Gb 1428 Gefangbuch für die evangelische Kirche in Württemberg. Stuttgart. 1853. Verlags Comptoir des nenen evangelischen Gesangbuchs. Idie- vinu nezzio Gb 1428 Preise für ungebundene Eremplare. Gesangbuch mit Anhang Gesangbuch ohne Anhang Anhang allein Univ.- Bibl. Giessen 50 fr. 40 fr. 10 fr. Das Jahr 1841, welches in der Geschichte von Württemberg durch die unvergeßliche Feier der 25jährigen gesegneten Regierung unseres geliebten Königes ausgezeichnet ist, hat eine besondere Bedeutung für die Zukunft der evangelischen Kirche des Landes erhalten. Die neue chriftliche Liedersammlung für öffentlichen und häuslichen Gebrauch, welche hier den Gemeinden dargeboten wird, ist, nächst einem neuen Kirchenbuche, auf der im Frühlinge dieses Jahres hiezu berufenen Synode, welche mit einer namhaften Zahl von Geistlichen aus allen Theilen des Königreiches verstärkt worden war, durch Prüfung des zuvor erschienenen und in mehr als 6000 Abdrücken bereits verbreiteten Entwurfes, und der von allen Seiten darüber eingelaufenen Ansichten und Wünsche, zu Stande gekommen. Ein Zeitraum von fünf Jahren hat an der Vollendung dieses Buches gearbeitet, und eine gewissenhafte Berathung der vielfachen Bedürfnisse des Gottesdienstes, und der mannigfaltigen Denk- und Empfindungsweisen des Glaubens in der evangelischen Kirche hat jeden brauchbaren Wink, jede gewichtige Stimme von da und dort, aus hohem und niederem Stande, gerne benützt IV und so ein Werk ausgeführt, zu welchem in brüderlichem Geist Unzählige mitgewirkt haben, das mithin als die Frucht einer gemeinschaftlichen Handreichung der Kirche selbst betrachtet werden darf und fortan zur Pflege der Einigkeit im Geiste durch das Band des Friedens aller Orten beitragen müsse. Der schönste Schmuck und nicht die geringste Kraft der evangelischen Kirche find ihre geistlichen Lieder und Choräle. Sie hat von beiden mit jedem Jahrhundert eine ansehnliche Zahl und in eigenthümlichem Ton und Gepräge hervorgebracht, und bat auch aus früheren Zeiträumen und aus andern Kirchen das Schönste fich dankbar zugeeignet. Es mußte demnach, einem in den deutschen Ländern wieder allgemein erwachten Bedürf niß gemäß, darauf gesehen werden, zu dem Guten, was bereits in dem seit dem Jahr 1791 geltenden Gefangbuche steht, noch manches andere, was in den älteren Sammlungen von Alt- und Neu- Württemberg von entschiedenem Werth und noch in theurem Ansehen unter dem Volke war, hinzuzufügen und solches alles in einer Gestalt aufzubewahren, welche weder die ursprüngliche Form jener Lieder verwischt, noch dem Geschmack und der Ausdrucksweise der jetzigen Zeit ganz zuwider lautet. Ebenso war aber auch daran gelegen, die besten und erbaulichsten Lieder des jüngsten Zeitraums in dieser neuen Sammlung zu vereinigen, und dadurch vieles, was bisher nur Wenigen bekannt, einer allgemeinen Verbreitung werth erschien, in unfere christlichen Familien und Gemeinden einzuführen. Es möge nun dieses Buch jedem nach seinem Bedürf niß dienen und recht Vielen gleich jenem Hausvater ( Matth. 13, 52.) seyn, der aus seinem Schaße neues und altes hervorträgt, und in beidem denen, die es mit Andacht gebrauchen, eine Gabe des Geistes zum ewigen Leben darreichen. Und weil doch die Hauptsache ist, daß chriftliche Erbauung gestiftet, lebendiger Glaube an Gott und an Jesum Chriftum genährt werde, und Gottes Wort reichlich unter uns, wohne, wozu wir dem Herrn auch fingen sollen in unserem Herzen( Ephes. 5, 19.): so durften in dieser Sammlung auch nur solche geistliche liebliche Lieder seyn, welche das Herz mit dem erfüllen, wovon fichs gebühret, daß der Mund übergehe und wir unter einander reden und uns ſelbft lehren und vermahnen als mit Psalmen und Lobgesängen ( Coloff. 3, 16.). Es wird daher auch wohl in keinem, wie verschieden sie sonst von einander lauten müsſen, der evangelische Geist und das Bekenntniß der Kirche vermißt werden. Auch find die Schriftstellen über jedem Lied ein Fingerzeig, wie der Inhalt dieser Gesänge noch im einzelnen mit den Aussprüchen des göttlichen Worts zusammenhänge. Daher kann ein fleißiger Gebrauch dieser Lieder nicht wohl ohne den Segen einer fortwährenden Hinweisung auf die christlichen Heilswahrheiten und einer häufigeren Beschäftigung auch mit dem Buche des Lebens selbst bleiben. Die Stimmen einer gläubigen Andacht, einer aufrichtigen Buße, eines kindlichen Dankes und Vertrauens, einer ungefärbten Liebe Gottes und des Nächsten, welche in diesen Liedern aus so vielen H zen hervortönen, und aus manchem, das in - VI unserem Lande sich noch ein besonderes Gedächtniß der Anhänglichkeit und Verehrung geftiftet hat, werden in noch viel mehreren Herzen einen wohlthuenden, erhebenden und veredelnden Anklang wecken. Und so möge auch dieses Gesangbuch unter dem Aufsehen des Herrn der Gemeinde, dem wir seinen Lauf empfehlen, das Wohl des Landes, das nur in Gottesfurcht gedeiht, und die Seligkeit der Seelen, die nur aus dem Glauben kommt, vermehren, und den theuren Wahlspruch( Ps. 119, 89. Jef. 40, 8. 1 Petri 1, 23. 25.), mit welchem in den Tagen unserer Väter der herzogliche Reformator von Württemberg den evangelischen Glauben und Gottesdienst aufgerichtet hat, auch unter dem milden und gerechten Scepter seiner Königlichen Enkel erproben, daß Gottes Wort bleibet in Ewigkeit! Inhalt. I. Allgemeine Gebetlieder( auch Lob. und Danklieder) II. Lieder von Gott ... A. Gottes Wesen und Eigenschaften 34-57. Dreieinigkeit 34-37. Herrlichkeit Gottes 38. 39. Allmacht 41. Allgegenwart und Allwissenheit 42-44 Treue 45-47. 72. Heiligkeit 48. Gerechtigkeit 49. 50, Gnade und Langmuth 40. 51. 57. 64. Güte und Liebe 52-56. Weisheit 73. 74. B. Schöpfung, Erhaltung, Regierung( Engel) 58-76. III. Günde und Erlösung IV. Adventlieder.. V. Weihnachtlieder Erscheinung und Darstellung Christi VI. Lehramt und Wandel Jesu VII. Paffionslieder Rathschluß der Erlösung 129. 130. Allgemeine Betrachtungen 131. 132. 139. 161. Fußwaschung 133. Gethsemane 134. 135. Sebt, welch ein Mensch! 136. 137. Verurtheilung Jeſu 138. Jesus am Kreuze 140-143. Die sieben Worte 144. 145. Der Schacher 146. Maria unter dem Kreuze 147. Segen des Todes Jesu, und Dank dafür 148-160. Grablegung Jesu 162. 163. Die Gemeinschaft der Heiligen 216-218. Um Ausbreitung des Evangeliums 219-224. VIII. Osterlieder. 164-178 IX. Himmelfahrt und himmlische Herrlichkeit Chrifti 179-192 X. Pfingstlieder 193-203 XI. Die Kirche Christi 204-224 XII. Das Wort Gottes XIII. Die heiligen Saframente. A. Die heil. Taufe. Taufbundes.Erneurung 237-245. B. Das heilige Abendmahl 246-262. XIV. Das Gebet( siehe auch I. Allgemeine Gebetlieder) XV. Der Tag des Herrn und der Gottesdienst Nr. 133 34-76 Bei einweihung von Kirchen. Bei Ginsegnung von Geistlichen 77- 88 89-101 102-114 115-119 120-128 129-163 225-236 237-262 263-268 269-278 279-280 251-283 VIII XVI. Die heilsordnung A. Buße und Bekehrung 284-311. B. Glaube und Rechtfertigung 312-327. C. Göttlicher Friede 328-344. XVII. Christlicher Sinn und Wandel. A. Liebe zu Gott und Christus 345-363. XVIII. XIX Inhalt. B. Vertrauen auf Gott( f. auch XVIII. Trostlieder) 364-376. C. Nachfolge Chrifti 377-383. D. Heiligung. Himmlischer Sinn 384-421. E. Nächstenliebe 422-431. Allgemeine Fürbitte( f. auch Nr. 6. 198.) 432. 433. Christliche Freundschaft 434. F. Einzelne Tugenden und Pflichten 435-460. a) Weisyeit 435-437. b) Wachsamkeit und Treue 438-444. c) Demuth und Geduld 445-449. d) Wahrhaftig feit( Eid) 450. 451. e) Genügsamkeit 452-457. f) Mäßigkeit und Keuschheit 458-460. rostlieder In allgemeiner Noth( s. auch XVII. B. Bertrauen 2c.) ieder für besondere Verhältnisse und Zeiten. A. Hausstand( Trauungslieder) 494-502. Für Eltern 503-505. Für Kinder 506-513. Berufslieder 514-516. Für Dienstboten( f. auch Nr. 500) 517. Dank für die Gesundheit 518. Dank für die Genesung 519. Geburtstag 520. Für das Alter 521-523. Für Wittwen 524. B. Fürst und Vaterland 525-529. C. Jahreswechsel 530-535. Jahresschluß( f. auch Nr. 584.) 530. 531 Neujahr 532-535. D. Jahreszeiten 536-548. Frühling und Sommer 536-538. Gewitter 539. 540. Ernte 541-544. Bei Mißernten 545. 546. Herbst und Winter 547. 548. B. Tageszeiten 549-584. Morgenlieder.( Schluß der Woche 563.) 549-563. Abendlieder.( Schluß der Woche 583. 584.) 564-584. ( Nr. 584 auch am Schlusse des Jahres.) XX. Die legten Dinge • A. Vorbereitung auf den Tod 585-595. B. Sterblieder 596-615. C. Begräbnißlieder 616-631. D. Auferstehung und Weltgericht$ 32-640. E. Ewiges Leben 641-651. Nr. 284-344 345-460 461-491 492-493 494-584 585 651 Allgemeine Gebetlieder. 1. Eigene Mel.( Jeſ. 6, 3.) 1. Herr Gott! dich loben wir;| lösen das menschlich Geschlecht; Herr Gott! wir danken dir; Dich, Vater in Ewigkeit, Ehrt die Welt weit und breit; All Engel und Himmelsheer Und was dienet deiner Ehr, Auch Cherubim und Seraphim Singen immer mit hoher Stimm: Heilig ist unser Gott! Heilig ist unser Gott! Heilig ist unfer Gott, Der Herre Zebaoth!" Du hast dem Tod zerstört ſein Macht Und all Christen zum Himmel bracht; Du sigst zur Rechten Gottes gleich, Mit aller Ehr ins Vaters Reich; Ein Richter du zukünftig bist Alles, das todt und lebend ist. 4. Nun hilf uns, Herr, den Dienern dein, Die mit dein'm Blut erlöset seyn, Laß uns im 2. Dein göttlich Macht und Himmel haben Theil Mit den Herrlichkeit Geht über Him- Heiligen in ewigem Heil. Hilf mel und Erde weit; Der hei- deinem Volk, Herr Jesu Christ, ligen zwölf Boten Zahl Und die lieben Propheten all, Die theuren Märtrer allzumal Loben dich, Herr, mit großem Schall; Die ganze werthe Christenheit Rühmt dich auf Erden allezeit; Dich, Gott Vater, im höchsten Thron, Deinen rechten und einigen Sohn, Den heiligen Geist und Tröster werth Mit rechtem Dienst sie lobt und ehrt. 3. Du König der Ehren, Jefu Chrift! Gott Vaters ewiger Sohn du bist; Der Jungfrau Leib nicht hast verschmäht, Zu Evangelisches Gesangbuch. 1 Und segne, das dein Erbtheil ist, Wartund pfleg ihr zu aller Zeit, Und heb sie hoch in Ewigkeit. 5. Täglich, Herr Gott, wir loben dich Und ehr'n dein'n Namen stetiglich. Behüt uns heut, o treuer Gott, Für aller Sünd und Missethat! Sey uns gnädig, o Herre Gott, Seyuns gnädig in aller Noth; Zeig uns deineBarmherzigkeit, Wie unsre Hoffnung zu dir steht; Auf dich hoffen wir, lieber Herr! In Schanden laß uns nimmermehr! Amen. Luther, g. 1483+ 1546. 1 1. Allgemeine Gebetlieder. Eigene Mel.( Str. 50, 24-26.) fort; Und uns aus aller Noth Erlösen hier und dort. 2. Nun danket Alle Gott seiner Gnad Erhalten fort und Mit Herzen, Mund und Händen, Der große Dinge thut An uns und allen Enden; Der uns von Mutterleib und Kindesbeinen an Unzählig viel zu gut Bis hieher hat gethan. 2. Der ewig reiche Gott Woll uns bei unsrem Leben Ein immer fröhlich Herz Und edlen Frieden geben; Und uns in 3. Lob, Ehr und Preis sey Gott, Dem Vater und dem Sohne Und dem, der beiden gleich Im höchsten Himmelsthrone, Dem einig höchsten Gott; Als es anfänglich war Und ist und bleiben wird Jetund und immerdar! Rindart, g. 1586 † 1649. 2 Eigene Mel.( Pf. 103, 1-5.) 3. Lobe den Herren, den| freundlich geleitet; In wie viel mächtigen König der Ehren; Noth Hat nicht der gnädige Stimme, du Seele, mit ein Gott Ueber dir Flügel gezu den himmlischen Chören! breitet! Kommet zu Hauf; Psalter und Harfe, wacht auf, Laffet den Lobgesang hören! 2. Lobe den Herren, der Alles so herrlich regieret, Der dich auf Adlersgefieder so sicher geführet, Der dir beschert, Was dich erfreuet und nährt; Dank es ihm innigst gerühret! 3. Lobe den Herren, der künstlich und fein dich bereitet, Der dir Gesundheit verliehen, dich 4. Lobe den Herren, der sichtbar dein Leben gesegnet; Der aus dem Himmel mit Strömen der Liebe geregnet! Denke daran, Was der Allmächtige kann, Der dir mit Liebe begegnet! 5. Lobe den Herren und seinen hochheiligen Namen, Lob ihn, was in mir ist, mit dem erkore: nen Samen! Er ist dein Licht; Seele, vergiß es ja nicht! Lob ihn in Ewigkeit! Amen. J. Neander, g. 1610 † 1680/ Eigene Mel.( Pf. 150.) 4. O daß ich tausend Zungen| dem andern an Von dem, was hätte Und einen tausendfachen Gott an mir gethan. Mund! Ich stimmte damit um die Wette Vom allertiefsten Herzensgrund EinLoblied nach 2. Was schweigt ihr denn ihr meine Kräfte? Auf, auf, braucht allen euren Fleiß Und I. Allgemeine Gebetlieder. 3 stehet munter im Geschäfte Zu| süße Lehre, Die mich ein Kind Gottes, meines Herren, Preis! Wär jeder Puls mein Leben lang Und jeder Odem ein Gefang! des Lebens heißt! Was Gutes soll an mir gedeihn, Das wirkt dein göttlich Licht allein. 3. Ihr grünen Blätter in den Wäldern, Bewegt und regt euch doch mit mir! Ihr schwanken Gräser in den Feldern, Ihr Blumen, laßt doch eure Zier Zu Gottes Ruhm belebet seyn Und stimmet lieblich mit mir ein! 4. Ach alles, alles, was ein Leben Und einen Odem in sich hat, Soll sich mir zum Gehilfen geben; Denn mein Vermögen ist zu matt, Die großen Wunder zu erhöhn, Die allenthalben um mich stehn! 5. Lob sey dir, o mein Gott und Vater, Für Leib und Seele, Hab und Gut! Lob sey dir, mildester Berather, Für alles, was dein Lieben thut, Daß mir in deiner weiten Welt Beruf und Wohlseyn ist bestellt! 6. Mein treuster Jesu! sey gepriesen, Daß dein erbarmungsvolles Herz Sich mir so hilfreich hat bewiesen, Und mich durch deinen Todesschmerz Vom Sündenelend hat befreit Und dir zum Eigenthum geweiht. 7. Auch dir sey ewig Lob und Ehre, O heilig werther Gottesgeist, Für deines Trostes 8. Wer überströmet mich mit Segen? Bist du es nicht, o reicher Gott? Wer schützet mich auf meinen Wegen? Du bist es, Herr Gott Zebaoth! Du trägst mit meiner Sündenschuld Unsäglich gnädige Geduld! 9. Demüthig küff' ich deine Ruthe, Womit du mich gezüchtigt haft; Wie viel thut sie mir doch zu gute! Sie ist mir eine sanfte Last, Und macht mich fromm, und zeugt dabei, Daß ich dir lieb und theuer sey. 10. Ich habe ja mein Lebetage Es schon so manchesmal gespürt, Daß du mich unter vieler Plage Getreulich haft hindurch geführt; Denn in der größesten Gefahr Ward ich dein Trostlicht auch gewahr. 11. Wie sollt ich nun nicht voller Freuden In deinem steten Lobe stehn? Wie wollt ich auch im tiefsten Leiden Nicht triumphirend weiter gehn? Und giengs auch in den Tod hinein, So will ich doch nicht traurig seyn! 12. Ich will von deiner Güte singen, So lange sich die Zunge regt; Ich will dir Freudenopfer bringen, So lange sich I. Allgemeine Gebetlieder. 4 mein Herz bewegt; Ja wenn der Mund wird kraftlos seyn, So stimm ich noch mit Seufzen ein. 13. Ach nimm das arme Lob auf Erden, Mein Gott, in allen Gnaden hin! Im Himmel soll es besser werden, Wenn ich bei deinen Engeln bin; Da bring ich mit der selgen Schaar Dir tausend Hallelujah dar! Menger, g. 1658 f 1734. Eigene Mel. ( Pf. 103, 13.) 5. Womit soll ich dich wohl lo-| Mich geführt die Lebenszeit ben, Mächtiger Herr Zebaoth? Sende mir dazu von oben Deines Geistes Kraft, mein Gott; Denn ich kann mit nichts erreichen Deine Gnad und Liebeszeichen. Tausend, tausendmal sey dir, Großer König, Dank dafür! So weiß ich kein Ziel zu finden, noch die Tiefen zu ergründen. Tausend, tausendmal sey dir, Großer König, Dank dafür! 5. Du, Herr, bist mir nachgelaufen, Mich zu reißen aus der Gluth; Denn da mit der Sünder Haufen Ich nur suchte. irdisch Gut, Hießest du auf das mich achten, Wonach man zuerst soll trachten. Tausend, tausendmal sey dir, Großer Kö 2. Herr! entzünde mein Gemüthe, Daß ich deine Wundermacht, Deine Gnade, Treu und Güte Froh erhebe Tag und Nacht, Da von deinen Gnaden- nig, Dank dafür! güssen Leib und Seele zeugen 6. O wie hast du meine Seele müssen. Tausend, tausendmal sey dir, Großer König, Dank dafür! Stets gesucht zu dir zu ziehn! Daß ich nicht mein Heil ver fehle, Soll ich zu den Wunder 3. Denk ich, wie ich dich ver- fliehn, Die mich ausgefühnet laffen, Wie ich häufte Schuld haben und mir Kraft zum auf Schuld, So möcht ich aus Leben gaben. Tausend, tau Scham erblassen Vor der Lang- sendmal sey dir, Großer König muth und Geduld, Womit du, Dank dafür! o Gott, mich Armen Hast getragen aus Erbarmen! Tausend, tausendmal sey dir, Großer König, Dank dafür! 4. Ach ja, wenn ich überlege, Mit was Lieb und Gütigkeit Du durch so viel Wunderwege 7. Ja, Herr, lauter Gnal und Wahrheit Sind vor dei nem Angesicht! Du, du tritts hervor in Klarheit, In Ge rechtigkeit, Gericht, Läsfest un in deinen Werken Deine Gi und Allmacht merken. Tav I. Allgemeine Gebetlieder. 5 send, tausendmal sey dir, Großer König, Dank dafür! 11. Fielen Tausend mir zur Seiten Und zur Rechten zehn8. Bald mit Lieben, bald mit mal mehr, Ließest du mich doch Leiden Kamst du, Herr, mein begleiten Durch der Engel starGott, zu mir, Nur mein Herzekes Heer, Daß den Nöthen, zu bereiten, Ganz sich zu ergeben dir, Daß mein gänzliches Verlangen Möcht an deinem Willen hangen. Tausend, tausendmal sey dir, Großer König, Dank dafür! 9. Wie ein Vater nimmt und gibet, Nachdem's Kindern nüglich ist, So hast du mich auch geliebet, Herr, mein Gott, zu jeder Frist Und dich meiner angenommen, Wenn's auf's äußerste gekommen. Tausend, tausendmal seydir, Großer König, Dank dafür! 10. Mich hast du auf Adlersflügeln Oft getragen väterlich, In den Thälern, auf den Hügeln Wunderbar errettet mich; Schien mir alles zu zerrinnen, Ward ich doch der Hilfe innen. Tausend, tausendmal sey dir, Großer König, Dank dafür! die mich brangen, Ich jedennoch bin entgangen. Tausend, tausendmal sey dir, Großer König, Dank dafür! 12. Vater! du hast mir erzeiget Lauter Gnad und Gütigkeit; Und du haft zu mir geneiget, Jesu, deine Freundlichkeit; Und durch dich, o Geist der Gnaden, Werd ich stets noch eingeladen. Tausend, tausendmal sey dir, Großer König, Dank dafür! 13. Tausendmal sey dir ges sungen, Herr, mein Gott, solch Lobgesang, Weil es mir bisher gelungen; Ach laß meines Lebens Gang Ferner noch durch Jesu Leiten Nur gehn in die Ewigkeiten; Da will ich, Herr, für und für Ewig, ewig danken dir! 2. Ach laß dein Wort uns allen Noch ferner reichlich schalGotter, g. 1661 1735. Mel. Nun ruhen alle.( 1 Tim. 2, 1-4.) 6. Herr, höre! Herr, erhöre!| len zu unsrer Seelen Nuß! Breit deines Namens Ehre An allen Orten aus. Behüte alle Stände; Durch deiner Allmacht Hände Beschütze Kirche, Land und Haus. Bewahr uns vor den Rotten, Die deiner Wahrheit spotten, Beut allen deinen Feinden Truß. 3. Gib du getreue Lehrer Und unverdroßne Hörer, Die beide Thäter sey'n; Auf I. Allgemeine Gebetlieder. Pflanzen und Begießen Laß| Mißwachs, theure Zeiten Sich dein Gedeihen fließen Und nicht bei uns verbreiten, Da Früchte reichlich ernten ein. nach dem Brod der Hunger ruft. 9. Gedenke voll Erbarmen Der Leidenden und Armen; Verirrte bring herein. Die Wittwen und die Waisen Wollst du mit Troste speisen, Wenn sie zu dir um Hilfe schrei'n. 10. Komm als ein Arzt den Kranken, Und die im Glauben wanken, Laß nicht zu Grunde gehn. Die Alten heb und trage, Damit sie ihre Plage Geduldig können überstehn. 6 4. Du wollst uns hoch beglücken, Mit hellen Gnadenblicken Auf unsern König sehn; Ihn schützen auf dem Throne, Auf seinem Haupt die Krone In vollem Glanze lassen stehn. 5. Laß alle, die regieren, Ihr Amt getreulich führen! Schaff jedermann sein Recht; Daß Fried und Treu sich müssen In unfrem Lande küssen; Ja segne Mann, Weib, Herrn und Knecht. 6. Erhalt in jeder Ehe, Beim Glücke, wie beim Wehe, Recht= schaffne Frömmigkeit. In Unschuld und in Tugend Gedeihe unfre Jugend, zu deines Reiches Dienst bereit. 7. O Vater, wend in Gnaden Krieg, Feuer, Wasserschaden Und Stürm und Hagel ab! Bewahr des Landes Früchte Und mache nicht zu nichte, Was deille milde Hand uns gab. 8. Laß alle giftgen Seuchen Von unsern Grenzen weichen, Gib uns gesunde Luft. Laß 11. Die Reisenden beschüße; Bleib der Verfolgten Stüße; Die Sterbenden begleit Mit deinen Engelschaaren, Daß sie im Frieden fahren zu Zions Freud und Herrlichkeit. 12. Nun, Herr, du wirst erfüllen, Was wir nach deinem Willen In Demuth jetzt begehrt. Wir sprechen gläubig Amen In unsers Jesu Namen, So ist gewiß der Wunsch gewährt! 2. Ach bleib mit deinen Worten Bei uns, Erlöser werth, Schmolfe, g. 1672 † 1737. Mel. Christus, der ist.( Job. 15, 5.) 7. Ach bleib mit deiner Gnade| Auf daß uns hier und dorten Bei uns, Herr Jesu Christ, Daß uns hinfort nicht schade Des bösen Feindes Lift! Sey Güt und Heil beschert! 3. Ach bleib mit deiner Klarheit Bei uns, du werthes Licht; Umgürt uns mit der Wahrheit, Damit wir irren nicht! I. Allgemeine Gebetlieder. 4. Ach bleib mit deinem Segen Bei uns, du reicher Herr; Heil, Gnad und all Vermögen Reichlich in uns vermehr! 5. Ach bleib mit deinem Schutze Bei uns, du starker Held, Daß uns der Feind nicht traße, Noch uns bestrick die Welt! 7 6. Ach bleib mit deiner Trene Bei uns, du Herr und Gott; Beständigkeit verleihe, Hilf uns aus aller Noth! 7. Ach bleib mit deinem Frieden Bei uns auch noch im Tod Und sprich uns zu, den Müden:„ Ihr seyd versöhnt mit Gott!" Steegmann, g. 1588+ 1632. B. 7 neuerer Zusaz. Mel. Dieweil ich auferstehe.( Ps. 119, 94.) klein, Soll mich sein Geist vertreten: Herr, hilf mir, ich bin dein!" 8.So lang ich hier noch walle, Beten Und ist mein Glaube Soll dieß mein Seufzer seyn, Ich sprech bei jedem Falle: Herr, hilf mir, ich bin dein!" 2. Wenn Morgens ich erwache Und schlafe Abends ein, Befehl ich Gott die Sache: Herr, hilf mir, ich bin dein!" 3. Geh ich an die Geschäfte, So bitt ich zum Gedeihn Ihn um Verstand und Kräfte: Herr, hilf mir, ich bin dein!" 4. Will sich mein Fleisch vergehen, Betrogen von dem Schein, So halt ich an mit Flehen: Herr, hilf mir, ich bin dein!" 5. Wenn mich die Sünden kränken, So kann ich noch allein An den Verfühner denken: " Herr, hilf mir, ich bin dein!" 6. Fühl ich mich schwach im 7. Wenn ich in Leidenstagen Bei seiner Ruthe wein', So will ich kindlich sagen:„ Herr, hilf mir, ich bin dein!" 8. Will Satan mich berauben, Und macht die Welt mir Pein, Ruf ich getroft im Glauben: " Herr, hilf mir, ich bin dein!" 9. Macht auch mein Herz mir Grauen, Der Herr sey nicht mehr mein, So seufz ich voll Vertrauen: Herr, hilf mir, ich bin dein!" 10. In meinen letztenStunden Schäß ich mich heil und rein Durch meines Heilands Wunden: Er hilft mir, ich bin sein! Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Mel. Valet will ich.( Klagelieder 3, 22. c. Pf. 34, 8.) 9. Beherrscher aller Welten!| an jedem Morgen, Gott, deine Im Staube bet ich an; Wie Güte nen Und machte mich könnt ich dir vergelten, Was von Sorgen, Von Gram und du an mir gethan? War nicht Kummer frei? I. Allgemeine Gebetlieder. 8 2. O Gott! wie viele Sünden Hast du mir schon verziehn. Ach laß mich Gnade finden, Und segne mein Bemühn, Mich selber zu bezwingen, zu thun, was dir gefällt, Das Kleinod zu erringen, Das ewgen Werth behält. 3. Gutt! alle meine Tage Sind Zeugen deiner Huld; Wie oft traf eine Plage Mich nur aus eigner Schuld! O möchte doch dein Segen, Der mich bisher erfreut, Mich dringen und bewegen Zur thätgen Dankbarkeit! 4. Gib, daß ich dir vertraue, Der du die Liebe bleibst, Auch wenn du mich auf rauhe Und steile Pfade treibst. Wenn in Gefahr und Schmerzen Mein Geist will muthlos seyn, So flöße meinem Herzen Geduld und Hoffnung ein. 5. Zum Besten soll mir dienen Das Leiden dieser Zeit; Noch ist sie nicht erschienen, Die große Herrlichkeit Und Wonne, die die Deinen Dereinst beglücken soll; Sie säen unter Weinen, Und ernten freudenvoll. Eberh. Fried. Prinz von Hohenlohe Kirchberg, g. 1737 † 1804. Mel. Herr, wie du willt.( Pf. 5, 2. 3. 57, 11.) 10. Gott! deine Güte reicht| 3. Ich bitte nicht um Ehr und so weit, So weit die Wolken gehen; Du krönst uns mit Barmherzigkeit Und eilst, uns beizustehen. Herr, meine Burg, mein Fels, mein Hort, Vernimm mein Flehn, merk auf mein Wort, Denn ich will vor dir beten. Ruhm, So sehr sie Menschen rühren; Des guten Namens Eigenthum Laß mich nur nie verlieren. Mein wahrer Ruhm sey meine Pflicht, Der Ruhm vor deinem Angesicht, Und frommer Freunde Liebe. 4. So bitt ich dich, Herr Zebaoth, Auch nicht um langes Leben; Im Glücke Demuth, Muth in Noth, Das wollest du mir geben. In deiner Hand steht meine Zeit; Laß du mich nur Barmherzigkeit Vor dir 2. Ich bitte nicht um Ueber-| fluß Und Schätze dieser Erden; Laß mir, so viel ich haben muß, Nach deiner Gnade werden; Gib mir nur Weisheit und Verstand, Dich, Gott, und den, den du gesandt, Und mich selbst im Tode finden. zu erkennen. Gellert, g. 1715 † 1769. Eigene Mel.( 5 Mos. 4, 29. Jerem. 29, 13: c.) 11. Sieh, hier bin ich, Ehren-| Thron; Schwache Thränen, könig, Lege mich vor deinen Kindlich Sehnen Bring ich dir, I. Allgemeine Gebetlieder. 9 du Menschensohn; Laß dich| der Sünde Tödtend Gift in finden, Laß dich finden, Bin mir mit Schmerz. Laß dich ich gleich nur Asch und Thon. finden, Laß dich finden, Schaff 2. Sieh doch auf mich, Herr, in mir ein reines Herz. ich bitt dich, Lenke mich nach deinem Sinn; Dich alleine Ich nur meine, Dein erkaufter Erb ich bin. Laß dich finden, Laß dich finden; Gib vich mir und nimm mich hin. 3. Herr, erhöre! Ich begehre Nichts, als deine freie Gnad, Die du gibest, Wo du liebest Und man dich liebt in der That. Laß dich finden, Laß dich finden; Der hat Alles, der dich hat. 4. Rein, voll Wonne, Wie die Sonne, Ist, o Seelenfreund, dein Herz. Ich nur finde Noch Mel. Herr Christ, der einig.( Joh. 1, 9. 12. Jef. 38, 17.) 12. Herr Jesu, Gnadenson-| Daß ich mich künftighin Zu ne, Wahrhaftes Lebenslicht! Laß Leben, Licht und Wonne Mein blödes Angesicht Nach deiner Gnad erfreuen, Und meinen Geist erneuen; Mein Gott, versag mirs nicht! deinem Dienst ergebe Und dir zu Ehren lebe, Weil ich erlöset bin. 4. Befördre dein Erkenntniß In mir, mein Seelenhort, Und öffne mein Verständniß Durch dein lebendig Wort; Damit ich an dich gläube Und in der Wahrheit bleibe, Ja wachse fort und fort. 5. Mit deiner Kraft mich rüste, Zu kreuz'gen die Begier Und alle bösen Lüste, Auf daß ich für und für Der Sündenwelt absterbe Und nach dem Fleisch verderbe, Hingegen leb in dir. 2. Vergib mir meine Sünden Und wirf sie hinter dich; Laß allen Zorn verschwinden Und hilf mir gnädiglich. Laß deine Friedensgaben Mein armes Herze laben; Ach Herr, erhöre mich' 5. Tief in Nöthen Hilf mir beten, Kindlich beten, Herr, vor dir. Ach erscheine, Wenn ich weine, Bald mit deiner Hilfe mir! Laß dich finden, Laß dich finden, Denn mein Herz verlangt nach dir. 6. Dieser Zeiten Eitelkeiten, Reichthum, Wollust, Ehr und Freud Sind nur Schmerzen Meinem Herzen, Welches sucht die Ewigkeit. Laß dich finden, Laß dich finden, Großer Gott, ich bin bereit. J. Neander, g. 1610 † 1680. 3. Vertreib aus meiner Seelen Den alten, eitlen Sinn, Und laß mich dich erwählen, 10 1. Allgemeine Gebetlieder. 6. Ach zünde deine Liebe In| und thut; Hingegen all mein meiner Seele an, Daß ich aus innrem Triebe Dich ewig lieben kann. Und dir zum Wohlgefallen Beständig möge wallen Auf rechter Lebensbahn. Sinnen, Mein Lassen und Beginnen Ist böse, und nicht gut. 8. Darum, du Gott der Gnaden, Du Vater aller Tren, Wend allen Seelenschaden und mach mich täglich neu! Gib, daß ich deinen Willen Getreulich mög erfüllen, Und steh mir kräftig bei. Gotter, g. 1661 † 1735. 7. Nun, Herr, verleih mir Stärke, Verleih mir Kraft und Muth! Denn das sind Gnadenwerke, Die dein Geist schafft Eigene Mel. ( Jaf. 1, 17.) 13. Gott, du frommer| Gib einen Heldenmuth, Das Gott, Du Brunnquell aller Gaben, Ohn den nichts ist, was ist, Von dem wir alles haben! Gesunden Leib gib mir, Und daß in solchem Leib Die Seele unverlegt, Nein das Gewissen bleib. Kreuz hilf selber tragen. Gib, daß ich meinen Feind Mit Sanftmuth überwind; Gib Freunde, die mit Rath Und That mir nahe sind. 2. Gib, daß ich thu mit Fleiß, Was mir zu thun gebühret, Wozu mich dein Befehl In meinem Stande führet. Gib, daß ichs thue bald, Zu der Zeit, da ich soll, Und dann gerathe mirs Durch deinen Segen wohl. 5. Laß mich mit jedermann In Fried und Freundschaft le= ben, So weit es christlich ist. Willst du mir etwas geben An Reichthum, Gut und Geld, So gib auch dieß dabei, Daß von unrechtem Gut Nichts untermenget sey. 3. Hilf, daß ich rede stets, Womit ich kann bestehen, Laß kein unnützes Wort Aus meinem Munde gehen; Und wenn in meinem Amt Ich reden soll und muß, So gib den Worten Kraft Und Nachdruck ohn Ver= druß. 6. Soll ich auf dieser Welt Mein Leben höher bringen, Durch manchen sauren Tritt Hindurch ins Alter dringen, So gib Geduld; vor Sünd Und Schanden mich bewahr, Auf daß ich tragen mag Mit Ehren graues Haar. 7. Laß mich an meinem End Auf Christi Tod abscheiden; Die Seele nimm zu dir, Hin4. Find't sich Gefährlichkeit, So laß mich nicht verzagen; auf zu deinen Freuden. Dem 1. Allgemeine Gebetlieder. Leib ein Räumlein gönn Bei| schön verklärt, Zum auserfrommer Christen Grab, Auf wählten Chor. daß er seine Ruh An ihrer Seite hab. 11 9. Gott Vater, dir sey Preis Hier und im Himmel droben; Herr Jesu, Gottes Sohn, Ich will dich allzeit loben; O heilger Geist, dein Ruhm Erschall je mehr und mehr; Dreieinger Herr und Gott, Dir sey Lob, Preis und Ehr! J. Heermann, g. 1585 † 1647. 2. 9 späterer 3usag. 8. Wann du die Todten wirst An jenem Tag aufwecken, Wollst du auch deine Hand zu meinem Grab ausstrecken; Laß hören deine Stimm, Ruf meinen Leib hervor Und führ ihn, Mel Mein Jesus lebt.( Rom. 8, 35-39. Pf. 111, 1. 4. 9. Sir. 18, 12-14.) 14. Herr von unendlichem| zen, Hügel brechen, So bleibt Erbarmen, Du unergründlich Liebesmeer! Ich danke dir mit andern Armen, Mit einem ganzen Sünderheer, Für deine Huld in Jesu Christ, Die vor der Welt gewesen ist. dein Bund und deine Tren; Wenn Erd und Himmel weicht und fällt, So lebt doch Gott, der Glauben hält. 5. Für deine theuren Sakramente, Die Siegel deiner wahmal seiner Wunder stift't, Für diese Gnaden in der Zeit Dankt dir mein Herz in Ewigkeit. 2. Für dein so allgemein Er- ren Schrift, Wo Gott, damit lösen, Für die Verfühnung al- ich glauben könnte, Ein Denkler Schuld, Für deinen Ruf an alle Bösen, Und für das Wort von deiner Huld; Ja für die Kraft in deinem Wort Dankt dir mein Herze hier und dort. 3. Für deinen heilgen Geist der Liebe, Der Glauben wirkt in unsrem Geist, Für dieses Glaubens Kraft und Triebe, Wodurch sich deine Macht erweist, Für die Befestigung darin Dankt dir mein neugeschaffner Sinn; 6. Ja Mund und Herze soll dir danken; Doch bittet auch mein Herz und Mund: Laß weder Mund noch Herze wanken Und gründe mich auf diefen Grund; Erhalte nur durch deine Treu Auch bis ans Ende mich dabei. 7. Laß mir dein allgemein Frbarmen, Das allgemeine Lösegeld, Den allgemeinen Nuf der Armen, Den allgemeinen Trost der Welt, Die Mittel, welche 4. Für dein so tröstliches Versprechen, Daß deine Gnade ewig sey; Wenn Berge stür 12 I. Allgemeine Gebetlieder. allgemein, Den festen Grund des Glaubens seyn. 8. Du gabst ja mir auch solche Gnaden, Auch ich, ich habe Theil daran; Ich lag ja mit in gleichem Schaden, Für mich ist auch genug gethan; An deinem Worte, Trost und Heil Gehört mir mein besondres Theil. 9. An diesem kann ich nun erkennen, Daß ich dein Kind in Gnaden bin; Du willst mir selbst die Ehre gönnen, Du gabst den Sohn für mich dahin, Der war den Sündern zugeMel. Wie selig bin 15. Nicht um ein flüchtig Gut der Zeit, Ich fleh um deinen Geist, Gott, den zu meiner Seligkeit Dein theures Wort verheißt. 2. Die Weisheit, die vom Himmel stammt, O Vater, lehr er mich, Die Weisheit, die das Herz entflammt Zur Liebe gegen dich. 3. Dich lieben, Gott, ist Seligkeit; Gern thun, was dir gefällt, Wirkt reinere Zufriedenheit, Als alles Glück der Welt. zählt, In dem die Sünder auserwählt. 10. Laß mich in Liebe heilig leben, Unsträflich dir zum Lobe seyn; Versichere mein Herz daneben: Es reiße keine Lust noch Pein Mich von der Liebe Gottes hin, Weil ich in Chrifto Jesu bin. 11. Tod, Leben, Trübsal, Angst und Leiden, Was Welt und Hölle in sich schließt, Nichts soll mich von der Liebe scheiden, Die da in Christo Jesu ist. Ja Amen! Vater aller Tren, Zähl mich den Auserwählten bei. Ph. Fr. Hiller, geb. 1699+ 1769. ( Luc 11. 13.) ich. 4. Vertrauen hab ich dann zu dir; Dann schenket auch dein Geist Das frendige Bewußtseyn mir, Daß du mir gnädig seyst. 5. Er leite mich zur Wahrheit hin, Zur Tugend stärker mich, Und zeige, wenn ich traurig bin, Auch mir als Tröster sich. 6. Er schaff in mir ein reines Herz, Versiegle deine Huld, Und er bewaffne mich im Schmerz Mit Muth und mit Geduld. Chr. Fr. Neander, geb. 1723 † 1802. Eigene Mel.( Habak. 2, 14.) 16. Herr Jesu Christ! dich uns den Weg zur Wahrheit zu uns wend Und deinen heil- führ. gen Geist uns send, Mit Hilf und Guad er uns regier Und 2. Thu auf den Mund zum Lobe dein, Bereit das Herz I. Allgemeine Gebetlieder. 13 zur Andacht fein; Den Glau-[ von Angesicht In ewger Freud ben mehr', stärk den Verstand, Daß uns dein Nam werd wohl bekannt. und selgem Licht. 4. Ehr sey dem Vater und dem Sohn, dem heilgen Geist in Einem Thron! Der heiligen Dreifaltigkeit Sey Lob und Preis in Ewigkeit! 3. Bis wir singen mit Gottes Heer: Heilig, heilig ist Gott, der Herr! Und schauen dich Wilhelm, Herzog von Sachsen. Weimar, g. 1598+ 1662. Mel. O Gott, du frommer; od.: Ach Gott, verlaß( Neh. 13, 31. Röm 8, 31.) 17. Ach Gott, gedenke mein, Gedenke mein zum besten! Dieß ist schöne Wort, Das mich allein mag trösten. Ich fürchte keine Noth Und keine Angst noch Pein, So lang ich rufen kann: Ach Gott, gedenke mein! 2. Ach Gott, gedenke mein! Wie könnt ich sichrer leben, Als wenn du, Vater, willst Ob deinem Kinde schweben, Wenn ich von deinem Schuß Kann unvergessen seyn? Drum bitt ich allezeit: Ach Gott, gedenke mein! 3. Ach Gott, gedenke mein! Blick her zu deinem Kinde, Weil ich sonst nirgends Ruh Und Rettung besser finde, Auch keine Hilfe weiß, Denn nur bei dir allein; Drum ruf ich allezeit: Ach Gott, gedenke mein! 4. Ach Gott, gedenke mein! 3war nicht an meine Sünde, Wodurch ich mich des Rechts Der Kindschaft selbst entbinde; Ach nein, im besten laß Mich dir befohlen seyn, Gedenk an Gnad für Necht; Ach Gott, gedenke mein! 5. Ach Gott, gedenke mein! Bin ich ein Uebertreter, So ist mein Jesus da, Als meiner Seele Retter. Will Sünde, Höll und Tod Den Untergang mir dräun, So hilft er, weil ich ruf: Ach Gott, gedenke mein! 6. Ach Gott, gedenke mein Mit reichem Trost und Segen! Behüte jedes Haus, Gib Glück auf unsern Wegen; Flöß mir den reinen Trieb Des heilgen Geistes ein; Erhör mich, wenn ich ruf: Ach Gott, gedenke mein! 7. Ach Gott, gedenke mein! Gedenke mein im Leiden, Wenn Alles mich zuletzt Verläßt bei meinem Scheiden, So bitt ich, lasse dir Die Seel befohlen seyn In meiner Todesnoth: Ach Gott, gedenke mein! 8. Ach Gott, gedenke mein! Ja, ja du willst gedenken; Du haft dem Schächer dort Die 14 I. Allgemeine Gebetlieder. Gnade wollen schenken, Daß| ist das schöne Wort, Das mich er noch selben Tag Im Paradies sollt seyn, Drum ruf ich auch mit ihm: Ach Gott, gedenke mein! allein mag trösten. Jeßt fürcht ich keine Noth Und keine Angst noch Pein; Mein Rufen ist erhört: Mein Gott gedenket mein! 9. Nun, Gott gedenket mein, Er denket mein im besten; Dieß| Mel. Herr Jesu Christ, mein's.( Pf. 25.) 18. Nach dir, o Gott, ver- Kind, Vergib und tilge meine Sünd, Daß ich zu dir mit freiem Lauf Mich schwingen könne himmelauf. langet mich, Mein Gott, ich denke stets an dich; Zich mich nach dir, nach dir mich wend, Aus Zion deine Hilfe send! 2. Die Sonnenblum folgt ihrer Sonn, So folg ich dir, o meine Wonn; Nur wünsch ich, daß ich könnte hier Ganz frei von Sünden folgen dir. Adam, 1700. 3. Doch leider hat der Sünde Gift Solch Uebel in mir angestift't, Daß sich der matte Geist nicht kann Davor recht schwingen himmelan. 4. Ach wer wird mich befreien doch Von meinem schweren Sündenjoch? O Herr, ich sehne mich nach dir: Befreie mich und hilf du mir! 5. Es ist mein Will nach dir gericht't, Doch das Vollbringen mir gebricht; Und wenn ich auch hab Guts gethan, Klebt doch Unreines noch daran. 6. Gedenke, daß ich bin dein 7. Den Sinn der Welt rott in mir aus, Sey du nur Herr in meinem Haus; Den Schild des Glaubens mir verleih Und brich des Feindes Pfeil' ent=zwei. 8. Nach dir, mein Gott, laß mir forthin Gerichtet seyn den ganzen Sinn; Ich eigne dich mir gänzlich zu Und such in dir nur meine Ruh. 9. Hinweg, hinweg du schnöde Lust, Bleib mir auf ewig unbewußt! Was fortan mich vergnügen soll, Deß ist allein der Himmel voll. 10. Ach Alles, was mich reißt von dir, Du höchstes Gut, das treib von mir; In dir, mein Gott, in dir allein Laß hinfort meine Freude seyn! Anton Ulrich, Herzog von Braunschweig, g. 1633 1714. Mel. Mein Jesu, der du mich.( Jerem. 18, 19. Pf. 121. Weisheit 3, 9.) 19. Herr! habe Acht auf Von allen Dingen; Denn ein mich. Und reiß mich kräftiglich gefesselt Herz Kann sich ja 1. Allgemeine Gebetlieder. himmelwärts Durchaus nicht| Furcht und Neid, Menschengeschwingen. fälligkeit, Unlautre Triebe! 2. Herr! habe Acht auf mich; Schaff, daß mein Herze sich Im Grund bekehre; Trifft vom verborgnen Bann* Dein Auge noch was an, Herr, das zerstöre! 7. Herr! habe Acht auf mich; Und laß mich ritterlich Den Kampf bestehen, Wenn Satan, Sünd und Welt Mich stürmend überfällt, Nicht übergehen. 8. Herr! habe Acht auf mich; Die Liebe nennet dich Ifraels Hüter; Du schläfft und schlummerst nicht, Dein blizend Angesicht Schlägt Feinde nieder. 9. Herr! habe Acht auf mich; Dein Herz ist mütterlich, Das heißt dich wachen; Das Kind liegt sorgenlos, Sanft in der Mutter Schoos, Die wirds schon machen. 10. Herr! habe Acht auf mich; O zeuch mich ganz in dich Mit Leib und Seele; Dein bin ich, du bist mein, Du, den ich mir allein Zum Hort erwähle. 11. Herr! habe Acht auf mic Beim letzten Kampf, wenn ich Von hinnen scheide; Führ mich durch dein Geleit In deine Herrlichkeit, Zur ewgen Freude. Vielleicht von Dr. Johann Christian Store. Eigene Mel.( Pf. 38, 22.) 20. Ach Gott, verlaß mich| 2. Ach Gott, verlaß mich nicht! nicht! Gib mir die Gnadenhände; Ach führe mich, dein Kind, Daß ich den Lauf vollende zu meiner Seligkeit. Sey du mein Lebenslicht, Mein Stab, mein Hort, mein Schup; Ach Gott, verlaß mich nicht! * Jof. 7, 15. 3. Herr! habe Acht auf mich; Hast du allmächtiglich Den Strick zerrissen, So laß, dem Feind zu Truß, Mich deinen starken Schutz Nun stets genießen. 4. Herr! habe Acht auf mich; Die Schlange mühet sich, Mit ihren Tücken Ein Herz, das du befreit, Von der Einfältigkeit Bald zu verrücken. 5. Herr! habe Acht auf mich; Die Welt legt listiglich In solchen Dingen, Die fie unschuldig nennt, Weil sie sich selbst nicht kennt, Viel' Neg' und Schlingen. 15 6. Herr! habe Acht auf mich; Tödt in mir mächtiglich Die Eigenliebe, Trägheit, Lust, Regiere du mein Wallen; Ach laß mich nimmermehr In Sünd und Schande fallen! Gib mir den guten Geist, Gib Glaubenszuversicht, Sey meine Stärk und Kraft; Ach Gott, verlaß mich nicht! 16 I. Allgemeine Gebetlieder. 3. Ach Gott, verlaß mich nicht!| meines Amts, Die Werke meiIch ruf aus Herzensgrunde: ner Pflicht, zu thun, was dir Ach Höchster, stärke mich In gefällt; Ach Gott, verlaß mich jeder bösen Stunde! Wenn mir nicht! Versuchung naht Und meine Seel anficht, So weiche nicht von mir; Ach Gott, verlaß mich nicht! 5. Ach Gott, erlaß mich nicht! Ich bleibe dir ergeben; Hilf mir, o großer Gott, Necht glauben, christlich leben Und selig scheiden ab. Zu sehn dein Angesicht; Hilf mir in Noth und Tod; Ach Gott, verlaß mich nicht! Gal. Frand, g. 1669 † 1725 Eigene Mel.( Matth. 6, 19. 20. Joh. 15, 7.) 21. Urquell aller Seligkei-| Haupte, Wenn die Welt ihr ten, Die in Strömen sich verbreiten Durch der Schöpfung weit Gebiet, Water, hör mein flehend Lied! alles raubte, Hinblickt, wo sie wonnevoll Alles wieder finden soll; 7. Starken Muth im Kampf des Christen Mit der Welt und ihren Lüsten; Sieg dem Geist, und wenn er siegt, Demuth, die im Staub sich schmiegt; 8. Duldung, alle Lebensplagen Mit Gelassenheit zu tragen; Stilles Harren, bis der Tod Mich erlöst auf dein Gebot; 4. Ach Gott, verlaß mich nicht! Komm gnädig mir entgegen; Ach Vater, kröne doch Mit reichem Himmelssegen Die Werke 2. Nicht um Güter dieser Erde, Des erhabnen Geists Beschwerde, Um die Weltlust komm ich nicht, Vater, vor dein Angesicht. 3. Schäße, die mich nicht verlassen, Wenn ich sterbend werd erblassen, Tugenden, des Christen werth, Sind es, die mein Herz begehrt. 4. Geber aller guten Gaben! FestenGlaubenmöcht ich haben, Wie ein Meerfels unbewegt, Wenn an ihn die Woge schlägt; 5. Lieb, aus deinem Herzen stammend, Immer rein und immer flammend, Liebe, die dem Feind verzeiht, Und dem Freund vas Leben weiht; 6. Hoffnung, die mit hohem 9. Seelenruhe, Muth im Sterben, Wenn die Lippen sich entfärben Und der letzte Seufzer spricht: O mein Jesu, laß mich nicht! 10. Willst du, Herr von meinem Leben, Diese Seligkeit mir geben, So wird auch die Leidensnacht Mir zum heitern Tag gemacht. 11. Immer will ich beten, rin I. Allgemeine Gebetlieder. 17 gen, Stille harren, Dank dir| frieden: Jesus kommt und bringen, Bis dein Ruf einst stärkt die Müden; Nur vergiß meinen Geist Zu dir, Vater, nie sein Gebot:„ Sey getreu kommen heißt. bis in den Tod!" 12. Seele, gib dich nun zuSchubart, g. 1739 † 1791.. Eigene Mel.( Jerem. 29, 11.) 22. Der du das Loos von meinen Tagen Und meines Lebens Glück und Plagen Mit Güt und Weisheit mir bestimmt, Dir, Gott, dank ich mit frohem Herzen, Das seine Frenden, seine Schmerzen Aus deinen Segenshänden nimmt. 2. Du hast im Lauf von meinem Leben Mehr Glück als Leiden mir gegeben, Mehr Guts, als ich verdient, beschert. Muß ich den Abend lang auch weinen, Läßt du mir doch die Sonne scheinen, Wenn kaum der Morgen wiederkehrt. 3. Soll ich nach deinem Wohlgefallen Durch mancher Prüfung Enge wallen, Die Fleisch und Blut mir schwerer macht, So darf mein Herz doch nicht verzagen; Ich weiß, du bist bei meinen Plagen Stets auf mein wahres Wohl bedacht. 4. Selbst aus des Lebens Bitterkeiten Weißt du mein Glück mir zu bereiten Und schaffst aus Finsternissen Licht; Du bahust vor mir die rauhen Stege Und leitest mich auf meinem Wege, Wenn Licht und Leitung mir gebricht. 5. Drum soll vor dir mein Herz sich stillen; Ich weiß, daß ohne deinen Willen Kein Haar von meinem Haupte fällt. Auf dich allein kann ich vertrauen Und meiner Zukunft Hoffnung bauen In dieser unbeständgen Welt. 6. Ja, Herr, es sey mein ganzes Leben Bloß deiner Leitung übergeben, Bis dieser Leibesbau zerbricht. Ob Berge fallen, Hügel weichen Und Welten sich zum Einsturz neigen, So weicht doch deine Gnade nicht! Pagke, g. 1727 † 1787. Mel. Herr Jefu Christ, mein's.( Luc. 11, 9. 10) 23. Gott, Vater in dem Him-| bestimmt, Was sie mir spendet mel, sprich Dein Wort des Segens über mich. Daß ich im Frieden jeden Tag Beginnen und vollenden mag. 2. Herr! was mir deine Hand Evangelisches Gesangbuch oder nimmt, Glück oder Weh, das gelte mir Als Segen und Geschenk von dir. 3. Gib mir ein Herz, durch Gnade fest, Das dich in Allem 2 18 I. Allgemeine Gebetlieder. walten läßt Und unbedingt| Frucht für dich und Andre mit Kindesmuth In deinem trägt. Vaterwillen ruht. 4. Hilf, daß ich züchtig, klug und treu In Worten, Sinn und 7. Bedroht mich Trübsal und Gefahr, So rette du mich immerdar; Und laß mich, wenn Werken sey Und Alles, was zurich Hilfe fand, Demüthig küfSünde räth, In mir besiege durch Gebet. sen deine Hand. 8. Sinkt aus der Hand mein Wanderstab, Geh ich ins finstre Thal hinab, So nimm, o Gott, mein Heiland, dann Dich meiner Seele herzlich an. 5. Laß deines Sohnes Gnadenschein Beständig mir im Herzen seyn; Sein Leben, Wort und Kreuzesbild Sey meiner Seele Sonn und Schild. 6. Fällt mir ins Herz dein Lebenswort, Dann wirke du, daß es sofort Im Innern aufkeimt, Wurzel schlägt und 9. Schenk mir im letzten Augenblick Ein Vorgefühl von jenem Glück, Das du nach Tageshiß und Last Den Deinen dort bereitet haft. Bürde, g. 1753 † 1831. Mel. Mein's Herzens Jesu.( 1 Timoth. 6, 6-10.) 24. Ach Gott des Himmels,| ist, Uns nicht zu Lüften reizen; laffe mir Und Allen auf der Erden Den uns so väterlich von dir Beschiednen Theil stets werden; Gib jedem immerdar nach Noth Sein zugedachtes täglich Brod Und ein genügsam Herze! Laß mich die Lügen nicht zum Schild, Das Gold mir nicht zum Gößenbild, Den Bauch zum Gott nicht machen. 4. Laß mich nicht Ehre, Lust und Geld, Mir selbst zum Strick, verlangen; Gebrauch 2. Gib Mäßigkeit und Dank- ich etwa dieser Welt, Laß mich barkeit, Wenn du uns viel be- nicht daran hangen. Die Zeit schieden; Und wenn uns weni- ist kurz, uns ruft das Grab: ger bereit, So mach uns doch Laß mich das haben, was ich zufrieden. Leg uns nur deinen hab, Als wenn ich es nicht Segen zu; Wo man dir traut, hätte. erstattest du Durch Segen alle Mängel. 5. Ach präge stets mir in den Sinn, Daß ich, um hauszuhalten, Gesegt in deine Güter bin, Sie redlich zu verwalten. 3. Gib, daß uns keine Sorge frißt; Laß ein abgöttisch Geizen, Das alles Uebels Wurzel| Es eilt ja schon der Tag her 1. Allgemeine Gebetlieder. 19 zu, Da willst du, daß ich Rech-| sam seyn, Und für die Obern nung thu Von allen deinen Gü- beten. tern. 7. Laß deiner Gnade Sonnen6. Gib Frieden und Zufrie-| schein In unfrem Lande gländenheit Auf allen unsern We- zen; Laß keine Feinde bei uns gen; Verleih uns fromme ein Und schüße unsre Grenzen; Obrigkeit, Und kröne ste mit Laß deiner Engel starke Schaar Segen; Die Untern lehre ins- Um uns bei drohender Gefahr gemein Gewissenhaft, gehor- 3ur festen Mauer werden. Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Mel. Schmücke dich.( Joh. 14, 13 c. 21.) 25. Herr, vor dem die En-| ben Zur Erlösung vom Vergel knieen Und in selger Andacht derben, Jesus, bleibe meine glühen; Herr, dem Sonne, Freude, Daß ich nie von ihm Mond und Sterne Willig die- mich scheide. Mag der Weltfinn nen nah und ferne; Herr von auch das Sehnen Meines Herunzählbaren Reichen, Großer zens stolz verhöhnen, Halt mich König, ohne gleichen, Du ver- fest in diesem Glauben, Laß mir gönnst auch mir zu beten, Kind- nichts dieß Kleinod rauben. lich vor dich hinzutreten! 5. Deinen Geist, der Schwachen Führer, Gib auch mir, Gott, zum Regierer, Daß ich keinen Pfad erwähle, Drauf ich meines Ziels verfehle; Daß ich treu nach Wahrheit ringe, Jede Sündenluft bezwinge, Christlich froh sey, christlich leide, Christlich fromm auch einst abscheide. 2. Alles darf ich dir bekennen, Darf im Sohn dich Vater nennen, Und du blickst, wie Väter pflegen, Mir voll Lieb und Huld entgegen; Hörst, was ich von dir begehre, Trocknest meines Jammers Zähre, Gibst mir noch vor meinem Flehen leber Bitten und Verstehen. 3. O so höre, Water, höre, Was ich demuthvoll begehre! Laß mich inniglich entbrennen, Dich zu suchen, zu erkennen, Daß mich, wo ich bin und lebe, Deine Herrlichkeit umschwebe, Und ich dich in Freud und Schmerzen Immer trag in meinem Herzen. 6. Willst du, Herr, zum Geistesleben Auch noch Erdengut mir geben, Gib Gesundheit, Muth und Kräfte, Segen zum Berufsgeschäfte, Daß ich, Dürftige zu laben, Immer mög ein Scherflein haben, Und daß Liebe, Fried und Treue Mich bei deinem Volk erFröbing, g. 1746 † 1805. 4 Er, der für uns wollte ster-| freue 20 1. Allgemeine Gebetlieder. Eigene Mel.( Pf. 31, 6. 86, ff.) 26. Herr! wie du willt, so schicks mit mir Im Leben und im Sterben; Allein zu dir steht mein Begier, Laß mich, Herr, nicht verderben! Erhalt mich nur in deiner Huld, Sonst wie du willt; gib mir Geduld, Dein Will, der ist der beste. 2. Zucht, Ehr und Tren verleih mir, Herr, Und Lieb zu deinen Worten; Behüt mich, Herr, vor falscher Lehr, Und gib mir hier und dorten, Was dient zu meiner Seligkeit; Wend ab all Ungerechtigkeit In meinem ganzen Leben. 3. Soll ich einmal nach deinem Rath von dieser Welt abscheiden, Verleih mir, Herr, nur deine Gnad, Daß es ge= scheh mit Freuden. Mein Leib und Seel befehl ich dir; O Herr, ein selig End gib mir Durch Jesum Christum! Amen. Bienemann, g. 1540 † 1591. Eigene Mel.( Pf. 136, 1-4. Sir. 50, 24. 25.) 27. Nun danket all und brin-| Herz, Erfrische Geist und Sinn get Ehr, Ihr Menschen in der Welt, Ihm, den da preist der Engel Heer Allzeit im Himmelszelt! Und werf all Angst, Sorg, Furcht und Schmerz In Meerestiefe hin. 2. Ermuntert euch und singt mit Schall Gott, unfrem höchsten Gut, Der seine Wunder überall Und große Dinge thut; 3. Der uns von Mutterleibe an Frisch und gesund erhält, Und wo kein Mensch mehr helfen kann, Sich selbst zum Helfer stellt; 4. Der, ob wir ihn gleich hoch betrübt, Doch bleibet gütgen Muths, Die Straf erläßt, die Schuld vergibt, Und thut uns alles Guts. 5. Er gebe uns ein fröhlich 6. Er lasse seinen Frieden ruhn Auf unsrem Vaterland; Er gebe Glück zu unsrem Thun Und Heil in allem Stand. 7. Er laffe seine Lieb und Güt Um, bei und mit uns gehn; Was aber ängstet und bemüht, Gar ferne von uns stehn. 8. So lange dieses Leben währt, Sey er stets unser Heil; Uno wenn wir scheiden von der Erd, Verbleib er unser Theil. 9. Er drücke, wann das Herze bricht, Uns selbst die Augen zu, Und zeig uns drauf sein Angesicht Dort in der ewgen Nuh. Gerhard, g. 1606 † 1676. Mel. Allein Gott in der Höh.( 5 Mof. 32, 3. 4.) 28. Sey Lob und Ehr dem| Güte, Dem Gott, der alle Wunhöchsten Gut, Dem Vater aller der thut, Dem Gott, der mein I. Allgemeine Gebetlieder. 21 Gemüthe Mit seinem reichen und her. Gebt unfrem Gott Trost erfüllt, Dem Gott, der die Ehre! allen Jammer stillt; Gebt unsrem Gott die Ehre! 2. Es danken dir die Himmelsheer', O Herrscher aller Thronen; Und die in Lüften, Land und Meer In deinem Schatten wohnen, Die preisen deine Schöpfersmacht, Die Alles also wohl bedacht. Gebt unsrem Gott die Ehre! 3. Was unser Gott geschaffen hat, Das will er auch erhalten, Darüber will er früh und spat Mit seiner Gnade walten. In seinem ganzen Königreich Ist Alles recht und Alles gleich; Gebt unfrem Gott die Ehre! 4. Ich rief dem Herrn in meiner Noth: ,, Ach Gott, vernimm mein Weinen!" Da half mein Helfer mir vom Tod Und ließ mir Trost erscheinen. Drum dank ich, Gott, drum dank ich dir, Ach danket, danket Gott mit mir, Gebt unfrem Gott die Ehre! 5. Der Herr ist nun und nimmer nicht Von seinem Volk geschieden; Er bleibet ihre Zuversicht, Ihr Segen, Heil und Frieden. Mit Mutterhänden leitet er Die Seinen stetig hin 6. Wenn Trost und Hilfe mangeln muß, Die alle Welt erzeiget, So kommt, so hilft der Ueberfluß, Der Schöpfer selbst und neiget Die Vateraugen denen zu, Die nirgendwo sonst finden Nuh. Gebt unsrem Gott die Ehre! 7. Ich will dich all mein Lebenlang, O Gott, von nun an ehren; Man soll, Gott, deinen Lobgesang An allen Orten hören. Mein ganzes Herz ermuntre sich, Mein Geist und Leib erfreue dich; Gebt unsrem Gott die Ehre! 8. Jhr, die ihr Christi Namen nennt, Gebt unsrem Gott die Ehre; Ihr, die ihr Gottes Macht bekennt, Gebt unsrem Gott die Ehre! Die falschen Gözen macht zu Spott, Der Herr ist Gott, der Herr ist Gott; Gebt unsrem Gott die Ehre! 9. So kommet vor sein Angesicht, Mit Jauchzen Dank zu bringen, Bezahlet die gelobte Pflicht Und laßt uns fröhlich fingen: Gott hat es Alles wohl bedacht Und Alles, Alles recht gemacht; Gebt unfrem Gott die Ehre! 3. J. Schüß, g. 1640 † 1690 Eigene Mel. ( Pf. 146.) 29. Lobe den Herren, o meine| zum Tod; Weil ich noch StunSeele! Ich will ihn loben bis den anf Erden zähle, Will ich I. Allgemeine Gebetlieder. lobsingen meinem Gott. Der| der sich auf ihn verläßt! HalLeib und Seel gegeben hat, lelujah, Hallelujah! Werde gepriesen früh und spat! Hallelujah, Hallelujah! 2. Fürsten sind Menschen, vom Weib geboren Und sinken wieder in den Staub; Ihre Anschläge sind auch verloren, Wann nun das Grab nimmt seinen Raub. Weil denn kein Mensch uns helfen kann, Rufe man Gott um Hilfe an. Hallelujah, Hallelujah! 22 3. Selig, ja selig ist der zu nennen, Deß Hilfe der Gott Jakobs ist, Welcher vom Glauben sich nicht läßt trennen Und hofft getroft auf Jesum Christ! Wer diesen Herrn zum Beistand hat, Findet am besten Rath und That. Hallelujah, Hallelujah! 4. Dieser hat Himmel, Meer und die Erden Und was darinnen ist, gemacht. Alles muß treulich erfüllet werden, Was er uns einmal zugedacht. Er ists, der Herrscher aller Welt, Welcher uns ewig Glauben hält. Hallelujah, Hallelujah! 5. Sollt er was sagen, und doch nicht halten? Sollt er was reden, und nicht thun? Kann auch der Wahrheit Kraft veralten? Kann auch sein wallend Herze ruhn? Er sinnt und sorgt auss allerbest; Wohl dem, 6. Siehet er Seelen, die Unrecht leiden: Er ists, der ihnen Recht verschafft; Hungrigen will er genug bescheiden, Was ihnen dient zur Lebenskraft; Die hart Gebundnen macht er frei, Und seiner Gnad ist man cherlei. Hallelujah, Hallelujah! 7. Sehende Augen gibt er den Blinden, Erhebt, die tief gebeuget gehn. Wo er kann gläubige Seelen finden, Die läßt er seine Liebe sehn. Sein Aufsehn ist des Fremdlings Truß; Wittwen und Waisen hält er Schuß. Hallelujah, Hallelujah! 8. Aber der Gottesvergeßnen Tritte Kehrt er mit starker Hand zurück, Daß sie nur machen verkehrte Schritte Und fallen selbst in ihren Strick. Der Herr ist König ewiglich, Zion, dein Gott sorgt stets für dich! Hallelujah, Hallelujah! 9. Rühmet, ihr Menschen, den hohen Namen Deß, der so große Wunder thut; Alles, was Odem hat, rufe Amen Und bringe Lob mit frohem Muth! Ihr Kinder Gottes, lobt und preist Vater und Sohn und heilgen Geist! Hallelujah, Hallelujah! Herrnschmidt, g. 1675 † 1723. 1. Allgemeine Gebetlieder. 23 Eigene Mel.( Pf. 103.) fallend Laub; Der Wind darüber wehet, So ist es nimmer da: Also der Mensch vergehet, Sein End, das ist ihm nah. 30. Nun lob, mein Seel,| Geschlechte, Wie Blum und den Herren, Was in mir ist, den Namen sein, Deß Gnaden stets sich mehren; Vergiß es nicht, o Herze mein! Er hat die Schuld vergeben, Heilt deine Schwachheit groß, Beschirmt dein armes Leben, Nimmt dich in seinen Schoos, Mit Trost dich überschüttet, Verjüngt, dem Adler gleich; Schafft Recht, und treu behütet, Die leiden für sein Reich. 2. Er hat uns wissen lassen Sein heilig Recht und sein Gericht, Auch seine Güt ohn Maßen, Ihm mangelts an Erbarmung nicht. Den Zorn läßt er bald fahren, Straft nicht nach unsrer Schuld, Will Gnade nimmer sparen, Zeigt Blöden seine Huld; Sein Mitleid ist so labend Für die, so fürchten ihn. So fern der Oft vom Abend, Ist unsre Sünde hin. 3. Wie Väter sich erbarmen, Wenn ihre schwachen Kinder schrein, So thut der Herr uns Armen, Wenn wir ihn fürchten kindlich rein. Gott kennt uns arme Knechte, Er weiß, wir sind nur Staub, Ein nichtiges 4. Die Gottesgnad alleine Bleibt stet und fest in Ewigkeit, Sie bleibt bei der Ge= meine, Die steht in seiner Furcht bereit; Sein Bund ist nicht veraltet, Er herrscht im Himmelreich. Ihr starken Engel, waltet Des Lobs und dient zugleich Dem großen Herrn zu Ehren Und treibt sein heilig Wort; Mein Herz soll auch vermehren Sein Lob an allem Ort. 5. Sey Lob und Preis mit Ehren Gott Vater, Sohn und heilgem Geist! Der woll in uns vermehren, Was er aus Gnaden uns verheißt: Daß wir ihm fest vertrauen, Uns gründen ganz auf ihn Und kindlich auf ihn bauen Mit Herzen, Muth und Sinn; Daß wir ihm treu anhangen Bis zu der lezten Stund. Das laß er uns erlangen! Amen von Herzensgrund! Bers 1-4. von Graumann( Poliander) g. 1487+ 1541. Mel. Du, Gott, bist über.( 1 Petr. 4, 13. Ebr. 2, 17. 18.) 31. Dir dankt mein Herz, dir| mel, den mein Aug einst sieht, jauchzt mein Lied, Dein freut mein Glaube sich! Im HimLebst, Heiland, du für mich. 2. Du hast dieß Thränenthal 24 I. Allgemeine Gebetlieder. gesehn, Wo ich ein Pilger bin;| ich Ruh In deiner Gnade find; Dort, wo du jego thronest, gehn Dein Geist ruft meinem HerDes Pilgers Wege hin. zen zu:„ Sieh, du bist Gottes Kind!" 3. Auf Erden warst du auch geprüft Durch Kummer, Angst und Weh; O Trost, wenn ich, in Angst vertieft, Durch schwere Proben geh! 4. Ich weiß, voll Mitleid neigst du dich zu deiner Brüder Schmerz; Wär Alles fühllos gegen mich, Nie wirds dein göttlich Herz. 5. Herr! nirgends find ich eine Lieb Wie deine, nah und fern, Du liebst bis in den Tod; o gib, Daß ichs recht glauben lern. 6. Der Liebe unerhörte Macht -Für wen hat sie so treu Den Kampf mit Welt und Tod vollbracht? Für mich, nun werd ich frei! 7. Ich fürchte nichts, so lang 8. Bricht dann die Trübfal bei mir ein, So tröst ich mich mit dir Und spreche: ich bin nicht allein, Der Vater ist bei mir!" 9. Was ich noch kämpfe, bahnet mir Den Weg zum Himmelreich; Du machst mich erst im Kampfe dir Und dann im Siege gleich. 10. Einst zieh ich mit dem Sterbekleid Mein Elend alles aus; Mein Schmuck wird deine Herrlichkeit, Mein Ort des Vaters Haus; 11. Mein Umgang aller Himmel Heer, Die Wonne mein Gefühl, Mein Tagwerk ewig Preis und Ehr, Die ich dir bringen will. Schöner, g. 1749 † 1818. Mel. Nun ruhen alle.( Ps. 8, 5.) 32. Dir dank ich für mein Leben, Gott, der du mirs gegeben, Ich danke dir dafür! Du hast, durch Huld bewogen, Mich aus dem Nichts gezogen, Durch deine Güte bin ich hier. 2. Du, Herr, hast mich bereitet, Mich väterlich geleitet Bisnen Und zähltest meine Thrädiesen Augenblick; Du gabst nen, Shich bereitet war; Noch mir frohe Tage, Und selbst der Leiden Plage Verwandeltest du in mein Glück. eh mir ward das Leben Von deinerHand gegeben, Herr, wogst du schon mein Theil mir dar. 3. Ich bin, Herr aller Dinge, Der Treue zu geringe, Mit der du mich bewacht! Damit ich Staub und Erde Auf ewig glücklich werde, Hast du schon ewig mein gedacht. 4. Du hörtest schon mein Seh II. Lieder von Gott. A. Gottes Wesen u. Eigensch. 25 5. Du ließest Trost mich fin-| 7. Daß du mein Leben fristest den, Und sahst doch meine Sün- Und mich mit Kraft ausrüstest, den Vorher von Ewigkeit. Dieß, Vater, dank ich dir; Daß Höchster, welch Erbarmen! Du du mich liebreich führest, Mit sorgest für mich Armen Und deinem Geist regierest, Dieß bist ein Vater, der verzeiht. alles, Vater, dank ich dir. 6. Für alle deine Treue, Für das, deß ich mich frene, Lobsinget dir mein Geist. O herrliches Geschenke, Daß ich durch ihn dich denke, Daß er dich heute dankbar preist! 8. Was mir in diesem Leben Noch nützt, wirst du mir geben; Du gibsts, ich hoff auf dich. Dir, Vater, dir befehle Ich meinen Leib und Seele; Herr, segne und behüte mich! Nach Gellert. Eigene Mel.( Matth. 28, 19. Rom. 16, 20.) fristen! Amen, Amen, das sey wahr, So singen wir Hallelujah! 33. Gott, der Vater, wohn| Listen, Mit Waffen Gotts uns uns bei Und laß uns nicht verderben, Mach uns aller Sünden frei Und hilf uns selig sterben, Vor dem Teufel uns bewahr; Halt uns bei festem Glauben Und auf dich laß uns bauen, Aus Herzensgrund vertrauen, Dir uns lassen ganz und gar, Mit allen rechten Christen Entfliehn des Teufels 2. Jesus Christus, wohn uns bei Und laß uns nicht verder= ben. 2c. 3. Heilger Geiste, wohn uns bei Und laß uns nicht verderben. 2c. Luther, g. 1483 † 1546. II. Lieder von Gott. A. Gottes Wesen und Eigenschaften. Eigene Mel.( Eph. 4, 5. 6.) 34. Wir glauben all an ei-| Unfall will er wehren, Kein Leid soll uns widerfahren; Er sørget für uns, hüt't und wacht, Es steht Alles in seiner Macht. nen Gott, Schöpfer Himmels und der Erden, Der sich zum Vater geben hat, Daß wir seine Kinder werden. Er will uns allzeit ernähren, Leib und Seel auch wohl bewahren; Allem 2. Wir glauben auch an Jefum Christ, Seinen Sohn und unsern Herren, Der ewig bei II. Lieder von Gott. 26 dem Vater ist, Gleicher Gott| dem Sohne, Der aller Blöden von Macht und Ehren; Von Maria, der Jungfrauen, Ist ein wahrer Mensch geboren, Durch den heilgen Geist im Glauben, Für uns, die wir war'n verloren, Am Kreuz gestorben, und vom Tod Wieder auferstanden durch Gott. Tröster heißt und mit Gaben zieret schöne; Die ganz' Christenheit auf Erden Hält in Einem Sinn gar eben; Hie all Sünd vergeben werden; Das Fleisch soll auch wieder leben; Nach diesem Elend ist bereit Uns ein Leben in Ewigkeit. Amen. 3. Wir glauben an den heilgen Geist, Gott mit Vater und Mel. Wie schön leucht't.( Ps. 100, 2. Luc. 1, 47.) Luther, g. 1483 † 1546. nicht, wer wird geben? Meine Eine, Wahre Freude, Wahre Waide, Wahre Gabe Hab ich, wenn ich Jesum habe. 35. Was freut mich noch,| Gibst du wenn du's nicht bist, Herr Gott, der doch mein Alles ist, Mein Trost und meine Wonne? Bist du nicht Schild, was decket mich? Bist du nicht Licht, wo finde ich Im Finstern eine Sonne? Keine Reine, Wahre Freude, Auch im Leide, Auch für Sünden Ist, Herr, außer dir zu finden. 3. Was freut mich noch, wenn du's nicht bist, O Geist, der uns gegeben ist Zum Führer der Erlösten? Bist du nicht mein, was sucht mein Sinn? Führst du mich nicht, wo komm ich hin? Hilfst du nicht, wer will trösten? Meine Eine, Wahre Freude, Trost im Leide, Heil für Schaden Ist in dir, o Geist der Gnaden! 2. Was freut mich noch, wenn du's nicht bist, Mein Herr, Erlöser, Jesu Christ, Mein Friede und mein Leben? Heilst du mich nicht, wo find ich Heil? Bist du nicht mein, wo ist mein Theil?| v. 1, 2. Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769 Eigene Mel.( Luc. 2, 14. Pf. 138, 2.) 36. Allein Gott in der Höh| 2. Wir beten an und loben dich Für deine Ehr, und danken, Daß du, Gott Vater, ewiglich Regierst ohn alles Wanken; Ganz ohne Maß ist deine Macht, Allzeit geschieht, was du bedacht. Wohl uns des guten Herren! 3. O Jesu Christ, Sohn eingesey Ehr Und Dank für seine Gnade, Darum, daß nun und nimmermehr Uns rühren kann ein Schade! Gott Wohlgefallen an uns hat; Nun ist groß Fried ohn Unterlaß, All Fehd hat nun ein Ende. Univ.- Bibl. Giessen A. Gottes Wesen und Eigenschaften. bor'n Deines himmlischen Va-| Gut, Allerheilsamster Tröster! ters, Verfühner derer, die ver- Vor Satans Macht nimm uns lor'n, Du Stiller unsers Ha- in Hut, Die Jesus Christ erders! Lamm Gottes, heilger löset Durch Martern groß und Herr und Gott, Nimm an die bittern Tod; Wend allen JamBitt in unsrer Noth, Erbarm mer ab und Noth; Darauf wir dich unser aller! uns verlassen. 4. O heilger Geist, du höchstes Mel. Wie schön leucht't.( Offenb. 7, 11 c. Jeſ. 6, 3.) 37. Hallelujah! Lob, Preis und Ehr Sey unfrem Gott je mehr und mehr Für alle seine Werke; Von Ewigkeit zu Ewigkeit Sey in uns allen ihm bereit Dank, Weisheit, Kraft und Stärke! Klinget, Singet: „ Gnädig, herrlich, Heilig, heilig, Heilig ist Gott, Unser Gott, der Herr Zebaoth!" 27 2. Hallelujah! Preis, Ehr und Macht Sey auch dem Gotteslamm gebracht, In dem wir sind erwählet, Das uns mit seinem Blut erkauft, In dessen Tod wir sind getauft, Das sich mit uns vermählet! Heilig, Selig Ist die Freundschaft Und Gemeinschaft, Die wir haben Und darin wir uns erlaben. Nach Decius um 1524. 3. Hallelujah! Gott, heilger Geist, Sey ewiglich von uns gepreist, Durch den wir neu geboren, Der uns mit Glauben ausgeziert, Dem Bräuttgam uns zugeführt, Den Hochzeittag erkoren! Heil uns, Heil uns! Da ist Freude, Da ist Waide, Himmlisch Manna, Und ein ewig Hofianna! 4. Hallelujah! Lob, Preis und Ehr Sey unfrem Gott je mehr und mehr Und seinem großen Namen! Stimmt an mit aller Himmel Schaar Und finget nun und immerdar Mit Freude Amen, Amen! Klinget, Singet: ,, Gnädig, herrlich, Heilig, heilig, Heilig ist Gott, Unfer Gott, der Herr Zebaoth! Darmstädter Gesangbuch von 1698. Mel. Es ist das Heil.( Jef. 45, 5. 6. pf. 95, 1-8.) seinem ganzen Wesen. 38. Der Herr ist Gott und| Er ist unendlich, grenzenlos In keiner mehr, Frohlockt ihm, alle Frommen! Wer ist ihm gleich, wer ist wie er, So herrlich, so vollkommen? Der Herr ist groß, sein Nam ist groß, 2. Er ist und bleibet, wie er ist; Wer strebet nicht vergebens, Ihn auszusprechen? wer ermißit Die Dauer seines Le 28 bens? Wir Menschen sind von| ginnt; er siehts gewiß, Er sieht gestern her; Eh noch die Erde es schon von ferne. war, war er, Und eher als die Himmel. 6. Wer schützt den Weltbau ohne dich, O Herr, vor seinem Falle? Allgegenwärtig breitet sich Dein Fittig über Alle. Du bist voll Freundlichkeit, voll Huld, Barmherzig, gnädig, voll Geduld, Ein Vater, der verschonet. 7. Unsträflich bist du, heilig, gut, Und reiner als die Sonne, Wohl dem, der deinen Willen thut, Denn du vergiltst mit Wonne. Du hast Unsterblichkeit allein, Bist selig, wirst es ewig seyn; Haft Freuden, Gott, die Fülle. II. Lieder von Gott. 3. Um seinen Thron her strömt ein Licht, Das ihn vor uns verhüllet; Ihn fassen alle Himmel nicht, Die seine Kraft erfüllet. Er bleibet ewig, wie er war, Verborgen und auch offenbar In seiner Werke Wundern. 4. Wo wären wir, wenn seine Kraft Uns nicht gebildet hätte? Er kennt uns, kennet, was er schafft, Der Wesen ganze Kette; Bei ihm ist Weisheit und Verstand, Und er umspannt mit seiner Hand Die Erde sammt dem Himmel. 5. Ist er nicht nah? ist er nicht fern? Weiß er nicht Aller Wege? Wo ist die Nacht, da sich dem Herrn Ein Mensch verbergen möge? Umsonst hüllt ihr in Finsterniß, Was ihr be8. Dir nur gebühret Lob und Dank, Anbetung, Preis und Ehre; Kommt, werdet Gottes Lobgesang, Ihr, alle seine Heere! Der Herr ist Gott und keiner mehr! Wer ist ihm gleich, wer ist wie er, So herrlich, so vollkommen? Cramer, g. 1723 † 1788. Eigene Mel.( 2 Mof. 15, 2. Pf. 139.) 39. Gott ist mein Lied! Er| 3. Licht ist sein Kleid Und ist der Gott der Stärke; Herr ist sein Nam, Und groß sind seine Werke Und alle Himmel sein Gebiet. seine Wahl das Beste. Er herrscht als Gott, Und seines Thrones Feste Ist Wahrheit und Gerechtigkeit. 2. Er will und sprichts, So sind und leben Welten; Und er gebeut, So fallen durch sein Schelten Die Himmel wieder in ihr Nichts. 4. Unendlich reich, Ein Meer von Seligkeiten, Ohn Anfang Gott Und Gott in ewgen Zeiten, Herr aller Welt, wer ist dir gleich? A. Gottes Wesen und Eigenschaften. 5. Was ist und war In Him-| Ehre, Dein Lob in meinem mel, Erd und Meere, Das Munde seyn. 11. Wer kann die Pracht Von deinen Wundern fassen? Ein jeder Staub, Den du hast werden lassen, Verkündigt seines Schöpfers Macht. 12. Der kleinste Halm Ist deiner Weisheit Spiegel. Du, Luft und Meer, Ihr, Auen, Thal und Hügel, Ihr seyd sein Loblied und sein Pfalm. 13. Du tränkst das Land, Führst uns auf grüne Waiden, Und Nacht und Tag, Und Korn und Wein und Freuden Empfangen wir aus deiner Hand. 14. Kein Sperling fällt, Herr, ohne deinen Willen; Sollt ich mein Herz Nicht mit dem Troste stillen, Daß deine Hand mein Leben hält? kennet Gott; Und seiner Werke Heere Sind ewig vor ihm offenbar. 6. Er ist um mich, Schafft, daß ich sicher ruhe; Er schafft, was ich Vor oder nachmals thue, Und er erforschet mich und dich. 7. Er ist dir nah, Du fizest oder geheft; Ob du ans Meer ,, Ob du gen Himmel flöhest, So ist er allenthalben da. 8. Er kennt mein Flehn Und allen Rath der Seele. Er weiß, wie oft Ich Gutes thu und fehle, Und eilt, mir gnädig beizustehn. 9. Er wog mir dar, Was er mir geben wollte, Schrieb auf sein Buch, Wie lang ich leben sollte, Da ich noch unbereitet war. 10. Nichts, nichts ist mein, Das Gott nicht angehöre. Herr! immerdar Soll deines Namens 29 15. Ist Gott mein Schutz, Will Gott mein Retter werden, So frag ich nichts Nach Himmel und nach Erden, Und biete ſelbst der Hölle Truß. Gellert, g. 1715+ 1769. Mel. Es glänzet der Christen.( Pf. 54, 8. Joh. 1, 16. Rom. 9, 33.) 40. Gott lebet! fein Name| tig ist, kommen: Mir wird gibt Leben und Stärke, Er doch mein Ruhm und mein Gott bleibet der Seinigen Sonne nicht genommen. und Schild; Sobald ich, so oft ich sein Regen vermerke, So fühl ich mich innig mit Kräften erfüllt. Sein bin ich ganz eigen, Das muß sich wohl zeigen; Laß Alles, was widrig und tro-| kennet and lobet den Herrn! 2. O Seelen, vernehmet den göttlichen Willen! Das Höchste, das Beste, das gibt er so gern; Eröffnet das Herz nur, so wird er es füllen, Versucht es, er 30 Seyd ihr noch entfernet, Solem, was feindlich, entgegen sehet und lernet, Was manche zu gehen. an seinen durchdringenden Gaben, Ja selber an ihm, dem Lebendigen, haben. 3. In linden und leichten, erträglichen Tagen Vermeinet ein jeder gefasset zu seyn; Ist aber ein ernstliches Treffen zu wagen, So stellet sich furchtsame Blödigkeit ein. Nur Gottesbekannte und Schirmesverwandte Sind tüchtig, in allerlei Fällen zu stehen Und al4. Wer glaubet, der fleucht nicht; es muß ihm wohl gehen, Es birget sich vor ihm die Furcht und Gefahr, Und ehe die Trägen den Gegner ersehen, So wird er des Siegs und des Preises gewahr; Er sieht sich berufen Von Stufen zu Stufen, Und weil er auf Gottes Verheißung sich lehnet, So wird er mit himmlischem Segen gekrönet. II. Lieder von Gott. J. A. Vengel. g. 1687+ 1752. Apostelg. 14, 17. Sprüche 23, 26.) Mel. Nun danfet Alle Gott.( Pf. S. Gutes schenkst?" 41. Wie herrlich ist, v Gott,| daß du täglich uns Unzählig Dein Ruhm in allen Landen! Die Himmel und ihr Heer Sind durch dein Wort entstanden; Du sprichst, und es geschieht, Gebeutst, so steht es da! Mit Allmacht bist du mir Und auch mit Güte nah. 2. Du bist der Gott der Kraft, Dich preisen Erd und Meere Und Himmel predigen Die Wunder deiner Ehre. Dich bet ich dankbar an; Mein Heil kommt von dem Herrn, Du hörst der Menschen Flehn Und du errettest gern. 3. Wenn ich die Himmel seh, Die du, Herr, ausgebreitet, Der Sonne Majestät, Den Mond, den du bereitet, So sprech ich:, was ist doch Der Mensch, daß du sein denkst Und 4. Wie Schafe läßst du uns Aufgrüner Aue waiden, Nährst uns mit Speis' und Trank, Füllst unser Herz mit Freuden. Du sahst mich, eh der Grund Der Welt geleget war, Stundst meiner Mutter bei, Als sie mich dir gebar. Du wogst mein Glück mir dar Und Leiden, die mich üben; Und meiner Tage Zahl Ist in dein Buch geschrieben. Du bist der Frommen Schuß, Du bist der Müden Ruh, Ein Gott, der gern verzeiht; Wie gnädig, Gott, bist du! 6. Herr! dein Gebot ist Heil, Dein Weg ist Fried und Leben; Wie sollt ich dir, dem Gott Der Liebe widerstreben? Umsonst A. Gottes Wesen und Eigenschaften. 31 lockt mich die Welt, Die breite| bist, Bedenken, daß mein Leib, Straßen zieht; Ich hasse ihren O Gott, dein Tempel ist. Weg, Weil mich dein Auge sieht! 8. Was frag ich außer dir Nach allem Glück der Erde, Wenn ich nur deiner Huld, Gott, versichert werde? Wie sanft ist dein Gebot: ,, Gib mir dein Herz, mein Sohn, Und wandle meinen Weg; Ich bin dein Schild und Lohn." 7. Auch wenn kein Mensch mich sieht, Will ich die Sünde fliehen, Denn du wirst alle Welt Vor dein Gericht einst ziehen. Ich will, wenn sich mein Fleisch Hinsehnt, wo du nicht Mel. Gott, mein Gott, dir will ich singen.( Ps. 139. 1 Petr. 3, 12.) 42. Herr, allwissend und all-| Verstand; Was ich jeden Tag sehend, Deiner Welt unendlich nah! Vor dir bin ich, stehend, gehend, Siß ich wo, so bist du da. All mein Denken, all mein Sorgen, So geheim, so schwach es sey, Steht vor dir entdeckt und frei: Nichts ist deinem Aug' verborgen; Du bist um und an um mich, Waltend, wach und väterlich. verrichte, Sey es wichtig oder klein, Leitest du, Gott, weislich ein; Meinen Rath machst du zu nichte. Droht Versuchung dort und hier, Hältst du deine Hand ob mir. 4. Deine Einsicht zu ergründen, Reicht der Menschen Wit nicht hin; Deines Waltens Art zu finden, Ist zu viel für mei2. Jeden Weg, Herr, den ich nen Sinn. Deine Nähe, deine mache, Jedes Wort, das aus Ferne, Deine Größe, die die mir fließt; Wo ich hoffe, weine, Welt Denkt, schafft, trägt, belache, Wo mein Herz durch- wegt, erhält, Ist, je mehr ich kümmert ist; Wo ich voll er- forsch und lerne, Einem schwahigten Blutes Will, was ich chen Wurm zu schwer, Welcher nicht wollen soll; Wo ich guter ist von gestern her.( Hiob 25, 6.) Triebe voll, Dankbar, eifrig, 5. Führ' ich durch des Himguten Muthes, Deinem Tem- mels Breiten Zu der Sonnpellaufe zu:- Alles das durchschauest du. 3. Ja du schaffst, was ich beginne Und du gibst mire an die Hand; Was ich irgend Schönes sinne, Ist gewiß nicht mein und Sternenbahn; Lief' ich durch der Länder Weiten Hin, so weit man laufen kann; Flög' ich, als mit Adlersflügeln, Wo der junge Morgen blüht, Wo des Tages Licht verglüht An 32 II. Lieder von Gott. den goldbemalten Hügeln, Zög'| und tief! Welche liebende Geich gar dem Grabe zu Und der Höll:- auch da bist du! 6. Schlich' ich mich auf öde Haiden, In die Wüsten, fern danken Wendest du, mein Gott, an mich Schonungsvoll und väterlich, Ohne Maß und Zahl und Schranken! Durch die am Meer; Würdst du mich Nacht erwäg ich dieß, und kein auch da begleiten, Jamich füh- Schlaf thut mir so süß. ren selbst daher. Spräch ich: „ Dunkel soll mich decken!" Ist die Nacht dir nicht auch Tag? Und vor deinem Aug mag Sich in Finsterniß verstecken? Meines Herzens tief wer 9. Manche wollen, Gott der Götter, Deine Werk und dich nicht sehn; Möge doch der Ratb der Spötter Bald und ganz zu Grunde gehn, Die dein Gnadenwerk nicht spüren, Vom Ge= ster Grund, Wunsch und Sorgefühl der Gottheit los, Nur in sind dir kund. 7. Schon mein Gott in Mutterleibe, Hast du mich zur Welt gebracht; Schon bedacht war, wo ich bleibe, Schon die Herberg angesagt. Alle meine Lebenstage, Meine erst und legte Nacht Waren schon von dir durchdacht, Jeder Stunde Lust und Plage, Jeder Schickung Sonderheit, Bis zum Rand der Lebenszeit. 8. O wie sind die Werke wich- Herz noch böse,-Gott, da wentig, Die dein Wort ins Leben de mich noch heut Auf den rief! Und wie ist dein Denken Weg der Seligkeit! richtig, Reich und scharf, genau Lehmus, g. 1707 † 1788. ihrer Thorheit groß, Gute Seelen gern verführen! Hilf mir, wie sie mich verschmähn, Allzeit ihnen widerstehn. 10. Gott! du kennest Herz und Sinnen, Siehe recht genau auf mich Und erforsche mein Beginnen; Etwan lieb und fürcht ich dich, Etwan siehst du manche Blöße Und mich noch nicht treu genug. Etwan steckt noch wo ein Trug, Etwan ist mein Mel. Was Gott thut.( 2 Chron. 16, 9. Jef. 40, 27: c. Pf. 34, 1.) 43. Der Vater kennt dich!| dich die Welt verkennen, Er kenn auch ihn, Erkenn ihn wohl, o Seele! Ob finstre Wolken dich umziehn, Den höchsten Freund erwähle. Ist er nur dein, Bist du nur sein: Mag wird sein Kind dich nennen. 2. Der Vater kennt dich! sey dein Schmerz In deiner Brust verborgen, Es weiß um ihn das Vaterherz, Ihm klage deine A. Gottes Wesen und Eigenschaften. Sorgen. Zu Gott empor! Vernimmt kein Ohr, O Christ, dein banges Sehnen, Dein Bater zählt die Thränen. 3. Der Vater kennt dich! deine Kraft, Dein Heil hat er ermessen. Der allen Wesen Freude schafft, Der sollte dein vergessen? Nicht wähne fern Die Hand des Herrn; Wenn Hilf und Lust dir frommen, Wird seine Stunde kommen. 4. Der Vater fennt dich! laß die Macht Der Sünde nie dich beugen; Gott schaut dich, wo kein Richter wacht; Verehre diesen Zeugen! Ihn täuscht nicht Lug Noch Frevlertrug; 33 Was Nächte dicht umgeben, Muß einst ans Licht sich heben. 5. Der Vater kennt dich! segnest du Geheim die Armen, Kranken? Berklärst du einsam deine Ruh Durch himmlische Gedanken? Dich sieht der Geist, Der Vater heißt; Kein stilles Thun, kein Sinnen Kann seinem Aug entrinnen. 6. Der Vater kennt dich! sey die Bahn Der Zukunft nicht verkündet, Des lieben Vaters Blicke sahn, Was hier kein Aug ergründet. Mit frommerScheu Sey ihm getreu; Der ewgen Liebe Flügel Trägt dich auf Zions Hügel. Freudentheil. Eigene Mel.( Pf. 139.) 44. Dewger Geist, deß We-| Meeres Gründen, So wird er dich, du ihn da finden. sen Alles füllet Und den kein Ort in seine Grenzen hüllet, Der unumschränkt Sich niedersenkt Mit seiner Kraft in alle Dinge, Dem nichts zu groß, nichts zu geringe! 2. Kein Salomo kann einen Tempel bauen, Von welchem man dich könnt umschlossen schauen; Denn schon deinSaum Füllt dessen Raum; Es müssen Himmel, Meer und Erden Ein Schauplaß deiner Ehre werden. 3. Will unser Fuß hinauf in Wolken steigen, So wird dein heller Glanz daselbst sich zeigen; Steigt er hinab In Höll und Grab, Senft er sich zu des Evangelisches Gesangbuch. 4. Dein Auge sieht, was Nacht und Abgrund decken, Es kann sich nichts vor deinem Licht verstecken; Es dringet ein In Mark und Bein, Dein Flammenauge muß die Tiefen Des Herzens und der Nieren prüfen. 5. Du weißt und hörst, was deine Kinder beten, Du siehst, wenn sie verborgen vor dich treten; Macht gleich ihr Mund Nicht alles kund, So kannst du selbst des Herzens Sehnen Mit Segen und Erhörung krönen. 6. Vor Menschen bleibt jegt manches Thun verborgen, Dir aber ist die Nacht ein klarer 3 34 II. Lieder von Gott. Morgen, Und dein Gericht| Menschen redlich handelt Und Wird an das Licht und an die unter deiner Aufsicht wandelt' belle Sonne bringen, Was Fin- 8. Erforsche selbst die innersternisse jegt umringen. stenGedanken, Ob sie vielleicht 7. O Auge, das nicht Trug von deiner Nichtschnur wanken; und Falschheit leidet! Wohl Lenk Herz und Sinn Zur Wahrdem, der auch verborgne Sün- heit hin, Sey du der Leitstern den meidet; Der, los und frei meiner Füße, Bis ich, mein Von Heuchelei, Vor dir und Licht, die Augen schließe. Rambach, g. 1693 † 1735. Mel. Es ist genug.( 1 Cor. 10, 13. Cap. 1,9. Weish. 15, 1.) 45. Gott ist getren! sein Herz, sein Vaterherz Verläßt die Seinen nie; Gott ist getreu! im Wohlseyn und im Schmerz Erfreut und trägt er fie. Mich decket seiner Allmacht Flügel, Stürzt ein, ihr Berge, fallt, ihr Hügel! Gott ist getreu! gut, Die Trübsal auch; mein Vater bessert mich Durch Alles, was er thut; Die Trübfal gibt Geduld und Stärke Zum Fleiß in jedem guten Werke. Gott ist getren! 2. Gott ist getreu! er ist mein treuster Freund, Dieß weiß, dieß hoff ich fest; Ich weiß gewiß, daß er mich keinen Feind Zu hart versuchen läßt. Er stärket mich nach seinem Bunde In meiner Prüfung trübsten Stunde. Gott ist getren! 3. Gott ist getreu! er thut, was er verheißt. Er sendet mir sein Licht; Wenn dieses mir den Weg zum Leben weist, So irr und gleit ich nicht. Gott ist kein Mensch, er kann nicht lügen, Sein Wort der Wahrheit kann nicht trügen. Gott ist getreu! 4. Gott ist getren! er handelt väterlich, Und was er thut, ist 5. Gott ist getreu! er hat uns selbst befreit Von unsrer Sündennoth Durch seinen Sohn, durch dessen Heiligkeit Und blutgen Opfertod. Damit wir möchten nicht verderben, Ließ er den Eingebornen sterben. Gott ist getren! 6. Gott ist getren! er, deß ich ewig bin, Sorgt für mein ewig Wohl; Er rufet mich zu seinem Himmel hin, Will, daß ich leben soll. Er reinigt mich von allen Sünden Und läßt mich Trost durch Christum finden. Gott ist getreu! 7. Gott ist getreu! stets hat sein Vaterblick Auf seine Kinder Acht; Er sieht mit Lust, auch wenn ein irdisch Glück Sie froh und dankbar macht. Was A. Gottes Wesen und Eigenschaften. 35 uns zu schwer wird, hilft er| Ende mir zum Glücke. Gott ist tragen Und endlich stillt er alle getreu! Klagen. Gott ist getreu! 8. Gott ist getreu! mein Herz, was fehlt dir noch, Dich Gottes stets zu freun? Sey Gott getreu und fürchte nichts, mag doch Die Welt voll Falschheit seyn! Selbst falscher Brüder Neid und Tücke Gereicht am 9. Gott ist getreu! vergiß, o Seel, es nicht, Wie zärtlich treu er ist! Gott treu zu seyn, sey deine liebste Pflicht, Weil du so werth ihm bist. Halt fest an Gott, sey treu im Glauben, Laß nichts den starken Trost dir rauben: Gott ist getreu! Liebich, g 1713+ 1780. Mel. So führst du doch.( Ps. 40, 11.) 46. Gott ist getreu! er selbst| o Vater, denn ich bin dein Werk, hats oft bezeuget; Hier ist sein Wort, das gilt doch ewiglich. Er hat zu mir sein Vaterherz geneiget, Fest glaub ich es, niemals verläßt er mich. An meiner Tren ermangelt mancherlei, Das wußte, der mit mir den Bund gemacht und der mein Elend pünktlich überdacht, Und schenkt mir doch das Wort: Gott ist getreu! Mein Jesu, auf dein Leben und Verscheiden, Gott, heilger Geist, auf deine Gnad und Stärk. Ich bin nichts werth, o das bekenn ich frei! Weg, Eigenwerk, dein Schimmer reicht nicht weit; Mein Element ist nur Barmherzigkeit, Daraus entspringt der Trost: Gott ist getren! 2. Gott ist getren! das hab ich deinem Munde Oft nicht geglaubt, du frommes Vaterherz. Ich ängstigte mich in der Prüfungsstunde Und häufete vergeblich meinen Schmerz; Eh ichs gedacht, da war die Noth vorbei; Das hab ich nun so oft und viel erlebt, O Schande, wenn mein Herz aufs neue bebt! Ifts nicht noch heute wahr: Gott ist getren? 3. Gott ist getreu! ich wags auch heut mit Freuden Auf dich, 4. Gott ist getren! ich fühls an meiner Seelen, An welcher er bisher so viel gethan. Ich kann sein Werk und Trene nicht verhehlen: Durch seinen Geist lieb ich die schmale Bahn, Sein Wort, sein Reich; und immer wird mir nen Sein Bild, wo ichs an seinen Kindern find, Und bin nun nimmer wie die Welt so blind; Fehl ich, Gott zeigts, Gott hilft, Gott ist getren! 5. Gott ist getreu! wie oft hat er mein Flehen Nach Wunsch erhört in großer Kümmerniß! 36 11. Lieder von Gott. Worinnen ich noch muß auf und draußen mich und Andre Hoffnung säen, Geduld, das kränkt, Kenn ich doch den, der kommt zulegt, zulegt gewiß! alles weislich lenkt, Der mich Selbst mein Gefühl, daß ich auch kennt und liebt. Gott ist so elend sey Und meine Furcht getreu! vor'm Rückfall wirket er, Nur daß er brünstiger mich beten lehr, Und hilft doch immer durch. Gott ist getreu! 6. Gott ist getreu! will mich schon Trägheit quälen, Er trägt, er treibt, er schenkt mir neue Kraft. Gott ist getreu! will mir der Glaube fehlen, Läßt er sein Werk doch nicht, der alles schafft. Gott ist getreu! ob noch so mancherlei Daheim 7. Gott ist getreu! ach drücke die drei Worte, Dreieinger Gott, doch tief in meinen Sinn, Mit welchen ich dann wohl an jedem Orte Auf jeden Fall in dir gewappnet bin. Es werde deine Treu mir stündlich neu, Nur laß auch mich dir immer treuer seyn, Bis ich vollendet einst vor dir erschein Und ewig rühmen kann: Gott ist getreu! Muthmann, † 1747. Mel. Wo Gott, der Herr.( Pf. 145.) 47. Es muß ein treues Herze| Opfer bringe. Dein Reich, das seyn, Das uns so hoch kann lieben, Da wir doch alle, groß und klein, Was gar nicht gut ist, üben; Gott muß nicht anders seyn, als gut, Daher fleußt seiner Güte Fluth Auf alle seine Werke. ist ein ewig Reich, Dir selbst ist deine Herrschaft gleich, Der du kein End erreichest. 4. Der Herr ist bis in unsern Tod Beständig bei uns allen. Erleichtert unsre Kreuzesnoth Und hält uns, wenn wir fallen. Er steuert manchem Unglückslauf Und hilft uns wieder freundlich auf, Wenn wir da hin gesunken. 2. Drum, Herr, so sollen dir auch nun All deine Werke danken, Voraus die Heilgen, deren Thun Sich hält in deinen Schranken, Die sollen deines Reichs Gewalt Und unvergängliche Gestalt Mit vollem Munde rühmen. 5. Herr! Aller Augen sind nach dir Und deinem Stuhl gekehret; Denn du bists ja, der Alles hier So väterlich ernähret; Du thust auf deine milde Hand, Machst froh und satt, was auf dem Land, In Meer und Lüf ten lebet. 3. Sie sollen rühmen, daß der Ruhm Durch alle Welt erklinge, Daß jedermann im Heiligthum Dir Dienst und A. Gottes Wesen und Eigenschaften. 37 chem steht er denn auch bei, Wann ihn die Angst umtreibet. 6. Du meinst es gut und thust| erhöret. Gott weiß wohl, wer uns Guts, Auch da wirs oft ihm hold und treu, Und solnicht denken. Wie mancher ist betrübten Muths, Verzehrt sein Herz mit Kränken, Besorgt und fürchtet Tag und Nacht, Gott hab ihn gänzlich aus der Acht Gelassen und vergessen! 9. Den Frommen wird kein Trost versagt, Gott thut, was sie begehren; Er mißt das Unglück, das sie plagt Und zählt all ihre Zähren Und reißt sie endlich aus der Last; Den aber, der sie kränkt und haßt, Den stürzet er zu Boden. 10. Dieß alles und was sonsten mehr Lob, Dank und Preis kann bringen, Das soll mein Mund zu Ruhm und Ehr Dem Höchsten täglich singen; Und also thu auch immerfort, Was lebt und webt an jedem Ort, Das wird Gott wohlgefallen! Gerhard, g. 1606 † 1676. 7. Nein, Gott vergißt der Seinen nicht, Er hat zu große Treue Und neigt zu uns sein Angesicht, Daß er zuletzt erfreue. Gehts gleich bisweilen herb und schlecht, Ist er doch heilig und gerecht In allen seinen Wegen. 8. Der Herr ist nah und stets bereit, Wo man ihn kindlich ehret, Und wer nur ernstlich zu ihm schreit, Der wird gewiß Mel. Werde munter.( 1 Petr. 1, 16. Pf. 5,5-7.) 48. Gott! vor dessen Ange-| deines Armes Stärke Wirkst sichte Nur ein reiner Wandel gilt, Ewges Licht, aus dessen Lichte Stets die reinste Klarheit quillt! Laß uns doch zu jeder Zeit Strahlen deiner Heiligkeit So durch Herz und Seele dringen, Daß auch wir nach Heilgung ringen. 2. Heilig ist dein ganzes Wesen Und kein Böses ist an dir; Ewig bist du so gewesen Und so bleibst du für und für. Was dein Wille wählt und thut, Ist untadelhaft und gut Und mit du stets vollkommne Werke. 3. Herr! du willst, daß deine Kinder Deinem Bilde ähnlich sey'n. Nie besteht vor dir der Sünder, Denn du bist vollkommen rein; Du bist nur der Frommen Freund, Allem Bösen bist du feind, Wer beharrt in seinen Sünden, Kann vor dir nicht Gnade finden. 4. O so laß uns nicht verscherzen, Was du uns haft zugedacht; Schaffe in uns reine Herzen, Tödtin uns der Sünde II. Lieder von Gott. 38 Und in alle Wahrheit führe. Macht! Denn was sind wir,| Daß er unsern Geist regiere Gott, vor dir? Du bist heilig, aber wir Sind verderbt, und wer kann zählen, Großer Gott, wie oft wir fehlen! 5. Uns von Sünden zu erlösen, Gabst du deinen Sohn dahin; O so reinige vom Bösen Durch ihn unsern ganzen Sinn! Gib uns, wie dein Wort verheißt. Gib uns deinen guten Geist, 6. Jede Neigung und Begierde, Jede That sey dir geweiht, Unsers Wandels größte Zierde Sey rechtschaffne Heiligkeit! Mach uns deinem Bilde gleich; Denn zu deinem Himmelreich Wirst du, Herr, nur die erheben, Die im Glauben heilig leben. 3immermann, g. 1702 † 1783 Mel. Es ist gewißlich.( 2 Cor. 5, 9. 10 Rom. 2, 6-11.) 49. Gerechter Gott! vor dein Hand, Das Gute zu belohnen Gericht Muß alle Welt sich stellen und sich vor deinem Angesicht Ihr Urtheil lassen fällen. Du schaust von deinem hohen Thron, Ohn alles Ansehn der Person, Auf alle Menschenfinder. Und gibest, als ein Liebespfand, Den Frommen schöne Kronen. So zeigest du vor aller Welt, Daß es dir herzlich wohlgefällt, Wenn man das Gute liebet. 2. Du bist des Satans Werken feind Und hassest gottlos Wesen; Der ist gewißlich nicht dein Freund, Der sich zum Zweck erlesen, Was dein gerecht Geseß verbeut, Und der sich wahrer Heiligkeit Von Herzen nicht befleißet. 3. Du liebest das, was recht und gut Und bist ein Freund der Frommen; Wer glaubt und deinen Willen thut, Wird von dir aufgenommen; Sein Werk und Dienst gefällt dir wohl, Ist er gleich nicht so, wie er soll, Nach dem Gesez vollkommen. 4 Du öffnest deine milde 5. Doch bleibt auch, was die Bosheit thut, Von dir nicht ungerochen. Ein Abgrund voller Qual und Gluth Wird denen zugesprochen, Die sich mit Sündenlust befleckt, Ja deine Hand ist ausgestreckt, Sie hier bereits zu strafen. 6. Der Untergang der ersten Welt, Die aus der Art geschlagen, Das Feuer, das auf Sodom fällt, Egyptens lange Plagen Und andre Wunder deiner Macht Bezeugen, wenn dein Zorn erwacht, Wie du nach Werken lohnest. 7. Bleibt hier viel Böses ungestraft, Viel Gutes unbeloh A. Gottes Wesen und Eigenschaften. 39 net, So kommt ein Tag der Dein Herz, das lanter Gutes Rechenschaft, Der keines Sün- begt, Sey Vorbild meines ders schonet; Da wird sich die Herzens. Gerechtigkeit, Die jedem die Vergeltung beut, Am herrlichsten beweisen. 8. GerechterGott! laß meinen Sinn, Wie du, das Gute lieben; Nimm alle Luft zur Sünde hin, Wirk inniges Betrüben, Wenn fich dieß Uebel in mir regt; 9. Und weil vor dir, gerechter Gott, Kein Sünder kann bestehen, Der nicht des Mittlers Blut und Tod Zum Schild sich ausersehen, So gib mir die Gerechtigkeit, Die mich von deinem Zorn befreit, Durch sein Verdienst zu eigen. Mel. Wer weiß, wie nahe.( Gal. 6, 75. Pf. 17, 12.) 50. Gott richtet immerdar| Hände gierig aus; Verderbest auf Erden, Sein Auge schläft und schlummert nicht; Gerecht wird er erfunden werden, Auch wenn der Mensch ihm widerspricht; Die Welt von Anfang zeigt es klar, Daß Gott ist Richter immerdar. 2. Die böse Saat bringt böse Früchte; Saat auf den Geist wird Heil empfahn. Folg nicht dem lockenden Gesichte Der Sünden, die sich schmeichelnd nahn: Die Lust entflieht, mit ihrer Flucht Reift für den Tod die Sündenfrucht. Rambach, g. 1693 † 1735. 3. Erziehst du sorglos deine Kinder, Vereitelst du ihr Herz schon früh, So ziehst du für die Erde Sünder Und tödtest für den Himmel sie, Und büßest felbst früh oder spät, Was Geiz und Leichtsinn ausgesät. 4. Streckst du nach Ehr und zoldnem Glanze Trugvolle du der Unschuld Pflanze, Befleckest Seele, Amt und Haus, Dann hast du hier schon Seelenqual, Die deutet auf das Todesthal. 5. Lebst du in Scheelsucht, Groll und Hader, So ists ein Mord dir im Gebein; Alsdann wird dir in keiner Ader Ein Tropfen frohen Blutes seyn. Gott selber legt auf dich die Laft:„ Verdammlich ist, wer Brüder hast!" 6. Verträumst du deine edlen Tage Mit eitlem Werk und schnödem Scherz, So sey gewiß, daß Pein und Klage Dir immer tiefer gehn durchs Herz. Kein Baum, der nur mit Blättern prangt, Die Frucht ists, was der Herr verlangt. 7. Sprich nicht: ,, es hat nichts zu bedeuten, Ich thu, was Taufenden gefällt:" Du wirst ja II. Lieder von Gott. 40 nicht von schwachen Leuten Ge-| ein, Ihn täuschet nicht der richtet, nein, vom Herrn der fromme Schein. Welt! Der Sünde schont er ewig nicht, Nach seinem Wort geht das Gericht. 8. Gott folget dir auf jedem Schritte, Er sprenget Riegel auf und Thor, Und auch der Lauheit matte Tritte Bringt strafend er ans Licht hervor. Vor ihm hüllt uns kein Dunkel 9. Gott richtet recht! drum fleh, o Seele, Bußfertig ihn aus voller Brust; Herr, wer kann merken seine Fehle? Bekehr mich von der Sündenlust; Vergib und stell durch deinen Sohn Mich einst gerecht vor deinen Thron! Nach Würfert. Mel. Zeuch mich, zeuch mich.( Jef. 54, 10.) 51., Weicht, ihr Berge! fallt| hatFrieden, Welcher Allesüberihr Hügel! Gottes Gnade weicht mir nicht; Und derFriede hat dieß Siegel, Daß Gott seinen Bund nicht bricht!" Dieses macht mich unverzagt, Weil es mein Erbarmer sagt. 2. Das sind Worte für die steigt. Mein Erbarmer, sprich mir du Dieß in allen Nöthen zu! 4. Wenn mich meine Sünden schmerzen, Und der Strafen lange Pein, Ach so rede meinem Herzen Deinen Trost und Frieden ein: Daß du mir in Jesu Blöden, Die find alles Glau- Christ Ewig ein Erbarmer bist. bens werth; Das heißt an die Herzen reden, Das ist Trost, wie man begehrt: Gottes Gnade weicht dir nicht, Weil es dein Erbarmer spricht. 3. Hier ist Kraft für alle Müden, Die so manches Elend bengt. Man find't Gnade, man 5. Gib mir einen starken Glauben, Der dein Wort mit Freuden faßt, So kann mir der Tod nicht rauben, Was du mir geschenket hast. Auch die Hölle nimmt mir nicht, Was mein Heiland mir verspricht. Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Eigene Mel.( Pf. 25, 8-10.) Herr ist gut! 52. Der Herr ist gut, in des-| Kampfe Kraft und Muth: Der sen Dienst wir stehn, Wir dürfen ihn in Demuth Vater nennen; Wenn wir nur treu auf seinen Wegen gehn, So sehn wir ihn von zarter Liebe brennen. Dieß Wort gibt uns im 2. Der Herr ist gut! er will der Sünder Schuld Nicht unerbittlich mit dem Schwerte rächen; Es ist bei ihm ein Reichthum der Geduld, Er heilet gern ( A. Gottes Wesen und Eigenschaften. 41 ist gut! der Irrenden Gebrechen; Er| hier der Glaube thut: Der Herr segnet uns durch seines Sohnes Blut; Der Herr ist gut! 3. Der Herr ist gut und theilt sich willig mit, Sein Wesen ist ein Brunnen edler Gaben! Er geht uns nach und fragt bei jedem Schritt, Ob wir nicht was von ihm zu bitten haben? Wo ist ein Herr, der so mit Knechten thut? Der Herr ist gut! 4. Der Herr ist gut! kein Elend ist so groß, Er hat so Kraft als Neigung, uns zu schüßen; Umschließet uns der ewgen Liebe Schoos, So können wir im stillen Frieden sizen. Das macht sein Schuß, daß man hier sicher ruht; Der Herr ist gut! 5. Der Herr ist gut! wer dieß im Glauben schmeckt, Wird nimmermehr aus seinem Dienste gehen; Hier wird erst recht, was Freiheit sey, entdeckt, Hier kann der Geist im rechten Adel stehen. Nichts ist umsonst, was 6. Der Herr ist gut! er sieht inGnaden an Den armen Dienst der Knechte, die ihn lieben; Er gibt mehr Lohn, als man erwarten kann: Keinkühler Trunk ist unvergolten blieben, Er gibt dafür die ganze Segensfluth; Der Herr ist gut! 7. Der Herr ist gut und bleibt es bis zum Tod, Wir sollen ihm in seinen Armen sterben; Er will uns führen aus der letzten Noth Und alles, was er hat, uns laffen erben Und Ruhe geben, wie er selber ruht; Der Herr ist gut! 8. Der Herr ist gut! fallt nieder vor dem Thron; Wir sind zum Segen herzlich eingeladen. Lobt unsern Gott, lobt seinen lieben Sohn, Lobt seinen heilgen Geist, den Geist der Gnaden; Lobt ihn für alles, was er ist und thut, Der Herr ist gut! Rambach, g. 1693 † 1735, Eigene Mel.( Pf. 25, 10. 1 Joh. 4, 10.) 53. Wie groß ist des All-| 2. Wer hat mich wunderbar mächtgen Güte! Ist der ein Mensch, den sie nicht rührt? Der mit verhärtetem Gemüthe Den Dank erstickt, der ihm gebührt? Nein, seine Liebe zu ermessen, Sey ewig meine größte Pflicht! Der Herr hat mein noch nie vergessen, Vergiß, mein Herz, auch seiner nicht! bereitet? Der Gott, der meiner nicht bedarf. Wer hat mit Langmuth mich geleitet? Er, dessen Rath ich oft verwarf. Wer stärkt den Frieden im Gewissen? Wer gibt dem Geiste neue Kraft? Wer läßt mich so viel Guts- genießen? Ifts nicht sein Arm, der Alles schafft? II. Lieder von Gott. 42 3. Blick, v mein Geist, in je-| 5. Dieß ist mein Dank, dieß ist nes Leben. Zu welchem du er schaffen bist, Wo du, mit Herrlichkeit umgeben, Gott ewig sehn wirst, wie er ist. Du hast ein Recht zu diesen Freuden, Durch GottesGüte sind sie dein; Sieh, darum mußte Christus leiden, Damit du könntest selig seyn. sein Wille: Ich soll vollkommen seyn, wie er. Je mehr ich dieß Gebot erfülle, Stell ich sein Bildniß in mir her. Lebt seine Lieb in meiner Seele, So treibt sie mich zu jeder Pflicht; Und ob ich schon aus Schwachheit fehle, Herrscht doch in mir die Sünde nicht. 4. Und diesen Gott sollt ich nicht ehren Und seine Güte nicht verstehn? Er sollte rufen, ich nicht hören, Den Weg, den er mir zeigt, nicht gehn? Sein Will ist mir ins Herz geschrieben, Sein Wort bestärkt ihn ewiglich: Gott soll ich über Alles lieben, Und meinen Nächsten gleich als mich. 6. O Gott! laß deine Güt und Liebe Mir immerdar vor Angen seyn; Sie stärk in mir die guten Triebe, Mein ganzes Leben dir zu weihn; Sie tröste mich zur Zeit der Schmerzen, Sie leite mich zur Zeit des Glücks, Und sie besieg in meinem Herzen Die Furcht des letzten Augenblicks! Gellert, g. 1715 † 1769. Mel. O du Liebe meiner Liebe.( Eph. 3, 16-19. 1 Joh. 4, 16.) 54. Singet Gott, denn Gott| Du währst lang: auf alle Zeit: Du reichst tief: zu armen Sündern; Du führst hoch: zur Herrlichkeit. ist Liebe, Liebe, die da ewig währt; Singe durch des Geistes Triebe, Wer es an sich selbst erfährt! Wenn Gott läßt den Eifer brennen, Brennt er bis zum Höllengrund, Nun er sich läßt Liebe nennen, Wird es allen Himmeln kund. 3. Liebe, die mein Herz darf glauben, Ob sie mein Verstand nicht faßt, Laß den Feind mich dir nicht rauben, Der uns als Geliebte haßt! Liebe, laß es mir gelingen, Dich zu kennen, wię du bist! Liebe, lehr mich ewig fingen, Wie es Gottes würdig ist! Ph. Fr. Hiller. g. 1699+ 1769. 2. Liebe, die er in Erkenntniß Seines Sohnes uns bezeugt; Liebe, welche das Verständniß Aller Menschen übersteigt, Du bist weit: ob allen Kindern; A Gottes Wesen und Eigenschaften. 43 Mel. Jesu, du mein liebstes.( Sir. 17, 28. Pf. 103.) 55. Abgrund wesentlicher| verspricht; Schenkst uns deiner Liebe, Gott, du allerhöchstes Sohn der Liebe ,. Auch zum Gut, Das aus unerforschtem Bürgen meiner Schuld, Er Triebe Uns so gerne Gutes ward Mensch aus freier Huld, thut; Unergründlich Meer der Starb für mich aus heißem Gnaden, Sonne wahrer Freund- Triebe. Meine Seele flehet lichkeit, Quell des Trostes in dich: Wunderliebe, liebe mich! dem Leid, Arzt für unsrer Seele 5. Diese Liebe soll mich lehSchaden! Meine Seele flehet ren, Daß ich sey sein Eigendich: O du Liebe, liebe mich! thum; Diese Liebe soll ich hö2. Huldreich Wesen, laß dir ren Durch sein Evangelium; danken, Preisen dich von Her- Und sein Beispiel soll auf Erzensgrund! Deine Huld ist den Meines Wandels Nichtohne Schranken, Unaussprech- schnur seyn, Ja auch in der lich für den Mund, Wunder- höchsten Pein Mir zum steten herzlich für die Sünder, Für Vorbild werden. Meine Seele uns kleine viel zu groß, In flehet dich: Heilge Liebe, liebe der Größe grenzenlos, Väter- mich! lich für alle Kinder. Meine Seele flehet dich: Große Liebe, liebe mich! 6. Diese Liebe hat durch Sterben Meinen Tod zu nicht gemacht, Mir das Leben vom Verderben Durch ihr Auferstehn gebracht; Ja mir steht der Himmel offen Durch der Liebe Himmelfahrt, Denn ein Glaube rechter Art Darf ein himmlisch Erbtheil hoffen. Meine Seele flehet dich: Sohn der Liebe, liebe mich! 7. Du hast mir den Geist gegeben, Daß er mich erleuchten soll; Dieser heiligt unser Leben, Macht die Herzen Trostes voll, Lehrt die Thoren, stärkt die Müden, Er erquickt, die elend sind, Und versiegelt deinem Kind Seinen Himmelstheil 3. Du hörst mein Gebet und Sehnen; Was mir noth, besorgest du, Zählst und sammelst meine Thränen, Siehest meinem Seufzen zu; Weißt und schaffest mein Betrüben, Schickst und linderst meinen Schmerz, Prüfft, erfährst und kennst mein Herz, Meinen Glauben und mein Lieben. Meine Seele flehet dich: Süße Liebe, liebe mich! 4. Sünden willst du mir vergeben, Gnade, Hilfe, Trost und Licht, Ja sogar ein ewig Leben Ist es, was dein Wort 44 durch Frieden. Meine Seele| flehet dich: Höchste Liebe, liebe flehet dich: Geist der Liebe, mich! liebe mich! II. Lieder von Gott. 8. Nicht nur gibst du mir im Leben, Was man irgend Wohlthun heißt, Du hast mir dich selbst gegeben, Dich mit deinem Sohn und Geist. Herr, wer kann genugsam danken? Deiner Liebe großes Licht Fassen Erd und Himmel nicht, Denn sie hat nicht End noch Schranken! Meine Seele flehet dich: Gott der Liebe, liebe mich! 11. Schließ mein Leben und mein Sterben Nur in deine Liebe ein, Laß mich einst mit deinen Erben Auferstehn und selig seyn; Denn dein Lieben ist das Leben Und die ewig süße Ruh, Ewig kann man nichts dazu Außer deiner Liebe geben. Meine Seele flehet dich: Selge Liebe, liebe mich! Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Mel. Wer nur den lieben.( Ephes. 1, 3-12.) 56. Geht hin, ihr gläubigen| Da reicht' er schon mir Gnade dar. Gedanken, Ins weite Feld der Ewigkeit, Erhebt euch über alle Schranken Der alten und der neuen Zeit; Erwägt, daß Gott die Liebe sey, Die ewig alt und ewig neu. 9. Wie der Himmel ob der Erden Herrlich, groß und lieblich ist, Lässt du deine Gnade werden, Wo du recht gefürchtet bist. Wie der Abend von dem Morgen, Also ist von dir, dem Herrn, Unsre Uebertretung fern, Wenn wir für die Seele sorgen. Meine Seele 10. Wie die Väter sich erbarmen, Wenn sie Kinder wetnen sehn, Also läsfest du uns Armen Dein Erbarmen offen stehn. Gib mir doch ein solch Gemüthe, Das in deiner Liebe steht, Wacht und schlummert, liegt und geht Und nur lebt von deiner Güte. Meine Seele flehet dich: Treue Liebe, liebe mich! 2. Der Grund der Welt war nicht geleget, Der Himmel war noch nicht gemacht, So hat Gott schon den Trieb geheget, Der mir das Beste zugedacht; Als ich noch nicht geschaffen war, 3. Sein Rathschluß war: ich sollte leben Durch seinen eingebornen Sohn; Den wollt er mir zum Mittler geben, Den sandt er mir von seinem Thron, In dessen Blute soll ich rein, Geheiliget und selig seyn. 4. Wie wohl ist mir, wenn mein Gemüthe Empor zu dieser Quelle steigt, Von welcher sich ein Strom der Güte Zu A. Gottes Wesen und Eigenschaften. 45 mir durch alle Zeiten neigt,| 9. Die Hoffnung schanet in die Daß jeder Tag sein Zeugniß gibt: Gott hat mich je und je geliebt! 5. Wer bin ich unter Millionen Der Kreaturen seiner Macht, Die in der Höh und Tiefe wohnen, Daß er mich bis hieher gebracht? Ich bin ja nur ein dürres Blatt, Ein Staub, der keine Stätte hat. Ferne Durch alle Schatten diefer Zeit; Der Glaube schwingt sich durch die Sterne Und sieht ins Reich der Ewigkeit; Da zeigt mir deine milde Hand Mein Erbtheil und gelobtes Land. 6. Ja freilich bin ich zu geringe Der herzlichen Barmherzigkeit, Womit, o Schöpfer aller Dinge, Mich deine Liebe stets erfreut; Ich bin, o Vater, selbst nicht mein, Dein bin ich, Herr, und bleibe dein! 7. Im sichern Schatten deiner Flügel Find ich die ungestörte Ruh. Der feste Grund hat die ses Siegel: Wer dein ist, Herr, den kennest du! Laß Erd und Himmel untergehn, Dieß Wort der Wahrheit bleibet stehn. 8. Wenn in dem Kampfe schwerer Leiden Der Seele Muth und Kraft gebricht, So salbest du mein Haupt mit Freuden, So tröstet mich dein Angesicht; Da spür ich deines Geistes Kraft, Die in der Schwachheit Alles schafft. 10. O sollt ich dich nicht ewig lieben, der du mich unaufhörlich liebst? Sollt ich mit Undank dich betrüben, Da du mir Fried und Freude gibst? Verließ' ich dich, o Menschenfreund, So wär ich selbst mein ärgster Feind! 11. Ach könnt ich dich nur bes ser ehren, Welch edles Loblied stimmt' ich an; Es sollten Erd und Himmel hören, Was du, mein Gott, an mir gethan! Nichts ist so tröstlich, nichts so schön, Als, höchster Vater, dich erhöhn. 12. Doch nur Geduld, es kommt die Stunde, Da mein durch dich erlöster Geist Im höhern Chor mit frohem Munde Dich, Quell der Liebe, schöner preist; Drum eilt mein Herz aus dieser Zeit Und sehnt sich nach der Ewigkeit! Joh. Gottfr. Heermann, g. 1707 † 1791. Mel. An Wasserflüssen.( Luc. 13, 6-9. 2 Petri 3, 9.) 57. Getreuer Gott! wie viel| Erbarmen. Was ist des MenGeduld Erzeigest du uns Ar- schen Lebenslauf? Er ist vermen, Wir häufen täglich Schuld kehrt von Jugend auf, Sein auf Schuld, Du häufest dein Sinn ist dir entgegen; Und II. Lieder von Gott. 46 doch, o Vater, suchst du ihn| lassen und einen ungetreuen Von seinen Sünden abzuziehn, Zur Buße zu bewegen. 2. Der Menschen Elend jammert dich; Wenn sie sich selbst verstocken, So willst du sie doch väterlich Durch Güte zu dir locken. Wie trugest du so lange Zeit Die alte Welt mit Gütigkeit, Bis sie die Fluth verheeret! Wie lange sahst und riefest du Dem Volk einst in der Wüste zu, Bis sich ihr Herz bekehret! Knecht In Ewigkeit zu hassen. Doch nein, das kann dein Herze nicht, Das von Erbarmen wallt und bricht, Wenn deine Kinder fehlen! Es hat Geduld, so lang es kann, Es nimmt sich ihrer Schwachheit an Und wacht für ihre Seelen. 3. Du gibst dem Sünder Zeit und Naum, Der Strafe zu ent6. Du rufest ihnen in Gefahr, So oft sie irre gehen, Reichst ihnen deine Hände dar, Von Sünden aufzustehen; Du lockest sie mit Vaterhuld, Versprichst, durch Jesum ihre Schuld Barmherzig zu vergegehen; Du läsfest auch den ar- ben, Gibst reichlich Glauben, gen Baum Nicht ohne Pflege Geist und Kraft, Und dann am stehen; Du wartest sein und Ziel der Pilgerschaft Ein ewig suchest Frucht, Und wenn du Freudenleben. gleich umsonst gesucht, Hörst du nicht auf zu bauen; Du schonest sein von Jahr zu Jahr, Und Jesus bittet immerdar, Eh er wird abgehauen. 4. Gerechter Gott! so große Huld Erzeigst du frechen Sündern, Und hast nicht weniger Geduld Mit deinen schwachen Kindern; Sie werden ja, wenn Fleisch und Welt Und Satan ihnen Neze stellt, Oft sicher, matt und träge, Sie straucheln, sie verirren sich, Sie fallen oft, verlassen dich und deine heilgen Wege. 7. O Langmuth, der nichts gleichen kann, Leit uns durch dein Erbarmen; Sieh künftig auch geduldig an Die Schwachheit deiner Armen! Was hälf es, wenn dein Herz bisher Voll Güt und Huld gewesen wär, Und nun sich wenden sollte? Wenn deine mächtge Gotteshand, Die bisher Strafen abgewandt, Uns nun verderben wollte? 8. Drum, ewge Güte, trag uns noch Um Christi Todesschmerzen! Erwecke recht und rühre doch Die trägen, sichern 5. Wohl hättest du, o Herr, Herzen, Daß deine Huld und das Recht, Sie wieder zu ver-| Vatertren Uns ja kein Schild B. Schöpfung, Erhaltung, Regierung. 47 der Bosheit sey, Daß wir das solcher Gütigkeit Zur Buße Arge hassen Und uns noch in leiten lassen! der Gnadenzeit Den Reichthum 3immermann, g. 1702 † 1783. B. Schöpfung, Erhaltung, Regierung. Mel. Mein's Herzens Jesu.( Jef. 40, 26.) 58. Wenn ich, o Schöpfer,| und Sturm, Dich preist der deine Macht, Die Weisheit dei- Sand am Meere; Bringt, ruft ner Wege, Die Liebe, die für auch der geringste Wurm, Alle wacht, Anbetend überlege, Bringt meinem Schöpfer Ehre! So weiß ich, von Bewundrung Mich, ruft der Baum in seiner voll, Nicht, wie ich dich erheben Pracht, Mich, ruft die Saat, soll, Mein Gott, mein Herr, hat Gott gemacht, Bringt uns mein Vater! rem Schöpfer Ehre! 2. Mein Auge sieht, wohin es blickt, Die Wunder deiner Werke. Der Himmel, prächtig ausgeschmückt, Preist dich, du Gott der Stärke; Wer hat die Sonn an ihm erhöht, Wer kleidet sie mit Majestät? Wer ruft dem Heer der Sterne? 3. Wer mißt dem Winde seinen Lauf? Wer heißt die Himmel regnen? Wer schließt den Schoos der Erde auf, Mit Vorrath uns zu segnen? O Gott der Macht und Herrlichkeit, Gott, deine Güte reicht so weit, So weit die Wolken reichen! 4. Dich predigt Sonnenschein 5. Der Mensch, ein Leib, den deine Hand So wunderbar be= reitet, Der Mensch, ein Geist, den sein Verstand Dich zu erkennen leitet, Der Mensch, der Schöpfung Ruhm und Preis, Ist sich ein täglicher Beweis Von deiner Güt und Größe. 6. Erheb ihn ewig, o mein Geist, Erhebe seinen Namen! Gott, unser Vater, sey gepreist Und alle Welt sag Amen, Und alle Welt fürcht ihren Herrn und hoff auf ihn und dien ihm gern; Wer wollte Gott nicht dienen! Gellert, g. 1715 † 1769. Eigene Mel.( Pf. 104.) 59. Herr! dir ist niemand| Majestät und Ruhm umgeben zu vergleichen, Kein Lob kann deine Größ erreichen, Kein noch so feuriger Verstand. Pracht, Dich, aller Wesen Quell und Leben; Licht ist dein strahlenvoll Gewand. In hohen, un II. Lieder von Gott. 48 ermeßnen Fernen, Wohin kein| quickung, daß sein Durst sich sterblich Auge schaut, Hast du stillt; Auch rieseln Wasser durch weit über allen Sternen Dir die Wälder, Erfrischen und erdeinen höchsten Siz erbaut. freun das Wild. 2. Wie bist du, wenn du, Gott der Götter, Herabfährst, wenn du in dem Wetter Einhergehst, uns so fürchterlich! Du kommst und Wolken sind dein Wagen, Dein Wagen donnert; willig tragen Die Fittige des Sturmes dich. Die Engel fliegen gleich den Winden Vor dir voran, Herr Zebaoth! Wie Flammen, die sich schnell entzünden, Sind deiner Allmacht Diener, Gott! 3. Als du allmächtig sprachst: es werde!" Da gründetest du fest die Erde; Vor Alters war die Tief ihr Kleid. Auf allen Bergen stunden Wasser, Du schaltst fie: da entflohn die Wasser, Durch deines Donners Kraft zerstreut. Der Berge Gipfel, Herr, erschienen, Erhoben durch dein mächtig Wort, Die Thäler sanken unter ihnen An den für sie bestimmten Ort. 4. Nun steht der Wasser Wuth umdämmet, Daß fie, durch deinen Arm gehemmet, Die Erde nicht verwüsten kann; Du sprichst, und dem Gebirg entquellen Die Brunnen, werden Bäch' und schwellen Zu Strömen und zu Seen an. Aus ihnen schöpft das Volk der Felder Er5. Viel schattenvolle Bäume grünen An deinen Wassern, und aus ihnen Ertönt der Vögel Lust und Dank; In ihrer Zweige Schuß verborgen, Frohlocken fie dir jeden Morgen, Tönt dir des Abends ihr Gesang. Mit deinem segensvollen Thaue Wird jeder steile Berg erquickt; Auch grünen fröhlich Feld und Aue, Mit deinen Früchten reich geschmückt. 6. Durch dich entsprießt, damit die Heerden Der sichern Flur gesättigt werden, Das Gras und kleidet schön das Land. Uns blühn die Kräuter, und der Segen Der Saaten reifet uns entgegen Und füllt des frohen Schnitters Hand. Brod gibst du für des Menschen Leben, Und unsre Herzen zu erfreun, Gibst du von traubenvollen Reben Mit milder, reicher Hand den Wein. 7. Herr! du gebeutst im Lauf zu eilen Der Erde, und das Jahr zu theilen, Schufst du den Mond durch deine Macht. Die Sonne sinkt, und aus den Wäldern Hebt sich das Wild und sucht auf Feldern Sich seine Nahrung in der Nacht. Der Mensch, ermattet von Geschäf B. Schöpfung, Erhaltung, Regierung. ten, Verläßt sein Werk und su-| deine Stärke Schuf und bewahchet Ruh; Der Tag kommt, und ret deine Werke; Sie sind dein mit neuen Kräften Eilt er der Wohlgefallen, Gott! Du schaust Arbeit wieder zu. die Erd an, sie erzittert! Du tastest an der Berge Höhn, Und Berg und Fels, durch dich zersplittert, Sind Flammen, dampfen und vergehn! 10. Erheb, erheb, o meine Seele, Gott, meinen Schöpfer, und erzähle, Verkündige sein Lob der Welt! Ihm finge deine Jubellieder; Der Fromme halle ste ihm wieder, Dem Mächtigen, der uns erhält! Frohlockt ihm, alle seine Heere, Ihm weihet euren Lobgefang! Der Herr ist würdig, Preis und Ehre Zu nehmen, Lob und Ruhm und Dank! 8. Wie wimmelts in den weiten Meeren Von großen und von kleinen Heeren! Herr, deine Weisheit hat kein Ziel! Und wer mißt deine Huld und Stärke? Mit Staunen seh ich deine Werke, Wie schön sind sie, wie groß und viel! Herr, Alles wartet auf der Erde, Im Meer und in der Luft auf dich, Daß es von dir gesättigt werde; Du segnest, sie erquicken sich. 9. Dein Odem tödtet und befeelet; Die Welt, die deine Huld erzählet, Erneuert sich auf dein Gebot. Dein Ruhm ist ewig, Eigene Mel.( Pf. 19, 1-7.) 60. Himmel, Erde, Luft und Meer Zeugen von des Schöpfers Ehr; Meine Seele, finge du Und bring auch dein Lob herzu! 2. Seht das große Sonnenlicht, Wie es durch die Wolken bricht! Mondesglanz und Sternenpracht Loben Gott in stiller Nacht. 3. Seht, wie Gott der Erde Ball Hatgezieretüberall! Wälder, Flur und jedes Thier Zeigen Gottes Finger hier. 4. Seht, wie durch die Lüfte Evangelisches Gesangbuch. 49 Cramer, g. 1723 † 1788. hin Frisch und froh die Vögel ziehn! Feuerflammen, Sturm und Wind Seines Willens Diener sind. 5. Seht der Wasserwellen Lauf, Wie sie steigen ab und auf! Von der Quelle bis zum Meer Rauschen sie des Schöpfers Ehr. 6. Ach mein Gott, wie wunderbar Stellst du dich der Seele dar! Drücke tief in meinen Sinn, Was du bist, und was ich bin! J. Neander, g. 1640 † 1680. 11. Lieder von Gott. 50 Mil. Gott Vater, Herr wir danken dir.( Jef. 40, 26-31. Off. 4, 11. Pf. 148.) 61. Gott! Erd und Himmel| daß es kein Mann Erforschen sammt dem Meer Verkünden noch ergründen kann. deine Kraft und Ehr; Auch zeigen alle Berg und Thal, Daß du ein Herr seyft überall. 