SM- Constantine. Gb. 871 Nur zur Benutzung im Leseenal 61518 096 Mirakel- Buch, worin hundert und etliche achtzig Wunder erzählt werden, die in der Wallfahrtskapelle zu Kientheim im Elsaß ehemals geschehen sind. Durch P. Bernardin Buchinger, weiland Abt zu Lüßel und Maulbronn. Nebst einer kurzen Geschichte von Kientheim und der dortigen Liebfrauen- Wallfahrt. 3weite verbesserte Ausgabe. Straßburg, Gedruckt bei L. F. Le Nour. 1838. G Univ.- Bibl Giessen Vorbericht. 31 Das Werk, das wir hier dem gläubigen Volke übergeben, ist eigentlich nur die zweite Auflage einer im Jahre 1662 im Druck erschienenen Schrift, unter dem Titel: Miracul- Buch). " Darin bei hundert und etlich achtzig herrliche Wunderzeichen begriffen, die sich bei unser lieben Frauen Wallfahrt zu Kienßheim im Elsaß in St. Regulæ Kirchen daselbst, vor " Zeiten zugetragen. Item summarischer und " wahrhafter Bericht vom Ursprung, Stiftung und Auffnahm deß Gottshauses Lüßel Cistercienser: Ordens. Durch den hochwürdigen " Herrn Herrn Bernardin, Abbte zu Lüßzel und " Maulbrunn, Ihrer Königl. Majestät in " Frankreich Rath beschriben. Brunntraut, I Bernardin Buchinger, geboren am 22ten Sanuar 1606 zu Kiensheim, einem Städtchen zwei Stunden von Colmar, gestorben nach dem Jahre 1663, machte seine Studien zu Pairis und Ensisheim. Er trat in den Ciftercienser- Drden zu Lüßel und wurde daselbst Bibliothekar. Im Jahr 1642 wurde er Not zu Maul1* 4 Vorbericht. in der Fürstl. Bischöfl. Baßl. Truckerey, " permissu Superiorum bei Johann Heinrich " Straubhar. Anno 1662. Er widmete seine Schrift dem Fürstbischof von Basel, Johann Conrad; seine Zueignung besteht in folgenden Worten: " Gleichwie Ew. Fürstl. Gnaden Hauptkirche zu Basel und dero ganze Diözese anfänglich zu Ehren und unter dem Schutze der allerfeligsten Gottesgebärerin Maria geſtiftet bronn, dann zu Pairis und endlich 1654 zu Lüßel. Beim hohen Rathe des Elfaffes war Buchinger erster EhrenKirchenrath. Buchinger schrieb während des Schwedenfrieges und meist in der Verbannung folgende Werke: 1) Fasti Lucellenses, oder Süßlische Chronick; 2) Chronick des Klofters Maulbronn; 3) Chronick des Gotteshauses Pairis; 4) Cæremoniæ abbreviatæ pro Abbatibus mitratis, aus dem römischen Ceremonial; erlebte eine zweite Auflage; 5) Miracul- Buch.( f. oben.) 6) Summarischer und wahrhafter Bericht vom Ursprung, Stiftung und Aufnahm des Gotteshauses Lüßel. Brunntraut. 1662; 7) Teutsch Kochbuch, und Manier etlich hundert allerhand Speisen nach der Kunst zu richten; 8) Vitæ Sanctorum Dioecesis Basiliensis; besonders hat er das Leben des heiligen Pabftes Leo IX. sehr vollständig dargestellt; 9) Sammlung von Protokollen über die Wahlen der Aebte und Aebtisfinen, welchen er beigewohnt; 10) Biele Vifitations- Charten und Briefe an Kaiser, Könige und sonst vornehme Personen über die Angelegenheiten seines Ordens. Buchinger gibt selber dieses Verzeichniß seiner Schriften, im Bericht über Lüßel S. 195- 197, und feßet hinzu:„ lebet noch heute, doch alle Tage des Todes gewärtig. Vorbericht. 5 und gewidmet; also haben sich hernach im Bisthum hin und her immerdar und bis auf unsere Zeiten etliche berühmte und namhafte Orte befunden, an welchen die christgläubigen Leute die Mutter der Barmherzigkeit mit Wallfahrten verehret, und ihre mütterliche Hülfe und Tröstung in vielen Gebrechlichkeiten und Anliegen empfunden. " Dergleichen gnadenreicher Ort und an sehnliche Wallfahrt ist vor zwei hundert Jahren( nemlich im Jahre 1466) in der Stadt Kientheim in der Kirche der heiligen Regula, meinem Gotteshause Lügel zugehörig, entstanden: daselbst hat die göttliche Allmacht, auf die Fürbitte seiner werthen Mutter, an Kranken, Presthaften und Nothleidenden überaus viele herrliche Wunder gewirkt, von denen die damaligen Kirchen- und Pfarrherren die vorzüglichsten, hundert etliche achtzig an der Zahl, in einem pergamentenen Buche, das noch im Original vorhanden ist, getreulich aufgezeichnet. Nachdem wir dieselben durch einen öffentlichen geschworenen Notarius haben vidimiren und authentisiren lassen, schienen sie uns würdig, Gott und seiner glorreichen Gebärerin zu Lob und zu Ehren, und unsern frommen Landsleuten zum Trost und Unter Geschichte von Kientheim richte an das Licht zu bringen und mit Ew. Fürstl. Gnaden Genehmigung in öffentlichem Druck erscheinen zu lassen 2c., 2c. Lüzel, den 16ten October 1661. Fr. Bernardinus, Abt zu Lüßel und Maulbrunn." R RR RR RR RÅÅÅÅÅÅÅÅ❀❀❀❀❀❀❀❀ Ⓡ R RR RR R Kurze Geschichte von Kientheim und unsrer lieben Franen Wallfahrt daselbst. Kientheim, sonst Consheim( Cunonis villa) genannt, war anfänglich nur ein Flecken oder Dorf, wuchs aber später zu einem Städchen an. In frühern Zeiten gehörte es den uralten Grafen von Egisheim, aus denen der heilige Pabst Leo IX. entsproffen. Dieſe Grafen stammten von den Herzogen in Elsaß, die in verschiedene Linien zerfielen, und bekannt sind unter den Namen: Grafen von Elsaß, von Habsburg, Pfirdt, Egtsheim, Dagsburg, Lichtenberg 2c. Sie besaßen den größten Theil des Landes auf der rechten und linken Rheinseite, und stifteten allda viele berühmte Klöster und Abteien, als: Murbach, St. Trudpert, Lautenbach, Maßmünster, Othmars= heim, Allspach, Altorf, Stephansfelden, Heiligkreuz, Delenberg, Pairis im Orbisthale 2c., von denen die Revolutionsstürme höchstens noch einige Mauern übrig gelassen. und U. 2. Frauen Wallfahrt daselbst. Der gedachten Grafen von Egisheim Dienstleute, die edeln Ritter von Consheim oder Kientzheim, haben daselbst auch Besitzungen und Gerechtsame gehabt. Durch Vermählungen wurden sie mit den vornehmsten Häusern verwandt, machten für Kirchen und Klöster bedeutende Stiftungen und Vermächtniffe, namentlich zu Gunsten des Gotteshauses Pairis, wo mehrere derselben begraben liegen. In dem ehemaligen Kreuzgange ließen sie daselbst eine eigene Kapelle erbauen. 7 Nach dem Absterben der Grafen von Egisheim ist Kientzheim, nebst andern benachbarten Orten an ihre Verwandten, die Grafen von Pfirdt, übergegangen, und von diesen an die Herzoge von Destreich, die es, nebst der Herrschaft Hohenlandsberg, an die Grafen von Lupfen als Lehen abtraten. Von diesen gieng es an die Freiherren von Schwendi über, und der berühmte Held Lazarus von Schwendi vereinigte auch damit pfandweise die Reichsvogtei Kaisersberg. Bis zum Ausbruche der französischen Staatsumwälzung, im Jahre 1792, die alle Feudalbesitzungen vernichtete, wechselte Kientheim mehrere Male seine Herrschaft, die ihren Sitz im Schlosse hatte, das auf der östlichen Seite des Stadtthors auf die Ringmauer gebaut ist, und nun dem als Gelehrten und Kammerredner berühmten Deputirten, Hrn. von Golbéry, zugehört. Zu Kientheim hatte, seit dem neunten Jahrhunderte( 877), das königliche Kloster der Benedictinerinnen, Frauen- Münster zu Zürch, einen freien " In ihrem Wappen führten sie einen rothen Schild: unten waren zwei überzwerch gelegte weiße Balken; auf dem obern Balken saß ein halbweißer Löwe. Geschichte von Kientheim Dinghof, wozu die Pfarrkirche von St. Felir und Regula gehörte. Der heilige Pabst Leo IX. welcher von dem Mainzer Kirchenrathe durch das Elsaß nach Rom zurückkehrte, hat diese Kirche in eigener Person zu Ehren der oben gedachten zwei heiligen Blutzeugen eingeweiht. Noch in der Mitte des dreizehnten Jahrhunderts war diese Abtei im Besitze der ihr zu Kientheim geschenkten Güter, und erst im Jahre 1291 hat die Frauenmünster- Aebtissin Elisabeth ihre Besitzungen, nebst der Felir und RegulaKirche, an die Abtei Lützel abgetreten. Die Claris sinen zu Allspach hatten an der Stelle, wo später die jetzige Pfarrkirche sich erhoben, ihr Kloster ge= habt, bis sie von dem Benedictiner= Gotteshause Hirschhau, in der ehemaligen Speyrer Diözese, im Jahre 1282 das Kloster Allspach hinter Kaisersberg, käuflich an sich gebracht. Allspach, früher ein Benedictiner Kloster, wurde gestiftet von dem Grafen von Egisheim, und nachher, auf Zusprechen des Pabstes Leo IX. von dem Grafen Adelbert von Calw wieder hergestellt. Die Clarissinen von Kientzheim, welche, wie gesagt, dieses Kloster 1282 ge= kauft und bezogen, waren damals die Einzigen dieses vom Pabste Urban IV. gemilderten Ordens im Elfaffe. Da zur Zeit des Baseler Kirchenraths Kriegsunruhen zu entstehen droheten, ließ der Graf Johann von Lupfen den Flecken Kientheim mit Ringmauern, 8 Irrig sagt Schöpflin( Alsat. illust., t. II, p. 106), wie auch unser Buchinger, Leo IX. habe den Befißstand der Kirche von Kienßheim dem Gotteshause von Zürch übertragen. Dieß war bereits im Jahre 822 geschehen, wie aus einem von Grandidier unter Nr. 142 angeführten Diplome zu ersehen ist, und U. L. Frauen Wallfahrt daselbst. 9 Gräben und Wällen umgeben, und zu einer Stadt erheben, die Kaiser Friedrich im Jahre 1460, gleich den Nachbarstädten mit Freiheiten versah, nebst dem Rechte, Wochen- und Jahrmärkte zu halten. Dadurch hob sich auch die Kirche zu den heiligen Felix und Regula, besonders weil der Abt Nicolaus von Lützel bereits im Jahre 1444 von den Vätern des Concils von Basel mehrere Ablaßbriefe für dieselbe erhalten hatte. Ihren eigentlichen Glanz empfieng sie aber erst im Jahre 1466 durch folgendes Ereig-. niß, wodurch sie zu einem berühmten Wallfahrtsorte heranwuchs. Als in gedachtem Jahre der Wildgraf Johannes, des heiligen Römischen Reichs Unterlandvogt zu Hagenau, mit einer Heeresmacht in's Elsaß eingefallen, und nebst andern Orten auch den nächst Kientheim liegenden Flecken Sigolsheim, der dem Grafen Johann von Lupfen gehörte, in Brand ge= steckt, flüchteten einige frommen Leute die zwei Bildnisse der Gottesmutter und des heiligen Evangelisten Johannes aus der Sigolsheimer Kirche nach Kientheim in die St. Felir- und Regula- Kapelle, woselbst nach einigen Tagen mit denselben ein großes Wunderzeichen sich zugetragen, das von vielen Zeugen authentisch bestätigt wurde. In Folge dieses Ereignisses wurden viele gottesfürchtige Christen zu dem Bildnisse der allerseligsten Jungfrau gezogen, und durch ihre Fürbitte geschaben viele Wunderheilungen; dadurch entstand eine Wallfahrt, die von jener Zeit an stets eine so große 1 Diese Ablaßbriefe ftehen am Schluffe dieses Berichts. Die deßfalsige Urkunde weiter unten nach den Ablaßbriefen. .1** Geschichte von Kientheim Berühmtheit behauptet hat. Die Menge der herbeiströmenden Pilger machte eine Erweiterung der Kapelle nothwendig, und wirklich führte der Abt Johann Stantenat von Lützel die Kirche in der Weise auf, wie sie dermalen noch besteht, und Nicolaus, Bischof von Tripolis und Weihbischof von Basel, weihte sie am weißen Sonntage im Jahre 1470, zu Ehren des heiligen Kreuzes, der allerheiligsten Jungfrau Maria und des heiligen Evan= gelisten Johannes ein. Dieser Feierlichkeit wohnte Johann von Venningen, Bischof von Basel, selbst bei, nebst dem Grafen von Lupfen, dessen Familie und vielen andern hohen geistlichen und weltlichen Standespersonen. Dabei ertheilten beide Bischöfe Ablässe, von denen die Urkunden weiter unten stehen. Ob aber die eigentliche Confecration der Kirche damals, oder früher, oder erst später vorgenommen worden, kann nicht angegeben werden; nur soviel ist gewiß, daß von Alters her die Kirchweihe daselbst am 11ten September auf St. Felir- und RegulaTag gefeiert wurde. dan Bonito 10 Nach Vollendung der neuen Kapelle stellten der Bischof von Basel und der Abt von Lützel, nebst dem im Lützelhofe wohnenden Ordensgeistlichen und Leutpriester( oder Pfarrer), noch einen besondern Kas plan auf, weil die Menge der Wallfahrer drei Priester in Anspruch nahmen, die denn auch durch Abhaltung des Gottesdienstes, durch Predigten und Beichthören 2c. ihren Eifer zu bethätigen sattsam Gelegenheit hatten. Nebst andern gottgefälligen Dingen setzten diese Geistlichen zu Ehren der allerfeligften Gottesgebärerin den Rosenkranz nebst Salve Regina in der Kapelle ein, welche heilige Uebung sich bis auf den heutigen Tag erhalten. Bischof Johann von Basel erhöhete diese Andacht noch da und II. L. Frauen Wallfahrt daselbst. 11 durch, daß er allen Jenen, die, während das dreimalige Glockenzeichen beim Ave Maria in der Kapelle zu Kientzheim gegeben wird, dreimal den englischen Gruß beten, einen besondern Ablaß ertheilte. Auch brachte der Abt Johann von Lütel, welcher in Angelegenheiten des Klosters Salmansweil nach Rom gereis't, Ablaßbriefe von dem Pabste Paul mit. Im Jahre 1473 pilgerte der Kaiser Friedrich III. mit einem glänzenden Gefolge in die Kapelle nach Kientheim, beschenkte sie mit reichen Gaben, und hinterließ daselbst unter andern feinen mit Gold und Silber gestickten ungarischen Königshut, der zu ewigem Andenken der frommen Pilgerfahrt in der Kapelle aufgehängt wurde. Derselbe befindet sich aber nicht mehr dort und ist wahrscheinlich während der französischen Revolution abhanden gekommen. Die Wunderheilungen, welche auf die Fürbitte der allerfeligsten Jungfrau in der Kapelle zu Kientzheim geschehen sind, haben die jeweiligen Priester und Kapläne, nach gewissenhafter Angabe der Pilger treu aufbewahrt und fleißig niedergeschrieben. Dieß that vom Jahre 1466 bis 1470 der Leutpriester Hans Kürßner, und der Kaplan Petrus Lieb; von 1470 bis 1475 der Bruder Hans von Uff holz, Conventual von Lützel, Leutpriester und Verweser des St. Regula- Dinghofes; von 1475 bis 1505 Bruder Theobald, ebenfalls Ordensgeistlicher von Lützel, und Hans Lämblin, unserer lieben Frauen Kaplan. Vom Jahr 1505 an befinden sich im Buche keine Wunder mehr aufgezeichnet; vermuthlich wurden sie in einem andern Buche aufgeschrieben, das im Bauernkrieg, wo Kientheim schwere Drangsale erlitten, verloren gegangen. Die vielen geopferten Bilder, eisernen Bande, Ket= ten, Fußeisen, Armstricke, Krücken u. dgl. bezeugen 12 Die der Kirche zu Kientheim indeffen zur Genüge, wie viele Unglückliche daselbst Linderung oder Befreiung von ihren Krankheiten und Gebrechen erfleht haben; und auch in unsrer Zeit ist der Arm Gottes nicht verkürzt, indem viele andächtige und vertrauensvolle Seelen Ursache ge= funden, die glorwürdige Gottesmutter als die Zuflucht der Sünder und die Helferin der Kranken zu preisen. Die der Kirche zu Kienzheim ertheilten Ablaß- Briefe. Ueber die Ablaß- Brieff, St. Regulå- Kirchen zu Rienßheimb ertheilt: Und über die Wunderzeichen, die bei unser Lieben Srauen Walfahrt, alda vor disem sich zugetragen haben. Im Namen der allerheyligsten DREYFALTYGKEIT. Amen. Kund, und zu wissen seye Allermänniglichen, die dieses offen Instrument sehen, oder hören lesen. Daß im Jahr als man zahlt nach CHRISTI JESU Unsers Seligmachers Geburt tausend sechs hundert fünfzig und sieben, In der zehenden Römer Zinßzahl, zu latin Indictio genandt, bey verledigter Regierung, Weyland des Allerdurchlauchtigsten, Großmächtigsten und Unüberwindlichsten Fürsten und Herrn Herrn FER ertheil& n Ablaß- Briefe. DINANDI des Dritten diß Namens, Römischen Kaysers etc. Glorwürdigsten Andenkens 2c. auff Sammstag den 27. des Monats Octobris, zwischen acht und neun Uhren vor Mittag, in deß loblichen Gotteshauses Lützel Freyhoff zu Lewenburg, oben in der großen Taffelstuben, welche gegen Auffgang, vnd Mittag in den Garten siehet, vor mir vnderfchribenem Notario, vnd nachgemelten hierzu in= sonderheit beruffenen, und erbettenen Gezeugen per= sönlich erschienen, der Hochwürdige Herr, Herr BERNARDIN Abbte zu Lützel, und Maulbrunn 2c. und stellte Ihro Gn: mir sechs Ablaß- Brieff, welche vor disem St. Regulen Kirchen zu Conßheimb ertheilt worden; Item ein durch einen Notarium, über zwey der Mutter Gottes, und St. Johann deß Evangelisten miraculos Bilder, welche sich in besagter St. Regulä Kirchen befindten, auffgerichtet Instrument; deßgleichen ein alt pergamenten Miraculbuch, darinn bei 187 herrliche Wunderzeichen, die sich zu Conßheim in angeregter Kirchen zugetragen, beschriben waren, alles originaliter zuhanden, und thete an mich Gn: gesinnen, daß ange, regte Ablaß- Brieff, Instrument, und Miracul- Buchmit zu End bemelten Zeugen fleißig durchsehen: Alsdann mit der Abschrift, welche sie durch eine getreue Hand, fertigen lassen, ordentlich collationieren, auscultieren, und nach dem selbige gleichlautend befunden, ein glaubwürdig Vidimus, und authentische Attestation, under meinem, und der bedeuten Zeugen Namen, darüber aufsetzen, und Ihro widerfahren lassen wollte: 13 14 Die der Kirche zu Kientheim I. Ablaß: Brief, welchen sechs Bischöfe beim Concilium zu Basel der St. Selip und Regula Kirche zu Kiengheim ertheilt haben. 1444. Allen Christgläubigen fammt und sonders. Wir durch Gottes Barmherzigkeit Robert, Erzbischof von Florenz, Ludwig, u. s. w. ewiges Heil im Herrn. Der Glanz der Herrlichkeit des Vaters, der die Welt erleuchtet hat durch sein unaussprechliches ¹ Universis et singulis Christi fidelibus. Nos miseratione Divina Robertus Archi Episcopus Florentinus, Ludovicus Natiensis, Matthæus Corthunensis, Anthonius Rundensis, Hermannus Vernensis, Nicolaus Tripolitanus, Episcopi. Salutem in Domino sempiternam. Splendor paternæ gloriæ, qui sua mundum illuminat ineffabili claritate, pia vota fidelium de ipsius clementissima Majestate sperantium, tunc præcipue benigno favore prosequitur, cum ipsorum humilitas sanctorum meritis et precibus adjuvatur; hinc dignum, quod potius debitum arbitramur, ut Ecclesias in Dei nomine dedicatas gratiosis remissionum prosequamur impendiis et indulgentiarum muneribus ornemus. Cupientes igitur, ut Ecclesia Parochialis S. S. Felicis et Regulæ in oppido Conßheim, Basiliensis Dioecesis, congruis frequentetur honoribus, fideliumque devotio in impartiendis Ecclesiæ eleemosynis, quibus structuræ, et alia ædificia ac Ecclesiastica ornamenta, in eadem Ecclesia Parochiali conservari, et augmentari, ac denuo fieri valeant, excitetur, quo inde uberioris gratiæ dono conspexerint se refectos; Omnibus vere pœnitentibus et confessis, qui ad dictam Ecclesiam ipso crtheilten Ablaß- Briefe. Licht, kommt den frommen Wünschen der Gläubigen, die auf seine huldreiche Majestät ihre Hoffnung setzen, besonders dann gnädig entgegen, wann ihre Demuth in den Verdiensten und Fürbitten der Heiz ligen Unterstützung findet; daher scheint es uns angemessen oder vielmehr pflichtgemäß, daß wir die dem Namen Gottes geheiligten Tempel mit Gunstbezeugungen versehen und Ablaßspenden schmücken. Da wir also wünschen, daß die Pfarrkirche zu Ben heiligen Felix und Regula im Städtchen Consheim, Baseler Bisthums, gehörig in Ehren gehalten und die Andacht der Gläubigen bei ihren der Kirche zu= gedachten Almosenspenden, die zur Unterhaltung, Vermehrung und Ergänzung der Gebäulichkeiten und 15 rum Patronorum festis. Nec non festivitatibus Nativitatis Domini nostri Jesu Christi, Circumcisionis, Epiphaniæ, Palmarum, Cænæ Domini, Parasceves, Resurrectionis Rogationum, Ascensionis, Pentecostes, Trinitatis, Corporis Christi. Nec non in omnibus et singulis Beatæ et Gloriosa Virginis Mariæ festivitatibus, omnium et singulorum Apostolorum et Evangelistarum, S. S. Michaelis Archangeli, Joannis Baptista, Georgii, Laurentii, Viti, Steph ni, Udalrici, AEgidii, Benedicti, Bernardi, Galli, Mari ni, Nicolai, Antonii, et S. S. Maria Magdalenæ, Catharinæ, Annæ, Margaretha, Barbara, Agatha, undecim millium Virginum, Elisabethæ, Clara, Dorothea, et Commemoratione omnium Sanctorum, et animarum: Insuper et illorum Sanctorum, quorum reliquiæ in dicta Ecclesia continentur, quorum nomina in ipsa Ecclesia speciali habentur reverentia, et in dedicatione ipsius Ecclesiæ, ac per octavas prædictarum festivitatum, octavas habentium; aut in singulis diebus Dominicis, ac festivis Adventus Domini, Quatuor temporum, sen Quadragesimæ, causa devotionis, peregrinationis, vel orationis accesserint, vel qui Missis, Prædicationibus, et Divinis 16 Die der Kirche zu Kientheim anderer gottesdienstlichen Gegenstände in jener Pfarrkirche dienen, immer mehr angeregt werde, und sie eines reichern Gnadenschatzes sich erfreuen: verleihen wir allen wahrhaft Reumüthigen, welche mit der heiligen Beicht versehen besagte Kirche an ihren Patronsfesten, an den Festen der Geburt unsers Herrn Jesu Christi, der Beschneidung, der Erscheinung, der Palmen, des Gründonnerstages, des Charfreitages, der Auferstehung, der Bitttage, der Auffahrt, der Pfingsten, der Dreifaltigkeit, des Fronleichnams, desgleichen an allen und jedem Festtage der seligen und glorreichen Jungfrau Maria, der Apostel und Evangelisten, des heiligen Erzengels Michael, des heiligen Johannes des Täufers, des Officiis, Exequiis, et sepulturis mortuorum in dicta ecclesia, vel ejus cœemeterio devotè interfuerint, ac qui in extremis laborantes quidquam suorum legaverint facultatum: seu qui in serotina pulsatione campanæ flexis genibus ter Ave Maria dixerint, aut qui corpus Christi, vel oleum sanctum secuti fuerint, cum portatur infirmis: aut qui pro animabus ibidem sepultorum, aut omnium fidelium defunctorum Orationem Dominicam cum salutatione Angelica devotè dixerint: nec non ad fabricam ipsius Ecclesiæ parochialis in Consheim, Luminaria, Ornamenta, aut ad alia necessaria manus porrexerint adjutrices, de Omnipotentis Dei misericordia, et beatorum Petri et Pauli, aliorumque Apostolorum, et omnium Sanctorum ejus meritis, et authoritate confisi singuli nostrum, singulas dierum quadragenas, de injunctis eis pœnitentiis, misericorditer