Di Gb 340 14 Stichu Druck& Kunst Anstalt v. CDittmarsch in Stuttgart. ECCE HOMO. 14 Gefangbuch YURI****$ 16. 201 Gefangbuch für die evangelische Kirche in Württemberg. Stuttgart. 1847. Verlags Comptoir des neuen evangelischen Gesangbuchs. Gb 340 10 011011***** 8150 Preise für ungebundene Eremplare. Gesangbuch mit Anhang Gesangbuch ohne Anhang Anhang allein Univ.- Bibl Giessen 50 fr. 40 fr. 10 fr. mon 029 990 Das Jahr 1841, welches in der Geschichte von Württemberg durch die unvergeßliche Feier der 25jährigen gesegneten Regierung unseres geliebten Königes ausgezeichnet ist, hat eine besondere Bedeutung für die Zukunft der evangelischen Kirche des Landes erhalten. Die neue chriftliche Liedersammlung für öffentlichen und häuslichen Gebrauch, welche hier den Gemeinden dargeboten wird, ist, nächst einem neuen Kirchenbuche, auf der im Frühlinge dieses Jahres biezu berufenen Synode, welche mit einer namhaften Zahl von Geistlichen aus allen Theilen des Königreiches verstärkt worden war, durch Prüfung des zuvor erschienenen und in mehr als 6000 Abdrücken bereits verbreiteten Entwurfes, und der von allen Seiten darüber eingelaufenen Ansichten und Wünsche, zu Stande gekommen. Ein Zeitraum von fünf Jahren hat an der Vollendung dieses Buches gearbeitet, und eine gewissenhafte Berathung der vielfachen Bedürfnisse des Gottesdienstes, und der mannigfaltigen Denk- und Empfindungsweisen des Glaubens in der evangelischen Kirche hat jeden brauchbaren Wink, jede gewichtige Stimme von da und dort, aus hohem und niederem Stande, gerne benüßt IV und so ein Werk ausgeführt, zu welchem in brüderlichem Geist Unzählige mitgewirkt haben, das mithin als die Frucht einer gemeinschaftlichen Handreichung der Kirche selbst betrachtet werden darf und fortan zur Pflege der Einigkeit im Geiste durch das Band des Friedens aller Orten beitragen müsse. Der schönste Schmuck und nicht die geringste Kraft der evangelischen Kirche sind ihre geistlichen Lieder und Choräle. Sie hat von beiden mit jedem Jahrhundert eine ansehnliche Zahl und in eigenthümlichem Ton und Gepräge hervorgebracht, und bat auch aus früheren Zeiträumen und aus andern Kirchen das Schönste sich dankbar zugeeignet. Es mußte demnach, einem in den deutschen Ländern wieder allgemein erwachten Bedürfniß gemäß, darauf gesehen werden, zu dem Guten, was bereits in dem seit dem Jahr 1791 geltenden Gesangbuche steht, noch manches andere, was in den älteren Sammlungen von Alt- und Neu- Württemberg von entschiedenem Werth und noch in theurem Ansehen unter dem Volke war, hinzuzufügen und solches alles in einer Gestalt aufzubewahren, welche weder die ursprüngliche Form jener Lieder verwischt, noch dem Geschmack und der Ausdrucksweise der jetzigen Zeit ganz zuwider lautet. Ebenso war aber auch daran gelegen, die besten und erbaulichsten Lieder des jüngsten Zeitraums in dieser neuen Sammlung zu vereinigen, und dadurch vieles, was bisher nur Wenigen bekannt, einer allgemeinen Verbreitung werth erschien, in unsere christlichen Familien und Gemeinden einzuführen. Es möge nun dieses Buch jedem nach seinem Bedürf V niß dienen und recht Vielen gleich jenem Hausvater ( Matth. 13, 52.) seyn, der aus seinem Schaße neues und altes hervorträgt, und in beidem denen, die es mit Andacht gebrauchen, eine Gabe des Geistes zum ewigen Leben darreichen. - Und weil doch die Hauptsache ist, daß christliche Erbauung geftiftet, lebendiger Glaube an Gott und an Jesum Chriftum genährt werde, und Gottes Wort reichlich unter uns wohne,- wozu wir dem Herrn auch fingen sollen in unserem Herzen( Ephes. 5, 19.): so durften in dieser Sammlung auch nur solche geistliche liebliche Lieder seyn, welche das Herz mit dem erfüllen, wovon sichs gebühret, daß der Mund übergehe und wir unter einander reden und uns selbst lehren und vermahnen als mit Psalmen und Lobgesängen ( Coloff. 3, 16.). Es wird daher auch wohl in keinem, wie verschieden sie sonst von einander lauten müssen, der evangelische Geist und das Bekenntniß der Kirche vermißt werden. Auch sind die Schriftstellen über jedem Lied ein Fingerzeig, wie der Inhalt dieser Gesänge noch im einzelnen mit den Aussprüchen des göttlichen Worts zusammenhänge. Daher kann ein fleißiger Gebrauch dieser Lieder nicht wohl ohne den Segen einer fortwährenden Hinweisung auf die christlichen Heilswahrheiten und einer häufigeren Beschäftigung auch mit dem Buche des Lebens selbst bleiben. Die Stimmen einer gläubigen Andacht, einer aufrichtigen Buße, eines kindlichen Dankes und Vertrauens, einer ungefärbten Liebe Gottes und des Nächsten, welche in diesen Liedern aus so vielen Herzen hervortönen, und aus manchem, das in VI unserem Lande sich noch ein besonderes Gedächtniß der Anhänglichkeit und Verehrung gestiftet hat, werden in noch viel mehreren Herzen einen wohlthuenden, erhebenden und veredelnden Anklang wecken. Und so möge auch dieses Gesangbuch unter dem Aufsehen des Herrn der Gemeinde, dem wir seinen Lauf empfehlen, das Wohl des Landes, das nur in Gottesfurcht gedeiht, und die Seligkeit der Seelen, die nur aus dem Glauben kommt, vermehren, und den theuren Wahlspruch( Pf. 119, 89. Jef. 40, 8. 1 Petri 1, 23. 25.), mit welchem in den Tagen unserer Väter der herzogliche Reformator von Württemberg den evangelischen Glauben und Gottesdienst aufgerichtet hat, auch unter dem milden und gerechten Scepter seiner Königlichen Enkel erproben, daß Gottes Wort bleibet in Ewigkeit! 800 is mis mani 19 glam) 8 Inhalt. I. Allgemeine Gebetlieder( auch Lob. und Danklieder) 11. Lieder von Gott A. Gottes Wesen und Eigenschaften 34-37. Dreieinigfeit 34-37. Herrlichkeit Gottes 38. 39. Allmacht 41. Allgegenwart und Allwissenheit 42-44 Treue 45-47. 72. Heiligkeit 48. Gerechtigkeit 49. 50. Gnade und Langmuth 40. 51. 57. 64. Güte und Liebe 52-56. #E Weisheit 73. 74. B. Schöpfung, Erhaltung, Regierung( Engel) 58-76. III. Sünde und Erlösung IV. Adventlieder. V. Weihnachtlieder Erscheinung und Darstellung Christi VI. Lehramt und Wandel Jesu VII. Paffionslieder Rathschluß der Erlösung 129. 130. Allgemeine Betrachtungen 131. 132. 139. 161. Fußwaschung 133. Gethsemane 134. 135. Geht, welch ein Mensch! 136. 137. Verurtheilung Jesu 138. Jefus am Krenze 140-143. Die sieben Worte 144. 145. Der Schacher 146. Maria unter dem Kreuze 147. Gegen des Todes Jesu, und Dank dafür 148-160. Grablegung Jefu 162. 163. VIII. Osterlieder Die Gemeinschaft der heiligen 216-218. Um Ausbreitung des Evangeliums 219-224. XII. Das Wort Gottes XIII. Die beiligen Gaframente A. Die beil. Taufe. 164-178 IX. Himmelfahre und himmlische Herrlichkeit Christi 179-192 X. Pfingstlieder 193-203 XI. Die Kirche Christi 204-224 Taufbundes.Erneurung 237-245. B. Das heilige Abendmahl 246-262. XIV. Das Gebet( siehe auch I. Allgemeine Gebetlieder) XV. Der Tag des Herrn und der Gottesdienst Bei Einweihung von Kirchen Bei Finsegnung von Geistlichen THEY Nr. 133 34-76 77- SS 89-101 102-114 115-119 120-128 129-163 225-236 237-262 263-268 269-278 279-280 251-293 VIII XVI. Die heilsordnung A. Buße und Befehrung 284-311. B. Glaube und Rechtfertigung 312-327. C. Göttlicher Friede 328-344. XVII. Christlicher Sinn und Wandel. A. Liebe zu Gott und Christus 345-363. Inhalt. B. Bertrauen auf Gott( f. auch XVIII. Trostlieder) 364-376. C Nachfolge Chrifti 377-383. D. Heiligung. Himmlischer Sinn 384-421. E. Nächstenliebe 422-431. Allgemeine Fürbitte( f. auch Nr. 6. 198.) 432. 433. Christliche Freundschaft 434. F. Einzelne Tugenden und Pflichten 435-460. a) Weisheit 435-437. b) Wachsamkeit und Treue 438-444. c) Demuth und Geduld 445-449. d) Wahrhaftigkeit( Eid) 450. 451. e) Genügsamkeit 452-457. f) Mäßigkeit und Keuschheit 458-460. rostlieder XVIII. In allgemeiner Noth( s. auch XVII. B. Vertrauen 2c.) XIX, Lieder für besondere Verhältnisse und Zeiten A. Hausstand( Trauungslieder) 494-502. Für Eltern 503-505. Für Kinder 506-513. Berufslieder 514-516. Für Dienstboten( f. auch Nr. 500) 517. Dank für die Gesundheit 518. Dank für die Genesung 519. Geburtstag 520. Für das Alter 521-523. Für Wittwen 524. 1219 22-01B. Fürst und Vaterland 525-529. C. Jahreswechsel 530-535. Jahresschluß( f. auch Nr. 584.) 530. 531. Neujahr 332-535. D. Jahreszeiten 536-548. Frühling und Sommer 536-538. Gewitter 539. 540. Ernte 541-544. Bei Mißernten 545. 546. Herbst und Winter 547. 548. E. Tageszeiten 549-584. XX. Die legten Dinge Morgenlieder.( Schluß der Woche 563.) 549-563. Abendlieder.( Schluß der Woche 583. 584.) 564-584. ( Nr. 584 auch am Schlusse des Jahres.) KED . A. Vorbereitung auf den Tod 585-595. B. Sterblieder 596-615. C. Begräbnißlieder 616-631. D. Auferstehung und Weltgericht 632-640. E. Ewiges Leben 641-651. Nr. 294-344 345-460 461-491 492-493 494-584 585-651 I. Allgemeine Gebetlieder. Eigene Mel.( Jes. 6, 3.) 1. Herr Gott! dich loben wir;| lösen das menschlich Geschlecht; Herr Gott! wir danken dir; Dich, Vater in Ewigkeit, Ehrt die Welt weit und breit; All Engel und Himmelsheer Und was dienet deiner Ehr, Auch Cherubim und Seraphim Singen immer mit hoher Stimm: Heilig ist unser Gott! Heilig ist unser Gott! Heilig ist unfer Gott, Der Herre Zebaoth!" 2. Dein göttlich Macht und Herrlichkeit Geht über Himmel und Erde weit; Der heiligen zwölf Boten Zahl Und die lieben Propheten all, Die theuren Märtrer allzumal Loben dich, Herr, mit großem 5. Täglich, Herr Gott, wir Schall; Die ganze werthe Chri- Loben dich Und ehr'n dein'n stenheit Rühmt dich auf Erden Namen stetiglich. Behüt uns allezeit; Dich, Gott Vater, im heut, o treuer Gott, Für aller höchsten Thron, Deinen rech- Sünd und Missethat! Sey uns ten und einigen Sohn, Den heiligen Geist und Tröster werth Mit rechtem Dienst sie lobt und ehri. gnädig, o Herre Gott, Sey uns gnädig in aller Noth; Zeig uns deine Barmherzigkeit, Wie unsre Hoffnung zu dir steht; Auf dich hoffen wir, lieber Herr! In Schanden laß uns nimmermehr! Amen. 3. Du König der Ehren, Jesu Christ! Gott Vaters ewiger Sohn du bist; Der Jungfrau Leib nicht hast verschmäht, Zu Evangelisches Gesangbuch. Du hast dem Tod zerstört sein Macht Und all Christen zum Himmel bracht; Du fizst zur Rechten Gottes gleich, Mit aller Ehr ins Vaters Reich; Ein Richter du zukünftig bist Alles, das todt und lebend ist. 4. Nun hilf uns, Herr, den Dienern dein, Die mit dein'm Blut erlöset seyn, Laß uns im Himmel haben Theil Mit den Heilgen in ewgem Heil. Hilf deinem Volk, Herr Jesu Christ, Und segne, das dein Erbtheil ist, Wartund pfleg ihr zu aller Zeit, Und heb sie hoch in Ewigkeit. Luther, g. 1483 † 1546. 1 2 I. Allgemeine Gebetlieder. Eigene Mel.( Gir. 50, 24-26.) 2. Nun danket Alle Gott Mit Herzen, Mund und Händen, Der große Dinge thut An uns und allen Enden; Der uns von Mutterleib Und Kindesbeinen an Unzählig viel zu gut Bis hieher hat gethan. 2. Der ewig reiche Gott Woll uns bei unsrem Leben Ein immer fröhlich Herz Und edlen Frieden geben; Und uns in seiner Gnad Erhalten fort und fort; Und uns aus aller Noth Erlösen hier und dort. 3. Lob, Ehr und Preis sey Gott, Dem Vater und dem Sohne Und dem, der beiden gleich Im höchsten Himmelsthrone, Dem einig höchsten Gott; Als es anfänglich war Und ist und bleiben wird Jezund und immerdar! Rindart, g. 1586 † 1649. Eigene Mel.( Pf. 103, 1-5.) 3. Lobe den Herren, den| freundlich geleitet; In wie viel mächtigen König der Ehren; Stimme, du Seele, mit ein zu den himmlischen Chören! Kommet zu Hauf; Psalter und Harfe, wacht auf, Laffet den Lobgesang hören! Noth Hat nicht der gnädige Gott Ueber dir Flügel gebreitet! 4. Lobe den Herren, der sichtbar dein Leben gesegnet; Der aus dem Himmel mit Strömen 2. Lobe den Herren, der Alles| der Liebe geregnet! Denke darso herrlich regieret, Der dich auf Adlersgefieder so sicher geführet, Der dir beschert, Was dich erfreuet und nährt; Dank es ihm innigst gerühret! an, Was der Allmächtige kann, Der dir mit Liebe begegnet! 3. Lobe den Herren, der künstlich und fein dich bereitet, Der dir Gesundheit verliehen, dich 5. Lobe den Herren und seinen hochheiligen Namen, Lob ihn, was in mir ist, mit dem erfore= nen Samen! Er ist dein Licht; Seele, vergiß es ja nicht! Lob ihn in Ewigkeit! Amen. J. Neander, g. 1610 † 1680. Eigene Mel.( Ps. 150.) 4. daß ich tausend Zungen| dem andern an Von dem, was hätte Und einen tausendfachen Gott an mir gethan. Mund! Ich stimmte damit um die Wette Vom allertiefsten Herzensgrund Ein Coblied nach 2. Was schweigt ihr denn, ihr meine Kräfte? Auf, auf, braucht allen euren Fleiß Und I. Allgemeine Gebetlieder. 3 stehet munter im Geschäfte Zu| süße Lehre, Die mich ein Kind Gottes, meines Herren, Preis! des Lebens heißt! Was Gutes Wär jeder Puls mein Leben soll an mir gedeihn, Das wirkt lang Und jeder Odem ein Ge-| dein göttlich Licht allein. fang! 3. Ihr grünen Blätter in den Wäldern, Bewegt und regt euch doch mit mir! Ihr schwanken Gräser in den Feldern, Ihr Blumen, laßt doch eure Zier Zu Gottes Ruhm belebet seyn Und stimmet lieblich mit mir ein! 8. Wer überströmet mich mit Segen? Bist du es nicht, o reicher Gott? Wer schützet mich auf meinen Wegen? Du bist es, Herr Gott Zebaoth! Du trägst mit meiner Sündenschuld Unsäglich gnädige Geduld! 4. Ach aues, alles, was ein Leben und einen Odem in sich hat, Soll sich mir zum Gehilfen geben; Denn mein Vermögen ist zu matt, Die großen Wunder zu erhöhn, Die allenthalben um mich stehn! 5. Lob sey dir, o mein Gott und Vater, Für Leib und Seele, Hab und Gut! Lob sey dir, mildester Berather, Für alles, was dein Lieben thut, Daß mir in deiner weiten Welt Beruf und Wohlseyn ist bestellt! 6. Mein treuster Jesu! sey gepriesen, Daß dein erbarmungsvolles Herz Sich mir so hilfreich hat bewiesen, Und mich durch deinen Todesschmerz Vom Sündenelend hat befreit Und dir zum Eigenthum geweiht. 7. Auch dir sey ewig Lob und Ehre, O heilig werther Gottesgeist, Für deines Trostes 9. Demüthig küff' ich deine Ruthe, Womit du mich gezüchtigt haft; Wie viel thut sie mir doch zu gute! Sie ist mir eine sanfte East, Und macht mich fromm, und zeugt dabei, Daß ich dir lieb und theuer sey. 10. Ich habe ja mein Lebetage Es schon so manchesmal gespürt, Daß du mich unter vieler Plage Getreulich haft hindurch geführt; Denn in der größesten Gefahr Ward ich dein Trostlicht auch gewahr. 11. Wie sollt ich nun nicht voller Freuden In deinem ste= ten Lobe stehn? Wie wollt ich auch im tiefsten Leiden Nicht. triumphirend weiter gehn? Und giengs auch in den Tod hinein, So will ich doch nicht traurig seyn! 12. Ich will von deiner Güte fingen, So lange sich die Zunge regt; Ich will dir Freudenopfer bringen, So lange sich I. Allgemeine Gebetlieder. mein Herz bewegt; Ja wenn allen Gnaden hin! Im Himder Mund wird kraftlos seyn, So stimm ich noch mit Seufzen ein. mel soll es besser werden, Wenn ich bei deinen Engeln bin; Da bring ich mit der selgen Schaar Dir tausend Hallelujah dar! Menger, g. 1658 † 1734. 4 13. Ach nimm das arme Lob auf Erden, Mein Gott, in Eigene Mel. 5. Womit soll ich dich wohlloben, Mächtiger Herr Zebaoth? Sende mir dazu von oben Deines Geistes Kraft, mein Gott; Denn ich kann mit nichts erreichen Deine Gnad und Liebeszeichen. Tausend, tausendmal sey dir, Großer König, Dank dafür! ( Pf. 103, 13.) | Mich geführt die Lebenszeit, So weiß ich kein Ziel zu finden,-- Noch die Tiefen zu ergründen. Tausend, tausendmal sey dir, Großer König, Dank dafür! 5. Du, Herr, bist mir nach= gelaufen, Mich zu reißen aus der Gluth; Denn da mit der Sünder Haufen Ich nur suchte irdisch Gut, Hießest du auf das mich achten, Wonach man zuerst soll trachten. Tausend, tausendmal sey dir, Großer Kö2. Herr! entzünde mein Gemüthe, Daß ich deine Wundermacht, Deine Gnade, Treu und Güte Froh erhebe Tag und Nacht, Da von deinen Gnaden- nig, Dank dafür! güssen Leib und Seele zeugen müssen. Tausend, tausendmal sey dir, Großer König, Dank dafür! 3. Denk ich, wie ich dich verlassen, Wie ich häufte Schuld auf Schuld, So möcht ich aus Scham erblassen Vor der Langmuth und Geduld, Womit du, o Gott, mich Armen Haft getragen aus Erbarmen! Tausend, tausendmal sey dir, GroBer König, Dank dafür! 6. O wie hast du meine Seele Stets gesucht zu dir zu ziehn! Daß ich nicht mein Heil verfehle, Soll ich zu den Wunden fliehn, Die mich ausgefühnet haben und mir Kraft zum Leben gaben. Tausend, tausendmal sey dir, Großer König, Dank dafür! 7. Ja, Herr, lauter Gnad und Wahrheit Sind vor deinem Angesicht! Du, du trittst hervor in Klarheit, In Gerechtigkeit, Gericht, Läsfest uns in deinen Werken Deine Güt 4. Ach ja, wenn ich überlege, Mit was Lieb und Gütigkeit Du durch so viel Wunderwege und Allmacht merken. Tau I. Allgemeine Gebetlieder. send, tausendmal sey dir, Großer König, Dank dafür! 11. Fielen Tausend mir zur Seiten Und zur Rechten zehn8. Bald mit Lieben, bald mit mal mehr, Ließest du mich doch Leiden Kamst du, Herr, mein begleiten Durch der Engel starGott, zu mir, Nur mein Herzekes Heer, Daß den Nöthen, zu bereiten, Ganz sich zu erge- die mich drangen, Ich jeden= ben dir, Daß mein gänzliches noch bin entgangen. Tausend, Verlangen Möcht an deinem tausendmal sey dir, Großer KöWillen hangen. Tausend, tau- nig, Dank dafür! sendmal sey dir, Großer König, Dank dafür! keit; get, 9. Wie ein Vater nimmt und gibet, Nachdem's Kindern nüglich ist, So hast du mich auch geliebet, Herr, mein Gott, zu jeder Frist Und dich meiner angenommen, Wenn's auf's äußerste gekommen. Tausend, tausendmal seydir, Großer König, Dank dafür! 12. Vater! du hast mir erzeiget Lauter Gnad und GütigUnd du hast zu mir geneiJesu, deine Freundlichkeit; Und durch dich, o Geist der Gnaden, Werd ich stets noch eingeladen. Tausend, tausendmal sey dir, Großer König, Dank dafür! 13. Tausendmal sey dir gefungen, Herr, mein Gott, solch Lobgesang, Weil es mir bisher gelungen; Ach laß meines Lebens Gang Ferner noch durch Jesu Leiten Nur gehn in die Ewigkeiten; Da will ich, Herr, für und für Ewig, ewig danfen dir! 10. Mich hast du auf Adlersflügeln Oft getragen väterlich, In den Thälern, auf den Hügeln Wunderbar errettet mich; Schien mir alles zu zerrinnen, Ward ich doch der Hilfe innen. Tausend, tausendmal sey dir, Großer König, Dank dafür! 5 2. Ach laß dein Wort uns allen Noch ferner reichlich schalGotter, g. 1661 † 1735. Mel. Nun ruhen alle.( 1 Tim. 2, 1-4.) 6. Herr, höre! Herr, erhöre! len zu unsrer Seelen Nuß! Breit deines Namens Ehre An allen Orten aus. Behüte alle Stände; Durch deiner Allmacht Hände Beschütze Kirche, Land und Haus. Bewahr uns vor den Rotten, Die deiner Wahrheit spotten, Beut allen deinen Feinden Truß. 3. Gib du getrene Lehrer Und unverdroßne Hörer, Die beide Thäter sey'n; Auf I. Allgemeine Gebetlieder. Und Pflanzen und Begießen Laß| Mißwachs, theure Zeiten Sich dein Gedeihen fließen nicht bei uns verbreiten, Da Früchte reichlich ernten ein. nach dem Brod der Hunger 4. Du wollst uns hoch beglü- ruft. en, Mit hellen Gnadenblicken Auf unsern König sehn; Ihn schüßen auf dem Throne, Auf seinem Haupt die Krone In vollem Glanze laffen stehn. 9. Gedenke voll Erbarmen Der Leidenden und Armen; Verirrte bring herein. Die Wittwen und die Waisen Wollst du mit Troste speisen, Wenn sie zu dir um Hilfeschrei'n. 5. Laß alle, die regieren, Ihr Amt getreulich führen! Schaff jedermann sein Recht; Daß Fried und Treu fich müssen In unfrem Lande küffen; Ja segne Mann, Weib, Herrn und Knecht. 10. Komm als ein Arzt den Kranken, Und die im Glauben wanken, Laß nicht zu Grunde gehn. Die Alten heb und trage, Damit sie ihre Plage Geduldig können überstehn. 11. Die Reisenden beschüge; Bleib der Verfolgten Stüße; Die Sterbenden begleit Mit deinen Engelschaaren, Daß fie im Frieden fahren Zu Zions Freud und Herrlichkeit. 12. Nun, Herr, du wirst erfüllen, Was wir nach deinem Willen In Demuth jetzt begehrt. Wir sprechen gläubig Amen In unsers Jesu Namen, So ist gewiß der Wunsch gewährt! 6 6. Erhalt in jeder Ehe, Beim Glücke, wie beim Wehe, Nechtschaffne Frömmigkeit. In Unschuld und in Tugend Gedeihe unsre Jugend, Zu deines Reiches Dienst bereit. 7. O Vater, wend in Gnaden Krieg, Feuer, Wasserschaden Und Sturm und Hagel ab! Bewahr des Landes Früchte Und mache nicht zu nichte, Was deine milde Hand uns gab. 8. Laß alle giftgen Seuchen Von unsern Grenzen weichen, Gib uns gesunde Luft. Laß Schmolte, g. 1672 † 1737. Mel. Christus, der ist.( Joh. 15, 5.) 7. Ach bleib mit deiner Gnade| Auf daß uns hier und dorten Bei uns, Herr Jesu Christ, Daß uns hinfort nicht schade Des bösen Feindes Lift! Sey Güt und Heil beschert! 3. Ach bleib mit deiner Klarheit Bei uns, du werthes Licht; Umgürt uns mit der Wahrheit, Damit wir irren nicht! 2. Ach bleib mit deinen Worten Bei uns, Erlöser werth, I. Allgemeine 4. Ach bleib mit deinem Segen Bei uns, du reicher Herr; Heil, Gnad und all Vermögen Reichlich in uns vermehr! 5. Ach bleib mit deinem Schutze Bei uns, du starker Held, Daß uns der Feind nicht truße, Noch uns bestrick die Welt! Gebetlieder. 7 6. Ach bleib mit deiner Treue Bei uns, du Herr und Gott; Beständigkeit verleihe, Hilf uns aus aller Noth! 8.So lang ich hier noch walle, Soll dieß mein Seufzer seyn, Ich sprech bei jedem Falle: " Herr, hilf mir, ich bin dein!" Steegmann, g. 1588 † 1632.. 7 neuerer Zusaß. Mel. Dieweil ich auferstehe.( Pf. 119, 94.) Beten Und ist mein Glaube klein, Soll mich sein Geist vertreten: ,, Herr, hilf mir, ich bin dein!" 2. Wenn Morgens ich erwache Und schlafe Abends ein, Befehl ich Gott die Sache: " Herr, hilf mir, ich bin dein!" 3. Geh ich an die Geschäfte, So bitt ich zum Gedeihn Ihn um Verstand und Kräfte: " Herr, hilf mir, ich bin dein!" 4. Will sich mein Fleisch vergehen, Betrogen von dem Schein, So halt ich an mit Flehen: Herr, hilf mir, ich bin dein!" 5. Wenn mich die Sünden kränken, So kann ich noch allein An den Verfühner denken: „ Herr, hilf mir, ich bin dein!" 6. Fühl ich mich schwach im 7. Ach bleib mit deinem Frieden Bei uns auch noch im Tod Und sprich uns zu, den Müden:„ Ihr seyd versöhnt mit Gott!" 7. Wenn ich in Leidenstagen Bei seiner Ruthe wein', So will ich findlich sagen:„ Herr, hilf mir, ich bin dein!" 8. Will Satan mich berauben, Und macht die Welt mir Pein, Ruf ich getroft im Glauben: ,, Herr, hilf mir, ich bin dein!" 9. Macht auch mein Herz mir Grauen, Der Herr sey nicht mehr mein, So seufz ich voll Vertrauen: ,, Herr, hilf mir, ich bin dein!" 10. In meinen letzten Stunden Schäß ich mich heil und rein Durch meines Heilands Wunden: Er hilft mir, ich bin sein! Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Mel. Valet will ich.( Slagelieder 3, 22. c. Pf. 34, 8.) 9. Beherrscher aller Welten!| an jedem Morgen, Gott, deine Und machte mich Im Staube bet ich an; Wie Güte nen fönnt ich dir vergelten, Was von Sorgen, Von Gram und du an mir gethan? War nicht Kummer frei? 8 2. O Gott! wie viele Sünden Hast du mir schon verziehn. Ach laß mich Gnade finden, Und segne mein Bemühn, Mich selber zu bezwingen, 3u thun, was dir gefällt, Das Kleinod zu erringen, Das ewgen Werth behält. I. Allgemeine Gebetlieder. 3. Gott! alle meine Tage Sind Zeugen deiner Huld; Wie oft traf eine Plage Mich nur aus eigner Schuld! möchte doch dein Segen, Der mich bisher erfreut, Mich dringen und bewegen Zur thätgen Dankbarkeit! 4. Gib, daß ich dir vertraue, Der du die Liebe bleibst, Auch wenn du mich auf rauhe Und steile Pfade treibst. Wenn in Gefahr und Schmerzen Mein Geist will muthlos seyn, So flöße meinem Herzen Geduld und Hoffnung ein. so weit, So weit die Wolken gehen; Du krönst uns mit Barmherzigkeit Und eilst, uns beizustehen. Herr, meine Burg, mein Fels, mein Hort, Vernimm mein Flehn, merk auf mein Wort, Denn ich will vor dir beten. 5. Zum Besten soll mir dienen Das Leiden dieser Zeit; Noch ist sie nicht erschienen, Die große Herrlichkeit und Wonne, die die Deinen Dereinst beglücken soll; Sie säen unter Weinen, Und ernten freudenvoll. Eberh. Fried. Prinz von Hohenlobe. Kirchberg, g. 1737 † 1804. Mel. Herr, wie du willt.( Pf. 5, 2. 3. 57, F1.) 10. Gott! deine Güte reicht| 3. Ich bitte nicht um Ehr und Ruhm, So sehr sie Menschen rühren; Des guten Namens Eigenthum Laß mich nur nie verlieren. Mein wahrer Ruhm sey meine Pflicht, Der Ruhm vor deinem Angesicht, Und frommer Freunde Liebe. 4. So bitt ich dich, Herr Ze2. Ich bitte nicht um Ueber-| baoth, Auch nicht um langes fluß Und Schäße dieser Erden; Laß mir, so viel ich haben muß, Nach deiner Gnade werden; Gib mir nur Weisheit und Verstand, Dich, Gott, und den, den du gesandt, Und mich selbst im Tode finden. zu erkennen. Leben; Im Glücke Demuth, Muth in Noth, Das wollest du mir geben. In deiner Hand steht meine Zeit; Laß du mich nur Barmherzigkeit Vor dir Gellert, g. 1715 † 1769. Eigene Mel.( 5 Mof. 4, 29. Jerem. 29, 13 2c.) 11. Sieh, hier bin ich, Ehren-| Thron; Schwache Thränen, könig, Lege mich vor deinen Kindlich Sehnen Bring ich dir, I. Allgemeine Gebetlieder. 9 du Menschensohn; Laß dich| der Sünde Tödtend Gift in finden, Laß dich finden, Bin mir mit Schmerz. Laß dich ich gleich nur Asch und Thon. finden, Laß dich finden, Schaff 2. Sieh doch auf mich, Herr, in mir ein reines Herz. ich bitt dich, Lenke mich nach deinem Sinn; Dich alleine Jch nur meine, Dein erkaufter Erb ich bin. Laß dich finden, Laß dich finden; Gib dich mir und nimm mich hin. 3. Herr, erhöre! Ich begehre Nichts, als deine freie Gnad, Die du gibest, Wo du liebest Und man dich liebt in der That. Laß dich finden, Laß dich finden; Der hat Alles, der dich hat. 4. Rein, voll Wonne, Wie die Sonne, Ist, o Seelenfreund, dein Herz. Ich nur finde Noch| 5. Tief in Nöthen Hilf mir beten, Kindlich beten, Herr, vor dir. Ach erscheine, Wenn ich weine, Bald mit deiner Hilfe mir! Laß dich finden, Laß dich finden, Denn mein Herz verlangt nach dir. 6. Dieser Zeiten Eitelkeiten, Reichthum, Wollust, Ehr und Freud Sind nur Schmerzen Meinem Herzen, Welches sucht die Ewigkeit. Laß dich finden, Laß dich finden, Großer Gott, ich bin bereit. J. Neander, g. 1610+ 1680. Mel. Herr Christ, der einig.( Joh. 1, 9. 12. Jef. 38, 17.) 12. Herr Jesu, Gnadenson-| Daß ich mich künftighin zu ne, Wahrhaftes Lebenslicht! Laß Leben, Licht und Wonne Mein blödes Angesicht Nach deiner Gnad erfreuen, Und meinen Geist erneuen; Mein Gott, versag mirs nicht! deinem Dienst ergebe Und dir zu Ehren lebe, Weil ich erlöset bin. 4. Befördre dein Erkenntniß In mir, mein Seelenhort, Und öffne mein Verständniß Durch dein lebendig Wort; Damit ich an dich gläube Und in der Wahrheit bleibe, Ja wachse fort und fort. 5. Mit deiner Kraft mich rüste, Zu kreuz'gen die Begier Und alle bösen Lüfte, Auf daß ich für und für Der Sündenwelt absterbe Und nach dem Fleisch verderbe, Hingegen leb in dir. 2. Vergib mir meine Sünden Und wirf sie hinter dich; Laß allen Zorn verschwinden Und hilf mir gnädiglich. Laß deine Friedensgaben Mein armes Herze laben; Ach Herr, erhöre mich!- 3. Vertreib aus meiner Seelen Den alten, eitlen Sinn, Und laß mich dich erwählen, 10 I. Allgemeine Gebetlieder. 6. Ach zünde deine Liebe In| und thut; Hingegen all mein meiner Seele an, Daß ich aus innrem Triebe Dich ewig lieben kann Und dir zum Wohlgefallen Beständig möge wallen Auf rechter Lebensbahn. Sinnen, Mein Lassen und Beginnen Ist böse, und nicht gut. 8. Darum, du Gott der Gnaden, Du Vater aller Treu, Wend allen Seelenschaden und mach mich täglich neu! Gib, daß ich deinen Willen Getreulich mög erfüllen, Und steh mir kräftig bei. 7. Nun, Herr, verleih mir Stärke, Verleih mir Kraft und Muth! Denn das sind Gnadenwerke, Die dein Geist schafft Gotter, g. 1661 † 1735. Eigene Mel. ( Jat. 1, 17.) 13. Gott, du frommer| Gib einen Heldenmuth, Das Gott, Du Brunnquell aller Gaben, Ohn den nichts ist, was ist, Von dem wir alles haben! Gesunden Leib gib mir, Und daß in solchem Leib Die Seele unverlegt, Rein das Gewissen bleib. Kreuz hilf selber tragen. Gib, daß ich meinen Feind Mit. Sanftmuth überwind; Gib Freunde, die mit Rath Und That mir nahe sind. 2. Gib, daß ich thu mit Fleiß, Was mir zu thun gebühret, Wozu mich dein Befehl In meinem Stande führet. Gib, daß ichs thue bald, Zu der Zeit, da ich soll, Und dann gerathe mirs Durch deinen Segen wohl. 5. Laß mich mit jedermanu In Fried und Freundschaft leben, So weit es christlich ist. Willst du mir etwas geben An Reichthum, Gut und Geld, So gib auch dieß dabei, Daß von unrechtem Gut Nichts untermenget sey. 3. Hilf, daß ich rede stets, Womit ich kann bestehen, Laß kein unnützes Wort Aus meinem Munde gehen; Und wenn in meinem Amt Ich reden soll und muß, So gib den Worten Kraft Und Nachdruck ohn Verdruß. 6. Soll ich auf dieser Welt Mein Leben höher bringen, Durch manchen fauren Tritt Hindurch ins Alter dringen, So gib Geduld; vor Sünd Und Schanden mich bewahr, Auf daß ich tragen mag Mit Ehren graues Haar. 7. Laß mich an meinem End Auf Christi Tod abscheiden; Die Seele nimm zu dir, Hin4. Find't sich Gefährlichkeit, So laß mich nicht verzagen; auf zu deinen Freuden. Dem I. Allgemeine Gebetlieder. Leib ein Räumlein gönn Bei| schön verklärt, zum auserfrommer Christen Grab, Auf wählten Chor. daß er seine Ruh An ihrer Seite hab. 11 9. Gott Vater, dir sey Preis Hier und im Himmel droben; Herr Jesu, Gottes Sohn, Ich will dich allzeit loben; O heilger Geist, dein Ruhm Erschall je mehr und mehr; Dreieinger Herr und Gott, Dir sey Lob, Preis und Ehr! J. Heermann, g. 1585 † 1647. B. 9 späterer 3usaz. 8. Wann du die Todten wirst An jenem Tag aufwecken, Wollst du auch deine Hand Zu meinem Grab ausstrecken; Laß hören deine Stimm, Ruf meinen Leib hervor Und führ ihn, Mel. Mein Jesus lebt.( Nöm. 8, 35-39. Pf. 111, 1. 4. 9. Gir. 18, 12-14.) 14. Herr von unendlichem| zen, Hügel brechen, So bleibt Erbarmen, Du unergründlich dein Bund und deine Treu; Liebesmeer! Ich danke dir mit Wenn Erd und Himmel weicht andern Armen, Mit einem und fällt, So lebt doch Gott, ganzen Sünderheer, Für deine der Glauben hält. Huld in Jesu Christ, Die vor der Welt gewesen ist. 2. Für dein so allgemein Erlösen, Für die Verfühnung aller Schuld, Für deinen Ruf an alle Bösen, Und für das Wort von deiner Huld; Ja für die Kraft in deinem Wort Dankt dir mein Herze hier und dort. 3. Für deinen heilgen Geist der Liebe, Der Glauben wirkt in unfrem Geist, Für dieses Glaubens Kraft und Triebe, Wodurch sich deine Macht erweist, Für die Befestigung darin Dankt dir mein neugeschaffner Sinn; 4. Für dein so tröstliches Versprechen, Daß deine Gnade ewig sey; Wenn Berge stür5. Für deine theuren Sakramente, Die Siegel deiner wahren Schrift, Wo Gott, damit ich glauben könnte, Ein Denkmal seiner Wunder stift't, Für diese Gnaden in der Zeit Dankt dir mein Herz in Ewigkeit. 6. Ja Mund und Herze soll dir danken; Doch bittet auch mein Herz und Mund: Laß weder Mund noch Herze wanken Und gründe mich auf diesen Grund; Erhalte nur durch deine Treu Auch bis ans Ende mich dabei. 7. Laß mir dein allgemein Erbarmen, Das allgemeine Lösegeld, Den allgemeinen Ruf der Armen, Den allgemeinen Trost der Welt, Die Mittel, welche 12 I. Allgemeine Gebetlieder. allgemein, Den festen Grund des Glaubens seyn. 8. Du gabst ja mir auch solche Gnaden, Auch ich, ich habe Theil daran; Ich lag ja mit in gleichem Schaden, Für mich ist auch genug gethan; An deinem Worte, Trost und Heil Gehört mir mein besondres Theil. 9. An diesem kann ich nun erkennen, Daß ich dein Kind in Gnaden bin; Du willst mir selbst die Ehre gönnen, Du gabst den Sohn für mich dahin, Der war den Sündern zugeMel. Wie selig bin 15. Nicht um ein flüchtig Gut der Zeit, Ich fleh um deinen Geist, Gott, den zu meiner Seligkeit Dein theures Wort verheißt. zählt, In dem die Sünder auserwählt. 10. Laß mich in Liebe heilig leben, Unsträflich dir zum Lobe seyn; Versichere mein Herz daneben: Es reiße keine Lust noch Pein Mich von der Liebe Gottes hin, Weil ich in Christo Jefu bin. 11. Tod, Leben, Trübsal,. Angst und Leiden, Was Welt und Hölle in sich schließt, Nichts soll mich von der Liebe scheiden, Die da in Christo Jesu ist. Ja Amen! Vater aller Tren, Zähl mich den Auserwählten bei. Ph. Fr. Hiller, geb. 1699 † 1769. ich.( Luc 11. 13.) 4. Vertrauen hab ich dann zu dir; Dann schenket auch dein Geist Das freudige Bewußtseyn mir, Daß du mir gnädig seyst. 5. Er leite mich zur Wahrheit hin, Zur Tugend stärker mich, Und zeige, wenn ich traurig bin, Auch mir als Tröster sich. 6. Er schaff in mir ein reines 3. Dich lieben, Gott, ist Se- Herz, Versiegle deine Huld, ligkeit; Gern thun, was dir ge- Und er bewaffne mich im fällt, Wirkt reinere Zufrieden Schmerz Mit Muth und mit heit, Als alles Glück der Welt. Geduld. 2. Die Weisheit, die vom Himmel stammt, O Vater, lehr er mich, Die Weisheit, die das Herz entflammt Zur Liebe gegen dich. Chr. Fr. Neander, geb. 1723 † 1802. Eigene Mel.( Habak. 2, 14.) 16. Herr Jesu Christ! dich uns den Weg zur Wahrheit führ. zu uns wend Und deinen heilgen Geist uns send, Mit Hilf und Guad er uns regier Und 2. Thu auf den Mund zum Lobe dein, Bereit das Herz I. Allgemeine Gebetlieder. 13 zur Andacht fein; Den Glau-[ von Angesicht In ewger Freud ben mehr', stärk den Verstand, Daß uns dein Nam werd wohl bekannt. und selgem Licht. 3. Bis wir singen mit Gottes Heer: Heilig, heilig ist Gott, der Herr! Und schauen dich Wilhelm, Herzog von Sachsen. Weimar, g. 1598 † 1662. Mel. O Gott, du frommer; od.: Ach Gott, verlaß( Neh. 13, 31. Rom. 8, 31.) Gnad für Necht; Ach Gott, gedenke mein! 17. Ach Gott, gedenke mein,| dir befohlen seyn, Gedenk an Gedenke mein zum besten! Dieß ist das schöne Wort, Das mich allein mag trösten. Ich fürchte keine Noth Und keine Angst noch Pein, So lang ich rufen kann: Ach Gott, gedenke mein! 2. Ach Gott, gedenke mein! Wie könnt ich sichrer leben, Als wenn du, Vater, willst Ob deinem Kinde schweben, Wenn ich von deinem Schuß Kann unvergessen seyn? Drum bitt ich allezeit: Ach Gott, gedenke mein! 4. Ehr sey dem Vater und dem Sohn, dem heilgen Geist in Einem Thron! Der heiligen Dreifaltigkeit Sey Lob und Preis in Ewigkeit! 3. Ach Gott, gedenke mein! Blick her zu deinem Kinde, Weil ich sonst nirgends Ruh Und Rettung besser finde, Auch keine Hilfe weiß, Denn nur bei dir allein; Drum ruf ich allezeit: Ach Gott, gedenke mein! 4. Ach Gott, gedenke mein! 3war nicht an meine Sünde, Wodurch ich mich des Rechts Der Kindschaft selbst entbinde; Ach nein, im besten laß Mich 5. Ach Gott, gedenke mein! Bin ich ein Uebertreter, So ist mein Jesus da, Als meiner Seele Netter. Will Sünde, Höll und Tod Den Untergang mir dräun, So hilft er, weil ich ruf: Ach Gott, gedenke mein! 6. Ach Gott, gedenke mein Mit reichem Trost und Segen! Gib Behüte jedes Haus, Glück auf unsern Wegen; Flöß mir den reinen Trieb Des heilgen Geistes ein; Erhör mich, wenn ich ruf: Ach Gott, gedenke mein! 7. Ach Gott, gedenke mein! Gedenke mein im Leiden, Wenn Alles mich zuletzt Verläßt bei meinem Scheiden, So bitt ich, laffe dir Die Seel befohlen seyn In meiner Todesnoth: Ach Gott, gedenke mein! 8. Ach Gott, gedenke mein! Ja, ja du willst gedenken; Du haft dem Schächer dort Die I. Allgemeine Gebetlieder. Gnade wollen schenken, Daß| ist das schöne Wort, Das mich er noch selben Tag Im Para- allein mag trösten. Jetzt fürcht dies sollt seyn, Drum ruf ich ich keine Noth Und keine Angst auch mit ihm: Ach Gott, ge- noch Pein; Mein Rufen ist erdenke mein! hört: Mein Gott gedenket mein! 14 9. Nun, Gott gedenket mein, Er denket mein im besten; Dieß Adam, 1700. Mel. Herr Jesu Christ, mein's.( Pf. 25.) 18. Nach dir, o Gott, ver-| Kind, Vergib und tilge meine langet mich, Mein Gott, ich denke stets an dich; Zieh mich nach dir, nach dir mich wend, Aus Zion deine Hilfe send! Sünd, Daß ich zu dir mit freiem Lauf Mich schwingen könne himmelauf. 2. Die Sonnenblum folgt ihrer Sonn, So folg ich dir, o meine Wonn; Nur wünsch ich, daß ich könnte hier Ganz frei von Sünden folgen dir. 3. Doch leider hat der Sünde Gift Solch Uebel in mir angestift't, Daß sich der matte Geist nicht kann Davor recht schwingen himmelan. 4. Ach wer wird mich befreien doch Von meinem schweren Sündenjoch? O Herr, ich sehne mich nach dir: Befreie mich und hilf du mir! 5. Es ist mein Will nach dir gericht't, Doch das Vollbringen mir gebricht; Und wenn ich auch hab Guts gethan, Klebt doch Unreines noch daran. 6. Gedenke, daß ich bin dein 7. Den Sinn der Welt rott in mir aus, Sey du nur Herr in meinem Haus; Den Schild des Glaubens mir verleih Und brich des Feindes Pfeil' entzwei. 8. Nach dir, mein Gott, laß mir forthin Gerichtet seyn den ganzen Sinn; Ich eigne dich mir gänzlich zu Und such in dir nur meine Ruh. 9. Hinweg, hinweg du schnöde Lust, Bleib mir auf ewig unbewußt! Was fortan mich ver= gnügen soll, Deß ist allein der Himmel voll. 10. Ach Alles, was mich reißt von dir, Du höchstes Gut, das treib von mir; In dir, mein Gott, in dir allein Laß hinfort meine Freude seyn! Anton Ulrich, Herzog von Braunschweig, g. 1633 † 1714. Mel. Mein Jesu, der du mich.( Jerem. 18, 19. Pf. 121. Weisheit 3, 9.) 19. Herr! habe Acht auf Von allen Dingen; Denn ein mich, Und reiß mich kräftiglich gefesselt Herz Kann sich ja I. Allgemeine Gebetlieder. himmelwärts Durchaus nicht| Furcht und Neid, Menschengeschwingen. fälligkeit, Unlautre Triebe! 2. Herr! habe Acht auf mich; Schaff, daß mein Herze sich Im Grund bekehre; Trifft vom verborgnen Bann* Dein Auge noch was an, Herr, das zerstöre! 7. Herr! habe Acht auf mich; Und laß mich ritterlich Den Kampf bestehen, Wenn Satan, Sünd und Welt Mich stürmend überfällt, Nicht übergehen. 8. Herr! habe Acht auf mich; Die Liebe nennet dich Israels Hüter; Du schläfft und schlummerst nicht, Dein blihend Angesicht Schlägt Feinde nieder. 9. Herr! habe Acht auf mich; Dein Herz ist mütterlich, Das heißt dich wachen; Das Kind liegt sorgenlos, Sanft in der Mutter Schoos, Die wirds schon machen. 10. Herr! habe Acht auf mich; O zeuch mich ganz in dich Mit Leib und Seele; Dein bin ich, du bist mein, Du, den ich mir allein Zum Hort erwähle. 11. Herr! habe Acht auf mich Beim letzten Kampf, wenn ich Von hinnen scheide; Führ mich durch dein Geleit In deine Herrlichkeit, Zur ewgen Freude. Vielleicht von Dr. Johann Christian Store. Eigene Mel.( Pf. 38, 22.) Jof. 7, 15. 3. Herr! habe Acht auf mich; Hast du allmächtiglich Den Strik zerrissen, So laß, dem Feind zu Truß, Mich deinen starken Schuß Nun stets ge= nießen. 4. Herr! habe Acht auf mich; Die Schlange mühet sich, Mit ihren Tücken Ein Herz, das du befreit, Von der Einfältigkeit Bald zu verrücken. 5. Herr! habe Acht auf mich; Die Welt legt listiglich In solchen Dingen, Die sie unschuldig nennt, Weil sie sich selbst nicht kennt, Viel' Netz' und Schlingen. 15 6. Herr! habe Acht auf mich; Tödt in mir mächtiglich Die Eigenliebe, Trägheit, Lust, 20. Ach Gott, verlaß mich nicht! Gib mir die Gnaden hände; Ach führe mich, dein Kind, Daß ich den Lauf vollende Zu meiner Seligkeit. Sey du mein Lebenslicht, Mein Stab, mein Hort, mein Schuß; Ach Gott, verlaß mich nicht! 2. Ach Gott, verlaß mich nicht! Regiere du mein Wallen; Ach laß mich nimmermehr In Sünd und Schande fallen! Gib mir den guten Geist, Gib Glaubenszuversicht, Sey meine Stärk und Kraft; Ach Gott, verlaß mich nicht! 16 I. Allgemeine Gebetlieder. 3. Ach Gott, verlaß mich nicht!| meines Amts, Die Werke meiIch ruf aus Herzensgrunde: ner Pflicht, zu thun, was dir Ach Höchster, stärke mich In gefällt; Ach Gott, verlaß mich jeder bösen Stunde! Wenn mir nicht! Versuchung naht Und meine Seel anficht, So weiche nicht von mir; Ach Gott, verlaß mich nicht! 5. Ach Gott, verlaß mich nicht! Jch bleibe dir ergeben; Hilf mir, o großer Gott, Recht glauben, christlich leben Und selig scheiden ab, Zu sehn dein Angesicht; Hilf mir in Noth und Tod; Ach Gott, verläß mich nicht! Gal. Frand, g. 1669 † 1725 Eigene Mel.( Matth. 6, 19. 20. Joh. 15, 7.) 21. Urquell aller Seligkei-| Haupte, Wenn die Welt ihr ten, Die in Strömen sich verbreiten Durch der Schöpfung weit Gebiet, Vater, hör mein flehend Lied! alles raubte, Hinblickt, wo sie wonnevoll Alles wieder finden soll; 7. Starken Muth im Kampf des Christen Mit der Welt und ihren Lüsten; Sieg dem Geist, und wenn er siegt, Demuth, die im Staub sich schmiegt; 8. Duldung, alle Lebensplagen Mit Gelaffenheit zu tragen; Stilles Harren, bis der Tod Mich erlöst auf dein Gebot; 9. Seelenruhe, Muth im Sterben, Wenn die Lippen sich entfärben Und der letzte Seufzer spricht: O mein Jesu, laß mich nicht! 10. Willst du, Herr von meinem Leben, Diese Seligkeit mir geben, So wird auch die Leidensnacht Mir zum heitern Tag gemacht. 11. Immer will ich beten, rin4. Ach Gott, verlaß mich nicht! Komm gnädig mir entgegen; Ach Vater, kröne doch Mit reichem Himmelssegen Die Werke 2. Nicht um Güter dieser Erde, Des erhabnen Geists Beschwerde, Um die Weltlust komm ich nicht, Vater, vordein Angesicht. 3. Schäße, die mich nicht verlassen, Wenn ich sterbend werd erblassen, Tugenden, des Christen werth, Sind es, die mein Herz begehrt. 4. Geber aller guten Gaben! FestenGlaubenmöchtich haben, Wie ein Meerfels unbewegt, Wenn an ihn die Woge schlägt; 5. Lieb, aus deinem Herzen stammend, Immer rein und immer flammend, Liebe, die dem Feind verzeiht, Und dem Freund das Leben weiht; 6. Hoffnung, die mit hohem I. Allgemeine Gebetlieder. 17 gen, Stille harren, Dank dir| frieden: Jesus kommt und bringen, Bis dein Ruf einst stärkt die Müden; Nur vergiß meinen Geist Zu dir, Vater, nie sein Gebot:, Sey getren kommen heißt. bis in den Tod!" 12. Seele, gib dich nun zuSchubart, g. 1739 † 1791. Eigene Mel.( Jerem. 29, 11.) 22. Der du das Loos von| 4. Selbst aus des Lebens Bitmeinen Tagen Und meines terkeiten Weißt du mein Glück Lebens Glück und Plagen Mit mir zu bereiten Und schaffst Güt und Weisheit mir be- aus Finsternissen Licht; Du stimmt, Dir, Gott, dank ich mit bahnst vor mir die ranhen frohem Herzen, Das seine Stege Und leitest mich auf Freuden, seine Schmerzen Aus meinem Wege, Wenn Licht und deinen Segenshänden nimmt. Leitung mir gebricht. 2. Du hast im Lauf von meinem Leben Mehr Glück als Leiden mir gegeben, Mehr Guts, als ich verdient, beschert. Muß ich den Abend lang auch weinen, Läßt du mir doch die Sonne scheinen, Wenn kaum der Morgen wiederkehrt. 3. Soll ich nach deinem Wohlgefallen Durch mancher Prüfung Enge wallen, Die Fleisch und Blut mir schwerer macht, So darf mein Herz doch nicht verzagen; Ich weiß, du bist bei meinen Plagen Stets auf mein wahres Wohl bedacht. 5. Drum soll vor dir mein Herz sich stillen; Ich weiß, daß ohne deinen Willen Kein Haar von meinem Haupte fällt. Auf dich allein kann ich vertrauen Und meiner Zukunft Hoffnung bauen In dieser unbeständgen Welt. 6. Ja, Herr, es sey mein ganzes Leben Bloß deiner Leitung übergeben, Bis dieser Leibesbau zerbricht. Ob Berge fal= len, Hügel weichen Und Welten sich zum Einsturz neigen, So weicht doch deine Gnade nicht! Pagfe, g. 1727 † 1787. Mel. Herr Jesu Christ, mein's.( Luc. 11, 9. 10) 23. Gott, Vater in dem Him-| bestimmt, Was sie mir spendet mel, sprich Dein Wort des Segens über mich, Daß ich im Frieden jeden Tag Beginnen und vollenden mag. oder nimmt, Glück oder Weh, das gelte mir Als Segen und Geschenk von dir. 3. Gib mir ein Herz, durch Gnade fest, Das dich in Allem 2. Herr! was mir deine Hand Evangelisches Gesangbuch. 2 18 I. Allgemeine Gebetlieder. walten läßt Und unbedingt| Frucht für dich und Andre mit Kindesmuth In deinem trägt. Vaterwillen ruht. 4. Hilf, daß ich züchtig, klug und treu In Worten, Sinn und Werken sey Und Alles, was zur Sünde räth, In mir besiege durch Gebet. 7. Bedroht mich Trübfal und Gefahr, So rette du mich immerdar; Und laß mich, wenn ich Hilfe fand, Demüthig küfsen deine Hand. 8. Sinkt aus der Hand mein Wanderstab, Geh ich ins finstre Thalhinab, So nimm, o Gott, mein Heiland, dann Dich meiner Seele herzlich an. 9. Schenk mir im letzten Augenblick Ein Vorgefühl von jenem Glück, Das du nach Ta=* geshiß und Last Den Deinen dort bereitet hast. Bürde, g. 1753 † 1831. 5. Laß deines Sohnes Gnadenschein Beständig mir im Herzen seyn; Sein Leben, Wort und Kreuzesbild Sey meiner Seele Sonn und Schild. 6. Fällt mir ins Herz dein Lebenswort, Dann wirke du, daß es sofort Im Innern auffeimt, Wurzel schlägt und Mel. Mein's Herzens Jefu.( i Timoth. 6, 6-10.) 24. Ach Gott des Himmels,| ist, uns nicht zu Lüften reizen; lasse mir Und Allen auf der Erden Den uns so väterlich von dir Beschiednen Theil stets werden; Gib jedem immerdar nach Noth Sein zugedachtes täglich Brod Und ein genügsam Herze! Laß mich die Lügen nicht zum Schild, Das Gold mir nicht zum Gözenbild, Den Bauch zum Gott nicht machen. 2. Gib Mäßigkeit und Dankbarkeit, Wenn du uns viel beschieden; Und wenn uns weniger bereit, So mach uns doch zufrieden. Leg uns nur deinen Segen zu; Wo man dir traut, erstattest du Durch Segen alle Mängel. 4. Laß mich nicht Ehre, Lust und Geld, Mir selbst zum Strick, verlangen; Gebrauch ich etwa dieser Welt, Laß mich nicht daran hangen. Die Zeit ist kurz, uns ruft das Grab: Laß mich das haben, was ich hab, Als wenn ich es nicht hätte. 3. Gib, daß uns keine Sorge frißt; Laß ein abgöttisch Geizen, Das alles Uebels Wurzel 5. Ach präge stets mir in den Sinn, Daß ich, um hauszuhalten, Gesetzt in deine Güter bin, Sie redlich zu verwalten. Es eilt ja schon der Tag her 1. Allgemeine Gebetlieder. zu, Da willst du, daß ich Rech-| sam seyn, Und für die Obern nung thu Von allen deinen Gü- beten. tern. 6. Gib Frieden und Zufriedenheit Auf allen unsern Wegen; Verleih uns fromme Obrigkeit, Und kröne sie mit Segen; Die Untern lehre insgemein Gewissenhaft, gehor19 3. O so höre, Vater, höre, Was ich demuthvoll begehre! Laß mich inniglich entbrennen, Dich zu suchen, zu erkennen, Daß mich, wo ich bin und lebe, Deine Herrlichkeit umschwebe, Und ich dich in Freud und Schmerzen Immer trag in meinem Herzen. 4. Er, der für uns wollte ster7. Laß deiner Gnade Sonnenschein In unfrem Lande glänzen; Laß keine Feinde bei uns ein Und schüße unsre Grenzen; Laß deiner Engel starke Schaar Um uns bei drohender Gefahr 3ur festen Mauer werden. Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Mel. Schmücke dich.( Joh. 14, 13 2c. 21.) 25. Herr, vor dem die En-| ben Zur Erlösung vom Vergel knieen Und in selger Andacht derben, Jesus, bleibe meine glühen; Herr, dem Sonne, Freude, Daß ich nie von ihm Mond und Sterne Willig die- mich scheide. Mag der Weltfinn nen nah und ferne; Herr von auch das Sehnen Meines Herunzählbaren Reichen, Großer zens stolz verhöhnen, Halt mich König, ohne gleichen, Du ver- fest in diesem Glauben, Laß mit gönnst auch mir zu beten, Kind- nichts dieß Kleinod rauben. lich vor dich hinzutreten! 5. Deinen Geist, der Schwa2. Alles darf ich dir bekennen, chen Führer, Gib auch mir, Darf im Sohn dich Vater nen- Gott, zum Regierer, Daß ich nen, Und du blickst, wie Väter keinen Pfad erwähle, Drauf pflegen, Mir voll Lieb und Huld entgegen; Hörst, was ich von dir begehre, Trocknest meines Jammers Zähre, Gibst mir noch vor meinem Flehen Ueber Bitten und Verstehen. ich meines Ziels verfehle; Daß ich tren nach Wahrheit ringe, Jede Sündenluft bezwinge, Christlich froh sey, christlich leide, Christlich fromm auch einst abscheide. 6. Willst du, Herr, zum Geistesleben Auch noch Erdengut mir geben, Gib Gesundheit, Muth und Kräfte, Segen zum Berufsgeschäfte, Daß ich, Dürftige zu laben, Immer mög ein Scherflein haben, Und daß Liebe, Fried und Treue Mich bei deinem Volk erfrene. Fröbing, g. 1746 † 1805. 20 I. Allgemeine Gebetlieder. Eigene Mel.( Pf. 31, 6. 86, 11.) 26. Herr! wie du willt, so gib mir hier und dorten, Was schicks mit mir Im Leben und dient zu meiner Seligkeit; im Sterben; Allein zu dir steht| Wend ab all Ungerechtigkeit mein Begier, Laß mich, Herr, In meinem ganzen Leben. nicht verderben! Erhalt mich nur in deiner Huld, Sonst wie du willt; gib mir Geduld, Dein Will, der ist der beste. 3. Soll ich einmal nach deinem Rath von dieser Welt abscheiden, Verleih mir, Herr, nur deine Gnad, Daß es gescheh mit Freuden. Mein Leib und Seel befehl ich dir; O Herr, ein selig End gib mir Durch Jesum Chriftum! Amen. Bienemann, g. 1540 † 1591. 2. Zucht, Ehr und Treu verleih mir, Herr, Und Lieb zu deinen Worten; Behüt mich, Herr, vor falscher Lehr, Und Eigene Mel.( Pf. 136, 1-4. Sir. 50, 24. 25.) 27. Nun banket all und brin-| Herz, Erfrische Geist und Sinn get Ehr, Ihr Menschen in der Welt, Ihm, den da preist der Engel Heer Allzeit im Himmelszelt! 2. Ermuntert euch und singt mit Schall Gott, unsrem höchsten Gut, Der seine Wunder überall Und große Dinge thut; 3. Der uns von Mutterleibe an Frisch und gesund erhält, Und wo kein Mensch mehr helfen kann, Sich selbst zum Helfer stellt; 4. Der, ob wir ihn gleich hoch betrübt, Doch bleibet gütgen Muths, Die Straf erläßt, die Schuld vergibt, Und thut uns alles Guts. 5. Er gebe uns ein fröhlich Und werf all Angst, Sorg, Furcht und Schmerz In Meerestiefe hin. 6. Er laffe seinen Frieden ruhn Auf unsrem Vaterland; Er gebe Glück zu unsrem Thun Und Heil in allem Stand. 7. Er laffe seine Lieb und Güt Um, bei und mit uns gehn; Was aber ängstet und bemüht, Gar ferne von uns stehn. 8. So lange dieses Leben währt, Sey er stets unser Heil; Und wenn wir scheiden von der Erd, Verbleib er unser Theil. 9. Er drücke, wann das Herze bricht, Uns selbst die Augen zu, Und zeig uns drauf sein Ange= sicht Dort in der ewgen Ruh. Gerhard, g. 1606 † 1676. Mel. Allein Gott in der Höh.( 5 Mos. 32. 3. 4.) 28. Sey Lob und Ehr dem| Güte, Dem Gott, der alle Wunhöchsten Gut, Dem Vater aller der thut, Dem Gott, der mein I. Allgemeine Gebetlieder. 21 Gemüthe Mit seinem reichen und her. Gebt unsrem Gott Trost erfüllt, Dem Gott, der die Ehre! allen Jammer stillt; Gebt uns rem Gott die Ehre! 2. Es danken dir die Himmelsheer', O Herrscher aller Thronen; Und die in Lüften, Land und Meer In deinem Schatten wohnen, Die preisen deine Schöpfersmacht, Die Alles also wohl bedacht. Gebt unsrem Gott die Ehre! 7. Ich will dich all mein Lebenlang, Gott, von nun an 3. Was unser Gott geschaffen ehren; Man soll, Gott, deinen hat, Das will er auch erhal- Lobgesang An allen Orten höten, Darüber will er früh und ren. Mein ganzes Herz erspat Mit seiner Gnade wal- muntre sich, Mein Geist und ten. In seinem ganzen König- Leib erfreue dich; Gebt unsreich Ist Alles recht und Alles rem Gott die Ehre! gleich; Gebt unsrem Gott die Ehre! 4. Ich rief dem Herrn in meiner Noth: ,, Ach Gott, vernimm mein Weinen!" Da half mein Helfer mir vom Tod Und ließ mir Trost erscheinen. Drum dank ich, Gott, drum dank ich dir, Ach danket, danket Gott mit mir, Gebt unsrem Gott die Ehre! 6. Wenn Trost und Hilfe mangeln muß, Die alle Welt erzeiget, So kommt, so hilft der Ueberfluß, Der Schöpfer selbst und neiget Die Vateraugen denen zu, Die nirgendwo sonst finden Ruh. Gebt unfrem Gott die Ehre! 5. Der Herr ist nun und nimmer nicht Von seinem Volk geschieden; Er bleibet ihre Zuversicht, Ihr Segen, Heil und Frieden. Mit Mutterhänden leitet er Die Seinen stetig hin 8. Jhr, die ihr Christi Namen nennt, Gebt unfrem Gott die Ehre; Ihr, die ihr Gottes Macht bekennt, Gebt unfrem Gott die Chre! Die falschen. Gözzen macht zu Spott, Der Herr ist Gott, der Herr ist Gott; Gebt unsrem Gott die Ehre! 9. So kommet vor sein Angesicht, Mit Jauchzen Dank zu bringen, Bezahlet die gelobte Pflicht Und laßt uns fröhlich singen: Gott hat es Alles wohl bedacht Und Alles, Alles recht gemacht; Gebt unsrem Gott die Ehre! J. J. Schüß, g. 1640 † 1690 Eigene Mel. ( Pf. 146.) 29. Lobe den Herren, o meine| zum Tod; Weil ich noch StunSeele! Ich will ihn loben bis den auf Erden zähle, Will ich I. Allgemeine Gebetlieder. lobsingen meinem Gott. Der| der sich auf ihn verläßt! HalLeib und Seel gegeben hat, lelujah, Hallelujah! Werde gepriesen früh und spat! Hallelujah, Hallelujah! 2. Fürsten sind Menschen, vom Weib geboren Und sinken wieder in den Staub; Ihre Anschläge sind auch verloren, Wann nun das Grab nimmt seinen Raub. Weil denn kein Mensch uns helfen kann, Rufe man Gott um Hilfe an. Hallelujah, Hallelujah! 22 3. Selig, ja selig ist der zu nennen, Deß Hilfe der Gott Jakobs ist, Welcher vom Glauben sich nicht läßt trennen Und hofft getrost auf Jesum Christ! Wer diesen Herrn zum Beistand hat, Findet am besten Rath und That. Hallelujah, Hallelujah! 4. Dieser hat Himmel, Meer und die Erden Und was darinnen ist, gemacht. Alles muß treulich erfüllet werden, Was er uns einmal zugedacht. Er ists, der Herrscher aller Welt, Welcher uns ewig Glauben hält. Hallelujah, Hallelujah! 5. Sollt er was sagen, und doch nicht halten? Sollter was reden, und nicht thun? Kann auch der Wahrheit Kraft veralten? Kann auch sein wallend Herze ruhn? Er sinnt und forgtaufs allerbest; Wohl dem, 6. Siehet er Seelen, die Unrecht leiden: Er ists, der ihnen Necht verschafft; Hungrigen will er genug bescheiden, Was ihnen dient zur Lebenskraft; Die hart Gebundnen macht er frei, Und seiner Gnad ist mancherlei. Hallelujah, Hallelu--jah! 7. Sehende Augen gibt er den Blinden, Erhebt, die tief gebeuget gehn. Wo er kann gläubige Seelen finden, Die läßt er seine Liebe sehn. Sein Aufsehn ist des Fremdlings Truß; Wittwen und Waisen hält er Schuß. Hallelujah, Hallelujah! 8. Aber der Gottesvergeßnen Tritte Kehrt er mit starker Hand zurück, Daß sie nur machen verkehrte Schritte Und fallen selbst in ihren Strick. Der Herr ist König ewiglich, Zion, dein Gott sorgt stets für dich! Hallelujah, Hallelujah! 9. Rühmet, ihr Menschen, den hohen Namen Deß, der so große Wunder thut; Alles, was Odem hat, rufe Amen Und bringe Lob mit frohem Muth! Ihr Kinder Gottes, lobt und preist Vater und Sohn und heilgen Geist! Hallelujah, Hallelujah! Herrnschmidt, g. 1675 † 1723. 23 I. Allgemeine Gebetlieder. Eigene Mel.( Pf. 103.) fallend Laub; Der Wind darüber wehet, So ist es nimmer da: Also der Mensch vergehet, Sein End, das ist ihm nah. 30. Nun lob, mein Seel,| Geschlechte, Wie Blum und den Herren, Was in mir ist, den Namen sein, Deß Gnaden stets sich mehren; Vergiß es nicht, o Herze mein! Er hat die Schuld vergeben, Heilt deine Schwachheit groß, Beschirmt dein armes Leben, Nimmt dich in seinen Schoos, Mit Trost dich überschüttet, Verjüngt, dem Adler gleich; Schafft Recht, und treu behütet, Die leiden für sein Reich. 2. Er hat uns wissen lassen Sein heilig Recht und sein Gericht, Auch seine Güt ohn MaBen, Ihm mangelts an Erbarmung nicht. Den Zorn läßt er bald fahren, Straft nicht nach unsrer Schuld, Will Gnade nimmer sparen, Zeigt Blöden seine Huld; Sein Mitleid ist fo labend Für die, so fürchten ihn. So fern der Ost vom Abend, Ist unsre Sünde hin. 3. Wie Väter sich erbarmen, Wenn ihre schwachen Kinder schrein, So thut der Herr uns Armen, Wenn wir ihn fürchten findlich rein. Gott kennt uns arme Knechte, Er weiß, wir sind nur Staub, Ein nichtiges 4. Die Gottesgnad alleine Bleibt stet und fest in Ewigfeit, Sie bleibt bei der Gemeine, Die steht in seiner Furcht bereit; Sein Bund ist nicht veraltet, Er herrscht im Himmelreich. Ihr starken Engel, waltet Des Lobs und dient zugleich Dem großen Herrn zu Ehren Und treibt sein heilig Wort; Mein Herz soll auch vermehren Sein Lob an allem Ort. 5. Sey Lob und Preis mit Ehren Gott Vater, Sohn und heilgem Geist! Der woll in uns vermehren, Was er aus Gnaden uns verheißt: Daß wir ihm fest vertrauen, Uns gründen ganz auf ihn Und kindlich auf ihn bauen Mit Herzen, Muth und Sinn; Daß wir ihm treu anhangen Bis zu der letzten Stund. Das laß er uns erlangen! Amen von Herzensgrund! Vers 1-4. von Graumann( Poliander) g. 1487 † 1541. Mel. Du, Gott, bist über.( 1 Petr. 4, 13. Ebr. 2, 17. 18.) 31. Dir dankt mein Herz, dir| mel, den mein Aug einst sieht, jauchzt mein Lied, Dein freut mein Glaube sich! Im HimLebst, Heiland, du für mich. 2. Du hast dieß Thränenthal I. Allgemeine Gebetlieder. gesehn, Wo ich ein Pilger bin;| ich Nuh In deiner Gnade find; Dort, wo du jeho thronest, gehn Des Pilgers Wege hin. Dein Geist ruft meinem Herzen zu:„ Sieh, du bist Gottes Kind!" 3. Auf Erden warst du auch geprüft Durch Kummer, Angst und Weh; O Trost, wenn ich, in Angst vertieft, Durch schwere Proben geh! 4. Ich weiß, voll Mitleid neigst du dich zu deiner Brüder Schmerz; Wär Alles fühllos gegen mich, Nie wirds dein göttlich Herz. 24 8. Bricht dann die Trübfal bei mir ein, So tröst ich mich mit dir Und spreche: ich bin nicht allein, Der Vater ist bei mir!" 9. Was ich noch kämpfe, bah--net mir Den Weg zum Himmelreich; Du machst mich erst im Kampfe dir Und dann im Siege gleich. 10. Einst zieh ich mit dem Sterbekleid Mein Elend alles aus; Mein Schmuck wird deine Herrlichkeit, Mein Ort des Vaters Haus; 11. Mein Umgang aller Himmel Heer, Die Wonne mein Gefühl, Mein Tagwerk ewig Preis und Ehr, Die ich dir bringen will. Schöner, g. 1749 † 1818. Mel. Nun ruhen alle.( Ps. 8, 5.) 32. Dir dank ich für mein| 3. Ich bin, Herr aller Dinge, Leben, Gott, der du mirs gegeben, Ich danke dir dafür! Du hast, durch Huld bewogen, Mich aus dem Nichts gezogen, Durch deine Güte bin ich hier. 2. Du, Herr, hast mich bereitet, Mich väterlich geleitet Bis diesen Augenblick; Du gabst mir frohe Tage, Und selbst der Leiden Plage Verwandeltest du in mein Glück. Der Treue zu geringe, Mit der du mich bewacht! Damit ich Staub und Erde Auf ewig glücklich werde, Hast du schon ewig mein gedacht. 4. Du hörtest schon mein Sehnen Und zähltest meine Thränen, Ghich bereitet war; Noch eh mir ward das Leben Von deinerHand gegeben, Herr, wogst du schon mein Theil mir dar. 5. Herr! nirgends find ich eine Lieb Wie deine, nah und fern, Du liebst bis in den Tod; o gib, Daß ichs recht glauben lern. 6. Der Liebe unerhörte Macht Für wen hat sie so treu Den Kampf mit Welt und Tod vollbracht? Für mich, nun werd ich frei! 7. Ich fürchte nichts, so lang II. Lieder von Gott. A. Gottes Wesen u. Eigensch. 25 5. Du ließest Trost mich fin-| 7. Daß du mein Leben fristest den, Und sahst doch meine Sün- Und mich mit Kraft ausrüstest, den Vorher von Ewigkeit. O Dieß, Vater, dank ich dir; Daß Höchster, welch Erbarmen! Du du mich liebreich führest, Mit forgest für mich Armen Und deinem Geist regierest, Dieß bist ein Vater, der verzeiht. alles, Vater, dank ich dir. 6. Für alle deine Treue, Für das, deß ich mich frene, Lobfinget dir mein Geist.. O herrliches Geschenke, Daß ich durch ihn dich denke, Daß er dich heute dankbar preist! 8. Was mir in diesem Leben Noch nüßt, wirst du mir geben; Du gibsts, ich hoff auf dich. Dir, Vater, dir befehle Ich meinen Leib und Seele; Herr, segne und behüte mich! Nach Gellert. Eigene Mel.( Matth. 28, 19. Rom. 16, 20.) fristen! Amen, Amen, das sey wahr, So singen wir Hallelujah! 33. Gott, der Vater, wohn| Listen, Mit Waffen Gotts uns uns bei Und laß uns nicht verderben, Mach uns aller Sünden frei Und hilf uns selig sterben, Vor dem Teufel uns bewahr; Halt uns bei festem Glauben Und auf dich laß uns bauen, Aus Herzensgrund vertrauen, Dir uns lassen ganz und gar, Mit allen rechten ben. 2c. Christen Entfliehn des Teufels 2. Jesus Christus, wohn uns bei Und laß uns nicht verder= ben. 2c. 3. Heilger Geiste, wohn uns bei Und laß uns nicht verder= Luther, g. 1483 † 1346. II. Lieder von Gott. A. Gottes Wesen und Eigenschaften. Eigene Mel.( Eph. 4, 5. 6.) 34. Wir glauben all an ei-| Unfall will er wehren, Kein nen Gott, Schöpfer Himmels und der Erden, Der sich zum Vater geben hat, Daß wir seine Kinder werden. Er will uns allzeit ernähren, Leib und Seel auch wohl bewahren; Allem Leid soll uns widerfahren; Er forget für uns, hüt't und wacht, Es steht Alles in seiner Macht. 2. Wir glauben auch an Je= sum Christ, Seinen Sohn und unsern Herren, Der ewig bri 26 II. Lieder von Gott. dem Vater ist, Gleicher Gott| dem Sohne, Der aller Blöden von Macht und Ehren; Von Maria, der Jungfrauen, Ist ein wahrer Mensch geboren, Durch den heilgen Geist im Glauben, Für uns, die wir war'n verloren, Am Kreuz gestorben, und vom Tod Wieder auferstanden durch Gott. Tröster heißt Und mit Gaben zieret schöne; Die ganz' Christenheit auf Erden Hält in Einem Sinn gar eben; Hie all Sünd vergeben werden; Das Fleisch soll auch wieder leben; Nach diesem Elend ist bereit Uns ein Leben in Ewigkeit. Amen. 3. Wir glauben an den heilgen Geist, Gott mit Vater und Luther, g. 1483 ↑ 1546. Mel. Wie schön leucht't.( Ps. 100, 2. Luc. 1, 47.) Meine Eine, Wahre Frende, Wahre Waide, Wahre Gabe Hab ich, wenn ich Jesum habe. 35. Was freut mich noch,| Gibst du nicht, wer wird geben? wenn du's nicht bist, Herr Gott, der doch mein Alles ist, Mein Trost und meine Wonne? Bist du nicht Schild, was decket mich? Bist du nicht Licht, wo finde ich Im Finstern eine Sonne? Keine Reine, Wahre Freude, Auch im Leide, Auch für Sünden Jst, Herr, außer dir zu finden. 3. Was freut mich noch, wenn du's nicht bist, O Geist, der uns gegeben ist Zum Führer der Erlösten? Bist du nicht mein, was sucht mein Sinn? Führst du mich nicht, wo komm ich hin? Hilfst du nicht, wer will trösten? Meine Eine, Wahre Freude, Trost im Leide, Heil für Schaden Ist in dir, o Geist der Gnaden! 2. Was freut mich noch, wenn du's nicht bist, Mein Herr, Erlöser, Jesu Christ, Mein Friede und mein Leben? Heilst du mich nicht, wo find ich Heil? Bist du nicht mein, wo ist mein Theil?| V. 1, 2. Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769 Eigene Mel.( Luc. 2, 14. Pf. 138, 2.) 36. Allein Gott in der Höh| 2. Wir beten an und loben dich sey Ehr Und Dank für seine Für deine Ehr, und danken, Daß Gnade, Darum, daß nun und du, Gott Vater, ewiglich Renimmermehr Uns rühren kann gierst ohn alles Wanken; Ganz ein Schade! Gott Wohlgefal- ohne Maß ist deine Macht, Alllen an uns hat; Nun ist großzeit geschieht, was du bedacht. Fried ohn Unterlaß, All Fehd Wohl uns des guten Herren! hat nun ein Ende. 3. O Jesu Chrift, Sohn eingeUniv Bibl. Giessen A. Gottes Wesen und Eigenschaften. bor'n Deines himmlischen Va-| Gut, Allerheilsamster Tröster! ters, Verfühner derer, die ver- Vor Satans Macht nimm uns lor'n, Du Stiller unsers Ha- in Hut, Die Jesus Christ erders! Lamm Gottes, heilger löset Durch Martern groß und Herr und Gott, Nimm an die bittern Tod; Wend allen JamBitt in unsrer Noth, Erbarm mer ab und Noth; Darauf wir dich unser aller!. uns verlassen. 4. O heilger Geist, du höchstes Mel. Wie schön leucht't.( Offenb. 7, 11 c. Jes. 6, 3.) 37. Hallelujah! Lob, Preis und Ehr Sey unfrem Gott je mehr und mehr Für alle seine Werke; Von Ewigkeit zu Ewigkeit Sey in uns allen ihm bereit Dank, Weisheit, Kraft und Stärke! Klinget, Singet: „ Gnädig, herrlich, Heilig, heilig, Heilig ist Gott, Unser Gott, der Herr Zebaoth!" 27 2. Hallelujah! Preis, Ehr und Macht Sey auch dem Getteslamm gebracht, In dem wir sind erwählet, Das uns mit seinem Blut erkauft, In dessen Tod wir sind getauft, Das sich mit uns vermählet! Heilig, Selig Ist die Freundschaft Und Gemeinschaft, Die wir haben Und darin wir uns erlaben. Nach Decius um 1524. 3. Hallelujah! Gott, heilger Geist, Sey ewiglich von uns gepreist, Durch den wir neu geboren, Der uns mit Glauben ausgeziert, Dem Bräutigam uns zugeführt, Den Hochzeittag erkoren! Heil uns, Heil uns! Da ist Freude, Da ist Waide, Himmlisch Manna, Und ein ewig Hosianna! 4. Hallelujah! Lob, Preis und Ehr Sey unfrem Gott je mehr und mehr Und seinem großen Namen! Stimmt an mit aller Himmel Schaar Und singet nun und immerdar Mit Freude Amen, Amen! Klinget, Singet: ,, Gnädig, herrlich, Heilig, heilig, Heilig ist Gott, Unser Gott, der Herr Zebaoth! Darmstädter Gesangbuch von 1693. Mel. Es ist das Heil.( Jef. 45, 5. 6. Pf. 95, 1-8.) seinem ganzen Wesen. 38. Der Herr ist Gott und| Er ist unendlich, grenzenlos In keiner mehr, Frohlockt ihm, alle Frommen! Wer ist ihm gleich, wer ist wie er, So herrlich, so vollkommen? Der Herr ist groß, sein Nam ist groß, 2. Er ist und bleibet, wie er ist; Wer strebet nicht vergebens, Ihn auszusprechen? wer ermißt Die Dauer seines Le 28 bens? Wir Menschen sind von| ginnt; er siehts gewiß, Er sieht gestern her; Eh noch die Erde es schon von ferne. war, war er, Und eher als die Himmel. 3. Um seinen Thron her strömt ein Licht, Das ihn vor uns verhüllet; Ihn fassen alle Himmel nicht, Die seine Kraft erfüllet. Er bleibet ewig, wie er war, Verborgen und auch offenbar In seiner Werke Wundern. 6. Wer schüßt den Weltbau ohne dich, Herr, vor seinem Falle? Allgegenwärtig breitet sich Dein Fittig über Alle. Du bist voll Freundlichkeit, voll Huld, Barmherzig, gnädig, voll Geduld, Ein Vater, der verschonet. 7. Unsträflich bist du, heilig, gut, Und reiner als die Sonne, Wohl dem, der deinen Willen thut, Denn du vergiltst mit Wonne. Du hast Unsterblichkeit allein, Bist selig, wirst es ewig seyn; Haft Freuden, Gott, die Fülle. II. Lieder von Gott. 4. Wo wären wir, wenn seine Kraft Uns nicht gebildet hätte? Er kennt uns, kennet, was er schafft, Der Wesen ganze Kette; Bei ihm ist Weisheit und Verstand, Und er umspannt mit seiner Hand Die Erde sammt dem Himmel. 5. Ist er nicht nah? ist er nicht fern? Weiß er nicht Aller Wege? Wo ist die Nacht, da sich dem Herrn Ein Mensch verbergen möge? Umsonst hüllt ihr in Finsterniß, Was ihr be8. Dir nur gebühret Lob und Dank, Anbetung, Preis und Ehre; Kommt, werdet Gottes Lobgesang, Ihr, alle seine Heere! Der Herr ist Gott und keiner mehr! Wer ist ihm gleich, wer ist wie er, So herrlich, so vollkommen? Cramer, g. 1723 † 1788. Eigene Mel.( 2 Mof. 15, 2. Pf. 139.) 39. Gott ist mein Lied! Er ist der Gott der Stärke; Herr ist sein Nam, Und groß sind seine Werke Und alle Himmel sein Gebiet. 2. Er will und sprichts, So find und leben Welten; Und er gebeut, So fallen durch sein Schelten Die Himmel wieder in ihr nichts. 3. Licht ist sein Kleid Und seine Wahl das Beste. Er herrscht als Gott, Und seines Thrones Feste Ist Wahrheit und Gerechtigkeit. 4. Unendlich reich, Ein Meer von Seligkeiten, Ohn Anfang Gott Und Gott in ewgen Zeiten, Herr aller Welt, wer ist dir gleich? A. Gottes Wesen und Eigenschaften. 5. Was ist und war In Him-| Ehre, Dein Lob in meinem mel, Erd und Meere, Das Munde seyn. kennet Gott; Und seiner Werke Heere Sind ewig vor ihm of fenbar. 6. Er ist um mich, Schafft, daß ich sicher ruhe; Er schafft, was ich Vor oder nachmals thue, Und er erforschet mich und dich. 7. Er ist dir nah, Du fizest oder gehest; Ob du ans Meer, Ob du gen Himmel flöhest, Sv ist er allenthalben da. 8. Er kennt mein Flehn Und allen Rath der Seele. Er weiß, wie oft Ich Gutes thu und fehle, Und eilt, mir gnädig beizustehn. 9. Er wog mir dar, Was er mir geben wollte, Schrieb auf sein Buch, Wie lang ich leben sollte, Da ich noch unbereitet 29 war. 10. Nichts, nichts ist mein, Das Gott nicht angehöre. Herr! immerdar Soll deines Namens 11. Wer kann die Pracht Von deinen Wundern fassen? Ein jeder Staub, Den du hast werden lassen, Verkündigt seines Schöpfers Macht. 12. Der kleinste Halm Ist deiner Weisheit Spiegel. Du, Luft und Meer, Ihr, Auen, Thal und Hügel, Ihr seyd sein Loblied und sein Psalm. 13. Du tränfst das Land, Führst uns auf grüne Waiden, Und Nacht und Tag, Und Korn und Wein und Freuden Empfangen wir aus deiner Hand. 14. Kein Sperling fällt, Herr, ohne deinen Willen; Sollt ich mein Herz Nicht mit dem Troste stillen, Daß deine Hand mein Leben hält? 15. Ist Gott mein Schuß, Will Gott mein Netter werden, So frag ich nichts Nach Himmel und nach Erden, und biete selbst der Hölle Truß. Gellert, g. 1715 † 1769. Mel. Es glänzet der Christen.( Pf. 54, 8. Joh. 1, 16. Rom. 9, 33.) 40. Gott lebet! sein Name| gig ist, kommen: Mir wird gibt Leben und Stärke, Er doch mein Ruhm und mein Gott bleibet der Seinigen Sonne nicht genommen. und Schild; Sobald ich, so oft ich sein Regen vermerke, So fühl ich mich innig mit Kräften erfüllt. Sein bin ich ganz eigen, Das muß sich wohl zeigen; Laß Alles, was widrig und tro-| Fennet und lobet den Herrn! 2. O Seelen, vernehmet den göttlichen Willen! Das Höchste, das Beste, das gibt er so gern; Eröffnet das Herz nur, so wird er es füllen, Versucht es, er II. Lieder von Gott. 30 Scyd ihr noch entfernet, So| lem, was feindlich, entgegen fehet und lernet, Was manche zu gehen. an seinen durchdringenden Gaben, Ja selber an ihm, dem Lebendigen, haben. 3. In linden und leichten, erträglichen Tagen Vermeinet ein jeder gefasset zu seyn; Ist aber ein ernstliches Treffen zu wagen, So stellet sich furchtsame Blödigkeit ein. Nur Gottesbekannte und Schirmesverwandte Sind tüchtig, in allerlei Fällen zu stehen Und al4. Wer glaubet, der fleucht nicht; es muß ihm wohl gehen, Es birget sich vor ihm die Furcht und Gefahr, Und ehe die Trägen den Gegner ersehen, So wird er des Siegs und des Preises gewahr; Er sieht sich berufen Von Stufen zu Stufen, Und weil er auf Gottes Verheißung sich lehnet, So wird er mit himmlischem Segen gekrönet. J. A. Bengel, g. 1687 † 1752. Mel. Nun danfet Alle Gott.( Pf. 8. Apostelg. 14, 17. Sprüche 23, 26.) 41. Wie herrlich ist, o Gott,| daß du täglich uns Unzählig Dein Ruhm in allen Landen! Gutes schenkst?" Die Himmel und ihr Heer Sind durch dein Wort entstanden; Du sprichst, und es geschieht, Gebeutst, so steht es da! Mit Allmacht bist du mir Und auch mit Güte nah. 2. Du bist der Gott der Kraft, Dich preisen Erd und Meere Und Himmel predigen Die Wunder deiner Ehre. Dich bet ich dankbar an; Mein Heil kommt von dem Herrn, Du hörst der Menschen Flehn Und du errettest gern. 3. Wenn ich die Himmel seh, Die du, Herr, ausgebreitet, Der Sonne Majestät, Den Mond, den du bereitet, So sprech ich: ,, was ist doch Der Mensch, daß du sein denkst Und 4. Wie Schafe läßst du uns Aufgrüner Aue waiden, Nährst uns mit Speis' und Trank, Füllst unser Herz mit Freuden. Du sahst mich, eh der Grund Der Welt geleget war, Stundst meiner Mutter bei, Als sie mich dir gebar. 5. Du wogst mein Glück mir dar Und Leiden, die mich üben; Und meiner Tage Zahl Ist in dein Buch geschrieben. Du bist der Frommen Schuß, Du bist der Müden Ruh, Ein Gott, der gern verzeiht; Wie gnädig, Gott, bist du! 6. Herr! dein Gebot ist Heil, Dein Weg ist Fried und Leben; Wie sollt ich dir, dem Gott Der Liebe widerstreben? Umsonst A. Gottes Wesen und Eigenschaften. 31 lockt mich die Welt, Die breite| bist, Bedenken, daß mein Leib, Straßen zieht; Ich hasse ihren O Gott, dein Tempel ist. Weg, Weil mich dein Auge fieht! 7. Auch wenn kein Mensch mich sieht, Will ich die Sünde fliehen, Denn du wirst alle Welt Vor dein Gericht einst ziehen. Ich will, wenn sich mein Fleisch Hinsehnt, wo du nicht Mel. Gott, mein Gott, dir will ich singen.( Ps. 139. 1 Petr. 3, 12.) 42. Herr, allwissend und all-| Verstand; Was ich jeden Tag sehend, Deiner Welt unendlich nah! Vor dir bin ich, stehend, gehend, Sitz ich wo, so bist du da. All mein Denken, all mein Sorgen, So geheim, so schwach es sey, Steht vor dir entdeckt und frei: Nichts ist deinem Aug' verborgen; Du bist um und an um mich, Waltend, wach und väterlich. verrichte, Sey es wichtig oder klein, Leitest du, Gott, weislich ein; Meinen Rath machst du zu nichte. Droht Versuchung dort und hier, Hältst du deine Hand ob mir. 4. Deine Einsicht zu ergründen, Neicht der Menschen Wis nicht hin; Deines Waltens Art zu finden, Ist zu viel für meinen Sinn. Deine Nähe, deine Ferne, Deine Größe, die die Welt Denkt, schafft, trägt, bewegt, erhält, Ist, je mehr ich forsch und lerne, Einem schwachen Wurm zu schwer, Welcher ist von gestern her.( hiob 25. 6.) 5. Führ' ich durch des Himmels Breiten Zu der Sonnund Sternenbahn; Lief' ich durch der Länder Weiten Hin, so weit man laufen kann; Flög' ich, als mit Adlersflügeln, Wo der junge Morgen blüht, Wo des Tages Licht verglüht An 2. Jeden Weg, Herr, den ich mache, Jedes Wort, das aus mir fließt; Wo ich hoffe, weine, lache, Wo mein Herz durchkümmert ist; Wo ich voll erhizten Blutes Will, was ich nicht wollen soll; Wo ich guter Triebe voll, Dankbar, eifrig, guten Muthes, Deinem Tempellaufe zu:- Alles das durchschauest du. 8. Was frag ich außer dir Nach allem Glück der Erde, Wenn ich nur deiner Huld, Gott, versichert werde? Wie sanft ist dein Gebot: ,, Gib mir dein Herz, mein Sohn, Und wandle meinen Weg; Ich bin dein Schild und Lohn." 3. Ja du schaffst, was ich beginne Und du gibst mirs an die Hand; Was ich irgend Schönes sinne, Ist gewiß nicht mein 32 den goldbemalten Hügeln, Zög'| und tief! Welche liebende Geich gar dem Grabe zu Und der danken Wendest du, mein Gott, Höll:- auch da bist du! an mich Schonungsvoll und väterlich, Ohne Maß und Zahl und Schranken! Durch die Nacht erwäg ich dieß, Und kein Schlaf thut mir so süß. II. Lieder von Gott. 6. Schlich' ich mich auf öde Haiden, In die Wüsten, fern am Meer; Würdst du mich auch da begleiten, Ja mich führen selbst daher. Spräch ich: „ Dunkel soll mich decken!" Ist die Nacht dir nicht auch Tag? Und vor deinem Aug wer mag Sich in Finsterniß verstecken? Meines Herzens tiefster Grund, Wunsch und Sorge find dir fund. 7. Schon mein Gott in Mutterleibe, Hast du mich zur Welt gebracht; Schon bedacht war, wo ich bleibe, Schon die Herberg angesagt. Alle meine Lebenstage, Meine erst und letzte Nacht Waren schon von dir durchdacht, Jeder Stunde Lust und Plage, Jeder Schickung Sonderheit, Bis zum Rand der Lebenszeit. 8. O wie find die Werke wich- Herz noch böse, tig, Die dein Wort ins Leben de mich noch heut rief! Und wie ist dein Denken Weg der Seligkeit! richtig, Reich und scharf, genau - 9. Manche wollen, Gott der Götter, Deine Werk und dich nicht sehn; Möge doch der Rath der Spötter Bald und ganz zu Grunde gehn, Die dein Gnadenwerk nicht spüren, Vom Gefühl der Gottheit los, Nur in ihrer Thorheit groß, Gute Seelen gern verführen! Hilf mir, wie sie mich verschmähn, Allzeit ihnen widerstehn. 10. Gott! du kennest Herz und Sinnen, Siehe recht genau auf mich Und erforsche mein Beginnen; Etwan lieb und fürcht ich dich, Etwan siehst du manche Blöße Und mich noch nicht tren genug, Etwan steckt noch wo ein Trug, Etwan ist mein Gott, da wenAuf den Lehmus, g. 1707 † 1788. Mel. Was Gott thut.( 2 Chron. 16, 9. Jef. 40, 27: c. Pf. 34, 1.) 43. Der Vater kennt dich!| dich die Welt verkennen, Er kenn auch ihn, Erkenn ihn wohl, o Seele! Ob finstre Wolken dich umziehn, Den höchsten Freund erwähle. Ist er nur dein, Bist du nur sein: Mag wird sein Kind dich nennen. 2. Der Vater kennt dich! sey dein Schmerz In deiner Brust verborgen, Es weiß um ihn das Vaterherz, Ihm klage deine A. Gottes Wesen und Eigenschaften. Sorgen. Zu Gott empor! Ver-| Was Nächte dicht umgeben, nimmt kein Ohr, O Christ, Muß einst ans Licht sich heben. dein banges Sehnen, Dein Va= ter zählt die Thränen. 5. Der Vater kennt dich! segnest du Geheim die Armen, Kranken? Verklärst du einsam deine Ruh Durch himmlische Gedanken? Dich steht der Geist, Der Vater heißt; Kein stilles Thun, kein Sinnen Kann seinem Aug entrinnen. 6. Der Vater kennt dich! sey die Bahn Der Zukunft nicht verkündet, Des lieben Vaters Blicke sahn, Was hier kein Aug ergründet. Mit frommer Scheu Sey ihm getreu; Der ewgen Liebe Flügel Trägt dich auf Freudentheil. 3. Der Vater kennt dich! deine Kraft, Dein Heil hat er ermessen. Der allen Wesen Freude schafft, Der sollte dein vergessen? Nicht wähne fern Die Hand des Herrn; Wenn Hilf und Lust dir frommen, Wird feine Stunde kommen. 4. Der Vater kennt dich! laß die Macht Der Sünde nie dich beugen; Gott schaut dich, wo kein Richter wacht; Verehre diesen Zeugen! Ihn täuscht nicht Lug Noch Frevlertrug; 3ions Hügel. 33 Eigene Mel.( Pf. 139.) 44. Dewger Geist, deß We-| Meeres Gründen, So wird er dich, du ihn da finden. sen Alles füllet Und den kein Ort in seine Grenzen hüllet, Der unumschränkt Sich niedersenkt Mit seiner Kraft in alle Dinge, Dem nichts zu groß, nichts zu geringe! 2. Kein Salomo kann einen Tempel bauen, Von welchem man dich könnt umschlossen schauen; Denn schon deinSaum Füllt dessen Raum; Es müssen Himmel, Meer und Erden Ein Schauplaß deiner Ehre werden. 3. Will unser Fuß hinauf in Wolken steigen, So wird dein heller Glanz daselbst sich zeigen; Steigt er hinab In Höll und Grab, Senkt er sich zu des Evangelisches Gesangbuch. 4. Dein Auge fieht, was Nacht und Abgrund decken, Es kann sich nichts vor deinem Licht verstecken; Es dringet ein In Mark und Bein, Dein Flammenauge muß die Tiefen Des Herzens und der Nieren prüfen. 5. Du weißt und hörst, was deine Kinder beten, Du siehst, wenn sie verborgen vor dich treten; Macht gleich ihr Mund Nicht alles kund, So kannst du selbst des Herzens Sehnen Mit Segen und Erhörung krönen. 6. Vor Menschen bleibt jetzt manches Thun verborgen, Dir aber ist die Nacht ein klarer 3 34 II. Lieder von Gott. Morgen, Und dein Gericht Wird an das Licht und an die helle Sonne bringen, Was Finsternisse jetzt umringen. 7. Auge, das nicht Trug und Falschheit leidet! Wohl dem, der auch verborgne Sünden meidet; Der, los und frei Von Heuchelei, Vor dir und Mel. Es ist genug.( 1 Cor. 10, 13. Cap. 1,9. Weish. 15, 1.) 45. Gott ist getren! sein Herz, sein Vaterherz Verläßt die Seinen nie; Gott ist getreu! im Wohlseyn und im Schmerz Erfreut und trägt er sie. Mich decket seiner Allmacht Flügel, Stürzt ein, ihr Berge, fallt, ihr Hügel! Gott ist getreu! 2. Gott ist getreu! er ist mein treuster Freund, Dieß weiß, dieß hoff ich fest; Ich weiß gewiß, daß er mich keinen Feind Zu hart versuchen läßt. Er stärket mich nach seinem Bunde In meiner Prüfung trübsten Stunde. Gott ist getren! Menschen redlich handelt Und unter deiner Aufsicht wandelt! 8. Erforsche selbst die innerstenGedanken, Ob sie vielleicht von deiner Richtschnur wanken; Lenk Herz und Sinn Zur Wahrheit hin, Sey du der Leitstern meiner Füße, Bis ich, mein Licht, die Augen schließe. Rambach, g. 1693 † 1735.-3. Gott ist getren! er thut, was er verheißt. Er sendet mir sein Licht; Wenn dieses mir den Weg zum Leben weist, So irr und gleit ich nicht. Gott ist kein Mensch, er kann nicht lügen, Sein Wort der Wahrheit kann nicht trügen. Gott ist getreu! 4. Gott ist getreu! er handelt väterlich, Und was er thut, ist gut, Die Trübsal auch; mein Vater bessert mich Durch Alles, was er thut; Die Trübsal gibt Geduld und Stärke Zum Fleiß in jedem guten Werke. Gott ist getreu! 5. Gott ist getren! er hat uns selbst befreit Von unsrer Sündennoth Durch seinen Sohn, durch dessen Heiligkeit Und blutgen Opfertod. Damit wir möchten nicht verderben, Ließ er den Eingebornen sterben. Gott ist getren! 6. Gott ist getren! er, deß ich ewig bin, Sorgt für mein ewig Wohl; Er rufet mich zu seinem Himmel hin, Will, daß ich leben soll. Er reinigt mich von allen Sünden Und läßt mich Trost durch Christum finden. Gott ist getreu! 7. Gott ist getreu! stets hat sein Vaterblick Auf seine Kinder Acht; Er sieht mit Lust, auch wenn ein irdisch Glück Sie froh und dankbar macht. Was A. Gottes Wesen und Eigenschaften. 35 uns zu schwer wird, hilft er| Ende mir zum Glücke. Gott ist tragen und endlich stillt er alle getreu! Klagen. Gott ist getreu! 8. Gott ist getreu! mein Herz, was fehlt dir noch, Dich Gottes stets zu freun? Sey Gott getreu und fürchtè nichts, mag doch Die Welt voll Falschheit seyn! Selbst falscher Brüder Neid und Tücke Gereicht am 9. Gott ist getreu! vergiß, o Seel, es nicht, Wie zärtlich treu er ist! Gott treu zu seyn, sey deine liebste Pflicht, Weil du so werth ihm bist. Halt fest an Gott, sey treu im Glauben, Laß nichts den starken Trost dir rauben: Gott ist getreu! Liebich, g 1713 † 1780. Mel. So führst du doch.( Ps. 40, 11.) 46. Gott ist getren! er selbst| o Vater, denn ich bin dein Werk, hats oft bezeuget; Hier ist sein Wort, das gilt doch ewiglich. Er hat zu mir sein Vaterherz geneiget, Fest glaub ich es, niemals verläßt er mich. An meiner Tren ermangelt mancherlei, Das wußte, der mit mir den Bund gemacht und der mein Elend pünktlich überdacht, Und schenkt mir doch das Wort: Gott ist getren! Mein Jesu, auf dein Leben und Verscheiden, Gott, heilger Geist, auf deine Gnad und Stärk. Ich bin nichts werth, o das bekenn ich frei! Weg, Eigenwerk, dein Schimmer reicht nicht weit; Mein Element ist nur Barmherzigkeit, Daraus entspringt der Trost: Gott ist getren! 4. Gott ist getreu! ich fühls 2. Gott ist getreu! das hab ich an meiner Seelen, An welcher deinem Munde Oft nicht ge- er bisher so viel gethan. Ich glaubt, du frommes Baterherz. kann sein Werk und Trene nicht Ich ängstigte mich in der Prü- verhehlen: Durch seinen Geist fungsstunde Und häufete ver-| lieb ich die schmale Bahn, Sein geblich meinen Schmerz; Eh Wort, sein Reich; und immer ichs gedacht, da war die Noth wird mir neu Sein Bild, wo ichs vorbei; Das hab ich nun so oft an seinen Kindern find, Und bin und viel erlebt, O Schande, nun nimmer wie die Welt so wenn mein Herz aufs neue blind; Fehl ich, Gott zeigts, bebt! Ists nicht noch heute Gott hilft, Gott ist getren! wahr: Gott ist getren? 5. Gott ist getren! wie oft hat er mein Flehen Nach Wunsch erhört in großer Kümmerniß! 3. Gott ist getren! ich wags auch heut mit Freuden Auf dich, 36 11. Lieder von Gott. Worinnen ich noch muß auf und draußen mich und Andre Hoffnung säen, Geduld, das kommt zuletzt, zulegt gewiß! Selbst mein Gefühl, daß ich so elend sey Und meine Furcht vor'm Rückfall wirket er, Nur daß er brünstiger mich beten lehr, Und hilft doch immer durch. Gott ist getreu! kränkt, Kenn ich doch den, der alles weislich lenkt, Der mich auch kennt und liebt. Gott ist getreu! 6. Gott ist getreu! will mich schon Trägheit quälen, Er trägt, er treibt, er schenkt mir neue Kraft. Gott ist getreu! will mir der Glaube fehlen, Läßt er sein Werk doch nicht, der alles schafft. Gott ist getreu! ob noch so mancherlei Daheim Mel. Wo Gott, der Herr.( Pf. 145.) 47. Es muß ein treues Herze| Opfer bringe. Dein Reich, das ist ein ewig Reich, Dir selbst ist deine Herrschaft gleich, Der du kein End erreichest. 4. Der Herr ist bis in unsern Tod Beständig bei uns allen, Erleichtert unsre Kreuzesnoth Und hält uns, wenn wir fallen. Er steuert manchem Unglückslauf und hilft uns wieder freundlich auf, Wenn wir dahin gesunken. 5. Herr! Aller Augen sind nach dir Und deinem Stuhl gekehret: Denn du bists ja, der Alles hier So väterlich ernähret; Du thust auf deine milde Hand, Machst froh und satt, was auf dem Land, In Meer und Lüf= ten lebet. seyn, Das uns so hoch kann lieben, Da wir doch alle, groß und klein, Was gar nicht gut ist, üben; Gott muß nicht anders seyn, als gut, Daher fleußt seiner Güte Fluth Auf alle seine Werke. 2. Drum, Herr, so sollen dir auch nun All deine Werke danken, Voraus die Heilgen, deren Thun Sich hält in deinen Schranken, Die sollen deines Reichs Gewalt Und unvergängliche Gestalt Mit vollem Munde rühmen. 7. Gott ist getreu! ach drücke die drei Worte, Dreieinger Gott, doch tief in meinen Sinn, Mit welchen ich dann wohl an jedem Orte Auf jeden Fall indir gewappnet bin. Es werde deine Treu mir stündlich nen, Nur laß auch mich dir immer treuer seyn, Bis ich vollendet einst vor dir erschein Und ewigrühmen kann: Gott ist getreu! Muthmann, t 1747. 3. Sie sollen rühmen, daß der Ruhm Durch alle Welt erklinge, Daß jedermann im Heiligthum Dir Dienst und A. Gottes Wesen und Eigenschaften. 37 6. Du meinst es gut und thust| erhöret. Gott weiß wohl, wer uns Guts, Auch da wirs oft ihm hold und treu, Und solnicht denken. Wie mancher ist chem steht er denn auch bei, betrübten Muths, Verzehrt Wann ihn die Angst umtreibet. sein Herz mit Kränken, Besorgt und fürchtet Tag und Nacht, Gott hab ihn gänzlich aus der Acht Gelassen und vergessen! 9. Den Frommen wird kein Trost versagt, Gott that, was sie begehren; Er mißt das Unglück, das sie plagt Und zählt all ihre Zähren und reißt sie endlich aus der Last; Den aber, der sie kränkt und haßt, Den stürzet er zu Boden. 10. Dieß alles und was sonsten mehr Lob, Dank und Preis kann bringen, Das soll mein Mund zu Ruhm und Ehr Dem Höchsten täglich fingen; Und also thu auch immerfort, Was lebt und webt an jedem Ort, Das wird Gott wohlgefallen! Gerhard, g. 1606 † 1676. 7. Nein, Gott vergißt der Seinen nicht, Er hat zu große Treue Und neigt zu uns sein Angesicht, Daß er zuletzt erfreue. Gehts gleich bisweilen herb und schlecht, Ist er doch heilig und gerecht In allen seinen Wegen. 8. Der Herr ist nah und stets bereit, Wo man ihn findlich ehret, Und wer nur ernstlich zu ihm schreit, Der wird gewiß Mel. Werde munter.( 1 Petr. 1, 16. Pf. 5,5-7.) 48. Gott! vor dessen Ange-| deines Armes Stärke Wirkst sichte Nur ein reiner Wandel gilt, Ewges Licht, aus dessen Lichte Stets die reinste Klarheit quillt! Laß uns doch zu jeder Zeit Strahlen deiner Heiligkeit So durch Herz und Seele dringen, Daß auch wir nach Heilgung ringen. 2. Heilig ist dein ganzes Wesen Und kein Böses ist an dir; Ewig bist du so gewesen Und so bleibst du für und für. Was dein Wille wählt und thut, Ist untadelhaft und gut und mit du stets vollkommne Werke. 3. Herr! du willst, daß deine Kinder Deinem Bilde ähnlich sey'n. Nie besteht vor dir der Sünder, Denn du bist vollkommen rein; Du bist nur der Frommen Freund, Allem Bösen bist du feind, Wer beharrt in seinen Sünden, Kann vor dir nicht Gnade finden. 4. O so laß uns nicht verscherzen, Was du uns hast zugedacht; Schaffe in uns reine Herzen, Tödt in uns der Sünde 38 Macht! Denn was sind wir,| Daß er unsern Geist regiere Gott, vor dir? Du bist heilig, Und in alle Wahrheit führe. aber wir Sind verderbt, und wer kann zählen, Großer Gott, wie oft wir fehlen! 5. Uns von Sünden zu erlösen, Gabst du deinen Sohn dahin; O so reinige vom Bösen Durch ihn unsern ganzen Sinn! Gib uns, wie dein Wort verheißt, Gib uns deinen guten Geist, 6. Jede Neigung und Begierde, Jede That sey dir geweiht, Unsers Wandels größte Zierde Sey rechtschaffne Heiligkeit! Mach uns deinem Bilde gleich; Denn zu deinem Himmelreich Wirst du, Herr, nur die erheben, Die im Glauben heilig leben.3immermann, g. 1702 † 1783. II. Lieder von Gott, Mel. Es ist gewißlich.( 2 Cor. 5, 9. 10 Rom. 2, 6-11.) 49. Gerechter Gott! vor dein| Hand, Das Gute zu belohnen Und gibest, als ein Liebespfand, Den Frommen schöne Kronen. So zeigest du vor aller Welt, Daß es dir herzlich wohlgefällt, Wenn man das Gute liebet. Gericht Muß alle Welt sich stellen Und sich vor deinem Angesicht Ihr Urtheil lassen fällen. Du schaust von deinem hohen Thron, Ohn alles Ansehn der Person, Auf alle Menschenkinder.. 2. Du bist des Satans Werfen feind Und hasfest gottlos Wesen; Der ist gewißlich nicht dein Freund, Der sich zum Zweck erlesen, Was dein gerecht Gesetz verbeut, Und der sich wahrer Heiligkeit Von Herzen nicht befleißet. 3. Du liebest das, was recht und gut und bist ein Freund der Frommen; Wer glaubt und deinen Willen thut, Wird von dir aufgenommen; Sein Werk und Dienst gefällt dir wohl, Ist er gleich nicht so, wie er soll, Nach dem Gesetz vollkommen. 4. Du öffnest deine milde 5. Doch bleibt auch, was die Bosheit thut, Von dir nicht ungerochen. Ein Abgrund voller Qual und Gluth Wird denen zugesprochen, Die sich mit Sündenlust befleckt, Ja deine Hand ist ausgestreckt, Sie hier bereits zu strafen. 6. Der Untergang der ersten Welt, Die aus der Art geschlagen, Das Feuer, das auf Sodom fällt, Egyptens lange Pla gen Und andre Wunder deiner Macht Bezeugen, wenn dein Zorn erwacht, Wie du nach Werken lohnest. 7. Bleibt hier viel Böses ungestraft, Viel Gutes unbeloh A. Gottes Wesen und Eigenschaften. 39 net, So kommt ein Tag der| Dein Herz, das lauter Gutes Rechenschaft, Der keines Sün- hegt, Sey Vorbild meines ders schonet; Da wird sich die Herzens. Gerechtigkeit, Die jedem die Vergeltung beut, Am herrlichsten beweisen. 8. GerechterGott! laß meinen Sinn, Wie du, das Gute lieben; Nimm alle Lust zur Sünde hin, Wirk inniges Betrüben, Wenn sich dieß Uebel in mir regt; 2. Die böse Saat bringt böse Früchte; Saat auf den Geist wird Heil empfahn. Folg nicht dem lockenden Gesichte Der Sünden, die sich schmeichelnd nahn: Die Lust entflieht, mit ihrer Flucht Reift für den Tod die Sündenfrucht. Mel. Wer weiß, wie nahe.( Gal. 6, 75. Pf. 17, 12.) 50. Gott richtet immerdar| Hände gierig aus; Verderbest auf Erden, Sein Auge schläft du der Unschuld Pflanze, Beund schlummert nicht; Gerecht fleckest Seele, Amt und Haus, wird er erfunden werden, Auch Dann hast du hier schon Seewenn der Mensch ihm wider-| lenqual, Die deutet auf das spricht; Die Welt von Anfang zeigt es klar, Daß Gott ist RichTodesthal. ter immerdar. 3. Erziehst du sorglos deine Kinder, Vereitelst du ihr Herz schon früh, So ziehst du für die Erde Sünder Und tödtest für den Himmel sie, Und büßest selbst früh oder spät, Was Geiz und Leichtsinn ausgesät. 9. Und weil vor dir, gerechter Gott, Kein Sünder kann bestehen, Tr nicht des Mittlers Blut und Tod Zum Schild sich ausersehen, So gib mir die Gerechtigkeit, Die mich von deinem Zorn befreit, Durch sein Verdienst zu eigen. 4. Streckst du nach Ehr und goldnem Glanze Trugvolle Rambach, g. 1693 † 1735. 5. Lebst du in Scheelsucht, Groll und Hader, So ists ein Mord dir im Gebein; Alsdann wird dir in keiner Ader Ein Tropfen frohen Blutes seyn. Gott selber legt auf dich die Last: ,, Verdammlich ist, wer Brüder haßt!" 6. Verträumst du deine edlen Tage Mit eitlem Werk und schnödem Scherz, So sey gewiß, daß Pein und Klage Dir immer tiefer gehn durchs Herz. Kein Baum, der nur mit Blättern prangt, Die Frucht ists, was der Herr verlangt. 7. Sprich nicht: ,, es hat nichts zu bedeuten, Ich thu, was Tausenden gefällt:" Du wirst ja II. Lieder von Gott. 40 nicht von schwachen Leuten Ge-| ein, Ihn täuschet nicht der richtet, nein, vom Herrn der fromme Schein. Welt! Der Sünde schont er ewig nicht, Nach seinem Wort geht das Gericht. 8. Gott folget dir auf jedem Schritte, Er sprenget Niegel auf und Thor, Und auch der Lauheit matte Tritte Bringt strafend er ans Licht hervor. Vor ihm hüllt uns kein Dunkel 9. Gott richtet recht! drum fleh, o Seele, Bußfertig ihn aus voller Brust; Herr, wer kann merken seine Fehle? Bekehr mich von der Sündenlust; Vergib und stell durch deinen Sohn Mich einst gerecht vor deinen Thron! Nach Würfert. Mel. 3euch mich, zeuch mich.( Jef. 54, 10.) 51. ,, Weicht, ihr Berge! fallt| hatFrieden, Welcher Allesüberihr Hügel! Gottes Gnade weicht mir nicht; Und derFriede hat dieß Siegel, Daß Gott seinen Bund nicht bricht!" Dieses macht mich unverzagt, Weil es mein Erbarmer sagt. steigt. Mein Erbarmer, sprich mir du Dieß in allen Nöthen zu! 4. Wenn mich meine Sünden schmerzen, Und der Strafen lange Pein, Ach so rede meinem Herzen Deinen Trost und Frie2. Das sind Worte für die den ein: Daß du mir in Jesu Blöden, Die sind alles Glau- Christ Ewig ein Erbarmer bist. bens werth; Das heißt an die Herzen reden, Das ist Trost, wie man begehrt: Gottes Gnade weicht dir nicht, Weil es dein Erbarmer spricht. 5. Gib mir einen starken Glauben, Der dein Wort mit Freuden faßt, So kann mir der Tod nicht rauben, Was du mir geschenket hast. Auch die Hölle nimmt mir nicht, Was mein Heiland mir verspricht. 3. Hier ist Kraft für alle Müden, Die so manches Elend beugt. Man find't Gnade, man Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Eigene Mel.( Pf. 25, 8-10.) Herr ist gut! 52. Der Herr ist gut, in des-| Kampfe Kraft und Muth: Der sen Dienst wir stehn, Wir dürfen ihn in Demuth Vater nennen; Wenn wir nur tren auf seinen Wegen gehn, So sehn wir ihn von zarter Liebe brennen. Dieß Wort gibt uns im 2. Der Herr ist gut! er will der Sünder Schuld Nicht unerbittlich mit dem Schwerte rächen; Es ist bei ihm ein Reichthum derGeduld, Er heilet gern A. Gottes Wesen und Eigenschaften. 41 der Irrenden Gebrechen; Er| hier der Glaube thut: Der Herr segnet uns durch seines Sohnes ist gut! Blut; Der Herr ist gut! 3. Der Herr ist gut und theilt sich willig mit, Sein Wesen ist ein Brunnen edler Gaben! Er geht uns nach und fragt bei jedem Schritt, Ob wir nicht was von ihm zu bitten haben? Wo ist ein Herr, der so mit Knechten thut? Der Herr ist gut! 4. Der Herr ist gut! kein Elend ist so groß, Er hat so Kraft als Neigung, uns zu schützen; Umschließet uns der ewgen Liebe Schoos, So können wir im stillen Frieden sitzen. Das macht sein Schuß, daß man hier sicher ruht; Der Herr ist gut! 5. Der Herr ist gut! wer dieß im Glauben schmeckt, Wird nimmermehr aus seinem Dienste gehen; Hier wird erst recht, was Freiheit sey, entdeckt, Hier kann der Geist im rechten Adel stehen. Nichts ist umsonst, was 6. Der Herr ist gut! er sieht inGnaden an Den armen Dienst der Knechte, die ihn lieben; Er gibt mehr Lohn, als man erwarten kann: Kein kühlerTrunk ist unvergolten blieben, Er gibt dafür die ganze Segensfluth; Der Herr ist gut! 7. Der Herr ist gut und bleibt es bis zum Tod, Wir sollen ihm in seinen Armen sterben; Er will uns führen aus der letzten Noth Und alles, was er hat, uns lassen erben Und Ruhe geben, wie er selber ruht; Der Herr ist gut! 8. Der Herr ist gut! fallt nieder vor dem Thron; Wir sind zum Segen herzlich eingeladen. Lobt unsern Gott, lobt seinen lieben Sohn, Lobt seinen heilgen Geift, den Geist der Gnaden; Lobt ihn für alles, was er ist und thut, Der Herr ist gut! Nambach, g. 1693 † 1735. Eigene Mel.( Pf. 25, 10. 1 Joh. 4, 10.) 53. Wie groß ist des Allmächtgen Güte! Ist der ein Mensch, den sie nicht rührt? Der mit verhärtetem Gemüthe Den Dank erstickt, der ihm gebührt? Nein, seine Liebe zu ermessen, Sey ewig meine größte Pflicht! Der Herr hat mein noch nie vergessen, Vergiß, mein Herz, auch seiner nicht! 2. Wer hat mich wunderbar bereitet? Der Gott, der meiner nicht bedarf. Wer hat mit Langmuth mich geleitet? Er, deffen Rath ich oft verwarf. Wer stärkt den Frieden im Gewissen? Wer gibt dem Geiste neue Kraft? Wer läßt mich so viel Guts genießen? Jsts nicht sein Arm, der Alles schafft? II. Lieder von Gott. 42 3. Blick, v mein Geist, in je-| 5. Dies ist mein Dank, dieß ist nes Leben. Zu welchem du erschaffen bist, Wo du, mit Herrlichkeit umgeben, Gott ewig sehn wirst, wie er ist. Du haft ein Recht zu diesen Freuden, Durch GottesGüte sind sie dein; Sieh, darum mußte Christus leiden, Damit du könntest selig seyn. sein Wille: Ich soll vollkommen seyn, wie er. Je mehr ich dieß Gebot erfülle, Stell ich sein Bildniß in mir her. Lebt seine Lieb in meiner Seele, So treibt sie mich zu jeder Pflicht; Und ob ich schon aus Schwachheit fehle, Herrscht doch in mir die Sünde nicht. 4. Und diesen Gott sollt ich nicht ehren Und seine Güte nicht verstehn? Er sollte rufen, ich nicht hören, Den Weg, den er mir zeigt, nicht gehn? Sein Will ist mir ins Herz geschrieben, Sein Wort bestärkt ihn ewiglich: Gott soll ich über Alles lieben, Und meinen Nächsten gleich als mich. 6. Gott! laß deine Güt und Liebe Mir immerdar vor Augen seyn; Sie stärk in mir die guten Triebe, Mein ganzes Leben dir zu weihn; Sie tröste mich zur Zeit der Schmerzen, Sie leite mich zur Zeit des Glücks, Und sie besieg in meinem Herzen Die Furcht des legten Augenblicks! Gellert, g. 1715 † 1769. Mel. O du Liebe meiner Liebe.( Eph. 3, 16-19. 1 Joh. 4, 16.) 54. Singet Gott, denn Gott| Du währst lang: auf alle Zeit; Du reichst tief: zu armen Sündern; Du führst hoch: zur Herrlichkeit. ist Liebe, Liebe, die da ewig währt; Singe durch des Geistes Triebe, Wer es an sich selbst erfährt! Wenn Gottläßt den Eifer brennen, Brennt er bis zum Höllengrund, Nun er sich läßt Liebe nennen, Wird es allen Himmeln kund. 3. Liebe, die mein Herz darf glauben, Ob sie mein Verstand nicht faßt, Laß den Feind mich dir nicht rauben, Der uns als Geliebte haßt! Liebe, laß es mir gelingen, Dich zu kennen, wie du bist! Liebe, lehr mich ewig fingen, Wie es Gottes würdig ist! Ph. Fr. Hiller, g. 1699+ 1769. 2. Liebe, die er in Erkenntniß Seines Sohnes uns bezeugt; Liebe, welche das Verständniß Aller Menschen übersteigt, Du bist weit: ob allen Kindern; A Gottes Wesen und Eigenschaften. 43 Mel. Jesu, du mein liebstes.( Sir. 17, 28. Pf. 103.) 55. Abgrund wesentlicher| verspricht; Schenkst uns deiner Liebe, Gott, du allerhöchstes Gut, Das aus unerforschtem Triebe Uns so gerne Gutes thut; Unergründlich Meer der Gnaden, Sonne wahrer Freundlichkeit, Quell des Trostes in dem Leid, Arzt für unsrer Seele Schaden! Meine Seele flehet dich: O du Liebe, liebe mich! 2. Huldreich Wesen, laß dir danken, Preisen dich von Herzensgrund! Deine Huld ist ohne Schranken, Unaussprechlich für den Mund, Wunderherzlich für die Sünder, Für uns kleine viel zu groß, In der Größe grenzenlos, Väterlich für alle Kinder. Meine Seele flehet dich: Große Liebe, liebe mich! Sohn der Liebe ,. Auch zum Bürgen meiner Schuld, Er ward Mensch aus freier Huld, Starb für mich aus heißem Triebe. Meine Seele flehet dich: Wunderliebe, liebe mich! 5. Diese Liebe soll mich lehren, Daß ich sey sein Eigenthum; Diese Liebe soll ich hören Durch sein Evangelium; Und sein Beispiel soll auf Erden Meines Wandels Richtschnur seyn, Ja auch in der höchsten Pein Mir zum steten Vorbild werden. Meine Seele flehet dich: Heilge Liebe, liebe mich! 3. Du hörst mein Gebet und Sehnen; Was mir noth, besorgest du, Zählst und sammelst meine Thränen, Siehest meinem Seufzen zu; Weißt und schaffest mein Betrüben, Schickst und linderst meinen Schmerz, Prüfft, erfährst und kennst mein Herz, Meinen Glauben und mein Lieben. Meine Seele flehet dich: Süße Liebe, liebe mich! 6. Diese Liebe hat durch Sterben Meinen Tod zu nicht gemacht, Mir das Leben vom Verderben Durch ihr Auferstehn gebracht; Ja mir steht der Himmel offen Durch der Liebe Himmelfahrt, Denn ein Glaube rechter Art Darf ein himmlisch Erbtheil hoffen. Meine Seele flehet dich: Sohn der Liebe, liebe mich! 7. Du hast mir den Geist gegeben, Daß er mich erleuchten soll; Dieser heiligt unser Leben, Macht die Herzen Trostes voll, Lehrt die Thoren, stärkt die Müden, Er erquickt, die elend sind, Und versiegelt deinem Kind Seinen Himmelstheil 4. Sünden willst du mir vergeben, Gnade, Hilfe, Trost und Licht, Ja sogar ein ewig Leben Ist es, was dein Wort II. Lieder von Gott. 44 durch Frieden. Meine Seele| flehet dich: Höchste Liebe, liebe flehet dich: Geist der Liebe, mich! liebe mich! 10. Wie die Väter sich erbarmen, Wenn fie Kinder wetnen sehn, Also läsfest du uns Armen Dein Erbarmen offen stehn. Gib mir doch ein solch Gemüthe, Das in deiner Liebe steht, Wacht und schlummert, liegt und geht Und nur lebt von deiner Güte. Meine Seele flehet dich: Treue Liebe, liebe mich! 8. Nicht nur gibst du mir im Leben, Was man irgend Wohlthun heißt, Du hast mir dich selbst gegeben, Dich mit deinem Sohn und Geist. Herr, wer kann genugsam danken? Deiner Liebe großes Licht Fassen Erd und Himmel nicht, Denn sie hat nicht End noch Schranken! Meine Seele flehet dich: Gott der Liebe, liebe mich! 11. Schließ mein Leben und mein Sterben Nur in deine Liebe ein, Laß mich einst mit deinen Erben Auferstehn und selig seyn; Denn dein Lieben ist das Leben Und die ewig süße Ruh, Ewig kann man nichts dazu Außer deiner Liebe geben. Meine Seele flehet dich: Selge Liebe, liebe mich! Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Mel. Wer nur den lieben.( Ephef. 1, 3-12.) 56. Geht hin, ihr gläubigen| Da reicht' er schon mir Gnade dar. Gedanken, Ins weite Feld der Ewigkeit, Erhebt euch über alle Schranken Der alten und der neuen Zeit; Erwägt, daß Gott die Liebe sey, Die ewig alt und ewig neu. 2. Der Grund der Welt war nicht geleget, Der Himmel war noch nicht gemacht, So hat Gott schon den Trieb geheget, Der mir das Beste zugedacht; Als ich noch nicht geschaffen war, 9. Wie der Himmel ob der Erden Herrlich, groß und lieblich ist, Läßst du deine Gnade werden, Wo du recht gefürchtet bist. Wie der Abend von dem Morgen, Also ist von dir, dem Herrn, Unsre Uebertretung fern, Wenn wir für die Seele sorgen. Meine Seele 3. Sein Rathschluß war: ich sollte leben Durch seinen eingebornen Sohn; Den wollt er mir zum Mittler geben, Den fandt er mir von seinem Thron, In dessen Blute soll ich rein, Geheiliget und selig seyn. 4. Wie wohl ist mir, wenn mein Gemüthe Empor zu diefer Quelle steigt, Von welcher sich ein Strom der Güte Zu A. Gottes Wesen und Eigenschaften. 45 mir durch alle Zeiten neigt, 9. Die Hoffnung schauet in die Daß jeder Tag sein Zeugniß Ferne Durch alle Schatten diegibt: Gott hat mich je und ser Zeit; Der Glaube schwingt je geliebt! sich durch die Sterne Und sieht ins Reich der Ewigkeit; Da zeigt mir deine milde Hand Mein Erbtheil und gelobtes Land. 5. Wer bin ich unter Millionen Der Kreaturen seiner Macht, Die in der Höh und Tiefe wohnen, Daß er mich bis hieher gebracht? Ich bin ja nur ein dürres Blatt, Ein Staub, der keine Stätte hat. 6. Ja freilich bin ich zu geringe Der herzlichen Barmherzigkeit, Womit, o Schöpfer aller Dinge, Mich deine Liebe stets erfreut; Ich bin, o Vater, selbst nicht mein, Dein bin ich, Herr, und bleibe dein! 7. Im sichern Schatten deiner Flügel Find ich die ungestörte Ruh. Der feste Grund hat die ses Siegel: Wer dein ist, Herr, den kennest du! Laß Erd und Himmel untergehn, TießWort der Wahrheit bleibet stehn. 8. Wenn in dem Kampfe schwerer Leiden Der Seele Muth und Kraft gebricht, So salbest du mein Haupt mit Freuden, So tröstet mich dein Angesicht; Da spür ich deines Geistes Kraft, Die in der Schwachheit Alles schafft. 10. O sollt ich dich nicht ewig lieben, der du mich unaufhörlich liebst? Sollt ich mit Un= dank dich betrüben, Da du mir Fried und Freude gibst? Ver= ließ' ich dich, o Menschenfreund, So wär ich selbst mein ärgster Feind! 11. Ach könnt ich dich nur besser ehren, Welch edles Loblied stimmt' ich an; Es sollten Erd und Himmel hören, Was du, mein Gott, an mir gethan! Nichts ist so tröstlich, nichts so schön, Als, höchster Vater, dich erhöhn. 12. Doch nur Geduld, es kommt die Stunde, Da mein durch dich erlöster Geist Im höhern Chor mit frohem Munde Dich, Quell der Liebe, schöner preist; Drum eilt mein Herz aus dieser Zeit Und sehnt sich nach der Ewigkeit! Joh. Gottfr. Heermann, g. 1707 † 1791. Mel. An Wasserflüssen.( Euc. 13, 6-9. 2 Petri 3, 9.) 57. Getreuer Gott! wie viel Geduld Erzeigest du uns Armen, Wir häufen täglich Schuld auf Schuld, Du häufest dein Erbarmen. Was ist des Menschen Lebenslauf? Er ist verkehrt von Jugend auf, Sein Sinn ist dir entgegen; Und 46 doch, o Vater, suchst du ihn| lassen und einen ungetreuen Von seinen Sünden abzuziehn, Zur Buße zu bewegen. 2. Der Menschen Elend jammert dich; Wenn sie sich selbst verstocken, So willst du sie doch väterlich Durch Güte zu dir locken. Wie trugest du so lange Zeit Die alte Welt mit Gütigkeit, Bis sie die Fluth verheeret! Wie lange sahst und riefest du Dem Volk einst in der Wüste zu, Bis sich ihr Herz bekehret! Knecht In Ewigkeit zu hassen. Doch nein, das kann dein Herze nicht, Das von Erbarmen wallt und bricht, Wenn deine Kinder fehlen! Es hat Geduld, so lang es kann, Es nimmt sich ihrer Schwachheit an Und wacht für ihre Seelen. 6. Du rufest ihnen in Ge fahr, So oft fie irre gehen, Reichst ihnen deine Hände dar, Von Sünden aufzustehen; Du lockest sie mit Vaterhuld, Versprichst, durch Jesum ihre Schuld Barmherzig zu vergeben, Gibst reichlich Glauben, Geist und Kraft, Und dann am Ziel der Pilgerschaft in ewig Freudenleben. II. Lieder von Gott. 3. Du gibst dem Sünder Zeit und Raum, Der Strafe zu entgehen; Du läsfest auch den argen Baum Nicht ohne Pflege stehen; Du wartest sein und suchest Frucht, Und wenn du gleich umsonst gesucht, Hörst du nicht auf zu bauen; Du schoneft sein von Jahr zu Jahr, Und Jesus bittet immerdar, Eh er wird abgehauen. 4. Gerechter Gott! so große Huld Erzeigst du frechen Sündern, Und hast nicht weniger Geduld Mit deinen schwachen Kindern; Sie werden ja, wenn Fleisch und Welt Und Satan ihnen Netze stellt, Oft ficher, matt und träge, Sie straucheln, fie verirren sich, Sie fallen oft, verlassen dich Und deine heilgen Wege. 5. Wohl hättest du, o Herr, das Recht, Sie wieder zu ver7. D Langmuth, der nichts gleichen kann, Leit uns durch dein Erbarmen; Sieh künftig auch geduldig an Die Schwachheit deiner Armen! Was hälf es, wenn dein Herz bisher Voll Güt und Huld gewesen wär, Und nun sich wenden sollte? Wenn deine mächtge Gotteshand, Die bisher Strafen abgewandt, Uns nun verderben wollte? 8. Drum, ewge Güte, trag uns noch Um Christi Todesschmerzen! Erwecke recht und rühre doch Die trägen, sichern Herzen, Daß deine Huld und Vatertren Uns ja kein Schild B. Schöpfung, Erhaltung, Regierung. 47 der Bosheit sey, Daß wir das solcher Gütigkeit Zur Buße Arge hassen Und uns noch in leiten lassen! der Gnadenzeit Den Reichthum 3immermann, g. 1702 † 1783. B. Schöpfung, Erhaltung, Regierung. Mel. Mein's Herzens Jesu.( Jef. 40, 26.) 58. Wenn ich, o Schöpfer,| und Sturm, Dich preist der deine Macht, Die Weisheit deiner Wege, Die Liebe, die für Alle wacht, Anbetend überlege, So weiß ich, von Bewundrung voll, Nicht, wie ich dich erheben soll, Mein Gott, mein Herr, mein Vater! Sand am Meere; Bringt, ruft auch der geringste Wurm, Bringt meinem Schöpfer Ehre! Mich, ruft der Baum in seiner Pracht, Mich, ruft die Saat, hat Gott gemacht, Bringt unsrem Schöpfer Ehre! 5. Der Mensch, ein Leib, den deine Hand So wunderbar bereitet, Der Mensch, ein Geist, den sein Verstand Dich zu erkennen leitet, Der Mensch, der Schöpfung Ruhm und Preis, Ist sich ein täglicher Beweis Von deiner Güt und Größe. 2. Mein Auge fieht, wohin es blickt, Die Wunder deiner Werke. Der Himmel, prächtig ausgeschmückt, Preist dich, du Gott der Stärke; Wer hat die Sonn an ihm erhöht, Wer kleidet sie mit Majestät? Wer ruft dem Heer der Sterne? 3. Wer mißt dem Winde seinen Lauf? Wer heißt die Himmel regnen? Wer schließt den Schoos der Erde auf, Mit Vorrath uns zu fegnen? O Gott der Macht und Herrlichkeit, Gott, deine Güte reicht so weit, So weit die Wolken reichen! 4. Dich predigt Sonnenschein 6. Erheb ihn ewig, o mein Geist, Erhebe seinen Namen! Gott, unser Vater, sey gepreist Und alle Welt sag Amen, Und alle Welt fürcht ihren Herrn Und hoff auf ihn und dien ihm gern; Wer wollte Gott nicht dienen! Gellert, g. 1715 † 1769. Eigene Mel.( Pf. 104.) 59. Herr! dir ist niemand| Majestät und Ruhm umgeben zu vergleichen, Kein Lob kann deine Größ erreichen, Kein noch so feuriger Verstand. Pracht, Dich, aller Wesen Quell und Leben; Licht ist dein strahlenvoll Gewand. In hohen, un II. Lieder von Gott. ermeßnen Fernen, Wohin kein| quickung, daß sein Durst sich sterblich Auge schaut, Hast du stillt; Auch rieseln Wasser durch weit über allen Sternen Dir die Wälder, Erfrischen und erdeinen höchsten Sig erbaut. freun das Wild. 2. Wie bist du, wenn du, Gott der Götter, Herabfährst, wenn du in dem Wetter Einhergehst, uns so fürchterlich! Du kommst und Wolken sind dein Wagen, Dein Wagen donnert; willig tragen Die Fittige des Sturmes dich. Die Engel fliegen gleich den Winden Vor dir voran, Herr Zebaoth! Wie Flammen, die sich schnell entzünden, Sind deiner Allmacht Diener, Gott! 3. Als du allmächtig sprachst: ,, es werde!" Da gründetest du fest die Erde; Vor Alters war die Tief ihr Kleid. Auf allen Bergen stunden Wasser, Du schaltst fie: da entflohn die Wasser, Durch deines Donners Kraft zerstreut. Der Berge Gipfel, Herr, erschienen, Erhoben durch dein mächtig Wort, Die Thäler sanken unter ihnen An den für sie bestimmten Ort. 48 4. Nun steht der Wasser Wuth umdämmet, Daß sie, durch deinen Arm gehemmet, Die Erde nicht verwüsten kann; Du sprichst, und dem Gebirg entquellen Die Brunnen, werden Bäch' und schwellen Zu Strömen und zu Seen an. Aus ihnen schöpft das Volk der Felder Er5. Viel schattenvolle Bäume grünen An deinen Wassern, und aus ihnen Ertönt der Vögel Lust und Dank; In ihrer Zweige Schuß verborgen, Frohlocken sie dir jeden Morgen, Tönt dir des Abends ihr Gefang. Mit deinem segensvollen Thaue Wird jeder steile Berg erquickt; Auch grünen fröhlich Feld und Aue, Mit deinen Früchten reich ge= schmückt. 6. Durch dich entsprießt, damit die Heerden Der sichern Flur gesättigt werden, Das Gras und kleidet schön das Land. Uns blühn die Kräuter, und der Segen Der Saaten reifet uns entgegen Und füllt des frohen Schnitters Hand. Brod gibst du für des Menschen Leben, Und unsre Herzen zu erfreun, Gibst du von traubenvollen Neben Mit milder, reicher Hand den Wein. 7. Herr! du gebeutst im Lauf zu eilen Der Erde, und das Jahr zu theilen, Schufst du den Mond durch deine Macht. Die Sonne sinkt, und aus den Wäldern Hebt sich das Wild und sucht auf Feldern Sich seine Nahrung in der Nacht. Der Mensch, ermattet von Geschäf B. Schöpfung, Erhaltung, Regierung. 49 ten, Verläßt sein Werk und fu-| deine Stärke Schuf und bewahchet Ruh; Der Tag kommt, und ret deine Werke; Sie sind dein mit neuen Kräften Eilt er der Wohlgefallen, Gott! Du schaust Arbeit wieder zu. die Erd an, sie erzittert! Du tasteft an der Berge Höhn, Und Berg und Fels, durch dich zersplittert, Sind Flammen, dampfen und vergehn! 10. Erheb, erheb, o meine Seele, Gott, meinen Schöpfer, und erzähle, Verkündige sein Lob der Welt! Ihm finge deine Jubellieder; Der Fromme halle sie ihm wieder, Dem Mächtigen, der uns erhält! Frohlockt ihm, alle seine Heere, Ihm weihet euren Lobgefang! Der Herr ist würdig, Preis und Ehre Zu nehmen, Lob und Ruhm und Dank! Cramer, g. 1723 † 1789. 8. Wie wimmelts in den weiten Meeren Von großen und von kleinen Heeren! Herr, deine Weisheit hat kein Ziel! Und wer mißt deine Huld und Stärke? MitStaunen seh ich deine Werke, Wie schön sind sie, wie groß und viel! Herr, Alles wartet auf der Erde, Im Meer und in der Luft auf dich, Daß es von dir gesättigt werde; Du segneft, fie erquicken sich. 9. Dein Odem tödtet und befeelet; Die Welt, die deine Huld erzählet, Erneuert sich auf dein Gebot. Dein Ruhm ist ewig, Eigene Mel.( Pf. 19, 1-7.) 60. Himmel, Erde, Luft und| hin Frisch und froh die Vögel Meer Zeugen von des Schö- ziehn! Feuerflammen, Sturm pfers Ehr; Meine Seele, singe und Wind Seines Willens du Und bring auch dein Rob Diener sind. herzu! 2. Seht das große Sonnenlicht, Wie es durch die Wolken bricht! Mondesglanz und Sternenpracht Loben Gott in stiller Nacht. 3. Seht, wie Gott der Erde Ball Hat gezieretüberall! Wälder, Flur und jedes Thier Zeigen Gottes Finger hier. 4. Seht, wie durch die Lüfte Evangelisches Gesangbuch. 5. Seht der Wasserwellen Lauf, Wie sie steigen ab und auf! Von der Quelle bis zum Meer Rauschen sie des Schöpfers Ehr. 6. Ach mein Gott, wie wunderbar Stellst ou dich der Seele dar! Drücke tief in meinen Sinn, Was du bist, und was ich bin! J. Neander, g. 1640 † 1680. 4 50 II. Lieder von Gott. Mel. Gott Vater, Herr wir banten dir.( Jes. 40, 26-31. Off. 4, 11. Pf. 148.) 61. Gott! Erd und Himmel| daß es kein Mann Erforschen noch ergründen kann. 6. Wie möcht doch unsre Blödigkeit Ausgründen deine Herrlichkeit, So wir dochDinge nicht verstehn, Womit wir allezeit umgehn! sammt dem Meer Verkünden deine Kraft und Ehr; Auch zeigen alle Berg und Thal, Daß du ein Herr seyft überall. 2. Die Sonne geht uns täglich auf, Es hält der Mond auch seinen Lauf. So find auch alle Stern bereit, zu preisen deine Herrlichkeit. 3. Die Thier und Vögel aller Welt Und was sich in dem Meer aufhält, Zeigt uns frei an ihm selber an, Was deine Kraft und Weisheit kann. 4. Du hast den Himmel ausgestreckt, Mit Wolkenheeren überdeckt, Und seiner Wölbung Majestät Mit goldnen Sternen übersät. 5. Du bists, der alle Ding regiert, Den Himmel und das Erdreich ziert, So wunderbar, 62. Gott! du gabst der Welt Im Anfang Licht und Leben. Nun hast du die Natur Mir als ein Buch gegeben, Drin viel zu lesen ist Von dei= ner großen Pracht, Von deiner weisen Huld, Von deiner Wundermacht. 7. Wie herrlich ist, Herr, und wie schön, Was du geschaffen, anzusehn! Doch wie viel lieblicher bist du, Herr, unser Gott, in deiner Nuh! 2. Dewge Majestät, Vor dir will ich mich beugen! Von deiner Herrlichkeit Seh ich die Himmel zeugen; Ich seh die 8. Du schließest Erd und Himmel ein, Dein Herrschen muß voll Wunder seyn; Du bist ein Herr in Ewigkeit, Von unnennbarer Herrlichkeit. 9. O Vater, Sohn und heilger Geist, Dein Name, der Allmächtig heißt, Sey hochgelobt inEwigkeit! Amen wir sprech'n mit Innigkeit! Mel. O Gott, du frommer.( Joh. 1, 1-4.) Böhmische Brüder. Sonne stehn, Sie spiegelt sich im Meer, Ich schau die Wolken an, Den Mond, das Sternenheer. 3. Die Luft, das Firmameut Schufst du aus Finsternissen; Es träuft, so bald du willst, Von milden Regengüssen; Und wenn dein Ruf gebeut, So blitt und donnert weit Der Wetter Sturm und Nacht, Du Gott der Herrlichkeit! B. Schöpfung, Erhaltung, Regierung. 51 4. Die Weisheit und die Kunst,| 7. Hier schweigt der Himmel Die Ordnung, das Regieren still, Die Erde sagt nicht weiKann man auf jedem Blatt, ter, Das tiefe Meer verstummt, An jedem Steine spüren. Die Die Sonne macht nicht heiter, Mannigfaltigkeit, Die doch zu- Bis daß ein andres Buch Ich sammenstimmt, Die macht, daß noch von oben her Zu meinem Aug und Herz In Wunder- Trost empfang, Und mich dein freude schwimmt. Geist belehr; 5. Die Weisheit bet ich an, Die Macht rührt mein Gemüthe; Doch ists noch nicht genug, Ich seh des Schöpfers Güte! Denn kein Geschöpf ist da, Dem er nicht Gutes thut; Ja, was er macht und will, Ist alles köstlich gut. 8. Das ist das heilge Buch, Darinnen steht geschrieben: Das Wort, das Alles schuf, Kam in die Welt mit Lieben, Voll Wahrheit, Gnad und Huld, Ward Mensch hier in der Zeit, Mein Leben, Licht und Trost, Gelobt in Ewigkeit! 9. In deine Welt will ich und in dein Wort mich senken. Die Schöpfung, Herr, soll mich Zu Dank und Ehrfurcht lenken; Doch deine Schrift, darin Dein Sohn mir ward bewußt, Die zieh mich ewig hin An deine Vaterbrust! Nach einem Pennsilvanischen Gesangbuche. V. 9 neuer 3usag. Mel. Ich dank dir schon durch.( 1 Mos. 1, 26. 27. 2 Theff. 2, 13. 14.) 63. Tritt her, o Seel, und| Für dich ist sie so wohl bestellt dank dem Herrn Für seine tausend Gaben, Mit denen er dich frei und gern Geziert hat und erhaben! Und was man drinnen schauet. 4. Dir trägt die Erde Brod und Wein, Dir Arzenei für Schmerzen, Dir hegt sie Thiere groß und klein, Dir Gold in ihrem Herzen. 5. Dort läuft und strömt das Wasser dir, Da stehet es dir stille, Bringt Perlen und Korallenzier Und Fische dir in Fülle. 6. Gott! wie wohl wird mir, Zu dir hinaufzusehen, Hoch über Alles weg Vor deinem Thron zu flehen. Doch trübt die Sündenschuld Mein armes Menschenherz, Und find ich keinen Trost Bei dem geheimen Schmerz. 2. Er hat aus nichts dich hergebracht, Wie seiner Huld gefallen, zu seinem Bilde dich gemacht, Dich ausgeschmückt vor Allen. 3. Für dich hat er die ganze Welt Erschaffen und erbauet, II. Lieder von Gott. 52 6. Die Luft erquickt dich jeder-| nicht an,( Willst du nur Gnade zeit Von außen und von innen; Der bunten Vöglein Munterkeit Ergößet deine Sinnen. 7. Dir fährt die Sonn des Tags herein Auf ihrem goldnen Wagen; Dir macht des Mondes Silberschein Die Nächte gleich den Tagen. 8. Zu deinen Diensten sind bereit Der Engel große Schaaren, Sie wachen jetzt und alle= zeit, Daß fie dich treu bewahren. 9. Und was noch mehr: er sieht 10. Er gibt den eignen Sohn für dich, Er liebt dich, wie sein Leben, Und will sich endlich ewiglich Dir schenken und er= geben. 11. Drum dank, o Seele, dank dem Herrn Für seine tausend Gaben, Mit denen er dich frei und gern Geziert hat und. erhaben! Angelus Silesius, g. 1624 t 1677. Eigene Mel.( Pf. 145. Eph. 5, 19 2c.) 64. Sollt ich meinem Gott| thener, Nein, er gibt ihn für mich hin, Daß er mich vom ewgen Feuer Durch sein theures Blut gewinn! O du Brunnen ohn Ergründen, Wie will doch mein schwacher Geist, Ob er sich gleich hoch befleißt, Deines Grundes Tiefe finden! Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. nicht fingen? Sollt ich ihm nicht dankbar seyn? Denn ich seh in allen Dingen, Wie so gut ers mit mir mein'. Ists doch nichts, als lauter Lieben, Was sein treues Herze regt, Das ohn Ende hebt und trägt, Die in seinem Dienst sich üben. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. finden,) Die Schmach, die du ihm angethan Mit tausendfachen Sünden. 2. Wie ein Adler sein Gefieder Ueber seine Jungen streckt, Also hat auch hin und wieder Mich des Höchsten Arm bedeckt, Alsobald in Mutterleibe, Da er mir mein Wesen gab Und das Leben, das ich hab Und noch diese Stunde treibe. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 3. Sein Sohn ist ihm nicht zu 4. Seinen Geist, den edlen Führer, Gibt er mir in seinem Wort, Daß er werde mein Regierer Durch die Welt zur Himmelspfort; Daß er mir mein Herz erfülle Mit dem hellen Glaubenslicht, Das des Todes Nacht durchbricht Und die Hölle selbst macht stille. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 5. Meiner Seele Wohlerge B. Schöpfung, Erhaltung, Regierung. 53 hen Hat er ja recht wohl be-| mein frommer Gott zu gut, dacht; Will dem Leibe Noth Will mein Fehlen mit der Ruth, entstehen, Nimmt ers gleich- Und nicht mit dem Schwerte falls wohl in Acht. Wenn rächen. Alles Ding währt seine mein Können, mein Vermögen Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. Nichts vermag, nichts helfen 9. Seine Strafen, seine Schläkann, Kommt mein Gott und ge, Ob mirs gleich oft bitter hebt mir an Sein Vermögen scheint, Dennoch, wenn ichs beizulegen. Alles Ding währt recht erwäge, Sind es Zeichen, seine Zeit, Gottes Lieb in daß mein Freund, Der mich Ewigkeit. liebet, mein gedenke, und mich von der schnöden Welt, Die mich hart gefangen hält, Durch das Kreuze zu ihm lenke. Al= les Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 10. Das weiß ich fürwahr und lasse Mirs nicht aus dem Sinne gehn: Christenkreuz hat Alles feine Maße Und muß endlich Got- stille stehn. Wann der Winter ausgeschneiet, Tritt der schöne Sommer ein, Also wird auch nach der Pein, Wers erwarten kann, erfreuet. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 11. Weil denn weder Ziel noch Ende Sich in Gottes Liebe find't, Ei so heb ich meine Hände Zu dir, BVater, als dein Kind, Bitte: wollst mir Gnade geben, Dich aus aller meiner Macht Zu umfangen Tag und Nacht Hier in meinem ganzen Leben, Bis ich dich nach dieser Zeit Lob und lieb in Ewigkeit! Gerhard, g. 1606 † 1676. 6. Himmel, Erd und ihre Heere Hat er mir zum Dienst bestellt; Wo ich nur mein Aug hinkehre, Find ich, was mich nährt und hält, Thiere, Kräuter und Getreide, In den Gründen, in der Höh, In den Büschen, in der See, lleberall ist meine Waide. Ding währt seine Zeit, tes Lieb in Ewigkeit. 7. Wenn ich schlafe, wacht sein Sorgen Und ermuntert mein Gemüth, Daß ich jeden lieben Morgen Schaue neue Lieb und Güt. Wäre mein Gott nicht gewesen, Hätte mich sein Angesicht Nicht geleitet, wär ich nicht Aus so mancher Angst genesen. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 8. Wie ein Vater seinem Kinde Sein Herz niemals ganz entzeucht, Ob es gleich bisweilen Sünde Thut und aus den Schranken weicht, Also hält auch meine Schwächen Mir 54 11. Lieder von Gott. Mel. Was Gott thut.( Pf. 71. 65. Mein Gott! du bist und bleibst mein Gott, Das macht mir tausend Freuden. Es kann mich weder Noth noch Tod Von deiner Liebe scheiden; Denn hab ich dich, So werden mich Die Flammen nicht ergreifen, Die Fluthen nicht ersäufen. 5. Du bist mein Gott; fein Elend kann mir diesen Trost benehmen, Und geh ich gleich auf rauher Bahn, Will ich mich doch nicht grämen. Der Weg zu dir ist dornig hier, Und führt mich doch zum Ziele, Wenn ich auch Schmerzenfühle. 6. Du bist mein Gott, auch wenn der Tod Mir alles andre raubet; Stirbt gleich der Leib, er hat nicht noth: Wer nur an Jesum glaubet, Der findet dort Den sichern Ort, Wo uns ein beßres Leben Auf ewig wird gegeben. 7. Du bist mein Gott; drum freu ich mich, Ich werde zu dir kommen, So bald nach meinem Sterben ich Der letzten Angst entnommen. Mein Gott ist mein Und ich bin sein! Nichts soll mir diesen Glauben Aus meinem Herzen rauben! Schmolf, g. 1672 † 1737. Mel. Lobt Gott, ihr.( Eph. 5, 19. 20. Mich. 7, 18-20.) 66. Ich finge dir mit Herz| seyft, Daraus uns allen früh und spat Viel Heil und Gutes fleußt. und Mund, Herr, meines Herzens Luft! Ich fing und mach auf Erden kund, Was mir von dir bewußt. 3. Was sind wir doch, was haben wir Auf dieser ganzen Erd, Das uns, o Vater, nicht von dir Allein gegeben werd? 2. Du bist mein Gott von Jugend auf In Freud und Leid gewesen; Es war mein ganzer Lebenslauf Zum Segen auserlesen. Wie manche Noth, Die mir gedroht, Hat deine Hand gewendet und Hilfe mir gesendet! 3. Du bist mein Gott und bis hieher Willst du noch immer walten. Da meiner längst vergessen wär, Hast du mich doch erhalten, Gespeist, getränkt Und sonst beschenkt Mit vielen Gnadengaben, Die Leib und Seele laben. 4. Du bist mein Gott auch künftighin, Darauf vertrau ich feste; Du änderst nie den treuen Sinn Und sorgft für mich aufs Weish. 3, 9.) beste. In Lieb und Leid Bist du bereit, Mir Nath und That zu geben, So lang ich werde leben. 2. Ich weiß, daß du der Brunn der Gnad Und ewge Quelle B. Schöpfung, Erhaltung, Regierung. 55 legst sie bei. 4. Wer hat das schöne Him-| ist dir zu klein, Du hebst und melszelt Hoch über uns gesetzt? Wer ist es, der uns unser Feld Mit Thau und Regen nett? 5. Wer wärmet uns in Kält und Frost? Wer schützt uns vor dem Wind? Wer macht es, daß man Oel und Most Zu seiner Zeit gewinnt? 12. Du füllst des Lebens Mangel aus Mit dem, was ewig steht, Und führst uns in des Himmels Haus, Wenn uns die Erd entgeht. 6. Wer gibt uns Leben, Kraft und Muth? Wer hält mit seiner Hand Des güldnen Friedens werthes Gut In unsrem Vaterland? 13. Wohlauf, mein Herze, lob und sing Und habe guten Muth! Dein Gott, der Ursprung aller Ding, Ist selbst und bleibt dein Gut. 14. Er ist dein Schat, dein Erb und Theil, Dein Glanz und Freudenlicht, Dein Schirm und Schild, dein Hilf und Heil, Schafft Nath und läßt dich nicht. 15. Was kränkst du dich in deinem Sinn Und grämst dich Tag und Nacht? Nimm deine Sorg und wirf sie hin Auf den, der dich gemacht! 16. Hat er dich nicht von Jugend auf Versorget und ernährt? Wie manchen schweren Unglückslauf Hat er zurückgekehrt! 7. Ach Herr, mein Gott, das kommt von dir, Du, du mußt alles thun! Du hältst die Wach vor unsrer Thür Und lässt uns ficher ruhn. 8. Du nährest uns von Jahr zu Jahr, Bleibst immer fromm und treu Und stehst uns, wenn wir in Gefahr, Mit Huld und Stärke bei. 9. Du strafft uns Sünder mit Geduld und schlägst nicht allzusehr; Ja endlich nimmst du unfre Schuld Und wirfft sie in das Meer. 10. Wenn unser Herze seufzt und schreit, Wirst du gar leicht erweicht und gibst, was uns zum Trost gedeiht Und dir zum Preis gereicht. 11. Du zählst, wie oft ein Frommer wein' Und was sein Kummer sey; Und keine Thrän' 17. Er hat noch niemals was versehn In seinem Regiment, Nein, was er thut und läßt geschehn, Das nimmt ein gutes End. 18. Ei nun, so laß ihn ferner thun Und red ihm nicht darein, So wirst du hier im Frieden ruhn Und ewig fröhlich seyn. Gerhard, g. 1606 † 1676. 56 II. Lieder von Gott. Eigene Mel.( Jerem. 17, 7. Pf. 3, 9.) 67. Alles ist an Gottes Se-| 4. Hoffnung kann das Herz gen Und an seiner Gnad gele- erquicken, Was ich wünsche, gen, Ueber alles Geld und Gut wird sich schicken, So es anWer auf Gott die Hoffnung ders Gott gefällt. Meine Seele, setzet, Der behält ganz unver- Leib und Leben Hab ich seiner lezzet Einen freien Helden- Gnad ergeben Und ihm Alles muth. 2. Der mich hat bisher ernähret Und mir manches Gut bescheret, Ist und bleibet ewig mein. Der mich wunderbar geführet Und noch leitet und regieret, Wird hinfort mein Helfer seyn. 3. Viele mühen sich um Sachen, Die nur Sorg und Unruh machen, Und ganz unbeständig find; Ich will nach den Gütern ringen, Die mir wahre Ruhe bringen, Die man in der Welt nicht find't. heimgestellt. 5. Er weiß schon nach seinem Willen Mein Verlangen zu erfüllen, Es hat alles seine Zeit; Ich hab ihm nichts vorzuschreiben; Wie Gott will, so muß es bleiben, Wann Gott will, bin ich bereit. 2. Es steht in feines Menschen Macht, Daß sein Rath werd ins Werk gebracht und ihn sein Gang erfreue. Des Höchsten Rath, der machts allein, Daß Menschenrath gedeihe. 6. Soll ich hier noch länger leben, Will ich ihm nicht widerstreben, Ich verlasse mich auf ihn; Ist doch nichts, das lang bestehet, Alles Irdische vergehet Und fährt wie ein Strom dahin! Um 1680. Mel. In dich hab ich gehoffet.( Pf. 73, 23-25. Jerem. 10, 23. Sprüche 16, 9.) 68. Ich weiß, mein Gott, daß all mein Thun Und Werk auf deinem Willen ruhn, Von dir kommt Glück und Segen; Was du regierst, das geht und steht Auf rechten, guten Wegen. 3. Gib mir Verstand aus deiner Höh, Auf daß ich ja nicht ruh und steh Auf meinem eignen Willen. Sey du mein Freund und treuer Rath, Was gut ist, zu erfüllen. 4. Was dir gefällt, das laß auch mir, O meiner Seele Sonn und Zier, Gefallen und belieben; Was dir zuwider, laß mich nicht In Werk und That verüben. 5. Ists Werk von dir, so hilf zum Glück; Ists Menschen B. Schöpfung, Erhaltung, Regierung. 57 thun, so treibe zurück Und wird in der Eil In tausend ändre meine Sinnen. Was du Stücke springen. nicht wirkst, pflegt von sich selbst In kurzem zu zerrinnen. 6. Tritt du zu mir und mache leicht, Was mir sonst fast unmöglich däucht, Und bring zum guten Ende, Was du selbst angefangen hast, Durch Weisheit deiner Hände. 9. Der Weg zum Guten ist faft wild, Mit Dorn und Hecken ausgefüllt; Doch wer ihn freudig ziehet, Kommt endlich, Herr, durch deinen Geist, Dahin, wo Wonne blühet. 10. Du bist mein Vater, ich dein Kind; Was ich bei mir nicht hab und find, Hast du zu aller Gnüge. So hilf nun, daß ich meinen Stand Wohl halt und herrlich siege. 11. Dein soll seyn aller Ruhm und Ehr, Ich will dein Thun je mehr und mehr Aus hocherfreuter Seelen Vor deinem Volk und aller Welt, So lang ich leb, erzählen. Gerhard, g. 1606 † 1676. Mel. Ach wann werd ich dahin fommen.( 1 Sam. 2, 6-8. Jerem. 32, 19.) 69. Gott der Macht, in dei-| gleichen, Herr, was kann vor nem Ruhme, Keinem, als dir dir bestehn? Alle Berge müsselbst bekannt! Aus verborg- fen weichen, Alle Thale sich nem Heiligthume Waltest du erhöhn. mit starker Hand. 2. Sterne glänzen und erblinden; Berge wehst du weg, wie Spreu; Völker werden und verschwinden, Alles Fleisch vergeht wie Heu. 5. Was der Menschen Kunst erhoben, Ift auf leichten Sand gestellt; Du gebeutst,- es ist zerstoben, Wie das Laub im Herbste fällt. 7. Ist gleich der Anfang etwas schwer Und muß ich gleich ins tiefe Meer Der bittern Sorgen treten, So treib mich nur ohn Unterlaß Zum Seufzen und zum Beten. 8. Wer fleißig betet und dir traut, Wird Alles, davor sonst ihm graut, Mit tapfrem Muth bezwingen; Sein Sorgenstein 3. Reiche schmetterst du zur Erde, Königsstühle stürzen 6. Aber wo auf Felsengrün= den Deines Tempels Mauer ruht, Droht von Fluthen und ein; Hirten rufst du von der von Winden Fruchtlos die verHeerde, Herrscher ihres Volkseinte Wuth. zu seyn. 7. Und ob Alles sich empöret, 4. Wenn du anfängst, auszu- Ringsum Alles untergeht, Die 58 ser Bau bleibt unzerstöret Und| Pfad; Darum komm, o Herr, die Stadt des Herrn besteht. und ziehe Ein in deine Gottesstadt! 8. Selbst der Feinde Trotz und Mühe Muß dir ebnen deinen II. Lieder von Gott. Garve, g. 1763 † 1841. Mel. Du, Gott, bist über alles.( Pf. 13, 6. 107, 1-22. Col. 1, 12-14.) 70. Du u bists, dem Ehr und| ich dir, Durch die du mich geübt, Ruhm gebührt, Und dieß, Herr, bring ich dir. Mein Schicksal hast du stets regiert und stets warst du mit mir. Und für die Freuden, welche mir Dein milder Segen gibt. 7. Dir dank ich es, daß die Na-. tur Mich nährt und mich erfreut; Ich schmeck in jeder Kreatur, Gott, deine Freundlichkeit. 8. Ich danke dir für deinen Sohn, Der für mich Sünder starb, Und der zu deinem Gnadenthron Den Zugang mir erwarb. 2. Oft wenn nach Trost die Seele rang, Und Trost mich Armen floh, Rief ich voll Sehnsucht: ,, Herr, wie lang?" Und wurde wieder froh. 3. Wenn ich in Schmerz und Krankheit sank Und rief: ,, Herr, rette mich!" So halfft du mir; mit welchem Dank, Mein Gott, erheb ich dich? 4. Betrübte mich des Feindes Haß, So klagt ich dir den Schmerz; Du halfft mir, daß ich ihn vergaß Und gabst Geduld ins Herz. 5. Wenn ich der Tugend Pfad verlor Und mich verschuldet sah, Rief ich zu dir, mein Gott, empor, Und Gnade war mir nah. 6. Herr! für die Leiden dank 9. Wie sehr liebt Gott der Menschen Wohl! Erheb ihn, Volk des Herrn! Die Erd ist seiner Güte voll, Er hilft und rettet gern. 10. Er hilft und läßt die Traurigkeit Bald vor uns übergehn; Und will nach kurzer Prüfungszeit Zum Himmel uns erhöhn. 11. Vergiß nicht, Seele, was dein Gott Bisher an dir gethan; Verehr und halte sein Gebot Und bet ihn ewig an. Nach Gellert. Mel. Alle Menschen.( Pf. 37.) 71. Zürne nicht auf stolze| schauen, Wie das Gras wird abSünder, Die der Luft im Schoo- gehauen, Wie das grüne Kraut se ruhn; Neide nicht des Glückes vergeht, Wenn der Wind von Kinder, Die mit Lachen Arges Morgen weht. thun. Bald wirst du sie welken 2. Hoffe du auf Gott und B. Schöpfung, Erhaltung, Regierung. 59 Same Länder erben. Wer Gott nimmt zur Zuversicht, Den gereut es ewig nicht. bleibe, Wo sein Rath dich hin-| Schaar verderben, Wird dein gestellt; Was er dir befohlen, treibe; Wandre redlich durch die Welt. Ueberlaß ihm deine Wege, Fleh, daß er dich seg= nen möge; Und er segnet dich gewiß, Machet Licht aus Finsterniß. 6. Rede Wahrheit, lehre Gnade, Spende Trost und Unterricht; Geh genau auf Gottes Pfade, Sey gewiß, du gleitest nicht. Wollen Menschen trotzen, höhnen, Sey getrost: Gott wird dich krönen, Der der Frommen Recht erhöht, Wenn der Sünder untergeht. 7. Einen Stolzen sah ich prangen, Wie ein grüner Lorbeer strott; Kaum war ich vorbeigegangen, Als er plöglich ausgetrott. Er ist weg mit seinen Sünden, Weg, wer will ihn wieder finden? Hochmuth reichet nirgends zu; Bleibe fromm, so bleibest du. 3. Wer nach Geistesfrüchten ringet Und nach ewgem Gnadenstand, Wer Gott reine Opfer bringet, Bleibt bestehn und erbt das Land. Gott hat Lust an seinem Wege, Leitet ihn mit Vaterpflege; Kommt ihn eine Schwachheit an, Stärkt ihn Gott, der stärken kann. 4. Frommer Fleiß ist nie vergebens, Wird mit Schanden nie bestehn. Während meines ganzen Lebens Hab ich Fromme nie gefehn, Daß sie schmählich umgekommen; Gott, der fie in Schutz genommen, Ließ sie niemals betteln gehn, Noch mit Schmach im Mangel stehn. 5. Thue Gutes nur und bleibe In der Demuth, sanft und mild; Was der Glaube fordert, treibe; Gott ist seiner Kinder Schild; Muß der Sünder 8. Ach es kommen schwere Tage, Kommen sie auch nicht sogleich; Auf die Sünder wartet Plage, Angst und Fluch im Todtenreich. Aber Gott weiß der Gerechten Sache herrlich durchzufechten; Heil beströmt fie nah und fern, Denn sie stehen in dem Herrn! Lebmus, g. 1707 † 1788. Mel. Auferstehn.( Ps. 23.) 72. Ja fürwahr! uns führt| 2. Wenn im Dunkel auch sein mit sanfter Hand Ein Hirt durchs Pilgerland Der dunkeln Erde, Uns, seine kleine Heerde. Hallelujah! Häuflein irrt, Er wacht, der treue Hirt, Und läßt den Seinen Ein freundlich Sternlein scheinen. Hallelujah! 60 3. Sicher leitet aus des To-| Friede; Er wachet sich nicht des Graun Er uns auf grüne müde. Hallelujah! Au'n, Aus Sturm und Wellen Zur Kühlung leiser Quellen. Hallelujah! II. Lieder von Gott. 4. Freundlich blickt sein Aug auf uns herab; Sein sanfter Hirtenstab Bringt Trost und 5. Ja fürwahr, er ist getreu und gut! Auch unsre Heimath ruht In seinen Armen. Sein Name ist Erbarmen! Hallelujah! F. A. Krummacher, g. 1767. ( Ebr. 10, 35. 36.) 4. Soll er deine Wünsch' erheben Zu Beherrschern seiner Welt? Soll der Heilige dir geben, Was den Lüsten nur gefällt? Wohl uns, wenn er nicht gewährt, Was ein thöricht Herz begehrt! 5. Hier in meinem Pilgerstande Sey mein Theil Zufriedenheit; Dort in meinem Vaterlande Wohnt die wahre Seligkeit. Find ich dort gewiß mein Heil, O so sey mein Weg hier steil! Mel. Gott des Himmels. 73. Unerforschlich sey mir immer Meines Gottes Weg und Rath, Und die Nacht sey ohne Schimmer, Die mich hier umschattet hat: Ist doch Alles, was er thut, Wie's auch scheine, weis und gut. 2. Sollt ich das von Gott nur loben, Wo auch ich schon Weisheit seh? Ists nicht ein Geschenk von oben, Wenn ich seinen Weg versteh? Frevelt nicht, wer öfters klagt, Daß ihm Gott mehr Licht versagt? 3. Soll ein Vater unterlassen, Was dem Kinde Thorheit ist? Wisse, Mensch, Verklärte fassen Das, wo du im Dunkeln bist! Hier sollst du dem Herrn vertraun, Glauben hier und dort erst schaun. 74. Mein Gott, wie bist du so verborgen, Wie ist dein Rath so wunderbar! Was helfen alle meine Sorgen? Du haft gesorget, eh ich war. Mein Vater, führ mich immerdar, 6. Wenn du auch auf rauhen Wegen Wandelst, Seele, klage nicht! Was hier schmerzet, wird dort Segen; Was hier Nacht ist, wird dort Licht. Dann erst faff' ich Gottes Sinn, Wenn ich ganz vollendet bin. Cramer, g. 1723 † 1788. Mel. Wer nur den lieben.( Jef. 45, 15. Cap. 55, 8. 9.) | Nur selig, wenn auch wunderbar. 2. Kein Mensch kann, Herr, dein Antlig sehen, Wir blicken dir nur hinten* nach; Was du bestimmt, das muß geschehen B. Schöpfung, Erhaltung, Negierung. 61 Bei unsrem Glück und Unge-] dar, Nur selig, wenn auch mach. Mein Vater, führ mich immerdar, Nur selig, wenn auch wunderbar.* 2 Mos. 33, 23. 3. Herr! wer kann deinen Rath ergründen? Dir bleibt allein der Weisheit Preis! Du kannst viel tausend Wege finden, Wo die Vernunft nicht Einen weiß. Mein Vater, führ mich immerdar, Nur selig, wenn auch wunderbar. 4. Gott! deine heiligen Gedanken Sind himmelweit von Menschenwahn; Drum leite mich in deinen Schranken Und führe mich auf rechter Bahn. Mein Vater, führ mich immerwunderbar. 5. Dir will ich mich ganz überlassen Mit allem, was ich hab und bin; Ich werfe, was ich nicht kann fassen, Auf deine Macht und Weisheit hin. Mein Vater, führ mich immerdar, nur selig, wenn auch wunderbar. 6. Hilf, daß ich nie von dir mich kehre In Glück und Unglück, Freud und Leid. Schick Alles, Herr, zu deiner Ehre Und meiner Seele Seligkeit. Ja, Vater, führ mich immerdar, Nur selig, wenn auch wunderbar. Nach Sal. Frand, g. 1669 † 1725. Engel. Mel. O du Liebe meiner Liebe.( Matth. 18, 10. Luc. 15, 10. Ebr. 1, 14.) 75. Um die Erd und ihre| sche segnet, Und des Sünders Kinder Schwebet still die Gei- Thränen seht. sterwelt. Einst nach der Vollendungsstunde, Wenn der dichte Schleier fällt, Einst, wenn wir hinüberschweben lleber diese Sterbenszeit, Reichen Brüder uns die Hände, Brüder in der Ewigkeit. 3. O wer wollte sich nicht scheuen Vor der stillen Uebel= that? Nicht mit Scham zurücketreten Vom verborgnen Sündenpfad? Ist es möglich, daß der Pilger Sein erhabnes Ziel vergißt, Wenn ihn der Gedanke rühret, Daß er unter Engeln ist? 2. Reine Wesen, Himmelsfinder, Schön in ewger Heiterkeit! Ach der Glaube ist so selig, Daß ihr unsre Freunde seyd, Daß euch unser Schicksal rühret, Daß ihr uns zur Seite 4. Auf, mein Geist, in jene Welten, Wenn die Erde dich umstrickt! Auf, zu jenen Freigebornen, Wenn dich deine steht, Unsre frommen Wän- Knechtschaft drückt! Strebe III. Sünde und Erlösung. muthig zu dem Ziele, Aus der Engel sind dir nahe, Kämpfe, Finsterniß zum Licht! Gott und ringe, weiche nicht! Sperl, um 1800. 62 Mel. Nun ruhen alle.( Ps. 91. Matth. 18, 8-10.) 76. Du, Herr der Seraphi-| Laß sie auf meinen Wegen Die nen, Dem alle Engel dienen Und zu Gebote stehn, Du wundergroßer Meister Der reinen Himmelsgeister, Mein Mundchen, So laß mich ihnen gleisoll deinen Ruhm erhöhn! Hand mir unterlegen, So bleib ich frei von Ungemach. 5. Doch, sollen sie nicht weichen In wahrer Heiligkeit. Wie sie die Kinder lieben, Und sich in Demuth üben, So mach auch mich dazu bereit. 2. Die Fürsten und die Thronen, Die in dem Himmel wohnen, Gibst du zu meiner Wacht; Sie sehn dein Angesichte Im höchst vollkommnen Lichte, Doch nehmen sie auch mich in Acht. 3. Ich preise deine Güte Mit dankbarem Gemüthe Für diese Wunderschaar; Ich rühme deine Rechte Für diese deine Knechte, Die mich beschirmen vor Gefahr. 4. Laß ferner mich behüten Vor aller Feinde Wüthen Durch diese Himmelswach; seyn. 6. Sie thun ja deinen Willen, Den laß auch mich erfüllen; Sie leben keusch und rein; O laß mich nichts beflecken Und mich an allen Ecken Stets diese reinen Geister scheun! 7. Zuletzt, Herr, wenn ich scheide, So führe mich zur Freude Auf ihren Armen ein; Da werd ich dich erst loben, und in dem Himmel droben Dir und den Engeln ähnlich Schmolf, g. 1672 † 1737. III. Sünde und Erlösung. Mel. Herr Jesu Christ, du höchstes.( 1 Mos. 3.) 77. Der ersten Unschuld rei-| Durch nes Glück, Wohin bist du ge- loren! schieden? Du flohst, und kehrest nicht zurück Mit deinem süßen Frieden! Dein Edengarren blüht nicht mehr; Verwelkt durch Sündenhauch ist er, Menschenschuld ver2. Ach wider Gottes Prüfungswort Und den Befehl der Liebe Neißt bald zum Ungehor sam fort Die Macht bethörter Triebe! Vom Schlangenwort III. Sünde und Erlösung. 63 nicht entfliehen. Und dennoch lockt die Sünde noch Und drüket dich mit argem Joch, Wenn kein Erlöser rettet. der Lust versucht, Vergällt der Aug und Licht, und kannst ihm Mensch durch ihre Frucht Sein Glück, sein Herz, sein Leben! 3. Frei will er seyn, sein eigner Gott, Will thun, was ihn gelüftet, Bald auch mit Deutelei und Spott 3um bösen Schritt gerüstet! Die Unschuld flieht, und innre Schmach Folgt auf dem Fuß der Sünde nach Und flüchtet in das Dunkel. 7. Nehmt, was die Schrift euch lernen hieß, zu Herzen, wie zu Ohren: Der Unschuld blüht ihr Paradies; Durch Schuld geht es verloren! Der Flammencherub tritt hervor Und schließt des Paradieses Thor; Wer will den Cherub zwingen? 11 4. Wer kann mit schnödem Heuchelspiel Vor Gott die Blöse decken? Wo bist du?"- rufts im Abendkühl,- ,, Umsonst ist dein Verstecken! Was thatst du?" ruft, der Alles sieht, Dem keine Nacht die Sünd entzieht, Der allgerechte Richter. 5. Ach neu verjüngt sich fort und fort Des ersten Falls Geschichte! Das Herz, verführt durch Schlangenwort, Verfällt dem Schuldgerichte. Vergebens wüsch' es gern sich rein, Der Kläger ruft: die Schuld ist dein, Und horch, der Ewge richtet!" 6. Die Strafe schont, o Sünder, nicht, Ihr Fuß wird nicht verziehen. Du fliehest Gottes 8. Heil, Heil, daß uns ein Held erschien, Ein Heiland allen Sündern! Den Schlangenkopf zertrat er kühn, Der Sünde Sieg zu hindern. Im Glauben nehmt den Retter an, Er führt euch seine Siegesbahn, Auf, kämpft an seiner Seite! 9. Er führt ins Paradies zurück Den schuldentladnen Schächer; Der Arge flieht vor seinem Blick Und zittert vor dem Nächer; Das Schwert des Cherubs droht nicht mehr; Vom nenen Eden winket her Der Baum des ewgen Lebens. Garve, g. 1763 † 1841. Eigene Mel.( Rom. 3 und 5. Luc. 11, 28.) 78. Durch Adams Fall ist| Trost, Der uns erlöst Hat von ganz verderbt Menschlich Na- dem großen Schaden, Darein tur und Wesen. Dasselbe Gift die Schlang Eva bezwang, ist uns vererbt; Wir konnten Den Zorn auf sich zu laden. nicht genesen Ohn Gottes 2. Weils denn die Schlang da 64 III. Sünde und Erlösung. hin gebracht, Daß Eva abge=| ihm noch ferne, Der Trost bei fallen Von Gottes Wort, das sie veracht't Und dadurch zu uns allen Gebracht den Tod, So war je noth, Daß uns nun Gott sollt geben Den lieben Sohn Vom Gnadenthron, In dem wir möchten leben. einem Menschen sucht, Und nicht bei Gott dem Herren. Denn wer ihm will Ein ander Ziel Ohn diesen Tröster stecken, Den mag gar bald Satans Ge-, walt Mit seiner List erschrecen. 3. Wie uns hat eine fremde Schuld In Adam all verhöhnet, So hat uns eine fremde Huld In Chrifto all versöhnet; Und wie wir all Durch Adams Fall Sind ewgen Tods gestorben, Also hat Gott Durch Christi Tod Erneut, was war verdorben. 4. So er uns nun den Sohn geschenkt, Da wir noch Feinde waren, Der für uns ist ans Kreuz gehenkt, Getödtet, aufgefahren, Auf daß wir sey'n Von Tod und Pein Erlöst, so wir vertrauen Auf diesen Hort, Des Vaters Wort, Wem wollt vor'm Sterben grauen? 5. Er ist der Weg, das Licht, die Pfort, Die Wahrheit und das Leben, Des Vaters Rath und ewigs Wort, Den er uns hat gegeben zu einem Schuß, Daß wir mit Truß An ihn fest sollen glauben, Darum uns bald Kein Macht und G'walt Aus seiner Hand wird rauben. 6. Der Mensch ist gottlos und verflucht, Sein Heil ist - 7. Wer hofft auf Gott und dem vertraut, Wird nimmermehr zu Schanden; Denn wer auf diesen Felsen baut, Ob ihm. gleich stößt zu handen Viel Unfalls hie, Hab ich doch nie Den Menschen sehen fal=len, Der sich verläßt Auf Gottes Trost; Er hilft den Gläubgen allen. - 8. Ich bitt, o Herr, aus Herzensgrund, Du wollst nicht von mir nehmen Dein heiligs Wort aus meinem Mund, So wird mich nicht beschämen Mein Sünd und Schuld; In deine Huld Seß ich all mein Vertrauen, Wer sich nur fest Darauf verläßt, Der wird den Tod nicht schauen. 9. Herr! meinen Füßen ist dein Wort Ein Licht, deß acht ich gerne, Es weiset auf den Weg mich fort; So dieser Morgensterne In uns aufgeht, So bald versteht Der Mensch die hohen Gaben, Die Gottes Geist Gewiß verheißt, Wenn wir die Hoffnung haben. Spengler, g. 1479 † 1534. III. Sünde und Erlösung. Mel. Erhalt uns, Herr.( Hiob 14, 1. 2.) 79. Was sind wir arme| Nicht zu dem Licht gelangen mag. 5. O ewges Licht, ich bitte dich: Erleuchte und belebe mich Noch hier durch deiner Gnade Schein, Ein wahres Kind des Lichts zu seyn. 6. Sey du stets meinem Herzen nah; Was finster ist, vertreib allda. Liebt gleich die Welt die Finsterniß, Mach meinen Gang im Licht gewiß. 65 Menschen hier? Gleich einem Schatten fliehen wir; Je größer sich der Schatten macht, Je früher bricht herein die Nacht. 2. Woher kommt solchesFlüchtigseyn? Von unsrem Abfall kommts allein! Seit sich der Mensch vom Licht verlor, Seitdem steht ihm der Tod bevor. 