6. Wie möcht doch unsre Blödigkeit Ausgründen deine Herrlichkeit, So wir dochDinge nicht verstehn, Womit wir allezeit umgehn! 2. Die Sonne geht uns täglich auf, Es hält der Mond auch seinen Lauf. So sind auch alle Stern bereit, Zu preisen deine Herrlichkeit. 3. Die Thier und Vögel allerlicher bist du, Herr, unser Gott, Welt Und was sich in dem Meer aufhält, Zeigt uns frei an ihm selber an, Was deine Kraft und Weisheit kann. 4. Du hast den Himmel ausgestreckt, Mit Wolkenheeren überdeckt, und seiner Wölbung Majestät Mit goldnen Sternen übersät. 5. Du bists, der alle Ding regiert, Den Himmel und das Erdreich ziert, So wunderbar, 62. Gott! du gabst der Welt Im Anfang Licht und Leben. Nun hast du die Natur Mir als ein Buch gegeben, Drin viel zu lesen ist Von deiner großen Pracht, Von deiner weisen Huld, Von deiner Wundermacht. 7. Wie herrlich ist, Herr, und wie schön, Was du geschaffen, anzusehn! Doch wie viel lieb2. O ewge Majestät, Vor dir will ich mich bengen! Von deiner Herrlichkeit Seh ich die Himmel zeugen; Ich seh die in deiner Ruh! 8. Du schließest Erd und Himmel ein, Dein Herrschen muß voll Wunder seyn; Du bist ein Herr in Ewigkeit, Von unnennbarer Herrlichkeit. 9. O Vater, Sohn und heilger Geist, Dein Name, der Allmächtig heißt, Sey hochgelobt in Ewigkeit! Amen wir sprech'n mit Innigkeit! Mel. O Gott, du frommer.( Joh. 1, 1-4.) Böhmische Brüder. Sonne stehn, Sie spiegelt sich im Meer, Ich schau die Wolken an, Den Mond, das Sternenheer. 3. Die Luft, das Firmament Schufst du aus Finsternissen; Es träuft, so bald du willst, Von milden Regengüssen; Und wenn dein Ruf gebeut, So blitt und donnert weit Der Wetter Sturm und Nacht, Du Gott der Herrlichkeit! B. Schöpfung, Erhaltung, Regierung. 4. Die Weisheit und die Kunst,| 7. Hier schweigt der Himmel Die Ordnung, das Regieren Kann man auf jedem Blatt, An jedem Steine spüren. Die Mannigfaltigkeit, Die doch zusammenstimmt, Die macht, daß Aug und Herz In Wunderfreude schwimmt. still, Die Erde sagt nicht weiter, Das tiefe Meer verstummt, Die Sonne macht nicht heiter, Bis daß ein andres Buch Ich noch von oben her zu meinem Trost empfang, Und mich dein Geist belehr; 5. Die Weisheit bet ich an, Die Macht rührt mein Gemüthe; Doch ists noch nicht genug, Ich seh des Schöpfers Güte! Denn kein Geschöpf ist da, Dem er nicht Gutes thut; Ja, was er macht und will, Ist alles köstlich gut. 6. Gott! wie wohl wird mir, Zu dir hinaufzusehen, Hoch über Alles weg Vor deinem Thron zu flehen. Doch trübt die Sündenschuld Mein armes Menschenherz, Und find ich keinen Trost Bei dem geheimen Schmerz. 2. Er hat aus nichts dich hergebracht, Wie seiner Huld gefallen, Zu seinem Bilde dich gemacht, Dich ausgeschmückt 51 8. Das ist das heilge Buch, Darinnen steht geschrieben: Das Wort, das Alles schuf, Kam in die Welt mit Lieben, Voll Wahrheit, Gnad und Huld, Ward Mensch hier in der Zeit, Mein Leben, Licht und Trost, Gelobt in Ewigkeit! 9. In deine Welt will ich und in dein Wort mich senken. Die Schöpfung, Herr, soll mich Zu Dank und Ehrfurcht lenken; Doch deine Schrift, darin Dein Sohn mir ward bewußt, Die zieh mich ewig hin An deine Vaterbrust! Nach einem Pennsilvanischen Gesangbuche. V. 9 neuer Zusag. Mel. Ich dank dir schon durch.( 1 Mos. 1, 26. 27. 2 Theff. 2. 13. 14.) 63. Tritt her, o Seel, und| Für dich ist sie so wohl bestellt dank dem Herrn Für seine tausend Gaben, Mit denen er dich frei und gern Geziert hat und erhaben! Und was man drinnen schauet. 4. Dir trägt die Erde Brod und Wein, Dir Arzenei für Schmerzen, Dir hegt sie Thiere groß und klein, Dir Gold in ihrem Herzen. 5. Dort läuft und strömt das Wasser dir, Da stehet es dir stille, Bringt Perlen und Korallenzier Und Fische dir in vor Allen. 3. Für dich hat er die ganze Welt Erschaffen und erbanet,| Fülle. II. Lieder von Gott. 52 6. Die Luft erquickt dich jeder-| nicht an,( Willst du nur Gnade zeit Von außen und von innen; finden,) Die Schmach, die du Der bunten Vöglein Munter- ihm angethan Mit tausendfakeit Ergößet deine Sinnen. chen Sünden. 7. Dir fährt die Sonn des Tags herein Auf ihrem goldnen Wagen; Dir macht des Mondes Silberschein Die Nächte gleich den Tagen. 8. Zu deinen Diensten sind bereit Der Engel große Schaaren, Sie wachen jetzt und alle zeit, Daß fie dich treu bewahren. 9. Und was noch mehr: er sieht 10. Er gibt den eignen Sohn für dich, Er liebt dich, wie sein Leben, Und will sich endlich ewiglich Dir schenken und ergeben. 11. Drum dank, o Seele, dank dem Herrn Für seine tausend Gaben, Mit denen er dich frei und gern Geziert hat und erhaben! Angelus Sileflus, g. 1624+ 1677. Eigene Mel.( Pf. 145. Eph. 5, 19 2c.) 64. Sollt ich meinem Gott| theuer, Nein, er gibt ihn für nicht singen? Sollt ich ihm nicht dankbar seyn? Denn ich seh in allen Dingen, Wie so gut ers mit mir mein'. Ists doch nichts, als lauter Lieben, Was sein treues Herze regt, Das ohn Ende hebt und trägt, Die in seinem Dienst sich üben. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. mich hin, Daß er mich vom ewgen Feuer Durch sein theures Blut gewinn! O du Brunnen ohn Ergründen, Wie will doch mein schwacher Geist, Ob er sich gleich hoch befleißt, Deines Grundes Tiefe finden! Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 2. Wie ein Adler sein Gefieder lleber seine Jungen streckt, Also hat auch hin und wieder Mich des Höchsten Arm bedeckt, Alsobald in Mutterleibe, Da er mir mein Wesen gab Und das Leben, das ich hab Und noch diese Stunde treibe. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 3. Sein Sohn ist ihm nicht zu 4. Seinen Geist, den edlen Führer, Gibt er mir in sei nem Wort, Daß er werde mein Regierer Durch die Welt zur Himmelspfort; Daß er mir mein Herz erfülle Mit dem hellen Glaubenslicht, Das des Todes Nacht durchbricht Und die Hölle selbst macht stille. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 5. Meiner Seele Wohlerge: B. Schöpfung, Erhaltung, Regierung. 53 Will mein Fehlen mit der Ruth, Und nicht mit dem Schwerte rächen. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. hen Hat er ja recht wohl be-| mein frommer Gott zu gut, dacht; Will dem Leibe Noth entstehen, Nimmt ers gleichfalls wohl in Acht. Wenn mein Können, mein Vermögen Nichts vermag, nichts helfen kann, Kommt mein Gott und hebt mir an Sein Vermögen beizulegen. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 9. Seine Strafen, seine Schläge, Ob mirs gleich oft bitter scheint, Dennoch, wenn ichs rechterwäge, Sind es Zeichen, daß mein Freund, Der mich liebet, mein gedenke, Und mich von der schnöden Welt, Die mich hart gefangen hält, Durch das Kreuze zu ihm lenke. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 10. Das weiß ich fürwahr und lasse Mirs nicht aus dem Sinne gehn: Christenkreuz hat seine Maße Und muß endlich stille stehn. Wann der Winter ausgeschneiet, Tritt der schöne Sommer ein, Also wird auch nach der Pein, Wers erwarten kann, erfreuet. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 11. Weil denn weder Ziel noch Ende Sich in Gottes Liebe find't, Ei so heb ich meine Hände Zu dir, Vater, als dein Kind, Bitte: wollst mir Gnade geben, Dich aus aller meiner Macht zu umfangen Tag und Nacht Hier in meinem ganzen Leben, Bis ich dich nach dieser Zeit Lob und lieb in Ewigkeit! Gerhard, g. 1606+ 1676. 6. Himmel, Erd und ihre Heere Hat er mir zum Dienst bestellt; Wo ich nur mein Aug hinkehre, Find ich, was mich nährt und hält, Thiere, Kräuter und Getreide, In den Gründen, in der Höh, In den Büschen, in der See, Ueberall ist meine Waide. Alles Ding währt seine Zeit, Got tes Lieb in Ewigkeit. 7. Wenn ich schlafe, wacht sein Sorgen Und ermuntert ein Gemüth, Daß ich jeden lieben Morgen Schaue neue Lieb und Güt. Wäre mein Gott nicht gewesen, Hätte mich sein Angesicht Nicht geleitet, wär ich nicht Aus so mancher Angst genesen. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 8. Wie ein Vater seinem Kinde Sein Herz niemals ganz entzeucht, Ob es gleich bisweilen Sünde Thut und aus den Schranken weicht, Also hält auch meine Schwächen Mir 54 11. Lieder von Gott. Mel. Was Gott thut.( Pf. 71. 65. Mein Gott! du bist und bleibst mein Gott, Das macht mir tausend Freuden. Es kann mich weder Noth noch Tod Von deiner Liebe scheiden; Denn hab ich dich, So werden mich Die Flammen nicht ergreifen, Die Fluthen nicht ersäufen. 2. Du bist mein Gott von Jugend auf In Freud und Leid gewesen; Es war mein ganzer Lebenslauf Zum Segen auserlesen. Wie manche Noth. Die mir gedroht, Hat deine Hand gewendet Und Hilfe mir gesendet! 3. Du bist mein Gott und bis hieher Willst du noch immer walten. Da meiner längst vergessen wär, Hast du mich doch erhalten, Gespeist, getränkt Und sonst beschenkt Mit vielen Gnadengaben, Die Leib und Seele laben. Weish. 3, 9.) beste. In Lieb und Leid Bist du bereit, Mir Nath und That zu geben, So lang ich werde leben. 5. Du bist mein Gott; kein Elend kann mir diesen Trost benehmen, Und geh ich gleich auf rauher Bahn, Will ich mich doch nicht grämen. Der Weg zu dir ist dornig hier, Und führt mich doch zum Ziele, Wenn ich auch Schmerzenfühle. 6. Du bist mein Gott, auch wenn der Tod Mir alles andre raubet; Stirbt gleich der Leib, er hat nicht noth: Wer nur an Jesum glaubet, Der findet dort Den sichern Ort, Wo uns ein beßres Leben Auf ewig wird gegeben. 7. Du bist mein Gott; drum freu ich mich, Ich werde zu dir kommen, So bald nach meinem Sterben ich Der letzten Angst entnommen. Mein Gott ist mein Und ich bin sein! Nichts soll mir diesen Glauben Aus meinem Herzen rauben! Schmolf, g. 1672 † 1737. Mel. Lobt Gott, ihr.( Eph. 5, 19. 20. Mich. 7, 18-20.) 66. Ich finge dir mit Herz| feyst, Daraus uns allen früh und spat Viel Heil und Gutes fleußt. und Mund, Herr, meines Herzens Luft! Ich fing und mach auf Erden kund, Was mir von dir bewußt. 3. Was sind wir doch, was haben wir Auf dieser ganzen Erd, Das uns, o Vater, nicht von dir Allein gegeben werd? 4. Du bist mein Gott auch künftighin, Darauf vertrau ich feste; Du änderst nie den treuen Sinn Und sorgft für mich aufs 2. Ich weiß, daß du der Brunn der Gnad Und ewge Quelle B. Schöpfung, Erhaltung, Regierung. 4. Wer hat das schöne Himmelszelt Hoch über uns gesetzt? Wer ist es, der uns unser Feld Mit Thau und Regen nett? 5. Wer wärmet uns in Kält und Frost? Wer schützt uns vor dem Wind? Wer macht es, daß man Del und Most Zu seiner Zeit gewinnt? 6. Wer gibt uns Leben, Kraft und Muth? Wer hält mit seiner Hand Des güldnen Friedens werthes Gut In unsrem Vaterland? 7. Ach Herr, mein Gott, das kommt von dir, Du, du mußt alles thun! Du hältst die Wach vor unsrer Thür Und lässt uns sicher ruhn. 8. Du nährest uns von Jahr zu Jahr, Bleibst immer fromm und tren Und stehst uns, wenn wir in Gefahr, Mit Huld und Stärke bei. 9. Du strafft uns Sünder mit Geduld und schlägst nicht allzusehr; Ja endlich nimmst du unfre Schuld Und wirfft sie in das Meer. 10. Wenn unser Herze seufzt und schreit, Wirst du gar leicht erweicht und gibst, was uns zum Trost gedeiht Und dir zum Preis gereicht. 11. Du zählst, wie oft ein Frommer wein' Und was sein Kummer sey; Und keine Thrän' 5t ist dir zu klein, Du hebst und legst sie bei. 12. Du füllst des Lebens Mangel aus Mit dem, was ewig steht, Und führst uns in des Himmels Haus, Wenn uns die Erd entgeht. 13. Wohlauf, mein Herze, lob und sing Und habe guten Muth! Dein Gott, der Ursprung aller Ding, Ist selbst und bleibt dein Gut. 14. Er ist dein Schaß, dein Erb und Theil, Dein Glanz und Freudenlicht, Dein Schirm und Schild, dein Hilf und Heil, Schafft Rath und läßt dich nicht. 15. Was kränkst du dich in deinem Sinn Und grämst dich Tag und Nacht? Nimm deine Sorg und wirf sie hin Aufden, der dich gemacht! 16. Hat er dich nicht von Jugend auf Versorget und ernährt? Wie manchen schweren Unglückslauf Hat er zurückgekehrt! 17. Er hat noch niemals was verfehn In seinem Regiment, Nein, was er thut und läßt geschehn, Das nimmt ein gutes End. 18. Ei nun, so laß ihn ferner thun Und red ihm nicht darein, So wirst du hier im Frieden ruhn Und ewig fröhlich seyn. Gerhard, g. 1606 † 1676. 56 II. Lieder von Gott. Eigene Mel.( Jerem. 17, 7. Pf. 3, 9.) 67. Alles ist an Gottes Segen Und an seiner Gnad gelegen, Ueber alles Geld und Gut Wer auf Gott die Hoffnung feget, Der behält ganz unverleget Einen freien Heldenmuth. 2. Der mich hat bisher ernähret Und mir manches Gut bescheret, Ist und bleibet ewig mein. Der mich wunderbar geführet Und noch leitet und regieret, Wird hinfort mein Helfer seyn. 3. Viele mühen sich um Sachen, Die nur Sorg und Unruh machen, Und ganz unbeständig sind; Ich will nach den Gütern ringen, Die mir wahre Ruhe bringen, Die man in der Welt nicht find't. 4. Hoffnung kann das Herz erquicken, Was ich wünsche, wird sich schicken, So es anders Gott gefällt. Meine Seele, Leib und Leben Hab ich seiner Gnad ergeben Und ihm Alles heimgestellt. 5. Er weiß schon nach seinem Willen Mein Verlangen zu erfüllen, Es hat alles seine Zeit; Ich hab ihm nichts vorzuschreiben; Wie Gott will, so muß es bleiben, Wann Gott will, bin ich bereit. 2. Es steht in feines Menschen Macht, Daß sein Rath werd ins Werk gebracht und ihn sein Gang erfreue. Des Höchsten Rath, der machts allein, Daß Menschenrath ge= deithe. 6. Soll ich hier noch länger leben, Will ich ihm nicht widerstreben, Ich verlasse mich auf ihn; Ist doch nichts, das lang bestehet, Alles Irdische vergehet Und fährt wie ein Strom dahin! Um 1680. Mel. In dich hab ich gehoffet.( Pf. 73, 23-25. Jerem. 10, 23. Sprüche 16, 9.) 68. Ich weiß, mein Gott, daß all mein Thun Und Werk auf deinem Willen ruhn, Von dir kommt Glück und Segen; Was du regierst, das geht und steht Auf rechten, guten Wegen. 3. Gib mir Verstand aus deiner Höh, Auf daß ich ja nicht ruh und steh Auf meinem eignen Willen. Sey du mein Freund und treuer Rath, Was gut ist, zu erfüllen. 4: Was dir gefällt, das laß auch mir, O meiner Seele Sonn und Zier, Gefallen und belieben; Was dir zuwider, laß mich nicht In Werk und That verüben. 5. Jsts Werk von dir, so hilf zum Glück; Ists Menschen B. Schöpfung, Erhaltung, Negierung. thun, so treibs zurück Und ändre meine Sinnen. Was du nicht wirkst, pflegt von sich selbst In kurzem zu zerrinnen. 6. Tritt du zu mir und mache leicht, Was mir sonst fast unmöglich däucht, und bring zum guten Ende, Was du selbst angefangen hast, Durch Weisheit deiner Hände. 7. Ist gleich der Anfang etwas schwer Und muß ich gleich ins tiefe Meer Der bittern Sorgen treten, So treib mich nur ohn Unterlaß Zum Seufzen und zum Beten. 8. Wer fleißig betet und dir traut, Wird Alles, davor sonst ihm graut, Mit tapfrem Muth bezwingen; Sein Sorgenstein 57 wird in der Eil In tausend Stücke springen. 3. Reiche schmetterst du zur Erde, Königsstühle stürzen ein; Hirten rufft du von der Heerde, Herrscher ihres Volks zu seyn. 4. Wenn du anfängst, auszu9. Der Weg zum Guten ist faft wild, Mit Dorn und Hecken ausgefüllt; Doch wer ihn freudig ziehet, Kommt endlich, Herr, durch deinen Geist, Da= hin, wo Wonne blühet. 10. Du bist mein Vater, ich dein Kind; Was ich bei mir nicht hab und find, Hast du zu aller Gnüge. So hilf nun, daß ich meinen Stand Wohl halt und herrlich siege. 11. Dein soll seyn aller Ruhm und Ehr, Ich will dein Thun je mehr und mehr Aus hocherfreuter Seelen Vor deinem Volk und aller Welt, So lang ich leb, erzählen. Gerhard, g. 1606 † 1676. Mel. Ach wann werd ich dahin kommen.( 1 Sam. 2, 6-8. Jerem. 32, 19.) 69. Gott der Macht, in dei-| gleichen, Herr, was kann vor nem Ruhme. Keinem, als dir dir bestehn? Alle Berge müsselbst bekannt! Aus verborg- sen weichen, Alle Thale sich nem Heiligthume Waltest du erhöhn. mit starker Hand. 2. Sterne glänzen und erblinden; Berge wehst du weg, wie Spreu; Völker werden und verschwinden, Alles Fleisch vergeht wie Hen. 5. Was der Menschen Kunst erhoben, Ist auf leichten Sand gestellt; Du gebentst, es ist zerstoben, Wie das Laub im Herbste fällt. 6. Aber wo auf Felsengründen Deines Tempels Mauer ruht, Droht von Fluthen und von Winden Fruchtlos die vereinte Wuth. 7. Und ob Alles sich empöret, Ningsum Alles untergeht, Die II. Lieder von Gott. 58 ser Bau bleibt unzerstöret Und die Stadt des Herrn besteht. 8. Selbst der Feinde Troß und Mühe Muß dir ebnen deinen Garve, g. 1763 † 1841. Mel. Du, Gott, bist über alles.( Pf. 13, 6. 107, 1-22. Col. 1, 12-14.) 70. Du bists, dem Ehr und| ich dir, Durch die du mich geübt, Ruhm gebührt, Und dieß, Herr, bring ich dir. Mein Schicksal hast du stets regiert und stets warst du mit mir. Und für die Freuden, welche mir Dein milder Segen gibt. 7. Dir dank ich es, daß die Natur Mich nährt und mich erfreut; Ich schmeck in jeder Kreatur, Gott, deine Freundlichkeit. S. Ich danke dir für deinen Sohn, Der für mich Sünder starb, Und der zu deinem Gnadenthron Den Zugang mir erwarb. 2. Oft wenn nach Trost die Seele rang, Und Trost mich Armen floh, Rief ich voll Sehnsucht: ,, Herr, wie lang?" Und wurde wieder froh. Pfad; Darum komm, o Herr, und ziehe Ein in deine Gottesstadt! 3. Wenn ich in Schmerz und Krankheit sank Und rief: ,, Herr, rette mich!" So halfst du mir; mit welchem Dank, Mein Gott, erheb ich dich? 4. Betrübte mich des Feindes Haß, So klagt ich dir den Schmerz; Du halfft mir, daß ich ihn vergaß Und gabst Geduld ins Herz. 5. Wenn ich der Tugend Pfad verlor Und mich verschuldet sah, Rief ich zu dir, mein Gott, empor, Und Gnade war mir nah. 6. Herr! für die Leiden dank 9. Wie sehr liebt Gott der Menschen Wohl! Erheb ihn, Volk des Herrn! Die Erd ist seiner Güte voll, Er hilft und rettet gern. 10. Er hilft und läßt die Tranrigkeit Bald vor uns übergehn; Und will nach kurzer Prüfungszeit Zum Himmel uns erhöhn. 11. Vergiß nicht, Seele, was dein Gott Bisher an dir gethan; Verehr und halte sein Gebot Und bet ihn ewig an. Nach Gellert. Mel. Alle Menschen.( Pf. 37.) 71. Zürne nicht auf stolze| schauen, Wie das Gras wird abSünder, Die der Luft im Schoo- gehauen, Wie das grüne Kraut se ruhn; Neide nicht des Glückes vergeht, Wenn der Wind von Kinder, Die mit Lachen Arges Morgen weht. thun. Bald wirst du sie welken 2. Hoffe du auf Gott und B. Schöpfung, Erhaltung, Regierung. 59 bleibe, Wo sein Rath dich hin-| Schaar verderben, Wird dein gestellt; Was er dir befohlen, Same Länder erben. Wer Gott treibe; Wandre redlich durch nimmt zur Zuversicht, Den gedie Welt. Ueberlaß ihm deine reut es ewig nicht. Wege, Fleh, daß er dich segnen möge; Und er segnet dich gewiß, Machet Licht aus Finsterniß. 6. Rede Wahrheit, lehre Gnade, Spende Trost und Unterricht; Geh genau auf Gottes Pfade, Sey gewiß, du gleitest nicht. Wollen Menschen trogen, höhnen, Sey getrost: Gott wird dich krönen, Der der Frommen Recht erhöht, Wenn der Sünder untergeht. 7. Einen Stolzen sah ich prangen, Wie ein grüner Lorbeer strotzt; Kaum war ich vorbeigegangen, Als er plöglich ausgetroßt. Er ist weg mit seinen Sünden, Weg, wer' will ihn wieder finden? Hochmuth reichet nirgends zu; Bleibe fromm, so bleibest du. 3. Wer nach Geistesfrüchten ringet Und nach ewgem Gnadenstand, Wer Gott reineOpfer bringet, Bleibt bestehn und erbt das Land. Gott hat Lust an seinem Wege, Leitet ihn mit Vaterpflege; Kommt ihn eine Schwachheit an, Stärkt ihn Gott, der stärken kann. 4. Frommer Fleiß ist nie vergebens, Wird mit Schanden nie bestehn. Während meines gan= zen Lebens Hab ich Fromme nie gesehn, Daß sie schmählich umgekommen; Gott, der sie in Schuß genommen, Ließ sie niemals betteln gehn, Noch mit Schmach im Mangel stehn. 5. Thue Gutes nur und bleibe In der Demuth, sanft und mild; Was der Glaube fordert, treibe; Gott ist seiner Kinder Schild; Muß der Sünder 8. Ach es kommen schwere Tage, Kommen sie auch nicht sogleich; Auf die Sünder wartet Plage, Angst und Fluch im Todtenreich. Aber Gott weiß der Gerechten Sache herrlich durchzufechten; Heil beströmt sie nah und fern, Denn sie stehen in dem Herrn! Lehmus, g. 1707 † 1788. Mel. Auferstehn.( Ps. 23.) 72. Ja fürwahr! uns führt| 2. Wenn im Dunkel auch sein mit sanfter Hand Ein Hirt durchs Pilgerland Der dunkeln Erde, Uns, seine kleine Heerde. Hallelujah! Häuflein irrt, Er wacht, der treue Hirt, Und läßt den Seinen Ein freundlich Sternlein scheinen. Hallelujah! 60 3. Sicher leitet aus des Todes Graun Er uns auf grüne Au'n, Aus Sturm und Wellen Zur Kühlung leiser Quellen. Hallelujah! II. Lieder von Gott. 4. Freundlich blickt sein Aug auf uns herab; Sein sanfter Hirtenstab Bringt Trost und 73. Unerforschlich sey mir immer Meines Gottes Weg und Rath, Und die Nacht sey ohne Schimmer, Die mich hier umschattet hat: Ist doch Alles, was er thut, Wie's auch scheine, weis und gut. 2. Sollt ich das von Gott nur loben, Wo auch ich schon Weisheit seh? Ists nicht ein Geschenk von oben, Wenn ich seinen Weg versteh? Frevelt nicht, wer öfters klagt, Daß ihm Gott mehr Licht versagt? 3. Soll ein Vater unterlassen, Was dem Kinde Thorheit ist? Wisse, Mensch, Verklärte fassen Das, wo du im Dunkeln bist! Hier sollst du dem Herrn vertraun, Glauben hier und dort erst schaun. Friede; Er wachet sich nicht müde. Hallelujah! 5. Ja fürwahr, er ist getreu und gut! Auch unsre Heimath ruht In seinen Armen. Sein Name ist Erbarmen! Hallelujah! Mel. Gott des Himmels.( Ebr. 10, 35. 36.) F. A. Krummacher, g. 1767. 74. Mein Gott, wie bist du so verborgen, Wie ist dein Rath so wunderbar! Was helfen alle meine Sorgen? Du haft gesorget, eh ich war. Mein Vater, führ mich immerdar, 4. Soll er deine Wünsch' erheben Zu Beherrschern seiner Welt? Soll der Heilige dir geben, Was den Lüsten nur gefällt? Wohl uns, wenn er nicht gewährt, Was ein thöricht Herz begehrt! 5. Hier in meinem Pilgerstande Sey mein Theil Zufriedenheit; Dort in meinem Vaterlande Wohnt die wahre Seligkeit. Find ich dort gewiß mein Heil, O so sey mein Weg hier steil! 6. Wenn du auch auf rauhen Wegen Wandelst, Seele, klage nicht! Was hier schmerzet, wird dort Segen; Was hier Nacht ist, wird dort Licht. Dann erst faff' ich Gottes Sinn, Wenn ich ganz vollendet bin. Cramer, g. 1723 † 1788. Mel. Wer nur den lieben.( Jef. 45, 15. Cap. 55, 8. 9.) nur selig, wenn auch wunderbar. 2. Kein Mensch kann, Herr, dein Antlitz sehen, Wir blicken dir nur hinten* nach; Was du bestimmt, das muß geschehen B. Schöpfung, Erhaltung, Negierung. 61 Bei unsrem Glück und Unge-] dar, Nur selig, wenn auch mach. Mein Vater, führ mich immerdar, Nur selig, wenn auch wunderbar.* 2 Mef. 33, 23. 3. Herr! wer kann deinen Nath ergründen? Dir bleibt allein der Weisheit Preis! Du kannst viel tausend Wege finden, Wo die Vernunft nicht Einen weiß. Mein Vater, führ mich immerdar, Nur selig, wenn auch wunderbar. 4. Gott! deine heiligen Gedanken Sind himmelweit von Menschenwahn; Drum leite mich in deinen Schranken Und führe mich auf rechter Bahn. Mein Vater, führ mich immerwunderbar. 5. Dir will ich mich ganz überlassen Mit allem, was ich hab und bin; Ich werfe, was ich nicht kann fassen, Auf deine Macht und Weisheit hin. Mein Vater, führ mich immerdar, nur selig, wenn auch wunderbar. 6. Hilf, daß ich nie von dir mich fehre In Glück und Unglück, Freud und Leid. Schick Alles, Herr, zu deiner Ehre Und meiner Seele Seligkeit. Ja, Vater, führ mich immerdar, Nur selig, wenn auch wunderbar. Nach Sal. Frand, g. 1669+ 1725. Engel. Mel. O du Liebe meiner Liebe.( Matth. 18. 10. Luc. 15, 10. Ebr. 1, 14.) 75. Um die Erd und ihre| sche segnet, Uud des Sünders Kinder Schwebet still die Gei- Thränen seht. sterwelt. Einst nach der Vollendungsstunde, Wenn der dichte Schleier fällt, Einst, wenn wir hinüberschweben leber diese Sterbenszeit, Reichen Brüder uns die Hände, Brüder in der Ewigkeit. 3. O wer wollte sich nicht scheuen Vor der stillen Uebelthat? Nicht mit Scham zurücketreten Vom verborgnen Sündenpfad? Ist es möglich, daß der Pilger Sein erhabnes Ziel vergißt, Wenn ihn der Gedanke rühret, Daß er unter Engeln ist? 2. Reine Wesen, Himmelsfinder, Schön in ewger Heiterkeit! Ach der Glaube ist so 4. Auf, mein Geist, in jene selig, Daß ihr unsre Freunde Welten, Wenn die Erde dich seyd, Daß ench unser Schicksal umstrickt! Auf, zu jenen Freirühret, Daß ihr uns zur Seite gebornen, Wenn dich deine steht, Unsre frommen Wän- Knechtschaft drückt! Strebe 62 III. Sünde und Erlösung. muthig zu dem Ziele, Aus der Engel sind dir nahe, Kämpfe, Finsterniß zum Licht! Gott und ringe, weiche nicht! Sperl, um 1800. Mel. Nun ruhen alle.( Ps. 91. Matth. 18, 8-10.) 76. Du, Herr der Seraphi-| Laß sie auf meinen Wegen Die nen, Dem alle Engel dienen Und zu Gebote stehn, Du wundergroßer Meister Der reinen Himmelsgeister, Mein Mund soll deinen Ruhm erhöhn! Hand mir unterlegen, So bleib ich frei von Ungemach. 5. Doch, sollen sie nicht weichen, So laß mich ihnen gleichen In wahrer Heiligkeit. Wie sie die Kinder lieben, Und sich in Demuth üben, So mach auch mich dazu bereit. nen, 2. Die Fürsten und die Thronen, Die in dem Himmel wohGibst du zu meiner Wacht; Sie sehn dein Angefichte Im höchst vollkommnen Lichte, Doch nehmen sie auch mich in Acht. 6. Sie thun ja deinen Willen, Den laß auch mich erfüllen; Sie leben keusch und rein; O laß mich nichts beflecken Und mich an allen Ecken Stets diese reinen Geister scheun! 3. Ich preise deine Güte Mit dankbarem Gemüthe Für diese Wunderschaar; Ich rühme deine Rechte Für diese deine Knechte, Die mich beschirmen vor Gefahr. 4. Laß ferner mich behüten Vor aller Feinde Wüthen Durch diese Himmelswach; seyn. 7. Zulegt, Herr, wenn ich scheide, So führe mich zur Freude Auf ihren Armen ein; Da werd ich dich erst loben, Und in dem Himmel droben Dir und den Engeln ähnlich Schmolf, g. 1672 † 1737. III. Sünde und Erlösung. Mel. Herr Jesu Christ, du höchstes.( 1 Mos. 3.) loren! 77. Der ersten Unschuld rei-| Durch nes Glück, Wohin bist du geschieden? Du flohst, und kehrest nicht zurück Mit deinem süßen Frieden! Dein Edengarten blüht nicht mehr; Verwelkt durch Sündenhauch ist er, Menschenschuld ver2. Ach wider Gottes Prüfungswort Und den Befehl der Liebe Neißt bald zum Ungehor sam fort Die Macht bethörter Triebe! Vom Schlangenwort III. Sünde und Erlösung. der Lust versucht, Vergällt der Mensch durch ihre Frucht Sein Glück, sein Herz, sein Leben! 3. Frei will er seyn, sein eigner Gott, Will thun, was ihn gelüftet, Bald auch mit Dentelei und Spott Zum bösen Schritt gerüstet! Die Unschuld flieht, und innre Schmach Folgt auf dem Fuß der Sünde nach Und flüchtet in das Dunkel. 4. Wer kann mit schnödem Heuchelspiel Vor Gott die BlöBe decken?„ Wo bist du?". rufts im Abendkühl,-„ 11msonst ist dein Verstecken! Was thatst du?" ruft, der Alles sieht, Dem keine Nacht die Sünd entzieht, Der allgerechte Richter. 5. Ach neu verjüngt sich fort und fort Des ersten Falls Geschichte! Das Herz, verführt durch Schlangenwort, Verfällt dem Schuldgerichte. Vergebens wüsch' es gern sich rein, Der Kläger ruft: die Schuld ist dein, Und horch, der Ewge richtet!" 6. Die Strafe schont, o Sünder, nicht, Ihr Fuß wird nicht verziehen. Du flieheft Gottes 63 Aug und Licht, Und kannst ihm nicht entfliehen. Und dennoch lockt die Sünde noch Und drüet dich mit argem Joch, Wenn kein Erlöser rettet. 7. Nehmt, was die Schrift euch lernen hieß, zu Herzen, wie zu Ohren: Der Unschuld blüht ihr Paradies; Durch Schuld geht es verloren! Der Flammencherub tritt hervor Und schließt des Paradieses Thor; Wer will den Cherub zwingen? 8. Heil, Heil, daß uns ein Held erschien, Ein Heiland allen Sündern! Den Schlangenkopf zertrat er kühn, Der Sünde Sieg zu hindern. Im Glauben nehmt den Retter an, Er führt euch seine Siegesbahn, Auf, kämpft an seiner Seite' 9. Er führt ins Paradies zurück Den schuldentladnen Schächer; Der Arge flieht vor seinem Blick Und zittert vor dem Rächer; Das Schwert des Cherubs droht nicht mehr; Vom neuen Eden winket her Der Baum des ewgen Lebens. Garve, g. 1763 † 1841. Eigene Mel.( Rom. 3 und 5. Luc. 11, 28.) 78. Durch Adams Fall ist| Trost, Der uns erlöst Hat von ganz verderbt Menschlich Na- dem großen Schaden, Darein tur und Wesen. Dasselbe Gift die Schlang Eva bezwang, ist uns vererbt; Wir konnten nicht genesen Ohn Gottes Den Zorn auf sich zu laden. 2. Weils denn die Schlang da 64 III. Sünde und Erlösung. hin gebracht, Daß Eva abge-| ihm noch ferne, Der Trost bei fallen Von Gottes Wort, das sie veracht't Und dadurch zu uns allen Gebracht den Tod, So war je noth, Daß uns nun Gott sollt geben Den lieben Sohn Vom Guadenthron, In dem wir möchten leben. einem Menschen sucht, Und nicht bei Gott dem Herren. Denn wer ihm will Ein ander Ziel Ohn diesen Trösterstecken, Den mag gar bald Satans Gewalt Mit seiner List erschreden. 3. Wie uns hat eine fremde Schuld In Adam all verhöhnet, So hat uns eine fremde Huld In Christo all versöhnet; Und wie wir all Durch Adams Fall Sind ewgen Tods gestorben, Also hat Gott Durch Christi Tod Erneut, was war verdorben. 4. So er uns nun den Sohn geschenkt, Da wir noch Feinde waren, Der für uns ist ans Kreuz gehenkt, Getödtet, aufgefahren, Auf daß wir sey'n Von Tod und Pein Erlöst, so wir vertrauen Auf diesen Hort, Des Vaters Wort, Wem wollt vor'm Sterben grauen? 5. Er ist der Weg, das Licht, die Pfort, Die Wahrheit und das Leben, Des Vaters Rath und ewigs Wort, Den er uns hat gegeben zu einem Schuß, Daß wir mit Truß An ihn fest sollen glauben, Darum uns bald Kein Macht und G'walt Aus seiner Hand wird rauben. 6. Der Mensch ist gottlos und verflucht, Sein Heil ist 7. Wer hofft auf Gott und dem vertraut, Wird nimmermehr zu Schanden; Denn wer auf diesen Felsen baut, Ob ihm gleich stößt zu handen Viel Unfalls hie, Hab ich doch nie Den Menschen sehen fallen, Der sich verläßt Auf Gottes Trost; Er hilft den Gläubgen allen. 8. Ich bitt, o Herr, aus Herzensgrund, Du wollst nicht von mir nehmen Dein heiligs Wort aus meinem Mund, So wird mich nicht beschämen Mein Sünd und Schuld; In deine Huld Seß ich all mein Vertrauen, Wer sich nur fest Darauf verläßt, Der wird den Tod nicht schauen. 9. Herr! meinen Füßen ist dein Wort Ein Licht, deß acht ich gerne, Es weiset auf den Weg mich fort; So dieser Morgensterne In uns aufgeht, So bald versteht Der Mensch die hohen Gaben, Die Gottes Geist Gewiß verheißt, Wenn wir die Hoffnung haben. Spengler, g. 1479 † 1534. 1 III. Sünde und Erlösung. el. Erhalt uns, Herr.( Hiob 14, 1. 2.) 79. Was sind wir arme| Nicht zu dem Licht gelangen mag. 5. O ewges Licht, ich bitte dich: Erleuchte und belebe mich Noch hier durch deiner Gnade Schein, Ein wahres Kind des Lichts zu seyn. 6. Sey du stets meinem Herzen nah; Was finster ist, vertreib allda. Liebt gleich die Welt die Finsterniß, Mach meinen Gang im Licht gewiß. Menschen hier? Gleich einem Schatten fliehen wir; Je größer sich der Schatten macht. Je früher bricht herein die Nacht. 2. Woher kommt solchesFlüchtigseyn? Von unsrem Abfall kommts allein! Seit sich der Mensch vom Licht verlor, Seitdem steht ihm der Tod bevor. 3. Doch fürchtet sich der Glaube nicht; Er weiß ein andres Lebenslicht: Wenn Jesus in die Seele scheint, So wird man mit dem Licht vereint. 7. Dann schließ ich sterbend einst voll Rub, Als Kind des Lichts, die Augen zu, Und im Erwachen schau ich dann Dein Licht mit klaren Augen an. 4. Bleibt eine Seele ohne dieß, So bleibt sie in der Finsterniß, Woraus sie auch an jenem Tag Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Mel. Meinen Jesum laß ich.( Röm. 7, 18-25. Gal. 5, 16 2c. 24 c. Jer. 17, 14.) 80. Hilf, Erbarmer, schaue| Schuld, Baue deine Gnadenher, Höre meines Herzens Klage! Ich bin arm und gnadenleer, Stündlich drückt mich neue Plage; Selbstsucht, Stolz und Unverstand Reißen mich aus deiner Hand. werke Doch in mir recht dauernd auf Fördre meinen Glaubenslauf! 2. Wann erscheint der Tag einmal, Daß ich dich nicht mehr betrübe Und schon hier im Pilgerthal Dich mit festem Herzen liebe? Wann zerbricht die böse Kraft Der verkehrten Leidenschaft? 65 3. Seufzend such ich neue Huld, Schenke mir des Geistes Stärfe! Hebe durch dein Blut die Evangelisches Gesangbuch 4. Oft erscheinen mir zum Trost Stunden, da ich dich empfinde, Da der Feind, umsonst erbost, Drohet deinem armen Kinde, Da den scharfen Kampf und Krieg Deine Allmacht krönt mit Sieg; 5. Da der neu belebte Geist, Heiß in Lob und Dank entzücket, Sich gewaltig dem entreißt, Was ihm oft das Ziel verrücket; Da des neuen Lebens Glanz Ihn mit Sehnsucht füllet ganz. 5 66 III. Sünde und Erlösung. 6. Aber eilig fliehn dahin| Hand, Und ich sinke nen danieDiese himmlisch süßen Stunden; Mein erschrockner, blöder Sinn Fühlet schmerzlich neue Wunden, Kämpft mit Dürre, Lauigkeit, Sinkt zurück in Sicherheit. 7. Bald flammt eignes Feuer auf, Von Naturkraft angeblasen; Bald hemmt meinen Himmelslauf Ungeduld, des Zornes Rasen, Kleinmuth. Angst, Verschlossenheit, Menschenfurcht und Blödigkeit. 8. Oft, wenn ich vom Fall erstand, Fiel ich unvermuthet wieder; Mich erhebet Gottes mich ins Vaterland! mel, Wo nichts das Herz erquickt, Wer zeigt den Weg zum Himmel, Dahin die Hoffnung blickt? Wer leitet unser Streben, Wenn es das Ziel vergißt? Wer führt durch Tod zum Leben? Der Weg heißt Jesus Christ. der, Und der Fleischessinn zerreißt, Was erbauethatderGeist. 9. Dir, mein Heiland, sey's geklagt, Wie der Todesleib mich drücket! Traurig hab ich oft gefragt, Kummervoll in Staub gebücket: O wer löset endlich noch Mich von diesem Todesjoch? Mel. Herzlich thut mich.( Joh. 14, 6.) 81. Aus irdischem Getüm-| oben kommt die Klarheit, Die alles uns erhellt, Denn Christus ist die Wahrheit, Er ist das Licht der Welt. 3. Wer gibt uns hier schon Freuden, Die niemand rauben kann? Wer zeiget uns im Leiden Den Himmel aufgethan? Wenn vor dem Tod wir beben, Wer gibt dem Herzen Ruh? Heil! Christus ist das Leben, Führt uns dem Vater zu. Asschenfeldt, um 1800. 2. Hier irren wir und fehlen, Gehüllt in tiefe Nacht. Durch wen wird unsern Seelen Ein wahres Licht gebracht? Von 10. Du, Herr Jesu, mußt es thun; Siehe, meine Kräfte schwinden! Wie ich bin, kann ich nicht ruhn, Tilge du die Macht der Sünden; Führe mich an deiner Hand, Bringe Jesus? Dürftig, arm und jämmerlich! Ach was sind wir? voller Elend, Jesu! ach erbarme dich; Laß dich unsre Noth beMel. Jesu, Kraft der blöden Herzen; oder: Herr, ich habe mißgehandelt. ( Ephef. 2, 12-18.) 82. Ach was sind wir ohne| wegen, Die wir dir vor Augen legen. 2. Ohne dich, getreuer Jesu, Ist hier alles Finsterniß, Und gequält mit steten Schmerzen III. Sünde und Erlösung. 67 Durch der Sünde giftgen Biß. mit Lebensblicken, So wird Mein Gewissen ist erwachet sich das Herz erquicken. Und der Abgrund flammt und krachet. 6. Tritt den Satan, starker Jesu, Unter unsern schwachenFuß. Komm zu mir aucheingegangen. Mit dem holden Friedensgruß, Daß ich Himmelsfreude spüre und kein Leid mich mehr berühre. 3. Ohne dich, geliebter Jesu, Kommt man nicht durch diese Welt, Welche fast auf allen Wegen Unsern Füßen Neße stellt; Sie kann troßen und kann heucheln Und hält uns mit ihrem Schmeicheln. 7. Laß den Geist der Kraft, Herr Jesu, Geben unfrem Geiste Kraft, Daß wir brünstig dir nachwandeln Nach der Liebe Eigenschaft; Ach, Herr! mach uns selber tüchtig, So ist unser Leben richtig. 4. Ach wie kraftlos, theurer Jesu, Richten sich die Kranken auf! Unfre Macht ist lauter Unmacht In dem müden Lebenslauf. Denn man sieht uns, da wir wallen, Defters straucheln, oftmals fallen. 8. Dann wird Lob und Dank, Herr Jesu, Schallen aus des 5. Darum stärk uns, liebster Herzens Grund, Dann wird Jesu, Sey in Finsterniß das alles triumphiren Und dir finLicht, Deffne unsre Herzens- gen Herz und Mund; Dann augen, Zeig dein freundlich wird auf der ganzen Erden JeAngesicht, Spiel, o Sonn, sus hochgelobet werden! Lackmann, † 1713. Eigene Mel.; oder: Es ist das Heil.( 1 Joh. 5, 12. Apstg. 4, 12.) Heil Durch ihn zu Theil, Uns macht gerecht Der treue Kuecht, Der für uns ist gestorben. 83. Such, wer da will, Ein| was verdorben. Uns wird das ander Ziel, Die Seligkeit zu finden; Mein Herz allein Bedacht soll seyn, Auf Christum sich zu gründen. Sein Wort ist wahr, Sein Werk ist klar; Sein heilger Mund Hat Kraft und Grund, Den Feind zu überwinden. ( Jes. 52, 13. Cap. 53.) 2. Such, wer da will, Nothhelfer viel, Die uns doch nichts erworben; Hier ist der Mann, Der helfen kann, Bei dem nie 3. Ach sucht doch den, Laßt alles stehn, Die ihr das Heil begehret! Er ist der Herr Und feiner mehr, Der euch das Heil gewähret; Sucht ihn all Stund Von Herzensgrund, Sucht ihn allein, Denn wohl wird seyn Dem, der ihn herzlich ehret! 68 III. Sünde und Erlösung. 4. Mein höchster Ruhm, Mein| 5. Wend von mir nicht Dein Eigenthum Sollst du, Herr Je- Angesicht, Laß mich im Kreuz fu, bleiben! Laß mich doch nicht nicht zagen; Weich nicht von Von deinem Licht Die Eitelkeit mir, Du höchste Zier, Hilf mir vertreiben. Wer dich nicht läßt, mein Leiden tragen! Hilf mir Der stehet fest; Wer treu dich zur Freud Nach diesem Leid, liebt Und dein Wort übt, Deß Hilf, daß ich mag Nach aller Grund wird nie zerstäuben. Klag Dort ewig Lob dir sagen. Weiffel, g. 1590 † 1635. Mel. Jesu, hilf slegen.( 1 Tim. 1, 15.) 84. Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude! Er, der von Anfang gewesen, ist da. Gott heit und Menschheit vereinen sich beide; Schöpfer, wie kommst du uns Menschen so nah! Himmel und Erde, erzählets den Heiden: Jesus ist kommen, Grund ewiger Freuden! 2. Jesus ist kommen! nun springen die Bande, Stricke des Todes, die reißen entzwei. Jesus erlöst uns vom knechtischen Stande, Er, der Sohn Gottes, er machet recht frei, Bringt uns zu Ehren aus Sünd und aus Schande; Jesus ist kommen, nun springen die Bande! 3. Jesus ist kommen, der König der Ehren; Himmel und Erde, rühmt seine Gewalt! Dieser Beherrscher kann Herzen bekehren, Deffnet ihm Thüren und Thore fein bald. Denkt doch, er will euch die Krone gewähren; Jesus ist kommen, der Kö der Ehren! 4. Jesus ist kommen, ein Opfer für Sünden; Sünden der ganzen Welt träget dieß Lamm, Sündern die ewge Erlösung zu finden, Litt es und starb es am blutigen Stamm. Abgrund der Liebe, wer kann dich ergründen? Jesus ist kommen, ein Opfer für Sünden! 5. Jesus ist kommen, die Quelle der Gnaden; Komme, wen dürstet, und trinke, wer will! Holet für euren verderblichen Schaden Heilung aus dieser unendlichen Füll! Alle Verlornen sind hieher geladen, Jesus ist kommen, die Quelle der Gnaden! 6. Jesus ist kommen, sagts aller Welt Enden; Eilet, ach eilet zum Gnadenpanier! Schwöret ihm Treue mit Herzen und Händen, Sprechet: wir leben und sterben mit dir! Amen, o Jesu, du wollst uns vollenden! Jesus ist kommen, sagts aller Welt Enden! Nach Freylinghausen. III. Sünde und Erlösung. Mel. Freu dich sehr.( Joh. 3, 16. Rom. 8, 32. 85. Ewge Liebe! mein Gemüthe Waget einen fühnen Blick In den Abgrund deiner Güte; Send ihm einen Blick zurück, Einen Blick voll Heiterkeit, Der die Finsterniß zerstreut, Die mein blödes Auge drücket, Wenn es nach dem Lichte blicket. 2. Ich verehre dich, o Liebe, Daß du dich beweget hast Und aus einem freien Triebe Den erwünschten Schluß gefaßt: Der im Fluch versenkten Welt Durch ein theures Lösegeld, Durch des eignen Sohnes Sterben Gnad und Freiheit zu erwerben. 3. O ein Rathschluß voll Erbarmen, Voller Huld und Freundlichkeit, Der solch einer Welt voll Armen Gnade, Trost und Hilfe beut! Liebe, die den Sohn nicht schont, Der in ihrem Schoose wohnt, Um die Sünder zu erretten Aus den schweren Sündenketten! 4. Du hast auch, o weise Liebe, Einen Weg dazu bestimmt, Darauf sich ein jeder übe, Der amSegen Antheil nimmt: Wer nur an den Mittler gläubt Und ihm tren ergeben bleibt, Der soll nicht verloren gehen, Sondern Heil und Leben sehen. 5. Diesen Glauben anzufa69 Marc. 16, 16.) chen, Gibst du deinen heilgen Geist, Der da mächtig in uns Schwachen Seine Gotteskraft erweist. Denen, die gebeuget stehn, Die ihr Unvermögen sehn Und zum Thron der Gnade eilen, Kommst du, reichlich mitzutheilen. 6. Du tilgst niemand zum Verderben Ohne Grund aus deinem Buch; Die in ihren Sünden sterben, Laden selbst auf sich den Fluch. Wer nicht glaubt an deinen Sohn, Der hat ewgen Tod zum Lohn; Sein muthwillig Widerstreben Schließt ihn aus von Heil und Leben. 7. Liebe! laß mich dahin streben, Meines Heils gewiß zu seyn; Nichte selbst mein ganzes Leben So nach deinem Willen ein, Daß des Glaubens Frucht und Kraft, Den dein Geist in mir geschafft, Mir zum Zeugniß dienen möge, Ich sey auf dem Himmelswege. 8. Laß mich meinen Namen schauen In dem Buch des Lebens stehn; Alsdann werd ich ohne Grauen Selbst dem Tod entgegen gehn; Keine Kreatur wird mich, Als dein Erbgut, ewiglich Deiner Hand entreißen können, Noch von deiner Liebe trennen. Rambach, g. 1693 † 1735. III. Sünde und Erlösung. Eigene Mel.( 1 Tim. 2, 4-6.) ihm aus seiner Sünden Noth, Erwürg für ihn den bittern Tod Und laß ihn mit dir leben!" 86. Nun freut euch, liebe| sey das Heil dem Armen! Hilf Christeng'mein', Und laßt uns fröhlich springen, Daß wir getrost und All in Ein' Mit Lust und Liebe singen, Was Gott an uns gewendet hat Und seine süße Wunderthat; Gar theu'r hat ers erworben. 2. Dem Teufel ich gefangen lag, Im Tod war ich verloren; Mein Sünd mich quälte Nacht und Tag, Darin ich war geboren; Ich fiel auch immer tiefer drein, Es war kein Guts am Leben mein, Die Sünd hatt' mich besessen. 3. Mein' gute Werk, die gal ten nicht, Es war mit ihn'n verdorben; Der frei Will haßte Gottes G'richt, Er war zum Gut'n erstorben; Die Angst mich zu verzweifeln trieb, Daß nichts denn Sterben bei mir blieb; Zur Hölle mußt ich finken. 70 4. Da jammert' Gott von Ewigkeit Mein Elend ohne Maßen; Erdacht an seinBarmherzigkeit und wollt mir helfen lassen; Er wandt zu mir sein Vaterherz, Es war bei ihm fürwahr kein Scherz: Er ließ fein Bestes kosten. 5. Er sprach zu seinem lieben Sohn:„ Die Zeit ist, zu erbarmen; Fahr hin, mein's Herzens werthe Kron, Und 6. Der Sohn dem Vater g'horsam ward, Er kam zu mir auf Erden, Von einer Jungfrau rein und zart, Er wollt mein Bruder werden. Gar heimlich führt' er sein Gewalt, Er gieng meiner armen G'stalt, Den Teufel wollt er fahen. 7. Er sprach zu mir:„ halt dich an mich, Es soll dir jetzt gelingen; Ich geb mich selber ganz für dich, Da will ich für dich ringen; Denn ich bin dein und du bist mein, Und wo ich bleib, da sollst du seyn, Uns soll der Feind nicht scheiden." 8. ,, Vergießen wird er mir mein Blut, Dazu mein Leben rauben; Das leid ich alles dir zu gut, Das halt mit festem Glauben. Den Tod verschlingt das Leben mein, Mein Unschuld trägt die Sünde dein; Da bist du selig worden." 9., Gen Himmel zu dem Vater mein Fahr ich von diesem Leben; Da will ich seyn der Meister dein, Den Geist will ich dir geben, Der dich in Trübniß trösten soll, Und lehren mich erkennen wohl Und in der Wahrheit leiten." III. Sünde und Erlösung. 71 10. ,, Was ich gethan hab und| nem Lob und Ehren; Und hüt gelehrt, Das sollt du thun dich für der Menschen G'saz, und lehren, Damit das Reich Davon verdirbt der edle Schatz; Gott's werd vermehrt zu sei- Das laff' ich dir zuletzte!" Luther, g. 1483 † 1546. Mel. Die Tugend wird.( Eph. 2, 5-7. Ebr. 2, 14. 15.) 87. Was wär ich ohne Dich| Hand entgegen Und ladet froh gewesen? Was würd ich ohne Dich nicht seyn? Zu Furcht und Aengsten auserlesen, Stünd ich in weiter Welt allein! Nichts wüßt ich sicher, das ich liebte; Die Zukunft wär ein dunkler Schlund, Und wenn mein Herz fich tief betrübte, Wem thät ich meine Sorge kund? sie zu uns ein! Der Himmel ist bei uns auf Erden, Im Glauben schauen wir ihn an: Die Eines Glaubens mit uns werden, Auch denen ist er aufgethan. 2. Einsam verzehrt von Lieb und Sehnen, Erschien' mir nächtlich jeder Tag; Ich folgte nur mit heißen Thränen Dem wilden Lauf des Lebens nach; Ich fände Unruh im Getümmel Und hoffnungslosen Gram zu Haus; Wer hielte ohne Freund im Himmel, Wer hielte da auf Erden aus? 3. Hat Christus mir sich kund gegeben und bin ich seiner erst gewiß, Wie schnell verzehrt ein lichtes Leben Die bodenlose Finsterniß! Für alle seine tausend Gaben Bleib ich sein demuthvolles Kind, Gewiß, ihn unter uns zu haben, Wenn Zwei auch nur versammelt sind. 4. O geht hinaus auf allen Wegen Und holt die Irrenden herein; Streckt jedem eure 5. Das Herz, des Lebens Ein böses reichste Quelle, Wesen wohnte drin; Und ward in unsrem Geist es helle, So war nur Unruh der Gewinn. Ein eisern Band hielt an der Erde Die bebenden Gefangnen feft; Furcht vor des Todes Richterschwerte Verschlang der Hoffnung Ueberrest. 6. Da kam ein Heiland, ein Befreier, Ein Menschensohn voll Lieb und Macht, Und hat ein allbelebend Feuer In unsrem Innern angefacht. Nun sahn wir erst den Himmel offen Als unser altes Vaterland, Wir lernten glauben nun und hoffen Und fühlten uns mit Gott verwandt. 7. Noch steht in wundersamem Glanze Der heilige Geliebte hier; Gerührt von seinem Dornenkranze Und seiner Treue, weinen wir. Ein jeder Mensch 72 III. Sünde und Erlösung. ist uns willkommen, Der seine| men, Zur Frucht des ParadteHand mit uns ergreift Und, ses reift. in sein Herz mit aufgenomMel. Seelenbräutigam.( Job. 10, 11. Col. 1, 19. 20.) 88. Wer ist wohl wie du,| durchströme Herz und Sinne, Jesu, süße Ruh? Unter vielen auserkoren, Leben derer, die verloren, Und ihr Licht dazu, Jesu, süße Ruh! Und mein Elend ganz zerrinne, Süßes Heil, in dir; Wohne du in mir. 2. Leben, das den Tod, Mich aus aller Noth Zu erlösen, hat geschmecket, Meine Schulden zugedecket Und mich aus der Noth Hat geführt zu Gott! 8 Deiner Sanftmuth Schild, Deiner Demuth Bild Mir anlege, in mich präge, Daß kein Zorn noch Stolz sich rege; Denn vor dir nichts gilt Als dein eigen Bild. 3. Glanz der Herrlichkeit! Du bist vor der Zeit Zum Erlöser uns geschenket, Und in unser Fleisch versenket Nach erfüllter Zeit, Glanz der Herrlichkeit! 9. Steure meinem Sinn, Der zur Welt will hin; Daß ich nicht mög von dir wanken, Sondern bleiben in den Schranken, Sey du mein Gewinn, Gib mir deinen Sinn. 4. Großer Siegesheld! Tod, Sünd, Höll und Welt Hast du herrlich überwunden und ein ewig Heil erfunden Für die Sünderwelt Durch dein Blut, o Held! 10. Wecke mich recht auf, Daß ich meinen Lauf Unverrückt zu dir fortsege, Und mich nicht in seinem Netze Satan halte auf; Fördre meinen Lauf. 5. Höchste Majestät, Priester und Prophet! Deinen Scepter will ich küssen, Ich will fizen dir zu Füßen, Wie Maria thät, Höchste Majestät! Novalis, g. 1772 † 1801. 6. Laß mich deinen Ruhm, Als dein Eigenthum, Durch desGeistes Licht erkennen, Stets in deiner Liebe brennen, Als dein Eigenthum, AllerschönsterRuhm! 7. 3euch mich ganz dir, Daß dein Lieben mir Ganz 11. Deines Geistes Trieb In die Seele gib, Daß ich wachen mög und beten, Freudig vor dein Antlig treten; Ungefärbte Lieb In die Seele gib. 12. Wenn der Wellen Macht In der trüben Nacht Will des Herzens Schifflein decken, Wollst du deine Hand ausstreken; Habe auf mich Acht, Hüter in der Nacht! 13. Einen Heldenmuth, Der IV. Adventlieder. 73 da Gut und Blut Gern um dei-| Wollst du bei mir stehn, Mich netwillen lasse Und des Flei- durchs Todesthal begleiten Und sches Lüste hasse, Gib mir, zur Herrlichkeit bereiten, Daß höchstes Gut, Durch dein theu- ich einst mag sehn Mich zur res Blut. Nechten stehn. 14. Solls zum Sterben gehn, Freylinghausen, g. 1670 † 1739. IV. Adventlieder. Mel. Nun freut euch.( Col. 3, 16 ic. Pf. 28, 9.) 89. Gottlob! ein neues Kirchenjahr Macht wiederum aufs neue Mit reichem Segen offenbar Des großen Gottes Treue; Von neuem will er seinen Bund, Den alten, ewgen Glaubensgrund, Durch seinen Geist uns lehren. 2. Auf, Zion! Preis und Ehr und Ruhm Dem höchsten Gott zu singen; Dein königliches Priesterthum Muß Dank zum Opfer bringen. Gelobt seyGott, der durch sein Wort Die Christenheit und diesen Ort Zu seinem Tempel weihet! 3. Wir sind nicht werth der neuen Huld Des Gottes aller Gnaden. Des alten Menschen alte Schuld, Die wir auf uns geladen, Nimmt unsern eignen Ruhm dahin, Denn sie bewies den alten Sinn Noch stets mit neuen Sünden. 4. Ach Herr! gib uns den neuen Geist, Daß wir durch deine Güte, Die sich an uns aufs neu erweist, Erneuert im Gemüthe, Den neuen Menschen ziehen an, Der dir allein gefallen kann In seinem ganzen Leben. 5. Hiezu erhalt uns, Herr, dein Wort, Sammt Tauf und Abendmahle, So wandern wir mit Freuden fort In diesem finstern Thale. Herr, segne dieses Kirchenjahr, Laß Kirche, Schul, Tauf und Altar Uns deine Wege zeigen. 6. Gib deinen Hirten Kraft und Geist Zu reiner Lehr und Leben, Dein Wort, das Gottes Waide heißt, Der Heerde rein zu geben. Laß alle Hörer Thäter seyn, Damit kein heuchlerischer Schein Des Glaubens Kraft verleugne. 7. So halten und vollenden wir Das Kirchenjahr auf Erden; Dabei befehlen wir es dir, Wie wir es enden werden. Hier bleibt die Kirche noch im Streit, Kommt aber einst die Ewigkeit, Dann wird sie triumphiren. heder, g. 1699 † 1743. 74 IV. Adventlieder. Mel. Aus meines Herzens.( Sachar. 9, 9. Matth. 21, 8-11. 25, 1-13.) 90. Auf, auf, ihr Reichs- 4. So geht mit schnellen genossen! Der König kommt Schritten, Den König anzuheran; Empfaht ihn unverdros- sehn, Dieweil er kommt geritsen Auf seiner Wunderbahn. ten Stark, herrlich, sanft und Ihr Christen, geht herfür, Laßt schön; Nun tretet All heran, uns vor allen Dingen Ihm Ho- Den Heiland zu begrüßen, Der stanna singen Mit heiliger Be- alles Kreuz versüßen Und uns gier. erlösen kann. 2. Auf, ihr betrübten Herzen! Der König ist sehr nah; Hinweg all Angst und Schmerzen, Der Helfer ist schon da. Seht, wie so mancher Ort Hochtröstlich ist zu nennen, Da wir ihn finden können Im Nachtmahl, Tauf und Wort. 5. Der König will bedenken Die, so er herzlich liebt, Mit köstlichen Geschenken, Als der sich selbst uns gibt In seinem Geist und Wort. OKönig, hoch erhoben, Wir alle wollen loben Dich freudig hier und dort! 6. Nun, Herr, du gibst uns 3. Auf, auf, ihr Vielgeplag- reichlich, Wirst selber arm und ten! Der König ist nicht fern; schwach, Und liebest unverSeyd fröhlich, ihr Verzagten, gleichlich Und gehst den SünDort kommt der Morgenstern! dern nach; Wir wollen dir alDer Herr will in der Noth Mit lein Die Stimmen hoch erreichem Trost euch speisen, Er schwingen, EinHofianna singen will euch Hilf erweisen, Ja Und ewig dankbar seyn! dämpfen gar den Tod. Rift, g. 1607 f 1667 Mel. Jesus, meine Zuversicht.( Matth. 21, 5.) 91., Sieh, deinkönig kommt zu dir!" Seele, das sind frohe Worte; Sprich: mein König, komm zu mir, Sieh, ich öffne dir die Pforte, Zeuch mit deiner Sanftmuth ein, Was du findest, das ist dein! 2. Komm, ich bin dein Eigenthum Schon seit deinem Wasserbade; Komm, dein Evangelium Werde mir ein Wort der Gnade; Du schickst ja dein Wort voran, Daß mein König kommen kann. 3. Komm und räume alles aus, Was du hasfest, was mich reuet; Komm und reinige dein Haus, Das die Sünde hat entweihet. Mache selbst mit deinem Blut Alles wieder rein und gut. 4. Komm in deinem Abend 75 mahl, Das du uns zum Heil| ster mit, Deinen Geist, der dich gegeben, Daß wir schon im Erdenthal Mit dir als im Himmel leben. Komm, Herr Jesu, leb in mir, Und mein Lebensey verkläret, Der mich im Gebet vertritt Und des Königs Willen lehret, Daß ich bis auf jenen Tag: ,, Komm, Herr Jesu!" rufen mag. in dir! 5. Komm und bring den TröPh. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. IV. Adventlieder. Mel. Macht hoch die Thür.( Ps. 68, 5. Pf. 24. Marci 11, 1-10.) 92. Macht hoch das Thor, die Thüren weit: Es kommt der Herr der Herrlichkeit, Ein König aller Königreich, Ein Heiland aller Welt zugleich, Der Heil und Leben mit sich bringt; Deßhalb mit frohem Jauchzen singt: Gelobet sey mein Gott, Mein Schöpfer, reich an Gnad! 2. Er ist gerecht, ein Helfer werth, Sanftmüthigkeit ist sein Gefährt, Sein Königsschmuck ist Heiligkeit, Sein Scepter ist Barmherzigkeit; All unsre Noth zum End er bringt; Deßhalb mit frohem Jauchzen singt: Gelobet sey mein Gott, Mein Heiland, stark von That! 3. O wohl dem Land, o wohl der Stadt, Die diesen König bei fich hat! Wohl allen Herzen insgemein, Wo dieser König ziehet ein! Er ist die rechte Lebenssonn,' Bringt mit sich lauter Heil und Wonn. Gelobet sey mein Gott, Mein Tröster groß von Rath! 4. Macht hoch das Thor, die Thüren weit, Das Herz zum Tempel sey bereit; Die Zweige der Gottseligkeit Steckt auf mit Andacht, Lust und Freud! So kommt der König auch zu euch, Bringt Heil und Leben mit zugleich. Gelobet sey mein Gott, Voll Rath, voll That, voll Gnad! 5. Komm, o mein Heiland, Jesu Christ! Des Herzens Thür dir offen ist; Ach zieh mit deiner Gnade ein, In Freundlichkeit auch uns erschein; Dein heilger Geist uns schirm und leit Den Weg zur ewgen Se= ligkeit! O Heiland, dir o Herr, Sey ewig Preis und Ehr! Weiffel, g. 1590+ 1635. Mel. Valet will ich.( Matth. 21, 1-9.) 93. Wie soll ich dich empfan- seze Mir selbst die Leuchte gen Und wie begegnen dir, O aller Welt Verlangen, O mei ner Seele Zier? O Jesu, Jesu, bei, Damit, was dich ergöße, ir kund und helle sey! 2. Dein Zion streut dir Pal IV. Adventlieder. 76 men Und grüne Zweige hin,| bet Die Hilfe vor der Thür, Und ich will dir in Psalmen Der eure Herzen labet Und Ermuntern meinenSinn; Mein tröstet, steht allhier. Herze soll dir grünen In ste7. Ihr dürft euch nicht bemütem Lob und Preis Und dei- hen, Noch sorgen Tag und nem Namen dienen, So gut es kann und weiß. Nacht, Wie ihr ihn wollet ziehen Mit eures Armes Macht; Er kommt, er kommt mit Willen, Ist voller Lieb und Lust, All Angst und Noth zu stillen, Die ihm an euch bewußt. 8. Auch dürft ihr nicht erschrecken Vor eurer Sündenschuld; Nein, Jesus will sie decken mit seiner Lieb und Huld. Er kommt, er kommt den Sündern Zu Trost und wahrem Heil, Schafft, daß bei Gottes Kindern Verbleib ihr Erb und Theil. 9. Was fragt ihr nach dem Schreien Der Feind und ihrer Tück? Der Herr wird sie zerstreuen In einem Augenblick. Er kommt, er kommt, ein König, Dem aller Feinde Hand Auf Erden viel zu wenig Vermag zum Widerstand. 10. Er kommt zum Weltgerichte, Zum Fluch dem, der ihm flucht; Mit Gnad und süßem Lichte Dem, der ihn liebt und sucht. Ach komm, ach komm, o Sonne, Und hol uns allzumal Zum ewgen Licht und Wonne In deinen Freudensaal! Gerhard, g. 1606 † 1676. 3. Was hast du unterlassen Zu meinem Trost und Freud, Als Leib und Seele saßen In ihrem größten Leid? Als mir das Reich genommen, Da Fried und Freude lacht, Da bist du, mein Heil, kommen Und hast mich froh gemacht. 4. Ich lag in schweren Banden, Du kommst und machst mich los; Ich stund in Spott und Schanden, Du kommst und machst mich groß und hebst mich hoch zu Ehren Und schenkst mir großes Gut, Das sich nicht läßt verzehren, Wie irgend Reichthum thut. 5. Nichts, nichts hat dich getrieben Zu mir vom Himmelszelt, Als dein getreues Lieben, Damit du alle Welt In ihren tausend Plagen Und großer Jammerlast, Die kein Mund kann aussagen, So fest umfangen hast. 6. Das schreib dir in die Herzen, Du hochbetrübtes Heer, Bei denen Gram und Schmerzen Sich häufen mehr und mehr; Seyd unverzagt, ihr ha IV. Adventlieder. Eigene Mel.( Pf. 33, 4. 94. Gott sey Dank in aller Welt, Der fein Wort beständig hält Und der Sünder Trost und Rath Zu uns hergesendet hat. 2. Was der alten VäterSchaar Höchster Wunsch und Sehnen war, Und noch mehr, als sie erbat, Ward erfüllt nach Gottes Rath. 3. Hier ist mehr als Davids Sohn! Unvergänglich ist sein Thron! Licht der Seelen, ewges Heil Ward durch Jesum uns zu Theil. 4. Menschenfreund, wie dank ichs dir! Schenke dieses Heil auch mir, Das du unter schwerer Last Für die Welt bereitet hast. 5. Sey willkommen, o mein Heil, Dir Hofjanna, o mein Theil! Nichte dir auch eine Bahn, Herr, in meinem Herzen an. 77 Habak. 2, 3.) 6. Zeuch, du Ehrenkönig, ein, Es gehöret dir allein, Mach es, wie du gerne thust, Rein von aller Sündenluſt. 7. Wie du huldreich, als du kamst, Unsre Rettung übernahmst, Also sey auch deine Treu Mir mit jedem Morgen neu. 8. Deine Wahrheit leuchte mir, Herr, bei allem, was ich hier Zur Befördrung meiner Ruh Denke, wünsche, wähl und thu. 9. Trifft mich Traurigkeit und Schmerz, Tröste dann mein zagend Herz. Hilf zum treuen Tugendlauf Meiner Schwachheit mächtig auf; 10. Daß ich, wenn du, Lebensfürst, Herrlich wiederkommen wirst, Froh dir mög entgegen sehn Und gerecht vor dir bestehn. Nach Held, um 1640. Mel. Vom Himmel hoch.( Joh. 12, 36.) 95. Komm, Himmelsfürst,| 3. Du nahmest erdwärts deikomm, Wunderheld, Du Ja- nen Lauf, Und stiegest wieder kobsstern, du Licht der Welt; himmelauf. Die Abfahrt war Laß abwärts flammen deinen zum Todesthal, Die Rückfahrt Schein, Der du willst Mensch war zum Sternenfaal. geboren seyn. 2. Komm an von deinem Himmelsthron, Wir harren dein, o Gottes Sohn! Komm, o du zwiefach edler Held, Geh muthig durch dieß Thal der Welt. 4. O höchster Fürst, dem Vater gleich, Besieg allhier des Fleisches Reich, Denn unser Geist, in Fleisches Haft, Sehut sich nach deiner Himmelskraft. 5. Von deiner Krippe glänzt 78 ein Strahl, Der leuchtet durch| bens Licht, Damit die Lieb erdieß finstre Thal, Er gibt der lösche nicht zu dir die ganze Nacht so hellen Schein, Der Lebenszeit, O Sonne der Gestets wird unverlöschlich seyn. rechtigkeit! 6. Entzünd auch unsers GlauIV. Adventlieder. Joh. Frand, g. 1618 † 1677. Mel. Aus meines Herzens.( Sachar. 2, 10. Jef. 42, 1-3. Pf. 2, 10-12.) Sonst, wo ihr Und nur nach 96. Nun jauchzet, all ihr| Himmelslicht; Frommen, In dieser Gnaden- ihn verachtet zeit, Weil unser Heil ist kom- Hoheit trachtet, Ist nah das men, Der Herr der Herrlich- Strafgericht.. keit, Zwar ohne Stolz und Pracht, Doch mächtig zu verheeren Und gänzlich zu zerstören Des Teufels Reich und Macht. 2. Kein Scepter, keine Krone Sucht er in dieser Welt; Im hohen Himmelsthrone Ist ihm sein Reich bestellt. Er will hier seine Macht Und Majestät verhüllen, Bis er des Vaters Willen Im Leiden ganz vollbracht. 3. Ihr Mächtigen auf Erden, Nehmt diesen König an! Soll euch geholfen werden, So geht die rechte Bahn, Die führt zum 4. Ihr Armen und Elenden In dieser bösen Zeit, Die ihr an allen Enden Müßt haben Angst und Leid, Seyd dennoch wohlgemuth, Laßt eure Lieder klingen Und lobet Gott mit Singen, Der euer höchstes Gut. 5. Er wird nun bald erscheinen In seiner Herrlichkeit und euer Leid und Weinen Verwandeln dann in Freud. Er ists, der helfen kann, Macht eure Lampen fertig Und send stets sein gewärtig, Er ist schon auf der Bahn! Mich. Schirmer, g. 1606 1675. Mel. Von Gott will ich.( Luc. 3, 4-6.) 97. Mit Ernst, ihr Men-| Den Weg dem großen Gast; schenkinder, Das Herz in euch bestellt, Damit das Heil der Sünder, Der große Wunderheld, Den Gott aus Gnad allein Der Welt zum Licht und Leben Gesendet und gegeben, Bei Allen kehre ein. Macht seine Steige richtig, Laßt alles, was er haßt; Macht eben Bahn und Pfad, Die Thale rings erhöhet, Erniedrigt, was hoch stehet, Was krumm ist, macht gerad! 2. Bereitet doch fein tüchtig 3. Ein Herz, das Demuth liebet, Bei Gott am höchsten steht: IV. Adventlieder. 79 Ein Herz, das Hochmuth übet,| In dieser Gnadenzeit Aus Güte Mit Angst zu Grunde geht; Ein und Erbarmen, Herr Jesu, Herz, das richtig ist Und fol- selbst bereit! Zeuch in mein get Gottes Leiten, Das kann Herz hinein Und wohn auf sich recht bereiten, zu dem immer drinnen, So werden kommt Jesus Christ. Herz und Sinnen Dir ewig dankbar seyn. 4. Ach mache du mich Armen Thilo, g. 1607 † 1662. Mel. Valet will ich dir geben.( Matth. 25, 1-13.) 98. Ermuntert euch, ihr Frommen, Zeigt eurer Lampen Schein! Der Abend ist gekommen, Die finstre Nacht bricht ein; Es hat sich aufgemachet Der Bräutigam mit Pracht, Auf! betet, kämpfet, wachet, Bald ist es Mitternacht. 2. Macht eure Lampen fertig Und füllet sie mit Del, Und seyd des Heils gewärtig, Bereitet Leib und Seel. Die Wächter Zions schreien: Der Bräutigam ist nah: Begegnet ihm in Reihen Und singt Hallelujah! 3. Ihr klugen Jungfraun alle, Hebt nun das Haupt empor Mit Jauchzen und mit Schalle Zum frohen Engelchor. Die Thür ist aufgeschlossen, Die Hochzeit ist bereit: Auf, auf, ihr Festgenossen, Der Bräutgam ist nicht weit! 4. Er wird nicht lang verziehen, Drum schlafet nicht mehr ein! Man sieht die Bäume blühen, Der schönste Frühlingsschein Verheißt Erquickungszeiten; Die Abendröthe zeigt Den schönen Tag vom weiten, Davor das Dunkel weicht. 5. Begegnet ihm auf Erden, Ihr, die ihr Zion liebt, Mit freudigen Geberden Und seyd nicht mehr betrübt; Die ihr Geduld getragen, Und mitgestorben seyd, Sollt nun nach Kreuz und Klagen Mit leben sonder Leid. 6. Hier sind die Siegespalmen, Hier ist das weiße Kleid, Hier singt man Freudepsalmen Im Frieden nach dem Streit; Hier steht nach Wintertagen Der Waizen wieder grün, Und die im Tode lagen, Sieht man zum Leben ziehn. 7. O Jesu, meine Wonne! Komm bald und mach dich auf, Geh auf, verlangte Sonne, Und fördre deinen Lauf! O Jesu, mach ein Ende Und führ uns aus dem Streit; Wir heben Haupt und Hände Nach der Erlösungszeit! Laurentii, g. 1660 † 1722. 80 IV. Adventlieder. Mel. Nun ruhen alle.( Ps. 24, 7-10.) 99. Wie lieblich klingts den| Wie groß ist deine Ehre, Wie herrschest du allein! Wer wollte nicht, o König, In Ehrfurcht unterthänig Und gern in deiner Gnade seyn? 6. ,, Erweitert Thor und Thüren, Laßt Ehrenpforten zieren, Empfangt ihn in der Welt Und jauchzet ihm entgegen, Damit zu eurem Segen Der Ehrenkönig Einzug hält!" 7. Wer ists, wer läßt sich hören Als König aller Ehren?- Der Herr der Herrlichkeit! Der ist es, der kommt prächtig, Der Herr, der stark und mächtig, Der Herr, der Sieger ist im Streit." Ohren, Daß du bist Mensch geboren Und mein Erlöser bist! Wie lieblich, wie erquickend, Wie selig, wie entzückend Ist doch dein Name, Jesu Christ! 2. Wie groß ist deine Stärke, Wie wunderbar die Werke, Wie heilig ist dein Wort! Wie ist dein Tod so tröstlich, Wie seine Frucht so köstlich; Mein Fels des Heils, mein Lebenshort! 3. Wie reich sind deine Gaben! Wie hoch bist du erhaben Auf deinem Königsthron! Es fingen, jauchzen, dienen Dir alle Seraphinen, Du wahrer Gott und Menschensohn. 4. Wie bist du von den Banden Des Grabes auferstanden, Hast Höll und Tod besiegt, Bist unter Himmelsschaaren So herrlich aufgefahren, Bis Alles dir zu Füßen liegt! 5. Wie süß ist deine Lehre, 8. Sey hochgelobt den Frommen! Du kommst, sey uns willkommen, Im Namen unsers Herrn! Der Herr ist Gott, der Eine, Der uns bestrahlt alleine Als unser Licht und Morgenstern. Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Mel. Der du das Loos.( Luc. 19, 29: c.) 100. Dein König kommt ohne Speere, O Friedensfürst von großer Macht! Oft wollten dir der Erde Herren Den Weg zu deinem Throne sperren, Doch du gewannst ihn ohne Schlacht. in niedern Hüllen, Sanftmüthig, auf der Ef'lin Füllen, Empfang ihn froh, Jerusalem! Trag ihm entgegen Friedenszweige, Bestren mit Maien seine Steige; So ists dem Herren angenehm. 2. O mächtger Herrscher ohne Heere, Gewaltger Kämpfer 3. Dein Reich ist nicht von dieser Erden, Doch aller Erde Reiche werden Dem, das du gründeft, unterthan. Bewaff IV. Adventlieder. net mit des Glaubens Worten, Zieht deine Schaar nach den vier Orten Der Welt hinaus und macht dir Bahn. 4. Und wo du kommest hergezogen, Da ebnen sich des Meeres Wogen, Es schweigt der Sturm, von dir bedroht. Du kommst, auf den empörten Triften Des Lebens neuen Bund zu stiften, Und schlägst in Fessel Sünd und Tod. 5. O Herr von großer Huld und Treue, O komme du auch 101. Er ist gekommen, er, Auf den die Väter harrten, Und länger dürfen wir Nun feines Andern warten, Er, der Propheten Wunsch, Den Könige so gern Sehn wollten, er ist da, Wir haben ihn zum Herrn! 81 jetzt aufs neue Zu uns, die wir sind schwer verstört! Noth ist es, daß du selbst hienieden Kommst, zu erneuen deinen Frieden, Dagegen sich die Welt empört. Mel. Nun danfet Alle Gott.( Matth. 11, 2-6. Luc. 10, 23 2c.) 2. Uns ist der Sohn geschenkt, Er, welcher kommen sollte, Der Völker Licht zu seyn, Der uns erlösen wollte; Er ist erschienen, dankt, Bringt Ruhm und Ehre her; Wer ist ein Helfer, wer Immanuel, als Er? 3. Gott ist mit uns! wir sehn Den Sohn, den Eingebornen, Des Vaters Herrlichkeit, Den Retter der Verlornen, Der Neuevollen Trost; Jhr Sünder, nehmt ihn an! Er ist allein der Herr, Der selig machen kann. 4. Gott ist mit uns! nun hört Evangelisches Gesangbuch. 6. O laß dein Licht auf Erden fiegen, Die Macht der Finsterniß erliegen, Und lösch der Zwietracht Glimmen aus; Daß wir, die Völker und die Thronen, Vereint als Brüder wie= der wohnen In deines großen Vaters Haus! Rückert, g. 1789. Der Arme seine Lehren, Und was er lehrt, ist Heil; Erists: die Tauben hören, Der Blinde sieht, und schaut Voll Dank zu Gott hinauf, Der Lahmen Füße gehn, Die Todten stehen auf. 5. Er ist gekommen, uns Dem Vater zu versöhnen Und mit Barmherzigkeit Die Gläubigen zu krönen. Gott ist mit uns! er will Die Traurigen erfreun, Er will der Schwachen Kraft, Der Müden Stärke seyn. 6. Gott ist mit uns! er ists, Auf den die Väter harrten; Lobsingt, wir dürfen nun Nicht eines Andern warten; Fr schließt den Himmel auf, Er nimmt die Sünder an; Frohlockt und betet ihn Und seinen Vater an! Eramer, g. 1723 † 1788. 6 V. Weihnachtlieder. V. Weihnachtlieder. Mel. Der Tag, der ist so.( Jef. 9, 6.) 102. Hallelujah! denn uns zu unser aller Heil Dieß Kind ist heut Ein göttlich Kind geboren; Von ihm kommt unsre Seligkeit, Wir wären sonst verloren. Am Himmel hätten wir nicht Theil, Wenn nicht( Original: Ein Kindelein, so löbelich ic. oder: Der Tag, der ist so freudenreich 2c. nach dem Lateinischen: Dies est laetitiae etc. mehr als hundert Jahre vor Luther bekannt.) geboren wäre. Liebster Heiland, Jesu Christ, Der du unser Bruder bist, Dir sey Lob, Preis und Ehre! 82 Mel. O daß ich tausend Jungen.( Tit. 2, 11-14.) 103. Dieß ist die Nacht,| in einer kurzen Zeit, Wird dieda mir erschienen Des großen Gottes Freundlichkeit; Das Kind, dem alle Engel dienen, Bringt Licht in meine Dunkelheit; Und dieses Welt- und Himmelslicht Weicht hunderttausend Sonnen nicht. ses Licht mit seinem Schein Dein Himmel und dein Alles seyn. 2. Laß dich erleuchten, meine Seele, Versäume nicht den Gnadenschein; Der Glanz aus dieser kleinen Höhle Streckt sich in alle Welt hinein, Er treibet weg der Trübsal Nacht, Der Sünden und des Todes Macht. 3. In diesem Lichte kannst du sehen Das Licht der klaren Seligkeit; Wenn Sterne, Sonn und Mond vergehen, Vielleicht 4. Laß nur indessen helle scheinen Dein Glaubens- und dein Lebenslicht! Mit Gott mußt du es treulich meinen, Sonst hilft dir diese Sonne nicht! Willst du genießen diesen Schein, So darfst du nicht mehr dunkel seyn. 5. Drum, Jesu, schöne Weihnachtsonne, Bestrahle mich mit deiner Gunst, Dein Licht sey meine Weihnachtwonne Und lehre mich die selge Kunst: Wie ich im Lichte wandeln soll Und sey des Weihnachtglanzes voll! Nachtenhöfer, g. 1624 † 1685. ( Ps. 118, 23. 24.) Mel. Vom Himmel hoch. 104. Dies ist der Tag, den Gott gemacht, Sein werd in aller Welt gedacht; Ihn preise, was durch Jesum Christ Im Himmel und auf Erden ist! 2. Die Völker haben dein geharrt, Bis daß die Zeit erfüllet ward; Da sandte Gott von seinem Thron Das Heil der Welt, dich, seinen Sohn. V. Weihnachtlieder. 3. Wenn ich dieß Wunder fas| 7. Gedanke voller Majestät, sen will, So steht mein Geist Du bist es, der das Herz ervor Ehrfurcht still, Er betet höht! Gedanke voller Seligan und er ermißt, Daß Gottes keit, Du bist es, der das Herz Lieb unendlich ist. erfreut! 4. Damit der Sünder Gnad erhält, Erniedrigst du dich, Herr der Welt, Nimmst selbst an unsrer Menschheit Theil, Erscheinst im Fleisch und wirst uns Heil. 5. Herr, der du Mensch geboren wirst. Immanuel und Friedefürst, Auf den die Väter hoffend sahn, Dich, Gott, mein Heiland, bet ich an! 6. Du, unser Heil und höchstes Gut, Vereineft dich mit Fleisch und Blut, Wirst unser Freund und Bruder hier, Und Gottes Kinder werden wir. 83 3. Sollte von uns seyn gekehret, Der sein Reich und zugleich Sich uns selbst besche8. Durch Eines Sünde fiel die Welt, Ein Mittler ists, der fie erhält; Was zagt der Mensch, wenn der ihn schüßt, Der in des Vaters Schoose fizt? 9. Jauchzt, Himmel, die ihr ihn erfuhrt, Den Tag der heiligsten Geburt, Und Erde, die ihn heute sieht, Sing ihm, dem Herrn, ein neues Lied! 10. Dieß ist der Tag, den Gott gemacht, Sein werd in aller Welt gedacht; Ihn preise, was durch Jesum Christ Im Himmel und auf Erden ist! Gellert, g. 1715 † 1769. Eigene Mel.( Luc. 2, 10. 11. Röm. 8, 31-34.) 105. Fröhlich soll mein| ret? Sollt uns Gottes Sohn Herze springen Dieser Zeit, Da vor Freud Alle Engel singen. Erd und Himmel, nehmts zu Ohren! Jauchzend ruft Alle Luft: Christus ist geboren! nicht lieben, Der erschien Und nimmt hin, Was uns will betrüben? 2. Sollt uns Gott nun können haffen, Der uns gibt, Was er liebt Ueber alle Maßen? Gott gibt, unfrem Leid zu wehren, Seinen Sohn Von dem Thron Seiner Macht und Ehren. 4. Er nimmt auf sich, was auf Erden Wir gethan, Gibt sich dran, Unser Lamm zu werden; Unser Lamm, das für uns stirbet Und bei Gott Für den Tod Leben uns erwirbet. 5. Nun, er liegt in seiner Krippen, Ruft zu sich Dich und mich, Spricht mit süßen Lippen:„ Lasset schwinden, liebe Brüder, Was euch quält, Was V. Weihnachtlieder. 84 euch fehlt, Ich bring Alles wieder." 6. Ei so kommt mit offnen Händen! Stellt euch ein, Groß und klein, Kommt von allen Enden! Liebt ihn, der vor Liebe brennet, Schaut den Stern, Der euch gern Licht und Labsal gönnet. 9. Die ihr arm seyd und elende, Kommt herbei, Füllet frei Eures Glaubens Hände! Hier sind alle gute Gaben Und das Gold, Dran ihr sollt Eure Herzen laben. 10. Süßes Heil, laß dich umfangen, Laß mich dir, Meine Zier, Unverrückt anhangen! Du bist meines Lebens Leben; Nun kann ich mich durch dich Wohl zufrieden geben. 11. Ich will dich mit Fleiß bewahren, Ich will dir Leben hier Und mit dir heimfahren. Mit dir will ich endlich schweben Voller Freud, Ohne Zeit, Dort im andern Leben. Gerhard, g. 1606 † 1676. Mel. Lobe den Herren, den mächtigen.( Jes. 49, 13.) 106. Jauchzet, ihr Himmel,| Sehet die Liebe, die ganz sich frohlocket in englischen Chören! Singet dem Herren, dem Heiland der Menschen, zu Ehren! Sehet doch da, Gott will so freundlich, so nah Zu den Verlornen sich kehren. als Liebe nun zeiget! Sie wird ein Kind, Trägt und vertilget die Sünd; Alles anbetet und schweiget. 2. Jauchzet, ihr Himmel! frohlocket, ihr Enden der Erden! Gott und der Sünder, die sollen zu Freunden nun werden. Friede und Freud Wird uns verkündiget heut, Freuet euch, Hirten und Heerden! 3. Sehet dieß Wunder, wie tief sich der Höchste geneiget; 7. Die ihr schwebt in großen Leiden, Sehet, hier Ist die Thür Zuden wahren Freuden. Faßt ihn wohl, er wird euch führen An den Ort, Da hinfort Euch kein Kreuz wird rühren. Machet heil Deine tiefsten Wunden. 8. Wer sich fühlt beschwert im Herzen, Wer empfind't Seine Sünd Und Gewissensschmerzen, Sey getrost, hier wird gefunden, Der in Eil 4. Gott ist im Fleische!- Wer kann dieß Geheimniß verstehen? Hier ist die Pforte des Lebens nun offen zu sehen! Tretetherzu, Sucht bei dem Sohne die Ruh, Die ihr zum Vater wollt gehen. 5. Hast du denn, Höchster, auch meiner noch wollen gedenken? Du willst dich selber, dein Herz voll Erbarmen, mir schenken? Weihnachtlieder. Sollt nicht mein Sinn Innigst| ohne dich bin ich verloren! sich freuen darin Und sich in Demuth versenken? Wohne in mir, Mach mich ganz Eines mit dir, Der du mich liebend erforen. 8. Menschenfreund Jesu! dich lieb ich, dich will ich erheben, Laß mich doch einzig nach deinem Gefallen nun streben; Herr, nimm mich hin, Hilf mir in kindlichem Sinn Ewiglich dir nur zu leben! V. 6. König der Ehren, aus Liebe geworden zum Kinde, Dem ich auch wieder mein Herz in der Liebe verbinde, Du sollst es seyn, Den ich erwähle allein; Ewig entfag ich der Sünde. 7. Trener Immanuel, werd auch in mir nun geboren! Komm, o mein Heiland, denn 85 Tersteegen, g. 1697 † 1769 Mel. Ach was soll ich Sünder.( Eph. 2, 5 2c. Sachar. 2, 10. Pf. 71, 22 2c.) wieder bei uns ein, Daß wir Menschen Gottes sey'n! 107. Freuet euch, erlöste| Bild, das wir verloren, Kehre Brüder, Denn des Vaters Wort und Licht, Das durch alles Dunkel bricht, Bringet das Verlorne wieder, Und in unser Fleisch und Bein Hüllet sich die Liebe ein! 2. Der die Himmel aufgebauet Und der Erde Grund gelegt, Der die Kreaturen trägt, Ward als Mensch wie wir ge= schauet; Er, der alle Welt erfüllt, Ward in Armuth eingehüllt. 4. Uns verlangt auf dieser Erden, Durch der Liebe Wunderkraft Zu des Lichtes Bürgerschaft Wiederum gebracht zu werden; Daß uns unser VaterlandKünftig wieder sev bekannt. 5. Nun, dein paradiesisch Leben Dringet wieder in uns vor, Und der Wille geht empor, Deinen Namen zu erheben; Nun in dir wir können ruhn, O wie 3. Werde auch in uns geboren, Und erleuchte du uns ganz, Oselig sind wir nun! du ewig heller Glanz; Und dein Richter, g. 1676 † 1711. Mel. Nun lob, mein Geel.( Luc. 2, 10: c. 1 Job. 5, 11: c. 1 Cor. 15, 58.) 108. VomGrab, an dem wir| es, erlöst zu seyn! Zum Heiwallen, Soll, Jesu Christ, dein Lobgesang Emporzum Himmel schallen; Dir opfre jede Seele Dank! Und jeder der Gebornen Erfreu fich, Mensch zu seyn; Und jeder der Verlornen Rühm land uns gegeben Erschienst du, Gottes Sohn: Mit dir erschien das Leben, Mit dir des Himmeis Lohn. 2. Kommt, laßt uns niederfallen Vor unsrem Mittler, 86 V. Weihnachtlieder. Jesus Christ, Und danken, daß| Vernimm die Lobgesänge, Die er Allen Erretter, Freund und Bruder ist. Er, gleich der Morgensonne Mit ihrem ersten Strahl, Verbreitet Licht und Wonne Und Leben überall. Durch ihn kommt Heil und Gnade Auf unsre Welt herab, Er segnet unsre Pfade Durchs Leben bis zum Grab. dir dein Volk im Staube bringt! Auch du warst einst auf Erden, Was deine Brüder sind, Ein Dulder der Beschwerden, Ein schwaches Menschenkind. O laß auch uns auf Erden Dir gleich gesinnet seyn, Bis wir einst himmlisch werden und dein uns ewig freun. 3. Frohlockt, ihr Mitgenossen Der Erde und der Sterblichkeit! Uns ist nun aufgeschlossen Der Eingang zu der Herrlichkeit. Auf unsre Erd hernieder Kam Gottes ewger Sohn; Nun hebt er seine Brüder Empor zu Gottes Thron. Er war das Heil der Sünder Und der Verlornen Hort; Nun sind sie Gottes Kinder, Und Gottes Erben dort. 4. O du, dem jetzt die Menge Der Engel und Verklärten fingt, Sturm, g. 1740 † 1786. Mel. O Gott, du frommer.( Joh. 1, 1-14.) nicht von dir Abweichen, schönstes Licht! 3. Du wesentliches Wort Warst bei Gott, eh geleget Der Grund der großen Welt, Da sich dein Herz beweget Zur Liebe gegen mich. Und weil du selber Gott, So machst du in dem Fleisch Sünd, Höll und Tod zu Spott. 109. Du wesentliches Wort, Vom Anfang her gewesen, Du Gott, von Gott gezeugt, Von Ewigkeit erlesen Zum Heil der ganzen Welt, O mein Herr Jesu Christ, Willkommen, der du mir zum Heil geboren bist! 5. Bald sind wir zu dem Lohne Der Himmelsbürger dort erhöht, Dann sind wir nah dem Throne Und schauen deine Majestät. Nicht mehr aus dunkler Ferne Dringt dann der Dank zu dir, Weit über Sonn und Sterne Erhaben, jauchzen wir, Und mit der Himmel Heere Schallt unser Lobgefang: Dem Ewigen sey Ehre, Dem Welterlöser Dank! 2. Komm, o selbständigsWort, Und sprich in meiner Seele, Daß mirs in Ewigkeit Am Troste nimmer fehle. ImGlauben wohn in mir Und weiche von mir nicht; Laß mich auch 4. Was hat, o Jesu, dich Von Anfang doch bewogen? Was hat vom Himmelsthron Dich in die Welt gezogen? Ach deine große Lieb und meine große V. Weihnachtlieder. Noth Hat deine Gluth entflammt, Die stärker als der Tod. 5. Du bist das Wort, wodurch Die ganze Welt vorhanden, Und alle Dinge sind Durch dich zum Licht erstanden. Ach so bin ich, mein Heil, Auch dein Geschöpf und Gab, Der ich ja, was ich bin, Von dir empfangen hab. 6. Gib, daß ich dir zum Dienst Mein ganzes Herz ergebe, Auch dir allein zum Preis Auf dieser Erde lebe; Ja, Jesu, laß mein Herz Ganz neu geschaffen seyn Und dir bis in den Tod Gewidmet seyn allein! 87 Und 7. Laß nichts mehr in mir seyn, Was du nicht selbst geschaffen, Reut alles Unkraut aus brich des Feindes Waffen. Das Bös ist nicht von dir, Es hats der Feind gethan; Du aber führe Herz Und Fuß auf ebner Bahn. 2. Was sein erbarmungsvoller Rath Schon in der Ewigkeit Zu unsrem Heil beschlossen hat, Vollführt er in der Zeit. 3. Er, unser Freund und bestes Gut, Der Alle segnen kann, Des Höchsten Sohn nimmt Fleisch und Blut, Doch ohne Sünde an. Mel. Lobt Gott, ihr Christen.( Job. 3, 16.) 110. Also hat Gott die Welt| sten, wirst Auch mir durch Rath geliebt, Daß er aus freiem Trieb Uns seinen Sohn zum Heiland gibt; Wie hat uns Gott so lieb! und That Ein Helfer und mein Friedefürst Auf dieses Lebens Pfad. 6. Was mir zum Seligseyn gebricht, Schafft deine Lieb auch mir: Verfühnung, Leben, Trost und Licht; Wie viel hab ich an dir! 4. Ich freue mich, mein Heil, in dir, Du wirst ein Mensch wie ich, Daß ich mit Gott sey, Gott mit mir; Wie sehr beglückst du mich! 5. Du, Sohn des Allerhöch8. Das Leben ist in dir Und alles Licht des Lebens; Laß an mir deinen Glanz, Mein Gott, nicht seyn vergebens; Weil du das Licht der Welt, Sey meines Lebens Licht, O Jesu, bis mir dort Dein Sonnenlicht anbricht! Laurentii, g. 1660 † 1722. 7. Dein Mangel wird mein reiches Theil, Dein Leiden stillt mein Leid; Durch deine Demuth, Herr, mein Heil, Gewinn ich Herrlichkeit. 8. Gelobt sey Gott, gelobt sein Sohn, Durch den er Gnad erweist! Lobt, Engel, ihn vor seinem Thron, Erheb ihn auch, mein Geist! Heder, g. 1699 † 1743. 88 V. Weihnachtlieder. Eigene Mel.( 2 Cor. 8, 9.) 111. Gelobet feyst du, Jesu| des Lichtes Kinder macht. Hallelujah! Christ, Daß du Mensch geboren bist, Von einer Jungfrau, das ist wahr; Deß freuet sich der Engel Schaar. Hallelujah! 2. Des ewgen Vaters einig Kind Jetzt man in der Krippe find't. In unser armes Fleisch und Blut Verkleidet sich das ewig Gut. Hallelujah! 5. Der Sohn des Vaters, Gott von Art, Ein Gast in der Welt hie ward; Er führt uns aus dem Jammerthal Und macht uns Erben in sein'm Saal. Hallelujah! 3. Den aller Weltkreis nie beschloß, Der liegt in Marien Schoos; Er ist ein Kindlein worden klein, Der alle Ding erhält allein. Hallelujah! 4. Das ewig Licht geht da herein, Gibt der Welt ein'n neuen Schein; Es leucht't wohl mitten in der Nacht Und uns 2. Wir singen dir mit deinem Heer Aus aller Kraft Lob, Preis und Ehr, Daß du, o langgewünschter Gast, Dich nunmehr eingestellet hast! Hallelujah! 6. Er ist auf Erden kommen arm, Daß er unser sich erbarm Und in dem Himmel mache reich und seinen lieben Engeln gleich. Hallelujah! Eigene Mel.( Luc. 10, 23. 24. Pf. 53, 7.) 112. Wir singen dir, Im-| Väter und Propheten Schaar. manuel, Du Lebensfürst und Hallelujah! Gnadenquell, Du Himmelsblum und Morgenstern, Du Sohn der Jungfrau, Herr der Herrn! Hallelujah! 4. Vor Andern hat dein hoch begehrt Der Hirt und König deiner Heerd, Der Mann, der dir so wohl gefiel, Wenn er dir sang auf Saitenspiel. Hallelujah! 3. Von Anfang, da die Welt gemacht, Hat manches Herz nach dir geschmacht't, Dich hat gehofft so lange Jahr Der 7. Das hat er alles uns gethan, Sein groß Lieb zu zeigen an; Deß freu sich alle Christenheit Und dank ihm deß in Ewigkeit. Hallelujah! Luther, g. 1483 † 1546. 5. ,, Ach daß der Herr aus Zion käm Und unsre Bande von uns nähm; Ach daß die Hilfe bräch herein, So würde Jakob fröhlich seyn!" Hallelujah! 6. Nun, du bist hier, da liegest du, Hältst in der Krippe V. Weihnachtlieder. 89 deine Ruh; Bist klein, und ist klein, Doch wird dir nicht machst doch Alles groß, Be- zuwider seyn Mein armesHerz; kleid'st die Welt, und kommst und was es kann, Wirst du in doch bloß. Hallelujah! Gnaden nehmen an. Hallelujah! 7. Du kehrst in fremder Wohnung ein, Und sind doch alle Himmel dein; Du liegst an einer Menschenbrust, Und bist doch aller Engel Lust. Hallelujah! 8. Du bist der süße Menschenfreund, Doch sind dir so viel Menschen feind; Herodes achtet dich für Greul, Und bist doch nichts als lauter Heil. Hallelujah! 9. Ich aber, dein geringster Knecht, Ich sag es frei und mein' es recht: Ich liebe dich, doch nicht so viel, Als ich dich gerne lieben will. Hallelujah! 10. Der Will ist da, die Kraft 11. Und bin ich gleich der Sünde voll, Hab ich gelebt nicht, wie ich soll,- Ei, kommst du doch deßwegen her, Daß sich der Sünder zu dir kehr! Hallelujah! 2. Da ich noch nicht geboren war, Da bist du mir geboren, Und hast mich dir zu eigen gar, Eh ich dich kannt', erkoren; Eh ich durch Gottes Hand gemacht, Hat er schon bei sich selbst be12. So faff ich dich nun ohne Scheu, Du machst mich alles Jammers frei, Du trägst den Zorn, erwürgst den Tod, Verkehrst in Freud all Angst und Noth. Hallelujah! 13. Ich will dein Hallelujah hier Mit Freuden singen für und für, Und dort in deinem Ehrensaal Solls schallen ohne Zeit und Zahl: Hallelujah! Gerhard, g. 1606 † 1676. Mel. Allein Gott in der Höh.( Tob. 9, 2. 2 Tim. 1, 9. 10.) 113. Ich steh an deiner| dacht, Wie du mein solltest Krippe hier, O Jesu, du mein werden. Leben! Ich komme, bring und schenke dir, Was du mir hast gegeben; Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn, Herz, Seel und Muth, nimm Alles hin Und laß dirs wohlgefallen! 3. Ich lag in tiefster Todesnacht; Du wareft meine Sonne, Die Sonne, die mir zugebracht Licht, Leben, Freud und Wonne. O Sonne, die den werthen Schein Des Glaubens schickt ins Herz herein, Wie schön sind deine Strahlen! 4. Ich sehe dich mit Freuden an Und kann nicht fatt mich sehen, Und weil ich nun nicht weiter kann, So bleib ich fin 90 V. Weihnachtlieder. nend stehen. O daß mein Sinn| selbsteignes Herzeleid, Das ein Abgrund wär Und meine will ich dir nicht wehren. Seel ein weites Meer, Daß ich dich möchte fassen! 5. Wenn oft mein Herz vor Kummer weint Und keinen Trost kann finden, Rufst du mir zu: ich bin dein Freund, Ein Tilger deiner Sünden, Dein Fleisch und Blut, der Bruder dein, Du sollst ja guter Dinge seyn, Ich fühne deine Schulden." 7. Eins aber, hoff ich, wirst du mir, Mein Heiland, nicht versagen: Daß ich dich möge für und für In meinem Herzen tragen. So laß es deine Wohnung seyn, Komm, komm und kehre bei mir ein Mit allen deinen Freuden! 6. Du fragest nicht nach Lust der Welt, Noch nach des Leibes Freuden; Du hast dich bei uns eingestellt, An unsrer Statt zu leiden, Suchst meiner Seele Herrlichkeit Durch dein Mel. Schwingt, heilige Gedanken. 114. Der heilge Christ ist kommen, Der theure Gottessohn; Deß freun sich alle Frommen Am höchsten Himmelsthron. Auch was auf Erden ist, Soll preisen hoch und loben Mit allen Engeln droben Den lieben, heilgen Christ. 2. Das Licht ist aufgegangen, Die lange Nacht ist hin; Die Sünde liegt gefangen, Erlöst ist Herz und Sinn. Die Sündenangst ist weg, Der Glaube geht zum Himmel Nun aus dem Weltgetümmel Auf einem sichern Steg. 8. Zwar sollt ich denken, wie gering Ich dich empfangen werde: Du bist der Schöpfer aller Ding, Ich bin nur Staub und Erde! Doch bist du ein so frommer Gast, Daß du noch nie verschmähet hast Den, der sein Herz dir öffnet. Gerhard, g. 1606 † 1676. ( 1 Joh. 1, 7. Luc. 14, 16-24.) 3. Nun sind nicht mehr die Kinder Verwaist und vaterlos; Gott rufet selbst die Sünder In seinen Gnadenschoos. Er will, daß Alle, rein Von ihrem alten Schaden, Vertrauend seinen Gnaden, Gehn in den Himmel ein. 4. Drum freut euch hoch und preiset, Ihr Seelen, fern und nah! Der euch den Vater weiset, Der heilge Christ ist da! Er ruft euch insgemein Mit süßen Liebesworten: ,, Geöffnet sind die Pforten, Ihr Kinder, kommt herein!" E. M. Arndt, g. 1769. Erscheinung Christi. Erscheinung Christi. Mel. Ach was soll ich Sünder.( Matth. 2, 1-12.) 115. Wer im Herzen will| rücke, Die nur fragen in der Welt: Wo ist Reichthum, Gut und Geld? Wo ist Ansehn bei dem Glücke? Wo ist Wollust, Ruhm und Ehr? Und nach solcher Thorheit mehr. erfahren Und darum bemühet ist, Daß der König Jesus Christ Sich in ihm mög offenbaren, Der muß suchen in der Schrift, Bis er diesen Schaß antrifft. 2. Er muß gehen mit den Weisen, Bis der Morgenstern aufgeht Und im Herzen stille steht, So kann man sich selig preisen, Weil des Herren Angesicht Glänzt von Klarheit, Recht und Licht. 3. Denn wo Jesus ist geboren, Da erweiset sich gar bald Seine göttliche Gestalt, Die im Herzen war verloren; Seine Klarheit spiegelt sich In der Seele kräftiglich. 4. Alles Fragen, alles Sagen Wird von diesem Jesu seyn Und von dessen Gnadenschein, Dem sie fort und fort nachjagen, Bis die Seele in der That Diesen Schatz gefunden hat. 5. Ach wie weit sind die zuEigene, Mel.( Jes. 60, 1. 116. Werde Licht, du Volk der Heiden! Werde Licht, Jerusalem! Dir geht auf ein Glanz der Freuden Vom geringen Bethlehem. Er, das Licht und Heil der Welt, Christus hat sich eingestellt. 91 6. Ja unselig sind die Herzen Und in ihrem Wandel blind, Die also beschaffen sind, Weil sie diesen Schatz verscherzen Und erwählen einen Schein, Der nichts hilft in Todespein. 7. Jesu! laß mich auf der Erden Ja nichts suchen, als allein, Daß du mögest bei mir seyn, Und ich dir mög ähnlich werden In dem Leben dieser Zeit Und in jener Ewigkeit. 8. Nun so will ich mit den Weisen, Welche die verkehrte Welt Höhnet und für Thoren hält, Dich anbeten, rühmen, preisen, Liebster Jesu, und vor dir Treulich wandeln für und für! Flittner, g. 1618 † 1678. Joh. 1, 11. Cap. 8, 12.) 2. Ehe dieses Licht erschienen, Das die Völker wünschten, lag Dicke Finsterniß auf ihnen; Doch uns scheinet lichter Tag, Und ein strahlenvoller Stern Führt uns sicher zu dem Herrn. 3. Aber ach! von deinem Volke 92 V. Weihnachtlieder. Unser Glaub umfasset dich. Wirst du, Heiland, nicht er-| keit! Unsre Kniee beugen sich, kannt, Und des Irrthums finstre Wolke Ueberschattet noch dein Land; Ueber Salem strahlt dein Licht, Aber Salem kennt dich nicht. 7. Auf des Lebens Pfad geleite Täglich uns dein Geist und Wort; Gib uns Muth zum guten Streite, Daß wir siegen fort und fort, Stets an deiner Seite gehn, Nie verzagend stille stehn. 4. Weise kommen anzubeten, Auch Herodes fragt nach dir, Aber fragt nur, dich zu tödten, Wo du seyst, voll Blutbegier; Gern vergösse seine Wuth, O du Herr der Welt, dein Blut! 5. Ach verwerfet doch, ihr Sünder, Den nicht, der euch retten kann; Kommt und werdet Gottes Kinder, Betet euren König an! Eilt zu ihm und fäumet nicht, Macht euch auf und werdet Licht! 6. Nun wir eilen mit Verlangen, Dich zu ehren, sind bereit, Dich, o Heiland, zu empfangen; Zeig uns deine Herrlich-| 8. In des Leidens Finsternissen Leucht uns deines Trostes Licht! Ach in unsern Kümmernissen, Jesu, ach verlaß uns nicht, Bis uns in der Ewigkeit Deines Lichtes Glanz erfreut! 9. Wandern wir im finstern Thale Endlich näher hin ans Grab, Dann sey unser Licht und strahle Himmelstroft auf uns herab, Daß wir ohne Furcht und Graun Unfrem Tod entgegen schaun. Mudre, g. 1736+ 1810. B. 7 3usak. Mel. Lobt Gott ihr Christen.( Matth. 2, 1-12.) 117. Auf, Seele, auf und| vids Stamm, Der alle Feinde säume nicht! Es bricht das Licht herfür; Der Wunderstern gibt dir Bericht, Der Held sey vor der Thür. schlägt; Er ist das theure Gotteslamm, Das unsre Sünde trägt. 2. Geh aus von deinem Vaterland, zu suchen solchen Herrn; Laß deine Augen seyn gewandt Auf diesen Morgenstern. 5. Drum mache dich behende auf, Befreit von aller Last, Und laß nicht ab von deinem Lauf, Bis du dieß Kindlein hast. 3. Gib Acht auf diesen hellen Schein, Der aufgegangen ist, Er führet dich zum Kind hinein, Das heißet Jesus Christ. 6. Halt dich im Glauben an das Wort, Das fest ist und gewiß; Das führet dich zum Lichte fort Aus aller Finsterniß. 7. Drum sinke nur vor seinem Glanz In tiefste Demuth ein, 4. Er ist der Held aus Da Darstellung Christi. 93 Und laß dein Herz erleuchten| ses Pfort, Die wieder offen ganz Von solchem Freuden- steht. schein. 8. Bring willig ihm zum Opfer dar Dich selbst mit Leib und Seel, Und singe mit der Engel Schaar:„ Hier ist Immanuel!" 9. Hier ist das Ziel, hier ist der Ort, Wo man zum Leben geht; Hier ist des Paradie118. Herr Jesu, Licht der| Heiden, Der Frommen Schaß und Lieb! Wir kommen jetzt mit Freuden Durch deines Geistes Trieb In diesen deinen Tempel Und suchen mit Begier, Nach Simeons Erempel, Dich, Gottes Sohn, allhier. Darstellung Christi. Mel. Valet will ich.( Luc. 2, 25-32.) 2. Du wirst von uns gefunden, O Herr, an jedem Ort, Wo man mit dir verbunden Durch dein Verheißungswort; Vergönnst noch heut zu Tage, Daß man dich gleicherweis' Auf Glaubensarmen trage, Wie hier der fromme Greis. 10. Hier fallen alle Sorgen hin, ZurLuft wird jede Pein; Es wird erfreuet Herz und Sinn, Denn Gott ist wieder dein! 3. Sey unsre Hilf und Wonne, Ein lindernd Del in Pein, Im Dunkeln unsre Sonne, Im Kreuz ein Gnadenschein, In Zagheit Gluth und Feuer, In Noth ein Freudenstrahl, In Banden ein Befreier, Ein Stern in Todesqual! 11. Der zeigt dir einen andern Weg, Als du vorhin gekannt: Den stillen Ruh- und Friedenssteg Zum ewgen Vaterland. Mich. Müller, g. 1673 † 1704. 4. Herr! laß uns auch gelingen, Daß einst, wie Simeon, Ein jeder Christ kann singen Den süßen Schwanenton: ,, Mir werden nun im Frieden Die Augen zugedrückt, Nachdem ich schon hienieden Den Heiland hab erblickt." 5. Ja, ja ich hab im Glauben, Mein Jesu, dich geschaut; Kein Feind kann mich dir rauben, Dräut er auch noch so laut. Ich wohn in deinem Herzen Und in dem meinen du, Uns scheiden keine Schmerzen, Nicht Angst noch Tod dazu! 6. Hier will es oft mir scheinen, Du sehst mich strafend an, Daß ich vor Angst und Weinen Dich kaum erkennen kann; Dort aber wirds geschehen, Daß ich von Angesicht Zu Angesicht soll sehen Dein immer klares Licht. Job. Frand, g. 1618 † 1677. 94 VI. Lehramt und Wandel Jesu. Eigene Mel.( Luc. 2, 22 c. Rom. 13, 11. 12.) nach dem Himmel sehnt, Der opfert rechte Gaben. 119. Wohlauf, mein Herz,| Welt entwöhnt, Aus ihr sich verlaß die Welt, Dem, der für dich sich dargestellt, Nun dich auch darzustellen! Er ist das Licht, drum sey gewiß, Er wird auch deine Finsterniß Durch seinen Glanz erhellen. 2. Ach du sollst ihm ein Tempel seyn! Er selbst macht dich von Sünden rein Und hat Lust, hier zu wohnen; Doch, finstres Herz, auf, werde Licht! Denn Jesus wohnt in Seelen nicht, Die ihrer Lüste schonen. C 4. Wer auf die Treue Gottes baut, Im Glauben seinen Heiland schaut, Der kann im Frieden fahren. Der Heiland hält, was er verspricht, Er wird sich ihm in seinem Licht Dort herrlich offenbaren. 4. Nun endlich fährt im Frieden Von hinnen Simeon; Und 5. Herr! mache mich gerecht und rein Und laß mich stets voll Glauben seyn, Um heilig dir zu leben, Bis du auch mich, wann dirs gefällt, Im Frieden wirst aus dieser Welt zu deiner Wonn erheben. Joh. Ad. Schlegel, g. 1721+ 1793. 3. Wer dich begehret, Gottessohn, Vom Geist erweckt, wie Simeon, Zu seinem Heil zu haben, Gott fürchtet, sich der VI. Lehramt und Wandel Jesu. Mel. Uch sey mit deiner Gnade.( Luc. 2, 41-52. Matth. 3, 17.) 120. Der niedern Mensch-| Hanna rühmt hienieden Von heit Hülle Trägt er, des Men- Gottes Trost und Lohn. schen Sohn; Doch wohnt in ihm die Fülle Der ganzen Gottheit schon. 2. Er wandelt hier auf Erden Nicht mächtig und nicht reich, Und duldet viel Beschwerden, Doch ist er Gott schon gleich. 3. Der Engel heilge Chöre Thun sein Erscheinen kund; Da opfert Dank und Ehre Der Hirten Herz und Mund. 5. Auch bringen aus der Ferne Die Weisen, wunderbar, Geführt von einem Sterne, Gold, Weihrauch, Myrrhen dar. 6. Und vor Herodis Morden Ist in Egyptenland Das Kind errettet worden Durch Gottes starke Hand. 7. Schon zeigt sich in dem Knaben Die Gnade mannigfalt; Ihm leuchten Gottes Gaben Aus Antlig und Gestalt. 8. Wie Gottes Wohlgefallen VI. Lehramt und Wandel Jesu. 95 Den Heiligen umgibt! Wie| Mit muntrem Sinn und geht von den Menschen allen Der Hinab zur armen Hütte Im Holde wird geliebt! kleinen Nazareth. 9. Wie wundern sich dielehrer, Als er zum Tempel eilt Und in dem Kreis der Hörer Mit ernstem Fleiße weilt! 10. Wie preist an jenem Tage So mancher den Verstand, Den man in jeder Frage, In jeder Antwort fand! 11. Wohl ruft am dritten Morgen Ihn dort die Mutter an: „ Warum, zu schweren Sorgen, Hast du uns das gethan?" 12. Er spricht aus heilgem Wissen:„ Wie kommts, daß ihr nicht wißt, Daß ich in dem seyn müssen, Das meines Vaters ist?" 13. 3war seine Eltern beede Verstunden nicht das Wort, Doch stille trug die Rede Maria mit sich fort. 14. Er folget ihrem Schritte 15. Er bleibt nach Gottes Willen Den Eltern unterthan, Und wächset so im Stillen Zum großen Werk heran. 16. O lernet Lernbegierde Und Gottesfurcht allda Und jeder Tugend Zierde, Ihr Kinder, fern und nah! 17. Wohl dem, der Gottes Wege In jungen Jahren geht Und nie zum Guten träge, Nie müd ist zum Gebet. 18. Und bist du groß erzogen, So bleibe wie dieß Kind, Daß Engel dir gewogen, Dir hold die Menschen sind. 19. Gehorche Jesu Lehre, So wird die Jugend rein, Dein Alter Glück und Ehre, Dein Ende selig seyn. Nach Feddersen; vermehrt. Mel. Höchster Formirer.( Job. 13, 1. 1 Joh. 4, 19.) 121. Jesu, du Sohn der| schränkt; Wunder! Der Herr unendlichen Liebe, Göttlicher Freund in der Sterblichen Reihn! Sind es doch ganz unerforschliche Triebe, Die dich den Sündern zum Eigenthum weihn. Sie zu versöhnen Und sie zu krönen, Stellst du bei Menschen als Bruder dich ein. 2. Wunder! das Wort ist nun Abrahams Sprosse, Von der Vergänglichkeit menschlich um-| Gaben gezollt. Daß wir uns ist der Armuth Genosse, Der den Gefallnen das Himmelreich schenkt. Uneingeladen Wehrt er dem Schaden, Der die Verirrten zum Abgrund versenkt. 3. Kaum in die Linnen des Elends gewunden, Sah ihn sein Bethlehem freundlich und hold, Wie ihm in heiligen, nächtlichen Stunden Forschende Weise die 96 VI. Lehramt und Wandel Jesu. nahen, Jesum empfahen, Ists,| Liebe wars, die dich am Abend was der Stern ob der Hütte gewollt. erfüllte, Als du dich, deiner Verklärung bewußt, Dienend bemühtest, Aufgeschürzt knietest Sündern zu Füßen; o beilige Luft! 7. Liebe, du dientest, du schmachteteſt, warbest, Als dich am Delberg die Hölle geschreckt. Liebe, du liebtest, du littest und starbest Nackt und mit Dornen und Schande bedeckt, Da du, verlassen, Noch im Erblassen Offene Arm' uns entgegengestreckt. 4. Heil sey dir, daß du die Jahre durchlaufen, Die dich in Demuth und Sanftmuth geübt! Herzen der Sünder für dich zu erkaufen, Hast du geduldet, geheilt und geliebt. Derer, die fragten, Derer, die klagten, Hast du nicht Einen verschmäht und betrübt. 5. Wunder erzeigen und Gnaden verbreiten Machte dich müde, doch ohne Verdrieß. Heil auf Verbannte und Zöllner zu leiten, Däuchte dir unter Verlästrungen süß, Bis die Verschwörung Und die Empörung Dich als ein Schlachtschaf zur Marter verstieß. 8. Laß es mich, Heiligster, nimmer vergessen, Was du schon sterbend für Liebe geübt! Laß es in Andacht mich stündlich ermessen, Daß du für mich dich zu Tode betrübt; Laß mich dich lieben, Dir, Herr, verschrieben, Der du mich, eh ich dich kannte, geliebt! Lehmus, g. 1707 † 1788. Mel. Wachet auf! ruft.( Joh. 13, 15. Cap. 14, 13. 14.) 122. Heiligster Jesu, Heil- 2. O stiller Jeſn, wie dein gungsquelle, Mehr als Kry- Wille Dem Willen deines Vastall rein, klar und helle, Duters stille Und bis zum Tod gelautrer Strom der Heiligkeit! horsam war, So mache du Der Glanz der hohen Cherubi- auch gleichermaßen Mein Herz nen, Die Heiligkeit der Sera- und Willen dir gelassen, Ach phinen Ift gegen dich nur Dun- stille meinen Willen gar! Mach felheit. Ein Vorbild bist du mich dir gleich gesinnt, Wie ein mir; Ach bilde mich nach dir, gehorsam Kind, Stille, stille; Du mein Alles! Jesu, hilf du, Jesu, hilf du, Hilf mir dazu, Hilf mir dazu, Daß ich auch Daß ich fein stille sey wie du! heilig sey, wie du! 3. Wachsamer Jesu, ohne 6. Noch da dich Schauer des Todes umhüllte, Schlug dir vor Liebe die seufzende Brust; VI. Lehramt und Wandel Jesu. 97 Schlummer, In großer Arbeit,| Vaters Haus. Mein Heiland, Müh und Kummer Bist du gewesen Tag und Nacht! Du mußtest täglich viel ausstehen, Des Nachts lagst du vor Gott mit Flehen, Du haft gebetet und gewacht. Gib mir auch Wachsamkeit, Daß ich zu dir allzeit Wach und bete. Jesu, hilf du, Hilf mir dazu, Daß ich stets wachsam sey, wie du! 4. Gütigster Jesu, o wie gnädig, Wie liebreich bist du, wie gutthätig, Selbst gegen Feinde wie gelind! Dein Sonnenlicht erscheinet Allen, Dein Regen muß auf Alle fallen, Ob sie dir gleich undankbar sind. Mein Gott, ach lehre mich, Damit hierinnen ich Dir nacharte; Jefu, hilf du, Hilf mir dazu, Daß ich auch gütig sey wie du! 5. Du sanfter Jesu, warst unschuldig, Und litteft alle Schmach geduldig, Vergabst und ließst nicht nachgier aus! Niemand kann deine Sanftmuth messen, Bei der kein Eifer dich gefressen, Als der um deines ach verleih Mir Sanftmuth und dabei Guten Eifer; Jesu, hilf du, Hilf mir dazu, Daß ich sanftmüthig sey, wie du! 6. Würdigster Jesu, Ehrenkönig, Du suchtest deine Ehre wenig Und wurdest niedrig und gering; Du wandeltest ertieft auf Erden, In Demuth und in Knechtsgeberden, Erhubst dich selbst in keinem Ding: Herr, solche Demuth lehr Auch mich je mehr und mehr Stetig üben; Jesu, hilf du, Hilf mir dazu, Daß ich demüthig sey, wie du! 7. Nun liebster Jesu, liebstes Leben, Mach mich in Allem dir ergeben und deinem heilgen Vorbild gleich! Gib, daß dein Geist mich ganz durchdringe, Daß ich viel Glaubensfrüchte bringe Und tüchtig werd zu deinem Reich. Ach zeuch mich ganz zu dir, Behalt mich für und für, Treuer Heiland! Jesu, hilf du, Laß mich wie du Und wo du bist, einst findenRuh! Arnold, g. 1665 † 1714. Mel. Wachet auf! ruft.( 1 Joh. 2, 6. 2 Timoth. 1, 13. 14.) 123. Gläubiger Jesu! auf Herr! ich vertraue dir; Nur Vertrauen Wollt'st du dein bitt ich: schenke mir Deinen Reich alleine bauen, Das dir Glauben, Jesu, Jesu, Hilf mir der Vater zugesagt. Von außen, dazu, Daß ich so gläubig sey, innen ganz beraubet, Hast du wie du! doch stille fortgeglaubet Und 2. O armer Jesu! reich an bliebst im Zagen unverzagt. Gaben, Wollt'st du doch selber Evangelisches Gesangbuch. 7 VI. Lehramt und Wandel Jesu. 98 Mangel haben, Warst in der Welt gering und klein; Nun, Herrscher Himmels und der Erden, Ich will, um reich in dir zu werden, Ja gern der Allerärmste seyn. Was Armuth an dem Geist In deinem Worte heißt, Sey mein Reichthum. Jesu, Jesu, Hilf mir dazu, So willig arm zu seyn, wie du! 3. Trauernder Jesu! deine Seele, Voraus gesalbt mit Freudenöle, Ward doch betrübt bis in den Tod. Hilf, daß ich mich mit Zittern freue, Mein Trauern stille Freude seye; Das beste Brod ist Thränenbrod. Es ist fürs Trauerkleid Ein weißes schon bereit Deinen Treuen. Jesu, Jesu, Hilf mir dazu, Daß ich im Trauern sey, wie du! 4. Friedfertger Jesu! in dem Frieden, Den du den Deinen nur beschieden, Liegt für den Geist vollkommne Ruh. Nur ein in dir versöhnt Gewissen Kann recht in Liebe Frieden schließen, Und solchen Siegern rufst du zu: Mein Friede sey mit dir! Im Frieden komm zu mir, Kind des Friedens! Jesu, Jesu, Hilf mir dazn, Daß ich den Frieden lieb', wie du! 5. Treuester Jesu, ewge Wahrheit, Du lautres Herz voll Liebesklarheit, Nicht unser ganzes Herz zu dir! Nichts Falsches hast du je erzeuget, Der Held in Israel nicht leuget; Dein Ja ist Amen für und für; Mach mich einfältig, treu, Ohn' Arg und Heuchelei, Ganz durchläutert! Jesu, Jesu, Hilf mir dazu, Daß ich wahrhaftig sey, wie du! 6. Schweigender Jesu! falsche Zeugen Hast du mit unerschrocknem Schweigen Und ohne Antwort widerlegt. Ich kann nicht schweigen, wie ich wollte, Ich schweige, wenn ich reden sollte Und werd oft gar zum Zorn bewegt. Ach gib mir deinen Sinn, Wenn ich verleumdet bin, Daß ich schweige. Jesu, Jesu, Hilf mir dazu, Daß ich auch schweigen mag, wie du! 7. Freundlichster Jesu! zu erquicken Mit Werken, Worten und mit Blicken, War stets dein liebreich Herz bedacht. Den Jüngern wuschest du die Füße Und heiltest freundlich schnell die Risse, Die Satan unter fie gemacht. Du bringst durch Einen Blick In Petri Herz zurück Seinen Glauben. Jesu, Jesu, Hilf mir dazu, Daß ich so freundlich sey, wie du! 8. Jesu, Lamm Gottes! für uns Sünder, Für uns verlorne Adamskinder Vergoffest du dein heilig Blut; Kein Engel, Seraph, die dir dienen, konnt VI. Lehramt und Wandel Jesu. 99 unsre Missethat verfühnen, Du| der Hirt der Schafe bist. Das kamst, du starbst, machst Alles gut. Dein Blut nur reinigt mich, Drum heißest du auf dich Stets mich schauen. Jesu, Jesu, Hilf mir dazu, Daß ich in deinem Tode ruh! 9. Herrlicher Jesu! lanter Freude Wächst, grünt und quillt auf jener Waide, Da du Mel. Gott sey Dank in aller 124. Jesus Christus gab sich uns Selbst zum Vorbild alles Thuns, Sein Wort stellet ihn uns dar: Ich soll seyn, wie Jesus war. 2. Sein Verlengnen lehrt mich klein, Seine Demuth niedrig seyn; Seine Sanftmuth: stete Huld; Sein Gehorsam: die Geduld. 3. Wie er ohne Haß geliebt, Stets getröstet, nie betrübt Und auch Feinden Guts gethan, Weist er mich zu gleichem an. 4. Wenn er Gottes Willen that, Wenn er stets zum Vater bat, Wenn er nichts als Wahrheit sprach, Heißt das: folge du mir nach! Brod des Lebens soll der haben, Das Lebenswaffer soll den laben, Der durch dein Blut gereinigt ist. Laß mich seyn einen Gast, Den du berufen hast, Dort zu wohnen; Mein ganzer Sinn Steht nur dahin; Hilf, daß ich ewig bei dir bin! Phil. Fr. Rieger, g. 1723 t 1782. und Phil. Dav. Burk, g. 1714 † 1782. Welt.( 1 Petri 21-25.) 7. Lieber Meister, lehr mich's nun! Ohne dich kann ich nichts thun; Unter deines Geistes Zucht Bringt mein Glaube solche Frucht. 8. Viele folgen ihrem Sinn; Aber, Herr, wo soll ich hin? Du bist Christus, Gortes Sohn; Wer dir folgt, hat großen Lohn. 9. Gabst du nach vollbrachtem Lauf Deinen Geist mit Beten auf, Gib auch, daß durch deine Treu Mein End wie dein Ende sey! Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Mel. Schmücke dich.( Joh. 10, 12: c. 27 2c.) 125. Heiland! deine Men- Herz bewogen, Dich in unser schenliebe War die Quelle dei- Fleisch gezogen, Dich mit ner Triebe, Die dein treues Schwachheit überdecket, Dich 5. Wenn er allzeit standhaft blieb, Nur das Wort vom Reiche trieb, So bezeugt er mir dabei, Daß mir das ein Beispiel sey. 6. Wenn er mäßig aß und trank Und es heiligte mit Danf, Spricht mir sein Erempel zu: Wie er lebte, lebe du! 100 VI. Lehramt und Wandel Jesu. Tod gegeben; Da, zur Marter du erlesen, Aller Schmerzen Ziel gewesen, Und den Segen zu erwerben, Als ein Fluch haft wollen sterben! vom Kreuz ins Grab gestrecket;| theures Leben In den ärgsten Oder ungemeinen Triebe Deiner treuen Menschenliebe! 2. Ueber seine Feinde weinen, Jedermann mit Hilf erscheinen, Sich der Blinden, Lahmen, Armen Mehr als väter= lich erbarmen, Der Betrübten Klagen hören, Sich in Andrer Dienst verzehren, Sterben voll der reinsten Triebe: Das sind Proben wahrer Liebe! 6. Deine Lieb hat dich getrieben, Sanftmuth und Geduld zu üben, Ohne Schelten, Drohen, Klagen Andrer Schmach und Last zu tragen, Allen freundlich zu begegnen, Für die Lästerung zu segnen, Für der Feinde Schaar zu beten Und die Mörder zu vertreten. 3. O du Zuflucht der Elenden! Wer hat nicht von deinen Händen Segen, Hilf und Heil genommen, Der gebeugt zu dir gekommen? O wie ist dein Herz gebrochen, Wenn dich Kranke angesprochen! O wie pflegtest du zu eilen, Das Gebetne mitzutheilen! 4. Die Betrübten zu erquicken, Zu den Kleinen dich zu bücken, Die Unwissenden zu lehren, Die Verführten zu bekehren, Sünder, die sich selbst verstocken, Ernst und liebreich zu dir locken: Das war täglich dein Geschäfte Mit Verzehrung deiner Kräfte. 7. Demuth war bei Spott und Hohne Deines Lebens Schmuck und Krone, Diese machte dich zum Knechte Einem fündigen. Geschlechte; Diese Demuth, gleich den Tauben Ohne Falsch, voll Treu und Glauben, Mit Gerechtigkeit gepaaret, Durch Vorsichtigkeit bewahret. 8. Herr! laß deine Liebe deden Meiner Sünden Meng' und Flecken. Du hast das Geseß erfüllet, Des Gesetzes Fluch gestillet; Laß mich wider dessen Stürmen Deiner Liebe Schild beschirmen, Heilge meines Herzens Triebe, Salbe 5. O wie hoch stieg dein Erbarmen, Da du für die ärmsten Armen Dein unschäzbar sie mit deiner Liebe! Rambach, g. 1693 † 1735. Mel. Vater unser im.( Joh. 14, 6-17.) 126. Lehrer, dem kein[ ner Sünder Licht und Nath, Lehrer gleich, An Weisheit, Prophet, berühmt durch Wort Lieb und Eifer reich, Gefall- und That, Gefalbet durch des VI. Lehramt und Wandel Jesu. 101 Vaters Hand Und uns zu uns-| geziert, Mit Wundern haft du rem Heil gesandt! es bestärkt, Woraus man deine Allmacht merkt, Ja endlich, als es Gott geschickt, Ein blutig Siegel drauf gedrückt. 2. Du kamst aus deines Vaters Schoos Und machtest alle Siegel los, Worin sein Rath verborgen war; Durch dich ward alles offenbar Und an das helle Licht gestellt, Was Dunkelheit umschlossen hält. 6. Nachdem du hingegangen bist, Wo aller Weisheit Ursprung ist, So setzest du, du ewges Wort, Dein Lehramt durch die Knechte fort, Die dir dein Vater zugeführt Und die mit Gaben er geziert. 3. Du wiesest uns die wahre Spur Zn Gott, dem Schöpfer der Natur, Du hast den Weg uns recht gezeigt, Darauf man zu dem Himmel steigt; Was du vom Vater selbst gehört, Das hast du unverfälscht gelehrt. 7. Du aber sendest deinen Geist, Den du den Gläubigen verheißst, Der allen Seelen, die er liebt, Erkenntniß, Licht und Weisheit gibt, Dein Wort in Herz und Sinnen schreibt Und 4. Du sahest in der Gottheit Licht Von Angesicht zu Ange-| bei den Deinen ewig bleibt. ficht, Was nach der ewgen Liebe Nath Man künftig zu erwarten hat; Du sagst es deutlicher zuvor, Als jemals der Propheten Chor. 8. Ach laß, o himmlischer Prophet, Mich schauen deine Majestät; Mach mich vom Eigendünkel frei, Damit ich dir gehorsam sey; Du sollst mein höchster Lehrer seyn, Führ mich in deine Schule ein! 5. Das Lehramt, welches du geführt, Hast du mit Heiligkeit Nambach, g. 1693 † 1735. ( Jes. 63, 9. Eph. 5, 2.) Mel. Ringe recht, wenn Gottes Gnade. 127. Immer muß ich wieder lesen In dem alten heilgen Buch, Wie mein Herr so fanft gewesen, Ohne Lift und ohne Trug. 2. Wie er hieß die Kindlein kommen, Wie er hold sie angeblickt und sie auf den Arm genommen und sie an sein Herz gedrückt. 3. Wie er Hilfe und Erbarmen Allen Kranken gern erwies, Und die Blöden und die Armen Seine lieben Brüder hieß. 4. Wie er feinem Sünder wehrte, Der bekümmert zu ihm kam, Wie er freundlich ihn bekehrte, Ihm den Tod vom Herzen nahm. 102 VI. Lehramt und Wandel Jesu. 5. Immer muß ich wieder le=-| breitet, Alle an sein Herz zu sen, Les' und freue mich nicht ziehn. fatt, Wie er ist so treu gewesen, Wie er uns geliebet hat; 6. Hat die Heerde sanft geleitet, Die sein Vater ihm verliehn, Hat die Arme ausge-| Wonn und Schmerz. 7. Laß mich knien zu deinen Füßen, Herr, die Liebe bricht mein Herz; Laß in Thränen mich zerfließen, Selig seyn in 2. Heerden ihren Hirten lieben, Und ein Hirt liebt seine Heerd. Laß uns auch so liebe üben, Du im Himmel, ich auf Erd. Schallet deine Lieb hernieder, Soll dir meine schallen wieder; Wenn du rufft: ,, ich liebe dich!" Ruft mein Herz: „ dich liebe ich!" 3. Schafe ihren Hirten kennen, Dem sie auch sind wohl bekannt. Laß mich auch für dich entbrennen, Wie du bist für mich entbrannt; Da der Wolf mit offnem Rachen Mich zur Beute wollen machen, Riefest du: ,, ich kenne dich!" Ich ruf auch:„ dich kenne ich!" Luise Hensel. Mel. Alle Menschen.( Joh. 10, 1-30.) 128. Jesu! frommer Men-| 4. Heerden ihren Hirten höschenheerden Guter und ge- ren, Folgen seiner Stimm' altreuer Hirt, Laß mich eins von lein; Hirten sich zur Heerde denen werden, Die dein Ruf| kehren, Wenn sie rufen groß und Stab regiert. Ach du haft aus Lieb dein Leben Für die Deinen hingegeben, Und du gabst es auch für mich: Laß mich wieder lieben dich! und klein. Wenn du rufest, laß mich eilen, Wenn du dräuest, nicht verweilen, Laß mich achten stets auf dich; Jesu, achte du auf mich! 5. Höre, Jesu, und erhöre Meines schwachen Glaubens Stimm'; Mich auch zu dir rufen lehre, Wenn sich naht des Wolfes Grimm. Laß mein Nufen dir gefallen, Deinen Trost hernieder schallen; Wenn ich bete:„ höre mich!" Jesu, sprich: „ ich höre dich!" 6. Höre, Jesu, und erhöre, Wenn ich ruf, anklopf' und bitt; Jesu, dich von mir nicht fehre, Bald in Gnaden zu mir tritt! Ja du hörst; in deinem Namen Ist ja alles Ja und Amen. Nun, ich glaub und fühle schon Deinen Trost, o Gottes Sohn! S. von Birken, g. 1626+ 1681. VII. Paffionslieder. VII. Passionslieder. Mel. Schwing dich auf.( Jes. 52, 13-15. Cap. 53.) 129.„ Siehe, mein gelieb-| Er sinkt in den Tod hinab, ter Knecht, Der wird weislich Den er selbst doch bindet, Weil handeln, Ohne Tadel, schlecht er sterbend Tod und Grab und recht Auf der Erde wan- Mächtig überwindet. deln. Sein getreuer, frommer Sinn Wird in Einfalt gehen; Aber dennoch wird man ihn An das Holz erhöhen." 2. Hoch am Kreuze wird mein Sohn Große Marter leiden, Viele werden ihn mit Hohn Als ein Greuel meiden. Aber seiner Leiden Kraft Wird die Welt durchdringen Und den Geist, der Leben schafft, In die Herzen bringen." 3. Nun! was hat er denn gethan? Was sind seine Schulden, Daß er muß von jedermann Solche Schmach erdulden? Hat er etwan Gott betrübt Bei gesunden Tagen, Daß ihm dieser jezzo gibt Seinen Lohn mit Plagen? 4. Was ihn also trifft und schlägt, Trifft ihn unsertwegen! Daß er solche Bürden trägt, Ist für uns zum Segen Und befreit uns vom Gericht, Daß wir Friede haben in seinem Angesicht Leib und Seele laben. Und 5. Wie ein Lamm läßt er sich hin zu der Schlachtbank leiten Und hat in dem frommen Sinn Gar kein Widerstreiten. 103 6. Er wird aus der Angst und Qual Bald herausgerissen, Tritt den Feinden allzumal Ihren Kopf mit Füßen. Wer will seines Lebens Läng' Ir= gendwo umschränken? Seiner Tag und Jahre Meng' Ist nicht auszudenken! 7. Ja er ist für fremde Sünd In den Tod gegeben, Auf daß du, o Menschenkind, Durch ihn möchtest leben; Daß er mehrte sein Geschlecht, Den gerechten Samen, Der Gott dient' und Opfer brächt' Seinem heilgen Namen. 8. Denn das ist ihm höchste Freud Und des Vaters Wille, Daß den Erdkreis weit und breit Sein Erkenntniß fülle; Damit der gerechte Knecht, Ein vollkommner Sühner, Glaubig mache und gerecht Alle Sündendiener. 9. Große Menge wird dir Gott Zur Verehrung schenken, Da= für, daß du dich mit Spott Für uns lassen kränken. Hilf, Herr, daß wir mehr und mehr Auf dich sehn und hören Und mit Lust, zu deiner Ehr, Unsern Glauben mehren! Gerhard, g 1606 † 1676. 104 VII. Paffionslieder. Eigene Mel.