in Domino relaxamus, Ordinarii tamen loci consensu interveniente. In cujus re Testimonium præsentes litteras Sigillorum nostrorum jussimus appensione communiri. Datum Basileæ apud Sacrosanctam Synodum 14. Kal. Martij, anno à Nativitate Domini millesimo quadringentesimo quadragesimo quarto. ertheilten Ablaß- Briefe. heiligen Georgius, Laurentius, Vitus, Stephanus, Ulricus, Aegidius, Benedictus, Bernardus, Gallus, Martinus, Nicolaus, Antonius, der heiligen Maria Magdalena, Katharina, Anna, Margaretha, Barz bara, Agatha, der eilf tausend Jungfrauen, der heilis gen Elisabeth, Clara, Dorothea, und am Feste Aller= heiligen und Allerseelen; wie nicht minder an den Festen jener Heiligen, deren Reliquien in besagter Kirche aufbewahrt, und deren Namen darin besonders geehrt werden, desgleichen am Tage der Einweihung jener Kirche, während der Octaven jener Feste, die mit Octaven verbunden sind; an jedem Sonn- und Festtage des Advents, an den Quatembertagen oder zur Fastenzeit, Andachts-, Wallfahrts- oder Ge= betshalber besuchen, den Messen, den Predigten und gottesdienstlichen Verrichtungen, den Erequien und Begräbnissen der Todten in besagter Kirche oder auf dem Friedhofe derselben andächtig beiwohnen, und mit dem Tode ringend, etwas von dem Ihrigen dahin vermachen, oder bei der Abendglocke dreimal das Gegrüßet seyst du, Maria" knieend beten, oder das heilige Altarssakrament oder das heilige Del zu den Kranken begleiten; oder für die Seelen der daselbst Bestatteten oder für die verstorbenen Gläubigen überhaupt das ,, Vater unser" mit dem englischen Gruße beten; oder der Fabrik jener Pfarrkirche in Consheim Leuchter, Ornate schenken oder sonst nöthigenfalls hülfreiche Hand bieten; allen diesen erlassen wir gnädig im Herrn, gestützt auf die Barmherzigkeit des allmächtigen Gottes und auf die Verdienste und das Ansehen des heiligen Petrus und Paulus und der andern Apostel und all seiner Heiligen, vierzig Tage von den ihnen obliegenden Bußen, jedoch nach vorher eingeholter Bewilligung des betreffenden Ordinariats. Zur Bezeugung dessen haben 17 18 Die der Kirche zu Kientheim wir gegenwärtigem Brief unsere Insiegel anzuhängen befohlen. Gegeben zu Basel in der heiligen Synode, am 14ten vor den Kalenden des Märzes, im Jahre nach der Geburt unsers Herrn tausend vierhundert vierzig und vier. II. Transfir des Bischofs Friederich von Basel wodurch vorstehender Ablaß ratificirt und mit neuen vermehrt wird. Friedrich von Gottes Gnaden Bischof von Basel thut allen Christgläubigen Unterfertigtes kund und zu wissen nebst seinem Gruß. Alle denen zu wis sen ersprießlich, sollen wissen, daß bei Uebermachung und Empfang des Briefes, dem das gegenwärtige Schreiben als Transfir angebogen, uns zu Gunsten I ¹ Fridericus Dei gratia Episcopus Basiliensis. Universis et singulis Christi fidelibus subscriptorum notitiam cum salute. Noveritis itaque, et noverint, quos nosse fuerit opportunum: quod exhibitis nobis, atque per nos receptis litteris, quibus præsentes nostræ per Transfixum sunt affixæ litteræ, fuit nobis in favorem Ecclesiæ Parochialis sanctorum Felicis et Regulæ in Kunzheim, Basiliensis nostræ Diœcesis, humiliter supplicatum, debitaque cum instantia requisiti, quatenus ad concessionem Indulgentiarum in eisdem litteris, ut sic præsentibus annexis, expressarum, ut loci Ordinarius in finem, ut ipsæ Indulgentiæ debitum suum sortirentur effectum, adhibere nostrum consensum, et assensum, nec non authoritate nostra, etiam in favorem dictæ Ecclesiæ Indulgentias per nos concedi solitas, dare et concedere dignaremur. Unde nos Fridericus Episcopus, uti loci Ordinarius præfatus, supplicationibus hujusmodi, uti ratione consonis, favorabiliter annuentes, et ad promotionem hujusmodi Indulgentiarum ertheilten Ablaß- Briefe. 19 der Pfarrkirche der heiligen Felir und Regula zu Kientheim, unsers Baseler Bisthums, ein unterthäniges Gesuch und eine dringende Bittschrift vorgelegt worden, wir möchten zur Verleihung der in dem hier angehängten Briefe benannten Abläffe, damit sie ihren gewünschten Zweck erreichen, als Oberhirte jenes Ortes unsere Einwilligung und Bestätigung ertheilen, und kraft unsrer Gewalt zu Gunsten ge= dachter Kirche, noch die von uns gewöhnlich ausgehenden Ablässe ertheilen und zuerkennen. Daher wir Friedrich Bischof, als obenbenannter Ortsoberhirt, diesem Bittgesuche gerne entgegenkommend, und solche Ablässe zu befördern wünschend, ihrer Ertheilung und Verleihung unsere Einwilligung und Zustimmung zuerkennen zu müssen erachten und wirklich zuerkennen; deßhalb wir dieselben durch Gegenwärtiges in ihrer ganzen Form und Ausdehnung operam dare cupientes, concessioni carundem et dationi, nostrum consensum pariter, et assensum adhibendum duximus et adhibemus: ac easdem admittimus, per harum præsentes modo et forma melioribus, quibus fieri potest, et debet. Et nihilominus, ut Christi fideles eo fortius ad bona invitentur opera, Nos de Omnipotentis Dei misericordia, ejusque Gloria Genitricis Beatæ Mariæ Virginis Intemeratæ, ac Sanctorum Petri et Pauli Apostolorum authoritate confisi, omnibus vere poenitentibus, confessis et contritis, qui se bonis operibus et subsidiis Charitativis modo, et forma in litteris præsentibus annexis in favorem Ecclesiæ in Kiensheim, conjunctim, vel divisim exposuerint, totiens, quotiens id fecerint, quadraginta dies criminalium, et unum annum venialium de injunctis sibi poenitentiis, misericorditer in Domino relaxamus. Datum sub sigillo nostro, præsentibus per Transfixum appenso. Anno Domini millesimo quadringentesimo quadragesimo quarto, die vicesima quinta Mensis Junii. Die der Kirche zu Kientheim annehmen. Damit jedoch die Christgläubigen desto kräftiger zu den guten Werken angetrieben werden mögen, so haben wir, vertrauend auf die Barmher= zigkeit des allmächtigen Gottes und auf das Ansehen der glorreichen Gottesmutter Maria, der unverfehrten Jungfrau, und der heiligen Apostel Peter und Paul, allen wahren Büßern, die reumüthig gebeichtet, der guten Werke und Liebesgaben nach der in dem angebogenen Briefe vorgeschriebenen Art und Weise zu Gunsten der Kirche in Kientzheim ganz oder theilweise sich entledigt haben, wie oft dieß ge= schehen, vierzig Tage von den wegen der Todsünden, und ein Jahr von den wegen der läßlichen Sünden ihnen auferlegten Bußen, gnädigst im Herrn erlassen. Gegeben unter unserm, dem gegenwärtigen als Transfir angehängten, Siegel im Jahre des Herrn tausend vierhundert vierzig vier, am 25. Junius. 20 III. Ablaßbrief des Bischofs Johann zu Basel, und des Bischofs Nicolaus zu Tripolis zu Gunsten der neuen Kirche zu unserer lieben Srau zu Kientheim, bei Gelegenheit ihrer Einwei= hung am Sonntage Quasimodo 1470. Johannes von Venningen, durch Gottes Gnade Bischof zu Basel, und Nicolaus, durch dieselbe I Joannes de Venningen DEI gratia Episcopus Basiliensis, ac Nicolaus Eadem gratia Episcopus Tripolitanus, dicti Reverendi in Christo patris, et Domini nostri Domini Joannis Episcopi Basiliensis, Vicarius in Pontificalibus Generalis. Universis et singulis Christi fidelibus ertheilten Ablaß- Briefe. Gnade Bischof zu Tripolis, genannten hochwürdigen Vaters in Christo und unsers Herrn Johannes, Bischof von Basel, Vicarius generalis in Pontificalibus, thun allen Christgläubigen jetziger und zukünftiger Zeiten kund und zu wissen, nebst ewigem Gruße in dem Herrn. Der Glanz der Herrlichkeit des Va= ters, der die Welt erleuchtet hat durch sein unaussprechliches Licht, kommt den frommen Wünschen der Gläubigen, die auf seine huldreiche Majestät ihre Hoffnung setzen, besonders dann gnädig entgegen, wann ihre Demuth in den Verdiensten und Fürbitten der Heiligen Unterstützung findet. Da wir also wünschen, daß die Kapelle in dem Städtchen Kient21 præsentibus, et posteris subscriptorum notitiam, cum salute in Domino sempiterna. Splendor Paternæ gloriæ, qui sua mundum illuminavit ineffabili claritate, tunc pia vota fidelium, de clementissima ejus majestate sperantium, benigno favore prosequitur, cum devota ipsorum humilitas, sanctorum meritis ac precibus adjuvatur. Cupientes igitur, ut Capella in oppido Cüensheim situata, nostræ Basiliensis Dioecesis, in honore Sanctæ Crucis, gloriosissimæ Virginis Mariæ et sancti Joannis Evangelistæ, dedicata, congruis honoribus frequentetur, ac a Christi fidelibus jugi devotione veneretur, omnibus Christi fidelibus vere poenitentibus, confessis et contritis, qui in omnibus et singulis Christi festivitatibus, videlicet Nativitatis, Circumcisionis; Epiphaniæ, Resurrectionis, Ascensionis, Pentecostes, Corporis Christi, in Coena Domini et Parasceve ac gloriosissimæ Virginis Mariæ festivitatibus, videlicet Conceptionis, Nativitatis, Præsentationis in templum, Annunciationis, Visitationis, Purificationis et Assumptionis: ac in festivitatibus Inventionis et Exaltationis sanctæ Crucis; Omnium Apostolorum et Evangelistarum, sanctorum Gregorii, Ambrosii, Hieronymi, et Augustini, Laurentii Martyris, Nicolai Episcopi: Sanctarum Magdalena, Catharina et Barbaræ Virginum: 22 Die der Kirche zu Kientheim heim, Baseler Bisthums, zu Ehren des heiligen Kreuzes, der glorwürdigsten Jungfrau Maria und des heiligen Evangelisten Johannes eingeweiht, wür dig besucht und von den Christgläubigen durch beständige Andacht verehrt werde, erlassen wir allen Christgläubigen, die, nach abgelegter reumüthiger Beicht an allen und einzelnen Festtagen Christi, als der Geburt, der Beschneidung, der Erscheinung, der Auferstehung, der Himmelfahrt, der Pfingsten, des Fronleichnams, an Gründonnerstag und Charfreitag, wie nicht minder an den Festtagen der glorwürdigsten Jungfrau Maria, als der Empfängniß, der Geburt, der Opferung, der Verkündigung, der Heimsuchung, der Reinigung und Himmelfahrt, In festo omnium Sanctorum, ac in die dedicationis, ac Patronorum, et Patroni ipsius Capellæ, ac per earundem festivitatum omnium, et in singularum Octavas habentium octavis, devotè visitaverint, ac etiam in pulsu campanæ in dicta Capella faciendo, per quem Angelica salutatio designatur, ad laudem præfatæ gloriosissima Virginis Mariæ, flexis genibus ter Ave Maria devotè peroraverint; ac ad fabricam ipsius Capellæ, seu ornamentorum comparationem ejusdem, manus suas porrexerint adjutrices; totiens, quotiens præmissa peregerint, seu fecerint, vice qualibet, Nos ambo, et quilibet nostrum de Omnipotentis Dei Misericordia, ipsiusque gloriosissimæ Virginis Mariæ, ac Beatorum Petri et Pauli Apostolorum ejus authoritate confisi, quadraginta dies criminalium, et centum venialium peccatorum, de injunctis eis poenitentiis, in Domino misericorditer relaxamus, et quilibet nostrum relaxat per præsentes, perpetuis futuris temporibus duraturas. In quorum fidem, et testimonium sigilla nostra ipsis præsentibus duximus appendenda. Datum Basilea anno a Nativitate Domini nostri Jesu Christi millesimo quadringentesimo septuagesimo, die mensis Aprilis ultima. Indictione Tertia etc. ertheilten Ablaß- Briefe. und an den Festen der Auffindung und Erhöhung des heiligen Kreuzes, aller Apostel und Evangelisten, der heiligen Gregorius, Ambrosius, Hieronymus und Augustinus, des Blutzeugen Laurentius, und des Bischofs Nicolaus, der heiligen Jungfrauen Magdalena, Katharina und Barbara; an Allerhei= ligen, am Feste der Kirchweihe und der Patrone, wie auch des Patrones der Kapelle selbst, wie desgleichen während der Octaven gedachter Feste und der Octaven sämmtlicher Feste, diese Kirche andächtig besuchen, und beim Glockenzeichen, wodurch in jener Kapelle der englische Gruß angedeutet wird, zur Ehre der glorreichsten Jungfrau Maria dreimal das ,, Gegrüßet seyst du, Maria," knieend und andächtig beten, und der Fabrik jener Kapelle oder zur Anschaffung des Kirchenschmuckes hülfreiche Hand bieten, so oft sie dieses verrichten oder thun, erlassen wir beiden und jeder von uns gnädig im Herrn, vertrauend auf die Barmherzigkeit des allmächtigen Gottes und auf das Ansehen der glorwürdigsten Jungfrau Maria und der heiligen Avostel Peter und Paul, vierzig Tage von den wegen tödtlichen, und hundert von den wegen läßlichen Sünden ihnen auferlegten Bußen, und dieses auf alle zukünftigen Zeiten. Zur Bekräftigung und Beglaubigung dessen haben wir dem Gegenwärtigen unsere Siegel angehängt. Gegeben zu Basel im Jahre nach der Geburt unsers Herrn Jesu Christi ein tausend und vier hundert siebenzig, am letzten des Aprilmonats. 23 24 Die der Kirche zu Kienzheim IV. Einen andern Ablaßbrief ertheilten der Kirche St. Felir und Regula, sechs Monate später, zwölf Cardinäle zu Rom. Wir lassen denselben blos in seiner Urschrift hier unten abdrucken. Guillermus Ostiens. etc. Latinus Tusculanus, Philippus Albanen. Angelus tit. Sanctæ Crucis in Hierusalem, Jacobus tit. S. Chrisogoni, Oliverius tit. Sanctorum Marcellini, et Petri, Amicus tit. sanctæ Balbinæ, Rodericus tit. sancti Nicolai in carcere, Franciscus tit. S. Petri ad Vincula, Marcus tit. S. Marci, Franciscus tit. S. Eu stachii, Joannes tit. S. Luciæ, miseratione Divina S. Romanæ Ecclesiæe Episcopi, Presbyteri, et Diaconi Cardinales Rothomagens: de Urisinis, Bononiensis, Rheatinus, Tapiens. Neapolitanus, Aquilan. Vice Cancellarius de Sao, Vincentius, Senensis et Venetus vulgariter nuncupati. Universis et singulis Christi fidelibus præsentes litteras inspecturis salutem in Domino sempiternam. Gloriosus Deus in Sanctis suis, qui sua mundum illuminat ineffabili claritate, pia vota fidelium, de ipsius clementissima Majestate sperantium, tunc præcipuè benigno favore prosequitur, cum devota ipsorum humilitas, Sanctorum precibus et meritis adjuvatur. Cupientes igitur, ut Ecclesia Parochialis Sanctorum Felicis, et Regulæ in Kiensheim, Basiliensis Dioecesis, ad quam Venerabilis, Frater noster Basiliensis Episcopus, et dilectus filius Joannes Abbas Lucellensis, singularem gerunt devotionis affectum, congruis a. Christi fidelibus frequentetur honoribus, fidelesque ipsi eo libentius devotionis causa confluant ad eandem, quo ibidem dono coelestis gratiæ uberius se conspexerint refectos, de Omnipotentis Dei misericordia, et Beatorum Petri et Pauli Apostolorum ejus authoritate confisi, nec non precibus, et supplicationibus præfatorum, favorabiliter inclinati, omnibus et singulis verè poenitentibus et confessis, qui dictam Ecclesiam in Annuntiationis, et Assumptionis Beatæ Mariæ ertheilten Ablaß- Briefe. 25 V. Auf diesen Ablaßbrief erfolgte am zweiten Februar 1471 das unten stehende Transfir des Bischofs Johann von Basel, wodurch er besagten Ablaß ratifizirt und jedem approbirten Priester Gewalt gibt, alle Leute in dieser Kirche Beicht zu hören, und sie von den dem Bischofe vorbehaltenen Sünden zu absolviren. I Virginis, nec non Joannis Baptistæ, ac Patronorum, et Dedicationis ipsius Ecclesiæ festivitatum diebus, devote visitaverint annuatim, et ad reparationem ac conservationem ædificiorum, calicum, librorum et aliorum ornamentorum, pro divino cultu inibi necessariorum, manus porrexerint adjutrices, Nos Cardinales præfati, et quilibet nostrum, de qualibet hujusmodi die, centum dies Indulgentiarum de injunctis eis poenitentiis, misericorditer in Domino relaxamus, præsentibus perpetuis futuris temporibus duraturis. In quorum omnium, et sigillorum fidem et testimonium præmissorum, præsentes litteras fieri fecimus, et sigillorum nostrorum jussimus appensione communiri. Datum Roma in palatiis nostris solitis, anno a Nativitate Domini millesimo quadringentesimo septuagesimo, pridie Idus Novembris Pontificatus Sanctissimi Patris, et Domini nostri, Domini Pauli Divina providentia Papæ secundi anno septimo. Joannes de Venningen Dei gratia Episcopus Basiliensis. Universis, et singulis Christi fidelibus tam præsentibus, quam futuris, salutem in Domino sempiternam. Noveritis, noverintque omnes, et singuli, quod nos ad omnes et singulas Indulgentias, per Reverendissimos in Christo Patres Dominos Cardinales, ad Ecclesiam Sanctorum Felicis et Regulæ, in oppido Cüensheim, nostræ Dioecesis situatam, datas et concessas, prout in litteris eorum, quibus hæ nostræ litteræ transfixim sunt appensæ, clarius continetur, nostras, ut loci Ordinarius, consensum et 2 Die der Kirche zu Kienzheim VI. Ablaßbrief des Pabstes Paul II. zu Gunsten der Kirche St. Selip und Regula in Kientheim. 26 I Paulus Bischof, Diener der Diener Gottes. Allen Christgläubigen, denen gegenwärtiges Schreiz assensum dandum duximus ac consentímus et assentimus per præsentes: Et ut homines eo libentius et devotius eandem Ecclesiam S. S. Felicis et Regulæ in Cüensheim visitaverint, Nos authoritate nostra ordinaria præsenti scripto, cuilibet Sacerdoti, per nos aut nostros Commissarios deputando, authoritatem et facultatem damus, ut cujuslibet utriusque sexus personæ, confessiones audire, ipsamque et quamlibet earum, a peccatis suis, sibi in eadem Ecclesia, animo contrito, confessis, a casibus etiam Episcopalibus, nobis a jure reservatis, et propter quæ sedes Apostolica merito non fuerit consulenda, absolvere, et pro modo culpæ poenitentiam salutarem, in forma Ecclesiæ consueta, injungere valeat atque possit. Insuper etiam omnibus et singulis Christi fidelibus, utriusque sexus hominibus, confessis et contritis, qui pias suas eleemosynas, et subsidia charitativa, pro dictæ Ecclesiæ majori reformatione, restauratione ornamentorumque ejus comparatione, et alios ejusdem Ecclesiæ pios usus elargientur, quadraginta dies criminalium, et unum annum venialium peccatorum, de omnipotentis Dei misericordia, ac beatorum Petri et Pauli, Apostolorum ejus authoritate confisi, in Domino misericorditer relaxamus per præsentes, perpetuo duraturas. In quorum fidem sigillum nostrum præsentibus his transfixim duximus apponendum. Datum in Civitate nostra Basiliensi, Anno a Nativitate Domini nostri Jesu Christi, millesimo quadringentesimo septuagesimo primo. Die Purificationis beatissimæ Virginis Mariæ. Quæ fuit secunda mensis Februarii. Indictione quarta. Paulus Episcopus Servus Servorum Dei. Universis Christi fidelibus, præsentes litteras inspecturis, salutem et Univ.- Bibl. Giessen ertheilten Ablaß- Briefe. ben zu Gesicht kommen wird, Heil und apostolischen Segen. Da wir, obgleich unverdienterweise des ewigen Hirten, der zum Heile des Menschengeschlechtes sich als Preisopfer schlachten ließ, Stelle auf Erden vertreten, so lassen wir uns angelegen seyn, alle Christgläubigen zu frommen Liebeswerken, besonders an Orten, wo der Allerhöchste durch den Schimmer der Wunder glänzt, eifrigst anzutreiben, und laden sie daher durch Ablässe und Nachlaffungen ein, daß sie, der guten Werke theilhaftig 27 Apostolicam benedictionem. Pastoris æterni, qui pro salute humani generis se in pretium immolare non abnuit, vices, quamvis immeriti, gerentes in terris, cunctos Christi fideles ad pia charitatis opera, præsertim in locis, ubi omnipotens Deus miraculorum claritate coruscat, ferventer inducere satagimus, ac eos indulgentiis et remissionibus invitamus, ut bonorum operum participes effecti, tandem æternæ felicitatis præmia valeant promereri. Cum itaque sicut accepimus, propter incendia, homicidia, rapinas et spolia plurima, ac etiam depopulationes, et destructiones villarum, oppidorum, et Ecclesiarum combustiones, que satis crudeliter in Dioecesi Basiliensi, pro dolor! perpetrata fuerunt, contigerit, quod imagines gloriosæ virginis Mariæ, et beati Joannis Apostoli et Evangelistæ, de Parochiali Ecclesia in Sigolzheim dictæ dioecesis, partim combustæ, partim vero ad Ecclesiam sanctorum Felicis et Regulæ in Künsheim, ejusdem dioecesis, per certos simplices, devotos tamen homines, translatæ et collatæ fuerunt, ac propter diversa miracula, quæ omnipotens Deus ibidem operatus est, et operatur in dies, utriusque sexus peregrini, infirmi et debiles, cæci, claudi, manci, et aliis diversis languoribus et infirmitatibus gravati ac detenti, non solum de Basiliensi, sed etiam de aliis diversis Dioecesibus et partibus longinquis, confluant numero copioso; Nos igitur cupientes ut Ecclesia ipsa congruis honoribus frequentetur, et Christi fidelium devotio, quæ ingens est, per amplius augeatur, 2* Die der Kirche zu Kientheim geworden, zuletzt auch die Krone der ewigen Glückseligkeit verdienen mögen. Da nun, wie uns berichtet worden, durch mehrfache Brandstiftungen, Todschläge, Plünderungen und Räubereien, wie auch durch Verheerungen und Verwüstungen von Höfen und Ortschaften, und durch Einäscherung von Kirchen, welche Gräuel besonders in dem Bisthum Basel, leider! verübt worden, sich ereignet hat, daß die Bildnisse der glorreichen Jungfrau Maria und des heiligen Apostels und Evangelisten Johannes aus 28 ipsique fideles eo libentius ad præfatam Ecclesiam Sanetorum Felicis et Regulæ confluant, et ad hujusmodi reparationem, restaurationem, et conservationem, manus. promptius porrigant adjutrices, quo ex hoc ibidem dono coelestis gratiæ uberius conspexerint se refectos; de omnipotentis Dei misericordia ac beatorum Petri et Pauli Apostolorum ejus, authoritate confisi, omnibus verè pœnitentibus et confessis, qui præefatam Ecclesiam Sanctorum Felicis et Regulæ, in Annunciationis, Assumptionis et Nativitatis beatæ Mariæ, ac Sancti Joannis Evangelista festivitatibus, devotè visitaverint annuatim, et ad hujusmodi reparationem, restaurationem et conservationem hujusmodi manus adjutrices porrexerint, singulis videlicet festivitatum diebus tres annos, et totidem quadragenas, de injunctis eis pœnitentiis, misericorditer relaxamus præsentibus, perpetuis futuris temporibus valituris. Volumus autem, quod si aliàs visitantibus dictam Ecclesiam, et ad hujusmodi reparationem, restaurationem et conservationem manus adjutrices porrigentibus, aut aliàs inibi pias eleemosynas erogantibus, seu aliàs aliqua alia indulgentia in perpetuum vel ad certum tempus forsan, vel nondum elapsum duratura, per nos concessa fuerit, nullius præsentes existant roboris vel momenti. Datum Roma apud Sanctum Petrum, Anno incarnationis Dominicæ millesimo quadringentesimo septuagesimo. Quinto decimo Kalend. Decembris, Pontificatus nostri anno septimo. ertheilten Ablaß- Briefe. 