3. Doch fürchtet sich der Glaube nicht; Er weiß ein andres Lebenslicht: Wenn Jesus in die Seele scheint, So wird man mit dem Licht vereint. 7. Dann schließ ich sterbend einst voll Rub, Als Kind des Lichts, die Augen zu, Und im Erwachen schau ich dann Dein Licht mit klaren Augen an. 4. Bleibt eine Seele ohne dieß, So bleibt sie in der Finsterniß, Woraus sie auch an jenem Tag Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Mel. Meinen Jesum laß ich.( Röm. 7, 18-25. Gal. 5, 16 2c. 24: c. Jer. 17, 14.) 80. Hilf, Erbarmer, schaue| Schuld, Baue deine Gnaden= her, Höre meines Herzens Kla- werke Doch in mir recht dauge! Ich bin arm und gnaden- ernd auf! Fördre meinen Glauleer, Stündlich drückt mich nene benslauf! 10/20 Plage; Selbstsucht, Stolz und Unverstand Reißen mich aus deiner Hand. 2. Wann erscheint der Tag einmal, Daß ich dich nicht mehr betrübe Und schon hier im Pilgerthal Dich mit festem Herzen liebe? Wann zerbricht die böse Kraft Der verkehrten Leidenschaft? 3. Seufzend such ich neue Huld, Schenke mir des Geistes Stärke! Hebe durch dein Blut die Evangelisches Gesangbuch. 4. Oft erscheinen mir zum Trost Stunden, da ich dich empfinde, Da der Feind, umsonst erbost, Drohet deinem armen Kinde, Da den scharfen Kampf und Krieg Deine Allmacht frönt mit Sieg; 5. Da der neu belebte Geist, Heiß in Lob und Dank entzücket, Sich gewaltig dem entreißt, Was ihm oft das Ziel verrücket; Da des neuen Lebens Glanz Ihn mit Sehnsucht füllet ganz. 5 66 III. Sünde und Erlösung. 6. Aber eilig fliehn dahin| Hand, Und ich sinke neu danieDiese himmlisch süßen Stunden; Mein erschrockner, blöder Sinn Fühlet schmerzlich neue Wunden, Kämpft mit Dürre, Lauigkeit, Sinkt zurück in Sicherheit. 7. Bald flammt eigues Feuer auf, Von Naturkraft angeblasen; Bald hemmt meinen Himmelslauf Ungeduld, des Zor=nes Rasen, Kleinmuth, Angst, Verschlossenheit, Menschenfurcht und Blödigkeit. 8. Oft, wenn ich vom Fall erstand, Fiel ich unvermuthet wieder; Mich erhebet Gottes mich ins Vaterland! der, Und der Fleischessinn zerreißt, Was erbauethatder Geist. 9. Dir, mein Heiland, sey's geklagt, Wie der Todesleib mich drücket! Traurig hab ich oft gefragt, Kummervoll in Staub gebücket: O wer löset endlich noch Mich von diesem Todesjoch? mel, Wo nichts das Herz erquickt, Wer zeigt den Weg zum Himmel, Dahin die Hoffnung blickt? Wer leitet unser Streben, Wenn es das Ziel vergißt? Wer führt durch Tod zum Leben? Der Weg heißt Jesus Christ. Mel. Herzlich thut mich.( Joh. 14, 6.) 81. Aus irdischem Getüm-| oben kommt die Klarheit, Die alles uns erhellt, Denn Christus ist die Wahrheit, Er ist das Licht der Welt. e 3. Wer gibt uns hier schon Freuden, Die niemand rauben kann? Wer zeiget uns im Leiden Den Himmel aufgethan? Wenn vor dem Tod wir beben, Wer gibt dem Herzen Ruh? Heil! Christus ist das Leben, Führt uns dem Vater zu. Asschenfeldt, um 1800. 2. Hier irren wir und fehlen, Gehüllt in tiefe Nacht. Durch wen wird unsern Seelen Ein wahres Licht gebracht? Von 10. Du, Herr Jefu, mußt es thun; Siehe, meine Kräfte schwinden! Wie ich bin, kann ich nicht ruhn, Tilge du die Macht der Sünden; Führe mich an deiner Hand, Bringe Mel. Jesu, Kraft der blöden Herzen; oder: Herr, ich habe mißgehandelt. ogled ( Ephes. 2, 12-18.) 82. Ach was sind wir ohne| wegen, Die wir dir vor Augen ainb Jesus? Dürftig, arm und jäm- legen. merlich! Ach was sind wir? voller Elend, Jesu! ach erbarme dich; Laß dich unsre Noth be2. Ohne dich, getreuter Jesu, Ist hier alles Finsterniß, Und gequält mit fteten Schmerzen. III. Sünde und Erlösung. 67 Und der Abgrund flammt und Frachet. Durch der Sünde giftgen Biß.| mit Lebensblicken, So wird Mein Gewissen ist erwachet sich das Herz erquicken. D 6. Tritt den Satan, starker Jefu, Unter unsern schwachenFuß. Komm zu mir aucheingegangen Mit dem holden Friedensgruß, Daß ich Himmelsfreude spüre und kein Leid mich mehr be= rühre. 3. Ohne dich, geliebter Jesu, Kommt man nicht durch diese Welt, Welche fast auf allen Wegen Unsern Füßen Netze stellt; Sie kann troßen und kann heucheln Und hält uns mit ihrem Schmeicheln. 7. Laß den Geist der Kraft, Herr Jesu, Geben unfrem Geiste Kraft, Daß wir brünstig dir nachwandeln Nach der Liebe Eigenschaft; Ach, Herr! mach uns selber tüchtig, So ist unser Leben richtig. 8. Dann wird Lob und Dank, Herr Jesu, Schallen aus des 5. Darum stärk uns, liebster Herzens Grund, Dann wird Jesu, Sey in Finsterniß das alles triumphiren Und dir finLicht, Deffne unsre Herzens- gen Herz und Mund; Dann augen, Zeig dein freundlich wird auf der ganzen Erden JeAngesicht, Spiel, o Sonn, sus hochgelobet werden! Lackmann, † 1713. 4. Ach wie kraftlos, thenrer Jesu, Richten sich die Kranken auf! Unsre Macht ist lauter Unmacht In dem müden Lebenslauf. Denn man sieht uns, da wir wallen, Defters straucheln, oftmals fallen. Eigene Mel.; oder: Es ist das Heil.( 1 Joh. 5, 12. Apstg. 4, 12.) 83. Such, wer da will, Gin| was verdorben. Uns wird das ander Ziel, Die Seligkeit zu fin- Heil Durch ihn zu Theil, Uns den; Mein Herz allein Bedacht macht gerecht Der trene Knecht, soll seyn, Auf Christum sich zu Der für uns ist gestorben. gründen. Sein Wort ist wahr, ( Jef. 52, 13. Cap. 53.) Sein Werk ist klar; Sein heil- 3. Ach sucht doch den, Laßt alger Mund Hat Kraft und les stehn, Die ihr das Heil beGrund, Den Feind zu über- gehret! Er ist der Herr Und winden. 2. Such, wer da will, Nothhelfer viel, Die uns doch nichts erworben; Hier ist der Mann, Der helfen kann, Bei dem nie keiner mehr, Der euch das Heil gewähret; Sucht ihn all Stund Von Herzensgrund, Sucht ihn allein, Denn wohl wird seyn Dem, der ihn herzlich ehret! III. Sünde und Erlösung. 68 4. Mein höchster Ruhm, Mein Eigenthum Sollst du, Herr Jesu, bleiben! Laß mich doch nicht Von deinem Licht Die Eitelkeit vertreiben. Wer dich nicht läßt, Der stehet fest; Wer treu dich liebt Und dein Wort übt, Deß Grund wird nie zerstäuben. 5. Wend von mir nicht Dein Angesicht, Laß mich im Kreuz nicht zagen; Weich nicht von mir, Du höchste Zier, Hilf mir mein Leiden tragen! Hilf mir zur Freud Nach diesem Leid, Hilf, daß ich mag Nach aller Klag Dort ewig Lob dir sagen. Weissel, g. 1590+ 1635. Mel. Jesu, hilf slegen.( 1 Tim. 1, 15.) 84. Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude! Er, der von Anfang gewesen, ist da. Gottheit und Menschheit vereinen sich beide; Schöpfer, wie kommst du uns Menschen so nah! Himmel und Erde, erzählets den Heiden: Jesus ist kommen, Grund ewiger Freuden! 2. Jesus ist kommen! nun springen die Bande, Stricke des Todes, die reißen entzwei. Jesus erlöst uns vom knechtischen Stande, Er, der Sohn Gottes, er machet recht frei, Bringt uns zu Ehren aus Sünd und aus Schande; Jesus ist kommen, nun springen die Bande! 3. Jesus ist kommen, der König der Ehren; Himmel und Erde, rühmt seine Gewalt! Dieser Beherrscher kann Herzen bekehren, Deffnet ihm Thüren und Thore fein bald. Denkt doch, er will euch die Krone gewähren; Jesus ist kommen, der König der Ehren! 4. Jesus ist kommen, ein Opfer für Sünden; Sünden der ganzen Welt träget dieß Lamm, Sündern die ewge Erlösung zu finden, Litt es und starb es am blutigen Stamm. Abgrund der Liebe, wer kann dich ergründen? Jesus ist kommen, ein Opfer für Sünden! 5. Jefus ist kommen, die Quelle der Gnaden; Komme, wen dürstet, und trinke, wer will! Holet für euren verderblichen Schaden Heilung aus dieser unendlichen Füll! Alle Verlornen sind hieher geladen, Jesus ist kommen, die Quelle der Gnaden! 6. Jesus ist kommen, sagts aller Welt Enden; Eilet, ach eilet zum Gnadenpanier! Schwöret ihm Treue mit Herzen und Händen, Sprechet: wir leben und sterben mit dir! Amen, o Jesu, du wollst uns vollenden! Jesus ist kommen, sagts aller Welt Enden! Nach Freylinghausen. III. Sünde und Erlösung. Mel. Freu dich sehr.( Joh. 3, 16. Rom. 8, 32. Marc. 16, 16.) 85. Emge Liebe! mein Gemüthe Waget einen kühnen Blick In den Abgrund deiner Güte; Send ihm einen Blick zurück, Einen Blick voll Heiterkeit, Der die Finsterniß zerstreut, Die mein blödes Auge drücket, Wenn es nach dem Lichte blicket. 2. Ich verehre dich, o Liebe, Daß du dich beweget hast Und aus einem freien Triebe Den erwünschten Schluß gefaßt: Der im Fluch versenkten Welt Durch ein theures Lösegeld, Durch des eignen Sohnes Sterben Gnad und Freiheit zu erwerben. 3. D ein Rathschluß voll Erbarmen, Voller Huld und Freundlichkeit, Der solch einer Welt voll Armen Gnade, Trost und Hilfe beut! Liebe, die den Sohn nicht schont, Der in ihrem Schoose wohnt, Um die Sünder zu erretten Aus den schweren Sündenketten! 4. Du hast auch, o weise Liebe, Einen Weg dazu bestimmt, Darauf sich ein jeder übe, Der amSegen Antheil nimmt: Wer nur an den Mittler gläubt Und ihm treu ergeben bleibt, Der soll nicht verloren gehen, Sondern Heil und Leben sehen. 5. Diesen Glauben anzufa69 chen, Gibst du deinen heilgen Geist, Der da mächtig in uns Schwachen Seine Gotteskraft erweist. Denen, die gebeuget stehn, Die ihr Unvermögen sehn Und zum Thron der Gnade eilen, Kommst du, reichlich mitzutheilen. 6. Du tilgst niemand zum Verderben Ohne Grund aus deinem Buch; Die in ihren Sünden sterben, Laden selbst auf sich den Fluch. Wer nicht glaubt an deinen Sohn, Der hat ewgen Tod zum Lohn; Sein muthwillig Widerstreben Schließt ihn aus von Heil und Leben. 7. Liebe! laß mich dahin streben, Meines Heils gewiß zu seyn; Richte selbst mein ganzes Leben So nach deinem Willen ein, Daß des Glaubens Frucht und Kraft, Den dein Geist in mir geschafft, Mir zum Zeugniß dienen möge, Ich sey auf dem Himmelswege. 8. Laß mich meinen Namen schauen In dem Buch des Lebens stehn; Alsdann werd ich ohne Grauen Selbst dem Tod entgegen gehn; Keine Kreatur wird mich, Als dein Erbgut, ewiglich Deiner Hand entreiBen können, Noch von deiner Liebe trennen. Nambach, g. 1693 † 1735 III. Sünde und Erlösung. ihm aus seiner Sünden Noth, Erwürg für ihn den bittern Tod Und laß ihn mit dir leben!" Eigene Mel.( 1 Tim. 2, 4-6.) 86. Nun freut euch, liebe| sey das Heil dem Armen! Hilf Christeng'mein', Und laßt uns fröhlich springen, Daß wir getrost und All in Ein' Mit Lust und Liebe singen, Was Gott an uns gewendet hat Und seine süße Wunderthat; Gar theu'r hat ers erworben. 2. Dem Teufel ich gefangen lag, Im Tod war ich verloren; Mein Sünd mich quälte Nacht und Tag, Darin ich war geboren; Ich fiel auch immer tiefer drein, Es war kein Guts am Leben mein, Die Sünd hatt' mich besessen. 3. Mein' gute Werk', die galten nicht, Es war mit ihn'n verdorben; Der frei Will haste Gottes G'richt, Er war zum Gut'n erstorben; Die Angst mich zu verzweifeln trieb, Daß nichts denn Sterben bei mir blieb; Zur Hölle mußt ich finken. 70 4. Da jammert' Gott von Ewigkeit Mein Elend ohne Maßen; Erdacht au sein Barmherzigkeit und wollt mir helfen lassen; Er wandt zu mir sein Vaterherz, Es war bei ihm fürwahr kein Scherz: Er ließ sein Bestes kosten. 5. Er sprach zu seinem lieben Sohn:„ Die Zeit ist, zu erbarmen; Fahr hin, mein's Herzens werthe Kron, Und 6. Der Sohn dem Vater g'hor= sam ward, Er kam zu mir auf Erden, Von einer Jungfrau rein und zart, Er wollt mein Bruder werden. Gar heimlich führt' er sein Gewalt, Er gieng in meiner armen G'stalt, Den Teufel wollt er fahen. 7. Er sprach zu mir:„ halt dich an mich, Es soll dir jetzt gelingen; Ich geb mich selber ganz für dich, Da will ich für dich ringen; Denn ich bin dein und du bist mein, Und wo ich bleib, da sollst du seyn, Uns soll der Feind nicht scheiden." 8. ,, Vergießen wird er mir mein Blut, Dazu mein Leben rauben; Das leid ich alles dir zu gut, Das halt mit festem Glauben. Den Tod verschlingt das Leben mein, Mein Unschuld trägt die Sünde dein; Da bist du selig worden." 17 9. Gen Himmel zu dem Vater mein Fahr ich von diesem Leben; Da will ich seyn der Meister dein, Den Geist will ich dir geben, Der dich in Trübniß trösten soll, Und lehren mich erkennen wohl Und in der Wahrheit leiten." III. Sünde und Erlösung. 71 10. ,, Was ich gethan hab und| nem Lob und Ehren; Und hüt gelehrt, Das sollt du thun dich für der Menschen G'sazz, und lehren, Damit das Reich Davon verdirbt der edle Schatz; Gott's werd vermehrt zu sei- Das laff' ich dir zuletzte!" Luther, g. 1483 † 1546. Mel. Die Tugend wird.( Eph. 2, 5-7. Ebr. 2, 14. 15.) 87. Was wär ich ohne Dich| Hand entgegen und ladet froh gewesen? Was würd ich ohne Dich nicht seyn? Zu Furcht und Aengsten auserlesen, Stünd ich in weiter Welt allein! Nichts wüßt ich sicher, das ich liebte; Die Zukunft wär ein dunkler Schlund, Und wenn mein Herz fich tief betrübte, Wem thät ich meine Sorge kund? sie zu uns ein! Der Himmel ist bei uns auf Erden, Im Glauben schauen wir ihn an Die Eines Glaubens mit uns werden, Auch denen ist er aufgethan. 5. Das Herz, des Lebens reichste Quelle, Ein böses Wesen wohnte drin; Und ward 2. Einsam verzehrt von Lieb in unfrem Geist es helle, So und Sehnen, Erschien' mir war nur Unruh der Gewinn. nächtlich jeder Tag; Ich folgte| Ein eisern Band hielt an der uur mit heißen Thränen Dem wilden Lauf des Lebens nach; Ich fände Unruh im Getümmel Und hoffnungslosen Gram zu Haus; Wer hielte ohne Freund im Himmel, Wer hielte da auf Erden aus? Erde Die bebenden Gefangnen feft; Furcht vor des Todes Richterschwerte Verschlang der Hoffnung Ueberrest. 6. Da kam ein Heiland, ein Befreier, Ein Menschensohn voll Lieb und Macht, und hat 3. Hat Christus mir sich kund ein allbelebend Feuer In unsgegeben und bin ich seiner erst rem Innern angefacht. Nun gewiß, Wie schnell verzehrt sahn wir erst den Himmel offen ein lichtes Leben Die boden- Als unser altes Vaterland, lose Finsterniß! Für alle seine Wir lernten glauben nun und tausend Gaben Bleib ich sein demuthvolles Kind, Gewiß, ihn unter uns zu haben, Wenn Zwei auch nur versammelt sind. 4. O geht hinaus auf allen Wegen Und holt die Irrenden herein; Streckt jedem eure hoffen Und fühlten uns mit Gott verwandt. 7. Noch steht in wundersamem. Glanze Der heilige Geliebte hier; Gerührtvon seinem Dor= nenkranze Und seiner Treue, weinen wir. Ein jeder Mensch - 72 III. Sünde und Erlösung. ist uns willkommen, Der seine| men, Zur Frucht des ParadieHand mit uns ergreift Und, ses reift. in sein Herz mit aufgenom-| Mel. Seelenbräutigam.( Job. 10, 11. Col. 1, 19. 20.) 88. Wer ist wohl wie du, durchströme Herz und Sinne, Jesu, süße Ruh? Unter vielen auserkoren, Leben derer, die verloren, Und ihr Licht dazu, Jesu, süße Ruh! Und mein Elend ganz zerrinne, Süßes Heil, in dir; Wohne du in mir. 2. Leben, das den Tod, Mich aus aller Noth Zu erlösen, hat geschmecket, Meine Schulden zugedecket Und mich aus der Noth Hat geführt zu Gott! 3. Glanz der Herrlichkeit! Du bist vor der Zeit Zum Erlöser uns geschenket, Und in unser Fleisch versenket Nach erfüllter Zeit, Glanz der Herrlichkeit! 4. Großer Siegesheld! Tod, Sünd, Höll und Welt Hast du herrlich überwunden Und ein ewig Heil erfunden Für die Sünderwelt Durch dein Blut, o Held! 5. Höchste Majestät, Priester und Prophet! Deinen Scepter will ich küssen, Ich will sizzen dir zu Füßen, Wie Maria that, Höchste Majestät! Novalis, g. 1772 † 1801. 6. Laß mich deinen Ruhm, Als dein Eigenthum, Durch desGeistes Licht erkennen, Stets in deiner Liebe brennen, Als dein Eigenthum, AllerschönsterRuhm! 7. Zeuch mich ganz zu dir, Daß dein Lieben mir Ganz 8. Deiner Sanftmuth Schild,- Deiner Demuth Bild Mir anlege, in mich präge, Daß kein Zornnoch Stolz sich rege; Denn vor dir nichts gilt Als dein eigen Bild. 9. Steure meinem Sinn, Der zur Welt will hin; Daß ich nicht mög von dir wanken, Sondern bleiben in den Schranken, Sey du mein Gewinn, Gib mir deinen Sinn. 10. Wecke mich recht auf, Daß ich meinen Lauf Unverrückt zu dir fortsege, Und mich nicht in seinem Neke Satan halte auf; Fördre meinen Lauf. 11. Deines Geistes Trieb In die Seele gib, Daß ich wachen mög und beten, Freudig vor dein Antlig tre en; Ungefärbte Lieb In die Seele gib. 12. Wenn der Wellen Macht In der trüben Nacht Will des Herzens Schifflein decken, Wollst du deine Hand ausstreken; Habe auf mich Acht, Hüter in der Nacht! 13. Einen Heldenmuth, Der IV. Adventlieder. 73 da Gut und Blut Gern um dei-| Wollst du bei mir stehn, Mich netwillen lasse Und des Flei- durchsTodesthal begleiten und sches Lüste haffe, Gib mir, zur Herrlichkeit bereiten, Daß höchstes Gut, Durch dein then- ich einst mag fehn Mich zur res Blut. Nechten stehn. 14. Solls zum Sterben gehn, Freylinghausen, g. 1670 † 1739 IV. Adventlieder. kil Mel. Nun freut euch.( Col. 3, 16 2c. Pf. 28, 9.) 89. Gottlob! ein neues Kir-| Gemüthe, Den neuen Menschen chenjahr Macht wiederum aufs ziehen an, Der dir allein gefalneue Mit reichem Segen offen- len kann In seinem ganzen bar Desgroßen Gottes Treue; Leben. Von neuem will er seinen Bund, Den alten, ewgen Glaubensgrund, Durch seinen Geist uns lehren. 2. Auf, Zion! Preis und Ehr und Ruhm Dem höchsten Gott zu singen; Dein königliches Priesterthum Muß Dank zum Opfer bringen. Gelobt seyGott, der durch sein Wort Die Christenheit und diesen Ort Zu seinem Tempel weihet! 3. Wir sind nicht werth der neuen Huld Des Gottes aller Gnaden. Des alten Menschen alte Schuld, Die wir auf uns geladen, Nimmt unsern eignen Ruhm dahin, Denn sie bewies den alten Sinn Noch stets mit neuen Sünden. 4. Ach Herr! gib uns den neuen Geist, Daß wir durch deine Güte, Die sich an uns aufs neu erweist, Erneuert im 5. Hiezu erhalt uns, Herr, dein Wort, Sammt Tauf und Abendmahle, So wandern wir mit Freuden fort In diesem finstern Thale. Herr, segne dieses Kirchenjahr, Laß Kirche, Schul, Tauf und Altar Une deine Wege zeigen. 6. Gib deinen Hirten Kraft und Geist Zu reiner Lehr und Leben, Dein Wort, das Gottes Waide heißt, Der Heerde rein zu geben. Laß alle Hörer Thäter seyn, Damit kein heuchle= rischer Schein Des Glaubens Kraft verleugne. 7. So halten und vollenden. wir Das Kirchenjahr auf Erden; Dabei befehlen wir es dir, Wie wir es enden werden. Hier bleibt die Kirche noch im Streit, Kommt aber einst die Ewigkeit, Dann wird sie triumphiren. heder, g. 1699 † 1743. 74 IV. Adventlieder. Mel. Aus meines Herzens.( Sachar. 9, 9. Matth. 21, 8-11. 25, 1-13.) 90. Auf, auf, ihr Reichs-| 4. So geht mit schnellen genossen! Der König kommt Schritten, Den König anzuheran; Empfaht ihn unverdros- sehn, Dieweil er kommt geritsen Auf seiner Wunderbahn. Ihr Christen, geht herfür, Laßt uns vor allen Dingen Ihm Hosianna singen Mit heiliger Begier. ten Stark, herrlich, sanft und schön; Nun tretet All heran, Den Heiland zu begrüßen, Der alles Kreuz versüßen Und uns erlösen kann. 2. Auf, ihr betrübten Herzen! Der König ist sehr nah; Hinweg all Angst und Schmerzen, Der Helfer ist schon da. Seht, wie so mancher Ort Hochtröstlich ist zu nennen, Da wir ihn finden können Im Nachtmahl, Tauf und Wort. 3. Auf, auf, ihr Vielgeplagten! Der König ist nicht fern; Seyd fröhlich, ihr Verzagten, Dort kommt der Morgenstern! Der Herr will in der Noth Mit reichem Trost euch speisen, Er will euch Hilf erweisen, Ja Und ewig dankbar seyn! dämpfen gar den Tod. 5. Der König will bedenken. Die, so er herzlich liebt, Mit köstlichen Geschenken, Als der sich selbst uns gibt In seinem Geist und Wort. O König, hoch erhoben, Wir alle wollen loben Dich freudig hier und dort! 6. Nun, Herr, du gibst uns reichlich, Wirst selber arm und schwach. Und liebest unvergleichlich Und gehst den Sün= dern nach; Wir wollen dir allein Die Stimmen hoch erschwingen, EinHosianna fingen 91. ,, Sieh, dein König kommt zu dir!" Seele, das sind frohe Worte; Sprich: mein König, komm zu mir, Sieh, ich öffne dir die Pforte, Zeuch mit deiner Sanftmuth ein, Was du findest, das ist dein! Mel. Jesus, meine Zuversicht.( Matth. 21, 5.) 2. Komm, ich bin dein Eigenthum Schon seit deinem Wasserbade; Komm, dein Evangelium Werde mir ein Wort Rift, g. 1607 t 1667 der Gnade; Du schickst ja dein Wort voran, Daß mein König kommen kann. 3. Komm und räume alles aus, Was du hassest, was mich reuet; Komm und reinige dein Haus, Das die Sünde hat entweihet. Mache selbst mit deinem Blut Alles wieder rein und gut. 4. Komm in deinem Abend IV. Adventlieder. 75 mahl, Das du uns zum Heil| ster mit, Deinen Geist, der dich gegeben, Daß wir schon im Er- verkläret, Der mich im Gebet denthal Mit dir als im Him- vertritt Und des Königs Wilmel leben. Komm, Herr Jesu, len lehret, Daß ich bis auf jeleb in mir, Und mein Lebensey nen Tag: ,, Komm, Herr Jesu!" in dir! rufen mag. 5. Komm und bring den TröPh. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Mel. Macht hoch die Thür.( Pf. 68, 5. Pf. 24. Marci 11, 1-10.) 92. Macht hoch das Thor, die- Thüren weit: Es kommt der Herr der Herrlichkeit, Ein König aller Königreich, Ein Heiland aller Welt zugleich, Der Heil und Leben mit sich bringt; Deßhalb mit frohem Jauchzen singt: Gelobet sey mein Gott, Mein Schöpfer, reich an Gnad! 2. Er ist gerecht, ein Helfer werth, Sanftmüthigkeit ist sein Gefährt, Sein Königsschmuck ist Heiligkeit, Sein Scepter ist Barmherzigkeit; All unfre Noth zum End er bringt; Deßhalb mit frohem Jauchzen singt: Gelobet sey mein Gott, Mein Heiland, stark von That! 3. O wohl dem Land, o wohl der Stadt, Die diesen König bei sich hat! Wohl allen Herzen insgemein, Wo dieser König ziehet ein! Er ist die rechte Lebenssonn, Bringt mit sich lauter Heil und Wonn. Gelobet sey mein Gott, Mein Tröster groß von Rath! 4. Macht hoch das Thor, die Thüren weit, Das Herz zum Tempel sey bereit; Die Zweige der Gottseligkeit Steckt auf mit Andacht, Lust und Freud! So kommt der König auch zu euch, Bringt Heil und Leben mit zugleich. Gelobet sey mein Gott, Voll Rath, voll That, voll Gnad! 5. Komm, o mein Heiland, Jesu Christ! Des Herzens Thür dir offen ist; Ach zieh mit deiner Gnade ein, In Freundlichkeit auch uns erschein; Dein heilger Geist uns schirm und leit Den Weg zur ewgen Seligkeit! O Heiland, dir o Herr, Sey ewig Preis und Ehr! Weiffel, g. 1590 † 1635. Mel. Valet will ich.( Matth. 21, 1-9.) 93. Wie soll ich dich empfan- sezze Mir selbst die Leuchte gen Und wie begegnen dir, O aller Welt Verlangen, O meiner Seele Zier? O Jesu, Jesu, bei, Damit, was dich ergöße, Mir kund und helle sey! 2. Dein Zion streut dir Pal IV. Adventlieder. 76 men Und grüne Zweige hin,| bet Die Hilfe vor der Thür, Und ich will dir in Psalmen Ermuntern meinenSinn; Mein Herze soll dir grünen In steDer eure Herzen labet Und tröstet, steht allhier. 7. Ihr dürft euch nicht bemütem Lob und Preis Und dei- hen, Noch sorgen Tag und Nacht, Wie ihr ihn wollet ziehen Mit eures Armes Macht; Er kommt, er kommt mit Willen, Ist voller Lieb und Lust, All Angst und Noth zu stillen, Die ihm an euch bewußt. 8. Auch dürft ihr nicht erschrecken Vor eurer Sündenschuld; Nein, Jesus will sie decken mit seiner Lieb und Huld. Er kommt, er kommt den Sündern Zu Trost und wahrem Heil, Schafft, daß bei Gottes Kindern Verbleib ihr Erb und Theil. nem Namen dienen, So gut es kann und weiß. 3. Was hast du unterlassen Zu meinem Trost und Freud, Als Leib und Seele saßen In ihrem größten Leid? Als mir das Reich genommen, Da Fried und Freude lacht, Da bist du, mein Heil, kommen und hast mich froh gemacht. 4. Ich lag in schweren Banden, Du kommst und machst mich los; Ich stund in Spott und Schanden, Du kommst und machst mich groß Und hebst mich hoch zu Ehren Und schenkst mir großes Gut, Das sich nicht läßt verzehren, Wie irgend Reichthum thut. 5. Nichts, nichts hat dich getrieben Zu mir vom Himmelszelt, Als dein getreues Lieben, Damit du alle Welt In ihren tausend Plagen und großer Jammerlast, Die kein Mund kann aussagen, So fest umfangen hast. 6. Das schreib dir in die Herzen, Du hochbetrübtes Heer, Bei denen Gram und Schmerzen Sich häufen mehr und mehr; Seyd unverzagt, ihr ha9. Was fragt ihr nach dem Schreien Der Feind und ihrer Tück? Der Herr wird sie zerstreuen In einem Augenblick. Er kommt, er kommt, ein König, Dem aller Feinde Hand Auf Erden viel zu wenig Vermag zum Widerstand. 10. Er kommt zum Weltgerichte, Zum Fluch dem, der ihm flucht; Mit Gnad und süßem Lichte Dem, der ihn liebt und sucht. Ach komm, ach komm, o Sonne, Und hol uns allzumal Zum ewgen Licht und Wonne In deinen Freudensaal! Gerhard, g. 1606 † 1676. IV. Adventlieder. 94. Gott sey Dank in aller Welt, Der sein Wort beständig hält Und der Sünder Trost und Nath Zu uns hergesendet hat. 2. Was der alten VäterSchaar Höchster Wunsch und Sehnen war, Und noch mehr, als sie erbat, Ward erfüllt nach Gottes Rath. auch mir, rer Last tet haſt. Eigene Mel.( Pf. 33, 4. 3. Hier ist mehr als Davids Sohn! Unvergänglich ist sein Thron! Licht der Seelen, ewges Heil Ward durch Jesum uns zu Theil. 4. Menschenfreund, wie dank ichs dir! Schenke dieses Heil Das du unter schweFür die Welt berei5. Sey willkommen, o mein Heil, Dir Hosjanna, o mein Theil! Richte dir auch eine Bahn, Herr, in meinem Herzen an. 77 Habak. 2, 3.) 6. Zeuch, du Ehrenkönig, ein, Es gehöret dir allein, Mach es, wie du gerne thust, Rein von aller Sündenlust. 7. Wie du huldreich, als du kamst, Unsre Nettung übernahmst, Also sey auch deine Treu Mir mit jedem Morgen neu. 8. Deine Wahrheit leuchte mir, Herr, bei allem, was ich hier Zur Befördrung meiner Ruh Denke, wünsche, wähl und thu. 9. Trifft mich Traurigkeit und Schmerz, Tröste dann mein zagend Herz. Hilf zum treuen Tugendlauf Meiner Schwachheit mächtig auf; 10. Daß ich, wenn du, Lebensfürst, Herrlich wiederkommen wirst, Froh dir mög entgegen sehn Und gerecht vor dir bestehn. Nach Held, um 1640. Mel. Vom Himmel hoch.( Joh. 12, 36.) 95. Komm, Himmelsfürst, 3. Du nahmest erdwärts deikomm, Wunderheld, Du Jakobsstern, du Licht der Welt; Laß abwärts flammen deinen Schein, Der du willst Mensch geboren seyn. nen Lauf, Und stiegest wieder himmelauf. Die Abfahrt war zum Todesthal, Die Nückfahrt war zum Sternensaal. siad 2. Komm an von deinem Himmelsthron, Wir harren dein, o Gottes Sohn! Komm, o du zwiefach edler Held, Geh muthig durch dieß Thal der Welt. 4. O höchster Fürst, dem Vater gleich, Besieg allhier des Fleisches Reich, Denn unser Geist, in Fleisches Haft, Sehut sich nach deiner Himmelskraft. 5. Von deiner Krippe glänzt IV. Adventlieder. 78 ein Strahl, Der leuchtet durch| bens Licht, Damit die Lieb erdieß finstre Thal, Er gibt der lösche nicht zu dir die ganze Nacht so hellen Schein, Der Lebenszeit, O Sonne der Gestets wird unverlöschlich seyn. rechtigkeit! 6. Entzünd auch unsers GlauJoh. Frand, g. 1618 † 1677. Mel. Aus meines Herzens.( Sachar. 2, 10. Jes. 42, 1-3. Pf. 2, 10-12.) ihn verachtet Und nur nach Hoheit trachtet, Ist nah dasStrafgericht. 96. Nun jauchzet, all ihr| Himmelslicht; Sonst, wo ihr Frommen, In dieser Gnadenzeit, Weil unser Heil ist kommen, Der Herr der Herrlichkeit, 3war ohne Stolz und Pracht, Doch mächtig zu verheeren Und gänzlich zu zerstören Des Teufels Reich und Macht. 2. Kein Scepter, keine Krone Sucht er in dieser Welt; Im hohen Himmelsthrone Ist ihm sein Reich bestellt. Er will hier seine Macht Und Majestät verhüllen, Bis er des Vaters Willen Im Leiden ganz vollbracht. 3. Ihr Mächtigen auf Erden, Nehmt diesen König an! Soll euch geholfen werden, So geht die rechte Bahn, Die führt zum 4. Ihr Armen und Elenden In dieser bösen Zeit, Die ihr an allen Enden Müßt haben Angst und Leid, Seyd dennoch wohlgemuth, Laßt eure Lieder klingen Und lobet Gott mit Singen, Der euer höchstes Gut. 5. Er wird nun bald erscheinen In seiner Herrlichkeit und euer Leid und Weinen Verwandeln dann in Freud. Er ists, der helfen kann, Macht eure Lampen fertig Und feyd stets sein gewärtig, Er ist schon auf der Bahn! Mich. Schirmer, g. 1606 † 1675. Mel. Von Gott will ich.( Luc. 3, 4-6.) 97. Mit Ernst, ihr Men| Den Weg dem großen Gast; schenkinder, Das Herz in euch bestellt, Damit das Heil der Sünder, Der große Wunderheld, Den Gott aus Gnad allein Der Welt zum Licht und Leben Gesendet und gegeben, Bei Allen kehre ein. Macht seine Steige richtig, Laßt alles, was er haßt; Macht eben Bahn und Pfad, Die Thale rings erhöhet, Erniedrigt, was hoch stehet, Was krumm ist, macht gerad! 3. Ein Herz, das Demuth liebet, Bei Gott am höchsten steht; 2. Bereitet doch fein tüchtig IV. Adventlieder. 79 Ein Herz, das Hochmuth übet,| In dieser Gnadenzeit Aus Güte Mit Angst zu Grunde geht; Ein und Erbarmen, Herr Jesu, Herz, das richtig ist und fol- selbst bereit! 3euch in mein get Gottes Leiten, Das kann Herz hinein Und wohn auf sich recht bereiten, zu dem immer drinnen, So werden kommt Jesus Christ. Herz und Sinnen Dir ewig dankbar seyn. 4. Ach mache du mich Armen Thilo, g. 1607 † 1662. Mel. Valet will ich dir geben.( Matth. 25, 1-13.) 98. Ermuntert euch, ihr Frommen, Zeigt eurer Lam pen Schein! Der Abend ist gekommen, Die finstre Nacht bricht ein; Es hat sich aufgemachet Der Bräutigam mit Pracht, Auf! betet, fämpfet, wachet, Bald ist es Mitternacht. 2. Macht eure Lampen fertig Und füllet sie mit Del, Und seyd des Heils gewärtig, Bereitet Leib und Seel. Die Wächter Zions schreien: Der Bräutigam ist nah: Begegnet ihm in Reihen Und singt Hallelujah! 3. Ihr klugen Jungfraun alle, Hebt nun das Haupt empor Mit Jauchzen und mit Schalle Zum frohen Engelchor. Die Thür ist aufgeschlossen, Die Hochzeit ist bereit: Auf, auf, ihr Festgenossen, Der Bräutgam ist nicht weit! 4. Er wird nicht lang verziehen, Drum schlafet nicht mehr ein! Man sieht die Bäume blühen, Der schönste Frühlingsschein Verheißt Erquickungszeiten; Die Abendröthe zeigt Den schönen Tag vom weiten, Davor das Dunkel weicht. 5. Begegnet ihm auf Erden, Ihr, die ihr Zion liebt, Mit freudigen Geberden Und seyd nicht mehr betrübt; Die ihr Ge= duld getragen, Und mitgeftorben seyd, Sollt nun nach Kreuz und Klagen Mit leben sonder Leid. 6. Hier sind die Siegespalmen, Hier ist das weiße Kleid, Hier singt man Frendepsalmen Im Frieden nach dem Streit; Hier steht nach Wintertagen Der Waizen wieder grün, Und die im Tode lagen, Sieht man zum Leben ziehn. 7. O Jesu, meine Wonne! Komm bald und mach dich auf, Geh auf, verlangte Sonne, Und fördre deinen Lauf! O Jesu, mach ein Ende Und führ uns aus dem Streit; Wir heben Haupt und Hände Nach der Erlösungszeit! C Laurentii, g. 1660 † 1722. 80 IV. Adventlieder. Mel. Nun ruhen alle.( Ps. 24, 7-10.) 99. Wie lieblich klingts den Ohren, Daß du bist Mensch geboren und mein Erlöser bist! Wie lieblich, wie erquickend, Wie selig, wie entzückend Ist doch dein Name, Jesu Christ! 2. Wie groß ist deine Stärke, Wie wunderbar die Werke, Wie heilig ist dein Wort! Wie ist dein Tod so tröstlich, Wie seine Frucht so köstlich; Mein Fels des Heils, mein Lebenshort! 3. Wie reich find deine Gaben! Wie hoch bist du erhaben Auf deinem Königsthron! Es fingen, jauchzen, dienen Dir alle Seraphinen, Du wahrer Gott und Menschensohn. 4. Wie bist du von den Banden Des Grabes auferstanden, Hast Höll und Tod besiegt, Bist unter Himmelsschaaren So herrlich aufgefahren, Bis Alles dir zu Füßen liegt! 5. Wie süß ist deine Lehre, Wie groß ist deine Ehre, Wie herrschest du allein! Wer wollte nicht, o König, In Ehrfurcht unterthänig Und gern in deiner Gnade seyn? 6. ,, Erweitert Thor und Thüren, Laßt Ehrenpforten zieren, Empfangt ihn in der Welt Und jauchzet ihm entgegen, Damit zu eurem Segen Der Ehrenkönig Einzug hält!" 7. Wer ists, wer läßt sich hören Als König aller Ehren?Der Herr der Herrlichkeit! Der ist es, der kommt prächtig, Der Herr, der stark und mächtig, Der Herr, der Sieger ist im Streit." 8. Sey hochgelobt den From= men! Du kommst, sey uns willkommen, Im Namen unsers Herrn! Der Herr ist Gott, der Eine, Der uns bestrahlt alleine Als unser Licht und Morgenstern. 1848 Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769 Mel. Der du das Loos.( Luc. 19, 29 2c.) b 100. Dein König kommt ohne Speere, O Friedensfürst in niedern Hüllen, Sanftmüthig, auf der Ef'lin Füllen, Empfang ihn froh, Jerusalem! Trag ihm entgegen Friedenszweige, Bestreu mit Maien seine Steige; So ists dem Herren angenehm. von großer Macht! Oft wollten dir der Erde Herren Den Weg zu deinem Throne sperren, Doch du gewannst ihn ohne Schlacht. 2. O mächtger Herrscher ohne Heere; Gewaltger Kämpfer 3. Dein Reich ist nicht von dieser Erden, Doch aller Erde Reiche werden Dem, das du gründest, unterthan. Bewaff IV. Adventlieder. 81 net mit des Glaubens Worten,| jegt aufs neue Zu uns, die wir Zieht deine Schaar nach den vier Orten Der Welt hinaus und macht dir Bahn. sind schwer verstört! Noth ist es, daß du selbst hienieden Kommst, zu erneuen deinen Frieden, Dagegen sich die Welt empört. 4. Und wo du kommest hergezogen, Da ebnen sich des Meeres Wogen, Es schweigt der Sturm, von dir bedroht. Du kommst, auf den empörten Triften Des Lebens neuen Bund zu stiften, Und schlägst in Fessel Sünd und Tod. 5. O Herr von großer Huld und Treue, O komme du auch 6. O laß dein Licht auf Erden siegen, Die Macht der Finsterniß erliegen, Und lösch der Zwietracht Glimmen aus; Daß wir, die Völker und die Thronen, Vereint als Brüder wieder wohnen In deines großen Vaters Haus! Rückert, g. 1789. Mel. Nun danfet Alle Gott.( Matth. 11, 2-6. Luc. 10, 23 2c.) 101. Er ist gekommen, er, Auf den die Väter harrten, Und länger dürfen wir Nun keines Andern warten, Er, der Propheten Wunsch, Den Könige so gern Sehn wollten, er ist da, Wir haben ihn zum Herrn! 2. Uns ist der Sohn geschenkt, Er, welcher kommen sollte, Der Völker Licht zu seyn, Der uns erlösen wollte; Er ist erschienen, dankt, Bringt Ruhm und Ehre her; Wer ist ein Helfer, wer Immanuel, als Er? 3. Gott ist mit uns! wir sehn Den Sohn, den Eingebornen, Des Vaters Herrlichkeit, Den Retter der Verlornen, Der Renevollen Trost; Ihr Sünder, nehmt ihn an! Er ist allein der Herr, Der selig machen kann. 4. Gott ist mit uns! nun hört Evangelisches Gesangbuch. Der Arme seine Lehren, Und was er lehrt, ist Heil; Er ists: die Tauben hören, Der Blinde sieht, und schaut Voll Dank zu Gott hinauf, Der Lahmen Füße gehn, Die Todten stehen auf. 5. Er ist gekommen, uns Dem Vater zu verföhnen und mit Barmherzigkeit Die Gläubigen zu krönen. Gott ist mit uns! er will Die Traurigen erfreun, Er will der Schwachen Kraft, Der Müden Stärke seyn. 6. Gott ist mit uns! er ists, Auf den die Väter harrten; Lobsingt, wir dürfen nun nicht eines Andern warten; Er schließt den Himmel auf, Er nimmt die Sünder an; Frohlockt und betet ihn Und seinen Vater an! Cramer, g. 1723 † 1788. 6 V. Weihnachtlieder. V. Weihnachtlieder. Mel. Der Tag, der ist so.( Jef. 9, 6) 102. Hallelujah! denn uns ist heut Ein göttlich Kind geboren; Von ihm kommt unsre Seligkeit, Wir wären sonst verloren. Am Himmel hätten wir nicht Theil, Wenn nicht oder: Der Tag, der ist so freudenreich: c. nach dem Lateinischen: Dies est laetitiae etc. mehr als hundert Jahre vor Luther bekannt.) ( Original: Ein Kindelein, so löbelich sc. 82 Mel. O daß ich tausend 3ungen.( Tit. 2, 11-14.) 103. Dies ist die Nacht, da mir erschienen Des großen Gottes Freundlichkeit; Das Kind, dem alle Engel dienen, Bringt Licht in meine Dunkelheit; Und dieses Welt- und Himmelslicht Weicht hunderttausend Sonnen nicht. zu unser aller Heil Dieß Kind geboren wäre. Liebster Heiland, Jesu Christ, Der du unser Bruder bist, Dir sey Lob, Preis und Ehre! 2. Laß dich erleuchten, meine Seele, Versäume nicht den Gnadenschein; Der Glanz aus dieser kleinen Höhle Streckt sich in alle Welt hinein, Er treibet weg der Trübsal Nacht, Der Sünden und des Todes Macht. in einer kurzen Zeit, Wird dieses Licht mit seinem Schein Dein Himmel und dein Alles seyn. 4. Laß nur indessen helle scheinen Dein Glaubens- und dein Lebenslicht! Mit Gott mußt du es treulich meinen, Sonst hilft dir diese Sonne nicht! Willst du genießen diesen Schein, So darfst du nicht mehr dunkel seyn. 5. Drum, Jesu, schöne Weihnachtsonne, Bestrahle mich mit deiner Gunst, Dein Licht sey meine Weihnachtwonne Und 3. In diesem Lichte kannst du lehre mich die selge Kunst: sehen Das Licht der klaren Se- Wie ich im Lichte wandeln soll ligkeit; Wenn Sterne, Sonn Und sey des Weihnachtglanzes und Mond vergehen, Vielleicht voll! Nachtenhöfer, g. 1624 † 1685. Mel. Vom Himmel hoch.( Ps. 118, 23. 24.) 104. Dies ist der Tag, den| 2. Die Völker haben dein geGott gemacht, Sein werd in aller Welt gedacht; Ihn preise, was durch Jesum Christ Im Himmel und auf Erden ist! harrt, Bis daß die Zeit erfüllet ward; Da sandte Gott von seinem Thron Das Heil der Welt, dich, seinen Sohn. V. Weihnachtlieder. 3. Wenn ich dieß Wunder fas-| 7. Gedanke voller Majestät, sen will, So steht mein Geist Du bist es, der das Herz ervor Ehrfurcht still, Er betet höht! Gedanke voller Seligan und er ermißt, Daß Gottes feit, Du bist es, der das Herz Lieb unendlich ist. erfreut! 4. Damit der Sünder Gnad erhält, Erniedrigst du dich, Herr der Welt, Nimmst selbst an unsrer Menschheit Theil, Erscheinst im Fleisch und wirst uns Heil. 5. Herr, der du Mensch geboren wirst, Immanuel und Friedefürst, Auf den die Väter hoffend sahn, Dich, Gott, mein Heiland, bet ich an! 6. Du, unser Heil und höchstes Gut, Vereinest dich mit Fleisch und Blut, Wirst unser Freund und Bruder hier, Und Gottes Kinder werden wir. 83 105. Fröhlich soll mein Herze springen Dieser Zeit, Da vor Freud Alle Engel singen. Erd und Himmel, nehmts zu Ohren! Jauchzend ruft Alle Luft: Christus ist geboren! 2. Sollt uns Gott nun können hassen, Der uns gibt, Was er liebt Ueber alle Maßeu? Gott gibt, unfrem Leid zu wehren, Seinen Sohn Von dem Thron Seiner Macht und Ehren. 3. Sollte von uns seyn gekehret, Der sein Reich Und zugleich Sich uns selbst besche8. Durch Eines Sünde fiel die Welt, Ein Mittler ists, der fie erhält; Was zagt der Mensch, wenn der ihn schützt, Der in des Vaters Schoose sitzt? 9. Jauchzt, Himmel, die ihr ihn erfuhrt, Den Tag der heiligsten Geburt, Und Erde, die ihn heute sieht, Sing ihm, dem Herrn, ein neues Lied! Eigene Mel.( Luc. 2, 10. 11. Stöm. 8, 31-34.) 10. Dieß ist der Tag, den Gott gemacht, Sein werd in aller Welt gedacht; Ihn preise, was durch Jefum Chrift Im Himmel und auf Erden ist! Gellert, 9. 1715 † 1769. ret? Sollt uns Gottes Sohn nicht lieben, Der erschien Und nimmt hin, Was uns will betrüben? 4. Er nimmt auf sich, was auf Erden Wir gethan, Gibt sich dran, Unser Lamm zu werden; Unser Lamm, das für uns stirbet Und bei Gott Für den Tod Leben uns erwirbet. 5. Nun, er liegt in seiner Krippen, Ruft zu sich Dich und mich, Spricht mit süßen Lippen: Lasset schwinden, liebe Brüder, Was euch quält, Was 84 euch fehlt, Ich bring Alles| Machet heil Deine tiefsten wieder." Wunden. 6. Ei so kommt mit offnen Händen! Stellt euch ein, Groß und klein, Kommt von allen Enden! Liebt ihn, der vor Liebe brennet, Schaut den Stern, Der euch gern Licht und Labsal gönnet. V. Weihnachtlieder. 9. Die ihr arm seyd und elende, Kommt herbei, Füllet frei Eures Glaubens Hände! Hier sind alle gute Gaben Und das Gold, Dran ihr sollt Eure Herzen laben. 10. Süßes Heil, laß dich umfangen, Laß mich dir, Meine Zier, Unverrückt anhangen! Du bist meines Lebens Leben; Nun kann ich mich durch dich Wohl zufrieden geben. 11. Ich will dich mit Fleiß bewahren, Ich will dir Leben hier und mit dir heimfahren, Mit dir will ich endlich schweben Voller Freud, Ohne Zeit, Dort im andern Leben. Gerhard,, g. 1606 † 1676. Mel. Lobe den Herren, den mächtigen.( Jef. 49, 13.) 106. Jauchzet, ihr Himmel,| Sehet die Liebe, die ganz sich frohlocket in englischen Chören! Singet dem Herren, dem Heiland der Menschen, zu Ehren! Sehet doch da, Gott will so freundlich, so nah Zu den VerTornen sich kehren. als Liebe nun zeiget! Sie wird ein Kind, Trägt und vertilget. die Sünd; Alles anbetet und schweiget. 2. Jauchzet, ihr Himmel! frohlocket, ihr Enden der Erden! Gott und der Sünder, die sollen zu Freunden nun werden. Friede und Freud Wird uns verkündiget heut, Frenet euch, Hirten und Heerden! 4. Gott ist im Fleische!-Wer kann dieß Geheimniß verstehen? Hier ist die Pforte des Lebens nun offen zu sehen! Tretet herzu, Sucht bei dem Sohne die Nuh, Die ihr zum Vater wollt gehen. 5. Hast du denn, Höchster, auch meiner noch wollen gedenken? Du willst dich selber, dein Herz voll Erbarmen, mir schenken? 7. Die ihr schwebt in großen Leiden, Sehet, hier Ist die Thür Zu den wahren Freuden. Faßt ihn wohl, er wird euch führen An den Ort, Da hinfort Euch kein Kreuz wird rühren. 8. Wer sich fühlt beschwert im Herzen, Wer empfind't Seine Sünd Und Gewissensschmerzen, Sey getrost, hier wird gefunden, Der in Eil 3. Sehet dieß Wunder, wie tief sich der Höchste geneiget; V. Weihnachtlieder. Sollt nicht mein Sinn Innigst| ohne dich bin ich verloren! sich freuen darin Und sich in Wohne in mir, Mach mich ganz Demuth versenken? Eines mit dir, Der du mich liebend erkoren. 6. König der Ehren, aus Liebe geworden zum Kinde, Dem ich auch wieder mein Herz in der Liebe verbinde, Du sollst es seyn, Den ich erwähle allein; Ewig entfag ich der Sünde. 7. Treuer Immanuel, werd auch in mir mun geboren! Komm, o mein Heiland, denni 85 3. Werde auch in uns geboren, Und erleuchte du uns ganz, O du ewig heller Glanz; Und dein 8. Menschenfreund Jesu! dich lieb ich, dich will ich erheben, Laß mich doch einzig nach deinem Gefallen nun streben; Herr, nimm mich hin, Hilf mir in kindlichem Sinn Ewiglich dir nur zu leben! Tersteegen, g. 1697 † 1769. Mel. Ach was soll ich Sünder.( Eph. 2, 5 2c. Sachar. 2, 10. Pf. 71, 22: c.) wieder bei uns ein, Daß wir Menschen Gottes sey'n! 107. Freuet euch, erlöste| Bild, das wir verloren, Kehre Brüder, Denn des Vaters Wort und Licht, Das durch alles Dunfel bricht, Bringet das Verlorne wieder, Und in unser Fleisch und Bein Hüllet sich die Liebe ein! 2. Der die Himmel aufgebanet Und der Erde Grund gelegt, Der die Kreaturen trägt, Ward als Mensch wie wir ge= schauet; Er, der alle Welt erfüllt, Ward in Armuth eingehüllt. 4. Uns verlangt auf dieser Erden, Durch der Liebe Wunderkraft Zu des Lichtes Bürgerschaft Wiederum gebracht zu werden; Daß uns unser VaterlandKünftig wieder sey bekannt. 5. Nun, dein paradiesisch Leben Dringet wieder in uns vor, Und der Wille geht empor, Deinen Namen zu erheben; Nun in dir wir können ruhn, O wie selig sind wir nun! Richter, g. 1676 † 1711. Mel. Nun lob, mein Geel.( Luc. 2, 10 zc. 1 Joh. 5, 11 20. 1 Cor. 15, 58.) 108. VomGrab, an dem wir| es, erlöst zu seyn! Zum Heiwallen, Soll, Jesu Christ, dein land uns gegeben Erschienst du, Lobgesang Empor zum Himmel Gottes Sohn; Mit dir erschien schallen; Dir opfre jede Seele das Leben, Mit dir des HimDank! Und jeder der Gebornen mels Lohn. Erfreu sich, Mensch zu seyn; Und jeder der Verlornen Rühm 2. Kommt, laßt uns niederfallen Bor unfrem Mittlev, V. Weihnachtlieder. 86 Jesus Christ, Und danken, daß| Vernimm die Lobgesänge, Die er Allen Erretter, Freund und Bruder ist. Er, gleich der Morgensonne Mit ihrem ersten Strahl, Verbreitet Licht und Wonne Und Leben überall. Durch ihn kommt Heil und Gnade Auf unsre Welt herab, Er segnet unsre Pfade Durchs Leben bis zum Grab. dir dein Volk im Staube bringt! Auch du warst einst auf Erden, Was deine Brüder sind, Ein Dulder der Beschwerden, Ein schwaches Menschenkind. Olaß auch uns auf Erden Dir gleich gesinnet seyu, Bis wir einst himmlisch werden und dein uns wewig freun. 3. Frohlockt, ihr Mitgenossen Der Erde und der Sterblichkeit! Uns ist nun aufgeschlossen Der Eingang zu der Herrlichkeit. Auf unsre Erd hernieder Kam Gottes ewger Sohn; Nun hebt er seine Brüder Empor zu Gottes Thron. Er war das Heil der Sünder Und der Verlornen Hort; Nun sind sie Gottes Kinder, Und Gottes Erben dort. 4. O du, dem jetzt die Menge DerEngel und Verklärten singt, 109. Du wesentliches Wort, Vom Anfang her gewesen, Du Gott, von Gott gezeugt, Von Ewigkeit erlesen Zum Heil der ganzen Welt, mein Herr Jesu Christ, Willkommen, der du mir zum Heil geboren bist! 5. Bald sind wir zu dem Lohne Der Himmelsbürger dort erhöht, Dann sind wir nah dem Throne Und schauen deine Majestät. Nicht mehr aus dunkler Ferne Dringt dann der Dank zu dir, Weit über Sonn und Sterne Erhaben, jauchzen wir, Und mit der Himmel Heere. Schallt unser Lobgesang: Dem Ewigen sey Ehre, Dem Welterlöser Dank! Mel. O Gott, du frommer.( Joh. 1, 1-14.) 2. Komm, o selbständigsWort, Und sprich in meiner Seele, Daß mirs in Ewigkeit Am Troste nimmer fehle. ImGlauben wohn in mir Und weiche von mir nicht; Laß mich auch Sturm, g. 1740 † 1786. nicht von dir Abweichen, schönstes Licht! 3. Du wesentliches Wort Warst bei Gott, eh geleget Der Grund der großen Welt, Da sich dein Herz beweget Zur Liebe gegen mich. Und weil du selber Gott, So machst du in dem Fleisch Sünd, Höll und Tod zu Spott. 4. Was hat, o Jesu, dich Von Anfang doch bewogen? Was hat vom Himmelsthron Dich in die Welt gezogen? Ach deine große Lieb und meine große V. Weihnachtlieder. 87 7. Laß nichts mehr in mir seyn, Was du nicht selbst geschaffen, Reut alles Unkraut aus und brich des Feindes Waffen. Das Bös ist nicht von dir, Es hats der Feind gethan; Du aber führe Herz Und Fuß auf ebner Bahn. 8. Das Leben ist in dir Und alles Licht des Lebens; Laß an mir deinen Glanz, Mein Gott, nicht seyn vergebens; Weil du das Licht der Welt, Sey meines Lebens Licht, O Jesu, bis mir dort DeinSonnenlicht anbricht! Laurentii, g. 1660 † 1722. COMO Noth Hat deine Gluth ent= flammt, Die stärker als derTod. 5. Du bist das Wort, wodurch Die ganze Welt vorhanden, Und alle Dinge sind Durch dich zum Licht erstanden. Ach so bin ich, mein Heil, Auch dein Geschöpf und Gab, Der ich ja, was ich bin, Von dir empfangen hab. 6. Gib, daß ich dir zum Dienst Mein ganzes Herz ergebe, Auch dir allein zum Preis Auf dieser Erde lebe; Ja, Jesu, laß mein Herz Ganz neu geschaffen seyn Und dir bis in den Tod Gewidmet seyn allein! Mel. Lobt Gott, ihr Christen.( Joh. 3, 16.) 110. Also hat Gott die Welt| sten, wirst Auch mir durch Rath geliebt, Daß er aus freiem Trieb uns seinen Sohn zum Heiland gibt; Wie hat uns Gott so lieb! und That Ein Helfer und mein Friedefürst Auf dieses Lebens Pfad. 6. Was mir zum Seligseyn gebricht, Schafft deine Lieb auch mir: Verfühnung, Leben, Trost und Licht; Wie viel hab ich an dir! 2. Was sein erbarmungsvoller Rath Schon in der Ewigkeit Zu unsrem Heil beschlossen hat, Vollführt er in der Zeit. 3. Er, unser Freund und bestes Gut, Der Alle segnen kann, Des Höchsten Sohn nimmt Fleisch und Blut, Doch ohne Sünde an. 4. Ich freue mich, mein Heil, in dir, Du wirst ein Mensch wie ich, Daß ich mit Gott sey, Gott mit mir; Wie sehr beglückst du mich! 5. Du, Sohn des Allerhöch7. Dein Mangel wird mein reiches Theil, Dein Leiden stillt mein Leid; Durch deine Demuth, Herr, mein Heil, Gewinn ich Herrlichkeit. 8. Gelobt sey Gott, gelobt sein Sohn, Durch den er Gnad erweist! Lobt, Engel, ihn vor seinem Thron, Erheb ihn auch, mein Geist! Heder, g. 1699 † 1743, 88 V. Weihnachtlieder. Eigene Mel.( 2 Cor. 8, 9.) 111. Gelobet feyst du, Jesu| des Lichtes Kinder macht. HalChrist, Daß du Mensch gebo- lelujah! ren bist, Von einer Jungfrau, das ist wahr; Deß freuet sich der Engel Schaar. Hallelujah! 2. Des ewgen Vaters einig Kind Jetzt man in der Krippe find't. In unser armes Fleisch und Blut Verkleidet sich das ewig Gut. Hallelujah! 3. Den aller Weltkreis nie beschloß, Der liegt in Marien Schoos; Er ist ein Kindlein worden klein, Der alle Ding erhält allein. Hallelujah! 4. Das ewig Licht geht da herein, Gibt der Welt ein'n neuen Schein; Es leucht't wohl mitten in der Nacht Und uns 5. Der Sohn des Vaters, Gott von Art, Ein Gast in der Welt hie ward; Er führt uns aus dem Jammerthal Und macht uns Erben in sein'm Saal. Hallelujah! 3. Von Anfang, da die Welt gemacht, Hat manches Herz nach dir geschmacht't, Dich hat gehofft so lange Jahr Der 6. Er ist auf Erden kommen arm, Daß er unser sich erbarm Und in dem Himmel mache reich und seinen lieben Engeln gleich. Hallelujah! 7. Das hat er alles uns gethan, Sein groß Lieb zu zeigen an; Deß freu sich alle Christenheit Und dank ihm deß in Ewigkeit. Hallelujah! Luther, g. 1483 † 1546. Eigene Mel.( Luc. 10, 23. 24. Pf. 53, 7.) 112. Wir fingen dir, Im-| Väter und Propheten Schaar. manuel, Du Lebensfürst und Hallelujah! Gnadenquell, Du Himmelsblum und Morgenstern, Du Sohn der Jungfrau, Herr der Herrn! Hallelujah! 4. Vor Andern hat dein hoch begehrt Der Hirt und König deiner Heerd, Der Mann, der dir so wohl gefiel, Wenn er dir sang auf Saitenspiel. Hallelujah! 2. Wir singen dir mit deinem Heer Aus aller Kraft Lob, Preis und Ehr, Daß du, o langgewünschter Gast, Dich nunmehr eingestellet haft! Hallelujah! 5. ,, Ach daß der Herr aus Zion fäm Und unsre Bande von uns nähm; Ach daß die Hilfe bräch herein, So würde Jakob fröhlich seyn!" Hallelujah! 6. Nun, du bist hier, da liegest du, Hältst in der Krippe V. Weihnachtlieder. 89 deine Ruh; Bist klein, und ist klein, Doch wird dir nicht machst doch Alles groß, Be- zuwider seyn Mein armesHerz; Fleid'st die Welt, und kommst und was es kann, Wirst du in doch bloß. Hallelujah! Gnaden nehmen an. Hallelujah! 7. Du kehrst in fremder Wohnung ein, Und sind doch alle Himmel dein; Du liegst an einer Menschenbrust, Und bist doch aller Engel Lust. Hallelujah! 8. Du bist der süße Menschenfreund, Doch sind dir so viel Menschen feind; Herodes achtet dich für Greul, Und bift doch nichts als lauter Heil. Hallelujah! 9. Ich aber, dein geringster Knecht, Ich sag es frei und mein' es recht: Ich liebe dich, doch nicht so viel, Als ich dich gerne lieben will. Hallelujah! 10. Der Will ist da, die Kraft 113. Ich steh an deiner Krippe hier, O Jesu, du mein Leben! Ich komme, bring und schenke dir, Was du mir hast gegeben; Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn, Herz, Seel und Muth, nimm Alles hin Und laß dirs wohlgefallen! 11. Und bin ich gleich der Sünde voll, Hab ich gelebt nicht, wie ich soll,- Ei, kommst du doch deßwegen her, Daß sich der Sünder zu dir kehr! Hallelujah! Mel. Allein Gott in der Höh.( Tob. 9, 2. 2 Tim. 1, 9. 10.) 2. Da ich noch nicht geboren war, Da bist du mir geboren, Und hast mich dir zu eigen gar, Eh ich dich kannt', erkoren; Eh ich durch Gottes Hand gemacht, Hat er schon bei sich selbst be12. So faff' ich dich nun ohne Scheu, Du machst mich alles Jammers frei, Du trägst den Zorn, erwürgst den Tod, Verkehrst in Freud all Angst und Noth. Hallelujah! 13. Ich will dein Hallelujah hier Mit Freuden singen für und für, Und dort in deinem Ehrensaal Solls schallen ohne Zeit und Zahl: Hallelujah! Gerhard, g. 1606 † 1676. | dacht, Wie du mein solltest werden. 3. Ich lag in tiefster Todesnacht; Du warest meine Sonne, Die Sonne, die mir zugebracht Licht, Leben, Freud und Wonne. O Sonne, die den werthen Schein Des Glaubens schickt ins Herz herein, Wie schön sind deine Strahlen! 4. Ich sehe dich mit Freuden an Und kann nicht satt mich sehen, Und weil ich nun nicht weiter kann, So bleib ich fin V. Weihnachtlieder. 90 nend stehen. O daß mein Sinn selbsteignes Herzeleid, Das ein Abgrund wär Und meine will ich dir nicht wehren. Seel ein weites Meer, Daß ich dich möchte fassen! 7. Eins aber, hoff ich, wirst du mir, Mein Heiland, nicht versagen: Daß ich dich möge für und für In meinem Herzen tragen. So laß es deine Wohnung seyn, Komm, komm und kehre bei mir ein Mit allen deinen Freuden! 5. Wenn oft mein Herz vor Kummer weint Und keinen Trost kann finden, Rufst du mir zu: ,, ich bin dein Freund, Ein Tilger deiner Sünden, Dein Fleisch und Blut, der Bruder dein, Du sollst ja guter Dinge seyn, Ich fühne deine Schulden." 6. Du fragest nicht nach Lust der Welt, Noch nach des Leibes Freuden; Du hast dich bei uns eingestellt, An unsrer Statt zu leiden, Suchst meiner Seele Herrlichkeit Durch dein 8. Zwar sollt ich denken, wie gering Ich dich empfangen werde: Du bist der Schöpfer aller Ding, Ich bin nur Staub und Erde! Doch bist du ein so frommer Gast, Daß du noch nie verschmähet hast Den, der sein Herz dir öffnet. Gerhard, g. 1606 † 1676. Mel. Schwingt, heilige Gedanken.( 1 Joh. 1, 7. Luc. 14, 16-24.) 114. Der heilge Christ ist| 3. Nun sind nicht mehr die kommen, Der theure Gottes- Kinder Verwaist und vatersohn; Deß freun sich alle From- los; Gott rufet selbst die Sünmen Am höchsten Himmels- der In seinen Gnadenschoos. thron. Auch was auf Erden ist, Er will, daß Alle, rein Von Soll preisen hoch und loben ihrem alten Schaden, VerMit allen Engeln droben Den trauend seinen Gnaden, Gehn lieben, heilgen Christ. in den Himmel ein. 2. Das Licht ist aufgegangen, Die lange Nacht ist hin; Die Sünde liegt gefangen, Erlöst ist Herz und Sinn. Die Sündenangst ist weg, Der Glaube geht zum Himmel Nun aus dem Weltgetümmel Auf einem sichern Steg. 4. Drum freut euch hoch und preiset, Ihr Seelen, fern und nah! Der euch den Vater weiset, Der heilge Christ ist da! Er ruft euch insgemein Mit süßen Liebesworten:„ Geöffnet sind die Pforten, Ihr Kinder, kommt herein!" F. M. Arndt, g. 1769. Erscheinung Chrifti. Erscheinung Christi. Mel. Ach was soll ich Sünder.( Matth. 2, 1-12.) 115. Wer im Herzen will erfahren Und darum bemühet ist, Daß der König Jesus Christ Sich in ihm mög offenbaren, Der muß suchen in der Schrift, Bis er diesen Schaß antrifft. 2. Er muß gehen mit den Weisen, Bis der Morgenstern aufgeht Und im Herzen stille steht, So kann man sich selig preisen, Weil des Herren Angesicht Glänzt von Klarheit, Recht und Licht. 3. Denn wo Jesus ist geboren, Da erweiset sich gar bald Seine göttliche Gestalt, Die im Herzen war verloren; Seine Klarheit spiegelt sich In der Seele kräftiglich. 4. Alles Fragen, alles Sagen Wird von diesem Jesu seyn Und von dessen Gnadenschein, Dem sie fort und fort nachjagen, Bis die Seele in der That Diesen Schatz gefunden hat. 5. Ach wie weit sind die zuEigene Mel.( Jes. 60, 1. 116. Werde Licht, du Volk der Heiden! Werde Licht, Jerusalem! Dir geht auf ein Glanz der Freuden Vom geringen Bethlehem. Er, das Licht und Heil der Welt, Christus hat sich eingestellt. O 91 For rücke, Die nur fragen in der Welt: Wo ist Reichthum, Gut und Geld? Wo ist Ansehn bei dem Glücke? Wo ist Wollust, Ruhm und Ehr? Und nach solcher Thorheit mehr. 6. Ja unselig find die Herzen Und in ihrem Wandel blind, Die also beschaffen sind, Weil sie diesen Schatz verscherzen und erwählen einen Schein, Der nichts hilft in Todespein. 7. Jesu! laß mich auf der Erden Ja nichts suchen, als allein, Daß du mögest bei mir seyn, Und ich dir mög ähnlich werden In dem Leben dieser Zeit Und in jener Ewigkeit. 8. Nun so will ich mit den Weisen, Welche die verkehrte Welt Höhnet und für Thoren hält, Dich anbeten, rühmen, preisen, Liebster Jesu, und vor dir Treulich wandeln für und für! Flittner, g. 1618 † 1678. Joh. 1, 11. Cap. 8, 12.) 2. Ehe dieses Licht erschienen, Das die Völker wünschten, lag Dicke Finsterniß auf ihnen; Doch uns scheinet lichter Tag, Und ein strahlenvoller Stern Führt uns sicher zu dem Herrn. 3. Aber ach! von deinem Volke 92 V. Weihnachtlieder. Unser Glaub umfasset dich. Wirst du, Heiland, nicht er-| feit! Unsre Kniee beugen sich, kannt, Und des Irrthums finstre Wolke Ueberschattet noch dein Land; Ueber Salem strahlt dein Licht, Aber Salem kennt dich nicht. 7. Auf des Lebens Pfad geleite Täglich uns dein Geist und Wort; Gib uns Muth zum guten Streite, Daß wir siegen fort und fort, Stets an deiner Seite gehn, Nie verzagend stille stehn. 4. Weise kommen anzubeten, Auch Herodes fragt nach dir, Aber fragt nur, dich zu tödten, Wo du seyst, voll Blutbegier; Gern vergösse seine Wuth, O du Herr der Welt, dein Blut! 5. Ach verwerfet doch, ihr Sünder, Den nicht, der euch retten kann; Kommt und werdet Gottes Kinder, Betet euren König an! Eilt zu ihm und säumet nicht, Macht euch auf und werdet Licht! 6. Nun wir eilen mit Verlangen, Dich zu ehren, sind bereit, Dich, o Heiland, zu empfangen; Zeig uns deine Herrlich8. In des Leidens Finsternissen Leucht uns deines Trostes Licht! Ach in unsern Kümmernissen, Jesu, ach verlaß uns nicht, Bis uns in der Ewigkeit Deines Lichtes Glanz erfreut! 9. Wandern wir im finstern Thale Endlich näher hin ans Grab, Dann sey unser Licht und strahle Himmelstrost auf uns herab, Daß wir ohne Furcht und Graun Unfrem Tod entgegen schaun. Mudre, g. 1736+ 1810. B. 7 3usag. Mel. Lobt Gott ihr Christen.( Matth. 2, 1-12.) 117. Auf, Seele, auf und| vids Stamm, Der alle Feinde säume nicht! Es bricht das Licht herfür; Der Wunderstern gibt dir Bericht, Der Held sey vor der Thür. schlägt; Er ist das theure Gotteslamm, Das unsre Sünde trägt. 2. Geh aus von deinem Vaterland, zu suchen solchen Herrn; Laß deine Augen seyn gewandt Auf diesen Morgenstern. 5. Drum mache dich behende auf, Befreit von aller Last, Und laß nicht ab von deinem Lauf, Bis du dieß Kindlein hast. 3. Gib Acht auf diesen hellen Schein, Der aufgegangen ist, Er führet dich zum Kind hinein, Das heißet Jesus Christ. 6. Halt dich im Glauben an das Wort, Das fest ist und gewiß; Das führet dich zum Lichte fort Aus aller Finsterniß. 7. Drum sinke nur vor seinem Glanz In tiefste Demuth ein, 4. Er ist der Held aus Da Darstellung Christi. 93 Und laß dein Herz erleuchten| ses Pfort, Die wieder offen ganz Von solchem Freuden- steht.m3 schein. 8. Bring willig ihm zum Opfer dar Dich selbst mit Leib und Seel, Und singe mit der Engel Schaar:„ Hier ist Immanuel!" 9. Hier ist das Ziel, hier ist der Ort, Wo man zum Leben geht; Hier ist des Paradieherop this Darstellung Christi. Mel. Valet will ich.( Luc. 2, 25-32.) 118. Herr Jesu, Licht der Heiden, Der Frommen Schatz und Lieb! Wir kommen jetzt mit Freuden Durch deines Geistes Trieb In diesen deinen Tempel Und suchen mit Begier, Nach Simeons Erempel, Dich, Gottes Sohn, allhier. 10. Hier fallen alle Sorgen hin, Zurkust wird jede Pein; Es wird erfreuet Herz und Sinn, Denn Gott ist wieder dein! 11. Der zeigt dir einen andern Weg, Als du vorhin gekannt: Den stillen Ruh- und Friedenssteg Zum ewgen Vaterland. Mich. Müller, g. 1673 † 1704. 2. Du wirst von uns gefunden, O Herr, an jedem Ort, Wo man mit dir verbunden Durch dein Verheißungswort; Vergönnst noch heut zu Tage, Daß man dich gleicherweis' Auf Glaubensarmen trage, Wie hier der fromme Greis. 3. Sey unsre Hilf und Wonne, Gin lindernd Del in Pein, Im Dunkeln unsre Sonne, Im Kreuz ein Gnadenschein, In Zagheit Gluth und Feuer, In Noth ein Freudenstrahl, In Banden ein Befreier, Ein Stern in Todesqual! 4. Herr! laß uns auch gelingen, Daß einst, wie Simeon, Ein jeder Christ kann singen Den süßen Schwanenton: ,, Mir werden nun im Frieden Die Augen zugedrückt, Nachdem ich schon hienieden Den Heiland hab erblickt." 5. Ja, ja ich hab im Glauben, Mein Jesu, dich geschaut; Kein Feind kann mich dir rauben, Dräut er auch noch so laut. Ich wohn in deinem Herzen Und in dem meinen du, Uns scheiden keine Schmerzen, Nicht Angst noch Tod dazu! 6. Hier will es oft mir scheinen, Du sehst mich strafend an, Daß ich vor Angst und Weinen Dich kaum erkennen kann; Dort aber wirds geschehen, Daß ich von Angesicht Zu Angesicht soll sehen Dein immer klares Licht. Joh. Frand, g. 1619 † 1677. 94 VI. Lehramt und Wandel Jesu. Eigene Mel.( Luc. 2, 22 2c. Rom. 13, 11. 12.) nach dem Himmel sehnt, Der opfert rechte Gaben. 119. Wohlauf, mein Herz,| Welt entwöhnt, Aus ihr sich verlaß die Welt, Dem, der für dich sich dargestellt, Nun dich auch darzustellen! Er ist das Licht, drum sey gewiß, Er wird auch deine Finsterniß Durch seinen Glanz erhellen. 2. Ach du sollst ihm ein Tempel seyn! Er selbst macht dich von Sünden rein Und hat Lust, hier zu wohnen; Doch, finstres Herz, auf, werde Licht! Denn Jesus wohnt in Seelen nicht, Die ihrer Lüste schonen. 3. Wer dich begehret, Gottessohn, Vom Geist erweckt, wie Simeon, Zu seinem Heil zu haben, Gott fürchtet, sich der 4. Wer auf die Treue Gottes baut, Im Glauben seinen Heiland schaut, Der kann im Frieden fahren. Der Heiland hält, was er verspricht, Er wird sich ihm in seinem Licht Dort herrlich offenbaren. 4. Nun endlich fährt im Frieden Von hinnen Simeon; Und 5. Herr! mache mich gerecht und rein Und laß mich stets voll Glauben seyn, Um heilig dir zu leben, Bis du auch mich, wann dirs gefällt, Im Frieden wirst aus dieser Welt zu deiner Wonn erheben. Joh. Ad. Schlegel, g. 1721+ 1793. VI. Lehramt und Wandel Jesu. Mel. Ach sey mit deiner Gnade.( Luc. 2, 41-52. Matth. 3, 17.) 120. Der niedern Mensch-| Hanna rühmt hienieden Von heit Hülle Trägt er, des Men- Gottes Trost und Lohn. schen Sohn; Doch wohnt in ihm die Fülle Der ganzen Gottheit schon. 5. Auch bringen aus der Ferne Die Weisen, wunderbar, Geführt von einem Sterne, Gold, Weihrauch, Myrrhen dar. 2. Er wandelt hier auf Erden Nicht mächtig und nicht reich, Und duldet viel Beschwerden, Doch ist er Gott schon gleich. 6. Und vor Herodis Morden Ist in Egyptenland Das Kind errettet worden Durch Gottes starke Hand. 3. Der Engel heilge Chöre Thun sein Erscheinen kund; Da opfert Dank und Ehre Der Hirten Herz und Mund. 7. Schon zeigt sich in dem Knaben Die Gnade mannigfalt; Ihm leuchten Gottes Gaben Aus Antlitz und Gestalt. 8. Wie Gottes Wohlgefallen VI. Lehramt und Wandel Jesu. 95 Den Heiligen umgibt! Wie Mit muntrem Sinn und geht von den Menschen allen Der Hinab zur armen Hütte Im Holde wird geliebt! kleinen Nazareth. 9. Wie wundern sich dielehrer, Als er zum Tempel eilt Und in dem Kreis der Hörer Mit ernstem Fleiße weilt! 15. Er bleibt nach Gottes Willen Den Eltern unterthan, Und wächset so im Stillen Zum großen Werk heran. 16. O lernet Lernbegierde Und Gottesfurcht allda Und jeder Tugend Zierde, Ihr Kinder, fern und nah! 10. Wie preist an jenem Tage So mancher den Verstand, Den man in jeder Frage, In jeder Antwort fand! 11. Wohl ruft am dritten Morgen Ihn dort die Mutter an: „ Warum, zu schweren Sorgen, Hast du uns das gethan?" 12. Er spricht aus heilgem Wissen: Wie kommts, daß ihr nicht wißt, Daß ich in dem seyn müssen, Das meines Vaters ist?" 13. 3war seine Eltern beede Verstunden nicht das Wort, Doch stille trug die Rede Maria mit sich fort. 14. Er folget ihrem Schritte 17. Wohl dem, der Gottes Wege In jungen Jahren geht Und nie zum Guten träge, Nie müd ist zum Gebet. 121. Jesu, du Sohn der unendlichen Liebe, Göttlicher Freund in der Sterblichen Reihn! Sind es doch ganz unerforschliche Triebe, Die dich den Sündern zum Eigenthum weihn. Sie zu versöhnen Und sie zu krönen, Stellst du bei Menschen als Bruder dich ein. 2. Wunder! das Wort ist nun Abrahams Sprosse, Von der Vergänglichkeit menschlich um18. Und bist du groß erzogen, So bleibe wie dieß Kind, Daß Engel dir gewogen, Dir hold die Menschen sind. 19. Gehorche Jesu Lehre, So wird die Jugend rein, Dein Alter Glück und Ehre, Dein Ende selig seyn. Nach Feddersen; vermehrt. Mel. Höchster Formirer.( Joh. 13, 1. 1 Joh. 4, 19.) schränkt; Wunder! Der Herr ist der Armuth Genosse, Der den Gefallnen das Himmelreich schenkt. Uneingeladen Wehrt er dem Schaden, Der die Verirrten zum Abgrund versenkt. 3. Kaum in die Linnen des Elends gewunden, Sah ihn sein Bethlehem freundlich und hold, Wie ihm in heiligen, nächtlichen Stunden Forschende Weise die Gaben gezollt. Daß wir uns VI. Lehramt und Wandel Jesu. nahen, Jesum empfahen, Ifts,| Liebe wars, die dich am Abend was der Stern ob der Hütte gewollt. erfüllte, Als du dich, deiner Verklärung bewußt, Dienend bemühtest, Aufgeschürzt knietest Sündern zu Füßen; o heilige Luft! 7. Liebe, du dientest, du schmachtetest, warbest, Als dich am Delberg die Hölle geschreckt. Liebe, du liebtest, du littest und starbest Nackt und mit Dornen und Schande bedeckt, Da du, verlassen, Noch im Erblassen Offene Arm' uns entgegengestreckt. 96 4. Heil sey dir, daß du die Jahre durchlaufen, Die dich in Demuth und Sanftmuth geübt! Herzen der Sünder für dich zu erkaufen, Hast du geduldet, geheilt und geliebt. Derer, die fragten, Derer, die klagten, Hast du nicht Einen verschmäht und betrübt. 5. Wunder.erzeigen und Gnaden verbreiten Machte dich müde, doch ohne Verdrieß. Heilauf Verbannte und Zöllner zu leiten, Däuchte dir unter Verlästrungen süß, Bis die Verschwörung Und die Empörung Dich als ein Schlachtschaf zur Marter verstieß. 8. Laß es mich, Heiligster, nimmer vergessen, Was du schon sterbend für Liebe geübt! Laß es in Andacht mich stündlich ermessen, Daß du für mich dich zu Tode betrübt; Laß mich dich lieben, Dir, Herr, verschrieben, Der du mich, eh ich dich kannte, geliebt! Lehmus, g. 1707+ 1788. Mel. Wachet auf! ruft.( Joh. 13, 15. Cap. 14, 13. 14.) 2. O stiller Jesu, wie dein Wille Dem Willen deines Vaters stille Und bis zum Tod gehorsam war, So mache du auch gleichermaßen Mein Herz und Willen dir gelassen, Ach stille meinen Willen gar! Mach mich dir gleich gesinnt, Wie ein gehorsam Kind, Stille, stille; Jesu, hilf du, Hilf mir dazu, Daß ich fein stille sey wie du! 3. Wachsamer Jesu, ohne 6. Noch da dich Schauer des Todes umhüllte, Schlug dir vor Liebe die seufzende Brust; 122. Heiligster Jesu, Heilgungsquelle, Mehr als Krystall rein, klar und helle, Du lautrer Strom der Heiligkeit! Der Glanz der hohen Cherubinen, Die Heiligkeit der Seraphinen Ist gegen dich nur Dunkelheit. Ein Vorbild bist du mir; Ach bilde mich nach dir, Du mein Alles! Jesu, hilf du, Hilf mir dazu, Daß ich auch heilig sey, wie du! VI. Lehramt und Wandel Jeſu. 97 Schlummer, In großer Arbeit,| Vaters Haus. Mein Heiland, Müh und Kummer Bist du gewesen Tag und Nacht! Du mußtest täglich viel ausstehen, Des Nachts lagst du vor Gott mit Flehen, Du haft gebetet und gewacht. Gib mir auch Wachsamkeit, Daß ich zu dir allzeit Wach und bete. Jesu, hilf du, Hilf mir dazu, Daß ich stets wachsam sey, wie du! 4. Gütigster Jesu, o wie gnädig, Wie liebreich bist du, wie gutthätig, Selbst gegen Feinde wie gelind! Dein Sonnenlicht erscheinet Allen, Dein Negen muß auf Alle fallen, Ob sie dir gleich undankbar sind. Mein Gott, ach lehre mich, Damit hierinnen ich Dir nacharte; Jefu, hilf du, Hilf mir dazu, Daß ich auch gütig sey wie du! 5. Du sanfter Jesu, warst unschuldig, Und litteft alle Schmach geduldig, Vergabst und ließst nicht Rachgier aus! Niemand kann deine Sanftmuth messen, Bei der kein Eifer dich gefressen, Als der um deines ach verleih Mir Sanftmuth und dabei Guten Eifer; Jesu, hilf du, Hilf mir dazu, Daß ich sanftmüthig sey, wie du! 6. Würdigster Jesu, Ehrenkönig, Du suchtest deine Ehre wenig Und wurdest niedrig und gering; Du wandeltest ertieft auf Erden, In Demuth und in Knechtsgeberden, Erhubst dich selbst in keinem Ding: Herr, solche Demuth lehr Auch mich je mehr und mehr Stetig üben; Jesu, hilf du, Hilf mir dazu, Daß ich demüthig sey, wie du! 7. Nun liebster Jesu, liebstes Leben, Mach mich in Allem dir ergeben Und deinem heilgen Vorbild gleich! Gib, daß dein Geist mich ganz durchdringe, Daß ich viel Glaubensfrüchte bringe Und tüchtig werd zu deinem Reich. Ach zeuch mich ganz zu dir, Behalt mich für und für, Treuer Heiland! Jesu, hilf du, Laß mich wie du Und wo du bist, einst finden Ruh! Arnold, g. 1665 † 1714. Mel. Wachet auf! ruft.( 1 Joh. 2, 6. 2 Timoth. 1, 13. 14.) 123. Gläubiger Jesu! auf Herr! ich vertraue dir; Nur Vertrauen Wollt'st du dein Reich alleine bauen, Das dir der Vater zugesagt. Von außen, innen ganz beraubet, Hast du doch stille fortgeglaubet Und bitt ich: schenke mir Deinen Glauben, Jesu, Jesu, Hilf mir dazu, Daß ich so gläubig sey. wie du!: 2. O armer Jesu! reich an bliebst im Zagen unverzagt. Gaben, Wollt'st du doch selber Evangelisches Gesangbuch. 7 VI. Lehramt und Wandel Jefu. Mangel haben, Warst in der Falsches hast du je erzeuget, Welt gering und klein; Nun, Herrscher Himmels und der Erden, Ich will, um reich in dir zu werden, Ja gern der Allevärmste seyn. Was Armuth an dem Geist In deinem Worte heißt, Sey mein Reichthum. Jesu, Jesu, Hilf mir dazu, So willig arm zu seyn, wie du! Der Held in Israel nicht leuget; Dein Ja ist Amen für und für; Mach mich einfältig, treu, Ohn' Arg und Heuchelei, Ganz durchläutert! Jesu, Jesu, Hilf mir dazu, Daß ich wahrhaftig sey, wie du! 3. Trauernder Jesu! deine Seele, Voraus gesalbt mit Freudenöle, Ward doch betrübt bis in den Tod. Hilf, daß ich mich mit Zittern freue, Mein Trauern stille Freude seye; Das beste Brod ist Thränenbrod. Es ist fürs Trauerkleid Ein weißes schon bereit Deinen Treuen. Jesu, Jesu, Hilf mir dazu, Daß ich im Trauern sey, wie du! 6. Schweigender Jesu! falsche Zeugen Hast du mit unerschrocknem Schweigen Und ohne Antwort widerlegt. Ich kann nicht schweigen, wie ich wollte, Ich schweige, wenn ich reden sollte Und werd oft gar zum Zorn bewegt. Ach gib mir deinen Sinn, Wenn ich verleumdet bin, Daß ich schweige. Jesu, Jesu, Hilf mir dazu, Daß ich auch schweigen mag, wie du! 4. Friedfertger Jesu! in dem Frieden, Den du den Deinen nur beschieden, Liegt für den Geist vollkommne Ruh. Nur ein in dir versöhnt Gewissen Kann recht in Liebe Frieden schließen, Und solchen Siegern rufst du zu: Mein Friede sey mit dir! Im Frieden komm zu mir, Kind des Friedens! Jesu, Jesu, Hilf mir dazn, Daß ich den Frieden lieb', wie du! 7. Freundlichster Jesu! zu erquicken Mit Werken, Worten und mit Blicken, War stets dein liebreich Herz bedacht. Den Jüngern wuschest du die Füße Und heiltest freundlich schnell die Riffe, Die Satan unter fie gemacht. Du bringst durch Einen Blick In Petri Herz zurück Seinen Glauben. Jesu, Jesu, Hilf mir dazu, Daß ich so freundlich sev, wie du! 98 5. Treuester Jesu, ewge Wahrheit, Du lautres Herz voll Liebesklarheit, Richt unser ganzes Herz zu dir! Nichts 8. Jesu, Lamm Gottes! für uns Sünder, Für uns verlorne Adamskinder Vergosfest du dein heilig Blut; Kein Engel, Seraph, die dir dienen, Konnt VI. Lehramt und Wandel Jesu. 99 unsre Missethat verfühnen, Du der Hirt der Schafe bist. Das famst, du starbst, machst Alles gut. Dein Blut nur reinigt mich, Drum heißest du auf dich Stets mich schauen. Jesu, Jesu, Hilf mir dazu, Daß ich in deinem Tode ruh! 9. Herrlicher Jesu! lauter Freude Wächst, grünt und quillt auf jener Waide, Da du Mel. Gott sey Dank in aller 124. Jesus Christus gab sich uns Selbst zum Vorbild alles Thuns, Sein Wort stellet ihn uns dar: Ich soll seyn, wie Jesus war. 2. Sein Verleugnen lehrt mich klein, Seine Demuth niedrig seyn; Seine Sanftmuth: stete Huld; Sein Gehorsam: die Geduld. che trieb, So bezeugt er mir dabei, Daß mir das ein Beispiel sey. 6. Wenn er mäßig aß und tranf Und es heiligte mit Dank, Spricht mir sein Erem= pel zu: Wie er lebte, lebe du! 7. Lieber Meister, lehr mich's nun! Ohne dich kann ich nichts thun; Unter deines Geistes Zucht Bringt mein Glaube solche Frucht. 8. Viele folgen ihrem Sinn; Aber, Herr, wo soll ich hin? Du bist Christus, Gottes Sohn; Wer dir folgt, hat großen Lohn. 9. Gabst du nach vollbrachtem Lauf Deinen Geist mit Beten auf, Gib auch, daß durch deine Treu Mein End wie dein Ende sey! Ph. Fr. Hiller, g. 1699+ 1769. Mel. Schmüde dich.( Joh. 10, 12: c. 27 2c.) 125. Heiland! deine Men- Herz bewogen, Dich in unser schenliebe War die Quelle dei- Fleisch gezogen, Dich mit ner Triebe, Die dein treues Schwachheit überdecket, Dich 3. Wie er ohne Haß geliebt. Stets getröstet, nie betrübt Und auch Feinden Guts gethan, Weist er mich zu gleichem an. 4. Wenn er Gottes Willen that, Wenn er stets zum Vater bat, Wenn er nichts als Wahrheit sprach, Heißt das: folge du mir nach! Brod des Lebens soll der haben, Das Lebenswasser soll den laben, Der durch dein Blut gereinigt ist. Laß mich seyn einen Gast, Den du berufen hast, Dort zu wohnen; Mein ganzer Sinn Steht nur dahin; Hilf, daß ich ewig bei dir bin! Phil. Fr. Rieger, g. 1723+ 1782. und Phil. Dav. Burf, g. 1714 † 1782. Welt.( 1 Petri 2, 21-25.) 5. Wenn er allzeit standhaft blieb, Nur das Wort vom Rei 100 VI. Lehramt und Wandel Jesu. Tod gegeben; Da, zur Marter du erlesen, Aller Schmerzen Ziel gewesen, Und den Segen zu erwerben, Als ein Fluch haft wollen sterben! vom Kreuz ins Grab gestrecket;| theures Leben In den ärgsten Oder ungemeinen Triebe Deiner treuen Menschenliebe! 2. Ueber seine Feinde weinen, Jedermann mit Hilf erscheinen, Sich der Blinden, Lahmen, Armen Mehr als väterlich erbarmen, Der Betrübten Klagen hören, Sich in Andrer Dienst verzehren, Sterben voll der reinsten Triebe: Das sind Proben wahrer Liebe! 6. Deine Lieb hat dich getrieben, Sanftmuth und Geduld zu üben, Ohne Schelten, Drohen, Klagen Andrer Schmach und Last zu tragen, Allen freundlich zu begegnen, Für die Lästerung zu segnen, Für der Feinde Schaar zu beten Und die Mörder zu vertreten. 7. Demuth war bei Spott und Hohne Deines Lebens Schmuck und Krone, Diese machte dich zum Knechte Einem fündigen Geschlechte; Diese Demuth, gleich den Tauben Ohne Falsch, voll Treu und Glauben, Mit Gerechtigkeit gepaaret, Durch Vorsichtigkeit bewahret. 3. O du Zuflucht der Elenden! Wer hat nicht von deinen Händen Segen, Hilf und Heil genommen, Der gebeugt zu dir gefemmen? O wie ist dein Herz gebrochen, Wenn dich Kranke angesprochen! O wie pflegtest du zu eilen, Das Gebetne mitzutheilen! 4. Die Betrübten zu erquicken, Zu den Kleinen dich zu bücken, Die Unwissenden zu lehren, Die Verführten zu bekehren, Sünder, die sich selbst verstocken, Ernst und liebreich zu dir locken: Das war täglich dein Geschäfte Mit Verzehrung deiner Kräfte. 8. Herr! laß deine Liebe decken Meiner Sünden Meng' und Flecken. Du hast das Geseß erfüllet, Des Gesetzes Fluch gestillet; Laß mich wider dessen Stürmen Deiner Liebe Schild beschirmen, Heilge meines Herzens Triebe, Salbe 5. O wie hoch stieg dein Erbarmen, Da du für die ärmsten Armen Dein unschätzbar ste mit deiner Liebe! Rambach, g. 1693 † 1735. Mel. Vater unser im.( Joh. 14, 6-17.) 126. Lehrer, dem kein| ner Sünder Licht und Nath, Lehrer gleich, An Weisheit, Prophet, berühmt durch Wort Lieb und Eifer reich, Gefall- und That, Gesalbet durch des VI. Lehramt und Wandel Jesu. Vaters Hand Und uns zu uns-| geziert, Mit Wundern hast du rem Heil gesandt! es bestärkt, Woraus man deine Allmacht merkt, Ja endlich, als es Gott geschickt, Ein blutig Siegel drauf gedrückt. 2. Du kamst aus deines Vaters Schoos Und machtest alle Siegel los, Worin sein Rath verborgen war; Durch dich ward alles offenbar Und an das helle Licht gestellt, Was Dunkelheit umschlossen hält. 6. Nachdem du hingegangen bist, Wo aller Weisheit Ursprung ist, So setzest du, du ewges Wort, Dein Lehramt durch die Knechte fort, Die dir dein Vater zugeführt und die mit Gaben er geziert. 3. Du wiesest uns die wahre Spur zu Gott, dem Schöpfer der Natur, Du hast den Weg uns recht gezeigt, Darauf man zu dem Himmel steigt; Was du vom Vater selbst gehört, Das hast du unverfälscht gelehrt. 7. Du aber sendest deinen Geist, Den du den Gläubigen verheißst, Der allen Seelen, die er liebt, Erkenntniß, Licht und Weisheit gibt, Dein Wort in Herz und Sinnen schreibt Und bei den Deinen ewig bleibt. 8. Ach laß, o himmlischer Prophet, Mich schauen deine Majestät; Mach mich vom Eigendünkel frei, Damit ich dir gehorsam sey; Du sollst mein höchster Lehrer seyn, Führ mich in deine Schule ein! Rambach, g. 1693 † 1735. ( Jes. 63, 9. Eph. 5, 2.) 3. Wie er Hilfe und Erbarmen Allen Kranken gern erwies, Und die Blöden und die Armen Seine lieben Brüder hieß. 4. Wie er feinem Sünder wehrte, Der bekümmert zu ihm kam, Wie er freundlich ihn bekehrte, Ihm den Tod vom Herzen nahm. 4. Du sahest in der Gottheit Licht Von Angesicht zu Ange-| sicht, Was nach der ewgen Liebe Nath Man künftig zu erwarten hat; Du sagst es dentlicher zuvor, Als jemals der Propheten Chor. 5. Das Lehramt, welches du geführt, Hast du mit Heiligkeit Ringe recht, wenn Gottes Gnade. 127. Immer muß ich wieder lesen In dem alten heilgen Buch, Wie mein Herr so sauft gewesen, Ohne List und ohne Trug. 2. Wie er hieß die Kindlein kommen, Wie er hold sie angeblickt und sie auf den Arm genommen und sie an sein Herz gedrückt. 101 VI. Lehramt und Wandel Jesu. 5. Immer muß ich wieder le-| breitet, Alle an sein Herz zu sen, Les' und freue mich nicht ziehn. satt, Wie er ist so treu gewesen, Wie er uns geliebet hat; 102 6. Hat die Heerde sanft geleitet, Die sein Vater ihm verliehn, Hat die Arme ausge7. Laß mich knien zu deinen Füßen, Herr, die Liebe bricht mein Herz; Laß in Thränen mich zerfließen, Selig seyn in Wonn und Schmerz. 3. Schafe ihren Hirten kennen, Dem sie auch sind wohl bekannt. Laß mich auch für dich entbrennen, Wie du bist für mich entbrannt; Da der Wolf mit offnem Rachen Mich zur Beute wollen machen, Riefest du: ich kenne dich!" Ich ruf auch:„ dich kenne ich!" fuife benfel. Mel. Alle Menschen.( Joh. 10, 1-30.) 128. Jesu! frommer Men= 1 4. Heerden ihren Hirten höschenheerden Guter und getreuer Hirt, Laß mich eins von denen werden, Die dein Ruf und Stab regiert. Ach du hast aus Lieb dein Leben Für die Deinen hingegeben, und du gabst es auch für mich: Laß mich wieder lieben dich! ren, Folgen seiner Stimm' allein; Hirten sich zur Heerde kehren, Wenn sie rufen groß und klein. Wenn du rufest, laß mich eilen, Wenn du dränest, nicht verweilen, Laß mich achten stets auf dich; Jesu, achte du auf mich! 2. Heerden ihren Hirten lie- 5. Höre, Jesu, und erhöre ben, Und ein Hirt liebt seine Meines schwachen Glaubens Heerd. Laß uns auch so Liebe Stimm'; Mich auch zu dir ruüben, Du im Himmel, ich auf fen lehre, Wenn sich naht des Erd. Schallet deine Lieb her- Wolfes Grimm. Laß mein Runieder, Soll dir meine schallen wieder; Wenn du rufft: ,, ich liebe dich!" Ruft mein Herz: ,, dich liebe ich!" fen dir gefallen, Deinen Trost hernieder schallen; Wenn ich bete:„ höre mich!" Jesu, sprich: ,, ich höre dich!" 6. Höre, Jesu, und erhöre, Wenn ich ruf, anklopf'und bitt; Jesu, dich von mir nicht kehre, Bald in Gnaden zu mir tritt! Ja du hörst; in deinem Namen Ist ja alles Ja und Amen. Nun, ich glaub und fühle schon Deinen Trost, o Gottes Sohn! S. von Birken, g. 1626 † 1681. VII. Paffionslieder. VII. Passionslieder. Mel. Schwing dich auf.( Jes. 52, 13-15. Cap. 53.) 129.„ Siehe, mein gelieb-| Er sinkt in den Tod hinab, ter Knecht, Der wird weislich Den er selbst doch bindet, Weil handeln, Ohne Tadel, schlecht er sterbend Tod und Grab und recht Auf der Erde wan- Mächtig überwindet. deln. Sein getrener, frommer Sinn Wird in Einfalt gehen; Aber dennoch wird man ihn An das Holz erhöhen." 6. Er wird aus der Angst und Qual Bald herausgerissen, Tritt den Feinden allzumal Ihren Kopf mit Füßen. Wer will seines Lebens Läng' Irgendwo umschränken? Seiner Tag und Jahre Meng' Ist nicht auszudenken! 2. Hoch am Kreuze wird mein Sohn Große Marter leiden, Viele werden ihn mit Hohn Als ein Greuel meiden. Aber seiner Leiden Kraft Wird die Welt durchdringen und den Geist, der Leben schafft, In die Herzen bringen." 3. Nun! was hat er denn gethan? Was sind seine Schulden, Daß er muß von jedermann Solche Schmach erdulden? Hat er etwan Gott be= trübt Bei gesunden Tagen, Daß ihm dieser jego gibt Seinen Lohn mit Plagen? 4. Was ihn also trifft und schlägt, Trifft ihn unfertwegen! Daß er solche Bürden trägt, Ist für uns zum Segen Und befreit uns vom Gericht, Daß wir Friede haben Und in seinem Angesicht Leib und Seele laben. 103 5. Wie ein Lamm läßt er sich hin Zu der Schlachtbank leiten Und hat in dem frommen Sinn Gar kein Widerstreiten. 7. Ja er ist für fremde Sünd In den Tod gegeben, Auf daß du, o Menschenkind, Durch ihn möchtest leben; Daß er mehrte sein Geschlecht, Den gerechten Samen, Der Gott dient' und Opfer brächt' Seinem heilgen Namen. 8. Denn das ist ihm höchste Freud Und des Vaters Wille, Daß den Erdkreis weit und breit Sein Erkenntniß fülle; Damit der gerechte Knecht, Ein vollkommner Sühner, Glaubig mache und gerecht Alle Sündendiener. 9. Große Menge wird dir Gott Zur Verehrung schenken, Dafür, daß du dich mit Spott Für uns lassen fränken. Hilf, Herr, daß wir mehr und mehr Auf dich sehn und hören Und mit Lust, zu deiner Ehr, Unsern Glauben mehren! Gerbard, g. 1606 † 1676. 104 VII. Paffionslieder. Eigene Mel.( Jes. 53. Gal. 3, 13. Rom. 6, 10. 11.) 130. Ein Lämmlein geht| 4. Du läsfest ihn am Kreuzes= und trägt die Schuld Der Welt und ihrer Kinder, Es geht und büßet in Geduld Die Sünden aller Sünder; Es geht dahin, wird matt und krank, Ergibt sich auf die Würgebank, Entzieht sich allen Freuden, Es nimmt auf sich Schmach, Hohn und Spott, Angst, Wunden, Striemen, Kreuz und Tod Und spricht: ich wills gern leiden! stamm Der Sünde Grenel büßen, Du lässt ihn schlachten als ein Lamm, Daß Herz und Adern fließen; Das Herze mit der Seufzer Kraft, Die Adern mit dem edlen Saft Des reinen Opferblutes. O süßes Lamm, was soll ich dir Erweisen dafür, daß du mir Erzeigest so viel Gutes? 2. Das Lämmlein ist der große Freund Und Heiland unsrer Seelen, Den, den hat Gott zum Sünden- Feind Und Sühner wollen wählen: ,, Geh hin, nimm dich der Sünder an, Dein Tod ists, der sie retten kann von meines Zornes Ruthen! Die Straf ist schwer, der Zorn ist groß, Du kannst und sollst sie machen los Durch Sterben und durch Bluten." 5. Mein Lebetage will ich dich Aus meinem Sinn nicht lassen, Dich will ich stets, gleichwie du mich, Mit Liebesarmen fassen; Du sollst seyn meines Herzens Licht, Und wenn mein Herz in Stücke bricht, Sollst du mein Herz verbleiben; Ich will mich dir, mein höchster Ruhm, Hiemit zu deinem Eigenthum Beständiglich verschreiben. 3. ,, Ja, Vater, ja von Herzensgrund, Leg auf, ich wills gern tragen; Mein Wollen hängt an deinem Mund, Mein Wirken ist dein Sagen!" O Wunderlieb, o Liebesmacht! Du kannst, was nie ein Mensch gedacht, Gott seinen Sohn abdringen! Liebe, Liebe, du bist stark, Du streckest den in Grab und Sarg, Vor dem die Felsen springen! 6. Ich will von deiner Lieblichkeit Bei Nacht und Tage fingen, Mich selbst auch dir zu aller Zeit Zum Freudenopfer bringen; Mein Bach des Lebens soll sich dir Und deinem Namen für und für In Dankbarkeit ergießen, Und was du mir zu gut gethan, Das will ich stets, so tief ich kann, In mein Gedächtniß schließen. 7. Auf, armes Herz, erweitre dich! Dir soll ein Kleinod were den; Kein Schatz wie dieser findet sich Im Himmel und auf VII. Paffionslieder. 105 Erden; Weg mit den Schäzen| Mein Umgang, wo ich bin dieser Welt Und Allem, was allein Zu Haus und auf den dem Fleisch gefällt, Ich hab ein Reifen. Beßres funden! Herr Jesu Christ, mein großes Gut Ist dein für mich vergoßnes Blut, Das Heil in deinen Wunden! 8. Das soll und will ich mir zu Nuß zu allen Zeiten machen: Im Streite soll es seyn mein Schuß, In Traurigkeit mein Lachen, In Fröhlichkeit mein Saitenspiel, Und wenn mich nichts erquicken will, Soll mich dieß Manna speisen; Im Durst solls meine Quelle seyn, 2. Gib, daß ich recht sehen mag Deine Angst und Bande, Deine Schläge, deine Schmach, Deine Kreuzesschande, Deine spize Dornenkron, Deine tiefen Wunden Und den Tod, o Gottessohn, Den du dort empfunden! 9. Wann endlich ich soll treten ein In deines Reiches Freuden, So soll dieß Blut mein Purpur seyn, Ich will mich darein kleiden; Es soll seyn meines Hauptes Kron, In welcher ich will vor den Thron Des ewgen Vaters gehen Und dir, dem er mich anvertraut, Als eine wohlgeschmückte Braut An deiner Seite stehen. Eigene Mel.( Jeſ. 53, 5. 1 Petri 2, 24.) 131. Jesu! deine Passion| sach war auch ich, Ich und meiWill ich jetzt bedenken; Wol- ne Sünde, Diese hat gemarlest mir vom Himmelsthron tert dich, Daß ich Gnade finde! Dazu Andacht schenken. In dem Bilde jetzt erschein, Jesu, meinem Herzen, Wie du, unser Heil zu seyn, Littest große Schmerzen. 4. Jesu! lehr bedenken mich Dieß mit Buß und Reue; Hilf, daß ich mit Sünden dich Martre nicht aufs neue. Sollt ich dazu haben Lust Und nicht wollen meiden, Was mein Heiland büßen mußt' Mit so grosen Leiden? 5. Wenn mich meine Sünde quält Mit viel bittern Schmerzen, Du, der sich ins Mittel stellt, Reiche Trost dem Herzen! Dich und deine Passion Laß mich gläubig fassen; Liebst du mich, o Gottessohn, Wie kann Gott mich haffen? 6. Gib auch, Jesu, daß ich 3. Aber laß mich nicht allein Deine Marter sehen; Laß mich auch die Ursach fein Und die Frucht verstehen. Ach die UrGerhard, g. 1606 † 1676. 106 VII. Paffionslieder. gern Dir das Kreuz nachtra-| Indeß laß dieß Lallen, Bis es ge, Daß ich Demuth von dir lern Und Geduld in Plage; Daß ich dir geb Lieb um Lieb. kommt aus reinrem Trieb. Jesu, dir gefallen! S. von Birken, g. 1626+ 1681. Eigene Mel.( Jes. 63, 9. Eph. 5, 2.) 132. Odu Liebe meiner Liebe, Du erwünschte Seligkeit, Die du dich aus höchstem Triebe In das jammervolle Leid Deinens Leidens mir zu gute, Als ein Opfer, eingestellt und bezahlt mit deinem Blute Alle Missethat der Welt! 4. Liebe, die mit ihren Armen Mich zuletzt umfangen wollt; Liebe, welche mit Erbarmen Mich so treulich und so hold Ihrem Vater übergeben, Die noch sterbend für mich bat, Daß ich ewig möchte leben, Weil mich ihr Verdienst vertrat! 5. Liebe, die für mich gestor2. Liebe, die mit heißen Thränen An dem Delberg sich be- ben Und ein immerwährend trübt; Liebe, die mit Sorg und Gut An dem Kreuzesholz erSehnen Unaufhörlich fest ge- worben, Ach wie denk ich au liebt; Liebe, die den eignen dein Blut! Ach wie dank ich Willen In des Vaters Willen deinen Wunden, Schmerzenligt, Und den Fluch der Welt reiche Liebe du, Wenn ich in zu stillen, Treu die Last des den letzten Stunden Sanft in Kreuzes trägt! deinen Armen ruh! 3. Liebe, die mit starkem Herzen Schmach und Lästerung gehört; Liebe, die in Angst und Schmerzen Bis zum Tod blieb unversehrt; Liebe, die sich liebend zeiget, Wo der Athem geht zu End, Liebe, die sich liebend neiget, Da sich Leib und Seele trennt! 6. Liebe, die sich tødt gekränket Und für mein erkaltet Herz In ein kaltes Grab gesenket, Ach wie dank ich deinem Schmerz! Habe Dank, daß du gestorben, Daß ich ewig leben kann, Und der Seelen Heil erworben; Nimm mich ewig liebend an! Angelus Silesus, g. 1624 t 1677. Mel. Nun sich der Tag.( Job. 13/ 34, 35.) 133. Der du noch in der leßten Nacht, Eh du für uns erblast, Den Deinen von der Liebe Macht So schön gepre: digt haft: 2. Grinnre deine kleine Schaar Die sich sonst leicht entzweit, Daß deine letzte Sorge war Der Glieder Einigkeit! N. L. Graf v. 3inzendorf. g. 1700 † 1760. VII. Paffionslieder. Mel. Mein Gott, zu dem ich weinend.( Marc. 14, 32-39.) 134. Du gehest in den Garten beten, Mein trauter Jesu, nimm mich mit! Laß mich an deine Seite treten, Ich weiche von dir keinen Schritt; Ich will an dir, mein Lehrer, sehn, Wie mein Gebete soll geschehn. 2. Du gehst mit Zittern und mit Zagen Und bist bis in den Tod betrübt. Ach dieses soll ans Herz mir schlagen, Daß mir die Sünde so beliebt; Drum willst du, daß ein Herz voll Reu Mein Anfang zum Gebete sey. 3. Du reißest dich von allen Leuten Und suchst die stille Einsamkeit. So muß auch ich mich wohl bereiten und fliehen, was mein Herz zerstreut; Zeuch mich von aller Welt allein, Daß nur wir zwei beisammen sey'n. 4. Du wirfst dich knieend hin zur Erden, Fällst nieder auf dein Angesicht. So muß die Demuth sich geberden; Drum brüst ich Erd und Staub mich nicht Und beuge mich in Niedrigkeit, Wie du, voll Trauer, Angst und Leid. 5. Du betest zu dem lieben Vater, Rufft: Abba, Abba! wie ein Kind. Dein Vater ist auch mein Berather, SeinVaterherz ist treu gesinnt, Drum halt ich mich getrost an dich und rufe: Abba, höre mich! 107 6. Du wirfst voll Zuversicht und Liebe Dem Vater dich ans treue Herz Und rufft aus stärkstem Herzenstriebe Mit heißen Thränen himmelwärts. Acc Glaub und Liebe sind mir noth, Sonst ist mein Beten alles todt. 7. Geduldig Lamm, wie hältst du stille Und im Gebete dreimal an! Dabei ist auch für mich dein Wille, Daß ich soll thun, wie du gethan; Hilft Gott nicht gleich aufs erste Flehu, So darf ich wieder vor ihn gehn. 8. Dein Wille senkt sich in den Willen Des allerbesten Vaters ein; Darein muß ich auch mich verhüllen, Dafern ich will erhöret seyn; Drum bet ich in Gelassenheit: Was mein Gott will, gescheh allzeit! 9. Obgleich die Jünger dein vergessen, Gedenkst du doch getreu an sie, Und da dich alle Marternpressen, Sorgst du für sie mit steter Müh. MeinBeten bleibet ohne Frucht, Wenn es des Nächsten Heil nicht sucht. 10. Nun, du erlangest auf dein Flehen Trost, Kraft, Sieg, Leben, Herrlichkeit; Damit hast du auf mich gesehen, Daß ich zur angenehmen Zeit Aufernstlich Beten freudenvoll Den gleichen Segen ernten soll. 11. Mein Jesu! hilf mir stets so beten, Wie mich dein heilig 108 VII. Paffionslieder. Vorbild lehrt, So kann ich frei| mich zum Himmel ein Und will zum Vater treten Und werde dir ewig dankbar seyn! stets von ihm erhört; So bet ich| Schmolf, g. 1672 † 1737. Mel. Herzlich thut mich.( Joh. 1, 29.) 135. Du, dessen Augen flos-| ter, Sie drohn mit wildem Ton: sen, Sobald sie Zion sahn, Zur Frevelthat entschlossen, Sich seinem Falle nahn! Wo ist das Thal, die Höhle, Die, Jesu, dich verbirgt? Verfolger seiner Seele, Habt ihr ihn schon erwürgt? Auf uns, auf Söhn und Töchter Komm seines Blutes Lohn!" 5. Zur hohen Schädelstätte Trägt er sein Kreuz hinan; Sie freuz'gen ihn,- o bete, Mein Geist, mit Wehmuth an! Noch höhnt in frechen Mienen Sein Volk des Dulders Schmerz; Er ruft: vergib es ihnen!" Und Mitleid bricht sein Herz. 2. Welch jammervolles Klagen Seufzt in Gethsemane? Wer ist der Mann der Plagen, Der langsam Sterbende? Ist unter Menschenkindern Ein Heiliger, wie er? Und doch bebt er gleich Sündern Und sinkt und trägt nichts mehr! 6. Es bricht, und matt von Kummer Sinkt auf die Brust zur Ruh Sein Haupt; nun schließt der Schlummer Sein müdes Auge zu. Am Kreuze ruht die Hülle; Der Geist schwebt, sanft entrückt, Zu Gott, wo ihn die Fülle Des hohen Lohns erquickt. 3. Ach wie er tief im Staube Bedeckt mit Angstschweiß liegt, Und doch sein starker Glaube Im heißen Kampfe siegt! Schon kommt der Mörder Rotte, Die kein Erbarmen rührt. Die ihn zu Hohn und Spotte, Jhn, ach zum Kreuze führt! 7. O Freund der Menschenkinder, Hier liegen wir gebückt; Wie hoch hat uns, die Sünder, Wie hoch dein Tod beglückt! 4. Sein Volk im heißen Grim- Dich ehre unser Glaube, Anbeme Erweicht sein Anblick nicht, tung sey dein Dank; Hör ihn, Nicht fremden Mitleids Stim- vernimm vom Staube Den me, Die von dem Nichtstuhl schwachen Lobgesang. spricht. Er ist ihr HohngelächRamler, g. 1725 † 1798. 2 Cor. 5, 21.) O Lippen voller Sehnen, O Haupt voll Todesschweiß! O Seele voller Noth, O Herze Mel. Ach Gott, verlaß mich nicht.( Job. 19, 5 136.Seht, welch ein Mensch ist das! O Blicke voller Thränen, O Antlig voller Schmach, VII. Paffionslieder. voll Geduld, Olieb voll Angst im Tod! 2. Seht, welch ein Mensch ist das! Ach sehet seine Wunden! Habt ihr, ihr Sünder, nicht Den Heiligen gebunden? Sind eure Lüste nicht Die Dornen, die er trägt? Jsts eure Bosheit nicht, Die an das Kreuz ihn schlägt? 3. Seht, welch ein Mensch ist das! Ach opfert Thränenfluthen, Denn eure Sünde macht Das Herz des Heilgen bluten; Geht nicht vorüber hier, Wo Schmerz ist über Schmerz; Seht durch die offne Brust In eures Jesu Herz! 4. Seht, welch ein Mensch ist das! Ach ja wir wollen sehen, Was dir, du Menschenfreund, 109 2. Mein Herr! das ist die Schande, Die mein Stolz hat verdient; Doch in so niedrem Stande Hast du mich ausgeDurch Menschen ist geschehen! So lang ein Auge blickt, So lange soll die Pein, Die du für uns erträgst, Uns unvergessen seyn! 5. Seht, welch ein Mensch ist das! Ach sieh uns an inGnaden! Wenn wir uns voller Buß' In Jammerthränen baden, So laß den Blick vom Kreuz In unsre Seele gehn, Und dein vergoß= nes Blut Für uns beim Vater flehn. 6. Seht, welch ein Mensch ist das! So werden wir dich schauen Und unsern ganzen Trost Auf dein Verdienst nur bauen. Wenn nun dein Haupt sich neigt, So sterben wir mit dir, Wenn unser Ange bricht, So leben wir dafür! Schmolf, g. 1672 † 1737. Mel. Herzlich thut mich.( Joh. 19, 2. 1 Joh. 2, 6.) 137. Denk ich der Dornen-| fühnt. So wird die Schuld verfrone Um meines Heilands Haupt, So dankt dem Menschensohne Mein Herz, das an ihn glaubt, Es wallt von heißem Triebe, Ruft ihm bewundernd zu: O Jesu, welche Liebe, O welch ein Mensch bist du! geben, Die Strafe geht dahin, Daß ich in jenem Leben Der Ehre fähig bin. 3. Mein Heil, was soll ich sagen? Ich bin auf ewig dein! Lehr mich für solche Plagen Dir herzlich dankbar seyn. Mir sey vor deinem Throne Dein ewger Ruhm erlaubt Und die erworbne Krone Des Lebens auf dem Haupt! Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Rom. 6, 10: c.) Eigene Mel.( Jef. 53, 4.5. 138. Herzliebster Jesu! man ein solch scharf Urtheil was hast du verbrochen, Daß ausgesprochen? Was ist die 110 VII. Paffionslieder. Schuld? in was für Missetha-| mag es auszudenken, Was dir ten Bist du gerathen? zu schenken! 8. Ich kanns mit meinen Sinnen nicht erreichen, Womit doch dein Erbarmen zu vergleichen! Wie kann ich dir all deine Liebesthaten Im Werk erstatten? 2. Du wirst gegeißelt und mit Dorn gekrönet, Ins Angesicht geschlagen und verhöhnet, Du wirst mit Effig und mit Gall' getränket, Ans Kreuz gehenket! 3. Was ist die Ursach aller solcher Plagen? Ach meine Sünden haben dich geschlagen! Ich, mein Herr Jesu, habe dieß verschuldet, Was du erduldet. 4. Wie wunderbarlich ist doch diese Strafe! Der gute Hirte leidet für die Schafe; Die Schuld bezahlt der König, der Gerechte, Für seine Knechte. 5. Der Fromme stirbt, der recht und richtig wandelt, Der Böse lebt, der wider Gott mißhandelt, Der Mensch ver= wirkt den Tod, und ist entgangen, Der Herr gefangen 6. O große Lieb, o Lieb ohn' alle Maße, Die dich gebracht auf diese Marterstraße! Ich lebte mit der Welt in Lust und Freuden, Und du mußt leiden! 7. Ach großer König, groß zu allen Zeiten, Wie kann ich gnugsam deine Tren ausbreiten! Kein Menschenherz ver9. Doch etwas ist, das wirst du gern annehmen: Wenn ich des Fleisches Lüste will bezähmen, Daß sie aufs nene nicht mein Herz entzünden Mit alten Sünden. 139. Du, meines Lebens Leben, Du, meines Todes Tod, Für mich dahin gegeben In tiefe Seelennoth, In Mar10. Weil aber dieß nicht steht in eignen Kräften, Fest die Begierden an das Kreuz zu heften, So gib mir deinen Geist, der mich regiere, Zum Guten führe. 11. Ich werde dir zu Ehren Alles wagen, Kein Krenz mehr achten, keine Schmach noch Plagen, Nichts von Verfolgung, nichts von Todesschmerzen Nehmen zu Herzen! 12. Wann dort, Herr Jesu, wird vor deinem Throne Auf meinem Haupte stehn die Eh-. renkrone, Dann will ich dir, wenn Alles wird wohlklingen, Lob und Dank singen. Joh. Heermann, g. 1585 † 1647. Mel. Herzlich thut.( 1 Cor. 15, 22. Gal. 6, 14. Offenb. 3, 10.) tern, Angst und Sterben Aus liebender Begier, Das Heil mir zu erwerben, Nimm Preis und Dank dafür! #testinuk VII. Paffionslieder. 111 2. Ich will jetzt mit dir gehen| Verheißest ihm dein Reich; Den Weg nach Golgatha, Laß Das macht mich Sünder fröhmich im Geiste sehen, Was da lich, Mich, der dem Schächer für mich geschah. Mit innig gleich. zartem Sehnen Begleite dich mein Herz, Und meine Augen thränen Um dich vor Liebesschmerz! 7. Du flagst voll Angst im Herzen:„ Mein Gott verlässet mich!" Du dürftest in den Schmerzen, Und niemand labet dich. Nun kommt der Leiden Ende, Du rufft: Es ist vollbracht!" Befiehlst in Vaters Hände Den Geist; es war vollbracht! 17 8. Ich seh mit Lieb und Beugen Des Heilands letzten Blick, Ich seh sein Haupt sich neigen, Das war mein ewig Glück: Mein Bürge stirbt; ich lebe, So todeswerth ich bin; Er gibt sich mir; ich gebe Mich ihm zu eigen hin! 9. O du, an den ich glaube, Und den mein Geist umfaßt, Der du im Todesstaube Für mich gelegen hast! Auf dein Verdienst und Leiden Vertrau ich ganz allein, Darauf werd ich einst scheiden Und ewig bei dir seyn. 3. Ich komm erst zu der Stätte, Wo Jesus niedersank Und ringend im Gebete Den Kelch des Leidens trank: Die Angst, die ihn durchdringet, Traf ihn durch mein Vergehn, Den Tod, mit dem er ringet, Den sollt' ich selbst erstehn. 4. Mein Heiland wird verrathen, Geführt zu Spott und Qual; Ach meine Missethaten, Die brachten allzumal Ihn vors Gericht des Heiden Und in der Feinde Hand; Ich wars, ich sollte leiden Was da mein Bürg empfand! 5. ,, Seht, welch ein Mensch!" er stehet Geduldig, wie ein Lamm; Und nun wird er erhöhet, Ein Fluch, am Kreuzesstamm, Vollendet da sein Büßen Der Welt, auch mir zu gut; Aus Händen, Seit und Füßen Quillt sein Verfühnungsblut. 6. Du bittest für die Feinde; Mein Jesu, wer war ich? Du denkst an deine Freunde; Gedenk, Herr, auch an mich! Du machst den Schächer selig. 10. Erhalt mir deinen Frieden Und deines Heils Genuß, So lang ich noch hienieden In Schwachheit wallen muß, Bis endlich dir zu Ehren, Der mich mit Gott versöhnt, Dort in den obern Chören Mein Hallelujah tönt! von Wobeser, g. 1727 † 1795, und von Bruiningf. 112 VII. Paffionslieder. Mel. Sieb, hier bin ich.( Joh. 15, 13. 14. Gal. 5, 24.) 140. Ruhe hier, mein Geist,| vollbracht, Durch dein Sterein wenig, Schau dieß Wun- ben Mich zum Erben Deines der, ach wie groß! Sieh dein Lebens dort gemacht. Herr, der höchste König, Hängt am Kreuze bleich und bloß, Den sein Lieben Hat getrieben Hieher aus des Vaters Schoos. 2. Wie dich Jesus liebt von Herzen, Kannst du hier am Kreuze sehn; Schau, wie bittre Todesschmerzen Ihm durch Leib und Seele gehn! Wie die Schrecken Ihn bedecken, Wie er schwebt in tausend Wehn! 5. Ach ich Sündenkind der Erden! Jesu, stirbst du mir zu gut? Soll dein Feind erlöset. werden Durch dein eigen Herzensblut? Ich muß schweigen Und mich beugen Für dieß unverdiente Gut. 3. Dieß sind meiner Sünden Früchte, Die, mein Heiland, ängsten dich; Dieser Leiden schwer Gewichte Lag auf dir, mein Heil, für mich, Daß die Nöthen, Die dich tödten, Mich nicht quälen ewiglich. 4. Du, du haft für mich bekrieget Sünde, Tod und Höllenmacht, Alle Feinde ganz besieget, Gottes Willen ganz 141. dein Leben Am Stamm des Kreuzes schweben, Dein Heil finkt in den Tod; Der große Fürst der Ehren Läßt willig sich beschweren Mit Schlägen, Hohn und großem Spott. 6. Leib und Leben, Blut und Glieder, Alles gibst du für mich hin; Sollt ich dir nicht schenken wieder Alles, was ich hab und bin? Ich bin deine Ganz alleine, Dir verschreib ich Herz und Sinn. Mel. Nun ruhen alle.( 1 Petri 2, 21-24.) Welt! sich hier| Schweiße Des Todes überfüllt; Aus seinem edlen Herzen Vor unerschöpften Schmerzen Ein Seufzer nach dem andern quillt. 3. Wer ists, der dich geschlagen, Mein Heil, und dich mit Plagen So zugerichtet hat? Du bist ja nicht ein Sünder, 2. Tritt her und schau mit Fleiße, Sein Leib ist ganz mit 7. Zeuch durch deines Todes Kräfte Mich in deinen Tod hinein! Laß mein Fleisch und sein Geschäfte, Herr, mit dir gekreuzigt seyn, Daß mein Wille Werde stille Und die Liebe heiß und rein! Tersteegen, g. 1697 † 1769. VII. Paffionslieder. 113 schuld und ein Siegel Der Lieb und unverfälschten Treu. Wie wir und unsre Kinder, mir seyn ein Spiegel Der UnUnd weißtvon keiner Missethat. 4. Ich, ich und meine Sünden, Die sich wie Körnlein finden Des Sandes an dem Meer, Die haben dir erreget Das Elend, das dich schläget Und deiner Martern ganzes Heer. 10. Wie wir mit unsern Sünden Des Herrn Gericht entzünden, Wie Nach und Eifer gehn, Wie strenge Gottes Ruthen, Wie heiß der Strafe Gluthen, Will ich aus diesem Leiden sehn. 5. Ich bins, ich sollte büßen, An Händen und an Füßen Gebunden, in der Qual; Die Geißeln und die Banden Und was du ausgestanden, Hab ich verdienet allzumal. 6. Du setest dich zum Bürgen, Ja läsfest dich erwürgen Für mich und meine Schuld; 12. Wenn böse Zungen steMir läsfest du dich krönen Mitchen, Mir Glimpf und Namen Dornen Und dich höhnen, brechen, So will ich zähmen Und leidest alles mit Geduld. 7. Ich bin, mein Heil, verbunden All Augenblick und Stunden Dir überhoch und sehr; Was Leib und Seel vermögen, Das soll ich billig legen Allzeit zu deinem Dienst und Ehr. 8. Nun, ich kann nicht viel geben In diesem armen Leben; Eins aber will ich thun: ( Es soll dein Tod und Leiden, Bis Leib und Seele scheiden, Mir stets in meinem Herzen тиби. 11. Ich will daran erblicken, Wie ich mein Herz soll schmüden Mit stillem, sanftem Muth; Und wie ich soll die lieben, Die mich so sehr betrüben Mit Werken, so die Bosheit thut. 9. Ich wills vor Augen seßen, Mich stets daran ergößen, Ich sey auch, wo ich sey; Es soll Evangelisches Gesangbuch. mich; Das Unrecht will ich dulden, Dem Nächsten seine Schulden Verzeihen gern und williglich. 13. Ich will ans Kreuz mich schlagen Mit dir und dem entsagen, Was meinem Fleisch gefällt; Was deine Augen hassen, Das will ich fliehn und lassen, Gefiel' es auch der ganzen Welt. 14. Dein Senfzen und dein Sehnen Und so viel tausend Thränen, Die dir gefloffen zu, Die sollen mich am Ende In deinen Schoos und Hände Begleiten zu der ewgen Ruh. Gerhard, g. 1606 † 1676. 8 114 VII. Paffionslieder. Mel. Herzlich thut( Jes. 50, 6. Rom. 5, 8-11.) 142. Dhauptvoll Blut und Wunden, Voll Schmerzen, voller Hohn, O Haupt, zum Spott gebunden Mit einer Dornenkron! Haupt, sonst schön geschmücket Mit höchster Ehr und Zier, Doch nun von Schmach gedrücket, Gegrüßet seyst du mir! 2. Du edles Angesichte, Davor das Reich der Welt Erschrickt und wird zunichte, Wie bist du so entstellt, Wie bist du so erbleichet! Wer hat dem Augenlicht, Dem sonst keinlicht mehr gleichet, Solch Dunkel zugericht't? 3. Die Farbe deiner Wangen, Der rothen Lippen Pracht Ist hin und ganz vergangen; Des blaffen Todes Macht Hat alles hingenommen, Hat alles hingerafft, Und daher bist du kommen Von deines Leibes Kraft. 4. Mein Heil! was du erduldet, Ist alles meine Last, Ich, ich hab es verschuldet, Was du getragen hast. Schau her, hie steh ich Armer, Der Zorn verdienet hat, Gib mir, o mein Erbarmer, Den Anblick deiner Gnad! 5. Erkenue mich, mein Hüter, Mein Hirte, nimm mich an! Von dir, Quell aller Güter, Ist mir viel Guts gethan; Dein Mund hat mich begabet Mit wunderbaremTrost, DeinGeist hat mich gelabet Mit reicher Himmelskost. 6. Ich will hier bei dir stehen, Verachte mich nur nicht! Von dir will ich nicht gehen, Wenn dir dein Herze bricht; Wenn dein Haupt wird erblassen Im letzten Todesstoß, Alsdann will ich dich fassen In meinen Arm und Schoos. 7. Es dient zu meinen Freuden Und kommt mir herzlich wohl, Wenn ich in deinem Leiden, Mein Heil, mich finden soll. Ach möcht ich, o mein Leben, An deinem Krenze hier Mein Leben von mir geben, Wie wohl geschähe mir! 8. Ich danke dir von Herzen, O Jesu, liebster Freund, Für deine Todesschmerzen, Da du's so gut gemeint! Ach gib, daß ich mich halte zu dir und deiner Treu, Und wenn ich nun erkalte, In dir mein Ende sey. 9. Wenn ich einmal soll scheiden, So scheide nicht von mir; Wenn ich den Tod soll leiden, So tritt du dann herfür; Wenn mir am allerbängsten Wird um das Herze seyn, So reiß mich aus den Aengsten Kraft deiner Angst und Bein! 10. Erscheine mir zum Schilde, Zum Trost in meinem Tod Und laß mich sehn dein Bilde In VII. Paffionslieder. 115 deiner Kreuzesnoth; Da will Herz dich drücken! Wer so ich nach dir blicken, Da will stirbt, der stirbt wohl! ich glaubensvoll Fest an mein Gerhard, g. 1606 † 1676. Mel. Ach was soll ich Sünder.( 1 Joh. 3, 5. 6.) 143. Jesu! dessen Tod und Leiden Unsre Freud und Leben ist, Der du abgeschieden bist, Auf daß wir nicht von dir scheiden, Sondern durch des Todes Thür Zu dem Leben folgen dir; 2. Als der scharfe Speer gestochen, Herr, in deine Seite dort, Und dein Blut, des Glaubens Hort, Aus der Seit hervorgebrochen, Läßst du sehen uns dein Herz Voll von Lieb und voll von Schmerz. 3. Deine Arme, ausgestrecket, Zeigen deine Freundlichkeit, zu empfangen die bereit, So dein Kreuz zur Lieb erwecket; Wer nicht unempfindlich ist, Sich in deine Arme schließt. 4. Als sich, Herr, dein Haupt geneiget, War es, um zu segnen mich; Da der Geist von dannen wich, Noch sich deine Liebe zeiget. Selig, wer auch Zeichen gibt, Daß er bis in Tod dich liebt! 2. Wenig Wort' in langen Stunden Botest du vom Kreuze dar, Bis du alles überwunden, Was dir in dem Wege war, Zu dem Vater durchzudringen Und auch uns zu ihm zu bringen; 5. Laß die matte Seel empfin= den Deiner Liebe füße Fluth; Wem nicht deines LeidensGluth Kann sein kaltes Herz entzünden, Jesu, der muß wie ein Stein, Ohne Lieb und Leben seyn! Leibnig, g. 1646 † 1716. Mel. Jesu, der du meine Seele.( Matth. 27, 46. Luc. 23, 34. 43. 46. Joh. 19, 26-30.) Meist in stillem Kampf vollbracht. 144. Mittler! alle Kraft der| Weil du, was uns selig macht, Worte, Die du in der hohen Pein Vor der offnen Todespforte Ließest deine Losung seyn, Bleibt mir, wenn auch ich abscheide, Meiner Seele Füll und Waide; Nun ich so gerüstet bin, Zieht michs dir nach, zu dir hin. 3. Doch was deine Lippen sagen, Macht zu Gott gewisse Bahn; Was uns plagt, das war dein Klagen, Unsers Flehns nahmst du dich an. Dieß ge= schieht, um mich zu lehren, Wo auch ich mich hin soll kehren, Wenn beim Heimgang mich der Geist Alles richtig machenheißt. 4. ,, Vater!" batest du, ,, laß diesen Ihren blindenFrevel nach!" Edle Langmuth, sey gepriesen! 116 VII. Paffionslieder. Nun, wie soll ich eigne Rach| matte Seele Bleibt, wenn Wider meinen Nächsten hegen Und mir selbst den Weg verle= gen? Jesu, deine Mittlershuld Tilge mein' und seine Schuld! 5. Deine Mutter, deinen Jünger, Welchen du, der dich geliebt, Hast du, Eintrachtswiederbringer, Gleich versorgt und gleich geübt. Gib, daß die, so ich verlasse, Nechter Sinn zusammenfasse, Und in deiner Lieb und Treu Eins des andern Zuflucht sey. nichts den Stand mehr hält, Mir zum Labsal dieß bestellt! 9. Nun, nun ist das Heil erworben, Denn du sagst:, es ist vollbracht!" Jesu, eh du noch gestorben, Leuchtet schon die Siegesmacht! Laß nun immerhin ergehen, Was hienieden auszustehen; Mein Vollender, du in mir Und vollendet ich in dir! 6. ,, Heute"( unvergleichlichs Heute!), Heute sollest du gewiß"( Glaube, rede, bete, streite!), Seyn mit mir im Paradies!" Dieses lasse, wie dem Schächer, So auch mir, o Todesrächer, Wenn der Augen matter Schein Bricht, den letzten Leitstern seyn. 7. ,, Ach warum bin ich verlassen, mein Gott, mein Gott, vondir!" Jesu, wie ist dieß zu fassen? Klagst du so, wie gehts dann mir? Ja durch dieses scharfe Ringen Wirst du deinen Flüchtling bringen, Troß der Sünden Scheidewand, Zum geheimen Priesterstand. 8. Aber welch bedenklich Dürsten Klagt der ausgedörrte Mund Unsers reichen Lebensfürsten In der SchrifterfülLungsstund? Für die lechzensvolle Kehle, Für die ächzens10. ,, Vater," rufft du, ,, ich befehle Deinen Händen meinen Geist!" Rufft es laut aus tiefer Seele; So vertritt mich allermeist, Wenn der letzte Zug vorhanden, Lös mich aus des Todes Banden, Nimm, Herr, deines Pilgrims wahr, Stelle mich dem Vater dar. 11. Diese sieben feste Siegel Drück, o Herr, in meine Brust, Daß ich zu dem Friedenshügel, Dessen Spur mir nun bewußt, Unverweilet aufwärts steige, Und daß alles in mir schweige, Außer deiner WorteChor; Dieser hebet mich empor. 12. Wahrheit prüfe, Licht durchscheine Noch einmal, was in mir ist, Ob ich alles lauter meine, Daß dein Sinn, o Jesu Christ, Mich erhalt in Tod und Leben! Laß den Geist das Zeugniß geben, Daß ich Gnad und Glaubensgab Und sofort das Leben hab. VII. Paffionslieder. 13. Nun so darf ich mit dir| zu allen, Die dir Hallelujah rufen, Nun, so werd ich auch schallen; Du, du hast den Feind erhört; Nun, so folg ich durch gedämpft, Ewig ist es ausgedie Stufen, Wo der Eingang fämpft! unverwehrt zu dir führet, und Mel. Jesu, hilf slegen.( 1 Tim. 2, 5. 6.) 145. Einiger Mittler und ewiger Priester, Der uns am Kreuze so herrlich vertrat, Der noch den Vater für böse Geschwister Sterbend, mit Thränen und Schreien erbat! Fehlt es mir immer im Danken und Beten, Laß mich doch immer dein Fürwort vertreten! 2. Dank sey dir für die so zärtlichen Triebe, Die du der Mutter zum Besten noch fühlst, Da du sie sterbend der kindlichen Liebe Deines geliebten Johannes empfiehlst! Jesu, du liebst bis ans Ende die Deinen, Ach so berathe auch mich und die Meinen! 3. Dank sey dir für die so tröstlichen Worte, Da du dem Schächer den Himmel versprachst, Weil du durch dieses die himmlische Pforte, Die mir die Sünde verschlossen, erbrachst! Sünder, kommt, freut euch der süßesten Neden, Denn sie sind wahrlich der Schlüssel zum Eden! 4. Dank sey dir, daß du noch bei dem Erblassen Diese so tröstlichen Worte gebraucht: J. A. Bengel, g. 1687 † 1752. 117 du hast mich verlassen!" Weil du dich für mich verlassen gedaucht. Jesu, ich werde die Nede recht fassen; Gott wird mich niemals im Kreuze verlassen. 5. Jesu, Dank sey dir, dem Fürsten der Fürsten, Daß dich nur Essig und Galle getränkt! Weil nun bei deinem so kläglichen Dürsten Meine heilsdurstige Seele gedenkt: Kann mich das Dürsten der Hölle noch schrecken? Wollte nicht Jesus das Bitterste schmecken? 6. Dank sey dir für die Erfüllung der Schriften, Da du gerufen: ,, nun ist es vollbracht!" Weil du, ein ewig Erlösen zu stiften, Selbst dich zum heiligsten Opfer gemacht. Gott ist verfühnet, die Sünde getödtet, Weil dieses Blut in dem Himmel nun redet. 7. Dank sey dir, daß du so selig verschieden, Da du all unsere Sünden bezahlst! Da= durch erwarbst du uns Leben und Frieden, Daß du die Seele dem Vater befahlst; Dieses Wort heißet der Gläubigen Seelen All in die Hände des „ Mein Gott, ach mein Gott, Vaters befehlen. 118 8. Jesu! ich wünsche mit dir nur zu sterben, Jesn, mit dir nur vom Grab zu erstehn; Jesu, mit dir nur den Himmel zu VII Paffionslieder. Mel Nun ruben alle.( Luc. 23, 42. 43. 1 Timoth. 1, 15. 16.) 146. Der Schächer, fluch- Verbrecher, Starb aber hin auf sein Gericht? 4. Wie gut ist frühe Buße Und zu des Heilands Fuße Um sein Erbarmen flehn; Im Glauben Herrn ihn nennen, Im Leben ihn bekennen, Im Leiden auf sein Leiden sehn! Herr Jesu, der mich Armen 5. Ich preise dein Erbarmen, In seine Gnade nahm! Erhalte mich hierinnen und nimm mich einst von hinnen Zu dir, wohin der Schächer kam. beladen, Kam sterbend noch zu Gnaden, Daß er noch Buße that, Noch glaubte, noch bekannte Und, den die Welt verFannte, Als Herrn des Reichs der Himmel bat. 2. Das ist die Wunderfache, Daß Jesus selig mache, Wer vorher Sünder war; Doch dient es nicht zum Grunde, Daß man die letzte Stunde Zum Beten, Buß und Glauben spar. erben, Jesu, mit dir nur mich selig zu sehn, Jesu, bei dir nur auf ewig zu leben; Jesu, sprich Amen! nur du kannst es geben! Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. 3. Zur Warnung soll mire dienen: Die Gnade ist erschienen, Mit Gnade scherzt man nicht. Hieng nicht der andre Schächer Am Kreuz auch als 6. So lang ich noch soll leben, Laß mir die Gnade geben, Was keine Welt mir gibt; AufGnade laß mich sterben, Aus Gnaden laß mich erben, Gedenke, daß du mich geliebt! Ph. Fr. Hiller, g 1699 † 1769. ( Luc. 2, 35. Matth. 16, 34 27.) erwehren, Der des Höchsten Sohn umfängt? Wie er mit gelasnem Muthe, Todesmatt, in seinem Blute An dem Holz des Fluches hängt! Eigene Mel.; oder: Ach was soll ich. 147. Schaut die Mutter voller Schmerzen, Wie sie mit zerrißnem Herzen Bei dem Krenz des Sohnes steht! Schauet ihre Trübsalshige, Wie des Schwertes blutge Spige Tief durch ihre Seele geht! 2. Wessen Auge kann der Zähren Bei dem Jammer sich 3. Für die Sünden seiner Brüder Leidet er, daß seine Glieder Unnennbare Qual zerreißt. Für uns ruft er im Erblassen: Gott, mein Gott, ich VII. Paffionslieder. 119 bin verlassen! Und verathmet| 7. Gib mir Theil an deinem seinen Geist. Leiden, Laß von aller Lust mich 4. Laß, o Jesu, Quell der scheiden, Die dir solche WunLiebe, Deines Herzens heilge den schlug. Ich will auch mir Triebe Strömen in mein Herz Wunden schlagen,* Will das herab! Laß mich dich mein Al- Kreuz des Lammes tragen, les nennen, Ganz für dich in Welches meine Sünden trug. Liebe brennen, Der für mich sein Leben gab. * Matth. 5, 29: c. 5. Drück, mein König, deine Wunden, Die du auch für mich empfunden, Tief in meine Seel hinein. Laß in Neue mich zerfließen, Mit dir leiden, mit dir büßen, Mit dir tragen jede Bein. 8. Laß, wenn meine Thränen fließen, Mich den Gnadenglanz genießen Deines milden Angesichts. Decke mich durch deine Plagen Vor den Aengsten und den Klagen Einst am Tage des Gerichts. 9. Gegen aller Feinde Stürmen Laß mich, Herr, dein Kreuz beschirmen, Deine Gnade leuchte mir. Deckt des Grabes finstre Höhle Meinen Leib, so nimm die Seele Hin ins Paradies zu dir. Nach Jacoponus, † 1306. 6. Laß mich herzlich mit dir weinen, Mich durchs Kreuz mit dir vereinen; Aller Weltsinn sey verflucht! Unter'm Kreuze will ich stehen Und dich zittern, bluten sehen, Wenn die Sünde mich versucht. Eigene Mel.( Ebr. 12, 1. 2.) 148. Ach fieh ibu dulden, bluten, sterben! O meine Seele, sag ihm frommen Dank! Sieh Gottes eignen Sohn und Erben, Wie mächtig ihn die Menschenliebe drang! Wo ist ein Freund, der je was er gethan? Der so, wie er, für Sünder sterben kann? 2. Wie dunkel waren jene Stunden, O Herr, und welche Lasten drückten dich! Wie quoll das Blut aus deinen Wunden, Und ach, es floß zum Heil und Troft für mich Und ruft noch heute mir ermunternd zu, Daß du mich liebst, du frommer Dulder, du! 3. So sollt es seyn, du mußtest leiden; Dein Tod macht mir des Vaters Liebe kund, Er wird für mich ein Quell der Freuden, Ein Siegel auf den ewgen Friedensbund; So wahr dich Gott für mich zum Opfer gibt, So fest steht es, daß er mich herzlich liebt. 4. Dein bin ich nun und VII. Paffionslieder. Gottes Erbe; Ich sehe in sein| de rächen; Auch dieß lern ich, Vaterherz hinein. Wenn ich mein Heiland, hier von dir; nun leide, wenn ich sterbe, Nie Gottes Schickung widerKann ich unmöglich je verlo- sprechen, Wär auch sein Pfad ren seyn. Wenn Sonn und jetzt noch so dunkel mir; Auf Mond und Erde untergehn, Dornen giengst du selbst zum So bleibt mir Gottes Gnade Ziele hin, Ich folge dir, weil ewig stehn. ich dein Jünger bin. 8. Was fürcht ich noch des Todes Schrecken? Du schliefft auch einst im Grab, o Seelenfreund! Mag sie doch meine Asche decken, Die Erde, wenn des Todes Nacht erscheint! Der Gott, der dir das Leben wieder gab, Wälzt einstens auch den Stein von meinem Grab. 120 5. Ja, mir zum Trost und dir zur Ehre Gereicht dein ganzer Kampf, dein Kreuzestod; Bestätigt ist nun deine Lehre, Ich baue fest darauf in jeder Noth; Unschuldig littest du, doch Preis und Ruhm Ist auch im Kampf der Unschuld Eigenthum. 6. Ja, Herr, dein Vorbild kann mich lehren, Wie sanft und schön der Tod des Frommen sey. O laß mich dein Gebot verehren und mache mich im Kampf der Tugend tren! Die Dankbarkeit dringt innigst mich dazu, Wer hat es mehr um mich verdient, als du? 7. Nie will ich mich am Fein9. Nimm hin den Dank für deine Plagen, Mein Retter, den dir treue Liebe bringt! Noch heißern Dank will ich dir sagen, Wenn dich mein Geist im Engelchor befingt; Dann stimmen alle Selgen fröhlich ein, Der ganze Himmel soll dann Zeuge seyu! J. A. Hermes, g. 1736 † 1822. Mel. Ich hab mein Sach Gott.( Jef. 43, 24. 25. Cap. 44, 22.) 149. Nun ist es alles wohl-| lichkeit! die Erde kracht, Und gemacht, Weil Jesus ruft: es ist vollbracht! Er neigt sein Haupt, o Mensch, und stirbt, Der dir erwirbt Das Leben, welches nie verdirbt. es wird Nacht, Weil er stirbt durch der Sünde Macht. 3. Die Sonn erlischt in ihrem Lauf, Der Heilgen Gräber thun sich auf, Der Vorhang reißt von oben an, Daß jedermann Ins Heiligthum nun schauen kann. 2. Erschrecklich, daß der Herr erbleicht, Der Lebensfürst, dem niemand gleicht An Herr VII. Paffionslieder. 121 4. Weil denn die Kreatur sich| schieht für meine Schuld, regt, So werd auch du, o Drum hab Geduld Und schenk Mensch, bewegt! Ein Fels in ihm mir deine Huld. zerreißt, und du wirst nicht Durch dieß Gericht Erschüttert, daß dein Herze bricht? 7. Ertödte selbst in meiner Brust, Mein Heiland, jede böse Lust; Dein Tod, der mir das Leben schafft, Verleih mir Kraft, zu üben gute Ritterschaft. 8. Ich will zu deinem Kreuze gehn Und fest im Glauben auf dich sehn, Dein Tod soll meine Zuflucht seyn; Auf ihn allein Schlaf ich einst sanft und selig ein. Nach Laurentii. ( Rom. 14, 8. 9.) 5. Die Summe meiner Tage Ist, Jesu, dir bekannt; Mein Glück und meine Plage Stehu, Herr, in deiner Hand. 5. Dein ist die Schuld, nimm dieß in Acht, Daß Jesus ist ans Kreuz gebracht; Ihm, der für dich sein Leben gab, Folg in das Grab Und stirb dem Sündenleben ab. 6. Ach Vater, unter Bein und Hohn Erblaßt am Kreuz dein einger Sohn! Nun, dieß geMel. Christus, der ist. 150. Sein Kampf war nun geendet, Errungen war die Kron; Er hat mit Preis vollendet, Der eingeborne Sohn. 2. ,, Nimm," spricht er, meine Seele, Mein Vater, jetzt von mir, Du, dem ich sie befehle, Nimm sie hinauf zu dir!" 3. Der Vater Jesu hörte Und riß ihn aus der Pein Und nahm, wie er begehrte, Ihn in die Ruhe ein. 4. Ach wann ich einst am Ende Von meiner Laufbahn bin, Nimm auch in deine Hände, Herr, meine Seele hin! 6. Mach mich nur fromm und weise In meiner Prüfungszeit Und auf der Pilgerreise Noch reif zur Ewigkeit. 7. Nur dir, dir laß mich leben Und immer wachsam seyn, So darf ich nicht erbeben, Mein Heil, ich bin ja dein! 8. So geh ich froh entgegen Dem Tod und dem Gericht; Er ist durch dich mein Segen, Herr, meine Zuversicht! Roding, g. 1732 † 1800. Mel. Die Tugend wird. 151. O drückten Jesu Todesmienen Sich meiner Seel auf ewig ein! O möchte stünd( 2 Cor. 5, 15. 17.) lich sein Verfühnen In meinem Herzen kräftig seyn! Denn ach, was hab ich ihm zu VII. Paffionslieder. danken! Für meine Sünden offen stehn für dich; O unerfloß sein Blut, Das heilet mich, den Armen, Kranken Und kommt mir ewiglich zu gut. schöpfte Friedensquelle, Ergieß ohn' Ende dich in mich! 2. Ein Glaubensblick auf Jesu Leiden Gibt auch dem blödsten Herzen Muth; Die Quelle wahrer Geistesfreuden Ist sein vergoßnes theures Blut, Wenn seine Kraft das Herz durchfließet, Sein Lieben unsern Geist durchdringt, Wenn seine Huld die Seel umschließet Und ihr sein Trostwort Frieden bringt. 4. Herr Jesu! nimm für deine Schmerzen Mich Armen an, so wie ich bin! Ich setze dir in meinem Herzen Ein Denkmal deiner Liebe hin, Die dich für mich in Tod getrieben, Die mich aus meinem Jammer ris; Ich will dich zärtlich wieder lieben, Du nimmst es an, ich bins gewiß. 5. Wenn einst mein Herz wird stille stehen, So schließ mich ins Erbarmen ein; Dann werd ich dich von nahem sehen In deiner Klarheit ewgem Schein. Die Seele, die durch dich genesen, Ruht dann in deinen Armen aus Und läſfet gern den Leib verwesen: Er wird dereinst ihr neues Haus. 122 3. Für mich starb Jesus; meine Sünden Sinds, die ihn in den Tod versenkt; Drum läßt er Gnade mir verkünden, Die mich mit Lebenswasser tränkt. O Strom der Liebe, klar und helle, Mein Herz soll Nach Chr. Renatus, Graf von 3inzendorf, g. 1727 † 1752. Mel. Werde munter; oder: Fren dich sehr.( Joh. 14, 21. Rom. 8, 38: c.) 152. Der am Kreuz ist| gung, Noth und Sorgen, Kreuz meine Liebe und sonst nichts in dieser Welt! O daß ers doch ewig bliebe, Der mir jetzt so wohl gefällt! Nun, mein Herz soll immerfort Fest bestehn auf diesem Wort, Sey es heiter oder trübe: Der am Kreuz ist meine Liebe! und Armuth bringt sie mit; Ja, wenn er, mein Heiland, will, Ist kein bittrer Tod zu viel! Doch es komme noch so trübe: Der am Kreuz ist meine Liebe! 2. 3war es ist mir unverborgen, Was die Lieb oft nach sich zieht; Schmach, Verfol3. Lieber wähl ich solche Plage und der Liebe schweren Stand, Als ohn' ihn die besten Tage Und der Ehre eitlen Tand. Heißt mich immer wun VII. Passionslieder. 123 derlich, Spotte man auch über| mich noch betrübe? Der am mich, Daß ich, was er haßt, Kreuz ist meine Liebe! nicht übe,- Der am Kreuz ist meine Liebe! 4. Aber wißt ihr meine Stärke Und was mich so muthig macht, Daß mein Herz des Fleisches Werke Und des Satans Grimm verlacht? Jesu Lieb ist mir gewiß, Seine Lieb ist stark und süß! Was ist, das 5. Diese Liebe lohnet endlich, Führt zu ihm ins Vaterhaus, Ift zur letzten Zeit erkenntlich Und theilt Kränz' und Kronen aus. Ach, ach, wollte Gott, daß doch Alle Welt dereinst sich noch Dieses in das Herz einschriebe: Der am Kreuz ist meine Liebe! Greding, g. 1676. Mel. Fren dich sehr.( Rom. 6, 1-11. Gal. 2, 20.) 153. Richtet auf des Hei-| wird uns gegeben, Aufzustehn zum neuen Leben. 4. Drum in meines Herzens Grunde Trag ich ihn, den Seelenfreund, Der zum ew'gen Gnadenbunde Mit dem Glauben sich vereint Und durch seines Todes Kraft Neues Leben in uns schafft, Wie auf den erstorbnen Auen Wir beim Wehn des Lenzes schauen. lands Leiden Die Vernunft ihr Denken hin, Mag sie wohl von außen waiden Sich an eigner Dichtung Sinu; Oder kommt es hoch, so kann Sie mit Klagen heben an Ueber Christi Pein und Schmerzen; Doch es heilet nicht die Herzen. 2. Aber meines Geistes Sehnen Zielt auf die Gemeinschaft hin: Stets zum Sterben zu gewöhnen Den so tief verderbten Sinn. Mir soll Christi Schmach und Pein Nicht ein rührend Bild nur seyn, Nein, ins Herz will ich ihn schließen, Seines Todes Kraft genießen. 3. Dieß Geheimniß ist verborgen, Wird als Thorheit angesehn; Aber meine größten Sorgen Sollen auf dieß Wunder gehn. Meine Schuld und Sündennoth Tilgt nur Christi bittrer Tod, Nur durch ihn 5. Alle Hoffahrt beugt sie nieder, Hebt in Kleinmuth mich empor, Gibt in Schwachheit Stärke wieder, Zieht aus Zweifeln mich hervor, Hält mich zwischen Luft und Leid In der rechten Mäßigkeit; Ja ich finde tiefste Stille, Wenn am Kreuze hängt mein Wille. 6. O geheimnisvolle Liebe, Die sich im Verborgnen schenkt, Wecke neue Lebenstriebe, Wenn mein Sinn zum Krenz sich lenkt! Alle Kraft 124 VII. Paffionslieder. und alles Heil Deines Leidens| mag vergehen, Bleibt dein sey mein Theil; Alles andre Kreuz nur in mir stehen! Nach Arnold. Eigene Mel.; oder: Herr Christ der einig.( 1 Petri 2, 24. Nöm. 5, 1.2.) 154. Wenn mich die Sünden kränken, Omein Herr Jesu Christ, So laß mich wohl bedenken, Wie du gestorben bist Und alle meine Schuldenlast Am Stamm des heilgen Kreuzes Auf dich genommen haft. 2. O Wunder ohne Maßen, 6. Mein Kreuz und meine PlaWenn mans betrachtet recht: gen Solls auch seyn Schmach Er hat sich martern lassen, Der und Spott Hilf mir geduldig Herr für seinen Knecht; Es tragen. Gib, o mein Herr und hat sich selbst mein Herr und Gott, Daß ich verleugne diese Gott Für mich verlornen Men- Welt Und folge jenem Bilde, schen Gegeben in den Tod! Das du mir vorgestellt. 3. Was kann mir denn nun schaden Der Sünden große Zahl? Ich bin bei Gott in Gnaden, Die Schuld ist allzumal Getilgt durch Christi theures Blut, Daß ich nicht mehr darf fürchten Der Hölle Qual und Gluth. 7. Laß mich an Andern üben, Was du an mir gethan, Und meinen Nächsten lieben, Gern dienen jedermann Ohn' Ei= gennuß und Heuchelschein, Und wie du mir erwiesen, Aus rei= ner Lieb allein. 4. Drum sag ich dir von Herzen Jetzt und mein Lebenlang Für deine Pein und Schmerzen, Jesu, Lob und Dank, Für deine Sanftmuth und Geduld, Für dein unschuldig Sterben, Für deine Lieb und Huld. 5. Herr! laß dein bitter Leiden Mich reizen für und für, Mit allem Ernst zu meiden Die fündliche Begier; Laß mirs nie kommen aus dem Sinn, Wie viel es dich gekostet, Daß ich erlöset bin! 8. In meinen letzten Stunden Ström du mir Kraft und Ruh, Mir Heil aus deinen Wunden und deinen Frieden zu. Du bist's allein, auf den ich trau; Du wollest mich annehmen, Daß ich dich ewig schau! Gesenius, g. 1601 † 1671. Mel. Freu dich febr.( Gal. 1, 3. 4. Rom. 6, 6. Marci S, 34.) 155. Jesu! deine tiefen| Stunden Trost in Leibs- und Wunden, Deine Qual und bitt- Seelennoth. Fällt mir etwas rer Tod Geben mir zu allen Arges ein, Denk ich bald au VII. Paffionslieder. 125 deine Pein, Die erlaubet mei-| neuen Lebenssaft. Deines Tronem Herzen Mit der Sünde stes Süßigkeit Wendet mir das nicht zu scherzen. bittre Leid, Weil du mir das Heil erworben, Da du bist für mich gestorben. 2. Will sich dann in Lüsten waiden MeinverderbtesFleisch und Blut, So gedenk ich an dein Leiden, Bald wird alles wieder gut. Kommt der Feind und setzet mir Heftig zu, halt ich ihm für Deine Gnad und Gnadenzeichen; Bald muß er von dannen weichen. 5. Auf dich setz ich mein Vertrauen, Du bist meine Zusersicht; Dein Tod hat den Tod zerhauen, Daß er mich kann tödten nicht. Daß ich an ir habe Theil, Bringet mir Trost, Schutz und Heil, Deine Gnade wird mir geben Auferstehung, Licht und Leben. 3. Will die Welt mein Herze führen Auf der Sünden breite Bahn, Wo so viele sich verlie- 6. Hab ich dich in meinem ren, Ach dann schau ich emfig Herzen, Du Brunn aller Güan Deiner Marter Gentner- tigkeit, So besieg ich alle last, Die du ausgestanden hast! Schmerzen Auch in meinem So kann ich in Andacht bleiben, Alle böse Lust vertreiben. 4. Ja für alles, das mich kränket, Geben deine Leiden Kraft, Wenn mein Herz sich drein versenket, Schöpf ich letzten Streit. Jch verberge mich in dich: Wer kann da verlegen mich? Wer vertraut auf deine Wunden, Der hat selig überwunden! Joh. Heermann, g. 1585 † 1647. Mel. Schmücke dich.( Ebr. 9, 14. 15.) 156. Sünder! frene dich| deine Kräfte, Sünde thun ist von Herzen Ueber deines Jesu Schmerzen; Laß bei seinem Blutvergießen Stille Dankes thränen fließen. Er hat sich für dich gegeben, Such in seinem Tod das Leben; Nur von seinem Krenze quillet, Was dein Herz auf ewig stillet. 2. Ach wie groß ist dein Verderben! Ohne Jesum mußt du sterben; Blind und todt find dein Geschäfte; Tod heischt des Gesetzes Nache, Es ist aus mit deiner Sache, Ja im Himmel und auf Erden kann dir nicht geholfen werden. 3. Nichts kann all dein Opfer gelten Vor dem Richter aller Welten. Den der Dornenkranz gekrönet, Gottes Sohn hat dich versöhnet, Seine Thränen, seine Wunden Haben Nath für 126 VII. Passionslieder. dich gefunden; Ihm alleine| aus Jesu Wunden, Gnad ist bleibt die Ehre, Daß er deinen auch für mich gefunden! Tod zerstöre. 6. Glaube nur dem Wort der Gnade, O so heilet bald dein Schade, Und des Mittlers zarte Liebe Schafft in die ganz neue Triebe. Sind die Sünden erst vergeben, Dann kannst du auch heilig leben, Und der Gnade treues Walten Wird dich fördern und erhalten. 7. O so gib dem Sohn die Ehre, Daß ihm aller Ruhm gehöre! Suche nicht erst zu verdienen, Was am Kreuz vollbracht erschienen; Suche nicht, was schon gefunden, Preise fröhlich seine Wunden Und bekenn es bis zum Grabe, Daß er dich erlöset habe! 4. Fühlst du nun die Macht der Sünden, Wie sie deine Seele binden, Wie sie dein Gewissen quälen, Wie der Jammer nicht zu zählen, O so komm mit deinen Ketten, Wag es nicht, dich selbst zu retten; Sieh am Kreuze Jesum hängen, Er muß deine Fesseln sprengen! 5. Sünder macht der Heiland felig, Seine Gnaden sind unzählig: Er gibt Buße, er gibt Glauben, Hilft den Lahmen, Blinden, Tauben. Wer sich nur will retten lassen, Der soll das Vertrauen faffen: Gnade strömt Woltersdorf, g. 1725 † 1761. Mel. Herr Jesu Christ, du höchstes.( Apostelgesch. 7, 58.) 157. Ich danke dir für dei-| geneiget. Ach neige dich, mein Herr und Gott, zu mir auch in der Todesnoth, Damit ich Gnade spüre! nen Tod, Herr Jesu, und die Schmerzen, Die du in deiner legten Noth Empfandft in deinem Herzen. Laß die Verdienste solcher Pein Ein Labsal meiner Seele seyn, Wenn mir die Augen brechen. 3. Laß meine Seel in deinem Licht Aus ihrem Leibe scheiden, Auf daß doch sey vergeblich nicht An mir dein theures Leiden! Nimm sie hinauf, Herr Jesu Christ, Wo du zur Rech= ten Gottes bist, Und laß mich ewig leben! Angelus Silesius, g. 1624 t 1677. ( Sacharja 13, 1. Jef. 12.) Mel. Lobsinge Gott. 158. Ich danke dir in glau-| deinen Nath der unerforschten bensvoller Reue, Du Wundergott der unerhörten Trene, Für Triebe Und süße Liebe. 2. Du sahest wohl die Lasten, 2. Ich danke dir für deine Huld, Die du mir hast erzeiget, Da du beim Tilgen meiner Schuld Dein Haupt zu mir VII. Paffionslieder. 127 die mich drücken, Du nahmest| und Freude taugen, Ich schau fie von meinem schwachen Rücken, Du dachtest gleich, dich eines solchen Armen Recht zu erbarmen. hinein mit offnen Glaubensaugen Und rufe nun, je mehr ich solches prüfe: O welche Tiefe! 9. Ich bitte dich, o Jesu, durch dein Leiden, Durch jede Qual, die du bei deinem Scheiden Auf Golgatha am blutgen Kreuz empfunden, Durch deine Wunden: 10. Ach laß mich doch die Sünden recht beweinen. Weil ihrer viel, wie Sand am Meer, erscheinen! Wie konnt ich doch so viele Greul verüben Und dich betrüben! 3. Dein Sohn ists selbst, der folche Bürde träget, Du hast sie ihm, dem Stärkern, auferleget; Er stirbt, daß mich die Sünde nicht verdamme, Am Kreuzesstamme. 4. Herr Jesu Chrift! ich preise deine Liebe, In der du stirbst, daß ich lebendig bliebe; Dein Herz entbrennet gegen Menschenkinder, Die armen Sünder. 5. Für mich, gottlob! als wie für meine Brüder, Für mich, mein Haupt, das kleinste deiner Glieder, Für mich sind dir die Glieder so zerstochen, Das Herz zerbrochen. 6. Du zeigest mir die Male deiner Wunden, Da hab ich dein und mein Herz erst gefunden, Da hab ich Muth und einen Grund zum Hoffen Einst angetroffen. 11. Ich klag es dir mit meinem schwachen Munde: Sie reuen mich von ganzem Herzensgrunde; Erbarme dich, laß Gnade auf mein Flehen Für Rechtergehen! 12. Ach handle nicht so, wie ich es verschuldet! Du hast ja selbst so Schuld als Straf erduldet; Vergib mir doch die großen Frevelthaten Aus lanter Gnaden. 7. Ich rühme dich und deine großen Gnaden, Wodurch du mich solch einer Last entladen. Wie wohl ist mir in deinen Felsenriten Vor Mofis Bligen! 8. Sie können mir zum Trost 13. Herr! heile mich, sonst heilt mich nichts auf Erden; Hilf mir, so wird mir recht geholfen werden; Erneure du den Bund, den ich gerrissen, Mir im Gewissen! Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Eigene Mel.( Gbr. 12, 1. 2. 1 Petri 1. 18. 19. 22.) 159. Mit welcher Zunge,| Herr, für deine Schmerzen, welchem Herzen Dank ich dir, Für jede mir verborgne Last; 128 VII. Paffionslieder. Für jeden Kampf, den du ge-| Und gerne für die Brüder leistritten, Den blutgen Tod, den den, Für die du, Herr, gestordu gelitten, Bekämpft und ben bist? Wie nun auch nur überwunden haft? Wer kennt von Unrecht sprechen, Noch ge= der Leiden Last und Menge? gen Schuldner strenge seyn, Wer sieht der Seligkeiten Ziel? Wie mich am ärgsten Feinde Wer gibt mir Zungen, wer rächen, Wie nun nur siebenGesänge, Wer meinem Her- mal verzeihn? zen gnug Gefühl? 2. Da, wo dein Blut herabgeflossen, Lieg ich im Geist dahingegossen, Da möchtich ganz Anbetung seyn! Gehorsam bis zum Kreuzestode Warst du; gehorsam bis zum Tode Soll ich, wie du, dem Vater seyn. Hier, Jesu, hier sind meine Kräfte, Hier ist mein Leben, nimm es an! Dich lieben, dieß sey mein Geschäfte, Mein Trost, auf den ich sterben kann. 5. Auf Golgatha will ich mich schwingen, Wenn Nacht und Leiden mich umringen, Will da im Geist vor Jesu stehn; Will da dich, Unschuld, stille schmachten, Das Kreuz erdulden, Schmach verachten, Da bluten dich und schweigen sehn; Will da mit allen Seelenkräften In deine Leidensnächte schaun, Will mit dir an dein Kreuz mich heften Und gleich dir lernen Gott vertraun. 3. Gekreuzigter! dein Leiden stärke Mich stets in jedem guten Werke, Im Tugendkampfe stärk es mich. So sehr mich Lust zur Sünde reize, Ich fliehe nur zu deinem Kreuze, Umfasse, Mann der Schmerzen, dich! Wie könnt ich sehn dich, Jesu, bluten, Wie sehn dein ausgespannt Gebein, Und nicht mit aller Kraft dem Guten Und dir nicht ganz ergeben seyn? 4. Wie nun nicht Alle herzlich lieben Und auch nur Einen noch betrüben, Für den du littest, Jesu Christ? Wie nun nicht Gutes thun mit Freuden 6. Und wenn mich meine Sünden kränken, So will ich an dein Leiden denken, Will fließen sehn dein theures Blut. Für mich auch ist dieß Blut geflossen, Wer zu dir kommt, wird nicht verstoßen, Du starbst auch mir, auch mir zu gut! Auch ich kann Gnad und Leben finden; Mein Gott bleibt seinem Worte treu, Vergibt auch mir die schwersten Sünden, Macht mich von aller Knechtschaft frei. 7. Und in den bangen Todesstunden Blickich empor zu deinen Wunden Und fürchte nicht das Strafgericht. Wenn ich, wie VII. Paffionslieder. 129 Sünden rein! O Gott, wie wird mir dann zu Muthe, Wie werd ich Dank und Wonne seyn! du willst, heilig lebe, Nur dich| Blute Mich ewig macht von zu lieben mich bestrebe, Dann bleibst du meine Zuversicht, Dann darf ich freudig zu dir blicken, Wenn alles dunkel um mich ist; Dann wirst du meinen Geist erquicken, Wenn mir der Tod die Augen schließt. 8. Dann, dann wird alle Angst verschwinden, Ich werde muthig überwinden, Mich schwingen über Tod und Grab! Ounaussprechliches Entzücken, Von Angesicht den zu erblicken, Der in den Tod dahin sich gab, Den Sohn, ihn, der mit seinem 9. O Freude jener Ewigkeiten, Wo ich dich anschaun, dich begleiten, Dich hören, dich umfangen kann! Für deine Liebe ohne Schranken, Lamm Gottes, wie will ich dir danken, Wie bet ich, Liebe, dort dich an! D Ewigkeit der Ewigkeiten An deiner Seite, Jesus Christ, Der, mir die Stätte zu bereiten, Auf Golgatha gestorben ist! Lavater, g. 1741 † 1801 Eigene Mel.( 1 Petri 1, 18. 19.) 160. Lamm Gottes unschuldig, Am Stamm des Kreuzes geschlachtet, Allzeit erfunden geduldig, Wiewohl du warest verachtet! All Sünd hast du getragen, Sonst müßten wir verzagen. Erbarm dich unser, o Jesu! 2. O Lamm Gottes unschuldig, Am Stamm des Kreuzes ge= schlachtet u. f. w., Erbarm dich unser, o Jesu! 3. Lamm Gottes unschuldig, Am Stamm des Kreuzes geschlachtet u. s. w., Gib uns den Frieden, o Jesu! Decius, um 1524. Mel. Freu dich sehr.( Joh. 15, 26. Cap. 16, 14. Col. 2, 6. 7.) 161. Fall auf die Gemeinde| Bundes Uns in seiner Würde nieder, Geist, der uns mit Feuer tauft! Wir sind alle Jesu Glieder Und mit seinem Blut erkauft. Lenke du den ernsten Sinn Auf des Heilands Leiden hin; Hilf, daß wir es würdig feiern, Sein Gedächtniß fromm vor; Bring die Reden seines Mundes Vor das aufgeschloßne Ohr, Führ uns nach Gethsemane, Daß dort unser Aug ihn seh, Wie des Todes Nacht ihn schrecket Und ihn blutger Schweiß bedecket. erneuern. 2. Stell den Mittler unsers Evangelisches Gesangbuch. 3. Zeig uns ihn, den Sanften, Reinen, Unter seiner Mörder= 9 130 VII. Paffionslieder. schaar! Ach es gab auf Erden| Uns ins Herz mit Flammenkeinen, Welcher so verachtet schrift, Daß nun keiner troftlos bleibe, Den das Loos des Todes trifft; Seit es ist vollbracht!" ertönt, Sind wir nun mit Gott versöhnt, Sind bestimmt, bei dem zu leben, Der den Geist Gott übergeben. war! Doch er hat der Frevler Hohn, Purpurmantel, Dornenkron, Alle Qual, die er empfunden, Siegreich duldend überwunden. 4. Geh mit uns dem Opferlamme Auf dem blutgen Pfade nach, Zeig uns an dem Kreuzesstamme Seine Hoheit, seine Schmach; Um sein festes Gottvertraun Und des Heilgen Tod zu schaun, Trag uns auf der Andacht Flügel Zu dem nachtbedeckten Hügel. 6. Du begnadigte Gemeinde, Blick zu deinem Haupt empor, Zu dem göttlich großen Freunde, Den zum Retter Gott erkor! Schöpfe Wonn und Seligkeit Dir aus seiner Leidenszeit; Reiß dich los vom Weltgetümmel, Und dein Wandel sey im Himmel! 5. Seine letzten Worte schreibe Nach Schubart. Begräbniß Christi. Mel. O Traurigkeit.( Apostelgesch. 2, 27. 31. Joh. 11, 25. 26.) 162. Zur Grabesruh Ent-| erwecken; Sollte denn mein schliefest du, Der du für uns gestorben Und am Kreuz uns schmerzenvoll Ewges Heil erworben. glaubig Herz Vor der Gruft erschrecken? 5. Hier werd ich einst, Bis du erscheinst, In sanftem Frieden liegen; Denn durch deinen Tod kann ich Tod und Grab besiegen. 6. Jhr, die die Welt Gefesselt hält, Zagt nur vor der Verwesung! Ich, ich hoff in Christo einst Meines Leibs Erlösung. 7. Nein, nichts verdirbt! Selbst das, was stirbt, Der Leib, wird auferstehen Und, zum Himmelsglanz verklärt, Aus dem Grabe gehen. 8. So sink ins Grab, Mein 2. Du bist erblaßt, O Herr, und hast Doch in dir selbst das Leben! Gleich den Sterblichen hält dich Nun das Grab umgeben. 3. Doch freu ich mich: Dein Gott läßt dich nicht die Verwesung sehen; Bald wirst du aus eigner Kraft Aus dem Grabe gehen. 4. Ja, ja du wirst, Mein Lebensfürst, Mich auch wie dich VIII. Ofterlieder. Leib, hinab, Ich will mich drum| mir zum Trost nicht kränken, Sondern, Jesu, gedenken. Mel. Jesu, du mein liebstes 163. Amen! Deines Grabes Friede Wird auch unser Grab durchwehn, Wenn wir von der Wallfahrt müde Ruhn, um froher aufzustehn. Amen! Fürst der Auferstehung, Der desGrabes Siegel brach, Zeuch durch Grab und Tod uns nach Zu der Heiligen Erhöhung, Wo dem Lamm, das uns versöhnt, Aller Himmel Loblied tönt! 131 An dein Grab Nach Sal. Frand. ( 1 Cor. 15, 20-23.) 2. Großer Erstling deiner Brüder! Ja du ziehest uns nach dir; Du, das Haupt, ziehst deine Glieder, Weil du lebst, so leben wir; Ja wir werden auferstehen, Weil du auferstanden bist, Werden dich, Herr Jesu Christ, Einst in deiner Klarheit sehen! Unsre Herzen harren dein; Amen, ewig sind wir dein! Garve, g. 1763 † 1841. VIII. Ofterlieder. Mel. Christus, der ist.( 2 Tim. 2, 11.) 164. Willkommen, Held im| tröstet sich der Glaube, Daß ihn Streite, Aus deines Grabes Kluft! Wir triumphiren heute Um deine leere Gruft. kein Feind mehr schreckt. 6. Du hast das Heil erworben, Wir preisen dich dafür. Sind wir mit dir gestorben, Soleben wir mit dir. 2. Der Feind wird Schau getragen Und heißt nunmehr ein Spott; Wir aber können sagen: Mit uns ist unser Gott! 3. Der Fried ist uns erstritten, Und jeder Schrecken flieht; In der Gerechten Hütten Erschallt das Siegeslied. 4. Theil uns des Sieges Beute, Den Trost nun reichlich aus; Ach komm und bring noch heute Dein Heil in Herz und Haus! 5. In deines Grabes Staube Liegt unsre Schuld bedeckt; Deß 7. Wir wollen ohne Grauen Mit dir zu Grabe gehn, Wenn wir nur dort dich schauen Und selig auferstehn. 8. Schwing deine Siegesfahnen Auch über unser Herz Und zeig uns einst die Bahnen Vom Tode himmelwärts. 9. Was kann uns denn noch schaden? Des Todes Pfeil ist stumpf; Wir sind bei Gott in Gnaden Und rufen schon Triumph! Nach Schmol!. 132 VIII. Ofterlieder. Mel. Wenn ich nur meinen Jesum.( 2. Cor. 5, 17.) Seinen Rath, Kommt auch in Vaters Haus. 165. Ich sag es jedem, daß aus, Und wer nur hört auf Er lebt Und auferstanden ist, Daß Er in unsrer Mitte schwebt Und ewig bei uns ist. 2. Ich sag es jedem, jeder sagt Es seinen Freunden gleich, Daß bald an allen Orten tagt Das neue Himmelreich. 6. Nun weint auch keiner mehr allhie, Wenn eins die Augen schließt, Vom Wiedersehn, spät oder früh, Wird dieser Schmerz versüßt. 3. Jeßt scheint die Welt dem neuen Sinn Erst wie ein Vaterland; Ein neues Leben nimmt man hin Entzückt aus Seiner Hand. 4. Hinunter in das tiefe Meer Versank des Todes Graun, Und jeder kann nun leicht und hehr In seine Zukunft schaun. 5. Der dunkle Weg, den Er betrat, Geht in den Himmel 7. Es kann zu jeder guten That Ein jeder frischer glühn, Denn herrlich wird ihm diese Saat In schönern Fluren blühn. 8. Er lebt und wird nun bei uns seyn Wenn alles uns verläßt; Und so soll dieser Tag uns seyn Ein Weltverjüngungsfest! Lat Novalis, g. 1772 † 1801. Eigene Mel.( 1 Cor. 15, 55-57.) 166. Christ lag in Todes-| Sohn, An unsrer Statt ist banden Für unsre Sünd gegeben; Der ist wieder erstanden Und hat uns bracht das Leben; Deß wir sollen fröhlich seyn, Gott loben und dankbar seyn Und singen: Hallelujah, Hallelujah! 2. Den Tod niemand zwingen konnt Bei allen Menschenkindern; Das macht alles unsre Sünd, Kein' Unschuld war zu finden; Davon kam der Tod sobald Und nahm über uns Gewalt, Hielt uns in sein'm Reich g'fangen. Hallelujah! 3. Jesus Christus, Gottes kommen und hat die Sünd abgethan, Damit dem Tod genommen All sein Recht und sein' Gewalt, Da bleibt nichts denn Todsgestalt, Den Stachel hat er verloren. Hallelujah! 4. Es war ein wunderlich Krieg, Da Tod und Leben rungen; Das Leben behielt den Sieg, Es hat den Tod verschlungen! Die Schrift hat verkündet das, Wie ein Tod den andern fraß; Ein Spott aus dem Tod ist worden. Hallelujah! 5. Hier ist das recht' Oster VIII. Ofterlieder. 133 lamm, Davon wir sollen leben,| Erleucht't unsre Herzen ganz; Das ist an des Kreuzes Stamm Der Sünden Nacht ist verganAus heißer Lieb gegeben. Deß gen. Hallelujah! Blut zeichnet unsre Thür, Das hält der Glaub dem Tod für; Der Würger kann uns nicht rühren! Hallelujah! 7. Wir essen und leben wohl, Zum süßen Brod geladen, Der alt' Sauerteig nicht soll Seyn bei dem Wort der Gnaden; Christus will die Koste seyn Und speisen die Seel allein; Der Glaub will kein's andern leben. Hallelujah! Luther, g. 1483 t 1546. 6. So feiern wir das hoh' Fest Mit Herzensfreud und Wonne, Das uns der Herr scheinen läßt; Er ist selber die Sonne, Der durch seiner Gnaden Glanz Eigene Mel.( Pf. 118, 15. 16.) Chöre dir! Todesüberwinder, dir! 167. Preis dem Todesüber-| schnell sungen Aller Himmel winder, Sieh er starb auf Golgatha! Preis dem Netter aller Sünder, Was er uns verhieß, geschah; Sieh, er starb auf Golgatha! Singt, des neuen Bundes Kinder, Aus dem Grab eilt er empor; Singet ihm in höhrem Chor! 4. Jeßt, da ich an dich nur glaube, Seh ich dunkel nur von fern, Ich, der Wanderer im Staube, Dich, die Herrlichkeit des Herrn! Dich, die Herrlichkeit des Herrn! Dennoch, wenn ich innig glaube, Wenn ich dürfte, strömt mir Ruh Deines Tods und Lebens zu. 2. Laßt des Dankes Harfe klingen, Daß die Seele freudig bebt! Laßt uns, laßt uns mächtig fingen Dem, der starb und ewig lebt, Daß das Herz vor Wonne bebt! Preis und Ehre laßt uns bringen Dem, der starb und ewig lebt! Dem, der starb und ewig lebt! 5. Gerne will ich hier noch wallen, Herr, so lange du es willst! Knieen will ich, niederfallen, Flehn, bis du dich mir enthüllst Und mein Herz mit Kraft er= füllst, Dein hochheilig Lob zu lallen! Selig war stets, wen dein Lob, Ewiger, zu dir erhob! 3. Da in Morgendämmerungen Noch verhüllt die Erde schwieg; Da zu tiefern Anbetungen Gottes Engel niederstieg, Aber jetzt noch bebend Ichwieg, Da erstundest du!