( Jes. 53. Gal. 3, 13. Rom. 6, 10. 11.) 130. Ein Lämmlein geht| 4. Du läsfest ihn am Kreuzesund trägt die Schuld Der Welt und ihrer Kinder, Es geht und büßet in Geduld Die Sünden aller Sünder; Es geht dahin, wird matt und krank, Ergibt sich auf die Würgebank, Entzieht sich allen Freuden, Es nimmt auf sich Schmach, Hohn und Spott, Angst, Wunden, Striemen, Kreuz und Tod Und spricht: ich wills gern leiden! stamm Der Sünde Greuel büßen, Du lässt ihn schlachten als ein Lamm, Daß Herz und Adern fließen; Das Herze mit der Seufzer Kraft, Die Adern mit dem edlen Saft Des reinen Opferblutes. O süßes Lamm, was soll ich dir Erweisen dafür, daß du mir Erzeigest so viel Gutes? 5. Mein Lebetage will ich dich Aus meinem Sinn nicht lassen, Dich will ich stets, gleichwie du mich, Mit Liebesarmen fassen; Du sollst seyn meines Herzens Licht, Und wenn mein Herz in Stücke bricht, Sollst du mein Herz verbleiben; Ich will mich dir, mein höchster Ruhm, Hiemit zu deinem Eigenthum Beständiglich verschreiben. 2. Das Lämmlein ist der groBe Freund Und Heiland unsrer Seelen, Den, den hat Gott zum Sünden- Feind Und Sühner wollen wählen: ,, Geh hin, nimm dich der Sünder an, Dein Tod ists, der sie retten kann von meines Zornes Ruthen! Die Straf ist schwer, der Zorn ist groß, Du kannst und sollst sie machen los Durch Sterben und durch Bluten." 3." Ja, Vater, ja von Herzensgrund, Leg auf, ich wills gern tragen; Mein Wollen hängt an deinem Mund, Mein Wirken ist dein Sagen!" O Wunderlieb, o Liebesmacht! Du kannst, was nie ein Mensch gedacht, Gott seinen Sohn abdringen! Liebe, Liebe, du bist stark, Du streckest den in Grab und Sarg, Vor dem die Felsen springen! 6. Ich will von deiner Lieblichkeit Bei Nacht und singen, Mich selbst auch dir zu aller Zeit Zum Freudenopfer bringen; Mein Bach des Lebens soll sich dir Und deinem Namen für und für In Dankbarkeit ergießen, Und was du mir zu gut gethan, Das will ich stets, so tief ich kann, In mein Gedächtniß schließen. 7. Auf, armes Herz, erweitre dich! Dir soll ein Kleinod werden; Kein Schatz wie dieser findet sich Im Himmel und auf VII. Passionslieder. 105 Reifen. Erden; Weg mit den Schäßen| Mein Umgang, wo ich bin dieser Welt Und Allem, was allein Zu Haus und auf den dem Fleisch gefällt, Ich hab ein Beßres funden! Herr Jesu Christ, mein großes Gut Ist dein für mich vergoßnes Blut, Das Heil in deinen Wunden! 8. Das soll und will ich mir zu Nuz Zu allen Zeiten machen: Im Streite soll es seyn mein Schuß, In Traurigkeit mein Lachen, In Fröhlichkeit mein Saitenspiel, Und wenn mich nichts erquicken will, Soll mich dieß Manna speisen; Im Durst solls meine Quelle seyn, 2. Gib, daß ich recht sehen mag Deine Angst und Bande, Deine Schläge, deine Schmach, Deine Kreuzesschande, Deine spiße Dornenkron, Deine tiefen Wunden Und den Tod, o Gottessohn, Den du dort empfunden! 9. Wann endlich ich soll treten ein In deines Reiches Freuden, So soll dieß Blut mein Purpur seyn, Ich will mich darein kleiden; Es soll seyn meines Hauptes Kron, In welcher ich will vor den Thron Des ewgen Vaters gehen Und dir, dem er mich anvertraut, Als eine wohlgeschmückte Braut An deiner Seite stehen. Eigene Mel.( Jes. 53, 5. 1 Petri 2, 24.) 131. Jesu! deine Passion| fach war auch ich, Ich und meiWill ich jetzt bedenken; Wolleft mir vom Himmelsthron Dazu Andacht schenken. In dem Bilde jetzt erschein, Jesu, meinem Herzen, Wie du, unfer Heil zu seyn, Littest große Schmerzen. ne Sünde, Diese hat gemartert dich, Daß ich Gnade finde! 4. Jesu! lehr bedenken mich Dieß mit Buß und Reue; Hilf, daß ich mit Sünden dich Martre nicht aufs nene. Sollt ich dazu haben Lust Und nicht wollen meiden, Was mein Heiland büßen mußt' Mit so groBen Leiden? 5. Wenn mich meine Sünde quält Mit viel bittern Schmerzen, Du, der sich ins Mittel stellt, Reiche Trost dem Herzen! Dich und deine Passion Laß mich gläubig fassen; Liebst du mich, o Gottessohn, Wie kann Gott mich hassen? 6. Gib auch, Jesu, daß ich 3. Aber laß mich nicht allein Deine Marter sehen; Laß mich auch die Ursach fein Und die Frucht verstehen. Ach die UrGerhard, g. 1606+ 1676. 106 VII. Paffionslieder. gern Dir das Kreuz nachtra-| Indeß laß dieß Lallen, Bis es ge, Daß ich Demuth von dir kommt aus reinrem Trieb, lern Und Geduld in Plage; Jesu, dir gefallen! Daß ich dir geb Lieb um Lieb. S. von Birken, g. 1626+ 1681. 63, 9. Eph. 5, 2.) Eigene Mel.( Jes. 132. O du Liebe meiner Liebe, Du erwünschte Seligkeit, Die du dich aus höchstem Triebe In das jammervolle Leid Deinens Leidens mir zu gute, Als ein Opfer, eingestellt Und bezahlt mit deinem Blute Alle Missethat der Welt! 4. Liebe, die mit ihren Armen Mich zuletzt umfangen wollt; Liebe, welche mit Erbarmen Mich so treulich und so hold Ihrem Vater übergeben, Die noch sterbend für mich bat, Daß ich ewig möchte leben, Weil mich ihr Verdienst vertrat! 2. Liebe, die mit heißen Thrä- 5. Liebe, die für mich gestornen An dem Delberg sich be- ben Und ein immerwährend trübt; Liebe, die mit Sorg und Gut An dem Kreuzesholz erSehnen Unaufhörlich fest ge- worben, Ach wie denk ich an liebt; Liebe, die den eignen Willen In des Vaters Willen ligt, Und den Fluch der Welt zu stillen, Treu die Last des Kreuzes trägt! dein Blut! Ach wie dank ich deinen Wunden, Schmerzenreiche Liebe du, Wenn ich in den letzten Stunden Sanft in deinen Armen ruh! 3. Liebe, die mit starkem Herzen Schmach und Lästerung gehört; Liebe, die in Angst und Schmerzen Bis zum Tod blieb unversehrt; Liebe, die sich liebendzeiget, Wo der Athem geht zu End, Liebe, die sich liebend neiget, Da fich Leib und Seele 6. Liebe, die sich todt gekränket Und für mein erkaltet Herz In ein kaltes Grab gesenket, Ach wie dank ich deinem Schmerz! Habe Dank, daß du gestorben, Daß ich ewig leben kann, Und der Seelen Heil erworben; Nimm mich ewig liebend an! Angelus Gilesius, g. 1624 t 1677. trennt! Mel. Nun sich der Tag.( Job. 13. 34, 35.) 133. Der du noch in der leß-| 2. Erinnre deine kleine Schaar Die sich sonst leicht entzweit, Daß deine letzte Sorge war Der Glieder Einigkeit! N. L. Graf v 3inzendorf. g. 1700 i 1760. ten Nacht, Eh du für uns erblaßt, Den Deinen von der Liebe Macht So schön gepredigt haft: VII. Paffionslieder. Mel. Mein Gott, zu dem ich weinend.( Marc 14 32-39.). 134. Du gehest in den Garten beten, Mein trauter Jesu, nimm mich mit! Laß mich an deine Seite treten, Ich weiche von dir keinen Schritt; Ich will an dir, mein Lehrer, sehn, Wie mein Gebete soll geschehn. 2. Du gehst mit Zittern und mit Zagen Und bist bis in den Tod betrübt. Ach dieses soll ans Herz mir schlagen, Daß mic vie Sünde so beliebt; Drum willst du, daß ein Herz voll Reu Mein Anfang zum Gebete sey. 3. Du reißest dich von allen Leuten Und suchst die stille Einsamkeit. So muß auch ich mich wohl bereiten Und fliehen, was mein Herz zerstreut; Zeuch mich von aller Welt allein, Daß nur wir zwei beisammen sey'n. 107 6. Du wirfst voll Zuversicht und Liebe Dem Vater dich ans treue Herz Und rufft aus stärkstem Herzenstriebe Mit heißen Thränen himmelwärts. Ach Glaub und Liebe sind mir noth, Sonst ist mein Beten alles todt. 7. Geduldig Lamm, wie hältst du stille Und im Gebete dreimal an! Dabei ist auch für mich dein Wille, Daß ich soll thun, wie du gethan; Hilft Gott nicht gleich aufs erste Flehn, So darf ich wieder vor ihn gehn. 8. Dein Wille senkt sich in den Willen Des allerbesten Vaters ein; Darein muß ich auch mich verhüllen, Dafern ich will erhöret seyn; Drum bet ich in Gelassenheit: Was mein Gott will, gescheh allzeit! 9. Obgleich die Jünger dein vergessen, Gedenkst du doch getreu an sie, Und da dich alle Marternpressen, Sorgst du für sie mit steter Müh. MeinBeten bleibet ohne Frucht, Wenn es des Nächsten Heil nicht sucht. 4. Du wirfst dich knieend hin zur Erden, Fällst nieder auf dein Angesicht. So muß die Demuth sich geberden; Drum brüst ich Erd und Staub mich nicht Und beuge mich in Niedrigkeit, Wie du, voll Trauer, Angst und Leid. 10. Nun, du erlangest auf dein Flehen Trost, Kraft, Sieg, Le5. Du betest zu dem lieben ben, Herrlichkeit; Damit hast Vater, Rufft: Abba, Abba! wie du auf mich gesehen, Daß ich ein Kind. Dein Vater ist auch zur angenehmen Zeit Aufernstmein Berather, Sein Vaterherzlich Beten freudenvoll Den ist treu gesinnt, Drum halt ich mich getrost an dich Und rufe: Abba, höre mich! gleichen Segen ernten ſoll. 11. Mein Jesu! hilf mir stets so beten, Wie mich dein heilig 108 VII. Paffionslieder. Vorbild lehrt, So kann ich frei| mich zum Himmel ein Und will zum Vater treten Und werde dir ewig dankbar seyn! stets von ihm erhört; So bet ich Schmolt, g. 1672 † 1737. Met. Herzlich thut mich.( Joh. 1, 29.) 135. Du, dessen Augen flos-| ter, Sie drohn mit wildem Ton: 11 sen, Sobald sie Zion sahn, Zur Frevelthat entschlossen, Sich seinem Falle nahn! Wo ist das Thal, die Höhle, Die, Jefu, dich verbirgt? Verfolger seiner Seele, Habt ihr ihn schon erwürgt? - Auf uns, auf Söhn und Töchter Komm seines Blutes Lohn!" 5. Zur hohen Schädelstätte Trägter sein Kreuz hinan; Sie Freuz'gen ihn, o bete, Mein Geist, mit Wehmuth an! Noch höhnt in frechen Mienen Sein Volk des Dulders Schmerz; Er ruft: vergib es ihnen!" Und Mitleid bricht sein Herz. 2. Welch jammervolles Klagen Seufzt in Gethsemane? Wer ist der Mann der Plagen, Der langsam Sterbende? Ist unter Menschenkindern Ein Heiliger, wie er? Und doch bebt er gleich Sündern Und finkt und trägt nichts mehr! 6. Es bricht, und matt von Kummer Sinkt auf die Brust zur Ruh Sein Haupt; nun schließt der Schlummer Sein müdes Auge zu. Am Kreuze ruht die Hülle; Der Geist schwebt, sanft entrückt, zu Gott, wo ihn die Fülle Des hohen Lohns erquickt. 3. Ach wie er tief im Staube Bedeckt mit Angstschweiß liegt, Und doch sein starker Glaube Im heißen Kampfe siegt! Schon kommt der Mörder Rotte, Die kein Erbarmen rührt. Die ihn zu Hohn und Spotte, Ihn, ach zum Kreuze führt! 7. O Freund der Menschenkinder, Hier liegen wir gebückt; Wie hoch hat uns, die Sünder, Wie hoch dein Tod beglückt! 4. Sein Volk im heißen Grim- Dich ehre unser Glaube, Anbeme Erweicht sein Anblick nicht, tung sey dein Dank; Hör ihn, Nicht fremden Mitleids Stim- vernimm vom Staube Den me, Die von dem Nichtstuhl schwachen Lobgesang. spricht. Er ist ihr HohngelächRamler, g. 1725 † 1798. Mel. Ach Gott, verlaß mich nicht.( Joh. 19, 5. 2 Cor. 5, 21.) 136.Seht, welch ein Mensch| O Lippen voller Sehnen, O ist das! O Blicke voller Thrä- Haupt voll Todesschweiß! O nen, O Antlig voller Schmach, Seele voller Noth, O Herze VII. Paffionslieder. voll Geduld, Olieb voll Angst| Durch Menschen ist geschehen! im Tod! So lang ein Auge blickt, So lange soll die Pein, Die du für uns erträgst, Uns unvergessen seyn! 5. Seht, welch ein Mensch ist das! Ach sieh uns an inGnaden! Wenn wir uns voller Buß' In Jammerthränen baden, So laß den Blick vom Kreuz In unsre Seele gehn, Und dein vergoßnes Blut Für uns beim Vater flehn. 6. Seht, welch ein Mensch ist das! So werden wir dich schauen Und unsern ganzen Trost Auf dein Verdienst nur bauen. Wenn nun dein Haupt sich neigt, So sterben wir mit dir, Wenn unser Auge bricht, So leben wir dafür! Schmolf, g. 1672 † 1737. 2. Seht, welch ein Mensch ist das! Ach sehet seine Wunden! Habt ihr, ihr Sünder, nicht Den Heiligen gebunden? Sind eure Lüste nicht Die Dornen, die er trägt? Jsts eure Bosheit nicht, Die an das Kreuz ihn schlägt? 3. Seht, welch ein Mensch ist das! Ach opfert Thränenfluthen, Denn eure Sünde macht Das Herz des Heilgen bluten; Geht nicht vorüber hier, Wo Schmerz ist über Schmerz; Seht durch die offne Brust In eures Jesu Herz! 4. Seht, welch ein Mensch ist das! Ach ja wir wollen sehen, Was dir, du Menschenfreund, 109 Mel. Herzlich thut mich.( Joh. 19, 2. 1 Joh. 2, 6.) 137. Denk ich der Dornen-| fühnt. So wird die Schuld verkrone Um meines Heilands Haupt, So dankt dem Menschensohne Mein Herz, das an ihn glaubt, Es wallt von heiBem Triebe, Nuft ihm bewundernd zu: O Jesu, welche Liebe, O welch ein Mensch bist du! geben, Die Strafe geht dahin, Daß ich in jenem Leben Der Ehre fähig bin. 3. Mein Heil, was soll ich sagen? Ich bin auf ewig dein! Lehr mich für solche Plagen Dir herzlich dankbar seyn. Mir sey vor deinem Throne Dein ewger Ruhm erlaubt Und die erworbne Krone Des Lebens auf dem Haupt! Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Eigene Mel.( Jes. 53, 4. 5. Rom. 6, 10: c.) 138. Herzliebster Jesu!| man ein solch scharf Urtheil was hast du verbrochen, Daß ausgesprochen? Was ist die 2. Mein Herr! das ist die Schande, Die mein Stolz hat verdient; Doch in so niedrem Stande Hast du mich ausge 110 VII. Paffionslieder. Schuld? in was für Missetha-| mag es auszudenken, Was dir ten Bist du gerathen? zu schenken! 2. Du wirst gegeißelt und mit Dorn gefrönet, Ins Angesicht geschlagen und verhöhnet, Du wirst mit Essig und mit Gall' getränket, Ans Kreuz gehenket! 3. Was ist die Ursach aller solcher Plagen? Ach meine Sünden haben dich geschlagen! Ich, mein Herr Jesu, habe dieß verschuldet, Was du erduldet. 4. Wie wunderbarlich ist doch diese Strafe! Der gute Hirte leidet für die Schafe; Die Schuld bezahlt der König, der Gerechte, Für seine Knechte. 5. Der Fromme stirbt, der recht und richtig wandelt, Der Böse lebt, der wider Gott mißhandelt, Der Mensch verwirkt den Tod, und ist entgangen, Der Herr gefangen 6. O große Lieb, o Lieb ohn' alle Maße, Die dich gebracht auf diese Marterstraße! Ich lebte mit der Welt in Lust und Freuden, Und du mußt leiden! 7. Ach großer König, groß zu allen Zeiten, Wie kann ich gnugsam deine Treu ausbreiten! Kein Menschenherz verMel. Herzlich thut.( 1 Cor. 15, 139. Du, meines Lebens Leben, Du, meines Todes Tod, Für mich dahin gegeben In tiefe Seelennoth, In Mar8. Ich kanns mit meinen Sinnen nicht erreichen, Womit doch dein Erbarmen zu ver= gleichen! Wie kann ich dir all deine Liebesthaten Im Werk erstatten? 9. Doch etwas ist, das wirst du gern annehmen: Wenn ich des Fleisches Lüste will bezähmen, Daß sie aufs nene nicht mein Herz entzünden Mit alten Sünden. 10. Weil aber dieß nicht steht in eignen Kräften, Fest die Begierden an das Kreuz zu heften, So gib mir deinen Geist, der mich regiere, Zum Guten führe. 11. Ich werde dir zu Ehren Alles wagen, Kein Kreuz mehr achten, keine Schmach noch Plagen, Nichts von Verfolgung, nichts von Todesschmerzen Nehmen zu Herzen! 12. Wann dort, Herr Jesu, wird vor deinem Throne Auf meinem Haupte stehn die Ehrenkrone, Dann will ich dir, wenn Alles wird wohlklingen, Lob und Dank singen. Joh. Heermann, g. 1585 † 1647. 22. Gal. 6, 14. Offenb. 3, 10.) tern, Angst und Sterben Aus liebender Begier, Das Heil mir zu erwerben, Nimm Preis und Dank dafür! VII. Passionslieder. 111 2. Ich will jetzt mit dir gehen| Verheißest ihm dein Reich; Den Weg nach Golgatha, Laß Das macht mich Sünder fröhmich im Geiste sehen, Was da lich, Mich, der dem Schächer für mich geschah. Mit innig gleich. zartem Sehnen Begleite dich mein Herz, Und meine Augen thränen Um dich vor Liebesschmerz! 3. Ich komm erst zu der Stätte, Wo Jesus niedersank Und ringend im Gebete Den Kelch des Leidens trank: Die Angst, die ihn durchdringet, Traf ihn durch mein Vergehn, Den Tod, mit dem er ringet, Den sollt' ich selbst erstehn. 4. Mein Heiland wird verrathen, Geführt zu Spott und Qual; Ach meine Missethaten, Die brachten allzumal Ihn vors Gericht des Heiden Und in der Feinde Hand; Ich wars, ich sollte leiden Was da mein Bürg empfand! 5. ,, Seht, welch ein Mensch!" er stehet Geduldig, wie ein Lamm; Und nun wird er erhöhet, Ein Fluch, am Kreuzesstamm, Vollendet da sein Büßen Der Welt, auch mir zu gut; Aus Händen, Seit und Füßen Quillt sein Verfühnungsblut. 6. Du bittest für die Feinde; Mein Jesu, wer war ich? Du denkst an deine Freunde; Gedenk, Herr, auch an mich! Du machst den Schächer selig, 7. Du klagst voll Angst im Herzen:„ Mein Gott verlässet mich!" Du dürftest in den Schmerzen, Und niemand la bet dich. Nun kommt der Leiden Ende, Du rufft:„ Es ist vollbracht!" Befiehlst in Vaters Hände Den Geist; es war vollbracht! 8. Ich seh mit Lieb und Beugen Des Heilands legten Blick, Ich seh sein Haupt sich neigen, Das war mein ewig Glück: Mein Bürge stirbt; ich lebe, So todeswerth ich bin; Er gibt sich mir; ich gebe Mich ihm zu eigen hin! 9. O du, an den ich glaube, Und den mein Geist umfaßt, Der du im Todesstaube Für mich gelegen hast! Auf dein Verdienst und Leiden Vertran ich ganz allein, Darauf werd ich einst scheiden Und ewig bei dir seyn. 10. Erhalt mir deinen Frieden Und deines Heils Genuß, So lang ich noch hienieden In Schwachheit wallen muß, Bis endlich dir zu Ehren, Der mich mit Gott versöhnt, Tort in den obern Chören Mein Hallelujah tönt! von Wobeser, g. 1727 † 1795, und von Bruiningt. 112 VII. Paffionslieder. Mel. Sieh, hier bin ich.( Joh. 15, 13. 14 Bal. 5, 24.). 5. Ach ich Sündenkind der Erden! Jesu, stirbst du mir zu gut? Soll dein Feind erlöset werden Durch dein eigen Herzensblut? Ich muß schweigen Und mich beugen Für dieß unverdiente Gut. 140. Ruhe hier, mein Geist,| vollbracht, Durch dein Sterein wenig, Schau dieß Wun-| ben Mich zum Erben Deines der, ach wie groß! Sieh dein Lebens dort gemacht. Herr, der höchste König, Hängt am Kreuze bleich und bloß, Den sein Lieben Hat getrieben Hieher aus des Vaters Schoos. 2. Wie dich Jesus liebt von Herzen, Kannst du hier am Kreuze sehn; Schau, wie bittre Todesschmerzen Ihm durch Leib und Seele gehn! Wie die Schrecken Ihn bedecken, Wie er schwebt in tausend Wehn! 3. Dieß sind meiner Sünden Früchte, Die, mein Heiland, ängsten dich; Dieser Leiden schwer Gewichte Lag auf dir, mein Heil, für mich, Daß die Nöthen, Die dich tödten, Mich nicht quälen ewiglich. 4. Du, du hast für mich bekrieget Sünde, Tod und Höllenmacht, Alle Feinde ganz besieget, Gottes Willen ganz 6. Leib und Leben, Blut und Glieder, Alles gibst du für mich hin; Sollt ich dir nicht schenken wieder Alles, was ich hab und bin? Ich bin deine Ganz alleine, Dir verschreib ich Herz und Sinn. 7. Zeuch durch deines Todes Kräfte Mich in deinen Tod hinein! Laß mein Fleisch und sein Geschäfte, Herr, mit dir gekreuzigt seyn, Daß mein Wille Werde stille Und die Liebe heiß und rein! Tersteegen, g. 1697+ 1769. Mel. Nun ruhen alle.( 1 Petri 2, 21-24.) Welt! sieh hier| Schweiße Des Todes überfüllt; Aus seinem edlen Herzen Vor unerschöpften Schmerzen Ein Seufzer nach dem andern quillt. 3. Wer ists, der dich geschlagen, Mein Heil, und dich mit Plagen So zugerichtet hat? Du bist ja nicht ein Sünder, 141. dein Leben Am Stamm des Kreuzes schweben, Dein Heil finkt in den Tod; Der große Fürst der Ehren Läßt willig sich beschweren Mit Schlägen, Hohn und großem Spott. 2. Tritt her und schau mit Fleiße, Sein Leib ist ganz mit VII. Paffionslieder. Wie wir und unsre Kinder, Und weißt von keiner Missethat. 4. Ich, ich und meine Sünden, Die sich wie Körnlein finden Des Sandes an dem Meer, Die haben dir erreget Das Elend, das dich schläget Und deiner Martern ganzes Heer. 5. Ich bins, ich sollte büßen, An Händen und an Füßen Gebunden, in der Qual; Die Geißeln und die Banden Und was du ausgestanden, Hab ich verdienet allzumal. 6. Du setzest dich zum Bürgen, Ja läsfest dich erwürgen Für mich und meine Schuld; 12. Wenn böse Zungen ste Mir läsfest du dich krönen Mitchen, Mir Glimpf und Namen Dornen Und dich höhnen, Und leidest alles mit Geduld. 7. Ich bin, mein Heil, verbunden All Augenblick und Stunden Dir überhoch und sehr; Was Leib und Seel ver= mögen, Das soll ich billig legen Allzeit zu deinem Dienst und Ehr. brechen, So will ich zähmen mich; Das Unrecht will ich dulden, Dem Nächsten seine Schulden Verzeihen gern und williglich. 8. Nun, ich kann nicht viel geben In diesem armen Leben; Eins aber will ich thun: Es soll dein Tod und Leiden, Bis Leib und Seele scheiden, Mir stets in meinem Herzen ruhn. 113 mir seyn ein Spiegel Der Unschuld und ein Siegel Der Lieb und unverfälschten Tren. 10. Wie wir mit unsern Sünden Des Herrn Gericht entzünden, Wie Nach und Eifer gehn, Wie strenge Gottes. Ruthen, Wie heiß der Strafe Gluthen, Will ich aus diesem Leiden sehn. 11. Ich will daran erblicken, Wie ich mein Herz soll schmüden Mit stillem, sanftem Muth; Und wie ich soll die lieben, Die mich so sehr betrüben Mit Werken, so die Bosheit thut. 9. Ich wills vor Augen setzen, Mich stets daran ergößen, Ich sey auch, wo ich sey; Es soll Evangelisches Gesangbuch. 13. Ich will ans Kreuz mich schlagen Mit dir und dem entsagen, Was meinem Fleisch gefällt; Was deine Augen hassen, Das will ich fliehn und lassen, Gefiel' es auch der ganzen Welt. 14. Dein Seufzen und dein Sehnen Und so viel tausend Thränen, Die dir geflossen zu, Die sollen mich am Ende In deinen Schoos und Hände Begleiten zu der ewgen Nuh. Gerhard, g. 1606 † 1676. VII. Paffionslieder. Mel. Herzlich thut.( Jef. 50, 6. Rom. 5, 8-11.) hat mich gelabet Mit reicher Himmelskost. 142. Ohauptvoll Blut und wunderbaren Trost, DeinGeist Wunden, Voll Schmerzen, voller Hohn, O Haupt, zum Spott gebunden Mit einer Dornenkron! Haupt, sonst schön geschmücket Mit höchster Ehr und Zier, Doch nun von Schmach gedrücket, Gegrüßet feyst du 114 mir! 2. Du edles Angesichte, Davor das Reich der Welt Erschrickt und wird zunichte, Wie bist du so entstellt, Wie bist du so erbleichet! Wer hat dem Augenlicht, Dem sonst keinlicht mehr gleichet, Solch Dunkel zugericht't? 3. Die Farbe deiner Wangen, Der rothen Lippen Pracht Ist hin und ganz vergangen; Des blaffen Todes Macht Hat alles hingenommen, Hat alles hingerafft, Und daher bist du kommen Von deines Leibes Kraft. 4. Mein Heil! was du erduldet, Ist alles meine Last, Ich, ich hab es verschuldet, Was du getragen hast. Schau her, hie steh ich Armer, Der Zorn verdienet hat, Gib mir, o mein Erbarmer, Den Anblick deiner Gnad! 5. Erkenne mich, mein Hüter, Mein Hirte, nimm mich an! Von dir, Quell aller Güter, Ist mir viel Guts gethan; Dein Mund hat mich begabet Mit 6. Ich will hier bei dir stehen, Verachte mich nur nicht! Von dir will ich nicht gehen, Wenn dir dein Herze bricht; Wenn dein Haupt wird erblaffen Im letzten Todesstoß, Alsdann will ich dich fassen In meinen Arm und Schoos. 7. Es dient zu meinen Freuden Und kommt mir herzlich wohl, Wenn ich in deinem Leiden, Mein Heil, mich finden soll. Ach möcht ich, o mein Leben, An deinem Kreuze hier Mein Leben von mir geben, Wie wohl geschähe mir! 8. Ich danke dir von Herzen, O Jesu, liebster Freund, Für deine Todesschmerzen, Da du's so gut gemeint! Ach gib, daß ich mich halte zu dir und deiner Treu, Und wenn ich nun erkalte, In dir mein Ende sey. 9. Wenn ich einmal soll scheiden, So scheide nicht von mir; Wenn ich den Tod soll leiden, So tritt du dann herfür; Wenn mir am allerbängsten Wird um das Herze seyn, So reiß mich aus den Aengsten Kraft deiner Angst und Pein! 10. Erscheine mir zumSchilde, Zum Trost in meinem Tod Und laß mich sehn dein Bilde In VII. Paffionslieder. 115 deiner Kreuzesnoth; Da will| Herz dich drücken! Wer so ich nach dir blicken, Da will stirbt, der stirbt wohl! ich glaubensvoll Fest an mein Gerhard, g. 1606 † 1676. Mel. Ach was soll ich Sünder.( 1 Joh. 3, 5. 6.) nicht unempfindlich ist, Sich in deine Arme schließt. 143. Jesu! dessen Tod und Leiden Unsre Freud und Leben ist, Der du abgeschieden bist, Auf daß wir nicht von dir scheiden, Sondern durch des Todes Thür Zu dem Leben folgen dir; 4. Als sich, Herr, dein Haupt geneiget, War es, um zu fegnen mich; Da der Geist von dannen wich, Noch sich deine Liebe 2. Als der scharfe Speer gesto- zeiget. Selig, wer auch Zeichen chen, Herr, in deine Seite dort, gibt, Daß er bis in Tod dich Und dein Blut, des Glaubens liebt! Hort, Aus der Seit hervorgebrochen, Läßst du sehen uns dein Herz Voll von Lieb und voll von Schmerz. 5, Laß die matte Seel empfinden Deiner Liebe füße Fluth; Wem nicht deines LeidensGluth Kann sein kaltes Herz entzünden, Jesu, der muß wie ein Stein, Ohne Lieb und Leben seyn! 3. Deine Arme, ausgestrecket, Zeigen deine Freundlichkeit, Zu empfangen die bereit, So dein Kreuz zur Lieb erwecket; Wer Leibnik, g. 1646 † 1716. Mel. Jesu, der du meine Seele.( Matth. 27, 46. Luc. 23, 34. 43. 46. Joh. 19, 26-30.) Meist in stillem Kampf vollbracht. 144. Mittler alle Kraft der| Weil du, was uns selig macht, Worte, Die du in der hohen Pein Vor der offnen Todespforte Ließest deine Losung seyn, Bleibt mir, wenn auch ich abscheide, Meiner Seele Füll und Waide; Nun ich so gerüstet bin, Zieht michs dir nach, zu dir hin. 2. Wenig Wort' in langer Stunden Botest du vom Kreuze dar, Bis du alles überwunden, Was dir in dem Wege war, Zu dem Vater durchzudringen Und auch uns zu ihm zu bringen; 3. Doch was deine Lippen sagen, Macht zu Gott gewisse Bahn; Was uns plagt, das war deinKlagen, UnsersFlehns nahmst du dich an. Dieß ge= schieht, um mich zu lehren, Wo auch ich mich hin soll kehren, Wenn beim Heimgang mich der Geist Alles richtig machenheißt. 4. ,, Bater!" Batest du, ,, laß diefen Ihren blindenFrevel nach!" Edle Langmuth, fey gepriesen 116 VII. Paffionslieder. nichts den Stand mehr hält, Mir zum Labsal dieß bestellt! Nun, wie soll ich eigne Rach matte Seele Bleibt, wenn Wider meinen Nächsten hegen Und mir selbst den Weg verle= gen? Jesu, deine Mittlershuld Tilge mein' und seine Schuld! 5. Deine Mutter, deinen Jünger, Welchen du, der dich geliebt, Hast du, Eintrachtswiederbringer, Gleich versorgt und gleich geübt. Gib, daß die, so ich verlasse, Rechter Sinn zusammenfasse, Und in deiner Lieb und Treu Eins des andern Zuflucht sey. 9. Nun, nun ist das Heil erworben, Denn du sagst:„ es ist vollbracht!" Jesu, eh du noch gestorben, Leuchtet schon die Siegesmacht! Laß nun immerhin ergehen, Was hienieden auszustehen; Mein Vollender, du in mir Und vollendet ich in dir! 6., Heute"( unvergleichlichs Heute!) ,, Heute sollest du ge= wiß"( Glaube, rede, bete, streite!) ,, Seyn mit mir im Paradies!" Dieses lasse, wie dem Schächer, So auch mir, o Todesrächer, Wenn der Augen matter Schein Bricht, den letzten Leitstern seyn. 7. ,, Ach warum bin ich verlassen, O mein Gott, mein Gott, von dir!" Jesu, wie ist dieß zu fassen? Klagst du so, wie gehts dann mir? Ja durch dieses scharfe Ringen Wirst du deinen Flüchtling bringen, Troß der Sünden Scheidewand, Zum geheimen Priesterstand. 10. ,, Vater," rufst du, ,, ich befehle Deinen Händen meinen Geist!" Rufft es laut aus tiefer Seele; So vertritt mich allermeist, Wenn der letzte Zug vorhanden, Lös mich aus des Todes Banden, Nimm, Herr, deines Pilgrims wahr, Stelle mich dem Vater dar. 11. Diese sieben feste Siegel Drück, o Herr, in meine Brust, Daß ich zu dem Friedenshügel, Dessen Spur mir nun bewußt, Unverweilet aufwärts steige, Und daß alles in mir schweige, Außer deiner WorteChor; Dieser hebet mich empor. 12. Wahrheit prüfe, Licht durchscheine Noch einmal, was in mir ist, Ob ich alles lanter 8. Aber welch bedenklich Dür- meine, Daß dein Sinn, o Jesu sten Klagt der ausgedörrte Christ, Mich erhalt in Tod und Mund Unsers reichen Lebens- Leben! Laß den Geist das fürsten In der Schrifterfül- Zeugniß geben, Daß ich Gnad lungsstund? Für die lechzens- und Glaubensgab- Und sofort volle Kehle, Für die ächzens- das Leben hab. VII. Paffionslieder. 13. Nun so darf ich mit dir| zu allen, Die dir Hallelujah rufen, Nun, so werd ich auch schallen; Du, du hast den Feind erhört; Nun, so folg ich durch gedämpft, Ewig ist es ausgedie Stufen, Wo der Eingang kämpft! unverwehrt zu dir führet, und Mel. Jesu, hilf siegen.( 1 Tim. 2, 5. 6.) 145. Einiger Mittler und ewiger Priester, Der uns am Kreuze so herrlich vertrat, Der noch den Vater für böse Geschwister Sterbend, mit Thränen und Schreien erbat! Fehlt es mir immer im Danken und Beten, Laß mich doch immer dein Fürwort vertreten! 3. Dank sey dir für die so tröstlichen Worte, Da du dem Schächer den Himmel versprachst, Weil du durch dieses die himmlische Pforte, Die mir die Sünde verschlossen, erbrachst! Sünder, kommt, freut euch der süßesten Neden, Denn sie sind wahrlich der Schlüssel zum Eden! 117 J. A. Bengel, g. 1687 † 1752. du hast mich verlassen!" Weil du dich für mich verlassen gedaucht. Jesu, ich werde die Nede recht fassen; Gott wird mich niemals im Kreuze verlassen. 5. Jesu, Dank sey dir, dem Fürsten der Fürsten, Daß dich nur Essig und Galle getränkt! Weil nun bei deinem so kläg2. Dank sey dir für die so zärtlichen Dürsten Meine heilslichen Triebe, Die du der Mut- durstige Seele gedenkt: Kann ter zum Besten noch fühlst, Da mich das Dürsten der Hölle du sie sterbend der kindlichen noch schrecken? Wollte nicht Liebe Deines geliebten Johan- Jesus das Bitterste schmecken? nes empfiehlst! Jesu, du liebst bis ans Ende die Deinen, Ach so berathe auch mich und die Meinen! 6. Dank sey dir für die Erfüllung der Schriften, Da du gerufen: ,, nun ist es vollbracht!" Weil du, ein ewig Erlösen zu stiften, Selbst dich zum heiligsten Opfer gemacht. Gott ist verfühnet, die Sünde getödtet, Weil dieses Blut in dem Himmel nun redet. 4. Dank sey dir, daß du noch bei dem Erblaffen Diese so tröstlichen Worte gebraucht: „ Mein Gott, ach mein Gott, 7. Dank sey dir, daß du so selig verschieden, Da du all unsere Sünden bezahlst! Dadurch erwarbst du uns Leben und Frieden, Daß du die Seele dem Vater befahlst; Dieses Wort heißet der Gläubigen Seelen All in die Hände des Vaters befehlen. 118 VII. Paffionslieder. 8. Jesu! ich wünsche mit dir| erben, Jesu, mit dir nur mich nur zu sterben, Jesn, mit dir nur vom Grab zu erstehn; Jesu, mit dir nur den Himmel zu selig zu sehn, Jesu, bei dir nur auf ewig zu leben; Jesu, sprich Amen! nur du kannst es geben! Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. 23, 42. 43. 1 Timoth. 1, 15. 16.) Mel. Nun ruhen alle.( Luc. 146. Der Schächer, fluch- Verbrecher, Starb aber hin auf sein Gericht? 4. Wie gut ist frühe Buße Und zu des Heilands Fuße Um sein Erbarmen flehn; Im Glauben Herrn ihn nennen, Im Leben ihn bekennen, Im Leiden auf sein Leiden sehn! 5. Ich preise dein Erbarmen, In seine Gnade nahm! ErHerr Jesu, der mich Armen halte mich hierinnen und nimm mich einst von hinnen Zu dir, wohin der Schächer kam. beladen, Kam sterbend noch zu Gnaden, Daß er noch Buße that. Noch glaubte, noch bekannte Und, den die Welt verkannte, Als Herrn des Reichs der Himmel bat. 2. Das ist die Wundersache, Daß Jesus selig mache, Wer vorher Sünder war; Doch dient es nicht zum Grunde, Daß man die letzte Stunde Zum Beten, Buß und Glauben spar. 3. Zur Warnung soll mirs dienen: Die Gnade ist erschienen, Mit Gnade scherzt man nicht. Hieng nicht der andre Schächer Am Kreuz auch als 6. So lang ich noch soll leben, Laß mir die Gnade geben, Was keine Welt mir gibt; AufGnade laß mich sterben, Aus Gnaden laß mich erben, Gedenke, daß du mich geliebt! Ph. Fr. Hiller, g 1699 † 1769. ( Luc. 2, 35. Matth. 16, 34. 27.) Eigene Mel.; oder: Ach was soll ich. 147. Schaut die Mutter| erwehren, Der des Höchsten voller Schmerzen, Wie sie mit zerrißnem Herzen Bei dem Kreuz des Sohnes steht! Schauet ihre Trübsalshige, Wie des Schwertes blutge Spize Tief durch ihre Seele geht! Sohn umfängt? Wie er mit gelaßnem Muthe, Todesmatt, in seinem Blute An dem Holz des Fluches hängt! 3. Für die Sünden seiner Brüder Leidet er, daß seine Glieder Unnennbare Qualzer= reißt. Für uns ruft er im Erblassen: Gott, mein Gott, ich 2. Wessen Auge kann der Zähren Bei dem Jammer sich VII. Paffionslieder. 119 bin verlassen! Und verathmet seinen Geist. 7. Gib mir Theil an deinem Leiden, Laß von aller Lust mich 4. Laß, o Jesu, Quell der scheiden, Die dir solche WunLiebe, Deines Herzens heilge den schlug. Ich will auch mir Triebe Strömen in mein Herz Wunden schlagen,* Will das herab! Laß mich dich mein Al- Kreuz des Lammes tragen, les nennen, Ganz für dich in Liebe brennen, Der für mich sein Leben gab. Welches meine Sünden trug. * Matth. 5, 29 2c. 5. Drück, mein König, deine Wunden, Die du auch für mich empfunden, Tief in meine Seel hinein. Laß in Neue mich zerfließen, Mit dir leiden, mit dir büßen, Mit dir tragen jede Pein. 8. Laß, wenn meine Thränen fließen, Mich den Gnadenglanz genießen Deines milden Angesichts. Decke mich durch deine Plagen Vor den Aengsten und den Klagen Einst am Tage des Gerichts. 9. Gegen aller Feinde Stürmen Laß mich, Herr, dein Kreuz beschirmen, Deine Gnade leuchte mir. Deckt des Gråbes finstre Höhle Meinen Leib, so nimm die Seele Hin ins Paradies zu dir. Nach Jacoponus, † 1306. 6. Laß mich herzlich mit dir weinen, Mich durchs Kreuz mit dir vereinen; Aller Weltsinn sey verflucht! Unter'm Kreuze will ich stehen Und dich zittern, bluten sehen, Wenn die Sünde mich versucht. Eigene Mel.( Ebr. 12, 1. 2.) 148. Ach sieh ihn dulden, bluten, sterben! O meine Seele, sag ihm frommen Dank! Sieh Gottes eignen Sohn und Erben, Wie mächtig ihn die Menschenliebe drang! Wo ist ein Freund, der je was er gethan? Der so, wie er, für Sünder sterben kann? 2. Wie dunkel waren jene Stunden, O Herr, und welche Lasten drückten dich! Wie quoll das Blut aus deinen Wunden, Und ach, es floß zum Heil und Trost für mich Und ruft noch heute mir ermunternd zu, Daß du mich liebst, du frommer Dulder, du! 3. So sollt es seyn, du mußtest leiden; Dein Tod macht mir des Vaters Liebe kund, Er wird für mich ein Quell der Freuden, Ein Siegel auf den ewgen Friedensbund; So wahr dich Gott für mich zum Opfer gibt, So fest steht es, daß er mich herzlich liebt. 4. Dein bin ich nun und 120 VII. Passionslieder. Gottes Erbe; Ich sehe in sein de rächen; Auch dieß lern ich, Vaterherz hinein. Wenn ich nun leide, wenn ich sterbe, Kann ich unmöglich je verloren seyn. Wenn Sonn und Mond und Erde untergehn, So bleibt mir Gottes Gnade ewig stehn. mein Heiland, hier von dir; Nie Gottes Schickung widersprechen, Wär auch sein Pfad jetzt noch so dunkel mir; Auf Dornen giengst du selbst zum Ziele hin, Ich folge dir, weil ich dein Jünger bin. 5. Ja, mir zum Trost und dir zur Ehre Gereicht dein ganzer Kampf, dein Kreuzestod; Bestätigt ist nun deine Lehre, Ich baue fest darauf in jeder Noth; Unschuldig littest du, doch Preis und Ruhm Ist auch im Kampf der Unschuld Eigenthum. 6. Ja, Herr, dein Vorbild kann mich lehren, Wie sanft und schön der Tod des Frommen sey. O laß mich dein Gebot verehren Und mache mich im Kampf der Tugend treu! Die Dankbarkeit dringt innigst mich dazu, Wer hat es mehr um mich verdient, als du? 7. Nie will ich mich am Fein8. Was fürcht ich noch des Todes Schrecken? Du schliefft auch einst im Grab, o Seelenfreund! Mag sie doch meine Asche decken, Die Erde, wenn des Todes Nacht erscheint! Der Gott, der dir das Leben wieder gab, Wälzt einstens auch den Stein von meinem Grab. 2. Erschrecklich, daß der Herr erbleicht, Der Lebensfürst, dem niemand gleicht An Herr9. Nimm hin den Dank für deine Plagen, Mein Netter, den dir treue Liebe bringt! Noch heißern Dank will ich dir sagen, Wenn dich mein Geist im Engelchor befingt; Dann stimmen alle Selgen fröhlich ein, Der ganze Himmel soll dann Zenge seyn! J. A. Hermes, 9. 1736 † 1822. Mel. Ich hab mein Gach Gott.( Jes. 43, 24. 25. Cap. 44, 22.) 149. Nun ist es alles wohl-| lichkeit! die Erde kracht, Und gemacht, Weil Jesus ruft: es ist vollbracht! Er neigt sein Haupt, o Mensch, und stirbt, Der dir erwirbt Das Leben. welches nie verdirbt. es wird Nacht, Weil er stirbt durch der Sünde Macht. 3. Die Sonn erlischt in ihrem Lauf, Der Heilgen Gräber thun sich auf, Der Vorhang reißt von oben an, Daß jedermann Ins Heiligthum nun schauen kann. VII. Paffionslieder. 121 Drum hab Geduld Und schenk in ihm mir deine Huld. 4. Weil denn die Kreatur fich| schieht für meine Schuld, regt, So werd auch du, o Mensch, bewegt! Ein Fels zerreißt, und du wirst nicht Durch dieß Gericht Erschüttert, daß dein Herze bricht? 7. Ertödte selbst in meiner Brust, Mein Heiland, jede böse Lust; Dein Tod, der mir das Leben schafft, Verleih mir Kraft, zu üben gute Ritterschaft. 8. Ich will zu deinem Kreuze gehn Und fest im Glauben auf dich sehn, Dein Tod soll meine Zuflucht seyn; Auf ihn allein Schlaf ich einst sanft und felig ein. Nach Laurentii. 5. Dein ist die Schuld, nimm dieß in Acht, Daß Jesus ist ans Kreuz gebracht; Ihm, der für dich sein Leben gab, Folg in das Grab Und stirb dem Sündenleben ab. 6. Ach Vater, unter Bein und Hohn Erblaßt am Kreuz dein einger Sohn! Nun, dieß geMel. Christus, der ist.( Rom. 14, 8. 9.) 150. Sein Kampf war nun geendet, Errungen war die Kron; Er hat mit Preis vollendet, Der eingeborne Sohn. 2. ,, Nimm," spricht er ,, meine Seele, Mein Vater, jetzt von mir, Du, dem ich sie befehle, Nimm sie hinauf zu dir!" 3. Der Vater Jesu hörte Und riß ihn aus der Pein Und nahm, wie er begehrte, Ihn in die Ruhe ein. 4. Ach wann ich einst am Ende Von meiner Laufbahn bin, Nimm auch in deine Hände, Herr, meine Seele hin! 5. Die Summe meiner Tage Ist, Jesu, dir bekannt; Mein Glück und meine Plage Stehn, Herr, in deiner Hand. 151. O drückten Jesu Todesmienen Sich meiner Seel auf ewig ein! O möchte stünd6. Mach mich nur fromm und weise In meiner Prüfungszeit Und auf der Pilgerreise Noch reif zur Ewigkeit. 7. Nur dir, dir laß mich leben Und immer wachsam seyn, So darf ich nicht erbeben, Mein Heil, ich bin ja dein! 8. So geh ich froh entgegen Dem Tod und dem Gericht; Er ist durch dich mein Segen, Herr, meine Zuversicht! Roding, g. 1732+ 1800. Mel. Die Tugend wird.( 2 Cor. 5, 15. 17.) lich sein Verfühnen In meinem Herzen kräftig seyn! Denn ach, was hab ich ihm zu VII. Paffionslieder. 122 danken! Für meine Sünden floß sein Blut, Das heilet mich, den Armen, Kranken Und kommt mir ewiglich zu gut. 2. Ein Glaubensblick auf Jesu Leiden Gibt auch dem blödsten Herzen Muth; Die Quelle wahrer Geistesfreuden Ist sein vergoßnes theures Blut, Wenn seine Kraft das Herz durchfließet, Sein Lieben unsern Geist durchdringt, Wenn seine Huld die Seel umschließet Und ihr sein Trostwort Frieden bringt. 3. Für mich starb Jesus; meine Sünden Sinds, die ihn in den Tod versenkt; Drum läßt er Gnade mir verkünden, Die mich mit Lebenswasser tränkt. O Strom der Liebe, klar und helle, Mein Herz soll offen stehn für dich; O unerschöpfte Friedensquelle, Ergieß ohn' Ende dich in mich! 4. Herr Jesu! nimm für deine Schmerzen Mich Armen an, so wie ich bin! Ich sehe dir in meinem Herzen Ein Denkmal deiner Liebe hin, Die dich für mich in Tod getrieben, Die mich aus meinem Jammer riß; Ich will dich zärtlich wieder lieben, Du nimmst es an, ich bins gewiß. 5. Wenn einst mein Herz wird stille stehen, So schließ mich ins Erbarmen ein; Dann werd ich dich von nahem sehen In deiner Klarheit ewgem Schein. Die Seele, die durch dich genesen, Ruht dann in deinen Armen aus Und läsfet gern den Leib verwesen: Er wird dereinst ihr neues Haus. Nach Chr. Renatus, Graf von 3inzendorf, g. 1727 † 1752. Mel. Werde munter; oder: Freu dich sehr.( Joh. 14, 21. Rom. 8, 38 2c.) 152. Der am Kreuz ist| gung, Noth und Sorgen, Kreuz meine Liebe und sonst nichts in dieser Welt! O daß ers doch ewig bliebe, Der mir jetzt so wohl gefällt! Nun, mein Herz soll immerfort Fest bestehn auf diesem Wort, Sey es heiter oder trübe: Der am Kreuz ist meine Liebe! und Armuth bringt sie mit; Ja, wenn er, mein Heiland, will, Ist kein bittrer Tod zu viel! Doch es komme noch so trübe: Der am Kreuz ist meine Liebe! 3. Lieber wähl ich solche Plage Und der Liebe schweren 2. 3war es ist mir unverbor- Stand, Als ohn' ihn die besten gen, Was die Lieb oft nach Tage Und der Ehre eitlen sich zieht; Schmach, Verfol- Tand. Heißt mich immer wun VII. Paffionslieder. 123 derlich, Spotte man auch über| mich noch betrübe? Der am mich, Daß ich, was er haßt, Kreuz ist meine Liebe! nicht übe,- Der am Kreuz 5. Diese Liebe lohnet endlich, Führt zu ihm ins Vaterhaus, Ist zur letzten Zeit erkenntlich Und theilt Kränz' und Kronen aus. Ach, ach, wollte Gott, daß doch Alle Welt dereinst sich noch Dieses in das Herz einschriebe: Der am Kreuz ist meine Liebe! Greding, g. 1676. ist meine Liebe! 4. Aber wißt ihr meine Stärke Und was mich so muthig macht, Daß mein Herz des Fleisches Werke Und des Satans Grimm verlacht? Jesu Lieb ist mir gewiß, Seine Lieb ist stark und süß! Was ist, das Mel. Freu dich sehr.( Rom. 6, 1-11. Gal. 2, 20.) zum neuen Leben. 153. Richtet auf des Hei-| wird uns gegeben, Aufzustehn lands Leiden Die Vernunft ihr Denken hin, Mag sie wohl von außen waiden Sich an eigner Dichtung Sinn; Oder kommt es hoch, so kann Sie mit Klagen heben an Ueber Christi Pein und Schmerzen; Doch es heilet nicht die Herzen. 4. Drum in meines Herzens Grunde Trag ich ihn, den Seelenfreund, Der zum ew'gen Gnadenbunde Mit dem GlauUud durch ben sich vereint feines Todes Kraft Neues Leben in uns schafft, Wie auf den erstorbnen Auen Wir beim Wehn des Lenzes schauen. 2. Aber meines Geistes Sehnen Zielt auf die Gemeinschaft hin: Stets zum Sterben zu gewöhnen Den so, tief verderbten Sinn. Mir soll Christi Schmach und Pein Nicht ein rührend Bild nur seyn, Nein, ins Herz will ich ihn schließen, Seines Todes Kraft genießen. 3. Dieß Geheimniß ist verborgen, Wird als Thorheit angesehn; Aber meine größten Sorgen Sollen auf dieß Wunder gehn. Meine Schuld und Sündennoth Tilgt nur Christi bittrer Tod, Nur durch ihn 5. Alle Hoffahrt bengt sie nieder, Hebt in Kleinmuth mich empor, Gibt in Schwachheit Stärke wieder, Zieht aus Zweifeln mich hervor, Hält mich zwischen Lust und Leid In der rechten Mäßigkeit; Ja ich finde tiefste Stille, Wenn am Kreuze häugt mein Wille. 6. O geheimnißvolle Liebe, Die sich im Verborgnen schenkt, Wecke neue Lebenstriebe, Wenn mein Sinn zum Krenz sich lenkt! Alle Kraft 124 VII. Paffionslieder. und alles Heil Deines Leidens mag vergehen, Bleibt dein sey mein Theil; Alles andre Kreuz nur in mir stehen! Nach Arnold. Eigene Mel.; oder: Herr Christ der einig.( 1 Petri 2, 24. Rom. 5, 1. 2.) 154. Wenn mich die Sünden kränken, Omein Herr Jesu Christ, So laß mich wohl bedenken, Wie du gestorben bist Und alle meine Schuldenlast Am Stamm des heilgen Kreuzes Auf dich genommen haft. 2. O Wunder ohne Maßen, Wenn mans betracht t recht: Er hat sich martern lassen, Der Herr für seinen Knecht; Es hat sich selbst mein Herr und Gott Für mich verlornen Menschen Gegeben in den Tod! 3. Was kann mir denn nun schaden Der Sünden große Zahl? Ich bin bei Gott in Gnaden, Die Schuld ist allzumal Getilgt durch Christi theures Blut, Daß ich nicht mehr darf fürchten Der Hölle Qual und Gluth. 5. Herr! laß dein bitter Leiden Mich reizen für und für, Mit allem Ernst zu meiden Die fündliche Begier; Laß mirs nie kommen aus dem Sinn, Wie viel es dich gekostet, Daß ich erlöset bin! 6. Mein Kreuz und meine Plagen Solls auch seyn Schmach und Spott Hilf mir geduldig tragen. Gib, o mein Herr und Gott, Daß ich verleugne diese Welt Und folge jenem Bilde, Das du mir vorgestellt. 4. Drum sag ich dir von Herzen Jetzt und mein Lebenlang Für deine Pein und Schmerzen, O Jesu, Lob und Dank, Für deine Sanftmuth und Geduld, Für dein unschuldig Sterben, Für deine Lieb und Huld. 7. Laß mich an Andern üben, Was du an mir gethan, Und meinen Nächsten lieben, Gern dienen jedermann Ohn' Eigennuß und Heuchelschein, Und wie du mir erwiesen, Aus reiner Lieb allein. 8. In meinen letzten Stunden Ström du mir Kraft und Ruh, Mir Heil aus deinen Wunden und deinen Frieden zu. Du bist's allein, auf den ich trau; Du wollest mich annehmen, Daß ich dich ewig schau! Gesenius, g. 1601 † 1671. Mel. Freu dich sehr.( Gal. 1, 3. 4. Rom. 6, 6. Marci 8, 34.) 155. Jesu! deine tiefen| Stunden Trost in Leibs- und Wunden, Deine Qual und bitte Seelennoth. Fällt mir etwas rer Tod Geben mir zu allen Arges ein, Denk ich bald an VII. Paffionslieder. 125 deine Pein, Die erlaubet mei-| neuen Lebenssaft. Deines Tronem Herzen Mit der Sünde stes Süßigkeit Wendet mir das nicht zu scherzen. bittre Leid, Weil du mir das Heil erworben, Da du bist für mich gestorben. 2. Will sich dann in Lüsten waiden MeinverderbtesFleisch und Blut, So gedenk ich an dein Leiden, Bald wird alles wieder gut. Kommt der Feind und setzet mir Heftig zu, halt ich ihm für Deine Gnad und Gnadenzeichen; Bald muß er von dannen weichen. 5. Auf dich setz ich mein Vertrauen, Du bist meine Zusersicht; Dein Tod hat den Tod zerhauen, Daß er mich kann tödten nicht. Daß ich an dir habe Theil, Bringet mir Trost, Schutz und Heil, Deine Gnade wird mir geben Auferstehung, Licht und Leben. 3. Will die Welt mein Herze führen Auf der Sünden breite Bahn, Wo so viele sich verlieren, Ach dann schau ich emfig an Deiner Marter Centnerlast, Die du ausgestanden hast! So kann ich in Andacht bleiben, Alle böse Lust vertreiben. 4. Ja für alles, das mich kränket, Geben deine Leiden Kraft, Wenn mein Herz sich drein versenket, Schöpf ich| 6. Hab ich dich in meinem Herzen, Du Brunn aller Gütigkeit, So besieg ich alle Schmerzen Auch in meinem legten Streit. Ich verberge mich in dich: Wer kann da verlegen mich? Wer vertraut auf deine Wunden, Der hat selig überwunden! Job. Heermann, g. 1355+1647. Mel. Schmücke dich.( br. 9, 14. 15.) 156. Sünder! freue dich| deine Kräfte, Sünde thun ist von Herzen Ueber deines Jesu Schmerzen; Laß bei seinem Blutvergießen Stille Dankesthränen fließen. Er hat sich für dich gegeben, Such in seinem Tod das Leben; Nur von seinem Krenze quillet, Was dein Herz auf ewig stillet. dein Geschäfte; Tod heischt des Gesetzes Rache, Es ist aus mit deiner Sache, Ja im Himmel und auf Erden kann dir nicht geholfen werden. 3. Nichts kann all dein Opfer gelten Vor dem Richter aller Welten. Den der Dornenkranz gekrönet, Gottes Sohn hat dich versöhnet, Seine Thränen, seine Wunden Haben Rath für 2. Ach wie groß ist dein Veroerben! Ohne Jesum mußt du sterben; Blind und todt sind 126 VII. Paffionslieder. dich gefunden; Ihm alleine| aus Jesu Wunden, Gnad ist bleibt die Ehre, Daß er deinen auch für mich gefunden! Tod zerstöre. 6. Glaube nur dem Wort der Gnade, O so heilet bald dein Schade, Und des Mittlers zarte Liebe Schafft in vir ganz neue Triebe. Sind die Sünden erst vergeben, Dann kannst du auch heilig leben, Und der Gnade treues Walten Wird dich fördern und erhalten. 7. O so gib dem Sohn die Ehre, Daß ihm aller Ruhm gehöre! Suche nicht erst zu verdienen, Was am Kreuz vollbracht erschienen; Suche nicht, was schon gefunden, Preise fröhlich seine Wunden Und bekenn es bis zum Grabe, Daß. er dich erlöset habe! 4. Fühlst du nun die Macht der Sünden, Wie sie deine Seele binden, Wie fie dein Gewissen quälen, Wie der Jammer nicht zu zählen, O so komm mit deinen Ketten, Wag es nicht, dich selbst zu retten; Sieh am Kreuze Jesum hängen, Er muß deine Fesseln sprengen! 5. Sünder macht der Heiland selig, Seine Gnaden sind unzählig: Er gibt Buße, er gibt Glauben, Hilft den Lahmen, Blinden, Tauben. Wer sich nur will retten lassen, Der soll das Vertrauen fassen: Gnade strömt Woltersdorf, g. 1725 † 1761. Mel. Herr Jesu Christ, du höchstes.( Apostelgesch. 7, 58.) 157. Ich danke dir für dei-| geneiget. Ach neige dich, mein nen Tod, Herr Jesu, und die Schmerzen, Die du in deiner letzten Noth Empfandst in deinem Herzen. Laß die Verdienste solcher Pein Ein Labsal meiner Seele seyn, Wenn mir die Augen brechen. Herr und Gott, Zu mir auch in der Todesnoth, Damit ich Gnade spüre! 2. Ich danke dir für deine Huld, Die dumir haft erzeiget, Da du beim Tilgen meiner Schuld Dein Haupt zu mir 3. Laß meine Seel in deinem Licht Aus ihrem Leibe scheiden, Auf daß doch sey vergeblich nicht An mir dein theures Lei= den! Nimm sie hinauf, Herr Jesu Christ, Wo du zur Rechten Gottes bist, Und laß mich ewig leben! Angelus Silesius, g. 1624+ 1677. ( Sacharja 13, 1. Jef. 12.) Mel. Lobsinge Gott. 158. Ich danke dir in glau-| deinen Nath der unerforschten bensvoller Reue, Du Wundergott der unerhörten Trene, Für Triebe Und süße Liebe. 2. Du sahest wohl die Lasten, VII. Paffionslieder. 127 die mich drücken, Du nahmest| und Freude taugen, Ich schau fie von meinem schwachen Rü- hinein mit offnen Glaubensancken, Du dachtest gleich, dich gen Und rufe nun, je mehr ich eines solchen Armen Recht zu solches prüfe: O welche Tiefe! erbarmen. 9. Ich bitte dich, o Jesu, durch dein Leiden, Durch jede Qual, die du bei deinem Scheiden Auf Golgatha am blutgen Kreuz empfunden, Durch deine Wunden: 10. Ach laß mich doch die Sünden recht beweinen. Weil ihrer viel, wie Sand am Meer, erscheinen! Wie konnt ich doch so viele Greul verüben Und dich betrüben! 3. Dein Sohn ists selbst, der solche Bürde träget, Du hast sie ihm, dem Stärkern, auferleget; Er stirbt, daß mich die Sünde nicht verdamme, Am Kreuzesstamme. 4. Herr Jesu Christ! ich preise deine Liebe, In der du stirbst, daß ich lebendig bliebe; Dein Herz entbrennet gegen Men schenkinder, Die armenSünder. 5. Für mich, gottlob! als wie für meine Brüder, Für mich, mein Haupt, das kleinste deiner Glieder, Für mich sind dir die Glieder so zerstochen, Das Herz zerbrochen. 6. Du zeigest mir die Male deiner Wunden, Da hab ich dein und mein Herz erst gefunden, Da hab ich Muth und einen Grund zum Hoffen Einst angetroffen. 7. Ich rühme dich und deine großen Gnaden, Wodurch du mich solch einer Last entladen. Wie wohl ist mir in deinen Felsenrißen Vor Mofis Blitzen! 8. Sie können mir zum Trost 11. Ich klag es dir mit meinem schwachen Munde: Sie reuen mich von ganzem Herzensgrunde; Erbarme dich, laß Gnade auf mein Flehen Für Necht ergehen! 12. Ach handle nicht so, wie ich es verschuldet! Du hast ja selbst so Schuld als Straf er= duldet; Vergib mir doch die großen Frevelthaten Aus lauter Gnaden. 13. Herr! heile mich, sonst heilt mich nichts auf Erden;. Hilf mir, so wird mir recht ge= holfen werden; Erneure du den Bund, den ich zerrissen, Mir im Gewissen! Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Eigene Met.( Gbr.. 12, 1. 2. 1 Petri 1, 18. 19. 22.) 159. Mit welcher Zunge,| Herr, für deine Schmerzen, welchem Herzen Dank ich dir, Für jede mir verborgne Last; 128 VII. Paffionslieder. Für jeden Kampf, den du ge-| Und gerne für die Brüder leistritten, Den blutgen Tod, den den, Für die du, Herr, gestordu gelitten, Bekämpft und ben bist? Wie nun auch nur überwunden haft? Wer kennt von Unrecht sprechen, Noch geder Leiden Last und Menge? gen Schuldner strenge seyn, Wer sieht der Seligkeiten Ziel? Wie mich am ärgsten Feinde Wer gibt mir Zungen, wer rächen, Wie nun nur siebenGesänge, Wer meinem Her- mal verzeihn? zen gnug Gefühl? 2. Da, wo dein Blut herabgeflossen, Lieg ich im Geist dahingegossen, Da möchtich ganz Anbetung seyn! Gehorsam bis zum Kreuzestode Warst du; gehorsam bis zum Tode Soll ich, wie du, dem Vater seyn. Hier, Jesu, hier sind meine Kräfte, Hier ist mein Leben, nimm es an! Dich lieben, dieß sey meinGeschäfte, Mein Trost, auf den ich sterben kann. 3. Gekreuzigter! dein Leiden stärke Mich stets in jedem guten Werke, Im Tugendkampfe stärk es mich. So sehr mich Lust zur Sünde reize, Ich fliehe nur zu deinem Kreuze, Umfasse, Mann der Schmerzen, dich! Wie könnt ich sehn dich, Jesu, bluten, Wie sehn dein ausgespannt Gebein, Und nicht mit aller Kraft dem Guten Und dir nicht ganz ergeben seyn? 4. Wie nun nicht Alle herzlich lieben Und auch nur Einen noch betrüben, Für den du littest, Jesu Christ? Wie nun nicht Gutes thun mit Freuden 5. Auf Golgatha will ich mich schwingen, Wenn Nacht und Leiden mich umringen, Will da im Geist vor Jesu stehn; Will da dich, Unschuld, stille schmachten, Das Kreuz erdulden, Schmach verachten, Da bluten dich und schweigen sehn; Will da mit allen Seelenkräften In deine Leidensnächte schaun, Will mit dir an dein Krenz mich heften Und gleich dir lernen Gott vertraun. 6. Und wenn mich meine Sünden kränken, So will ich an dein Leiden denken, Will fließen sehn dein theures Blut. Für mich auch ist dieß Blut geflossen, Wer zu dir kommt, wird nicht verstoßen, Dustarbst auch mir, auch mir zu gut! Auch ich kann Gnad und Leben finden; Mein Gott bleibt seinem Worte treu, Vergibt auch mir die schwersten Sünden, Macht mich von aller Knechtschaftfrei. 7. Und in den bangen Todesstunden Blick ich empor zu deinen Wunden Und fürchte nicht das Strafgericht. Wenn ich, wie VII. Paffionslieder. 129 du willst, heilig lebe, Nur dich| Blute Mich ewig macht von zu lieben mich bestrebe, Dann bleibst du meine Zuversicht, Dann darf ich freudig zu dir blicken, Wenn alles dunkel um mich ist; Dann wirst du meinen Geist erquicken, Wenn mir der Tod die Augen schließt. Sünden rein! O Gott, wie wird mir dann zu Muthe, Wie werd ich Dank und Wonne seyn! 9. O Freude jener Ewigkeiten, Wo ich dich anschaun, dich begleiten, Dich hören, dich umfangen kann! Für deine Liebe ohne Schranken, Lamm Gottes, wie will ich dir danken, Wie bet ich, Liebe, dort dich an! O Ewigkeit der Ewigkeiten An deiner Seite, Jesus Christ, Der, mir die Stätte zu bereiten, Auf Golgatha gestorben ist! Lavater g. 1741 † 1801 8. Dann, dann wird alle Angst verschwinden, Ich werde muthig überwinden, Mich schwingen über Tod und Grab! Ounaussprechliches Entzücken, Von Angesicht den zu erblicken, Der in den Tod dahin sich gab, Den Sohn, ihn, der mit seinem Eigene Mel.( 1 Petri 1, 18. 19.) 160. Lamm Gottes unschuldig, Am Stamm des Kreuzes geschlachtet, Allzeit erfunden geduldig, Wiewohl du warest verachtet! All Sünd hast du getragen, Sonst müßten wir verzagen. Erbarm dich unser, o Jesu! 2. D Lamm Gottes unschuldig, Am Stamm des Kreuzes geschlachtet u. f. w., Erbarm dich unser, o Jesu! 3. Lamm Gottes unschuldig, Am Stamm des Kreuzes geschlachtet u. f. w., Gib uns den Frieden, o Jesu! 2. Stell den Mittler unsers Evangelisches Gesangbuch. Decius, um 1524. Mel. Fren dich sehr.( Joh. 15, 26. Sap. 16, 14. Col. 2, 6. 7.) 161. Fall auf die Gemeinde| Bundes Uns in seiner Würde nieder, Geist, der uns mit Feuer tauft! Wir sind alle Jesu Glievor; Bring die Reden seines Mundes Vor das aufgeschloßne der Und mit seinem Blut er- Ohr, Führ uns nach Gethfauft. Lenke du den ernsten semane, Daß dort unser Aug ihn seh, Wie des Todes Nacht ihn schrecket Und ihn blutger Schweiß bedecket. Sinn Auf des Heilands Leiden hin; Hilf, daß wir es würdig feiern, Sein Gedächtniß fromm erneuern. 3. Zeig uns ihn, den Sanften, Reinen, Unter seiner Mörder= 9 130 VII. Paffionslieder. schaar! Ach es gab auf Erden| Uns ins Herz mit Flammenkeinen, Welcher so verachtet schrift, Daß nun keiner troftlos war! Doch er hat der Frevler bleibe, Den das Loos des Todes Hohn, Purpurmantel, Dornen- trifft; Seit, es ist vollbracht!" fron, Alle Qual, die er em- ertönt, Sind wir nun mit Gott pfunden, Siegreich duldend versöhnt, Sind bestimmt, bei überwunden. dem zu leben, Der den Geist Gott übergeben. 4. Geh mit uns dem Opferlamme Auf dem blutgen Pfade 6. Du begnadigte Gemeinde, nach, Zeig uns an dem Kren- Blick zu deinem Haupt empor, zesstamme Seine Hoheit, seine Schmach; Um sein festes Gottvertraun Und des Heilgen Tod zu schaun, Trag uns auf der Andacht Flügel Zu dem nachtbedeckten Hügel. Zu dem göttlich großen Freunde, Den zum Retter Gott erfor! Schöpfe Wonn und Seligkeit Dir aus seiner Leidenszeit; Neiß dich los vom Weltgetümmel, Und dein Wandel sey im Himmel! Mach Schubart. 5. Seine letzten Worte schreibe Begräbniß Chrifti. Mel. O Traurigkeit.( Apostelgesch. 2, 27. 31. Joh. 11, 25. 26.). 162. Zur Grabesruh Ent-| erwecken; Sollte denn mein schliefest du, Der du für uns gestorben Und am Kreuz uns schmerzenvoll Ewges Heil erworben. glaubig Herz Vor der Gruft erschrecken? 5. Hier werd ich einst, Bis du erscheinst, In sanftem Frieden liegen; Denn durch deinen Tod kann ich Tod und Grab besiegen. 6. Ihr, die die Welt Gefesselt hält, Zagt nur vor der Verwesung! Ich, ich hoff in Chrifto einst Meines Leibs Erlösung. 7. Nein, nichts verdirbt! Selbst das, was stirbt, Der Leib, wird auferstehen Und, zum Himmelsglanz verklärt, Aus dem Grabe gehen. 8. So sink ins Grab, Mein 2. Du bist erblaßt, O Herr, und hast Doch in dir selbst das Leben! Gleich den Sterblichen hält dich Nun das Grab umgeben. 3. Doch freu ich mich: Dein Gott läßt dich nicht die Verwesung sehen; Bald wirst du aus eigner Kraft Aus dem Grabe gehen. 4. Ja, ja du wirst, Mein Lebensfürst, Mich auch wie dich VIII. Ofterlieder. 131 Leib, hinab, Ich will mich drum| mir zum Trost An dein Grab nicht kränken, Sondern, Jesu, gedenken. Nach Sal. Franc. Mel. Jesu, du mein liebstes( 1 Cor. 15, 20-23.) 163. Amen! Deines Grabes Friede Wird auch unser Grab durchwehn, Wenn wir von der Wallfahrt müde Ruhn, um froher aufzustehn. Amen! Fürst der Auferstehung, Der desGrabes Siegel brach, Zeuch durch Grab und Tod uns nach Zu der Heiligen Erhöhung, Wo dem Lamm, das uns versöhnt, Aller Himmel Loblied tönt! VIII. Ofterlieder. Mel. Christus, der ist.( 2 Tim. 2, 11.) 164. Willkommen, Held im Streite, Aus deines Grabes Kluft! Wir triumphiren heute Um deine leere Gruft. 2. Der Feind wird Schau getragen Und heißt nunmehr ein Spott; Wir aber können sagen: Mit uns ist unser Gott! 3. Der Fried ist uns erstritten, Und jeder Schrecken flieht; In der Gerechten Hütten Erschallt das Siegeslied. 4. Theil uns des Sieges Beute, Den Trost nun reichlich aus; Ach komm und bring noch hente Dein Heil in Herz und Haus! 2.Großer Erstling deiner Brüder! Ja du ziehest uns nach dir; Du, das Haupt, ziehst deine Glieder, Weil du lebst, so leben wir; Ja wir werden auferstehen, Weil du auferstanden bist, Werden dich, Herr Jesu Christ, Einst in deiner Klarheit sehen! Unsre Herzen harren dein; Amen, ewig sind wir dein! Garve, g. 1763 † 1841. 5. In deines Grabes Staube Liegt unsre Schuld bedeckt; Deß tröstet sich der Glaube, Daß ihn fein Feind mehr schreckt. 6. Du hast das Heil erworben, Wir preisen dich dafür. Sind wir mit dir gestorben. So leben wir mit dir. 7. Wir wollen ohne Granen Mit dir zu Grabe gehn, Wenn wir nur dort dich schauen Und selig auferstehn. 8. Schwing deine Siegesfahnen Auch über unser Herz Und zeig uns einst die Bahnen Vom Tode himmelwärts. 9. Was kann uns denn noch schaden? Des Todes Pfeil ist stumpf; Wir sind bei Gott in Gnaden Und rufen schon Triumph! Nach Schmoll. 132 VIII. Ofterlieder. Mel. Wenn ich nur meinen Jesum.( 2. Cor. 5, 17.) Seinen Rath, Kommt auch in Vaters Haus. 165. Ich sag es jedem, daß aus, Und wer nur hört auf Er lebt Und auferstanden ist, Daß Er in unsrer Mitte schwebt und ewig bei uns ist. 2. Ich sag es jedem, jeder sagt Es seinen Freunden gleich, Daß bald an allen Orten tagt Das neue Himmelreich. 6. Nun weint auch keiner mehr allhie, Wenn eins die Augen schließt, Vom Wiedersehn, spät oder früh, Wird dieser Schmerz versüßt. 3. Jeßt scheint die Welt dem neuen Sinn Erst wie ein Vaterland; Ein neues Leben nimmt man hin Entzückt aus Seiner Hand. 4. Hinunter in das tiefe Meer Versank des Todes Graun, Und jeder kann nun leicht und hehr In seine Zukunft schaun. 5. Der dunkle Weg, den Er betrat, Geht in den Himmel 7. Es kann zu jeder guten That Ein jeder frischer glühn, Denn herrlich wird ihm diese Saat In schönern Fluren blühn. 8. Er lebt und wird nun bei uns seyn Wenn alles uns verläßt; Und so soll dieser Tag uns seyn Ein Weltverjüngungsfest! Novalis, g. 1772 † 1801. Eigene Mel.( 1 Cor. 15, 55-57.) 166. Christ lag in Todes-| Sohn, An unsrer Statt ist banden Für unsre Sünd gegeben; Der ist wieder erstanden Und hat uns bracht das Leben; Deß wir sollen fröhlich seyn, Gott loben und dankbar seyn Und singen: Hallelujah, Hallelujah! kommen und hat die Sünd abgethan, Damit dem Tod genommen All seinRecht und sein' Gewalt, Da bleibt nichts denn Todsgestalt, Den Stachel hat er verloren. Hallelujah! 4. Es war ein wunderlich 2. Den Tod niemand zwingen Krieg, Da Tod und Leben fount Bei allen Menschenkin- rungen; Das Leben behielt dern; Das macht alles unfre den Sieg, Es hat den Tod verSünd, Kein' Unschuld war zu schlungen! Die Schrift hat finden; Davon kam der Tod so- verkündet das, Wie ein Tod bald Und nahm über uns Ge- den andern fraß; Ein Spott walt, Hielt uns in sein'm Reich aus dem Tod ist worden. Halg'fangen. Hallelujah! lelujah! 3. Jesus Christus, Gottes 5. Hier ist das recht' Oster VIII. Osterlieder. lamm, Davon wir sollen leben, Das ist an des Kreuzes Stamm Aus heißer Lieb gegeben. Deß Blut zeichnet unsre Thür, Das hält der Glaub dem Tod für; Der Würger kann uns nicht rühren! Hallelujah! 6. So feiern wir das hoh' Fest Mit Herzensfreud und Wonne, Das uns der Herr scheinen läßt; Er ist selber die Sonne, Der durch seiner Guaden Glanz 133 Erleucht't unsre Herzen ganz; Der Sünden Nacht ist vergangen. Hallelujah! 7. Wir effen und leben wohl, Zum süßen Brod geladen, Der alt' Sauerteig nicht soll Seyn bei dem Wort der Gnaden; Christus will die Koste seyn Und speisen die Seel allein; Der Glaub will kein's andern leben. Hallelujah! Luther, g. 1483 † 1546. Eigene Mel.( Pf. 118, 15. 16.) 167. Preis dem Todesüber=| schnell sungen Aller Himmel winder, Sieh er starb auf Gol- Chöre dir! Todesüberwinder, gatha! Preis dem Retter allerdir! Sünder, Was er uns verhieß, geschah; Sieh, er starb auf Golgatha! Singt, des neuen Bundes Kinder, Aus dem Grab eilt er empor; Singet ihm in höhrem Chor! 2. Laßt des Dankes Harfe klingen, Daß die Seele freudig bebt! Laßt uns, laßt uns mächtig singen Dem, der starb und ewig lebt, Daß das Herz vor Wonne bebt! Preis und Ehre laßt uns bringen Dem, der starb und ewig lebt! Dem, der starb und ewig lebt! 3. Da in Morgendämmerungen Noch verhüllt die Erde schwieg; Da zu tiefern Aubetungen Gottes Engel niederstieg, Aber jest noch bebend chwieg, Da erstundest du!- 4. Jeßt, da ich an dich nur glaube, Seh ich dunkel nur von fern, Ich, der Wanderer im Staube, Dich, die Herrlichkeit des Herrn! Dich, die Herrlichkeit des Herrn! Dennoch, wenn ich innig glaube, Wenn ich dürfte, strömt mir Ruh Deines Tods und Lebens zu. 5. Gerne will ich hier noch wallen, Herr, so lange du es willst! Knieen will ich, niederfallen, Flehn, bis du dich mir enthüllst Und mein Herz mit Kraft erfüllst, Dein hochheilig Lob zu lallen! Selig war stets, wen dein Lob, Ewiger, zu dir erhob! 6. Wann ich aus dem Grabe gehe, Wann mein Staub Verklärung ist, Wann ich, Herr, dein Antlig sehe, Dich, mein VIII. Osterlieder. 134 Mittler, Jesu Christ, Dich Verklärter, wie du bist, dann, wann ich auferstehe, Hab ich, du, der Sünder Heil, Ganz an deinem Leben Theil! Klopstod, g. 1724 † 1803. Mel. Sollt ich meinem Gott nicht singen.( 1 Cor. 15, 55. Rom. 6, 4.) 168. Größter Morgen, der die Erde Nach der tiefsten Nacht belebt, Der sie nach dem Wort ,, es werde!" Nochmals aus dem Nichts erhebt! Nach der Nacht voll düstrer Sorgen, Da man angst- und kummervoll Ohne Jesum leben soll, Bringt der allerschönste Morgen Jesum aus des Todes Thor, Jesum, unser Licht, hervor. 2. Seht! der Stein ist abgehoben, und kein Kriegsknecht hütet mehr; Blickt nun selig froh nach oben, Jesus lebt, das Grab ist leer! Kommt und seht, wo er gelegen; Tuch und Binden findet ihr, Aber Jesus ist nicht hier, Engel rufen euch entgegen: „ Sucht ihn, sucht den nicht im Grab, Der der Welt das Leben gab!" 3. Großes Haupt, so lebst du wieder? Nur auf wenig Tage todt? Nun erwachen Siegeslieder Mit dem Ostermorgenroth! Engel müssen sie dir singen: " Den ihr suchet, Jesus lebt!" Und die Gruft hallt:„ Jesus lebt!" Und die nahen Felsen klingen: Gottes Sohn, der tost war, lebt!" Und die Welt ertönt: ,, er lebt!" 4. Lebt nun auf, ihr stillen Seelen, Die in Thränen ihr zerfloßt, Die ihr euch in Kummerhöhlen Ohne Licht und Kraft verschloßt! Lebt nun auf: er ist erstanden! Er, an den ihr doch geglaubt, Istvom Tode nicht geraubt, Nein, er lebt, ist frei von Banden Und mit Klarheit angethan; Betet euren König an! 5. Jauchz', o Erde, Himmel, tönet, Rühme, neu geschaffne Welt! Gott und Menschheit sind versöhnet! Seht, wie glänzt der große Held, Der des Abgrunds und der Höllen Und der Himmel Schlüssel führt, Und mit Ehr und Schmuck geziert, Seine Kirche sicher stellen Und nach tiefem Gottesplan Ewig selig machen kann! 6. Großer Hirte deiner Schafe. Von den Todten ausgeführt, Dem, nach ganz erlittnerStrafe Unsrer Schuld, der Preis gebührt! Nimm ihn von den Millionen Derer, die das Grab noch deckt, Derer, die dein Ruf schon weckt, Derer, die im Himmel wohnen, Auch von uns hierunten an, Wie dich jeder preisen kann! 7. Hilf uns aus den Fesseln VIII. Ofterlieder. 135 ehen, Da die Welt uns mit be-| Ostern sey, Dann kommt einst strickt; Laß uns geistlich anfer- der Tag herbei, Da du völlig stehen, AllemSündendienst ent- uns erlösen Und zu dir erheben rückt! Schenk uns Kraft zum wirst, Auferstandner SiegesLehmus, g. 1707 † 1788. neuen Wesen, Daß es täglich fürst! Mel. Jesu, meine Freude.( Col. 2, 12-15.) 169. Aus des Todes Banden Ist der Herr erstanden, Mensch und Gottes Sohn! Jesus hat gesieget, Daß nun alles lieget Unter seinem Thron. Unser Freund Hat alle Feind' Siegreich auf das Haupt geschlagen Und sie Schau getragen. 2. Daß er wollen sterben, War, uns zu erwerben Heil und Seligkeit. Solches ist geschehen, Und wir dürfen sehen, Daß auf kurze Zeit Jesus sich Wahrhaftiglich In den Tod um unser Leben Hat dahingegeben. 3. Freiheit von den Sünden Sollen wir nun finden Und recht werden frei; Weil der wiederkommen, Der die Schuld genommen Auf sein Haupt so treu. Er kann nun Gnug für uns thun; Wenn wir nur in ihm erfunden, Bleibt uns Gott verbunden. 4. Was will uns nun schaden, Wenn uns Gott zu Gnaden Bei sich selbst gebracht? Mag die Hölle dränen, Dürfen wir nicht scheuen Ihre kurze Macht. Hier ist der, Vordem das Heer Aller Feinde muß erbeben Und hinweg sich heben. 5. Laßt mit allen Schrecken Nun die Hand ausstrecken Wider uns den Tod, Seine Pfeil' und Bogen Finden sich betrogen, Es hat keine Noth. Ob er trifft, Ists drum kein Gift; Nein, er muß mit seinen Pfeilen Uns vielmehr nur heilen. 6. Darum mir nicht grauet, Wenn mein Geist anschauet, Daß ich in das Grab Meine müden Glieder Werde legen nieder, Weil ich dieses hab: Daß mein Hort Mir diesen Ort Selbst mit seinem Leibe weihe, Daß ich ihn nicht scheue. 7. Lasset uns als Christen Sterben allen Lüften Und der Eitelkeit! Denn so wir uns haben Laffen mit begraben Hier in dieser Zeit, So wird er, Der große Herr, Uns hervor auch mit sich führen Und mit Kronen zieren. 8. O der großen Freude! Hängst du noch am Kleide Dieser Sterblichkeit? Sollst du nicht hingegen Es getroft ablegen, Weil nach kurzer Zeit Jesus Christ Voll Willens ist, Uns zu kleiden mit der Sonne In des Himmels Wonne' Spener, g. 1635 † 1705 VIII. Ofterlieder. Mel. Jesu, du mein liebstes.( Offenb. 1, 4-6.) 170. Ueberwinder, nimm| auferstehn. Hält der Schlaf uns noch gefangen, Oso fördre du den Lauf, Rufe mächtig: wachet auf! Denn die Schatten sind vergangen, Und der helle Tag ist da!" Gott sey Dank, Hallelujah! 136 die Palmen, Die dein Volk dir heute bringt, Das mit frohen Osterpsalmen Den erkämpften Sieg befingt! Wo ist nun der Feinde Pochen, Und der Würger Mordgeschrei, Da des Todes Nacht vorbei Und sein Stachel ist zerbrochen? Tod und Hölle liegen da! Gott sey Dank, Hallelujah! 2. Stecke nun dein Siegeszeichen Auf der dunklen Gruft empor! Was kann deinem Ruhme gleichen? Held und König, tritt hervor! Laß dir tausend Engel dienen, Denn nach harter Leidenszeit Ist dein Tag der Herrlichkeit, Höchste Majestät, erschienen! Erd und Himmel jauchzen da: Gott sey Dank, Hallelujah! 5. Tilg in uns des Todes Grauen, Wenn die letzte Stunde schlägt, Weil du denen, die dir trauen, Schon die Krone beigelegt. Gib uns in den höchsten Nöthen, Gib uns mitten in der Pein Deinen Trost und Glauben ein, O so kann der Tod nicht tödten, Denn die Hoffnung blühet da, Gott sey Dank, Hallelujah! 6. Zeige, wenn der blöde Kummer Ueber Sarg und Grüften weint, Wie die Schwachheit nach dem Schlum3. Theile, großer Fürst, die mer Dort in voller Kraft er= Beute Deiner armen Heerde scheint. Sind wir sterblich hier mit, Die in froher Sehnsucht geboren, O so streift das fühle heute Vor den Thron der Gna- Grab Nur was sterblich heißt de tritt. Deinen Frieden gib uns ab, Und der Staub ist uns allen, O so jauchzet Herz unverloren: Unser Hirte hütet und Muth, Weil das Loos uns da; Gott sey Dank, Hallewundergut Und aufs lieblichstelujah! gefallen! Freud und Wonne 7. Rufe die zerfallnen Gliegrünen da, Gott sey Dank, der Endlich aus der dunklen Hallelujah! Nacht, Wenn der Deinen Asche 4. Laß, o Sonne der Gerech- wieder In verklärtem Glanz ten, Deinen Strahl ins Herzeerwacht. Dann wirst du die gehn! Gib Erleuchtung dei- Krone geben, Dann wird unfre nen Knechten, Daß sie geistlich volle Brust, Herr, mit engel VIII. Osterlieder. 137 gleicher Lust Ewig deinen Sieg allda: Gott sey Dank, Halleerheben, und wir sprechen auch lujah! Taddel, g. 1706 † 1775. Mel. Womit soll ich dich.( 1 Cor. 15, 3-8. Rom. 4, 24. 25.) 171. Herzog der erlösten| de, die ihr bebt; Jauchzet, euer Sünder, Dir dankt deine Chri- Jesus lebt!" stenheit, Dir, du Todesüberwinder, Dir, du Herr der Herrlichkeit! Der du tødt warst, lebest wieder, Mit dir leben deine Glieder; Uns, die Tod und Grab erschreckt, Hat Gott mit dir auferweckt. 2. Willig, Herr, trug deine Seele Mancher Leiden schwere Last Bis zum Tod, und in der Höhle Lag dein müder Leib erblaßt. Endlich frei von aller Plage Ruht er bis zum dritten Tage; Da kam in das stille Grab Gottes Herrlichkeit herab. 5. Lebend, zu verschiednen Stunden Sahn sie, Herr, dich dort und hier; Sie berührten deine Wunden, Sprachen, aßen oft mit dir. Deinen Trost und deine Lehren Ließest du sie wieder hören; Freudig beteten dich an, Die dich wieder lebend sahn. 6. Ja du lebst, o Jesu, wieder, Hallelujah ewiglich! Mehr als fünfmal hundert Brüder Sahn mit ihren Augen dich. Liebreich redest du mit ihnen, Bist dem Paulus selbst erschienen; Dein und deiner Freunde Feind Sahe dich und ward dein Freund. 3. Und der Todte lebte wieder! Dir sang aller Engel Chor, Alle Thronen sanken nieder, Herrlich giengst du, Herr, hervor. Alle, die dein Grab beschützen, Sinken todtblaß vor den Blizzen, Da dein Leib, von Majestät Strahlend, aus dem Grabe geht. Heißen Todte auferstehn! 4. O mit welchen Gottesfreu- Sie, die lebend dich gesehn, den Steigst du aus des Todes Nacht! Ewig fern ist alles Leiden, Ganz dein großes Werk vollbracht. Liebreich eilest du, den Deinen Im Triumphe zu erscheinen: Seht mich, Freun7. Jesu! deines Lebens Zeugen Sagen laut: ,, er lebt!" der Welt, ,, Ihm soll jedes Knie sich beugen, Er ists, der Gericht einst hält;" Nufen laut in Schmerz und Banden:„ Je= sus ist vom Tod erstanden!" 8. Gott die Sünder zu versföhnen, Kamst du auf die Welt herab; Starbst, o fließet Freudethränen, Stundest auf aus deinem Grab! Jesus- dankt, VIII. Ofterlieder. Ist des verbleibet, Keiner kommt in sein Gericht; Wer hier starb, wird auferstehen, Wird unsterblich Jesum sehen, Freudig, wer sich ihm ergibt, Zitternd, wer ihn hier nicht liebt! 11. Haupt der Deinen, unser Leben, Herr der Menschen, Jesu Christ! Unser Herz sey dir ergeben, Der du auferstanden bist! Frei und rein von allen Sünden Laß uns, daß du lebst, empfinden! Tief im Staube singen wir Dank und Hallelujah dir! Lavater, g. 1741 † 1801 138 versöhnte Sünder! Todes Ueberwinder, Heil ist seiner Leiden Lohn, Jesus ist des Höchsten Sohn! 9. Jesus ist von Gott gekommen, Der bei Gott im Anfang war; Bebt, ihr Sünder, jauchzt, ihr Frommen! Alles, was er sagt, ist wahr, Alles, alles wird geschehen; Himmel werden eh vergehen, Eh ein Wort von Jesu Christ Nicht mehr wahr und göttlich ist. 10. Jesus lebt! wer an ihn gläubet, Ob er stürbe, stirbet nicht, Reiner, der ihm tren Mel. O du Liebe.( Nom. 6, 3-6. Eph. 5, 14.) 172. Wandle leuchtender| Tag, Da der Herr des Grabes Höhle Mit gewaltgem Arm durchbrach? Feierst du sein Auferstehen Auch in rechter Osterfreud? Kann man an dir selber sehen, Welch ein hoher Festtag heut? 4. Bist du mit ihm auferstanden Aus der Sünde Todesnacht? Hast du dich von ihren Banden Losgerungen, frei gemacht? Oder liegst du noch verborgen Und in deinen Sünden todt? Kündet deinen Ostermorgen Noch kein helles Morgenroth? 5. O dann laß dich nicht bedecken Länger mehr die finstre Nacht; Sieh, dein Herr ist, dich zu wecken, Von dem Tode aufs und schöner, Ostersonne, deinen Lauf; Denn dein Herr und mein Versöhner Stieg aus seinem Grabe auf. Als das Haupt er sterbend beugte, Bargst du dich in nächt'gen Flor; Doch jetzt komm hervor und leuchte, Denn auch er stieg längstempor! 2. Erde, breite dich in Frieden Unter deinem Himmel aus; Denn dein Herr ist nicht geschieden, Er zerbrach des Todes Haus. Deine starken Felsen bebten, Als er seinen Geist ver haucht, Grüße nun den Neubelebten Wonnevoll in Licht getaucht! 3. Doch du selber, meine Seele, Sag, wie feierst du den VIII. Osterlieder. 139 erwacht! Komm, vom Schlaf| so matt, Der wird dir zur Seite dich zu erheben, Komm, der Fürst des Lebens ruft: Wache auf zum neuen Leben, Steig herauf aus deiner Gruft!" 6. Sieh, er reicht dir hilfreich, gnädig Die durchbohrten Hände hin, Macht dich der Betäubung ledig, Weckt mit Liebesruf den Sinn. Keine Strafe sollst du schenen, Darum bleibe nicht zurück, Naff dich auf, dich zu erfreuen An des neuen Lebens Glück! 7. Steig empor zum neuen Leben, Denn du schliefest lang geaug; Kraft zum Leben wird dir geben, Der für dich den Tod ertrug. Fang nur an erst aufzustehen, Fühlst du dich auch noch gehen, Der dich auferwecket hat. 8. O bedenke und erwäge, Wie du gehn magst, nicht so lang! Solch Bedenken macht nur träge, Macht dich mehr noch schwach und krank. Keine Hilfe wird versagen Er, wenn nur du erst begannst, Wird dich auf den Armen tragen, Wo du selbst nicht gehen kannst. 9. Sieh, dein Herr ist auferstanden, Daß du könntest auferstehn, Aus der Sünde Haft und Banden In die schönste Freiheit gehn! Willst du ihm dich nur ergeben, Streift er deine Ketten ab, Und du siehst dein altes Leben Hinter dir als leeres Grab. Spitta, g. 1801. Mel. Wir singen dir, Immanuel. ( 1 Cor. 6, 14. 2 Tim. 1, 9. 10.) 173. Frühmorgens, da die| wälzt ihn von des Herzens Sonn aufgeht, Mein Heiland, Thür. Hallelujah! Christus, aufersteht; Vertrieben ist der Sünden Nacht, Licht, Heil und Leben wieder bracht. Hallelujah! 4. Kein Elend mag so mächtig seyn, Mein Heiland greift allmächtig drein, Er führt mich aus mit seiner Hand: Wer mich will hindern, wird zu Schand. Hallelujah! 2. Nicht mehr als nur drei Tage lang Bleibt Gottes Sohn im Todeszwang; Den dritten Tag durchs Grab er dringt Und hoch die Siegesfahne schwingt. Hallelujah! 3. O Wunder groß, o starker Held! Wo ist ein Feind, den er nicht fällt? Kein Angststein 6. Er pflegt, er schützt, er tröliegt so schwer auf mir, Erstet mich; Sterb ich, so nimmt 5. Lebt Jesus, was bin ich betrübt? Ich weiß, daß er mich herzlich liebt; Wenn mir gleich alle Welt stürb' ab, Gnug, daß ich Christum bei mir hab! Hallelujah! VIII. Osterlieder. er mich zu sich, Wo er jetzt| Furcht und Traurigkeit. Hallebt, da komm ich hin, Weil sei- lelujah! nes Leibes Glied ich bin. Hallelujah! 140 7. Mein Herz darf nicht entsegen sich, Gott und die Engel lieben mich; Die Freude, die mir ist bereit, Vertreibet 8. Für diesen Trost, o großer Held, Herr Jesu, dankt dir alle Welt; Dort wollen wir mit größrem Fleiß Erheben deinen Ruhm und Preis! Hallelujah! Job. Heermann, g. 1585 † 1647. Mel. Herr, wie du willt.( Apostelgesch. 5, 30. 31. Rom. 6, 1-14.) 174. Wach auf, mein Herz.| er gebunden Der Feinde Macht, daß du erstehst Und in ein neues Leben gehst Und Gott im Glauben dienest. die Nacht ist hin, Die Sonn ist aufgegangen! Ermuntre deinen Geist und Sinn, Den Heiland zu umfangen, Der hente durch des Todes Thor Gebrochen aus dem Grab hervor, Der ganzen Welt zur Wonne. 2. Steh aus dem Grab der Sünden auf Und such ein neues Leben; Vollführe deinen Glaubenslauf Und laß dein Herz sich heben Gen Himmel, da dein Jesus ist, Und such, was droben, als ein Christ, Der geistlich auferstanden. 3. Drückt dich ein schwerer Sorgenstein, Dein Jesus wird ihn heben; Es kann ein Christ bei Kreuzespein In Frend und Wonne leben. Wirf dein Anliegen auf den Herrn Und sorge nicht, er ist nicht fern, Weil er ist auferstanden. 4. Wohlauf, mein Herz, fang an den Streit, Weil Jesus überwunden! Er wird auc überwinden weit In dir, weil 5. Laß weder Teufel, Welt noch Tod Dich schen und zaghaft machen; Denn Jesus lebt, es hat nicht Noth, Er ist noch bei den Schwachen Und den Geringen in der Welt Als ein gekrönter Siegesheld; Drum wirst du überwinden. 6. Ach mein Herr Jesu, der du bist Vom Tode auferstanden, Errett uns von des Satans List Und aus des Todes Ban= den, Daß wir zusammen insgemein Zum neuen Leben gehen ein, Das du uns haft erworben! 7. Sey hochgelobt in dieser Zeit Von allen Gotteskindern Und ewig in der Herrlichkeit Von allen Ueberwindern, Die überwunden durch dein Blut; Herr Jesu, gib uns Kraft und Muth, Daß wir auch überwinden! Laurentii, g. 1660 † 1722. VIII. Ofterlieder. Mel. O daß ich tausend Jungen hätte.( Luc. 10, 23. Jes. 55, 6.) 175. O daß ich hätte mitempfunden Die Freude, da der Engel kam, Und nun nach bangen Trauerstunden Die Jüngerschaar das Wort vernahm: „ Sucht nicht im Grabe Jefum Christ, Der von dem Tod erstanden ist!" 2. O daß ichs hätte mitvernommen, Als schwer gebeugt im Gartenland So ganz allein, so tief beklommen Die trauernde Maria stand, Und Jesus rief ihr freundlich zu: Wen suchest du? was weinest du?" 3. O daß ich wäre mitgegangen Den stillen Weg nach Emmaus, Wo gleich von himmlischem Verlangen Das Herz entbrennt beim ersten Gruß, Und nun beim letzten Sonnenstrahl Der Herr sich zeigt am Abendmahl! 141 4. O daß ichs hätte miterfahren, Als dort die Jünger forgenschwer In dunkler Nacht beisammen waren Und hatten keinen Tröster mehr, Und nun ertönte freudenreich Die Rede: Friede sey mit euch!" 5. O daß ich hätte mitgeſtanden, Als ihn umschloß die trene Schaar Und Seit und Wunden wieder fanden, Sein Bild, so wie's im Herzen war, Und Thomas rief voll Heilsbegier: Mein Herr und Gott, ich glaube dir!" 6. Welch ein Gefühl muß die durchbeben, Die ihren Herrn so viel beweint, Wenn gnadenreich im neuen Leben Der Heiland seinem Volk erscheint! O sey getreu! er naht auch dir, Im Schauen dort, im Glauben hier. Möller, g. um 1800. Mel. Jesu, der du meine Seele.( Luc. 24, 13: c.) 176. Trauernd und mit ban-| nach, Sie bejammern ihre gem Sehnen Wandern Zwei nach Emmaus, Ihre Augen sind voll Thränen, Ihre Seelen voll Verdruß; Man hört ihre Klageworte, Doch es ist von ihrem Orte Unser Jesus gar nicht weit Und vertreibt die Traurigkeit. Schmerzen, Ihre Noth und Ungemach! Manches wandelt ganz alleine, Daß es nur zur Gnüge weine, Doch mein Jesus ist dabei, Fragt: was man so traurig sey? 3. Oft schon hab ichs auch empfunden: Jesus läßt mich nie allein, Jesus stellt zu rechten Stunden Sich mit seinem Bei2. Ach es gehn noch manche Herzen Ihrem stillen Kummer VIII. Osterlieder. 142 stand ein; Wenn ich mich in Leid verzehre, Gleich als ob er ferne wäre, O so ist er mehr als nah Und mit seiner Hilfe da! 4. Treuster Freund von allen Freunden, Bleibe ferner noch bei mir! Sucht die Welt mich anzufeinden, Ach so sey du auch allhier! Wenn mich Trübsalswetter schrecken, Wollst du mächtig mich bedecken; Komm, in meinem Geist zu ruhn, Was du willst, das will ich thun. 5. Bin ich traurig und betrübet, Herr, so ruf mir in den Sinn: Daß mich deine Seele liebet, Und daß ich dein eigen bin. Laß dein Wort mich fester gründen, Laß es auch mein Herz entzünden, Daß es voller Liebe brennt und dich immer besser kennt. 3. Ich bin durch der Hoffnung Band Zu genau mit ihm ver6. Tröst auch Andre, die voll Jammer Einsam durch die Fluren gehn, Oder in der stillen Kammer Tiefbekümmert zu dir flehn! Wenn sie von der Welt sich trennen, Daß fie fatt sich weinen können, Sprich dann ihren Seelen zu:„ Liebes Kind, was trauerst du?" 7. Hilf, wann es will Abend werden, Und der Lebenstag sich neigt, Wann dem dunklen Aug auf Erden Nirgends sich ein Helfer zeigt; Bleib alsdann in unsrer Mitten, Wie dich deine Jünger bitten, Bis du sie getröstet hast; Bleibe, bleibe, theurer Gast! Neunberz, g. 1653 † 1737. Eigene Mel.( Hiob 19, 25-27.) 177. Jesus, meine Zuver-| bunden; sicht Und mein Heiland ist im Leben! Dieses weiß ich; sollt ich nicht Darum mich zufrieden geben, Was die lange Todesnacht Mir auch für Gedanken macht? 2. Jesus, er mein Heiland lebt! Ich werd auch das Leben schauen; Seyn, wo mein Erlöser schwebt, Warum sollte mir denn granen? Läffet auch ein Haupt sein Glied, Welches es nicht nach sich zieht? Meine starke Glaubenshand Wird in ihn gelegt befunden, Daß mich auch kein Todesbann Ewig von ihm trennen kann. 4. Ich bin Fleisch und muß daher Auch einmal zu Asche werden. Das gesteh ich, doch wird er Mich erwecken aus der Erden, Daß ich in der Herrlichkeit Um ihn seyn mög alle Zeit. 5. Dieser meiner Augen Licht Wird ihn, meinen Heiland, kennen; Ich, ich selbst, ein Fremder VIII. Ofterlieder. 143 nicht, Werd in seiner Liebe| die Posaun' erklingt, Die auch brennen; Nur die Schwachheit durch die Gräber dringt. um und an. Wird von mir seyn abgethan. 6. Was hier kränkelt, seufzt und fleht, Wird dort frisch und herrlich gehen; Irdisch werd ich ausgefät, Himmlisch werd ich auferstehen; Hier sink ich natürlich ein, Nachmals werd ich geistlich seyn. 8. Lacht der finstern Erdenkluft, Lacht des Todes und der Höllen, Denn ihr sollt euch aus der Gruft Eurem Heiland zugesellen; Dann wird Schwachheit und Verdruß Liegen unter eurem Fuß. 7. Seyd getrost und hoch erfreut, Jesus trägt euch, seine Glieder; Gebt nicht Statt der Traurigkeit! Sterbt ihr: Jesus ruft euch wieder, Wann einst zu seyn! 9. Nur daß ihr den Geist erhebt Von den Lüsten dieser Erden Und euch dem schon jetzt ergebt, Dem ihr beigefügt sollt werden; Schickt das Herz nur da hinein, Wo ihr ewig wünscht Luise Henriette, Churfürstin von Brandenburg, g. 1617 † 1667. Mel. Jesus, meine Zuversicht.( Rom. 8, 11.) 178. Jesus lebt! mit ihm auch ich; Tod, wo sind nun deine Schrecken? Jesus lebt und wird auch mich Von den Todten auferwecken; Er verklärt mich in sein Licht, Dieß ist meine Zuversicht. 2. Jesus lebt! ihm ist das Reich Ueber alle Welt gegeben. Mit ihm werd auch ich zugleich Ewig herrschen, ewig leben. Gott erfüllt, was er veripricht, Dieß ist meine Zuversicht. 3. Jesus lebt! wer nun verzagt, Kränket ihn und Gottes Ehre; Gnade hat er zugesagt, Daß der Sünder sich bekehre; Gott verstößt in Christo nicht, Dieß ist meine Zuversicht. 4. Jesus lebt! sein Heil ist mein, Sein sey auch meinganzes Leben, Neines Herzens will ich seyn Und den Lüften widerstreben; Er verläßt den Schwachen nicht, Dieß ist meine Zuversicht. 5. Jesus lebt! ich bins gewiß, Nichts soll mich von Jesu scheiden, Keine Macht der Finsterniß. Keine Herrlichkeit, kein Leiden; Er gibt Kraft zu dieser Pflicht, Dieß ist meine Zuversicht. 6. Jesus lebt! nun ist der Tod Mir ein Eingang in das Leben; Welchen Trost in Todesnoth Wird es meiner Seele geben, Wenn sie gläubig zu ihm spricht: Herr, Herr, meine Zuversicht! Gellert, g: 1715 † 1769. IX. Himmelfahrt Christi. IX. Himmelfahrt Christi. Mel. Wie schön leucht't.( Col. 3, 1-4.) pigkeit verachten. Unart, Hoffahrt Laß uns meiden, Christ= lich leiden, Wohl ergründen, Wo die Gnade sey zu finden. 179. Owundergroßer Sie-| Erde leeren Schein Und Uepgesheld, Du Sündentilger aller Welt, Dein Werk hast du vollendet! Vollendet deinen schweren Lauf, Du fährst verklärt zum Vater auf, Der dich herabgesendet; Wohnest, Thronest Hoch und prächtig, Waltest mächtig, Tod und Leben Sind in deine Hand gegeben! 2. Du, Herr, bist unser Haupt, und wir Sind deine Glieder; nur von dir Kommt auf uns Heil und Leben; Trost, Friede, Freude, Licht und Kraft Und was dem Herzen Labsal schafft, Wird uns durch dich gegeben. Neige, Beuge, Ewge Güte, Mein Gemüthe, Dich zu preisen Und mich dankbar zu beweisen! 4. Sey, Jesu, unser Schirm und Hort Und gründ uns auf dein göttlich Wort, So sind wir nie verlassen. Laß suchen uns, was droben ist; Auf Erden wohnet Trug und Lift, Es ist auf allen Straßen Lügen, Trügen, Angst und Plagen, Die da nagen, Die da quälen Stündlich arme Christenseelen. 5. Herr Jesu! komm, zeuch uns dir nach, Daß wir nach kurzem Ungemach Zur Freude dort gelangen; Du bist uns allen ja zu gut Durch dein vergoßnes theures Blut Ins Heiligthum gegangen. Dafür Soll dir Von uns allen Preis erschallen; Nimmam Ende, Herr, uns auf in deine Hände! Homburg, g. 1605 † 1681. 144 3. Zeuch, Jesu, uns, zeuch uns zu dir! Hilf, daß wir künftig für und für Nach deinem Reiche trachten; Laß unsern Wandel himmlisch seyn, Daß wir der Eigene Mel.( Joh. 20, 17. Cap. 14, 18-20.) lelujah, Hallelujah! 180. Auf diesen Tag beden-| Hoffnung hankein Troste. Halfen wir, Daß Christ gen Himmel g'fahren, Und danken Gott in höchst'r Begier, Mit Bitt: er woll bewahren Uns arme Sünder hie auf Erd, Die wir von wegen mancher G'fährd Ohn'| Vorhin war All's verschlossen. 2. Drum sev Gott Lob, der Weg ist g'macht, Uns steht der Himmel offen! Chriftus schleußt auf mit großer Pracht, IX. Himmelfahrt Christi. 145 Wers glaubt, deß Herz ist freu-| finden Und fliehen stets der denvoll, Dabei er sich auch rüsten soll, Dem Herren nachzufolgen. Hallelujah, Hallelujah! 3. Wer nicht folgt, und sein'n Willen thut, Dem ists nicht Ernst zum Herren; Denn er wird auch vor Fleisch und Blut Sein Himmelreich versperren. Am Glauben liegts; soll der seyn recht, So wird auch g'wiß das Leben schlecht Zu Gott im Himmel g'richtet. Hallelujah, Hallelujah! 4. Solch Himmelfahrt fäht in uns an, Wenn wir den Vater Mel. Schwingt, beilige. 181. Der Herr fährt auf gen Himmel Mit frohem Jubelton, Aus dieser Welt Getümmel Empor zu seinem Thron. Lobsingt, lobfinget Gott! Lobfingt, ihr Nationen, Dem Herrscher aller Thronen, Dem Herren Zebaoth! 2. Wir wissen nun vom Sie ge, Der unser Haupt erhöht; Wir wissen zur Genüge, Wie man zum Himmel geht. Der Heiland geht voran, Will uns zurück nicht lassen, Er zeiget uns die Straßen, Er bricht uns sichre Bahn. 3. Wir sollen himmlisch werden! Der Herr bestellt den Ort! Wir gehen von der Erden Getrost zum Himmel fort. Evangelisches Gesangbuch. Welt ihr Bahn, Thun uns zu Gottes Kindern; Die sehn hin= auf, der Vater herab, An Treu und Lieb geht ihn'n nichts ab, Bis sie zusammen kommen. Hallelujah, Hallelujah! 5. Dann wird der Tag erst freudenreich, Wann Gott uns zu sich nehmen Und seinem Sohn wird machen gleich, Als wir denn jetzt bekennen. Da wird sich finden Freud und Muth Zur ewgen Zeit beim höchsten Gut; Gott woll, daß wirs erleben! Hallelujah, Hallelujah! 3wid † 1542. ( Joh. 14, 2-4. Pf. 47.) Ihr Herzen, macht euch auf; Wo Jesus hingegangen, Dahin sey das Verlangen, Dahin sey euer Lauf! 4. Laßt uns gen Himmel dringen Mit herzlicher Begier; Laßt uns voll Inbrunst fingen: Dich, Jesu, suchen wir! Dich, o du Gottessohn, Dich, Weg, dich, wahres Leben, Dem alle Macht gegeben, Dich, unsers Hauptes Kron! 5. Fahr hin mit deinen Schägen, Du trügerische Welt! Wir fliehn aus deinen Netzen, Dort ist, was uns gefällt! Der Herr ist unsre Zier, Der Herr ist unsre Wonne; Zu unsrer Lebenssonne, Zu Jesu ziehen wir! 6. Wann soll es doch gesche10 IX. Himmelfahrt Christi. 146 hen? Wann kommt die liebe Zeit, Daß wir ihn werden sehen In seiner Herrlichkeit? Du Tag, wann wirst du seyn, Da wir zu seinen Füßen Anbetend ihn begrüßen? O Tag, brich bald herein! 3. Lehre mich die Welt verachten Und was in ihr Eitles ist. Und nach dem, was dort ist, trachten, Wo du, mein Erlöser, bist. Wollust, Ehrsucht und Gewinn, Soll mich dieß zur Erde ziehn, Da ich jenseits, über'm Grabe, Eine größre Hoffnung habe? Nach Sacer. Mel. Fren dich sehr.( Joh. 20, 17. Cap. 14, 2. 3. Col. 5, 1. 2.) 182. Herr! du fährst mit| 4. Dieſe müffe nichts mir rauGlanz und Freuden Auf zu deiner Herrlichkeit; Doch mich drücken noch die Leiden Dieses Lebens, dieser Zeit. Gib mir, Jesu, Muth und Kraft, Daß ich meine Pilgerschaft So in dir zurückelege, Daß ich stets dein bleiben möge. ben, Du erwarbst sie thener mir; Jezo seh ich sie im Glauben, Dorten find ich sie bei dir, Dort belohnst du das Vertraun Deiner Gläubigen durch Schaun Und verwandelst ihre Leiden In unendlich große Freuden. 2. Laß mir deinen Geist zurücke, Aber zeuch mein Herz zu dir; Wenn ich nach dem Himmel blicke, O so öffn' ihn gnädig mir! Neige meinem Flehn dein Ohr, Trag es deinem Vater vor, Daß er mir die Schuld vergebe, Und ich mich bekehr und lebe. 5. Dort bereit auch mir die Stätte In des Vaters Hause zu, Rufst du frühe oder späte Mich zu meines Grabes Ruh; Leucht auch mir in dieser Nacht Mit der Sonne deiner Macht, Die des Todes Macht bezwungen Und für uns den Sieg errungen. 6. Kommst du endlich glorreich wieder An dem Ende dieser Zeit, O so sammle meine Glieder, Die Verwesung jetzt zerstreut; Heil'ge und verklär sie ganz, Daß der Leib in Himmelsglanz, Dann nicht mehr von Staub und Erde, Aehnlich deinem Leibe werde. Nach Kaspar Neumann. Mel. Es ist das Heil.( Ebr. 7, 24. 25. Joh. 17, 24.) 183. Herr Jesu, deiner] hafst ein ewges Priesterthum, Glieder Ruhm, Du starkes Haupt der Schwachen! Du Kannst allzeit felig machen: Du bist es, der Gebet erhört IX. Himmelfahrt Christi. 147 Und der des Glaubens Wunsch 5. Zeuch uns dir nach, so laufen wir; Laß uns ein himmlisch Wesen In Wor> ten, Werken und Begier Von nun an, Herr, erlesen. Zeuch unser Herz dem Himmel zu, Damit wir Wandel, Schatz und Nuh Nur in dem Himmel haben. gewährt, Sobald wir zu dir kommen. 2. Du lässt durch deine Himmelfahrt Den Himmel offen sehen; Du hast den Weg geoffenbart, Wie wir zum Vater gehen. Der Glaube weiß und ist gewiß, Du habest uns im Paradies Die Stätte zubereitet. 3. Du giengst ins Heiligthum hinein Kraft deiner heilgen Wunden Und hast ein ewig Seligseyn, Verherrlichter, erfunden; Du hast allein durch deine Macht Uns die Gerechtigkeit gebracht, Die unaufhörlich währet. 7. O Kleinod, das im Himmel strahlt, Nach dir nur will ich laufen! O Perle, die kein Weltkreis zahlt, Dich will ich hier noch kaufen! D Erbtheil voll Zufriedenheit, O Himmel voller Seligkeit, Sey mein aus Jesu Gnaden! Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Mel. Womit soll ich.( Eph. 1, 17-23.) 184. Siegesfürst und Eh-| sich enthüllt Und mit neuem renkönig, Hochverklärte Majestät! Alle Himmel sind zu wenig, Du bist drüber weiterhöht, Sollt ich nicht zu Fuß dir fallen, Nicht mein Herz vor Frende wallen, Wenn mein Glaubensaug entzückt Deine Herrlichkeit erblickt? Glanz und Wonne Alle Himmelsgeister füllt. Prächtig wirst du aufgenommen, Freudig heißt man dich willkommen; Schau, dein armes Kind auch hier Rufet Hoftanna dir! 3. Sollt ich deinen Kelch nicht trinken, Da ich deine Klarheit seh? Sollt mein Muth noch wollen sinken, Da ich deine 4. Gieng unser Haupt zum Himmel ein, So werden auch die Glieder Gewiß nicht ausgeschlossen seyn, Du bringst sie alle wieder; Sie werden da seyn, wo du bist, Und dich verklärt, Herr Jesu Christ, Mit ewger Wonne sehen. 6. Was droben ist, laß künftighin Uns unablässig suchen; Was eitel heißt, das lehr uns fliehn, Was sündlich ist, verfluchen. Weg Welt! dein Schaß und Freudenschein Ist viel zu elend, zu gemein Für himmlische Gemüther! 2. Weit und breit, du Himmelssonne, Deine Klarheit 148 IX. Himmelfahrt Christi. Macht versteh? Meinem Kö-| Stehn dir offen, komm hernig will ich trauen Ohne Furcht und ohne Grauen, Nur in Jesu Namen mich Beugen hier und ewiglich. ein! Komm, du König aller Ehren, Du mußt auch bei mir einkehren, Ewig in mir leb und wohn, Als in deinem Himmelsthron! 4. Geist und Kraft nun überfließen, Laß fie fließen auch auf mich, Bis zum Schemel deinen Füßen Alle Feinde legen fich. Herr! zu deinem Scepter wende Alles bis zum Weltenende; Mache dir auf Erden Bahn, Alle Herzen unterthan. 5. Nun erfüllst du aller Orten Alles durch dein Naheseyn, Meines Geistes ewge Pforten 6. Scheidend bringst du mir dein Leben, Gott und Himmel innig nah; Laß mich stets den Geist erheben, Gleich als stündst du sichtbar da, Fremd der Welt, von Zeit und Sinnen Bei dir abgeschieden drinnen, In den Himmel mit verseßt, Wo mich Jesus nur ergößt! fahrt allein Ich meine Nachfahrt gründe Und allen Zweifel, Angst und Pein Hiemit stets überwinde; Denn weil das Haupt im Himmel ist, Wird seine Glieder Jesus Christ Zur vechten Zeit nachholen. Tersteegen, g. 1697 † 1769. Mel. Nun freut euch.( Joh. 17, 24.) 185. AufChrifti Himmel- erlangen; Denn wo mein Schab gekommen hin, Da ist auch stets mein Herz und Sinn; Nach ihm mich sehr verlanget. 3. Ach Herr! laß diese Gnade mich Von deiner Auffahrt spüren, Daß mit dem wahren Glauben ich Mög meine Nach2. Weil er gezogen himmelan fahrt zieren Und dann einmal, Und große Gab empfangen, wann dirs gefällt, Mit FreuMein Herz auch nur im Him- den scheiden aus der Welt; mel kann, Sonst nirgends Ruh Herr, höre dieß mein Flehen! Wegelin um 1640. Himmlische Herrlichkeit Christi. Mel. Schmücke dich.( Phil. 2, 9-11. 2 Tim. 2, 11. 12.) 186. König, dem kein Kö-| Mensch das Scepter führet, nig gleichet, Dessen Ruhm kein Mund erreichet, Dem als Gott das Reich gebühret, Der als Dem das Recht gehört zum Throne, Als des Vaters eingem Sohne, Den so viel Vollkom Himmlische Herrlichkeit Christi. menheiten Krönen, zieren und begleiten! 2. Himmel, Erde, Luft und Meere, Aller Kreaturen Heere Müssen dir zu Dienste stehen, Was du willst, das muß geschehen! Fluch und Segen, Tod und Leben, Alles ist dir übergeben, und vor deines Mundes Schelten Zittern Menschen, Engel, Welten. 149 deiner Knechte, Die dort ohne Furcht und Grauen Dein ver= klärtes Antlig schauen, Die dich unermüdet preisen Und dir Ehr und Dienst erweisen. 5. Herr in allen diesen Neichen! Dir ist niemand zu vergleichen An dem Ueberfluß der Schätze, An der Ordnung der Gesetze, An Vortrefflichkeit der Gaben, Welche deine Bürger haben; Du beschüßeft deine Freunde, Du bezwingest deine Feinde. 3. Indes Gnadenreiches Grenzen Sieht man dich am schönsten glänzen, Wo viel tausend trene Seelen Dich zu ihrem Haupt erwählen, Die durchs Scepter deines Mundes, Nach dem Recht des Gnadenbundes Sich von dir regieren lassen Und wie du das Unrecht haffen. 4. In dem Reiche deiner Ehren Kann man stets dich loben hören Von dem himmlischen Geschlechte, Von der Menge 6. Herrsch auch, Herr, in meinem Herzen Ueber Lüste, Furcht und Schmerzen! Laß dein Leben in mich fließen, Laß mich dich im Geist genießen, Ehren, fürchten, loben, lieben Und mich im Gehorsam üben, Siegen hier mit dir im Streite, Dort mitherrschen dirzur Seite! Rambach, g. 1693 † 1735. Mel. Auf, Triumph, es c.; oder: Ach was soll ich Sünder.( Ebr. Cap. 1 und 2.¹ 187. Jesus Christus herrscht als König; Alles wird ihm un terthänig, Alles legt ihm Gott zu Fuß. Jede Zunge soll bekennen: Jesus sey der Herr zu nennen, Dem man Ehre geben muß! 2. Gott, des Weltalls großer Meister, Hat die Engel wohl als Geister Und als Flammen um den Throu; Sagt' er aber je zu Knechten:„ Seße dich zu | meiner Rechten?" Nein, er sprach es zu dem Sohn! 3. Gott ist Herr, der Herr ist Einer, Und demselben gleichet keiner, Nein, der Sohn nur ist ihm gleich; Deffen Stuhl ist unumstößlich, Dessen Leben unauflöslich, Deffen Reich ein ewig Reich. 4. Nur in ihm( o Wundergaben!) Können wir Erlösung haben, Die Erlösung durch sein 150 IX. Himmelfahrt Christi. Blut. Hörts! das Leben ist er- Christi Glieder Hier auf kurze schienen, Und ein ewiges Ver- Zeiten nieder, Und das Leiden fühnen Kommt in Jesu uns zu geht zuvor. Nur Geduld! es gut. folgen Freuden; Nichts kann sie von Jesu scheiden, Und ihr Haupt zieht fie empor. 5. Alles dieses nicht alleine, Die begnadigte Gemeine Hat auch ihn zu ihrem Haupt; Er hat sie mit Blut erkaufet, Zu dem Himmelreich getaufet, Und fie lebet, weil sie glaubt. 10. Ihnen steht ein Himmel offen, Welcher über alles Hoffen, Ueber alles Wünschen ist. Die geheiligte Gemeine Weiß, daß eine Zeit erscheine, Da sie ihren König grüßt. 6. Gebt, ihr Sünder, ihm die Herzen, Klagt, ihr Kranken, ihm die Schmerzen, Sagt, ihr Armen, ihm die Noth! Er kann alle Wunden heilen, Reichthum weiß er auszutheilen, Leben schenkt er nach dem Tod. 11. Auch bis dahin gibt er Nahrung, Leitung, Heilung und Bewahrung, Denn er pflegt und liebet fie; Ja bei seinem Kreuzesstamme Fraget sie, wer nun verdamme? Denn ſie rühmet: Gott ist hie! 7. Gil, es ist nicht Zeit zum Schämen! Willst du Gnade? du sollst nehmen! Willst du leben? es soll seyn! Willst du erben? du wirsts sehen! Soll der Wunsch aufs Höchste gehen: Willst du Jesum? Er ist dein! 1 12. Jauchz' ihm, Menge heilger Knechte! Rühmt, vollendete Gerechte Und du Schaar, die Palmen trägt, Und ihr Märtrer mit der Krone Und du Chor vor seinem Throne, Der die Gottesharfen schlägt! 13. Ich auch auf den tiefsten Stufen, Ich will glauben, reden, rufen, Ob ich schon noch Pilger bin: Jesus Christus herrscht als König! Alles sev ihm unterthänig, Ehret, liebet, lobet ihn! Geiz, g. 1738 † 1793. ( Ebr. 6, 18-20.) ewgen Zion dort Aussendest dein lebendig Wort Und deine Heerde schüßest! Fröhlich, Selig Schaut der Glaube Von 8. Allen losgekauften Seelen Solls an keinem Gute fehlen, Denn sie glauben, Gott zum Ruhm. Werthe Worte, theure Lehren! Möcht doch alle Welt dich hören, Süßes Evangelium! 9. Zwar auch Kreuz drückt Mel. Wie schön lencht't. 188. Hallelujah! wie lieblich stehn Hoch über uns die Himmelshöhn, Seit du im Himmel sizest, Seit du vom Himmlische Herrlichkeit Christi. 151 dem Staube- Auf zum Sohne:| wallt man sicher früh und spät Meine Heimath ist am Throne! 2. Die Sterne leuchten ohne Zahl; Was ist ihr tausendfacher Strahl? Was ist der Glanz der Sonne? Ein Schatten nur von jenem Licht, Das Vor Feindeslist und Schaden. Keiner Deiner Auserwählten, Geistbeseelten Bleibt verlassen; Tren will ihn dein Arm umfassen. 5. Wir fliehn zu dir mit allem dir vom holden Angesicht Aus- Schmerz, Zu dir, wenn sich geht mit ewger Wonne! Sende, das arme Herz Abhärmt in Spende Deine hellen Lebens- bittrer Reue; Du brichst nicht quellen Reichlich nieder, Gro- das zerstoßne Rohr, Und wenn Bes Haupt, auf deine Glieder! der Docht sein Del verlor, So Von den Seelen, Die zum Leben Dir dein Vater übergeben. 3. Verhüllt den Erdkreis düst- tränkst du ihn aufs nene. Im re Nacht, Ich weiß, daß dort Licht Soll nicht Eine fehlen ein Auge wacht, Das einst um uns geweinet, Das einst für uns im Tode brach, Es ist dein Aug, es bleibet wach, Bis neu die Sonne scheinet. O wer Nunmehr Nimmer flagte, Nimmer zagte, Seit du wachest Und aus Nächten Tage machest! 4. Wohin wir ziehn durch Land und Meer, Ein Himmel neigt sich drüber her, Dein Himmel voller Gnaden. Da steigt erhörlich das Gebet, Da 6. O selger König, Jesu Chrift! Wie wundervoll und heilig ist, Was uns in dir ge= schenket! In dir, der Gottes Kinder schirmt, Bleibt unser Anker, wenn es stürmt, Auf ewig eingesenket. Hier, hier Sind wir Festgebunden; Unfre Stunden Fliehn in Eile; Dann hinauf zum ewgen Heile! Knapp, g. 1798. Mel. Lobe den Herren, den mächtigen.( Ps. 103, 1-5.) 189. Lamm, das gelitten,( das Höchste vollendet, Gott in und Löwe, der siegreich gerun- die Menschheit gehüllt, daß sein gen! Blutendes Opfer und Licht uns nicht blendet.„ WürHeld, der die Hölle bezwun- dig bist du," Jauchzt dir die gen! Brechendes Herz, Das Ewigkeit zu,, Preises und sich aus irdischem Schmerz Ruhms, der nicht endet!" Ueber die Himmel geschwungen! 3. Himmlische Liebe, die Namen der Erde nicht nennen! Fürst deiner Welten, den einst 2. Du hast in schauriger Tiefe IX. Himmelfahrt Christi. 152 alle Zungen bekennen! Giengest| gewandt, Hat mich mit Gnade du nicht Selbst in der Sünder gekrönet. Gericht, Sünder entlasten zu können? 4. Wunder der Liebe! der einzige Reine von Allen Eint sich mit Seelen, die fündig im Staube hier wallen, Trägt ihre Schuld, Hebt mit unendlicher Huld Das, was am tief sten gefallen! 5. Menschensohn, Heiland, in dem sich das ewge Erbarmen Milde zu eigen gegeben den schuldigen Armen, Dir an der Brust Darf nun in Leben und Lust Jeder Erstarrte erwarmen! 6. Mir auch ist süß überwindend dein Rufen ertönet, Herr, auch mein feindliches Herz hat dein Lieben versöhnet; Ja deine Hand, Zu dem Verirrten 7. Lobe den Herrn, meine Seele! er hat dir vergeben, Heilt dein Gebrechen, legt in dich ein ewiges Leben! Frieden im Streit, Wonnen im irdischen Leid Weiß dir dein Heiland zu geben. 8. Schmilz, o mein daukender Laut, in die seligen Chöre Seiner Gemeinde, getrennt noch durch Länder und Meere, Doch von dem Band Himmlischer Liebe umspannt, Eins zu des Ewigen Ehre! 9. Jauchze, Natur, in des Frühlings beginnendem Wehen! Singe, du Welt, die das Werk der Erlösung gesehen! Jauchze, du Heer Dort am krystallenen Meer:„ Ehre sey Gott in den Höhen!" Eine Schweizerin 1834 Mel. Womit soll ich.( 1 Joh. 2, 1. 2.) 190. Großer Mittler! der zur Rechten Seines großen Vaters figt Und die Schaar von seinen Knechten In dem Reich derGnade schützt; Dem auf dem erhabnen Throne, In der kö- 3. Nun ist dieses dein Geniglichen Krone, Aller Ewig- schäfte In dem obern Heiligkeiten Heer Bringt in Demuth Preis und Ehr. 2. Dein Erlösungswerk auf Erden Und dein Opfer ist voll bracht; Was vollendet sollte werden, Das vollführtest du thum: Die erworbnen Lebensfräfte Durch dein Evangelium Allen denen mitzutheilen, Die zum Thron der Gnaden eilen; Nun wird uns durch deine Hand Heil und Segen zugewandt. mit Macht. Da du bist für uns gestorben, Ist uns Gnad und Heil erworben, Und dein stegreich Auferstehn Läßt uns in die Freiheit gehn. Himmlische Herrlichkeit Christi. 4. Alle Namen deiner Frommen Trägst du stets auf deiner Brust; Und die gläubig zu dir kommen, Sind und bleiben deine Lust. Du vertrittst, die an dich glauben, Daß sie nichts dir möge rauben, Bittest in des Vaters Haus Ihnen eine Wohnung aus. 5. Doch vergisfest du der Armen, Die der Welt noch dienen, nicht, Weil dein Herz dir von Erbarmen Ueber ihrem Elend bricht. Daß dein Vater ihrer schone, Daß er nicht nach Werken lohne, Daß er ändre ihren Sinn, Ach da zielt dein Bitten hin! 6. 3war in deines Fleisches Tagen, Als die Sünden aller Welt noch auf deinen Schultern lagen, Hast du dich vor 153 Gott gestellt, Bald mit Seufzen, bald mit Weinen Für die Sünder zu erscheinen; O in welcher Niedrigkeit Batest du zur selben Zeit! 7. Aber nun wird deine Bitte Von der Allmacht unterstützt, Da in der vollkommnen Hütte Die verklärte Menschheit fizzt. Nun kannst du des Feindés Klagen Majestätisch niederschlagen, Und nun macht dein redend Blut Unsre böse Sache gut. 191. Ach mein Herr Jesu! dein Naheseyn Bringt großen Frieden ins Herz hinein, Und dein Gnadenanblick Macht uns so selig, Daß Leib und Seele darüber fröhlich Und dankbar wird. 2. Wir sehn dein freundliches Angesicht, Voll Huld und Gnade, wohl leiblich nicht; Aber unsre Seele Kanns schon gewahren, Du kannst dich fühlbar gnug offenbaren Auch ungesehn. 8. Großer Mittler, sey gepries sen, Daß du in dem Heiligthum So viel Treu au uns bewiesen; Dir sey Ehre, Dank und Ruhm! Laß uns dein Verdienst vertreten, Wenn wir zu dem Vater beten; Schließt die Lippen uns der Tod, Sprich für uns in letter Noth! Mel. Nun bitten wir.( Joh. 14, 27. 28.) Rambach, g 1693 † 1735. 3. O wer nur immer bei Tag und Nacht Dein zu genießen recht wär bedacht! Der hätt ohne Ende Von Glück zu sagen, Und Leib und Seele müßt immer fragen: Wer ist wie du? 4. Barmherzig, gnädig, geduldig seyn, Uns täglich reichlich die Schuld verzeihn, Heilen, stillen, trösten, Erfreun und segnen Und unsrer Seele als Freund begegnen, Ist deine Lust. 5. Ach gib an deinem kostba 154 IX. Himmelfahrt Christi. ren Heil Uns alle Tage voll- 1 Erhalt uns Frieden zu allen kommen Theil, Und laß unsre Stunden, Bei Freud und Leid. Seele Sich immer schicken, 8. So werden wir bis in HimAus Noth und Liebe nach dir mel hinein In dir vergnügt wie zu blicken Ohn' Unterlaß! die Kinder seyn. Muß man gleich die Wangen Noch manchmal neßen, Wenn sich das Herz nur an dir ergößen Und stillen kann! 6. Und wenn wir weinen, so tröst uns bald Mit deiner Friedens- und Siegsgestalt; Laß dein Bild uns immer Vor Augen schweben Und dein wahrhaftiges Inunsleben zu sehen seyn! 7. Ein herzlich Wesen und Kindlichkeit Sey unsre Zierde zu aller Zeit, Und die heilge Tröstung Aus deinen Wunden 9. Du reichst uns deine durchgrabne Hand, Die so viel Treue an uns gewandt, Daß wir beim Gedächtniß Beschämt da stehen, Und unser Auge muß übergehen Vor Lob und Dank. Gregor, g. 1723 † 1801. Mel. Schmücke dich.( Ebr. 8, 1. 2. 1 Cor. 1, 31. 1 Chron. 30, 17.) 192. An Dein Bluten und| ben. Sünder können nichts Erbleichen, An Dein Opfer verdienen, Nichts vergüten, ohne gleichen, An Dein prie- nichts verfühnen; Willst du in sterliches Flehen Mahnet mich der ewgen Hütte Mich vergesdes Geistes Wehen. Und so sen in der Bitte, Nicht auf deiwünsch ich, ewge Güte, Fürnem Herzen tragen, Muß ich mein Leben eine Blüthe, Ei- sterben und verzagen. nen Ruhm an meinem Grabe: Daß ich dich geliebet habe! 2. Hoherpriester ohne Tadel! Lebensfürst von großem Adel! Licht und Herrlichkeit entfalten, Segnen heißt dein hohes Walten; Segnend trittst du mir entgegen, Und so wünsch ich einen Segen, Einen Ruhm an meinem Grabe: Daß ich dich geliebet habe! 4. Du nur giltst im Heiligthume; Und zu deiner Wunden Ruhme, Weil du für die Sünder littest, Gibt der Vater, was du bittest, Wenn schon Zornesflammen lodern, Darfst du noch Erbarmung fodern, Hilfe, wo die Engel trauern, Leben in des Todes Schauern. 5. O wie groß ist dein Vermögen! Priesteramtes kannst du pflegen, Welten auf dem 3. Elend bin ich und verdorben, In der Sünde fast erstor- Herzen tragen, Sünd und Hölle X. Pfingstlieder. niederschlagen, Gräber öffnen, Todte wecken, Sie mit Him melsblüthe decken Und hinauf zum ewgen Leben Auf der Nettershand erheben. 6. Was ist Reichthum, Lust und Ehre, Was ein Ueberfluß wie Meere, Wenn du, Herr, mich nicht erkennest, Nicht im Heiligthume nennest? Selger Pilger, dem die Kunde Tief ertönt im Herzensgrunde: Häuflein dort Und wollte nach des Herren Wort Einmüthig Pfingsten halten. Ach laß auch jetzt im Christenstand, Herr Jesu, deiner Liebe Band Bei frommen Gliedern walten! 2. Schnell fiel hernieder auf das Haus Ein starker Wind, der mit Gebraus Sich wundersam erhoben. Gotteshauch, ach lasse dich Bei uns auch spüren kräftiglich Und weh uns an von oben! 155 X. Pfingstlieder. Mel. Kommt her zu mir.( Apostelgesch. 2.) 193. Es faß ein frommes| stes voll Und fiengen an zu reden wohl, Wie er gab auszusprechen. Erfüll auch uns mit heilger Gluth, Daß wir des Herzens blöden Muth Mit freier Rede brechen. 5. Die Welt zwar treibt nur ihren Spott, Und wer nicht merkt die Kraft aus Gott, Spricht leider: sie sind trunken." Den rechten Freudenwein uns gib, Erquick, o Herr, in deiner Lieb, Was noch in Augst versunken. 6. Dein Licht treib in des Herzens Haus Mit hellen Strahlen gänzlich aus Die alten Finsternisse, Daß Blindheit, IrrUnd thum, falscher Wahn was uns sonst verleiten kann, Auf ewig weichen müſſe. 7. Dein Feuer tödt in unsrer 3. Er füllete die Wohnung ganz, Zertheilter Zungen Feuerglanz Ließ sich auf jedem spüren. Ach nimm auch unsre Kirchen ein, Laß feurig unsre Lehrer seyn, Und deine Sprach uns rühren! 4. Sie wurden all des GeiChristus, meine Lebenssonne, Denket mein im Haus der Wonne! 7. Lieben will ich, flehn und loben, Bis der Vorhang weggeschoben; Dann zu dir, du Ewigreiner! Jesus Christus, denke meiner! Eines schenke mir hienieden: Deinen Geist und deinen Frieden Und den Ruhm an meinem Grabe, Daß ich dich geliebet habe! Knapp, g. 1798 156 X. Pfingstlieder. Brust, Was sich noch regt von| wahre Freud, Anstatt der schnöSündenlust; Erwecke reine den Eitelkeit, In Jesu süßer Triebe, Auf daß wir schmecken Liebe. Eigene Mel.( Joh. 16, 13. 14.) 194. Komm, heiliger Geist, Herre Gott! Erfüll mit deiner Gnaden Gut Deiner Gläubigen Herz, Muth und Sinn, Dein' brünstig' Lieb entzünd in ihn'n. Herr! durch deines Lichtes Glast Zum Glauben du versammelt hast Das Volk aus aller Welt Zungen; Das sey dir, Herr, zu Lob gesungen. Hallelujah, Hallelujah! 2. Du heiliges Licht, edler Hort! Laß uns leuchten des Lebens Wort Und lehr uns Gott recht erkennen, Von Herzen Vater ihn nennen, OHerr, behüt vor fremder Lehr, Daß Schaffhauser Gesangbuch von 1730. 195. Nun bitten wir den heiligen Geist Um den rechten Glauben allermeist, Daß er uns behüte An unfrem Ende, Wenn wir heimfahr'n aus diesem Elende. Herr, erbarm sich unser! 2. Du werthes Licht, gib uns deinen Schein, Lehr uns Jesum Christ kennen allein, Daß wir an ihm bleiben, Dem treuen Heiland, Der uns bracht hat zum rechten Vaterland. Herr, erbarm dich unser! wir nicht Meister suchen mehr, Denn Jesum mit rechtem Glauben Und ihm aus ganzer Macht vertrauen. Hallelujah, Hallelujah! 3. Du heilige Brunst, süßer Trost! Nun hilf uns, fröhlich und getrost In dein'm Dienst beständig bleiben, Die Trübsal uns nicht abtreiben. Herr! durch dein' Kraft uns bereit. Und stärk des Fleisches Blödigkeit, Daß wir hie ritterlich ringen, Durch Tod und Leben zu dir dringen. Hallelujah, Hallelujah! Luther, g. 1483/ 1546. Eigene Mel.( Joh. 14, 26. 1 Cor. 12, 3) 3. Du süße Lieb, schenk uns deine Gunst, Laß uns empfinden der Liebe Brunst, Daß wir uns von Herzen Einander lieben Und im Frieden auf Einem Sinn bleiben. Herr, erbarm dich unser! 4. Du höchster Tröster in aller Noth, Hilf, daß wir nicht fürchten Schand noch Tod, Daß in uns die Sinnen Doch nicht verzagen, Wenn der Feind wird das Leben verklagen. Herr, erbarm dich unser! Luther. V. 1 schon im 13. Jahrhundert bekannt. X. Pfingstlieder. Mel. Wie schon leucht't.( Röm. S, 26. 1 Cor. 12, 15.) 196.heilger Geist, kehr| treu dir bleiben für und für, bei uns ein Und laß uns deine Wenn wir auch leiden müssen. Wohnung seyn, O komm, du Schaue, Baue, Waszerrissen, Herzenssonne! Du Himmels- Und geflissen, Dich zu schauen licht, laß deinen Schein Bei Und auf deinen Trost zu bauen. uns und in uns kräftig seyn 5. Stärk uns mit deiner GotZu steter Freud und Wonne. teskraft, zu üben gute NitterSonne, Wonne, Himmlisch Le- schaft In Drangsal und Beben Willst du geben, Wenn schwerden; Auf daß wir unter wir beten; Zu dir kommen deinem Schuß Begegnen aller wir getreten. Feinde Truß Mit freudigen Geberden. Laß dich Reichlich Auf uns nieder, Daß wir wieder Trost empfinden, Alles Un2. Du Quell, draus alle Weisheit fließt, Die sich in fromme Seelen gießt, Laß deinen Trost uns hören; Daß wir in Glau- glück überwinden. benseinigkeit Auch Andre in der Christenheit Dein wahres Zeugniß lehren. Höre, Lehre, Daß wir können Herz und Sinnen Dir ergeben, Dir zum Lob und uns zum Leben. 