29 der Pfarrkirche von Sigolsheim in gedachter Diözese zum Theil verbrannt, zum Theil durch einige einfältige, aber doch fromme Leute in die Kirche der heiligen Felir und Regula zu Künsheim in derselben Diözese gebracht und niedergelegt worden, und wegen unterschiedlicher Wunder, die der allmächtige Gott daselbst gewirkt hat und noch fortwirket, Fremde beiderlei Geschlechtes, Kranke und Schwache, Blinde, Lahme, Gebrechliche, und sonst mit verschiedenen Armseligkeiten und Gebrechen Behaftete, nicht nur aus der Diözese, sondern auch aus mehrern andern Diözesen und entfernten Gegenden zahlreich dahinströmen: so entstand in uns der Wunsch, besagte Kirche möchte mit angemessenen Ehrenerweisen besucht, und die Andacht der Gläubigen, die groß ist, noch mehr angefeuert werden; und damit die Gläubigen desto williger zur gedachten Kirche der heiligen Felir und Regula wallen und zur Wiederherstellung, Verschönerung und Erhaltung derselben desto schneller hülfreiche Hand bieten mögen, je reichlicher die Gnaden sind, die ihnen eben daselbst zufließen: so haben wir, vertrauend auf die Barmherzigkeit und das Ansehen der heiligen Peter und Paul, allen wahrhaft Reumüthigen, die nach abgelegter Beicht, genannte Kirche der heiligen Felir und Regula an den Festen der Verkündigung, Himmelfahrt und Geburt der allerfeligsten Jungfrau und des heiligen Evangelisten Johannes jährlich andächtig besuchen, und zu ihrer Erneuerung, Verschönerung und Erhaltung hülfreiche Hand bieten, durch Gegenwärtiges an jedem dieser Festtage drei Jahre und eben so viele Quadragenen von den ihnen auferlegten Bußen erlassen, und dieses soll für die zukünftigen Zeiten stets seine Geltung haben. Es ist überdieß unser Wille, daß wenn denjenigen, welche besagte Kirche Die der Kirche zu Kientheim: c. besuchen, zu ihrer Erneuerung, Verschönerung und Erhaltung hülfreiche Hand bieten oder darin fromme Spenden ertheilen, sonst irgend ein Ablaß auf ewige Zeiten, oder auf eine gewisse, oder auf eine noch nicht verflossene Zeit, von uns ertheilt worden, die gegenwärtigen keine Kraft oder Geltung mehr haben. Gegeben in Rom zu St. Peter, im Jahre der Menschwerdung des Herrn ein tausend vier hundert siebenzig, am 17ten November, im siebenten Jahre unsers Pontificats. 30 elle Instrument über 31 ееее das große Wunderzeichen, Welches sich mit den Bildnissen der Mutter Gottes und des heiligen Johannes zuge tragen, da dieselben von Sigolsheim nach Kientheim in die Kirche zu den heiligen Felix und Regula versetzt, und schmerzlich weinend gesehen worden, und wodurch die Wallfahrt zu Unserer Lieben Frauen daselbst ihren Ursprung und Anfang genommen, im Jahre 1466. In Gottes Namen. Amen. Durch diß gegenwertig Instrument vnd offen Brieff seye Kund vnd offenbar allen denen die es immer ansehen, oder hören lesen, daß in dem Jahr da man zahlt von der Geburt unsers Herrn Jesu Christi vierzehnhundert sechtzig vnd sechs Jahre, in der vierzehenden Römer Zahle, zu latin genandt Indictio, auff den nechsten donnerstag vor St. Laurentien Tag, daß da war der sibende Tag des Monats Augusti, vor der Vesperzeit, als die Glocke zwei 32 Ueber das große Wunderzeichen schlagte oder darbey, vnder dem Päbstlichen Gewalte deß Allerheyligsten in Gott Vatter vnd unsers Herrn, Herrn Pauli von Göttlicher Fürsichtigkeit deß andern Papstes, in dem andern Jahr seiner Heyligkeit Erönung, seynd in der Statt Cönßheimb, Baßler Bistumbs, in der nideren St. Regulen Kirchen zu Confheim gestanden Unser lieben Frawen vnd St. Joannis Bildung, die onder dem Crucfir stünden da Sie von Sigoltzheim desselben Bistumbs, auß der Kirchen herauff gen Cönßheim geflöhnt, als damal von dem Wohlgebornen Herrn Johann WildGraffen, des Reiches Vnder Landvogt zu Elsase, die Stätte Keysersperge, Türckheim vnd Münster in St. Gregorien Thale, vnd dieselbig Kirchen zu Sigoltzheim, beraubt, verbrandt vnd verherget wor= den. Da zuvor am Montag den vorbenandten beyden Bildern, in gegenwertigkeit diser nachgeschriebenen Ehrwürdigen, Wohlgebornen, Edlen, Vesten, Weysen, Ehrbaren vnd beschaidenen Zeugen, die Ich offner geschworner Schreiber vnd Notarius, von Keyserlichem Gewalt harzu zu Zeugnusse berufft hab, vnd diesen beyden Bildern die Trähen vnd frisch Wasser, von beyden Augen außgetrungen vnd über die Wangen abgefloffen gesehen habe offenbarlich, sichtbarlich vnd scheinbarlich biß auff den Halß, vnd an der Kehlen abe. Vnd darumb so habe Ich Jacobus Mall, ein offner geschworner Notarius von Keyserlichen Gewalt, vnd Baccalaureus der heyligen Päbst= lichen Rechten, beruffen vnd ermahnet dise nachbeambten Personen zu einer wahren Gezeugnuffe, vnd glaublichem Urkund deß grossen Wunderzeiches, so da fürgangen vnd beschehen ist. Vnd sind dise Gezeugen die harzu zu einer wahren Urkund vnd Gezeugnuß berufen vnd erfordert worden, darbey vnd mit gewesen, vnd sollich Wunderzeichen gesehen, 33 der Heiligenbilder von Gigolsheim ic. vnd harumb was sich rechtentlich nach Ordnung der Sachen gebürt, gethan haben. Vnd sind dise Ding beschehen in der vorgenandten Statt Conßheim, in der egenandten Kirchen zu Sant Regul, in dem Jahr, in der Römerzahl, genandt Indictio, an dem Tag, in dem Monat, auff die Stund vnd Pabstumb als obgeschriben stehet. Hiebey synd gewesen die Ehrwürdigen, Wolgebornen, Edlen, Vesten, Ehrsamen, Weysen, Erbaren, beschaiden Herren, Conrad Fröscheffer Dechant zu dem Heyl. Creuk, Herr Diebold Fröscheffer, Herr Michel Schaffner Lütpriester zu Conßheim, Herr Johannes Raff Lütpriester zu St. Regul, Herr Peter Lieb Caplon zu Sigolsheim, Herr Johannes Größinger, Herr Conrad Besserer, Herr Bartholome Thürant, Herr Walter Lieb, alle Priester Baßler Bistumbs; Graff Johanns von Lupffen, Land- Graff zu Stülingen vnd Herr zu Landspurg, Juncker Peter von Regensheim, Juncker Cas= par von Falckenstein, Junker Engelhard von Uttenheim, Juncker Hanß von Hohen- Fürst, Juncker Erhard Mauffz, Juncker Werlin von Vttingen, Juncker Jackob von Landenberg, Juncker Diebolt von Richenstein, etc. Clewin Fryburger, Kürin Schultheiß, Clauß Steinung, Clauß Scherer, Heinrich Sumer, Beren Heinrich, Hemmin Moner, Hanß Fryburger, Hanß Danner, Martin Weckerlin alle deß Raths. Vnd der Ehrsam Diebold Berwart der Schultheiß zu Cönßheim Baßler Bistumbs, Peter Reinhart der Jung, Hanz Metzinger von Rheinfelden, Heinrich Hechinger, Hanß Menne von Stüßlingen, Clawey Senn von Derestetten, Jakob Rust, Hanß von Grüningen, Andres Würmiller von Wolffingen, Jacob Metzger von Lutzeg, Teng Hermann, Mattheus Hütter vnd andere noch vil mehr Personen, die alle zu Gezeugnusse harzu eigentlich beruffen, vnd 2** Ueber das große Wunderzeichen 2c. gebetten worden seynd. Harumb über alle dise Sachen so obgeschriben stont, so bin ich obgeschribener Jacobus Mall Notarius, durch den wolgebornen Graffe Johanns von Lupffen, vmb der Warheit willen, ein offen Instrument oder mehr Instrument, so es nothdürfftig seyn wurde, ermahnt vnd ersucht worden zu machen. So geben und geschehen ist, in dem Jahr, Monat, Tag, Stund und Statt, als obgeschriben. Vnd wann Ich Jacobus Mall von Calw, ein Cleric, Speyer Bistumbs, vnd zu denselben Zeiten Lütpriester der obgenandten Kirchen zu Sigolsheim, Baßler Bistumbe, Baccalaureus in den heyligen Geistlichen Rechten, vnd von Keyserlichem Gewalt ein offner geschworner Notarius, bey disen obgeschribenen Sachen gewesen, die Persönlich gesehen vnd verhört, auch den mehrtheil der obgemelten Gezeugen in den Ayd genommen, mit Trewen verhört, die auch vor mir vnd den Gezeugen hierzu beruffen, dise Geschicht bekannt vnd bey Ihren Ayden gesagt haben: Hie= rumb so hab Ich gegenwärtig offen Instrument da rüber, durch ein andern getrewlich schreiben lassen, vnd mich damit meiner aigen hand vnterschriben, och mit meinem gewonlichen Zeichen bezeichnet, zu Wahrheit, vnd Gezeugnuß aller vorgeschribner Dingen, beruffen vnd erbetten. 34 Signum Notarii ********** eee 35 kkkk க்கது Beschreibung vieler Wunderzeichen, Welche in der Kirche der heiligen Felix und Regula zu Kientzheim, nach dem im Jahre 1466 unserer lieben Frauen und des heiligen Johannes Bildnisse von Sigolsheim herauf getragen worden, bis zum Jahre 1507 ge= schehen sind. Mirakel vom Jahre 1467. 1. Liner Frau wird in Rinds- und Todesnothen geholfen. Frau Margaretha von Schellenberg zu Neuenburg im Breisgau sagte, daß sie sieben Tage und sieben Nächte an der Geburt eines Kindleins gelegen, daß sie nichts mehr von der Welt gewußt habe, gar kein Leben in ihr gewesen sey, und sie mit dem heiligen Sakrament der Delung versehen worden und nichts davon gewußt habe; da sey sie von den Frauen, die bei ihr waren, in der Meinung, daß fie todt wäre, hingelegt worden. Unterdessen verhießen die Frauen sie zu der Mutter aller Barmherzigkeit 36 Beschreibung der Wunder nach Kientheim und sprachen: ,, Vermöchte unsere. liebe Frau wohl so viel, daß die Frau wiederum zu sich selbst kommen könne!" Auf die Stunde wurden sie gewahr, daß sie wieder zu sich selbst kehrte. Sie lag fünf Tage lang in den Geburtsnöthen, sobald aber die Frauen sie zu unserer lieben Frau verhießen, da kehrte sie wieder zur Welt zurück und genas des Kindes. Die Frau und das Kind waren bei unserer lieben Frauen zu Kientheim, auf den Dienstag, Nachts, nach den Mittel- Fasten. 2. Der Mann vorbemeldter Srau erlangt durch die Sürbitte Marià einen Sohn. Die ebengenannte Frau Magaretha sagte auch, daß ihr Mann Anton Güldenring, Wächter zu Neuenburg, in der Zeit in großer Trübsal gewesen; er gieng zu Neuenburg in die Kirche, und rufte unfere liebe Frau zu Kientheim, die Mutter aller Gnaden, an, ihm einen fröhlichen Anblick zu verleihen; würde das Kind ein Knabe, so wollte er bewirken, daß er Gott und unserer lieben Frau dienen müßte; würde es eine Tochter, so wollte er ein Gleiches thun. Auf die Stunde kam eine Frau und heischte ihm das Botenbrod, er hätte einen schönen Sohn 2c. Das ist gelobt bei weiblicher Treue an Eidesstatt. 3. Line lahme Srau wird gesund. Eva, Jungfrau des Junkers Andreas von Hungerstein zu Gebweiler, sagt, daß sie neun zu Kienkheim. 37 Wochen an Händen und Füßen lahm gewesen sey, daß sie sich mit einem halben Pfund Wachs. zu der Mutter aller Gnaden, unserer lieben Frau allhier, nach Kientheim verpflichtet habe. Sobald sie die Fahrt verheißen hatte, sey das Leben wiederum in ihre lahmen Glieder zurückgekehrt. 4. Linem tauben Kinde wird geholfen. Johann Speth von Löffingen sagt, sein Sohn Remigius habe drei ganze Jahre nichts gehört und er sey ganz taub gewesen; er habe ihn also zu dem gnadenreichen Bilde unserer lieben Frau verheißen, und am Pfingsttage versprochen, er wolle morgen auf den Markt gehen und dann die Fahrt machen, die er verheißen hatte, und gleich in einer halben Stunde, sey der Knabe gesund worden. 5. Lin Mann, auf welchen ein Pferd gefallen, wird errettet. Claus Küngesheim, ein Schultheiß zu Ober- Bergheim, wollte mit seinem Pferde einen Graben hinauf reiten, und in dem Graben war Eis; beim Aufsteigen fiel das Pferd mit den hintern Füßen auf den Rücken so auf den Schultheißen, daß er nichts anders wußte, als daß ihm der Sattelbogen im Herzen und im Leibe stäche; und während das Pferd so auf ihm lag, rief er unsere liebe Frau, die gnadenreiche Mutter Gottes zu Kientheim an. Auf die Stunde kam er vom Pferd und war doch so schwach, daß er 38 Beschreibung der Wunder es kaum wieder besteigen konnte. Deshalb verhieß er unserer lieben Frau auch das Pferd, darauf wurde er wieder kühn, kam zu sich selbst und opferte das Pferd unserer lieben Frau auf. 6. Lin Kind wird von Pest in Todesgefahren erlöſet. Krepels Heinrich von Lützelstein sagt, er habe ein Kind, Namens Hans, welches von der Pest befallen, so krank geworden sey, daß die Todesflecken hervortraten; er und andere hätten des Kindes gewartet und nichts anders gewußt, als daß es todt gewesen sey; während dessen habe er unsere Frau die Mutter aller Gnaden zu Kientheim angerufen und sogleich sey das Kind wiederum zu sich gekommen und gesund geworden. 7. Lin Knabe, den man für todt gehalten, wird wiederum lebendig. Hans Strohmeyer pon Eschingen sagt, daß ihm sein Sohn Hans auf eine Tenne in einer Scheune herabgefallen und für todt hingelegt worden, daß ihm der Mund von den Leuten, die zugegen waren, zugethan worden, und sie hätten nicht anders geglaubt, als daß der Knabe todt sey. Daher rief er unsere liebe Frau die Mutter Gottes zu Kientheim an, daß sie ihm helfen wolle, und der Knabe wie: derum zum Leben kommen möchte. Und sogleich wurde der Knabe wieder gesund. zu Kientheim. 8. Lin todtes Kind erhält das Leben wieder. Anna, die Frau des Hans Pfiffer zu Rappoltsweiler, sagte, daß sie an der Geburt eines Kindes länger als drei Stunden in den Nöthen gelegen sey und daß als das Kind geboren ward, es sogleich starb. Während mehr als einer halben Stunde glaubte sie so wie auch die Frauen, die bei ihr waren, das Kind wäre wirklich todt; da rief sie die Mutter Gottes unsere liebe Frau allhier zu Kientzheim an, und auf die Stunde wurde das Kindlein wieder lebendig. 39 9. Lin lahmes und Frankes Kind wird geheilt. Conrad Schuemacher von Neuershausen sagt, daß er ein Kind habe, Namens Barbara, das vier Jahre alt ist; es sey in diesen vier Jahren nicht ein halbes Jahr gesund gewesen und im letzten an Händen und Füßen ganz lahm geworden, und zwar so, daß sie am Sonntag Jubilate besorgten, es möchte die Nacht nicht erleben. Da rieth man den Eltern, daß sie das Kind unserer lieben Frau allhier zu Kientheim angeloben sollen, und auf die Stunde fieng das Kindlein an sich zu bessern und wurde nach zwei Tagen ganz gesund. 10. Linem lahmen Mann wird geholfen. Peter Dielmann von Niedertraubach sagt, daß er vor sechs Jahren ganz lahm gewesen sey, also daß 40 Beschreibung der Wunder er gar nichts arbeiten konnte, da rieth man ihm, sich an unsere liebe Frau in Kientzheim zu wenden. Dieß that er, und alsobald er dieses gethan hatte, wurde er ganz gesund. 11. Lin todtes Kind wird wieder lebendig. Anna Schneider von Reichenweyer, Agnes Keßmann, Elisabeth Blepp, Anna Lentzler, Elisabeth Weber, Ursula Blepp, Margarethe Kolb, Demuth Stumpf, die Hebamme, alle von Reichenweyer fagten einmündig auf ihre handgegebene Treue statt eines Eides, daß die obengenannte Anna Schneider, ein Kind zur Welt geboren, welches während zwei Stunden nach seiner Geburt todt war; sie riefen also unsere liebe Frau die Mutter aller Gnaden zu Kientheim an und machten ihr ein Gelöbniß, alsobald kehrte das Kind zum Leben zurück und wurde in die Kirche zur heiligen Taufe getragen. 12. Lin ertrunkenes Kind kommt wieder zum Leben. Hans Radeisen, Schmidt von Ohnheim, sagt, sein Kind, Hans, zwei Jahre alt, sey bei ihm in der Werkstätte gewesen; da kam eine Frau und fragte nach dem Kinde. Er sprach, er wisse es nicht, und die Frau erwiederte: es läge ein Kind in dem Graben und bewegte sich. Alsbald lief der Vater zu dem Graben, und fand das Kind darin ertrunken. Er ruft unsere liebe Frau zu Kientheim an; da ward das zu Kientheim. Kind wieder lebendig, und kam späterhin zu unserer lieben Frau, am Sonntag der heiligen Dreifaltigkeit. 13. Lin sterbender Mann wird gesund. Hans von Andelsbach zu Neuenburg, berichtet, er sey sechzehn Wochen in Krankheit gelegen und mit dem heiligen Sakramente zum Tode versehen worden. Des Nachts kam ihm vor, er sollte sich zu unserer lieben Frau und St. Johannes nach Kientheim verheißen, und so würde er gesund. Deshalb hat er sich allhier zu Wasser und Brod verheißen. Denselben Morgen ward er gesund und stand vom Bette auf. 41 14. Lin lahmes Weib wird gesund. Clavin Hornung von Herlisheim, sagt, seine Tochter Elise, des Leonhard Burckenat's Ehefrau, sey zehn Wochen lahm gewesen, und mußte gehoben und gelegt werden. Deßwegen verhieß er sie zu unserer lieben Frau nach Kientheim, und als sie dahin ge= kommen, stieg sie selbst vom Karren. Späterhin machte sie noch eine Wallfahrt dahin, und gieng zu Fuße von Herlisheim zu unserer lieben Frau nach Kientzheim. 15. Line lahme dem Tode nahe Srau wird gesund. Barbara von Weyl, die Tochter des Nicolaus Hausmann, zu Herrenberg wohnhaft, Ehefrau des Beschreibung der Wunder Leonhard Hueber zu Herrenberg, sagt, fie sey in einer großen, schweren Krankheit sechzehn Wochen lahm und hoch geschwollen gewesen, daß man sie beben und legen mußte, und sie sey mit den heiligen Sakramenten ganz versehen worden. Deßhalb habe sie sich zu unserer lieben Frau nach Kientzheim ver= beißen. Um dritten Tage nach der Angelobung wurde fie gesund und gerade und konnte ihre Glieder gut ge= brauchen. Dieses ist gesagt den Samstag vor St. Veits- Tag. Im Jahre 1467. 42 16. Ein ertrunkenes Kind erhält das Leben wieder. Irsen Erhards Frau von Rathsamhausen sagt, daß das Kind ihres Sohnes, mit Namen Barbara, aus einem Schiff in die Ill gefallen sey und voller Wasser geworden wäre, so daß es wie ein Tuch schwarz war, und da sie das Kind aus dem Wasser gebracht und ihm den Mund aufgebrochen hatte, so lief ihm das frische Blut heraus, daß sie und andere Frauen nicht anders glaubten, als daß es todt wäre. Sie ruften also die Mutter aller Gnaden allhier zu Kientzheim an, da erhielt das Kind wiederum das Leben und lebt noch, war selbst bei unserer lieben Frau allhier gewesen. 17. Linem verwundeten und stumm gewordenen Mann wird geholfen. Hans Stern von Rothweil sagt, er sey übel und schwer verwundet worden, ihm sey die Gurgel ab zu Kientheim. 43 gehauen worden, und er habe Jahr und Tag nicht sprechen können. Nachdem habe er sich also zu unferer lieben Frau nach Kientheim verheißen; sobald dieß geschehen und er auf die Fahrt gegangen sey, habe er seine Sprache wiederum bekommen; er sagte auch dabei, daß ihm ein Haar von dem Halse in die Wunde, wie sie noch offen war, gewachsen, und daß, als er auf der Wallfahrt begriffen war, das Haar ihm von selbst herausgegangen sey. Junker Friedrich von Bachnang, Diebold Bernhard der Schultheiß, Berenheit der Stadtmeister, Claus Scherer, Hans Menne und Vincenz Kleber, auch Johann Rüdlin der Stadtschreiber zu Kientheim, haben den vorge= nannten Hans Stern gesehen, und wenn er redet, fo geht ihm der Athem zur Gurgel hinaus, wenn er sonst die Wunde an der Gurgel nicht verbindet oder zuhält. 18. Lin Mann, welcher tödtlich verwundet ward und die Rede verloren hatte, bekommt Sülfe. Mathias Frödinger von Tannenkirch sagt, daß er mit einem Degen hinten zum Rücken hinein auf den Tod wund gestochen worden, daß er nichts von sich selbst gewußt habe, auch ohne sprechen zu können da gelegen sey; da habe ihn seine Base Elise, nach ihrem Guthalten, zu unserer lieben Frau nach Kientzheim verheißen, und auf die Stunde wurde er wieder besser und konnte reden. 44 Beschreibung der Wunder 19, Lin Gefangener wird erlöset. Johann Schreiber von Schorendorf sagt, daß er zwischen Speyer und Landau gefangen und bei Nacht in ein Schloß geführt wurde, worin er zweiunddreißig Tage gefangen lag, und nicht wußte wo er sey. Er rufte also unsere liebe Frau zu Kientheim an, und, ſobald er die Mutter Gottes angerufen hatte, da kam er am dritten Tage an einem Seile bei Nachts aus demselben Schlosse, und er weiß noch nicht wo das Schloß liegt oder wie es heißt. 20. Ein Weib, welches den Siechtag des heiligen Valentin hatte, wird davon erledigt. Anna, die Hausfrau des Claus Ruhlen zu Ruffach, sagte, daß sie ein ganzes Jahr lang mit den bösen fallenden Seuchtagen des heiligen Valentin beschwert gewesen sey, daß sie diese je acht, je zehn, und am letzten alle Tage, ja manchmal eines Tages dreimal bekommen habe, daß man sie habe hüten und ihrer warten müssen, und daß wenn sie aus ihrem Hause käme, sie nicht mehr hineinkommen Fönnte; sie habe daher unsere liebe Frau zu Kientzheim angerufen, und sey, sobald dieß geschehen war, gesund geworden, und sie habe den Siechtag in zehn Wochen nicht mehr gespürt. zu Kientheim. 45 21. Line Srau, welche an den Augen die Sistel hatte, wird geſund. Anna Badtmer, eine Krämerin von Straßburg, sagt, daß sie, nach allgemeiner Aussage, die Fistel an einem Auge gehabt habe, zu derer Heilung die Scherer so viel Geld forderten, daß sie es nicht auf bringen konnte, und dieses Ding habe inwendig um sich gefreffen, so daß alles hohl gewesen; sie verhieß sich also nach Kienkheim, darauf sey ihr das Auge geheilet worden. 