgeschrei öffne meinen letzten Seufzern den Himmel. Deffne mir das Paradies in Deinen Wunden, entbinde meine Seele in Deinen Banden, Vertritt mich mit Deinen Seufzern. Labe mich mit Deinem Durste. Mache mir Deinen Effigtrank zu einem Vorschmack des ewigen Lebens. Nimm meine Seele in Deine Hände. Dein Name sey mein letztes Wort. Nun nichts mehr als Jesus. Jesus meiner Augen Licht im Schatten des Todes. Jesus meines Herzens Theil, auch wenn Leib und Seele verschmachten. Nur Jesus, mein Jesus: Herr Jesu, Dir leb ich! Herr Jesu, Dir sterb ich! Herr Jesu, Dein bin ich todt und lebendig! Herr Jesu, in Dir bin ich gerecht und selig. Umen! Ja komm, Herr Jesu! Gott heiliger Geist, mein Trost im Leben! Mein Trost nun auch im Sterben! Bewahre meinen Glauben bis ans Ende. Er leuchte meine Augen, wenn ich auch im Tode entschlafe. Versiegle in meinem Herzen Jesum, wenn es brechen wird. Mache mir des Todes Angesicht lieblich, meine Geberden säuberlich, mein letztes Wort und Seufzer erhörlich. Schreie in meinem Herzen, wenn ich nicht mehr schreien kann, und wenn aller menschliche Trost verschwindet, so tröste Du mich in Benjamin Schmolcken's nerlich mit Deiner Kraft. Neige ich mein Haupt so neige Du den Himmel zu mir, und wenn der letzte Augenblick vorhanden ist, so laß die Engel meine erlöste Seele in Abrahams Schooß bringen. Erquicke sie alsdann bei den reinen Geistern mit ewiger Freude, mit süßem Frie: den. Sprich auch zu meinem Leib: ruhe von Deiner Arbeit, und lasse an jenem Tage beide vor dem Stuhl des Lammes aufs Allerherrlichste vereiniget werden! 182 Heilige Dreifaltigkeit! Segne mei nen Ausgang aus der Welt! segne meinen Eingang in den Himmel! Von Dir habe ich Leib und Seele, Dir gebe ich sie wieder. Gib mir aus Gnaden, was Du mir verheißen hast, den Himmel. So fahre ich aus dem Leide zur Freude. So komm ich zu meinem Gott, der mich erschaffen, der mich erlöset, der mich ge: Heiliget hat. Heiliger Herr Gott! Heiliger starker Gott! Heiliger, barmherziger Heiland! Du ewiger Gott! laß mich nicht versinken in der letzten Todesnoth. Kyrie Eleison! Christe Eleison! Kyrie Eleison. Amen! Amen! Amen! Amen! Gott erhöre mich, Nun ist mir nichts hinderlich Welt! dir sag ich gute Nacht, Denn mein Lauf ist nun vollbracht. Eile, liebe Seele! fort, Aus den Thränen ar den Port. Nun mag Aug und Herze brechen, Ich will nur noch Jesus! Jesus! Jesus! sprechen. thi din no Gebet für einen Sterbenden. Gebet der Umstehenden 183 für einen Sterbenden, wenn er nicht mehr beten kann. Herr! ach Herr! erbarme Dich Ueber Dein Kind in Genaden! Laß den Tod bald feliglich Es von aller Noth entladen, Ach! verkürz ihm alle Pein, Laß es doch bald bei Dir seyn! Gott Vater! Wir, Deine Kinder, legen diesen sterbenden Menschen an Dein väterliches Herz. Wasche alle seine Sünden ab mit dem Blute Deines Sohnes. Laß ihn der kräftigen Fürbitte Jesu Christi genießen in der Stunde seines Todes. Sen Du sein Stecken und Stab in dem finstern Thale des Todes. Erhalte ihn wider die Anklage des Gewissens, und stärke ihn wieder die Anläufe des Teufels. Deffne ihm die Thür des Himmels, und führe ihn aus allem Jammer zur ewigen Freude, durch den Tod ins ewige Leben! Gott Sohn! Wir legen dieses sterbende Schäflein in Deinen Schooß an Dein treues Hirtenherz! führe es zur ewigen Freude und Weide. Die Seele, die Du mit Deinem Blute erkaufet hast, bringe zum Erbtheil der Heiligen im Lichte. Du bist allein die Thür zum Leben: Laß sie durch Dich eingehen und selig werden. Sättige sie nun im Himmel mit langem Leben, und zeige ihr Dein Heil. Laß kein einziges von Deinen Blutströpflein an ihr ver Benjamin Schmolcken's loren seyn. Nimm sie in Deine Hand, daß sie keine Qual anrühre! 184 Gott heiliger Geist! Breite Deine Flügel über dieses Dein Küchlein. Bezeuge die Kindschaft Gottes in seinem Herzen, und verfiegle in ihm die Beilage des ewigen Lebens. Es ist dieser Christ Dein Tempel gewesen: laß ihn nun kommen in den Tempel des Friedens. Heilige ihn durch und durch, und bringe ihn ins Allerheiligste, das droben ist! Heilige Dreifaltigkeit! Wir arme Sünder bitten, Du wollest diesem Sterbenden alle Schmerzen verkürzen, und ihm, nach die: sem Elende, ein Leben in der Ewigkeit geben. Erhöre uns! Erlöse ihn! Erbarme Dich! O Vater aller Barmherzigkeit, nimm ihn zu Dir in Deine Herrlichkeit! Du Lamm GOttes, das der Welt Sünde trägt, trage ihn durch Deine Engel in Abrahams Schooß! Du Geist des Trostes, tröste ihn dort ewiglich! Nun laß ihn mit Friede fahren, Zu den auserwählten Schaaren, Hilf aus allem Ungemach, Uns, Herr, einmal selig nach! Verlangen nach dem ewigen Leben. 185 Herzliches Verlangen nach dem ewigen Leben. Ach! wann werd ich dahin kommen, Daß ich Gottes Antlig schau? Werd ich nicht bald aufgenommen? Wann zerbricht des Leibes Bau? Ach! wann kommt die Seele hin, Wo ich ewig selig bin? Gott Vater! Dein Kind sehnet sich nach dem Vaterlande. Laß mich doch bald in Dein Reich kommen, welches Du bereitet hast denen, die Dich lieben. Es ist wohl noch nicht erschienen, was ich seyn werde; aber der Morgenstern ge het schon auf in meinem Herzen. Dein Wort gibt mir schon die Trauben zu kosten von einem Lande, da Milch und Honig fließen. Wer wollte noch länger ein Pilgrim senn, und nicht wünschen Bürger zu werden? Sollte ich nicht das Zukünftige suchen, da ich hier keine bleibende Stätte habe? O laß mich doch mein Herz täglich hinschicken, wo mein Schatz ist. Laß meine Zunge ohne Unterlaß davon reden, was mir noch unaussprechlich ist. Laß mich mein Leben also christlich führen, daß mein Wandel im Himmel ist! Gott Sohn! Meine Seele dürftet nach dem Brünnlein der Stadt Gottes. Hier eße ich Aschen wie Brod, und mische meinen Trank mit Weinen. Ach! wann werde ich mit Abraham, Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tische sitzen? O Du Sonne der Gerechtigkeit! laß mir doch das Heil bald aufgehen unter Dei 186 Benj. Schmolck. Verl. nach dem ewigen Leben. nen Flügeln. Führe mich aus Babel, errette mich aus Sodom. Bringe mich ins himmlische Jerusalem. Muß ich in der Welt seyn, so laß mich der Welt nicht gleich seyn. Die Welt muß im Glauben überwunden seyn. Im Himmel ist mein Erbe, dahin richte meine Augen, dahin führe meinen Fuß, dahin versetze mein Herz. O wie will ich Dich, mein Bruder, küssen, wenn ich Dich dort küssen werde! Gott heiliger Geist! Mein Geist ver: langet wieder zu seinem Ursprunge. Binde ihm doch Flügel an, daß er sich stets über alles Fra dische schwinge. Mache mir bereits einen Himmel im Herzen, durch herzliches Verlangen nach dem Himmel. Stelle die Welt hinter meinen Rücken, und laß allein das ewige Gut ein Ziel meiner Augen seyn. Herr! ich warte auf Dein Heil. Wann werde ich Dein Antlitz schauen in Gerechtigkeit? Wann werde ich satt werden nach Deinem Bilde? Heilige Dreifaltigkeit! Hier sehe ich Dich in einem Spiegel: bringe mich bald dahin, wo ich Dich werde schauen von Ungesicht zu Angesicht. Da werden alle Feinde zum Schemel Deiner Füße liegen. Da wird Freude seyn die Fülle, liebliche Stille, lauter Wonne, lauter Sonne! Amen. Reiß dich los von dieser Welt, Seele! laß das Eitle liegen. Dorten find ich nur Vergnügen, Wo mein Loos so lieblich fällt. Jesu! reiche mir die Hände, Mache bald der Noth ein Ende! Benjamin Schmolcken's Lieder. 187 Besch I u B. Im Ton: Wer nur den lieben Gott läßt walten. I. Ich schließe mich zu allen Stunden in meines Jeſu Bunden ein. Hier hab ich immer Ruhe funden, da foll auch gar mein Himmel seyn. Und jagte man mich aus der Welt, hier ist der Ort, der mich behålt. 2. In Jesus tiefe Bundenmahle versenk ich meiner Sünden Schuld: aus Jesus rother Wundenschaale schopf ich aus seines Vaters Huld; bei Je sus Wunden, Blut und Tod vergeß ich alle meine Noth. 3. O wundervolle Jesus- Wunden; ich leb und sterbe nur in euch! und hab ich eure Kraft empfunden, so dring ich durch in Gottes Reich: weil ihr die rechten Pforten seyd, zur allergrößten Herrlichkeit. 4. Gebt meiner Seele eine Stelle, wenn sie wird in die Stille gehn, und werdet mir zur Gnadenquelle, wenn ich einmal vor Gott foll stehn. Ja, redet selbst alsdann aus mir, ihr theuren Jesus Wunden, ihr. 188 Benjamin Schmolcken's Lieder. Das Ende. Im Ton: Was Gott thut, das ist wohlgethan 2c. Wohl dem, der stets ans Ende denkt, der wird nicht ficher leben. Wenn er den Sinn zum Grabe lenkt, und lernet Achtung geben, daß uns zuletzt ein Ziel gesetzt: so wird er sich bei Zeiten auf seinen Tod bes reiten. 2. Niemand weiß seinen Sterbetag, Gott hat ihn ausersehen; wohl dem, der jeden Seigerschlag, den Seufzer läffet wehen: Herr, lehre mich bestån= diglich nach einem andern Leben, vor meinem Tode streben. 3. Die Sünde kann uns zwar den Tod durch ihren Gift verbittern; doch wer ihm nur mit Buße droht, darf nicht vor ihm erzittern. Sein scharfer Pfeil kann keinen Theil an unsrer Seele haben, und nur den Leib begraben. 4. Ein Christe wandelt himmelan, das ist sein rechtes Erbe. Trifft er gleich eine rauhe Bahn, und Sterben schmecket herbe; der Glaube sieht, was dorten blüht; er kämpfet, laufet, ringet, bis er ins Schauen dringet. 5. Die Welt muß doch verläugnet seyn, fie hålt uns gerne wieder. So geht kein Mensch zum Leben ein, er tödte denn die Glieder; der ist bereit, der in der Zeit des Fleisches Lust begråbet, und nur dem Geiste lebet. Benjamin Schmolcken's Lieder. 189 6. Mein Gott! vielleicht ist es nicht weit zu meinem Tod und Grabe! Gib, daß ich meine Sterblich. feit stets in Gedanken habe, und immer zu auch Buße thu, daß mich der Tod nicht finde in unbereuter Sünde. 7. So lang ich lebe, leb ich Dir, sterb ich, Dir will ich sterben, und tritt der Tod vor meine Thür, so laß mich nicht verderben. Auf Christi Blut sterb ich ganz gut, in seine treuen Hände befehl ich mich am Ende! Benjamin Schmolde. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele sc. Ach Herr! lehre mich bedenken, daß ich einmal sier. ben muß. Lehre mich die Sinnen lenken auf den letzten Lebensschluß. Stelle mir mein Ende für, und erwecke die Begier, mich noch bei gesunden Zeiten auf das Grab wohl zu bereiten. 2. Endlich muß ein Licht verbrennen; endlich lauft der Seiger aus: Also muß ich wohl bekennen, daß ich dieses Leimenhaus endlich auch verlassen muß, denn es ist der alte Schluß: Menschen als des Tos des Erben, müssen auch im Tode sterben. 3. Wenn wir kaum geboren werden, ist vom ersten Lebenstritt, bis ins kühle Grab der Erden, nur ein kurz gemeßner Schritt. Ach! ein jeder Augenblick geht mit unsrer Kraft zurück, und wir sind in jedem Jahre allzureif zur Todtenbahre. Benjamin Schmolcken's Lieder. 4. Und wer weiß, in welcher Stunde uns die letzte Stimme weckt? Denn Gott hats mit seinem Munde keinem Menschen noch entdeckt. Wer sein Haus nun wohl bestellt, geht mit Freuden aus der Welt; da die Sicherheit hingegen ewigs Sterben fann erregen. 190 5. Predigen doch meine Glieder täglich von der Sterblichkeit. Leg ich mich zur Ruhe nieder, zeigt sich mir das Leichenkleid. Denn der Schlaf stellt für und für seinen Bruder Tod mir für: ja das Bette will mir sagen: so wird man ins Grab getragen. 6. Drum, mein Gott! lehr mich bedenken, daß ich niemals sicher bin. Will die Welt mich anders lenken, ach! so schreib in meinen Sinn: Du mußt sterben, Menschenkind! Daß mir alle Lust zerrinnt: die mir sonst in eitlen Sachen, kann den Tod geringe machen. 7. Laß mich nicht die Buße sparen, bis die Krankheit mich ergreift: sondern bei gefunden Jahren, ehe sich die Sünde häuft, laß mich täglich Buße thun, daß das allerlegte Nun mich befreit von aller Sünde und mit Dir versöhnet finde. 8. Nun, mein Gott! Du wirst es machen, daß ich fröhlich sterben kann: ich befehl Dir meine Sachen, nimm Dich meiner Seele an. Deines Sohnes theures Blut komme mir alsdann zu gut; daß mein lega tes Wort auf Erden, Jesus! Jesus! möge werden. Benjamin Schmolcken's Lieder. 191 Benjamin Schmolcke. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele se. Ach! wie freu ich mich zu sterben, wenn es meinem Gott gefällt. Denn es blühet nur Verderben in der elendsvollen Welt. Unser Leben voller Leid, voller Chránen unsre Zeit. O wie selig, wer gestorben: der hat Besserung erworben. 2. Defter sucht man ein Vergnügen, und trifft doch nur Jammer an: was sich soll zur Freude fügen, führt uns eine Dornenbahn. Alle Lieb und Treu ist todt: und statt deren wird die Noth alle Stunden neu geboren, daß wir ganz zur Pein erkoren. 3. Lieber Gott! mach es ein Ende, wenn es gut und selig ist: reiche mir die Vaterhånde in der letzten Todesfrist! Ach wie wohl wird mir doch seyn, wenn ich werde schlafen ein: doch soll es noch länger währen, wirst Du, Herr! Geduld bescheren. Benjamin Schmolcke. Im Ton: Wer weiß, wie nahe mir mein Ende. Die Zeit geht hin! ach, wie geschwinde läuft unser ganzes Leben fort! Gleichwie ein Schiff gejagt vom Winde, so eilt es auch zu seinem Port: und was vergeht, kommt nicht zurück, auch nicht ein kleiner Augenblick. Benjamin Schmolcken's Lieder. 2. Der Tod kommt her auf allen Schritten: der Reiter auf dem fahlen Pferd hat uns gar leichtlich überritten, wenn man zu leben noch begehrt. Er wartet tåglich vor der Thür, mir gilt es heute, morgen Dir. 192 8. Mensch! thu recht in deinem Leben, und fürchte Gott, so hats nicht Noth. Es mag die Zeit auf Flügeln schweben, es komme, wenn er will, der Tod. So bist du immer wohl bereit, und folgt der Zeit die Seligkeit. M. Chri M. Christian Scriver's Gott geheiligter Bet A It ar : frommer Christen, darauf sie ihr tägliches Hausopfer mit brennendem Feuer der Liebe zu Gott bringen zur Erwedung wahrer Herzens- 2 nd acht von Neuem aufgerichtet. B. Schmolcken's Andachten. N 181040.0** 195 Tägliches Haus- und Herzensopfer frommer Christen, mit sie Gott für geistliche und leibliche Wohlthaten danken, um Glück und Segen bitten, auch ferner sich und die lieben Jhrigen sammt der ganzen Christenheit, dem großen Gott und Vater in Demuth empfehlen. Aumächtiger, ewiger, gütigfter Gott, Vater unsers Herrn Jesu Christi, Du Gott aller Gnaden, Du Vater der Barmherzigkeit und Gott alles Trosts, mein lieber Vater und gnädiger Gott in Christo Jesu! Mein Herr Jesu Christe, Du ewi ger eingeborner Sohn Gottes, Du Heiland der Welt, mein theuerster Erlöser, getreuester Hirte, liebreichester Mittler, ewiger Hoherpriester und Seligmacher! Gott heiliger Geist, Du süßester Tröster aller Betrübten, Du Kraft der Schwachen, Du Licht der Frrenden, Du Lehrer der Unwissenden, Du Beistand der Betenden, mein bester Freund, meine Kraft, mein Leben, mein Licht und mein Heil! N2 M. Chriftian Scriver's Du einiger, ewiger, wahrer Gott, hochgelobet in Ewigkeit! 196 Ich armer, sündhafter Mensch, komme vor Dein allerheiligstes Angeficht, daß ich vor Dir beten will, wie es Dein Befehl und meine Noth und Schuldigkeit erfordert. Weil ich mich aber hierzu unwürdig und untüchtig befinde; so bitte ich Anfangs herzlich und demüthig, daß Du mir meine Sünde nath Deiner großen Barmherzigkeit ver. geben, in meinem Herzen kindliche Furcht und Andacht erwecken, allen fremden. flatternden, sündlichen Gedanken steuern, und mir die Gnade geben wollest, Dich im Geiste und in der Wahrheit anzus rufen: Laß Dir auch mein armes Gebet in Gnaden wohlgefallen, und ers höre uns um Dein selbst willen! Amen. Mein Gott und Vater! ich danke Dir erst billig für alle Deine geistliche und leibliche Wohl= thaten, die Du mir mein Leben lang erwiesen, und noch täglich erweisest: ich danke Dir, daß Du mich zu der Zeit, die Dir beliebet, hast erschaffen, das Leben und Wesen mir gegeben, mit einer feinen vernünftigen Seele, und einem wohlgestalteten gefunden Leib begabet, mich aus Mutterleibe gezogen, und gesund und wohl ans Licht der Welt gebracht hast. Ich danke Dir, daß Du mich in Deiner rechtglaubigen evange tägliches Haus und Herzensopfer. 197 lischen Kirche, von christlichen, ehrlichen, gotts seligen Eltern hast lassen geboren, und mit der vernünftigen lautern Milch des Evangelii, zu aller Gottseligkeit lassen angewiesen und erzogen werden. Ich danke Dir auch insonderheit, daß Du mich durch die heilige Taufe wiedergeboren, zu einer lebendigen Hoffnung, mir die Herrlichkeit Deiner Kindschaft geschenket, mich von der Obrigkeit der Finsterniß errettet, und in das Gnadenreich Deines lieben Sohnes Jesu Christi verseßzet, und darin wider des Teufels Macht und List, und aller Welt Uergerniß und Bosheit erhalten hast. Ich danke Dir, daß Du von solcher Zeit an mich stets als Dein liebes Kind erhalten, mich herzlich geliebet, väterlich verforget, mächtiglich beschüßet, mich wunderlich, doch seliglich geführet, Deine göttliche Langmuth an mir reichlich erzeiget, aus mancher Noth und Gefahr Leibes und der Seelen errettet, und mich bis hieher erhalten hast. Ich danke Dir für das tägliche Brod, und den zeitlichen Segen, den Du mir über alles mein Vermuthen, ohne alles mein Verdienst und Würdigkeit, nach Deiner Güte überflüßig und reichlich gegeben, also, daß ich Ur: sache habe mit dem Erzvater Jakob von Her zen zu sagen: Ich bin zu gering, mein Gott, aller Barmherzigkeit und Treue, die Du an mir gethan hast! Ueber alles aber danke ich Dir, daß Du mir auch Deinen allerliebsten Sohn, Jesum Christum, zum Heiland geschenket, und zum Gnadenstuhl in seinem Blut vorgestellet Haft, 198 M. Christian Scriver's daß ich mich im Glauben an ihn halten, und in ihm die Gerechtigkeit, das Leben und volles Genüge haben soll. Wie auch, daß Du mir die Mittel der Seligkeit, Dein heiliges Wort, und die hochwürdigen Sakramente gegeben, und mich dadurch zu Deiner seligen Erkenntniß gebracht, in Deinem Lichte geleitet, und in Dei ner Gnade bisher bewahret und erhalten hast. Ich danke Dir, mein Herr Jesu Christe, mein allerliebster Erlöser! daß Du in die Welt gekommen bist, nebst an: dern, auch mich Sünder, selig zu machen. Du hast mich auch geliebet, Dich selbst für mich dahin gegeben, und mich Dir zum Eigenthum, nicht mit vergänglichem Silber oder Golde, sondern mit Deinem göttlichen, theuern Blute, erkaufet; Du hast mich in Deine felige Gemeinschaft aufgenommen, Dein ganzes heiliges Verdienst, Deine Gerechtigkeit und Deine Seligkeit mir in der heiligen Taufe geschenket; hast mich auch mein Leben lang als ein getreuer Hirt behütet, bist mir auf allen meinen Wegen mit Deiner Güte nachgefolget; hast, wenn ich mich verirrte, mich gesucht und zurechte gebracht; hast es mir nie an irgend einem Gute mangeln lassen: mich bei Deinem ewigen lieben Vater vertreten, mich stets in Deine Liebe und Gnade eingeschlossen, und mit Deiner Güte umfangen. Ich danke Dir, Gott heiliger Geist! daß Du mich durchs Wort und die Sakramente geheiliget, zur Gemeinschaft Jesu Christi und seiner Kirche mich berufen, den Glauben in tägliches Haus und Herzensopfer. 