3 Gib Kraft und Nachdruck deinem Wort, Laß es wie Feuer immerfort In unsern Seelen brennen, Daß wir uns mögen nimmermehr Von deiner weisheitreichen Lehr Und treuen Liebe trennen. Schenke, Senke Deine Güte Ins Gemüthe, Daß wir können Christum unsern Heiland nennen. 157 4. Sey stets bei uns mit deinem Nath Und führ uns selbst auf rechtem Pfad, Die wir den Weg nicht wissen. Gib uns Beständigkeit, daß wir Ge6. Du süßer Himmelsthau, gib dich In unsre Herzen kräftiglich und schenk uns deine Liebe; Daß unser Sinn verbunden sey Dem Nächsten stets mit Lieb und Tren Und sich darinnen übe. Kein Neid, Kein Streit Dich betrübe; Fried und Liebe Müss' umschweben Und durchdringen unser Leben. 7. Gib, daß in reiner Heiligkeit Wir führen unsre Lebenszeit; Sey unsers Geistes Stärke, Daß uns forthin sey unbewußt Die Eitelkeit, des Fleisches Lust Und seine todten Werke. Nühre, Führe Unser Sinnen Und Beginnen Von der Erden, Daß wir Himmelserben werden. Schirmer, g. 1606 † 1673. 158 X. Pfingstlieder. Mel. 3euch mich zeuch mich 197. Komm, o komm, du Geist des Lebens, Wahrer Gott von Ewigkeit! Deine Kraft sey nicht vergebens, Sie erfüll uns jederzeit; So wird Geist und Licht und Schein In dem dunkeln Herzen seyn. 2. Gib in unser Herz und Sinnen Weisheit, Nath, Verstand und Zucht, Daß wir anders nichts beginnen, Denn was nur dein Wille sucht; Dein Erkenntniß werde groß Und mach uns vom Irrthum los. 3. Führ nus, Herr, die Wohlfahrtsstege, Die dein Wort uns kund gethan; Räume ferner aus dem Wege, Was den Lauf verhindern kann; Wirke Reue nach der That, Wenn der Fuß gestrauchelt hat. ( Röm. 8, 15. 16. Jef. 11, 2.) beten Und vertritt uns allezett; So wird unsre Bitt erhört Und die Zuversicht gemehrt. 6. Wird uns dann um Trost auch bange, Seufzt das Herz voll Traurigkeit:„ Ach mein Gott, mein Gott, wie lange?" O so wende unser Leid, Sprich der Seele tröstlich zu Und gib Muth, Geduld und Ruh! 7. O du Geist der Kraft und Stärke, Der allein das Gute schafft, Fördre in uns deine Werke Und zum Kämpfen gib uns Kraft; Schenk uns Waffen in den Krieg Und erhalt in uns den Sieg! 8. Herr, bewahr auch unsern Glauben, Daß kein Tenfel, Tod noch Spott Uns denselben möge rauben, Du bist unser 4. Stets laß unser Herz em- Schuß und Gott: Sagt das pfinden, Daß wir Gottes Kin- Fleisch gleich immer Nein, Laß dein Wort gewisser seyn! der sey'n, Die bei ihm nur Hilfe finden In der Noth und See= lenpein; Lehr uns, daß des Vaters Zucht Einzig unser Bestes sucht. 9. Wann wir endlich sollen sterben, So versichre uns je mehr, Als des Himmelreiches Erben, Jener Herrlichkeit und Ehr, Die Gott gibt durch Jesum Christ, Und die unaussprechlich ist. 5. Reiz uns, daß wir zu ihm treten Frei, mit aller Freudigkeit; Seufze in uns, wenn wir Eigene Mel.( Heſef. 36, 26. 27.) 198. Zench ein zu deinen geliebter Geist Des Vaters und Thoren, Sey meines Herzens Gast, Der du, da ich geboren, Mich neugeboren hast, Ohochdes Sohnes, Mit beiden gleichenThrones, Mit beiden gleich gepreist! 159 X. Pfingstlieder. 2. Zeuch ein, laß mich empfin-| den, Wie es dir wohlgefällt; den Und schmecken deine Kraft, Die Kraft, die uns von Sünden Hilfund Errettung schafft. Entsündge meinen Sinn, Daß ich mit reinem Geiste Dir Ehr und Dienste leiste, Die ich dir schuldig bin. So gib doch deine Gnad Zu Fried und Liebesbanden, Verknüpf in allen Landen, Was sich getrennet hat. 3. Du bist ein Geist, der lehret, Wie man recht beten soll; Dein Beten wird erhöret, Dein 7. Erhebe dich und steure Dem Herzleid auf der Erd; Bring wieder und erneure Die Wohlfahrt deiner Heerd. Laßblühen wie zuvor Die Länder, so verheeret; Die Kirchen, so zerstöSingen klinget wohl, Es steigetret, Nicht aus der Asch empor. himmelan Und läßt nicht ab im Steigen, Bis der sich möge neigen, Der Allen helfen kann. 4. Du bist ein Geist der Freuden, Das Zagen liebst du nicht, Erleuchtest uns im Leiden Mit deines Trostes Licht. Ach ja, wie manchesmal Hast du mit süßen Worten Mir aufgethan die Pforten Zum güldnen Himmelsfaal! 8. Beschirm die Obrigkeiten, Ban unsers Fürsten Thron; Gib uns getroste Zeiten; Schmück, als mit einer Kron, Die Alten mit Verstand, Mit Frömmigkeit die Jugend, Mit Gottesfurcht und Tugend Das Volk im ganzen Land. 5. Du bist ein Geist der Liebe, Ein Freund der Freundlichkeit, Willst nicht, daß uns betrübe Zorn, Zank, Haß, Neid und Streit; Der Feindschaft bist du feind, Willst, daß durch Liebesflammen Sich wieder thu zusammen, Was unverföhnlich scheint. 9. Erfülle die Gemüther Mit reiner Glaubenszier, Die Häuser und die Güter Mit Segen für und für. Vertreib den bösen Geist, Der dir sich widersetzet Und, was dein Herz ergößet, Aus unsern Herzen reißt. 10. Nicht unser ganzes Leben Allzeit nach deinem Sinn, Und sollen wir es geben Zuletzt dem Tode hin, Wanns mit uns hie 6. Du, Herr, hast selbst in wird aus, So hilf uns fröhlich Händen Die ganze weite Welt, sterben Und nach dem Tod ererKannst Menschenherzen wen- ben Des ewgen Lebens Haus! Gerhard, g. 1606+ 1376. Pf. 143, 10.) Mel. Fren dich sehr.( Eph. 1, 17-19 199. Odu allerfüß'ste Freu-| Der du uns in Lieb und Leide de! O du allerschönstes Licht! Unbesuchet läsfest nicht, Geist 160 X. Pfingstlieder. des Höchsten, höchster Fürst,| hen, was du fliehest, Gib mir, Der du hältst und halten wirst was du gerne siehest. Ohn' Aufhören alle Dinge, Höre, höre, was ich finge! 2. Du bist ja die beste Gabe, Die ein Mensch nur neunen kann, Wenn ich dich erwünsch und habe, Geb ich alles Wünschen dran. Ach ergib dich, komm zu mir In mein Herze, das du dir, Da ich in die Welt geboren, Selbst zum Tempel auserkoren. 6. Du bist, wie e'n Lamm es pfleget, Frommen Herzens. sanften Muths, Bleibst im Steben unbeweget, Thust uns Bösen alles Guts; Achverleih und gib mir auch Diesen edlen Sinn und Brauch, Daß ich Freund' und Feinde liebe, Keinen, den du liebst, betrübe. 7. Mein Hort, ich bin wohl zufrieden. Wenn du mich nur nicht verstößst; Bleib ich von dir ungeschieden, Ei so bin ich gnug getröst't! Laß mich seyn dein Eigenthum! Ich versprech hinwiederum, Hier und dort all mein Vermögen Dir zu Ehren anzulegen. 3. Du wirst als ein milder Negen Ausgegossen von dem Thron, Bringst uns nichts als lauter Segen Von dem Vater und dem Sohn. Laß doch, o du werther Gaft, Gottes Segen, den du hast Und vertheilst nach deinem Willen, Mich an Leib und Seel erfüllen. 4. Du bist weise, voll Verstandes, Was geheim ist, ist dir kund, Zählst den Staub des kleinstenSandes, Gründest auch des Meeres Grund. Nun du weißt auch zweifelsfrei, Wie verderbt und blind ich sey; Drum gib Weisheit und vor allen, Wie ich möge Gott gefallen. 5. Du bist heilig, lässt dich finden, Wo man rein und redlich ist; Fleuchst hingegen Schand und Sünden, Weil du lauter Klarheit bist; Mache mich, o Gnadenquell, Rein und züchtig, keusch und hell; Laß mich flie8. Nur allein, daß du mich stärkest Und mir treulich stehest bei! Hilf, mein Helfer, wo du merkest, Daß mir Hilfe nöthig sey; Brich des bösen Fleisches Sinn, Nimm den alten Willen hin, Daß er sich in dir erneue, Und mein Gott sich meiner freue! 9. Halt mich, wann die Kniee beben, Wann ich sinke, sey mein Stab; Wann ich sterbe, seymein Leben; Wann ich liege, hüt mein Grab; Wann ich wieder aufersteh, Ei so hilf mir, daß ich geh Hin, wo du in ewgen Frenden Wirst die Auserwählten waiden! Gerhard, g. 1606 † 1675. X. Pfingstlieder. Mel. Jesu, du mein liebstes.( Rom. 8, 13. 14.) 200. Geist der Kraft, der Zucht und Liebe, Der sich in die Frommen senkt Und die Wohlthat seiner Triebe Gottergebnen Seelen schenkt, Seelen, die das Arge haffsen Und den Vorsaß festgestellt, Daß sie sich von Fleisch und Welt nicht mehr wollen treiben lassen, Laß auch mich in Freud und Pein Deines Triebs theilhaftig seyn! 2. Laß dein Licht den Sinn erfüllen, zu erkennen meine Pflicht; Neige aber auch den Willen Durch dein mächtiges Gewicht, Meine Pflichten zu vollbringen. Wenn mir Kraft und Nachdruck fehlt, Wenn mich Kält und Unmacht quält, So laß Kräfte mich durchdringen Und regieren meinen Geist, Das zu thun, was du mich heißst. 3. Führe mich zu Jesu Kreuze, Wenn mein Sündenelend groß; Halt mich beim Versuchungsreize In der Gnade fichrem Schoos. Treib mich an, getrost zu kämpfen Und durch einen 161 ernsten Streit, Mit Gebet und Wachsamkeit Meinen ärgsten Feind zu dämpfen. Treib mich auf der heilgen Bahn Stets zum Lauf und Wachsthum an. 4. O wie sanft ist dieses Treiben Und wie kräftig doch dabei! Es läßt niemand müßig bleiben, Es macht von der Trägheit frei; Es bezwingt mit Liebeskräften Das gefesselte Gemüth, Daß es sich mit Lust bemüht, Treu zu seyn in Lichtsgeschäften; Es läßt weder Rast noch Nuh, Ja es nimmt beständig zu. 5. Geist der Kraft, der Zucht und Liebe, Treib auch mich zum Guten an; Mach durch deine starken Triebe Mir zum Laufen freie Bahn! So geh ich in Spott und Leiden, Indie tiefste Schmach hinab, So geh ich durch Tod und Grab Zu des Paradieses Freuden. Ach wie süß, o Geist der Zucht, Ist mir deiner Triebe Frucht! Rambach, g. 1693 † 1735. Mel. Erquide mich.( Rom. 8, 2. Eph 4, 30) 201. Gott, o Geist, o ner kann entgehen, Dich laß Licht des Lebens, Das uns im ich gern mein Innres sehen. Todesschatten scheint, Du 2. Entdecke alles und verzehre, scheinst und lockst so lang ver- Was nicht in deinem Lichte gebens, Weil Finsterniß dem rein; Wenn mirs gleich noch so Lichte feind! O Geist, dem kei- schmerzlich wäre, Folgt doch die Evangelisches Gesangbuch 11 162 X. Pfingstlieder. Wonne nach der Pein. Du wirst| deinem Trieb; Bewahr mein mich aus dem finstern Alten In Jesu Klarheit umgestalten. Herz mit allen Sinnen Untadelig in Gottes Lieb. Dein in mir Beten, Lehren, Kämpfen Laß mich auf keine Weise däm= pfen. 3. Ich kann nicht selbst der Sünde steuern, Das ist dein Werk, du Quell des Lichts! Du mußt von Grund aus mich erneuern, Sonst hilft mein eignes Trachten nichts. O Geist, sey meines Geistes Leben, Ich fann mir selbst kein Gutes geben! 4. Du Athem aus der ewgen Stille, Durchwehe sanft der Seele Grund, Füll mich mit aller Gottesfülle; Und da, wo Sünd und Greuel stund, Laß Glauben, Lieb und Ehrfurcht grünen, In Geist und Wahrheit Gott zu dienen. 5. Mein Wirken, Wollen und Beginnen Sey findlich folg sam 202. Geist vom Vater und vom Sohn! Weihe dir mein Herz zum Thron; Schenke dich mir immerdar, So wie einst der Jüngerschaar. 2. Geist der Wahrheit! leite mich; Eigne Leitung täuschet fich, Da sie leicht des Wegs verfehlt Und den Schein für Wahrheit wählt. 6. O Geist, o Strom, der uns vom Sohne Eröffnet, und krystallenrein Aus Gottes und des Lammes Throne In stille Herzen fließt hinein, Ich öffne meinen Mund und sinke Hinzu der Quelle, daß ich trinke! 7. Ich laff' mich dir und bleib indessen Von allem abgekehrt, dir nah; Ich will die Welt und mich vergessen, Dieß innigst glauben: Gott ist da! O Gott, o Geist, o Licht des Lebens, Man harret deiner nie vergebens! Mel. Gott sey Dank.( hesef. 36, 27. 3. Geist des Lichtes! mehr' in mir meinen Glauben für und für, Der mich Christo einverleibt Und durch Liebe Früchte treikt. Tersteegen, g. 1697 † 1769 1 Cor. 12, 11.) 4. Geist der Andacht! schenke mir Salbung, Inbranst, Gluth von dir; Laß mein Bitten innig, rein Und vor Gott erhörlich seyn. 5. Geist der Liebe, Kraft und Zucht! Wenn mich Welt und Fleisch versucht, Odann unterstüße mich, Daß ich ringe; rette mich! 6. Geist der Heiligung! verklär Jesum in mir mehr und mehr; Und erquicke innerlich Durch den Frieden Gottes mich. 7. Geist der Hoffnung! führe X. Pfingstlieder. du Mich dem Himmelserbe| freun zu; Laß mein Herz sich deiner seyn. 163 Und in Hoffnung selig von Wessenberg, g. 1774. Gal. 5, 22.) Mel. Alle Menschen.( 1 Cor. 12, 4. 5. Ja dein Strafen und Erschüttern, Das des Lebens Grund erregt, Das, wie Strahlen aus Gewittern, Stolze Geister niederschlägt, Mahnet, ihm das Herz zu geben; Und dein gnadenvolles Weben Nichtet in dem Glaubenslauf Matte Kniee tröstend auf. 203. Geist des Lebens, heilge Gabe, Du, der Seelen Licht und Trost, Erntesegen, aus dem Grabe Unsers Heilands aufgesproßt, Uns gesandt vom Himmelsthrone, Vom erhöhten Menschensohne, Geist der Kraft und Herrlichkeit, Mache dir mein Herz bereit! 2. Einst bist du herabgefahren Als ein Sturmwind aus den Höhn, Ließest dich in wunderbaren Feuerzungen herrlich sehn; Aber jezzo wehst du stille, Ohne Zeichen, ohne Hülle Auf der Erde nah und fern, Als ein Athemzug des Herrn. 3. Ihn, den armen Nazarener, Der gering auf Erden gieng, Ihn, den Mittler und Versöhner, Der am Kreuz die Welt umfieng, Allen Herzen zu verklären, Ihn, den großen Gott der Ehren, Dessen Herz von Liebe flammt, Groß zu machen, ist dein Amt. 4. Ja du nimmst es von dem seinen, Wenn du Lebensworte sprichst, Wenn du bald durch Flehn und Weinen, Bald durch Psalmen Herzen brichst. Du bist seines Wesens Spiegel, Seiner Werk' und Worte Siegel, Zeuge, daß er lebt und liebt, Zenge, daß er Leben gibt. 6. Was die Welt nicht kann erlangen, Was kein eitles Auge sieht, Soll von dir ein Herz empfangen, Das die Lust der Erde flieht; Frieden, von dem Kreuze quillend, Frieden, alle Klagen stillend, Hellen Blick in Gottes Rath, Frucht aus Jesu blutger Saat. 7. Was die Welt uns nie gelehret, Lehrest du den Glauben thun: Beten, bis der Herr erhöret, Und in stiller Hoffnung ruhn; Fleht die Seele bang und schwächlich, Ach dann seufzest unaussprechlich Du durch alle Himmel hin, Und er kennet deinen Sinn! 8. Was kein Mensch, kein eigner Wille, Keine Kraft der Welt vermag, Wirkst du mühelos und stille, Geist des Herrn, am Gnadentag: Buße gibst du, Glauben, Liebe, Sanftmuth, Demuth, keusche Triebe; Ach wer ändert, reinigt sich, XI. Kirche Christi. 164 Bleibt beim Heiland ohne dich? 9. O du Pfand des neuen Bundes, Geist des Vaters, mild und rein, Heilger Odem seines Mundes, Zeuch in unsre Herzen ein! Leib und Seele, Haupt und Glieder Kehren aus dem Tode wieder, Wo sich deine Gotteskraft Einen Siß und Tempel schafft. 11. Droben soll, wie Gottes Sterne, Leuchten Christi Jüngerschaar; O wer strebt aus dieser Ferne Nach dem großen Jubeljahr? Lehr uns, Herr, der Welt entrinnen, Halt in 10. O wer innig möchte dür- Jesu Herz und Sinnen, Zeig sten Und zum Gnadenthrone uns hier im Glauben ihn, Stell gehn, Würde bald vom Lebens- uns dort zum Schauen hin! fürsten Dich, du höchstes Gut, Knapp, g. 1798. XI. Die Kirche Christi. Mel. Wie groß ist.( Luc. 14, 23. Eph. 1, 22. 23. Cap. 4, 4-6.) 204. Ich lobe dich! mein Auge schauet, Wie du auf diesem Erdenkreis Dir eine Kirche haft erbauet Zu deines Namens Lob und Preis: Daß alle sich zusammen finden einem heiligen Verein, Wo fie, erlöst von ihren Sünden, Sich, Jesu, deines Reiches freun. erflehn! Selig, wer von dir geleitet, Sich auf Christi Tag bereitet, Wer dich, wenn sein Stündlein schlägt, Unbetrübt im Herzen trägt! 2. Du rufest auch noch heutzutage, Daß jedermann erscheinen soll; Doch hört man stets auch deine Klage: Noch immer ist mein Haus nicht voll!" Zwar viele sind von dir geladen. Doch wenige nur auserwählt; Sie wandeln auf des Weltfinns Pfaden, Und mancher, den du rufest, fehlt. 3. Herr! unter Völkern vieler Zungen Hast du dein Haus nun aufgeführt, In dem dein Preis dir wird gesungen, Das Glaube, Lieb und Hoffnung ziert; Wo alle unter Christo stehen, Als ihrem königlichen Haupt, Auf den sie alle freudig sehen, Sie, deren Herz an Christum glaubt. 4. Nicht eignem Werk gilt ihr Vertrauen, Es ruht auf dir und deinem Sohn; Er ist der Fels, auf den sie bauen; Er ist der Weg zu Sieg und Lohn; Er ist der Weinstock, sie die Neben, In ihm nur reifet ihre Frucht; Er ist ihr Licht, ihr Heil und Leben Durch Wahrheit, Lich und fromme Zucht. 5. Ein Herr, ein Glaub und XI. Kirche Christi. 165 dann auch allesammt als Brüder In Lieb ihm folgen treu und gern. eine Taufe Vereinigt sie zum| an dem Haupt und Herrn, Und heilgen Bund; Ein Ziel erglänzt dem Pilgerlaufe; Ein Fels ist ihres Friedens Grund; Ein Vater waltet über allen, Und allen, Gott, bist Vater du, Dir streben alle zu gefallen, Und du gibst ihnen Heil und Ruh. 6. So weih uns denn zum neuen Leben, Daß wir nur deine Wege gehn, Zuerst nach deinem Reiche streben Und niedern Lüsten widerstehn. Gib, daß wir als getreue Glieder Fest halten 7. Erhalt uns, Herr, im wahren Glauben Noch fernerhin bis an das End. Laß nichts uns deine Schäße rauben, Dein heilig Wort und Sakrament. Erfülle deiner Christen Herzen, O Gott, mit deinem Gnadenheil Und gib nach überwundnen Schmerzen Uns droben einst das beßre Theil! Nach Fr. Konr. Hiller, g. 1662 † 1726. Mel. Nun bitten wir.( 1 Cor. 12, 12-27. Pf. 110, 3.) 205. Die Kirche Christi, 4. Die allgenugsame Hand die er geweiht zu seinem Hause, ist weit und breit In der Welt zerstreuet, In Nord und Süden, In Ost und West, und doch so hienieden Als droben eins. des Herrn Besorgt fie all' in der Näh und Fern, Und wenn in der Demuth Sie ihn nur meinen, Eilt er im Geiste, fie zu vereinen Zu einem Leib. 5: So wandelt er durch die Gemeinden hin, Die schaun, wie Stern' um die Sonn, auf ihn; Und wo Glaube wohnet, Da steht er mitten Und füllt die Seinen in Pilgerhütten Mit Gnad und Licht. 2. Meist sind die Glieder sich unbekannt Und doch einander gar nah verwandt. Einer ist ihr Heiland, Ihr Vater einer, Ein Geist regiert sie, und ihrer keiner Lebt mehr sich selbst; 3. Sie leben dem, der sie mit Blut erkauft und mit dem heiligen Geiste tauft; Und im wahren Glauben Und treuer Liebe Gehn ihrer Hoffnung lebendge Triebe Aufs ewge Gut. 6. O Geist des Herrn, der das Leben schafft, Walt in der Kirche mit deiner Kraft, Daß die Gotteskinder Geboren werden, Gleich wie der Morgenthau, schon auf Erden Zu Christi Preis! Nach Spangenberg. 166 XI. Kirche Christi. Eigene Mel.( Matth. 28, 20. Pf. 119, 43.) 206. Erhalt uns, Herr, bei| 4. O Gott, laß dir befohlen deinem Wort Und steure aller seyn Unsre Kirche, die Kinder Feinde Mord, Die Jesum dein; Im wahren Glauben Christum, deinen Sohn, Wol- uns erhalt Und rett uns von len stürzen von seinem Thron. der Feinde G'walt. 2. Beweis dein' Macht, Herr Jesu Christ, Der du Herr aller Herren bist! Beschirm dein' arme Christenheit, Daß fie dich lob in Ewigkeit. 3. Gott, heilger Geist, du Tröster werth, Gib dein'm Volk einen Sinn auf Erd. Steh bei uns in der legten Noth, Leit uns ins Leben aus dem Tod. 5. Laß alle Welt erkennen doch, Daß du, unser Gott, le= best noch Und hilfst gewaltig deiner Schaar, Die sich auf dich verlässet gar. 6. So werden wir, die Kinder dein, Bei uns selbst und auch in der G'mein Dich, heilige Dreieinigkeit, Loben darum in Ewigkeit. V. 1-3 von Luther, 5 von Justus Jo. nas, 4 und 6 späterer 3usag. Mel. Alles ist an; oder: Ach, was soll ich.( Matth. 6, 10. Joh. 10, 16.) 207. Großer Hirte deiner| Heiden, Türken, Denn du haft auch sie erkauft. Heerden In dem Himmel und auf Erden, Treuer Heiland, Jesu Chrift! Laß in diesen legten Zeiten Sich dein Reich noch mehr verbreiten, Als bisher geschehen ist. 4. Gib dazu von Jahr zu Jahren Viel Evangelistenschaaren, Treue Lehrer ohne Fehl, Die im Glauben, Wort und Leben Gründlich, kindlich dir ergeben, Heiliger in Israel! 2. Laß es sich zu deinen Ehren Kräftiglich in uns vermehren; Breit es, Herr, von Haus zu Haus Unter unsern Anverwandten, Unter Freunden und Bekannten Und in allen Ländern aus! 5. Flöße früh der zarten Jugend Alle Wissenschaft und Tugend Nur durch dein Erkenntniß ein: Gib ihr Leben, nicht nur Wissen, Und behalt von Aergernissen Lehrer mit den Schülern rein. 3. Gib dich allen zu erkennen, Die sich darum Christen nennen, Weil sie sind auf dich getauft. Laß dein Wort auch fräftig wirken Unter Juden, 6. Laß dein Wort die Sichern schrecken Und die Geistlichtodten wecken, Stürz die Selbstgerechtigkeit, Mach die Geist XI. Kirche Christi. 167 lichblinden sehend, Mach die| fortzugehen. Bis ihr Geist die Geistlichlahmen gehend, Mach Kron erringt. dir selbst den Weg bereit. 9. Die am Ende sich befinden, Denen hilf selbst überwinden; Zeig dem Glauben jenen Lohn, Den du denen aufgehoben, Die nach ausgestandnen Proben Siegreich stehn vor deinem Thron. 7. Schenke den Erwachten Gnade, Nicht zu ruhen, bis ihr Schade Recht entdeckt und schmerzhaft ist; Zeuch sie dann zu dir, dem Sohne, Daß vor deinem Gnadenthrone Sie sich laben, Jesu Christ! 10. Herr! so sammle deine Glieder; Dann erscheine gnä8. Welchen ihre Schuld ver- dig wieder Als der ewig gute geben, Die laß stets im Glau- Hirt, Da aus so viel tausend ben leben, Der viel Geistes- Heerden Eine Gottesheerde früchte bringt; Laß sie niemals werden Und um dich sich stelstille stehen, Treibe sie stets len wird! Job. Jac. v. Moser, g. 1701 t 1785. Mel. Dir, dir, Jebovab.( Matth. 9, 38. Luc. 12, 49.) 208. Wach auf, du Geist| wie an allen Orten Sich deider ersten Zeugen, Der Wäch- ner Kinder Herz und Sinn beter, die auf Zions Mauer stehn, wegt, Dich herzinbrünstig darDie Tag und Nächte nimmer um anzuflehn; Drum hör, o schweigen, Die unverzagt dem Herr, und sprich:„ es soll geFeind entgegengehn, Ja deren schehn!" Schall die ganze Welt durchdringt Und aller Völker Schaaren zu dir bringt! 2. O daß dein Feuer bald entbrennte. Daß wir es sähn in alle Lande gehn, Auf daß bald alle Welt erkennte, Was zur Erlösung ihr von dir geschehn! O Herr der Ernte, fiche du darein: Die Ernt ist groß, der Knechte Zahl ist klein! 3. Dein Sohn hat ja mit flaren Worten Uns diese Witt in unsern Mund gelegt. O fiehe, 4. Herr! gib dein Wort mit großen Schaaren, Die in der Kraft Evangelisten sey'n. Laß eilend Hilf uns widerfahren Und brich in Satans Reich mit Macht hinein! Obreite, Herr, auf weitem Erdenkreis Dein Reich bald aus zu deines Namens Preis! 5. Laß schnell dein Wort die Welt durchlaufen. Es sey kein Ort ohn' deffen Glanz und Schein; Ach führe bald dadurch mit Haufen Der Heiden Füll 168 XI. Kirche Christi. zu allen Thoren ein! Ja wecke| sehn, Die kräftig vor den Niß doch auch Israel bald auf; der Kirche stehn. Und also segne deines Wortes Lauf. 6. Herr! beßre deines Zions Stege Und öffne drinnen deinem Wort die Bahn; Was hindert, räume aus dem Wege, Vertilge du den falschen Glaubenswahn. Von Miethlingen mach deine Kirche frei, Daß Kirch und Schul ein Garten Gottes sey. 8. Die Lieb ists, Herr, die zu dir flehet, Sie, die von deiner Lieb ein Fünklein ist, Von deinem Odem angewehet, O du, der du die Liebe selber bist! Wenn wir in schwacher Liebe zu dir flehn, Was wird nicht von der Liebe Quell geschehn! 9. Du wirst dein herrlich Werk vollenden, Der du der Welten Heil und Richter bist; Du wirst der Menschheit Jammer wenden, So dunkel jetzt dein Weg, o Heilger, ist. Drum hört der Glaub nie auf, zu dir zu flehn; Du thust doch über Bitten und Verstehn! von Bogazky, g. 1690 † 1774 7. Laß jede hohe, niedre Schule Die Werkstatt deines gutenGeistes seyn! Ja size du drin auf dem Stuhle, Drück du dein Bild dem Geist der Jugend ein, Daß treue Lehrer wir und Beter Mel. Erhalt uns, Herr.( Luc. 24, 29.) 209. Ach bleib bei uns, Kirche Gnad und Huld, Fried, Herr Jesu Christ, Weil es nun Einigkeit, Muth und Geduld. Abend worden ist, Dein gött- 5. Ach Gott, es geht gar übel lich Wort, das helle Licht, Laß zu, Auf dieser Erd ist keine ja bei uns auslöschen nicht! Nuh! Viel Sekten und viel Schwärmerei Auf Einen Haufen kommt herbei. 2. In dieser letzten, bösen Zeit Gib uns des Glaubens Beständigkeit, Daß wir dein Wort und Sakrament Rein b'halten bis an unser End. 3. Herr Jesu, hilf, dein Kirch erhalt! Wir sind sicher, arg, träg und kalt; Gib Glück und Heil zu deinem Wort, Daß es erschall an allem Ort. 4. Erhalt uns nur bei deinem Wort Und wehr des Teufels Trug und Mord; Gib deiner 6. Den stolzen Geistern wehre doch, Die sich mit Macht erheben hoch Und bringen stets Zu fälschen was neues her, deine rechte Lehr. 7. Die Sach und Ehr, Herr Jesu Christ, Nicht unser, sondern dein ja ist; Darum so steh du denen bei, Die sich auf dich verlassen frei. 8. Dein Wort ist unsers Her XI. Kirche Christi. 169 zens Truß und deiner Kirche| Wort Und darauffahren ferner wahrer Schuß; Dabei erhalt fort Von hinnen aus dem Jamuns, lieber Herr, Daß wir merthal Zu dir in deinen Freunichts andres suchen mehr. densaal. 9. Gib, daß wir leben in dem Selneder, g. 1532 † 1592. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit.( Matth. 16, 18. Pf. 46, 5. 6.) 210. Die Feinde deines| kehren. Lehr sie mit uns gen Kreuzes drohn, Dein Reich, Herr, zu verwüsten; Du aber, Mittler, Gottes Sohn, Beschüßest deine Christen. Dein Thron bestehet ewiglich, Vergeblich wird sich wider dich Die ganze Hölle waffnen. Himmel schaun Und unerschüttert im Vertraun Auf deine Zukunft warten. 2. Dein Reich ist nicht von dieser Welt, Kein Werk von Menschenkindern; Drum konnt auch keine Macht der Welt, Herr, seinen Fortgang hindern. Dir können deine Haffer nie Dein Erbe rauben; selbst durch fie Wird es vergrößert werden. 3. Weit wollst du deine Herrschaft noch In deiner Welt verbreiten und unter dein so sanftes Joch Die Völker alle leiten! Vom Aufgang bis zum Niedergang Bring alle Welt dir Preis und Dank Und glaub an deinen Namen., 5. Uns Christen aber wollest du Fest in der Wahrheit gründen, Daß wir für unsre Seelen Ruh In deiner Gnade finden; Mach unsers Glaubens uns gewiß, Vor Irrthum und vor Finsterniß Bewahr uns, weil wir leben. 6. Ein reines Herz schaff in uns, Herr, Ein Herz nach deinemWillen; Lehr uns mit jedem Tage mehr Treu dein Gebot erfüllen, Gehorsam deiner Vorschrift seyn Und dann uns deiner Gnade freun; Sey unser Heil auf Erden! 7. So wird dein Volk dir unterthan Und lernt die Sünde meiden, Und du führst es auf ebner Bahn Zu deines Reiches Freuden; Und herrlich wird in dieser Zeit, Noch herrlicher in Ewigkeit Dein großer Name werden! Münter, g. 1735 † 1795. Eigene Mel.( Luc. 9, 62. Offenb. 2, 10. Job. 4. 1 2c.) 211. Fahre fort, fahre fort,| Licht; Mache deinen Leuchter Wandle, Volk des Herrn, im helle! Laß die erste Liebe nicht, 4. Auch deine Feinde, die dich schmähn, Die frevelnd sich empören, Laß deiner Gnade Wunder sehn, Daß sie sich noch be 170 XI. Kirche Christi. Suche stets die Lebensquelle,| und was schlecht, Prüfe recht, Volk des Herrn, dring durch prüfe recht! die enge Pfort, Fahre fort, fahre fort! 2. Leide dich, leide dich! Gottes Volk, leid ohne Scheu Trübsal, Angst mit Spott und Hohne; Sey bis in den Tod getreu, Siehe auf die Lebenskrone! Leide, wenn du fühlst der Schlange Stich; Leide dich, leide dich! 5. Dringe ein, dringe ein, Zion, dringe ein in Gott! Stärke dich mit Geist und Leben, Sey nicht wie die Andern todt, Sey du gleich den grünen Reben! In die Gotteskraft, für Heuchelschein, Dringe ein, bringe ein! 6. Brich herfür, brich herfür, Gottes Volk, herfür in Kraft! Laß die Bruderliebe brennen; Zeige, was der in dir schafft, Der dich als sein Volk will kennen! Auf, er selbst hat aufge= than die Thür; Brich herfür, brich herfür! 7. Halte aus, halte aus, Gottes Volk, halt deine Treu, Laß nicht lau und träg dich finden! Auf, das Kleinod rückt herbei! Auf, verlasse, was dahinten; Gottes Volk, im letzten Kampf und Strauß Halte aus, halte aus! 3. Folge nicht, folge nicht, Folge nicht der eiteln Welt, Wenn sie dich sucht groß zu machen; Achte nicht ihr Gut und Geld! Ernst im Beten, ernst im Wachen Sieh dich für, wenn sie viel Lust verspricht; Folge nicht, folge nicht! 4. Prüfe recht, prüfe recht, Prüfe weislich jeden Geist, Der dir ruft nach beiden Seiten; Thue nicht, was er dich heißt; Laß nur deinen Stern dich leiten! Beide, das was gut scheint Joh. Ens. Schmidt, g. 1670+ 1745. Eigene Mel.( Ps. 46. Matth. 28, 20. Jerem. 15, 20.) 212. Ein' feste Burg ist un-| loren; Es streit't für uns der rechte Mann, Den Gott hat selbst erforen. Fragst du, wer der ist? Er heißt Jesus Christ, Der Herr Zebaoth, und ist kein andrer Gott; Das Feld muß er behalten! 3. Und wenn die Welt voll Teufel wär Und wollt uns gar verschlingen, So fürchten wir uns nicht so sehr, Es soll ser Gott, Ein' gute Wehr und Waffen; Er hilft uns frei aus aller Noth, Die uns jetzt hat betroffen. Der alt' böse Feind Mit Ernst ers jetzt meint; Groß' Macht und viel List Sein grausam Rüstung ist; Auf Erd ist nicht sein's gleichen. 2. Mit unsrer Macht ist nichts gethan, Wir sind gar bald ver XI. Kirche Christi. 171 haben! Er ist bei uns wohl auf dem Plan Mit seinem Geist und Gaben. Nehm'n sie uns den Leib, Gut, Ehr, Kind und Weib, Laß fahren dahin; Sie habens kein'n Gewinn! Das stahn Und kein'n Dank dazu| Reich muß uns doch bleiben! 4. Das Wort sie sollen lassen Luther, g. 1483 † 1546. uns doch gelingen! Der Fürst dieser Welt, Wie sau'r er sich stellt, Thut er uns doch nichts; Das macht, er ist gericht't; Ein Wörtlein kann ihn fällen. Mel. Kommt her zu mir.( 2 Chron. 20, 15. Luc. 12, 32. 18, 7. 8.) 213. Verzage nicht, o Häuf-| de on, lein klein, Obschon die Feinde Willens sey'n, Dich gänzlich zu verstören Und suchen deinen Untergang, Davor dir recht wird angst und bang; Es wird nicht lange währen. 2. Dich tröste nur, daß deine Sach Ist Gottes, dem befiehl die Nach, Laß ihn alleine walten. Er wird durch seinen GiDen er wohl kennt, dir helfen schon, Dich und sein Wort erhalten. 3. So wahr Gott Gott ist und sein Wort, Muß Teufel, Welt und Höllenpfort Und was dem thut anhangen, Endlich werden zu Hohn und Spott. Gott ist mit uns und wir mit Gott,- Wir werden Sieg erlangen! Gustav Adolphs von Schweden Schlache. gefang bei Lügen, 6. Nov. 1632. Mel. Auf, Christenmensch.( Ps. 80, 15. 16.) 214. Wo regt sich noch ein| Christen Mund, Und keiner guter Geist Und will die wollt sich stellen; Da trat ein Held auf Felsengrund, Kein Wetter konnt ihn fällen; Er zog in Gotteskraft einher:. Und wenn die Welt voll Teufel wär!" 4. Der Zweifel schlich durch Mark und Bein, Wollt Gottes Werk zersplittern; Da hob der Glaube starf und rein Sein Haupt aus Ungewittern. Er fiegt' und macht die Welt zu Spott:„ Ein' feste Burg ist unser Gott!" 5. Jest jagt man wohl nach Wahrheit sehen, Wie sie die Palmen an sich reißt, Wie ihre Fahnen wehen? Herein! heut ist in Ost und West Das schöne Siegs- und Freudenfest! 2. Die Welt war todt, die Herzen arm, Der Streit war aufgegeben; Da kam die Gluth, da ward es warm, Da braust' ein Sturm ins Leben, Der brach entzwei die Todtengruft, Weht an die Brust mit Freiheitsluft. 3. Einst sperrte Furcht der 172 XI. Kirche Christi. -11 Gut und Ehr, Das End ist| Den armen Leib sie mögen Tod und Grauen; Doch wer fahn," Das Wort sie sollen für Gott sich stellt zur Wehr, laffen stahn!" Darf froh dem Höchsten trauen; Eigene Mel.( Psalm 12. Matth. 24, 12.) 215. Ach Gott! vom Him-| muß auf seyn, Die Armen sind mel sieh darein Und laß dich deß erbarmen: Wie wenig sind der Heilgen dein, Verlassen sind wir Armen! Dein Wort man läßt nicht haben wahr; Der Glaub ist auch erloschen gar Bei allen Menschenkindern. 2. Sie lehren eitel falsche List, Was Eigenwiß erfindet, Ihr Herz nicht Eines Sinnes ist In Gottes Wort gegründet; Der wählet dieß, der andre das, Sie trennen uns ohn' alle Maß und gleißen schön von außen. Möller um 1800. 3. Gott woll ausrotten alle gar, Die falschen Schein uns lehren, Darzu ihr' Zung' stolz, offenbar Spricht:„ troß! wer wills uns wehren? Wir haben Recht und Macht allein, Was wir sehen, das gilt gemein, Wer ist, der uns soll meistern?" 4. Darum spricht Gott:„ ich verstöret, Ihr Seufzen dringt zu mir herein, Ich hab ihr Klag erhöret; Mein heilsam Wort soll auf den Plan, Getrost und frisch sie greifen an Und seyn die Kraft der Armen." 5. Das Silber, durchs Feu'r fiebenmal Bewährt, wird lauter funden: Am Gotteswort man warten soll Deßgleichen alle Stunden; Es will durchs Kreuz bewähret seyn; Da wird fein' Kraft erkannt und Schein Und leucht't stark in die Lande. 6. Das wollst du, Gott, bewahren rein Für diesem argen G'schlechte, Und laß uns dir befohlen seyn, Daß fichs in uns nicht flechte; Der gottlos Hauf sich umher find't, Wo diese losen Leute sind In deinem Volk erhaben. Luther, g. 1483 † 1546. Die Gemeinschaft der Heiligen. Mel. Es spricht der Unweisen Mund.( Eph. 4, 15. 16. Gal. 6, 2.) 216. Ich glaube, daß die Heiligen Im Geift Gemeinschaft haben, Weil sie in einer Gnade stehn Und eines Geistes Gaben. So viele Christus machet rein, Die haben all sein Gut gemein Und alle Himmelsschätze. 2. Zwar nicht das gleiche Schicksal fällt Hienieden jedem Die Gemeinschaft der Heiligen. 173 Gliede; Es dauern noch in die-| Gemeinschaft an dem Leiden, ser Welt Die äußern Unterschiede: Dem einen fällt ein armes Loos, Der andre ist geehrt und groß; Das will ein Christ nicht ändern. Am Kreuz, an der Bekümmerniß, An Spott und Traurigkeiten; Wir tragen, doch nicht ohne Ruhm, Allzeit das Sterben Jesu um An unfrem Todesleibe. 8. Wir leiden mit, wir ziehen an Ein herzliches Erbarmen; Und wenn das Herz nicht weiter kann, So seufzt es für die Armen. Denn solch ein Glied, dem durch sein Herz Nicht geht der andern Glieder Schmerz, Das hat gewiß kein Leben. 9. So trägt ein Glied des andern Last Um seines Hauptes willen; Wer seiner Brüder Lasten faßt, Lernt das Gesetz erfüllen. Der Herr voran im Vorbild geht; Sein königlich Gebot besteht In einem Wörtlein: Liebe! 3. Doch in der neuen Kreatur Ist keiner klein noch größer; Wir haben einen Christus nur, Den einigen Erlöser, Das Licht, das Heil, den Morgenstern; Wort, Tauf und Nachtmahl unsers Herrn Ist allen gleich geschenket. 4. Da ist kein Knecht noch Freier mehr, Da sind sie Alle Kinder; Der Reichthum macht hier keine Ehr, Die Armuth keinen Sünder. Gott sieht nicht die Personen an, Weil oft ein Reicher arm seyn kann, Der Arme reich an Gnaden. - 5. Die Sonne der Gerechtigfeit Will allen Gnade geben; Der Geist gibt allen allezeit, Als Gottes Odem, Leben, Weil uns der Vater alle liebt, So wie der Himmel uns umgibt; Wir haben gleiche Güter. 6. Ein Himmel, eine Seligkeit, Ein Vorbild und ein Hoffen, Ein Recht, ein Vaterherz im Leid, Ein Segen steht uns offen. Uns führt ein Weg dem Himmel zu, Wir hoffen alle eine Ruh Allein durch einen Glauben. 7. Wir haben alle überdieß 10. Der Liebe Chrifti füßer Reiz Dringt alle seine Frommen, Wie er aus Liebe unser Kreuz Für uns auf sich genommen, Daß meine Armuth seine Noth, Mein Kreuz sein Kreuz, sein Tod mein Tod, MeinSpott sein Spott ist worden. 11. Wie ist der Heilige so groß, Der mir vorangegangen, Mit dem ich als ein Kreuzge= noß Gemeinschaft soll erlangen! Bedenk, o Seele, wer er ist! Er ist der Heiland Jesus Christ, Der Sohn des Allerhöchsten. XI. Kirche Chrifti. 174 12. Ich will mich der Gemein-| nicht fliehen. Hab ich Gemeinschaft nicht Der Heiligen entschaft an dem Leid, So laß mich ziehen; Wenn meine Brüder an der Herrlichkeit Auch einst Noth anficht, So will ich sie Gemeinschaft haben! Ph. Fr. Hiller. g. 1699 † 1769. ( Joh. 17, 20-23. Cap. 13, 34. 35.) Eigene Mel.; oder: O du Liebe. | andern wecken, Alle Kräfte Tag für Tag Ohne Sträuben darzustrecken, Daß er ihm gefallen mag. 217. Herz und Herz vereint zusammen Sucht in Gottes Herzen Ruh; Laffet enre Liebesflammen Lodern auf den Heiland zu! Er das Haupt, wir seine Glieder; Er das Licht, und wir der Schein; Er der Meister, wir die Brüder; Er ist unser, wir sind sein! 5. Hallelujah! welche Höhen, Welche Tiefen reicher Gnad, Daß wir dem ins Herze sehen, Der uns so geliebet hat; Daß der Vater aller Geister, Der 2. Kommt, ach kommt, ihr der Wunder Abgrund ist, Daß Gotteskinder, Und erneuert eu- du, unsichtbarer Meister, Uns ren Bund, Schwöret unfrem so fühlbar nahe bist! Ueberwinder Lieb und Treu von Herzensgrund! Und wenn eurer Liebeskette Festigkeit und Stärke fehlt, O so flehet um die Wette, Bis fie Jesus wieder stählt! 3. Tragt es unter euch, ihr Glieder, Auf so treues Lieben an, Daß ein jeder für die Brüder Auch das Leben lassen kann! So hat uns der Herr geliebet, So vergoß er dort sein Blut; Denkt doch, wie es ihn betrübet, Wenn ihr selbst euch Eintrag thut! 4. Einer reize doch den an dern, Kindlich, leidsam und gering Unfrem Heiland nachzuwandern, Der für uns am Kreuze hieng. Einer soll den 6. Ach du holder Freund, vereine Deine dir geweihte Schaar, Daß sie sich so herzlich meine, Wie's dein letzter Wille war! Ja verbinde in der Wahrheit, Die du selbst im Wesen bist, Alles, was von deiner Klarheit In der That erleuchtet ist. 7. So wird dein Gebet erfüllet: Daß der Vater alle die, Denen du dein Herz enthüllet, Auch in seine Liebe zieh; Und daß, wie du Eins mit ihnen, Also sie auch Eines sey'n, Sich in wahrer Liebe dienen Und einander gern erfreun. 8. Friedefürst! laß deinen Frieden Stets in unsrer Mitte ruhn; Liebe! laß uns nie ermüden, Deinen selgen Dienst Die Gemeinschaft der Heiligen. 175 zu thun; Denn wie kann die die von Einem Stamme, SteLast auf Erden Und des Glau- hen auch für Einen Mann. bens Ritterschaft Besser uns versüßet werden, Als durch deiner Liebe Kraft? 10. Laß uns so vereinigt werden, Wie du mit dem Vater bist, Bis schon hier auf dieser Erden Kein getrenntes Glied mehr ist; Und allein von deinem Brennen Nehme unser Licht den Schein; Also wird die Welt erkennen, Daß wir deine Jünger sey'n. Nit. Ludw. Graf von 3inzendorf, g. 1700 † 1760. 9. Liebe! hast du es geboten, Daß man Liebe üben soll, O so mache doch die todten, Trägen Geister lebensvoll; Zünde an die Liebesflamme, Daß ein jeder sehen kann: Wir, als Mel. Aus meines Herzens.( Phil. 3, 13-16.) 218. Kommt, Brüder, laßt| Die Fleisch und Sinne pflegen, Die kommen nicht zum Ziel! Verlaßt die Kreatur Und was euch sonst will binden, Ja laßt euch selbst dahinten: Es geht durchs Sterben nur. uns gehen, Der Abend kommt heran; Es ist gefährlich stehen Auf dieser öden Bahn; Kommt, stärket euren Muth, Zur Ewigfeit zu wandern, Von einer Kraft zur andern; Es ist das Ende gut! 2. Es soll uns nicht gereuen Der schmale Pilgerpfad, Wir kennen ja den Trenen, Der uns gerufen hat; Kommt, folgt und trauet dem! Mit ganzer Wendung richte Ein jeder sein Gesichte Nur gen Jerusalem. 3. Der Ausgang, der geschehen, Ist uns fürwahr nicht leid; Es soll noch besser gehen Zur stillen Ewigkeit. Ihr Lieben, seyd nicht bang, Verachtet tausend Welten, Ihr Locken und ihr Schelten Und geht nur euren Gang. 4. Gehts der Natur entgegen, So gehts, wie Gott es will; 5. Schmückt euer Herz aufs beste, Weit mehr als Leib und Haus; Wir sind hier fremde Gäste Und ziehen bald hinaus. Das Kinderspiel am Weg Laßt uns nicht viel besehen, Durch Säumen und durch Stehen Wird man verstrickt und träg. 6. Ist unser Weg gleich enge, Führt über steile Höhn, Wo Disteln rings in Menge Und scharfe Dornen stehn: Es ist doch nur ein Weg! Laßt seyn, wir gehen weiter, Wir folgen unsrem Leiter Und brechen. durchs Geheg. 7. Ja, Brüder, laßt uns gehen, Der Vater geht ja mit, Er selbst will bei uns stehen Anf 176 XI. Kirche Christi. jedem sauren Tritt; Er will| zu, Man trag, man helfe allen, uns machen Muth, Mit süßen Sonnenblicken Uns locken und erquicken; Ach ja, wir habens gut! Man pflanze Lieb und Ruh. Kommt, schließt euch fester an! Ein jeder sey der Kleinste, Doch auch wohl gern der Neinste Auf unsrer Pilgerbahn! 8. Kommt, laßt uns munter wandern, Wir gehen Hand in Hand; Eins freuet sich am andern In diesem fremden Land. Kommt, laßt uns kindlich seyn, Uns auf dem Weg nicht streiten; Die Engel selbst begleiten Als Brüder unsre Reihn. 10. Es wird nicht lang mehr währen, Harrt noch ein wenig aus; Es wird nicht lang mehr währen, So kommen wir nach Haus: Da wird man ewig ruhn, Wann wir mit allen Frommen Heim zu dem Vater kommen; Wie wohl, wie wohl wirds thun! Tersteegen, g. 1697 † 1769. 9. Und sollt ein Schwacher fallen, So greif' der Stärkre Um Ausbreitung des Evangeliums. Mel. Nun freut euch.( Matth. 13, 37 2c. Offenb. 15, 4.) 219. Wir sind vereint, Herr[ einst vollen Waizen. Wir danJesu Christ, In deinem heilgen Namen, Der Menschensohn allein du bist, Der fäet guten Samen; Der Acker ist die ganze Welt; O pflanze selbst im wüsten Feld Dir deines Reiches Kinder! ken, und solch Danfen will Alsdann zum Bitten reizen; Klein ist dein Garten noch zur Zeit, Die Wildniß ringsum öd' und weit; O Heiland, hilf uns weiter! 2. Ja, Erstgeborner, ewger Fürst Der Könige auf Erden! Von allen Heiden sollst und wirst Du angebetet werden! Das glauben und drum hoffen wir, Die du zum Werke rufft, von dir Auch unsrer Saat Gedeihen. 3. Schon sproßt manch Sämlein zart und still, Verspricht 4. Gib uns durch deines Geistes Kraft, Herr Jesu, heiße Liebe, Die Eintracht, Muth und Eifer schafft, Daß sich ein jeder übe, Für sich und andre stets zugleich Nach dem verheißnen Gottesreich Vor allem Ding zu trachten. 5. Was wirds doch einst für Frende seyn, Wenn deine Schnitter ernten, Und alle dann Um Ausbreitung des Evangeliums. 177 sich ewig freun, Die deiner har-| bis die Ruh Für Gottes Volk ren lernten! Wir harren dein, erscheinet! o siege du In deinen Gliedern, Rud. Stier, g. 1800. Mel. Wie schön leucht't.( Matth. 24, 14.) 220. Was rührt so mächtig Sinn und Herz? Was hebt die Blicke himmelwärts? Wem schallen die Gesänge? Zu dir drängt sich aus fernem Land, Vereinigt durch des Glaubens Band, Der Völker frohe Menge, Heiland, Netter! Deine Wahrheit Füllt mit Klarheit Unsre Erde, Daß der Sünder selig werde. 2. Ein himmlisch Feuer ist entflammt Durch dich, der aus dem Himmel stammt Und uns zum Himmel leitet. Es glüht gewaltig fort und fort, Wo sich dein seligmachend Wort In Lauterkeit verbreitet. Glaube, Liebe Füllt die Seelen, Die dich wählen, Läutert, reinigt, Bis in die sich alles einigt. 3. Herr! du gibst Sieg, dich preisen wir, Der kalte Nordpol glüht von dir, O Licht, das Allen scheinet. Des Negers Sklavenkette bricht. Der Inseln Menge jauchzt dem Licht, Das alle Völker einet. Falscher Götter Tempelhallen Sind zerfallen, Auf den Trümmern Sie het man das Kreuz nun schimmern. Evangelisches Gesangbuch. 4. Des blutgen Halbmonds Licht erbleicht, Des Oftens falscher Schimmer weicht Vor deiner Wahrheit Sonne! Schon blickt mit reuiger Begier Ein Häuflein Jakobs, Herr, nach dir, Ahnt der Vergebung Wonne. Ist die Fülle Aller Heiden Einst mit Freuden Eingegangen, Wird auch Jakob Heil erlangen. 5. Dein Geist erfüll' die Boten all, Laß ihres Wortes Freudenschall Durch alle Länder dringen. Mit Kraft von oben ange= than, Laß sie bekämpfen Sünd und Wahn Und Heil den Völfern bringen. Dieß nur Wolle Ihre Seele Und befehle Voll Vertrauen Dir das Werk, an dem sie bauen. 6. Vertilge alle Eigensucht, Gemächlichkeit und Leidensflucht Und heilge dir die Herzen. Verleih zu jedem Opfer Muth, Für dich zu wagen Gut und Blut, Zu dulden Hohn und Schmerzen. Hilf uns, Heiland, Und vermehre Dir zur Ehre Deine Heerde, Bis dein Reich vollendet werde. Dr. Bahnmaier, g. 1774 † 1841 12 XI. Kirche Chrifti. Mel. Nun komm' der Heiden.( Matth. 9, 37. 38. Cap. 24, 14.) 221. Walte, walte nah| Geist, Der den Weg zum Himund fern, Allgewaltig Wort mel weist Und durch seine des Herrn, Wo nur seiner All- heilge Kraft Wollen und Vollmacht Ruf Menschen für den Himmel schuf; 2. Wort vom Vater, der die Welt Schuf und in den Armen hält, Und aus seinem Schoos herab Seinen Sohn zum Heil ihr gab; 3. Wort von des Erlösers Huld, Der der Erde schwere Schuld Durch des heilgen Todes That Ewig weggenommen hat; 4. Kräftig Wort von Gottes 178 bringen schafft! 5. Wort des Lebens, stark und rein, Alle Völker harren dein; Walte fort, bis aus der Nacht Alle Welt zum Tag erwacht! 6. Auf, zur Ernt in alle Welt! Weithin wogt das weiße Feld; Klein ist noch der Schnitter Zahl, Viel der Arbeit überall. 7. Herr der Ernte, groß und gut, Wirk zum Werke Lust und Muth, Laß die Völker allzumal Schauen deines Lichtes Strahl! Dr. Bahnmaier, g. 1774 t 1841. Mel. Jesu, der du meine Seele.( Ef. 21, 11. Pf. 2, 8. Pf. 67, 2. 3.) 222. Hüter! ist die Nacht verschwunden? Hüter! ist die Nacht schier hin? Ach wir zählen alle Stunden, Bis die Morgenwolken blühn, Bis die Finsterniß entweichet, Bis der Sterne Schein erbleichet, Und der Sonne warmer Strahl Leuchtet über Berg und Thal. 2. O du Gott der Macht und 4. Langsam und durch SchwieStärke! Sieh uns hier ver- rigkeiten Waren wir gewohnt wundert stehn Ueber deinem zu gehn; Plößlich bricht in alle großen Werke, Das vor uns Weiten Deine Hand aus lichrem Blick geschehn! Manchesten Höhn. Staunend sehn wir Thor hast du erschlossen, Man- dein Beginnen, Keine Zeit ists, chen Lebensstrøm ergossen Und lang zu sinnen; Geh voran, uns oft vom Heidenland Frohe wir folgen nach, Wo dein Arm Botschaft zugesandt. die Bahnen brach! 3. Immer tiefer, immer weiter In das feindliche Gebiet Dringt das Häuflein deiner Streiter, Dem voran dein Banner zieht. Wo wirs kaum gewagt zu hoffen, Stehn nun weit die Thüren offen, Mühsam folgt der schwache Tritt Deinem raschen Siegesschritt. Um Ausbreitung des Evangeliums. 5. Doch wenn wir uns selber suchen Und nicht deine Ehr allein Müßtest du uns nicht verfluchen? Könnte unser Thun gedeihn? Schenk uns einen reinen Eifer, Mach uns lauterer und reifer! Brich des eignen Geistes Thun, Laß in deinem Sinn uns ruhn! Mel. 3euch mich, zeuch mich. 223.„ Wasserströme will ich gießen"-Spricht der Herr -, aufs dürre Land; Kühlend sollen Quellen fließen In der Wüste heißem Sand. Wo jetzt Wandrer schmachtend ziehn, Soll ein Gottesgarten blühn." 2. Ach noch ist die Zeit der Dürre, Schwerer Fluch bedeckt das Land; Israel geht in der Irre, Seine Kraft ist ausgebrannt. Wo der Blick auch sehnend schweift, Spärlich kaum ein Früchtlein reift. 3. Dennoch wird das Wort des Treuen Herrlich in Erfüllung gehn; Jauchzend werden dann sich freuen, Die jest still mit Thränen sä'n, Wenn der Segensstrom des Herrn Alles füllet nah und fern. 179 6. Welch ein Segen wird ersprießen, Wenn wir gehn an deiner Hand! Wenn uns deine Quellen fließen, Grünet bald das dürre Land. Nationen aller Orten Strömen her zu deinen Pforten, Fallen auf ihr Angesicht, Jubeln laut im ewgen Licht. Dr. Barth, g. 1799 224. Eine Heerde und Ein Hirt! Wie wird dann dir seyn, o Erde, Wann sein Tag erscheinen wird? Freue dich, du kleine ( Ef. 44, 3. Rom. 11, 25. 26.) 4. Darum muthig stets, ihr Brüder! Eilet dem Verlornen nach! Sucht des Volkes Gottes Glieder Liebend auf in ihrer Schmach, Ladet sie von Berg und Thal Zu des Königs Hochzeitmahl! 5. Scheint es oft vergeblich Mühen, Segenloses Kämpfen euch, Denkt: auf rauhem Pfade ziehen Alle in dem Kreuzesreich; Doch wer seinem König dient, Dem hat stets ein Kranz gegrünt. 6. Herr! erhöre uns und sende Deinen heilgen Geist uns zu, Der uns Muth im Kampfe spende Und in Trübfal stille Ruh. Ja wir wollen dir vertraun; Du wirst Zion wieder baun! Sophie Herwig, g. 1810+ 1836. Mel. Thenrester Immanuel.( Job. 10, 16. Hagg. 2. 8.) Heerde; Mach dich auf und werde Licht! Jesus hält, was er verspricht! 2. Hüter! ist der Tag noch XII. Wort Gottes. 180 fern? Schon ergrünt es auf| quelle; Ihn umleuchtet Morden Waiden, Und die Herrlich- genlicht; Jesus hält, was er feit des Herrn Nahet däm- verspricht! mernd sich den Heiden; Blinde Pilger flehn um Licht; Jesus hält, was er verspricht! 3. Komm, o komm, getreuer Hirt, Daß die Nacht zum Tage werde! Ach wie manches Schäflein irrt Fern von dir und deiner Heerde! Kleine Heerde, zage nicht; Jesus hält, was er verspricht! 4. Sieh, das Heer der Nebel 5. Gräber stehen aufgethan; Rauscht, verdorrete Gebeine! Macht dem Bundesengel Bahn, Großer Tag des Herrn, erscheine! Jesus ruft: es werde Licht! Jesus hält, was er verspricht!- 6. O des Tags der Herrlichkeit! Jesus Christus, du die Sonne, Und auf Erden weit und breit Licht und Wahrheit, Fried und Wonne! Mach dich flieht Vor des Morgenrothes| auf, es werde Licht! Jesus hält, Helle, Und der Sohn der Wüste| was er verspricht! kniet Dürstend an der LebensFr. Ad. Krummacher, g. 1767. XII. Wort Gottes. Mel. Mein's Herzens Jesu.( Ebr. 1, 1. 2. Matth. 13, 1-23.) 225. Wir Menschen sind zu| lied preist, Dein Wort, laß dem, o Gott, Was geistlich ist, nicht tüchtig; Dein Wesen, Wille und Gebot Ist viel zu hoch und wichtig; Wir wissens und verstehens nicht, Wenn uns dein göttlichWort und Licht Den Weg zu dir nicht zeiget. uns nicht rauben Und gib uns deinen guten Geist, Daß wir von Herzen glauben Und alles, was dein Wort gebeut, Mit Trene, Lust und Emsigkeit zu deiner Ehre üben. 2. Von jeher hast du ausgefandt Propheten, deine Knechte; Sie machten in der Welt bekannt Dein Heil und deine Rechte; Zuletzt ist selbst dein eigner Sohn, O Vater, von des Himmels Thron Gekommen, uns zu lehren. 3. Dieß Heil, das unser Dank4. Hilf, daß der Frevler frecher Spott Nicht unsern Glauben wende; Denn du bist ein gerechter Gott Und strafft gewiß am Ende. Erweck uns durch der Wahrheit Kraft, Und was sie Gutes in uns schafft, Das laß uns treu bewahren! 5. Der Sam' am Wege wird sofort Vom Satan weggenom XII. Wort Gottes. 181 men; Auf Fels und Steinen| nicht Hörer nur allein, Nein, kann das Wort Niemals zum auch desselben Thäter sey'n, Wurzeln kommen; Und wenn Frucht hundertfältig bringen. es unter Dornen fällt, Hat Sorg und Wollust dieser Welt Bald seine Kraft ersticket. 6. Drum öffne, Herr, Verstand und Herz, Daß wir dein Wort recht fassen, Uns in der Freude wie im Schmerz Auf seine Kraft verlassen; Daß wir 7. Laß sich dein Wort zu deiner Ehr, Gott Vater, weit ausbreiten! Hilf, Jesu, daß uns deine Lehr Erleuchten mög und leiten! O heilger Geist, dein göttlich Wort Laß in uns wirken immerfort Trost, Hoffnung, Lieb und Glauben! Gesenius, g. 1601 † 1671. Mel. O Gott, du frommer.( Luc. 11, 28. Sir. 11, 20.) 226. Soll dein verderbtes| Kann dich nicht irren lassen. Herz Zur Heiligung genesen, Lies, Christ, sein heilig Buch, Christ, so versäume nicht, Das Lies oft, du wirst es fassen, Wort des Herrn zu lesen; Be- So viel dein Heil verlangt. denke, daß dieß Wort Das Heil Gott ists, der Weisheit gibt der ganzen Welt, Den Rath Dem, der sie redlich sucht Und der Seligkeit, Den Geist aus aus Gewissen liebt. Gott enthält. 5. Lies frei von Leidenschaft Und ledig von Geschäften, Und sammle deinen Geist Mit allen seinen Kräften. Der beste Theil des Tags, Des Morgens Heiterkeit, Und dann der Tag des Herrn, Der sey der Schrift geweiht. 2. Merk auf, als ob dir Gott, Dein Gott gerufen hätte; Merk auf, als ob er selbst zu dir vom Himmel redte! So lies, mit Ehrfurcht lies, Mit Lust und mit Vertraun Und mit dem frommen Ernst, In Gott dich zu erbaun. 6. Rührt dich ein starker 3. Sprich fromm:, o Gott, Spruch, So ruf ihn, dir zum vor dem Ich meine Hände falte, Glücke, Des Tags oft in dein Gib, daß ich dein Gebot Für Herz, Im Stillen oft zurücke; ewge Wahrheit halte, Und laß Empfinde seinen Geist Und mich deinen Nath Empfin- stärke dich durch ihn Zum wahdungsvoll verstehn, Die Wun- ren Edelmuth, Das Gute zu der am Gesetz, Am Wort vom Kreuze sehn!" 4. Er, aller Wahrheit Gott, vollziehn. 7. Um tugendhaft zu seyn, Dazu sind wir auf Erden. Thu, XII. Wort Gottes. 182 was die Schrift gebeut, Dann kränken. Hier bist du Kind; wirst du inne werden: Die Lehre sey von Gott, Die dir verkündigt ist, Und dann das Wort verstehn, Dem du gehorsam bist. doch dort Wird Gott mehr Licht dir schenken, Dort wächst mit deinem Glück Dein Licht in Ewigkeit; Dort ist die Zeit des Schauns, Und hier des Glaubens Zeit. 8. Spricht sie geheimnisvoll, So laß dich dieß nicht schrecken: Ein endlicher Verstand Kann Gott nie ganz entdecken; Gott bleibt unendlich hoch. Wenn er sich dir erklärt, So glaube, was er spricht, Nicht, was dein Wiß begehrt. 9. Sich seines schwachen Lichtsche Dunkelheit. Bei Gottes Licht nicht schämen, 12. Halt fest an Gottes Wort, Ist Weisheit; die Vernunft Alsdann gefangen nehmen, Wenn Gott sich offenbart, Ist der Geschöpfe Pflicht, Und weise Demuth ists, Das glauben, was Gott spricht. 10. Drum laß dich, frommer Christ, Durch keine Zweifel 11. Verehre stets die Schrift, Und siehst du Dunkelheiten, So laß dich deinen Freund, Der mehr als du sieht, leiten; Ein forschender Verstand, Der sich der Schrift geweiht, Ein angefochtnes Herz Hebt man2. Zum Licht, in dem du wohnst, Kann die Vernunft nicht dringen; Mit Zweifeln und mit Wahn Müßt ich voll Unruh ringen, Hätt ich dein Es ist dein Glück auf Erden Und wird, so wahr Gott ist, Dein Glück im Himmel werden. Verachte christlich groß Des Bibelfeindes Spott; Die Lehre, die er schmäht, Bleibt doch das Wort aus Gott! Gellert, g. 1715 † 1769 Mel. O Gott du frommer.( Joh. 1, 8. Pf. 1, 1-3.) 227. Inbrünstig preis' ich| göttlich Wort, Den klaren Undich, Gott, für der Bibel Lehre, Die ich als dein Geschenk Anbetungsvoll verehre. Sie ist das Glück der Welt, Der Ruhm der Christenheit, Mein Kleinod, Trost und Licht Bis in die Ewigkeit. terricht Von dir und deinem Sohn Und meiner Seele nicht. 3. Wie kräftig ist dein Wort! Gott! vielen tausend Christen Gab deine Bibel Sieg Im Kampf mit bösen Lüften, Im Leben frohen Muth, Im Kreuz Gelassenheit, Im Alter Trost und Kraft, Im Tode Freudigfeit. 4. Der Fromme wird gestärkt, Der Sünder tief erschüttert, XII. Wort Gottes. 183 Der Zweifler wird beschämt,| Frömmigkeit, Mit Ehrfurcht Des Spötters Seele zittert; Es tröstet sich am Grab Der Seinigen der Christ, Wenn er vom Wiedersehn Im bessern Leben liest. und Gebet Der Schrift die Andacht weiht? 7. So kann kein menschlichs Buch, Gott, deine Größe preisen, So faßlich rührend nicht Den Weg zum Himmel weisen. Durch Menschenrednerkunst Wird so kein Herz erquickt, Zu jedem guten Werk So willig und geschickt. 5. Hier lernt der Weiseste Der wahren Weisheit Schätze; Hier faßt der Blödeste Die göttlichen Geseze; Hier findet jeder Stand Für jede Lebenspflicht In allen Fällen Rath Und hellen Unterricht. 8. Zur Ehrfurcht für dieß Buch Laß deinen Geist mich 6. Wer fühlt nicht deinen rühren, Mich seine ganze Kraft Geist Und seiner Wirkung An meinem Herzen spüren, Stärke, Wer nicht des Glau-| Bis mich, mein Gott, bei dir bens Kraft Und Trieb zum guten Werke, Der mit dem lautern Wunsch Nach Licht und In deiner Herrlichkeit Ein völlig helles Licht Umleuchtet und erfreut! Loder, g. 1757 † 1823. Sir. 4, 15. Cap. 24.) Eigene Mel.( Pf. 19, 8-12. Herrn Befehl Richtig und erfreut die Seel. 228. Gott der Wahrheit und der Liebe! Dir sey Lob und Ruhm gebracht, Daß man 3. Die Gebote Gottes taugen uns dein Wort beschriebe, Das( Denn sie sind voll Kraft und die Seelen selig macht. Lehre Licht), zu erleuchten unsre selbst mich herzlich danken, Augen; Sie enthalten jede Schließ in meines Herzens Pflicht. Wer sie übet, den beSchranken Diesen deinen then- gleiten Sie in alle Ewigkeiten; ren Schatz, Als in einen Sam- Gottes Recht an seinen Knecht melplaß. Ist wahrhaftig und gerecht. 2. Nichts gleicht unsers Herrn 4. Gottes Rechte zu vergleiGesetzen; Sie sind, wie er sel- chen, Menschen, ist vergebne ber, rein, Sie erquicken, sie Müh; Nein, sie kann kein Bild ergößen, Sie beleben in der erreichen, Köstlicher, als Gold Pein. Herr! dein Zeugniß, das sind sie; Ihrer lebensvollen ich preise, Ist gewiß, macht Süße Gleichen keine HonigThoren weise, Ja es ist des flüsse, Und dein Knecht wird XII. Wort Gottes. 184 froh davon; Wer sie hält, hat| Menschen vorgebracht. Hier, großen Lohn. vom Himmel ausgeflossen, Hat die Weisheit sich ergossen, Ja hier strömet voll und hell Aller Seligkeiten Quell. 5. Höchster! dein Gebot ist helle, Dein Gebot, das ewig beißit; Es ist aller Weisheit Quelle, Die aus diesem Brunnen flenßt. Wer es liebt mit reinen Trieben, Den wird Gott auch wieder lieben; Hält man es von Herzen werth, So wird Gott dadurch geehrt. 6. Dieses ist das Buch des Bundes, Mit dem höchsten Gott gemacht; Dieß sind Worte seines Mundes, Durch die 7. Herr! für diese hohen Gaben, Die dein armes Kind nicht werth, Sollst du Dank und Ehre haben, Bis dein Ruhm sich ewig mehrt. Vater, der den Sohn uns gibet, Sohn, der bis zum Tod geliebet, Geist der Kraft in unfrem Streit, Sey gelobt in Ewigkeit! Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Mel. Es spricht der.( 5 Mos. 5, 6-21. Jes. 66, 2.) meiner Taufe Bund Zu deinem Dienst verbinde. 229. Herr! deine Rechte und| Tag und Stund, Wie stark mich Gebot', Danach wir sollen leben, Wollst du mir, o getreuer Gott Ins Herze selber geben, Daß ich zum Guten willig sey, Mit Sorgfalt und ohn' Heuchelei, Was du befiehlst, vollbringe. 4. Laß mich am Tage deiner Ruh Mit Andacht vor dich treten, Die Zeit auch heilig bringen zu Mit Danken und mit Beten; Daß ich hab meine Lust an dir, Dein Wort gern höre und dafür Herzinniglich dich preise. 2. Gib, daß ich dir allein vertrau, Allein dich ehr und liebe, Auf Menschenhilf und Trost nicht bau, In deiner Furcht 5. Die Eltern, Lehrer, Obrigmich übe; Daß großer Lente| keit, Die vorgesetzt mir werden, Gnad und Gunst, Gewalt, Laß ja mich ehren allezeit, Daß Pracht, Reichthum, Wiß und mirs wohl geh auf Erden: Für Kunst Mir nicht zum Abgott ihre Sorg und Treu laß mich, werde., Auch wenn sie werden wunderlich, Gehorsam seyn und dankbar. 3. Hilf, daß ich deinen Gnadenbund Aus deinem Wort erkenne, Auch nicht vergeblich mit dem Mund, Herr, deinen Namen nenne; Daß ich bedenke 6. Hilf, daß ich nimmer eigne Nach Aus Zorn und Feindschaft übe, Dem, der mir anthutKrenz XII. Wort Gottes. 185 An Lä10. Laß mich des Nächsten Haus und Gut Nicht wünschen noch begehren, Was aber mir vonnöthen thut, Das wollst du mir gewähren; Doch daß es niemand schädlich sey, Ich auch ein ruhig Herz dabei Und deine Gnad behalte. und Schmach, Verzeihe und ihn| Abschen habe jederzeit liebe; Sein Glück und Wohl- sterung und Lügen. fahrt jedem gönn, Schau', ob ich jemand dienen könn Und thu es dann mit Freuden. 7. Unreine Werk' der Finsterniß Laß mich mein Lebtag meiden, Daß ich für böse Lust nicht müss' Der Hölle Qual dort leiden. Schaff in mir, Gott, ein reines Herz, Daß ich schandbare Wort und Scherz' Nebst andern Sünden fliehe. 8. Gib, Herr, daß ich mich redlich nähr Und böser Ränke schäme, Mein Herz von Geiz und Unrecht kehr Und fremdes Gut nicht nehme, Und von der Arbeit meiner Händ, Was übrig ist, auf Arme wend Und nicht auf Pracht und Hoffahrt. 9. Hilf, daß ich meines Nächsten Glimpf zu retten mich befleiße, Von ihm abwende Schmach und Schimpf, Doch Böses nicht gut heiße. Gib, daß ich lieb Aufrichtigkeit Und 11. Ach Herr, ich wollte deine Recht' Und deinen heilgen Willen, Wie mir gebührt als deinem Knecht, Ohn' Mangel gern erfüllen; Doch fühl ich wohl, was mir gebricht, Und wie ich das Geringste nicht Vermag aus eignen Kräften. 12. Drum gib du mir von deinem Thron, Gott Vater, Gnar und Stärke; Verleih mir, Jesu, Gottes Sohn, Daß ich thu rechte Werke; O heilger Geist, hilf, daß ich dich Von ganzem Herzen, und als mich Ohn' Falsch den Nächsten liebe! Denife, g. 1603 † 1680. Mel. Jesu, meine Freude.( Luc. 4, 18. 19. Apostelg. 10, 43. 2 Cor. 1, 20.) 230. Wort des höchsten| 2. Was dein Wohlgefallen Mundes, Engel unsers Bundes, Wort, du warst nie stumm! Bald da wir gefallen, Ließest du erschallen Evangelium; Eine Kraft, Die Glauben schafft, Eine Botschaft, die zum Leben Uns von dir gegeben. Vor der Zeit uns allen Fest bestimmet hat, Was die Opferschatten Vorgebildet hatten, Das vollführt dein Rath. Was die Schrift Verspricht, das trifft Alles ein in Jesu Namen Und ist Ja und Amen. * Joh. 1,1. Mal. 3, 1. 3. Alles ist vollendet; Jesu XII. Wort Gottes. 186 Gnade wendet Alle Straf und| trug! Jesu Blut Stärkt euren Schuld. Jesus ist gestorben, Muth; Gott ist hier, der euch Jesus hat erworben Alle Gnad geliebet Und die Schuld verund Huld. Auch ist dieß Für- gibet. wahr gewiß: Jesus lebt in Preis und Ehre! O erwünschte Lehre! 6. Dieser Grund bestehet; Wenn die Welt vergehet, Fällt er doch nicht ein. Darauf will ich bauen, So soll mein Vertrauen Evangelisch seyn; Auch will ich Nun würdiglich Inder Kraft, die mir gegeben, Evangelisch leben. 4. Uns in Sünde Todten Machen Jesu Boten Dieses Leben kund; Lieblich sind die Füße, Und die Lehren süße, Theuer ist der Bund! Aller Welt Wird vorgestellt Durch der guten Botschaft Lehre, Daß man sich befehre. 5. Kommt, zerknirschte Herzen, Die in bittern Schmerzen Das Gesetz zerschlug; Kommt zu dessen Gnaden, Der, für euch beladen, Alle Schmerzen 7. Jesu, deine Stärke Schaffet diese Werke; Stehe du mir bei! Nichts kann mich nun scheiden; Hilf denn, daß mein Leiden Evangelischsey; Laß auch mich Einmal auf dich Als ein Kind, mit dir zu erben, Evangelisch sterben. Heder, g. 1699 † 1743.Mel. Jesu, der du meine Seele.( Röm. 1, 16. 17. Baruch 4, 1-4.) 231. Guter, gnädiger, ge-| nes Heil Nehmen auch die Heitreuer Und erbarmungsreicher den Theil. Gott! Deine Huld ist groß und theuer, Du willst nicht der Sünder Tod; Für die Armen sind ohn' Ende Offen deine Vaterhände, Und du zeigst, daß deine Tren Wundervoll und göttlich sey. 3. Herr! du rufft verirrte Sünder Aus der Finsterniß heraus Und versammelst sie als Kinder Zu der Kirche, deinem Haus; Läsfest stets dein Wort erschallen, Wirkst durch deinen Geist in Allen, Gibst uns Willen, Kraft und Licht und den besten Unterricht. 2. Dein Geist, deinem Volk gegeben, Wehte die Propheten an; Endlich hat der Sohn das Leben Selbst auf Erden kund gethan. Du sendst deiner Boten Schaaren, Deinen Rath zu offenbaren, Und an deines Soh4. Dieß Wort zündet wahren Glauben In den finstern Seelen an; Dieses Wort hilft geistlich Tauben, Daß ihr Ohr recht hören kann; Ja es gibt den XII. Wort Gottes. 187 Geist der Gnaden, Heilet allen| mehr schmecken Hier und in Seelenschaden Und spricht in der Ewigkeit. Es kann aus den der Sündenpein Trost von der Dunkelheiten Unsern Geist zum Vergebung ein. Lichte leiten; Führt vom Kamdem Himmel zu. 5. Ist das Kreuz am aller- pfe zu der Ruh, Führet uns größten, Zagt das Herz in Angst und Noth, So kann dieses Wort noch trösten, Es wirkt Leben selbst im Tod, Stillet die Gewissensbisse, Lindert alle Kümmernisse Und befreit vom bangen Schmerz Ein von Seufzen mattes Herz. 8. Was wir wollen, was wir handeln Nach Beruf, nach Stand und Pflicht; Wo wir leben, wo wir wandeln, Leitet uns dieß Lebenslicht. Dieses läffet treue Seelen Nie den rechten Weg verfehlen. Gott! wer deinem Unterricht Nedlich folgt, der gleitet nicht. 6. Dieses Wort stärkt unsre Seelen Als das rechte Himmelsbrod, Wenn uns Noth und Hunger quälen Und ein ewig Darben droht. Dieses Wort thut Wunderkuren, Bildet neue Kreaturen und ist eine Gotteskraft, Die uns Seligkeit verschafft. 7. Dieses Wort vertreibt die Schrecken In der bangen Sterbenszeit, Daß wir keinen Tod 9. Längst hätt ich vergehen müssen, Hätte nicht durch seine Kraft Mir in meinenKümmernissen Dein Wort neuen Trost verschafft. Niemals wird mein Herz verzagen, Niemals über Mangel klagen, Hab ich dich nur, o mein Hort, Meinen Jesum und dein Wort! Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Eigene Mel.; oder: Ach Gott und Herr.( Gir. 14, 22. 23. Pf. 119, 105.) 232. Gott ist mein Hort, Und| mich nicht Dein Wort die Wahrseinem Wort Soll meine Seele trauen; Ich wandle hier, Mein Gott, vor dir Im Glauben, nicht im Schauen. 2. Dein Wort ist wahr! Laß immerdar Mich seine Kräfte schmecken; Laß keinen Spott, O Herr, mein Gott, Vom Glauben mich abschrecken. 3. Wo fänd ich Licht, Wofern heitlehrte? Gott, ohne sie Verstünd ich nie, Wie ich dich würdig ehrte! 4. Dein Wort erklärt Der Seele Werth, Unsterblichkeit und Leben; Daß diese Zeit Zur Ewigkeit Mir von dir sey gegeben. 5. Gott, deinen Nath: Die Missethat Der Sünder zu ver XII. Wort Gottes. 188 fühnen, Den kennt' ich nicht, Wär mir dieß Licht nicht durch dein Wort erschienen. 6. Nun darf mein Herz In Reu und Schmerz Der Sünden nicht verzagen; Nein, du verzeihst, Lehrst meinen Geist Im Glauben ,, Vater!" sagen. 7. Mich zu erneun, Mich dir zu weihn, Ist meines Heils Geschäfte; Durch meine Müh Vermag ichs nie; Dein Wort gibt mir die Kräfte. 8. Herr, unser Hort, Laß dieß dein Wort MirLicht und Freude geben! Es sey mein Theil, Es sey mir Heil Und Kraft zum ewgen Leben! Gellert, g. 1715 † 1769. Mel. Sollt es gleich.( Joh. 6, 63.) 233. Treuster Meister! 4. Hilf mir, mich im Lieben deine Worte Sind die rechte üben Und Gott über alles lieHimmelspforte; Deine Leh- ben; Meinen Nächsten, gleichren sind der Pfad, Der uns wie mich, Laß mich lieben inführt zur Gottesstadt. niglich. 2. O wie selig, wer dich höret, Wer von dir will seyn gelehret, Wer zu jeder Zeit und Stund Schaut auf deinen treuer: Mund! 5. Lehr mich heilige Geberden, Laß mir deine Demuth werden, Geuß mir deine Sanftmuth ein, Laß mich flug in Einfalt feyn. 6. Also werd ich mich verbinden Ganz mit dir und Ruhe finden; Also werd ich in der Seyn gelehrt zur EwigAng. Silesius, g. 1624 † 1677. 3. Sprich doch ein in meiner Seele, Gib ihr Weisung und Befehle; Lehr fie halten bis in Zeit Tod Deiner Liebe fanft Gebot. feit. 2. Ist nun dein Herz gleich einem Weg Und gleich den Mel. Wenn mein Stündlein.( Luc. 8, 5-15. Ebr. 4, 12. 13.) 234. Mensch, wie ist| harten Straßen, Da auf dem dein Herz bestellt? Hab Ach-| breiten Lastersteg Die Vögel tung auf dein Leben! Was trägt für eine Frucht dein Feld? Sinds Dornen, oder Neben? Denn aus der Frucht kennt man die Saat, Auch wer das Land befäet hat: Gott, oder der Verderber. alles fraßen?-Ach prüfe dich; es ist kein Scherz! Stehts also um dein armes Herz, So bist du zu beklagen. 3. Ist auch dein Herz von Felfenart, Verhärtet durch die Sünden, So ist der Same schlecht verwahrt Auf solchen Felsengründen. Ein Felsen XII. Wort Gottes. stein hat keinen Saft: Drum hat der Same keine Kraft Zu sprossen und zu wachsen. 4. Oft ist das Herz auch dor= nenvoll, Mit Sorgen angefüllet; Oft lebet es in Reichthum wohl, Da wird die Saat verhüllet; Ja sie ersticket ganz und gar Und wird nicht einmal offenbar; Das ist wohl zu beklagen! 189 fältig Früchte trägt; Das sind die rechten Herzen! 6. Wer Ohren hat, der höre doch Und prüfe sich ohn' Hencheln, Dieweil es heute heißet noch; Hier muß sich keiner schmeicheln! Die Zeit vergeht, das Ende naht; Fällt auf kein gutes Land die Saat, So mußt du ewig sterben! 7. Herr Jesu! laß mein Herze seyn Zerknirschet und zerschlagen, Damit der Same dring hinein, Und laß ihn Früchte tragen, Die mir gen Himmel folgen nach, Da ich sie finde tausendfach; Das wünsch ich 5. Doch ist, gottlob! noch gutes Land Auf dieser Welt zu finden, Das Gott, dem Herrn, allein bekannt, Da in des Herzens Gründen Der Same, den Gott eingelegt, Wohl hundert-| mit Verlangen! Laurentii, g. 1660+ 1722Eigene Mel.( Matth. 18, 20. Jac. 1, 21. 22.) 235. Trener Heiland! wir| stillen Thätigkeit, Deiner arsind hier In der Andacht Stille; men Niedrigkeit, Deines WohlUnsreSinnen und Begier Lenke thuns Milde. fanft dein Wille! Deines Wor= tes heller Schein Strahl' in unser Herz hinein, Uns mit Licht erfülle. 2. Kehr, o Jesu, bei uns ein, Komm in unsre Mitte, Wollest unser Lehrer seyn, Hör der Sehnsucht Bitte: Deines Wortes stille Kraft, Sie, die neue Menschen schafft, Bilde Herz und Sitte! 3. Von dir lernen möchten wir Deiner Sanftmuth Milde; Möchten ähnlich werden dir, Deinem Demuthsbilde Deiner 4. Zeige deines Wortes Kraft An uns armen Wesen; Zeige, wie es neu uns schafft, Kranke macht genesen. Jesu! dein allmächtig Wort Fahr in uns zu siegen fort, Bis wir ganz genesen. 5. O wie felig ist es, dir Kindlich zu vertrauen! Unerschüttert können wir Auf dich Felsen bauen. Herr! wir glauben in der Zeit, Bis die felge Ewigkeit Uns erhebt zum Schauen. Chr. H. Zeller, g. 1779. 190 XIII. Sakramente. Mel. Werde munter.( Ps. 119, 50. Sir. 6, 37.) 236. Herr! dein Wort, die edle Gabe, Diesen Schatz erhalte mir, Denn ich zieh es aller Habe Und dem größten Reichthum für. Wenn dein Wort nicht mehr soll gelten, Worauf soll der Glaube ruhn? Mir ists nicht um tausend Welten, Aber um dein Wort zu thun. XIII. 2. Hallelujah! Ja und Amen! Herr, du wollest auf mich sehn, Daß ich mög in deinem Namen Fest bei deinem Worte stehn. Laß mich eifrig seyn beflissen, Dir zu dienen früh und spat, Und mich stets zu deinen Füßen Sitzen, wie Maria that! Sakramente. Nic. Ludwig, Graf von Zinzendorf g. 1700+ 1760. A. Die heilige Taufe. Mel. Chrift, unser Herr, zum Jordan.( Tit. 3, 4-7.) 237. Mehr sieht das Aug| unserkrank Gewissen! Geist. im Taufen nicht, Als bloßes Wasser gießen; Der Glaube sieht durch höhres Licht Das Blut des Bundes fließen. heilige, o theure Fluth, Wasch durchs Wasser und durchs Blut Laß auf uns Gnade fließen Und mach nns rein von Sünden! 238. Dir, Herr, sey dieses Kind empfohlen, Dir, dessen Treu unwandelbar; Wir bringens, wie du selbst befohlen, Dir in der heilgen Taufe dar. Gib, Vater, gib an deinem Heil, An Jesu Christo gib thm Theil! Mel. Mein Jesus lebt.( Tit. 3, 4-7.) hier, Deinem Worte nachzuleben; Dieses Kindlein kommt zu dir, Weil du den Befehl gegeNach Luther. 2. Durch dieses Siegel deiner Gnade Wird jedes Recht der Christen sein; Du weihst es in dem Wasserbade Zu deinem Kind und Erben ein. Im Wasfer, Vater, ströme du, Ström ihm des Geistes Gaben zu! Cramer, g. 1723 † 1788 Mel. Liebster Jesu! wir sind hier, dich; oder: Meine Seel', ermuntre dich ( Joh. 3, 5. 6. Rom. 5, 12-18.) 239. Liebster Jesu! wir sind| ben, Frühe sie zu dir zu weisen, Denen du dein Reich verheißen. 2. Ja es schallet allermeist Dieß dein Wort in unsern Oh A. Die heilige Taufe. 191 ren: Wer durch Wasser und| an; Haupt, mach es zu deinem durch Geist nicht zuvor ist neu geboren, Wird von dir nicht aufgenommen und in Gottes Reich nicht kommen. Gliede; Himmelsweg, zeig ihm die Bahn; Friedefürst, sey du fein Friede; Weinstock, hilf, daß diese Rebe Auch im Glanben dich umgebe! 3. Darum eilen wir zu dir: Nimm dieß Pfand von unsern Armen; Tritt mit deinem Glanz herfür Und erzeige dein Erbarmen, Daß es dein Kind hier auf Erden Und im Himmel möge werden! 4. Hirte, nimm dein Schäfleinbuch zum Leben! 3. Jch, ein Sünder von Natur, Ich Gefallner soll auf Erden Eine neue Kreatur, Soll, o Gott, dir ähnlich werden; Heilig, heilig will ich seyn: Jesus und sein Geist ist mein! 5. Nun, wir legen an dein Herz, Was von Herzen ist gegangen; Führ die Seufzer himmelwärts Und erfülle das Verlangen! Ja den Namen, den wir geben, Schreib ins LebensMel. Theurester Immanuel.( 2 Tim. 2, 19. Marc. 16, 16.) 240. Ewig, ewig bin ich| wurde doch Schwach im Kampf dein, Theuer dir, mein Gott, erkaufet; Bin auf dich, um dein zu seyn, Vater, Sohn und Geist, getaufet. Dessen soll mein Herz fich freun; Ewig, ewig bin ich dein! und matt im Laufe; Dennoch will noch Jesus mein, Gott will noch mein Vater seyn! 5. Das ist Gottes Bund mit mir, Gnädig hat er mir verheißen: Mich soll keine Macht von dir, Keine Sünde von dir reißen. Gott, mein Gott, ich will nur dein, Dein und mei2. Welch ein göttlicher Gewinn, Daß ich durch der Taufe Gabe Nun dein Kind und Erbe bin, Daß ich dich zum Vaternes Jesu seyn¹ habe! Einst von allen Sün= den rein, Ewig, Vater, ewig dein! 4. Ich versprachs, gelob es noch; Brach zwar oft den Bund der Taufe, Kämpfte schon, und Schmolf, g. 1672 † 1737. 6. Ich entfage, Satan, dir, Dir, o Welt, und dir, o Sünde; Ich entsag euch, weicht von mir, Dem erlösten Gotteskinde! Eure Luft ist Schmach und Pein; Gott, nur Gott will ich mich weihn! 7. Wachen will ich, flehn um Kraft, Daß ich stets auf seinem Wege Heilig und gewissenhaft Und im Glauben wandeln möge. Er wird mir die Kraft ver XIII. Sakramente. 192 leihn, Tren bis in den Tod zu| Bin auf dich, um dein zu seyn, Vater, Sohn und Geist, getaufet; Ewig, ewig laß mich dein, Ewig laß mich selig seyn! Eramer, g. 1723 † 1788. seyn. 8. Höre mich, denn ich bin dein, Thener dir, mein Gott, erkaufet; Taufbundes- Erneuerung. Mel. Mein Jesus lebt.( Rom. 6, 3. 4. 5 Mof. 29, 9. Jef. 54, 10.) 241. Ich bin getauft auf| ihn überschreite, So laß mich deinen Namen, Gott, Vater, Sohn und heilger Geist! Ich bin gezählt zu deinem Samen, Zum Volk, das dir geheiligt heißt; Ich bin in Christum eingesenkt, Er hat mir seinen Geist geschenkt. nicht verloren gehn, Und hab ich einen Fall gethan, So nimm dein Kind zu Gnaden an. 5. Ich gebe dir, mein Gott, aufs neue Leib, Seel und Herz, zum Opfer hin; Erwecke mich zu neuer Treue Und nimm Befitz von meinem Sinn! Es sey in mir kein Tropfen Blut, Der nicht, Herr, deinen Willen thut! 2. Du hast zu deinem Kind und Erben, Mein lieber Vater, mich erklärt; Du hast die Frucht von deinem Sterben, Mein treuer Heiland, mir gewährt; Du willst in aller Noth und Pein, O guter Geist, mein Tröster feyn. 3. Doch hab ich dir auch Furcht und Liebe, Gehorsam zugesagt und Tren; Ich habe dir aus reinem Triebe Gelobt, daß ich dein eigen sey; Hingegen sagt ich bis ins Grab Der Sünde schnödem Wesen ab. 4. Mein trener Gott! auf deiner Seite Bleibt ewig dieser Bund bestehn; Wenn aber ich 6. Weich, weich, du Fürst der Finsterniffe! Ein andrer Herr hat mich erkauft; Ich bin ein Sündenkind, doch wisse: Ich bin auf ChristiTod getauft! Weich, eitle Welt, du Sünde weich, Gott hört es: ich entsage euch! 7. Laß diesen Vorsat nimmer wanken, Gott, Vater, Sohn und heilger Geist! Halt mich in deines Bundes Schranken, Bis mich dein Wille sterben heißt; So leb ich dir, so sterb ich dir, So lob ich dich dort für und für. Nach Rambach. Mel. Mein Glaub ist.( 1 242. Ich bin in dir und du in mir! Nichts soll mich, ewge Petri 2, 9. 1 Joh. 2, 28.) Liebe, dir, In dieser Welt entreißen! Auf Erden, wo nur A. Taufe.( Taufbundes- Erneuerung.) 193 Sünder sind, Nennst du mich bei dir, Weil ich auf Erden freundlich schon dein Kind, laß michs ewig heißen Und treu mit Wandel, Herz und Mund Bewahren deinen Frie.densbund! walle; Drum führ mich, Jesu, treuer Hirt, Daß mich, was locket, schreckt und irrt, Nicht bringe je zu Falle! O daß, was ich dir heut versprach. Mir gehe tief und ewig nach! 4. Ich bin in dir und du in mir; Komm, Herr, mir deine Tugendzier Frühzeitig anzulegen, Daß mir des Lebens Glück und Noth, Ja selbst der lette Feind, der Tod, Nur kommen mög im Segen. Mit dir will ich durchs Leben gehn, Dir leiden, sterben, auferstehn! Knapp, g. 1798. 2. Ich bin in dir und du in mir; Dreieinger Gott, du haft zu dir Mich frühe schon berufen. Was mir, dem Kindlein, war bereit, Ergreif ich heut oll Innigkeit An des Altares Stufen Und sag: o Liebe, du bist mein, Ich will dein Kind auf ewig seyn!, 3. Ich bin in dir und du in mir; Noch wohn ich völlig nicht Mel. Nun danfet Alle Gott.( Phil. 1, 6. Kol. 2, 7.) 243. Es ist ein köstlich| men nennt, Aufs neue für die ( Ach Lust Der argen Welt entbrennt! 4. Was wir dir in der Tauf So fest und stark versprochen, Das bleibe künftighin gib es!) ungebrochen. unsre schwache Hand, auf den müden Fuß Durch Vorsatz und Gebet, Durch Wachsamkeit und Buß. Stärk Richt 5. Was du durch deinen Geist Im Guten angefangen, Dafür hab herzlich Dank! Achlaß es fortgelangen Zum Wachsthum und zur Kraft, Die keine Nen= drung kennt, Und kröne selbst dein Werk Mit einem selgen End. 6. Hilf, Sieger, hilf uns doch In allem überwinden! Laß uns 13 Ding Und Zeugniß deiner Treue, Heiland, daß das Herz In dir befestigt seye, ImGuten immer wachs, Zum Bösen nimmer kehr; Und dieses kommt allein Von deiner Gnade her. 2. Das Herz ist gar zu bös Und fängt wohl an zu wanken, Wenn es zum Guten kaum Gefasset die Gedanken. Steht es von deiner Hilf, O mein Erlöser, bloß, Wie wird durch Fleisch und Welt Sein Fall so schnell, so groß! 3. Wir bitten, Herr, für uns, Die Kinder sammt den Alten: Laß jeden, was er hat, Im Glauben fest behalten; Daß keiner unter uns, Der deinen NaEvangelisches Gesangbuch. XIII. Sakramente. 194 in deiner Lieb Die rechte Stär-| Nicht Leben oder Tod Von dir kung finden, Daß keine Krea- uns scheiden mag. tur, Nicht Trübsal oder Plag, Fischer, g. 1695+ 1773 Mel. Wachet auf! ruft. Gemeinde. 244. Vor dir, Todesüberwinder, Stehn deine theurerLösten Kinder, Ihr Lobgesang sey dir gebracht! Freudig gehn sie dir entgegen, Weil du der Liebe reichsten Segen Den Kinderseelen zugedacht. Dein Auge sieht sie hier Im Jugendschmuck vor dir Knien und beten. Herr! sie sind dein; Laß ihre Reihn Dir an dein Herz geleget seyn! Chor der Kinder. 2. Friedefürst! ich ward erkvren Am ersten Tag, als ich geboren, zu deinem selgen Gnadenkind; Du gabst mir des Himmels Gaben, Weil wir nichts Gutes eigen haben Und ohne dich verloren sind. O Jesu, meine Ruh! Ich greife freudig zu Nach den Gaben, Die du mir heut Zur Seligkeit Durch dein Erbarmen hast erneut. ( Marc. 10, 14-16.) 3. Laß dich halten und umfassen, Ich will dich ewig nicht verlassen, Verlaß auch du mich ewig nicht! Schüße mich vor Welt undSünde und offenbare deinem Kinde Dein gnadenvolles Angesicht; Auf daß ich Tag für Tag In dir mich freuen mag Still und heilig, Und mich dein Mund Zu jeder Stund Erinnre an den Liebesbund. dein sind wir! Sieh, wir alle flehen: Laß, laß, o Barmherziger, Uns dein Antlig sehen! Wach über unsre Seelen! Hier stehn und sprechen alle wir: Herr! dein Eigenthum sind wir. Gemeinde und Kinder. 4. O du Hirt erkaufter Seelen! Ich muß des rechten Wegs verfehlen, Wenn meine Seele von dir geht; Darum gib mir Licht und Stärke Und Glaubensmuth zum guten Werke, Zum Ringen, Wachen und Gebet, Bis ich den Pilgerstand Im ewgen Vaterland Siegreich ende, Und du, o Sohn, Der Treue Lohn Mir reichst von deinem Gnadenthron. Knapp, g. 1798 Eigene Mel.( Eph. 6, 10-17.) 245. Stärk uns, Mittler,| liger Mittler, Gott! Heiliger Gott, Lehrer und Tröster! Dreieiniger Gott! Laß uns nie ver= gessen Unsern theuren, heilgen Bund! Erbarm dich unser! 2. Ach wie oft gelobten wir, Fest an dir zu halten. Aber trenHeiliger Schöpfer, Gott! Hei- los ließen wir Unsre Lieb er B. Das heilige Abendmahl. falten! Stärk uns, o Herr, im Glauben! Beständig laß uns alle seyn, Die wir uns aufs nen dir weihn! Heiliger Schöpfer, Gott! Heiliger Mittler, Gott! Heiliger Gott, Lehrer und Tröster! Dreieiniger Gott! Stärk uns, deine Kinder, Im Vertraun auf Jesu Tod Und in der Tugend! 3. Lockt uns die verderbte Welt Zu der Jugend Lüften, Dann, Herr, wollst du uns mit Kraft Aus der Höhe rüsten. Laß streiten uns und stegen! Die Triebe zu verbotner Lust Dämpfe früh in unsrer Brust! Heiliger Schöpfer, Gott! Heiliger Mittler, 195 Gott! HeiligerGott, Lehrer und Tröster! Dreieiniger Gott! Laß uns alle Feinde, Alle Reizungen der Welt Weitüberwinden! 4. In der Todesnoth laß uns, Deine Theurerlösten, Unsers Glaubens Zuversicht Unaussprechlich trösten! Zähl uns zu deinen Kindern! Laß Kinder und Erwachsne dein Sich im Himmel ewig freun! Heiliger Schöpfer, Gott! Heiliger Mittler, Gott! Heiliger Gott, Lehrer und Tröster! Dreieiniger Gott! Laß uns nie vergessen Unsern theuren, heilgen Bund! Erbarm dich unser! Münter, g. 1735 † 1793. B. Das heilige Abendmahl. Mel. Wachet auf! ruft.( 1 Cor. 11, 26-28.) 246. Herr! du wollst uns vorbereiten Zu deines Mahles Seligkeiten, Sey mitten unter uns, o Gott! Laß uns, Leben zu empfahen, Mit glaubensvollem Herzen nahen, Und sprich uns los von Sünd und Tod. Wir sind, o Jefu, dein, Dein laß uns ewig seyn, Amen, Amen! Anbetung dir, Einst feiern wir Das große Abendmahl bei dir. 2. Nehmt und eßt zum ewgen Leben Das Brod, das euch der Herr gegeben; Die Gnade Jesu sey mit euch! Nehmt und trinkt zum ewgen Leben Den Kelch des Heils, auch euch gegeben; Ererbt, erringt des Mittlers Reich! Wacht, eure Seele sey Bis in den Tod getreu, Amen, Amen! Der Weg ist schmal; Klein ist die Zahl ,. Die dort eingeht zum Abendmahl! Klopstod, g. 1724 † 1803. Mel. Ich dank dir schon durch:( 1 Cor. 11, 23-25.) 247. Als Jesus Christus| ganz bedacht, Dasselbe zu erin der Nacht, Darin er ward statten, verrathen, Auf unser Heil war 2. Da nahm er in die Hand XIII. Sakramente. 196 das Brod Und brachs mit sei-| theures Blut Im Kelche zu nen Fingern, Sah auf gen genießen, Das ich für euch und Himmel, dankte Gott Und euch zu gut Am Kreuze werd sprach zu seinen Jüngern: vergießen." 6. ,, Das macht euch aller Sünden frei, Daß fie euch nicht mehr kränken; So oft ihrs thut, sollt ihr dabei An meinen Tod gedenken." 7. O Jesu! dir sey ewig Dank Für deine Treu und Gaben; Ach laß durch diese Speis' und Trank Auch mich das Leben haben! 3. Nehmt hin und eßt, das ist mein Leib, Der für euch wird gegeben; Und denket, daß ich euer bleib Im Tod und auch im Leben." 4. Deßgleichen nahm er auch den Wein Im Kelch und sprach zu Allen:„ Nehmt hin und trinket insgemein, Wollt ihr Gott wohlgefallen" 5. Hier geb ich euch mein Johann Heermann, g. 1585 t 1647. ( Matth. 22, 2-14.) Mel. Es ist das Heil. lieben ihres Fleisches Muth Und thun, was sie gelüftet. 248. Gott macht ein gro-| schnödes Geld und Gut, Sie ßes Abendmahl Vom Reichthum seiner Gnaden Und läßt in Christi Kirchensaal Die Gäste freundlich laden.„ Kommt," ruft er, alles ist bereit! Kommt alle, die ihr hungrig seyd Und lasset euch erquicken!" 4. Sie fahren in den Sünden fort Und wollen nicht verstehen, Daß sie ja einen Seelenmord An ihnen selbst begehen. Verachtet man das Himmelsmahl, So wird zuletzt der Hölle Qual Zur Strafe drauf erfolgen. 2. So höre doch nun jedermann, Wer Ohren hat zu hören; Gott spricht die Sünder gnädig an, Sie sollen sich bekehren, Und welcher wahre Buße thut, Der soll durch Christi theures Blut Gerechtigkeit erlangen. 5. Vor solchem Wesen hütet euch, Ihr gottergebnen Christen, Und stellt euch dieser Welt nicht gleich, Noch folget ihren Lüften! Bedenket doch die Ewigkeit Und forget in der Gnadenzeit Für euer Heil der 3. Ach Gott, wie ists um uns bestellt! Wie treibts der Men- Seelen. schen Haufen! Sie wollen lieber zu der Welt, Als zu dem Himmel laufen. Sie suchen 6. Ach lieber Gott! regiere mich, Daß ich von Herzen gläube, Im Glauben auch bestän B. Das heilige Abendmahl. 197 diglich Bei deinen Worten blei-| lich Freudenmahl Mich ewig be, Bis einstens in dem Him- wird ergößen! melssaal Dein überschwengNeumeister, g. 1671 † 1756. Mel. Mein Jesus lebt.( 1 Cor. 11, 28. Matth. 11, 28. Joh. 6, 56.) 249. Laß irdische Geschäfte| ich gehen Als Gottes auserstehen, Auf, Seele, mache dich bereit! Du willst zu Gottes Tische gehen: Doch prüfe dei-ne Würdigkeit, Ob du dich als ein rechter Gast Zum Abendmahl geschicket haft? wähltes Kind Und selig an dem Orte stehen, Wo andre Himmelsgäste sind; Weil ich mit Jesu angethan, Sieht Gott in ihm mich gnädig an. 2. Es will mir fast der Muth verschwinden, Ob ich dabei erscheinen kann; Ich finde viele tausend Sünden, Ach, die ich wider Gott gethan: Ich darf zu dieser Tafel nicht, Nicht unrein vor sein Augesicht! 6. Ach wie erquicket mich die Speise, Die meine Seele hier genießt, Da Jesus wunderbarer Weise Die theure Speise selber ist! Ach siehe, wie dich Jesus liebt, Der dir sich selbst zu eigen gibt! 7. Ich kann nur Brod und Wein erblicken, Doch sieht der Glaub ein höher Gut: In, mit und unter beiden Stücken Empfang ich Christi Leib und Blut; Er sagt es ft, er ist getren, Drum bleibt mein Glaube fest dabei. 3. Daß Gott erbarm, was soll ich sagen? Ich Sünder muß verloren seyn! Doch nein, ich darf noch nicht verzagen: Gott setzt den Tisch deßwegen ein, Daß er den Sündern Trost und Kraft Für ihre arme Seelen schafft. 4. Wie wohl ist mir in Gott zu Muthe! Gott tilget meine Missethat; Ich wasche mich in Jesu Blute, Der meine Sünd gebüßet hat; Mein Glaub erlangt von ihm das Kleid Des Heils und der Gerechtigkeit. 5. In diesem Schmucke will 8. Mein Jesus ist für mich gestorben, Mein Jesus lebet auch für mich, Mein Jesus hat mir Heil erworben, Darauf besteh ich festiglich und halte mich an ihn allein: Mein Freund ist mein und ich bin sein! Neumeister, g. 1671 † 1756. Mel. An Wasserflüffen.( Jerem. 31, 25. Job. 15, 5.) 250. Ich komme, Herr, und| den. O mein Erbarmer, würdsuche dich Mühselig und bela- ge mich Des Wunders deiner XIII. Sakramente. 198 Gnaden! Ich liege hier vor| Und du wirst dem, der dich erdeinem Thron, Sohn Gottes kauft, Von ganzem Herzen und des Menschen Sohn, Mich leben." deiner zu getrösten. Ich fühle meiner Sünden Müh, Ich suche Ruh und finde fie Im Glauben der Erlösten. 2. Dich bet ich zuversichtlich an, Du bist das Heil der Sünder; Du hast die Handschrift abgethan, Und wir sind Gottes Kinder. Ich denk an deines Leidens Macht und an dein Wort: ,, es ist vollbracht!" Du haft mein Heil verdienet, Du haft für mich dich dargestellt; Gott war in dir und hat die Welt In dir mit sich verfühnet. 3. So frene dich, mein Herz, in mir: Er tilget deine Sünden Und läßt an seiner Tafel hier Dich Gnad um Gnade finden. Du rufft, und er erhört dich schon, Spricht liebreich: „ sey getrost, mein Sohn, Die Schuld ist dir vergeben! Du bist in meinen Tod getauft 4. ,, Dein ist das Pfand der Seligkeit; Bewahr es hier im Glauben Und laß durch keine Sicherheit Dir deine Krone rauben. Sieh, ich vereine mich mit dir, Ich bin der Weinstock, bleib an mir, So wirst duFrüchte bringen. Ich helfe dir, ich stärke dich, Und durch die Liebe gegen mich Wird dir der Sieg gelingen." 5. Ja, Herr, mein Glück ist dein Gebot, Ich will es trey erfüllen, Und bitte dich durch deinen Tod Um Kraft zu meinem Willen. Laß mich von nun an eifrig seyn, Mein ganzes Herz dir, Herr, zu weihn Und deinen Tod zu preisen; Laß mich den Ernst der Heiligung Durch eine wahre Bes serung Mir und der Welt beweisen! Gellert, g. 1715 † 1769. Eigene Mel.( Matth. 5, 6.) 251. Schmücke dich, o liebe| 2. Eil, wie Gottvertraute Seele! Laß die dunkle Sün- pflegen, Deinem großen Herrn denhöhle, Komm ans helle entgegen, Der bei dir und all Licht gegangen, Fange herrlich den Seinen Will mit ſeiner an zu prangen; Denn der Herr, Guad erscheinen. Deffn' ihm voll Heil und Gnaden, Will bald die Geistespforten, Red dich jetzt zu Gaste laden; Der ihn an mit Glaubensworten: den Himmel kann verwalten, ,, Komm, ich will dich mit Ver= Will jetzt Herberg in dir langen Als den liebsten Freund balten. empfangen." B. Das heilige Abendmahl. 3. Ach wie hungert mein Gemüthe, Menschenfreund nach deiner Güte! Ach wie pfleg ich oft mit Thränen Mich nach diesem Mahl zu sehnen! Ach wie pfleget mich zu dürsten Nach dem Trank des Lebensfürsten, Daß in diesem Brod und Weine Sich mein Herr mit mir vereine! 6. Jesu, wahres Brod des Lebens, Hilf, daß ich doch nicht vergebens, Oder gar zu meinem Schaden Trete zu dem Mahl der Gnaden! Laß bei diesem Trank und Essen Mich dein Lieben recht ermessen, Daß ich auch, wie jetzt auf Erden, Mög dein Gast im Himmel werden! Johann Franck, g. 1618 † 1677. Mel. Herr, wie du willt.( 2 Tim. 2, 8. Matth. 26, 26-28.) 4. Jesu, meine Lebenssonne, Jesu, meine Freud und Wonne, Jesu, du mein ganz Beginnen, Lebensquell und Licht der Sinnen! Hier fall ich zu deinen Füßen: Laß mich würdiglich genießen Diese deine Himmelsspeise Mir zum Heil und dir zum Preise! 199 5. Herr! es hat dein treues Lieben Dich vom Himmel hergetrieben, Daß du willig haft dein Leben Für mich in den Tod gegeben Und dein theures Blut vergossen, Welches deine Tischgenossen Hier so wunderbar kann tränken, Deiner Liebe zu gedenken. 252. Halt im Gedächtniß Jesum Christ, O Seele, der auf Erden Vom Himmelsthron gekommen ist Ein Heiland dir zu werden. Vergiß nicht, daß er dir zu gut Hat angenommen Fleisch und Blut; Dank ihm für diese Liebe! 2. Halt im Gedächtniß Jesum Chrift! Er hat für dich gelitten Und dir, da er gestorben ist, Das Heil am Kreuz erstritten. Errettung von der Sündennoth Erwarb er dir durch seinen Tod; Dank ihm für diese Liebe! 3. Halt im Gedächtniß Jesum Christ, Der, von dem Tod erstanden, Nunmehr zur Rechten Gottes ist, Und von des Todes Banden Die Seinigen auch frei gemacht und ewges Leben dir gebracht; Dank ihm für diese Liebe! 4. Halt im Gedächtniß Jesum Christ! Er wird einst wieder kommen, zu richten, was auf Erden ist, Die Sünder und die Frommen; Drum sorge, daß du dann bestehst Und mit ihm in den Himmel gehst, Ihm ewiglich zu danken. 5. Mein Heiland, den der Himmel preist, Dich will ich XIII. Sakramente. 200 ewig loben! Ostärke dazu mei-| vermehr' in mir Des Glaubens nen Geist Mit neuer Kraft Kraft, damit ich dir Mit neuer von oben! Dein Abendmahl| Trene diene. Mel. Ach was soll ich Sünder machen.( Joh. 6, 56. 57.) 253. Mit dem Haufen deiner Frommen Will auch ich, o Heiland, kommen Zu des neuen Bundes Mahl. Alle Christen sind geladen; Reicher König! deiner Gnaden Ist kein Maß und keine Zahl. 2. Welche große Seligkeiten Willst du, Mittler, uns bereiten! Seele, freu dich seiner Huld! Wenn dich Sünd und Elend drücken: Gott ist hier, dich zu erquicken, Jesus tilgt auch deine Schuld! 3. Darf ich, Herr, ich Sünder nahen, Deine Gnade zu empfahen? Ich, der nichts als Fluch verdient? Ja, auch mir bist du gestorben, Leben hast du mir erworben, Mich durch deinen Tod verfühnt! Günther, g. 1650 † 1704. 4. Den Gedanken darf ich wagen, Darf ihn laut voll Frenden sagen: Ich soll Eins mit Jesu seyn! Um mir Gnade zu erwerben, Wollt er für mich Sünder sterben: Jesus und sein Heil ist mein! 5. Wer nur glaubt, wird nicht verloren, Er wird rein und neu geboren; Droben ist sein Vaterland. Freuet euch, erlöste Sünder! Gott ist Vater, wir find Kinder, Hier ist der Erlösung Pfand; 6. Pfand von Christi Tod und Leben, Wenn wir ihm, nicht uns mehr leben, Siegel unsrer Seligkeit! Aber Siegel des Gerichtes, Wenn wir fliehn den Weg des Lichtes, Wenn uns noch die Sünde freut! 7. Seele, denk an deine Würde, Und drückt dich des Leidens Bürde, Denk an deinen großen Lohn! Kämpfe wider jede Sünde, Streite männlich, überwinde; Deine Krone wartet schon! Lavater, g. 1741 † 1801. Mel. Es ist das Heil.( Offenb. 3, 20. Joh. 14, 23.) 254. Wie heilig ist die| mel bin ich nicht mehr fern Stätte hier, Wo ich voll An- Und fühle Gottes Nähe. dacht stehe! Sie ist des Himmels Pforte mir, Die nun ich 2. Wie heilig ist dieß Lebensbrod, Dieß theure Gnadenzeioffen sehe. O Lebensthor, o chen, Vor dem des Herzens Tisch des Herrn! Vom Him- Angst und Noth Und alle Qua B. Das heilige Abendmahl. 201 len weichen! O Brod, das mei- te, Damit der Herr der Herrne Seele nährt, O Manna, das mir Gott beschert, Dich will ich jetzt genießen! lichkeit An mir Gefallen hätte! O wäre doch mein Herz der Ort, An welchem Jesus fort und fort Aus Gnaden Wohnung machte! 3. Wie heilig ist doch dieser Trank, Der mein Verlangen stillet, Der mein Gemüth mit Lob und Dank Und heilger Freud erfüllet! O Lebenstrank, o heilges Blut, Das einst gefloffen mir zu gut, Dich will ich jetzt empfangen! 4. Welch unaussprechlich Glück ist mein, Welch Heil hab ich gefunden! Mein Jesus kehret bei mir ein, Mit ihm werd ich verbunden. Wie ist mein Herz so frendenvoll, Daß ich in Jesu leben soll, Und er in mir will leben! 6. Mein Jesu! komm und heile mich; Was sündlich ist, vertreibe, Damit ich nun und ewiglich Dein Tempel sey und bleibe. Von dir sey ganz mein Herz erfüllt; Herr, laß dein heilig Ebenbild Beständig au mir leuchten! 7. Nun, du hast himmlisch mich erquickt, Du hast dich mir gegeben; In dir, der mich so hoch beglückt, Will ich nun stündlich leben! Laß mich, mein Heiland, allezeit, Von nun an bis in Ewigkeit Mit dir vereinigt bleiben! Nach Löscher, g. 1673 † 1749. 5. O wär doch auch mein Herz geweiht Zu einer heilgen StätMel. Erquicke mich, du peil.( Luc. 22, 19: c. 1 Cor. 11, 26. Joh. 6, 53 zc.) 255. Mein Jesu, der du vor| Schmerzen Erneuern sich in dem Scheiden In deiner letzten unsern Herzen. Trauernacht Uns alle Früchte deiner Leiden Als legten Willen haft vermacht, Es preisen gläubige Gemüther Dich, Stifter solcher hohen Güter! 3. Es wird dem zitternden Gewissen Ein neues Siegel aufgedrückt, Daß unser Schuldbrief sey zerrissen, Daß unsre Handschrift sey zerstückt, Daß wir Vergebung unsrer Sünden In deinen blutgen Wunden finden. 2. So oft wir dieses Mahl genießen, Wird dein Gedächtniß bei uns nen; Man kann aus frischen Proben schließen, Wie brünstig deine Liebe sey. Dein Blut, dein Tod und deine ( Col. 2, 14.) 4. Das Band wird fester angezogen, Das dich und uns zusammenhält, Es fühlt die 202 XIII. Sakramente.. Freundschaft, längst gepflogen, Auf neue Stüßen sich gestellt, Wir werden mehr in solchen Stunden Mit dir zu Einem Geist verbunden. 5. Dieß Brod kann wahre Nahrung geben, und dieser Kelch erquickt den Geist, Es mehrt sich unser innres Leben, Wenn unser Glaube dich geneußt. Wir fühlen neue Kraft und Stärke In unsrem Kampf und Glaubenswerke.. 6. Wir treten in genaure Bande Mit deines Leibes Gliedern ein, Wir müssen all in solchem Stande Ein Herz und Eine Seele seyn; Der Geist muß mehr zusammenfließen, Da wir Ein Fleisch und Blut genießen.( 1 Cor. 10, 17.) 7. Dein Leib muß uns zum Mel. Schmücke dich.( 1 256. Komm, mein Herz, aus Jesu Leiden Strömt auch dir ein Quell der Freuden; Stille hier dein sehnlich Dürsten An dem Mahl des Lebensfürsten! Daß ich einen Heiland habe Und in seinem Heil mich labe Und in sein Verdienst mich kleide, Das ist meines Herzens Frende! 2. Zwar ich hab ihn alle Tage, Wenn ich Sehnsucht nach ihm trage; Er ist auf der Himmelsreise Täglich meine SeelenPfande dienen, Daß unser Fleisch, jetzt schwachheitsvoll, Einst herrlich aus dem Staube grünen Und unverweslich werden soll; Ja daß du uns ein ewig Leben Nach diesem kurzen werdest geben. 8. O theures Lamm, so edle Gaben Hast du in dieses Mahl gelegt! Da wir dich selbst zur Speise haben, Wie wohl ist unser Geist gepflegt! Dieß Mahl ist unter allen Leiden Ein wahrer Vorschmack jener Freuden. 9. Dir sey Lob, Ehr und Preis gesungen; Ja solche Liebe, warm und rein, Verdient, daß aller Engel Zungen zu ihrem Ruhm geschäftig sey'n. Wird unser Geist zu dir erhoben, So wird er dich vollkommen loben. Rambach, g. 1693 † 1753. Gal. 2, 20.) Cor. 11, 26. speise. Daß ich einen Heiland habe, Bleibt mein alles bis zum Grabe, Und ich mag nichts andres wissen, Als sein Leiden zu genießen. 3. Aber ich will mit Verlan= gen Auch sein Abendmahl empfangen; Darf ich da mich ihm verbinden, Werd ichs tiefer noch empfinden, Daß ich einen Heiland habe, Der am Kreuz und in dem Grabe, Wie sein Wort mir sagt und schreibet, Mein Erlöser war und bleibet. B. Das heilige Abendmahl. 203 4. Ach wie werd ich oft so| 7. Heilger Kelch, sey mir gemüde, Wie entweicht der süße segnet, Weil mir der in dir Friede! Sünd und Welt kann begegnet, Dessen Blut mich mich verwunden, Wenn mir läsfet finden Die Vergebung dieses Licht entschwunden: Daß aller Sünden! Daß ich einen ich einen Heiland habe, Der Heiland habe, Der die matie mit seinem Hirtenstabe, Sanft Seele labe, Muß dieß nicht und mild und voll Verge- mein Dürsten stillen Und mein ben, mir nichts ist als lauter Herz mit Wonne füllen? Leben. 8. Gott! was brauch ich mehr zu wissen, Ja was will ich mehr genießen? Wer kann nun mein Heil ermessen, Werd ich das nur nicht vergessen, Daß ich einen Heiland habe! Ich bin frei von Tod und Grabe; Wenn mich Sünd und Hölle schrecken, So wird mich mein Heiland decken. 5. Sey gesegnet, ewge Liebe, Daß du mir aus treuem Triebe, Da der Unglaub mich vergiftet, Solch ein Denkmal selbst gestiftet: Daß ich einen Heiland habe, Der den Gang zum Kreuz und Grabe, Ja den Schritt in Todes Rachen Gern gethan, mich los zu machen! 6. Heilges Brod, sey mir gesegnet, Weil mir der mit dir begegnet, Der mit seinen heilgen Wunden Die Erlösung mir erfunden! Daß ich einen Heiland habe, Der erblaßt und todt im Grabe, Auch für meine Schuld gelegen, Will ich schmeden und erwägen. 9. Will hinfort mich etwas quälen, Oder wird mir etwas fehlen, Oder wird die Kraft zerrinnen, So will ich mich nur befinnen, Daß ich einen Heiz land habe, Der vom Kripplein bis zum Grabe, Bis zum Thron, wo man ihn ehret, Mir, dem Sünder, zugehöret! Woltersdorf, g. 1725 † 1761. Mel. Freu dich sehr.( Joh. 6, 51. 1 Cor. 11, 26-29.) 257. Herr! du haft für alle Sünder Einen reichen Tisch gedeckt, Wo dein Brod die armen Kinder Neu zu Freud und Liebe weckt. Hier erschein ich als ein Gast, Welchen du geladen haft; Laß mich nicht mit falschem Herzen Deine große Huld verscherzen! 2. Höre mich, o Herr der Güte, Mache mich vom Eiteln frei, Daß voll Andac mein Gemüthe Und mein Herz dir heilig fey! Nur zu dir steht mein Ver XIII. Sakramente. 204 traun; Lehr mich gläubig auf dich schaun Und laß deinen Tisch auf Erden Mir des Himmels Vorschmack werden. 3. Gnadenvoll willst du mir schenken Deinen Leib, dein theures Blut; Drum so laß mich wohl bedenken, Was hier deine Liebe thut, Und verleihe, daß ich nicht Eff' und trinke zum Gericht, Was du doch zum Heil und Leben mir im Abendmahl willst geben. 4. Wirke heilige Gedanken In der Seele, die dich ehrt; Halte meinen Sinn in Schranken, Wenn mich Furcht und Zweifel stört; Fühl ich immer Sündennoth, So erquicke mich dieß Brod, Dieser Kelch mit deinem Blute, Denn es floß auch mir zu gute. 5. Ohne dich ist ja kein Leben, Gib mir neue Lebenskraft! Ich bin mit Gefahr umgeben, Du 258. Jesus! Freund der Menschenkinder, Heiland der verlornen Sünder, Der zur Sühnung unsrer Schulden Kreuzesschmach hat wollen dulden, Wer kann faffen das Erbarmen, Das du trägest mit uns Armen? In der Schaar erlöster Brüder Fall ich dankend vor dir nieder. bists, der mir Hilfe schafft. Arm am Geist komm ich zu dir; Laß dein Abendmahl auch mir Bei so mancher Last auf Erden, Herr, zu großer Stärkung werden! 2. Ja auch mir strömt Heil und Segen, Herr, aus deiner 6. Laß mich deine Liebe schmeken Und die Güterjener Welt; Oder wenn je Furcht und Schre= cken Mich dabei noch überfällt, So verleihe mir dein Blut Einen rechten Freudenmuth, Daß ich meinen Trost im Glauben Mir durch niemand lasſe rauben. 7. Tief will ichs zu Herzen fassen, Daß dein Tod mein Leben ist; Keinen meiner Brüder hassen, Der mit mir Ein Brod genießt. Deiner will ich mich erfreun, Bis ich werde bei dir seyn Und die Fülle deiner Gaben, Meinen Gott und alles haben! Mel. Schmücke dich.( Joh. 6, 33-35.) Cafp. Neumann, g. 1648 † 1715. Füll entgegen; In dem Elend meiner Sünden Soll bei dir ich Hilfe finden; Meine Schuld willst du bedecken, Mich befrein von Furcht und Schrecken, Willst ein ewig selges Leben Als des Glaubens Frucht mir geben. 3. Mich, den Zweifelnden, den Schwachen, Willst du fest im Glauben machen; Ladest mich zu deinem Tische, Daß mein B. Das heilige Abendmahl. 205 Herz sich hier erfrische. So ge=| Glauben halten Und im Guten wiß ich Wein genossen, Ist dein nie erkalten? Ofteh du mir bei Blut für mich geflossen; So und stärke Mich zu jedem guten gewiß ich Brod empfangen, Werke! Hilf, daß ich die Lust Soll ich Heil in dir erlangen! zur Sünde Durch dich kräftig 4. Ja du kommst, dich mit den überwinde. Deinen In dem Nachtmahl zu vereinen; Du, der Weinstock, gibst den Neben Muth und Kraft zum neuen Leben; Durch dich muß es mir gelingen, Reiche, gute Frucht zu bringen Und durch Frömmigkeit zu zeigen, Daß ich gänzlich sey dein eigen. 5. Nun so sey der Bund erneuet Und mein Herz dir ganz geweihet! Auf dein Vorbild will ich sehen Und dir nach, mein Heiland, gehen; Was du hassest, will ich haffen, Stets von dir mich leiten lassen; Was du liebest, will ich lieben, Nie durch Untreu dich betrüben. 7. Gib, daß ich und alle Christen Uns auf deine Zukunft rüsten, Daß, wenn heut der Tag schon käme, Keinen, Herr, dein Blick beschäme. Schaff ein neues Herz den Sündern, Mache sie zu Gotteskindern, Die dir leben, leiden, sterben, Deine Herrlichkeit zu erben. 8. Großes Abendmahl der Frommen, Tag des Heils, wann wirst du kommen, Daß wir mit der Engel Chören, Herr, dich schaun und ewig ehren? Hallelujah! welche Freuden Sind die Früchte deiner Leiden! Danket, danket, fromme Ewig ihm für seine 6. Doch ich kenne meine Schwä- Herzen, che, Schwer ist, was ich dir ver- Schmerzen! spreche: Werd ich dir auch 2. Les'ich in des Herzens Mitte, Folg ich jedem meiner Schritte, Den ich rechts und links gethan, O so kann ich dem Erquicken Lavater, g. 1741 † 1901. Mel. Ach was soll.( Ebr. 3, 14. 1 Cor. 10, 31. Cap. 11, 26.) Und gebeugter Seele nahn! 259. Jeder Tag hat seine| Heut nur mit gesenkten Blicken Plage, Jedes Herz hat seine Klage, Jedes Haus hat seine Last; Aber Stärkung und Begabung Fließet Allen aus der Labung, Herr, die du bereitet haft! 3. Aber du willst mit den Dei= nen Dich im heilgen Fest vereinen Und ihr Wirth voll Gnade seyn; Dann wird dem lebendgenGlauben Frucht der Aehren, Saft der Trauben Wunderbar zum Heil gedeihn. 4. Ach wer sollte sich nicht gerne Aus der Nähe, von der XIII. Sakramente. 206 Ferne In die Zahl der Gäste| dich bequemen Mögest, immer reihn? Ach wer hätte nie em- da zu seyn! pfunden, Wie das kranke Herz gesunden Kann bei deinem Brod und Wein? 7. Tief gesegnet wall ich weiter, Weil du selbst mir Schuß und Leiter In des Lebens Lust und Qual; Was ich wünsche, was ich sinne, Was ich leide, was beginne, Sey mir ernst wie dieses Mahl! 5. Drum in herzlichem Verlangen Komm ich heute mitgegangen, Komme bittend allermeist: Daß du mir zu eigen geben Wollest, als dein wahres Leben, Deinen werthen heilgen Geist; 6. Daß, gleichwie mit der Gemeine Hent ich als dein Gast erscheine, Du bei mir auch kehrest ein, Nicht als Gast nurHer- Abendmahl! berg nehmen, Nein in Gnaden Mel. Nun laßt uns Gott, den Herren.( Ps. 34, 9. 260. O Jesu, meine Wonne, Du meiner Seelen Sonne, Du freundlichster auf Erden, Laß mich dir dankbar werden! 2. Wie kann ich gnugsam schägen Dieß himmlische Ergößen Und diese theuren Gaben, Die uns gestärket haben? 3. Wie soll ich dirs verdanken, O Herr, daß du mich Kranken Gespeiset und getränket, Ja selbst dich mir geschenket? 4. Ich lobe dich von Herzen Für alle deine Schmerzen, Für deine Schläg und Wunden, Die du für mich empfunden. 8. Auch wodurch ich mich erfrische, Nähr und stärk am eignen Tische Oder in der Freunde Zahl, Sey mir dann, weil du zugegen Täglich bist mit Zucht und Segen, Heilig durch dein 5. Dir dank ich für dein Leiden, Den Ursprung meiner Freuden, Dir dank ich für dein Sehnen Und deine heißen Thränen; Grüneifen, g. 1802. 1 Cor. 11, 26.) 6. Dir dank ich für dein Lieben, Das standhaft ist geblieben, Dir dank ich für dein Sterben, Das mich dein Reich läßt erben. 7. Herr! laß mich nicht vergessen, Daß du mir zugemessen Die kräftge Himmelsspeise, Damit mein Herz dich preise. 8. Laß mich die Sünde meiden, Laß mich geduldig leiden, Laß mich mit Andacht beten Und von der Welt abtreten. 9. Im Handeln, Wandeln, Esfen Laß nimmer mich vergessen, Wie herrlich ich beglücket Und himmlisch bin erquicket! 10. Nun kann ich nicht verder= ben, Drauf will ich selig sterben Und freudig auferstehen, O Jesu, dich zu sehen! Rift, g. 1607 1667 B. Das heilige Abendmahl. Mel. Wer nur den lieben.( 1 Cor. 10, 16. 17.) 261. Nimm hin den Dank| neuen Sünden, Verlaß mich in für deine Liebe, Du mein Er- Versuchung nicht; Und dein für löser, Jesu Christ! Gib, daß mich vergoßnes Blut Verleih ich dich nicht mehr betrübe, Der mir auch im Tode Muth. du für mich gestorben bist; Laß deines Leidens Angst und Pein Mir immer in Gedanken seyn. 2. Heil mir! mir ward dein Brod gebrochen, Ich trank, Herr, deines Bundes Wein; Voll Freude hab ich dir versprochen, Bis in den Tod dir treu zu seyn; Ich habs gelobt von Herzen dir, Schenk du nur deinen Beistand mir! 3. Laß mich voll Dankbarkeit ermessen, Was du für meine Seele thatst. Und nie der Liebe mich vergessen, Mit der du mich vor Gott vertratst. Laß meinen Glauben'thätig seyn Und mir zur Tugend Muth verleihn. 4. Im Streite hilf mir überwinden Und stärke mich zu jeder Pflicht; Bewahre mich vor 207 262. Wie könnt ich Sein vergessen, Der mein noch nie vergaß? Kann ich die Lieb ermessen, Dadurch mein Herz genas? Ich lag in bittern Schmerzen, Er schafft mein Leben neu; Und stets quillt aus dem Herzen Ihm neue Lieb und Treu. 2. Wie sollt ich Ihn nicht lie5. Und du, o heilige Gemeine! Wir aßen hier von Einem Brod, Wir tranken hier von Einem Weine Und haben EinenHerrn und Gott; Drum laßt uns Eine Seele seyn, Den Liebenden durch Lieb erfreun; Mel. Herzlich thut mich.( Joh. 6, 48-51. 2 Cor. 5, 15.) 6. Uns dulden, tragen, Freude machen Den Brüdern; zanken, zürnen nicht! Wer stark ist, sey der Stab der Schwachen; Der Weise leihe Andern Licht; Der Reiche trage Armer Last; Verföhnlich sey, wen Bosheit haßt! 7. Wie jetzt in Jesu Christi Namen Sein Volk vor ihm versammelt war, So kommen wir noch einst zusammen Vor ihm mit aller Engel Schaar; Und unaussprechlich freut sich dann, Wer, wie er liebte, lieben kann! Lavater g. 1741 † 1801 | ben, Der mir so hold sich zeigt? Wie jemals Ihn betrüben, Der fo zu mir sich neigt? Er, der ans Kreuz erhoben, Getragen meine Schmach, Ruft Er mir nicht von oben: ,, Komm, folge du mir nach!" 3. Ihn will ich ewig lieben, Der mir aus Todesnacht, Von meinem Schmerz getrieben, 208 XIV. Das Gebet. Unsterblichkeit gebracht, Der Gnadenschein, Sollt ich bei noch zur letzten Stunde Mir reicht die treue Hand, Daß mich kein Feind verwunde Im Lauf zum Heimathland. Ihm nicht wohnen? In Ihm nicht selig seyn? 4. Er gibt zum heilgen Pfande Mir Seinen Leib, Sein Blut; Hebt mich aus Nacht und Schande, Füllt mich mit Himmelsmuth; Will selber in mir thronen Mit heilgem Und dein Herz für und für! Rern, g. 1792 † 1835. 5. Bei Freuden und bei Schmerzen Durchleuchte mich Dein Bild, Wie du, o Herz der Herzen, Geblutet haft so mild! Mein Lieben und mein Hoffen, Mein Dulden weih ich Dir!Laß mir die Heimath offen XIV. Das Gebet. Mel. Wunderbarer König.( Apostelg. 17, 27. 28.) ser Gott und Herre, Dir gebührt die Ehre! 263. Gott ist gegenwärtig!| Du allein Sollst es seyn, UnLasset uns anbeten Und in Ehrfurcht vor ihn treten! Gott ist in der Mitte: Alles in uns schweige Und sich innigst vor ihm beuge! Wer ihn kennt, Wer ihn nennt, Schlag' die Augen nieder; Gebt das Herz ihm wieder! 4. Majestätisch Wesen! Möcht ich recht dich preisen Und im Geist, dir Dienst erweisen! Möcht ich, wie die Engel, Immer vor dir stehen und dich gegenwärtig sehen! Laß mich dir Für und für Trachten zu gefallen, Liebster Gott, in allen! 5. Luft, die alles füllet, Drin wir immer schweben, Aller Dinge Grund und Leben, Meer ohn' Grund und Ende, Wunder aller Wunder, Ich senk mich in dich hinunter! Ich in dir, Du in mir! Laß mich ganz verschwinden, Dich nur sehn und finden! 6. Du durchdringest alles; 2. Gott ist gegenwärtig, Dem die Cherubinen Tag und Nacht gebücket dienen; Heilig, hei lig, heilig" Singen ihm zur. Ehre Aller Engel hohe Chöre. Herr! vernimm Unfre Stimm', Wenn auch wir Geringen Unfre Opfer bringen. 3. Wir entsagen willig Allen Eitelkeiten, Aller Erdenlust und Freuden. Da liegt unser Wille, Seele, Leib und Leben, Dir zum Eigenthum ergeben; XIV. Das Gebet. 209 ler schweben Und in dir nur leben! Glanz vom ewgen Lichte, Leucht| Herz Ueberwärts Wie ein Admit heiter ins Gesichte! Wie die zarten Blumen Willig sich entfalten Und der Sonne stille halten: Möcht ich so, Still und froh Deine Strahlen fassen Und dich wirken lassen! 7. Mache mich einfältig, Innig, abgeschieden, Sanft und still in deinem Frieden; Mach mich reines Herzens, Daß ich deine Klarheit Schau im Geist und in der Wahrheit. Laß mein 8. Herr! komm in mich wohnen: Laß mein Herz auf Erden Dir ein Heiligthum noch werden. Komm, du nahes Wesen, Dich in mir verkläre, Daß ich dich stets lieb und ehre; Wo ich geh, Siz und steh, Laß mich dich erblicken Und vor dir mich bücken! Tersteegen, g. 1697 † 1769. Mel. Mein Gott, in dem.( 1 Theff. 5, 17. Sach. 12, 10.) 264. Gott! gib mir deinen| du mich deine Werke sehen, Geist zum Beten, Zum Beten ohne Unterlaß, Getrost im Glauben hinzutreten, Wenn ich dein Wort mit Freuden faff', Und auch im Glauben hinzuknien, Wenn ich in Furcht und Jammer bin. So sey mein Rühmen stets von dir; Und find' ich in der Welt nicht Ruh, So steig mein Sehnen himmelzu. 2. Im Schrecken über meine Sünde Sey dieß mein Ruf: erbarme dich! So oft ich mich so schwach empfinde, Sey dieß mein Seufzer: stärke mich! Sink ich, so werde dieß mein Flehn: Herr, hilf, sonst muß ich untergehn! 3. Fühlt Seel und Leib ein Wohlergehen, So treib es mich zum Dank dafür; Läßst 4. Ist der Versucher in der Nähe, So lehr mich ihn im Beten fliehn; Wenn ich den Bruder leiden sehe, So lehr mich bitten auch für ihn; Und in der Arbeit meiner Pflicht Vergesse dein die Seele nicht. 5. Am Abend heiß mich mit dir reden, Am Morgen auch noch seyn bei dir; Und sterb ich, laß in letzten Nöthen noch feufzen deinen Geist in mir; Weckst du mich einst, so bet ich dann Dich ewig auch im Himmel an. Ph. Fr. Piller, g. 1699 † 1769 Mel. Jesu, bilf slegen.( Joh. 17, 9-11. Cap. 14, 13. Ebr. 7, 24. 25.) 265. Jesu! hilf beten und| und in mir in allerlei Noth; bete, du Trener, Durch mich Eigenes Opfer mit eigenem Evangelisches Gesangbuch. 14 XIV. Das Gebet. 210 Fener Nettet uns nicht vom und wecke mich auf; Mache Verderben und Tod! Nein, mich munter, andächtig und nur dein Opfer mit Danken brünstig, Bringe das Wirken und Flehen Darf bis ins in- des Glaubens in Lauf. Mache nerste Heiligthum gehen. mein Räuchwerk durch deine Hand steigen, Laß dein begleitendes Fürwort nicht schweigen. 2. Jesu, hilf beten, ach Jesu, hilf beten! Siehe, mir mangelts an Weisheit und Kraft; Wirst du mich, Mittler, nicht felber vertreten, Ist es mit Beten vergeblich geschafft. Soll es gelingen, so mußt du mich lehren, Und muß dein Geist mir das Abba gewähren. 4. Jesu, hilf beten, ach laß es gelingen! Richte Gedanken und Worte mir ein; Lasse mein Beten im Sterben und Ringen Heftiger, kräftiger, kindlicher seyn! Beten kann retten aus jeglichen Nöthen Und aus dem Tode selbst: Jesus hilft beten! 3. Jesu, hilf beten, ach bleibe mir günstig! Tilge die Unlust Ph. Heinr. Weissenfee, g. 1673 t 1767. ( Ma th. 7, 7-11.) schämt sich, Gottes Freund zu seyn! 3. Bet oft in Einfalt deiner Seelen; Gott sieht aufs Herz, Gott ist ein Geist. Wie können dir die Worte fehlen, Wofern dein Herz dich beten heißt? Nicht Töne finds, die Gott gefallen, Nicht Worte, die die Kunst gebeut; Gott ist kein Mensch! ein gläubig Lallen, Das ist vor ihm Beredtsamkeit. 4. Wer das, was uns zum Frieden dienet, Im Glauben sucht, der ehret Gott; Werdas zu bitten sich erkühnet, Was Gott nicht will, entehret Gott. Wer täglich Gott die Treue schwöret, Und dann vergißt, was er beschwur, Und klagt, Mel. Die Tugend wird. 266. Dein Heil, o Christ, nicht zu verscherzen, Sey wach und nüchtern zum Gebet! Ein findlich Flehn aus reinem Her zen Hat Gott, dein Vater, nie verschmäht. Erschein vor seiuem Angesichte Mit Dank, mit Demuth, oft und gern, Und prüfe dich in seinem Lichte Und klage deine Noth dem Herrn. 