22. Linem Manne, der den Stein hatte, wird geholfen. Berchtold Jeck von Zenkingen sagt, daß er einen Stein sechs Jahre lang in seinem Leibe hatte, und daß er in sechs Wochen so schwach und krank davon gewesen sey, daß er weder gehen noch liegen mochte. Er habe also unsere liebe Frau allhier zu Kientheim angerufen, und sobald er auf die Fahrt kam, habe er in derselben Krankheit Besserung empfunden, und sey darauf gesund geworden. 23. Liner, welcher in der Ill ertrunken war, wird wiederum lebendig. Hans Reinbold von Moßbach sagt, er habe sich zu Schlettstadt in der Ill gebadet, sey unter das 46 Beschreibung der Wunder Wasser gekommen, und habe während einer halben Stunde darunter gelegen. Es seyen daher die Schiffer ihm zugefahren, haben ihn gesucht, und für todt herausgezogen; da sie ihn aber zu unsern lieben Frau nach Kientheim verheißen, sey er wieder lebendig worden, und war selbst bei unserer lieben Frau, auf Montag, nach St. Johannes des Baptisten Tag. Im Jahr 1467, 24. Line Lahme wird wieder gesund. Heinrich Kübler von Weiler hat eine Schwester, Namens Catharina, welche drei und ein halbes Jahr unter dem Gürtel lahm gewesen war, hat ihr so wehe gethan, daß sie nirgend hin kommen konnte, sondern gieng an zwei Stecken. Da verhießen die Eltern sie zu den Gnaden unserer lieben Frau allhier nach Kientzheim, und im Herabfahren konnten sie mit dem Karren, wegen der Wehetagen der Tochter, nicht fahren; sobald sie aber zu unserer lieben Fraut in die Kirche kamen, da wurde ihr besser, so daß sie den einen Stock in der Kirche von sich gelegt, und jezt nur an dem einen geht. 25, Linem Manne, welcher einen Bruch hatte, wird geholfen. Hüglin von Kentzingen sagt, daß er bei zwei Jahren den Bruch hatte; er habe sich also zu der Mutter aller Gnaden verheißen, zu unserer lieben Frau nach Kientheim, und als er die Fahrt gemacht hatte, zu Kienkheim. 47 verging ihm der Bruch, und er wurde dessen nicht mehr gewahr. Er war hier zu Kientheim, auf den Abend unserer lieben Frauen Heimsuchung, im Jahr 1467. 26. Lin Kind, welches an einem Auge nicht ges sehen hatte, wird gesund. Peter Werlin von Kenkingen sagt, daß er ein jährig Kind habe, dem ein Flecken, eine Ahl breit, in einem Auge gewachsen sey, und das Auge sen ihm geschwollen, daß er nichts daran gesehen hatte. Er habe also das Kind allhier nach Kientheim zu unserer lieben Frau verheißen; auf die Stunde, als das Kind zu unserer lieben Frau allhier gewesen und wieder heim gekommen war, ses das Auge sauber und rein geworden, und thut ihm nichts mehr. Dieß ist gez fagt und zu den Heiligen geschworen auf unserer lieben Frauen Heimsuchung, im Jahr 1467, 27. Lin lahmer Mann wird geheilt. Meister Georg von Duwe, ein Zimmermann, der Stadt- Werkmeister zu Kentingen, fagt, er sen fünf zehn Wochen ganz lahm gewesen, daß er nichts habe thun können. Also habe er sich zu unserer lieben Frau allhier verheißen, auf die Stund sey er ganz gesund worden. Er ist selbst zu Fuß hierher gekommen, 48 Beschreibung der Wunder 28. Lin Mann wird von dem Siechtage des heiligen Valentin entledigt. Mathias Schilling von Weissenburg sagte, daß er etliche Jahre mit dem Siechtage des heiligen Valentin und mit der fallenden Krankheit behaftet gewesen, und daß er denselben manchmal eine ganze Nacht und sonst oft hatte, habe auch zu Zeiten eine ganze Nacht schreiend da gelegen. Er sey also gegen St. Veltin auf Ruffach gegangen, und da habe es ihn zweimal berührt, darauf als er sich zu unserer lieben Frau allhier nach Kientzheim, auf den Don= nerstag vor Palmteag verheißen hatte, so vergieng es ihm und berührte ihn seither nicht mehr. Das sagte er auf St. Maria Magdalenen Tag, im Jahr 1467, 29. Lin Franker Priester wird gesund. Herr Heinrich Gelach, ein Priester von Pfaffans, bei Befort, bekräftigt durch einen Eid, den er bei Herrn Peter Lieb, dem Caplan unserer lieben Frau zu Kienkheim, abgelegt, daß er zehn Jahre in groBer, schwerer Krankheit gewesen sey, daß ihm während einiger Zeit jedermann das Leben abgesprochen; er sey an einer Krücke gegangen, und ohne dieselbe habe er nicht gehen können. Da habe er sich zu une serer lieben Frau verheißen, und sobald er hierher nach Kientzheim kam, wurde er gesund und warf seine Krücke allhier in unserer lieben Frauen Kirche von fich, und gieng gesund hinweg. zu Kientheim. 30. Linem lahmen Manne wird Zülfe. Oswald Aberger von Tagfames, bei Inspruck, Vogler meines Herrn Herzogs Sigismund von Destreich, sagt, daß er an seinem rechten Arm an einem Samstag Nachts ganz lahm geworden, daß er denfelben nicht habe regen können, ihn mit dem andern Arm habe aufheben müssen, und auch sonst in den Lenden lahm gewesen, und nicht aus seinem Wohnzimmer gekommen. Man rieth ihm also, er sollte sich nach Kientzheim verheißen; sobald er dieses gethan, hob er in der Nacht den Arm von selbst auf, und wurde gesund. Ausgesagt auf den Mittwoch nach dem Tage des heiligen Ulrich, im Jahre 1467. 49 31. Lin Tauber erhält das Gehör. Wirken Kunzel von Rosheim sagt, daß er seit unsers Herrn Fronleichnams Tag beinahe ganz das Gehör verloren; da habe er sich nach Kientheim zu unserer lieben Frau verheißen. Als er auf der Fahrt von Rosheim bis nach Kungersheim kam, erhielt er das Gehör beinahe wieder, und was die Leute zu ihm sagten, hörte er ziemlich. Nachdem er aber nach Kientheim kam, hörte er. Alles was man zu ihm sprach. Hierbei war Herr Hans Erhard von Reinach, ein Ritter, auf Dienstag vor St. Maria Magdalenen Tag, im Jahre 1467. 3 Beschreibung der Wunder 32. Line gichtbrüchige Srau wird gesund. Auf den Montag vor St. Maria Magdalenen Tag, in dem Jahre da man zählt tausend vierhundert sechzig und sieben Jahre, sagte Margaretha Tappler von Kenkingen, daß sie ein ganzes Jahr lahm gewesen, weder Hände noch Füße regen konnte, und ein ganzes Jahr auf dem Rücken liegen mußte, sich große Löcher in ihren Rücken gelegen habe, und daß ihr in diesen Wunden Würme gewachsen. Sie habe sich an viele Orte verheißen und Wallfahrten gethan; aber weder Gelübde, Fahrten noch Arzneien hätten etwas geholfen. Sie verhieß sich also nach Kientheim, zu unserer lieben Frau; auf die Stunde wurde es besser, und sie konnte sofort ihre Glieder gebrauchen und wandeln. 50 33. Liner Srau, welche durch das Grimmen lahm gewesen, wird geholfen. Angelika Schriber, Lehrfrau zu Basel, sagte, daß sie ein halbes Jahr am Grimmen lahm gelegen, und ihre Hände weder zum Gürtel noch zum Haupte habe bringen können. Sie habe sich also allhier zu unserer lieben Frau nach Kientheim verheißen; da sey es mit ihr von Stund an besser geworden. Da sie aber nach Baden gefahren, ehe sie die Wallfahrt geleistet, habe die Krankheit mehr als jemals zugenommen; sie habe sich also wieder zu unserer lieben Frau allhier verheiz Ben, und als sie sich auf die Wallfahrt begab, sey abermal eine Besserung eingetreten. zu Kienzheim. 34. Line verrückte und blinde Srau wird gesund. Christian, des Schusters Clausen Sohn, von Ohlungen, bei Hagenau, sagte, daß Merge, seine Tochter, Ehefrau des Rülin Hensel zu Ohlungen, von ei= nem Kinde entbunden wurde, und nach dem Kindbette vier Wochen von Sinnen gekommen und ganz blind geworden sey. Da rief der vorgenannte Schuster Claus unsere liebe Frau allhier zu Kientheim an; und kam die Frau wieder zu Sinnen und ward sehend. Er gelobte also die Fahrt zu unserer lieben Frau, und befand sich zu Kientzheim auf Dienstag nach Pfingsten. 51 35, Lin todtgebornes Kind wird wieder lebendig. Auf Samstag vor Mariä Geburt, haben Mergen, Wendelin's Frau von Matzenheim, des Claus Kriegs Frau und des Bruder Wilhelms Frau zu Bergheim, gesagt, daß die vorgenannte Mergen ein Kind todt geboren habe. Man flehete unsere liebe Frau allhier zu Kienhheim an, damit sie das Kind wieder zu sich bringen und es beleben wollte. Auf die Stunde ge= währte es die Mutter Gottes, und das Kind ward lebendig. 36. Ein Kind wird vom Bruche befreit. Peter, Landrichter vom Heiligen Berg von Leelwang, sagte, daß er ein Kind habe mit Namen Matthäus, der mit einem ungewöhnlich großen 2* 52 Beschreibung der Wunder Bruch behaftet war. Er habe also das Kind allhier zu unserer lieben Frau nach Kientzheim verheißen; und sobald dieses geschehen, sey der Bruch verschwun= den und ſpäter nicht mehr zum Vorschein gekommen. 37. Linem lahmen Manne wird geholfen. Ulrich Träger von Rappoltsweiler, war fünf Wochen dergestalt an Händen und Füßen lahm, daß er fie nicht regen konnte und man ihm sein Essen vor= schneiden mußte. Er verhieß sich also zu der Mutter nach Kientheim; sogleich konnte er gehen und alle übrigen körperlichen Verrichtungen vornehmen, kam selbst zu unserer lieben Frau auf den Mittwoch vor dem Tag des heiligen Laurentius. 38. Lin bruchbehafteter Mann erhålt seine Gesundheit wieder. Boltzen Hensel von Barr, sagte am Dienstag nach St. Urban, im Jahr 1467, er hätte vor zwei Jahren einen Bruch gehabt; da habe er sich zu unserer lieben Frau nach Kientheim verheißen, und seine Gesundheit wieder erhalten. 39. Linem Lahmen und gebrochenen Manne wird Zülfe. Werner von Renchen, ein Bürger und Becker von Kentzingen, sagt, er sey an einem Arme lahm, und zu Kienkheim. 53 mit einem Bruch behaftet gewesen. Deßhalb hat er sich zu unsrer lieben Frau nach Kientzheim versprochen, und ihrer Fürbitte Hülfe und Besserung zu verdanken gehabt. 40. Lin Kranker wird gesund. Nicolaus Winter von Tannenkirch, von einem gefährlichen Geschwulste befallen, verlobte sich durch eine Wallfahrt zu unsrer lieben Frau nach Kientzheim, und alsbald ist ihm der Geschwulst gewichen. Er fand sich zu Kientzheim auf Donnerstag nach St. Bartholomäus, im Jahre 1467. 41, Line blinde Srau wird sehend. Katharina Heß aus Luppich von der See sagt, sie sey beinahe ein ganzes Jahr blind gewesen, und als sie von den Wünderzeichen zu Kientheim gehört, habe sie sich unserer lieben Frau verheißen, und durch derselben Fürsprache ihr Gesicht wieder erlangt. Sie hat den Schreiber gesehen, welcher dieses Wunder eingetragen, am Tage Mariä Himmelfahrt des Jahrs 1467. 42. Lin Kind wird aus den Todesnothen gerettet. Anna, Ehefrau des Nicolaus Frölich von Valf, sagt, daß sie ein Kind Namens Margaretha gehabt, welches eine halbe Stunde lang die Augen verkehrt 54 Beschreibung der Wunder hatte, so daß sie dessen Lod erwartete. Sie verhieß also das Kind zu unsrer lieben Frau nach Kientheim; von der Stunde an, kehrte sich das Kind wieder um und ward gesund. Dieß geschah auf den Abend der Himmelfahrt Mariä, im Jahre 1467. 43. Ein blindes Kind erhålt das Gesicht. Peter von Ensisheim und Elisabeth, seine Ehefrau, zu Gebweiler, haben gesagt, daß sie ein Kind ge= habt, welches sie des Abends frisch und gesund in's Bett gelegt, Morgens früh seyen ihm in beiden Augen Flecken gewachsen, so daß es während drei Tage nichts mehr gesehen habe. Da riefen sie die Mutter Gottes von Kientheim an, und von der Stunde an wurde das Kind sehend. Geschehen auf Samstag vor St. Matthäus. 44, Line blinde Srau wird sehend. Anna von Esche, aus Basel, war mehr dann zwei ganze Jahre blind: man gebrauchte viele Arzeneien, aber umsonst. Da versprach sie sich hierher zu unsrer lieben Frau nach Kientheim, und versprach keinen Wein zu trinken, bis sie die Wallfahrt würde vollbracht haben. Sie blieb zwölf Wochen ohne Wein, und besuchte die Mutter aller Gnaden auf den Tag ihrer Geburt. Auf diesen Tag konnte ſie das Bild der Gottes- Mutter noch nicht sehen, und blieb zu Kientheim über Nacht. Im Schlafe sah sie die Mutter Gottes, und bei Tages Anbruch hörte sie die Messe 55 zu Kienkheim. in der Kirche zu unserer lieben Frau. Mittlerweile öffneten sich ihre Augen, und sie sah das Bildniß der jungfräulichen Mutter, und wurde ganz sehend. 45. Lin blindes Weib erhält das Gesicht. Barbara Murr von Waldshut sagt, sie sey sechsundzwanzig Wochen blind gewesen. Dann verhieß sie sich zu unserer lieben Frau nach Kientheim, und sogleich ward sie sehend. 46. Lin Knabe wird vom Stein geheilt. Barbara, Frau des Peter Harrehaß von Staufen, hatte einen Sohn mit dem Stein behaftet, und vergebens alle Mittel dagegen angewendet. Alsdann verhieß sie den Knaben zu unserer lieben Frau nach Kientheim, wohin sein Vater mit ihm zu Wallfahrt gieng. Nach der Rückkunft des Knaben gieng der Stein von ihm, und seine Mutter kam späterhin wieder zur Danksagung mit ihm nach Kientheim. 47. Lin blindes Weib wird gesund. Anna Wirya von Kunglieu bei Münstrol, eines Metzgers Frau, war drei ganze Jahre blind. Alsdann hat sie sich zur Mutter der Barmherzigkeit nach Kientzheim verheißen, wohin sie von Heinrich von Tschaffenat, ihrem Tochtermanne, geführt worden. Und 56 Beschreibung der Wunder als sie vor's gnadenreiche Bild gekommen, ward sie sehend. 48. Lin Tauber erhålt sein Gehör wieder. Johann Wassergraff, von Ehingen an der Donau, sagt, er sey auf Mittwoch nach St. Markus Tag, im Jahre 1467, ganz taub geworden; da habe er sich nach Kientheim verheißen, und sobald er dahin gekommen, sey er wieder hörend geworden. 49. Lin verzweifelter und unsinniger Mensch kommt wieder zu Gottes Gnaden. In der St. Regula Kirche zu Kientheim befindet sich die Abbildung eines Mannes mit Namen Heinrich Schnell, von Herrlingen im Breisgau, der am christlichen Glauben verzweifelte, und dessen Herz vom bösen Geiste beseffen war, so daß er sich selbst stach und verwundete. Kein Priester konnte ihn zur Beichte oder zu irgend einer andern Verrichtung des christliz chen Glaubens bereden. Er kam ganz von Sinnen, und wollte vom Christenthum nichts mehr hören, so daß die Leute, die bei ihm waren, sehr beſorgten, er möchte in seiner Verstocktheit dahin sterben, und ewig verloren gehen. Sie sprachen ihm alle erdenklichen Trostgründe ein, unter andern die Anrufung der Mutter Gottes zu Kientzheim. Von der Stunde an ward dieser Unglückliche wieder beruhigt, und rief selbst die Mutter Gottes an, kam zur Reue und Beicht, und wurde mit dem Sakramente des heiligen zu Kienkheim. 57 Dels versehen; den Fronleichnam unsers Herrn konnte er aber, wegen besonderer Umstände seiner Krankheit, nicht empfangen. 50; Lin bresthafter Mensch wird gesund. Werlin Heßlin von Grüningen sagt, daß er heftig an einem Geschwulst gelitten, und sich allhier zu uns serer lieben Frau nach Kientheim mit einem Opfer verheißen, und dasselbe vor einem Jahre dahin gebracht. Da aber das Opfer nicht so beschaffen war wie er es verheißen hatte, so half ihm die Fahrt nichts. Er entledigte sich also des Opfers auf die versprochene Weise im verwichenen Herbst, und ward gesund. 51, Lin Clericus erhålt von einem gefährlichen Schaden Gesundheit, Nicolaus Isak der Junge, von Weißenburg, ein Clericus, Speyrer. Bistums, hatte einen Schaden inwendig an seinem Knie, welches drei und ein halbes Jahr offen stand, eiterte, und täglich verbunden wurde, wie es beide Meister, Peter von Düse und Hans Schöner am Fischmarkt zu Basel, noch wissen, welche den obgenannten Jungen viel pflegten, ihm aber nicht helfen konnten. Dieser Junge verlobte sich eigenen Willens zu dem gnadenreichen Bilde unserer lieben Frau zu Kientzheim, betete vor dem Bilde mit Andacht, und flehete um Gnade und Gesundheit. Als er von dem Bilde aufgestanden und etwa vier Schritte gemacht, verspürte er ein Stechen in seiz 3** 58 Beschreibung der Wunder nem Schenkel, und es sonderten sich aus demselben zwei Beinchen mit frischem Blut. In derselben Woche heilte die Schenkel- Wunde ganz zu, und es. bleib davon keine Spur zurück. Auf Montag nach Mariä Himmelfahrt. 52, Lin nächtlich verirrtes Kind kommt wunderbar wieder an seinen Ort. Auf Donnerstag nach St. Katharinen Tag, im Jahre 1467, sagten Conrad Burrus und Anna seine Hausfrau, von Gutmatingen unter Fürstenberg an der Donau, sie hätten acht Kinder, und Samstag Nachts hätten sie ihren Sohn Georg Wasser ausschütten und ihr Töchterchen ihm das Licht vortragen heißen. Der Knabe habe dieses gethan und das Töchterlein sey mit dem Licht nach Hause gekommen, der Knabe aber ausgeblieben; und als er nach einiger Zeit nicht wieder kam, suchte der Vater mit seinen Nachbarn den Knaben gegen dritthalb Stunden, und sahen in dem Schnee ob er irre gegangen sey, oder ob ihn die Wölfe genommen hätten. Als sie ihn lange gesucht und nicht fanden, riefen sie unsere liebe Frau allhier zu Kientheim an, sie möchte ihnen barmherzig seyn, und versprachen sogleich eine Wallfahrt dahin zu unternehmen, wenn ihnen das Kind wieder zugeführt würde. Nach einer kleinen Weile hörten sie den Knaben vor ihrem Stubenfenster wimmern. Da giengen sie hinaus, und fanden ihn vor den Fenstern, mit einem starkem Geschwulst in dem Gesicht. Da fragte der Vater den Sohn, wie es ihm ergangen oder wo er gewesen wäre. Der Sohn erwiederte: Als ihr mich hießet das Wasser ausschütz zu Kienßheim. 59 ten, und ich wieder in das Haus kam, rief mir Jemand, den ich für unsers Nachbarn Sohn hielt, und sagte, ich möchte ihm helfen das entkommene Kalb einsperren. Da ich hinaus kam, lief das Kalb daher, und ich demselben nach; da lief es über Zäune, und ich ihm nach und wollte es einfangen. Und als ich fast zu dem Wege an der Donau kam da fiel ich nieder und konnte nicht weiter. Das Kalb verschwand, und ein schwarzer Hund lief um mich herum. Da kam eine Frau in einem weißen Kleide, und führte mich als wäre ich auf einem Wagen ge= sessen, und so kam ich nach Hause. Vater und Mutter waren an dem vorgenannten Lage hier zu Kientzheim, bei der Mutter aller Gnaden, und da dieß Wunder Samstag Nachts geschah, sie am Sonntag früh gleich die Wallfahrt, wie sie selbige verhießen, verrichtet hatten, wissen wir nicht, was sich mittlers weile mit dem Sohne zugetragen, denn sie hatten ihn krank zu Hause verlassen. 53. Linem tödtlich verwundeten Manne wird ges holfen. Peter Müller von Gundolfingen sagt, daß Werlin Bucher von Dürsal ihn mit einem Schwert in der Scheide, auf den Hals schlug. Im Streiche entfuhr die Scheide, und er versetzte ihm hinten in den Hals eine große Wunde, so daß ihm der Athem ausgieng, die sechs Feldscherer, die bei ihm waren glaubten es würde ihn das Leben kosten. Da rief er die gnadenreiche Jungfrau allhier zu Kientzheim an, sie möchte Reue und Buße erflehen. Auf die Stunde bekam er seine Rede wieder, und seine 60 Beschreibung der Wunder Wunde wurde ganz heil. Er selbst war hier auf Dienstag nach St. Katharinen Tag. 54. Lin toller Mensch kommt wieder zum Verstand. Wendling Cuentz, eines Maurers Sohn von Burlebach, war seit St. Michaels Tag des Verstandes beraubt, so daß man ihn alle Tage in eiserne Bande legen mußte. Man hatte ihn zu Widsstorf und zu St. Marzolf vergebens beschworen; da verhieß man ihn zu unserer lieben Frau nach Kientheim, und sobald kam er wieder zu sich, und wurde verständig. Er selbst war mit seinem Vater allhier zu Kientheim, und machte die Fahrt den Donnerstag nach unserer lieben Frauen Empfängniß. 55. Lin toller und beseffener Mensch wird ledig. Conrad Müller von Baden zu Neuenburg sagte, daß Hans Sigrist, sein Schwager, bei achtzehn Jahren beseffen gewesen sey, bei St. Roman beschworen worden, und viele Wallfahrten dahin verheißen oder verrichtet habe, aber ohne Erfolg. Da gieng sein Schwager zu dem Priester von St. Roman, und fragte ihn, was er ihm rathe. Dieser hieß ihn die heilige Mutter Gottes neben St. Roman anrufen, sie möchte seinem Schwager Barmherzigkeit erflehen. Sie verhießen ihn also nach Kientheim, und auf die Stunde kam der Mensch wieder zu Sinnen. zu Kientheim. 56. 61 Lin Gefangener wird befreit. Martin Fischer von Zabern sagt, daß er gefangen nach Falkenburg in das Schloß im Westrich geführt, und vierzehn Wochen in einem Thurm gelegen sey. Er rief also unsere liebe Frau zu Einsiedlen und zu Kientheim an, da fiel das Seil, an dem er in den Thurm hinabgefahren war, zu ihm in den Thurm, und es war Niemand dabei. Er stieg also an dem Seile hinauf, und als er oben Niemand sah, warf er das Seil über die Mauer hinaus, und kam so davon. Dieß ward ausgefagt am Vorabend der Beschneidung des Herrn, 1467. Wunderzeichen vom Jahre 1468. 57. Lin mit dem Tode ringendes Kind wird geſund. Pius Rimely von Stockach sagt, er habe ein Kind, Margaretha, und da er vergangenen Donnerstag in seinem Haus sich zu Tisch gesetzt, sey das Kind auf einer Bank gesessen und hinabgestürzt. Da es während einer halben Stunde kein Lebenszeichen mehr gab, rief er unsere liebe Frau zu Kientheim an; da bekam das Kind den Athem, und ehe zwei Stunden vorüber waren, wurde es frisch und gesund. Dieß ist gesagt am Donnerstag vor St. Erharden Tag, 1468, Beschreibung der Wunder 58. Line Stumme bekommt ihre Rede wieder. Auf den Dienstag nach St. Erhards Tag, 1468 sagte Anna Schweb von Beblingen, daß ihre Tochter Elisabeth, als sie zu dem rothen Hause unter Basel diente, und dahin Brod auf ihrem Haupt trug, habe ein schwarzer Hund ihr das Brod von ihrem Haupte nehmen wollen, worüber sie so erschrack, daß ihr die Rede vergangen, so daß sie von dem Dienstag vor St. Bartholomäus Tag bis in die nächste Woche nach Allerheiligen nicht habe reden können. Also hätten die Mutter und Tochter die allerheiligste Jungfrau allhier zu Kientzheim angerufen, und die Rede sey ihr auf die Stunde wieder gekommen. * 59. Befreiung von der fallenden Krankheit. Am Montag nach dem Tage des heiligen Valentin, 1468, sagte Georg Geil von Babenhausen, er sey mit dem fallenden Siechtage bei fünf Jahre behaftet gewesen, und seit der Verheißung zu unserer lieben Frau nach Kientheim, während sechs Wochen von seiner Krankheit nicht mehr berührt worden. 