- 6. Wann ich aus dem Grabe gehe, Wann mein Stanb Verklärung ist, Wann ich, Herr, dein Antlig sehe, Dich, mein VIII. Ofterlieder. 134 Mittler, Jesu Christ, Dich Verklärter, wie du bist, dann, wann ich auferstehe, Hab ich, du, der Sünder Heil, Ganz an deinem Leben Theil! Klopstod, g. 1724 † 1803. Mel. Sollt ich meinem Gott nicht singen.( 1 Cor. 15, 55. Rom. 6, 4.) 168. Größter Morgen, der die Erde Nach der tiefsten Nacht belebt, Der sie nach dem Wort ,, es werde!" Nochmals aus dem Nichts erhebt! Nach der Nacht voll düstrer Sorgen, Da man angst- und kummervoll Ohne Jesum leben soll, Bringt der allerschönste Morgen Jesum aus des Todes Thor, Jesum, unser Licht, hervor. 4. Lebt nun auf, ihr stillen Seelen, Die in Thränen ihr zerfloßt, Die ihr euch in Kummerhöhlen Ohnelicht und Kraft verschloßt! Lebt nun auf: er ist erstanden! Er, an den ihr doch geglaubt, Istvom Tode nicht ge= raubt, Nein, er lebt, ist frei von Banden Und mit Klarheit angethan; Betet euren König an! 2. Seht! der Stein ist abgehoben, und kein Kriegsknecht hütet mehr; Blickt nun selig froh nach oben, Jesus lebt, dasGrab ist leer! Kommt und seht, wo er gelegen; Tuch und Binden findet ihr, Aber Jesus ist nicht hier, Engel rufen euch entgegen: „ Sucht ihn, sucht den nicht im Grab, Der der Welt das Leben gab!" 3. Großes Haupt, so lebst du wieder? Nur auf wenig Tage todt? Nun erwachen Siegeslieder Mit dem Oftermorgenroth! Engel müssen sie dir singen: „ Den ihr suchet, Jesus lebt!" Und die Gruft hallt:„ Jesus lebt!" Und die nahen Felsen flingen: Gottes Sohn, der todt war, lebt!" Und die Welt ertönt: ,, er lebt!" 5. Jauchz', o Erde, Himmel, tönet, Rühme, neu geschaffne Welt! Gott und Menschheit sind versöhnet! Seht, wie glänzt der große Held, Der des Abgrunds und der Höllen Und der Himmel Schlüssel führt, Und mit Ehr und Schmuck geziert, Seine Kirche sicher stellen Und nach tiefem Gottesplan Ewig selig machen kann! 6. Großer Hirte deiner Schafe. Von den Todten ausgeführt, Dem, nach ganz erlittnerStrafe Unsrer Schuld, der Preis gebührt! Nimm ihn von den Millionen Derer, die das Grab noch deckt, Derer, die dein Ruf schon weckt, Derer, die im Himmel wohnen, Auch von uns hierunten an, Wie dich jeder preisen kann! 7. Hilf uns aus den Fesseln VIII. Ofterlieder. 135 gehen, Da die Welt uns mit be-| Ostern sey, Dann kommt einst strickt; Laß uns geistlich aufer- der Tag herbei, Da du völlig stehen, AllemSündendienst ent- uns erlösen Und zu dir erheben rückt! Schenk uns Kraft zum wirst, Auferstandner Siegesneuen Wesen, Daß es täglich fürst! Lehmus, g. 1707 † 1788. Mel. Jesu, meine Freude.( Col. 2, 12-15.) 169. Aus des Todes Banden Ist der Herr erstanden, Mensch und Gottes Sohn! Jesus hat gesteget, Daß nun alles lieget Unter seinem Thron. Unser Freund Hat alle Feind' Siegreich auf das Haupt geschlagen Und sie Schau getragen. 2. Daß er wollen sterben, War, uns zu erwerben Heil und Seligkeit. Solches ist geschehen, Und wir dürfen sehen, Daß auf kurze Zeit Jesus sich Wahrhaftiglich In den Tod um unser Leben Hat dahingegeben. 3. Freiheit von den Sünden Sollen wir nun finden Und recht werden frei; Weil der wiederkommen, Der die Schuld genommen Auf sein Haupt so treu. Er kann nun Gnug für uns thun; Wenn wir nur in ihm erfunden, Bleibt uns Gott verbunden. 4. Was will uns nun schaden, Wenn uns Gott zu Gnaden Bei sich selbst gebracht? Mag die Hölle dräuen, Dürfen wir nicht scheuen Ihre kurze Macht. Hier ist der, Vordem das Heer Aller Feinde muß erbeben Und hinweg sich heben. 5. Laßt mit allen Schrecken Nun die Hand ausstrecken Wider uns den Tod, Seine Pfeil' und Bogen Finden sich betrogen, Es hat keine Noth. Ob er trifft, Ists drum kein Gift; Nein, er muß mit seinen Pfeilen Uns vielmehr nur heilen. 6. Darum mir nicht grauet, Wenn mein Geist anschauet, Daß ich in das Grab Meine müden Glieder Werde legen nieder, Weil ich dieses hab: Daß mein Hort Mir diesen Ort Selbst mit seinem Leibe weihe, Daß ich ihn nicht scheue. 7. Laffet uns alsChristen Sterben allen Lüften Und der Eitelkeit! Denn so wir uns haben Lassen mit begraben hier in dieser Zeit, So wird er, Der große Herr, Uns hervor auch mit sich führen Und mit Kronen zieren. 8. der großen Freude! Hängst du noch am Kleide Dieser Sterblichkeit? Sollst du nicht hingegen Es getrost ablegen, Weil nach kurzer Zeit Jesus Christ Voll Willens ist, Uns zu kleiden mit der Sonne In des Himmels Wonne' Spener, g. 1635 † 1705. 136 VIII. Ofterlieder. Mel. Jesu, du mein liebstes.( Offenb. 1, 4-6.) 170. Ueberwinder, nimm auferstehn. Hält der Schlaf die Palmen, Die dein Volk dir heute bringt, Das mit frohen Osterpsalmen Den erkämpften Sieg befingt! Wo ist nun der Feinde Pochen, Und der Würger Mordgeschrei, Da des Todes Nacht vorbei Und sein Stachel ist zerbrochen? Tod und Hölle liegen da! Gott sey Dank, Hallelujah! uns noch gefangen, O so fördre du den Lauf, Rufe mächtig: wachet auf! Denn die Schatten sind vergangen, Und der helle Tag ist da!" Gott sey Dank, Hallelujah! 2. Stecke nun dein Siegeszeichen Auf der dunklen Gruft empor! Was kann deinem Ruhme gleichen? Held und König, tritt hervor! Laß dir tausend Engel dienen, Denn nach harter Leidenszeit Jst dein Tag der Herrlichkeit, Höchste Majestät, erschienen! Erd und Himmel jauchzen da: Gott sey Dank, Hallelujah! 5. Tilg in uns des Todes Grauen, Wenn die letzte Stunde schlägt, Weil du denen, die dir trauen, Schon die Krone beigelegt. Gib uns in den höchsten Nöthen, Gib uns mitten in der Pein Deinen Trost und Glauben ein, so kann der Tod nicht tödten, Denn die Hoffnung blühet da, Gott sey Dank, Hallelujah! 3. Theile, großer Fürst, die Beute Deiner armen Heerde mit, Die in froher Sehnsucht heute Vor den Thron der Gnade tritt. Deinen Frieden gib uns allen, O so jauchzet Herz und Muth, Weil das Loos uns wundergut Und aufs lieblichste gefallen! Freud und Wonne grünen da, Gott sey Dank, Hallelujah! 4. Laß, o Sonne der Gerechten, Deinen Strahl ins Herze gehn! Gib Erleuchtung deinen Knechten, Daß sie geistlich 6. Zeige, wenn der blöde Kummer Ueber Sarg und Grüften weint, Wie die Schwachheit nach dem Schlummer Dort in voller Kraft erscheint. Sind wir sterblich hier geboren, O so streift das kühle Grab Nur was sterblich heißt uns ab, Und der Staub ist unverloren: Unser Hirte hütet da; Gott sey Dank, Hallelujah! 7. Rufe die zerfallnen Glieder Endlich aus der dunklen Nacht, Wenn der Deinen Asche wieder In verklärtem Glanz erwacht. Dann wirst du die Krone geben, Dann wird unsre volle Brust, Herr, mit engel VIII. Ofterlieder. 137 gleicher Luft Ewig deinen Sieg| allda: Gott sey Dank, Halleerheben, und wir sprechen auch lujah! Taddel, g. 1706 † 1775. Mel. Womit soll ich dich.( 1 Cor. 15, 3-8. Rom. 4, 24. 25.) 171. Herzog der erlösten Sünder, Dir dankt deine Christenheit, Dir, du Todesüber- 5. Lebend, zu verschiednen. winder, Dir, du Herr der Herr- Stunden Sahn sie, Herr, dich lichkeit! Der du todt warst, le- dort und hier; Sie berührten best wieder, Mit dir leben deine Wunden, Sprachen, aßen deine Glieder; Uns, die Tod oft mit dir. Deinen Trost und und Grab erschreckt, Hat Gott deine Lehren Ließest du sie wiemit dir auferweckt. der hören; Freudig beteten dich an, Die dich wieder lebend sahn. de, die ihr bebt; Jauchzet, euer Jesus lebt!" 2. Willig, Herr, trug deine Seele Mancher Leiden schwere Last Bis zum Tod, und in der 6. Ja du lebst, o Jesu, wieHöhle Lag dein müder Leib der, Hallelujah ewiglich! Mehr erblaßt. Endlich frei von aller als fünfmal hundert Brüder Plage Ruht er bis zum drit- Sahn mit ihren Augen dich. ten Tage; Da kam in das Liebreich redest du mit ihnen, stille Grab Gottes Herrlichkeit Bist dem Paulus selbst erschieherab. nen; Dein und deiner Freunde Feind Sahe dich und ward dein Freund. 3. Und der Todte lebte wieder! Dir sang aller Engel Chor, Alle Thronen sanken nieder, Herrlich giengst du, Herr, hervor. Alle, die dein Grab beschüßen, Sinken todtblaß vor den Blißen, Da dein Leib, von Majestät Strahlend, aus dem Grabe geht. 4. O mit welchen Gottesfreuden Steigst du aus des Todes Nacht! Ewig fern ist alles Leiden, Ganz dein großes Werk vollbracht. Liebreich eileft du, den Deinen Im Triumphe zu erscheinen: ,, Seht mich, Freun7. Jesu! deines Lebens Zengen Sagen laut: ,, er lebt!" der Welt, Ihm soll jedes Knie sich beugen, Er iste, der Ge= richt einst hält;" Rufen laut in Schmerz und Banden:„ Je= sus ist vom Tod erstanden!" Sie, die lebend dich gesehn, Heißen Todte auferstehn! 8. Gott die Sünder zu verföhnen, Ramst du auf die Welt herab; Starbst, o fließet Freudethränen, Stundest auf aus | deinem Grab! Jesus- dankt, VIII. Ofterlieder. Ist des verbleibet, Keiner kommt in sein Gericht; Wer hier starb, wird auferstehen, Wird unsterblich Jesum sehen, Freudig, wer sich ihm ergibt, Zitternd, wer ihn hier nicht liebt! 11. Haupt der Deinen, unser Leben, Herr der Menschen, Jefu Chrift! Unser Herz sey dir ergeben, Der du auferstanden bist! Frei und rein von allen Sünden Laß uns, daß du lebst, empfinden! Tief im Staube singen wir Dank und Hallelujah dir! Lavater, g. 1741 † 1801 138 versöhnte Sünder! Todes Ueberwinder, Heil ist seiner Leiden Lohn, Jesus ist des Höchsten Sohn! 9. Jesus ist von Gott gekommen, Der bei Gott im Anfang war; Bebt, ihr Sünder, jauchzt, ihr Frommen! Alles, was er fagt, ist wahr, Alles, alles wird geschehen; Himmel werden eh vergehen, Eh ein Wort von Jesu Christ Nicht mehr wahr und göttlich ist. 10. Jesus lebt! wer an ihn gläubet, Ob er stürbe, stirbet nicht, Keiner, der ihm tren Mel. O du Liebe.( Rom. 6, 3-6. Eph. 5, 14.) Höhle Mit gewaltgem Arm durchbrach? Feierst du sein Auferstehen Auch in rechter Osterfreud? Kann man an dir selber sehen, Welch ein hoher Festtag heut? 172. Wandle leuchtender| Tag, Da der Herr des Grabes und schöner, Osterfonne, deinen Lauf; Denn dein Herr und mein Versöhner Stieg aus seinem Grabe auf. Als das Haupt er sterbend beugte, Bargst du dich in nächt'gen Flor; Doch jetzt komm hervor und leuchte, Denn auch er stieg längstempor! 2. Erde, breite dich in Frieden Unter deinem Himmel aus; Denn dein Herr ist nicht geschieden, Er zerbrach des Todes Haus. Deine starken Felsen bebten, Als er seinen Geist verhaucht, Grüße nun den Neubelebten Wonnevoll in Licht getaucht! 3. Doch du selber, meine Seele, Sag, wie feierst du den 4. Bist du mit ihm auferstanden Aus der Sünde Todesnacht? Hast du dich von ihren Banden Losgerungen, frei gemacht? Oder liegst du noch verborgen Und in deinen Sünden todt? Kündet deinen Ostermorgen Noch kein helles Morgenroth? 5. O dann laß dich nicht bedecken Länger mehr die finstre Nacht; Sieh, dein Herr ist, dich zu wecken, Von dem Tode auf VIII. Ofterlieder. 139 erwacht! Komm, vom Schlaf| so matt, Der wird dir zur Seite dich zu erheben, Komm, der Fürst des Lebens ruft: Wache auf zum neuen Leben, Steig herauf aus deiner Gruft!" 6. Sieh, er reicht dir hilfreich, gnädig Die durchbohrten Hände hin, Macht dich der Betäubung ledig, Weckt mit Liebesruf den Sinn. Keine Strafe sollst du scheuen, Darum bleibe nicht zurück, Naff dich auf, dich zu erfreuen An des neuen Lebens Glück! 17 7. Steig empor zum neuen Leben, Denn du schliefest lang genug; Kraft zum Leben wird dir geben, Der für dich den Tod ertrug. Fang nur an erst aufzustehen, Fühlst du dich auch noch Mel. Wir singen dir, Immanuel. ( 1 Cor. 6, 14. 2 Tim. 1, 9. 10.) 173. Frühmorgens, da die| wälzt ihn von des Herzens Sonn aufgeht, Mein Heiland, Thür. Hallelujah! Christus, aufersteht; Vertrieben ist der Sünden Nacht, Licht, Heil und Leben wieder bracht. Hallelujah! 4. Kein Elend mag so mächtig seyn, Mein Heiland greift allmächtig drein, Er führt mich aus mit seiner Hand: Wer mich will hindern, wird zu Schand. Hallelujah! 2. Nicht mehr als nur drei Tage lang Bleibt Gottes Sohn im Todeszwang; Den dritten Tag durchs Grab er dringt Und hoch die Siegesfahne schwingt. Hallelujah! gehen, Der dich auferwecket hat. 8. Obedenke und erwäge, Wie du gehn magst, nicht so lang! Solch Bedenken macht nur träge, Macht dich mehr noch schwach und krank. Keine Hilfe wird versagen Er, wenn nur du erst begannst, Wird dich auf den Armen tragen, Wo du selbst nicht gehen kannst. 9. Sieh, dein Herr ist auferstanden, Daß du könntest auferstehn, Aus der Sünde Haft und Banden In die schönste Freiheit gehn! Willst du ihm dich nur ergeben, Streift er deine Ketten ab, Und du siehst dein altes Leben Hinter dir als leeres Grab. Spitta, g. 1801. 3. Wunder groß, o starker Held! Wo ist ein Feind, den er nicht fällt? Kein Angststein liegt so schwer auf mir, Er 5. Lebt Jesus, was bin ich betrübt? Ich weiß, daß er mich herzlich liebt; Wenn mir gleich alle Welt stürb' ab, Gnug, daß ich Christum bei mir hab! Hallelujah! 6. Er pflegt, er schüßt, er tröstet mich; Sterb ich, so nimmt 140 VIII. Ofterlieder. er mich zu sich, Wo er jetzt| Furcht und Traurigkeit. Hallebt, da komm ich hin, Weil sei- lelujah! nes Leibes Glied ich bin. Hallelujah! 8. Für diesen Trost, o großer Held, Herr Jesu, dankt dir alle Welt; Dort wollen wir mit größrem Fleiß Erheben deinen Ruhm und Preis! Hal7. Mein Herz darf nicht entseßen sich, Gott und die Engel lieben mich; Die Freude, die mir ist bereit, Vertreibetlelujah! Joh. Heermann, g. 1585 t 1647. Mel. Herr, wie du willt.( Apostelgesch. 5, 30. 31. Rom. 6, 1-14.) 174. Wach auf, mein Herz,| er gebunden Der Feinde Macht, daß du erstehst Und in ein neues Leben gehst Und Gott im Glauben dienest. 5. Laß weder Teufel, Welt noch Tod Dich scheu und zaghaft machen; Denn Jesus lebt, es hat nicht Noth, Er ist noch bei den Schwachen Und den Geringen in der Welt Als ein gekrönter Siegesheld; Drum wirst du überwinden. die Nacht ist hin, Die Sonn ist aufgegangen! Ermuntre deinen Geist und Sinn, Den Heiland zu umfangen, Der heute durch des Todes Thor Gebrochen aus dem Grab hervor, Der ganzen Welt zur Wonne. 2. Steh aus dem Grab der Sünden auf Und such ein neues Leben; Vollführe deinen Glaubenslauf Und laß dein Herz sich heben Gen Himmel, da dein Jesus ist, Und such, was droben, als ein Christ, Der geistlich auferstanden. 3. Drückt dich ein schwerer Sorgenstein, Dein Jesus wird ihn heben; Es kann ein Christ bei Kreuzespein In Freud und Wonne leben. Wirf dein Anliegen auf den Herrn Und sorge nicht, er ist nicht fern, Weil er ist auferstanden. 4. Wohlauf, mein Herz, fang an den Streit, Weil Jesus überwunden! Er wird auch überwinden weit In dir, weil 6. Ach mein Herr Jesu, der du bist Vom Tode auferstanden, Errett uns von des Satans List Und aus des Todes. Banden, Daß wir zusammen insgemein Zum neuen Leben gehen ein, Das du uns hast erworben! 7. Sey hochgelobt in dieser Zeit Von allen Gotteskindern Und ewig in der Herrlichkeit Von allen Ueberwindern, Die überwunden durch dein Blut; Herr Jesu, gib uns Kraft und Muth, Daß wir auch überwinden! Laurentii, g. 1660 † 1722. VIII. Osterlieder. Mel. O daß ich tausend Jungen hätte.( Luc. 10, 23. Jef. 55, 6.) 175. O daß ich hätte mitempfunden Die Freude, da der Engel kam, Und nun nach bangen Trauerstunden Die Jüngerschaar das Wort vernahm: „ Sucht nicht im Grabe Jesum Christ, Der von dem Tod erstanden ist!" 2. daß ichs hätte mitvernommen, Als schwer gebeugt im Gartenland So ganz allein, so tief beklommen Die trauernde Maria stand, Und Jesus rief ihr freundlich zu:„ Wen suchest du? was weinest du?" 3. O daß ich wäre mitgegangen Den stillen Weg nach Emmaus, Wo gleich von himmlischem Verlangen Das Herz entbrennt beim ersten Gruß, Und nun beim letzten Sonnenstrahl Der Herr sich zeigt am Abendmahl! 141 2. Ach es gehn noch manche Herzen Ihrem stillen Kummer 4. O daß ichs hätte miterfahren, Als dort die Jünger sørgenschwer In dunkler Nacht beisammen waren und hatten keinen Tröster mehr, Und nun ertönte frendenreich Die Rede: Friede sey mit euch!" 5. O daß ich hätte mitgestanden, Als ihn umschloß die treue Schaar Und Seit und Wunden wieder fanden, Sein Bild, so wie's im Herzen war, Und Thomas rief voll Heilsbegier: Mein Herr und Gott, ich glaube dir!" 6. Welch ein Gefühl muß die durchbeben, Die ihren Herrn so viel beweint, Wenn gnadenreich im neuen Leben Der Heiland seinem Volk erscheint! sey getreu! er naht auch dir, 3m Schauen dort, im Glauben hier. Möller, g. um 1800. Mel. Jesu, der du meine Seele.( Luc. 24, 13 2c.) 176. Trauernd und mit ban-| nach, Sie bejammern ihre gem Sehnen Wandern Zwei nach Emmaus, Ihre Augen sind voll Thränen, Ihre Seelen voll Verdruß; Man hört ihre Klageworte, Doch es ist von ihrem Orte Unser Jesus gar nicht weit Und vertreibt die Traurigkeit. Schmerzen, Ihre Noth und Ungemach! Manches wandelt ganz alleine, Daß es nur zur Gnüge weine, Doch mein Jesus ist dabei, Fragt: was man so traurig sey? 3. Oft schon hab ichs auch empfunden: Jesus läßt mich nie allein, Jesus stellt zu rechten Stunden Sich mit seinem Bei= VIII. Ofterlieder. 142 stand ein; Wenn ich mich in Leid verzehre, Gleich als ob er ferne wäre, Oso ist er mehr als nah Und mit seiner Hilfe da! 4. Treuster Freund von allen Freunden, Bleibe ferner noch bei mir! Sucht die Welt mich anzufeinden, Ach so sey du auch allhier! Wenn mich Trübfalswetter schrecken, Wollst du mächtig mich bedecken; Komm, in meinem Geist zu ruhn, Was du willst, das will ich thun. 5. Bin ich traurig und betrübet, Herr, so ruf mir in den Sinn: Daß mich deine Seele liebet, Und daß ich dein eigen bin. Laß dein Wort mich fester gründen, Laß es auch mein Herz entzünden, Daß es voller Liebe brennt Und dich immer besser kennt. 3. Ich bin durch der Hoffnung Band Zu genau mit ihm ver6. Tröst auch Andre, die voll Jammer Einsam durch die Fluren gehn, Oder in der stillen Kammer Tiefbekümmert zu dir flehn! Wenn sie von der Welt sich trennen, Daß sie satt sich weinen können, Sprich dann ihren Seelen zu:„ Liebes Kind, was trauerst du?" 7. Hilf, wann es will Abend werden, und der Lebenstag sich neigt, Wann dem dunklen Aug auf Erden Nirgends sich ein Helfer zeigt; Bleib alsdann in unsrer Mitten, Wie dich deine Jünger bitten, Bis du sie getröstet hast; Bleibe, bleibe, theurer Gast! Neunherz, g. 1653 † 1737. Eigene Mel.( Hiob 19, 25-27.) 177. Jesus, meine Zuver-| bunden; sicht Und mein Heiland ist im Leben! Dieses weiß ich; sollt ich nicht Darum mich zufrieden geben, Was die lange Todesnacht Mir auch für Gedanken macht? 2. Jesus, er mein Heiland lebt! Ich werd auch das Leben schauen; Seyn, wo mein Erlöser schwebt, Warum sollte mir denn grauen? Läsfet auch ein Haupt sein Glied, Welches es nicht nach sich zieht? Meine starke Glaubenshand Wird in ihn gelegt befunden, Daß mich auch kein Todesbaun Ewig von ihm trennen kann. 4. Ich bin Fleisch und muß daher Auch einmal zu Asche werden. Das gesteh ich, doch wird er Mich erwecken aus der Erden, Daß ich in der Herrlichkeit Um ihn seyn mög alle Zeit. 5. Dieser meiner Augen Licht Wird ihn, meinen Heiland, kennen; Jch, ich selbst, ein Fremder VIII. Ofterlieder. 143 durch die Gräber dringt. nicht, Werd in seiner Liebe die Posaun' erklingt, Die auch brennen; Nur die Schwachheit um und an Wird von mir seyn abgethan. 8. Lacht der finstern Erdenkluft, Lacht des Todes und der Höllen, Denn ihr sollt euch aus der Gruft Eurem Heiland zugesellen; Dann wird Schwachheit und Verdruß Liegen unter eurem Fuß. 9. Nur daß ihr den Geist erhebt Von den Lüsten dieser Erden Und euch dem schon jetzt ergebt, Dem ihr beigefügt sollt werden; Schickt das Herz nur da hinein, Wo ihr ewig wünscht 6. Was hier kränkelt, seufzt und fleht, Wird dort frisch und herrlich gehen; Irdisch werd ich ausgesät, Himmlisch werd ich auferstehen; Hier sink ich natürlich ein, Nachmals werd ich geistlich seyn. 7. Seyd getrost und hoch erfreut, Jesus trägt euch, seine Glieder; Gebt nicht Statt der Traurigkeit! Sterbt ihr: Jesus ruft euch wieder, Wann einst zu seyn! Luise Henriette, Churfürstin von Brandenburg, g. 1617 † 1667. Mel. Jesus, meine Zuversicht.( Röm. 8, 11.) 178. Jesus lebt! mit ihm auch ich; Tod, wo sind nun deine Schrecken? Jesus lebt und wird auch mich Von den Todten auferwecken; Er verklärt mich in sein Licht, Dieß ist meine Zuversicht. 2. Jesus lebt! ihm ist das Reich Ueber alle Welt gegeben. Mit ihm werd auch ich zugleich Ewig herrschen, ewig leben. Gott erfüllt, was er verspricht, Dieß ist meine Zuverficht. 3. Jesus lebt! wer nun verzagt, Kränket ihn und Gottes Ehre; Gnade hat er zugesagt, Daß der Sünder sich befehre; Gott verstößt in Christo nicht, Dieß ist meine Zuversicht. 4. Jesus lebt! sein Heil ist mein, Sein sey auch mein ganzes Leben, Reines Herzens will ich seyn Und den Lüften widerstreben; Er verläßt den Schwachen nicht, Dieß ist meine Zuversicht. 5. Jesus lebt! ich bins gewiß, Nichts soll mich von Jesu scheiden, Keine Macht der Finsternis, Reine Herrlichkeit, kein Leiden; Er gibt Kraft zu dieser Pflicht, Dieß ist meine Zuversicht. 6. Jesus lebt! nun ist der Tod Mir ein Eingang in das Leben; Welchen Trost in Todesnoth Wird es meiner Seele geben, Wenn sie gläubig zu ihm spricht: Herr, Herr, meine Zuversicht! Gellert, g. 1715 † 1769. IX. Simmelfahrt Christi. IX. Himmelfahrt Christi. Mel. Wie schön leucht't.( Col. 3, 1-4.) 179. Dwundergroßer Sie-| Erde leeren Schein Und Ueppigkeit verachten. Unart, Hoffahrt Laß uns meiden, Christlich leiden, Wohl ergründen, Wo die Gnade sey zu finden. gesheld, Du Sündentilger aller Welt, Dein Werk hast du vollendet! Vollendet deinen schweren Lauf, Du fährst verklärt zum Vater auf, Der dich herabgesendet; Wohnest, Thronest Hoch und prächtig, Waltest mächtig, Tod und Leben Sind in deine Hand gegeben! 2. Du, Herr, bist unser Haupt, und wir Sind deine Glieder; nur von dir Kommt auf uns Heil und Leben; Trost, Friede, Freude, Licht und Kraft Und was dem Herzen Labsal schafft, Wird uns durch dich gegeben. Neige, Beuge, Ewge Güte, Mein Gemüthe, Dich zu preisen Und mich dankbar zu beweisen! 144 3. Zeuch, Jesu, uns, zeuch uns zu dir! Hilf, daß wir künftig für und für Nach deinem Reiche trachten; Laß unsern Wandel himmlisch seyn, Daß wir der 4. Sey, Jesu, unser Schirm und Hort Und gründ uns auf dein göttlich Wort, So sind wir nie verlassen. Laß suchen uns, was droben ist; Auf Erden wohnet Trug und List, Es ist auf allen Straßen Lügen, Trügen, Angst und Plagen, Die da nagen, Die da quälen Stündlich arme Christenseelen. 5. Herr Jesu! komm, zeuch uns dir nach, Daß wir nach kurzem Ungemach Zur Freude dort gelangen; Du bist uns allen ja zu gut Durch dein vergoßnes theures Blut Ins Heiligthum gegangen. Dafür Soll dir Von uns allen Preis erschallen; Nimm am Ende, Herr, uns auf in deine Hände! Homburg, g. 1605 † 1681. Eigene Mel.( Joh. 20, 17. Cap. 14, 18-20.) lelujah, Hallelujah! 180. Auf diesen Tag beden-| Hoffnung han kein Troste. Halfen wir, Daß Christ gen Himmelg'fahren, Und danken Gott in höchst'r Begier, Mit Bitt: er woll bewahren Uns arme Sünder hie auf Erd, Die wir von wegen mancher G'fährd Ohn' 2. Drum sev Gott Lob, der Weg ist g'macht, Uns steht der Himmel offen! Chriftus schleußt auf mit großer Pracht, Vorhin war All's verschlossen. IX. Himmelfahrt Chrifti. 145 Wers glaubt, deß Herz ist freu-| finden und fliehen stets der denvoll, Dabei er sich auch rüsten soll, Dem Herren nachzufolgen. Hallelujah, Hallelujah! 3. Wer nicht folgt, und sein'n Willen thut, Dem ists nicht Ernst zum Herren; Denn er wird auch vor Fleisch und Blut Sein Himmelreich versperren. Am Glauben liegts; soll der seyn recht, So wird auch g'wiß das Leben schlecht Zu Gott im Himmel g'richtet. Hallelujah, Hallelujah! 4. Solch Himmelfahrt fäht in uns an, Wenn wir den Vater Mel. Schwingt, heilige. 181. Der Herr fährt auf gen Himmel Mit frohem Jubelton, Aus dieser Welt Getümmel Empor zu seinem Thron. Lobsingt, lobsinget Gott! Lobfingt, ihr Nationen, Dem Herrscher aller Thronen, Dem Herren Zebaoth! Welt ihr Bahn, Thun uns zu Gottes Kindern; Die sehn hinauf, der Vater herab, An Treu und Lieb geht ihn'n nichts ab, Bis sie zusammen kommen. Hallelujah, Hallelujah! 5. Dann wird der Tag erst freudenreich, Wann Gott uns zu sich nehmen Und seinem Sohn wird machen gleich, Als wir denn jetzt bekennen. Da wird sich finden Freud und Muth Zur ewgen Zeit beim höchsten Gut; Gott woll, daß wirs erleben! Hallelujah, Hallelujah! 3wid t 1542. ( Joh. 14, 2-4. Pf. 47.) Ihr Herzen, macht euch auf; Wo Jesus hingegangen, Dahin sey das Verlangen, Dahin sey euer Lauf! 4. Laßt uns gen Himmel dringen Mit herzlicher Begier; Laßt uns voll Inbrunst fingen: Dich, Jesu, suchen wir! Dich, 2. Wir wissen nun vom Sie- o du Gottessohn, Dich, Weg, ge, Der unser Haupt erhöht; dich, wahres Leben, Dem alle Wir wissen zur Genüge, Wie man zum Himmel geht. Der Heiland geht voran, Will uns zurück nicht lassen, Er zeiget uns die Straßen, Er bricht uns sichre Bahn. 3. Wir sollen himmlisch werden! Der Herr bestellt den Ort! Wir gehen von der Erden Getrost zum Himmel fort. Evangelisches Gesangbuch. Macht gegeben, Dich, unsers Hauptes Kron! 5. Fahr hin mit deinen Schägen, Du trügerische Welt! Wir fliehn aus deinen Neßen, Dort ist, was uns gefällt! Der Herr ist unsre Zier, Der Herr ist unsre Wonne; Zu unsrer Lebenssonne, Zu Jesu ziehen wir! 6. Wann soll es doch gesche10 146 IX. Himmelfahrt Christi. hen? Wann kommt die liebe| Da wir zu seinen Füßen AnZeit, Daß wir ihn werden betend ihn begrüßen? O Tag, sehen In seiner Herrlichkeit? brich bald herein! Du Tag, wann wirst du seyn, Mel. Fren dich sehr.( Joh. 20, 17. Cap. 14, 2. 3. Col. 5, 1. 2.) 182. Herr! du fährst mit Glanz und Frenden Auf zu deiner Herrlichkeit; Doch mich drücken noch die Leiden Dieses Lebens, dieser Zeit. Gib mir, Jesu, Muth und Kraft, Daß ich meine Pilgerschaft So in dir zurückelege, Daß ich stets dein bleiben möge. 2. Laß mir deinen Geist zurücke, Aber zeuch mein Herz zu dir; Wenn ich nach dem Himmel blicke, O so öffn' ihn gnädig mir! Neige meinem Flehn dein Ohr, Trag es deinem Vater vor, Daß er mir die Schuld vergebe, Und ich mich bekehr und lebe. 3. Lehre mich die Welt verachten Und was in ihr Eitles ist, Und nach dem, was dort ist, trachten, Wo du, mein Erlöser, bist. Wollust, Ehrsucht und Gewinn, Soll mich dieß zur Erde ziehn, Da ich jenseits, über'm Grabe, Eine größre Hoffnung habe? Nach Sacer. 183. Herr Jefu, deiner Glieder Ruhm, Du starkes Haupt der Schwachen! Du 4. Diese müsse nichts mir rauben, Du erwarbst sie theuer mir; Jego seh ich sie im Glauben, Dorten find ich sie bei dir, Dort belohnst du das Vertraun Deiner Gläubigen durch Schaun Und verwandelst ihre Leiden In unendlich große Freuden. 5. Dort bereit auch mir die Stätte In des Vaters Hause zu, Nufst du frühe oder späte Mich zu meines Grabes Nuh; Leucht auch mir in dieser Nacht Mit der Sonne deiner Macht, Die des Todes Macht bezwungen Und für uns den Sieg errungen. 6. Kommst du endlich glorreich wieder An dem Ende dieser Zeit, O so sammle meine Glieder, Die Verwesung jest zerstreut; Heil'ge und verklär sie ganz, Daß der Leib in Himmelsglanz, Dann nicht mehr von Staub und Erde, Aehnlich deinem Leibe werde. Nach Kaspar Neumann. Mel. Es ist das Heil.( Ebr. 7, 24. 25. Joh. 17, 24.) haft ein ewges Priesterthum, Kannst allzeit selig machen; Du bist es, der Gebet erhört IX. Himmelfahrt Christi. 147 Und der des Glaubens Wunsch| 5. Zeuch uns dir nach, so gewährt, Sobald wir zu dir kommen. laufen wir; Laß uns ein himmlisch Wesen In Worten, Werken und Begier Von nun an, Herr, erlesen. Zeuch unser Herz dem Himmel zu, Damit wir Wandel, Schaß und Ruh Nur in dem Himmel haben. 2. Du lässt durch deine Himmelfahrt Den Himmel offen sehen; Du hast den Weg geoffenbart, Wie wir zum Vater gehen. Der Glaube weiß und ist gewiß, Du habest uns im Paradies Die Stätte zubereitet. 3. Du giengst ins Heiligthum hinein Kraft deiner heilgen Wunden Und hast ein ewig Seligseyn, Verherrlichter, erfunden; Du hast allein durch deine Macht Uns die Gerechtigkeit gebracht, Die unaufhörlich währet. 4. Gieng unser Haupt zum Himmel ein, So werden auch die Glieder Gewiß nicht ausgeschlossen seyn, Du bringst fie alle wieder; Sie werden da seyn, wo du bist, Und dich verklärt, Herr Jesu Christ, Mit ewger Wonne sehen. 6. Was droben ist, laß künf= tighin Uns unablässig suchen; Was eitel heißt, das lehr uns fliehn, Was sündlich ist, verfluchen. Weg Welt! dein Schaß und Freudenschein Ist viel zu elend, zu gemein Für himmlische Gemüther! 184. Siegesfürst und Ghrenkönig, Hochverklärte Majestät! Alle Himmel sind zu wenig, Du bist drüber weiterhöht, Sollt ich nicht zu Fuß dir fallen, Nicht mein Herz vor Freude wallen, Wenn mein Glaubensaug entzückt Deine Herrlichkeit erblickt? 2. Weit und breit, du Himmelssonne, Deine Klarheit 7. Kleinod, das im Himmel strahlt, Nach dir nur will ich laufen! O Perle, die kein Weltkreis zahlt, Dich will ich hier noch kaufen! Erbtheil voll Zufriedenheit, Himmel voller Seligkeit, Sey mein aus Jesu Gnaden! Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Mel. Womit soll ich.( Eph. 1, 17-23.) sich enthüllt Und mit neuem Glanz und Wonne Alle Himmelsgeister füllt. Prächtig wirst du aufgenommen, Freudig heißt man dich willkommen; Schau, dein armes Kind auch hier Rufet Hoftanna dir! 3. Sollt ich deinen Kelch nicht trinken, Da ich deine Klarheit feh? Sollt mein Muth noch wollen sinken, Da ich deine 148 IX. Himmelfahrt Christi. Macht versteh? Meinem Kö- Stehn dir offen, komm hernig will ich trauen Ohne Furcht und ohne Grauen, Nur in Jesu Namen mich Beugen hier und ewiglich. ein! Komm, du König aller Ehren, Du mußt auch bei mir einkehren, Ewig in mir leb und wohn, Als in deinem Himmelsthron! 4. Geist und Kraft nun überfließen, Laß fie fließen auch auf mich, Bis zum Schemel deinen Füßen Alle Feinde legen sich. Herr! zu deinem Scepter wende Alles bis zum Weltenende; Mache dir auf Erden Bahn, Alle Herzen unterthan. 5. Nun erfüllst du aller Orten Alles durch dein Naheseyn, Meines Geistes ewge Pforten 6. Scheidend bringst du mir dein Leben, Gott und Himmel innig nah; Laß mich stets den Geist erheben, Gleich als stündst du sichtbar da, Fremd der Welt, von Zeit und Sinnen Bei dir abgeschieden drinnen, In den Himmel mit versetzt, Wo mich Jesus nur ergött! fahrt allein Ich meine Nachfahrt gründe Und allen Zweifel, Angst und Pein Hiemit stets überwinde; Denn weil das Haupt im Himmel ist, Wird seine Glieder Jesus Christ Zur rechten Zeit nachholen. Tersteegen, g. 1697 † 1769. Mel. Nun freut euch.( Joh. 17, 24.) 185. Auf Christi Himmel- erlangen; Denn wo mein Schatz gekommen hin, Da ist auch stets mein Herz und Sinn; Nach ihm mich sehr verlanget. 3. Ach Herr! laß diese Gnade mich Von deiner Auffahrt spüren, Daß mit dem wahren Glauben ich Mög meine Nach2. Weil er gezogen himmelan fahrt zieren Und dann einmal, Und große Gab empfangen, wann dirs gefällt, Mit FreuMein Herz auch nur im Him- den scheiden aus der Welt; mel kann, Sonst nirgends Ruh Herr, höre dieß mein Flehen! Wegelin um 1640. Himmlische Herrlichkeit Christi. Mel. Schmücke dich.( Phil. 2, 9-11. 2 Tim. 2, 11. 12.) 186. König, dem kein Kö-| Mensch das Scepter führet, nig gleichet, Dessen Ruhm kein Mund erreichet, Dem als Gott das Reich gebühret, Der als Dem das Recht gehört zum Throne, Als des Vaters eingem Sohne, Den so viel Vollkom Himmlische Herrlichkeit Christi. menheiten Krönen, zieren und begleiten! 2. Himmel, Erde, Luft und Meere, Aller Kreaturen Heere Müssen dir zu Dienste stehen, Was du willst, das muß geschehen! Fluch und Segen, Tod und Leben, Alles ist dir übergeben, und vor deines Mundes Schelten Zittern Menschen, Engel, Welten. 3. Indes Gnadenreiches Grenzen Sieht man dich am schönsten glänzen, Wo viel tausend treue Seelen Dich zu ihrem Haupt erwählen, Die durchs Scepter deinesMundes, Nach dem Recht des Gnadenbundes Sich von dir regieren lassen Und wie du das Unrecht haffen. 4. In dem Reiche deiner Ehren Kann man stets dich loben hören Von dem himmlischen Geschlechte, Von der Menge 149 als König; Alles wird ihm un terthänig, Alles legt ihm Gott zu Fuß. Jede Zunge soll bekennen: Jesus sey der Herr zu nennen, Dem man Ehre geben muß! 2. Gott, des Weltalls großer Meister, Hat die Engel wohl als Geister Und als Flammen um den Thron; Sagt' er aber je zu Knechten: Seze dich zu deiner Knechte, Die dort ohne Furcht und Grauen Dein ver= klärtes Antlig schauen, die dich unermüdet preifen Und dir Ehr und Dienst erweisen. 5. Herr in allen diesen Reichen! Dir ist niemand zu vergleichen An dem Ueberfluß der Schätze, An der Ordnung der Gesetze, An Vortrefflichkeit der Gaben, Welche deine Bürger haben; Du beschüßest deine Freunde, Du bezwingest deine Feinde. 6. Herrsch auch, Herr, in meinem Herzen Ueber Lüste, Furcht und Schmerzen! Laß dein Leben. in mich fließen, Laß mich dich im Geist genießen, Ehren, fürchten, loben, lieben Und mich im Gehorsam üben, Siegen hier mit dir im Streite, Dort mitherrschen dirzur Seite! Rambach, g. 1693 † 1735. Mel. Auf, Triumph, es 2c.; oder: Ach was soll ich Sünder.( Ebr. Cap. 1 und 2.) 187. Jesus Christus herrscht| meiner Rechten?" Nein, er sprach es zu dem Sohn! 3. Gott ist Herr, der Herr ist Einer, Und demselben gleichet keiner, Nein, der Sohn nur ist ihm gleich; Dessen Stuhl ist unumstößlich, Defsen Leben unauflöslich, Dessen Reich ein ewig Reich. 4. Nur in ihm( o Wundergaben!) Können wir Erlösung haben, Die Erlösung durch sein 150 Blut. Hörts! das Leben ist erschienen, Und ein ewiges Verfühnen Kommt in Jesu uns zu gut. 5. Alles dieses nicht alleine, Die begnadigte Gemeine Hat auch ihn zu ihrem Haupt; Er hat sie mit Blut erkaufet, Zu dem Himmelreich getaufet, Und fie lebet, weil sie glaubt. 6. Gebt, ihr Sünder, ihm die Herzen, Klagt, ihr Kranken, ihm die Schmerzen, Sagt, ihr Armen, ihm die Noth! Erkann alle Wunden heilen, Reichthum weiß er auszutheilen, Leben schenkt er nach dem Tod. IX. Himmelfahrt Christi. 7. Gil, es ist nicht Zeit zum Schämen! Willst du Gnade? du sollst nehmen! Willst du leben? es soll seyn! Willst du erben? du wirsts sehen! Soll der Wunsch aufs Höchste gehen: Willst du Jesum?- Er ist dein! 8. Allen losgekauften Seelen Solls an keinem Gute fehlen, Denn sie glauben, Gott zum Ruhm. Werthe Worte, theure Lehren! Möcht doch alle Welt dich hören, Süßes Evangelium! 9. Zwar auch Kreuz drückt Christi Glieder Hier auf kurze Zeiten nieder, Und das Leiden geht zuvor. Nur Geduld! es folgen Freuden; Nichts kann sie von Jesu scheiden, und ihr Haupt zieht sie empor. 10. Ihnen steht ein Himmel offen, Welcher über alles Hoffen, Ueber alles Wünschen ist. Die geheiligte Gemeine Weiß, daß eine Zeit erscheine, Da sie ihren König grüßt. 11. Auch bis dahin gibt er Nahrung, Leitung, Heilung und Bewahrung, Denn er pflegt und liebet fie; Ja bei seinem Kreuzesstamme Fraget sie, wer nun verdamme? Denn sie rühmet: Gott ist hie! 12. Jauchz' ihm, Menge heilger Knechte! Rühmt, vollendete Gerechte Und du Schaar, die Palmen trägt, Und ihr Märtrer mit der Krone Und du Chor vor seinem Throne, Der die Gottesharfen schlägt! 13. Ich auch auf den tiefsten Stufen, Ich will glauben, reden, rufen, Ob ich schon noch Pilger bin: Jesus Christus herrscht als König! Alles sey ihm unterthänig, Ehret, liebet, lobet ihn! Geiz, g. 1738 t 1793. Mel. Wie schön leucht't.( Ebr. 6, 18-20.) 188. Hallelujah! wie lieblich stehn Hoch über uns die Himmelshöhn, Seit du im Himmel sizest, Seit du vom ewgen Zion dort Aussendest dein lebendig Wort Und deine Heerde schüßest! Fröhlich, Selig Schaut der Glaube Von Himmlische Herrlichkeit Christi. 151 Vor Feindeslist und Schaden. Keiner Deiner Auserwählten, Geistbeseelten Bleibt verlassen; Treu will ihn dein Arm umfassen. dem Staube Auf zum Sohne:| wallt man sicher früh und spät Meine Heimath ist am Throne! 2. Die Sterne leuchten ohne Zahl; Was ist ihr tausendfacher Strahl? Was ist der Glanz der Sonne? Ein Schatten nur von jenem Licht, Das 5. Wir fliehn zu dir mit allem dir vom holden Angesicht Aus- Schmerz, Zu dir, wenn sich geht mit ewger Wonne! Sende, das arme Herz Abhärmt in Spende Deine hellen Lebens- bittrer Reue; Du brichst nicht quellen Reichlich nieder, Gro- das zerstoßne Rohr, Und wenn Bes Haupt, auf deine Glieder! der Docht sein Del verlor, So 3. Verhüllt den Erdkreis düst- tränkst du ihn aufs neue. Im re Nacht, Ich weiß, daß dort Licht Soll nicht Eine fehlen ein Auge wacht, Das einst um Von den Seelen, Die zum uns geweinet, Das einst für Leben Dir dein Vater überuns im Tode brach, Es ist geben. dein Aug, es bleibet wach, Bis neu die Sonne scheinet. O wer nunmehr Nimmer klagte, Nimmer zagte, Seit du wachest Und aus Nächten Tage machest! 4. Wohin wir ziehn durch Land und Meer, Ein Himmel neigt sich drüber her, Dein Himmel voller Gnaden. Da steigt erhörlich das Gebet, Da 6. O selger König, Jesu Christ! Wie wundervoll und heilig ist, Was uns in dir geschenket! In dir, der Gottes Kinder schirmt, Bleibt unser Anker, wenn es stürmt, Auf ewig eingesenket. Hier, hier Sind wir Festgebunden; Unfre Stunden Fliehn in Eile; Dann hinauf zum ewgen Heile! Knapp, g. 1798. Mel. Lobe den Herren, den mächtigen.( Ps. 103, 1-5.) 189. Lamm, das gelitten, und Löwe, der siegreich gerungen! Blutendes Opfer und Held, der die Hölle bezwungen! Brechendes Herz, Das sich aus irdischem Schmerz Ueber die Himmel geschwungen! 2. Du hast in schauriger Tiefe das Höchste vollendet, Gott in die Menschheit gehüllt, daß sein Licht uns nicht blendet.„ Würdig bist du," Jauchzt dir die Ewigkeit zu, Preises und Ruhms, der nicht endet!" " 1 3. Himmlische Liebe, die Namen der Erde nicht nennen! Fürst deiner Welten, den einst IX. Himmelfahrt Christi. 152 alle Zungen bekennen! Giengest| gewandt, Hat mich mit Gnade du nicht Selbst in der Sünder Gericht, Sünder entlasten zu können? gekrönet. 4. Wunder der Liebe! der einzige Reine von Allen Eint sich mit Seelen, die fündig im Staube hier wallen, Trägt ihre Schuld, Hebt mit unendlicher Huld Das, was am tiefsten gefallen! 5. Menschensohn, Heiland, in dem sich das ewge Erbarmen Milde zu eigen gegeben den schuldigen Armen, Dir an der Brust Darf nun in Leben und Lust Jeder Erstarrte erwarmen! 6. Mir auch ist füß überwindend dein Rufen ertönet, Herr, auch mein feindliches Herz hat dein Lieben versöhnet; Ja deine Hand, Zu dem Verirrten 190. Großer Mittler! der zur Rechten Seines großen Vaters sigt Und die Schaar von seinen Knechten In dem Reich derGnade schützt; Dem auf dem erhabnen Throne, In der königlichen Krone, Aller Ewigkeiten Heer Bringt in Demuth Preis und Ehr. 7. Lobe den Herrn, meine Seele! er hat dir vergeben, Heilt dein Gebrechen, legt in dich ein ewiges Leben! Frieden im Streit, Wonnen im irdischen Leid Weiß dir dein Heiland zu geben. 8. Schmilz, o mein dankender Laut, in die seligen Chöre Seiner Gemeinde, getrennt noch durch Länder und Meere, Doch von dem Band Himmlischer Liebe umspannt, Eins zu des Ewigen Ehre! Mel. Womit soll ich.( 1 Joh. 2, 1. 2.) 2. Dein Erlösungswerk auf Erden Und dein Opfer ist voll bracht; Was vollendet sollte werden, Das vollführtest du 9. Jauchze, Natur, in des Frühlings beginnendem Wehen! Singe, du Welt, die das Werk der Erlösung gesehen! Jauchze, du Heer Dort am krystallenen Meer:„ Ehre sey Gott in den Höhen!" Eine Schweizerin 1834. mit Macht. Da du bist für uns gestorben, Ist uns Gnad und Heil erworben, Und dein stegreich Auferstehn Läßt uns in die Freiheit gehn. 3. Nun ist dieses dein Geschäfte In dem obern Heiligthum: Die erworbnen Lebenskräfte Durch dein Evangelium Allen denen mitzutheilen, Die zum Thron der Gnaden eilen; Nun wird uns durch deine Hand Heil und Segen zugewandt. Himmlische Herrlichkeit Chrifti. 153 4. Alle Namen deiner From-| Gott gestellt, Bald mit Seufmen Trägst du stets auf deiner Brust; Und die gläubig zu dir kommen, Sind und bleiben deine Lust. Du vertrittst, die an dich glauben, Daß sie nichts dir möge rauben, Bittest in des Vaters Haus Ihnen eine Wohnung aus. zen, bald mit Weinen Für die Sünder zu erscheinen; O in welcher Niedrigkeit Batest du zur selben Zeit! 7. Aber nun wird deine Bitte Von der Allmacht unterstüßt, Da in der vollkommnen Hütte Die verklärte Menschheit sitzt. Nun kannst du des Feindes Klagen Majestätisch niederschlagen, Und nun macht dein redend Blut Unsre böse Sache gut. 5. Doch vergisfest du der Armen, Die der Welt noch dienen, nicht, Weil dein Herz dir von Erbarmen Ueber ihrem Elend bricht. Daß dein Vater ihrer schone, Daß er nicht nach Werken lohne, Daß er ändre ihren Sinn, Ach da zielt dein Bitten hin! 8. Großer Mittler, sey gepriesen, Daß du in dem Heiligthum So viel Treu an uns bewiesen; Dir sey Ehre, Dank und Ruhm! Laß uns dein Verdienst vertreten, Wenn wir zu dem Vater beten; Schließt die Lippen uns der Tod, Sprich für uns in letter Noth! 6. Zwar in deines Fleisches Tagen, Als die Sünden aller Welt noch auf deinen Schultern lagen, Hast du dich vor Mel. Nun bitten wir.( Joh. 14, 27. 28.) 191. Ach mein Herr Jesu! dein Naheseyn Bringt großen Frieden ins Herz hinein, Und dein Gnadenanblick Macht uns so selig, Daß Leib und Seele darüber fröhlich Und dankbar wird. Rambach, g. 1693 † 1735. 2. Wir sehn dein freundliches Angesicht, Voll Huld und Gnade, wohl leiblich nicht; Aber unsre Seele Kanns schon gewahren, Du kannst dich fühlbar gnug offenbaren Auch ungesehn. 3. O wer nur immer bei Tag und Nacht Dein zu genießen recht wär bedacht! Der hätt ohne Ende Von Glück zu sagen, Und Leib und Seele müßt immer fragen: Wer ist wie du? 4. Barmherzig, gnädig, geduldig seyn, Uns täglich reichlich die Schuld verzeihn, Heilen, stillen, trösten, Erfreun und segnen Und unsrer Seele als Freund begegnen, Ist deine Lust. 5. Ach gib an deinem kostba 154 IX. Himmelfahrt Christi. ren Heil Uns alle Tage voll- 1 Erhalt uns Frieden zu allen kommen Theil, Und laß unsre Stunden, Bei Freud und Leid. Seele Sich immer schicken, Aus Noth und Liebe nach dir zu blicken Ohn' Unterlaß! 6. Und wenn wir weinen, so tröst uns bald mit deiner Friedens und Siegsgestalt; Laß dein Bild uns immer Vor Augen schweben Und dein wahrhaftiges Inunsleben Zu sehen seyn! 8. So werden wir bis in Himmel hinein In dir vergnügt wie die Kinder seyn. Muß man gleich die Wangen Noch manchmal neßen, Wenn sich das Herz nur an dir ergößen Und stillen kann! 7. Ein herzlich Wesen und Kindlichkeit Sey unfre Zierde zu aller Zeit, Und die heilge Tröstung Aus deinen Wunden 9. Du reichst uns deine durchgrabne Hand, Die so viel Treue an uns gewandt, Daß wir beim Gedächtniß Beschämt da stehen, Und unser Auge muß übergehen Vor Lob und Dank. Gregor, g. 1723 † 1801. Mel. Schmücke dich.( Ebr. 8, 1. 2. 1 Cor. 1, 31. 1 Chron. 30, 17.) 192. An Dein Bluten und| ben. Sünder können nichts Erbleichen, An Dein Opfer ohne gleichen, An Dein priesterliches Flehen Mahnet mich des Geistes Wehen. Und so wünsch ich, ewge Güte, Für mein Leben eine Blüthe, Einen Ruhm an meinem Grabe: Daß ich dich geliebet habe! verdienen, Nichts vergüten, nichts verfühnen; Willst du in der ewgen Hütte Mich vergessen in der Bitte, Nicht auf deinem Herzen tragen, Muß ich sterben und verzagen. 2. Hoherpriester ohne Tadel! Lebensfürst von großem Adel! Licht und Herrlichkeit entfalten, Segnen heißt dein hohes Walten; Segnend trittst du mir entgegen, Und so wünsch ich einen Segen, Einen Ruhm an meinem Grabe: Daß ich dich geliebet habe! 4. Du nur giltst im Heiligthume; Und zu deiner Wunden Ruhme, Weil du für die Sünder littest, Gibt der Vater, was du bittest, Wenn schon Zornesflammen lodern, Darfst du noch Erbarmung fodern, Hilfe, wo die Engel trauern, Leben in des Todes Schauern. 5. O wie groß ist dein Vermögen! Priesteramtes kannst du pflegen, Welten auf dem 3. Elend bin ich und verdorben, In der Sünde fast erstor- Herzen tragen, Sünd und Hölle X. Pfingstlieder. niederschlagen, Gräber öffnen, Todte wecken, Sie mit Him melsblüthe decken Und hinauf zum ewgen Leben Auf der Ret= tershand erheben. 6. Was ist Reichthum, Lust und Ehre, Was ein Ueberfluß wie Meere, Wenn du, Herr, mich nicht erkennest, Nicht im Heiligthume nennest? Selger Pilger, dem die Kunde Tief ertönt im Herzensgrunde: Häuflein dort Und wollte nach des Herren Wort Einmüthig Pfingsten halten. Ach laß auch jeßt im Christenstand, Herr Jesu, deiner Liebe Band Bei frommen Gliedern walten! 155 2. Schnell fiel hernieder auf das Haus Ein starker Wind, der mit Gebraus Sich wundersam erhoben. O Gotteshauch, ach lasse dich Bei uns auch spüren kräftiglich und weh uns an von oben! 3. Er füllete die Wohnung ganz, Zertheilter Zungen Feuerglanz Ließ sich auf jedem spüren. Ach nimm auch unsre Kirchen ein, Laß feurig unsre Lehrer seyn, Und deine Sprach uns rühren! 4. Sie wurden all des GeiChristus, meine Lebenssonne, Denket mein im Haus der Wonne! X. Pfingstlieder. Mel. Kommt her zu mir.( Apostelgesch. 2.) 193. Es saß ein frommes| stes voll Und fiengen an zu reden wohl, Wie er gab auszusprechen. Erfüll auch uns mit heilger Gluth, Daß wir des Herzens blöden Muth Mit freier Rede brechen. 5. Die Welt zwar treibt nur ihren Spott, Und wer nicht merkt die Kraft aus Gott, Spricht leider: sie sind trunken." Den rechten Freudenwein uns gib, Erquick, o Herr, in deiner Lieb, Was noch in Angst versunken. 6. Dein Licht treib in des Herzens Haus Mit hellen Strah= len gänzlich aus Die alten Finsternisse, Daß Blindheit, Irrthum, falscher Wahn Und was uns sonst verleiten kann, Auf ewig weichen müsse. 7. Dein Feuer tödt in unsrer 7. Lieben will ich, flehn und loben, Bis der Vorhang weggeschoben; Dann zu dir, du Ewigreiner! Jesus Christus, denke meiner! Eines schenke mir hienieden: Deinen Geist und deinen Frieden und den Ruhm an meinem Grabe, Daß ich dich geliebet habe! Knapp, g. 1798. 156 X. Pfingstlieder. Brust, Was sich noch regt von| wahre Freud, Anstatt der schnöSündenlust; Erwecke reine den Eitelkeit, In Jesu süßer Triebe, Auf daß wir schmecken Liebe. Schaffhauser Gesangbuch von 1730. Eigene Mel.( Joh. 16, 13. 14.) 194. Komm, heiliger Geist,| wir nicht Meister suchen mehr, Herre Gott! Erfüll mit deiner Denn Jesum mit rechtem Gnaden Gut Deiner Gläubi- Glauben Und ihm aus gan= gen Herz, Muth und Sinn, zer Macht vertrauen. HalleDein' brünstig' Lieb entzünd in lujah, Hallelujah! ihn'n. Herr! durch deines Lichtes Glast Zum Glauben du versammelt hast Das Volk aus aller Welt Zungen; Das sey dir, Herr, zu Lob gesungen. Hallelujah, Hallelujah! 3. Du heilige Brunst, süßer Trost! Nun hilf uns, fröhlich und getrost In dein'm Dienst beständig bleiben, Die Trübsal uns nicht abtreiben. Herr! durch dein' Kraft uns bereit. Und stärk des Fleisches Blödigkeit, Daß wir hie- ritterlich ringen, Durch Tod und Leben zu dir dringen. Hallelujah, Hallelujah! 2. Du heiliges Licht, edler Hort! Laß uns leuchten des Lebens Wort Und lehr uns Gott recht erkennen, Von Herzen Vater ihn nennen, Herr, behüt vor fremder Lehr, Daß Luther, g. 1483 † 1546. Eigene Mel.( Joh. 14, 26. 1 Cor. 12, 3) 195. Nun bitten wir den heiligen Geist Um den rechten Glauben allermeist, Daß er uns behüte An unfrem Ende, Wenn wir heimfahr'n aus diesem Elende. Herr, erbarm dich unser! 2. Du werthes Licht, gib uns deinen Schein, Lehr uns Jesum Christ kennen allein, Daß wir an ihm bleiben, Dem treuen Heiland, Der uns bracht hat zum rechten Vaterland. Herr, erbarm dich unser! Luther. 3. Du süße Lieb, schenk uns deine Gunst, Laß uns empfinden der Liebe Brunst, Daß wir uns von Herzen Einander lieben Und im Frieden auf Einem Sinn bleiben. Herr, erbarm dich unser! 4. Du höchster Tröster in aller Noth, Hilf, daß wir nicht fürchten Schand noch Tod, Daß in uns die Sinnen Doch nicht verzagen, Wenn der Feind wird das Leben verklagen. Herr, erbarm dich unser! V. 1 schon im 13. Jahrhundert bekannt. X. Pfingstlieder. 157 Mel. Wie schön leucht't.( Röm. S, 26. 1 Cor. 12, 15.) heilger Geist, kehr| treu dir bleiben für und für, Wenn wir auch leiden müssen. Schaue, Baue, Was zerrissen, Und geflissen, Dich zu schauen Und auf deinen Trost zu bauen. 5. Stärk uns mit deiner Got= teskraft, zu üben gute Ritterschaft In Drangsal und Beschwerden; Auf daß wir unter deinem Schuß Begegnen aller Feinde Truß Mit freudigen Geberden. Laß dich Reichlich Auf uns nieder, Daß wir wieder Trost empfinden, Alles Unglück überwinden. 196. bei uns ein Und laß uns deine Wohnung seyn, O komm, du Herzenssonne! Du Himmelslicht, laß deinen Schein Bei uns und in uns kräftig seyn Zu steter Freud und Wonne. Sonne, Wonne, Himmlisch Leben Willst du geben, Wenn wir beten; Zu dir kommen wir getreten. 2. Du Quell, draus alle Weisheit fließt, Die sich in fromme Seelen gießt, Laß deinen Trost uns hören; Daß wir in Glaubenseinigkeit Auch Andre in der Christenheit Dein wahres Zeugniß lehren. Höre, Lehre, Daß wir können Herz und Sinnen Dir ergeben, Dir zum Lob und uns zum Leben. 3 Gib Kraft und Nachdruck deinem Wort, Laß es wie Feuer immerfort In unsern Seelen brennen, Daß wir uns mögen nimmermehr Von deiner weisheitreichen Lehr Und treuen Liebe trennen. Schenke, Senke Deine Güte Ins Gemüthe, Daß wir können Christum unsern Heiland nennen. 4. Sey stets bei uns mit dei- Werke. Nühre, Führe Unser nem Rath Und führ uns selbst Sinnen Und Beginnen Von auf rechtem Pfad, Die wir der Erden, Daß wir Himmelsden Weg nicht wissen. Gib erben werden. uns Beständigkeit, daß wir GeSchirmer, g. 1606 † 1673. 6. Du süßer Himmelsthau, gib dich In unsre Herzen kräftiglich und schenk uns deine Liebe; Daß unser Sinn verbunden sey Dem Nächsten stets mit Lieb und Treu Und sich darinnen übe. Kein Neid, Kein Streit Dich betrübe; Fried und Liebe Müss' umschweben und durchdringen unser Leben. 7. Gib, daß in reiner Heiligkeit Wir führen unsre Lebenszeit; Sey unsers Geistes Stärke, Daß uns forthin sey unbewußt Die Eitelkeit, des Fleisches Lust Und seine todten 158 X. Pfingstlieder. Mel. 3euch mich, zeuch mich.( Röm. 8, 15. 16. Jef. 11, 2.) So wird unsre Bitt erhört Und die Zuversicht gemehrt. 197. Komm, o komm, du| beten Und vertritt uns allezeit; Geist des Lebens, Wahrer Gott von Ewigkeit! Deine Kraft sey nicht vergebens, Sie erfüll uns jederzeit; So wird Geist und Licht und Schein In dem dunkeln Herzen seyn. 6. Wird uns dann um Trost auch bange, Seufzt das Herz voll Traurigkeit: ,, Ach mein Gott, mein Gott, wie lange?" O so wende unser Leid, Sprich der Seele tröstlich zu Und gib Muth, Geduld und Ruh! 2. Gib in unser Herz und Sinnen Weisheit, Rath, Verstand und Zucht, Daß wir anders nichts beginnen, Denn was nur dein Wille sucht; Dein Erkenntniß werde groß Und mach uns vom Irrthum los. 3. Führ uns, Herr, die Wohlfahrtsstege, Die dein Wort uns kund gethan; Näume ferner aus dem Wege, Was den Lauf verhindern kann; Wirke Reue nach der That, Wenn der Fuß gestrauchelt hat. 4. Stets laß unser Herz empfinden, Daß wir Gottes Kinder sey'n, Die bei ihm nur Hilfe finden In der Noth und Seelenpein; Lehr uns, daß des Vaters Zucht Einzig unser Bestes sucht. 5. Reiz uns, daß wir zu ihm treten Frei, mit aller Freudigfeit; Seufze in uns, wenn wir 7. O du Geist der Kraft und Stärke, Der allein das Gute schafft, Fördre in uns deine Werke Und zum Kämpfen gib uns Kraft; Schenk uns Waffen in den Krieg Und erhalt in uns den Sieg! 8. Herr, bewahr auch unsern Glauben, Daß kein Teufel, Tod noch Spott Uns denselben möge rauben, Du bist unser Schutz und Gott; Sagt das Fleisch gleich immer Nein, Laß dein Wort gewisser seyn! 9. Wann wir endlich sollen sterben, So versichre uns je mehr, Als des Himmelreiches Erben, Jener Herrlichkeit und Ehr, Die Gott gibt durch Jesum Christ, Und die unaussprechlich ist. Eigene Mel.( Hesef. 36, 26. 27.) 198. Zench ein zu deinen] geliebter Geist Des Vaters und Thoren, Sey meines Herzens des Sohnes, Mit beiden gleiGast, Der du, da ich geboren, chenThrones, Mit beiden gleich Mich neugeboren hast, Ohoch- gepreist! X. Pfingstlieder. 2. Zeuch ein, laß mich empfin-| den, Wie es dir wohlgefällt; den Und schmecken deine Kraft, Die Kraft, die uns von Sünden Hilfund Errettung schafft. Entsündge meinen Sinn, Daß ich mit reinem Geiste Dir Chr und Dienste leiste, Die ich dir schuldig bin. So gib doch deine Gnad Zu Fried und Liebesbanden, Verfnüpf in allen Landen, Was sich getrennet hat. 7. Erhebe dich und steure Dem Herzleid auf der Erd; Bring wieder und erneure Die Wohlfahrt deiner Heerd. Laß blühen wie zuvor Die Länder, so verheeret; Die Kirchen, so zerstöret, Richt aus der Asch empor. 3. Du bist ein Geist, der lehret, Wie man recht beten soll; Dein Beten wird erhöret, Dein, Singen klinget wohl, Essteiget himmelan Und läßt nicht ab im Steigen, Bis der sich möge neigen, Der Allen helfen kann. 4. Du bist ein Geist der Freuden, Das Zagen liebst du nicht, Erleuchtest uns im Leiden Mit deines Trostes Licht. Ach ja, wie manchesmal Hast du mit süßen Worten Mir aufgethan die Pforten Zum güldnen Himmelssaal! 8. Beschirm die Obrigkeiten, Bau unsers Fürsten Thron; Gib uns getroste Zeiten; Schmück, als mit einer Kron, Die Alten mit Verstand, Mit Frömmigkeit die Jugend, Mit Gottesfurcht und Tugend Das Volk im ganzen Land. 9. Erfülle die Gemüther Mit reiner Glaubenszier, Die Häufer und die Güter Mit Segen für und für. Vertreib den bösen Geist, Der dir sich widersetzet Und, was dein Herz ergößet, Aus unsern Herzen reißt. 5. Du bist ein Geist der Liebe, Ein Freund der Freundlichkeit, Willst nicht, daß uns betrübe Zorn, Zank, Haß, Neid und Streit; Der Feindschaft bist du feind, Willst, daß durch Liebesflammen Sich wieder thu zusammen, Was unversöhnlich scheint. 6. Du, Herr, haft selbst in Händen Die ganze weite Welt, Kannst Menschenherzen wen159 10. Nicht unser ganzes Leben Allzeit nach deinem Sinn, Und sollen wir es geben Zuletzt dem Tode hin, Wanns mit uns hie wird aus, So hilf uns fröhlich sterben Und nach dem Tod ererben Des ewgen Lebens Haus! Gerhard, g. 1606 † 1576. Mel. Freu dich sehr.( Eph. 1, 17-19 Pf. 143, 10.) 199. Odu allerfüß'ste Freu-| Der du uns in Lieb und Leide de! O du allerschönstes Licht! Unbesuchet läsfest nicht, Geist 160 X. Pfingstlieder. des Höchsten, höchster Fürst,| hen, was du fliehest, Gib mir, Der du hältst und halten wirst was du gerne siehest. Ohn' Aufhören alle Dinge, Höre, höre, was ich singe! 2. Du bist ja die beste Gabe, Die ein Mensch nur nennen kann, Wenn ich dich erwünsch und habe, Geb ich alles Wünschen dran. Ach ergib dich, komm zu mir In mein Herze, das du dir, Da ich in die Welt geboren, Selbst zum Tempel auserkoren. 6. Du bist, wie ein Lamm es pfleget, Frommen Herzens, sanften Muths, Bleibst im Lieben unbeweget, Thust uns Bösen alles Guts; Ach verleih und gib mir auch Diesen edlen Sinn und Brauch, Daß ich Freund' und Feinde liebe, Keinen, den du liebst, betrübe. 3. Du wirst als ein milder Regen Ausgegossen von dem Thron, Bringst uns nichts als lauter Segen Von dem Vater und dem Sohn. Laß doch, o du werther Gast, Gottes Segen, den du hast Und vertheilst nach deinem Willen, Mich an Leib und Seel erfüllen. 4. Du bist weise, voll Verstandes, Was geheim ist, ist dir fund, Zählst den Staub des kleinstenSandes, Gründest auch des Meeres Grund. Nun du weißt auch zweifelsfrei, Wie verderbt und blind ich sey; Drum gib Weisheit und vor allen, Wie ich möge Gott gefallen. 5. Du bist heilig, lässt dich finden, Wo man rein und redlich ist; Fleuchst hingegen Schand und Sünden, Weil du lauter Klarheit bist; Mache mich, o Gnadenquell, Rein und züchtig, keusch und hell; Laß mich flie7. Mein Hort, ich bin wohl zufrieden, Wenn du mich nur nicht verstößst; Bleib ich von dir ungeschieden, Ei so bin ich gnug getröst't! Laß mich seyn dein Eigenthum! Ich versprech hinwiederum, Hier und dort all mein Vermögen Dir zu Ehren anzulegen. 8. Nur allein, daß du mich stärkest Und mir treulich stehest bei! Hilf, mein Helfer, wo du merkest, Daß mir Hilfe nöthig sey; Brich des bösen Fleisches Sinn, Nimm den alten Willen hin, Daß er sich in dir erneue, Und mein Gott sich meiner freue! 9. Halt mich, wann die Kniee beben, Wann ich sinke, sey mein Stab; Wann ich sterbe, sey mein Leben; Wann ich liege, hüt mein Grab; Wann ich wieder aufersteh, Ei so hilf mir, daß ich geh Hin, wo du in ewgen Frenden Wirst die Auserwählten waiden! Gerhard, g. 1606 † 1676. X. Pfingstlieder. Mel. Jesu, du mein liebstes.( Rom. 8, 13. 14.) 200. Geist der Kraft, der Zucht und Liebe, Der sich in die Frommen senkt Und die Wohlthat seiner Triebe Gottergebnen Seelen schenkt, Seelen, die das Arge hassen Und den Vorfaß festgestellt, Daß sie sich von Fleisch und Welt nicht mehr wollen treiben lassen, Laß auch mich in Freud und Pein Deines Triebs theilhaftig seyn! 2. Laß dein Licht den Sinn erfüllen, zu erkennen meine Pflicht; Neige aber auch den Willen Durch dein mächtiges Gewicht, Meine Pflichten zu vollbringen. Wenn mir Kraft und Nachdruck fehlt, Wenn mich Kält und Unmacht quält, So laß Kräfte mich durchdringen Und regieren meinen Geist, Das zu thun, was du mich heißst. 3. Führe mich zu Jeju Kreuze, Wenn mein Sündenelend groß; Halt mich beim Versuchungsreize In der Gnade fichrem Schoos. Treib mich an, getrost zu kämpfen und durch einen 161 ernsten Streit, Mit Gebet und Wachsamkeit Meinen ärgsten Feind zu dämpfen. Treib mich auf der heilgen Bahn Stets zum Lauf und Wachsthum an. 4. O wie sanft ist dieses Treiben Und wie kräftig doch dabei! Es läßt niemand müßig bleiben, Es macht von der Trägheit frei; Es bezwingt mit Liebeskräften Das gefesselte Gemüth, Daß es sich mit Lust bemüht, Tren zu seyn in Lichtsgeschäften; Es läßt weder Rast noch Nuh, Ja es nimmt beständig zu. 5. Geist der Kraft, der Zucht und Liebe, Treib auch mich zum Guten an; Mach durch deine starken Triebe Mir zum Laufen freie Bahn! So geh ich in Spott und Leiden, Indie tiefste Schmach hinab, So geh ich durch Tod und Grab Zu des Paradieses Freuden. Ach wie süß, o Geist der Zucht, Ist mir deiner Triebe Frucht! Rambach, g. 1693 † 1735. 1153 Spid Mel. Erquide mich.( Rom. 8, 2. Eph. 4, 90.) SAN 201. Gott, o Geist, oner kann entgehen, Dich laß Licht des Lebens, Das uns im Todesschatten scheint, Du scheinst und lockst so lang vergebens, Weil Finsterniß dem Lichte feind! O Geist, dem keiEvangelisches Gesangbuch ich gern mein Innres sehen. 2. Entdecke alles und verzehre, Was nicht in deinem Lichte rein; Wenn mirs gleich noch so schmerzlich wäre, Folgt doch die 11 162 X. Pfingstlieder. Wonne nach der Pein. Du wirst| deinem Trieb; Bewahr mein mich aus dem finstern Alten In Jesu Klarheit umgestalten. 3. Ich kann nicht selbst der Sünde steuern, Das ist dein Werk, du Quell des Lichts! Du mußt von Grund aus mich erneuern, Sonst hilft mein eignes Trachten nichts. Geist, Herz mit allen Sinnen Untadelig in Gottes Lieb. Dein in mir Beten, Lehren, Kämpfen Laß mich auf keine Weise dämpfen. sey meines Geistes Leben, Ich kann mir selbst kein Gutes geben! 4. Du Athem aus der ewgen Stille, Durchwehe sanft der Seele Grund, Füll mich mit aller Gottesfülle; Und da, wo Sünd und Grenel stund, Laß Glauben, Lieb und Ehrfurcht grünen, In Geist und Wahrheit Gott zu1 dienen. 5. Mein Wirken, Wollen und Beginnen Sey kindlich folg sam 202. Geist vom Vater und vom Sohn! Weihe dir mein Herz zum Thron; Schenfe dich mir immerdar, So wie einst der Jüngerschaar. 2. Geist der Wahrheit! leite mich; Eigne Leitung täuschet sich. Da sie leicht des Wegs verfehlt Und den Schein für Wahrheit wählt. 6. O Geist, o Strom, der uns vom Sohne Eröffnet, und krystallenrein Aus Gottes und des Lammes Throne In stille Herzen fließt hinein, Ich öffne meinen Mund und sinke Hinzu der Quelle, daß ich trinke! 7. Ich laff' mich dir und bleib indessen Von allem abgekehrt, dir nah; Ich will die Welt und mich vergessen, Dieß innigst glauben: Gott ist da! Gott, o Geist, o Licht des Lebens, Man harret deiner nie vergebens! Mel. Gott sey Dank.( hesef. 36, 27. 3. Geist des Lichtes! mehr' in mir meinen Glauben für und für, Der mich Christo einverleibt Und durch Liebe Früchte treibt. Tersteegen, g. 1697 † 1769. 1 Cor. 12, 11.) 4. Geist der Andacht! schenke mir Salbung, Inbrunst, Gluth von dir; Laß mein Bitten innig, rein Und vor Gott erhörlich seyn. 5. Geist der Liebe, Kraft und Zucht! Wenn mich Welt und Fleisch versucht, Odann unterstüße mich, Daß ich ringe; rette mich! 6. Geist der Heiligung! verklär Jesum in mir mehr und mehr; Und erquicke innerlich Durch den Frieden Gottes mich. 7. Geist der Hoffnung! führe X. Pfingstlieder. du Mich dem Himmelserbe| freun zu; Laß mein Herz sich deiner seyn. Mel. Alle Menschen.( 1 Cor. 12, 4. Gal. 5, 22.) 203. Geist des Lebens, heilge Gabe, Du, der Seelen Licht und Trost, Erntesegen, aus dem Grabe Unsers Heilands aufgesproßt, Uns gesandt vom Himmelsthrone, Vom erhöhten Menschensohne, Geist der Kraft und Herrlichkeit, Mache dir mein Herz bereit! 2. Einst bist du herabgefahren Als ein Sturmwind aus den Höhn, Ließest dich in wunderbaren Feuerzungen herrlich sehn; Aber jezo wehst du stille, Ohne Zeichen, ohne Hülle Auf der Erde nah und fern, Als ein Athemzug des Herrn. 3. Ihn, den armen Nazarener, Der gering auf Erden gieng, Ihn, den Mittler und Versöhner, Der am Kreuz die Welt umfieng, Allen Herzen zu verklären, Ihn, den großen Gott der Ehren, Dessen Herz von Liebe flammt, Groß zu machen, ist dein Amt. 163 Und in Hoffnung selig von Wessenberg, g. 1774. 4. Ja du nimmst es von dem seinen, Wenn du Lebensworte sprichst, Wenn du bald durch Flehn und Weinen, Bald durch PsalmenHerzen brichst. Du bist seines Wesens Spiegel, Seiner Werk' und Worte Siegel, Zeuge, daß er lebt und liebt, Zeuge, daß er Leben gibt. 5. Ja dein Strafen und Erschüttern, Das des Lebens Grund erregt, Das, wie Strahlen aus Gewittern, Stolze Geister niederschlägt, Mahnet, ihm das Herz zu geben; Und dein gnadenvolles Weben Richtetin dem Glaubenslauf Matte Kniee tröstend auf. 6. Was die Welt nicht kann erlangen, Was kein eitles Auge sieht, Soll von dir ein Herz empfangen, Das die Lust der Erde flieht; Frieden, von dem Kreuze quillend, Frieden, alle Klagen stillend, Hellen Blick in Gottes Rath, Frucht aus Jesu blutger Saat. 7. Was die Welt uns nie gelehret, Lehrest du den Glauben thun: Beten, bis der Herr erhöret, Und in stiller Hoffnung ruhn; Fleht die Seele bang und schwächlich, Ach dann seufzest unaussprechlich Du durch alle Himmel hin, Und er kennet deinen Sinn! 8. Was kein Mensch, kein eigner Wille, Keine Kraft der Weltvermag, Wirkst du mühelos und stille, Geist des Herrn, am Gnadentag: Buße gibst du, Glauben, Liebe, Sanft= muth, Demuth, feusche Triebe; Ach wer ändert, reinigt sich, XI. 164 Bleibt beim Heiland dich? Kirche Christi. ohne erflehn! Selig, wer von dir as geleitet, Sich auf Christi Tag bereitet, Wer dich, wenn sein Stündlein schlägt, Unbetrübt im Herzen trägt! 9. O du Pfand des neuen Bundes, Geist des Vaters, mild und rein, Heilger Odem seines Mundes, Zeuch in unsre Herzen ein! Leib und Seele, Haupt und Glieder Kehren aus dem Tode wieder, Wo sich deine Gotteskraft Einen Sitz und Tempel schafft. 11. Droben soll, wie Gottes Sterne, Leuchten Christi Jüngerschaar; O wer strebt aus dieser Ferne Nach dem großen Jubeljahr? Lehr uns, Herr, der Welt entrinnen, Halt in 10. O wer innig möchte dür- Jesu Herz und Sinnen, Zeig sten Und zum Gnadenthrone uns hier im Glauben ihn, Stell gehn, Würde bald vom Lebens- uns dort zum Schauen hin! fürsten Dich, du höchstes Gut, Knapp, g. 1798. 17 XI. Die Kirche Christi. god Mel. Wie groß ist.( Luc. 14, 23. Eph. 1, 22. 23. Cap. 4, 4—6.) 204. Ich lobe dich! mein| Zungen Hast du dein Haus nun aufgeführt, In dem dein Preis dir wird gesungen, Das Glaube, Lieb und Hoffnung ziert; Wo alle unter Christo stehen, Als ihrem königlichen Haupt, Auf den sie alle freudig sehen, Sie, deren Herz an Christum glaubt. Auge schauet, Wie du auf diesem Erdenkreis Dir eine Kirche hast erbauet Zu deines Namens Lob und Preis: Daß alle sich zusammen finden In einem heiligen Verein, Wo fie, erlöst von ihren Sünden, Sich, Jesu, deines Reiches freun. 2. Du rufest auch noch heut-| 4. Nicht eignem Werk gilt ihr zutage, Daß jedermann er- Vertrauen, Es ruht auf dir und scheinen soll; Doch hört man deinem Sohn; Er ist der Fels, stets auch deine Klage: Noch auf den sie bauen; Er ist der immer ist mein Haus nicht Weg zu Sieg und Lohn; Er ist voll!" Zwar viele sind von der Weinstock, sie die Reben, In dir geladen. Doch wenige nur ihm nur reifet ihre Frucht; Er auserwählt; Sie wandeln auf ist ihr Licht, ihr Heil und Leben des Weltfinns Pfaden, Und Durch Wahrheit, Lieb und mancher, den du rufest, fehlt. fromme Zucht. 3. Herr! unter Völkern vieler 5. Ein Herr, ein Glaub und XI. Kirche Christi. 165 eine Taufe Vereinigt sie zum| an dem Haupt und Herrn, Und heilgen Bund; Ein Ziel er- dann auch allesammt als Brüglänzt dem Pilgerlaufe; Ein der In Lieb ihm folgen treu Fels ist ihres Friedens Grund; und gern. Ein Vater waltet über allen, Und allen, Gott, bist Vater du, Dir streben alle zu gefallen, Und du gibst ihnen Heil und Ruh. 7. Erhalt uns, Herr, im wahren Glauben Noch fernerhin bis andas End. Laß nichts uns deine Schäße rauben, Dein heilig Wort und Sakrament. Frfülle deiner Christen Herzen, O Gott, mit deinem Gnadenheil Und gib nach überwundnen Schmerzen Uns droben einst das beßre Theil! Nach Fr. Konr. Hiller, g. 1662 † 1726. 6. So weih uns denn zum neuen Leben, Daß wir nur deine Wege gehn, Zuerst nach deinem Reiche streben Und niedern Lüsten widerstehn. Gib, daß wir als getrene Glieder Fest halten Mel. Nun bitten wir.( 1 Cor. 12, 12-27. Pf. 110, 3.) 205. Die Kirche Christi, 4. Die allgenugsame Hand die er geweiht zu seinem Hause, ist weit und breit In der Welt zerstreuet, In Nord und Süden, In Oft und West, und doch so hienieden Als droben eins. des Herrn Besorgt sie all' in der Näh und Fern, Und wenn in der Sie nur meinen, Eilt er im Geiste, fie zu vereinen Zu einem Leib. 5. So wandelt er durch die Gemeinden hin, Die schaun, wie Stern' um die Sonn, auf ihn; Und wo Glaube wohnet, Da steht er mitten Und füllt die Seinen in Pilgerhütten Mit Gnad und Licht. 2. Meist sind die Glieder sich unbekannt Und doch einander gar nah verwandt. Einer ist ihr Heiland, Ihr Vater einer, Ein Geist regiert sie, und ihrer Feiner Lebt mehr sich selbst; 3. Sie leben dem, der sie mit Blut erkauft Und mit dem heiligen Geiste tauft; Und im wahren Glauben Und treuer Liebe Gehn ihrer Hoffnung lebendge Triebe Aufs ewge Gut. 6. Geist des Herrn, der das Leben schafft, Walt in der Kirche mit deiner Kraft, Daß die Gotteskinder Geboren wer= den, Gleich wie der Morgenthau, schon auf Erden Zu Christi Preis! Jiach Spangenberg. 166 XI. Kirche Christi. Eigene Mel.( Matth. 28, 20. Pf. 119, 43.) 206. Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort Und steure aller Feinde Mord, Die Jesum Christum, deinen Sohn, Wollen stürzen von seinem Thron. 2. Beweis dein' Macht, Herr Jesu Christ, Der du Herr aller Herren bist! Beschirm dein' arme Christenheit, Daß fie dich lob in Ewigkeit. 3. Gott, heilger Geist, du Tröster werth, Gib dein'm Volk einen Sinn auf Erd. Steh bei uns in der letzten Noth, Leit uns ins Leben aus dem Tod. 4. O Gott, laß dir befohlen seyn Unsre Kirche, die Kinder dein; Im wahren Glauben uns erhalt Und rett uns von der Feinde G'walt. 5. Laß alle Welt erkennen doch, Daß du, unser Gott, le= best noch Und hilfft gewaltig deiner Schaar, Die sich auf dich verlässet gar. 3. Gib dich allen zu erkennen, Die sich darum Christen nennen, Weil sie sind auf dich getauft. Laß dein Wort auch kräftig wirken Unter Juden, 6. So werden wir, die Kinder dein, Bei uns selbst und auch in der G'mein Dich, heilige Dreieinigkeit, Loben darum in Ewigkeit. V. 1-3 von Luther, 5 von Justus Jo. nas, 4 und 6 späterer Zusak. Mel. Alles ist an; oder: Ach, was soll ich.( Matth. 6, 10. Joh. 10, 16.) 207. Großer Hirte deiner| Heiden, Türken, Denn du haft auch sie erkauft. Heerden In dem Himmel und auf Erden, Treuer Heiland, Jesu Christ! Laß in diesen legten Zeiten Sich dein Reich noch mehr verbreiten, Als bisher geschehen ist. 4. Gib dazu von Jahr zu Jahren Viel Evangelistenschaaren, Treue Lehrer ohne Fehl, Die im Glauben, Wort und Leben Gründlich, kindlich dir erge-. ben, Heiliger in Israel! 2. Laß es sich zu deinen Ehren Kräftiglich in uns vermehren; Breit es, Herr, von Haus zu Haus Unter unsern Anverwandten, Unter Freunden und Bekannten Und in allen Ländern aus! 5. Flöße früh der zarten Jugend Alle Wissenschaft und Tugend Nur durch dein Erkenntniß ein: Gib ihr Leben, nicht nur Wissen, Und behalt von Aergernissen Lehrer mit den Schülern rein. 6. Laß dein Wort die Sichern schrecken Und die Geistlichtodten wecken, Stürz die Selbstgerechtigkeit, Mach die Geist XI. Kirche Christi. 167 lichblinden sehend, Mach die fortzugehen, Bis ihr Geist die Geistlichlahmen gehend, Mach Kron erringt. dir selbst den Weg bereit. 9. Die am Ende sich befinden, Denen hilf selbst überwinden; Zeig dem Glauben jenen Lohn, Den du denen aufgehoben, Die nach ausgestandnen Proben schmerzhaft ist; 3euch sie dann Siegreich stehn vor deinem Thron. zu dir, dem Sohne, Daß vor deinem Gnadenthrone Sie sich laben, Jesu Chrift! 7. Schenke den Erwachten Gnade, Nicht zu ruhen, bis ihr Schade Recht entdeckt und 8. Welchen ihre Schuld vergeben, Die laß stets im Glauben leben, Der viel Geistesfrüchte bringt; Laß sie niemals stille stehen, Treibe sie stets 10. Herr! so fammle deine Glieder; Dann erscheine gnädig wieder Als der ewig gute Hirt, Da aus so viel tausend Heerden Eine Gottesheerde werden Und um dich sich stellen wird! Joh. Jac. v. Moser, g. 1701 t 1785. Mel. Dir, dir, Jehovah.( Matth. 9, 38. Luc. 12, 49.) 208. Wach auf, du Geist| wie an allen Orten Sich deider ersten Zeugen, Der Wäch- ner Kinder Herz und Sinn beter, die auf Zions Mauer stehn, wegt, Dich herzinbrünstig darDie Tag und Nächte nimmer um anzuflehn; Drum hör, D schweigen, Die unverzagt dem Herr, und sprich: es soll ge= Feind entgegengehn, Ja deren schehn!" Schall die ganze Welt durchdringt Und aller Völker Schaaren zu dir bringt! 2. O daß dein Feuer bald entbrennte. Daß wir es fähn in alle Lande gehn, Auf daß bald alle Welt erkennte, Was zur Erlösung ihr von dir geschehn! O Herr der Ernte, fiche du darein: Die Ernt ist groß, der Knechte Zahl ist klein! 3. Dein Sohn hat ja mit klaren Worten Uns diese Vitt in unsern Mund gelegt. Offehe, 4. Herr! gib dein Wort mit großen Schaaren, Die in der Kraft Evangelisten sey'n. Laß eilend Hilf uns widerfahren Und brich in Satans Reich mit Macht hinein! Obreite, Herr, auf weitem Erdenkreis Dein Reich bald aus zu deines Namens Preis! 5. Laß schnell dein Wort die Welt durchlaufen, Es sey kein Ort ohn' dessen Glanz und Schein; Ach führe bald dadurch mit Haufen Der Heiden Füll 168 XI. Kirche Christi. zu allen Thoren ein! Ja wecke| sehn, Die kräftig vor den Nis doch auch Israel bald auf; der Kirche stehn. Und also segne deines Wortes Lauf. AM100 6. Herr! beßre deines Zions Stege Und öffne drinnen deinem Wort die Bahn; Was hindert, räume aus dem Wege, Vertilge du den falschen Glaubenswahn. Von Miethlingen mach deine Kirche frei, Daß Kirch und Schul ein Garten Gottes sey. 8. Die Lieb ists, Herr, die zu asdir flehet, Sie, die von deiner Lieb ein Fünklein ist, Von deinem Odem angewehet, du, der du die Liebe selber bist! Wenn wir in schwacher Liebe zu dir flehn, Was wird nicht von der Liebe Quell geschehn! 9. Du wirst dein herrlich Werk vollenden, Der du der Welten Heil und Richter bist; Du wirst der Menschheit Jammer wenden, So dunkel jetzt dein Weg, o Heilger, ist. Drum hört der Glaub nie auf, zu dir zu flehn; Du thust doch über Bitten und Verstehn! 7. Laß jede hohe, niedre Schule Die Werkstatt deines gutenGeistes seyn! Ja site du drin auf dem Stuhle, Drück du dein Bild dem Geist der Jugend ein, Daß treue Lehrer wir und Beter von Bogarty, g. 1690 † 1774 Mel. Erhalt uns, Herr.( Luc. 24, 29.) 209. Ach bleib bei uns, Herr Jesu Christ, Weil es nun Abend worden ist, Dein göttlich Wort, das helle Licht, Laß ja bei uns auslöschen nicht! 2. In dieser letzten, bösen Zeit Gib uns des Glaubens Beständigkeit, Daß wir dein Wort und Sakrament Rein b'halten bis an unser End. 3. Herr Jesu, hilf, dein Kirch erhalt! Wir sind sicher, arg, träg und kalt; Gib Glück und Heil zu deinem Wort, Daß es erschall an allem Ort. 4. Erhalt uns nur bei deinem Wort Und wehr des Teufels Trug und Mord; Gib deiner Kirche Gnad und Huld, Fried, Einigkeit, Muth und Geduld. 5. Ach Gott, es geht gar übel zu, Auf dieser Erd ist keine Nuh! Viel Sekten und viel Schwärmerei Auf Einen- Haufen kommt herbei. 6. Den stolzen Geistern wehre doch, Die sich mit Macht erheben hoch Und bringen stets was neues her, zu fälschen deine rechte Lehr. 7. Die Sach und Ehr, Herr Jesu Christ, Nicht unser, sondern dein ja ist; Darum so steh du denen bei, Die sich auf dich verlassen frei. 8. Dein Wort ist unsers Her XI. Kirche Chrifti. 169 zens Truß Und deiner Kirche| Wort Und darauffahren ferner wahrer Schuz; Dabei erhalt fort Von hinnen aus dem Jamuns, lieber Herr, Daß wir merthal Zu dir in deinen Freu= nichts andres suchen mehr. densaal. 9. Gib, daß wir leben in dem Gelneder, g. 1532 † 1592. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit.( Matth. 16, 18. Pf. 46, 5. 6.) 210. Die Feinde deines| kehren. Lehr sie mit uns gen Kreuzes drohn, Dein Reich, Herr, zu verwüsten; Du aber, Mittler, Gottes Sohn, Beschüßest deine Christen. Dein Thron bestehet ewiglich, Vergeblich wird sich wider dich Die ganze Hölle waffnen. Himmel schaun Und unerschüttert im Vertraun Auf deine Zukunft warten. 5. Uns Christen aber wollest du Fest in der Wahrheit gründen, Daß wir für unsre Seelen Ruh In deiner Gnade finden; Mach unsers Glaubens uns gewiß, Vor Irrthum und vor Finsterniß Bewahr uns, weil wir leben. 2. Dein Reich ist nicht von dieser Welt, Kein Werk von Menschenkindern; Drum konnt auch keine Macht der Welt, Herr, seinen Fortgang hindern. Dir können deine Hasser nie Dein Erbe rauben; selbst durch fie Wird es vergrößert werden. 3. Weit wollst du deine Herrschaft noch In deiner Welt verbreiten und unter dein so sanftes Joch Die Völker alle leiten! Vom Aufgang bis zum Niedergang Bring alle Welt dir Preis und Dank Und glaub an deinen Namen. 6. Ein reines Herz schaff in uns, Herr, Ein Herz nach deinemWillen; Lehr uns mit jedem Tage mehr Treu dein Gebot er= füllen, Gehorsam deiner Vorschrift seyn Und dann uns deiner Gnade freun; Sey unser Heil auf Erden! 7. So wird dein Volk dir unterthan Und lernt die Sünde meiden, Und du führst es auf ebner Bahn Zu deines Reiches Frenden; Und herrlich wird in dieser Zeit, Noch herrlicher in Ewigkeit Dein großer Name werden! Münter, g. 1735 † 1795. Eigene Mel.( Luc. 9, 62. Offenb. 2, 10. Job. 4. 1 2c.) 211. Fahre fort, fahre fort, Licht; Mache deinen Leuchter Wandle, Volk des Herrn, im helle! Laß die erste Liebe nicht, 4. Auch deine Feinde, die dich schmähn, Die frevelnd sich empören, Laß deiner Gnade Wunder sehn, Daß sie sich noch be 170 XI. Kirche Christi. Suche stets die Lebensquelle,| und was schlecht, Prüfe recht, Volk des Herrn, dring durch prüfe recht! die enge Pfort, Fahre fort, fahre fort! 2. Leide dich, leide dich! Gottes Volk, leid ohne Scheu Trübsal, Angst mit Spott und Hohne; Sey bis in den Tod getreu, Sie he auf die Lebenskrone! Leide, wenn du fühlst der Schlange Stich; Leide dich, leide dich! 5. Dringe ein, dringe ein, Zion, dringe ein in Gott! Stärke dich mit Geist und Leben, Sey nicht wie die Andern todt, Sey du gleich den grünen Neben! In die Gotteskraft, für Heuchelschein, Dringe ein, dringe ein! 6. Brich herfür, brich herfür, Gottes Volk, herfür in Kraft! Laß die Bruderliebe brennen; Zeige, was der in dir schafft, Der dich als sein Volk will kennen! Auf, er selbst hat aufgethan die Thür; Brich herfür, brich herfür! 7. Halte aus, halte aus, Gottes Volk, halt deine Treu, Laß nicht lau und träg dich finden! Auf, das Kleinod rückt herbei! Auf, verlasse, was dahinten; Gottes Volk, im letzten Kampf und Strauß Halte aus, halte aus! 3. Folge nicht, folge nicht, Folge nicht der eiteln Welt, Wenn sie dich sucht groß zu machen; Achte nicht ihr Gut und Geld! Ernst im Beten, ernst im Wachen Sieh dich für, wenn sie viel Lust verspricht; Folge nicht, folge nicht! 4. Prüfe recht, prüfe recht, Prüfe weislich jeden Geist, Der dir ruft nach beiden Seiten; Thue nicht, was er dich heißt; Laß nur deinen Stern dich leiten! Beide, das was gut scheint Joh. Eus. Schmidt, g. 1670 † 1745. Eigene Mel.( Pf. 46. Matth. 28, 20. Jerem. 15, 20.) 212. Sin' feste Burg ist un-| loren; Es streit't für uns der ser Gott, Ein' gute Wehr und rechte Mann, Den Gott hat Waffen; Er hilft uns frei aus selbst erkoren. Fragst du, wer aller Noth, Die uns jetzt hat der ist? Er heißt Jesus Christ, betroffen. Der alt' böse Feind Der Herr Zebaoth, Und ist Mit Ernst ers jetzt meint; Groß' kein andrer Gott; Das Feld Macht und viel List Sein grau- muß er behalten! sam Rüstung ist; Auf Erd ist nicht sein's gleichen. 3. Und wenn die Welt voll Teufel wär Und wollt uns gar verschlingen, So fürchten wir uns nicht so sehr, Es soll 2. Mit unsrer Macht ist nichts gethan, Wir sind gar bald ver XI. Kirche Christi. 171 uns doch gelingen! Der Fürst| haben! Er ist bei uns wohl auf dieser Welt, Wie sau'r er sich stellt, Thut er uns doch nichts; Das macht, er ist gericht't; Ein Wörtlein kann ihn fällen. dem Plan Mit seinem Geist und Gaben. Nehm'n sie uns den Leib, Gut, Ehr, Kind und Weib, Laß fahren dahin; Sie habens kein'n Gewinn! Das Reich muß uns doch bleiben! Luther, g. 1483 † 1546. 4. Das Wort fie sollen lassen stahn Und kein'n Dank dazu Mel. Kommt her zu mir.( 2 Chron. 20, 15. Luc. 12, 32. 18, 7. 8.) helfen schon, Dich und sein Wort erhalten. 213. Verzage nicht, o Häuf-| deon, Den er wohl kennt, dir lein klein, Obschon die Feinde Willens sey'n, Dich gänzlich zu verstören Und suchen deinen Untergang, Davor dir recht wird angst und bang; Es wird nicht lange währen. 2. Dich tröste nur, daß deine Sach Ist Gottes, dem befiehl die Nach, Laß ihn alleine walten. Er wird durch seinen Gi= 3. So wahr Gott Gott ist und sein Wort, Muß Teufel, Welt und Höllenpfort Und was dem thut anhangen, Endlich werden zu Hohn und Spott. Gott ist mit Wir uns und wir mit Gott,- werden Sieg erlangen! Gustav Adolphs von Schweden Schlacht. gefang bei Lügen, 6. Nov. 1632. Mel. Auf, Christenmensch.( Ps. 80, 15. 16.) 214. Wo regt sich noch ein| Christen Mund, und keiner guter Geist Und will die wollt sich stellen; Da trat ein Wahrheit sehen, Wie sie die Held auf Felsengrund, Kein Palmen an sich reißt, Wie ihre Wetter konnt ihn fällen; Er Fahnen wehen? Herein! heut zog in Gotteskraft einher: ist in Oft und West Das schöne Siegs- und Freudenfest! Und wenn die Welt voll Teufel wär!" 2. Die Welt war todt, die Herzen arm, Der Streit war aufgegeben; Da kam die Gluth, da ward es warm, Da braust' ein Sturm ins Leben, Der brach entzwei die Todtengruft, Weht' an die Brust mit Freiheitsluft. 4. Der Zweifel schlich durch Mark und Bein, Wollt Gottes Werk zersplittern; Da hob der Glaube stark und rein Sein Haupt aus Ungewittern. Er siegt' und macht die Welt zu Spott: ,, Ein' feste Burg ist unser Gott!" 3. Einst sperrte Furcht der 5. Jetzt jagt man wohl nach 172 XI. Kirche Christi. Gut und Ehr, Das End ist| Den armen Leib sie mögen Tod und Grauen; Doch wer fahn,„ Das Wort sie sollen für Gott sich stellt zur Wehr, lassen stahn!" Darf froh dem Höchsten trauen; - mel sieh darein Und laß dich deß erbarmen: Wie wenig sind der Heilgen dein, Verlassen sind wir Armen! Dein Wort man läßt nicht haben wahr; Der Glaub ist auch erloschen gar Bei allen Menschenkindern. 2. Sie lehren eitel falsche List, Was Eigenwit erfindet, Ihr Herz nicht Eines Sinnes ist In Gottes Wort gegründet; Der wählet dieß, der andre das, Sie trennen uns ohn' alle Maß Und gleißen schön von außen. 3. Gott woll ausrotten alle gar, Die falschen Schein uns lehren, Darzu ihr' Zung' stolz, offenbar Spricht:, trog! wer wills uns wehren? Wir haben Recht und Macht allein, Was wir seßen, das gilt gemein, Wer ist, der uns soll meistern?" 4. Darum spricht Gott: ,, ich Möller um 1800. Eigene Mel.( Psalm 12. Matth. 24, 12.) 215. Ach Gott! vom Him-| muß auf seyn, Die Armen find verstöret, Ihr Seufzen dringt zu mir herein, Ich hab ihr Klag erhöret; Mein heilsam Wort soll auf den Plan, Getrost und frisch fie greifen an Und seyn die Kraft der Armen." 5. Das Silber, durchs Feu'r stebenmal Bewährt, wird lanter funden: Am Gotteswort man warten soll Deßgleichen alle Stunden; Es will durchs Kreuz bewähret seyn; Da wird sein' Kraft erkannt und Schein Und leucht't stark in die Lande. 6. Das wollst du, Gott, bewahren rein Für diesem argen G'schlechte, Und laß uns dir befohlen seyn, Daß fichs in uns nicht flechte; Der gottlos Hauf sich umher find't, Wo diese lofen Leute find In deinem Volk erhaben. Luther, g. 1483 † 1546. Die Gemeinschaft der Heiligen. Mel. Es spricht der Unweisen Mund.( Eph. 4, 15. 16. Gal. 6, 2.) 216. Ich glaube, daß die| machet rein, Die haben all sein Heiligen Im Geist Gemein- Gut gemein Und alle Himschaft haben, Weil sie in einer melsschätze. Gnade stehn Und eines Geistes Gaben. So viele Christus 2. Zwar nicht das gleiche Schicksal fällt Hienieden jedem Die Gemeinschaft der Heiligen. 173 Gliede; Es dauern noch in die-| Gemeinschaft an dem Leiden, ser Welt Die äußern Unterschiede: Dem einen fällt ein armes Loos, Der andre ist geehrt und groß; Das will ein Christ nicht ändern. Am Kreuz, an der Bekümmernis, An Spott und Traurigkeiten; Wir tragen, doch nicht ohne Ruhm, Allzeit das Sterben Jesu um An unfrem Todesleibe. 3. Doch in der neuen Kreatur Ist keiner klein noch größer; Wir haben einen Chriftus nur, Den einigen Erlöser, Das Licht, das Heil, den Morgenstern; Wort, Tauf und Nacht mahl unsers Herrn Ist allen gleich geschenket. 4. Da ist kein Knecht noch Freier mehr, Da sind sie Alle Kinder; Der Reichthum macht hier keine Ehr, Die Armuth feinen Sünder. Gott sieht nicht die Personen an, Weil oft ein Reicher arm seyn kann, Der Arme reich an Gnaden. - 5. Die Sonne der Gerechtigfeit Will allen Gnade geben; Der Geist gibt allen allezeit, Als Gottes Odem, Leben, Weil uns der Vater alle liebt, So wie der Himmel uns umgibt; Wir haben gleiche Güter. 6. Ein Himmel, eine Seligkeit, Ein Vorbild und ein Hoffen, Ein Recht, e in Vaterherz im Leid, Ein Segen steht uns offen. Uns führt ein Weg dem Himmel zu, Wir hoffen alle eine Ruh Allein durch einen Glauben. 7. Wir haben alle überdieß 8. Wir leiden mit, wir ziehen an Ein herzliches Erbarmen; Und wenn das Herz nicht weiter kann, So seufzt es für die Armen. Denn solch ein Glied, dem durch sein Herz Nicht geht der andern Glieder Schmerz, Das hat gewiß kein Leben. 9. So trägt ein Glied des andern Last Um seines Hauptes willen; Wer seiner Brüder Lasten faßt, Lernt das Gesetz erfüllen. Der Herr voran im Vorbild geht; Sein königlich Gebot besteht In einem Wörtlein: Liebe! 10. Der Liebe Christi süßer Reiz Dringt alle seine Frommen, Wie er aus Liebe unser Kreuz Für uns auf sich genommen, Daß meine Armuth seine Noth, Mein Kreuz sein Kreuz, sein Tod mein Tod, MeinSpott sein Spott ist worden. 11. Wie ist der Heilige so groß, Der mir vorangegangen, Mit dem ich als ein Kreuzgenoß Gemeinschaft soll erlangen! Bedenk, o Seele, wer er ist! Er ist der Heiland Jesus Christ, Der Sohn des Allerhöchsten. *** XI. Kirche Christi. 174 12. Ich will mich der Gemeinschaft nicht Der Heiligen entziehen; Wenn meine Brüder Noth ansicht, So will ich sie nicht fliehen. Hab ich Gemeinschaft an dem Leid, So laß mich an der Herrlichkeit Auch einst Gemeinschaft haben! Ph. Fr. Hiller. g. 1699 † 1769. ( Joh. 17, 20-23. Cap. 13, 34. 35.) Eigene Mel.; oder: O du Liebe. | andern wecken, Alle Kräfte Tag für Tag Ohne Sträuben darzustrecken, Daß er ihm gefallen mag. 217. Herz und Herz vereint zusammen Sucht in Gottes Herzen Ruh; Laffet eure Liebesflammen Lodern auf den Heiland zu! Er das Haupt, wir seine Glieder; Er das Licht, und wir der Schein; Er der Meister, wir die Brüder; Er ist unser, wir sind sein! 5. Hallelujah! welche Höhen, Welche Tiefen reicher Gnad, Daß wir dem ins Herze sehen, Der uns so geliebet hat; Daß der Vater aller Geister, Der der Wunder Abgrund ist, Daß 2. Kommt, ach kommt, ihr Gotteskinder, Und erneuert eu- du, unsichtbarer Meister, Uns ren Bund, Schwöret unsrem so fühlbar nahe bist! Ueberwinder Lieb und Treu von Herzensgrund! Und wenn eurer Liebeskette Festigkeit und Stärke fehlt, so flehet um die Wette, Bis fie Jesus wieder stählt! 3. Tragt es unter euch, ihr| Alles, was von deiner Klarheit 6. Ach du holder Freund, vereine Deine dir geweihte Schaar, Daß sie sich so herzlich meine, Wie's dein letzter Wille war! Ja verbinde in der Wahrheit, Die du selbst im Wesen bist, Glieder, Auf so treues Lieben In der That erleuchtet ist. an, Daß ein jeder für die Brü7. So wird dein Gebet erfülder Auch das Leben lassen| let: Daß der Vater alle die, kann! So hat uns der Herr geliebet, So vergoß er dort sein Blut; Denkt doch, wie es ihn betrübet, Wenn ihr selbst ench Eintrag thut! Denen du dein Herz enthüllet, Auch in seine Liebe zieh; Und daß, wie du Eins mit ihnen, Also sie auch Eines sey'n, Sich in wahrer Liebe dienen Und einander gern erfreun. 4. Giner reize doch den andern, Kindlich, leidsam und gering Unfrem Heiland nach zuwandern, Der für uns am Kreuze hieng. Einer soll den 8. Friedefürst! laß deinen Frieden Stets in unsrer Mitte ruhn; Liebe! laß uns nie ermüden, Deinen selgen Dienst Die Gemeinschaft der Heiligen. 175 zu thun; Denn wie kann die die von Einem Stamme, SteLast auf Erden Und des Glau- hen auch für Einen Mann. bens Ritterschaft Besser uns versüßet werden, Als durch deiner Liebe Kraft? 10. Laß uns so vereinigt werden, Wie du mit dem Vater bist, Bis schon hier auf dieser 9. Liebe! hast du es geboten, Erden Kein getrenntes Glied Daß man Liebe üben soll, Omehr ist; Und allein von deiso mache doch die todten, Trä- nem Brennen Nehme unser gen Geister lebensvoll; Zünde Licht den Schein; Also wird an die Liebesflamme, Daß ein die Welt erkennen, Daß wir jeder sehen kann: Wir, als deine Jünger sey'n. Nit. Ludw. Graf von 3inzendorf, g. 1700 † 1760. Mel. Aus meines Herzens.( Phil. 3, 13-16.) 218. Kommt, Brüder, laßt| Die Fleisch und Sinne pflegen, uns gehen, Der Abend kommt heran; Es ist gefährlich stehen Auf dieser öden Bahn; Kommt, stärket euren Muth, Zur Ewigkeit zu wandern, Von einer Kraft zur andern; Es ist das Ende gut! 2. Es soll uns nicht gereuen Der schmale Pilgerpfad, Wir kennen ja den Treuen, Der uns gerufen hat; Kommt, folgt und trauet dem! Mit ganzer Wendung richte Ein jeder sein Gefichte Nur gen Jerusalem. 3. Der Ausgang, der geschehen, Ist uns fürwahr nicht leid; Es soll noch besser gehen Zur stillen Ewigkeit. Ihr Lieben, seyd nicht bang, Verachtet tausend Welten, Ihr Locken und ihr Schelten Und geht nur euren Gang. 4. Gehts der Natur entgegen, So gehts, wie Gott es will; Die kommen nicht zum Ziel! Verlaßt die Kreatur Und was euch sonst will binden, Ja laßt euch selbst dahinten: Es geht durchs Sterben nur. 5. Schmückt euer Herz aufs beste, Weit mehr als Leib und Haus; Wir sind hier fremde Gäste Und ziehen bald hinaus. Das Kinderspiel am Weg Laßt uns nicht viel besehen, Durch Säumen und durch Stehen Wird man verstrickt und träg. 6. Ist unser Weg gleich enge, Führt über steile Höhn, Wo Disteln rings in Menge Und scharfe Dornen stehn: Es ist doch nur ein Weg! Laßt seyn, wir gehen weiter, Wir folgen unfrem Leiter Und brechen durchs Geheg. 7. Ja, Brüder, laßt uns gehen, Der Vater geht ja mit, Er selbst will bei uns stehen Auf 176 XI. Kirche Christi. jedem sauren Tritt; Er will| zu, Man trag, man helfe allen, uns machen Muth, Mit süßen Sonnenblicken Uns locken und erquicken; Ach ja, wir habens gut! Man pflanze Lieb und Ruh. Kommt, schließt euch fester an! Ein jeder sey der Kleinste, Doch auch wohl gern der Neinste Auf unsrer Pilgerbahn! 8. Kommt, laßt uns munter wandern, Wir gehen Hand in Hand; Eins freuet sich am andern In diesem fremden Land. Kommt, laßt uns kindlich seyn, Uns auf dem Weg nicht streiten; Die Engel selbst begleiten Als Brüder unsre Neihn. 10. Es wird nicht lang mehr währen, Harrt noch ein wenig aus; Es wird nicht lang mehr währen, So kommen wir nach Haus: Da wird man ewig ruhn, Wann wir mit allen Frommen Heim zu dem Vater kommen; Vie wohl, wie wohl wirds thun! Tersteegen, g. 1697 † 1769. 9. Und sollt ein Schwacher fallen, So greif' der Stärkre Um Ausbreitung des Evangeliums. Mel. Nun freut euch.( Matth. 13, 37 2c. Offenb. 15, 4.) 219. Wir sind vereint, Herr| einst vollen Waizen. Wir danken, und solch Danken will Alsdann zum Bitten reizen; Klein ist dein Garten noch zur Zeit, Die Wildniß ringsum öd' und weit; O Heiland, hilf uns weiter! Jesu Christ, In deinem heilgen Namen, Der Menschensohn allein du bist, Der säet guten Samen; Der Acker ist die ganze Welt; O pflanze selbst im wüsten Feld Dir deines Reiches Kinder! 2. Ja, Erstgeborner, ewger Fürst Der Könige auf Erden! Bon allen Heiden sollst und wirst Du angebetet werden! Das glauben und drum hoffen wir, Die du zum Werke rufft, von dir Auch unsrer Saat Gedeihen. 3. Schon sproßt manch Sämlein zart und still, Verspricht 4. Gib uns durch deines Geistes Kraft, Herr Jesu, heiße Liebe, Die Eintracht, Muth und Eifer schafft, Daß sich ein jeder übe, Für sich und andre stets zugleich Nach dem verheißnen Gottesreich Vor allem Ding zu trachten. 5. Was wirds doch einst für Freude seyn, Wenn deine Schnitter ernten, Und alle dann Um Ansbreitung des Evangeliums. 177 sich ewig freun, Die deiner har-| bis die Ruh Für Gottes Volk ren lernten! Wir harren dein, erscheinet! o siege du In deinen Gliedern, Rud. Stier, g. 1800. Mel. Wie schön leucht't.( Marth. 24, 14.) 220. Was rührt so mächtig| 4. Des blutgen Halbmonds Sinn und Herz? Was hebt die Blicke himmelwärts? Wem schallen die Gesänge? Zu dir drängt sich aus fernem Land, Vereinigt durch des Glaubens Band, Der Völker frohe Menge, Heiland, Netter! Deine Wahrheit Füllt mit Klarheit Unsre Erde, Daß der Sünder selig werde. Licht erbleicht, Des Oftens fal= scher Schimmer weicht Vor deiner Wahrheit Sonne! Schon blickt mit reuiger Begier Ein Häuflein Jakobs, Herr, nach dir, Ahnt der Vergebung Won= ne. Ist die Fülle Aller Heiden Einst mit Freuden Eingegangen, Wird auch Jakob Heil erlangen. 2. Ein himmlisch Feuer ist entflammt Durch dich, der aus dem Himmel stammt Und uns zum Himmel leitet. Es glüht gewaltig fort und fort, Wo fich dein seligmachend Wort In Lauterkeit verbreitet. Glaube, Liebe Füllt die Seelen, Die dich wählen, Läutert, reinigt, Bis in dir sich alles einigt. 3. Herr! du gibst Sieg, dich preisen wir, Der kalte Nordpol glüht von dir, D Licht, das Allen scheinet. Des Negers Sklavenkette bricht. Der Inseln Menge jauchzt dem Licht, Das alle Völker einet. Falscher Götter Tempelhallen Sind zerfallen, Auf den Trümmern Siehet man das Kreuz nun schimmern. Evangelisches Gesangbuch. 5. Dein Geist erfüll' die Boten all, Laß ihres Wortes Frendenschall Durch alle Länder dringen. Mit Kraft von oben ange= than, Laß sie bekämpfen Sünd und Wahn Und Heil den Völkern bringen. Dieß nur Wolle Ihre Seele Und befehle Voll Vertrauen Dir das Werk, an dem sie bauen. 6. Vertilge alle Eigensucht, Gemächlichkeit und Leidensflucht Und heilge dir die Herzen. Verleih zu jedem Opfer Muth, Für dich zu wagen Gut und Blut, Zu dulden Hohn und Schmerzen. Hilfuns, Heiland, Und vermehre Dir zur Ehre Deine Heerde, Bis dein Reich vollendet werde. Dr. Bahnmaier, g. 1774 † 1841 12 178 XI. Kirche Christi. Mel. Nun komm' der Heiden.( Matth. 9, 37. 38. Cap. 24, 14.) 221. Walte, walte nah| Geist, Der den Weg zum Himund fern, Allgewaltig Wort des Herrn, Wo nur seiner Allmacht Ruf Menschen für den Himmel schuf; mel weist und durch seine heilge Kraft Wollen und Vollbringen schafft! 2. Wort vom Vater, der die Welt Schuf und in den Armen hält, Und aus seinem Schoos herab Seinen Sohn zum Heil ihr gab; 5. Wort des Lebens, stark und rein, Alle Völker harren dein; Walte fort, bis aus der Nacht Alle Welt zum Tag erwacht! 6. Auf, zur Ernt in alle Welt! Weithin wogt das weiße Feld; Klein ist noch der Schnitter Zahl, Viel der Arbeit überall. 3. Wort von des Erlösers Huld, Der der Erde schwere Schuld Durch des heilgen Todes That Ewig weggenommen hat; 4. Kräftig Wort von Gottes 7. Herr der Ernte, groß und gut, Wirk zum Werke Lust und Muth, Laß die Völker allzumal Schauen deines Lichtes Strahl! Dr. Bahnmaier, g. 1774 t 1841. Mel. Jesu, der du meine Seele. ( Ef. 21, 11. Pf. 2, 8. Pf. 67, 2. 3.) 222. Hüter! ist die Nacht| 3. Immer tiefer, immer weiverschwunden? Hüter! ist die ter In das feindliche Gebiet Nacht schier hin? Ach wir Dringt das Häuflein deiner zählen alle Stunden, Bis die Streiter, Dem voran dein BanMorgenwolken blühn, Bis die ner zieht. Wo wirs kaum geFinsterniß entweichet, Bis der wagt zu hoffen, Stehn nun Sterne Schein erbleichet, Und| weit die Thüren offen, Mühder Sonne warmer Strahl Leuchtet über Berg und Thal. sam folgt der schwache Tritt Deinem raschen Siegesschritt. 2. O du Gott der Macht und 4. Langsam und durch SchwieStärke! Sieh uns hier ver- rigkeiten Waren wir gewohnt wundert stehn Ueber deinem zu gehn; Plößlich bricht in alle großen Werke, Das vor uns Weiten Deine Hand aus lichrem Blick geschehn! Manchesten Höhn. Staunend sehn wir Thor hast du erschlossen, Man- dein Beginnen, Keine Zeit ists, chen Lebensstrom ergoffen und lang zu finnen; Geh voran, uns oft vom Heidenland Frohe wir folgen nach, Wo dein Arm Botschaft zugesandt. die Bahnen brach! Um Ausbreitung des Evangeliums. 5. Doch wenn wir uns felber suchen Und nicht deine Ehr allein Müßtest du uns nicht verfluchen? Könnte unser Thun gedeihn? Schenk uns einen reinen Eifer, Mach uns lauterer und reifer! Brich des eignen Geistes Thun, Laß in deinem Sinn uns ruhn! Mel. Zeuch mich, zeuch mich. 223.„ Wasserströme will ich gießen"-Spricht der Herr -, aufs dürre Land; Kühlend sollen Quellen fließen In der Wüste heißem Sand. Wo jetzt Wandrer schmachtend ziehn, Soll ein Gottesgarten blühn." 2. Ach noch ist die Zeit der Dürre, Schwerer Fluch bedeckt das Land; Israel geht in der Irre, Seine Kraft ist ausgebrannt. Wo der Blick auch sehnend schweift, Spärlich kaum ein Früchtlein reift. 3. Dennoch wird das Wort des Treuen Herrlich in Erfüllung gehn; Jauchzend werden dann sich freuen, Die jest still mit Thränen sä'n, Wenn der Segensstrom des Herrn Alles füllet nah und fern. 179 6. Welch ein Segen wird ersprießen, Wenn wir gehn an deiner Hand! Wenn uns deine Quellen fließen, Grünet bald das dürre Land. Nationen aller Orten Strömen her zu deinen Pforten, Fallen auf ihr Angesicht, Jubeln laut im ewgen Licht. Dr. Barth, g. 1799 224. Eine Heerde und Ein Hirt! Wie wird dann dir seyn, o Erde, Wann sein Tag erscheinen wird? Frene dich, du kleine ( Ef. 44, 3. Rom. 11, 25. 26.) 4. Darum muthig stets, ihr Brüder! Eilet dem Verlornen nach! Sucht des Volkes Gottes Glieder Liebend auf in ihrer Schmach, Ladet sie von Berg und Thal Zu des Königs Hochzeitmahl! 5. Scheint es oft vergeblich Mühen, Segenloses Kämpfen euch, Denkt: auf rauhem Pfade ziehen Alle in dem Kreuzesreich; Doch wer seinem König dient, Dem hat stets ein Kranz gegrünt. 6. Herr! erhöre uns und sende Deinen heilgen Geist uns zu, Der uns Muth im Kampfe spende Und in Trübfal stille Ruh. Ja wir wollen dir vertraun; Du wirst Zion wieder baun! Sophie Herwig, g. 1810+ 1836. Mel. Theurester Immanuel.( Joh. 10, 16. Hagg. 2, 8.) Heerde; Mach dich auf und werde Licht! Jesus hält, was er verspricht! 2. Hüter! ist der Tag noch XII. Wort Gottes. fern? Schon ergrünt es auf quelle; Ihn umleuchtet Morden Waiden, Und die Herrlich- genlicht; Jesus hält, was er keit des Herrn Nahet däm- verspricht! mernd sich den Heiden; Blinde Pilger flehn um Licht; Jesus hält, was er verspricht! 3. Komm, o komm, getreuer Hirt, Daß die Nacht zum Tage werde! Ach wie manches Schäflein irrt Fern von dir und deiner Heerde! Kleine Heerde, zage nicht; Jesus hält, was er verspricht! 4. Sieh, das Heer der Nebel flieht Vor des Morgenrothes Helle, Und der Sohn der Wüste| was er verspricht! kniet Dürstend an der Lebens180 5. Gräber stehen aufgethan; Rauscht, verdorrete Gebeine! Macht dem Bundesengel Bahn, Großer Tag des Herrn, erscheine! Jesus ruft: es werde Licht! Jesus hält, was er verspricht! 6. O des Tags der Herrlichkeit! Jesus Christus, du die Sonne, Und auf Erden weit und breit Licht und Wahrheit, Fried und Wonne! Mach dich auf, es werde Licht! Jesus hält, Fr. Ad. Krummacher, g. 1767. XII. Wort Gottes. Mel. Mein's Herzens Jesu.( Ebr. 1, 1. 2. Matth. 13, 1-23.) 225. Wir Menschen sind zu| lied preist, Dein Wort, laß dem, o Gott, Was geistlich ist, nicht tüchtig; Dein Wesen, Wille und Gebot Ist viel zu hoch und wichtig; Wir wissens und verstehens nicht, Wenn uns dein göttlich Wort und Licht Den Weg zu dir nicht zeiget. uns nicht rauben Und gib uns deinen guten Geist, Daß wir von Herzen glauben Und alles, was dein Wort gebeut, Mit Treue, Luft und Emsigkeit 3n deiner Ehre üben. 2. Von jeher hast du ausgesandt Propheten, deine Knechte; Sie machten in der Welt bekannt Dein Heil und deine Rechte; Zuletzt ist selbst dein eigner Sohn, O Vater, von des Himmels Thron Gekommen, uns zu lehren. 3. Dieß Heil, das unser Dank4. Hilf, daß der Frevler frecher Spott Nicht unsern Glauben wende; Denn du bist ein gerechter Gott Und strafft gewiß am Ende. Erweck uns durch der Wahrheit Kraft, Und was sie Gutes in uns schafft, Das laß uns treu bewahren! 5. Der Sam' am Wege wird sofort Vom Satan weggenom XII. Wort Gottes. 181 men; Auf Fels und Steinen nicht Hörer nur allein, Nein, kann das Wort Niemals zum Wurzeln kommen; Und wenn es unter Dornen fällt, Hat Sorg und Wollust dieser Welt Bald seine Kraft ersticket. 6. Drum öffne, Herr, Verstand und Herz, Daß wir dein Wort recht fassen, Uns in der Freude wie im Schmerz Auf seine Kraft verlassen; Daß wir auch desselben Thäter sey'n, Frucht hundertfältig bringen. 7. Laß sich dein Wort zu deiner Ehr, Gott Vater, weit ausbreiten! Hilf, Jesu, daß uns deine Lehr Erleuchten mög und leiten! Oheilger Geist, dein göttlich Wort Laß in uns wirken immerfort Trost, Hoffnung, Lieb und Glauben! Gesenius, g. 1601 † 1671. Mel. O Gott, du frommer.( Luc. 11, 28. Gir. 11, 20.) 226. Soll dein verderbtes| Kann dich nicht irren lassen. Herz Zur Heiligung genesen, Christ, so versäume nicht, Das Wort des Herrn zu lesen; Bedenke, daß dieß Wort Das Heil der ganzen Welt, Den Rath der Seligkeit, Den Geist aus Gott enthält. Lies, Christ, sein heilig Buch, Lies oft, du wirst es fassen, So viel dein Heil verlangt. Gott ists, der Weisheit gibt Dem, der sie redlich sucht Und aus Gewissen liebt. 5. Lies frei von Leidenschaft Und ledig von Geschäften, Und sammle deinen Geist Mit allen seinen Kräften. Der beste Theil des Tags, Des Morgens Heiterkeit, Und dann der Tag des Herrn, Der sey der Schrift geweiht. tak 2. Merk auf, als ob dir Gott, Dein Gott gerufen hätte; Merk auf, als ob er selbst zu dir vom Himmel redte! So lies, mit Ehrfurcht lies, Mit Lust und mit Vertraun Und mit dem frommen Ernst, In Gott dich zu erbaun. 3. Sprich fromm: ,, o Gott, vor dem Ich meine Hände falte, Gib, daß ich dein Gebot Für ewge Wahrheit halte, Und laß mich deinen Nath Empfindungsvoll verstehn, Die Wunder am Gesetz, Am Wort vom Kreuze sehn!" 4. Er, aller Wahrheit Gott, 6. Rührt dich ein starker Spruch, So ruf ihn, dir zum Glücke, Des Tags oft in dein Herz, Im Stillen oft zurücke; Empfinde seinen Geist Und stärke dich durch ihn zum wahren Edelmuth, Das Gute zu vollziehn. 7. Um tugendhaft zu seyn, Dazu sind wir auf Erden. Thu, XII. Wort Gottes. 182 was die Schrift gebeut, Dann| kränken. Hier bist du Kind; wirst du inne werden: Die Lehre sey von Gott, Die dir verkündigt ist, und dann das Wort verstehn, Dem du gehorsam bist. doch dort Wird Gott mehr Licht dir schenken, Dort wächst mit deinem Glück Dein Licht in Ewigkeit; Dort ist die Zeit des Schauns, Und hier des Glaubens Zeit. 8. Spricht sie geheimnisvoll, So laß dich dieß nicht schrecken: Ein endlicher Verstand Kann Gott nie ganz entdecken; Gott bleibt unendlich hoch. Wenn er sich dir erklärt, So glaube, was er spricht, Nicht, was dein Witz begehrt. 9. Sich seines schwachen Lichtsche Dunkelheit. Bei Gottes Licht nicht schämen, 12. Halt fest an Gottes Wort, Es ist dein Glück auf Erden und wird, so wahr Gott ist, Dein Glück im Himmel werden. Verachte christlich groß Des Bibelfeindes Spott; Die Lehre, die er schmäht, Bleibt doch das Wort aus Gott! Ist Weisheit; die Vernunft Alsdann gefangen nehmen, Wenn Gott sich offenbart, Ist der Geschöpfe Pflicht, Und weise Demuth ists, Das glauben, was Gott spricht. 10. Drum laß dich, frommer Christ, Durch keine Zweifel 11. Verehre stets die Schrift, Und siehst du Dunkelheiten, So laß dich deinen Freund, Der mehr als du sieht, leiten; Ein forschender Verstand, Der sich der Schrift geweiht, Ein angefochtnes Herz Hebt mandich, Gott, für der Bibel Lehre, Die ich als dein Geschenk Anbetungsvoll verehre. Sie ist das Glück der Welt, Der Ruhm der Christenheit, Mein Kleinod, Trost und Licht Bis in die Ewigkeit. Simijen 2. Zum Licht, in dem du mohnst, Kann die Vernunft nicht dringen; Mit Zweifeln und mit Wahn Müßt ich voll Unruh ringen, Hätt ich dein Gellert, g. 1715 † 1769. Mel. O Gott du frommer.( Joh. 1, 8. Pf. 1, 1-3.) 227. Inbrünstig preis ich| göttlich Wort, Den klaren Unterricht Von dir und deinem Sohn Und meiner Seele nicht. 3. Wie kräftig ist dein Wort! Gott! vielen tausend Christen Gab deine Bibel Sieg Im Kampf mit bösen Lüften, Im Leben frohen Muth, Im Kreuz Gelassenheit, Im Alter Trost und Kraft, Im Tode Freudigfeit. 4. Der Fromme wird gestärkt, Der Sünder tief erschüttert, XII. Wort Gottes. Der Zweifler wird beschämt,| Frömmigkeit, Mit Ehrfurcht Des Spötters Seele zittert; Es tröstet sich am Grab Der Seinigen der Christ, Wenn er vom Wiedersehn Im bessern Leben liest. und Gebet Der Schrift die Andacht weiht? 7. So kann kein menschlichs Buch, Gott, deine Größe preifen, So faßlich rührend nicht Den Weg zum Himmel weisen. Durch Menschenrednerkunst Wird so kein Herz erquickt, Zu jedem guten Werk So willig und geschickt. 8. Zur Ehrfurcht für dieß Buch Laß deinen Geist mich rühren, Mich seine ganze Kraft An meinem Herzen spüren, Bis mich, mein Gott, bei dir In deiner Herrlichkeit Ein völlig helles Licht Umleuchtet und erfreut! 5. Hier lernt der Weiseste Der wahren Weisheit Schäße; Hier faßt der Blödeste Die göttlichen Geseße; Hier findet jeder Stand Für jede Lebenspflicht In allen Fällen Rath Und hellen Unterricht. 6. Wer fühlt nicht deinen Geist Und seiner Wirkung Stärke, Wer nicht des Glaubens Kraft Und Trieb zum guten Werke, Der mit dem lautern Wunsch Nach Licht und 183 und der Liebe! Dir sey Lob und Ruhm gebracht, Daß man uns dein Wort beschriebe, Das die Seelen selig macht. Lehre selbst mich herzlich danken, Schließ in meines Herzens Schranken Diesen deinen theuren Schatz, Als in einen Sammelplaz. Loder, g. 1757 † 1823. Eigene Mel.( Pf. 19, 8-12. Sir. 4,15. Cap. 24.) 228. Gott der Wahrheit| Herrn Befehl Richtig und erfreut die Seel. 3. Die Gebote Gottes taugen ( Denn sie sind voll Kraft und Licht), zu erleuchten unsre Augen; Sie enthalten jede Pflicht. Wer sie übet, den begleiten Sie in alle Ewigkeiten; Gottes Recht an seinen Knecht Ist wahrhaftig und gerecht. 2. Nichts gleicht unsers Herrn 4. Gottes Rechte zu vergleiGefeßen; Sie sind, wie er sel- chen, Menschen, ist vergebne ber, rein, Sie erquicken, sie Müh; Nein, sie kann kein Bild ergößen, Sie beleben in der erreichen, Köstlicher, als Gold Pein. Herr! dein Zeugniß, das sind sie; Ihrer lebensvollen ich preise, Ist gewiß, macht Süße Gleichen keine HonigThoren weise, Ja es ist des flüsse, Und dein Knecht wird 184 froh davon; Wer sie hält, hat| Menschen vorgebracht. Hier, großen Lohn. vom Himmel ausgeflossen, Hat die Weisheit sich ergossen, Ja hier strömet voll und hell Aller Seligkeiten Quell. 5. Höchster! dein Gebot ist helle, Dein Gebot, das ewig heißt; Es ist aller Weisheit Quelle, Die aus diesem Brunnen flenßt. Wer es liebt mit reinen Trieben, Den wird Gott auch wieder lieben; Hält man es von Herzen werth, So wird Gott dadurch geehrt. 6. Dieses ist das Buch des Bundes, Mit dem höchsten Gott gemacht; Dieß sind Worte seines Mundes, Durch die XII. Wort Gottes. Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Mel. Es spricht der.( 5 Mof. 5, 6-21. Jes. 66, 2.) meiner Taufe Bund Zu deinem Dienst verbinde. 229. Herr! deine Rechte und| Tag und Stund, Wie stark mich Gebot', Danach wir sollen leben, Wollst du mir, o getreuer Gott Ins Herze selber geben, Daß ich zum Guten willig sey, Mit Sorgfalt und ohn' Heuchelei, Was du befiehlst, vollbringe. 4. Laß mich am Tage deiner Ruh Mit Andacht vor dich treten, Die Zeit auch heilig bringen zu Mit Danken und mit Beten; Daß ich hab meine Lust an dir, Dein Wort gern höre und dafür Herzinniglich dich preise. 2. Gib, daß ich dir allein vertran, Allein dich ehr und liebe, Auf Menschenhilf und Trost nicht bau, In deiner Furcht mich übe; Daß großer Leute Gnad und Gunst, Gewalt, Pracht, Neichthum, Wig und Kunst Mir nicht zum Abgott werde. 7. Herr! für diese hohen Gaben, Die dein armes Kind nicht werth, Sollst du Dank und Ehre haben, Bis dein Ruhm sich ewig mehri. Vater, der den Sohn uns gibet, Sohn, der bis zum Tod geliebet, Geist der Kraft in unsrem Streit, Sey gelobt in Ewigkeit! 3. Hilf, daß ich deinen Gnadenbund Aus deinem Wort er kenne, Auch nicht vergeblich mit dem Mund, Herr, deinen Namen nenne; Daß ich bedenke 5. Die Eltern, Lehrer, Obrigkeit, Die vorgesetzt mir werden, Laß ja mich ehren allezeit, Daß mirs wohl geh auf Erden; Für ihre Sorg und Treu laß mich, Auch wenn sie werden wunderlich, Gehorsam seyn und dankbar. 6. Hilf, daß ich nimmer eigne Rach Aus Zorn und Feindschaft übe, Dem, der mir anthutkreuz XII. Wort Gottes. 185 An Lã10. Laß mich des Nächsten Haus und Gut Nicht wünschen noch begehren, Was aber mir vonnöthen thut, Das wollst du mir gewähren; Doch daß es niemand schädlich sey, Ich auch ein ruhig Herz dabei Und deine Gnad behalte. 11. Ach Herr, ich wollte deine Recht' Und deinen heilgen Willen, Wie mir gebührt als deinem Knecht, Ohn' Mangel gern erfüllen; Doch fühl ich wohl, was mir gebricht, Und wie ich das Geringste nicht Vermag aus eignen Kräften. 12. Drum gib du mir von deinem Thron, Gott Vater, Gnad und Stärke; Verleih mir, Je= fu, Gottes Sohn, Daß ich thu rechte Werke; Oheilger Geist, hilf, daß ich dich Von ganzem Herzen, und als mich Ohn' Falsch den Nächsten liebe! Denife, g. 1603 † 1680. und Schmach, Verzeihe und ihn| Abscheu habe jederzeit liebe; Sein Glück und Wohl- sterung und Lügen. fahrt jedem gönn, Schau', ob ich jemand dienen könn Und thu es dann mit Freuden. 7. Unreine Werk' der Finsterniß Laß mich mein Lebtag meiden, Daß ich für böse Lust nicht müss' Der Hölle Qual dort leiden. Schaff in mir, Gott, ein reines Herz, Daß ich schandbare Wort' und Scherz' Nebst andern Sünden fliehe. 8. Gib, Herr, daß ich mich redlich nähr Und böser Ränke schäme, Mein Herz von Geiz und Unrecht kehr Und fremdes Gut nicht nehme, Und von der Arbeit meiner Händ, Was übrig ist, auf Arme wend Und nicht auf Pracht und Hoffahrt. 9. Hilf, daß ich meines Nächsten Glimpf zu retten mich befleiße, Von ihm abwende Schmach und Schimpf, Doch Böses nicht gut heiße. Gib, daß ich lieb Aufrichtigkeit Und Mel. Jesu, meine Freude.( Luc. 4, 18. 19. Apostelg. 10, 43. 2 Cor. 1, 20.) 230. Wort des höchsten| 2. Was dein Wohlgefallent Mundes, Engel unsers Bundes, Wort, du warst nie stumm! Bald da wir gefallen, Ließest du erschallen Evangelium; Eine Kraft, Die Glauben schafft, Eine Botschaft, die zum Leben Uns von dir gegeben. Vor der Zeit uns allen Fest bea stimmet hat, Was die Opferschatten Vorgebildet hatten, Das vollführt dein Rath. Was die Schrift Verspricht, das trifft Alles ein in Jesu Namen Und ist Ja und Amen. * Joh. 1, 1. Mal. 3, 1. 3. Alles ist vollendet; Jesu XII. Wort Gottes. 186 Gnade wendet Alle Straf und| trug! Jesu Blut Stärkteuren Schuld. Jesus ist gestorben, Muth; Gott ist hier, der ench Jesus hat erworben Alle Gnad geliebet Und die Schuld verund Huld. Auch ist dieß Für- gibet. wahr gewiß: Jesus lebt in Preis und Ehre! Derwünschte Lehre! 4. Uns in Sünde Todten Machen Jesu Boten Dieses Leben fund; Lieblich sind die Füße, Und die Lehren süße, Theuer ist der Bund! Aller Welt Wird vorgestellt Durch der guten Botschaft Lehre, Daß man sich bekehre. 5. Kommt, zerknirschte Herzen, Die in bittern Schmerzen Das Gesetz zerschlug; Kommt zu dessen Gnaden, Der, für euch beladen, Alle Schmerzen 6. Dieser Grund bestehet; Wenn die Welt vergehet, Fällt er doch nicht ein. Darauf will ich bauen, So soll mein Vertrauen Evangelisch seyn; Auch will ich nun würdiglich In der Kraft, die mir gegeben, Evangelisch leben. 7. Jesu, deine Stärke Schaffet diese Werke; Stehe du mir bei! Nichts kann mich nun scheiden; Hilf denn, daß mein Leiden Evangelischisey; Laß auch mich Einmal auf dich Als ein Kind, mit dir zu erben, Evangelisch sterben. Hecer, g. 1699 † 1743. Mel. Jesu, der du meine Seele.( Rom. 1, 16. 17. Baruch 4, 1-4.) den Theil. 231. Guter, gnädiger, ge-| nes Heil Nehmen auch die Heitreuer Und erbarmungsreicher Gott! Deine Huld ist groß und theuer, Du willst nicht der Sünder Tod; Für die Armen sind ohn' Ende Offen deine Vaterhände, Und du zeigst, daß deine Tren Wundervoll und göttlich fey. 3. Herr! du rufft verirrte Sünder Aus der Finsterniß heraus Und versammelst sie als Kinder Zu der Kirche, deinem Haus; Läsfest stets dein Wort erschallen, Wirkst durch deinen Geist Allen, Gibst uns Willen, Kraft und Licht und den besten Unterricht. 2. Dein Geist, deinem Volk gegeben, Wehte die Propheten an; Endlich hat der Sohn das Leben Selbst auf Erden kund gethan. Du sendst deiner Boten Schaaren, Deinen Rath zu offenbaren, Und an deines Soh4. Dieß Wort zündet wahren Glauben In den finstern Seelen an; Dieses Wort hilft geistlich Tauben, Daß ihr Ohr recht hören kann; Ja es gibt den XII. Wort Gottes. 187 Geist der Gnaden, Heilet allen| mehr schmecken Hier und in Seelenschaden Und spricht in der Ewigkeit. Es kann aus den der Sündenpein Trost von der Dunkelheiten Unsern Geist zum Vergebung ein. Lichte leiten; Führt vom Kampfe zu der Ruh, Führet uns dem Himmel zu. 5. Ist das Kreuz am allergrößten, Zagt das Herz in Angst und Noth, So kann dieses Wort noch trösten, Es wirkt Leben selbst im Tod, Stillet die Gewissensbisse, Lindert alle Kümmernisse Und befreit vom banger Schmerz Ein von Seufzen mattes Herz. 8. Was wir wollen, was wir handeln NachBeruf, nachStand und Pflicht; Wo wir leben, wo wir wandeln, Leitet uns dieß Lebenslicht. Dieses lässet treue Seelen Nie den rechten Weg verfehlen. Gott! wer deinem Unterricht Redlich folgt, der gleitet nicht. 6. Dieses Wort stärkt unsre Seelen Als das rechte Himmelsbrod, Wenn uns Noth und Hunger quälen Und ein ewig Darben droht. Dieses Wort thut Wunderkuren, Bildet neue Kreaturen und ist eine Gotteskraft, Die uns Seligkeit verschafft. 7. Dieses Wort vertreibt die Schrecken In der bangen Sterbenszeit, Daß wir keinen Tod 9. Längst hätt ich vergehen müssen, Hätte nicht durch seine Kraft Mir in meinenKümmernissen Dein Wort neuen Trost verschafft. Niemals wird mein Herz verzagen, Niemals über Mangel klagen, Hab ich dich nur, o mein Hort, Meinen Jesum und dein Wort! Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Eigene Mel.; oder: Ach Gott und Herr.( Sir. 14, 22. 23. Pf. 119, 105.) 232. Gott ist mein Hort, Und| mich nicht Dein Wort die Wahrseinem Wort Soll meine Seeleheitlehrte? Gott, ohne sie Vertrauen; Ich wandle hier, Mein stünd ich nie, Wie ich dich würGott, vor dir Im Glauben, dig ehrte! nicht im Schauen. 4. Dein Wort erklärt Der 2. Dein Wort ist wahr! Laß Seele Werth, Unsterblichkeit immerdar Mich seine Kräfte und Leben; Daß diese Zeit Zur schmecken; Laß keinen Spott, OGEwigkeit Mir von dir sey geHerr, mein Gott, Vom Glau- geben. ben mich abschrecken. 5. Gott, deinen Nath: Die 3. Wo fänd ich Licht, Wofern Missethat Der Sünder zu ver XII. Wort Gottes. 188 fühnen, Den kennt' ich nicht, Wär mir dieß Licht Nicht durch dein Wort erschienen. 6. Nun darf mein Herz In Neu und Schmerz Der Sünden nicht verzagen; Nein, du verzeihst, Lehrst meinen Geist Im Glauben ,, Vater!" sagen. 7. Mich zu erneun, Mich dir Mel. Sollt es gleich.( Joh. 6, 63.) 233. Treuster Meister! deine Worte Sind die rechte Himmelspforte; Deine Lehren sind der Pfad, Der uns führt zur Gottesstadt. 2. O wie selig, wer dich höret, Wer von dir will seyn gelehret, Wer zu jeder Zeit und Stund Schaut auf deinen treuer: Mund! zu weihn, Ist meines Heils Geschäfte; Durch meine Müh Vermag ichs nie; Dein Wort gibt mir die Kräfte. 8. Herr, unser Hort, Laß dieß dein Wort MirLicht und Freude geben! Es sey mein Theil, Es sey mir Heil Und Kraft zum ewgen Leben! Gellert, g. 1715 † 1769. 4. Hilf mir, mich im Lieben üben Und Gott über alles lieben; Meinen Nächsten, gleichwie mich, Laß mich lieben inniglich. 2. Ist nun dein Herz gleich einem Weg Und gleich den 5. Lehr mich heilige Geberden, Laß mir deine Demuth werden, Geuß mir deine Sanftmuth ein, Laß mich klug in Einfalt seyn. 6. Also werd ich mich verbinden Ganz mit dir und Ruhe finden; Also werd ich in der Seyn gelehrt zur EwigAng. Silesius, g. 1624 † 1677. 3. Sprich doch ein in meiner Seele, Gib ihr Weisung und Befehle; Lehr sie halten bis in Zeit Tod Deiner Liebe sanft Gebot.| feit. Mel. Wenn mein Stündlein.( Luc. 8, 5-15. Ebr. 4, 12. 13.) 234. Mensch, wie ist| harten Straßen, Da auf dem dein Herz bestellt? Hab Ach- breiten Lastersteg Die Vögel tung auf dein Leben! Was trägt für eine Frucht dein Feld? Sinds Dornen, oder Neben? Denn aus der Frucht kennt man die Saat, Auch wer das Land befäet hat: Gott, oder der Verderber. alles fraßen? Ach prüfe dich; es ist kein Scherz! Stehts also um dein armes Herz, So bist du zu beklagen. 3. Ist auch dein Herz von Felsenart, Verhärtet durch die Sünden, So ist der Same schlecht verwahrt Auf solchen Felsengründen. Ein Felsen XII. Wort Gottes. 189 stein hat keinen Saft; Drum, fältig Früchte trägt; Das sind hat der Same keine Kraft Zu sprossen und zu wachsen. 4. Oft ist das Herz auch dornenvoll, Mit Sorgen angefüllet; Oft lebet es in Reichthum wohl, Da wird die Saat verhüllet; Ja sie ersticket ganz und gar Und wird nicht einmal offenbar; Das ist wohl zu beklagen! die rechten Herzen! 6. Wer Ohren hat, der höre doch Und prüfe sich ohn' Heucheln, Dieweil es heute heißet noch; Hier muß sich keiner schmeicheln! Die Zeit vergeht, das Ende naht; Fällt auf kein gutes Land die Saat, So mußt du ewig sterben! 7. Herr Jesu! laß mein Herze seyn Zerknirschet und zerschlagen, Damit der Same dring hinein, Und laß ihn Früchte tragen, Die mir gen Himmel folgen nach, Da ich sie finde tausendfach; Das wünsch ich 5. Doch ist, gottlob! noch gutes Land Auf dieser Welt zu finden, Das Gott, dem Herrn, allein bekannt, Da in des Herzens Gründen Der Same, den Gott eingelegt, Wohl hundert- mit Verlangen! find hier In der Andacht Stille; UnsreSinnen und Begier Lenke sanft den Wille! Deines Wortes heller Schein Strahl' in unser Herz hinein, Uns mit Licht erfülle. 2. Kehr, o Jesu, bei uns ein, Komm in unsre Mitte, Wolleft unser Lehrer seyn, Hör der Sehnsucht Bitte: Deines Wortes stille Kraft, Sie, die neue Menschen schafft, Bilde Herz und Sitte! 3. Von dir lernen möchten wir Deiner Sanftmuth Milde; Möchten ähnlich werden dir, Deinem Demuthsbilde Deiner Laurentii, g. 1660 † 1722Eigene Mel.( Matth. 18, 20. Jac. 1, 21. 22.) 235. Treuer Heiland! wir| stillen Thätigkeit, Deiner armen Niedrigkeit, Deines Wohl= thuns Milde. 4. Zeige deines Wortes Kraft An uns armen Wesen; Zeige, wie es neu uns schafft, Kranke macht genesen. Jesu! dein allmächtig Wort Fahr in uns zu stegen fort, Bis wir ganz genesen. 5. O wie selig ist es, dir Kindlich zu vertrauen! Unerschüttert können wir Auf dich Felsen bauen. Herr! wir glauben in der Zeit, Bis die felge Ewigkeit Uns erhebt zum Schauen. Chr. H. Zeller, g. 1779. 190 XIII. Sakramente. Mel. Werde munter.( Pf. 119, 50. Sir. 6, 37.) 236. Herr! dein Wort, die edle Gabe, Diesen Schaß erhalte mir, Denn ich zieh es aller Habe Und dem größten Reichthum für. Wenn dein Wort nicht mehr soll gelten, Worauf soll der Glaube ruhn? Mir ists nicht um tausend Welten, Aber um dein Wort zu thun. XIII. 2. Hallelujah! Ja und Amen! Herr, du wolleft auf mich sehn, Daß ich mög in deinem Namen Fest bei deinem Worte stehn. Laß mich eifrig seyn beflissen, Dir zu dienen früh und spat, Und mich stets zu deinen Füßen Sitzen, wie Maria that! Nic. Ludwig, Graf von 3inzendorf, g. 1700 † 1760. Sakramente. A. Die heilige Taufe. Mel. Christ, unser Herr, zum Jordan.( Tit. 3, 4-7) 237. Mehr steht das Aug| unserkrank Gewissen! O Geist, im Taufen nicht, Als bloßes Wasser gießen; Der Glaube sieht durch höhres Licht Das Blut des Bundes fließen. heilige, o theure Fluth, Wasch durchs Wasser und durchs Blut Laß auf uns Gnade fließen Und mach uns rein von Sünden! hier, Deinem Worte nachzuleben; Dieses Kindlein kommt zu dir, Weil du den Befehl gegeNach Luther. Mel. Mein Jesus lebt.( Tit. 3, 4-7.) 238. Dir, Herr, sey dieses| 2. Durch dieses Siegel deiner Kind empfohlen, Dir, dessen Treu unwandelbar; Wir bringens, wie du selbst befohlen, Dir in der heilgen Taufe dar. Gib, Vater, gib an deinem Heil, An Jesu Christo gib ihm Theil! Gnade Wird jedes Recht der Christen sein; Du weihst es in dem Wasserbade zu deinem Kind und Erben ein. Im Wasser, Vater, ströme du, Ström ihm des Geistes Gaben zu! Cramer, g. 1723 † 1788Mel. Liebster Jesu! wir sind hier, dich; oder: Meine Seel', ermuntre dich ( Joh. 3, 5. 6. Rom. 5, 12-18.) 239. Liebster Jesu! wir sind| ben, Frühe sie zu dir zu weisen, Denen du dein Reich verheißen. 2. Ja es schallet allermeist Dieß dein Wort in unsern Oh A. Die heilige Taufe. 191 ven: Wer durch Wasser und| an; Haupt, mach es zu deinem durch Geist nicht zuvor ist neu geboren, Wird von dir nicht aufgenommen und in Gottes Reich nicht kommen. Gliede; Himmelsweg, zeig ihm die Bahn; Friedefürst, sey du fein Friede; Weinstock, hilf, daß diese Rebe Auch im Glau[ ben dich umgebe! 3. Darum eilen wir zu dir: Nimm dieß Pfand von unsern 5. Nun, wir legen an dein Armen; Tritt mit deinem Glanz Herz, Was von Herzen ist geherfür Und erzeige dein Erbar- gangen; Führ die Seufzer himmen, Daß es dein Kind hier auf Erden Und im Himmel möge werden! melwärts Und erfülle das Verlangen! Ja den Namen, den wir geben, Schreib ins Lebensbuch zum Leben! 4. Hirte, nimm dein Schäflein Mel. Thenrester Immanuel.( 2 Tim. 2, 19. Marc. 16, 16.) 240. Ewig, ewig bin ich| wurde doch Schwach im Kampf dein, Theuer dir, mein Gott, erkaufet; Bin auf dich, um dein zu seyn, Vater, Sohn und Geist, getaufet. Dessen soll mein Herz fich freun; Ewig, ewig bin ich dein! und matt im Laufe; Dennoch will noch Jesus mein, Gott will noch mein Vater seyn! 2. Welch ein göttlicher Gewinn, Daß ich durch der Taufe Gabe Nun dein Kind und Erbe bin, Daß ich dich zum Vater habe! Einst von allen Sünden rein, Ewig, Vater, ewig dein! 5. Das ist Gottes Bund mit mir, Gnädig hat er mir verheißen: Mich soll keine Macht von dir, Keine Sünde von dir reißen. Gott, mein Gott, ich will nur dein, Dein und meines Jesu seyn' 3. Jch, ein Sünder von Natur, Ich Gefallner soll auf Erden Eine neue Kreatur, Soll, o Gott, dir ähnlich werden; Heilig, heilig will ich seyn: Jesus und sein Geist ist mein! Schmolt, g. 1672 † 1737. 4. Ich versprachs, gelob es noch; Brach zwar oft den Bund der Taufe, Kämpfte schon, und 6. Ich entsage, Satan, dir, Dir, o Welt, und dir, o Sünde; Ich entfag euch, weicht von mir, Dem erlösten Gotteskinde! Eure Luft ist Schmach und Bein; Gott, nur Gott will ich mich weihn! 7. Wachen will ich, flehn um Kraft, Daß ich stets auf seinem Wege Heilig und gewissenhaft Und im Glauben wandeln möge. Er wird mir die Kraft ver XIII. Sakramente. 192 leihn, Treu bis in den Tod zu| Bin auf dich, um dein zu seyn, seyn. Vater, Sohn und Geist, getaufet; Ewig, ewig laß mich dein, Ewig laß mich selig seyn! 8. Höre mich, denn ich bin dein, Theuer dir, mein Gott, erkaufet; Cramer, g. 1723 † 1788. Taufbundes- Erneuerung. Mel. Mein Jesus lebt.( Rom. 6, 3. 4. 5 Mof. 29, 9. Jef. 54, 10.) 241. Jch bin getauft auf| ihn überschreite, So laß mich nicht verloren gehn, Und hab ich einen Fall gethan, So nimm dein Kind zu Gnaden an. 5. Ich gebe dir, mein Gott, aufs neue Leib, Seel und Herz, zum Opfer hin; Erwecke mich zu neuer Trene Und nimm Besitz von meinem Sinn! Es sey in mir kein Tropfen Blut, Der nicht, Herr, deinen Willen thut! deinen Namen, Gott, Vater, Sohn und heilger Geist! Ich bin gezählt zu deinem Samen, Zum Volk, das dir geheiligt heißt; Ich bin in Christum eingesenkt, Er hat mir seinen Geist geschenkt. 2. Du hast zu deinem Kind und Erben, Mein lieber Vater, mich erklärt; Du hast die Frucht von deinem Sterben, Mein treuer Heiland, mir gewährt; Du willst in aller Noth und Pein, O guter Geist, mein Tröster seyn. 3. Doch hab ich dir auch Furcht und Liebe, Gehorsam zugesagt und Treu; Ich habe dir aus reinem Triebe Gelobt, daß ich dein eigen sey; Hingegen sagt' ich bis ins Grab Der Sünde schnödem Wesen ab. 4. Mein treuer Gott! auf deiner Seite Bleibt ewig dieser Bund bestehn; Wenn aber ich 6. Weich, weich, du Fürst der Finsternisse! Ein andrer Herr hat mich erkauft; Ich bin ein Sündenkind, doch wisse: Ich bin auf ChristiTod getauft! Weich, eitle Welt, du Sünde weich, Gott hört es: ich entsage euch! 7. Laß diesen Vorsatz nimmer wanken, Gott, Vater, Sohn und heilger Geist! Halt mich in deines Bundes Schranken, Bis mich dein Wille sterben heißt; So leb ich dir, so sterb ich dir, So lob ich dich dort für und für. Nach Rambach. Mel. Mein Glaub ist.( 1 Petri 2, 9. 1 Joh. 2, 28.) 242. Ich bin in dir und du| Liebe, dir, In dieser Welt entin mir! Nichts soll mich, ewgereißen! Auf Erden, wo nur A. Taufe.( Taufbundes- Erneuerung.) 193 Sünder sind, Nennst du mich bei dir, Weil ich auf Erden freundlich schon dein Kind, laß michs ewig heißen Und treu mit Wandel, Herz und Mund Bewahren deinen Friedensbund! walle; Drum führ mich, Jesu, treuer Hirt, Daß mich, was locket, schreckt und irrt, Nicht bringe je zu Falle! O daß, was ich dir heut versprach. Mir gehe tief und ewig nach! 4. Ich bin in dir und du in mir; Komm, Herr, mir deine Tugendzier Frühzeitig anzulegen, Daß mir des Lebens Glück und Noth, Ja selbst der legte Feind, der Tod, Nur kommen mög im Segen. Mit dir will ich durchs Leben gehn, leiden, sterben, auferstehn! Knapp, g. 1798. Dir 2. Ich bin in dir und du in mir; Dreieinger Gott, du haft zu dir Mich frühe schon berufen. Was mir, dem Kindlein, war bereit, Ergreif ich heut voll Innigkeit An des Altares Stufen und sag: o Liebe, du bist mein, Ich will dein Kind auf ewig seyn! 3. Ich bin in dir und du in mir; Noch wohn ich völlig nicht Mel. Nun danfet Alle Gott.( Phil. 1, 6. Rol. 2, 7.) 243. Es ist ein köstlich| men nennt, Aufs neue für die Ding Und Zeugniß deiner Treue, Heiland, daß das Herz In dir befestigt seye, ImGuten immer wachs', Zum Bösen nimmer kehr; Und dieses kommt allein Von deiner Gnade her. 2. Das Herz ist gar zu bös Und fängt wohl an zu wanken, Wenn es zum Guten kaum Gefaffet die Gedanken. Steht es von deiner Hilf, O mein Erlöser, bloß, Wie wird durch Fleisch und Welt Sein Fall so schnell, so groß! Lust Der argen Welt entbrennt! 4. Was wir dir in der Tauf So fest und stark versprochen, Das bleibe künftighin( Ach gib es!) ungebrochen. Stärk unsre schwache Hand, Nicht auf den müden Fuß Durch Vorsatz und Gebet, Wachsamkeit und Buß. Durch 3. Wir bitten, Herr, für uns, Die Kinder sammt den Alten: Laß jeden, was er hat, Im Glauben fest behalten; Daß keiner unter uns, Der deinen NaEvangelisches Gesangbuch. 5. Was du durch deinen Geist Im Guten angefangen, Dafür hab herzlich Dank! Achlaß es fortgelangen Zum Wachsthum und zur Kraft, Die keine Aendrung kennt, Und kröne selbst dein Werk Mit einem selgen End. 6. Hilf, Sieger, hilf uns doch In allem überwinden! Laß uns 13 XIII. Sakramente. 194 in deiner Lieb Die rechte Stär-| Nicht Leben oder Tod Von dir kung finden, Daß keine Krea- uns scheiden mag. tur, Nicht Trübsal oder Plag, Fischer, g. 1693 † 1773. Mel. Machet auf! ruft. Gemeinde. 244. Vor dir, Todesüberwinder, Stehn deine theurerlösten Kinder, Ihr Lobgesang sey dir gebracht! Freudig gehn fie dir entgegen, Weil du der Liebe reichsten Segen Den Kin= derseelen zugedacht. Dein Auge fieht sie hier Im Jugendschmuck vor dir Knien und beten. Herr! sie sind dein; Laß ihre Neihn Dir an dein Herz geleget seyn! Chor der Kinder. 2. Friedefürst! ich ward erkoren Am ersten Tag, als ich geboren, zu deinem selgen Gnadenkind; Du gabst mir des Himmels Gaben, Weil wir nichts Gutes eigen haben Und ohne dich verloren sind. O Jefu, meine Ruh! Ich greife freudig zu Nach den Gaben, Die du mir heut Zur Seligkeit Durch dein Erbarmen haft erneut. ( Marc. 10, 14-16.) 3. Laß dich halten und umfassen, Ich will dich ewig nicht verlassen, Verlaß auch du mich ewig nicht! Schütze mich vor Welt und Sünde und offenbare deinem Kinde Dein gnadenvolles Angesicht; Auf daß ich Tag für Tag In dir mich freuen mag Still und heilig, Und mich dein Mund Zu jeder Stund Erinnre an den Liebesbund. dein sind wir! Sieh, wir alle flehen: Laß, laß, o Barmherziger, Uns dein Antlitz sehen! Wach über unsre Seelen! Hier stehn und sprechen alle wir: Herr! dein Eigenthum sind wir. Heiliger Schöpfer, Gott! HeiGemeinde und Kinder. 4. O du Hirt erkaufter Seelen! Ich muß des rechten Wegs verfehlen, Wenn meine Seele von dir geht; Darum gib mir Licht und Stärke Und Glaubensmuth zum guten Werke, Zum Ringen, Wachen und Gebet, Bis ich den Pilgerstand Im ewgen Vaterland Siegreich ende, Und du, o Sohn, Der Treue Lohn Mir reichst von deinem Gnadenthron. Knapp, g. 1798. Eigene Mel.( Eph. 6, 10-17.) 245. Stärk uns, Mittler,| liger Mittler, Gott! Heiliger Gott, Lehrer und Tröster! Dreieiniger Gott! Laß uns nie vergessen Unsern theuren, heilgen Bund! Erbarm dich unser! 2. Ach wie oft gelobten wir, Fest an dir zu halten, Aber trenlos ließen wir Unsre Lieb er B. Das heilige Abendmahl. 195 falten! Stärk uns, o Herr, im| Gott! HeiligerGott, Lehrer und Glauben! Beständig laß uns Tröster! Dreieiniger Gott! Laß alle seyn, Die wir uns aufs uns alle Feinde, Alle Reizunneu dir weihn! Heiliger Schö- gen der Welt Weit überwinden! pfer, Gott! Heiliger Mittler, Gott! Heiliger Gott, Lehrer und Tröster! Dreieiniger Gott! Stärk uns, deine Kinder, Im Vertrann auf Jesu Tod Und in der Tugend! 3. Lockt uns die verderbte Welt Zu der Jugend Lüften, Dann, Herr, wollst du uns mit Kraft Aus der Höhe rüsten. Laß streiten uns und siegen! Die Triebe zu verbotner Lust Dämpfe früh in unsrer Brust! Heiliger Schöpfer, Gott! Heiliger Mittler, 4. In der Todesnoth laß uns, Deine Theurerlösten, Unsers Glaubens Zuversicht Unaussprechlich trösten! Zähl uns zu deinen Kindern! Laß Kinder und Erwachsne dein Sich im Himmel ewig freun! Heiliger Schöpfer, Gott! Heiliger Mittler, Gott! Heiliger Gott, Lehrer und Tröster! Dreieiniger Gott! Laß uns nie vergessen Unsern theuren, heilgen Bund! Erbarm dich unser! Münter, g. 1735 † 1793. B. Das heilige Abendmahl. Mel. Wachet auf! ruft.( 1 Cor. 11, 26-28.) 246. Herr! du wollst une vorbereiten Zu deines Mahles Seligkeiten, Sey mitten unter uns, o Gott! Laß uns, Leben zu empfahen, Mit glaubensvollem Herzen nahen, Und sprich uns los von Sünd und Tod. Wir sind, o Jesu, dein, Dein laß uns ewig seyn, Amen, Amen! Anbetung dir, Einst feiern wir Das große Abendmahl bei dir. 2. Nehmt und eßt zum ewgen Leben Das Brod, das euch der Herr gegeben; Die Gnade Jesu sey mit euch! Nehmt und trinkt zum ewgen Leben Den Kelch des Heils, auch euch gegeben; Ererbt, erringt des Mittlers Reich! Wacht, eure Seele sey Bis in den Tod getren, Amen, Amen! Der Weg ist schmal; Klein ist die Zahl, Die dort eingeht zum Abendmahl! Klopstod, g. 1724+ 1803. Mel. Ich dank dir schon durch.( 1 Cor. 11, 23-25.) 247. As Jesus Christus| ganz bedacht, Dasselbe zu erin der Nacht, Darin er ward statten, verrathen, Auf unser Heil war 2. Da nahm er in die Hand 196 XIII. Sakramente. das Brod Und brache mit sei-| theures Blut Im Kelche zu nen Fingern, Sah auf gen Himmel, dankte Gott Und sprach zu seinen Jüngern: genießen, Das ich für euch und euch zu gut Am Kreuze werd vergießen." 6. ,, Das macht euch aller Sünden frei, Daß sie euch nicht mehr kränken; So oft ihrs thut, sollt ihr dabei An meinen Tod gedenken." 3. Nehmt hin und eßt, das ist mein Leib, Der für euch wird gegeben; Und denket, daß ich euer bleib Im Tod und auch im Leben." 4. Deßgleichen nahm er auch den Wein Im Kelch und sprach zu Allen:„ Nehmt hin und trinket insgemein, Wollt ihr Gott wohlgefallen." 5. Hier geb ich euch mein 7. O Jesu! dir sey ewig Dank Für deine Treu und Gaben; Ach laß durch diese Speis' und Trank Auch mich das Leben haben! Johann Heermann, g. 1585 † 1647. Mel. Es ist das Heil.( Matth. 22, 2-14.) 248. Gott macht ein gro=| schnödes Geld und Gut, Sie lieben ihres Fleisches Muth Und thun, was sie gelüftet. 4. Sie fahren in den Sünden fort Und wollen nicht verstehen, Daß sie ja einen Seelenmord An ihnen selbst begehen. Verachtet man das Himmelsmahl, So wird zuletzt der Hölle Qual Zur Strafe drauf erfolgen. ßes Abendmahl Vom Reich thum seiner Gnaden Und läßt in Christi Kirchensaal Die Gäste freundlich laden. Kommt," ruft er, alles ist bereit! Kommt alle, die ihr hungrig seyd Und lasset euch erquiden!" 2. So höre doch nun jedermann, Wer Ohren hat zu hören; Gott spricht die Sünder gnädig an, Sie sollen sich bekehren, und welcher wahre Buße thut, Der soll durch Christi theures Blut Gerechtigkeit erlangen. 3. Ach Gott, wie ists um uns bestellt! Wie treibts der Men- Seelen. schen Haufen! Sie wollen lieber zu der Welt, Als zu dem Himmel laufen. Sie suchen 5. Vor solchem Wesen hütet euch, Ihr gottergebnen Christen, Und stellt euch dieser Welt nicht gleich, Noch folget ihren Lüften! Bedenket doch die Ewigkeit Und forget in der Gnadenzeit Für euer Heil der 6. Ach lieber Gott! regiere mich, Daß ich von Herzen gläube, Im Glauben auch bestän B. Das heilige Abendmahl. 197 diglich Bei deinen Worten blei-| lich Freudenmahl Mich ewig be, Bis einstens in dem Him- wird ergötzen! melssaal Dein überschwengNeumeister, g. 1671 † 1756. Mel. Mein Jesus lebt.( 1 Cor. 11, 28 Matth. 11, 28. Joh. 6, 56.) 249. Laß irdische Geschäfte| ich gehen Als Gottes auser= stehen, Auf, Seele, mache dich bereit! Du willst zu Gottes Tische gehen: Doch prüfe deine Würdigkeit, Ob du dich als ein rechter Gast Zum Abendmahl geschicket haft? wähltes Kind Und selig an dem Orte stehen, Wo andre Himmelsgäste find; Weil ich mit Jesu angethan, Sieht Gott in ihm mich gnädig an. 2. Es will mir fast der Muth verschwinden, Ob ich dabei erscheinen kann; Ich finde viele tausend Sünden, Ach, die ich wider Gott gethan: Ich darf zu dieser Tafel nicht, Nicht unrein vor sein Angesicht! 6. Ach wie erquicket mich die Speise, Die meine Seele hier genießt, Da Jesus wunderbarer Weise Die theure Speise selber ist! Ach siehe, wie dich Jesus liebt, Der dir sich selbst zu eigen gibt! 7. Ich kann nur Brod und Wein erblicken, Doch sieht der Glaub ein höher Gut: In, mit und unter beiden Stücken Empfang ich Christi Leib und Blut; Er sagt es selbst, er ist getren, Drum bleibt mein Glaube fest dabei. 3. Daß Gott erbarm, was soll ich sagen? Ich Sünder muß verloren seyn! Doch nein, ich darf noch nicht verzagen: Gott setzt den Tisch deßwegen ein, Daß er den Sündern Trost und Kraft Für ihre arme Seelen schafft. 4. Wie wohl ist mir in Gott zu Muthe! Gott tilget meine Missethat; Ich wasche mich in Jesu Blute, Der meine Sünd gebüßet hat; Mein Glaub erlangt von ihm das Kleid Des Heils und der Gerechtigkeit. 5. In diesem Schmucke will 8. Mein Jesus ist für mich gestorben, Mein Jesus lebet auch für mich, Mein Jesus hat mir Heil erworben, Darauf besteh ich festiglich Und halte mich an ihn allein: Mein Freund ist mein und ich bin sein! Neumeister, g. 1671 † 1756. Mel. An Wasserflüssen.( Jerem. 31, 25. Job. 15, 5.) den. O mein Erbarmer, würdge mich Des Wunders deiner 250. Ich komme, Herr, und suche dich Mühselig und bela 198 XIII. Sakramente. Guaden! Ich liege hier vor| Und du wirst dem, der dich erdeinem Thron, Sohn Gottes kauft, Von ganzem Herzen und des Menschen Sohn, Mich leben." deiner zu getrösten. Ich fühle meiner Sünden Müh, Ich suche Ruh und finde fie Im Glauben der Erlösten. 2. Dich bet ich zuversichtlich an, Du bist das Heil der Sünder; Du hast die Handschrift abgethan, Und wir sind Gottes Kinder. Ich denk an deines Leidens Macht und an dein Wort: ,, es ist vollbracht!" Du hast mein Heil verdienet, Du haft für mich dich dargestellt; Gott war in dir und hat die Welt In die mit sich verfühnet. 3. So frene dich, mein Herz, in mir: Er tilget deine Sünden Und läßt an seiner Tafel hier Dich Gnad um Gnade finden. Du rufst, und er erhört dich schon, Spricht liebreich: ,, sey getroft, mein Sohn, Die Schuld ist dir vergeben! Du bist in meinen Tod getauft Eigene Mel. 251. Schmücke dich, o liebe Seele! Laß die dunkle Sündenhöhle, Komm aus helle Licht gegangen, Fange herrlich an zu prangen; Denn der Herr, voll Heil und Gnaden, Will dich jetzt zu Gaste laden; Der den Himmel kann verwalten, Will jetzt Herberg in dir halten. 4. ,, Dein ist das Pfand der Seligkeit; Bewahr es hier im Glauben Und laß durch keins Sicherheit Dir deine Kroni rauben. Sieh, ich vereine mich mit dir, Ich bin der Weinstock, bleib an mir, So wirst du Früchte bringen. Ich helfe dir, ich stärke dich, Und durch die Liebe gegen mich Wird dir der Sieg gelingen." 5. Ja, Herr, mein Glück ist dein Gebot, Ich will es tren erfüllen, Und bitte dich durch deinen Tod Um Kraft zu meinem Willen. Laß mich von nun an eifrig seyn, Mein ganzes Herz dir, Herr, zu weihn Und deinen Tod zu preisen; Laß mich den Ernst der Heiligung Durch eine wahre Besserung Mir und der Welt beweisen! Gellert, g. 1715 † 1769. ( Matth. 5, 6.) 2. Eil, wie Gottvertraute pflegen, Deinem großen Herrn entgegen, Der bei dir und all den Seinen Will mit seiner Gnad erscheinen. Deffn' ihm bald die Geistespforten, Red ihn an mit Glaubensworten: ,, Komm, ich will dich mit Verlangen Als den liebsten Freund empfangen." B. Das heilige Abendmahl. 199 3. Ach wie hungert mein Ge-| 5. Herr! es hat dein treues müthe, Menschenfreund nach Lieben Dich vom Himmel herdeiner Güte! Ach wie pfleg ich getrieben, Daß du willig haft oft mit Thränen Mich nach dein Leben Für mich in den diesem Mahl zu sehnen! Ach Tod gegeben und dein theures wie pfleget mich zu dürsten Blut vergossen, Welches deine Nach dem Trank des Lebens- Tischgenossen Hier so wunderfürsten, Daß in diesem Brod bar kaun tränken, Deiner Liebe und Weine Sich mein Herr zu gedenken. mit mir vereine! 6. Jesu, wahres Brod des Lebens, Hilf, daß ich doch nicht vergebens, Oder gar zu meinem Schaden Trete zu dem Mahl der Gnaden! Laß bei diesem Trank und Essen Mich dein Lieben recht ermessen, Daß ich auch, wie jegt auf Erden, Mög dein Gast im Himmel werden! Johann Frand, g. 1618 † 1677. Mel. Herr, wie du willt.( 2 Tim. 2, 8. Matth. 26, 26-28.) 4. Jesu, meine Lebenssonne, Jesu, meine Freud und Woune, Jesu, du mein ganz Beginnen, Lebensquell und Licht der Sinnen! Hier fall ich zu deinen Füßen: Laß mich würdiglich genießen Diese deine Himmelsspeise Mir zum Heil und dir zum Preise! 252. Halt im Gedächtniß Jesum Christ, O Seele, der auf Erden Vom Himmelsthron gekommen ist Ein Heiland dir zu werden. Vergiß nicht, daß er dir zu gut Hat angenommen Fleisch und Blut; Dank ihm für diese Liebe! 2. Halt im Gedächtniß Jesum Christ! Er hat für dich gelitten Und dir, da er gestorben ist, Das Heil am Kreuz erstritten. Errettung von der Sündennoth Erwarb er dir durch seinen Tod; Dank ihm für diese Liebe! 3. Halt im Gedächtniß Jesum Christ, Der, von dem Tod erstanden, Nunmehr zur Rechten Gottes ist, Und von des Todes Banden Die Seinigen auch frei gemacht und ewges Leben dir gebracht; Dank ihm für diese Liebe! 4. Halt im Gedächtniß Jesum Christ! Er wird einst wieder kommen, Zn richten, was auf Erden ist, Die Sünder und die Frommen; Drum sorge, daß du dann bestehst Und mit ihm in den Himmel gehst, Ihm ewiglich zu danken. 5. Mein Heiland, den der Himmel preist, Dich will ich XIII. Sakramente. 200 ewig loben! Ostärke dazu mei-| vermehr' in mir Des Glaubens nen Geist Mit neuer Kraft Kraft, damit ich dir Mit neuer von oben! Dein Abendmahl| Trene diene. Günther, g. 1650 † 1704. Mel. Uch was soll ich Sünder machen.( Joh. 6, 56. 57.) Sünder sterben: Jesus und sein Heil ist mein! 253. Mit dem Haufen dei-| erwerben, Wollt er für mich ner Frommen Will auch ich, o Heiland, kommen Zu des neuen Bundes Mahl. Alle Christen sind geladen; Reicher König! deiner Gnaden Ist kein Maß und keine Zahl. 5. Wer nur glaubt, wird nicht verloren, Er wird rein und neu geboren; Droben ist sein Vaterland. Freuet euch, erlöste Sünder! Gott ist Vater, wir find Kinder, Hier ist der Erlösung Pfand; 2. Welche große Seligkeiten Willst du, Mittler, uns bereiten! Seele, freu dich seiner Huld! Wenn dich Sünd und Elend drücken: Gott ist hier, dich zu erquicken, Jesus tilgt auch deine Schuld! 3. Darf ich, Herr, ich Sünder nahen, Deine Gnade zu empfahen? Ich, der nichts als Fluch verdient? Ja, auch mir bist du gestorben, Leben hast du mir erworben, Mich durch deinen Tod verfühnt! 4. Den Gedanken darf ich wagen, Darf ihn lant voll Freuden sagen: Ich soll Eins mit Jesu seyn! Um mir Gnade zu 6. Pfand von Christi Tod und Leben, Wenn wir ihm, nicht uns mehr leben, Siegel unsrer Seligkeit! Aber Siegel des Gerichtes, Wenn wir fliehn den Weg des Lichtes, Wenn uns noch die Sünde freut! 7. Seele, denk an deine Würde, Und drückt dich des Leidens Bürde, Denk an deinen großen Lohn! Kämpfe wider jede Sünde, Streite männlich, überwinde; Deine Krone wartet schon! Lavater, g. 1741 † 1801. Mel. Es ist das Heil.( Offenb. 3, 20. Joh. 14, 23.) 254. Wie heilig ist die| mel bin ich nicht mehr fern Stätte hier, Wo ich voll An- Und fühle Gottes Nähe. dacht stehe! Sie ist des Him- 2. Wie heilig ist dieß Lebensmels Pforte mir, Die nun ich brod, Dieß theure Gnadenzeioffen sehe. O Lebensthor, o Tisch des Herrn! Vom Himchen, Vor dem des Herzens Angst und Noth Und alle Qua B. Das heilige Abendmahl. 201 lichkeit An mir Gefallen hätte! len weichen! O Brod, das mei-| te, Damit der Herr der Herrne Seele nährt, O Manna, das mir Gott beschert, Dich will ich jetzt genießen! 3. Wie heilig ist doch dieser Trank, Der mein Verlangen stillet, Der mein Gemüth mit Lob und Dank und heilger Freud erfüllet! O Lebenstrank, o heilges Blut, Das einst gefloffen mir zu gut, Dich will ich jest empfangen! 4. Welch unaussprechlich Glück ist mein, Welch Heil hab ich gefunden! Mein Jesus kehret bei mir ein, Mit ihm werd ich verbunden. Wie ist mein Herz so freudenvoll, Daß ich in Jesu leben soll, Und er in mir will leben! 5. O wär doch auch mein Herz geweiht zu einer heilgen Stätwäre doch mein Herz der Ort, An welchem Jesus fort und fort Aus Gnaden Wohnung machte! 6. Mein Jesu! komm und heile mich; Was sündlich ist, vertreibe, Damit ich nun und ewiglich Dein Tempel sey und. bleibe. Von dir sey ganz mein Herz erfüllt; Herr, laß dein heilig Ebenbild Beständig an mir leuchten! 7. Nun, du hast himmlisch mich erquickt, Du hast dich mir gegeben; In dir, der mich so hoch beglückt, Will ich nun stündlich leben! Laß mich, mein Heiland, allezeit, Von nun an bis in Ewigkeit Mit dir vereinigt bleiben! Nach Löscher, g. 1673 † 1749. Mel. Erquide mich, du heil.( Luc. 22, 19: c. 1 Cor. 11, 26. Joh. 6, 53 2c.) 255. Mein Jesu, der du vor| Schmerzen Erneuern sich in dem Scheiden In deiner legten unsern Herzen. Trauernacht Uns alle Früchte deiner Leiden Als lezten Willen haft vermacht, Es preisen gläubige Gemüther Dich, Stifter solcher hohen Güter! 3. Es wird dem zitternden Gewissen Ein neues Siegel aufgedrückt, Daß unser Schuldbrief fey zerrissen, Daß unfre Handschrift sey zerstückt, Daß wir Vergebung unsrer Sünden In deinen blutgen Wunden finden. 2. So oft wir dieses Mahl genießen, Wird dein Gedächtniß bei uns neu; Man kann aus frischen Proben schließen, Wie brünstig deine Liebe sey. Dein Blut, dein Tod und deine ( Col. 2, 14.) 4. Das Band wird fester angezogen, Das dich und uns zusammenhält, Es fühlt die 202 XIII. Sakramente. Freundschaft, längst gepflogen,| Pfande dienen, Daß unser Auf neue Stüßen sich gestellt, Wir werden mehr in solchen Stunden Mit dir zu Einem Geist verbunden. Fleisch, jetzt schwachheitsvoll, Einst herrlich aus dem Staube grünen Und unverweslich werden soll; Ja daß du uns ein ewig Leben Nach diesem kurzen werdest geben. 8. O theures Lamm, so edle Gaben Hast du in dieses Mahl gelegt! Da wir dich selbst zur Speise haben, Wie wohl ist unser Geist gepflegt! Dieß Mahl ist unter allen Leiden Ein wahrer Vorschmack jener Freuden. 5. Dieß Brod kann wahre Nahrung geben, und dieser Kelch erquickt den Geist, Es mehrt sich unser innres Leben, Wenn unser Glaube dich ge= neußt. Wir fühlen neue Kraft und Stärke In unsrem Kampf und Glaubenswerke. 6. Wir treten in genaure Bande Mit deines Leibes Gliedern ein, Wir müssen all in solchem Stande Ein Herz und Eine Seele seyn; Der Geist muß mehr zusammenfließen, Da wir Ein Fleisch und Blut genießen.( 1 Cor. 10, 17.) 7. Dein Leib muß uns zum Mel. Schmücke dich.( 1 Cor. 11, 26. 