2. Welch Glück, so hoch geehrt zu werden und im Gebet vor Gott zu stehn! Der Herr des Himmels und der Erden, Bedarf der eines Menschen Flehn? Sagt Gott nicht:, bittet, daß ihr nehmet?" Ist des Gebetes Frucht nicht dein? Wer sich der Pflicht zu beten schämet, Der XIV. Das Gebet. daß Gott ihn nicht erhöret, Der spottet seines Schöpfers nur. 5. Bet oft zu Gott und schmeck in Freuden, Wie freundlich er, dein Vater, ist; Bet oft zu Gott und fühl im Leiden, Wie göttlich er das Leid versüßt! Bet oft, wenn dich Versuchung quälet, Gott hörts, Gott ists, der Hilfe schafft; Bet oft, wenn innrer Trost dir fehlet, Er gibt den Müden Stärk und Kraft. 6. Bet oft, durchschau mit heilgem Muthe Die herzliche Barmherzigkeit Deß, der mit seinem theuren Blute Die Welt, die Sünderwelt befreit! Nie wirst du dieses Werk ergründen, Nein, es ist deines Gottes That; Erfreu dich ihrer, rein von Sünden, Und ehr im Glauben Gottes Rath. 7. Bet oft, entdeck am stillen Orte Gott ohne Zagen deinen Schmerz; Er schließt vom Herzen auf die Worte, Nicht von den Worten auf das Herz. Nicht deingebognes Knie, nicht Thränen, Nicht Worte, Seufzer, Psalmenton, Nicht dein Gelübd' rührt Gott; dein - 211 Sehnen, Dein Glaub an ihn und seinen Sohn! 8. Versäume nicht, in den Gemeinen Auch öffentlich Gott anzuflehn Und seinen Namen mit den Seinen, Mit deinen Brüdern zu erhöhn, Dein Herz voll Andacht zu entdecken, Wie es dein Mitchrift dir entdeckt, Und ihn zur Inbrunst zu erwecken, Wie er zur Inbrunst dich erweckt. 9. Bist du ein Herr, dem Andre dienen, So sey ihr Beispiel, sey es stets Und feire täglich gern mit ihnen Die felge Stunde des Gebets. Nie schäme dich des Heils der Seelen, Die Gottes Hand dir anvertraut; Kein Knecht des Hauses müsse fehlen: Er ist ein Christ und werd erbaut! 10. Bet oft zu Gott für deine Brüder, Für alle Menschen, als ihr Freund, Denn wir sind Eines Leibes Glieder, Ein Glied davon ist auch dein Feind. Bet oft, so wirst du Glauben halten, Dich prüfen und das Böse scheun, An Lieb und Ei= fer nicht erkalten Und gern zum Guten weise seyn. Gellert, g. 1715 † 1769. Mel. Urquell aller Geligkeiten.( PI. 63, 3.) 267. Dir versöhnt in dei-| mit trübem Blick Unerhört nem Sohne Liegen wir vor deinem Throne; Keiner kehrt von dir zurück. 2. Alles Fleisch von allen En XIV. Das Gebet. 212 den Kommt mit aufgehobnen| 7. Sollten denn nicht deine Händen, Kommt mit Hoff nung und Begier, Gott, der gern erhört, zu dir. Frommen Alle betend vor dich kommen, Der du Allen Vater bist, Dem kein Ding unmöglich ist? 3. Du bist alles Guten Fülle; Daß wir beten, ist dein Wille; Du verschmähst, o Vater, nicht Deiner Kinder Zuversicht. 8. Allen hast du, Herr, ihr Leben Und was sie erfreut, gegeben Und versprichst, Unendlicher, Allen noch unendlich mehr. 4. Und du hast so vielen Segen, Weit mehr als wir bitten mögen; Reich und Kraft und Herrlichkeit, Gott, ist dein in Ewigkeit. 9. Ja wir wollen zu dir nahen, Beten, glauben und empfahen! Unsrer Thaten Lobgesang Sey in Ewigkeit dein Dank. 5. Was im Himmel und auf Erden Gut ist, ließ dein Wille werden; Eh es ward, da dachtest du Es schon deinen Kindern zu. 6. Alle sollten deiner Gaben Unerschöpften Reichthum haben; Ewig sollten Alle dein, ter gleich? Guter Vater, sich erfreun. 10. Heil uns Christen! du beschüßest Deine Kinder, du befizest Herrlichkeit und Kraft und Reich; Wo ist dir ein Ba2. Dein gnädig Ohr neig her zu mir, Erhör mein Flehn, thu dich herfür, Eil, bald mich zu erretten! Ich lieg und steh In Angst und Weh, Hilf mir aus meinen Nöthen. 3. Mein Gott und Schirmer, steh mir bei, Sey meine Burg, darin ich frei Und ritterlich mög streiten. Ob mich bedroht Mit Münter, g. 1735 † 1793. Mel. In dich hab ich.( Ps. 31, 1-6.) allen Seiten. 268. Auf dich hab ich gehof-| Noth und Tod Der Feind von fet, Herr! Hilf, daß ich nicht zu Schanden mehr Und nimmer werd zu Spotte; Das bitt ich dich, Erhalte mich In dir, als meinem Gotte! 4. Du bist mein Fels,( sagt mir dein Wort) Mein Schild und Stärke, Hilf' und Hort, Mein Heil und Kraft und Leben, Mein starker Gott In aller Noth!- Wer mag mir widerstreben? 5. Voll Trugs ist dieser Welt Gericht Mit Lüg und fälschlichem Gedicht; Sie spinnt viel Netz und Stricke. Herr! nimm mein wahr In derGefahr, Neiß mich aus ihrer Tücke. 6. Herr! meinen Geist befehl XV. Tag des Herrn und Gottesdienst. 213 ich dir; Mein Gott, mein Gott,| Herrlichkeit Sey Bater, Sohn weich nicht von mir, Nimm mich in deine Hände! OwahrerGott, Aus aller Noth Hilf mir an meinem Ende! und Geist bereit, Lobt seinen heilgen Namen! Die göttlich' Kraft Mach uns sieghaft Durch Jesum Christum! Amen. 7. Preis, Ehre, Macht und Ad. Reusner, g. 1480? † 1572. XV. Tag des Herrn und Gottesdienst. Mel. O Jerusalem du.( 5 Mof. 5, 12.) 269. Hallelujah! schöner| 5. Ich will in der AndachtStille Morgen, Schöner als man den ken mag! Heute fühl ich keine Sorgen, Denn das ist ein lieber Tag, Der durch seine Lieblichkeit Mich im Innersten erfreut. 2. Süßer Ruhetag der Seelen, Sonntag, der voll Lichtes ist! Heller Tag in dunklen Höhlen, Zeit, in der der Segen fließt, Stunde voller Seligkeit, Du vertreibst mir alles Leid! Heute voller Arbeit seyn; Denn da sammle ich die Fülle Von den höchsten Schäßen ein, Wenn mein Jesus meinen Geist Mit dem Wort des Lebens speist. 6. Herr! ermuntre meine Sinnen Und bereite selbst die Brust; Laß mich Lehr und Trost gewinnen, Gib zu deinem Manna Lust, Daß mir deines Wortes Schall Tief im Herzen wiederhall. 3. Ach wie schmeck ich Gottes Güte Recht als einen Morgenthan, Die mich führt aus meiner Hütte Zu des Vaters grüner Au! Da hat wohl die Morgenstund Edlen Schaß und Gold im Mund. 4. Ruht nur, meine Weltge= schäfte, Heute gilts ein andres Thun; Denn ich brauche alle Kräfte, In dem höchsten Gott zu ruhn; Heut schickt keine Arbeit sich, Als nur Gottes Werk, für mich. 7. Segne deiner Knechte Lehren, Deffne selber ihren Mund, Mach mit allen, die dich hören, Heute deinenGnadenbund, Daß wenn man hier fleht und singt, Solches in dein Herze dringt. 8. Gib, daß ich den Tag beschließe, Wie er angefangen ist. Segne, pflanze und begieße, Der du Herr des Sabbaths bist; Bis ich einst auf jenen Tag Ewig Sabbath halten mag. Schmolf, g. 1671 † 1737. Mel. O Jerusalem, du Schöne.( Ps. 84, 2. 3.) 270. Thut mir auf die schöne| mich ein! Ach wie wird an diePforte, Führt in Gottes Haus sem Orte Meine Seele fröhlich 214 XV. Tag des Herrn und Gottesdienst. seyn! Hier ist Gottes Angesicht,| 4. Mache mich zum guten LanHier ist lauter Trost und Licht. de, Wenn dein Saatkorn in 2. Herr! ich bin zu dir gekom- mich fällt; Gib mir Licht in men, Komme du nun auch zu dem Verstande, Und was mir mir; Wo du Wohnung hast ge- wird vorgestellt, Präge meinommen, Da ist lauter Himmel nem Herzen ein, Laß es mir hier; Zeuch in meinem Herzen zur Frucht gedeihn. ein, Laß es deinen Tempelseyn. 3. Laß in Furcht mich vor dich treten, Heilige mir Leib und Geist, Daß mein Singen und mein Beten Dir ein lieblich Opfer heißt; Heilige mir Mund und Ohr, Zeuch das Herz zu dir empor. 5. Stärk in mir den schwachen Glauben; Laß dein theures Kleinod mir Nimmer aus dem Herzenrauben, Halte mir dein Wort stets für; Ja das sey der Morgenstern, Der mich führt zu meinem Herrn! Schmolk, g. 1671 † 1737. Mel. Mein Jesus, dem die.( 1 Mof. 2, 2. 3. 3 Mof. 26, 2.) gefällig dienen, Wenn mich dein Geist nicht tüchtig macht? Wie wird mein Herz in dir erfreuet, Wenn er nicht stillt der Sünden Qual? Wie bet ich, wenn er meine Schal' Mit reichem Weihrauch nicht bestreuet? 4. Mein Jesus hat mein Herz so theuer Zu seinem Tempel eingeweiht; Hier ist dein Herd, hier ist dein Feuer, Die Fülle deiner Herrlichkeit, Dein Heiligthum, dein Stuhl der Gnade, Dein Licht und Recht, das Himmelsbrod; Des Geistes Frucht und dein Gebot Erfüllen diese Bundeslade. 271. Beschwertes Herz, leg| ab die Sorgen; Erhebe dich, gebeugtes Haupt! Es kommt der angenehme Morgen, Da Gott zu ruhen hat erlaubt, Da Gott zu ruhen hat befohlen Und selbst die Ruhe eingeweiht; Auf, auf! du hast so manche Zeit Dem Dienste Gottes abgestohlen! 2. Auf, laß Egyptens eitles Wesen, Die Stoppeln und die Ziegel stehn! Du sollst das Himmelsmanna lesen und in des Herren Tempel gehn, Ihm zu bezahlen deine Pflichten, Und zur Vermehrung seines Ruhms, Die Werke deines Priesterthums In tiefster Andacht zu verrichten. 3. Mein Gott! ich bin vor dir erschienen Und gebe auf dein Winken Acht; Wie kann ich dir 5. Wenn sich des Lebens Werktag' enden, So ruh, von allem Frohndienst los, Mein Geist in deinen Vaterhänden, Mein Leib in seiner Mutter Schoos, Bis XV. Tag des Herrn und Gottesdienst. 215 beides feiern wird dort oben,| thut, Als dich zu lieben, dich zu Wo man in sichrem Frieden loben. ruht, Nichts denket, redet oder Eigene Mel.( Jef. 56, 2. Jac. 1, 27.) 272. Ja, Tag des Herrn, du sollst mir heilig, Ein Festtag meiner Seele seyn! Gleich jenen ersten Christen heilig, Will ich den Tag der Ruhe weihn. Weit weg von allen eitlen Dingen! Zum Himmel soll mein Geist sich schwingen! Froh feir' ich mit der Christenheit Den Festtag der Unsterblichkeit. 2. Ja mit den heiligen Gemeinen, Die heut vor deinem Antlig stehn, Soll meine Seele sich vereinen, Herr, deine Liebe zu erhöhn. Wo sich die Heiligen versammeln, Will ich dein Lob mit Ehrfurcht stammeln; Dort fing ich in der Engel Chor Ein beßres Lied zu dir empor. 3. An diesem Gott geweihten Orte Erschallt der Gnade Stimme mir; Ich höre, Jesu, deine Worte, Und stille seufzt mein Herz zu dir; Da wirst du Lehrer mir und Tröster, Da kann ich mich, ich dein Erlöster, Weltheiland, deiner Liebe freun; Da lern ich dir ergebner seyn. Marperger, g. 1681 † 1746. 4. Die Schriften Gottes still zu lesen, Ist heut mein Glück und meine Pflicht. Wie blind wär ich, allweises Wesen, Verwärf ich deinen Unterricht! Nein, nein, mit einfaltvoller Seele Erforsch ich, Vater, die Befehle, Die lauter Licht und Leben sind, Mit Dank und Demuth, als ein Kind. 5. Und sammeln sollst du in der Stille, Mein Geist, vor deinem Schöpfer dich! Da frage dich: was sucht mein Wille, Was quält und was erfreuet mich? Da, da ergründe dein Bestreben, Wäg alle Neden, prüf dein Leben; Da, Seele, wenn du redlich bist, Vergleiche dich mit Jesus Christ! 6. Da, da vergiß nicht deine Sünden, Die du vielleicht noch nie bereut, Mit tiefer Neue zu empfinden, Bis Gott dein schmachtend Herz erfreut! Da, da erwäg des Vaters Güte, Da dank mit Freuden, mein Gemüthe, Dem Vater der Barmherzigkeit, Ja tief im Staube dank ihm heut! 7. Und ferne soll von meinem Munde Hent jede eitle Rede seyn! Nein, keine Gott bestimmte Stunde Will ich dem Tand der Erde weihn. Ich will zu Leidenden heut eilen, Mit ihnen ihren Schmerz zu theilen; 216 XV. Tag des Herrn und Gottesdienst. Denn Sabbathfei'r ist: Gutes mein Geist sich himmelwärts, thun Und von der Last des Eitlen ruhn. Gott! segne meine Andachtsstille, Erfüll mit deines Geistes Fülle, Mit deines Angesichtes Glanz Mich heut, o Jesus Christus, ganz! Lavater, g. 1741 † 1801. 8. O Tag des Herrn, du Tag der Wonne, Du Tag des Segens für mein Herz! Bestrahle mich, o Lebenssonne, So hebt Mel. Alle Menschen. 273. Jesu! Seelenfreund der Deinen, Sonne der Gerechtigkeit, Wandelnd unter den Gemeinen, Die zu deinem Dienst bereit, Komm zu uns, wir sind beisammen, Gieße deine Geistesflammen, Gieße Licht und Leben aus Ueber dieß dein Gotteshaus. 2. Komm, belebe alle Glieder, Du, der Kirche heilig Haupt; Treibe aus, was dir zuwider, Was uns deinen Segen raubt! Komm, entdeck uns in der Klarheit Gottes Herz voll Gnad und Wahrheit; Laß uns fühlen allzugleich: Ich bin mitten unter euch!" 3. Laß sich die Gemüther kehren Zu dir, Glanz der Ewigkeit! Laß uns innigst nur begehren, Was uns dein Erbarmen beut. Laß dein Licht und Leben fließen Und in Alle sich ergießen, Stärke deinen Gnadenbund, Herr, in jedes Herzens Grund! ( Matth. 18, 20.) 4. Laß auch unsern Lehrer sehen Nur auf dich, Herr Jesu Christ! Laß die Hörer tief verstehen, Daß du selbst zugegen bist, Mild in jedes Herz zu kommen. Was nicht wird von dir genommen, Taugt, und wär es noch so schön, Nicht in deine Himmelshöhn. 274. Liebster Jefu! wir find hier, Dich und dein Wort anzuhören; Lenke Sinnen und Begier Auf die süßen Him5. Komm, o Herr, in jede Seele, Laß sie deine Wohnung seyn, Daß dir einst nicht Eine fehle In der Gotteskinder Reihn. Laß uns deines Geistes Gaben Reichlich mit einander haben; Offenbare heiliglich, Haupt, in allen Gliedern dich! 6. Was von dir uns zugeflossen, Müsse Geist und Leben seyn; Was die Seele hat genossen, Mache fie gerecht und rein. Komm, o Jesu, uns zu segnen, Jedem gnädig zu begegnen, Daß in ewger Lieb und Treu Jedes dir verbunden sey! Nach Hahn, g. 1758 † 1819. Eigene Mel.( Pf. 36, 10.) melslehren, Daß die Herzen von der Erden Ganz zu dir gezogen werden. 2. Unser Wissen und Verstand XV. Tag des Herrn und Gottesdienst. 217 Ist mit Finsterniß umhüllet,| keit, Licht vom Licht, aus Gott Wo nicht deines Geistes Hand Uns mit hellem Licht erfüllet; Gutes denken, thun und dichten Mußt du selbst in uns verrichten. geboren! Mach uns allesammt bereit, Deffne Herzen, Mund und Ohren; Unser Bitten, Flehn und Singen Laß, Herr Jesu, wohl gelingen! 3. O du Glanz der HerrlichClausniger, g. 1648 † 1684. Mel. Mein Jesus lebt, was soll.( Col. 3, 16. Pf. 26, 6-8.) 275. Noch sing ich hier aus| Gott, deinen großen Namen dunkler Ferne, Gott meines preist, Anbetung dir und Ehre Lebens, dir mein Lied; Wenn bringt Und Fülle der Empfineinst weit über alle Sterne dung fingt. Dich mein verklärtes Auge sieht, Dann schallet dir im Jubelklang Der Ueberwinder mein Gefang. 5. Zwar hab ich auch in stillen Stunden, Wenn ich dir meine Freuden sang, Der Andacht Seligkeit empfunden, Die durch die frohe Seele drang; Mein Herz, wenn dir mein Lied erscholl, Ward seliger Empfindung voll; 6. Doch ward, dich inniger zu loben, Oft, wenn sie kalt und träge war, Die Seele mehr zu dir erhoben, Wenn meiner Miterlösten Schaar Sich bis zu deinem Throne schwang Und dir aus vollen Chören sang. 7. Drum will ich mit den frommen Schaaren Auch gern zu deinen Tempeln gehn, Wo einst auch die versammelt waren, Die nun vor deinem Throne stehn; Sie schauten auch im dunkeln Wort, Von Angesicht schaun sie dich dort. Heinr. Erhard Heeren, g. 1729 f 1511. 2. Wohl mir indeß! du schaust hernieder, Steigt mein Gebet zu dir hinan; Du hörst den Dank der schwachen Lieder Mit Vaterhuld und Gnaden an, Und meine Besserung und Ruh Nimmt durch ein frommes Lied oft zu. 3. Froh wall ich hin mit meinen Brüdern Zu deines Tempels Heiligthum; Da schallt in die geweihten Liedern Des Dankes Stimme dir zum Ruhm, Und dann durchdringet meine Brust Ein fromm Gefühl der reinsten Lust. 4. Die Kraft von deinen Hims melslehren Durchdringt und hebet meinen Geist, Wenn er, vereint mit heilgen Chören, 1 XV. Tag des Herrn und Gottesdienst. Mel. Ach, wann werd ich dahin kommen.( Matth. 18, 20. Joh. 17, 17.) 276. Jesu, Brunn des ew-| beten, Hauch nus an mit deigen Lebens! Stell, ach ftell dich bei uns ein; Laß uns nun und nie vergebens Wirken und beisammen seyn. nem Geist, Daß wir vor den Vater treten, Wie's dein Mund die Kinder heißt. 2. Du verheißest ja den Deinen, Daß du wollest Wunder thun Und in ihrer Mitt' erscheinen; Ach erfülls, erfülls auch nun! 7. Sammle die zerstreuten Sinnen, Wehr der Flatterhaftigkeit; Laß uns Licht und Kraft gewinnen Zu des Glaubens Wesenheit. 3. Herr! wir tragen deinen Namen; Herr! wir sind auf dich getauft, Denn du haft zu deinem Samen Uns mit deinem Blut erkauft: 8. O gefalbtes Haupt der Glieder! Nimm auch uns zu solchen an; Bring das Abgefallne wieder Auf die frohe Himmelsbahn. 9. Gib uns Augen, gib uns 4. O so laß uns dich erken- Ohren, Gib uns Herzen, die nen; Komm, erkläre selbst dein Wort, Daß wir dich recht Meister nennen Und dir folgen immerfort. dir gleich; Mach uns redlich, neugeboren, Herr, zu deinem Himmelreich! 5. Bist du mitten unter denen, Welche sich nach deinem Heil Mit vereintem Seufzen sehnen, O so sey auch unser Theil! 6. Lehr uns singen, lehr uns 218 10. Ach ja, laß uns Christen werden, Christen, die ein Licht der Welt, Christen, die ein Salz der Erden, Wie's dem Vater wohlgefällt! Annoni, † 1770. Mel. Liebster Jesu, wir sind.( 5 Mof. 28, 1 und 6. Luc. 11, 28.) uns ferner leite Und uns alle wohl bereite. 277. Nun gottlob! es ist| Gottes Wegen; Gottes Geist vollbracht Singen, Beten, Lesen, Hören! Gott hat alles wohlgemacht, Drum laßt uns sein Lob vermehren; Unser Gott sey hochgepreiset, Daß er uns so herrlich speiset! 2. Weil der Gottesdienst ist ans, uns auch mitgetheilt der Segen, Gehn im Frieden wir nach Haus, Wandeln fein auf 3. Unsern Ausgang fegne Gott, Unsern Eingang gleichermaBen, Segne unser täglich Brod, Segne unser Thun und Lassen, Segne uns mit selgem Sterhen Und mach uns zu Himmelserben! Schenf, g. 1634 † 1681. Bei Einweihung von Kirchen. Eigene Mel.( 2 Cor. 13, 13.) 278. Ach sey mit deiner| diese uns nicht bliebe, Fiel' uns die Welt zu schwer. Gnade Bei uns, Herr Jesu Christ, Auf daß uns nimmer schade Des bösen Feindes List! 2. Ach sey mit deiner Liebe, Gott Vater, um uns her! Wenn 2. Ach heilger Geist, behalte Gemeinschaft allezeit Mit unsrem Geist, und walte Du bis in Ewigkeit! 219 Garve, g. 1763 † 1841. Bei Einweihung von Kirchen. Mel. Wie schön leucht't.( Joh. 17, 17.) 279. Gott Vater! aller 3. O heilger Geist, du werDinge Grund, Gib deinen Va- thes Licht! Wend her dein göttternamen kund Andiesem heil- lich Angesicht, Daß wir erleuchgen Orte. Wie lieblich ist die tet werden! Gieß über uns Stätte hier! Die Herzen wal- und dieses Haus Dich mit alllen auf zu dir; Hier ist des mächtgen Flammen aus, Mach Himmels Pforte! Wohne, himmlisch uns auf Erden, LehThrone Hier bei Sündern, rer, Hörer, Kinder, Väter! Als bei Kindern, Voller Klar- Früher, später Gehts zum heit; Heilge uns in deiner Sterben, Hilf uns Jesu Reich Wahrheit. ererben! 2. Sohn Gottes, Herr der 4. Dreieinger Gott! Lob, Herrlichkeit! Dieß Gotteshaus Dank und Preis Sey dir vom ist dir geweiht, O laß dirs Kinde bis zum Greis Für dieß wohlgefallen! Hier schalle dein dein Haus gesungen! Du hafts lebendig Wort, Dein Segen geschenkt und auferbaut, Dir walte fort und fort In diesen ists geheiligt und vertraut Mit Friedenshallen. Einheit, Rein- Herzen, Händen, Zungen. Ach heit Gib den Herzen; Angst hier Sind wir noch in Hütten; und Schmerzen Tilg in Gna- Herr! wir bitten: Stell uns den Und nimm von uns allen droben In den Tempel, dich Schaden. zu loben. Knapp, g. 1798. Mel. Alles ist an.( Pf. 118. Joh. 8, 51. Offenb. 3, 11.) 280. Ziert das Thor mit| Glocke schweigen, Stimmt in frischen Zweigen, Laffet keine frohes Loblied ein; Solches XV. Tag des Herrn und Gottesdienst. Zeichen sey gegeben, Daß wir| Gnade, Orgeltöne laden ein; unsers Glaubens leben Und in Gottes Haus uns freun. Aber sind, die heute kommen, Auch so fromm wie jene From men, Die dir dienten in der Pein? 220 2. Herr! in wildverwachsnen Hainen, Auf dem öden Feld von Steinen, Oder in der Höhle Graun Hießest du die heilgen Männer Deine frühesten Bekenner Durch dein Gnadenwort erbaun. 5. Schenk uns doch in Haus und Hütte Guten Glauben, reine Sitte, Wie dirs wohlge= fallen mag! Hilf uns durch Ges bet bereiten, Auch mit Zucht in Fröhlichkeiten Vor dir heilgen diesen Tag. 3. Wenn des Feindes Häscher kamen, Litten sie für deinen Namen Mit verklärtem An- 6. Ob die Zeit auch wiederkehgesicht; Und in tausend See- re, Wo man uns des Heilands len hallte Nach ihr Seufzer: Lehre Wehren will mit frechem Herr! behalte Ihnen diese Muth, O dann wollest deinen Sünde nicht." Apost. 7, 59. Haufen Du in solcher Drangsal taufen, Sey's mit Feuer oder Blut! 4. Jeho führen sichre Pfade, Jedem winkt das Haus der Bei Einsegnung von Geistlichen. Mel. Nun danfet Alle.( Ps. 68, 12. 2 Cor. 5, 19. 20. Mal. 2, 7.) 281. Herr Jesu! der du selbst Von Gott als Lehrer kommen, Und wie du's in dem Schoos Des Vaters haft vernommen, Den rechten Weg zu Gott Mit Wort und Werk gelehrt, Sey für dein Predigtamt Gelobt von deiner Heerd! 2. Du bist zwar in die Höh Zum Vater aufgefahren, Doch gibst du noch der Welt Dein Wort mit großen Schaaren Und baust durch diesen Dienst Die Kirche, deinen Leib, Daß er im Glauben wachs' Und fest ans Ende bleib. 3. Hab Dank für dieses Amt, Durch welches man dich höret, Das uns den Weg zu Gott und die Versöhnung lehret, Durchs Evangelium Ein Häuflein in der Welt Berufet, sammelt, stärkt, Lehrt, tröstet und erhält. 4. Erhalt uns diesen Dienst Bis an das End der Erden, Und weil die Ernte groß, Groß Arbeit und Beschwerden, Schick selbst Arbeiter aus Und mach sie klug und tren, Daß Feld und Baumann gut, Die Ernte reichlich sey. Bei Einsegnung von Geistlichen. 221 5. Die du durch deinen Ruf| Verirrte selbst, Das Wunde Der Kirche haft gegeben, Erhalt bei reiner Lehr Und einem heilgen Leben; Leg deinen Geist ins Herz, Das Wort in ihren Mund, Was jeder reden soll, Das gib du ihm zur Stund. 6. Ach segne all dein Wort Mit Kraft an unsern Seelen; Laß deiner Heerd es nie An guter Waide fehlen; Such das Mel. Wie schön leucht't.( Eph. 4, 282. O Jesu, Herr der Herrlichkeit, Du König deiner Christenheit, Du Hirte deiner Heerde! Du siehst auf die erlöste Welt, Regierst sie, wie es dir gefällt, Willst, daß sie selig werde. Uns auch Hast du Hier erwählet, Zugezählet Den Erlösten, Die du segnen willst und trösten. 2. Du rufest deinen Boten zu: „ Geht, führt mein Volk dem Himmel zu, Pflegt sein mit frommem Triebe! Dringt ein mit Eifer und mit Kraft Ins Wort, das neue Seelen schafft Durch Buße, Glaub und Liebe. Laffet Euren Eignen Seelen* Ernst nie fehlen, Daß die Heerden Mit den Hirten selig werApostelg. 20, 28. 3. Wir nehmen, als aus deiner Hand, Den Lehrer, der uns ist gesandt; Herr! segne sein Geschäfte; Die Seelen, die sich ihm vertraun, Durch Wort und den!" binde zu, Das Schlafende weck auf, Das Müde bring zur Ruh. 7. Bring, was noch draußen ist, zu deiner kleinen Heerde; Was drinnen ist, erhalt, Daß es gestärket werde; Durchdring mit deinem Wort, Bis einstens Heerd und Hirt Im Glauben, Herr, an dich, Zusammen se= lig wird! Fischer, g. 1695 † 1773. 11-13. Ebr. 13, 17. Jac. 1, 21.) Wandelzu erbaun, Schenk Willen, Weisheit, Kräfte. Lehr ihn, HilfihmWirken, leiden, Sünde meiden, Beten, wachen, Selig sich und uns zu machen. 4. Herr! deinen Geist laß auf ihm ruhn, Hilf ihm sein Amt mit Freuden thun, Wend ab, was ihn betrübet. Wenn er uns deine Wahrheit lehrt, So gib ein Herz, das willig hört, Sich gern im Guten übet. Lehrer, Hörer Laß in Freundschaft Und Gemeinschaft Feste stehen Und den Weg zum Leben gehen. 5. Wann einst dein großer Tag erscheint, Laß ihn, als unsrer Seelen Freund, Uns dir entge= gen führen. Du hast die Seelen all gezählt, Du willst es nicht, daß Eine fehlt, Willst keine ja verlieren! Jesu! Hilf du, Neich die Hände, Daß am Ende Hirt und Heerde Tren vor dir erfunden werde. 6. So komm denn als ein Knecht XV. Tag des Herrn und Gottesdienst. 222 des Herrn, Okomm im Namen unsers Herrn, In Jesu Christi Namen! Nimm, Hirte, nimm uns bei der Hand, Führ uns zum ewgen Vaterland! Gott mit dir! Amen, Amen! Mit dir Gehn wir Wie durch Freuden, So durch Leiden, Zu dem Leben, Das uns Jesus dortwill geben. Nach Bickel, g. 1737 † 1809 Mel. Ja, Tag des Herrn.( Ps. 132, 9. 1 Cor. 3,7. Tit. 1, 9. 2 Tim. 4, 22c. Ef. 55, 102c) 283. Umgürte die, o Gott,| die Lande fleußt, Dem alle Felmit Kräften In ihrem Amt, Beruf und Stand, Die zu des Predigtamts Geschäften Dein gnadenvoller Ruf gesandt. Lehr du sie, so sind sie gelehret, Erneure, die du, Herr, bekehret; Hilf ihnen selbst, so wird allein Ihr Amt an uns gesegnet seyn. sen müssen weichen, Der alle Dämme niederreißt; Der alles reinigt, alles bessert, Der alle dürren Gründe wässert, Der alle harten Felder zwingt Und in die tiefsten Nisse dringt. 2. Laß auf ihr Pflanzen, Säen, Bauen Des Geistes Kraft von oben her Zum reichlichsten Gedeihen thauen; Vermehr dein Reich je mehr und mehr. Mach sie zum Vorbild uns im Wandeln, Begleite du ihr Thun und Handeln; Mach sie für jeden Fall bereit Mit Weisheit, Muth und Tapferkeit. 5. Reich ihnen deines Geistes Waffen, Der Feinde Grimm zu widerstehn; Laß sie beim Bitten und Bestrafen Auf MenschenGunst und Furcht nicht sehn; Gib, wenn sie lehren, Ueberzeugung; Gib, wenn sie warnen, tiefe Beugung; Gib, wenn sie trösten, Kraft und Licht Und felfenfeste Zuversicht. 3. Gib, daß von deiner ganzen Heerde, Die du selbst ihnen anvertraut, Kein einziges verloren werde. Mach auch die Wüsten angebaut; Laß in der umgebrochnen Erden Dein Wort zur Saat des Lebens werden, Daß es auf jener 7. Wir sind mit deinem Blut Ernte Tag Dir Früchte hun- erkaufet, Drum denke an dein dertfältig trag. 6. O Herr! wir trauen deiner Liebe, Die bis hieher mit Rath und That Die Deinen aus Erbarmungsliebe In ihrem Amt geleitet hat; Du wirst das Deine Und deinen selbst bewachen Segengrößer machen; Der Hirten sind die Schafe nicht, Nein, dein sind sie, o Seelenlicht! 4. Dein Wort laß einem Strome gleichen, Der mächtig durch theures Blut; Wir sind in deinen Tod getaufet, So schüße dein erstrittnes Gut. Dein Va XVI. Heilsordnung. A. Buße und Bekehrung. 223 ter hat uns dir erwählet Und| dich; Waid und erhöh uns ewiguns zu seinem Volk gezählet; lich! Wir blicken, Herr, getrost auf XVI. A. Mel. Wer nur den lieben. 284. Du hast ja dieſes meiner Seele, O Herr, gleich anfangs eingesenkt, Daß sie in dieser Leibeshöhle Nach was Unendlichem sich lenkt! Sie sucht und wünschet immerzu, Und findet nirgends ihre Nuh. 2. Gerechter Gott! wie hat die Sünde Mir doch das Ziel so sehr verrückt, Daß ich nunmehr auch gar nichts finde, Was meine Seele recht erquickt; In dir allein ist wahre Ruh; Bring, Herr, mein armes Herz dazu! Heilsordnung. Buße und Bekehrung. 3. Ach mache von den Eitelfeiten. Der Welt, o Herr, mich ganz befreit Und ziehe mich von allen Seiten Zurück von der Vergänglichkeit; Damit ich durch solch Stilleseyn Zur wahren Ruhe kehre ein. Lüneburger Gesangbuch. 4. Zeuch mich, o Vater, zu dem Sohne, Sonst bin ich ein verloren Kind, Daß er durch Glauben in mir wohne, Und ich in ihm die Ruhe find'; Denn durch den Glauben ist er mein, Und ich bin durch den Glauben ſein. ( Apostelg. 17, 30. 31.) 5. Sonst alles ist für nichts zu schäßen, Es mag auch heißen, wie es will; Pracht, Reichthum kann mich nicht ergößen, Noch meine Seele machen still; Was Kinder dieser Welt erfreut, Bringt Gottes Kindern Traurigkeit. 6. Geehret seyn in Menschenaugen Und ihrer Gunst versichert seyn, Kann nichts an meinem Ende taugen; Im Leben ists ein bloßer Schein. Drum laß mich, Jesu, dieſe Zeit Anwenden für die Ewigfeit. 7. Laß mich nach dieser Ehre trachten, Daß ich nur dir gefällig sey Und lerne diese Welt verachten, die nichts ja hat als Täuscherei; Wer aber dir, o Gott, gefällt, Der hat das beste Theil erwählt. 8. Wie wird mich aller Reichthum trösten, Wenn ich die Welt verlassen soll, Und hätte ich des Allerbesten Gleich alle meine Habe voll? Dagegen dein getreuer Sinn Ist mir der seligste Gewinn! 224 XVI. Heilsordnung. -9 9. Drum laß mich dich allein| meinen blöden Muth Und rede behalten, O Herr, mein aller- meiner Seele zu: Komm, höchstes Gut! O Jesu, wann gehe ein in deine Ruh!" ich soll erkalten, So stärke Frommann, g. 1669 † 1715. Mel. Mache dich, mein Geist.( Eph. 5, 14.) 285. Sichrer Mensch! noch ist es Zeit, Aufzustehn vom Schlafe; Nah ist dir die Ewigkeit, Nahe Lohn und Strafe. Hör, Gott spricht! Säume nicht, Seinen Ruf zu hören Und dich zu bekehren. 2. Noch tönt nicht zum Weltgericht Der Posaune Stimme; Noch sinkt dieser Erdball nicht Vor des Nichters Stimme. Aber bald, Bald erschallt Gottes Ruf: zu Erden Sollst du wieder werden! 4. Wann vor deinem Antlig sich Jede Sünd enthüllet, Wann dann jede, jede dich Ganz mit Graun erfüllet; Dich nichts dann Stärken kann, Keine deiner Freuden, Was wirst du dann leiden! 5. Nah' dem Untergang wirst du An des Grabes Stufen, Bang um Trost und Seelenruh, Dann vergebens rufen: Rette, Gott, Mich vom Tod! Rette noch im Sterben Mich von dem Verderben! 286. Kehre wieder, kehre wieder, Der du dich verloren hast, Sinke reuig bittend nieder Vor dem Herrn mit deiner Last! Wie du bist, so darfst du kommen Und wirst gnädig aufgenommen. Sieh, der Herr kommt dir entgegen, Und sein heilig Wort verspricht Dir Vergebung, Heil und Segen; Kehre wieder, zaudre nicht! 3. Kommt nun, eh du es ge= dacht, In der Sünde Freuden Deines Lebens legte Nacht, Was wirst du dann leiden, Wann dein Herz, Von dem Schmerz Deiner Schuld zerrisen, Wird verzagen müssen! finden. 6. Noch, noch wandelst du, o Christ, Auf des Lebens Pfade; Nahe zur Errettung ist Dir noch Jesu Gnade; Eil ihr zu! Du wirst Ruh Für dein Herz empfinden Und Vergebung Sturm, g. 1740 † 1786. Eigene Mel.( Jerem. 3, 12. 13.) 2. Kehre aus der Welt Zerstreuung In die Einsamkeit zurück, Wo in geistiger Erneuung Deiner harrt ein neues Glück, Wo sich bald die Stürme legen, Die das Herz so wild bewegen, Wo des heilgen Geistes Mahnen Du mit stillem Beben hörst Und von neuem zu den Fahnen Jesu Christi heilig schwörft. A. Buße und Bekehrung. 225 3. Kehre wieder, irre Seele!| Schmerzen, Er kann alle WunDeines Gottes treues Herz den heilen, Macht von allen Beut Vergebung deinem Fehle, Flecken rein; Darum kehre Balsam für den Sünden- ohne Weilen Zu ihm um und schmerz. Sieh auf den, der voll bei ihm ein! Erbarmen Dir mit ausgestreckten Armen Winket von dem Kreuzesstamme; Kehre wie der, fürchte nicht, Daß der Gnädge dich verdamme, Dem sein Herz vor Liebe bricht! 5. Kehre wieder! endlich kehre In der Liebe Heimath ein, In die Fülle aus der Leere, In das Wesen aus dem Schein; Aus der Lüge in die Wahrheit, Aus dem Dunkel in die Klar4. Kehre wieder! neues Lebenheit, Aus dem Tode in das Trink in seiner Liebeshuld; Bei Leben, Aus der Welt ins Himdem Herrn ist viel Vergeben, melreich! Doch, was Gott dir Große Langmuth und Geduld. heut will geben, Nimm auch Faß ein Herz zu seinem Her- heute, fehre gleich! zen: Er hat Trost für alle Spitta, g. 1801. Mel. Durch Adams Fall.( 2 Tim. 2, 19. Eph. 3, 16 r.) 287. Wer sich auf seine 3. Der erste Schritt im ChriSchwachheit stüzt, Der bleibt in Sünden liegen; Und wer nicht Kraft und Zeit benügt, Wird sich gewiß betrügen; Den Himmelsweg Und schmalen Steg Hat er nie angetreten, Er weiß auch nicht In Gottes Licht, Was Kämpfen sey und Beten. stenthum Heißt: von der Sünde scheiden; Denn bei dem wahren Glaubensruhm Muß man die Weltlust meiden. Wenn Christi Geist Die Seele reißt Aus ihren Todesbanden, So spürt sie Kraft, Die Jesus schafft, Mit dem sie auferstanden. 2. Was jetzt die Welt nur Schwachheit heißt, Ist ihrer Bosheit Stärke; Dadurch vermehrt der böse Geist Sehr mächtig seine Werke. Auf, Seele, auf! Lenk deinen Lauf Zur Allmacht, die dich rettet; Des Heilands Hand Zerreißt das Band, Womit du angefettet. Evangelisches Gesangbuch. 4. Mein Jesu! steh mir mächtig bei, Laß mich gekräftigt werden; Gerechtigkeit und Stärke sey Mein bestes Theil auf Erden. Du machst gerecht Uns, dein Geschlecht, Und willst zugleich uns stärken, Daß wir in dir Des Glaubens Zier, Die Macht der Gnade merken. 15 226 XVI. 5. Brich durch, o starker Gottessohn, Damit auch wir durchbrechen, Uns freudig nahn dem Gottesthron, Nicht mehr von Schwachheit sprechen! Denn deine Hand Will ja das Pfand Des Glaubens gern uns geben, Damit wir, frei Von Heuchelei, Im Streit stets siegreich leben. Heilsordnung. 288. Mensch, ermuntre deinen Sinn! Wie lange willst du schlafen? Auf, auf! die Stunden gehn dahin. Schon nahen Gottes Strafen; Vor ihm besteht der Sünder nicht, Und geht er mit dir ins Gericht, Wo willst du Rettung finden? 2. Das eitle Wesen dieser Zeit Hat dich mit Nacht bedecket, Daß aus dem Schlaf der Sicherheit Dich keine Warnung wecket. Du frenest dich der trägen Ruh Und drückest gern die Augen zu, Dem Lichte zu entweichen. Mel. Es ist gewißlich.( Matth. 23, 37. Offenb. 3, 3.) 3. Gott rufet laut, du schlummerst fort; Er droht dir, doch vergebens! Er zeiget dir in seinem Wort Die Strafen jenes Lebens, Du aber merkest wenig drauf, Fährst fort in deinem Sündenlauf, Willst keinen Führer leiden! 6. Gib Kraft, wo keine Kraft mehr ist, Gib Kraft, das Fleisch zu dämpfen! Gib Kraft, wenn Satans Macht und List Uns schwächen will im Kämpfen. Wenn uns die Welt Viel Nege stellt, Gib Kraft sie zu vernichten; So wird in Noth, Ja selbst im Tod Uns deine Kraft aufrichten. 4. Dein Heiland weinet über dich, Du lachst in deinen SünMarperger, g. 1681 t 1746. den! Er sucht und locket dich zu sich, Du lässt dich nimmer finden! Er fleht, du nimmst kein Bitten an! Er thut mehr, als ein Bruder kann, Du spottest seiner Liebe! 5. Du siehst, wie mancher Sünder fällt, Wenn Gott die Strafe sendet, Doch bleibest du ein Kind der Welt, Von ihrem Tand verblendet! Des Nächsten Sturz erschreckt dich nicht! Du glaubst, daß Gottes Zorngericht Dich niemals treffen werde! 6. Gott! laß in mir nach deiner Huld Der Gnade Licht entbrennen, Damit ich meiner Sünden Schuld Necht gründlich mög erkennen. O Jesu, Glanz der Herrlichkeit! Durchleuchte meine Sicherheit, Daß ich mein Elend schaue. 7. O heilger Geist! laß deinen Strahl Durch meine Seele dringen Hilf, daß ich endlich A. Buße und Bekehrung. 227 mög einmal Den Sündenschlaf| der sichre Sündenlauf Nicht bezwingen. Gott! thu mir zur Verdammniß führe. Herz und Augen auf, Daß mich Eigene Mel.( Matth. 11, 29. 30. Cap. 7, 13. 14.) Welt In einem Nu verderben. 289. Kommt her zu mir,"| Wird auch die Herrlichkeit der spricht Gottes Sohn, Ihr, denen mit der Sünde Lohn Das Herz ist schwer beladen! Ihr Jungen, Alten, Frau und Mann, Ich will euch geben, was ich kann, Will heilen euren Schaden!" 6. Die Welt erzittert vor dem Tod; Wenn einer liegt in letzter Noth, Da will er erst fromm werden. Er schaffte dieß, er schaffte das, Der armen Seel er ganz vergaß, Dieweil er lebt' auf Erden; 2. Mein Joch ist sanft, leicht meine Last, Und jeder, der sie willig faßt, Der wird der Höll entrinnen. Ich helf ihm tragen, was zu schwer, Mit meiner Hilf und Kraft wird er Das Himmelreich gewinnen." 11 3. Was ich gelitten und gethan In meinem Leben, schauet an, Das sollt ihr auch erfüllen. Was ihr gedenket, sprecht und thut, Das geht nur selig, recht und gut, Wenns geht nach Gottes Willen." 11 7. Und wenn er nimmer leben kann, So hebt er große Klagen an, Will schnell sich Gott ergeben;- Ich fürcht fürwahr: die göttlich' Gnad, Die er allzeit verschmähet hat, Wird schwerlich ob ihm schweben! 8. Dem Reichen hilft nicht großes Gut, Dem Jungen nicht sein stolzer Muth, Ermuß aus diesem Maien! Wenn einer gäb die ganze Welt, Silber und Gold und alles Geld, Doch muß er an den Reihen! 4. Gern wollt die Welt auch selig seyn, Wenn nur nicht 9. Gelehrten hilft nicht Wiß wär die Schmach und Pein, nochKunst; Die weltlich' Pracht Die alle Christen leiden! Doch ist gar umsonst, Wir müssen mag es ja nicht anders seyn; alle sterben! Wer nicht in seiDarum ergebe sich darein, Werner Gnadenzeit In Jesu Christ ewge Pein will meiden. sich macht bereit,- Ewig muß der verderben! 5. Heut ist der Mensch jung, schön und stark, Ist morgen frank, und liegt im Sarg, We Gott ihn heißet sterben; Gleichwie die Blumen auf dem Feld, 10. Drum merket, die da wohlgefinnt Als gottergebue Kinder sind, Laßt euch die Müh nicht reuen! Bleibt stets am heilgen XVI. Heilsordnung. Gotteswort, Das ist der See-| sundheit, großem Gut, Ihr len höchster Hort; Gott wird euch schon erfreuen. würdet bald erkalten. Drum schickt Gott Trübsal her und Schmerz Und will durch Züchtigung das Herz Zur ewgen Freud erhalten. 13. Und was der ewig treue Gott In seinem heiligen Gebot Verheißt bei seinem Namen, Das hält und gibt er euch fürwahr! Er helf uns zu der EngelSchaar Durch Jesum Christum! Amen. Wahrscheinlich v. Ringwaldt, g. 1531. ( f. 130.) Eigene Mel. 290. Aus tiefer Noth schrei| trauen, Die mir zusagt sein werthes Wort; Das ist mein Trost und treuer Hort, Deß will ich allzeit harren. 228 11. Schaut, daß ihr Guts um Uebles gebt; Schaut, daß ihr hier unschuldig lebt, Laßt euch die Welt nur schelten; Laßt Gott die Rach und alle Ehr, Den schmalen Weg geht immer her, Der Welt wird Gott vergelten. 12. Wenn es auch gieng' nach Fleisches Muth, In Gunst, Geich zu dir, Herr Gott, erhör mein Rufen! Dein gnädig Ohr neig, Herr, zu mir und meiner Bitt es öffne! Denn so du das willt sehen an, Was Sünd und Unrecht ist gethan, Wer kann, Herr, vor dir bleiben? 2. Bei dir gilt nichts denn Gnad und Gunst, Die Sünde zu vergeben; Es ist doch unser Thun umsonst, Auch in dem besten Leben. Vor dir niemand sich rühmen kann, Deß muß sich fürchten jedermann Und deiner Gnade leben. 4. Und ob es währt bis in die Nacht Und wieder an den Morgen, Soll doch mein Herz an Gottes Macht Verzweifeln nicht, noch sorgen. So thut Israel rechter Art, Der aus dem Geist erzeuget ward Und seines Gottes harret. 5. Ob bei uns ist der Sünden viel, Bei Gott ist viel mehr Gnaden; Sein' Hand zu helfen hat kein Ziel, Wie groß auch sey der Schaden. Er ist allein der gute Hirt, Der Ifrael erlösen wird aus seinen Sünden allen. Luther, g. 1483 † 1546. Mel. O Gott, du frommer Gott.( Rom. 7, 18 2c. Eap. 8, 3. 4.) 291. Jesu! sieh darein| Mein Herz fühlt nichts als Und hilf mir Armen fiegen; Tod, Mein Geist muß unter3. Darum auf Gott will hoffenich, Auf mein Verdienst nicht bauen; Auf ihn mein Herz soll lassen sich und seiner Güte A. Buße und Bekehrung. 229 liegen. Das Wollen hab ich mein schwaches Herz Den wohl, Doch das Vollbringen Strom der Gnade fließen! nicht, Weil es dem mattenGeist Ich fleh, ich lass' dich nicht, An aller Kraft gebricht. Bis deine Segenskraft In mir den Tod besiegt Und neues Leben schafft! 2. Die Sünd hat mich bestrickt, Der Tod hat mich gefangen, Wohin ich geh und seh, Nichts stillet mein Verlangen. Einst meint' ich hoch zu stehn, Nun lieg ich tief im Staub, Und mein erträumter Ruhm Wird nun des Spottes Raub. 3. Ich wirk, ich lauf, ich renn, Und weiß doch nicht zu finden Den Weg zur wahren Ruh Und mich zu überwinden; Mich schließt der Sünde Macht Recht in die Fesseln ein, Ich muß ein Sklav der Lust Und meines Fleisches seyn. 6. Du hast es zugesagt, Du willst mich gern erquicken, Wenn mein verkehrter Sinn Sich nur zu dir will schicken; Wenn er dir opfert auf, Was ihm für Freude galt, Daß deine Liebe nur Gewinn' in mir Gewalt. 4. Du, Jesu, du allein Kannst meinen Jammer wenden; Mein Können stehet nur In deinen starken Händen. Wo du mir nicht die Kraft Zum Leben gießest ein, So wird mein Sehnen selbst zu nichts als lauter Pein.. 5. Drum, Herr, erbarme dich, Ich liege dir zu Füßen; Laß in 7. So nimm denn alles hin; Ich will mir nicht mehr leben, Ich will mich ganz und gar in deine Führung geben. Ach fasse mich nur fest! Mach mich von Sünden frei, Damit forthin mein Herz Dein reiner Tempel sey. 8. Wirst du in mir, mein Heil, So kräftig dich verklären, Und mich zu deinem Bild Durch Sterben neu gebären, So weicht die Unruh weg, Der Sünde Macht zerbricht. Ich finde Fried und Ruh In deinem Angesicht. 292. Ich will von meiner Missethat Zum Herren mich bekehren; Du wollest selbst mir Hilf und Nath Hiezu, o Gott, bescheren Und deines guten Geistes Kraft, Der neue Dippel, g. 1673 † 1734. Mel. Aus tiefer Noth.( Pf. 51, 3-14. Jef. 55, 7.) Herzen in uns schafft, AusGnaden mir gewähren. 2. Der Mensch kann von Naturdoch nicht Sein Elend selbst empfinden, Ist ohne deines Geistes Licht Blind, taub und todt 230 XVI. Heilsordnung. in Sünden; Verkehret ist Sinn,| Gedacht: es hat noch lange Zeit, Will und Thun; Des großen Gott pflegt nicht bald zu straJammers wollst du nun, Ofen, Er fähret nicht mit unsrer Vater, mich entbinden! Schuld So strenge, denn es hat Geduld Der Hirte mit den Schafen. 3. Herr! klopf in Gnaden bei mir an Und führ mir wohl zu Sinnen, Was Böses ich vor dir gethan. Du kannst mein Herz gewinnen, Daß ich aus Kummer und Beschwer Lass' über meine Wangen her Viel heiße Thränen rinnen. 4. Wie hast du doch auf mich gewandt Den Reichthum deiner Gnaden! Mein Leben dank ich deiner Hand; Du gabst auf allen Pfaden Mir manches Gut, nebst Kleid und Brod, Du machtest, daß mir keine Noth Bisher hat können schaden. 5. Du hast in Christo mich erwählt Tief aus des Todes Fluthen; Es hat mir sonst auch nicht gefehlt An irgend einem Guten; Zuweilen ward ich auch dabei, Daß ich nicht sicher lebt und frei, Gestäupt mit Vatersruthen. 6. Hab ich mich denn bis jetzt vor dir Gehorsams auch beflissen? Ach nein! ein andres faget mir Mein Herz und mein Gewissen; Darin ist leider nichts gesund, An allen Orten ist es wund, Von Sünd und Neu zerrissen. 7. Bisher hab ich in Sicherheit Fast unbesorgt geschlafen, 8. Dieß alles jetzt zugleich erwacht; Mein Herz will mir zerspringen! Ich fühle deines Donners Macht und Feuer auf mich dringen; Es regt sich wider mich zugleich Des Todes und der Hölle Reich, Die wollen mich verschlingen! 9. Wo bleib ich denn in solcher Noth? Nichts helfen Thor und Niegel! Wo flieh ich hin? o Morgenroth, Hätt ich doch deine Flügel! Verbirg du mich, o fernes Meer, Bedecket mich, fallt auf mich her, Ihr Klippen, Berg' und Hügel! ( Psalm 139, 7-12.) 10. Ach nur umsonst! und könnt ich gleich Bis in den Himmel steigen, Könnt ich mich auch hinab ins Reich Der tiefsten Hölle beugen, So würde mich doch deine Hand Da finden und von meiner Schand Und großen Sünde zeugen. 11. Herr Christ! ich fleh zu dir allein, Du hast mein Heil erfunden; Laß mich in dir verborgen seyn Und bleiben alle Stunden; Du tilgtest ja, du Gotteslamm, Der Menschen A. Buße und Bekehrung. 231 Sünd am Kreuzesstamm Mit| seyn, Ganz deine Lieb empfindeinen heilgen Wunden. 12. Hier ist mein Herz! o mach es rein Von allen seinen Sünden; Laß es dir ganz geheiligt den. O schaffe mich im Grunde neu, Daß ich, im Glaubensfkampfe treu, Die Welt mög überwinden! Luise Henriette, Churfürstin von Brandenburg, g. 1617 † 1667. Mel. Sollt es gleich.( Luc. 15, 11-32.) weihn, Mich in dir, mein Gott, erfreun. 293. Auf will ich von Sünden stehen Und zu meinem Vater gehen; Seele, Seele, es ist Zeit, Tod ist nah und Ewigkeit! 2. Sich mich wieder zu dir fehren, Gott! ich will dein Rufen hören, Will in Zukunft dir allein Eigen und geheiligt seyn. 3. Vater! ich will nimmer feh5. Ich will Sünde fliehn und hassen, Nie dich, meinen Gott, verlassen, Nie mich richten nach der Welt, Niemals thun, was dir mißfällt. 6. Halt mich fest in deiner Gnade, Führe mich auf rechtem len, Ich will jene Straße wäh- Pfade, Daß ich dir beständig len, Die du mit des Kreuzes treu Und im Guten standhaft Last Und mit Blut bezeichnet sey. haft. 4. Ich will jene Freuden meiden, Die von deiner Liebe scheiden, Dir mich ganz von Herzen 7. Auf will ich von Sünden stehen und zu meinem Vater gehen; Seele, Seele, es ist Zeit, Tod ist nah und Ewigkeit! Eigene Mel.( Pf. 51, 19. Ebr. 9, 14.) 294. Herr Jesu Christ, du nen Sünden untergeh, Noch höchstes Gut, Du Brunnquell ewiglich verzage. aller Gnaden! Sieh doch, wie ich in meinem Muth Mit Schmerzen bin beladen Und in mir hab der Pfeile viel, Die im Gewissen ohne Ziel Mich armen Sünder quälen. 2. Erbarm dich mein bei folcher Last, Nimm sie von meinem Herzen, Dieweil du fie gebüßet haft Am Kreuz mit Todesschmerzen; Auf daß ich nicht mit großem Weh In mei3. Fürwahr, wenn alles mir kommt ein, Was ich mein Tag begangen, So fällt mir auf das Herz ein Stein, Und hält mich Furcht umfangen; Ja, ich weiß weder aus noch ein Und müßte gar verloren seyn, Wenn ich dein Wort nicht hätte. 4. Doch durch dein theures Wort erwacht Mein Herz zu neuem Leben; Erquickung hat es mir gebracht, Ich darf nicht XVI. Heilsordnung. trostlos beben, Dieweil es Gna- willen! Du wollst in mir die de dem verheißt, Der sich mit tief zerknirschtem Geist Zu dir, o Jesu, wendet. große Noth Der Uebertretung stillen, Daß sich mein Herz zufrieden geb Und dir hinfort zu Ehren leb In kindlichem Gehorsam. 232 5. So komm ich jetzt zu dir allhie In meiner Noth geschritten Und will dich mit gebeugtem Knie Von ganzem Herzen bitten: Vergib es mir doch gnädiglich, Was ich mein Lebtag wider dich Auf Erden hab gefündigt! 6. Vergib mirs doch, o Herr, mein Gott, Um deines Namens 7. Stärk mich mit deines Geistes Muth; Heil mich mit deinen Wunden; Wasch mich mit deiner Gnade Fluth In meinen legten Stunden Und nimm mich einst, wanns dir gefällt, In wahrem Glauben von der Welt Zu deinen Auserwählten! Ringwaldt, g. 1531. Mel. Wachet auf! ruft.( 1 Petri 1, 13. Ps. 145, 8. 9.) 295. Gott! der du Allen| nicht In dein Gericht; Verbirg gütig, Barmherzig, gnädig und langmüthig, Voll Treue, Huld und Liebe bist, Sieh, wie ich meine Sünde Mit reuendem Gemüth empfinde, Die groß und viel und greulich ist! Sieh, wie mich dieses schmerzt! Ich hab versäumt, verscherzt Deine Gnade, So viel Geduld, So große Huld, Und zwar aus meiner eignen Schuld. 2. Vergib mir dieß Verbrechen; Denn willst du unsre Sünden rächen, Wer will vor deinem Zorn bestehn? Du drohst, nach vielem Locken Ein Herz mit Blindheit zu verstocken, Das nicht auf deinen Wink will sehn. Vergib, o Vater, mir! Ach mein Herz seufzt zu dir: Gnade, Gnade! Ach gehe mir nicht dein Angesicht! 3. Jch bleibe stets im Dunkeln, Wo nicht der Gnade Strahlen funkeln, Die meine Finsterniß vertreibt. Wird mich dein Geist nicht lehren, Wird er mein Herz nicht selbst bekehren, So weiß ich, daß es thöricht bleibt. Mein Vater! wo du mich nicht leitest, irre ich; Jesu Gnade Und deren Schein Soll nur allein Mein Leitstern, meine Weisheit seyn. 4. Herr! ohne deine Gnade Bleib ich stets auf der Sünde Pfade, Vor dir stets strafbar, o mein Gott! Wirst du mir nicht das Leben, Geist, Seligkeit und Kräfte geben, So bleib ich bös, in Sünden todt. Drum rufich, Herr, zu dir: Gib deine Gnade A. Buße und Bekehrung. 233 mir, Gott der Gnaden! Denn| muth geben, Geduld im Kreuze, deine Kur Verbessert nur Die so verdorbene Natur. Kraft zum Leben, Versöhnlichkeit und sanften Muth, Der Klugheit edle Kunst, Der Andacht heilge Brunst. Ohne Gnade Ist alles Pein; Laß sie allein Mein Leben, meinen Himmel seyn. 8. Ach gib mir ein Verlangen, An deiner Gnade nur zu hangen, Wie sich ein Schiff am Anker hält! Ach laß bei deinem Fügen An deiner Gnade mir genügen In Schmach und Armuth dieser Welt! Was schwer und bitter ist, Erleichtert und versüßt Christi Gnade. Der hat schon satt, Wer Gnade hat; Sie ist an alles Reichthums Statt. 9. Ich gehe, wo ich gehe, Ich size, liege oder stehe, Ich wache oder schlafe ein, Ich lebe oder sterbe, Laß die Barmherzigkeit mein Erbe, Das Gute meine Folge seyn! Ich will in dieser Zeit Und in der Ewigkeit Nichts als Gnade! Mein Herze schließt In Jesu Christ, Der aller Gnaden Urquell ist. Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. 5. Laß alle meine Kräfte, Gedanken, Reden und Geschäfte Durch deine Gnade heilig seyn. Laß meinen bösen Willen Nichts wollen, lieben und erfüllen; Was dieser wirkt, kann nicht gedeihn. Ist etwas recht vor dir, Zu solchem schenke mir Deine Gnade! Denn was beruht Auf Fleisch und Blut, Ist, guter Gott, vor dir nicht gut. 6. Herr! es sind Gnadenwerke: Der Liebe Gluth, des Glaubens Stärke, Der Hoffnung Trost; die schenke du! Mein einziges Vergnügen, Mein Lebensfunk in legten Zügen, Mein Ruhm, mein Segen, meine Ruh, Mein alles soll nur seyn, Gott, deine Gnad allein, Deine Gnade! Es bleibt dabei, Daß ich aufs neu Das, was ich bin, aus Gnaden fen. 7. Nur du, Gott aller Gnaden, Wirkst alles Guts, heilst allen Schaden; Was deine Gnade schafft, ist gut; Laß fie mir De-| Mel. Meine Armuth macht.( Eph. 5. 14. Luc. 1, 78. 79. Jes. 60. 1. 2.) 296. Hüter! wird die Nacht| 2. Möcht ich, wie das Rund der Sünden Nicht verschwinden? Hüter! ist die Nacht schier hin? Wird die Finsterniß der Sinnen Baldzerrinnen, Darein ich verhüllet bin? cer. 21. 11.) Lauf! der Erden, Lichte werden! Seelensonne, gehe auf! Ich bin finster, kalt und trübe; Jeſu, Liebe, Komm, beschleunige den 234 XVI. Heilsordnung. den, Daß ich Gutes wirken kann. 3. Wir sind ja im neuen Bunde, res Kind der Erden Helle werDa die Stunde Der Erscheinung kommen ist, Und ich muß mich stets im Schatten So ermatten, Weil du mir so ferne biſt! 4. Wir sind ja der Nacht entnommen, Da du kommen, Aber ich bin lauter Nacht; Darum wollst du mir, dem Deinen, Auch erscheinen, Der nach Licht und Rechte tracht't. 5. Wie kann ich des Lichtes Werke Ohne Stärke, In der Finsterniß vollziehn? Wie kann ich die Liebe üben, Demuth lieben Und der Nacht Geschäfte fliehn? 6. Ach daßlänger meine Seele Sich nicht quäle, Zünd dein Feuer in mir an! Laß mich finst7. Das Vernunftlicht kann das Leben mir nicht geben; Jesus und sein heller Schein, Jesus muß das Herz anblicken Und erquicken, Jesus muß die Sonne seyn! 8. Nur die Decke vor den Augen kann nicht taugen, Seine Klarheit kann nicht ein! Wenn sein helles Licht den Seinen Soll erscheinen, So muß rein das Auge seyn. 9. Jesu! gib gesunde Augen, Welche taugen; Rühre meine Augen an; Denn das ist die größte Plage, Wenn am Tage Man das Licht nicht sehen kann! Richter, g. 1676 † 1711. Mel. Aus tiefer Noth schrei ich.( Pf. 32, 5. 1 Joh. 1, 9.) Vater der Barm-| Am Kreuze für mich Armen Getragen aller Sünden Last, Wollst meiner dich erbarmen! O Gottes und des Menschen Sohn, Erbarm dich mein und mein verschon, Hör an mein kläglich Seufzen! 297. herzigkeit! Ich falle dir zu Fuße: Verstoß den nicht, der zu dir schreit Und thut noch endlich Buße. Was ich begangen wider dich, Verzeih mir alles gnädiglich Durch deine große Güte! 2. Durch deiner Allmacht 4. O heilger Geist, du wahres Wunderthat. Nimm von mir, Licht, Regierer der Gedanken! was mich quälet; Durch deine Wenn mich die Sündenluft anWeisheit schaffe Rath, Worin- ficht, Laß mich von dir nicht nen mirs sonst fehlet. Gib Wil- wanken; Verleih, daß nun und len, Mittel, Kraft und Stärk, nimmermehr Begier nachWolDaß ich mit dir all meine Werk luft, Geld und Ehr In meinem Anfange und vollende. Herzen herrsche. 3. O Jesu Christe, der du hast 5. Und wenn mein Stündlein 235 A. Buße und Bekehrung. kommen ist, So hilf mir treu-| mir Krankheit, Angst und Noth, lich kämpfen, Daß ich des Argen Troß und List Durch Christi Sieg mag dämpfen; Auf daß Ja selbst das letzte Leid, der Tod, Nur sey die Thür zum Leben! Denife, g. 1603+ 1680. Mel. Aus Gnaden soll ich.( Gal. 6, 3-5.) 298. Wer bin ich? welche wichtge Frage! Gott, lehre fie mich recht verstehn! Gib, daß ich mir die Wahrheit sage, Um mich so, wie ich bin, zu sehn. Wer sich nicht selbst recht kennenlernt, Bleibt von der Weisheit weit entfernt. 2. Ich bin ein Werk von deinen Händen, Du schufst mich, Gott, zu deinem Preis! Mein Leben nüßlich anzuwenden, Das ist dein väterlich Geheiß. Doch leb auch ich, dein Eigenthum, Wie mirs gebührt, zu deinem Ruhm? 5. Ist der, der selbst bei tiefem Wissen Des Herzens Zustand sich verhehlt, Auf wahre Besserung beflissen? Er, der nicht weiß, wie viel ihm fehlt! Sich selbst recht kennen ist Verstand; Drum mache mich mit mir bekannt. 4. Du kennest meines Herzens Tiefen, Die mir selbst unergründlich sind; Drum laß mich oft mein Innres prüfen, Mich fragen: bin ich Gottes Kind? Befreie mich vom falschen Wahn, Der auch den Klügsten täuschen kann. 6. Was mir zu meinem Heil noch fehlet, Mein Vater, das entdecke mir! Hab ich der Wahrheit Weg erwählet, So gib, daß ich ihn nicht verlier. Erleuchte mich mit deinem Licht, So täuschen mich Verführer nicht. 3. Ich bin ein Christ nach dem 7. Doch, bin ich noch vom Bekenntniß; Doch bin ich das sichern Pfade, Der mich zum auch in der That? Herr! öffne Leben führt, entfernt, Sowecke selbst mir das Verständniß, mich durch deine Gnade, Daß Recht einzusehn: ob ich den ihn mein Auge suchen lernt. Pfad, Den Jesus mir gewiesen, Gib mir zur Beßrung Lust und geh Und ob ich auch im Glau- Kraft, Du bists, der beides in ben steh? mir schafft. 8. Ich muß es einmal doch erfahren, Was ich hier war und hier gethan; O laß michs nicht bis dahin sparen, Wo Rene nichts mehr helfen kann! Hier mache mich zum Himmel flug Und frei von schnödem Selbstbetrug! Diterich, g. 1721 † 1797. 236 XVI. Heilsordnung. Mel. Die Tugend wird.( Rom. 7, 14-25.) 299. Gott! welcher Kampf in meiner Seele, Welch steter Widerspruch in mir: Der Geist will, daß ich Gutes wähle, Er sehnt sich heiß, o Gott, nach dir; Das Fleisch strebt gegen diesen Willen, Es ringt nach Sinnenlust allein, Und werd ich sein Gesetz erfüllen, So wird nicht fern die Sünde seyn. 2. Von doppeltem Geseß regieret, Wie ist mein Wesen räthselhaft! Wenn mich der Wahrheit Strahl berühret, So schmeck ich Frieden, fühle Kraft; Doch wenn des Irrthums dunkle Schatten Mir rauben dieses reine Licht, Gleich fühl ich mich im Lauf ermatten: Ich will,- doch ich vollbringe nicht. 3. Der beste Vorsatz, den ich fasse, Verfliegt oft wie ein Traumgesicht; Ich thu das Böse, das ich hasse, Das Gute, das ich liebe, nicht. Getrieben wie ein Schiff vom Winde, Wenn Mast und Steuerruder brach, Fall ich in die Gewalt der Sünde; Zu späte Thränen folgen nach. 300. Meine Seele, Voller Fehle, Suchet in dem Dunkeln Licht; Jesu! neige Dich und zeige Mir dein tröstlich Angesicht; Auf mein Flehen Laß dich sehen und verbirg dich länger nicht! 2. Ich empfinde: Meine Sünde Sey an allem Kummer Schuld; Ich gestehe Dirs und flehe Um Vergebung und Geduld. Du, mein Leben, Kannst mir geben Neue Hilfe, neue Huld. 3. Ach von Herzen Und mit 4. Wer löst mich von den Sclavenketten? Wer schafft in meinem Innern Ruh? Nur du, Erlöser, kannst mich retten; Ich eile deiner Gnade zu! Mit dir, du Gottessohn, verbunden, Ist nichts verdammliches an mir; Ich wandl' im Geist und kann gesunden, Lebst du in mir und ich in dir! Mel. Sieh, hier bin ich.( 1 Tim. 1, 15.) Schmerzen Such ich dich, mein Trost und Heil! Wie so lange Ist es bange Meiner Seele! komm in Eil, Laß dich nieder, Komme wieder, Meines Herzens bestes Theil! 4. Richtig wandeln, Weise handeln, Wollst du künftig mir verleihn; Gib die Triebe Reiner Liebe Voller in mein Herz hinein. Welch ein Segen Ist zugegen, Wenn es heißt: du mein, ich dein! 5. Lehre, leite, Vollbereite Mich, wie du mich haben willt; A. Buße und Bekehrung. 237 Gib mir Klarheit, Geist und| fichte mir sich droben völlig Wahrheit, Daß ich gleich sey zeigt, Wenn die Deinen Nicht deinem Bild; Daß man merke, mehr weinen, Und die KlageMeine Stärke Sey in dir, und stimme schweigt. Drum so zeige du mein Schild; Mir die Steige, Da man auf zum Himmel steigt! 6. Bis im Lichte Dein GeMagd. Sib. Rieger, g. 1707+ 1786. Mel. Aus tiefer Noth schrei ich.( Pf. 51, 11-14 und 19.) 301. Schaff in mir, Gott, ein reines Herz, Mein Herz ist ganz verderbet! Es fühlt der Sünden großen Schmerz, Die ihm sind angeerbet, Und die es hat gethan ohn' Scheu; Ach mache, daß es wieder sey, Wie du's zuerst erschaffen! 2. Gib mir auch einen neuen Geist, Der wie du sey gefinnet, Der stets dir anhang allermeist Und was du willst, beginnet. Gib, daß ich haffe Fleisch und Blut, Den Glauben üb' in sanftem Muth, Zucht, Demuth, Hoffnung, Liebe. 3. Verwirf von deinem Angesicht, Obgleich ich es verdienet, Mich, o getreuer Vater, nicht, Weil Jesus mich verfühnet! Ach laß doch nun und nimmermehr Mich, dein Kind, fallen also sehr, Daß du es von dir stoßest! 4. Den heilgen Geist nimm nicht von mir, Den bösen Geist vertreibe; Daß ich nie mehr entführt von dir, Stets deine sey und bleibe! Beherrsche du Herz, Sinu und Muth Durch deinen Geist, so ist es gut Im Leben und im Sterben. 302. An dir hab ich gesündigt, Herr, Und übel oft vor dir gethan; Du siehst die 5. Mit deiner Hilfe tröste mich, Hilf und vergib die Sünden; Und sucht dann meine Seele dich, So laß dich von ihr finden Und dein Verdienst, Herr Jesu Christ, Darinnen Trost und Leben ist, Mich stets im Geist genießen. 6. Dein Freudengeist erhalte mich Und stärke meine Seele, Damit sie nun und nimmer sich Mit Furcht und Zweifeln quäle. Sey du mein Freund, o Herr, allein, Ach laß mich deine Freude seyn Und führe mich zur Freude! Ludämilie Elif., Gräfin zu Schwarzburg- Rudolstadt, g. 1640 † 1672. Mel. Nun laßt uns den Leib.( Pf. 51, 6. 103, 10. 143, 10.) | Schuld, Allwissender, Sieh auch die Reue gnädig an! 2. Du kennst mein Seufzen 238 XVI. Heilsordnung. Gott! mein Flehn Und meine mender, Und bleibst ein Gott, Thränen sind vor dir; Wann der gern erfreut. läsfest du mich Hilfe sehn? Wie lang entfernst du dich von mir! 3. Geh, Herr, mit mir nicht ins Gericht, Vergilt mir nicht nach meiner Schuld. Noch bleibst du meine Zuversicht, Du Gott der Langmuth und Geduld! 4. Erfülle selbst, Allgütiger, Mein Herz vor dir mit Freudigkeit. Du warest stets, Erbar5. Dir trau ich; lehre mich, wie gut, Wie heilig deine Rechte sind! Laß mich sie thun mit frohem Muth, Du bist mein Vater, ich dein Kind. Mel. Aus tiefer Noth schrei.( Apostelg. 3, 19. 20.) 303. Aus tiefer Noth laßt uns zu Gott Von ganzem Herzen schreien, Bitten: daß er durch seine Gnad Uns woll vom Uebel freien Und alle Sünd und Missethat, Die unser Fleisch begangen hat, Uns väterlich verzeihen. 2. Wir sprechen: Vater! sieh doch an Die Armen und Elenden, Die Uebels viel vor dir gethan Mit Herzen, Mund und Händen. Verleih uns, daß wir Buße thun Und unsern Lauf in deinem Sohn Zur Seligfeit vollenden. 6. Herr! eile du mir beizustehn Und leite mich auf ebner Bahn. Er hört, der Herr, er hört mein Flehn Und nimmt fich meiner Seele an. Nach Gellert. 3. Herr! unsre Schuld ist überschwer, Muß unsre Herzen brechen; Doch deiner Gnaden ist viel mehr, Als ein Mensch kann aussprechen; Die suchen und begehren wir, In Hoffnung, daß du dort und hier Die Sünd nicht werdest rächen. 4. Du willst nicht, daß der Sünder sterb Und zur Verdammniß fahre; Du willst, daß er die Gnad erwerb Und sich darin bewahre. So hilf uns nun, o Herre Gott, Damit uns nicht der ewge Tod In Sünden widerfahre! 5. Wenn du nun ins Gerichte gehn Und mit uns wolltest rechten, O Herr! wie würden wir bestehn, Und wer würd uns verfechten? O Herr! sieh uns barmherzig an Und hilf uns wieder auf die Bahn Zur Pforte der Gerechten. 6. Wir opfern dir uns arm und bloß, Neumüthig und zerschlagen; O nimm uns auf in deinen Schoos Und laß uns nicht verzagen! O hilf, daß wir getrost und frei, Ohn' arge List und Heuchelei Dein Joch zum Ende tragen. A. Buße und Bekehrung. 239 7. Sprich uns durch deine Bo-| 8. Erhalt in unsers Herzens ten zu Und heile die Gewissen; Stell unser Herz durch sie zur Ruh, Thu uns dadurch zu wissen, Wie Christ vor deinem Angesicht All unsre Sachen hatgeschlicht't; Den Trost laß uns genießen! Grund Deinen göttlichen Samen; Und hilf, daß wir den neuen Bund In deines Sohnes Namen Vollenden treulich in der Zeit, Und so der ewgen Herrlichkeit Versichert werden! Amen. Bohmische Bräder Mel. Mein's Herzens Jesu.( Hesekiel 36, 26. 27.) 304. Nimm hin mein Herz, Gott, nimm es an! Ich bring es dir zur Gabe; Ich bring es dir so gut ichs kann, So schwach und arm ichs habe; Ich weiß doch, du verschmähst es nicht, So viel dem Opfer auch gebricht, Das ich dir willig weihe. 2. Nimm, o mein Heiland, nimm es hin, Du Herz voll ewger Liebe! Mein Herz ist voller Eigenfinn Und voll verfehrter Triebe; Es hängt an Welt und eitler Lust; Doch ist dirs auch, o Herr, bewußt, Ich kanns nicht selbst bekehren! 3. Mach du's zu deinem reinen Haus, Das dir gefallen könne; Was dir zuwider, reiß heraus, Daß dich und mich nichts trenne! Entsündge mich mit deinem Blut, Gib mir den Geist,- dann werd ich gut, Dann fang ich an zu leben. 4. Herr, gib, und kost' es immerhin Dem Fleische tausend Schmerzen, Herr, gib mir ei= nen neuen Sinn, Ein Herz nach deinem Herzen! Ein Herz, das dich mit Freuden ehrt, Das kindlich deine Stimme hört Und deinen Namen fürchtet. 5. Gib mir ein Herz, das dich forthin Mit Vorsag nie betrübet; Ein Herz, das dich mit lautrem Sinn Aus allen Kräften liebet, Ein Herz, das nur für dich entbrenut Und keine falsche Liebe kennt; Ein Herz voll Kraft und Glauben. 6. Gib mir ein Herz, das deine Zucht, Wenn sichs verfehlt, bald spüret; Ein Herz, das keine Straße sucht, Als die zum Himmel führet; Ein Herz, das auch in Noth und Pein Zu dir die Zuflucht nimmt allein, Und auch im Kreuz dich preiset; 7. Ein Herz, das Freund' und Feinde liebt Und nichts haßt, als die Sünden; Ein Herz, das täglich mehr sich übt, Sich stets in dir zu finden; Ein Herz, das immer droben ist, Dort, wo du bist, Herr Jesu Christ, Zu deines Baters Rechten. 240 XVI. Heilsordnung. 8. Herr! gibst du mir ein fol-| ner Liebe hangen; Dann bin ches Herz, Was will ich mehr verlangen? Dann bleib ich fest in Freud und Schmerz An deiich dein und du bist mein; Dann werd ich einst dort oben seyn Und selig dich umfangen. Eigene Mel.( 1 Joh. 1, 8. 9.) 305. Allein zudir, Herr Jesu| 3. Ach stärke durch BarmherChrist, Mein Hoffen steht auf Erden! Ich weiß, daß du mein Tröster bist, Kein Trost mag mir sonst werden: Kein Menschenkind in weiter Welt, Kein Engel ist im Himmelszelt, Der mir aus Nöthen helfen kann; Dich ruf ich an, Von dem ich Hilfe kann empfahn. zigkeit In mir ein recht Vertrauen, Damit ich deine Freundlichkeit Mög inniglich anschauen, Vor allen Dingen lieben dich Und meinen Nächsten gleich als mich. Am letzten End mir Hilfe send, Damit behend Des Todes Graun sich von mir wend! 2. Die Schuld ist schwer und übergroß und reuet mich von Herzen; Derselben mach mich frei und los Durch deine Todesschmerzen, Und nimm dich mein beim Vater an, Der du für mich genug gethan, So werd ich los der Sündenlast; Mein Glaube faßt, Was du mir, Herr, versprochen hast. 4. Ehr sey Gott in dem höchsten Thron, Dem Vater aller Güte Und Jesu Christo, seinem Sohn, Der uns allzeit behüte, Und seinem werthen heilgen Geist, Der allezeit uns Hilfe leist', Daß wir ihm sey'n zum Lob bereit, Hier in der Zeit Und dorten in der Ewigkeit. Schneesing( Chiomusus) † 1567. Mel. Herr Jesu Christ, mein's.( Matth. 14, 28-31) 306. Hier bin ich, Herr, du rufest mir; Du ziehest mich, ich folge dir; Du forderst von mir Herz und Sinn, Mein Heiland, nimm, ach nimm es hin! nicht, Mich drängt und treibet meine Pflicht; Ich komm, ich komm voll Reu und Buß. Ach, aber ach wie wankt mein Fuß! 4. Herr! ich bin deinem Petro 2. Ich hab oft deinen Wink gleich: Dortkommt ein Sturm, verschmäht, Es ist mir leid, ich- ich sink! ach reich'. Neich' komme spät; Wie dank ich dir, schnell mir deine starke Hand, o Gott der Huld, Für deine Langmuth und Geduld! So wird mein Fall- noch abgewandt. 3. Nun aber säum ich länger 5: Du rufest mich; nun ruf A. Buße und Bekehrung. 241 ich dir: Mein Heiland, komm| den ein, So werd ich künftig und hilf du mir! Mein Fuß ist müd und weigert sich; Herr, unterstüß und trage mich. 6. Flöß deine Kraft mir Müstärker seyn; So folg ich dir, mein Herr und Gott, Durch Fluth und Gluth, durch Noth und Tod. Hohenlohisches Gesangbuch. Mel. Nun sich der Tag.( Sprüche 23, 26.) 307. Mein Gott! das Herz ich bringe dir Als Gabe und Geschenk; Du forderst dieses ja von mir, Deß bin ich eingedenk. 2. ,, Gib mir, mein Kind, dein Herz," sprichst du,„ Das ist mir lieb und werth; Es gibt dir anders keine Ruh Der Himmel und die Erd!" 3. Nun, du mein Vater, nimm es an Mein Herz, veracht es nicht; Ich gebs, so gut ichs geben kann; Neig zu mir dein Gesicht. 4. Zermalme meine Härtigkeit, Mach mürbe meinen Sinn Und ziehe mich in Neu und Leid Zu deinem Herzen hin. 5. Schenk, Jesu, mir nach deiner Huld Gerechtigkeit und Heil, Du trugst ja meiner Sünden Schuld Und meiner Strafen Theil. 6. In dich wollst du mich kleiden ein, Dein' Unschuld zieh mir an, Daß ich, von allen Sünden rein, Vor Gott bestehen kann. 7. O heilger Geist! nimm du auch mich In die Gemeinschaft ein, Ergieß um Jesu willen Evangelisches Gesangbuch. dich Tief in mein Herz hinein. 8. Dein göttlich Licht ström in mich aus Und Gluth der reinen Lieb; Lösch Finsterniß, Haß, Falschheit aus, Schenk stets mir deinen Trieb. 9. Hilf, daß ich sey von Herzen treu Im Glauben meinem Gott, Daß mich im Guten nicht mach scheu Der Welt Lift, Macht und Spott. 10. Hilf, daß ich sey von Herzen fest In Hoffnung und Geduld, Daß, wenn nur du mich nicht verläßst, Mich tröste deine Huld. 11. Hilf, daß ich sey von Herzen klein, Demuth und Sanftmuth üb', Daß ich, von aller Weltlieb rein, Stets wachs in Gottes Lieb. 12. Hilf, daß ich sey von Herzen fromm Ohn' alle Heuchelei, Damit mein ganzes Christenthum Dir wohlgefällig sey. 13. Nimm ganz, o Gott, zum Tempel ein Mein Herz hier in der Zeit, Ja laß es auch dein Wohnhaus seyn In jener Ewigfeit. Nach Schade. 16 242 XVI. Heilsordnung. Mel. Es ist genug.( hef. 11, 19. 20.) 308. Hier ist mein Herz!| Herr, du bist mein Gut und mein Gott, ich geb es dir, Dir, der es gnädig schuf. Nimm es der Welt, mein Kind, und gib es mir!" Dieß ist an mich dein Ruf; Hier ist das Opfer meiner Liebe, Ich weih es dir aus treuem Triebe; Hier ist mein Herz! Theil, Dein Tod ist mein Gewinn!" Es hat in des Erlösers Wunden Trost, Ruh und Se= ligkeit gefunden,- Mein gläubig Herz. 6. Hier ist mein Herz! Geist Gottes, schaff es rein Und mach es gänzlich neu; Weih es dir selbst zum heilgen Tempel ein; Mach es zum Guten treu; Hilf, daß es stets nach Gott verlange, Ihn fürcht, ihn lieb und an ihm hange,- Mein neues Herz. 7. Hier ist mein Herz! es überdenkt gerührt Die Hoheit deines Throns; Schenk ihm den Schmuck, der deine Knechte ziert, Die Demuth deines Sohns! Gib, daß es Stolz und Hoffahrt fliehe Und klein zu werden sich bemühe,- Mein niedrig Herz. 8. Hier ist mein Herz! lehr es Gelassenheit; Sein Glück fey stets dein Rath; Sein Wahlspruch sey im Wohlergehn und Leid:" Was Gott beschlossen hat!" Es glaube fest zu deinem Preise:„ Der Herr ist treu; mein Gott ist weise,"- Mein folgsam Herz. 9. Hier ist mein Herz! bewahr es, treuster Freund, Vor aller Feinde Lift! Gib, wenn der Tod, der lezte Feind, erscheint, Daß stark es, gläubig 2. Hier ist mein Herz! o nimm es gnädig an, Ob ihm gleich viel gebricht. Ich geb es dir, so gut ichs geben kann; Verschmäh die Gabe nicht! Es ist mit böser Lust beflecket, Mit Sünd erfüllt, mit Schuld bedecket, Mein fündig Herz. 3. Hier ist mein Herz, das bisher steinern war, Nun ists ein fleischern Herz; Es legt sich dir matt und zerbrochen dar, Es fühlet Angst und Schmerz, Es jammert bei der Last von Sünden, Es seufzt: wo soll ich Nettung finden? Mein reuig Herz. 4. Hier ist mein Herz! Gott der Barmherzigkeit, Erbarme du dich sein! Die ganze Welt, fie stillet nicht sein Leid, Du bist sein Trost allein. Es sagt mit kindlichem Vertrauen:„ Ich werde Gott als Vater schauen," - Mein hoffend Herz. 5. Hier ist mein Herz! es sucht in Chrifto Heil, Es naht zum Kreuze hin Und spricht:, o - - A. Buße und Bekehrung. 243 ist. Hilf mir, wenn meine Au-| froh zu dir sprechen:„ Hier ist gen brechen, Das treue Wort| mein Herz!" Liebich, g. 1713 † 1780. Eigene Mel.( Luc. 15. Ebr. 2, 17. 18.) 309. Mein Hetland nimmt| wird geschenket, Führt sie zu die Sünder an, Die unter ihrer Gott auf ebner Bahn:- Mein Last der Sünden Kein Mensch, Heiland nimmt die Sünder an. kein Engel trösten kann, Die 4. O solltest du sein Herze nirgends Ruh und Rettung sehn, Wie fichs nach armen finden. Die mit sich selber im Sündern sehnet, Sowohl wenn Gedräng, Daß ihnen alle Welt sie noch irre gehn, Als wenn zu eng, Weil über sie der Stab ihr Auge nach ihm thränet! Er gebrochen, Der Himmel ihnen streckt die Hand nach Zöllnern abgesprochen, Die sehn die aus; Er eilet in Zachäi Haus; Freistatt aufgethan: Mein Wie stillet sanft er Magdale= Heiland nimmt die Sünder an. nen Den milden Fluß der Neue2. Sein mehr als mütterliches thränen Und denkt nicht, was Herz Trieb ihn von seinem sie sonst gethan!- Mein HeiThron auf Erden; Ihn drang| land nimmt die Sünder an. der Sünder Noth und Schmerz, An ihrer Statt ein Fluch zu 5. Wie freundlich blickt er Pewerden. Er senkte sich in ihre trum an, Ob dieser gleich so Noth Und litt für sie den bit- tief gefallen! Und dieß hat er tern Tod. Nun, da er denn sein nicht nur gethan, Da er auf eignes Leben Für sie zur Lösung hingegeben Und für die Welt genug gethan, So heißts: er nimmt die Sünder an. ( Luc. 19, 1-10. 7, 1-10.) Erden mußte wallen, Nein, er ist immerdar sich gleich: Gerecht, an Treu und Gnade reich; Und wie er unter Schmach und Leiden, So ist er auf dem Thron der Freuden Den Sündern liebreich zugethan; Mein Heiland nimmt die Sünder an. ( Luc. 22, 61.) ( Gal. 3. 13.) 3. Nun ist sein väterlicher Schoos Ein sichres Schloß bedrängter Seelen; Er spricht sie vom Gerichte los Und endet bald ihr ängstlich Quälen, Es 6. So komme denn, wer Sünwird ihr ganzes Sündenheer der heißt Und wen sein SünWie in ein unergründlich Meer dengreul betrübet, zu dem, Durch sein Verdienst hinabge- der keinen von sich weist, Der senket; Der Geist, der ihnen sich gebengt zu ihm begibet! XVI. Heilsordnung. 244 Wie? willst du dir im Lichte stehn Und ohne Noth verloren gehn? Willst du der Sünde länger dienen, Da dich zu retten er erschienen? Onein, verlaß die Sündenbahn! Mein Heiland nimmt die Sünder an. ( hesef. 33, 11.) 7. Komm nur mühselig und gebückt, Komm nur, so gut du weißt zu kommen! Wenn auch die Last dich niederdrückt, Du wirst auch seufzend angenommen. Sieh, wie sein Herz dir offen steht Und wie er dir entgegen geht! Wie lang hat er mit stillem Flehen Sich liebend nach dir umgesehen! So komm denn, Sünder, komm heran; Mein Heiland nimmt die SünUnd du sollst dennoch Gnade finden! Er hilft, wo sonst nichts helfen kann; Mein Heiland nimmt die Sünder an. der an. 8. Sprich nicht:„ Ich habs zu schlimm gemacht, Ich hab die Güter seiner Gnaden So lang und schmählich durchgebracht; Er hat mich oft umsonst geladen!" Wofern du's jetzt nur redlich meinst Und deinen Fall mit Ernst beweinst, So soll ihin nichts die Hände binden, 9. Doch sprich auch nicht:„ es ist noch Zeit, Ich muß erst diese Lust genießen; Gott wird ja eben nicht schon heut Die offne Gnadenpforte schließen!" Nein, weil er ruft, so höre du Und greif mit beiden Händen zu! Wer seiner Seele Heut verträumet, Hat oft die Gnadenzeit versäumet; Dem wird hernach nicht aufgethan! Heut komm, heut nimmt dich Jesus an! 10. Ja zeuch uns alle recht zu dir, Holdselger Heiland aller Sünder! Erfüll mit heiliger Begier Uns, die von Gott gewichnen Kinder! Zeig uns bei unsrem Seelenschmerz Dein aufgeschloßnes Liebesherz; Und wenn wir unser Elend sehen, So laß uns ja nicht stille stehen, Bis daß ein jedes sagen kann: Gottlob, auch mich nimmt Jesus an! Lehr, g. 1709 † 1744. Mel. Jesus, meine Zuversicht.( Luc. 15, 1-7.) 310. Jesus nimmt die Sün- 2. Keiner Gnade sind wir der an! Sagt doch dieses Trost- werth; Doch hat er in seinem wort allen, Welche von der Worte Klar und liebreich sich rechten Bahn Auf verkehrten erklärt; Sehet nur, die GnaWegen wallen! Hier ist, was denpforte Ist hier völlig auffie retten kann: Jesus nimmt gethan: Jesus nimmt die Sündie Sünder an. der an. A. Buße und Bekehrung. 245 den, Daß dieß Wort mich trösten kann: Jesus nimmt die Sünder an. 3. Wenn ein Schaf verloren ist, Suchet es ein treuer Hirte; Jesus, der uns nie vergißt, Suchet treulich das Verirrte, 6. Nun so saff' ich frohen Daß es nicht verderben kann; Muth, Auf dich werf ich meine Jesus nimmt die Sünder an. Sünden; Dein am Kreuz ver4. Rommet alle, kommet her, goßnes Blut Läffet mich VerKommet, ihr betrübten Sün- gebung finden, Daß ich gläuder! Jesus rufet euch und er big sprechen kann: Jesus nimmt Macht aus Sündern Gottes- die Sünder an. kinder; Glaubt es doch und denket dran: Jesus nimmt die Sünder an. 5. Ich Betrübter komme hier Und bekenne meine Sünden, Laß, mein Heiland, mich bei dir Gnade zur Vergebung fin- nimmt die Sünder an! 7. Jesus nimmt die Sünder an! Mich hat er auch angenommen, Mir den Himmel aufgethan, Daß ich selig zu ihm kommen und auf den Trost sterben kann: Jesus 2. Die Sünden nehmen überhand, Du siehest selbst die Schmerzen, Die Wunden sind dir wohlbekannt Der sehr verkehrten Herzen; Die Schulden nehmen täglich zu; Es haben weder Raft noch Ruh, Die dir den Rücken kehren. Mel. Aus tiefer Noth.( Römer 2, 4-6. 8, 19-23. Luc. 19, 42.) 311. Herr! deine Treue ist| Und in dem ganzen Leben hie so groß, Daß wir uns wundern müssen. Wir liegen seufzend, arm und bloß Um Gnade dir zu Füßen. Die Bosheit währet immerfort, Und du bleibst doch der treue Hort Und willst uns nicht verderben. Den krummen Weg erwählen, Und suchen in dem Sündenwust zu büßen ihre Fleischeslust Nach dem verderbten Willen. 4. Die Kreatur entseget sich Und seufzet, frei zu werden, Sie wartet und thut ängstiglich; Der Himmel und die Erden, Und was hienieden weit und breit Sich quält im Dienst der Eitelkeit, Beweinet solch Verderben. 5. Wir hoffen dennoch fest zu dir, Du werdest uns erhören; Wir flehen, o Gott, für und für, Du wollest doch bekehren Die fündenvolle, blinde Welt, 3. Dein Auge stehet wider die, So deiner Wege fehlen Neumeister, g. 1671 † 1756. 246 XVI. Heilsordnung. Die sich für so glückselig hält,| noch fehlt, Zu gehn auf rechten Da sie zur Hölle eilet! 6. Erbarme dich, o treuer Gott, Der du die Welt geliebet, Die Welt, die ganz in Sünden todt, In Irrthum dich betrübet! Gib deinem werthen Worte Kraft, Daß es in solchen Herzen haft', Die hart sind wie die Felsen. Wegen. Herr! laß dein Auge, Herz und Hand Den Deinen bleiben wohlbekannt, Die deiner Güte tranen. 9. Ein Vater und ein Hirte meint Es treulich mit den Seinen; Du bist noch mehr der Sünder Freund, Du kannsts nicht böse meinen; Drum trauen wir allein auf dich, Ach leite du uns väterlich Nach deinem Rath und Willen! 7. Laß doch die Welt erkennen noch mit ihren blinden Kindern, Wie sanft und angenehm dein Joch Sey allen armen Sündern, Die fühlen ihre Sündenschuld Und wenden sich zu deiner Huld Und deines Sohnes Wunden. 10. Hier sind wir deine Kinder schon Und freun uns auf das Leben, Da du uns willst die Gnadenkron Als deinen Erben geben. Wir hoffen, bald dein Angesicht Zu sehen dort in jenem Licht, Da Christus uns wird waiden. 8. Die Heerde, die du hast erwählt, Die seße du zum Segen Und schenke, was ihr anWeydenheim, um 1660. B. Glaube und Rechtfertigung. Mel. O Gott, du frommer.( Ebr. 11, 6.) ihn deine Hand Aus allen Nöthen reißt. 312. Herr! ohne Glauben ein Vergelter seyst, Und daß kann Dir niemand wohlgefallen, Ach darum lege mir Vor andern Gaben allen Den wahren Glauben bei; Denn der nicht nur so heißt, Der ist nicht Menschenwerk, Er kommt von deinem Geist. 3. Herr! laß mich auf dein Wort Von ganzem Herzen tranen Und fest auf deine Treu Und Wahrheit immer bauen. Gib, daß ich dir in Noth Und Kreuz und Tod getreu Und durch des Glaubens Kraft Allzeit gehorsam sey. 4. Mein Jesu! laß mich dich Im Glauben wobl erkennen. 2. Laß mich insonderheit, Daß du seyst, herzlich glauben; Was mir dein Wort verheißt, Das laß mir niemand rauben: Daß du dem, der dich sucht, Stets B. Glaube und Rechtfertigung. 247 Dich meinen Herrn und Gott,| Mein Hohepriester, treiben; Trost, Schutz und Heiland nen- Laß, Jesu, dein Verdienst Den nen. Laß mich im Glauben thun, Grund des Glaubens bleiben, Was uns dein Mund gelehrt, Daß meine Seele sich Hierauf Daß dich Herz, Mund und That getreu und fest, Als auf mein Als den Erlöser ehrt. einzig Heil Und wahren Trost, verläßt. 5. Mein König und Prophet! Komm, herrsch in meiner Seelen; Regier und führe mich, So werd ich nimmer fehlen; Du sollst mein König seyn, Dem ich gehorchen will, Mein Lehrer und Prophet, Deß Willen ich erfüll. 6. Nichts müsse mich von dir, Eigene Mel.( Rom. 3, 23-28. Gal. 2. 16. 17.) 313. Es ist das Heil uns| Der uns zeigt an die fündig Art, kommen her Aus lauter Gnad und Güte, Die Werke helfen nimmermehr Zum Frieden dem Gemüthe; Der Glaub sieht Jesum Christum an, Der hat für Alle gnug gethan; Er ist der Mittler worden. In unsrem Fleisch verborgen. 4. Nicht möglich wars, dieselbe Art Aus eigner Kraft zu lassen; Wie wohl es oft versuchet ward, Doch mehrt' sichSünd ohn' MaBen, Des Gleißners Werke Gott verdammt; Denn alles, was vom Fleische stammt, Kann nimmer vor ihm gelten. 5. Doch das Gesez erfüllt mußt seyn, Sonst wären wir verloren; Drum schickt' Gott seinen Sohn herein, Der ward ein Mensch geboren; Ganz hat er das Gesetz erfüllt, Damit des Vaters Zorn gestillt, Der über uns gieng alle. 6. Und weil es nun erfüllet ist Durch ihn, den Gott erlesen, So lerne jetzt ein frommer 2. Was Gott uns im Gesetz gebot, Das konnte niemand halten, Darum erhub sich große Noth In mancherlei Gestalten, Vom Fleisch wollt nicht heraus der Geist, Den das Geset will allermeist; Es war mit uns verloren! 7. Ach Jesu! stärke mich In diesem meinem Glauben; Laß mir ihn weder Tod Noch Welt und Hölle rauben; Bleib in demselben stets Genau mit mir vereint, Daß ich sey dein, du mein, Otheurer Seelenfreund! Peter Busch, g. 1682 † 1744. 3. Ein Wahn war vom Geset dabei: Es sey darum gegeben, Als ob wir könnten selber frei Nach Gottes Willen leben; Ist es doch nur ein Spiegel zart, XVI. Heilsordnung. 248 Christ Des Glaubens rechtes Wesen; Er spricht dann:„ lieber Herre mein, Dein Tod wird mir das Leben seyn, Du haft für mich bezahlet!" 7. ,, Daran ich keinen Zweifel trag, Dein Wort kann nimmer lügen; Du sprichst ja, daß kein Mensch verzag, Und wirst fürwahr nicht trügen: Wer glaubt an mich und wird getauft, Dem ist der Himmel schon erkauft, Daß er nicht werd verloren." 8. Gerecht vor Gott sind die allein, Die dieses Glaubens le= ben; Dann wird des Glaubens heller Schein Durch Werke kund sich geben. Mit Gott der Glaub ist wohl daran, Und aus der Nächstenlieb sieht man, Daß du aus Gott geboren. 9. Die Sünd wird durchs Gesez erkannt, Schlägt das Gewissen nieder; Das Evangelium kommt zur Hand Und stärkt den Sünder wieder; Es spricht: „ eil nur zum Kreuz herzu, Denn im Gesetz ist keine Ruh, Mit allen seinen Werken." 10. Gewiß, die Werke kommen her Aus einem rechtenGlauben; Denn das kein rechter Glaube wär, Dem man die Werk' wollt rauben; Doch macht der Glaub allein gerecht, Die Werke sind des Nächsten Knecht, Dran wir den Glauben merken. 11. Die Hoffnung harrt der rechten Zeit, Was Gottes Wort zusage; Wenn das geschehen soll zur Freud, Sezt er nicht feste Tage; Er weiß wohl, wanns am besten ist, Und denkt an uns zu rechter Frist, Das soll man ihm vertrauen. 12. Ob sichs anließ', als wollt er nicht, Laß dich es nicht erschrecken; Denn wo er ist am besten mit, Da will ers nicht entdecken. Sein Wort laß dir gewisser seyn, Und ob dein Fleisch spräch lauter Nein, So laß dir doch nicht grauen! 13. Sey Lob und Ehr mit hohem Preis Um dieser Güte willen Gott, Vater, Sohn und heilgem Geist, Der wolle treu erfüllen, Was er in uns begonnen hat, zu Ehren seiner Macht und Gnad, Daß heilig werd sein Name; 14. Sein Reich zukomm, sein Will auf Erd Steh wie im Himmelsthrone, Das täglich Brod noch heut uns werd, Wohl unfrer Schuld verschone, Wie wir den Schuldnern thun nach Pflicht, Auch führ uns in Versuchung nicht, Lös uns vom Uebel! Amen. Speratus, g. 1484 † 1554. Mel. Es spricht der Unweisen.( Rom. 4,5. Tit. 2, 13, 14.) 314. Mensch, der Him-| ihn zu ersteigen! Wenn der Gemel ist zu fern, Durch Werk horsam unsers Herrn Nicht B. Glaube und Rechtfertigung. wird im Geist dein eigen, So wirst du nimmermehr gerecht Und bleibest ein unnüzerKnecht Mit allen deinen Werken. 2. Was vor der Menschen Angesicht Nach dem Geseß geschiehet, Das gilt vor Gottes Aug noch nicht, Weil er auf Glauben siehet. Wie kannst du aber ohne Geist, Was Gott im Geist vollbringen heißt, Aus eigner Kraft erfüllen? 3. Wer nicht durch Christum wird gerecht, Der kann nicht selig werden; Er ist und bleibt ein aimer Knecht Dort und schon hier auf Erden; Er bleibet durchs Gesetz verflucht, So lang er ohne Glauben sucht Die Seligkeit zu finden. 4. Du, Jesu, giltst vor Gott allein Mit deinem Thun und Leiden. Bringt das der Glaub ins Herz hinein, So kann die Seel sich kleiden; Du selbst gibst ihr das Ehrenkleid, Den Brautschmuck der Gerechtigkeit; Damit wird ste bestehen. 5. Was du, mein Herr, für mich gethan Im Leben und im Sterben, Da hat Gott Wohl249 gefallen dran, Das läßt mi nicht verderben; Das ist mein Licht, mein Trost und Ruhm, Durch Glauben wirds mein Eigenthum Und heiligt meine Seele. 6. Du hast mich, Herr, durch deinen Tod Von meiner Schuld gereinigt, Haft mich nach schwerer Sündennoth Zum Leben dir vereinigt. Du deckest meine Schande zu geft meiner Seele Ruh Und Gnade bei dem Vater. Und brin7. Wo aber Glaub und Christus ist, Und Sünden sind vergeben, Da führt denn auch ein wahrer Christ Nach dem Geseß sein Leben; Er wandelt fromm sein Lebenlang, Doch ohne Knechtsgeist, ohne Zwang. Weil alles geht aus Liebe. 8. Nun für so hohe Gnadengab, Herr Jesu, will ich danfen, Und weil ich sonst kein Opfer hab, Als was du gibst mir Kranken, So nimm von meinem neuen Sinn Des Herzens Opfer gnädig hin Und bring es vor den Vater! Rambach, g. 1693 † 1735. Mel. Mein's Herzens Jesu.( Rom. 5, 22-26.) 315. Der Glaub ist eine| sich auf ihn allein Ohn' WanZuversicht Zu Gottes Gnad und Güte; Der bloße Beifall thut es nicht; Es muß Herz und Gemüthe Durchaus zu Gott gerichtet seyn Und gründen ken und ohn' Zweifel! 2. Wer so sein Herz macht stark und fest Im völligen Vertrauen, Auf Jesum Christum sich verläßt, Nicht auf sich selbst 250 XVI. Heilsordnung. Und kann zur selgen Friedensfahrt Sich schicken ohne Grauen. mag bauen, Der hat des Glau-| rühmen, Und gehen auf der bens rechte Art Sünder Bahn, Das Christen nicht kann ziemen; Wer das thut, der soll wissen frei, Es sey sein Glaub nur Heuchelei Und werd zur Höll ihn bringen! 5. Drum laffe sich ein frommer Christ Mit Ernst seyn angelegen, Daß er aufrichtig jeder Frist Sich halt in Gottes Wegen; Daß sein Glaub ohne Heuchelei Vor Gott dem Herrn rechtschaffen sey Und vor dem 3. Das aber ist kein Menschenwerk; Gott muß es uns gewähren; Drum bitt, daß er den Glauben stärk Und in dir woll vermehren; Laß aber auch des Glaubens Schein In guten Werken kräftig seyn. Sonst ist dein Glauben eitel!: 4. Es ist ein schändlich böser Wahn, Des Glaubens sich nur| Nächsten leuchte! Eigene Mel.( Eph. 2, 8. 9. 2 Tim. 2, 19.) 316. Aus Gnaden soll ich nicht fassen kann, Das beut dir Gott aus Gnaden an. 4. Aus Gnaden kam sein Sohn auf Erden Und übernahm die Sündenlast; Was nöthigt' ihn, dein Freund zu werden? Sprich, weß du dich zu rühmen haft? Gab er sich nicht zum Opfer dar Und nahm dein Heil in Gnaden wahr? selig werden; Herz, glaubst du's, oder glaubst du's nicht? Was willst du dich so blöd geberden? Ists Wahrheit, was die Schrift verspricht, So muß auch dieses Wahrheit seyn: Aus Gnaden ist der Himmel dein. 2. Aus Gnaden! hier gilt kein Verdienen, Die eignen Werke fallen hin. Der Mittler, der im Fleisch erschienen, Hat diese Ehre zum Gewinn: Daß uns sein Tod das Heil gebracht Und uns aus Gnaden selig macht. Gotter, g. 1661 † 1735. 3. Aus Gnaden! merk dieß Wort, aus Gnaden," So hart dich deine Sünde plagt, So schwer du immer bist beladen, So schwer dein Herz dich auch verklagt; Was die Vernunft 5. Aus Gnaden! dieser Grund wird bleiben, So lange Gott wahrhaftig heißt. Was alle Knechte Jesu schreiben, Was Gott in seinem Worte preist, Worauf all unser Glaube ruht, Ift: Gnade durch des Sohnes Blut. 6. Aus Gnaden! doch du, sichrer Sünder, Denk nicht: wohlan, ich greife zu!" Wahr ists, Gott ruft verlorne Kinder B. Glaube und Rechtfertigung. Aus Gnaden zur verheißnen| ter Angst und heißen SchmerRuh; Doch den geht seine zen Nichts sieht und nichts Gnad nicht an, Der noch auf mehr hoffen kann. Wo nähm Gnade sünd'gen kann. ich oftmals Stärkung her, Wenn Gnade nicht mein Anker wär? 7. Aus Gnaden! wer dieß Wort gehöret, Tret ab von aller Heuchelei. Nur wenn der Sünder sich bekehret, Dann lernt er erst, was Gnade sey; Beim Sündethun scheint sie gering, Dem Glauben ists ein Wunderding! 8. Aus Gnaden bleibt dem blöden Herzen Das Herz des Vaters aufgethan, Wenns un251 2. Lehr du und unterweise mich, Daß ich den Vater kenne, Daß ich, o Jesu Christe, dich Den Sohn des Höchsten nenne, Daß ich zugleich den heilgen Geist, Der uns den Weg zum Himmel weist, Von ganzem Herzen ehre. 3. Laß mich vom großen Gnadenheil Die recht' Erkenntniß finden: Wie der nur an dir habe Theil, Dem du vergibst die Sünden; Daß ich es such, wie 9. Aus Gnaden! hierauf will ich sterben; Ich glaube, darum ist mir wohl. Ich weiß mein fündliches Verderben, Doch den auch, der mich heilen soll. Mein Geist ist froh, mein Herze lacht, Weil mich die Gnade selig macht! Scheitt, † 1759. Mel. Allein Gott in der Höh.( 1 Cor. 1, 8. 9. Phil. 1, 6.) 317. Gottes Sohn, Herr| sichs gebührt; Du bist der Weg, Jesu Christ, Du meiner Seele der mich recht führt, Die WahrLeben! Was mir zum Glaubenheit und das Leben. nöthig ist, kann ich mir selbst nicht geben; Drum hilf du mir von oben her, Den wahren Glauben mir gewähr Und daß ich drin verharre. 4. Gib, daß ich traue deinem Wort, Es wohl zu Herzen fasse, Daß sich mein Glaube immerfort Auf dein Verdienst verlasse; Daß mein lebendger Glaube mir Gerechtigkeit verleih vor dir, Wenn ich in Sünden zage. 5. Laß meinen Glauben trösten sich Des Bluts, das du vergossen; Und halt in deiner Gnade mich Beständig eingeschlossen. Gib, daß im Glauben ich die Welt Und was die Welt am höchsten hält, Allzeit für Schaden achte. 6. Ist auch mein Glaub ein Senfforn klein, So daß ich ihn XVI. Heilsordnung. 252 kaum merke, Wollst du doch in mir mächtig seyn, Daß deine Gnad mich stärke, Die das zerstoßne Rohr nicht bricht Und auch den Docht, der glimmet, nicht Auslöschet in den Schwachen. 7. Hilf, daß ich stets sorgfältig sey, Den Glauben zu behalten, Ein gut Gewissen auch dabei, Und daß ich so mög walten, Daß ich sey lauter jederzeit, Ohn' Anstoß, mit Gerechtigkeit Erfüllt und ihren Früchten. 9. Insonderheit gib mir die Kraft, Daß vollends bei dem Ende Ich übe gute Ritterschaft, Zu dir allein mich wende In meiner letzten Stund und Noth, Des Glaubens End durch deinen Tod, Die Seligkeit erlange. 10. Du hast entzündet, Jesu Christ, Das Fünklein in mir Schwachen, Drum was von Glauben in mir ist, Das wollst du stärker machen; Was du begonnen hast, vollführ Bis an das Ende, daß bei dir Auf Glauben folge Schauen. Denife, g. 1603 † 1680. Mel. Wer nur den lieben Gott.( Apostelgesch. 4, 12.) 318. Ich weiß von keinem| und rein; Bleib ich mit ihm nur stets verbunden, So kann ich immer sicher seyn; Gott sieht auch mich in Christo an,- Wer ists, der mich verdammen kann? 4. Ich fühle noch in mir die Sünde; Doch schaden kann fie mir nicht mehr, Weil ich in Christo mich befinde; Wohl aber beuget sie mich sehr. Ich balte nichts gering und klein, Sonst dringt ein fichres Wesen ein. 8. Herr! durch den Glauben wohn in mir, Laß ihn sich immer stärken, Daß er sey fruchtbar für und für Und reich an guten Werken; Daß er sey thäandern Grunde, Als den der Glaub in Christo hat; Ich weiß von keinem andern Bunde, Von keinem andern Weg und Rath: Als daß man elend, arm und bloß Sich legt in seines Vaters Schoos. tig durch die Lieb, Mit Freuden und Geduld sich üb', Dem Nächsten treu zu dienen. 2. Ich bin zu meinem Heiland kommen Und eil ihm immer besser zu; Ich bin auch von ihm aufgenommen und finde bei ihm wahre Ruh; Er ist mein Kleinod und mein Theil, Und außer ihm weiß ich kein Heil. 3. Ich bleib in Christo nun erfunden Und bin in ihm gerecht 5. Ich kämpfe gegen mein Verderben In Glauben und in Christi Kraft; Der alte Mensch muß täglich sterben, Der noch nicht todt am Kreuze haft't, B. Glaube und Rechtfertigung. 253 Dieß aber macht mich rein und| Christo nimmer gehn; Ich bleib klein Und lehrt zu Jesu ernstlich schrei'n. im allgemeinen Bunde, In allgemeiner Liebe stehn, Und hang an Christo ganz allein; Dieß soll mein Grund auf ewig seyn! 6. Und da ich so in Christo bleibe, Stets vor ihm wandelnd auf ihn seh, Das Wort des Friedens fröhlich treibe Und unablässig zu ihm fleh, So bleib ich stets im Grunde stehn; Da kann mein Wachsthum vor sich gehn. 8. Jesu! laß mich in dir bleiben; O Jesu! bleibe du in mir. Laß deinen guten Geist mich treiben, Daß ich im Glauben folge dir; Laß mich stets fromm und wachsam seyn, So reißet nichts den Grund mir ein. Nach dem Hohenlohischen Gesangbuch. 7. Ich bleib im tiefsten Demuthsgrunde Und will von Mel. Die Tugènd wird durchs Kreuz.( Gal. 4, 4. 5.) 319. Ich suche dich, Herr,| allen seinen Frommen Durch laß dich finden, Lant seufzt mein dürstend Herz nach dir! Verbirg beim Schreien meiner Sünden Dein gnädig Antlitz nicht vor mir. Was willst du mit dem Staube rechten? Du kennst mein fündiges Geschlecht; Ach unter allen deinen Knechten Ist keiner, Herr, vor dir gerecht! alle Himmel ihn erhöhn, Von Sünden rein und frei von Leiden, Mehr Glück genießen als ich weiß; Dieß sind, o Gott, des Himmels Freuden, Dieß ist der Tugend hoher Preis! 2. Ich will vor deinem Fluch nicht beben, Denn, mich mit Gnade zu erfreun, Starb Je sus; durch ihn werd ich leben, Er überwand, sein Sieg ist mein. Umsonst drohn uns des Abgrunds Flammen, Ich erbe meines Vaters Gut, Ich bin sein Kind, wer will verdammen? Für mich floß seines Sohnes Blut. 4. Gib mir den Glauben dei= ner Streiter, Der durch die Liebe thätig sey. Mach, Jesu, mich in Hoffnung heiter, Demüthig, keusch, versöhnlich, treu, Mitleidig, weich bei fremden Schmerzen, Heiß im Gebet, still gegen Spott, Zum Sterben reif, voll Ruh im Herzen, Arm vor der Welt, und reich in Gott. 3. Ich soll, des Todes Macht entnommen, Den großen Lebensfürsten sehn Und einst mit 5. Und wird der ernste Tag erscheinen, Der Tag des Todes und der Ruh, So führ, wenn meine Freunde weinen, Mich jenes Lebens Wonne zu! Dann fey mein Ende wie dein Ende! 254 XVI. Heilsordnung. Dir, den der Engel Loblied| Hände Mit Freuden den erlöspreist, Befehl ich in die treuen ten Geist! Eigene Mel.( Ebr. 3, 16. 17.) 320. Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ, Ich bitt: erhör mein Klagen; Verleih mir Gnad zu dieser Frist, Laß mich doch nicht verzagen! Den rechten Glauben, Herr, ich mein'; Und daß ich möge streben, Dir zu leben, Dem Nächsten nuß zu seyn, Das wollest du mir geben! 2. Ich bitt noch mehr, o Herre Gott, Du kannst es mir wohl geben: Daß ich nicht wieder werd zu Spott; Die Hoffnung gib daneben; Voraus, wann ich muß hie davon, Daß ich dir mög vertrauen Und nicht bauen Auf eignes Werk und Thun, Sonst werd ich dich nicht schauen! 3. Verleih, daß ich aus Herzensgrund Den Feinden mög vergeben; Verzeih mir auch zu dieser Stund. Schaff in mir ueues Leben; Dein Wort mein' Speis' laß allweg seyn, Damit mein' Seel zu nähren, Mich zu wehren, Wenn Unglück geht daher, Das mich bald möcht verkehren. 4. Laß mich nicht Lust noch Furcht von dir In dieser Welt abwenden; Beständig seyn ans | End gib mir, Du hasts allein in Händen; Und wem du's gibst, der hats umsonst; Es mag niemand ererben Noch erwerben Durch Werke deine Gnad, Die uns erlöst vom Sterben. 2. Das ist auch mir geschrieben, Auch ich bin von den Lie5. Ich lieg im Streit und widerstreb; Hilf, o Herr Christ, dem Schwachen! Von deiner Gnad allein ich leb, Du kannst mich stärker machen. Kommt nun Anfechtung und Gefahr, Wollst du mich nicht verlaſſen, Fest mich fassen; Behüt mich immerdar; Ich weiß, du wirsts nicht lassen! Speratus, g. 1484 † 1554. Mel. Nun ruhen alle.( 1 Job. 2, 12.) 321. Die Sünden sind ver-| ben, Weil Gott die Welt geliebt; geben! Das ist ein Wort zum Leben Für den gequälten Geist; Sie sinds in Jesu Namen, In dem ist Ja und Amen, Was Gott uns Sündern je verheißt. Auch ich kann für die Sünden Bei Gott noch Gnade finden: Ich glaube, daß er mir vergibt. 3. Mein Hauptgesuch auf Erden Soll die Vergebung werden; So wird mein Tod nicht schwer. O, in den Sünden ster B. Glaube und Nechtfertigung. 255 ben, Ist ewiges Verderben;| fehle, Daß du die Schuld verDenn wer will dann bestehen, wer? gibst; Wenn ich mich betend beuge, So sey dein Geist mein Zeuge, Daß du dein Kind in Christo liebst. 4. Hier ist die Zeit der Gnaden, Der Angst sich zu entladen, Auf Gottes Wort zu ruhn, Die Seele zu erretten, zu glauben und zu beten, Und das in Jesu Namen thun. 5. Gott! gib, daß meiner Seele Der Trost doch niemals Mel. Mein Jesus lebt.( 1 Joh. 5, 2-5.) 322. Ich glaube, Herr, ( hilf meinem Glauben!) Daß du der große Jesus bist, Der, unsrem Feind den Raub zu rauben, Vom hohen Himmel kommen ist. O mach in diesem Glauben stark Mein Herz und all mein Lebensmark! 6. Wenn ich von hinnen scheide, So mach mir das zur Freude, Daß ich begnadigt bin! Im Glauben der Vergebung, In Hoffnung der Belebung Geh ich alsdann im Frieden bin. Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769 2. Der Glaube machet arme Sünder In Freuden groß, in Demuth klein; Sie sollen Gottes liebe Kinder, Geschwister seines Sobnes seyn. Herr! schenke soichen Glauben mir, Um solches Glück ruf ich zu dir. 3. Der Glaub ist thätig durch die Liebe, Wer glaubt, der liebet auch gewiß; Die Liebe gibt ihm Lichtestriebe, Er lebt nicht mehr in Finsterniß, Er hat und liebt des Geistes Zucht; Herr! hilf zur Wurzel und zur Frucht. 4. Der Glaube flieht das Weltgetümmel, Das eitleWesen dieser Welt, Indem er sich zum ewgen Himmel, Als wenn er ihn schon sähe, hält; Er ziehet an den neuen Sinn: Herr! dieser Sinn sey mein Gewinn. 5. Der Glaube stärkt in Noth und Schmerzen Und zeuget einen Heldenmuth; Durch ihn wohnt Christus indem Herzen; Man fühlt die Kraft von seinem Blut Und spricht: das Himmelreich ist mein! Herr! laß mich immer glaubig seyn. 6. Der Glaube machet Luft zum Sterben, Verfüßt des Todes Angst und Pein; Er machet uns zu Christi Erben Und führet uns zum Frieden ein, Die Seele kommt in ihre Ruh; Herr Jesu! hilf mir auch dazu. 7. Der Glaube hat ein edles Ende, Das ist der Seelen Seligkeit. Man drückt den Freunden noch die Hände Und spricht: ,, nun, seyd auch ihr bereit; Id gehe vor, folgt munter nach!" 256 XVI. Heilsordnung. Herr! gib mir diese Glaubens-| 9. Ich glaube; Herr, hilf mir sprach. zum Glauben, O mach ihn von der besten Art, Daß mir kein Feind ihn könne rauben, Und daß ich bleibe drin bewahrt, Bis ich nach meiner Glaubenszeit Dich schauen darfin Ewigfeit. 8. Der Glaub ist noth; es ist unmöglich, Daß man sonst Gott gefallen kann! Doch ist sein Vaterherz beweglich, Er gibt, klopft man nur herzlich an, Den Glauben gern in reichem Maß; Herr, gib! ich bitt'ohnllnterlaß. Annoni, † 1770. Mel. Nun sich der Tag.( Ps. 89, 3.) 323. Die Gnade wird doch| Theil; Mein Heiland, an dem ewig seyn, Die Wahrheit doch gewiß, Bräch auch des Himmels Feste ein Und sänk' in Finsterniß! 2. Gott ist kein Mensch, den etwas reut und sein Wort bricht er nie; Die Gnade währt nicht kurze Zeit, Nein, ewig währet sie. 3. Hat er uns Gnade zugesagt, So bleibt er fest dabei; Und wenn uns Furcht und Zweifel plagt, So bleibt er doch getreu. 4. So glaubt es denn mein Herz getroft Auf diese Gnade hin: Daß Gott mich ewig nicht verstoßt, Weil ich in Jesu bin. 5. In Jesu liegt der Gnade Grund, Da nimmt der Glaube Kreuz verwund't, Macht meine Seele heil. 6. O Gnade! daß mein Glanbe dich Recht herzhaft fassen könnt, So lang, bis meine Seele sich von meinem Leibe trennt. 7. Herr! deine Gnade mache mich In mir recht arm undklein, Denn nur in dir allein kann ich Erst groß und herrlich seyn. 8. Herr! lasse nichts von mir geschehn, Die Gnade sey denn mit; Laß deine Gnade mit mir gehn Bis zu dem letzten Schritt. 9. Kommt dann dein großer Tag herbei, So laß im Auferstehn, Daß deine Gnade ewig sey, Mich auch im Himmel sehn! Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Mel. Valet will ich.( 2 Tim. 1, 12.) 324. Ich weiß, an wen ich| fällt, Wo Wahn die Weisen glaube, Ich weiß, was fest treibet Und Trug die Klugen besteht, Wenn alles hier im hält. Staube Wie Rauch und Staub verweht; Ich weiß, was ewig bleibet, Wo alles wankt und 2. Das ist das Licht der Höhe, Das ist mein Jesus Christ, Der Fels, auf dem ich stehe, Der B. Glaube und Rechtfertigung 257 diamanten ist, Der nimmer-| mich mit Gnade krönet Und mehr kann wanken, Der Hei- ewig mein gedenkt! land und der Hort, Die Leuchte der Gedanken, Die leuchtet hier und dort; 4. Drum weiß ich, was ich glaube, Ich weiß, was fest besteht Und in dem Erdenstaube 3. Er, den man blutbedecket Nicht mit zu Staub verweht; Am Abend einst begrub, Er, Es bleibet mir im Grauen der von Gott erwecket, Sich des Todes ungeraubt; aus dem Staub erhub; Der schmückt auf Himmelsanen meine Schuld versöhnet, Der Mit Kronen einst mein Haupt. seinen Geist mir schenkt, Der E. M. Arndt, g. 1769. Mel. Auf, Christenmensch.( 1 Joh. 2, 4-6.) 325. Wer Gottes Wort| zu ihm hat Der flieht den Rath nicht hält und spricht: ,, Ich keine Gott," der trüger, In folchem ist die Wahrheit nicht, Die durch den Glauben sieget. Wer aber sein Wort glaubt und hält, Der ist von Gott, nicht von der Welt. der Sünder, Folgt Chrifti Beispiel als ein Christ Und reinigt sich, wie Er rein ist. 4. Alsdann bin ich Gott angenehm, Wenn ich gehorsam übe, Wer die Gebote hält, in dem Ist wahrlich Gottes Liebe. Ein täglich thätig Christenthum, Das ist des Glaubens Frucht und Ruhm. 5. Der bleibt in Gott und Gott in ihm, Wer in der Liebe bleibet. Die Lieb ists, die die Cherubim Gott zu gehorchen treibet. Gott ist die Lieb, an seinem Heil Hat ohne Liebe nie2. Der Glaube, den sein Wort erzeugt, Muß auch die Liebe zeugen; Je höher dein Erkenntniß steigt, Je mehr wird diese steigen. Der Glaub erleuchtet nicht allein. Er stärkt das Herz und macht es rein. 3. Durch Jesum rein von Missethat, Sind wir nun Gottes Kinder; Wer solche Hoffnung| mand Theil! Gellert, g. 1715 † 1769. Mel. O Gott, du frommer.( 2 Cor. 13, 5.). 326. Versuchet euch doch selbst, Ob ihr im Glauben stehet? Ob Christus in euch ist? Ob ihr ihm auch nachgehet? In Demuth und Geduld, In Sanftmuth, Freundlichkeit, In Evangelisches Gesangbuch. lieb dem Nächsten stets Zu dienen seyd bereit? 2. Der Glaube ist ein Licht, Im Herzen tief verborgen. Bricht als ein Glanz hervor, Scheint als der helle Morgen, 17 XVI. Heilsordnung. Erweiset seine Kraft, Macht Geduld, Erleichtert alle PlaChristo gleichgesinnt, Erneuert Herz und Muth, Macht dich zu Gottes Kind. 3. Er schöpft aus Christo Heil, Gerechtigkeit und Leben, Und wills in Einfalt auch Dem Nächsten wiedergeben. Die weil er überreich In Christo worden ist, Preist er die Gnade hoch, Bekennet Jesum Christ. 4. Er hofft in Zuversicht, Was Gott im Wort zusaget; Drum muß der Zweifel fort, Die Schwermuth wird verjaget. Sieh, wie der Glaube bringt Die Hoffnung an den Tag, Hält Sturm und Wetter aus, Besteht in Ungemach! 258 5. Wir waren Gottes Feind'; Er gibt vom Himmelsthrone Sein eingebornes Kind, Er liebt uns in dem Sohne, Seßt Liebe gegen Haß; Wer gläubig dieß erkannt, Entbrennt in Liebe bald, Die allen Haß verbannt. 6. Wie uns nun Gott gethan, Thun wir dem Nächsten eben: Droht er uns mit dem Tod, Wir zeigen ihm das Leben; Flucht er, so segnen wir; In Schande, Spott und Hohn Ist unser bester Trost Des Himmels Ehrenkron. 7. Sett Gott uns auf die Prob, Ein schweres Kreuz zu tragen, Der Glaube bringt| gen; Statt Murren, Ungeduld, Wird das Gebet erweckt, Weil aller Angst und Noth Von Gott ein Ziel gesteckt. 8. Man lernet nur dadurch Sein Elend recht verstehen, Wie auch des Höchsten Güt', Hält an mit Bitten, Flehen, Verzaget an sich selbst, ErFennet sich als nichts, Sucht bloß in Christo Kraft, Der Quelle alles Lichts; 9. Hält sich an Sein Verdienst, Erlanget Geist und Stärke, In solcher Zuversicht zu üben gute Werke; Steht ab vom Eigenfinn, Flieht die Vermessenheit, Hält sich in Gottesfurcht, In Glück und schwerer Zeit. 10. So prüfe dich denn wohl, Ob Christus in dir lebet? Denn Christi Leben ists, Wonach der Glaube strebet; Gr machet erst gerecht, Dann heilig, wirket Lust Zu allem guten Werk;- Sieh, ob du auch so thuft? 11. O Herr! so mehre doch In mir den wahren Glauben, So kann mir keine Macht Die guten Werke rauben; Wo Licht ist, geht der Schein Freiwillig davon aus. Du bist mein Gott und Herr, Bewahr mich und mein Haus! Breitbanpt, g. 1659 † 1732 C. Göttlicher Friede. 259 Mel. Schwing dich auf.( 2 Cor. 5, 15. Gal. 6, 14. 1 Joh. 2, 17.) 327. Sollt ich jetzt noch, da| versicht, Daß ich trok dem Grabe Deiner Ewigkeiten Licht Zu erwarten habe? mir schon Deine Güt' erschienen, Dich verlassen, Gottes Sohn, Und der Sünde dienen? Mit den Lüften dieser Zeit Wieder mich beflecken, Und nicht mehr die Süßigkeit Deiner Liebe schmecken? 5. Rettet sie mich, wann vor Gott Einst die Völker stehen Und das Leben und den Tod Ihm zur Seite sehen? Wann der Sichre, nun zu spät, Aus dem Schlaf erwachet, Und der Spötter, der hier schmäht, Glaubt und nicht mehr lachet? 2. Hab ich doch allein bei dir Meine Ruh gefunden! Mittler, heiltest du doch mir Alle meine Wunden! Und ich sollte dein Gebot, Wie die Sünder, hassen Und mein Recht an deinen Tod Wieder fahren lassen? 3. Nein, ich bin und bleib ein Christ, Halt auf deine Lehren, Lasse mir nicht Macht noch List Meinen Glauben wehren. Fielen Tausend ab, nicht ich! Mags die Welt verdrießen; Sie wird mein Vertraun auf dich mir doch gönnen müssen. 4. Zeigt sie mir ein Heil, wie du? Bringt fie Kraft den Müden, Den Bedrängten Trost und Ruh, Sündern Gottes Frieden? Gibt sie mir die Zu6. O wie thöricht, wenn ich mich Noch verführen ließe, Jesu, da ich schon durch dich Gottes Huld genieße; Da ich weiß, auf wessen Wort Ich die Hoffnung gründe, Daß auch ich unfehlbar dort Gnad und Leben finde! 7. Nicht das Leben, nicht der Tod, Trübsal nicht noch Freuden, Mein Erlöser und mein Gott, Soll von dir mich scheiden! Welt und Sünd und Eitelkeit und des Fleisches Triebe, Alles überwind ich weit, Herr, durch deine Liebe. Münter, g. 1735 † 1793. C. Göttlicher Friede. Eigene Mel.( Matth. 11, 28-30.) 328. Ruhe ist das beste| Ruh, Als bei Gott; ihm eile Gut, Das man haben kann; Stille und ein guter Muth Steiget himmelan. Die suche du! Hier und dort ist keine zu: Gott ist die Nuh. 2. Ruhe suchet jedes Ding, Allermeist ein Christ. Du, mein Herz, nach Ruhe ring. 260 XVI. Heilsordnung. Wo du immer bist! O suche Ruh; In dir selber wohnt sie nicht; Such in Gott, was dir gebricht! Gott ist die Ruh. 3. Ruhe gibt dir nicht die Welt, Ihre Freud und Pracht; Ruhe gibt nicht Gut und Geld, Lust, Ehr, Gunst und Macht; Keins reichet zu. Wenn du recht bekümmert bist, Suchst du das, was droben ist; Gott ist die Ruh. 4. Ruhe geben kann allein Jesus, Gottes Sohn, Der uns alle ladet ein Vor des Himmels Thron, Zur wahren Ruh. Wer den Ruf vernommen hat, Dringe ein zur Gottesstadt! Gott ist die Ruh. Daß er Gottes Willen übt! Gott ist die Ruh. 7. Ruhe findet sich zumeist, Wo Gehorsam blüht; Ein in Gott gefeßter Geist Macht ein still Gemüth Und Seelenruh. Darum selig, wer sich gibt, 8. Ruhe wächset aus Geduld Und Zufriedenheit, Die in Gottes Zorn und Huld Und in Lieb und Leid Sich gibt zur Ruh. Je zufriedener du bist, Desto näher Gott dir ist, Gott ist die Ruh. 9. Ruhe hat, wer williglich Christi sanftes Joch Hingebücket nimmt auf sich; Ist es lieblich doch Und schaffet Ruh. Folge deinem Heiland gern, Dann ist nie dein Friede fern; Gott ist die Ruh. 5. Ruhe beut er allen an, Die beladen sind. Arm' und Reiche, kommtheran, Mann und Weib und Kind, Ihr findet Ruh! Traget ihr des Leides viel, Gott setzt allem Leid ein Ziel; Gott ist die Ruh. 10. Ruhe nirgends lieber bleibt, Als wo Demuth blüht; Was zur Niedrigkeit fein treibt Und hinunterzieht, Gibtwahre Ruh. Darum bleibe arm und klein, So wird Gott dir nahe seyn; Gott ist die Ruh. 11. Ruh entspringet aus dem Quell, Wo die Liebe fleußt. Ist das Herz nur klar und hell, 6. Ruhe kommt aus Glauben Sanft und still der Geist, Da her, Der nur Jesum hält; Je- strömt die Ruh. Liebe, wenn sus machet leicht, was schwer, du Ruh begehrst, Bis du seligRichtet auf, was fällt, Seinlich erfährst: Gott ist die Ruh. Geist bringt Nuh; Gib im 12. Ach du Gott der wahren Glauben Herz und Sinn Seinem Geist zu eigen hin, Gott ist die Ruh. Ruh, Gib auch Ruhe mir! Was ich denke, red und thu, Streb nach Ruh in dir; Gib Ruh dem Geist. Schließt sich dann meine Auge zu, So führ Leib und Seel zur Ruh, Dem Himmel zu! Nach Schade. C. Göttlicher Friede. Eigene Mel.( 2. Cor. 12, 9. Eol. 1, 10-14.) 329. Mein Glaub ist mei-| quickt er mich, Weil ich ihm hier vertraue. Bald, bald verschwindet aller Schmerz, Und Himmelsfreuden schmeckt mein Herz! 5. Bin ich gleich schwach, so trag ich doch nicht mehr der Sünde schändlich Joch In meinem Lauf auf Erden, Ich übe kindlich meine Pflicht; Doch fühl ich es, ich bin noch nicht, Was ich dereinst soll werden. Mein Trost ist dieß: Gott hat Geduld Und straft mich nicht nach meiner Schuld! 261 nes Lebens Ruh Und führt mich deinem Himmel zu, O du, an den ich glaube! Ach gib mir, Herr, Beständigkeit, Daß diesen Trost der Sterblichkeit Nichts meiner Seele raube! Tief präg es meinem Herzen ein, Welch Glück es ist, ein Christ zu seyn! 2. Du hast dem sterblichen Geschlecht Zu deiner Ewigkeit ein Recht Durch deinen Tod erworben; Nun bin ich nicht mehr Asch und Staub, Nicht mehr des Todes cwger Raub, Du bist für mich gestorben! Mir, der ich dein Erlöster bin, Ist dieses Leibes Tod Gewinn. 3. Ich bin erlöst und bin ein Christ! Mein Herz ist ruhig und vergißt Die Schmerzen dieses Lebens. Ich dulde, was ich dulden soll, Und bin des hohen Trostes voll: Ich leide nicht vergebens; Gott selber mißt mein Loos mir zu, Hier kurzen Schmerz, dort ewge Ruh. 7. Gelobt sey Gott, ich bin ein Christ, Und seine Gnad und Wahrheit ist An mir auch nicht rergebens. Sein Wort hilft mir zur Heiligung; Die 4. Was seyd ihr, Leiden dieser Gnade wirkt Erneuerung Des Zeit, Mir, der ich jener Herr- Herzens und des Lebens. Gott, lichkeit Mit Nuh entgegen- präg es meinem Herzen ein, schaue? Bald ruft mich Gott Welch Glück es ist, ein Chrift und ewiglich Belohnet und er- zu seyn! Münter, g. 1735 † 1793. 6. Der du den Tod für mich bezwangst, Du hast mich, Mittler, aus der Angst, In der ich lag, gerissen! Dir, dir verdank ich meine Ruh, Du heileft meine Wunden zu Und stillest mein Gewissen; Und fall ich noch in meinem Lauf, So richtest du mich wieder auf. Eigene Mel.( Joh. 14, 27. Phil. 4, 7.) 330. Friede, ach Friede, ach| durch Christum im heiligen göttlicher Friede! Vom Vater| Geist, Welcher der Frommen XVI. Heilsordnung. 262 Herz, Sinn und Gemüthe In Christo zum ewigen Leben aufschleußt! Den sollen die gläubigen Seelen erlangen, Die alles verleugnen und Christo anhangen. 2. Richte deßwegen, friedliebende Seele, Dein Herze im Glauben zu Jesu hinan! Was da ist droben bei Christo, er wähle; Verleugne dich selbst und den irdischen Wahn. Nimm auf dich das sanfte Joch Christi hienieden, So findest du Ruhe und göttlichen Frieden. 3. Nahm doch der Mittler des Friedens viel Schmerzen, Die Sünder mit Gott zu versühnen, auf sich. Nimm dieß, o Seele, recht fleißig zu Herzen Und siehe, was thut nicht dein Jesus für dich! Am Kreuze dort bringt er dir Frieden zuwege Und hilft dir, daß Jammer und Unruh sich lege. 4. Nun dafür bist du ihm ewig verbunden, Du sollst dafür gänzlich sein Eigenthum seyn! Er hat die ewge Erlöfung erfunden Und schließt in den Bund seines Friedens dich ein. Drum siehe, daß du dich ihm gänzlich ergebest nun in der Liebe von Herzen ihm lebest! Und 5. Wen er berufet zum Friedensgenossen, Von solchem begehrt er auch liebende Treu! Drum sollst du treulich und tapfer ausstoßen, Was Jesus dir zeiget, daß wider ihn sey. Welt, Satan und Sünde, die mußt du bestreiten, Was Jesu zuwider ist, fliehen und meiden. 6. Weislich und fleißig mußt du dich entschlagen Der Bösen Gesellschaft und fündigen Rott, Welche den weltlichen Lüften nachjagen, Nicht fürchten noch lieben den heiligen Gott. Denn die sich zu solchen Gottlosen gesellen, Die fahren mit ihnen hinunter zur Höllen! 7. Liebe und übe, was Jesus dich lehret Und was er dich heißet, dasselbige thu! Haffe und lasse, was sein Wort verwehret, So findest du Frieden und ewige Ruh! Ja selig, die also sich Jesu ergeben Und gläubig und heilig nach seinem Wort leben! 8. Jesu, du Herzog der Friedensheerschaaren, König des Friedens, ach zeuch uns nach dir, Daß wir den Friedensbund treulich bewahren, Im Wege des Friedens dir folgen allhier! Ach laß uns doch deinen Geist kräftig regieren Und dir nach im Frieden zum Vater hinführen! Craffelius, g. 1667 † 1724. C. Göttlicher Friede. Eigene Mel.( Rom. 8, 34-39.) Meines Herzens Waide, Jesu, meine Zier! Ach wie lang, ach lange Ist dem Herzen bange, Und verlangt nach dir! Du bist mein Und ich bin dein; Außer dir foll mir auf Erden Nichts sonst lieber werden! 331. Jesu, meine Freude,| Bleibt mir unbewußt! Elend, Noth, Kreuz, Schmach und Tod Soll mich, ob ich viel muß leiden, Nicht von Jesu scheiden. 2. Unter deinem Schirmen Bin ich vor den Stürmen Aller Feinde frei. Laß von Ungewittern Rings die Welt erzittern, Jesus steht mir bei! Wenn die Welt In Trümmer fällt, Wenn mich Sünd und Hölle schrecken, Jesus wird mich decken! 3. Troß des Feindes Lauern, Troß des Todes Schauern, Troß der Furcht dazu! Zürne, Welt, und tobe; Ich steh hier und lobe Gott in sichrer Ruh. Seine Macht Hält mich in Acht; Erd und Abgrund müssen schweigen Und vor ihm sich neigen. 263 5. Gute Nacht, v Wesen, Das die Welt erlesen, Mir gefällst du nicht! Gute Nacht, ihr Sünden, Bleibet weit dahinten, Kommt nicht mehr ans Licht! Gute Nacht, Du Stolz und Pracht; Dir sey ganz, du gottlos Leben, Gute Nacht gegeben! 6. Weicht, ihr Trauergeister, Denn mein Freudenmeister. Jesus, tritt herein! Denen, die Gott lieben, Muß auch ihr Betrüben Lauter Segen seyn. Duld ich schon Hier Spott und Hohn, Dennoch bleibst du auch im Leide, Jesu, meine Freude. 7. Jesu! ich befehle Dir jest Leib und Seele; Jesu! bleib in mir; Dir ich mich ergebe, Ich sterb oder lebe, Jesu, meine Zier. Jesu, du Mein Trost unt Ruh, Meine Seel am legten Nimm in deine Hände! Joh. Frand, g. 1618 † 1677. 4. Weg mit allen Schäßen; Du bist mein Ergößen, Jesu, meine Lust! Weg, ihr eiteln Ende Ehren, Die das Herzverkehren, Mel. Mein Jesus lebt.( 1 Tim. 1, 15-17. br. 6, 17-20.) tergeht. 