62 60. Rettung eines Kindes und seiner Mutter. Hans Schuppinger von Badenweiler hat ein Kind, Namens Lemlin, welches in das Wasser gefallen, und unter einem Holz ziemlich weit davon geschwom= zu Kientheim. men; da lief des Kindes Großmutter, Holtzerlin, nach, ergriff das Kind bei den Kleidern, und wollte es herausziehen; es gelang ihr aber beim ersten Zug nicht. Bei einem zweiten, nicht ohne Lebensgefahr unternommenen Versuch, zog sie das Kind aus dem Wasser; allein dessen Mund war verschlossen, die Augen starrten auf, und es war im Kind kein Leben mehr. Eine halbe Stunde lag es schwarz und ohne Lebenszeichen. Da kam einer daher geritten, und rieth ihnen das Kind unserer lieben Frau nach Kientzheim zu verheißen. Auf die Stunde verhießen sie das Kind nach Kientheim, und es kam wieder zu sich und ward gesund. Die Leute sagten auch, daß des Kindes Mutter hoch schwanger gewesen sey, und als das lebenslose Kind zu ihr gebracht wurde, verfiel sie in Ohnmacht, so daß man um ihr eigenes Leben besorgt war. Da riefen sie die Mutter Gottes allhier zu Kientzheim an, sie möchte die Frau vor Unheil behüten; da wurde sie fröhlich und es widerfuhr ihr kein Leid.. 63 61. Lin der Zauberei unschuldig bezüchtigtes Weib trägt unverletzt ein glühendes Lisen. Claus Jörger und Magdalena Schildknecht, seine eheliche Hausfrau, sagten, daß die obgenannte Frau drei Wochen in einem Thurm zu Wattwiller gelegen, und zum sechsten Male schwer und hart gemartert worden sey. Weil nun ihr die Marter große Schmerzen verursachten, sagte sie zuletzt sie hätte das ihr Vorgehaltene gethan, und es ward über sie das Urtheil gefällt, das glühende Eisen zu tragen. Da rief sie im Thur= me, und auch als sie das glühende Eisen tragen 64 Beschreibung der Wunder follte, unsere liebe Frau allhier zu Kientheim an, sie möchte durch ihre Fürbitte ihr zur Wahrheit und zum Recht verhelfen. Nun trug sie das glühende Eisen zu dem Ziele, das ihr gesetzt war, und sie wußte nicht was sie noch weiters thun sollte. Da wandte sie sich zum Vorrichter, und fragte ob sie genug gethan hätte. Auf die bejahende Antwort, wollte sie das Eisen von sich werfen; weil ihr aber durch die vorhergegangenen Martern die Hände lahm geworden, konnte sie das Eisen kaum aus den Händen bringen; und das glühende Eisen habe sie nicht im Mindesten beschädigt. Dieß wurde ausgesagt auf St. Blasien Tag, im Jahre 1468, und zu den Heiligen geschworen, daß es wahr sey. 62. Lin tödtlich verwundeter Mann wird geheilt. Wilhelm Schönwürth und Hans von Dieringe, beide von Befort, sagten, daß Peter Tum von Be= fort( der auch dabei stand, aber kein Deutsch konnte weil er ein Franzose war) von den Feinden im Feld bei Dole( wie er ihm auf französisch sagte) zu Boden niedergeschlagen, und schwer an seinem Kopfe, wohl eine Spanne lang, verwundet worden sey( wie man dieses auch deutlich sah), auch daß ihm ein Stück von der Hirnschale aus dem Haupte geschlagen wurde, welches er bei unserer lieben Frau zu Kientzheim ge lassen. Als er nun so des Todes gewärtig zu Boden lag, so kam ihm ein, unsere liebe Frau allhier zu Kientheim anzurufen, was er auch that. Alsbald stand er auf, gieng in die Stadt und genas. Sie waren hier zu Kienkheim am Freitag nach Lætare, im Jahre 1468. zu Kientheim. 63. Lin Sterbender kommt zur Gesundheit. - An dem hohen Donnerstage des Jahrs 1468, sagte Albert von Offenburg, daß er während drei ganzen Jahre in schwerer Krankheit gelegen, und daß man etliche Male seinen Tod erwartet hätte. Während dessen sey einer zu ihm gekommen, und habe ihm gerathen, er sollte unsere liebe Frau zu Kientheim anrufen, weil dort große Wunderzeichen geschähen. Er habe sich also allhier zu unserer lieben Frau nach Kientheim versprochen, und in drei Tagen habe er Erleichterung verspürt, bis er endlich ganz gefund worden. Er war selbst persönlich an dem vorgenannten Tag zu Kientheim. 65 64. Lin Knabe, welcher für todt geachtet wurde, bekommt das Leben. Auf den heiligen Charfreitag sagte Wagners Hausfrau von Obersulzbach, im Sundgau unter Maßmünster, sie habe einen Sohn, Namens Quirin, welcher am Dienstag nach dem Sonntag Invocavit in einer Scheune sechzehn bis zwanzig Schuhe hoch auf eine Tenne gefallen sey, so daß er gar kein Leben mehr bei sich hatte, und alle die ihn sahen glaubten, er wäre todt. So lag er beinahe drei Stunden, und war ganz kalt geworden; inzwischen rief man unsere liebe Frau zu Kientheim an, und alsbald lebte der Knabe wieder auf, und ward gesund. Der Knabe und die Mutter sind auf den vorgenannten Tag allhier bei unserer lieben Frau gewesen, mit 66 Beschreibung der Wunder den Personen, welche für sie die Wallfahrt gethan hatten: Johann Schirer, Heinrich Wagner, Bruder des Vaters, Johann Baßler, Heinrich Suttor, Elisabeth Lache, Agnes Schildknecht, alle von Oberfultzbach. 65, Lin todtes Kind wird lebendig. Auf Oftermontag des Jahrs 1468, hat Herr Marr, Kirchherr zu Banbach, Frühmesser zu Herboltzheim, im Bistum Straßburg, mit Eid bestätigt, bei Ablegung seiner Gelübde vor Herrn Johann Kirstner, Leutpriester zu St. Regulä in Kientheim, wie auch Kaspar Kuntner, Tochtermann des Schulteißen zu Herbolzheim, daß nämlich der vorgenannte Kaspar Kuntner ein Kind habe von anderthalb Jahren, mit Namen Odilia, welches in dem Dorfe zu Herz boltzheim in eine Mistlache gefallen sey, und lange Zeit darin gelegen habe. Ein anderes Kind, welches bei ihm war, weinte und schrie: weh! helfet der Odilie! Alsbald ist des Kindes Mutter und ihres Bruders Frau dazu gekommen. Letzere gieng in die Lache, zog das Kind, welches todt war, heraus. Es fällt ihr ein, zu unserer lieben Frau nach Kientzheim das Kind zu verheißen. Sogleich redete das Kind, und ward gesund. Bei dieser Aussage. war Stephan Weber von Kentzingen. 66, Lin Pestkranker wird geheilt. Auf St. Georgen Tag sagten Lowlins Hans von Breitenbach und Tinlin, seine Ehefrau, sie hätten zu Kientheim. 67 eine Tochter, Namens Elisabeth, welche mit der Pestilenz behaftet, und sonst sehr schwach gewesen sey, und alle welche sie sahen, glaubten nicht daß sie gerettet werden könnte. Sie verhießen also die Tochter allhier zu unserer lieben Frau, und auf die Stunde nach der Verheißung wurde das Kind gefund. Und der Mann, die Frau und das Kind waren allhier zu Kientzheim bei unserer lieben Frau. 67, Lin Mensch, den man für todt hielt, wird wieder lebendig. An dem vorgenannten Lage sagte Klara von Stenheim bei Lahr, jenseits des Rheins, sie habe eine Tochter, Namens Appollonia, welche so krank und schwach wurde, daß sie ganz erstarrte, man sie ausstrecken mußte und für todt hingelegt habe. Während dessen rief sie unsere liebe Frau zu Kientheim an, und sogleich gab die Tochter, mit seufzender Stimme, wieder Lebenszeichen. Sie war selbst auf den obgenannten Tag hier bei unserer lieben Frau. Es waren dabei: Martin Lawels, und die Brüder Valentin und Claus yon Otenheim. 68. Ein todtgebornes Kind wird lebendig. Am Sonntag nach Pfingsten, 1468, sagte Walpurg und Katharina Heuser, von Griesen, im Breisgau, daß die Ursula, Pantaleon Häusers Ehefrau zu Griesen, drei Tage an der Geburt eines Kindes gelegen, und dasselbe todt zur Welt gebracht habe. 68 Beschreibung der Wunder Nach allen versuchten Mitteln, verhießen sie dasselbe zu unserer lieben Frau nach Kientzheim, und das Kind bekam das Leben wieder. Dieses Wunder geschah auf St. Georgen Tag. 69. Line mit Grimmen und Lähmung behaftete Klosterfrau wird gesund. Schwester Merge in Junker Hans Merschweins Gotteshause zu Straßburg sagte, daß sie zwei ganze Jahre am Grimmen gelegen und lahm gewesen, so daß sie die Hände nicht zu ihrem Munde bringen konnte. Einstens in der Nacht habe sie gedacht, fie sollte sich zu unserer lieben Frau nach Kientzheim verheißen; dieses habe sich auch gethan, und sey auf die Stunde nach der Verheißung gesund geworden. 70, Lin todtgefallenes Kind wird lebendig. Hans Rechendorff von Münster in St. Gregorien Thal sagte, er habe einen Knaben, Namens Barz tholomäus, welcher von einem Heustock auf eine Tenne gefallen sey, so daß er seiner Mutter für todt in ihren Schooß gelegt wurde. Sie verhießen also das Kind zu der Mutter Gottes, unserer lieben Frau allhier zu Kientzheim. Auf die Stunde nach der Verheißung wurde das Kind wieder lebendig. zu Kienßheim. 71. Lin verwundeter unsinniger Mensch kommt zu Verstand und Gesundheit. 69 Ein Feldscherer, Namens Hans Würtenberg, zu Oltingen, sagte, daß ein Schneidergesell zu Dir= lingsdorf an seinem Kopfe so stark verwundet wurde, daß ihm viel Hirn aus der Schale gespritzt, und kein Arzt ihn besorgen wollte. Man schickte also zu ihm, er möchte es unternehmen diesen Gesellen zu heilen. Er sagte, er wollte Gott zu Hü! fe nehmen, und sich seiner annehmen, für das Leben sich ihm aber nicht verbinden. Da sprachen ihm die Leute zu, er möchte das Beste thun, weil er auf allen Vieren, wie ein wildes Thier, daher lief, wüthete und ganz von Sinnen kam. Der Scherer rief also unsere liebe Frau allhier zu Kientheim an, dem Knechte Gnade und Barmherzigkeit mitzutheilen, damit er wieder zur Besinnung käme, und er denselben heilen könnte, er wollte alsdann eine Wallfahrt zu unserer lieben Frau allhier nach Kientheim thun, und ihr ein Opfer bringen. Auf die Stunde nach der Verheißung war der Gesell wieder vernünftig. 172. Ein unsinniger Mensch kommt zur Besinnung. Auf den Dienstag vor dem heiligen Sonntag sagte Hans Stulinger von Rotweiler, daß er bei 12 Jahren nicht wohl bei seinen Sinnen gewesen sey, daß man ihn etliche Male in Ketten legen mußte, und es sey jezt ein Jahr., da habe er sich zu unserer lieben Frau allhier nach Kientheim verheißen, worauf er wieder 70 Beschreibung der Wunder zum Selbstbewußtseyn gekommen. Bei dieser Ausfage war Claus Bader von Rotweiler, und sagte, daß dieses so wahr sey. 73. Line lahme Srau und ihr Sohn, welcher blind war, werden gesund. Auf Freitag nach St. Lorenzen Tag sagte Margaretha Pfister von Kitzingen aus Franken, daß fie von St. Martins Tag bis zur Fastnacht ganz lahm zu Bette gelegen habe, und wie ein Kind behandelt werden mußte. Sie habe also unsere liebe Frau allhier zu Kientheim angerufen, damit sie doch wenigstens auf Krücken gehen und eine Wallfahrt unternehmen konnte. Sogleich nach der Verheißung wurde sie ganz grade. Sie sagte ferner, daß sie jezt ein Jahr allhier mit zwei Kindern gewesen sey, auch bei unserer lieben Frau zu Einsiedlen, und der eine Knabe war ganz blind. Als nun derselbe allhier nach Kientheim zu der Mutter Gottes kam, ließ er sich mit dem Tüchlein, welches unsere liebe Frau auf dem Haupte hatte, bestreichen, und als er gegen Straßburg kam, sprach er: Mutter, siehst du den spitzen Baum da draußen stehen? Es sprach die Mutter: Ja, welchen meinst du? Da zeigte ihr der Knabe den Baum. Da sie aber recht sah, war es der Münster von Straßburg. 74. Lin an den Händen gelähmter Mann erlangt Gesundheit. Wilhelm von Zabern sagt, daß er über zwölf Wochen lahm gewesen sey, so daß er nicht gehen und die zu Kientheim. 71 eine Hand nicht zu seinem Munde bringen konnte. Da kam es ihm vor, er sollte sich zu unserer lieben Frau nach Kientheim verheißen, und er that es. Sogleich stand er am Morgen allein auf und gieng um sein Bett. Darnach sprach er zu seiner Hausfrau, er glaubte, daß er wohl gehen könnte. Er gieng also in der Stube, ohne alle Hülfe, hin und her, und konnte die Hand zum Munde führen. 75. Lin todtes Kind wird lebendig. Bürckle Küchle, der Nonnenmacher von Ocken, sagte, er habe ein vierjähriges Kind, Namens Mars garetha, welches in eine Lehmgrube gefallen sey, und unter dem Grunde wohl eine Stunde gelegen habe und bei zwei Stunden todt gewesen sey. Er verhieß das Kind zu unserer lieben Frau nach Kientzheim, und das Kind kehrte in's Leben- zurück. Und der vorgenannte Bürckle war allhier zu Kientheim auf Sonntag vor Mariä Himmelfahrt. 76. Lin todtgebornes Kind wird wieder lebendig. Anna Thebwes, Frau des Gloterer von Battenheim, sagte, daß sie eines Kindes genas, welches eine ganze Stunde nach der Geburt kein Lebenszeichen von sich gab. Sie rief also unsere liebe Frau, die Mutter Gottes allhier zu Kientzheim an, des Kindes Seele zu gewinnen, damit es zur heiligen Taufe kommen könnte, sie wollte alsdann unsere liebe Frau zu Kientheim baarfuß besuchen. Nach der Verheißung 72 Beschreibung der Wunder bekam das Kind das Leben und lebte noch eine lange Zeit darauf. Die Frau war allhier zu Kientheim am Montag nach dem Tage unserer lieben Frau, als sie gen Himmel fuhr. 77. Lines Bauern Angelobung wird erhört. Andreas Hötz von Altorf sagte den Samstag vor St. Adolph's Tag, ein wüthender Hund habe ihm sechs Pferde gebissen, welche alle starben. Als nun auch das siebente wüthend wurde, verhieß er ein Opfer nach Kientheim, und das Pferd war gesund. Hierbei war Hans Cub von Walfe. 78. Line sterbende Srau wird gerettet. Auf den Sonntag des heiligen Kreuztages, im Herbste des Jahres 1468, sagte Margaretha Elew, eine Schneidersfrau von Urschheim, wie sie dort einen todsgefährlichen Fall gethan, und desselben nicht geachtet habe. Acht Tage darauf sprang ihr eine Alder an der Schläfe, und blutete den ganzen Tag, so daß man an ihrem Leben verzweifelte. Da rief sie und andere Frauen, welche dabei waren, unsere liebe Frau zu Kientheim an, und sie selbst verhieß sich allhier zu derselben. Sogleich hörte die Ader zu fließen auf. Hiebei waren des alten Schaffners Frau, Leonhard Hadermann's Frau, die Frau des Leonhard Meyer, des Schneiders Rüdy und des Kuhhirten Claus Frauen, alle von Urschheim. zu Kienkheim. 79. Lin besessenes Weib wird befreit. 73 Hans Westermann von Pengen, Zuller Bisthums, fagte auf St. Matthäus Tag, daß seine eheliche Hausfrau, Isabelle, ein halbes Jahr von dem bösen Geiste beseffen gewesen sey, und in einem Vierteljahr zweimal, sie sey auch zu St. Anstet neun Tage lang alle Tage zweimal beschworen worden, und doch nicht ledig worden. Da habe der Priester gesagt, sie solle nach Rom. Sie wollte in keine Kirche, man habe sie denn hinein getragen oder gezogen. Er sey also vergangenen Donnerstag auf dem Wege, als er mit ihr nach Rom gehen wollte, zu unserer lieben Frau allhier nach Kientheim gekommen, am Samstag darnach nach Colmar zu. dem Leutpriester gegangen, und ihn angesprochen, auf den heutigen Sonntag, auf der Kanzel für die Frau zu bitten, und ihr mit Almosen zu steuern, damit sie weiter kommen könnte. An diesem Samstage, Nachts, als der Mann geschlafen, habe die Frau angefangen, das Bater Unser und den Glauben zu beten. Da fragte er sie, was ihr fehle, und sie habe zur Antwort gegeben: Es sey eine Frau zu ihr gekommen, und habe sie das Pater noster und den Glauben gelehrt, und ihr gesagt, sie sollte nach Kientzheim zu unserer lieben Frau gehen, so würde sie ledig werden. Sogleich am Sonntag Morgens frühe, habe sie zu Colmar, bis der Priester auf der Kanzel für sie beten würde, nicht warten wollen, sondern sey alsbald zu unserer lieben Frau allhier nach Kientheim gegangen, und allda ein Singamt halten lassen. Darauf sey sie durch die Fürsprache der Mutter aller Gnaden von dem bösen Geiste ledig geworden. 4 74 Beschreibung der Wunder 80, Ein Mann, welcher einen Arm gebrochen hatte, wird geheilt. Teng Gerlin von Ammerschwir sagte an dem Tage der unschuldigen Kindlein, daß er auf dem Wege nach Rom gewesen, und in der Herberge am Morgen frühe eine Stiege hinunter gefallen und den Arm ganz entzwei gebrochen; er trug denselben drei Tage, daß er ihn nicht regen konnte; am dritten Tag ver= sprach er sich nach Kientzheim. Am Abend desselben Tages konnte er schon die Hand, und am dritten den Arm gebrauchen. Wunderzeichen vom Jahre 1469. 81. Lin lahmer Mann wird gesund. Jost Koch von Rheinfelden sagt, daß er des Wohlgebornen Herrn Johann Wildgrafen, 2c., UnterLandvogts Koch gewesen, und einundzwanzig Wo= chen an einer Lähmung gelitten; er habe dreizehn Wochen in dem Spital zu Hagenau gelegen, mußte auf Krücken gehen, und glaubte es sey ein Schenkel entzwei. Er habe sich also in vier Wochen zu unserer lieben Frau nach Kientzheim verheißen, und nach der Verheißung habe er die Wallfahrt geleistet, und sey grad geworden, daß er gehen konnte. Dieses ist gesagt den Samstag vor der Pfaffen- Fastnacht, und zu Kientheim. 75 es war dabei Teng und Küren Rosenberg von Katzenthal. 82. Ein unsinniger Mensch kommt zum Verstand. Hans Heffelin von Ufscholtz hat einen Sohn, Namens Clawin Heffelin, welcher von der PfaffenFastnacht bis auf den Mittwoch vor St. Mathias Tag ganz von Sinnen gekommen sey; da verhießen sie ihn allhier nach Kientzheim zu unserer lieben Frau. Auf die Stunde nach der Verheißung kam der Sohn wieder zu sich. Dieß wurde den Freitag vor dem Tage des heiligen Mathias gesagt. 83. Lin verwundeter, lahmer Mensch wird geheilt. Claus Blümler von Mauersmünster sagt, daß er von den Räubern gefangen wurde und zwei seiner Brüder mit ihm. Da schickten sie den einen Bruder das auferlegte Geld zu Hause abzuholen, was er aber nicht aufbringen konnte. Es half ihm Gott, daß er aus dem Gefängniß kam; er riß sich aber selbst an einem Roßeisen eine fingerlange Wunde am Fuße, daß er sieben Jahre auf einer Stelze gehen mußte. Da habe er unsere liebe Frau zu Kientheim angerufen, und darauf seyen ihm die Wunden ganz heil geworden. Er legte die Stelzen allhier zu Kientheim von sich, und ließ sie nebst einer Opfergabe dort, und geht. jezt auf demselben Fuße ohne Krücke. Auf den Dienstag vor dem heiligen Osterstage, im Jahr 1469. 4* 76 Beschreibung der Wunder 84. Rettung eines lebensgefährlich Verirrten. Georg von Ulm, ein Pilger, sagte, daß er zu St. Jakob in Spanien gewesen, und auf der Straße in einem Dorfe, fünf Meilen von Burgos, in einem Spital frank geworden sey, daraus man ihn vertrieb. Er schlug also, bei großen Schmerzen, zur Nachtzeit, den Rückweg nach Deutschland ein, und kam zu zwei Männern, die ihn in eine gute Herberge zu führen sich erboten. Er gieng mit ihnen; da führten sie ihn in einen tiefen Weg, daß er unter Wasser kam. Und als ihm das Wasser in den Mund lief, und er in großer Noth war, rief er unsere liebe Frau allhier zu Kientheim an, verhieß sich mit einem Opfer zu ihr, und er ward aus seiner Noth gerettet. 85. Lin Diakon wird von einer gefährlichen Wunde geheilt. Hans Fischer, von Elsaß Zabern, Diakon aus dem Prämonstratenser: Orden, fiel von einem Baum in einen Rebstecken, der ihm tief in den Leib gieng, wodurch er zwölf Wochen so krank lag, daß ihm Federmann das Leben absprach. Dieser verhieß sich zu unserer lieben Frau allhier nach Kientheim; sogleich und auf die Stunde wurde er wohl, so daß es Jedermann als ein großes Wunder ansah. Er war bei der Mutter Gottes allhier, und es waren viele Leute bei ihm, welche dieser Sache Zeugniß gaben, auf Sonntag Misericordiæ Domini. zu Kientheim. 86. Ein schwangeres Weib wird sammt der Leibesfrucht vom Tod gerettet. Anna, Wittwe des Peter Belsch von Wickersheim, fiel hochschwanger in einen Keller, und Träme und Thüren lagen auf ihr. Es kamen Männer und Frauen herbei gelaufen, und fleheten zu Gott, das Kind möchte gerettet werden, denn der Mutter gab man keine Hoffnung. Während dessen nun die Frau so bei zwei Stunden gelegen, und sie Jedermann für todt hielt, verhießen sie dieselbe zu der Mutter Gottes allhier nach Kientzheim, mit einem Opfer, unter der Bedingung, daß sie in Wolle, baarfuß und ohne zu sprechen, dahin gehen würde. Da kam die Frau wieder zu sich, und nach vierthalb Mochen gebar sie das Kind, welches fünfzehn Wochen lebte. Thine Flescher, ihre Mutter, und sie waren zusammen allhier. Bei ihnen war auch Leonhard, Brodbeck von Dudenheim, welcher von ungefähr zu jener Begebenheit kam, und sah wie es hergieng, und bezeugte auch dasselbe. 87. Lin Weib wird vom Stein geheilet. Katharina Schimpf von Kestenholz sagte den Mittwoch nach unsers Herrn Fronleichnams Tag, daß sie in ihrem Leib einen Stein, so groß als einen Pfirsichstein, sechzehn Jahre lang hatte und große Schmerzen litt. Sie rief also die Mutter Gottes an, und verhieß sich derselben nach Kientzheim. Sobald sie das Gelübde gethan hatte, gieng der Stein von ihr, und sie war von der Stunde an gesund. 78 Beschreibung der Wunder 88. Lin lahmes Kind wird grade. Eine Frau, Namens Margaretha, von Rappoltsweiler, sagt, sie habe ein Kind, welches an dem Pfingstmittwoche auf der Gaffe gegangen und lahm geworden, daß man es heim tragen mußte. Es lag drei Tage ohne sich regen zu können. Da habe sie das Kind allhier nach Kientzheim zu der Mutter aller Gnaden verheißen; sogleich nahm das Kind einen Stecken in die Hand, und gieng davon. Die Mutter und das Kind waren zusammen hier bei unserer lieben Frau am Samstag nach unsers Herrn Fronleichnams Tag. 89. Linem unsinnigen Menschen wird geholfen. Cunklin, Ruslin's Sohn, von Laufen, eines Brodbeckers Knecht, sagt, daß er den letztvergangenen Freitag zu Kestenholtz ausgieng und sich nach Schlettstadt begeben wollte, da sey es ihm gewesen, wie wenn ihm ein Haase begegnete, wodurch er so geschreckt wurde, daß er von Sinnen kam. Er lief wieder in das Dorf, warf zwei Kinder und eine Frau nieder, und blieb wohl acht Tage von Sinnen. Da fiengen ihn des Beckers Knechte, und legten ihn in das Spital zu Schlettstadt. Während dessen ver= hieß er sich allhier nach Kientheim zu unserer lieben Frau, und ward gesund. Er war am Montag vor St. Peter und Pauls Tag dahier. zu Kientheim. 