199 mir erwecket, und, ob er gleich manchmal einem glimmenden Dochte ähnlich gewesen, wider des Teufels Macht und List in meinem Herzen erhalten; Du hast Dich meiner Seelen jederzeit herzlich angenommen, mich in Trüb: sal getröstet, in Schwachheiten gestärket, in Krankheiten erquicket, in Zweifeln mir gerathen, und durch Dein innerliches kräftiges Zeugniß mich meiner Kindschaft bei Gott und des himmlischen ewigen Erbes versichert, und dadurch manchmal mein Herz mit Friede und Freude erfüllet. Nun, mein Gott! mein Vater! mein Erlöser! mein Tröster! Ich danke Dir von Herzen für diese und alle andere Deine Wohlthaten, die Du mir in meinem ganzen Leben erwiesen: ich lege mich deßwegen zu Deinen allerheiligsten Füßen, opfere und ergebe mich Dir mit Leib und Seele, zu einem Opfer, das lebendig, heilig und Dir wohlgefällig sey: mache mich zu einem solchen Opfer, laß Deinen glor= würdigsten Namen durch mich auch geheiliget, verherrlichet, gepriesen, Dein Reich auch durch mich erbauet, fortgepflanzet und erhalten, und Deinen heiligen Willen an mir, in mir und durch mich, in Zeit und in Ewigkeit vollbracht wer: den. Gelobet sen Gott, der Herr, der Gott Ifrael, der allein Wunder thut! Und gelo: bet sen sein herrlicher Name ewiglich, und alle Lande müssen seiner Ehre voll werden, Amen! Umen! Ach Herr! nimm vorlieb mit meinem schlechten Lob und Dankopfer, so gut ich Dirs M. Christian Scriver's in dieser Sterblichkeit bringen kann; Hilf mir zum Himmel, und bringe mich zu der Menge Deiner Auserwählten; daß wir Dich, unsern Gott, vollkommen, heilig und ewiglich preisen mögen! Umen. 200 Hiernächst, mein Gott, erinnere ich mich auch, und mein Gewissen überzeuget mich, daß ich Deine mannigfaltige Güte, welche Du so reichlich an mir erzeuget, nicht allezeit, wie ich gesollt, erkannt, dich nicht so herzlich geliebet, so findlich gefürchtet, so fest vertrauet und so heilig und eifrig gedienet, wie es Deine Hoheit, Deine Liebe, Dein Gebot, und mein Taufbund erfordert: sondern ich habe mit Wor ten, Werken und Gedanken, mit Unterlassung des Guten, mit Vollbringung des Bösen wis fentlich und unwiffentlich, von meiner Kindheit an, bis auf diese Stunde, dawider gesündiget. und damit Deinen gerechten Zorn, zeitliche und ewige Strafen verdienet. Weil Du aber, Du gnädiger und barmherziger Herr, nicht willst den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe; und Du, mein allerliebster Herr Jesu! in die Welt gekommen bist, die Sünder selig zu machen; Du auch, mein Tröster, Gott heiliger Geist, durch das Wort der Gnaden die Sünder zur Buße rufest, und ihnen Vergebung der Sünden in Chrifto verheißest: so verlaß ich mich gänzlich auf Deine Gnade und Barmherzigkeit, und bitte im Herzlichen Vertrauen auf das theure Verdienst und vergossene Blut des Sohnes Gottes, daß Du mir alle meine Sünde vergeben, mich sol 201 tägliches Haus und Herzensopfer. cher Gnade versichern, mein Gewissen beruhigen, mein Herz mit Friede und Freude im heiligen Geiste erfüllen, mich auch von Tage zu Tage mehr und mehr erneuern, erleuchten, heiligen, segnen, und Dir in Heiligkeit und Gerechtigkeit zu dienen, bereit und tüchtig machen wolleft! Hierauf erneuere ich den Bund meiner heiligen Taufe. Ich sage ab dem Teufel und allen seinen Werken, und allem seinem Wesen, der gottlosen bösen Welt, und meinem sünd: lichen Fleisch und Blut! Ich ergebe mich aber Dir, Gott Vater, Sohn und heiliger Geist! mit Leib und Seel! Ich empfehle Dir meine und der lieben Meinigen zeitliche und ewige Wohlfahrt! Ich überlasse mich willig Deiner Vorsorge, Barmherzigkeit, Liebe und Treue, Gott Vater! Ich wickle mich ein in Deine selige Gemeinschaft, in Dein Verdienst, Gerechtigkeit, Blut, Tod und Wunden, Herr Jesu, mein Heiland! Ich übergebe mich Dir gänz lich in Deine Regierung, Leitung, Licht, Trost und Bewahrung, Gott heiliger Geist! So bist Du nun mein, und ich bin Dein, Du bist mein Vater, ich bin Dein Kind, Du bist mein Hirte, ich bin Dein Schäflein, Du bist mein Herr, ich bin Dein Eigenthum! Uch Gott! gnädigster und gütigster Gott! Wie kann ich Dir genug danken, daß Du mich armen sündhaften Menschen solcher hohen Gnade gewürdiget, und mich in solchen seligen Stand gesehet hast? Uch! erhalte mich darin M. Christian Scriver's bis an mein seliges Ende; vermehre in mir Dein seliges Erkenntniß, bewahre in mir den Glauben, und laß dieses Licht in mir nimmermehr verlöschen! Gib auch, daß mein Glaube durch die Liebe thätig sey: daß ich Dich, meinen Gott, von ganzem Herzen, von ganzer Seele, und von allen Kräften lieben, Dich kindlich fürchten, Dir feftiglich vertrauen, in kindlichem Gehorsam vor Dir wandeln, Dich stets vor Augen und im Herzen haben, aus reiner Liebe zu Dir allem fündlichen Wesen von Herzen feind seyn, und Dich nimmermehr mit Wissen und Willen beleidigen möge. Erneuere, erleuchte, bekehre, heilige und segne mich in geistlichen Gütern je mehr und mehr; gib mir christliche Demuth, Sanftmuth, Liebe, Freundlichkeit, Friedfertigkeit, Versöhnlichkeit und Gutthätigkeit; weise mir gottselige und fromme Arme zu, die, Herr Jesu, Deine wahren Glieder sind: und lenke sodann mein Herz daß ich ihnen, als Dir selbst, mit fröhlichem Herzen Gutes thue, und von dem Segen, den Du mir gegeben hast, ihnen mildiglich mit einfältiger Seele mittheile. Gib mir auch ein reines, feusches, nüchternes und mäßiges Herz. Bewahre mich vor Geiz und Ungerechtigkeit. Gib, daß ich mein Herz an das Zeitliche und Vergängliche nicht hänge: sondern Dich und Deine geistlichen und himmlischen Güter für meinen höchsten Schaß, und die Gottseligkeit und Genügsamkeit für meinen größten Gewinn halte. Lehre mich je mehr und mehr mich selbst verläugnen, die Welt und was darinnen ist, verschmähen, und nach dem Himmlischen und Ewigen mich sehnen! 202 tägliches Haus- und Herzensopfer. 203 Uch! mein Gott! Du hast, nach Deinem Wohlgefallen, ein Wunder Deiner Güte an mir erwiesen, indem Du mich, da ich arm und elend war,( und als ich in diese Stadt kam, nichts hatte, als etwa einen Stab,) herfür gezogen, mich in meiner Handelschaft und Gewerbe mit einem ungemeinen, reichen und großen Segen überschüttet; von Dir, mein liebster himmlischer Vater ist alles kommen: von Deiner Hand habe ichs empfangen, und es ist alles Dein. Gib mir Gnade, und erzeige mir Gelegenheit, daß ichs zu Deinen Ehren, im Dienste Deiner Kirche, und in der Liebe meines Nächsten anwenden, und im Uebrigen einer von denen fenn möge, von welchen Dein heiliger Apostel faget daß sie sich freuen, als freueten sie sich nicht, daß sie kaufen, als besäßen sie es nicht, daß sie der Welt zwar brauchen, jedoch ihrer nicht mißbrauchen, weil sie wissen, daß das Wesen dieser Welt vergehet. Gib mir auch ein stilles, geduldiges, Dir ergebnes und gelassenes Herz, daß ich in Lieb und Leid, in Glück und Unglück, mit Deinem heiligen Willen zufrieden sen, Dich stets für meinen Schat, Trost und Stärke halte, und in kindlichem, willigem, un= verrücktem Gehorsam Dir nachwandle. Weil Du auch, mein lieber Gott und Va= ter! mich durch einen heiligen Beruf zur Gemeinschaft Deiner Auserwählten, Heiligen und Geliebten, in Deiner Kirche auf Erden beru: fen hast, also, daß sie mit mir, und ich mit ihnen, im Glauben, Liebe und Hoffnung zu Dir, Herr Jesu! durch Deinen Geist vereiniget sind: so bitte ich Dich herzlich, daß Du alle M. Christian Ecriver's meine lieben Mitbrüder und Mitschwestern an allen ihren und unsern Orten wollest segnen, heiligen, erneuern, schüßen, versorgen, trösten und sie durch Deine Macht zur Seligkeit bewahren und erhalten. Herr! Du allwissender Gott! Dir ist ihrer aller Zustand, Anliegen, Noth und Gefahr nicht unbekannt; hilf ihnen allen und jeden, wie, wo und wann sie Deiner Hilfe bedürftig und begierig sind. Tröste alle Betrübte, stärke die Schwachen, hilf den Ges fallenen wieder auf, bringe die Irrigen und Berführten zurecht, und heilige sie in Deiner Wahrheit, Dein Wort ist die Wahrheit. Er quicke die Kranken und sey ihr Labsal, Trost, Arzt und Pfleger. Ernähre die Armen und Dürftigen. Versorge und schütze die Wittwen und Waisen. Sen eine Zuflucht aller Flüchtigen und Verjagten, die um Deines Namens und der Wahrheit willen Verfolgung gelitten haben, und noch leiden, die in harter Bedrängniß und Gefängniß leben. Bekehre auch die Sünder und Gottlosen, errette ihre Seelen aus den Stricken des Satans. Eröffne ihnen ihre Augen, daß sie ihr Elend erkennen, und sich von ganzem Herzen zu Dir bekehren mö. gen. Bewahre, fie durch Deine Barmherzigkeit und Langmuth vor dem ewigen Verder: ben; bringe auch die Ungläubigen in der Welt, die blinden Heiden, Türken, Juden, zu der Erkenntniß Deines lieben Sohnes Jesu Christi, und erbarme Dich aller Menschen! 204 Segne und erhalte Deine evangelische Kir: chen, die kleine Herde, das verlassene, trostlose, elende Häuflein, welches jeßo allenthalben tägliches Haus und Herzensopfer. 205 bedränget wird, bei der himmlischen Wahrheit Deines Wortes, und dem Gebrauche Deiner heiligen Sakramente: schüßze sie wider des Teufels Macht und List, und aller Welt Bosheit; und erhalte fie bis ans Ende der Welt. Erhebe und erweitere sie, und steure denen, die Deinem Wort seinen Lauf, durch Macht und List zu wehren sich unterstehen. Mache ihre gefährlichen Anschläge zunichte, brich ihren Hochmuth, mache ihre Macht zur Ohnmacht, laß ihre Weisheit zur Thorheit, und ihren Rath zunichte werden. Gib ihnen einen Meister, daß sie erkennen müssen, daß sie Menschen sind, und wider Dein Volk, das Du Dir auserwählet hast, und das sich auf Dich allein vera lässet, nichts vermögen! Versorge auch uns, und alle Gemeinen, jederzeit mit gottseligen, geistreichen, erleuchteten und treuen Hirten, Lehrern und Predigern: rüfte sie mit Gaben und Kraft vom Himmel aus; segne ihre Arbeit, und lasse sie den ihnen anvertrauten Seelen zum gründlichen Unterricht, zum lebendigen Glauben, zu kräftigem Trost und seliger Erbauung gedeihen. Gib ihnen Muth und Freudigkeit, und schütze sie wider Teufel und Welt. Erhalte sie in Deiner Wahrheit, und gib, daß sie ihr heiliges Amt mit einem heiligen und unsträflichen Wandel allezeit zieren, und sich selbst, und die sie hören, durch Dein Wort und Deinen Geist selig machen! Gib uns auch aller Orten fromme, fried: fertige, väterlich gesinnte, gewissenhafte, ge 206 M. Christian Scriver's rechte Regenten: gib ihnen den Geist der Weisheit und des Verstandes, des Raths und der Stärke, und Deiner heiligen Furcht: segne Du ihre Regierung, und richte dieselbe, zu Deines allerheiligsten Namens Ehre, Deiner Kirchen Schuß und Trost, und aller Frommen und treuen Unterthanen zeitliches, geistliches und ewiges Wohlergehen; erhalte bei uns und in unserm geliebten Vaterlande, ia in der ganzen Christenheit, den edlen Frieden: laß um unserer Sünden willen nicht zu, daß der Satan und sein Werkzeuge neue Kriegsgefahr und Unruhe, Blutvergießen und Verwüstung anrichte: mache zu nichte die Anschläge der Völker, die da gerne kriegen; laß uns unsere Lebenszeit in Fried und Ruhe, und in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit hinbringen! Bewahre uns vor der schrecklichen Seuche der Pestilenz und anderen ansteckenden Krankheiten, vor schrecklichem, schwerem Ungewitter, vor Hunger und theurer Zeit, vor Feuer- und Wassersnoth, vor einem bösen schnellen, und dem ewigen Tod. Erhalte auch mich und die liebsten Meinigen im Glauben, Liebe und Hoffnung; bewahre uns, daß wir in das gottlose Wesen der letzten Zeit nicht eingeflochten werden, auch in seelenverderblichen Irrthum nicht verfallen, verleihe uns in Gnaden, daß wir unter denen seyen, die Deine letzte Zukunft zum Gericht, nach Deinem Wort, von Herzen glauben, Deine Erscheinung lieb haben, und sich täglich dazu bereiten: bereite Du uns, Herr Jesu, so sind wir bereitet: eile mit dem lieben jüngsten Tage; mache bald aller Sünden und tägliches Haus und Herzensopfer. 207 Schanden, und alles Elendes auf Erden ein Ende! Erlöse uns und alle Deine Auserwählten aus allem Uebel, und hilf uns aus zu Deinem himmlischen Reiche; daß wir Dich sehen, und in alle Ewigkeit preisen mögen! Umen. Ferner befehle ich Dir, mein Gott, meinen Leib und Seele heut und allezeit in Deine liebevolle und gnadenreiche Regierung, in Deinen mächtigen Schuß, in Deine väterliche Aufsicht, Fürsorge und Trene. Laß mir heute kein Uebel begegnen, und keine Plage zu meinem Haus sich nahen! Laß mich und die lieben Meinigen, Deine heiligen Engel auf allen unfern Wegen begleiten! Laß uns Deinen heiligen Geist kräftiglich regieren, und unser Herz zum kindlichen Gehorsam lenken; daß wir von dem Weg der wahren Gottseligkeit nicht abweichen! Laß den Satan und die böse Welt keine Macht, uns an Leib oder Seele, an Gut oder Ehre zu schaden, an uns finden! Segne mich heute an Leib und Seele! Segne meinen Ausgang und Eingang! Segne meine Haushaltung und Nahrung! Laß mir in allen meinen Geschäf ten und Unternehmungen Dein himmlisches Licht leuchten, Deine Kraft mich stärken, Deine Liebe mich dringen, Deine Furcht mir beiwohnen; daß ich in Gerechtigkeit wandle, meinen Taufbund stets vor Augen habe, meinen Nächsten mit aufrichtiger Liebe, mit Sanftmuth, De muth, Freundlichkeit, Dienstwilligkeit und Wahrheit begegne, und Deine Worte im Herzen habe. Wie ihr wollet, daß euch die Leute thun sollen, also thut ihnen gleich auch ihr. Erhalte mich M. Christian Scriver's bei der Gesundheit des Leibes und Gemüthes, so lange ich hier wallen soll. Gib, daß ich die Zeit, so ich noch zu leben habe, wohl und christlich anwende, zu Deines glorwürdigsten Namens Ehre, meines Nächsten Dienst, und meiner Selbst: Besserung! Gib mir auch die Gnade, daß ich mich meiner Sterb lichkeit stets erinnere, und meine Ge danken allezeit aus dem Zeitlichen in das Himmlische und Ewige richte! Und wann ich dann meinen Lauf voll endet, und das Ziel, so Du mir in Gnaden gesetzet, erreichet habe; so ver: leihe mir, nach Deiner großen Barmherzigkeit, um Jesu Christi willen, ein sanftes, fröhliches, erbauliches und seliges Ende! Laß mich, mein Gott und Vater, in der Versicherung Deiner Liebe und des himmlischen ewigen Erbes; in Deiner Gemeinschaft, Herr Jesu, durch wahren Glauben; in Deinem Trost, Gott heiliger Geist, fanft und selig einschlafen. Mein allerliebster Herr Jesu! Du haft für uns alle den Tod geschmecket; ich bitte Dich, um Deines blutigen Schweißes und heftigen Todesangst willen, stehe mir bei, und hilf mir in meiner letzten Noth! Lindre mir, und hilf überwinden alle Ungst und Schmerzen! Bewahre mich vor schweren Anfechtungen des Satans; und laß ihm nicht zu, daß er meine Seele in ihrem Abschiede beunruhige und betrübe. Behüte mich vor Ungeduld und Ungeberde; gib mir die Gnade, daß ich alles Irdische willig und fröhlich vers lassen, und, um bei Dir, mein Jesu, zu seyn, mit 208 tägliches Haus- und Herzensopfer. 209 mit Lust abscheiden möge. Erfülle in mir alsdann Deine theure Verheißung, da Du versprochen, Du wolleft Deinen Schäflein, die Deine Stimme hören und Dir folgen, das ewige Le: ben geben; sie sollen nimmermehr umkommen, und Niemand soll sie Dir aus Deiner Hand reiBen. Uch! so laß mich dann weder Engel, noch Fürstenthum, noch Gewalt, weder Ge genwärtiges, noch Zukünftiges, weder Hohes, noch Tiefes, noch eine andere Kreatur von Dir und Deiner Liebe scheiden. Umen, o Herr Jesu! Amen. Ich befehle Dir auch, mein Gott! meine wertheste Ehegenoffin, danke Dir von Herzen, daß durch Deine gnädige Vorsehung Du sie mir zugeführt, unsere Herzen in keuscher, treuer Liebe verbunden, uns in Friede und Ruhe er: halten, und während des Ehestandes viel Se gen gegeben, und uns viel Gutes an Seele und Leib erwiesen hast. Ach, laß sie, nebst mir, in Deiner Erkenntniß, in Deiner Liebe, und in aller Gottseligkeit immer wachsen! Segne, be: wahre, stärke und erhalte sie bei guter Gesundheit, und am Leben, weil ich lebe: laß sie ferner meine getreue Gehilfin und liebreiche Pflegerin seyn, bis an mein seliges Ende; und wenn sie auch ihr Lebensziel nach Deinem Rathe erreichet hat, so nimm ihre liebe Seele auf in die ewige Ruhe, daß wir vor Deinem Unge: fichte in himmlischer Liebe bei einander ewig leben mögen. Ich danke Dir auch, mein Gott! daß Du unser keusches Ehebette gesegnet, und uns unB. Schmolcken's Andachten. O M. Chriftian Scriver's terschiedliche liebe, gesunde und wohlgestaltete Kinder gegeben. Du hast sie uns, mein Va ter! gegeben, und wir haben sie Dir wieder gegeben; wir opfern, heiligen und übergeben sie Dir von Herzen; laß sie Dein seyn und bleiben in Zeit und Ewigkeit! Du hast sie, mein Gott! in der heiligen Taufe wiedergeboren, die Herrlichkeit Deiner Kindschaft ihnen geschenket, und sie zu Erben des ewigen Lebens verordnet. Sie sind Deine Schäflein, Herr Jesu! die Du mit Deinem theuren Blute Dir erkauft hast: Sie sind Dein Tempel und Eigenthum, Gott heiliger Geist! Uch! erhalte sie in solcher Gnade allezeit! Segne, heilige, erneuere, erleuchte sie je mehr und mehr. Dämpfe die Erb: Sünde in ihnen; bewahre sie vor des Satans Trug und List, vor der Welt Aergerniß und Verführung, vor Sünden und allem Unheil! Laß fie in allen christlichen Tugenden und feinen Sitten aufwachsen, und was Redliches und Nützliches lernen, damit sie Dir, Deiner Kirche und ihrem Nächsten in Zukunft dienen können. Mache aus ihnen rechtschaffene, tüchtige, gottselige Leute, Werkzeuge Deiner Gnade, Gefäße Deiner Ehre, und endlich Erben des Himmels und der ewigen Seligkeit. Ich befehle Dir endlich auch mein Gefinde und sämmtliche Hausgenossen; danke Dir von Her zen, daß Du mich, der ich sonst Undern dienete, nunmehr gewürdiget hast, von andern meinen Mitchristen bedienet zu werden. Ich danke Dir für alle Ehre, Liebe, Treue und Aufwartung, die sie mir täglich erweisen; erhalte sie in Deiner heiligen Furcht und Liebe, durch 210 tägliches Haus- und Herzensopfer. 