332. Ich habe nun den Wenn Erd und Himmel unGrund gefunden, Der meinen Anker ewig hält! Wo anders, als in Jesu Wunden? Da lag er vor der Zeit der Welt, Der Grund, der unbeweglich steht, 2. Es ist das ewige Erbarmen, Das alles Denken übersteigt, Deß, der mit offnen Liebesarmen Sich nieder zu den Sün 264 XVI. Heilsordnung. dern neigt, Dem stets das Herz| tung noch so weit,- Mir bleivor Mitleid bricht, Wir kom- bet die Barmherzigkeit! men oder kommen nicht. 7. Beginnt der Erde Last zu drücken, Und häuft sich Kummer und Verdruß, Daß ich mich noch in vielen Stücken Mit eiteln Dingen mühen muß, Darüber sich mein Geist zerstreut, So hoff ich auf Barmherzigkeit. 8. Muß ich in meinen besten Werken, Womit ich hier beschäftigt bin, Viel Schwachheit und Befleckung merken, So fällt zwar alles Rühmen hin; Doch ist mir noch ein Trost bereit: Ich hoffe auf Barmherzigkeit. 9. Es gehe mir nach dessen Willen, Bei dem so viel Erbarmen ist; Er wolle selbst mein Herz mir stillen, Damit es das nur nicht vergißt! So stehet es in Lieb und Leid In, durch und auf Barmherzigkeit. 10. Bei diesem Grunde will ich bleiben, So lange mich die Erde trägt; Das will ich denken, thun und treiben, So lange sich ein Glied bewegt; So sing ich ewig hoch erfreut: O Abgrund der Barmherzigkeit! Joh. Andr. Rothe, g. 1688 † 1758. 3. Wir sollen nicht verloren werden, Gott will, uns soll geholfen seyn; Deßwegen kam der Sohn zur Erden Und nahm hernach den Himmel ein; Deß wegen klopft er für und für So stark an unsers Herzens Thür. 4. O Abgrund, welcher alle Sünden Durch Christi Tod verschlungen hat! Das heißt die Wunden recht verbinden, Hier findet kein Verdammen statt, Weil Christi Blut beständig schreit: Barmherzigkeit, Barmherzigkeit! 5. An diesen Ruf will ich gedenken, Will ihm getrost und gläubig traun, Und wenn mich meine Sünden kränken, Nur gleich nach Gottes Herzen schaun; Da findet sich zu aller Zeit Unendliche Barmherzigkeit. 6. Wird alles andre weggeriffen, Was Leib und Seel erquicken kann, Darf ich von keinem Freunde wissen Und scheine völlig ausgethan, Ist die ErretEigene Mel.( Matth. 16, 24-26.) 333. Nicht eine Welt, die ein Christ, ich suche beßre in ihr Nichts vergeht, Nicht einen Schaß, der nicht kann ewig gelten, nicht eiteln Ruhm hat sich mein Herz erfleht; Ich bin Welten! 2. Ich bin erkauft, ein Knecht des Herrn zu seyn, Vor welchem sich der Erde Fürsten nei C. Göttlicher Friede. gen; Er ist mein Friedefürst,| Pein und arm an Erdenfreumein Herr allein, Ich bin ein Christ, vor ihm will ich mich beugen. den; Ich seh auf ihn, mein Mittler geht voran; Ich bin ein Christ, ich will mit Christo leiden. 3. Stolz um mich her erhebet sich der Thor: Ich soll mit ihm der Gößen Lust genießen; Er lockt und droht; ich schenk ihm nicht mein Ohr, Ich bin ein Christ, ich siz zu Jesu Füßen. 4. Ihr rührt mich nicht, wenn eure Hand mir winkt, Daß sich mein Herz an dieser Welt ergöße, Die ihr den Tod in eure Adern trinkt! Ich bin ein Christ, mich reizen ewge Schätze. 5. Zwar thränenvoll ist meines Laufes Bahn Und reich an 265 2. Gewiß, mein Freund gibt solche edle Gaben, Die alle Welt mir nicht gewähren kann. Schau an die Welt, schau ihren Reichthum an: Sie kann ja nicht die müden Seelen laben! Mein Jesus kanns; er thuts im 6. Und kommt er dann nach lang gekämpftem Streit, Der Todestag, mich zu dem Herrn zu bringen, So sterb ich auch mit Muth und Heiterkeit, Ich bin ein Christ, ich kann den Tod bezwingen. 7. Und wann der Tag, der große Tag erwacht, Wann um mich her viel Auferstandne beben, Sotret ich froh aus meines Grabes Nacht: Ich bin ein Christ, ich werde ewig leben! C. Am. Huber. Mel. Mein Salomo! dein freundliches.( Joh. 14, 27. 2 Kor. 3, 18.) 334. Mein Friedefürst! dein| Ueberfluß, Wenn alle Welt zu= freundliches Regieren Stillt rücke stehen muß! alles Weh, das meinen Geist 3. O Seelenfreund! wie wohl beschwert. Wenn sich zu dir die ist dem Gemüthe, Das im Geblöde Seele kehrt, So läßt sich seß sich so ermüdet hat, Und bald dein Friedensgeist verspü- nun zu dir, der Lebensquelle, ren; Dein Gnadenblick zer- naht Und schmeckt in dir die schmelzet meinen Sinn Und nimmt die Furcht und Unruh von mir hin. wundersüße Güte, Die alle Angst und alle Noth verschlingt Und unsern Geist zur sanften Ruhe bringt. 4. Je mehr das Herz sich zu dem Vater kehret, Je mehr es Kraft und Seligkeit genießt, Daß es dabei der Eitelkeit vergißt, Die sonst den Geist gedämpfet und beschweret; Je 266 XVI. Heilsordnung. auf deine Gnade bauen! Kein Fehler sey so groß und schwer in mir, Der mir die Thür verschlösse, Herr, zu dir! mehr das Herz des Vaters| nem Lichte seh Und könne ganz Liebe schmeckt, Je mehr wird es zur Heiligung erweckt. 5. Wenn sich in mir des Herren Klarheit spiegelt Und seines Angesichtes milder Schein, Dann wird das neue Leben recht gedeihn; Der Weisheit Tiefen werden mir entsiegelt; Es wird mein Herz in Gottes Bild verklärt, Und alle Kraft der Sünde abgewehrt. 8. Wenn meine Schuld vor dir mich niederschläget Und deinen Geist der Kindschaft in mir dämpft; Wenn das Geset mit meinem Glauben kämpft Und lauter Angst und Furcht in mir erreget, So laß mich doch dein treues Herz noch sehn, Und neue Kraft und Zuversicht erstehn. 6. Was dem Gesez unmöglich war zu geben, Das bringt alsdann die Gnade selbst herfür: Sie wirket Lust zur Heiligkeit in mir Und ändert nach und nach mein ganzes Leben, Indem sie mich aus Kraft in Kräfte führt Und mit Geduld und Langmuth mich regiert. 7. Es müsse doch mein Herz nur Christum schauen! Besuche mich, du Aufgang aus der Höh, Daß ich das Licht in dei9. So ruh ich nun, mein Heil, in deinen Armen, Du selbst sollst mir mein ewger Friede seyn! Ich hülle mich in deine Gnade ein, Mein Element ist einzig dein Erbarmen; Und weil du selbst mir Eins und Alles bist, So ists genug, wenn dich mein Geist genießt! Richter, g. 1676 † 1711. Mel. Wer nur den lieben.( 1 Tim. 1, 13: c.) 335. Mir ist Erbarmung| durchs Blut des Sohns mich widerfahren, Erbarmung, deren ich nicht werth; Das zähl ich zu dem Wunderbaren, Mein stolzes Herz hats nie begehrt. Nun weiß ich das und bin erfreut Und rühme die Barmherzigkeit! rein. Warum? ich war ja Gottes Feind! Erbarmung hats so treu gemeint! 3. Das muß ich dir, mein Gott, bekennen, Das rühm ich, wenn ein Mensch mich fragt; Ich kann es nur Erbarmung nennen, So ist mein ganzes Herz gesagt. Ich beuge mich und bin erfreut Und rühme die Barmherzigkeit. 2. Ich hatte Gottes Zorn verdienet, Und soll bei Gott in Gnaden seyn; Er hat mich mit sich selbst verfühnet Und macht 4. Dieß laff' ich kein Geschöpf - C. Göttlicher Friede. 267 Erbarmen, Nimm dein Erbarmen nicht von mir Und führe durch den Tod mich Armen, Durch meines Heilands Tod zu dir; Da bin ich ewig hoch erfreut Und rühme die Barmherzigkeit! Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. ( Rom. 8, 32.3 Mel. Mein Heiland nimmt. 336. Beschränkt, ihr Wei- Leiden, Kreuz und Grab, Auch sen dieser Welt, Die Freund schaft immer auf die Gleichen Und leugnet, daß sich Gott gefellt Mit denen, die ihn nicht erreichen; Ist Gott schon Alles, und ich nichts, Ich Schatten, er der Quell des Lichts, Ich Erd und Staub, er hoch erhaben, Ich arm, er reich an allen Gaben, Ich fündevoll, und er ganz rein: Mein Freund ist mein und ich bin sein! seine Herrlichkeit und Krone. Ja, was er redet, hat und thut, Sein Wort und Geist, sein Fleisch und Blut, Was er erbeten und gelitten, Was er gewonnen und erstritten, Das alles soll mein eigen seyn: Mein Freund ist mein und ich bin sein! - 2. Mein gütiger Immanuel, Mein Mittler wußte Rath zu finden, Sich meiner hochbedrängten Seel, Die ihn herabzog, zu verbinden, Er, dem ich nichts vergelten kann, Sah dennoch meinen Mangel an;, Er kommt vom Himmel auf die Erde, Daß er mein Freund und Bruder werde, Ein Mensch wie ich, mein Fleisch und Bein: Mein Freund ist mein und ich bin sein! mir rauben, Dieß soll mein einzig Rühmen seyn; Auf dieß Erbarmen will ich glauben, Auf dieses bet ich auch allein, Auf dieses duld ich in der Noth, Auf dieses hoff ich noch im Tod. 5. Gott, der du reich bist an 3. Gott, welcher seinen Sohn mir gab, Gewährt mir alles mit dem Sohne, Nicht nur sein 4. Ich finde Segen, Heil und Ehr Beiunsrem Bund auf seinem Pfade; Er heischet von mir sonst nichts mehr Als Glauben, und ich nichts als Gnade. O wohl der Wahl, die dieß gefügt! Sie reut mich nie, ich bin vergnügt In ihm, der mich erwählt zum Frieden; Drum bleibts bei beiden ungeschieden Ein Herz und Mund, ein Ja und Nein! Mein Freund ist mein und ich bin sein! 5. Zwar kann er aller Christen Muth Mit seiner Liebe sattsam waiden; Wir dürfen um das höchste Gut Nicht eifern, noch einander neiden, Durch unsern größesten Genuß Erschöpft sich 268 XVI. Heilsordnung. nicht sein Ueberfluß. Drum will| tränkt und speist, Bis er dort ich ihn zwar keinem leugnen, Doch mir vor allen andern eignen; Welt, zank dich um das mein und dein;- Mein Freund ist mein und ich bin sein! beide ewig tröste. Sein ist mein Denken, Muthund Sinn, Sein ist, was ich vermag und bin; Ja was ich in und an mir habe, Ist alles seine Gnadengabe, Die macht mich auch vom Undank rein; Mein Freund ist mein und ich bin sein! 6. Mein Freund ist meiner Seele Geist, Mein Freund ist meines Lebens Leben; Nach ihm, der mich sein eigen heißt Und sonst nach keinem will ich streben, Dem ich mich, der sich mir ergibt, Den ich, und der mich wieder liebt, Von dem ich nichts mehr kann begehren, Der mir nichts beßres kann gewähren. Dieß Licht verdunkelt jeden Schein:- Mein Freund ist mein und ich bin sein! 9. Sein ist mein Glück und meine Zeit, Sein ist mein Sterben und mein Leben, zu seinem Ehrendienst geweiht, Von ihm bestimmt und ihm ergeben. Es fommet, was ich lass' und thu, Von ihm her und ihm wieder zu. Sein sind auch alle meine Schmerzen, Die er so zärtlich nimmt zu Herzen, Er fühlt und endet meine Pein; Mein Freund ist mein und ich bin sein! 7. Ohn' ihn ist mir der Himmel trüb, Die Hölle finde ich auf Erden; Hingegen machet seine Lieb, Daß Wüsten mir ein Eden werden. Ohn' ihn ist mir trop aller Meng' Die Zeit zu lang, die Welt zu eng; Ich bin, wenn Feind' und Freunde fliehen, Wenn sich die Engel selbst entziehen, Zwar einsam, aber nicht allein: Mein Freund ist mein und ich bin sein! 10. Nunzürn und stürmejeder Feind; Er hoffe nicht, daß ich erstaune. Der Nichter selber ist mein Freund, Drum schreckt mich nicht die Weltposaune. Ob Erd und Himmel bricht und kracht, Ob Leib und Seele mir verschmacht't, Ob mein Gebeine muß verwesen, So ist als Wahlspruch doch zu lesen Nur dieß auf meines Grabes Stein: Mein Freund ist mein und ich bin sein!" 8. Sein ist mein Leib, sein ist mein Geist, Die er mit seinem Blut erlöste, Die er beschirmet, Wegleiter, g. 1659 † 1706. Mel. Sieh, hier bin ich. ( Apostelgesch. 10, 36.) 337. Die Beschwerden Die-| merzu; Und im Streiten Dieser ser Erden Häufen sich noch im Zeiten Hat man nirgends wah C. Göttlicher Friede. 269 re Ruh. Wo ist Friede Für 4. Uns bekriegen Haß und uns Müde? Du bists, treuer Jesu, du! Lügen Zwar von außen in der Welt: Doch von innen Kanns gewinnen, Wer Geund Glauben hält; duld Nichts heißt Schade, Wenn nur Gnade Unser Herz zufrieden stellt. 5. O Erlöser! Noch viel gröBer Ist der Friede jener Stadt; Da sind Psalmen, Da sind Palmen, Die ein leberwinder hat: Nimm mich Müden Hin in Frieden; Dort wird niemand lebensfatt! 2. Sünden schmerzen Oft im Herzen, Und kein Fried ist im Gebein; Unverbunden Sind die Wunden; Jesu, dein Blut heilt allein; Dein Verfühnen Macht uns grünen, Du mußt unser Friede seyn! 3. In der Eile Fahren Pfeile Oft vom Argen auf uns dar. Jesus schüßet, Glaube nüzet Als ein Schild uns in Gefahr; So wird Frieden Uns beschieden, Weil der Heiland Sieger war. Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Eigene Mel.( Apostelg. 24, 16. 1 Theff. 5, 23.) diese stürzt ich mich hinein! 338. Besiz ich nur Ein| Mit mir umherzutragen, In ruhiges Gewissen, So ist für mich, Wenn andre zagen müssen, Nichts schreckliches in der Natur. 6. Laß auch die Pflicht, Dich selber zu bestegen, Die schwerste seyn; Sie ists; doch welch Vergnügen Wird sie nach der Vollbringung nicht! 7. Welch Glück, zu sich Mit Wahrheit sagen können: Ich fühlt in mir Des Bösen Luft entbrennen, Doch, Dank sey Gott, er schützte mich! 8. Und welch Gericht, Selbst zu sich sagen müssen: Ich konnte mir Den Weg zum Fall verschließen, Und doch verschloß ich mir ihn nicht! 9. Was kann im Glück Den Werth des Glücks erhöhen? Ein ruhig Herz Versüßt im Wohlergehen Dir jeden frohen Augenblick. 2. Dieß sey mein Theil, Dieß soll mir niemand rauben! Ein reines Herz Von ungefärbtem Glauben, Der Friede Gottes nur ist Heil. 3. Welch ein Gewinn, Wenn meine Sünde schweiget; Wenn Gottes Geist In meinem Geiste zeuget, Daß ich sein Kind und Erbe bin! 4. Und diese Ruh, Den Trost in unsrem Leben Sollt ich für Lust, Für Luft der Sinne geben? Dieß ließe Gottes Geist nicht zu! 5. In jene Pein: Mich selber zu verflagen. Der Sünde Fluch XVI. Heilsordnung. 270 10. Was kann im Schmerz Den Schmerz der Leiden stillen, Im schwersten Kreuz Mit Freuden dich erfüllen? Ein in dem Herrn zufriednes Herz. 11. Was gibt dir Muth, Die Güter zu verachten, Wonach mit Angst Die niedern Seelen schmachten? Ein ruhig Herz, dieß größre Gut! 12. Im Herzen rein Hinauf zum Himmel schauen Und sagen: Gott, Du Gott, bist mein Vertrauen! Welch Glück, o Mensch, kann größer seyn. 13. Sieh, alles weicht, Bald wirst du sterben müssen; Was wird alsdann Dir deinen Tod versüßen? Ein gut Gewissen macht ihn leicht! 14. Heil dir, o Christ, Der diese Ruh empfindet Und der sein Glück Aufdas Bewußtseyn gründet: Daß nichts verdammlichs an ihm ist. 15. ,, Laß Erd und Welt," So kann der Fromme sprechen, Laß unter mir Den Bau der Erde brechen: Gott ist es, dessen Hand mich hält!" Gellert, g. 1715 † 1769. Eigene Mel.( Joh. 10, 11. 27: c.) 339. Wie wohl ist mir, o Freund der Seele, Wenn ich in deiner Liebe ruh! Ich steig aus dunkler Schwermuthshöhle Und eile deinen Armen zu; Da muß die Nacht des Trauerns scheiden, Wenn mit der Fülle selger Freuden Die Liebe strahlt aus deiner Brust. Hier ist mein Himmel schon auf Erden! Dem muß ja volle Gnüge werden, Der in dir suchet Ruh und Lust. 2. Die Welt mag fich mir feindlich zeigen, Es sey also; ich acht' es nicht. Will sie sich freundlich zu mir neigen, Ich flieh ihr trügend Angesicht. In dir vergnügt sich meine Seele, Du bist mein Freund, den ich erwähle, Du bleibst mein Freund, wenn Freundschaft weicht; Der Welt Haß kann mich doch nicht fällen, Weil in den stärksten Trübfalswellen Mir deine Treu den Anker reicht. 3. Will mich die Last der Sünden drücken, Blitzt auf mich des Gesetzes Weh, So eil ich, Herr, auf dich zu blicken, Und steige gläubig in die Höh; Ich fliehe, Herr, zu deinen Wunden, Da hab ich schonden Ort gefunden, Wo mich kein Fluchstrahl treffen kann. Tritt alles wider mich zusammen, Du bist mein Heil, wer will verdammen? Die liebe nimmt sich meiner an! 4. Lenkst du durch Wüsten meine Reise, Ich folg und lehne mich auf dich; Du gibst C. Göttlicher Friede. 271 mir aus den Wolken Speise| scheinen; Ich seh ihn an mit Und tränkest aus dem Felsen mich. Ich traue deinen Wunderwegen, Sie enden sich in Lieb und Segen; Genug, wenn ich dich bei mir hab! Ich weiß: wen du willst herrlich zieren Und über Sonn und Sterne führen, Den führest du zuvor hinab. frohem Muth; Denn du, mein Leben, läsfest feinen, Deß Herz und Leben in dir ruht. Wie kann des Weges Ziel mich schrecken, Da aus der Nacht, die mich wird decken, Ich eingeh in die Sicherheit? Meinlicht, so will ich denn mit Freuden Aus dieser finstern Wildnißscheiden Zur Ruhe deiner Ewigkeit. 5. Der Tod mag andern düster Deßler, g. 1660 † 1722. Mel. Aus Gnaden foll ich.( 1 Joh. 5, 18. Pf. 119, 165: c.) 340. Wer, o mein Gott,| Stärke, Und deinen Geist der aus dir geboren, Ein neues Herz von dir empfängt, Und dir zum Eigenthum erkoren, Der Sünd entsagt und göttlich denkt Und göttlich lebt, wie selig ist Dein Kind, dein Eigenthum, der Christ! Heiligung zu einem jeden guten Werke, Im Leiden Trost und Linderung, Und selbst in seiner Prüfungszeit Den Vorschmack jener Herrlichkeit. 2. Befreit aus seinen Finsternissen Und von der Sünde Sclaverei, Begnadigt, ruhig im Gewissen, Vom Fluche des Gefeßes frei, Sieht er in dir, mit dir vereint, Den Vater und den besten Freund. 3. Er darf, o Gott, von dir verlangen, Was ihm dein eigner Sohn erwarb; Er wird es auch von dir empfangen, Weil Jesus ihm zum Heile starb: Licht, wo ers braucht, und Muth und Kraft Zum Kampfe seiner Pilgerschaft; 4. Zum sichern Siege deine 5. Bereit zu helfen und zu trösten, Lenkst du mit väterlicher Huld, Was nur geschieht, zu seinem Besten Und hast, wenn er auch fehlt, Geduld, Hilfst gern von seinem Fall ihm auf Und förderst seinen Tugendlauf. 6. Er wandelt gern auf deinen Wegen, Liebt alle Menschen brüderlich; Was er nur thut, wird Heil und Segen, Auch freut er deines Beifalls fich. Mag doch der Sünder ihn verschmähn; Er wird von dir, o Gott, gesehn. 7. Versichert, daß er selig werde, Zufrieden hier mit sei XVI. Heilsordnung. 272 nem Loos, Ist für die eitle Lust der Erde Zu selig er, zu reich, zu groß, Und seine Wünsche, Gott, begrenzt Kein Glück der Welt, so sehr es glänzt. 8. Er sieht den Tod von ferne kommen Und zittert nicht, er ist sein Freund; Von dir zum Erben angenommen, Frohlockt er, wenn der Tod erscheint. Er Mel. Wie groß ist.( 2 Cor. 1, 21 2c.) 341. Wie mächtig spricht| in meiner Seele, Herr, deine Stimme voller Huld! Du siehst erbarmend, wenn ich fehle, Trägst mich als Vater mit Geduld; Gibst deinen Geist, mich zu regieren, Sprichst meinem Herzen freundlich zu, Wirst niemals müde, mich zu führen, So viel ich falsche Tritte thu. 2. Erhalter deiner Kreaturen! Liebreicher Gott der ganzen Welt, Die deiner Güte reiche Spuren In jedem Sonnenstaub enthält! Mein Herz denkt nimmer so vermessen, Daß es dir, Vater, troßen kann; Undankbar soll es nie vergessen, Was du zu seinem Heil gethan! endet fröhlich seinen Lauf Und schwinget sich zu dir hinauf. 9. Wie selig, wer, aus dir geboren, Ein neues Herz von dir empfängt, Und dir zum Eigenthum erkoren, Der Sünd entsagt und göttlich denkt Und göttlich lebt, wie selig ist Dein Kind, dein Eigenthum, der Chrift! Cramer, g. 1723 † 1788. 3. Verfündigt' ich mich wohl mit Willen An meinem Vater, der vergibt? Der mir Gebote zu erfüllen Gegeben hat, weil er mich liebt? Der die Erfüllung kleinster Pflichten Als eine Wohlthat mir vergilt, Und statt mit Strenge mich zu richten, Mein Herz mit Trost und Freud erfüllt? 4. Sein Dienst ist Leben meiner Seele, Gehorsam meine Seligkeit. Ich weine kindlich, wenn ich fehle, Vor ihm, dem Vater, der verzeiht. Ich fühle jede meiner Sünden, Die weder Mensch noch Engel büßt: Wie selig kann ichs dann empfinden: Daß Christus mein Erlöser ist! 5. Den majestätischen Gedanken Gäb ich für alle Welten nicht! Er bleibet wahr, die Thronen wanken; Er bleibet fest, die Welt zerbricht. Es mögen fündigen und zittern, Die Kinder des Verderbens sind! Gott wird der Erde Grund erschüttern. Ich bebe nicht, ich bin sein Kind! Krüger, † 1750. C. Göttlicher Friede. Mel. Wie schön leucht't.( 2 Cor. 5, 14. 15 und 17.) 342. Es ist Etwas, des Heilands seyn, Ich dein, o Jesu, und du mein!" In Wahrheit sagen können; Ihn seinen Bürgen, Herrn und Ruhm, Und sich sein Erb und Eigenthum Ohn' allen Zweifel nennen. Selig, Fröhlich Sind die Seelen, Die erwählen, Ohn' Bedenken Ihrem Jesu sich zu schenken! 273 4. Schau, armer Mensch! zu diesem Glück Ruft dein Erlöser dich zurück Von jenem Grundverderben; Er kam deßwegen in die Welt Und gab für dich das Lösegeld Durch Leiden und durch Sterben. Laß dich Willig Doch umarmen! Sein Erbarmen, Schmach und Leiden Sind ein Meer der Seligkeiten! 5. Von Stund an kann ich nicht mehr mein, Der Welt und ihrer Lüste seyn, Die mich bisher gebunden! Mein Herr, den ich so sehr betrübt, Der aber mich viel mehr geliebt, Der hat 2. Schau an die Welt mit ihrer Lust Und alle, die an ihrer Brust In heißer Liebe liegen! Sie essen, und sind doch nicht fatt, Sie trinken, und das Herz bleibt matt, Denn es ist lauter Trügen. Träume, Schäu- mich überwunden. Nimm mich me, Stich' im Herzen, Höllen- Gänzlich, Herr, schon heute schmerzen, Ewges Quälen Ist Dir zur Beute Und zum Lohne die Lust betrogner Seelen. Deiner blutgen Dornenkrone! 6. Ach mach mich von mir selber frei und stehe mir in Gnaden bei; Stärk meinen schwachen Willen Durch deines werthen Geistes Kraft, zu üben gute Ritterschaft, Den Vorsatz zu erfüllen; Bis ich Endlich, Schön geschmücker Und entrücket Allem Leiden, Bei dir darf in Salem waiden! 3. Ganz anders ists, bei Jefu seyn, Mit seinen Heerden aus und ein Auf seinen Matten gehen! Auf diesen Auen ist die Lust, Die Gottesmenschen nur bewußt, Im Ueberfluß zu sehen: Hülle, Fülle Neiner Triebe, Süßer Liebe, Fried und Leben, Stärke, Licht und viel Vergeben! Dr. Joh. Chr. Stort, g. 1712 t 1775. Mel, Jesu! hilf slegen.( Rom. 8. 28-39.) 343. Christen erwarten in| ten in Stürmen und tobenden allerlei Fällen Jesum mit sei- Wellen Führt er das Schiff ner allmächtigen Hand; Mit ihres Glaubens ans Land. Evangelisches Gesangbuch. 18 274 XVI. Heilsordnung. Wenn sie die Nächte der Trüb-| Höchsten und meide die Sorsal bedecken, Kann doch ihr gen! Grauen sie wenig erschrecken. 2. Jauchzen die Feinde zur Rechten und Linken, Drohet und hauet ihr blinkendes Schwert, Lassen doch Christen die Häupter nicht sinken, Denen sich Jesus im Herzen verklärt; Wüthen die Feinde mit Schnauben und Toben, Schauen sie dennoch voll Trostes nach oben. 6. Gutes und alle erbetenen Gaben Folgen dir, bis man dich leget ins Grab; Ja du wirst selber den Himmel noch haben! Ei warum sagst du den Sorgen nicht ab? Werde doch in dir recht ruhig und stille, Das ist des Vaters, des Ewigen Wille. 7. Freue dich, wenn du statt freundlichen Blicken Mancherlei Jammer erduldest und Noth! Wisse, was Gott will erhöhn und erquicken, Muß erst mit Jesu durch Trübsal und Tod. Willst du mitleben, so mußt du mitsterben; Anders kann keiner den Himmel ererben! 3. Geben die Felder den Samen nicht wieder, Bringen die Gärten und Fluren nichts ein; Schlagen die Schlossen die Früchte danieder, Brennen die Berge vom hißigen Schein, Kann doch ihr Herze den Frieden erhalten, Weil es den Schöpfer in allem läßt walten. 4. Viele verzehren in ängstlichen Sorgen Kräfte, Gesundheit und Kürze der Zeit, Da doch im Rathe des Höchsten verborgen, Wann und wo jedem sein Ende bereit. Sind es nicht alles vergebliche Schmerzen, Die ihr euch machet, ihr thörichten Herzen? 5. Zweifel und Sorgen verderben die Frommen; Glauben und Hoffen bringt Ehre bei Gott. Seele, verlangst du, zur Ruhe zu kommen, Hoffe, der Angst und dem Zweifel zum Spott! Ob auch die göttliche Hilfe verborgen, Traue dem 8. Völlige Wonne, verklärete Freude, Himmlische Güter. undenkliches Heil Werden dir dort auf der ewigen Waide Unter den Engeln und Menschen zu Theil, Wenn in der Herrlichkeit Christus wird kommen, Um sich zu sammeln die Heerde der Frommen. 9. Seine allwirksame Stärke beweiset In den Unmächtigen mächtige Kraft; Dann wird alleinig sein Name gepreiset, Wenn er den Zagenden Freudigkeit schafft. Jesu! gib, daß ich dem Vater vertraue, Wenn ich die Hilfe nicht sichtbarlich schane. Edeling † 1742 C. Göttlicher Friede. Eigene Mel.( Col. 3, 1-4. 2 Cor. 6, 4-10. 13, 4. Pf. 45.) 344. Es glänzet der Chri-| gezeugt, Ein Funken, entzünsten inwendiges Leben, Obgleich sie die Hitze des Tages verbrannt; Was ihnen der König des Himmels gegeben, Ist keinem, als ihnen nur selber bekannt; Was niemand verspüret, Was niemand berühret, Hat ihre erleuchtete Sinnen gezieret Und sie zu der göttlichen Würde geführet. det von göttlicher Flamme, Ein Leben, von oben her freundlich gesäugt; Die Engel find Brüder, Die ihre Loblieder Mit ihnen holdselig und inniglich singen, Das muß dann gar herrlich und prächtig erklingen! 2. Sie scheinen von außen oft arm und geringe, Verschmäht von den Hohen, verlacht von der Welt; Doch innerlich sind fie voll herrlicher Dinge, Der Zierath, die Krone, die Jesu gefällt; Das Wunder der Zeiten, Die hier sich bereiten, Dem König, der unter den Lilien waidet, zu dienen, mit heiligem Schmucke bekleidet. 3. Sonst sind sie wohl Adams natürliche Kinder Und tragen das Bildniß des Irdischen auch: Sie leiden am Fleische, wie andere Sünder, Sie essen und trinken nach nöthigem Brauch; In leiblichen Sachen, Im Schlafen und Wachen, Sieht man sie vor andern nichts sonderlichs machen,- Nur daß fie die Thorheit der Weltlust verlachen. - 275 ( 1 Cor. 15, 49.) 4. Doch innerlich sind sie aus göttlichem Stamme, Die Gott durch sein mächtig Wort selber 5. Sie wandeln auf Erden, und leben im Himmel; Sie bleiben unmächtig, und schüßen die Welt; Sie schmecken den Frieden bei allem Getümmel, Sie haben, die Aermsten, was ihnen gefällt. Sie stehen in Leiden, und bleiben in Freuden; Sie scheinen ertödtet den leiblichen Sinnen, Und führen das Leben des Glaubens von innen. 6. Wann Christus, ihr Leben, wird offenbar werden, Wann er sich einst dar in der Herrlichkeit stellt, So werden sie mit ihm als Fürsten der Erden Auch herrlich erscheinen zum Wunder der Welt. Sie werden regieren, Mit ihm triumphiren, Den Himmel als prächtige Lichter auszieren; Da wird man die Freude gar offenbar spüren. ( 2 Tim. 2, 11 xc.). 7. Frohlocke, du Erde, und jauchzet, ihr Hügel, Dieweil du den göttlichen Samen geneuß'st; Denn das ist des Ewi XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 276 gen göttliches Siegel, Zum Zeugniß, daß er dir noch Segen verheißt; Du sollst noch mit ihnen Aufs prächtigste grünen, Wann erst ihr verbor- stellt! Hier übel genennet genes Leben erscheinet, Wo- Und wenig erkennet, Hier nach sich dein Seufzen mit ih- heimlich mit Christo im Vater nen vereinet. gelebet, Dort öffentlich mit ihm im Himmel geschwebet! 8. O Jesu, du inneres Leben der Seelen, Du heilige Zierde, Nach Richter. XVII. Christlicher Sinn und Wandel. A. Liebe zu Gott und Christus. Mel. Jefu, meine Freude.( Pf. 73, 23-26. Jaf. 4, 8.) 345. Allgenugsam Wesen, Das ich hab erlesen Mir zum höchsten Gut! Du vergnügst alleine Völlig, innig, reine, Seele, Geist und Muth. Wer dich hat, Ist still und satt; Wer dir kann im Geist anhangen, Darf nichts mehr verlangen. 2. Wem du dich gegeben, Kann im Frieden leben, Er hat, was er will. Wer im Herzensgrunde Lebt mit dir im Bunde, Liebet und ist still. Bist du da, Uns innig nah, Muß das Schönste bald erbleichen, Und das Beste weichen. verhüllt vor der Welt, Laß deinen verborgenen Weg uns erwählen, Wenn gleich uns die Bürde des Kreuzes ent3. Höchstes Gut der Güter, Ruhe der Gemüther, Trost in aller Pein! Was Geschöpfe haben, Kann den Geist nicht laben, Du vergnügst allein. Was ich mehr Als dich begehr, Kann mein Seligseyn nur hindern Und den Frieden mindern. 4. Was genannt mag werden Droben und auf Erden, Alles reicht nicht zu. Einer nur kann geben Freude, Trost und Leben, Eins ist noth: nur du! Hab ich dich Nur wesentlich, So mag Seel und Leib verschmachten, Ich wills doch nicht achten. 5. Komm, du selges Wesen, Das ich mir erlesen, Werd mir offenbar! Meinen Hunger stille, Meinen Grund erfülle Mit dir selber gar! Ich bin dein, Sey du auch mein, Bis du wirst in jenem Leben Dich mir völlig geben. Tersteegen, g. 1697+ 1769. A. Liebe zu Gott und Christus. Eigene Mel.( Pf. 18, 2. 3.) 346. Herzlich lieb hab ich dich, o Herr! Ich bitte: sey von mir nicht fern Mit deiner Hilf und Gaben! Die ganze Welt erfreut mich nicht, Nach Erd und Himmel frag ich nicht, Wenn ich nur dich kann haben; Und wenn mir gleich mein Herz zerbricht, Bist du doch meine 3. Ach Herr! laß einst die Zuversicht, MeinTrost und mei- Engel dein Am letzten End die nes Herzens Theil, Deß Blut erworben mir das Heil. Herr Jesu Christ, mein Gott und Herr, Mein Gott und Herr, In Schanden laß mich nimmermehr! Seele mein In Abrahams Schoos tragen; Den Leib in seinem Kämmerlein Gar sanft ohn' alle Qual und Pein Ruhn bis am jüngsten Tage. Alsdann vom Tod erwecke mich, Daß meine Augen sehen dich In aller Freud, o Gottes Sohn, Mein Heiland auf dem Himmelsthron! Herr Jesu Christ, erhöre mich, Erhöre mich! Ich will dich preifen ewiglich! Schalling, g. 1532 † 1608. 277 2. Es ist ja dein Geschenk und Gab: Mein Leib und Seel, und was ich hab In diesem armen Leben; Damit ichs brauch zum Lobe dein, Zum Nuß und Dienst des Nächsten mein, Wollst du mir Gnade geben. Behüt mich, Herr, vor falscher Lehr, Des Satans Mord und Lügen wehr; In allem Kreuz erhalte mich, Auf daß ichs trag geduldiglich. Herr Jesu Christ, mein Herr und Gott, Mein Herr und Gott, Tröst meine Seel in Todesnoth! Eigene Mel.( Offenb. 22, 16. 17.) 347. Wie schön leucht't uns| kein Lob erreicht, Vom Vater der Morgenstern, Voll Gnad und Wahrheit von dem Herrn Uns herrlich aufgegangen! O guter Hirte, Davids Sohn, Mein König auf dem Himmelsthron, Du hast mein Herz umfangen; Lieblich, Freundlich, Schön und prächtig, Groß und mächtig, Reich an Gaben, Hoch und wundervoll erhaben! 2. O Kleinod, dem kein Kleinod gleicht, Sohn Gottes, den uns gegeben! Mein Herz zerfließt in deinem Ruhm; Dein süßes Evangelium Ist lauter Geist und Leben. Dich, dich Will ich Ewig fassen, Nimmer laffen; Brod des Lebens, Dein begehr ich nicht vergebens. 3. Geuß sehr tief in mein Herz hinein, Du Gotteslicht und Himmelsschein, Die Flamme deiner Liebe Und stärk mich, daß ich ewig bleib. O 278 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. Herr, ein Glied an deinem Leib| lisch Leben Wird er geben In frischem Lebenstriebe! Nach Mir dortoben; Ewig soll mein dir Wallt mir Mein Gemüthe, Herz ihn loben. Ewge Güte, Bis es findet Dich, deß Liebe mich entzündet. 4. Von Gott kommt mir ein Freudenlicht, Wenn mich dein heilig Angesicht Mit Freundlichkeit anblicket. O Herr Jesu, mein trautes Gut! Dein Wort, dein Geist, dein Leib und Blut Mich innerlich erquicket. Nun ich Bitt dich: Blick mich Armen Voll Erbarmen An mit Gnaden; Auf dein Wort komm ich geladen. 6. Spielt unfrem Gott mit Saitenklang Und laßt den süßesten Gesang Ganz freudenreich erschallen! Ich will mit meinem Jesu hent Und morgen und in Ewigkeit In steter Liebe wallen! Singet, Klinget, Jubiliret, Triumphiret! Dankt dem Herren, Ihm, dem König aller Ehren! 5. Herr Gott, Vater, du starker Held! Du hast mich ewig vor der Welt In deinem Sohn geliebet; Dein Sohn hat sich mit mir vertraut, Mein Herz auf ihn mit Freuden schaut, In dem mich nichts betrübet. Preis dir, Heil mir! Himm7. Wie freu ich mich, Herr Jesu Christ, Daß du der erst' und legte bist, Der Anfang und das Ende! Du, der sein Leben für mich ließ, Nimmst mich einst in dein Paradies; Drauf faff' ich deine Hände. Amen, Amen! Komm, o Sonne, Meine Wonne, Bleib nicht lange, Daß ich ewig dich umfange! Nach Phil. Nicolai, g. 1554+ 1608. Mel. 3euch mich, zeuch mich.( 1 Joh. 4, 19 und 16.) 348. Liebe, die du mich zum Bilde Deiner Gottheit haft gemacht; Liebe, die du mich so milde Nach dem Fall hast wiederbracht, Liebe, dir ergeb ich mich, Dein zu bleiben ewiglich! 2. Liebe, die du mich erkoren, Eh als ich geschaffen war; Liebe, die du Mensch geboren Und mir gleich wardst ganz und gar, Liebe, dir ergeb ich mich, Dein zu bleiben ewiglich! 3. Liebe, die für mich gelitten Und gestorben in der Zeit; Liebe, die mir hat erstritten Ewge Luft und Seligkeit, Liebe, dir ergeb ich mich, Dein zu bleiben ewiglich! 4. Liebe, die du Kraft und Leben, Licht und Wahrheit, Geist und Wort; Liebe, die sich dar A. Liebe zu Gott und Christus. 279 gegeben Mir zum Heil und bet, Die für meine Seele litt; Seelenhort, Liebe, dir ergeb ich mich, Dein zu bleiben ewiglich! Liebe, die das Lösgeld gibet und mich kräftiglich vertritt, Liebe, dir ergeb ich mich, Dein zu bleiben ewiglich! 7. Liebe, die mich wird entrücken Aus dem Grab der 5. Liebe, die mich hat gebunden An ihr Joch mit Leib und Sinn; Liebe, die mich überwunden Und mein Herz hat Sterblichkeit; Liebe, die mich ganz dahin, Liebe, dir ergebeinst wird schmücken Mit dem ich mich, Dein zu bleiben Laub der Herrlichkeit, Liebe, ewiglich! dir ergeb ich mich, Dein zu bleiben ewiglich! 6. Liebe, die mich ewig lieAngelus Silesius, g. 1624 † 1677. ( Jer. 31, 3. Joh. 14, 15.) sehen, fühlen, hören, Lieben, ehren, Als deine Lieb und dich, Der du sie kannst vermehren. Mel. Ich ruf zu dir. 349. O Jesu Christ, mein schönstes Licht, Der du in deiner Seelen So hoch mich liebst, daß ich es nicht Aussprechen kann noch zählen, Gib, daß mein Herz dich wiederum Mit Lieben und Verlangen Mög umfangen, Und als dein Eigenthum Nur einzig an dir hangen. 2. Gib, daß sonst nichts in meiner Seel Als deine Liebe wohne; Gib, daß ich deine Lieb erwähl Als meine Lust und Krone. Stoß alles aus, nimm alles hin, Was mich und dich will trennen Und nicht gönnen, Daß mein Herz, Muth und Sinn In deiner Liebe brennen. 3. Wie freundlich, selig, süß und schön Ist, Jesu, deine Liebe! Wenn diese steht, kann nichts entstehn, Das meinen Geist betrübe. Drum laß nichts anders denken mich, Nichts 4. O daß ich wie ein kleines Kind Mit Weinen dir nachgienge, Solange, bis deinTrost gelind Mit Armen mich umfienge, Und deine Seel mir im Gemüth Mit voller, süßer Liebe Sich erhübe, Und also deiner Güt' Ich stets vereinigt bliebe! 5. Du bist allein die rechte Ruh, In dir ist Fried und Freude; Drum, Jesu, gib, daß immerzu Mein Herz in dir sich waide! Sey meine Flamm und brenn in mir, Mein Balsam, wollest eilen, Lindern, heilen Den Schmerzen, der mich hier Mit Seufzen lässet weilen. 6. Ach Jesu, wenn du mir entweichst, Was hilft mirs, 280 XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. ren, Und wo ich etwan irre geh, Mich bald zurechte führen. Laß sie mich allzeit guten Rath Und reine Werke lehren; Steuern, wehren Der Sünd, und nach der That Bald wieder mich bekehren. 9. Dein Lieben sey mir Freud in Leid, In Schwachheit mein Vermögen; Und wenn ich nach vollbrachter Zeit Mich soll zur Ruhe legen, Alsdann laß deine Liebestreu, Herr Jesu, mir beistehen, Luft zuwehen, Daß ich getroft und frei Mög dein Reich eingehen! Gerhard, g. 1606+ 1676. Mel. Aus Gnaden soll.( 1 Joh. 4, 19 und 10.) 350. Wie sollt ich meinen| Und ewig durch sich selbst er= Gott nicht lieben, Der seinen eignen Sohn mir gibt? Sollt ich nicht innig mich betrüben, Daß ihn mein Herz nicht stärker liebt? Was bringt mehr Wonn, als diese Pflicht? Wie groß ist Gottes Liebe nicht! freun, Er kanns weit über allen Schmerz Erheben, gib, gib ihm dein Herz! 4. Bei ihm ist Seligkeit die Fülle, Und die, die er nur geben kann, Beut dir sein väterlicher Wille So gnadenvoll, so freundlich an. O welch ein Gott! wie väterlich, Mit welchem Eifer liebt er dich! 2. Er hat von Ewigkeit beschlossen, Mein Vater und mein Heil zu seyn; Und noch ist mir kein Tag verflossen, Der mirs nicht sagte: Gott ist dein! Er ist so väterlich gesinnt, Gib ihm dein Herz und sey fein Kind! 5. Ja, ja, ich seh es, ich empfinde Die Größe deiner Huld, o Gott! Denn du errettest von der Sünde Mich selbst durch deines Sohnes Tod; Ich war vor deinem Angesicht Ein Greul, und du verwarfst mich nicht! 6. Du riefft, ich gieng dir nicht seyn geboren? Wenn du mir beine Lieb entzeuchst, Ist all mein Gut verloren. So gib, daß ich dich ohne Rast Wohl such und bestermaßen Möge fassen, Und wenn ich dich gefaßt, In Ewigkeit nicht lassen. 7. Du hast mich je und je geliebt und mich zu dir gezogen; Eh ich noch etwas Guts geübt, Warst du mir schon gewogen. Ach laß doch ferner, edler Hort, Mich diese Liebe leiten Und begleiten, Daß fie mir immerfort Beisteh auf allen Seiten. 8. Laß meinen Stand, darin ich steh, Herr, deine Liebe zie-| 3. Gib ihm dein Herz! wer fanns beglücken? Wer selig machen? er allein; Nur er kanns heiligen und schmücken A. Liebe zu Gott und Christus. 281 entgegen, Du aber nahtest dich| dir gefällig ist; Verhaßt sey zu mir mit deiner Huld, mit jede Sünde mir, Denn Sünde deinem Segen Und zogst mich ist ein Greul vor dir. väterlich zu dir. Wer gleicht an Liebe dir? wer ist So gut, als du, mein Vater, bist? 7. Ja dich will ich von ganzem Herzen, Mein Vater, lieben, dich allein! Ich will im Glück und auch in Schmerzen Mich einzig deiner Liebe freun; Und daß ichs könne, schenke du Mir Schwachen selbst die Kraft dazu. 8. Gib, daß ich mich im Guten übe Und heilig sey, weil du es bist! Gib, daß ich außer dir nichts liebe, Als was auch 351. Meinen Jesum lass' ich nicht! Weil er sich für mich gegeben, So erfordert meine Pflicht, In ihm und für ihn zu leben; Er ist meines Lebens Licht, Meinen Jesum laff' ich nicht! 2. Jesum lass' ich ewig nicht, Weil ich soll auf Erden leben; Ihm hab ich voll Zuversicht, Was ich bin und hab, ergeben. Herz und Mund mit Freuden spricht: Meinen Jesum lass'ich nicht! 9. Bewahre mich auf deinem Wege! Gib, daß ich, brüderlich gesinnt, Stets alle Menschen lieben möge, Denn jeder ist wie ich dein Kind. Mein Herz verschließe sich doch nie Vor ihnen, denn du liebst auch sie. Eigene Mel.( Rom. 8, 38. 39. Pf. 73, 25.) 3. Laß vergehen das Gesicht, Hören, Fühlen mir entweichen, Laß das legte Tageslicht Mich auf dieser Welt erreichen, 10. Nie müsse irgend mich ein Leiden, Und wär es auch der bängste Tod, Von dir und dei ner Liebe scheiden, Nie einer Freude Reiz, o Gott! Ich will dich lieben und nur dein Im Leben und im Tode seyn! Nach Schmolk Wenn der Lebensfaden bricht, - Meinen Jesum lass' ich nicht! 4. Ich werd ihn auch lassen nicht, Wann ich nun dahin gelanget, Wo vor seinem Angeficht Frommer Christen Glaube pranget. Ewig glänzt mir dort sein Licht; Meinen Jesum lass' ich nicht! 5. Nicht nach Welt, nach Himmel nicht Meine Seel in mir sich sehnet; Jesum wünscht sie und sein Licht, Der mich hat mit Gott versöhnet, Der mich frei macht vom Gericht; Meinen Jesum laff' ich nicht! 6. Jesum lass' ich nicht von mir, Steh ihm ewig an der 282 XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. Seiten; Christus wird mich für| so spricht: Meinen Jesum und für Zu dem Lebensbrun-| laff' ich nicht! nen leiten. Selig, wer mit mir Mel. Herzlich thut mich. 352. Wenn alle untreu werden, So bleib ich Dir doch treu, Daß Dankbarkeit auf Erden Nicht ausgestorben sey! Für mich umfieng Dich Leiden, Vergiengst für mich in Schmerz, Drum geb ich Dir mit Freuden Auf ewig dieses Herz. 2. Oft möcht ich bitter weinen, Daß Du gestorben bist, Und mancher von den Deinen Dich lebenslang vergißt; Von Liebe nur durchdrungen Hast Du so viel gethan, Und doch bist Du verklungen, und keiner denkt daran! Renmann, g. 1607 † 1662. ( Matth. 26, 33.) 3. Du stehst voll treuer Liebe Noch einem jeden bei, Und wenn Dir keiner bliebe, So bleibst Du dennoch treu. Die treuste Liebe sieget, Am Ende fühlt man sie, Weint bitterlich und schmieget Sich kindlich an Dein Knie. 353. Ich will dich lieben, meine Stärke, Ich will dich lieben, meine Zier! Ich will dich lieben mit dem Werke Und immerwährender Begier; Ich will dich lieben, schönstes Licht, Bis mir das Herze bricht! 2. Ich will dich lieben, v mein Leben, Als meinen allerbesten Freund, Ich will dich lieben und erheben, So lange mich dein Glanz bescheint; Ich will dich lieben, Gotteslamm, Du Lieb am Kreuzesstamm! 3. Ach, daß ich dich so spät erkennet, Du hochgelobte Liebe 4. Ich habe Dich empfunden; O lasse nicht von mir! Laß innig mich verbunden Auf ewig seyn mit Dir! Einst schauen meine Brüder Auch wieder himmelwärts Und finken liebend nieder Und fallen Dir ans Herz. Novalis, g. 1772 † 1801. du, Und dich nicht eher mein genennet, Du höchstes Gut und wahre Ruh! Es ist mir leid und bin betrübt, Daß ich so spät geliebt! Eigene Mel.( Joh. 14, 23.) 4. Ich lief verirrt und war verblendet, Ich suchte dich, und fand dich nicht; Ich hatte mich von dir gewendet Und liebte das geschaffne Licht; Nun aber ists durch dich geschehn, Daß ich dich hab ersehn. 5. Ich danke dir, du wahre Sonne, Daß mir dein Glanz hat Licht gebracht; Ich danke dir, du Himmelswonne, Daß A. Liebe zu Gott und Chriſtus. du mich froh und frei gemacht; Ich danke dir, du heilger Mund, Daß du mich sprichst gesund. 6. Erhalte mich in deinen Stegen Und laß mich nicht mehr irre gehn; Laß meinen Fuß in deinen Wegen Nicht straucheln oder stille stehn; Erleuchte mir die Seele ganz, Du starker Himmelsglanz! 7. Gib meinen Augen süße Thränen; Gib meinem Herzen 283 reine Gluth; Laß meine Seele sich gewöhnen, zu üben das, was Liebe thut. Laß meinen Geist, Sinn und Verstand Nur seyn dir zugewandt. 8. Ich will dich lieben, meine Krone, Auch in der allergrößten Noth, So lang ich in der Hütte wohne, Will ich dich lieben, Herr und Gott; Ich will dich lieben, schönstes Licht, Bis mir das Herze bricht! Ang. Silesius, g. 1624 † 1677. Mel. Alles ist an.( Joh. 17, 26.) 354. Dwie selig sind die Seelen, Die mit Jesu sich vermählen, Die sein Lebenshauch durchweht, Daß ihr Herz mit heißem Triebe Stündlich nur auf seine Liebe Und auf seine Nähe geht! 2. O wer fasset ihre Würde, Die bei dieses Leibes Bürde Im Verborgnen schon sie schmückt! Alle Himmel sind zu wenig Für die Seele, der ihr König Solches Siegel aufgedrückt. 3. Wenn die Seraphim mit Schrecken Sich vor seinem Glanz bedecken, Spiegelt sich fein Angesicht In der Seele, die ihn kennet Und von seiner Liebe brennet, Hier schon mit enthülltem Licht.( 2 Cor. 3, 18.) 4. Nach Jehovahs höchsten Ehren Wird in allen Himmelschören nichts, das herrlicher, geschaut, Als ein Herz, das er erlesen, Und mit dem das höchste Wesen Sich zu einem Geist vertraut. ( 1 Cor. 6, 17.) 5. Drum, wer wollte sonst was lieben, Und sich nicht beständig üben, Dieses Königs Freund zu seyn? Muß man gleich dabei was leiden, Sich von allen Dingen scheiden, Bringts ein Tag doch wieder ein. 6. Schenke, Herr, auf meine Bitte Mir ein göttliches Gemüthe, Einen königlichen Geist; Mich als dir verlobtzu tragen, Allem freudig abzusagen, Was nur Welt und irdisch heißt. 7. So will ich mich selbst nicht achten; Sollte gleich der Leib verschmachten, Bleib ich Jesu doch getreu! Sollt ich keinen Troft erblicken, Will ich mich damit erquicken, Daß ich meines Jesu sey. XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 284 8. Ohne Fühlen will ich trauen, Bis die Zeit kommt, ihn zu schauen, Und vorbei die letzte Nacht; Da mein Geist zum| Mel. Seelenbräutigam. 355. Dir ergeb ich mich, Jesu, ewiglich! Habe Dank für deine Liebe, Die mich zieht aus reinem Triebe; Jesu, ewiglich Dir ergeb ich mich! 2. Deiner Liebe Gluth Stärkt mir Herz und Muth. Wenn du freundlich mich anblickest Und mit deinem Geist erquickest, Macht mich wohlgemuth Deiner Liebe Gluth. 3. Meines Glaubens Licht Laß verlöschen nicht; Heile mich von Sünd und Schmerzen, Daß hinfort in meinem Herzen Ja verlösche nicht Meines Glaubens Licht! 4. So werd ich in dir Bleiben für und für. Deine Liebe will ich ehren Und dein hohes Lob vermehren, Weil ich für und für Bleiben werd in dir. 5. Deinen Frieden gib Aus so großer Lieb Uns, den Deinen, die dich kennen Und nach dir sich Christen nennen; Denen du bist lieb, Deinen Frieden gib. obern Leben Aus der Tiefe darf entschweben Und nach seinem Bild erwacht. ( Pſ. 17, 15.) Nach Richter. 356. Jesu, Jesu, Gottes Sohn, Mein Heiland auf dem Himmelsthron, Du meine ( 1 Joh. 2, 28 und 6.) 6. Wer der Welt abstirbt, Emsig sich bewirbt, Auf den Glauben fest zu bauen, Der wird bald mit Freuden schauen, Daß niemand verdirbt, Der der Welt abstirbt. 7. Nun ergreif ich dich, Du, mein ganzes Ich! Nimmermehr will ich dich lassen, Sondern gläubig dich umfassen, Weil im Glauben ich nun ergreife dich. 8. Hier durch Kampf und Hohn, Dort die Ehrenkron; Hier im Hoffen und Vertrauen, Dort im Haben und im Schauen! Denn die Ehrenkron Folgt auf Kampf und Hohn. 9. Jesu, hilf, daß ich Allhie ritterlich Alles durch dich überwinde Und in deinem Sieg empfinde, Wie so ritterlich Du gekämpft für mich! 10. Jesu, meine Nuh, Ewge Liebe du! Dein ist all mein Thun und Wallen, Nichts als du soll mir gefallen, Ewge Liebe du, Jesu, meine Ruh! Drese, g. um 1630 † 1718. Mel. Wie schön leucht't.( Joh. 21, 17. 1 Cor. 2, 9.) Freud und Wonne! Du weißest, daß ich rede wahr, Vor dir ist alles sonnenklar, Ja klarer A. Liebe zu Gott und Christus. 285 als die Sonne; Herzlich Such| Nach dem Leide Volle Freude ich, Dir vor allen Zugefallen, Bei dir finden; Dann muß Nichts auf Erden kann und alles Trauern schwinden. soll mir lieber werden. 5. Kein Ohr hat jemals es gehört, Kein Mensch gesehen noch gelehrt, Es kanns niemand beschreiben: Was denen dort für Herrlichkeit Bei dir und von dir ist bereit, Die in der Liebe bleiben! Was hier Von dir Wird gegeben, Unser Leben Zu ergößen, Ist dage= gen nichts zu schätzen. 6. Drum lass' ich billig dieß allein, O Jesu, meine Freude seyn, Daß ich dich herzlich liebe; Daß ich in dem, was dir gefällt, Was mir dein Wort vor Augen hält, Aus Liebe stets mich übe; Bis ich Endlich Werd abscheiden Und mit Freuden Zu dir kommen, Aller Trübsal ganz entnommen. 7. Da werd ich deine Freundlichkeit, Die hochgelobt in Ewigkeit, In reiner Liebe schmecken Und sehn dein liebreich Angesicht Mit unverwandtem Augenlicht, Ohn' alle Furcht und Schrecken. Reichlich Werd ich Dann erquicket, Und geschmücket Mit der Krone Stehn vor deinem Himmelsthrone. Joh. Heermann, g. 1585 † 1647. ( Ps. 73, 28.) mir! In aller Dinge Reichen Gleicht keine Güte dir. Wenn 2. Dieß ist mein Schmerz, dieß kränket mich, Daß ich nicht gnug kann lieben dich, Wie ich dich lieben wollte; Je mehr mich deine Liebe zieht, Je mehr erkennt mein Herz und sieht, Daß ich dich lieben sollte. Vondir Laß mir Deine Güte Ins Gemüthe Lieblich fließen, So wird sich die Lieb ergießen. 3. Durch deine Kraft treff ich das Ziel, Daß ich, so viel ich kann und will, Dir allezeit anhange. Nichts auf der ganzen weiten Welt, Nicht Pracht, Lust, Ehre, Freud und Geld, Und was ich sonst erlange, Kann mich Ohn' dich Gnugsam laben; Ich muß haben Reine Liebe, Tröstung, wenn ich mich betrübe. 4. Denn wer dich liebt, den liebest du, Schaffst seinem Herzen Fried und Ruh, Erfreuest sein Gewissen; Es geh ihm wie es geh auf Erd, Wenn Kreuz ihn noch so hart beschwert, Soll er doch dein genießen. Endlich Wird sich Mel. Herzlich thut mich. 357. Von dir will ich nicht weichen, O weiche nicht von 286 XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. ich gen Himmel flöge, Wenn; bannt, Du bist mir Morgen: ich zum Brunn des Lichts Durch ferne Meere zöge, Geliebtres find ich nichts! röthe, Brod, Heimath und Gewand. Wird voll mein Mund von Gaben, Glänzt um mich Herrscherschein, Ich kann es alles haben, Doch lieben dich allein! 2. Bringt Edelstein' und Schäße, Bringt Glück und Wonne her, Was ist, das mich ergöße, Fehlt mir mein Leben, Er? Bringt Kronen her und Güter, Bringt, was ein Wunsch nur weiß, Dir, Labsal der Gemüther, Mein Jesu, bleibt der Preis! 3. Wenn bittres Leid mir sprießet In Furchen meiner Flur, Durch dich ists mir versüßet, Verwandler der Natur! Soll heut ich Lust genießen, Des Lebens Freudenwein; Noch will ich dir zu Füßen Ein treuer Jünger seyn! 4. Geh ich durch Nacht und Nöthe, Bloß, hungrig und ver-| lassen, 5. Du läsfest Felsen grünen Und schaffest Saat im Meer; Dir müssen Welten dienen, Und Sterne find dein Heer; Doch Demuth blüht und Liebe Zum Kranze deiner Macht; Es bleibt kein Auge trübe, Wo deine Milde lacht. 6. Weckt mich zum Kampf das Leben, So waffnet sie den Sinn; Will Schlummer mich umweben, Sie ist mir Wächterin; Und wird mein Leib erblaffen, Ist fie des Friedens Thür. Von dir will ich nicht O lasse nicht von mir! J. F. v. Meyer, g. 1772. Mel. Ach was soll ich Sünder.( 1 Cor. 6, 19. 20.) 358. Großer König, den ich ehre, Der durch seines Geistes Lehre Angezündet mir sein Licht, Der jetzt und in allen Zeiten Durch viel tausend Gütigkeiten An viel tausend Herzen spricht! 2. Sollt ich nicht daran gedenken, Dir mich wiederum zu schenken, Der du treulich mich bewachst, Und auch an dem trübsten Tage Meines Herzens bange Klage Schnell zu Licht und Freude machst? 3. Herr! mein Herz will ich dir geben; Dir soll es aufs neue leben, Denn du forderst es von mir. Dir soll es sich ganz verbinden Und den angewohnten Sünden Ganz entsagen für und für. 4. Laß mich deinen Geist erneuen, Dir zu einem Tempel weihen, Der auf ewig heilig A. Liebe zu Gott und Christus. 287 sey. Ach vertilge doch darin-| Garten, Wo der Tugend schönnen Eitle Luft und Furcht der Sinnen; Mache mich vollkommen frei! 5. Laß mich kräftig von der Erden Himmelwärts gezogen werden, Zeuch, o zeuch mich ganz zu dir; Daß ich ganz zu dir bekehret, Ganz von deinem Geist verkläret, Täglich habe dich in mir. ste Arten Stehn in voller Lieblichkeit; Deffne drin die Lebensquelle, Die ohn' Ende sanft und helle Fließet in die Ewigkeit. 7. Nun so will ich dir mein Leben, Jesu, ganz zu eigen geben, Stehe mir in Gnaden bei; Gib, daß ich zu allen Stunden Inniglich mit dir verbunden, Dir zur ewgen Freude sey. 6. Mach mein Herz zu einem Nach Angelus Silesius. Mel. Nun ruhen alle.( Röm. 5, 11. Col. 2, 3. 6 und 7.) 359. Mein alles, was ich liebe, Mein alles, was ich übe, Sey mein Herr Jesus Christ, Weil ich in ihm besize, Was einer Seele nüße, Was einem Menschen köstlich ist! 2. Das Herz kann nichts ergründen, Das nicht in ihm zu finden, Da wird es satt und voll; Denn dieß ist Gottes Wille, Daß alle Gottesfülle In ihm leibhaftig wohnen soll. 3. Ich harre und begehre Ohn' Jesum keiner Ehre Und keines andern Lichts; Von Weisheit, von Ergößen, Von Herrlichkeit und Schäßen Begehr ich ohne Jefum nichts. 4. Nur er soll mir auf Erden Zur Kunst und Weisheit wer= den, Mein Leitstern in der Zeit, Mein Schaß, der ewig währe, Mein Frieden, meine Ehre, Mein Himmel, meine Seligfeit. 5. Wird einst die Seele scheiden, Daß fie aus diesem Leiden In Salems Thore tritt, Bring ich als Schmuck und Krone Sonst nichts vor Gottes Throne, Denn meines Jesu Namen mit. 6. Wenn ich das Weltgetümmel, Die Erde und den Himmel, Nur Jesum nicht verlier, So kann ich im Erkalten Das Beste doch behalten; An diesem Schatz genüget mir. 7. Ihr Selgen ohne Mängel, Ihr lichten Gottesengel, Ihr habt dieß selbst bezeugt! Ihm jauchzen alle Geister, Es sind vor ihrem Meister Der Auserwählten Knie' gebeugt. 8. Ihm will ich mich ergeben, In diesem Namen leben Und in ihm glaubig seyn, In ihm auch herzlich lieben, Geduld in ihm nur üben, In Jesu bet ich auch allein. XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. 288 9. Ich will in Jesu sterben, Ich will in Jesu erben, In Jesu auferstehn, In ihm gen Himmel fahren Und mit den selgen Schaaren In seinem Licht ihn ewig sehn. Mel. Wer weiß, wie nahe.( 2 Cor. 5, 14. 1 Joh. 2, 15-17.) 360. Ach sagt mir nichts von Gold und Schätzen, Von Pracht und Schönheit dieser Welt! Es kann mich ja kein Ding ergößen, Was mir die Welt vor Augen stellt. Ein jeder liebe, was er will, Ich liebe Jesum, der mein Ziel! 2. Er ist alleine meine Freude, Mein Kleinod und mein schönstes Bild, An dem ich meine Augen waide Und finde, was mein Herze stillt. Ein jeder liebe, was er will, Ich liebe Jesum, der mein Ziel! 3. Die Welt vergeht mit ihren Lüften, Des Fleisches Schönheit bald zerfällt; Die Zeitkann alle das verwüsten, Was Menschenhände hingestellt. Ein je= der liebe, was er will, Ich liebe Jesum, der mein Ziel! 10. Weil ich zu allen Stunden Durch ihn mit Gott verbunden, Bei Gott und in Gott bin, So sey in Jesu Namen Auch dieses Lied nun Amen! Mein Heiland, nimm mich bald dahin! Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. 4. Sein Schloß kann keine Macht zerstören, Sein Reich vergeht nicht mit der Zeit, Sein Thron bleibt stets in gleichen Ehren Von nun an bis in Ewigkeit. Ein jeder liebe, was er will, Ich liebe Jesum, der mein Ziel! 5. Sein Reichthum läßt sich nicht ergründen, Sein hoch und heilig Angesicht, Und was von Schmuck um ihn zu finden, Verbleichet und veraltet nicht. Ein jeder liebe, was er will, Ich liebe Jesum, der mein Ziel! 6. Er kann mich über alles heben Und seiner Klarheit machen gleich; Er kann mir so viel Schäße geben, Daß ich werd unerschöpflich reich. Ein jeder liebe, was er will, Ich liebe Jesum, der mein Ziel! 7. Und ob ichs zwar noch muß entbehren, So lang ich wandre durch die Zeit, So wird er mirs doch wohl gewähren Im Reiche seiner Herrlichkeit. Drum thu ich billig, was ich will: Ich liebe Jesum, der mein Ziel! Angelus Silesius, g. 1624 † 1677. Mel. Die wir uns allhie.( Gal. 2, 20.) 361. Eines wünsch ich mir| früh und spät! Selig läßts vor allem andern, Eine Speise im Thränenthal sich wandern, A. Liebe zu Gott und Chriftus. Wenn dieß Eine mit uns geht: Unverrückt auf Einen Mann zu schauen, Der mit blutgem Schweiß und Todesgrauen Auf sein Antlig niedersank, Und den Kelch des Vaters trank. 2. Ewig soll er mir vor Augen stehen, Wie er als ein stilles Lamm Dort so blutig und so bleich zu sehen, Hängend an des Kreuzes Stamm; Wie er dürstend rang um meine Seele, Daß sie ihm zu seinem Lohn nicht fehle, Und dann auch an mich gedacht, Als er rief: es ist vollbracht! 3. Ja, mein Jesu, laß mich nie 289 vergessen Meine Schuld und deine Huld! Als ich in der Finsterniß gesessen, Trugest du mit mir Geduld! Hattest längst nach deinem Schaf getrachtet, Eh es auf des Hirten Ruf geachtet, Und mit theurem Lösegeld Mich erkauft von dieser Welt. 2. Meinen Jesum ich erwähle, Weil er meine Schuld gebüßt; Jesus tröstet meine Seele, Er ists, der den Tod versüßt. Darum, darum ruf ich dir Mit Begier: Komm, o Jesu,:,: hole mich,..: Meine Seele liebet dich! 3. Meinen Jesum ich erwähle, Weil er hold und heilig ist; Stündlich suchet meine Seele Frangelisches Gesangbuch 4. Ich bin dein! sprich du darauf ein Amen! Trenster Jesu, du bist mein! Drücke deinen süßen Jesusnamen Brennend in mein Herz hinein! Mit dir alles thun und alles laffen, In dir leben und in dir erblaffen, Das sey bis zur letzten Stund Unser Wandel, unser Bund! Knapp, g. 1798. Eigene Mel.( u. 10, 42. Apostelg. 4, 12. Joh. 21, 17.) 362. Meinen Jesum ich er-| MeinenHeiland, Jesum Chrift. wähle, Einen Liebern find ich nicht; Seiner freut sich meine Seele, Jesus ist mein Lebenslicht. Darum, darum rufich dir Mit Begier: Komm, o Jefu,:,: hole mich,:,: Meine Seele liebet dich! Darum, darum ruf ich dir Mit Begier: Komm, o Jesu,:,: hole mich,:,: Meine Seele liebetdich! 4. Meinen Jesum ich erwähle; Er ists, dem ich in der Noth, Sterbend meinen Geist befehle; Jesus läßt mich nicht im Tod. Darum, darum ruf ich dir Mit Begier: Komm, o Jesu,:,: hole mich,..: Meine Seele liebet dich! 5. Meinen Jesum ich erwähle, Ihm will ich einst rufen zu: „ Jesu! mich zu denen zähle, Die da haben ewge Ruh." Darum, darum ruf ich dir Mit Begier: Komm, o Jesu,:,: hole mich,... Meine Seele liebet dich! Echwämlein, g. 1632 † 1705. 19 290 XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. Eigene Mel.( 1 Joh. 5, 12.) 363. Wenn ich Ihn nur habe, Wenn Er mein nur ist; Wenn mein Herz bis hin zum Grabe Seine Treue nie vergißt; Weiß ich nichts von Leide, Fühle nichts als Andacht, Lieb und Freude! 2. Wenn ich Ihn nur habe, Laff' ich alles gern, Folg an meinem Wanderstabe Treugesinnt nur meinem Herrn; Lasse still die andern Breite, lichte, volle Straßen wandern. 3. Wo ich Ihn nur habe, Ist mein Vaterland, Und es fällt mir jede Gabe Wie ein Erbtheil in die Hand. Längst vermißte Brüder Find ich nun in Seinen Jüngern wieder. Novalis, g. 1772 † 1801. B. Vertrauen auf Gott. Mel. Herzlich thut mich.( Pf. 37, 5.) 364. Befiehl du deine| Stand und Wesen, Was deinem Nath gefällt. Wege Und was dein Herze kränkt, Der allertreusten Pflege Deß, der den Himmel lenkt! Der Wolken, Luft und Winden Gibt Wege, Lauf und Bahn, Der wird auch Wege finden, Da dein Fuß gehen kann. 4. Weg' hast du allerwegen, An Mitteln fehlt dirs nicht: Dein Thun ist lauter Segen, Dein Gang ist lauter Licht; Dein Werk kann niemand hindern, Dein' Arbeit darf nicht ruhn, Wenn du, was deinen Kindern Ersprießlich ist, willt thun. 2. Dem Herren mußt du tranen, Wenn dirs soll wohl ergehn; Auf sein Werkmußt du schauen, Wenn dein Werk soll bestehn. Mit Sorgen und mit Grämen Und mit selbsteigner Pein Läßt Gott sich gar nichts nehmen; Es muß erbeten seyn. 3. Dein'ewge Treu und Gnade, O Vater, siehetrecht, Was gut sey oder schade Demsterblichen Geschlecht; Und was du dann erlesen, Das treibst du, starker Held, Und bringst zum 5. Und ob gleich alle Teufel Hie wollten widerstehn, So wird doch ohne Zweifel Gott nicht zurücke gehn; Was er ihm vorgenommen Und was er haben will, Das muß doch endlich kommen zu seinem Zweck und Ziel. 6. Hoff, o du arme Seele, Hoff und sey unverzagt! Gott wird dich aus der Höhle, Da dich der Kummer plagt, Mit B. Vertrauen auf Gott. großen Gnaden rücken; Erwarte nur die Zeit, So wirst du schon erblicken Die Sonn der schönsten Freud. 7. Auf, auf! gib deinem Schmerze Und Sorgen gute Nacht; Laß fahren, was das Herze Betrübt und traurig macht; Bist du doch nicht Negente, Der alles führen soll; Gott sigt im Regimente Und führet alles wohl. 8. Ihn, ihn laß thun und walten! Er ist ein weiser Fürst Und wird sich so verhalten. Daß du dich wundern wirst, Wenn er, wie ihm gebühret, Mit wunderbarem Nath Das Werk hinausgeführet, Das dich bekümmert hat. 9. Er wird zwar eine Weile Mit seinem Trost verziehn Und thun an seinem Theile, Als hätt in seinem Sinn Er deiner sich begeben Und sollt'st du für und für In Angst und Nöthen 291 schweben, Als frag er nichts nach dir; 10. Wirds aber sich befinden, Daß du ihm treu verbleibst, So wird er dich entbinden, Dadu's am mindsten gläubst; Er wird dein Herz entladen Von der so schweren Last, Die du zu keinem Schaden. Bisher getragen haft. 11. Wohl dir, du Kind der Treue! Du hast und trägst davon Voll Danks und ohne Reue Den Sieg und Ehrenkron; Gott gibt dir selbst die Palmen In deine rechte Hand, Und du singst Freudenpsalmen Dem, der dein Leid gewandt. 12. Mach End, o Herr, mach Ende An aller unsrer Noth; Stärk unsre Füß' und Hände, Und laß bis in den Tod Uns allzeit deiner Pflege Und Treu befohlen seyn, So gehen uns re Wege Gewiß zum Himmel ein! Gerhard, g. 1606+ 1676. Mel. Wo ist mein Schäflein.( Ebr. 11, 9. 10. 2/ Cor. 4, 17. 18.) 365. Es halten eitele Ge-| eilt so der Tiefe zu, Als wie müther Die Erde für ihr Vaterland; Wer aber Jesum hat erkannt und die wahrhaftgen Himmelsgüter, Der sieht den ganzen Kreis der Erden Für eine fremde Hütte an Und sehnet sich, erlöst zu werden Von dieser rauhen Pilgerbahn. 2. Kein Fluß kann so zum Meere laufen, Kein Stein ein Christ zur Himmelsruh Hinwegeilt von dem Erdenhaufen. Ob seine Füß' die Welt berühren, So ist das Haupt doch in der Höh; Er sucht den Wandel so zu führen. Daß Herz und Sinn im Himmel steh. 3. Dieß Heimweh gottverlobter Herzen Vermehrt sich 292 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. bei der Kreuzeslast; Man hat| Man setzt Gott weder Maß auf Erden keine Rast Bei noch Ziel, Und wird das Herz Seelen- oder Leibesschmerzen. gleich lang betrübet, So ist Wenn sich die Trübfalsfluth es ihm doch nie zu viel. ergießet, So wird der engen Brust gar bang, Bis unsre Lebenszeit verfließet; Gott, heißt es, wie lang, wie lang! Ach 4. Da hat ein Paulus Lust zu scheiden; Ein Abraham ist lebenssatt; Da wird ein Hiob müd und matt Vor langem Sehnen in dem Leiden; Elias wünscht bei seinem Wandern Zu schließen den betrübten Lauf; Von einem Morgen bis zum andern Sieht David nach der Hilfe auf. 5. Doch ist dieß Eilen zu dem Himmel Gemäßigt mit Gelaffenheit; Man wartet auf die rechte Zeit, Die zur Erlöfung vom Getümmel Des Allerhöchsten Rath beliebet; Eigene Mel.( Jef. 43, 1. 2. Sir. 2, 3.) 366. Von Gott will ich| kehrt, So wird mir bald aufs neue Die Huld des Herrn bewährt; Er hilft aus aller Noth, Befreit von Sünd und Schanden, Von Ketten und von Banden, Ja wenns auch wär der Tod. 3. Auf ihn will ich vertrauen In meiner schweren Zeit; Mein Helfer läßt sich schauen Und wendet jedes Leid; Ihm nicht lassen, Denn er läßt nicht von mir, Führt mich zur rechten Straßen, Wenn ich geh in der Irr'. Er reicht mir seine Hand; Den Abend wie den Morgen Will er mich wohl versorgen, Wo ich auch bin im Land. 6. Der Herr, der über Tod und Leben Die unumschränkte Herrschaft hat, Wird seinen Kindern nie zu spat Die lang verlangte Freiheit geben. Ein selig End muß alles wenden, Was anfangs unerträglich war, Und Gott reicht selbst mit seinen Händen Den Lohn für allen Jammer dar. 7. Wir, die wir auf der Erde wallen, Verlangen, daß zu rechter Zeit Auch unser Abschied aus dem Streit Dem frommen Gott mag wohlgefallen. Du, Jesu, wollst uns Huld erweisen, Daß wir dazn bereitet stehn, Und uns auch so der Welt entreißen, Damit wir froh gen Himmel gehn. Marperger, g. 1681 † 1746. 2. Wenn sich der Menschen Trene Und Wohlthat all ver B. Bertrauen auf Gott. 293 sey es heimgestellt! Mein Leib| Wir sollen selig werden Und und Seel und Leben Sey Gott seyn in Ewigkeit. dem Herrn ergeben; Er machs, wie's ihm gefällt! 4. Es kann ihm nichts gefallen, Denn was uns nüßlich ist; Er meints gut mit uns allen Und schenkt uns Jesum Christ, Den eingebornen Sohn, Durch welchen Gott bescheret, Was unsre Seelen nähret; Lobt ihn im Himmelsthron! 5. Lobt ihn mit Herz und Munde, Die er uns beide schenkt! Wie selig ist die Stunde, Darin man sein gedenkt! Verderbt wird sonst die Zeit, Die man verlebt auf Erden; 6. Darum, ob ich schon dulde Hie Widerwärtigkeit, Wie ichs auch wohl verschulde, Kommt doch die Ewigkeit, Die, aller Freuden voll Und ohne Schrank' und Ende, Durch Christi treue Hände Mir einst sich aufthun soll. 7. Das ist des Vaters Wille, Der uns erschaffen hat; Sein Sohn gibt uns die Fülle Der Wahrheit und der Gnad; Sein heilger Geist im Fleiß Des Glaubens uns regieret Und nach dem Himmel führet; Ihm sey Lob, Ehr und Preis! Helmbold, g. 1532 † 1598. Mel. Nun ruben alle.( Pf. 55, 23.) hab ich auch( getroft) erfiest. 367. In allen meinen Tha-| Was ihm von mir beliebet, Das ten Laff' ich den Höchsten rathen, Der alles kann und hat; Er muß zu allen Dingen, Solls anders wohl gelingen, Selbst geben( guten) Rath und That. 2. Nichts ist es spät und frühe Um alle meine Mühe, Vergeblich alle Kunst; mags mit meinen Sachen Nach seinem Willen machen, Ich stells in seine( Gnad und) Gunst. 3. Es kann mir nichts geschehen, Denn was Gott hat ersehen Und was mir selig 4. Ich traue seiner Gnaden, Die mich für allem Schaden, Für allem Uebel schüßt. Leb ich nach seinen Sätzen, So wird mich nichts verlegen, ( Und gar) Nichts fehlen, was mir nügt. Er 5. Er wolle meiner Sünden In Gnaden mich entbinden, Durchstreichen meine Schuld. Er wird auf mein Verbrechen nicht stracks das Urtheil sprechen, Und haben noch( mit mir) Geduld. ist, Ich nehm es, wie ers gibet, Anm. Das Lied bat auch eine eigene Melodie, bei welcher aber die in Klaw. mern slebenden Worte am Ende jeden Verses nicht gesungen werden durfen. XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 294 6. Leg ich mich späte nieder, Erwach ich frühe wieder, Lieg oder ziehe fort, In Schwachheit und in Banden Und was mir stoßt zuhanden, Da tröstet mich sein( heiligs) Wort. 7. Hat er es dann beschlossen, So will ich unverdrossen An mein Verhängniß gehn; Kein Unfall unter allen Wird mir zu hart je fallen, Ich will ( mit Gott) ihn überstehn. 368. Wer nur den lieben Gott läßt walten Und hoffet auf ihn allezeit, Den wird er wunderbar erhalten In aller Noth und Traurigkeit. Wer Gott, dem Allerhöchsten, traut, Der hat auf keinen Sand gebaut. 8. Ihm hab ich mich ergeben, zu sterben und zu leben, So wie er mirs gebeut. Es sey heut oder morgen, Dafür laff' ich ihn sorgen, Er weiß die beste( Stund und) Zeit. 9. So sey nun, Seele, seine Und traue dem alleine, Der dich geschaffen hat. Es gehe wie es gehe, Dein Vater in der Höhe Weiß allen( deinen) Sachen Rath. Eigene Mel.( Ebr. 10, 35. Pf. 37, 37-39.) 2. Was helfen uns die schweren Sorgen? Was hilft uns unser Weh und Ach? Was hilft es, daß wir alle Morgen Beseufzen unser Ungemach? Wir machen unser Kreuz und Leid. Nur größer durch die Traurigkeit. 3. Zu Gott sey deine Seele stille Und stets mit seinem Rath vergnügt; Erwarte, wie fein guter Wille Zu deinem Wohlergehn es fügt; Gott, der uns ihm hat auserwählt, Weiß doch am besten, was uns fehlt. Flemming, g. 1609 † 1640. 4. Er kennt die rechten Freudenstunden, Er weiß wohl, was uns nüßlich sey; Wenn er uns nur hat treu erfunden Und merket keine Heuchelei, So kommt er, eh wirs uns verfehn, Und läsfet uns viel Guts geschehn. 5. Denk nicht in deiner Drangfalshize, Daß du von Gott verlassen bist, Und daß ihm der im Schoose size, Der reich und groß und mächtig ist. Die Zukunft ändert oft sehr viel Und sezzet jeglichem sein Ziel.. 6. Es find ja Gott geringe Sachen und seiner Allmacht gilt es gleich: Den Reichen klein und arm zu machen, Den Armen aber groß und reich; Er ists, der Wunder stets gethan Und stürzen und erhöhen faun. ( 1 Sam. 2, 7.) B. Vertrauen auf Gott. 7. Sing, bet und geh auf Gottes Wegen, Verrichte deine Pflicht getreu, Trau ihm und seinem reichen Segen, So Eigene Mel.( Jef. 28, 29. 369. So führst du doch recht selig, Herr, die Deinen, Ja selig, und doch meist verwunderlich! Wie könntest du es böse mit uns meinen, Da deine Treu nicht kann verleugnen sich? Die Wege sind oft krumm, und doch gerad, Daraufdu lässt die Kinder zu dir gehn, Da pflegts oft wunderseltsam auszusehn; Doch triumphirt zulegt dein hoher Rath. 295 wird er täglich bei dir neu: Denn, wer nur seine Zuversicht Auf Gott feßt, den verläßt er nicht! Neumarf, g. 1621 † 1681. 2. Du willst dein Werk nicht auf Geseze bauen, So die Vernunft und gute Meinung stellt; Du kannst den Knoten mit dem Schwert zerhauen, Und sanft auflösen, wie es dir gefällt. Du reißest wohl die stärksten Band' entzwei; Was sich entgegenseßt, muß sinken hin; Ein Wort bricht oft den allerhärtsten Sinn, Dann geht dein Fuß auch durch Umwege frei. 3. Was unsre Klugheit will zusammenfügen, Theilt dein Verstand in Oft und Westen aus; Was mancher unter Joch und Last will biegen, Segt deine Hand frei an der Sterne Haus. Die Welt zerreißt, und du verknüpfft in Kraft: Sie bricht, 55, 8. 9. 1 Cor. 1, 27-29.) du du baust; sie baut, reißest ein; Ihr Glanz muß dir ein dunkler Schatten seyn; Dein Geist bei Todten Kraft und Leben schafft. - 1 4. Wen die Vernunft oft fromm und selig preiset, Den hast du schon aus deinem Buch gethan; Und wem die Welt dieß Zeugniß nicht erweiset, Den führst du in der Still doch himmelan: Den Tisch der Pharisäer läßst du stehn Und speisest mit den Sündern, sprichst sie frei; Wer weiß, was öfters deine Absicht sey? Wer kann der tiefsten Weisheit Abgrund sehn? 5. Was alles ist, gilt nichts vor deinen Augen; Was nichts ist, hast du, großer Gott, recht lieb; Der Worte Pracht und Ruhm mag dir nicht taugen, Du gibst die Kraft durch deines Geistes Trieb. Die besten Werke bringen dir kein Lob: Sie sind versteckt; der Blinde geht vorbei, Wer Augen hat, sieht sie, doch nie so frei; Die Sachen sind zu klar, der Sinn zu grob. 6. O Herrscher! sey von uns 296 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. gebenedeyet, Der du uns tödtest und lebendig machst. Wenn uns dein Wort der Weisheit Schatz verleihet, So sehn wir erst, wie wohl du für uns wachst! Die Weisheit spielt mit uns,* wir spielen mit; Bei uns zu wohnen ist ihr lauter Lust; Die reget sich in deiner Vaterbrust Und gängelt uns mit zarter Kinder Schritt. (* Sprüche 8, 30 zc.) 7. Bald scheinst du etwas hart uns anzugreifen, Bald fährest du mit uns ganz säuberlich; Geschiehts, daß unser Sinn sucht auszuschweifen, So weist die Zucht uns wieder hin auf dich. Da gehn wir dann mit blöden Augen hin, Du blickst uns an,* wir sagen Beßrung zu; Drauf schenkt dein Geist dem Herzen wieder Ruh Und hält im Zaum den ausgeschweiften Sinn.(* u 22, 61: c.) 8. Du kennst, o Vater, wohl das schwache Wesen, Die Unmacht und der Sinnen Unverstand; Man kann uns fast an unfrer Stirne lesen, Wie es um schwache Kinder sey bewandt. Drum greifft du zu und hältst und trägest sie, Brauchst Vaterrecht, und zeigest Muttertreu; Wo niemand meint, daß etwas deine sey, Da hegst du deine Schaf und läßst sie nie. 9. Also gehst du nicht die gemeinen Wege, Dein Fuß wird felten öffentlich gesehn, Damit du sehst, was sich im Herzen rege. Wenn du in Dunkelheit mit uns willst gehn. Das Widerspiel legst du vor Augen dar Von dem, was du in deinem Sinne haft; Wer meint, er habe deinen Rath gefaßt, Der wird am End ein andres oft gewahr. 10. Auge, das nicht Trug noch Heucheln leidet! Gib mir des scharfen Blickes Sicherheit, Der die Natur von Gnade unterscheidet, Das eigne Licht von deiner Heiterkeit. Laß doch mein thöricht Herz dich meistern nicht, Brich ganz entzwei den Willen, der sich liebt, Erweck die Lust, die sich nur dir ergibt Und tadelt nie dein heimliches Gericht. 11. Will etwa die Vernunft dir widersprechen Und schüt telt ihren Kopf zu deinem Weg, So wollst du ihre Festung so zerbrechen,* Daß ihre Höhe sich bei Zeiten leg! Kein fremdes Feur** entzünde sich bei mir, Das ich vor dich in Thorheit bringen möcht, Womit ich gar dir zu gefallen dächt; Ach selig, wer sein Licht empfängt von dir! ( 2 Cor 10, 4. 5.)(** 3 Mof. 10. 1 2c.) 12. So zieh mich denn hinein B. Vertrauen auf Gott. in deinen Willen Und trag und beg und führ dein armes Kind! Dein innres Zeugniß soll den Zweifel stillen,* Dein Geist die Furcht und Lüste überwind'! Du bist mein alles, denn dein Sohn ist mein; Dein Geist regt sich ganz kräftiglich in mir, Ich brenne nur nach dir in Heilsbegier; Wie oft erquickt mich deiner Klarheit Schein! (* Rom. S, 15 2c.) 13. Drum muß die Kreatur 297 mir immer dienen; Kein Engel schämt nun der Gemeinschaft sich, Die Geister, die vor dir vollendet grünen,* Sind meine Brüder und erwarten mich. Wie oft erquicket meinen Geist ein Herz, Das dich und mich und alle Christen liebt! Ifts möglich, daß mich etwas noch betrübt? Komm, Freudenquell! weich ewig, aller Schmerz! (* br. 12, 22: c.) Arnold, g. 1665 † 1714. Mel. Wer nur den lieben.( Matth. 26, 39. Ebr. 12, 14.) schehen sollt, Hat deines Sohnes Tod gewollt. 370. Ich bin in dir, mein| Will: Daß solches nicht ge= Gott, zufrieden Und halte deinem Willen still; Was deine Güte mir beschieden, Mit dem vergnüget sich mein Will; Mein Will ist zwar nicht ferner mein, Dieweil er dein beginnt zu seyn. 2. Willst du mich auf das Siechbett legen? Ich will; soll ich in Mangel seyn? Ich will; soll sich ein Unfall regen? Ich will; und willst du, daß ich wein'? Ich will; und gibst du mich dem Tod? Ich will! dein Will gescheh, o Gott! 4. Sein Tod verklärt mir deinen Willen, Dein Will ist: daß ich heilig sey. So will ich zwar; doch das Erfüllen Verhindert leider mancherlei: Bald will sich Unwill mengen ein, Bald Muthwill mein Beherrscher seyn. 5. Nicht so, mein Herz! was Gott dir gibet, Bös oder gut, nimm willig an. Weg Eigenwill! was Gott beliebet, Das sey mit Luft von mir gethan; Ja, ja, mein Herz ruht sanft und still: Es wählt, es will, was mein Gott will! 3. Willst du mich in dem Himmel haben? Herr! dieß ist meines Wunsches Ziel; Soll Tod und Hölle mich begraben? Ich weiß, Herr, dieß ist nicht dein Ingolstetter, g. 1633 † 1711. Mel. Ermuntre dich, mein.( 1 Petri 5, 7.) 371. Du bist ein Mensch, das weißt du wohl; Was strebst du denn nach Dingen, Die Gott der Herr alleine soll und kann zu Stande bringen? Du fährst mit deinem Wiz und Sinn 298 XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. Durch so viel tausend Sorgen| arme Sünder Er trägt als seihin Und denkst: wie wills auf ne Kinder. Erden Doch endlich mit mir werden? 2. Es ist umsonst! du wirst fürwahr Mit allem deinem Dichten Und aller Sorgen großer Schaar Das kleinste nicht ausrichten; Es dient dein Gram sonst nirgends zu, Als daß du dich aus deiner Nuh In Angst und Schmerzen stürzest, Und felbst dein Leben kürzest. 3. Willst du was thun, das Gott gefällt Und dir zum Heil gedeihet, So wirf die Sorgen auf den Held, Den Erd und Himmel scheuet, Und gib dein Leben, Thun und Stand Nur fröhlich hin in Gottes Hand, So wird er deinen Sachen Ein fröhlich Ende machen. 4. Wie oft bist du in große Noth Durch eignen Willen kommen, Da dein bethörter Sinn den Tod Fürs Leben angenommen! Und hätte Gott dein Werk und That Ergehen lassen nach dem Rath, In dem du's angefangen, Du wärst zu Grunde gangen! 5. Der aber, der uns ewig liebt, Macht gut, was wir verwirren; Erfreut, wo wir uns selbst betrübt, Und führt uns, wo wir irren; Und dazu treibt ihn sein Gemüth Und die so reine Batergüt', In der uns 6. Ach wie so oftmals schweigt er still, Und thut doch, was uns nüßet, Da unterdessen unser Will Und Herz in Aengsten fizet, Sucht hier und da, und findet nichts, Will sehn, und mangelt doch des Lichts, Will aus der Angst sich winden, Und kann den Weg nicht finden! 7. Gott aber geht gerade fort Auf seinen weisen Wegen, Er geht und bringt uns an den Port, Da Wind und Sturm sich legen; Hernachmals, wenn das Werk geschehn, Kann erst der Mensch mit Augen sehn, Was der, so ihn regieret, In seinem Nath geführet. 8. Drum, liebes Herz, sey wohlgemuth Und laß vonSorg und Grämen! Gott hat ein Herz, das nimmer ruht, Dein Bestes vorzunehmen; Er kanns nicht lassen, glaube mir, Sein Vaterherz ist gegen dir Und uns hier allzusammen Voll ewger Liebesflammen. 9. Thu als ein Kind und lege dich In deines Vaters Arme; Bitt ihn und flehe, daß er sich Dein, wie er pflegt, erbarme; So wird er dich durch seinen Geist Auf Wegen, die du jeßt nicht weißt, Nach wohlvollbrachtem Ringen Aus allen Sorgen bringen. Gerhard, a. 1606 † 1676. B. Vertrauen auf Gott. 299 Mel. O du Liebe meiner Liebe.( Ps 62. Jef. 40 31.) 372. Was von außen und| dig Eurem ewig treuen Hort! von innen Täglich meine Seele drückt Und hält mir Gemüth und Sinnen Unter seiner Last gebückt, In dem allem ist dein Wille, Gott, der aller Unruh wehrt Und mein Herz hält in der Stille, Bis es deine Hilf erfährt. Er ist Gott und ist lebendig, Bleibt euch nah an jedem Ort. Ist euch irgend Hülfe nöthig, Klopft nur an, er ist zu Haus Und zu jeder Hilf erbötig; Schüttet euer Herz nur aus! 6. Aber wie kanns dem gelingen, Der aufs Fleisch die Hoffnung stellt? Bei den Hohen und Geringen Ist kein Trost, der Probe hält; Traut doch lieber auf den Einen, Welcher Lieb und Allmacht hat; Daß er helfen kann den Seinen, Das beweist er mit der That. 2. Herr! du bist mein Fels auf Erden, Da ich still und sicher steh; Deine Hilfe muß mir werden, Wenn ich aufwärts zu dir seh; Dein Schutz ist mein Truß alleine Gegen Sünde, Noth und Spott, Denn mein Leiden ist das deine, Weil ich dein bin, o mein Gott! mir tragen, Deine Lieb verfüßet mir Alles Bittre, alle Plagen; Darum bin ich still zu dir. 7. Eins mit dir, Gott, meine Feste, Geh ich in der Stille hin, 3. Auf dich harr ich, wenn das Denn zuletzt kommt doch das Leiden nicht so bald zum Ende Beste, Und das End ist mein eilt; Dich und mich kanns nim- Gewinn. Deine Allmacht hilft mer scheiden, Wenns gleich noch so lang verweilt. Und auch dieß mein gläubig Hoffen Hab ich nur allein von dir; Durch dich steht mein Herz dir offen, Daß du solches schaffst in mir. 4. Bei dir ist mein Heil und Ehre, meine starke Zuversicht: Willst du, daß die Noth sich mehre, Weiß ich doch, du läßst mich nicht. Denfet mich der Feind zu fällen und zu treten unter sich, Will ich auf den Fels mich stellen, Der erhält und schirmer mich. 8. Laß es nur, o Seele, gehen, Wie es geht, und sorge nicht; Endlich wirst du dennoch sehen, Daß Gott übt ein recht Gericht. Hier schon ist er deine Stärke, Daß dir gar nichts schaden kann, Tort vergilt er alle Werke, Die du hier in ihm gethan. 9. Breit, o Herr, doch deine Güte Ueber mich, nimm mich in dich, So wird hinfort mein 5. Liebe Seelen, traut bestän- Gemüthe Stille bleiben ewig 300 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. lich. Werde alles und in allen!| Trachten allzeit zugefallen, So Gib uns, daß wir dir allein wird alles stille seyn! France, g. 1663 † 1727. Mel. Balet will ich.( Rom. 8, 31-39.) 373. Ist Gott für mich, so| trete Gleich alles wider mich; So oft ich ruf und bete, Weicht alles hinter sich. Hab ich das Haupt zum Freunde und bin geliebt bei Gott, Was kann mir thun der Feinde Und Widerfacher Rott? fort mir Schmerz! Die Höll und ihre Flammen, Sie ängsten nicht mein Herz, Kein Urtheil mich erschrecket, Kein Unheil mich betrübt, Weil mich mit Flügeln decket Mein Heiland, der mich liebt. 2. Nun weiß und glaub ich feste, Ich rühms auch ohne Scheu, Daß Gott, der Höchst und Beste, Mir herzlich günstig sey, Und daß in allen Fällen Er mir zur Rechten steh Und dämpfe Sturm und Wellen Und was mir bringet Weh. 6. Sein Geist wohnt mir im Herzen, Regieret meinen Sinn, Vertreibet Sorg und Schmerzen, Nimmt allen Kummer hin, Gibt Segen und Gedeihen Dem, das er in mir schafft, Und hilft mir Abba!" schreien In rechter Glaubenskraft. 3. Der Grund, darauf ich gründe, Ist Christus und sein Blut; Das machet, daß ich finde Das ewig wahre Gut. An mir und meinem Leben Ist nichts auf dieser Erd; Was Christus mir gegeben, Das ist| Grunde Erfiehet seine Lust. der Liebe werth. 7. Bin ich an meinem Orte Ein schwach und furchtsam Kind, So seufzt und spricht er Worte, Die unaussprechlich sind Mir zwar und meinem Munde, Dem aber wohl bewußt, Der an des Herzens 8. Sein Geist spricht meinem 4. Er ist mein Ruhm und Geiste Manch süßes Trostwort Ehre, Mein Glanz und schön- zu: Wie Gott dem Hilfe leiste, stes Licht; Wenn der nicht in Der bei ihm suchet Ruh, Und mir wäre, Könnt ich bestehen wie er hab erbauet Ein' edle nicht! In ihm kann ich mich nene Stadt, Da Aug und Herze freuen, Hab einen Heldenmuth, schauet, Was es geglaubet hat. Darf kein Gerichte scheuen, Wie sonst ein Sünder thut. 9. Da steht mein Theil und Erbe Bereit in Pracht und Licht; Wenn ich gleich fall und sterbe, Fällt doch mein Him5. Nichts, nichts kann mich verdammen, Nichts macht hin B. Vertrauen auf Gott. 301 mel nicht! Durchseufz' ich auch| keit, Kein Lieben und kein Leihienieden Mit Thränen manche Zeit, Mein Jesus und sein Frieden Durchfüßet alles Leid. 10. Die Welt, die mag zerbrechen, Du Gott, stehst ewiglich! Nicht Haß und Qual der Frechen Soll trennen mich und dich; Kein Hunger und kein Dürsten, Nicht Armuth oder Pein, Kein Zorn von großen Fürsten Soll mir zur Hindrung seyn! 11. Kein Engel, keine Freuden, Kein Thron noch Herrlichden, Nicht Angst noch Fährlichkeit, Was man nur kann erdenken, Es sey klein oder groß, Der keines soll mich lenken Aus deinem Arm und Schoos! 12. Mein Herz beginnt zu springen Und kann nicht traurig seyn, Ist voller Freud und Singen, Sieht lauter Sonnenschein! Die Sonne, die mir lachet, Ist mein Herr Jefus Christ, Das, was mich singen machet, Ist, was im Himmel ist! Gerhard, g. 1606 † 1676. Mel. Was Gott thut.( Sprüche 3, 5. 6.) 374. Auf Gott, und nicht auf meinen Rath Will ich mein Glück stets bauen Und dem, der mich erschaffen hat, Mit ganzer Seele trauen: Er, der die Welt Allmächtig hält, Wird mich in meinen Tagen Als Gott und Vater tragen. 2. Er sah von aller Ewigkeit, Wie viel mir nüßen würde, Bestimmte meine Lebenszeit, Mein Glück und meine Bürde. Was zagt mein Herz? Ist auch ein Schmerz, Der zu des Glaubens Ehre Nicht zu bestegen wäre? 3. Gott kennet, was mein Herz begehrt, Und hätte, was ich bitte, Mir gnädig, eh ich bat, gewährt, Wenns seine We sheit litte. Er sorgt für mich Stets väterlich; Nicht, was ich mir ersehe, Sein Wille, der geschehe! 4. Ist nicht ein ungestörtes Glück Weit schwerer oft zu tragen, Als selbst das widrige Geschick, Bei dessen Last wir klagen? Die größte Noth Hebt einst der Tod, Und Ehre, Glück und Habe Verläßt uns doch im Grabe. 5. An dem, was wahrhaft glücklich macht, Läßt Gott es keinem fehlen; Gesundheit, Ehre, Glück und Pracht Sind nicht das Glück der Seelen. Wer Gottes Rath Vor Augen hat, Dem wird ein gut Gewissen Die Trübsal auch verfüßen. 6. Was ist des Lebens Herrlichkeit? Wie bald ist sie verschwunden! Was ist das Lei XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 302 den dieser Zeit? Wie bald ists überwunden! Hofft auf den Herrn! Er hilft uns gern; Seyd fröhlich, ihr Gerechten, Der Herr hilft seinen Knechten! Gellert, g. 1715 † 1769. Eigene Mel.( Jes. 30, 15.) 375. Gott wills machen, Daß die Sachen Gehen, wie es heilsam ist; Laß die Wellen Höher schwellen, Wenn du uur bei Jefu biſt! 2. Wer sich kränket, Weil er denket, Jesus liege in dem Schlaf, Wird mit Klagen Nur sich plagen, Drin der Unglaub leidet Straf. ( Matth. 8, 23-27.) | Scheints gefährlich, Deinem Gott ist nichts zu viel. 8. Seine Wunder Sind der Zunder, Da der Glaube Feuer fängt; Alle Thaten Sind gerathen Jedesmal, wie ers verhängt. 9. Wenn die Stunden Sich gefunden, Bricht die Hilf mit Macht herein; Und dein Grämen Zu beschämen, Wird es unversehens seyn. 3. Du Verächter! Gott, dein Wächter, Schläfet ja und schlummert nicht; Zu den Höhen Aufzusehen, Wäre deine Glaubenspflicht.( Ps. 121.) 4. Im Verweilen Und im Eilen Bleibet stets sein Vaterherz; Laß dein Weinen Bitter scheinen, Dein Schmerz ist ihm auch ein Schmerz! 5. Glaub nur feste, Daß das Beste Ueber dich beschlossen sey; Wenn dein Wille Nur ist stille, Wirst du von dem Kummer frei. 6. Willst du wanken In Gedanken, Senk dich in Gelassenheit; Laß den sorgen, Der auch morgen Herr ist über Leid und Freud. 7. Gottes Hände Sind ohn' Ende, Sein Vermögen hat 14. Aber denen, Die mit Thräkein Ziel; Ists beschwerlich, nen Küssen ihres Jesn Joch, 10. Eignen Willen Zu erfüllen, Leidet sichs noch ziemlich wohl; Da ist Plage, Noth und Klage, Wo man leiden muß und soll. 11. Drum wohl denen, Die sich sehnen Nach der stillen Willensruh! Auf das Wollen Fällt dem Sollen Bald auch das Vollbringen zu. 12. Mehr zu preisen Sind die Weisen, Die schon in der Uebung stehn, Die das Leiden Und die Freuden Nur mit Hiobs Augen sehn. 13. Nun so trage Deine Plage Fein getrost und mit Geduld! Wer das Leiden Will vermeiden, Häufet seine Sündenschuld. C. Nachfolge Chrifti. 303 Wird die Krone Vor dem Namen Meines Jesu halt ich Throne Ihres Heilands wer- still: Es geschehe Und ergehe, den noch. Wie und wann und was er 15. Amen, Amen! In dem will. Herrnschmid, g. 1675 † 1723. Mel. Nun laßt uns Gott, den Herren.( Matth. 14, 15-21.) 376. Die ihr bei Jesu blei-| schauen, So nähret allerwebet, Deß Wort euch führt und treibet, Die ihr nicht von ihm gehet, Weil ihr sein Herz verstehet: gen uns ein geheimer Segen. 5. Wie dieses mag geschehen, Das kann man nicht verstehen; Allein man sieht am Ende: Es gieng durch Gottes Hände! 6. Man wundert sich und preiset Den Herrn, der uns gespeiset; Man glaubt von Herzensgrunde Und dankt mit frohem Munde. 7. Kommt her und singt zusammen: Wir rühmen deinen Namen! Du, Herr, bist unser König, Dir sind wir unterthänig! 2. Was speist euch doch, ihr Armen? Das göttliche Erbarmen! Das segnet ganz verborgen Auch ohne eure Sorgen. 3. Wenn wir von Tag zu Tagen Die Nothdurft überschlagen Und rechnen dann die Menge, So sind wir im Gedränge. 4. Doch wenn wir mit Vertrauen Ihm auf die Hände Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769 C. Nachfolge Christi. Mel. Auf; Christenmensch.( Matth. 16, 24. 10, 58. 2 Tim. 2, 3.) Weg, ich weise wohl, Wie man wahrhaftig wandeln soll." 377. Mir nach!" spricht| stern schweben: Ich bin der Christus, unser Held," Mir nach, ihr Christen alle! Verleugnet euch, verlaßt die Welt, Folgt meinem Ruf und Schalle! Nehmt euer Kreuz und Unge- le; Mein Mund, der gibt zu mach Auf euch, folgt meinem Wandel nach!" jeder Zeit Sanftmüthige Befehle; Mein Geist, Gemüthe, Kraft und Sinn Ist Gott ergeben; schaut auf ihn!" 2.„ Ich bin das Licht, ich leucht euch für Mit heilgem Tugendleben; Wer zu mir kommt und folget mir, Darf nicht im Fin3. ,, Mein Herz ist voll Demüthigkeit, Voll Liebe meine SeePP 4. Ich zeig euch, das was schädlich ist, zu fliehen und zu XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. 304 meiden, Und euer Herz von arger List Zu rein'gen und zu scheiden; Ich bin der Seelen Fels und Hort Und führ euch zu der Himmelspfort." 5. Fällts euch zu schwer, ich geh voran, Ich steh cuch an der Seite, Ich kämpfe selbst, ich breche Bahn, Bin alles in dem Streite! Ein böser Knecht, der still mag stehn, Sieht er voran den Feldherrn gehn!" 6. ,, Wer hier sein Heil zu finden meint, Wirds ohne mich verlieren; Wer hier es zu verlieren scheint, Den werd ich dazu führen. Wer nicht mir nachfolgt in Geduld, Ist mein nicht werth und meiner Huld!" 7. So laßt uns denn dem lieben Herrn Mit unsrem Kreuz nachgehen Und wohlgemuth, getrost und gern Im Leiden bei ihm stehen: Wer nicht ge= kämpft, trägt auch die Kron Des ewgen Lebens nicht davon! Angelus Silesius, g. 1624+ 1677. Rel. Jesu, du mein liebstes.( Joh. 11, 16. Rom. 6. 11 und 8. Cap. 8, 17.) 378. Lasset uns mit Jesu| 3. Lasset uns mit Jesu sterziehen, Seinem Vorbild fol- ben! Sein Tod wehret unfrem gen nach; In der Welt der Tod, Nettet uns von dem VerWelt entfliehen; Auf der Bahn, derben, Von der Seelen ewger die er uns brach, Immerfort Noth. Laßt uns sterben, weil zum Himmel reisen; Irdisch wir leben, Sterben unsern Lünoch. schon himmlich seyn, sten ab, Dann wird er uns aus Glauben recht und leben rein, dem Grab In das HimmelsGlauben durch die Lieb erwei- leben heben. Jesu! sterb ich, sen! Treuer Jesu, bleib bei sterb ich dir, Daß ich lebe für mir; Geh voran, ich folge dir! und für. 2. Lasset uns mit Jesu leiden, Seinem Vorbild werden gleich! Nach dem Leide folgen Freuden, Armuth hier macht dort einst reich; Thränenfaat bringt Heil und Wonne, Hoffnung tröstet mit Geduld, Denn es scheint durch Gottes Huld Nach dem Regen bald die Sonne. Jesu! hier leid ich mit dir, Dort gib deine Freude mir. 4. Lasset uns mit Jesu leben! Weil er auferstanden ist, Muß das Grab uns wiedergeben. Jesu! unser Haupt du bist, Wir sind deines Leibes Glieder, Wo du lebst, da leben wir; Ach erkenn uns für und für, Seelenfreund, für deine Brüder! Dir, o Jesu, leb ich hier, Dort auch ewig einst bei dir! S. von Birken, g. 1626+1684. C. Nachfolge Christi. Eigene Mel.( 2 Tim. 2, 5.) 379. Auf, Christenmensch,| spöttlich, wenn er noch mite Fleiß Ans Zagheit wird dem Feinde preis! auf, auf zum Streit! Auf, auf zum Ueberwinden! In dieser Welt, in dieser Zeit Ist keine Ruh zu finden; Wer nicht will streiten, trägt die Kron Des ewgen Lebens nicht davon. 2. Der Satan kommt mit seiner List, Die Welt mit ihrem Prangen, Das Fleisch, durch Lust dich, wo du bist, zu fällen und zu fangen; Streitst du nicht wie ein tapfrer Held, Bist du dahin und schon gefällt. 3. Gedenke, daß du zu der Fahn Des Feldherrn haft geschworen; Gedenke, daß du als ein Mann Zum Streit bist auserkoren; Gedenk, daß ohne Streit und Sieg Noch keiner zum Triumphe stieg. 4. Wie schmählich ists, wenn ein Soldat Dem Feind den Rüden kehret! Wie schändlich, wenn er seine Statt Verläßt und sich nicht wehret! Wie 305 5. Wer überwunden und den Raum Der Laufbahn wohl durchmessen, Der wird im Paradies vom Baum Des ewgen Lebens essen. Er wird fürwahr von keinem Leid Noch Tod berührt in Ewigkeit!( Offenb. 2, 7.) 6. Wer überwunden, der soll nicht Aus Gottes Tempel gehen, Vielmehr drin als ein ewig Licht Und güldne Säule stehen; Der Name Gottes, unsers Herrn, Soll leuchten von ihm nah und fern.( Offenb. 3, 12.) 7. So streit denn wohl, streit feck und kühn, Daß du mögst überwinden; Streng an die Kräfte, Muth und Sinn, Daß du dieß Gut mögst finden; Wer nicht will streiten um die Kron, Bleibt ewiglich in Spott und Hohn! Angelus Silesius, g. 1624 t 1677 Me!. Aus meines Herzens.( Job. 21, 19. 1 Tim. 6, 12. 2 Tim. 2, 5.) 380. Dich frönte Gott mit 2. Ich, Herr, dein Pilger Frenden, Herr Jesu, nach dem Streit; Du giengst durch Schmach und Leiden Zu deiner Herrlichkeit. Triumph war dir dein Tod! Dein Kampf war ausgekämpfet, Dein stolzer Feind gedämpfet; Nun fuhrst du auf zu Gott. Evangelisches Gesangbuch. walle Dir, meinem Führer, nach Und strauchle noch und falle; Denn ich bin müd und schwach. Du führst mich auch durch Streit, Durch Kummer und durch Leiden Zu meiner Zukunft Freuden, zu deiner Herrlichkeit. 20 306 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 3. Wie du des Todes Schre-| streite, Bis meine Stund erden Allmächtig überwandst, scheint, Und du stehst mir zur Als du, ihn ganz zu schmecken, Herr, im Gerichte standst, So stärkest du auch mich. Durchs finstre Thal zu gehen; Denn deine Frommen sehen Im finstern Thale dich. Seite, Mein Netter und mein Freund! Sinkt in dem Kampfe mir Mein Arm ermüdet nieder, Dieß stärkt und hebt ihn wieder: Mein Lohn ist groß bei dir! 6. Erhalt mir den Gedanken: Groß sey bei dir mein Lohn; So werd ich nimmer wanken Von dir, o Gottes Sohn! So bleib ich dir getren, Der sich für mich gegeben, Daß bald ein besser Leben Mein ewig Erbtheil sey. Münter, g. 1735 f 1793. 4. Wenn ich einst bis zum Grabe Vollendet meinen Streit Und gut gekämpfet habe 11m meine Seligkeit, Wie werd ich dann mich freun, Wie werd ich voll Entzücken Auf meine Krone blicken Und dann ganz selig seyn! 5. Drum harr' ich hier und Rel. Seelenbräutigam.( Joh. 14, 6.) 381. Jesu! gehvorau Auf der Lebensbahn, Und wir wollen nicht verweilen, Dir getreulich nachzueilen; Führ uns an der Hand Bis ins Vaterland. 2. Solls uns hart ergehn, Laß uns feste stehn Und auch in den schwersten Tagen Niemals über Lasten klagen; Denn durch Trübsal hier Geht der Weg zu dir. 3. Nühret eigner Schmerz Irgend unser Herz, Kümmert uns ein fremdes Leiden, O so gib Geduld zu beiden; Nichte unsern Sinn Auf das Ende hin! 4. Ordne unsern Gang, Jesu, lebenslang!. Führst du uns durch rauhe Wege, Gib uns auch die nöthge Pflege; Thu uns nach dem Lauf Deine Thüre auf. Nif. L. Graf von 3inzendorf, g. 1700 † 1760. ( 1 Job. 2, 28.) Schmerzen auf sich nahm! Bleibt bei Dem, der einzig bleibet, Wenn auch alles untergeht, Der, wenn alles auch Mel. Berde munter. 382. Bleibt bei Dem, der euretwillen Auf die Erde niederkam, Der, um euren Schmerz zu stillen, Tausend C. Nachfolge Christi. 307 über'm| stirbt selbst ihr ab. Ird'sches Wesen muß verwesen, Ird'sche Flamme muß verglühn, Irdsche Fessel muß sich lösen, Irdsche Blüthe muß verblühn. erstäubet, Siegend Staube steht. 2. Alles schwindet; Herzen brechen, Denen ihr euch hier ergabt, Und der Mund hört auf zu sprechen, Der euch oft mit Trost gelabt, Und der Arm, der euch zum Stabe Und zum Schilde ward, erstarrt, Und das Auge schläft im Grabe, Das euch sorgsam einst bewahrt. 3. Alles stirbt; das Ird'sche findet In dem Irdischen sein Grab; Alle Lust der Welt verschwindet, Und das Herz 383. Bei dir, Jesu, will ich bleiben, Stets in deinem Dienste stehn; Nichts soll mich von dir vertreiben, Deine Wege will ich gehn. Du bist meines Lebens Leben, Meiner Seele Trieb und Kraft, Wie der Weinstock seinen Reben Zuströmt Kraft und Lebenssaft. 4. Doch der Herr steht über'm Staube Alles Irdischen und spricht:„ Stüße dich auf mich und glaube, Hoffe, lieb, und fürchte nicht!" Darum bleibt bei Dem, der bleibet Und der geben kann, was bleibt, Der, wenn ihr euch ihm verschreibet, Euch ins Buch des Lebens schreibt! Mel. Werde munter.( Job. 6, 68. Rom. 8, 382c.) 2. Könnt ichs irgend besser haben Als bei dir, der allezeit So viel tausend Gnadengaben Für mich Armen hat bereit? Könnt ich je getroster werden Als bei dir, Herr Jesu Christ, Dem im Himmel und auf Erden Alle Macht gegeben ist! 3. Wo ist solch ein Herr zu finden, Der, was Jesus that, mir thut, Mich erkauft von Tod und Sünden Mit dem Spitta, g. 1801. eignen, theuren Blut? Sollt ich dem nicht angehören, Der sein Leben für mich gab? Sollt ich ihm nicht Treue schwören, Treue bis in Tod und Grab? 4. Ja, Herr Jesu, bei dir bleib ich, So in Freude wie in Leid; Bei dir bleib ich, dir verschreib ich mich für Zeit und Ewigkeit! Deines Winks bin ich gewärtig, Auch des Nufs aus dieser Welt; Denn der ist zum Sterben fertig, Der sich lebend zu dir hält. 5. Bleib mir nah auf dieser Erden, Bleib auch, wenn mein Tag fich neigt, Wenn es nun will Abend werden Und die Nacht herniedersteigt. Lege segnend dann die Hände Mir aufs müde, schwache Haupt, 308 XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. Sprich dann:„ Kind, hier gehts| scharfe Wehen Vor des Himzu Ende, Aber dort lebt, wer hier glaubt!" 6. Bleib mir dann zur Seite stehen, Wenn mir Grauen macht der Tod, Als das kühle, mels Morgenroth. Wird mein Auge dunkler, trüber, Dann erleuchte meinen Geist, Daß ich fröhlich zieh hinüber, Wie man nach der Heimath reist! Spitta, g. 1801. D. Heiligung. Mel. 3euch mich, zeuch mich.( Matth. 5, 3-16.) 384. Hört das Wort voll Ernst und Liebe, Das zu euch der Heiland spricht, Hörts und prüft des Herzens Triebe Bei des Wortes hellem Licht! Was der Mund des Herrn gebeut, Das ist eure Seligkeit. 2. Nicht aus Sinais Gewittern Donnert hier des Herrn Gebot, Daß die Herzen bang erzittern, Weil es Zorn und Strafe droht; Selig preisend thut sein Mund Euch den Sinn des Vaters fund: 3. Selig sind die geistlich Armen, Denn das Himmelreich ist ihr! Ihnen öffnet voll Erbarmen Gott der ewgen Gnade Thür; Da wird ohne Maß gewährt, Was ihr sehnend Herz begehrt." 4. ,, Selig sind, die Leid empfinden Auf des Lebens schmaler Bahn! Ihre Traurigkeit wird schwinden, Reicher Trost wird fie umfahn; Denn sie wirkt zur Seligkeit Reue, welche nie gereut." 5.„ Selig sind, die sanften Muthes Und in Demuth milde find! Sie erfreuen sich des Gutes, Das kein Troß und Streit gewinnt. Durch der Sanftmuth stille Macht Wird das Schwerste leicht vollbracht." 6., Selig sind, die hier mit Schmachten Dürsten nach Gerechtigkeit, Die nach Gottes Reiche trachten, nicht nach Gütern dieser Zeit! Wo der Born des Lebens quillt, Wird ihr Seelendurst gestillt." 7. ,, Selig sind, die voll Erbarmen Auf der Brüder Leiden fehn Und den Schwachen, Kranken, Armen Freudig eilen beizustehn! Noch vor Gottes Thron erfreut Einst auch fie Barmherzigkeit." 8. ,, Selig sind die reinen Herzen, Die nicht Sünd und Welt umstrickt, Die mit schnöder Luft nicht scherzen, Weil nur Heils ges sie entzückt! Einst im reinen Himmelslicht Schaun fie Gottes Angesicht." D. Heiligung. 309 vor Gottes Thron Seiner Ueberwinder Lohn." 9. ,, Selig sind, die Frieden| ihm folgen nach! Groß ist dort bringen, Schuld und Kränkung übersehn, Feindeshaß mit Huld bezwingen, Für Verfolger segnend flehn! Trifft sie auch der Menschen Spott, Seine Kinder nennt sie Gott." 11. ,, Seyd ein Salz, ein Licht der Erde, Laßt der Wahrheit Früchte sehn, Daß durch euch verherrlicht werde Euer Vater in den Höhn. Ob der Erdball untergeht, Sein Gebot, sein Wort besteht!" 10. ,, Selig sind, die als Gerechte Dulden Kreuz, Verfolgung, Schmach, Als des Herrn getreue Knechte Bis zum Tod Garve, g. 1763 † 1841. Eigene Mel.( Luc. 10, 42. 1 Cor. 1, 30.) Ihr alles war gänzlich in Jesum versenkt, Und wurde ihr alles in Einem geschenkt: 385. Eins ist noth! ach| Heiland, sie wollte belehren, Herr, dieß eine Lehre mich erkennen doch! Alles andre, wie's auch scheine, Ist ja nur ein schweres Joch, Darunter das Herze sich naget und plaget, Und dennoch kein wahres Vergnügen erjaget; Erlang ich dieß eine, das alles ersetzt, So werd ich mit einem in allem ergößt. 2. Seele! willst du dieses finden, Suchs bei keiner Kreatur; Laß, was irdisch ist, dahinten, Schwing dich über die Natur, Wo Gott und die Menschheit in Einem vereinet, Wo alle vollkommene Fülle erscheinet, Da, da ist das beste, nothwendigste Theil, Mein ein und mein alles, mein seligstes Heil. 3. Wie, dieß eine zu genieBen, Sich Maria dort befliß, Als sie sich zu Jesu Füßen Voller Andacht niederließ; Ihr Herz, das entbrannte, nur einzig zu hören, Wie Jesus, ihr 4. Also ist auch mein Verlangen, Liebster Jesu, nur nach dir! Laß mich treulich an dir hangen, Schenke dich zu eigen mir! Ob viele zum größesten Haufen auch fallen, So will ich dir dennoch in Liebe nachwallen, Denn dein Wort, o Jesu, ist Leben und Geist! Was ist wohl, das man nicht in Jesu geneußt? 5. Aller Weisheit höchste Fülle Indir ja verborgen liegt: Gib nur, daß sich auch mein Wille Fein in solche Schranken fügt, Worinnen die Demuth und Einfalt regieret Und mich zu der Weisheit, die himmlisch ist, führet. Ach, wenn ich nur Jesum recht kenne und weiß, So hab ich der Weisheit vollkommenen Preis! 6. Nichts kann ich vor Gott 310 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. ja bringen, Als nur dich, mein| dammniß entbunden; Dein Einhöchstes Gut! Jesu! es muß gang die völlige Freiheit mir mir gelingen Durch dein then bringt, Im findlichen Geiste res Opferblut; Die höchste das Abba nun klingt. Gerechtigkeit ist mir erworben, Da du bist am Stamme des Kreuzes gestorben, Da hab ich die Kleider des Heiles erlangt, Worinnen mein Glaube in Ewigkeit prangt. 9. Volle Gnüge, Fried und Freude Jezzo meine Seel er= götzt, Weil auf eine frische Waide Mein Hirt, Jesus, mich gesetzt; Nichts füßeres kann mich im Herzen erlaben, Als wenn ich, mein Jesu, dich immer soll haben, Nichts, nichts ist, das also mich innig erquickt ,, Als wenn ich dich, Jesu, im Glauben erblickt! 7. Nun so gib, daß meine Seele Auch nach deinem Bild erwacht: Du bist ja, den ich erwähle, Mir zur Heiligung gemacht! Was dienet zum göttlichen Wandel und Leben, Ist in dir, mein Heiland, mir alles gegeben; Entreiße mich aller vergänglichen Lust; Dein Leben sey, Jesu, mir einzig bewußt! 8. Ja, was soll ich mehr verlangen? Mich beströmt die Gnadenfluth! Du bist einmal eingegangen In das Heilge durch dein Blut; Da hast du die ewge Erlösung erfunden, Daß ich nun von Tod und Ver10. Drum auch, Jesu, du alleine Sollst mein ein und alles seyn; Prüf, erfahre, wie ichs meine, Tilge allen Henchelschein; Sieh, ob ich auf bösem, betrüglichem Stege, Und leite mich, Höchster, auf ewigem Wege! Gib, daß ich nichts achte, nicht Leben noch Tod, Und Jesum gewinne: dieß eine ist noth! Schröder, g. 1666 † 1730. Eigene Mel.( Ebr. 12, 4. 1 Tim. 6, 12. 2 Cor. 12, 9.) Schlangen gehn, Die leicht ihr Gift in unsre Fersen bringen; Da kostets Müh, auf seiner Hut zu stehn, Daß nicht das Gift kann in die Seele dringen. Wenn mans versucht, so spürt man mit der Zeit Die Wichtigkeit. 3. Doch ist es wohl der Mühe werth, Wenn man mit Ernst 386. Es Fostet viel, ein Christ zu seyn Und nach dem Sinn des reinen Geistes leben; Denn der Natur geht es gar sauer ein, Sich immerdar in Christi Tod zu geben; Und wenn man einen Kampf auch wohl aussicht, Das machts noch nicht! 2. Man muß hier stets auf D. Heiligung. 311 als Mutter hat gespüret; Sie krönet es mit ihrem Perlenkranz Und wird als Brant der Seele zugeführet. Die Herrlichkeit wird da ganz offenbar, Die in ihr war. die Herrlichkeit erwäget, Die| heit ganz, Die es hier stets ewiglich ein solcher Mensch erfährt, Der sich hier stets aufs Himmlische geleget; Es hat wohl Müh, die Gnade aber schafft Uns Muth und Kraft. 4. Man soll ein Kind des Höchsten seyn, Ein reiner Glanz, ein Licht im großen Lichte! Wie wird der Leib so stark, so hell und rein, So herrlich seyn, so lieblich von Gesichte, Dieweil ihn da die wesentliche Pracht So herrlich macht! 5. Da wird das Kind den Vater sehn, Im Schauen wird es ihn mit Luft empfinden; Der lautre Strom wird es da ganz durchgehn Und es mit Gott zu einem Geist verbinden. Wer weiß, was da im Geiste wird geschehn? Wer mags verstehn? 6. Da gibt sich ihm die Weis7. Was Gott genießt, genießt es auch, Was Gott befißt, wird ihm in Gott gegeben, Der Himmel steht bereit ihm zum Gebrauch, Wie lieblich wird es dort mit Jesu leben! Nichts höher wird an Kraft und Würde seyn, Als Gott allein. 2. Du darfst ja wie ein Kind nur seyn; Du darfst ja nur die 8. Auf, auf, mein Geist, ermüde nicht, Dich durch die Macht der Finsterniß zu reißen! Was sorgest du, daß dirs an Kraft gebricht? Bedenke, was für Kraft uns Gott verheißen' Wie gut wird sichs doch nach der Arbeit ruhn! Wie wohl wirds thun! Richter, g. 1676 † 1711. Mel. Es fostet viel.( 1 Joh. 5, 3. Marc. 9, 23.) 387. Es ist nicht schwer,| leichte Liebe üben; O blöder ein Christ zu seyn Und nach dem Sinn des reinen Geistes leben; Denn der Natur geht es zwar sauer ein, Sich immerdar in Christi Tod zu geben; Doch führt die Gnade felbst zu aller Zeit Den schweren Streit. Geist, schau doch, wie gut ers mein'! Das kleinste Kind kann ja die Mutter lieben; Drum fürchte dich nur ferner nicht so fehr; Es ist nicht schwer! 3. Dein Vater fordert nur das Herz, Daß er es selbst mit seiner Gnade fülle; Der fromme Gott macht dir gar keinen Schmerz. Die Unluft 312 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. schafft in dir dein eigner Wille;| Dein Vater wird nichts schlimDrum übergib ihn willig in . den Tod, So hats nicht Noth! 4. Wirf nur getroft den Kummer hin, Der nur dein Herz vergeblich schwächt und plaget; Erwecke nur zum Glauben deinen Sinn, Wenn Furcht und Weh dein schwaches Herze naget; Sprich:„ Vater! schau mein Glend gnädig an;" So ists gethan. mes mit dir thun, Kein Sturm darf dich, so schwer er ist, er= schrecken; Ja, siehst du endlich ferner keine Spur, So glaube nur! 7. So wird dein Licht aufs neu entstehn, Du wirst dein Heil mit großer Klarheit schauen; Was du geglaubt, wirst du dann vor dir sehn, Drum darfst du nur dem frommen Vater trauen. O Seele, sich doch, wie ein wahrer Christ So selig ist! 5. Erhalt dein Herz nur in Geduld, Wenn du nicht gleich des Vaters Hilfe merkest. Versiehst du's oft und fehlst aus eigner Schuld, So sieh, daß du dich durch die Gnade stärkest; So gilt dein Fehl und kindliches Versehn Als nicht geschehn. 8. Auf, auf, mein Geist! was säumest du, Dich deinem Gott ganz kindlich zu ergeben? Geh ein, mein Herz, genieß die süße Ruh, Im Frieden sollst du vor dem Vater schweben! Die Sorg und Last wirf nur getrost und kühn Allein auf ihn! 6. Laß nur dein Herz im Glauben ruhn, Wenn dich will Nacht und Finsterniß bedecken; Richter, g. 1676 † 1711. Eigene Mel.( Matth. 7, 14. Jef. 30, 21. Joh. 3, 5. Matth. 11, 28 2c.) recht dazu bereiten, So ist der schmale Weg voll Süßigkeiten. 388. Der schmale Weg ist| lich dazu lenkt. Man muß sich breit genug zum Leben! Wenn man nur sacht und grad und stille geht, So wird man nicht so leichtlich umgeweht; Man muß sich recht hineinbegeben, So ist er breit genug zum frommen Leben. 3. Du mußt erst Geist aus Geist geboren werden, Dann wandelst du des Geistes schmale Bahn; Sonst ist es schwer, und gehet doch nicht an. Weg, schnöder Sinn, du Schaum der Erden! Ich muß erst Geist aus Geist geboren werden. 2. Des Herren Weg ist voller Süßigkeiten, Wenn man es nur im Glauben recht bedenkt, Wenn man das Herz nur fröh-| 4. Wer die Geburt aus Chri D. Heiligung. 313 schon es oft durch Tod und Hölle gehet. sto hat erlanget, Der folgt al-| getrost und feste stehet, Oblein dem Herrn getreulich nach; Er leidet erst, er trägt erst seine Schmach, Eh er mit ihm im Lichte pranget, Wer die Geburt aus Christo hat erlanget. 5. Er wird mit ihm in seinen Tod begraben, Er wird im Grab auf eine Zeit verwahrt, Er stehet auf und hält die Himmelfahrt; Dann gibt ihm Gott des Geistes Gaben, Wenn er zuvor mit Christo ward bes graben. 6. Derselbe Geist, der Christum hier geübet, Derselbe übt die Jünger Christi auch; Der eine Geist hält immer einen Brauch, Kein andrer Weg wird sonst beliebet; Der Jünger wird, wie Christus, hier geübet. 7. Und ob es gleich durch Tod und Dornen gehet, So triffts doch nur die Ferse, nicht das Herz. Die Traurigkeit läßt keinen tiefen Schmerz Dem, der 8. Das sanfte Joch kann uns ja hart nicht drücken, Es wird dadurch das Böse nur gedrückt; Der Mensch wird frei, damit er nicht erstickt. Wer sich nur weiß darein zu schicken, Den kann das sanfte Joch zu hart nicht drücken. 9. Die leichte Last macht nur ein leicht Gemüthe, Das Herz hebt sich darunter hoch empor, Es tritt mit freier Lebenskraft hervor Und schmeckt dabei des Herren Güte. Die leichte Last macht nur ein leicht Gemüthe. 2. Im Sündendienst ist Finsterniß, Den Weg erkennt man nicht; Bei Christo ist der Gang gewiß, Man wandelt in dem Licht. 10. Zeuch, Jesu, mich, zeuch mich, dir nachzugehen! Zeuch mich dir nach, zeuch mich, ich bin noch weit: Dein schmaler Weg ist voller Süßigkeit, Des Guten Füll' ist hier zu sehen; Zench, Jesu, mich, zeuch mich, dir nachzugehen! Richter, g. 1676 † 1711. Mel. Wenn ich nur meinen Jesum hab.( Röm. 6, 16. Joh. 8. 36.) 389. Wie gut ists, von der Sünde frei! Wie selig, Christi Knecht! Im Sündendienst ist Sklaverei, In Christo Kindesrecht. 3. Im Sündendienst ist Haß und Leid, Man plagt und wird betrübt; In Christi Reich ist Freudigkeit, Man liebt und wird geliebt. 4. Die Sünde gibt den Tod zum Lohn; Das heißt ja schlimm gedient! Das Leben aber ist im Sohn, Der uns mit Gott verfühnt. XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 314 5. O Heiland! dir nur dien' ich gern, Denn du hast mich erkauft; Ich weiß und will sonst keinen Herrn, Auf dich bin ich getauft. 6. Wen du frei machst, der ist recht frei; Du schenkst ihm alle Schuld; Und darum dank ich deiner Tren Und rühme deine Huld. 3. Tausendmal hab ich geweinet, Schmerzlich meinen Fall berent, Gläubig mich mit dir vereinet Und mich deiner Huld gefreut. Gnädig sahst du auf mich nieder; Aber bald vergaß ich wieder, O du Langmuthsvoller, dich, Und mein Herz besiegte mich. 4. Ach was kann ich dir versprechen? Meint' ichs auch so 7. Ich bete an, Herr Jesu Christ, Und sage: ich bin dein; Nimm mich zu dir, denn wo du bist, Soll auch dein Diener seyn!" Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Mel. Alle Menschen.( Jerem. 17, 14. Matth. 7, 7-11.) 390. Vater! heilig möcht| redlich noch, Meine Zusag ich leben, Nechtthun wäre meine Lust; Aber Lüste widerstreben Dem Gesetz in meiner Brust. Ach, die Unart meines Herzens Ist noch oft ein Quell des Schmerzens, Schwerdrückt mich der Sünde Joch; Was ich nicht will, thu ich doch! nicht zu brechen, Ich vergaß und brach sie doch. Oft schon hab ich es erfahren, Was Gelübd' und Thränen waren; Plößlich, eh ich mirs versah, War die Sünde wieder da. 2. Sieh umkraft mich Schwachen beten, Meinem Vorsatz trau ich nicht: Lockende Begierden treten Zwischen mich und meine Pflicht; Selbst den süßen Andachtsstunden, Da ich, Vater, dich empfunden, Da ich nur von Liebe sprach, Folgten Sündentage nach. 5. Vater! du nur fannst mich retten, Wenn mich niemand retten kann. Beten will ich, brünstig beten: Schau mich mit Erbarmen an; Reiß die Wurzel meiner Schmerzen, Reiß die Sünd aus meinem Herzen! Tief im Staube bitt ich dich: Heilige du selber mich! 6. Sieh mich dürften nach dem Guten; Früh und spät ruf ich zu dir; Laß mein Herz nicht länger bluten, Schenke höhre Kräfte mir. Laß mein Flehn nicht seyn vergebens, Sende doch den Geist des Lebens; Zieh mit neuer Kraft mich an, Daß ich dir gefallen kann. 7. Väter, böse Väter schenfen Brod den Kindern, wenn sie flehn; Vater! und ich sollte denken: Du, du könntest mich D. Heiligung. 315 Herz mit Ruh. Leben werd ich, nicht vergehen; Meine Stärke, Gott, bist du! Ueberwinden, überwinden Werd ich durch dich Und in jenen alle Sünden Himmelshöhn Nein vor deinem Antlig stehn. 8. Gott! du hörst mein kindlich Flehen Und erquickst mein Lavater, g. 1741 † 1801. Mel. Mein's Herzens Jesn.( Jerem. 24, 7. Joh. 17, 15. 1 Joh. 5, 4.) 391. Herr! laß mich deine| Herz zu bringen; Damit dein Heiligung Durch deinen Geist erlangen. Du hast die Sinnesänderung Selbst in mir angefangen; Dein Geist wirkt Heiligung allein, Nur deine Kraft macht Herzen rein, Seit du zu Gott gegangen. Geist, der ewig frei, Allein mein innres Leben sey; Dann wird es mir gelingen. 2. Ich kann mich selber vor der Welt nicht unbefleckt bewahren; Ich kann nicht thun, was dir gefällt, Das hab ich oft erfahren. Ich will mich übergeben dir, O mach ein neu Geschöpf aus mir In meinen Gnadenjahren! 5. Laß mich in deiner Lieb allein Die Lebensnahrung finden; Vertreib aus mir den Lügenschein Der angewohnten Sünden. Nur die Gemeinschaft mit dem Licht Sey meine Lust und süße Pflicht; Dann wird die Knechtschaft schwinden. 6. Lösch alles fremde Feuer aus, Das in mir will entbrennen; Mach mich zu deinem reinen Haus, Laß nichts mich von dir trennen. Verbinde dich im Geist mit mir, Daß ich als eine Reb' andir, Nach dir mich dürfe nennen. verschmähn? Könntest erst den Sohn uns senden, Und dein Aug doch von uns wenden? Gäbst nicht auf die Deinen Acht, Flehten sie gleich Tag und Nacht? 3. Ich stehe täglich in Gefahr, Das Kleinod zu verlieren; Die Sünde lockt mich immerdar Und will mich dir entführen. Herr Jesu! nimm dich meiner an, Erhalt mich auf der Lebensbahn, Nur du wollst mich regieren. 4. Die Kraft von deinem theuren Blut Laß innig mich durchdringen, Dein Leben, o du höchstes Gut, Mir in das 7. Laß mich in deiner Gegenwart Mit stillem Geist verbleiben; Mach mein Gefühl mir rein und zart, Das Böse abzutreiben; In dir laß mich stets grünend seyn, So führst du mich zum Leben ein, Wird gleich mein Leib zerstäuben. Nach Joh. Mich. Hahn. XVII. Christlicher Sinn und Wandel. Mel. Werde munter.( Phil. 3, 12 2c. Matth. 5, 20.) 392. Das, was christlich ist, sen, Eine geisterfüllte Kraft: Von der Welt seyn auserlesen, Tragen Christi Jüngerschaft, Ohne Schatten, Schaum und Spreu Zeigen, daß man himmlisch sey! Wer aus Gott ist neugeboren, Ist in diese Zahl er= koren. 316 zu üben, Nimmst du, Menschenkind, zu leicht! Ist dir nichts zurückgeblieben? Hast du denn das Ziel erreicht? Traue nicht dem falschen Schein, Willst du nicht betrogen seyn; Hast du alles wohl erwogen, Dich auf Gottes Wort bezogen? 2. Ehrbar seyn, die Laster fliehen, Davor auch ein Heid erschrickt; Um den Nächsten sich bemühen, Wenn daraus ein Nußen blickt; Freundlich thun, den Zöllnern gleich; Seyn an guten Worten reich, Gibt noch keine rechte Proben, Die als Heiligkeit zu loben. 3. Wenn man ohne Anstoß lebet Und das Aug nichts schelten kann; Wenn der Sinn nach Tugend strebet, Feindet grobe Laster an, Lobt die Frommen, rühmt, was gut, Hat im Leid gelinden Muth, Sollte zu der Zahl der Frommen Nicht mit Recht ein solcher kommen? 4. Gottesdienst, Gebet und Feier, Eine mildgewöhnte Hand, Fleiß im Amt und reiche Steuer, Redlichkeit, der Treue Pfand, Recht und Strafe mit Gebühr Dem Verbrecher schreiben für, Kann oft selbst, ob wirs schon preisen, Nicht das Christenthum beweisen. 