79 90. Rettung eines Knaben. Hans, Weber von Colmar, sagt, er habe einen Knaben, Namens Mathis, welcher bei St. Gilgen Leimen holen wollte, und in die Leimgrube gestürzt, und wohl vierzig Karren Leimen auf ihn gefallen seven. Er verhieß also den Knaben allhier zu der Mutter des allmächtigen Gottes; während er nun unsere liebe Frau so anrief, kam der Meyer zu St. Gilgen, der Knecht und die Frau, und gruben nach dem Knaben, welchen sie wieder lebendig hervorz brachten. Dieß ist am Samstag vor St. Marga= rethen Tag gesagt.. 91. Ein ertrunkenes Kind wird wieder gesund. Elisabeth Ziegler vom schwäbischen Werd sagte, daß sie zu Kindringen im Breisgau jezt ihre Wohnung in der Erndte habe; ihr Kind, Namens Katharina, sey daselbst in ein Wasser gefallen, darin ertrunken, und sey drei Stunden Nachmittags todt gewesen; ihr Mann, des Kindes Vater, habe es im Waffer liegend gefunden, dasselbe mit einem Rechen herausgezogen, und als todt in das Dorf getragen; da riefen sie unsere liebe Frau an, sie möchte dem Kinde Gnade erhalten. Das Kind wurde alsobald wieder lebendig und wurde mit einem Almosen allhier zu unserer lieben Frau nach Kientzheim verheißen. Diese Geschichte geschah am Samstag auf Mariä Heimsuchung. 80 Beschreibung der Wunder 92. Kin stummer Mensch wird gesund. Theobald Nußbach von Barr sagt, er habe gestern frühe zu Barr Fleisch kaufen wollen, und zu einem Zimmermann, der an der Straße arbeitete, gekom= men und mit ihm geredet. Während dessen erstarrte ihm die Zunge, da er doch in seinem Leben nie ge= stammelt; da er nicht mehr reden konnte, rief er in seinem Herzen die Mutter Gottes allhier zu Kientheim an, und verhieß sich allhier; er gieng darauf nach Hause, und wollte seiner Frau sagen, daß er die Mutter Gottes auf die Stunde besuchen wollte, konnte aber nicht reden. Als er nun nach Mittelbergheim kam, begegnete ihm der. Priester, welchen er mit seiner Angelegenheit bekannt machen und um eine Steuer bitten wollte, daß er die Fahrt vollbringen könnte, konnte aber nicht reden. Er war heute am St. Sirtus Tag hier, und es wurde ihm geholfen. 93. Linem Weibe wird in schweren Kindesnöthen Sülfe. Katharina, Jakob Farbenschabers Ehefrau, von Westhalten, sagt, daß als sie mit einem Kinde ge= gangen sey, sie während acht Wochen so krank gewesen, daß ihr Jedermann das Leben abgesprochen. Da habe sie die Mutter Gottes angerufen, sie möchte ihr Kind gebären, und auf dieselbe Zeit ist sie von dem Kinde entbunden worden. zu Kienkheim. 94. Line blinde Srau wird sehend. Anna Meister, Tochter des Hans Berenbütter, Stadtschreibers zu Eßlingen, ehelige Hausfrau des Peter Küffer von Rotenburg, sagt, sie sey Jahr und Tag ganz blind gewesen, und habe nichts ge= sehen. Als ihr nun von den großen Wunderzeichen unserer lieben Frau zu Kientheim gesprochen wurde, perhieß sie sich dahin; in der Nacht, zwischen eilf und zwölf Uhr, sey sie aufgestanden und habe den Himmel gesehen, welches sie zuvor in Jahr und Tag nicht habe thun können. Sie kam also mit ihrem Opfer und ihrem Almosen allhier zu unserer lieben Frau, am Montag nach St. Sirtus Tag. 81 95. Lin Mann, welcher tödtlich gefallen war, erlangt Gesundheit, Verena Rudy, des Armbrusters zu Breysach eheliche Hausfrau, sagt, daß ihr Mann zu Breysach von einer Scheune herunter gefallen sey, und weder Hände noch Füße mehr regen konnte, so daß man ihn für todt hielt. Sie riefen also unsere liebe Frau zu Kientheim an, sie möchte ihm doch, wenn es anders nicht seyn sollte, so viel Gnade erwerben, daß er zu Reue und Beicht kommen möchte, und nicht so elend von dieser Welt abscheiden müßte. Auf die Stunde regte er sich, und das Blut schoß ihm aus dem Mund, und er ward gesund. Dieß wurde gesagt auf den Abend unserer lieben Frauen Himmelfahrt. 4** Beschreibung der Wunder 96. Lin Weib wird von einer Mißgeburt erlöset. Katharina; die Frau des Kellers zum grünen Werdt zu Straßburg, sagte, sie sey letztvergangene Ostern von so heftigen und anhaltenden Geburtsschmerzen befallen worden, daß sie sich zu der Mutter Gottes nach Kientheim verheißen. Endlich am vergangenen Samstag sey sie von einer Mißgeburt, einem schlangenartigen Wesen befreit worden. Daz rauf begab sie sich auf die Stunde zu unserer lieben Frau, am Montag vor dem Tage des heiligen Bartholomäus. 82 97, Ein Kind wird vom Bruche entledigt. Anna, die Frau des Hans Walter von Straßburg, hat ein Kind, Namens Antoni, welches Konrad Geilers, des feligen Griebenbrenners und des obgenannten Hans Walter Schwesterkind ist, und einen bedeutenden Leibschaden hatte. Es kam ihr in den Sinn, das Kind allhier zu unserer lieben Frau nach Kientheim zu verheißen, was sie auch that. Auf die Stunde wurde das Kind des Bruches ledig, und war selbst hier, an dem Mittwoch vor St. Michaels Tag, im Jahr 1469. 98, Lin Gefangener kommt aus den Banden. Michael von Straßburg sagte, daß er zu Schirmeck hinter Haßlach in einem Thurme drei Wochen . zu Kientheim. 83 und vier Tage gefangen gelegen, und darin krank geworden; so daß man ihn daraus nahm, und an die Eisenbande schlug. Da rief er die Mutter Gottes allhier zu Kientheim an, und auf die Stunde giengen die Eisenbande auf, und er gieng zu der Pforte hinaus, wo Niemand zugegen war. Er war hier zu Kientheim bei der Mutter Gottes, am Freitag vor St. Gallen Tag. Es war bei dieser Aussage der Junker Pancratius von Reichenstein. 99, Lin Kind wird aus Todesnothen gerettet. Auf den vorgenannten Tag sagte Kunz, Sakristan von Limersheim, er habe ein Kind, Namens Hans, 6 Jahre alt, welches in schwerer Krankheit gewesen, so daß es Jedermann für todt hielt. Sie riefen also die Mutter Gottes an, und verhießen das Kind mit einem Opfer nach Kientheim. Auf die Stunde der Verheißung wurde das Kind ge= sund. Es war den obgenannten Tag auch hier. 100. Ein Unsinniger kommt wieder zum Verstand. Hans Niedermeyer von Yinthal in Bayern, den man gemeinhin Bayer nennt, sagt, es sey jezt auf den Ostertag ein Jahr gewesen, daß er zu Mutzig, wo er wohnt, von Sinnen gekommen und zwei Tage ungestüm gewüthet habe, so daß man ihn fieng und an Eisen schlug. In der Nacht kam ihm vor, als wenn er sich zu unserer lieben Frau verheißen sollte dieß habe er gethan, und auf die Stunde, noch in derselben Nacht, sey er wieder zu 84 Beschreibung der Wunder Sinnen gekommen. Er war am Dienstag vor St. Simon und Judas hier, im Jahre 1469. 101. Zwei Gefangene werden befreit. Hans Bindtriem, von Bern, sagte, er habe zu Schramberg neun Wochen lang in einem Thurme gesessen, und noch ein Mann von Augsburg mit ihm; da hätten sie die Mutter Gottes angerufen, und es seyen beide durch zwei verschlossene Thüren, durch alle Pforten und einen Wassergraben durchge= kommen, und auf die Stunde mit dem Almosen zu unserer lieben Frau gekommen. Bei dieser Aussage war Michael Woner, der Schreiber von Rothweiler, am Freitag vor St. Martins Tag, im Jahre 1469. 102. Lin gefallener Knabe kehrt ins Leben zurück. Am Mittwoche vor St. Katharinen Tag sagte Adelheit Baumann, von Basel, daß eine Schuhmacherin von Basel, mit Namen Unsen, einen Sohn Namens Jakob habe, welcher von einem Estrich hoch herabgefallen und sechs Stunden lang für todt ges halten wurde. Sie verhießen den Knaben zu unserer lieben Frau, und auf die Stunde wurde er gesund. 103, Lin Gefangener wird befreit. Ulrich Trost, von Windbuch, sagt im Beiseyn des Paulus, Schreibers von Ober- Ehenheim, er habe zu Kientheim. 85 zu Neuen- Windeck in einem Thurme vierthalb Wochen lang gefangen geseffen; da rief er unsere liebe Frau allhier zu Kientzheim an, und kam vermittelst eines neun Klafter langen Seiles aus dem Gefängnisse. Er war hier am Samstag nach St. Katharinen Tag. 104. Lin Kind wird vom Stein geheilt. Kläwin, Becker von Battenheim, hat ein Kind Namens Adam, welches einen Stein bei sich hatte, der ihm große Schmerzen verursachte. Er verhieß es allhier zu unserer lieben Frau, und setzte die Zeit dazu, in welcher das Kind genesſen sollte. Zur be= stimmten Zeit gieng der Stein vom Kinde, wie mandenselben gegenwärtig noch sieht. Dieß schwur er zu den Heiligen. 105. Linem tauben Kinde wird geholfen. Michael Müller von Gengenbach, wohnhaft zu Rosheim, sagt, er habe ein Kind, Namens Jakob, welches ganz taub gewesen sey; er verhieß dasselbe allhier zu unserer lieben Frau nach Kientzheim, worauf das Kind hörend wurde. Er schwur dieses zu den Heiligen. 86 Beschreibung der Wunder Mirakel vom Jahre 1470. 106. Lin Mensch wird vom Grimmen erlöset. Tielmann, Scherer von Noßkirchen, zu Zabern wohnhaft, sagt, er habe dreiundzwanzig Wochen an dem Grimmen gelegen und sich nach Rom, näch Cöln und nach Aachen zu den heiligen drei Königen verheißen, welches ihm aber nicht helfen wollte. Er rief also unsere liebe Frau allhier zu Kientheim an, er wollte sie mit Almosen und einem silbernen Kreuze. besuchen. Auf die Stunde nach der Verheißung vergieng ihm das Grimmen und er ward gesund. Dieß geschah auf den St. Mathis Tag, und er schwur deßhalb einen Eid zu den Heiligen. 107. Lin tödtlich verwundeter Mensch wird geheilt. Hans Müller von Seckingen sagt, daß er gegen das Herz mit einem Degen durchstochen worden, so daß ihm Jedermann das Leben absprach. Es blutete ihm die Wunde hinein und er führte lange ein jämmerliches Leben. Er verhieß sich also zu unsrer lieben Frau nach Kientzheim; sogleich nach der Verheißung genas er und wurde gesund. Dieß schwur er zu den Heiligen. zu Kientheim.. 87 108. Liner wird vom reißenden Steine erledigt. Meister Niclaus von Nördlingen, ein Büchsenmeister zu Ensisheim, hatte den reißenden Stein so daß er zu jeder Stunde, Tag und Nacht, mit Ungemach und Schmerzen geplagt wurde. Er rief unsere liebe Frau zu Kientzheim an und verhieß sich mit einem wachsenen Bilde hieher. Sogleich nach seiner Anrufung vergieng ihm das Uebel, und dieses bezeugte er eidlich. 109. Lin verbranntes Kind und seine Mutter, welche taub und unsinnig wurde, werden geſund. Claus Ließ, ein Schlosser von Straßburg, sagte, sein Kind, Namens Klausel, sey in einen Zuber mit heißem Wasser gefallen und auf der einen Seite ganz verbrannt und verbrüht worden, so daß es sich nicht legen noch heben lassen wollte. Sie riefen also die Mutter Gottes allhier zu Kientheim an; auf die Stunde wurde das Kind so geduldig, daß es sich heben und legen ließ. Er sagt auch dabei, daß des Kindes Mutter, als sie dieses gesehen habe, in Ohnmacht gefallen und ganz von Sinnen gekommen sey, und weder gehört noch gesehen, Niemanden mehr gekannt und wie unsinnig von 2 Uhr Nachmittags bis um 10 Uhr gewüthet habe. Also sprach er ihr zu, sie sollte unsere liebe Frau allhier zu Kientheim in ihrem Herzen fleißig anrufen, so wäre er der Hoffnung, daß sie wieder gesund würde. Auf dieselbe Stunde kam sie wieder zu Sinnen und wurde 88 Beschreibung der Wunder wie sie zuvor gewesen. Dieß ist gesagt am Palmabend des Jahrs 1470, und zu den Heiligen ge schworen, daß es wahr sey. 110. Lin ertrunkenes Kind wird wieder lebendig. Agnes, des Emerich, eines Schneiders und Pförtners Frau zu Morsmünster( Maurusmünster) sagte, daß ihr Kind, Namens Dietrich, welches auch hier gegenwärtig war, zu Morsmünster vor dem Thore in ein tiefes Wasser gefallen sey. Als es der Vater darin liegen sah, ließ er sich an einer Stange in das Wasser und nahm das Kind heraus. Es war aber kein Leben mehr in ihm und länger als eine Stunde batte es keinen Athem mehr. Während dessen rief des Kindes Mutter unsere liebe Frau allhier zu Kientzheim an; auf die Stunde bekam das Kind sein Leben, und die Mutter und das Kind waren heute auf den heiligen Osterstag allhier zu Kientheim und bezeugte dieß bei Weibes Treue, anstatt eines Eides. 111, Lin Gefangener wird erlöset. Hans von Tobel sagte bei einem Eide, den er dar-. um zu den Heiligen geschworen, er habe zum Stein gefangen gelegen und ihn hätten zwei Knechte gehütet. Da rief er unsere liebe Frau allhier zu Kientzheim an, und entkam in der Christnacht während der Metten. Als er nun aus dem Gefängnisfe kam, fürchtete er, die zwei Knechte, welche ihn hüteten, möchten seinetwegen in Unglück gerathen; er gieng zu Kientheim. 89 also wieder in das Gefängniß zurück, wurde aber dennoch befreit. 112. Lin Gefallener wird gesund. Dieboldt Buwle, der Maurer von Offenburg, sagt, er habe ein Dach gedeckt und sey drei Stockwerke durch das Haus herab auf die Rippe gefallen, so daß ihm dieselbe gebogen war und er gar nicht arbeiten konnte. Da habe er sich zu der Mutter aller Gnaden verheißen, und alsbald sey er gesund geworden und kann- nun wieder arbeiten. Er schwur es zu den Heiligen, daß dieses so wahr sey. 113. Ein Mensch wird von Seigwarzen geheilt. Am Donnerstage nach dem heiligen Ostertage sagte Claus Kumberli, von Ober- Ehenheim, ihm seyen fünf Feigwarzen an einem gewissen Orte gewachsen, zu deren Heilung er Ehrbarkeits halber keine Arznei brauchen wollte, sondern in solchem Anliegen allein die Mutter Gottes allhier zu Kientzheim angerufen, darauf sey das Uebel verschwunden. Dieß schwur er zu den Heiligen. 114. Lin Unsinniger kommt wieder zum Verstand. Auf den vorgenannten Donnerstag sagte Hans Vinzentius Sohn, von Morsmünster, ein Schuhknecht, er sey zu St. Niclaus Port gefangen worden, 90 Beschreibung der Wunder weil man ihn in Verdacht genommen. Als aber die, welche ihn gefangen hatten, sahen, daß er unschuldig sey, schlugen sie ihn so unmenschlich auf das Haupt, daß er rasend wurde, und man ihn in Morsmünster in die Eisenbande legte, worin er zweiundzwanzig Wochen lag. Er wurde nach Reinacker, darauf nach St. Adolf, nach Altdorf und Widerstorf geführt, welches ihm aber nichts half. Er verhieß sich also hierher zu der Mutter des allmächtigen Gottes mit einem Opfer; auf die Stunde nach der Verheißung kam er wieder zu seiner Vernunft. Dieß schwur er zu den Heiligen, daß es wahr sey. 115. Kirchweihung der neuen Kapelle. Im Jahr 1470, am Sonntag Quasimodo geniti wurde die neue Kapelle der heiligen Felir und Regula zu Kientheim, zu Ehren dee heiligen Kreuzes und der glorwürdigen Gottes Gebärerin Mariä, und des heiligen Johannes des Evangelisten, durch Nicolaum, Bischof von Tripolis und Weihbischof zu Basel geweiht, und es war sehr viel Volk zugegen. 116. Line Srau, welche viele Kinder todt geboren hatte, wird durch die Sürbitte der Mutter Gottes glücklich entbunden. Wendling, Zimmerman von Hagenau sagt, seine Hausfrau habe sechs Kinder todt zur Welt gebracht. Vor zwei Jahren habe man ihr geredet von den vielen und großen Wunderzeichen, welche durch die Für zu Kientheim. 91 bitte der Mutter Gottes allhier zu Kientheim ge= schehen. Da kamen seine Hausfrau und er zusammen hierher zu der Mutter voller Gnaden, und baten fie eifrigst, der Frau die Gnade zu erwerben, daß sie lebendige Frucht gebären möchte. In demselben Jahre gebar sie zwei Kinder, welche beide lebendig auf die Welt kamen, und hat seither noch eins geboren, welches drei viertel Jahre lebte. Dieses schwur er zu den Heiligen. 117. Ein Mann wird vom Bruche befreit. Heißmann Klingmeyer von Kentzingen sagt bei dem Eide, welchen er darum zu den Heiligen geschworen, daß als er auf die Constanzer Kirchweihe gen Freiburg reiten wollte, bekam er einen Leibschaden. Während dessen, rief er unsere liebe Frau allhier zu Kientzheim an, und ehe es recht Nacht wurde, vers gieng ihm der Bruch und er war gesund. 118. Ein auf den Tod verwundeter Mensch wird geheilet. Lob und Dank sey der heiligen Gottes Mutter gefagt! Es wurde ein Knabe tödlich gestochen, so daß man ihn mit den heiligen Sakramenten versah, und ihm das Leben absprach. Drei Tage blutete ihm das Netz, und am neunten Tage gieng ihm der Harn zu der Wunde heraus. Sein Vater verhieß ihn zu unserer lieben Frau, und unsere liebe Frau erhörte ihn. 92 Beschreibung der Wunder Wunderzeichen vom Jahre 1472. 119. Zwei Gefangene werden wunderbar befreit. Am Sonntage Invocavit, 1472, fagten Bernhard Schmidt von Rosheim und Heinrich Güder von Hagenau, bei ihrer Treue anstatt eines Eides, sie seyen nach Wörth geführt und in einen Thurm und Block geschlagen und darin verschmiedet und vernagelt worden; da haben sie zwei Stunden darin gesessen, ver= hießen sich allhier nach Kientheim zu unserer lieben Frau, sie möchte ihnen zur Befreiung verhelfen, welche sie denn auch erhielten. 120. Lin bresthafter Mensch wird gesund. Den Montag in den Osterfeiertagen sagte Hans Schmid von Aucken, im Breisgau, daß er über sechsundzwanzig Jahre an einem Ärme bresthaft gewesen sey, und zu Zeiten nicht habe arbeiten können, ihm auch kein Meister helfen konnte. Da habe er unsere liebe Frau allhier zu Kientheim angerufen und sie zum dritten Mal besucht. Es sey vergangenen Herbst ein Jahr gewesen, da habe ihn unsere liebe Frau in seiner Anrufung, durch ihre gnadenreiche Güte und Barmherzigkeit, erhört, und er sey des Uebels ledig worden. Dieß schwur er zu den Heiligen. zu Kientheim. 93 121. Lin Kind, welches man für todt hielt, wird geſund. Den Sonntag Quasimodo, 1472, sagte Katharina seler von Andlau, bei ihrer Treue an Eides statt, sie habe ein Kind, Namens Margaretha welches in einem Bade so schwach geworden, daß es wohl auf eine halbe Stunde ohne Leben war, und es Jedermann für todt hielt. Sie rief also unsere liebe Frau allhier zu Kientzheim an, und gelobte: das Kind mit einer Opfergabe hierher zu bringen. In einer halben Stunde kam das Kind wieder zu sich und wurde gesund. Die Mutter und das Kind waren heute den Samstag mit einander hier. Gott und seine liebe Mutter seyen gepriesen! 122. Lin Franker Mann, welcher in Todesgefahr war, erlangt Geſundheit. Anna Schneider von Sennheim; eheliche Hausfrau des Peter von Weißenstein, sagte, daß ihr Mann so schwach gewesen sey, daß ihm Niemand mehr das Leben zutraute. Sie verhieß sich für ihn zu unserer lieben Frau, und der Mann wurde gesund. Beide machten die Fahrt und brachten das gelobte Opfer am Samstag vor St. Vitus und Modestus, im Jahre 1472. 94 Beschreibung der Wunder Wunderzeichen des Jahrs 1473. 123. Ein von einem Pferde todtgeschlagenes Kind wird wieder lebendig. Auf Ofterdienstag sagte Hans Geßlin von Obenheim, er habe ein Kind, Namens Hans, welches in einem Alter von zwei Jahren von einem Pferde so getreten wurde, daß ihm ein Ohr abgeschlagen wurde, und es wohl zwei Stunden für todt gehalten würde. Er verhieß das Kind zu unserer lieben Frau; da bekam das Kind das Leben wieder und lebt noch, und er machte mit dem Kinde die Wallfahrt hierher. 124. Ein tödtlich verwundetes Kind wird gesund. Hans Rem von Rosheim sagt, er habe ein Kind, Namens Georg, welches mit einem Auge einen Finger tief in ein Messer gefallen sey, und für ein Opfer des Todes gehalten worden. Da verhießen sie das selbe allhier nach Kientheim zu unserer lieben Frau mit einem wächsenen Kinde und dem Messer in des Kindes Auge, wie es hier gegenwärtig zu sehen ist. Während nun der Bote Lorenz Rem, der Bruder des Vaters des Kindes, die Wallfahrt unternommen, und bereits den dritten Tag erreicht hatte, lag das Kind ohne zu reden und ohne zu essen. Als der Bote zurückkam, fieng es wieder an zu reden, und in neun zu Kientheim. 95 Tagen genas es gänzlich. Es hat auch am Auge fast keine Spur des Uebels mehr. 125. Lin von einem Pferde todtgeschlagenes Kind bekommt das Leben wieder. Clara Vogt von Gunterstein bei Freiburg sagt, sie habe ein Kind, Namens Hans, welches von ei= nem Pferde so hart getreten wurde, daß sie es für todt in ihren Schooß nahm und wohl eine halbe Stunde ohne Lebenszeichen darin hielt; da verhieß sie es hierher zu unserer lieben Frau; auf die Stunde bewegte sich das Kind und bekam das Leben wieder. 126. Lin ertrunkenes Kind wird lebendig.. Andreas von Kalbrunn, zu Sulk wohnhaft, sagte, er habe ein Kind, welches in eine Bütte mit Waffer gefallen und eine halbe Stunde todt gelegen; da has ben sie die Mutter Gottes allhier zu Kientheim angerufen; auf die Stunde regte es seine Zunge und man sah das Leben wieder in ihm. Sie brachten das Kind hierher zu unserer lieben Frau. 127. Lin gebrochener Mensch wird gesund. Christoph, der Trompeter von Schlettstadt, betheuerte eidlich, er sey mit einem Bruche behaftet gewesen, und durch die Fürbitte der Mutter Gottes zu Kientheim davon befreit worden. 96 Beschreibung der Wunder 128. Kaiser Friedrich und Herzog Karl aus Burgund beschenken die Mutter Gottes zu Kientheim. Im Jahr 1473 kam Kaiser Friedrich auf Mariä Geburt aus Andacht zu unserer lieben Frau nach Kientheim. Er brachte der Mutter Gottes sein Opfer und ließ seinen kaiserlichen Hut in der Kapelle. Er nahm im Hofe der Herren von Lützel seine Einkehr, und es waren bei ihm Herzog Maximilian, sein Sohn; Adolph, Churfürst von Mainz; der Erzbischof von Bisantz; Erasmus, Bischof zu Eichstädt; Herzog Albrecht und Herzog Ludwig aus Baiern; des türkischen Kaisers Bruder und viele andere große Herren und Edelleute. Um Weihnachten im Jahr 1473 kam auch Herzog Karl aus Burgund nach Kientheim und brachte der Mutter Gottes seine Opfer dar. 129. Lin todtgebornes Kind wird lebendig. Heinrich Schmidt von Ehnweiler, Katharina, seine Hausfrau und die Hebamme von Ehnweiler brachten ein Kind und sagten, daß die Mutter in lebensge= fährlichen Geburtsnöthen gelegen, und auf den Rath der Hebamme zu unserer lieben Frau nach Kientzheim sich versprochen; darauf gewahrte die Hebamme sogleich, daß die Mutter glücklich entbunden würde; was denn auch auf die Stunde geschah. Die Eltern brachten das angelobte Opfer am Mittwoch vor St. Gallen Tag. zu Kientheim. dASER 97 130. Lin Gefallener kommt wieder zum Leben. Den Samstag nach St. Martins Tag, bezeugten dreißig Personen, sie haben gesehen, daß Ulrich Menner, Meyer von Egisheim, von einem Thurm zu Egisheim so hoch herabgefallen sey, daß er für todt in seines Vaters Haus getragen wurde. Da kamen viele Leute und riefen unsere liebe Frau allhier zu Kientheim an, sie möchte ihm die Gnade der heiligen Sterbfakramente von Gott erflehen. Der Gefallene kam wieder zu sich selbst, und brachte mit den dreißig Personen sein Opfer hierher. 