256. Komm, mein Herz, aus Jesu Leiden Strömt auch dir ein Quell der Freuden; Stille hier dein sehnlich Dürsten An dem Mahl des Lebens fürsten! Daß ich einen Heiland habe Und in seinem Heil mich labe Und in sein Verdienst mich kleide, Das ist meines Herzens Frende! 9. Dir sey Lob, Ehr und Preis gesungen; Ja solche Liebe, warm und rein, Verdient, daß aller Engel Zungen zu ihrem Ruhm geschäftig sey'n. Wird unser Geist zu dir erhoben, So wird er dich vollkommen loben. Nambach, g. 1693 † 1753. Gal. 2, 20.) speise. Daß ich einen Heiland habe, Bleibt mein alles bis zum Grabe, Und ich mag nichts andres wissen, Als sein Leiden zu genießen. 2. Zwar ich hab ihn alle Tage, Wenn ich Sehnsucht nach ihm trage; Er ist auf der Himmelsreise Täglich meine Seelen3. Aber ich will mit Verlangen Auch sein Abendmahl empfangen; Darf ich da mich ihm verbinden, Werd ichs tiefer noch empfinden, Daß ich einen Heiland habe, Der am Krenz und in dem Grabe, Wie sein Wort mir sagt und schreibet, Mein Erlöser war und bleibet. B. Das heilige 4. Ach wie werd ich oft so müde, Wie entweicht der süße Friede! Sünd und Welt kann mich verwunden, Wenn mir dieses Licht entschwunden: Daß ich einen Heiland habe, Der mit seinem Hirtenstabe, Sanft und mild und voll Vergeben, mir nichts ist als lauter Leben. 5. Sey gesegnet, ewge Liebe, Daß du mir aus treuem Triebe, Da der Unglaub mich vergiftet, Solch ein Denkmal selbst gestiftet: Daß ich einen Heiland habe, Der den Gang zum Kreuz und Grabe, Ja den Schritt in Todes Rachen Gern gethan, mich los zu machen! 6. Heilges Brod, sey mir ge= segnet, Weil mir der mit dir begegnet, Der mit seinen heilgen Wunden Die Erlösung mir erfunden! Daß ich einen Heiland habe, Der erblaßt und todt im Grabe, Auch für meine Schuld gelegen, Will ich schmeden und erwägen. Abendmahl. 203 7. Heilger Kelch, sey mir gesegnet, Weil mir der in dir begegnet, Dessen Blut mich läffet finden Die Vergebung aller Sünden! Daß ich einen Heiland habe, Der die matie Seele labe, Muß dieß nicht mein Dürsten stillen Und mein Herz mit Wonne füllen? 8. Gott! was brauch ich mehr zu wissen, Ja was will ich mehr genießen? Wer kann nun mein Heil ermessen, Werd ich das nur nicht vergessen, Daß ich einen Heiland habe! Ich bin frei von Tod und Grabe; Wenn mich Sünd und Hölle schrecken, So wird mich mein Heiland decken. 257. Herr! du haft für alle Sünder Einen reichen Tisch gedeckt, Wo dein Brod die armen Kinder Neu zu Freud und Liebe weckt. Hier erschein ich als ein Gast, Welchen du geladen hast; Laß mich nicht mit falschem 9. Will hinfort mich etwas quälen, Oder wird mir etwas fehlen, Oder wird die Kraft zerrinnen, So will ich mich nur befinnen, Daß ich einen Heiland habe, Der vom Kripplein bis zum Grabe, Bis zum Thron, wo man ihn ehret, Mir, dem Sünder, zugehöret! Woltersdorf, g. 1725 † 1701. Mel. Freu dich sehr.( Joh. 6, 51. 1 Cor. 11, 26-29.) Herzen Deine große Huld verscherzen! 2. Höre mich, o Herr der Gü te, Mache mich vom Eiteln frei, Daß voll Andacht mein Gemüthe Und mein Herz dir heilig sey! Nur zu dir steht mein Ver 204 XIII. Sakramente. am Geist komm ich zu dir; Laß dein Abendmahl auch mir Bei so mancher Last auf Erden, Herr, zu großer Stärkung werden! traun; Lehr mich gläubig auf bists, der mir Hilfe schafft. Arm dich schaun Und laß deinen Tisch auf Erden Mir des Himmels Vorschmack werden. 3. Gnadenvoll willst du mir schenken Deinen Leib, dein theures Blut; Drum so laß mich wohl bedenken, Was hier deine Liebe thut, Und verleihe, daß ich nicht Eff' und trinke zum Gericht, Was du doch zum Heil und Leben mir im Abendmahl willst geben. 4. Wirke heilige Gedanken In der Seele, die dich ehrt; Halte meinen Sinn in Schranken, Wenn mich Furcht und Zweifel stört; Fühl ich immer Sündennoth, So erquicke mich dieß Brod, Dieser Kelch mit deinem Blute, Denn es floß auch mir zu gute. 5. Ohne dich ist ja kein Leben, Gib mir neue Lebenskraft! Ich bin mit Gefahr umgeben, Du 6. Laß mich deine Liebe schmeden Und die Güter jener Welt; Oder wenn je Furcht und Schrecken Mich dabei noch überfällt, So verleihe mir dein Blut Einen rechten Freudenmuth, Daß ich meinen Trost im Glauben Mir durch niemand laffe rauben. 7. Tief will ichs zu Herzen fassen, Daß dein Tod mein Leben ist; Keinen meiner Brüder haffen, Der mit mir Ein Brod genießt. Deiner will ich mich erfreun, Bis ich werde bei dir seyn Und die Fülle deiner Gaben, Meinen Gott und alles haben! Casp. Neumann, g. 1648 i 1715. ( Joh. 6, 33-35.) Mel. Schmüde dich. 258. Jesus! Freund der| Füll entgegen; In dem Elend Menschenkinder, Heiland der verlornen Sünder, Der zur Sühnung unsrer Schulden Kreuzesschmach hat wollen dulden, Wer kann faffen das Erbarmen, Das du trägest mit uns Armen? In der Schaar erlöster Brüder Fall ich dan= fend vor dir nieder. meiner Sünden Soll bei dir ich Hilfe finden; Meine Schuld willst du bedecken, Mich befrein von Furcht und Schrecken, Willst ein ewig selges Leben Als des Glaubens Frucht mir geben. 2. Ja auch mir strömt Heil und Segen, Herr, ans deiner 3. Mich, den Zweifelnden, den Schwachen, Willst du fest im Glauben machen; Ladest mich zu deinem Tische, Daß mein B. Das heilige Abendmahl. 205 nie erkalten? Ofteh du mir bei und stärke Mich zu jedem guten Werke! Hilf, daß ich die Lust zur Sünde Durch dich kräftig überwinde. Herz sich hier erfrische. So ge-| Glauben halten Und im Guten wiß ich Wein genossen, Ist de in Blut für mich geflossen; So gewiß ich Brod empfangen, Soll ich Heil in dir erlangen! 4. Ja du kommst, dich mit den Deinen In dem Nachtmahl zu vereinen; Du, der Weinstock, gibst den Reben Muth und Kraft zum neuen Leben; Durch dich muß es mir gelingen, Reiche, gute Frucht zu bringen Und durch Frömmigkeit zu zeigen, Daß ich gänzlich sey dein eigen. 5. Nun so sey der Bund erneuet Und mein Herz dir ganz geweihet! Auf dein Vorbild will ich sehen Und dir nach, mein Heiland, gehen; Was du haffest, will ich haffen, Stets von dir mich leiten lassen; Was du liebest, will ich lieben, Nie durch Untreu dich betrüben. 8. Großes Abendmahl der Frommen, Tag des Heils, wann wirst du kommen, Daß wir mit der Engel Chören, Herr, dich schaun und ewig ehren? Hallelujah! welche Freuden Sind die Früchte deiner Leiden! Danket, danket, fromme 6. Doch ich kenne meine Schwä- Herzen, Ewig ihm für seine che, Schwer ist, was ich dir ver- Schmerzen! spreche: Werd ich dir auch 7. Gib, daß ich und alle Christen Uns auf deine Zukunftrüsten, Daß, wenn heut der Tag schon käme, Keinen, Herr, dein Blick beschäme. Schaffein neues Herz den Sündern, Mache sie zu Gotteskindern, Die dir leben, leiden, sterben, Deine Herrlichkeit zu erben. 2. Les'ich in des Herzens Mitte, Folg ich jedem meiner Schritte, Den ich rechts und links gethan, O so kann ich dem Erquicken Lavater, g. 1741 † 1801. Mel. Ach was foll.( Ebr. 3, 14. 1 Cor. 10, 31. Cap. 11, 26.) Und gebeugter Seele nahn! 259. Jeder Tag hat seine| Heut nur mit gesenkten Blicken Plage, Jedes Herz hat seine Klage, Jedes Haus hat seine Last; Aber Stärkung und Begabung Fließet Allen aus der Labung, Herr, die du bereitet hast! 3. Aber du willst mit den Deinen Dich im heilgen Fest ver= einen Und ihr Wirth voll Gnade seyn; Dann wird dem lebendgenGlauben Frucht der Aehren, Saft der Trauben Wunderbar zum Heil gedeihn. 4. Ach wer sollte sich nicht gerne Aus der Nähe, von der 206 XIII. Sakramente. Ferne In die Zahl der Gäste| dich bequemen Mögest, immer reihn? Ach wer hätte nie em- da zu seyn! pfunden, Wie das kranke Herz gefunden Kann bei deinem Brod und Wein? 7. Tief gesegnet wall ich weiter, Weil du selbst mir Schuß und Leiter In des Lebens Luft und Qual; Was ich wünsche, was ich sinne, Was ich leide, was beginne, Sey mir ernst wie dieses Mahl! 5. Drum in herzlichem Verlangen Komm ich heute mitgegangen, Komme bittend allermeist: Daß du mir zu eigen geben Wolleft, als dein wahres Leben, Deinen werthen heilgen Geist; 6. Daß, gleichwie mit der Gemeine Heut ich als dein Gast erscheine, Du bei mir auch kehrest ein, Nicht als Gast nur Herberg nehmen, Nein in Gnaden 8. Auch wodurch ich mich erfrische, Nähr und stärk am eignen Tische Oder in der Freunde Zahl, Sey mir dann, weil du zugegen Täglich bist mit Zucht und Segen, Heilig durch dein Abendmahl! Grüneisen, 8. Mel. Nun laßt uns Gott, den Herren.( Pf. 34, 9. 1 Cor. 11, 26.) 260. Jefu, meine Wonne, Du meiner Seelen Sonne, Du freundlichster auf Erden, Laß mich dir dankbar werden! 2. Wie kann ich gnugsam schäsen Dieß himmlische Ergößen Und diese theuren Gaben, Die uns gestärket haben? 3. Wie soll ich dirs verdanken, O Herr, daß du mich Kranken Gespeiset und getränket, Ja selbst dich mir geschenket? 4. Ich lobe dich von Herzen Für alle deine Schmerzen, Für deine Schläg und Wunden, Die du für mich empfunden. 5. Dir dank ich für dein Leiden, Den Ursprung meiner Freuden, Dir dank ich für dein Sehnen Und deine heißen Thränen; 1802. 6. Dir dank ich für dein Lieben, Das standhaft ist geblieben, Dir dank ich für dein Sterben, Das mich dein Reich läßt erben. 7. Herr! laß mich nicht vergefsen, Daß du mir zugemessen Die kräftge Himmelsspeise, Damit mein Herz dich preise. 8. Laß mich die Sünde meiden, Laß mich geduldig leiden, Laß mich mit Andacht beten Und von der Welt abtreten. 9. Im Handeln, Wandeln, Ef= sen Laß nimmer mich vergessen, Wie herrlich ich beglücket Und himmlisch bin erquicket! 10. Nun kann ich nicht verder= ben, Drauf will ich selig sterben Und freudig auferstehen, O Jesu, dich zu sehen! Rist, g. 1607 t 1667. B. Das heilige Abendmahl. Mel. Wer nur den lieben.( 1 Cor. 10, 16. 17.) ALL 261. Nimm hin den Dank| neuen Sünden, Verlaß mich in Versuchung nicht; Und dein für mich vergoßnes Blut Verleih mir auch im Tode Muth. für deine Liebe, Du mein Erlöser, Jesu Christ! Gib, daß ich dich nicht mehr betrübe, Der du für mich gestorben bist; Laß deines Leidens Angst und Pein Mir immer in Gedanken seyn. 2. Heil mir! mir ward dein Brod gebrochen, Ich trank, Herr, deines Bundes Wein; Voll Freude hab ich dir versprochen, Bis in den Tod dir treu zu seyn; Ich habs gelobt von Herzen dir, Schenk du nur deinen Beistand mir! 3. Laß mich voll Dankbarkeit ermessen, Was du für meine Seele thatst, Und nie der Liebe mich vergessen, Mit der du mich vor Gott vertratst. Laß meinen Glauben thätig seyn Und mir zur Tugend Muth verleihn. 4. Im Streite hilf mir überwinden und stärke mich zu jeder Pflicht; Bewahre mich vor 207 vergessen, Der mein noch nie vergaß? Kann ich die Lieb ermessen, Dadurch mein Herz genas? Ich lag in bittern Schmerzen, Er schafft mein Leben neu; Und stets quillt aus dem Herzen Ihm neue Lieb und Tren. 2. Wie sollt ich Ihn nicht lie5. Und du, o heilige Gemeine! Wir aßen hier von Einem Brod, Wir tranken hier von Einem Weine Und haben EinenHerrn und Gott; Drum laßt uns Eine Seele seyn, Den Liebenden durch Lieb erfreun; 6. Uns dulden, tragen, Frende machen Den Brüdern; zanken, zürnen nicht! Wer stark ist, sey der Stab der Schwachen; Der Weise leihe Andern Licht; Der Reiche trage Armer Last; Verföhnlich sey, wen Bosheit haßt! 7. Wie jetzt in Jesu Christi Namen Sein Volk vor ihm versammelt war, So kommen wir noch einst zusammen Vor ihm mit aller Engel Schaar; Und unaussprechlich freut sich dann, Wer, wie er liebte, lieben kann! Lavater g. 1741 † 1801 Mel. Herzlich thut mich.( Joh. 6, 48-51. 2 Cor. 5, 15.) 262. Wie könnt ich Sein| ben, Der mir so hold sich zeigt? Wie jemals Ihn betrüben, Der so zu mir sich neigt? Er, der aus Kreuz erhoben, Getragen meine Schmach, Ruft Er mir nicht von oben: ,, Komm, folge du mir nach!" 3. Ihn will ich ewig lieben, Der mir aus Todesnacht, Von meinem Schmerz getrieben, 208 XIV. Das Gebet. Unsterblichkeit gebracht, Der noch zur letzten Stunde Mir reicht die treue Hand, Daß mich kein Feind verwunde Im Lauf zum Heimathland. Gnadenschein, Sollt ich bei Ihm nicht wohnen? In Ihm nicht selig seyn? 4. Er gibt zum heilgen Pfande Mir Seinen Leib, Sein Blut; Hebt mich aus Nacht und Schande, Füllt mich mit Himmelsmuth; Will selber in mir thronen Mit heilgem Und dein Herz für und für! 5. Bei Freuden und bei Schmerzen Durchleuchte mich Dein Bild, Wie du, o Herz der Herzen, Geblutet hast so mild! Mein Lieben und mein Hoffen, Mein Dulden weih ich Dir!Laß mir die Heimath offen Kern, , g. 1792 † 1835. XIV. Das Gebet. Mel. Wunderbarer König.( Apostelg. 17, 27. 29.) ser Gott und Herre, Dir gebührt die Ehre! 263. Gott ist gegenwärtig!| Du allein Sollst es seyn, UnLaffet uns anbeten Und in Ehrfurcht vor ihn treten! Gott ist in der Mitte: Alles in uns schweige Und sich innigst vor ihm beuge! Wer ihn kennt, Wer ihn nennt, Schlag' die Augen nieder; Gebt das Herz ihm wieder! 2. Gott ist gegenwärtig, Dem die Cherubinen Tag und Nacht gebücket dienen; Heilig, heilig, heilig" Singen ihm zur Ehre Aller Engel hohe Chöre. Herr! vernimm Unsre Stimm', Wenn auch wir Geringen Unfre Opfer bringen. 3. Wir entsagen willig Allen Eitelkeiten, Aller Erdenlust und Freuden. Da liegt unser Wille, Seele, Leib und Leben, Dir zum Eigenthum ergeben; 4. Majestätisch Wesen! Möcht ich recht dich preisen und im Geist dir Dienst erweisen! Möcht ich, wie die Engel, Immer vor dir stehen Und dich gegenwärtig sehen! Laß mich dir Für und für Trachten zu gefallen, Liebster Gott, in allen! 5. Luft, die alles füllet, Drin wir immer schweben, Aller Dinge Grund und Leben, Meer ohn' Grund und Ende, Wunder aller Wunder, Ich senk mich in dich hinunter! Ich in dir, Du in mir! Laß mich ganz verschwinden, Dich nur sehn und finden! 6. Du durchdringest alles; XIV. Das Gebet. 209 Glanz vom ewgen Lichte, Leucht| Herz Ueberwärts Wie ein Admir heiter ins Gesichte! Wie ler schweben und in dir nur die zarten Blumen Willig sich leben! entfalten und der Sonne stille halten: Möcht ich so, Still und froh Deine Strahlen fassen Und dich wirken lassen! 7. Mache mich einfältig, Innig, abgeschieden, Sanft und still in deinem Frieden; mach mich reines Herzens, Daß ich deine Klarheit Schau im Geist und in der Wahrheit. Laß mein 8. Herr! komm in mich wohnen: Laß mein Herz auf Erden Dir ein Heiligthum noch werden. Komm, du nahes We= sen, Dich in mir verkläre, Daß ich dich stets lieb und ehre; Wo ich geh, Sitz und steh, Laß mich dich erblicken Und vor dir mich bücken! Tersteegen, g. 1697 † 1769. Mel. Mein Gott, zu dem.( 1 Theff. 5, 17. Sach. 12, 10.) 264. Gott! gib mir deinen| du mich deine Werke sehen, Geist zum Beten, Zum Beten So sey mein Rühmen stets von ohne Unterlaß, Getrost im dir; Und find' ich in der Welt Glauben hinzutreten, Wenn nicht Nuh, So steig mein Schich dein Wort mit Freuden nen himmelzu. nous faff, Und auch im Glauben hinzuknien, Wenn ich in Furcht und Jammer bin. 4. Ist der Versucher in der Nähe, So lehr mich ihn im Beten fliehn; Wenn ich den Bruder leiden sehe, So lehr mich bitten auch für ihn; Und in der Arbeit meiner Pflicht Vergesse dein die Seele nicht. 2. Im Schrecken über meine Sünde Sey dieß mein Ruf: erbarme dich! So oft ich mich so schwach empfinde, Sey dieß mein Seufzer: stärke mich! Sink ich, so werde dieß mein Flehn: Herr, hilf, sonst muß ich untergehn! 5. Am Abend heiß mich mit dir reden, Am Morgen auch noch seyn bei dir; Und sterb ich, laß in letzten Nöthen noch feufzen deinen Geist in mir; Weckst du mich einst, so bet ich dann Dich ewig auch im Himmel an. Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769 3. Fühlt Seel und Leib ein Wohlergehen, So treib es mich zum Dank dafür; Lässt Mel. Jesu, bilf slegen.( Job. 17, 9-11. Cap. 14, 13. Ebr. 7, 24. 25.) 265. Jesu! hilf beten und| und in mir in allerlei Noth; bete, du Treuer, Durch mich Eigenes Opfer mit eigenem Gvangelisches Gesangbuch. 14 210 XIV. Das Gebet. Feuer Rettet uns nicht vom| und wecke mich auf; Mache Verderben und Tod! Nein, mich munter, andächtig und nur dein Opfer mit Danken brünstig, Bringe das Wirken und Flehen Darf bis ins in- des Glaubens in Lauf. Mache nerste Heiligthum gehen. mein Räuchwerk durch deine Hand steigen, Laß dein begleitendes Fürwort nicht schweigen. 2. Jesu, hilf beten, ach Jesu, hilf beten! Siehe, mir mangelts an Weisheit und Kraft; Wirst du mich, Mittler, nicht selber vertreten, Ist es mit Beten vergeblich geschafft. Soll es gelingen, so mußt du mich lehren, Und muß dein Geist mir das Abba gewähren. 4. Jesu, hilf beten, ach laß es gelingen! Richte Gedanken und Worte mir ein; Laffe mein Beten im Sterben und Ringen Heftiger, kräftiger, kindlicher seyn! Beten kann retten aus jeglichen Nöthen Und aus dem Tode selbst: Jesus hilft beten! Ph. Heinr. Weissensee, g. 1673 † 1767. ( Matth. 7, 7-11.) 3. Jesu, hilf beten, ach bleibe mir günstig! Tilge die Unlust schämt sich, Gottes Freund zu seyn! Mel. Die Tugend wird. 266. Dein Heil, o Christ, nicht zu verscherzen, Sey wach und nüchtern zum Gebet! Ein kindlich Flehn aus reinem Her zen Hat Gott, dein Vater, nie verschmäht. Erschein vor seinem Angesichte Mit Dank, mit Demuth, oft und gern, Und prüfe dich in seinem Lichte Ind klage deine Noth dem Herrn. 2. Welch Glück, so hoch geehrt zu werden und im Gebet vor Gott zu stehn! Der Herr des Himmels und der Erden, Bedarf der eines Menschen Flehn? Sagt Gott nicht:, bittet, daß ihr nehmet?" Ist des Gebetes Frucht nicht dein? Wer sich der Pflicht zu beten schämet, Der - 3. Bet oft in Einfalt deiner Seelen; Gott sieht aufs Herz, Gott ist ein Geist. Wie können dir die Worte fehlen, Wofern dein Herz dich beten heißt? Nicht Töne finds, die Gott gefallen, Nicht Worte, die die Kunst gebent; Gott ist kein Mensch! ein gläubig Lallen, Das ist vor ihm Beredtsamkeit. 4. Wer das, was uns zum Frieden dienet, Im Glauben sucht, der ehret Gott; Werdas zu bitten sich erkühnet, Was Gott nicht will, entehret Gott. Wer täglich Gott die Treue schwöret, Und dann vergißt, was er beschwur, Und klagt XIV. Das Gebet. 211 ihn und seinen Sohn! daß Gott ihn nicht erhöret, Der| Sehnen, Dein Glaub an spottet seines Schöpfers' nur. 5. Bet oft zu Gott und schmeck in Freuden, Wie freundlich er, dein Vater, ist; Bet oft zu Gott und fühl im Leiden, Wie göttlich er das Leid versüßt! Bet oft, wenn dich Versuchung quälet, Gott hörts, Gott ists, der Hilfe schafft; Bet oft, wenn innrer Trost dir fehlet, Er gibt den Müden Stärk und Kraft. 8. Versäume nicht, in den Gemeinen Auch öffentlich Gott anzuflehn Und seinen Namen mit den Seinen, Mit deinen Brüdern zu erhöhn, Dein Herz voll Andacht zu entdecken, Wie es dein Mitchrist dir entdeckt, Und ihn zur Inbrunst zu erwecken, Wie er zur Inbrunst dich erweckt. 6. Bet oft, durchschau mit heilgem Muthe Die herzliche Barmherzigkeit Deß, der mit seinem theuren Blute Die Welt, die Sünderwelt befreit! Nie wirst du dieses Werk ergründen, Nein, es ist deines Gottes That; Erfreu dich ihrer, rein von Sünden, Und ehr im Glauben Gottes Rath. 9. Bist du ein Herr, dem Andre dienen, So sey ihr Beispiel, sey es stets Und feire täglich gern mit ihnen Die selge Stunde des Gebets. Nie schäme dich des Heils der Seelen, Die Gottes Hand dir anvertraut; Kein Knecht des Hauses müsse fehlen: Er ist ein Christ und werd erbaut! 10. Bet oft zu Gott für deine Brüder, Für alle Menschen, als ihr Freund, Denn wir sind Eines Leibes Glieder, Ein Glied davon ist auch dein Feind. Bet oft, so wirst du Glauben halten, Dich prüfen und das Böse scheun, An Lieb und Eifer nicht erkalten Und gern dein zum Guten weise seyn. Gellert, g. 1715 † 1769. 7. Bet oft, entdeck am stillen Orte Gott ohne Zagen deinen Schmerz; Er schließt vom Herzen auf die Worte, Nicht von den Worten auf das Herz. Nicht dein gebognes Knie, nicht Thränen, Nicht Worte, Seufzer, Pfalmenton, Nicht dein Gelübd' rührt Gott; - Mel. Urquell aller Geligkeiten.( Pf. 65, 3.) 267. Dir verföhnt in dei-| mit trübem Blick unerhört von dir zurück. nem Sohne Liegen wir vor deinem Throne; Keiner kehrt 2. Alles Fleisch von allen En XIV. Das Gebet. 212 den Kommt mit aufgehobnen Händen, Kommt mit Hoff nung und Begier, Gott, der gern erhört, zu dir. 3. Du bist alles Guten Fülle; Daß wir beten, ist dein Wille; Du verschmähst, o Vater, nicht Deiner Kinder Zuversicht. 4. Und du hast so vielen Segen, Weit mehr als wir bitten mögen; Reich und Kraft und Herrlichkeit, Gott, ist dein in Ewigkeit. 5. Was im Himmel und auf Erden Gut ist, ließ dein Wille werden; Eh es ward, da dachtest du Es schon deinen Kindern zu. 6. Alle sollten deiner Gaben Unerschöpften Reichthum haben; Ewig sollten Alle dein, Guter Vater, sich erfreun. 2. Dein gnädig Ohr neig her zu mir, Erhör mein Flehn, thu dich herfür, Eil, bald mich zu erretten! Ich lieg und steh In Angst und Weh, Hilf mir aus meinen Nöthen. 7. Sollten denn nicht deine Frommen Alle betend vor dich kommen, Der du Allen Vater bist, Dem kein Ding unmöglich ist? 8. Allen hast du, Herr, ihr Leben Und was sie erfreut, gegeben Und versprichst, Unendlicher, Allen noch unendlich mehr. 9. Ja wir wollen zu dir nahen, Beten, glauben und empfahen! Unsrer Thaten Lobgesang Sey in Ewigkeit dein Dank. 10. Heil uns Christen! du beschüßest Deine Kinder, du befizest Herrlichkeit und Kraft und Reich; Wo ist dir ein Bater gleich? Mel. In dich hab ich.( Pf. 31, 1-6.) 268. Auf dich hab ich gehof-| Noth und Tod Der Feind von fet, Herr! Hilf, daß ich nicht allen Seiten. zu Schanden mehr Und nimmer werd zu Spotte; Das bitt ich dich, Erhalte mich In dir, als meinem Gotte! 4. Du bist mein Fels,( sagt mir dein Wort) Mein Schild und Stärke, Hilf' und Hort, Mein Heil und Kraft und Leben, Mein starker Gott In aller Noth! Wer mag mir widerstreben? 3. Mein Gott und Schirmer, steh mir bei, Sey meine Burg, darin ich frei Und ritterlich mög streiten. Ob mich bedroht Mit Münter, g. 1735 † 1793. 5. Voll Trugs ist dieser Welt Gericht Mit Lüg und fälschlichem Gedicht; Sie spinnt viel Netz und Stricke. Herr! nimm mein wahr In der Gefahr, Reiß mich aus ihrer Tücke. 6. Herr! meinen Geist befehl XV. Tag des Herrn und Gottesdienst. 213 ich dir; Mein Gott, mein Gott,| Herrlichkeit Sey Vater, Sohn weich nicht von mir, Nimm mich in deine Hände! O wahrer Gott, Aus aller Noth Hilf mir an meinem Ende! und Geist bereit, Lobt seinen heilgen Namen! Die göttlich' Kraft Mach uns sieghaft Durch Jesum Christum! Amen. 7. Preis, Ehre, Macht und Ad. Neußner, g. 1490? t 1572. XV. Tag des Herrn und Gottesdienst. Mel. O Jerusalem du.( 5 Mof. 5, 12.) 269. Hallelujah! schöner| 5. Ich will in der Andacht Stille Morgen, Schöner als man den fen mag! Heute fühl ich keine Sorgen, Denn das ist ein lieber Tag, Der durch seine Lieblich keit Mich im Innersten erfreut. 2. Süßer Ruhetag der Seelen, Sonntag, der voll Lichtes ist! Heller Tag in dunklen Höhlen, Zeit, in der der Segen fließt, Stunde voller Seligkeit, Du vertreibst mir alles Leid! Heute voller Arbeit seyu; Denn da sammle ich die Fülle Von den höchsten Schätzen ein, Wenn mein Jesus meinen Geist Mit dem Wort des Lebens speist. 6. Herr! ermuntre meine Sinnen Und bereite selbst die Brust; Laß mich Lehr und Trost gewinnen, Gib zu deinem Man= na Lust, Daß mir deines Wortes Schall Tief im Herzen wiederhall. 3. Ach wie schmeck ich Gottes Güte Recht als einen Morgenthau, Die mich führt aus meiner Hütte Zu des Vaters grüner Au! Da hat wohl die Morgenstund Edlen Schatz und Gold im Mund. 7. Segne deiner Knechte Lehren, Deffne selber ihren Mund, Mach mit allen, die dich hören, Heute deinenGnadenbund, Daß wenn man hier fleht und singt, Solches in dein Herze dringt. 8. Gib, daß ich den Tag beschließe, Wie er angefangen ist. Segne, pflanze und begieße, Der du Herr des Sabbaths bist; Bis ich einst auf jenen Tag Ewig Sabbath halten mag. Schmolf, g. 1671 † 1737. Mel. O Jerusalem, du Schöne.( Ps. 84, 2. 3.) 270. Thut mir auf die schöne| mich ein! Ach wie wird an diePforte, Führt in Gottes Haus fem Orte Meine Seele fröhlich 4. Nuht nur, meine Weltge= schäfte, Heute gilts ein andres Thun; Denn ich brauche alle Kräfte, In dem höchsten Gott zu ruhn; Heut schickt keine Arbeit sich, Als nur Gottes Werk, für mich. 214 XV. Tag des Herrn und Gottesdienst. seyn! Hier ist Gottes Angesicht,| 4. Mache mich zum guten LanHier ist lauter Trost und Licht. de, Wenn dein Saatkorn in 2. Herr! ich bin zu dir gekommen, Komme du nun auch zu mir; Wo du Wohnung hast genommen, Da ist lauter Himmel hier; Zeuch in meinem Herzen ein, Laß es deinen Tempel seyn. 3. Laß in Furcht mich vor dich treten, Heilige mir Leib und Geist, Daß mein Singen und mein Beten Dir ein lieblich Opfer heißt; Heilige mir Mund und Ohr, Zeuch das Herz zu dir empor. mich fällt; Gib mir Licht in dem Verstande, Und was mir wird vorgestellt, Präge meinem Herzen ein, Laß es mir zur Frucht gedeihn. 5. Stärk in mir den schwachen Glauben; Laß dein theures Kleinod mir Nimmer aus dem Herzenrauben, Halte mir dein Wort stets für; Ja das sey der Morgenstern, Der mich führt zu meinem Herrn! Schmolf, g. 167# † 1737. Mel. Mein Jesus, dem die.( 1 Mof. 2, 2. 3. 3 Mof. 26, 2.) 271. Beschwertes Herz, leg| gefällig dienen, Wenn mich dein ab die Sorgen; Erhebe dich, gebeugtes Haupt! Es kommt der angenehme Morgen, Da Gott zu ruhen hat erlaubt, Da Gott zu ruhen hat befohlen Und selbst die Ruhe eingeweiht; Auf, auf! du hast so manche Zeit Dem Dienste Gottes abgestohlen! Geist nicht tüchtig macht? Wie wird mein Herz in dir erfreuet, Wenn er nicht stillt der Sünden Qual? Wie bet ich, wenn er meine Schal' Mit reichem Weihrauch nicht bestreuet? 2. Auf, laß Egyptens eitles Wesen, Die Stoppeln und die Ziegel stehn! Du sollst das Himmelsmanna lesen und in des Herren Tempel gehn, Ihm zu bezahlen deine Pflichten, Und zur Vermehrung seinesRuhms, Die Werke deines Priesterthums In tiefster Andacht zu verrichten. 4. Mein Jesus hat mein Herz so theuer Zu seinem Tempel eingeweiht; Hier ist dein Herd, hier ist dein Feuer, Die Fülle deiner Herrlichkeit, Dein Heiligthum, dein Stuhl der Gnade, Dein Licht und Recht, das Himmelsbrod; Des Geistes Frucht und dein Gebot Erfüllen diese Bundeslade. 5. Wenn sich des Lebens Werktag' enden, So ruh, von allem Frohndienst los, Mein Geist in deinen Vaterhänden, Mein Leib in seiner Mutter Schoos, Bis 3. Mein Gott! ich bin vor dir erschienen Und gebe auf dein Winken Acht; Wie kann ich dir XV. Tag des Herrn und Gottesdienst. 215 beides feiern wird dort oben,| thut, Als dich zu lieben, dich zu Wo man in sichrem Frieden loben. ruht, Nichts denket, redet oder Marperger, g. 1681 † 1746. Eigene Mel.( Jef. 56, 2. Jac. 1, 27.) 272. Ja, Tag des Herrn, du sollst mir heilig, Ein Festtag meiner Seele seyn! Gleich jenen ersten Christen heilig, Will ich den Tag der Ruhe weihn. Weit weg von allen eitlen Dingen! Zum Himmel soll mein Geist sich schwingen! Froh feir' ich mit der Christenheit Den Festtag der Unsterblichkeit. 2. Ja mit den heiligen Gemeinen, Die heut vor deinem Antlig stehn, Soll meine Seele sich vereinen, Herr, deine Liebe zu erhöhn. Wo sich die Heiligen versammeln, Will ich dein Lob mit Ehrfurcht stammeln; Dort fing ich in der Engel Chor Ein beßres Lied zu dir empor. 3. An diesem Gott geweihten Orte Erschallt der Gnade Stimme mir; Ich höre, Jesu, deine Worte, Und stille seufzt mein Herz zu dir; Da wirst du Lehrer mir und Tröster, Da kann ich mich, ich dein Erlöster, Weltheiland, deiner Liebe freun; Da lern ich dir ergebner seyn. 4. Die Schriften Gottes still zu lesen, Ist heut mein Glück und meine Pflicht. Wie blind wär ich, allweises Wesen, Verwärf ich deinen Unterricht! Nein, nein, mit einfaltvoller Seele Erforsch ich, Vater, die Befehle, Die lauter Licht und Leben sind, Mit Dank und Demuth, als ein Kind. 5. Und sammeln sollst du in der Stille, Mein Geist, vor deinem Schöpfer dich! Da frage dich: was sucht mein Wille, Was quält und was erfreuet mich? Da, da ergründe dein Bestreben, Wäg alle Neden, prüf dein Leben; Da, Seele, wenn du redlich bist, Vergleiche dich mit Jesus Christ! 6. Da, da vergiß nicht deine Sünden, Die du vielleicht noch nie bereut, Mit tiefer Neue zu empfinden, Bis Gott dein schmachtend Herz erfreut! Da, da erwäg des Vaters Güte, Da dank mit Freuden, mein Gemüthe, Dem Vater der Barm= herzigkeit, Ja tief im Staube dank ihm heut! 7. Und ferne soll von meinem Munde Heut jede eitle Rede seyn! Nein, keine Gott bestimmte Stunde Will ich dem Tand der Erde weihn. Ich will zu Leidenden heut eilen, Mit ihnen ihren Schmerz zutheilen; 216 XV. Tag des Herrn und Gottesdienst. Denn Sabbathfei'r ist: Gutes mein Geist sich himmelwärts, thun Und von der Last des Eitlen ruhn. Gott! segne meine Andachtsstille, Erfüll mit deines Geistes Fülle, Mit deines Angesichtes Glanz Mich heut, o Jesus Christus, ganz! Lavater, g. 1741 † 1801. 8. O Tag des Herrn, du Tag der Wonne, Du Tag des Segens für mein Herz! Bestrahle mich, o Lebenssonne, So hebt Mel. Alle Menschen. 273. Jesu! Seelenfreund der Deinen, Sonne der Gerechtigkeit, Wandelnd unter den Gemeinen, Die zu deinem Dienst bereit, Komm zu uns, wir sind beisammen, Gieße deine Geistesflammen, Gieße Licht und Leben aus Ueber dieß dein Gotteshaus. 2. Komm, belebe alle Glieder, Du, der Kirche heilig Haupt; Treibe aus, was dir zuwider, Was uns deinen Segen raubt! Komm, entdeck uns in der Klarheit Gottes Herz voll Gnad und Wahrheit; Laß uns fühlen allzugleich: Ich bin mitten unter euch!" 3. Laß sich die Gemüther kehren Zu dir, Glanz der Ewigkeit! Laß uns innigst nur begehren, Was uns dein Erbarmen beut. Laß dein Licht und Leben fließen Und in Alle sich ergießen, Stärke deinen Gnadenbund, Herr, in jedes Herzens Grund! ( Matth. 18, 20.) 4. Laß auch unsern Lehrer sehen Nur auf dich, Herr Jesu Christ! Laß die Hörer tief ver= stehen, Daß du selbst zugegen bist, Mild in jedes Herz zu kommen. Was nicht wird von dir genommen, Taugt, und wär es noch so schön, Nicht in deine Himmelshöhn. 274. Liebster Jesu! wir sind hier, Dich und dein Wort anzuhören; Lenke Sinnen und Begier Auf die süßen Him5. Komm, o Herr, in jede Seele, Laß fie deine Wohnung seyn, Daß dir einst nicht Eine fehle In der Gotteskinder Reihn. Laß uns deines Geistes Gaben Reichlich mit einander haben; Offenbare heiliglich, Haupt, in allen Gliedern dich! 6. Was von dir uns zugeflosfen, Müsse Geist und Leben seyn; Was die Seele hat genossen, Mache sie gerecht und rein. Komm, o Jesu, uns zu segnen, Jedem gnädig zu begegnen, Daß in ewger Lieb und Treu Jedes dir verbunden sey! Nach Hahn, g. 1758 † 1819. Eigene Mel.( Pf. 36, 10.) melslehren, Daß die Herzen von der Erden Ganz zu dir gezogen werden. 2. Unser Wissen und Verstand XV. Tag des Herrn und Gottesdienst. 217 Ist mit Finsterniß umhüllet,| keit, Licht vom Licht, aus Gott Wo nicht deines Geistes Hand Uns mit hellem Licht erfüllet; Gutes denken, thun und dichten Mußt du selbst in uns verrichten. geboren! Mach uns allesammt bereit, Deffne Herzen, Mund und Ohren; Unser Bitten, Flehn und Singen Laß, Herr Jesu, wohl gelingen! 3. O du Glanz der HerrlichClausniger, g. 1648 † 1684. Mel. Mein Jesus lebt, was soll.( Col. 3, 16. Pf. 26, 6-8.) 275. Noch fing ich hier aus| Gott, deinen großen Namen dunkler Ferne, Gott meines preist, Anbetung dir und Ehre Lebens, die mein Lied; Wenn bringt Und Fülle der Empfineinst weit über alle Sterne dung singt. Dich mein verklärtes Auge fieht, Dann schallet dir im Jubelklang Der Ueberwinder mein Gesang. 5. Zwar hab ich auch in stillen Stunden, Wenn ich dir meine Freuden sang, Der Andacht Die Seligkeit empfunden, durch die frohe Seele drang; Mein Herz, wenn dir mein Lied erscholl, Ward seliger Empfindung voll; 2. Wohl mir indeß! du schaust hernieder, Steigt mein Gebet zu dir hinan; Du hörst den Dank der schwachen Lieder Mit Vaterhuld und Gnaden an, Und meine Besserung und Ruh Nimmt durch ein frommes Lied oft zu. 6. Doch ward, dich inniger zu loben, Oft, wenn sie kalt und träge war, Die Seele mehr zu dir erhoben, Wenn meiner Miterlösten Schaar Sich bis zu deinem Throne schwang Und dir aus vollen Chören fang. 3. Froh wall ich hin mit meinen Brüdern Zu deines Tempels Heiligthum; Da schallt in dir geweihten Liedern Des Dankes Stimme dir zum 7. Drum will ich mit den Ruhm, Und dann durchdringet frommen Schaaren Auch gern meine Brust Ein fromm Ge- zu deinen Tempeln gehn, Wo fühl der reinsten Lust. einst auch die versammelt wa= 4. Die Kraft von deinen Him- ren, Die nun vor deinem Thromelslehren Durchdringt und ne stehn; Sie schauten auch im hebet meinen Geist, Wenn er, vereint mit heilgen Chören, dunkeln Wort, Von Angesicht schaun sie dich dort. Heinr. Erhard Heeren, g. 172S † 1511. 1 218 XV. Tag des Herrn und Gottesdienst. Mel. Ach, wann werd ich dahin kommen.( Matth. 18, 20. Joh. 17, 17.) 276. Jefu, Brunn des ew-| beten, Hauch uns an mit deigen Lebens! Stell, ach ftell dich bei uns ein; Laß uns nun und nie vergebens Wirken und beisammen seyn. nem Geist, Daß wir vor den Vater treten, Wie's dein Mund die Kinder heißt. 2. Du verheißest ja den Deinen, Daß du wollest Wunder thun Und in ihrer Mitt' erscheinen; Ach erfülls, erfülls auch nun! 7. Sammle die zerstreuten Sinnen, Wehr der Flatterhaftigkeit; Laß uns Licht und Kraft gewinnen Zu des Glaubens Wesenheit. 3. Herr! wir tragen deinen Namen; Herr! wir sind auf dich getauft, Denn du hast zu deinem Samen Uns mit deinem Blut erkauft: 8. O gefalbtes Haupt der Glieder! Nimm auch uns zu solchen an; Bring das Abge= fallne wieder Auf die frohe Himmelsbahn. 9. Gib uns Augen, gib uns 4. D so laß uns dich erken- Ohren, Gib uns Herzen, die nen; Komm, erkläre selbst dir gleich; Mach uns redlich, dein Wort, Daß wir dich recht neugeboren, Herr, zu deinem Meister nennen Und dir fol- Himmelreich! gen immerfort. 5. Bist du mitten unter denen, Welche sich nach deinem Heil Mit vereintem Seufzen sehnen, O so sey auch unser Theil! 6. Lehr uns singen, lehr uns 10. Ach ja, laß uns Christen werden, Christen, die ein Licht der Welt, Christen, die ein Salz der Erden, Wie's dem Vater wohlgefällt! Annoni, † 1770. Mel. Liebster Jefu, wir sind.( 5 Mof. 23, 1 und 6. Luc. 11, 28.) uns ferner leite Und uns alle wohl bereite. 277. Nun gottlob! es ist| Gottes Wegen; Gottes Geist vollbracht Singen, Beten, Lesen, Hören! Gott hat alles wohlgemacht, Drum laßt uns sein Lob vermehren; Unser Gott sey hochgepreiset, Daß er uns so herrlich speiset! 2. Weil der Gottesdienst ist ans, Uns auch mitgetheilt der Segen, Gehn im Frieden wir nach Haus, Wandeln fein auf 3. Unsern Ausgang fegne Gott, Unsern Eingang gleichermasen, Segne unser täglich Brod, Segne unser Thun und Lassen, Segne uns mit selgem Sterben Und mach uns zu Himmelserben! Schent, g. 1634 † 1681. Bei Einweihung von Kirchen. Eigene Mel.( 2 Cor. 13, 13.) 278. Ach sey mit deiner| diese uns nicht bliebe, Fiel' uns Gnade Bei uns, Herr Jesu die Welt zu schwer. 2. Ach heilger Geist, behalte Gemeinschaft allezeit Mit unsrem Geist, und walte Du bis in Ewigkeit! Christ, Auf daß uns nimmer schade Des bösen Feindes List! 2. Ach sey mit deiner Liebe, Gott Vater, um uns her! Wenn 219 2. Sohn Gottes, Herr der Herrlichkeit! Dieß Gotteshaus ist dir geweiht, O laß dirs wohlgefallen! Hier schalle dein lebendig Wort, Dein Segen walte fort und fort In diesen Friedenshallen. Einheit, Rein heit Gib den Herzen; Angst und Schmerzen Tilg in Gnaden Und nimm von uns allen Schaden. Garve, g. 1763+ 1841. Bei Einweihung von Kirchen. Mel. Wie schön leucht't.( Joh. 17, 17.) 279. Gott Vater! aller| 3. O heilger Geist, du werDinge Grund, Gib deinen Vaternamen fund An diesem heilgen Orte. Wie lieblich ist die Stätte hier! Die Herzen wallen auf zu dir; Hier ist des Himmels Pforte! Wohne, Throne Hier bei Sündern, Als bei Kindern, Voller Klarheit; Heilge uns in deiner Wahrheit. thes Licht! Wend her dein göttlich Angesicht, Daß wir erleuchtet werden! Gieß über uns und dieses Haus Dich mit allmächtgen Flammen aus, Mach himmlisch uns auf Erden, Lehrer, Hörer, Kinder, Väter! Früher, später Gehts zum Sterben, Hilf uns Jesu Reich ererben! 4. Dreieinger Gott! Lob, Dank und Preis Sey dir vom Kinde bis zum Greis Für dieß dein Haus gesungen! Du hafts geschenkt und auferbaut, Dir ists geheiligt und vertraut Mit Herzen, Händen, Zungen. Ach hier Sind wir noch in Hütten; Herr! wir bitten: Stell uns droben In den Tempel, dich zu loben. Knapp, g. 1798. Mel. Alles ist an.( Ps. 118. Joh, 8, 51. Offenb. 3, 11.) 280. Ziert das Thor mit| Glocke schweigen, Stimmt in frischen Zweigen, Laffet keine frohes Loblieb ein; Solches XV. Tag des Herrn und Gottesdienst. Zeichen sey gegeben, Daß wir| Guade, Orgeltöne laden ein; unsers Glaubens leben Und in Gottes Haus uns freun. 2. Herr! in wildverwachsnen Hainen, Auf dem öden Feld von Steinen, Oder in der Höhle Graun Hießest du die heilgen Männer Deine frühesten Bekenner Durch dein Gnadenwort erbaun. 220 3. Wenn des Feindes Häscher kamen, Litten sie für deinen Namen Mit verklärtem Angesicht; Und in tausend Seelen hallte Nach ihr Seufzer: Herr! behalte Ihnen diese Sünde nicht." Apost. 7, 59. 4. Jego führen sichre Pfade, Jedem winkt das Haus der Aber sind, die heute kommen, Auch so fromm wie jene Frommen, Die dir dienten in der Pein? 281. Herr Jesu! der du selbst Von Gott als Lehrer kommen, Und wie du's in dem Schoos Des Vaters hast vernommen, Den rechten Weg zu Gott Mit Wort und Werk gelehrt, Sey für dein Predigtamt Gelobt von deiner Heerd! 2. Du bist zwar in die Höh Zum Vater aufgefahren, Doch gibst du noch der Welt Dein Wort mit großen Schaaren Und baust durch diesen Dienst Die Kirche, deinen Leib, Daß er im Glauben wachs' Und fest ans Ende bleib. 5. Schenk uns doch in Haus und Hütte Guten Glauben, reine Sitte, Wie dirs wohlgefallen mag! Hilf uns durch Gebet bereiten, Auch mit Zucht in Fröhlichkeiten Vor dir heilgen diesen Tag. 6. Ob die Zeit auch wiederkehre, Wo man uns des Heilands Lehre Wehren will mit frechem Muth, O dann wollest deinen Haufen Du in solcher Drangsal taufen, Sey's mit Feuer oder Blut! Bei Einsegnung von Geistlichen. Mel. Nun danfet Ale.( Ps. 68, 12. 2 Cor. 5, 19. 20. Mal. 2, 7.) 3. Hab Dank für dieses Amt, Durch welches man dich höret, Das uns den Weg zu Gott und die Versöhnung lehret, Durchs Evangelium Ein Häuflein in der Welt Berufet, sammelt, stärkt, Lehrt, tröstet und erhält. 4. Erhalt uns diesen Dienst Bis an das End der Erden, Und weil die Ernte groß, Groß Arbeit und Beschwerden, Schick selbst Arbeiter aus Und mach sie klug und tren, Daß Feld und Baumann gut, Die Ernte reichlich sey. Bei Einsegnung von Geistlichen. 221 5. Die du durch deinen Ruf| Verirrte selbst, Das Wunde Der Kirche haft gegeben, Er- binde zu, Das Schlafende weck halt bei reiner Lehr Und einem auf, Das Müde bring zur Ruh. heilgen Leben; Leg deinen Geist 7. Bring, was noch draußen ins Herz, Das Wort in ihren ist, zu deiner kleinen Heerde; Mund, Was jeder reden soll, Was drinnen ist, erhalt, Daß Das gib du ihm zur Stund. es gestärket werde; Durchdring mit deinem Wort, Bis einstens Heerd und Hirt Im Glauben, Herr, an dich, Zusammen selig wird! Fischer, g. 1695 † 1773. 6. Ach segne all dein Wort Mit Kraft an unsern Seelen; Laß deiner Heerd es nie An guter Waide fehlen; Such das Mel. Wie schön leucht't.( Eph. 4, 11-13. Ebr. 13, 17. Jac. 1, 21.) 282. Jesu, Herr der| Wandel zu erbaun, SchenkWilHerrlichkeit, Du König deiner Christenheit, Du Hirte deiner Heerde! Du siehst auf die erlöste Welt, Regierst sie, wie es dir gefällt, Willst, daß sie selig werde. Uns auch Hast du hier erwählet, Zugezählet Den Erlösten, Die du segnen willst und trösten. len, Weisheit, Kräfte. Lehr ihn, HilfihmWirken, leiden, Sünde meiden, Beten, wachen, Selig sich und uns zu machen. 4. Herr! deinen Geist laß auf ihm ruhn, Hilf ihm sein Amt mit Freuden thun, Wend ab, was ihn betrübet. Wenn er uns deine Wahrheit lehrt, So gib ein Herz, das willig hört, Sich gern im Guten übet. Lehrer, Hörer Laß in Freundschaft Und Gemeinschaft Feste stehen Und den Weg zum Leben gehen. 2. Du rufest deinen Boten zu: „ Geht, führt mein Volk dem Himmel zu, Pflegt sein mit frommem Triebe! Dringt ein mit Eifer und mit Kraft Ins Wort, das neue Seelen schafft Durch Buße, Glaub und Liebe. Laffet Euren Eignen Seelen* Ernst nie fehlen, Daß die Heerden Mit den Hirten selig werden!" * Apostelg. 20, 28. 3. Wir nehmen, als aus deiner Hand, Den Lehrer, der uns ist gesandt; Herr! segne sein Geschäfte; Die Seelen, die sich ihm vertraun, Durch Wort und 5. Wann einst dein großer Tag erscheint, Laß ihn, als unsrer Seelen Freund, Uns dir entgegen führen. Du hast die Seelen all gezählt, Du willst es nicht, daß Eine fehlt, Willst keine ja verlieren! Jesu! Hilfdu, Reich die Hände, Daß am Ende Hirt und Heerde Tren vor dir erfunden werde. 6. So komm denn als einknecht 222 XV. Tag des Herrn und Gottesdienst. des Herrn, Okomm im Namen| mitdir! Amen, Amen! Mit dir unsers Herrn, In Jesu Christi Namen! Nimm, Hirte, nimm uns bei der Hand, Führ uns zum ewgen Vaterland! Gott Gehn wir Wie durch Freuden, So durch Leiden, Zu dem Leben, Das uns Jesus dort will geben. Nach Bickel, g. 1737+ 1809. Mel. Ja, Tag des Herrn.( Ps. 132, 9. 1 Cor. 3, 7. Tit. 1, 9. 2 Tim. 4,2: c. Ef. 55, 10: c.) 283. Umgürte die, o Gott,| die Lande fleußt, Dem alle Felsen müssen weichen, Der alle Dämme niederreißt; Der alles reinigt, alles bessert, Der alle dürren Gründe wässert, Der alle harten Felder zwingt Und in die tiefsten Riffe dringt. mit Kräften In ihrem Amt, Beruf und Stand, Die zu des Predigtamts Geschäften Dein gnadenvoller Ruf gesandt. Lehr du sie, so sind sie gelehret, Erneure, die du, Herr, bekehret; Hilf ihnen selbst, so wird allein Ihr Amt an uns gesegnet seyn. 2. Laß auf ihr Pflanzen, Säen, Bauen Des Geistes Kraft von oben her Zum reichlichsten Gedeihen thauen; Vermehr dein Reich je mehr und mehr. Mach sie zum Vorbild uns im Wandeln, Begleite du ihr Thun und Handeln; Mach sie für jeden Fall bereit Mit Weisheit, Muth und Tapferkeit. 5. Reich ihnen deines Geistes Waffen, Der Feinde Grimm zu widerstehn; Laß sie beim Bitten und Bestrafen Auf MenschenGunst und Furcht nicht sehn; Gib, wenn sie lehren, Ueberzeugung; Gib, wenn sie warnen, tiefe Beugung; Gib, wenn sie trösten, Kraft und Licht Und felfenfeste Zuversicht. 6. O Herr! wir trauen deine. Liebe, Die bis hieher mit Rath und That Die Deinen aus Erbarmungsliebe In ihrem Amt geleitet hat; Du wirst das Deine selbst bewachen Und deinen Segengrößer machen; DerHirten sind die Schafe nicht, Nein, dein sind sie, o Seelenlicht! 7. Wir sind mit deinem Blut erkaufet, Drum denke an dein theures Blut; Wir sind in deinen Tod getaufet, So schüße dein erstrittnes Gut. Dein Va3. Gib, daß von deiner ganzen Heerde, Die du selbst ihnen anvertraut, Kein einziges verloren werde. Mach auch die Wüsten angebaut; Laß in der umgebrochnen Erden Dein Wort zur Saat des Lebens werden, Daß es auf jener Ernte Tag Dir Früchte hun dertfältig trag. 4. Dein Wort laß einem Strome gleichen, Der mächtig durch XVI. Heilsordnung. A. Buße und Bekehrung. 223 ter hat uns dir erwählet Und| dich; Waid und erhöh uns ewiguns zu seinem Volk gezählet; lich! Wir blicken, Herr, getroft auf| XVI. Heilsordnung. A. Buße und Bekehrung. Mel. Wer nur den lieben.( Apostelg. 17, 30. 31.) 284. Du hast ja dieses meiner Seele, O Herr, gleich anfangs eingesenkt, Daß sie in dieser Leibeshöhle Nach was Unendlichem sich lenkt! Sie sucht und wünschet immerzu, Und findet nirgends ihre Ruh. 2. Gerechter Gott! wie hat die Sünde Mir doch das Ziel 6. Geehret seyn in Menschenso sehr verrückt, Daß ich nun- augen Und ihrer Gunst vermehr auch gar nichts finde, sichert seyn, Kann nichts an Was meine Seele recht er- meinem Ende taugen; Im Lequickt; In dir allein ist wahre ben ists ein bloßer Schein. Ruh; Bring, Herr, mein ar-| Drum laß mich, Jesu, diese mes Herz dazu! Zeit Anwenden für die EwigLüneburger Gesangbuch 12777 378 3. Ach mache von den Eitelkeit. feiten Der Welt, o Herr, mich ganz befreit Und ziehe mich von allen Seiten Zurück von der Vergänglichkeit; Damit ich durch solch Stilleseyn Zur wahren Ruhe kehre ein. 4. Zeuch mich, o Vater, zu dem Sohne, Sonst bin ich ein verloren Kind, Daß er durch Glauben in mir wohne, Und ich in ihm die Ruhe find'; Denn durch den Glauben ist er mein, Und ich bin durch den Glauben sein. 5. Sonst alles ist für nichts zu schäßen, Es mag auch heißen, wie es will; Pracht, Reichthum kann mich nicht ergößen, Noch meine Seele machen still; Was Kinder dieser Welt erfreut, Bringt Gottes Kindern Traurigkeit. 7. Laß mich nach dieser Ehre trachten, Daß ich nur dir gefällig sey Und lerne diese Welt verachten, Die nichts ja hat als Täuscherei; Wer aber dir, o Gott, gefällt, Der hat das beste Theil erwählt. 8. Wie wird mich aller Reichthum trösten, Wenn ich die Welt verlassen soll, Und hätte ich des Allerbesten Gleich alle meine Habe voll? Dagegen dein getreuer Sinn Ist mir der seligste Gewinn! 224 XVI. Heilsordnung. 9. Drum laß mich dich allein| meinen blöden Muth Und rede behalten, O Herr, mein aller- meiner Seele zu:, Komm, höchstes Gut! O Jesu, wann gehe ein in deine Ruh!" ich soll erkalten, So stärke Frommann, g. 1669 † 1715. Mel. Mache dich, mein Geist.( Eph. 5, 14.) 285. Sidhrer Mensch! noch ist es Zeit, Aufzustehn vom Schlafe; Nah ist dir die Ewigkeit, Nahe Lohn und Strafe. Hör, Gott spricht! Säume nicht. Seinen Ruf zu hören Und dich zu bekehren. 2. Noch tönt nicht zum Weltgericht Der Posaune Stimme; Noch sinkt dieser Erdball nicht Vor des Nichters Stimme. Aber bald, Bald erschallt Gottes Ruf: zu Erden Sollst du wieder werden! 3. Kommt nun, eh du es gedacht, In der Sünde Freuden Deines Lebens letzte Nacht, Was wirst du dann leiden, Wann dein Herz, Von dem Schmerz Deiner Schuld zerrissen, Wird verzagen müssen! 4. Wann vor deinem Antlig sich Jede Sünd enthüllet, Wann dann jede, jede dich Ganz mit Graun erfüllet; Dich nichts dann Stärken kann, Keine deiner Freuden, Was wirst du dann leiden! 286. Kehre wieder, kehre wieder, Der du dich verloren hast, Sinke reuig bittend nieder Vor dem Herrn mit deiner Last! Wie du bist, so darfst du kommen Und wirst gnädig aufgenommen. Sieh, der Herr kommt dir entgegen, Und sein heilig Wort verspricht Dir Vergebung, Heil und Segen; Kehre wieder, zaudre nicht! 5. Nah' dem Untergang wirst du An des Grabes Stufen, Bang um Trost und Seelenruh, Dann vergebens rufen: Rette, Gott, Mich vom Tod! Rette noch im Sterben Mich von dem Verderben! 6. Noch, noch wandelst du, o Christ, Auf des Lebens Pfade; Nahe zur Errettung ist Dir noch Jesu Gnade; Eil ihr zu! Du wirst Ruh Für dein Herz empfinden Und Vergebung finden. Sturm, g. 1740 † 1786. Eigene Mel.( Jerem. 3, 12. 13.) 2. Kehre aus der Welt Zerstreuung In die Einsamkeit zurück, Wo in geistiger Erneuung Deiner harrt ein neues Glück, Wo sich bald die Stürme legen, Die das Herz so wild bewegen, Wo des heilgen Geistes Mahnen Du mit stillem Beben hörst Und von neuem zu den Fahnen Jesu Christi heilig schwörst. A. Buße und Bekehrung. 225 3. Kehre wieder, irre Seele!| Schmerzen, Er kann alle WunDeines Gottes treues Herz den heilen, Macht von allen Beut Vergebung deinem Fehle, Flecken rein; Darum kehre Balsam für den Sünden- ohne Weilen Zu ihm um und schmerz. Sieh auf den, der voll bei ihm ein! Erbarmen Dir mit ausgestreckten Armen Winket von dem Kreuzesstamme; Kehre wie der, fürchte nicht, Daß der Gnädge dich verdamme, Dem sein Herz vor Liebe bricht! 4. Kehre wieder! neues Lebenheit, Aus dem Tode in das Trink in seiner Liebeshuld; Bei Leben, Aus der Welt ins Himdem Herrn ist viel Vergeben, melreich! Doch, was Gott dir Große Langmuth und Geduld. heut will geben, Nimm auch Faß ein Herz zu seinem Her- heute,- fehre gleich! zen: Er hat Trost für alle Spitta, g. 1801. Mel. Durch Adams Fall.( 2 Tim. 2, 19. Eph. 3, 16 r.) 287. Wer sich auf seine Schwachheit stützt, Der bleibt in Sünden liegen; Und wer nicht Kraft und Zeit benügt, Wird sich gewiß betrügen; Den Himmelsweg Und schmalen Steg Hat er nie angetreten, Er weiß auch nicht In Gottes Licht, Was Kämpfen sey und Beten. 5. Kehre wieder! endlich kehre In der Liebe Heimath ein, In die Fülle aus der Leere, In das Wesen aus dem Schein; Aus der Lüge in die Wahrheit, Aus dem Dunkel in die Klar2. Was jetzt die Welt nur Schwachheit heißt, Ist ihrer Bosheit Stärke; Dadurch vermehrt der böse Geist Sehr mächtig seine Werke. Auf, Seele, auf! Lenk deinen Lauf Zur Allmacht, die dich rettet; Des Heilands Hand Zerreißt das Band, Womit du angefettet. Evangelisches Gesangbuch. 3. Der erste Schritt im Christenthum Heißt: von der Sünde scheiden; Denn bei dem wahren Glaubensruhm Muß man die Weltlust meiden. Wenn Christi Geift Die Seele reißt Aus ihren Todesbanden, So spürt sie Kraft, Die Jesus schafft, Mit dem fie aufer= standen. 4. Mein Jesu! steh mir mäch= tig bei, Laß mich gekräftigt werden; Gerechtigkeit und Stärke sey Mein bestes Theil auf Erden. Du machst gerecht Uns, dein Geschlecht, Und willst zugleich uns stärken, Daß wir in dir Des Glaubens Zier, Die Macht der Gnade merken. 15 226 XVI. 5. Brich durch, o starker Gottessohn, Damit auch wir durchbrechen, Uns freudig nahn dem Gottesthron, Nicht mehr von Schwachheit sprechen! Denn deine Hand Will ja das Pfand Des Glaubens gern uns geben, Damit wir, frei Von Heuchelei, 3m Streit stets siegreich leben. Heilsordnung. 6. Gib Kraft, wo keine Kraft mehr ist, Gib Kraft, das Fleisch zu dämpfen! Gib Kraft, wenn Satans Macht und List Uns schwächen will im Kämpfen. Wenn uns die Welt Viel Netze stellt, Gib Kraft sie zu vernichten; So wird in Noth, Ja selbst im Tod Uns deine Kraft aufrichten. 4. Dein Heiland weinet über dich, Du lachst in deinen SünMarperger, g. 1681 † 1746. Mel. Es ist gewißlich.( Matth. 23, 37. Offenb. 3, 3.) 288. D Mensch, ermuntre den! Er sucht und locket dich deinen Sinn! Wie lange willst du schlafen? Auf, auf! die Stunden gehn dahin. Schon nahen Gottes Strafen; Vor ihm besteht der Sünder nicht, Und geht er mit dir ins Gericht, 5. Du siehst, wie mancher Wo willst du Rettung finden?| Sünder fällt, Wenn Gott die 2. Das eitle Wesen dieser Zeit Hat dich mit Nacht bedecket, Daß aus dem Schlaf der Sicherheit Dich keine Warnung wecket. Du freuest dich der trägen Ruh Und drückest gern die Augen zu, Dem Lichte zu entweichen. Strafe sendet, Doch bleibest du ein Kind der Welt, Von ihrem Tand verblendet! Des Nächsten Sturz erschreckt dich nicht! Du glaubst, daß Gottes Zorngericht Dich niemals treffen werde! 3. Gott rufet laut, du schlummerst fort; Er droht dir, doch vergebens! Er zeiget dir in seinem Wort Die Strafen jenes Lebens, Du aber merkest wenig drauf, Fährst fort in deinem Sündenlauf, Willst keinen Führer leiden! 6. Gott! laß in mir nach deiner Huld Der Gnade Licht entbrennen, Damit ich meiner Sünden Schuld Necht gründlich mög erkennen. O Jesu, Glanz der Herrlichkeit! Durchleuchte meine Sicherheit, Daß ich mein Elend schaue. 7. O heilger Geist! laß deinen Strahl Durch meine Seele dringen Hilf, daß ich endlich zu sich, Du lässt dich nimmer finden! Er fleht, du nimmst kein Bitten an! Er thut mehr, als ein Bruder kann, Du spottest seiner Liebe! A. Buße und Bekehrung. 227 mög einmal Den Sündenschlaf| der sichre Sündenlauf Nicht bezwingen. Gott! thu mir zur Verdammniß führe. Herz und Augen auf, Daß mich Eigene Mel.( Matth. 11, 29. 30. Cap. 7, 13. 14.) Welt In einem Nu verderben. 289. Kommt her zu mir,"| Wird auch die Herrlichkeit der spricht Gottes Sohn, Ihr, denen mit der Sünde Lohn Das Herz ist schwer beladen! Ihr Jungen, Alten, Fran und Maun, Ich will euch geben, was ich kann, Will heilen euren Schaden!" 2. ,, Mein Joch ist sanft, leicht meine Last, Und jeder, der sie willig faßt, Der wird der Höll entrinnen. Ich helf ihm tragen, was zu schwer, Mit meiner Hilf und Kraft wird er Das Himmelreich gewinnen." 11 3. Was ich gelitten und gethan In meinem Leben, schauet an, Das sollt ihr auch erfüllen. Was ihr gedenfet, sprecht und thut, Das geht nur selig, recht und gut, Wenns geht nach Gottes Willen." 6. Die Welt erzittert vor dem Tod; Wenn einer liegt in letzter Noth, Da will er erst fromm werden. Er schaffte dieß, er schaffte das, Der armen Seel er ganz vergaß, Dieweil er lebt auf Erden; 7. Und wenn er nimmer leben fann, So hebt er große Klagen an, Will schnell sich Gott ergeben;- Ich fürcht fürwahr: die göttlich' Gnad, Die er allzeit verschmähet hat, Wird. schwerlich ob ihm schweben! 8. Dem Reichen hilft nicht großes Gut, Dem Jungen nicht sein stolzer Muth, Ermuß aus diesem Maien! Wenn einer gäb die ganze Welt, Silber und Gold und alles Geld, Doch muß er an den Reihen! 4. Gern wollt die Welt auch selig seyn, Wenn nur nicht 9. Gelehrten hilft nicht Wiz wär die Schmach und Bein, noch Kunst; Die weltlich' Pracht Die alle Christen leiden! Doch ist gar umsonst, Wir müssen mag es ja nicht anders seyn; alle sterben! Wer nicht in seiDarum ergebe sich darein, Werner Gnadenzeit In Jesu Christ ewge Pein will meiden. 5. Heut ist der Mensch jung, schön und stark, Ist morgen frank, und liegt im Sarg, Wenn Gott ihn heißet sterben; Gleichwie die Blumen auf dem Feld, sich macht bereit,- Ewig muß der verderben! 10. Drum merket, die da wohlgesinnt Als gottergebne Kinder sind, Laßt euch die Müh nicht renen! Bleibt stets am heilgen XVI. Heilsordnung. Gotteswort, Das ist der See- sundheit, großem Gut, Ihr len höchster Hort; Gott wird euch schon erfreuen. würdet bald erkalten. Drum schickt Gott Trübsal her und Schmerz Und will durch Züchtigung das Herz Zur ewgen Freud erhalten. 11. Schaut, daß ihr Guts um Uebles gebt; Schaut, daß ihr hier unschuldig lebt, Laßt euch die Welt nur schelten; Laßt Gott die Nach und alle Ehr, Den schmalen Weg geht immer her, Der Welt wird Gott vergelten. 13. Und was der ewig treue Gott In seinem heiligen Gebot Verheißt bei seinem Namen, Das hält und gibt er euch fürwahr!. Er helf uns zu der EngelSchaar Durch Jesum Christum! Amen. Wahrscheinlich v. Ringwaldt, g. 1531. ( Pf. 130.) Eigene Mel. 290. Aus tiefer Noth schrei| trauen, Die mir zusagt sein ich zu dir, Herr Gott, erhör mein Rufen! Dein gnädig Ohr neig, Herr, zu mir und meiner Bitt es öffne! Denn so du das willt sehen an, Was Sünd und Unrecht ist gethan, Wer kann, Herr, vor dir bleiben? werthes Wort; Das ist mein Trost und treuer Hort, Deß will ich allzeit harren. 2. Bei dir gilt nichts denn Guad und Gunst, Die Sünde zu vergeben; Es ist doch unser Thun umsonst, Auch in dem besten Leben. Vor dir niemand sich rühmen kann, Deß muß sich fürchten jedermann Und deiner Gnade leben. 228 12. Wenn es auch gieng' nach Fleisches Muth, In Gunst, Ge- 3. Darum auf Gott will hoffen ich, Auf mein Verdienst nicht bauen; Auf ihn mein Herz soll lassen sich und seiner Güte 4. Und ob es währt bis in die Nacht und wieder an den Morgen, Soll doch mein Herz an Gottes Macht Verzweifeln nicht, noch sorgen. So thut Israel rechter Art, Der aus dem Geist erzeuget ward Und seines Gottes harret. 5. Ob bei uns ist der Sünden viel, Bei Gott ist viel mehr Gnaden; Sein' Hand zu helfen hat kein Ziel, Wie groß auch sey der Schaden. Er ist allein der gute Hirt, Der Israel erlösen wird aus seinen Sünden allen. Luther, g. 1483 † 1546. Mel. O Gott, du frommer Gott.( Rom. 7, 18: c. Cap. 8, 3. 4.) 291. Jesu! fteh darein| Mein Herz fühlt nichts als Und hilf mir Armen siegen; Tod, Mein Geist muß unter A. Buße und Bekehrung. 229 liegen. Das Wollen hab ich mein schwaches Herz Den wohl, Doch das Vollbringen Strom der Gnade fließen! nicht, Weil es dem mattenGeist Ich fleh, ich lass' dich nicht, An aller Kraft gebricht. Bis deine Segenskraft In mir den Tod besiegt Und neues Leben schafft!# 11 6. Du hast es zugesagt, Du willst mich gern erquicken, Wenn mein verkehrter Sinn Sich nur zu dir will schicken; Wenn er dir opfert auf, Was ihm für Freude galt, Daß deine Liebe nur Gewinn' in mir Gewalt.ismunung 2. Die Sünd hat mich bestrickt, Der Tod hat mich gefangen, Wohin ich geh und seh, Nichts stillet mein Verlangen. Einst meint' ich hoch zu stehn, Nur lieg ich tief im Staub, Und mein erträumter Ruhm Wird nun des Spottes Raub. 3. Ich wirk, ich lauf, ich renn, Und weiß doch nicht zu finden Den Weg zur wahren Ruh Und mich zu überwinden; Mich schließt der Sünde Macht Recht in die Fesseln ein, Ich muß ein Sklav der Luft und meines Fleisches seyn. 4. Du, Jesu, du allein Kannst meinen Jammer wenden; Mein Können stehet nur Ju deinen starken Händen. Wo du mir nicht die Kraft Zum Leben gießest ein, So wird mein Sehnen selbst zu nichts als lauter Pein. 5. Drum, Herr, erbarme dich, Ich liege dir zu Füßen; Laß in 7. So nimm denn alles hin; Ich will mir nicht mehr leben, Ich will mich ganz und gar in deine Führung geben. Ach fasse mich nur fest! Mach mich von Sünden frei, Damit forthin mein Herz Dein reiner Tempel sey. 8. Wirst du in mir, mein Heil, So kräftig dich verklären, Und mich zu deinem Bild Durch Sterben neu gebären, So weicht die Unruh weg, Der Sünde Macht zerbricht. Ich finde Fried und Nuh In deinem Angesicht. 292. Ich will von meiner Missethat Zum Herren mich bekehren; Du wollest selbst mir Hilf und Rath Hiezu, o Gott, bescheren Und deines guten Geistes Kraft, Der neue Dippel, g. 1673 † 1734. Mel. Aus tiefer Noth.( Pf. 51, 3-14. Jef. 55, 7.) Herzen in uns schafft, AusGnaden mir gewähren. 2. Der Mensch kann von Naturdoch nicht Sein Elend selbst empfinden, Ist ohne deines Geistes Licht Blind, taub und todt 230 XVI. Heilsordnung. in Sünden; Verkehret ist Sinn,| Gedacht: es hat noch lange Zeit, Will und Thun; Des großen Gott pflegt nicht bald zu straJammers wollst du nun, Ofen, Er fähret nicht mit unsrer Vater, mich entbinden! Schuld So strenge, denn es hat Geduld Der Hirte mit den Schafen. 3. Herr! klopf in Gnaden bei mir an Und führ mir wohl zu Sinnen, Was Böses ich vor dir gethan. Du kannst mein Herz gewinnen, Daß ich aus Kummer und Beschwer Lass' über meine Wangen her Viel heiße Thränen rinnen. 4. Wie hast du doch auf mich gewandt Den Reichthum deiner Gnaden! Mein Leben dank ich deiner Hand; Du gabst auf allen Pfaden Mir manches Gut, nebst Kleid und Brod, Du machtest, daß mir keine Noth Bisher hat können schaden. 5. Du hast in Christo mich erwählt Tief aus des Todes Fluthen; Es hat mir sonst auch nicht gefehlt An irgend einem Guten; Zuweilen ward ich auch dabei, Daß ich nicht sicher lebt und frei, Gestäupt mit Vatersruthen. 6. Hab ich mich denn bis jetzt vor dir Gehorsams auch beflissen? Ach nein! ein andres faget mir mein Herz und mein Gewissen; Darin ist leider nichts gesund, An allen Orten ist es wund, Von Sünd und Nen zerrissen. 7. Bisher hab ich in Sicherbeit Fast unbesorgt geschlafen, 8. Dieß alles jetzt zugleich erwacht; Mein Herz will mir zerspringen! Ich fühle deines Donners Macht und Feuer auf mich dringen; Es regt sich wider mich zugleich Des Todes und der Hölle Reich, Die wollen mich verschlingen! 9. Wo bleib ich denn in solcher Noth? Nichts helfen Thor und Riegel! Wo flieh ich hin? o Morgenroth, Hätt ich doch deine Flügel! Verbirg du mich, o fernes Meer, Bedecket mich, fallt auf mich her, Ihr Klippen, Berg' und Hügel! ( Pfalm 139, 7-12.) 10. Ach nur umsonst! und könnt ich gleich Bis in den Himmel steigen, Könnt ich mich auch hinab ins Neich Der tiefsten Hölle beugen, So würde mich doch deine Hand Da finden und von meiner Schand Und großen Sünde zeugen. 11. Herr Christ! ich fleh zu dir allein, Du hast mein Heil erfunden; Laß mich in dir verborgen seyn Und bleiben alle Stunden; Du tilgtest ja, du Gotteslamm, Der Menschen A. Buße und Bekehrung. 231 Sünd am Kreuzesstamm Mit seyn, Ganz deine Lieb empfindeinen heilgen Wunden. 12. Hier ist mein Herz! o mach es rein Von allen seinen Sünden; Laß es dir ganz geheiligt den. schaffe mich im Grunde neu, Daß ich, im Glaubenskampfe treu, Die Welt mög überwinden! Luise Henriette, Churfürstin von Brandenburg, g. 1617 † 1667. Mel. Sollt es gleich.( Luc. 15, 11-32.) 293. Auf will ich von Sün-| weihn, Mich in dir, mein Gott, erfreun. den stehen und zu meinem Vater gehen; Seele, Seele, es ist Zeit, Tod ist nah und Ewigkeit! 2. Sieh mich wieder zu dir kehren, Gott! ich will dein Rufen hören, Will in Zukunft dir allein Eigen und geheiligt seyn. 3. Vater! ich will nimmer fehlen, Ich will jene Straße wählen, Die du mit des Kreuzes Last Und mit Blut bezeichnet haft. 5. Ich will Sünde fliehn und baffen, Nie dich, meinen Gott, verlassen, Nie mich richten nach der Welt, Niemals thun, was dir mißfällt. 6. Halt mich fest in deiner Guade, Führe mich aufrechtem Pfade, Daß ich dir beständig treu Und im Guten standhaft sey. ALIY 7. Auf will ich von Sünden 4. Ich will jene Freuden mei- stehen und zu meinem Vater den, Die von deiner Liebe schei- gehen; Seele, Seele, es ist den, Dir mich ganz von Herzen Zeit, Tod ist nah und Ewigkeit! Eigene Mel.( Pf. 51, 19. Ebr. 9, 14.) 294. Herr Jesu Christ, du nen Sünden untergeh, Noch höchstes Gut, Du Brunnquell ewiglich verzage. aller Gnaden! Sich doch, wie ich in meinem Muth Mit Schmerzen bin beladen Und in mir hab der Pfeile viel, Die im Gewissen ohne Ziel Mich armen Sünder quälen. 2. Erbarm dich mein bei solcher Last, Nimm sie von meinem Herzen, Dieweil du fie gebüßet haft Am Kreuz mit Todesschmerzen; Auf daß ich nicht mit großem Weh In mei3. Fürwahr, wenn alles mir kommt ein, Was ich mein Tag begangen, So fällt mir auf das Herz ein Stein, Und hält mich Furcht umfangen; Ja, ich weiß weder aus noch ein Und müßte gar verloren seyn, Wenn ich dein Wort nicht hätte. 4. Doch durch dein theures Wort erwacht Mein Herz zu neuem Leben; Erquickung hat es mir gebracht, Jch darf nicht 232 XVI. Heilsordnung. trostlos beben, Dieweil es Gna-| willen! Du wollst in mir die de dem verheißt, Der sich mit tief zerknirschtem Geist Zu dir, o Jesu, wendet. 5. So komm ich jetzt zu dir allhie In meiner Nothgeschritten Und will dich mit gebeugtem Knie Von ganzem Herzen bitten: Vergib es mir doch gnädiglich, Was ich mein Lebtag wider dich Auf Erden hab gefündigt! 6. Vergib mirs doch, o Herr, mein Gott, Um deines Namens große Noth Der Uebertretung stillen, Daß sich mein Herz zufrieden geb Und dir hinfort zu Ehren leb In findlichem Gehorsam. gütig, Barmherzig, gnädig und langmüthig, Voll Trene, Huld und Liebe bist, Sieh, wie ich meine Sünde Mit reuendem Gemüth empfinde, Die groß und viel und greulich ist! Sieh, wie mich dieses schmerzt! Ich hab versäumt, verscherzt Deine Gnade, So viel Geduld, So große Huld, Und zwar aus meiner eignen Schuld. 2. Vergib mir dieß Verbrechen; Denn willst du unsre Sünden rächen, Wer will vor deinem Zorn bestehn? Du drohst, nach vielem Locken Ein Herz mit Blindheit zu verstoken, Das nicht auf deinen Wink will sehn. Vergib, o Vater, mir! Ach mein Herz seufzt zu dir: Gnade, Gnade! Ach gehe 7. Stärf mich mit deines Geistes Muth; Heil mich mit deinen Wunden; Wasch mich mit deiner Gnade Fluth In meinen letzten Stunden Und nimm mich einst, wanns dir gefällt, In wahrem Glauben von der Welt Zu deinen Auserwählten! Ringwaldt, g. 1531. Mel. Wachet auf! ruft.( 1 Petri 1, 13. Pf. 145, 8. 9.) 295. Gott! der du Allen| nicht In dein Gericht; Verbirg mir nicht dein Angesicht! 3. Ich bleibe stets im Dunkeln, Wo nicht der Gnade Strahlen funkeln, Die meine Finsterniß vertreibt. Wird mich dein Geist nicht lehren, Wird er mein Herz nicht selbst bekehren, So weiß ich, daß es thöricht bleibt. Mein Vater! wo du mich nicht leitest, irre ich; Jesu Gnade Und deren Schein Soll nur allein Mein Leitstern, meine Weisheit seyn. 4. Herr! ohne deine Gnade Bleib ich stets auf der Sünde Pfade, Vor dir stets strafbar, o mein Gott! Wirst du mir nicht das Leben, Geist, Seligkeit und Kräfte geben, So bleib ich bös, in Sünden todt. Drum ruf ich, Herr, zu dir: Gib deine Gnade A. Buße und Bekehrung. mir, Gott der Gnaden! Denn deine Kur Verbessert nur Die so verdorbene Natur. 5. Laß alle meine Kräfte, Gedanken, Neden und Geschäfte Durch deine Gnade heilig seyn. Laß meinen bösen Willen Nichts wollen, lieben und erfüllen; Was dieser wirft, kann nicht gedethn. Ist etwas recht vor dir, Zu solchem schenke mir Deine Gnade! Denn was beruht Auf Fleisch und Blut, Ist, guter Gott, vor dir nicht gut. 233 muth geben, Geduld im Kreuze, Kraft zum Leben, Versöhnlichkeit und sanften Muth, Der Klugheit edle Kunst, Der Andacht heilge Brunst. Ohne Gnade Ist alles Pein; Laß fie allein Mein Leben, meinen Himmel seyn. 6. Herr! es sind Gnadenwerke: Der Liebe Gluth, des Glaubens Stärke, Der Hoffnung Trost; die schenke du! Mein einziges Vergnügen, Mein Lebensfunk in letzten Zügen, Mein Ruhm, mein Segen, meine Ruh, Mein alles soll nur seyn, Gott, deine Gnad allein, Deine Gnade! Es bleibt dabei, Daß ich aufs neu Das, was ich bin, aus Gnaden sey. 7. Nur du, Gott aller Gnaden, Wirkst alles Guts, heilst allen Schaden; Was deine Gnade schafft, ist gut; Laß sie mir De8. Ach gib mir ein Verlangen, An deiner Gnade nur zu hangen, Wie sich ein Schiff am Anker hält! Ach laß bei deinem Fügen An deiner Gnade mir genügen In Schmach und Armuth dieser Welt! Was schwer und bitter ist, Erleichtert und versüßt Christi Gnade. Der hat schon satt, Wer Gnade hat; Sie ist an alles Reichthums Statt. 9. Ich gehe, wo ich gehe, Ich size, liege oder stehe, Ich wache oder schlafe ein, Ich lebe oder sterbe, Laß die Barmherzigkeit mein Erbe, Das Gute meine Folge seyn! Ich will in dieser Zeit und in der Ewigkeit nichts als Gnade! Mein Herze schließt In Jesu Christ, Der aller Gnaden Urquell iſt. Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Mel. Meine Armuth macht.( Eph. 5. 14. Luc. 1, 78. 79. Jes. 60. 1. 2.) 296. Hüter! wird die Nacht der Sünden nicht verschwinden? Hüter! ist die Nacht schier hin? Wird die Finsterniß der Sinnen Bald zerrinnen, Darein ich verhüllet bin?( er. 21. 11.) 2. Möcht ich, wie das Rund der Erden, Lichte werden! Seelensonne, gehe auf! Ich bin finster, kalt und trübe; Jesu, Liebe, Komm, beschleunige den Lauf! 234 XVI. Heilsordnung. 3. Wir sind ja im neuen Bunde,| res Kind der Erden Helle werDa die Stunde Der Erschei- den, Daß ich Gutes wirken nung kommen ist, Und ich muß kann. mich stets im Schatten So ermatten, Weil du mir so ferne bist! 4. Wir sind ja der Nacht entnommen, Da du kommen, Aber ich bin lauter Nacht; Darum wollst du mir, dem Deinen, Auch erscheinen, Der nach Licht und Rechte tracht't. 5. Wie kann ich des Lichtes Werke Ohne Stärke, In der Finsterniß vollziehn? Wie kann ich die Liebe üben, Demuth lieben Und der Nacht Geschäfte fliehn? 8. Nur die Decke vor den Augen kann nicht taugen, Seine Klarheit kann nicht ein! Wenn fein helles Licht den Seinen Soll erscheinen, So muß rein das Auge seyn. 9. Jesu! gib gesunde Augen, Welche taugen; Nühre meine Augen an; Denn das ist die größte Plage, Wenn am Tage Man das Licht nicht sehen kann! Richter, g. 1676 † 1711. Mel. Uus tiefer Noth schrei ich.( Pf. 32, 5. 1 Joh. 1, 9.) Vater der Barm-| Am Kreuze für mich Armen Getragen aller Sünden Last. Wollst meiner dich erbarmen! O Gottes und des Menschen Sohn, Erbarm dich mein und mein verschon, Hör an mein kläglich Seufzen! 4. O heilger Geist, du wahres Licht, Regierer der Gedanken! Wenn mich die Sündenlust anficht, Laß mich von dir nicht wanken; Verleih, daß nun und nimmermehr Begier nach Wolluft, Geld und Ehr In meinem Herzen herrsche. 5. Und wenn mein Stündlein 6. Ach daßlänger meine Seele Sich nicht quäle, Zünd dein Feuer in mir an! Laß mich finst7. Das Vernunftlicht kann das Leben mir nicht geben; Jesus und sein heller Schein, Jesus muß das Herz anblicken Und erquicken, Jesus muß die Sonne seyn! 297. herzigkeit! Ich falle dir zu Fuße: Verstoß den nicht, der zu dir schreit Und thut noch endlich Buße. Was ich begangen wider dich, Verzeih mir alles gnädiglich Durch deine große Güte! 2. Durch deiner Allmacht Wunderthat Nimm von mir, was mich quälet; Durch deine Weisheit schaffe Rath, Worinnen mirs sonst fehlet. Gib Willen, Mittel, Kraft und Stärk, Daß ich mit dir all meine Werk Anfange und vollende. 3. O Jesu Christe, der du hast A. Buße und Bekehrung. kommen ist, So hilf mir treulich kämpfen, Daß ich des Argen Troß und List Durch Christi Sieg mag dämpfen; Auf daß 235 mir Krankheit, Angst und Noth, Ja selbst das letzte Leid, der Tod, Nur sey die Thür zum Leben! Denife, g. 1603 † 1680. Mel. Aus Gnaden soll ich.( Gal. 6, 3-5.) 298. Wer bin ich? welche wichtge Frage! Gott, lehre sie mich recht verstehn! Gib, daß ich mir die Wahrheit fage, Um mich so, wie ich bin, zu sehn. Wer sich nicht selbst recht kennenlernt, Bleibt von der Weisheit weit entfernt. 2. Ich bin ein Werk von deinen Händen, Du schufft mich, Gott, zu deinem Preis! Mein Lebennüglich anzuwenden, Das ist dein väterlich Geheiß. Doch leb auch ich, dein Eigenthum, Wie mirs gebührt, zu deinem Ruhm? 4. Du kennest meines Herzens Tiefen, Die mir selbst unergründlich sind; Drum laß mich oft mein Innres prüfen, Mich fragen: bin ich Gottes Kind? Befreie mich vom falschen Wahn, Der auch den Klügsten täuschen kann. 5. Ist der, der selbst bei tiefem Wissen Des Herzens Zustand sich verhehlt, Auf wahre Besserung beflissen? Er, der nicht weiß, wie viel ihm fehlt! Sich selbst recht kennen ist Verstand; Drum mache mich mit mir bekannt. 6. Was mir zu meinem Heil noch fehlet, Mein Vater, das entdecke mir! Hab ich der Wahrheit Weg erwählet, So gib, daß ich ihn nicht verlier. Erleuchte mich mit deinem Licht, So täuschen mich Verführer nicht. 3. Ich bin ein Christ nach dem 7. Doch, bin ich noch vom Bekenntniß; Doch bin ich das sichern Pfade, Der mich zum auch in der That? Herr! öffne Leben führt, entfernt, So wecke selbst mir das Verständniß, mich durch deine Gnade, Daß Recht einzusehn: ob ich den ihn mein Auge suchen lernt. Pfad, Den Jesus mir gewiesen, Gib mir zur Beßrung Lust und geh Und ob ich auch im Glau- Kraft, Du bists, der beides in ben steh? mir schafft. 8. Ich muß es einmal doch erfahren, Was ich hier war und hier gethan; O laß michs nicht bis dahin sparen, Wo Reue nichts mehr helfen kann! Hier mache mich zum Himmel klug Und frei von schnödem Selbstbetrug! Diterich, g. 1721 † 1797. 236 XVI. Seilsordnung. Mel. Die Tugend wird.( Rom. 7, 14-25.) 299. Gott! welcher Kampf in meiner Seele, Welch steter Widerspruch in mir: Der Geist will, daß ich Gutes wähle, Er sehnt sich heiß, o Gott, nach dir; Das Fleisch strebt gegen diesen Willen, Es ringt nach Sinnenlust allein, Und werd ich sein Gesetz erfüllen, So wird nicht fern die Sünde seyn. 2. Von doppeltem Geset regieret, Wie ist mein Wesen räthselhaft! Wenn mich der Wahrheit Strahl berühret, So schmeck ich Frieden, fühle Kraft; Doch wenn des Irrthums dunkle Schatten Mir rauben dieses reine Licht, Gleich fühl ich mich im Lauf ermatten: Ich will,- doch ich vollbringe nicht. 3. Der beste Vorsatz, den ich fasse, Verfliegt oft wie ein Traumgesicht; Ich thu das Böse, das ich hasse, Das Gute, das ich liebe, nicht. Getrieben wie ein Schiff vom Winde, Wenn Mast und Steuerruder brach, Fall ich in die Gewalt der Sünde; Zu späte Thränen folgen nach. 300. Meine Seele, Voller Fehle, Suchet in dem Dunkeln Licht; Jesu! neige Dich und zeige Mir dein tröstlich Angeficht; Auf mein Flehen Laß dich sehen und verbirg dich länger nicht! 2. Ich empfinde: Meine Sünde Sey an allem Kummer Schuld; Ich gestehe Dirs und flehe Um Vergebung und Geduld. Du, mein Leben, Kannst mir geben Neue Hilfe, neue Huld. dal 3. Ach von Herzen Und mit 4. Wer löst mich von den Sclavenketten? Wer schafft in meinem Innern Ruh? Nur du, Erlöser, fannst mich retten; Ich eile deiner Gnade zu! Mit dir, du Gottessohn, verbunden, Ist nichts verdammliches an mir; Ich wandl' im Geist und kann gefunden, Lebst du in mir und ich in dir! Mel. Sieh, hier bin ich.( 1 Tim. 1, 15.) Schmerzen Such ich dich, mein Trost und Heil! Wie so lange Ist es bange Meiner Seele! komm in Eil, Laß dich nieder, Komme wieder, Meines Herzens bestes Theil! 4. Richtig wandeln, Weise handeln, Wollst du künftig mir verleihn; Gib die Triebe Reiner Liebe Voller in mein Herz hinein. Welch ein Segen Ist zugegen, Wenn es heißt: du mein, ich dein! 5. Lehre, leite, Vollbereite Mich, wie du mich haben willt; A. Buße und Bekehrung. 237 Gib mir Klarheit, Geist und sichte Mir sich droben völlig Wahrheit, Daß ich gleich sey deinem Bild; Daß man merke, Meine Stärke Sey in dir, und du mein Schild; zeigt, Wenn die Deinen Nicht mehr weinen, Und die Klagestimme schweigt. Drum so zeige Mir die Steige, Da man auf zum Himmel steigt! 6. Bis im Lichte Dein GeMagd. Sib. Rieger, g. 1707 † 1786. Mel. Aus tiefer Noth schrei ich.( Ps. 51, 11-14 und 19.) 301. Schaff in mir, Gott,| 4. Den heilgen Geist nimm ein reines Herz, Mein Herz ist ganz verderbet! Es fühlt der Sünden großen Schmerz, Die ihm sind angeerbet, Und die es hat gethan ohn' Scheu; Ach mache, daß es wieder sey, Wie du's zuerst erschaffen! nicht von mir, Den bösen Geist vertreibe; Daß ich nie mehr entführt von dir, Stets deine sey und bleibe! Beherrsche du Herz, Sinn und Muth Durch deinen Geist, so ist es gut m Leben und im Sterben. 2. Gib mir auch einen neuen Geist, Der wie du sey gefinnet, Der stets dir anhang allermeist Und was du willst, beginnet. Gib, daß ich haffe Fleisch und Blut, Den Glauben üb' in sanftem Muth, Zucht, Demuth, Hoffnung, Liebe. 3. Verwirf von deinem Angesicht, Obgleich ich es verdienet, Mich, o getreuer Vater, nicht, Weil Jesus mich verfühnet! Ach laß doch nun und nimmermehr Mich, dein Kind, fallen also sehr, Daß du es von dir stoßest! 6. Dein Freudengeist erhalte mich Und stärke meine Seele, Damit sie nun und nimmer sich Mit Furcht und Zweifeln quäle. Sey du mein Freund, o Herr, allein, Achlaß mich deine Freude seyn Und führe mich zur Freude! Ludämilie Elif., Gräfin zu Schwarzburg Rudolstadt, g. 1640 † 1672. Mel. Nun laßt uns den Leib.( Pf. 51, 6. 103, 10. 143, 10.) Schuld, Allwissender, Sieh auch die Neue gnädig an! 2. Du kennst mein Seufzen 5. Mit deiner Hilfe tröste mich, Hilf und vergib die Sünden; Und sucht dann meine Seele dich, So laß dich von ihr finden Und dein Verdienst, Herr Jesu Christ, Darinnen Trost und Leben ist, Mich stets im Geist genießen. 302. An dir hab ich gesündigt, Herr, Und übel oft vor dir gethan; Du siehst die 238 XVI. Heilsordnung. Gott! mein Flehn Und meine mender, Und bleibst ein Gott, Thränen sind vor dir; Wann der gern erfreut. Läsfest du mich Hilfe sehn? Wie lang entfernst du dich von mir! 3. Geh, Herr, mit mir nicht ins Gericht, Vergilt mir nicht nach meiner Schuld. Noch bleibst du meine Zuversicht, Du Gott der Langmuth und Geduld! 4. Erfülle selbst, Allgütiger, Mein Herz vor dir mit Freudigkeit. Duwarest stets, Erbar5. Dir trau ich; lehre mich, wie gut, Wie heilig deine Rechte sind! Laß mich sie thun mit frohem Muth, Du bist mein Vater, ich dein Kind. Mel. Aus tiefer Noth schrei.( Apostelg. 3, 19. 20.) 303. Aus tiefer Noth last uns zu Gott Von ganzem Her-| zen schreien, Bitten: daß er durch seine Gnad Uns woll vom Uebel freien Und alle Sünd und Missethat, Die unser Fleisch begangen hat, Uns väterlich verzeihen. 2. Wir sprechen: Vater! sieh doch an Die Armen und Elenden, Die Uebels viel vor dir gethan Mit Herzen, Mund und Händen. Verleih uns, daß wir Buße thun Und unsern Lauf in deinem Sohn Zur Seligfeit vollenden. 6. Herr! eile du mir beizustehn Und leite mich auf ebner Bahn. Er hört, der Herr, er hört mein Flehn Und nimmt sich meiner Seele an. Nach Gelert. 3. Herr! unsre Schuld ist überschwer, Muß unsre Herzen brechen; Doch deiner Gnaden ist viel mehr, Als ein Mensch kann aussprechen; Die suchen und begehren wir, In Hoffnung, daß du dort und hier Die Sünd nicht werdest rächen. 4. Du willst nicht, daß der Sünder sterb Und zur Verdammniß fahre; Du willst, daß er die Gnad erwerb Und sich darin bewahre. So hilf uns nun, o Herre Gott, Damit uns nicht der ewge Tod In Sünden widerfahre! 5. Wenn du nun ins Gerichte gehn Und mit uns wolltest rechten, Herr! wie würden wir bestehn, Und wer würd uns verfechten? O Herr! sieh uns barmherzig an Und hilf uns wieder auf die Bahn Zur Pforte der Gerechten. 6. Wir opfern dir uns arm und bloß, Neumüthig und zerschlagen; O nimm uns auf in deinen Schoos Und laß uns nicht verzagen! O hilf, daß wir getrost und frei, Ohn' arge List und Heuchelei Dein Joch zum Ende tragen. A. Buße und Bekehrung. 239 7. Sprich uns durch deine Bo-| 8. Erhalt in unsers Herzens ten zu Und heile die Gewissen; Stell unser Herz durch sie zur Ruh, Thu uns dadurch zu wissen, Wie Christ vor deinem Angesicht All unsre Sachen hat geschlicht't; Den Trost laß uns genießen! Grund Deinen göttlichen Samen; Und hilf, daß wir den neuen Bund In deines Sohnes Namen Vollenden treulich in der Zeit, Und so der ewgen Herrlichkeit Versichert werden! Amen. Böhmische Brüder. Mel. Mein's Herzens Jesu.( Hesekiel 36, 26. 27.) 304. Nimm hin mein Herz, Gott, nimm es an! Ich bring es dir zur Gabe; Ich bring es dir so gut ichs kann, So schwach und arm ichs habe; Ich weiß doch, du verschmähst es nicht, So viel dem Opfer auch gebricht, Das ich dir willig weihe. 2. Nimm, o mein Heiland, nimm es hin, Du Herz voll ewger Liebe! Mein Herz ist voller Eigensinn Und vollverfehrter Triebe; Es hängt an Welt und eitler Lust; Doch ist dirs auch, o Herr, bewußt, Ich fanns nicht selbst bekehren! 3. Mach du's zu deinem reinen Haus, Das dir gefallen könne; Was dir zuwider, reiß heraus, Daß dich und mich nichts trenne! Entsündge mich mit deinem Blut, Gib mir den Geist,- dann werd ich gut, Dann fang ich an zu leben. 4. Herr, gib, und kost' es immerhin Dem Fleische tausend Schmerzen, Herr, gib mir einen neuen Sinn, Ein Herz nach deinem Herzen! Ein Herz, das dich mit Freuden ehrt, Das kindlich deine Stimme hört Und deinen Namen fürchtet. 5. Gib mir ein Herz, das dich forthin Mit Vorsag nie betrübet; Ein Herz, das dich mit Lautrem Sinn Aus allen Kräften liebet, Ein Herz, das nur für dich entbrennt und keine falsche Liebe fennt; Ein Herz voll Kraft und Glauben. 6. Gib mir ein Herz, das deine Zucht, Wenn sichs verfehlt, bald spüret; Ein Herz, das keine Straße sucht, Als die zum Himmel führet; Ein Herz, das auch in Noth und Pein Zu dir die Zuflucht nimmt allein, Und auch im Kreuz dich preiset; 7. Ein Herz, das Freund' und Feinde liebt Und nichts haßt, als die Sünden; Ein Herz, das täglich mehr sich übt, Sich stets in dir zu finden; Ein Herz, das immer droben ist, Dort, wo du bist, Herr Jesu Christ, Zu deines Vaters Rechten. 240 XVI. Heilsordnung. A 8. Herr! gibst du mir ein sol-| ner Liebe hangen; Dann bin ches Herz, Was will ich mehr ich dein und du bist mein; verlangen? Dann bleib ich fest Dann werd ich einst dort oben in Freud und Schmerz An dei- seyn Und selig dich umfangen. Eigene Mel.( 1 Joh. 1, 8. 9.) 305. Allein zudir, Herr Jesu| 3. Ach stärke durch Barmherzigkeit In mir ein recht Vertrauen, Damit ich deine Freundlichkeit Mög inniglich anschauen, Vor allen Dingen lieben dich Und meinen Nächsten gleich als mich. Am letzten End mir Hilfe send, Damit behend Des Todes Graun sich von mir wend! Chrift, Mein Hoffen steht auf Erden! Ich weiß, daß du mein Tröster bist, Kein Trost mag mir sonst werden: Kein Menschenkind in weiter Welt, Kein Engel ist im Himmelszelt, Der mir aus Nöthen helfen kann; Dich ruf ich an, Von dem ich Hilfe kann empfahn. 2. Die Schuld ist schwer und übergroß Und reuet mich von Herzen; Derselben mach mich frei und los Durch deine Todesschmerzen, Und nimm dich mein beim Vater an, Der du für mich genug gethan, So werd ich los der Sündenlast; Mein Glaube faßt, Was du mir, Herr, versprochen haft. 4. Ehr sey Gott in dem höchsten Thron, Dem Vater aller Güte Und Jesu Christo, seinem Sohn, Der uns allzeit behüte, Und seinem werthen heilgen Geist, Der allezeit uns Hilfe leist', Daß wir ihm sey'n zum Lob bereit, Hier in der Zeit und dorten in der Ewigkeit. Schneesing( Chiomusus) † 1567. Mel. Herr Jesu Christ, mein's.( Matth. 14, 28-31) 306. Hier bin ich, Herr, du rufest mir; Duziehest mich, ich folge dir; Du forderst von mir Herz und Sinn, Mein Heiland, nimm, ach nimm es hin! nicht, Mich drängt und treibet meine Pflicht; Ich komm, ich komm voll Reu und Buß. Ach, aber ach wie wankt mein Fuß! 4. Herr! ich bin deinem Petro 2. Ich hab oft deinen Wink gleich: Dortkommt ein Sturm, verschmäht, Es ist mir leid, ich- ich sink! ach reich'. Neich' komme spät; Wie dank ich dir, schnell mir deine starke Hand, o Gott der Huld, Für deine Langmuth und Geduld! So wird mein Fall noch abge= wandt. am 3. Nun aber säum ich länger 5. Du rufest mich; nun ruf A. Buße und Bekehrung. 241 ich dir: Mein Heiland, komm| den ein, So werd ich künftig und hilf du mir! Mein Fuß ist stärker seyn; So folg ich dir, müd und weigert sich; Herr, mein Herr und Gott, Durch nuterstüß und trage mich. Fluth und Gluth, durch Noth 6. Flöß deine Kraft mir Mü- und Tod. Mel. Nun sich der Tag.( Sprüche 23, 26.) 307. Mein Gott! das Herz ich bringe dir Als Gabe und Geschenk; Du sorderst dieses ja von mir, Deß bin ich eingedenk. 2. Gib mir, mein Kind, dein Herz," sprichst du, ,, Das ist mir lieb und werth; Es gibt dir anders keine Nuh Der Himmel und die Erd!" 3. Nun, du mein Vater, nimm es an Mein Herz, veracht es nicht; Ich gebs, so gut ichs geben kann; Neig zu mir dein Gesicht. 4. 3ermalme meine Härtigkeit, Mach mürbe meinen Sinn Und ziehe mich in Neu und Leid Zu deinem Herzen hin. 5. Schenk, Jesu, mir nach deiner Huld Gerechtigkeit und Heil, Du trugst ja meiner Sünden Schuld Und meiner Strafen Theil. Hohenlohisches Gesangbuch. dich Tief in mein Herz hinein. 8. Dein göttlich Licht ström in mich aus Und Gluth der reinen Lieb; Lösch Finsterniß, Haß, Falschheit aus, Schenk stets mir deinen Trieb. 9. Hilf, daß ich sey von Herzen treu Im Glauben meinem Gott, Daß mich im Guten nicht mach scheu Der Welt List, Macht und Spott. 10. Hilf, daß ich sey von Herzen fest In Hoffnung und Ge= duld, Daß, wenn nur du mich nicht verlässt, Mich tröste deine Huld. 11. Hilf, daß ich sey von Herzen klein, Demuth und Sanftmuth üb', Daß ich, von aller Weltlieb rein, Stets wachs' in Gottes Lieb. 12. Hilf, daß ich sey von Herzen fromm Ohn' alle Heuchelei, Damit mein ganzes Christenthum Dir wohlgefällig sey. 6. In dich wollst du mich kleiden ein, Dein' Unschuld zieh mir an, Daß ich, von allen Sünden rein, Vor Gott bestehen kann. 7. O heilger Geist! nimm du auch mich In die Gemeinschaft ein, Ergieß um Jesu willen feit. Evangeliiches Gesangbuch. 13. Nimm ganz, o Gott, zum Tempel ein Mein Herz hier in der Zeit, Ja laß es auch dein Wohnhaus seyn In jener EwigNach Schade. 16 242 Mel. Es ist genug.( hef. 11, 19. 20.) 308. Hier ist mein Herz!| Herr, du bist mein Gut und Theil, Dein Tod ist mein Gewinn!" Es hat in des Erlösers Wunden Trost, Ruh und Se= ligkeit gefunden,-Mein gläubig Herz. 6. Hier ist mein Herz! Geist Gottes, schaff es rein Und mach es gänzlich nen; Weih es dir selbst zum heilgen Tempel ein; Mach es zum Guten treu; Hilf, daß es stets nach Gott verlange, Ihn fürcht, ihn lieb und an ihm hange, Mein neues Herz. 7. Hier ist mein Herz! es überdenkt gerührt Die Hoheit deines Throns; Schenk ihm den Schmuck, der deine Knechte ziert, Die Demuth deines Sohns! Gib, daß es Stolz und Hoffahrt fliehe Und klein zu werden sich bemühe, Mein niedrig Herz. 8. Hier ist mein Herz! lehr es Gelassenheit; Sein Glück sey stets dein Rath; SeinWahlspruch sey im Wohlergehn und Leid: Was Gott beschlossen hat!" Es glaube fest zu deinem Preise: ,, Der Herr ist treu; mein Gott ist weise,"- Mein folgsam Herz. 9. Hier ist mein Herz! bewahr es, treuster Freund, Vor aller Feinde List! Gib, wenn der Tod, der letzte Feind, erscheint, Daß stark es, gläubig XVI. Heilsordnung. mein Gott, ich geb es dir, Dir, der es gnädig schuf. ,, Nimm es der Welt, mein Kind, und gib es mir!" Dies ist an mich dein Ruf; Hier ist das Opfer meiner Liebe, Ich weih es dir aus treuem Triebe; Hier ist mein Herz! 2. Hier ist mein Herz! o nimm es gnädig an, Ob ihm gleich viel gebricht. Ich geb es dir, so gut ichs geben kann; Verschmäh die Gabe nicht! Es ist mit böser Lust beflecket, Mit Sünd erfüllt, mit Schuld bedecket, Mein fündig Herz. 3. Hier ist mein Herz, das bisher steinern war, Nun ists ein fleischern Herz; Es legt sich dir matt und zerbrochen dar, Es fühlet Angst und Schmerz, Es jammert bei der Last von Sünden, Es seufzt: wo soll ich Nettung finden? Mein reuig Herz. - - 4. Hier ist mein Herz! Gott der Barmherzigkeit, Erbarme du dich sein! Die ganze Welt, fie stillet nicht sein Leid, Du bist sein Trost allein. Es sagt mit kindlichem Vertrauen:„ Ich werde Gott als Vater schauen," Mein hoffend Herz. 5. Hier ist mein Herz! es sucht in Christo Heil, Es naht zum Krenze hin und spricht: o - A. Buße und Bekehrung. 243 ist. Hilf mir, wenn meine Au-| froh zu dir sprechen: Hier ist gen brechen, Das treue Wort mein Herz!" Liebich, g. 1713 † 1780. Eigene Mel.( Luc. 15. Ebr. 2, 17. 18.) Gott auf ebner Bahn:- Mein Heiland nimmt die Sünder an. 309. Mein Heiland nimmt| wird geschenket, Führt sie zu die Sünder an, Die unter ihrer Last der Sünden Kein Mensch, kein Engel trösten kann, Die nirgends Ruh und Rettung finden. Die mit sich selber im Gedräng, Daß ihnen alle Welt zu eng, Weil über sie der Stab gebrochen, Der Himmel ihnen abgesprochen, Die sehn die Freistatt aufgethan: Mein Heiland nimmt die Sünder an. 2. Sein mehr als mütterliches Herz Trieb ihn von seinem Thron auf Erden; Ihn drang der Sünder Noth und Schmerz, An ihrer Statt ein Fluch zu werden. Er senkte sich in ihre Noth Und litt für sie den bittern Tod. Nun, da er denn sein eignes Leben Für sie zur Löfung hingegeben Und für die Welt genug gethan, So heißts: er nimmt die Sünder an. ( Gal. 3, 13.) 3. Nun ist sein väterlicher Schoos Ein fichres Schloß bedrängter Seelen; Er spricht ste vom Gerichte los Und endet bald ihr ängstlich Quälen, Es 6. So komme denn, wer Sünwird ihr ganzes Sündenheer der heißt Und wen sein SünWie in ein unergründlich Meer dengreul betrübet, zu dem, Durch sein Verdienst hinabge- der keinen von sich weist, Der fenket; Der Geist, der ihnen sich gebengt zu ihm begibet! 4. O solltest du sein Herze fehn, Wie sichs nach armen Sündern sehnet, Sowohl wenn sie noch irre gehn, Als wenn ihr Auge nach ihm thränet! Er streckt die Hand nach Zöllnern aus; Er eilet in Zachäi Haus; Wie stillet sanft er Magdalenen Den milden Fluß der Neuethränen Und denkt nicht, was sie sonst gethan!- Mein Heiland nimmt die Sünder an. ( Luc. 19, 1-10. 7, 1-10.) 5. Wie freundlich blickt er Pe= trum an, Ob dieser gleich so tief gefallen! Und dieß hat er nicht nur gethan, Da er auf Erden mußte wallen, Nein, er ist immerdar sich gleich: Gerecht, an Treu und Gnade reich; Und wie er unter Schmach und Leiden, So ist er auf dem Thron der Freuden Den Sündern liebreich zugethan; Mein Heiland nimmt die Sünder an. ( Luc. 22, 61.) - 244 XVI. Heilsordnung. Wie? willst du dir im Lichte| Und du sollst dennoch Gnade stehn Und ohne Noth verloren finden! Er hilft, wo sonst nichts gehn? Willst du der Sünde helfen kann; Mein Heiland länger dienen, Da dich zu ret- nimmt die Sünder an. ten er erschienen? Onein, verlaß die Sündenbahn! Mein Heiland nimmt die Sünder an. ( Hefef. 33, 11.) 7. Komm nur mühselig und gebückt, Komm nur, so gut du weißt zu kommen! Wenn auch die Last dich niederdrückt, Du wirst auch seufzend angenommen. Sieh, wie sein Herz dir offen steht Und wie er dir entgegen geht! Wie lang hat er mit stillem Flehen Sich liebend nach dir umgesehen! So komm denn, Sünder, komm heran; Mein Heiland nimmt die Sünder an. 8. Sprich nicht:„ Ich habs zu schlimm gemacht, Ich hab die Güter seiner Gnaden. So lang und schmählich durchgebracht; Er hat mich oft umsonst geladen!" Wofern du's jetzt nur redlich meinst und deinen Fall mit Ernst beweinst, So soll ihm nichts die Hände binden, 9. Doch sprich auch nicht:„ es ist noch Zeit, Ich muß erst diese Lust genießen; Gott wird ja eben nicht schon heut Die offne Gnadenpforte schließen!" Nein, weil er ruft, so höre du Und greif mit beiden Händen zu! Wer seiner Seele Heut verträumet, Hat oft die Gnadenzeit versäumet; Dem wird hernach nicht aufgethan! Heut komm, heut nimmt dich Jesus an! 10. Ja zeuch uns alle recht zu dir, Holdselger Heiland aller Sünder! Erfüll mit heiliger Begier Uns, die von Gott gewichnen Kinder! Zeig uns bei unsrem Seelenschmerz Dein aufgeschloßnes Liebesherz; Und wenn wir unser Elend sehen, So laß uns ja nicht stille stehen, Bis daß ein jedes sagen kann: Gottlob, auch mich nimmt Jesus an! Lehr, g. 1709 † 1744. Mel. Jesus, meine Zuversicht.( Luc. 15, 1-7.) 310. Jefus nimmt die Sün-| 2. Keiner Gnade sind wir der an! Sagt doch dieses Trostwort allen, Welche von der rechten Bahn Auf verkehrten Wegen wallen! Hier ist, was fie retten kann: Jesus nimmt die Sünder an. werth; Doch hat er in seinem Worte Klar und liebreich sich erklärt; Sehet nur, die Gnadenpforte Ist hier völlig aufgethan: Jesus nimmt die Sünder an. A. Buße und Bekehrung. 245 3. Wenn ein Schaf verloren| den, Daß dieß Wort mich tröist, Suchet es ein treuer Hirte; sten kann: Jesus nimmt die Jesus, der uns nie vergißt, Sünder an. Suchet trenlich das Verirrte, Daß es nicht verderben kann; Jesus nimmt die Sünder an. 4. Kommet alle, kommet her, Kommet, ihr betrübten Sünder! Jesus rufet euch und er Macht aus Sündern Gotteskinder; Glaubt es doch und denket dran: Jesus nimmt die Sünder an. 7. Jesus nimmt die Sünder an! Mich hat er auch angenommen, Mir den Himmel 5. Jch Betrübter komme hier aufgethan, Daß ich selig zu Und bekenne meine Sünden, ihm kommen und auf den Laß, mein Heiland, mich bei Trost sterben kann: Jesus dir Gnade zur Vergebung fin-| nimmt die Sünder an! Neumeister, g. 1671 † 1756. 6. Nun so saff' ich frohen Muth, Auf dich werf ich meine Sünden; Dein am Kreuz vergoßnes Blut Lässet mich Vergebung finden, Daß ich gläubig sprechen kann: Jesus nimmt die Sünder an. Mel. Aus tiefer Noth.( Rómer 2, 4-6. 8, 19-23. Luc. 19, 42.) 311. Herr! deine Treue ist| Und in dem ganzen Leben hie so groß, Daß wir uns wundern müssen. Wir liegen seufzend, arm und bloß Um Gnade dir zu Füßen. Die Bosheit währet immerfort, Und du bleibst doch der treue Hort Und willst uns nicht verderben. Den krummen Weg erwählen, Und suchen in dem Sündenwust Zu büßen ihre Fleischeslust Nach dem verderbten Willen. 4. Die Kreatur entseget sich und seufzet, frei zu werden, Sie wartet und thut ängstiglich; Der Himmel und die Erden, Und was hienieden weit und breit Sich quält im Dienst der Eitelkeit, Beweinet solch Verderben. 5. Wir hoffen dennoch fest zu dir, Du werdest uns erhören; Wir flehen, o Gott, für und für, Du wollest doch bekehren Die fündenvolle, blinde Welt, 2. Die Sünden nehmen überhand, Du siehest selbst die Schmerzen, Die Wunden sind dir wohlbekannt Der sehr verkehrten Herzen; Die Schulden nehmen täglich zu; Es haben weder Rast noch Ruh, Die dir den Rücken kehren. 3. Dein Auge stehet wider die, So deiner Wege fehlen 246 XVI. Heilsordnung. Die sich für so glückselig hält,| noch fehlt, zu gehn auf rechten Da sie zur Hölle eilet! 6. Erbarme dich, o treuer Gott, Der du die Welt geliebet, Die Welt, die ganz in Sünden todt, In Irrthum dich betrübet! Gib deinem werthen Worte Kraft, Daß es in solchen Herzen haft', Die hart sind wie die Felsen. Wegen. Herr! laß dein Auge, Herz und Hand Den Deinen bleiben wohlbekannt, Die deiner Güte trauen. 9. Ein Vater und ein Hirte meint Es treulich mit den Seinen; Du bist noch mehrder Sünder Freund, Du kannsts nicht böse meinen; Drum trauen wir allein auf dich, Ach leite du uns väterlich Nach deinem Nath und Willen! 10. Hier sind wir deine Kinder schon Und freun uns auf das Leben, Da du uns willst die Gnadenkron Als deinen Erben geben. Wir hoffen, bald dein Angesicht Zu sehen dort in jenem Licht, Da Christus uns wird waiden. Weydenheim, um 1660. 7. Laß doch die Welt erkennen noch mit ihren blinden Kindern, Wie sanft und angenehm dein Joch Sey allen armen Sündern, Die fühlen ihre Sündenschuld Und wenden sich zu deiner Huld Und deines Sohnes Wunden. 8. Die Heerde, die du haft erwählt, Die sege du zum Segen Und schenke, was ihr anB. Glaube und Rechtfertigung. Mel. O Gott, du frommer.( Ebr. 11, 6.) ihn deine Hand Aus allen Nöthen reißt. 312. Herr! ohne Glauben| ein Vergelter seyst, Und daß kann Dir niemand wohlgefallen, Ach darum lege mir Vor andern Gaben allen Den wahren Glauben bei; Denn der nicht nur so heißt, Der ist nicht Menschenwerk, Er kommt von deinem Geist. 3. Herr! laß mich auf dein Wort Von ganzem Herzen trauen Und fest auf deine Treu Und Wahrheit immer bauen. Gib, daß ich dir in Noth Und Kreuz und Tod getreu Und durch des Glaubens Kraft Allzeit gehorsam sey. 4. Mein Jesu! laß mich dich Im Glauben wobl erkennen, 2. Laß mich insonderheit, Daß du seyst, herzlich glauben; Was mir dein Wort verheißt, Das laß mir niemand rauben: Daß du dem, der dich sucht, Stets B. Glaube und Rechtfertigung. Dich meinen Herrn und Gott, Trost, Schutz und Heiland nennen. Laß mich im Glauben thun, Was uns dein Mund gelehrt, Daß dich Herz, Mund und That Als den Erlöser ehrt. 5. Mein König und Prophet! Komm, herrsch in meiner Seelen; Regier und führe mich, So werd ich nimmer fehlen; Du sollst mein König seyn, Dem ich gehorchen will, Mein Lehrer und Prophet, Deß Willen ich erfüll. 6. Nichts müsse mich von dir, 313. Es ist das Heil uns kommen her Aus lauter Gnad und Güte, Die Werke helfen nimmermehr Zum Frieden dem Gemüthe; Der Glaub sieht Jesum Christum an, Der hat für Alle gnug gethan; Er ist der Mittler worden. Eigene Mel.( Rom. 3, 23-28. Gal. 2, 16. 17.) daniels 2. Was Gott uns im Gesetz gebot, Das konnte niemand halten, Darum erhub sich große Noth In mancherlei Gestalten, Vom Fleisch wollt nicht heraus der Geist, Den das Gesetz will allermeist; Es war mit uns verloren! 247 Mein Hohepriester, treiben; Laß, Jesu, dein Verdienst Den Grund des Glaubens bleiben, Daß meine Seele sich Hierauf getreu und fest, Als auf mein einzig Heil Und wahren Trost, verläßt. 3. Ein Wahn war vom Gesetz dabei: Es sey darum gegeben, Als ob wir könnten selber frei Nach Gottes Willen leben; Ist es doch nur ein Spiegel zart, 7. Ach Jesu! stärke mich In diesem meinem Glauben; Laß mir ihn weder Tod Noch Welt und Hölle rauben; Bleib in demselben stets Genau mit mir vereint, Daß ich sey dein, du mein, Otheurer Seelenfreund! Peter Busch, g. 1682 † 1744. Der uns zeigt an die fündig Art, In unsrem Fleisch verborgen. 4. Nicht möglich wars, dieselbe Art Aus eigner Kraft zu lassen; Wie wohl es oft versuchet ward, Doch mehrt' sichSünd ohn' Maßen, Des Gleißners Werke Gott verdammt; Denn alles, was vom Fleische stammt, Kann nimmer vor ihm gelten. 5. Doch das Geseß erfüllt mußt seyn, Sonst wären wir verlo= ren; Drum schickt' Gott seinen Sohn herein, Der ward ein Mensch geboren; Ganz hat er das Gesez erfüllt, Damit des Vaters Zorn gestillt, Der über uns gieng alle. 6. Und weil es nun erfüllet ist Durch ihn, den Gott erlesen, So lerne jetzt ein frommer film 248 XVI. Heilsordnung. Christ Des Glaubens rechtes| des Nächsten Knecht, Dran wir Wesen; Er spricht dann:„ lle- den Glauben merken. ber Herre mein, Dein Tod wird mir das Leben seyn, Du haft für mich bezahlet!" 7. ,, Daran ich keinen Zweifel trag, Dein Wort kann nimmer lügen; Du sprichst ja, daß kein Mensch verzag, Und wirst fürwahr nicht trügen: Wer glaubt an mich und wird getauft, Dem ist der Himmel schon erkauft, Daß er nicht werd verloren." 8. Gerecht vor Gott sind die allein, Die dieses Glaubens leben; Dann wird des Glaubens heller Schein Durch Werke kund sich geben. Mit Gott der Glaub ist wohl daran, Und aus der Nächstenlieb sieht man, Daß du aus Gott geboren. 9. Die Sünd wird durchs Gesetz erkannt, Schlägt das Gewissen nieder; Das Evangelium kommt zur Hand und stärkt den Sünder wieder; Es spricht: eil nur zum Kreuz herzu, Denn im Gesetz ist keine Ruh, Mit allen seinen Werken." 10. Gewiß, die Werke kommen her Aus einem rechtenGlauben; Denn das kein rechter Glaube wär, Dem man die Werk' wollt rauben; Doch macht der Glaub allein gerecht, Die Werke sind 11. Die Hoffnung harrt der rechten Zeit, Was Gottes Wort zusage; Wenn das geschehen soll zur Freud, Setzt er nicht feste Tage; Er weiß wohl, wanns am besten ist, und denkt an uns zu rechter Frist, Das soll man ihm vertrauen. 12. Ob sichs anließ', als wollt er nicht, Laß dich es nicht erschrecken; Denn wo er ist am besten mit, Da will ers nicht entdecken. Sein Wort laß dir gewisser seyn, Und ob dein. Fleisch spräch lauter Nein, So laß dir doch nicht grauen! 13. Sey Lob und Ehr mit hohem Preis Um dieser Güte willen Gott, Vater, Sohn und heilgem Geist, Der wolle tren erfüllen, Was er in uns begonnen hat, zu Ehren seiner Macht und Gnad, Daß heilig werd sein Name; 14. Sein Reich zukomm, sein Will auf Erd Steh wie im Himmelsthrone, Das täglich Brod noch heut uns werd, Wohl unsrer Schuld verschone, Wie wir den Schuldnern thun nach Pflicht, Auch führ uns in Ver= suchung nicht, Lös uns vom Uebel! Amen. Speratus, g. 1484 † 1554. Mel. Es spricht der Unweisen.( Róm. 4,5. Tit. 2, 13, 14.) 314. O Mensch, der Him-| ihn zu ersteigen! Wenn der Gemel ist zu fern, Durch Werk horsam unsere Herrn Nicht B. Glaube und Nechtfertigung. wird im Geist dein eigen, So wirst du nimmermehr gerecht Und bleibest ein unnüger Knecht Mit allen deinen Werken. 2. Was vor der Menschen Angesicht Nach dem Geseß geschiehet, Das gilt vor Gottes Aug noch nicht, Weil er auf Glauben siehet. Wie kannst du aber ohne Geist, Was Gott im Geist vollbringen heißt, Aus eigner Kraft erfüllen? 3. Wer nicht durch Christum wird gerecht, Der kann nicht felig werden; Er ist und bleibt ein armer Knecht Dort und schon hier auf Erden; Er bleibet durchs Gesetz verflucht, So lang er ohne Glauben sucht Die Seligkeit zu finden. 4. Du, Jesu, giltst vor Gott allein mit deinem Thun und Leiden. Bringt das der Glaub ins Herz hinein, So kann die Seel sich kleiden; Du selbst gibst ihr das Ehrenkleid, Den Brautschmuck der Gerechtigkeit; Damit wird sie bestehen. 5. Was du, mein Herr, für mich gethan Im Leben und im Sterben, Da hat Gott Wohl249 gefallen dran, Das läßt mich nicht verderben; Das ist mein Licht, mein Trost und Ruhm, Durch Glauben wirds mein Ei= genthum Und heiligt meine Seele. 315. Der Glaub ist eine Zuversicht zu Gottes Gnad und Güte; Der bloße Beifall thut es nicht; Es muß Herz und Gemüthe Durchaus zu Gott gerichtet seyn Und gründen 6. Du hast mich, Herr, durch deinen Tod Von meiner Schuld gereinigt, Haft mich nach schwerer Sündennoch Zum Leben dir vereinigt. Du deckest meine Schande zu Und bringest meiner Seele Ruh Und Gnade bei dem Vater. 7. Wo aber Glaub und Christus ist, Und Sünden sind vergeben, Da führt denn auch ein wahrer Christ Nach dem Geseß sein Leben; Er wandelt fromm sein Lebenlang, Doch ohne Knechtsgeist, ohne Zwang, Weil alles geht aus Liebe. 8. Nun für so hohe Gnadengab, Herr Jesu, will ich danken, Und weil ich sonst kein Opfer hab, Als was du gibst mir Kranken, So nimm von meinem neuen Sinn Des Herzens Opfer gnädig hin Und bring es vor den Vater! Rambach, g. 1693 † 1735. Mel. Mein's Herzens Jesu.( Rom. 5, 22-26.) sich auf ihn allein Ohn' Wanken und ohn' Zweifel! 2. Wer so sein Herz macht stark und fest Im völligen Vertrauen, Auf Jesum Christum sich verläßt, Nicht auf sich selbst 250 XVI. Heilsordnung. mag bauen, Der hat des Glau-| rühmen, Und gehen auf der bens rechte Art und kann zur selgen Friedensfahrt Sich schicken ohne Grauen. Sünder Bahn, Das Christen nicht kann ziemen; Wer das thut, der soll wissen frei, Es sey sein Glaub nur Heuchelei Und werd zur Höll ihn bringen! 5. Drum lasse sich ein frommer Christ Mit Ernst seyn angelegen, Daß er aufrichtig jeder Frist Sich halt in Gottes Wegen; Daß sein Glaub ohne Heuchelei Vor Gott dem Herrn rechtschaffen sey Und vor dem Wahn, Des Glaubens sich nur nächsten leuchte! shop der | 4. Es ist ein schändlich böser Gotter, g. 1661 † 1735. 3. Das aber ist kein Menschenwerk; Gott muß es uns gewähren; Drum bitt, daß er den Glauben stärk Und in dir woll vermehren; Laß aber auch des Glaubens Schein In guten Werken kräftig seyn. Sonst ist dein Glauben eitel! Eigene Mel.( Eph. 2, 8. 9. 2 Tim. 2, 19.) 316. Aus Gnaden soll ich| nicht fassen kann, Das beut dir Gott aus Gnaden an. 4. Aus Gnaden kam sein Sohn auf Erden Und übernahm die Sündenlast; Was nöthigt' ihn, dein Freund zu werden? Sprich, weß du dich zu rühmen haft? Gab er sich nicht zum Opfer dar Und nahm dein Heil in Gnaden wahr? selig werden; Herz, glaubst du's, oder glaubst du's nicht? Was willst du dich so blöd geberden? Ists Wahrheit, was die Schrift verspricht, So muß auch dieses Wahrheit seyn: Aus Gnaden ist der Himmel dein. 2. Aus Gnaden! hier gilt kein Verdienen, Die eignen Werke fallen hin. Der Mittler, der im Fleisch erschienen, Hat diese Ehre zum Gewinn: Daß uns sein Tod das Heil gebracht Und uns aus Gnaden selig macht. 3. Aus Gnaden! merk dieß Wort„ aus Gnaden," So hart dich deine Sünde plagt, So schwer du immer bist beladen, So schwer dein Herz dich auch verklagt; Was die Vernunft 5. Aus Gnaden! dieser Grund wird bleiben, So lange Gott wahrhaftig heißt. Was alle Knechte Jesu schreiben, Was Gott in seinem Worte preist, Worauf all unser Glaube ruht, Ist: Gnade durch des Sohnes Blut. 6. Aus Gnaden! doch du, sichrer Sünder, Denk nicht: wohlan, ich greife zu!" Wahr ists, Gott ruft verlorne Kinder B. Glaube und Rechtfertigung. Aus Gnaden zur verheißnen Ruh; Doch den geht seine Gnad nicht an, Der noch auf Gnade sünd'gen kann. 7. Aus Gnaden! wer dieß Wort gehöret, Tret ab von aller Heuchelei. Nur wenn der Sünder sich bekehret, Dann lernt er erst, was Gnabe sey; Beim Sündethun scheint sie gering, Dem Glauben ists ein Wunderding! 8. Aus Gnaden bleibt dem blöden Herzen Das Herz des Vaters aufgethan, Wenns un317. Jesu Christ, Du meiner Seele Leben! Was mir zum Glauben nöthig ist, kann ich mir selbst nicht geben; Drum hilf du mir von oben her, Den wahren Glauben mir gewähr Und daß ich drin verharre. 2. Lehr du und unterweise mich, Daß ich den Vater kenne, Daß ich, o Jesu Christe, dich Den Sohn des Höchsten nenne, Daß ich zugleich den heilgen Geist, Der uns den Weg zum Himmel weist, Von ganzem Herzen ehre. 231 3. Laß mich vom großen Gnadenheil Die recht' Erkenntniß finden: Wie der nur an dir habe Theil, Dem du vergibst die Sünden; Daß ich es such, wie ter Angst und heißen Schmerzen Nichts sieht und nichts mehr hoffen kann. Wo nähm ich oftmals Stärkung her, Wenn Gnade nicht mein Anker wär? 9. Aus Gnaden! hierauf will ich sterben; Ich glaube, darum ist mir wohl. Ich weiß mein fündliches Verderben, Doch den auch, der mich heilen soll. Mein Geist ist froh, mein Herze lacht, Weil mich die Gnade selig macht! Mel. Allein Gott in der Höh.( 1 Cor. 1, 8. 9. Phil. 1, 6.) Gottes Sohn, Herr| sichs gebührt; Du bist der Weg, der mich recht führt, Die Wahrheit und das Leben. Scheitt, † 1759. 4. Gib, daß ich traue deinem Wort, Es wohl zu Herzen fasse, Daß sich mein Glaube immerfort Auf dein Verdienst verlasse; Daß mein lebendger Glaube mir Gerechtigkeit ver= leih vor dir, Wenn ich in Sünden zage. 5. Laß meinen Glauben trösten sich Des Bluts, das du vergossen; Und halt in deiner Gnade mich Beständig eingeschlossen. Gib, daß im Glauben ich die Welt Und was die Welt am höchsten hält, Allzeit für Schaden achte. 6. Ist auch mein Glaub ein Senfkorn klein, So daß ich ihn 252 XVI. Heilsordnung. kaum merke, Wollst du doch in| tig durch die Lieb, Mit Freumir mächtig seyn, Daß deine den und Geduld sich üb', Dem Gnad mich stärke, Die das zer- Nächsten treu zu dienen. stoßne Rohr nicht bricht Und auch den Docht, der glimmet, nicht Auslöschet in den Schwachen. 9. Insonderheit gib mir die Kraft, Daß vollends bei dem Ende Ich übe gute Ritterschaft, Zu dir allein mich wende In meiner letzten Stund und Noth, Des Glaubens End durch deinen Tod, Die Seligkeit erlange. 10. Du haft entzündet, Jesu Christ, Das Fünklein in mir Schwachen, Drum was von Glauben in mir ist, Das wollst du stärker machen; Was du begonnen hast, vollführ Bis an das Ende, daß bei dir Auf Glauben folge Schauen. Denife, g. 1603 i 1680. Mel. Wer nur den lieben Gott.( Apostelgesch. 4, 12.) 318. Ich weiß von keinem| und rein; Bleib ich mit ihm nur stets verbunden, So kann ich immer sicher seyn; Gott sieht auch mich in Christo an,-Wer ists, der mich verdammen kann? 4. Ich fühle noch in mir die Sünde; Doch schaden kann sie mir nicht mehr, Weil ich in Christo mich befinde; Wohl aber beuget sie mich sehr. Ich halte nichts gering und klein, Sonst dringt ein sichres Wesen ein. 7. Hilf, daß ich stets sorgfältig sey, Den Glauben zu behalten, Ein gut Gewissen auch dabei, Und daß ich so mög walten, Daß ich sey lauter jederzeit, Ohn' Anstoß, mit Gerechtigkeit Erfüllt und ihren Früchten. 8. Herr! durch den Glauben wohn in mir, Laß ihn sich immer stärken, Daß er sey fruchtbar für und für Und reich an guten Werken; Daß er sey thäandern Grunde, Als den der Glaub in Christo hat; Ich weiß von keinem andern Bunde, Von feinem andern Weg und Rath: Als daß man elend, arm und bloß Sich legt in seines Vaters Schoos. 2. Ich bin zu meinem Heiland kommen Und eil ihm immer besser zu; Ich bin auch von ihm aufgenommen und finde bei ihm wahre Ruh; Er ist mein Kleinod und mein Theil, Und außer ihm weiß ich kein Heil. 3. Ich bleib in Christo nun erfunden und bin in ihm gerecht 5. Ich kämpfe gegen mein Verderben In Glauben und in Christi Kraft; Der alte Mensch muß täglich sterben, Der noch nicht todt am Kreuze haft't; B. Glaube und Rechtfertigung. Dieß aber macht mich rein und| Christo nimmer gehn; Ich bleib klein Und lehrt zu Jesu ernstlich schrei'n. im allgemeinen Bunde, In allgemeiner Liebe stehn, Und hang an Christo ganz allein; Dieß soll mein Grund auf ewig seyn! 6. Und da ich so in Christo bleibe, Stets vor ihm wandelnd auf ihn seh, Das Wort des Friedens fröhlich treibe und unablässig zu ihm fleh, So bleib ich stets im Grunde stehn; Da kann mein Wachsthum vor sich gehn. 7. Ich bleib im tiefsten Demuthsgrunde Und will von 253 3. Ich soll, des Todes Macht entnommen, Den großen Lebensfürsten sehn Und einst mit 8. O Jesu! laß mich in dir bleiben; O Jesu! bleibe du in mir. Laß deinen guten Geist mich treiben, Daß ich im Glauben folge dir; Laß mich stets fromm und wachsam seyn, So reißet nichts den Grund mir ein. Nach dem Hohenlohischen Gesangbuch. Mel. Die Tugend wird durchs Kreuz.( Gal. 4, 4. 5.) 319. Ich suche dich, Herr,| allen seinen Frommen Durch laß dich finden, Laut seufzt mein dürstend Herz nachdir! Verbirg beim Schreien meiner Sünden Dein gnädig Antlitz nicht vor mir. Was willst du mit dem Staube rechten? Du kennst mein fündiges Geschlecht; Ach unter allen deinen Knechten Ist keiner, Herr, vor dir gerecht! alle Himmel ihn erhöhn, Von Sünden rein und frei von Leiden, Mehr Glück genießen als ich weiß; Dieß find, o Gott, des Himmels Freuden, Dieß ist der Tugend hoher Preis! 2. Ich will vor deinem Fluch nicht beben, Denn, mich mit Gnade zu erfreun, Starb Jefus; durch ihn werd ich leben, Er überwand, sein Sieg ist mein. Umsonst drohn uns des Abgrunds Flammen, Ich erbe meines Vaters Gut, Ich bin sein Kind, wer will verdammen? Für mich floß seines Sohnes Blut. 4. Gib mir den Glauben deiner Streiter, Der durch die Liebe thätig sey. Mach. Jesu, mich in Hoffnung heiter, Demüthig, keusch, versöhnlich, treu, Mitleidig, weich bei fremden Schmerzen, Heiß im Gebet, still gegen Spott, Zum Sterben reif, voll Ruh im Herzen, Arm vor der Welt, und reich in Gott. 5. Und wird der ernste Tag erscheinen, Der Tag des Todes und der Ruh, So führ, wenn meine Freunde weinen, Mich jenes Lebens Wonne zu! Dann sey mein Ende wie dein Ende! 254 XVI. Heilsordnung. Dir, den der Engel Loblied| Hände Mit Freuden den erlöspreist, Befehl ich in die treuen ten Geist! hem bil Eigene Mel.( Ebr. 3, 16. 17.) 320. Ich ruf zu dir, Herr| Speif' laß allweg seyn, Damit Jesu Christ, Ich bitt: erhör mein Klagen; Verleih mir Gnad zu dieser Frist, Laß mich doch nicht verzagen! Den rechten Glauben, Herr, ich mein'; Und daß ich möge streben, Dir zu leben, Dem Nächsten nuß zu seyn, Das wollest du mir| geben! mein' Seel zu nähren, Mich zu wehren, Wenn Unglück geht daher, Das mich bald möcht verkehren. 4. Laß mich nicht Lust noch Furcht von dir In dieser Welt abwenden; Beständig seyn ans End gib mir, Du hasts allein in Händen; Und wem du's gibst, der hats umsonst; Es mag niemand ererben Noch erwerben Durch Werke deine Gnad, Die uns erlöst vom Sterben. 2. Jch bitt noch mehr, o Herre Gott, Du kannst es mir wohl geben: Daß ich nicht wieder werd zu Spott; Die Hoffnung gib daneben; Voraus, wann ich muß hie davon, Daß ich dir mög vertrauen Und nicht bauen Auf eignes Werk und Thun, Sonst werd ich dich nicht schauen! 3. Verleih, daß ich aus Herzensgrund Den Feinden mög vergeben; Verzeih mir auch zu dieser Stund. Schaff in mir uenes Leben; Dein Wort mein' 5. Ich lieg im Streit und widerstreb; Hilf, o Herr Christ, dem Schwachen! Von deiner Gnad allein ich leb, Du kannst mich stärker machen. Kommt nun Anfechtung und Gefahr, Wollst du mich nicht verlassen, Fest mich fassen; Behüt mich immerdar; Ich weiß, du wirsts nicht lassen! Speratus, g. 1484 † 1554. ( 1 Job. 2, 12.) ben, Weil Gott die Welt geliebt; Auch ich kann für die Sünden Bei Gott noch Gnade finden: Ich glaube, daß er mir vergibt. Mel. Nun ruhen alle. 321. Die Sünden sind vergeben! Das ist ein Wort zum Leben Für den gequälten Geist; Sie sinds in Jesu Namen, In dem ist Ja und Amen, Was Gott uns Sündern je verheißt. 2. Das ist auch mir geschrieben, Auch ich bin von den Lie3. Mein Hauptgesuch auf Erden Soll die Vergebung werden; So wird mein Tod nicht schwer. D, in den Sünden ster B. Glaube und Nechtfertigung. ben, Ist ewiges Verderben; Denn wer will dann bestehen, wer? 4. Hier ist die Zeit der Gnaden, Der Angst sich zu entladen, Auf Gottes Wort zu ruhn, Die Seele zu erretten, zu glauben und zu beten, Und das in Jesu Namen thun. 5. Gott! gib, daß meiner Seele Der Trost doch niemals 322. Ich glaube, Herr, ( hilf meinem Glauben!) Daß du der große Jesus bist, Der, unfrem Feind den Raub zu rauben, Vom hohen Himmel kommen ist. O mach in diesem Glauben stark Mein Herz und all mein Lebensmark! 255 fehle, Daß du die Schuld vergibst; Wenn ich mich betend beuge, So sey dein Geist mein Zenge, Daß du dein Kind in Christo liebst. Mel. Mein Jesus lebt.( 1 Joh. 5, 2-5.) 2. Der Glaube machet arme Sünder In Frenden groß, in Demuth klein; Sie sollen Gottes liebe Kinder, Geschwister seines Sohnes seyn. Herr! schenke foichen Glauben mir, Um solches Glück ruf ich zu dir. 3. Der Glaub ist thätig durch die Liebe, Wer glaubt, der liebet auch gewiß; Die Liebe gibt ihm Lichtestriebe, Er lebt nicht mehr in Finsterniß, Er hat und liebt des Geistes Zucht; Herr! hilf zur Wurzel und zur Frucht. 4. Der Glaube flieht das Weltgetümmel, Das eitleWesen dieser Welt, Indem er sich zum 6. Wenn ich von hinnen scheide, So mach mir das zur Freude, Daß ich begnadigt bin! Im Glauben der Vergebung, In Hoffnung der Belebung Geh ich alsdann im Frieden hin. Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769 ewgen Himmel, Als wenn er ihn schon sähe, hält; Er ziehet an den neuen Sinn: Herr! dieser Sinn sey mein Gewinn. 5. Der Glaube stärkt in Noth und Schmerzen Und zeuget einen Heldenmuth; Durch ihn wohnt Christus indem Herzen; Man fühlt die Kraft von seinem Blut Und spricht: das Himmelreich ist mein!- Herr! laß mich immer glaubig seyn. 6.Der Glaube machet Luft zum Sterben, Verfüßt des Todes Angst und Pein; Er machetuns zu Christi Erben Und führet uns zum Frieden ein, Die Seele kommt in ihre Ruh; Herr Jesu! hilf mir auch dazu. 7. Der Glaube hat ein edles Ende, Das ist der Seelen Seligkeit. Man drückt den Freunden noch die Hände Und spricht: ,, nun, seyd auch ihr bereit; Ich gehe vor, folgt munter nach!" 256 XVI. Heilsordnung. Herr! gib mir diese Glaubens-| 9. Ich glaube; Herr, hilf mir sprach. zum Glauben, O mach ihn von der besten Art, Daß mir kein Feind ihn könne rauben, Und daß ich bleibe drin bewahrt, Bis ich nach meiner Glaubenszeit Dich schauen darf in Ewigfeit. 8. Der Glaub ist noth; es ist unmöglich, Daß man sonst Gott gefallen kann! Doch ist sein Vaterherz beweglich, Er gibt, klopft man nur herzlich an, Den Glauben gern in reichem Maß; Herr, gib! ich bitt'ohnunterlaß. Mel. Nun sich der Tag.,( Ps. 89, 3.) 323. Die Gnade wird doch| Theil; Mein Heiland, an dem ewig seyn, Die Wahrheit doch gewiß, Bräch' auch des Himmels Feste ein Und sänk' in Finsternis! 2. Gott ist kein Mensch, den etwas reut Und sein Wort bricht er nie; Die Gnade währt nicht kurze Zeit, Nein, ewig währet sie. 3. Hat er uns Gnade zugesagt, So bleibt er fest dabei; Und wenn uns Furcht und Zweifel plagt, So bleibt er doch getren. 4. So alaubt es denn mein Herz getrost Auf diese Gnade hin: Daß Gott mich ewig nicht verstoßt, Weil ich in Jefu bin. 5. In Jesu liegt der Gnade Grund, Da nimmt der Glaube Annoni, † 1770. Krenz verwund't, Macht meine Seele heil. 6. Gnade! daß mein Glaube dich Recht herzhaft faffen könnt, So lang, bis meine Seele sich von meinem Leibe trennt. 7. Herr! deine Gnade mache mich In mir recht arm undklein, Denn nur in dir allein kann ich Erst groß und herrlich seyn. 8. Herr! laffe nichts von mir geschehn, Die Gnade sey denn mit; Laß deine Gnade mit mir gehn Bis zu dem letzten Schritt. 9. Kommt dann dein großer Tag herbei, So laß im Auferstehn, Daß deine Gnade ewig sey, Mich auch im Himmel sehn! Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. ( 2 Tim. 1, 12.) fällt, Wo Wahn die Weisen treibet Und Trug die Klugen hält. Mel. Valet will ich. 324. Ich weiß, an wen ich| glaube, Ich weiß, was fest besteht, Wenn alles hier im Staube Wie Rauch und Staub verweht; Ich weiß, was ewig bleibet, Wo alles wankt und 2. Das ist das Licht der Höhe, Das ist mein Jesus Christ, Der Fels, auf dem ich stehe, Der B. Glaube und Rechtfertigung. 257 ewig mein gedenkt! diamanten ist, Der nimmer-| mich mit Gnade krönet Und mehr kann wanken, Der Heiland und der Hort, Die Leuchte der Gedanken, Die leuchtet hier und dort; 3. Er, den man blutbedecket Am Abend einst begrub, Er, der von Gott erwecket, Sich aus dem Staub erhub; 4. Drum weiß ich, was ich glaube, Sch weiß, was fest be= steht Und in dem Erdenstaube Nicht mit zu Staub verweht; Es bleibet mir im Granen des Todes ungeraubt; Der schmückt auf Himmelsauen meine Schuld versöhnet, Der Mit Kronen einst mein Haupt. seinen Geist mir schenkt, Der E. M. Arndt, g. 1769., Mel. Auf, Christenmensch.( 1 Joh. 2, 4-6.) 325. Wer Gottes Wort| zu ihm hat Der flieht den Rath nicht hält und spricht: Ich feitne Gott," der trüget, In solchem ist die Wahrheit nicht, Die durch den Glauben steget. Wer aber sein Wort glaubt und hält, Der ist von Gott, nicht von der Welt. der Sünder, Folgt Chrifti Beispiel als ein Christ Und reinigt sich, wie Er rein ist. 4. Alsdann bin ich Gott angenehm, Wenn ich gehorsam übe, Wer die Gebote hält, in dem Ist wahrlich Gottes Liebe. Ein täglich thätig Christenthum, Das ist des Glaubens Frucht und Ruhm. 2. Der Glaube, den sein Wort erzeugt, Muß auch die Liebe zeugen; Je höher dein Erkenntniß steigt, Je mehr wird diese steigen. Der Glaub erleuchtet nicht allein. Er stärkt das Herz und macht es rein. 3. Durch Jesum rein von Missethat, Sind wir nun Gottes Kinder; Wer solche Hoffnung 5. Der bleibt in Gott und Gott in ihm, Wer in der Liebe bleibet. Die Lieb ists, die die Cherubim Gott zu gehorchen treibet. Gott ist die Lieb, an seinem Heil Hat ohne Liebe niemand Theil! 326. Versuchet euch doch selbst, Ob ihr im Glauben stehet? Ob Christus in euch ist? Ob ihr ihm auch nachgehet? In Demuth und Geduld, In Sauftmuth, Freundlichkeit, Jn Evangelisches Gesangbuch. Gellert, g. 1715 † 1769. Mel. O Gott, du frommer.( 2 Cor. 13, 5.) Lieb dem Nächsten stets 3u dienen seyd bereit? 2. Der Glaube ist ein Licht, Im Herzen tief verborgen. Bricht als ein Glanz hervor, Scheint als der helle Morgen, 17 XVI. Seilsordnung. Erweiset seine Kraft, Macht Geduld, Erleichtert alle PlaChristo gleichgesinnt, Erneuert Herz und Muth, Macht dich zu Gottes Kind. 3. Er schöpft aus Christo Heil, Gerechtigkeit und Leben, Und wills in Einfalt auch Dem Nächsten wiedergeben. Dieweil er überreich In Christo worden ist, Preist er die Gnade hoch, Bekennet Jesum Christ. 4. Er hofft in Zuversicht, Was Gott im Wort zusaget; Drum muß der Zweifel fort, Die Schwermuth wird verjaget. Sieh, wie der Glaube bringt Die Hoffnung an den Tag, Hält Sturm und Wetter aus, Besteht in Ungemach! 258 5. Wir waren Gottes Feind'; Er gibt vom Himmelsthrone Sein eingebornes Kind, Er liebt uns in dem Sohne, Setzt Liebe gegen Haß; Wer glänbig dieß erkannt, Entbrennt in Liebe bald, Die allen Haß verbannt. 6. Wie uns nun Gott gethan, Thun wir dem Nächsten eben: Droht er uns mit dem Tod, Wir zeigen ihm das Leben; Flucht er, so seguen wir; In Schande, Sport und Hohn Ist unser bester Trost Des Himmels Ehrenfron. 7. Sett Gott uns auf die Prob, Ein schweres Kreuz zu tragen,- Der Glaube bringt gen; Statt Murren, Ungeduld, Wird das Gebet erweckt, Weil aller Angst und Noth Von Gott ein Ziel gesteckt. 8. Man lernet nur dadurch Sein Elend recht verstehen, Wie auch des Höchsten Güt', Hält an mit Bitten, Flehen, Verzaget an sich selbst, Gr= kennet sich als nichts, Sucht bloß in Christo Kraft, Der Quelle alles Lichts; 9. Hält sich an Sein Verdienst, Erlanget Geist und Stärke, In solcher Zuversicht zu üben gute Werke; Etcht ab vom Eigensinn, Flieht die Vermessenheit, Hält sich in Gottesfurcht In Glück und schwerer Zeit. 10. So prüfe dich denn woh!, Ob Christus in dir lebet? Denn Christi Leben ists, Wonach der Glaube strebet; Er machet erst gerecht, Dann heilig, wirket Lust zu allem guten Werk;- Sieh, ob du auch so thuft? 11. O Herr! so mehre doch In mir den wahren Glauben, So kann mir keine Macht Die guten Werke rauben; Wo Licht ist, geht der Schein Freiwillig davon aus. Du bist mein Gott und Herr, Bewahr mich und mein Haus! Breithaupt, g. 1659 † 1732. C. Göttlicher Friede. 1 Mel. Schwing dich auf.( 2 Cor. 5, 15. Gal. 6, 14. 1 Joh. 2, 17.) Grabe Deiner Ewigkeiten Licht Zu erwarten habe? 327. Sollt ich jetzt noch, da| versicht, Daß ich troß dem mir schon Deine Güt' erschienen, Dich verlaffen, Gottes Sohn, Und der Sünde dienen? Mit den Lüften dieser Zeit Wieder mich beflecken, Und nicht mehr die Süßigkeit Deiner Liebe schmecken? 2. Hab ich doch allein bei dir Meine Ruh gefunden! Mittler, heiltest du doch mir Alle meine Wunden! Und ich sollte dein Gebot, Wie die Sünder, hassen Und mein Recht an deinen Tod Wieder fahren lassen? 3. Nein, ich bin und bleib ein Christ, Halt auf deine Lehren, Lasse mir nicht Macht noch List Meinen Glauben wehren. Fielen Tausend ab, nicht ich! Mags die Welt verdrießen; Sie wird mein Vertraun auf dich mir doch gönnen müssen. 4. Zeigt sie mir ein Heil, wie du? Bringt sie Kraft den Müden, Den Bedrängten Trost und Ruh, Sündern Gottes Frieden? Gibt sie mir die Zu5. Rettet sie mich, wann vor Gott Einst die Völker stehen Und das Leben und den Tod Ihm zur Seite sehen? Wann der Sichre, nun zu spät, Aus dem Schlaf erwachet, Und der Spötter, der hier schmäht, Glaubt und nicht mehr lachet? 6. O wie thöricht, wenn ich mich noch verführen ließe, Jesu, da ich schon durch dich Gottes Huld genieße; Da ich weiß, auf wessen Wort Ich die Hoffnung gründe, Daß auch ich unfehlbar dort Gnad und Leben finde! 259 7. Nicht das Leben, nicht der Tod, Trübfal nicht noch Frenden, Mein Erlöser und mein Gott, Soll von dir mich schei= den! Welt und Sünd und Eitelkeit und des Fleisches Triebe, Alles überwind ich weit, Herr, durch deine Liebe. Münter, g. 1735 † 1793. C. Göttlicher Friede. Eigene Mel.( Matth. 11, 28-30.) 328. Rube ist das beste| Ruh, Als bei Gott; ihm eile zu: Gott ist die Ruh. Gut, Das man haben kann; Stille und ein guter Muth Steiget himmelan. Die suche du! Hier und dort ist keine 2. Ruhe suchet jedes Ding, Allermeist ein Christ. Du, mein Herz, nach Ruhe ring, 260 XVI. Heilsordnung. Wo du immer bist! O suche, Daß er Gottes Willen übt! Ruh; In dir selber wohnt sie Gott ist die Ruh. nicht; Such in Gott, was dir gebricht! Gott ist die Ruh. 3. Ruhe gibt dir nicht die Welt, Ihre Freud und Pracht; Ruhe gibt nicht Gut und Geld, Lust, Ehr, Gunst und Macht; Keins reichet zu. Wenn du recht bekümmert bist, Suchst du das, was droben ist; Gott ist die Ruh. 4. Ruhe geben kann allein Jesus, Gottes Sohn, Der uns alle ladet ein Vor des Himmels Thron, Zur wahren Ruh. Wer den Ruf vernommen hat, Dringe ein zur Gottesstadt! Gott ist die Ruh. 5. Ruhe bent er allen an, Die beladen sind. Arm' und Reiche, kommtheran, Mann und Weib und Kind, Ihr findet Ruh! Traget ihr des Leides viel, Gott setzt allem Leid ein Ziel; Gott ist die Ruh. 6. Ruhe kommt aus Glauben her, Der nur Jesum hält; Jesus machet leicht, was schwer, Richtet auf, was fällt, Sein Geist bringt Ruh; Gib im Glauben Herz und Sinn Seinem Geist zu eigen hin, Gott ist die Ruh. 7. Ruhe findet sich zumeist, Wo Gehorsam blüht; Ein in Gott gesetzter Geist Macht ein still Gemüth Und Seelenruh. Darum selig, wer sich gibt, 8. Ruhe wächset aus Geduld Und Zufriedenheit, Die in Gottes Zorn und Huld Und in Lieb und Leid Sich gibt zur Ruh. Je zufriedener du bist, Desto näher Gott dir ist, Gott ist die Ruh. 9. Nuhe hat, wer williglich Christi sanftes Joch Hingebücket nimmt auf sich; Ist es lieblich doch Und schaffet Ruh. Folge deinem Heiland gern, Dann ist nie dein Friede fern; Gott ist die Ruh. 10. Ruhe nirgends lieber bleibt, Als wo Demuth blüht; Was zur Niedrigkeit fein treibt Und hinunter zieht, Gibt wahre Ruh. Darum bleibe arm und klein, So wird Gott dir nahe seyn; Gott ist die Ruh. 11. Ruh entspringet aus dem Quell, Wo die Liebe fleußt. Ist das Herz nur klar und hell, Sanft und still der Geist, Da strömt die Ruh. Liebe, wenn du Ruh begehrst, Bis du seliglich erfährst: Gott ist die Ruh. 12. Ach du Gott der wahren Ruh, Gib auch Ruhe mir! Was ich denke, red und thu, Streb nach Ruh in dir; Gib Ruh dem Geist. Schließt sich dann meine Auge zu, So führ Leib und Seel zur Ruh, Dem Himmel zu! Nach Schade. C. Göttlicher Friede. Eigene Mel.( 2 Cor. 12, 9. Col. 1, 10-14.) 329. Mein Glaub ist mei-| quickt er mich, Weil ich ihm hier vertraue. Bald, bald verschwindet aller Schmerz, Und Himmelsfrenden schmeckt mein Herz! 5. Bin ich gleich schwach, so trag ich doch nicht mehr der Sünde schändlich Joch In meinem Lauf auf Erden, Ich übe findlich meine Pflicht; Doch fühl ich es, ich bin noch nicht, Was ich dereinst soll werden. Mein Trost ist dieß: Gott hat Geduld Und straft mich nicht nach meiner Schuld! 6. Der du den Tod für mich bezwangst, Du hast mich, Mittler, aus der Angst, In der ich lag, gerissen! Dir, dir verdank ich meine Ruh, Du heilest meine Wunden zu Und stillest mein Gewissen; Und fall ich noch in meinem Lauf, So richtest du mich wieder auf. 7. Gelobt sey Gott, ich bin ein Christ, Und seine Gnad und Wahrheit ist An mir auch nicht vergebens. Sein Wort hilft mir zur Heiligung; Die 4. Was seyd ihr, Leiden dieser Gnade wirkt Erneuerung Des Zeit, Mir, der ich jener Herr- Herzens und des Lebens. Gott, lichkeit Mit Ruh entgegen präg es meinem Herzen ein, schaue? Bald ruft mich Gott Welch Glück es ist, ein Christ und ewiglich Belohnet und er- zu seyn! Münter, g. 1735 † 1793. nes Lebens Ruh Und führt mich deinem Himmel zu, O du, an den ich glaube! Ach gib mir, Herr, Beständigkeit, Daß diesen Trost der Sterblichkeit Nichts meiner Seele raube! Tief präg es meinem Herzen ein, Welch Glück es ist, ein Christ zu seyn! 2. Du hast dem sterblichen Geschlecht Zu deiner Ewigkeit ein Recht Durch deinen Tod erworben; Nun bin ich nicht mehr Asch und Staub, Nicht mehr des Todes ewger Raub, Du bist für mich gestorben! Mir, der ich dein Erlöster bin, Ist dieses Leibes Tod Gewinn. 3. Ich bin erlöst und bin ein Christ! Mein Herz ist ruhig und vergißt Die Schmerzen dieses Lebens. Ich dulde, was ich dulden soll, Und bin des hohen Trostes voll: Ich leide nicht vergebens; Gott selber mißt mein Loos mir zu, Hier kurzen Schmerz, dort ewge Ruh. 261 Eigene Mel.( Joh. 14, 27. Phil. 4, 7.) 330. Friede, ach Friede, ach| durch Christum im heiligen göttlicher Friede! Vom Vater Geist, Welcher der Frommen XVI. Heilsordnung. 262 Herz, Sinn und Gemüthe In Christo zum ewigen Leben aufschleußt! Den sollen die gläubigen Seelen erlangen, Die alles verleugnen und Christo anhangen. 2. Richte deßwegen, friedliebende Seele, Dein Herze im Glauben zu Jesu hinan! Was da ist droben bei Christo, er wähle; Verleugne dich selbst und den irdischen Wahn. Nimm auf dich das sanfte Joch Christi hienieden, So findest du Ruhe und göttlichen Frieden. 3. Nahm doch der Mittler des Friedens viel Schmerzen, Die Sünder mit Gott zu versühnen, auf sich. Nimm dieß, o Seele, recht fleißig zu Herzen Und siehe, was thut nicht dein Jesus für dich! Am Kreuze dort bringt er dir Frieden zuwege Und hilft dir, daß Jammer und Unruh sich lege. 4. Nun dafür bist du ihm ewig verbunden, Du sollst dafür gänzlich sein Eigenthum seyn! Er hat die ewge Erlöfung erfunden und schließt in den Bund seines Friedens dich ein. Drum siehe, daß du dich ihm gänzlich ergebest Und nun in der Liebe von Herzen ihm lebest! 5. Wen er berufet zum Friedensgenossen, Von solchem begehrt er auch liebende Treu! Drum sollst du treulich und tapfer ausstoßen, Was Jesus dir zeiget, daß wider ihn sey. Welt, Satan und Sünde, die mußt du bestreiten, Was Jesu zuwider ist, fliehen und meiden. 6. Weislich und fleißig mußt du dich entschlagen Der Bösen Gesellschaft und fündigen Rott, Welche den weltlichen Lüften nachjagen, Nicht fürchten noch lieben den heiligen Gott. Denn die sich zu solchen Gottlosen gesellen, Die fahren mit ihnen hinunter zur Höllen! 7. Liebe und übe, was Jesus dich lehret Und was er dich heißet, dasselbige thu! Haffe und lasse, was sein Wort verwehret, So findest du Frieden und ewige Ruh! Ja selig, die also sich Jefu ergeben Und gläubig und heilig nach seinem Wort leben! 8. Jesu, du Herzog der Friedensheerschaaren, König des Friedens, ach zeuch uns nach dir, Daß wir den Friedensbund treulich bewahren, Im Wege des Friedens dir folgen allhier! Ach laß uns doch deinen Geist kräftig regieren Und dir nach im Frieden zum Vater hinführen! G Erasfelius, g. 1667 † 1724. C. Göttlicht Friede. 263 töm. 8, 34-39.) Bleibt mir unbewußt! Elend, Noth, Kreuz, Schmach und Tod Soll mich, ob ich viel muß leiden, nicht von Jesu scheiden. Eigene Mel. 331. Jefu, meine Freud Meines Herzens Waide, Jef, meine Zier! Ach wie lang, ach lange Ist dem Herzen bage, Und verlangt nach dir! bist mein Und ich bin dein; Außer dir wir auf Erden/ Nichts sonst lieber werden! 2. Unter deinem Schirmen Bin ich vor den Stüvmen Aller Feinde frei. Laß von Ungewittern Rings die Welt erzittern, Jesus steht mir bei! Wenn die Welt In Trümmer fällt, Wenn mich Sünd und Hölle schrecken, Jesus wird mich decken! 3. Troß des Feindes Lauern, Troß des Todes Schauern, Trotz der Furcht dazu! Zürne, Welt, und tobe; Ich steh hier und lobe Gott in sichrer Ruh. Feine Macht Hält mich in Acht; Erd und Abgrund müssen schwezigen Und vor ihm sich neigen. 4. Weg mit allen Schäßen; Du bist mein Ergößen, Jesu, meine Lust! Weg, ihr eiteln Ende Ehren, Die das Herzverkehren, 5. Gute Nacht, v Wesen, Das die Welt erlesen, Mir gefällst du nicht! Gute Nacht, ihr Sünden, Bleibet weit dahinten, Kommt nicht mehr ans Licht! Gute Nacht, Du Stolz und Pracht; Dir sey ganz, du gottlos Leben, Gute Nacht gegeben! 6. Weicht, ihr Trauergeister, Denn mein Freudenmeister, Jesus, tritt herein! Denen, die Gott lieben, Muß auch ihr Betrüben Lauter Segen seyn. Duld ich schon Hier Spott und Hohn, Dennoch bleibst du auch im Leide, Jesu, meine Freude. 7. Jesu! ich befehle Dir jetzt Leib und Seele; Jesu! bleib in mir; Dir ich mich ergebe, Ich sterb oder lebe, Jesu, meine Zier. Jesu, du Mein Trost unt Ruh, Meine Seel am letzten Nimm in deine Hände! Joh. Frand, g. 1618 † 1677. Mel. Mein Jesus lebt.( 1 Tim. 1, 15-17. Ebr. 6, 17-20.) 332. Ich habe nun den Wenn Erd und Himmel unGrund gefunden, Der meinen tergeht. Anker ewig hält! Wo anders, als in Jesu Wunden? Da lag er vor der Zeit der Welt, Der Grund, der unbeweglich steht, 2. Es ist das ewige Erbarmen, Das alles Denken übersteigt, Deß, der mit offnen Liebesarmen Sich nieder zu den Sün 264 XVI. esordnung. dern neigt, Dem stets das Herz| ung noch so weit,- Mir bleivor Mitleid bricht, Wir kommen oder kommen nicht. bt die Barmherzigkeit! 3. Wir sollen nicht verloren werden, Gott will, uns soll geholfen seyn; Deßwegen kam der Sohn zur Erden Und nahm hernach den Himmel ein; Deß wegen klopft er für und für So stark an unsers Herzens Thür. 4. O Abgrund, welcher alle Sünden Durch Christi Tod verschlungen hat! Das heißt die Wunden recht verbinden, Hier findet kein Verdammen statt, Weil Christi Blut beständig schreit: Barmherzigkeit, Barmherzigkeit! 5. An diesen Ruf will ich gedenken, Will ihm getroft und gläubig traun, Und wenn mich meine Sünden fränken, Nur gleich nach Gottes Herzen schaun; Da findet sich zu aller Zeit Unendliche Barmherzigkeit. 6. Wird alles andre wegge= rissen, Was Leib und Seel erquicken kann, Darf ich von keinem Freunde wissen Und scheine völlig ausgethan, Ist die ErretBeginnt der Erde Last zu driten, und häuft sich Kummer und derdruß, Daß ich mich noch in viten Stücken Mit eiteln Dinge mühen muß, Darüber sich met Geist zerstreut. GD hoff ich auf Barmherzigkeit. 8. Muß in meinen besten Werken, omit ich hier befchaftigt bin, Viel Schwachheit and Befleckung merken, So fällt zwar alles Rühmen hin; Doch ist mir noch ein Trost bereit: Ich hoffe auf Barmherzigkeit. 9. Es gehe mir nach dessen Willen, Bei dem so viel Erbarmen ist; Er wolle selbst mein Herz mir stillen, Damit es da nur nicht vergißt! So stehet es in Lieb und Leid In, du auf Barmherzigkeit. 10. Bei diesem Grunde will ich bleiben, So lange mich die Erde trägt; Das will ich deaken, thun und treiben, So lange sich ein Glied bewegt; So fing ich ewig hoch erfreut: O Abgrund der Barmherzigkeit! Joh. Andr. Rothe, g. 1688 † 1758. Eigene Mel.( Matth. 16, 24-26.) 333. Nicht eine Welt, die ein Christ, ich suche besre in ihr Nichts vergeht, Nicht einen Schaß, der nicht kann ewig gelten, nicht eiteln Ruhm hat sich mein Herz erfleht; Ich bin Welten! 2. Ich bin erkauft, ein Knecht des Herrn zu seyn, Vor welchem sich der Erde Fürsten nei= C. Göttlicher Friede. 265 gen; Er ist mein Friedefürst,| Pein und arm an Erdenfreumein Herr allein, Ich bin ein Christ, vor ihm will ich mich beugen. den; Ich seh auf ihn, mein Mittler geht voran; Ich bin ein Christ, ich will mit Christo leiden. 3. Stolz um mich her erhebet sich der Thor: Ich soll mit ihm der Gößen Luft genießen; Er lockt und droht; ich schenk ihm nicht mein Ohr, Ich bin ein Christ, ich fit zu Jesu Füßen. 4. Jhr rührt mich nicht, wenn eure Hand mir winkt, Daß sich mein Herz an dieser Welt ergöße, Die ihr den Tod in eure Adern trinkt! Ich bin ein Christ, mich reizen ewge Schätze. 5. Zwar thränenvoll ist meines Laufes Bahn Und reich an 6. Und kommt er dann nach lang gekämpftem Streit, Der Todestag, mich zu dem Herrn zu bringen, So sterb ich auch mit Muth und Heiterkeit, Ich bin ein Christ, ich kann den Tod bezwingen. 7. Und wann der Tag, der große Tag erwacht, Wann um mich her viel Auferstandne be= ben, Sotret ich froh aus meines Grabes Nacht: Ich bin ein Christ, ich werde ewig leben! C. Am. Huber. Mel. Mein Salomo! dein freundliches.( Joh. 14, 27. 2 Kor. 3, 18.) 334. Mein Friedefürst! dein| Ueberfluß, Wenn alle Welt zufreundliches Regieren Stillt rücke stehen muß! alles Weh, das meinen Geist 3. O Seelenfreund! wie wohl beschwert. Wenn sich zu dir die ist dem Gemüthe, Das im Geblöde Seele kehrt, So läßt sich setz sich so ermüdet hat, Und bald dein Friedensgeist verspü- nun zu dir, der Lebensquelle, ren; Dein Gnadenblick zer- naht Und schmeckt in dir die schmelzet meinen Sinn Und nimmt die Furcht und Unruh von mir hin. 2. Gewiß, mein Freund gibt solche edle Gaben, Die alle Welt mir nicht gewähren kann. Schau an die Welt, schau ihren Reichthum an: Sie kann ja nicht die müden Seelen laben! Mein Jesus kanns; er thuts im wundersüße Güte, Die alle Angst und alle Noth verschlingt Und unsern Geist zur sanften Ruhe bringt. 4. Je mehr das Herz sich zu dem Vater kehret, Je mehr es Kraft und Seligkeit genießt, Daß es dabei der Eitelkeit vergißt, Die sonst den Geist gedämpfet und beschweret; Je 266 XVI. Heilsordnung. auf deine Gnade bauen! Kein Fehler sey so groß und schwer in mir, Der mir die Thür verschlöffe, Herr, zu dir! mehr das Herz des Vaters| nem Lichte seh Und könne ganz Liebe schmeckt, Je mehr wird es zur Heiligung erweckt. 5. Wenn sich in mir des Herren Klarheit spiegelt Und seines Angesichtes milder Schein, Dann wird das neue Leben recht gedeihn; Der Weisheit Tiefen werden mir entsiegelt; Es wird mein Herz in Gottes Bild verklärt, Und alle Kraft der Sünde abgewehrt. 6. Was dem Gesez unmöglich war zu geben, Das bringt alsdann die Gnade selbst herfür: Sie wirket Luft zur Heiligkeit in mir und ändert nach und nach mein ganzes Leben, Indem ste mich aus Kraft in Kräfte führt Und mit Geduld und Langmuth mich regiert. 7. Es müsse doch mein Herz nur Christum schauen! Besuche mich, du Aufgang aus der Höh, Daß ich das Licht in dei8. Wenn meine Schuld vor dir mich niederschläget Und deinen Geist der Kindschaft in mir dämpft; Wenn das Gesetz mit meinem Glauben kämpft Und lauter Angst und Furcht in mir erreget, So laß mich doch dein treues Herz noc sehn, Und neue Kraft und Zuversicht erstehn. 9. So ruh ich nun, mein Heil, in deinen Armen, Du selbst sollst mir mein ewger Friede seyn! Ich hülle mich in deine Gnade ein, Mein Element ist einzig dein Erbarmen; Und weil du selbst mir Eins und Alles bist So ists genug, wenn dich mein Geist genießt! Richter, g. 1676 † 1711. Mel. Wer nur den lieben.( 1 Tim. 1, 13 2c.) 335. Mir ist Erbarmung durchs Blut des Sohns mich widerfahren, Erbarmung, deren ich nicht werth; Das zähl ich zu dem Wunderbaren, Mein stolzes Herz hats nie begehrt. Nun weiß ich das und bin erfreut Und rühme die Barmherzigkeit! rein. Warum? ich war ja Gottes Feind!- Erbarmung hats so treu gemeint! 3. Das muß ich dir, mein Gott, bekennen, Das rühm ich, wenn ein Mensch mich fragt; Ich kann es nur Erbarmung nennen, So ist mein ganzes Herz gesagt. Ich beuge mich und bin erfreut Und rühme die Barmherzigkeit. 2. Ich hatte Gottes Zorn verdienet, Und soll bei Gott in Gnaden seyn; Er hat mich mit sich selbst verfühnet und macht 4. Dieß laff' ich kein Geschöpf C. Göttlicher Friede. 267 mir rauben, Dieß soll mein| Erbarmen, Nimm dein Ereinzig Rühmen seyn; Auf dieß barmen nicht von mir Und Erbarmen will ich glauben, führe durch den Tod mich ArAuf dieses bet ich auch allein, men, Durch meines Heilands Auf dieses duld ich in der Noth, Tod zu dir; Da bin ich ewig Auf dieses hoff ich noch im Tod. hoch erfreut Und rühme die 5. Gott, der du reich bist an Barmherzigkeit! Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. ( Rom. 8, 32.) Leiden, Kreuz und Grab, Auch seine Herrlichkeit und Krone. Ja, was er redet, hat und thut, Sein Wort und Geist, sein Fleisch und Blut, Was er er= beten und gelitten, Was er ge= wonnen und erstritten, Das alles soll mein eigen seyn: Mein Freund ist mein und ich bin sein! 4. Ich finde Segen, Heil und Ehr Beiunfrem Bund auf seinem Pfade; Er heischet von mir sonst nichts mehr Als Glauben, und ich nichts als Gnade. O wohl der Wahl, die dieß gefügt! Sie reut mich nie, ich bin vergnügt In ihm, der mich erwählt zum Frieden; Drum bleibts bei beiden ungeschieden Ein Herz und Mund, ein Ja und Nein! Mein Freund ist mein und ich bin sein! 5. Zwar kann er aller Christen Muth Mit seiner Liebe sattsam waiden; Wir dürfen um das höchste Gut Nicht eifern, noch einander neiden, Durch unsern größesten Genuß Erschöpft sich Mel. Mein Heiland nimmt. 336. Beschränkt, ihr Weisen dieser Welt, Die Freund schaft immer auf die Gleichen Und leugnet, daß sich Gott gefellt Mit denen, die ihn nicht erreichen; Ist Gott schon Alles, und ich nichts, Ich Schatten, er der Quell des Lichts, Ich Erd und Staub, er hoch erhaben, Ich arm, er reich an allen Gaben, Ich fündevoll, und er ganz rein: Mein Freund ist mein und ich bin sein! 2. Mein gütiger Immanuel, Mein Mittler wußte Rath zu finden, Sich meiner hochbedrängten Seel, Die ihn herabzog, zu verbinden, Er, dem ich nichts vergelten kann, Sah dennoch meinen Mangel an; Er kommt vom Himmel auf die Erde, Daß er mein Freund und Bruder werde, Ein Mensch wie ich, mein Fleisch und Bein: Mein Freund ist mein und ich bin sein! 3. Gott, welcher seinen Sohn mir gab, Gewährt mir alles mit dem Sohne, Nicht nur sein 268 XVI. Heilsordnung. nicht sein Ueberfluß. Drum will| tränkt und speist, Bis er dort ich ihn zwar keinem leugnen, Doch mir vor allen andern eignen; Welt, zank dich um das mein und dein;- Mein Freund ist mein und ich bin sein! beide ewig tröste. Sein ist mein Denken, Muth und Sinn, Sein ist, was ich vermag und bin; Ja was ich in und an mir habe, Ist alles seine Gnadengabe, Die macht mich auch vom Undank rein; Mein Freund ist mein und ich bin sein! 6. Mein Freund ist meiner Seele Geist, Mein Freund ist meines Lebensleben; Nach ihm, der mich sein eigen heißt Und sonst nach keinem will ich streben, Dem ich mich, der sich mir ergibt, Den ich, und der mich wieder liebt, Von dem ich nichts mehr kann begehren, Der mir nichts beßres kann gewähren. Dieß Licht verdunkelt jeden Schein: Mein Freund ist mein und ich bin sein! 7. Ohn' ihn ist mir der Himmel trüb, Die Hölle finde ich auf Erden; Hingegen machet seine Lieb, Daß Wüsten mir ein Eden werden. Ohn' ihn ist mir troß aller Meng' Die Zeit zu lang, die Welt zu eng; Ich bin, wenn Feind' und Freunde fliehen, Wenn sich die Engel selbst entziehen, 3war einsam, aber nicht allein: Mein Freund ist mein und ich bin sein! 9. Sein ist mein Glück und meine Zeit, Sein ist mein Sterben und mein Leben, zu seinem Ehrendienst geweiht, Von ihm bestimmt und ihm ergeben. Es kommet, was ich laff' und thu, Von ihm her und ihm wieder zu. Sein sind auch alle meine Schmerzen, Die er so zärtlich nimmt zu Herzen, Er fühlt und endet meine Pein; Mein Freund ist mein und ich bin sein! 8. Sein ist mein Leib, sein ist mein Geist, Die er mit seinem Blut erlöste, Die er beschirmet, 10. Nun zürn und stürme jeder Feind; Er hoffe nicht, daß ich erstaune. Der Richter selber ist mein Freund, Drum schreckt mich nicht die Weltposaune. Ob Erd und Himmel bricht und kracht, Ob Leib und Seele mir verschmacht't, Ob mein Gebeine muß verwesen, So ist als Wahlspruch doch zu lesen nur dieß auf meines Grabes Stein: Mein Freund ist mein und ich bin sein!" 11 Wegleiter, g. 1659 † 1706. Mel. Sieb, hier bin ich.( Apostelgesch. 10, 36.) 337. Die Beschwerden Dieser Erden Häufen sich noch im merzu; Und im Streiten Dieser Zeiten Hat man nirgends wah C. Göttlicher Friede. 269 re Ruh. Wo ist Friede Für 4. Uns bekriegen Haß und uns Müde? Du bists, treuer Jesu, du! 2. Sünden schmerzen Oft im Herzen, Und kein Fried ist im Gebein; Unverbunden Sind die Wunden; Jesu, dein Blut heilt allein; Dein Verfühnen Macht uns grünen, Du mußt unser Friede seyn! 3, In der Eile Fahren Pfeile Oft vom Argen auf uns dar. Jesus schüßet, Glaube nüzet Als ein Schild uns in Gefahr; So wird Frieden Uns beschieden, Weil der Heiland Sieger war. Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Eigene Mel.( Apostelg. 24, 16. 1 Theff. 5, 23.) Mit mir umherzutragen, In diese stürzt ich mich hinein! 6. Laß auch die Pflicht, Dich selber zu besiegen, Die schwerste seyn; Sie ists; doch welch Vergnügen Wird sie nach der Vollbringung nicht! 7. Welch Glück, zu sich Mit Wahrheit sagen können: Ich fühlt in mir Des Bösen Lust entbrennen, Doch, Dank sey Gott, er schüßte mich! 8. Und welch Gericht, Selbst zu sich sagen müssen: Ich konnte mir Den Weg zum Fall verschließen, Und doch verschloß ich mir ihn nicht! 9. Was kann im Glück Den Werth des Glücks erhöhen? Ein ruhig Herz Verfüßt im Wohlergehen Dir jeden frohen Augenblick. 338. Befis ich nur Ein ruhiges Gewissen, So ist für mich, Wenn andre zagen müssen, Nichts schreckliches in der Natur. 2. Dieß sey mein Theil, Dieß foll mir niemand rauben! Ein reines Herz Von ungefärbtem Glauben, Der Friede Gottes nur ist Heil. 3. Welch ein Gewinn, Wenn meine Sünde schweiget; Wenn Gottes Geist In meinem Geiste zeuget, Daß ich sein Kind und Erbe bin! Lügen Zwar von außen in der Welt: Doch von innen Kanns gewinnen, Wer Geduld und Glauben hält; Nichts heißt Schade, Wenn nur Gnade Unser Herz zufrieden stellt. 5. O Erlöser! Noch viel größer Ist der Friede jener Stadt; Da sind Psalmen, Da sind Palmen, Die ein leberwinder hat: Nimm mich Müden Hin in Frieden; Dort wird niemand lebenssatt! 4. Und diese Ruh, Den Trost in unsrem Leben Sollt ich für Lust, Für Lust der Sinne geben? Dieß ließe Gottes Geist nicht zu! 5. In jene Pein: Mich selber zu verklagen. Der Sünde Fluch XVI. Heilsordnung. 270 10. Was kann im Schmerz Den Schmerz der Leiden stillen, Im schwersten Kreuz Mit Freuden dich erfüllen? Ein in dem Herrn zufriednes Herz. 11. Was gibt dir Muth, Die Güter zu verachten, Wonach mit Angst Die niedern Seelen schmachten? Einruhig Herz ,dieß größre Gut! 12. Im Herzen rein Hinauf zum Himmel schauen Und fagen: Gott, Du Gott, bist mein Vertrauen! Welch Glück, o Mensch, kann größer seyn. 13. Sieh, alles weicht, Bald wirst du sterben müssen; Was wird alsdann Dir deinen Tod versüßen? Ein gut Gewissen macht ihn leicht! 14. Heil dir, o Christ, Der diese Ruh empfindet Und der sein Glück Auf das Bewußtseyn gründet: Daß nichts verdammlichs an ihm ist. 15. Laß Erd und Welt," So kann der Fromme sprechen, Laß unter mir Den Bau der Erde brechen: Gott ist es, dessen Hand mich hält!" 17 2017 Gellert, g. 1715 † 1769. Eigene Mel.