5. Nein, es ist ein göttlich We6. Seele, willst du recht erlangen, Was dich Christo ähnlich macht, Und nicht an dem Neußern hangen, Meid der Worte Schein und Pracht! Auf das Innre wend dein Aug, Prüfe, ob es etwas taug; Durch Verleugnung mußt du gehen, Willst du Gortes Neichthum sehen. 7. Wissen Gottes Sinn und Willen, Folgen Gottes Rath und Zucht, Seinen Durst in Jesu stillen, Zeigen schöne Liebesfrucht, Die der Glaub von selbst gebiert. Das ists, was zum Ziele führt; Buß thun, glauben, heilig leben, Ists, wonach die Christen streben. 8. Glaube ist ein großes Wunder, Weil er Jesum an sich zeucht, Ist des neuen Lebens Zunder, Eine Burg, dahin man fleucht; Wenn uns das Gesez verklagt, Daß das Herz erschrickt und zagt, Hilft der Glaube überwinden Und den Geist der Kindschaft finden. 9. Ist der Glaube angezündet, D. Heiligung. 317 Duftet er wie eine Blum; Wer wissen, Wie man dir gefallen mit Gott sich eng verbindet, Sucht nicht Ruhm noch Eigenthum, Trägtvor kleinstenSünden Scheu, Brennt vor Liebe, niedrig, treu, Steht vor Gott ganz aufgedecket, Wo ein Heuchler sich verstecket. soll; Mach uns recht zu thun beflissen Und des wahren Lebens voll. Deiner Gnade Ruf und Zug Deck uns auf den Selbstbetrug, Da viel Tausend sich bethören, Meinend, daß sie dir gehören. 12. Geuß den Geist in unsre Seelen, Durch das Wort, das feurig ist, Uns vom Irrthum loszuzählen Der im Fleisch verborgnen List. Prüf und siehe, wie es steh, Daß kein Schäflein untergeh; Laß das Urtheil einst erschallen: Daß wir dir recht wohl gefallen! 10. Siehst du nun, gleich Namenchristen, Andir leeren Bilderkram AufgetünchtenSchaugerüsten, Drauf kein wahres Wesen kam; Bist noch eitel, taub und blind, Leicht zum Bösen, wie der Wind, Ohne Saft und Geistes Treiben,- Muß dein Selbstlob unterbleiben. 11. Ach Herr Jesu! laß uns Mel. Mein's Herzens Jesu.( 1 Petri 2, 24.). 393. Dein bin ich, Herr, dir will ich mich Zum Opfer ganz ergeben; Rechtschaffen, fromm und rein will ich Vor deinen Augen leben. Wie könnt ich eines andern seyn? Bin ich nicht durch die Schöpfung dein Und dein durch die Erlösung? 2. Ich fiel und wandte mich von dir, Zur Finsterniß vom Lichte; Doch wandtest du dich, Gott, zu mir mit deinem Angesichte; Erbarmen war dein Angesicht, Mich von der Finsterniß ins Licht, Zu dir zurückzurufen. Hedinger, g. 1664 † 1704. 3. Dein, dein ist die Barmherzigkeit, Du liebest selbst die Sünder;„ Seyd," rufft du, heilig, mir geweiht Und meiner Gnade Kinder! Ihr irrt und fündigt; faffet Muth: Dort fließet der Verfühnung Blut, Von Sünden euch zu waschen." 4. Dein Sohn erniedrigt sich und stirbt Zur Tilgung unsrer Sünden, Kämpft für die Menschen und erwirbt Uns Kraft, zu überwinden. Wie könnt ich eines andern seyn? Bin ich nicht durch die Schöpfung dein Und' dein durch die Erlösung? 5. Durch ihn verfühnt und dir zum Ruhm Erkauft mit seinem Leiden, Will ich mich, als dein Eigenthum, Von dir nie wieder scheiden. Gekreuzigt werde mir die Welt, Getödtet, was dir 318 XVII. Christlicher nicht gefällt, Damit ich dir nur lebe. 6. Dieß wirke deine Kraft in mir; Ich habe kein Vermegen, Die Sünd und alles, Gott, was dir Verhaßt ist, abzulegen. Hier ist mein Herz, nimm ganz mich hin Und gib mir einen neuen Sinn, Damit ich dir gefalle. Eramer, g. 1723 † 1788. Mel. Theurester Immanuel.( Matth. 6, 33. 16, 26. Phil. 3, 8-14.) 394. Seele, was ermüd'st| Gott Und aus seinem Geist geboren, Bist erlöst durch Christi Tod Und zu seinem Reich erkoren. Suche Jesum und sein Licht: Alles andre hilft dir nicht. du dich In den Dingen dieser Erden, Die doch bald verzehren sich Und zu Staub und Asche werden? Suche Jesum und sein Licht: Alles andre hilft dir nicht. 2. Sammle den zerstreuten Sinn, Laß ihn sich zu Gott aufschwingen; Nicht ihn stets zum Himmel hin, Laß ihn in die Gnad eindringen! Suche Jesum und sein Licht: Alles andre hilft dir nicht. 3. Du verlangst oft süße Ruh, Dein betrübtes Herz zu laben, Eil der Lebensquelle zu, Da kannst du sie reichlich haben! Suche Jesum und sein Licht: Alles andre hilft dir nicht. Sinn und Wandel. 7. So werd ich, der ich finster war, Ein Licht in deinem Lichte, Besteh einst mit der kleinen Schaar Der Frommen im Gerichte, Frohlocke dann und lobe dich, Daß deine Gnad und Treue mich Gerecht und selig machte. 4. Weißt du nicht, daß diese Welt Ein ganz ander Wesen heget, Als dem Höchsten wohlgefällt, Und dein Ursprung in sich träget? Suche Jesum und sein Licht: Alles andre hilft dir nicht. 5 Du bist ja ein Hauch aus 6. Schwinge dich fein oft im Geist Ueber alle Himmelshöhen; Laß, was dich zur Erde reißt, Weit von dir entfernet stehen, Suche Jesum und sein Licht: Alles andre hilft dir nicht. 7. Nahe dich dem lantern Strom, Der vom Thron des Heilands fließet Und auf die, so keusch und fromm, Sich in reichem Maaß ergießet. Suche Jesum und sein Licht: Alles andre hilft dir nicht. 8. Laß dir seine Majestät Immerdar vor Augen schweben; Laß mit brünstigem Gebet Sich dein Herz zu ihm erheben! Suche Jesum und sein Licht: Alles andre hilft dir nicht. 9. Geh in Einfalt nur dahin, D. Heiligung. 319 quicken. Such nur Jesum und sein Licht: Alles andre hilft dir nicht! Wolf, g. 1684 g. 1754. Mel. An Wasserflüssen Babylon.( Gal. 2, 20.) 395. Du Wort des Vaters,| von dir und bitt es deinetwerede du Und stille meine Sin- gen; Ach siehe, diese Bitt ist nen! Sag an, ich höre willig mir Vor allem angelegen! zu, Ja lehre frei von innen; Du bist mein Schöpfer, steh So schweigt mein Sinn mit mir bei; Du bist mein Heiseinem Tand, Und du bekommst land, voller Treu, Auf dich bin die Oberhand Nach deinem ich getaufet; Du hast mich dir, Rath und Willen. Dir räum o höchster Ruhm, zu deinem ich all mein Innres ein, Das Erb und Eigenthum Mit eigwollest du, ja du allein Mit nem Blut erkaufet; deinem Geist erfüllen! 5. Du bist mein Bürg und Herzensfreund, Zu deinen Mitgenossen Bin ich mit deinem Stamm vereint, Aus dir bin ich entsprossen; Ich bin zu deinem Bild gemacht Und als ein Kind bei dir geacht't, Ein Werk, das ewig bleibet, An dem du Wohlgefallen trägst, zu dem du zarte Neigung hegst, Das sich vom Himmel schreibet. 6. Du bist, mein Jesu, mir zu gut Vom Vater ausgegangen Und, wie man sonst den Mördern thut, Für mich am Kreuz gehangen; Nun denn, so überwind in mir Des Satans Werk', der Welt Begier Und meines Fleisches Pochen; Führ dein Gericht hinaus zum Sieg, Bring mich zur Ruhe nach dem Krieg, Du hast mirs ja versprochen! 7. O Leben, Arbeit, Leiden, Du wirst schon das Ziel erblicken; Glaube: Gottes Vatersinn Wird dich ewig dort er2. Um eins, mein Jesu; bitt ich dich, Um das laß dich erbitten: Dein Herz, dein Herz, das gib in mich, Ein Herz von guten Sitten; Ein Herz, das wie ein kleines Kind, Keusch, niedrig, gütig, rein, gelind, Einfältig und bedächtig; Ein Herz, das Leid im Stillen trägt Und sich in Staub und Asche legt, Ein Herz in Liebe mächtig; 3. Ein Herz, das Gott in Lauterfeit Und Gottes Kinder liebe; Ein Herz, das sanfte Folgsamkeit Und wahre Demuth übe; Ein Herz, das mäBig, wachsam, klug, Das ohne Murren, ohne Trug, Mit dem wohl auszukommen; Ein Herz, das allenthalben frei und ganz von nichts gefangen sey, Die Liebe ausgenommen. 4. Nur dieß bitt ich, o Herr, 320 XVII. Chriftlicher Sinn und Wande!. Noth Des Heilands meiner| stät Mich ganz zum Tempel Seelen, O meines Jesu Angst haben, Darin fie ihren Ruhm und Tod, Euch will ich mich erhöht Durch ihre hohen Gabefehlen! Geht in mich ein ben. Es wird an solchem stilund laßt mich sehn Das Leben len Ort Die Weisheit ihr geaus dem Tod erstehn In allen heimes Wort Nach ihrem meinen Kräften; Hilf mir, o Willen führen, Und ihren Siz du geschlachtet Lamm, An dei- je mehr und mehr Mit ihren nes heilgen Kreuzes Stamm Wundern, Pracht und Ehr Den Leib des Todes heften. Und großen Thaten zieren. 8. Ach präge deinen Tod in mich, Der all mein böses Wesen In mir ertödte kräftiglich, So werd ich recht genesen. Gieß aus dir selber in mich ein Dein Leben, das so heilig, rein, Holdselig, ohne Tadel; Mach mich von aller Heuchelei, Ja allen Missethaten frei Und schenk mir deinen Adel! 9. Alsdann wird deine Maje10. Wohlan, so lebe Gott in mir! In ihm ich leb und webe, Damit mein Herz ihn für und für Nach Würden hoch erhebe, Und meine Liebe ganz allein In Lieb und Leid, in Lust und Pein An seiner Liebe hange; Bis ich nach wohlbestandner Prob In vollem Licht, zu Got tes Lob, Sein Anschaun dort erlange! Dr. Joh. Albr. Bengel, g. 1687+ 1752. Mel. O Gott, du frommer.( 1 Joh. 2, 15-17.) 396. Mein Schöpfer, des-| zu dem Sieg, Er kommt allein von dir. sen Hauch Mich todten Staub beseelte, Nach seinem Bild mich schuf, In Christo mich erwählte; Regiere, schüße mich Durch deinen heilgen Geist, Daß Sinn und Wandel dich, Gott, meinen Schöpfer, preist. 2. Laß, da du heilig bist, mich alle Lüste fliehen Und mich nur um den Schatz, Der droben ist, bemühen. Gib Stärke zu dem Streit, Herr, mit der Welt und mir, Und Hoffnung 3. Laß mich, ich bin ein Chrift, Nach Christi Lehre wandeln; Mein ganzer Gottesdienst Sey glauben und recht handeln! Die Luft an dem Gesez Ist mehr als Lust der Welt, Die nur der Frevler liebt, Der Thor für Freude hält. 4. Erfülle du, o Gott, Mein Herz mit frommen Trieben; Aufrichtig, wie mich selbst, Hilf mir den Nächsten lieben, D. Heiligung. 321 unsre Zeit. Und segne meinen Feind. Herr!| unsrer Tage Pest; Und kurz ist was ich hab, ist dein; Laß mich im Unglück stark, Im Glück bescheiden seyn. 5. Im Himmel sey mein Herz, Denn diese Welt vergehet; Weh jedem, dessen Sinn Mit ihr im Bunde stehet! Heil dem, deß höchstes Ziel, Gott, dein Erkenntniß ist; Dein Friede bleibt sein Theil, Auch wenn er viel vermißt. 6. Wir sind ja, was wir sind, Aus unverdienten Gnaden; Nimm alle Lafter weg, Die der Gesellschaft schaden. Haß, Falschheit, Heuchelei Und Stolz und Bruderneid Sind land. 7. Herr, meine Burg, mein Fels, Mein Schuß in allen Nöthen! Früh such ich dich, des Nachts Will ich auch zu dir beten. Mein Stand sey dir geweiht; Bei meines Amtes Pflicht Vergesse ja mein Herz Des Christen Pflichten nicht! 8. Zuletzt erlöse mich Von dieses Leibes Leiden; Laß meinen Geist voll Trost Aus seiner Hütte scheiden; Herr! ihn befehl ich dir; Mich führe deine Hand Nach dieser Pilgerschaft Ins rechte VaterNach Löwen, g. 1729 † 1771. Mel. Werde munter.( Phil. 3, 7-16.) 397. Unverwandt auf Chri-| taugen, Als nur das, was stum sehen, Bleibt der Weg zur Seligkeit; Allen, welche zu ihm flehen, Ist gewisses Heil bereit. Siehet man im Herzen an, Was er für die Welt gethan, Und man glaubt daran mit Beugen, So bekommt man es zu eigen. Christus thut. Lassen wir ihn aus den Augen, Finden wir was fremdes gut, So erfahren wir gewiß, Unser Licht sey Finsterniß, Unser Helfen sey Verderben, Unser Leben lauter Sterben. 2. Wenn doch alle Seelen wüßten, Wie es dem so wohl ergeht, Welcher in der Zahl der Christen, Wahrer Glieder Jesu steht! Da geht man in seinem Glück Immer fort und nie zurück; Man ist auf dem Lebenspfade Und nimmt immer Gnad um Gnade. 4. Wären wir doch völlig seine! Regte sich doch keine Kraft, Da der Heiland nicht alleine, Was sie wirkte, selbst geschafft! Jesu! richte unsern Sinn Ungetheilt auf dich nur hin, Dann belebt uns deine Wahrheit, Und das Auge wird voll Klarheit. 3. Aber freilich kann nichts Evangelisches Gesangbuch. 5. Bring uns völlig in die Schranken, Die dein Liebes21 322 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. rath geseßt; Weder Worte| neue Kreatur, Kann dich lienoch Gedanken Werden sonst ben und erhöhen und in deine für gut geschäßt. Herr! nur Freud eingehen. wer auf deiner Spur Geht als J. A. Rothe, g. 1688 † 1759. Mel. Ach wann werd ich dahin kommen.( Matth. 16, 25. Pf. 73, 26.) 398. Dwer alles hätt ver-| Gott zu kommen, In dem alle loren, Auch sich selbst, und al- Güt ist ganz! lezeit Nur das eine hätt erkoren, Welches Geist und Herz erfreut! 5. O daß wir Gott möchten finden In uns durch der Liebe Licht Und uns ewig ihm verbinden; Alles andre sättigt nicht! 2. O wer alles hätt verges sen Und nichts wüßt als Gott allein, Dessen Güte, unermes sen, Macht das Herz still, ruhig, rein! 6. O daß jeder Blick der Seelen Stets nur gieng' auf Gott, den Herrn! Alle Sorg und alles Quälen Träte dem Gewissen fern. 3. O wer alles könnte lassen, Daß er, frei vom Eitlen all, Wanderte die Friedensstraßen 7. O du Abgrund aller Güte, Durch dieß thränenvolle Thal! Zeuch durchs Kreuz in dich hin4. O wer allem wär entnom- ein Geist und Sinnen und Ge= men, Was uns lockt mit eit- müthe, Ewig mit dir eins zu lem Glanz Und hält ab, zu seyn! Arnold, g. 1665 † 1714. Mel. Meinen Jesum lass' ich nicht.( Matth. 11, 28-30.) 399. Sanft, o Christ, ist hier Seine Leiden und BeJesu Joch, Und was kann bei ihm uns fehlen? O wie selig sind wir doch Durch den Retter unsrer Seelen! Welche Wonn und Herrlichkeit Wartet unser nach der Zeit! schwerden, Dennoch sey ihm treu, denn dir Sollen ewge Freuden werden. Was ist gegen solch ein Glück Dieses Lebens Augenblick? 2. Freue deines Glaubens dich, Deines Gottes, seines Sohnes! Deine Seele rühme sich Ihrer Hoffnung, seines Lohnes, Frei, voll Muth und unverstellt, Freudig vor der ganzen Welt. 3. Hat gleich sein Bekenntniß 4. Schäme seines Wortes dich Nie vor Frevlern, nie vor Spöttern; Wenn sie ihn verschmähn, wenn sich Sie, und ihren Wiz vergöttern. Was vermag der Lästrer Spott Wider Jesum, wider Gott? 5. Was vermag er, tobt er D. Heiligung. 323 gleich, Wider dich und deinen| Hohn Könnte je dein Herz verGlauben? Gottes Beifall, führen, Deinen Himmel und Gottes Reich Kann doch keine den Lohn Deines Glaubens zu Macht dir rauben. Halte dich verlieren? Nein, o Chrift, nein, an dem nur fest, Der die sei- wanke nie; Fleh um Rettung nen nie verläßt. auch für sie! 6. Welchen Kampf hat nicht dein Herr Für dein ewges Heil gestritten! Jene Schaar der Märtyrer, Was hat die für ihn gelitten! Schmach und Marter, selbst den Tod Litten sie getroft für Gott. 8. Sey getreu bis in den Tod; Denn du glaubest nicht vergebens. Nach dem Tode führt dich Gott Zu der Wonne jenes Lebens, Und auf einen kurzen Streit Krönt dich seine Herrlichkeit. 7. Und der Spötter Wiz und Mel. Aus Gnaden soll ich.( Sprüche 23, 17: c.) 400. Vor dir, o Gott, sich kindlich scheuen, Ist unser Glück und unsre Pflicht; Kein Mensch kann deiner Huld sich freuen, Scheut er dein heilig Auge nicht; Drum wirk in mir durch deinen Geist Die Furcht vor dir, die kindlich heißt. 2. In allem, was ich thu und denke, Laß, Herr, das meine Weisheit seyn: Daß ich mein Herz zur Sorgfalt lenke, Vor jeder Sünde mich zu scheun! Denn wer noch Lust zur Sünde hat, Der fürchtet dich nicht in der That. Cramer, g. 1723 † 1788. 3. Gib, daß ich stets zu Herzen nehme, Daß du allgegenwärtig bist, Und das zu thun mich ernstlich schäme, Was dir, mein Gott, zuwider ist. Der Beifall einer ganzen Welt Hilft dem ja nichts, der dir mißfällt. 4. Laß immer dein Gericht mich scheuen Und wirke steten Ernst in mir, Mein Leben deinem Dienst zu weihen, Daß ich die Gnade nicht verlier, Die mich bei aller Missethat So liebreich noch getragen hat. 5. Ja, Vater, laß mit Furcht und Zittern Mich schaffen meine Seligkeit! Soll nichts mein ewig Glück erschüttern, So laß mich in der Gnadenzeit Mit Vorsicht alles Unrecht fliehn, Mich nur um deine Huld bemühn. 6. Gib, daß ich, stets ein gut. Gewissen Vor dir zu haben, sorgsam sey, Und mache von den Hindernissen Der wahren Tugend selbst mich frei; Nie störe Furcht und der Welt Mich, das zu thun, was dir gefällt. 324 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 7. In deiner Furcht laß mich einst sterben, So schreckt mich stets wandeln Und überall, weder Tod noch Grab, So wo ich auch sey, Nach deiner werd ich jenes Leben erben, Vorschrift redlich handeln; Du Dazu dein Sohn sich für mich haffest alle Heuchelei! Wer gab. Gott! deine Furcht bringt dich von Herzen scheut und ehrt, Segen ein; Ihr Lohn wird Nur der ist die, o Vater, werth. groß im Himmel seyn. 8. In deiner Furcht laß mich Nach Schmolk. Mel. Eins ist noth.( Joh. 17, 19. Rom. 6, 5-15.) Und bauet so Höhen und Festung empor. 401. Herzog unsrer Selig-| die besten Absichten noch vor keiten, Zeuch uns in dein Heiligthum, Da du uns die Statt bereiten Und zu deines Namens Ruhm Als deine Erlösten stegprächtig willst führen! Laß unsere Bitte dein Herze jest rühren; Wir wollen dem Vater zum Opfer dastehn Und mit dir durch Leiden zur Herrlichkeit gehn. 4. Drum, o Fürst des Lebens, eile, Führ das Todesurtheil aus, Brich entzwei des Mörders Pfeile, Nent das Unkraut völlig aus! Ach laß sich dein neues, erstandenes Leben In unsern erstorbenen Herzen erheben; Erzeig dich verkläret und herrlich noch hier Und bringe dein neues Geschöpfe herfür! 2. Er hat uns zu dir gezogen, Und du wieder zu ihm hin; Liebe hat uns überwogen, Daß an dir hängt Herz und Sinn. 5. Kehre die zerstreuten SinNun wollen wir gerne mit dir[ nen Aus der Vielheit in das auch absterben Dem ganzen natürlichen Sündenverderben; Ach laß in dein Sterben versetet uns seyn, Sonst dringen wir nimmer ins Leben hinein! 3. Aber hier erdenkt die Schlange So viel Ausflucht überall; Bald macht sie dem Willen bange, Bald bringt uns die Luft zu Fall. Es bleibet das Leben am kleinsten oft kleben Und will sich nicht gänzlich zum Sterben ergeben; Es schüßet Ein', Daß sie wieder Naum gewinnen, Nur von dir erfüllt zu seyn! Ach wirf du die Mächte der Finsterniß nieder, Erneure die Kräfte des Geistes uns wieder, Daß er aus der Fülle der Gnaden sich nähr Und ritterlich gegen Versuchung sich wehr! 6. Lebe denn und lieb und labe In der neuen Kreatur, Lebensfürst, durch deine Gabe Die genesene Natur! Erwecke D. Heiligung. dein Eden uns wieder im Grunde Der Seelen und bringe noch näher die Stunde, Da du dich in allen den deinen verklärst, Sie hier noch des ewigen Lebens gewährst. 7. Gönne uns noch Frist auf Erden, Zeugen deiner Kraft zu seyn, Deinem Bilde gleich 325 zu werden, In dem Tod zu nehmen ein Des Lebens vollkommene Freiheit und Rechte, Als eines vollendeten Heilands Geschlechte! Der Unglaub mag denken, wir bitten zu viel: Du hörst unsre Bitten, thust über ihr Ziel! Arnold, g. 1665 † 1714. Mel. Freu dich sehr.( Offb. 2, 10. Rom. 8, 18.) Gegen Gott, der dich geliebt! Auch die Lieb am nächsten übe, Wenn er dich gleich oft betrübt; Denke, was dein Heiland that, Als er für die Feinde bat! Du mußt, soll dir Gott vergeben, Auch verzeihn und liebreich leben. 5. Bleibe treu in deinem Hoffen! Traue fest auf Gottes Wort; Hat dich Kreuz und Noth betroffen, Und Gott hilft nicht alsofort, Hoff auf ihn doch feftiglich! Sein Herz bricht ihm gegen dich, Seine Hilf ist schon vorhanden; Hoffnung machet nie zu Schanden.( Jerem. 31, 20.) 6. Nun wohlan, so bleib im 402. Sey getren bis an das Ende, Daß nicht Marter, Angst und Noth Dich von deinem Jesu wende; Sey ihm treu bis in den Tod! Ach, das Leiden dieser Zeit Ist nicht werth der Herrlichkeit, Die dein Jesus dir will geben. Dort in seinem Freudenleben. 2. Sey getreu in deinem Leiden Und laß dich kein Ungemach, Keine Noth von Jesu scheiden; Murre nicht in Weh und Ach! Denn du machest deine Schuld Größer nur durch Ungeduld. Selig ist, wer willig träget, Was sein Gott ihm auferleget! 3. Sey getren in deinem Glau- Leiden, Glauben, Liebe, ben! Laß dir dessen festenGrund Ja nicht aus dem Herzen rauben; Halte treulich deinen Bund, Den dein Gott durchs Wasserbad Fest mit dir geschlossen hat. Ach, du giengest ja verloren, Wenn du treulos ihm geschworen! Hoffnung fest!-„ Ich will tren seyn bis zum Scheiden, Weil mein Gott mich nicht verläßt. Herr, den meine Seele liebt, Dem sie sich im Kreuz ergibt, Sieh, ich faffe deine Hände: Hilf mir tren seyn bis zum Ende!" 4. Sey getreu in deiner Liebe Vielleicht von Theodor Crustus. 326 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. Mel. O Gott, du frommer.( Matth. 7, 21. Jaf. 1, 25.) 403. Du sagst: ich bin ein Chrift;" Wohlan! wenn Werk und Leben Dir dessen, was du sagst, Beweis und Zeugniß geben, So steht es wohl um dich. Ich wünsche, was du sprichst, zu werden alle Tag, Das heißt: ein guter Christ. dieses Wort dich lehrt? Nur wer es hört und thut, Der ist bei Gott geehrt. 6. Du sagst: ich bin ein Christ, Ich kenne meine Sünden Und laff' beim Beichtstuhl mich Von Zeit zu Zeiten finden." Zeigt aber sich, mein Freund, Ich bitte, sag es mir, Nach abgelegter Beicht Die Beßrung auch bei dir? 7. Ach, du bleibst nach wie 2. Du sagst: ich bin ein Chrift;" Der ists, der Jesum kennet, Ihn seinen Gott und Herrn Mit Herz und Wandelvor! Dein Thun und all dein nennet. Der liebet Christum Sinnen Wird oftmals ärger nicht, Der noch die Sünde liebt, Ist auch kein Christ, ob er Sich gleich den Namen gibt. 3. Du sagst: ich bin ein Christ; Denn ich bin ja erkaufet Mit Christi Blut und selbst In seinen Tod getaufet." Ja wohl; haft aber du Gehalten auch den Bund, Den Gott mit dir gemacht In jener Gnadenstund? 4. Hast du ihn nicht vorlängst Gar oft und viel gebrochen? Hast du, als Gottes Kind, Dich, wie du hast versprochen, In allem Thun erzeigt? Dem Guten nachgestrebt? Hat nicht der alte Mensch Bisher in dir gelebt? noch; Dein Vorsatz und Beginnen Geht nach dem alten Trieb, Und was noch gut soll seyn, Ist, wenn mans recht besieht, Nur immer Heuchelschein. 8. Du sagst: ich bin ein Christ, Lass' speisen mich und tränken Mit dem, was Chriftus uns Im Abendmahl will schenken." Wohl; aber zeige mir, Ob Christi Leib und Blut In dir zur Heiligung Auch seine Wirkung thut? 9. Du sagst: ich bin ein Christ, Ich bete, les' und finge, Ich geh ins Gotteshaus; Sind das nicht gute Dinge?" Sie sind es; doch nur dann, Wenn man sie redlich übt Und durch kein falsches Herz Den heilgen 5. Du sagst: ich bin ein Christ, Weil Gottes Wort und Lehre Ohn' allen Menschen- Geist betrübt. tand Ich fleißig les' und höre." Ja, Lieber, thust du auch, Was 10. Bist du ein wahrer Christ, So mußt du seyn gefinnet Wie D. Heiligung. Jesus Christus war. Wenn reine Liebe rinnet Aus deines Herzens Quell, Wenn du demüthig bist Von Herzen, wie der Herr, So sag: du seyst ein Christ. 11. So lang ich aber noch An dir erseh und spüre, Daß Stolz und Uebermuth Dir Sinn und Herz regiere; Wenn an der Sanftmuth Statt Sich zeiget Haß und Neid, So bist du ganz gewiß Vom Christenthum sehr weit! 12. Du sagst: ich bin ein Christ," Und rühmst dich deß mit Freuden. Thust aber du auch mehr Als andre kluge Heiden? Ach, öfters nicht so 327 viel, Als Gutes fie gethan; Sie werden dich dort einst Gewißlich klagen an. 13. Sag nicht:„ ich bin ein Christ," Bis daß dir Werk und Leben Auch dessen, was du sagst, Beweis und Zeugniß geben; Die Worte sind nicht gnug, Ein Christ muß ohne Schein Das, was er wird genannt, Im Wesen selber seyn. 14. Ach Gott! gib Gnade nur, Mich ernstlich zu befleißen, Zu feyn ein wahrer Christ Und nicht bloß so zu heißen; Denn welcher Nam und That Nicht führt und hat zugleich, Der kommet nimmermehr zu dir ins Himmelreich! Haßlocher, g. 1645 † 1726. Mel. Erhalt uns Herr bei.( Pf. 14. 1 Joh. 2, 15-17.) ohne Scheu, Jm süßenSchlummer ungeweckt, Noch vom Gesetz und Tod erschreckt: 4. Dieß liebt ihr Herz, das ist ihr Theil.-O Leben ohne Gott und Heil! Wie blendet doch der Fürst der Welt, Vis er und sie ins Feuer fällt! 5. Ach Gott, mein Gott, erleuchte mich, Daß ich nichts liebe ohne dich! Ich mag kein Leben als bei dir; Der Welt bleibt nichts, du bleibest mir! Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Mel. O Gott, du frommer.( Tit. 1, 16. Matth. 7, 23.) 405. Wie muß, o Jesu,| den Dein heiliges Verdienst doch Bei falschen Christenheer- Der Sünde Schußbrief wer404. Der Weltstun will vom Himmel nichts, Noch von dem Erbtheil jenes Lichts; Er lebt dahin aufs Ungefähr, Wünscht, daß kein Gott noch Richter wär. 2. Den eignen Lüsten zärtlich seyn, Nach dem Geschmack der Menschen fein, Der Tugend weder hold noch feind Und vom Gewissen gar kein Freund; 3. Bei gangbar'n Sünden ohne Reu, Bei schönen Lügen 328 XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. den! Man treibet alle Schand| Den Herrn und Heiland nenUnd Laster ohne Scheu Und meint, daß alles schon Durch dich gebüßet sey. nen Und nicht der Mund allein Vor Menschen nur bekennen. Man soll dein Ebenbild In meinem Wandel schaun, Und dieser Wandel soll Den Nächsten auch erbaun. 2. Der heißt ein Glaubiger, Der nach dem Eitlen rennet, Wenn er nur mit dem Mund Im Tempel dich bekennet. Die Sünde, die ihn schwärzt, Soll kühnlich dir allein, Und was duje gethan, Ihm zugerechnet seyn. 3. Er trott auf diesen Wahn Als auf den wahren Glauben; Den soll ihm, ist sein Trost, Kein Teufel jemals rauben. Auch irret ihn gewiß Der Satan nicht hierin, Bestärket ihn vielmehr In dem verstockten Sinn. 4. Doch weh der blinden Schaar, Die dieser Glaube wieget Und die ihr frecher Trost Mit Schrecken einst betrüget, Wenn deine Donnerstimm Einst von dem Throne spricht:„ Ihr Uebelthäter, weicht; Hinweg, ich kenn euch nicht!" 6. Erleucht und stärke mich, Daß ich den Reiz der Sünde, Der in die Seele schleicht, Bekämpf und überwinde; Daß ich von Selbstbetrug, Vom Joch der Sünde frei, Und nichts als du allein Mein Herr und Meister sey. 7. O laß mich nach dem Heil Mit Furcht und Zittern trachten Und ja dein theures Blut nicht frevelnd unrein achten! Verhüte, daß ich nicht Den Geist der Gnade schmäh, Noch je in Selbstbetrug Und sichrem Wahne steh. 8. So werd ich allem Reiz Der Sicherheit entfliehen; So wird der Glaube mich Dir immer näher ziehen; So sterb ich dieser Welt Und lebe nur in dir, Und du allein nur lebst 5. Dich, Jesu, soll mein Herz| Mit deinem Geist in mir. Mel. Valet will ich.( Ebr. 13, 9. Eph. 4, 12-15.) 406. Ich soll zum Leben dringen, Für welches Gott mich schuf, Soll nach dem Himmel ringen, Das, das ist mein Beruf. In einer Welt voll Sünden Soll ich nur ibm mich weihn, Sie fliehn, sie überwinden Und dann erst selig seyn. 2. In meiner frühsten Jugend Hat er mich das gelehrt. Schön, göttlich ist die Tugend und meines Eifers werth! Ihr D. Heiligung. folgen reine Freuden, Und wer, welch ein Verderben, was Gott will, thut, Hat selbst mich gefangen hält! in seinen Leiden Zufriedenheit und Muth. 3. Und wenn der Pilger Gottes Der Sünder Lust verschmäht, Wenn er trotz ihres Spottes Auf seinem Pfade geht, Was wird ihm nicht zum Lohne, Wenn er die kurze Zeit Getreu war! welche Krone, Welch eine Seligkeit! 329 Das 5. Bald wall ich deine Wege Mit Lust, und plötzlich bin Ich ohne Kraft und träge, Ermüdet sink ich hin, Ich lasse nach zu ringen; Und doch ists mein Beruf: Ich soll zum Leben, dringen, Für welches Gottmich schuf. 6. Dir seufz' ich anzuhangen, Erbarmer, dir allein; Du hast es angefangen, Das gute Werk ist dein. Vollende, Gott, vollende, Was mir dein Wort verheißt! In deine Vaterhände Befehl ich meinen Geist. Cramer, g. 1723 † 1788. 4. Das glaub ich; mich verlanget, Dein Kind, o Gott, zu seyn; Und meine Seele hanget Doch nicht an dir allein! Ich weiß, ich werde sterben, Und liebe doch die Welt; O Herr, Mel. Freu dich sehr.( Eph. 4, 22-24. Phil. 1, 6.) 407. Jesu! laß mich nicht| ken Hat dein Geist in mir erdahinten, Suche dein verirrtes Schaf, Bis du mich wirst endlich finden; Wecke mich aus meinem Schlaf. Laß hinfort mir Ruhe nicht, Bis mein Herz dir fest verspricht, Daß es nun im Tod und Leben Dir sich wolle ganz ergeben. regt, Den mein Herz, in Lust versunken, Wieder zu ersticken pflegt! Was ich nicht will, thu ich dann, Fange wieder vorne an, Und eh ich recht angefangen, Ist der Vorsatz schon vergangen. 2. Ach wie viel und große Gnaden Hast du mir schon zugedacht! Doch, mir selbst zu Schand und Schaden, Nehmich sie nicht treu in Acht. Deine Wahrheit halt ich auf, Lass' der Sünde ihren Lauf; Ich erweck nicht meine Gaben Und hab oft mein Pfund vergraben. 3. O wie manchen guten Fun4. Reg zum Bösen, träg zum Guten Zeigt sich mein verderbter Sinn; Will mir Satan was zumuthen, Reißt er mich gar leicht dahin, Denn mein Kampf ist schlecht bestellt; Und daß er und Fleisch und Welt Desto eher mich berücken, Bau ich ihnen wohl die Brücken. 5. Meine noch gewohnten Sünden Fordern einen harten 330 XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. Streit, Und es ist nicht zu er-| men, Bis die Sünde mich vergründen, Was noch für Verdorbenheit Sich in meinem Herzen regt, Welches einen Zunder hegt, Mit Begierden untermenget, Der gern böses Feuer fänget. läßt, Und der Tod nach eitlem Träumen Erst die Reue aus mir preßt; Laß mich Buße fangen an, Weil ich Sünde thun noch kann; Buß soll mich zum Tod bereiten, Nicht der Tod zur Buße leiten!( Gir. 18, 22.) 10. Stell die Welt und ihre Lüfte Mir in ihrer Blöße vor, Daß ich mich in diese Wüste Nicht vergaffe als ein Thor, Der das Wesen haben kann Und nimmt dafür Schatten an, Den du rufft zum ewgen Ziele, Und er zankt um Kinderspiele. 11. Treuer Jesu! miß dem Willen Auch Vollbringungskräfte zu; Hilf den Vorsaz bald erfüllen, Meine Schwachheit stärke du, Meine Trägheit muntre auf, Bis ich schließe meinen Lauf; Hilf mir stegen, hilfmir kämpfen, Satan, Welt und Fleisch zu dämpfen. 12. Heile mich durch deine Wunden, Mach mich rein mit deinem Blut, Daß ich in den legten Stunden Fröhlich bleib in meinem Muth; Daß ich mit getrostem Sinn Sterben achte für Gewinn, Durch den Tod ins Leben bringe Und so alles wohl vollbringe. Martin Wieland, um 1700. 6.Sorge, Zorn und Eigenliebe Und der argen Lüfte viel Geben oft dem bösen Triebe Bei mir ein gewonnen Spiel. Alles, was ich hab und bin, Sollt für Gott ich geben hin, Und ich kann oft ihm zu Ehren Kaum ein Wörtlein überhören! 7. Jesu! laß dich nicht ermüden, Suche mich noch wie bisher, Rufe mich zu deinem Frieden, Ziehe mich je mehr und mehr; Ach bestraf auch durch den Geist, Was du sündlichs an mir weißt, Daß ich stets an diesem Werke Deinen Gnadenzug vermerke. 8. Gib mir fleißig zu betrachten Meines Lebens Flüchtigkeit; Lehre mich es wichtig achten, Täglich seyn zum Tod bereit. Ach, das Ziel der Gnadenzeit Ist vielleicht schon nicht mehr weit, Und ich hab noch so viel Sünden, So viel Feind zu überwinden. 9. Laß mich nicht so lange säuMel. Balet will ich.( Matth. 24, 13.) 408. Wer ausharrt bis ans| Doch treffen harte Stände Noch Ende, Wird endlich selig seyn; bis zum Ende ein. Viel Feinde D. Heiligung. sind zu dämpfen, Viel Proben| Muth, durchzugehn; Der Glaube muß nieder im Kämpfen Bis an sein Ende stehn. 2. Nur etlich Gänge wagen, Und dann im schweren Streit Erst noch am Sieg verzagen, Ist nicht die rechte Zeit; Da wird man erst zu Schanden! Wer aber kämpft getreu, Dem steht, der beigestanden, Auch bis zum Ende bei. 3. Das frischt uns an, ihr Brüder; Verliert nur nicht den 331 Legt nicht die Waffen Und kämpfet bis aufs Blut! Wenn wir nur nicht erliegen In seiner Gegenwart, So werden wir doch siegen, Wenn auch die Hand erstarrt. 4. Herr! du kennst meine Schwäche; Nur deiner harre ich; Nicht das, was ich verspreche, Was du sprichst, tröstet mich. Nicht auf die lassen Hände Und stärk die müden Knie' Und sage mir am Ende: „ Die Seligkeit ist hie!" Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. ( Matth. 7, 13 2c.) 5. Wenn nur um seine Leibeshütt' Ein andrer sich zuerst bemüht, So laß mich achten allermeist Auf meinen Geist, Und daß ich dir Gehorsam leist'! 6. Gehn andre über Land und See, Durch Ungewitter, Wind und Schnee, Im Regen über Berg und Thal Viel hundert: mal, Dem Bauch zu dienen überall: Mel. Ich hab mein Sach Gott. 409. Zum Leben führt ein schmaler Weg, Ein rauher Pfad und enger Steg. Nur in dem rechten Schrankenlauf Gehts himmelauf; Wovon nichts weiß der große Hauf. 2. Ihr Weg ist lustig, weit und breit, Darauf sie gehn zur Ewigkeit. O Spott aufs Evangelium! Ein Christenthum, Das nur ein Schatten um und um. 3. Wie theuer, Gott, ist deine Güt', Daß du erleuchtet mein Gemüth Und selbst zur Buße mich gebracht, Als ich in Nacht Mit jenen fortgieng unbedacht. 4. Laß mich nun desto treulicher Den Weg des Lebens gehn, v Herr; Und stehe mir allmächtig bei, Daß täglich nen Dein Werk bei mir im Fortgang sey. 7. So laß mich um dein Kanaan All Müh und Arbeit wenden an, Und auch auf meiner Pilgerreis Auf andre Weis' Erzeigen einen solchen Fleiß. 8. Wenn jene Schaar des Fleisches pflegt, Dasselbe schont und zärtlich hegt, So gib mir neue Kräfte, daß Ichs ernstlich haff' Und krenzige ohn' Unterlaß. 332 XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. 9. Herr! mach du mich, wie| Jesu Christ, Wenn du nun ich soll seyn; Ich weiß, hier gilt kein Heuchelschein. Gib in mich deine Lichtsnatur, Denn die gilt nur, Und eine neue Kreatur. auch geboren bist In mir, und deine Gottheit sich So gnädiglich Herniederlassen wird in mich. 10. Nach dieser Regel laß mich gehn, So daß auch andre können sehn, Daß mich der heilge Geist regier Und wohne hier, Und Jesus Christus auch in mir. 11. Dieß wird geschehn, Herr 12. Nun, mir geschehe, wie du willt! Ich will dir einst in deinem Bild, Wann ich danach werd seyn erwacht Und neu gemacht, Lobsingen:„ nun, es ist vollbracht!" Vielleicht von Tafinger, g. 1691+ 1757. Mel. Was mein Gott will.( Ebr. 12, 1. 2.) 410. Oft flagt dein Herz, wie schwer es sey, Den Weg des Herrn zu wandeln Und täglich seinem Worte treu Zu denken und zu handeln. Wahr ists, die Tugend kostet Müh, Sie ist der Sieg der Lüste; Doch richte selbst, was wäre sie, Wenn sie nicht kämpfen müßte? 2. Die, die sich ihrer Laster freun, Trifft die kein Schmerz hienieden? Sie sind die Sclaven eigner Pein Und haben keinen Frieden! Der Fromme, der die Lüste dämpft, Hat oft auch seine Leiden; Allein der Schmerz, mit dem er kämpft, Verwandelt sich in Freuden. weiter ført führt er zum Heil Und endlich zum Entzücken. (* Luc. 16, 19-31.) 4. Nimm an, Gott hätt es uns vergönnt, Nach unsers Fleisches Willen, Wenn Wollust, Neid und Zorn entbrennt, Die Lüfte frei zu stillen; Nimm an, Gott ließ' den Undank zu, Den Frevel, dich zu kränken, Den Menschenhaß:- was würdest du Von diesem Gotte denken? 5. Gott will, wir sollen glücklich seyn, Drum gab er uns Gesetze. Sie sind es, die das Herz erfreun, Sie sind des Lebens Schätze. Er red't in uns durch den Verstand Und spricht durch das Gewissen, Was wir, Geschöpfe seiner Hand, Fliehn oder wählen müssen. 3. Des Lasters Bahn ist anfangs zwar Ein breiter Weg durch Auen; Allein sein Fortgang wird Gefahr, Sein Ende Nacht und Grauen.* Der Tugend Pfad ist anfangs steil, Läßt nichts als Mühe blicken, Dochseln der Natur, Ein Mensch 6. Ihn fürchten, das ist Weisheit nur, Und Freiheit ists, sie wählen. Ein Thier folgt Fes D. Heiligung. 333 dem Licht der Seelen. Was ist| ster; Ihn zeigte dir und ihn des Geistes Eigenthum? Was sein Beruf auf Erden? Die Tugend! was ihr Lohn, ihr Ruhm? Gott ewig ähnlich werden! 7. Lern nur Geschmack am Wort des Herrn Und seiner Gnade finden Und übe dich getreu und gern, Dein Herz zu überwinden. Wer Kräfte hat, wird durch Gebrauch Von Gott betrat Dein Gott und Herr und Meister. Dich müsse nie des Frechen Spott Auf diesem Pfade hindern; Der wahre Ruhm ist Ruhm bei Gott, Und nicht bei Menschenkindern. 10. Sey stark, sey männlich allezeit, Tritt oft an deine Bahre; Vergleiche mit der Ewigkeit Den Kampf so kurzer Jahnoch mehr bekommen, Werre. Das Kleinod, das dein aber nicht hat, dem wird auch Das, was er hat, genommen. 8. Du streitest nicht durch eigne Kraft, Drum muß es dir gelingen: Gott ist es, welcher beides schafft, Das Wollen und Vollbringen. Wann gab ein Vater einen Stein Dem Sohn, der Brød begehrte? Bet oft, Gott müßte Gott nicht seyn, Wenn er dich nicht erhörte! Glaube hält, Wird neuen Muth dir geben, und Kräfte der zukünftgen Welt, Die werden ihn beleben. 11. Und endlich, Christ, sey unverzagt, Wenn dirs nicht immer glücket; Wenn dich, so viel dein Herz auch wagt, Stets neue Schwachheit drücket. Gott sieht nicht auf die That allein, Er sieht auf deinen Willen; Ein göttliches Verdienst ist dein, Dieß muß dein Herze stillen! Gellert, g. 1715+ 1769. 9. Dich stärket auf der Tugend Pfad Das Beispiel sel'ger GeiMel. Werde munter.( Offenb. 3, 11.) 411. Nicht der Anfang, nur| len steht; Laß mich nicht zurücke das Ende Krönt des Christen Glaubensstreit. Ach getreuer Gott! vollende Meinen Lauf in dieser Zeit; Hab ich dich einmal erkannt, So verleih mir auch Bestand, Daß ich, bis ich einst erfalte, Glauben, Lieb und Hoffnung halte. weichen, Wenn mich Noth und Tod umfäht. Sey mein Anker, der nicht bricht, Sey mein Stern und helles Licht, Daß ich nie von dir mich scheide Und am Glauben Schiffbruch leide. 3. Es ist gut, ein Christ zu werden, Besser noch, einChrift zu sevn; Doch den besten Ruhm auf Erden Gibt der Herr nur 2. Laß mich einem Felsen gleichen, Der in Sturm und Wel 334 XVII Chriftlicher Sinn und Wandel. dem allein, Der ein Chriftstein ist, Wird durch keine Macht beständig bleibt Und den beweget, Ihn verrücket feine Kampf zum Siege treibt; Sol- List. Laß mich fest auf ihm bechen wird mit ewgen Kronen stehn, Nimmermehr zu Grunde Christus droben einst belohnen. gehn, Wenn sich Macht und List 4. Laß mich halten, was ich bemühen, Mich von Christo habe, Daß mir nichts die Krone abzuziehen. nimmt. Es ist deines Geistes 6. Jesu! bilf mir dir anhanGabe, Daß mein Glaubens- gen, Wie das Schaf am Hirten docht noch glimmt; Lösche nicht dieß Fünklein aus, Mach ein helles Feuer draus; Laß es ungestöret brennen, Dich vor aller Welt bekennen. hängt, Stets im Glauben dich umfangen, Wie mich deine Gnad umfängt. Kommt es dann zur letzten Noth, So verfiegle mir im Tod, Was ich dir geglaubt auf Erden, Und laß es zum Schauen werden! Schmolf, g. 1672 † 1737. 5. Du hast meinen Grund geleget; Jesus, der mein GrundEigene Mel.( Luc. 13, 24. Offenb. 2, 4 c.) 412. Ringe recht, wenn| Flehen, Halte damit feurig an, Gottes Gnade Sich erbarmend zu dir kehrt, Daß dein Geist sich recht entlade Von der Last, die ihn beschwert. Laß den Eifer nicht vergehen, Wärs auch Tag und Nacht gethan. 6. Hast du dann die Perl errungen, Denke ja nicht, du nun Alles Böse schon bezwungen; O, es ist noch viel zu thun! 2. Ninge! denn die Pfort ist enge Und der Lebensweg ist schmal; Alles bringt dich ins Gedränge, Was nicht zielt zum Himmelsfaal. 7. Nimm mit Furcht ja deiner 3. Kämpfe bis aufs Blut und Seele, Deines Heils mit ZitLeben, Dring hinein in Gottestern wahr, Denn in dieser Welt Reich; Will der Feind dir wi-| voll Fehle Schwebst du stündderstreben, Werde weder matt lich in Gefahr. noch weich. 4. Ninge, daß dein Eifer glühe, Daß die erste Liebe dich Völlig von der Welt abziehe; Halbe Liebe täuschet sich! 5. Ning mit Beten und mit 8. Blick aufs ewge Kleinod feste, Halte männlich, was du haft. Recht beharren ist das beste; Rückfall wird zur schweren Last. 9. Laß dein Auge ja nicht gaf D. Heiligung. 335 fen Nach der schnöden Eitelkeit;| Getümmel Dieser Welt nieBleibe Tag und Nacht in Waffen, Fliehe träge Sicherheit. 10. Laß dem Fleische nicht den Willen, Gib der Lust den Zügel nicht; Willst du die Begierden stillen, So verlischt das Gnadenlicht. 11. Wahre Treu liebt Christi Wege, Steht beherzt auf ihrer Hut, Weiß von keinerFleischespflege, Hält kein Unrecht sich zu gut. 12. Wahre Tren kommt dem Sicherheit. 2. So lang ich hier im Leibe walle, Bin ich ein Kind, das strauchelnd geht. Der sehe zu, daß er nicht falle, Der, wenn sein Nächster fällt, noch steht! Auch die bekämpfte böse Luft Stirbt niemals ganz in unsrer Brust. mals zu nah; Denn ihr Schatz ist in dem Himmel, Drum ist auch ihr Herz allda. 13. Dieß bedenket wohl, ihr Streiter, Kämpfet recht und leidet euch, Dringet alle Tage weiter, Bis ihr kommt ins Himmelreich. 3. Nicht jede Besserung ist Tugend; Oft ist sie nur das Werk der Zeit; Die wilde Hiße roher Jugend Wird mit den Jahren Sittsamkeit, Und was Natur und Zeit gethan, 14. Eilet, zählet Tag und Stunden, Bis der Heiland euch erscheint, Und wann ihr nun überwunden, Ewig euch mit Gott vereint! Mel. Aus Gnaden soll ich. ( Phil. 3, 12-14. 413. Nicht, daß ichs schon| Sieht unser ergriffen hätte! Die beste Tugend an. gend bleibt noch schwach; Doch daß ich meine Seele rette, Jag ich dem Kleinod eifrig nach; Denn Tugend ohne Wachsamfeit Verliert sich bald in Winkler, g. 1670 † 1722. Matth. 18, 8: c.). Stolz für Tu4. Oft ist die Aendrung deiner Seele Ein Tausch der Triebe der Natur: Du fühlst, wie Stolz und Ruhmsucht quäle, Und dämpfft sie; doch du wechselst nur; Dein Herz fühlt einen andern Neiz, Dein Stolz wird Wollust oder Geiz. 5. Oft ist es Gunst und Eigenliebe, Was andern strenge Tugend scheint; Der Trieb des Neids, der Schmähsucht Triebe Erweckten dir so manchen Feind; Du wirst behutsam, schränkst dich ein, Fliehst nicht die Schmähsucht, nur Schein. den 6. Du denkst, weil Dinge dich nicht rühren, Durch die der andern Tugend fällt, So wer 336 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. de nichts dein Herz verführen;| ist das Auge, dieß der Fuß, Die Doch jedes Herz hat seine Welt: sich der Christ entreißen muß! Den, welchen Stand und Gold 10. Du fliehst, geneigt zur nicht rührt, Hat oft ein Blick, Ruh und Stille, Die Welt ein Wort verführt. und liebst die Einsamkeit; Doch bist du, forderts Gottes Wille, Auch dieser zu entfliehn bereit? Dein Herz haßt Habsucht, Neid und Zank; Fliehts Unmuth auch und Müßiggang? 11. Du bist gerecht; bist du bescheiden? Bist mäßig; liebst du auch Geduld? Du dienest gern, wenn andre leiden; Vers gibst du Feinden auch die Schuld? Von allen Lastern sollst du rein, Zu aller Tugend willig seyn! 12. Sey nicht vermessen, wach und streite, Denk nicht, daß du schon gnug gethan. Dein Herz hat seine schwache Seite, Die greift der Feind der Wohlfahrt an. Die Sicherheit droht dir den Fall, Drum wache stets, wach überall! Gellert, g. 1715 † 1769. 7. Oft schläft der Trieb in deinem Herzen: Du scheinst von Rachsucht dir befreit; Jest sollst du eine Schmach verschmerzen, Und sieh, dein Herz wallt auf und dränt Und schilt so lieblos und so hart, Als es zuerst gescholten ward. 8. Oft denkt, wenn wir der Stille pflegen, Das Herz im Stillen tugendhaft; Kaum lachet uns die Welt entgegen, So regt sich unsre Leidenschaft, Wir werden im Geräusche schwach Und geben endlich strafbar nach. 9. Du opferst Gott die leichtern Triebe Durch einen strengen Lebenslauf; Doch opferst du, wills seine Liebe, Ihm auch die liebste Neigung auf? Dieß Mel. Wie wohl ist mir; oder: Mein Schöpfer, der mit Huld.( 2 Mef. 33, 14. Pf. 32, 8. Phil. 1, 10 c.) 414. Gottes Sohn, du Licht und Leben, Otreuer Hirt, Immanuel! Nur dir hab ich mich übergeben, Nur dir gehöret Leib und Seel. Ich will mich nicht mehr selber führen, Du sollst als Hirte mich regieren; So geh denn mit mir aus und ein. Ach Herr! erhöre meine Bitten Und leite mich auf allen Tritten, Ich gehe keinen Schritt allein. 2. Wenn du mich führst, kann ich nicht gleiten, Dein Wort muß ewig feste stehn; Du sprichst: mein Auge soll dich leiten, Mein Angesicht soll vor dir gehn." Ja dein Erbarmen, deine Güte Umfaff' allmächtig mein Gemüthe! O daß ich nur D. Heiligung. 337 recht findlich sey, Bei allem| verrücket werden, Denn ich zu dir gläubig flehe Und stets auf deinen Wink nur sehe, So stehest du mir täglich bei. 3. Du weißt allein die Friedenswege, Auch das, was mir den Frieden stört; Drum laß mich meiden alle Stege, Wo Welt und Sünde mich versehrt. Ach daß ich nimmer von dir irrte, Noch durch Zerstreuung mich verwirrte, Auch nicht bin ja dein Eigenthum. 5. Laß deinen Geist mich täglich treiben, Gebet und Flehen dir zu weihn; Laß mir dein Wort im Herzen bleiben Und in mir Geist und Leben seyn, Daß ich nach deinem Wohlgefallen In Ehrfurcht möge vor dir wallen. Zeuch ganz zu dir die Seele hin, Vermehr in mir dein innres Leben, Dir unaufdurch einen guten Schein! Ohörlich Frucht zu geben, Und halte meine Seele feste, Hab bilde mich nach deinem Sinn. Acht auf mich aufs allerbeste, Lehr beten mich und wachsam feyn! 4. Herr! mach mich kindlich, tren und stille, Daß ich dir immer folgen kann; Nur dein, nur dein vollkommner Wille Sey für mich Schranke, Ziel und Bahn. Nichts soll mich ohne dich vergnügen, Laß mir nichts mehr am Herzen liegen, Als deines großen Namens Ruhm. Das sey allein mein Ziel auf Erden; Laß mirs durch nichts 6. So lieb und lob ich in der Stille Und ruh als Kind in deinem Schoos; Ich schöpfe Heil aus deiner Fülle, Das Herz ist aller Sorgen los; Ich sorge nur vor allen Dingen, Wie ich zum Himmel möge dringen! Ich bin zu deinem Dienst bereit; Ach zeuch mich, zeuch mich weit von hinnen; Was du nicht bist, das laß zerrinnen, O reiner Glanz der Ewigkeit! Nach Bogarty. Mel. Meinen Jesum laff' ich nicht.( Gal. 6, 9.) 415. Seelen, laßt uns Gu-| Auf die Ewigkeit hin lernten! tes thun, Gutes, und nicht müde werden! Wann es Zeit ist, wird man ruhn, O wie fanft, von den Beschwerden! Aber ruhen nicht allein, Dort wird auch die Ernte seyn. Wer hier kärglich ausgestreut, Wird auch wieder kärglich ernten; Wer hier reichlich Gutes thut, Sammelt dort auch reiches Gut. 3. O daß nach dem Augen2. O daß wir an unsrer Zeit schein Keiner bloß das Säen Evangelisches Gesangbuch. 22 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 338 richte! Manches Körnlein scheinet klein, Und trägt zehenfältig Früchte. Klein gesät und dennoch dicht, Fehlet in der Ernte nicht. 4. Lehr, o Gott, mich Gutes thun Und im Treuseyn nicht erliegen; Denn die Zeit dazu ist nun Und sie wird so schnell verfliegen; Wenn man gleich was kleines thut: Ists nur gut, so ist es gut! 5. Stelle mir die Ernte für, Daß ich darf auf Hoffnung säen! Was wir thun und thun es dir, Lässt du nicht umsonst geschehen; Hat man kein Verdienst davon, Gibt die Gnade dennoch Lohn. Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Mel. Meinen Jesum laß ich nicht.( Matth. 26, 41. Pf. 14, 7. Luc 4, 18: c.) nicht rein gethan. 416. Mein Erlöser! schaue mein bestes an, So ists doch doch, Wie mein armer Geist verstricket, Mit geheimen Banden noch Ganz bedränget und gedrücket; Will ich los, so sinkt mein Herz Bald in Unmacht niederwärts. 5. Ach wo ist der neue Geist, Den du willst den Deinen geben, Der den Sünden uns ents reißt Und uns bringt dein reis nes Leben? Der mit Herzensluft und Kraft Alles in und durch uns schafft. 2. 3war es hat mich deine Gnad Groben Sünden längst entrissen; Ich hab auch nach deinem Rath Schon zu wandeln mich beflissen, Daß vielleicht ein andrer wohl Mich für fromm schon halten soll; 3. Aber dein genaues Licht Zeigt mir tiefer mein Verder= ben, Und wie ich nach meiner Pflicht Muß mir selbst und allem sterben Und in wahrer Heiligkeit Vor dir leben alle zeit. 4. Dieß ist auch mein Wille wohl; Aber ach, es fehlt Voll- 8. Laß dein Evangelium Mir bringen! Was ich auch verrich- Gefangnem Freiheit schenken. ten soll, Thu ich noch mit Last Ich will als dein Eigenthum und Zwingen. Seh ich dann Mich in dein Erbarmen sen6. Ach wann wird mein Herz doch frei Ueber alles sich erheben Und in reiner Liebestren Nur von dir abhängig leben, Abgeschieden, willenlos, Von mir selbst und allem bloß? 7. Komm, du lang verlangte Stund! Komm, du Lebensgeist von oben! Ach wie soll mein froher Mund, Jesu, deine Treue loben, Wenn mich deine Liebesmacht, Dir zu dienen, frei gemacht! D. Heiligung. 339 ken; Ich will hoffen, warten,| anlegen; Ich will still seyn, ruhn; Du wollst alles in mir thun. wirke du, Dämpfe, was sich sonst will regen! Kehr zu meiner Seele ein, So wird mir geholfen seyn. 9. Eignes Wirken reicht nicht zu: Du mußt selbst die Hand Eigene Mel.( Ebr. 4, 417. Jefu, hilf fiegen, du Fürste des Lebens! Sieh, wie die Finsterniß dringet herein, Wie sie ihr drohendes Heer nicht vergebens Mächtig aufführet, mir schädlich zu seyn! Schau, wie sie sinnet auf allerlei Ränke, Daß sie mich sichte, verstöre und kränke! 2. Jesu, hilf siegen! ach wer muß nicht sagen: Herr, mein Gebrechen ist immer vor mir! Hilf, wenn mich Sünden der Jugend verklagen, Die mein Gewissen mir täglich hält für; Ach laß mich schmecken dein kräftig Verfühnen, Und dieß zu meiner Demüthigung dienen! 3. Jesu, hilf siegen, wenn in mir die Sünde, Eigenlieb, Hoffahrt und Mißgunst sich regt, Wenn ich die Laft der Begierden empfinde, Und sich mein tiefes Verderben darlegt. Hilf dann, daß ich vor mir selber erröthe Und durch dein Leiden die Sündenlust tödte. 4. Jesu, hilf fiegen und lege gefangen In mir die Lüste des Fleisches und gib, Daß in mir lebe des Geistes Verlangen, Tersteegen, g. 1697 † 1769. 15. 16. Matth. 12, 20.) Aufwärts sich schwingend durch heiligen Trieb; Laß mich eindringen ins göttliche Wesen, So wird mein Geist, Leib und Seele genesen. 5. Jesu, hilf stegen, damit auch mein Wille Dir, Herr, sey gänzlich zu eigen geschenkt, Und ich mich stets in dein Wollen verhülle, Wo sich die Seele zur Ruhe hinlenkt. Laß mich mir sterben und alle dem meinen, Daß ich mich zählen darf unter die deinen. 6. Jesu, hilf fiegen und laß mich nicht sinken! Wenn sich die Kräfte der Lügen aufblähn Und mit dem Scheine der Wahrheit sich schminken, Laß doch viel heller dann deine Kraft sehn. Steh mir zur Rechten, o König und Meister, Lehre mich kämpfen und prüfen die Geister. 7. Jesu, hilf fiegen im Wachen und Beten; Hüter, du schläfst ja und schlummerst nicht ein! Laß dein Gebet mich unendlich vertreten, Der du versprochen, Fürsprecher zu seyn. Wenn mich die Nacht 340 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. mit Ermüdung will decken, will ich ewig dir Lob und Dank Wollst du mich, Jesu, ermun- fingen, Jesu, mein Heiland, tern und wecken. mit frohem Gesang! Wie wird 8. Jesu, hilf siegen, wenn dein Name da werden gepriealles verschwindet, Wenn ich sen, Wo du, o Held, dich so mein nichts und Verderbenmächtig erwiesen! nur seh; Wenn kein Vermögen zu beten sich findet, Wenn ich bin wie ein verschüchtertes Reh: Herr; ach dann wollst du im Grunde der Seelen Dich mit dem innersten Seufzen vermählen. 10. Jesu, bilf siegen, wenns nun kommt zum Sterben; Mach du mich würdig und stetig bereit, Daß ich mich nenne des Himmelreichs Erben Dort in der Ewigkeit, hier in der Zeit! Jesu, dir bleib ich auf ewig ergeben, Hilf du mir siegen, mein Heil, Trost und Leben! Schröder, g. 1666 t um 1728. 9. Jesu, hilf siegen und laß mirs gelingen, Daß ich das Zeichen des Sieges erlang; So Mel. Werde munter.( Micha 2, 13. Rom. 8.) 418. Durchbrecher aller| deinen Händen, Dein Herz ist Bande, Der du immer bei uns bist, Beidem- Schaden, Spott und Schande Lauter Luft und Himmel ist! Uebe ferner dein Gerichte Wider unsern Adamsfinn, Bis uns dein so treu Gefichte Führet aus dem Kerker hin. auf uns gericht't, Sind wir gleich gering geachtet Bei den Leuten allezeit, Schnöd gemacht und gar verachtet In des Kreuzes Niedrigkeit. 2. Ists doch deines Vaters Wille, Daß du endest dieses Werk; Hiezu wohnt in dir die Fülle Aller Weisheit, Lieb und Stärk, Daß du nichts von dem verlierest, Was er dir geschenket hat, Und es von dem Treiben führest Zu der süßen Nuhestatt. 3. Ach, so mußt du uns vollenden, Willst und kannst ja anders nicht! Denn wir sind in 4. Schau doch aber unsre Ketten, Da wir mit der Kreatur Seufzen, ringen, schreien, beten Um Erlösung von Natur, Von dem Dienst der Eitelkeiten, Der uns noch so hart bedrückt, Ob auch schon der Geist in Zeiten Sich auf etwas Besres schickt. 5. Ach erheb die matten Kräfte, Daß sie sich doch reißen los Und durch alle Weltgeschäfte Durchgebrochen, stehen bloß! Weg mit Menschenfurcht und Zagen, eich, Vernunftbe D. Heiligung. Himmlischer Sinn. 341 denklichkeit, Fort mit Scheu| verei ein End! Denn die Last vor Schmach und Plagen, Weg treibt uns, zu rufen, Alle flehen des Fleisches Zärtlichkeit! wir dich an: Zeig doch nur die ersten Stufen Der gebrochnen Freiheitsbahn! 6. Herr! zermalme, brich, zerstöre Diese Macht der Finsterniß; Der preist nicht mehr deine Ehre, Den sie fort zum Tode riß! Heb uns aus dem Staub der Sünden, Wirf die Schlangenbrut hinaus; Laß uns wahre Freiheit finden, Freiheit in des Vaters Haus! 7. Wir verlangen keine Ruhe Für das Fleisch in Ewigkeit; Wie du's nöthig findest, thue Noch vor unsrer Abschiedszeit; Aber unser Geist, der bindet Dich im Glauben, läßt dich nicht, Bis er die Erlösung findet, Die dein treuer Mund verspricht. 8. Herrscher, herrsche; Sieger, siege, König, brauch dein Regiment; Führe deines Neiches Kriege, Mach der Scla9. Laß, die theuer sind erworben, nicht der MenschenKnechte seyn! Denn so wahr du bist gestorben, Mußt du uns auch machen rein, Rein und frei und ganzvollkommen Und verklärt ins beste Bild! Der hat Gnad um Gnad genommen, Welchen deine Füll erfüllt. 10. Liebe, zeuch uns in dein Sterben, Laß mit dir gefreuzigt seyn, Was dein Reich nicht kann ererben; Führ ins Paradies uns ein! Doch wohlan, du wirst nicht säumen, Laß nur uns nicht lässig seyn! Werden wir doch als wie träumen, Wenn die Freiheit bricht herein! ( Pf. 126, 1.) Arnold, g. 1665 † 1714. Himmlischer Sinn. Mel. Wachet auf! ruft.( Phil. 3, 20.) 1 Im Himmel Todes Joch,- soll mein Wandel seyn! 419. Herr! welch Heil kann| kann; Ich trage noch Des ich erringen, In welche Höhn darf ich mich schwingen, Mein Wandel soll im Himmel seyn! O du Wort voll heilgen Bebens, Voll Wonne, Wort des ewgen Lebens: Im Himmel foll mein Wandel seyu! Ich sink erstaunend hin, Empfinde, wer ich bin, Wer ich seyn 2. Schwing dich denn in diese Höhen Und lern im Lichte Gottes sehen, Wer du, verfühnte Seele, bist! Mit dem göttlichsten Entzücken Wirst du in diesem Licht erblicken, Wer, Seele, dein Verfühner ist! XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. 342 Du, durch sein Opfer rein Und stark, dich ihm zu weihn; Er, des Vaters Gleich ewger Sohn, Ruh, Heil und Lohn Der Glaubenden, ihr Herr und Gott! Tod am Kreuz, Verfühn, o Herr, verfühn auch fie: 5. O dann ist ihr schon gegeben Ihr neuer Nam und ewges Leben, Im Himmel ist ihr Wandel dann! Stark, den 3. Wort vom Anfang! Wun- Streit des Herrn zu streiten, derbarer! O du der Gottheit Sieht sie die Krone schon vom Offenbarer! Den Erdkreis weiten, Die Kron am Ziel, deckte Dunkelheit; Du er- und betet an: Preis, Ehr und schienst, du Licht vom Lichte, Stärk und Kraft Sey dem, Wir schaun in deinem Ange- der uns erschafft, Ihm zu lesichte Nun deines Vaters Herr- ben; Für uns verbürgt Bist lichkeit. Nicht Wahrheit nur, du, erwürgt! Anbetung, Nuhm auch Ruh Strahlst du uns, und Dank sey dir!( Off. 2, 17.) Gortmensch, zu, Seelenfrie- 6. Preis sey dem, der auf den! Du hasts vollbracht! dem Throne Der Himmel Des Irrthums Nacht, Der sitt; Preis sey dem Sohne! Sünde dunkl're Nacht ist hin. Gott und dem Lamme Preis 4. Wenn die Seel in tiefe und Dank! Weisheit sind und Stille Versunken ist, wenn Gnad und Stärke, Herr, Herr, ganz ihr Wille Der Wille deß und Wunder deine Werke; ist, der sie liebt; Wenn ihr Dir und dem Lamm sey Preis inniges Vertrauen, Ihr freu- und Dank! Wie strahlt dein dig Hoffen fast zum Schauen Angesicht Von Huld! doch im Emporsteigt; wenn sie wieder Gericht Bist du heilig! Lobliebt Und nun wahrhaftig fingt dem Herrn, Die ihr dem weiß, Dein Kampf und To- Herrn Gestorben seyd und desschweiß, Gottverfühner, sterben sollt! Dein Blut am Kreuz, Dein Mel. Ich dank dir schon durch.( br. 13, 14.) 420. Erheb, o Seele, deinen Sinn, Was hängst du an der Erden? Hinauf, hinauf, zum Himmel hin, Denn du mußt himmlisch werden! Klopstod, g. 1724 † 1803. 2. Was hat die Welt? was beut sie an? Nur Tand und eitle Dinge! Wer einen Himmel hoffen kann, Der schäßet sie geringe. 3. Wer Gott erkennt, kann der wohl noch Den Wunsch aufs Niedre lenken? Wer Gott zum Freund hat, denket D. Heiligung. Himmlischer Sinn. hoch; So müssen Christen denken! 4. Kein Leiden, wenns auch schwer mich drückt, Schlägt meine Hoffnung nieder: Ich schan empor, und mich erquickt Der Herr doch endlich wieder. 5. Mein Theil ist nicht in dieser Welt, Ich bin ein Gast auf Erden, Ich soll, wann diese Hülle fällt, Ein Himmelsbürger werden. 6. Dort ist das rechte Kanaan, Wo Lebensströme fließen; Blick oft hinauf, der Anblick kann Den Leidenskelch verfüßen. 343 lohne Den Ueberwindern Kronen aus; Kämpf auch um Rub und Krone. 7. Dort oben ist des Vaters Haus; Er theilt zum Gnaden8. Dort ists den Engeln süße Pflicht, Gott ihren Dank zu bringen; O Seele, sehnest du dich nicht, mit ihnen Lob zu singen? 9. Dort herrscht dein Heiland, Jesus Christ, Und du, frei von Beschwerden, Sollst ihm, durch den du selig bist, An Klarheit ähnlich werden. 10. Laß denn, Erlöser, mich schon hier Mein Herz zu dir erheben; Laß mich, entschlaf ich einst in dir, Dort ewig mit dir leben! 2. Himmelau schwing deinen Geist Jeden Morgen auf; Kurz, ach kurz ist, wie du weißt, Unser Pilgerlauf! Fleh täglich neu: Gott, der mich zum Himmel schuf, Präg ins Herz mir den Beruf, Mach mich getreu! Liebich, g. 1713+ 1780. Mel. Kube ist das beste.( Phil. 3, 20. 2 Petri 1, 10. 11.) 421. Himmelan, nur himmelan Soll der Wandel gehn! Was die Frommen wünschen, kann Dort erst ganz geschehn, nicht muthlos, nicht zu viel Um den Tand der Welt! Flieh diesen Sinn! Nur was du dem Himmel lebst, Dir von SchäAuf Erden nicht: Freude wech- Ben dort erstrebst, Das ist Gefelt hier mit Leid; Richt hin- winn. auf zur Herrlichkeit Dein Angesicht! 4. Himmelan erheb dich gleich, Wenn dich Kummer drückt, Weil dein Vater, tren und reich, Stündlich auf dich blickt. Was quält dich so? Droben, in dem Land des Lichts, Weiß man von den Sorgen nichts; Sey himmlisch froh! 5. Himmelan wallt neben dir Alles Volk des Herrn, Trägt 3. Himmelan hat er dein Ziel im Himmelsvorschmack hier Selbst hinaufgestellt. Sorg| Seine Lasten gern. O schließ 344 XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. dich an! Kämpfe drauf, wie| leßt Selbst die Todesnacht; fichs gebührt; Denke, auch Seys, daß sie dir sterbend jetzt, durch Leiden führt Die Him- Kurze Schrecken macht, Harr melsbahn. aus, harr aus! Auf die Nacht wirds ewig hell; Nach dem Tod erblickst du schnell Des Vaters Haus. 9. Hallelujah! himmelan Steig dein Dank schon hier! Einst wirst du mit Schaaren nahn, Und Gott naht zu dir In Ewigkeit. Aller Jammer ist vorbei; Alles jauchzt, verklärt und neu, In Ewigkeit! 10. Hallelujah fingst auch du, Wann du Jesum siehst, Unter Jubel ein zur Nuh In den Himmel ziehst. Gelobt sey er! Der vom Kreuz zum Throne stieg, Hilft auch dir zu deinem Sieg; Gelobt sey er! Schöner, g. 1749 † 1818. 6. Himmelan gieng Jesus Christ Mitten durch die Schmach; Folg, weil du sein Jünger bist, Seinem Vorbild nach. Er litt und schwieg; Halt dich fest an Gott wie er, Statt zu klagen, bete mehr! Erkämpf den Sieg! 7. Himmelan führt seine Hand Durch die Wüste dich, Ziehet sich im Prüfungsstand Näher hin zu sich Im Himmelssinn; Von der Weltlust freier stets Und mit ihm vertrauter gehts Zum Himmel hin. 8. Himmelan führt dich zuE. Nächstenliebe. Mel. Gott, mein Gott, dir will ich.( 1 Cor. 13, 1-8 und 13.) 422. Unter jenen großen| Und zum höchsten Stand erheGütern, Die uns Christus zugetheilt, Ist die Lieb in den Gemüthern Wie ein Balsam, der sie heilt, Wie ein Stern, der herrlich blinket, Wie ein Kleinod, dessen Preis Niemand zu benennen weiß, Wie die Schönheit, die uns winket, Und die Lust, die jedermann Zwingen und vergnügen kann. ben, Der die Seelen aufwärts führt. Menschen- oder Engelzungen, Wo sich keine Lieb erweist, Wie beredt man sonst fie preist, Wie beherzt sie an= gedrungen, Sind ein flüchtiger Gesang, Sind ein Erz- und Schellenklang. 2. Liebe kann uns alles geben, Was auf ewig nützt und ziert, 3. Was ich von der Weisheit höre, Der Erkenntniß tiefer Blick, Die geheimnisvolle Lehre, Und des Glaubens Meister E. Nächstenliebe. stück, So der Berge Grund versezzet, Und was sonst den Menschen ehrt, Das verlieret seinen Werth, Alles wird für nichts geschäßet, Wenn sich nicht dabei der Geist, Der die Liebe wirkt, erweist. 4. Hätt ich alle meine Habe Mild den Armen zugewandt, Opfert' ich mich selbst dem Grabe, Scheut' ich nicht der Flammen Brand, Gäb' ich meinen Leib auf Erden Ihnen zu verzehren hin, Und behielte meinen Sinn: Würd ich doch nicht besser werden, Bis mich wahre Lieb erfüllt, Die aus Gottes Herzen quillt. 5. Glaubenssieg und Hoffnungsblüthe Führt uns tröstend 345 durch die Welt, Bis das irdische Gebiete Und der Schöpfungsbau zerfällt; Nur der Liebe weite Grenzen Strecken sich in Ewigkeit; Alle, die sich ihr geweiht, Werden unaufhörlich glänzen. Glaub und Hoffnung bleiben hier; Liebe währet für und für. 6. Odu Geist der reinen Liebe, Der von Gott du geheft aus, Laß mich spüren deine Triebe, Nimm dir hin mein Herz und Haus! Was in mir sich selbst nur suchet, Es nicht treu mit andern meint, Haß ist, und nur Liebe scheint, Laß mich halten als verfluchet; Lenke meinen ganzen Sinn, Geist der Lieb, zur Liebe hin! E. Lange, g. 1650 † 1727. Mel. Herzlich thut mich.( Marc. 12, 32. 33. 1 Joh. 4, 7. 8.) 423. Nicht Opfer und nicht| 3. Sie ist die höchste Zierde, Gaben, Auch Ruhm und Ehre Des Christenthumes Kern; nicht, noch was sonst Sünder Sie gilt als schönste Würde haben, Befreit uns vom Ge- Und Krone vor dem Herrn. richt. Nur Jesu Liebe bleibet, Was hilfts, mit Engelzungen Sie ist von Ewigkeit; Was au- Hoch reden ohne Herz? Wen ßer ihr uns treibet, Verschwin- Liebe nicht durchdrungen, Der det mit der Zeit. ist ein todtes Erz. 2. Sie gibt uns Kraft und Leben, Bricht jeden Bann entzwei, Lehrt helfen, trösten, geben, Macht von der Lüge frei. Sie muß gerecht uns machen, Los von der Sündenlust, Zum Beten und zum Wachen wegen unsre Brust. 4. Geheimnisvolle Lehren Und starker Glaubenssinn Stehn nicht bei Gott in Ehren, Wenn Liebe nicht darin. Der treibt nur arm Geschwäße, Wer, kalt und liebeleer, Der größten Be- Weisheit Schäße Darleget um sich her. 346 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 5. Der Vater ist die Liebe, die Lebensquelle Vom Vater Der Sohn ist Lieb allein, Des und vom Sohn: Mach un= heilgen Geistes Triebe Sind fre Seelen helle, Du Strom Liebe, heiß und rein; Das ist von Gottes Thron! Joh. Rothe, g. 1805. Mel. Alles ist an.( 1 Joh. 3, 14-18. pof. 6, 6. Eph. 5, 2.) 424. Nur wo Lieb ist, da| Frieden ist. Nenn, o Mensch, nur wenn du liebest, Wenn mit Christo du vergibest, Dich mit seinem Namen: Christ! ist Wahrheit; Ohne sie gibts keine Klarheit, Finster sind wir ohne sie. Heuchelnd wirst vor Gott du treten, Wenn du nicht bedenkst beim Beten, Daß er dich zum Bruder zieh. 2. Denfe nicht, der Herzensprüfer Schau von deinem Wort nicht tiefer Auf des Herzens Sinn und Nath. Hasfest du den Feind, so wisse, Daß das Reich der Finsternisse Deinen Geist gebunden hat. - 3. Nur die Sünde sollst du haffen, Aber Sünder mild um faffen; Sie zu richten, ziemt dem Herrn. Frents dich, daß sie sind gebunden? Spottest du ob ihren Wunden?- Komm und hilf sie heilen gern! 4. Wenn sie deine Liebe schmähen, Zornig aus dem Weg dir gehen, Dann befiehl sie dessen Nath, Der, die Armen, Todten, Blinden Von dem Elend zu entbinden, Tausend Liebeskräfte hat. 5. Glaubs, dein Lieben und Verzeihen Wird zumFrieden dir gedeihen Bei dem Herrn, der 6. Selbst die Gabe, die du gibest, Wiegt nicht schwerer, Gaben vor. Schwerer wiegt als du liebest; Liebe geht den oft eine Zähre, Die voll Mitleids, Gott zur Ehre Aus dem Auge dringt empor. 7. Wie die Sonn am Himmel stehet, Freud auf Gut' und Böse Lern in Liebe Christo gleichen, säet, Also sey dein Christenherz! Lern im Lieben ihn erreichen Unter Freuden, unter Schmerz! 8. In den trübsten Leidensstunden, Uleberdeckt mit Todeswunden, Hieng am Kreuze Gottes Sohn, Litt für uns, für seine Feinde, Die er rufet zur Gemeinde, Todesqual und Mörderhohn. 9. Willst mit göttlichen Gefühlen Du in leeren Worten spielen, Und doch Christi Jünger seyn? Geh zu ihm und lerne leben, Lern im Leben das Vergeben, Im Vergeben selig seyn! E. Nächstenliebe. Mel. Mein's Herzens Jesu.( Eph. 4, 1-6. Matth. 5, 22 2c.) 425. Ach Jesu! gib mir sanften Muth, Nach deinem Wort zu leben. Ich bin ein schwaches Fleisch und Blut; Sollt ich dir widerstreben? Sollt ich noch üben Nach und Zorn? Wie kann ein Christ, ein süßer Born, Solch bitter Wasser geben? 2. Ein Vater hat nach seiner Macht Geschaffen uns zu Kindern; Ein Herr das Leben wiederbracht Uns, den erstorbnen Sündern; Ein guter Geist uns auch regiert Und zu des Himmels Freude führt, Wenn wir ihn nicht verhindern. 3. Wie kann ich doch als Gottes Kind Den schwachen Bruder hassen, Da mir so große Schulden find Von meinem Gott erlassen? Soll nicht auch mein Herz seyn bereit, Aus rechter Lieb und Einigkeit Den Bruder zu umfassen? 4. Komm, Bruder, komm, reich her die Hand, Mein Herze dir vergibet, Laß deinen Zorn nicht seyn entbrannt: Ein Christ den andern liebet; Wer wie sein lieber Meister thut, Der brennet von der Liebe Gluth, Drin er sich stetig übet. 5. Wir tragen all an Einem Joch; Da wir uns Glieder nennen, Was wollen sich die Glieder doch An Einem Leibe tren347 nen? An rechter Lieb und Freundlichkeit Kann man den Christen allezeit Als Gottes Kind erkennen. 6. Wir haben alle Gottes Gnad In Einem Herrn zu finden; Ein Born im heilgen Wasserbad Macht rein uns von den Sünden; Ein Leib und Blut uns alle speist; Wie sollte nicht Ein Herz und Geist Uns allesammt verbinden? 7. Da wir nun haben Einen Geist, Wie kannst du„ Racha" sprechen? Da dein Leib Gottes Tempel heißt, Wie kann ich ihn zerbrechen? Ach Bruder, laß uns zürnen nicht, Daß uns nicht treff ein hart Gericht; Gott müßte selbst es rächen! 8. Du aber, Herr, erwecke mich Durch deines Geistes Triebe! Mit Lindigkeit erweise sich Am Feinde selbst die Liebe; Gin gütger Sinn und stiller Muth Ist auf des Gegners Haupt wie Gluth: Wer da feindselig bliebe? 9. Fällt jemand, strancheltund begeht, Was nimmer ist zu lolen: Wenn mir der Wind zuwider weht, Sollt ich mit Zürnen toben? Gib, Jesu, daß ich allezeit, Entfernt von aller Bitterkeit, Ablege Sanftmuthsproben. Mautisch, g. 1617+ 1669. XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. Mel. Auf, Christenmensch.( Matth. 5, 44: c.) 426. Du schenkst voll Nach-| 5. Auch mein Beleidiger hat sicht und Geduld Auch Bösen Theil Am Heiland aller Sündeinen Segen; Erzeigst uns al- der; Mit Blut erkauft' auch ihn len gleiche Huld Im Sonnen- zum Heil Der Todesüberwinschein und Regen. Hilf mir, der; An mich und ihn ergeht zu meiner eignen Ruh, Die der Ruf Des Gottes, der uns Feinde lieben, Gott, wie du. beide schuf. 348 2. JchSünder, dem noch Rache glüht Im heuchlerischen Herzen, Der noch sein Wohlgefallen sieht An seiner Feinde Schmerzen, Ich trete vor dein Angesicht, Du Gott der Lieb, und zittre nicht? 3. Wie könnt ich hoffen, Trost im Tod, Huld im Gericht zu finden; Zu dir noch flehen: „ richte, Gott, Mich nicht nach meinen Sünden", Hört' ich nicht deine Stimm in mir: ,, Wie du vergibst, vergibt Gott dir?" 4. Sey, Seele, werth der Seligkeit, Dich selbst zu überwinden. Duld und vergib; denn Gott verzeiht Und straft nicht deine Sünden. Nicht Rache, Segen rufe du, Begnadigte, dem Feinde zu. 6. O möchte Jesu Beiſpiel doch Mich Feindesliebe lehren! O könnt ich meinen Hasser noch Zur Seligkeit bekehren! Wie herzlich würd es mich erfreun, Der Retter meines Feinds zu seyn! 7. Wie wird er mich am Weltgericht Dann Freund und Bruder nennen, Wir danken und sich ewig nicht von meiner Seite trennen Und Gott erhöhen, dessen Hand Uns für die Ewigkeit verband! 8. Wie gern will ich, Gott, auf dein Wort Haß und Verfolgung leiden! Sie gern verzeihn, da du mirs dort Vergiltst mit ewgen Freuden! O Wonne, wenn sich dort mein Feind Mit mir zu deinem Lob vereint! Münter, g. 1735 † 1793. Mel. Auf, Christenmensch.( 1 Job. 4, 20. 21. Matth. 18, 21-35.) mich! 427. So jemand spricht:| Den Nächsten liebe gleich als ,, ich liebe Gott," Und haßt doch seine Brüder, Der treibt mit Gottes Wahrheit Spott Und reißt sie ganz danieder. Gott ist die Lieb und will, daß ich 2. Wir haben Einen Gott und Herrn, Sind Eines Leibes Glieder; Drum diene deinem Nächsten gern, Denn wir E. Nächstenliebe. 349 sind alle Brüder. Gott schuf dem du vergibst, Und den nicht die Welt nicht bloß für mich, Mein Nächster ist sein Kind wie ich. lieben, den du liebst? 3. Ein Heil ist unser aller Gut; Ich sollte Brüder hassen, Die Gott durch seines Sohnes Blut So hoch erkaufen lassen? Daß Gott mich schuf und mich verfühnt, Hab ich dieß mehr als ste verdient? 4. Du schenkst mir täglich so viel Schuld, Du, Herr von meinen Tagen; Ich aber sollte nicht Geduld Mit meinen Brüdern tragen? Dem nicht verzeihn, 2. Wer seines Nächsten Ehre schmäht Und gern sie schmähen höret, Sich freut, wenn sich sein Feind vergeht, Und nichts zum Besten kehret, Nicht dem Verleumder widerspricht: Der liebt auch seinen Bruder nicht. 5. Was ich den Frommen hier gethan, Dem kleinsten auch von diesen, Das sieht er, mein Erlöser an, Als hätt ichs ihm erwiesen; Und ich, ich sollt ein Mensch noch seyn, Und Gott in Brüdern nicht erfreun? Mel. Auf, Christenmensch.( 1 Joh. 3, 17. 18.) Pflicht: Der liebt auch seinen Nächsten nicht. 428. Wer dieser Erde Gü-| aus Gehorsam, nicht aus ter hat Und sieht die Brüder leiden Und macht die Hungrigen nicht satt, Läßt Nackende nicht kleiden, Der ist ein Feind der ersten Pflicht und hat die Liebe Gottes nicht. 4. Wer harret, bis, ihn anzuflehn, Ein Dürftiger erscheinet, Nicht eilt, dem Frommen beizustehn, Der im Verborgnen weinet, Nicht gütig forscht, obs ihm gebricht: Der liebt auch seinen Nächsten nicht. 5. Wer andre, wenn er sie be= schirmt, Mit Härt und Vorwurf quälet, Und ohne Nachsicht straft und stürmt, Sobald sein Nächster fehlet: Wie bleibt bei seinem Ungestüm Die Liebe Gottes wohl in ihm? 6. Wer für der Armen Heil und Zucht Mit Rath und That nicht wachet, Dem Uebel nicht 3. Wer zwar mit Rath, mit Trost und Schuß Den Nächsten unterstüzet, Doch nur aus Stolz, aus Eigennug, Aus Weichlichkeit ihm nüget, Nicht 6. Ein unbarmherziges Gericht Wird über den ergehen, Der nicht barmherzig ist, der nicht Die rettet, die ihn flehen. Drum gib mir, Gott, durch deinen Geist Ein Herz, das dich durch Liebe preist! Gellert, g. 1715 † 1769. 350 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. zu wehren sucht, Das oft fie| die Kraft dazu Und sorgst dasürftig machet, Nur sorglos für, so liebest du. ihnen Gaben gibt: Der hat sie wenig noch geliebt. 7. Wahr ist es, du vermagst es nicht, Stets durch die That zu lieben; Doch bist du nur geneigt, die Pflicht Getreulich auszuüben, Und wünschest dir 429. Herr! lehre du mich deinen Willen Mit Kindesfreudigkeit erfüllen: Dein Will ist lauter Seligkeit. An dir laß meine Seele hangen, Sey du mein einziges Verlangen, Du Freude mir, die nie gereut. 8. Ermattet dieser Trieb in dir, So such ihn zu beleben. Sprich oft: Gott ist die Lieb und mir hat er sein Bild gegeben. Denk oft: Gott! was ich bin, ist dein, Sollt ich gleich dir nicht gütig seyn? Gellert, g. 1715 † 1769. Mel. Der du das Loos.( Röm. 12, 9 2c. 14 2c.) - 4. Du kennest meiner Liebe Schwäche, Nur auf des Herzens Oberfläche Schwebt sie ,und all mein Herz willst du! Ganz reine Lieb ist, Gott, dein Wille, Oströme mir aus deiner Fülle Der Liebe Himmelsfreuden zu! 2. O Liebe, lehre du mich lieben, In Demuth und Geduld mich üben, Mich jeder fremden Freude freun! Die Liebe ist der Menschheit Ehre; O Liebe, Jesus Christus, lehre Mein Herz dem deinen ähnlich seyn! 3. Mein Herz, das oft sich sträubt und wendet, Sich oft mit Schein der Liebe blendet, Und o wie oft noch haßt und dräut, wer wird dieß mein Herz entzünden? Wer lehrt mich schnell und tief empfinden Die Freuden der Versöhn- Liebe Seligkeit! lichkeit? 5. O Liebe, lehre mich mit Freuden Das Beste thun, das Schlimmste leiden und immer froh in Liebe seyn! Oliebe, du bist Gottes Leben, O Liebe, deine Lust ist: geben, und deine Freude: still erfreun! 6. O Jesus Christus! das Entzücken Der Liebe quillt aus deinen Blicken, Aus deinem Herzen Freundlichkeit! O Liebe, daß ich Liebe wäre! O Liebe, Jesus Christus, lehre Mich deiner Lavater, g. 1741 † 1801. Mel. O Gott, du frommer.( Ps. 133.) 430. Von dir, o treuer| gnadenvoll Zum Frieden auf Gott, Muß Fried und Ein- genommen. Die Eintracht hast tracht kommen, Der du uns du lieb, Du lohnst ihr ewig E. Nächstenliebe. 351 wohl Und lehrest, wie man sie| allerlei Beschwerden Von seiIm Glauben üben soll. 2. Drum flehen wir zu dir Um deines Geistes Gabe, Daß jeder unter uns Ein Herz voll Frieden habe. Gib, daß wir alle= sammt Im Guten einig sey'n, So sammeln wir gesammt Die Frucht des Friedens ein. 3. Laß eins dem andern stets Zum edlen Balsam werden, Daß ein bedrängtes Herz In nem Nächsten Trost Und Hilfe kommen seh, Und daß ein Bruderherz Das andre nicht verschmäh. Mel. Nun sich der Tag.( Matth. 25, 34-46. 2 Cor. 9, 7.) 3. O nicht so fest und eng verschließ Die Thüren und das Herz! Ach, wer den Heiland von sich stieß', Was träfe den für Schmerz! 4. Laß uns in Einigkeit Stets bei einander wohnen Und trag uns allezeit Mit gnädigem Verschonen. Laß unter deinem Volk Die Eintracht herrlich blühn, Bis wir aus Krieg und Streit Zum ewgen Frieden ziehn. 4. Drum öffne gern und mitleidsvoll Dem Flehenden dein Haus, Und reiche mild der Liebe Zoll Dem Dürftigen hinaus; 5. Denn ehe du dichs wirst 431. Chrift! wenn die Armen manchesmal Vor deiner Thüre stehn, Merk auf,* ob nicht in ihrer Zahl Der Herrlich ist. sev ungesehn! (* Sir. 12, 1-3.) 2. Und wenn ihr matter Ruf so bang Erschallt zu dir herein, Horch auf, ob seiner Stimme Klang Nicht möchte drunter feyn? versehn, Ists dein Herr, Jesus Christ; Der wird durch deine Thüre gehn, Weil sie so gast6. Und ehe du ihn noch erkannt, Der arm erschien vor dir, Erhebter seine heilge Hand Zum Segen für und für: 7. 3um Segen über deinen Tisch Und über all dein Gut Und über deine Kinder frisch Und deinen frohen Muth; 8. Zum Segen über deine Zeit, Die du hienieden gehst, Und über deine Ewigkeit, Da du dort oben stehst; 9. Dort oben, wo er dann die Thür Dir auf mit Freuden thut, Wie ihm und seinen Brüdern hier Du thatst mit frommem Muth. Hey, g. 1789. 352 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. Allgemeine Fürbitte. Mel. Ach was soll ich Sünder.( 2 Theff. 3, 1. 2.) 432. Vater! sieh auf unsre Brüder Auch von deinem Thron hernieder, Wo man Hilf und Trost gewinnt; Schütze sie in Schmach und Schanden, Rette sie aus ihren Banden, Wenn sie in der Drangsal sind. 4. Laß fie deinen Ruf stets wecken, Daß fein Locken und kein Schrecken Ihren Seelen schädlich sey. Steh im Neden und im Schweigen, Im Erdulden und im Zeugen Ihnen ale Fürsprecher bei. 5. Jesu! der du selbst gelitten, Und vor uns mit blutgenSchritten Aus der Welt zum Vater giengst: Zeige ihnen von dem Throne, Daß du dort die Lebenskrone Auch für ihr Haupt schon empfiengst. Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Mel. Wann wir in höchsten Nöthen seyn.( Eph. 6, 18. 1 Tim. 2, 1-3.) 4. Auch die Verirrten bringe du Der Heerde Christi wieder 433. Für alle Menschen beten wir, O Vater, wie für uns zu dir: Gib, der du aller Vater bist, Gib jedem, was ihm heilsam ist. zu; Mach sie im Glauben fest und treu, Daß auch ihr Wandel lauter sey. 2. Unter ihrer Feinde Schnauben Gründ und mehre ihren Glauben, Ihre Hoffnung und Geduld. Halte sie bei deinem Sohne, Mach fie froh mit jenem Lohne, Tröste sie mit deiner Huld. 3. Stärke sie mit Lebensworten, Sey ihr Licht in dunklen Orten, Fülle fie mit deinem Geist. Höre ihr geheimes Sehnen, Zähle ihre ſtillen Thränen, Laß sie sehn, was du ver= heißst. 2. Du fandtest deinen eingen Sohn Für alle von des Himmels Thron; Verbreite, Herr, sein Licht und Recht Beim ganzen menschlichen Geschlecht. 3. Bring alle Völker in dein Reich; Die legten mach den ersten gleich Und schaffe bald zu deinem Ruhm Dir überall ein Heiligthum. 5. Ach viele, viele tragen noch Des Sündendienstes schweres Joch; Gib ihnen, Herr, zur Buße Zeit, zu schaffen ihre Seligkeit. 6. Gib deinen Frommen frohen Muth, Bewahr ihr Leben und ihr Gut Und richte ihres Geistes Blick Stets hin aufs ewge Lebensglück. Allgemeine Fürbitte. Chriftliche Freundschaft. 353 7. Verlaß sie nie in Kreuz und| 8. Hör unser kindliches Gebet, Noth Und steh bei ihnen auch Das allen Menschen Heil erim Tod, Daß ihre Seel ohn' fleht; Laß sie gesegnet seyn in Angst und Weh, Vollendet einst dir, Daß wir dich preisen für zur Heimath geh. und für. Nach Eramer. Chriftliche Freundschaft. Mel. Gott, mein Gott, dir will.( Sir. 6, 14-17.) ke, Mein Fuß gleitet, strauchelt, fällt, Dann mich Schwachen fest erhält! 434. was wären meine Freundschaft, wenn ich schwanFreuden, Theilte sie kein Freund mit mir! Und wie trüg' ich meine Leiden, Irrt' ich öd' und einsam hier? Wär ich wie in Wüsteneien Auf die Erde hingebannt, Lebt allein und unbekannt, Müßte ohne Freund mich freuen, Fände hier in Freud und Schmerz Nie ein gleichgestimmtes Herz? 2. Dank dir, Herr, mit Herz und Munde, Daß in treuer Freunde Schoos Mir so manche frohe Stunde Wie ein Augenblick verfloß! Dank für alle reine Freuden, Die mir derer Liebe gab, Die, bereit bis an das Grab Mit zu danken, mit zu leiden, Deine treue Vaterhand Mir so unverdient verband! 4. Dank, daß viel' der bessern Seelen, Mir ein Segen und der Welt, Mich zu ihren Freunden zählen, Von dir selbst mir zugesellt; Die das Gute mit mir theilen, Das mir deine Güte schenkt, Gern, wenn mich ein Kummer kränkt, Meiner Seele Wunden heilen, Mich erheben, wenn ich sank; Preis dir, Vater, Preis und Dank! 5. Dir geheiligt sey die Freude, Die für mich aus Freundschaft quillt, Voll Erquickung, wenn ich leide, Immer rein und sanft and mild, Nur an frommer Freunde Händen, Die o Heiliger, sich dir Ganz zum Opfer weihn mit mir, Sey mir wohl; o dann vollenden Schnellren Schritte wir unsern Lauf, Und der führt zu dir hinauf! 3. Dank, daß du auf meinem Wege Manchen Freund mir zugeführt, Der, werd ich oft matt und träge, Oder wenn ich, leicht verirrt, Von dem richtgen Pfade wanke, Mir voran zum Ziele wallt; Mit 6. Alle, die mich nah und ferne Lieben, Allbarmherziger, Segne sie( du segnest gérder sanfteren Gewalt Milder ne), Segne fie, Allgnädiger! Evangelisches Gesangbuch. 23 354 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. Ihrer Seele stilles Sehnen,| Vaterlande, Zu dem Himmel Ihr Bedürfniß, ihr Gebet, Das vielleicht für mich jetzt fleht, Ihre Freuden, ihre Thränen, Ihre leiseste Begier, Alles, Herr, empfehl ich dir. unsern Geist. Drüben laß uns wieder finden, Was hier unsrer Lieb entfloh, Doppelt glücklich, doppelt froh, Himmlischer uns dann verbinden Dort, o Vater, woverklärt UnsreFreundschaft ewig währt! 7. Hebe, wenn der Tod die Bande, Die uns binden, nun zerreißt, zu der Freundschaft F. Einzelne Tugenden und Pflichten. a) Weisheit. Mel. Herr Chrift, der einig.( 1 Cor. 2, 6. 7.) 435. Die Weisheit dieser Erden Ist noch die wahre nicht; Sie wird zur Thorheit werden Im göttlichen Gericht. Herr! mache dir zum Preise Mich zu dem Himmel weise Und sende mir dein Licht. Niemeyer, g. 1754 † 1828. 2. Wüßt ich, was Schul und Staaten Auf Erden glücklich macht, Wie wäre mir gerathen, Wenn mein Gewissen wacht, Und ich bin nicht daneben Auf ein unendlich Leben Zu meinem Heil bedacht? 3. Was helfen mir Verdienste, Wenn ich ein Sünder bin? Was nüßen mir Gewinste, Wenn ich nicht den gewinn, Auf den wir selig sterben, Mit dem wir ewig erben? Was hat man ohne ihn? 4. Gott nur als Gott erkennen, Das hat noch wenig Lohn; Man soll ihn Vater nennen In Jesu, seinem Sohn. Das sind die wahren Weisen, Die nur die Weisheit preisen Von Christi Kreuz und Thron. 5. O Geist der Weisheit! präge mir meinen Heiland ein und richte meine Wege Auf dieses Ziel allein, So geh ich nicht verloren, So sterb ich nicht wie Thoren, So werd ich selig seyn. Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Mel. Werde munter.( Eph. 5, 15-17. Siob. 28, 28. Sir. 1, 10.) 436. Gib die Weisheit mei-| heit dieser Welt, Die der Thor ner Seele, Daß ich deines Wortes Licht, Herr, allein zum Leitstern wähle Und ihm trau mit Zuversicht; Denn die Klugfür Weisheit hält, Fördert nicht mein Wohlergehen und wird nie vor Gott bestehen. 2. Weisheit ist es: danach F. Einzelne Tugenden und Pflichten. trachten, echt mit sich bekannt zu seyn, Sich nicht für vollkommen achten, Allen Eigendünkel scheun; Gern auf seine Fehler sehn, Sie gebeugt vor Gott gestehn, Eifrig stets nach Beßrung streben, und sich deß doch nie erheben. 3. Weisheit ist es: Christum ehren, Ihm als Heiland ganz vertraun, So auf seine Stimme hören, So auf seinen Wandel schaun, Daß man falsche Wege flieht Und mit Eifer sich bemüht, Seinem Bilde hier auf Erden Immer ähnlicher zu werden. 4. Weisheit ist es: alles meiden, Was mit Neu das Herz Beschwert, Und sich hüten vor den Freuden, Die der Sünde Dienst gewährt; Menschenruhm, der bald verbleicht, Lust, die im Genuß schon fleucht, Nicht für seinen Himmel achten, Nein, nach Gottes Nähe twachten. 355 5. Weisheit ist es: Gottes Gnade Sich zu seinem Ziel ersehn Und auf seiner Wahrheit Pfade Ewgem Heil entgegen gehn; Gern nach Gottes Willen thun, Froh in seiner Fügung ruhn, Und wenn Leiden uns beschweren, Ihn durch frohe Hoffnung ehren. 6. Weisheit ist es: stets bedenken, Daß wir hier nur Pilger sind, Und sein Herz auf das nur lenken, Was nicht mit der Zeit verrinnt; Seine Augen unverwandt Nach dem ewgen Vaterland Nichten und mit Eifer streben, Für die Ewigfeit zu leben. 7. Diese Weisheit ist auf Erden Unfrer Seele bestes Theil; Die von ihr geleitet werden, Deren Weg ist Licht und Heil. Diese Weisheit kommt von dir, Herr, verleihe sie auch mir; Laß sie mich zu allen Zeiten Auf den Weg des Friedens leiten. Nach Freylinghausen. Mel. Gott des Himmels und der Erden.( Ps. 111, 10. 1 Cor. 1, 18-31.) 437. Cins nur wollen, eins| stand. Will ein Mensch das Höchste wählen, Will er streden seine Hand Nach dem Lebensbaum allein: Könnte er dann weiser seyn? 3. Einfalt ist es: eins erblicken, Das dem rzen ganz genug; Das, was ewig kann erquicken, Nur verlangen, das nur wissen: Jesum, Gottes Herrlichkeit, Und die Weltlust fliehn und missen, Heißt vor Gott Einfältigkeit. Ist ein Herz auf dieß gestellt, So gefällt es nicht der Welt. 2. Das ist Klugheit edler Seelen, Das ist geistlicher Ver 356 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. ist flug. Seyst du vor der Welt| falt, das ist klug, Denn wer alsdann Als ein Thor: was Gott hat, hat genug. liegt daran? 4. Was die Menschen Klugheit nennen, Ist oft blinder Unverstand; Was der Weltsinn will gewinnen, Bringt um jenes Vaterland; Sollte das nicht Thorheit seyn? Dieses sieht die Einfalt ein. 8. Einfalt trachtet dem vor allen, Der sie theuer hat erkauft, Ihrem Heiland, zu gefallen, Daß er sie mit Feuer tauft. Hätte sie nicht Christi Licht, Hälf ihr alles andre nicht. 5. Lieber aller Welt mißfallen, Als zum Himmel ungeschickt! Wo ist in den Dingen allen Etwas, das den Geist erquickt? Gar nichts ist in die ser Welt, Das der Einfalt wohlgefällt. 6. Menschenaugen, die noch schielen Da und dorthin in der Welt, Heimlich noch mit Sünde spielen, Die dem Fleisch nur wohlgefällt, Diese kommen nicht zur Raft, Fühlten sie auch gleich die Last. 7. Einfalt sucht sich vorzusehen, Sammelt auf die Zeit der Noth; Wenn sie muß von hinnen gehen, Geht sie dann nicht ohne Gott; Das ist Ein9. Trener Jesu! meine Liebe Sey nur dir, nur dir geweiht; Alle meine Herzenstriebe Laß doch nimmer seyn zerstreut. Dich nur wollen, dich nur sehn, Heißt dem rechten Ziel nachgehn. 10. Tritt mir etwas vor die Augen, Das mir könnte schädlich seyn Und dem Geiste nicht kann taugen, Davon halte du mich rein, Daß es geh an mir vorbei, Ob es noch so scheinbar sey. 438. Mache dich, mein Geist, bereit! Wache, fleh und bete, Daß dir nicht die böse Zeit Plößlich nahe trete; Unverhofft Ist schon oft Ueber viele Frommen Die Versuchung kommen. 11. Wohne, Herr, in meiner Seele, Fülle meinen Herzensgrund. Was ists dann, das mir noch fehle, Wenn ich bin in dir gesund? Ja durch Einfalt halte mich Dir verbunden ewiglich! Joh. Mich. Hahn, g. 1758 † 1819. b) Wachsamkeit und Treue. Eigene Mel.( Phil. 2, 12 1c. Marci 13, 33-37. Eph. 6, 10-20.) 2. Aber wache erst recht auf Von dem Sündenschlafe, Denn es folget sonst darauf Eine lange Strafe; Und die Noth Sammt dem Tod Möchte dich in Sünden Unvermuthet finden. F. Einzelne Tugenden und Pflichten. 3. Wache auf, sonst kannst du nicht Christi Klarheit sehen; Wache, weil sonst wird dein Licht Stets dir ferne stehen; Denn Gott will Für die Füll Seiner Gnadengaben Offne Augen haben. 4. Wache, daß dich Satans List Nicht im Schlaf umstricke, Weil er sonst behende ist, Daß er dich berücke; Denn Gott gibt, Die er liebt, Nur in seine Strafen, Wenn sie sicher schlafen. 5. Wache, daß dich nicht die Welt Durch Gewalt bezwinge, Oder wenn sie sich verstellt, Wieder an sich bringe. Wach und sieh, Daß du nie Falsche Brüder hörest, Weltgunst nie begehrest. 6. Wache, nimm dich wohl in Acht, Trau nicht deinem Herzen. Leichtlich kann, wers nicht bewacht, Gottes Huld verscherzen; Denn es ist Voller List, Kann bald Schwachheit heucheln, Bald in Stolz sich schmeicheln. 357 7. Bete aber auch dabei Mitten in dem Wachen; Denn der Herr muß selbst dich frei Von dem allem machen, Was dich drückt Und bestrickt, Daß du schläfrig bleibest Und sein Werk nicht treibeft. 8. Ja, er will gebeten seyn, Wenn er was soll geben; Er lädt uns zum Flehen ein, Wenn wir wollen leben Und durch ihn Unsern Sinn, Feind, Welt, Fleisch und Sünden Kräftig überwinden. 9. Doch wohl gut; es muß uns schon Alles glücklich gehen, Wenn wir ihn durch seinen Sohn ImGebet anflehen; Denn er will Alle Füll Seiner Gunst ausschütten, Wenn wir glaubend bitten. 439. Welch eine Sorg und Furcht Soll nicht bei Christen wachen Und sie behutsam, klug Und wohlbedächtig machen! " Mit Furcht und Zittern," heißts,„ Schafft eurer Seelen Heil!" Wenn kaum der Fromme bleibt, Wie gehts dem fündgen Theil? 10. Drum so laßt uns immerdar Wachen, flehen, beten, Weil die Angst, Noth und Gefahr Immer näher treten; Denn die Zeit Ist nicht weit, Da uns Gott wird richten, und die Welt vernichten. Freystein, um 1720. Mel. O Gott, du frommer; oder: Ach Gott, verlaß mich nicht.( 1 Petri 4, 17 20. Hesef. 33, 11-19) 2. Der Satan geht umher Und sucht, wen er verschlinge, Legt tausend Neß' und Strick' In unvermerkte Dinge. Die Welt ist blind, verführt, Und bind't sich selbst die Ruth; Ja. unser ärgster Feind Ist unser Fleisch und Blut. 3. Man kann so manche Sünd 358 XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. Unwissentlich begehen; Vor Gott kommt der Gedank Dem Werke gleich zu stehen. Ein arger Mensch verführt Oft hunderte zumal, Drum wer steht, sehe zu, Daß er nicht plöglich fall. 4. ,, Ihr sollet," spricht der Herr, Wie ich bin, heilig leben, Mir eure Seelen ganz, Nicht halbgetheilet geben; Viel Weise nach dem Fleisch Hab ich mir nicht erwählt; Viel Herr- Herr- Sager sind Der Hölle zugezählt." 5. Und wird ein Frommer schlimm, So soll ihm das nichts dienen, Daß er vor solcher Zeit Nechtschaffen ist erschienen. Der Knecht, der seines Herrn Gebot weiß, und nicht thut, Wird doppelt Streich' empfahn Für seinen Frevelmuth. 6. Man hat genug zu thun, Die eigne Seel zu retten; Wer noch viel andres hat, Wie kann er das vertreten? Je gröBer Amt und Gut, Je größer Pfund und Kraft, Je größer bilde man sich ein die Rechenschaft. 7. Die ganze erste Welt Mußt jämmerlich vergehen; Acht Seelen sind allein Vor Gott gerecht ersehen. Der zehnte dankte nur, Daß er vom Aussaz rein; Ach möchten fünf doch klug, Und fünf nur thöricht seyn! 8. Des Richters Zukunft wird Gleich einem Blitz geschehen; Was unrein und gemein, Darf nicht in Himmel gehen. Selbst in der Zwölfe Zahl War ein verloren Kind; Nicht Stadt noch Dorf mag seyn, Wo nicht Verdammte sind. 9. Herr Gott! so oft ich dieß In meinem Geist bedenke, So dringt mir Furcht und Angst Durch Adern und Gelenke; So preif' ich deine Treu, Die mich noch heut erhält; Doch fleh ich desto mehr Für mich und alle Welt: 10. Senk deine wahre Furcht In aller Menschen Herzen; Laß niemand mit der Buß Und wahrem Glauben scherzen! Muthwillen schaffe weg, Trägheit, Vermessenheit, Verstockung, Heuchelei, Bosheit, Unheiligkeit! 11. Hilfsiegen über das, Was du schon überwunden; Zerstöre Satans Reich, Halt seine Macht gebunden. Laß uns mit Sorg und Fleiß Verleugnen, widerstehn, Anhalten im Gebet, Entfliehen und entgehn! 12. Verleih Geduld und Trost Im Kämpfen und im Ringen, Sorgfältge Wachsamkeit Und Kraft, hindurchzudringen, Daß wir ohn' Unterlaß In der Bereitschaft stehn Und einst mit Freudigkeit Vor deine Augen gehn. Hedinger, g. 1664 † 1704 F. Einzelne Tugenden und Pflichten. Eigene Mel.( Pf. 39, 5. 6.) Weislich nüße diese Zeit. 440. Ohne Raft und un-| licher, Eingedenk der Ewigkeit, verweilt, Strömen gleich, o Seele, eilt Deine kurze Pilgerzeit In das Meer der Ewigkeit, 2. Nimm auch Stunden wohl in Acht, Wirke Gutes; denn die Nacht, Da man nicht mehr wirken kann, Kommt und rückt oft schnell heran. 7. Jede Stunde, da mein Geist Sich der Erde mehr entreißt, Bringt mir, flieht sie gleich dahin, Dennoch ewigen Gewinn. 3. Jetzt ist noch der Tag des Heils, Frei die Wahl des besten Theils. Stell dich dieser Welt nicht gleich, Werd an guten Werken reich. 4. Wenn du deine Zeit verträumst, Sie in träger Ruh versäumst, Sie verschwendest ohne Plan: Weh dir, naht dein End heran! 5. Der Versäumniß deiner Pflicht Folgt im göttlichen Gericht, Wenn der Tod dich hingerafft, Eine strenge Rechenschaft. 6. Gott, du meiner Tage Herr, Hilf mir, daß ich Sterb- 441. Der lette Tag von deinen Tagen, O Mensch, eilt immer mehr herbei; Erkauf die Zeit, und statt zu klagen, Sie sey zu kurz, gebrauch sie treu; Onimm mit dankbarem Gemüth Der nahen Stunde wahr, sie flieht! 359 Mel. Wer weiß, wie nabe mir.( Pf. 90, 12. Ebr. 3, 13.) 2. Getäuscht von tausend Ei= telkeiten, Versäumst du deines 8. Jede Stunde, da ich hier Andern nüße und vor dir Redlich handle, dauert dort Stets in ihrem Lohne fort. 9. Laß mir diesen Werth der Zeit, Und des Frommen Thätigkeit Täglich, Gott, vor Augen seyn, Daß ich Trägheit lerne scheun. 10. Steh mit deiner Kraft mir bei, Daß ich, meiner Pflicht getreu, Dir zum Preis und mir zum Glück, Nüße jeden Augenblick. 11. Dann vertausch ich diese Zeit Ruhig mit der Ewigkeit, Finde da vor deinem Thron Meiner Arbeit Gnadenlohn. Diterich, nach Gellert. Lebens Zweck, Verschiebst dein Heil auf ferne Zeiten Und wirfst so sorglos Jahre weg; und bist du denn, o Sterblicher, Des nächsten Augenblickes Herr? 3. Ein ewig Glück einst zu besitzen, Sollst du die kurze Lebenszeit Als deine Saatzeit weislich nüßen Und thun, was 360 dir dein Herr gebeut. Wie ruft er dir so freundlich zu: „ Nur eins ist noth! was säumest du?" 4. Drum eil, errette deine Seele Und denke nicht: ein andermal! Sey wacker, bet und überzähle Der Menschen tage kleine Zahl; Sey fromm und wandle vor dem Herrn, Wär auch dein Ende noch so fern. 5. Mit jedem neu geschenkten Morgen Erwecke dich, gewissenhaft Für deiner Seele Heil zu sorgen, und suche Gottes Licht und Kraft; Sprich: o mein Gott, ich will allein XVII. Christlicher Sinn und Wandel. Mein Leben deinem Dienste weihn! 3. Herr! zieh mich gleich den Kindern, Die man zu Haus behält, Das Böse zu verhin6. Erleucht und stärke meine Seele, Weil ohne dich sie nichts vermag. Du schenkst, daß ich mein Heil erwähle, Aus Gnaden mir noch diesen Tag. Was ist nicht jede Stunde werth, Die deine Langmuth mir gewährt! 7. Hilf, daß ich in gesunden Tagen Schon oft zu meinem Grabe geh Und da, bei Freuden und bei Plagen, Auf dich und deine Zukunft seh; Damit ich, meiner Pflicht getreu, Des höhern Lebens fähig sey! Chr. Fr. Neander, g. 1723 † 1802. Mel. Valet will.( 1 Cor. 15, 33.) 442. Ein Ausblick in die| dern, Worein der Leichtsinn Ferne Der lichten Ewigkeit Macht, daß ich Vorsicht lerne In dem Gebrauch der Zeit. Wie bald ist viel verloren! Wie leicht das Heil verscherzt, Das mich, wie andre Thoren, Zu spät am Ende schmerzt! fällt; Und bin ich dann alleine, So lehre mich dein Geist Zu aller Zeit das Eine, Das gut und selig heißt. 2. In den Zerstreuungsstunden, Die nach der Weltart sind, Holt man oft tiefe Wunden Und wird am Geiste blind. Man fühlt erst in der Stille Und durch der Gnade Zucht, Daß da des Fleisches Wille Die Waide nur gesucht. 4. Da sag mir von dem Himmel, Wie's dort so herrlich klingt, Und wie das Lustgetümmel Der Welt nur Jammer bringt; So halten mich die Blicke Nach jener Herrlichkeit Von alle dem zurücke, Was hier den Weltfinn freut. 5. Bin ich gern in Gedanken Schon jetzt mit dir allein: Wie wohl wirds thun dem Kranken, Wenn er muß einsam seyn! Dann ist mein F. Einzelne Tugenden und Pflichten. 361 Herz gewöhnet, Still mit dir sichs sehnet, Zu dir gen Himumzugehn; Es darf, wohin mel sehn. Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Mel. Uch wann werd ich dahin.( 1 Cor. 10, 12. Marc. 14, 38.) Die auf Sichre 443. Wer sich dünken läßt| Seligsevn, Der ist sicher vor zu stehen, Hüte wohl sich vor Gewittern, dem Fall! Es umschleicht uns, schlagen ein. wo wir gehen, Der Versucher überall. 7. Wohl dem, der mit Wachen, Flehen Wandelt auf der schmalen Bahn! Der wird unbeweglich stehen, Wenn der Arge stürmt heran. 8. Selig ist, wer seine Lenden Immer läßt umgürtet seyn, Wer dem Licht in seinen Händen Stets bewahret hellen Schein! 2. Sicherheit hat viel' betrogen, Schlafsucht thut ja nimmer gut; Wen sie täuschend überwogen, Der verlieretKraft und Muth. 3. Falsche Freiheit bringt Verderben, Knechtschaft ist ihr sichrer Lohn; Wahre Freiheit zu erwerben, Flehe stets zu Gottes Sohn. 4. Petrns, welcher sich vermessen, Mit dem Herrn in Tod zu gehn, Hat der Warnung kaum vergessen, So muß er in Thränen stehn. 5. Ist der Geist auch noch so willig, Bleibt das Fleisch doch immer schwach; Gibst du nach, so trifft dich billig Deiner Feigheit bittre Schmach. 6. Wohl dem, der mit Furcht und Zittern Ringet nach dem 9. Selig, wer mit reinem Dele Seine Lampe früh versieht! Der errettet seine Seele, Wenn der Bräutigam verzieht. 10. Odu Hüter deiner Kinder, Der du schlummerst nicht noch schläfft, Mache mich zum Ueberwinder! Weh, wenn du mich schlafend träfft! 11. Sey du Wecker meiner Sinnen, Laß mich stündlich wachsam seyn, Daß ich, wenn ich muß von hinnen, Wachend auch mag schlafen ein. Mel. O du Liebe.( Luc. 19, 12-24. Eph. 5, 14.) 444. Welche Stund im Herr! drum mache mich bei Zeiten Mit dem Tode wohl bekannt; Komm, mich selber heimzuleiten In mein liebes Vaterland. ganzen Leben Ist wohl, da ich sagen kann:„ Ich da noch nicht Abschied geben. Jetzt noch kommt mein Herr nicht an?" XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 362 2. Hilf mir, daß ich stündlich sterbe, Daß, kommt nun der Tod herbei, Ich im Tode nicht verderbe, Sondern voller Leben sey. Lehr mich alles fliehn und hassen, Was uns in dem Tode rent, Nichts hingegen unter lassen, Was im Tode noch erfreut. 3. Gib mir stündlich wahre Neue Und den rechten Glaubensgeist; Gib mir auch im Kleinen Treue, Die nur thu, was du mich heißst. Laß mich keine Zeit verschwenden, Hilf mir Seel und Leibeskraft Recht nach deinem Sinn verwenden, Daß mein Pfund stets Wucher schafft. 4. Gib mir stündlich reine Triebe, Geuß die Lieb im Herzen aus, Mache lauter Gegenliebe und rechtschaffnes Wesen draus. Laß mich stündlich wachen, beten, Auf dein Wort des Lebens sehn Und mit festem Muth zertreten, Was dir will entgegenstehn. 5. Laß mich, Jesu, nicht verzagen, Wann das letzte Stündlein droht! Komm zu heben, komm zu tragen, Hilf mir fröhlich durch den Tod. Ja dein Geist, den du beschieden, Sey ein sichres Pfand in mir; Und so nimm mich, Herr, im Frieden Und in wahrer Treu zu dir. Nach Bogazky. c) Demuth und Geduld. Mel. O Gott, du frommer.( 1 Petri 5, 5. 6.) 445. Hinab geht Christi| 3. Hinab, mein Aug, hinab! Weg; Und du und dein Beginnen Willst aus vermeßnem Stolz Bis an des Himmels 3innen? Steigst ungenügsam auf? Dein Heiland stieg herab! Wer mit ihm aufwärts will, Muß erst mit ihm hinab. Gott selber schaut hernieder Vom Thron aufs Niedrige; Der Stolz ist ihm zuwider: Je höher hier ein Aug, Je näher ists dem Grab Und sinkt in Todesnacht. Darum, mein Aug, hinab! 2. Darum, mein Sinn, hinab, Verlerne nur dein Steigen! Was leicht ist, hebt sich schnell, Was schwer ist, muß sich beugen. Die Quelle, die sich senkt, Vermehret ihre Hab Und wird zuletzt zum Strom; Darum, mein Sinn, hinab! 4. Hinab, ihr Händ', hinab! Hier stehen arme Brüder: Neigt euch zur Niedrigkeit Und labet Christi Glieder. Greift nicht in hohe Luft Nach Ruhm und stolzer Hab; Christ that den Aermsten wohl; Darum, ihr Händ', hinab! 5. Hinab, mein Herz, hinab, F. Einzelne Tugenden und Pflichten. 363 So wird Gott in dir wohnen! 6. Hinab auch du, mein Leib! Die Demuth lohnet er Mit goldnen Himmelskronen; Im Demuthsthale liegt Des heilgen Geistes Gab; Owohl dem, der sie sucht! Darum, mein Herz, hinab! Du bist gemacht aus Erden; Durch Demuth sollst auch du Im Geist verkläret werden. O Gott, bereite mich Zum Himmel und zum Grab! Ich sehne mich hinauf, Ich sehne mich hinab! Ingolstetter, g. 1633 † 1711. Mel. Ach was soll ich Sünder.( Rom. 12, 6-16. Col. 3, 12-15.) 446. Trachtet nicht nach 5. Demuth hofft mit frohem hohen Dingen! Nur der De- Herzen, Ist geduldig bei den muth kanns gelingen, Wenns Schmerzen; Bleibt zum Beten das ewge Kleinod gilt; Sie ungeschwächt; Schicket sich in kann vor dem Fall bewahren, alle Zeiten, Läßt sich still zum In Versuchung und Gefahren Ende leiten, Weil mit Gott Ist sie uns der beste Schild. ihr alles recht. 2. Demuth kann der Falschheit wehren Und das Sündengift verzehren, Das sich noch im Herzen regt; Bis die brüderliche Liebe, Die der Hochmuth machet trübe, Immer tiefre Wurzeln schlägt. 3. Demuth nimmt sich keine Ehre, Wenn sie noch so vornehm wäre; Merk es jeder eitle Thor! Aber weil den Herrn sie preiset Und in Liebe Dienst erweiset, Ziehet er sie doch hervor. 4. Was der Hochmuth sonst verhindert, Was die Gluth des Geistes mindert, Das besiegt ihr stiller Muth; Auch im Thun ist sie nicht träge, Darum braucht sie keine Schläge, Wie der Stolz, der wenig thut. 6. Demuth pflegt mit tausend Freuden Arme, Nackte zu bekleiden, Dienet ihnen in dem Herrn; Speiset, tränkt, erquickt und labet, Tröstet, schenket und begabet, Wartet, pflegt und herbergt gern. 7. Wenn der Feind verfolgt und fluchet, Segnet sie dafür und suchet, Wie sie nur sein Herz gewinnt; Ist mit denen, welche weinen, Und in Fröhlichkeit erscheinen, Jn der Liebe gleich gesinnt. 8. Demuth wills mit deren halten, Die sich nicht in Sekten spalten, Wo der Stolz die Geister treibt. Wollet ihr die Kron erringen, O so seht vor allen Dingen, Daß ihr bei der Des muth bleibt! 364 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. Mel. Von Gott will ich.( Ebr. 10, 36.) Gebete Vor Schlangen- Lift und Gift. 447. Geduld ist euch von-| früh und späte Mit eifrigem nöthen, Wenn Sorge, Gram und Schmerz, Und was euch mehr will tödten, Euch schneidet in das Herz. O auserwählte Zahl! Soll euch der Tod nicht tödten, Ist euch Geduld vonnöthen Auch in der tiefsten Qual. 6. Geduld thut Gottes Willen, Erfüllet sein Gebot Und weiß sich wohl zu stillen Bei aller Feinde Spott. Es lache, wems beliebt, Wird sie doch nicht zu Schanden; Es ist bei ihr vorhanden Ein Herz, das nichts drauf gibt. 7. Geduld dient Gott zu Ehren Und läßt sich nimmermehr Von seiner Liebe kehren; Und stäupt er noch so sehr, So ist sie doch bedacht, DesHeilgen Hand zu loben, Spricht:„ Gott, der hoch erhoben, Hat alles wohl gemacht!" 2. Geduld ist Gottes Gabe Und seines Geistes Gut, Der schenket sie zurHabe, Sobald er in uns ruht. Der edle, werthe Gast Erlöst uns von dem Zagen Und hilft uns treulich tragen Die allergrößte Last. 3. Geduld kommt aus dem Glauben Und hängt an Gottes Wort; Das läßt sie sich nicht rauben, Das ist ihr Heil und Hort; Das ist ihr hoher Wall, Da hält sie sich geborgen, Läßt Gott, den Vater, sorgen Und fürchtet keinen Fall. 4. Geduld ist wohl zufrieden Mit Gottes weisem Nath; Läßt sich nicht leicht ermüden Durch Aufschub seiner Gnad, Hält frisch und fröhlich aus, Läßt sich getrost beschweren Und denkt: ,, wer wills ihm wehren? Ist er doch Herr im Haus!" 5. Geduld kann lange warten, Vertreibt die lange Weil In Gottes schönem Garten, Durchsucht zu ihrem Heil Das Paradies der Schrift, Und schützt sich 8. Geduld erhält das Leben, Vermehrt der Jahre Zahl, Dämpft und vertreibt daneben Viel Angst und Herzensqual; Ist wie ein schönes Licht, Davon, wer an ihr hanget, Mit Gottes Hilf erlanget Ein fröhlich Angesicht. 9. Geduld ist mein Verlangen Und meines Herzens Luft, Nach der ich oft gegangen; Das ist dir wohl bewußt, Herr, voller Gnad und Huld! Ach gib mir und gewähre Mein Bitten, ich begehre Nichts audres als Geduld. 10. Geduld ist meine Bitte, Die ich sehr oft und viel Aus F. Einzelne Tugenden und Pflichten. dieser Leibeshütte, Zudir, Herr, schicken will. Kommt dann der lezte Zug, So gib durch deine Mel. Sollt es gleich.( Eph. 4, 1-3. Jaf. 3, 13-16. 5, 7-11.) 448. Wer Geduld und Demuth liebet Und sich denen recht ergibet, Kann im Glück Und Unglücksschein Immer guten Muthes seyn. 2. Er kann unbeweglich sehen Sein Glück hin und wieder gehen, und ist allemal bereit 3u der gut- und bösen Zeit. 3. Wenn das Unglück ihn mit Haufen Und mit Macht will überlaufen, Stehet die Geduld ihm bei, Daß er unbeweglich fey. 4. Will ihn dann das Glück anlachen und ihn gar zu muthig machen, Hält in Demuth zu der Erd, Daß er nicht hochmüthig werd. 365 Hände Auch ein geduldig Ende, So hab ich alles gnug! Gerhard, g. 1606 † 1676. 5. Will sein Thun gar nicht bestehen, Noch nach seinem Kopfe gehen, Fasset die Geduld ihn an, Daß er alles leiden kann. 6. Wenn es ihm nach Wunsch ergehet Und er jezt zum höchsten stehet, Hält die Demuth ihn zurück, Daß er scheut des Glückes Tück. 449. Was ich nur Gutes habe, Ist deine milde Gabe, Du Vater alles Lichts! Mein Daseyn und mein Leben Ward mir von dir gegeben, und ohne dich vermag ich nichts. 2. Sowohl Verstand als Kräf7. Will ihn alle Welt betrüben Und kein Mensch ihn herzlich lieben, Gibt den Trost ihm die Geduld, Daß er daran ohne Schuld. 8. Siget er in hohen Würden, Ist von allen Kreuzesbürden Ganz erledigt, los und frei, Ist die Demuth doch dabei. 9. Die Geduld verjagt das Trauern, Demuth wehrt dem Glückeslauern, Demuth ist für Sicherheit, Die Geduld für Traurigkeit. 10. Drum hab ich auch ausersehen, Mit den beiden umzu gehen, Weil die Demuth mich ergößt, Und Geduld in Nuhe setzt. Anton Ulrich, Herzog von Braunschweig- Lüneburg, g. 1633 † 1714. Mel. Nun ruben alle.( 1 Mos. 32, 10.) te Zunüglichem Geschäfte Hab ich aus deiner Huld. Dein ists, wenn gute Thaten Dem Vorsay wohl gerathen; Ich bin allein an Fehlern schuld. 3. Das Glück, deß ich mich freue, Schaffst du nach deiner 366 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. Treue, Du Herr der ganzen| Der Huld, Herr aller Dinge, Welt! Du ordnest unsre Tage, Die du mir stets erzeigt; Olaß Ihr Glück und ihre Plage, michs nie vergessen, Wenn sich Wie's deiner Weisheit wohl- mein Herz vermessen Zum gefällt. Stolz und Eigendünkel neigt! 6. Das nüßlich anzuwenden, Was du mit Vaterhänden Mir gütig zugewandt, Gehorsam dir zu werden, Das sey mein Fleiß auf Erden; Dazu gib Demuth und Verstand. Gellert, g. 1715 † 1769. 4. Sollt ich mich denn erheben, Wenn mir in diesem Leben Viel Gutes widerfährt? Was hat dich, Herr, bewogen, Daß du mich vorgezogen? Bin ich auch jemals dessen werth? 5. Ich bin siel zu geringe d) Wahrhaftigkeit.( Eid.) Mel. O Ewigkeit, du.( Matth. 5, 37. Cap. 10, 28.) 450. Gott! der du Herzens-| dem, der Gott und Gottes Macht kenner bist, Herr! dem die Falschheit Greuel ist, Und jede Lüg Verbrechen, Kein Wort spricht je ein falscher Mund, Das dir, Allwissender, nicht kund; Du, Heiliger, wirsts rächen! Laß jederzeit mein Ja und Nein, Wie's Christen ziemt, aufrichtig seyn. Zum Siegel seiner Bosheit macht, Sie vor der Welt zu decken! Herz, schau den Gott mit Zittern an, Der Seel und Leib verderben kann! 2. Und wenn ich schwörend vor dir steh, Dir in dein heilig Antlitz seh, Die Hand zum Himmel hebe, Wenn ich zum Zeugen feierlich Anrufe, Hocherhabner, dich, Durch den ich bin und lebe: Dann sey von Trug und Heuchelei Mein Herz und meine Zunge frei. 3. Wenn Frevler dich auch da noch schmähn Und frech mit Lügen vor dir stehn, Dann laß mein Herz erschrecken! Weh 4. Gott! wenn du nicht mein Gott mehr bist, Dein Sohn nicht mehr mein Heiland ist, Dein Himmel nicht mein Erbe; Wenn mich beim Leiden dieser Zeit Kein Trost vom Himmel mehr erfreut, Kein Trost mehr, wenn ich sterbe; Wenn Gott und Jesus nicht mehr mein: Dann besser, nie geboren seyn! 5. Nein, Ehre nicht, nicht Gut und Geld, Kein Fürstenthum und keine Welt Soll mich so weitverführen! Um alle Leiden dieser Zeit Will ich doch Gott und Seligkeit Muthwillig nicht verlieren. Wie klein meiv F. Einzelne Tugenden und Pflichten. Glück auch immer sey: Nur Gott und reines Herz dabei! 6. Gott! lehre mich bei jedem Eid AusFurcht vor deiner Heiligkeit Die Wahrheit pünktlich sprechen. Beschwör ich heilig 367 Die Auch Amt und Pflicht, So laß mich auch im Kleinsten nicht theure Zusag brechen! dir, Gott, schwur ich treu zu seyn: Erhalt mich ewig, ewig Bidel, g. 1737 † 1809.. dein! Mel. Herzlich thut.( Eph. 4, 25. 1 Petri 3, 10. 11.) 451. Wohl dem, der richtig| chen, Was ich nicht halten kann, wandelt, Der als ein Wahrheitsfreund In Wort und Werken handelt Und das ist, was er scheint; Der Recht und Treue liebet Und von dem Sinn der Welt, Die Trug und Falschheit übet, Sich unbefleckt erhält! Zusagen mich nie brechen, Die ich mit Recht gethan; Nie mich den Stolz verleiten Und nie des Beispiels Macht, Als Wahrheit auszubreiten, Was ich doch selbst erdacht. 6. Doch laß zu allen Zeiten 2. Wohl dem, der Lügen has- Auch deiner Weisheit Licht, set, Und der, so oft er spricht, Herr, meine Seele leiten, DaSo seine Reden fasset, Daß er mit ich meine Pflicht Mit Klugdie Wahrheit nicht Mit Vorbe- heit üb' und wisse, Wann ich dacht verleget, Und der an jedem für andrer Wohl Und für mich Ort Sich dieß vor Augensezet: „ Gott merkt auf jedes Wort!" 3. Wohl ihm, daß sein Gemüthe, Herr, deine Nechte übt! Ihn leitet deine Güte, Er wird von dir geliebt; Du wirst ihn einst erhöhen, Wenn bei der Wahrheit Licht Beschämt die Falschen stehen, Geschreckt durch dein Gericht. reden müsse, Und wann ich schweigen soll., 7. Wenn je mich zu bedrücken Des Feindes Anschlag gilt, Der sich bei bösen Tücken In guten Schein verhüllt, So stärke meine Seele, Daß sie nicht unterliegt, Und alles dir befehle. Durch den die Unschuld fiegt. 8. Ein Herz voll Tren und Glauben, Das, Gott, zu dir sich hält, Das soll mir niemand rauben! So kann ich aus der Welt Einst mit der Hoffnung gehen: Ich werde als dein Kind Dich mit den Frommen sehen, Die reines Herzens find. Lüneburger Gesangbuch. 4. Herr! drücke dieß im Leben Mir tief ins Herz hinein, Damit ich möge streben, Der Lügen Feind zu seyn. Erinnre mein Gewissen: Du haffest Heuchelei, Damit ich stets beslissen Der Treu und Wahrheit sey. 5. O laß mich nichts verspre XVII. Christlicher Sinn und Wandel. e) Genügsamkeit. Mel. Alles ist an.( Phil. 4, 6.) 452. Nur für dieses Leben wirklich da. Daß nicht Sorgen mich verstricken Und des Wortes Frucht ersticken, Sage mir: der Herr ist nah!" 368 sorgen, Machet keinen guten Morgen, Aber manche böse Nacht! Nur um jenes Leben sorgen, Bringt einst einen frohen Morgen, Wann man aus dem Grab erwacht. 2. Mein Gott! fehlt es mir an Gaben, Wünsch ich dieß und das zu haben: Lehr mich ohne Kummer seyn; Lehr mich, dir in Kindesbitten Mein Verlangen auszuschütten, Denn du hörst und hilfft allein. 3. Lehr mich, ohne ängstlich Klagen Dir vergnügten Dank zu sagen Schon für das, was 4. Reich an guten Werken werden, Das sey mein Gesuch auf Erden; Andre Sorgen taugen nichts! Laß in sehnlichem Verlangen Mich mit ganzem Herzen hangen An dem Erbtheil jenes Lichts! 5. Da ist Reichthum, der recht wichtig, Da ist Leben, das nicht flüchtig; Jesu, dahin ziehe mich! um die Güter jenes Lebens Ist das Ringen nicht vergebens, Und die Frucht währt ewiglich. Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Mel. Auf, Christenmensch.( 1 Tim. 6, 6-10. Matth. 6, 33.) 453. Wohl dem, der beßre| schmachten, Nicht erst nach der Schäße liebt, Als Schätze die ser Erden! Wohl dem, der sich mit Eifer übt, An Tugend reich zu werden; Und in dem Glauben, deß er lebt, Sich über diese Welt erhebt! Gerechtigkeit Und Gottes Reiche trachten, Ist dieses eines Menschen Ruf, Den Gött zur Ewigkeit erschuf? 2. Gott wehret seinen Kindern nicht, Hier Güter zu besigen. Er gab sie uns, doch auch die Pflicht, Mit Weisheit sie zu nüzen; Sie dürfen unser Herz erfreun Und unsers Fleißes Antrieb seyn. 4. Der Geiz erniedrigt unser Herz, Erstickt die edlern Triebe; Die Liebe für ein schimmernd Erz Verdrängt der Tugend Liebe und machet, der Vernunft zum Spott, Ein elend Gold zu deinem Gott. 3. Doch nach den Gütern dieser Zeit Mit ganzer Seele 5. Der Geiz, so viel er an sich reißt, Läßt dich kein Gut genießen; Er quält durch Habsucht deinen Geist Und tödtet dein F. Einzelne Tugenden und Pflichten. 369 Gewissen Und reißt durch sie wohlbedacht, Wenn du sie schmeichelnden Gewinn Dich reich wie dich gemacht. blind zu jedem Frevel hin 6. Um wenig Vortheil wird er schon Aus dir mit Meineid sprechen; Dich zwingen, der Arbeiter Lohn Unmenschlich abzubrechen; Er wird in dir der Wittwen Flehn, Der Waisen Thränen widerstehn. 9. Du hast ein richterliches Amt: Und du wirst dich erfrechen, Die Sache, die das Recht verdammt, Aus Habsucht recht zu sprechen; Und selbst der Tugend größter Feind Erkauft an dir sich einen Freund. 7. Dein durch den Geiz verhärtet Herz Schmeckt nie des Wohlthuns Freuden; Denn dich rührt keines andern Schmerz Und keines Armen Leiden; Und wo ist eines Standes Pflicht, Die nicht der Geiz entehrt und bricht? 10. Gewinnsucht raubt dir Muth und Geist, Die Wahrheit frei zu lehren; Du schweigst, wenn sie dich reden heißt, Ehrst. wen du nicht sollst ehren Und wirst um ein verächtlich Geld Ein Schmeichler und die Pest der Welt. 11. Erhalte mich, o Gott, da8. Du bist ein Vater: und aus bei, Daß ich mir gnügen lasse, Geiz Entziehst du dich den Kin- Geiz ewig, als Abgötterei, Von dern Und läsfest dich des Gol- mir entfern' und haffe! Ein weides Reiz, Ihr Herz zu bilden, ses Herz und guter Muth Sey hindern, Und glaubst, du habst meines Lebens größtes Gut! Gellert, g. 1715+ 1769 Mel. Singen wir aus Herzensgrund.