211 die Regierung des heiligen Geistes; bewahre fie, daß sie nicht vom Teufel, der Welt und ihrem Fleisch und Blut zum Ungehorsam, Widerspenstigkeit, zur Untreue, Unzucht und andern groben Sünden sich verführen lassen; gib, daß sie mit Wohlthaten gegen Dich, unsern Gott und den Nächsten mir treulich dienen, und sich selbst eine gute Stufe zur zeitlichen Wohlfahrt erwerben! Sorge für sie väterlich, und versorge sie, ein jegliches, wie Du es zu Deiner Ehre und ihrer Seligkeit gut findest. Dieses alles und was sonst mir nüßlich und selig ist, bitte ich von Dir, mein Gott! im Namen Deines lieben Sohnes Jesu Christi, um deßwillen Du mir es geben, und mein Ge bet erhören wollest, nach Deiner Verheißung. Deinem allerheiligsten Namen sen Lob, Preis, Ehre und Dank, ießt und in Ewigkeit! Amen. Hierauf fann man sprechen die Litaney, und, nächst dem Vater Unser, mit folgenden Worten beschließen: Herr Gott Vater im Himmel, Du Schöpfer aller Dinge! erbarme Dich über uns, und erhöre uns! Herr Gott Sohn, Du Heiland aller Welt! Erbarme Dich über uns, und bitte für uns! Herr Gott heiliger Geist, Du Troster in aller Noth! Erbarme Dich über uns, und seufze in uns! O2 212 M, Chriftian Scriver's Hausopfer. Du heilige, heilige, heilige, hoch. gelobte Dreieinigkeit! Erbarme Dich über uns und sey uns armen Sündern gnädig! vergib uns unsere Sünde, erhalte uns Dein reines feligmachendes Wort, bis ans Ende der Welt, und schenke uns Deinen zeitlichen und ewis gen Frieden! Amen. 215 Tägliche Gewissensprüfungen fammt andern geistlichen Betrachtungen und Liedern. Die tägliche Gewissensprüfung ist eine von den wichtigsten Pflichten unsers Christenthums. Sie hålt, neben der aus dieser, nothwendig fließenden Heiligkeit die Buße und den Glauben in sich, und bestehet eigentlich in einer steten Wache und Achtgebung auf uns selbst und unsere Seele, wie wir in unserm Christenthum und vor Gott stehen? Ob man vor oder hinter sich gehe? Im Guten zu- oder abnehme? Denn wie ein fluger Kaufmann alle Abend seinen Ueberschlag machet, was er des Tages ausgegeben und eingenommen, damit der Verlust den Gewinn nicht übertreffe; wie eine sorgfältige Hausmutter und reinliche Menschen täglich ihre Kleider beschauen, ob dieselben beschmußt oder zerrisfen seyen, damit sie sofort wieder gemacht und gereiniget werden: also muß ein Christ sich täglich prüfen, um dadurch sich von dem Unflath und der Schuld der Sünden zu reinigen. Kein Gold oder Silber ist so rein, es hat seine läuterung; und kein Christ fo fromm, er hat seine Abendprůfung nöthig. Wer sanft ruhen will( sagt jener) muß ein gut Hauptkissen; wer sicher ruhen will, muß eine verschlossene Kammer; wer aber sanft Tägliche und sicher zugleich ruhen will, muß ein gut Gewissen haben; das ist das beste Hauptkissen, und die allerstärkste Bache. In Betrachtung dessen hat der Autor diese also betitelte Gewissensprüfung, was er von dieser Materie in den Schriften einiger frommen Gottesgelehrten gefunden, zusammengetragen, und in diesen wenigen Zeilen verfasset. Es ist nicht für die Gelehrten und Geübten geschrieben,( denn diese wissen schon, wie sie sich prüfen sollen, obwohl leider! manche es unterlassen, und daher ihre Verantwortung desto schwerer machen, je mehr sie vor Andern des Herrn Willen wissen, und doch nicht thun,) sondern den Einfältigen zum Besten: und hat der Autor geglaubt, es sey nicht genug, wenn nur er, sammt den Seinigen, mit solcher Gewissensprüfung alle Abend vor Gott trete, und der, den Tag über mit man= chen wissent und unwissentlichen Sünden verscherzten göttlichen Gnade, sich wiederum verfichere: sondern es sey ein nöthiges Stück seiner christlichen Pflicht, auch Andere dessen zu erinnern, und wie es anzustellen, sie anzuweisen. Wem nun die gute Meinung des Autors beliebet, den wird es schwerlich jemals gereuen. Wer sich aber bedunken låffet, er habe solcher Průfung nicht nöthig, der irret sehr, und gibt damit an den Tag, er glaube nicht, was der Geist des Herrn durch den Propheten sagt: 214 Es ist das Herz ein betrüglich Ding. Jerem. am 17. Kap. V. 9. Liebe Seele! wir sind nun abermal dem Ende unsers Lebens, dem jüngsten Gerichte und der 215 Gewissensprüfung. unendlichen Ewigkeit einen Tag näher gekommen, und weil derjenige, der nicht zum wenigs sten alle Tage einmal nach allen Kräften sich kehret zum Grund seiner Seele und Gewissen, noch nicht lebet, wie ein frommer Christ leben soll: so lasse uns jetzt hinabsteigen in die Tiefe unsers Herzens und Gewissens, und unser Wesen durchforschen, auch besehen, wie Du aussiehest: damit nicht, wenn wir uns ohne Prüfung zur Ruhe begeben, das Bette unsere Hölle sene, noch wir zur Herberge des Sa tans werden mögen. Bin ich geschickt zu einem seligen Sterbstündlein, wenn mich. der Tod etwa diese Stunde oder diese Nacht überfallen sollte? In welcher Verfassung stehen meine Gedanken? In welchem Zustand befinde ich mich? Kann nicht unversehens die Nachricht kommen: diese Stunde oder diese Nacht wird man Deine Seele von Dir nehmen? Getraue ich mir wohl mit gutem Gewissen und freudigem Herzen vor dem Nichterstuhl Jesu Christi zu erscheinen, vor allen Engeln und Menschen, wenn er, der Richter der Lebendigen und der Todten, diese Stunde oder diese Nacht plötzlich vom Himmel kommen sollte? Bin ich in meinem Gewissen versichert, daß ich nicht werde verdammt, sondern selig werden? Habe ich die: sen vergangenen Tag mit schuldiger Andacht, mit innigem Lob und Preis meines Gottes, und Anrufung seines heiligen Namens, ange= fangen, meines Taufbundes mich erinnert, und mit allen meinen Kräften und Vermögen zum Dienst Gottes und des Nächsten mich ergeben? Habe ich heute stets, als vor dem allerheilig 216 sten Angesicht des allgegenwärtigen majestätischen Gottes gewandelt, und ihm mit Wissen nnd Willen nicht erzürnet, noch beleidiget? Habe ich meinen Beruf, Umt und Geschäft in der Furcht und Liebe Gottes, bloß zur Ehre seines heiligen Namens, ohne alle Eigenehre und Nußen, auch zum Dienst, Nutzen und Liebe des Nächsten verrichtet, die Zeit recht gebraucht, und sie mit Müßiggang, Spielen, noch anderer thörichter Weltlust nicht verdorben? Hab ich mein Weib zur heiligen Furcht Gottes, und zur Erkenntniß seines heiligen Willens angeführet, desgleichen meine Kinder und Gesinde? Habe ich diese in der Zucht und Vermahnung zum Herrn auferzogen, für sie gebetet, und also für ihre zeitliche und ewige Wohlfahrt gesorget, und damit ich ihnen das beste Erbgut, nämlich die Gnade Gottes und seinen Segen hinterlaffen möchte, eines heiligen Wandels mich beflissen? Habe ich sie nicht ver: zärtelt, und in der Bosheit ohne ernste Strafe fortwachsen lassen? Bin ich ihnen mit bösen Erempeln, in Worten und Werken nicht ärger: lich gewesen? Hab ich hingegen mit guten Erempeln ihnen vorgeleuchtet und nichts verstattet, als was ehrbar und christlich, und sie, als eine theure Gottesgabe, vor der Welt Alergerniß mit allem Fleiße bewahrt? Hab ich, wo ich gewesen und mit denen ich umgegan= gen, allenthalben und bei allen mich eines guten Gewissens, der Reinigkeit des Herzens, desgleichen der Zucht und Keuschheit mich befliffen, und darum den Höchsten eifrig ange: rufen? Hab ich mich auch allemal in GedanTägliche 217 Gewissensprüfung. ken keusch, in den Worten züchtig, in Geber: den schamhaftig, in der Kleidung ehrbar ver: halten: oder hab ich etwa nicht vielmehr unreine Gedanken geheget? Meide und hasse ich von Herzen Ehebruch, Hurerei, schändliche Brunst, viehische Lust, unordentlichen Beischlaf, Buhlerei, Betastung, Küssen, unzüchtige Gesellschaft, Gespräch, Gesang und Bücher? Fliehe ich leichtfertige Tänze, dergleichen Spiel, wie auch Pfeifer und Geiger, als Anreizungen und Lockvögel zur verbotenen Welt: und Sündenlust? meide ich solches ärger, als den Teufel felbst? oder habe ich Wohlgefallen daran gehabt, und ein und anderes begangen? Hab ich meinem Nächsten mit Rath und That gerne geholfen? Bin ich ihm nicht ärgerlich, son: dern erbaulich gewesen? Was hab ich ge= redet? Hab ich mir Scherz und Narrenpoffen belieben lassen, und ist nicht Fluchen oder Schwören mit untergelaufen? Hab ich meines Nächsten Fehler und Gebrechen mit ge= bührender Bescheidenheit und christlicher Sanft: muth gestraft, oder durch Stillschweigen mich fremder Sünden theilhaftig gemacht? Habe ich in meinem Haus, Beruf oder Geschäften unzeitig geeifert, gepoltert und gestürmet? Hab ich mich auch gegen meinen Nächsten in dem Herzen günstig und liebreich, in den Geberden und Worten holdselig, freundlich und fanftmüthig, auch demüthig und barmherzig in Werken erzeigt? Auch Niemand weder an Leib, Ehr noch Gut, weder mit Gewalt noch List, weder mit verstellten Geberden, grimmigen Worten noch feindseligen Werken betrübet, Tägliche Gewissensprüfung. niß meiner Umwürdigkeit, mäßig, zur Noth: durft und nicht zur Wollust, genossen? Hab ich bedacht, daß die Kreaturen über den schändlichen Mißbrauch) seufzen, darüber sich ängstigen, und durch solche Angst den Menschen bei ihrem Schöpfer verklagen? Bedenke ich, daß eine schwere Rechnung darauf erfolget, daß durch Unmäßigkeit der heilige Geist vertrieben, Gottes Zorn erwecket, die Amtsgeschäfte ver= hindert, ja alle Laster und alles Seelen: und Leibesunheil gestiftet wird? Habe ich etwa heute aufs Neue eine schwere Sünde begangen? Von welchen Fehlern bin ich übereilet wor den? Wo und wie habe ich mit bösen Gedanken, Worten und Werken gesündiget, wider Gott oder Menschen? Wie viel Gutes habe ich unterlassen? Wie viel Böses habe ich ges than? Hab ich mich von den bösen Lüften überwinden lassen, oder hab ich sie durch Gottes Kraft überwunden, sie gedämpfet, und meinen bösen Willen gebrochen? Soll mich der Tod oder der jüngste Tag in meinen Sünden ergreifen? 220 Ach mein Gott! ich sehe nun in dieser Prüfung den Sünden: Schlamm, womit meine Seele befleckt ist; bekenne auch zugleich, daß ich die Menge meiner Sünden nicht mehr ergründen, noch erforschen kann. Barmherziger, Himmlischer Vater, gehe mit mir, Deinem un würdigsten Knechte, nicht ins Gericht! Ach! ich bin nicht werth, daß ich Dein Kind heiße. Erbarme Dich meiner; und sey mir gnädig um Jefu Chrifti willen, Amen. Ach, mein Gott! Tägliches Gebet eines frommen Christen. 221 gib, daß ich Dich, mich und die Welt recht er: kennen möge! Umen. O Mensch! bedenk die letzten Dinge, Was Tod und Auferstehung bringe: Fürchte Gott und sein Gericht, Himmel, Höll, ist kein Gedicht. Tägliches Gebet eines frommen Christen nach jebem Morgen und Abendfegen um gute Vorbes reitung zum Tode zu sprechen. Ach lieber Gott und Herr! Ich lebe, aber ich weiß nicht, wie lange; ich muß sterben, und weiß nicht wo oder wann; Du, mein himmlischer Vater! weißt es. Wohlan! soll dieses Stündlein oder dieser Tag etwa der letzte Tag( die letzte Nacht) meines Lebens seyn. Herr! Dein Wille geschehe, der ist allein der beste! Nach demselben bin ich bereit, in wahrem Glauben an Christum, meinem Erlöser, zu leben und zu sterben. Allein, lieber Gott! gewähre mir nur diese Bitte, daß ich nicht möge plößlich in meinen Sünden sterben und verderben. Gib mir rechtschaffene Erkenntniß, Reue und Leid über meine begangene Sünde und stelle sie mir noch in diesem Leben vor die Augen, damit sie mir nicht am jüngsten Tag vor dieselben geführt, und ich dadurch vor En Tägliches Gebet geln und Menschen zu Schanden werden möge; sondern verleihe mir so viel Zeit und Raum zur Buße, daß ich meine Ulebertretung von Herzen erkennen, bekennen, und derselben Vergebung und Trost aus Deinem seligmachenden Worte erlangen möge. Uch! barmherziger Vater, verlaß mich nicht, und nimm ja Deinen heiligen Geist nicht von mir! Mein Herz und meines Herzens Zuversicht ist Dir, o Herzenskündiger, wohl bekannt, in derselben erhalte mich zum ewigen Leben! Laß mich sterben, wann, wie und wo Du willst! verleihe mir nur ein vernünftiges, sanftes und seliges Ende. Umen! Herr Jesu! nimm meine Seele in Deine Hände, und laß sie Dir befohlen seyn! Amen. 222 Herr Jesu Christ, Du höchstes Gut, Sch bitt Dich durch Dein theures Blut, Mach nur mein letztes Ende gut! Ob gleich daffelb ist wunderlich, So laß es doch seyn seliglich! Ach getreuer und barmherziger Gott! behüte mich vor langwieriger, schmerzlicher Krankheit, und vor einem bösen schnellen Tod; laß mich ja nicht in unerkannten Sünden übereilet, ohne wahre Buße sterben. Gib mir ein vernünftiges, stilles, sanftes und seliges Ende, ohne Furcht und Schrecken, Ungst und Schmerzen; und laß mich bei guter Vernunft, mit gutem Bedachte, ein gutes christliches und seliges Ende nehmen. Jedoch ich Dich nicht lehren will, noch Dir mein End' vorschreiben; Dir will ich allweg halten still, bei Deinem Wort stets bleiben, und glauben, daß Du als ein Fürst des - eines frommen Christen. Lebens mich erhalten wirst, ich sterb gleich, wo ich wolle. Deshalb ich mich in meinem Sinn mich Dir werd ganz ergeben: Denn sieh der Tod ist mein Gewinn, Du aber bist mein Leben, und wirst mein Leib ohn' alle Klag, ( das weiß ich g'wiß) am jüngsten Tag, zum Leben auferwecken.- Deinen Namen laß mich bis zum letzten Seufzer frei bekennen und anrufen, oder, wenn ich ja nicht mehr reden kann, solchen in meinem Herzen haben, und meine Seele in Deine Hände herzlich befehlen. Das verleihe mir, mein lieber Gott und Vater, um Deines Sohnes Jesu Christi Blut und Todes willen, in Kraft des heiligen Geistes! Amen. 223 224 Thomä von Kempis Todes betrachtung. fur Erinnerung der Sterblichkeit einer bußfertigen Seele. Diese geistreiche Betrachtung kann auch gesungen werden nach der Melodie des bekannten Liedes: Treuer Gott, ich muß dir klagen ic. Oder: Zion klagt mit Angst und Schmerzen ze. I. Denket doch, ihr Menschenkinder! an den letzten Todes Tag, denket doch, ihr frechen Sünder! an den letzten Seigerschlag! Heute sind wir frisch und stark, morgen füllen wir den Sarg; und die Ehre, die wir haben, wird zugleich mit uns begraben. 2. Doch wir schwache Menschen sehen nur, was uns in die Augen fällt: Was nach diesem soll geschehen, bleibt an seinen Ort gestellt; an der Erden kleben wir, leider, über die Gebühr; aber nach dem andern Leben will der Geist sich nicht erheben. 3. Wo ihr euch nicht selber haffet, ach! so legt die Thorheit ab: Was ihr thut, und was ihr laffet, so gedenkt an euer Grab. Ewig Glück und Ungelück, hängt an einem Augenblick. Niemand kann uns Bürgen geben, daß wir noch bis morgen leben. 4. Ungewissenhafte Leute zittern vor des Todes Pein: Gute Christen wollen heute lieber aufgeldset seyn; denn sie wissen, daß der Tod, ist ein Ausgang ihrer Todesbetrachtung. ihrer Noth: und gemahlte Todtenköpfe, sehn sie an als Blumentopfe. 225 5. Vor der Sünde soll man zittern, weil sie Gottes Zorn entzündt; aber nicht vor Leichenbittern, welche gute Boten sind. Einmal müssen wir daran, lieber bald dazu gethan. Heute laßt uns lernen sterben, daß wir morgen nicht verderben. 6. Was hilft doch ein langes Leben, ohne Buß und Besserung? Wer nicht will nach Tugend streben, ach! der sterbe lieber jung. Unsre Bosheit nimmt nicht ab, sondern mehrt sich bis ins Grab: Frei von Sunden wird man nimmer, mancher wird ja täglich schlimmer. 7. Daß doch nur ein Tag des Lebens möchte frei von Lastern seyn! Doch mein Wünschen ist vers gebens, unter uns ist Niemand rein. Man bleibt fündig von Natur, bei der neuen Kreatur. Viele pfles gen Scherz zu treiben, wenn sie sich an Gott ver: schreiben. 8. Langes Leben, große Sünden! große Sünde schwerer Tod! Lernet das an einem Kinde, dem ift Sterben keine Noth: Selig, wer bei guter Zeit sich auf seinen Tod bereit, und so oft die Glocke schläget, seines Lebens Ziel erwäget. 9. Jede Patienten Stube kann euch eine Schule seyn. Fährt ein Andrer in die Grube, wahrlich, ihr müßt auch hinein. Steht ihr auf, so sprecht zu Gott: Heute kommt vielleicht der Tod. Legt ihr euch, so führt im Munde: Heute kommt vielleicht die Stunde. 10. Stündlich sprecht: In Deine Hände, Herr, befehl ich meinen Geist! daß euch nicht ein schnelles Ende unverhofft von hinnen reißt. Selig, wer sein Haus bestellt; Gott kommt oft unangemeldt: Und des Menschen Sohn erscheinet zu der Zeit, da mans nicht meinet. B. Schmolcken's Andachten. P Thomå von Kempis 11. Das Gewissen schläft im Leben, doch im Tode wacht es auf: Da sieht man vor Augen schweben seinen ganzen Lebenslauf! Alle seine Kostbarkeit gåbe man zur selben Zeit, wenn man nur gescheh'ne Sachen ungeschehen könnte machen. 226 12. Darum brauchet eure Gaben dergestalt in dieser Zeit, wie ihr wünscht gethan zu haben, wenn sich Leib und Seele scheidt. Sterben ist kein Kinderspiel: wer im Herren sterben will, der muß ernstlich darnach streben, wie man soll im Herren sterben. 13. Diese Welt geringe schätzen, allen Lastern widerstehn, an der Tugend sich ergsten, willig Gottes Wege gehn; wahre Lebensbesserung, ftete Fleisches Züchtigung, sich verläugnen, und mit Freuden, Schmach um Chrifti willen leiden: 14. Das sind Regeln für Gesunde, da man Zeit und Kräfte hat: In der letzten Todesstunde ist es insgemein zu spat; Krankheit gleicht der Pilgrims schaft, feines gibt dem Geiste Kraft: Beides macht die Glieder müde, und verstört den Seelenfriede. 15. Trauet nicht auf Seelen: Messen, die man ben Verstorbnen hält! Todte werden bald vergessen, und der Baum liegt, wie er fällt! Ach bestellt selbst euer Haus, machet hier die Sachen aus; fremde Bitten und Gebete kommen hinten nach zu spåte. 16. Suchet Gott stets zu verfühnen, greifet selbst nach Christi Blut! Kein Gebete wird euch dies nen, das man nur zur Fröhne thut. Denkt ihr selber in der Zeit nicht an eure Sterblichkeit; wahrlich in der Grabeshöhle sorgt kein Mensch für eure Seele. 17. Jetzund ist der Tag des Heiles, und die angenehmste Zeit: Aber, leider! meistentheiles lebt die Welt in Sicherheit. Täglich ruft der treue Gott; doch die Welt treibt ihren Spott. Ach! die Stunde wird verfließen, und Gott wird den Himmel schließen. 18. Da wird mancher erst nach Dele bei des Brautgams Ankunft gehn, und da wird die arme Todesbetrachtung. Seele vor der Thüre müssen stehn! Darum haltet euch bereit, füllt die Lampen in der Zeit; sonst er. schallt das Lied vom Ende: Weicht von mir, ihr Hollenbrande! 19. In dem ganzen Bibelbuche kommt mir nichts so schrecklich für, als die Worte von dem Spruche: Ihr Verfluchten, weicht von mir! Selig, der davor erschrickt, eh er noch den Tod erblickt! Furcht und Zittern bie auf Erden schafft, daß wir dort selig werden. 227 20. Hier in lauter Freuden schweben, macht im Tobe lauter Noth; aber auf ein traurig Leben folgt ein freudenreicher Tod. Drum mit dieser Welt hinweg! achtet sie für Roth und Dreck*), und erhebet eure Sinnen, daß sie Christum recht gewinnen. 21. Eobtet eure bdsen Glieder, freuzigt euer Fleisch und Blut. Drückt die böse Lust darnieder, brecht dem Willen seinen Muth. Werdet Jesu Christo gleich, nehmt sein Kreuz und Joch auf euch; daran wird euch Christus kennen, und euch seine Jünger nennen. 22. Auf ein langes Leben harren, da man tåg. lich sterben kann, das gehört für einen Narren, nicht für einen klugen Mann. Mancher spricht bei Geld und Gut: liebes Herz, sey wohlgemuth! und in vier und zwanzig Stunden ist die Seele schon verschwunden. 23. Ach wie ofte hört man sagen, daß ein Mensch, entleibet sen! Ach! wie mancher wird erschlagen, oder bricht den Hals entzwei, einen andern rührt der Schlag wohl im Sauf- und Spielgelag. Mancher schlummert ohne Sorgen, und erlebet nicht den Morgen. 24. Feuer, Wasser, Luft und Erden, Blitz und Donner, Krieg und Pest, müssen unsre Mörder werden, wenn es Gott geschehen läßt. Niemand ist vom Code frei; nur die Art ist mancherlei. Insgemein sind unsre Stunden, einem Schatten gleich verschwunden. * Phil. 3, v. 8. P2 Thomå von Kempis Todesbetrachtung. 25. Nach Verfließung dieses Lebens hålt Gott feine Gnadenwahl: Jener Reiche rief vergebens in der Pein und in der Qual: Fremdes Bitten hilft euch nicht, und wer weiß, obs auch geschieht. Also fallt in wahrer Buße eurem Gotte selbst zu Fuße. 228 26. Sammelt euch durch wahren Glauben einen Schatz, der ewig währt, welchen euch kein Dieb kann rauben, und den auch kein Rost verzehrt. Nichts ist Ehre, nichts ist Geld, nichts ist Wollust, nichts ist Welt. Alles Trachten, alles Dichten muß man auf die Seele richten. 27. Freunde machet euch in Zeiten mit dem Mammon, den ihr habt, lasset von bedrängten Leus ten keinen Menschen unbegabt. Christus nimmt die Wohlthat an, gleich als war es ihm gethan; und der armen Bettler Bitten hilft euch in des Himmels Hütten. 