131, Liner, welcher auf den Tod verwundet war, bekommt Gesundheit. Den Donnerstag auf St. Görgen Tag, 1474, sagte Adam von Tübingen, er und noch einer zu Wolfenweiler haben sich auf die Mitfaften, im Breisgau, bei Freiburg geschlagen, und er sey mit fünf Stichen tödtlich verwundet worden, zu Erde gefallen und wohl eine ganze Stunde für todt da gelegen. Während er so lag, kam ihm vor, er solle sich allhier zu unserer lieben Frau nach Kientzheim verheißen, dann würde er gesund. Er verhieß sich also zu der Mutter Gottes; auf die Stunde bekam er den Athem und genas, und als er in die Kapelle unserer lieben Frau kam, sagte er, es stünde mit seiner Gesundheit viel besser als zuvor. 5 Beschreibung der Wunder 132. Ein Knabe wird aus Todesnöthen errettet. Peter von Ensisheim, von dem heiligen Kreuze, und Gertrud, seine Hausfrau, brachten einen Sohn, Namens Hans, zwölf Jahre alt, und sagten, er sey hoch herab auf eine Tenne gefallen, so daß ihm die Augen vor dem Kopfe Herauslagen, und er am Sterben war; sie verhießen ihn mit einem Opfer zu der Mutter Gottes nach Kientheim. Auf der Stelle wurde es ihm besser. Dieß geschah am letzten Sonntag vor St. Blasius, im Jahre 1474. 98 133. Lin ertrunkenes Kind wird. lebendig. Am St. Johannes Tag, 1476, kam die Frau des Stoffel Siegrist von Neuenburg hierher, und brachte mit ihr ein Kind, Namens Franz, welches zu Neuenburg in den Bach gefallen, ertrunken und eine ganze Stunde todt gelegen. Es war vom Wasser, welches es verschluckt hatte, dick geschwollen; sie hängten dasselbe an die Füße auf, damit das Wasser aus ihm laufen sollte, und verhießen es gleich zu unserer lieben Frau. Sobald dieß geschehen, wurde es gesund. Die Frau brachte das Kind hierher, und entrichtete ihr Opfer. 134, Drei Gefangene werden wunderbar los. Den Donnerstag nach St. Johannes Tag kamen Jakob Brünig von Hohen- Rödern, Peter Kemmer und Hans Seiler von Rotenburg, hierher und brach zu Kienkheim. 99 ten ein langes Seil mit ihnen, und sagten, wie sie von den Burgundern gefangen und nach Fackenai in einen Thurm gefangen gelegt wurden; da hätten fie die Mutter Gottes allhier zu Kientheim angerufen, und seyen am Seile zwölf Schuhe hoch aus dem Thurme gestiegen. Darauf seven sie in ein neues Zimmer gekommen, wo ein Seil war, mit dem sie sich achtzig Schuh hoch von dem Thurme in den Graben ließen; einer schwamm mit dem Seile durch den Graben, und zog. damit die andern zwei, weil sie nicht schwimmen konnten, nach. Ein jeglicher verhieß sich hierher mit einer Gabe, welche sie auch unserer lieben Frau aufopferten. 135. Lin überfahrenes Kind bleibt unverletzt. Den letzten Samstag vor St. Martins Tag kamen hierher der ehrbare Clewin Senner und seine Hausfrau von Uffholt, und sagten bei ihrer Treue an Eides statt, sie hätten ein Kind, welches zu Uffholtz an der Straße geseffen habe, und welchem in diesem Herbste einer mit einem Karren, darauf sieben Bütten mit Wein waren, über seine beiden Füßlein fuhr; da riefen beide unsere liebe Frau allhier zu Kientheim an, damit daß Kind nicht um seine Füßchen käme. Sobald dieß geschehen, wurde dasselbe auf die Stunde wieder besser, und es fehlt ihm nichts mehr. 136. Ein blindes Kind wird sehend. Den Dienstag nach St. Martins Tag war Wilhelm Schneider von Reichenweiler hier, und sagte 5* 100 Beschreibung der Wunder bei seiner Treue an Eides statt, welchen er seinem Herrn geschworen hatte, er habe ein Kind, welches Schmerzen an einem Auge hatte, und man daran nichts sehen konnte. Da habe er dasselbe zu der Mutter Gottes mit einer Wallfahrt verheißen, und kam in diese Kapelle als die Glocke eins schlug; er gieng darauf wieder nach Hause: da sagte man ihm, das Kind wäre eben auf dieselbe Stunde, als er in der Kapelle war, gesund worden. Es gieng ihm eine schwarze Kohle aus dem Auge, und sodann sah es ganz wohl, wie an dem andern Auge. 137. Lin Mensch wird vom Tode gerettet. Auf den Tag Mariä Verkündigung sagte Martin Trometer zu Isenburg, daß er auf St. Johannes Tag auf dem Thurme auf einem Blocke geseffen habe, worin ein Schneider gefangen lag. Als er mit demselben von unserer lieben Frau zu Kientheim sprach, fiel er mit dem Haupte vorwärts in den Thurm hinab. Da hub ihn der Schneider, der im Thurme saß, wieder auf und sprach: Was begehrst du hier? Und er erwiederte: Ich habe eine Fahrt zu unserer lieben Frau gethan. Der Schneider antwor= tete: Du bist hier im Thurme und nicht bei unserer Frau. Da er wieder zu sich selbst kam, verhieß er sich zu unsrer lieben Frau, und verrichtete die Wallfahrt. 138. Lin beseffener Mensch wird ledig. Brigitta Meyer von Egisheim brachte eine Tochter her, welche, wie sie sagte, mit dem bösen Geiste zu Kientheim. 101 beseffen war, und als sie nach Hause kam, fühlte sie sich gänzlich befreit. 139. Lin Knabe wird vom reißenden Steine erlöst. Hans Seger von Villingen hat einen Sohn, Namens Hans, welcher den reißenden Stein hatte. Er verhieß den Sohn zu unserer lieben Frau mit einem Opfer, und als sie das Opfer brachten, wurde der Knabe gesund. 140. Linem Weibe wird in schweren Kindesnothen geholfen. Bärbel von Bolsenheim sagt, sie habe wegen einem Kinde drei Tage in Nöthen gelegen, und man sprach ihr das Leben ab. Da habe sie sich zu unserer lieben Frau verheißen, und sey alsbald entbunden worden. 141. Lin verwundetes Weib wird geheilt. Die Hausfrau des Teng Steinmetz von Dambach, Helge genannt, sagte, sie habe sich durch die Hand gestochen. Da habe sie sich zu der Mutter Gottes allhier verheißen; auf die Stunde minderten sich die Schmerzen und sie spürte an der Hand nichts mehr, und ist jezt ganz geheilt. 102 Beschreibung der Wunder 142. Liner Kindbetterin wird in schweren Nöthen geholfen. Sonntag Burse von Wackenthal sagt, seine Hausfrau sey an der Geburt eines Kindes gelegen, und besorgte es möchte nicht lebendig zur Welt kommen. Da riefen sie die Mutter Gottes allhier an, sie möchte des Kindes Leben und Seele erhalten; was denn auch geschehen. 143. Stiftung. Im Jahre 1478 auf St. Michaelstag überantwortete Adelheid Dietrich, die Frau des Leistmann von Straßburg, unserer lieben Frau allhier nach Kientheim in Wachs und Geld 70 Fr., damit man ihrer, ihres Mannes, ihrer Kinder und ihrer Vordern gedenken sollte. 144. Es wird einer von einem tödtlichen Sall gerettet. Auf Samstag, am St. Franziscustage 1478, fagte Claus Fridinger von Unterbaldingen unter Fürstenberg, er sey durch ein Haus herab auf eine Tenne. ge= fallen und habe alles Bewußtseyn verloren. In seiner Ohnmacht erschien ihm unsere liebe Frau, wie er glaubte, leibhaftig, und er rief sie an; da kam er wieder zu sich selbst, und verhieß unserer lieben Frau eine Wallfahrt und ein Opfer, was er auch heute vollbrachte. zu Kienzheim. 145, Lin Kind, das in einem Brunnen ertrunken, wird lebendig. 103 Um hohen Donnerstage kam Elise, Bennemacherin von Türkheim hierher und sagte, ihr Schwager habe ihr Tochterkind ihr zu hüten gegeben, und dieses fey mit andern Kindern umhergelaufen. Nach einer Weile fiel das Kind in den Brunnen; sie stieg hinab, es war aber kein Leben mehr in dem Kinde. Während sie es heraustrug, es schüttelte, rief sie mit vielen andern Frauen, die dazu kamen, unsere liebe Frau zu Kientzheim an, und gelobte, das Kind mit einem Opfer zu unserer lieben Frau zu bringen. Gleich nach dem Gebete kam das Kind wieder zu sich. Dieß geschah am Mittwoche, und am Donnerstage darauf brachte die Mutter das Kind hierher. 146. Lin anderes ertrunkenes Kind wird lebendig. Am Dienstage nach Ostern sagte Hans Lang von Rappoltsweiler, er habe ein Kind Namens Katharina, welches am Osterabend bei einer Mühle in einen tiefen Bach gefallen, und eine Zeitlang todt darin gelegen sey. Er verhieß das Kind zu unserer lieben Frau; da bekam es sein Leben wieder und leistete auch die Fahrt. 147. Lin dem Tode nahe Kindbetterin wird gerettet. Konrad, Kämmerer von St. Georg auf dem Schwarzwald, und Thine, seine ehliche Frau, sag 104 Beschreibung der Wunder ten, daß letztere so gefährlich an der Geburt eines Kindes darnieder gelegen, daß jedermann an ihrer Rettung verzweifelte. Derselbe Conrad Kämmerer rief unsere liebe Frau allhier zu Kientzheim an und verhieß sich mit der Frau und ihrem Kinde, unsere liebe Frau möge ihr eine glückliche Geburt verleihen; auf die Stunde nach der Anrufung gebar die Frau; sie waren allhier und leisteten die Fahrt am Pfingstdienstage 1479. 148. Lin todtes Kind wird lebendig. Hans von Befort der Weibel sagt, er habe ein Kind, und dieß sey wohl eine halbe Stunde todt gewesen und man habe an ihm kein Leben mehr erkannt. Sie riefen die Mutter Gottes allhier an, und nach der Anrufung bekam das Kind sein Leben wieder. 149. Line zum Tode Verurtheilte trågt unverletzt ein glühendes Lisen. Ebenfalls sagte Margaretha Burner, sie sey unschuldig zu Münster im St. Gregorien- Thal für eine Here am Dienstag vor Maria Magdalenentag vor Gericht gestellt und zum Feuer verurtheilt worden; da habe sie das glühende Eisen zu tragen sich anerboten, darauf Maria, die Mutter Gottes, angerufen und sich zu derselben allhier verheißen, sie möchte ihr liebes Kind bitten und ihr helfen, je nachdem sie Recht verdiene. Da legte ihr der Nachrichter ein Kreuz mit einem Halmen und einem glühenden zu Kientheim. 105 Schlüssel darin in die Hand: da stand sie still und fragte was sie thun sollte? Da sprachen die Räthe, fie sollte bis zum Ziele gehen, das ihr gesetzt ward. Und da sie dahin kam sprach sie abermals: Was soll ich thun? Da sprachen abermals die Räthe: Laß es fallen! Das that sie und blieb also an ihren Händen ganz unversehrt. Sie kam sogleich hierher, that ihre Wallfahrt und sagte der Mutter Gottes Dank. Dieſe Frau war von Breitenbach im Münsterthal. 150. Lin stummer Mensch bekommt seine Rede. Hans Schönthal, ein reisiger Knabe von Ensisheim, sagt, er sey vier Tage stumm gewesen; während dessen habe er sich allhier zu unsrer lieben Frau verheißen und sogleich die Wallfahrt angetreten. Als er nach Herlisheim kam, erhörte ihn die Mutter Gottes und er bekam die Rede wieder. Er vollendete seine Fahrt und brachte allhier seine Danksagung dar. 151, Lin Gefangener wird wunderbar befreit. Am Sonntage nach dem Geburtstage unsrer lieben Frau kamen Peter von Münstroll und mit ihm Hans Heinrich Hügele, Elle, Heinrich Peter, Jacob von Bastung und Hans Otte von Alten- Münstroll hierher, und sagten alle aus, gedachter Peter von Münstroll sey in einem Gefängnisse in Banden gelegen, und habe sich zu unsrer lieben Frau nach Kientheim versprochen, wofern er aus dem Kerker befreit würde. Da kamen einige Gesellen, befreiten ihn von den 5** 106 Beschreibung der Wunder ihm angelegten Eisen, und er verrichtete die Wallfahrt und brachte die Bande mit. 152. Ein ersticktes Kind kommt wieder zu sich. Hans Hemmerle von Mühlhausen sagt, er habe zwei Kinder, von denen das Jüngere ein Stück von einem Schneckenhäuschen verschluckte. Dieß blieb dem Kinde im Halse stecken, so daß es erstickte und kein Lebenszeichen mehr gab. Der Vater rief unsere liebe Frau allhier an, und er war so glücklich, daß er das Stück im Halse zerbrach und das Kind wieder zu sich kam. 153. Lin Unsinniger wird befreit. Hans Schäfer von Fessenheim sagt, er sey in der Ernte unsinnig und taub geworden, sieben Wochen größtentheils eingeschloffen gewesen, und wenn er mitunter entkommen, habe er alles, was ihm unter die Hände fiel, sich zugeeignet. Da wurde er von seinen Freunden in Fesseln gelegt und kam zum vierten Mal daraus. Hierauf fieng man ihn zu Battenheim und schlug ihn in's Halseisen; da rief er unsere liebe Frau allhier zu Kientheim an, und er entrann. Bald darauf kam er zu Fessenheim in's Gefängniß und wurde auch in Eisen gelegt; diese habe er zerriffen und sey durch Anrufung unserer lieben Frau allhier, welche er ernstlich anrief, davongekommen. Auf dieses habe man ihn zu Fessenheim abermal eingelegt, da hätten seine Brüder unsere liebe Frau allhier zu Kientheim angerufen, zu Kientheim. 107 und er sey wie vormals entronnen. Seine Brüder waren heute Samstag vor St. Gallentag mit ihm hier und leisteten die Wallfahrt, wie sie dieselbe verheißen, und er selbst erhielt seine vorige Ruhe wieder. 154. Lin ersticktes Kind kommt wieder zu Athem. Margaretha Bechtelt, Wittwe des fel. Karchers von Kaisersberg, sagt, daß Ulrich Wölfel und Clara, feine Ehefrau, ein Kind haben, Namens Valentin, zwei Jahre alt; als Wölfel nicht zu Hause war, gieng die Mutter von dem Kinde weg, ließ es allein in der Stube. Während ihrer Abwesenheit fieng der Strohsack Feuer, und das Kind erstickte durch den Rauch, und lag eine Stunde ohne Bewegung da. Die Mutter machte ihm bei ihrer Zurückkunft den Mund mit Schlüsseln auf, es war aber in demselben kein Leben mehr. Während sie es schüttelte und ihm Wasser eingab, rief sie unsere liebe Frau allhier zu Kientheim an, darauf habe sich das Kind nach und nach geregt und sey nach der Anrufung wieder zum Leben gekommen. Sie brachte daffelbe am Samstage vor Thomastage hierher und diese Geschichte geschah am Montag vor Odilientag. 155. Lin Kind, welches in einen Brunnen gefallen, wird gerettet. Hans Ludmann von Hattstadt und Katharina, seine Ehefrau, sagten, eines ihrer Kinder sey in einen Brunnen gefallen, und da zufällig eine Frau 108 Beschreibung der Wunder dazu gekommen, und den Unfall von einem andern Kind erfuhr, da wollte sie nach dem Kinde, welches im Brunnen lag, hineinspringen; rief indessen unsere liebe Frau allhier zu Kientzheim an, sie möchte ihr helfen, damit sie das Kind lebendig herausbringe und verhieß dabei ein Opfer nach Kientzheim, wozu sie sich verpflichtete, wofern Vater und Mutter solches zu entrichten sich weigern sollten. Hierauf nahm sie einen Hacken, mit dem man das Wasser schöpft, griff nach dem Kinde und brachte es lebendig aus dem Brunnen. 156. Lin todtes Kind wird wieder lebendig. Margaretha Helsche von Münster sagt, sie wäre dabei und mit gewesen, da Agnes Merle, die Frau des Gerhard, des Statthalters zu Münster, ein Kind geboren hätte, an dem sie und andere Frauen kein Leben bemerkten. Da brachen sie ihm den Mund auf, und verhießen dasselbe, wie auch die Mutter mit ihm, zu unserer lieben Frau. Auf die Stunde kam das Kind zum Leben, und war sammt der Mutter den Freitag nach Quasimodo allhier. 157. Ein Unsinniger kommt wieder zum Verstand. Bastian von Flarlanden lag in großer Krankheit, wurde wüthend, nahm ein Messer und stach sich selbst in den Hals. Seine Frau, die einen Schrei hörte, lief herbei, und sah das Messer im Hals stecken. Sie lief von ihm und schrie um Hülfe. Als dieser das Geschrei hörte, fuhr er auf, zog das Messer aus dem zu Kienkheim. 109 Hals, und ergriff ein Schwert, um die Frau zu erschlagen; er fiel aber in Ohnmacht. Die Herbeigelaufenen riefen unsere liebe Frau allhier in Kientzheim an, sie wolle ihm sein Bewußtseyn erflehen, damit er doch wenigstens seine Sünde bereuen könnte. Nach der Anrufung kam er zur Vernunft, beichtete, ward mit dem heiligen Sakramente versehen, und lebte noch bis an den dritten Tag. 158. Lin Gefangener wird befreit. Hans Bernhard von Ampringen, des Abtes von Luders Jäger, sagt, es sey jezt ein Jahr, daß die Franzosen ihn bei Luders gefangen genommen, und ihn nach Frankreich in ein Kloster eingesperrt, und dreimal in ein Wasser geworfen. Da habe er allemal unsere liebe Frau allhier zu Kientheim angerufen, sie möchte ihn vor dem Lode behüten, und ihn zu Reue und Beicht kommen lassen; und er habe jedesmal Rettung gefunden. Hernach seyen sie auf die Fütterung geritten; da sollte er mähen, konnte aber nicht, sondern mußte mit einer Sichel schneiden. Als sie ihre Bürde gemacht hatten, saß der, welcher ihn verwahren sollte, auf einem Pferde, und hieß ihn, sich an den Schwanz heben; er ließ das Pferd vor sich herlaufen, da war ein Wald nahe dabei, so kam etwas und sprach zu ihm: Lauf in den Wald! Er sah um sich und merkte nichts. Da sprach es abermal: Laufe, und hieß ihn zum dritten Male laufen. Er lief also in den Wald, und mit der Hülfe der Mutter des allmächtigen Gottes kam er davon und war den Mittwoch vor St. Vitus Tag allhier. L Beschreibung der Wunder 159. Lin ertrunkenes Kind wird lebendig. Den Freitag nach St. Ulrichs Tag, 1480, sagten Galle Stehle von Gundlingen und Elise, seine Ehefrau, sie seyen gestrigen Donnerstag auf den Neckern gewesen, und haben geschnitten, unterdessen ihrem Kinde, Namens Thomele, befohlen wurde, andere Kinder und einen Knaben zu hüten. Als sie Abends nach Haus kam, fand sie ihr Kind in einem Wassergraben, der vor ihrem Hause hinlief, leblos daher schwimmen. Eilends zog sie das Kind aus dem Wasser und rief die Mutter Gottes allhier zu Kientzheim wie auch den heiligen Gervasius und Protafius an, sie möchten Barmherzigkeit von Gott erflehen, und durch ihre Fürbitte dem Kinde das Leben widerum bringen, sie wollte es baarfuß mit einem Opfer hierhin bringen. Auf die Stunde kam das Kind wieder zu sich. Vater und Mutter waren mit dem Kinde allhier. 110 160. Lin unsinniges Weib kommt wieder zu Verstand. Elise Luser von Mühlhausen, zu Brunstadt wohnhaft, sagte, daß sie taub und solcher Maßen wüthend war, daß man sie im Gefängniß halten und hüten mußte. Die Mutter Gottes welche sie angerufen, erhörte sie und half ihr, daß sie wieder zur Vernunft kam; sie war heute den Samstag nach St. Ulrichs Zag hier und brachte unserer lieben Frau ein Opfer. zu Kienkheim. 161. 111 Lin Mann wird aus Todesgefahr gerettet. Auf den Abend unserer lieben Frauen Himmelfahrt, 1480, sagte Mathias Buckenthal, der Zimmermann's Werkmeister zu Wattweiler, er habe Herrn Rudolphen von Wattweiler, dem Ritter, ein Werk gemacht, und als der Herr Rudolph hinweg fahren wollte, haben sie ein Thor aus der Angel geführt, daffelbe sey auf ihn gefallen und im Falle rief er unsere liebe Frau zu Kientheim an, ihm zu Hülfe zu kommen. Seine Tochter und andere hoben ihn für todt unter dem Thore hervor. Unterdessen aber, als er unter dem Thore lag, dünkte es sie, wie wenn unsere liebe Frau felbst bei ihm wäre; er sey also durch ihre Hülfe zu sich selbst gekommen. Wenn ihm die Mutter Gottes nicht geholfen hätte, würde ihn das Thor, wegen seiner Größe und Schwere, zerquetscht haben. 162. Die Mutter Gottes erscheint einer Klosterfrau. Junker Stefan von St. Wolf und Frau Loys geboren von Münstrol, seine Gemahlin, mit Peter Michel, Magister der Künste und Professor der Rechte zu Paris, sagten, der obgenannte Junker Stefan habe mit der obgenannten Frau Loys, seiner ehelichen Gemahlin, eine Tochter gezeugt, Namens Elisabeth, welche eine Klosterfrau zu Rumelsperg war und daselbst im Kloster krank wurde. Da sagten die andern Frauen zu ihr, sie sollte heim zu Vater und Mutter, so würde ihr besser als im Kloster gewartet; 112 Beschreibung der Wunder das habe sie gethan, und als sie nach Hause kam, lag fie eine Zeitlang sehr krank und aß gar wenig. Auf eine Zeit, als sie allein war, sagte sie, unsere liebe Frau sey zu ihr gekommen in der Gestalt, wie sie das Kind im Arme trägt; darauf wie sie allhier zu Kientheim steht, und habe mit ihr geredet; sie follte sagen, welch großes Uebel in diesem Lande allenthalben mit bösen Schwüren vorgienge, und daß fortan Niemand mehr schwören sollte, oder es würde große Plage über die Flucher ergehen; man follte auch am Feierabend feiern und nach der Feierabendzeit nicht mehr arbeiten, und wer dieses nicht glauben und nicht davon lassen wollte, dem werde keine Frucht wachsen. Man sollte es so versuchen. Zwei Personen sollen neben einander säen, welche das glauben, werde ihre Frucht gut und gerecht, die es nicht glauben, deren Frucht solle nichts werth seyn. Da glaubten sie, sie spräche dieses aus verwirrtem Haupte, weil sie nicht effen noch trinken wollte, oder sie habe einen bösen Geist bei sich. Also habe der obengenannte Magister Petrus Michel, in Gegenwart des Herrn Friedrich von Münstrol, Ritter Ihres Großvaters des Junker Hans Ulrich von Rop= pach, des Junker Hans von Wesfenburg, des Junker Fulbach von Graffwil, des Clade Störe, des KirchHerrn von Pfeffingen, und sonst vieler Edelleute und Priester mit der obgenannten Elisabeth, vom chriftlichen Glauben, alles das, was ihnen gut dünkte, viel geredet. Dem habe sie alles Vorgenannte auch gesagt, und ihm vernünftige und ehrbare Antwort in lateinischer Sprache gegeben, da sie doch zuvor kein Latein reden konnte; darum sie ihren Reden keinen Glauben beimeffen wollten, auch haben sie davon keinen Glauben, sondern besorgten, sie wäre von einem bösen Geiste beseffen. Da sprach sie: Ihr wollt zu Kientheim. 