( Joh. 10, 11. 27c.) dunkler 339. Wie wohl ist mir, o Freund der Seele, Wenn ich in deiner Liebe ruh! Ich steig aus Schwermuthshöhle Und eile deinen Armen zu; Da muß die Nacht des Trauerns scheiden, Wenn mit der Fülle selger Freuden Die Liebe strahlt aus deiner Brust. Hier ist mein Himmel schon auf Erden! Dem muß ja volle Gnüge werden, Der in dir suchet Ruh und Lust. 2. Die Welt mag sich mir feindlich zeigen, Es sey also; ich acht es nicht. Will sie sich freundlich zu mir neigen, Ich flich ihr trügend Angesicht. In dir vergnügt sich meine Seele, Du bist mein Freund, den ich erwähle, Du bleibst mein Freund, wenn Freundschaft weicht; Der Welt Haß kann mich doch nicht fällen, Weil in den stärksten Trübsalswellen Mir deine Tren den Aufer reicht. 3. Will mich die Last der Sünden drücken, Bligt auf mich des Gesetzes Weh, So eil ich, Herr, auf dich zu blicken, und steige gläubig in die Höh; Ich fliche, Herr, zu deinen Wunden, Da hab ich schonden Ort gefunden, Wo mich kein Fluchstrahl treffen kann. Tritt alles wider mich zusammen, Du bist mein Heil, wer will verdammen? Dieliebe nimmt sich meiner an! 4. Lenkst du durch Wüsten meine Reise, Ich folg und lehne mich auf dich; Du gibst C. Göttlicher Friede. 271 mir aus den Wolken Speise| scheinen; Ich seh ihn an mit Und tränkest aus dem Felsen mich. Ich traue deinen Wunderwegen, Sie enden sich in Lieb und Segen; Genug, wenn ich dich bei mir hab! Ich weiß: wen du willst herrlich zieren Und über Sonn und Sterne führen, Den führest du zuvor hinab. frohem Muth; Denn du, mein Leben, läsfest keinen, Deß Herz und Leben in dir ruht. Wie kann des Weges Ziel mich schrecken, Da aus der Nacht, die mich wird decken, Ich eingeh in die Sicherheit? Meinlicht, so will ich denn mit Freuden Aus dieser finstern Wildniß scheiden zur Ruhe deiner Ewigkeit. 5. Der Tod mag andern düster 20% 340. Wer, o mein Gott, aus dir geboren, Ein neues Herz von dir empfängt, Und dir zum Eigenthum erkoren, Der Sünd entsagt und göttlich denkt Und göttlich lebt, wie selig ist Dein Kind, dein Eigenthum, der Christ! Deßler, g. 1660 † 1722. Mel. Aus Gnaden soll ich.( 1 Joh. 5, 18. Pf. 119, 165: c.) 2. Befreit aus seinen Finsternissen und von der Sünde Sclaverei, Begnadigt, ruhig im Gewissen, Vom Fluche des Gefeßes frei, Sieht er in dir, mit dir vereint, Den Vater und den besten Freund. 3. Er darf, o Gott, von dir verlangen, Was ihm dein eigner Sohn erwarb; Er wird es auch von dir empfangen, Weil Jesus ihm zum Heile starb: Licht, wo ers braucht, und Muth und Kraft Zum Kampfe seiner Pilgerschaft; 4. Zum sichern Siege deine Stärke, Und deinen Geist der Heiligung zu einem jeden gu= ten Werke, Im Leiden Trost und Linderung, Und selbst in seiner Prüfungszeit Den Vorschmack jener Herrlichkeit. 5. Bereit zu helfen und zu trösten, Lenkst du mit väterlicher Huld, Was nur geschieht, zu seinem Besten Und haft, wenn er auch fehlt, Geduld, Hilfst gern von seinem Fall ihm auf und förderst seinen Tugendlauf. 6. Er wandelt gern auf deinen Wegen, Liebt alle Menschen brüderlich; Was er nur thut, wird Heil und Segen, Auch freut er deines Beifalls sich. Mag doch der Sünder ihn verschmähn; Er wird von dir, o Gott, gesehn. 7. Versichert, daß er selig werde, Zufrieden hier mit ſei XVI. Heilsordnung. 272 nem 2008, Ist für die eitle Lust der Erde Zu selig er, zu reich, zu groß, Und seine Wünsche, Gott, begrenzt Kein Glück der Welt, so sehr es glänzt. 8. Er sieht den Tod von ferne kommen Und zittert nicht, er ist sein Freund; Von dir zum Erben angenommen, Frohlockt er, wenn der Tod erscheint. Er Mel. Wie groß ist.( 2 Cor. 1, 21 2c.) 341. Wie mächtig spricht| in meiner Seele, Herr, deine Stimme voller Huld! Du siehst erbarmend, wenn ich fehle, Trägst mich als Vater mit Geduld; Gibst deinen Geist, mich zu regieren, Sprichst meinem Herzen freundlich zu, Wirst niemals müde, mich zu führen, So viel ich falsche Tritte thu. 2. Erhalter deiner Kreaturen! Liebreicher Gott der ganzen Welt, Die deiner Güte reiche Spuren In jedem Sonnenstaub enthält! Mein Herz denkt nimmer so vermessen, Daß es dir, Vater, troßen kann; Undankbar soll es nie vergessen, Was du zu seinem Heil gethan! endet fröhlich seinen Lauf Und schwinget sich zu dir hinauf. 9. Wie selig, wer, aus dir geboren, Ein neues Herz von dir empfängt, Und dir zum Eigenthum erkoren, Der Sünd entsagt und göttlich denkt Und göttlich lebt, wie selig ist Dein Kind, dein Eigenthum, der Christ! Cramer, g. 1723 † 1788 3. Verfündigt' ich mich wohl mit Willen An meinem Vater, der vergibt? Der mir Gebote zu erfüllen Gegeben hat, weil er mich liebt? Der die Erfüllung kleinster Pflichten Als eine Wohlthat mir vergilt, Und statt mit Strenge mich zu richten, Mein Herz mit Trost und Freud erfüllt? 4. Sein Dienst ist Leben meiner Seele, Gehorsam meine Seligkeit. Ich weine kindlich, wenn ich fehle, Vor ihm, dem Vater, der verzeiht. Ich fühle jede meiner Sünden, Die weder Mensch noch Engel büßt: Wie selig kann ichs dann empfinden: Daß Christus mein Erlöser ist! 5. Den majestätischen Gedanken Gäb ich für alle Welten nicht! Er bleibet wahr, die Thronen wanken; Er blei= bet fest, die Welt zerbricht. Es mögen fündigen und zittern, Die Kinder des Verderbens sind! Gott wird der Erde Grund erschüttern. Ich bebe nicht, ich bin sein Kind! - Kruger, 1750. C. Göttlicher Friede. 273 Mel. Wie schön leucht't.( 2 Cor. 5, 14. 15 und 17.) 342. Es ist Etwas, des Hei-| 4. Schau, armer Mensch! zu lands seyn,„ Ich dein, o Jesu, diesem Glück Ruft dein Erlöund du mein!" In Wahrheit ser dich zurück Von jenem sagen können; Ihn seinen Bür- Grundverderben; Er kam deßgen, Herrn und Ruhm, Und wegen in die Welt Und gab sich sein Erb und Eigenthum für dich das Lösegeld Durch Ohn' allen Zweifel nennen. Leiden und durch Sterben. Laß Selig, Fröhlich Sind die See- dich Willig Doch umarmen! len, Die erwählen, Ohn' Be- Sein Erbarmen, Schmach und denken Ihrem Jesu fich zu Leiden Sind ein Meer der Seschenken! ligkeiten! 2. Schau an die Welt mit ihrer Lust Und alle, die an ihrer Brust In heißer Liebe liegen! Sie essen, und sind doch nicht fatt, Sie trinken, und das Herz bleibt matt, Denn es ist lanter Trügen. Träume, Schäume, Stich' im Herzen, Höllenschmerzen, Ewges Quälen Ist die Luft betrogner Seelen. 3. Ganz anders ists, bei Jesu seyn, Mit seinen Heerden aus und ein Auf seinen Matten gehen! Auf diesen Auen ist die Lust, Die Gottesmenschen nur bewußt, Im Ueberfluß zu fehen: Hülle, Fülle Reiner Triebe, Süßer Liebe, Fried und Leben, Stärke, Licht und viel Vergeben! 5. Von Stund an kann ich nicht mehr mein, Der Welt und ihrer Lüfte seyn, Die mich bisher gebunden! Mein Herr, den ich so sehr betrübt, Der aber mich viel mehr geliebt, Der hat mich überwunden. Nimm mich Gänzlich, Herr, schon heute Dir zur Beute Und zum Lohne Deiner blutgen Dornenkrone! 6. Ach mach mich von mir selber frei und stehe mir in Gnaden bei; Stärk meinen schwachen Willen Durch deines werthen Geistes Kraft, zu üben gute Ritterschaft, Den Vorsatz zu erfüllen; Bis ich Endlich, Schön geschmücker Und entrücket Allem Leiden, Bei dir darf in Salem waiden! Dr. Joh. Chr. Stort, g. 1712 t 1775. Mel. Jesu! hilf slegen.( Rom. 8, 28-39.) 343. Christen erwarten in| ten in Stürmen und tobenden allerlei Fällen Jesum mit sei- Wellen Führt er das Schiff ner allmächtigen Hand; Mit ihres Glaubens ans Land. Evangelisches Gesangbuch. 18 274 XVI. Heilsordnung. Wenn sie die Nächte der Trüb-| Höchsten und meide die Sorsal bedecken, Kann doch ihr gen! Grauen sie wenig erschrecken. 2. Jauchzen die Feinde zur Rechten und Linken, Drohet und hauet ihr blinkendes Schwert, Lassen doch Christen die Häupter nicht sinken, Denen sich Jesus im Herzen verklärt; Wüthen die Feinde mit Schnauben und Toben, Schauen sie dennoch voll Trostes nach oben. 6. Gutes und alle erbetenen Gaben Folgen dir, bis man dich leget ins Grab; Ja du wirst selber den Himmel noch haben! Ei warum sagst du den Sorgen nicht ab? Werde doch in dir recht ruhig und stille, Das ist des Vaters, des Ewigen Wille. 7. Freue dich, wenn du statt freundlichen Blicken Mancherlei Jammer erduldest und Noth! Wisse, was Gott will erhöhn und erquicken, Muß erst mit Jesu durch Trübsal und Tod. Willst du mitleben, so mußt du mitsterben; Anders kann keiner den Himmel ererben! 3. Geben die Felder den Samen nicht wieder, Bringen die Gärten und Fluren nichts ein; Schlagen die Schlossen die Früchte danieder, Brennen die Berge vom hißigen Schein, Kann doch ihr Herze den Frieden erhalten, Weil es den Schöpfer in allem läßt walten. 4. Viele verzehren in ängstlichen Sorgen Kräfte, Gesundheit und Kürze der Zeit, Da doch im Nathe des Höchsten verborgen, Wann und wo jedem sein Ende bereit. Sind es nicht alles vergebliche Schmerzen, Die ihr euch machet, ihr thörichten Herzen? 5. Zweifel und Sorgen verderben die Frommen; Glauben und Hoffen bringt Ehre bei Gott. Seele, verlangst du, zur Ruhe zu kommen, Hoffe, der Angst und dem Zweifel zum Spott! Ob auch die göttliche Hilfe verborgen, Traue dem 8. Völlige Wonne, verklärete Freude, Himmlische Güter. undenkliches Heil Werden dir dort auf der ewigen Waide Unter den Engeln und Menschen zu Theil, Wenn in der Herrlichkeit Christus wird kommen, Um sich zu sammeln die Heerde der Frommen. 9. Seine allwirksame Stärke beweiset In den Unmächtigen mächtige Kraft; Dann wird alleinig sein Name gepreiset, Wenn er den Zagenden Freudigkeit schafft. Jesu! gib, daß ich dem Vater vertraue, Wenn ich die Hilfe nicht sichtbarlich schaue. Edeling † 1742. C. Göttlicher Friede. Eigene Mel.( Col. 3, 1-4. 2 Cor. 6, 4-10. 13, 4. Pf. 45.) 344. Es glänzet der Chri-| gezeugt, Ein Funken, entzünsten inwendiges Leben, Obgleich sie die Hiße des Tages verbrannt; Was ihnen der König des Himmels gegeben, Ist keinem, als ihnen nur selber bekannt; Was niemand verspüret, Was niemand berühret, Hat ihre erleuchtete Sinnen gezieret Und sie zu der göttlichen Würde geführet. det von göttlicher Flamme, Ein Leben, von oben her freundlich gesäugt; Die Engel sind Brüder, Die ihre Loblieder Mit ihnen holdselig und inniglich singen, Das muß dann gar herrlich und prächtig erklingen! 2. Sie scheinen von außen oft arm und geringe, Verschmäht von den Hohen, verlacht von der Welt; Doch innerlich sind sie voll herrlicher Dinge, Der Zierath, die Krone, die Jesu gefällt; Das Wunder der Zeiten, Die hier sich bereiten, Dem König, der unter den Lilien waidet, zu dienen, mit heiligem Schmucke bekleidet. 3. Sonst sind sie wohl Adams natürliche Kinder Und tragen das Bildniß des Irdischen auch: Sie leiden am Fleische, wie andere Sünder, Sie essen und trinken nach nöthigem Brauch; In leiblichen Sachen, Im Schlafen und Wachen, Sieht man sie vor andern nichts sonderlichs machen ,. Nur daß fie die Thorheit der Weltluft verlachen.( 1 Cor. 15, 49.) 4. Doch innerlich sind sie aus göttlichem Stamme, Die Gott durch sein mächtig Wort selber - 275 5. Sie wandeln auf Erden, und leben im Himmel; Sie bleiben unmächtig, und schützen die Welt; Sie schmecken den Frieden bei allem Getümmel, Sie haben, die Aermsten, was ihnen gefält. Sie stehen in Leiden, und bleiben in Freuden; Sie scheinen ertödtet den leiblichen Sinnen, Und führen das Leben des Glaubens von innen. 6. Wann Christus, ihr Leben, wird offenbar werden, Wann er sich einst dar in der Herrlichkeit stellt, So werden sie mit ihm als Fürsten der Erden Auch herrlich erscheinen zum Wunder der Welt. Sie werden regieren, Mit ihm triumphiren, Den Himmel als prächtige Lichter auszieren; Da wird man die Freude gar offenbar spüren. ( 2 Tim. 2, 11 20.) 7. Frohlocke, du Erde, und jauchzet, ihr Hügel, Dieweil du den göttlichen Samen geneuß'st; Denn das ist des Ewi XVII. Christlicher Sinn und Wandei. 276 gen göttliches Siegel, Zum Zeugniß, daß er dir noch Segen verheißt; Du sollst noch mit ihnen Aufs prächtigste grünen, Wann erst ihr verborgenes Leben erscheinet, Wonach sich dein Seufzen mit ihnen vereinet. 8. O Jesu, du inneres Leben der Seelen, Du heilige Zierde, XVII. Christlicher Sinn und Wandel. A. Liebe zu Gott und Christus. Mel. Jesu, meine Freude.( Pf. 73, 23-26. Jaf. 4, 8.) 345. Algenugsam Wesen, Das ich hab erlesen Mir zum höchsten Gut! Du vergnügst alleine Völlig, innig, reine, Seele, Geist und Muth. Wer dich hat, Ist still und fatt; Wer dir kann im Geist anhangen, Darf nichts mehr verlangen. verhüllt vor der Welt, Laß deinen verborgenen Weg uns erwählen, Wenn gleich uns die Bürde des Kreuzes entstellt! Hier übel genennet Und wenig erkennet, Hier heimlich mit Christo im Vater gelebet, Dort öffentlich mit ihm im Himmel geschwebet! Nach Richter. 2. Wem du dich gegeben, Kann im Frieden leben, Er hat, was er will. Wer im Herzensgrunde Lebt mit dir im Bunde, Liebet und ist still. Bist du da, Uns innig nah, Muß das Schönste bald erbleichen, und das Beste weichen. 3. Höchstes Gut der Güter, Ruhe der Gemüther, Trost in aller Pein! Was Geschöpfe haben, Kann den Geist nicht laben, Du vergnügst allein. Was ich mehr Als dich begehr, Kann mein Seligseyn nur hindern Und den Frieden mindern. 4. Was genannt mag werden Droben und auf Erden, Alles reicht nicht zu. Einer nur kann geben Freude, Trost und Leben, Eins ist noth: nur du! Hab ich dich Nur wesentlich, So mag Seel und Leib verschmachten, Ich wills doch nicht achten. 5. Komm, du selges Wesen, Das ich mir erlesen, Werd mir offenbar! Meinen Hunger stille, Meinen Grund erfülle Mit dir selber gar! Ich bin dein, Sey du auch mein, Bis du wirst in jenem Leben Dich mir völlig geben. Tersteegen, g. 1697 † 1769. A. Liebe zu Gott und Christus. Eigene Mel.( Pf. 18, 2. 3.) 346. Herzlich lieb hab ich dich, o Herr! Ich bitte: sey von mir nicht fern Mit deiner Hilf und Gaben! Die ganze Welt erfreut mich nicht, Nach Erd und Himmel frag ich nicht, Wenn ich nur dich kann haben; Und wenn mir gleich mein Herz zerbricht, Bist du doch meine Zuversicht, MeinTrost und meines Herzens Theil, Deß Blut erworben mir das Heil. Herr Jesu Christ, mein Gott und Herr, Mein Gott und Herr, In Schanden laß mich nimmermehr! 2. Es ist ja dein Geschenk und Gab: Mein Leib und Seel, und was ich hab In diesem armen Leben; Damit ichs brauch zum Lobe dein, Zum Nutz und Dienst des Nächsten mein, Wollst du mir Gnade geben. Behüt mich, 277 Herr, vor falscher Lehr, Des Satans Mord und Lügen wehr; In allem Kreuz erhalte mich, Auf daß ichs trag geduldiglich. Herr Jesu Christ, mein Herr und Gott, Mein Herr und Gott, Tröst meine Seel in Todesnoth! 3. Ach Herr! laß einst die Engel dein Am letzten End die Seele mein In Abrahams Schoos tragen; Den Leib in seinem Kämmerlein Gar sanft ohn' alle Qual und Pein Ruhn bis am jüngsten Tage. Alsdann vom Tod erwecke mich, Daß meine Augen sehen dich In aller Freud, o Gottes Sohn, Mein Heiland auf dem Himmelsthron! Herr Jesu Christ, erhöre mich, Erhöre mich! Ich will dich preisen ewiglich! Schalling, g. 1532 † 1608. Eigene Mel.( Offenb. 22, 16. 17.) 347. Wie schön leucht't uns| kein Lob erreicht, Vom Vater der Morgenstern, Voll Gnad uns gegeben! Mein Herz zerund Wahrheit von dem Herrn fließt in deinem Ruhm; Dein Uns herrlich aufgegangen! O süßes Evangelium Ist lauter guter Hirte, Davids Sohn, Geist und Leben. Dich, dich Mein König auf dem Him- Will ich Ewig fassen, Nimmer melsthron, Du hast mein Herz laffen; Brod des Lebens, Dein umfangen; Lieblich, Freund- begehr ich nicht vergebens. lich, Schön und prächtig, Groß und mächtig, Reich an Gaben, Hoch und wundervoll erhaben! 3. Geuß sehr tief in mein Herz hinein, Du Gotteslicht und Himmelsschein, Die Flam2. D Kleinod, dem kein Klei- me deiner Liebe Und stärk nod gleicht, Sohn Gottes, den mich, daß ich ewig bleib, O 278 XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. Herr, ein Glied an deinem Leib| lisch Leben Wird er geben In frischemLebenstriebe! Nach Mir dort oben; Ewig soll mein dir Wallt mir Mein Gemüthe, Herz ihn loben. Ewge Güte, Bis es findet Dich, deß Liebe mich entzündet. 4. Von Gott kommt mir ein Freudenlicht, Wenn mich dein heilig Angesicht Mit Freundlichkeit anblicket. Herr Jesu, mein trautes Gut! Dein Wort, dein Geist, dein Leib und Blut Mich innerlich erquicket. Nun ich Bitt dich: Blick mich Armen Voll Erbarmen An mit Gnaden; Auf dein Wort komm ich geladen. 6. Spielt unfrem Gott mit Saitenklang Und laßt den süßesten Gesang Ganz freudenreich erschallen! Ich will mit meinem Jesu heut Und morgen und in Ewigkeit In steter Liebe wallen! Singet, Klinget, Jubiliret, Triumphiret! Dankt dem Herren, Ihm, dem König aller Ehren! 5. Herr Gott, Vater, du starker Held! Du hast mich ewig vor der Welt In deinem Sohn geliebet; Dein Sohn hat sich mit mir vertraut, Mein Herz auf ihn mit Freuden schaut, In dem mich nichts betrübet. Preis dir, Heil mir! Himm7. Wie fren ich mich, Herr Jesu Christ, Daß du der erst' und letzte bist, Der Anfang und das Ende! Du, der sein Leben für mich ließ, Nimmst mich einst in dein Paradies; Drauf faff' ich deine Hände. Amen, Amen! Komm, o Sonne, Meine Wonne, Bleib nicht lange, Daß ich ewig dich umfange! Nach Phil. Nicolai, g. 1554 † 1603. Mel. 3euch mich, zeuch mich.( 1 Job. 4, 19 und 16.) 348. Liebe, die du mich zum Bilde Deiner Gottheit haft gemacht; Liebe, die du mich so milde Nach dem Fall hast wiederbracht, Liebe, dir ergeb ich mich, Dein zu bleiben ewiglich! 2. Liebe, die du mich erkoren, Eh als ich geschaffen war; Liebe, die du Mensch geboren Und mir gleich wardst ganz und gar, Liebe, dir ergeb ich mich, Dein zu bleiben ewiglich! 3. Liebe, die für mich gelitten Und gestorben in der Zeit; Liebe, die mir hat erstritten Ewge Lust und Seligkeit, Liebe, dir ergeb ich mich, Dein zu bleiben ewiglich! 4. Liebe, die du Kraft und Leben, Licht und Wahrheit, Geist und Wort; Liebe, die sich dar A. Liebe zu Gott und Christus. 279 gegeben Mir zum Heil und bet, Die für meine Seele litt; Seelenhort, Liebe, dir ergeb ich mich, Dein zu bleiben ewiglich! Liebe, die das Lösgeld gibet und mich kräftiglich vertritt, Liebe, dir ergeb ich mich, Dein zu bleiben ewiglich! 7. Liebe, die mich wird entrücken Aus dem Grab der Und mein Herz hat Sterblichkeit; Liebe, die mich ganz dahin, Liebe, dir ergebeinst wird schmücken Mit dem ich mich, Dein zu bleiben Laub der Herrlichkeit, Liebe, ewiglich! dir ergeb ich mich, Dein zu bleiben ewiglich! 6. Liebe, die mich ewig lie5. Liebe, die mich hat gebunden An ihr Joch mit Leib und Sinn; Liebe, die mich überwunden Angelus Silesius, g. 1624 † 1677. ( Jer. 31, 3. Joh. 14, 15.) sehen, fühlen, hören, Lieben, ehren, Als deine Lieb und dich, Der du sie kannst vermehren. 4. O daß ich wie ein kleines Kind Mit Weinen dir nachgienge, Solange, bis dein Trost gelind Mit Armen mich umfienge, Und deine Seel mir im Gemüth Mit voller, süßer Liebe Sich erhübe, Und also deiner Güt' Ich stets vereinigt bliebe! Mel. Ich ruf zu dir. 349. Jesu Christ, mein schönstes Licht, Der du in deiner Seelen Sohoch mich liebst, daß ich es nicht Aussprechen kann noch zählen, Gib, daß mein Herz dich wiederum Mit Lieben und Verlangen Mög umfangen, Und als dein Eigenthum Nur einzig an dir hangen. 2. Gib, daß sonst nichts in meiner Seel Als deine Liebe wohne; Gib, daß ich deine Lieb erwähl Als meine Lust und Krone. Stoß alles aus, nimm alles hin, Was mich und dich will trennen Und nicht gönnen, Daß mein Herz, Muth und Sinn In deiner Liebe brennen. 3. Wie freundlich, selig, süß und schön Ist, Jesu, deine Liebe! Wenn diese steht, kann nichts entstehn, Das meinen Geist betrübe. Drum laß nichts anders denken mich, Nichts 5. Du bist allein die rechte Ruh, In dir ist Fried und Freude; Drum, Jesu, gib, daß immerzu Mein Herz in dir sich waide! Sey meine Flamm und brenn in mir, Mein Balsam, wollest eilen, Lindern, heilen Den Schmerzen, der mich hier Mit Seufzen lässet weilen. 6. Ach Jesu, wenn du mir entweichst, Was hilft mirs, 280 XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. seyn geboren? Wenn du mir| ren, Und wo ich etwan irre deine Lieb entzeuchst, Ist all geh, Mich bald zurechte führen. mein Gut verloren. So gib, Laß sie mich allzeit guten Rath daß ich dich ohne Rast Wohl Und reine Werke lehren; such und bestermaßen Möge Steuern, wehren Der Sünd, fassen, Und wenn ich dich ge- und nach der That Bald wiefaßt, In Ewigkeit nicht laffen. der mich bekehren. 7. Du hast mich je und je geliebt Und mich zu dir gezogen; Eh ich noch etwas Guts geübt, Warst du mir schon gewogen. Ach laß doch ferner, edler Hort, Mich diese Liebe leiten Und begleiten, Daß sie mir immer fort Beisteh auf allen Seiten. 8. Laß meinen Stand, darin ich steh, Herr, deine Liebe zie9. Dein Lieben sev mir Frend in Leid, In Schwachheit mein Vermögen; Und wenn ich nach vollbrachter Zeit Mich soll zur Ruhe legen, Alsdann laß deine Liebestreu, Herr Jesu, mir beistehen, Luft zuwehen, Daß ich getrost und frei Mög in dein Reich eingehen! Gerhard, g. 1606 † 1676. Mel. Aus Gnaden soll.( 1 Joh. 4, 19 und 10.) 350. Wie sollt ich meinen Gott nicht lieben, Der seinen eignen Sohn mir gibt? Sollt ich nicht innig mich betrüben, Daß ihn mein Herz nicht stärker liebt? Was bringt mehr Wonn, als diese Pflicht? Wie groß ist Gottes Liebe nicht! 2. Er hat von Ewigkeit beschlossen, Mein Vater und mein Heil zu seyn; Und noch ist mir kein Tag verflossen, Der mirs nicht sagte: Gott ist dein! Er ist so väterlich gesinnt, Gib ihm dein Herz und sey sein Kind! 3. Gib ihm dein Herz! wer fanns beglücken? Wer selig machen? er allein; Nur er kanns heiligen und schmücken Und ewig durch sich selbst erfreun, Er fanns weit über allen Schmerz Erheben, gib, gib ihm dein Herz! 4. Bei ihm ist Seligkeit die Fülle, Und die, die er nur geben kann, Beut dir sein väter= licher Wille So gnadenvoll, so freundlich an. O welch ein Gott! wie väterlich, Mit welchem Eifer liebt er dich! 5. Ja, ja, ich seh es, ich empfinde Die Größe deiner Huld, o Gott! Denn du errettest von der Sünde Mich selbst durch deines Sohnes Tod; Ich war vor deinem Augesicht Ein Greul, und du verwarfst mich nicht! 6. Du riefft, ich gieng dir nicht A. Liebe zu Gott und Christus. 281 jede Sünde mir, Denn Sünde ist ein Greul vor dir. entgegen, Du aber nahtest dich dir gefällig ist; Verhaßt sey zu mir mit deiner Huld, mit deinem Segen Und zogst mich väterlich zu dir. Wer gleicht an Liebe dir? wer ist So gut, als du, mein Vater, bist? 9. Bewahre mich auf deinem Wege! Gib, daß ich, brüderlich gesinnt, Stets alle Menschen lieben möge, Denn jeder ist wie ich dein Kind. Mein Herz verschließe sich doch nie Vor ihnen, denn du liebst auch fie. 7. Ja dich will ich von ganzem Herzen, Mein Vater, lieben, dich allein! Ich will im Glück und auch in Schmerzen Mich einzig deiner Liebe freun; Und daß ichs könne, schenke du Mir Schwachen selbst die Kraft dazu. 8. Gib, daß ich mich im Guten übe Und heilig sey, weil du es bist! Gib, daß ich außer dir nichts liebe, Als was auch Eigene Mel.( Rom. 8, 38. 39. Pf. 73, 5.) 351. Meinen Jesum lass' ich nicht! Weil er sich für mich gegeben, So erfordert meine Pflicht, In ihm und für ihn zu leben; Er ist meines Lebens Licht, Meinen Jesum laff' ich nicht! 2. Je sum laff' ich ewig nicht, Weil ich soll auf Erden leben; Ihm hab ich voll Zuversicht, Was ich bin und hab, ergeben. Herz und Mund mit Freuden ſpricht: Meinen Jesum laff' ich nicht! 10. Nie müsse irgend mich ein Leiden, Und wär es auch der bängste Tod, Von dir und deiner Liebe scheiden, Nie einer Freude Reiz, o Gott! Ich will dich lieben und nur dein Im Leben und im Tode seyn! Nach Schmolk 3. Laß vergehen das Gesicht, Hören, Fühlen mir entweichen, Laß das letzte Tageslicht Mich auf dieser Welt erreichen, Wenn der Lebensfaden bricht, - Meinen Jesum laff' ich nicht! 4. Ich werd ihn auch lassen nicht, Wann ich nun dahin gelanget, Wo vor seinem Angesicht Frommer Christen Glaube pranget. Ewig glänzt mir dort sein Licht; Meinen Jesum laff' ich nicht! 5. Nicht nach Welt, nach Himmel nicht Meine Seel in mir sich sehnet; Jesum wünscht sie und sein Licht, Der mich hat mit Gott versöhnet, Der mich frei macht vom Gericht; Meinen Jesum laff' ich nicht! 6. Jesum laff ich nicht von mir, Steh ihm ewig an der 282 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. Seiten; Christus wird mich für| so spricht: Meinen Jesum und für Zu dem Lebensbrun- lass' ich nicht! nen leiten. Selig, wer mit mir Reymann, g. 1607 † 1662. Mel. Herzlich thut mich. 352. Wenn alle untreu werden, So bleib ich Dir doch treu, Daß Dankbarkeit auf Erden Nicht ausgestorben sey! Für mich umfieng Dich Leiden, Vergiengst für mich in Schmerz, Drum geb ich Dir mit Freuden Auf ewig dieses Herz. 2. Oft möcht ich bitter weinen, Daß Du gestorben bist, und mancher von den Deinen Dich lebenslang vergißt; Von Liebe nur durchdrungen Hast Du so viel gethan, Und doch bist Du verklungen, und keiner denkt daran! ( Matth. 26, 33.) 3. Du stehst voll treuer Liebe Noch einem jeden bei, Und wenn Dir keiner bliebe, So bleibst Du dennoch treu. Die treuste Liebe sieget, Am Ende fühlt man sie, Weint bitterlich und schmieget Sich kindlich an Dein Knie. 353. Ich will dich lieben, meine Stärke, Ich will dich lieben, meine Zier! Ich will dich lieben mit dem Werke Und immerwährender Begier; Ich will dich lieben, schönstes Licht, Bis mir das Herze bricht! 2. Ich will dich lieben, o mein Leben, Als meinen allerbesten Freund, Ich will dich lieben und erheben, So lange mich dein Glanz bescheint; Ich will dich lieben, Gotteslamm, Du Lieb am Kreuzesstamm! 3. Ach, daß ich dich so spät erkennet, Du hochgelobte Liebe 4. Ich habe Dich empfunden; lasse nicht von mir! Laß innig mich verbunden Auf ewig seyn mit Dir! Einst schauen meine Brüder Auch wieder himmelwärts Und finken liebend nieder Und fallen Dir ans Herz. Novalis, g. 1772 † 1801. du, Und dich nicht eher mein genennet, Du höchstes Gut und wahre Ruh! Es ist mir leid und bin betrübt, Daß ich so spät geliebt! Eigene Mel.( Joh. 14, 23.) 4. Ich lief verirrt und war verblendet, Ich suchte dich, und fand dich nicht; Ich hatte mich von dir gewendet Und liebte das geschaffne Licht; Nun aber ists durch dich geschehn, Daß ich dich hab ersehn. 5. Ich danke dir, du wahre Sonne, Daß mir dein Glanz hat Licht gebracht; Ich danke dir, du Himmelewonne, Daß A. Liebe zu Gott und Christus. du mich froh und frei gemacht; Ich danke dir, du heilger Mund, Daß du mich sprichst gesund. 6. Erhalte mich in deinen Stegen Und laß mich nicht mehr irre gehn; Laß meinen Fuß in deinen Wegen Nicht straucheln oder stille stehn; Erleuchte mir die Seele ganz, Du starker Himmelsglanz! 7. Gib meinen Augen süße Thränen; Gib meinem Herzen 283 reine Gluth; Laß meine Seele sich gewöhnen, zu üben das, was Liebe thut. Laß meinen Geist, Sinn und Verstand Nur seyn dir zugewandt. 8. Ich will dich lieben, meine Krone, Auch in der allergrößten Noth, So lang ich in der Hütte wohne, Will ich dich lieben, Herr und Gott; Ich will dich lieben, schönstes Licht, Bis mir das Herze bricht! Ang. Silesius, g. 1624 † 1677. Mel. Alles ist an.( Joh. 17, 26.) 354. Dwie felig sind die Seelen, Die mit Jesu sich vermählen, Die sein Lebenshauch durchweht, Daß ihr Herz mit heißem Triebe Stündlich nur auf seine Liebe Und auf seine Nähe geht! 2. O wer fasset ihre Würde, Die bei dieses Leibes Bürde Jm Verborgnen schon sie schmückt! Alle Himmel sind zu wenig Für die Seele, der ihr König Solches Siegel aufgedrückt. 3. Wenn die Seraphim mit Schrecken Sich vor seinem Glanz bedecken, Spiegelt sich sein Angesicht In der Seele, die ihn fennet Und von seiner Liebe brennet, Hier schon mit enthülltem Licht.( 2 Cor. 3, 18.) 4. Nach Jehovahs höchsten Ehren Wird in allen Him melschören Nichts, das herrlicher, geschaut, Als ein Herz, das er erlesen, und mit dem das höchste Wesen Sich zu einem Geist vertraut. ( 1 Cor. 6, 17.) 5. Drum, wer wollte sonst was lieben, und sich nicht beständig üben, Dieses Königs Freund zu seyn? Muß man gleich dabei was leiden, Sich von allen Dingen scheiden, Bringts ein Tag doch wieder ein. 6. Schenke, Herr, auf meine Bitte Mir ein göttliches Gemüthe, Einen königlichen Geist; Mich als dir verlobtzu tragen, Allem freudig abzusagen, Was nur Welt und irdisch heißt. 7. So will ich mich selbst nicht achten; Sollte gleich der Leib verschmachten, Bleib ich Jesu doch getreu! Sollt ich feinen Trost erblicken, Will ich mich damit erquicken, Daß ich meines Jesu sey. 284 XVII. Christlicher 8. Ohne Fühlen will ich trauen, Bis die Zeit kommt, ihn zu schauen, Und vorbei die letzte Nacht; Da mein Geist zum Mel. Seelenbräutigam. 355. Dir ergeb ich mich, Jesu, ewiglich! Habe Dank für deine Liebe, Die mich zieht aus reinem Triebe; Jesu, ewiglich Dir ergeb ich mich! 2. Deiner Liebe Gluth Stärkt mir Herz und Muth. Wenn du freundlich mich anblickest Und mit deinem Geist erquickest, Macht mich wohlgemuth Deiner Liebe Gluth. 3. Meines Glaubens Licht Laß verlöschen nicht; Heile mich von Sünd und Schmerzen, Daß hinfort in meinem Herzen Ja verlösche nicht Meines Glaubens Licht! 4. So werd ich in dir Bleiben für und für. Deine Liebe will ich ehren Und dein hohes Lob vermehren, Weil ich für und für Bleiben werd in dir. 5. Deinen Frieden gib Ans so großer Lieb Uns, den Deinen, die dich kennen Und nach dir sich Christen nennen; Denen du bist lieb, Deinen Frieden gib. Sinn und Wandel. obern Leben Aus der Tiefe darf entschweben Und nach seinem Bild erwacht. ( Pf. 17, 15.) Nach Richter. 356. Jesu, Jesu, Gottes Sohn, Mein Heiland auf dem Himmelsthron, Du meine ( 1 Joh. 2, 28 und 6.) 6. Wer der Welt abstirbt, Emsig sich bewirbt, Auf den Glauben fest zu bauen, Der wird bald mit Freuden schauen, Daß niemand verdirbt, Der der Welt abstirbt. 7. Nun ergreif ich dich, Du, mein ganzes Ich! Nimmermehr will ich dich lassen, Sondern gläubig dich umfassen, Weil im Glauben ich nun ergreife dich. 8. Hier durch Kampf und Hohn, Dort die Ehrenkron; Hier im Hoffen und Vertrauen, Dort im Haben und im Schauen! Denn die Ehrenkron Folgt auf Kampf und Hohn. 9. Jesu, hilf, daß ich Allhie ritterlich Alles durch dich überwinde Und in deinem Sieg empfinde, Wie so ritterlich Du gekämpft für mich! 10. Jesu, meine Ruh, Ewge Liebe du! Dein ist all mein Thun und Wallen, Nichts als du soll mir gefallen, Ewge Liebe du, Jesu, meine Ruh! Drese, g. um 1630 † 1713. Mel. Wie schön leucht't.( Joh. 21, 17. 1 Cor. 2, 9.) Freud und Wonne! Du weißest, daß ich rede wahr, Vor dir ist alles sonnenklar, Ja klarer A. Liebe zu Gott und Christus. 285 als die Sonne; Herzlich Such Nach dem Leide Volle Freude ich, Dir vor allen Zugefallen, Bei dir finden; Dann muß Nichts auf Erden kann und alles Trauern schwinden. soll mir lieber werden. 2. Dieß ist mein Schmerz, dieß kränket mich, Daß ich nicht gnug kann lieben dich, Wie ich dich lieben wollte; Je mehr mich deine Liebezieht, Je mehr erkennt mein Herz und sieht, Daß ich dich lieben follte. Vondir Laß mir Deine Güte Ins Gemüthe Lieblich fließen, So wird sich die Lieb ergießen. 5. Kein Ohr hat jemals es gehört, Kein Mensch gesehen noch gelehrt, Es kanns niemand beschreiben: Was denen dort für Herrlichkeit Bei dir und von dir ist bereit, Die in der Liebe bleiben! Was hier Von dir Wird gegeben, Unser Leben Zu ergößen, Ist dagegen nichts zu schätzen. 6. Drum laff' ich billig dieß allein, O Jesu, meine Freude seyn, Daß ich dich herzlich liebe; Daß ich in dem, was dir gefällt, Was mir dein Wort vor Augen hält, Aus Liebe stets mich übe; Bis ich Endlich Werd abscheiden Und mit Freuden Zu dir kommen, Aller Trübsal ganz entnommen. 7. Da werd ich deine Freundlichkeit, Die hochgelobt in Ewigkeit, In reiner Liebe schmecken und sehn dein liebreich Angesicht Mit unverwandtem Augenlicht, Ohn' alle Furcht und Schrecken. Reichlich Werd ich Dann erquicket, Und geschmückket Mit der Krone Stehn vor deinem Himmelsthrone. Joh. Heermann, g. 1585 † 1647. 3. Durch deine Kraft treff ich das Ziel, Daß ich, so viel ich kann und will, Dir allezeit anhange. Nichts auf der ganzen weiten Welt, Nicht Pracht, Luft, Ehre, Freud und Geld, Und was ich sonst erlange, Kann mich Ohn' dich Gnugsam laben; Ich muß haben Neine Liebe, Tröstung, wenn ich mich betrübe. 4. Denn wer dich liebt, den liebest du, Schaffst seinem Herzen Fried und Ruh, Erfreuest sein Gewissen; Es geh ihm wie es geh auf Erd, Wenn Kr ihn noch so hart beschwert, Soll er doch dein genießen. Endlich Wird sich Mel. Herzlich thut mich.( Ps. 73, 28.) 357. Von dir will ich nicht mir! In aller Dinge Reichen weichen, O weiche nicht von Gleicht keine Güte dir. Wenn 286 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. ich gen Himmel flöge, Wenn; bannt, Du bist mir Morgenich zum Brunn des Lichts Durch röthe, Brod, Heimath und ferne Meere zöge, Geliebtres Gewand. Wird voll mein find ich nichts! Mund von Gaben, Glänzt um mich Herrscherschein, Ich kann es alles haben, Doch lieben - dich allein! 2. Bringt Edelstein' und Schäße, Bringt Glück und Wonne her, Was ist, das mich ergöße, Fehlt mir mein Leben, Er? Bringt Kronen her und Güter, Bringt, was einWunsch nur weiß, Dir, Labsal der Gemüther, Mein Jesu, bleibt der Preis! 5. Du läsfest Felsen grünen Und schaffest Saat im Meer; Dir müssen Welten dienen, Und Sterne find dein Heer; Doch Demuth blüht und Liebe Zum Kranze deiner Macht; Es bleibt kein Auge trübe, Wo deine Milde lacht. 3. Wenn bittres Leid mir sprießet In Furchen meiner Flur, Durch dich ists mir versüßet, Verwandler der Natur! Soll hent ich Lust genießen, Des Lebens Freudenwein; Noch will ich dir zu Füßen Ein treuer Jünger seyn! 6. Weckt mich zum Kampf das Leben, So waffnet sie den Sinn; Will Schlummer mich umweben, Sie ist mir Wächterin; Und wird mein Leib erblaffen, Ist fie des Friedens 4. Geh ich durch Nacht und Thür. Von dir will ich nicht Nöthe, Bloß, hungrig und ver-| laffen, Olaffe nicht von mir! J. F. v. Meyer, g. 1772. Mel. Ach was soll ich Sünder.( 1 Cor. 6, 19. 20.) 358. Großer König, den ich ehre, Der durch seines Geistes Lehre Angezündet mir sein Licht, Der jetzt und in allen Zeiten Durch viel tausend Gütigkeiten An viel tausend Herzen spricht! 2. Sollt ich nicht daran gedenken, Dir mich wiederum zu schenken, Der du treulich mich bewachst, Und auch an dem trübsten Tage Meines Herzens bange Klage Schnell zu Licht und Freude machst? 3. Herr! mein Herz will ich dir geben; Dir soll es aufs neue leben, Denn du forderst es von mir. Dir soll es sich ganz verbinden Und den angewohnten Sünden Ganz entsagen für und für. 4. Laß mich deinen Geist erneuen, Dir zu einem Tempel weihen, Der auf ewig heilig A. Liebe zu Gott und Christus. 287 sey. Ach vertilge doch darin-| Garten, Wo der Tugend schönnen Eitle Luft und Furcht der Sinnen; Mache mich vollkommen frei! 5. Laß mich kräftig von der Erden Himmelwärts gezogen werden, Zeuch, o zeuch mich ganz zu dir; Daß ich ganz zu dir bekehret, Ganz von deinem Geist verkläret, Täglich habe dich in mir. ste Arten Stehn in voller Lieblichkeit; Deffne drin die Lebensquelle, Die ohn' Ende sanft und helle Fließet in die Ewigkeit. 7. Nun so will ich dir mein Leben, Jesu, ganz zu eigen geben, Stehe mir in Gnaden bei; Gib, daß ich zu allen Stunden Inniglich mit dir verbunden, Dir zur ewgen Freude sey. 6. Mach mein Herz zu einem Nach Angelus Silesins. Mel. Nun ruhen alle.( Rom. 5, 11. Col. 2, 3. 6 und 7.) 5. Wird einst die Seele scheiden, Daß sie aus diesem Leiden In Salems Thore tritt, Bring ich als Schmuck und Krone Sonst nichts vor Gottes Throne, Denn meines Jefu Namen mit. 359. Mein alles, was ich liebe, Mein alles, was ich übe, Sey mein Herr Jesus Christ, Weil ich in ihm besige, Was einer Seele nüße, Was einem Menschen köstlich ist! 2. Das Herz kann nichts ergründen, Daß nicht in ihm zu finden, Da wird es satt und voll; Denn dieß ist Gottes Wille, Daß alle Gottesfülle In ihm leibhaftig wohnen soll. 3. Ich harre und begehre Ohn' Jesum keiner Ehre Und keines andern Lichts; Von Weisheit, von Ergößen, Von Herrlichkeit und Schäßen Begehr ich ohne Jesum nichts. 4. Nur er soll mir auf Erden Zur Kunst und Weisheit werden, Mein Leitstern in der Zeit, Mein Schatz, der ewig währe, Mein Frieden, meine Ehre, Mein Himmel, meine Seligfeit. 6. Wenn ich das Weltgetümmel, Die Erde und den Himmel, Nur Jesum nicht verlier, So kann ich im Erkalten Das Beste doch behalten; An diesem Schatz genüget mir. 7. Ihr Selgen ohne Mängel, Ihr lichten Gottesengel, Ihr habt dieß selbst bezeugt! Ihm jauchzen alle Geister, Es find vor ihrem Meister Der Auserwählten Knie' gebeugt. 8. Ihm will ich mich ergeben, In diesem Namen leben Und in ihm glaubig seyn, In ihm auch herzlich lieben, Geduld in ihm nur üben, In Jesu bet ich auch allein. XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 288 9. Ich will in Jesu sterben, Ich will in Jefsn erben, In Jesu auferstehn, In ihm gen Himmel fahren und mit den selgen Schaaren In seinem Licht ihn ewig sehn. 10. Weil ich zu allen Stunden Durch ihn mit Gott verbunden, Bei Gott und in Gott bin, Sv sey in Jesu Namen Auch dieses Lied nun Amen! Mein Heiland, nimm mich bald dahin! Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Mel. Wer weiß, wie nabe.( 2 Cor. 5, 14. 1 Joh. 2, 15-17.) 360. Ach sagt mir nichts| Ehren Von nun an bis in von Gold und Schätzen, Von Ewigkeit. Ein jeder liebe, was Pracht und Schönheit dieser er will, Ich liebe Jesum, der Welt! Es kann mich ja kein| mein Ziel! Ding ergößen, Was mir die Welt vor Augen stellt. Ein jeder liebe, was er will, Ich liebe Jesum, der mein Ziel! 5. Sein Reichthum läßt sich nicht ergründen, Sein hoch und heilig Angesicht, Und was von Schmuck um ihn zu finden, 2. Er ist alleine meine Freu- Verbleichet und veraltet nicht. de, Mein Kleinod und mein Ein jeder liebe, was er will, schönstes Bild, An dem ich meine Augen waide Und finde, was mein Herze stillt. Ein jeder liebe, was er will, Ich liebe Jesum, der mein Ziel! Ich liebe Jesum, der mein Ziel! 3. Die Welt vergeht mit ihren Lüsten, Des Fleisches Schönheit bald zerfällt; Die Zeitkann alle das verwüsten, Was Menschenhände hingestellt. Ein jeder liebe, was er will, Ich liebe Jesum, der mein Ziel! 6. Er kann mich über alles heben Und seiner Klarheit machen gleich; Er kann mir so viel Schätze geben, Daß ich werd unerschöpflich reich. Ein jeder liebe, was er will, Ich liebe Jesum, der mein Ziel! 4. Sein Schloß kann keine Macht zerstören, Sein Reich vergeht nicht mit der Zeit, Sein Thron bleibt stets in gleichen 7. Und ob ichs zwar noch muß entbehren, So lang ich wandre durch die Zeit, So wird er mirs doch wohl gewähren Im Reiche seiner Herrlichkeit. Drum thu ich billig, was ich will: Ich liebe Jesum, der mein Ziel! Angelus Silesius, g. 1624 † 1677. Mel. Die wir uns allhie.( Gal. 2, 20.) 361. Eines wünsch ich mir| früh und spät! Selig läßts vor allem andern, Eine Speise im Thränenthal sich wandern, A. Liebe zu Gott und Christus. 289 Wenn dieß Eine mit uns geht:| vergessen Meine Schuld und Unverrückt auf Einen Mann zu schauen, Der mit blutgem Schweiß und Todesgrauen Auf sein Antlig niedersank, Und den Kelch des Vaters trank. deine Huld! Als ich in der Finsterniß gesessen, Trugest du mit mir Geduld! Hattest längst nach deinem Schaf getrachtet, Eh es auf des Hirten Ruf geachtet, Und mit theurem Lösegeld Mich erkauft von dieser Welt. 2. Ewig soll er mir vor Augen stehen, Wie er als ein stilles Lamm Dort so blutig und so bleich zu sehen, Sängend an des Kreuzes Stamm; Wie er dürstend rang um meine Seele, Daß sie ihm zu seinem Lohn nicht fehle, Und dann auch an mich gedacht, Als er rief: es ist vollbracht! 4. Ich bin dein! sprich du darauf ein Amen! Treuster Jeſu, du bist mein! Drücke deinen süßen Jesusnamen Brennend in mein Herz hinein! Mit dir alles thun und alles lassen, In dir leben und in dir erblassen, Das sey bis zur letzten Stund 3. Ja, mein Jesu, laß mich nie| Unser Wandel, unser Bund! word o Knapp, g. 1798. E gene Mel.( Luc. 10, 42. Apostelg. 4, 12. Joh. 21, 17.) 362. Meinen Jefum ich er- MeinenHeiland, Jesum Christ. wähle, Einen Liebern find ich Darum, darum ruf ich dir Mit nicht; Seiner freut sich meine Begier: Komm, o Jesu,:,: hole Seele, Jesus ist mein Lebens- mich),:,: Meine Seele liebetdich! licht. Darum, darum ruf ich dir Mit Begier: Komm, o Jesu,:,: hole mich,:,: Meine Seele liebet dich! 4. Meinen Jesum ich erwähle; Er ists, dem ich in der Noth, Sterbend meinen Geist befehle; Jesus läßt mich nicht im Tod. Darum, darum ruf ich dir Mit Begier: Komm, o Jesu,:,: hole mich,:,: Meine Seele liebet dich! 2. Meinen Jesum ich erwähle, Weil er meine Schuld gebüßt; Jefus tröstet meine Seele, Er ists, der den Tod versüßt. Dar- 5. Meinen Jesum ich erwähle, um, darum ruf ich dir Mit Be- Ihm will ich einst rufen zu: gier: Komm, o Jesu,:,: hole„ Jesu! mich zu denen zähle, mich,:,: Meine Seele liebet dich! Die da haben ewge Ruh." Dar3. Meinen Jesum ich erwähle, um, darum ruf ich dir Mit BeWeil er hold und heilig ist; gier: Komm, o Jesu,:,: hole Stündlich suchet meine Seele| mich,:,: Meine Seele liebet dich! Schwämlein, g. 1632 † 1705. 19 Evangelisches Gesangbuch. 290 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. ( 1 Joh. 5, 12.) sinnt nur meinem Herrn; Lasse still die andern Breite, lichte, volle Straßen wandern. 3. Wo ich Ihn nur habe, Ist mein Vaterland, Und es fällt mirjede Gabe Wie ein Erbtheil i in die Hand. Längst vermißte Brüder Find ich nun in Seinen Jüngern wieder. Novalis, g. 1772 † 1801. Eigene Mel. 363. Wenn ich Ihn nur habe, Wenn Er mein nur ist; Wenn mein Herz bis hin zum Grabe Seine Treue nie ver= gißt; Weiß ich nichts von Leide, Fühle nichts als Andacht, Lieb und Freude! 2. Wenn ich Ihn nur habe, Lass' ich alles gern, Folg an meinem Wanderstabe TreugeB. Vertrauen auf Gott. OST Mel. Herzlich thut mich.( Ps. 37, 5.) 364. Befiehl du deine| Stand und Wesen, Was deinem Rath gefällt. Wege Und was dein Herze kränkt, Der allertreusten Pflege Deß, der den Himmel lenkt! Der Wolken, Luft und Winden Gibt Wege, Lauf und Bahn, Der wird auch Wege finden, Da dein Fuß gehen kann. 4. Weg' hast du allerwegen, An Mitteln fehlt dirs nicht; Dein Thun ist lauter Segen, Dein Gang ist lauter Licht; Dein Werk kann niemand hindern, Dein' Arbeit darf nicht ruhn, Wenn du, was deinen Kindern Ersprießlich ist, willt thun. 2. Dem Herren mußt du trauen, Wenn dirs soll wohl ergehn; Aufsein Werk mußt du schauen, Wenn dein Werk soll bestehn. Mit Sorgen und mit Grämen Und mit selbsteigner Pein Läßt Gott sich gar nichts nehmen; Es muß erbeten seyn. 5. Und ob gleich alle Teufel Hie wollten widerstehn, So wird doch ohne Zweifel Gott nicht zurücke gehn; Was er ihm vorgenommen Und was er haben will, Das muß doch endlich kommen zu seinem Zweck und Ziel. 3. Dein'ewge Treu und Gnade, O Vater, siehetrecht, Was gut sey oder schade Demsterblichen Geschlecht; Und was du dann erlesen, Das treibst du, starker Held, Und bringst zum 6. Hoff, o du arme Seele, Hoff und sey unverzagt! Gott wird dich aus der Höhle, Da dich der Kummer plagt, Mit B. Vertrauen auf Gott. 172 291 nach dir; ist 1619 900 großen Gnaden rücken; Er- schweben, Als frag er nichts warte nur die Zeit, So wirst du schon erblicken Die Sonn der schönsten Freud. that 7. Auf, auf! gib deinem Schmerze Und Sorgen gute Nacht; Laß fahren, was das Herze Betrübt und traurig macht; Bist du doch nicht Regente, Der alles führen soll; Gott sitzt im Regimente Und führet alles wohl. 10. Wirds aber sich befinden, Daß du ihm treu verbleibst, So wird er dich entbinden, Da du's am mindst en gläubst; Er wird dein Herz entladen Von der so schweren Last, Die du zu keinem Schaden. Bisher getragen hast. 8. Ihn, ihn laß thun und walten! Er ist ein weiser Fürst Und wird sich so verhalten. Daß du dich wundern wirst, Wenn er, wie ihm gebühret, Mit wunderbarem Rath Das Werk hinausgeführet, Das dich bekümmert hat. 11. Wohl dir, du Kind der Treye! Du hast und trägst davon Voll Danks und ohne Neue Den Sieg und Ehrenkron; Gott gibt dir selbst die Palmen In deine rechte Hand, Und du fingst Freudenpsalmen Dem, der dein Leid gewandt. 9. Er wird zwar eine Weile Mit seinem Trost verziehn Und thun an seinem Theile, Als hätt 12. Mach End, o Herr, mach Ende An aller unsrer Noth; Stärk unsre Füß' und Hände, Und laß in den Tod Uns allzeit deiner Pflege Und Treu befohlen seyn, So gehen unsin seinem Sinn Er deiner fichre Wege Gewiß zum Himmel begeben Und sollt'st du für ein! und für In Angst und Nöthen Gerhard, g. 1606+ 1676. Mel. Wo ist mein Schäflein.( Ebr. 11, 9. 10. 2 Cor. 4, 17. 18.) 365. Es halten eitele Ge-| eilt so der Tiefe zu, Als wie müther Die Erde für ihr Vaterland; Wer aber Jesum hat erkannt und die wahrhaftgen Himmelsgüter, Der sieht den ganzen Kreis der Erden Für eine fremde Hütte an Und sehnet sich, erlöst zu werden Von dieser rauhen Pilgerbahn. 2. Kein Fluß kann so zum Meere laufen, Rein Stein ein Christ zur Himmelsruh Hinwegeilt von dem Erdenhaufen. Ob seine Füß' die Welt berühren, So ist das Haupt doch in der Höh; Er sucht den Wandel so zu führen, Daß Herz und Sinn im Himmel steh. 3. Dieß Heimweh gottverlobter Herzen Vermehrt sich 292 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. bei der Kreuzeslast; Man hat| Man setzt Gott weder Maß auf Erden keine Nast Bei noch Ziel, Und wird das Herz Seelen- oder Leibesschmerzen. gleich lang betrübet, So ist Wenn sich die Trübfalsfluth es ihm doch nie zu viel. ergießet, So wird der engen Brust gar bang, Bis unsre Lebenszeit verfließet; Gott, heißt es, wie lang, wie lang! 2018 Ach 6. Der Herr, der über Tod und Leben Die unumschränkte Herrschaft hat, Wird seinen Kindern nie zu spat Die lang verlangte Freiheit geben. Ein selig End muß alles wenden, Was anfangs unerträglich war, Und Gott reicht selbst mit seinen Händen Den Lohn für allen Jammer dar. 4. Da hat ein Paulus Lust zu scheiden; Ein Abraham ist lebensfatt; Da wird ein Hiob müd und matt Vor langem Sehnen in dem Leiden; Elias wünscht bei seinem Wandern Zu schließen den betrübten Lauf; Von einem Morgen bis zum andern Sieht David nach der Hilfe auf. 7. Wir, die wir auf der Erde wallen, Verlangen, daß zu rechter Zeit Auch unser Abschied aus dem Streit Dem frommen Gott mag wohlgefallen. Du, Jesu, wollst uns Huld erweisen, Daß wir dazu bereitet stehn, Und uns auch so der Welt entreißen, Damit wir froh gen Himmel gehn. Marperger, g. 1681 † 1746. 5. Doch ist dieß Eilen zu dem Himmel Gemäßigt mit Gelaffenheit; Man wartet auf die rechte Zeit, Die zur Erlösung vom Getümmel Des Allerhöchsten Nath beliebet; Eigene Mel.( Jef. 43, 1. 2. Gir. 2, 3.) 366. Von Gott will ich| kehrt, So wird mir bald aufs nicht lassen, Denn er läßt nicht von mir, Führt mich zur rechten Straßen, Wenn ich geh in der Irr'. Er reicht mir seine Hand; Den Abend wie den Morgen Will er mich wohl versorgen, Wo ich auch bin im Land. neue Die Huld des Herrn bewährt; Er hilft aus aller Noth, Befreit von Sünd und Schanden, Von Ketten und von Banden, Ja wenns auch wär der Tod. 3. Auf ihn will ich vertrauen In meiner schweren Zeit; Mein Helfer läßt sich schauen Und wendet jedes Leid; Ihm 2. Wenn sich der Menschen Trene Und Wohlthat all ver B. Vertrauen auf Gott. XX 293 sey es heimgestellt! Mein Leib| Wir sollen selig werden Und und Seel und Leben Sey Gott seyn in Ewigkeit. en dem Herrn ergeben; Er machs, wie's ihm gefällt! 6. Darum, ob ich schon dulde Hie Widerwärtigkeit, Wie ichs auch wohl verschulde, Kommt doch die Ewigkeit, Die, aller Freuden voll Und ohne Schrank' und Ende, Durch Christi treue Hände Mir einst sich aufthun soll. Haf 7. Das ist des Vaters Wille, Der uns erschaffen hat; Sein Sohn gibt uns die Fülle Der Wahrheit und der Gnad; Sein heilger Geist im Fleiß Des Glaubens uns regieret Und nach dem Himmel führet; Ihm sey Lob, Ehr und Preis! Helmbold, g. 1532 † 1398. 4. Es kann ihm nichts gefallen, Denn was uns nüßlich ist; Er meints gut mit uns allen Und schenkt uns Jesum Christ, Den eingebornen Sohn, Durch welchen Gott bescheret, Was unsre Seelen nähret; Lobt ihn im Himmelsthron! 5. Lobt ihn mit Herz und Munde, Die er uns beide schenkt! Wie selig ist die Stunde, Darin man sein gedenkt! Verderbt wird sonst die Zeit, Die man verlebt auf Erden; * Mel. Nun ruhen alle.( Pf. 55, 23.) 367. In allen meinen Tha-| Was ihm von mir beliebet, Das ten Lass' ich den Höchsten rathen, Der alles kann und hat; Er muß zu allen Dingen, Solls anders wohl gelingen, Selbst geben( guten) Rath und That. 2. Nichts ist es spät und frühe Um alle meine Mühe, Vergeblich alle Kunst; Er mags mit meinen Sachen Nach seinem Willen machen, Ich stells in seine( Gnadund) Gunst. 3. Es kann mir nichts geschehen, Denn was Gott hat ersehen Und was mir selig ist, Ich nehm es, wie ers gibet, hab ich auch( getroft) erkiest. 4. Ich traue seiner Gnaden, Die mich für allem Schaden, Für allem Uebel schützt. Leb ich nach seinen Sätzen, So wird mich nichts verlegen, ( Und gar) Nichts fehlen, was mir nützt. 5. Er wolle meiner Sünden In Gnaden mich entbinden, Durchstreichen meine Schuld. Er wird auf mein Verbrechen nicht stracks das Urtheil sprechen, Und haben noch( mit mir) Geduld. TO GIL 196 * Anm. Das Lied hat auch eine eigene Melodie, bei welcher aber die in Klam. mern slebenden Worte am Ende jeden Verses nicht gesungen werden dürfen. XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 294 6. Leg ich mich späte nieder, Erwach ich frühe wieder, Lieg oder ziehe fort, In Schwachheit und in Banden Und was mir stoßt zuhanden, Da tröstet mich sein( heiligs) Wort. 7. Hat er es dann beschlossen, So will ich unverdrossen An mein Verhängniß gehn; Kein Unfall unter allen Wird mir zu hart je fallen, Ich will ( mit Gott) ihn überstehn. 8. Ihm hab ich mich ergeben, zu sterben und zu leben, So wie er mirs gebeut. Es sey heut oder morgen, Dafür laff' ich ihn sorgen, Er weiß die beste( Stund und) Zeit. 9. So sey nun, Seele, seine Und trane dem alleine, Der dich geschaffen hat. Es gehe wie es gehe, Dein Vater in der Höhe Weiß allen( deinen) Sachen Rath. 2. Was helfen uns die schweren Sorgen? Was hilft uns unser Weh und Ach? Was hilft es, daß wir alle Morgen Beseufzen unser Ungemach? Wir machen unser Kreuz und Leid Nur größer durch die Traurigkeit. 3. Zu Gott sey deine Seele stille Und stets mit seinem Nath vergnügt; Erwarte, wie sein guter Wille Zu deinem Wohlergehn es fügt; Gott, der uns ihm hat auserwählt, Weiß doch am besten, was uns fehlt. 171 Eigene Mel.( Ebr. 10, 35. Pf. 37, 37-39.) 368. Wer nur den lieben| 4. Er kennt die rechten FreuGott läßt walten und hoffet auf ihn allezeit, Den wird er wunderbar erhalten In aller Noth und Traurigkeit. Wer Gott, dem Allerhöchsten, traut, Der hat auf keinen Sand gebaut. denstunden, Er weiß wohl, was uns nüßlich sey; Wenn er uns nur hat treu erfunden Und merket keine Heuchelei, So kommt er, eh wirs uns versehn, Und lässet uns viel Guts geschehn. Flemming, g. 1609 † 1640. 5. Denk nicht in deiner Drangsalshize, Daß du von Gott verlassen bist, Und daß ihm der im Schoose size, Der reich und groß und mächtig ist. Die Zukunft ändert oft sehr viel Und seget jeglichem sein Ziel. 6. Es find ja Gott geringe Sachen und seiner Allmacht gilt es gleich: Den Reichen klein und arm zu machen, Den Armen aber groß und reich; Er ists, der Wunder stets ge= than Und stürzen und erhöhen kann. ( 1 Sam. 2, 7.) B. Vertrauen auf Gott.# 7. Sing, bet und geh auf Gottes Wegen, Verrichte deine Pflicht getreu, Trau ihm und seinem reichen Segen, So Eigene Mel.( Jef. 28, 29. 369. So führst du doch recht selig, Herr, die Deinen, Ja selig, und doch meist verwunderlich! Wie könntest du es böse mit uns meinen, Da deine Treu nicht kann verleugnen sich? Die Wege sind oft krumm, und doch gerad, Darauf du läßst die Kinder zu dir gehn, Da pflegte oft wunderseltsam auszusehn; Doch triumphirt zuletzt dein hoher Rath. 2. Du willst dein Werk nicht auf Geseze bauen, So die Vernunft und gute Meinung stellt; Du kannst den Knoten mit dem Schwert zerhauen, Und sanft auflösen, wie es dir gefällt. Du reißest wohl die stärksten Band' entzwei; Was sich entgegensezt, muß sinken hin; Ein Wort bricht oft den allerhärtsten Sinn, Dann geht dein Fuß auch durch Umwege frei. 3. Was unsre Klugheit will zusammenfügen, Theilt dein Verstand in Oft und Westen aus; Was mancher unter Joch und Last will biegen, Segt deine Hand frei an der Sterne Haus. Die Welt zerreißt, und du verknüpfst in Kraft; Sie bricht, 295 wird er täglich bei dir neu: Denn, wer nur seine Zuversicht Auf Gott seßt, den verläßt er nicht! Neumarf, g. 1621 † 1681. 55, 8. 9. 1 Cor. 1, 27-29.) - du baust; fie baut,- du reißest ein; Ihr Glanz muß dir ein dunkler Schatten seyn; Dein Geist bei Todten Kraft und Leben schafft. 4. Wen die Vernunft oft fromm und selig preiset, Den hast du schon aus deinem Buch gethan; Und wem die Welt dieß Zeugniß nicht erweiset, Den führst du in der Still doch himmelan: Den Tisch der Pharisäer läßst du stehn Und speisest mit den Sündern, sprichst sie frei; Wer weiß, was öfters deine Absicht sey? Wer kann der tiefsten Weisheit Abgrund fehn? and on 5. Was alles ist, gilt nichts vor deinen Augen; Was nichts ist, hast du, großer Gott, recht lieb; Der Worte Pracht und Ruhm mag dir nicht taugen, Du gibst die Kraft durch deines Geistes Trieb. Die besten Werte bringen dir kein Lob: Sie sind versteckt; der Blinde geht vorbei, Wer Augen hat, sieht fie, doch nie so frei; Die Sachen sind zu klar, der Sinn zu grob. 6. O Herrscher! sey von uns XVII. Christlicher gebenedeyet, Der du uns tödtest und lebendig machst. Wenn uns dein Wort der Weisheit Schatz verleihet, So sehn wir erst, wie wohl du für uns wachst! Die Weisheit spielt mit uns,* wir spielen mit; Bei uns zu wohnen ist ihr lauter Lust; Die reget sich in deiner Vaterbrust Und gängelt uns mit zarter Kinder Schritt. 119 296 ( Sprüche S, 30 c.) 7. Bald scheinst du etwas hart uns anzugreifen, Bald fährest du mit uns ganz säuberlich; Geschichts, daß unser Sinn sucht auszuschweifen, So weist die Zucht uns wieder hin auf dich. Da gehn wir dann mit blöden Augen hin, Du blickst uns an,* wir sagen Beßrung zu; Drauf schenkt dein Geist dem Herzen wieder Ruh Und hält im Zaum den ausgeschweiften Sinn.( Luc. 22, 61 c.) 8. Du kennst, o Vater, wohl das schwache Wesen, Die Unmacht und der Sinnen Unverstand; Man kann uns fast an unfrer Stirne lesen, Wie es um schwache Kinder sey bewandt. Drum greifst du zu und hältst und trägest fie, Brauchst Vaterrecht, und zeigest Muttertreu; Wo niemand meint, daß etwas deine sey, Da hegst du deine Schaf' und lässt sie nie. Sinn und Wandel. 9. Also gehst du nicht die gemeinen Wege, Dein Fuß wird selten öffentlich gesehn, Damit du sehst, was sich im Herzen rege, Wenn du in Dunkelheit mit uns willst gehn. Das Widerspiel legst du vor Augen dar Von dem, was du in deinem Sinne hast; Wer meint, er habe deinen Rath gefaßt, Der wird am End ein andres oft gewahr. 10. O Auge, das nicht Trug noch Heucheln leidet! Gib mir des scharfen Blickes Sicherheit, Der die Natur von Gnade unterscheidet, Das eigne Licht von deiner Heiterkeit. Laß doch mein thöricht Herz dich meistern nicht, Brich ganz entzwei den Willen, der sich liebt, Erweck die Lust, die sich nur dir ergibt Und tadelt nie dein heimliches Gericht. 11. Will etwa die Vernunft dir widersprechen Und schüttelt ihren Kopf zu deinem Weg, So wollst du ihre Festung so zerbrechen,* Daß ihre Höhe sich bei Zeiten leg! Kein fremdes Feur** entzünde sich bei mir, Das ich vor dich in Thorheit bringen möcht, Womit ich gar dir zu gefallen dächt; Ach selig, wer sein Licht empfängt von dir! 1 dinch 2 Cor. 10, 4. 5.)(** 3 Mof. 10, 1 2c.) 12. So zieh mich denn hinein B Vertrauen auf Gott. 297 in deinen Willen Und trag und| mir immer dienen; Kein Engel heg und führ dein armes Kind! Dein innres Zeugniß soll den Zweifel stillen,* Dein Geist die Furcht und Lüfte überwind'! Du bist mein alles, denn dein Sohn ist mein; Dein Geist regt sich ganz kräftiglich in mir, Ich brenne nur nach dir in Heilsbegier; Wie oft erquickt mich deiner Klarheit Schein! schämt nun der Gemeinschaft sich, Die Geister, die vor dir vollendet grünen,* Sind meine Brüder und erwarten mich. Wie oft erquicket meinen Geist ein Herz, Das dich und mich und alle Christen liebt! Iste möglich, daß mich etwas noch betrübt? Komm, Freudenquell! weich ewig, aller Schmerz! ( Gbr. 12, 22: c.) Arnold, g. 1665 † 1714. 750 1620(* Rom. 8, 15.2c.) 13. Drum muß die Kreatur Mel. Wer nur den lieben.( Matth. 26, 39. br. 12, 14.) 370. Ich bin in dir, mein Gott, zufrieden Und halte deinem Willen still; Was deine Güte mir beschieden, Mit dem vergnüget sich mein Will; Mein Will ist zwar nicht ferner mein, Dieweil er dein beginnt zu seyn. 2. Willst du mich auf das Siechbett legen? Ich will; soll ich in Mangel seyn? Ich will; soll sich ein Unfall regen? Ich will; und willst du, daß ich wein'? Ich will; und gibst du mich dem Tod? Ich will! dein Will gescheh, o Gott! do 3. Willst du mich in dem Himmel haben? Herr! dieß ist meines Wunsches Ziel; Soll Tod und Hölle mich begraben? Ich weiß, Herr, dieß ist nicht dein Will: Daß solches nicht geschehen sollt, Hat deines Sohnes Tod gewollt. 4. Sein Tod verklärt mir deinen Willen, Dein Willist: daß ich heilig sey. So will ich zwar; doch das Erfüllen Verhindert leider mancherlei: Bald will sich Unwill mengen ein, Bald Muthwill mein Beherrscher seyn. 5. Nicht so, mein Herz! was Gott dir gibet, Bös oder gut, nimm willig an. Weg Eigenwill! was Gott beliebet, Das sey mit Lust von mir gethan; Ja, ja, mein Herz ruht sanft und still: Es wählt, es will, was mein Gott will! Ingolstetter, g. 1633 † 1711. Mel. Ermuntre dich, mein.( 1 Petri 5, 7.) 371. Du bist ein Mensch, der Herr alleine soll und kann das weißt du wohl; Was strebst zu Stande bringen? Du fährst du denn nach Dingen, Die Gott| mit deinem Witz und Sinn 298 XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. Durch so viel tausend Sorgen| arme Sünder Er trägt als seihin Und denkst: wie wills auf ne Kinder. Erden Doch endlich mit mir werden? stadualle 2. Es ist umsonst! du wirst fürwahr Mit allem deinem Dichten Und aller Sorgen großer Schaar Das kleinste nicht ausrichten; Es dient dein Gram sonst nirgends zu, Als daß du dich aus deiner Ruh In Angst und Schmerzen stürzest, Und selbst dein Leben kürzest. 6. Ach wie so oftmals schweigt er still, Und thut doch, was uns nüßet, Da unterdessen unser Will Und Herz in Aengsten fizet, Sucht hier und da, und findet nichts, Will sehn, und mangelt doch des Lichts, Will aus der Angst sich winden, Und kann den Weg nicht finden! 7. Gott aber geht gerade fort Auf seinen weisen Wegen, Er geht und bringt uns an den Port, Da Wind und Sturm sich legen; Hernachmals, wenn das Werk geschehn, Kann erst der Mensch mit Augen sehn, Was der, so ihn regieret, In seinem Nath geführet. 8. Drum, liebes Herz, sey wohlgemuth Und laß vonSorg und Grämen! Gott hat ein Herz, das nimmer ruht, Dein Bestes vorzunehmen; Er kanns nicht lassen, glaube mir, Sein Vaterherz ist gegen dir Und uns hier allzusammen Voll ewger Liebesflammen. 9. Thu als ein Kind und lege dich In deines Vaters Arme; Bitt ihn und flehe, daß er sich Dein, wie er pflegt, erbarme; So wird er dich durch seinen Geist Auf Wegen, die du jetzt nicht weißt, Nach wohlvollbrachtem Ringen Aus allen Sorgen bringen. Gerhard, g. 1606 † 1676. 3. Willst du was thun, das Gott gefällt Und dir zum Heil gedeihet, So wirf die Sorgen auf den Held, Den Erd und Himmel scheuet, Und gib dein Leben, Thun und Stand Nur fröhlich hin in Gottes Hand, So wird er deinen Sachen Ein fröhlich Ende machen. 4. Wie oft bist du in große Noth Durch eignen Willen kommen, Da dein bethörter Sinn den Tod Fürs Leben angenommen! Und hätte Gott dein Werk und That Ergehen lassen nach dem Rath, In dem du's angefangen, Du wärst zu Grunde gangen! 5. Der aber, der uns ewig liebt, Macht gut, was wir verwirren; Erfreut, wo wir uns felbst betrübt, Und führt uns, wo wir irren; Und dazu treibt ihn sein Gemüth Und die so reine Vatergüt', In der uns him B. Vertrauen auf Gott. Mel. O du Liebe meiner Liebe.( Pf. 62. Jef. 40, 31.) 372. Was von außen und| dig Eurem ewig treuen Hort! von innen Täglich meine Seele drückt Und hält mir Gemüth und Sinnen Unter seiner Last gebückt, In dem allem ist dein Wille, Gott, der aller Unruh wehrt Und mein Herz hält in der Stille, Bis es deine Hilf erfährt. Er ist Gott und ist lebendig, Bleibt euch nah an jedem Ort. Ist euch irgend Hülfe nöthig, Klopft nur an, er ist zu Haus Und zu jeder Hilf erbötig; Schüttet euer Herz nur aus! 2. Herr! du bist mein Fels auf Erden, Da ich still und sicher steh; Deine Hilfe muß mir werden, Wenn ich aufwärts zu dir seh; Dein Schuß ist mein Truß alleine Gegen Sünde, Noth und Spott, Denn mein Leiden ist das deine, Weil ich dein bin, o mein Gott! 299 3. Auf dich harr ich, wenn das Leiden nicht so bald zum Ende eilt; Dich und mich kanns nimmer scheiden, Wenns gleich noch so lang verweilt. Und auch dieß mein gläubig Hoffen Hab ich nur allein von dir; Durch dich steht mein Herz dir offen, Daß dn solches schaffst in mir. 4. Bei dir ist mein Heil und Ehre, meine starke Zuversicht; Willst du, daß die Noth sich mehre, Weiß ich doch, du läßst mich nicht. Denket mich der Feind zu fällen Und zu treten unter sich, Will ich auf den Fels mich stellen, Der erhält und schirmer mich. 5. Liebe Seelen, traut bestän6. Aber wie kanns dem gelingen, Der aufs Fleisch die Hoffnung stellt? Bei den Hohen und Geringen Ist kein Trost, der Probe hält; Traut doch lieber auf den Einen, Welcher Lieb und Allmacht hat; Daß er helfen kann den Seinen, Das beweist er mit der That. 7. Eins mit dir, Gott, meine Feste, Geh ich in der Stille hin, Denn zulegt kommt doch das Beste, Und das End ist mein Gewinn. Deine Allmacht hilft mir tragen, Deine Lieb verfüßet mir Alles Bittre, alle Plagen; Darum bin ich still zu dir. 8. Laß es nur, o Seele, gehen, Wie es geht, und sorge nicht; Endlich wirst du dennoch sehen, Daß Gott übt ein recht Gericht. hier schon ist er deine Stärke, Daß dir gar nichts schaden kann, Tort vergilt er alle Werke, Die du hier in ihm gethan. 9. Breit, o Herr, doch deine Güte Ueber mich, nimm mich in dich, So wird hinfort mein Gemüthe Stille bleiben ewigs 300 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. lich. Werde alles und in allen!| Trachten allzeit zu gefallen, So Gib uns, daß wir dir allein wird alles stille seyn! oni France, g. 1663 † 1727. Mel. Valet will ich.( Rom. 8, 31-39.) 373. Ist Gott für mich, so| trete Gleich alles wider mich; So oft ich ruf und bete, Weicht alles hinter sich. Hab ich das Haupt zum Freunde Und bin geliebt bei Gott, Was kann mir thun der Feinde Und Widersacher Rott? 2. Nun weiß und glaub ich feste, Ich rühms auch ohne Schen, Daß Gott, der Höchst und Beste, Mir herzlich günstig sey, Und daß in allen Fällen Er mir zur Rechten steh Und dämpfe Sturm und Wellen Und was mir bringet Weh. 3. Der Grund, darauf ich gründe, Ist Christus und sein Blut; Das machet, daß ich finde Das ewig wahre Gut. An mir und meinem Leben Ist nichts auf dieser Erd; Was Christus mir gegeben, Das ist der Liebe werth. idag 4. Er ist mein Ruhm und Ehre, Mein Glanz und schönstes Licht; Wenn der nicht in mir wäre, Könnt ich bestehen nicht! In ihm kann ich mich freuen, Hab einen Heldenmuth, Darf kein Gerichte scheuen, Wie sonst ein Sünder thut. 5. Nichts, nichts kann mich verdammen, Nichts macht hinfort mir Schmerz! Die Höll und ihre Flammen, Sie ängsten nicht mein Herz, Kein Urtheil mich erschrecket, Kein Unheil mich betrübt, Weil mich mit Flügeln decket Mein Heiland, der mich liebt. 6. Sein Geist wohnt mir im Herzen, Regieret meinen Sinn, Vertreibet Sorg und Schmerzen, Nimmt allen Kummer hin,- Gibt Segen und Gedeihen Dem, das er in mir schafft, Und hilft mir ,, Abba!" schreien In rechter Glaubenskraft.is 7. Bin ich an meinem Orte Ein schwach und furchtsam Kind, So seufzt und spricht er Worte, Die unaussprechlich sind Mir zwar und meinem Munde, Dem aber wohl bewußt, Der an des Herzens Grunde Erfiehet seine Lust. 8. Sein Geist spricht meinem Geiste Manch süßes Trostwort zu: Wie Gott dem Hilfe leiste, Der bei ihm suchet Ruh, Und wie er hab erbauet Ein' edle neue Stadt, Da Aug und Herze schauet, Was es geglaubet hat. 9. Da steht mein Theil und Erbe Bereit in Pracht und Licht; Wenn ich gleich fall und sterbe, Fällt doch mein Him B. Vertrauen auf Gott. X 301 mel nicht! Durchseufz' ich auch| keit, Kein Lieben und kein Leihienieden Mit Thränen manche Zeit, Mein Jesus und sein Frieden Durchfüßet alles Leid. 10. Die Welt, die mag zerbrechen, Du Gott, stehst ewiglich! Nicht Haß und Qual der Frechen Soll trennen mich und dich; Kein Hunger und kein Dürsten, Nicht Armuth oder Pein, Kein Zorn von großen Fürsten Soll mir zur Hindrung seyn! den, Nicht Angst noch Fährlichkeit, Was man nur kann erden= fen, Es sey klein oder groß, Der keines soll mich lenken Aus deinem Arm und Schoos! 12. Mein Herz beginnt zu springen Und kann nicht traurig seyn, Ist voller Freud und Singen, Sieht lauter Sonnenschein! Die Sonne, die mir lachet, Ist mein Herr Jesus Christ, Das, was mich fingen machet, Ist, was im Himmel ist! Gerhard, g. 1606 † 1676. 11. Kein Engel, keine Freuden, Kein Thron noch HerrlichMel. Was Gott thut.( Sprüche 3, 5. 6.) 374. Auf Gott, und nicht auf meinen Rath Will ich mein Glück stets bauen Und dem, der mich erschaffen hat, Mit ganzer Seele trauen: Er, der die Welt Allmächtig hält, Wird mich in meinen Tagen Als Gott und Vater tragen. 2. Er sah von aller Ewigkeit, Wie viel mir nüßen würde, Bestimmte meine Lebenszeit, Mein Glück und meine Bürde. Was zagt mein Herz? Ist auch ein Schmerz, Der zu des Glaubens Ehre Nicht zu befiegen wäre? 3. Gott kennet, was mein Herz begehrt, Und hätte, was ich bitte, Mir gnädig, eh ich bat, gewährt, Wenns seine Weisheit litte. Er sorgt für mich Stets väterlich; Nicht, was ich mir ersehe, Sein Wille, der geschehe! 4. Ist nicht ein ungestörtes Glück Weit schwerer oft zu tragen, Als selbst das widrige Geschick, Bei dessen Last wir klagen? Die größte Noth Hebt einst der Tod, Und Ehre, Glück und Habe Verläßt uns doch im Grabe. 5. An dem, was wahrhaft glücklich macht, Läßt Gott es keinem fehlen; Gesundheit, Ehre, Glück und Pracht Sind nicht das Glück der Seelen. Wer Gottes Rath Vor Augen hat, Dem wird ein gut Gewissen Die Trübsal auch versüßen. 6. Was ist des Lebens Herrlichkeit? Wie bald ist sie verschwunden! Was ist das Lei 302 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. den dieser Zeit? Wie bald ists| Seyd fröhlich, ihr Gerechten, überwunden! Hofft auf den Der Herr hilft seinen KnechHerrn! Er hilft uns gern; ten! Gellert, g. 1715+ 1769. Eigene Mel.( Jef. 30, 15.) 375. Gott wills machen,| Scheints gefährlich, Deinem Daß die Sachen Gehen, wie es heilsam ist; Laß die Wellen Höher schwellen, Wenn du nur bei Jesu bist! 2. Wer sich kränket, Weil er denket, Jesus liege in dem Schlaf, Wird mit Klagen Nur sich plagen, Drin der Unglaub leidet Straf. ( Matth. 8, 23-27.) 3. Du Verächter! Gott, dein Wächter, Schläfet ja und schlummert nicht; Zu den Höhen Aufzusehen, Wäre deine Glaubenspflicht.( Pf. 121.) 4. Im Verweilen Und im Eilen Bleibet stets sein Vaterherz; Laß dein Weinen Bitter scheinen, Dein Schmerz ist ihm auch ein Schmerz! 5. Glaub nur feste, Daß das Beste Ueber dich beschlossen sey; Wenn dein Wille Nur ist stille, Wirst du von dem Kummer frei. 6. Willst du wanken In Gedanken, Senk dich in Gelassenheit; Laß den sorgen, Der auch morgen Herr ist über Leid und Freud. 7. Gottes Hände Sind ohn' Ende, Sein Vermögen hat kein Ziel; 3sts beschwerlich, Gott ist nichts zu viel. 8. Seine Wunder Sind der Zunder, Da der Glaube Feuer fängt; Alle Thaten Sind gerathen Jedesmal, wie ers verhängt. 9. Wenn die Stunden Sich gefunden, Bricht die Hilf mit Macht herein; Und dein Grämen zu beschämen, Wird es unversehens seyn. 10. Eignen Willen Zu erfüllen, Leidet sichs noch ziemlich wohl; Da ist Plage, Noth und Klage, Wo man leiden muß und soll. 11. Drum wohl denen, Die sich sehnen Nach der stillen Willensruh! Auf das Wollen Fällt dem Sollen Bald auch das Vollbringen zu. 12. Mehr zu preisen Sind die Weisen, Die schon in der Uebung stehn, Die das Leiden Und die Freuden Nur mit Hiobs Augen sehn. 13. Nun so trage Deine Plage Fein getrost und mit Geduld! Wer das Leiden Will vermeiden, Häufet seine Sündenschuld. 14. Aber denen, Die mit Thränen Küssen ihres Jesu Joch, C. Nachfolge Chrifti. 303 Wird die Krone Vor dem Namen Meines Jesu halt ich still: Es geschehe Und ergehe, Wie und wann und was er will. Herrnschmid, g. 1675 † 1723. ( Matth. 14, 15-21.) Throne Ihres Heilands werden noch. 15. Amen, Amen! In dem Mel. Nun laßt uns Gott, den Herren. 376. Die ihr bei Jesu blei-| schauen, So nähret allerwebet, Deß Wort euch führt und treibet, Die ihr nicht von ihm gehet, Weil ihr sein Herz verstehet: gen Uns ein geheimer Segen. 5. Wie dieses mag geschehen, Das kann man nicht verstehen; Allein man sieht am Ende: Es gieng durch Gottes Hände! 6. Man wundert sich und preiset Den Herrn, der uns gespeiset; Man glaubt von Herzensgrunde Und dankt mit frohem Munde. 7. Kommt her und singt zusammen: Wir rühmen deinen Namen! Du, Herr, bist unser König, Dir sind wir unterthänig! Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769 2. Was speist euch doch, ihr Armen? Das göttliche Erbarmen! Das segnet ganz verborgen Auch ohne eure Sorgen. 3. Wenn wir von Tag zu Tagen Die Nothdurft überschlagen. Und rechnen dann die Menge, So sind wir im Gedränge. 4. Doch wenn wir mit Vertrauen Ihm auf die Hände C. Nachfolge Christi. Mel. Auf, Christenmensch.( Matth. 16, 24. 10, 58. 2 Tim. 2, 3.) 11 17 377. Mir nach!" spricht| stern schweben: Ich bin der Christus, unser Held, Mir nach, ihr Christen alle! Verleugnet euch, verlaßt die Welt, Folgt meinem Ruf und Schalle! Weg, ich weise wohl, Wie man wahrhaftig wandeln soll." 17 3. Mein Herz ist voll Demithigkeit, Voll Liebe meine SeeNehmt euer Kreuz und Unge- le; Mein Mund, der gibt zu mach Auf euch, folgt meinem Wandel nach!" jeder Zeit Sanftmüthige Befehle; Mein Geist, Gemüthe, Kraft und Sinn Ist Gott ergeben; schaut auf ihn!" 2.„ Ich bin das Licht, ich leucht euch für Mit heilgem Tugendleben; Wer zu mir kommt und folget mir, Darf nicht im Fin4. ,, Ich zeig euch, das was schädlich ist, zu fliehen und zu XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 304 meiden, Und euer Herz von arger List Zu rein'gen und zu scheiden; Ich bin der Seelen Fels und Hort Und führ euch zu der Himmelspfort." 5. Fällts euch zu schwer, ich geh voran, Ich steh cuch an der Seite, Ich kämpfe selbst, ich breche Bahn, Bin alles in dem Streite! Gin böser Knecht, der still mag stehn, Sieht er voran den Feldherrn gehn!" 6. ,, Wer hier sein Heil zu fin19 den meint, Wirds ohne mich verlieren; Wer hier es zu verlieren scheint, Den werd ich dazu führen. Wer nicht mir nachfolgt in Geduld, Ist mein nicht werth und meiner Huld!" 7. So laßt uns denn dem lieben Herrn Mit unsrem Kreuz nachgehen und wohlgemuth, getrost und gern Im Leiden bei ihm stehen: Wer nicht gekämpft, trägt auch die Kron Des ewgen Lebens nicht davon! Angelus Silesius, g. 1624 t 1677. Mel. Jesu, du mein liebstes.( Joh. 11, 16. Rom. 6. 11 und 8. Cap. 8, 17.) 378. Lasset uns mit Jesu ziehen, Seinem Vorbild folgen nach; In der Welt der Welt entfliehen; Auf der Bahn, die er uns brach, Immerfort zum Himmel reisen; Irdisch noch schon himmlich seyn, Glauben recht und leben rein, n ven Glauben durch die Lieb erweisen! Treuer Jesu, bleib bei mir; Geh voran, ich folge dir! 2. Lasset uns mit Jesu leiden, Seinem Vorbild werden gleich! Nach dem Leide folgen Freuden, Armuth hier macht dort einst reich; Thränensaat bringt Heil und Wonne, Hoffnung tröstet mit Geduld, Denn es scheint durch Gottes Huld Nach dem Negen bald die Sonne. Jesu! hier leid ich mit dir, Dort gib deine Freude mir. 3. Lasset uns mit Jesu sterben! Sein Tod wehret unfrem Tod, Rettet uns von dem Verderben, Von der Seelen ewger Noth. Laßt uns sterben, weil wir leben, Sterben unsern Lüsten ab, Dann wird er uns aus dem Grab In das Himmelsleben heben. Jesu! sterb ich, sterb ich dir, Daß ich lebe für und für. 4. Lasset uns mit Jesuleben! Weil er auferstanden ist, Muß das Grab uns wiedergeben. Jesu! unser Haupt du bist, Wir sind deines Leibes Glieder, Wodu lebst, da leben wir; Ach erkenn uns für und für, Seelenfreund, für deine Brüder! Dir, o Jesu, leb ich hier, Dort auch ewig einst bei dir! S. von Birken, g. 1626 † 1691 C. Nachfolge Christi. Eigene Mel.( 2 Tim. 2, 5.) 379. Auf, Christenmensch,| spöttlich, wenn er noch mit auf, auf zum Streit! Auf, auf zum Ueberwinden! In dieser Welt, in dieser Zeit Ist keine Ruh zu finden; Wer nicht will streiten, trägt die Kron Des ewgen Lebens nicht davon. 2. Der Satan kommt mit seiner List, Die Welt mit ihrem Prangen, Das Fleisch, durch Lust dich, wo du bist, zu fällen und zu fangen; Streitst du nicht wie ein tapfrer Held, Bist du dahin und schon gefällt. 3. Gedenke, daß du zu der Fahn Des Feldherrn hast geschworen; Gedenke, daß du als ein Mann Zum Streit bist auserkoren; Gedenk, daß ohne Streit und Sieg Noch keiner zum Triumphe stieg. 4. Wie schmählich ists, wenn ein Soldat Dem Feind den Rüden kehret! Wie schändlich, wenn er seine Statt Verläßt und sich nicht wehret! Wie 305 Fleiß Aus Zagheit wird dem Feinde preis! 5. Wer überwunden und den Naum Der Laufbahn wohl durchmessen, Der wird im Paradies vom Baum Des ewgen Lebens essen. Er wird fürwahr von keinem Leid Noch Tod be= rührt in Ewigkeit!( Offenb. 2, 7.) 6. Wer überwunden, der soll nicht Aus Gottes Tempel gehen, Vielmehr drin als ein ewig Licht und güldne Säule stehen; Der Name Gottes, unsers Herrn, Soll leuchten von ihm nah und fern.( Offenb. 3, 12.) 7. So streit denn wohl, streit keck und kühn, Daß du mögst überwinden; Streng an die Kräfte, Muth und Sinn, Daß du dieß Gut mögst finden; Wer nicht will streiten um die Kron, Bleibt ewiglich in Spott und Hohn! Angelus Silesius, g. 1624 † 1677. Me!. Aus meines Herzens.( Joh. 21, 19. 1 Tim. 6, 12. 2 Tim. 2, 5.) 380. Dich frönte Gott mit| 2. Ich, Herr, dein Pilger Freuden, Herr Jesu, nach dem Streit; falle; Du giengst durch Schmach und Leiden Zudeiner Herrlichkeit. Triumph war dir dein Tod! Dein Kampf war ausgekämpfet, Dein stolzer Feind gedämpfet; Nun fuhrst du auf zu Gott. walle Dir, meinem Führer, nach Und strauchle noch und Denn ich bin müd und schwach. Du führst mich auch durch Streit, Durch Kummer und durch Leiden Zu meiner Zukunft Freuden, zu deiner Herrlichkeit. Evangelisches Gesangbuch. 20 306 XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. 3. Wie du des Todes Schre=| streite, Bis meine Stund erden Allmächtig überwandst, scheint, Und du stehst mir zur Als du, ihn ganz zu schmecken, Seite, Mein Netter und mein Herr, im Gerichte standst, So Freund! Sinkt in dem Kampfe stärkest du auch mich, Durchs mir Mein Arm ermüdet niefinstre Thal zu gehen; Denn der, Dieß stärkt und hebt ihn deine Frommen sehen Im wieder: Mein Lohn ist groß finstern Thale dich. bei dir! 4. Wenn ich einst bis zum Grabe Vollendet meinen Streit Und gut gekämpfet habe Um meine Seligkeit, Wie werd ich dann mich freun, Wie werd ich voll Entzücken Auf meine Krone blicken Und dann ganz selig seyn! 5. Drum harr' ich hier und 381. Jesu! geh voran Auf der Lebensbahn, Und wir wollen nicht verweilen, Dir getreulich nachzueilen; Führ uns an der Hand Bis ins Vaterland. 6. Erhalt mir den Gedanken: Groß sey bei dir mein Lohn; So werd ich nimmer wanken Von dir, o Gottes Sohn! So bleib ich dir getren, Der sich für mich gegeben, Daß bald ein besser Leben Mein ewig Erbtheil sey. Mel. Seelenbräutigam.( Joh. 14, 6.) 2. Solls uns hart ergehn, Laß uns feste stehn Und auch in den schwersten Tagen Niemals über Lasten klagen; Denn durch Trübsal hier Geht der Weg zu dir. Münter, g. 1735 † 1793. 3. Rühret eigner Schmerz Irgend unser Herz, Kümmert uns ein fremdes Leiden, O so gib Geduld zu beiden; Richte unsern Sinn Auf das Ende hin! 4. Ordne unsern Gang, Jesu, lebenslang! Führst du uns durch rauhe Wege, Gib uns auch die nöthge Pflege; Thu uns nach dem Lauf Deine Thüre auf. Nif. L. Graf von 3inzendorf, g. 1700 † 1760. Mel. Werde munter.( 1 Joh. 2, 28.) 382. Bleibt bei Dem, der| Schmerzen auf sich nahm! euretwillen Auf die Erde nie- Bleibt bei Dem, der einzig derkam, Der, um euren bleibet, Wenn auch alles unSchmerz zu stillen, Tausend tergeht, Der, wenn alles auch C. Nachfolge Christi. 307 1 über'm| stirbt selbst ihr ab. Ird'sches Wesen muß verwesen, Jrd'sche Flamme muß verglühn, Irdsche Fessel muß sich lösen, Irdsche Blüthe muß verblühn. 4. Doch der Herr steht über'm Staube Staube Alles Irdischen und spricht:„ Stüße dich auf mich und glaube, Hoffe, lieb, und fürchte nicht!" Darum bleibt bei Dem, der bleibet Und der geben kann, was bleibt, Der, wenn ihr euch ihm verschreibet, Euch ins Buch des Lebens schreibt! zerstäubet, Siegend Staube steht. 2. Alles schwindet; Herzen brechen, Denen ihr euch hier ergabt, Und der Mund hört auf zu sprechen, Der euch oft mit Trost gelabt, Und der Arm, der euch zum Stabe Und zum Schilde ward, erstarrt, Und das Auge schläft im Grabe, Das euch sorgsam einst bewahrt. 3. Alles stirbt; das Ird'sche findet In dem Irdischen sein Grab; Alle Lust der Welt verschwindet, Und das Herz Mel. Werde munter.( Joh. 6, 68. Rom. 8, 38 2c.) 383. Bei dir, Jesu, will ich bleiben, Stets in deinem Dienste stehn; Nichts soll mich von dir vertreiben, Deine Wege will ich gehn. Du bist meines Lebens Leben, Meiner Seele Trieb und Kraft, Wie der Weinstock seinen Reben Zuströmt Kraft und Lebenssaft. Spitta, g. 1801. 2. Könnt ichs irgend besser haben Als bei dir, der allezeit So viel tausend Gnadengaben Für mich Armen hat bereit? Könnt ich je getroster werden Als bei dir, Herr Jesu Christ, Dem im Himmel und auf Erden Alle Macht gegeben ist! 3. Wo ist solch ein Herr zu finden, Der, was Jesus that, mir thut, Mich erkauft von Tod und Sünden Mit dem eignen, theuren Blut? Sollt ich dem nicht angehören, Der sein Leben für mich gab? Sollt ich ihm nicht Treue schwören, Treue bis in Tod und Grab? 4. Ja, Herr Jesu, bei dir bleib ich, So in Freude wie in Leid; Bei dir bleib ich, dir verschreib ich mich für Zeit und Ewigkeit! Deines Winks bin ich gewärtig, Auch des Rufs aus dieser Welt; Denn der ist zum Sterben fertig. Der sich lebend zu dir hält. 5. Bleib mir nah auf dieser Erden, Bleib auch, wenn mein Tag fich neigt. Wenn es nun will Abend werden Und die Nacht herniedersteigt. Lege segnend dann die Hände Mir aufe müde, schwache Haupt, 308 XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. Sprich dann: ,, Kind, hier gehts| scharfe Wehen Vor des Himzu Ende, Aber dort lebt, wer hier glaubt!" 6. Bleib mir dann zur Seite stehen, Wenn mir Grauen macht der Tod, Als das kühle, mels Morgenroth. Wird mein Auge dunkler, trüber, Dann erleuchte meinen Geist, Daß ich fröhlich zieh hinüber, Wie man nach der Heimath reist! Spitta, g. 1801. D. Heiligung. Mel. 3euch mich, zeuch mich.( Matth. 5, 3-16.) 384. Hört das Wort voll| 5., Selig sind, die sanften MuErnst und Liebe, Das zu euch der Heiland spricht, Hörts und prüft des Herzens Triebe Bei des Wortes hellem Licht! Was der Mund des Herrn gebeut, Das ist eure Seligkeit. thes Und in Demuth milde sind! Sie erfreuen sich des Gutes, Das kein Troß und Streit gewinnt. Durch der Sanftmuth stille Macht Wird das Schwerste leicht vollbracht." 6. ,, Selig find, die hier mit Schmachten Dürsten nach Gerechtigkeit, Die nach Gottes Reiche trachten, nicht nach Gütern dieser Zeit! Wo der Born des Lebens quillt, Wird ihr Seelendurst geſtillt." 7. ,, Selig sind, die voll Erbarmen Auf der Brüder Leiden sehn Und den Schwachen, Kranken, Armen Freudig eilen beizustehn! Noch vor Gottes Thron erfreut Einst auch fie Barmherzigkeit." 8. ,, Selig sind die reinen Herzen, Die nicht Sünd und Welt umstrickt, Die mit schnöder Lust nicht scherzen, Weil nur Heilges fte entzückt! Einst im reinen Himmelslicht Schaun fie Gottes Angesicht." 2. Nicht aus Sinais Gewittern Donnert hier des Herrn Gebot, Daß die Herzen bang erzittern, Weil es Zorn und Strafe droht; Selig preifend thut sein Mund Euch den Sinn des Vaters kund: 3. Selig sind die geistlich Armen, Denn das Himmelreich ist ihr! Ihnen öffnet voll Erbarmen Gott der ewgen Gnade Thür; Da wird ohne Maß gewährt, Was ihr sehnend Herz begehrt." 4. ,, Selig find, die Leid empfinden Auf des Lebens schmaler Bahn! Ihre Traurigkeit wird schwinden, Reicher Trost wird sie umfahn; Denn sie wirkt zur Seligkeit Reue, welche nie gereut." D. Heiligung. 309 vor Gottes Thron Seiner Ueberwinder Lohn." 9. ,, Selig sind, die Frieden| ihm folgen nach! Groß ist dort bringen, Schuld und Kränkung übersehn, Feindeshaß mit Huld bezwingen, Für Verfolger segnend flehn! Trifft sie auch der Menschen Spott, Seine Kinder nennt sie Gott." 11. ,, Seyd ein Salz, ein Licht der Erde, Laßt der Wahrheit Früchte sehn, Daß durch euch verherrlicht werde Euer Vater in den Höhn. Ob der Erdball untergeht, Sein Gebot, sein Wort besteht!" 10. ,, Selig sind, die als Gerechte Dulden Kreuz, Verfolgung, Schmach, Als des Herrn getreue Knechte Bis zum Tod Garve, g. 1763+ 1841. Eigene Mel.( Luc. 10, 42. 1 Cor. 1, 30.), 385. Eins ist noth! ach Herr, dieß eine Lehre mich erkennen doch! Alles andre, wie's auch scheine, Ist ja nur ein schweres Joch, Darunter das Herze sich naget und plaget, Und dennoch kein wahres Vergnügen erjaget; Erlang ich dieß eine, das alles ersetzt, So werd ich mit einem in allem ergött. 2. Seele! willst du dieses finden, Suchs bei keiner Kreatur; Laß, was irdisch ist, dahinten, Schwing dich über die Natur, Wo Gott und die Menschheit in Einem vereinet, Wo alle vollkommene Fülle erscheinet, Da, da ist das beste, nothwendigste Theil, Mein ein und mein alles, mein seligstes Heil. 3. Wie, dieß eine zu genieBen, Sich Maria dort befliß, Als sie sich zu Jesu Füßen Voller Andacht niederließ; Ihr Herz, das entbrannte, nur einzig zu hören, Wie Jesus, ihr Heiland, sie wollte belehren, Ihr alles war gänzlich in Jesum versenkt, Und wurde ihr alles in Einem geschenkt: 4. Also ist auch mein Verlangen, Liebster Jesu, nur nach dir! Laß mich treulich an dir hangen, Schenke dich zu eigen mir! Ob viele zum größesten Haufen auch fallen, So will ich dir dennoch in Liebe nachwallen, Denn dein Wort, o Jesu, ist Leben und Geist! Was ist wohl, das man nicht in Jesu geneußt? 5. Aller Weisheit höchste Fülle Indir ja verborgen liegt; Gib nur, daß sich auch mein Wille Fein in solche Schranken fügt, Worinnen die Demuth und Einfalt regieret Und mich zu der Weisheit, die himmlisch ist, führet. Ach, wenn ich nur Jesum recht kenne und weiß, So hab ich der Weisheit vollkommenen Preis! 6. Nichts kann ich vor Gott 310 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. ja bringen, Als nur dich, mein| dammniß entbunden; Dein Einhöchstes Gut! Jesu! es muß gang die völlige Freiheit mir mir gelingen Durch dein then bringt, Im findlichen Geiste res Opferblut; Die höchste das Abba nun klingt. Gerechtigkeit ist mir erwor= ben, Da du bist am Stamme des Kreuzes gestorben, Da hab ich die Kleider des Heiles erlangt, Worinnen mein Glaube in Ewigkeit prangt. 9. Volle Gnüge, Fried und Freude Jezzo meine Seel ergötzt, Weil auf eine frische Waide Mein Hirt, Jesus, mich gesetzt; Nichts füßeres kann mich im Herzen erlaben, Als wenn ich, mein Jesu, dich immer soll haben, Nichts, nichts ist, das also mich innig erquickt, Als wenn ich dich, Jesu, im Glauben erblickt! 7. so gib, daß meine Seele Auch nach deinem Bild erwacht: Du bist ja, den ich erwähle, Mir zur Heiligung gemacht! Was dienet zum göttlichen Wandel und Leben, Ist in dir, mein Heiland, mir alles gegeben; Entreiße mich aller vergänglichen Lust; Dein Leben sey, Jesu, mir einzig bewußt! 8. Ja, was soll ich mehr verlangen? Mich beströmt die Gnadenfluth! Du bist einmal eingegangen In das Heilge durch dein Blut; Da hast du die ewge Erlöfung erfunden, Daß ich nun von Tod und Ver10. Drum auch, Jesu, du alleine Sollst mein ein und alles seyn; Prüf, erfahre, wie iche meine, Tilge allen Heuchelschein; Sieh, ob ich auf bösem, betrüglichem Stege, Und leite mich, Höchster, auf ewigem Wege! Gib, daß ich nichts achte, nicht Leben noch Tod, Und Jesum gewinne: dieß eine ist noth! Schröder, g. 1666 † 1730. Eigene Mel.( Ebr. 12, 4. 1 Tim. 6, 12. 2 Cor. 12, 9.) 386. Es Fostet viel, ein| Schlangen gehn, Die leicht Christ zu seyn Und nach dem Sinn des reinen Geistes leben; Denn der Natur geht es gar fauer ein, Sich immerdar in Christi Tod zu geben; Und wenn man einen Kampf auch wohl aussicht, Das machts noch nicht! ihr Gift in unsre Fersen bringen; Da kostets Müh, auf seiner Hut zu stehn, Daß nicht das Gift kann in die Seele dringen. Wenn mans versucht, so spürt man mit der Zeit Die Wichtigkeit. 2. Man muß hier stets auf 3. Doch ist es wohl der Mühe werth, Wenn man mit Ernst dd D. Heiligung. Z 311 die Herrlichkeit erwäget, Die| heit ganz, Die es hier stets ewiglich ein solcher Mensch er- als Mutter hat gespüret; fährt, Der sich hier stets aufs Sie krönet es mit ihrem PerHimmlische geleget; Es hat lenkranz Und wird als Braut wohl Müh, die Gnade aber der Seele zugeführet. Die schafft Uns Muth und Kraft. Herrlichkeit wird da ganz of4. Man soll ein Kind des fenbar, Die in ihr war. Höchsten seyn, Ein reiner Glanz, ein Licht im großen Lichte! Wie wird der Leib so stark, so hell und rein, So herrlich seyn, so lieblich von Gesichte, Dieweil ihn da die wesentliche Pracht So herrlich macht! 5. Das wird das Kind den Vater sehn, Im Schauen wird es ihn mit Luft empfinden; Der lautre Strom wird es da ganz durchgehn Und es mit Gott zu einem Geist verbinden. Wer weiß, was da im Geiste wird geschehn? Wer mage verstehn? 6. Da gibt sich ihm die Weis7. Was Gott genießt, genießt es auch, Was Gott besitzt, wird ihm in Gott gegeben, Der Himmel steht bereit ihm zum Gebrauch, Wie lieblich wird es dort mit Jesu leben! Nichts höher wird an Kraft und Würde seyn, Als Gott allein. 387. Es ist nicht schwer, ein Christ zu seyn Und nach dem Sinn des reinen Geistes leben; Denn der Natur geht es zwar sauer ein, Sich immerdar in Christi Tod zu geben; Doch führt die Guade felbst zu aller Zeit Den schweren Streit. 2. Du darfst ja wie ein Kind nur seyn; Du darfst ja nur die 8. Auf, auf, mein Geist, ermüde nicht, Dich durch die Macht der Finsterniß zu reißen! Was sorgest du, daß dirs an Kraft gebricht? Bedenke, was für Kraft uns Gott verheißen' Wie gut wird sichs doch nach der Arbeit ruhn! Wie wohl wirds thun! Richter, g. 1676+ 1711. Mel. Es fostet viel.( 1 Joh. 5, 3. Marc. 9, 23.) leichte Liebe üben; O blöder Geist, schau doch, wie gut ers mein'! Das kleinste Kind kann ja die Mutter lieben; Drum fürchte dich nur ferner nicht so sehr; Es ist nicht schwer! 3. Dein Vater fordert nur das Herz, Daß er es selbst mit seiner Gnade fülle; Der fromme Gott macht dir gar feinen Schmerz, Die Unlust 312 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. schafft in dir dein eigner Wille;| Dein Vater wird nichts schlimDrum übergib ihn willig in mes mit dir thun, Kein Sturm den Tod, So hats nicht Noth! darf dich, so schwer er ist, er= 4. Wirf nur getrost den Kum- schrecken; Ja, siehst du endlich mer hin, Der nur dein Herz ferner keine Spur, So glauvergeblich schwächt und plaget; be nur! Erwecke nur zum Glauben deinen Sinn, Wenn Furcht und Weh dein schwaches Herze naget; Sprich:„ Vater! schau mein Elend gnädig an;" So ists gethan. 7. So wird dein Licht aufs neu entstehn, Du wirst dein Heil mit großer Klarheit schauen; Was du geglaubt, wirst du dann vor dir sehn, Drum darfst du nur dem frommen Vater trauen. O Seele, steh doch, wie ein wahrer Christ So selig ist! 5. Erhalt dein Herz nur in Geduld, Wenn du nicht gleich des Vaters Hilfe merkest. Versiehst du's oft und fehlst aus eigner Schuld, So sieh, daß du dich durch die Gnade stärkest; So gilt dein Fehl und kindliches Versehn Als nicht geschehn. 8. Auf, auf, mein Geist! was säumest du, Dich deinem Gott ganz kindlich zu ergeben? Geh ein, mein Herz, genieß die süße Ruh, Im Frieden sollst du vor dem Vater schweben! Die Sorg und Last wirf nur getrost und kühn Allein auf ihn! 6. Laß nur dein Herz im Glauben ruhn, Wenn dich will Nacht und Finsterniß bedecken; Richter, g. 1676 † 1711. Eigene Mel.( Matth. 7, 14. Jes. 30, 21. Joh. 3, 5. Matth. 11, 28 2c.) recht dazu bereiten, So ist der schmale Weg voll Süßigkeiten. 388. Der schmale Weg ist| lich dazu lenkt. Man muß sich breit genug zum Leben! Wenn man nur sacht und grad und stille geht, So wird man nicht so leichtlich umgeweht; Man muß sich recht hineinbegeben, So ist er breit genug zum frommen Leben. 3. Du mußt erst Geist aus Geist geboren werden, Dann wandelst du des Geistes schmale Bahn; Sonst ist es schwer, und gehet doch nicht an. Weg, schnöder Sinn, du Schaum der Erden! Ich muß erst Geist aus Geist geboren werden. 2. Des Herren Weg ist voller Süßigkeiten, Wenn man es nur im Glauben recht bedenkt, Wenn man das Herz nur fröh-| 4. Wer die Geburt aus Chri D. Heiligung.19 313 schon es oft durch Tod und Hölle gehet. sto hat erlanget, Der folgt al-| getrost und feste stehet, Ob= lein dem Herrn getreulich nach; Er leidet erst, er trägt erst seine Schmach, Eh er mit ihm im Lichte pranget, Wer die Geburt aus Christo hat erlanget. 5. Er wird mit ihm in seinen Tod begraben, Er wird im Grab auf eine Zeit verwahrt, Er stehet auf und hält die Himmelfahrt; Dann gibt ihm Gott des Geistes Gaben, Wenn er zuvor mit Christo ward bes graben. 6. Derselbe Geist, der Christum hier geübet, Derselbe übt die Jünger Christi auch; Der eine Geist hält immer einen Brauch, Kein andrer Weg wird sonst beliebet; Der Jünger wird, wie Christus, hier geübet. TEISIN 7. Und ob es gleich durch Tod und Dornen gehet, So triffts doch nur die Ferse, nicht das Herz. Die Traurigkeit läßt keinen tiefen Schmerz Dem, der 8. Das sanfte Joch kann uns ja hart nicht drücken, Es wird dadurch das Böse nur gedrückt; Der Mensch wird frei, damit er nicht erstickt. Wer sich nur weiß darein zu schicken, Den kann das sanfte Joch zu hart nicht drücken. 9. Die leichte Last macht nur ein leicht Gemüthe, Das Herz hebt sich darunter hoch empor, Es tritt mit freier Lebenskraft hervor Und schmeckt dabei des Herren Güte. Die leichte Last macht nur ein leicht Gemüthe. 10. Zeuch, Jesu, mich, zeuch mich, dir nachzugehen! Zeuch mich dir nach, zeuch mich, ich bin noch weit: Dein schmaler Weg ist voller Süßigkeit, Des Guten Füll' ist hier zu sehen; Zench, Jefu, mich, zeuch mich, dir nachzugehen! Richter, g. 1676 † 1711. Mel. Wenn ich nur meinen Jesum hab.( Rom. 6, 16. Joh. 8, 36.) 389. Wie gut ists, von der| 3. Im Sündendienst ist Haß Sünde frei! Wie felig, Christi Knecht! Im Sündendienst ist Sklaverei, In Christo Kindesund Leid, Man plagt und wird betrübt; In Christi Reich ist Frendigkeit, Man liebt und wird geliebt. 4. Die Sünde gibt den Tod zum Lohn; Das heißt ja schlimm gedient! Das Leben aber ist im Sohn, Der uns mit Gott verfühnt. recht. 2. Im Sündendienst ist Finsterniß, Den Weg erkennt man nicht; Bei Christo ist der Gang gewiß, Man wandelt in dem Licht. 314 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 5. O Heiland! dir nur dien'| deiner Tren Und rühme deine ich gern, Denn du hast mich er- Huld. kauft; Ich weiß und will sonst keinen Herrn, Auf dich bin ich getauft. 6. Wen du frei machst, der ist recht frei; Du schenkst ihin alle Schuld; Und darum dank ich Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Mel. Alle Menschen.( Jerem. 17, 14. Matth. 7, 7-11.) 390. Vater! heilig möcht| redlich noch, Meine Zusag ich leben, Rechtthun wäre meine Lust; Aber Lüste widerstreben Dem Gesetz in meiner Brust. Ach, die Unart meines Herzens Ist noch oft ein Quell des Schmerzens, Schwerdrückt mich der Sünde Joch; Was ich nicht will, thu ich doch! nicht zu brechen, Ich vergaß und brach sie doch. Oft schon hab ich es erfahren, Was Gelübd' und Thränen waren; Plößlich, eh ich mirs versah, War die Sünde wieder da. 2. Sieh umkraft mich Schwachen beten, Meinem Vorsas trau ich nicht: Lockende Begierden treten Zwischen mich und meine Pflicht; Selbst den süßen Andachtsstunden, Da ich, Vater, dich empfunden, Da ich nur von Liebe sprach, Folgten Sündentage nach. 3. Tausendmal hab ich geweinet, Schmerzlich meinen Fall bereut, Gläubig mich mit dir vereinet Und mich deiner Huld gefreut. Gnädig sahst du auf mich nieder; Aber bald vergaß ich wieder, O du Langmuthsvoller, dich, Und mein Herz besiegte mich. 7. Jch bete an, Herr Jesu Christ, Und sage: ,, ich bin dein; Nimm mich zu dir, denn wo du bist, Soll auch dein Diener feyn!" 1 4. Ach was kann ich dir versprechen? Meint' ichs auch so 5. Vater! du nur kannst mich retten, Wenn mich niemand retten kann. Beten will ich, brünstig beten: Schau mich mit Erbarmen an; Reiß die Wurzel meiner Schmerzen, Neiß die Sünd aus meinem Herzen! Tief im Staube bitt ich dich: Heilige du selber mich! 6. Sieh mich dürften nach dem Guten; Früh und spät ruf ich zu dir; Laß mein Herz nicht länger bluten, Schenke höhre Kräfte mir. Laß mein Flehn nicht seyn vergebens, Sende doch den Geist des Lebens; Zieh mit neuer Kraft mich an, Daß ich dir gefallen fann. 7. Väter, böse Väter schenken Brod den Kindern, wenn sie flehn; Vater! und ich sollte denken: Du, du könntest mich D. Heiligung. Ad 1172 315 Herz mit Ruh. Leben werd ich, nicht vergehen; Meine Stärke, Gott, bist du! Ueberwinden, überwinden Werd ich durch dich alle Sünden Und in jenen Himmelshöhn Rein vor deinem Antlig stehn. verschmähn? Könntest erst den Sohn uns senden, Und dein Aug doch von uns wenden? Gäbst nicht auf die Deinen Acht, Flehten sie gleich Tag und Nacht? 8. Gott! du hörst mein kindlich Flehen Und erquickst mein Lavater, g. 1741 † 1801. Mel. Mein's Herzens Jesu.( Jerem. 24, 7. Joh. 17, 15. 1 Joh. 5, 4.) 391. Herr! laß mich deine| Herz zu bringen; Damit dein Heiligung Durch deinen Geist erlangen. Du hast die Sinnesänderung Selbst in mir angefangen; Dein Geist wirkt Heiligung allein, Nur deine Kraft macht Herzen rein, Seit du zu Gott gegangen. Geist, der ewig frei, Allein mein innres Leben sey; Dann wird es mir gelingen. 2. Ich kann mich selber vor der Welt nicht unbefleckt bewah ren; Ich kann nicht thun, was dir gefällt, Das hab ich oft erfahren. Ich will mich übergeben dir, O mach ein neu Geschöpf aus mir In meinen Gnadenjahren! 5. Laß mich in deiner Lieb allein Die Lebensnahrung finden; Vertreib aus mir den Lügenschein Der angewohnten Sünden. Nur die Gemeinschaft mit dem Licht Sey meine Lust und süße Pflicht; Dann wird die Knechtschaft schwinden. 3. Ich stehe täglich in Gefahr, Das Kleinod zu verlieren; Die Sünde lockt mich immerdar Und will mich dir entführen. Herr Jesu! nimm dich meiner an, Erhalt mich auf der Lebensbahn, Nur du wollst mich regieren. 4. Die Kraft von deinem theuren Blut Laß innig mich durchdringen, Dein Leben, o du höchstes Gut, Mir in das 6. Lösch alles fremde Feuer aus, Das in mir will entbrennen; Mach mich zu deinem reinen Haus, Laß nichts mich von dir trennen. Verbinde dich im Geist mit mir, Daß ich als eine Reb' andir, Nach dir mich dürfe nennen. 7. Laß mich in deiner Gegen= wart Mit stillem Geist verbleiben; Mach mein Gefühl mir rein und zart, Das Böse abzutreiben; In dir laß mich stets grünend seyn, So führst du mich zum Leben ein, Wird gleich mein Leib zerstäuben. Nach Joh. Mich. Hahn. 316 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. Mel. Werde munter.( Phil. 3, 12 2c. Matth. 5, 20.) 392. Das, was christlich ist, sen, Eine geisterfüllte Kraft: Von der Welt seyn auserlesen, Tragen Christi Jüngerschaft, Ohne Schatten, Schaum und Spreu Zeigen, daß man himm= lisch sey! Wer aus Gott ist neugeboren, Ist in diese Zahl erkoren. 6. Seele, willst du recht erlangen, Was dich Christo ähnlich macht, Und nicht an dem NeuBern hangen, Meid der Worte Schein und Pracht! Auf das Innre wend dein Aug, Prüfe, ob es etwas taug; Durch Verleugnung mußt du gehen, Willst du Gortes Neichthum sehen. zu üben, nimmst du, Menschenkind, zu leicht! Ist dir nichts zurückgeblieben? Hast du denn das Ziel erreicht? Traue nicht dem falschen Schein, Willst du nicht betrogen seyn; Hast du alles wohl erwogen, Dich auf Gottes Wort bezogen? 2. Ehrbar seyn, die Laster fliehen, Davor auch ein Heid erschrickt; Um den Nächsten sich bemühen, Wenn daraus ein Nußen blickt; Freundlich thun, den Zöllnern gleich; Seyn an guten Worten reich, Gibt noch keine rechte Proben, Die als Heiligkeit zu loben. 3. Wenn man ohne Anstoß lebet Und das Aug nichts schelten kann; Wenn der Sinn nach Tugend strebet, Feindet grobe Laster an, Lobt die Frommen, rühmt, was gut, Hat im Leid gelinden Muth, Sollte zu der Zahl der Frommen Nicht mit Recht ein solcher kommen? 4. Gottesdienst, Gebet und Feier, Eine mildgewöhnte Hand, Fleiß im Amt und reiche Steuer, Redlichkeit, der Treue Pfand, Recht und Strafe mit Gebühr Dem Verbrecher schreiben für, Kann oft selbst, ob wirs schon preisen, Nicht das Christenthum beweisen. 5. Nein, es ist ein göttlich We7. Wissen Gottes Sinn und Willen, Folgen Gottes Rath und Zucht, Seinen Durst in Jesu stillen, Zeigen schöne Liebesfrucht, Die der Glaub von selbst gebiert, Das ists, was zum Ziele führt; Buß thun, glauben, heilig leben, Iste, wonach die Christen streben. 8. Glaube ist ein großes Wunder, Weil er Jesum an sich zeucht, Ist des neuen Lebens Zunder, Eine Burg, dahin man fleucht; Wenn uns das Gesetz verklagt, Daß das Herz erschrickt und zagt, Hilft der Glaube überwinden Und den Geist der Kindschaft finden. 9. Ist der Glaube angezündet, D. Heiligung. 317 Duftet er wie eine Blum; Wer wissen, Wie man dir gefallen mit Gott sich eng verbindet, Sucht nicht Ruhm noch Eigenthum, Trägtvor kleinstenSünden Scheu, Brennt vor Liebe, niedrig, treu, Steht vor Gott ganz aufgedecket, Wo ein Heuchler sich verstecket. soll; Mach uns recht zu thun beflissen Und des wahren Lebens voll. Deiner Gnade Ruf und Zug Deck uns auf den Selbstbetrug, Da viel Tausend sich bethören, Meinend, daß sie dir gehören. 12. Geuß den Geist in unsre Seelen, Durch das Wort, das feurig ist, Uns vom Irrthum loszuzählen Der im Fleisch verborgnen List. Prüf und stehe, wie es steh, Daß kein Schäflein untergeh; Laß das Urtheil einst erschallen: Daß wir dir recht wohl gefallen! 10. Siehst du nun, gleich Namenchristen, An dir leeren Bilderkram AufgetünchtenSchaugerüsten, Drauf kein wahres Wesen kam; Bist noch eitel, taub und blind, Leicht zum Bösen, wie der Wind, Ohne Saft und Geistes Treiben, Muß dein Selbstlob unterbleiben. 11. Ach Herr Jesu! laß uns - Hedinger, g. 1664 † 1704. Mel. Mein's Herzens Jesu.( 1 Petri 2, 24.) 393. Dein bin ich, Herr, heilig, mir geweiht Und meidir will ich mich Zum Opfer ner Gnade Kinder! Ihr irrt ganz ergeben; Rechtschaffen, und fündigt; faffet Muth: Dort fromm und rein will ich Vor fließet der Verfühnung Blut, deinen Augen leben. Wie könnt Von Sünden euch zu waschen." ich eines andern seyn? Bin ich 4. Dein Sohn erniedrigt sich nicht durch die Schöpfung dein und stirbt Zur Tilgung unsrer Und dein durch die Erlösung? Sünden, Kämpft für die Men2. Ich fiel und wandte mich schen und erwirbt Uns Kraft, von dir, Zur Finsterniß vom zu überwinden. Wie könnt ich Lichte; Doch wandtest du dich, eines andern seyn? Bin ich Gott, zu mir mit deinem An- nicht durch die Schöp ing dein gesichte; Erbarmen war dein Und dein durch die Erlösung? Angesicht, Mich von der Fin-| 5. Durch ihn versühnt und dir sterniß ins Licht, zu dir zurück zurufen. zum Ruhm Erkauft mit seinem Leiden, Will ich mich, als dein Eigenthum, Von dir nie wieder scheiden. Gekreuzigt werde mir die Welt, Getödtet, was dir 3. Dein, dein ist die Barmherzigkeit, Du liebest selbst die Sünder; Seyd," rufft du, 318 XVII. Christlicher nicht gefällt, Damit ich dir nur lebe. Sinn und Wandel. 7. So werd ich, der ich finster war, Ein Licht in deinem Lichte, 6. Dieß wirke deine Kraft in Besteh einst mit der kleinen mir; Ich habe kein Vermögen, Schaar Der Frommen im GeDie Sünd und alles, Gott, was richte, Frohlocke dann und lobe dir Verhaßt ist, abzulegen. Hier dich, Daß deine Gnad und ist mein Herz, nimm ganz mich Treue mich Gerecht und selig hin Und gib mir einen neuen machte. Sinn, Damit ich dir gefalle.de hislg Cramer, g. 1723 † 1788. Mel. Theurester Immanuel.( Matth. 6, 33. 16, 26. Phil. 3, 8-14.) geboren, Bist erlöst durch Christi Tod Und zu seinem Reich erkoren. Suche Jesum und sein Licht: Alles andre hilft dir nicht. 394. Seele, was ermüd'st| Gott Und aus seinem Geist du dich In den Dingen dieser Erden, Die doch bald verzehren sich Und zu Staub und Asche werden? Suche Jesum und sein Licht: Alles andre hilft dir nicht. 2. Sammle den zerstreuten Sinn, Laß ihn sich zu Gott aufschwingen; Richt ihn stets zum Himmel hin Laß ihn in die Gnad eindringen! Suche Jesum und sein Licht: Alles andre hilft dir nicht. 3. Du verlangst oft süße Ruh, Dein betrübtes Herz zu laben, Eil der Lebensquelle zu, Da kannst du sie reichlich haben! Suche Jesum und sein Licht: Alles andre hilft dir nicht. 4. Weißt du nicht, daß diese Welt Ein ganz ander Wesen heget, Als dem Höchsten wohlgefällt, Und dein Ursprung in sich träget? Suche Jesum und sein Licht: Alles andre hilft dir nicht. 5. Du bist ja ein Hauch aus 6. Schwinge dich fein oft im Geist Ueber alle Himmelshöhen; Laß, was dich zur Erde reißt, Weit von dir entfernet stehen, Suche Jesum und sein Licht: Alles andre hilft dir nicht. 7. Nahe dich dem lautern Strom, Der vom Thron des Heilands fließet Und auf die, so keusch und fromm, Sich in reichem Maaß ergießet. Suche Jesum und sein Licht: Alles andre hilft dir nicht. 8. Laß dir seine Majestät Immerdar vor Augen schweben; Laß mit brünstigem Gebet Sich dein Herz zu ihmerheben! Suche Jesum und sein Licht: Alles andre hilft dir nicht. 9. Geh in Einfalt nur dahin, Idd D. Heiligung.2 1172 319 Du wirst schon das Ziel er-| quicken. Such nur Jesum und blicken; Glaube: Gottes Va- sein Licht: Alles andre hilft dir tersinn Wird dich ewig dort er- nicht! Wolf, g. 1684 g. 1754. Mel. An Wasserflüssen Babylon.( Gal. 2, 20.) 395. Du Wort des Vaters,| von dir und bitt es deinetwerede du Und stille meine Sin- gen; Ach siehe, diese Bitt ist nen! Sag an, ich höre willig mir Vor allem angelegen! zu, Ja lehre frei von innen; Du bist mein Schöpfer, steh So schweigt mein Sinn mit mir bei; Du bist mein Heiseinem Tand, Und du bekommst land, voller Treu, Auf dich bin die Oberhand Nach deinem ich getaufet; Du hast mich dir, Rath und Willen. Dir räum o höchster Ruhm, Zu deinem ich all mein Innres ein, Das Erb und Eigenthum Mit eig= wollest du, ja du allein Mit nem Blut erkaufet; deinem Geist erfüllen! 5. Du bist mein Bürg und Herzensfreund, Zu deinen Mitgenossen Bin ich mit deinem Stamm vereint, Aus dir bin ich entsprossen; Ich bin zu deinem Bild gemacht und als ein Kind bei dir geacht't, Ein Werk, das ewig bleibet, An dem du Wohlgefallen trägst, zu dem du zarte Neigung hegst, Das sich vom Himmel schreibet. 6. Du bist, mein Jesu, mir zu gut Vom Vater ausgegangen Und, wie man sonst den Mördern thut, Für mich am Kreuz gehangen; Nun denn, so überwind in mir Des Satans Werk', der Welt Begier Und meines Fleisches Pochen; Führ dein Gericht hinaus zum Sieg, Bring mich zur Ruhe nach dem Krieg, Du hast mirs ja versprochen! 7. O Leben, Arbeit, Leiden, 2. Um eins, mein Jesu, bitt ich dich, um das laß dich erbitten: Dein Herz, dein Herz, das gib in mich, Ein Herz von guten Sitten; Ein Herz, das wie ein kleines Kind, Keusch, niedrig, gütig, rein, gelind, Einfältig und bedächtig; Ein Herz, das Leid im Stillen trägt Und sich in Staub und Asche legt, Ein Herz in Liebe mächtig; 3. Ein Herz, das Gott in Lauterfeit Und Gottes Kinder liebe; Ein Herz, das sanfte Folgsamkeit Und wahre Demuth übe; Ein Herz, das mäBig, wachsam, flug, Das ohne Murren, ohne Trug, Mit dem wohl auszukommen; Ein Herz, das allenthalben frei Und ganz von nichts gefangen sey, Die Liebe ausgenommen. 4. Nur dieß bitt ich, o Herr, 320 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. Noth Des Heilande meiner| stät Mich ganz zum Tempel Seelen, O meines Jesu Angst haben, Darin sie ihren Ruhm und Tod, Euch will ich mich erhöht Durch ihre hohen Gabefehlen! Geht in mich ein ben. Es wird an solchem stilund laßt mich sehn Das Leben len Ort Die Weisheit ihr geaus dem Tod erstehn In allen heimes Wort Nach ihrem meinen Kräften; Hilf mir, o Willen führen, Und ihren Sitz du geschlachtet Lamm, An dei- je mehr und mehr Mit ihren nes heilgen Kreuzes Stamm Wundern, Pracht und Ehr Den Leib des Todes heften. Und großen Thaten zieren. 10. Wohlan, so lebe Gott in mir! In ihm ich leb und webe, Damit mein Herz ihn für und für Nach Würden hoch erhebe, Und meine Liebe ganz allein In Lieb und Leid, in Lust und Pein An seiner Liebe hange; Bis ich nach wohlbestandner Prob In vollem Licht, zu Gottes Lob, Sein Anschaun dort erlange! Dr. Joh. Albr. Bengel, g. 1687+ 1752. 8. Ach präge deinen Tod in mich, Der all mein böses Wesen In mir ertödte kräftiglich, So werd ich recht genesen. Gieß aus dir selber in mich ein Dein Leben, das so heilig, rein, Holdselig, ohne Tadel; Mach mich von aller Heuchelei, Ja allen Missethaten frei Und schenk mir deinen Adel! 9. Alsdann wird deine MajeMel. O Gott, du frommer.( 1 Joh. 2, 15-17.) 396. Mein Schöpfer, des sen Hauch Mich todten Staub beseelte, Nach seinem Bild mich schuf, In Christo mich erwählte; Regiere, schüße mich Durch deinen heilgen Geist, Daß Sinn und Wandel dich, Gott, meinen Schöpfer, preist. 2. Laß, da du heilig bist, mich alle Lüste fliehen und mich nur um den Schaß, Der droben ist, bemühen. Gib Stärke zu dem Streit, Herr, mit der Welt und mir, Und Hoffnung zu dem Sieg, Er kommt allein von dir. 3. Laß mich, ich bin ein Christ, Nach Christi Lehre wandeln; Mein ganzer Gottesdienst Sey glauben und recht handeln! Die Lust an dem Gesez Ist mehr als Lust der Welt, Die nur der Frevler liebt, Der Thor für Freude hält. 4. Erfülle du, o Gott, Mein Herz mit frommen Trieben; Aufrichtig, wie mich selbst, Hilf mir den Nächsten lieben, D. Heiligung. X 321 unsre Zeit. Und segne meinen Feind. Herr!| unsrer Tage Pest; Und kurz ist was ich hab, ist dein; Laß mich im Unglück stark, Im Glück bescheiden seyn. 7. Herr, meine Burg, mein Fels, Mein Schutz in allen Nöthen! Früh such ich dich, des Nachts Will ich auch zu dir beten. Mein Stand sey dir geweiht; Bei meines Amtes 5. Im Himmel sey mein Herz, Denn diese Welt vergehet; Weh jedem, dessen Sinn Mit ihr im Bunde stehet! Heil dem, deß höchstes Ziel, Gott, dein Erkenntniß ist; Dein Friede bleibt sein Theil, Auch wenn er viel vermißt. 6. Wir sind ja, was wir sind, Aus unverdienten Gnaden; Nimm alle Laster weg, Die der Gesellschaft schaden. Haß, Falschheit, Heuchelei Und Stolz und Bruderneid Sind land. Mel. Werde munter.( Phil. 3, 7-16.) 397. Unverwandt auf Christum sehen, Bleibt der Weg zur Seligkeit; Allen, welche zu ihm flehen, Ist gewisses Heil bereit. Siehet man im Herzen an, Was er für die Welt gethan, Und man glaubt daran mit Beugen, So bekommt man es zu eigen. 2. Wenn doch alle Seelen wüßten, Wie es dem so wohl ergeht, Welcher in der Zahl der Christen, Wahrer Glieder Jesu steht! Da geht man in seinem Glück Jmmer fort und nie zurück; Man ist auf dem Lebenspfade Und nimmt immer Gnad um Gnade. Pflicht Vergesse ja mein Herz Des Christen Pflichten nicht! 8. Zuletzt erlöse mich Von dieses Leibes Leiden; Laß meinen Geist voll Trost Aus sei= ner Hütte scheiden; Herr! ihn befehl ich dir; Mich führe deine Hand Nach dieser Pilgerschaft Ins rechte VaterNach Löwen, g. 1729 † 1771. 3. Aber freilich kann nichts Evangelisches Gesangbuch. taugen, Als nur das, was Christus thut. Lassen wir ihn aus den Augen, Finden wir was fremdes gut, So erfahren wir gewiß, Unser Licht sey Finsterniß, Unser Helfen sey Verderben, Unser Leben lauter Sterben. 4. Wären wir doch völlig feine! Regte sich doch keine Kraft, Da der Heiland nicht alleine, Was sie wirkte, selbst geschafft! Jesu! richte unsern Sinn Ungetheilt auf dich nur hin, Dann belebt uns deine Wahrheit, Und das Auge wird voll Klarheit. 5. Bring uns völlig in die Schranken, Die dein Liebes21 322 XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. rath gesetzt; Weder Worte| neue Kreatur, Kann dich lienoch Gedanken Werden sonst ben und erhöhen Und in deine für gut geschätzt. Herr! nur Freud eingehen. wer auf deiner Spur Geht als J. A. Rothe, g. 1688 † 1758. Mel. Ach wann werd ich dabin kommen.( Matth. 16, 25. Pf. 73, 26.) 398. wer alles hätt ver-| Gott zu kommen, Ju dem alle Güt' ist ganz! loren, Auch sich selbst, und allezeit Nur das eine hätt erforen, Welches Geist und Herz erfreut! 5. O daß wir Gott möchten finden In uns durch der Liebe Licht Und uns ewig ihm verbinden; Alles andre sättigt nicht! 2. O wer alles hätt verges sen Und nichts wüßt als Gott allein, Dessen Güte, unermessen, Macht das Herz still, ruhig, rein! 3. O wer alles könnte lassen, Daß er, frei vom Eitlen all, Wanderte die Friedensstraßen Durch dieß thränenvolle Thal! 4. O wer allem wär entnommen, Was uns lockt mit eitlem Glanz Und hält ab, zu 6. O daß jeder Blick der Seelen Stets nur gieng' auf Gott, den Herrn! Alle Sorg und alles Quälen Träte dem Gewissen fern. 7. O du Abgrund aller Güte, Zeuch durchs Krenz in dich hinein Geist und Sinnen und Ge= müthe, Ewig mit dir eins zu seyn! Arnold, g. 1665 † 1714. Mel. Meinen Jesum lass' ich nicht.( Matth. 11, 28-30.) 399. Sanft, o Christ, ist Jesu Joch, Und was kann bei ihm uns fehlen? O wie selig sind wir doch Durch den Retter unsrer Seelen! Welche Wonn und Herrlichkeit Wartet unser nach der Zeit! 2. Freue deines Glaubens dich, Deines Gottes, feines Sohnes! Deine Seele rühme sich Ihrer Hoffnung, seines Lohnes, Frei, voll Muth und unverstellt, Freudig vor der ganzen Welt. 3. Hat gleich sein Bekenntniß hier Seine Leiden und Be= schwerden, Dennoch sey ihm treu, denn dir Sollen ewge Freuden werden. Was ist ge= gen solch ein Glück Dieses Lebens Augenblick? 4. Schäme seines Wortes dich Nie vor Frevlern, nie vor Spöttern; Wenn sie ihn verschmähn, wenn sich Sie, und ihren Wit vergöttern. Was vermag der Läftrer Spott Wider Jesum, wider Gott? 5. Was vermag er, tobt er D. Heiligung.49 % 323 gleich, Wider dich und deinen| Hohn Könnte je dein Herz verGlauben? Gottes Beifall, Gottes Reich Kann doch keine Macht dir rauben. Halte dich an dem nur fest, Der die seinen nie verläßt. führen, Deinen Himmel und den Lohn Deines Glaubens zu verlieren? Nein, o Christ, nein, wanke nie; Fleh um Rettung auch für sie! 8. Sey getreu bis in den Tod; Denn du glaubeft nicht vergebens. Nach dem Tode führt dich Gott Zu der Wonne jenes Lebens, Und auf einen kurzen Streit Krönt dich seine Herrlichkeit. 6. Welchen Kampf hat nicht dein Herr Für dein ewges Heil gestritten! Jene Schaar der Märtyrer, Was hat die für ihn gelitten! Schmach und Marter,-selbst den Tod Litten sie getroft für Gott. 7. Und der Spötter Wit und Mel. Aus Gnaden soll ich.( Sprüche 23, 17: c.) 400. Vor dir, o Gott, sich kindlich scheuen, Ist unser Glück und unsre Pflicht; Kein Mensch kann deiner Huld sich freuen, Scheut er dein heilig Auge nicht; Drum wirk in mir durch deinen Geist Die Furcht vor dir, die kindlich heißt. 2. In allem, was ich thu und denke, Laß, Herr, das meine Weisheit seyn: Daß ich mein Herz zur Sorgfalt lenke, Vor jeder Sünde mich zu scheun! Denn wer noch Lust zur Sünde hat, Der fürchtet dich nicht in der That. Cramer, g. 1723 † 1788. 3. Gib, daß ich stets zu Herzen nehme, Daß du allgegenwärtig bist, Und das zu thun mich ernstlich schäme, Was dir, mein Gott, zuwider ist. Der Beifall einer ganzen Welt Hilft dem ja nichts, der dir mißfällt. 4. Laß immer dein Gericht mich scheuen Und wirke steten Ernst in mir, Mein Leben deinem Dienst zu weihen, Daß ich die Gnade nicht verlier, Die mich bei aller Missethat So liebreich noch getragen hat. 5. Ja, Vater, laß mit Furcht und Zittern Mich schaffen meine Seligkeit! Soll nichts mein ewig Glück erschüttern, So laß mich in der Gnadenzeit Mit Vorsicht alles Unrecht fliehn, Mich nur um deine Huld bemühn. 6. Gib, daß ich, stets ein gut Gewissen Vor dir zu haben, sorgsam sey, Und mache von den Hindernissen Der wahren Tugend selbst mich frei; Nie störe Furcht und Lust der Welt Mich, das zu thun, was dir gefällt. XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 324 7. In deiner Furcht laß mich stets wandeln Und überall, wo ich auch sey, Nach deiner Vorschrift redlich handeln; Du haffest alle Heuchelei! Wer dich von Herzen scheut und ehrt, Nur der ist dir, o Vater, werth. 8. In deiner Furcht laß mich einst sterben, So schreckt mich weder Tod noch Grab, Sp werd ich jenes Leben erben, Dazu dein Sohn sich für mich gab. Gott! deine Furcht bringt Segen ein; Ihr Lohn wird groß im Himmel seyn. Nach Schmolk. Mel. Eins ist noth.( Joh. 17, 19. Röm. 6, 5-15.) Und bauet so Höhen und Festung empor. 401. Herzog unsrer Selig-| die besten Absichten noch vor feiten, Zeuch uns in dein Heiligthum, Da du uns die Statt bereiten Und zu deines Namens Ruhm Als deine Erlösten siegprächtig willst führen! Laß unsere Bitte dein Herze jetzt rühren; Wir wollen dem Vater zum Opfer dastehn Und mit dir durch Leiden zur Herrlichkeit gehn. 4. Drum, o Fürst des Lebens, eile, Führ das Todesurtheil aus, Brich entzwei des Mörders Pfeile, Reut das Unkraut völlig aus! Ach laß sich dein neues, erstandenes Leben In unsern erstorbenen Herzen erheben; Erzeig dich verkläret Und und herrlich noch hier bringe dein neues Geschöpfe herfür! 5. Kehre die zerstreuten Sinnen Aus der Vielheit in das Ein', Daß sie wieder Raum gewinnen, Nur von dir erfüllt zu seyn! Ach wirf du die Mächte der Finsterniß nieder, Erneure die Kräfte des Geistes uns wieder, Daß er aus der Fülle Und der Gnaden sich nähr ritterlich gegen Versuchung sich wehr! 6. Lebe denn und lieb und labe In der neuen Kreatur, Lebensfürst, durch deine Gabe Die genesene Natur! Erwecke 2. Er hat uns zu dir gezogen, Und du wieder zu ihm hin; Liebe hat uns überwogen, Daß an dir hängt Herz und Sinn. Nun wollen wir gerne mit dir auch absterben Dem ganzen natürlichen Sündenverderben; Ach laß in dein Sterben versetet uns seyn, Sonst dringen wir nimmer ins Leben hinein! 3. Aber hier erdenkt die Schlange So viel Ausflucht überall; Bald macht sie dem Willen bange, Bald bringt une die Lust zu Fall. Es bleibet das Leben am kleinsten oft kleben Und will sich nicht gänzlich zum Sterben ergeben; Es schüßzet D. Seiligung. dein Eden uns wieder im Grunde Der Seelen und bringe noch näher die Stunde, Da du dich in allen den deinen verklärst, Sie hier noch des ewigen Lebens gewährst. 7. Gönne uns noch Frist auf Erden, Zeugen deiner Kraft zu seyn, Deinem Bilde gleich 67% 325 zu werden, In dem Tod zu nehmen ein Des Lebens vollkommene Freiheit und Rechte, Als eines vollendeten Heilands Geschlechte! Der Unglaub mag denken, wir bitten zu viel: Du hörst unsre Bitten, thust über ihr Ziel! 2. Sey getreu in deinem Leiden Und laß dich kein Ungemach, Keine Noth von Jesu scheiden; Murre nicht in Weh und Ach! Denn du machest deine Schuld Größer nur durch Ungeduld. Selig ist, wer willig träget, Was sein Gott ihm auferleget! Mel. Freu dich sehr.( Offb. 2, 10. Rom. 8, 18.) 402. Sey getreu bis an das| Gegen Gott, der dich geliebt! Ende, Daß nicht Marter, Angst und Noth Dich von deinem Jesu wende; Sey ihm treu bis in den Tod! Ach, das Leiden dieser Zeit Ist nicht werth der Herrlichkeit, Die dein Jesus dir will geben Dort in seinem Freudenleben. Auch die Lieb am nächsten übe, Wenn er dich gleich oft betrübt; Denke, was dein Heiland that, Als er für die Feinde bat! Du mußt, soll dir Gott vergeben, Auch verzeihn und liebreich leben. 5. Bleibe treu in deinem Hoffen! Traue fest auf Gottes Wort; Hatdich Kreuz und Noth betroffen, Und Gott hilft nicht alsofort, Hoff auf ihn doch feftiglich! Sein Herz bricht ihm gegen dich, Seine Hilf ist schon vorhanden; Hoffnung machet nie zu Schanden.( Jerem. 31, 20.) 6. Nun wohlan, so bleib im Leiden, Glauben, Liebe, Hoffnung fest!- ,, Ich will treu seyn bis zum Scheiden, Weil mein Gott mich nicht verläßt. Herr, den meine Seele liebt, Dem sie sich im Kreuz ergibt, Sieh, ich faffe deine Hände: Hilf mir treu seyn bis zum Ende!" Vielleicht von Theodor Crusius. 3. Sey getreu in deinem Glauben! Laß dir dessen festenGrund Ja nicht aus dem Herzen rauben; Halte treulich deinen Bund, Den dein Gott durchs Wasserbad Fest mit dir geschlossen hat. Ach, du giengest ja verloren, Wenn du treulos ihm geschworen! 4. Sey getreu in deiner Liebe Arnold, g. 1665 † 1714. 326 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. Mel. O Gott, du frommer.( Matth. 7, 21. Jak. 1, 25.) 403. Du sagst: ich bin| dieses Wort dich lehrt? Nur wer es hört und thut, Der ist bei Gott geehrt. ein Christ;" Wohlan! wenn Werk und Leben Dir dessen, was du sagst, Beweis und Zeugniß geben, So steht es wohl um dich. Ich wünsche, was du sprichst, Zu werden alle Tag, Das heißt: ein guter Christ. 6. Du sagst: ich bin ein Christ, Ich kenne meine Sünden Und laff' beim Beichtstuhl mich Von Zeit zu Zeiten finden." Zeigt aber sich, mein Freund, Ich bitte, sag es mir, Nach abgelegter Beicht Die Befrung auch bei dir? 2. Du sagst: ich bin ein Chrift;" Der ists, der Jesum kennet, Ihn seinen Gott und 7. Ach, du bleibst nach wie Herrn Mit Herz und Wandelvor! Dein Thun und all dein nennet. Der liebet Christum nicht, Der noch die Sünde liebt, Ist auch kein Christ, ob er Sich gleich den Namen gibt. 3. Du sagst: ich bin ein Chrift; Denn ich bin ja erkaufet Mit Christi Blut und selbst In seinen Tod getaufet." Ja wohl; hast aber du Gehalten auch den Bund, Den Gott mit dir gemacht In jener Gnadenstund? 4. Hast du ihn nicht vorlängst Gar oft und viel gebrochen? Hast du, als Gottes Kind, Dich, wie du hast versprochen, In allem Thun erzeigt? Dem Guten nachgestrebt? Hat nicht der alte Mensch Bisher in dir gelebt? Sinnen Wird oftmals ärger noch; Dein Vorsatz und Beginnen Geht nach dem alten Trieb, Und was noch gut soll seyn, Ist, wenn mans recht besieht, Nur immer Heuchelschein. 8. Du sagst: ich bin ein Christ, Laff' speisen mich und tränken Mit dem, was Chriftus uns Im Abendmahl will schenken." Wohl; aber zeige mir, Ob Christi Leib und Blut Auch In dir zur Heiligung seine Wirkung thut? 9. Du sagst: ich bin ein Christ, Jch bete, les' und singe, Ich geh ins Gotteshaus; Sind das nicht gute Dinge?" Sie sind es; doch nur dann, Wenn man sie redlich übt Und durch fein falsches Herz Denheilgen 5. Du sagst: ich bin ein Christ, Weil Gottes Wort und Lehre Ohu' allen Menschen- Geist betrübt. tand Ich fleißig les' und höre." Ja, Lieber, thust du auch, Was 10. Bist du ein wahrer Christ, So mußt du seyn gesinnet Wie Seiligung. XVI 327 viel, Als Gutes fie gethan; Sie werden dich dort einst Gewißlich klagen an. 13. Sag nicht: ich bin ein Christ," Bis daß dir Werk und Leben Auch dessen, was du sagst, Beweis und Zeugniß geben; Die Worte sind nicht gnug, Ein Christ muß ohne Schein Das, was er wird genannt, Im Wesen selber seyn. 14. Ach Gott! gib Gnade nur, Mich ernstlich zu befleißen, Zu seyn ein wahrer Christ Und nicht bloß so zu heißen; Denn welcher Nam und That Nicht führt und hat zugleich, Der kommet nimmermehr zu dir ins Himmelreich! D. Jesus Christus war. Wenn reine Liebe rinnet Aus deines Herzens Quell, Wenn du demüthig bist Von Herzen, wie der Herr, So sag: du seyst ein Christ. 11. So lang ich aber noch An dir erseh und spüre, Daß Stolz und Uebermuth Dir Sinn und Herz regiere; Wenn an der Sanftmuth Statt Sich zeiget Haß und Neid, So bist du ganz gewiß Vom Christenthum sehr weit! 12. Du sagst: ich bin ein Christ," Und rühmst dich deß mit Freuden. Thust aber du auch mehr Als andre kluge Heiden? Ach, öfters nicht so Mel. Erhalt uns Herr bei.( Ps. 14. 1 Joh. 2, 15-17.) 404. Der Weltfinn will vom Himmel nichts, Noch von dem Erbtheil jenes Lichts; Er lebt dahin aufs Ungefähr, Wünscht, daß kein Gott noch Richter wär. Haßlocher, g. 1645 † 1726. 2. Den eignen Lüsten zärtlich seyn, Nach dem Geschmack der Menschen fein, Der Tugend weder hold noch feind Und vom Gewissen gar kein Freund; 3. Bei gangbar'n Sünden ohne Reu, Bei schönen Lügen ohne Scheu, Im süßenSchlummer ungeweckt, Noch vom Gesetz und Tod erschreckt: 4. Dieß liebt ihr Herz, das ist ihr Theil.- D Leben ohne Gott und Heil! Wie blendet doch der Fürst der Welt, Bis er und sie ins Feuer fällt! 5. Ach Gott, mein Gott, erleuchte mich, Daß ich nichts liebe ohne dich! Ich mag kein Leben als bei dir; Der Welt bleibt nichts, du bleibeft mir! Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Mel. O Gott, du frommer.( Tit. 1, 16. Matth. 7, 23.) 405. Wie muß, o Jesu,| den Dein heiliges Verdienst doch Bei falschen Christenheer- Der Sünde Schußbrief wer 328 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. den! Man treibet alle Schand| Den Herrn und Heiland nenUnd Laster ohne Scheu Und meint, daß alles schon Durch dich gebüßet sey. nen Und nicht der Mund allein Vor Menschen nur bekennen. Man soll dein Ebenbild In meinem Wandel schaun, Und dieser Wandel soll Den Nächsten auch erbaun. 2. Der heißt ein Glaubiger, Der nach dem Eitlen rennet, Wenn er nur mit dem Mund Im Tempel dich bekennet. Die Sünde, die ihn schwärzt, Soll kühnlich dir allein, Und was du je gethan, Jhm zugerechnet seyn. 3. Er trotzt auf diesen Wahn Als auf den wahren Glauben; Den soll ihm, ist sein Trost, Kein Teufel jemals rauben. Auch irret ihn gewiß Der Satan nicht hierin, Bestärket ihn vielmehr In dem verstockten Sinn. 4. Doch weh der blinden Schaar, Die dieser Glaube wieget Und die ihr frecher Trost Mit Schrecken einst betrüget, Wenn deine Donnerstimm Einst von dem Throne spricht:„ Ihr Uebelthäter, weicht; Hinweg, ich kenn euch nicht!" 5. Dich, Jesu, soll mein Herz 6. Erleucht und stärke mich, Daß ich den Reiz der Sünde, Der in die Seele schleicht, Bekämpf und überwinde; Daß ich von Selbstbetrug, Vom Joch der Sünde frei, Und nichts als du allein Mein Herr und Meister sey. 7. O laß mich nach dem Heil Mit Furcht und Zittern trachten Und ja dein theures Blut nicht frevelnd unrein achten! Verhüte, daß ich nicht Den Geist der Gnade schmäh, Noch je in Selbstbetrug Und sichrem Wahne steh. 8. So werd ich allem Reiz Der Sicherheit entfliehen; So wird der Glaube mich Dir immer näher ziehen; So sterb ich dieser Welt Und lebe nur in dir, Und du allein nur lebst Mit deinem Geist in mir. Mel. Valet will ich.( Ebr. 13, 9. Eph. 4, 12-15.) 406. Ich soll zum Leben| weihn, Sie fliehn, sie überwindringen, Für welches Gott mich schuf, Soll nach dem Himmel ringen, Das, das ist mein Beruf. In einer Welt voll Sünden Soll ich nur ihm mich den Und dann erst selig seyn. 2. In meiner frühsten Jugend Hat er mich das gelehrt. Schön, göttlich ist die Tugend und meines Eifers werth! Ihr D. Heiligung. folgen reine Freuden, Und wer, was Gott will, thut, Hat selbst in seinen Leiden Zufriedenheit und Muth. 3. Und wenn der Pilger Gottes Der Sünder Lust verschmäht, Wenn er trok ihres Spottes Auf seinem Pfade geht, Was wird ihm nicht zum Lohne, Wenn er die kurze Zeit Getreu war! welche Krone, Welch eine Seligkeit! 4. Das glaub ich; mich verlanget, Dein Kind, o Gott, zu seyn; Und meine Seele hanget Doch nicht an dir allein! Ich weiß, ich werde sterben, Und liebe doch die Welt; O Herr, 329 Das welch ein Verderben, mich gefangen hält! 5. Bald wall ich deine Wege Mit Lust, und plößlich bin Ich ohne Kraft und träge, Ermüdet sink ich hin, Ich lasse nach zu ringen; Und doch ists mein Beruf: Ich soll zum Leben dringen, Für welches Gottmich schuf. 6. Dir seufz' ich anzuhangen, Erbarmer, dir allein; Du hast es angefangen, Das gute Werk ist dein. Vollende, Gott, vollende, Was mir dein Wort verheißt! In deine Baterhände Befehl ich meinen Geist. Cramer, 9. 1723 † 1788. Mel. Freu dich sehr.( Eph. 4, 22-24. Phil. 1, 6.) 407. Jesu! laß mich nicht| ken Hat dein Geist in mir erdahinten, Suche dein verirrtes Schaf, Bis du mich wirst endlich finden; Wecke mich aus meinem Schlaf. Laß hinfort mir Ruhe nicht, Bis mein Herz dir fest verspricht, Daß es nun im Tod und Leben Dir sich wolle ganz ergeben. regt, Den mein Herz, in Lust versunken, Wieder zu ersticken pflegt! Was ich nicht will, thu ich dann, Fange wieder vorne an, Und eh ich recht angefangen, Ist der Vorsatz schon vergangen. 2. Ach wie viel und große Gnaden Hast du mir schon zugedacht! Doch, mir selbst zu Schand und Schaden, Nehmich sie nicht treu in Acht. Deine Wahrheit halt ich auf, Lass' der Sünde ihren Lauf; Ich erweck nicht meine Gaben Und hab oft mein Pfund vergraben. 3. O wie manchen guten Fun4. Reg zum Bösen, träg zum Guten Zeigt sich mein verderbter Sinn; Will mir Satan was zumuthen, Reißt er mich gar leicht dahin, Denn mein Kampf ist schlecht bestellt; Und daß er und Fleisch und Welt Defto eher mich berücken, Bau ich ihnen wohl die Brücken. 5. Meine noch gewohnten Sünden Fordern einen harten 330 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. Streit, Und es ist nicht zu er-| men, Bis die Sünde mich vergründen, Was noch für Ver- läßt, Und der Tod nach eitlem dorbenheit Sich in meinem Träumen Erst die Neue aus mir Herzen regt, Welches einen prest; Laß mich Buße fangen Zunder hegt, Mit Begierden an, Weil ich Sünde thun noch untermenget, Der gern böses fann; Buß soll mich zum Tod Feuer fänget. bereiten, nicht der Tod zur Buße leiten! 10. Stell die Welt und ihre Lüste Mir in ihrer Blöße vor, Daß ich mich in diese Wüste Nicht vergaffe als ein Thor, Der das Wesen haben kann Und nimmt dafür Schatten an, Den du rufft zum ewgen Ziele, Und er zankt um Kinderspiele. 6.Sorge, Zorn und Eigenliebe Und der argen Lüste viel Geben oft dem bösen Triebe Bei mir ein gewonnen Spiel. Alles, was ich hab und bin, Sollt für Gott ich geben hin, Und ich kann oft ihm zu Ehren Kaum ein Wörtlein überhören! 7. Jesu! laß dich nicht ermüden, Suche mich noch wie bisher, Rufe mich zu deinem Frieden, Ziehe mich je mehr und mehr; Ach bestraf auch durch den Geist, Was du sündlichs an mir weißt, Daß ich stets an diesem Werke Deinen Gnadenzug vermerke. 8. Gib mir fleißig zu betrachten Meines Lebens Flüchtigkeit; Lehre mich es wichtig achten, Täglich seyn zum Tod bereit. Ach, das Ziel der Gnadenzeit Ist vielleicht schon nicht mehr weit, Und ich hab noch so viel Sünden, So viel Feind zu überwinden. 9. Laß mich nicht so lange säu11. Treuer Jesu! miß dem Willen Auch Vollbringungskräfte zu; Hilf den Vorsat bald erfüllen, Meine Schwachheit stärke du, Meine Trägheit muntre auf, Bis ich schließe meinen Lauf; Hilf mir siegen, hilf mir kämpfen, Satan, Welt und Fleisch zu dämpfen. 12. Heile mich durch deine Wunden, Mach mich rein mit deinem Blut, Daß ich in den legten Stunden Fröhlich bleib in meinem Muth; Daß ich mit getrostem Sinn Sterben achte für Gewinn, Durch den Tod ins Leben dringe Und so alles wohl vollbringe. Martin Wieland, um 1700. Mel. Valet will ich.( Matth. 24, 13.) 408. Wer ausharrt bis ans| Doch treffen harte Stände Noch Ende, Wird endlich selig seyn; bis zum Ende ein. Viel Feinde D. Heiligung. 331 sind zu dämpfen, Viel Proben| Muth, Legt nicht die Waffen durchzugehn; Der Glaube muß nieder Und kämpfet bis aufs im Kämpfen Bis an sein Ende Blut! Wenn wir nur nicht erstehn. liegen In seiner Gegenwart, So werden wir doch siegen, Wenn auch die Hand erstarrt. 4. Herr! du kennst meine Schwäche; Nur deiner harre ich; Nicht das, was ich ver= spreche, Was du sprichst, tröstet mich. Nicht auf die lassen Hände Und stärk die müden Knie' Und sage mir am Ende: Die Seligkeit ist hie!" Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. ( Matth. 7, 13 2c.) 5. Wenn nur um seine Leibeshütt' Ein andrer sich zuerst bemüht, So laß mich achten allermeist Auf meinen Geist, Und daß ich dir Gehorsam leist'! 6. Gehn andre über Land und See, Durch Ungewitter, Wind und Schnee, Im Negen über Berg und Thal Viel hundertmal, Dem Bauch zu dienen überall: 2. Nur etlich Gänge wagen, Und dann im schweren Streit Erst noch am Sieg verzagen, Ist nicht die rechte Zeit; Da wird man erst zu Schanden! Wer aber kämpft getren, Dem steht, der beigestanden, Auch bis zum Ende bei. 3. Das frischt uns an, ihr Brüder; Verliert nur nicht den Mel. Ich hab mein Sach Gott. 409. 3um Leben führt ein schmaler Weg, Ein rauher Pfad und enger Steg. Nur in dem rechten Schrankenlauf Gehts himmelauf; Wovon nichts weiß der große Hauf. 2. Ihr Weg ist lustig, weit und breit, Darauf sie gehn zur Ewigkeit. O Spott aufs Evangelium! Ein Christenthum, Das nur ein Schatten um und um. 3. Wie theuer, Gott, ist deine Güt', Daß du erleuchtet mein Gemüth Und selbst zur Buße mich gebracht, Als ich in Nacht Mit jenen fortgieng unbedacht. 4. Laß mich nun desto treulicher Den Weg des Lebens gehn, o Herr; Und stehe mir allmächtig bei, Daß täglich neu Dein Werk bei mir im Fortgang sey. 1 7. So laß mich um dein Kanaan All Müh und Arbeit wenden an, Und auch auf meiner Pilgerreif' Auf andre Weif' Erzeigen einen solchen Fleiß. 8. Wenn jene Schaar des Fleisches pflegt, Dasselbe schont und zärtlich hegt, So gib mir neue Kräfte, daß Ichs ernstlich haff' Und krenzige ohn' Unterlaß. 332 XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. 9. Herr! mach du mich, wie| Jesu Christ, Wenn du nun ich soll seyn; Ich weiß, hier auch geboren bist In mir, und gilt kein Heuchelschein. Gib in deine Gottheit sich Sn gnädigmich deine Lichtsnatur, Denn lich Herniederlassen wird in die gilt nur, Und eine neue mich. Kreatur. 12. Nun, mir geschehe, wie du willt! Ich will dir einst in deinem Bild, Wann ich danach werd seyn erwacht Und neu gemacht, Lobsingen: ,, nun, es ist vollbracht!" Vielleicht von Tafinger, g. 1691 † 1737. 10. Nach dieser Regel laß mich gehn, So daß auch andre können sehn, Daß mich der heilge Geist regier Und wohne hier, Und Jesus Christus auch in mir. 11. Dieß wird geschehn, Herr Mel. Was mein Gott will.( Ebr. 12, 1. 2.) 410. Oft flagt dein Herz, wie schwer es sey, Den Weg des Herrn zu wandeln Und täglich seinem Worte tren Zu denken und zu handeln. Wahr ists, die Tugend fostet Müh, Sie ist der Sieg der Lüste; Doch richte selbst, was wäre sie, Wenn sie nicht kämpfen müßte? 2. Die, die sich ihrer Laster freun, Trifft die kein Schmerz hienieden? Sie sind die Sclaven eigner Pein Und haben keinen Frieden! Der Fromme, der die Lüfte dämpft, Hat oft auch seine Leiden; Allein der Schmerz, mit dem er kämpft, Verwandelt sich in Freuden. 3. Des Lasters Bahn ist anfangs zwar Ein breiter Weg durch Auen; Allein sein Fortgang wird Gefahr, Sein Ende Nacht und Grauen.* Der Tugend Pfad ist anfangs steil, Läßt nichts als Mühe blicken, Doch weiter fort führt er zum Heil Und endlich zum Entzücken. (* Luc. 16, 19-31.) 4. Nimm an, Gott hätt es uns vergönnt, Nach unsers Fleisches Willen, Wenn Wollust, Neid und Zorn entbrennt, Die Lüfte frei zu stillen; Nimm an, Gott ließ' den Undank zu, Den Frevel, dich zu kränken, Den Menschenhaß:- was würdest du Von diesem Gotte denken? 5. Gott will, wir sollen glücklich seyn, Drum gab er uns Gesetze. Sie sind es, die das Herz erfreun, Sie sind des Lebens Schäße. Er red't in uns durch den Verstand Und spricht durch das Gewissen, Was wir, Geschöpfe seiner Hand, Fliehn oder wählen müſsen. 6. Ihn fürchten, das ist Weisheit nur, Und Freiheit ists, fie wählen. Ein Thier folgt Fesseln der Natur, Ein Mensch D. Heiligung. dem Licht der Seelen. Was ist des Geistes Eigenthum? Was sein Beruf auf Erden? Die Tugend! was ihr Lohn, ihr Ruhm? Gott ewig ähnlich werden! 7. Lern nur Geschmack am Wort des Herrn Und seiner Gnade finden Und übe dich getreu und gern, Dein Herz zu überwinden. Wer Kräfte hat, wird durch Gebrauch Von Gott noch mehr bekommen, Wer aber nicht hat, dem wird auch Das, was er hat, genommen. 8. Du streitest nicht durch eigne Kraft, Drum muß es dir gelingen: Gott ist es, welcher beides schafft, Das Wollen und Vollbringen. Wann gab ein Vater einen Stein Dem Sohn, der Brod begehrte? Bet oft, Gott müßte Gott nicht seyn, Wenn er dich nicht erhörte! 9. Dich stärket auf der Tugend Pfad Das Beispiel fel'ger GeiV 333 ster; Ihn zeigte dir und ihn betrat Dein Gott und Herr und Meister. Dich müsse nie des Frechen Spott Auf diesem Pfade hindern; Der wahre Ruhm ist Ruhm bei Gott, Und nicht bei Menschenkindern. das Ende Krönt des Christen Glaubensstreit. Ach getreuer Gott! vollende Meinen Lauf in dieser Zeit; Hab ich dich einmal erkannt, So verleih mir auch Bestand, Daß ich, bis ich einst erkalte, Glauben, Lieb und Hoffnung halte. Mel. Werde munter.( Offenb. 3, 11.) 411. Nicht der Anfang, nur| len steht; Laß mich nicht zurücke weichen, Wenn mich Noth und Tod umfäht. Sey mein Anker, der nicht bricht, Sey mein Stern und helles Licht, Daß ich nie von dir mich scheide Und am Glauben Schiffbruch leide. 2. Laß mich einem Felsen gleichen, Der in Sturm und Wel10. Sey stark, sey männlich allezeit, Tritt oft an deine Bahre; Vergleiche mit der Ewigkeit Den Kampf so kurzer Jahre. Das Kleinod, das dein Glaube hält, Wird neuen Muth dir geben, und Kräfte der zukünftgen Welt, Die werden ihn beleben. 11. Und endlich, Christ, sey unverzagt, Wenn dirs nicht immer glücket; Wenn dich, so viel dein Herz auch wagt, Stets neue Schwachheit drücket. Gott sieht nicht auf die That allein, Er fieht auf deinen Willen; Ein göttliches Verdienst ist dein, Dieß muß dein Herze stillen! Gellert, g. 1715 † 1769. 3. Es ist gut, ein Christ zu werden, Besser noch, einChrist zu sevn; Doch den besten Ruhm auf Erden Gibt der Herr nur 334 XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. dem allein, Der ein Christ| stein ist, Wird durch keine Macht beständig bleibt und den beweget, Ihn verrücket keine Kampf zum Siege treibt; Sol- List. Laß mich fest auf ihm bechen wird mit ewgen Kronen stehn, Nimmermehr zu Grunde Christus droben einst belohnen. gehn, Wenn sich Macht und List 4. Laß mich halten, was ich bemühen, Mich von Christo habe, Daß mir nichts die Krone abzuziehen. nimmt. Es ist deines Geistes Gabe, Daß mein Glaubensdocht noch glimmt; Lösche nicht dieß Fünklein aus, Mach ein helles Feuer draus; Laß es ungestöret brennen, Dich vor aller Welt bekennen. 5. Du hast meinen Grund ge= leget; Jesus, der mein Grund6. Jesu! hilf mir dir anhangen, Wie das Schäf am Hirten hängt, Stets im Glauben dich umfangen, Wie mich deine Gnad umfängt. Kommt es dann zur letzten Noth, So ver= fiegle mir im Tod, Was ich dir geglaubt auf Erden, Und laß es zum Schauen werden! Vs Schmolt, g. 1672 † 1737. Eigene Mel.( Luc. 13, 24. Offenb. 2, 4: c.) 412. Ringe recht, wenn| Flehen, Halte damit feurig an; Gottes Gnade Sich erbarmend zu dir kehrt, Daß dein Geist sich recht entlade Von der Last, die ihn beschwert. Laß den Eifer nicht vergehen, Wärs auch Tag und Nacht gethan. 2. Ninge! denn die Pfort ist enge Und der Lebensweg ist schmal; Alles bringt dich ins Gedränge, Was nicht zielt zum Himmelsfaal. 3. Kämpfe bis aufs Blut und Leben, Dring hinein in Gottes Reich; Will der Feind dir widerstreben, Werde weder matt noch weich. 4. Ringe, daß dein Eifer glühe, Daß die erste Liebe dich Völlig von der Welt abziehe; Halbe Liebe täuschet sich! 5. Ning mit Beten und mit 6. Hast du dann die Perl errungen, Denke ja nicht, daß du nun Alles Böse schon bezwungen; D, es ist noch viel zu thun! 7. Nimm mit Furcht ja deiner Seele, Deines Heils mit Zittern wahr, Denn in dieser Welt voll Fehle Schwebst du stündlich in Gefahr. 8. Blick aufs ewge Kleinod feste, Halte männlich, was du haft. Recht beharren ist das beste; Rückfall wird zur schweren Last. 9. Laß dein Auge ja nicht gaf D. Heiligung. 172) 335 ist in dem Himmel, Drum ist auch ihr Herz allda. fen Nach der schnöden Eitelkeit;| Getümmel Dieser Welt nieBleibe Tag und Nacht in Waf- mals zu nah; Denn ihr Schatz fen, Fliehe träge Sicherheit. 10. Laß dem Fleische nicht den Willen, Gib der Luft den Zügel nicht; Willst du die Begierden stillen, So verlischt das Gnadenlicht. 13. Dieß bedenket wohl, ihr Streiter, Kämpfet recht und leidet euch, Dringet alle Tage weiter, Bis ihr kommt ins Himmelreich. 190 11. Wahre Treu liebt Christi Wege, Steht beherzt auf ihrer Hut, Weiß von keiner Fleischespflege, Hält kein Unrecht sich zu gut. 12. Wahre Tren kommt dem Winkler, g. 1670 † 1722. Mel. Aus Gnaden soll ich.( Phil. 3, 12-14. Matth. 18, 8 cc.) 413. Nicht, daß ichs schon| Sieht unser Stolz für Tuergriffen hätte! Die beste Tu- gend an. gend bleibt noch schwach; Doch daß ich meine Seele rette, Jag ich dem Kleinod eifrig nach; Denn Tugend ohne WachsamVerliert sich bald in keit Sicherheit. 2. So lang ich hier im Leibe walle, Bin ich ein Kind, das stranchelnd geht. Der sehe zu, daß er nicht falle, Der, wenn fein Nächster fällt, noch steht! Auch die bekämpfte böse Luft Stirbt niemals ganz in unsrer Brust. 14. Gilet, zählet Tag und Stunden, Bis der Heiland euch erscheint, Und wann ihr nun überwunden, Ewig euch mit Gott vereint! 3. Nicht jede Besserung ist Tugend; Oft ist sie nur das Werk der Zeit; Die wilde Hitze roher Jugend Wird mit den Jahren Sittsamkeit, Und was Natur und Zeit gethan, 4. Oft ist die Aendrung deiner Seele Gin Tausch der Triebe der Natur: Du fühlst, wie Stolz und Ruhmsucht quäle, Und dämpfst sie; doch du wechselst nur; Dein Herz fühlt einen andern Reiz, Dein Stolz wird Wollust oder Geiz. 5. Oft ist es Gunst und Eigenliebe, Was andern strenge Tugend scheint; Der Trieb des Neids, der Schmähsucht Triebe Erweckten dir so manchen Feind; Du wirst behutsam, schränkst dich ein, Fliehst nicht die Schmähsucht, nur den Schein. 6. Du denkst, weil Dinge dich nicht rühren, Durch die der andern Tugend fällt, So wer 336 XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. de nichts dein Herz verführen;| ist das Auge, dieß der Fuß, Die Doch jedes Herz hat seine Welt: sich der Christ entreißen muß! Den, welchen Stand und Gold 10. Du fliehst, geneigt zur nicht rührt, Hat oft ein Blick, Ruh und Stille, Die Welt ein Wort verführt. und liebst die Einsamkeit; Doch bist du, forderts Gottes Wille, Auch dieser zu entfliehn bereit? Dein Herz haßt Habsucht, Neid und Zank; Fliehts Unmuth auch und Müßiggang? 11. Du bist gerecht; bist du bescheiden? Bist mäßig; liebst du auch Geduld? Du dienest gern, wenn andre leiden; Vergibst du Feinden auch die Schuld? Von allen Lastern sollst du rein, Zu aller Tugend willig seyn! 12. Sey nicht vermessen, wach und streite, Denk nicht, daß du schon gnug gethan. Dein Herz hat seine schwache Seite, Die greift der Feind der Wohlfahrt an. Die Sicherheit droht dir den Fall, Drum wache stets, wach überall! Gellert, g. 1715 † 1769. 7. Oft schläft der Trieb in deinem Herzen: Du scheinst von Rachsucht dir befreit; Jetzt sollst du eine Schmach verschmerzen, Und sieh, dein Herz wallt auf und dräut Und schilt so lieblos und so hart, Als es zuerst gescholten ward.b 8. Oft denkt, wenn wir der Stille pflegen, Das Herz im Stillen tugendhaft; Kaum lachet uns die Welt entgegen, So regt sich unsre Leidenschaft, Wir werden im Geräusche schwach Und geben endlich strafbar nach. 9. Du opferst Gott die leichtern Triebe Durch einen strengen Lebenslauf; Doch opferst du, wills seine Liebe, Ihm auch die liebste Neigung auf? Dieß Mel. Wie wohl ist mir; oder: Mein Schöpfer, der mit Huld.( 2 Maſ. 33, 14. Pf. 32, 8. Phil. 1, 10 c.) 414. Gottes Sohn, du Licht und Leben, Otreuer Hirt, Immanuel! Nur dir hab ich mich übergeben, Nur dir gehöret Leib und Seel. Ich will mich nicht mehr selber führen, Du sollst als Hirte mich regieren; So geh denn mit mir aus und ein. Ach Herr! erhöre meine Bitten Und leite mich auf allen Tritten, Ich gehe keinen Schritt allein. 2. Wenn du mich führst, kann ich nicht gleiten, Dein Wort muß ewig feste stehn; Du sprichst: ,, mein Auge soll dich leiten, Mein Angesicht soll vor dir gehn." Ja dein Erbarmen, deine Güte Umfaffs' allmächtig mein Gemüthe! O daß ich nnr D. Heiligung. 1172 337 recht findlich sey, Bei allem| verrücket werden, Denn ich zu dir gläubig flehe Und stets auf deinen Wink nur sehe, So stehest du mir täglich bei. 3. Du weißt allein die Friedenswege, Auch das, was mir den Frieden stört; Drum laß mich meiden alle Stege, Wo Welt und Sünde mich versehrt. Ach daß ich nimmer von dir irrte, Noch durch Zerstreuung mich verwirrte, Auch nicht durch einen guten Schein! O halte meine Seele feste, Hab Acht auf mich aufs allerbeste, Lehr beten mich und wachsam seyn! 4. Herr! mach mich findlich, treu und stille, Daß ich dir immer folgen fann; Nur dein, nur dein vollkommner Wille Sey für mich Schranke, Ziel und Bahn. Nichts soll mich ohne dich vergnügen, Laß mir nichts mehr am Herzen liegen, Als deines großen Namens Ruhm. Das sey allein mein Ziel auf Erden; Laß mirs durch nichts bin ja dein Eigenthum. 5. Laß deinen Geist mich täglich treiben, Gebet und Flehen dir zu weihn; Laß mir dein Wort im Herzen bleiben Und in mir Geist und Leben seyn, Daß ich nach deinem Wohlgefallen In Ehrfurcht möge vor dir wallen. Zeuch ganz zu dir die Seele hin, Vermehr in mir dein innres Leben, Dir unaufhörlich Frucht zu geben, Und bilde mich nach deinem Sinn. 6. So lieb und lob ich in der Stille Und ruh als Kind in deinem Schoos; Ich schöpfe Heil aus deiner Fülle, Das Herz ist aller Sorgen los; Ich sorge nur vor allen Dingen, Wie ich zum Himmel möge dringen! Ich bin zu deinem Dienst bereit; Ach zeuch mich, zeuch mich weit von hinnen; Was du nicht bist, das laß zerrinnen, Dreiner Glanz der Ewigkeit! Nach Bogazky. Mel. Meinen Jesum laff' ich nicht.