28. Euer Wandel sey im Himmel, da ist euer Bürgerrecht; lebt in diesem Weltgetümmel unbekannt, gerecht und schlecht. Flieht vor aller Sclaverei, machet eure Seele frei, daß sie sich zu Gott erhebe, und hier als ein Fremdling lebe. 29. Diese Gnade zu erlangen, sparet das Gebet ja nicht; netzt mit Thränen eure Wangen, bis daß Gott sein Herze bricht. Rufet Jesu Christo nach, wie er dort am Kreuze sprach: Vater, nimm an meinem Ende meine Seel in Deine Hände! CRIS 229 Gebete auf die vornehmsten Feste des Jahrs. Gebet auf die heilige Adventszeit. Hochgelobter Heiland, Du König der Ehren, Jesu Christe! ich preise Deine Treue, daß Du Dich zu der von Deinem himmlischen Vater bes stimmten Zeit hast senden lassen, und Deinen Einzug in Jerusalem halten wollen, zur Verficherung, Du senest eben der, so durch den Mund Davids gesprochen: Siehe, ich komme, im Buche ist von mir geschrieben, Deinen Willen, mein Gott! thue ich gerne, und Dein Gefets habe ich in meinem Herzen. Aber Du hast nicht nur ehehin sichtbar zu Jerusalem eingezogen: Du kommst noch immer geistlicher Weise zu uns. Du klopfest an unsere Herzen an, und willst allda Deinen Einzug halten. Du sendest noch immer Deine Boten aus, daß sie alles, was zu Deinem Einzug in uns erforderlich ist, sorgfältig veranstalten sollen. Ach, so regiere doch mein Herz, daß ich ihnen das nicht abschlagen möge, was sie in Deinem Namen von mir verlangen werden; mache, daß ich Dir mein Herz willig zu überlassen bereit sen, sobald sie sagen: der Herr bedarf sein zu seiner Wohnung. Ja, mache Du die Thore selbst weit und die Thüren in der Welt hoch, daß Du, König der Ehren! einziehen könnest.. ENTE 230 Gebet auf die heilige Adventszeit. Bestelle noch ferner treue Wächter auf unsern Mauern, die nimmer still schweigen, und der Tochter Zion beständig zurufen sollen: Siehe, Dein König kommt zu Dir. Neige meine Sinnen, daß mir in der ganzen Welt nichts zu lieb sen, es zu Deinem Dienste und zur Beförderung Deines Reiches herzugeben und fahren zu lassen! Schaffe, daß ich gerne den befleckten Rock des Fleisches ausziehe, und zu Deinen Füßen niederwerfe, und die Zweige der Sünden von mir und meinen Gliedern, als in welchen die sündliche Lust, wie der Saft in natürlichen Bäumen kräftig ist, dem Tod Frucht zu bringen, abhauen, und Dir zu Dienste auf dem Wege streuen möge. Richte Dir, wo nicht aus dem Munde der Weisen, Gewaltigen und Edlen, doch aus dem Munde der Thörichten und Schwachen, der Unmündigen und Säuglinge, ein Lob zu, damit Dein Lob niemals unter uns aufhöre. Gib Dich meinem Herzen, als einen solchen nen, der da sen ein Gerechter und ein Helfer, arm und sanftmüthig. Wenn ich mich gleich, wegen meiner Sünden vor Dir, als einem ge= rechten Könige fürchten sollte; so erfreue mich doch Deine Gerechtigkeit, weil sie nicht mit meiner Bestrafung bemühet ist, sondern vielmehr damit, daß sie mich gerecht mache, und mein eigen werde. Denn Du bist das gerechte Gewächs Davids, und der König, der wohl regieret, und Recht und Gerechtigkeit auf Erden anrichtet, und dieß ist Dein Name, daß man Dich nennet: Herr, der unsre Gerechtigkeit ist! Sen mein Helfer in allen leiblichen und König zu erken 231 Gebet auf das Fest der Geburt Chrifti. geistlichen Nöthen, in aller Gefahr, in allen Versuchungen und Anfechtungen, und besonders in der Todesnoth, wenn mir alle menschliche Hilfe zerrinnen wird. O wie gerne will ich Dich in Deiner niedrigen Gestalt annehmen und für meinen König erkennen, weil ich gewiß überzeugt bin, daß mir dieses zum Heil gereicht. Denn ich weiß Deine Gnade, Herr Jesu Christi! daß, ob Du gleich reich warest, Du doch auch um meinetwillen arm geworden bist, auf daß auch ich durch Deine Armuth reich und ewig selig würde. Hast Du in Deiner Niedrigkeit gelernet Mitleiden mit uns zu haben, und worin Du gelitten haft und versucht worden bist, zu helfen denen, die ver= sucht werden; ach! so sen auch gegen mich ein fanftmüthiger König, der mich nicht in Zorn von sich stoße, sondern mit großer Geduld trage! Verstoß mich nicht, mein Heiland, und laß mich nicht nur noch dieses Gnadenjahr stehen, sondern mache aus mir einen Baum zu Deinem Preis, der einstens in Dein himmlisches Paradies könne versetzt werden, so will ich Deinen Namen ewig rühmen, und Dir danken, daß Du so gnädig bist! Amen. Gebet auf das Fest der Geburt Christi. Heiliger und verborgener Gott, der Du von Ewigkeit her aus Deinem Wesen auf eine uns unbegreifliche Weise einen Sohn gezeuget, Dank, Ruhm und Preis sey Dir gesagt, daß Du uns diesen Deinen einigen Sohn zum Mittler und Erlöser geschenket hast! Wie groß ist Gebet Deine väterliche Liebe und Erbarmung, daß Du denselben auch als wahren Menschen, in der Fülle der Zeit aus einer reinen Jungfrau haft laffen geboren werden. Damit hast Du uns ja einen sichern Beweis Deines gnädigen Willens gegeben, daß alle, die an ihn glauben, nicht sollen verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Dank sey Dir, lieber Jesu, daß Du unser Bruder worden bist, und der Jung: frauen Leib nicht verschmähet hast. Auch Dir, Gott heiliger Geist, sen Preis und Dank, daß Du Mariam begnadiget und sie überschattet hast, daß das Heilige, das von ihr geboren wurde, Gottes Sohn hieß. Ach! wie freuet sich mein Herz, wenn ich mich auch heute bei der Krippe meines Heilandes einstelle, und im Glauben das kindlich große Geheimniß, daß Gott im Fleisch geoffenbaret worden ist, freudig anschaue. Hier finde ich alles, was mich in Zeit und Ewigkeit beglücken kann. Du bist mein Prophet, der Weg, die Wahrheit und das Leben. Du bist mein Hoherpriester, der einmal in das Heilige eingegangen, und auch für mich eine ewige Erlösung erfunden hat. Du bist mein König, der mich schon hier in sein Gnadenreich aufgenommen, und dort ewig zu Ehren setzen wird. Deine heilige Geburt hat meine sündliche Empfängniß und Geburt geheiliget: sie hat alles weggeschafft, was mich von meinem Gott scheiden könnte. Du hast mir lauter Segen mitgebracht. Ich nehme also die englischen Trostworte eben so freudig an, wie dort die Hirten. Meine Sünden, die ich schmerzlich beweine, sollen mich nicht erschrecken, 232 233 auf das Fest der Geburt Christi. noch den Trost der Engel aus dem Herzen rauben, da sie auch zu mir sagen: Fürchte Dich nicht! Alle meine Betrübniß, welche von Kreuz und Trübsal, Krankheit, Armuth und Verfolgung herrühren kann, muß ferne von mir seyn, da auch mir die fröhliche Botschaft vom Himmel gebracht worden ist, die in mein Herz eindringet: ich verkündige euch große Freude, euch ist heute der Heiland geboren. Uch! ich weiß es, Du läßt die Freude, die Du allem Volke haft verkündigen lassen, auch mir heute und allezeit widerfahren. Auch mir ist ein Heiland geboren, der mir aus allen meinen geistlichen und leiblichen Nöthen helfen wird. Ach! Herr Jesu, schaffe nur in mir, durch Deinen Geist, daß ich Deiner nimmermehr vergesse, und daß auch durch mich die Ehre Gottes in der Höhe möge ausgebreitet werden. Dir will ich mich ganz ergeben. Heilige mich nur selbst durch und durch, und mache Dir aus meinem armen Herzen eine liebliche Wohnung, wo Du ewiglich bleiben mögest. Hast Du mich aufs Neue zu einem Kind Gottes gemacht, ach! laß mich diese Gnade niemals wieder verlieren; auf daß Dein himmlischer Vater an mir ein beständiges Wohlgefallen finden möge. Und so leite und führe meinen Gang, so lange ich hier auf Erden bin, damit ich auch einstens mit in das Lob der heilgen Engel möge einstimmen, und Deinen Ruhm in alle Ewigkeit verkündigen können. Erhöre mich, erhöre mich um Deiner heiligen Geburt willen! Amen. 234 Gebet Gebet zum Beschluß des Jahrs. Barmherziger Vater, wie kann ich Dir doch vergelten alle Deine Güte und Treue, die Du an mir gethan hast! Der Herr, unter dessen Schuß und liebreichen Beistand ich abermal ein vergängliches Jahr zurück gelegt habe, hat Großes an mir gethan, deß bin ich fröhlich. Uch Gott! wie theuer ist Deine Güte, daß Menschenkinder unter dem Schatten Deiner Flügel trauen! Wie theuer ist Deine Güte, die sich auch das verfloffene Jahr an mir so herrlich bewiesen hat! So viele Tage, Stunden und Augenblicke ich zähle, so viele Wohlthaten hast Du an mir gethan; ja sie sind gar nicht einmal zu zählen und auszusprechen. Wie oft hast Du mich in der vergangenen Zeit mit Deinem Worte gelabet; wie sehr ergößten Deine Tröstungen meine Seele, wenn Du mir die gnädige Ver: gebung meiner Sünden ankündigen, und mich in dem heiligen Abendmahl mit dem Leibe und Blute meines Heilandes erquicken ließest! Wie vieles Gedeihen hast Du zu meinen Berufsarbeiten gegeben, und mit wie vielem und reichem Segen hast Du alle meine Bemühungen geFrönet? Leben und Wohlthat hast Du auch dieses Jahr an mir gethan, und Dein Aufsehen hat meinen Odem bewahret. Du hast so manche Gefahr, die mich und die Meinigen hätte treffen können, in Gnaden abgewendet, und mich unter Deinen mächtigen Schutz genommen, daß mich kein Unfall treffen konnte. Ach, wie liebreich hast Du Deine Flügel über mich ausgebreitet, wenn sich der Feind an mich ge 235 zum Beschluß des Jahrs. wagt hat! Und wie oft hab ich erfahren, daß Du gnädig bist, und so gerne hilfeft, wenn ich Dich in meiner Noth um Hilfe und Bei stand angerufen habe. Du erhörtest mein Flehen, und mein Gebet nahmest Du an. Du haft mir Hilfe gesendet vom Heiligthum, und mich gestärket aus Zion. War ich schwach, so warest Du meine Stärke; strauchelte ich, so hieltest Du mich bei meiner rechten Hand, daß ich nicht fallen konnte. War ich traurig, so erfülltest Du mein Herz mit Freude. Darum will ich Dir danken und Deinen großen Namen preisen, daß Du so wohl an mir gethan hast. Ach Herr! ich bin zu gering, aller Barmherzigkeit und Treue, die Du an mir thust. Sey Du nur ferner mein Gott und mein Heiland. Laß mich mit dem Beschluß dieses alten Jah= res alles, was Dir mißfällig ist, beschließen, und den alten Menschen ausziehen, und mit dem Anfang des neuen Jahres dagegen den neuen Menschen anlegen, der nach Dir, mein Gott! geschaffen ist, in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit. Gedenke in dem neuen Jahre nicht der Sünden meiner Jugend und meiner vorigen Uebertretungen; sondern gedenke meiner nach Deiner Barmherzigkeit um Deiner Güte willen. Und so beschließe ich denn die: ses alte Jahr mit Danken und Loben. Soll aber dieses das letzte Jahr seyn, das ich auf meiner irdischen Pilgrimschaft zu Ende bringen werde: ach! so sey bei mir, Du mächtiger und starker Gott, in aller und besonders in der letzten Noth, damit ich auch wider den letzten Feind, den Tod, alles wohl ausrichten, und Gebet 236 das Feld behalten möge. Ach ja, mein Gott! Soll dieses Jahr das letzte seyn in diesem Jammerthal, so führ mich, Herr, im Himmel ein, zur auserwählten Schaar. Und also leb und sterb ich Dir, Du starker Zebaoth, im Tod und Leben hilfst Du mir aus aller Angst und Noth! Amen. a Gebet am neuen Jahrstage. Ewiger unveränderlicher Gott, der Du bleibest, wie Du bist, und dessen Jahre kein Ende neh: men, sondern für und für währen: ich komme bei dem Anfang dieses abermal erlebten neuen Jahres vor Dein Ungeficht mit Danken und Loben, aber auch aufs Neue mit meinem Ge bete und Flehen. Du hast mich in dem abgewichenen Jahre, und in den vorigen Zeiten, täglich, ja stündlich und augenblicklich erfahren lassen, daß Deine Güte reichet, so weit der Himmel ist, und Deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen. Sie war alle Morgen neu über mir. Du warest mein Hort, meine Hilfe, mein Schuß, daß mich kein Fall stürzen konnte, wie groß er war. Du warest bei mir in der Noth, und ließest mich Deine wunderbare Hilfe in dem reichsten Maas erfahren. Deine Segensbrünnlein hatten Wassers die Fülle, darum konnte es mir nie an Erquickung fehlen, wenn mich Dein Rath auch manchmal auf die dor: nigten Kreuzeswege leitete. Du hattest Geduld mit meiner Schwachheit, und ertrugest mich mit väterlichem Erbarmen. Und wenn mich Deine liebreiche Hand auch zuweilen die 237 am neuen Jahrstage. Ruthe empfinden ließ, so schontest Du doch meiner, wie ein Mann seines Sohnes schonet, der ihm dienet. Für diese Deine Treue und unverdiente Güte, o ewiger Erbarmer, soll Dir Heute in meinem Herzen ein Dankaltar auf gerichtet werden: und auch mein Mund soll Deinen Ruhm verkündigen, so lang ich lebe. Mein Herz ist bereit, Gott, mein Herz ist be: reit, daß ich finge und lobe. Nimm nur das schwache Lob hier auf Erden gnädig an, dort soll es, wenn einst keine Zeit mehr seyn wird, besser werden. Unterdessen, da ich nach Dei: nem Nath einen neuen Theil der veränderlichen Beit erlebet habe, so flehe ich Dich, den alten treuen Bundesgott inbrünstig an, Du wollest Dich meiner, der ich beides Dein Bürger und Dein Pilgrim bin, ferner in Gnaden annehmen. Laß Deine Gnadensonne in diesem neuen Jahre abermal neu über mir aufgehen, und laß mich auch die übrigen Tage, die ich noch hier in der Fremde zubringen soll, erfahren, daß Du alles wohl machest. Denke an mich, denke an uns alle und segne uns. Segne das Haus Israel, segne das Haus Aaron, segne alle, die Dich Wende fürchten, beide Kleine und Große. von uns auch dieses Jahr alle Gefahr ab, die uns schaden könnte. Der Du Deine milde Hand so gerne aufthust, und alles mit Wohlgefallen sättigest, laß keinen zu Schanden werden, der auf Dich hoffet. Kröne die Früchte auf dem Lande mit Deinem Segen, und verherrliche Dich in allen Häusern und bei allen Gewerben, als den Herrn des Segens, und als den Gott, von dem alle guten und vollkommenen Gaben 238 Gebet 11 Herkommen. Laß Treue und Gerechtigkeit bei uns einander küssen, daß ein jeder das, was ihm Deine milde Hand gibt, in Friede genie: Ben möge. Reicher Gott, ich weiß, Du hast auch einen Segen für mich. Ach! so laß mich auch dieses Jahr reich werden an allerlei geistlichem Segen in himmlischen Gütern; und willst Du mir auch im Irdischen etwas zuwerfen, so schenke mir auch ein zufriedenes und dankbares Herz dazu. Ich weiß, daß ein jeglicher Tag, auch in dem neuen Jahre, seine eigene Plage haben werde. Laß mich nur nicht über Vermögen versucht werden, sondern mache, daß alle Versuchungen, die über mich kommen sollen, so ein Ende gewinnen, daß ich es möge ertragen können. Heilige Du mich selbst durch und durch, daß Dir nicht nur mein Geist ein angenehmer Tempel, sondern auch mein Leib ein lebendiges, heiliges und Dir wohlgefälliges Opfer senn möge. Und, o mein Vater, hast Du dieses Jahr meinen Tod bestimmt, so befehle ich meine Seele in Deine treuen Hände! Führe mich alsdann ein in Dein Reich, wo ich, erlöset von allem Uebel, Deine Güte ganz fröhlich werde rühmen können immer und ewig! Amen. Gebet auf die Passionszeit. Herr Jesu Christe, Du einiger Mittler und Erlöser aller Menschen, wie groß ist Deine Liebe gegen uns arme Sünder! Wie groß ist auch Deine Liebe gegen mich, der ich Dich so oft mit meinen Sünden beleidiget und er auf die Passionszeit. 239 zürnet habe! Wir erinnern uns zu dieser Zeit an alles, was Du uns armen, verlornen und verdammten Menschen zum Besten gelitten hast. Du warest das unbefleckte Lamm Gottes, der heilige, der unschuldige, der unbefleckte Hohepriester, der niemals eine Sünde gethan hat, und doch haft Du Dich dem allerschmählichsten Leiden, ja selbst dem schmerzlichsten Tode übergeben, nur daß Du uns von dem Fluch und Tode erlösen möchtest. Du ließest Dir Wunden schlagen, nur damit wir durch Deine Wunden geheilet, und in denselben finden möchten Hilfe und Rath für unsere Missethat. Du ergabeft Dich billig in die Hände Deiner bitter: sten Widersacher, damit Du uns aus der Hand unsrer Feinde, des Teufels, des Todes und der Sünde erlösetest. Du hieltest Deinen Rücken dar denen, die Dich schlugen, und Deine Wangen denen, die Dich rauften, Du wurdest der Allerverachtetste und Unwertheste, nur damit wir Arme nicht in ewiger Verachtung bleiben, und von dem Ungesichte Deines Himmlischen Vaters nicht möchten verstoßen werden. Du ließest Dich von ungerechten Richtern verdammen, auf daß nur an uns, die wir doch des Todes schuldig waren, nichts Verdammliches möge erfunden werden. Und endlich gingest Du auch voller Geduld und Sanftmuth den bittern Todesgang. Verschmähet, verspeiet, verspottet, von Jedermann verlassen, hiengest Du als ein Fluch am Holz damit uns der Fluch nicht treffen dürfte! und an demselben gabest Du Deinen Geist unter unzähligen Schmerzen auf, damit wir ewig leben möchten. Ach DEBEN Gebet auf die Passionszeit. Herr Jesu! das alles hast Du so willig gelite ten und erduldet, nur daß Du Dein Eigenthum an uns bekämest, und daß wir hinsort nicht uns, sondern Dir lebten, der Du für uns gestor: ben und auferstanden bist. So erbarme Dich denn über mich! Ich will hier bei Deinem Kreuze stehen, verachte mich doch nicht! Laß mich von nun an in die seligste Gemeinschaft aller Deiner Leiden und Deines Kreuzes eintreten. Es soll Dein Tod und Leiden, bis Leib und Seel sich scheiden, mir stets in meinem Herzen ruhn. Präge sie nur selbst demselben auf das Tiefste ein. Hast Du Dich in die Hände Deiner Feinde übergeben, o so will ich, durch Dich stark gemacht, mich immer mehr und mehr von der Sünde, von der Welt, und von allem dem losmachen, was mich und Dich trennen könnte. Fällt mir etwas Urges ein, will ich bald an alle Deine Pein gedenken, die wird meinem Herzen nicht erlauben, mit der Sünde zu scherzen. Hast Du Dich um meinetwillen schmähen und verspotten lassen, so will ich, Dir zu Liebe, Deine Schmach für größern Reichthum achten, denn die Schäße Egypten's, und alle Güter der Welt. Dir will ich auch nach: folgen auf den bittern Kreuzeswegen; und wie Du Deinen himmlischen Vater gebeten haft: daß sein Wille in allem geschehen soll: so will auch ich ihm stille halten und meinen Mund nicht aufthun, wenn mir auch in Deiner Nachfolge das Härteste begegnen sollte. In Deinen Wunden will ich meine einzige Zuflucht suchen, wenn ich in meiner Sündennoth nicht weiß, wo ich hinfliehen soll. Zu Dir und Deiner Treue will ich 240 Gebet am Charfreitage. ich mich auch halten, wenn meine Scheidungszeit herein bricht. O wie wird sich mein Herz alsdann freuen, wenn ich Dir, leidender Jesu! auch die Worte werde nachsprechen können: Es ist vollbracht! Vater, in Deine Hände be: fehle ich meinen Geist! Da will ich glaubensvoll Dich fest an mein Herz drücken, wer so stirbt, der stirbt wohl! Amen. 241 Gebet am Charfreitage. Ach Herr Jesu! das ist der Tag Deines allerheiligsten Leidens und Sterbens, der große Tag unserer Versöhnung, ja der heilige Opfertag, daran Du als das unschuldige Lamm Gottes Dich am Stamme des Kreuzes hast schlachten und opfern lassen. mein Heiland, wie schwer war Deine Arbeit, die ich Dir mit meinen Sünden und Missethaten gemacht habe! Wie viel waren Deiner Striemen und Wunden, die Du Dir um meinetwillen schlagen ließest! Wie schmerzlich war Dein Tod, den Du zu meinem Heile so geduldig erlittest! Gelobet sey Dein heiliger Name für die Arbeit Deiner bittern Marter, und für alles, was Du, o Freund der Seelen! für mich gethan hast. O fürwahr Du trugest auch meine Krankheit, Du ludest auch alle meine Schmerzen auf Dich; Du bist auch um meiner Sünden willen zerschlagen worden, auf daß ich Friede hätte, und durch Deine Wunden geheilet würde. Uch Erbarmer! laß ja Dein bitteres Leiden und Sterben an mir Armen nicht verloren seyn. Du hast Dich selbst dargegeben zur Gabe und Opfer, Gott, Deinem B. Schmolcken's Andachten. D. Gebet am Charfreitage. himmlischen Vater, zu einem süßen Geruch! so laß auch mich der Sünde absterben, und meinen Leib begeben zum Opfer, das da lebendig, heilig, und Gott wohlgefällig sey. Du haft Gebet und Flehen mit starkem Geschrei und Thränen geopfert zu dem, der Dich von dem Tode befreien konnte. Darum tröste ich mich Deiner, als eines solchen Hchenpriesters, der Mitleiden haben kann mit unserer Schwach: heit, weil Du versucht bist allenthalben gleichwie wir, doch ohne Sünde. Ich trete also hinzu mit Freudigkeit zu dem Gnadenstuhl, auf daß ich Barmherzigkeit empfange und Gnade finde, auf die Zeit, wann mir Hilfe noth seyn wird. Hat das Blut des Osterlämmleins, womit ehemals die Pfoste und Thürschwellen der Ifraeliten in Egypten bestrichen wurden, ihre Wohnungen befreiet, daß der Würgengel nicht hineingehen konnte: ach! so vertreibe den höllischen Würgengel auch von mir, daß er an mir in dem bösen Stündlein der Versuchung und des Todes keine Macht finden möge. Stelle Dich mir am Stamme des heiligen Kreuzes, als die wahre eherne Schlange vor, wenn ich in meiner Sündennoth zu Deinem Kreuze komme, daß ich nicht umkomme, noch ewiglich verderbe. O mein Gott! sey mir ein rechter Blutbräutigam, und laß mich die Vollgültigkeit Deines Lösegeldes genießen, womit Du mich aus der Hand aller meiner Feinde so theuer erkauft haft. Und wenn ich nun auch, wie Du, kommen muß in Sterbensnoth und ringen werde mit dem Tode, so erscheine mir auch da zum Schilde, damit ich alles wohl ausrichte, 242 243 Gebet auf das heilige Offerfest. und das Feld behalte. Laß mich nicht ohne Buße in meinen Sünden sterben, sondern