113 mir das nicht glauben was ich sage, und sprach zu ihrem Vater:„ Ihr werdet es an Eurem Gesinde erfahren, daß ich wahr spreche." Darauf habe es sich begeben, daß als derselbe Junker Stefan an einem andern Orte, auch ein Haus und darin in einer Kapelle, unserer lieben Frauen Bild hatte, welche diese Tochter niemals gesehen, derselbe unserer lieben Frauen Bild auch erschienen sey, und ihr gesagt habe, sie solle von dem was sie ihr vorher auferlegt hatte, nicht abstehen, sondern es ferner anzeigen; und sie fagte es ihrem Vater abermals. Da fragten sie die Tochter, wie das Bild beschaffen wäre, da zeigte sie ihnen ganz eigentlich wie es gestaltet sey, an, wiewohl sie dasselbe zuvor nie gesehen. Sie fürchteten also alle noch mehr, sie möchte einen bösen Geist bei sich haben. Auf dieses beschwur sie der obgenannte Magister Petrus Michel, und überzeugte sich vom Gegentheil, und sie gab ihm, in lateinischer Sprache, eine solche tugendsame und ehrbare Antwort, daß er keinen bösen, sondern einen guten Geist bei ihr erkennen konnte. Damals sagte sie, unsere liebe Frau allhier zu Kientheim wäre bei ihr, sie sollte zu ihr nach Kientzheim kommen, und sich allda mit dem heiligen Sakramente versehen lassen und anzeigen, daß man daselbst den Rosenkranz vor Jahren ange= fangen habe, den man schier unterließ, und man follte denselben wieder anfangen; denn, wo dieses nicht geschehe, so werde der Zorn Gottes über das Volk gehen. Hierauf war der obgenannte Junker Stefan und Frau Loys, seine eheliche Gemahlin, heute Freitag nach Franzisci Zag, im Jahre 1480, mit der obgenannten Klosterfrau ihrer Tochter Eliz sabeth allhier gewesen, opferten alle ihre Kleinodien auf, und empfiengen das heilige Sakrament, 2c. Darauf verordnete derselbe Junker Stefan von 114 Beschreibung der Wunder St. Wolf und Frau Loys, seine Gemahlin, zu ewigen Zeiten, alle Fronfasten am Samstage eine Messe an unserer lieben Frau Altar zu lesen, davon unserer lieben Frau Kaplan zu jeder Fronfasten achtzehn Pfenning, und dem Hüter unserer lieben Frau drei Rappen sollten gegeben werden, damit er zu der Messe läute und diene: man sollte dasselbe Geld zu jeder Fronfasten von dem Zinse des Ungelds, welches er hier zu Kientheim habe, erheben. 163. Lin todtes Kind wird lebendig. Den Mittwoch nach St. Martins Tag sagte Agnes, des Nachrichters Frau zu Straßburg, sie habe ein Kind, Namens Elise, welches zwei ganze Stunden todt war; da habe sie unsere liebe Frau allhier zu Kientzheim angerufen, und das Kind mit einem Opfer unserer lieben Frau verheißen, sie möchte ihm das Leben wieder vom allmächtigen Gotte er= bitten. Auf die Stunde nach der Verheißung bekam das Kind sein Leben wieder, und Vater und Mutter waren auf den obgenannten Tage allhier, und brachten ihr Opfer und ihre Danksagung. 164. Line schwangere Srau wird erhört. Den heiligen Charfreitag sagte Mathias Müller von Richsen( Regisheim), seine Hausfrau, Namens Adelheid, hätte bereits seit einigen Wochen niederkommen sollen, und in großer Gefahr gewesen. Da zu Kienzheim. 115 rief sie die Mutter Gottes allhier zu Kientheim um Fürsprache an, und sie kam zu einer fröhlichen Geburt. 165. Linem Gefallenen wird geholfen. Jakob Merkle von Büren an der Donau sagte, er sey zu Schafhausen eine Treppe hinunter gefallen und habe sich sehr beschädigt. Da gieng er zu einem Scherer; dieser aber sagte ihm, er könne ihm nicht helfen und er möge die Heiligen um Hülfe anrufen. In der Nacht fiel ihm unsere liebe Frau allhier zu Kientzheim ein, wiewohl er zuvor nie etwas von ihr gehört hatte. Da verhieß er sich hierher und that die Fahrt; alsbald vergieng ihm die Wunde und er ward gesund. Ferner versprach er sich, ein anderes Mal wieder hierher zu kommen, verdingte sich unterdessen zu einem Meyer, versäumte aber die Wallfahrt zur bestimmten Zeit zu verrichten. Da kam die Geschwulst wieder, und er wurde so schwach, daß er gar nichts thun konnte. Darauf versprach er die Fahrt zu thun, und machte sich gleich auf den Weg. Da vergieng ihm wieder die Geschwulst und er wurde gesund. Er kam hierher am Donnerstag vor dem Sonntage Cantate, 1481, 166, Liner der unter Mörder gefallen, wird wunderbarlich beim Leben erhalten. Hans Schwend von Woterdingen sagt, er sey von dem Priester seines Ortes, welcher in Todesnöthen lag, und starb, nach Meßkirch zu seinem Bruder 116 Beschreibung der Wunder geschickt worden, und als sie mit einander durch einen Wald zurückgiengen, wurden sie gefangen und in den Wald geführt, worin auch schon Gefangene lagen, die durch einen glücklichen Zufall entkamen; gegen ihn aber ward von den Räubern bereits das Schwert erhoben; da rief er: Liebe Frau von Kientheim, um Hülfe! Sobald er diese Worte geredet hatte, konnten sie ihm nichts mehr thun. Gesagt den Son= tag nach Martini, 1481. 167. Lin Gefangener wird befreit. Auf die heilige Weihnachten, 1481, sagte Hans Rutsch von Sultz, er sey zu Weckenthal in einem Thurme und Stocke gefangen gewesen. Da habe er unsere liebe Frau allhier zu Kientzheim angerufen, und es sey ihm ein Ring von der Kette am Halseisen gesprungen, so daß er aus dem Thurme kam und über die Mauern in einen tiefen Graben sprang, und entkam. Zur Danksagung verrichtete er eine Wallfahrt hierher. 168. Liner Kindbetterin wird in großer Lebensge= fahr geholfen. Den Freitag nach dem Maientag 1483, war Elise Schmid von Karlisau bei Rheinfelden hier, und sagte, sie sey in Folge einer Niederkunft in solche Gefahr gerathen, daß man sie dem Tode nahe glaubte, und fie selbst alle Besinnung verlor. Da befahl der Komthur zu Bücken für sie eine heilige Messe zu lesen und die Mutter Gottes anzurufen, was sie auch zu Kienkheim. 117 thaten; während dem flehet ihr Mann, der Schmid, auch unsere liebe Frau allhier zu Kientzheim an, sie möchte ihr Gnade von Gott erbitten. Sogleich ward ſie gesund und lobte Gott und die Jungfrau Maria, daß sie ihr Hülfe erflehet. Der Mann und sie waren den obgenannten Zag allhier, und verrichteten die Fahrt. 169. Lin Frankes Pferd wird gesund. Den Freitag nach dem Maientag 1483, war Adelheid Clawe Wengken, die Frau von Wohnheim, hier, und sagte ihr Knecht habe ihnen ein Pferd so übel behandelt, daß es niederfiel und zu nichts mehr zu gebrauchen war. Trotz aller Versuche, konnte es nicht stehen, und fiel immer wieder nieder. Da riefen sie unsere liebe Frau allhier zu Kientzheim an, sie möchte den großen Schaden von ihnen abwenden. Auf die Stunde stand das Pferd von selbst auf, und war gesund. 170. Lin tödtlich Verwundeter erlangt Gesundheit. Den Tag unserer lieben Frauen Himmelfahrt 1483, sagte Hans Klausklein Heiny von Ruelisheim, habe er und sein Bruder eine halbe Meile Wegs ab Ensisheim, am achten Tage nach Weihnachten miteinander zu Nacht gegessen, und da sie fertig waren, und er über den Tisch schreiten wollte, sprach sein Bruder zu ihm, er müßte mit ihm ringen, und erwischt ihn bei den Armen. Als sie nun mite einander rangen, schoß ihm der Degen aus der Scheide, 118 Beschreibung der Wunder und er fiel in den Degen, so daß man ihn für todt hielt. Da wurde er zu unserer lieben Frau nach Kientheim verheißen, und gleich kam er zum Bewußtseyn, daß er das heilige Sakrament empfangen konnte. Er ließ es aber wohl zehn Jahre anstehen ehe er die Wallfahrt unternahm; während dieser Zeit hatte er jedoch keine Ruhe, und diese trat erst dann ein, als er hierher kam, das Ereigniß offenbarte und seine Andacht bei der heiligen Jungfrau verrichtete. 171. Lin Priester bekommt Gesundheit. Es kam ein junger Priester von Bern hierher, welcher dreizehn Monate zu Rom gewesen, und vierundzwanzig Wochen das kalte Wehe hatte. Er verhieß sich also zu unserer lieben Frau; da wurde ihm besser. Er kam den Samstag vor Auffahrt hier: her, und sagte unserer lieben Frau großes Lob und Dank. Im Jahre 1484. 172. Lin Kind, das einen Nagel verschluckt, wird gerettet. Den heiligen Pfingstabend 1484, war ein Mann von Kestenholz und seine Frau hier, und sagten, ihr Kind habe einen Nagel verschluckt, welcher vier Tage in ihm blieb. Da riefen sie unsere liebe Frau zu Kientheim an, sie möchte ihnen Gnade erflehen, und sie wollten sie alsdann besuchen; auf die Stunde gieng der Nagel von dem Kinde ohne Schäden heraus. Darauf thaten sie die Fahrt, brachten den zu Kienzheim. 119 Nagel her, und lobten Gott und die Mutter aller Gnaden, weil sie das Kind todt geglaubt. 173, Lin Pestkranker wird gerettet. Auf den heiligen Pfingsttag 1485, sagte eine Jungfrau, Elise genannt, die Tochter des Martin Zimmermann von Westhofen, sie habe die Pestilenz gehabt, und sey so krank gewesen, daß sie mit allen Sakramenten versehen worden, und alle die bei ihr waren nicht glaubten, daß sie davon kommen könnte; sie wurde also zu der Mutter Gottes allhier nach Kientzheim verheißen. Sobald dieses geschehen war, kehrte sie wieder zu sich und blieb beim Leben. Sie lobte Gott und die Jungfrau Maria, und vollbrachte. ihre Fahrt den obgenannten Tag mit ihrem Opfer. 174. Drei Personen, welche Schiffbruch gelitten, kommen aus Todesgefahr. Den Montag nach dem Sonntag Misericordia Domini, fagten Hans Bomel von Straßburg, der Koch von Ebersheimmünster, seine Ehefrau und ihr Knabe, Jakob genannt, bei fünfzehn Jahre alt, sie seyen den Abend unserer lieben Frau in der Lichtmesse, bei hohem Wasserstande, die Ill hinabgefahren, um in Benfelden Einkäufe zu machen; da sey der Knabe an einen Pfahl gefahren, und das Schiff sey umgewendet, und sie stunden in dem Wasser bis unter die Arme wohl zwei Stunden, daß sie glaubten, fie müßten erfrieren und zu Grunde gehen. Indeß fuhr das Schiff zwischen Kogenheim und Ebersheim in ein 120 Beschreibung der Wunder Loch, und gieng unter. Es war schon spät, und da sie sahen, daß ihnen keine menschliche Hülfe wurde, riefen fie die Mutter Gottes aller Gnaden zu Kientheim an. Während der Verheißung hörten sie eine Stimme, und es kamen zwei Gesellen mit Schiffen, drei zu Rosse und viele zu Fuß, welche ihnen heraushalfen, und sie nach Kogenheim führten. Sie thaten die Fahrt den obgeschriebenen Montag, und lobten Gott und die Jungfrau Maria. Sie gaben auch darum ihre Treue, an eines geschwornen Eides statt, so daß es ihnen, wie vorstehet, ergieng, und es waren dabei Claus Grünapfel und Herr Bernhard Lindemann beide Conventsherren zu Ebersheimmünster. 175, Lin Gefangener wird los. Den Mittwoch nach St. Lur Tag 1490, kam Diebold Ettel von Elsaß Zabern nach Kientzheim zu unserer lieben Frau, welcher sagt, wie er gefangen und in ein Schloß, Namens Windstein, geführt wurde; und da sie ihn schätzen wollten, rief er die Nothhelferin Maria zu Kientheim an. Er kam also mit einer großen Kette daraus, und fiel wohl so hoch, wie er sagt, als diese Kirche ist, unverletzt herab. Er vollbrachte die Fahrt und dankte Gott und die Jungfrau Maria, für die Gnaden welche ihm von ihr erzeigt worden. 176. Zwei Gefangene werden befreit. Den Samstag nach St. Lur Tag kamen zwei Krämer, beide Dumanche genannt, von Wacken zu Kienkheim. thal hierher, und sagten, sie seyen aus Burgund gefahren und haben in der Schweiz Ochsen kaufen wollen, während dessen seyen sie beide gefangen und auf ein Schloß, liegt zwei Meilen von Bern zu Welsch( französisch) Beuchesteaux, geführt worden, wo man sie schätzen wollte. Sie riefen beide St. Claus und unsere liebe Frau an, und wurden in ihren Bitten erhört, und von den Ketten, in denen sie wohl sechs Wochen gefeffelt lagen, le= dig. Deßhalb dankten sie unserer lieben Frau und St. Claus. Gegeben am Samstage nach St. Lur Lag, im Jahre 1490. 121 177. Lin Priester wird aus großen Lothen befreit. In dem Jahre 1491, den Donnerstag nach St. Marr, war Herr Johann Cantor von Wiler, Ka= nonikus zu Neuenburg an der Hardt, allhier, und fagte, er habe sich im vierzehnten Jahre seiner Jugend in den allergrößten Todesnöthen zu unserer lieben Frau nach Kientzheim verlobt, daß wenn ihm Gott und die Mutter Gottes gnädiglich davon helfen wolle, er alsdann mit Gottes Hülfe Priester zu werden, sich unterstehen wolle. Er wurde also von solcher Noth erlößt, und im vierzehnten Jahre seines ehelichen Standes, nach dem Tode seiner Hausfrau Barbara von Speyer, Priester geworden. Er ver= richtete also auf den obgenannten Lag, zum Lobe der Mutter Gottes und aller Heiligen, und zum Troste aller gläubigen Seelen, die versprochene Wallfahrt. Amen. 6 122 Beschreibung der Wunder 178. Lin Weib, welches drei Tage die Rede verloren hatte, bekommt dieselbe wieder. Joß Früß von Schönensteinbach, bei Ensisheim gelegen, sagt bei seinem Eide, den er seinem Herrn gethan hatte, seine eheliche Hausfrau, Namens Endle, habe drei Tage ohne Sprache da gelegen. Da habe er sie zu unserer lieben Frau mit einem Opfer verheißen; sobald er dieses gethan hatte, ward sie auf die Stunde gesund und redend. Dieses geschah zu Mitfasten, und die Fahrt den Dienstag nach dem Sonntag Quasimodo geniti, im Jahre 1492. 179. Lin Knabe, welcher für todt gehalten wurde, wird gesund. Andreas Engel und seine Hausfrau Walburga, Bürgerin zu Colmar, sagte, bei ihrer Treue an Eidesstatt, sie habe einen jungen Knaben, bei dritthalb Jahre alt, welcher auch hier gegenwärtig war, welchem einer mit einem Karren, der mit eichenen Stangen beladen war, über sein Herz fuhr, so daß jeder glaubte, das Kind wäre todt. Da verhießen sie den Knaben mit einem Opfer zu unserer lieben Frau allhier nach Kientzheim; sobald sie die Fahrt zu thun verheißen, wurde der Knabe auf die Stunde wieder lebendig und gesund. Gegeben am Dienstag vor dem heiligen Pfingsttage als die Fahrt geschah, im Jahre 1492. zu Kientheim. 180. 123 Lin Mann wird wunderbar gerettet. In dem Jahre 1492, nächst dem letztvergangenen Samstage nach St. Lur Tag, war Bürcklin Ritter von Vißlingen, in der Bar, bei Fürstenberg, allhier, welcher sich zu unserer lieben Frau nach Kientheim in Lodeśnöthen verheißen, und sagte, daß eines Ta= ges ein geladener Wagen auf ihn gefallen; es sey ihm Klaus Fridinger nachgegangen, und als derselbe dieses gesehen habe, gieng er hinzu und wollte ihm helfen, konnte aber nichts ausrichten, so daß er sicher glaubte, er müßte ihn unter dem Wagen sterben lassen. Da habe er, der vorgenannte Klaus, die Mutter Gottes allhier zu Kientzheim angerufen, welche ihm gleich scheinbarlich erschien und den vor= genannten Bürcklin unter dem Wagen mit gesundem Leibe hervorbringen half. Sie beide, Bürcklin und Klaus thaten also die Fahrt zu der Mutter Gottes den vorgenannten Samstag, und bezeugten dieses bei ihrem Eide, den sie ihrem Herrn geschworen hatten, daß dieses so vorgegangen und geschehen sey. 181, Lin Verwundeter wird geheilt. Ebenfalls wurde der Niclaus Schmidt von St. Johann bei Elsaß- Zabern, mit einem Pfriemen hinten auf den Hals bis in den Leib hinein, so lange der Pfriemen ist, so stark gestochen, daß ihm Jedermann das Leben absprach. Da verhieß ihn sein Vater allhier zu unserer lieben Frau, und alsbald 124 Beschreibung der Wunder sie die Fahrt zu thun verhießen, half ihm die Mutter Gottes zum Leben und zur Gesundheit, wie er denn auch hier erschienen ist. Sie sagten aus, daß dem so sey bei ihrer Treue an Eidesstatt, welche sie darum gaben und thaten. 182, Lin todtes Kind wird lebendig. Im Jahre 1493 brachte Stefan Walchen's ehelige Hausfrau, Namens Anna, ein Kind ohne Leben auf die Welt. Damit es nun sein Leben empfangen und zu des Priesters Händen kommen möchte, ver= hieß sie dasselbe zu der würdigen Jungfrau und Mutter Gottes Maria nach Kientheim. Sobald sie das gethan, empfieng das Kind sein Leben auf die Stunde. Daß dieses wahr sey, gelobten die zwei obgenannten Eheleute mit ihren Händen, um bei Treue die Wahrheit zu bezeugen, der Mann an Eidesstatt, die Frau bei ihrer weiblichen Treue, brachten auch das Kind in einer Wiege zu unserer lieben Frau, als sie in der vierundzwanzigsten Woche nach der Verheißung die Fahrt that, frisch und gesund hierher. 183. Ein anderes todtes Kind bekommt sein Leben. Susanna Fir zu Scherweiler verhieß ein Kind hierher, welches drei Stunden todt gewesen, und dem sein Leben wiederum geworden. Es geschah vor einem halben Jahre, das Kind lebt noch, sie brachten es hierher. Es ist ein Knabe, Namens Wolfgang. Geschehen auf St. Johannis, im Jahre 1497. zu Kienkheim. 125 184. Ein ertrunkenes Kind wird lebendig. In dem Jahre nach Christi Geburt 1498, fiel zu Andoltzheim ein Kind, Namens Blasius, in die Ill und ertrank ganz und gar, so daß man kein Leben mehr an ihm spürte. Also verlobte es seine Mutter, mit Namen Margaretha, zur hochgelobten Königin und Mutter Gottes Maria, die allen denen, welche sie in diesem Gotteshause zu Kientheim anrufen, gnädig ist; sobald sie das Kind hierher verlobte, wurde es mit der Hülfe Mariä wieder lebendig. Gelobt sey die Jungfrau Maria! 185. Linem Weibe wird in schwerer: Kindesnöthen geholfen. Zu wissen sey, daß den Freitag nach St. Bartholomäus Tage, da man zählt 1501, Jörg Hug von Onselkheim mit seiner Hausfrau Margaretha und seinem Kinde, Vasius genannt, hierher kam welcher vorgibt und bei seiner Treue an Eidesstatt redet, daß seine Hausfrau, Margaretha genannt, welche es auch bezeugte, in schweren Kindesnöthen zwei Tage und zwei Nächte gelegen habe, so daß man glaubte, Mutter und Kind wären des Todes. Deßwegen rief er, der genannte Jörg, unsere liebe Frau allhier zu Kientheim an, er wollte sie mit einem Opfer, besonders mit ihrem eigenen Gemahlring, besuchen, den er auch herbrachte und mit seinem Gebete aufopferte. Auf die Stunde gebar die 126 Beschreibung der Wunder sc. Frau, kam wieder zur Vernunft, sah ihr Kind mit Freuden und brachte es hierher. 186. Ein ersticktes Kind bekommt das Leben. Zu wissen ist, daß Andreas Metzger von' Bebelnheim ein Kind hatte, welches ihm in der Wiege er= stickte, worauf er es Gott befahl. Indem fiel ihm ein, er sollte das Kind zu unserer lieben Frau nach Kientzheim, auch zu St. Vit verheißen. Sobald er die Fahrt verhieß, war das Kind wieder lebendig, welches er zu unserer lieben Frau hierher brachte, und darüber seine Treue gab, daß es so gegangen sey. Dieses Wunderzeichen geschah den Abend unserer Frauen Reinigung im Jahre 1507. 187. Lin todtgefallenes Kind wird wieder lebendig. Diebold Ziegler von Rappolzweiler und Katharina, seine Hausfrau, brachten ein Kind anderthalb Jahre alt, hierhin, und sagten bei ihrer Wahrheit, daß dasselbe Kind von den Stubenfenstern herabfiel, und für todt aufgehoben wurde, als sie, der Vater und Mutter in den Reben waren. Während nun die Nachbarn das Kind aufhoben und zu der Mutter Gottes nach Kientzheim verhießen, kam es auf die Stunde wieder zu sich, nachdem es vier Stunden todt gewesen war. Dieses Wunderzeichen geschah den Dienstag vor St. Johannis Tag, im Jahre 1507. 127 selle Wann dann Hochgedacht Ihro Gnaden, in dero an mich beschehenes Gn: Gesinnen, so wol ex officio, als sonsten vnderthänig: vnd gehorsamblich zu pariren, mich so willig als schuldig erkennet; Als hab, mit, vnd in Gegenwart der vnden benambsten Gezeugen, angedeute Original Abblaß- Brieff, Instrument vnd Miracul- Buch, mit allem Fleiß besichtiget, vnd recognoscirt, an etlichen Sigillen zwar etwas wenigs verletzt, an Schriften aber ganz, vnd gar unversehrt, vnd ohn argwöhnisch befunden, alsdann mit gegenwärtigen Abschrifften vnd Copiis, fleissig vnd wolbedächtlich collationiert, auscultirt, vnd denen von Wort zu Wort( ausser der Miraculn, in welchen etliche altfränckische vnbekandte Wort geendert, sonsten aber der gantze sensus vnd völlige Innhalt, überall behalten*) mitstimmend, vnd gleichlautend zu seyn, wahrgenommen, vermerckt, vnd deutlich gesehen, vnd dessentwegen darüber dises glaubwürdige Vidimus, vnd offentliche Instrument auffgesetzt, expedirt, vnd außgefertiget. So beschehen auff Jahr, Indiction, verledigten Kayserthums, Tag, Monat und Ort, als obstehet, in Beysein, vnd Perfönlicher Gegenwart, der Edel- Ehrenvesten, Hochvnd Wohlgelehrten Herrn Henrici, Rönig L. V. C. Burgern zu Delsperg, vnd Fürstl: Bischoffl: Consistorii Advocaten vnd Procuratorn etc. Auch Herrn *) Diese Bemerkung gilt auch dieser zweiten Auflage, in der man in sprachlicher Hinsicht alle nöthige Berbes serungen und zweckmäßige Abkürzungen vorgenommen. bat. 128 Theobald Schweblin, gebürtig zu Lauterbach, deß Lobl. Gottshauses Lützel Einnemmern etc. Als glaubwürdigen Zeugen hierzu insonderheit beruffen, vnd erbetten, Und dieweil ich Johann Philipp Schupfner, gebürtig zu Hagenaw, Straßburger Bistumbs, Mainter Provint, auß Röm: Kayserl: Macht und Gewalt, offentl. geschworner Notarius, bei übergab, collationier: vnd auscultierung obiger Ablaß- Brieff, Instrument vnd MiraculBuchs gegenwärtig gewesen, Persönlich beygewohnt, vnd alles wie obstehet, also gesehen vnd gehört; so deffen allen zu Gezeugnuß vnd Bekräftigung, dises darüber gefertigte Instrument, mit meinem Tauff: vnd Geburts Namen aigenhändig vnderschriben, vnd mein gewöhnlich Notariat Signet hiebey getruckt. Actum auff Ort, Jahr, Tag, Monat, etc. Wie obstehet. Signum Notarii, Johann Philipp Schupfner, Notarius publicus Cæsareus. Inches 1 Centimetres Blue 2 3 1₁ 1₁² 1₁ 2 4 ¹6 5 Cyan 44 17 Farbkarte# 13 Green 3 8 Yellow 19 4 10 Red 11 12 5 13 Magenta 14 6 15 White 16 17 7 3/ Color 18 8 4110 19 B.I.G. Black