( Gal. 6, 9.) 415. Seelen, laßt uns Gu-| Auf die Ewigkeit hin lernten! tes thun, Gutes, und nicht müde werden! Wann es Zeit ist, wird man ruhn, O wie sanft, von den Beschwerden! Aber ruhen nicht allein, Dort wird auch die Ernte seyn. Wer hier kärglich ausgestreut, Wird auch wieder kärglich ernten; Wer hier reichlich Gutes thut, Sammelt dort auch reiches Gut. 3. O daß nach dem Augen= 2. O daß wir an unsrer Zeit schein Keiner bloß das Säen Evangelisches Gesangbuch. 22 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 338 richte! Manches Körnlein scheinet klein, Und trägt zehenfältig Früchte. Klein gesät und dennoch dicht, Fehlet in der Ernte nicht. 4. Lehr, o Gott, mich Gutes thun Und im Treuseyn nicht erliegen; Denn die Zeit dazu ist nun Und sie wird so schnell verfliegen; Wenn man gleich| was kleines thut: Ists nur gut, so ist es gut! 5. Stelle mir die Ernte für, Daß ich darf auf Hoffnung fäen! Was wir thun und thun es dir, Lässt du nicht umsonst geschehen; Hat man kein Verdienst davon, Gibt die Gnade dennoch Lohn. Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Mel. Meinen Jesum laß ich nicht.( Matth. 26, 41. Pf. 14, 7. Luc. 4, 18 2c.) 416. Mein Erlöser! schaue| mein bestes an, So ists doch nicht rein gethan. doch, Wie mein armer Geist verstricket, Mit geheimen Banden noch Ganz bedränget und gedrücket; Will ich los, so sinkt mein Herz Bald in Unmacht niederwärts. 5. Ach wo ist der neue Geist, Den du willst den Deinen geben, Der den Sünden uns entreißt Und uns bringt dein reines Leben? Der mit Herzensluft und Kraft Alles in und durch uns schafft. 6. Ach wann wird mein Herz doch frei Ueber alles sich erheben Und in reiner Liebestreu Nur von dir abhängig leben, Abgeschieden, willenlos, Von mir selbst und allem bloß? 7. Komm, du lang verlangte Stund! Komm, du Lebensgeist von oben! Ach wie soll mein froher Mund, Jesu, deine Trene loben, Wenn mich deine Liebesmacht, Dir zu dienen, frei gemacht! 2. 3war es hat mich deine Gnad Groben Sünden längst entrissen; Ich hab auch nach deinem Rath Schon zu wandeln mich beflissen, Daß vielleicht ein andrer wohl Mich für fromm schon halten soll; 3. Aber dein genaues Licht Zeigt mir tiefer mein Verder= ben, Und wie ich nach meiner Pflicht Muß mir selbst und allem sterben Und in wahrer Heiligkeit Vor dir leben allezeit. 4. Dieß ist auch mein Wille wohl; Aber ach, es fehlt Vollbringen! Was ich auch verrichten soll, Thu ich noch mit Last und Zwingen. Seh ich dann 8. Laß dein Evangelium Mir Gefangnem Freiheit schenken. Ich will als dein Eigenthum Mich in dein Erbarmen sen D. Heiligung. ken; Ich will hoffen, warten, ruhn; Du wollst alles in mir thun. 9. Eignes Wirken reicht nicht zu: Du mußt selbst die Hand 417. Jefu, hilf fiegen, du Fürste des Lebens! Sieh, wie die Finsterniß dringet herein, Wie sie ihr drohendes Heer nicht vergebens Mächtig aufführet, mir schädlich zu seyn! Schau, wie sie sinnet auf allerlei Ränke, Daß sie mich sichte, verstöre und kränke! Eigene Mel.( Ebr. 4, 15. 16. Matth. 12, 20.) 2. Jesu, hilf siegen! ach wer muß nicht sagen: Herr, mein Gebrechen ist immer vor mir! Hilf, wenn mich Sünden der Jugend verklagen, Die mein Gewissen mir täglich hält für; Ach laß mich schmecken dein kräftig Verfühnen, Und dieß zu meiner Demüthigung dienen! 3. Jesu, hilf stegen, wenn in mir die Sünde, Eigenlieb, Hoffahrt und Mißgunst sich regt, Wenn ich die Laft der Begierden empfinde, Und sich mein tiefes Verderben darlegt. Hilf dann, daß ich vor mir selber erröthe Und durch dein Leiden die Sündenlust tödte. 339 anlegen; Ich will still seyn, wirke du, Dämpfe, was sich sonst will regen! Kehr zu meiner Seele ein, So wird mir geholfen seyn. 4. Jesu, hilf stegen und lege gefangen In mir die Lüfte des Fleisches und gib, Daß in mir lebe des Geistes Verlangen, Tersteegen, g. 1697 † 1769. Aufwärts sich schwingend durch heiligen Trieb; Laß mich eindringen ins göttliche Wesen, So wird mein Geist, Leib und Seele genesen. 5. Jesu, hilf siegen, damit auch mein Wille Dir, Herr, sey gänzlich zu eigen geschenkt, Und ich mich stets in dein Wollenverhülle, Wo sich die Seele zur Ruhe hinlenkt. Laß mich mir sterben und alle dem meinen, Daß ich mich zählen darf unter die deinen. 6. Jesu, hilf fiegen und laß mich nicht sinken! Wenn sich die Kräfte der Lügen aufblähn Und mit dem Scheine der Wahrheit sich schminken, Las doch viel heller dann deine Kraft sehn. Steh mir zur Rechten, o König und Meister, Lehre mich kämpfen und prüfen die Geister. 7. Jesu, hilf fiegen im Wachen und Beten; Hüter, du schläfft ja und schlummerst nicht ein! Laß dein Gebet mich unendlich vertreten, Der du versprochen, Fürsprecher zu seyn. Wenn mich die Nacht XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 340 mit Ermüdung will decken, Wollst du mich, Jesu, ermuntern und wecken. will ich ewig dir Lob und Dank fingen, Jesu, mein Heiland, mit frohem Gesang! Wie wird dein Name da werden gepriesen, Wo du, o Held, dich so mächtig erwiesen! 10. Jesu, hilf siegen, wenns nun kommt zum Sterben; Mach du mich würdig und ste= tig bereit, Daß ich mich nenne des Himmelreichs Erben Dort in der Ewigkeit, hier in der Zeit! Jesu, dir bleib ich auf 9. Jesu, hilf fiegen und laß ewig ergeben, Hilf du mir mirs gelingen, Daß ich das siegen, mein Heil, Trost und Zeichen des Sieges erlang; So| Leben! Schröder, g. 1666 † um 1728. 8. Jesu, hilf siegen, wenn alles verschwindet, Wenn ich mein nichts und Verderben nur seh; Wenn kein Vermögen zu beten sich findet, Wenn ich bin wie ein verschüchtertes Reh: Herr; ach dann wollst du im Grunde der Seelen Dich mit dem innersten Seufzen vermählen. Mel. Werde munter.( Micha 2, 13. Rom. 8.) 418. O Durchbrecher aller| deinen Händen, Dein Herz ist Bande, Der du immer bei uns bist, Beidem- Schaden, Spott und Schande Lauter Lust und Himmel ist! Uebe ferner dein Gerichte Wider unsern Adamssinn, Bis uns dein so treu Gefichte Führet aus dem Kerker hin. auf uns gericht't, Sind wir gleich gering geachtet Bei den Leuten allezeit, Schnöd gemacht und gar verachtet In des Kreuzes Niedrigkeit. 2. Ists doch deines Vaters Wille, Daß du endest dieses Werk; Hiezu wohnt in dir die Fülle Aller Weisheit, Lieb und Stärk, Daß du nichts von dem verlierest, Was er dir geschenket hat, Und es von dem Treiben führest Zu der süßen Ruhestatt. 3. Ach, so mußt du uns vollenden, Willst und kannst ja anders nicht! Denn wir sind in 4. Schau doch aber unsre Ketten, Da wir mit der Kreatur Seufzen, ringen, schreien, beten Um Erlösung von Natur, Von dem Dienst der Eitelkeiten, Der uns noch so hart bedrückt, Ob auch schon der Geist in Zeiten Sich auf etwas Besres schickt. 5. Ach erheb die matten Kräfte, Daß sie sich doch reißen los Und durch alle Weltgeschäfte Durchgebrochen, stehen bloß! Weg mit Menschenfurcht und Zagen, Weich, Vernunftbe D. Heiligung. Himmlischer Sinn. 341 treibt uns, zu rufen, Alle flehen wir dich an: Zeig doch nur die ersten Stufen Der gebrochnen Freiheitsbahn! denklichkeit, Fort mit Scheu| verei ein End! Denn die Last vor Schmach und Plagen, Weg des Fleisches Zärtlichkeit! 6. Herr! zermalme, brich, zerstöre Diese Macht der Finsterniß; Der preist nicht mehr deine Ehre, Den sie fort zum Tode riß! Heb uns aus dem Staub ber Sünden, Wirf die Schlangenbrut hinaus; Laß uns wahre Freiheit finden, Freiheit in des Vaters Haus! 7. Wir verlangen keine Ruhe Für das Fleisch in Ewigkeit; Wie du's nöthig findest, thue Noch vor unsrer Abschiedszeit; Aber unser Geist, der bindet Dich im Glauben, läßt dich nicht, Bis er die Erlösung findet, Die dein treuer Mund verspricht. 8. Herrscher, herrsche; Sieger, siege, König, brauch dein Regiment; Führe deines Neiches Kriege, Mach der Scla-| 9. Laß, die theuer sind erworben, Nicht der MenschenKnechte seyn! Denn so wahr du bist gestorben, Mußt du uns auch machen rein, Nein und frei und ganz vollkommen Undverklärt ins beste Bild! Der hat Gnad um Gnad genommen, Welchen deine Füll erfüllt. - 10. Liebe, zeuch uns in dein Sterben, Laß mit dir gekreuzigt seyn, Was dein Neich nicht kann ererben; Führ ins Paradies uns ein! Doch wohlan, du wirst nicht säumen, Laß nur uns nicht lässig seyn! Werden. wir doch als wie träumen, Wenn die Freiheit bricht herein! ( Pf. 126, 1.) Arnold, g. 1665 † 1714. Himmlischer Sinn. Mel. Wachet auf! ruft.( Phil. 3, 20.) 419. Herr! welch Heil kann| kann; Ich trage noch Des -- Todes Joch, Im Himmel soll mein Wandel seyn! ich erringen, In welche Höhn darf ich mich schwingen, Mein Wandel soll im Himmel seyn! O du Wort voll heilgen Bebens, Voll Wonne, Wort des ewgen Lebens: Im Himmel soll mein Wandel seyn! Ich sink erstaunend hin, Empfinde, wer ich bin, Wer ich seyn Seele, dein Verfühner ist! 2. Schwing dich denn in diese Höhen Und lern im Lichte Gottes sehen, Wer du, verfühnte Seele, bist! Mit dem göttlichsten Entzücken Wirst du in diesem Licht erblicken, Wer, XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 342 Du, durch sein Opfer rein Und stark, dich ihm zu weihn; Er, des Vaters Gleich ewger Sohn, Ruh, Heil und Lohn Der Glaubenden, ihr Herr und Gott! 3. Wort vom Anfang! Wunderbarer! O du der Gottheit Offenbarer! Den Erdkreis deckte Dunkelheit; Du erschienst, du Licht vom Lichte, Wir schaun in deinem Angefichte Nun deines Vaters Herrlichkeit. Nicht Wahrheit nur, auch Ruh Strahlst du uns, Gottmensch, zu, Seelenfrieden! Du hasts vollbracht! Des Irrthums Nacht, Der Sünde dunkl're Nacht ist hin. 4. Wenn die Seel in tiefe Stille Versunken ist, wenn ganz ihr Wille Der Wille deß ist, der sie liebt; Wenn ihr inniges Vertrauen, Ihr freudig Hoffen fast zum Schauen Emporsteigt; wenn sie wieder liebt Und nun wahrhaftig weiß, Dein Kampf und To- Herrn desschweiß, Gottverfühner, sterben sollt! Dein Blut am Kreuz, Dein 420. Erheb, o Seele, deinen Sinn, Was hängst du an der Erden? Hinauf, hinauf, zum Himmel hin, Denn du mußt himmlisch werden! Tod am Kreuz, Verfühn, o Herr, verfühn auch fie: 5. O dann ist ihr schon gegeben Ihr neuer Nam und ewges Leben, Im Himmel ist ihr Wandel dann! Stark, den Streit des Herrn zu streiten, Sieht sie die Krone schon vom weiten, Die Kron am Ziel, und betet an: Preis, Ehr und Stärk und Kraft Sey dem, der uns erschafft, Ihm zu leben; Für uns verbürgt Bift du, erwürgt! Anbetung, Ruhm und Dank sey dir!( Off. 2, 17.) 6. Preis sey dem, der auf Throne Der Himmel sitzt; Preis sey dem Sohne! Gott und dem Lamme Preis und Dank! Weisheit sind und Gnad und Stärke, Herr, Herr, und Wunder deine Werke; Dir und dem Lamm sey Preis und Dank! Wie strahlt dein Angesicht Von Huld! doch im Gericht Bist du heilig! Lobsingt dem Herrn, Die ihr dem Gestorben seyd und dem Mel. Ich dank dir schon durch.( Ebr. 13, 14.) 2. Was hat die Welt? was beut fie an? Nur Tand und Klopstod, g. 1724 † 1803. eitle Dinge! Wer einen Himmel hoffen kann, Der schätzet fie geringe. 3. Wer Gott erkennt, kann der wohl noch Den Wunsch aufs Niedre lenken? Wer Gott zum Freund hat, denket D. Heiligung. Himmlischer Sinn. hoch; So müssen Christen denken! 4. Kein Leiden, wenns auch schwer mich drückt, Schlägt meine Hoffnung nieder: Ich schau empor, und mich erquickt Der Herr doch endlich wieder. 5. Mein Theil ist nicht in dieser Welt, Ich bin ein Gast auf Erden, Ich soll, wann diese Hülle fällt, Ein Himmelsbürger werden. 6. Dort ist das rechte Kanaan, Wo Lebensströme fließen; Blick oft hinauf, der Anblick kann Den Leidenskelch verfüßen. 7. Dort oben ist des Vaters Haus; Er theilt zum Gnaden343 lohne Den Ueberwindern Kronen aus; Kämpf auch um Rub und Krone. 8. Dort ists den Engeln süße Pflicht, Gott ihren Dank zu bringen; O Seele, sehnest du dich nicht, Mit ihnen Lob zu singen? 9. Dort herrscht dein Heiland, Jesus Christ, Und du, frei von Beschwerden, Sollst ihm, durch den du selig bist, An Klarheit ähnlich werden. 10. Laß denn, Erlöser, mich schon hier Mein Herz zu dir erheben; Laß mich, entschlaf ich einst in dir, Dort ewig mit dir leben! Liebich, g. 1713 † 1780. Mel. Ruhe ist das beste.( Phil. 3, 20. 2 Petri 1, 10. 11.) 421. Himmelan, nur him-| nicht muthlos, nicht zu viel melan Soll der Wandel gehn! Was die Frommen wünschen, kann Dort erst ganz geschehn, Auf Erden nicht: Freude wechselt hier mit Leid; Richt hinauf zur Herrlichkeit Dein Angesicht! Um den Tand der Welt! Flieh diesen Sinn! Nur was du dem Himmel lebst, Dir von Schägen dort erstrebst, Das ist Ge= winn. 2. Himmelan schwing deinen Geist Jeden Morgen auf; Kurz, ach kurz ist, wie du weißt, Unser Pilgerlauf! Fleh täglich neu: Gott, der mich zum Himmel schuf, Präg ins Herz mir den Beruf, Mach mich getreu! 4. Himmelan erheb dich gleich, Wenn dich Kummer drückt, Weil dein Vater, treu und reich, Stündlich auf dich blickt. Was quält dich so? Droben, in dem Land des Lichts, Weiß man von den Sorgen nichts; Sey himmlisch froh! 5. Himmelan wallt neben dir Alles Volk des Herrn, Trägt 3. Himmelan hat er dein Ziel im Himmelsvorschmack hier Selbst hinaufgestellt. Sorg| Seine Lasten gern. O schließ 344 XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. dich an! Kämpfe drauf, wie| leßt Selbst die Todesnacht; sichs gebührt; Denke, auch Seys, daß sie dir sterbend jetzt, durch Leiden führt Die Him- Kurze Schrecken macht, Harr melsbahn. aus, harr aus! Auf die Nacht wirds ewig hell; Nach dem Tod erblickst du schnell Des Vaters Haus. 9. Hallelujah! himmelan Steig dein Dank schon hier! Einst wirst du mit Schaaren nahn, Und Gott naht zu dir In Ewigkeit. Aller Jammer ist vorbei; Alles jauchzt, verklärt und neu, In Ewigkeit! 10. Hallelujah singst auch du, Wann du Jesum siehst, Unter Jubel ein zur Nuh In den Himmel ziehst. Gelobt sey er! Der vom Kreuz zum Throne stieg, Hilft auch dir zu deinem Sieg; Gelobt sey er! Schöner, g. 1749 † 1818. 6. Himmelan gieng Jesus Christ Mitten Mitten durch die Schmach; Folg, weil du sein Jünger bist, Seinem Vorbild nach. Er litt und schwieg; Halt dich fest an Gott wie er, Statt zu klagen, bete mehr! Erkämpf den Sieg! 7. Himmelan führt seine Hand Durch die Wüste dich, Ziehet dich im Prüfungsstand Näher hin zu sich Im Him melssinn; Von der Weltlust freier stets Und mit ihm vertrauter gehts Zum Himmel hin. 8. Himmelan führt dich zuE. Nächstenliebe. Mel. Gott, mein Gott, dir will ich.( 1 Cor. 13, 1- S und 13.) 422. Unter jenen großen| Und zum höchsten Stand erheGütern, Die uns Christus zugetheilt, Ist die Lieb in den Gemüthern Wie ein Balsam, der sie heilt, Wie ein Stern, der herrlich blinket, Wie ein Kleinod, dessen Preis Niemand zu benennen weiß, Wie die Schönheit, die uns winket, Und die Lust, die jedermann Zwingen und vergnügen kann. ben, Der die Seelen aufwärts führt. Menschen- oder Engelzungen, Wo sich keine Lieb erweist, Wie beredt man sonst ste preist, Wie beherzt sie angedrungen, Sind ein flüchtiger Gesang, Sind ein Erz- und Schellenklang. 3. Was ich von der Weisheit höre, Der Erkenntniß tiefer Blick, Die geheimnisvolle Leh2. Liebe kann uns alles geben, Was auf ewig nützt und ziert,| re, Und des Glaubens Meister E. Nächstenliebe. 345 stück, So der Berge Grund durch die Welt, Bis das irdiversezet, Und was sonst den Menschen ehrt, Das verlieret seinen Werth, Alles wird für nichts geschäßet, Wenn sich nicht dabei der Geist, Der die Liebe wirkt, erweist. sche Gebiete Und der Schöpfungsban zerfällt; Nur der Liebe weite Grenzen Strecken sich in Ewigkeit; Alle, die sich ihr geweiht, Werden unaufhörlich glänzen. Glaub und Hoffnung bleiben hier; Liebe währet für und für. 4. Hätt ich alle meine Habe Mild den Armen zugewandt, Opfert' ich mich selbst dem Grabe, Scheut' ich nicht der Flammen Brand, Gäb' ich meinen Leib auf Erden Ihnen zu verzehren hin, Und behielte meinen Sinn: Würd ich doch nicht besser werden, Bis mich wahre Lieb erfüllt, Die aus Gottes Herzen quillt. 6. du Geist der reinen Liebe, Der von Gott du gehest aus, Laß mich spüren deine Triebe, Nimm dir hin mein Herz und Haus! Was in mir sich selbst nur suchet, Es nicht treu mit andern meint, Haß ist, und nur Liebe scheint, Laß mich halten als verfluchet; Lenke meinen ganzen Sinn, Geist der Lieb, zur Liebe hin! 5. Glaubenssieg und Hoffuungsblüthe Führt uns tröstend E. Lange, g. 1650 † 1727. Mel. Herzlich thut mich.( Marc. 12, 32. 33. 1 Joh. 4, 7. 8.) 423. Nicht Opfer und nicht| 3. Sie ist die höchste Zierde, Gaben, Auch Ruhm und Ehre Des Christenthumes Kern; nicht, noch was sonst Sünder Sie gilt als schönste Würde haben, Befreit uns vom Ge- Und Krone vor dem Herrn. richt. Nur Jesu Liebe bleibet, Was hilfts, mit Engelzungen Sie ist von Ewigkeit; Was au- Hoch reden ohne Herz? Wen ßer ihr uns treibet, Verschwin- Liebe nicht durchdrungen, Der det mit der Zeit. ist ein todtes Erz. 2. Sie gibt uns Kraft und Leben, Bricht jeden Bann entzwei, Lehrt helfen, trösten, geben, Macht von der Lüge frei. Sie muß gerecht uns machen, Los von der Sündenlust, 3um Beten und zum Wachen Bewegen unsre Brust. 4. Geheimnisvolle Lehren Und starker Glaubenssinn Stehn nicht bei Gott in Ehren, Wenn Liebe nicht darin. Der treibt nur arm Geschwäße, Wer, falt und liebeleer, Der größten Weisheit Schätze Darleget um sich her. 346 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 5. Der Vater ist die Liebe, die Lebensquelle Vom Vater Der Sohn ist Lieb allein, Des und vom Sohn: Mach unheilgen Geistes Triebe Sind fre Seelen helle, Du Strom Liebe, heiß und rein; Das ist von Gottes Thron! Joh. Rothe, g. 1805. - Mel. Alles ist an.( 1 Joh. 3, 14-18. Hof. 6, 6. Eph. 5, 2.) 424. Nur wo Lieb ist, da| Frieden ist. Nenn, o Mensch, nur wenn du liebest, Wenn mit Christo du vergibest, Dich mit seinem Namen: Christ! ist Wahrheit; Ohne sie gibts keine Klarheit, Finster sind wir ohne sie. Heuchelnd wirst vor Gott du treten, Wenn du nicht bedenkst beim Beten, Daß er dich zum Bruder zieh. 2. Denke nicht, der Herzensprüfer Schau von deinem Wort nicht tiefer Auf des Herzens Sinn und Nath. Haffest du den Feind, so wisse, Daß das Reich der Finsternisse Deinen Geist gebunden hat. 3. Nur die Sünde sollst du haffen, Aber Sünder mild um fassen; Sie zu richten, ziemt dem Herrn. Freuts dich, daß sie sind gebunden? Spottest du ob ihren Wunden?- Komm und hilf sie heilen gern! 4. Wenn sie deine Liebe schmähen, Zornig aus dem Weg dir gehen, Dann befiehl sie dessen Rath, Der, die Armen, Todten, Blinden Von dem Clend zu ent= binden, Tausend Liebeskräfte hat. 5. Glaubs, dein Lieben und Verzeihen Wird zum Frieden dir gedeihen Bei dem Herrn, der 6. Selbst die Gabe, die du gibest, Wiegt nicht schwerer, als du liebest; Liebe geht den Gaben vor. Schwerer wiegt oft eine Zähre, Die voll Mitleids, Gott zur Ehre Aus dem Auge dringt empor. stehet, Freud auf Gut' und Böse 7. Wie die Sonn am Himmel fäet, Also sey dein Christenherz! Lern im Lieben ihn erreichen Lern in Liebe Christo gleichen, Unter Freuden, unter Schmerz! 8. In den trübsten Leidensstunden, Ueberdeckt mit Todeswunden, Hieng am Kreuze Gottes Sohn, Litt für uns, für seine Feinde, Die er rufet zur Gemeinde, Todesqual und Mörderhohn. 9. Willst mit göttlichen Gefühlen Du in leeren Worten spielen, Und doch Christi Jünger seyn? Geh zu ihm und lerne leben, Lern im Leben das Vergeben, Im Vergeben selig seyn! E. Nächstenliebe. mel. Mein's Herzens Jesu.( Eph. 4, 1-6. Matth. 5, 22 10-) 425. Ach Jesu! gib mir fanften Muth, Nach deinem Wort zu leben. Ich bin ein schwaches Fleisch und Blut; Sollt ich dir widerstreben? Sollt ich noch üben Rach und Zorn? Wie kann ein Christ, ein süßer Born, Solch bitter Wasser geben? 2. Ein Vater hat nach seiner Macht Geschaffen uns zu Kindern; Ein Herr das Leben wiederbracht Uns, den erstorbnen Sündern; Ein guter Geist uns auch regiert Und zu des Himmels Freude führt, Wenn wir ihn nicht verhindern. 3. Wie kann ich doch als Gottes Kind Den schwachen Bruder hassen, Da mir so große Schulden sind Von meinem Gott erlassen? Soll nicht auch mein Herz seyn bereit, Aus rechter Lieb und Einigkeit Den Bruder zu umfassen? 4. Komm, Bruder, fomm, reich her die Hand, Mein Herze dir vergibet, Laß deinen Zorn nicht seyn entbrannt: Ein Christ den andern liebet; Wer wie sein lieber Meister thut, Der brennet von der Liebe Gluth, Drin er sich stetig übet. 5. Wir tragen all an Einem Joch; Da wir uns Glieder nennen, Was wollen sich die Glieder doch An Einem Leibe tren347 nen? An rechter Lieb und Freundlichkeit Kann man den Christen allezeit Als Gottes Kind erkennen. 6. Wir haben alle Gottes Gnad In Einem Herrn zu finden; Ein Born im heilgen Wasserbad Macht rein uns von den Sünden; Ein Leib und Blut uns alle speist; Wie sollte nicht Ein Herz und Geist Uns allesammt verbinden? 7. Da wir nun haben Einen Geist, Wie kannst du ,, Racha" sprechen? Da dein Leib Gottes Tempel heißt, Wie kann ich ihn zerbrechen? Ach Bruder, laß uns zürnen nicht, Daß uns nicht treff ein hart Gericht; Gott müßte selbst es rächen! 8. Du aber, Herr, erwecke mich Durch deines Geistes Triebe! Mit Lindigkeit erweise sich Am Feinde selbst die Liebe; Ein gütger Sinn und stiller Muth Ist auf des Gegners Haupt wie Gluth: Wer da feindselig bliebe? 9. Fällt jemand, strauchelt und begeht, Was nimmer ist zu lolen: Wenn mir der Wind zuwider weht, Sollt ich mit Zürnen toben? Gib, Jesu, daß ich allezeit, Entfernt von aller Bitterkeit, Ablege Sanftmuthsproben. Mautisch, g. 1617 † 1669. - 348 XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. Mel. Auf, Christenmensch.( Matth. 5, 44: c.) 426. Du schenkst voll Nach-| 5. Auch mein Beleidiger hat sicht und Geduld Auch Bösen Theil Am Heiland aller Sündeinen Segen; Erzeigst uns al- der; Mit Blut erkauft' auch ihn len gleiche Huld Im Sonnen- zum Heil Der Todesüberwinschein und Regen. Hilf mir, der; An mich und ihn ergeht zu meiner eignen Ruh, Die der Ruf Des Gottes, der uns Feinde lieben, Gott, wie du. beide schuf. 2. JchSünder, dem noch Rache glüht Im heuchlerischen Herzen, Der noch sein Wohlgefallen sieht An seiner Feinde Schmerzen, Ich trete vor dein Angesicht, Du Gott der Lieb, und zittre nicht? 3. Wie könnt ich hoffen, Trost im Tod, Huld im Gericht zu finden; Zu dir noch flehen: richte, Gott, Mich nicht nach meinen Sünden", Hört' ich nicht deine Stimm in mir: ,, Wie du vergibst, vergibt Gott dir?" 4. Sey, Seele, werth der Seligkeit, Dich selbst zu überwinden. Duld und vergib; denn Gott verzeiht Und straft nicht deine Sünden. Nicht Rache, Segen rufe du, Begnadigte, dem Feinde zu. 6. O möchte Jesu Beispiel doch Mich Feindesliebe lehren! O könnt ich meinen Hasser noch Zur Seligkeit bekehren! Wie herzlich würd es mich erfreun, Der Retter meines Feinds zu seyn! ich liebe Gott," Und haßt doch seine Brüder, Der treibt mit Gottes Wahrheit Spott Und reißt sie ganz danieder. Gott ist die Lieb und will, daß ich 7. Wie wird er mich am Weltgericht Dann Freund und Bruder nennen, Mir danken und sich ewig nicht Von meiner Seite trennen Und Gott erhöhen, dessen Hand Uns für die Ewigkeit verband! 8. Wie gern will ich, Gott, auf dein Wort Haß und Ver= folgung leiden! Sie gern verzeihn, da du mirs dort Vergiltst mit ewgen Freuden! O Wonne, wenn sich dort mein Feind Mit mir z11 deinem Lob vereint! Münter, g. 1735 † 1793. Mel. Auf, Christenmensch.( 1 Joh. 4, 20. 21. Matth. 18, 21-35.) 427. So jemand spricht:| Den Nächsten liebe gleich als mich! 2. Wir haben Einen Gott und Herrn, Sind Eines Leibes Glieder; Drum diene deinem Nächsten gern, Denn wir E. sind alle Brüder. Gott schuf die Welt nicht bloß für mich, Mein Nächster ist sein Kind wie ich. 3. Ein Heil ist unser aller Gut; Ich sollte Brüder hassen, Die Gott durch seines Sohnes Blut So hoch erkaufen lassen? Daß Gott mich schuf und mich verfühnt, Hab ich dieß mehr als fie verdient? 4. Du schenkst mir täglich so viel Schuld, Du, Herr von meinen Tagen; Ich aber sollte nicht Geduld Mit meinen Brüdern tragen? Dem nicht verzeihn, Nächstenliebe. 349 dem du vergibst, Und den nicht lieben, den du liebst? 2. Wer seines Nächsten Ehre schmäht Und gern sie schmähen höret, Sich freut, wenn sich sein Feind vergeht, Und nichts zum Besten kehret, Nicht dem Verleumder widerspricht: Der liebt auch seinen Bruder nicht. 3. Wer zwar mit Rath, mit Trost und Schuß Den Nächsten unterstüßet, Doch nur aus Stolz, aus Eigennus, Aus Weichlichkeit ihm nûget, Nicht 5. Was ich den Frommen hier gethan, Dem kleinsten auch von diesen, Das steht er, mein Erlöser an, Als hätt ichs ihm erwiesen; Und ich, ich sollt ein Mensch noch seyn, Und Gott in Brüdern nicht erfreun? Mel. Auf, Christenmensch.( 1 Joh. 3, 17. 18.) Pflicht: Der liebt auch seinen Nächsten nicht. 428. Wer dieser Erde Gü-| aus Gehorsam, nicht aus ter hat Und sieht die Brüder leiden Und macht die Hungrigen nicht satt, Läßt Nackende nicht kleiden, Der ist ein Feind der ersten Pflicht und hat die Liebe Gottes nicht. 6. Ein unbarmherziges Gericht Wird über den ergehen, Der nicht barmherzig ist, der nicht Die rettet, die ihn flehen. Drum gib mir, Gott, durch deinen Geist Ein Herz, das dich durch Liebe preist! Gellert, g. 1715 † 1769. 4. Wer harret, bis, ihn anzu= flehn, Ein Dürftiger erscheinet, Nicht eilt, dem Frommen beizustehn, Der im Verborgnen weinet, Nicht gütig forscht, obs ihm gebricht: Der liebt auch seinen Nächsten nicht. 5. Wer andre, wenn er sie beschirmt, Mit Härt und Vorwurf quälet, und ohne Nachsicht straft und stürmt, Sobald sein Nächster fehlet: Wie bleibt bei seinem Ungestüm Die Liebe Gottes wohl in ihm? 6. Wer für der Armen Heil und Zucht Mit Nath und That nicht wachet, Dem Uebel nicht 350 XVII. Christlicher zu wehren sucht, Das oft sie dürftig machet, Nur sorglos ihnen Gaben gibt: Der hat sie wenig noch geliebt. 7. Wahr ist es, du vermagst es nicht, Stets durch die That zu lieben; Doch bist du nur geneigt, die Pflicht Getreulich auszuüben, Und wünscheft dir Sinn und Wandel. die Kraft dazu Und sorgst da= für, so liebest du. 8. Ermattet dieser Trieb in dir, So such ihn zu beleben. Sprich oft: Gott ist die Lieb und mir hat er sein Bild gegeben. Denk oft: Gott! was ich bin, ist dein, Sollt ich gleich dir nicht gütig seyn? Gellert, g. 1715 † 1769. Mel. Der du das Loos.( Rom. 12, 9 2c. 14 2c.) 429. Herr! lehre du mich, 4. Du kennest meiner Liebe deinen Willen Mit Kindesfreudigkeit erfüllen: Dein Will ist lauter Seligkeit. An dir laß meine Seele hangen, Sey du mein einziges Verlangen, Du Freude mir, die nie gereut. Schwäche, Nur auf des Herzens Oberfläche Schwebt sie ,und all mein Herz willst du! Ganz reine Lieb ist, Gott, dein Wille, Oströme mir aus deiner Fülle Der Liebe Himmelsfreuden zu! 2. O Liebe, lehre du mich lieben, In Demuth und Geduld mich üben, mich jeder fremden Freude freun! Die Liebe ist der Menschheit Ehre; O Liebe, Jesus Christus, lehre Mein Herz dem deinen ähnlich seyn! 5. O Liebe, lehre mich mit Freuden Das Beste thun, das Schlimmste leiden Und immer froh in Liebe seyn! Oliebe, du bist Gottes Leben, O Liebe, deine Lust ist: geben, und deine Freude: still erfreun! 3. Mein Herz, das oft sich sträubt und wendet, Sich oft mit Schein der Liebe blendet, Und o wie oft noch haßt und dräut, Ower wird dieß mein Herz entzünden? Wer lehrt mich schnell und tief empfinden Die Freuden der Versöhn- Liebe Seligkeit! lichkeit? 6. O Jesus Christus! das Entzücken Der Liebe quillt aus deinen Blicken, Aus deinem Herzen Freundlichkeit! O Liebe, daß ich Liebe wäre! O Liebe, Jesus Christus, lehre Mich deiner 1 Lavater, g. 1741 † 1801. Mel. O Gott, du frommer.( Ps. 133.) 430. Von dir, o treuer| gnadenvoll Zum Frieden aufGott, Muß Fried und Ein- genommen. Die Eintracht hast tracht kommen, Der du uns du lieb, Du lohnst ihr ewig E. Nächstenliebe. wohl und lehrest, wie man sie Im Glauben üben soll. 2. Drum flehen wir zu dir Um deines Geistes Gabe, Daß jeder unter uns Ein Herz voll Frieden habe. Gib, daß wir allefammt Im Guten einig sey'n, So fammeln wir gesammt Die Frucht des Friedens ein. 3. Laß eins dem andern stets Zum edlen Balsam werden, Daß ein bedrängtes Herz In 351 allerlei Beschwerden Von seinem Nächsten Trost Und Hilfe kommen seh, Und daß ein Bruderherz Das andre nicht verschmäh. 4. Laß uns in Einigkeit Stets bei einander wohnen Und trag uns allezeit Mit gnädigem Verschonen. Laß unter deinem Volk Die Eintracht herrlich blühn, Bis wir aus Krieg und Streit Zum ewgen Frieden ziehn. Mel. Nun sich der Tag.( Matth. 25, 34-46. 2 Cor. 9, 7.) Christ; Der wird durch deine Thüre gehn, Weil sie so gastlich ist. 431. Christ! wenn die Ar-| versehn, Ists dein Herr, Jesus men manchesmal Vor deiner Thüre stehn, Merk auf,* ob nicht in ihrer Zahl Der Herr sev ungesehn!(* Sir. 12, 1-3.) 2. Und wenn ihr matter Ruf so bang Erschallt zu dir herein, Horch auf, ob seiner Stimme Klang Nicht möchte drunter seyn? 6. Und ehe du ihn noch erkannt, Der arm erschien vor dir, Erhebt er seine heilge Hand Zum Segen für und für: 7. 3um Segen über deinen Tisch Und über all dein Gut Und über deine Kinder frisch Und deinen frohen Muth; 3. O nicht so fest und eng verschließ Die Thüren und das Herz! Ach, wer den Heiland von sich stieß'. Was träfe den für Schmerz! 8. Zum Segen über deine Zeit, Die du hienieden gehst, Und über deine Ewigkeit, Da du dort oben stehst; 4. Drum öffne gern und mitleidsvoll Dem Flehenden dein Haus, Und reiche mild der Liebe Zoll Dem Dürftigen hinaus; 9. Dort oben, wo er dann die Thür Dir auf mit Freuden thut, Wie ihm und seinen Brü= dern hier Du thatst mit frommem Muth. 5. Denn ehe du dichs wirst Hey, g. 1789. XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. Allgemeine Fürbitte. Mel. Ach was soll ich Sünder.( 2 Theff. 3, 1. 2.) 432. Vater! fieh auf unsre nen, Zähle ihre stillen ThräBrüder Auch von deinem Thronnen, Laß sie sehn, was du verhernieder, Wo man Hilf und heißst. Trost gewinnt; Schütze sie in Schmach und Schanden, Rette sie aus ihren Banden, Wenn fie in der Drangsal find. 4. Laß fie deinen Ruf stets wecken, Daß kein Locken und kein Schrecken Ihren Seelen schädlich sey. Steh im Reden und im Schweigen, Im Erdulden und im Zeugen Ihnen als Fürsprecher bei. 2. Unter ihrer Feinde Schnauben Gründ und mehre ihren Glauben, Ihre Hoffnung und Geduld. Halte sie bei deinem Sohne, Mach sie froh mit jenem Lohne, Tröste sie mit deiner Huld. 5. Jesu! der du selbst gelitten, Und vor uns mit blutgenSchrit ten Aus der Welt zum Vater giengst: Zeige ihnen von dem Throne, Daß du dort die Lebenskrone Auch für ihr Haupt schon empfiengst. 3. Stärke sie mit Lebensworten, Sey ihr Licht in dunklen Orten, Fülle sie mit deinem Geist. Höre ihr geheimes Seh352 Mel. Wann wir in höchsten Nöthen seyn. 433. Für alle Menschen beten wir, O Vater, wie für uns zu dir: Gib, der du aller Vater bist, Gib jedem, was ihm heilsam ist. 2. Du fandtest deinen eingen Sohn Für alle von des Himmels Thron; Verbreite, Herr, sein Licht und Recht Beim gan= zen menschlichen Geschlecht. Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. ( Eph. 6, 18. 1 Tim. 2, 1-3.) 4. Auch die Verirrten bringe du Der Heerde Christi wieder zu; Mach sie im Glauben fest und treu, Daß auch ihr Wandel lauter sey. 3. Bring alle Völker in dein Reich; Die letzten mach den ersten gleich Und schaffe bald zu deinem Ruhm Dir überall ein Heiligthum. 5. Ach viele, viele tragen noch Des Sündendienstes schweres Joch; Gib ihnen, Herr, zur Buße Zeit, zu schaffen ihre Seligkeit. 6. Gib deinen Frommen frohen Muth, Bewahr ihr Leben und ihr Gut Und richte ihres Geistes Blick Stets hin aufs ewge Lebensglück. Allgemeine Fürbitte. Christliche Freundschaft. 353 7. Verlaß sie nie in Kreuz und| 8. Hör unser kindliches Gebet, Noth Und steh bei ihnen auch Das allen Menschen Heil erim Tod, Daß ihre Seel ohn' fleht; Laß sie gesegnet seyn in Angst und Weh, Vollendet einst dir, Daß wir dich preisen für zur Heimath geh. und für. Nach Cramer. Christliche Freundschaft. Mel. Gott, mein Gott, dir will.( Sir. 6, 14-17.) 434. was wären meine Frenden, Theilte sie kein Freund mit mir! Und wie trüg' ich meine Leiden, Irrt' ich öd' und einsam hier? Wär ich wie in Wüsteneien Auf die Erde hingebannt, Lebt allein und unbekannt, Müßte ohne Freund mich freuen, Fände hier in Freud und Schmerz Nie ein gleichgestimmtes Herz? 2. Dank dir, Herr, mit Herz und Munde, Daß in treuer Freunde Schoos Mir so manche frohe Stunde Wie ein Augenblick verfloß! Dank für alle reine Freuden, Die mir derer Liebe gab, Die, bereit bis an das Grab Mit zu danken, mit zu leiden, Deine trene Vaterhand Mir so unverdient verband! Freundschaft, wenn ich schwanke, Mein Fuß gleitet, strauchelt, fällt, Dann mich Schwachen fest erhält! 4. Dank, daß viel' der bessern Seelen, Mir ein Segen und der Welt, Mich zu ihren Freunden zählen, Von dir selbst mir zugesellt; Die das Gute mit mir theilen, Das mir deine Güte schenkt, Gern, wenn mich ein Kummer kränkt, Meiner Seele Wunden heilen, Mich erheben, wenn ich sank; Preis dir, Vater, Preis und Dank! 5. Dir geheiligt sey die Freude, Die für mich aus Freundschaft quillt, Voll Erquickung, wenn ich leide, Immer rein und sanft und mild, Nur an frommer Freunde Händen, Die o Heiliger, sich dir Ganz zum Opfer weihn mit mir, Sey mir wohl; o dann vollenden Schnellren Schritte wir unsern Lauf, Und der führt zu dir hinauf! 3. Dank, daß du auf meinem Wege Manchen Freund mir zugeführt, Der, werd ich oft matt und träge, Oder wenn ich, leicht verirrt, Von dem richtgen Pfade wanke, Mir voran zum Ziele wallt; Mit 6. Alle, die mich nah und ferne Lieben, Allbarmherziger, Segne sie( du fegnest gerder sanfteren Gewalt Milder ne), Segne sie, Allgnädiger! Frangelisches Gesangbuch. 23 354 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. Ihrer Seele stilles Sehnen,| Vaterlande, Zu dem Himmel Ihr Bedürfniß, ihr Gebet, unsern Geist. Drüben laß uns Das vielleicht für mich jett wieder finden, Was hier unsrer fleht, Ihre Freuden, ihre Thrä- Lieb entfloh, Doppelt glücklich, nen, Ihre leiseste Begier, Al- doppelt froh, Himmlischer uns les, Herr, empfehl ich dir. dann verbinden Dort, o Vater, woverklärt UnsreFreundschaft ewig währt! 7. Hebe, wenn der Tod die Bande, Die uns binden, nun zerreißt, Zu der Freundschaft F. Einzelne Tugenden und Pflichten. a) Weisheit. Mel. Herr Christ, der einig.( 1 Cor. 2, 6. 7.) dem wir ewig erben? Was hat man ohne ihn? 435. Die Weisheit dieser| Auf den wir selig sterben, Mit Erden Ist noch die wahre nicht; Sie wird zur Thorheit werden Im göttlichen Gericht. Herr! mache dir zum Preise Mich zu dem Himmel weise und sende mir dein Licht. 4. Gott nur als Gott erkennen, Das hat noch wenig Lohn; Man soll ihn Vater nennen In Jesu, seinem Sohn. Das sind die wahren Weisen, Die nur die Weisheit preisen Von Christi Kreuz und Thron. Niemeyer, g. 1754 † 1828 2. Wüßt ich, was Schul und Staaten Auf Erden glücklich macht, Wie wäre mir gerathen, Wenn mein Gewissen wacht, Und ich bin nicht daneben Auf ein unendlich Leben Zu meinem Heil bedacht? 3. Was helfen mir Verdienste, Wenn ich ein Sünder bin? Was nüßen mir Gewinste, Wenn ich nicht den gewinn, I 5. O Geist der Weisheit! präge mir meinen Heiland ein und richte meine Wege Auf dieses Ziel allein, So geh ich nicht verloren, So sterb ich nicht wie Thoren, So werd ich felig seyn. Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Mel. Werde munter.( Eph. 5, 15-17. Hiob. 28, 28. Gir. 1, 10.) 436. Gib die Weisheit mei-| heit dieser Welt, Die der Thor ner Seele, Daß ich deines Wortes Licht, Herr, allein zum Leitstern wähle Und ihm trau mit Zuversicht; Denn die Klugfür Weisheit hält, Fördert nicht mein Wohlergehen Und wird nie vor Gott bestehen. 2. Weisheit ist es: danach F. Einzelne Tugenden und Pflichten. 355 trachten, Recht mit sich bekannt| 5. Weisheit ist es: Gottes zu seyn, Sich nicht für vollkommen achten, Allen Eigendünkel scheun; Gern auf seine Fehler sehn, Sie gebeugt vor Gott gestehn, Eifrig stets nach Beßrung streben, und sich deß doch nie erheben. Gnade Sich zu seinem Ziel ersehn Und auf seiner Wahrheit Pfade Ewgem Heil entgegen gehn; Gern nach Gottes Willen thun, Froh in seiner Fügung ruhn, Und wenn Leiden uns beschweren, Ihn durch frohe Hoffnung ehren. 3. Weisheit ist es: Christum ehren, Ihm als Heiland ganz vertraun, So auf seine Stimme hören, So auf seinen Wandel schaun, Daß man falsche Wege flieht Und mit Eifer sich bemüht, Seinem Bilde hier auf Erden Immer ähnlicher zu werden. 4. Weisheit ist es: alles meiden, Was mit Ren das Herz beschwert, Und sich hüten vor den Freuden, Die der Sünde Dienst gewährt; Menschenruhm, der bald verbleicht, Lust, die im Genuß schon fleucht, Nicht für seinen Himmel achten, Nein, nach Gottes Nähe trachten. 6. Weisheit ist es: stets bedenken, Daß wir hier nur Pilger sind, und sein Herz auf das nur lenken, Was nicht mit der Zeit verrinnt; Seine Augen unverwandt Nach dem ewgen Vaterland Richten und mit Eifer streben, Für die Ewigfeit zu leben. nur wissen: Jesum, Gottes Herrlichkeit, Und die Weltlust fliehn und missen, Heißt vor Gott Einfältigkeit. Ist ein Herz auf dieß gestellt, So gefällt es nicht der Welt. 2. Das ist Klugheit edler Seelen, Das ist geistlicher Ver7. Diese Weisheit ist auf Erden Unsrer Seele bestes Theil; Die von ihr geleitet werden, Deren Weg ist Licht und Heil. Diese Weisheit kommt von dir, Herr, verleihe sie auch mir: Laß sie mich zu allen Zeiten Auf den Weg des Friedens leiten. Nach Freylinghausen. Mel. Gott des Himmels und der Erden.( Ps. 111, 10. 1 Cor. 1, 18-31.) 437. Eins nur wollen, eins| stand. Will ein Mensch das Höchste wählen, Will er streden seine Hand Nach dem Lebensbaum allein: Könnte er dann weiser seyn? 3. Einfalt ist es: eins er= blicken, Das dem Herzen ganz genug; Das, was ewig kann erquicken, Nur verlangen, das 356 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. ist klug. Seyst du vor der Welt| falt, das ist klug, Denn wer alsdann Als ein Thor: was Gott hat, hat genug. liegt daran? 4. Was die Menschen Klugheit nennen, Ist oft blinder Unverstand; Was der Weltsinn will gewinnen, Bringt um jenes Vaterland; Sollte das nicht Thorheit seyn? Dieses sieht die Einfalt ein. 8. Einfalt trachtet dem vor allen, Der sie theuer hat erkauft, Ihrem Heiland, zu gefallen, Daß er sie mit Feuer tauft. Sätte sie nicht Christi Licht, Hälf ihr alles andre nicht. 5. Lieber aller Welt mißfallen, Als zum Himmel ungeschickt! Wo ist in den Dingen allen Etwas, das den Geist erquickt? Gar nichts ist in die ser Welt, Das der Einfalt wohlgefällt. 9. Treuer Jesu! meine Liebe Sey nur dir, nur dir geweiht; Alle meine Herzenstriebe Laß doch nimmer seyn zerstreut. Dich nur wollen, dich nur sehn, Heißt dem rechten Ziel nachgehn. 10. Tritt mir etwas vor die Augen, Das mir könnte schädlich seyn Und dem Geiste nicht kann taugen, Davon halte du mich rein, Daß es geh an mir vorbei, Ob es noch so scheinbar sey. 6. Menschenaugen, die noch schielen Da und dorthin in der Welt, Heimlich noch mit Sünde spielen, Die dem Fleisch nur wohlgefällt, Diese kommen nicht zur Rast, Fühlten sie auch gleich die Last. 7. Einfalt sucht sich vorzusehen, Sammelt auf die Zeit der Noth; Wenn sie muß von hinnen gehen, Geht sie dann nicht ohne Gott; Das ist Ein11. Wohne, Herr, in meiner Seele, Fülle meinen Herzensgrund. Was ists dann, das mir noch fehle, Wenn ich bin in dir gesund? Ja durch Einfalt halte mich Dir verbunden ewiglich! Joh. Mich. Hahn, g. 1758 † 1819. b) Wachsamkeit und Treue. Eigene Mel.( Phil. 2, 12 2c. Marci 13, 33-37. Eph. 6, 10-20.) 438. Mache dich, mein| 2. Aber wache erst recht auf Geist, bereit! Wache, fleh und Vondem Sündenschlafe, Denn bete, Daß dir nicht die böse Zeit es folget sonst darauf Eine Plößlich nahe trete; Unverhofft lange Strafe; Und die Noth Ist schon oft Ueber viele From- Sammt dem Tod Möchte dich men Die Versuchung kommen. in Sünden Unvermuthet finden. F. Einzelne Tugenden und Pflichten. 3. Wache auf, sonst kannst du nicht Christi Kla eit sehen; Wache, weil sonst wird dein Licht Stets dir ferne stehen; Denn Gott will Für die Füll Seiner Gnadengaben Offne Augen haben. 4. Wache, daß dich Satans List Nicht im Schlaf umstricke, Weil er sonst behende ist, Daß er dich berücke; Denn Gott gibt, Die er liebt, Nur in seine Straen, Wenn sie sicher schlafen. 5. Wache, daß dich nicht die Welt Durch Gewalt bezwinge, Oder wenn sie sich verstellt, Wieder an sich bringe. Wach und sieh, Daß du nie Falsche Brüder hörest, Weltgunst nie begehrest. 6. Wache, nimm dich wohl in Acht, Trau nicht deinem Herzen. Leichtlich kann, wers nicht bewacht, Gottes Huld verscherzen; Denn es ist Voller List, Kann bald Schwachheit heucheln, Bald in Stolz sich schmeicheln. 11 Mel. O Gott, du frommer; oder: Ach Gott, verlaß mich nicht.( 1 Petri 4, 17 2c. Hefef. 33, 11-19) 439. Welch eine Sorg und| 2. Der Satan geht umher Furcht Soll nicht bei Christen wachen und sie behutsam, klug Und wohlbedächtig machen! ,, Mit Furcht und Zittern," heißts, Schafft eurer Seelen Heil!" Wenn kaum der Fromme bleibt, Wie gehts dem sündgen Theil? Und sucht, wen er verschlinge, Legt tausend Neg' und Strick' In unvermerkte Dinge. Die Welt ist blind, verführt, Und bind't sich selbst die Ruth; Ja, unser ärgster Feind Ist unser Fleisch und Blut. 3. Man kann so manche Sünd 357 7. Bete aber auch dabei Mitten in dem Wachen; Denn der Herr muß selbst dich frei Von dem allem machen, Was dich drückt Und bestrickt, Daß du schläfrig bleibest Und sein Werk nicht treibest. 8. Ja, er will gebeten seyn, Wenn er was soll geben; Er lädt uns zum Flehen ein, Wenn wir wollen leben Und durch ihn Unsern Sinn, Feind, Welt, Fleisch und Sünden Kräftig überwinden. 9. Doch wohl gut; es muß uns schon Alles glücklich gehen, Wenn wir ihn durch seinen Sohn JmGebet anflehen; Denn er will Alle Füll Seiner Gunst ausschütten, Wenn wir glaubend bitten. 10. Drum so laßt uns immerdar Wachen, flehen, beten, Weil die Angst, Noth und Gefahr Immer näher treten; Denn die Zeit Ist nicht weit, Da uns Gott wird richfen, Und die Welt vernichten. Freystein, t um 1720. - XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. Unwissentlich begehen; Vor| 8. Des Richters Zukunft wird Gott kommt der Gedank Dem Gleich einem Blizz geschehen; Werke gleich zu stehen. Ein arger Mensch verführt Oft hunderte zumal, Drum wer steht, sehe zu, Daß er nicht plöglich fall. 358 4. Ihr sollet," spricht der Herr," Wie ich bin, heilig leben, Mir eure Seelen ganz, Nicht halbgetheilet geben; Viel Weise nach dem Fleisch Hab ich mir nicht erwählt; Viel Herr- Herr- Sager sind Der Hölle zugezählt." 5. Und wird ein Frommer schlimm, So soll ihm das nichts dienen, Daß er vor solcher Zeit Rechtschaffen ist erschienen. Der Knecht, der seines Herrn Gebot weiß, und nicht thut, Wird doppelt Streich' empfahn Für seinen Frevelmuth. 6. Man hat genug zu thun, Die eigne Seel zu retten; Wer noch viel andres hat, Wie kann er das vertreten? Je größer Amt und Gut, Je größer Pfund und Kraft, Je größer bilde man sich ein die Rechenschaft. 7. Die ganze erste Welt Mußt jämmerlich vergehen; Acht Seelen sind allein Vor Gott gerecht ersehen. Der zehnte dankte nur, Daß er vom Aussaß rein; Ach möchten fünf doch klug, Und fünf nur thöricht seyn! Was unrein und gemein, Darf nicht in Himmel gehen. Selbst in der Zwölfe Zahl War ein verloren Kind; Nicht Stadt noch Dorf mag seyn, Wo nicht Verdammte sind. 9. Herr Gott! so oft ich dieß In meinem Geist bedenke, So dringt mir Furcht und Angst Durch Adern und Gelenke; So preis' ich deine Treu, Die mich noch heut erhält; Doch fleh ich desto mehr Für mich und alle Welt: 10. Senk deine wahre Furcht In aller Menschen Herzen; Laß niemand mit der Buß Und wahrem Glauben scherzen! Muthwillen schaffe weg, Trägheit, Vermessenheit, Verstockung, Heuchelei, Bosheit, Unheiligkeit! 11. Hilfsiegen über das, Was du schon überwunden; Zerstöre Satans Reich, Halt seine Macht gebunden. Laß uns mit Sorg und Fleiß Verleugnen, widerstehn, Anhalten im Gebet, Entfliehen und entgehn! 12. Verleih Geduld und Trost Im Kämpfen und im Ringen, Sorgfältge Wachsamkeit Und Kraft, hindurchzudringen, Daß wir ohn' Unterlaß In der Bereitschaft stehn Und einst mit Freudigkeit Vor deine Augen gehn. Hedinger, g. 1664 † 1704. F. Einzelne Tugenden und Pflichten. Eigene Mel.( Pf. 39, 5. 6.) Weislich nüße diese Zeit. 440. Ohne Rast und un-| licher, Eingedenk der Ewigkeit, verweilt, Strömen gleich, o Seele, eilt Deine kurze Pilgerzeit In das Meer der Ewigkeit, 2. Nimm auch Stunden wohl in Acht, Wirke Gutes; denn die Nacht, Da man nicht mehr wirken kann, Kommt und rückt oft schnell heran. 7. Jede Stunde, da mein Geist Sich der Erde mehr entreißt, Bringt mir, flieht sie gleich dahin, Dennoch ewigen Gewinn. 3. Jetzt ist noch der Tag des Heils, Frei die Wahl des besten Theils. Stell dich dieser Welt nicht gleich, Werd an guten Werken reich. 4. Wenn du deine Zeit verträumst, Sie in träger Ruh versäumst, Sie verschwendest ohne Plan: Weh dir, naht dein End heran! 5. Der Versäumniß deiner Pflicht Folgt im göttlichen Gericht, Wenn der Tod dich hingerafft, Eine strenge Rechenschaft. 6. Gott, du meiner Tage Herr, Hilf mir, daß ich Sterb359 2. Getäuscht von tausend Eitelkeiten, Versäumst du deines 8. Jede Stunde, da ich hier Andern nüße und vor dir Redlich handle, dauert dort Stets in ihrem Lohne fort. 9. Laß mir diesen Werth der Zeit, Und des Frommen Thätigkeit Täglich, Gott, vor Augen seyn, Daß ich Trägheit lerne scheun. 10. Steh mit deiner Kraft mir bei, Daß ich, meiner Pflicht getren, Dir zum Preis und mir zum Glück, Nüße jeden Augenblick. 11. Dann vertausch ich diese Zeit Ruhig mit der Ewigkeit, Finde da vor deinem Thron Meiner Arbeit Gnadenlohn. Diterich, nach Gellert. Mel. Wer weiß, wie nabe mir.( Ps. 90, 12. Ebr. 3, 13.) 441. Der letzte Tag von| Lebens Zweck, Verschiebst dein deinen Tagen, O Mensch, eilt immer mehr herbei; Erkauf die Zeit, und statt zu klagen, Sie sey zu kurz, gebrauch sie treu; Onimm mit dankbarem Gemüth Der nahen Stunde wahr,- fie flieht! Heil auf ferne Zeiten Und wirfst so sorglos Jahre weg; Und bist du denn, o Sterblicher, Des nächsten Augenblickes Herr? 3. Ein ewig Glück einst zu befizen, Sollst du die kurze Lebenszeit Als deine Saatzeit weislich nüßen Und thun, was XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 360 dir dein Herr gebeut. Wie ruft er dir so freundlich zu: „ Nur eins ist noth! was säumest du?" 4. Drum eil, errette deine Seele Und denke nicht: ein andermal! Sey wacker, bet und überzähle Der Menschen tage kleine Zahl; Sey fromm und wandle vor dem Herrn, Wär auch dein Ende noch so fern. 5. Mit jedem neu geschenkten Morgen Erwecke dich, gewissenhaft Für deiner Seele Heil zu sorgen, Und suche Gottes Licht und Kraft; Sprich: o mein Gott, ich will allein Mein Leben deinem Dienste weihn! 7. Hilf, daß ich in gesunden Tagen Schon oft zu meinem Grabe geh Und da, bei Freuden und bei Plagen, Auf dich und deine Zukunft seh; Damit ich, meiner Pflicht getren, Des höhern Lebens fähig sey! Chr. Fr. Neander, g. 1723 † 1802. ( 1 Cor. 15, 33.) Mel. Valet will. 442. Ein Ausblick in die| dern, Worein der LeichtsinnFerne Der lichten Ewigkeit Macht, daß ich Vorsicht lerne In dem Gebrauch der Zeit. Wie bald ist viel verloren! Wie leicht das Heil verscherzt, Das mich, wie andre Thoren, Zu spät am Ende schmerzt! 2. In den Zerstreuungsstunden, Die nach der Weltart sind, Holt man oft tiefe Wunden Und wird am Geiste blind. Man fühlt erst in der Stille Und durch der Gnade Zucht, Daß da des Fleisches Wille Die Waide nur gesucht. 3. Herr! zieh mich gleich den Kindern, Die man zu Haus behält, Das Böse zu verhin6. Erleucht und stärke meine Seele, Weil ohne dich sie nichts vermag. Du schenkst, daß ich mein Heil erwähle, Aus Gnaden mir noch diesen Tag. Was ist nicht jede Stunde werth, Die deine Langmuth mir gewährt! fällt; Und bin ich dann alleine, So lehre mich dein Geist Zu aller Zeit das Eine, Das gut und selig heißt. 4. Da sag mir von dem Himmel, Wie's dort so herrlich klingt, Und wie das Lustgetümmel Der Welt nur Jammer bringt; So halten mich die Blicke Nach jener Herrlichkeit Von alle dem zurücke, Was hier den Weltfinn freut. 5. Bin ich gern in Gedanken Schon jetzt mit dir allein: Wie wohl wirds thun dem Kranken, Wenn er muß einsam seyn! Dann ist mein F. Einzelne Tugenden und Pflichten. 361 Herz gewöhnet, Still mit dir| fiche sehnet, Zu dir gen Himumzugehu; Es darf, wohin mel sehn. Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Mel. Ach wann werd ich dahin.( 1 Cor. 10, 12. Marc. 14, 38.) Die auf Sichre 443. Wer sich dünken läßt| Seligsevn, Der ist sicher vor zu stehen, Hüte wohl sich vor dem Fall! Es umschleicht uns, wo wir gehen, Der Versucher überall. Gewittern, schlagen ein. 7. Wohl dem, der mit Wachen, Flehen Wandelt auf der schmalen Bahn! Der wird unbeweglich stehen, Wenn der Arge stürmt heran. 8. Selig ist, wer seine Lenden Immer läßt umgürtet seyn, Wer dem Licht in seinen Händen Stets bewahret hellen Schein! 2. Sicherheit hat viel' betrogen, Schlaffucht thut ja nimmer gut; Wen sie täuschend überwogen, Der verlieretKraft und Muth. 3. Falsche Freiheit bringt Verderben, Knechtschaft ist ihr sichrer Lohn; Wahre Freiheit zu erwerben, Flehe stets zu Gottes Sohn. 4. Petrus, welcher sich vermessen, Mit dem Herrn in Tod zu gehn, Hat der Warnung kaum vergessen, So muß er in Thränen stehn. 5. Ist der Geist auch noch so willig, Bleibt das Fleisch doch immer schwach; Gibst du nach, so trifft dich billig Deiner Feigheit bittre Schmach. 6. Wohl dem, der mit Furcht und Zittern Ringet nach dem 9. Selig, wer mit reinem Dele Seine Lampe früh versieht! Der errettet seine Seele, Wenn der Bräutigam verzieht. 10. Odu Hüter deiner Kinder, Der du schlummerst nicht noch schläfft, Mache mich zum Ueberwinder! Weh, wenn du mich schlafend träfft! 11. Sey du Wecker meiner Sinnen, Laß mich stündlich wachsam seyn, Daß ich, wenn ich muß von hinnen, Wachend auch mag schlafen ein. Mel. O du Liebe.( Luc. 19, 12-24. Eph. 5, 14.) 444. Welche Stund im ganzen Leben Ist wohl, da ich sagen kann:„ Ich darf noch nicht Abschied geben. Jetzt noch kommt mein Herr nicht an?" Herr! drum mache mich bei Zeiten Mit dem Tode wohl bekannt; Komm, mich selber heimzuleiten In mein lie= bes Vaterland. XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 2. Hilf mir, daß ich stündlich| 4. Gib mir stündlich reine sterbe, Daß, kommt nun der Triebe, Geuß die Lieb im HerTod herbei, Ich im Tode nicht zen aus, Mache lauter Gegenverderbe, Sondern voller Leben liebe und rechtschaffnes Wesen. sey. Lehr mich alles fliehn und draus. Laß mich stündlich wahaffen, Was uns in dem Tode chen, beten, Auf dein Wort des reut, Nichts hingegen unter Lebens sehn Und mit festem laffen, Was im Tode noch Muth zertreten, Was dir will erfreut. entgegenstehn. 362 3. Gib mir stündlich wahre Rene Und den rechten Glaubensgeist; Gib mir auch im Kleinen Treue, Die nur thu, was du mich heißst. Laß mich keine Zeit verschwenden, Hilf mir Seel und Leibeskraft Necht nach deinem Sinn verwenden, Daß mein Pfund stets Wucher schafft. 5. Laß mich, Jesu, nicht verzagen, Wann das letzte Stündlein droht! Komm zu heben, fomm zu tragen, Hilf mir fröhlich durch den Tod. Ja dein Geist, den du beschieden, Sey ein sichres Pfand in mir; Und so nimm mich, Herr, im Frieden Und in wahrer Treu zu dir. Nach Bogarty. c) Demuth und Geduld. Mel. O Gott, du frommer.( 1 Petri 5, 5. 6.) 445. Hinab geht Christi Weg; Und du und dein Beginnen Willst aus vermeßnem Stolz Bis an des Himmels 3innen? Steigst ungenügsam auf? Dein Heiland stieg herab! Wer mit ihm aufwärts will, Muß erst mit ihm hinab. 2. Darum, mein Sinn, hinab, Verlerne nur dein Steigen! Was leicht ist, hebt sich schnell, Was schwer ist, muß sich bengen. Die Quelle, die sich senkt, Vermehret ihre Hab Und wird zuletzt zum Strom; Darum, mein Sinn, hinab! 3. Hinab, mein Aug, hinab! Gott selber schaut hernieder Vom Thron aufs Niedrige; Der Stolz ist ihm zuwider: Je höher hier ein Aug, Je näher ists dem Grab Und sinkt in Todesnacht. Darum, mein Aug, hinab! 4. Hinab, ihr Händ', hinab! Hier stehen arme Brüder: Neigt euch zur Niedrigkeit Und labet Christi Glieder. Greift nicht in hohe Luft Nach Ruhm und stolzer Hab; Christ that den Aermsten wohl; Darum, ihr Händ', hinab! 5. Hinab, mein Herz, hinab, F. Einzelne Tugenden und Pflichten. 363 So wird Gott in dir wohnen! 6. Hinab auch du, mein Leib! Die Demuth lohnet er Mit Du bist gemacht aus Erden; goldnen Himmelskronen; Im Durch Demuth sollst auch du Demuthsthale liegt Des heil- Im Geist verkläret werden. O gen Geistes Gab; Owohl dem, Gott, bereite mich Zum Himmel der sie sucht! Darum, mein und zum Grab! Ich sehne mich Herz, hinab! hinauf, Ich sehne mich hinab! Ingolstetter, g. 1633 † 1711. Mel. Ach was soll ich Sünder.( Rom. 12, 6-16. Col. 3, 12-15.) 446. Trachtet nicht nach| 5. Demuth hofft mit frohem hohen Dingen! Nur der Demuth kanns gelingen, Wenns das ewge Kleinod gilt; Sie kann vor dem Fall bewahren, In Versuchung und Gefahren Ist sie uns der beste Schild. Herzen, Ist geduldig bei den Schmerzen; Bleibt zum Beten ungeschwächt; Schicket sich in alle Zeiten, Läßt sich still zum Ende leiten, Weil mit Gott ihr alles recht. 2. Demuth kann der Falschheit wehren Und das Sündengift verzehren, Das sich noch im Herzen regt; Bis die brüderliche Liebe, Die der Hochmuth machet trübe, Immer tiefre Wurzeln schlägt. 3. Demuth nimmt sich keine Ehre, Wenn sie noch so vornehm wäre; Merk es jeder eitle Thor! Aber weil den Herrn sie preiset Und in Liebe Dienst erweiset, 3iehet er sie doch hervor. 4. Was der Hochmuth sonst verhindert, Was die Gluth des Geistes mindert, Das besiegt ihr stiller Muth; Auch im Thun ist sie nicht träge, Darum braucht sie keine Schläge, Wie der Stolz, der wenig thut. 6. Demuth pflegt mit tausend Freuden Arme, Nackte zu bekleiden, Dienet ihnen in dem Herrn; Speiset, tränkt, erquickt und labet, Tröstet, schenfet und begabet, Wartet, pflegt und herbergt gern. 7. Wenn der Feind verfolgt und fluchet, Segnet sie dafür und suchet, Wie sie nur sein Herz gewinnt; Ist mit denen, welche weinen, Und in Fröhlichkeit erscheinen, Jn der Liebe gleich gefinnt. 8. Demuth wills mit denen halten, Die sich nicht in Sekten spalten, Woder Stolz die Geister treibt. Wollet ihr die Kron erringen, O so seht vor allen Dingen, Daß ihr bei der Demuth bleibt! 364 XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. Mel. Von Gott will ich.( Ebr. 10, 36.) Gebete Vor Schlangen- List und Gift. 447. Geduld ist euch von-| früh und späte Mit eifrigem nöthen, Wenn Sorge, Gram und Schmerz, Und was euch mehr will tödten, Euch schneidet in das Herz. O auserwählte Zahl! Soll euch der Tod nicht tödten, Ist euch Geduld vonnöthen Auch in der tiefsten Qual. 6. Geduld thut Gottes Willen, Erfüllet sein Gebot Und weiß sich wohl zu stillen Bei aller Feinde Spott. Es lache, wems beliebt, Wird sie doch nicht zu Schanden; Es ist bei ihr vorhanden Ein Herz, das nichts drauf gibt. 7. Geduld dient Gott zu Ehren Und läßt sich nimmermehr Von seiner Liebe kehren; Und stäupt er noch so sehr, So ist sie doch bedacht, DesHeilgen Hand zu loben, Spricht: Gott, der hoch erhoben, Hat alles wohl gemacht!" 2. Geduld ist Gottes Gabe Und seines Geistes Gut, Der schenket sie zurHabe, Sobald er in uns ruht. Der edle, werthe Gast Erlöst uns von dem Zagen und hilft uns treulich tragen Die allergrößte Last. 3. Geduld kommt aus dem Glauben Und hängt an Gottes Wort; Das läßt sie sich nicht rauben, Das ist ihr Heil und Hort; Das ist ihr hoher Wall, Da hält sie sich geborgen, Läßt Gott, den Vater, sorgen Und fürchtet keinen Fall. 4. Geduld ist wohl zufrieden Mit Gottes weisem Rath; Läßt sich nicht leicht ermüden Durch Aufschub seiner Gnad, Hält frisch und fröhlich aus, Läßt sich getrost beschweren Und denkt: ,, wer wills ihm wehren? Ist er doch Herr im Haus!" 5. Geduld kann lange warten, Vertreibt die lange Weil In Gottes schönem Garten, Durchsucht zu ihrem Heil Das Paradies der Schrift, Und schützt sich 8. Geduld erhält das Leben, Vermehrt der Jahre Zahl, Dämpft und vertreibt daneben Viel Angst und Herzensqual; Ist wie ein schönes Licht, Davon, wer an ihr hanget, Mit Gottes Hilf erlanget Ein fröhlich Angesicht. 9. Geduld ist mein Verlangen Und meines Herzens Lust, Nach der ich oft gegangen; Das ist dir wohl bewußt, Herr, voller Gnad und Huld! Ach gib mir und gewähre Mein Bitten, ich begehre Nichts andres als Geduld. 10. Geduld ist meine Bitte, Die ich sehr oft und viel Aus F. Einzelne Tugenden und Pflichten. 365 dieser Leibeshütte, Zudir, Herr,| Hände Auch ein geduldig Ende, schicken will. Kommt dann der So hab ich alles gnug! legte Zug, So gib durch deine Gerhard, g. 1606 † 1676. Mel. Sollt es gleich.( Eph. 4, 1-3. Jaf. 3, 13-16. 5, 7-11.) 448. Wer Geduld und| 6. Wenn es ihm nach Wunsch Demuth liebet Und sich denen recht ergibet, Kann im Glück Und Unglücksschein Immer guten Muthes seyn. ergehet Und er jetzt zum höchsten stehet, Hält die Demuth ihn zurück, Daß er schent des Glückes Tück. 2. Er kann unbeweglich sehen Sein Glück hin und wieder gehen, und ist allemal bereit 3u der gut- und bösen Zeit. 3. Wenn das Unglück ihn mit Haufen Und mit Macht will überlaufen, Stehet die Geduld ihm bei, Daß er unbeweglich sey. 4. Will ihn dann das Glück anlachen und ihn gar zu muthig machen, Hält in Demuth zu der Erd, Daß er nicht hochmüthig werd. 7. Will ihn alle Welt betrü= ben Und kein Mensch ihn herzlich lieben, Gibt den Trost ihm die Geduld, Daß er daran ohne Schuld. 8. Siget er in hohen Würden, Ist von allen Kreuzesbürden Ganz erledigt, los und frei, Ist die Demuth doch dabei. 9. Die Geduld verjagt das Trauern, Demuth wehrt dem Glückeslauern, Demuth ist für Sicherheit, Die Geduld für Traurigkeit. 5. Will sein Thun gar nicht 10. Drum hab ich auch ausbestehen, Noch nach seinem ersehen, Mit den beiden umKopfe gehen, Fasset die Geduldzugehen, Weil die Demuth ihn an, Daß er alles leiden mich ergößt, Und Geduld in kann. Nuhe setzt. Anton Ulrich, Herzog von Braunschweig- Lüneburg, g. 1633 † 1714. Mel. Nun ruhen alle.( 1 Mof. 32, 10.) 449. Was ich nur Gutes| te zu nützlichem Geschäfte Bab habe, Ist deine milde Gabe, Du Vater alles Lichts! Mein Daseyn und mein Leben Ward mir von dir gegeben, und ohne dich vermag ich nichts. ich aus deiner Huld. Dein ists, wenn gute Thaten Dem Vorsazz wohl gerathen; Ich bin allein an Fehlern schuld. 3. Das Glück, deß ich mich frene, Echaffst du nach deiner 2. Sowohl Verstand als Kräf 366 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. Treue, Du Herr der ganzen| Der Huld, Herr aller Dinge, Welt! Du ordnest unsre Tage, Die du mir stets erzeigt; Olaß Ihr Glück und ihre Plage, michs nie vergessen, Wenn sich Wie's deiner Weisheit wohl mein Herz vermessen Zum gefällt. Stolz und Eigendünkel neigt! 6. Das nüßlich anzuwenden, Was du mit Vaterhänden Mir gütig zugewandt, Gehorsam dir zu werden, Das sey mein Fleiß auf Erden; Dazu gib Demuth und Verstand. Gellert, g. 1715 † 1769. 4. Sollt ich mich denn erheben, Wenn mir in diesem Leben Viel Gutes widerfährt? Was hat dich, Herr, bewogen, Daß du mich vorgezogen? Bin ich auch jemals dessen werth? 5. Ich bin siel zu geringe d) Wahrhaftigkeit.( Eid.) Mel. Ewigkeit, du.( Matth. 5, 37. Cap. 10, 28.) 450. Gott! der du Herzens-| dem, der Gott und Gottes Macht kenner bist, Herr! dem die Falschheit Greuel ist, Und jede Lüg Verbrechen, Kein Wort spricht je ein falscher Mund, Das dir, Allwissender, nicht fund; Du, Heiliger, wirsts rächen! Laß jederzeit mein Ja und Nein, Wie's Christen ziemt, aufrichtig seyn. Zum Siegel seiner Bosheit macht, Sie vor der Welt zu decken! Herz, schau den Gott mit Zittern an, Der Seel und Leib verderben kann! 2. Und wenn ich schwörend vor dir steh, Dir in dein heilig Antlitz seh, Die Hand zum Himmel hebe, Wenn ich zum Zeugen feierlich Anrufe, Hocherhabner, dich, Durch den ich bin und lebe: Dann sey von Trug und Heuchelei Herz und meine Zunge frei. Mein 3. Wenn Frevler dich auch da noch schmähn Und frech mit Lügen vor dir stehn, Dann laß mein Herz erschrecken! Weh 4. Gott! wenn du nicht mein Gott mehr bist, Dein Sohn nicht mehr mein Heiland ist, Dein Himmel nicht mein Erbe; Wenn mich beim Leiden dieser Zeit Kein Trost vom Himmel mehr erfreut, Kein Trost mehr, wenn ich sterbe; Wenn Gott und Jesus nicht mehr mein: Dann besser, nie geboren seyn! 5. Nein, Ehre nicht, nicht Gut und Geld, Kein Fürstenthum und keine Welt Soll mich so weit verführen! Um alle Leiden dieser Zeit Will ich doch Gott und Seligkeit Muthwillig nicht verlieren. Wie klein mein F. Einzelne Tugenden und Pflichten. 367 Glück auch immer sey: Nur, Amt und Pflicht, So laß mich Gott und reines Herz dabei! auch im Kleinsten nicht Die theure Zusag brechen! 6. Gott! lehre mich bei jedem Eid AusFurcht vor deiner Heiligkeit Die Wahrheit pünktlich sprechen. Beschwör ich heilig dein! dir, Gott, schwur ich treu zu seyn: Erhalt mich ewig, ewig Bidel, g. 1737 † 1809. Mel. Herzlich thut.( Eph. 4, 25. 1 Petri 3, 10. 11.) 451. Wohl dem, der richtig| chen, Was ich nicht halten kann, wandelt, Der als ein Wahrheitsfreund In Wort und Werken handelt Und das ist, was er scheint; Der Recht und Treue liebet Und von dem Sinn der Welt, Die Trug und Falschheit übet, Sich unbefleckt erhält! Zusagen mich nie brechen, Die ich mit Recht gethan; Nie mich den Stolz verleiten Und nie des Beispiels Macht, Als Wahrheit auszubreiten, Was ich doch selbst erdacht. 2. Wohl dem, der Lügen hasset, Und der, so oft er spricht, So seine Neden fasfet, Daß er die Wahrheit nicht mit Vorbedacht verleget, Und der an jedem Ort Sich dieß vor Augen setzet: „ Gott merkt auf jedes Wort!" 3. Wohl ihm, daß sein Gemüthe, Herr, deine Rechte übt! Ihn leitet deine Güte,& wird von dir geliebt; Du wirst ihn einst erhöhen, Wenn bei der Wahrheit Licht Beschämt die Falschen stehen, Geschreckt durch dein Gericht. 4. Herr! drücke dieß im Leben Dir tief ins Herz hinein, Damit ich möge streben, Der Lügen Feind zu seyn. Erinnre mein Gewissen: Du hasfest Heuchelei, Damit ich stets beslissen Der Treu und Wahrheit sey. 5. O laß mich nichts verspre6. Doch laß zu allen Zeiten Auch deiner Weisheit Licht, Herr, meine Seele leiten, Damit ich meine Pflicht Mit Klugheit üb' und wisse, Wann ich für andrer Wohl und für mich reden müsse, Und wann ich schweigen soll. 7. Wenn je mich zu bedrücken Des Feindes Anschlag gilt, Der sich bei bösen Tücken In guten Schein verhüllt, So stärke meine Seele, Daß sie nicht unterliegt, Und alles dir befehle. Durch den die Unschuld siegt. 8. Ein Herz voll Treu und Glauben, Das, Gott, zu dir sich hält, Das soll mir niemand rauben! So kann ich aus der Welt Einst mit der Hoffnung gehen: Ich werde als dein Kind Dich mit den Frommen sehen, Die reines Herzens sind. Lüneburger Gesangbuch. 368 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. e) Genügsamkeit. Mel. Alles ist an.( Phil. 4, 6.) 452. Nur für dieses Leben sorgen, Machet keinen guten Morgen, Aber manche böse Nacht! Nur um jenes Leben sorgen, Bringt einst einen frohen Morgen, Wann man aus dem Grab erwacht. 2. Mein Gott! fehlt es mir an Gaben, Wünsch ich dieß und das zu haben: Lehr mich ohne Kummer seyn; Lehrmich, dir in Kindesbitten Mein Verlangen auszuschütten, Denn du hörst und hilfft allein. 3. Lehr mich, ohne ängstlich Klagen Dir vergnügten Dank zu sagen Schon für das, was wirklich da. Daß nicht Sorgen mich verstricken Und des Wortes Frucht ersticken, Sage mir: der Herr ist nah!" 4. Reich an guten Werken werden, Das sey mein Gesuch auf Erden; Andre Sorgen taugen nichts! Laß in sehnlichem Verlangen Mich mit ganzem Her zen hangen An dem Erbtheil jenes Lichts! 3. Doch nach den Gütern dieser Zeit Mit ganzer Seele 5. Da ist Reichthum, der recht wichtig, Da ist Leben, das nicht flüchtig; Jesu, dahin ziehe mich! um die Güter jenes Lebens Ist das Ringen nicht vergebens, Und die Frucht währt ewiglich. Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Mel. Auf, Christenmensch.( 1 Tim. 6, 6-10. Matth. 6, 33.) 453. Wohl dem, der beßre| schmachten, nicht erst nach der Schäße liebt, Als Schäße die ser Erden! Wohl dem, der sich mit Eifer übt, An Tugend reich zu werden; Und in dem Glau-| ben, deß er lebt, Sich über diese Welt erhebt! Gerechtigkeit Und Gottes Reiche trachten, Ist dieses eines Menschen Ruf, Den Gott zur Ewigkeit erschuf? 2. Gott wehret seinen Kindern nicht, Hier Güter zu besigen. Er gab sie uns, doch auch die Pflicht, Mit Weisheit sie zu nüßen; Sie dürfen unser Herz erfreun Und unsers Fleißes Antrieb seyn. 4. Der Geiz erniedrigt unser Herz, Erstickt die edlern Triebe; Die Liebe für ein schimmernd Erz Verdrängt der Tugend Liebe und machet, der Vernunft zum Spott, Ein elend Gold zu deinem Gott. 5. Der Geiz, so viel er an sich reißt, Läst dich kein Gut genie= ßen; Er quält durch Habsucht deinen Geist Und tödtet dein F. Einzelne Tugenden und Pflichten. 369 Gewissen Und reißt durch sie wohlbedacht, Wenn du sie schmeichelnden Gewinn Dich reich wie dich gemacht. blind zu jedem Frevel hin. 6. Um wenig Vortheil wird er schon Aus dir mit Meineid sprechen; Dich zwingen, der Arbeiter Lohn Unmenschlich abzubrechen; Er wird in dir der Wittwen Flehn, Der Waisen Thränen widerstehn. 9. Du hast ein richterliches Amt: Und du wirst dich erfrechen, Die Sache, die das Recht verdammt, Aus Habsuchtrecht zu sprechen; Und selbst der Tugend größter Feind Erkauft an dir sich einen Freund. 7. Dein durch den Geiz verhärtet Herz Schmeckt nie des Wohlthuns Freuden; Denn dich rührt feines andern Schmerz Und keines Armen Leiden; Und wo ist eines Standes Pflicht, Die nicht der Geiz entehrt und bricht? 8. Du bist ein Vater; und aus Geiz Entziehst du dich den Kindern Und läsfest dich des Goldes Reiz, Ihr Herz zu bilden, hindern, Und glaubst, du habst 10. Gewinnsucht raubt dir Muth und Geist, Die Wahrheit frei zu lehren; Du schweigst, wenn sie dich reden heißt, Ehrst, wen du nicht sollst ehren Und wirst um ein verächtlich Geld Ein Schmeichler und die Pest der Welt. 11. Erhalte mich, o Gott, dabei, Daß ich mir gnügen lasse, Geiz ewig, als Abgötterei, Von mir entfern' und hasse! Ein weises Herz und guter Muth Sey meines Lebens größtes Gut! Gellert, g. 1715 † 1769. Mel. Gingen wir aus Herzensgrund.( Sprüche 30, 7-9.) Seel ins Sündenreich. 454. 3weierlei bitt ich von| gut, stürzt beides gleich Unfre dir, 3weierlei trag ich dir für, Dir, der alles reichlich gibt, Was uns dient und dir beliebt; Gib mein Bitten, das du weißt, Eh ich sterb und sich mein Geist Aus des Leibes Banden reißt. 2. Gib, daß ferne von mir sey Lügen und Abgötterei; Armuth ohne Trost und Licht, Und viel Reichthum gib mir nicht; Allzuarm und allzureich Ist nicht Evangelisches Gesangbuch. 3. Laß mich aber, o mein Heil, Nehmen mein bescheiden Theil Und beschere mir nach Noth Hier und heut mein täglich Brod. Auch ein wenig, da der Muth Und ein gut Gewissen ruht, Ist fürwahr ein großes Gut! 4. Denn sonst möcht im Ueberfluß Ich empfinden Ueber24 370 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. druß, Dich verleugnen, dir zum| Ränk' und List, Wirket Scha= Spott Fragen:, wer ist Herr den, stiftet Zwist, Fraget nicht, und Gott?" Denn das Herz ist was christlich ist. Frechheit voll, Weiß oft nicht, wenn ihm ist wohl, Wie es sich erheben soll. 6. Ach mein Gott, mein Schatz, mein Licht! Dieses beides ziemt mir nicht; Beides schändet deine Ehr, Beides stürzt ins Jammermeer; Drum so gib mir Füllund Hüll, Nicht zu wenig, nicht zu viel, Also, wie dein Herze will. 5. Wiederum, wenns stehet bloß und die Armuth wird zu groß, Wird es untreu leicht und stellt Nach des Nächsten Gut und Geld, ThutGewalt, braucht Mel. Ach was soll ich.( Luc. 12, 15-21.) 455. Wenn ich mir auf vie-, 3. Lehr mich bei den Nebenle Jahre Einen großen Vorrath spare, Weß wird seyn mein Ueberfluß, Da ich soll gesammelt werden In ein Räumlein kühler Erden Und in kurzem sterben muß? 2. Herr! bewahr mich vor den Stricken, Wenn der Geiz mich will berücken; Das was da ist, sey genug! Gib mir Vorsicht auf mein Scheiden Und mach auf die Ewigkeiten Mich durch deine Gnade klug. Gerhard, g. 1606 † 1676. 456. Ach treuer Gott! ich ruf zu dir: Hilf, daß mich nicht bethöre Die böse Lust, die strebt in mir Nach Reichthum, Pracht und Ehre. Gib, daß ich an dein Wort mich halt Und dadurch jede Lockung bald In deiner Kraft besiege. 2. Du, der den Thieren Nahgaben Mangel oder übrig haben, Satt seyn oder hungrig seyn. Jesus hat uns mehr erworben: Was am Kreuz uns anerstorben, Bleibt im Sterben uns allein. 4. Könnte man die Welt gewinnen, Führe dennoch arm von hinnen, Wer nicht Theil am Himmel hat; Wer sich reich in Christo glaubet, Dem wird nichts im Tod geraubet: Nichts als Gott macht ewig satt! Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Mel. Aus tiefer Noth schrei.( Pf. 127, 2. Matth. 16, 26.) rung schafft Und Futter gibt den Raben, Du läßst auch mich durch deine Kraft Trank, Brod und Kleidung haben. Wenn uns ein mehrer's werden soll, So weißest du als Vater wohl, Obs deinen Kindern nütze. 3. Wer wenig hat, und das mit Recht, Kann deine Huld F. Einzelne Tugenden und Pflichten. 371 behalten; Er bleibt in Demuth,| erhebt Gen Himmel von der recht und schlecht und läßt dich Erde, Damit er reich, so lang ferner walten. Sein weniges er lebt, An ewgen Schätzen gedeiht ihm mehr, Als reicher werde; Die fliegen niemals Sünder Gut und Ehr, So sie auf im Rauch Und sind in mit Unrecht haben. Gott gesichert auch Vor Dieben, Rost und Motten. 7. Ohöchstes Gut, sey hier und dort Mir Reichthum, Lust und Ehre! Gib, daß in mir fich fort und fort Das Sehnen nach dir mehre, Daß ich dich stets vor Augen hab, Mir selbst und allem sterbe ab, Was mich von dir will ziehen. 8. Hilf, daß ich meinen Wandel führ Bei dir im Himmel oben, Wo ich werd ewig seyn bei dir, Dich schauen und dich loben; So kann mein Herz zu= frieden seyn Und findet, Gott, in dir allein Die wahre Ruh und Freude. Nach Denike. 4. Ein Trost, der nur auf Reichthum steht, Wird unverhofft zu Schanden, Und wenn es an das Scheiden geht, Dann ist erst Noth vorhanden; Denn Geld und Gut errettet nicht Von Gottes ewigem Gericht, Das einst die Sünder schrecket. 5. Ach, meine Seel kann ihre Ruh Im Zeitlichen nicht finden; Was ich da vornehm' oder thu, Muß wie ein Rauch verschwinden. Unsterblich ist die Seel; es muß Unsterblich seyn, was ohn' Verdruß Sie soll mit Freude laben. 6. Drum selig, wer sein Herz Mel. Wer Jesum bei sich hat.( Hiob 1, 21.) 457. Es jammre, wer nicht| 3. Es zage, wer nicht hofft; glaubt; Ich will mich stillen: Mir fällt kein Haar vom Haupt Ohn' Gottes Willen. In Jesu hab ich hier Das beste Leben; Und sterb ich, wird er mir Ein beßres geben. Ich will mich fassen, Gott hat michs schon so oft Erfahren lassen: Er hört Gebet in Noth, Wann sie am größten; Sein Geist kann auch im Tod Mit Jesu trösten. 2. Es sorge, wer nicht traut; Mir soll genügen: Wofür mir jetzo graut, Das wird Gott fügen. Er weiß, was nöthig sey, So mag er sorgen; Mir ist des Vaters Treu Auch nicht verborgen. 4. So wein' ich, wenn ich wein', Doch noch mit Loben; Das Loben schickt sich fein Bei solchen Proben. Man kann den Kummer sich Vom Herzen singen. Nur Jesus freuet mich; Er hilft vollbringen. Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. 372 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 1) Mäßigkeit und Keuschheit. Mel. Folget mir, ruft.( Sir. 23, 4-6. Sprüche 23, 30.) 458. Gott! du bist alleine| 4. Lust zur Arbeit wird gegütig, Darum bitt ich dich de- mindert, Alle Munterkeit ver-> müthig: Vater! laß mich auf hindert, Alles Nöthige vermein Flehn Deiner Gnade Bei- säumt, Schand und Lästrung stand sehn; Laß mich nicht in ausgeschäumt; Ernst und VorMissethaten, Auch in Schlem- saß liegt erstorben, Alles Gute men nicht gerathen, Ach behüte wird verdorben, Und der Seele immerhin Mich vor unver- Kraft verzehrt, Wenn uns schämtem Sinn! Völlerei beschwert. C 2. Gib mir, denn du kannst es geben, Lust, in Mäßigkeit zu leben, Daß doch nie durch Völlerei Mein Gebet verhindert sey. Trunkenheit verderbt die Gaben, Die wir zur Erquickung haben, Die kein Mensch, des Leichtsinns voll, Jämmerlich mißbrauchen soll. 3. Alle Weisheit wird erstiket, Sinn und Denken unterdrücket, Gut und Ehre wird verheert, Leib und Seele wird zerstört; Dein Geist, welcher Fromme liebet, Wird vertrieben, wird betrübet, Und dein schwerer Zorn erweckt, Der den Arm zur Strafe reckt; 5. Da wird böser Nath beschlossen, Del zur Wollustgluth gegossen; Ja wer ist, der recht beschreibt, Was man da für Bosheit treibt? Laß mich, Vater, völlig sehen, Was für Laster draus entstehen, Daß mir jadie Schwelgerei Lebenslang zuwider sey. 6. Laß mit Nüchternheit und Beten Und mit Dank mich vor dich treten, Daß mein Leib mitsammt dem Geist Dein gefällig Opfer heißt; So daß ihrer beider Gaben Täglich neues Wachsthum haben, Und zu dir, o höchstes Gut, Aufsteig eine reine Gluth. Nach Ph. Fr. Hiller. Mel. Vater unser im.( 1 Cor. 6, 19. 20. 3, 17.) 2. Wend ab, was meinem Und mir ein Fleisch beliebt falsch Vergnügen gibt; Behüte mich vor schnöder Lust, Neiß die Gedanken aus der Brust, Die unrein sind und feurig stehn, Sobald die Augen irre gehn. 459. Gott, der du mein Vater bist Und schenkest, was mir nöthig ist! MeinLeben steht in deiner Hand, Mein Odem ist dein Gnadenpfand; Du liebtest mich in deinem Sinn, Bevor ich etwas worden bin. F. Einzelne Tugenden und Pflichten. 373 3. Vertilg in mir der Unzucht| nissen Widerstand; Schließ Gift, Das andre Laster über- meine Sinnen selber zu, Vertrifft! Wer irgend fündigt, feh- feße mich in heilge Ruh. let sehr, Doch Wollust sündigt zwiefach mehr, Denn sie macht unsern Leib gemein, Der doch dein Tempel sollte seyn! 6. Laß, Herr, mich deine Wohnung seyn; Mach meine Seele völlig rein, Die Glieder im Versuchungsstreit Zu Waffen der Gerechtigkeit; Führ du an meiner Statt den Krieg Und gib mir den erwünschten Sieg. 4. Wach über mich bei Tag und Nacht Und hintertreib des Feindes Macht, Der Ehrbarfeit und keusche Zucht Durch böse Lust zu fällen sucht, Und wenn die Gluth hat ausgeflammt, Das Herz verzagt macht und verdammt. 7. Wenn deine Furcht den Wandel zähmt, So ist an mir nichts unverschämt: Ein freches Auge weichet fort, Dem Ohr gefällt kein unrein Wort, Der Mund spricht nichts, was schandbar heißt; Das wirk in mir durch deinen Geist! 5. Entzeuch dem allem mein Gesicht, Was gegen deine Liebe spricht; Die sey mein Schutz! durch deine Hand Thu AergerMel. Werde munter. 460. Heilger Gott, der du begehrest Keuschheit, Zucht und fromme Scheu, Der du hafsest und verwehrest Schnöde Lust und Schwelgerei! Ach, ich fleh durch Jesum Christ, Der der Seelen Heiland ist: Mache mich ihm gleich gefinnet, Was der Weltfinn auch beginnet! 2. Tilg in mir die schnöden Triebe, Tödte das verderbte Fleisch; Gib mir deine Furcht und Liebe, Dadurch mach mich rein und keusch. Unterbrich der Lüste Lauf, Zieh mein Herz zu dir hinauf, Daß es nicht am Eitlen klebe, Sich der Wollust nicht ergebe. ( 1 Cor. 6, 15-20.) 3. Meine Seel ist deinem Bilde Gleichgemacht und hochgeschätzt; Dein Sohn hat für sie voll Milde Einst sein Leben eingesetzt. Drum, o Vater, wär ich ja Mir nur selbst zum Fluche da, Wenn ich unkeusch leben wollte Und dein Bild so schänden sollte! 4. Christus wohnet durch den Glauben Selbst in mir; sein heilger Geist Lässet sich mein Herz nicht rauben, Das er seinen Tempel heißt. Darum steht er mir auch bei, Daß sein Tem= pel heilig sey, Daß ich ihm, an Seel und Leibe Kensch und rein, geheiligt bleibe. 374 XVIII. Erostlieder. 5. Wer nicht rein, kann Gott| 7. Darum, Herr der reinen nicht sehen, Denn Gott ist das Schaaren, Laß mir deines Geireinste Licht; Der kann nicht stes Kraft Und die Gnade wivor ihm bestehen, Dem die Rei- derfahren, Die ein reines Herze nigkeit gebricht. Soll mich nun schafft. Sey du meines Herzens der helle Schein Deines Ange- Gast, Mach die Sünde mir sichts erfreun, Herr, so rein'ge verhaßt; Auch entziehe mich Geist und Glieder, Mach mir böse Luft zuwider! bei Zeiten Sündlichen Gelegenheiten. 6. Gottes Geist wird schon be8. Tödte meines Fleisches trübet Durch ein einzig schand- Triebe, Und was sonst mein bar Wort, Und wer sich in Lüsten übet, Treibt ihn völlig von sich fort. Wollust machet Sorg und Gram, Bringet uns in Schand und Scham; Die in solchen Sünden sterben, Können nie dein Reich ererben. Herz befleckt, Weil dein Sohn am Kreuz voll Liebe Qualund Tod für mich geschmeckt. Treib die Lüste ganz von mir, Daß ich Leib und Seele dir Als ein Heiligthum bewahre Und zu dir im Frieden fahre. XVIII. Trostlieder. Eigene Mel.( 5 Mof. 32, 4.) 461. Was Gott thut, das ist wohlgethan! Es bleibt gerecht sein Wille; Wie er fängt meine Sachen an, Will ich ihm halten stille; Er ist mein Gott, Der in der Noth Mich wohl weiß zu erhalten, Drum laff ich ihn nur walten. 2. Was Gott thut, das ist wohlgethan! Er kann mich nicht betrügen; Er führet mich auf rechter Bahn; So lass' ich mir genügen An seiner Huld Und hab Geduld; Er wird mein Unglück wenden, Es steht in seinen Händen. 3. Was Gott thut, das ist wohlgethan! Er wird nicht von mir weichen Und als ein Arzt, der helfen kann, Den Trank des Heils mir reichen Zur Arzenei: Gott ist getreu! Drum will ich auf ihn bauen Und seiner Güte trauen. 4. Was Gott thut, das ist wohlgethan! Er ist mein Licht und Leben, Der mir nichts Böses gönnen kann; Ich will mich ihm ergeben In Frend und Leid; Es kommt die Zeit, Da öffentlich erscheinet, Wie treulich er es meinet. XVIII. Trostlieder. 375 5. Was Gott thut, das ist| 6. Was Gott thut, das ist wohlgethan! Muß ich den Kelch gleich schmecken, Der bitter ist nach meinem Wahn, Lass' ich mich doch nicht schrecken, Weil doch zuletzt Ich werd ergößt Mit süßem Trost im Herzen; Da weichen alle Schmerzen. wohlgethan! Dabei will ich verbleiben! Es mag mich auf die rauhe Bahn Noth, Tod und Elend treiben: So wird Gott mich Ganz väterlich In seinen Armen halten; Drum laff ich ihn nur walten. Rodigast, g. 1649 † 1708. Eigene Mel.( Rom. 8, 28-39.) 462. Warum sollt ich mich denn grämen? Hab ich doch Christum noch, Wer will mir den nehmen? Wer will mir den Himmel rauben, Den mir schon Gottes Sohn Beigelegt im Glauben? 2. Nichts hab ich hieher genommen, Da ich klein Bin herein In die Welt gekommen. Nichts wird einst auch mit mir ziehen, Wann ich werd Von der Erd Wie ein Schatten fliehen. 3. Gut und Blut, Leib, Seel und Leben Ist nicht mein, Gott allein Ist es, ders gegeben; Will ers wieder zu sich kehren, Nehm ers hin; Ich will ihn Dennoch fröhlich ehren. 4. Schickt er mir ein Krenz zu tragen, Dringt herein Angst und Pein, Sollt ich drum verzagen? Der es schickt, der wird es wenden; Er weiß wohl, Wie er soll All mein Unglück enden. 5. Gott hat mich in guten Tagen Oft ergößt; Sollt ich jetzt nicht auch etwas tragen? Fromm ist Gott und schärft mit Maßen Sein Gericht, Kann mich nicht Ganz und gar verlassen. 6. Satan, Welt und ihre Rotten können mir nichts mehr hier Thun, als meiner spotten. Laß sie spotten, laß sie lachen; Gott, mein Heil, Wird in Eil Sie zu Schanden machen. 7.Unverzagt und ohne Grauen Soll ein Christ, Wo er ist, Stets sich lassen schauen; Wollt ihn auch der Tod aufreiben, Soll der Muth Dennoch gut Und fein stille bleiben. 8. Kann doch selbst kein Tod uns tödten, Sondern reißt Unsern Geist Aus viel tausend Nöthen, Schleußt das Thorder bittern Leiden Und macht Bahn, Daß man kann Gehn zu Himmelsfreuden! 9. Allda will in süßen Schäzen Ich mein Herz Auf den Schmerz Ewiglich ergößen. Hier ist kein recht Gut zu finden! 376 XVIII. Trostlieder. Was die Welt In sich hält,| uns scheiden: Ich bin dein, Muß wie Nauch verschwinden. weil du dein Leben Und dein 10. Was sind dieses Lebens Blut Mir zu gut In den Tod Güter? Eine Hand Voller gegeben; Sand, Kummer der Gemüther! Dort, dort sind die edlenGaben, Da mein Hirt, Christus, wird Mich ohn' Ende laben. 11. Herr, mein Hirt, Brunn aller Freuden! Du bist mein, Ich bin dein, Niemand kann Mel. Jesu, meine Freude. 463. Meine Seel ist stille Zu Gott, deffen Wille Mir zu helfen steht. Mein Herz ist vergnüget Mit dem, was Gott füget, Nimmts an, wie es geht. Geht die Bahn Nur himmelan, Und bleibt Jesus ungeschieden, So Fin ich zufrieden. 2. Meine Seele hanget An dir und verlanget, Gott, bei dir zu seyn, Will dich wirken lassen, Will nur dich umfassen, Nur in die sich freun; Von der Welt, Ehr, Lust und Geld, Dessen viele so beslissen, Mag sie nichts mehr wissen. 3. Nein, ach nein! nur einer, Sag ich, und sonst keiner Wird von mir geliebt: Jesus, der getrene, In dem ich mich freue, Der sich ganz mir gibt! Er allein, Er soll es seyn, Dem ich wieder mich ergebe, Dem ich einzig lebe! 12. Du bist mein, weil ich dich fasse und dich nicht, O mein Licht, Aus dem Herzen lasse. Laß mich, laß mich hingelangen, Da du mich Und ich dich Ewig werd umfangen! Gerhard, g. 1606 † 1676 ( Pf. 62. Joh. 10, 27. 28.) 4. Gottes Güt' erwäge, Meine Seel, und lege Dich in seinen Schoos; Lerne ihm vertrauen, So wirst du bald schauen, Wie die Ruh so groß, Die da fleust Aus stillem Geist: Wer sich weiß in Gott zu schicken, Den fann er erquicken. 5. Still, o meine Seele! Was dich immer quäle, Senk in Jesu Brust. Werde stark durch Hoffen; Was dich je betroffen, Trage du mit Lust; Fasse dich Ganz inniglich Durch Geduld und Glauben feste: Endlich kommt das Beste! 6. Amen, es geschiehet! Wer zu Jesu fliehet, Wird deß Zeuge seyn: Wie Gott seinen Kindern Pflegt das Kreuz zu lindern Und ein froh Gedeihn Aufbewahrt, Bis, wer da harrt, Endlich aus dem schwerer Leide Uebergeht in Freude. Schade, g. 1666 † 1698. XVIII. Trostlieder. Eigene Mel.( Ebr. 12, 5-7. Pf. 42, 12. 126, 5. 6.) 464. Schwing dich auf zu deinem Gott, Du betrübte Seele! Warum liegst du, Gott zum Spott, In der Schwer muthshöhle? Merkst du nicht des Feindes Lift? Er will durch sein Kämpfen Deinen Trost, den Jesus Christ Dir erwor= ben, dämpfen. 2. Auf, ermanne dich und sprich: Fleuch, du alte Schlange! Was erneust du deinen Stich, Machst mir angst und bange? Ist dir doch der Kopf zerknickt, und ich bin durchs Leiden Meines Heilands hingerückt In den Saal der Freuden! 3. Hab ich was nicht recht ge= than, Ist mirs leid von Herzen, Dafür nehm ich gläubig an Christi Blut und Schmerzen; Denn das ist das Lösegeld Meiner Missethaten, Dadurch ist der ganzen Welt Und auch mir gerathen. 4. Stürme, Feind und Welt und Tod! Was könnt ihr mir schaden? Deckt mich doch in meiner Noth Gott mit seinen Gnaden, Der Gott, der mir seinen Sohn Selbst geschenkt aus Liebe, Daß nicht ewig Spott und Hohn Dort mich einst betrübe. 377 Was ist Gutes in der Welt, Das nicht mir gut wäre? Wem erglänzt das Sonnenlicht? Wozu ist gegeben Luft und Wasser? dient es nicht mir und meinem Leben? 6. Meine Seele lebt in mir Durch die süßen Lehren, So die Christen mit Begier Alle Tage hören. Gott eröffnet früh und spat Meinen Geist und Sinne, Daß sie seines Geistes Gnad Freudig werden inne. 7. Ich bin Gottes, Gott ist mein! Wer ist, der uns scheide? Dringt das liebe Kreuz herein Mit dem bittern Leide,- Laß es dringen: kommt es doch Von geliebten Händen; Schnell zerbricht des Kreuzes Joch, Wenn es Gott will wenden. 8. Kinder, die der Vater soll Ziehn zu allem Guten, Die gerathen selten wohl Ohne Zucht und Nuthen. Bin ich denn nun Gottes Kind, Warum will ich fliehen, Wenn er mich von meiner Sünd Will aufs Gute ziehen? 9. Es ist herzlich gut gemeint Mit der Christen Plagen: Wer hier zeitlich wohl geweint, Darf nicht ewig klagen; Wem das Kreuz hier recht bewust, Hat in Gottes Garten Ewiglich vollkommne Lust Endlich 5. Was ist unter'm Himmelszelt, Was im tiefsten Meere, zu gewarten. XVIII. Trostlieder. 378 10. Gottes Kinder säen zwar Traurig und mit Thränen, Aber endlich bringt das Jahr, Wonach sie sich sehnen. Ja, es kommt die Erntezeit, Da sie Garben machen; Da wird all ihr Gram und Leid Lauter Freud und Lachen! Mel. Nun laßt uns Gott.( Matth. 6, 25. Jef. 30, 15.) 465. Ich will nicht alle| be Durch sanfte GlaubensMorgen Mein Herz mit schweren Sorgen Und kummervollem 3agen Zu Gottes Unehr plagen. 2. Es ist ihm größre Ehre, Wenn ich dem Kummer wehre Und ruhig im Gemüthe Mich tröste seiner Güte. 3. Es läßt sich nicht erringen, Nicht durchs Gebet erzwingen; Es läßt sich nicht erlaufen, Nicht durchs Geschenk erkaufen. 4. Beim Glauben, Warten, Hoffen Steht uns der Himmel offen, Die ganze Gottesfülle Genießt man in der Stille. 11. Ei so faß, o Christenherz, Alle deine Schmerzen, Wirf fie fröhlich hinterwärts! Laß des Trostes Kerzen Dich erleuchten mehr und mehr! Gib. dem großen Namen Deines Gottes Preis und Ehr: Er wird helfen! Amen. Gerhard, g. 1606 † 1676. 5. Sieh, wie in deinem Garten Die Blumen ruhig warten, Der Sonne stille halten Und so sich froh entfalten: 6. So wächst man in der LieEigene Mel. 466. Sollt es gleich bisweilen scheinen, Als wenn Gott verließ' die seinen, Oso glaub und weiß ich dieß: Gott hilft endlich noch gewiß! triebe, Wird stark in Gottes Frieden Und darf sich nicht ermüden. 7. Des Geistes Gottes Treiben Lehrt uns bei Christo bleiben, Gott herzhaft Vater nennen Und immer besser kennen. 8. So geht man hin im Frieden, Nimmt an, was Gott beschieden, Und geht auf Pilgerwegen Dem frohen Ziel entgegen. 9. Ach wären wir dort oben, Daß wir ihn könnten loben Mit den verklärten Zungen, Mehr als wir hier gesungen! 10. Doch wollen wir uns rüsten Im Geist mit frommen Christen, Daß uns sein Lob auf Erden Das süßste möge werden. -Hosch g. 1750 † 1811 ( Pf. 25, 1-6.) 2. Hilfe, die er aufgeschoben, Hat er drum nicht aufgehoben; Hilft er nicht zu jeder Frist, Hilft er doch, wanns nöthig ist. 3. Gleichwie Väter nicht bald XVIII. Trostlieder. 379 geben, Wonach ihre Kinder| nichts danach, Gott ist Richter streben, So hält Gott auch meiner Sach! Maß und Ziel, Er gibt wie und wann er will. 4. Seiner kann ich mich getrösten, Wann die Noth am allergrößten; Er ist gegen seinem Kind Mehr als väterlich ge= finnt. 5. Willmir Satan bange machen, Ich kann seine Macht verlachen. Schwer sey auch des Kreuzes Joch: Gott, mein Vater, lebet noch! 6. Laß die Welt nur immer neiden, Will sie mich nicht länger leiden, Ei so frag ich 467. Gott lebt! wie kann ich traurig seyn, Als wär kein Gott zu finden? Er weiß gar wohl von meiner Pein, Die ich hier muß empfinden. Er kennt mein Herz Und meinen Schmerz, Drum will ich nicht verzagen Und ihm nur alles klagen. 2. Gott hört, wenn niemand hören will! Wie sollt ich bange sorgen: Mein Seufzen bringe nicht zum Ziel Und sev vorGott verborgen? Ruf ich empor, So hört sein Ohr, So steigt die Hilfe nieder und schallt das Amen wieder. 7. Will sie mich gleich von sich treiben, Muß mir doch der Himmel bleiben; Der ist, nimmt sie alles hin, Mir der seligste Gewinn. 3. Gott sieht! wie Flaget denn mein Herz, Als säh er nicht mein Weinen? Vor ihm muß 8. Was die Welt liebt, will ich hassen, Ihr gern alles Eitle lassen; Dafür, Troß sey ihrem Spott, Wähl ich mir nur meinen Gott. Mel. Was Gott thut.( Mal. 3, 16-18. 1 Pet. 3, 12.) 9. Ach Herr, wenn ich dich nur habe, Frag ich nichts nach and= rerGabe; Legt man mich gleich in das Grab, Ach Herr, wenn ich dich nur hab! Chr. Titius, g. 1641 † 1703. Kein auch der tiefste Schmerz Ganz offenbar erscheinen. Thränlein fällt, Das er nicht zählt, Ja werth und theuer schäget, Bis er uns drauf ergößet. 4. Gott führt! drum geh ich ruhig fort Auf allen meinen Wegen; Mag mir die Welt bald hier, bald dort Arglistig Schlingen legen, So wird er mich, Öb wunderlich, Doch immer felig leiten, Daß nie mein Fuß kann gleiten. 5. Gott gibt! und wär ich noch so arm, Doch soll ich nicht verderben. Was hilft mir denn mein steter Harm, Als müßt ich Hungers sterben? Er hat ja Brod! Und wenn die Noth Uns 380 XVIII. Trostlieder. nach der Wüste weiset, Wird| 7. Gott lebt! wohlan, ich merman auch da gespeiset. 6. Gott liebt! ob ich die Vaterlieb In Schlägen nicht gleich finde; Wie er ein lieber Vater blieb Am Krenz bei seinem Kinde, So bleibt er mir Mein Vater hier, Der je und je mich liebet, Obgleich sein Kreuz betrübet. ke das; Gott hört! ich wills ihm klagen; Gott sieht! er setzt den Thränen Maß; Gott führt! ich darf nicht zagen. Gott gibt und liebt: Nur unbetrübt! Er wird mir endlich geben, Auch dort mit ihm zu leben. Mel. Herr Jesu Christ, wahr'r Mensch und Gott.( Phil. 1, 23.) 468. Der Himmel hängt| sinken droht; Ich steh, nach oben hingewandt, Mit einem Fuß auf seinem Rand: 5. Gebeutst du, Herr, mit einem Blick, So schleudr' ichs hinter mich zurück Und schwinge mich an deiner Hand Hinauf, hinauf und jauchze: Land! 6. Ich gienge gern, so gern zu dir! Doch wenn du mich noch länger hier In Sturm und dunklen Nächten lässt, So halt du meine Seele fest; 7. Daß fie in Sturm und Nächten treu, Zu deiner Ehre wacker sey, Bis du mir rufft: ,, nun ist mirs recht, Nun kannst du kommen, treuer Knecht!" Mowes, g. 1793 † 1834. voll Wolken schwer, Ich seh das blaue Zelt kaum mehr, Doch über Wolken hell und klar Nehm ich ein freundlich Auge wahr. 2. Es tobt der Sturm mit wilder Macht, Sie wird so dunkel oft, die Nacht; Doch wenn auch meine Seele bebt, Sie weiß, daß dort einHeiland lebt. 3. Sie zöge gar zu gern hinaus Ins große, weite Vaterhaus; Doch hält in seiner Kraft fie still, Bis Er, bis Er sie lösen will. 4. Die Erd ist mir ein morsches Boot, Das unter mir zu Schmolf, g. 1672 † 1737. Mel. Singen wir aus Herzensgrund.( Ps. 30, 6.) 469. Auf den Nebel folgt| des Todes Thor, Steigt gen die Sonn, Auf das Trauern Frend und Wonn, Auf die schwere, bittre Pein Stellt sich Trost und Labsal ein; Meine Seele, die zuvor Sank bis an Himmel nun empor. 2. Der, vor dem die Welt er= schrickt, Hat mir meinen Geist erquickt; Seine hohe, starke Hand Reißt mich aus der Hölle XVIII. Trostlieder. 381 Band; Alle seine Lieb und Güt'| bald, Heilt' und hielt mich derUeberschwemmt mir mein Gemüth Und erfrischet das Geblüt. gestalt, Daß ich, was sein Arm gethan, Nimmermehr gnug preisen kann. Da ich weder hie noch da Einen Weg zur Rettung sah, Hatt ich seine Hilfe nah. 3. Hab ich vormals Angst gefühlt, Hat der Gram mein Herz zerwühlt, Hat der Kummer mich beschwert, Hat der Satan mich bethört: Ei so bin ich nunmehr frei, Heil und Rettung, Schutz und Treu Steht mir wieder treulich bei! 4. Gott läßt keinen traurig stehn, Noch mit Schimpf zurücke gehn, Der sich ihm zu eigen schenkt Und ihn in sein Herze senkt. Wer auf Gott die Hoffnung setzt, Findet endlich und zuletzt, Was ihm Leib und Seel ergößt. 5. Kommts nicht heute, wie man will, Sey man nur ein wenig still, Ist doch morgen auch ein Tag, Da die Wohl fahrt kommen mag! Gottes Zeit hält ihren Schritt, Wann die kommt, kommt unsre Bitt Und die Freude reichlich mit. 6. Ach wie oftmals dacht ich doch, Da mir noch der Trübsal Joch Auf dem Haupt und Nacken saß, Und das Leid mein Herze fraß: Nun ist keine Hoffnung mehr, Auch kein Ruhen, bis ich kehr In das dunkle Todtenmeer; 7. Aber mein Gott wandt' es 8. Als ich furchtsam und verzagt Mich selbst und mein Herze plagt, Als ich manche liebe Nacht mich mit Wachen krank gemacht, Als mir aller Muth entfiel, Tratst du, mein Gott, selbst ins Spiel, Gabst dem Unfall Maß und Ziel. 9. Nun so lang ich in der Welt Haben werde Haus und Zelt, Soll mir dieser Wunderschein Stets vor meinen Augen seyn. Ich will all mein Lebenlang Meinem Gott mit Lobgesang Hiefür bringen Preis und Dank. 10. Allen Jammer, allen Schmerz, Den des ewgen Vaters Herz Mir schon jetzo zugezählt, Oder künftig auserwählt, Will ich hier in diesem Lauf Meines Lebens allzuhauf Frisch und freudig nehmen auf. 11. Ich will gehn in Angst und Noth, Ich will gehn bis in den Tod, Ich will gehn ins Grab hinein, Und doch allzeit fröhlich seyn! Wem der Stärkste will beistehn, Wen der Höchste will erhöhn, Kann nicht ganz zu Grunde gehn! Gerhard, g 1606 † 1676. 382 XVIII. Troftlieder. Mel. Meinen Jesum laß ich nicht.( Jef. 38, 15-17.) 470. Meine Seele senket| nicht, Liebt hingegen Gott im Leiden; Kummer, der das Herze bricht, Trifft und ängstet nur die Heiden. Wer Gott in dem Schoose liegt, Bleibt in aller Noth vergnügt. sich Hin in Gottes Herz und Hände Und erwartet ruhiglich Seiner Wege Ziel und Ende, Lieget still und willenlos In des liebsten Vaters Schoos. 2. Meine Seele murret nicht, Ist mit allem wohl zufrieden; Was der eigne Wille spricht, Ist zum Tode schon beschieden; Was die Ungeduld erregt, Ist in Chrifti Grab gelegt. 3. Meine Seele forget nicht, Will vielmehr an nichts geden= ken, Was gleich spitzen Dornen sticht Und den Frieden nur kann kränken. Sorgen kommt dem Schöpfer zu: Meine Seele sucht nur Ruh. 4. Meine Seele grämt sich 5. Meine Seele klaget nicht, Denn sie weiß von keinen Nöthen, Hängt an Gottes Angesicht Auch alsdann, wann er will tödten. Wo sich Fleisch und Blut beklagt, Wird der Freudengeist verjagt. 6. Meine Seel ist still zu Gott, Und die Zunge bleibt gebunden! Also hab ich allen Spott, Alle Schmerzen überwunden, Bin, gleichwie ein stilles Meer, Voll von Gottes Preis und Ehr. Winkler, g. 1670 † 1722. Mel. Wie schön leucht't.( Apostelg. 14, 22. 2 Cor. 4, 17. 18.) 471. Die ihr den Heiland| wirket ewge Freude. Ach groß kennt und liebt, Ihn, der uns Seligkeiten gibt, Die noch kein Ohr vernommen, Die noch in jenen ewgen Höhn Kein sterblich Auge je gesehn, Die in kein Herz gekommen: Freut euch! Sein Reich Bleibt euch allen! Bald wirds schallen: Kommt zum Lohne, Nehmt des Kampfes Siegeskrone!( 1 Cor. 2, 9.) und herrlich ist das Ziel, Der Wonne dort unendlich viel, Getrübt von keinem Leide! Traurig, Schaurig Ists hienieden; Aber Frieden Wohntdort oben, Wo die Ueberwinder loben. 3. Ein Blick auf jene Herrlichkeit Füllt unser Herz mit Trost und Freud Und tausendfachem Segen, Erquickt uns, wie der Morgenthau Die dürre, fast versengte Au, Wie milder Frühlingsregen. Thränen, Seh2. Was flagt ihr denn? was zagt das Herz? Kurz ist und leicht der Erde Schmerz Und XVIII. Trostlieder. 383 liebet? nen Ang und Herzen Voller gibet Der, der uns zuerst geSchmerzen: Glänzt doch immer Uns der ewge Hoffnungsschimmer. 4. Drum sind wir froh; wir gehn im Licht, und heiter ist das Angesicht Bei aller Noth hienieden. Im Heiligthum des Himmels liebt Uns JesusChristus, und er gibt Der Seele heilgen Frieden. Wer kennt, Wer nennt, Was wir erben Nach dem Sterben? Was uns Mel. Herzlich thut.( Jef. 30, 15.) 472. Ich habe viel gelitten, Doch Jesus litt noch mehr; Was er so hart erstritten, Ist mir nun Kraft und Wehr. Hinan zu seinem Hügel, Du müder Sinn, hinan, Und lern in diesem Spiegel, Wie man ertragen kann! 2. Geh ein in seine Leiden, Geh ein in seinen Tod Und laß dich willig scheiden Von aller deiner Noth. Sey dir in ihm gestorben, So weicht, was dich betrübt: Der hat die Ruh erworben, Der sich sein selbst begibt. 3. Was ist es, das mir fehle, Schweigt erst mein Anspruch still? O süßes Loos der Seele, Die Gottes Rath nur will! Dieß 5. Was klagst du denn, der du ihn kennst? Der du dich Christi Jünger nennst? Was ists, das dich betrübet? Froh kannst und sollst du immer seyn Und dich des ewgen Lebens freun, Dich freun, daß er dich liebet! O sey Nur treu! O sey fröhlich, Hoffend selig Schon im Staube; Gotteskraft sey dir dein Glaube! Menten, g. 1768 † 1831. 473. süßes Wort, das Jesus spricht Zur armen Wittwe: ,, weine nicht!" Es komme duldende Verlangen Führt' Jesum himmelein, Und wo er hingegangen, Da soll sein Diener seyn. 4. Nur eines, was ich heische, Sey mir noch hier gewährt: Hilf, daß der Welt Geräusche Nicht meine Seele stört. Doch kommts nach deinem Willen, So laß mich, kindlich, klein, Auch dann dein Bild erfüllen Durch Harren und Verzeihn. 5. Ich hab ein nen Verlangen: Was du willt, will auch ich; nicht rauben, nur empfangen Mag ich mein Wohl durch dich. Gott wohnt in meiner Seele, Erquickt mich täglich viel; Umsonst, daß ich mich quäle, Sein Himmel ist mein Ziel! von Meyer, g. 1772. Mel. Herr Jesu Christ, mein's.( Luc. 7, 13: c.) nie aus meinem Sinn, Zumal wenn ich betrübet bin. 2. Es wird geredet nicht ins 384 XVIII. Trostlieder. Ohr Leis', sondern unter frei-| gers Hand, Gönnt er mir keinen em Thor Laut, daß es höret jedermann Und sich darüber freuen kann. Sitz im Land, Ruft Jesus in mein Herz und spricht: Dein ist der Himmel, weine nicht. 3. Er redet's aber zu der Zeit, Da Tod und Leben war im Streit; Drum soll es auch erquicken mich In Tod und Leben kräftiglich. 8. Wenn um mich Band' und Ketten schon, Wenn Feind' und falsche Freunde drohn, Spricht Jesus: weine nicht und glaub, Dir kann nicht schaden Asch und Staub. 4. Wenn Noth und Armuth mich ansicht, Spricht doch mein Jesus: weine nicht! Gott ist dein Vater, tran nur ihm, Erhört er doch der Raben Stimm. 5. Bin ich sehr kraftlos, frank und schwach, Und ist nichts da, denn Weh und Ach, So tröstet Jesus mich und spricht: Ich bin dein Arzt, drum weine nicht. 6. Naubt mir der Feind mein Gut und Hab, Daß ich muß fort mit meinem Stab, Sagt Jesus wieder: weine nicht; Denk, was dem Hiob dort geichicht! 7. Vertreibt mich des Verfol= Mel. Nun ruhen alle.( Tob. 3, 22. 23.) 474. Mein Herz, gib dich| zufrieden und bleibe ganz geschieden Von Sorge, Furcht und Gram: Die Noth, die dich jetzt drücket, Hat Gott dir zugeschicket; Sey still und halt dich wie ein Lamm. ( Matth. 10, 28.) 9. Neißt mir der Tod das Liebste hin, Sagt Jesus: weine nicht! ich bin, Ders wieder gibt; gedenke dran, Was ich zu Nain hab gethan! 10. Muß ich selbst ringen mit dem Tod, Ist Jesus da, ruft in der Noth: Ich bin das Leben, weine nicht! Wer an mich glaubt, wird nicht gericht't. 11. O süßes Wort, das Jesus spricht In allen Nöthen: ,, weine nicht!" Ach klinge stets in meinem Sinn, So fähret alles Trauern hin! Höfel, g. 1600 † 1683. 2. Mit Sorgen und mit Zagen, Mit unmuthvollen Klagen Häufst du nur deine Pein; Durch Stilleseyn und Hoffen Wird, was dich jetzt betroffen, Erträglich, sanft und lieblich seyn. 3. Kanns doch nicht ewig währen! Oft hat Gott unsre Zähren Mit einmal abgewischt; Wenns bei uns hieß:„ wie lange Wird mir so angst und bange?" So hat er Leib und Seel erfrischt. 4. Gott pflegt es so zu machen: Nach Weinen schafft er Lachen, Nach Regen Sonnenschein; XVIII. Troftlieder. 385 Nach rauhen Wintertagen| Uns lassen gar ertödten, Uns Muß uns der Lenz behagen; Er führt in Höll und Himdoch getrösten seiner Huld.cop mel ein! 8. Denn was will uns auch scheiden Von Gott und seinen Freuden, Dazu er uns ersehn? Man lebe oder sterbe, So bleibet uns das Erbe Des Himmels ewiglich doch stehn. 9. Ist Christus unser Leben, So muß uns, seinenReben, Der Tod seyn ein Gewinn; Er mag die Leibeshöhle Zerbrechen, doch die Seele Schwingt froh sich auf zum Himmel hin. 10. Drum gib dich ganz zufrieden, Mein Herz, und bleib geschieden Von Sorge, Furcht und Leid! Vielleicht wird Gott bald senden, Die dich auf ihren Händen Hintragen in die Herrlichkeit. 5. Indeß ist abgemessen Die Laft, die uns soll pressen, Auf daß wir werden klein. Was aber nicht zu tragen, Darf sich nicht an uns wagen, Und sollt's auch noch so wenig seyn. 6. Der Herr will uns nur ziehen 3n Kindern, die da fliehen Das, was er unter sagt; Er will das Fleisch nur schwächen, Den Eigenwillen brechen, Die Luft ertödten, die uns plagt. 7. Er will uns dadurch lehren, Wie wir ihn sollen ehren Mit Glauben und Geduld; Und sollt er auch in Nöthen ( Luc. 16, 22,) Freylinghausen, g. 1670 † 1739. Mel. Ach was soll ich.( Röm. S, 17. 2 Cor. 4, 16-18.) 475. Endlich bricht der hei-, Glieder Endlich zum GehorBe Tiegel Und der Glaub em- sam wieder, Macht sie Chripfängt sein Siegel, Gleich dem sto unterthan, Daß er die Gold, im Feu'r bewährt; Zu gebrochnen Kräfte zu dem des Himmels höchsten Freuden Heiligungsgeschäfte Sanft Werden nur durch tiefe Leiden und still erneuern kann. Gottes Lieblinge verklärt. 2. Unter Leiden prägt der Meister In die Herzen, in die Geister Sein allgeltend Bildniß ein. Wie er dieses Leibes Töpfer, Will er auch des künftgen Schöpfer Auf dem Weg der Leiden seyn. 4. Leiden sammelt unsre Sinne, Daß die Seele nicht zerrinne In den Bildern dieser Welt, Ist wie eine Engelwache, Die im innersten Gemache Des Gemüthes Ordnung hält. 5. Leiden stimmt des Herzens Saiten Für den Psalm der Ewigkeiten Lehrt mit Sehn25 3. Letden bringt empörte Evangelisches Gesangbuch. 386 XVIII. Erostlieder. sucht dorthin sehn, Wo die sel-| Geschäfte Wurden willig sonst gen Palmenträger Mit dem Chor der Harfenschläger Preisend vor dem Throne stehn. geweiht: O so ists für sie kein Schade, Daß sie ihres Führers Gnade Läutert in der Prüfungszeit. 6. Leiden fördert unsre Schritte, Leiden weiht die Leibeshütte Zu dem Schlaf in kühler Gruft; Es gleicht einem frohen Boten JenesFrühlings, der die Todten Zum Empfang des Lebens ruft. 7. Leiden macht im Glauben gründlich, Macht gebeugt, barmherzig, kindlich; Leiden, wer ist deiner werth? Hier heißt man sich eine Bürde, Droben bist du eine Würde, Die nicht jedem widerfährt. 10. Im Gefühl der tiefsten Schmerzen Dringt das Herz zu seinem Herzen Immer liebender hinan, Und um eins nur fleht es sehnlich: Mache deinem Tod mich ähnlich, Daß ich mit dir leben kann! 8. Brüder! solche Leidensgnade Wird in mannigfachem Grade Jesu Jüngern kund gemacht, Wenn sie mancher Schmerz durchwühlet, Wenn sie manchen Tod gefühlet, Nächte seufzend durchgewacht. 9. Wenn auch die gesunden Kräfte Zu des guten Herrn Mel. Nun ruhen alle.( Sir. 2, 6-9. Pf. 145, 8. 9.) 476. Was ists, daß ich mich quäle? Harr Gottes, meine Seele, Harr und sey unverzagt! Du weißt nicht, was dir müzet; Gott weiß es und Gott schützet, Er schüßet den, der nach ihm fragt. ( Phil. 3, 10.) 11. Endlich mit der Seufzer Fülle Bricht der Geist durch jede Hülle, Und der Vorhang reißt entzwei. Wer ermisset dann hienieden, Welch ein Meer voll Gottesfrieden Droben ihm bereitet fey! 12. Jesu! laß zu jenen Höhen Heller stets hinauf uns sehen, Bis die letzte Stunde schlägt, Da auch uns nach treuem Ningen Heim zu dir auf lichten Schwingen Eine Schaar der Engel trägt. Nach Karl Fr. Harttmann. 2. Er zählte meine Tage, Mein Glück und meine Plage, Eh ich die Welt noch sah. Eh ich mich selbst noch kannte, Eh ich ihn Vater nannte, War er mir schon mit Hilfe nah. 3. Die kleinste meiner Sorgen Ist dem Gott nicht verborgen, Der alles sieht und hält; Und was er mir beschieden, Das dient zu meinem Frieden, Wärs auch die größte Last der Welt. 4. Ich lebe nicht auf Erden, XVIII. Trostlieder. Ganz glücklich hier zu werden; Die Lust der Welt vergeht. Ich lebe hier, im Segen Den Grund zum Glück zu legen, Das ewig, wie mein Geist, besteht. 5. Was dieses Glück vermehret, Sey mir von dir gewähret, Gott, du gewährst es gern! Was dieses Glück verletzet, Wenns alle Welt auch schäzet, Das sey von mir, Herr, ewig fern! Mel. Ach was soll ich.( Ps. 39, 10. 11 and 8.) 477. Fortgekämpft und fortgerungen, Bis zum Ziele durchgedrungen Muß es, bange Seele, seyn! Durch die tiefsten Dunkelheiten Kann dich Jesus hinbegleiten; Muth spricht er den Schwachen ein. 2. Bei der Hand will er dich faffen, Scheinst du gleich von ihm verlassen, Glaube nur und zweifle nicht! Bete, kämpfe sonder Wanken; Bald wirst du voll Freude danken, Bald umgibt dich Trost und Licht. 3. Bald wird dir sein Antlik scheinen; Hoffe, harre bei dem Weinen, Nie gereut ihn seine Wahl. Er will dich im Glauben üben; Gott, die Liebe, kann nur lieben; Wonne wird bald deine Qual. 387 6. Sind auch der Krankheit Plagen, Der Mangel schwer zu tragen, Noch schwerer Haß und Spott: So harr ich und bin stille Zu Gott, denn nicht mein Wille, Dein Wille nur gescheh, o Gott! 7. Du bist der Müden Stärke, Und aller deiner Werke Erbarmst du ewig dich. Was kann mir widerfahren, Wenn du mich willst bewahren? Und du mein Gott, bewahrest mich! Gellert, g. 1715 † 1769. 4. Wend von aller Welt die Blicke, Schau nicht seitwärts nicht zurücke, Nur auf Gott und Ewigkeit. Nur zu deinem Jesus wende Aug und Herz und Sinn und Hände, Bis er himmlisch dich erfreut. 5. Aus des Jammers wilden Wogen Hat dich oft herausgezogen Seiner Allmacht treue Hand. Nie zu kurz ist seine Rechte; Wo ist einer seiner Knechte, Der bei ihm nicht Rettung fand? 6. Schließ dich ein in deine Kammer, Geh und schütte deinen Jammer Aus in Gottes Vaterherz. Kannst du gleich ihn nicht empfinden, Worte nicht, nicht Klage finden: Klag ihm schweigend deinen Schmerz. 7. Kräftig ist dein tiefes Schweigen, Gott wird sich als Vater zeigen, Glaube nur, daß er dich hört; Glaub, daß Jesus XVIII. Trostlieder. 388 dich vertreten, Glaube, daß,| wagen, Flehen, ringen fort und was er gebeten, Gott, sein Va- fort. Ja ich werd ihn überwinter, ihm gewährt. 8. Drum so will ich nicht verzagen, Mich vor Gottes Antlitz den, Was ich bitte, werd ich finden; Er gelobts in seinem Wort! Lavater, g. 1741 † 1801. Mel. Was Gott thut.( Ebr. 12, 1-5. Jaf. 1, 12.) 478. Ein Ghrift kann ohne| 4. Ein Christ kann ohne Kreuz Krenz nicht seyn; Drum laß dichs nicht betrüben, Wenn Gott versucht mit Kreuz und Pein Die Kinder, die ihn lieben. Je lieber Kind, Je ernster find Des frommen Vaters Schläge; Schau, das sind Gottes Wege! nicht seyn; Das muß uns immer wecken, Wir schliefen sonst in Sünden ein; Wie müßten wir erschrecken, Wenn unbereit Die Ewigkeit Und der Posaunen Schallen Uns würde überfallen! 2. Ein Christ kann ohne Kreuz nicht seyn, Gott wills nicht anders haben; Auch dieses Lebens Noth und Pein Sind deines Vaters Gaben. Solls denn so seyn, So geh es ein: Es kommt von Liebeshänden, Gott wird nichts Böses senden. 3. Ein Christ kann ohne Kreuz nicht seyn; Das Kreuz lehrt fleißig beten, Zieht ab vom eitlen Trug und Schein Und lehrt zu Jesu treten. Drum wirfs nicht hin Mit sprödem Sinn, Wenns nun zu dir gekommen; Es foll der Seele frommen! 5. Ein Christ kann ohne Kreuz nicht seyn; Es lehrt die Sünde haffen und unsern lieben Gott allein Mit rechter Lieb umfassen. Die Welt vergeht, Und Gott besteht; Bedenks und laß dich üben, Das ewge Gut zu lieben! 6. Auch ich will ohne Kreuz nicht seyn; Was Gott schickt, will ich tragen! Schickts doch der liebste Vater mein, Sinds doch nur kurze Plagen Und wohlgemeint! Wer gläubig weint, Lebt dort in steten Freuden; Ich will mit Christo leiden! Schmelf, g. 1672 † 1737. Mel. Wer nur den lieben.( Offenb. 3, 19.) 479. Je größer Kreuz, je| Vergißt man Hölle, Fluch und näher Himmel, Wer ohne Krenz, ist ohne Gott; Bei dem verlarvten Weltgetümmel Tod: O felig ist der Mensch geschäßt, Den Gott in Krenz und Trübfal segt! XVIII. Erostlieder. 389 2. Je größer Kreuz, je beßre| 5. Je größer Kreuz, je mehr Christen; Gott prüft uns mit Verlangen; Im Thale steiget dem Probestein. Wie mancher man bergan; Wer durch die Garten muß gleich Wüsten Wüsten oft gegangen, Der sehOhn' einenThränenregen seyu! net sich nach Kanaan; Das Das Gold wird auf dem Feuer- Täublein findet hier nicht Ruh, herd, Ein Christ in mancher So fleucht es nach der Archezu. Noth bewährt. 3. Je größer Kreuz, je stärkrer Glaube; Die Palme wächset bei der Last; Die Süßigkeit fleußt aus der Traube, Wenn du sie wohl gekeltert haft; Im Kreuze wächset uns der Muth, Wie Perlen in gefalzner Fluth. 4. Je größer Kreuz, je mehr Gebete; Geriebne Kräuter duften wohl; Wenn um das Schiff kein Sturmwind wehte, So fragte man nicht nach dem Pol; Wo kämen Davids Psalmen her, Wenn er nicht auch versuchet wär? 6. Je größer Kreuz, je lieber Sterben; Man freut sich dann auf seinen Tod, Denn man ent= gehetdem Verderben, Es stirbt auf einmal alle Noth; Das Kreuze, das die Gräber ziert, Bezeugt, man habe triumphirt. 7. Gekreuzigter! laß mir dein Kreuze Je länger und je lieber seyn; Daß mich die Ungeduld nicht reize, So pflanz ein solches Herz mir ein, Das Glaube, Lieb und Hoffnung hegt, Bis dort mein Kreuz die Krone trägt. Schmolf, g. 1672 † 1737. Viel. Die Tugend wird.( Matth. 11, 26-30. Offenb. 7, 17.) 480. Gefreuzigter! zu dei-| ner Arzt und Seelenfreund: Ernen Füßen Hebt aus dem Staube sich empor Mein Herz, wenn es von Gram zerrissen; Es sucht dein Herz, dein Augund Ohr: Dein Herz, die Ruhestatt der Armen, Die niemand sonst erquicken kann, DeinHerz, das zärtlich, voll Erbarmen Den Leidenden ist zugethan. öffne du dein Herz dem Matten Als eine stille Felsenkluft, Wo Kühlungen ihn sanft umschatten, Wenn oft ein Schmerz dem andern ruft! 3. Wie sich aus deinen Todeswunden Dein Blut zu meinem Heil ergießt: Das scy's in meinen bängsten Stunden, Was mir den Leidenskelch versüßt. Das gib als Balsam deinem Kranken, Den Frieden Gottes flöß ihm ein; Und wenn des 2. Du, unser heilger Blutsverwandter, Der einst so heiß für uns geweint; O du, mit jeder Noth bekannter, Erfahr XVIII. Trostlieder. schönen Heimathland! Halt mir dein Ohr für alles offen, Was ich dir klag im Kämmerlein, Und laß mich stets voll Demuth hoffen, Daß es soll Ja und Amen seyn. 390 Glaubens Grund will wanken, So müss' ihm das zur Stüße seyn. 4. Dein Aug mit jenem Blick voll Gnade, Das du dem Petrus zugewandt, Daß er, verirrt auf dunklem Pfade, Dich guten Hirten wiederfand, Dein Aug begegne meinem Sehnen, Das aufwärts seine Seufzer schickt; Denn milder fließen meine Thränen, Wenn du mich, Jesu, angeblickt. 5. O du, mein freundlichster Regierer, Seitdem ich wall im Pilgerland, Sey ferner noch mein treuer Führer Bis zu dem Mel. Wann wir in höchsten Nöthen seyn.( Ps. 30, 6. Ebr. 4, 15.) 481. Von dir, o Vater,| mer, der dich quält, und geben kann er, was dir fehlt. nimmt mein Herz Glück, Unglück, Freuden oder Schmerz, Von dir, der nichts als lieben kann, Voll Dank und voll Vertrauen an. 5. Wie oft, Herr, zagt ich, und wie oft Half deine Hand mir unverhofft! Den Abend weint ich, und darauf Gieng mir ein froher Morgen auf. 6. Oft sah ich keinen Ausgang mehr; Da weint ich laut und klagte sehr:„ Ach schaust du, Gott, mein Elend nicht? Verbirgst du gar dein Angesicht?" 7. Dann hörtest du, o Herr, mein Flehn Und eiltest, bald mir beizustehn; Du öffnetest mein Auge mir, Ich sah mein Glück und dankte dir. 2. Nur du, der du allweise bist, Nur du weißt, was mir heilsam ist; Nur du stehst, was mir jedes Leid Für Heil bringt in der Ewigkeit. 6. Du sahest segnend auf die Deinen, Herr, einst vomblutgen Kreuz herab; So sieh auch mich an und die Meinen In jeder Stunde bis zum Grab. Wie wird uns seyn, befreit vom Staube, Der oft den Geist mit Angst beschwert, Wann endlich Hoffnung, Lieb und Glaube Die kühnsten Bitten sieht erhört! Nach E. A. Dann. 3. Ist alles dunkel um mich her, Die Seele müd und freudenleer: Bist du doch meine Zuversicht, Bist in der Nacht, o Gott, mein Licht. 4. Verzage, Herz, verzage nie! Gott legt die Laft auf, Gott . fennt sie; Er weiß den Kum8. Sagts alle, die Gott je geprüft Die ihr zu ihm um Hilfe XVIII. Trostlieder. 391 rieft, Sagts, Fromme, ob er seine Huld und Macht ist das Gebet Geduldig Leidender verschmäht? 9. Die Stunde kommt früh oder spät, Wo Freud und Dank aus Leid entsteht; Vielleicht daß eh du ausgeweint, Dir Gott mit seiner Hilf erscheint. 10. Wenn niemand dich erquicken kann, So schaue deinen Heiland an; Schütt aus dein Herz in seinen Schoos, Denn groß. 11. Einst hat er auch, der Menschenfreund, Im Thränenthale hier geweint; Auf deine Thränen gibt er Acht Und dir zu helfen hat er Macht; 12. Und helfen will er, zweifle nicht! Hör, was der Treue dir verspricht: Nicht lassen will ich, Seele, dich, Sey guten Muths und glaub an mich!" Lavater, g. 1741 † 1801. 3. Weil du mein Gott und Vater bist, Dein Kind du nimmermehr vergißst, Du väterliches Herz! Ich bin ein armer Erdenkloß, Auf Erden aller Hilfe bloß. 4. Der Reiche bauet auf sein Gut; Ich will vertraun auf Gottes Hut; Ob mich die Welt veracht't, So glaub ich doch mit Zuversicht, Wer Gott vertraut, dem mangelts nicht. 17 Eigene Mel.( Matth. 6, 25: c. Jef. 49, 15. 16.) 482. Warum betrübst du 5. Ach Gott! du bist so reich dich, mein Herz, Bekümmerst dich und trägest Schmerz Nur um das zeitlich Gut? Vertrau du deines Gottes Rath, Der alle Ding' erschaffen hat. noch heut, Als je du warst von Ewigkeit, Mein Trauen steht zu dir; Sey du nur meiner Seele Hort, So hab ich Gnüge hier und dort. 2. Er kann und will dich lassen nicht, Er weiß gar wohl, was dir gebricht, Himmel und Erd ist sein, Mein Vater und mein Herr und Gott, Der mir beisteht in aller Noth! 6. Zeitlicher Ehr ich gern entbehr, Des Ewigen mich nur gewähr, Das du erworben haft Durch deinen herben, bittern Tod; Das bitt ich dich, mein Herr und Gott! 7. Alles was ist auf dieser Welt, Es sey Gold, Silber oder Geld, Reichthum und zeitlich Gut, Das währt nur eine kleine Zeit und hilft doch nichts zur Seligkeit. 8. Ich danke dir, Herr Jesu Christ, Daß mir das kund geworden ist Durch dein wahrhaftigs Wort; Verleih mir auch. Beständigkeit zu meiner Seelen Seligkeit! XVIII. Trostlieder. 392 9. Lob, Ehr und Preis sey dir| ich dich: Laß mich von deinem gebracht Für alles, wie du Angesicht Ewig verstoßen wermich bedacht; In Demuth bitt den nicht! Hans Sachs, g. 1494 † 1576. Mel. Die Tugend wird.( Sir. 11, 21. 3, 19: c.) 3. Gott ist der Herr; und seinen Segen Vertheilt er stets mit weiser Hand, Nicht so, wie wirs zu wünschen pflegen, Doch so, wie ers uns heilsam fand. Willst du zu denken dich erkühnen, Daß seine Liebe dich vergißt? Er gibt uns mehr, als wir verdienen, Und niemals, was uns schädlich ist. 4. Verzehre nicht des Lebens Kräfte Inträger Unzufriedenheit; Besorge deines Stands Geschäfte Und nütze deine Lebenszeit. Bei Pflicht und Fleiß sich Gott ergeben, Ein ewig Glück in Hoffnung sehn, Dieß ist der Weg zu Ruh und Leben; Herr, lehre diesen Weg mich gehn! 483. Du flagst und fühlest die Beschwerden Des Stands, in dem du mühsam lebst; Du strebest glücklicher zu werden, Und siehst, daß du vergebens strebst. Ja klage nur; wer sollt es wehren? Doch denk im Klagen auch zurück: Ist denn das Glück, das wir begehren, Für uns auch stets ein wahres Glück? 2. Nie schenkt der Stand, nie schenken Güter Dem Menschen die Zufriedenheit; Die wahre Ruhe der Gemüther Ist Tugend und Genügsamkeit. Genieße, was dir Gott beschieden, Entbehre gern, was du nicht hast; Ein jeder Stand hat seinen Frieden, Ein jeder Stand hat seine Last. Gellert, g. 1715 † 1769. Eigene Mel.( 1 Tim. 6, 6-8.) Wie er will, so theilt er aus. 484. Nicht so traurig, nicht| Gott ist Herr in seinem Haus: so sehr, Meine Seele, sey betrübt, Daß dir Gott Glück, Gut und Ehr Nicht so viel wie andern gibt. Habe gnug an deinem Gott: Hast du Gott, so hats nicht Noth. 3. Bist du doch nicht darum hier, Daß du Erde haben sollt; Schau den Himmel über dir! Da, da ist dein edles Gold, Da ist Ehre, da ist Freud, Freud ohn' End, Ehr ohne Neid! 2. Du nicht und kein Menschenkind Haben Recht an diese Welt; Alle, die auf Erden sind, Sind nurGäst' im fremdenzelt; 4. Der ist albern, der sich kränkt Um die Hand voll Eitel XVIII. Trostlieder. 393 keit, Wenn ihm Gott dagegen| Wie viel Gutes alle Stund schenkt Schätze der Beständig- Dir von oben sey beschert! keit. Bleibt das Wesen mein Du hast mehr als Sand am Gewinn, Fahr der Schatten Meer, Und willst doch noch imimmer hin! mer mehr! 5. Schaue alle Güter an, Die dein Herz für Güter hält: Keines mit dir gehen kann, Wenn du gehest aus der Welt; Alles bleibet hinter dir, Wenn du trittst ins Grabes Thür; 6. Aber was die Seele nährt, Gottes Huld und Christi Blut, Wird von keiner Zeit verzehrt, Ist und bleibet ewig gut. Erdengut zerfällt und bricht, Seelengut verschwindet nicht. 7. Ach wie bist du doch so blind Und im Denken unbedacht: Augen hast du, Menschenkind, Und hast doch noch nie betracht't Deiner Augen helles Glas; Siehe, welch ein Schatz ist das! 8. Zähle deine Finger her Und der andern Glieder Zahl, Keins ist, das dir unwerth wär, Ehrst und liebst sie allzumal; Keines gäbst du weg um Gold, Wenn man dirs abnehmen wollt. 9. Nun so gehe in den Grund Deines Herzens, das dich lehrt, 10. Gott ist deiner Liebe voll Und von ganzem Herzen treu. Wenn du wünschest, prüft er wohl, Wie dein Wunsch beschaffen sey: Ist dirs gut, so geht ers ein, Ists dein Schade, spricht er Nein! 11. Ei so richte dich empor, Du betrübtes Angesicht! Laß das Seufzen, nimm hervor Deines Glaubens Freudenlicht; Das behalt, wenn dich die Nacht Deines Kummers traurig macht. 12. Seße als ein Himmels= sohn Deinem Willen Maß und Ziel; Rühre stets vor Gottes Thron Deines Dankes Saitenspiel, Weil dir schon gegeben ist Weit mehr, als du würdig bist. 13. Führe deinen Lebenslauf Allzeit Gottes eingedeuk; Wie es kommt, nimm alles auf Als ein wohlbedachtGeschenk. Geht dirs widrig, laß es gehn: Gott und Himmel bleibt dir stehn! Gerhard, g. 1606 † 1676. Mel. Wachet auf! ruft.( 2 Tim. 2, 11. 12.) 485. Jesus kommt, von allem Bösen Uns, seine Christen, zu erlösen; Er kommt mitmacht und Herrlichkeit. Dann, an seinem großen Tage Verwandelt sich der Frommen Klage In 394 XVIII. Trostlieder. ewige Zufriedenheit. Sey fröh-| Lauf Zu Gott hinauf: Da gienlich, Volk des Herrn! Er kommt, gen ihm die Himmel auf. er ist nicht fern, Dein Erretter; Dein Schmerz ist kaum Ein Morgentraum, Bald macht er ewgen Freuden Raum. 2. Augenblicke dieser Leiden, Was seyd ihr gegen jene Freu4. Wohl uns, wenn wir mit ihm leiden, Dann ernten wir davon auch Freuden Mit ihm, dem Ueberwinder, ein! Laßt uns kämpfen, laßt uns ringen, Mit unsrem Haupt hindurchden Der unbegrenzten Ewig- zudringen, Um da wo er ist keit? Seht die Kron am Ziele prangen Und kämpft und ringt, sie zu erlangen, Wie ihr dazu berufen seyd! Euch halt in eurem Lauf Kein Schmerz des Lebens auf, Ueberwinder! Das Ziel ist nah; Bald seyd ihr da, Dann singet ihr Hallelujah! 3. Der sich euch zum Volk erwählet, Der eure Thränen alle zählet, Stritt auch mit unerschöpftem Muth. Wie hat Jesus nicht gerungen, Wie tief war er von Angst durchdrungen, Wie seufzt' er laut, wie floß sein Blut! Doch sahn die Feinde nicht Auf seinem Angesicht BangeSchrecken. Ernahm den einst zu seyn! Die Hilfe schafft nur er; Sein großer Nam ist: Herr, Unsre Stärke!" Die ihm vertraun Und auf ihn baun, Die werden seine Hilfe schaun. den Des Lebens Glück empfunden Und Freuden ohne Zahl; So will ich denn gelassen Mich auch im Leiden fassen; Ist wohl ein Leben ohne Qual? 5. Ja du kommst, von allem Bösen Uns, deine Christen, zu erlösen, Deß sind wir froh und danken dir. Auch in noch so trüben Tagen Soll unser Herz doch nie verzagen, Auf deine Zukunft hoffen wir. Wir wissen, wer du bist; Wir traun dir, Jesu Christ, Und sind stille. Wenn gleich die Welt Zurümmern fällt: Dein Armists, der uns ewig hält! Münter, g. 1735 † 1793. Mel. Nun ruhen alle.( Pred. 7, 15.) 486. Ich hab in gutenStun-| der, Als es der Mensch verdient. Sollt ich, beschwert mit Schulden, Kein zeitlich Weh erdulden, Das doch zu meinem Besten dient? 3. Dir will ich mich ergeben, Nicht meine Ruh, mein Leben 2. Ja, Herr, ich bin ein Sünder, Und stets strafft du gelin-| Mehr lieben als den Herrn; XVIII. Trostlieder. 395 Dir, Gott, will ich vertrauen,| Was schreckt mich Grab und Und nicht auf Menschen bauen; Tod? Auch auf des Todes Pfade Du hilfft und du errettest gern. Vertrau ich deiner Guade; Du, 4. Laß du mich Gnade finden Herr, bist bei mir in der Noth. Und alle meine Sünden Erken= 6. Ich will dem Kummer wehnen und bereun. Jetzt hat mein ren, Dich durch Geduld verehGeist noch Kräfte; Sein Heil ren, Im Glauben zu dir flehn. laß mein Geschäfte, Dein Wort Ich will den Tod bedenken; Du, mir Trost und Leben seyn. Herr, wirst alles lenken, Und 5. Wenn ich in Chrifto sterbe, was mir gut ist, wird geschehn. Bin ich des Himmels Erbe: Gellert, g. 1715 † 1769. Mel. Herr Jesu Christ, du höchstes Gut.( 1 Cor. 10, 13.) 487. Ach treuer Gott, barmherzigs Herz, Deß Güte sich nicht wendet! Ich weiß, dieß Kreuz und diesen Schmerz Hast du mir zugesendet; Ich weiß, Herr, daß du mir die Last Aus Liebe zugetheilet hast; Wie könntest du mich hassen? 2. Denn das ist allzeit dein Gebrauch: Wer Kind ist, muß was leiden, Und wen du liebst, den stäupst du auch, Schickst Trauern vor den Freuden, Führst uns in Tiefen, thust uns web, Und führst uns wieder in die Höh; Und so geht eins ums andre. 3. Doch, liebster Vater, wie so schwer, Ists der Vernunft, zu denken, Daß du, wenn du auch schlägest sehr, Nur wollest Gnade schenken! Wie macht doch Kreuz so lange Zeit! Wie ungern will sich lieb und Leid Zusammen lassen reimen! 4. Was ich nicht kann, das gib du mir, höchstes Gut der Frommen, Gib, daß mir nicht des Glaubens Zier DurchTrübsal werd entnommen. Erhalte mich, o starker Hort, Befestge mich in deinem Wort, Behüte mich vor Murren. 5. Bin ich ja schwach, laß deine Treu Mir an die Seite treten; Hilf, daß ich unverdrossen sey Im Rufen, Seufzen, Beten. So lang ein Herz noch hofft und gläubt Und im Gebet beständig bleibt, So lang ists unbezwungen. 6. Greif mich auch nicht zu heftig an, Damit ich nicht vergehe! Du weißt wohl, was ich tragen kann Und wie es um mich stehe. Ich bin ja weder Stahl noch Stein, Und weht ein Lüftlein nur herein, So fall ich hin und sterbe. 7. Ach Jesu, der du worden bist Mein Heil mit deinem Blute: Du weißest wohl, was Trübsal 396 ist, Und wie dem sey zu Muthe,| Das denen, die durch Trübsal Den Kreuz und großes Unglück plagt; Drum wirst du, was mein Herz dir klagt, Gar gern zu Herzen fassen. gehn, Du dermaleins wirst geben; Ein Leben, gegen welches hier Die ganze Welt mit ihrer Zier Durchaus nicht zu vergleichen! XVIII. Trostlieder. 8. Sprich meiner Seele herzlich zu Und tröste sie aufs beste; Denn du bist ja der Müden Ruh, Der Schwachen Thurm und Feste, Ein Schatten vor der Sonnengluth, Die Hütte, da man sicher ruht Im Sturm und Ungewitter. 9. Ach laß mich schauen, wie so schön und lieblich sey das Leben, Eigene Mel.( Pf. 77, 11. 2 Cor. 12, 9. 10.) 488. Gott! den ich als Liebe| Geist vollenden. Auch die Lakenne, Der du Krankheit auf mich legst Und des Leidens Hiß erregst, Daß ich davon glüh und brenne; Overbrenne doch in mir Alles, was den Geist ver= hindert Und der Liebe Regung mindert, Die mich ziehen soll zu dir. 2. In der Schwachheit sey du kräftig, In den Schmerzen schaffe Muth, Daß mein Herz im Leiden ruht, Ob das Leiden noch so heftig; So ist Leiden mein Gewinnst, So ist es der Liebe Wille, Den verehr ich fanft und stille: Leiden ist mein Gottesdienst. 10. Daselbst wirst du in ewger Lust Gar liebreich mit mir handeln, Mein Kreuz, das mir und dir bewußt, In Freud und Ehr verwandeln; Da wird mein Trauern Sonnenschein, Mein Aechzen lauter Jauchzen seyn; Das glaub ich, hilf mir! Amen. Gerhard, g. 1606 † 1676. 3. Gott! ich nehms aus deinen Händen Als ein Liebeszeichen an; Denn in solcher Leidensbahn Willst du meinen bung, die man mir Zu des Leibes Nothdurft gibet, Kommt von dir, der mich geliebet; Alles kommt, mein Gott, von dir. 4. Laß nur nicht den Geist ermüden Beides Leibes Mattigkeit, Daß er sich zu aller Zeit Senk in dich und deinen Frieden. Laß in Nuh mit Freundlichkeit Mich gehorsam und bescheiden So auf meinem Bette leiden, Daß es meinen Geist erneut. 5. Dir empfehl ich nun mein Leben Und dem Kreuze meinen Leib; Gib, daß ich mit Freuden bleib An dich völlig übergeben; Denn so weiß ich festiglich, Ich mag leben oder sterben, Daß ich nicht mehr kann verderben: Denn die Liebe reinigt mich. Richter, 1678 † 1711. XVIII. Trostlieder. 11 397 Mel. Valet will ich.( Matth. 6, 26- 32.) 489. Kommt her und laßt| 5. Der diese Thierlein speiſet Und durch die Winterzeit Ihr Körnlein ihnen weiset, Wenn alles liegt beschneit, Wie sollte der nicht geben, Was dir vonnöthen ist Zum Unterhalt im Leben? Trau ihm nur als ein Christ! uns hören Die Vögel durch den Wald, Wie sie den Schöpfer ehren, Daß Berg und Thal erschallt. Sie singen ohne Sorgen, Sind freudig, denken nicht, Ob ihnen auch den Morgen Dieß oder das gebricht. 2. Sie trachten nicht nach Schäßen Durch Sorge, Müh und Streit. Der Wald ist ihr Ergößen, Die Federn sind ihr Kleid. Ihr Tisch ist stets gedecket, Sie sind gar wohlgemuth, Weil jedes, was ihm schmecket, Hat, so viel Noth ihm thut. 3. Sie bauen kleine Neste, Nicht große Scheunen auf; Sind nirgends fremde Gäste Und kaufen guten Kauf. Ein jeder singt hinwieder, So gut er kann und mag, Dem Wirthe schöne Lieder Hindurch den ganzen Tag. 4. Der Mensch schlägt sich mit Grillen, Ist blinder als das Thier, Sieht nicht auf Gottes Willen Und forget für und für. ,, Was," spricht er, werd ich effen? Was trink ich Armer doch? Der Herr hat mein vergessen!" O Mensch, Gott lebet noch! 6. Kommt, die ihr Gott nicht trauet, Daß er euch kleiden kann, Geht hin aufs Feld und schauet Die schönen Liljen an. Von wem kommt ihr Geschmeide? Auch König Salomo Mit Purpur, Gold und Seide Geschmückt, war doch nicht so. 7. Man siehet sie nicht spinnen, Doch sind sie so geschmückt, Daß aller Künstler Sinnen. Hierüber wird entzückt. Der Herr, der solchermaßen Den Blumen Kleider gibt, Wird nicht in Blöße lassen Den Menschen, den er liebt. 8. Auf ihn will ich fest bauen; Ich weiß, er läßt mich nicht; Mein Fleiß darf ihm vertrauen In allem, was gebricht. Ich sorge nicht für morgen, Noch was ich jetzt verzehrt, und lasse den nur sorgen, Der alle Welt ernährt. Buchholz, g. 1607 † 1671. Mel. Freu dich sehr.( Pf. 126.) O 490. Wann der Herr einst| ledig macht, dann schwindie Gefangnen Ihrer Bande den die vergangnen Leiden, XVIII. Troftlieder. 398 wie ein Traum der Nacht. Dann wird unser Herz sich freun, Unser Mund voll Lachens seyn; Jauchzend werden wir erheben Den, der Freiheit uns gegeben. 2. Herr! erhebe deine Rechte, Nicht auf uns den Vaterblick; Rufe die zerstreuten Knechte In das Vaterhaus zurück. Ach, der Pfad ist steil und weit; Kürze unsre Pilgerzeit, Führ ben. Mel. Christus, der ist.( Offenb. 22, 21.) 491. Die Gnade sey mit allen, Die Gnade unsers Herrn, Des Herrn, dem wir hier wallen sehn sein Und sehn sein Kommen gern. Und 2. Auf dem so schmalen Pfade Gelingt uns ja kein Tritt, Es geh denn seine Gnade Bis an das Ende mit. uns, wenn wir treu gestritten, In des Friedens stille Hütten. 3. Ernten werden wir mit Freuden, Was wir weinend ausgesät; Jenseits reift die Frucht der Leiden, Und des Sieges Palme weht. Unser Gott auf seinem Thron, Er, er selbst ist unser Lohn; Die ihm lebten, die ihm starben, Bringen jauchzend ihre GarChr. H. Zeller, g. 1779. 3. Auf Gnade darf man trauen, Man trant ihr ohne Neu; Und wenn uns je will grauen, So bleibts: der Herr ist treu! 4. Die Guade, die den Alten Ihr Weh half überstehn, Wird uns ja auch erhalten, Die wir in unsrem flehn. 5. Wird stets der Jammer größer, So glaubt und ruft man noch:„ Du, mächtiger Erlöser, Du kommst, so komme doch!" 6. Damit wir nicht erliegen, Muß Gnade mit uns seyn; Sie flößet zu dem Siegen Geduld und Glauben ein. 7. So scheint uns nichts ein Schade, Was man um Jesum mißt; Der Herr hat eine Gnade, Die über alles ist. 8. Bald ist es überwunden, Nur durch des Sohnes Blut, Das in den schwersten Stunden Die größten Thaten thut. 9. Herr! laß es dir gefallen, Noch immer rufen wir:„ Die Gnade sey mit allen, Die Gnade sey mit mir!" Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. In allgemeiner Noth. Eigene Mel. ( 2 Chron. 20, 5-13. Pf. 91, 14-16.) 492. Wenn wir in höchster| nicht wo aus noch ein Und finNoth und Pein Und wissen den weder Hilfnoch Nath, Ob In allgemeiner Noth. gleich wir sorgen früh und spat: 2. So ist dieß unser Trost allein, Daß wir zusammen insgemein Anrufen dich, o treuer Gott, Um Rettung aus der Angst und Noth. 3. Wir heben unser Aug und Herz Zu dir in wahrer Reu und Schmerz Und bitten um Begnadigung Und aller Strafen- Linderung, 4. Die du verheißest gnädiglich Allen, die darum bitten dich Im Namen des Herrn Jesu Christ, Der unser Heil und Mittler ist. du treuer Gott, Die schwere Straf und große Noth, Die wir mit Sünden ohne Zahl Verdienet haben allzumal; Schirm uns vor Krieg und theurer Zeit, Vor Seuchen, Feur und andrem Leid! Mel. Vater unser im.( Esra 8, 22.) 493. Nimm von uns, Herr,| tung uns erschein, Beweis uns deine große Gnad Und straf uns nicht auf frischer That; Steh uns mit deiner Güte bei, Daß dein Gericht uns ferne sey. 4. Gedenk an deines Sohnes Tod Und seine bittre Krenzes= noth, Die sind ja für die ganze Welt Derllebelthatenlösegeld; Deß trösten wir uns allezeit Und hoffen auf Barmherzigkeit. 5. Leit uns mit deiner starken Hand Und segne gnädig Stadt und Land; Gib uns allzeit dein heilig Wort, Den Argen schreck und treibe fort, Ein selig Stündlein uns verleih, Auf daß zu dir die Heimfahrt sey! Moller, g. 1547 † 1606. 2. Erbarm dich deiner bösen Knecht', Um Gnade bitten wir für Recht, Denn so du, Herr, den rechten Lohn Uns geben wollt'st nach unfrem Thun, So müßte ja die Welt vergehn, Und könnt kein Mensch vor dir bestehn. 399 5. Drum kommen wir, Herr unser Gott, Und klagen dir all unsre Noth, Weil wir jetzt stehn verlassen gar In großer Trübsal und Gefahr. 6. Sieh nicht an unsre Sünden groß, Sprich uns davon aus Gnaden los, Steh uns in unfrem Elend bei, Mach uns von allen Plagen frei; 7. Alsdann von Herzen wollen wir mit hohen Freuden danken dir, Gehorsam seyn nach deinem Wort, Dich allzeit preisen hier und dort. 3. Ach Herr Gott! durch die Trene dein Mit Trost und NetEber, g. 1511 t 1569.( Nach dem Latein. des Joach. Camerarius.) 400 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. Besondere Verhältnisse und XIX. Besondere Zeiten. A. Hausstand. ( Trauungslieder.) Mel. Wie schon leucht't.( Marci 10, 6-9. Ebr. 4, 16.) 494. Wie schön ists doch,| Sorge uns betrübt, Der beste Herr Jesu Christ, Im Stande, da dein Segen ist, Im Stande heilger Ehe! Wie steigt und neigt sich deine Gab Und alles Gut so mild herab Aus deiner heilgen Höhe, Wenn sich An dich Junge halten Gleich den Alten, Die im Orden Eines Standes einig worden. 2. Wenn Mann und Weib sich wohl verstehn Und unverrückt zusammengehn Im Bunde reiner Treue, Da blüht das Glück von Jahr zu Jahr, Da sieht man, wie der Engel Schaar Im Himmel selbst sich freue; Kein Sturm, Kein Wurm Freund und Rather; Anfang, Ausgang Aller Sachen, Die zu machen Wir gedenken, Wird er wohl und weislich lenken. 4. 3war bleibts nicht aus, es kommt ja wohl Ein Stündlein, da man leidensvoll Die Thränen lässet fließen; Jedennoch, wer sich in Geduld Ergibt, deß Leid wird Gottes Huld Ingroßen Freuden schließen. Wage, Trage Nur ein wenig! Unser König Wird behende Machen, daß die Angst sich wende. 5. Wohl denn, mein König, nah herzu! Gib Rath im Kreuz, in Nöthen Ruh, In Aengsten Kann zerschlagen, Kann zerna-| Trost und Freude; Deß sollst gen, Was Gott gibet, Dem du haben Ruhm und Preis, Paar, das in ihm sich liebet. Wir wollen fingen besterweis' 3. Seyd guten Muths: nicht Und danken alle beide, Bis wir Menschenhand Hat aufgerich- Beidir, Deinen Willen Zu ertet solchen Stand, Es ist Gott, füllen, Deinen Namen Ewig unser Vater! Der hat uns je loben werden. Amen. und je geliebt und bleibt, wenn Gerhard, g. 1606 † 1676. Mel. Wie schön leucht't.( Ps. 127.) 495. Wo Gott ein Haus| gebens; Wo Gott des Hauses nicht selber baut, Wo Gott nicht Braut und Bräutgam traut, Ist Rath und Werk verGang regiert, Dem Bräutigam die Braut zuführt, Da quillet Lust des Lebens. Zählet, Wäh A. Hausstand.( Trauungslieder.) 401 let, Sorget, denket;-Wenns| dung zu erjagen; Umsonst sitzst Gott lenket, Wirds gelingen; du bis Mitternacht Und denkst, Sonst wird niemand was er- es sey nicht gnug vollbracht, zwingen. Und isst und trinkft mit Zagen. Hülle, Fülle Edler Gaben Soll der haben, Der, begnadet, Jesum zu der Hochzeit ladet. 2. Wenn Gott die Stadt nicht selbst bewacht, Da gibt umsonst der Wächter Acht Und Feind und Flammen wüthen. Wo Gottes Hand nicht Ehen schließt, Wo er nicht wird ums Ja begrüßt, Gibts keine Friedensblüthen. Schauet, Trauet: Wer Gott dienet, Der nur grünet: Die ihn fliehen, Müfsen sich zu Tode mühen. 3. Umsonst springst du vom Lager auf Und eilft vor Tag mit bangem Lauf, Brod, Klei4. Wohl dem, der von dem Geist regiert, Mit Christo seinen Ehstand führt Und Gottes Reich erbauet! Wohl dem, der fromme Kinder hat, Die er zum Heil der Vaterstadt Im Geiste wachsen schauet! Jesu, Jesu, Laß geschehen, Was wir flehen; Laß es Ehen, Die dein Werk find, wohlergehen! Lehmus, g. 1707 † 1798. Mel. Ringe recht, wenn.( Sprüche 16, 3. Eph. 5, 9, 10.) 496. Gottes Führung for-| 5. Höchstes Vorbild alles Ledert Stille; Wo der Fuß noch bens, Welches heilig ist und selber rauscht, Wird des ewgen rein: Dein Verdienst laß nicht Vaters Wille Mit der eignen vergebens Auch an unsrem LeWahl vertauscht. ben seyn! 6. Was wir bisher auch versehen, Decke zu mit deinem Blut, Das für aller Welt Vergehen Gnug und überschwenglich thut. 2. Wer da leben will, der sterbe; Wer nicht stirbt, der lebet nicht! Ehe denn das Fleisch verderbe, Scheinet uns kein wahres Licht. 3. Zeitlich, ewig,- geistlich, leiblich Bietet manchmal sich die Hand; Aber wie so unbeschreiblich Wird es Eins im Eheband! 4. Darum ist es unumgänglich, Jesus führ uns erst hinein, Will man hoffen, überschwenglich Darin unterstützt zu seyn. Evangelisches Gesangbuch. 7. Laß uns aber also handeln In des Lebens künftger Frist, Daß wir in dem Lichte wandeln, Herr, wie du im Lichte bist. 8. Unsern Stand laß mit dem Glanze Deiner Kraft umgeben seyn, Und ein jedes Kind zur Pflanze Der Gerechtigkeit gedeihn. 26 402 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. 9. Stärf uns in des Lebens| Scheiden, Die sich, Herr, in Leiden, Leit uns auf der Todes- dir umfahn. bahn. Derer Scheiden ist kein nik. Ludw. Graf von Zinzendorf, g. 1700 † 1760. V. 9 3usah. Mel. Wie schön leucht't.( Eph. 4, 1-3.) 497. Von dir, du Gott der| sam, zärtlich sevn, Ein Herz Einigkeit, Ward einst der Ehe Bund geweiht: O weih auch heilig vor dir wandeln. und eine Seele! Immer laß sie Dir ergeben, Einig leben, sie zum Segen, Die hier vor| Einig handeln, Fromm und deinem Angesicht, Bereit stehn, dir den Schwur der Pflicht Und Eintracht abzulegen! Laß fie, Vater, Dir ergeben, Ei= nig leben, Treu fich lieben, Treu die Pflicht der Christen üben. 3. O segne sie, der gern beglückt Und Segen uns von oben schickt, Auf allen ihren Wegen! Laß ihr Geschlecht sich deiner freun; Gib selbst zu ihrem Fleiß Gedeihn, Und ihr Beruf sey Segen! Laß sie, Vater, Dir ergeben Glücklich leben, Freudig sterben: So sind sie des Himmels Erben. Eschenburg, g. 1743+ 1820. 2. Gott! der du sie verbunden hast, Mach ihnen leicht des Lebens Last, Gib, daß kein Gutes fehle. Den Ehbund laß sie nie entweihn, Keusch laß sie, friedMel. Herr Jesu Christ, dich zu uns wend.( Jof. 24, 15.) 498. Wohl einem Haus, wo Jesus Christ Allein das All in allem ist! Ja wenn er nicht darinnen wär, Wie finster wärs, wie arm und leer! 2. Wohl, wenn der Mann, das Weib, das Kind Im rechten Glauben einig sind, zu dienen ihrem Herrn und Gott Nach seinem Willen und Gebot! 3. Wohl, wenn ein solches Haus der Welt Ein Vorbild vor die Augen stellt, Daß ohne Gottesdienst im Geist Das äußre Werk nichts ist und heißt: im Gebet, Beständig in die Höhe geht, Und man nichts treibet fort und fort, Als Gottes Werk und Gottes Wort! 5. Wohl, wenn im äußerlichen Stand Mit fleißiger, getreuer Hand Ein jegliches nach seiner Art Den Geist der Eintracht offenbart! 6. Wohl, wenn die Eltern gläubig sind, Und wenn sie Kind und Kindeskind Versäumen nicht am ewgen Glück! Dann bleibet ihrer keins zurück. 7. Wohl solchem Haus, denn 4. Wohl, wenn das Näuchwertes gedeiht: Die Eltern werden A. Hausstand.( Trauungslieder.) 403 hocherfreut, Und ihren Kindern| Stund Sammt meinem Hauſe sieht mans an, Wie Gott die seinen segnen kann. diesen Bund: Wich' alles Volk auch von ihm fern,- Ich und mein Haus stehn bei dem Herrn! 8. So mach ich denn zu dieser von Pfeil, g. 1712 † 1784. Mel. Sollt es gleich.( Pf. 127, 1. 2. Sprüche 10, 22.) 499. Wo der Herr das Haus nicht bauet, Wo mans ihm nicht anvertrauet, Woman selbst sich helfen will, Steht das Werk bei Zeiten still. 2. Wenn der Herr die Stadt nicht hütet, Wo der Feind bald schleicht, bald wüthet, Wird sie, troß der Wächter Fleiß, Flammen oder Mördern preis. 3. Alles Schaffen und Bestreben, Alles Sorgen, Rennen, Beben Thut es nicht, wenns Gott nicht thut, Gott und seine treue Hut. 4. Eilet früh aus eurem Bette, Ringt und wirket um die Wette, Sigt falt, hungrig, ausgewacht Bis zur späten Mitternacht: 5. Euer Rechnen, Sorgen, Ringen Wird euch doch kein Glück erzwingen; Wer sich selber Hilfe schafft, Der verschmähet Gottes Kraft. 6. Zieht Gott im Gebet zu Rathe, Mühet euch um Gottes Gnade, Lebt und liebt in ihn euch ein, Dann wird euer Werk gedeihn. 7. Schlafend gibt ers seinen Freunden, Gibt noch größres, als sie meinten, Daß sie staunen, wenn sie sehn So viel Vorrath um sich stehn. 8. Seguend tritt auf ihre Bitte Gott, der Herr, in ihre Mitte; Viel Gebete,- reiches Brod, Starker Muth, wenn Uebel droht. 9. Sorgt nicht für den andern Morgen! Lernt für eure Seele sorgen, Trachtet nach der Ewigfeit: Gott ist nahe jederzeit! 10. Scheints, daß wenig Trost vorhanden. Nein, ihr werdet nicht zu Schanden! Nur der SünderHaus zerfällt, Fromme bleiben Herrn der Welt! Lehmus, g. 1707 † 1788. Eigene Mel.; oder: So führst du doch.( Joh. 2, 2 c. 1 Mof. 18, 19.) 500. Oselig Haus, wo man aller Herzen dir entgegenschladich aufgenommen, Du wah- gen, Und aller Augen freudig rer Seelenfreund, Herr Jesu auf dich sehn; Wo aller Lippen Christ! Wounter allen Gästen, dein Gebot erfragen, Und alle die da kommen, Du der ge- deines Winks gewärtig stehn. feiertste und liebste bist; Woi 2. O selig Haus, wo Maun 404 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. und Weib in einer, In deiner Liebe Eines Geistes sind, Als beide Eines Heils gewürdigt, keiner Im Glaubensgrunde anders ist gesinnt; Wo beide unzertrennbar an dir hangen In Lieb und Leid, Gemach und Ungemach, Und nur bei dir zu bleiben stets verlangen An jedem guten, wie am bösen Tag! 4. O selig Haus, wo Knecht und Magd dich kennen, Und wissend, wessen Augen auf sie sehn, Bei allem Werk in Einem Eifer brennen: Daß es nach deinem Willen mag geschehn; Als deine Diener deine Hausgenossen, In Demuth willig, und in Liebe frei Das Ihre schaffen, froh und unverdrossen, In kleinen Dingen zeigen große Treu. 3. O selig Haus, wo man die lieben Kleinen Mit Händen des Gebets ans Herz dir legt, Du Freund der Kinder, der sie als 5. O selig Haus, wo du die Freude theilest, Wo man bei keiner Freude dein vergißt! O die seinen Mit mehr als Mutselig Haus, wo du die Wunden terliebe hegt und pflegt; Wo sie zu deinen Füßen gern sich sammeln Und horchen deiner süßen Rede zu Und lernen früh dein Lob mit Freuden stammeln, Sich deiner freun, du lieber Heiland, du! heilest Und aller Arzt und aller Tröster bist; Bis jeder einst sein Tagewerk vollendet, Und bis sie endlich alle ziehen aus, Dahin, woher der Vater dich gesendet, Ins große, freie, schöne Vaterhaus! Spitta, g. 1801. Mel. 3euch ein zu deinen Thoren.( Col. 3, 14.) 501. Gott! du bist selbst die Liebe, Wer liebet ohne dich Und folgt nicht deinem Triebe, Der ladet Fluch auf sich. Du mußt der Anfang seyn Und auch das Ende machen Bei allen meinen Sachen Durch deinen Gnadenschein. 2. Wir opfern unfre Herzen Vor deinem Throne hier. Zünd an der Liebe Kerzen, Verbind uns erst mit dir Und gib uns deinen Geist, Der unsern Sinn regiere, Zum rechten Zweck uns führe, Der wahre Liebe heißt. 3. Du bist ein reines Wesen, Mach unsre Herzen rein; Was uns wird vorgelesen, Drück in die Seelen ein; Versiegle unsern Eid, Was wir vor dir versprechen, Das laß uns nimmer brechen, Bis Grab und Tod uns scheid't. 4. Der Himmel träufle Segen Auf unsern Ehestand; Führuns auf allen Wegen Durch deine ( Trauungslieder.) 405 doch wohl die Stunde, Da Wasser wird zu Wein.( Joh 2, 1 2.) 6. Laß uns im Frieden leben, Des Friedens Kinder seyn; Wann wir die Hand drauf ge= ben, So schlage du mit ein; Dein Amen sey das Wort, Das Siegel unsrer Liebe; Wir folgen deinem Triebe, Hier ist der Segensort! A. Hausstand. Vaterhand; Stört uns der Seelenfeind, So treib ihn in die Wüste, Hilf, daß uns nicht geliste, Was dir zuwider scheint. 5. Gib uns vergnügte Herzen In Lieb und auch im Leid, Versüße du die Schmerzen, Des Kreuzes Bitterkeit; Schenkst du uns Thränen ein Und schlägst uns eine Wunde, So kommt Schmolt, g. 1672 † 1737. Mel. Wie schön leucht't.( Jof. 24, 15. Apostelg. 16, 31.) Seele; Keinem fehle, Dran man kennet Den, der sich den deinen nennet. 502. Ich und mein Haus, gelinde. Liebe Uebe Jede wir sind bereit, Dir, Herr, die ganze Lebenszeit Mit Seel und Leib zu dienen. Du sollst der Herr im Hause seyn; Gib deinen Segen nur darein, Daß wir dir willig dienen. Eine Kleine, Fromme, reine Hausgemeine Mach aus allen! Dir nur soll sie wohlgefallen. 2. Es wirke durch dein kräftig Wort Dein guter Geist stets fort und fort An unser aller Seelen; Es leucht uns wie das Sonnenlicht, Damit's am rechten Lichte nicht ImHause möge fehlen. Reiche Gleiche Seelenspeise, Auch zur Reise Durch dieß Leben Uns, die wir uns dir ergeben. 3. Gieß deinen Frieden auf das Haus Und alle, die drin wohnen, aus, Im Glauben uns verbinde; Laß uns in Liebe allezeit Zum Dulden, Tragen seyn bereit, Demüthig, sanft, 6. Und endlich flehn wir aller4. Laß unser Haus gegründet seyn Auf deine Gnade ganz allein Und deine große Güte. Auch laß uns in der Nächte Graun Auf deine treue Hilfe schaun Mit kindlichem Gemüthe; Selig, Fröhlich, Selbst mit Schmerzen In dem Herzen Dir uns lassen Und dann in Geduld uns faffen. 