gib, daß ich in Deine Seitenwunden fliehe, und mir Dein Blut, und Deinen Tod, und Deine Ueber: windung im wahren Glauben zueigne, und mich nicht vor dem künftigen Gerichte entsetze. Laß mich in meinem Sterben und Tode die süße Stimme hören, die Du zu dem Schächer am Kreuze gesprochen haft: Heute wirst Du mit mir im Paradies seyn. So werde ich Dir auch mit Freuden nachsprechen können: es ist voll: bracht. Sen aber endlich auch in dem finstern Grabe mein Heiland, und laß mich in meinem Kämmerlein, das Du durch Deine Grabesruhe geheiliget hast, sicher liegen, bis ich einst, wenn die letzte Posaune erklingt, die auch durch die Gräber dringt, zum Leben wieder aufwachen, und in die ewigen Hütten eingehen werde. Und so, mein Jesu! will ich in dieser zuversichtlichen Hoffnung einschlafen, und im Grabe ruhen, kein Mensch wird mich aufwecken, denn Du, mein Heiland, wirst die Himmelsthür auf: thun, mich führen zum ewigen Leben! Amen. Gebet auf das heilige Osterfest. Herr Jesu Christe, Du starker Löwe, vom Stamm Juda, Du unüberwindlicher Held, Du mächtiger Siegesheld! Lob, Dank und Preis sen Dir von mir gebracht für Deine siegreiche Auferstehung, dadurch Du dem Tod die Macht genommen, und ein ewiges, unvergängliches Wesen an das Licht gebracht hast. Du hast als ein allmächtiger Herr Dein Volk vom Tode Q2 Gebet errettet und aus der Hölle erlöset. Tod, wo ist dein Stachel, Hölle, wo ist dein Sieg? Dank sey Dir, daß Du uns den Sieg gegeben hast! Kommet, lasset uns zum Herrn gehen, er hat uns geschlagen, er wird uns auch wie: der verbinden; er hat uns verwundet, er wird uns wieder heilen, er wird uns wieder aufrichten am dritten Tage, er wird uns lebendig machen nach zwei Tagen, daß wir vor ihm leben werden. Darum freuet sich mein Herz, und meine Ehre ist fröhlich; denn Gott hat seine Seele nicht in der Hölle gelassen, und nicht zugegeben, daß sein Heiliger verwese. Man singet mit Freuden in den Hütten der Gerechten, die rechte Hand des Herrn ist er höhet, die rechte Hand des Herrn behält den Sieg. Nun sind wir gewiß versichert, daß das von Dir, fiegreicher Heiland! bezahlte Lösegeld für unsere Sünden vollgültig erfunden, und als genugsam von Deinem Himmlischen Vater angenommen worden, weil er Dich, der Du unser Bürge wareft, freigesprochen und losgelassen hat. Nun sind wir vom Tode erlöset, und alle unsere Thränen sind von unsern Augen abgewischt. Nun hoffen wir auch dereinst zum ewigen Leben aufzustehen, nachdem Du, unser Haupt, auferstanden bist. Unsere Gräber sind aufgethan, weil Du aus dem Grabe erstanden und unser Durchbrecher worden bist. Ach, Herr Jesu! schenke uns ein recht dankbares Herze, und schaffe in uns durch Deinen Geist, daß, wie wir der Sünde abgestorben sind, wir also auch mit Dir geistlicher Weise auferstehen, und in einem neuen Leben wan244 245 auf das heilige Osterfest. deln mögen. Laß unsern alten Menschen sammt Dir gekreuziget seyn, auf daß der sündige Leib in uns aufhöre, und wir der Sünde Ertödt uns durch hinfort nicht mehr dienen. Deine Güte, erweck uns durch Deine Kraft, den alten Menschen kränke, daß der neu leben mag, wohl hier auf dieser Erde, den Sinn und alle Begierden und Gedanken haben zu Dir. Fallen wir in mancherlei Anfechtungen, und macht uns unsere Sünde angst und bange: so laß uns durch Deinen Geist Dein süßes Jesusbild in unsern Herzen verklären, wie Du für uns gestorben, ja noch vielmehr, wie Du auch von den Todten auferwecket worden bist, und nun zur Rechten Gottes sißzest, und uns vertrittst. Sen Du, auferstandener Heiland, unser Trost in aller unserer Noth, Urmuth, Schmerzen, Krankheiten und Widerwärtigkeiten, damit wir uns immer an Deine Auferstehung erinnern und sagen mögen: Lebt Christus, was bin ich betrübt? Ich weiß, daß er mich herzlich liebt. Reißet uns endlich der Tod zur Verwesung hin in die finstere Gruft des Todes, so sen Du auch da unser Stecken und Gib Stab, dessen wir uns trösten können. uns zu unserm Troste den gnädigen Willen Deines himmlischen Baters zu erkennen, wel cher darinnen bestehet, daß, wer den Sohn siehet, und glaubet an ihn, der habe das ewige Leben, und er werde ihn auferwecken am jüngsten Tage. So lange wir aber noch in der Fremde wallen, so erinnere uns Dein guter Geist beständig an Dich, o Heiland der Welt! daß wir Dich, Herr Jesu Christe, daß Du von 246 Gebet auf das Fest den Todten auferstanden bist, in Gedächtniß halten, bis wir Dich von Angesicht zu Ungesicht sehen, und ewig mit Dir leben werden. Gebet auf das Fest der Himmelfahrt Jesu Christi. Anbetungswürdiger Heiland, Du König der Ehren, Jesu Christe! Dank und Preis sey Dir heute an dem Gedächtnißtage Deiner siegreichen Himmelfahrt von mir gebracht, daß Du uns ar men und verlornen Menschen den Weg gezeiget und eröffnet hast, auf welchem auch wir einstens sicher in den Himmel eingehen können. Denn indem Du in die Höhe aufgefahren bist, hast Du eben dadurch das Gefängniß gefangen geführet, dem Satan seine Gewalt genommen, und Dich Deinen himmlischen Vater als denje= nigen dargestellet, der seinen Willen gethan, die Erlösung des menschlichen Geschlechtes hinausgeführet, und ein Reich der Seligkeit unter uns aufgerichtet hat. Du bist, als unser einiger Hohepriester, in das wahre Allerheiligste nämlich in den Himmel selbst eingegangen, um zu erscheinen vor dem Ungesichte Gottes für uns. Und nachdem Du ein Opfer für die Sünde geopfert, das ewiglich gilt: sißest Du nun zur Rechten Gottes, und kannst felig machen im merdar, die durch Dich zu Gott kommen, und lebest immerdar, und bittest für uns. Wie Du nun unter dem Jauchzen der heiligen Engel, und unter den hellen Posaunen dieser himmlischen Heerschaaren aufgefahren bist: also freuet 247 der Himmelfahrt Jesu Chrifti. sich auch mein Herz über diese Deine Erhöhung; ich beuge meine Kniee in tiefster Demuth vor Dir, und stimme mit in das Lied derer ein, die Dich kennen und Dich lieben, wenn sie singen: Frohlocket mit Händen alle Völker, und jauchzet Gott mit fröhlichem Schall! Lobsinget, lobsinget Gott! Lobfinget unserm König! Hast Du uns aber gleich Deine sichtbare Gegenwart entzogen, so bist Du doch noch immer unter uns gegen= wärtig, bis an das Ende der Welt. Uch! so laß mich denn Deiner sichtbaren Abwesenheit nicht also mißbrauchen, daß ich der Sünde diene und Dir ungehorsam werde: sondern laß mir Deine Ullgegenwart stets vor Augen schweben, und laß mich nie vergessen, daß, ob Du gleich eine Zeit lang schweigest, Du doch endlich die boshaften Sünder strafen werdest. Laß mein Herz nicht ferner an dem eitlen Tand der Welt und an ihren vergänglichen Gütern hängen, nachdem Du unser Schatz im Himmel bist, sondern ziehe mich nach Dir, damit ich schon jetzt mein Herz dahin schicken möge, wo ich ewig zu seyn wünsche. Gleichwie Du damals, da Du zu Deinem Vater auffahren wolltest, Deine lieben Jünger hinaus bis gen Bethanien geführet, die Hände aufgehoben und sie gesegnet hast: also segue auch mich heute und allezeit, nachdem Du allen Segen und himmlische Güter in Händen hast, und dieselben austheilen kannst, wie Du willst, und wie es Dir gefällig ist. Vertritt mich jetzt bei Deinem himmlischen Vater, wenn der höllische Unkläger meine Sünden der gött: lichen Gerechtigkeit vorhält, und ein verdammendes Urtheil wider mich haben will. Bitte Gebet selbst für mich, wenn ich allzuträge und schläfrig in meinem eigenen Gebete bin, und erinnere Deinen himmlischen Vater bei aller meiner sündlichen Unwürdigkeit, daß er nicht nur Dein Va= ter, sondern auch um Deinetwillen mein Vater sey, kraft Deiner Zusage: Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. Ziehe mein Herz von aller eitlen Weltliebe ab, und laß mich meine geistliche Himmelfahrt immer mit Dir halten, dadurch, daß ich suche, was droben ist, da Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes, daß ich trachte nach dem, das droben ist, und nicht nach dem, das auf Erden ist, damit ich diese Hoffnung behalte, es werde einstens meine Seele und mein Leib gewiß auch dahin kommen, wo ich mit meinen Gedanken, Begierden und Seufzern in meinem Leben gewesen bin. Alsdann, erhöheter Jesu! werde ich auch meine Kniee mit denen, die im Himmel sind, vor Dir beugen und bekennen, daß Du der Herr senest, zur Ehre Deines himmlischen Vaters, der mit Dir und dem heiligen Geiste herrschet und regieret von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. 248 Gebet auf das heilige Pfingstfest. Gnädiger und barmherziger Vater, ich preise Deinen allerheiligsten Namen, daß Du, aus lauter Barmherzigkeit, unter uns Menschen, die wir durch die Sünde wiederum in die Finsterniß der Ungerechtigkeit, der Bosheit, der schweren Strafen und ewigen Berdammniß gerathen auf das heilige Pfingstfest. sind, ein helles Licht hervorgebracht, und Deinen heiligen Geist nicht nur in der ganzen Christenheit, sondern auch in dem Herzen eines jeglichen Glaubigen leuchten läsfest. Du hast nicht nur sichtbar über die lieben Jünger und Apostel am ersten Pfingstfest nach Deiner Himmel: fahrt den heiligen Geist ausgegoffen, sondern auch längst vorher verkündigen lassen: Ich will meinen Geist ausgießen über alles Fleisch; welche Verheißung uns und unsern Kindern ist, und alle, die ferne sind, welche Du, unser Herr, noch herzurufen wirst. Gelobet sen also Dein heiliger Name, daß Du noch diese Stunde an uns erfüllen willst, was Du vor Zeiten geredet hast durch den Mund Deiner heiligen Propheten. Aber ach! es fehlet leider an uns, denn wir sind und bleiben Fleischliche, die da keinen Geift haben. Darum flehe ich Deine Güte an, nimm selbst alles von mir hinweg, was der Einwohnung des heiligen Geistes in meinem Herzen hinderlich seyn könnte. Treibe zuvörderst den Sündengeist aus meinem Herzen, damit er nicht in mir, als in einem Kinde des Unglaubens, sein Werk haben möge. Zerstöre seine Wohnung immer mehr und mehr, und bringe mich wieder in den Stand, darin ich bei meiner heiligen Taufe stand. Steure meinem Fleisch und Blute, und dem natürlichen Menschen in mir, als welcher nichts vernimmt vom Geiste Gottes, und dem die geistlichen Sachen eine Thorheit sind, daß er dem heiligen Geist den Eingang in mein Herz nicht verwehre, sondern vielmehr von dieser himmlischen Kraft besieget werde. Dämpfe in mir allen Ungehorsam und 240 Gebet auf das heilige Pfingstfest. muthwillige Widerspenstigkeit, damit ich nicht als ein Halsstarriger und Unbeschnittener an Herzen und Ohren dürfe gescholten werden, der allezeit dem heil. Geist widerstrebet. Ber= hüte, daß ich diesen guten und heil. Geist nicht mit muthwilligen Sünden betrübe, sondern mich vielmehr von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes reinige, und fortfahre mit der Hei ligung in der Furcht Gottes. Du hast, o gütiger Bater! die Ordnung Deines heiligen Willens uns geoffenbaret und befohlen: Thut Buße, so wer: det ihr empfahen die Gaben des heiligen Gei stes. Uch! so laß mich doch recht in diesen Deinen Willen schicken, und dem Strafamt des heil. Geistes in mir Plaß geben. Und wenn ich, auf wahre Buße, des Trostes und der Beruhigung meines blöden Gewissens bedarf, so schenke mir den Geist der Weisheit und der Of fenbarung, daß ich mit erleuchteten Augen meines Verständnisses erkennen möge, welches da sen die Hoffnung unsers Berufes, und welches da sen der Reichthum Deines herrlichen Erbes an Deinen Heiligen. Erneure mich selbst im Geist meines Gemüthes, und schmücke mich mit den schönen Früchten des Geistes, welche sind allerlei Gütigkeit, Gerechtigkeit und Wahrheit, allerlei Tugenden, als Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Glaube, Sanftmuth, Keuschheit. In allen meinen Nöthen laß in meinem Herzen wohnen den kindlichen Geist Deines Sohnes, der da schreie: Abba, lieber Vater! Derselbe helfe denn meiner Schwachheit auf; und wenn ich nicht weiß, was ich beten soll, wie sichs gebühret, so ver250 Gebet auf das Fest der heil. Dreieinigkeit. 251 trete er mich aufs Beste mit unaussprechlichen Seufzern. Laß mich mit dem Geiste der Verheißung, welcher ist das Pfand unsers Erbes, versiegelt seyn und bleiben auf den Tag meiner Erlösung. In meiner letzten Noth laß am allermeisten Deine Liebe in mein Herz ausgegossen seyn, durch den heiligen Geist, daß ich nicht entfalle von des rechten Glaubens Trost, sondern vielmehr fest hoffe, daß, weil der Geist deß, der Jesum von den Todten auferwecket, in mir wohnet: so werde derselbe, der Jesum von den Todten erwecket hat, auch meinen unsterblichen Leib lebendig machen, um deßwillen, daß sein Geist in mir wohnet; so werde ich mit Freuden meine Augen schließen können. Ach, ja, ewiger Erbarmer, thue das. Nimm Deinen heiligen Geist nicht von mir, tröste mich allezeit mit Deiner Hilfe, und der freudige Geist enthalte mich Dir! Amen. Gebet auf das Fest der heiligen Dreis einigkeit. Großer und erhabener dreieiniger ewiger Gott, der Du Dich in Deinem Worte, als den einigen wahren Gott, aber auch zugleich als Vater, Sohn und Geist, in dreien unterschiedlichen Personen, über alle Vernunft geoffenbaret hast, ich preise Dich für Deine unverdiente Treue, daß Du Dich wie aller Menschen, also auch meiner Seligkeit so herzlich angenommen hast. Dir, o ewiger Vater! sey Ruhm und Preis, daß Du die ganze Welt so inbrünstig geliebet, und 252 Gebet Dich aller Menschen so herzlich erbarmet, und eher Deines eingebornen Sohnes nicht verschonet hast, als daß Du uns hättest verderben las sen sollen. Unerforschlich ist die Tiefe Deiner Barmherzigkeit, und ganz unergründlich Deine Liebe. Dir, Herr Jesu, Du eingeborner Sohn Gottes! danke ich, daß Du den Willen Deines himmlischen Vaters gerne gethan, und Dich in Deiner angenommenen Menschheit nicht nur allen Leiden und allem Elende unterworfen, son dern auch sogar Deinem Vater gehorsam wor den bis zum Tod, ja bis zum schmerzlichen Tod am Kreuz. Dir, o heiliger Geist! sage ich herzlich Dank, daß Du Christum verkläreft, und die Herzen der Menschen zur Buße und Bekehrung, Glauben und Zuversicht, Heiligkeit und Gerechtigkeit bringest, daß das Blut Jesu Christi an uns nicht verloren ist, sondern seine seligma= chende Kraft erweisen kann. O heilige Dreieinigkeit! wie kann Dir mein schwacher Mund genugsam danken, für alle Treue und Liebe, die Du meiner Seele erwiesen hast, daß sie nicht verdürbe: ich stimme in den Chor der heiligen Engel ein und spreche: Heilig, Heilig, Heilig ist Gott, der Herr Zebaoth, und alle Lande find Deiner Ehre voll. Uber, o Vater der Barmherzigkeit! laß alles von mir ferne seyn, was Deine Liebe und Begierde zu meiner Seligkeit von mir abwenden, und den ewigen Fluch auf mich bringen könnte. Werde des Erbarmens gegen mich nicht müde, und strecke Deine Hand so lange nach mir aus, bis ich auf die Wege des Lebens gebracht bin. Herr Jesu Christe! laß mich Deines Blutes und Todes nimmermehr vergessen, 253 auf das Fest der heiligen Dreieinigkeit. sondern schaffe, daß ich Dein theuer erworbenes Eigenthum bleiben möge, hier in der Zeit und dort in Ewigkeit. Gott heiliger Geist! laß mich Dir nicht ungehorsam seyn und Deinen Gnadenwirkungen widerstehen, damit ich durch Dich aus dem Reiche der Finsterniß möge herausgerissen und in das Reich meines Erlösers versetzet werden. Uch Vater, hast Du Dich bei meiner heiligen Taufe erboten, mein Vater zu seyn, und Dein liebreiches Vaterherz gegen mich niemals zu verschließen: so erweise denn Deine Treue an mir. Fehle ich, so verwirf mich nicht; strauchle ich, so hilf mir zurecht. Legest Du mir eine Last auf, so hilf sie mir auch tragen, und laß mich immer die Wahrheit Deiner Verheißung erfahren: Ist nicht Ephraim mein theurer Sohn und mein trautes Kind? Denn ich denke noch wohl daran, was ich ihm geredet habe, darum bricht mir mein Herz gegen ihn, daß ich mich sein erbarmen muß. Ach halte fest, wie Du Dich mir versprochen hast. Herr Jesu Christe, Du hast mir, kraft meines Taufbundes, alle Deine Gerechtigkeit geschenket. Du willst mein Hoherpriester, mein Prophet und mein König seyn. Laß mir Dein vollgültiges Opfer zu gut kommen, lehre mich den Weg zum Leben, beschüße und vertheidige mich, und nimm mich endlich aus Gnaden in Dein ewi ges Reich auf. Gott heiliger Geist! Du willst, kraft dieses Bundes, bereit seyn, das steinerne Herz von mir zu nehmen, und mir ein neues Herz schenken, Du willst unserm Geiste Zeugniß geben, daß wir Gottes Kinder sind, Du willst uns in allen Betrübnissen trösten, und in der 254 Gebet letzten Todesnoth mit unaussprechlichen Seufzern vertreten. Ach! weiche mie mit Deiner Gnade von mir, damit auch wir den Bund eines guten Gewiffens fest halten, in der Liebe und Erkenntniß des dreieinigen Gottes stets zunehmen, und im Glauben bleiben mögen, bis wir das Ende desselben, unsrer Seelen Seligkeit, davon bringen! Amen. Gebet auf das Michaelisfest. Herr der Heerschaaren, Du getreuer Gott, Du Freund der Menschen, vor welchem Tausendmaltausend stehen, und dem Zehnmalhunderttausend dienen, durch welchen alles geschaffen ist, beide das Sichtbare und Unsichtbare, die Thronen und die Herrschaften; wie hast Du die Men= schen so lieb, daß Du ihnen von Kind auf Deine heiligen Engel als Wächter angeordnet hast, die sich um uns her lagern, die wir Deinen Namen fürchten. Ach getreuer Vater, was ist der Mensch, daß Du ihn so hoch achtest! Dir sage ich ewig Lob und Dank für diese Wohlthaten, daß Du die Engel als dienstbare Geister ausgesandt hast, zu dienen denen, so die Selig keit ererben sollen. Ich flehe Dich an, Du wollest diesen Deinen heiligen Engeln befehlen, daß sie mich ferner behüten auf allen meinen Wegen, daß sie mich auf den Händen tragen, daß ich meinen Fuß nicht an einen Stein stoße, daß ich möchte gehen auf den Löwen und Ottern, und treten auf die jungen Lö wen und Drachen. Treibe von mir alle bösen auf das Michaelisfest. Geister, welche sind Lügner und Mörder vom Unfang. Behüte mich vor ihrem Grimm und Wüthen, vor ihren Lügen und Lästerungen, vor ihrer List und Betrug, daß sie nicht ihr Unkraut unter den Weizen säen in mein Herz. Wehre den Lügengeistern in ihrer falschen Propheten Munde, dem Mordgeiste bei den Blutdürftigen, dem Geist und Hoffarts: Teufel in allen Ständen. Laß mich Deine heiligen Engel allezeit be: gleiten, wie den frommen Jakob schüßzen, wie den Propheten Elisa, mit feurigem Wagen und Roß Laß sie mir auch Brod und Wasser, das ist, Rath und Trost bringen, wie dem Prophe: ten Elia. Laß sie bei mir senn in meinem Kreuze, wie bei den drei Männern im Feuerofen, und bei dem Propheten Daniel in der Lö: wengrube, mich aus allen meinen Nöthen zu erretten und auszuführen, wie dem Loth aus dem Feuer zu Sodom, und wie Petrum aus dem Gefängniß. Bewahre mein Haus und Hof, und alles, was ich habe, daß mir kein Feind einen Schaden und Nachtheil bringen könne. Laß mich in Deiner Furcht leben, Dein Wort und Evangelium lieb haben, welches die Engel gelüftet anzuschauen. Gib mir wahre Buße in mein Herz, auf daß sich die heiligen Engel über mich freuen im Himmel. Laß mich nicht in muthwillige Sünden fallen, wodurch sie könnten betrübet, und von mir Hinweggetrieben wer den. Zünde in mir ein brünstiges Gebet, und ein ehrerbietiges Lob Deines Namens an, daß ich auch mit in den Chor der heiligen Engel möge einstimmen, und sagen: Heilig, Heilig, Heilig ist Gott der Herr Zebaoth, alle Lande 255 256 Gebet auf das Michaelisfest. sind seiner Ehre voll. Und endlich laß auch meine Seele von den Engeln in Abrahams Schooß getragen werden, und mache mich in der Auferstehung an jenem Tage Deinen heiligen Engeln gleich, daß ich derselben Gesellschaft ewig beiwohnen möge. Ach ja, Herr! laß Deine lieben Engelein am letzten End die Seele mein in Abrahams Schooß tragen: den Leib in seinem Schlafkämmerlein gar sanft, ohn einig Qual und Pein, ruhn bis am jüngsten Tage. Alsdann vom Tod erwecke mich, daß meine Augen sehen Dich, in aller Freud, o Gottes Sohn, mein Heiland und mein Gnadenthron. Herr Jesu Christ! erhöre mich! erhöre mich! Ich will Dich preisen ewiglich! Amen. Geist: Geistliches a uch faß für Na u andachtige Beter, solches als geistliche Priester für Zeit des Ungewitter 8 glaubig zu ergreifen, und damit vor dem Throne Gottes ungesäumt zu erscheinen, damit sowohl aller Plage, als auch der knechtischen Furcht der Kreaturen gewehret werde. Aus dem Vorrath erfahrner Beter und Glaubenshelden gesammelt, und in die Form eines Anhangs zu den Schmolckischen Morgen- und Abendandachten gebracht. B. Schmolcken's Andachten. R 259 Andächtiger Mitchrist! erwecken. = Du erkennest zwar aus der gesunden Vernunft, daß Donner, Hagel, Blik und Ungewitter ihre natürlichen Ursachen haben; ohne Zweifel aber glaubst du zugleich, daß der Herr der Natur sich diese schreckliche Wirkung der Natur als Werkzeuge ersehen, mit solchen sich an den Spöttern und Verächtern göttlicher Langmuth und Gnaden zu rächen; die Größe seiner Majestät und seiner Wunder an Frommen und Bösen zu verHerrlichen, und durch solche sonderlich verstockte Gemüther aus dem Schlaf ihrer Sicherheit zu Da du nun unter Anleitung eines geistreichen Beters, des seligen Herrn Benjamin Schmolck en's, bisher deine Morgen- und Abend Opfer fleißig auf dem Rauch- Altar deines Herzens vor Gott gebracht: also wird es dir vielleicht angenehm seyn, mit einem neuen Vorrath andächtiger Gebete, Lieder und Be= trachtungen zur Zeit des Ungewitters versehen zu werden. Je größer die Anzahl der geistlich Todten insgemein, und vieler furchterstorbener Gemüther um diese Zeit zu feyn pflegt, je mehr hast du mit Aaron an deine geistliche Priesterpflicht zu gedenken, das geistliche Rauchfaß eiligst zu ergreifen, und dich zur Versöhnung des gerechten Gerichts zwischen Todte und Lebendige zu stellen, damit durch anhaltendes findliches und erhörliches Gebet alle Plage verhütet, und dein Herz auch in der größten Gefahr freudig vor Gott R2 Geistreiche und andächtige erfunden, und der so gemeinen heidnischen Furcht durch Befestigung deines findlichen Vertrauens auf Gott, gesteuert werden möge! Der Herr erhöre dich in der Noth! der Name des Gottes Jakob schüße dich! Amen. 260 Im Fall der andächtige Beter durch die Heftigkeit des Donners im Schlaf erweckt und aus seinem Bette aufzustehen bewogen würde, kann er nach seinem ges wöhnlichen Segen fortfahren zu seufzen: Gott sen uns gnädig und segne uns! Der Herr lasse sein Ungesicht leuchten über uns, daß wir auf Erden erkennen seine Wege! Es segne uns Gott, und alle Welt fürchte Ihn! Gott Bater, der seinen Sohn des Kreuzes Pein für uns hat lassen leiden, erhalte uns! Jesus von Nazareth, ein König der Juden, für uns gestorben, bewahre uns! Gott heiliger Geist, der uns mit der Salbung und dem Zeichen des heiligen Kreuzes geheiliget und gezeichnet hat, beschüße uns, daß uns kein Unfall widerfahre! Umen. 1 261 Wettergebete. Unter dem Ankleiden kann darauf gesungen oder gebetet werden: Gott der Vater wohn uns bei ic. Gebet bei entstehendem Wetter. Laß dieses Wetter ohne Schaden Von unserm Haus und Hütten gehn, Und uns die Menge Deiner Gnaden Auch aus den schwarzen Wolken sehn. Gedenke nicht der schweren Sünden! Ach, liebster Vater, hab Geduld! O Gott! laß uns von unsrer Schulb Das Blut von Deinem Sohn entbinden! Amen. Du ewiger, allmächtiger Gott! Beherrscher und Regierer aller Dinge! Wie herr: lich ist Dein Name in allen Landen! Du kleideft den Himmel mit Wolken, machest dieselben zu kleinen Tropfen, und treibeft sie ge waltig zusammen zum Regen, damit sie herab fließen und triefen auf die Menschenkinder, und erquicken das Dürre. Du machest Deinen Bliß entstehen und leuchten über den ganzen Erdboden, und bedeckest alle Ende des Meers. Du läsfest Deine Stimme schallen, und donnerst mit Deinem Donner in der Höhe, daß man merke Deinen ausgestreckten Arm, und Nie mand kann Deiner Macht entrinnen. Du hältst den Hagel zurück bis zur Zeit der Trübsal; alsdann so müssen seine Strahlen schießen, gleichwie von einem hart bespannten Bogen und bereitest ihn sammt den Feuerflammen, den Gottlosen zur Strafe. Uch Herr! siehe, Geistreiche und andächtige wir bitten Deine große unendliche Güte und Treue, zertrenne und hintertreibe dieses hervordringende Wetter mit Deinem alles vermögenden Urm, auf daß es uns und was Du uns bescheret hast, nicht beschädige noch verderbe. Wenn es aber nach Deinem gnädigen Willen und Wohlgefallen entstehen und hereinbrechen sollte; ach! so verwandle die heidnische Furcht und das knechtische Entseßen in eine kindliche Zuversicht und Vertrauen zu Dir: denn unsere Seele harret auf Dich, und Du bist unsere Hoffnung. Beschüße uns, Dein erwähltes Israel, in dem Lande Gosen Deiner Barmherzigkeit, und laß es ohne Schaden wieder weichen. Gedenke nicht an die Menge unserer Sünden, und vergilt uns nicht nach unsern Missethaten; sondern erbarme Dich unser! Denn wir flehen und verbergen uns vor Deinem gerechten Zorn in die theuren vielgültigen Wunden Jesu Chris sti, daselbst Dein Grimm nicht auf uns don nerstrahlen wird! Amen. 262 I. Ach Gott und Herr! wie groß und schwer sind mein' begang'ne Sünden, da ist Niemand, der helfen kann, in dieser Welt zu finden; 2. Lief ich gleich weit zu dieser Zeit, bis an der Welt ihr Ende, und wollt los seyn, des Kreuzes mein, würd ich doch solch's nicht wenden. 3. Zu Dir flieh ich, verstoß mich nicht, wie ichs hab wohl verdienet. Ach Gott! zürn nicht, geh nicht ins G'richt: Dein Sohn hat mich verfühnet. 263 Wettergebete. 4. Solls ja so seyn, daß Straf und Pein auf Günde folgen müssen, so fahr hie fort, und schone dort, und laß mich hie wohl büßen. 5. Gib, Herr, Geduld! vergiß der Schuld, vers leib ein g'horsams Herze, laß mich nur nicht, wie's wohl geschicht, mein Heil murrend verscherzen. 6. Handle mit mir, wies dunket Dir, durch Dein' Gnad will ichs leiden: laß mich nur nicht dort ewiglich von Dir seyn abgescheiden. 7. Gleich wie sich fein ein Vögelein in hohle Baum verstecket, wenns trüb hergeht, die Luft unftät Menschen und Vieh erschrecket. 8. Also, Herr Christ, mein Zuflucht ist die Höhle Deiner Wunden, wann Sünd und Tod mich bracht in Noth, hab ich mich drein gefunden. 9. Darin ich bleib, ob hie der Leib und Seel von einander scheiden; so werd ich dort bei Dir, mein Hort! seyn in ewigen Freuden. 10. Ehre sey nun Gott, Vater und Sohn, dem heiligen Geist zusammen, zweifle auch nicht, weil Chris stus spricht:" Wer glaubt, wird selig! Amen. Geistreiche und andächtige Das zweite Gebet. Wenn der Höchste donnert, so ist des Wassers die Menge unter dem Himmel, und zeucht die Nebel auf vom Ende der Erden, er macht die Blige im Regen, und läßt die Winde kommen aus beimlichen Dertern. Jerem. 10, 13. 264 Des Donners Knall Des Hagels Fall, Sind gewißlich helle Glocken, Damit Gott zur Buß will locken. O Gott! Du starker Gott! der Du ewiglich lebest, gegen welchen alle, die auf Erden wohnen, wie nichts zu rechnen sind; Du machest es, wie Du willst, beide mit den Kräften im Himmel, und mit denen, die auf Erden wohnen: Dir, Herr, ist Niemand gleich, Dir ist alles unterworfen, und muß alles Dein Wort ausrichten. Wer sollte Dich nicht fürchten, Du König der Heiden? Dir sollte man ja gehorchen! Du thust große Dinge, die nicht zu erforschen sind, und Wunder, deren keine Zahl ist, Du bist Gott, Deinen Zorn kann Niemand stillen, Du verhältst den Hagel auf die Zeit der Trübsal, und auf den Tag des Streits und Kriegs. Du hast auch die Winde zum Theil zur Nache erschaffen, und durch ihr Stürmen thun sie Schaden: Feuer und Hagel find auch zur Rache erschaffen, und thun mit Freuden Deinen Befehl. Wir hören jetzt, lie: ber Gott! wie Dein Donner zürnet und brüllet, und was für Gespräch von Deinem Mund ausgehet, wir hören Deine Stimme, und zit Wettergebete. 265 tern vor Deiner hohen Majestät: Dieweil Du aber nicht zürnest wie ein Mensch, und nicht thun willst nach Deinem grimmigen Zorn, noch Dich kehren, uns gar zu verderben: so beugen wir die Kniee unserer Herzen, und bitten Dich demüthiglich, Du wollest uns gnädig seyn, unsere Sünden tilgen und dämpfen, und sie in die Tiefe des Meeres werfen. Behüte uns, o Herr! vor Deinem grimmigen Zorn, der un erträglich ist, daß wir nicht sterben; beschere uns einen gnädigen Regen, der fruchtbar und wachsend mache, und laß dieß zornige ungestüme Wetter ohne Schaden vorüber gehen. Gib uns Kraft, und segne uns, Dein Volk, mit Frieden, Amen! O großer starker Gott! Amen. I. Wenn wir in höchsten Nöthen seyn, und wissen nicht wo aus noch ein, und finden weder Hilf noch Rath, ob wir gleich sorgen früh und spat; 2. So ist das unser Trost allein, daß wir zu. fammen insgemein Dich anrufen; o treuer Gott, um Rettung aus der Angst und Noth. 3. Und heben unser Aug und Herz zu Dir, in wahrer Neu und Schmerz, suchen der Sünden Vergebung, und aller Strafen Linderung. 4. Die Du verheißest gnädiglich allen, die darum bitten Dich, im Namen Deines Sohns Jesu Christ, der unser Heil und Fürsprecher ist. 5. Darum kommen wir, o Herre Gott! und klagen Dir all unsre Noth, weil wir jetzt stehn verlaffen gar, in großer Trübsal und Gefahr. Geistreiche und andächtige 6. Sieh nicht an unsre Sünden groß, sprich uns derselben aus Gnaden los, steh uns in unserm Elend bei, mach uns von allen Plagen frei; 266 7. Auf daß von Herzen können wir, nachmals mit Freuden danken Dir, gehorsam seyn nach Deinem Wort, Dich allzeit preisen hier und dort. Das dritte Gebet. Du wirst vom Herrn Zebaoth heimgesucht werden mit Wetter und Erdbeben und großem Donner, mit Windwirbel und Ungewitter, und mit Flammen des verzehrenden Feuers. Esaid 29, 6. Du höchster Gott, Sieh unsre Noth, Denk an Dein große Güte, Uns vor allem Leid behüte. Großmächtiger und starker Gott, im Himmel und auf Erden, durch diesen Donnerschall willst Du uns, als durch die rechte Bußglocke, zur Erkenntniß unserer Sünden, und zur wahren Buße locken, damit wir nicht mit der gottlosen bösen Welt verdammt werden! Ach Herr! so mächtig bist Du, daß, wenn Du der Strenge nach mit uns verfahren wolltest, so könntest Du uns und die ganze Welt in einem Augenblick mit einem einzigen Donnerschlag und Blitz verderben. Ach lieber Herr, laß doch Deinen grimmigen Born fallen und sinken! Erbarme Dich unser, verschone unser, erhebe über uns Dein gnädiges Angesicht, und sey uns bárm= herzig! Bewahre unser Leib und Leben, Haus und Hof, Stadt und Land, Hab und Gut, Wettergebete. 267 die Früchte auf dem Felde, und alles, was wir haben, vor allem Nachtheil und Schaden; behüte uns auch vor einem bösen schnellen Tod, und verleihe gnädiglich, daß viele Sünder durch Dein Wort, Donnern und Blißen, vom gottlosen Leben und Wesen abgeschrecket, sich von Herzen zu Dir bekehren, alle Stund und Augenblick an Deine herrliche Zukunft des jüngsten Gerichts gedenken, und bereit seyen, Dich mit Freuden zu empfangen, und mit Dir zur ewigen Freude einzugehen, um Jesu Christi vergoffenen rosenfarben Blutes willen, Amen! Amen! Herr, erbarme Dich über uns 2c. I. Nimm von uns, Herr! Du treuer Gott, die schwere Straf und große Noth, die wir mit Sünden ohne Zahl verdienet haben allzumal. Behüt vor Krieg und theurer Zeit, vor Seuchen, Feuer und großem Leid. 2. Erbarm Dich Deiner bösen Knecht, wir bitten Gnad, und nicht das Recht: denn so Du, Herr! den reichen Lohn uns geben wolltst nach unserm Thun, so müßt die ganze Welt vergehn, und könnt kein Mensch vor Dir bestehn. 3. Ach Herr Gott durch die Treue Dein, mit Trost und Rettung uns erschein. Beweis an uns Dein große Gnad, und straf uns nicht auf frischer That; wohn uns mit Deiner Güte bei, Dein Zorn und Grimm fern von uns sey. 4. Warum willst Du so zornig seyn, über uns arme Würmelein? weißt Du doch wohl, o großer Gott! 268 Geistreiche und andächtige daß wir nichts find, als Erd und Roth, es ist ja vor Deinem Angesicht unsre Schwachheit verborgen nicht. 5. Die Sünd hat uns verderbet sehr, der Teus fel plagt uns noch vielmehr. Die Welt, auch unser Fleisch und Blut, uns allezeit verführen thut, solch's Elend kennst Du, Herr! allein; ach, laß uns Dir bes fohlen seyn. 6. Gedenk an Dein's Sohns bittern Tod, sieh an sein heil'ger Wunden Roth, die find ja für die ganze Welt die Zahlung und das Lösegeld: deß trösten wir uns allezeit, und hoffen auf Barmherzigkeit. 7. Leit uns mit Deiner rechten Hand, und segne unsre Stadt und Land. Gib uns allzeit Dein heilig Wort; behüt fürs Teufels List und Mord. Bescher ein selig Stundelein, auf daß wir ewig bei Dir seyn. Das vierte Gebet bei stark anhaltendem Wetter. Gewaltiger und erschrecklicher Gott! Du läs sest Deinen Donner abermal hören in den Wolken mit großer Kraft, und Deine Blitze leuchten von einem Ende der Welt zum andern! Du fährest auf den Wolken wie auf einem Wagen, und müssen auch die starken Felsen und Steine Deine Donnerkeile fürchten! Du machst durch Deine Machtstimme, daß sich alle Völker auf Erden entsetzen, alle Thiere in den Wäldern versammeln, alles Geflügel aus den Lüften verstecket, alles Gewürm auf Erden verkriechet, daß alle Wälder und Felder er= schallen, alles Erdreich erzittert und bebet, alle Fische im Meer heftig erschrecken, und weisest Wettergebete. 269 damit den Uebertretern und Unglaubigen, daß Du, gerechter Gott, im Himmel noch lebest, und über ihre Missethat billig zürnest. Ach Herr! sen doch gnädig mir armen Sünder! der ich Dich vielleicht auch oft mit meiner Miſsethat erzürnet, und Deinen Grimm mit bösen Werken erreget habe! Halt inne mit der Ruthe, verschone mit der Strafe, wende alle gefährliche Schläge, verhüte alles schädliche Zünden und Feuer, weise ab allen verderblichen Hagel, und laß uns ja nicht durch ein plößliches Unglück übereilet, noch durch dieses schreckliche Gewitter gerichtet werden. Siehe, mein Herz ist in lengsten, und mein Geist be trübet! Meine Gebeine zittern, und meine Seele ist sehr erschrocken! Gedenke doch an Deine überschwengliche Barmherzigkeit, nach welcher Du Gnade läsfest für Recht ergehen! Erinnere Dich Deiner Langmuth, nach welcher Du die Sünder nicht auf frischer That heimfucheft. Erwäge den theuren Eid, der aus Deinem Munde gegangen, daß Du an keines Sünders Tod noch Verderben einigen Gefallen habest! Ja, siehe an Deines einigen Soh: nes bittern Zod, und seiner heiligen fünf Wunden Roth! die sind ja für die ganze Welt die Zahlung und das Lösegeld; deß trösten wir uns allezeit, und hoffen auf Barmherzigkeit! O mein Heiland, Christe Jesu! Du bist ja der allmächtige Mann, dem Wind und Meer, Feuer und Schnee, Hagel und Dampf, Sturm und alle Wetter gehorchen müssen; stille doch dieses grausame Ungewitter, bedräue den Wind, wehre dem Blik, steure dem Donner, und Geistreiche und andächtige laß uns, nach diesem finstern Wetter, die angenehme Sonne bald wieder scheinen! Und Du, Gott heiliger Geist! stebe mir bei mit Deinem Trost, stärke mich im Glauben und Vertrauen, befestige mich in der Hoffnung, vertritt mich mit unaussprechlichem Seufzen, und laß mich bei diesem Sturm weder an Leib noch Seele verwahrloset werden! Nun, der Herr segne mich, und behüte mich! Der Herr erleuchte sein Angesicht über mich, und sey mir gnädig! der Herr erhebe sein Angesicht auf mich, und gebe mir Friede! Amen. 270 Lied bei entstandenem Ungewitter, jur Erweckung der Andacht zu gebrauchen. M. Christoph Bezzel, P. L. C. Im Ton: Mein Vater, ziehe mich zc. Jetzt, da das Firmament bewegt und traurend sie. het; die Erde ganz erbebt! das Vieh ganz schüchtern eilt; da selber die Natur vor Gott zu eifern gehet, bin ich der Mensch allein, der mit der Buß verweilt. 2. Ich sehe Blitz und Feu'r: Ich höre meinen Schspfer, der meiner Sicherheit schon mit dem Gar aus draut; mit Recht verwirft mich Gott, gleich wie den Ton der Töpfer, weil ich so mißgebraucht den Schatz der Gnadenzeit. 3. Je öfter ich, mein Gott! die Besserung versprochen; je mehr mich Deine Huld an Liebesfeilen jog: je mehr hat nach der Zeit das böse Kind ver 271 Wettergebete. brochen, das durch die Heuchelbuß sich bis hießer betrog. 4. Herr! wolltest Du mit uns in das Gerichte gehen; wår Deine Huld erschöpft, und lohntest Du nach Recht, wer wollte, Heiligster! vor Deiner Macht bestehen? Doch Deine Langmuth trägt das sündliche Geschlecht. 5. Du willst der armen Erd, der schndden Asche schonen, die sich voll Blddigkeit vor Deinem Throne beugt; Du pflegst nicht nach Verdienst und nur nach Gnad zu lohnen, wenn unser Weihrauch nun Dein Baterherz erreicht. 6. Ifrael mag gleichwohl am Horeb flüchtig werden, da Deine Majestät mit Fluch und Donner schreckt: mich aber zieht Dein Schall vom Himmel zu der Erden, so bleib ich vor dem Sturm, vor Noth und Tod bedeckt. 7. Mich hat mein Glaube schon von banger Furcht befreiet, da ich nunmehr Dein Kind, nicht Knecht alleine bin; des Geistes Freudigkeit, die Deine Furcht erneuet, nimmt, was noch heidnisch ist, aus meinem Fleische hin. 8. Ich zähle zwar die Meng der Sünden an den Schlossen, die der erregte Sturm auf Frucht und Felder streut; doch mit dem Regen kommt sein Zährenstrom geflossen, der Brust und Herzen hilft zu neuer Fruchtbarkeit. 9. Kaum wach ich Sünder auf aus jenem Schlaf ber Sünden, der mir den Untergang bereits gedrohet hat; so läßt mein Goel sich als einen Bürgen finden, und wandelt Furcht in Trost, gleich wie den Zorn in Gnad. Geistreiche und andächtige 10. Er läßt mich mit Vernunft jetzt aus der Wirkung schließen, daß, wie zur Fruchtbarkeit das Donnern dienlich war, so habe Gottes Ernst auch mich erwecken müssen; mithin vergeß ich schon der Angst und der Gefahr. 272 11. Immanuel, mein Hirt, wird mich, sein Schäflein, decken, da er den Himmel selbst zum Schafs stall mir geweiht; darf ich die Glaubenshand getrost nach Ihme strecken, weil er mir auch im Sturm die Hand der Liebe beut. 12. Mein Hort befestige der Jünger schwachen Glauben, daß sie auf Dir, dem Fels, bis in den Tod bestehn, in Deiner Seitenhöhl, verwahr uns, wie die Tauben, so werden Sturm und Strahl beglückt vora über gehn. 13. Heißt aber dieß die Stund, mein Heiland! mich zu richten; so muß die Gnad so groß, als meine Sünde seyn! Nicht in dem Wetter, nur nach Deinen Mittlerpflichten, so fährt Elia gleich, die Seel zum Himmel ein! Amen. Das fünfte Gebet. Herr, unser Gott! Du bist groß von Rath, und mächtig von That, thust große Dinge, die nicht zu erforschen, und Wunder, die nicht zu zählen sind, und ist unbegreiflich, wie Du regierst. Deine Wege sind im Winter und im Sturm; Du machest durch Deine Kraft die Wolke dick, daß Hagel heraus fällt; Du bekleidest den Himmel mit Dunkel, und machest seine Decke als einen Sack. Herr, Du machest die Bliße im Regen, und läsfest den Wind kom: Wettergebete. kommen aus heimlichen Orten, Du sucheft die Gottlosen heim mit Wetter und Erdbeben, mit großem Donner, mit Windwirbel und Ungewitter, und mit Flammen des verzehrenden Feuers. Weil wir denn nun bis daher wider Dich gemißhandelt und gottlos gewesen, so stehen wir in großen Sorgen, es möchte an uns erfüllet werden, was der heilige Prophet Jeremias hat gesprochen und gedrohet: siehe! es wird ein Wetter des Herrn mit Grimm kommen, ein erschreckliches Ungewitter wird den Gottlosen auf den Kopf fallen. Denn des Herrn grimmiger Zorn wird nicht nachlassen, bis ers thue und ausrichte, was er im Sinn hat. Weil Du aber, o Du Liebhaber des Lebens! Buße für die Sünde willst annehmen: so biegen wir die Kniee unsers Herzens, und bitten Dich, Herr, um Gnade; wir bitten und flehen, vergib uns, o Herr! vergib uns, laß uns nicht in unsern Sünden verderben, und laß die Strafe nicht ewig auf uns bleiben. Siehe an die Striemen, die Wunden und das Blut Deines lieben Sohnes Jesu Christi, un: fers einigen Heilandes, und sey uns gnädig! Vergib die Sünde, und erlaffe auch zugleich die Strafen der Sünden, so wollen wir Dir danken unser Leben lang, und Deine Treue verkündigen für und für. Herr! Deine Güte sey über uns, wie wir auf Dich hoffen! Umen. 273 Um demüthige und gnädige Errettung. Ach schone, schone, lieber Gott! Ach handle doch mit Gnaden! Es kostet Dich nur ein Gebot, so sind wir B. Schmolcken's Andachten. Geistreiche und andächtige ohne Schaden: was Du befiehlst, das muß geschehn! Dir, Herr, kann gar nichts widerstehn, es muß Dir alles folgen. 