5. Gibst du uns ird'sches Glück ins Haus, So schließ den Stolz, die Weltluft aus, Des Reichthums böse Gäste! Denn wenn das Herz an Demuth leer, Und voll von eitler Weltlust wär, So fehlte uns das beste: Jene Schöne, Tiefe, stile Gnadenfülle, Die mit Schätzen Einer Welt nicht zu ersehen. XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. 406 meist, Daß in dem Haus kein andrer Geist, Als nur dein Geist regiere; Daß er, der alles wohl bestellt und gute Zucht und Ordnung hält, Uns Für Eltern. Mel. Herr Jesu Christ, dich zu uns.( Lucä 18, 15-17.) 503. Ihr Eltern, hört was| 4. Gehorchet ihm und bringt sie her, Daß man von Jugend auf sie lehr In Kirchen und in Schulen wohl, Wie man Gott gläubig ehren soll. 5. Habt ihr sie lieb mit treuem Sinn, So führet sie zu Jesu hin; Wer dieß nicht thut, ist ihnen feind, Wie groß auch seine Liebe scheint. 6. Was hilft den Kindern großes Geld, Wenn nicht ihr Herz ist gut bestellt? Wer fie zu Gott recht führen läßt, Der thut für sie das allerbest'. Nach Helmbold, g. 1532 † 1598. Mel. Werde munter.( Ps. 115, 14. Sprüche 14, 26.) Gefahr für sie herein, Wollst du ihr Beschüßer seyn; Wenn in Noth sie zu dir flehen, Laß sie deine Hilfe sehen. Christus spricht: Den Kindlein sollt ihr wehren nicht, Daß sie sich meinen Armen nahn, Denn ich will segnend sie empfahn." 2. Auch ihrer ist das Himmelreich, Und was ist dem auf Erden gleich? Mit aller Weltluft, Pracht und Ehr Hats bald ein End und ist nicht mehr. 3. Das Himmelreich sich nie verliert, Darein uns Jesus Christus führt Durch seine Lehr, dieß ewge Wort, Das uns macht selig hier und dort. 504. Sorge, Herr, für uns re Kinder, Sorge für ihr wahres Heil! Sind sie gleich vor dir nur Sünder, Haben sie an dir doch Theil: Sie sind in der Taufe schon Dir geweiht und deinem Sohn; Darum leite deine Gnade Sie auf ihrem Lebenspfade. alles lieblich ziere. Sende, Spende Ihn uns allen, Bis wir wallen Heim und droben Dich in deinem Hause loben. Spitta, g. 1801 2. Der du sie bisher erhalten Bei so manchem Unglücksfall, Wollest über ihnen walten Immerdar und überall. Bricht 3. Dringt auf sie von allen Seiten Der Verführer Schaar heran, Laß doch ihren Fuß nicht gleiten, Halte sie auf rechter Bahn. Regt in ihrer eignen Brust Sich mit Macht die böse Lust, Gib dann, daß sie muthig kämpfen und den Reiz der Sünde dämpfen. A. Hausstand.( Für Eltern.) 4. Herr! erhalte deinem Neiche Unsre Kinder stets getreu. O daß keines von dir weiche Und dereinst verloren sey! Weck in ihnen frommen Sinn, Lenk ihr Streben darauf hin, Dir sich gänzlich zu ergeben Und zur Ehre dir zu leben. 505. Hilf, Gott, daß unsre Kinderzucht Geschehe stets mit Nuß und Frucht, Und aus dem Mund der Kinder dir Ein Lob ertöne für und für. Mel. Herr Jesu Christ, dich.( Matth. 21, 15. 16. Eph. 6, 4.) 2. Laß unsre Kinder insgemein Den Eltern stets gehorsam seyn Und meiden allen Lügenhang, Den Eigensinn und Mü-| Biggang. 3. Schenk ihnen deiner Wahrheit Licht Und segne ihren Unterricht, Damit durchs Wort aus deinem Mund Ihr Glaub erhalte festen Grund. 4. Behüte sie vor Aergerniß; Mach sie des rechten Wegs gewis, Wo ihnen ein Verführer naht Mit giftgem Reiz zur Missethat. 5. Schenke mir die Himmelsfreude, Daß ich einst am jüng= sten Tag, Nach so manchem Kampf und Leide Mit Frohlocken sprechen mag:„ Liebster Vater, siehe hier Meine Kinder all mit mir! Ihrer keines ist verloren, Alle für dein Reich erkoren!" 5. Nimm ihre Seelen, Herr, in Acht, Beschirme sie mit deiner Macht, Damit sie dich verlassen nie; Dein Engel lagre sich um sie. 107 ( Jef. 8, 18.) Nach Schlosser, g. 1702 † 1754. 6. Geist der Gnad und des Gebets, Gieß dich in ihre Herzen stets; Furcht Gottes gib in ihren Sinn, Die aller Weisheit Anbeginn! 7. Erleuchte sie mit deinem Schein; Laß sie zum Lernen willig seyn; An Gnad und Weisheit immerdar Zunehmen lieblich Jahr für Jahr. 8. Regiere sie ohn' Unterlaß, Damit sie zum vollkommnen Maß Des Lebens Christi wachsen fort Und Früchte bringen durch sein Wort. 9. Vollende fie in dieser Zeit Zum Erbtheil in der Ewigkeit; Den Kindern, Heiland, sprichst ja du So liebevoll den Himmel zu! 10. Und schließt sich einst ihr Erdenlauf, So nimm sie selig zu dir auf, Damit sammt ihnen wir zugleich Dich preisen dort in deinem Reich. 408 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. Für Kinder. Eigene Mel.( Jef. 40, 11. Joh. 10, 14.) 506. Weil ich Jesu Schäf-| Daß ich keinen Mangel leide; Und so oft ich durstig bin, Führt er mich zum Brunnquell hin. 3. Sollt ich denn nicht fröhlich seyn, Nun ich sein bin und er mein? Denn nach diesen schönen Tagen Werd ich endlich heimgetragen In des Hirten Arm und Schoos; Amen, ja mein Glück ist groß! Luise Henriette von Hayn, g. 1724 † 1782. lein bin, Freu ich mich nur immerhin Ueber meinen guten Hirten, Der mich wohl weiß zu bewirthen, Der mich liebet, der mich kennt Und bei meinem Namen nennt. 2. Unter seinem sanften Stab Geh ich aus und ein und hab Unaussprechlich süße Waide, Mel. Herr Jesu Christ, dich zu uns wend.( Luc. 2, 51. 52.) 507. Nun hilf uns, o Herr| Willen ruhn, Lehr uns nach deinem Vorbild than. Jesu Christ, Der du einst hier gewesen bist Ein freundliches und frommes Kind, Ohn' alle Schuld, ohn' alle Sünd. 3. Gib deinen Geist in unfre Brust; Hilf lernen uns mit Kindeslust, Damit wir legen rechten Grund Und ewig stehn in deinem Bund. 2. Wir Kinder bitten eines nur, Versags nicht, Herr, der Kreatur: Hilf uns in deinem Böhmische Brüder. Mel. Auf, Christenmensch.( Marcı 10, 13-16.) 508. Heil uns! des Vaters Ebenbild, Der nun im Himmel thronet, Hat hier auf Erden hehr und mild Gewandelt und gewohnet, Und seine Huld und Herrlichkeit Umhüllt' ein schlichtes Pilgerkleid. 2. Er kam hernieder wunderbar, Die Menschen zu erlösen, Und wunderschön und freundlich war Sein Wort, sein Blick und Wesen. Ein stiller Glanz, ein himmlisch Licht Umfloß sein holdes Angesicht. 3. Er gieng im Land umher, sein Herz Voll Liebe und Erbarmen, Er heilte freundlich jeden Schmerz Und tröstete die Armen. Und was am lieblichsten erscheint, Er war der Kindiein Schirm und Freund. 4. Ihm gieng, den Säugling in dem Arm, Vie Mutterlieb entgegen, Frohlockend hüpft' ein bunter Schwarm Von Kindlein an den Wegen, Und Jesus sah in stiller Ruh Dem fröhlichen Gewimmel zu. 5. Da rief ein Jünger: ,, last sie fern!"- Die Mütter sahn A. Hausstand.( Für Kinder.) 409 beklommen. Er aber sprach:| lebt, Als er auf Erden wallte ich seh sie gern, O laßt sie zu mir kommen, Und seyd auch ihr den Kindlein gleich, Denn ihrer ist das Himmelreich. auch meine Thräne ihm gebebt, Wenn Preis und Dank ihm schallte, Getroft hätt ihn auch ich begrüßt und seine Segenshand geküßt! 6. Und sieh, die Kindlein drängten dann Sich um ihn voll Verlangen, Und Jesus nahm sie freundlich an Mit liebendem Umfangen, Hob sie empor auf Arm und Knie Und segnete und herzte sie. 8. Doch schauet er nicht ungesehn Voll Huld auf uns hernieder? Und einst von jenen Himmelshöhn Erscheint er herrlich wieder, Und sind wir dann den Kindlein gleich, Führt er uns in sein himmlisch Reich. 7. O hätt auch ich damals geFr. U. Krummacher, g. 1767. Mel. Vom Himmel hoch.( 2 Mos. 20, 12. Gir. 3, 11. Sprüche 30, 17.) 509. Ihr Kinder, lernt von Anfang gern Der Weisheit Grund, die Furcht des Herrn! Was ihr bei Zeiten lernt und thut, Kommt jegt und ewig euch zu gut. 2. Hört die Verheißung, welche Gott Als Vater legt auf sein Gebot, Wenn er den Himmelsweg euch weist Und euch gehorsam werden heißt. 3. ,, Ehr deine Eltern spät und früh; Dank ihnen ihre Lieb und Müh, Dann wirds dir wohl auf Erden gehn, Dann wirst du Gottes Himmel sehn." 4. So war auf seiner Erdenbahn Den Eltern Jesus unterthan. Er, dessen Stuhl die Himmel sind, War einst gehorsam als ein Kind. 5. Des Vaters Segen baut ein Haus, Wo Kinder froh gehn ein und aus, Der Fluch der Mutter reißt es ein, Denn Gott will selbst der Rächer seyn. 6. Ein Kind, das seinen Vater schmäht Und trozig von der Mutter geht, Wird gleich dem Baume früh entlaubt und ruft sich Noth und Tod aufs Haupt. 7. Doch o wie süß, wenn Vatermund Und Mutterfreude geben kund: ,, Die liebste Blume, die ich find', Ist unser treues, frommes Kind!" 8. Den Vater lieb von Herzensgrund Und ehre ihn mit That und Mund; Vergiß nicht, wie du lange Frist Der Mutter sauer worden bist! 9. Gott! fende deinen Segensstrahl Eltern und Kindern allzumal; Halt sie verbunden in der Zeit, Verbunden in der Ewigkeit! Knapp, g. 1798. 410 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. Mel. Wie selig bin ich.( 1 Joh. 4, 19. 1 Cor. 6, 20.) 510. Daß ich in deiner Chri-| 5. Ich kenne diese Welt noch stenheit, Mein Gott, geboren nicht, Die Sünde drohet mir, bin, Dir durch die Tanfe bin Du aber ziehst mich durch dein geweiht, Wie sehr ist mirs Licht Zur Wahrheit und zu dir. Gewinn! 6. Wie dank ich dir, Allliebender, Für diese Vatertreu! Gib, daß dir immer inniger Mein Herz ergeben sey. 7. Auch ich bin dir zum Eigenthum Durch deinen Sohn erkauft, Auch ich bin dir zum Dienst und Ruhm Aufsein Gebot getauft. 8. Dir will ich denn( o stärke mich!) Mein ganzes Leben weihn; So freut mein Herz sich inniglich Des Glücks, ein Christ zu seyn. Koppe, g. 1751 † 1791, 2. Nun ward ich in der Kindheit schon mit dir und dem bekannt, Den du von deiner Himmel Thron Zum Heil der Welt gesandt. 3. Ich lernte früh bereits verstehn, Was dein allweiser Rath Auch mir zum ewgen Wohlergehn Voll Huld geordnet hat. 4. Erleuchtet durch dein heilig Wort Seh ich die sichre Bahn, Darauf wir uns so hier als dort Dem wahren Leben nahn. Mel. Sollt aleich.( 2 Tim. 2, 21 511. Las, o Jesu, meine| treten, Gerne dir gehorsam seyn, Gerne lieben dich allein. 4. Gern will ich auch fleißig lernen; Gern mich überall entfernen, Wo zu einem bösen Spiel Leichtsinn mich verführen will. 5. Soll ich einst auch etwas leiden, Einst aus diesem Leben scheiden, Jesu, so gedenke mein Und nimm in dein Reich mich ein! Pfeffel, g. 1736 † 1809. Jugend Nur der Weisheit und der Tugend, Und mein Leben ganz allein Deinem Dienst ergeben seyn. 2. Du wollst deinen Geist mir geben, Der mich fromm und heilig leben Und zum Vater beten lehrt, Wenn er meinen Glauben mehrt. 3. Da kann ich auch mit Gebeten Gern vor dich, o Jesu, Mel. Wie selig bin ich.( Ps. 119, 9.) 512. Du kanntest schon und| lieben dich, Ist, Vater, mein liebtest mich, Eh deine Hand mich schuf. Zu kennen und zu Beruf. 2. Dein sey der Jugend Blü A. Hausstand.( Für Kinder.) 411 saz, nichts, Herr, ohne deine Kraft! Nichts gilt am Tage des Gerichts, Was deine Hand nicht schafft. the, dein Die ganze Lebenszeit;| 8. Nichts ist mein bester VorUnd mein sey deine Gnade, mein Noch in der Ewigkeit! 3. Mit Weisheit, ach ich bitte dich, Erfülle den Verstand; Und naht mir ein Verführer sich, So beut mir deine Hand. 4. Der Jugendlüfte Eitelkeit Laß ferne von mir seyn, Der Tugend und der Sittsamkeit Und deiner Furcht mich weihn. 5.- Ist mir von deiner Gütigfeit Ein Vorzug, Gott, verliehn, So laß mich Selbstgefälligkeit Als eine Thorheit fliehn. 6. Will meiner Jahre wallend Blut Mich eiligst hintergebn, So gib mir Weisheit, gib mir Muth, Gott, zu widerstehn. 7. Die Luft, die unsern Sinn entzückt, Beflecket oft das Herz, Und Sünde, die das Herz berückt, Wirkt Neue, Schand und Schmerz. 9. Zum Lernen gib mir Tren und Fleiß, Laß Mühe nie mich scheun; So werd ich dir, o Herr, zum Preis, Der Welt einst nüglich seyn. 513. Jesu! als du wiederfehrtest Aus dem Heiligthum des Herrn, Wo du seinen Willen hörtest, Bliebst du bei den Eltern gern, Warest willig, ihren Willen Treu und kindlich zu erfüllen, Und voll Demuth für und für; Gottes Gnade war mit dir. 10. Du gabst mir Eltern, Lehrer mir; Ihr treuer Unterricht Ihr lehrend Beispiel kommt von dir, Von dir, du höchstes Licht. 11. Hab ich sie nicht genug geliebt, Wie mir dein Wort gebeut, Und sie aus Leichtsinn oft betrübt: Vergibs! es ist mir leid. 12. Du sollst, Gott meiner Jugend, noch Mein Gott im Alter seyn; Und so will ich auch sterbend noch Dich preisen, dein mich freun. Dürr, g. 1743. Mel. Gott der Wahrheit und der Liebe.( Luc. 2, 51. 52.) 2. Sieh, jest ziehet deine Heerde Aus der Schule fröhlich aus; Daß fie fromm und tüchtig werde, Lehrst du sie in diesem Haus. Hilf daheim und bei den Spielen, Einsam oder unter vielen, Uns gedenken unsrer Pflicht; Kinderfreund, verlaß uns nicht! Dr. Fabnmaier, g. 1774 i 1841. 412 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. Berufslieder. Mel. Du deß sich alle Himmel freu'n.( Ps. 90, 17.) 514. Das walte Gott, der| verzagt! Ist doch mein Werk helfen kann! Mit Gott fang ich die Arbeit an, MitGott nur geht es glücklich fort; Drum ist auch dieß mein erstes Wort: Das walte Gott! 2. All mein Beginnen, Thun und Werk Erfordert Gottes Kraft und Stärk, Mein Herz sucht Gottes Angesicht, Drum auch mein Mund mit Freuden spricht: Das walte Gott! 3. So Gott nicht hilft, so kann ich nichts, Wo Gott nicht gibet, da gebrichts; Gott gibt und thut mir alles Guts, Drum sprech ich nun auch guten Muths: Das walte Gott! 4. Will Gott mir etwas geben hier, So will ich dankbar seyn dafür; Auf sein Wort werf ich aus mein Neg* Und sag in meiner Arbeit stets: Das walte Gott! *( Luc. 5, 4-10.) 5. Anfang und Mitte sammt dem End Stell ich allein in Gottes Händ'; Er gebe was mir nüglich ist, Drum sprech ich auch zu jeder Frist: Das walte Gott! mit Gott gewagt: Er wird mir gnädig stehen bei; Drum dieß auch meine Losung sey: Das walte Gott! 8. Er kann mich segnen früh und spat, Bis all mein Thun ein Ende hat; Er gibt und nimmt, machts wie er will; Drum sprech ich auch fein in der Still: Das walte Gott! 9. Gott steht mir bei in aller Noth Und gibt mir auch mein täglich Brod; Nach seinem alten Vaterbrauch Thut er mir Guts; drum sprech ich auch: Das walte Gott! 10. Nichts glücket ohne Gottes Gunst; Nichts hilft Verstand, Wiß oder Kunst; Mit Gott gehts fort, geräth auch wohl, Daß ich kann sagen glaubensvoll: Das walte Gott! 11. Theilt Gott was mit aus Gütigkeit, So acht ich keiner Feinde Neid; Laß hassen, wers nicht lassen kann, Ich stimme doch mit Freuden an: Das walte Gott! 6. Legt Gott mir seinen Segen 12. Thu ich denn was mit Gotbei Nach seiner großen Güttes Rath, Der mir beistehet und Treu, So gnüget mir zu jeder Stund; Drum sprech ich auch von Herzensgrund: Das walte Gott! früh und spat, Dann alles wohl gerathen muß: Drum sprech ich nochmals zum Beschluß: Das walte Gott! 7. Trifft mich ein Unglück: unJohann Betichins, vielleicht um 1700. A. Hausstand.( Berufslieder.) Mel. Du, Gott, bist über( Luc. 16, 10. Pf. 90, 17.) 515. Zur Arbeit winkt mir mein Beruf; Du, dessen Güte mir Die Kräft' in Seel und Gliedern schuf, Ich fange an mit dir! 2. O stärke mich zu muntrem Fleiß, Gib Lust und Kraft dazu! Zum Nutzen mir, und dir zum Preie Gedeihe, was ich thu. 3. Herr! ohne dich ist kein Gedeihn, Vergeblich Müh und Schweiß; Laß deinen Segen mit mir seyn, Dann bringet Frucht mein Fleiß. 4. Gefahr für Leib und Seele droht Der träge Müßiggang; Zur Arbeit rief uns dein Gebot Aus Gnade, nicht aus Zwang. 5. Auch reiße mich kein falscher Trieb Zur Regsamkeit dahin! Wenn ich vor dir ein 413 Schuldner blieb', Was wäre mein Gewinn? 6. O daß, vom Joch der Trägheit frei, Mein Fleiß auch andern gern Zum Nutzen, nie zum Schaden sey! Wir dienen Einem Herrn. 7. Kein Raum sey schnöder Weichlichkeit In meinem Thun vergönnt, Dem Sinn, der Müh und Lasten scheut Und nur nach Freuden rennt. 8. Nie will ich wie der faule Knecht Vergraben, Herr, mein Pfund; Dem Faulen wird mit vollem Recht Die Zornesrn= the kund. 9. MeinFleiß sey auch im Kleinen treu, Mein Werk in Gott gethan, Daß dermaleins ich fähig sey, Auch größres zu empfahn! Garse, g. 1763 † 1841. Mel. O Gott du frommer.( Pf. 123, 2. Col. 3, 17.) 516. Komm, Segen aus der| sten werd bei Von deinem Kinde hast. Aus eigner Schuld Höh, Gib, Herr, mir Lieb und zur Last; Auf daß du Ruhm daStärke, Daß ich nur wachsam geh An jedes meiner Werke! Arbeitsam seyn ist füß; Nur hilf auch du dabei, Daß Martha dieser Leib, Der Geist Maria sey. ( Luc. 10. 38 c.) 2. Laß alles freundlich seyn, 3. Wo meine Füße gehn, Was meine Händ' arbeiten, Da will ich auf dich sehn, Als stündst du mir zur Seiten. De in Geist regiere mich, Bis alles, was du willt, In meinem HerVoll Demuth, was ich sage, Eszen ist und durch mein Thun sey groß oder klein; Und daß ich erfüllt! lieber trage, Als meinem NächGräfin Benigna von Reuf 414 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. Für Dienstboten. Mel. Nun ruhen alle.( Eph. 6, 5-8.) 517. Gott! deinen weisen| Mit Vorsatz nie betrüben, Nie Willen Soll jeder hier erfüllen; Laß ihn mir heilig seyn. Du hast auch mich auf Erden Zum Menschen lassen werden; Dir will ich meine Kräfte weihn. träg und müßig seyn; Ich will sie nicht belügen, Necht thun und nie betrügen Und mich vor deinem Auge scheun. 2. Ich soll hier andern dienen, Und dien' ich treulich ihnen, So folg ich dir, mein Gott. Laß meiner Herrschaft Willen Mich gern und treu erfüllen, Als deinen Willen, dein Gebot. 3. Lehr ohne bittre Klagen Des Lebens Last mich tragen Und immer auf dich sehn. Im Neden und im Schweigen Will ich als Christ mich zeigen Und auf dem Pfad der Tugend gehn. 4. Die Herrschaft will ich ehren Und ihren Nugen mehren, Sie, wo ich kann, erfreun; Nie dein Gebot verletzen, Mich ihr nicht widersetzen Und jeden Fehler gleich bereun. 5. Ich will sie redlich lieben, 6. In meinem Dienst auf Erden Stets tüchtiger zu werden, Sey Freude mir und Pflicht. Ich bin ja, wo ich wandle, Bei allem, was ich handle, O Herr, vor deinem Angesicht. gesund, Hebe sein Gemüthe Und erhebe seinen Mund Zu des Höchsten Güte. Laßt uns danken Tag und Nacht Mit gesunden Liedern Unfrem 7. Du bist stets der Gerechte, Der Herr der Herrn und Knechte Und beider Trost und Heil; Der Niedrigste auf Erden Kann groß im Himmel werden, Hat Neichen gleich, Gott, an dir Theil. 8. Laß mich dieß recht ermessen; Nie meine Pflicht vergessen, Und meines Russ mich freun; So wirst du, Herr der Welten, Es reichlich mir vergelten, und ich werd ewig glücklich seyn. Lavater, g. 1741 † 1801. Dank für die Gesundheit. Mel. Einen guten Kampf hab' ich. ( Gir. 30, 14-17. Pf. 103, 1-4.) 518. Wer wohl auf ist und| Gott, der uns bedacht Mit gefunden Gliedern. 2. Ein gesundes, frisches Blut Hat ein fröhlich Leben; Gibt uns Gott dieß eine Gut, Ist uns gnug gegeben Hier A. Hausstand.( Dank für Gesundheit.) 415 in dieser armen Welt, Da die| Kommt die Nacht und süße schönsten Gaben Und das güld- Ruh, Die zum Schlafe führet, ne Himmelszelt Wir noch künf- Schlaf und ruh ich unbewegt, tig haben. Bis die Sonne wieder Mit den hellen Strahlen regt Meine Augenlieder. 3. Hätt ich aller Ehren Pracht, Säß im höchsten Stande, wär ich mächtig aller Macht Und ein Herr im Lande, Reich an allem, was ergößt: Wozu würd es nügen, Wenn ich doch unausgesegt Müßt in Schmerzen sigen? 7. Habe Dank, du milde Hand, Die du von dem Throne Deines Himmels mir ge= sandt Diese schöne Krone Deiner Gnade, die noch grünt, Die ich all mein Tage Niemals hab um dich verdient, Und doch freudig trage! 8. Gib, so lang ich in mir hab Ein lebendig Hauchen, Daß ich solche theure Gab Auch wohl möge brauchen. Hilf, daß mein gesunder Mund Und die frohen Sinnen Dir, mein Gott, zu jeder Stund Alles liebs beginnen. 9. Halte mich bei Stärk und Kraft, Wenn ich nun alt werde, Bis mein Stündlein hin mich rafft In das Grab der Erde. Gib mir eine Lebenszeit Ohne sondres Leiden Und dort in der Ewigkeit Die vollkommnen Freuden! Gerhard, g. 1606 † 1676. 4. Aber nun gebricht mir nichts Auch im Mißgeschicke; Ich erfreue mich des Lichts Und der Sonnenblicke; Mein Geficht sieht überall, Mein Gehör, das höret, Wie der Vögel süßer Schall Ihren Schöpfer ehret. 5. Händ' und Füße, Herz und Geist Sind bei guten Kräften; Mein Vermögen sich erweist Freudig in Geschäften, Die mein Herrscher mir bestellt In der Welt zu treiben, Alsolang es ihm gefällt, Daß ich hier soll bleiben. 6. Ist es Tag, so sinn' und thu Ich, was mir gebühret; Dank für die Genesung. Mel. Wie groß ist.( Hesef. 33, 11. Luc. 5, 14.) 519. So wahr der Aller=| spricht. Er züchtigt uns zu ſeihöchste lebet, Will er den Tod des Sünders nicht, Deß Herz zerknirscht vor ihm erbebet Und sich sein eigen Urtheil ner Ehre Und unsrem Heil mit Vatertreu Nur, daß man sich zu ihm bekehre, Zum bessern Leben tüchtig sey. 416 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. 2. Liebreicher Gott! ich selber| 5. O welcher Seligkeiten sehe Dein wahres Wort an Menge Erweckte dieses Heil mir erfüllt; Wenn ich mit Reu in mir! Mein Herz ward für um Gnade flehe, Wird meiner den Dank zu enge Und brannt Seelen Angst gestillt. Da meine und wallte nur von dir. Wie, Werke nichts verdienen, Bleibt Herr, sergelt ich dir die Tage, deiner Gnade ganz der Preis; Die deine Huld mir nun geDie ist so herrlich mir erschie- währt, Und wo sich meine Pein nen, Daß ich es nicht zu zäh- und Plage In Ruhe, Kraft len weiß. und Ruhm verkehrt? 3. Ich sah die Welt und alles schwinden, Und meine Kräfte starben schon; Ich fühlte tief die Macht der Sünden Und sah schon deinen Richterthron: Da rührte dich mein ängstlich Sehnen, Mein Jammer brach dein Vaterherz; Es galten für mich Jesu Thränen, Und mich erbat sein Blut und Schmerz. 4. Bald kam dein großer Trost hernieder, Der führte mich vom Tod herauf und stärkte mich vollkommen wieder zu einem neuen Lebenslauf. Du sprachest freundlich mit mir Müden, Und ich vernahm dein Gnadenwort: ,, Nun gehe hin, mein Kind, im Frieden, Doch fündige nicht mehr hinfort!" 6. Ich weihe, was ich von dir habe, Mein Herz, dir ganz zum Opfer ein; Es wird ja, Schöpfer, deine Gabe In deinen Augen theuer seyn. Nun weiß ich, was es heiße: leben, Da ich, was sterben sey, erfuhr; Nun wird mir stets im Sinne schweben, Was ich dir in der Prüfung schwur. 7. Es ist genug, daß ich vor Zeiten Nach meines Fleisches Lüften gieng Und an den flüchtgen Eitelkeiten Mehr als an dir, o Vater, hieng. Ich bin ja darum nur genesen, Daß ich die Seele bessern kann; Drum fang ich, Herr, ein ander Wesen Mit deiner Gnade Beistand an! Lüneburger Gesangbuch. Geburtstag. Mel. Jefu, du mein liebstes.( Pf. 116, 12. Joh. 16, 27.) 520. Unveränderliche Liebe, Brunn, den lauter Gnade füllt, Der mit ungehemmtem Triebe Ueberfluß und Segen quillt! Sieh, mein dankbares Gemüthe Schwingt durch deinen Gnadenzug Sich mit einem schnellen Flug In den Reich A. Hausstand.( Geburtstag.) 417 thum deiner Güte. Liebe, wie| hört; In dem ganzen Lebensvergelt ich dir, Was du Guts gethan an mir? laufe Hast du mir viel Guts beschert: Deine Hand war, statt mit Blißen, Stets mit Segen angefüllt, Unter deiner Langmuth Schild Konnt ich frei und sicher figen. Liebe, wie vergelt ich dir, Was du Guts gethan an mir? 6. Alle deine treuen Sorgen Zielten auf mein Wohlergehn; Daher hab ich jeden Morgen Deine Güte neu gesehn. Ströme der Begnadigungen Sind von meiner Kindheit auf Mit unausgesetztem Lauf In mein Innerstes gedrungen. Liebe, wie vergelt ich dir, Was du Guts gethan an mir? 7. O wie ist mein kurzes leben Deiner Wunder doch so voll! Könnt ich doch sie recht erheben, Wie du willst, und wie ich soll! Doch mein Auge wird geblendet Durch dein überschwenglich Licht; Meine Zunge zählet nicht, Was du mir haft zugewendet. Liebe, wie vergelt ich dir, Was du Guts gethan an mir? 2. Dieser Tag, der mir die Pforten Dieses Lebens aufgethan, Treibet mich, mit holden Worten, Liebe, dich zu loben, an. Er erscheinet als ein Zenge, Der mir zu Gemüthe führt, Was mein Herz empfindlich rührt Und erlaubt nicht, daß ich schweige. Liebe, wie vergelt ich dir, Was du Guts gethan an mir? 3. Du hast mich mit deinen Händen, Liebe, aus der langen Nacht, Die sich heute müssen enden, An das Licht hervorgebracht. Wo viel tausend Schiffbruch leiden, Landete ich glücklich an; Liebe, das hast du gethan, Dafür dank ich dir mit Freuden! Liebe, wie vergelt ich dir, Was du Guts gethan an mir? 11% 4. Du bist mir entgegenkommen, Als ich noch am 1tfer stund; Haft mich liebreich aufgenommen In den theuren Gnadenbund; Hast mich für dein Kind erkläret Und mir deinen guten Geist, Der ein Pfand der Erbschaft heißt, Eh ich dich noch bat, gewähret. Liebe, wie vergelt ich dir, Was du Guts gethan an mir? 5. Du hast auch seit meiner Taufe Nicht zu lieben aufgeEvangelisches Gesangbuch. 8. Weil du denn so viel zu gute, Ewge Liebe, mir gethan, Auch alsdann, wenn deine Ruthe Mich trieb von der breiten Bahn: O so sey mein ganzes Leben, Das ich führ in dieser Welt, Dir zum Opfer dargestellt und zu deinem Dienst 27 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. ergeben! Liebe, wie vergelt ich| ferner bin; Ich entsage Welt dir, Was du Guts gethan an mir? und Sünden, Ja der allerliebsten Lust, Laß an deiner Vaterbrust Mich die wahre Ruhe finden. Liebe, nimm dieß Opfer an, Weil ich sonst nichts geben kann! Rambach, g. 1693 † 1735. 418 9. Nimm zu deinem Eigenthume Leib und Seel und alles hin: Fortan leb ich dir zum Ruhme, Weil ich mein nicht Für das Alter. Mel. Christus, der ist.( Pf. 71, 9.) 521. Verwirf mich nicht im Alter, Verlaß mich nicht, mein Gott! Bist du nur mein Erhalter, So werd ich nie zu Spott. 2. Wie oft hab ich erfahren, Der Vater sey getreu; Ach mach in alten Jahren Mir dieses täglich neu! 3. Wenn ich Berufsgeschäfte Von außen schwächlich thu, Leg deines Geistes Kräfte Dem innern Menschen zu. 4. Wenn dem Verstand und Augen Die Schärfe nun gebricht, Daß sie nicht viel mehr taugen, Sey Jesus noch mein Licht. 5. Will mein Gehör verfallen, So laß dieß Wort allein Mir in dem Herzen schallen:„ Ich will dir gnädig seyn!" 6. Wenn mich die Glieder schmerzen, So bleibe du mein Theil Und mach mich an dem Herzen Durch Christi Wunden heil. 7. Sind Stimm und Zunge blöde, So schaffe du, daß ich Im Glauben stärker rede:„ Mein Heiland, sprich für mich!" 2. Oft hatt ich große Sorgen; Doch, wie ein heitrer Morgen 8. Wenn Händ' und Füße beben, Als zu dem Grabe reif, Gib, daß ich nur das Leben, Das ewig ist, ergreif'. Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Mel. Nun ruhen alle.( Jes. 46, 4.) 522. Du, Herr von mei-| Durch dunkle Nächte bricht, nen Tagen, Hast mich mit Huld getragen Von meiner Jugend auf; Auf allen meinen Wegen Umgab mich, Gott, dein Segen, Auch selbst im schwersten Leidenslauf. So hab ichs auch erfahren: Du weißt uns zu bewahren Und führst durch Finsterniß zum Licht. 3. War Menschenrath vergebens, So warst du, Herr des Lebens, Mein Licht auf dunkler Bahn. Dich ließ ich thun und A. Hausstand( Für das Alter.) 419 rathen, Denn du thust große| Du stehst mir Schwachen mächThaten Und nimmst dich uns- tig bei. rer huldreich an. 11 4. Bis zu des Alters Tagen Will ich dich heben, tragen Und dein Erretter seyn." Dieß hast du mir versprochen Und nie dein Wort gebrochen; Deß will ich mich auch immer freun. 6. Nach wenig bangen Stunden Hab ich ganz überwunden; Ich bin dem Ziele nah, Dem Ziele aller Leiden; O welche hohe Freuden Erwartet meine Seele da! 5. Du wirst in meinem Alter Mein Stab seyn, mein Erhalter, Nach deiner Vatertreu. Bin ich gleich schwach und müde: Beidir ist Trost und Friede, 7. Ich harre froh und stille, Bis, Herr mein Gott, dein Wille Mich nach dem Kampfe krönt. An meiner Laufbahn Ende Sink ich in Jesu Hände; Denn er hat mich mit dir verföhnt. Feddersen, g. 1736 † 1788. Eigene Mel.( Sir. 18, 22. 2 Petri 3, 9.) 523. Mein Alter tritt mit| Wirst vor den strengen RichterMacht herein: Der Augen Licht verliert den Schein, Dashaupt bückt sich hinab zum Grabe, Das Haar wird weiß, die Füße schwer; Erwäg ich dann, wie ich bisher, Gerechter Gott, gelebet habe, So werd ich angst- und schreckenvoll Und weiß nicht, wo ich bleiben soll. thron Des großen Gottes kommen müssen, Der dir all deine Werk und Wort, Ja auch des Herzens tiefsten Ort Wird richtig aufzudecken wissen. Haft du auf den nicht hier gesehn, Wie wirst du dort vor ihm bestehn?" 2. Der Tod ruft selbst mir öfters zu: Wohin, verwegner Sünder, du? Wann wirst du andern Sinnes werden? Wie lang gehst du dem Eitlen nach, DemTraum, der Schmink', dem Ungemach, Dem Schatten diefer falschen Erden? Merkst du nicht, daß den Flüssen gleich Die Jahrszeit unvermerkt hinschleich'?" 3. ,, Bedenke, daß du jego schon 4. Dieß, großer Gott, ach alles dieß Hält mein Herz mehr als für gewiß und wünschet sehnlich, daß mein Leben Dir recht zu Dienst und Willen sey; Sieh aber, wie ich mich dabei Umsonst bemühe zu erheben: Der schwere Weltfinn hält mich an, Daß ich nicht aufwärts kommen kann. 5. Ach liebster Jesu, einger Hort, Hilf du mit deiner Hilf mir fort Und biete mir die Hand 420 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. der Gnaden. Du hast zuvor durch deinen Tod Mich meiner schweren Todesnoth Und des zukünftgen Fluchs entladen; Gib, o mein Leben, nimmermehr, Daß ich mir selbst mein Heil zerstör'! 6. Laß von der Welt Betrug und Schein Mich gänzlich abgewendet seyn Und dir, mein Heiland, fest anhangen; Entbind mich bald der großen Last, Womit der Leib die Seel umfaßt Und wie im Kerker hält Für Wittwen. Mel. Nun ruhen alle.( Ps. 68, 6. 146, 9.) 524. Auf Gott nur will ich sehen, Er hört der Wittwen Flehen, Sieht ihre Thränen an; In jedem Schmerz und Leide Ist Gott mir Trost und Freude, Mein Fels, den ich umfassen kann. gefangen; Und seße sie rein, froh und frei Dem Chor der heilgen Engel bei. 7. Da werd ich dir, mein Heil, hiefür Und, großer Himmelsvater, dir Nebst deinem heilgen Geist lobsagen. O du, der deinen Schuß und Port, O Jesu, nimm in Acht mein Wort Und laß mich so in dir betagen! Mein Morgen war der Welt gemein, Der Abend soll dein eigen seyn! Otto von Schwerin, 9. 1616 t 1679. 2. Wie viel', die in der Kammer Dir klagten ihren Jammer, O Gott, erhörtest du! Dein väterlicher Segen Hielt fie: auf ihren Wegen War Friede, Sicherheit und Ruh. merken Und auf mein Flehn dein Ohr. Bei Tag und Nacht mit Flehen Will, Herr, vor dir ich stehen Und seufzen still zu dir empor. 5. Ich will mein Joch nun tragen; Dir, Vater, darf ich sagen, Was je mein Herz bedrückt: Bist du nicht in der Nähe, Du, den ich zwar nicht fehe, Und den mein Glaube doch erblickt? 6. Ja bis zum letzten Schritte, Ja wenn ich mehr noch bitte, Seh ich mit Lust auf dich. Dir, Heiland, zu gefallen, Unsträflich hier zu wallen, Sey mein Bestreben; stärke mich! 7. Mit Ernst und frohen Muthes Will ich nach Kräften 3. Wo seit viel tausend Jahren Betrübte Wittwen waren, Die hast du treu gepflegt, Wenn sie dich nicht verließen Und gläubig dir zu Füßen Des Kummers schwere Last gelegt. 4. In dir will ich mich stärken: Dein Aug wird auf mich| Gutes Vor deinen Augen thun; B. Fürst und Vaterland. Will mich der Welt entziehen,| umschließen Im thränenfreien Lärm, Tand und Thorheit Vaterland. fliehen Und nur in deinem Schoose ruhn. 8. Dann eilen meine Tage Mit jeder Noth und Plage Leicht, wie ein Traum, dahin; Dann leg ich froh die Glieder Aufs Sterbebette nieder, Wenn ich zum Himmel reiser bin. 421 9. Dann find ich, den ich liebte, Deß Tod mich einst betrübte, In meines Schöpfers Hand! Wo Freudenquellen fließen, Werd ich ihn dann 10. Fort auf dem heißen Pfa= de! Mich fühlt des Vaters Gnade; Erträget meine Noth. Nicht ewig werd ich weinen; Ich komme zu den meinen, Bald seh ich sie bei meinem Gott. 11. Kommt her, ihr meine Waisen, Den Herrn mit mir zu preisen, Der uns erhalten kann! Dir, Gott, will ich sie bilden; Schan, Herr, mit deiner milden Erbarmung deine Schafe an! Lavater, g. 1741 † 1801. B. Fürft und Vaterland. Mel. Nun danfet alle Gott.( Pf. 20, 7.) 525. Preis, Ehr und Lob| klar ihn unterweist, Des hohen sey dir, In dessen Schirm und Schatten Wir bis zur Stund allhier Viel Heil zu schmecken hatten, Der auch zu jeder Frist Allmächtig nah und fern Gin Herr und König ist Des Königs, unsers Herrn! Amts zu pflegen. Du wollst Gerechtigkeit Und milder Gnade Lust Ihm stellen an die Seit', Ihm pflanzen in die Brust. 2. Du hast ihm Lebenslang Den Odem treu bewahret Und auf manch strengem Gang Dich huldvoll offenbaret. Du haft in seiner Hand Das Scepter stark gemacht und unser Vaterland Mit reichem Gut bedacht. 4. Du wollest allezeit In deinem Gleis ihn lenken Und Zucht und Frömmigkeit In ihm dem Lande schenken; Auf daß er Vorbild sey Von jeder Tugendart Und Hilf und Schutz verleih, Wo man den Glauben wahrt. 3. Du wollest deinen Geist Auf seine Stirne legen, Der 5. Du wollest seine Treu Ver= gelten durch die Trene, Womit ihn täglich neu Ein gutes Volk erfrene; Daß dein Ge 422 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. bot im Bund Von ihm und uns gescheh, Und seines Thrones Grund in unsern Herzen steh. 6. O fegne, was wir flehn An seinem Jahresfeste, Und gib zum Wohlergehn Ihm deiner Gaben beste! Gib, daß ers nie vergißt Noch wir, wie du so gern Ein Herr und König bist Des Königs, unsers Herrn! Grüneisen, g. 1802. Mel. Du, Gott, bis über.( Sprüche 20, 28.) 526. In deiner Stärke freue sich Der König allezeit; Sein Auge feh, o Gott, auf dich, Sein Herz sey dir geweiht. 2. Begnadigt, Herr, mit deiner Kraft Und deines Geistes voll, Gedenk er stets der Rechenschaft, Die er dir geben soll. 3. Der über Christen, Gott, von dir Zum Herrn verordnet ist, Sey deiner Kirche Schutz und Zier, Ein ächter Mensch und Christ. 4. Groß und voll Müh ist seine Pflicht, Und er ein Mensch wie wir; Ach, er bedarf vor andern Licht Und Rath und Kraft von dir! 5. Sey du sein Licht, sein Hort, sein Schild! Laß ihn dir ähnlich seyn: Laß menschenfreundlich ihn und mild Sein Volk wie du erfreun. 6. Er zeig auf seinem Throne sich Als deinen treusten Sohn: Dem Laster sey er fürchterlich, Der Tugend Schutz und Lohn. 7. Er haffe den Gewissenszwang Als schnöde Tyrannei, Macht! Und fördre nicht durch Straf und Drang Der Bürger Henchelei. 8. Beglückter Bürger Liebe sey Sein edelster Gewinn, Und kein gerechter Senfzer schrei Gen Himmel wider ihn. 9. Er fördre freudig deinen Ruhm Und denke stets daran: Auch sein Land sey dein Eigenthum, Und er dein Unterthan. 10. Verloren dünk ihm Kraft und Zeit, Wenn er nicht Menschen nüßt, Nicht täglich wohlthut und erfreut Und Fleiß und Künste schützt. 11. Um seinen Thron sey immerdar Recht und Gerechtigkeit. Beschüß ihn mächtig in Gefahr, Wenn Feindesmacht ihm dräut! 12. Auch ihm hast du bestimmt das Ziel, Das er erreichen foll; Herr! mache seiner Tage viel, Und jeden segensvoll. 13. Sein werd in jedem Flehn zu dir Mit Lieb und Dank ge= dacht; Erhör uns, Gott; dann jauchzen wir Und preifen deine Cramer, g. 1723 † 1788. B. Fürst und Vaterland.( Obrigkeiten.) 423 Dbrigkeiten. Mel. Aus Gnaden soll ich.( Rom. 13, 1.) 527. Gott, Herrscher über 3. Daß wir dein Wort in alle Thronen! Das ist ein wei- Frieden hören, Wobei man ser Rath von dir: Den Men- Tauf und Nachtmahl hat; Daß schen, die auf Erden wohnen, Setzst du die Obrigkeiten für, So daß man nun an deiner Statt Auch Sterbliche zu Richtern hat. man uns nicht die Schrift darf wehren, Noch auch ein Grab zur Ruhestatt: Das schaffst du, Gott, der an uns denkt Und Christen zu Regenten schenkt. 2. Daß ich mein Brod darf 4. Gott! dir sey Dank für ruhig essen Und wandeln mag solche Güte, Du schützst durch auf sichrer Bahn; Daß mich deine Dienerin; Die ganzeWelt das Mordschwert nicht darf ist dein Gebiete, Da stellst du freffen, Der Räuber nicht ent- Richterstühle hin. Es lobe dich, kleiden kann, Der Lästrer mir dich bete an, Was König heißt vergeblich dräut: Das schaffst und Unterthan. du durch die Obrigkeit. Nach Vh. Fr. Hiller. Bitte um Frieden. Mel. Herr Jesu Christ, du.( Ps. 85.) 528. Herr! der du vormals Wort Erschallen bald auf Erhast dein Land Mit Gnaden angeblicket, Und wenn du Strafen ihm gesandt, Es wiederum erquicket; Der du die Sünd und Missethat, Die alles Volk begangen hat, Uns väterlich verziehen: den: Daß Friede sollt an jedem Ort, Wo Christen wohnen, werden! Ach daß uns doch Gott sagte zu Des Krieges Schluß, der Waffen Ruh Und alles Unglücks Ende! 4. Ach fehrte doch die böse Zeit Sich um zu guten Tagen, Damit wir in dem großen Leid Nicht möchten ganz verzagen! Doch ist ja Gottes Hilfe nah, Und seine Gnade stehet da All denen, die ihn fürchten. 5. Wenn wir nur fromm sind, wird sich Gott Schon wieder zu uns wenden, Den Krieg und 2. Willst du, o Vater, uns denn nicht nun einmal wieder laben? Und sollen wir an deinem Licht nicht wieder Freude haben? Ach geuß aus deines Himmels Haus, Herr, deine Güt' und Segen aus Auf uns und unsre Häuser! 3. Ach daß ich hören sollt das 424 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. alle andre No.) Nach Wunsch Erden blühn, Gerechtigkeit und also enden, Daß seine Ehr Wird von dem Himmel schauen. in unsrem Land Und allenthal- 7. Der Herr wird uns viel ben werd erkannt, Ja stetig bei Gutes thun: Das Land wird uns wohne. Früchte geben, und die in seinem Schoose ruhn, Die werden davon leben; Gerechtigkeit wird wohl bestehn Und stets in vollem Schwange gehn, Zur Ehre seines Namens! 6. Die Güt' und Treue werden schön Einander grüßen müssen; Das Recht wird durch die Lande gehn Und wird den Frieden küssen; Die Treue wird mit Lust und Freud Auf Gerhard, g. 1606 † 1676. Dank für den Mel. Nun danfet alle Gott. 529. Herr Gott! dich loben wir Für deine großen Gnaden, Daß du das Vaterland Von Kriegeslast entladen, Daß du uns blicken läßst Des goldnen Friedens Zier; Drum jauchzet alles Volk: Herr Gott! dich loben wir. Frieden. ( Pf. 46, 9-12.) 4. Herr Gott! dich loben wir, Daß du uns zwar gestrafet, Jedoch in deinem Zorn nicht gar haft weggeraffet. Es hat die Vaterhand Uns deine Gnadenthür Jezt wieder aufgethan: Herr Gott! wir danken dir. 5. Herr Gott! wir danken dir, Daß du Land, Kirch und Häuser Und unsers Fürsten Stamm, Auch dessen grüne Reiser Bisher erhalten hast! Gib ferner Gnad allhier, Daß auch die Nachwelt fing: Herr Gott! wir 2. Herr Gott! dich loben wir, Die wir in bangen Tagen Der Waffen schweres Joch Und frechen Grimm getragen; Jetzt rühmet unser Mund Mit herzlicher Begier: Gottlob wir sind in Ruh! Herr Gott! wir dan- danken dir. fen dir. she 3. Herr Gott! dich loben wir, Daß du die Pfeil und Wagen, Schild, Bogen, Spieß und Schwert Zerbrochen und zerschlagen; Der Strick ist nun entzwei, Darum so singen wir Mit Herz, mit Zung und Mund: Herr Gott! wir danken dir. 6. Herr Gott! wir danken dir Und bitten, du wollst geben, Daß wir auch künftig stets In guter Ruhe leben. Krön uns mit deinem Gut, Erfülle für und für, O Vater, unsern Wunsch. Herr Gott! wir danken dir. Joh. Frand, g. 1618 † 1677. C. Jahreswechsel.( Jahresschluß.) C. Jahreswechsel. Jahresschluß. Mel. Seelenbräutigam.( Ps. 102, 24-29.) 530. Jeder Schritt der Zeit| 4. Hab ich, halt ich ihn, Wenn Wallt zur Ewigkeit. Tage, kaum erst angebrochen, Werden, eh mans denkt, zu Wochen; Wohl dem, der mit Fleiß Sie zu nüßen weiß! die Zeiten fliehn, Diesen Schatz vor allen Schätzen, Den nicht Raub noch Rost verlegen, mehr als alles Gold, Das die Erde zollt? 2. Flüchtig durch die Zeit Schweben Freud und Leid; Wohin sind die Freudenstunden, Wohin Sorg und Schmerz entschwunden? Zielt nicht Freud und Schmerz Auf Gewinn fürs Herz? 3. Ob die Welt vergeht, Ein Gewinn besteht. Daß vor jedem Gut der Erde Dieser Schatz erworben werde, Dieß sucht Christenfleiß Als des Lebens Preis. 425 2. Die Kirch ist fest gegründet Durch Wort und Sakrament, Darin, stets nen entzündet, Dein Licht und Recht noch brennt. Dein Sohn, der ist der Stein, An dem die Feinde fal5. Schatz von ewgem Werth, Schatz von Gott geehrt, Ach zu oft durch Lust und Sorgen Vor des Menschen Blick verborgen, Sey du mein Gewinn! Sonst fahr alles hin! 6. Wohl mir, bist du mein! Weh mir, darb ich dein! Werd im heilgen Gottvereine Alle Tage mehr der meine, So eilt meine Zeit Froh zur Ewigkeit! Karl Bernh. Garve, g. 1763 † 1841. Mel. Von Gott will ich nicht lassen.( Pf. 126, 3.) 531. Anfang sonder Ende,| len, Er, der den Deinen allen Du großer Herr der Zeit, Wir preisen deiner Hände Regierung hocherfreut, Weil du uns noch ein Jahr Mit Segen lässest schließen Und wir bekennen müssen, Dein Thun sey wunderbar. Ein Auferstehn wird seyn. 3. Das Land ist voller Segen Und trieft von Del und Most, Man schmecket allerwegen Der Felder edle Kost. Ist da und sort ein Schwert Durch unsre, Seele gangen, So hast du nach Verlangen Auch wieder Trost beschert. 4. Die Häuser sind voll Güte, Die alle Morgen nen; Woman sich treulich mühte, Da stund dein Sorgen bei. Die Kinder 426 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. wuchsen auf Und wurden stark| neuen wissen, Du seyst der am Geiste, Weil Gottes Kind alte Gott. sie weiste Auf seiner Jugend Lauf. 5. Die Herzen sind voll Gnaden, Obgleich wir Zorn verdient, Doch hast du allen Schaden Durch Christum ausgesühnt; Wenn wir bei Tag und Nacht Mit Seufzen und mit Beten Vor deinen Thron getreten, Hast du es gut gemacht. 6. Nun, Herr, dein ist die Ehre, Du heißest Wunderbar, Drum unser Flehen höre, Daß wir das alte Jahr, Befreit von aller Noth, Gnade schließen In deiner und in dem 7. Laß dir die Alten dienen, Wie Hanna, Simeon; Gib, daß die Jungen grünen, Wie dein und Davids Sohn. Nimmt eins an Jahren zu, Das soll sich auch nicht schämen, Im Guten zuzunehmen; Dieß alles wirke du! 2. Herr, der da ist und der da war! Von dankerfüllten Zungen Sey dir für das verfloßne Jahr Ein heilig Lied gesungen, Für Leben, Wohlfahrt, Trost und Rath, Für Fried und Ruh, für jede That, Die uns durch dich gelungen. 8. Und wenn wir das vollendet, Was uns dein Wort gesagt, Und unser Laufsich endet Jung oder wohlbetagt, Dann führ uns zu der Schaar Der deinigen dort oben, Dann wollen wir dich loben Im ewgen Friedensjahr. Schmoll, g. 1672 † 1737. Neujahr. Mel. Mein's Herzens Jesu. Pf. 28, 9.) 532. Gott ruft der Sonn| 3. Laß auch dieß Jahr geseg= und schafft den Mond, Das Jahr danach zu theilen; Er schafft es, daß man sicher wohnt, Und heißt die Zeiten eilen; Er ordnet Jahre, Tag und Nacht; Auf, laßt uns ihm, dem Gott der Macht, Ruhm, Preis und Dank ertheilen! net seyn, Das du uns neu ge= geben; Verleih uns Kraft, die Kraft ist dein, In deiner Furcht zu leben. Du schüßest uns und du vermehrst Der Menschen Glück, wenn sie zuerst Nach deinem Reiche streben. 4. Gib mir, wofern es dir gefällt, Des Lebens Ruh und Freuden; Doch schadet mir das Glück der Welt, So gib mir Kreuz und Leiden; Nur stärke mit Geduld mein Herz Und laß mich nicht in Noth und Schmerz Die Glücklichen beneiden. C. Jahreswechsel.( Neujahr.) 5. Hilf deinem Volke väterlich In diesem Jahre wieder; Erbarme der Verlaßnen dich Und der bedrängten Brüder. Gib Glück zu jeder guten That Und laß dich, Gott, mit Heil und Rath Auf unsern Fürsten nieder; 2. Wir gehn dahin und wandern Von einem Jahr zum andern; Wir leben und gedeihen Vom alten bis zum neuen, 3. Durch so viel Angst und Plagen, Durch Zittern und durch Zagen, Durch Krieg und große Schrecken, Die alle Welt bedecken. 427 4. Denn wie von treuen Müttern In schweren Ungewittern Die Kindlein hier auf Erden Mit Fleiß bewahret werden: 5. Also auch und nicht minder Läßt Gott ihm seine Kinder, Wann Noth und Trübsal bligen, In seinem Schoose sigen. 6. Ach Hüter unsers Lebens, Fürwahr es ist vergebens Mit nnfrem Thun und Machen, Wo nicht dein' Augen wachen! 7. Gelobt sey deine Treue, 6. Daß Weisheit und Gerechtigkeit Auf seinem Stuhle throne, Daß Tugend und Zufriedenheit In unsrem Lande wohne; Daß Tren und Liebe bei uns sey, Dieß, lieber Vater, dieß verleih In Christo, deinem Sohne! Mel. Nun laßt uns Gott, den Herren.( Klagel. 3, 22-24.) 533. Nun laßt uns gehn| Die alle Morgen neue! Lob sey und treten Mit Singen und mit Beten Zum Herrn, der uns rem Leben Bis hieher Kraft gegeben. den starken Händen, Die alles Herzleid wenden! 8. Laß ferner dich erbitten, O Vater, und bleib mitten In allem Kreuz und Leiden Ein Brunnquell unsrer Freuden! 9. Gib uns und allen denen, Die sich von Herzen sehnen Nach dir und deinen Hulden, Ein Herz, sich zu gedulden. 10. Schließ zu die Jammerpforten Und laß an allen Orten, Wo Menschen Blut vergießen, Die Friedensströme fließen. 11. Sprich deinen milden Segen zu allen unsern Wegen; Laß Großen und auch Kleinen Die Gnadensonne scheinen. 12. Sey der Verlaßnen Vater, Der Irrenden Berather, Der Unversorgten Gabe, Der Armen Gut und habe. 13. Hilf gnädig allen Kranken; Gib fröhliche Gedanken Den hochbetrübten Seelen, Die sich mit Schwermuth quälen. Gellert, g. 1715 † 1769. 428 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. 14. Und endlich, was das meiste: Füll uns mit deinem Geiste, Der uns hier herrlich ziere und in den Himmel führe. 15. Dieß alles wollst du geben, O meines Lebens Leben! Dein Heil uns offenbare zum felgen neuen Jahre! Gerhard, g. 1606 † 1676. Mel. Die Tugend wird; oder: Wie groß ist.( Pf. 143, 2. 1 Mos. 32, 10.) Jahres, nein! Wie kann ichs dir und mir verhehlen? Ich bin nicht werth, noch hier zu seyn! zu oft ließ ich mein Herz erkalten, zu oft verletzt ich meine Pflicht! Ich darf vor dir nicht Rechnung halten; Ich zittre: geh nicht ins Gericht! 534. Ach wiederum ein Jahr verschwunden! Ein Jahr, und kommt nicht mehr zurück! Ach, mehr als achtmal tausend Stunden Sind weg als wie ein Augenblick! Weg meine Tugenden und Sünden! Doch nein, der Richter aller Welt Läßt jegliche mich wieder finden, Wenn er vor seinen Thron mich stellt. 2. Gedanken, Worte, Thaten heere, Wie, dürft ihr Gottes Licht nicht scheun? Wenn ich dieß Jahr gestorben wäre, Wo würd jetzt meine Seele seyn? Stünd ich verklärt bei Gottes Kindern? Wär ich von seiner Lieb entflammt? Wie, oder hätte mit den Sündern Der Allgerechte mich verdammt? 5. Nein, Vater, sie sind nicht zu zählen, Die Gnaden dieses Jahres, nein! Wie kann ichs dir und mir verhehlen? Ich bin nicht werth, mehr hier zu seyn! Wo fang ich an? Gott, welche Menge Vom ersten bis zum letzten Tag! Ich weiß, daß wenn ich Jahre sänge, Ich dir zu danken nicht vermag. 3. Den Gott, der liebt wie Väter lieben, Hat ihn mein Undank nie betrübt? Den Gott, der mir so treu geblieben, Hab ich ihn auch so treu geliebt? Lebtich für ihn nach seinem Willen, Stets als vor seinem Angesicht? Fromm öffentlich und fromm im Stillen, Treu dem Gewissen und der Pflicht? 6. Ich flehe dich, ach üb' Erbarmen, Gedenfe meiner Sünden nicht Und zeig dem Neuenden und Armen, Der Gnade sucht, dein Angesicht! Wie freudig will ich dann mein Leben Von nun an deinem Dienste weihn! Wie eifrig will ich mich bestreben, Durch deinen Geist ein Christ zu seyn! 7. Ich danke dir für alle Gnaden, Die du dieß Jahr der Welt erzeigt. Ach eile, Herr, die zu entladen, Die noch das Elend 4. Nein, Vater, sie sind nicht zu zählen, Die Sünden dieses D. Jahreszeiten.( Frühling und Sommer.) 429 niederbengt! Ja aller, aller Aufs neue deiner Huld empfehMenschen Seelen Will ich, len, Weil du doch aller Heimein Heiland, Jesus Christ, land bist! Lavater, g. 1741 † 1801. Mel. Jesus, meine Zuversicht.( Joh. 15, 4. 5.) mehren; Auch fürs neue Jahr uns beut Jesu Name Seligkeit. 535. Jesus soll die Lo- Theil, Wird sich täglich bei uns sung seyn, Da ein neues Jahr erschienen; Jesu Name soll allein Denen zum Paniere dienen, Die in seinem Bunde stehn Und auf seinem Wege gehn. 2. Jesu Name, Jesu Wort Soll in denGemeinden schallen; Und so oft wir nach dem Ort, Der nach ihm genannt ist, wallen, Mache seines Namens Ruhm Unser Herz zum Heiligthum. 4. Unsre Wege wollen wir Nun in Jesu Namen gehen; Geht uns dieser Leitstern für, So wird alles wohl bestehen, Und durch diesen Gnadenschein Alles voller Segen seyn. 5. Alle Sorgen, alles Leid Soll sein Name uns versüßen; So wird alle Bitterfeit Uns zu Honig werden müssen. Jesu Nam sey Sonn und Schild, Welcher allen Kummer stillt. Schmolt, g. 1672 † 1737. 3. Sein Verfühnen und sein Heil Wollen wir im Glauben ehren; Also wird es uns zu D. Jahreszeiten. Frühling und Sommer. Mel. Nun lob, mein Geel.( 1 Mos. 8, 22.) 536. Der Frühling ist erschienen, Der Winter dünkt uns nur ein Traum! Nun liegt die Welt im Grünen, Und schneeweiß schimmertHeck und Baum; Hört, wie so froh die Lerche Ihr Lied erschallen läßt! Die Schwalben und die Störche Beziehn ihr altes Nest; Mit fröhlicher Geberde Geht nun der Mensch und streut Den Samen in die Erde, Der er auf Wucher leiht. ( Jat. 5, 7.) 2. Wer aber gibt aufs nene Dem Samenkörnlein das Gebot: Keim auf, wachs und gedeihe Und werde Halm und Aehr und Brod!" Du sprichst den Segen leise, Allmächtiger, und sieh, Es wächst für Menschen Speise, Und Futter grünt fürs Vieh. Kein Zweifel soll uns kränken: Du wirst barmherzig seyn, Fruchtbaren Regen schenken Und milden Sonnenschein. 430 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. 3. Und wenn sich Wolken thürmen, Und Wetter drohn mit Gluth und Fluth, Wird deine Hand uns schirmen; Wir traun auf dich mit frohem Muth. Du hemmst des Sturmes Flügel, Du lenkst der Blizze Lauf Und stellst als Gnadensiegel Den Himmelsbogen auf; Er wölbt sich hoch und schimmert Am grauen Wolkenzelt; Und siehe, unzertrümmert Bleibt unser Haus und Feld. 537. Laß dich nicht den Frühling täuschen, Herz, der dich mit Luft umringt, Wo mit wonnigen Geräuschen Wald und Flur von Leben klingt! Diese Welt, sie muß vergehen; Früher noch der Lüfte Raub, Wirst als Asche du verwehen, Herz, wie flüchtger Blumenstaub. Mel. Werde munter.( Joh. 12, 24 ic. Matth. 16, 25. Gal. 2, 20.) - 2. Willst du bis zum Wesen dringen: Wende vom Erschaffnen dich! Willst du dich ins Leben schwingen: Einer zeigt als Führer sich, Der an solchem Frühlingsmorgen Hinter sich ließ die Natur Und, dem irdschen Blick verborgen, In der Himmel Himmel fuhr! 4. Freut euch des Herrn, ihr Frommen, Und heißt mit lautem Freudenruf Das junge Jahr willkommen Und preist ihn, der den Frühling schuf! Seht, wie im Blumenkleide Die Wiese lieblich prangt! Nur der fühlt wahre Freude, Der Gott von Herzen dankt. Auf! jeder pflüg und fäe Und singe froh dazu:„ Ehr sey Gott in der Höhe, Auf Erden Fried und Ruh!" ( Marc. 16, 19.) 3. Was die Jünger dort empfanden, Als ihr Auge flog * Bürde, g. 1753 † 1831. empor, Fühl es, Herz, und aus den Banden Flüchte durch des Glaubens Thor! Mit den Ewigkeitsgedanken Bist du doch von Erde nur, Führt nicht Er dich aus den Schranken Ueber alle Kreatur.*( Luc. 24, 50-33.) 4. Was auf Erden Ihn umgeben, War Jhm Bild und Ahnung bloß, Und Er athmete sein Leben Stets nur in des Vaters Schoos. Sieh auch du im Glanz der Erde Nur vom Himmel einen Traum! Gleichniß dir des Höchsten werde Haus und Heerde, Blum und Baum! 5. Deines innern Lebens Schwingen Wachsen aus dem Erdentod; Eh Er konnt ins Leben dringen, Hat auch Ihm das Grab gedroht. Wenn aufs D. Jahreszeiten.( Frühling und Sommer.) 431 Leben du verzichtet, Dann be-| du dich als Staub vernichtet, ginnt dein Lebenslauf; Wenn Stehst du erst als Wesen auf! 6. Schwab, g. 1792. Eigene Mel.( Pf. 104.) 538. Geh aus, mein Herz,| gen hart dabei Und klingen und suche Freud In dieser lie- ganz vom Lustgeschrei Der ben Sommerzeit An deines Schaf und ihrer Hirten. Gottes Gaben! Schau an der schönen Gärten Zier Und siehe, wie sie mir und die Sich ausgeschmücket haben! 2. Die Bäume stehen voller Laub, Das Erdreich decket seinen Staub Mit einem grünen Kleide. Narzissen und die Tulipan, Die ziehen sich viel schöner an, Als Salomvs Geschmeide. 3. Die Lerche schwingt sich in die Luft, Das Täublein fleugt aus seiner Kluft Und macht sich in die Wälder; Die hochbegabte Nachtigall Ergößt und füllt mit ihrem Schall Berg, Hügel, Thal und Felder. 4. Die Gluchenn' führt ihr Völklein aus; Der Storch baut und bewohnt sein Haus; Das Schwälblein speist die Jungen; Der schnelle Hirsch, das leichte Reh Ist froh und kommt aus seiner Höh Ins tiefe Gras gesprungen. 5. Die Bächlein rauschen in dem Sand Und malen sich an ihrem Rand Mit schattenrei= chen Myrten; Die Wiesen lie6. Die unverdroßne Bienenschaar Fleugt hin und her, sucht hier und dar Sich edle Honigspeise; Des süßen Weinstocks starker Saft Bringttäglich neue Stärk und Kraft In seinem schwachen Reise. 7. Der Waizen wächset mit Gewalt, Darüber jauchzet jung und alt Und rühmt die große Güte Deß, der so überflüssig labt Und mit so manchem Gut begabt Das menschliche Gemüthe. 8. Ich selber kann und mag nicht ruhn! Des großen Gottes großes Thun Erweckt mir alle Sinnen; Ich finge mit, wenn alles singt, und lasse, was dem Höchsten klingt, Aus meinem Herzen rinnen. 9. Ach, denk ich, bist du hier so schön Und läsfest uns so lieblich gehn Auf dieser armen Erden: Was will doch wohl nach dieser Welt, Dort in dem reichen Himmelszelt Und güldnen Schlosse werden? 10. Welch hohe Luft, welch hels ler Schein Wird wohl in Christi XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. Garten seyn! Wie wird es da| nen Geist Mit Segen, der vom wohl klingen, Wo so viel tau- Himmel fleußt, Daß ich dir send Seraphim Mit unverdroß- stetig blühe. Gib, daß der Somnem Mund und Stimm Ihr mer deiner Gnad In meiner Hallelujah singen! Seele früh und spat Viel Glaubensfrucht erziehe. 11. O wär ich da! o stünd ich schon, Liebreicher Gott, vor dei= nem Thron Und trüge meine Palmen! So wollt ich nach der Engel Weis' Erhöhen deines Namens Preis Mit tausend schönen Psalmen. 14. Mach in mir deinem Geiste Naum, Daß ich dir werd ein guter Baum, Den deine Kräfte treiben. Verleihe, daß zu deinem Ruhm Ich deines Gartens schöne Blum Und Pflanze möge bleiben. 432 12. Doch gleichwohl will ich, weil ich noch Hier trage dieses Leibes Joch, Auch nicht gar stille schweigen; Mein Herze soll sich fort und fort An diesem und an allem Ort Zu deinem Lobe neigen. 13. Hilf mir und segne mei15. Erwähle mich zum Paradies Und laß mich, deines Heils gewiß, An Leib und Seele grü= nen: So will ich dir und deiner Ehr Allein und keinem andern mehr Hier und dort ewig dienen. Gerhard, g. 1606 † 1676. Gewitter. Mel. Es ist das Heil.( Pf. 18, 8-17.) 539. Herr Zebaoth, du star-| und Sinn Fast ganz und gar versinken, Wir wissen nicht wo aus und hin, Weil du mit bloßem Winken, Ja stracks durch deine jähen Pfeil', Als Hagel, Blig und Donnerkeil', Uns könnteft all verderben. ker Held. Sehr prächtig ausgeschmücket, Dem alle Welt zu Fuße fällt Und sich mit Zittern bücket Vor der so hohen Majestät, Die über alle Himmel geht Und allenthalben herrschet! 2. Wir hören, daß sich deine Macht In dicken Wolken reget, Daß dort und da dein Donner kracht, Bald tief ins Erdreich schläget; Wir sehen, daß aus deinem Sig Herniederfährt der schnelle Blitz Bei starken Wassergüssen. 20 3. Hierüber will uns Muth 4. Doch aber, Herr, Herr, denke nicht, Gedenke nicht der Sünden, So wir gethan; laß im Gericht Den starken Eifer schwinden! Die Gnade hebe sich empor Und gehe deinem Rechte vor, Sonst ists um uns geschehen. A 5. Laß uns den harten Don D. Jahreszeiten. Sommer.( Ernte.) 433 nerschlag Die Glocke seyn zur| 6. Halt über uns die starke Buße, Damit, wann nun dein jüngster Tag Sich stellt auf schnellem Fuße, Wir allesammt bereitet sey'n, Und uns dein heller Gnadenschein Mit höchster Freud umgebe. Hand Und laß dir unsre Habe, Auch alle Früchte auf dem Land Als deine Gnadengabe Befohlen seyn; wir wollen dir, Herr Gott, du Helfer für und für, Mit Dank entgegen gehen. Frenzel, g. 1609 † 1674. Mel. Nun sich der Tag.( Sir. 43, 12-17.) 540. Du Schrecklicher, wer| tert Rund, Was in der Tiefe kann vor dir Und deiner Macht bestehn? Herr! du bist groß, und Staub sind wir; Du winkst, und wir vergehn. 2. Du lagerst dich in schwarzer Nacht: Die Völker zittern schon; Geflügeltes Verderben wacht Um deinen furchtbarn Thron. 3. Allmächtig schleudert deine Hand Den Blig aus finstrer Höh; Und Fluthen stürzen auf das Land In einem Feuersee. 4. Seht, wie der Erde fester Grund Vom Zorn des Donners bebt, und was um ihr erschütlebt. 5. Den Herrn und seinen Arm erkennt Die zitternde Natur, Da weit umher der Himmel brennt Und weit umher die Flur. 541. Die Ernt ist da, es winkt der Halm Dem Schnitter in das Feld; Laut schalle unser Freudenpsalm Dem großen Herrn der Welt! 2. O der du uns so freundlich liebst Und segnest unser Feld Und uns die reiche Ernte gibst, Gelobt sey, Herr der Welt! Evangelisches Gesangbuch. 6. Wer schützt mich Sterblichen, mich Staub, Wenn, der im Himmel wohnt Und Welten pflückt wie dürres Laub, Nicht huldreich mich verschont? 7. Wir haben einen Gott voll Huld, Auch wenn er zornig scheint; Er herrscht mit schonender Geduld, Der große Menschenfreund! uz, g. 1729 † 1796. Ernte. Mel. Du, Gott, bist über.( Pf. 65, 14.) 3. Wer machte diese Menschenwelt Zum Bau der Erde klug? Der Acker wär ein Distelfeld, Verlassen von dem Pflug. 4. O jede Kunst ist, Gott, von dir, Du hast sie uns gelehrt; Vor aller Weisheit danken wir Die Weisheit, die uns nährt. 5. Er legte in ein Korn so klein 28 434 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. Die sechzigfache Kraft, Gab| thut; Wenn Halme kärglich ihm vom Himmel Sonnen- stehn, So laß uns mit getrostem schein Und milden Lebenssaft. Muth Auf deinen Reichthum 6. O Höchster, deine Wunder sehn. sind So gut, so zahlenlos, So groß im Regen, Sonn und Wind, Im kleinsten Korn so groß! 11. Bald schien es jüngst um uns gethan In unsrer Theurung Noth; Er sah die Erde segnend an, Da gab sie reichlich Brod. 7. Die Donnerwolke zog einher Und droht' Gewitterschlag, Das Kornfeld wallte wie ein Meer, Stund auf und glänzt' im Tag. 12. Du öffnetest die reiche Hand, Die uns verschlossen schien, Und ließeft im entlegnen Land Ein Kornfeld für uns blühn. 8. Lobt ihn mit Furcht, den Herrlichen, Der in Gewittern wohnt, Lobt ihn mit Dank, den Gütigen, Der donnerud uns verschont! din tish 9. Des Schnitters Tag ist lang und schwül, Doch freudig ist sein Muth, Sein Auge sieht der Garben viel, Den Schöpfer treu und gut. 13. Gott! welch ein Bild: die ganze Welt, Wohin das Aug sich dreht, Ist nur ein einzges großes Feld, Mit Menschenbein besät! howt2 14. Wohlauf! das Kornfeld gelbt schon sehr, Bald wird die Ernte seyn; Du sammelst indfie, der Ernte Herr, In ewge 10. Dein Segen ists, der alles Scheunen ein. Afte @lis mod Mel. Nun lob, mein Seel. Joh. Ludwig Huber, g. 1723 t 1800. ( Pf. 65, 10-14.) 542. Nun laßt den Herrn| 2. Wer sollte nicht erkennen, Was Gott an seinen Kindern thut? Wer sollte nicht ihn nennen Das einzig allerhöchste Gut? Es ist nichts, der da säet, Nichts, der da sammelt ein; Der Wind des Herren wehet, Es glänzt sein Sonnenschein, Er sendet seinen Regen Und macht uns freudevoll; An ihm nur ists gelegen, Wenn Gutes kommen soll. de uns preisen Für alle Lieb und milde That; Laßt uns ihm Dankerweisen Für seiner Gnade treuen Rath! Er hat uns Frucht gegeben Gar fröhlich auf dem Land, Hat unser armes Leben Erquickt mit reicher Hand. Mit Freuden ist gedieheu, Was wir gefäet aus, und nach viel Fleiß und Mühen Auch wohl gebracht nach Haus. D. Jahreszeiten. Sommer.( Ernte.) 3. Wenn er denn nun gespen- 4. Daß solches nun geschehe, det Den Segen über Land und Das wollst du helfen, treuer Stadt, Wenn Frieden er gesen- Gott! Gib ferner aus der Höhe det, Daß friedlich man geern- Uns Segen, Licht und täglich tet hat, Dann sollen wir ihn Brod. Laß Lebensbrod geniepreisen, Der in dem Himmel ßen Gin jedes Christenhaus, figt Und auf viel tausend Laß Lebenswasser fließen Auf Weisen Uns Sünder nährt und unsre Herzen aus; Daß wir schützt; Dann sollen wir ihm nicht bloß auf Erden An Früchdanken Mit Herz, mit Hand ten werden reich, Nein, dort und Mund, Mit Werken und auch Bürger werden In deinicht wanken Von seinem Gna- nem Himmelreich! d denbund. Joh. Weber. Mel. O daß ich tausend.( Jer. 5, 24.) 543. Wir kommen, deine| uns der Brüder Noth; Und weil Huld zu feiern, Vor deinem du Reich' und Arme liebst, So Antlit uns zu freun, Bei reich- dien' auch beiden, was du gibst. lich angefüllten Scheuern Dir, Herr der Ernte, Dank zu weihn, Der du mit milder Vaterhand Aufs neu gesegnet unser Land. 2. Dein Lob, das wir gerührt verkünden, Nimm es, o Vater, gnädig an und tiefer stets laß uns empfinden, Wie viel du Gutes uns gethan; Auf daß der Dank für deine Treu Ein dir geweihtes Leben sey. 4. Durch dich ist alles wohl gerathen Auf dem Gefild, was wir bestellt. Doch reisen auch des Glaubens Saaten Auf deines Sohnes Erntefeld? Sind wir auch, wenn er auf uns sieht, Ein Acker, der ihm grünt und blüht? 3. Und wie du selber nur aus Liebe Uns schenkest unser täglich Brod, So weck in uns des Mitleids Triebe, Laß fühlen Mel. Mein Jesus 544. Gott! von dem wir alles haben, Die Welt ist ein sehr großes Haus, Du aber theilest deine Gaben Recht wie 435 - 5. Der Lift des Feindes wollst du wehren, Wenn er geschäftig Unkraut streut; Die Frucht des Wortes laß sich mehren Zu deinem Ruhme weit und breit, Damit am großen Erntetag Gin jeder Garben bringen mag. Liebich, g. 1713+ 1780 lebt.( Pf. 104.) ein Vater drinnen aus; Dein Segen macht uns alle reich: Ach lieber Gott, wer ist dir gleich? hl am 1 436 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. 2. Wer kann die Menschen| fangs schien als wär es todt, alle zählen, Die hent bei dir Vis in der Ernte jung und zu Tische gehn? Doch darf die alt Erlanget seinen Unterhalt. Nothdurft keinem fehlen, Denn 5. Nun, Herr, was soll man du weißt allem vorzustehn mehr bedenken? Der Wunder Und schaffest, daß ein jedes sind hier gar zu viel! So viel Land Sein Brod empfängt aus als du kann niemand schenken, deiner Hand. Und dein Erbarmen hat kein Ziel; Denn immer wird uns mehr beschert, Als wir zusammen alle werth. 3. Du machst, daß man auf Hoffnung fäet Und endlich auch die Frucht genießt. Der Wind, der durch die Felder wehet, Die Wolke, so das Land begießt, Des Himmels Thau, der Sonne Strahl, Sind deine Diener allzumal. 6. Wir wollens auch keinmal vergessen, Was uns dein Segen träget ein; Ein jeder Bissen, den wir essen, Soll deines Namens Denkmal seyn, Und 4. Und also wächst des Men- Herz und Mund soll lebensschen Speise, Der Acker reichet lang Für unsre Nahrung sagen ihm das Brod; Es mehret sich Dank. vielfältger Weise, Was anRaspar Neumann, g. 1648+ 1715. Bei Mißernten. Mel. Was Gott thut.( Klagl. 3, 24-26, und 31-33.) dem Herrn uns beugen. 545. Was Gott thut, das| in Demuth schweigen Und vor ist wohlgethan! So denken Gottes Kinder. Wer auch nicht reichlich ernten kann, Den liebt er doch nicht minder; Er zieht das Herz Nur himmelwärts, Wenn er es läßt auf Erden Beim Mangel traurig werden. 2. Was Gott thut, das ist wohlgethan Im Nehmen oder Geben! Was wir aus seiner Hand empfahn, Genüget uns zum Leben. Er nimmt und gibt, Weil er uns liebt; Laßt uns ( Hiob 1, 21.) 3. Was Gott thut, das ist wohlgethan! Wer darf sein Walten richten, Wenn er, noch eh man ernten kann, Den Segen will vernichten? Weil er allein Der Schat will seyn, Nimmt er uns andre Güter, Zum Heile der Gemüther. 4. Was Gott thut, das ist wohlgethan! Es geh nach seinem Willen; Läßt es sich auch D. Jahreszeiten. Sommer.( Bei Mißernten.) 437 nennt uns Gottes Erben: Wie können wir verderben? zum Mangel an: Er weiß das Herz zu stillen. Wer als ein Christ Genügsam ist, Der kann bei kleinern Gaben Doch Freud und Nahrung haben. 5. Was Gott thut, das ist wohlgethan! Das Feld mag traurig stehen: Wir gehn getrost auf seiner Bahn, Was gut ist, wird geschehen. Sein Wort verschafft Uns Lebenskraft, Es 6. Was Gott thut, das ist wohlgethan! Laßt in Geduld uns faffen: Er nimmt sich unser gnädig an Und wird uns nicht verlassen. Er, unser Gott, Weiß, was uns noth, Und wird es gern uns geben; Kommt, laßt uns ihn erheben! 546. Gott! der du groß von Gnad und Güte, Du gebeft wenig oder viel: Hör, wie das dankbare Gemüthe Des Herbstes Zeit befingen will! Denn wär der Segen noch so klein, Soll Mund und Herz doch dankbar seyn. 2. Iste gleich uns dieses Jahr ergangen Wie einem, der im Weinberg sucht Und fäh gern viele Trauben hangen, Sieht aber nichts als bittre Frucht: So ist doch auch das wen'ge mehr, Als wir um dich verdient, o Herr! 3. Wir sind, wir müssens ja bekennen, O frommer Gott, selbst Schuld daran, Daß deine Hand, die viel wollt gönnen, Ein mehreres nicht geben kann. So wenig auch derFrüchte sey'n, Ist unser Dank doch viel zu klein. 4. Wie vielmal haben wir vergessen, Daß du die Felder reich Nach Schmolk. Mel. Wer nur den lieben.( Matth. 6, 25 2c. Rom. 8, 32.) gemacht! Wie oft mit Sünden unermessen Den reichen Segen durchgebracht und haben uns an deiner Huld Mit unsrem Undank hoch verschuld't! 5. Verzeih, o Vater, uns in Gnaden Und segne du uns Speis' und Trank! Dem wird der Mangel selbst nicht schaden, Der wenig nimmt mit rechtem Dank Und hält das Wort in seinem Sinn:„ Verderbs nicht, weil ein Segen drin!" ( Jes. 65, 8.) 6. Du kannst auch wohl das wen'ge segnen; Wenn in der Wüste Mangel wär, So muf die Luft mit Manna regnen Der dürre Fels reicht Wasser her; Im Wittwen- Kad und ihrem Krug Ist immer Mehl und Del genug. ( 1 Stön. 17, 10-16., 7. Gedenke nur der lieben Ar= men; Schließ auf der Reichen Herz und Hand zu mildem, 440 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. 7. So wollst du nun vollenden| Ende, Ach Herr, zum Besten Dein Werk an mir und senden, wende! Der mich an diesem Tage Auf seinen Händen trage. 8. Sprich Ja zu meinen Thaten, Hilf selbst das Beste rathen, Den Anfang, Mitt' und Mel. Meine Armuth macht. 550. Seele! du mußt munter werden, Denn der Erden Blickt hervor ein neuer Tag. Komm, dem Schöpfer dieser Strahlen zu bezahlen, Was dein schwacher Dank vermag. 2. Doch den großen Gott dort oben Recht zu loben, Wollens nicht bloß Lippen seyn: Nein, es hat sein reines Wesen Auserlesen Herzen ohne falschen Schein. 3. Deine Pflicht, die kannst du lernen Von den Sternen, Deren Gold der Sonne weicht. So laß auch vor Gott zerrinnen, Was den Sinnen Hier im Finstern schön gedäucht. 4. Schan, wie das, was Odem ziehet, Sich bemühet Um der Sonne holdes Licht; Wie sich, was nur Wachsthum spüret, Freudig rühret, Wenn ihr Glanz die Schatten bricht! 5. So laß dich auch fertig finden, Anzuzünden Deinen Weihrauch; weil die Nacht, Da dich Gott vor Unglücksstürmen Wollen schirmen, Ist so glücklich hingebracht. 9. Den Segen auf mich schütte, Mein Herz sey deine Hütte, Dein Wort sey meine Speise, Bis ich gen Himmel reise. Gerhard, g. 1606 † 1676. ( 1 Theff. 5, 5-8. Eph. 5, 13.) 6. Bitte, daß er dir Gedeihen Mög verleihen, Wenn du auf was Gutes zielst; Aber daß er dich mög stören Und bekehren, Wenn du böse Regung fühlst. 7. Kränkt dich etwas diesen Morgen, Laß ihn sorgen, Der es wie die Sonne macht, Welche freundlich pflegt die Höhen Anzusehen Und auch in die Thäler lacht. 8. Es wird nichts so klein gesponnen, Das der Sonnen Bis ans End verborgen bleibt: Gottes Auge sieht viel heller Und noch schneller, Was ein Sterblicher betreibt. 9. Denk, daß er auf deinen Wegen Ist zugegen, Daß er alle Sündenlust, Ja die Schmach verborgner Flecken Kann entdecken Und errathen, was du thust! 10. Wir sind an den Lauf der Stunden Festgebunden, Der entführt, was eitel heißt, Und der dein Gefäß, o Seele, Nach der Höhle Eines Sterbgewölbes reißt. 11. Drum so seufz' ich, daß E. Tageszeiten. Morgen. 441 mein Scheiden Nicht ein Leiden,| Seh die Sonne, Wann des To= Sondern sanftes Schlafen sey, des Nacht vorbei! Und daß ich mit heißer Wonne| Mel. Ich dank dir schon.( Pf. 59, 17. 18.) 551. Mein erst Gefühl sey| ruhn, Mich deine Wege wallen, Preis und Dank, Erheb ihu, Und lehre du mich selber thun meine Seele! Der Herr hört Nach deinem Wohlgefallen. deinen Lobgefang, Lobsing ihm, meine Seele; 8. Nimm meines Lebens gnädig wahr, Auf dich hofft meine Seele; Sey mir ein Retter in Gefahr, Ein Vater, wenn ich fehle. 2. Mich selbst zu schüßen ohne Macht Lag ich und schlief im Frieden. Wer schafft die Sicherheit der Nacht Und Ruhe für die Müden? von Canik, g. 1654 † 1699. 3. Wer wacht, wann ich von mir nichts weiß, Mein Leben zu bewahren? Wer stärkt mein Blut in seinem Kreis Und schüßt mich vor Gefahren? 4. Wer lehrt das Auge seine Pflicht, Sich sicher zu bedecken? Wer ruft dem Tag und seinem Licht, Uns wieder aufzuwecken? 5. Du bist es, Gott und Herr der Welt, Und dein ist unser Leben; Du bist es, der es uns erhält Und mirs jetzt neu gegeben. 6. Gelobet feyst du, Gott der Macht, Gelobt sey deine Treue, Daß ich nach einer sanftenNacht Mich dieses Tags erfreue! 7. Laß deinen Segen auf mir 9. Gib mir ein Herz voll Zuversicht, Erfüllt mit Lieb und Ruhe, Ein weises Herz, das seine Pflicht Erkenn und willig thue. 10. Laß mich als dein gehorsam Kind Dir zu gefallen streben, Gottselig, züchtig, fromm gesinnt Durch deine Gnade leben. 11. Laß mich, dem Nächsten beizustehn, Nie Fleiß und Arbeit scheuen, Mich gern an andrer Wohlergehn Und ihrer Tugend freuen. 12. Laß mich das Glück der Lebenszeit In deiner Furcht genießen und meinen Lauf mit Freudigkeit, Wann du gebeutst, beschließen. Gellert, g. 1715 † 1769. Mel. Herzlich thut.( Joh. 16, 24.) 552. Es hat uns heißen tre-| deinen hohen Thron Und uns ten, O Gott, dein lieber Sohn mit theurem Amen Erhörung Mit herzlichen Gebeten Vorzugesagt, Wenn man in seinem 442 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. Namen Nur bittet, fleht und| Auf Sünd und schnöden Scherz; klagt. bie 4 Das stets mit Liebe flammet Zu dir, Gott, himmelan, Und alle Lust verdammet Der fündenvollen Bahn. 5. Hernach laß mich gewinnen Nach deiner großen Kraft Kunst, Weisheit, fluge Sinnen, Verstand und Wissenschaft; Daß all mein Thun und Handeln Dir mag gefällig seyn; Laß vor der Welt mein Wandeln Seyn ohne falschenSchein. 6. So wird von jenen allen: Stand, Leben, Ehr und Geld, Auf meine Seite fallen, Soviel dir, Gott, gefällt; Man muß die Seel erst schmücken, So wirst du allgemach Den Leib auch schon beglücken: Glück folgt der Tugend nach! Neumarf, g. 1621* 1681. 2. Darauf komm ich gegangen In dieser Morgenstund; Ach laß mich doch erlangen, Was ich aus Herzensgrund Von dir, mein Gott, begehre Im Namen Jesu Christ, Und gnädig mir gewähre Das, was mir nüglich ist. 3. Nicht aber mir zu geben Bitt ich aus deiner Hand Geld, Gut und langes Leben, Nicht Ehr noch hohen Stand; Denn dieses ist nur nichtig Und lauter Eitelkeit, Vergänglich, schwach und flüchtig Und schwindet mit der Zeit. 4. Ich bitte, mir zu schenken Ein fromm und keusches Herz, Das nimmermehr mag denken Mel. O Gott, du frommer.( 2 Cor. 6, 16.) 553. O Jesu, süßes Licht!| soll mein Opfer seyn, Weil ich sonst nichts vermag. Nun ist die Nacht vergangen; Nun hat dein Gnadenglanz Aufs neue mich umfangen; Nun ist, was an mir ist, Vom Schlummer aufgeweckt Und hat sich, Herr, nach dir Verlangend ausgestreckt. 3. Drum siehe da, mein Gott, Da hast du meine Seele: Sie sey dein Eigenthum, Daß sie nur dich erwähle In deiner Liebe Kraft; Da hast du meinen Geist, Darinnen wollst du dich Verklären allermeist. 2. Was soll ich dir denn nun, Mein Gott, zum Opfer schenfen? Ich will mich ganz und gar In deine Gnade senken Mit Leib und Seel und Geist An diesem ganzen Tag; Das 4. Hier sey denn auch mein Leib Zum Tempel dir ergeben! Wähl ihn zur Wohnung dir, Ach allerliebstes Leben! wohn, ach leb in mir, Beweg E. Tageszeiten. Morgen. 443 und rege mich, Daß Leib und| Daß dein' Allgegenwart Mich Seel und Geist Mit dir ver- wie die Luft umgebe! Damit eine sich! 5. Mein Jesu! schmücke mich Mit Weisheit und mit Liebe, Mit Keuschheit, mit Geduld, Durch deines Geistes Triebe; Kleid mit der Demuth mich Und mit der Sanftmuth an: So bin ich wohlgeschmückt Und köstlich angethan. 6. O daß mir diesen Tag Stets vor den Augen schwebe: 554. Die güldne Sonne, Voll Freud und Wonne, Bringt unsern Grenzen Mit ihrem Glänzen Ein herzerquickendes, liebliches Licht. Mein Haupt und Glieder, Die lagen da nieder, Aber nun steh ich, Bin munter und fröhlich, Schaue den Himmel mit meinem Gesicht. Eigene Mel.( Pf. 84, 12. 13.) 2. Mein Auge schauet, Was Gott gebauet Zu seinen Ehren Und uns zu lehren: Wie sein Vermögen sey mächtig und groß; Und wo die Frommen Dann sollen hinkommen, Wann fie in Frieden Von hinnen geschieden Aus dieser Erde vergänglichem Schoos. mein ganzes Thun Durch Herz, durch Sinn und Mund Dich lobe inniglich, Mein Gott, zu aller Stund. 3. Lasset uns singen, Dem Schöpfer bringen Güter und Gaben; Was wir nur haben, Alles das sey Gott zum Opfer 7. Ach segne was ich thu, Ja rede und gedenke! Durch deines Geistes Kraft Es also führ und lenke, Daß alles nur gescheh Zu deines Namens Ruhm, Und daß ich unverrückt Verbleib dein Eigenthum. dind Joachim Lange, g. 1670 † 1744. gesetzt! Die besten Güter Sind unsre Gemüther; Lieder der Frommen, Von Herzen gefommen, Sind Opferrauch der ihn am meisten ergötzt. 4. Abend und Morgen Sind seine Sorgen; Segnen und mehren, Unglück verwehren, Sind seine Werke und Thaten allein. Wenn wir uns legen, So ist er zugegen, Wenn wir aufstehen, So läßt er aufgehen Ueber uns feiner Barmherzigfeit Schein.dip 5. Ich hab erhoben Zu dir hoch droben All meine Sinnen, Laß mein Beginnen Ohn' allen Anstoß und glücklich ergehn! Laster und Schande, Des Seelenfeinds Bande, Fallen und Tücke Treib ferne zurücke! Laß mich auf deinen Geboten bestehn! 444 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. 6. Laß mich mit Freuden,| Mich, lenk und führe Wiedirs Ohn' alles Neiden Sehen den gefället! Ich habe gestellet AlSegen, Den du wirst legen In les in deine Beliebung und meines Bruders Hand, Güter Hand. und Haus. Geiziges Brennen, Unchristliches Rennen Nach Gut mit Sünde, Das tilge geschwinde Aus meinem Herzen und wirf es hinaus! 10. Willst du mir geben, Womit mein Leben Ich fann ernähren, So laß mich hören Allzeit im Herzen dieß heilige Wort: Gott ist das Größte, Das Schönste und Beste, Gott ist das Süßste Und Allergewißste Aus allen Schäßen, der edelste Hort!" 7. Menschliches Wesen, Was ists? gewesen! In einer Stunde Geht es zu Grunde, Sobald die Lüfte des Todes drein wehn; Alles in allen Muß brechen und fallen; Himmel und Erden, Die müssen das werden, was sie gewesen vor ihrem Bestehn. 11. Willst du mich kränken, Mit Galle tränken, Und soll von Plagen Ich auch was tragen: Wohlan denn, so mach es, wie dir es beliebt! Was gut und tüchtig, Was schädlich und nichtig Meinem Gebeine, Das weißt du alleine, Hast niemals einen zu bitter betrübt! 8. Alles vergehet; Gott aber stehet Ohn' alles Wanken; Seine Gedanken, Sein Wort und Wille hat ewigen Grund. Sein Heil und Gnaden, Die nehmen nicht Schaden, Heilen im Herzen Die tödtlichen Schmerzen, Halten uns zeitlich und ewig gesund. 12. Trübsal und Zähren Nicht ewig währen; Nach Meeresbrausen Und Windessaufen Leuchtet der Sonne erwünschtes Gesicht. Freude die Fülle Und selige Stille Darf ich erwarten Im himmlischen Garten; Da= hin sind meine Gedanken gericht't! - 9. Gott, meine Krone, Vergib und schone, Laß meine Schulden In Gnad und Hulden Aus deinen Augen seyn abgewandt! Sonst, Herr, regiere Eigene Mel. 555. Morgenglanz der Ewigkeit, Licht vom unerschöpften Lichte! Schick uns diese Morgenzeit Deine StrahGerhard, g. 1606 † 1676. ( Joh. 8, 12.) len zu Gesichte und vertreib durch deine Macht Unsre Nacht. 2. Deiner Güte Morgenthau Fall auf unser matt Gewissen; www.E. Tageszeiten. Morgen. 445 Laß die dürre Lebensau Lauter Höh! Gib, daß auch am jüngsüßen Trost genießen, Und er quick uns, deine Schaar, Imsten Tage Unser Leichnam aufersteh, Und entfernt von aller Plage, Sich auf jener Freudenbahn Freuen kann. merdar. 5. Leucht uns selbst in jene Welt, Du verklärte Gnadensonne! Führ uns durch das Thränenfeld In das Land der süßen Wonne, Wo die Lust, die uns erhöht, Nie vergeht. Knorr von Rosenroth, g. 1636 † 1689. 3. Gib, daß deiner Liebe Gluth Unsre kalten Werke tödte; Und erweck uns Herz und Muth Bei erstandner Morgenröthe, Daß wir, eh wir gar vergehn, Recht aufstehn. 4. Ach du Aufgang aus der Mel. Gott des Himmels.( Pf. 37, 17.) mir dieß Lebenslicht, O so fehl und fall ich nicht. 556. Höchster Gott! durch| Richtschnur seyn. Leuchtet deinen Segen Konnt ich fröhlich und gesund Diese Nacht zurückelegen; Also preist dich Herz und Mund; Denn du willst für alle Treu Nichts, als daß man dankbar sey. 5. Segne mich in meinem Stande, Zeuch mein Herz mit Klugheit an, Daß ich solchen ohne Schande Und mit Ehren führen kann. Gib dazu mein täglich Brod Und was irgend sonst mir noth. 2. Segne heute mich vom neuen, Weil du segnen kannst und mußt; Denn mit Wohlthun zu erfreuen, Das ist deine Herzenslust, Und du machst die milde Hand Täglich aller Welt bekannt. 6. Segne mich in Kreuz und Leiden Mit Vertrauen und Geduld; Segne mich in Glück und Freuden Mit dem Reichthum deiner Huld; Daß ich dir im Kreuz getreu Und im Glück voll Demuth sey. 7. So will ich für allen Segen Lob und Ehre, Preis und Dank Dir zu deinen Füßen legen Und es thun mein Leben lang; Bis ich mit den Engeln dort Vor dir jauchze fort und fort. Erdmann Neumeister, g. 1671 † 1756. 3. Segne mich mit deinem Geiste, Daß er heut mit seiner Kraft Meinem Glauben Beistand leiste, Daß er gute Werke schafft Und dem Bösen insgemein Mag ein wackrer Gegner seyn. 4. Segne mich mit deinem Worte, Schreib es in mein Herz hinein, Daß es mag an jedem Orte Meines Wandels 446 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. Mel. Herr Jesu Christ, dich zu uns wend.( Ps. 19, 6.) 557. Die Morgensonne ge= 1 4. Der Sonne Lauf nie stille het auf Erfreut, zu wallen ihren Lauf. Kein Bräutigam kommt so geziert, Wie sie die goldnen Strahlen führt. steht und ohne Säumen weiter geht; So sollen wir ohn' Unterlaß Ihr folgen auf der Himmelsstraß. soft 5. Herr! deine Gnade, Güt' und Treu Ist alle Morgen bei uns nen. Erleucht uns Herz und Angesicht Mit deinem Wort, dem Himmelslicht. 6. So wollen wir dir allezeit Hier danken in der Christenheit und dort mit deiner Engel Schaar Dich fröhlich loben immerdar. Harsdörfer, g. 1607+ 1658. 2. So viel der Himmel Sterne zählt Ist sie vor allen auserwählt; Es muß ein großer Herrscher seyn, Der ihr ertheilt den goldnen Schein. 3. Die Himmel rühmen Gottes Ehr Und geben uns die schöne Lehr, Daß wir ihn auch mit unsrem Mund Hoch preisen sollen alle Stund. 2018 Mel. Allein Gott in der Höh.( Jes. 60, 1. Eph. 5, 9.) Stunde müßig seyn! Gott ists, der uns erleuchtet. 558. Erheb, o meine Seele, nem Gnadenschein nicht eine dich! Die Finsterniß vergehet, Schon zeigt der Glanz des Tages fich Die Sonn am Himmel stehet; zu Gott erhebe deinen Sinn, Daß er sein Werk in dir beginn Und gnädig dich erleuchte. 4. Ein Tag geht nach dem andern fort, Doch Gottes Werk bleibt liegen, Weil ohne That, mit leerem Wort So viele sich betrügen. Herr! laß uns freudig gehn aus Werk, Verleih uns Gnade, Kraft und Stärk Im Licht, das uns erleuchtet. 2. Im Licht muß alles rege seyn Und sich zur Arbeit kehren, Im Licht fingt früh das Vögelein, Im Licht zu Gottes Ehren; So soll der Mensch in Gottes Licht Aufheben billig sein Gesicht Zu dem, der ihn erleuchtet. 5. Du zeigst, was zu verrichten sey Auf unsern Glaubenswegen. So hilf uns nun und steh uns bei, Verleihe deinen Segen, Daß das Geschäft von deiner Hand Vollführet werd in allem Land, Wozu du uns erleuchtet. 6. Ich flehe, Herr: mach mich 3. Nun laßt uns an die Arbeit gehn Und froh den Herrn erheben; In Christo laßt uns auferstehn Und zeigen, daß wir leben; Laßt uns in sei stis E. Tageszeiten. Morgen. 2x 447 bereit zu deinem Wohlgefal-| Weisheit sprech aus meinem len; Im rechten Brauch der Mund Und wohn in meines Guadenzeit Laß deine Kinder Herzens Grund; So bin ich wallen; Sie fürchten Tod und recht erleuchtet. Sünde nicht, Geboren aus dem ewgen Licht, Das allweg ihnen leuchtet. 00 $ 367071 7. Das Licht des Glaubens fey in mir. Ein Licht der Kraft und Stärke; Es sey die Demuth meine Zier, Die Lieb das Werk der Werke; b 8. Herr! bleib bei mir, du ewig Licht, Daß ich stets gehe richtig, Erfreu mich durch dein Angesicht, Mach mich zum Guten tüchtig, Bis ich erreich die goldne Stadt, Die deine Hand gegründet hat und ewigDie lich erleuchtet. Lackmann, † 1713. Eigene Mel.( Pf. 17, 5. 2 Moj. 23, 20.) 816 559. Gott des Himmels and der Erden, Vater, Sohn und heilger Geist, Welcher Tag und Nacht läßt werden, Sonn und Mond uns scheinen heißt, Deffen starke Hand die Welt, Und was drinnen ist, erhält: gen, Daß, wenn nundein großer Tag Uns erscheint und dein Gericht, Ich davor erschrecke nicht. in 2. Gott! ich danke dir von Herzen, Daß du mich in dieser Nacht Vor Gefahr, Angst, Noth und Schmerzen Haft behütet und bewacht; Ach, bei aller meiner Schuld Trägst du mich mit Vaterhuld!! 3. Laß die Nacht auch meiner Sünden Heut mit dieser Nacht vergehn. O Herr Jesu! laß mich finden Stets dein Herz mir offen stehn, Wo alleine Hilf und Nath Ist für meine Missethat. 4. Hilf, daß ich mit diesem Morgen Geistlich auferstehen mag Und für meine Seele sor5. Führe mich, o Herr, und leite Meinen Gang nach deinem Wort; Sey und bleibe du auch heute Mein Beschüßer und mein Hort; Nirgends als bei dir allein Kann ich recht bewahret seyn. 6. Meinen Leib und meine Seele, Sammt den Sinnen und Verstand, Großer Gott, ich dir befehle Unter deine starke Hand; Herr, mein Schild, mein Ehr und Ruhm, Nimm mich auf, dein Eigenthum! 7. Deinen Engel zu mir sende, Der des bösen Feindes Macht, List und Anschlag von mir wende Und mich halt in guter Acht, Der auch endlich mich zur Ruh Trage nach dem Himmel zu! Alberti, g. 1604 † 16CS. 448 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. Mel. Werde munter.( 1- Theffal. 5, 8.) 560. Gott! du Licht, das| Der ein neues Leben schafft, ewig bleibet, Das ohn' allen Daß ich himmlisch auf der ErWechsel ist, Das die Finsterniß de Und ein Geist mit Christo vertreibet, Der du bleibest wie werde. du bist; Ich verlasse meine Ruh; Rufe: ,, werde Licht!" mir zu, Daß ich, der ich Nacht und Erde, Durch dein Licht verkläret werde. 2. Wecke, da der Leib geschlafen, Auch die Seele geistlich auf; Gib ihr deines Lichtes Waffen, Richt und leite ihren Lauf; Laß mich seyn des Lichtes Kind; Hilf mir, weil ich geistlich blind, Jesu, daß ich wieder sehe Und in deinem Lichte gehe. 3. Schenke mir, Herr, und gewähre, Was die arme Seele stillt; Ach erneure und verkläre Stets in mir dein Ebenbild! Sende mir den Geist der Kraft, 4. Segne meiner Hände Werfe, Fördre mich in meiner Pflicht; Bleibe meiner Schwachheit Stärke, Meines Lebens Kraft und Licht; Laß mein Lebensziel allein Deines Namens Ehre seyn; Hilf, daß ich stets wahre Liebe Gegen meinen Nächsten übe. 5. Führ mich einst zu jenem lichte Deiner höchsten Majestät, Wo vor deinem Angefichte Die verklärte Seele steht Heller als der Sonnenschein, Schön, unsterblich, engelrein; Laß sie seyn mit dir vereinet, Wann mein letzter Tag erscheinet. Sal. Frand, g. 1669 † 1725. Mel. Nun danfet all.( 1 Petri 2, 9.) 561. Das äußre Sonnen-| genwart Die Sünd und Eigenlicht ist da Und scheint mir ins Geficht; Gott ist noch mehr dem Geiste nah Mit seinem Lebenslicht. 2. Ach wohn in mir, du Gottessonn, Mein Geist dein Himmel werd, Daß ich, o reine Seelenwonn, Ganz werd in dich verklärt. 3. Wenn sich die Sonne offen- Daß ich dich schauen kann. bart, So weicht die Dunkelheit; Vertreib durch deine Ge6. Wer dich in deinem Licht erblickt In seiner Seele heit. 4. Du bist ein Licht und wohnst im Licht: Ach mach mich licht und rein, zu schauen, Herr, dein Angesicht Und dir vereint zu seyn. 5. Der Adler schaut geradezu Die Sonne fröhlich an; Mein Geistesaug eröffne du, E. Tageszeiten. Morgen.( Schluß der Woche.) 449 Grund, Der steht, wie Che-| merhin Sey lauter, rein und rubim, gebückt Vor dir zu licht. jeder Stund. 7. So laß mich wandeln, wo ich bin, Vor deinem Angesicht; Mein Thun und Lassen im8. Dein Auge leite meinen Gang, Daß ich nicht irre geh. Und bleib mir nah mein Lebenlang, Bis ich dich ewig seh. Tersteegen, g. 1697 † 1769. Eigene Mel.; oder: Freu dich sehr.( Pf. 17. 15.) 562. Wenn ich einst von jenem Schlummer, Welcher Tod heißt, aufersteh, Ind erlösf von allem Kummer, Jenen schönern Morgen seh: O dann wach ich anders auf! Schon am Ziel ist dann mein Lauf; Träume sind des Pilgers Sorgen, Großer Tag, an deinem Morgen! 2. Hilf, daß keiner meiner Tage, Vater meiner Lebenszeit, Einst mich im Gericht verklage: Er sey ganz von mir entweiht! Auch noch heute wacht ich auf, Dank dir, Herr! zu dir hinauf Führ mich jeder meiner Tage, Jede Freude, jede Plage; 3. Daß ich froh gen Himmel sehe, Wann mein letter Tag erscheint, Wann zum dunklen Thal ich gehe, Und mein Freund nun um mich weint. Lindre dann des Todes Pein; Laß mein End ihm lehrreich seyn, Daß ich ihn zum Himmel weise Und dich, Herr des Todes, preise. Nacht; Der Tag herrscht auf der Erden. Gott, der da beides macht, Soll hoch gepriesen werden. Du, Herr der ganzen Welt, Hast alles wohl bestellt! 2. Ja wohl, und mehr als wohl hat mich dein Schild bedecket, Daß ich erkennen soll, Wie deine Güte schmecket, Und daß sonst keine Tren So groß als deine sey. Evangelisches Gesangbuch. Klopstod, g. 1724 † 1803. Am Schluß der Woche. Mel. Die Nacht ist vor der Thür.( Ps. 90, 14.) 563. Die Nacht gibt gute] 3. Ach laß dir meinen Dank In Schwachheit hier gefallen! Dein Lob soll lebenslang Aus meinem Munde schallen; Ich werde niemals mein, Nur dein auf immer seyn. 4. Du wollst mich diesen Tag Ins Buch des Segens schreiben. Daß ich so leben mag, Wie mich dein Geist wird treiben; Durch dessen Leitung führ Mich mehr und mehr zu dir. 29 450 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. 5. Mein Denken und mein Thun, Mein Wollen und mein Lassen Soll gläubig auf dir ruhn Und dein Gebot umfassen. Gib mein bescheiden Theil Am Kreuz und auch am Heil. 6. Versorge meinen Mund, Doch mehr die Seel erfülle; Erhalte sie gesund In ihrer Leibeshülle; Gib einen Gnadenblick Auch zu der meinen Glück! erreichen Abermal die Abendzeit; Das ist mir ein neues Zeichen Deiner Lieb und Gütigkeit. Laß jezo mein armes Singen Durch die trüben Wolken dringen, Und sey auch in dieser Nacht Ferner auf mein Heil bedacht. Abend. alm Mel. Alle Menschen.( Jes. 12, 2.) 564. Gott! du läsfest mich| Gottheit scheinen Laß um mich und all die meinen, Die, was deine Liebe thut, Dankbar schäßen als dein Gut. 2. Neige dich zu meinen Bitten, Stoß nicht dieß mein Opfer weg! Hab ich gleich oft überschritten Deiner Wahrheit heilgen Steg, So verfluch ich meine Sünden Und will mich mit dir verbinden; Reiß du nur aus meiner Brust Alle Wurzel böser Luft. 7. Die Woche laufet nun Mit diesem Tag zu Ende; Drum hilf, daß ich mein Thun In deiner Kraft vollende, Daß morgen mich dein Tag Gesammelt finden mag. 3. Herr! es sey mein Leib und Leben Und was du mir sonst geschenkt, Deiner Allmacht übergeben, Die den Himmel selbst umschränkt. Einen Strahl der 8. Laß mich die kurze Zeit Des Lebens flüglich theilen Und nach der Ewigkeit Mit frohen Schritten eilen; So leb ich, weil es gilt; So sterb ich, wann du willt! Schmolf, g. 1672 † 1737. 4. Laß mich mildiglich bethauen Deines Segens Ueberfluß; Schirme mich vor Angst und Grauen, Wende Schaden und Verdruß, Brand und sonst betrübte Fälle; Zeichne meines Hauses Schwelle, Auf daß keinen hier der Schlag Des Verderbers treffen mag. 5. Wirke du in meinen Sinnen, Stehe mir im Schatten bei, Daß mein schlafendes Beginnen Dir auch nicht zuwider sey. Schaffe, daß ich schon auf Erden Mög ein solcher Tempel werden, Der nur dir, und nicht der Welt Ewig Licht und Feuer hält! 10595 von Canig, g. 1654 † 1699. E. Tageszeiten. Abend. Mel. Nun ruhen alle.( 1 Mos. 32, 10.) 565. Herr! der du mir das Leben Bis diesen Tag gegeben, Dich bet ich kindlich an; Ich bin viel zu geringe Der Treue, die ich singe, Und die du heut an mir gethan. 2. Mit dankendem Gemüthe Freu ich mich deiner Güte, Ich freue mich in dir. Du gibst mir Lust und Stärke, Gedeihn zu meinem Werke 11nd schaffst ein reines Herz in mir. 3. Gott! welche Ruh der Seelen: Nach deines Worts Befehlen Einher im Leben gehn; Auf deine Güte hoffen, Im Mel. Der Tag ist hin. Pf. 112, 1. 4. 116, 7.) 566. Der Abend kommt, die Sonne sich verdecket, Und alles sich zur Ruh und Stille strecket. O meine Seel, merk auf! wo bleibest du? In Gottes Schoos, sonst nirgends hast du Nuh! 2. Der Wandersmann legt sich ermüdet nieder, Das Vög= lein fleugt zu seinem Neste wieder, Die Schäflein ziehn in ihre Hürden ein: Laß mich zu dir, mein Gott, gekehret seyn! 3. Ach sammle selbst Begierden und Gedanken, Die noch so leicht aus Schwachheit von dir wanken; Mein Ruheplay und Heimath, thu dich auf, Daß ich in dir beschließe meinen Lauf. 4. Recht väterlich haft du mich 451 Geist den Himmel offen Und dort den Preis des Glaubens sehn. 4. Ich weiß, an wen ich glaube Und nahe mich im Staube Zu dir, o Gott, mein Heil! Ich bin der Schuld entladen, Ich bin bei dir in Gnaden Und in dem Himmel ist mein Theil. 5. Bedeckt mit deinem Segen Eil ich der Ruh entgegen, Dein Name sey gepreist! Mein Leben und mein Ende Ist dein, in deine Hände Befehl ich, Vater, meinen Geist. Gellert, g. 1715 † 1769. | heut geleitet, Bewahrt, verschont, gestärket und gewaidet; Ich bins nicht werth, daß du so gut und treu; Mein alles dir zum Dank ergeben sey! 5. Vergib es, Herr, wo ich mich heut verirret Und mich zu viel durch dieß und das verwirret! Es ist mir leid, es soll nicht mehr geschehn; Nimm mich nur ein, so werd ich fester stehn! 6. Da nun der Leib sein Tagwerkhat vollendet, Mein Geist sich auch zu seinem Werke wendet: Zu beten an, zu lieben inniglich, Im stillen Grund, mein Gott, zu schauen dich. 7. Die Dunkelheit ist da und alles schweiget; Mein Geist 452 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. vor dir, o Majestät, sich beuget. I den Geist zerstreut in Unruh Ins Heiligthum, ins Dunkel schweben! Mein treuer Hirt, kehr ich ein; Herr! rede du, führ mich in dich hinein: In laß mich ganz stille seyn. dir, mit dir kann ich vergnüget seyn. 8. Mein Herz sich dir zum Abendopfer schenket, Mein Wille sich in dich gelassen senket; Begierden, schweigt! Vernunft und Sinnen, still! Mein müder Geist im Herren ruhen will. 9. Dem Leib wirst du bald seine Ruhe geben; Laß nicht 10. Im Finstern sey des Geistes Licht und Sonne, Im Kampf und Kreuz mein Beistand, Kraft und Wonne; Deck mich bei dir in deiner Hütte zu, Bis ich erreich die volle Sabbathsruh. Tersteegen, g. 1697 † 1769. Mel. Nun ruhen alle.( Ps. 27, 1.) 567. Die Sonne senkt sich nieder, Die stille Nacht kommt wieder Und mit ihr Schlaf und Ruh; Sie bringt uns neue Kräfte, Beschließt des Tags Geschäfte Und drückt die müden Augen zu. 2. Noch wach ich und erzähle Mit tiefgerührter Seele, Herr, was du mir gethan. Dich preiset mein Gemüthe Für alle Gnad und Güte: Herr! nimm mein stilles Loblied an. 3. Von dir kommt jede Gabe, Das Leben, das ich habe, Die Ruhe dieser Nacht. Du bist der Quell der Güter, Mein Schutz und treuer Hüter, Der, wenn ich schlummre, für mich wacht. 4. Du lässt es finster werden Und hüllst den Kreis der Erden In tiefe Dunkelheit; Doch auch in dunkler Stille Wohnst du Und zeigst mit deiner Fülle uns deine Herrlichkeit. 5. Du führst aus weiter Ferne Den Mond und tausend Sterne Mit Majestät herauf; Sie leuchten dir zur Ehre Hoc über Land und Meere, Und deine Hand lenkt ihren Lauf. 6. Als Zeugen deiner Stärke Stehn lauter Wunderwerke In deiner Schöpfung da; Und du, der sie bereitet Und Mond und Sterne leitet, Bist auch im Staub mir innig nah. 7. Groß, wenn der Morgen thauet, Groß, wenn der Abend grauet, Groß in der stillen Nacht; Im Sonnenschein, im Sturme, Am Menschen und am Wurme, Großzeigst du, Schöpfer, deine Macht! 8. Drum schwinde alles Granen, Drum will ich findlich E. Tageszeiten. Abend. trauen, Denn du versorgst auch Durch Jesum wohlgefallen mich. Ja, Vater, ich befehle Dir freudig Leib und Seele; Du bist mein Gott, ich hoff auf dich! Und fegne meinen Geist, Bis er, im Grund erneuert, Den großen Sabbath feiert, Wo aller Sel'gen Schaar dich preist. vermehrt durch Junkheim, g. 1729 † 1790. 9. Laß dir mein kindlich Lallen Eigene Mel.( Alagl. 3, 57.) 568. Der Tag ist hin; mein Jesu, bei mir bleibe! O Seelenlicht, der Sünden Nacht vertreibe; Geh auf in mir, Glanz der Gerechtigkeit, Erleuchte mich, o Herr, denn es ist Zeit! 2. Lob, Preis und Dank sey dir, mein Gott, gesungen; Dir sey die Ehr, wenn alles wohl gelungen Nach deinem Rath, ob ichs gleich nicht versteh; Du bist gerecht, es gehe wie es geh. 3. Nur eines ist, das mich empfindlich quälet: Beständigkeit im Guten mir noch fehlet, Das weißt du wohl, o Herzenskündiger, Ich strauchle noch wie ein Unmündiger. 4. Vergib es, Herr, mir sagt 453 | es mein Gewissen: Der Sünde Lust hat mich von dir gerissen; Es ist mir leid; ich stell mich wieder ein, Hier ist mein Herz! ich dein, Herr, und du mein! 5. Israels Schutz, mein Hüter und mein Hirte! Zu meinem Trost dein sieghaft Schwert umgürte, Bewahre mich durch deine große Macht Und halt um mich mit treuen Augen Wacht. 6. Du schlummerst nicht, wann matte Glieder schlafen; Ach laß die Seel im Schlaf auch Gutes schaffen; O Lebensfonn, erquicke meinen Sinn, Dich laff' ich nicht, mein Fels, der Tag ist hin. J. Neander, g. 1610+ 1680. M.1. O du Liebe.( Luc. 24, 29. Matth. 28, 20.) 569. Bleibe! es will Abend| ser; Ach was hab ich ohne dich? werden," Jesu, bleibe du bei Da wird nur mein Elend grömir, Mit den Deinigen auf ßer, Und die Hölle schrecket mich. Erden Rufe jetzt auch ich zu dir;| Ohne dich bin ich verloren; Bleibe mir statt tausend Sonnen, Denn dein Naheseyn im Wort Hat das Herz mir abgewonnen, Und dieß läßt dich nicht mehr fort. Aber dein Verfühnungsblut Hat mich wieder neugeboren, Weil es Wunder an uns thut. 3. Bleibe: denn du bist mein Leben; Außer dir ist alles todt; Außer dir sind wir nur Neben, 2. Bleibe: du bist mein Erlö 454 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. Welchen Gott das Feuer droht.| Band, Daß sie nicht zu schauen Meiner Seele schwache Triebe Gehen nur auf dich allein; Wenn nicht Jesus bei mir bliebe, Wollt ich lieber gar nicht seyn! taugen Dich in dem Verklärungsstand; Deffne mir indeß die Schriften, Daß ich Jesum glauben kann, Schauen geht ja bei Geprüften In der neuen Stadt erst an. 7. Bleibe mir stets in Gedanken, Daß mein Herz dich nicht verläßt; Mach es, wenn es wollte wanken, Durch die Gnade wieder fest. Bleibe bei mir, was ich schaffe; Bleibe bei mir, wo ich ruh; Bleibe bei mir, wenn ich schlafe; Weicht mir alles, bleibe du. 8. Ja du bleibst, du hasts versprochen:„ Ich bin bei euch allezeit;" Du hast nie ein Wort gebrochen, Brichsts auch nicht in Ewigkeit. Schlaft, ihr Glieder, wache, Seele! Jesus bleibt und hält die Wacht, Welchem ich euch froh befehle. Das ist eine gute Nacht! Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Mel. Nun ruhen alle.( Hiob 8, 9. 1 Cor. 15, 10.) Tages Jammer Verschlafen und vergessen sollt. 3. Seht ihr den Mond dort stehen? Er ist nur halb zu sehen Und ist doch rund und schön! So sind wohl manche Sachen, Die wir getroft belachen, Weil unsre Augen sie nicht sehn. 4. Wir stolze Menschenkinder Sind eitel arme Sünder Und 4. Bleibe; mußt du mir schon sagen, Daß ich unverständig sey, Denn du kannst auch Thoren tragen und bleibst unverändert tren; Ja ich will es selbst bekennen, Ja ich bins, doch bleib mir nah, Laß mir nur das Herz noch brennen, Daß ich fühl, du seyest da. 5. Bleibe, wenn ich gleich im Herzen Noch so träg zum Glanben bin, Denn ich lege dir mit Schmerzen Selbst die Unart redlich hin. Hast du nicht auch mit den Trägen Noch erbarmende Geduld? Ja selbst auf betrübten Wegen Nahst du ihnen voller Huld. 6. Bleibe; hält auch meine Augen Jetzt noch ein geheimes 570. Der Mond ist aufgegangen, Die goldnen Sternlein prangen Am Himmel hell und klar; Der Wald steht schwarz und schweiget, Und aus den Wiesen steiget Der weiße Nebel wunderbar. 2. Wie ist die Welt so stille Und in der Dämmrung Hülle So traulich und so hold, Als eine stille Kammer, Wo ihr des E. Tageszeiten. Abend. 455 wissen gar nicht viel; Wir spin-| men Aus dieser Welt uns nehnen Luftgespinste Und suchen viele Künste, Und kommen weiter von dem Ziel. men Durch einen sanften Tod; Und wenn du uns genommen, Laß uns in Himmel kommen, Du unser Herr und unser Gott! 5. Gott! laß uns dein Heil schauen, Auf nichts Vergänglichs trauen, Nicht Eitelkeit uns freun. Laß uns einfältig werden und vor dir hier auf Erden, Wie Kinder, fromm und fröhlich seyn. 7. So legt euch denn, ihr Brüder, In Gottes Namen nieder; Kalt weht der Abendhauch. Verschon uns, Gott, mit Strafen Und laß uns ruhig schlafen, Und unsre kranken Brüder auch! Claudius, g. 1740 † 1815. 6. Wollst endlich sonder GräEigene Mel. 571. Nun ruhen alle Wälder, Vieh, Menschen, Städt und Felder, Es schläft die ganze Welt. Ihr aber, meine Sinnen, Auf, auf! ihr sollt beginuten, Was eurem Schöpfer wohlgefällt. 2. Wo bist du, Sonne, blieben? Die Nacht hat dich vertrieben, Die Nacht, des Tages Feind. Fahr hin! ein' andre Sonne, Mein Jesus, meine Wonne, Gar hell in meinem Herzen scheint. 3. Der Tag ist nun vergangen, Die güldnen Sterne prangen Am blauen Himmelssaal. Also werd ich auch stehen, Wann mich wird heißen gehen Mein Gott aus diesem Jammerthal. 4. Der Leib eilt nun zur Ruhe, Legt Kleider ab und Schuhe, Das Bild der Sterblichkeit. Die zieh ich aus; dagegen Wird ( Psalm 121.) | Christus mir anlegen Das Kleid der Ehr und Herrlichkeit. 5. Das Haupt, die Füß' und Hände Sind froh, daß nun zum Ende Die Arbeit kommen sey. Herz, freu dich! du sollst werden Vom Elend dieser Erden Und von der Sünden Arbeitfrei. 6. Nun geht, ihr matten Glieder, Geht hin und legt euch nieder, Der Betten ihr begehrt. Es kommen Stund und Zeiten, Da man euch wird bereiten Zur Ruh ein Bettlein in der Erd. 7. Die Augen stehn verdrossen, 3m Nu find sie geschlossen; Wo bleibt dann Leib und Seel? Nimm sie zu deinen Gnaden, Sey gut für allen Schaden, Du Aug und Wächter Israel! 8. Breit aus die Flügel beide, O Jesu, meine Freude, Und nimm dein Kichlein ein! Will mich der Feind verschlingen, So 456 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. laß die Engel singen: Dieß Kind soll unverleget seyn! 9. Auch euch, ihr meine Lieben, Soll heute nicht betrüben Ein Eigene Mel.( Pf. 56, 6-8.) 572. Werde munter, mein Gemüthe, Und ihr Sinnen, geht herfür, Daß ihr preiset Gottes Güte, Die er hat gethan an mir, Da er mich den ganzen Tag Vor so mancher schweren Plag Durch sein gnadenreiches Walten Hat beschirmet und erhalten. 2. Lob und Dank sey dir gesungen, Vater der Barmherzigkeit, Daß mir ist mein Werk gelungen; Daß du mich vor allem Leid Und vor Sünden mancher Art So getreulich haft bewahrt, Auch die Feind' hinweg getrieben, Daß ich unbeschädigt blieben! 3. Keine Klugheit kann ergründen Deine Güt' und Wunderthat; Ja kein Redner kann verkünden, Was dein Arm erwiesen hat! Deiner Wohlthat ist zu viel, Sie hat weder Maß noch Ziel; Herr! du hast mich so geführet, Daß kein Unfall mich berühret. Unfall noch Gefahr; Gott laff euch selig schlafen, Stell euch die güldnen Waffen Ums Bett und seiner Engel Schaar! Gerhard, g. 1606 † 1676 4. Bin ich gleich von dir gewichen, Stell ich mich doch wieder ein; Denn dein Sohn ist einst verblichen Für mich in der Todespein. Ich verleugne nicht die Schuld; Aber deine Gnad und Huld Ist viel größer als die Sünde, Die ich immer in mir finde. 5. O du Licht der frommen Seelen, Odu Glanz der Ewigkeit! Dir will ich mich ganz befehlen Diese Nacht und allezeit; Bleibe doch, mein Gott, bei mir, Weil es nunmehr dunkel hier, Daß ich nimmer mich betrübe; Tröste mich mit deiner Liebe! 6. Wenn sich schon die Augen schließen Und ermüdet schlafen ein, Muß mein Herz dennoch beflissen Und auf dich gerichtet seyn; Meiner Seele mit Begier Träume stets, v Gott, von dir, Daß ich innig an dir hange Und auch schlafend dich umfange. 7. Laß mich diese Nacht empfinden Eine sanfte, süße Ruh; Alles Uebel laß verschwinden, Decke mich mit Segen zu; Leib und Seele, Muth und Blut, Weib und Kinder, Hab und Gut, Freunde, Feinde, Hansgenossen Sey'n in deinen Schutz beschlossen! 8. Ach bewahre mich vor Schrecken, Schüße mich vor E. Tageszeiten. Abend. 457 Ueberfall! Laß mich Krankheit| Was dein Kind gebeten hat! nicht aufwecken; Treibeweg des Krieges Schall! Wende Feu'r und Wassersnoth, Pestilenz und schnellen Tod; Laß mich nicht in Sünden sterben, Noch an Leib und Seel verderben. Jesu, den ich stets verehre, Bleibe ja mein Schuß und Rath; Und mein Hort, du werther Geist, Der du Freund und Tröster heißst, Höre doch mein sehnlich Flehen! Amen, ja es soll geschehen! Rist, g. 1607 † 1667. 9. O du großer Gott, erhöre, Mel. Allein Gott in der Höh.( Pſ. 92.) 573. Ergreife nun dein| nur im Fleische blüht, Der Gott Harfenspiel, Da Licht und Tag nicht kennt, sein Werk nicht verschwindet, Und sich der lan- fieht, Noch seinen Eindruck gen Arbeit Ziel Spät in den fühlet. Schatten findet! Komm, Seele, dring zu Gottes Thron Und opfre deiner Lieder Ton, Vom Geist des Danks entzündet! 2. Nie ist man schöner aufgewacht, Als unter Preis und Loben; Nie fängt man sel'ger an die Nacht, Als wo das Herz, erhoben, Gott seine legte Kraft noch schenkt, Die Spuren seines Raths durchdenkt Und seiner Liebe Proben. 3. Gott sorgt und waltet spät und früh, Treu, wie ein Vater pfleget; Gott wacht, er schläft und schlummert nie, Er, der den Weltbau träget. Wie ist ein Mensch so wohl daran, Der Gottes Wegen folgen kann Und sein Werk überleget! 4. Das ist nicht eines Sünders Thun, Der seine Zeit durchspielet, Den Tag verpraßt und heimlich nun Noch seine Lüfte kühlet; Deß Leben 5. Doch du bleibst Gott, wenn er auch blind, Verzärtelt und verwöhnet, Frech, trogig, stolz und weltgefinnt Dich und dein Thun verhöhnet. Wie weht ihn Wind und Zeit davon! Bald welket er, er modert schon, Verflucht und unbethränet. 6. Ich bete dich im Dunklen an, Doch in dein Licht entzücket, Gott, den ich nicht satt denken kann, Deß Name schon erquidet! Wie selig ist, wer dich erkennt, Wer dich im Glauben Vater nennt, Wie hoch ist der beglücket! 7. Duhebst mein froheshaupt empor; Wer ist es, der mir schade? Nichts sieht mein Aug, nichts hört mein Ohr, Als allenthalben Gnade. Ich weiß mich mit dir ausgefühnt, Ich grüne, wie ein Palmbaum grünt, Im Alter noch gerade. 8. O möchte sich von Stund 458 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. zu Stund Mein Herz in dir| den Tag, Das meiner Nächte entzünden! O könnte doch mein Dichten! Ob mich der Schlaf Geist, mein Mund Genug des umhüllen mag, Vergess' ich Lobens finden: Wie du so dein mit nichten. Gott! nimm fromm, so gnädig bist, Und dieß Abendlied von mir, Bald wie kein Unrecht an dir ist, Morgens knie' ich neu vor dir, Der Nachwelt zu verkünden. Mein Opfer zu entrichten. 9. Das sey mein Tagwerk jeLehmus, g. 1707 † 1788. Mel. Die Nacht ist vor der Thür.( Pf. 57, 2.) Sünd und Höll, Hier ist Immannel! 574.„ Die Nacht ist nie-| er bald zurücke. Trotz Tenfel, mande Freund," Doch, weil ich Jesum faffe, So fürcht ich feinen Feind Mit seinem Grimm und Hasse; Er ists, der auch die Nacht Mir stets zur Freundin macht. 2. Heb alle Feindschaft auf, Freund, den mein Herze liebet; Und wo mein Lebenslauf Dich hier und dort betrübet, Sotilge meine Schuld Mit Huld und mit Geduld. 3. Zwar hab ich einen Feind, Der voller List und Tücke; Doch wo dein Antlitz scheint, Da fällt 4. Ich werde diese Nacht Als wie ein Todter liegen; Drum lasse deine Wacht Sich um mein Lager fügen, Und deiner Allmacht Schein Bei meiner Unmacht seyn. 2. Meine Tage gehn geschwinde Wie ein Pfeil zur Ewigfeit; Auch die allerlängste Zeit Rauscht vorüber wie die Win5. Der Schlaf, des Todes Bild, Heißt mich ans Grab ge= denken; Tod, komme, wann du willt, Ich will mich gar nicht kränken; Mich bringt der letzte Feind zu meinem besten Freund! Schmolt, g. 1672 † 1737. Mel. Ach was soll ich Sünder.( Pf. 39, 5-8.) Fluß Mit dem schnellsten Wasserguß. 575. Ach mein Jesu! sieh| de, Fließt dahin, als wie ein ich trete, Da der Tag nunmehr sich neigt Und die Finsterniß sich zeigt, Hin zu deinem Thron und bete; Neige du zu deinem Sinn Auch mein Herz und Sinnen hin. 3. Aber, Jesu, sieh ich Armer Nehme mich doch nicht in Acht, Daß ich dich bei Tag und Nacht Herzlich suchte, mein Erbarmer; O wie mancher Tag geht hin, Da ich kalt und träge bin! 4. Ach ich muß mich herzlich schämen, Du erhältst und schü E. Tageszeiten. Abend. 459 Best mich Tag und Nacht so| Sonnenlicht, Das durch alles gnädiglich, Und ich will mich nicht bequemen, Daß ich ohne Heuchelei Dir dafür recht dankbar sey. 5. Nun, ich komme mit Verlangen, Omein Herzensfreund, zu dir: Neige du dein Licht zu mir, Da der Tag nunmehr vergangen; Sey du selbst mein Mel. O du Liebe.( Pf. 51, 6.) sey! Dein Geist mache mich gefliffen, Dir zu dienen ohne Scheu. 576. Herr und Gott der| wissen; Leib und Seel dir heilig Tag' und Nächte, Der du wachst im Himmelszelt Und voll Gnaden deine Nechte Ausstreckst über diese Welt, Sieb, wie deines Kindes Seele, Da der Tag fich nun geneigt, Sich nach deines Worts Befehle Danfend vor dir niederbeugt. 2. Vater! ich bin zu geringe aller Treu und Gütigkeit, Die du, Wesen aller Dinge, Mir in meiner Lebenszeit Und auch heute haft erwiesen; O daß ich recht dankbar wär! Herr! dein Name sey gepriesen; Dein Herz ferner zu mir kehr. Finstre bricht! 6. Laß mich meine Tage zählen, Die du mir noch gönnen willt; Von dir sey mein Herz erfüllt: So wird mich nichts können quälen, Denn wo du bist Tag und Licht, Schaden uns die Nächte nicht. Schlicht, g. 1681 † 1723. 3. Sieh nicht an der Sünden Menge, Ach gedenke nicht der Schuld, Die du könntest rächen strenge; Habe doch mit mir Geduld! Reinige, Herr, mein Ge4. Laß mich nicht dahinten bleiben, Laß mich nicht zurücke sehn; Dein Geist müsse mich ftets treiben, Unverrückt voranzugehn, Jenes Kleinod zu erfassen, Das mein Heiland mir erwarb, Als er dort am Kreuz, verlassen, Unter tausend Qualen starb. 5. Drauf will ich mich schlafen legen, Laß mich dir empfohlen seyn; Bater! gönne mir den Segen, Halte Leib und Seele rein. Ja dein Engel mich bewahre, Deine Gnade sey mein Schild, Bis ich einst zum Heiland fahre Und erwach nach seinem Bild. Nach Freylinghauſen. Mel. Jesu, meine Freude.( Spr. 49. 10. 14. 26.) 577. Hirte deiner Schafe,| dermilde Diente mir zum Der von feinem Schlafe Et- Schilde Denvergangnen Tag; was wissen mag! Deine Wun- Sey die Nacht Auch auf der 460 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. Wacht Und laß mich von dei-| deine Flügel Nimm dein Kichnen Schaaren Um und um be- lein ein; Deck uns zu Mit wahren! Schutz und Ruh, So wird uns kein Grauen wecken, Noch der Feind uns schrecken. 5. Wie? wenn ich mein Bette Heut zum Grabe hätte? Jezzo roth bald todt? Drum, haft du's beschlossen, Sterb ich unverdrossen, Herr, auf dein Gebot! Nicht will ich, Herr, wider dich! Hab ich Heil in dir gefunden, Sterb ich alle Stunden. 2. Decke mich von oben Vor der Feinde Toben Mit der Vaterhuld! Ein versöhnt Gewissen Sey mein Ruhekissen; Ach vergib die Schuld! Jesus Christ Mein Mittler ist; Er hat das, was ich verschuldet, Williglich erduldet. 3. Laß auch meine Lieben Keine Noth betrüben, Sie sind mein und dein! Schließ uns mit Erbarmen In den Vaterarmen Wohlgeborgen ein! Du bei mir Und ich bei dir! Also sind wir ungeschieden, Und ich schlaf im Frieden. 4. Komm, verschließ die Kammer Und laß allen Jammer Ferne von uns seyn! Sey du Schloß und Riegel, Unter 578. Herr! es ist von meinem Leben Abermal ein Tag dahin; Lehre mich nun Achtung geben, Ob ich fromm geworden bin? Zeige mir auch ferner an, So ich was nicht recht gethan, Und hilf jetzt in allen Sachen Guten Feierabend machen. - 2. Freilich wirst du manches finden, Das dir nicht gefallen hat; Denn ich bin noch voller Sünden In Gedanken, Wort und That. Ach wie oft vergieng 6. Nun wohlan, ich thue In vergnügter Ruhe Meine Angen zu; Seele, Leib und Leben hab ich dir ergeben, Treuer Hüter du! Gute Nacht! Nimm mich in Acht! Und erleb ich je den Morgen, Wirst du weiter sorgen. Mel. Werde munter.( Ps. 109, 21. 26 und 27.) Schmolf, g. 1672 † 1737. ich mich, Mein Erbarmer, wider dich! Wer kann merken, wer kann zählen, Wann wir und wie oft wir fehlen? 3. Aber, o du Gott der Gnaden, Hab durch Christum noch Geduld! Ich bin freilich schwer beladen, Doch vergib mir alle Schuld; Deine große Vatertreu Werd auch diesen Abend neu, So will ich, Herr, deinen Willen Künftig mehr als heut erfüllen. 4. Heilige mir das Gemüthe, E. Tageszeiten. Abend. 21% 461 Daß mein Schlaf nicht fündlich 6. Herr! dein Auge geht nicht sey; Decke mich mit deiner Güte Und dein Engel steh mir bei; Lösche Feu'r und Lichter ans Und bewahre selbst das Haus, Daß ich morgen mit den meinen Nicht im Unglück müsse weinen. unter, Wenn es bei uns Abend wird, Denn du bleibest ewig munter Und bist wie ein guter Hirt, Der auch in der finstern Nacht Ueber seine Heerde wacht: Darum hilf uns, deinen Schafen, Daß wir alle sicher schlafen. 5. Steure den gottlosen Leuten, Die im Finstern Böses 7. Laß mich dann gefund erthun; Sollte man gleich was wachen, Wann es rechte Zeit bereiten, Uns zu schaden, wenn wird seyn, Daß ich ferner meiwir ruhn: So zerstöre du den ne Sachen Richte dir zu Ehren Rath Und verhindere die That, ein; Oder hast du, lieber Gott, Wend auch allen andern Schre- Heut bestimmet meinen Tod, cken, Den die Bosheit will er- So befehl ich dir am Ende wecken. Leib und Seel in deine Hände! Kaspar Neumann, g. 1648 † 1715. ( Pf. 3, 6.) 4. Da soll dir danken, wer sich legt Und wer vom Lager steigt, Daß Gott, der alle Dinge trägt, So gütig sich bezeugt. Mel. Nun sich der Tag. 579. Gott, der du Gnad und Weisheit hast, Hast alles wohlgemacht; Du gibst den Tag zu Müh und Last, Und dann zur Ruh die Nacht. 2. Da geht die Seele nicht mehr aus, Zieht Thür und Fenster zu Und will, wie im verschloßnen Haus, Allein seyn und in Ruh. 3. Wie wohl ruht, wer sich müd geschafft, Wen Hiß und Kummer traf; Wie fühlt der Kranke neue Kraft Auf einen fanften Schlaf! 5. Noch mehr soll ich dir dankbar seyn In meinem Christenlauf; In Jesu Namen schlaf ich ein, Mit Jesu steh ich auf. 6. Sterb ich, so schlaf ich wie ein Kind, Das Gott besorgen mag; Denn die im Herrn entschlafen sind, Weckt er am jüngsten Tag. Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Mel. Herzlich thut mich.( Luc. 2, 29. 30.) 580. Herr! es gescheh dein Wille; Mein Leib eilt nun zur Ruh, Es fallen in der Stille Die müden Augen zu. Erlaß mir Schuld und Strafe, Daß ich, von Sünden rein, Zum 462 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. Tode wie zum Schlafe Berei-| Ende macht, Dann stärk mich, tet möge seyn. wenn das Schrecken Der letzten Stunde droht; Du wirst mich auferwecken: Ein Schlaf uur ist mein Tod. 2. Laß, fern von Schreckensbildern Und wilder Träumerei, Die Seele nichts sich schildern, Das ihrer unwerth sey; Laß frei von eitlen Sorgen Den Tag mich wiedersehn Und auf den Kampfplaz morgen mit neuen Kräften gehn. 4. Drum fahr ich hin mit Freuden Zu Jesu, meinem Herrn! Die Welt und ihre Leiden, O Gott, verlass' ich gern. Wohl dem, der bis ans Ende Sich als ein Christ erweist: Mein Gott, in deine Hände Befehl ich meinen Geist! von Cronegt, g. 1731 † 1758. 3. Doch, wenn der Todesschlummer Für mich in dieser Nacht Den Freuden sammt dem Kummer Ein schnelles| Mel. Jesu, der du.( Jes. 60, 20.) 581. Gott der Tage, Gott der Nächte! Unsre Seele harret dein, Lehnet sich an deine Rechte, Nie kannst du uns ferne seyn; Auch in stiller Nächte Stunden Hat dich manches Herz gefunden und sich aus dem Lärm der Welt Einsam bei dir eingestellt. 2. Vater! viele Menschen weinen, Viele Kranke schmachten nun; Aber du verlässest keinen, Heißest wachen, heißest ruhn, Trockneft viele tausend Thränen Und erfüllst das heiße Sehnen Unzählbarer Leidenden, Die um Ruh und Lindrung flehn. 3. Vater! sende Muth den Schwachen, Licht in jedes dunkle Herz. Allen, die bekümmert wachen, Lindre du den heißen Schmerz. Laß die Wittwen, laß die Waisen Deine Lieb und Treue preisen; Gönne Kranken sanfte Ruh; Sterbenden sprich Tröstung zu. 4. O du trener Menschenhüter! Nacht ist vor dir wie der Tag; Allgewaltiger Gebieter, Du verwandelst Schmerz und Plag Unversehns in Dank und Freuden: Ach laß alle, die jetzt leiden, Bald erlöst aus ihrer Pein Deiner Vaterhuld sich freun! - 5. Vater!- dieser Nam er= weitert Jede Brust voll Angst und Schmerz; Wie der Mond die Nacht erheitert, Kommt die Ruh in jedes Herz, Das nach deinem Troste weinet, Eh die Sonne wieder scheinet. O wie oft verwandelst du Bangen Schmerz in süße Nuh! 6. Jesus Christus! manche E. Zageszeiten. Abend.( Schluß der Woche.) 463 durch Schlaf den Kummer lindern: Wachen oder schlummern sie, Weichst du doch von ihnen nie. Nächte Hast du für uns durchgewacht Und dem menschlichen Geschlechte Durch dein Wachen Ruh gebracht; Tröster! du willst deinen Kindern Auch Lavater, g. 1741 † 1801. Mel. Freu dich sehr.( Ps. 109, 21.) Last des Eitlen frei, Von den Bürden dieser Erde, Wann ich nun unsterblich werde. 582. Sink ich einst in jenen| ich Wanderer dann sey Von der Schlummer, Aus dem keiner mehr erwacht, Geh ich aus der Welt voll Kummer, Todesruh, in deine Nacht: O dann schlaf ich anders ein; Weg aus dieses Lebens Pein Wall ich hin zu derer Hütten, Die, nun glücklich, hier auch litten! 3. Gerne laß den Tag mich sehen, Der als Netter mir erscheint, Wenn mit unerhörtem Flehen, Wer mich liebet, um mich weint; Stärker als mein Freund im Schmerz Sey mein gottverlangend Herz, Daß ich, voll von deinem Preise, Ihn zu dir gen Himmel weise. 2. Jeho schlaf ich, aufzuwachen Noch für Tage dieser Zeit. Laß mich fertig stets mich machen, Vater, zu der Ewigkeit, Daß Klopstod, g. 1724 † 1803. Am Schluß der Woche. Mel. Wer weiß, wie nahe.( Pf. 74, 16.) 583. So ist die Woche nun geschlossen, Doch, treuer Gott, dein Herze nicht; Wie sich dein Segensquell ergossen, So bin ich noch der Zuversicht, Daß er sich weiterhin ergießt Und unaufhörlich auf mich fließt. 2. Ich preife dich mit Hand und Munde, Ich lobe dich, so hoch ich kann, Ich rühme dich von Herzensgrunde Für alles, was du mir gethan, Und weiß, daß dir durch Jesum Christ Mein Dank ein süßer Weihrauch ist. 3. Hat mich bei meinen Wochentagen Das liebe Kreuz auch mit besucht, So gabst du auch die Kraft zu tragen; Zudem, es ist voll Heil und Frucht Durch deine Lieb, o Herr, zu mir, Und darum dank ich auch dafür. 4. Nur eines bitt ich über alles, O du versagst mir solches nicht: Gedenke feines Sündenfalles Und geh mit mir nicht ins Gericht, Weil Jesus meine Missethat Durch seinen Tod gebüßet hat. 464 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. 5. Dein Eid ist ja noch nicht gebrochen, Du brichst ihn nicht in Ewigkeit, Da du dem Sünder hast versprochen: Daß er, wenn ihm die Sünde leid, Nicht sterben, sondern gnadenvoll Wie ein Gerechter leben soll. 6. Mein Glaube hält an diesem Segen Und will also den Wochenschluß Vergnügt und froh zurückelegen, Da mich der Trost ergößen muß: Daß ich ja soll in Chrifto dein Und schon in Hoffnung selig seyn. 7. Doch da mein Leben zugenommen, So bin ich auch der Ewigkeit Um eine Woche näher kommen, Vielleicht am Ziele meiner Zeit; Sollt es die lette Woche seyn, So führe mich zum Himmel ein. 8. Wenn aber morgen ich aufs neue Den heilgen Sonntag feiern kanu, So blick die Sonne deiner Trene Mich auch mit neuen Gnaden an; Dann geh ich freudig in dein Haus, Da theilst du reichenSegen aus. 9. So will ich jetzt im voraus preisen, Was du mir künftge Woche gibst: Du wirst es mit der That beweisen, Daß du mich je und immer liebst Und leitest mich nach deinem Rath, Bis Leid und Zeit ein Ende hat. Erdmann Neumeister, g. 1671 t 1746. auch des Jahrs. Mel. Herr, wie du willt.( Ps. 43, 3.) 584. Gottlob! ein Schritt| glüht Mein Herz, das du ent= zündet; Du bists, mit dem sich mein Gemüth Aus aller Kraft verbindet. Ich leb in dir und du in mir, Doch möcht ich, o mein Heil, zu dir, Noch immer näher dringen. 4. O daß du selber kämest bald! Ich zähl die Augenblicke: Ach komm, eh mir das Herz Sterben erkalt' Und sich zum schicke! Komm doch in deiner Herrlichkeit; Schau her, die Lampe steht bereit, Die Lenden find umgürtet! Am Schluß der Woche, zur Ewigkeit Ist abermals vollendet; Zu dir im Fortgang dieser Zeit Mein Herz sich sehnlich wendet, O Quell, daraus mein Leben fließt Und alle Gnade sich ergießt zu meiner Seele Leben. 2. Ich zähle Stunden, Tag und Jahr, Und wird mir fast zu lange, Bis es erscheine, daß ich gar, O Leben, dich umfange, Damit, was sterblich ist an mir, Verschlungen werde ganz in dir Und ich unsterblich werde. 3. Vom Feuer deiner Liebe 5. Doch sey dir ganz anheimgestellt Die rechte Zeit und XX. Die letzten Dinge. A. Vorber. auf den Tod. 465 Stunde, Wiewohl ich weiß, daß dirs gefällt, Wenn ich mit Herz und Munde Dich kommen heiße und darauf Von nun an richte meinen Lauf, Daß ich dir komm entgegen. sind Und meine Kniee wanken, So beut mir deine Hand geschwind Und halt mich in den Schranken Des Glaubens, daß in dir mein Herz Sich stärke, und ich himmelwärts Ohn' Unterlaß aufsteige. 6. Ich bin vergnügt, daß mich nichts kann Von deiner Liebe trennen Und daß ich frei vor jedermann Dich meinen Freund darf nennen, Und daß du dort, o Lebensfürst, Dich ganz mit mir vereinen wirst Und mir dein Erbe schenken. 7. Drum preif' ich dich aus Dankbarkeit, Daß sich die Woch ( das Jahr) geendet, Und also auch von dieser Zeit Ein neuer Schritt vollendet; Ach führ mich eilig weiter fort, Bis ich gelange an die Pfort Jerusalems dort oben. 8. Wenn auch die Hände lässig 9. Geh, Seele, frisch im Glauben dran Und sey nur unerschrocken; Laß dich nicht von der rechten Bahn Die Lust der Welt ablocken. So dir der Lauf zu langsam däucht, So cile, wie ein Adler flengt, Mit Flügeln süßer Liebe. 10. O Jesu! meine Seele ist Zu dir schon aufgeflogen: Du haft, weil du voll Liebe bist, Mich ganz zu dir gezogen. Fahr hin, was heißet Stund und Zeit, Ich bin schon in der Ewigkeit, Weil ich in Jesu lebe! Frand, g. 1663 † 1727. XX. Die letzten Dinge. A. Vorbereitung auf den Tod. Mel. Jefus, meine Zuversicht.( Ps. 90, 12. Sir. 1, 13.) 585. Meine Lebenszeit ver-| zu haben! Güter, die du hier streicht, Stündlich eil ich zu dem Grabe; Und wie wenig ists vielleicht, Das ich noch zu leben habe? Denk, o Mensch, an deinen Tod, Säume nicht, denn eins ist noth! erwirbst, Würden, die dir Menschen gaben, Nichts wird dich im Tod erfreun: Diese Güter sind nicht dein. 2. Lebe, wie du, wenn du stirbst, Wünschen wirst gelebt Evangelisches Gesangbuch. 3. Nur ein Herz, das Gutes liebt, Nur ein ruhiges Gewissen, Das vor Gott dir Zeugniß gibt, Wird dir deinen Tod 30 XX. Die letzten Dinge. 466 verfüßen; Dieses Herz, von Gott erneut, Gibt im Tode Freudigkeit. 4. Wenn in deiner legten Noth Freunde hilflos um dich beben, Dann wird über Welt und Tod Dich dieß reine Herz erheben, Dann erschreckt dich kein Gericht: Gott ist deine Zuversicht! 5. Daß du dieses Herz erwirbst, Fürchte Gott und bet und wache, Sorge nicht, wie früh du stirbst, Deine Zeit ist Gottes Sache. Lern nicht nur den Tod nicht scheun, Lern auch seiner dich erfreun. 6. Ueberwind ihn durch Vertraun, Sprich:„ ich weiß, au wen ich glaube, Und ich weiß, ich werd ihn schaun, Denn er weckt mich aus dem Staube; Er, der rief: es ist vollbracht! Nahm dem Tode seine Macht." 2. Du Gott der Ewigkeit, Der mir dieß Leben gab, Ich geb es dir zurück Und was ich bin und hab! Ich will nur leben dir, Dir will ich sterben auch; Gib, daß ich Zeit und Kraft Zu deinem Dienst gebrauch. 3. Nnn, ich verlass' die Welt Und will zum Vater gehn; Hier bin ich nicht zu Haus, Will nicht zurücke sehn. Der kurze Rest der Zeit Soll dir gewidmet 7. Tritt im Geist zum Grab oft hin, Siehe dein Gebein versenken; Sprich:„ Herr! daß ich Erde bin, Lehre du mich selbst bedenken; Lehre du michs jeden Tag, Daß ich weiser werden mag." Gellert, g. 1715 † 1769. Mel. O Sünder, denke wohl.( 2 Cor. 5, 1-10.) 586. So gehts von Schritt| seyn: Ja, Vater, ich bin hier Und dort auch ewig dein! zu Schritt zur großen Ewigkeit! So unvermerkt verfließt Die kurze Lebenszeit! Wo blieb so mancher Tag, Und wo so manches Jahr? Was bleibt dem Sterblichen Von dem, was gestern war? 4. Bereite mich, und wenn Dieß Leben ist vorbei, Du Herr, mein bleibend Gut, Mein wahres Leben sey; Verlaß mich dann auch nicht Im letzten Augenblick, Daß ich auf Jesum seh Und nicht auf mich zurück. 5. Der Feind hat nichts an mir, Das Herz in Jesu ruht; Tief in mein Nichts versenkt, Ist Jesus all mein Gut. O wie verdank ichs dir, Daß du zu mir gewandt Dein offnes Vaterherz Und wurdest mir bekannt! 6. Dich, Vater, Sohn und Geist, Dich nenn ich meinen Gott, Nenn meinen Schöpfer sich, Mein Heil in Noth und A. Vorbereitung auf den Tod. 467 Tod. Es ist mir herzlich lieb,| wünsch ich mir Die ganze Daß du bist, der du bist, Und Ewigkeit. daß mein ganzes Heil In deinen Händen ist. 7. Ich zeuge, daß du bist Das ewig sel'geGut, Darinder Geist allein Lebt und im Frieden ruht. Dich ehren nur ist Ehr, Dein Dienst ist Seligkeit, Und dazu 8. Jch lege meinen Geist In deine treue Hand; Mein Hei= land, du bewahrst Dieß dir vertraute Pfand. Mein letzter Athemzug Soll reine Liebe seyn! Ausgehend geh meinGeist In deine Ruhe ein! Nach Tersteegen. Mel. Mein Jesu, den die.( Apostelgesch. 4, 12.) 587. Wie thöricht handelt| kann; Umsonst greifst du dieß doch ein Herze, Das außer Je- alles an; Die Thorheit ist nicht su Ruhe sucht und sich mit auszugründen. tausendfachem Schmerze Abmattet, und als auf der Flucht Nach einem Rauch und Schatten rennet, Bald dieß bald jenes ihm erwählt, Und doch des rechten Zwecks verfehlt, Weil es nicht seinen Ursprung kennet! 2. Ein Stein kann keine Ruhe haben, So lang er in den Lüften schwebt; Ein Thier kann nicht im Meer sich laben, Wenns von Natur auf Erden lebt; Das Vöglein schwingt sich in die Höhe; Das Würmlein kriecht in seiner Erd, Und alle Kreatur begehrt, Daß sie in ihren Ursprung gehe. 4. Wie kann das Sterbliche vergnügen Die Seele, die unsterblich ist? Soll das, was ewig, unterliegen Dem, was nur dauert kurze Frist? Wie kann, was irdisch, dich ergößen, Da du zum Himmel bist ge= macht? Du bist von Gott so hoch geacht't, Und weißt nicht deinen Werth zu schätzen! 5. O Schande, du gibst deinen Adel Und deine Herrlichkeit dahin! Dein Schöpfer, der dich ohne Tadel Geformt nach seiner Weisheit Sinn, Muß selbst bei dir zurückestehen; Sein schönes Reich ist dir zu schlecht; Darum geschieht dir nur dein Recht, Wenn du dich mußt betrogen sehen. 3. Und du, der du von Gott gekommen, EinHauch undStrahl von seinem Geist, Hast also wenig dieß vernommen, Daß man 6. Wie aber, wenn du gar dich billig thöricht heißt: Weil daneben In Lastern fucheft deis du auf Erden das willt finden, ne Lust, Und dich abkehrend Was nur der Himmel geben deinem Leben, Der Sünd eröff 468 XX. Die letzten Dinge. nest Herz und Brust, Die Gott drückt; Das Schifflein ist dem zum Tempel hat erkoren, So Sturm entrückt Und nun in denk, wie groß sey deine Schuld! seinen Port gekommen. Wie schmähst du nicht des Schöpfers Huld;- Da wärst du lieber nie geboren! 9. Das Kichlein flüchtet zu der Hennen, Das Schäflein, welches sich verirrt, Kann nun des Hirten Stimm erkennen Und wird derHeerde zugeführt; Der Sohn, der sich bisher verloren Und in die Ferne weggewandt, Wird von dem Vater nun erkannt und gleichsam wieder neugeboren. 7. Kehr dich zu Gott, verlaß die Sünden, Sag ab der Thorheit dieser Welt; Dann kann dein Herz erst Ruhe finden, Wenn dir der Himmel bloß gefällt. Die Erde wankt, drum muß man gleiten, Wenn man darauf zu ruhn vermeint; Wer aber sich mit Gott vereint, Hat Fried und Ruh zu allen Zeiten. 8. Da ruht das Kindlein recht mit Frieden Gar sanft in seiner Mutter Schoos; Der Wandersmann wird nach Ermüden Des Tages Last und Hiße los; Die Fesseln werden abgenommen, Die den Gefangenen gevon Bonin, g. 1682 † 1752. Eigene Mel.( 1 Petri 1, 24. 1 Joh. 2, 17.) 588. Ach wie nichtig, ach| flüchtig Ist der Menschen Freude! Wie sich wechseln Stund und Zeiten, Licht und Dunkel, Fried und Streiten, So sind unsre Fröhlichkeiten. wie flüchtig Ist der Menschen Leben! Wie ein Nebel bald entstehet Und auch wieder bald vergehet, So ist unser Leben; fehet! 10. Drum weg mit allen eitlen Dingen! Ach gehe ein zu deiner Ruh Und glaub, es muß dir hier gelingen, Sagst du nur Gott die Treue zu! Hier schmeckest du bereits den Frieden, Den alle Welt nicht geben kann; Dort gehet recht die Ruhe an, Da du von Gott nie wirft geschieden. 2. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig Sind der Menschen Tage! Wie ein Strom beginnt zu rinnen und mit Laufen nicht hält innen, So fährt unsre Zeit von hinnen. 3. Ach wie nichtig, ach wie 4. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig Ist der Menschen. Schöne! Wie ein Blümlein bald vergehet, Wenn ein rauhes Lüftlein wehet, So ist unsre Schöne; sehet! 5. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig Ist der Menschen A. Vorbereitung auf den Tod. 469 Stärke! Der als Löwe sich er-| ersonnen, Ist er je dem Tod wiesen, Gestern noch gekämpft entronnen? mit Riesen, Den muß heut ein Grab umschließen! 6. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig Ifts mit unfrem Glüce! Wie sich eine Kugel drehet, Die bald da, bald dorten stehet, So ists mit dem Glücke; sehet! 7. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig Ist der Menschen Ehre! Ueber den, dem man hat müssen Heut die Hände höflich küssen, Geht man morgen gar mit Füßen. 8. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig Ist der Menschen Wissen! Solcher Witz, der allerorten Sich gebläht mit prächtgen Worten, Ist gar bald zu Schanden worden. 9. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig Ist der Menschen Dich ten! Der die Künste liebgewonnen Und manch schönes Werk 10. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig Sind der Menschen Schätze! Es kann Gluth und Fluth entstehen, Dadurch, eh wirs uns versehen, Alles muß zu Trümmern gehen. 11. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig Ist der Menschen Prangen! Der in Purpur, hoch vermessen, Ist gleich wie ein Gott gesessen, Dessen wird im Tod vergessen. 2. Das, was man um dich spüret, Was dich betrüglich zieret, Dein Ansehn, deine Gunst, 12. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig Ist der Menschen Herrschen! Der durch Macht sehr hoch gestiegen, Muß sich vor dem Tode schmiegen und im Grab erniedrigt liegen. 13. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig Sind der Menschen Sachen! Alles, alles, was wir sehen, Daß muß fallen und vergehen; Wer Gott hat, bleibt ewig stehen! Michael Frand, g. 1609 † 1667. Mel. Nun ruhen alle.( Ps. 103, 15-18.) 589. Was willst du, armes| Ist nur ein Haus der Plagen, Leben, Dich trokig noch erheben? Du mußt ohn' Säumniß fort, Wie, ferne von der Erden, Die schnellen Wolken werden Zerflattert durch den rauhen Nord. und recht davon zu sagen: Ift nur ein Schatten, Nauch und Dunst. 3. Drum weil ich ja muß sterben, So will ich mich bewerben Um ein recht gutes Gut, Um ein standhaftes Leben, Das Christus mir kann geben Durch seiner Unschuld heilig Blut. 470 XX. Die letzten Dinge. 4. Herr Jesu, Schreck der Höl-| Strahlen deiner Wonne Verlen! Der du uns tausend Stel- klärst mein blödes Angesicht. len Im Himmel eingeräumt: Nimm mich in deine Hände, Weil meines Lebens Ende Vielleicht sich nahet ungesäumt. 6. So werd ich selber schauen, Worauf wir hier nur bauen Durch Glauben an dein Wort, Und mit der Schaar der Frommen Aus Sturm und Wellen kommen Zu dem gewünschten Friedensport. 5. Eil aus der finstern Höhle Mit meiner armen Seele Und bring mich an das Licht, Da du, selbst Glanz und Sonne, Mit Dach, g. 1605 † 1659. Eigene Mel.( Sir. 18, 22. 26. Joh. 11, 25 2c.) 590. Wer weiß, wie nahe| len Fällen: Herr! wie du willt, mir mein Ende? Hin geht so schicks mitmir." Mein Gott, die Zeit, her kommt der Tod; ich bitt durch Christi Blut: Wie unvermuthet, wie behende Machs nur mit meinem Ende Kann kommen meine Todes= gut! noth! Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut! 2. Es kann vor Abend anders werden, Als es am frühen Morgen war; So lang ich leb auf dieser Erden, Schweb ich in steter Todsgefahr. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut! 5. Mach mir stets füße deinen Himmel Und bitter diese schnöde Welt; Gib, daß mir in dem Weltgetümmel Die Ewigkeit sey vorgestellt. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut! 3. Herr! lehr mich stets mein End bedenken, Und ehe denn ich sterben muß, Die Seel in Jesu T versenken Und ja nicht sparen meine Buß! Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut! 6. Ach Vater! deck all meine Sünde Mit dem Verdienste Jesu zu, Damit ich hier Vergebung finde Und dort die lang gewünschte Ruh. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut! 4. Laß mich bei Zeit mein Haus bestellen, Daß ich bereit sey für und für Und sage frisch in al7. Nichts ist, das mich von Jesu scheide, Nichts, es sey Leben oder Tod! Ich leg die Hand in seine Seite Und sage: ,, mein Herr und mein Gott!" Mein A. Vorbereitung auf den Tod. 471 Gott, ich bitt durch Christi| 10. So komm mein End heut Blut: Machs nur mit meinem Ende gut! 8. Ich habe Jesum angezogen Schon längst in meiner heilgen Tauf; Du bist mir auch daher gewogen, Hast mich zum Kind genommen auf; Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut! 9. Ich habe Jesu Leib gegessen, Ich hab sein Blut getrunken hier; Nun kannst du meiner nicht vergessen, Ich bleib inihm, und er in mir. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Mache nur mit meinem Ende gut! oder morgen: Ich weiß, daß mirs mit Jesu glückt; Ich bin und bleib in seinen Sorgen, Mit Jesu Gnaden ausge= schmückt. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut! 11. Ich leb indeß in dir vergnüget Und sterb ohn' alle Kümmerniß; Es gehe, wie mein Gott es füget, Ich glaub und bin es ganz gewiß: Durch deine Gnad und Christi Blut machst du's mit meinem Ende gut. Emilie Juliane, Gräfin v. Schwarzburg. Rudolstadt, g. 1637 † 1706. Mel. Ich hab mein Sach Gott.( Jef. 38, 1. Pf. 39, 5.) 591. Wie fleucht dahin der| wohn, So lange lehr mich, GotMenschen Zeit, Wie eilet man zur Ewigkeit! Wie wen'ge den ken an die Stund Von Herzensgrund, Wie schweigt hievon der träge Mund! tes Sohn! Gib, daß ich zähle meine Tag', Der Welt entfag, Daß, eh ich sterb, ich sterben mag! 2. Das Leben ist gleich einem Traum, Gleich einem nichtgen Wasserschaum, Dem Grafe gleich, das heute steht Und schnell vergeht, Sobald nur Wind darüber weht. 5. Was hilft die Welt in letzter Noth, Luft, Ehr und Reichthum in dem Tod? Bedenke, o Mensch, was läufest du Dem Schatten zu? So kommst du nicht zur wahren Ruh! 6. Weg Eitelkeit, weg Therenluft! Mir ist das höchste Gut bewußt; Das such ich nur, das bleibet mir So dort wie hier; Herr Jesu! zieh mein Herz nach dir. 7. Was wirds da seyn, wenn 3. Nur du, Jehovah, bleibest mir Das, was du bist; ich traue dir. Laß Berg und Hügel fallen hin: Mir ists Gewinn, Wenn ich nur bei dem Heiland bin. 4. So lang ich in der Hütte - 472 XX. Die letzten Dinge. ich dich seh Und dort vor dei-| dessen lehre mich, Daß stetig ich nem Throne steh! Du unter- Mit klugem Herzen suche dich. J. Neander, g. 1610+ 1680 Mel. Wer weiß, wie nahe.( Sirach. 7, 40. Ebr. 9, 27.) 592. Jest leb ich; ob ich morgen lebe, Ob diesen Abend, weiß ich nicht; O Herr, dem ich mein Herz ergebe, Lehr du mich selbst die große Pflicht: Durch deines heilgen Geistes Kraft Stets fertig seyn zur Rechenschaft. 2. Die Blume, die am Morgen stehet, Fällt vor der Abenddämmrung ab; Die Luft, die jetzt mich angewehet, Stürzt mich vielleicht ins nahe Grab; Der Jüngling, eh er sichs versieht, Stirbt, und ist noch nicht aufgeblüht. 3. Entziehe dich dem Weltgetümmel, Hier ist der Kampf, dort ist die Ruh; Dein Wandel, Seele, sey im Himmel, Dann eilest du dem Leben zu! Nach einer kurzen Prüfungszeit Ist Ewigkeit, ist Ewigkeit! 4. Verschiebe niemals deine Pflichten; Was jetzt zu thun du schuldig bist, Denk nicht erst morgen auszurichten; Wer weiß, obe morgen möglich ist? Mensch, dieser Augenblick ist dein; Der künftge wirds vielleicht nicht seyn! 5. Noch eh ich diesen Tag vollende, Ergreift vielleicht mich schon der Tod; Drum lehr mich denken, Herr, ans Ende, An meine legte Todesnoth: O laß, stellt sie sich plötzlich ein, Laß Del in meiner Lampe seyn! 6. Es sey, o Vater meines Lebens, Wann einst die letzte Stunde schlägt. Der schwache Seufzer nicht vergebens, Der sich in meinem Herzen regt. Und sterb ich einen schnellen Tod, Sey mir barmherzig, Herr, mein Gott! von Hippel, g. 1741 † 1796. Mel. Wenn wir in höchsten.( Ps. 39, 5. 6. Col. 1, 22. 23.) keiner nimmt den Irrthum wahr. 593. Wie sicher lebt der| zu vielen noch ein Jahr, Und Mensch, der Staub! Seinleben ist ein fallend Laub, Und dennoch schmeichelt er sich gern, Der Tag des Todes sey noch fern. 2. Der Jüngling hofft des Greises Ziel, Der Mann noch seiner Jahre viel, Der Greis 3. Sprich nicht:„ ich denk in Glück und Noth Im Herzen oft an meinen Tod;" Der, den der Tod nicht weiser macht, Hat nie mit Ernst an ihn gedacht. A. Vorbereitung auf den Tod. 473 4. Wir leben hier zur Ewig-| wirket sie; Du aber ringe stets keit, zu thun, was uns der Herr gebeut; Und unsers Lebens kleinster Theil Ist eine Frist zu unsrem Heil. nach ihr, Als wäre sie ein Werk von dir. 5. Der Tod rückt Seelen vor Gericht; Da bringt Gott alles an das Licht Und macht, was hier verborgen war, Den Nath der Herzen, offenbar.( Gbr. 9, 27.) 6.- Drum, da dein Tod dir täglich dräut, So sey doch wader und bereit; Prüf deinen Glauben als ein Chrift, Ob er durch Liebe thätig ist? 7. Ein Senfzer in der letzten Noth, Ein Wunsch: durch des Erlösers Tod Vor Gettes Thron gerecht zu seyn, Dieß macht dich nicht von Sünden rein. 8. Ein Herz, das Gottes Stimme hört, Ihr folgt und sich vom Bösen kehrt, Singläubig Herz, von Lieb erfüllt, Dieß ist es, was in Christo gilt. 9. Die Heiligung erfordert Müh; Du wirkst sie nicht, Gott ( Ebr. 12, 14.) 10. Der Zweck des Lebens, das du lebst, Dein höchstes Ziel, nach dem du strebst, Und was dir ewig Glück verschafft, Ist Tugend in des Glaubens Kraft; 11. 3hr alle seine Tage weihn, Heißt eingedenk des Todes seyn; Und wachsen in der Heiligung, Ist wahre Todserinnerung. 12. Wie oft vergess' ich diese Pflicht! Herr, geh nicht mit mir ins Gericht! Präg selbst des Todes Bild mir ein Und lehre du mich wachsam seyn; 13. Daß ich mein Herz mit jedem Tag Vor dir, o Gott, erforschen mag: Ob Liebe, Demuth, Fried und Treu, Die Frucht des Geistes, in mir sey? 14. Daß ich zu dir um Gnade fleh, Stets meiner Schwachheit widersteh Und sterbend, in des Glaubens Macht Mit Freuden ruf: es ist vollbracht! Gellert, g. 1715 † 1769. Mel. Wer weiß, wie nahe.( Pf. 5, 5. Hefef. 18. 23.) 594. Ich sterbe täglich, und| zum Sarg und Grab; Ein mein Leben Eilt immer zu dem Grabe hin; Wer kann mir einen Bürgen geben, Ob ich noch morgen lebend bin? Die Zeit geht hin, der Tod kommt her, Ach wer nur immer fertig wär! 2. Ein Mensch, der sich mit Sünden träget, Ist immer reif Apfel, der den Wurm schon heget, Fällt endlich unversehens ab; Ich weiß, es ist der alte Schluß: Daß ich zu Erde werden muß. 3. Es kann vor Abend anders werden, Als es am Morgen mit mir war; Den einen Fuß 474 XX. Die letzten Dinge. Kreuz fich hält. hab ich auf Erden, Den andern| niederfällt, Die Seel an Christi in der Todtenbahr; Ein einzger Schritt nur ist dahin, Wo ich der Würmer Speise bin. 4. Es schickt der Tod nicht immer Boten, Er kommt gar oft unangemeld't Und fordert uns ins Land der Todten; Wohl dem, der Herz und Haus bestellt! Denn ewig Weh und ewig Glück Hängt oft an einem Augenblick. 7. Vielleicht kann ich kein Wort mehr sagen, Wann Auge, Mund und Ohr sich schleußt, Drum bet ich bei gesunden Tagen: , Herr! dir befehl ich meinen Geist." Verschließen meine Lippen sich, So bitte Jesu Blut für mich! ( br. 12, 24.) 8. Kann ich die meinen nicht mehr segnen, So segne du sie mehr als ich; Wenn lauter Thränen um mich regnen, O Vater, so erbarme dich Und laffe der Verlaßnen Schrei'n Bei meinem Tod erhörlich seyn! 9. Dringt mir der legte Stoß zu Herzen, So schließ mir, Herr, den Himmel auf! Verkürze mir des Todes Schmerzen Und hole mich zu dir hinauf! So wird mein Abschied keine Pein, 3war traurig, dennoch selig seyn. Schmolf, g. 1672 † 1737. 5. Herr aller Herren! Tod und Leben Hast du allein in deiner Hand; Wie lange du mir Frist willt geben, Das ist und bleibt mir unbekannt; Hilf, daß ich jeden Glockenschlag Auf meinen Abschied denken mag. 6. Ein einzger Schlag kann alles enden, Und Fall und Tod beisammen seyn; Drum halt mich, Herr, mit Vaterhänden Und schließ in Jesu Tod mich ein, Daß, wenn der Leib daMel. Ich hab mein Sach Gott. 595. Wir sind nur Pilger| in der Zeit Und wallen nach der Ewigkeit. Der Leib ist ein beseelter Staub, Ein fallend Laub Und bald, ach bald des Todes Raub! 2. Und ech wie wechseln Lust und Leid In unsrer kurzen Pilgerzeit! Bald wird ein Unglück, bald ein Freund Von uns be( 1 Chron. 30, 15. Rom. 4, 8.) weint; Dann kommt der Tod, der letzte Feind. 3. Du, Gott, hast nicht den Tod gemacht: Ihn hat die Sünd auf uns gebracht; Daß er nun eine Wohlthat ist, Das dankt der Christ Dir, der du unser Vater bist. 4. Kommt unser Ziel, so schaue dann Erbarmend unsre Seelen B. Sterblieder. 475 an. Hilf uns in unsrer letzten| Ruh; In unsern Herzen wohne Noth, Herr, unser Gott! Ein du Und laß mit freudigem Versanfter Schlaf werd uns der traun Und ohne Graun Auf Tod. unser offnes Grab uns schaun. 8. Bist du nur uns nicht fürchterlich, O Vater, und erbarmest dich, Vergibst du, führst nur du uns nicht In dein Gericht: So schrecket selbst der Tod uns nicht! 5. Quält uns der Krankheit herber Schmerz, So tröste das beklemmte Herz; Verleih uns einen starken Muth, Der in dir ruht Auch bei der Schmerzen größter Wuth. 6.- Sey von uns Schwachen dann nicht fern, Zeig uns den Himmel, Geist des Herrn! Laß uns, wann wir zum Vater flehn, Getröstet sehn, Wie der uns liebt, zu dem wir gehn! 7. Verleih Gelassenheit und 9. So, so vollende Kampf und Lauf; So nimm zu deiner Ruh uns auf! Wann wir vor deinem Throne stehn, Wann wir dich sehn, Wie wollen wir dich dann erhöhn! B. Sterblieder. 596. Dieweil mein Stund vorhanden ist, Daß ich hinfahr mein Straßen, So bitt ich dich, Herr Jesu Christ, Du wollst mich nicht verlassen; Mein Leib und Seel, mein' Leut' und Land, Befehl ich dir in deine Hand; Du wirst es wohl bewahren. 2. Ergib mich dir nun ganz und gar, Wollst mein Gemahl behüten Vor allem Unfall und Gefahr Und vor des Feindes Wüthen; Ich bitt den lieben Vater mein: Woll meinerLandschaft Schirmer seyn In Noth und in Gefahren. Löwen, g. 1729+ 1771. ( Abschied eines christlichen Fürsten.) Mel. Wenn mein Stündlein.( 2 Tim. 4, 6. Apostelgesch. 7, 59.) 3. Mein'n Unterthanen arm und reich Will ich am letzten schenken Zum Fürsten einen Friedenreich, Mein dabei zu gedenken. Ach Gott! wie ists ein' große Freud, Wenn Unterthan und Oberkeit Mit Frieden sind beisammen. 4. Nach Gottes Willen fahr ich hin, Denn Christus ist mein Leben, Und Sterben ist jetzt mein Gewinn: Ein Bessers wird mir werden; Und für mein zeitlich Fürstenthum Die ewig Freud ich überkomm; Das woll Gott ewig! Amen. Herzog Ludwig von Württemberg, g 1554 † 1593. 476 XX. Die letzten Dinge. Eigene Mel.( Joh. 3, 17. 36.) 597. Mitten wir im Leben| liger Herre Gott! Heiliger, starker Gott! Heiliger, barmherziger Heiland! Du ewiger Gott! Laß uns nicht verzagen Vor der tiefen Hölle Gluth! Erbarm dich unser! 3. Mitten in der Höllen Angst Unsre Sünd uns treiben; Wo soll'n wir denn fliehen hin, Da wir mögen bleiben? Zu dir, Herr Christ, alleine! Vergossen ist dein theures Blut, Das gnug für die Sünde thut. Heiliger Herre Gott! Heiliger, Uns der Hölle Rachen; Wer starker Gott! Heiliger, barmwill uns aus solcher Noth Freiherziger Heiland! Du ewiger und ledig machen? Das thust Gott! Laß uns nicht entfallen du, Herr, alleine! Es jammert Von des rechten Glaubens dein' Barmherzigkeit Unsre Trost! Erbarm dich unser! Sünd und großes Leid. Hei- Vers 1 war schon vor Luther bekannt. 2. Mitten in dem Tod anficht V. 2, 3 ist von Luther. sind Mit dem Tod umfangen; Wen suchen wir, der Hilfe thu, Daß wir Gnad erlangen? Das bist du, Herr, alleine! Uns reuet unsre Missethat, Die dich, Herr, erzürnet hat. Heiliger Herre Gott! Heiliger, starker Gott! Heiliger, barmherziger Heiland! Du ewiger Gott! Laß uns nicht versinken In des bittern Todes Noth! Erbarm dich unser! Eigene Mel.( Sir. 41, 5. Joh. 17, 24.) in Todesnoth Ist des Herren Jesu Tod. 598. Alle Menschen müssen| sung funden, Und mein Trost sterben, Alles Fleisch ist gleich dem Heu; Was da lebet, muß verderben, Soll es anders werden neu. Dieser Leib, der muß verwesen, Wenn er anders soll genesen Der so großen Herrlichkeit, Die den Frommen ist bereit. 3. Christus ist für mich gestorben, Und sein Tod ist mein Gewinn; Er hat mir das Heil erworben; Drum fahr ich mit Freuden hin, Hin aus diesem Weltgetümmel In den schönen Gotteshimmel, Wo ich werde allezeit Schauen Gottes Herrlichkeit. ( Jes. 40, 6-8.) 2. Drum so will ich dieses Leben, Wann es meinem Gott beliebt, Auch ganz willig von mir geben, Bin darüber nicht betrübt; Denn in meines Jesu Wunden Hab ich schon Erlö4. Da wird seyn das Freudenleben, Wo viel tausend Seelen schon Sind mit Himmels B. Sterblieder. 