274 2. So wird demnach dieß Wetter nun, das in der Luft vorhanden, auch ohne Dich gar nicht es thun: Und wenn es sonst entstanden, so stellst Du ihm doch Maas und Ziel, ob es soll wenig oder viel in dieser Welt verrichten. 3. Demnach so kommen wir zu Dir, als denen angst und bange, und klopfen an vor Deiner Thür, daß man Dein Gnad erlange: Daß dieser Blitz und Feuerstrahl, Herr, unfre Sünden nicht bezahl, noch uns der Donner tödte. 4. Denn wenn Du, wie wir würdig find, willst unser Thun belohnen, so kann kein Sonnenschein noch Wind der armen Menschen schonen, und wird also, in aller Eil, uns nun vielmehr Dein Donnerkeil zerschlagen und zerschmettern. 5. Doch, Herr! Du wirst Dir Deinen Ruhm ja nimmer lassen nehmen; wir sind ja noch Dein Eigenthum, wiewohl wir uns fast schämen, und billig mit gesammter Hand verfluchen unsern Sündenstand, darein wir sind gerathen. 6. Es ist uns Leid, was wir gethan, hilf, daß man sich bekehre, und führ uns, Gott, auf ebner Bahn, und Deinen Willen lehre: Erhör, Herr, unsrer Herzen Stimm, und straf uns nicht in Deinem Grimm, auch nicht in Deinem Eifer. 7. Laß diesen Donner nur allein ein Zeichen Deiner Gnaden, nicht aber Deines Eifers seyn, und laß ihn ohne Schaden, o liebster Gott! vorübergehn, damit wir alle klärlich sehn, daß Du seyst voller Güte. Wettergebete. 275 8. So wollen wir hinwiederum, so viel hier unser leben, ganz wohlbedacht mit heller Stimm, Dir das Gelübde geben: Daß wir, o Gott, bei Dir allein im Tod und Leben wollen seyn! Es geht uns, wie es wolle. *** Das sechste Gebet. ewiger, allmächtiger, wahrhaftiger, lieber, treuer Gott, himmlischer Vater! ich erkenne und bekenne von Grund meines Herzens, daß ich, leider! ein großer, schrecklicher Sünder bin, die Zeit meines Lebens böslich mit wissentlichen und unwissentlichen Sünden zugebracht, auch damit nicht allein zeitliche, sondern auch ewige Strafe und Verdammniß, leider! nur allzu wohl verschuldet habe. Aber ach! mein lieber Vater! ich komme in der Zeit der Gnaden zu Dir, und bitte Dich um Deines lieben Sohnes Jesu Christi, meines lieben Sündenträgers und Gnadenthrons willen, Du wollest mir alle meine greuliche Sünden verzeihen, Deinen gerechten Born gegen mich schwinden und fallen lassen, mich auch sammt den Meinigen in Deinem gnädigen allmächtigen Schuß und Geleite fassen, Deine Flügel über mich ausbreiten, und da es zu Deiner Ehre und zu meiner Seligkeit gereichen soll, mich in diesem Wetter unbeschädiget er: halten; wenn es aber in Deinem Rath beschlossen ist, daß ich soll von hinnen scheiden, mich gnä: dig aus diesem betrübten Jammerthal in Deinen himmlischen Freudensaal leiten. Hilf, allerliebster Vater! daß der Donner mein schla: fendes Gewissen erwecke, daß ich Dich, starker 2 276 Geistreiche und andächtige Gott, fürchte und vor Augen habe; verkürze die Zeit und laß einmal den letzten Donner und Posaunen erschallen, daß ich sammt allen, die in den Gräbern sind, auf solches Getöne mit Freuden aufwache, Deinem lieben Sohn in den Lüften entgegen gezücket werde, Dich von Angesicht zu Ungesicht sehe, und, unter Deine Schäflein gestellet, die freudenreiche Stimme meines Herrn Christi höre: kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbet das Reich, das euch von Anbeginn bereitet ist! Amen. Demüthiges Bußlied. I. Ach Gott! Dein schrecklich großer Grimm uns blåd und zaghaft machet, wenn Deine starke Donnerstimm ob uns in Wolken krachet, dieweil das Wetter saust und braust, darum uns schwachen Menschen graust, die Blige uns erschrecken. 2. Der Erdenkreis erschüttert sich, der sich sonst gar nicht reget, wenn Du nur schnaubest, fürchtet Dich, der Berggrund wird beweget: Dein Arm ist starf, Dein Hand ist schwer, die Strahlen wirfst Du hin und her, daß wir darob erzittern. 3. Wir hätten wohlverdient, o Gott, mit unfern Uebelthaten, daß Du uns solltest schlagen todt, weil Niemand sich läßt rathen: Doch weil wir Deine Kine derlein, die Schafe Deiner Herde seyn; so hoffen wir das Beste. Wettergebete. 4. Kein Ort wir wissen in der Welt, dahin wir sicher fliehen, die Kreatur zur Rach sich stellt, des Schöpfers Wort vollziehen: Wir wissen nichts als Deine Gnad, die groß, wie Du, kein Ende hat, und täglich neu aufgehet. 5. Wir schreien aus dem Jammerthal durch Chriftum Deinen Sohne, hinauf zu Dir ins Himmelsfaal, um seinetwillen schone. Ach Vater! hab mit uns Geduld, und straf uns nicht, wie wirs verschuldt, Gnad, Gnad, wir herzlich bitten. 6. Laß nicht anzünden Deinen Blißt, was Du uns haft verehret! Für Donnerschlägen uns beschütz, der Leib bleib unversehret: Sey Du bei uns in dieser Noth, behüt für bösen schnellen Tod; auf Dich) die Hoffnung siehet. 7. Bedeck mit Deiner starken Hand Haus, Habi Vieh, Leib und Leben, erhalt die Früchte auf dem Land, und was Du uns sonst geben, vor Hagel, Feuerund Wasserfluth, halt uns, o Gott! in Deiner Hut; so preisen wir Dein Güte. 8. Du bist allein der große Gott, dem Donner, Blitz, Feu'r, Winde, all Kreatur steht zu Gebot, Dein Willen thun geschwinde. Ach Herr! wo ist Dir Jes mand gleich? Wer hat ein solch gewaltig Reich, dem alles untergeben? 9. Darum sprich nur ein Wort, so weicht des schweren Wetters Grauen, denn Dein Wort mit GeAch walt durchstreicht, dem wir allein vertrauen. Geistreiche und andächtige komm, ach komm, uns hilf beweis, so wollen wir Dir sagen Preis, von Deiner Allmacht singen. Ein anderes. 278 I. Gott lebet noch! Seele, was verzagst du doch! Gott ist gut, der aus Erbarmen alle Hilf auf Erden thut: der mit Macht und starken Armen machet alles wohl und gut. Gott kann besser, als wir denken, alle Noth zum Besten lenken. Seele! so bedenke doch: Lebt doch unser Herr Gott noch. 2. Gott lebet noch! Seele, was verzagst du doch? Sollt der schlummern oder schlafen, der das Aug hat zugericht? Der die Ohren hat erschaffen, follte dieser hören nicht? Gott ist Gott, der hört und siehet, wo den Frommen weh geschiehet. Seele! so bedenke doch: Lebt doch unser Herr Gott noch. 3. Gott lebet noch! Seele, was verzagst du doch? Der den Erdenkreis verhüllet mit den Wolken weit und breit, der die ganze Welt erfüllet, ist von uns nicht fern noch weit. Wer Gott liebt, dem will er senden Hilf und Trost an allen Enden. Seele! so bedenke doch: Lebt doch unser Herr Gott noch. 4. Gott lebet noch! Seele, was verzagst du doch? Bist du schwer mit Kreuz beladen, nimm zu Gott nur deinen Lauf. Gott ist groß und reich von Gnaden, hilft den Schwachen gnädig auf. Gottes Gnade währet immer, seine Treu vergehet nimmer. Seele! so bedenke doch: Lebt doch unser Herr Gott noch. 279 5. Gott lebet noch! Seele, was verzagst du doch? Wenn dich deine Sünden krånken, dein Verbrechen quält dich sehr; komm zu Gott! Er wird versenken deine Sünden in das Meer. Mitten in der Angst der Höllen kann er dich zufrieden stellen. Seele so bedenke doch: Lebt doch unser Herr Gott noch. Wettergebete. 6. Gott lebet noch! Seele, was verzagst du doch? Will dich alle Welt verlassen, und weißt weder aus noch ein: Gott wird dennoch dich umfassen, und im Leiden bei dir seyn. Gott ist, der es herzlich meinet, wo die Noth am größten scheinet. Seele, Seele, so bedenke doch: Lebt doch unser Herr Gott noch. 7. Gott lebet noch! Seele, was verzagst du doch? Laß den Himmel, sammt der Erden, immerhin zu Trümmern gehn; laß die Höll entzündet werden; laß den Feind erbittert stehn! Laß den Tod und Teufel blißen. Wer Gott traut, den will er schützen. Seele! so bedenke doch: Lebt doch unser Herr Gott. noch. 8. Gott lebet noch! Seele, was verzagst du doch? Mußt du schon geångstet walten, auf der harten Dornenbahn; es ist Gottes Wohlgefallen, dich zu führen Himmel an. Gott will nach dem Jammers leben, Friede, Freud und Wonne geben. Seele! so bedenke doch: Lebt doch unser Herr Gott noch. Geistreiche und andächtige Das siebente Gebet. Großmächtiger Gott! Deinem Namen sollen. alle Gewaltige auf Erden Ehre bringen, und Dich, ewiger Gott, anbeten in Deinem heiligen Schmuck; denn Du bist der Herr im höchsten Thron, Du beweiseft Deine Kraft an allen Orten. Die Stimme des Herrn gehet auf den großen Wassern. Der Gott der Ehren donnert. Die Stimme des Herrn gehet herrlich und mit Macht. Die Erde bebet und wird bewegt, und die Grundfeste der Berge regen sich. Dampf gehet aus von Deiner Nase, und verzehrend Feuer von Deinem Munde, daß es davon blitzet. Dein Gezelt um Dich her ist finster, und schwarze dicke Wolken, darinnen Du verborgen bist, und Dunkel ist unter Deinen Füßen. Vom Glanz vor Dir trennen sich die Wolken. Der Herr donnert im Himmel und der Höchste läffet feinen Donner aus. Du bringest hervor die Winde aus ihren verborgenen Löchern, und treibest sie wieder an ihren Ort, wann sie Deinen Befehl ausgerichtet haben. Es ist Dir alles unterworfen, alle Dinge erkennen Dich für ihren Schöpfer, und zittern vor Deiner göttlichen Majestät. Die hohen Berge und die Abgründe der Tiefen erschrecken, wenn Du zornig bist, der ganze Erdboden zittert, Meer und Wasser fliehen vor Deinem Zorn. Die Stimme des Herrn hauet wie Feuerflammen. Die Stimme des Herrn erreget die Wüsten. Der Herr bleibet König in Ewigkeit. Er wird seinem Volk Kraft geben. Der Herr wird sein Volk fegnen mit Frieden. 280 Wettergebete. O gütiger Gott! behüte uns vor Deinem grimmigen Zorn, der unerträglich ist, und vergib uns unsere Sünde. Erleuchte Dein Antlitz über uns, und sen uns gnädig. Verschone unser, daß dieses vorstehende, zornige, ungestümme, grausame und sehr schwere Wetter, ohne allen Schaden ab und vorüber gehe. Bewahre unser Leib und Leben, Haus und Hof vor Entzündungen des Wetters, vor Schie: Bungen der Strahlen, vor Donnerschlägen und allem Verderben. Desgleichen beschüße die Früchte auf dem Felde vor Schlossen und Hagel, vor großer Wassersfluth, und vor allem Schaden. O heiliger Gott! behüte uns vor einem bösen Tod. Gott der Vater, der seinen Sohn des Kreuzes Pein für mich hat lassen leiden, erhalte mich. Jesus von Nazareth, ein König der Juden, für mich gestorben, bewahre mich. Der heilige Geist, der mich gezeichnet hat mit der Salbung, und mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes, beschirme mich, daß mir kein Unfall widerfahre! Amen. 281 I. D großer Gott von Macht, und reich von Gütigkeit, willst Du das ganze Land strafen mit Grimmigkeit? Vielleicht möchten doch Fromme seyn, die thâten nach dem Willen Dein, der wollest Du verschonen, nicht nach den Werken lohnen. 2. O großer Gott von Ehr, dieß ferne sey von Dir, daß Bds' und Fromm' zugleich die strenge Straf berühr, der möchten etwa fünfzig seyn, die thäten nach Geistreiche und andächtige dem Willen Dein, drum wollest Du verschonen, nicht nach den Werken lohnen. 282 3. großer Gott von Rath, laß die Barmherzigkeit ergehen, und halt inn' mit der Gerechtigkeit, der möchten fünf und vierzig seyn, die thäten nach dem Willen Dein, drum wollest Du verschonen, nicht nach den Werken lohnen. 4. O großer Gott von Stärk, schau an das arme Land, und wende von der Straf Dein ausges streckte Hand, der möchten etwa vierzig seyn, die thäten nach dem Willen Dein, drum wollest Du verschonen, nicht nach den Werken lohnen. 5. O großer Gott von Kraft, laß doch erweichen Dich, weil das elend Gebet so oft erholet sich, der möchten etwa dreißig seyn, die thaten nach dem Willen Dein, drum wollest Du verschonen, nicht nach den Werken lohnen. 6. O großer Gott von Gnad, erhör auch diese Stimm und in Dein hohen Thron das Seufzen tief vernimm, der möchten etwa zwanzig seyn, die thaten nach dem Willen Dein, drum wollest Du verschonen, nicht nach den Werken lohnen. 7. großer Gott von That, schau, wie die arme Erd von Deiner Mildigkeit noch einen Wunsch begehrt, der möchten etwa zehen seyn, die thaten nach dem Willen Dein, drum wollest Du verschonen, nicht nach den Werken lohnen. 283 Wettergebete. 8. O großer Gott von Lob, wann ja das Maas erfüllt, der Sünden und aus Zorn uns gar verders ben willt, so möchten doch die Kinderlein thun nach dem rechten Willen Dein, der wollest Du verschonen, und nicht nach Sünden lohnen. 9. O großer Gott von Treu, weil vor Dir Nies mand gilt, als Dein Sohn Jesus Christ, der Deinen Zorn gestillt, so sieh doch an die Wunden sein, sein Marter, Angst und schwere Pein, um seinetwillen schone, und nicht nach Sünden lohne. 10. So wollen wir Dein Macht und reiche Gütigkeit, Dein Rath, Ehr, Stärk und Kraft, Gnad, That, Lob, Treu allzeit preisen, und nach dem Willen Dein, Dir immerdar gehorsam seyn, und frei von allen Plagen, Dir ewiglich Dank sagen. Das achte Gebet. Wenn das Wetter lang anhält. Allmächtiger, ewiger Gott, barmherziger, lie: ber Vater, der Du gewaltig, schrecklich und herrlich, wenn Du Deine Macht in den Wolken hören läsfest! Wir arme, schwache, furcht: fame und blöde Kreaturen erkennen Deine Gewalt und große herrliche Macht: Du bewegest die Erde, daß sie bebet vor Deinem Donner, und die Grundfeste der Berge regen sich; vom Glanz vor Dir her trennen sich die Wolken, denn der Herr donnert im Himmel, und der Höchste läßt seinen Donner aus; Deine Blike Geistreiche und andächtige leuchten auf dem Erdboden, das Erdreich sie: hets und erschrickt. Berge zerschmelzen wie Wachs vor dem Herrn, vor dem Herrscher des ganzen Erdbodens, Herr, von Deinem Schelten, von dem Odem und Schnauben Deiner Nase: Herr, wir sehen und hören Deine Ge: walt, stark ist Dein Urm, und hoch ist Deine Rechte, wir loben, preisen und fürchten dieselbige, und erschrecken billig vor Deiner Macht und vor Deinem Zorn, erkennen auch, daß wir mit unsern Sünden wohlverdienet hätten, daß Du uns mit Deinem Grimm verderbest und zerschmetterst; aber weil wir Deine armen Geschöpfe und Kinder sind, und sonsten nirgends vor Deinem Zorn hinfliehen können, denn zu Deiner grundlosen, holdseligen, väterlichen Gnade und Barmherzigkeit, so rufen wir aus diesem Elende und Jammerthal zu Dir im Himmel, und bits ten um Hilfe und Gnade, durch Deinen lieben Sohn, Jesum Christum. Ach Herr Gott! der Du bist ein Vater der Barmherzigkeit, und Gott alles Trostes, strafe uns nicht in Deinem Zorn und züchtige uns nicht in Deinem Grimm, laß uns Deine Bliße, so da schrecklich leuchten, nicht beschädigen, unser Haus und Hof nicht anzünden, noch die harten Donnerschläge zerschmettern, sey Du bei uns in der Noth, und behüte uns vor einem bösen schnel= len Tod. Tröste, stärke und erhalte uns im wahren Glauben und herzlicher kindlicher Zuversicht und Vertrauen auf Deine große Gnade und Barmherzigkeit. Bedecke mit Deiner allmächtigen Hand unser Leib und Leben, Haus und Hof, Vich und Früchte auf dem Felde, 284 285 Wettergebete. und alles, was wir haben; beschirme dieselben vor Schlossen, Hagel und Wassersfluthen. Bedecke uns mit Deinen Gnadenflügeln bis Dein Zorn und das schreckliche Ungewitter vor: über gehe. Uch Herr! es muß ja Donner und Blitz, Feuer und Wasser, Hagel und Sturmwind Deinen Befehl ausrichten, aber sen uns gnädig und schone unser. Uch Herr! wer ist Dir gleich? der so herrlich, löblich, heilig, schrecklich und wunderthätig ist. Beweise an uns, daß Du der rechte Nothhelfer bist, ein Schuß zur Zeit der Noth, und laß uns Dein Vaterherz wieder sehen durch Deinen heiligen und starken Namen Jesum Christum, welchem mit Dir und dem heiligen Geiste sen Ehre und Herrlichkeit, Lob und Preis in alle Ewigkeit! Amen. Ein anderes. Allmächtiger, ewiger, gewaltiger und schrecklicher Gott, wir sehen aus gegenwärtigem Wetter, wie heftig Du über uns erzürnet bist, daß Du auch Deinem Firmament schon befohlen hast, sich wider uns zu setzen, und um unserer Sünde willen uns zu strafen, weil ein grausamer Blitz und Donnerschlag auf den andern folget, also, daß wir in Gefahr Leibes und Lebens stehen, wo Du uns nicht väterlich beschüßzest. Darum, o Herr! sey nicht ferne von uns, denn Ungst ist nahe und ist hier kein Helfer. Ach lieber Herr und Gott! verschone unser; behüte uns und die lieben Früchte auf dem Felde, davon wir unsere leibliche Unterhaltung haben. Sen uns gnädig und erbarme Dich 286 Geistreiche und andächtige unser, verleihe uns allezeit hier zeitlich Deine Gnade und Barmherzigkeit, und nach diesem Leben die ewig immerwährende Seligkeit! Amen. Seufzer bei hartem Donnerschlag. Abba, mein Gott und Vater im Himmel! erhöre unser ängstliches Gebet und Flehen, und hilf uns in dieser Noth, da keine Kreatur uns helfen kann. Laß Dein liebreiches Herz über uns, Deine Kinder, brechen, und nach dem trüben Unglückswetter bald die Sonne Deiner Gnaden wieder scheinen.. Herr Jesu! sey uns gnädig, und laß Deine heil. Wunden und alle theure Blutstropfen für uns bitten. Bedecke uns mit Deinen Schuß- und Gradenflügeln, wie eine Henne ihre Küchlein unter ihren Flügeln beschirmet, und gib, daß dieses Zornwetter bald vors über gehe. heil. Geist! vertritt uns mit unaussprechlichem Seufzen vor dem Thron der göttlichen Majes ståt im Himmel, und tröste unsere erschockenen Herzen, daß sie nicht vor Angst verzagen, sondern sich auf Gottes Gnade und Barmherzigkeit gewiß verlassen. Ach Herr! Du dreieiniger Gott! sey uns armen Sündern gnädig, so wollen wir Dich loben, und Deinem Namen danken hier zeitlich und dort ewiglich! Amen. 287 Wettergebete. Gebet, wenn das Wetter Schaden gethan. allmächtiger, barmberziger Gott und Vater unsers lieben Herrn Jesu Christi! Du hast uns, leider! in diesem schädlichen Wetter erschrecklich heimgesucht und mit Strahl, Hagel und Wassersfluth Deinen Zorn über uns ausgeschüttet, darüber mit uns Laub und Gras, Necker und Weinberge, und andere unserer Feldgüter trauren. Denn das Feld ist verwüstet, die Necker stehen jämmerlich, das Getreide ist zerschlagen, so sehen auch die Weinberge kläglich, und die Bäume auf dem Felde sind verdorret, das Erdgewächse ist verdorben, und sonst viel Schaden und Jammer geschehen. Nun unser Gott, Du bist gerecht in allem, das Du uns jetzt gethan hast, alle Deine Werke find rechtschaffen, und alle Deine Gerichte sind unsträflich, denn wir haben übel gethan, damit daß wir von Dir männiglich abgewichen und Dir bisher ungehorsam gewesen sind. Zwar Du hast uns ein Hartes versetzet, und das Brod, den Wein und die Nahrung von unserm Munde hinweg genommen, aber Du hast dennoch in Deinem Zorn um Deines Namens willen uns als Dein Volk nicht gar verstoßen, noch Deine Barmherzigkeit von uns genommen, sondern uns in dieser Trübsal die Gnade erzeiget, daß wir an Leib und Leben, an unserm Haus und Hof unversehret geblieben sind, und noch etliches Feldes verschonet worden. Daran ist, o Herr! Deine Güte schuld, daß wir nicht gar aus sind, dafür wir Dir auch von Herzen Dank sagen. Wir bitten Dich aber, herzlieber Vater, de Geistreiche und andächtige müthig, und kommen vor Dich mit zerschlagenem, betrübten Geist, Du wollest uns in unserm Kreuz und Elend durch Deinen heil. Geist trösten und lehren, daß wir nicht wider Dich und Deine Kreaturen, sondern vielmehr wider unsere Sünden, mit welchen wir noch wohl größern Fluch verdienet hätten, murren, solchen zugefügten Schaden für eine väterliche Züchtigung mit Geduld erkennen und ertragen, und künftig unser sündiges Leben bessern. Dieweil aber Deine Hand nicht zu kurz ist, noch Dir schwer, durch viel oder wenig zu helfen, so wollest Du, o treuer Gott! uns das Wenige, so in dem Wetter auf dem Felde übergeblieben, desto reichlicher fegnen, Deine Kinder zu dieser bösen Zeit speisen und ernähren, und vor groBem Unfall ferner väterlich behüten. Erhalte uns doch noch länger bei Deinem heil. Wort in gutem beständigen Frieden! Gib uns gefunden Leib, und pflanze in unser Herz die brüderliche Liebe, daß einer sich des andern in unsrer Trübsal von Herzen annehme und erbarme: und wollest nach Deinem väterlichen Willen diesen Abgang und Verlust künftig auf eine andere Weise gnädig erstatten, auch nach diesem elenden mühseligen Leben uns allen geben die himmlische Freude und ewige Seligkeit, durch Jesum Christum unsern einigen Seligmacher, in Kraft des heiligen Geistes! Amen. Danksagung, wenn das Wetter glücklich abgegangen ist. 288 Der Donner höret auf. Ach Gott und Va: ter, laß den Donner Deines Zorns auch auf: hören Wettergebete. 289 hören gegen uns! Das Blißen lässet nach: Uch hilf, Herr Jesu! daß wir immerdar geDenken an Deine letzte Zukunft, welche wird schnell kommen, wie der Blitz. Das Donnern und Blitzen hat uns erschreckt: ach, edler Tröster, heiliger Geist, tröste uns wieder, jetzt und allezeit, daß wir unserm Gott getroft vertrauen, auf seine große Macht feftiglich bauen, und immer zu ihm in den Himmel schauen. Nun ist das Wetter vorüber und hat sich gewendet: darum soll sich keiner verdrießen lassen, sich mit einem schönen Dankpfalm zu Gott im Himmel zu wenden. Weil wir im Werk erfahren, daß Gott unser in Gnaden gedacht, unsern Wunsch wegen väterlicher Erlöfung erfüllet, sollen wir billig auch seiner mit einer schuldigen Danksagung gedenken: alsdann sind wir recht glaubig, wenn wir das, was wir mit Worten versprochen, im Werk erfüllen. Denn wer seine Augen in kindlichem Vertrauen zu Gott im Himmel erhebt, denselbigen schauet er wiederum väterlich an: wer fleißig Gott, seinem Wohlthäter und Beschüßer, für alles danket, an den gedenket er auch mit Wohlthun und Schuß je länger je mehr. Darum so lasset uns mit unserer Danksagung mit fröhlichem Gemüth vor Gott kommen, weil er uns aus dieser Noth geholfen hat. Ihm gebühret hierüber Ehre, weil er den Donner heißet kommen und wieder aufhören; ihm ge bühret Preis und Würde, weil die Blike nach seinem Befehle sich wieder begeben haben in ihre T B. Schmolcken's Andachten. 290 Geistreiche und andächtige Hütten. Die Wetterstimme des Herrn hat sich auf unser Gebet gelegt, darum sollen wir nun auch unsere Stimme zu seinem Lob erheben; des Donners Grausamkeit hat er verwandelt in eine stille Lieblichkeit zu vernehmen unsre schuldige Dankbarkeit: darum sollen wir uns auch hören lassen, Gott mit gebührender Danksagung zu verehren, daß er uns zur andern Zeit wiederum erhöre, und auf unser demüthiges Flehen gnädige Hilfe beschere. Denn es soll ein Unterschied senn unter uns Christen und dem gottlosen Welthaufen, welche, wie unvernünftige Thiere, der Gaben und Gutthaten Gottes ohne alles Nachdenken genießen, zum Verder= ben ihrer Seele dahin leben, nie an Gott gedenken, alle seine Hilfe und Rettung in den Wind schlagen, ja wohl nie zu Gemüth führen, daß die Errettung von Gott komme, und sie deßwegen, wenn sie einem großen Unglück und Gefahr entgangen, ihm zu danken schuldig senen. Daher findet man immer neun oder mehr Undankbare, bis sich nur ein Dankbarer findet. Von diesen sollen wir uns absondern, und es mit denen halten, deren größte Freude ist, wenn sie Gott ohne Unterlaß, mit fröhlichem Schall loben sollen. Denn, wie Gott dem Herrn nichts so sehr mißfällt, als der Undank, welchen er seinem Volk oft mit harten Drohworten hat lassen vorwerfen, und durch Salomon gesagt: eines Undankbaren Hoffnung werde wie ein Reif im Winter zergehen, und wie ein unmüts Wasser verfließen: also läßt er sich die Dankbarkeit über alles gefallen; darum fagt er selber: opsere Gott Dank, und bezahle Wettergebete. 201 dem Höchsten Deine Gelübde; und David sagt: ich will den Namen Gottes loben mit einem Lied, und will ihn hoch ehren mit Dank, das wird dem Herrn beffer gefallen, denn ein Farr, der Hörner und Klauen hat. In allen Gutthaten des Herrn unsers Gottes, in allem Trost, in aller Züchtigung, in aller Verzeihung, da er uns nicht gestraft hat, wie wir es verdient haben, soll unsre Seele den Herrn loben, sagt Augustinus. Denn der ist würdig, noch grö: Bere Gutthaten zu empfangen, der da beweiset, daß er der vorigen in seinem Herzen nicht ver gessen hat, sagt Caffiodorus. Was Gott den Dankbaren gibt, nimmt er den Undankbaren, sagt Augustinus, und so Feuer, Hagel, Schnee, Dampf und Sturmwind, auf ihre Weise, Gott loben: vielmehr sollen wir Christen dieses thun. So auch wir Dank sagen sollen für alles, Gott und dem Vater, in dem Namen Jesu Christi; also sollen wir ihm insonderheit dafür danken, wenn er ein gefährliches schreckliches Wetter, ohne allen Schaden, gnädig ab= gehn lassen, und seine gerechte Nache an uns nicht geübet hat: denn es ist ein köstlich Ding, dem Herrn danken, und seinem Namen Lob singen, des morgens seine Gnade, und des Nachts seine Wahrheit verkündigen. Ein anderes. Allmächtiger Gott, himmlischer Vater, der Du uns gesagt haft: Rufe mich an in dieser Zeit der Noth, so will ich Dich erretten, so sollst Du mich preisen! Wir sagen Dir vom Grund T2 Geistreiche und andächtige unserer Herzen Lob und Dank, daß Du unser Gebet gnädig erhöret und dieß zornige Wetter also hast vergehen lassen, daß uns dadurch an Leib und Gut kein Schaden geschehen ist! Damit hast Du abermal Dein getreues Vaterherz zu erkennen gegeben, daß Du nicht mit uns Handeln wollest nach unsern Sünden, und uns nicht vergelten nach unsern Miffethaten! verleihe nur, barmherziger Vater, um Deines eingebornen Sohnes Jesu Christi willen, daß wir uns auf solche Deine ernstliche Warnungen bes ständig bessern, in Deiner Furcht stets le= ben, und auf die Zukunft Deines lieben Sohnes uns bereit machen, damit wir ihm mit Freuden entgegen ziehen, den neuen Himmel, in welchem Gerechtigkeit wohnet, mit Jauchzen und Frohlocken einnehmen, und mit Dir in seiner seligen Anschauung ewiglich besitzen mögen, durch denselben Deinen lieben Sohn, uns sern Herrn und Heiland, Jesum Christum! Umen. 292 Noch ein anderes. Ach Herr, allmächtiger Gott! der Du das Seufzen der Elenden nicht verschmähest, noch verachtest das Verlangen der betrübten Herzen, sondern gnädig und barmherzig bist, wir arme, sündige Menschen saßen in Furcht und Schrecken, und wußten nicht, wie es mit Deinem erschrecklichen Donnern und Blitzen ablaufen möchte: darum haben wir Deinen heili gen Namen angerufen, und Du hast uns errettet. Dieses grausame Wetter ist nun vorbei, die düstern Wolken sind durch Deinen allmäch Wettergebete. 293 tigen Arm zertrieben, und Deine getreue Vorsorge hat uns unbeschädigt bei Leben erhalten. Dafür opfern wir Dir nun die Farren unserer Lippen, loben, preisen und rühmen Dich, daß Du unsern Leib und Leben, Hab und Güter, Haus und Hof, sammt allem, was wir haben, mit Deinen Gnadenflügeln bedecket und beschüßzet hast. Uch Herr! Deine Güte erfüllet alle Himmel, und Deine Wahrheit reichet, so weit die Wolken gehen. Du läsfest nach dem Regen die Sonne wieder scheinen, nach dem Schre: cken überschüttest Du uns mit Freuden, und machest fröhlich alles, was da lebet. Du hast auch mitten in Deinem Grimm unserer Seele tröstlich zugesprochen: fürchte Dich nicht! Du bist mit uns nicht nach Deinem Zorn verfahren, noch hast Du uns vergolten nach unserer Missethat, sondern uns Dein Vaterherz geöffnet; denn Deine Barmherzigkeit gegen uns, Deine arme Kreaturen, war viel zu groß, als daß Du uns verderben konntest. Solches erkennen wir nun billig, neigen unsere Herzen, danken Deiner großen Majestät, und rühmen: Herr! Du bist würdig zu nehmen Preis, Ehre und Kraft: denn Du haft alle Dinge geschaf fen; durch Deinen Willen haben sie das Wesen, und werden erhalten. Wir befehlen uns aber noch ferner in Deinen allmächtigen Schuß und bitten Deine unergründliche Barmherzigkeit: segne die Früchte des Landes, kröne das Jahr mit Deinem Gut, und laß uns erkennen Deine Werke: auf daß wir uns im rechten Ernst zu Dir bekehren und selig werden. Erhalte uns bis an unser Ende im rechten Glau 294 Geistreiche und andächtige ben, und bereite uns auf die Zukunft Jesu Christi; damit wir einstens an jenem herrli chen Tag Deinem lieben Sohn mit Freuden entgegen gehen: den neuen Himmel, in welchem Gerechtigkeit und Friede herrschen, fröhlich einnehmen, und, sammt allen Heiligen und Auserwählten, die selige Anschauung Gottes beständig genießen mögen! Umen. Gebet um fruchtbare Zeit, durch das ganze Jahr. Du sucheft das Land heim und wässerst es, und machest es sehr reich. Gottes Brünnlein hat Waffers die Fülle, Du läsfest ihr Getreide wohl gerathen, denn also bauest Du das Land. Du trånkest seine Furchen und feuchtest sein Gepflügtes; mit Regen machest Du es weich, und segneft sein Gewächse. Du krönest das Jahr mit Deinem Gut, und Deine Fußstapfen triefen vom Fette. Pf. 65, v. 10. 12. Gib Korn, Getreid, 3u rechter Zeit, Such das Land heim und die Erde, Daß fie reich und machtig werde. Herr, allmächtiger Gott, ein Herrscher Himmels und der Erde! Der Du durch Deine große Güte den ganzen Erdboden mit allerlei Früchten zierest, erfüllest und segnest, da von Menschen und Vieh ihre Nahrung haben, und Deiner Gaben genießen: Wir, als Deine arme und dürftige Kreaturen, bitten Dich de Wettergebete. 295 müthiglich: Du wollest unser Land segnen, und ein gnädiges fruchtbares Gewitter geben, daß alle Früchte der Erde ohne Hinderniß wach: sen und die Bäume wohl tragen: wollest sie auch vor Schlossen und Hagel, vor Plaßregen Raupen, Ungeziefer, Brand, Mehlthau, und allem, was ihnen schädlich ist, väterlich behüten: auch allen Samen und alle Früchte des Feldes in Frost, Kälte, Eis, Schnee, Hitze und Dürre, in starkem Regen und allem vorfallenden Wetter gnädig erhalten, daß sie nicht Schaden nehmen, und wir also durch Deine väterliche Fürsorge vor Mißwachs, Theurung, Hunger und Kummer mächtig beschüßet, und Menschen und Vieb mit Deinem reichen Segen erfüllet werden. Uch Herr! straf uns nicht in Deinem Zorn! und laß das Land nicht feiern in Deinem Grimm, daß es nicht wüste liege und unfruchtbar bleibe; schließe den Himmel nicht zu um unserer Sünde willen, daß er nicht werde wie Eisen, und die Erde wie Erz: sondern thue uns Gutes, gib Regen und fruchtbare Zeiten, und erfülle unsere Herzen mit Speise und Freuden, thue Deine Hand auf, und sättige alles, was lebt, mit Wohlge: fallen. Uch Herr! verlaß uns nicht mit zeitlicher Nahrung, sondern versorge uns reichlich; gib uns unsern bescheidenen Theil Speise und unser tägliches Auskommen: auf daß wir in allen Dingen Deine göttliche Kraft und milde Hand mit Danksagung erkennen, und Dich immerdar loben und preisen: der Du uns reichlich ernährest an Leib und Seele, hier zeitlich und dort ewiglich! Amen. 296 Geistreiche und andächtige Herr Gott, weil Du die Erd gezieret, Daß man an allen Orten spüret Dein Güte, Treu und Vaterhand, Und machest sie in allem Land Genug bekannt. Des Feldes Früchte hievon zeugen, Das Gras, die Blümlein und die Zweigen, Darum sich unser Herz erfreut, Und rühmet Deine Gültigkeit Zu jeder Zeit. Uns diese Augenluft bewahre, Daß ihm kein Unfall widerfahre, Gut fruchtbar Wetter auch bescher, Was jetzt vor Augen, täglich mehr, Dem Fresser wehr. Durch Hagel, Frost, laß nichts verderben, Und keinen Menschen Hungers sterben, Gib, was zu diesem Leben noth. Und dort bei Dir das Himmelbrod, Du frommer Gott! Gebet bei Pflügen, Ackern, Sien und Pflanzen. Lieber himmlischer Vater! ich bin hier an meiner Arbeit, das Feld nach Deiner Ordnung und Anweisung meines Berufs zu bauen. Weil aber alle meine Mühe vergebens, wo Du nicht selber das Land bauest, und krönest das Jahr mit Deinem Gut, so bitte ich Dich demüthig, Wettergebete. 297 Du wollest diese meine Arbeit fegnen, mir Kraft und Gesundheit verleihen, zu meinem Pflanzen und Begießen Dein göttliches GedeiHen geben, damit das Getreid wohl gerathe, und ich und die Meinigen davon unsere Nahrung haben können. Ach Herr! gib Frühund Spatregen zu rechter Zeit, und behüte unser Feld vor Mißwachs, Hagel, Ungewitter, Ungeziefer und allem Schaden; laß uns be kennen, daß wir alles von Deiner milden Hand haben, auch Deines Segens recht gebrauchen, zu Deinen Ehren, unsers Nächsten Wohlfahrt und Nußen, um Jesu Christi willen! Amen. Danksagung für eine reiche Ernte. Aller Augen warten auf Dich, und Du gibst ihnen ihre Speise zu seiner Beit; Du thuft Deine Hand auf, und erfüllest alles, was lebt, mit Wohlgefallen. Psalm 145, v. 15. 16. Durch Deine Hand, Herr, hat das Land, Reichlich dieses Jahr getragen, Drum wir billig Dank Dir sagen. reicher, milder, gütiger und gnädiger Gott und Vater unsers Herrn Jesu Christi! der Du bist der rechte Vater über alles, was da Kinder heißet im Himmel und auf Erden; Du machest fröhlich, was da lebet, des Morgens und des Abends; Du läsfest Dich nicht unbe: zeuget, thust uns viel Gutes, und gibst vom Himmel Regen und fruchtbare Zeiten. 298 Getstreiche und andächtige Du läsfest das Getreide wohl gerathen, baueft das Land, segneft sein Gewächse, krönest das Jahr mit Deinem Gut. Wir, Deine Kinder, danken Dir von Grund unserer Herzen, daß Du auch dieses Jahr unser Land heimgesucht, es reich gemacht, und das Getreid wohl lassen gerathen, und dieß Jahr mit Deinem Gut gekrönet, daß Du uns gegeben Früh- und Spatregen zu rechter Zeit, unsere Ernte treulich behütet, und dieses Jahr einen reichen Feldsegen von allerlei Früchten bescheret hast. Ach Herr! wer sind wir, daß Du unser so gedenFest, und Dich unser so getreulich annimmst? Wir haben den Fluch verdient, und Du gibst uns den Segen? Wir haben Deiner Gaben und Güter mißbraucht, und Du schenkest uns dennoch so viel Gutes und Barmherzigkeit? Uch Herr! wie können wir solches genugsam rühmen und preisen. Wir erkennen hier an Deine väterliche Güte, rühmen, loben und preisen dieselbige, und bitten Dich herzlich, Du wolleft sie um unsers Undanks willen, nicht von uns wenden, sondern uns noch ferner segnen, und zu dem, was Du uns bescheret, auch Dein göttliches Gedeihen geben, daß wir dieses Jahr unser nothdürftiges Auskommen davon haben; auch zu Deines Namens Lob und Ehre und unserer und unsers Nächsten Wohlfahrt er: sprießlich gebrauchen und anlegen mögen. Und weil wir jetzt an der Arbeit sind, das Feld auf das künftige Jahr zu bestellen, und zu besäen, so wollest Du auch dazu gutes, gedeihliches, warmes und trockenes Wetter, und zu unserm Pflanzen und Begießen Dein Wettergebete. 299 göttliches Gedeihen geben, das ganze Jahr über das Gesäete vor allem Schaden behüten, damit wir auch auf das künftige Jahr unsere Speise aus Deiner milden Hand empfangen mögen. Danket dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich, und er gibt allem Fleisch seine Speise. Es sollen Dir danken, Herr, alle Deine Werke und Deine Heiligen Dich loben; mein Mund soll des Herrn Lob sagen, und alles Fleisch lobe seinen heiligen Namen immer und ewiglich, Amen! Amen. Lob und DankIied. Mel. Lobt Gott, ihr Christen zc. Nun danket all, und bringet Ehr, ihr Menschen in der Welt, dem, dessen Lob der Engel Heer im Himmel stets vermeldt. B 2. Ermuntert euch, und singt mit Schall, Gott, unserm höchsten Gut, der seine Wunder überall, und große Dinge thut. 3. Der uns von Mutterleibe an frisch und ges fund erhält, und wo kein Mensch mehr helfen kann, sich selbst zum Helfer stellt. 4. Der, ob wir ihn gleich hoch betrübt, doch bleibet gutes Muths, die Straf erläßt, die Schuld vergibt, und uns thut alles Guts. 5. Er gebe uns ein fröhlichs Herz, erfrische Geist und Sinn, und werf all Angst, Furcht, Sorg und Schmerz ins Meeres Tiefe hin. Geistreiche und andächtige Wettergebete. 6. Er laffe feinen Frieden ruhn, in Ifraelis Land, er gebe Glück zu unserm Thun, und Heil zu allem Stand. 300 7. Er laffe seine Lieb und Gut um, bei und mit uns gehn; was aber ångstigt und bemüht, gar ferne von uns stehn. 8. So lange dieses Leben währt, sey er stets unser Heil, und wann wir scheiden von der Erd, verbleib er unser Theil. 9. Er drücke, wann bas Herze bricht, uns unfre Augen zu, und zeig uns drauf sein Angesicht dort in der ew'gen Ruh. Regist e aller in diesem Buche enthaltenen Lieder. Abend heller, als der Morgen, Ach Gott! Dein schrecklich großer Grimm Ach Gott und Herr! wie groß Ach Herr! lehre mich bedenken, Ach schone, schone, lieber Gott! Ach! wie freu ich mich zu sterben, Angenehme Morgenblicke. Beglücktes Herz, was willst du haben? Bestell dein Haus, denn du mußt Brich an, gewünschte Morgenstund, Das Grab ist da, hier steht Denket doch, ihr Menschenkinder Der letzte Wochentag ist hin Der Morgenglanz macht hellen Schein, Der Sabbath ist vergangen ● ● 301 O Seite 81 276 262 189 273 191 42 91 89 130 85 224 156 144 31 Register. Der Tag ist hin, ich lebe noch Der Tag ist vor der Thür Die Last ist aus, nun kommt die Luft Die Nacht gibt gute Nacht Die Nacht ist hin, wach auf, mein Herz! Die Nacht ist Niemands Freund Die Nacht verlöscht des Tages Licht Die schwarze Nacht zieht ihren Flor Die Woche geht zum Ende, Die Zeit geht hin, ach! wie geschwinde Dir, o Du Herr der Herrlichkeit! Du alter Gott, machst Deine Treu Du Aufgang aus der Höhe Du angenehmer Morgen, dein Gruß Du angenehmer Morgenthau 302 Ein neuer Tag, ein neues Leben Ein Tag geht nach dem andern hin vy Gott! Du wohnst in einem Lichte Gott lebet noch! Seele, was verzagst du doch Herr Zebaoth! Dein Ruhm verdient Hirte Deiner Schafe Ich hab Lust abzuscheiden, mein ● ♦ a ● ● • Seite 79 75 133 69 78 59 126 75 73 191 140 122 49 80 152 35 45 55 278 119 38 87 Register. Ich schließe mich zu allen Stunden Ich steh mit einem Fuß im Grabe Ich suche Dich in meinem Bette Ich weiß, daß mein Erlöser lebt Jetzt, da das Firmament bewegt Lamm Gottes! schaue mich vor Licht vom Licht erleuchte mich . Mein Auge schließ ich nun in Gottes Mein Gott! die Sohne geht herfür Mein Gott! die Sonne geht zur Ruh Mein Gott! Du schaffest dieses Licht Mein Gott! erwecke Herz und Mund Mein Gott! ich weiß wohl, daß ich sterbe Mein letztes Haus auf Erden ● Nimm von uns, Herr, Du treuer Gott Nun danket all, und bringet Ehr Nun hab ich überwunden Ogroßer Gott von Macht D Mensch, gedenk ans Ende! Schlaf ein, mein Herz! und singe Schließet euch, ihr Augen, auf Co ist der Freitag nun vorbei 303 Sette 187 ● 89 52 92 270 66 26 76 109 112 137 115 91 90 267 • 299 95 281 86 77 62 148 304 Register. Wann wir in höchsten Nothen seyn Was Gott thut, das ist immer gut, Welt, gute Nacht! mein Weg geht Wohl dem, der stets ans Ende denkt, Seite 265 93 94 188 Walter Köster Buchbinderei 3550 Marburg 1000 Berlin 61 Tel. 0 64 21/2 12 77 030/7 86 30 10 Inches 1 Centimetres Blue 2 13 A Cyan 2 5 44 7 Farbkarte# 13 Green 3 1+ 4 8 9 Yellow 4 110 ₁1 14 11 Red 12 LO 5 13 Magenta 14 6 15 White 16 117 7 3/ Color 18 F 19 B.I.G. Black 8