477 glanz umgeben, Stehen da vor Ach wie helle glänzest du! Ach Gottes Thron; Wo die Seraphinen prangen Und das hohe Lied anfangen: Heilig, heilig, heilig heißt Gott, der Vater, Sohn und Geist;" wie lieblich Lobgetöne Hört man da in stolzer Ruh! O der großen Freud und Wonne: Jezogehet auf die Sonne, Jezzo gehet ander Tag, Der kein Ende nehmen mag. 5. Wo die Patriarchen wohnen, Die Propheten allzumal, Wo auf ihren Ehrenthronen Siget der zwölf Boten Zahl, Wo in so viel tausend Jahren Alle Frommen hingefahren; Wo dem Herrn, der uns verföhnt, Ewig Hallelujah tönt. 6. O Jerusalem, du schöne, 7. Ach, ich habe schon erblicket Diese große Herrlichkeit; Jezzo werd ich schön geschmücket Mit dem weißen Himmelskleid, Mit der goldnen Ehrenkronc Steh ich da vor Gottes Throne, Schaue solche Freude an, Die kein Ende nehmen kann. Albinus, g. 1624 † 1679. Mel. Balet will ich.( Joh. 3, 14. 15.) 599. Abschied will ich dir| Erschein mir in dem Bilde, geben, Du arge, falsche Welt; Dein eitel böses Leben Durchaus mir nicht gefällt! Jm Himmel ist gut wohnen, Hinauf steht mein' Begier; Da wird Gott ewig lohnen Dem, der ihm dient allhier. 3um Trost in meiner Noth, Wie du dich, Herr, so milde Geblutet haft zu todt. 4. Schließ meine Seel aus Gnaden In dich, o Jesu, ein Und laß sie, los vom Schaden, Bei dir auch ewig seyn. Der 2. Rath mir nach deinem Her- ist wohl hier gewesen, Wer zen, O Jesu, Gottes Sohn! fommt ins Himmelsschloß; Soll ich hier dulden Schmer- Ewig ist der genesen, Wer zen, Hilf, Herr Christ, mir bleibt in deinem Schoos. davon; Verkürz mir alles Leiden, Stärk meinen blöden Muth; Laß selig mich abscheiden, Schenk mir dein ewig Gut. 3. In meines Herzens Grunde Dein Nam und Kreuz allein Funkelt all Zeit und Stunde; Drauf kann ich fröhlich seyn. 5. Herr! meinen Namen schreibe Ins Buch des Lebens ein; Laß mich an deinem Leibe Ein Glied mit jenen seyn, Die hoch im Himmel grünen Und vor dir leben frei, So will ich ewig rühmen, Daß treu dein Herze sey! Herberger, g. 1562 † 1627. 478 XX. Die letzten Dinge. Eigene Mel.; oder: Mir schauert nicht.( Luc. 2, 29.) 600. Mit Fried und Freud ich fahr dahin In Gottes Wilfen; Getrost ist mir mein Herz und Sinn, Sanft und stille, Wie Gott mir verheißen hat; Der Tod ist mein Schlaf worden. 2. Das machet Christus, Gottes Sohn, Der treue Heiland, Den du mich, Herr, hast sehen lan Und machst bekannt, Daß er Leben sey und Heil In Noth und auch im Sterben. Luther, g. 1483 † 1546. Mel. Was mein Gott will.( Joh. 11, 25-27.) Gott! einst läsfest| der Würmer Spott, Ohn' Le601. du mich hin Aus diesem Leben fahren, Der ich durchaus nicht besser bin, Als meine Väter waren.* Du reißest mir den Faden ab, Zertrennst, was du gewoben; Ich muß hinunter in das Grab, Mein Leib ist bald zerstoben.*( 1 Kon. 19, 4.) 2. Sobald des Leibes schwacher Sinn nun von mir ist gewichen, So geh ich stracks gleich denen hin, Die längst zuvor verblichen Und nun ein Tausend Jahr und mehr Wohl tief geschlafen haben; Weg ist mein Thun, Weg Stand und Ehr, Weg alle meine Gaben. 3. Soll ich deßwegen, Herr, bei dir Nun ebenso vergehen? Wird kein Gedächtniß mehr von mir In deinem Herzen stehen? Soll denn mein Leib, benstrost verstäuben? Bist du nicht auch im Tod mein Gott, Wo soll mein Hoffen bleiben? 4. Das sey von dir, o Höchster, fern! Ich werde nicht verderben: Ich lebe dir nur, meinem Herrn, Und dir nur will ich sterben. Und weil wir, Vater, dich allein, Des Lebens Gott, erheben, Werd ich im Tode todt nicht seyn, Ich sterb, und werde leben. 5. Mit dieser Hoffnung leg ich mich und schlaf im kühlen Grunde! O Jesu Christ, nicht säume dich Mit einer sanften Stunde! Ob Tod und Höll und Satans List Sich wider mich verbinden: Wenn du mir nur nicht schrecklich bist, So werd ich überwinden. Nach Dach. Mel. Nun last uns den Leib.( Offenb. 2, 11.) 602. Des Todes Graun,| Licht, Bebt vor des Leibs Zerdes Grabes Nacht Flieht, Herr, vor deiner Wahrheit Macht; Mein Geist, erhellt von deinem störung nicht. 2. Es falle nur die Hütte hin, Mit der ich hier umgeben bin; B. Sterblieder. 479 Ich selber, lebend wie zuvor,| und Noth befreit, Nun reife zur Vollkommenheit. Schwing aus den Trümmern mich empor. 3. Ein innres mächtiges Gefühl Verkündigt mir mein höhres Ziel; Dieß Streben nach der Ewigkeit Erhebt mich über Erd und Zeit. 4. Es bat schon dieser Kindheitsstand Der höhern Hoff nung Unterpfand; Die Liebe, die mich hier beglückt, Die bleibt und segnet unverrückt. 6. Der Tod darf mir nicht schreckend seyn, Er führt zum wahren Leben ein. Durch Gottes Kraft besiegt mein Herz Der Krankheit Laft, der Trennung Schmerz. 5. Des freudigsten Vertrauens voll Erwart ich, was ich werden soll, Wenn ich, von Sündlich sey. 603. Herr! meine Leibeshütte Sinkt nach und nach zu Grab; Gewähre mir die Bitte Und brich sie stille ab. 2. Gib mir ein ruhig Ende; Der Augen matten Schein, Und die gefaltnen Hände Laß sanft entseelet seyn. 3. Laß meine letzten Züge Nicht zu gewaltsam gehn Und gib, daß ich so liege, Wie die Entschlafenen. 7. Wann hier von uns, die Gott vereint, Der lette auch hat ausgeweint, Dann wird ein frohes Wiedersehn Auf ewig unser Glück erhöhn. 8. Herr unsrer Tage! führe du Uns alle diesem Ziele zu, Daß uns bei standhaft frommer Tren Des Lebens End erfreuSpalding, g. 1714 † 1804. Mel. Christus, der ist.( 2 Petr. 1, 14.) 4. Doch es gescheh dein Wille! Ich scheide gleich dahin Im Kämpfen oder stille, Wenn ich nur selig bin! 5. Bleibst du mir in dem Herzen, Dein Name mir im Mund, So sind mir auch die Schmerzen Im Sterben noch gesund. 6. Dein Blut hat mich gereinigt; Trennt Leib und Seele sich, So werden sie vereinigt Zum Seligseyn durch dich. 7. Nach deiner Gnade Größe Nimm nur den Geist zur Hand, Es reiße oder löse Der Tod des Leibes Band. 8. Ich werde auferstehen, Da gehts zum Himmel ein; Ich werde Jesum sehen, und er mir gnädig seyn! Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. XX. Die letzten Ditige. Mel. Herzlich thut.( Ebr. 13, 14 Pf. 39, 13.) 604. Ich bin ein Gast auf für erhält, Auch alles hebt und leget, Nachdem's ihm wohlgefällt. 480 Erden Und hab hier keinen Stand; Der Himmel soll mir werden, Da ist mein Vaterland. Hier muß ich Arbeit haben, Hier reif' ich ab und zu, Dort wird mein Gott mich laben Mit seiner ewgen Ruh. 2. Was ist mein ganzes Wesen Von meiner Jugend an Als Müh und Noth gewesen? So lang ich denken kann, Hab ich so manchen Morgen, So manche liebe Nacht Mit Kummer und mit Sorgen Des Herzens zugebracht. 3. Ich habe mich ergeben In alles Glück und Leid; Was will ich besser leben In dieser Sterblichkeit? Es muß ja durchgedrungen, Es muß gelitten seyn! Wer nicht hat wohl gerungen, Geht nicht zur Freude ein. 4. So will ich zwar nun treiben Mein Leben durch die Welt, Doch denk ich nicht zu bleiben In diesem fremden Zelt. Ich wandre meine Straße, Die zu der Heimath führt, Da mich in vollem Maße Mein Bater trösten wird. 5. Die Heimath ist dort oben, Wo aller Engel Schaar Den großen Herrscher loben, Der alles ganz und gar In seinen Händen träget Und für und 6. Zu ihm steht mein Verlangen, Da wollt ich gerne hin! Die Welt bin ich durchgangen, Daß ichs fast müde bin: Je länger ich hier walle, Je wen'ger find ich Freud, Die meinem Geist gefalle; Das meist' ist Herzeleid! 7. Die Herberg ist zu böse, Der Trübsal ist zu viel; Ach fomm, mein Gott, und löse Mein Herz, wann dein Herz will! Komm, mach ein selig Ende An meiner Wanderschaft, Und was mich kränkt, das wende Durch deines Armes Kraft. 8. Wo ich gewohnt indessen, 3st nicht mein rechtes Haus; Wenn meine Zeit durchmessen, Alsdann tret ich hinaus; Und was ich hier gebrauchet, Das leg ich alles ab; Und wenn ich ausgehauchet, So gräbt man mir ein Grab. 9. Du aber, meine Freude, Du, meines Lebens Licht, Du ziehst mich, wann ich scheide, Hin vor dein Angesicht Ins Haus der en gen Wonne, Da ich stets freudenvoll, Gleich als die helle Sonne, Nächst andern leuchten soll. 10. Da will ich immer wohnen Und nicht nur als ein B. Sterblieder. 481 Gast, Bei denen, die mit Kro-| deinem großen Thun Und frei nen Du ausgeschmücket hast; von schnöden Dingen In meiDa will ich herrlich singen Von nem Erbtheil ruhn. Gerhard, g. 1606+ 1676. Eigene Mel.( 1 Joh. 2, 1. 2.) 605. Wenn mein Stünd-| gleich sterb, so sterb ich dir: lein vorhanden ist, zu fahren meine Straße, So leit du mich, Herr Jesu Christ, Mit Hilf mich nicht verlasse; Herr! meine Seel an meinem End Befehl ich dir in deine Händ', Du wirst sie wohl bewahren. Ein ewig Leben hast du mir Durch deinen Tod erworben. 4. Weil du vom Tod erstanden bist, Werd ich im Grab nicht bleiben; Mein höchster Trost dein' Auffahrt ist, Kann Todesfurcht vertreiben; Denn wo du bist, da komm ich hin, Daß ich stets bei dir leb und bin; Drum fahr ich hin mit Freuden. 2. Die Sünde wird mich kränken sehr Und das Gewissen nagen, Denn sie ist viel, wie Sand am Meer; Doch will ich nicht verzagen, Will denken in der letzten Noth, Herr Jesu Christ, an deinen Tod, Der wird mich wohl erhalten. 3. Ich bin ein Glied an deinem Leib, Deß tröst ich mich von Herzen; Von dir ich ungeschieden bleib In Todesnoth und Schmerzen. Wenn ich 5. So fahr ich hin zu Jesu Christ, Mein' Arme fich ausstrecken; So schlaf ich ein und ruhe fein, Kein Mensch kann mich aufwecken, Als Jesus Christus, Gottes Sohn, Der öffnet mir die Thüre schon, Führt mich zum ewgen Leben. Nikol. Hermann, † 1561. Eigene Mel.( Phil. 1, 21.) 606. Christus, der ist mein Leben, Und Sterben mein Gewinn; Ihm will ich mich ergeben, Mit Frieden fahr ich hin. 2. Mit Freud fahr ich von dannen Zu Christ, dem Bruder mein, Daß ich mög zu ihm kommen und ewig bei ihm seyn. 3. Nun hab ich überwunden Kreuz, Leiden, Angst und Noth: Evangelisches Gesangbuch. Durch seine heilgen Wunden Bin ich verfühut mit Gott. 4. Wenn meine Kräfte brechen, Mein Athem geht schwer aus, Und kann kein Wort mehr sprechen, Herr, nimm mein Seufzen auf! 5. Wenn mir Herz und Gedanken Vergehen als ein Licht, Das hin und her muß wanken, Wann ihm die Flamm gebricht; 31 XX. Die letzten Dinge. 482 6. Alsdann fein sanft und stille, Herr, laß mich schlafen ein, Wann mir dein Rath und Wille Mein Stündlein wird verleihn. 7. Laß an dir, gleich den Reben, Mich bleiben allezeit Und ewig bei dir leben Dort in der Himmelsfreud. Graf, g. 1603+ 1659. Mel. Zeuch mich.( Joh. 5, 24.) 607. Weiche, Todesschre-| Kräften Ring ich nach Unsterbcken, weiche, Freu des Grabes dich, mein Herz! Liegt sie da, die kalte Leiche, Weggeweint ist jeder Schmerz, Und der Thränen Quell versiegt, Wenn mein Staub beim Staube liegt. lichkeit. Weiche, Furcht des Grabes, weich! Engeln macht der Tod mich gleich. 6. Frei von jeglicher Beschwerde, Losgewunden von der Nacht, Flieg ich über Zeit und Erde Voll Gefühl: es ist vollbracht! Ueber Bitten und Verstehn Werd ich fühlen, werd ich sehn. 2. Tod, du heilest jede Wunde, Jeden Kummer endest du! Flieht der Athem mir vom Munde, Eil ich Himmelsfreuden zu. Deckt die Grabnacht mein Gebein, Werd ich Licht und Freiheit seyn. 7. Nie gehörte Preisgesänge Hört dann mein entzücktes Ohr, Und zur auserwählten Menge Tragen Engel mich empor. Selig bin ich einst, wie sie: Fliehe, Furcht des Todes, flieh! 3. Nimm für alle Erdenfreuden, Vater, Herzensdank von mir; Dank für alle meine Leiden Bringt die frohe Seele dir. Doch, entführst du beiden mich, Preis' ich herzlicher noch dich. 4. Hier nicht, dort nur, dort nur quillen Seligkeiten ohne Zahl. Eins mit deinem Vaterwillen Ernt ich Freuden, frei von Qual. Mich, von Erd und Sünde los, Nimmt die Ruh in ihren Schoos. 8. Bald, o bald ists überstanden; Ruhig harr ich, Herr, auf dich! Viele Tausend überwanden, Neberwinden werd auch ich. Lauter noch als die Natur, Ruft mir Jesus: glaube nur! 9. Soll ich zagen? soll ich beben? Du, mein Heiland, rüdest mich Durch des Todes Nacht ins Leben; Ich soll za= gen, beben ich, Da mich der, der ewig lebt, Reich erhebt? 5. Welche Freude soll mich heften An die Erde, an die Zeit? Nein, mit allen meinen zu sich in sein B. Sterblieder. 483 10. Fliehe denn von meiner bes hin! Herr, du starbst, du Lippe, Lebensathem, immer- lebest mir; Freudig, freudig hin! Sink entfeelet, mein Ge- sterb ich dir. rippe, In die Nacht des Granuo Mel. Wer weiß, wie nahe.( Rom. 14, 8.) 608. Auf meinen Jesum| 5. Auf meinen Jesum will ich will ich sterben, Der neues Leben mir gebracht und mich zu Gottes Kind und Erben Durch sein unschuldig Blut gemacht. Mein Jesus ist mein Trost allein, Auf Jesum schlaf ich selig ein. sterben; Durch ihn wird Sterben mein Gewinn; Den ganzen Himmel soll ich erben, Nimm, Herr, nimm meine Seele hin! Mein Jesus ist mein Trost allein, Auf Jesum schlaf ich selig ein. 2. Auf meinen Jesum will ich sterben: In seinen Wunden stirbt sichs gut; Er läßt mich nimmermehr verderben: Ich bin erkauft mit seinem Blut. Mein Jesus ist mein Trost allein, Auf Jesum schlaf ich selig ein. 3. Auf meinen Jesum will ich sterben; Brich immerhin, mein Herze, brich! Ich fürchte mich nicht vor dem Sterben, Mit seinem Blute stärkt er mich. Mein Jesus ist mein Trost allein, Auf Jesum schlaf ich selig ein. 192 4. Auf meinen Jesum will ich sterben; Er kommt, wann alles mich verläßt. Er starb, das Leben zu erwerben, An ihn hält sich mein Glaube fest. Mein Jesus ist mein Trost allein, Auf Jesum schlaf ich felig ein. Lavater, g. 1741 † 1801. 6. Auf meinen Jesum will ich sterben; Wenn mir das Aug im Sterben bricht, Und meine Lippen sich entfärben, So bleibt er meines Lebens Licht. Mein Jesus ist mein Troft allein, Auf Jesum schlaf ich selig ein. 7. Auf meinen Jesum will ich sterben; Mit Leib und Seele bin ich dein: Herr Jesu, laß mich nicht verderben, Ach laß mich ewig selig seyn! Mein Jesus ist mein Trost allein, Auf Jesum schlaf ich selig ein. 8. Auf dich, Herr Jesu, will ich sterben; Ach hilf mir aus der letzten Noth Und lasse mich den Himmel erben, Verfüße mir den bittern Tod! Du bist mein höchster Trost allein, Auf dich nur schlaf ich selig ein. Gal. Franc, g. 1669 t 1725 484 XX. Die letzten Dinge. Mel. Nun laßt uns Gott, den Herren( 1 Theff. 4, 14.) 609. Der Hirt, am Kreuz gestorben, Hat Fried und Heil erworben; Nun heißt bei seinen Schafen Das Sterben: ein Entschlafen. 2. Sie gehn nicht als Verbrecher Zur Strafe vor den Rächer; Sie gehn nur hin und liegen, Wie Streiter nach dem Kriegen. Batomi 5. Auf göttliches Erbarmen, In des Erlösers Armen, Erwählt zu Gottes Erben, Läst sichs gar sanft hinsterben. 6. O Jesu! deine Gnade Macht, daß keinSterben schade; Laß auf dein Todesleiden Mich einst im Frieden scheiden. Wer 7. Laß mir auf dein Versprechen Mein Herz im Glauben brechen; Bewahre mein Gebeine, Bis ich vor dir erscheine. 8. Dann laß mich froh erwanischen, Mach meinen Mund voll Lachen Und gib mir, daß ich glänze Wie Liljen in dem Lenze. ( 10 900 Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. 3. Ohn'Angst vor ewgem Jammer Gehn fie in ihre Kammer, Zur Ruh sich zu begeben Auf frohes Wiederleben. 4. Sie legen ihre Glieder In Ruhebettlein nieder Und fallen ohne Kummer, Wie Kindlein, in den Schlummer. Eigene Mel.( Joh. 12, 26.) 610. Herr Jesu Christ, mein| Todespein; Dein Durst und Lebenslicht, Mein höchster Trost und Zuversicht! Auf Erden bin ich nur ein Gast, Und drückt mich sehr der Sünden Last.ee ind bittrer Trank mich lab, Weil ich sonst keine Stärkung hab. 5. Wann mein Mund nicht mehr reden kann, Dein Geist im Herzen rufe dann; Hilf, daß die Seel denHimmel find, Wenn meine Augen werden blind. 2. Der letzte Gang liegt schwer vor mir Ins himmlisch' Paradies zu dir! Da ist mein rechtes Vaterland, Daran ou hast dein Blut gewandt.d tule 6. Dein letztes Wort laß seyn mein Licht, Wann mir das Herz im Tode bricht; Dein Krenz, das sey mein Wanderstab, Mein Ruh und Rast dein heilig Grab. 3. Zur Reise ist mein Herze matt, Der Leib gar wenig Kräfte hat; Allein die Seele ruft in mir: Herr! Hol mich heim, nimm mich zu dir. 7. Auf deinen Abschied, Herr, ich trau, Darauf ich meine Heimfahrt bau: Thu mir die Thür des Himmels auf, Wann ich beschließe meinen Lauf. 4. Drum stärk mich durch das Leiden dein In meiner legten B. Sterblieder. 485 8. Am jüngsten Tag erweck] 9. Wie werd ich dann so fröhden Leib, Hilf, daß ich dir zur Rechten bleib, Daß mich nicht treffe dein Gericht, Das aller Welt ihr Urtheil spricht. lich seyn, Werd singen mit den Engeln dein Und mit der auserwählten Schaar Auf ewig schaun dein Antlig klar. Nach Behemb, g. 1557 † 1622. Mel. Wer weiß, wie nahe mir.( Joh. 3, 17. 18.) 611. Ich faffe, Bater, deine| Weg zum Leben, Das du am Hände Und halte sie im Glau- Kreuze mir erwarbst. Wie du ben fest; Verwirf den nicht in ihn sahst, will ich ihn sehn, Wie seinem Ende, Der ewig sich auf du, so werd ich auferstehn. dich verläßt. Du bist mein Gott 5. Laß Qual und Jammer mich von Jugend auf, Beschleuß auch umringen und mir die letten meinen Lebenslauf. Schrecken dräun: Du hilfft mir, Herr, die Welt bezwingen, Mit dir darf ich den Tod nicht scheun. So nah dem Lohn, den Gott verspricht, So nah dem Ziele fink ich nicht. 6. Du wachest über meine Seele, Wenn ihre Stärke sich verliert, Gibst deinem Engel schon Befehle, Der sie zu deinenFreuden führt, Des Todes Nacht um mich verscheucht Und mir des Lebens Krone reicht. 7. Ich will dich noch im Tod erheben, Noch an dem Grabe preis' ich dich; Dennewig werd ich vor dir leben: Wie segnet dann dein Antlig mich!- O Tod, o Sterben, mein Gewinn! Wohl mir, daß ich erlöset bin! Eschenburg, g. 1743 † 1820. 2. Du hast mich je und je geliebet, Versorgt, gestärkt, beschützt, regiert, Mich oft erquickt, durch Krenz geübet, Oft wunderbar, stets wohl geführt. Nimm, da mir niemand helfen kann, Dich meiner auch imSterben an. 10 tim kamylle 3. Gott! welche feierliche Stunden, Wenn du mich nun der Erd entziehst Und, wenn du mich getreu befunden, Erbarmend auf mich niederfiehst! Wer an den Sohn glaubt, kommt ja nicht, Allmächtiger, in dein Gericht. 4. Wie sollt ich vor dem Tode beben, Dadu, Erlöser, für mich starbst? Er ist durch dich der Mel. Christus, der ist.( Luc. 2, 29.) 612. Wie Simeon verschie-| Ich führe gern im Frieden Aus den, Das liegt mir oft im Sinn: diesem Leben hin. 486 XX. Die letzten Dinge. 2. Ach laß mir meine Bitte, den; Es rühmt: mein Freund Mein treuer Gott, geschehn: Laß mich aus dieser Hütte In deine Wohnung gehn. 5. Ich hab ihn nicht in Armen, Wie jener Fromme, da; Doch ist er voll Erbarmen Auch meinem Herzen nah. 6. Mein Herz hat ihn gefunist mein! Auch in den letzten Stunden Ist meine Seele sein. 3. Dein Wort ist uns geschehen, An diesem nehm ich Theil: Wer Jesum werde sehen, Der| nie der Tod mehr droht. sehe Gottes Heil. 4. Ich seh ihn nicht mit Augen, Doch an der Augen Statt Kann mir mein Glaube taugen, Der ihn zum Heiland hat. 7. Ich kenn ihn als mein Leben, Er wird mir nach dem Tod Bei sich ein Leben geben, Dem 2. Muß man hier doch wie im Kerker leben, Da nur Sorge, Furcht und Schrecken schweben; Was wir hie kennen, Ist nur Müh und Herzeleid zu nennen. 3. Ihr hingegen ruht in eurer 8. Mein Glaube darf ihn fassen, Sein Geist gibt Kraft dazu; Er wird auch mich nicht lassen, Er führt mich ein zur Ruh. 9. Wenn Aug und Arm erkalten, Hängt sich mein Herz an ihn; Wer Jesum nur kann halten, Der fährt im Frieden hin. Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Mel. Die Tugend wird. ( Apostelg. 7, 58.) 613. Laß mir, wenn meine| bein. Gib Ruhe mir in deinen Augen brechen, Herr, deinen Armen, Darin ich Gnad und Frieden fühlbar seyn! Komm, Frieden fand, Und trag mich deinen Trost mir zuzusprechen vollends mit Erbarmen Sanft Und segne du mein matt Ge- zu dir heim ins Vaterland! Christian Renatus, Graf von 3inzendorf, g. 1727 † 1752. Eigene Mel.( Offenb. 14, 13.) 614. Dwie felig seyd ihr| Kammer Sicher und befreit doch, ihr Frommen, Die ihr von allem Jammer; Kein durch den Tod zu Gott gekom- Kreuz und Leiden Ist euch men! Ihr seyd entgangen Al- hinderlich in euren Freuden. ler Noth, die uns noch hält umfangen. 4. Christus wischet ab euch alle Thränen; Ihr habt schon, wonach wir uns erst sehnen. Euch wird gesungen, Was durch Reines Ohr allhie gedrungen. 5. Ach wer wollte denn nicht gerne sterben Und den Himmel C. Begräbnißlieder. 487 für die Welt ererben? Wer| auf und führ uns bald von wollt hie bleiben, Sich den dannen! Bei dir, o Sonne, Ist Jammer länger lassen treiben? der frommen Seelen Freud und 6. Komm, o Herr, uns aus Wonne! dem Joch zu spannen, Lös' uns Mel. Jesus, meine Zuversicht.( 1 Cor. 15, 55. 57.) 615. Von dem Grab stund Jesus auf; Friede ruht auf meinem Grabe! Auch mein Morgen eilt herauf, Wenn ich ausgeschlummert habe. Mich erschreckt der Tod nicht mehr: Heil mir, Jesu Grab ist leer! 2. Froh besieg ich nun das Graun, Das die Todtenhügel decket; Meinen Heiland werd ich schaun, Den der Vater auf erwecket, Der durch seines Grabes Nacht mir mein Grab hat froh gemacht. 3. Keine Zukunft macht mir bang: Ewig, ewig werd ich leben, Will dereinst mit Lobgesang Meinen Leib der Erde geben, Weil den gottverbundnen Geist Nichts aus seinen Händen reißt. Dach, g. 1605 † 1659. 616. Geht nun hin und grabt mein Grab, Denn ich bin des Wanderns müde! Von der Erde scheid ich ab, Denn mir ruft des Himmels Friede, Denn mir ruft die süße Ruh Von den Engeln droben zu. 4. Preis ihm! Jesus hat die Macht Euch, o Tod und Grab, genommen, Hat das Leben neu gebracht, Und bei seinem Wiederkommen Werden unsre Gräber leer:- Mich erschreckt der Tod nicht mehr! 5. Wohlthat wird das Sterben mir: Gottes Liebe denkt der seinen; Ewig sollen wir nicht hier Kämpfen, dulden, flagen, weinen; Unser Abend eilt herzu Und bringt frommen Streitern Ruh. 6. Schwinge dich, mein Geist, empor; Rein und heilig sey dein Streben! Jesus gieng den Weg mir vor, Jesus lebt, und ich soll leben! Heiland, bist du nur mit mir, O so leb und sterb ich dir! Lavater, g. 1741 † 1801. C. Begräbnißlieder. Mel. Jesus, meine Zuversicht.( Joh. 8, 51. 14, 2. 3.) 2. Geht nun hin und grabt mein Grab! Meinen Lauf hab ich vollendet, Lege nun den Wanderstab Hin, wo alles Irdscheendet; Lege selbst mich nun hinein In das Bette ohne Pein. 3. Was soll ich hienieden noch 488 XX. Die letzten Dinge. In dem dunklen Thale machen?| eitlen Schein, Droben nur Denn wie mächtig, stolz und kanns ewig seyn! hoch Wir auch stellen unsre Sachen, Muß es doch wie Sand zergehn, Wenn die Winde drüber wehn. 7. Weinet nicht, daß nun ich will Von der Welt den Abschied nehmen; Daß ich aus dem Irrthum will, Aus den Schatten, aus den Schemen,* Aus dem Gitlen, aus dem Nichts, Hin ins Land des ewgen Lichts! * Wesenlose Bilder, Pf. 39, 7. 8. Weinet nicht! mein süßes Heil, Meinen Heiland hab ich funden Und ich habe auch mein Theil Anden warmenHerzens-= wunden, Woraus einst sein heilig Blut Floß der ganzen Welt zu gut. 9. Weint nicht! mein Erlöser lebt; Hoch vom finstern Erden1 staube Hell empor die Hoffnung schwebt, und der Himmelsheld, der Glaube, Und die ewge Liebe spricht: Kind des Vaters, zittre nicht! Ernst Moriz Arndt, g. 1769. 4. Darum, Erde, fahre wohl, Laß mich nun im Frieden scheiden! Deine Hoffnung, ach, ist hohl, Deine Freuden selber Leiden, Deine Schönheit Unbestand, Eitel Wahn und Trug und Tand. 5. Darum letzte gute Nacht, Soun und Mond und liebe Sterne! Fahret wohl mit eurer Pracht, Denn ich reif' in weite Ferne, Reise hin zu jenem Glanz, Worin ihr verschwindet ganz. 6. Die ihr nun in Trauer geht, Fahret wohl, ihr lieben Freunde! Was von oben niederweht, Tröstet ja des Herrn Gemeinde; Weint nicht ob dem 051 Eigene Mel. 1. ( 1 Chron. 30, 15.) 617. Wohlauf, wohlanzum letzten Gang! Kurz ist der Weg, die Ruh ist lang; Gott führet ein, Gott führet aus: Wohlan, hinaus! Zum Bleiben war nicht dieses Haus. 2. Du Herberg in der Wanderzeit, Du gabest Freuden, gabst auch Leid. Jetzt schließe, Welt, das Haus bist du, Die Thüre zu! Dein Gast geht in die ewge Nuh; 3. Geht in ein beßres Schlafgemach; Die Freunde folgen segnend nach. Hab gute Nacht! der Tag war schwül Im Erdgewühl; Hab gute Nacht, die Nacht ist kühl. 4. Ihr Glocken, tönet festlich drein Und läutet hell den Sabbath ein, Der nach des Werktags kurzer Frist Durch Jesum C. Begräbnißlieder. 489 Chrift Für Gottes Volk vor- zu schön kein Wangenroth! Im handen ist! Finstern droht Der Tod, und überall der Tod. 82. (@br. 4, 1. 2. 9 und 11. Luc. 12, 34: c.) 11. Ach banges Herz im 5. O felig, wer das Heil er- Leichenthal, Wo ist dein Licht, wirbt, Daß er im Herrn, in dein Lebensstrahl?- Du bist Christo, stirbt! O selig, wer es, Jesu, der mit Macht Aus vom Laufe matt, Die Gottes- Gräbernacht Das Leben hat stadt, Die droben ist, gefun- ans Licht gebracht! den hat! 6. Was suchst du, Mensch, bis in den Tod? Du suchst so viel, und eins ist noth! Die Welt beut ihre Güter feil,- Denk an dein Heil Und wähl in Gott das beste Theil! 7. Was sorgst du bis zum letzten Tritt? Nichts brachtest du, nichts nimmst du mit. Die Welt vergeht mit Lust und Schmerz; Schau himmelwärts! Da, wo der Schatz ist, sey dein Herz! 8. Mit Gott bestell dein Haus bei Zeit, Eh dich der Tod an Todte reiht; Sie rufen: ge= stern wars an mir, Hent ists an dir!" Hier ist kein Stand, kein Bleiben hier.( Gir. 38, 23.) 9. Vom Freudenmahl zum Wanderstab, Aus Wieg und Bett in Sarg und Grab! Wann, wie und wo, ist Gott bewußt; Schlag an die Brust! Du mußt von dannen, Mensch, du mußt! 10. Da ist kein Sig zu reich, zu arm, Kein Haupt zu hoch, kein Herz zu warm, Da blüht 12. Dein Trostwort klingt so hoch und hehr:„ Wer an mich glaubt, stirbt nimmermehr!" Dein Kreuz, dein Grab, dein Auferstehn, Dein Himmelgehn Läßt uns den Himmel offen sehn. 13. Wohl dem, der sich mit ihm vertraut, Schon hier die ewgen Hütten baut! Er sieht das Kleinod in der Fern Und kämpfet gern Und harrt der Zukunft seines Herrn. 3. ( Joh. 12, 26. Offenb. 22, 12-15.) 14. Nun, Thor des Friedens, öffne dich! Hinein! hier schließt die Wallfahrt sich. Ihr Schlummernden im Friedensreich, Gönnt allzugleich Auch ihm( ihr) ein Näumlein neben euch! 15. Viel Gräber find an diesem Ort, Viel Wohnungen im Himmel dort; Bereitet ist die Stätte schon Am Gnadenthron, Bereitet ihm( ihr) durch Gottes Sohn. 490 XX. Die letzten Dinge. 16. Sein ist das Reich mit komm, Herr Jesu, führ uns Allgewalt; Er zeugt und ein! Wir harren dein: Amen, spricht: ich komme bald! Ja dein laß uns ewig seyn! Dr. Chr. Friedr. Heinr. Sachse. Mel. Der lieben Gonne Licht.( Pf. 116, 15. 1 Cor. 15, 57.) 618. Die Christen gehn von Ort zu Ort Durch mannichfaltgen Jammer Und kommen in den Friedensport Und ruhu in ihrer Kammer. Gott nimmt sie nach dem Lauf Mit seinen Armen auf; Das Waizenkorn wird in sein Beet Auf Hoffnung schöner Frucht gesät. 2. Wie seyd ihr doch so wohl gereist! Gelobt sey'n eure Schritte, Du friedevoll befreiter Geist, Du jetzt verlaßne Hütte! Du, Seele, bist beim fest du Nach manchem schweren Stand Und liegst nun da in süßer Ruh In deines Heilands Hand! Herrn, Dir glänzt der Morgenstern; Euch, Glieder, deckt mit sanfter Ruh Der Liebe stiller Schatten zu. Mel. Nun sich der Tag.( Weish. 3, 1. Jef. 57, 2.) 619. Ei wie so selig schlä-| 4. Verbirg dein liebes Angesicht Im fühlen Erdenschoos! Wer hier gelebt in Christi Licht, Der erbt ein selig Loos. 5. Wir hoffen, daß dein Seelenfreund, Der ewig treue Hirt, Ders hier mit dir so wohl gemeint, Dich schön empfangen wird. 2. Sein Leiden hat dich frei gemacht Von aller Angst und Pein; Sein letztes Wort: es ist vollbracht!" Das singt dich lieblich ein. 3. Wir freun uns in Gelassenheit Der großen Offenbarung; Indeffen bleibt das Pilgerkleid In heiliger Verwahrung. Wie ist das Glück so groß! In Jesu Arm und Schoos! Die Liebe führ uns gleiche Bahn, So tief hinab, so hoch hinan! Nikolaus Ludwig, Graf von Zinzendorf, g. 1700 † 1760. 6. Er führe, was ihm lieb und 3. Du lässt dich zur Verwan- werth Und was sich zu ihm delung In dieß Gefilde fä'n, hält, Als seine auserwählte Mit Hoffnung und Versiche- Heerd Auch vollends durch die rung: Viel schöner aufzustehn. Welt! Gottfried Neumann. C. Begräbnißlieder. Mel. Auf, Christenmensch.( 2 Cor. 5, 4. 1 Cor. 15, 49.) Wiederkehr: O daß ich schon unsterblich wär! 620. Mich Staub vom| lichte, Dort ist der Freuden Staube führt mein Lauf Zum dunklen Grabe nieder; Doch die Verklärung hebt mich auf Mitglänzendem Gefieder. Wie ist der Leib der Sünde schwer! Odaß ich schon unsterblich wär! 2. Hier zähl ich meiner Stunden Zahl Und meiner Tage Sorgen; Dort öffnet sich mir ohne Qual Ein wandelloser| Morgen; Die Ewigkeit ist still und hehr: O daß ich schon unsterblich wär! 3. Hier blühen Blumen und vergehn, Hier modern edle Früchte; Dort wird Verwestes auferstehn Im heilgen Lebens491 4. Hier rinnt ein Quell, sein Wasser stirbt Vom Frost und von der Hize; Dort fließt ein Strom, der nie verdirbt, Von unsers Gottes Site; Dort ist der Wonne grundlos Meer: daß ich schon unsterblich wär! 5. Hier bildest du den schwachen Thon Zu dem verborgnen Leben; Dort wirst du Herrlichkeit und Lohn Ihm, treuer Heiland, geben. O daß ich in der Engel Heer Schon jetzt wie du unsterblich wär! Johann Fried. von Meyer, g. 1772. Mel. Christus, der ist.( 1 Cor. 15, 19. 20.) 621. Ich weiß, an wen ich| Daß ich ihn ewig schaue, Ihn glaube, Und daß mein Heiland lebt, Der aus dem Todesstaube Den Geist zu sich erhebt. selbst von Angesicht. 4. Er trocknet alle Thränen So tröstend und so mild, Und mein unendlich Sehnen Wird nur durch ihn gestillt. 5. Ich weiß, beim Auferstehen, Wann ich verkläret bin. Werd ich mit Jesu gehen DurchEwig2. Ich weiß, an wem ich hange, Wenn alles wankt und weicht, Der, wenn dem Herzen bange, Die Rettershand mir reicht. 3. Ich weiß, wem ich vertraue, Und wenn mein Auge bricht, keiten hin. Dr. August Hermann Niemeyer, g. 1754 t 1828. 2. 5 neuer Zusag. gottlob, es ist vollbracht! Mein Heiland nimmt mich auf. Fahr hin, o Welt! ihr Freunde, gute Nacht! Ich ende meinen Lauf Mel. Es ist genug.( Rom. 5, 1. 2.) 622. Es ist vollbracht!| Bei Jesu Kreuz mit tausend Freuden Und sehne mich, von hier zu scheiden. Es ist vollbracht! 2. Es ist vollbracht! mein Je= 492 XX. Die letzten Dinge. sus hat auf sich Genommen| Zier; Hier hör ich mit der Selmeine Schuld; Gebüßt hat er gen Singen Den süßen Ton am Kreuzesstamm für mich, Oder Engel Flingen. Es ist vollunermeßne Huld! Und ich hab bracht! in des Heilands Wunden Die rechte Freistatt nun gefunden. Es ist vollbracht! 3. Es ist vollbracht! weg Krankheit, Schmerz und Pein, Weg Sorg und Ueberdruß; Sein Golgatha soll mir ein Thabor* seyn, Mein matter, müder Fuß Wird hier auf diesen Friedenshöhen Frei von der Erde Banden gehen. Es ist vollbracht!(* Math. 17, 1-5.) 4. Es ist vollbracht! hier bin ich frei von Noth, Wie wohl, wie wohl ist mir! Hier speiset mich der Herr mit Himmelsbrod Und zeigt mir Salems 5. Es ist vollbracht! der Leib mag immerhin Raub der Verwesung seyn: Ich weiß ja, daß ich Staub und Asche bin; Doch Jesus ist ja mein, Der wird mich sanft imGrabe decken Und einst in Klarheit auferwecken. Es ist vollbracht! 623. Wenn der Stifter der| Geschlechter Unsre Lieben zu sich ruft; Wenn die Söhne, wenn die Töchter Sinken in die frühe Gruft: Ach dann fühlen unsre Herzen Unaussprechlich tiefe Schmerzen! 2. Wenn der Säugling, kaum geboren, Wieder schnell im Tod verblüht, und die Mutter nun verloren Ihre ganze Hoffnung sieht; Ach dann will ihr Herz verzagen, So viel schwere Pein zu tragen! 3. Wenn der Tod im edlen Sohne Seine Lust dem Vater 6. Es ist vollbracht! gottlob, es ist vollbracht! Mein Heiland nimmt mich auf. Fahr hin, o Welt! ihr Lieben, gute Nacht! Ich ende meinen Lauf Und alle Noth, die mich getroffen; Wohl mir, ich seh den Himmel offen! Es ist vollbracht! Gryphius, g. 1616 T 1664. Mel. Ruhet wohl.( Joh. 5, 28. 29.) raubt; Wenn des Hauses Stütz und Krone Sinket mit des Va= ters Haupt, Mütter von den Kindern scheiden: Herr, was gleichet diesen Leiden? 4. Ach es müßte unterliegen, Dieses arme, schwache Herz, Hülfest du nicht, Herr, uns fiegen Ueber Tod und Trennungsschmerz! Deine Rechte schlug uns nieder, Deine Rechte hebt uns wieder! 5. Ist des Trostes reiche Quelle Nicht dein Wort am finstern Grab? Strahlt, daß es die Nacht erhelle, Nicht dein Licht zu uns C. Begräbnißlieder. 493 herab? Werden, die in dir ge-| geschickt, Daß une frühe find storben, Dort nicht wieder neu erworben? od entrissen, Deren Lieb uns hoch beglückt? Wird nicht, was wir jetzt beweinen, Dort als Segen uns erscheinen? 8. Ja wer trüge nicht auf Erden Gerne den Verlust, o Gott, Da wir bald uns jenseits werden Wiedersehn auf dein Gebot? Da du wirst im bessern Leben Die Verlornen wieder geben. G. F. Stäublin, † 1795. 6. Im Genuß der reinsten Freuden Wandeln sie vor deinem Thron; Und wir sollten fie beneiden Um den früh errungnen Lohn? Ihre Seligkeit mit Zähren und mit bittern Klagen stören? 7. Nein! und kann der Mensch es wissen, Ob's nicht weise Huld Mel. Nun ruhen alle.( Weish. 4, 7-14.) 624. Wenn kleine Himmelserben In ihrer Unschuld sterben, So büßt man sie nicht ein; Sie werden nur dort oben Vom Vater aufgehoben, Damit sie unverloren sey'n. 5. Zwar wer in seiner Jugend Den Weg zur wahren Tugend Durch Jesum Christum find't, Und sich den ersten Glauben Hat niemals laffen rauben, Der lebt und stirbt auch wie ein Kind. 2. Sie sind ja in der Taufe Zu ihrem Christenlaufe Für Jesum eingeweiht Und noch bei Gutt in Gnaden: Was sollt es ihnen schaden, Daß sie die Krone schon erfreut? 6. Allein wo sind die Reinen, Die jetzt noch so erscheinen, Wie sie das Wasserbad Vor Gottes Augen stellte, Und die die Welt nicht fällte Und schon in ihrem Neze hat? 3. Der Unschuld Glück verscherzen, Stets kämpfen mit den Schmerzen, Mit so viel Seelennoth, Im Angstgefühl der Sünden Das schwer empfinden: 7. Sich Jesu ganz verschreiUnd in der Welt zwar ben bleiben, Doch von der Welt Sterben nicht seyn, Erfordert höhre Davor Kräfte Als menschliche Gebewahrt ein früher Tod.schäfte: Das muß allein uns 4. Ist einer alt an Jahren, Gott verleihn. So hat er viel erfahren, Das ihn noch heute kränkt, Und unter so viel Stunden Oft wenige gefunden, Daran er mit Vergnügen denkt. 8. Wie leicht geht nicht bei Kindern Von uns erwachsnen Sündern Das fremde Feuer an! Sind sie der Welt entrifsen, Dann können wir erst wis 494 XX. Die legten Dinge. sen. Daß sie die Welt nicht fäl-| Zeuch hin, du liebes Kind! Du len kann. gehest ja nur schlafen Und blei best bei den Schafen, Die ewig unsers Jesu find. Johann Andreas Rothe, g. 1688 † 1758. 9. O wohl auch diesem Kinde! Es stirbt nicht zu geschwinde; Mel. Es ist genug, so nimm.( Baruch 4, 23.) 625. Zeuch hin, mein Kind!| in Aengsten schweben, Dort kannst du ewig fröhlich leben; Zeuch hin, mein Kind! Gott selber fordert dich Aus dieser argen Welt, Ich leide zwar, dein Tod betrübet mich; Doch weil es Gott gefällt, So unterlaff ich alles Klagen Und will mit stillem Geiste sagen: Zeuch hin, mein Kind! 2. Zeuch hin, mein Kind! der Schöpfer hat dich mir Nur in der Welt geliehn. Die Zeit ist aus, darum befiehlt er dir Nun wieder fortzuziehn. Zeuch hin! Gott hat es so versehen, Was dieser will, das muß geschehen; Zeuch hin, mein Kind! 3. 3euch hin, mein Kind! im Himmel findest du, Was dir die Welt versagt; Denn nur bei Gott ist wahre Freud und Ruh, Kein Schmerz, der Seelen plagt. Hier müssen wir| 4. Zench hin, mein Kind! wir folgen alle nach, So bald es Gott gefällt. Du eiltest fort, eh dir das Ungemach Verbittert' diese Welt. Wer lange lebt, steht lang im Leide, Wer frühe stirbt, kommt bald zur Freude; Zeuch hin, mein Kind! rural 5. Zeuch hin, mein Kind! die Engel warten schon Auf deinen zarten Geist. Nun siehest du, wie Gottes lieber Sohn Dir selbst die Krone weist. Nun wohl, die Seele ist entbunden, Du hast durch Jesum überwunden; Zeuch hin, mein Kind! Gottfried Hoffmann, g. 1658 t 1712. ( t Theffal. 4, 13.) raube, Soll herrlich auferstehn. du 3 idi 3. So ists uns um die Herzen, Die Gnade macht uns so: Uns ist noch wohl in Schmerzen, Im Trauern sind wir froh. 4. Was tröstet uns? das HofMel. Christus, der ist. 626. Die Liebe darf wohl weinen, Wenn sie ihr Fleisch begräbt; Rein Christ muß fühllos scheinen, So lang er hie noch lebt. 2. Doch läsfet gleich der Glaube Sein Aug gen Himmel gehn: Was uns der Tod hier C. Begräbnißlieder. fen; Wie gut ists, Christi seyn!| säen, Das wird in Herrlichkeit Man sieht den Himmel offen, Auf dein Wort auferstehen; Und nicht das Grab allein. Das ists, was uns erfreut. 5. Herr Jesu, unser Leben! In Thränen dankt man dir, Daß du uns Trost gegeben, Denn davon leben wir. 7. Herr! bild aus unsrem Staube Den neuen Leib, der dort, Nicht mehr dem Tod zum Naube, Dich schauet immerfort. 6. Was wir in Schwachheit Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. 495 Mel. Ermuntre dich, mein.( Marc. 10, 14.) 627. Du bist zwar mein die Jungen Und Alten find entsprungen. und bleibest mein; Wer will mirs anders sagen? Doch bist du nicht nur mein allein: Der Herr von ewgen Tagen, Der hat das meiste Recht an dir, Der fordert und erhebt von mir Dich, o mein Sohn, mein Wille, Mein Herz und Wunsches Fülle! 4. Ich sehne mich nach meinem Sohn, Und der mir ihn gegeben, Will, daß er nah an seinem Thron Im Himmel folle leben. Ich sprach:„ ach weh! mein Licht verschwind't!" Gott spricht: willkomm, du liebes Kind, Dich will ich bei mir haben und ewig reichlich laben." 2. Ach! gält es Wünschen, wollt ich dich, Du Kleinod meiner Seelen, Vor allem Weltgut williglich Mir wünschen und erwählen. Ich wollte sagen: bleib bei mir, Du follt feyn meines Hauses Zier, An dir will ich mein Lieben Bis in mein Sterben üben." 3. So sagt mein Herz und meint es gut; Gott aber meints noch besser. Groß ist die Lieb in meinem Muth; In Gott ist sie noch größer. Ich bin ein Vater und nichts mehr, Gott ist der Väter Haupt und Ehr, Ein Quell, barans 5. O süßer Rath, o schönes Wort, Und heilger, als wir denken! Bei Gott ist ja kein böser Ort, Kein Unglück und kein Kränken, Nicht Angst, nicht Mangel, nicht Versehn, Bei Gott kann keinem Leids geschehn; Wen Gott versorgt und liebet, Wird nimmermehr betrübet. 6. Wir Menschen sind ja auch bedacht, Die unsrigen zu zieren; Wir gehn und sorgen Tag und Nacht, Wie wir sie wollen führen In einen feinen, XX. Die letzten Dinge. 496 fel'gen Stand, Und ist doch selten so bewandt Mit dem, wohin ste kommen, Wie wirs uns vorgenommen. 7. Wie manches junge from= me Blut Wird jämmerlich verführet Durch bös Erempel, daß es thut, Was Christen nicht gebühret! Da hats denn Gottes Zorn zu Lohn, Auf Erden nichts als Spott und Hohn; Der Vater muß mit Grämen Sich seines Kindes schämen. 8. Ein solches darf ich ja nun nicht An meinem Sohn erwarten; Der steht vor Gottes Angesicht und geht in Christi Garten; Hat Freude, die ihn recht erfreut, Und ruht von allem Herzeleid; Er sieht und hört die Schaaren, Die uns allhier bewahren. sind auf Erden, nicht ausstudieren werden. 10. Ach dürft ich doch von ferne stehn Und nur ein wenig hören, Wenn deine Sinnen sich erhöhn Und Gottes Namen ehren, Der heilig, heilig, heilig ist, Durch den auch du geheiligt bist: Ich weiß, ich würde müssen Vor Freude Thränen gießen! 11. Ich würde sprechen: „ bleib allhier, Nun will ich nicht mehr klagen: Ach mein Sohn, wärst du noch bei mir! Nein! sondern: komm, du Wagen Eliä, hole mich geschwind Und bring mich dahin, wo mein Kind Und so viel liebe Seelen So schöne Ding' erzählen." 12. Nun, es sey Ja und bleibe so! Dich will ich nicht beweinen: Du lebst und bist von Herzen froh, Siehst lauter Sonnen scheinen, Die Sonnen ewger Freud und Ruh, Hie leb und bleib nur immerzu; Ich will, wills Gott, mit andern Auch bald hinüber wandern! Gerhard, g. 1606 † 1676. 9. Er sieht und hört der Engel Mund, Sein Mund hilft selber singen; Lernt alle Weisheit aus dem Grund Und spricht von solchen Dingen, Die unser feins noch sieht und weiß, Die auch durch unsern Fleiß und Schweiß Wir, weil wir 11401300 1100 Eigene Mel.( Marc. 5, 35 2c.). Aus Dämmrung muß es tagen. 628. Mag auch die Liebe| Zur Heimath führt sein Pfad, weinen, Es kommt ein Tag des Herrn; Es muß ein Morgenstern Nach dunkler Nacht erscheinen.$ 12 3. Mag Hoffnung auch erschrecken, Mag jauchzen Grab und Tod-, Es muß ein Morgenroth Die Schlummernden einst wecken! 2. Mag auch der Glaube zagen -, Ein Tag des Lichtes naht; mig ch Friederich Adolph Krummacher, g. 1767 C. Begräbnißlieder. Eigene Mel.( Joh. 11, 25. 26. 1 Thess. 4, 14.) 629. Ruhet wohl, ihr Todtenbeine, In der stillen Einsamkeit! Ruhet, bis das End erscheine, Da der Herr euch zu der Freud Nufen wird aus euren Grüften Zu den freien Himmelslüften. 4. Nein, die kann der Tod nicht halten, Die des Herren Glieder find! Muß der Leib im Grab erkalten, Da man nichts als Asche find't:- Wenn des Herren Hauch drein bläset, Grünet neu, was hier verweset. 5. Jesus wird, wie er erstanden, Auch die Seinen einst mit Macht Führen aus des Todes Banden, Führen aus des Grabes Nacht, Zu dem ewgen Himmelsfrieden, Den er seinem Volk beschieden. 6. Ruhet wohl, ihr Todtenbeine, In der stillen Einsam= keit! Nuhet, bis der Herr erscheine An dem Ende dieser Zeit! Da sollt ihr mit neuem Leben Herrlich ihm entgegen schweben. Friederich Konrad Hiller, g. 1662 t 1726. ( Offenb. 21, 3. 4.) 3. Doch der Herr kann nichts versehn; Und wenn es nun doch geschehn, Hat man nichts dabei zu thun, Als zu schweigen und zu ruhn. 2. Nur getrost, ihr werdet le= ben; Weil das Leben, euer Hort, Die Verheißung hat gegeben Durch sein theuer werthes Wort: Die in seinem Namen sterben, Sollen nicht im Tod verderben. 3. Und wie sollt im Grabe bleiben, Der ein Tempel Gottes war? Den der Herr ließ einverleiben Seiner auserwählten Schaar, Die er selbst durch Blut und Sterben Hat gemacht zu Himmelserben? Eigene Mel. 630. Aller Gläubgen Sammelplak Ist da, wo ihr Herz und Schatz, Wo ihr Heiland Jesus Christ, Und ihr Leben hier schon ist. 2. Eins geht da, das andre dort In die ewge Heimath fort, Ungefragt, ob die und der Uns nicht hier noch nüzlich wär. 497 631. Die Seele ruht in Jesu Armen, Der Leib schläft Evangelisches Gesangbuch 4. Manches Herz, das nicht mehr da, Geht uns freilich innig nah; Doch, o Liebe, wir find dein, Und du willst uns alles seyn! Vers 1, 3, 4 von 3inzendorf: V. 2 von Christ. Gregor. Mel Wie wohl ist mir.( Offenb. 14, 13. Jef. 35, 10. 1 Cor. 13, 12.) fanft im Erdenschoof; Am Herzen darf das Herz erwarmen, 32 498 XX. Die letzten Dinge. Die Ruh ist unaussprechlich Bracht' mich heraus, hingroß, Die sie nach wenig durch, hinein! Heraus aus Kampfesstunden Bei ihrem dieser Erde Lüften, Hindurch holden Freund gefunden: Sie durch die Versuchungswüsten, schwimmt im stillen Friedens- Hinein ins schöne Kanaan. meer, Gott hat die Thränen Da darf ich auf den grünen abgewischet, Ihr Geist wird Auen Den Helden, der mich durch und durch erfrischet, Des führte, schauen, Der große Herren Glanz ist um sie her. Ding' an mir gethan. 2. Sie ist nun aller Noth entnommen, Ihr Schmerz und Seufzen ist dahin; Sie ist zur Freudenkrone kommen, Sie steht als Braut und Königin Im Golde ewgerHerrlichkeiten Dem großen König an der Seiten, Sie sieht sein klares Angesicht! Sein freudenvoll, sein lieblich Wesen Macht sie nun durch und durch genesen; Sie ist ein Licht im großen Licht. 5. Das war ein Tag der süßen Wonne, Das war ein lang ge= wünschtes Heut, Wo Jesus, meine Lebenssonne, Den ersten Blick der Herrlichkeit zum freudenvollen Uebergehen Ließ meinen Geist durchdringend sehen; Der eilte seinem Freunde zu Und schwang sich mit den Engelschaaren, Die um mein Sterbebette waren, Ins Vaters Haus zur stolzen Ruh! 3. Sie jauchzt den Sterblichen 6. Nun kann das Kind den entgegen: Ja, ja, nun ist mir Vater sehen, Es fühlt den sanfewig wohl! Ich bin durch mei- ten Liebestrieb; Nun kann es nes Mittlers Segen Des Le-| Jesu Wort verstehen: Er selbst, bens, Lichts und Freuden voll; Mein schönes Erbtheil ist mir worden, Viel tausend aus der Sel'gen Orden Bewundern jauchzend meine Pracht. Man kann in allen Himmelschören Gleichwie mit Donnerstimmen hören: Der Herr hat alles wohl gemacht! der Vater, hat dich lieb! Ein unergründlich Meer des Guten, Ein Abgrund ewger Segensfluthen Entdeckt sich dem verklärten Geist; Er schauet Gott von Angesichte Und weiß, was Gottes Erb im Lichte Und ein Miterbe Christi heißt. 4. Ja wohlgemacht durchs ganze Leben, Recht wohl in meiner Todespein! Sein mütterliches Tragen, Heben, 7. Der matte Leib ruht in der Erden, Er schläft, bis Jesus ihn erweckt, Da wird der Staub zur Sonne werden, Den jetzt die finstre Gruft bedeckt; Dann D. Auferstehung und Weltgericht. 499 werden wir mit allen Frommen| ihn ewig sehen, Wie wohl, wie Beim großen Mahl zusammen- wohl wird uns geschehen; Herr kommen und bei dem Herrn Jesu, komm, mach uns bereit! seyn allezeit; Da werden wir Allendorf, g. 1693 † 1774. D. Auferstehung Eigene Mel.( 1 Cor. 15, 53.) habe, Erweckst du mich! 632. Auferstehn, ja aufer- Grabe Genug geschlummert stehn wirst du, Mein Staub, nach kurzer Ruh; Unsterblich Leben Wird, der dich schuf, dir geben. Hallelujah! 4. Wie den Träumenden wirds dann uns seyn: Mit Jesu gehn wir ein Zu seinen Freuden! Der müden Pilger Leiden Sind dann nicht mehr. 2. Wieder aufzublühn werd ich gesät! Der Herr der Ernte geht Und fammelt Garben, Uns ein, une ein, die starben; Gelobt sey Gott! 5. Ach, ins Allerheiligste führt mich Mein Mittler dann, lebt ich Im Heiligthume zu feines Namens Ruhme. Dann schau ich ihn! 3. Tag des Danks, der Frendenthränen Tag, Du meines Gottes Tag! Wenn ich im Klopstod, g. 1724 † 1803. Au diesem Orte habe; Drückst mir die Augen zu; Nun soll mir gar nicht grauen, Wenn mein Gesicht vergeht: Ich werde den wohl schauen, der mir zur Seite steht. und Weltgericht. Mel. Valet will.( Joh. 6, 40.) 633. Ich geh zu deinem Grabe, Du großer Siegesfürst, Weil ich die Hoffnung habe, Daß du mir zeigen wirst, Wie man kann fröhlich sterben Und fröhlich auferstehn, Wie mit den Himmelserben Ins Land des Lebens gehn. 2. Du liegeft in der Erde Und hast sie eingeweiht: Wann ich begraben werde, Daß sich mein Herz nicht scheut, Auch in den Staub zu legen Was Staub und Asche ist, Weil du ja allerwegen Der Herr der Erde bist. 3. Du schläfft in deinem Grabe, Daß ich auch meine Ruh 4. Dein Grab war wohl versiegelt, Doch brichst du es entzwei; Wenn mich der Tod verriegelt, So bin ich dennoch frei; Du wirst den Stein schon rücken, Der auch mein Grab bedeckt, Dann werd ich dich erblicken, Der mich vom Tove weckt. 5. Du fährest in die Höhe Und zeigest mir die Bahn, Wohin ich endlich gehe, Da ich dich XX. Die letzten Dinge. 500 finden kann; Dort ist es sicher wohnen, Wo lauter Glanz um dich, Da warten lauter Kronen In deiner Hand auf mich. 6. O meines Lebens Leben! O meines Todes Tod! Dir will ich mich ergeben Auch in der letzten Noth; Dann schlaf ich ohne Kummer In deinem Frieden ein, Und wach ich auf vom Schlummer, Wirst du mein Loblied seyn! Schmolt, g. 1672 † 1737. Eigene Mel.( Matth. 25, 1-13. Offenb. 19, 6-9.) 634. Wachet auf!" ruft| heit mächtig, Ihr Licht wird hell, ihr Stern geht auf. Nun komm, du werthe Kron, Herr Jesu, Gottes Sohn! Hosianna! Wir folgen all Zum Freudenfaal Und halten mit das Abendmahl. 17 uns die Stimme Der Wächter sehr hoch auf der Zinne, ,, Dein Herr, o Zion, kommt zu dir! Mitternacht heißt diese Stunde," So rufen sie mit hellem Munde, Ihr klugen Jungfraun, wo seyd ihr? Wohlauf, 3. Gloria sey dir gesungen der Bräutgam kömmt! Steht Von Menschen und von Engelauf, die Lampen nehmt! Halle- zungen, Mit Cymbeln und mit lujah! Macht euch bereit Im Harfenton! Von zwölf Perlen Hochzeitkleid; Geht ihm ent- sind die Thore An deiner gegen, es ist Zeit!" Stadt; wir stehn im Chore Der Engel hoch vor deinem Thron. Kein Aug erblickte sie, Ein Ohr vernahm sie nie, Solche Freude! Drum jauchzen wir Und singen dir Das Hallelujah für und für! 2. Zion hört die Wächter singen, Das Herz will ihr vor Freude springen, Sie wachet und steht eilends auf: Ihr Freund kommt vom Himmel prächtig, Von Gnaden stark, von WahrPhil. Nicolai, g. 1556 † 1608. Mel. Nun sich der Tag.( Matth. 25, 15-30.) 635. Der Herr bricht ein um Mitternacht; Jezt ist noch alles still. Wohl dem, der nun sich fertig macht Und ihm begegnen will! 2. Er hat es uns zuvor gesagt Und einen Tag bestellt; Er kommt, wenn niemand nach ihm fragt Noch es für möglich hält. 3. Wie liegt die Welt so blind und todt, Sie schläft in Sicherheit Und meint, des großen Tages Noth Sey noch so fern und weit! 4. Wer wacht und hält sich D. Auferstehung und Weltgericht. 501 nun bereit Als ein getreuer| und groß; Mit Jefu wirds Knecht, Daß er in jener Rech- vollbracht, Der ein so felig nungszeit Vor Gott bestehe schönes Loos Dem Treuen zurecht? gedacht, 5. Wer gibt sein Pfund auf Wucher hin Und nüßet seinen Tag, Daß er mit himmlischem Gewinn Vor Jesum treten mag? 6. Weckt ihr einander aus der Nuh, Daß niemand sicher sey? Ruft ihr einander fleißig zu: Seyd wacker, fromm und tren? 7. So wache denn, mein Herz und Sinn, Und schlummre ja nicht mehr! Blick täglich auf sein Kommen hin, Als ob es heute wär! 8. Der Tag der Rache nahet sich, Der Herr kommt zum Gericht; O meine Seel, ermanne dich, Steh und verzage nicht! 9. Dein Tagewerk ist schön 10. Dem Knechte, der auf schmalem Pfad Ihm folgte Schritt für Schritt, Fromm blieb, wenn alles übel that, Geduldig stritt und litt. 11. Dann, wenn der Richter wie ein Blitz Vom Himmel niederfährt, Wenn aller Sünder Lust und Witz In Heulen sich verkehrt: 12. Dann kommt er dir als Morgenstern Mit ewgem Gnadenschein, Dann gehest du mit deinem Herrn Zu seinen Frenden ein. 13. Der Herr bricht ein um Mitternacht; Jetzt ist noch alles still. Wohl dem, der nun fich fertig macht Und ihm begegnen will! Eigene Mel.( Offenb. 6, 17. 20, 12.) 636. Jenen Tag, den Tag| 4. Erd und Tod wird schaun der Wehen, Wird die Welt im Brand vergehen, Wie Prophetenspruch geschehen. mit Beben Alle Kreatur sich heben, Antwort vor Gericht zu geben. 2. Welch Entfeßen von der Kunde, Daß der Richter kommt zur Stunde, Prüfend alles bis zum Grunde! 5. Und ein Buch wird aufge= schlagen, Drin steht alles eingetragen, Weß die Welt ist anzuklagen. 3. Die Posaun' im Wundertone Sprengt die Gräber jeder Zone, Sammelt alle vor dem Throne. 6. Wenn der Richter also fizet, Wird, was dunkel war, durchblizet, Vor der Rache nichts beschützet. 502 XX. Die letzten Dinge. 7. Ach wie werd ich Armer| rem Schaden: Hör mein stehen? Wen zum Anwalt mir Flehen, Gott, in Gnaden! erfleben, Wenn Gerechte schier vergehen? 13. Du, der freisprach einst Marien Und dem Schächer noch verziehen, Haft auch Hoffnung mir verliehen. 14. Mein Gebet gilt nicht so theuer; Aber laß mich, o du Treuer, Nicht vergehn im ew= gen Feuer! 15. Zu den Schafen mich ge= selle; Fern den Böcken und der Hölle Mich zu deiner Rechten ſtelle. 8. Hehrer König, Herr der Schrecken! Gnade nur deckt unsre Flecken: Gnade, Gnade laß mich decken! 9. Jesu, milder Heiland, sie he, Wie ich Ziel war deiner Mühe, Daß ich jenem Zorn entfliehe! 10. Bist so tren mich suchen gangen, Hast am Krenz für mich gehangen, Nicht umsonst sey Müh und Bangen! 11. Richter mit der heilgen Wage, Tilge wider mich die Klage Vor dem großen Rachetage! 12. Sieh, ich seufze schuldbeladen, Schamroth über schwe16. Wenn Verworfne sich entfärben, Die du hingibst ins Verderben, Rufe mich zu dei nen Erben. 17. Tief im Staub ring ich die Hände; Zum Zerknirschten, Herr, dich wende! Herr, ge= denke mein am Ende! Nach dem Lateinischen des Thomas von Celano. Eigene Mel.( 2 Cor. 5, 10.) der, Das Thun der Gotteskin= der, Die Hand, die milde war, Das Aug voll edler Zähren, Der Mund voll Lob und Lehren, Des Christen Herz wird offenbar. 637. Die Welt kommt einst zusammen Im Glanz der ewgen Flammen VorChristi Richterthron; Dann muß sich offenbaren, Wer Die und Jene waren! Sie kennt und prüft des Menschen Sohn. 2. Der Greul in Finsternissen, Das Brandmal im Gewissen, Die Hand, die blutvoll war, Das Aug voll Ehebrüche, Das frevle Maul voll Flüche, Das Herz des Schalks wird offenbar. 3. Das Flehn der armen Sün4. Wo wird man sich verstecken? Was will die Blöße deden? Wer schminkt sich da geschwind? Wen kann die Lüge schützen? Was wird ein Werkruhm näßen? Da sind wir alle, wie wir sind! 5. Herr! diese Offenbarung D. Auferstehung und Weltgericht. 503 Drück du mir zur Bewahrung| oder stehe, Wie ich vor deiBeständig in den Sinn, Daß nem Auge bin! ich auf das nur sehe, Ich gehe Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Mel. Die Welt fommt einst zusammen.( Joh. 3, 16.) Gott, ich flieh gerade Allein zu deiner Gnade, Mein Gott, der du die Welt geliebt! 4. Du hast den Sohn gegeben, Im Sohn ein ewig Leben; Im Sohn will ich dich flehn, Dich flehn um deine Liebe, Dich flehn aus heißem Triebe: Laß mich das Heil in Jesu sehn! 5. Ich war dem Tod zum Raube; Nun gib mir, daß ich glaube, Wer glaubt, wird selig seyn. So geh ich nicht verloren, So bin ich neugeboren, So dring ich in das Leben ein. Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. 638. Viel besser, nie geboren, Als ewiglich verloren, Von Gott getrennt sich sehn, Von keinem Heile wissen, Vom Licht zu Finsternissen, Vom Leben zu dem Tode gehn; 2. Von Freuden in den Klagen, Vom Hoffen im Verzagen, Von Wollust in der Pein, Von Freiheit in den Banden, Von Ehren in den Schanden, Von Ruhe in der Qual zu seyn! 3. Im Fluch auf ewig brennen, Gott seinen Gott nicht nennen, das ist ja betrübt! Ach Mel. O Ewigkeit, du.( Luc. 16, 19-31.) 639. Menschen! diese| Noch Fried und Heil geboten kurze Zeit Führt in die lange wird. Ewigkeit, ZuHimmel oder Hölle. So bleibts nicht, wie es jezo ist; Der Feind sucht, wie er euch mit List Die Netze heimlich stelle, Drin er ein blindes Herz verstrickt und in den Schlund des Todes rückt. 3. Dann hebet ihr die Augen auf und merket, doch zu spät, darauf, Was ihr nicht merken wolltet: Daß ihr die Herzen zu dem Mann, Der segnen und verdammen kann, Bußfertig wenden solltet; Dann ist vor= bei die Gnadenzeit, Und da des Fluches Ewigkeit! 4. Mein Herz, o fleuch in Jesu Schooß, Der ist erbarmungsreich und groß Für dich und alle Seelen! Er ists für den, der an ihn glaubt und der sich beugt mit Herz und Haupt, 2. Die Sündenlust ist bald vorbei; Dann steigt aus Flammen ein Geschrei, Man will gekühlet werden, Und wärs mit einem Tropfen klein; Doch kann auch dieses nicht mehr seyn: Man ist nicht mehr auf Erden, Wo uns von dir, o treuer Hirt, 504 XX. Die letzten Dinge. Das gute Theil zu wählen.| dich: O liebster Heiland, Erwähle Jesu Gnadenlicht, rette mich! So brennt für dich die Hölle nicht! 6. So lang ich noch auf Erden bin, Schick ich mein Herz allzeit dahin Und merk auf deine Worte. Du bist der Herr im Himmelreich, Du hast die Schlüssel auch zugleich Zur tiefen Höllenpforte; Hinfort bedarf ich Wunder nicht: Ich glaube was mein Heiland spricht! Nach dem großen Leipziger Gesangbuch. ( 1 Cor. 1, 7-9.) 3. Wir warten dein; du hast uns ja Das Herz schon hingenommen. Du bist zwar unfrem Geiste nah, Doch wirst du sichtbar kommen; Da willst uns du Bei dir auch Ruh, Bei dir auch Freude geben, Bei dir ein herr= lich Leben. 4. Wir warten dein, du kommst gewiß, Die Zeit ist bald ver= gangen; Wir freuen uns schon über dieß Mit kindlichem Verlangen. Was wird geschehn, Wenn wir dich sehn, Wenn du uns heim wirft bringen, Wenn wir dir ewig singen! Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. 5. O zeig mir, Herr, was Abram sieht, Und wie sich deine Schaar bemüht, Lobpreisend dir zu dienen; Und wie, die hier der Höll entflohn, Dort unverwelklich um den Thron Als Himmelspflanzen grünen. Für alles dieses gabst du Mel. Was Gott thut. 640. Wir warten dein, o Gottes Sohn, Und lieben dein Erscheinen; Wir wissen dich auf deinem Thron Und nennen uns die Deinen, Wer an dich glaubt, Erhebt sein Haupt Und siehet dir entgegen, Du kommst uns ja zum Segen. 2. Wir warten deiner mit Geduld In unfren Leidenstagen; Wir trösten uns, daß du die Schuld Für uns am Kreuz getragen. So können wir Nun gern mit dir Uns auch zum Kreuz bequemen, Bis du'e hinweg wirst nehmen. E. Ewiges Leben. Mel. Wie wohl ist mir,( Ebr. 4, 1. 9, 11.) 641. Es ist noch eine Ruh| deine Sonne scheinet nicht. vorhanden; Auf, müdes Herz, und werde Licht! Du seufzest hier in deinen Banden, und Sieh auf das Lamm, das dich mit Freuden Dort wird vor seinem Stuhle waiden, Wirf E. Ewiges Leben. 505 hin die Last und eil herzu!| sanft auf solchem ruhen kann; Bald ist der schwere Kampf vollendet, Bald, bald der saure Lauf geendet, Dann gehst du ein zu deiner Ruh. Wenn dieser sich darf niedersegen, An einem frischen Trunk ergößen, Wie sind sie beide so vergnügt! Doch dieß sind kurze 2. Die Ruhe hat Gott auser- Ruhestunden; Es ist noch eine koren, Die Ruhe, die kein En- Ruh erfunden, Wo man auf de nimmt; Es hat, da noch kein Mensch geboren, Die Liebe sie uns schon bestimmt: Das Gotteslamm, es wollte sterben, Uns diese Ruhe zu erwerben, Es ruft, es locket weit und breit: „ Ihr müden Seelen und ihr Frommen, Versäumet nicht, heut einzukommen zu meiner Nuhe Lieblichkeit!" 3. So kommet denn, ihr matten Seelen, Die manche Last und Bürde drückt! Gilt, eilt euren Kummerhöhlen, Geht nicht mehr seufzend und gebückt! Ihr habt des Tages Last getragen, Dafür läßt euch der Heiland sagen: Ich selbst will eure Ruhstatt seyn! Ihr seyd sein Volk, er will euch schützen, Will auch die Hölle auf euch blizen: Seyd nur getrost und gehet ein! ewig stille liegt. 5. Da wird man Freudengarben bringen, Denn unsre Thränensaat ist aus. O welch ein Jubel wird erklingen, Welch Lobgetön im Baterhaus! Schmerz, Senfzen, Leid wird ferne weichen, Es wird kein Tod uns mehr erreichen; Wir werden unsern König sehn, Er wird am Brunnquell uns erfrischen, Die Thränen von den Augen wischen; Wer weiß, was sonst noch wird geschehn! ( Off. 7, 17.) - 6. Da ruhen wir und sind im Frieden Und leben ewig sorgenlos. Ach fasset dieses Wort, ihr Müden, Legt euch dem Heiland in den Schooß! Ach Flügel her! wir müssen eilen Und uns nicht länger hier verweilen, Dort wartet schon die frohe 4. Was mag wohl einen Kran- Schaar. Fort, fort, mein Geist, fen laben und einen müden zum Jubiliren! Auf, gürte dich Wandersmann? Wenn jener zum Triumphiren! Auf, auf, nur ein Bettlein haben und es kommt das Ruhejahr! Kunth, g. 1700 † 1779 Mel. Wer weiß, wie nabe.( Rom. 8, 17. 18.) 642. Nach einer Prüfung| Ewigkeit! Dort, dort verwankurzer Tage Erwartet uns die delt sich die Klage In göttliche XX. Die letzten Dinge. Zufriedenheit. Hier übt die Tu- 1 Throne Gottes mich erfreun. gend ihren Fleiß, Und jene Dann läßt Gewinn stets auf Welt reicht ihr den Preis. Gewinn Mich fühlen, daß ich ewig bin. 2. Wahr ists, der Fromme schmeckt auf Erden Schon manchen sel'gen Augenblick; Doch alle Freuden, die ihm werden, Sind ihm ein unvollkommnes Glück: Er bleibt ein Mensch, und seine Ruh Nimmt in der Seele ab und zu. 7. Da werd ich das im Licht erkennen, Was ich auf Erden dunkel sah, Das wunderbar und heilig nennen, Was unerforschlich hier geschah; Da denkt mein Geist mit Preis und Dank Die Schickung im Zusammenhang. 8. Da werd ich zu dem Throne dringen, Wo Gott, mein Heil, fich offenbart; Ein heilig, heilig, heilig! singen Dem Lamme, das erwürget ward, Und Cherubim und Seraphim Und alle Himmel jauchzen ihm. 506 3. Bald stören ihn des Körpers Schmerzen, Bald das Geräusche dieser Welt; Bald kämpft in seinem eignen Herzen Ein Feind, der öfter siegt, als fällt; Bald sinkt er durch des Nächsten Schuld In Kummer und in Ungeduld. 4. Hier, wo die Tugend öfters leidet, Das Laster öfters glücklich ist, Wo man den Glücklichen beneidet Und des Bekümmerten vergißt, Hier kann der Diensch nie frei von Pein, Nie frei von aller Schwachheit seyn. 5. Hier such ichs nur, dort werd ichs finden; Dort werd ich, heilig und verklärt, Der Tugend ganzen Werth empfinden, Den unaussprechlich großen Werth; Den Gott der Liebe werd ich sehn, Ihn lieben, ewig ihn erhöhn. 6. Da wird der Vorsicht heilger Wille Mein Will und meine Wohlfahrt seyn, Und lieblich Wesen, Heil die Fülle Am 9. Da werd ich in der Engei Schaaren Mich ihnen gleich und heilig sehn; Das nie gestörte Glück erfahren, Stets fromm mit Frommen umzugehn. Da wird durch jeden Augenblick Ihr Heil mein Heil, ihr Glück mein Glück. 10. Da werd ich dem den Dank bezahlen, Der Gottes Weg mich gehen hieß, Und ihn zu millionenmalen Noch segnen, daß er ihn mir wies; Da find ich in des Höchsten Hand Den Freund, den ich auf Erden fand. 11. Da ruft( o möchte Gott es geben!) Vielleicht auch mir ein Sel'ger zu: Heil sey dir, denn du hast mein Leben, Die E. Ewiges Leben. 507 Seele mir gerettet du! Gott,| Herrlichkeit, Die offenbart an wie muß dieß Glück erfreun, Der Retter einer Seele seyn! 12. Was seyd ihr, Leiden dieser Erden, Doch gegen jene uns soll werden Von Ewigkeit zu Ewigkeit? Wie nichts, wie gar nichts gegen sie Ist doch ein Augenblick voll Müh! Gellert, g. 1715 † 1769. Mel. Wie schön leucht't. 643. Wie wird mir dann, o dann mir seyn, Wenn ich, mich ganz des Herrn zu freun, In ihm entschlafen werde, Von feiner Sünde mehr entweiht, Entladen von der Sterblichkeit, Nicht mehr der Mensch von Erde! Fren dich, Seele! Stärke, tröste Dich, Erlöste, Mit dem Leben, Das dir dann dein Gott wird geben! 2. Ich freue mich, und bebe doch, So drückt mich meines Elends Joch, Der Fluch der Sünde nieder! Der Herr erleichtert mir mein Joch; Es stärkt durch ihn mein Herz fich doch, Glaubt und erhebt sich wieder! Jesus Christus, Laß mich streben, Dir zu leben, Dir zu sterben, Deines Vaters Reich zu erben! 3. Verachte denn des Todes Graun, Mein Geist: er ist ein Weg zum Schaun, Der Weg im finstern Thale. Er sey dir nicht mehr fürchterlich: Ins Allerheiligste führt dich Der Weg im finstern Thale! Gottes Ruhist Unvergänglich, Ueberschwenglich, Die Erlösten Wird fie unaussprechlich trösten. ( Offenb. 2, 10. 3, 5.) 4. Herr, Herr! ich weiß die Stunde nicht, Die mich, wenn nun mein Auge bricht, Zu deinen Todten sammelt; Vielleicht umgibt mich ihre Nacht, Eh ich dieß Flehen noch vollbracht, Mein Lob dir ausgestammelt! Vater, Vater, Ich befehle Meine Seele Deinen Händen, Laß mich einst im Frieden enden! 5. Vielleicht sind meiner Tage viel, Ich bin vielleicht noch fern vom Ziel, An dem die Krone schimmert. Bin ich von meinem Ziel noch weit, Die Hütte meiner Sterblichkeit, Wird sie erst spät zertrümmert: Laß mich, Vater, Reiche Saaten Guter Thaten Einst begleiten Vor den Thron der Ewigkeiten! 6. Wie wird mir dann, ach dann mir seyn, Wenn ich, mich ganz des Herrn zu freun, Ihn dort anbeten werde, Von keiner Sünde mehr entweiht, Ein Mitgenoß der Ewigkeit, Nicht mehr der Mensch von Erde! Heilig, Heilig, Heilig fingen Wir und bringen Deinem Namen Preis und Ehr auf ewig! Amen. Klopstod. g. 1724 † 1803. 508 XX. Die letzten Dinge. Eigene Mel.( Offenb. 7, 14-17.) Jerusalem, du| terland, Wo dein Lebenswaffer quillt, Das den Durst auf ewig stillt. 644. schöne, Da man Gott beständig ehrt Und das himmlische Getöne: Heilig, heilig, heilig! hört; Ach wann komm ich doch einmal Hin zu deiner Bürger Zahl? 2. Muß ich nicht in Pilgerhütten Unter strengem Kampf und Streit, Da so mancher Christ gelitten, Führen meine Lebenszeit; Da oft wird die beste Kraft Durch die Thränen weggerafft? 3. Ach wie wünsch ich dich zu schauen, Jesu, liebster Seelenfreund, Dort auf deinen Salemsauen, Wo man nicht mehr Flagt und weint, Sondern in dem höchsten Licht Schauet Gottes Angesicht! 7. Alsdann werd ich nicht ertrinken, Christus ist mein Arm und Schild, Und sein Schifflein kann nicht sinken, Wärdas Meer auch noch so wild; Obgleich Mast und Segel bricht, Läßt doch Gott die Seinen nicht! Nach Fr. Konrad Hiller, g. 1662 † 1726. ( Joh. 17. 3. 1 Theff. 5, 8-10.) Mel. Mein Heiland nimmt. 645. Gottlob! ich weiß mein| er aus dem Grab erwacht, Unsterblichkeit ans Licht gebracht. 2. Dort wird in Gottes Gnadenrath Mein Geist mit sel'gem Staunen dringen, Und seiner Liebe Wunderthat Mit ehrfurchtvollem Dank besingen. Dann fühl ich, ewiglich verklärt, Der Leiden Christi höchsten Werth, Knie' vor dem Gott 4. Komm doch, führe mich mit Freuden Aus der Fremde hartem Stand; Hol mich heim nach vielen Leiden In das rechte Va= 5. Oder auserwählten Stätte, Voller Wonne, voller Zier! Ach, daß ich doch Flügel hätte, Mich zu schwingen bald von hier, Nach der neuerbauten Stadt, Welche Gott zur Sonne hat! 6. Soll ich aber länger bleiben Auf dem ungestümen Meer, Wo mich Sturm und Wellen treiben Durch so mancherlei Beschwer: Ach so laß in Kreuz und Pein Hoffnung meinen Anker seyn! Vaterland, Dem jederTag mich näher leitet; Hier ist nur mein Erziehungsstand, Der mich zum Himmel vorbereitet; Bald, Herr, erhebst du mich zu die: Den hohen Rathschluß hast du mir So hell in deinem Wort erkläret, So fest durch Jesu Tod bewähret, Der, als E. Ewiges Leben. 509 Der Liebe nieder Und stimm in| Himmelsfrieden. Dort, wo der Der Verklärten Lieder: Anbe- Tod kein Band zerreißt, Dort tung, Ehre, Preis und Macht werden wir, ein Herz und Sey dem Gekreuzigten ge- Geist, Zehnfältig unser Glück bracht! empfinden, Zur Liebe Gottes uns entzünden Und rühmen ihn, deß Vaterhand Zum ewgen Wohlseyn uns verband. 6. Du hast uns nicht zum Zorn 3. Der reichsten Güter Ueberfluß Empfang ich dann aus Gottes Händen; Dort wird die Hoffnung im Genuß, Der Glaube sich im Schauen enden. geseßt, Nein, Himmelswonne Die Führung, die einst wunder- zu genießen; Wie hoch sind wir bar, zu dunkel meinem Auge von dir geschätzt! Sey innigst war, Seh ich im trosterfüllten hoch von uns gepriesen! Dein Lichte, Genieße meiner Leiden Reich, wo Heil und Friede Früchte Und preise Gottes blüht, Wie dir dein Vater es weisen Rath, Der mich so treu beschied, Das Reich voll unverwelkter Freuden, Willst geleitet hat. du, o Heiland, uns bescheiden. Wie bietest du dem Glaubensfleiß Solch unaussprechlich hohen Preis! 4. Dort werd ich Gottes Freundlichkeit In Millionen Freuden schmecken, Stets wachsen an Vollkommenheit Und neue Wunder stets entdecken. Mein Wissen, das hier Stückwerk war, Wird himmlisch, wie die Sonne klar, Stets flammender die Lieb und reiner, Stets jeder Sinn für Wahrheit feiner, Stets weiter meiner Seele Blick, Stets herrlicher mein ewges Glück. 5. Die Lieben, die für furze Zeit Tod oder Schicksal von mir schieden, Find ich gekrönt mit Seligkeit Im wandellosen 7. O Gott! laß mir die Ewigkeit Sammt meiner Gnadenzeit auf Erden Zum guten Kampf, der niemand reut, Stets wichtiger und theurer werden! Sie sey mein Schild im Kampf und Streit, Mein Antrieb zur Gottseligkeit, Die Würze meiner Lebensfreuden, Der Balsam meiner Pilgerleiden, Im dunklen Thal mein Freudenlicht, Im Tode meine Zuversicht! Nach Loder. Mel. Wie schön leucht't.( Offenb. 21, 1-5.) 646. Mein Geist, o Gott, wird ganz entzückt, Wenn er nach jenem Himmel blickt, Den du für uns bereitet; Dort wird 510 Die letzten Dinge. erst deiner Allmacht Hand Aus 5. Mit neuer Inbrunst lieben neuen Wundern recht erkannt, Die du daselbst verbreitet. Herr! ich Fühl mich Ange= trieben, Dich zu lieben, Der zum Leben Jener Welt mich will erheben. 2. Was sind die Freuden die ser Zeit, Herr, gegen jeneHerrlichkeit, Die wir im Himmel finden? Du stellst uns hier auf Erden zwar Viel Wunder deiner Güte dar, Daß wir sie froh empfinden; Doch hier Sind wir Bei den Freuden Noch mit Leiden Stets umgeben; Dort nur ist vollkommnes Leben. 3. Dort ist kein Tod mehr und kein Grab, Du wischest alle Thränen ab Von deiner Kinder Wangen; Dort ist kein Leid mehr, kein Geschrei, Denn du, o Herr, machst alles nen, Das Alte ist vergangen! Freundlich Gibt sich Den Erlösten, Sie zu trösten, Der zu kennen, Den sie hier schon Vater nennen. 4. In deinem höhern Heiligthum Erschallet deines Namens Ruhm Von Millionen Zungen; Da strahlt die Herrlichkeit des Herrn. Da schaut man sie nicht mehr von fern, Da wird sie ganz besungen. Heller, Schneller Als hienieden, Ohn' Ermüden Sehn wirdroben, Gott, wie hoch du bist zu loben! wir, O Gott, dich dann und dienen dir Mit freudigem Gemüthe. Nichts stört den Frieden unsrer Brust Und unsre tausendfache Lust An deiner großen Güte. Kein Neid, Kein Streit Hemmt die Triebe Reiner Liebe Unter Seelen, Die nun ewig nicht mehr fehlen. 6. Gott! welche Schaar ist dort vereint: Die Frommen, die ich hier beweint, Die find ich droben wieder; Dort sammelt deine Vaterhand Sie, die ein Sinn schon hier verband, Herr, alle deine Glieder. Fröhlich Werd ich, Frei von Mängeln, Mit den Engeln Dir lobsingen, Preis und Dank dir ewig bringen. 7. Dort ist mein Freund, des Höchsten Sohn, Der mich geliebt; wie glänzt sein Thron In jenen Himmelshöhen! Da werd ich dich, Herr Jesu Christ, Der du der Engel Wonne bist, Mir zum Entzücken sehen! Nichts kann Alsdann Mich mehr scheiden Von den Freuden, Die du droben Deinen Freunden aufgehoben. 8. Wie herrlich ist die neue Welt, Die Gott den Frommen vorbehält, Wenn sie voll Glauben sterben! Der du vorangegangen bist. Zieh dir mich nach, Herr Jesu Christ, Hilf mir E. Ewiges Leben. 511 dein Reich ererben! Laß mich zu leben Auf der Erde, Daß Treulich Danach streben, Dir ich dort dein Erbe werde! Diterich nach Dr. Ahasverns Fritsch. Offenb. 21, 7.) 4. O wer sollte sich nicht sehnen, Aufgelöst und da zu seyn, Wo nach ausgeweinten Thränen Ewge Güter uns erfreun, Wo sich unser Kreuz in Palmen, Unser Klagelied in Psalmen, Unsre Last in Lust verkehrt, Die forthin kein Kummer stört! 5. Sey, o Seele, hoch erfreuet Ueber das erhabne Glück, Das dir einst dein Gott verleihet; Nichte deines Glaubens Blick Oft nach jener Stadt der Frommen, Mit dem Ernst, dahin zu kommen; Trachte, weil du hier noch bist, Nur nach dem, das droben ist! Mel. Womit soll ich. 647. Dwie unaussprechlich selig Werden wir im Himmel seyn! Da, da ernten wir unzählig Unsers Glaubens Früchte ein; Da wird ohne Leid und Zähren Unser Leben ewig währen. Gott, zu welcher Seligkeit Führst du uns durch diese Zeit! 2. Dann wirst du dich unsern Seelen Offenbaren wie du bist; Keine Wonne wird uns fehlen, Da wo alles Wonne ist; Zu vollkommnenSeligkeiten Wird uns dort der Mittler leiten, Der uns dieses Glück erwarb, Als am Krenz er für uns starb. 3. Da wird deiner Frommen Menge Ein Herz, eine Seele seyn; Dienst und Dank und Lobgesänge Dir, erhabner Gott, zu weihn, Dir, und dem, der selbst sein Leben Willig für uns hingegeben; Mit ihm, unfrem größten Freund, Sind wir ewig dann vereint. 6. Ohne Heiligung wird keiner, Herr, in deinen Himmel gehn; O so mache immer reiner Hier mein Herz, dich einst zu sehn: Hilf du selber meiner Seele, Daß sie nicht den Weg verfehle, Der mich sicher dahin bringt, Wo man ewig dir lobfingt! Nach Schmolt. Mel. Wenn mein Stündlein.( Joh. 17, 24.) 648. Der Trennung Last liegt schwer auf mir; Ich liebe fie, die meinen. Laß einen Lichtstrahl mir von dir, Herr, auf die Frag erscheinen: ,, Werd ich nach meinem Tode gleich In deinem ewgen Königreich Die meinen wieder sehen?". 2. Ich höre schon von deinem Thron Des Geistes Stimm ausgehen; Sie zeugetmir: durch Gottes Sohn Wirst du sie wie XX. Die letzten Dinge. dersehen! Wenn du durch ihn| der sehen. Gottlose häufen nur bist Gottes Kind, Wenn sie in ihm gestorben sind, So findet ihr euch wieder. die Pein Mit ihrer Brüder Wehen; Dort fühlt der Lüstling sein Gericht, Und er verlangt die Brüder nicht zu sehn im Feuerpfuhle. 3. Die fromme Seele trennt sich nicht Von gleich gesinnten Frommen; Sie werden all in Gottes Licht Aufs neu zusammen kommen, Von keinem Tode mehr getrennt; Denn Gottes Engel, der sie kennt, Versammelt die Erwählten. 7. Drum bitt ich dich durch Christi Blut, Erbarmer in der Höhe: Mach meine Lieben fromm und gut, Daß ich sie wieder sehe! Auch mich erhalte dir getreu; Dann, Vater, bin ich auch dabei, Wann sich die Lieben finden. 512 4. DerFromme sieht den frommen Mann, Der Christ den Christen wieder; Das Weib trifft ihren Gatten an, Der Bruder seine Brüder; Die fromme Mutter küßt ihr Kind; Denn alle Auserwählten find In Gottes Stadt beisammen. 5. Zum Berge Zion kommen wir, zu Gottes Stadt im Himmel, Wo Engel stehen, Herr, vor dir Im jauchzenden Gewimmel; Zu der Gemeinde Strahlenchor, Zu Geistern steigen wir empor Vollendeter Gerechten. ( Ebr. 12, 22 2c.) 6. Doch Frommen nur wirds Freude seyn, Wenn sie sich wie8. O Jesu, welch ein Tag für dich, Ein Festtag voll Erbarmen, Wenn so viel tausend Seelen sich Vor deinem Thron umarmen! Dann bluten Herzen nimmermehr, Dann ist das Aug von Thränen leer, Denn du haft sie getrocknet. 9. Weint nicht, ihr Lieben, denn gewiß Sollt ihr mich wieder finden In Gottes Stadt, im Paradies, Von Fesseln frei und Sünden. Auch unser Staub wird auferstehn! O Wiedersehn, o Wiedersehn, Wie tröstest du die Seele! Nach Schubart. Mel. Wachet auf! ruft.( Offenb. 14, 13. 7, 14-17.) 649. Selig find des Him-| desschlummers folgt Entzücken, mels Erben, Die Todten, die im Herren sterben, Zur Auferstehung eingeweiht! Nach den legten Augenblicken Des ToFolgt Wonne der Unsterblichkeit! Im Frieden ruhen sie, Los von der Erde Müh, Hofianna! Vor Gottes Thron, E. Ewiges Leben. I Zu seinem Sohn Begleiten ihre Werke sie. 2. Dank, Anbetung, Preis und Ehre, Macht, Weisheit, ewig, ewig Ehre Sey dir, Verfühner, Jesu Christ! Ihr, der Ueberwinder Chöre, Bringt Dank, Anbetung, Preis und Ehre Dem Lamme, das geopfert ist! Er fank wie wir ins Grab, Wischt unsre Thränen ab, Alle Thränen! Er hats vollbracht! Nicht Tag, nicht Nacht Wird an des Lammes Throne seyn. 513 3. Nicht der Mond, nicht mehr die Sonne Scheint uns alsdann; er ist uns Sonne, Der Sohn, die Herrlichkeit des Herrn. Heil, nach dem wir weinend rangen, Nun bist du, Heil, uns aufgegangen, Nicht mehr im Dunkeln, nicht von fern! Nun weinen wir nicht mehr, Das Alte ist nicht mehr, Hallelujah! Er sank hinab, Wie wir ins Grab; Er gieng zu Gott, wir folgen ihm! Klopstod, g. 1724 † 1803. Mel. Nun preiset alle.( Offenb. 21.) 650. Ich hab von ferne, Herr, deinen Thron erblickt, Und hätte gerne Mein Herz vorausgeschickt und hätte gern mein müdes Leben, Schöpfer der Geister, dir hingegeben! 2. Das war so prächtig, Was ich im Geist gesehn! Du bist allmächtig, Drum ist dein Licht so schön! Könnt ich an diesen hellen Thronen Doch schon von heute an ewig wohnen! 3. Nur bin ich fündig. Der Erde noch geneigt, Das hat mir bündig Dein heilger Geist gezeigt; Ich bin noch nicht genug gereinigt, noch nicht ganz innig mit dir vereinigt. 4. Doch bin ich fröhlich, Daß mich kein Bann erschreckt; Ich bin schon selig, Seitdem ich das entdeckt. Ich will mich noch im Leiden üben Und dich zeitlebens inbrünstig lieben. 5. Ich bin zufrieden, Daß ich die Stadt gesehn; Und ohn' Ermüden Will ich ihr näher gehn Und ihre hellen, goldnen Gaffen Lebenslang nicht aus den Augen lassen! Dr. Johann Timotheus Hermes, g. 1738 † 1821. SHARES PO Mel. O Jerusalem.( Offenb. 7, 9--17.) iunie 2 hohem Schall. GISS 651. Wer sind die vor| fingen all, Loben Gott mit Gottes Throne? Was ist das für eine Schaar? Träget jeder eine Krone, Glänzen wie die Sterne klar, Hallelujah Evangelisches Gesangbuch. 2. Wer sind die, so Palmen tragen, Wie ein Sieger in der Hand, Wenn er seinen Feind 33 XX. Die letzten Dinge. geschlagen, Hingestrecket in den stillet ist; Denn sie sind bei Sand? Welcher Streit und Jesu Christ. welcher Krieg Hat erzeuget diesen Sieg? 3. Wer sind die in reiner Seide, Welche ist Gerechtigkeit, Angethan mit weißem Kleide, Das bestäubet keine Zeit Und veraltet nimmermehr; Wo sind diese kommen her? 8. Dahin reck auch ich die und Hände, O Herr Jesu, zu dir aus! Mein Gebet ich zu dir wende, Der ich noch in deinem Haus Hier auf Erden steh im Streit: Treibe, Herr, die Feinde weit! adom 4. Es sind die, so wohl gerungen Für des großen Gottes Ehr, Haben Welt und Tod bezwungen, Folgend nicht dem Sünderheer, Die erlanget in dem Krieg Durch des Herren Arm den Sieg. 13019898 9. Hilf mir in dem Kampfe stegen Wider Sünde, Höll und Welt; Laß mich nicht danieder liegen, Wenn ein Sturm mich überfällt. Führe mich aus aller Noth Du, mein Fels, mein Herr und Gott! 5. Es find Zweige eines Stammes, Der uns Huld und Heil gebracht; Es sind die, so in des Lammes Nachfolg Angst und Noth durchwacht; Nun sind 10. Gib, daß ich sey nengeboren, An dir als ein grünes Reis Wachse und sey auserforen Zu des ewgen Vaters Preis; Daß ich mich bewahre rein, Meide jeden falschen Angn sie erlöst vom Leid Schein. 514 Und geschmückt im EhrenFleid. 6. Es sind die, so stets erschienen Hier als Priester vor dem Herrn, Tag und Nacht bereit, zut dienen, Leib und Seel geopfert gern; Nunmehr stehn sie all herum Vor dem Stuhl im Heiligthum. 7. Wie ein Hirsch am Mittag lechzet Nach dem Strom, der frisch und hell: So hat ihre Seel geächzet Nach dem rechten Lebensquell, Wo ihr Durst ge11. Daß mein Theil sey bei den Frommen, Welche, Herr, dir ähnlich sind, Und auch ich, der Noth entnommen, Als ein treues Gotteskind Dann, genahet zu dem Thron, Nehme den verheißnen Lohn. 12. Welches Wort faßt diese Wonne, Wenn ich mit der Heilgen Schaar In dem Strahl der reinen Sonne Leuchte wie die Sterne klar: Amen, Lob sey dir bereit, Dank und Preis in Ewigkeit! Api empo Liddag Cap. Vers. Erstes Buch) Mosis. 1 63 2 271 3 8 18 32 Zweites Buch Mosis. 15 2 20 12 23 20 33 14 414 Drittes Buch) Mosis. 26 2 271 Fünftes Buch Mosis. 4 11 5 28 29 14 19 28 26. 27 2. 3 Psalm. 1 2 22 19 10 Esra. 8 Nehemia. 13 31 Hiob. 1 8 35 78234 29 6-21 1. 6 9 3. 4 12 32 Josua. 24 15 498. 502 Erstes Buch Samuelis. 2 69 13 6-8 Erstes Buch der Chronik. 30 595. 617 192 14 15 17 Zweites Buch der Chronik. 9 43 16 20 5-13 15 492 213 22 21 9 1. 2 25-27 28 1-3 8 Verzeichniß der Bibelstellen über den Liedern. 10-12 6. 9 2. 3 5-7 Nro. der Lieder. 12 77 536 500 449. 534. 565 5 1 00339 509 4559 229. 269 277 241 28. 461 493 17 457 570 79 177 436 227 222 96 10579. 67. 10 EN 48. 594 250 32. 41 215 70 404 416 Psalm. 17 18 19 20 23 24 25 26 27 28 30 31 32 33 34 36 37 38 39 47 51 53 54 55 56 57 59 62 65 Vers. Nro. der Lieder. 5 71 15 2. 3 8-17 1-12 ÎÎÎÎÎ_....1-6 40 42 43 3 45 46 16525 72 92 7-10 99 18 466 8-10 52. 53 275 S567 89. 532 469. 481 26. 268 0297 414 94 9. 43. 260 274 1-6 5 IWNE TREATHOS 17 37-39 22 5-11 11 1 5. 6 9-12 3-14 19 7 8 23 6-8 2 8-11 17. 18 3 10-14 67 2. 3 68 559 562 346 539 60. 228. 537. 5 6 12 364 556 368 20 440. 477. 575. 591 593 10604 46 464 8584 cat344 201212 210 529 20181 01 40 31 292. 301. 302. 576 294. 301 112 367 572 574 10. 549 551 372. 463 267 541, 542 222 92 524 281 65 01 516 Pfalm. 73 74 77 80 84 85 86 89 90 91 92 95 100 102 103 104 107 109 110 111 112 115 116 118 119 121 123 126 127 130 132 133 136 138 139 Vers. 9 22. 23 23-26 28 16 11 15. 16 2.3 12. 13 11 3 12 14 17 14-16 1 1-8 2 24-29 - 1-5 10 13 15-18 + 7 12 15 15. 16 23. 24 25 530 30. 55. 3. 189. 518 1302 5 589 59. 538. 544 1-22 70 21. 26 2c. 578. 582 3 205 1 20. 14. 437 1. 4 566 504 566 520 lalalalal2 5. G 1. 2 9 9 43 50 94 105 165 c. 340 1-4 Verzeichniß der Bibelstellen. Bin Psalm. 143 ا Nro. der Lieder. 2 521 107 68. 345. 351. 398 357 583 488 214 270 554 528 26 323 441. 585 563 514. 515 76 492 573 38 35 618 167 104 549 512 206 236 8 3232 19. 571 516 490 531 464 495 456. 499 290 283 430 27. 547 36 39. 42. 44 145 146 147 148 150 14 16 18 20 23 30 6 9 11 12 21 28 30 35 38 40 Sprüche Salomos. Cap. 3 10 42 43 44 45 Prediger. 7 Jesaias. 46 49 Vers. 50 52 53 2 54 55 10 - 8.9 16 9 16-18 - Vers. 5. G 22 26 3.9 10 28 17. 18 26 30 7-9 17 15 3 6 2 1 2 11 29 15 21 10 1 15-17 11 26-31 1-3 1. 2 24. 25 3 22 5. G 15 4 13 15. 16 6 13-15 1 4. 5 10 Nro. der Lieder. 6 7 534 199. 302 47. 64 295 547 29 524 548 61 4 Nro. der Lieder. 374 499 504. 577 496. 68 577 526 400 41. 307 458 454 509 486 1. 37 102 197 158 564 222 369 375. 465. 472 388 631 591 12. 470 506 43. 58. 61. 372 96 366 149 223 149 38 74 522 106 482 142 129 129. 130 131. 138 51. 241 175 292 Cap. Vers. Jefaias. 55 56 57 GO 63 66 18 24 29 31 8. 9 10: 0. 2022~~; 4. 2 Jeremias. 3 5 10 15 17 9 12 13 Hesekiel. 11 18 33 12. 13 286 24 543 23 68 20 212 7 67 14 80. 390 19 19 391 7 11 c. 11. 22 3 25 19 0349 250 32 69 Klaglieder Jeremiä. 3 36 Hosea. 6 Micha. 2 7 Habakuk. 2 3 403 22-269. 533. 545 31-33 57 G 13 18-20 14 Haggai. 2 8 Sacharja. 2 9 19. 20 308 23 11 26. 27 10 9 10 1 Verzeichniß der Bibelstellen. Cap. Vers. Sirach. 1 Nro. der Lieder. Maleachi. 27 3 Weisheit. 3 74. 369 283 272 619 116. 296. 558. 581 127. 132 16-18 00229 1 9 7-14 1 4 15 Tobias. 3 22. 23 9 2 850 545 568 594 519 198. 202. 304 424 418 66 94 16 224 96. 107 90 264 158 281 467 619 19. 65 624 45 474 113 2 3 46 7 11 14 17 18 23 24 30 41 43 0235 6 50 Baruch. 4 7 1-4 23 Sattbáus. 9 10 12 13 14 10 13 3 16 6-9 11 19 20. 15 14-17 37 40 20 21 22. 23 28 18 12-14 22. 26 4-6 14-17 5 12-17 31 24-26 1-12 17 2-16 20 22 37 44 2C. 10 19. 20 25-32 33.057 7-11 20 1-23 37: c. 15-21 28-31 18 24-26 34. 27 S- 10 Nro. der Lieder. 436 585 366 476 509 483 228 434 236 592 226 483 232 55 14 523. 590 458 228 518 598 540 69 2.27 231 625 394. 453 266. 390 13. 14 289. 388. 409 21 403 23 405 37. 38 208. 229 28 450 10 377 38 2-6 26-30 $ 2.101 115. 117 120 251. 384 392 425 450 426 207 21 465. 482. 489. 546 517 249. 289. 328. 388. 399. 480 417 225 219 376 306 210 333. 377. 394. 308. 456.537 0 147 75. 76. 413 518 Cap. Vers. Matthäus. 18 21 22 23 24 25 26 27 28 11 12 13 14 16 Marcus. 5 8 9 10 Lucas. 34578900 11 20 21-35 1-11 15. 16 2-14 37 12 13 14 1-13 13-46 26-28 13 33 39 41 46 19 20 14 15 35 20. 34 23 6-9 13-16 1-10 32. 33 33-37 32-39 16 32 34 2C 49 6-9 24 16-24 1 Verzeichniß der Bibelstellen. Cap. Vers. Lucas. 15 1-7 Nro. der Lieder. 235. 273. 276 427 90. 91. 93 505 20-248 1 78. 79 2 10. 11 14 22 25-32 35 41-52 4-6 18. 19 14 13 2c. 5-15 62 10 23. 24 42 9. 1023 13 28 0 288 215 408 220. 221 90. 98. 634 635. 431 252 352 370 416 144 33 206. 212. 569 6628 155 387 494 244. 508. 627 92 423 1438 134. 443 85. 240 12 15-24 455 296 105. 108 36 119 118. 580. 600. 612 147 35. 120. 507. 513 97 230. 416 519 473 234 211 101. 112. 175 16 362. 385 15 7178. 226. 277 213 617 10208 057 412 114. 204 309 310 16 18 19 222 22 23 24 23 5 6 8 Johannes. 1 10 11 12 13 14 15 16 15-17 12-24 10 11-32 10 19-31 639 7.8 213 503 29: c. 42 444 100 311 19 20. 255 34. 42 20 144. 146 13 20. 29 1-14 16 29 2 2c. 5. 6 17 2c. 36 24 28. 29 33-35 40 48-51 53 2c. 56 20 63 68 12 36 51 1-30 16 25-27 24. 25 26 36 Nro. der Lieder. 75 293 $ 7515 1 15 34. 35 2-4 6-17 14. 15599 16 18-20 21 23 26 27. 28 4.5 7 13. 14 26 13. 14 24 176 209. 569 12. 62. 109. 116. 227 40 135 500 239. 388 85. 110. 638 597. 611 607 623 258 633 257.262 255 249. 253 PAIDE dd 233 383 116. 555 389 280. 616 88. 125. 128. 207. 224. 339. 463.506 180 25. 152 378 162. 590. 601. 629 537 610. 617LED 95 121 122 133. 217 181 182. 616 25. 81. 122. 126. 265. 349. 381 16 254. 353 195 181. 330. 334 7. 250. 535 21 140 161 161 194 552 Cap. Vers Johannes. 16 17 19 20 21 2 3 4 5 7 10 16 17 26-30 17 17 19 1 Apostelgeschichte. 1927. 31 19. 20 12 30. 31 58 36 43 14 17 4 5 27 3 6 9-11 15 17 19 20-23 24 26 7 2 5 8 24 Römer. 1 2 3 23 22 31 16. 17 4-11 - 502 27. 28 8 263 30. 31 16 22-28 5 8 24. 25 1.2 8-11 12-18 1-15 Verzeichniß der Bibelstellen. 16 14-25 18-25 2 3.4 11 13. 14 15-18 Nro. der Lieder. 520 645 0265 391 276. 279 401 217 183. 185. 598. 648 354 137 136 144 180. 182 356. 362 380 am 19-25 26 28-30 193 162/ i 303 1983. 318. 362. 587 174 T157. 596. 613 337 230 041 1471 284 338 231 49. 311 78 313. 315 314 595 171 78 154. 622 142. 359 168. 241. 389 299 80. 291 418 201 291 178 200 197. 378. 402. 475. 642 311 $ 196 14. 17. 85.105. 152. Cap. Vers. Römer. 8 28-39 286 531 462. 546 33 25. 26 6-16 9123 11 12 13 2 3 6 7 10 11 12 13 15 14 16 Erster Corintherbrief. 1 T86 40 1 OF 11. 12 8.9 20 345 15-20 30 2c. 12 13 F 223 7-9 45. 317 640 18-31 192. 369. 385. 437 6.7 435 9 356 2701283 17 101459 14 104 2016 2c. 31 23-25 26-29 486 Sat 7 3 4 11 Nro. der Lieder. 331. 336. 343. 351. 373. 383. 0527 119 150. 608 33 429. 446 20 21 20. 18 16-18 1-10 14-21 6 4-10 16 8 9 97 9. 10 12 13 4 5 13 239 130. 138. 153. 155. 3weiter Corintherbrief. 172. 174. 1 378. 401 12-27 1-8 422 12 631 13 422 3-8 171 10 570 19-23 139. 163. 621 33 442 49 53 55-58 195 08 203 ST 202 0259247 246. 249. 255. 256. 257. 259, 260 OL 173 358. 459. 460. 510 24 443 45. 487 261108 2610 196. 205 es 519 620 632 108. 166. 168. 615. 618 230 341 344 80 553 60111 431 334 365. 471. 475 49. 586. 620. 637 136. 151. 165. 262. 281.327. 342. 360 329. 386. 488. 344 326 278 520 Cap. Vers. Galater. 4 5 6 2 3 4 Epheser. 1 6 2 3 4 3. 4. 16. 17 20 Ter 11-16 22-24 25 30€ 500% 2% 9. 10 13 14 3-5 6-8 9 2 13 4. 5 0 537 $ 130 319 16: c. 24 20.80. 140 203 22 2 2003 216 298 50 415 139. 327 Philipper. 1 3 3-12 17-23 5-7 8.9 Nro. der Lieder. 155 313 1531 153. 256. 361. 395. 15-17 19. 20 4 5-8 10-20 12-18882 16-19 1-6 6 10. 11 21 23 9-11 12. 13 7-16 1980 20 6 656 Verzeichniß der Bibelstellen. 10-14 19. 20 22. 23 3 6. 7 12-15 1-4 12-15 16. 17 U70 osa SEP Coloffer. 031 184. 199. 204 87. 107 316 Indy OBS 118 198 2496. 558 203550 0172. 285. 296.444 54. 287 02 34. 204. 425. 448. 497 216. 282. 406 407 1: 505 SS517 451 201 127. 132. 424 436 64. 66 245. 433. 438. 243. 317. 407 414 606 0468 186 438 218. 392. 394. 397. 413 21 419. 421 452 330 70. 329 88 593 359 161. 243. 359 169 1 179. 182. 344 446. 501 89 275. 516 Cap. Vers. Nro. der Lieder. Erster Thessalonicherbrief. 4 626 609.629 550. 560 645 5 2 Zweiter Thessalonicherbrief. 2 63 3 432 2 4 Erster Brief an Timotheus. 1 2 13 14 3 5-8 8-10 17 23 4 13. 14 1. 2 2 6 Zweiter Brief an Timotheus. 1 9. 10 0113. 173 182 12 8324 13. 14 AT 123 HELON 25300 T 377. 379. 380 8 T252 198 11. 12 19 22 2 20. 6 Brief an Titus. 1 283 405 9 16 11-14 4-7 16 103. 314 2 3 237, 238 Erster Brief des Petrus. 1 13-17 84. 146. 300. 332. 264 338 SH1021 335. 6. 433 1-4 4-6 6-10 12 13 16 18 2c. 22 24 9 21-25 10. 11 12 13 17 20. 5. 6 7 0.86. 145 7 8.9 1. 2 4-6 12 24. 453. 484HBGN 380. 386 0 164. 186. 485 240. 287. 316 511 $ 0 283 8596 8 451 42. 467 31 439 5 445 371 Zweiter Brief des Petrus. 1 10. 11 14 9 421 10 Te- 603 295 48 159. 160 588 242.561 124. 131. 141. 154. 393 3 Erster Brief des Johannes. 1 114- 297. 305 2 190. 6057 57. 523 123. 137. 325. 355 321 Cap. Vers. Nro. der Lieder. Erster Brief des Johannes. 2 15-17 327. 360. 396. 404 588 3 4 1 7.8 10 16 19 20. 21 2-5 11. 12 18 Ebräerbrief. 1 5 6849 28 5. G 14-18 14 20. 17 20. 13 14 16. 17 1. 2 9. 11 12. 13 15. 16 17-20 24. 25 1.2 14. 15 27 10 35. 36 11 7 12 - 1. 2 14 Verzeichniß der Bibelstellen. 6 9. 10 1-5 242. 355. 382 143 424. 428 211 423 53. 350 54. 348 121. 348. 350. 510 427 322. 387. 391 83. 108. 363 340 187 225 75 187 87 31. 309 441 259 320 617. 641 8617. 641 234 417. 481. 494 188. 332 183. 265 192 156. 294 592 73. 368. 447 312 365 148. 159. 386. 410 464. 478 Cap. Vers. Ebräerbrief. 12 13 D 3 4 5 Brief des Jacobus. 12 1 2 3 4 6 Offenbarung Johannis. 170 7 14 15 14 9 19 20 21 14 17 22 17 21. 22 25 27 13-16 8 7-11 4-6 4.5 10 11 3 5 10 11 19 20 11 17 9-17 14-17 13 4 6-9 12 1-5 7 12-15 16. 17 21 Nro. der Lieder. 370 406 420. 604 282 110 478 13 235. 282 403 272 448 345 448 412 211. 402. 643 602 288 643 139 280. 411 479 254 61 636 37. 649. 651 480. 644 614. 631. 649 219 634 636 630. 646 650 647 617 347 491 521 $ 04 212 1 20 Boisd Verzeichniß der Liederdichter. Die Zahlen bedeuten die Numern der von jedem aufgenom= menen Lieder. CAL Adam, Albrecht. 17. Jugendschriften, lebt nach Niederlegung Alberti, Heinrich, geb. in Sachsen, seines Amtes in Calw. 222. Organist in Königsberg. 559. Auch Behemb, oder Böhme, Martin, geb. die Melodie ist von ihm. s in Lauban( Lausitz), Pfarrer dort. 610. Albinus, Johann Georg, geb. bei Weißenfels( Sachsen), zuerst Reftor, später Prediger in Naumburg. 598. Bengel, Dr. Johann Albrecht, geb. in Winnenden( Württemberg), zuerst Präceptor am niederen Seminar in Den. fendorf, starb als Prälat von Alpirsbach und Consistorialrath. 40. 144. 395. Allendorf, Johann Ludwig Konrad geb. bei Marburg( Hessen), gab als Hofprediger in Köthen die erste Sammlung der Köthnischen Lieder heraus; starb als Prediger und Schulvorstand in Halle ( Preußen). 631. Betichius, Johann. 514. Bidel, Johann Karl Daniel, geb. in Nassau, Consistorialrath und Superin. tendent in Mosbach. 282. 450. Bienemann, Dr. Kaspar, nannte sich auch Melissander; ein ausgezeichneter Kenner des Griechischen, daher er vom Kaiser Maximilian dem Zweiten einer Gesandtschaft nach Griechenland als Doll. metscher beigegeben wurde. Er starb als Generalfuperintendent in Altenburg ( Sachsen). 26. Angelus Silesius, so nannte sich in seinen Schriften Dr. Johannes Scheffler, in Diensten des deutschen Kaisers Ferdinand des Dritten, und Leib. arzt des Herzogs Sylvius Nimrod von Württemberg Dels. Er war geboren und lebte in Breslau( Schlesien). 63.- 132. 157. 233. 348. 353. 358. 360. 377. 379. Anneni, Hieronymus, Pfarrer im Kanton Basel, Herausgeber eines Ge sangbuchs. 276. 322. Anton Ulrich, Herzog zu Braun. schweig Lüneburg, Stifter der Ritter. Akademie in Wolfenbüttel. 18. 448. Arndt, Ernst Moriz, geb. auf der Insel Rügen( Preußen), seit 1816 Profeffor der Geschichte in Bonn am Rhein. 114. 324. 616. Arnold, Gottfried, geb. bei Meißen ( Sachsen), Prediger in Perleberg. Gein Tod wurde dadurch herbeigeführt, daß preußische Werber während seiner Predigt in die Kirche eindrangen, um junge Leute unter das Militär wegzunehmen, was ihn so sehr ergriff, daß er 10 Tage nachher am Nervenfieber starb. 122 ist aus dem Holländischen des Lodesteyn übersegt. 153. 369. 398. 401. 418. Uschenfeldt, gegenwärtig Predi. ger in Flensburg( Schleswig). S1. Bahnmaier, Dr. Jonathan Friede. rich, geb. in Oberstenfeld( Württemberg). Ale Professor der Theologie in Tübingen veranlaßte er die Einrichtung des Predi. ger- Instituts daselbst; starb als Dekan in Kirchheim unter Ted auf einer Visita. tionsreise in Owen. 220. 221. 513. Barth, Dr. Christian Gottlob, geb. in Stuttgart, Pfarrer in Mottlingen bei Salm. Herausgeber von Missions. und Birken, Sigmund von, nannte sich auch Betulius, geb. bei Eger in Böhmen, das er als Kind mit seinen Eltern des Glaubens wegen verlassen mußte; Kaiser Ferdinand der Dritte erhob ihn seiner Dichtungen wegen in den Adelstand; er starb in Nürnberg 128. 131. 378. Böhmische Brüder. Sie leiten ihren Ursprung von Johann Huß, der 1415 in Konstanz verbrannt wurde, und von dessen Schülern her; seit 1457 waren sie zu einem Verein, feit 1467 zu einer firchlichen Gemeinschaft verbunden. Aus ihnen gieng die Herrnbuter Brüderge. meinde hervor. Jhre Lieder übersegte um das Jahr 1530 Michael Weisse, geb. in Schlesien, Pfarrer in Landskron und Fullneck aus dem Böhmischen ins Deutsche für seine Gemeinde, und fügte deren altere Lieder, so wie eigene hinzu. 61. 303. 507. Bogarty, Karl Heinrich von, geb. in Schlesien, lebte in Halle seit 1746, wo er seine Güter verfaufte und den Erlös dem daselbst von Frande gegründeten Waisenbause zukommen ließ. 208. 414. Bonin, Ulrich Bogislaus von, geb. in Pommern. Nach beinabe jebenjáb. rigen Kriegsdiensten in Preußen fieng er in seinem 25ften Jabre an unter France in Halle Theologie zu fludieren; er starb Verzeichniß der Liederdichter. als Rath eines Grafen Neuß zu Ebers. dorf. 587. Breithaupt, Dr. Joachim Justus, geb. in Nordheim( Braunschweig), Pro. feffor der Theologie in Halle starb als Prälat und Consistorialrath in Magdeburg( Preußen). 326. Bruiningf, von, f. Wobeser. Buchholz, Andreas Heinrich, geb. im Braunschweigischen, starb als Hofpre. diger und Superintendent in Braun. schweig. 489. Bürde, Samuel Gottlieb, geb. in Breslau( Schlesien), Hofrath und Kanz leidirektor daselbst. 23. 536. Burt, Philipp David, s. Rieger, Philipp Friederich. Busch, Peter, geb. in Lübec, Predi. ger in Hannover; gab das Hildesheimische Gesangbuch heraus. 312. Canig, Friederich Rudolph Ludwig von, geb. und gest. in Berlin, war mit verschiedenen hohen Staatsämtern in Preußen betraut. 3u 550, Vers 11: Canig verschied sanft, am offenen Fenster in die untergehende Sonne blickenb. 564. Chiomusus, f. Schneefing. Claudius, Matthias( Asmus, der Wandsbeder Bote), geb. bei Lübed, lebte in Wandsbeck bei Hamburg. 570. Clausniger, Tobias, geb. bei Mei. ben( Sachsen), schwedischer Feldprediger, starb als Prediger in Weiden( Oberpfalz). 274. Cramer, Dr. Johann Andreas, geb. im sächsischen Erzgebirge, Hofprediger in Kopenhagen( Dänemark), starb als Pro. feffor der Theologie und Profangler in Kiel. 38. 59. 73. 101. 238. 240. 340. 393. 399. 406. 433. 526. Craffelins, Bartholomäus, geb. bei Meißen( Sachsen), ein Schüler von Frande, Prediger in Düsseldorf( Preu. fen). 330. Eronegf, Johann Friederich von, geb. zu Anspach, Regierungsrath daselbst. 580. Crufius, Theodor. 402. Dach, M. Simon, geb. in Memel ( Preußen), Professor der Dichtkunst und Beredtfamfeit in Königsberg, gefrönter Dichter, dessen Dichtungen lange für die preußische Schule als Muster galten. 589. 601. 614. 523 vielleicht an Gift. Als Meister im Har. fenspiel fegte er seine Lieder selber in Musik. 36 und 160 sind aus dem Latei. nischen übersegt. Dann, M Christian Adam, geb. 1758 in Tübingen, in deffen Nähe er fpäter Pfarrer war in Deschingen und Mössingen, starb 1837 als Stadtpfarrer zu St. Leonhard in Stuttgart. 480. Decius, Nikolaus, lebte zur Zeit Luthers, und war wie dieser zuerst Mönch. starb als Prediger in Stettin( Pommern) Denite, David, geb. in Zittau( Sach. sen), Hof, und Consistorialrath in Han. nover. Mit Justus Gesenius gab er 1659 das alte Hannoverische Gesangbuch heraus, das die ersten Veränderungen älterer Lieder enthält. 229. 297. 317. 456. Deßler, Wolfgang Christoph, geb. in Nürnberg, war zuerst Goldschmid, seine Kräntlichkeit veranlaßte ihn aber zum Studieren, starb als Conrektor in Nürn. berg. 339. Dippel, Johann Konrad, Arzt und Naturforscher, seiner Zeit durch theolo. gische Streitschriften bekannt, in denen er sich Christianus Democritus nannte, starb als Kanzleirath in Berleburg. 291. Diterich, Johann Samuel, geb. in Berlin, Probst und Consistorialrath dort; veränderte viele ältere Lieder. 298. Nach Gellerts moralischen Schrif'en ist 440 gedichtet. Drese, oder von Drefen, Adam, geb. in Thüringen, Kapellmeister zuerst bei Herzog Bernhard von Weimar, dann in Arnstadt( Schwarzburg- Sondershausen). Früher ein Bergnügling, wurde er durch Speners Schriften dessen Freund. 355. Auch die Melodie ist von ihm. Dürr, Leonhard Friedrich, Pfarrer in Kempten( Baiern). 512. Eber, Dr. Paul, geboren in Rigin. gen( Baiern), Melanchthons Schüler und Freund, Professor der Theologie und zu legt Superintendent in Wittenberg. 492. Eberhard Friederich, Prinz von Hohenlohe Kirchberg, Verfasser eines Gebetbuches und mehrerer geistlicher Lie. der. Starb mit seiner frommen Gemah. lin fast in der gleichen Stunde. 9. Edeling, Christian Ludwig. 3inzen. dorfs Hofmeister, geb. in Sachsen, starb als Prediger dort in Schwanebed. 343. Grafin Emilie Juliane, legte von Barby, 1665 mit Albrecht Anton Grafen von Schwarzburg. Rudolstadt vermählt, dichtete 590 auf den plöglichen Tod des Herzogs Johann Georg von Sach fen.Eisenach auf der Jagd 1686. Efchenburg, Dr Johann Joachim, geb. in Hamburg, Professor in Braun. schweig, starb nach mehr als 50jährigen Diensten als Geheimer Justizrath dort. 497. 611. Fabricius, Dr. Jafob, f. Gustav Adolph. Feddersen, Jakob Friederich, geb. in 524 Verzeichniß der Liederdichter. Schleswig, Prediger in Braunschweig, starb als Consistorialrath und Probst in Altona. 120. 522.J 10-18 Fischer, Dr. Eberhard Ludwig, starb als Hofprediger, Prälat von Adelberg und Consistorialrath in Stuttgart. 243. 281. 546. Flemming, Dr. Paul, geb. im sächs. fchen Erzgebirge, gieng in Holsteinischen Diensten als Arzt mit einer Gesandtschaft nach Moskau, und später nach Jspahan in Persien auf der legten Reise dichtete er das Lied 367 und die Melodie. Er starb in Hamburg. Flitner, Johann, geb. in Sachsen, Prediger in Pommern. 115. Die Me. lodie ist von ihm; das Lied wird übrigens auch dem Laurentii zugeschrieben. Frand, Johann, starb als Bürger. meister in seiner Vaterstadt Guben( Lau SR). 95 ist aus dem Lateinischen des Ambrosius: veni redemtor gentium über. feßt. 118. 251. 331. 529. Frand, Michael, geb. in Schleusingen ( Sachsen), wollte Anfangs studieren, mußte aber nach seines Vaters Tod das Baderhandwerk in Koburg erlernen. Nachdem er im 30jährigen Krieg um sein ganzes Vermögen gekommen war, wurde er Lehrer an der Stadtschule in Koburg. 588. Frand, Salomo, Consistorialsefretär in Weimar, wo er auch geboren ist. 20. 74. 162. 560. 608. Frande, Dr. August Hermann, geb. in Lübeck, Gründer des Waisenhauses und Pädagogiums in Halle im Jahr 1698, Professor der Theologie und Prediger in Halle. 372. 594. Frenzel, M. Johann, geb. in Anna. berg, Prediger in Zeiß, beides in Sachsen, gefronter Dichter. 539 ist nach Johann Arndt gedichtet. Freudentheil. 43. Freylinghausen, Johann Anasta. fius, geb. im Fürstenthum Wolfenbüttel, Frandes Gehilfe und Schwiegersohn, und dessen Nachfolger am Waisenhaus in Halle; Herausgeber eines Gesangbuchs. 84. 88. 436. 474. 576. Freystein, Dr. Johann Burkhard, Justizrath in Dresden. 438. Fritsch, Dr. Ahasverus, geb. in Thü. ringen, Consistorialpräsident und Kanz, ler in Jena. 646. Frobing, Johann Christoph, geb. zu Ohrdruf( Sachsen), Pfarrer bei Hildes. beim( Hannover). 25. Frommann, Dr. Johann Ulrich, geb. in Tübingen, Professor der Theologie dort. 284. Garve, Karl Bernhard, geb. bei Han. nover, Prediger der Brüdergemeinden in Berlin und an andern Orten, starb in Herrnbut. 69. 77. 163. 278. 384.515.530. Gellert, M. Christian Fürchtegott, geb. im sächsischen Erzgebirge, Professor der Philosophie in Leipzig. Er war ein großer Verehrer der älteren Kirchenlieder; die feinigen soll er in 11 Tagen verfaßt haben. 10. 32. 39. 53. 58. 70. 104. 178. 226. 232. 250. 266. 302. 325. 338. 374. 410. 413. 427. 428. 449. 453. 476. 483. 486.532. 551. 565. 585. 593. 642. Gerhard, Paul, geb. im Gebiete von Meißen( Sachsen): von 1657 bis 1666 Prediger in Berlin, wurde aber vom gro. ßen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Preußen entlassen( 373, Vers 10), weil er sich der öffentlichen Bekämpfung der reformirten Lehre nicht begeben wollte; starb als Archidiafonus in Lübben( Lau. 3). Geine geistlichen Lieder verfaßte er meist während des dreißigjährigen Krie. ges( 1618-1648). 27. 47. 64. 66. 68.93. 105. 112. 113. 129. 130. 141. 142.( nach dem Lateinischen des heil. Bernhard: Salve caput cruentatum) 198. 199. 349.( nach einem Abschnitt in Joh. Arndts wahren Christenthum.) 364. 371. 373. 447. 454. 462. 464. 469. 484. 487.( nach Johann Arndt.) 494. 518. 528. 533. 538.549.554. 571. 604. 627. Gesenius, Dr. Justus, geb. zu Eh. bed( Hannover), starb als Hofprediger und Generalfuperintendent in Hannover, f. Denife. 154. 225. Gotter, Ludwig Andreas, geb. in Gotha, starb als Hof- und Justizrath da. ſelbst. 5. 12. 315. Graf,( Gräf) Simon, geb. in Gie. benburgen, Pfarrer in Schandau( Sachsen), 606. Graumann, nannte sich auch Polian. der, Dr. Johann, geb. in Neustadt( Bay. ern), führte mit Speratus die Reforma. tion in Königsberg ein. 30. Der 5. Vers wurde um 1600 hinzugedichtet. Greding, Johann Ernst, geb. in Weimar, Rektor in Hanau, starb als Pfar. rer bei Hanau. 152. Gregor, Christian, geb. in Schlesien, Musikdirektor, und seit 1789 Bischof der Brüdergemeinde, sammelte mit von Wo. beser deren Gesangbuch, in welchem viele Lieder und einzelne Verse von ihm stehen. 191. Grüneisen, Dr. Karl von, geb. in Stuttgart, Hofprediger und Consistorial. rath daselbst. 259. 525. Gryphius, Andreas, gefrönter Dich. ter und vom Kaifer wegen feiner Dich Verzeichniß der Liederdichter. tungen geadelt, Landsyndikus in Glogau ( Schlesen) wo er auch geboren wurde. 622. Günther, Eyriafus, geb. bei Gotha, starb als Lehrer daselbst. 252. Gustav Adolph, König von Schwe. den, geb. 1594. Er zog 1630 der durch Raiser Ferdinand den 3weiten und seinen Feldherrn Wallenstein hart bedrängten evangelischen Kirche in Deutschland zu Hilfe, fiel aber schon in der Schlacht bei Lügen. 213 diftirte er seinem Feldpredi. ger Dr. Jacob Fabricius in seinem Belte und dieser brachte es in Verse. Die Melodie ist wahrscheinlich von Michael Altenburg. Fabricius ist 1593 geb. in Pommern, nach Gustav Adolphs Tode war er Generalfuperintendent und Professor der Theologie in Stettin, † 1654. Hahn, Johann Michael, geb. in Alt. dorf bei Böblingen( Württemberg), hielt sich in Sindlingen auf; ein Landmann, der durch seine theosophischen, auf heili. gung bringenden Vorträge und Schriften großen Anhang gewann. 273. 391. 437. Hardenberg, Friedrich von,( nannte sich Novalis) geb. in der Grafschaft Mans. feld( Sachsen), beim Salinenwesen in Sachsen als Assessor angestellt, starb in Weißenfels. 87. 165. 352. 363. Harsdörfer, Georg Philipp, Raths. herr in Nürnberg, wo er auch geboren ist. Stifter des peg nesischen Blumenordens. 537. Harttmann, M. Karl Friedrich, geb. 1743 zu Adelberg( Württemberg), unter Herzog Karl Professor auf der Solitude, später an der Karlsakademie, als Defan in Lauffen nahm er 1812 feine Entlassung, starb 1815. 475. Haßlocher, Johann Adam, geb. in Speyer, Hofprediger und Consistorialrath in Weilburg( Nassau), 403.( nach einem Abschnitt in Johann Arndts wahrem Christenthum), Hayn, Henriette Louise von, geb. in Jostein( Nassau), lebte feit ihrem 26. Jahre in Herrnhut, in der späteren Zeit als Pflegerin der Mädchen und ledigen Schwestern. 506. heder, M. Heinrich Cornelius, geb. in Hamburg, Pfarrer auf einem gräflich von Gedendorf'schen Gute bei Altenburg. 89. 110. 230. Tanrouletorgusun 525 Heermann, Dr. Johann Gottfried, geb. in Sachsen, Hofprediger in Dres. den. 56. Hedinger, Dr. Johann Reinhard, geb. in Stuttgart, starb als Consistorial. rath und hofprediger unter Herzog Eber. hard Ludwig. Das ,, Tausendliederbuch ist von ihm gesammelt. 392. 439. Heeren, Heinrich Erhard, geb. im Herzogthum Bremen, Domprediger in Bremen. 275. Heermann, Johann, geb. in Randen, Prediger in Koben, beides in Schlesien, lebte nach Niederlegung seines Amtes in Lissa( Posen), seine Lieder dichtete er während des dreißigjährigen Kriegs. 13. 138.( nach Augustins Meditat. Cap. 7.) 155. 173. 247. 356. 10 held, Heinrich, geboren und Sach. walter in Guhrau( Schlesien). 94. Helmbold, M. Ludwig, geb. in Thü. ringen, früher Professor, zulegt Super. intendent in Mühlhausen. Kaiser Mari. milian der 3weite ertheilte ihm 1566 auf einem Reichstag zu Augsburg den Dich. terlorbeerfranz. 366. 503. Hensel, Louise, geb. gegen Ende des vorigen Jahrhunderts in Berlin, lebt in Köln. 127. Herberger, Valerius, geboren und Prediger in Fraustadt( Posen). 599 dichtete er während einer Pest, die in Folge des dreißigjährigen Kriegs ausbrach. Hermann, Nikolaus, lebte zur Zeit Luthers; er war Lehrer und Vorsänger in Joachimsthal( Böhmen), und mit Mathe. sius seinem Freunde, Prediger daselbst, eifriger Förderer des Kirchengesangs. Auch einige Choräle sind von ihm. 605. nach Augustins: Turbabor, sed non perturbabor, quia vulnerum Christi recordain God who bor etc. Hermes, Dr. Johann Timotheus, geb. in Pommern, Superintendent in Breslau( Schlesien). 650. Hermes, Dr. Johann August, geb. in Magdeburg, Superintendent in Qued. linburg( Sachsen). 148. Herrnschmidt, Dr. Johann Daniel, geb. in Bopfingen( Württemberg), Profeffor der Theologie in Halle, und neben Frande Mitdirektor an dessen Gelehrten. schule. 29. 375. Herwig, Sophie, Tochter des verstor. benen Defans in Eslingen( Württem. berg). 223. Hey, Wilhelm, Superintendent in Jchtershausen bei Gotha. 431. Hiller, Friedrich Konrad, Kanzleiadvofat in Stuttgart. 204. 629. 644. Hiller, M. Philipp Friederich, geb. in Mühlhausen an der Enz, Pfarrer in Nedargröningen, dann in seinem Ge. burtsort und zulegt in Steinheim bei Heidenheim( Württemberg). 8. 14. 24. 35. 51. 54. 55. 79, 91. 99. 124. 137. 145. 146. 158. 183. 216. 228. 231. 264. 295 321. 323. 335. 337. 359 376. 389. 404. 408. 415. 432, 435. 442. 452. 455. 457. 526 459. 491, 521. 527. 569. 579. 3u 603: Hiller starb schnell an einem Schlagfluß. 609.612. 626. 637. 638.640. Hippel, Theodor Gottlieb von, geb. in Ostpreußen, Kriegsrath und Bürger. meister in Königsberg. 592. ban Höfel, Dr. Johann, geb. zu Uffen. heim, Rechtskonsulent in Schweinfurt ( beides in Bayern). 473. SSAP Hoffmann, M. Gottfried, geb. in Schlesien, mußte des Glaubens wegen mit seinen Eltern in seinem 8. Jahre nach Sachsen fliehen, starb als Rektor in Bittau: 625. Verzeichniß der Liederdichter. Homburg, Ernst Christoph, geb. bei Eisenach, Rechtskonsulent in Naumburg ( Preußen). 179. 1119 hosch, M. Wilhelm Ludwig, geb. in Hornberg( damals noch zu Württemberg, jegt zu Baden gehörig), Pfarrer in Gä. chingen bei Urach, zulegt in Midtlingen bei Böblingen. 465. Huber, Karl Amadeus. 333. Huber, M. Johann Ludwig, geb. in Großheppach( Württemberg), Oberamt. mann in Tübingen, von Herzog Karl 1764 willführlich entsegt und bis 1788 auf Hohenasperg gefangen gehalten, starb in Stuttgart. 541. Shamster Jacoponus, geb. zu Lodi im nörd. lichen Italien, Franciskanermönch. 147 ist Bearbeitung des Stabat mater dolorosa. Ingolstetter, Andreas, ein gelehr. ter Kaufmann und Rathsherr in Nürn. berg. 370. 445. Jonas, Dr. Justus, geb. in Nordhau. fen( Sachsen), Freund und Gebilfe Lu. thers, Professor des Kirchenrechts in Wittenberg, starb als Superintendent und Inspektor der fränkischen Kirchen in Eisfeld. 206. Juntheim, Dr. Johann Zacharias, Consistorialrath und Generalsuperinten. dent in Anspach; mit Uz Herausgeber des Anspachischen Gesangbuchs. 3u 567 dich. tete er zwei Verse. Kern, M. Gottlob Christian, geb. in Söhnstetten( schwäbische Alp), Professor am niedern Seminar in Schönthal, starb als Pfarrer in Dürrmenz- Mühlacker. 262. Keymann, M. Christian, geb. in Böhmen, gefrönter Dichter, Rektor in Zittau( Sachsen). 351. Klopstod, Friedrich Gottl., geb. in Quedlinburg( Sachsen), starb in Hamburg. 167. 246. 419. 562. 582. 632.643. 649. Knapp, M. Albert, geb. in Tübin. gen, Oberhelfer an der Stiftskirche in Stuttgart. 188. 192. 203. 242. 244. 279. 361.509. Knorr von Rosenroth, M. Chri, stian, geb. in Schlesien, Geheimerrath und Premierminister bei dem Pfalzgrafen zu Sulzbach. 555. Koppe, Johann Benjamin, geb. in Danzig, Professor der Theologie in Göt. tingen, starb als hofprediger und Consi. storialrath in Hannover. 510. Krüger, Johann Christian, starb in Berlin. 341. Krummacher, Dr. Friedr. Adolph, geb. in Westphalen, Prediger in Bremen. 72. 224. 508. 628. Kunth, M. Johann Sigmund, geb. in Liegnig( Schlesien), Superintendent in Baruth( Sachsen). 641. Ladmann, Peter, Frances Schüler und Freund, starb als Oberpfarrer und Schulinspektor in Oldenburg. 82. 558. Lange, Ernst, geb. in Danzig, Raths. berr dort. 422. Lange, Dr. Joachim, geb. in Branden. burg, Hofmeister bei Canig, mit France Professor der Theologie in Halle. 553. Laurentii, Laurentius, geb. in hol. stein, Cantor und Musikdirektor in Bre. men. 98. 109. 149. 174. 234. Lavater, Johann Kaspar, geb. in Zürich, Prediger dort, starb in Folge ei. nes Schusses in den Rücken, den er bei der Wiedereroberung von Zürich durch die Franzosen erhielt. 159. 171. 253. 258. 261. 272. 390. 429. 477. 481. 517. 524. 534. 581. 607. 615. Lehmus, Johann Adam, geb. in Ro. thenburg an der Tauber( Bayern), Super. intendent daselbst. 42. 71. 121. 168. 495. 499.573. aas Lehr, Leopold Franz Friederich, geb. bei Frankfurt am Main, Frances Schü. ler, Helfer in Köthen. 309. Leibniz, Gottfried Wilhelm von, geb. in Leipzig, wegen seiner Verdienste um die Wissenschaften von dem deutschen Kaiser Karl dem Sechsten in den Adel. stand erhoben, Hofrath in Hannover. 143 dichtete er am Charfreitag 1684. Liebich, Ehrenfried, geb. in Schlesien, war bis ins 16te Jahr Müller, starb als Pfarrer zu Lomnig und Erdmannsdorf. 45. 308. 420. 543. Loder, Friedrich Wilhelm, geb. in Regensburg, starb als Gothaischer Hof. und Consistorialrath in Ohrdruf. 227. 645. Löscher, Dr. Valentin Ernst, geb. in Sondershausen, Consistorialrath und Su. perintendent in Dresden, 254. Löwen,( Löwe) Johann Friederich, geb. in Thüringen, Registrator in Nostod. 396.( Uleberarbeitung eines äl. teren Liedes). 595. Ludämilie Elisabethe, Gräfin von Verzeichniß der Liederdichter. Schwarzburg Rudolstadt, starb als Vraut eines Grafen von Schwarzburg- Sonders. bausen an einem Tage mit ihrer Schwe. ster. 301. Ludwig, Herzog von Württemberg, Sohn des Herzogs Christoph, regierte zuerst unter Vormundschaft, von 1572 an aber selbständig, starb am Schlagfluß, ohne Nachkommen. Sein Better Frie. derich der Erste( im Lied 596 Vers 3. genannt), aus der Mompelgarder Linie folgte ihm. Luise Henriette, geb. Prinzessin von Oranien, Gemahlin des großen Kur. fürsten Friederich Wilhelm von Preußen. 177. 292. Luther, Dr. Martin, geb. und gest. in Eisleben, Professor der Theologie und Prediger in Wittenberg. 86. 166. 206 Vers 1-3. 212. 215. 237. 290. 600. Von ihm ist übersegt: Nr. 1. der Lobge. fang der Kirchenvater Ambrosius und Augustin: Te Deum laudamus. 34. das Nicanische Glaubensbekenntniß. Vor ihm war schon bekannt, und ist durch ihn ver. beffert: 33. 102. 195.( 2. 1. nahm Lu. ther unverändert auf), 111 nach Notfers des älteren, † 912, Sequenz: Grates nunc omnes umgearbeitet, nur B. 1. wurde am Christfest lange vor Luther schon gesun. gen. 194 ist alte Bearbeitung der von König Robert von Frankreich, † 1031, ge. dichteten Sequenz: Veni s. spiritus et emitte coelitus. 597 ebenfalls nach einer alten Uebersegung von Notfers Antiphone. media vita in morte sumus. Von Luther sind auch mehrere Melodieen. Marperger, Dr. Bernhard Walther, geb. in Hamburg, Hofprediger und Con. sistorialrath in Dresden. 271. 287. 365. Maufisch, Dr. Johann, geb. in Sachsen, Professor der Theologie in Dan. 319425. Melissander, f. Bienemann. Menten, Dr. Gottfried, Prediger in Bremen, wo er auch geboren ist. 471. Menger, Johann, geboren und Pfar. rer in der sächsischen Lausig. 4. Meyer, Johann Friederich von, Dr. der Rechte und der Theologie, geb. in Frankfurt am Main, bekleidet verschie, dene Staatsamter seiner Baterstadt. 357. 472. 620. Möller, früher Divisionsprediger in Münster. 175. 214. Mowes, Heinrich, geb. in Magde burg, machte die Befreiungsfriege gegen Napoleon mit, starb als Pfarrer in Al. tenhaufen bei Magdeburg. 468. Moller, Dr. Martin,( Möller) geb. in der Nähe von Wittenberg( Sachsen), 527 Oberpfarrer in Görlig. Ein Jahr vor seinem Tod erblindete er, predigte aber doch und verwaltete sein Amt fort. 493. Moser, Johann Jakob von, geb. in Stuttgart, Landschafts- Consulent, war als solcher längere Zeit von Herzog Karl willführlich auf Hohentwiel gefangen ge. halten. 207. Mudre, M. Johann Friederich, gebo. ren und Pfarrer in Sachsen. 116. Müller, Michael, geb. in Blanken. burg am Harz, starb als Hofmeister bei einem Herrn von Gaisberg auf Schaubeck ( Württemberg). 117. Münter, Dr. Balthasar, geb. in Lü. bed, deutscher Prediger in Kopenhagen ( Dänemarf). 210. 245. 267. 327. 329. 380. 426. 485. Muthmann, Johann, Pfarrer in Sachsen. 46. Nachtenhöfer, M. Kaspar Friede. rich, geb. in Halle, Prediger in Koburg. 103. Neander. Christoph Friedrich, geb. in Kurland( Rußland), Probst daselbst. 15. 441. Neander, Joachim, geb. in Bremen, starb als Prediger dort, Speners Freund. Er feste mehrere seiner Lieder in Musif. 3. 11. 60. 548. 568. 591. Neumann, Gottfried, Mitglied der Brüdergemeinde. 619 ist 1736 auf Chri. stian Ludwig 3inzendorfs Tod gedichtet. Neumann, Kaspar, geb. in Breslau ( Schlesien), Professor der Theologie und Prediger dort. 182. 257. 544. 578. Neumark, Georg, geb. in Thüringen, Bibliothefar in Weimar. 368( auch die Melodie ist von ihm). 552. Neumeister. M. Erdmann, geb. bei Weißenfels( Sachsen), Prediger und Schulvorstand in Hamburg. 248. 249. 310. 556. 583. Neunherz, M. Johann, geb. in Schmiedeberg, Prediger in Hirschberg, beides in Schlesien. 176. Nicolai, Dr. Philipp, geb. in der Grafschaft Walded, Prediger in Ham. burg. 347. 634. Niemeyer. Dr. August Hermann, geb. in Halle, Professor der Theologie und Kanzler dort. 434. 621. Novalis, f. Hardenberg. Pagfe, Johann Samuel, geb. bei Frankfurt an der Oder( Preußen), Pre. diger in Magdeburg. 22. Pfeffel, Gottlieb Konrad, geb. in Kolmar( Elsaß), Consistorialpräsident bort. Von seinem 21. Jahr an war er blind. 511. Pfeil, Christoph Karl Ludwig, Graf 528 Verzeichniß der Liederdichter. von, preußischer Gesandter beim schwä. bischen und fränkischen Kreise. 498. Poliander, f. Graumann. Rambach, Dr. Johann Jakob, geb. in Halle, erlernte zuerst bei seinem Vater das Tischlergewerbe, studierte nachher unter Frande Theologie, starb als Pro. feffor derselben und Superintendent in Gießen. 44. 49. 52. 85. 125. 126. 186. 190. 200. 241. 255. 314. 520. Ramler, Karl Wilhelm, geb. in Col. berg( Pommern), Professor der Aesthetik in Berlin. 135. Reuß. Ebersdorf, Gräfin Benigna von, 3inzendorfs Schwägerin. 516. Reusner, Adam, nachdem er mehrere wichtige Staatsämter bekleidet hatte, lebte er als Gelehrter in Frankfurt am Main, seiner Vaterstadt. 268. Richter, Dr. Christ. Friederich, geb. in der Niederlausiz( Preußen), zu Fran. des Zeit Arzt am Waisenhaus zu Halle. Seine und seines Bruders Arzneien, die sehr gesucht waren und zum Besten des Waisenhauses verkauft wurden, verschaff. ten diesem bedeutende Einnahmen. 107. 296. 334. 344. 354. 386. 387. 388. 488. Rieger, Magdalene Sibylle, Tochter des Prälaten Weissensee, Gattin des Re. gierungsraths Rieger in Stuttgart. 300. Rieger, Philipp Friederich von, geb. in Stuttgart, Günstling des Herzogs Karl von Württemberg, aber unerwartet von diesem nach Hohentwiel ins Gefäng, niß geschickt, später jedoch wieder begna, digt, starb als Generalmajor und Fe. stungskommandant auf Hohenasperg. Die meisten Verse des Liedes, aus dem Nro. 123 genommen ist, sind von ihm, einige von M. Philipp David Burt, geb. in Neuffen, gestorben als Defan in Kirchheim unter Teck, Freund und Schwie. gersohn von Johann Albrecht Bengel. Rindart, M. Martin, geboren und Archidiakonus zu Eilenburg( Sachsen). 2. Ringwaldt, Bartholomäus, Predi. ger in Langfeld( Brandenburg). 289. 294. Rist, Johann, geb. bei Altona, Pre diger in Holstein, mecklenburgischer Kir, chenrath, gefronter Dichter. 90. 260. 572. Rodigast, M. Gamuel, geb. bei Jena, Rektor in Berlin. längere Zeit in genauer Verbindung mit 3inzendorf. 332. 397. 624. Rüdert, Friederich, geb. in Schwein. furt, Professor der orientalischen Spra. chen in Berlin. 100. Sacer, Dr. Gottfried Wilhelm, geb. 1635 in Naumburg( Sachsen), Kammer. fonsulent in Wolfenbüttel, gefrönter Dichter, starb 1699. 181. Sachs, Hans, Schuhmacher und Mei. ftersänger in Nürnberg. Seine Lieder waren für die Reformation förderlich. 482. Wahrscheinlich ist auch die Melodie von ihm. 461. Röding, Johann Heinrich, geb. in Hamburg, Lehrer dort, bildete sich durch eigenen Fleiß ohne fremden Unterricht heran. 150. Rothe, Johann, Lehrer in Beuggen, lebt in Basel. 423. Rothe, Johann Andreas, geb. in Schlesien, Pfarrer bei Bunzlau, stand Sachse, Dr. Christian Friederich Hein. rich, gegenwärtig Hofprediger in Alten. burg. 617. Schade, M. Johann Kaspar, geb. in Thüringen, Frances und Speners Freund, Diafonus in Berlin. 307. 328. 463. Schalling, Martin, geb. in Straß. burg, zulent Prediger in Nürnberg. 346. Scheffler, s. Angelus. Scheitt, Dr. Christian Ludwig, Hof. rath und Bibliothekar in Hannover. 316. Schent, M. Hartmann, geb. bei Eife. nach, starb als Helfer in Ostheim in Thü. ringen. 277. Schink, Johann Friederich, geb. in Magdeburg, Bibliothekar in Sagan ( Schlesien). 547. Schirmer, M. Michael, geb. in Leip. zig( Sachsen), Conrektor in Berlin. 96. 196. Schlegel, Dr. Johann Adolph, geb. in Meißen( Sachsen), zulegt General. Superintendent von Calenberg( Hann 119. Schlicht, Levin Johann, geb. in Sachsen, Prediger in Berlin. 575. Schlosser, M. Johann Ludwig, geb. im Großherzogthum Hessen, Prediger und Schulvorstand in Hamburg. 504. ver). Schmidt, Johann Eusebius, geb. in Thüringen, Schüler und Freund Frances, Pfarrer bei Gotha. 211. Schmolt, Benjamin, geb. zu Bran. chitschdorf, Prediger in Schweidnik( bei. des in Schlesien). Sieben Jahre vor sei. nem Ende wurde seine rechte Seite durch Schlaganfalle geläbmt, und später erblin. dete er. 6. 65. 76. 134. 136. 164. 239. 269. 270. 350. 400. 411. 467. 478. 479. 501. 531. 535. 545. 563. 574. 577. 594. 633. 647. Schneefing, Johann, nannte sich auch Chiomusus, zur Zeit der Reforma. tion Pfarrer bei Gotha. 305. Schöner, Johann Gottfried, geb. bei Schweinfurt( Baiern), Prediger in Nürnberg. 31. 421. Schröder, Johann Heinrich, geb. im Hannoverischen, Pfarrer bei Magdeburg. 385. 417. Verzeichniß der Liederdichter. Schubart, Christian Friederich Da. niel, Organist und Musikdirektor in Lud. wigsburg, wegen einiger seiner Gedichte von 1777-87 von Herzog Karl auf Ho. henasperg gefangen gehalten, während Rieger Commandant dort war; zulegt in Stuttgart angestellt. 21. 161. 648. Schüß, Johann Jakob, Rechtskonsu. lentin Frankfurt, ein Freund von Spener; 28 ist das einzige Lied von ihm. Schwab, Gustav, geb. in Stuttgart, Professor am dortigen Gymnasium, gegen. wärtig Ober. Consistorialrath daselbst. 537 Schwämlein, Georg Christoph, geb. in Nürnberg, Rektor daselbst. 362. Schwerin, Otto von, geb. zu Stet. tin, unter dem großen Kurfürsten Friederich Wilhelm von Preußen erster Mini. ster, über 25 Jahre in den wichtigsten Geschäften und Angelegenheiten bei Kriegs und Friedenszeiten gebraucht, jugleich Oberhofmeister der Kurfürstin Luise Henriette auf deren Befehl er ein Gesang. und Gebetbuch sammelte. 523. Seiz, M. Johann Ferdinand, geb. zu Rombach auf dem württembergischen Schwarzwald, Helfer in Besigheim, starb als Stadtpfarrer in Sindelfingen; Schwiegersohn des Prälaten Detinger. 187. Gelneder, Dr. Nifolaus, geb. bei Nürnberg, Melanchthons Schüler und Freund, Professor der Theologie und Hof. prediger in Leipzig. Auch einige Melo. dieen sind von ihm. 209. Spalding, Dr. Johann Joachim, geb. in Pommern, Consistorialrath und Probst in Berlin. 602. Spangenberg, August Gottlieb, geb. in Sachsen, 3inzendorfs Gehilfe bei der Gründung von Brüdergemeinden in England und Nordamerika, zulegt Bischof in Herrnhut. 205. Spener, Dr Philipp Jakob, geb. in Rappoldsweiler im Elsaß, Probst und Consistorialrath in Berlin. 169. Spengler, Lazarus, vorderster Nath. schreiber seiner Baterstadt Nürnberg, Freund Luthers und eifriger Beförderer der Reformation in Nürnberg. 78. 529 einführte. Auch einige Melodieen sind von ihm. 313. 320. Sperl, fatholischer Priester in Bay. ern. 75. peratus, Dr. Paul, aus dem schwä. bischen Geschlechte der von Spretten, Durch Luthers Empfehlung Hofprediger des Herzogs Albrecht von Preußen, wo er mit Grauman 2c. die Reformation Evangelisches Gesangbuch. Spitta, Karl Johann Philipp, geb. in Hannover, Prediger in Hameln( Han. nover). 172. 286. 382. 383. 500. 502. Stäublin, Gotthold Friederich, Ad. vofat in Stuttgart. 623. Stegmann, Dr. Josua, geb. in Fran. fen, Professor der Theologie und Super. intendent in Rinteln( Hessen). 7. Stier, Rudolph, geb. in Fraustadt ( Posen), Prediger in Wichlinghausen bei Elberfeld. 219. Storr, Dr. Johann Christian, geb. in Heilbronn, Stiftsprediger und Son. sistorialrath in Stuttgart. 342. Vielleicht auch 19. Sturm, M. Christoph Christian, geb. in Augsburg, Hauptprediger und Schul. vorstand in Magdeburg, starb am Blut turz in Hamburg. 108. 285. Taddel, Christian Ludwig, geb. in Rostock( Pommern), Hofrath und Kanzlei direktor daselbst. 170. Tafinger, Dr. Wilhelm Gottlieb, geb. in Baihingen an der Enz( Württem. berg), Prälat und Consistorialrath, gab das alte württembergische Gesangbuch heraus. 409. in Tersteegen, Gerhard, geb. zu Mört Westphalen, besuchte bis in fein 15. Jahr das Gymnasium daselbst, trat dann zu einem Kaufmann in die Lehre, zog sich aber nachher nach Mühlheim an der Ruhr zurüc. 106. 140. 184. 201. 218. 263. 345. 416. 561. 566. 586. Thilo, Balentin, geb. in Königsberg. Professor der Beredtsamkeit daselbst. 97. Thomas von Celano, Mönch in einem Minoritentloster, höchst wahrscheinlich Dichter der berühmten Sequenz: Dies irae etc. 636. Titius, M. Christoph( Tize), geb. in Schlesien, Pfarrer bei Nürnberg. 466. Uz, Johann Peter, geb. in Anspach, preußischer Geheimer Justizrath, Mitar. beiter am Anspachischen Gesangbuch. 540. Weber, Johann. 542. Wegelin, M. Josua, Pfarrer in Augsburg, später zu Presburg in Ungarn. 185. Wegleiter, Dr. Christoph, geb. in Nürnberg, gefrönter Dichter, Profesſor der Theologie in Altdorf( Bayern). 336. Weiffel, Georg, geb. in Preußen, Prediger in Königsberg. 83. 92. Weissensee, M. Philipp Heinrich, geb. zu Vichberg bei Schwäbisch Hall, Prälat von Denkendorf, während Bengel 34 Verzeichniß der Liederdichter. 530 am dortigen niedern Seminar Klosterprä. ceptor war. 265. Weffenberg, Ignaz Heinrich von, Freiherr von Ampringen, geb. in Dres, den, 1814-27 Coadjutor in dem nun auf gelösten Bisthum Konstanz. 202. Weydenheim, Johann. 311. Wieland, M. Johann Martin, Pfarrer in Kleinbottwar( Württemberg). 407. Wilhelm, der 3weite, Herzog zu Sachsen- Weimar, geb. zu Altenburg, starb in Weimar. 16. Winkler, Johann Joseph, geb. im Gebiet von Meißen( Sachsen), Consisto. rialrath und Domprediger in Magdeburg. 412. 470. Wobeser, Ernst Wetislaus Wilhelm oon, geb. in der Mark Brandenburg, Major, starb als Mitglied der Brüderge. meinde in Herrnhut( s. Gregor). 139 ist von ihm und seinem Freunde Heinrich von Bruining f. Wolf, Dr. Johann Gabriel, geb. in Greifswalde( Pommern), Professor der Rechtswissenschaft in Halle. 394. Woltersdorf, Ernst Gottlieb, geb. be Berlin, Prediger in Bunzlau( Schle. sien), Gründer des dortigen Waisenhau. fee. 156. 256. Würfert, L., erster Diafonus zu Mittweyda( Sachsen). 50. 3 eller, Christian Heinrich, geb. auf Hohen Entringen bei Tübingen, Gründer und Inspektor der Kinderanstalt in Beug. gen( Baden). 235. 490. 3immermann, Johann Christian, geb. im Schwarzburgischen, Probst in Uelgen( Hannover). 48. 57. 3inzendorf und Portendorf, Niko. laus Ludwig Graf von, geb. in Dresden, gründete im Jahr 1722 die Brüderge. meinde in Herrnhut und war von 1739 an deren Bischof. 133. 217. 236. 381. 496. 618. 630. 3inzendorf, Christian Renatus Graf von, zweiter Sohn und Gehilfe des vorigen. 151. 613. 3 wid, Dr. Johann, geb. in Konstanz, war bereits Doftor der Rechte geworden, studierte aber, durch die Reformation an. gezogen, Theologie, wurde Prediger in Riedlingen an der Donau, und nachdem er 1525 dort vertrieben worden war, in seiner Vaterstadt. 180. Verzeichniß der Lieder. A. Abgrund wesentlicher Liebe Abschied will ich dir geben Ach bleib bei uns, Herr Jesu Ach bleib mit deiner Gnade Ach Gott des Himmels! lase Ach Gott! gedenke mein Ach Gott! verlaß mich. Ach Gott vom Himmel, sieh Ach Jesu! gib mir sanften Ach, mein Herr Jesu Nro. 55 599 209 . 7 24 ¹: 17 20 215 423 191 575 360 82 Ach, mein Jesu! sieh ich Ach sagt mir nichts von Ach sey mit deiner Gnade 278 Ach fieh ihn dulden, bluten 148 Ach treuer Gott, barmherz. 487 Uch treuer Gott! ich ruf zu 456 Ach was sind wir ohne Jesus Ach wiederum ein Jahr Ach wie nichtig, ach wie Allein Gott in der Höh sey Allein zu dir, Herr Jesu Alle Menschen müssen Aller Gläubgen Sammelpl. Alles ist an Gottes Segen Allgenugsam Wesen. 534 588 36 303 598 630 Als Jesus Christus in der Also hat Gott die Welt Amen! deines Grabes An Dein Bluten und An dir hab ich gesündigt Auf, auf, ihr Reichsgenossen Auf, Christenmensch. Auf Christi Himmelfahrt Auf den Nebel folgt. Auf dich hab ich gehoffet Auf diesen Tag bedenken Auferstehn, ja auferstehn Auf Gott nur will ich. Auf Gott, und nicht auf. Auf meinen Jesum will Auf, Seele, auf, und säume Auf will ich von Sünden Aus des Todes Banden Aus Gnaden soll ich ſelig Aus irdischem Getümmel. Aus tiefer Noth laßt uns. Aus tiefer Noth schrei ich zu B. Befiehl du deine Wege. Beherrscher aller Welten Bei dir, Jesu, will ich. Beschränkt, ihr Weisen. Beschwertes Herz, leg ab Besitz ich nur Ein ruhiges Bleibe! es will Abend. Bleibt bei Dem, der ( S. Nro. 117 293 169 316 81 303 290 364 9 383 336 • 271 338 569 382 Christen erwarten in allerlei 343 166 Christ lag in Todesbanden Christus, der ist mein Leben 606 Christ, wenn die Armen: 431 D. 67 345 247 110 163 192 302 90 Dein König kommt in.. 379 Denk ich der Dornenkrone 185 Der Abend kommt, die 469 Der am Kreuz ist meine 268 Der du das Loos von 180 Der du noch in der.. 632 Der ersten Unschuld reines Der Frühling ist erschienen 536 524 374 Der Glaub ist eine Zuvers. 315 608 Der heilge Christ ist 114 Das äußre Sonnenlicht ist 561 Daß ich in deiner Christenh. 510 Das walte Gott, der helfen 514 Das, was christlich ist, zu 392 Dein bin ich, Herr, dir will 393 Dein Heil, o Christ, nicht 266 100 137 566 152 22 133 11 Verzeichniß der Lieder. Der Herr bricht ein um Der Herr fährt auf gen Der Herr ist Gott und Der Herr ist gut, in dessen Der Himmel hängt voll. Der Hirt am Kreuz 441 Der letzte Tag von deinen Der Mond ist aufgegangen 570 Der niedern Menschheit Der Schächer fluchbeladen Der schmale Weg ist Der Tag ist bin! Mein Der Trennung Last liegt Der Vater kennt dich Der Weltfinn will vom Des Todes Graun Dich krönte Gott mit Die Beschwerden Diefer Die Christen gehn von Ort Die Ernt ist da, es winkt Die Feinde deines Kreuzes Die Gnade sey mit allen Die Gnade wird doch ewig Die güldne Sonne Die ihr bei Jesu bleibet Die ihr den Heiland kennt Die Kirche Christi, die er. Die Liebe darf wohl veinen 626 Die Morgeníonne gehet auf 557 Die Nacht gibt gute Nacht Die Nacht ist niemands Die Seele rubt in Jesu Die Sonne fenkt sich nieder Dies ist der Tag, den Gott Dieß ist die Nacht, da mir Die Sünden sind vergeben Dieweil mein Stund 376 471 205 563 574 631 ◆ Nro. 635 Du, Herr der Seraphinen 181 Du, Herr von meinen Du fanntest schon und Du flagst und fühlest Du meines Lebens Leben Durch Adams Fall. Die Weisheit dieser Erden Die Welt kommt einst. Dir dank ich für mein Leben Dir dankt mein Herz Dir ergeb ich mich, Jesu Dir Herr sey dieses Kind Dir versöhnt in deinem Du bist ein Mensch. Du bists, dem Ehr und Du bist zwar mein und Du, dessen Augen flossen Du gehest in den Garten. Du hast ja dieses meiner 38 52 468 609 Du sagst: ich bin ein Christ Du schenkst voll Nachsicht. 120 Du Schrecklicher, wer kann Du wesentliches Wort. Du Wort des Vaters rede 146 388 568 648 43 Ein Ausblick in die Ferne 404 Ein Christ kann ohne Kreuz Ein' feste Burg ist unser Eine Heerde und Ein Hirt Eines wünsch ich mir 602 380 337 618 341 210 491 323 554 567 104 103 321 596 435 637 32 31 355 238 Einiger Mittler und ewiger Ein Lämmlein geht und Eins ist noth! ach Herr Eins nur wollen, eins nur Ei, wie so selig schläfest du Endlich bricht der heiße Ergreife nun dein Harfenfp. Erhalt uns, Herr, bei Erheb, v meine Seele, dich Erheb, o Seele, deinen Sinn Er ist gekommen, Er Ermuntert euch, ihr E3 glänzet der Christen Es halten eitele Gemüther Es hat uns beißen treten Es ist das Heil uns kommen Es ist ein köstlich Ding Es ist etwas, des Heilands Es ist nicht schwer ein Chrift Es ist noch eine Ruh. Es ist vollbracht! gottlob. s jammre, wer nicht glaubt Gs kostet viel, ein Christ Es muß ein treues Herze. 3 saß ein frommes 267 Ewge Liebe! mein Gemüthe 371 Ewig, ewig bin ich dein 70 Nro. 76 522 512 483 139 78 403 426 540 109 393 442 478 212 224 361 143 130 385 437 619 475 573 206 338 420 101 98 344 365 552 313 243 342 387 641 622 457 386 47 193 85 240 627 T. 135 Fabre fort, fahre fort.. 211 134 Fall auf die Gemeinde. 284 Fortgekämpft und fortger. 477 161 Verzeichniß der Lieder. Freuet euch, erlöste Brüder Friede, ach Friede Fröhlich soll mein Herze Frühmorgens da die Sonn Für alle Menschen beten. + Gott! deine Güte reicht so Gott! deinen weisen Willen Gott, den ich als Liebe Gott, der du Allen gütig Gott, der du Gnad und Gott, der du groß von. Gott, der du Herzenskenner Gott der Macht, in deinem Gott der Lage, Gott der Gott der Vater wohn uns Gott der Wahrheit und Gott des Himmels und Gott! du bist alleine gütig Gott! du bist selbst die. Gott! du läsfest mich Gott! du Licht, das ewig. Gott! Erd und Himmel Gottes Führung fordert Gott! gib mir deinen Geist Gott, Herrscher über alle. Gott ist gegenwärtig Gott ist getreu! er ſelbst Gott ist getreu! sein Herz. Gott ist mein Hort. Gott ist mein Lied Gott lebet! fein Name gibt Gott lebt! wie kann ich Gottlob! ein neues Gottlob! ein Schritt zur Gottlob! ich weiß mein Nro. 107 Gott macht ein großes 330 Gott richtet immerdar Gott ruft der Sonn und. Gott sey Dank in aller Gott, Bater, aller Dinge. Gott, Vater in dem Geduld ist euch vonnöthen 447 Geh aus, mein Herz, und 538 Geht hin, ihr gläubigen. 56 Geht nun hin und grabt 616 Geist der Kraft, der Zucht Geist des Lebens, heilge. Geist vom Vater und vom Gekreuzigter, zu deinen Gelobet feyst du, Jesu Christ Gerechter Gott! vor dein. 200 203 202 480 Getreuer Gott! wie viel Gib die Weisheit meiner. 436 Glaubiger Jesu, auf 123 10 • 105 173 433 111 49 37 517 488 295 579 546 450 69 581 33 228 559 458 501 564 560 61 496 264 527 263 46 43 232 39 40 467 89 384 643 Gott! vor dessen Angesichte Gott! welcher Kampf in. Gott wills machen Größter Morgen, der die. Großer Hirte deiner. Großer König, den ich ehre Großer Mittler, der zur Guter, gnädiger, getreuer H. . Hallelujah! denn uns ist. Hallelujah! Lob, Preis. Hallelujah! schöner Morgen Hallelujah! wie lieblich Halt im Gedächtniß heitand! deine Menschent. Heilger Gott, der du Heiligster Jesu Heil uns! des Vaters Herr! allwissend und Herr! deine Rechte und Herr! deine Treue ist so Herr! dein Wort die edle. Herr! der du mir das Leben err! der du vormals haft Herr! dir ist niemand Herr! du fährst mit Glanz Herr! du hast für alle Herr! du wollst uns Herr Gott! dich loben wir; Herr. Herr! babe Acht auf mich Herr, höre! Herr, erhöre Herr Jesu Christ! dich zu Herr Jesu Christ! du höchstes Herr Jesu Christ! mein Herr Jesu, deiner Glieder. Herr Jesu! der du selbst III Herr Jefu, Gnadensonne Herr Jesu! Licht der Heiden Nro. 248 50 532 94 279 23 48 299 375 168 207 358 190 231 102 37 269 188 232 125 460 122 508 42 229 311 236 563 528 59 182 257 Herr! es gescheh dein Wille Serr! es ist von meinem. 578 Herr Gott! dich loben wir für deine. 529 246 580 19 6 16 294 610 183 281 12 118 IV Verzeichniß der Lieder. Herr! laß mich deine Herr! lehre du mich deinen Herr! meine Leibeshütte Herr! ohne Glauben Herr und Gott der Tag Herr von unendlichem Herr, vor dem die Engel Herr! welch Heil kann. Herr! wie du willt, so. Herr Zebaoth, du starker Herzlich lieb hab ich dich Herzliebster Jeſu. Hinab geht Chrifti Weg Hirte deiner Schafe. ● Nro. 391 Ich finge dir mit Herz 429 Ich soll zum Leben dringen 603 Ich steh an deiner Krippe. 312 Ich sterbe täglich. 138 171 217 306 Herzog der erlösten Sünder Herzog unsrer Seligkeiten. 401 Herz und Herz vereint Hier bin ich, Herr, du rufest Hier ist mein Herz, mein. Hilf Erbarmer, schaue her Hilf, Gott, daß unsre. Himmelan, nur himmelan Himmel, Erde, Luft und. Höchster Gott! durch Hört das Wort voll Ernst Hüter! ist die Nacht Hüter! wird die Nacht. 576 Ich suche dich, Herr, laß 14 Ich und mein Haus wir 25 Ich weiß an wen ich glaube, 419 26 539 346 308 80 505 421 60 445 577 556 384 222 296 J. Ja fürwahr! uns führt Ja, Tag des Herrn, du Jauchzet, ihr Himmel, Ich bin ein Gast auf Erden Ich bin getauft auf deinen Ich bin in dir, mein Gott Ich bin in dir und du in. Ich danke dir für deinen Ich danke dir in glaubensv. Ich fasse, Bater, deine. Ich geh zu deinem Grabe. Ich glaube, daß die Ich glaube, Herr,( bilf. Ich habe nun den Grund. Ich hab in guten Stunden Ich habe viel gelitten Ich hab von ferne, Herr 630 Ich komme, Herr, und suche 250 Ich lobe dich; mein Auge 204 Ich ruf zu dir, Herr Jesu. 320 Ich sag es jedem, daß Er. 165 486 472 72 272 106 604 241 370 242 157 158 611 633 216 322 332 ich weiß. Ich weiß an wen ich glaube, und daß daß Ich weiß, mein Gott, Ich weiß von feinem Ich will dich lieben Ich will nicht alle Morgen Ich will von meiner Jeder Schritt der Zeit Jeder Tag hat seine Plage Je größer Kreuz Jenen Tag, den Tag Jesu! als du wiederkehrtest Jesu, Brunn des ewgen Jesu! deine Passion. Jefu! deine tiefe Wunden Jesu! dessen Tod und Leiden Jesu! du Sohn der unendl. Jesu! Freund der Menschen Jefu frommer Menschen Jesu! geh voran Jesu! hilf beten Jesu! hilf fiegen Jefu! laß mich nicht Jefu! meine Freude Jesu! Seelenfreund der Jesus Christus gab sich uns Jesus Christus herrscht als Jesus ist kommen! Grund Jesus kommt von allem Jesus lebt! mit ihm auch. Jefus, meine Zuversicht. Jefus nimmt die Sünder. Jesus soll die Losung seyn Jest leb ich, ob ich morgen 3hr Eltern, hört was Ihr Kinder, lernt von Immer muß ich wieder In allen meinen Thaten Inbrünstig preif' ich dich In deiner Stärke freue In der stillen Einsamkeit 3ft Gott für mich, so trete Nro. 66 406 113 594 319 502 324 621 68 318 353 465 292 530 259 479 636 513 276 131 155 143 121 258 128 381 265 417 407 331 273 124 187 84 485 178. 177 310 535 592 503 509 127 367 227 526 548 373 K. Verzeichniß der Lieder. Kehre wieder. 194 95 König, dem kein König Komm, heiliger Geist Komm, Himmelsfürst Komm, mein Herz! aus. 256 Komm, o komm, du Geist 197 Komm, Segen aus der Kommt, Brüder, laßt. Kommt her und last uns. Kommt her zu mir, spricht 516 218 489 289 Q Lamm, das gelitten, und Laß dich nicht den Frühling Laß irdische Geschäfte Lasset uns mit Jesu ziehen Laß mir, wenn meine Laß, o Jesu meine Jugend Liebe, die du mich Liebster Jesu, wir sind hier, deinem Liebster Jesu, wir sind hier, dich und Nro. 286 186 Lobe den Herren, den mächtigen. Lobe den Herren, o meine. B 189 537 249 378 613 511 348 239 274 3 29 M. 237 359 523 585 351 Mache dich, mein Geist. Macht hoch das Thor Mag auch die Liebe weinen Mehr sieht das Aug im Mein alles, was ich liebe. Mein Alter tritt mit Macht Meine Lebenszeit. Meinen Jesum laff' ich. Meinen Jesum ich erwähle 362 Mein Erlöser! schaue doch. 416 Mein erst Gefühl fey Preis 551 Meine Seele senket sich. 470 Meine Seel ist stille. Meine Seele, Voller Fehle Mein Friedefirst! dein. Mein Geist, o Gott, wird Mein Glaub ist meines Mein Gott! das Herz. 438 92 628 463 300 334 646 329 Mein Heiland nimmt die. Mein Herz, gib dich. Mein Jesu, der du vor dem Mein Schöpfer, dessen Mich Staub vom Staub. Mir ist Erbarmung. Mir nach! spricht Christus Mit dem Haufen deiner Mit Ernst, ihr Menschenk. Mit Fried und Freud Mitten wir im Leben Mittler! alle Kraft. Mit welcher Zunge, welchem Morgenglanz der Ewigkeit N. Nach dir, o Gott, verlanget Nach einer Prüfung kurzer Nicht, daß ichs schon Nicht der Anfang, nur Nicht eine Welt, die in ihr Nicht Opfer und nicht.. Nicht so traurig, nicht ſo. Nicht um ein flüchtig Gut Nimm hin den Dank Nimm hin mein Herz Nimm von uns, Herr Noch fing ich hier aus Nun bitten wir den. Nun danket Alle Gott Nun danket all und bringet Nun freut euch, liebe Nun gottlob! es ist. Nun hilf uns, o Herr Jesu Nun ist es alles wohl. Nun jauchzet, all ihr. Nun last den Herrn uns Nun laßt uns gehn und Nun lob, mein Seel, den. Nun ruhen alle Wälder Nur für dieses Leben sorgen Nur wo Lieb ist, da ist.. S. Anfang sonder Ende daß ich hätte daß ich tausend Zungen drückten Jeſu Nro. 309 474 255 307 Mein Gott! du bist und. 63 Mein Gott! wie bist du 74 D du allersüß'ste Freude 396 620 335 377 253 97 600 597 144 159 555 18 642 413 411 333 423 484 15 261 304 493 275 195 2 27 86 277 507 149 96 542 533 30 371 452 424 531 175 4 151 199 VI Verzeichniß der Lieder. du Liebe meiner Liebe. Durchbrecher aller Dewger Geist, des Wesen Oft klagt dein Herz wie Jesu Christ, mein Jesu, Herr der Jesu, Jesu, Gottes Sohn Nro. 132 410 459 13 62 601 414 Gott, der du mein Gott, du frommer Gott Gott! du gabst der Gott! einst läsfest du D- Gottes Sohn, du Licht Gottes Sohn, Herr Jefu Gott, o Geist, o Licht Gott, von dem wir alles Haupt voll Blut und Oheilger Geist, kehr bei 196 Ohne Rast und unverweilt 440 317 201 344 142 Jerusalem, du schöne 644 . 418 44 Schmücke dich, o liebe Schwing dich auf zu Seele! du mußt munter Seelen! laßt uns Gutes Seele! was ermüdst du Seht, welch ein Mensch Sein Kampf war nun Selig find des Himmels Sey getren bis an das Sey Lob und Ehr dem Sichrer Mensch! noch ist Siegesfürst und Ehrenkönig 349 Sieh, dein König kommt. 282 356 Siehe, mein geliebter Sieh, hier bin ich 260 Singet Gott, denn Gott. Sint ich einst in jenen. 160 Jesu, meine Wonne. Jesu, sieh darein Jesu, süßes Licht. Lamm Gottes, unschuldig Lehrer, dem kein Lehrer 126 Mensch! der Himmel ist 314 Menschen! diese kurze Mensch! ermuntre Mensch! wie ist dein Oselig Haus, wo man O süßes Wort, das Vater der Barmherzigk. was wären meine. 649 402 28 285 184 91 129 11 54 582 So führst du doch 369 586 583 So gehts von Schritt zu So ist die Woche nun. So jemand spricht, ich liebe 427 639 So lang ich hier noch walle 288 Soll dein verderbtes Herz. 234 Sollt es gleich bisweilen Sollt ich jetzt noch 500 473 Sollt ich meinem Gott 291 553 Nro. Sanft, o Christ, ist Jesu. 399 Schaff in mir, Gott, ein. 301 Schaut die Mutter voller. 147 251 297 Sorge, Herr, für unfre 434 So wahr der Allerhöchste 141 Stärk uns, Mittler, dein. Such, wer da will Sünder! freue dich von Welt! sieh hier dein. Dwer alles hätt verloren. 398 Dwie selig send ihr doch. 614 wie selig sind die Seelen 354 wie unaussprechlich selig 647 Dwundergroßer Siegesheld 179 P. Preis dem Todesüberwinder 167 Preis, Ehr und Lob sey dir 525 R. 153 Richtet auf des Heilands Ringe recht, wenn Gottes. 412 Ruhe hier, mein Geist. 464 550 415 394 136 150 140 328 T. 270 Thut mir auf die schöne Trachtet nicht nach hohen. 446 Trauernd und mit bangem 176 Treuer Heiland! wir sind. 233 Treuster Meister! deine Tritt her, o Seel, und dank 233 63 11. 170 Ueberwinder! nimm die Um die Erd und ihre.. Ruhe ist das beste Gut 75 Ruhet wohl, ihr Todtenbeine 629 Umgürte die, o Gott.. 283 226 466 327 64 504 519 245 83 156 Verzeichnis der Lieder. Unerforschlich sey mir immer Unter jenen großen Gütern Unveränderliche Liebe Unverwandt auf Christum Urquell aller Seligkeiten Bater! heilig möcht ich Bater! sieb auf unfre Versuchet euch doch selbst Verwirf mich nicht im Verzage nicht, o Häuflein Biel besser nie geboren. Vom Grab, an dem wir Von dem Grab stund Jesus Von dir, du Gott der Von dir, o treuer Gott Von dir, o Vater, nimmt Von dir will ich nicht. Nro. 73 422 520 397 21 390 432 326 521 213 638 108 615 497 430 481 357 366 400 Wer dieser Erde Güter Wer Geduld und Demuth Wer Gottes Wort nicht Wer im Herzen will Bon Gott will ich nicht Wer ist wohl, wie du Vor dir, o Gott, sich Gott. Wer nur den lieben Vor dir, Lodesüberwinder. 244 Wer, o mein Gott, aus Wer sich auf seine. Wer sich dünken läßt Wer sind die vor Gottes M. 174 549 634 Wach auf, du Geist der. 208 Wach auf, mein Herz die. Wach auf, mein Herz und Wachet auf! ruft uns. Walte, walte nah und fern Wandle leuchtender Wann der Herr einst Warum betrübst du dich Warum sollt ich mich Was freut mich noch Was Gott thut, das ist wohlgethan! es bleibt Was Gott thut, das ist wohlgethan! so denken. Was ich nur Gutes habe. Was ists, daß ich mich Was rührt so mächtig Wasserströme will ich Was sind wir arme. Was von außen und von. Was wär ich ohne Dich Was willst du, armes. Weiche, Todesschrecken Weicht, ihr Berge! fallt Weil ich Jesu Schäflein bin 221 172 490 482 462 35 461 545 449 476 220 223 79 372 87 589 607 Welch eine Sorg und Furcht Welche Stund im ganzen. Wenn alle untreu werden, Wenn der Stifter der Wenn ich einst von jenem Wenn ich Ihn nur habe Wenn ich mir auf viele Wenn ich, o Schöpfer: Wenn kleine Himmelserben Wenn mein Stündlein. Wenn mich die Sünden 51 506 Wenn wir in höchster Noth Wer ausharrt bis ans. Wer bin ich? welche Werde Licht, du Volk. Werde munter mein Wer weiß, wie nahe mir Wer wohl auf ist und Wie fleucht dahin der Wie groß ist des Allmächtg. Wie gut ists, von der Wie heilig ist die Stätte Wie herrlich ist, o Gott Wie könnt ich Sein. Wie lieblich klingts den Wie mächtig spricht in. Wie muß, o Jesu, doch Wie reich an Freude Wie schön ists doch, Herr. Wie schön leucht't uns Wie sicher lebt der Mensch Wie Simeon verschieden. Wie thöricht handelt doch. Wie wird mir dann, o dann VII Nro. 439 444 352 Wir glauben all an einen Wir kommen, deine Huld 623 562 363 453 58 624 605 154 492 408 298 116 572 428 448 325 115 88 368 340 287 443 651 590 518 591 53 389 254 347 593 612 Wie soll ich dich empfangen 93 Wie sollt ich meinen Gott 350 587 41 262 99 341 405 547 494 643 Wie wohl ist mir, o Freund 339 Willkommen, held im.. 164 34 543 VIII Verzeichniß der Lieder. Wir Menschen sind zu dem Wir sind nur Pilger Wir sind vereint, Herr Jesu Wir singen dir, Immanuel Wir warten dein, o Gottes Wo der Herr das Haus Wo Gott ein Haus nicht. Wohlauf, mein Herz Wohlauf, wohlan zum Wohl dem, der befre Wohl dem, der richtig Wohl einem Haus, wo Womit soll ich dich wohl Nro. 225 595 219 112 640 Nro. Wo regt sich noch ein guter 214 Wort des höchsten Mundes 230 3. 499 Zeuch ein zu deinen Thoren 495 Zeuch hin mein Kind 119 Ziert das Thor mit frischen 617 3ürne nicht auf stolze 453 3um Leben führt ein 431 3ur Arbeit winkt mir 498 Zur Grabesruh 5 3weierlei bitt ich von dir 909 245 198 625 280 71 409 515 162 454 1 Inches 1 Centimetres Blue 2 Shiva 3 4 Cyan 2 5 17 3 Farbkarte# 13 Green 8 Yellow 9 4 10 Red Magenta 3/ color 18 19 B.I.G. Black CO