( Sprüche 30, 7-9.) 454. 3weierlei bitt ich von| gut, stürzt beides gleich Unfre dir, 3weierlei trag ich dir für, Seel ins Sündenreich. Dir, der alles reichlich gibt, Was uns dient und dir beliebt; Gib mein Bitten, das du weißt, Eh ich sterb und sich mein Geist Aus des Leibes Banden reißt. 2. Gib, daß ferne von mir sey Lügen und Abgötterei; Armuth ohne Trost und Licht, Und viel Reichthum gib mir nicht; Allzuarm und allzureich Ist nicht Evangelisches Gesangbuch. 3. Laß mich aber, o mein Heil, Nehmen mein bescheiden Theil Und beschere mir nach Noth Hier und heut mein täglich Brod. Auch ein wenig, da der Muth Und ein gut Gewissen ruht, Ist fürwahr ein großes Gut! 4. Denn sonst möcht im Ueberfluß Ich empfinden Ueber24 370 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. druß, Dich verleugnen, dir zum| Ränk' und List, Wirket SchaSpott Fragen:„ wer ist Herr den, stiftet Zwist, Fraget nicht, und Gott?" Denn das Herz ist| was christlich ist. Frechheit voll, Weiß oft nicht, wenn ihm ist wohl, Wie es sich erheben soll. 6. Ach mein Gott, mein Schaß, mein Licht! Dieses beides ziemt mir nicht; Beides schändet deine Ehr, Beides stürzt ins Jammermeer; Drum so gib mir Füll und Hüll, Nicht zu wenig, nicht zu viel, Also, wie dein Herze will. 5. Wiederum, wenns stehet bloß und die Armuth wird zu groß, Wird es untreu leicht und stellt Nach des Nächsten Gut und Geld, ThutGewalt, braucht Mel. Ach was soll ich.( Luc. 12, 15-21.) 455. Wenn ich mir auf viele Jahre Einen großen Vorrath spare, Weß wird seyn mein Ueberfluß, Da ich soll gesammelt werden In ein Räumlein kühler Erden Und in kurzem sterben muß? Gerhard, g. 1606 † 1676. 2. Herr! bewahr mich vor den Stricken, Wenn der Geiz mich will berücken; Das was da ist, sey genug! Gib mir Vorsicht auf mein Scheiden Und mach auf die Ewigkeiten Mich durch deine Gnade klug. 4. Könnte man die Welt gewinnen, Führe dennoch arm von hinnen, Wer nicht Theil am Himmel hat; Wer sich reich in Christo glaubet, Dem wird nichts im Tod geraubet: Nichts als Gott macht ewig satt! Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Mel. Aus tiefer Noth schrei.( Ps. 127, 2. Matth. 16, 26.) rung schafft Und Futter gibt den Raben, Du läßst auch mich durch deine Kraft Trank, Brod und Kleidung haben. Wenn uns ein mehrer's werden soll, So weißest du als Vater wohl, Obs deinen Kindern nütze. 3. Wer wenig hat, und das mit Recht, Kann deine Huld 456. Ach treuer Gott! ich ruf zu dir: Hilf, daß mich nicht bethöre Die böse Lust, die strebt in mir Nach Reichthum, Pracht und Ehre. Gib, daß ich an dein Wort mich halt Und dadurch jede Lockung bald In deiner Kraft besiege. 2. Du, der den Thieren Nah3. Lehr mich bei den Nebengaben Mangel oder übrig haben, Satt seyn oder hungrig seyn. Jesus hat uns mehr erworben: Was am Kreuz uns anerstorben, Bleibt im Sterben uns allein. F. Einzelne Tugenden und Pflichten. behalten; Er bleibt in Demuth, recht und schlecht Und läßt dich ferner walten. Sein weniges gedeiht ihm mehr, Als reicher Sünder Gut und Ehr, So sie mit Unrecht haben. 4. Ein Trost, der nur auf Reichthum steht, Wird unverhofft zu Schanden, Und wenn es an das Scheiden geht, Dann ist erst Noth vorhanden; Denn Geld und Gut errettet nicht Von Gottes ewigem Gericht, Das einst die Sünder schrecket. 5. Ach, meine Seel kann ihre Ruh Im Zeitlichen nicht finden; Was ich da vornehm' oder thu, Muß wie ein Rauch verschwinden. Unsterblich ist die Seel; es muß Unsterblich seyn, was ohn' Verdruß Sie soll mit Freude laben. 6. Drum selig, wer sein Herz Mel. Wer Jesum bei sich hat.( Hiob 1, 21.) 457. Es jammre, wer nicht glaubt; Ich will mich stillen: Mir fällt kein Haar vom Haupt Ohn' Gottes Willen. In Jesu hab ich hier Das beste Leben; Und sterb ich, wird er mir Ein beßres geben. 371 erhebt Gen Himmel von der Erde, Damit er reich, so lang er lebt, An ewgen Schätzen werde; Die fliegen niemals auf im Rauch Und sind in Gott gesichert auch Vor Dieben, Rost und Motten. 7. Ohöchstes Gut, sey hier und dort Mir Reichthum, Lust und Ehre! Gib, daß in mir sich fort und fort Das Sehnen nach dir mehre, Daß ich dich stets vor Augen hab, Mir selbst und allem sterbe ab, Was mich von dir will ziehen. 8. Hilf, daß ich meinen Wandel führ Bei dir im Himmel oben, Wo ich werd ewig seyn bei dir, Dich schauen und dich loben; So kann mein Herz zufrieden seyn Und findet, Gott, in dir allein Die wahre Ruh und Freude. Nach Denike. 2. Es sorge, wer nicht traut; Mir soll genügen: Wofür mir jetzo graut, Das wird Gott fügen. Er weiß, was nöthig sey, So mag er sorgen; Mir ist des Vaters Treu Auch nicht verborgen. 3. Es zage, wer nicht hofft; Ich will mich fassen, Gott hat michs schon so oft Erfahren lassen: Er hört Gebet in Noth, Wann sie am größten; Sein Geist kann auch im Tod Mit Jesu trösten. 4. So wein' ich, wenn ich wein', Doch noch mit Loben; Das Loben schickt sich fein Bei solchen Proben. Man kann den Kummer sich Vom Herzen fingen. Nur Jesus freuet mich; Er hilft vollbringen. Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. 372 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. f) Mäßigkeit und Keuschheit. Mel. Folget mir, ruft.( Sir. 23, 4-6. Sprüche 23, 30.) 4. Lust zur Arbeit wird gemindert, Alle Munterkeit verhindert, Alles Nöthige versäumt, Schand und Lästrung ausgeschäumt; Ernst und Vorsaß liegt erstorben, Alles Gute wird verdorben, Und der Seele Kraft verzehrt, Wenn uns Völlerei beschwert. 458. Gott! du bist alleine gütig, Darum bitt ich dich demüthig: Vater! laß mich auf mein Flehn Deiner Gnade Beistand sehn; Laß mich nicht in Missethaten, Auch in Schlemmen nicht gerathen, Ach behüte immerhin Mich vor unverschämtem Sinn! 2. Gib mir, denn du kannst 5. Da wird böser Nath bees geben, Lust, in Mäßigkeit schlossen, Del zur Wollustgluth zu leben, Daß doch nie durch gegossen; Ja wer ist, der recht Völlerei Mein Gebet verhin beschreibt, Was man da für dert sey. Trunkenheit verderbt Bosheit treibt? Laß mich, Vadie Gaben, Die wir zur Er- ter, völlig sehen, Was für Laquickung haben, Die kein ster draus entstehen, Daß mir Mensch, des Leichtsinns voll, jadie Schwelgerei Lebenslang Jämmerlich mißbrauchen soll. zuwider sey. 3. Alle Weisheit wird erstidet, Sinn und Denken unterdrücket, Gut und Ehre wird verheert, Leib und Seele wird zerstört; Dein Geist, welcher Fromme liebet, Wird vertrieben, wird betrübet, Und dein schwerer Zorn erweckt, Der den Arm zur Strafe reckt; 6. Laß mit Nüchternheit und Beten Und mit Dank mich vor sich treten, Daß mein Leib mitsammt dem Geist Dein gefällig Opfer heißt; So daß ihrer beider Gaben Täglich neues Wachsthum haben, Und zu dir, o höchstes Gut, Aufsteig eine reine Gluth. Mel. Vater unser im. 459. Gott, der du mein Vater bist Und schenkest, was mir nöthig ist! MeinLeben steht in deiner Hand, Mein Odem ist dein Gnadenpfand; Du liebtest mich in deinem Sinn, Bevor ich etwas worden bin. Nach Ph. Fr. Hiller. ( 1 Cor. 6, 19. 20. 3, 17.) 2. Wend ab, was meinem Fleisch beliebt Und mir ein falsch Vergnügen gibt; Behüte mich vor schnöder Lust, Reiß die Gedanken aus der Brust, Die unrein sind und feurig stehn, Sobald die Augen irre gehn. F. Einzelne Tugenden und Pflichten. 373 3. Vertilg in mir der Unzucht| nissen Widerstand; Schließ Gift, Das andre Laster über- meine Sinnen selber zu, Vertrifft! Wer irgend fündigt, feh- sete mich in heilge Ruh. let sehr, Doch Wollust sündigt zwiefach mehr, Denn sie macht unsern Leib gemein, Der doch dein Tempel sollte seyn! 6. Laß, Herr, mich deine Wohnung seyn; Mach meine Seele völlig rein, Die Glieder im Versuchungsstreit Zu Waffen der Gerechtigkeit; Führ du an meiner Statt den Krieg Und gib mir den erwünschten Sieg. 4. Wach über mich bei Tag und Nacht Und hintertreib des Feindes Macht, Der Ehrbarkeit und keusche Zucht Durch böse Lust zu fällen sucht, Und wenn die Gluth hat ausgeflammt, Das Herz verzagt macht und verdammt. 7. Wenn deine Furcht den Wandel zähmt, So ist an mir nichts unverschämt: Ein freches Auge weichet fort, Dem Ohr gefällt kein unrein Wort, Der Mund spricht nichts, was schandbar heißt; Das wirk in mir durch deinen Geist! ( 1 Cor. 6, 15-20.) 3. Meine Seel ist deinem Bilde Gleichgemacht und hochge= schätzt; Dein Sohn hat für sie voll Milde Einst sein Leben eingesetzt. Drum, o Vater, wär ich ja Mir nur selbst zum Fluche da, Wenn ich unkeusch le= ben wollte Und dein Bild so schänden sollte! 5. Entzeuch dem allem mein Gesicht, Was gegen deine Liebe spricht; Die sey mein Schutz! durch deine Hand Thu AergerMel. Werde munter. 460. Heilger Gott, der du begehrest Keuschheit, Zucht und fromme Scheu, Der du hafsest und verwehrest Schnöde Lust und Schwelgerei! Ach, ich fleh durch Jesum Christ, Der der Seelen Heiland ist: Mache mich ihm gleich gesinnet, Was der Weltfinn auch beginnet! 2. Tilg in mir die schnöden Triebe, Tödte das verderbte Fleisch; Gib mir deine Furcht und Liebe, Dadurch mach mich rein und keusch. Unterbrich der Lüste Lauf, Zieh mein Herz zu dir hinauf, Daß es nicht am Eitlen klebe, Sich der Wollust nicht ergebe. 4. Christus wohnet durch den Glauben Selbst in mir; sein heilger Geist Lässet sich mein Herz nicht rauben, Das er seinen Tempel heißt. Darum steht er mir auch bei, Daß sein Tempel heilig sey, Daß ich ihm, an Seel und Leibe Kensch und rein, geheiligt bleibe. 374 XVIII. Trostlieder. 5. Wer nicht rein, kann Gott 7. Darum, Herr der reinen nicht sehen, Denn Gott ist das Schaaren, Laß mir deines Geireinste Licht; Der kann nicht stes Kraft Und die Gnade wivor ihm bestehen, Dem die Rei- derfahren, Die ein reines Herze nigkeit gebricht. Soll mich nun schafft. Sey du meines Herzens der helle Schein Deines Ange- Gast, Mach die Sünde mir fichts erfreun, Herr, so rein'ge verhaßt; Auch entziehe mich Geist und Glieder, Mach mir böse Lust zuwider! bei Zeiten Sündlichen Gelegenheiten. 6. Gottes Geist wird schon betrübet Durch ein einzig schandbar Wort, Und wer sich in Lüsten übet, Treibtihn völlig von 8. Tödte meines Fleisches Triebe, Und was sonst mein Herz befleckt, Weil dein Sohn am Kreuz voll Liebe Qualund sich fort. Wollust machet Sorg| Tod für mich geschmeckt. Treib und Gram, Bringet uns in die Lüste ganz von mir, Daß Schand und Scham; Die in ich Leib und Seele dir Als ein solchen Sünden sterben, Kön- Heiligthum bewahre Und zu nen nie dein Reich ererben. dir im Frieden fahre. XVIII. Trostlieder. Eigene Mel.( 5 Mos. 32, 4.) 461. Was Gott thut, das| 3. Was Gott thut, das ist ist wohlgethan! Es bleibt gerecht sein Wille; Wie er fängt meine Sachen an, Will ich ihm halten stille; Er ist mein Gott, Der in der Noth Mich wohl weiß zu erhalten, Drum laff ich ihn nur walten. wohlgethan! Er wird nicht von mir weichen Und als ein Arzt, der helfen kann, Den Trank des Heils mir reichen Zur Arzenei: Gott ist getren! Drum will ich auf ihn bauen und seiner Güte trauen. 2. Was Gott thut, das ist wohlgethan! Er kann mich nicht betrügen; Er führet mich auf rechter Bahn; So lass' ich mir genügen An seiner Huld Und hab Geduld; Er wird mein Unglück wenden, Es steht in seinen Händen. 4. Was Gott thut, das ist wohlgethan! Er ist mein Licht und Leben, Der mir nichts Böses gönnen kann; Ich will mich ihm ergeben In Freud und Leid; Es kommt die Zeit, Da öffentlich erscheinet, Wie treulich er es meinet. XVIII. Trostlieder. 5. Was Gott thut, das ist wohlgethan! Muß ich den Kelch gleich schmecken, Der bitter ist nach meinem Wahn, Laff' ich mich doch nicht schrecken, Weil doch zuletzt Ich werd ergößt Mit süßem Trost im Herzen; Da weichen alle Schmerzen. Eigene Mel.( Rom. 8, 28-39.) 462. Warum sollt ich mich denn grämen? Hab ich doch Christum noch, Wer will mir den nehmen? Wer will mir den Himmel rauben, Den mir schon Gottes Sohn Beigelegt im Glauben? 2. Nichts hab ich hieher genommen, Da ich klein Bin herein In die Welt gekommen. Nichts wird einst auch mit mir ziehen, Wann ich werd Von der Frd Wie ein Schatten fliehen. 3. Gut und Blut, Leib, Seel und Leben Ist nicht mein, Gott allein Ist es, ders gegeben; Will ers wieder zu sich kehren, Nehm ers hin; Ich will ihn Dennoch fröhlich ehren. 375 6. Was Gott thut, das ist wohlgethan! Dabei will ich verbleiben! Es mag mich auf die rauhe Bahn Noth, Tod und Elend treiben: So wird Gott mich Ganz väterlich In seinen Armen halten; Drum laff' ich ihn nur walten. Rodigast, g. 1649 † 1708. 4. Schickt er mir ein Krenz zu tragen, Dringt herein Angst und Pein, Sollt ich drum verzagen? Der es schickt, der wird es wenden; Er weiß wohl, Wie er soll All mein Unglück enden. 5. Gott hat mich in guten Tagen Oft ergögt; Sollt ich jetzt nicht auch etwas tragen? Fromm ist Gott und schärft mit Maßen Sein Gericht, Kann mich nicht Ganz und gar verlassen. 6. Satan, Welt und ihre Notten Können mir nichts mehr hier Thun, als meiner spotten. Laß fie spotten, laß sie lachen; Gott, mein Heil, Wird in Eil Sie zu Schanden machen. 7. Unverzagtund ohne Grauen Soll ein Christ, Wo er ist, Stets sich lassen schauen; Wollt ihn auch der Tod aufreiben, Soll der Muth Dennoch gut Und fein stille bleiben. 8. Kann doch selbst kein Tod uns tödten, Sondern reißt Unsern Geist Aus viel tausend Nöthen, Schleußt das Thorder Und macht bittern Leiden Bahn, Daß man kann Gehn zu Himmelsfreuden! 9. Allda will in süßen Schäzen Ich mein Herz Auf den Schmerz Ewiglich ergößen. Hier ist kein recht Gut zu finden' 376 XVIII. Trostlieder. Was die Welt In sich hält,| uns scheiden: Ich bin dein, Muß wie Rauch verschwinden. weil du dein Leben Und dein 10. Was sind dieses Lebens Blut Mir zu gut In den Tod Güter? Eine Hand Voller gegeben; Sand, Kummer der Gemüther! Dort, dort sind die edlenGaben, Da mein Hirt, Christus, wird Mich ohn' Ende laben. 11. Herr, mein Hirt, Brunn aller Freuden! Du bist mein, Ich bin dein, Niemand kann Mel. Jesu, meine Freude.( Pf. 62. Joh. 10, 27. 28.) 463. Meine Seel ist stille| 4. Gottes Güt' erwäge, Meine Seel, und lege Dich in ſeinen Schoos; Lerne ihm vertrauen, So wirst du bald schauen, Wie die Ruh so groß, Die da fleußt Aus stillem Geist: Wer sich weiß in Gott zu schicken, Den kann er erquicken. Zu Gott, dessen Wille Mir zu helfen steht. Mein Herz ist vergnüget Mit dem, was Gott füget, Nimmts an, wie es geht. Geht die Bahn Nur himmelan, Und bleibt Jesus ungeschieden, So bin ich zufrieden. 2. Meine Seele hanget An dir und verlanget, Gott, bei dir zu seyn, Will dich wirken lassen, Will nur dich umfassen, Nur in die sich freun; Von der Welt, Ehr, Luft und Geld, Dessen viele so beflissen, Mag fie nichts mehr wiſsen. 12. Du bist mein, weil ich dich fasse Und dich nicht, mein Licht, Aus dem Herzen lasse. Laß mich, laß mich hingelangen, Da du mich Und ich dich Ewig werd umfangen! Gerhard, g. 1606 † 1676 3. Nein, ach nein! nur einer, Sag ich, und sonst keiner Wird von mir geliebt: Jesus, der getrene, In dem ich mich freue, Der sich ganz mir gibt! Er allein, Er soll es seyn, Dem ich wieder mich ergebe, Dem ich einzig lebe! 5. Still, o meine Seele! Was dich immer quäle, Sekk in Jesu Brust. Werde stark durch Hoffen; Was dich je betroffen, Trage du mit Luft; Fasse dich Ganz inniglich Durch Geduld und Glauben feste: Endlich kommt das Beste! 6. Amen, es geschiehet! Wer zu Jesu fliehet, Wird deß Zeuge seyn: Wie Gott seinen Kindern Pflegt das Kreuz zu lindern Und ein froh Gedeihn Aufbewahrt, Bis, wer da harrt, Endlich aus dem schwerer Leide Uebergeht in Freude. Schade, g. 1666+ 1698. XVIII. Trostlieder. Eigene Mel.( Ebr. 12, 5-7. Pf. 42, 12. 126, 5. 6.) 464. Schwing dich auf zu deinem Gott, Du betrübte Seele! Warum liegst du, Gott zum Spott, In der Schwer muthshöhle? Merkst du nicht des Feindes Lift? Er will durch sein Kämpfen Deinen Trost, 6. Meine Seele lebt in mir den Jesus Christ Dir erwor- Durch die süßen Lehren, So ben, dämpfen. Was ist Gutes in der Welt, Das nicht mir gut wäre? Wem erglänzt das Sonnenlicht? Wozu ist gegeben Luft und Wasser? dient es nicht mir und meinem Leben? 377 die Christen mit Begier Alle Tage hören. Gott eröffnet früh und spat Meinen Geist und Sinne, Daß sie seines Geistes Gnad Frendig werden inne. 7. Ich bin Gottes, Gott ist mein! Wer ist, der uns scheide? Dringt das liebe Kreuz herein Mit dem bittern Leide,- Laß es dringen: kommt es doch Von geliebten Händen; Schnell zerbricht des Kreuzes Joch, Wenn 2. Auf, ermanne dich und sprich: Fleuch, du alte Schlange! Was erneust du deinen Stich, Machst mir angst und bange? Ist dir doch der Kopf zerknickt, und ich bin durchs Leiden Meines Heilands hingerückt In den Saal der Freuden! 3. Hab ich was nicht recht gethan, Ist mirs leid von Herzen, Dafür nehm ich gläubiges Gott will wenden. an Christi Blut und Schmerzen; Denn das ist das Lösegeld Meiner Missethaten, Dadurch ist der ganzen Welt Und auch mir gerathen. 4. Stürme, Feind und Welt und Tod! Was könnt ihr mir schaden? Deckt mich doch in meiner Noth Gott mit seinen Gnaden, Der Gott, der mir seinen Sohn Selbst geschenkt aus Liebe, Daß nicht ewig Spott und Hohn Dort mich einst betrübe. 8. Kinder, die der Vater soll Ziehn zu allem Guten, Die gerathen selten wohl Ohne Zucht und Nuthen. Bin ich denn nun Gottes Kind, Warum will ich fliehen, Wenn er mich von meiner Sünd Will aufs Gute ziehen? 9. Es ist herzlich gut gemeint Mit der Christen Plagen: Wer hier zeitlich wohl geweint, Darf nicht ewig klagen; Wem das Kreuz hier recht bewußt, Hat in Gottes Garten Ewiglich vollkommne Lust Endlich 5. Was ist unter'm Himmelszelt, Was im tiefsten Meere, zu gewarten. 378 10. Gottes Kinder säen zwar Traurig und mit Thränen, Aber endlich bringt das Jahr, Wonach sie sich sehnen. Ja, es kommt die Erntezeit, Da fie Garben machen; Da wird all ihr Gram und Leid Lauter Freud und Lachen! XVIII. Trostlieder. Gerhard, g. 1606 † 1676. Mel. Nun laßt uns Gott.( Matth. 6, 25. Jef. 30, 15.) be Durch sanfte Glaubenstriebe, Wird stark in Gottes Frieden Und darf sich nicht ermüden. 465. Ich will nicht alle| Morgen Mein Herz mit schweren Sorgen Und kummervollem Zagen zu Gottes Unehr plagen. 2. Es ist ihm größre Ehre, Wenn ich dem Kummer wehre Und ruhig im Gemüthe Mich tröfte seiner Güte. 3. Es läßt sich nicht erringen, Nicht durchs Gebet erzwingen; Es läßt sich nicht erlaufen, Nicht durchs Geschenk erkaufen. 4. Beim Glauben, Warten, Hoffen Steht uns der Himmel offen, Die ganze Gottesfülle Genießt man in der Stille. 11. Ei so faß, o Christenherz, Alle deine Schmerzen, Wirf sie fröhlich hinterwärts! Laß des Trostes Kerzen Dich erleuchten mehr und mehr! Gib dem großen Namen Deines Gottes Preis und Ehr: Er wird helfen! Amen. 5. Sieh, wie in deinem Garten Die Blumen ruhig warten, Der Sonne stille halten Und so sich froh entfalten: 6. So wächst man in der LieEigene Mel. 466. Sollt es gleich bisweilen scheinen, Als wenn Gott verließ' die seinen, Oso glaub und weiß ich dieß: Gott hilft endlich noch gewiß 7. Des Geistes Gottes Treiben Lehrt uns bei Christo bleiben, Gott herzhaft Vater nennen Und immer besser kennen. 8. So geht man hin im Frieden, Nimmt an, was Gott beschieden, Und geht auf Pilgerwegen Dem frohen Ziel entgegen. 9. Ach wären wir dort oben, Daß wir ihn könnten loben Mit den verklärten Zungen, Mehr als wir hier gesungen! 10. Doch wollen wir uns rüsten Im Geist mit frommen Christen, Daß uns sein Lob auf Erden Das süßste möge werden. Hosch, g. 1750+ 1811. ( Ps. 25, 1-6.) 2. Hilfe, die er aufgeschoben, Hat er drum nicht aufgehoben; Hilft er nicht zu jeder Frist, Hilft er doch, wanns nöthig ist. 3. Gleichwie Väter nicht bald XVIII. Trostlieder. 379 geben, Wonach ihre Kinder| nichts danach, Gott ist Richter streben, So hält Gott auch meiner Sach! Maß und Ziel, Er gibt wie und wann er will. 4. Seiner kann ich mich getrösten, Wann die Noth am allergrößten; Er ist gegen seinem Kind Mehr als väterlich gefinnt. 5. Will mir Satan bange machen, Ich kann seine Macht verlachen. Schwer sey auch des Kreuzes Joch: Gott, mein Vater, lebet noch! 6. Laß die Welt nur immer neiden, Will sie mich nicht länger leiden, Ei so frag ich 467. Gott lebt! wie kann ich traurig seyn, Als wär kein Gott zu finden? Er weiß gar wohl von meiner Pein, Die ich hier muß empfinden. Er kennt mein Herz Und meinenSchmerz, Drum will ich nicht verzagen Und ihm nur alles klagen. 2. Gott hört, wenn niemand hören will! Wie sollt ich bange sorgen: Mein Seufzen dringe nicht zum Ziel Und sey vorGott verborgen? Ruf ich empor, So hört sein Ohr, So steigt die Hilfe nieder Und schallt das Amen wieder. 7. Will sie mich gleich von sich treiben, Muß mir doch der Himmel bleiben; Der ist, nimmt fie alles hin, Mir der seligste Gewinn. Mel. Was Gott thut.( Mal. 3, 16-18. 1 Pet. 3, 12.) 3. Gott sieht! wie klaget denn mein Herz, Als säh er nicht mein Weinen? Vor ihm muß 8. Was die Welt liebt, will ich hassen, Ihr gern alles Eitle lassen; Dafür, Troß sey ihrem Spott, Wähl ich mir nur meinen Gott. 9. Ach Herr, wenn ich dich nur habe, Frag ich nichts nach andrerGabe; Legt man mich gleich in das Grab, Ach Herr, wenn ich dich nur hab! Chr. Titius, g. 1641 † 1703. auch der tiefste Schmerz, Ganz offenbar erscheinen. Kein Thränlein fällt, Das er nicht zählt, Ja werth und theuer schäget, Bis er uns drauf ergößet. 4. Gott führt! drum geh ich ruhig fort Auf allen meinen Wegen; Mag mir die Welt bald hier, bald dort Arglistig Schlingen legen, So wird er mich, Ob wunderlich, Doch immer selig leiten, Daß nie mein Fuß kann gleiten. 5. Gott gibt! und wär ich noch so arm, Doch soll ich nicht verderben. Was hilft mir denn mein steter Harm, Als müßt ich Hungers sterben? Er hat ja Brod! Und wenn die Noth Uns XVIII. Trostlieder. 380 nach der Wüste weiset, Wird man auch da gespeiset. 6. Gott liebt! ob ich die Vaterlieb In Schlägen nicht gleich finde; Wie er ein lieber Vater blieb Am Krenz bei seinem Kinde, So bleibt er mir Mein Vater hier, Der je und je mich liebet, Obgleich sein Kreuz betrübet. 7. Gott lebt! wohlan, ich mer ke das; Gott hört! ich wills ihm klagen; Gott sieht! er setzt den Thränen Maß; Gott führt! ich darf nicht zagen. Gott gibt und liebt: Nur unbetrübt! Er wird mir endlich geben, Auch dort mit ihm zu leben. Schmolf, g. 1672+ 1737. Mel. Herr Jesu Christ, wahr'r Mensch und Gott. ( Phil. 1, 23.) 468. Der Himmel hängt| sinken droht; Ich steh, nach voll Wolken schwer, Ich seh das blaue Zelt kaum mehr, Doch über Wolken hell und klar Nehm ich ein freundlich Auge wahr. oben hingewandt, Mit einem Fuß auf seinem Rand: 2. Es tobt der Sturm mit wilder Macht, Sie wird so dunkel oft, die Nacht; Doch wenn auch meine Seele bebt, Sie weiß, daß dort einHeiland lebt. 3. Sie zöge gar zu gern hinaus Ins große, weite Vaterhaus; Doch hält in seiner Kraft fie still, Bis Er, bis Er fie löfen will. 5. Gebeutst du, Herr, mit einem Blick, So schleudr' ichs hinter mich zurück Und schwinge mich an deiner Hand Hinauf, hinauf und jauchze: Land! 6. Ich gienge gern, so gern zu dir! Doch wenn du mich noch länger hier In Sturm und dunklen Nächten läßst, So halt du meine Seele fest; 7. Daß fie in Sturm und Nächten tren, Zu deiner Ehre wacker sey, Bis du mir rufft: 4. Die Erd ist mir ein mor-, nun ist mirs recht, Nun kannst sches Boot, Das unter mir zu du kommen, treuer Knecht!" Mowes, g. 1793 † 1834. Mel. Gingen wir aus Herzensgrund.( Ps. 30, 6.) 469. Auf den Nebel folgt des Todes Thor, Steigt gen die Sonn, Auf das Trauern Himmel nun empor. Frend und Wonn, Auf die schwere, bittre Pein Stellt sich Trost und Labsal ein; Meine Seele, die zuvor Sank bis an 2. Der, vor dem die Welt er schrickt, Hat mir meinen Geist erquickt; Seine hohe, starke Hand Reißt mich aus der Hölle XVIII. Trostlieder. 381 Band; Alle seine Lieb und Güt'| bald, Heilt' und hielt mich der Ueberschwemmt mir mein Gemüth Und erfrischet das Geblüt. gestalt, Daß ich, was sein Arm gethan, Nimmermehr gnug preisen kann. Da ich weder hie noch da Einen Weg zur Rettung sah, Hatt ich seine Hilfe nah. 8. Als ich furchtsam und verzagt Mich selbst und mein Herze plagt', Als ich manche liebe Nacht Mich mit Wachen krank gemacht, Als mir aller Muth entfiel, Tratst du, mein Gott, selbst ins Spiel, Gabst dem Unfall Maß und Ziel. 3. Hab ich vormals Angst gefühlt, Hat der Gram mein Herz zerwühlt, Hat der Kummer mich beschwert, Hat der Satan mich bethört: Ei so bin ich nunmehr frei, Heil und Rettung, Schutz und Treu Steht mir wieder treulich bei! 4. Gott läßt keinen traurig stehn, Noch mit Schimpf zurücke gehn, Der sich ihm zu eigen schenkt Und ihn in sein Herze senkt. Wer auf Gott die Hoffnung setzt, Findet endlich und zulegt, Was ihm Leib und Seel ergößt. 5. Kommts nicht heute, wie man will, Sey man nur ein wenig still, Ist doch morgen auch ein Tag, Da die Wohlfahrtkommen mag! Gottes Zeit hält ihren Schritt, Wann die kommt, kommt unsre Bitt Und die Freude reichlich mit. 6. Ach wie oftmals dacht ich doch, Da mir noch der Trübsal Joch Auf dem Haupt und Naden saß, Und das Leid mein Herze fraß: Nun ist keine Hoffnung mehr, Auch kein Ruhen, bis ich kehr In das dunkle Todtenmeer; 7. Aber mein Gott wandt' es 9. Nun so lang ich in der Welt Haben werde Haus und Zelt, Soll mir dieser Wunderschein Stets vor meinen Angen seyn. Ich will all mein Lebenlang Meinem Gott mit Lobgesang Hiefür bringen Preis und Dank. 10. Allen Jammer, allen Schmerz, Den des ewgen Vaters Herz Mir schon jetzo zugezählt, Oder künftig auserwählt, Will ich hier in diesem Lauf Meines Lebens allzuhauf Frisch und freudig nehmen auf. 11. Ich will gehn in Angst und Noth, Ich will gehn bis in den Tod, Ich will gehn ins Grab hinein, Und doch allzeit fröhlich seyn! Wem derStärkste will beistehn, Wen der Höchste will erhöhn, Kann nicht ganz zu Grunde gehn! Gerhard, g 1606 † 1676. XVIII. Trostlieder. Mel. Meinen Jesum laß ich nicht.( Jef. 38, 15-17.) 470. Meine Seele senket| nicht, Liebt hingegen Gott im fich Hin in Gottes Herz und Hände Und erwartet ruhiglich Seiner Wege Ziel und Ende, Lieget still und willenlos In des liebsten Vaters Schoos. Leiden; Kummer, der das Herze bricht, Trifft und ängstet nur die Heiden. Wer Gott in dem Schoose liegt, Bleibt in aller Noth vergnügt. 2. Meine Seele murret nicht, Ist mit allem wohl zufrieden; Was der eigne Wille spricht, Ist zum Tode schon beschieden; Was die Ungeduld erregt, Ist in Christi Grab gelegt. 5. Meine Seele klaget nicht, Denn sie weiß von keinen Nöthen, Hängt an Gottes Angesicht Auch alsdann, wann er will tödten. Wo sich Fleisch und Blut beklagt, Wird der Freudengeist verjagt. 3. Meine Seele sorget nicht, Will vielmehr an nichts gedenken, Was gleich spizen Dornen sticht Und den Frieden nur kann kränken. Sorgen kommt dem Schöpfer zu: Meine Seele sucht nur Ruh. 4. Meine Seele grämt sich 382 6. Meine Seel ist still zu Gott, Und die Zunge bleibt gebunden! Also hab ich allen Spott, Alle Schmerzen überwunden, Bin, gleichwie ein stilles Meer, Voll von Gottes Preis und Ehr: Wintler, g. 1670 † 1722. Mel. Wie schön leucht't.( Apostelg. 14, 22. 2 Cor. 4, 17. 18.) 471. Die ihr den Heiland| wirket ewge Freude. Ach groß und herrlich ist das Ziel, Der Wonne dort unendlich viel, Getrübt von keinem Leide! Traurig, Schaurig Ists hienieden; Aber Frieden Wohntdort oben, Wo die Ueberwinder loben. 3. Ein Blick auf jene Herrlichkeit Füllt unser Herz mit Trost und Freud Und tausendfachem Segen, Erquickt uns, wie der Morgenthau Die dürre, fast versengte Au, Wie milder Frühlingsregen. Thränen, Sehkennt und liebt, Ihn, der uns Seligkeiten gibt, Die noch kein Ohr vernommen, Die noch in jenen ewgen Höhn Kein sterblich Auge je gesehn, Die in kein Herz gekommen: Freut euch! Sein Reich Bleibt euch allen! Bald wirds schallen: Kommt zum Lohne, Nehmt des Kampfes Siegeskrone!( 1 Cor. 2.9.) 2. Was klagt ihr denn? was zagt das Herz? Kurz ist und leicht der Erde Schmerz Und XVIII. Trostlieder. 383 liebet? nen Aug und Herzen Voller gibet Der, der uns zuerst geSchmerzen: Glänzt doch immer Uns der ewge Hoffnungsschimmer. 4. Drum sind wir froh; wir gehn im Licht, Und heiter ist das Angesicht Bei aller Noth hienieden. Im Heiligthum des Himmels liebt Uns JesusChristus, und er gibt Der Seele heilgen Frieden. Wer kennt, Wer nennt, Was wir erben Nach dem Sterben? Was uns Mel. Herzlich thut.( Jes. 30, 15.) 472. Ich habe viel gelitten, Doch Jeſus litt noch mehr; Was er so hart erstritten, Ist mir nun Kraft und Wehr. Hinan zu seinem Hügel, Du müder Sinn, hinan, Und lern in diesem Spiegel, Wie man ertragen kann! 2. Geh ein in seine Leiden, Geh ein in seinen Tod Und laß dich willig scheiden Von aller deiner Noth. Sey dir in ihm gestorben, So weicht, was dich betrübt: Der hat die Ruh erworben, Der sich sein selbst begibt. 3. Was ist es, das mir fehle, Schweigt erst mein Anspruch still? O süßes Loos der Seele, Die Gottes Rath nur will! Dieß 5. Was klagst du denn, der du ihn kennst? Der du dich Christi Jünger nennst? Was ists, das dich betrübet? Froh kannst und sollst du immer seyn Und dich des ewgen Lebens freun, Dich freun, daß er dich liebet! O sey Nur treu! O sey fröhlich, Hoffend selig Schon im Staube; Gotteskraft sey dir dein Glaube! Menten, g. 1768; 1831. Mel. Herr Jesu Christ, 473. O süßes Wort, das Jesus spricht Zur armen Wittwe: ,, weine nicht!" Es komme duldende Verlangen Führt Jesum himmelein, Und wo er hingegangen, Da soll sein Diener seyn. 4. Nur eines, was ich heische, Sey mir noch hier gewährt: Hilf, daß der Welt Geräusche Nicht meine Seele stört. Doch kommts nach deinem Willen, So laß mich, kindlich, klein, Auch dann dein Bild erfüllen Durch Harren und Verzeihn. 5. Ich hab ein nen Verlangen: Was du willt, will auch ich; nicht rauben, nur empfangen Mag ich mein Wohl durch dich. Gott wohnt in meiner Seele, Erquickt mich täglich viel; Umsonst, daß ich mich quäle, Sein Himmel ist mein Ziel! von Meyer, g. 1772. mein's.( Luc. 7, 13 2c.) nie aus meinem Sinn, Zumal wenn ich betrübet bin. 2. Es wird geredet nicht ins XVIII. Trostlieder. 384 Ohr Leif, sondern unter frei-| gers Hand, Gönnt er mir keinen em Thor Laut, daß es höret jedermann Und sich darüber freuen kann. Sitz im Land, Ruft Jesus in mein Herz und spricht: Dein ist der Himmel, weine nicht. 3. Er redet's aber zu der Zeit, Da Tod und Leben war im Streit; Drum soll es auch erquicken mich In Tod und Leben kräftiglich. 8. Wenn um mich Band' und Ketten schon, Wenn Feind' und falsche Freunde drohn, Spricht Jesus: weine nicht und glaub, Dir kann nicht schaden Asch und Staub. ( Matth. 10, 28.) 9. Neißt mir der Tod das Liebste hin, Sagt Jesus: weine nicht! ich bin, Ders wieder gibt; gedenke dran, Was ich zu Nain hab gethan! 10. Muß ich selbst ringen mit dem Tod, Ist Jesus da, ruft in der Noth: Ich bin das Leben, weine nicht! Wer an mich glaubt, wird nicht gericht't. 11. O süßes Wort, das Jesus spricht In allen Nöthen: ,, weine nicht!" Ach klinge stets in meinem Sinn, So fähret alles Trauern hin! Höfel, g. 1600+ 1693. 4. Wenn Noth und Armuth mich anficht, Spricht doch mein Jesus: weine nicht! Gott ist dein Vater, trau nur ihm, Erhört er doch der Raben Stimm. 5. Bin ich sehr kraftlos, krank und schwach, Und ist nichts da, denn Weh und Ach, So tröstet Jesus mich und spricht: Ich bin dein Arzt, drum weine nicht. 6. Raubt mir der Feind mein Gut und Hab, Daß ich muß fort mit meinem Stab, Sagt Jesus wieder: weine nicht; Denk, was dem Hiob dort gechicht! 7. Vertreibt mich des Verfol-| Mel. Nun ruhen alle.( Tob. 3, 22. 23.) 474. Mein Herz, gib dich| was dich jetzt betroffen, Erzufrieden Und bleibe ganz ge-| träglich, sanft und lieblich seyn. schieden Von Sorge, Furcht 3. Kanns doch nicht ewig wäh und Gram: Die Noth, die dich ren! Oft hat Gott unsre Zähren jetzt drücket, Hat Gott dir zu- Mit einmal abgewischt; Wenns geschicket; Sey still und halt bei uns hieß: ,, wie lange Wird dich wie ein Lamm. mir so angst und bange?" So hat er Leib und Seel erfrischt. 2. Mit Sorgen und mit Zagen, Mit unmuthvollen Klagen Häufst du nur deine Pein; Durch Stilleseyn und Hoffen Wird, 4. Gott pflegt es so zu machen: Nach Weinen schafft er Lachen, Nach Regen Sonnenschein; XVIII. Trostlieder. 385 doch getrösten seiner Huld. Nach rauhen Wintertagen| Uns lassen gar ertödten, Uns Muß uns der Lenz behagen; Er führt in Höll und Himmel ein! 8. Denn was will uns auch scheiden Von Gott und seinen Freuden, Dazu er uns ersehn? Man lebe oder sterbe, So bleibet uns das Erbe Des Himmels ewiglich doch stehn. 5. Indeß ist abgemessen Die Last, die uns soll pressen, Auf daß wir werden klein. Was aber nicht zu tragen, Darf sich nicht an uns wagen, Und sollt's auch noch so wenig seyn. 6. Der Herr will uns nur ziehen Zn Kindern, die da fliehen Das, was er unter sagt; Er will das Fleisch nur schwächen, Den Eigenwillen brechen, Die Luft ertödten, die uns plagt. 7. Er will uns dadurch lehren, Wie wir ihn sollen ehren Mit Glauben und Geduld; Und sollt er auch in Nöthen 9. Ist Christus unser Leben, So muß uns, seinenReben, Der Tod seyn ein Gewinn; Er mag die Leibeshöhle Zerbrechen, doch die Seele Schwingt froh sich auf zum Himmel hin. 3. Letden bringt empörte Evangelisches Gesangbuch. 10. Drum gib dich ganz zufrieden, Mein Herz, und bleib geschieden Von Sorge, Furcht und Leid! Vielleicht wird Gott bald senden, Die dich auf ihren Händen Hintragen in die Herrlichkeit. ( Luc. 16, 22,) Freylinghausen, g. 1670 † 1739. Mel. Ach was soll ich.( Rom. 8, 17. 2 Cor. 4, 16-18.) 475. Endlich bricht der hei- Glieder Endlich zum GeborBe Tiegel Und der Glaub em- sam wieder, Macht sie Chripfängt sein Siegel, Gleich dem sto unterthan, Daß er die Gold, im Feu'r bewährt; Zu gebrochnen Kräfte zu dem Sanft des Himmels höchsten Frenden Heiligungsgeschäfte Werden nur durch tiefe Leiden Gottes Lieblinge verklärt. 2. Unter Leiden prägt der Meister In die Herzen, in die Geister Sein allgeltend Bildniß ein. Wie er dieses Leibes Töpfer, Will er auch des künftgen Schöpfer Auf dem Weg der Leiden seyn. und still erneuern kann. 4. Leiden sammelt unsre Sinne, Daß die Seele nicht zerrinne In den Bildern dieser Welt, Ist wie eine Engelwache, Die im innersten Gemache Des Gemüthes Ordnung hält. 5. Leiden stimmt des Herzens Saiten Für den Psalm der Ewigkeiten Lehrt mit Schn= 25 386 XVIII. Trostlieder. sucht dorthin sehn, Wo die sel-| Geschäfte Wurden willig sonst gen Palmenträger Mit dem geweiht: O so ists für sie kein Chor der Harfenschläger Prei- Schade, Daß sie ihres Führers send vor dem Throne stehn. Gnade Läutert in der Prüfungszeit. 6. Leiden fördert unsre Schritte, Leiden weiht die Leibeshütte Zu dem Schlaf in kühler Gruft; Es gleicht einem frohen Boten JenesFrühlings, der die Todten Zum Empfang des Lebens ruft. 7. Leiden macht im Glauben gründlich, Macht gebeugt, barmherzig, kindlich; Leiden, wer ist deiner werth? Hier heißt man dich eine Bürde, Droben bist du eine Würde, Die nicht jedem widerfährt. 10. Im Gefühl der tiefsten Schmerzen Dringt das Herz zu seinem Herzen Immer liebender hinan, Und um eins nur fleht es sehnlich: Mache deinem Tod mich ähnlich, Daß ich mit dir leben kann! 8. Brüder! solche Leidensgnade Wird in mannigfachem Grade Jesu Jüngern kund gemacht, Wenn sie mancher Schmerz durchwühlet, Wenn sie manchen Tod gefühlet, Nächte seufzend durchgewacht. 9. Wenn auch die gesunden Kräfte Zu des guten Herrn ( Phil. 3, 10.) 11. Endlich mit der Seufzer Fülle Bricht der Geist durch jede Hülle, Und der Vorhang reißt entzwei. Wer ermisset dann hienieden, Welch ein Meer voll Gottesfrieden Droben ihm bereitet sey! 12. Jesu! laß zu jenen Höhen Heller stets hinauf uns sehen, Bis die letzte Stunde schlägt, Da auch uns nach treuem Ringen Heim zu dir auf lichten Schwingen Eine Schaar der Engel trägt. Nach Karl Fr. Harttmann. Mel. Nun ruben alle.( Sir. 2, 6-9. Pf. 145, 8. 9.) Vater nannte, War er mir schon mit Hilfe nah. 476. Was ists, daß ich mich| selbst noch kannte, Eh ich ihn quäle? Harr Gottes, meine Seele, Harr und sey unverzagt! Du weißt nicht, was dir nüget; Gott weiß es und Gott schüßet, Er schüßet den, der nach ihm fragt. 3. Die kleinste meiner Sorgen Ist dem Gott nicht verborgen, Der alles sieht und hält; Und was er mir beschieden, Das dient zu meinem Frieden, Wärs auch die größte Laft der Welt. 4. Ich lebe nicht auf Erden, 2. Er zählte meine Tage, Mein Glück und meine Plage, Eh ich die Welt noch sah. Eh ich mich XVIII. Trostlieder. Ganz glücklich hier zu werden; Die Lust der Weltvergeht. Ich lebe hier, im Segen Den Grund zum Glück zu legen, Das ewig, wie mein Geist, besteht. 5. Was dieses Glück vermehret, Sey mir von dir gewähret, Gott, du gewährst es gern! Was dieses Glück verletzet, Wenns alle Welt auch schäßet, Das sey von mir, Herr, ewig fern! 477. Fortgekämpft und fortgerungen, Bis zum Ziele durchgedrungen Muß es, bange Seele, seyn! Durch die tiefsten Dunkelheiten Kann dich Jesus hinbegleiten; Muth spricht er den Schwachen ein. Mel. Uch was soll ich.( Pf. 39, 10. 11 und 8.) 2. Bei der Hand will er dich fassen, Scheinst du gleich von ihm verlassen, Glaube nur und zweifle nicht! Bete, kämpfe sonder Wanken; Bald wirst du voll Freude danken, Bald umgibt dich Troft und Licht. 3. Bald wird dir sein Antlig scheinen; Hoffe, harre bei dem Weinen, Nie gereut ihn feine Wahl. Er will dich im Glauben üben; Gott, die Liebe, kann nur lieben; Wonne wird bald deine Qual. 387 6. Sind auch der Krankheit Plagen, Der Mangel schwer zu tragen, Noch schwerer Haß und Spott: So harr ich und bin stille Zu Gott, denn nicht mein Wille, Dein Wille nur gescheh, o Gott! 4. Wend von aller Welt die Blicke, Schau nicht seitwärts 7. Du bist der Müden Stärke, Und aller deiner Werke Erbarmst du ewig dich. Was kann mir widerfahren, Wenn du mich willst bewahren? Und du mein Gott, bewahrest mich! Gellert, g. 1715 † 1769. nicht zurücke, Nur auf Gott und Ewigkeit. Nur zu deinem Jesus wende Aug und Herz und Sinn und Hände, Bis er himmlisch dich erfreut. 5. Aus des Jammers wilden Wogen Hat dich oft herausgezogen Seiner Allmacht treue Hand. Nie zu kurz ist seine Rechte; Wo ist einer seiner Knechte, Der bei ihm nicht Rettung fand? 6. Schließ dich ein in deine Kammer, Geh und schütte deinen Jammer Aus in Gottes Vaterherz. Kannst du gleich ihn nicht empfinden, Worte nicht, nicht Klage finden: Klag ihm schweigend deinen Schmerz. 7. Kräftig ist dein tiefes Schweigen, Gott wird sich als Vater zeigen, Glaube nur, daß er dich hört; Glaub, daß Jesus XVIII. Trostlieder. 388 dich vertreten, Glaube, daß, was er gebeten, Gott, sein Vater, ihm gewährt. 8. Drum so will ich nicht verzagen, Mich vor Gottes Antlis wagen, Flehen, ringen fort und fort. Ja ich werd ihn überwinden, Was ich bitte, werd ich finden; Er gelobts in seinem Wort! Lavater. g. 1741 † 1801. Mel. Was Gott thut.( Ebr. 12, 1-5. Jaf. 1, 12.) 478. Ein Christ kann ohne| 4. Ein Christ kann ohne Kreuz Kreuz nicht seyn; Drum laß dichs nicht betrüben, Wenn Gott versucht mit Kreuz und Pein Die Kinder, die ihn lieben. Je lieber Kind, Je ernster find Des frommen Vaters Schläge; Schau, das sind Gottes Wege! nicht seyn; Das muß uns immer wecken, Wir schliefen sonst in Sünden ein; Wie müßten wir erschrecken, Wenn unbereit Die Ewigkeit Und der Posaunen Schallen Uns würde überfallen! 2. Ein Christ kann ohne Kreuz nicht seyn, Gott wills nicht anders haben; Auch dieses Lebens Noth und Pein Sind deines Vaters Gaben. Solls denn so seyn, So geh es ein: Es kommt von Liebeshänden, Gott wird nichts Böses senden. 3. Ein Christ kann ohne Kreuz nicht seyn; Das Kreuz lehrt fleißig beten, Zieht ab vom eitlen Trug und Schein Und lehrt zu Jesu treten. Drum wirfs nicht hin Mit sprödem Sinn, Wenns nun zu dir geFommen; Es soll der Seele frommen! näher Himmel, Wer ohne Kreuz, ist ohne Gott; Bei dem verlarvten Weltgetümmel 5. Ein Christ kann ohne Kreuz nicht seyn; Es lehrt die Sünde hassen Und unsern lieben Gott allein Mit rechter Lieb umfas sen. Die Welt vergeht, Und Gott besteht; Bedenks und laß dich üben, Das ewge Gut zu lieben! 6. Auch ich will ohne Kreuz nicht seyn; Was Gott schickt, will ich tragen! Schickts doch der liebste Vater mein, Sinds doch nur kurze Plagen Und wohlgemeint! Wer gläubig weint, Lebt dort in steten Freuden; Ich will mit Christo leiden! Schmolt, g. 1672 † 1737. Mel. Wer nur den lieben.( Offenb. 3, 19.) 479. Je größer Kreuz, je| Vergißt man Höfte, Fluch und Tod: Ofelig ist der Mensch geschäßt, Den Gott in Krenz und Trübsal fest! XVIII. Trostlieder. 2. Je größer Kreuz, je beßre Christen; Gott prüft uns mit dem Probestein. Wie mancher Garten muß gleich Wüsten Ohn'einen Thränenregen seyn! Das Gold wird auf dem Feuerherd, Ein Christ in mancher Noth bewährt. 3. Je größer Kreuz, je stärkrer Glaube; Die Palme wächset bei der Last; Die Süßigkeit fleußt aus der Traube, Wenn du sie wohl gekeltert haft; Im Kreuze wächset uns der Muth, Wie Perlen in gesalzner Fluth. 4. Je größer Kreuz, je mehr Gebete; Geriebne Kräuter duften wohl; Wenn um das Schiff kein Sturmwind wehte, So fragte man nicht nach dem Pol; Wo kämen Davids Psalmen her, Wenn er nicht auch versuchet wär? 389 5. Je größer Kreuz, je mehr Verlangen; Im Thale steiget man bergan; Wer durch die Wüsten oft gegangen, Der sehnet sich nach Kanaan;, Das Täublein findet hier nicht Ruh, So fleucht es nach der Archezu. 2. Du, unser heilger Blutsverwandter, Der einst so heiß für uns geweint; O du, mit jeder Noth bekannter, Erfahr6. Je größer Kreuz, je lieber Sterben; Man freut sich dann auf seinen Tod, Denn man entgehet dem Verderben, Es stirbt auf einmal alle Noth; Das Kreuze, das die Gräber ziert, Bezeugt, man habe triumphirt. 7. Gefreuzigter! laß mir dein Kreuze Je länger und je lieber seyn; Daß mich die Ungeduld nicht reize, So pflanz ein solches Herz mir ein, Das Glaube, Lieb und Hoffnung hegt, Bis dort mein Kreuz die Krone trägt. Schmolt, g. 1672 † 1737. tel. Die Tugend wird.( Matth. 11, 26-30. Offenb. 7, 17.) 480. Gefreuzigter! zu dei-| ner Arzt und Seelenfreund: Ernen Füßen Hebt aus dem Staube sich empor Mein Herz, wenn es von Gram zerrissen; Es sucht dein Herz, dein Aug und Ohr: Dein Herz, die Ruhestatt der Armen, Die niemand sonst erquicken kann, DeinHerz, das zärtlich, voll Erbarmen Den Leidenden ist zugethan. öffne du dein Herz dem Matten Als eine stille Felsenkluft, Wo Kühlungen ihn fanft umschatten, Wenn oft ein Schmerz dem andern ruft! 3. Wie sich aus deinen Todes= wunden Dein Blut zu meinem Heil ergießt: Das sey's in meinen bängsten Stunden, Was mir den Leidensfelch versüßt. Das gib als Balsam deinem Kranken, Den Frieden Gottes flöß ihm ein; Und wenn des 390 XVIII. Trostlieder. Glaubens Grund will wanken,| schönen Heimathland! Halt mir So müss' ihm das zur Stüße seyn. dein Ohr für alles offen, Was ich dir klag im Kämmerlein, Und laß mich stets voll Demuth hoffen, Daß es soll Ja und Amen seyn. 4. Dein Aug mit jenem Blick voll Gnade, Das du dem Petrus zugewandt, Daß er, verirrt auf dunklem Pfade, Dich guten Hirten wiederfand, Dein Aug begegne meinem Sehnen, Das aufwärts seine Seufzer schickt; Denn milder fließen meine Thränen, Wenn du mich, Jesu, angeblickt. 6. Du sahest segnend auf die Deinen, Herr, einst vomblutgen Kreuz herab; So sieh auch mich an und die Meinen In jeder Stunde bis zum Grab. Wie wird uns seyn, befreit vom Staube, Der oft den Geist mit Angst beschwert, Wann endlich Hoffnung, Lieb und Glaube Die kühnsten Bitten sieht erhört! 5. O du, mein freundlichster Regierer, Seitdem ich wall im Pilgerland, Sey ferner noch mein treuer Führer Bis zu dem Nach E. A. Dann. Mel. Wann wir in höchsten Nöthen seyn.( Pf. 30, 6. Ebr. 4, 15.) 481. Von dir, o Vater,| mer, der dich quält, Und geben kann er, was dir fehlt. nimmt mein Herz Glück, Unglück, Freuden oder Schmerz, Von dir, der nichts als lieben kann, Voll Dank und voll Vertrauen an. 5. Wie oft, Herr, zagt ich, und wie oft Half deine Hand mir unverhofft! Den Abend weint ich, und darauf Gieng mir ein froher Morgen auf. 2. Nur du, der du allweise bist, Nur du weißt, was mir heilsam ist; Nur du siehst, was mir jedes Leid Für Heil bringt in der Ewigkeit. 3. Ist alles dunkel um mich her, Die Seele müd und freudenleer: Bist du doch meine Zuversicht, Bist in der Nacht, o Gott, mein Licht. 6. Oft sah ich keinen Ausgang mehr; Da weint ich laut und klagte sehr: ,, Ach schaust du, Gott, mein Elend nicht? Verbirgst du gar dein Angesicht?" 7. Dann hörtest du, o Herr, mein Flehn Und eiltest, bald mir beizustehn; Du öffnetest mein Auge mir, Ich sah mein Glück und dankte dir. 4. Verzage, Herz, verzage nie! Gott legt die Last auf, Gott 8. Sagts alle, die Gott je gekennt sie; Er weiß den Kum- prüft Die ihr zu ihm um Hilfe XVIII. Trostlieder. 391 rieft, Sagts, Fromme, ob er seine Huld und Macht ist das Gebet Geduldig Leidender groß. verschmäht? 11. Einst hat er auch, der Menschenfreund, Im Thränenthale hier geweint; Auf deine Thränen gibt er Acht Und dir zu helfen hat er Macht; 12. Und helfen will er, zweifle nicht! Hör, was der Treue dir verspricht: ,, Nicht lassen will ich, Seele, dich, Sey guten Muths und glaub an mich!" Lavater, g. 1741 † 1801. 9. Die Stunde kommt früh oder spät, Wo Freud und Dank aus Leid entsteht; Vielleicht daß eh du ausgeweint, Dir Gott mit seiner Hilf erscheint. 10. Wenn niemand dich erquicken kann, So schaue deinen Heiland an; Schütt aus dein Herz in seinen Schoos, Denn Eigene Mel.( Mattb. 6, 25 2c. Jes. 49, 15. 16.) 482. Warum betrübst du dich, mein Herz, Bekümmerst dich und trägest Schmerz Nur um das zeitlich Gut? Vertrau du deines Gottes Rath, Der alle Ding' erschaffen hat. 2. Er kann und will dich lassen nicht, Er weiß gar wohl, was dir gebricht, Himmel und Erd ist sein, Mein Vater und mein Herr und Gott, Der mir beisteht in aller Noth! 3. Weil du mein Gott und Vater bist, Dein Kind du nimmermehr vergißst, Du väterliches Herz! Ich bin ein armer Erdenkloß, Auf Erden aller Hilfe bloß. 4. Der Reiche bauet auf sein Gut; Ich will vertraun auf Gottes Hut; Ob mich die Welt veracht't, So glaub ich doch mit Zuversicht, Wer Gott vertraut, dem mangelts nicht. 5. Ach Gott! du bist so reich noch heut, Als je du warst von Ewigkeit, Mein Trauen steht zu dir; Sey du nur meiner Seele Hort, So hab ich Gnüge hier und dort. 6. Zeitlicher Ehr ich gern entbehr, Des Ewigen mich nur gewähr, Das du erworben haft Durch deinen herben, bittern Tod; Das bitt ich dich, mein Herr und Gott! 7. Alles was ist auf dieser Welt, Es sey Gold, Silber oder Geld, Reichthum und zeitlich Gut, Das währt nur eine fleine Zeit Und hilft doch nichts zur Seligkeit. 8. Ich danke dir, Herr Jesu Christ, Daß mir das kund geworden ist Durch dein wahrhaftigs Wort; Verleih mir auch Beständigkeit Zu meiner Seelen Seligkeit! XVIII. Trostlieder. 392 9. Lob, Ehr und Preis sey dir| ich dich: Laß mich von deinem gebracht Für alles, wie du Angesicht Ewig verstoßen wermich bedacht; In Demuth bitt den nicht! Hans Sachs, g. 1494 † 1576. Mel. Die Tugend wird.( Sir. 11, 21. 3, 19 zc.) 3. Gott ist der Herr; und seinen Segen Vertheilt er stets mit weiser Hand, Nicht so, wie wirs zu wünschen pflegen, Doch so, wie ers uns heilsam fand. Willst du zu denken dich erkühnen, Daß seine Liebe dich vergißt? Er gibt uns mehr, als wir verdienen, Und niemals, was uns schädlich ist. 4. Verzehre nicht des Lebens Kräfte Inträger Unzufriedenheit; Beforge deines Stands Geschäfte Und nüße deine Lebenszeit. Bei Pflicht und Fleiß sich Gott ergeben, Ein ewig Glück in Hoffnung sehn, Dieß ist der Weg zu Ruh und Leben; Herr, lehre diesen Weg mich gehn! 483. Du flagst und fühlest die Beschwerden Des Stands, in dem du mühsam lebst; Du strebest glücklicher zu werden, Und siehst, daß du vergebens strebst. Ja flage nur; wer sollt es wehren? Doch denk im Klagen auch zurück: Ist denn das Glück, das wir begehren, Für uns auch stets ein wahres Glück? 2. Nie schenkt der Stand, nie schenken Güter Dem Menschen die Zufriedenheit; Die wahre Ruhe der Gemüther Ist Tugend und Genügsamkeit. Genieße, was dir Gott beschieden, Entbehre gern, was du nicht hast; Ein jeder Stand hat seinen Frieden, Ein jeder Stand hat seine Last. Gellert, g. 1715 † 1769. Eigene Mel.( 1 Tim. 6, 6-8.) 484. Nicht so traurig, nicht| Gott ist Herr in seinem Haus: Wie er will, so theilt er aus. so sehr, Meine Seele, sey betrübt, Daß dir Gott Glück, Gut und Ehr Nicht so viel wie andern gibt. Habe gnug an deinem Gott: Hast du Gott, so hats nicht Noth. 2. Du nicht und kein Men- Freud ohn' End, Ehr ohne 3. Bist du doch nicht darum hier, Daß du Erde haben sollt; Schau den Himmel über dir! Da, da ist dein edles Gold, Da ist Ehre, da ist Freud, schenkind Haben Recht an diese Neid! Welt; Alle, die auf Erden sind, 4. Der ist albern, der sich Sind nurGäft' im fremdenZelt;| kränkt Um die Hand voll Eitel XVIII. Trostlieder. 393 keit, Wenn ihm Gott dagegen| Wie viel Gutes alle Stund schenkt Schäße der Beständig- Dir von oben sey beschert! keit. Bleibt das Wesen mein Du hast mehr als Sand am Gewinn, Fahr der Schatten Meer, Und willst doch noch imimmer hin! mer mehr! 5. Schaue alle Güter an, Die dein Herz für Güter hält: Keines mit dir gehen kann, Wenn du gehest aus der Welt; Alles bleibet hinter dir, Wenn du trittst ins Grabes Thür; 6. Aber was die Seele nährt, Gottes Huld und Christi Blut, Wird von keiner Zeit verzehrt, Ist und bleibet ewig gut. Erdengut zerfällt und bricht, Seelengut verschwindet nicht. 7. Ach wie bist du doch so blind Und im Denken unbedacht: Augen hast du, Menschenkind, Und hast doch noch nie betracht't Deiner Augen helles Glas; Siehe, welch ein Schatz ist das! 8. Zähle deine Finger her Und der andern Glieder Zahl, Keins ist, das dir unwerth wär, Ehrst und liebst sie allzumal; Keines gäbst du weg um Gold, Wenn man dirs abnehmen wollt. 9. Nun so gehe in den Grund Deines Herzens, das dich lehrt, 10. Gott ist deiner Liebe voll Und von ganzem Herzen treu. Wenn du wünscheft, prüft er wohl, Wie dein Wunsch beschaffen sey: Ist dirs gut, so geht ers ein, Ists dein Schade, spricht er Nein! 11. Ei so richte dich empor, Du betrübtes Angesicht! Laß das Seufzen, nimm hervor Deines Glaubens Freudenlicht; Das behalt, wenn dich die Nacht Deines Kummers traurig macht. 12. Seße als ein Himmelssohn Deinem Willen Maß und Ziel; Rühre stets vor Gottes Thron Deines Dankes Saitenspiel, Weil dir schon gegeben ist Weit mehr, als du würdig biſt. 13. Führe deinen Lebenslauf Allzeit Gottes eingedenk; Wie es kommt, nimm alles auf Als ein wohlbedachtGeschenk. Geht dirs widrig, laß es gehn: Gott und Himmel bleibt dir stehn! Gerhard, g. 1606 † 1676. Mel. Wachet auf! ruft.( 2 Tim. 2, 11. 12.) 485. Jesus kommt, von al-| und Herrlichkeit. Dann, anseilem Bösen Uns, feine Christen, nem großen Tage Verwandelt zu erlösen; Er kommt mit Macht sich der Frommen Klage In 394 XVIII. Trostlieder. ewige Zufriedenheit. Sey fröh-| Lauf Zu Gott hinauf: Da gienlich, Volk des Herrn! Er kommt, gen ihm die Himmel auf. er ist nicht fern, Dein Erretter; Dein Schmerz ist kaum Ein Morgentraum, Bald macht er ewgen Freuden Raum. 4. Wohl uns, wenn wir mit ihm leiden, Dann ernten wir davon auch Freuden Mit ihm, dem Ueberwinder, ein! Laßt uns kämpfen, laßt uns ringen, Mit unsrem Haupt hindurchzudringen, Um da wo er ist einst zu seyn! Die Hilfe schafft nur er; Sein großer Nam ist: 2. Augenblicke dieser Leiden, Was seyd ihr gegen jene Freuden Der unbegrenzten Ewigfeit? Seht die Kron am Ziele prangen Und kämpft und ringt, sie zu erlangen, Wie ihr dazu berufen seyd! Euch halt in eurem Lauf Kein Schmerz des Lebens auf, Ueberwinder! Das Ziel ist nah; Bald seyd ihr da, Dann singet ihr Hallelujah! Herr, Unsre Stärke!" Die ihm vertraun Und auf ihn baun, Die werden seine Hilfe schaun. 3. Der sich euch zum Volk erwählet, Der eure Thränen alle zählet, Stritt auch mit unerschöpftem Muth. Wie hat Jesus nicht gerungen, Wie tief war er von Angst durchdrungen, Wie seufzt' er laut, wie floß sein Blut! Doch fahn die Feinde nicht Auf seinem Angesicht BangeSchrecken. Ernahm den 5. Ja du kommst, von allem Bösen Uns, deine Christen, zu erlösen, Deß sind wir froh und danken dir. Auch in noch fo trüben Tagen Soll unser Herz doch nie verzagen, Auf deine Zukunft hoffen wir. Wir wissen, wer du bist; Wir traun dir, Jesu Christ, Und sind stille. Wenn gleich die Welt ZnTrümmern fällt: Dein Arm ists, der uns ewig hält! Münter, g. 1735 † 1793. f Mel. Nun ruben alle.( Pred. 7, 15.) 486. Ich hab in guten Stun-| der, Als es der Mensch verdient. den Des Lebens Glück empfunden Und Freuden ohne Zahl; So will ich denn gelassen Mich auch im Leiden fassen; Ist wohl ein Leben ohne Qual? Sollt ich, beschwert mit Schulden, Kein zeitlich Weh erdulden, Das doch zu meinem Besten dient? 2. Ja, Herr, ich bin ein Sünder, Und stets strafft du gelin3. Dir will ich mich ergeben, Nicht meine Ruh, mein Leben Mehr lieben als den Herrn; XVIII. Trostlieder. Dir, Gott, will ich vertrauen, Und nicht auf Menschen bauen; Du hilsst und du errettest gern. 4. Laß du mich Gnade finden Und alle meine Sünden Erkennen und berenn. Jetzt hat mein Geist noch Kräfte; Sein Heil laß mein Geschäfte, Dein Wort mir Trost und Leben seyn. 5. Wenn ich in Christo sterbe, Bin ich des Himmels Erbe: 6. Ich will dem Kummer wehren, Dich durch Geduld verehren, Im Glauben zu dir flehn. Ich will den Tod bedenken; Du, Herr, wirst alles lenken, Und was mir gut ist, wird geschehn. Gellert, g. 1715 † 1769. Mel. Herr Jesu Christ, du böchstes Gut.( 1 Cor. 10, 13.) du mir, O höchstes Gut der Frommen, Gib, daß mir nicht des Glaubens Zier DurchTrübsal werd entnommen. Erhalte mich, o starker Hort, Befestge mich in deinem Wort, Behüte mich vor Murren. 487. Ach treuer Gott, barmherzigs Herz, Deß Güte sich nicht wendet! Ich weiß, dieß Kreuz und diesen Schmerz Hast du mir zugesendet; Ich weiß, Herr, daß du mir die Last Aus Liebe zugetheilet hast; Wie könntest du mich hassen? 2. Denn das ist allzeit dein Gebrauch: Wer Kind ist, muß was leiden, Und wen du liebst, den stäupst du auch, Schickst Trauern vor den Freuden, Führst uns in Tiefen, thust uns weh, Und führst uns wieder in die Höh; Und so geht eins ums andre. 395 Was schreckt mich Grab und Tod? Auch auf des Todes Pfade Vertrau ich deiner Guade; Du, Herr, bist bei mir in der Noth. 3. Doch, liebster Vater, wie so schwer, Ists der Vernunft, zu denken, Daß du, wenn du auch schlägest sehr, Nur wollest Gnade schenken! Wie macht doch Kreuz so lange Zeit! Wie ungern will sich Lieb und Leid Zusammen lassen reimen! 4. Was ich nicht kann, das gib 5. Bin ich ja schwach, laß deine Treu Mir an die Seite treten; Hilf, daß ich unverdrossen sey Im Rufen, Seufzen, Beten. So lang ein Herz noch hofft und gläubt Und im Gebet beständig bleibt, So lang ists unbezwungen. 6. Greif mich auch nicht zu heftig an, Damit ich nicht vergehe! Du weißt wohl, was ich tragen kann Und wie es um mich stehe. Ich bin ja weder Stahl noch Stein, Und weht ein Lüftlein nur herein, So fall ich hin und sterbe. 7. Ach Jesu, der du worden bist Mein Heil mit deinem Blute: Du weißest wohl, was Trübfal 396 ist, Und wie dem sey zu Muthe,| Das denen, die durch Trübsal Den Kreuz und großes Unglück plagt; Drum wirst du, was mein Herz dir klagt, Gar gern zu Herzen fassen. gehn, Du dermaleins wirst geben; Ein Leben, gegen welches hier Die ganze Welt mit ihrer Zier Durchaus nicht zu vergleichen! 8. Sprich meiner Seele herzlich zu Und tröste sie aufs beste; Denn du bist ja der Müden Ruh, Der Schwachen Thurm und Feste, Ein Schatten vor der Sonnengluth, Die Hütte, da man sicher ruht Im Sturm und Ungewitter. XVIII. Trostlieder. 9. Ach laß mich schauen, wie so schön Und lieblich sey das Leben, Eigene Mel.( Pf. 77, 11. 2 Cor. 12, 9. 10.) 488. Gott! den ich als Liebe| Geist vollenden. Auch die Labung, die man mir Zu des Leibes Nothdurft gibet, Kommt von dir, der mich geliebet; Alles kommt, mein Gott, von dir. kenne, Der du Krankheit auf mich legst Und des Leidens Hiß erregst, Daß ich davon glüh und brenne; O verbrenne doch in mir Alles, was den Geist verhindert Und der Liebe Regung mindert, Die mich ziehen soll zu dir. 10. Daselbst wirst du in ewger Lust Gar liebreich mit mir handeln, Mein Kreuz, das mir und dir bewußt, In Freud und Ehr verwandeln; Da wird mein Trauern Sonnenschein, Mein Aechzen lauter Jauchzen seyn; Das glaub ich, hilf mir! Amen. Gerhard, g. 1606 F1676. 2. In der Schwachheit sey du kräftig, In den Schmerzen schaffe Muth, Daß mein Herz im Leiden ruht, Ob das Leiden noch so heftig; So ist Leiden mein Gewinnst, So ist es der Liebe Wille, Den verehr ich sanft und stille: Leiden ist mein Gottesdienst. 4. Laß nur nicht den Geist ermüden Beides Leibes Mattigkeit, Daß er sich zu aller Zeit Senk in dich und deinen Frieden. Laß in Ruh mit Freundlichkeit Mich gehorsam und bescheiden So auf meinem Bette leiden, Daß es meinen Geift erneut. 5. Dir empfehl ich nun mein Leben Und dem Kreuze meinen Leib; Gib, daß ich mit Freuden bleib An dich völlig übergeben; 3. Gott! ich nehms aus dei- Denn so weiß ich festiglich, Ich nen Händen Als ein Liebeszei- mag leben oder sterben, Daß chen an; Denn in solcher Lei- ich nicht mehr kann verderben: densbahn Willst du meinen| Denn die Liebe reinigt mich. Richter, . 1678 † 1711 XVIII. Trostlieder. 397 Mel. Valet will ich. ( Matth. 6, 26- 32.) 489. Kommt her und laßt 5. Der diese Thierlein speiset uns hören Die Vögel durch Und durch die Winterzeit Ihr den Wald, Wie sie den Schö- Körnlein ihnen weiset, Wenn pfer ehren, Daß Berg und alles liegt beschneit, Wie sollte Thal erschallt. Sie singen ohne der nicht geben, Was dir vonSorgen, Sind freudig, denken nöthen ist Zum Unterhalt im nicht, Ob ihnen auch den Mor- Leben? Trau ihm nur als ein gen Dieß oder das gebricht. Christ! 2. Sie trachten nicht nach Schäßen Durch Sorge, Müh und Streit. Der Wald ist ihr Ergößen, Die Federn sind ihr Kleid. Ihr Tisch ist stets gedecket, Sie sind gar wohlgemuth, Weil jedes, was ihm schmecket, Hat, so viel Noth ihm thut. 3. Sie bauen kleine Neste, Nicht große Scheunen auf; Sind nirgends fremde Gäste Und kaufen guten Kauf. Ein jeder singt hinwieder, So gut er kann und mag, Dem Wirthe schöne Lieder Hindurch den ganzen Tag. 4. Der Mensch schlägt sich mit Grillen, Ist blinder als das Thier, Sieht nicht auf Gottes Willen Und forget für und für. Was," spricht er, werd ich essen? Was trink ich Armer doch? Der Herr hat mein vergessen!" O Mensch, Gott lebet noch! 6. Kommt, die ihr Gott nicht tranet, Daß er euch kleiden kann, Geht hin aufs Feld und schauet Die schönen Liljen an. Von wem kommt ihr Geschmeide? Auch König Salomo Mit Purpur, Gold und Seide Geschmückt, war doch nicht so. 7. Man siehet sie nicht spinnen, Doch sind sie so geschmückt, Daß aller Künstler Sinnen Hierüber wird entzückt. Der Herr, der solchermaßen. Den Blumen Kleider gibt, Wird nicht in Blöße lassen Den Menschen, den er liebt. 8. Auf ihn will ich fest bauen; Ich weiß, er läßt mich nicht; Mein Fleiß darf ihm vertrauen In allem, was gebricht. Ich sorge nicht für morgen, Noch was ich jetzt verzehrt, und lasse den nur sorgen, Der alle Welt ernährt. Buchholz, g. 1607 † 1671. Mel. Freu dich sehr.( Ps. 126.) 490. Wan Sann der Herr einst| ledig macht, O dann schwindie Gefangnen Ihrer Bande den die vergangnen Leiden, 398 XVIII. Trostlieder. In des Friedens stille Hütten. wie ein Traum der Nacht.| uns, wenn wir treu gestritten, Dann wird unser Herz sich freun, Unser Mund voll Lachens seyn; Jauchzend werden wir erheben Den, der Freiheit uns gegeben. 2. Herr! erhebe deine Rechte, Richt auf uns den Vaterblick; Rufe die zerstreuten Knechte In das Vaterhaus zurück. Ach, der Pfad ist steil und weit; Kürze unsre Pilgerzeit, Führ 3. Ernten werden wir mit Freuden, Was wir weinend ausgesät; Jenseits reift die Frucht der Leiden, und des Sieges Palme weht. Unser Gott auf seinem Thron, Er, er selbst ist unser Lohn; Die ihm lebten, die ihm starben, Bringen jauchzend ihre Garben. Chr. H. Zeller, g. 1779. Mel. Christus, der ist.( Offenb. 22, 21.) 491. Die Gnade sey mit| man noch:„ Du, mächtiger Erlöser, Du kommst, so komme doch!" allen, Die Gnade unsers Herrn, Des Herrn, dem wir hier wallen Und sehn sein Kommen gern. 6. Damit wir nicht erliegen, Muß Gnade mit uns seyn; Sie flößet zu dem Siegen Geduld und Glauben ein. 2. Auf dem so schmalen Pfade Gelingt uns ja kein Tritt, Es geh denn seine Gnade Bis an das Ende mit. 3. Auf Gnade darf man trauen, Man traut ihr ohne Neu; Und wenn uns je will grauen, So bleibts: der Herr ist treu! 4. Die Gnade, die den Alten Ihr Weh half überstehn, Wird uns ja auch erhalten, Die wir in unfrem flehn. 5. Wird stets der Jammer größer, So glaubt und ruft 7. So scheint uns nichts ein Schade, Was man um Jesum mißt; Der Herr hat eine Gnade, Die über alles ist. 8. Bald ist es überwunden, Nur durch des Sohnes Blut, Das in den schwersten Stunden Die größten Thaten thut. 9. Herr! laß es dir gefallen, Noch immer rufen wir:„ Die Gnade sey mit allen, Die Gnade sey mit mir!" Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. In allgemeiner Noth. Eigene Mel.( 2 Chron. 20, 5-13. p. 91, 14-16.) 492. Wenn wir in höchster| nicht wo aus noch ein Und finNoth und Bein Und wissen den weder Hilfnoch Rath, Ob In allgemeiner Noth. gleich wir sorgen früh und spat: 2. So ist dieß unser Trost allein, Daß wir zusammen insgemein Anrufen dich, o treuer Gott, Um Rettung aus der Angst und Noth. 3. Wir heben unser Aug und Herz zu dir in wahrer Reu und Schmerz Und bitten um Begnadigung Und aller Strafen Linderung, 4. Die du verheißest gnädiglich Allen, die darum bitten dich Im Namen des Herrn Jesu Christ, Der unser Heil und Mittler ist. 493. Nimm von uns, Herr, du treuer Gott, Die schwere Straf und große Noth, Die wir mit Sünden ohne Zahl Verdienet haben allzumal; Schirm uns vor Krieg und theurer Zeit, Vor Seuchen, Feur und andrem Leid! Mel. Vater unser im.( Esra 8, 22.) 2. Erbarm dich deiner bösen Knecht', Um Gnade bitten wir für Recht, Denn so du, Herr, den rechten Lohn Uns geben wollt'st nach unfrem Thun, So müßte ja die Welt vergehn, Und könnt kein Mensch vor dir bestehn. 399 5. Drum kommen wir, Herr unser Gott, Und klagen dir all unsre Noth, Weil wir jetzt stehn verlassen gar In großer Trübsal und Gefahr. 6. Sieh nicht an unsre Sünden groß, Sprich uns davon aus Gnaden los, Steh uns in unsrem Elend bei, Mach uns von allen Plagen frei; 7. Alsdann von Herzen wollen wir mit hohen Freuden danken dir, Gehorsam seyn nach deinem Wort, Dich allzeit preisen hier und dort. 3. Ach Herr Gott! durch die Trene dein Mit Trost und NetEber, g. 1511 t 1569.( Nach dem Latein. des Joach. Camerarius.) tung uns erschein, Beweis uns deine große Gnad Und straf uns nicht auf frischer That; Steh uns mit deiner Güte bei, Daß dein Gericht uns ferne sey. 4. Gedenk an deines Sohnes Tod Und seine bittre Krenzesnoth, Die sind ja für die ganze Welt Derlebelthatenlösegeld; Deß trösten wir uns allezeit Und hoffen auf Barmherzigkeit. 5. Leit uns mit deiner starken Hand Und segne gnädig Stadt und Land; Gib uns allzeit dein heilig Wort, Den Argen schreck und treibe fort, Ein selig Stündlein uns verleih, Auf daß zu dir die Heimfahrt sey! Moller, g. 1547+ 1606. 400 XIX. XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. Besondere Verhältnisse und Zeiten. A. Hausstand. ( Trauungslieder.) Mel. Wie schön leucht't.( Marci 10, 6-9. Ebr. 4, 16.) 494. Wie schön ists doch,| Sorge uns betrübt, Der beste Freund und Rather; Anfang, Ausgang Aller Sachen, Die zu machen Wir gedenken, Wirder wohl und weislich lenken. 4. Zwar bleibts nicht aus, es kommt ja wohl Ein Stündlein, da man leidensvoll Die Thränen lässet fließen; Jedennoch, wer sich in Geduld Ergibt, deß Leid wird Gottes Huld Ingroßen Freuden schließen. Wage, Trage Nur ein wenig! Unser König Wird behende Machen, daß die Angst sich wende. 5. Wohl denn, mein König, nah herzu! Gib Rath im Kreuz, in Nöthen Ruh, In Aengsten Trost und Freude; Deß sollst du haben Ruhm und Preis, Wir wollen singen besterweis' 3. Seyd guten Muths: nicht Und danken alle beide, Bis wir Menschenhand Hat aufgerich- Beidir, Deinen Willen Zu ertet solchen Stand, Es ist Gott, füllen, Deinen Namen Ewig unser Vater! Der hat uns je loben werden. Amen. und je geliebt und bleibt, wenn Gerhard, g. 1606 † 1676. Herr Jesu Christ, Im Stande, da dein Segen ist, Im Stande heilger Ehe! Wie steigt und neigt sich deine Gab Und alles Gut so mild herab Aus deiner heilgen Höhe, Wenn sich An dich Junge halten Gleich den Alten, Die im Orden Eines Standes einig worden. 2. Wenn Mann und Weib sich wohl verstehn Und unverrückt zusammengehn Im Bunde reiner Treue, Da blüht das Glück von Jahr zu Jahr, Da sieht man, wie der Engel Schaar Im Himmel selbst sich freue; Kein Sturm, Kein Wurm Kann zerschlagen, Kann zernagen, Was Gott gibet, Dem Paar, das in ihm sich liebet. Mel. Wie schön lencht't.( Ps. 127.) 495. Wo Gott ein Haus gebens; Wo Gott des Hauses nicht selber baut, Wo Gott Gang regiert, Dem Bräutigam nicht Braut und Bräutgam die Braut zuführt, Da quillet traut, Ist Rath und Werkver- Luft des Lebens. Zählet, Wäh A. Hansstand. ( Trauungslieder.) 401 let, Sorget, denket;- Wenns| dung zu erjagen; Umsonst sizzst Gott lenket, Wirds gelingen; du bis Mitternacht Und denkst, Sonst wird niemand was erzwingen. es sey nicht gnug vollbracht, Und isst und trinkft mit Zagen. Hülle, Fülle Edler Gaben Soll der haben, Der, begnadet, Jesum zu der Hochzeit ladet. 2. Wenn Gott die Stadt nicht selbst bewacht, Da gibt umsonst der Wächter Acht Und Feind und Flammen wüthen. Wo Gottes Hand nicht Ehen schließt, Wo er nicht wird ums Je begrüßt, Gibts keine Friedensblüthen. Schauet, Trauet: Wer Gott dienet, Der nur grünet: Die ihn fliehen, Müs sen sich zu Tode mühen. 3. Umsonst springst du vom Lager auf Und eilst vor Tag mit bangem Lauf, Brod, Klei2. Wer da leben will, der ster= be; Wer nicht stirbt, der lebet nicht! Ehe denn das Fleisch verderbe, Scheinet uns kein wahres Licht. 4. Wohl dem, der von dem Geist regiert, Mit Christo seinen Ehstand führt Und Gottes Reich erbauet! Wohl dem, der fromme Kinder hat, Die er zum Heil der Vaterstadt Im Geiste wachsen schauet! Jesu, Jesu, Laß geschehen, Was wir flehen; Laß es Ehen, Die dein Werk find, wohlergehen! Mel. Ringe recht, wenn.( Sprüche 16, 3. Eph. 5, 9, 10.) 496. Gottes Führung for- 1 5. Höchstes Vorbild alles Ledert Stille; Wo der Fuß noch selber rauscht, Wird des ewgen Vaters Wille Mit der eignen Wahl vertauscht. bens, Welches heilig ist und rein: Dein Verdienst laß nicht vergebens Auch an unfrem Leben seyn! 6. Was wir bisher auch versehen, Decke zu mit deinem Blut, Das für aller Welt Vergehen Gnug und überschwenglich thut. 7. Laß uns aber also handeln In des Lebens künftger Frist, Daß wir in dem Lichte wandeln, Herr, wie du im Lichte bist. 3. Zeitlich, ewig,- geistlich, leiblich Bietet manchmal sich die Hand; Aber wie so unbeschreiblich Wird es Eins im Eheband! 4. Darum ist es unumgänglich, Jesus führ uns erst hinein, Will man hoffen, überschwenglich Darin unterstützt zu seyn. Evangelisches Gesangbuch. Lehmus, g. 1707 † 1788. 8. Unsern Stand laß mit dem Glanze Deiner Kraft umgeben seyn, Und ein jedes Kind zur Pflanze Der Gerechtigkeit ge= deihn. 26 402 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. 9. Stärk uns in des Lebens| Scheiden, Die sich, Herr, in Leiden, Leit uns auf der Todes- dir umfahn. bahn. Derer Scheiden ist kein nik. Ludw. Graf von Zinzendorf, g. 1700 t 1760. V. 9 3uſak. Mel. Wie schön leucht't.( Eph. 4, 1-3.) 497. Von dir, du Gott der| sam, zärtlich seyn, Ein Herz und eine Seele! Immer laß sie Dir ergeben, Einig leben, Einig handeln, Fromm und heilig vor dir wandeln. Einigkeit, Ward einst der Ehe Bund geweiht: O weih auch sie zum Segen, Die hier vor deinem Angesicht, Bereitstehn, dir den Schwur der Pflicht Und Eintracht abzulegen! Laß fie, Vater, Dir ergeben, Einig leben, Tren sich lieben, Treu die Pflicht der Christen üben. 3. O segne fie, der gern beglückt Und Segen uns von oben schickt, Auf allen ihren Wegen! Laß ihr Geschlecht sich deiner freun; Gib selbst zu ihrem Fleiß Gedeihn, Und ihr 2. Gott! der du sie verbunden Beruf sey Segen! Laß sie, hast, Mach ihnen leicht des Le- Vater, Dir ergeben Glücklich bens Last, Gib, daß kein Gutes leben, Freudig sterben: So fehle. Den Ehbund laß sie nie sind sie des Himmels Erben. entweihn, Keusch laß fie, friedEschenburg, g. 1743 † 1820. Mel. Herr Jesu Christ, dich zu uns wend.( Jos. 24, 15.) 498. Wohl einem Haus, im Gebet, Beständig in die wo Jesus Christ Allein das All in allem ist! Ja wenn er nicht darinnen wär, Wie finster wärs, wie arm und leer! Höhe geht, und man treibet fort und fort, Als Gottes Werk und Gottes Wort! 5. Wohl, wenn im äußerlichen Stand Mit fleißiger, getreuer Hand Ein jegliches nach seiner Art Den Geist der Eintracht offenbart! 2. Wohl, wenn der Mann, das Weib, das Kind Im rechten Glauben einig sind, Zu dienen ihrem Herrn und Gott Nach seinem Willen und Gebot! 6. Wohl, wenn die Eltern 3. Wohl, wenn ein solches gläubig sind, Und wenn sie Haus der Welt Ein Vorbild Kind und Kindeskind Versäuvor die Augen stellt, Daß ohne men nicht am ewgen Glück! Gottesdienst im Geist Das Dann bleibet ihrer keins zurück. äußre Werk nichts ist und heißt! 7. Wohl solchem Haus, denn 4. Wohl, wenn das Räuchwerkes gedeiht: Die Eltern werden A. Hausstand. 403 hocherfreut, Und ihren Kindern| Stund Sammt meinem Hause sieht mans an, Wie Gott die diesen Bund: Wich' alles Volk seinen fegnen kann. auch von ihm fern, Ich und meinHaus stehn bei dem Herrn! - 8. So mach ich denn zu dieser von Pfeil, g. 1712 † 1784. Mel. Sollt es gleich.( Ps. 127, 1. 2. Sprüche 10, 22.) 499. Wo der Herr das Haus nicht banet, Wo mans ihm nicht anvertrauet, Woman selbst sich helfen will, Steht das Werk bei Zeiten still. 2. Wenn der Herr die Stadt nicht hütet, Wo der Feind bald schleicht, bald wüthet, Wird sie, trotz der Wächter Fleiß, Flammen oder Mördern preis. 3. Alles Schaffen und Bestreben, Alles Sorgen, Rennen, Beben Thut es nicht, wenns Gott nicht thut, Gott und seine treue Hut. ( Trauungslieder.) 4. Gilet früh aus eurem Bette, Ringt und wirketum die Wette, Sigt kalt, hungrig, ausgewacht Bis zur späten Mitternacht: 5. Euer Rechnen, Sorgen, Ringen Wird euch doch kein Glück erzwingen; Wer sich selber Hilfe schafft, Der verschmähet Gottes Kraft. 6. Zieht Gott im Gebet zu Rathe, Mühet euch um Gottes Gnade, Lebt und liebt in ihn euch ein, Dann wird euer Werk gedeihn. 7. Schlafend gibt ers seinen Freunden, Gibt noch größres, als sie meinten, Daß fie staunen, wenn sie sehn So viel Vorrath um sich stehn. 8. Segnend tritt auf ihre Bitte Gott, der Herr, in ihre Mitte; Viel Gebete,- reiches Brod, Starker Muth, wenn Uebel droht. 9. Sorgt nicht für den andern Morgen! Lernt für eure Seele sorgen, Trachtet nach der Ewigfeit: Gott ist nahe jederzeit! 10. Scheints, daß wenig Trost vorhanden Nein, ihr werdet nicht zu Schanden! Nur der Sünder Haus zerfällt, Fromme bleiben Herrn der Welt! Lehmus, g. 1707 † 1788 Eigene Mel.; oder: So führst du doch.( Joh. 2, 2: c. 1 Mos. 18, 19.) 500. O felig Haus, wo man| aller Herzen dir entgegenschladich aufgenommen, Du wah- gen, Und aller Augen freudig rer Seelenfreund, Herr Jesu auf dich sehn; Wo aller Lippen Christ! Wounter allen Gästen, dein Gebot erfragen, Und alle die da kommen, Du der ge- deines Winks gewärtig stehn. feiertste und liebste bist; Wol 2. O selig Haus, wo Mann 404 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. und Weib in einer, In deiner Liebe Eines Geistes sind, Als beide Eines Heils gewürdigt, keiner Im Glaubensgrunde anders ist gesinnt; Wo beide unzertrennbar an dir hangen In Lieb und Leid, Gemach und Ungemach, Und nur bei dir zu bleiben stets verlangen An jedem guten, wie am bösen Tag! 3. O selig Haus, wo man die lieben Kleinen Mit Händen des Gebets ans Herz dir legt, Du Freund der Kinder, der sie als 5. O selig Haus, wo du die Freude theilest, Wo man bei keiner Freude dein vergißt! O die seinen Mit mehr als Mutselig Haus, wo du die Wunden terliebe hegt und pflegt; Wo sie zu deinen Füßen gern sich sammein Und horchen deiner süßen Rede zu Und lernen früh dein Lob mit Freuden stammeln, Sich deiner freun, du lieber Heiland, du! heileft Und aller Arzt und aller Tröster bist; Bis jeder einst sein Tagewerk vollendet, Und bis sie endlich alle ziehen aus, Dahin, woher der Vater dich gesendet, Ins große, freie, schöne Vaterhaus! Spitta, g. 1801. Mel. 3euch ein zu deinen Thoren.( Col. 3, 14.) 501. Gott! du bist selbst die Liebe, Wer liebet ohne dich Und folgt nicht deinem Triebe, Der ladet Fluch auf sich. Du mußt der Anfang seyn Und auch das Ende machen Bei allen meinen Sachen Durch deinen Gnadenschein. 4. O selig Haus, wo Knecht und Magd dich kennen, Und wissend, wessen Augen auf sie sehn, Bei allem Werk in Einem Eifer brennen: Daß es nach deinem Willen mag geschehn; Als deine Diener deine Hausgenossen, In Demuth willig, und in Liebe frei Das Ihre schaffen, froh und unverdrossen, In kleinen Dingen zeigen große Treu. 2. Wir opfern unfre Herzen Vor deinem Throne hier. Zünd an der Liebe Kerzen, Verbind uns erst mit dir Und gib uns deinen Geist, Der unsern Sinn regiere, Zum rechten Zweck uns führe, Der wahre Liebe heißt. 3. Du bist ein reines Wesen, Mach unsre Herzen rein; Was uns wird vorgelesen, Drück in die Seelen ein; Versiegle unsern Eid, Was wir vor dir versprechen, Das laß uns nimmer brechen, Bis Grab und Tod uns scheid't. 4. Der Himmel träufle Segen Auf unsern Ehestand; Führuns auf allen Wegen Durch deine A. Hausstand. ( Tranungslieder.) 405 Vaterhand; Stört uns der See-| doch wohl die Stunde, Da Waslenfeind, So treib ihn in dieser wird zu Wein.( Joh 2, 1 2c.) Wüste, Hilf, daß uns nicht ge- 6. Laß uns im Frieden leben, lüfte, Was dir zuwider scheint. Des Friedens Kinder seyn; 5. Gib uns vergnügte Herzen Wann wir die Hand drauf geIn Lieb und auch im Leid, Ver- ben, So schlage du mit ein; süße du die Schmerzen, Des Dein Amen sey das Wort, Das Kreuzes Bitterkeit; Schenkst du| Siegel unsrer Liebe; Wir foluns Thränen ein Und schlägst gen deinem Triebe, Hier ist der uns eine Wunde, So kommt Segensort! Schmolt, g. 1672 † 1737. Mel. Wie schön leucht't.( Jof. 24, 15. Apostelg. 16, 31.) Seele; Keinem fehle, Dran man kennet Den, der sich den deinen nennet. 502. Ich und mein Haus,| gelinde. Liebe Uebe Jede wir sind bereit, Dir, Herr, die ganze Lebenszeit Mit Seel und Leib zu dienen. Du sollst der Herr im Hause seyn; Gib deinen Segen nur darein, Daß wir dir willig dienen. Eine Kleine, Fromme, reine Hausgemeine Mach aus allen! Dir nur soll sie wohlgefallen. 2. Es wirke durch dein kräftig Wort Dein guter Geist stets fort und fort An unser aller Seelen; Es leucht uns wie das Sonnenlicht, Damit's am rechten Lichte nicht JmHause möge fehlen. Reiche Gleiche Seelenspeise, Auch zur Reise Durch dieß Leben Uns, die wir uns dir ergeben. 3. Gieß deinen Frieden auf das Haus Und alle, die drin wohnen, aus, Im Glauben uns verbinde; Laß uns in Liebe allezeit Zum Dulden, Tragen seyn bereit, Demüthig, sanft, 4. Laß unser Haus gegründet seyn Auf deine Gnade ganz allein Und deine große Güte. Auch laß uns in der Nächte Graun Auf deine treue Hilfe schaun Mit kindlichem Gemüthe; Selig, Fröhlich, Selbst mit Schmerzen In dem Herzen Dir uns lassen Und dann in Geduld uns faffen. 5. Gibst du uns ird'sches Glück ins Haus, So schließ den Stolz, die Weltlust aus, Des Reichthums böse Gäste! Denn wenn das Herz an Demuth leer, Und voll von eitler Welt= luft wär, So fehlte uns das beste: Jene Schöne, Tiefe, stille Gnadenfülle, Die mit Schätzen Einer Welt nicht zu ersezen. 6. Und endlich flehn wir aller= 406 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. meist, Daß in dem Haus kein andrer Geist, Als nur dein Geist regiere; Daß er, der alles wohl bestellt und gute Zucht und Ordnung hält, Uns Für Eltern. Mel. Herr Jesu Christ, dich zu uns.( Lucä 18, 15-17.) 503. Ihr Eltern, hört was Christus spricht: Den Kindlein sollt ihr wehren nicht, Daß sie sich meinen Armen nahn, Denn ich will segnend sie empfahn." 2. Auch ihrer ist das Himmelreich, Und was ist dem auf Erden gleich? Mit aller Weltlust, Pracht und Ehr Hats bald ein End und ist nicht mehr. alles lieblich ziere. Sende, Spende Ihn uns allen, Bis wir wallen Heim und droben Dich in deinem Hause loben. Spitta, g. 1801. 3. Das Himmelreich sich nie verliert, Darein uns Jesus Christus führt Durch seine Lehr, dieß ewge Wort, Das uns macht selig hier und dort. 4. Gehorchet ihm und bringt ste her, Daß man von Jugend auf sie lehr In Kirchen und in Schulen wohl, Wie man Gott gläubig ehren soll. 5. Habt ihr sie lieb mit treuem Sinn, So führet sie zu Jesu hin; Wer dieß nicht thut, ist ihnen feind, Wie groß auch seine Liebe scheint. 6. Was hilft den Kindern großes Geld, Wenn nicht ihr Herz ist gut bestellt? Wer fie zu Gott recht führen läßt, Der thut für sie das allerbest'. Nach Helmbold, g. 1532 7 1598. Mel. Werde munter.( Pf. 115, 14. Sprüche 14, 26.) 504. Sorge, Herr, für uns-, Gefahr für sie herein, Wollst du ihr Beschützer seyn; Wenn in Noth sie zu dir flehen, Laß sie deine Hilfe sehen. re Kinder, Sorge für ihr wahres Heil! Sind sie gleich vor dir nur Sünder, Haben sie an dir doch Theil: Sie sind in der Taufe schon Dir geweiht und deinem Sohn; Darum leite deine Gnade Sie auf ihrem Lebenspfade. 3. Dringt auf sie von allen Seiten Der Verführer Schaar heran, Laß doch ihren Fuß nicht gleiten, Halte fie auf rechter Bahn. Regt in ihrer eignen Brust Sich mit Macht die böse Lust, Gib dann, daß sie muthig kämpfen Und den 2. Der du fie bisher erhalten Bei so manchem Unglücksfall, Wollest über ihnen walten Immerdar und überall. Bricht Reiz der Sünde dämpfen. Hausstand.( Für Eltern.) 4. Herr! erhalte deinem Reiche Unsre Kinder stets getreu. O daß keines von dir weiche Und dereinst verloren sey! Weck in ihnen frommen Sinn, Lenk ihr Streben darauf hin, Dir sich gänzlich zu ergeben Und zur Ehre dir zu leben. Mel. Herr Jesu Christ, dich.( Matth. 21, 15. 16. Eph. 6, 4.) 505. Hilf, Gott, daß unsre Kinderzucht Geschehe stets mit Nuß und Frucht, und aus dem Mund der Kinder dir Gin Lob ertöne für und für. 3. Schenk ihnen deiner Wahrheit Licht Und segne ihren Unterricht, Damit durchs Wort aus deinem Mund Ihr Glaub erhalte festen Grund. 4. Behüte sie vor Aergerniß; Mach fie des rechten Wegs gewiß, Wo ihnen ein Verführer naht Mit giftgem Reiz zur Missethat. 407 5. Schenke mir die Himmelsfreude, Daß ich einst am jüngsten Tag, Nach so manchem Kampf und Leide Mit Frohlocken sprechen mag:„ Liebster Vater, siehe hier Meine Kin= der all mit mir! Ihrer keines ist verloren, Alle für dein Reich erforen!"( Jes. 8, 18.) Nach Schlosser, g. 1702 † 1754. 2. Laß unsre Kinder insgemein 7. Erleuchte sie mit deinem Den Eltern stets gehorsam Schein; Laß sie zum Lernen wilseyn Und meiden allen Lügen- lig seyn; An Gnad und Weishang, Den Eigensinn und Mü- heit immerdar Zunehmen liebBiggang. lich Jahr für Jahr. 5. Nimm ihre Seelen, Herr, in Acht, Beschirme fie mit deiner Macht, Damit sie dich verlassen nie; Dein Engel lagre fich um sie. 6. O Geist der Guad und des Gebets, Gieß dich in ihre Herzen stets; Furcht Gottes gib in ihren Sinn, Die aller Weisheit Anbeginn! 8. Regiere sie ohn' Unterlaß, Damit sie zum vollkommnen Maß Des Lebens Christi wachsen fort Und Früchte bringen durch sein Wort. 9. Vollende sie in dieser Zeit Zum Erbtheil in der Ewigkeit; Den Kindern, Heiland, sprichst ja du So liebevoll den Himmel zu! 10. Und schließt sich einst ihr Erdenlauf, So nimm sie selig zu dir auf, Damit sammt ihnen wir zugleich Dich preisen dort in deinem Reich. 408 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. Für Kinder. Eigene Mel.( Jef. 40, 11. Joh. 10, 14.) 506. Weil ich Jesu Schäf-| Daß ich keinen Mangel leide; Und so oft ich durstig bin, Führt er mich zum Brunnquell hin. 3. Sollt ich denn nicht fröhlich seyn, Nun ich sein bin und er mein? Denn nach diesen schönen Tagen Werd ich endlich heimgetragen In des Hirten Arm und Schoos; Amen, ja mein Glück ist groß! Luise Henriette von Hayn, g. 1724 † 1782. lein bin, Freu ich mich nur immerhin Ueber meinen guten Hirten, Der mich wohl weiß zu bewirthen, Der mich liebet, der mich kennt Und bei meinem Namen nennt. 2. Unter seinem sanften Stab Geh ich aus und ein und hab Unaussprechlich süße Waide, Mel. Herr Jesu Christ, dich zu uns wend.( Luc. 2, 51. 52.) 507. Nun hilf uns, o Herr| Willen ruhn, Lehr uns nach deinem Vorbild thun. Jesu Christ, Der du einst hier gewesen bist Ein freundliches und frommes Kind, Ohn' alle Schuld, ohu' alle Sünd. 3. Gib deinen Geist in unsre Brust; Hilf lernen uns mit Kindeslust, Damit wir legen rechten Grund Und ewig stehn in deinem Bund. 2. Wir Kinder bitten eines nur, Verfags nicht, Herr, der Kreatur: Hilf uns in deinem Böhmische Brüder. Mel. Auf, Christenmensch.( Marcı 10, 13-16.) barmen, Er heilte freundlich jeden Schmerz Und tröstete die Armen. Und was am lieblichsten erscheint, Er war der Kindiein Schirm und Freund. 508. Heil uns! des Va-| sein Herz Voll Liebe und Erters Ebenbild, Der nun im Himmel thronet, Hat hier auf Erden hehr und mild Gewandelt und gewohnet, Und seine Huld und Herrlichkeit Umhüllt' ein schlichtes Pilgerkleid. 2. Er kam hernieder wunderbar, Die Menschen zu erlösen, Und wunderschön und freundlich war Sein Wort, sein Blick und Wesen. Ein stiller Glanz, ein himmlisch Licht Umfloß sein holdes Angesicht. 4. Ihm gieng, den Säugling in dem Arm, Die Mutterlieb entgegen, Frohlockend hüpft' ein bunter Schwarm Von Kindlein an den Wegen, Und Jesus sah in stiller Ruh Dem fröhlichen Gewimmel zu. 5. Da rief ein Jünger: ,, laßt sie fern!"- Die Mütter sahn 3. Er gieng im Land umher, A. Hausstand.( Für Kinder.) 409 beklommen. Er aber sprach:| lebt, Als er auf Erden wallte ich seh sie gern, O laßt sie zu mir kommen, Und seyd auch ihr den Kindlein gleich, Denn ihrer ist das Himmelreich. Auch meine Thräne ihm gebebt, Wenn Preis und Dank ihm schallte, Getroft hätt ihn auch ich begrüßt Und seine Segenshand geküßt! 6. Und sieh, die Kindlein drängten dann Sich um ihn voll Verlangen, Und Jesus nahm sie freundlich an Mit liebendem Umfangen, Hob sie empor auf Arm und Knie Und fegnete und herzte fie. 8. Doch schauet er nicht ungesehn Voll Huld auf uns hernieder? Und einst von jenen Himmelshöhn Erscheint er herrlich wieder, Und sind wir dann den Kindlein gleich, Führt er uns in sein himmlisch Reich. 7. O hätt auch ich damals geFr. A. Krummacher, g. 1767. Mel. Vom Himmel hoch.( 2 Mof. 20, 12. Gir. 3, 11. Sprüche 30, 17.) 509. Ihr Kinder, lernt von Anfang gern Der Weisheit Grund, die Furcht des Herrn! Was ihr bei Zeiten lernt und thut, Kommt jegt und ewig euch zu gut. 2. Hört die Verheißung, welche Gott Als Vater legt auf sein Gebot, Wenn er den Himmelsweg euch weist Und ench gehorsam werden heißt. 3. ,, Ehr deine Eltern spät und früh; Dank ihnen ihre Lieb und Müh, Dann wirds dir wohl auf Erden gehu, Dann wirst du Gottes Himmel sehn." 4. So war auf seiner Erdenbahn Den Eltern Jesus unterthan. Er, dessen Stuhl die Himmel sind, War einst gehorsam als ein Kind. 5. Des Vaters Segen baut ein Haus, Wo Kinder froh gehn ein und aus, Der Fluch der Mutter reißt es ein, Denn Gott will selbst der Nächer seyn. 6. Ein Kind, das seinen Vater schmäht Und trozig von der Mutter geht, Wird gleich dem Baume früh entlaubt Und ruft sich Noth und Tod aufs Haupt. 7. Doch o wie süß, wenn Vatermund Und Mutterfreude geben kund: Die liebste Blume, die ich find', Ist unser treues, frommes Kind!" 8. Den Vater lieb von Herzensgrund Und ehre ihn mit That und Mund; Vergiß nicht, wie du lange Frist Der Mutter sauer worden bist! 9. Gott! fende deinen Segensstrahi Eltern und Kindern allzumal; Halt sie verbunden in der Zeit, Verbunden in der Ewigkeit! Knapp, g. 1798. 410 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. Mel. Wie selig bin ich.( 1 Joh. 4, 19. 1 Cor. 6, 20.) 510. Daß ich in deiner Chri-| 5. Ich kenne diese Welt noch nicht, Die Sünde drohet mir, Du aber ziehst mich durch dein Licht Zur Wahrheit und zu dir. 6. Wie dank ich dir, Allliebender, Für diese Vatertreu! Gib, daß dir immer inniger Mein Herz ergeben sey. 7. Auch ich bin dir zum Eigenthum Durch deinen Sohn erkauft, Auch ich bin zum Dienst und Ruhm Aufsein Gebot getauft. 8. Dir will ich denn( o stärke mich!) Mein ganzes Leben weihn; So freut mein Herz sich inniglich Des Glücks, ein Christ zu seyn. Roppe, g. 1751 † 1791. stenheit, Mein Gott, geboren bin, Dir durch die Taufe bin geweiht, Wie sehr ist mirs Gewinn! 2. Nun ward ich in der Kindheit schon mit dir und dem bekannt, Den du von deiner Himmel Thron Zum Heil der Welt gesandt. 3. Ich lernte früh bereits verstehn, Was dein allweiser Rath Auch mir zum ewgen Wohlergehn Voll Huld geordnet hat. 4. Erleuchtet durch dein heilig Wort Seh ich die sichre Bahn, Darauf wir uns so hier als dort Dem wahren Leben nahn. Mel. Sollt es gleich.( 2 Tim. 2, 22.) seyn, Gerne lieben dich allein. 511. Laß, o Jesu, meine| treten, Gerne dir gehorsam Jugend Nur der Weisheit und der Tugend, Und mein Leben ganz allein Deinem Dienst ergeben seyn. 4. Gern will ich auch fleißig lernen; Gern mich überall entfernen, Wo zu einem bösen Spiel Leichtsinn mich verführen will. 2. Du wollst deinen Geist mir geben, Der mich fromm und heilig leben Und zum Vater beten lehrt, Wenn er meinen Glauben mehrt. 5. Soll ich einst auch etwas leiden, Einst aus diesem Leben scheiden, Jesu, so gedenke mein Und nimm in dein Reich mich ein! Pfeffel, g. 1736 † 1809. 3. Da kann ich auch mit Gebeten Gern vor dich, o Jesu, Mel. Wie felig bin ich.( Ps. 119, 9.) 512. Du kanntest schon und| lieben dich, Ist, Vater, mein liebtest mich, Eh deine Hand Beruf. mich schuf. Zu kennen und zu 2. Dein sey der Jugend Blü A. Hausstand.( Für Kinder.) 411 the, dein Die ganze Lebenszeit;| 8. Nichts ist mein bester VorUnd mein sey deine Gnade, mein noch in der Ewigkeit! saß, nichts, Herr, ohne deine Kraft! Nichts gilt am Tage des Gerichts, Was deine Hand nicht schafft. 3. Mit Weisheit, ach ich bitte dich, Erfülle den Verstand; Und naht mir ein Verführer fich, So beut mir deine Hand. 4. Der Jugendlüfte Eitelkeit Laß ferne von mir seyn, Der Tugend und der Sittsamkeit Und deiner Furcht mich weihn. 5. Ist mir von deiner Gütigkeit Ein Vorzug, Gott, verliehn, So laß mich Selbstgefälligkeit Als eine Thorheit fliehn. 6. Will meiner Jahre wallend Blut Mich eiligst hintergehn, So gib mir Weisheit, gib mir Muth, O Gott, zu widerstehn. 7. Die Lust, die unsern Sinn entzückt, Beflecket oft das Herz, Und Sünde, die das Herz berückt, Wirkt Reue, Schand und Schmerz. 9. Zum Lernen gib mir Treu und Fleiß, Laß Mühe nie mich scheun; So werd ich dir, o Herr, zum Preis, Der Welt einst nützlich seyn. 10. Du gabst mir Eltern, Lehrer mir; Ihr treuer Unterricht, Ihr lehrend Beispiel kommt von dir, Von dir, du höchstes Licht. 11. Hab ich sie nicht genug geliebt, Wie mir dein Wort gebeut, Und sie aus Leichtsinn oft betrübt: Vergibs! es ist mir leid. 12. Du sollst, Gott meiner Jugend, noch Mein Gott im Alter seyn; Und so will ich auch sterbend noch Dich preisen, dein mich freun. 513. Jesu! als du wiederkehrtest Aus dem Heiligthum des Herrn, Wo du seinen Willen hörtest, Bliebst du bei den Eltern gern, Warest willig, ihren Willen Treu und kindlich zu erfüllen, Und voll Demuth für und für; Gottes Gnade war mit dir. Dürr, g. 1743. Mel. Gott der Wahrheit und der Liebe.( Luc. 2, 51. 52.) 2. Sieh, jetzt ziehet deine Heerde Aus der Schule fröhlich aus; Daß fie fromm und tüchtig werde, Lehrst du sie in diesem Haus. Hilf daheim und bei den Spielen, Einsam oder unter vielen, Uns gedenken unsrer Pflicht; Kinderfreund, verlaß uns nicht! Dr. Babnmaier, g. 1774 † 1841. 412 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. Berufslieder. Mel. Du deß sich alle Himmel freu'n.( Ps. 90, 17.) 514. Das walte Gott, der| verzagt! Ist doch mein Werk helfen kann! Mit Gott fang ich die Arbeit an, MitGott nur geht es glücklich fort; Drum ist auch dieß mein erstes Wort: Das walte Gott! mit Gott gewagt: Er wird mir gnädig stehen bei; Drum dieß auch meine Lösung sey: Das walte Gott! 2. All mein Beginnen, Thun und Werk Erfordert Gottes Kraft und Stärk, Mein Herz sucht Gottes Angesicht, Drum auch mein Mund mit Freuden spricht: Das walte Gott! 3. So Gott nicht hilft, so kann ich nichts, Wo Gott nicht gibet, da gebrichts; Gott gibt und thut mir alles Guts, Drum sprech ich nun auch guten Muths: Das walte Gott! 4. Will Gott mir etwas geben hier, So will ich dankbar seyn dafür; Auf sein Wort werf ich aus mein Neg* Und sag in meiner Arbeit stets: Das walte Gott! *( Luc. 5, 4-10.) 5. Anfang und Mitte sammt dem End Stell ich allein in Gottes Händ'; Er gebe was mir nüßlich ist, Drum sprech ich auch zu jeder Frist: Das walte Gott! 6. Legt Gott mir seinen Segen bei Nach seiner großen Güt' und Treu, So gnüget mir zu jeder Stund; Drum sprech ich auch von Herzensgrund: Das walte Gott! 7. Trifft mich ein Unglück: un8. Er kann mich segnen früh und spat, Bis all mein Thun ein Ende hat; Er gibt und nimmt, machts wie er will; Drum sprech ich auch fein in der Still: Das walte Gott! 9. Gott steht mir bei in aller Noth Und gibt mir auch mein täglich Brod; Nach seinem alten Vaterbrauch Thut er mir Guts; drum sprech ich auch: Das walte Gott! 10. Nichts glücket ohne Gottes Gunst; Nichts hilft Verstand, Wiß oder Kunst; Mit Gott gehts fort, geräth auch wohl, Daß ich kann sagen glaubensvoll: Das walte Gott! 11. Theilt Gott was mit aus Gütigkeit, So acht ich keiner Feinde Neid; Laß hassen, wers nicht lassen kann, Ich stimme doch mit Freuden an: Das walte Gott! 12. Thu ich denn was mit Gottes Rath, Der mir beisteher früh und spat, Dann alles wohl gerathen muß: Drum sprech ich nochmals zum Beschluß: Das walte Gott! Johann Betichius, vielleicht um 1700. A. Hausstand.( Berufslieder.) Mel. Du, Gott, bist über.( Luc. 16, 10. Pf. 90, 17.) 515. Zur Arbeit winkt mir| Schuldner blieb', Was wäre mein Beruf; Du, dessen Güte mein Gewinn? mir Die Kräft' in Seel und Gliedern schuf, Ich fange an mit dir! 2. O stärke mich zu muntrem Fleiß, Gib Lust und Kraft dazu! Zum Nußen mir, und dir zum Preie Gedeihe, was ich thu. 3. Herr! ohne dich ist kein Gedeihn, Vergeblich Müh und Schweiß; Laß deinen Segen mit mir seyn, Dann bringet Frucht mein Fleiß. 4. Gefahr für Leib und Seele droht Der träge Müßiggang; Zur Arbeit rief uns dein Gebot Aus Gnade, nicht aus Zwang. 5. Auch reiße mich kein falscher Trieb Zur Negsamkeit dahin! Wenn ich vor dir ein 413 6. O daß, vom Joch der Trägheit frei, Mein Fleiß auch andern gern Zum Nußen, nie zum Schaden sey! Wir dienen Einem Herrn. 7. Kein Naum sey schnöder Weichlichkeit In meinem Thun vergönnt, Dem Sinn, der Müh und Lasten scheut Und nur nach Freuden rennt. 8. Nie will ich wie der faule Knecht Vergraben, Herr, mein Pfund; Dem Faulen wird mit vollem Recht Die Zornesrnthe kund. 9. MeinFleiß sey auch im Kleinen treu, Mein Werk in Gott gethan, Daß dermaleins ich fähig sey, Auch größres zu empfahn! Garve, g. 1763 † 1841. Mel. O Gott du frommer.( Ps. 123, 2. Col. 3, 17.) 516. Komm, Segen aus der| sten werd bei Von deinem Kinde haft. Aus eigner Schuld Höh, Gib, Herr, mir Lieb und zur Last; Auf daß du Ruhm daStärke, Daß ich nur wachsam geh An jedes meiner Werke! Arbeitsam seyn ist süß; Nur hilf auch du dabei, Daß Martha dieser Leib, Der Geist Maria sey. ( Luc. 10: 38 c.) 2. Laß alles freundlich seyn, Voll Demuth, was ich sage, Eszen ist sey groß oder klein; Und daß ich erfüllt! lieber trage, Als meinem Näch3. Wo meine Füße gehn, Was meine Händ' arbeiten, Da will ich auf dich sehn, Als stündst du mir zur Seiten. De in Geist regiere mich, Bis alles, was du willt, In meinem Herund durch mein Thun Gräfin Benigna von Reus. 414 XIX. Besondere Verhältnisse und Zetten. Für Dienstboten. Mel. Nun ruhen alle..( Eph. 6, 5-8.) 517. Gott! deinen weisen| Mit Vorsatz nie betrüben, Nie träg und müßig seyn; Ich will sie nicht belügen, Necht thun und nie betrügen Und mich vor deinem Auge scheun. 6. In meinem Dienst auf Erden Stets tüchtiger zu werden, Sey Freude mir und Pflicht. Ich bin ja, wo ich wandle, Bei allem, was ich handle, O Herr, vor deinem Angesicht. 7. Du bist stets der Gerechte, Der Herr der Herrn und Knechte Und beider Trost und Heil; Der Niedrigste auf Erden Kann groß im Himmel werden, Hat Neichen gleich, Gott, an dir Theil. 8. Laß mich dieß recht ermessen; Nie meine Pflicht verges sen, Und meines Rufs mich freun; So wirst du, Herr der Welten, Es reichlich mir vergelten, und ich werd ewig glücklich seyn. Lavater, g. 1741 † 1801. Willen Soll jeder hier erfüllen; Laß ihn mir heilig seyn. Du hast auch mich auf Erden Zum Menschen lassen werden; Dir will ich meine Kräfte weihn. 2. Ich soll hier andern dienen, Und dien' ich treulich ihnen, So folg ich dir, mein Gott. Laß meiner Herrschaft Willen Mich gern und treu erfüllen, Als deinen Willen, dein Gebot. 3. Lehr ohne bittre Klagen Des Lebens Last mich tragen Und immer auf dich sehn. Im Neden und im Schweigen Will ich als Christ mich zeigen Und auf dem Pfad der Tugend gehn. 4. Die Herrschaft will ich ehren und ihren Nußen mehren, Sie, wo ich kann, erfreun; Nie dein Gebot verletzen, Mich ihr nicht widersezzen Und jeden Fehler gleich bereun. 5. Ich will sie redlich lieben, Dank für die Gesundheit. Mel. Einen guten Kampf hab' ich.( Gir. 30. 14-17. Pf. 103, 1-4.) 518. Wer wohl auf ist und| gesund, Hebe sein Gemüthe Und erhebe seinen Mund Zu des Höchsten Güte. Laßt uns danken Tag und Nacht Mit gesunden Liedern Unfrem Gott, der uns bedacht Mit gefunden Gliedern. 2. Ein gesundes, frisches Blut Hat ein fröhlich Leben; Gibt uns Gott dieß eine Gut, Ist uns gung gegeben Hier A. Hausstand.( Dank für Gesundheit.) 415 in dieser armen Welt, Da die| Kommt die Nacht und süße schönsten Gaben Und das güld- Ruh, Die zum Schlafe führet, ne Himmelszelt Wir noch künf- Schlaf und ruh ich unbewegt, tig haben. Bis die Sonne wieder Mit den hellen Strahlen regt Meine Augenlieder. 3. Hätt ich aller Ehren Pracht, Säß im höchsten Stande, wär ich mächtig aller Macht Und ein Herr im Lande, Reich an allem, was ergößt: Wozu würd es nüßen, Wenn ich doch unausgesetzt Müßt in Schmerzen sizen? 7. Habe Dank, du milde Hand, Die du von dem Throne Deines Himmels mir gesandt Diese schöne Krone Deiner Gnade, die noch grünt, Die ich all mein Tage Niemals hab um dich verdient, Und doch freudig trage! 8. Gib, so lang ich in mir hab Ein lebendig Hauchen, Daß ich solche theure Gab Auch wohl möge brauchen. Hilf, daß mein gesunder Mund Und die frohen Sinnen Dir, mein Gott, zu jeder Stund Alles liebs beginnen. 9. Halte mich bei Stärk und Kraft, Wenn ich nun alt werde, Bis mein Stündlein hin mich rafft In das Grab der Erde. Gib mir eine Lebenszeit Ohne fondres Leiden Und dort in der Ewigkeit Die vollkommnen Freuden! Gerhard, g. 1606 † 1676. 4. Aber nun gebricht mir nichts Auch im Mißgeschicke; Ich erfreue mich des Lichts Und der Sonnenblicke; Mein Gesicht sieht überall, Mein Gehör, das höret, Wie der Vögel süßer Schall Ihren Schöpfer ehret. 5. Händ' und Füße, Herz und Geist Sind bei guten Kräften; Mein Vermögen sich erweist Freudig in Geschäften, Die mein Herrscher mir bestellt In der Welt zu treiben, Alsolang es ihm gefällt, Daß ich hier soll bleiben. 6. Ist es Tag, so sinn' und thu Ich, was mir gebühret; Dank für die Genesung. Mel. Wie groß ist.( Hefef. 33, 11. Luc. 5, 14.) 519. So wahr der Aller=| spricht. Er züchtigt uns zu feihöchste lebet, Will er den Tod des Sünders nicht, Deß Herz zerfuirscht vor ihm erbebet Und sich sein eigen Urtheil Leben tüchtig sey. ner Ehre Und unsrem Heil mit Vatertren Nur, daß man sich zu ihm bekehre, Zum bessern 416 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. 2. Liebreicher Gott! ich selber 5. O welcher Seligkeiten sehe Dein wahres Wort an mir erfüllt; Wenn ich mit Reu um Gnade flehe, Wird meiner Seelen Angst gestillt. Da meine Werke nichts verdienen, Bleibt deiner Gnade ganz der Preis; Die ist so herrlich mir erschienen, Daß ich es nicht zu zählen weiß. 3. Ich sah die Welt und alles schwinden, Und meine Kräfte starben schon; Ich fühlte tief die Macht der Sünden Und sah schon deinen Richterthron: Da rührte dich mein ängstlich Sehnen, Mein Jammer brach dein Vaterherz; Es galten für mich Jesu Thränen, Und mich erbat sein Blut und Schmerz. 4. Bald kam dein großer Trost hernieder, Der führte mich vom Tod herauf Und stärkte mich vollkommen wieder zu einem neuen Lebenslauf. Du sprachest freundlich mit mir Müden, Und ich vernahm dein Gnadenwort: ,, Nun gehe hin, mein Kind, im Frieden, Doch fündige nicht mehr hinfort!" Menge Erweckte dieses Heil in mir! Mein Herz ward für den Dank zu enge Und brannt und wallte nur von dir. Wie, Herr, vergelt ich dir die Tage, Die deine Huld mir nun gewährt, Und wo sich meine Pein und Plage In Ruhe, Kraft und Ruhm verkehrt? be, Brunn, den lauter Gnade füllt, Der mit ungehemmtem Triebe Ueberfluß und Segen 6. Ich weihe, was ich von dir habe, Mein Herz, dir ganz zum Opfer ein; Es wird ja, Schöpfer, deine Gabe In deinen Augen theuer seyn. Nun weiß ich, was es heiße: leben, Da ich, was sterben sey, erfuhr; Nun wird mir stets im Sinne schweben, Was ich dir in der Prüfung schwur. 7. Es ist genug, daß ich vor Zeiten Nach meines Fleisches Lüften gieng Und an den flüchtgen Eitelkeiten Mehr als an dir, o Vater, hieng. Ich bin ja darum nur genesen, Daß ich die Seele bessern kann; Drum fang ich, Herr, ein ander Wesen Mit deiner Gnade Bei stand an! Lüneburger Gesangbuch. Geburtstag. Mel. Jesu, du mein liebstes.( Ps. 116, 12. Job. 16, 27.) 520. Unveränderliche Lie-| quillt! Sieh, mein dankbares Gemüthe Schwingt durch deinen Gnadenzug Sich mit einem schnellen Flug In den Reich A. Hausstand. ( Geburtstag.) 417 thum deiner Güte. Liebe, wie| hört; In dem ganzen Lebensvergelt ich dir, Was du Guts gethan an mir? laufe Hast du mir viel Guts beschert: Deine Hand war, statt mit Blißen, Stets mit Segen angefüllt, Unter deiner Langmuth Schild Konnt ich frei und sicher sizen. Liebe, wie vergelt ich dir, Was du Guts gethan an mir? 6. Alle deine trenen Sorgen Zielten auf mein Wohlergehn; Daher hab ich jeden Morgen Deine Güte neu gesehn. Ströme der Begnadigungen Sind von meiner Kindheit auf Mit unausgesetztem Lauf In mein Innerstes gedrungen. Liebe, wie vergelt ich dir, Was du Guts gethan an mir? 7. O wie ist mein kurzes Leben Deiner Wunder doch so voll! Könnt ich doch sie recht erheben, Wie du willst, und wie ich soll! Doch mein Auge wird geblendet Durch dein überschwenglich Licht; Meine Zunge zählet nicht, Was du mir haft zugewendet. Liebe, wie vergelt ich dir, Was du Guts gethan an mir? 2. Dieser Tag, der mir die Pforten Dieses Lebens aufgethan, Treibet mich, mit holden Worten, Liebe, dich zu loben, an. Er erscheinet als ein Zenge, Der mir zu Gemüthe führt, Was mein Herz empfindlich rührt Und erlaubt nicht, daß ich schweige. Liebe, wie vergelt ich dir, Was du Guts gethan an mir? 3. Du hast mich mit deinen Händen, Liebe, aus der langen Nacht, Die sich heute müssen enden, An das Licht hervorgebracht. Wo viel tausend Schiffbruch leiden, Landete ich glücklich an; Liebe, das hast du gethan, Dafür dank ich dir mit Freuden! Liebe, wie vergelt ich dir, Was du Guts getho an mir? 4. Du bist mir entgegenkommen, Als ich noch am Ufer stund; Hast mich liebreich aufgenommen In den theuren Gnadenbund; Hast mich für dein Kind erkläret Und mir deinen guten Geist, Der ein Pfand der Erbschaft heißt, Eh ich dich noch bat, gewähret. Liebe, wie vergelt ich dir, Was du Guts gethan an mir? 5. Du hast auch seit meiner Taufe Nicht zu lieben aufgeEvangelisches Gesangbuch. 8. Weil du denn so viel zu gute, Ewge Liebe, mir gethan, Auch alsdann, wenn deine Ruthe Mich trieb von der breiten Bahn: O so sey mein ganzes Leben, Das ich führ in diefer Welt, Dir zum Opfer dargestellt Und zu deinem Dienst 27 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. ergeben! Liebe, wie vergelt ich| ferner bin; Ich entsage Welt dir, Was du Guts gethan an mir? und Sünden, Ja der allerliebsten Lust, Laß an deiner Vaterbrust Mich die wahre Nuhe finden. Liebe, nimmdießOpfer an, Weil ich sonst nichts geben kann! Rambach, g. 1693 † 1735. 418 9. Nimm zu deinem Eigenthume Leib und Seel und alles hin: Fortan leb ich dir zum Ruhme, Weil ich mein nicht Für das Alter. Mel. Christus, der ist.( Pf. 71, 9.) 521. Verwirf mich nicht im Alter, Verlaß mich nicht, mein Gott! Bist du nur mein Erhalter, So werd ich nie zu Spott. 2. Wie oft hab ich erfahren, Der Vater sey getreu; Ach mach in alten Jahren Mir dieses täglich neu! 3. Wenn ich Berufsgeschäfte Von außen schwächlich thu, Leg deines Geistes Kräfte Dem innern Menschen zu. 4. Wenn dem Verstand und Augen Die Schärfe nun gebricht, Daß sie nicht viel mehr taugen, Sey Jesus noch mein Licht. 5. Will mein Gehör verfallen, So laß dieß Wort allein Mir in dem Herzen schallen:„ Ich will dir gnädig seyn!" 6. Wenn mich die Glieder schmerzen, So bleibe du mein Theil Und mach mich an dem Herzen Durch Christi Wunden heil. 7. Sind Stimm und Zunge blöde, So schaffe du, daß ich Im Glauben stärker rede:„ Mein Heiland, sprich für mich!" 8. Wenn Händ' und Füße beben, Als zu dem Grabe reif, Gib, daß ich nur das Leben, Das ewig ist, ergreif'. Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Mel. Nun ruhen alle.( Jef. 46, 4.) 522. Du, Herr von mei-| Durch dunkle Nächte bricht, nen Tagen, Hast mich mit Huld getragen von meiner Jugend auf; Auf allen meinen Wegen Umgab mich, Gott, dein Segen, Auch selbst im schwersten Leidenslauf. 2. Oft hatt ich große Sorgen; Doch, wie ein heitrer Morgen So hab ichs auch erfahren: Du weißt uns zu bewahren Und führst durch Finsterniß zum Licht. 3. War Menschenrath vergebens, So warst du, Herr des Lebens, Mein Licht auf dunkler Bahn. Dich ließ ich thun und A. Hausstand( Für das Alter.) 419 rathen ,, Denn du thust große| Du stehst mir Schwachen mächThaten Und nimmst dich uns- tig bei. rer huldreich an. 4. Bis zu des Alters Tagen Will ich dich heben, tragen Und dein Erretter seyn." Dieß hast du mir versprochen Und nie dein Wort gebrochen; Deß will ich mich auch immer freun. 6. Nach wenig bangen Stunden Hab ich ganz überwunden; Ich bin dem Ziele nah, Dem Ziele aller Leiden; O welche hohe Freuden Erwartet meine Seele da! 5. Du wirst in meinem Alter Mein Stab seyn, mein Erhalter, Nach deiner Vatertreu. Bin ich gleich schwach und müde: Bei dir ist Trost und Friede, 7. Ich harre froh und stille, Bis, Herr mein Gott, dein Wille Mich nach dem Kampfe krönt. An meiner Laufbahn Ende Sink ich in Jesu Hände; Denn er hat mich mit dir verföhnt. Feddersen, g. 1736 † 1788. Eigene Mel.( Sir. 18, 22. 2 Petri 3, 9.) 523. Mein Alter tritt mit| Wirst vor den strengen RichterMacht herein: Der Augen Licht verliert den Schein, DasHaupt bückt sich hinab zum Grabe, Das Haar wird weiß, die Füße schwer; Erwäg ich dann, wie ich bisher, Gerechter Gott, gelebet habe, So werd ich angst- und schreckenvoll Und weiß nicht, wo ich bleiben soll. thron Des großen Gottes kommen müssen, Der dir all deine Werk und Wort, Ja auch des Herzens tiefsten Ort Wird richtig aufzudecken wissen. Haft du auf den nicht hier gesehn, Wie wirst du dort vor ihm bestehn?" 2. Der Tod ruft selbst mir öfters zu: Wohin, verwegner Sünder, du? Wann wirst du andern Sinnes werden? Wie lang gehst du dem Eitlen nach, Dem Traum, der Schmink', dem Ungemach, Dem Schatten dieser falschen Erden? Merkst du nicht, daß den Flüssen gleich 4. Dieß, großer Gott, ach alles dieß Hält mein Herz mehr als für gewiß Und wünschet sehnlich, daß mein Leben Dir recht zu Dienst und Willen sey; Sieh aber, wie ich mich dabei Umsonst bemühe zu erheben: Der schwere Weltfinn hält mich an, Daß ich nicht aufwärts kommen kann. Die Jahrszeit unvermerkt hin-| 5. Ach liebster Jesu, einger schleich'?" Hort, Hilf du mit deiner Hilf 3. Bedenke, daß du jezzo schon mir fort Und biete mir die Hand 420 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. der Gnaden. Du hast zuvor| gefangen; Und setze sie rein, durch deinen Tod Mich meiner froh und frei Dem Chor der schweren Todesnoth Und des heilgen Engel bei. zukünftgen Fluchs entladen; 7. Da werd ich dir, mein Heil, Gib, o mein Leben, nimmer- hiefür Und, großer Himmelsmehr, Daß ich mir selbst mein Heil zerstör'! 6. Laß von der Welt Betrug und Schein Mich gänzlich abgewendet seyn Und dir, mein Heiland, fest anhangen; Entbind mich bald der großen Last, Womit der Leib die Seel umfaßt Und wie im Kerker hält vater, dir Nebst deinem heilgen Geist lobsagen. O du, der deinen Schuß und Port, O Jesu, nimm in Acht mein Wort Und laß mich so in dir betagen! Mein Morgen war der Welt gemein, Der Abend soll dein eigen seyn! Otto von Schwerin, 9. 1616 † 1679. Für Wittwen. Mel. Nun ruhen alle.( Pf. 68, 6. 146, 9.) 524. Auf Gott nur will ich| merken sehen, Er hört der Wittwen Flehen, Sieht ihre Thränen an; In jedem Schmerz und Leide Ist Gott mir Trost und Freude, Mein Fels, den ich umfassen kann. 2. Wie viel', die in der Kammer Dir klagten ihren Jammer, O Gott, erhörtest du! Dein väterlicher Segen Hielt sie: auf ihren Wegen War Friede, Sicherheit und Ruh. Und auf mein Flehn Bei Tag und Nacht Will, Herr, vor Und seufzen still dein Ohr. mit Flehen dir ich stehen zu dir empor. 5. Ich will mein Joch nun tragen; Dir, Vater, darf ich sagen, Was je mein Herz bedrückt: Bist du nicht in der Nähe, Du, den ich zwar nicht sehe, Und den mein Glaube doch erblickt? 6. Ja bis zum letzten Schritte, Ja wenn ich mehr noch bitte, Seh ich mit Lust auf dich. Dir, Heiland, zu gefallen, Unsträflich hier zu wallen, Sey mein Bestreben; stärke mich! 7. Mit Ernst und frohen Muthes Will ich nach Kräften 3. Wo seit viel tausend Jahren Betrübte Wittwen waren, Die hast du treu gepflegt, Wenn sie dich nicht verließen Und gläubig dir zu Füßen Des Kummers schwere Last gelegt. 4. In dir will ich mich stärken: Dein Aug wird auf mich| Gutes Vor deinen Augen thun; B. Fürst und Vaterland. Will mich der Welt entziehen,| umschließen Im thränenfreien Lärm, Tand und Thorheit Vaterland. fliehen Und nur in deinem Schoose ruhn. 8. Dann eilen meine Tage Mit jeder Noth und Plage Leicht, wie ein Traum, dahin; Dann leg ich froh die Glieder Aufs Sterbebette nieder, Wenn ich zum Himmel reifer bin. 9. Dann find ich, den ich liebte, Deß Tod mich einst betrübte, In meines Schöpfers Hand! Wo Freudenquellen fließen, Werd ich ihn dann 421 3. Du wollest deinen Geist Auf seine Stirne legen, Der 10. Fort auf dem heißen Pfade! Mich kühlt des Vaters Gnade; Erträget meine Noth. Nicht ewig werd ich weinen; Ich komme zu den meinen, Bald seh ich sie bei meinem Gott. 11. Kommt her, ihr meine Waisen, Den Herrn mit mir zu preisen, Der uns erhalten kann! Dir, Gott, will ich sie bilden; Schau, Herr, mit deiner milden Erbarmung deine Schafe an! Lavater, g. 1741 † 1801. B. Fürst und Vaterland. Mel. Nun danfet alle Gott.( Pf. 20,7.) 525. Preis, Ehr und Lob| klar ihn unterweist, Des hohen sey dir, In dessen Schirm und Schatten Wir bis zur Stund allhier Viel Heil zu schmecken hatten, Der auch zu jeder Frist Allmächtig nah und fern Ein Herr und König ist Des Königs, unsers Herrn! Amts zu pflegen. Du wollst Gerechtigkeit Und milder Gnade Lust Ihm stellen an die Seit', Ihm pflanzen in die Brust. 2. Du hast ihm Lebenslang Den Odem treu bewahret Und auf manch strengem Gang Dich huldvoll offenbaret. Du hast in seiner Hand Das Scepter stark gemacht und unser Vaterland Mit reichem Gut bedacht. 4. Du wollest allezeit In deinem Gleis ihn lenken Und Zucht und Frömmigkeit In ihm dem Lande schenken; Auf daß er Vorbild sey Von jeder Tugendart Und Hilf und Schuß verleih, Wo man den Glauben wahrt. 5. Du wollest seine Tren Vergelten durch die Treue, Wo= mit ihn täglich nen Ein gutes Volk erfreue; Daß dein Ge 422 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. bot im Bund Von ihm und gib zum Wohlergehn Ihm deiner Gaben beste! Gib, daß ers nie vergißt Noch wir, wie du so gern Ein Herr und König bist Des Königs, unsers Herrn! Grüneifen, g. 1802. uns gescheh, Und seines Thrones Grund in unsern Herzen steh. 6. O segne, was wir flehn An seinem Jahresfeste, Und Mel. Du, Gott, biß über.( Sprüche 20, 28.) 526. In deiner Stärke freue sich Der König allezeit; Sein Auge seh, o Gott, auf dich, Sein Herz sey dir geweiht. 2. Begnadigt, Herr, mit deiner Kraft Und deines Geistes voll, Gedenk er stets der Rechenschaft, Die er dir geben soll. 3. Der über Christen, Gott, von dir Zum Herrn verordnet ist, Sey deiner Kirche Schutz und Zier, Ein ächter Mensch und Christ. 4. Groß und voll Müh ist seine Pflicht, Und er ein Mensch wie wir; Ach, er bedarf vor andern Licht Und Nath und Kraft von dir! 5. Sey du sein Licht, sein Hort, sein Schild! Laß ihn dir ähnlich seyn: Laß menschenfreundlich ihn und mild Sein Volk wie du erfreun. 6. Er zeig auf seinem Throne sich Als deinen treusten Sohn: Dem Lafter sey er fürchterlich, Der Tugend Schutz und Lohn. 7. Er hasse den Gewissenszwang Als schnöde Tyrannei, Und fördre nicht durch Straf und Drang. Der Bürger Henchelei. 8. Beglückter Bürger Llebe sey Sein edelster Gewinn, Und kein gerechter Senfzer schrei Gen Himmel wider ihn. 9. Er fördre freudig deinen Ruhm Und denke stets daran: Auch sein Land sey dein Eigenthum, Und er dein Unterthan. 10. Verloren dünk ihm Kraft und Zeit, Wenn er nicht Menschen nüßt, Nicht täglich wohlthut und erfrent Und Fleiß und Künste schützt. 11. Um seinen Thron sey immerdar Recht und Gerechtigkeit. Beschüß ihn mächtig in Gefahr, Wenn Feindesmacht ihm dräut! 12. Auch ihm hast du bestimmt das Ziel, Das er erreichen soll; Herr! mache seiner Tage viel, Und jeden segensvoll. 13. Sein werd in jedem Flehn zu dir Mit Lieb und Dank gedacht; Erhör uns, Gott; dann jauchzen wir Und preisen deine Macht! Cramer, g. 1723 † 1788. B. Fürst und Vaterland.( Obrigkeiten.) Obrigkeiten. Mel. Aus Gnaden soll ich.( Rom. 13, 1.) 527. Gott, Herrscher über| 3. Daß wir dein Wort in alle Thronen! Das ist ein wei- Frieden hören, Wobei man ser Rath von dir: Den Men- Tauf und Nachtmahl hat; Daß schen, die auf Erden wohnen, man uns nicht die Schrift darf Segst du die Obrigkeiten für, wehren, Noch auch ein Grabzur So daß man nun an deiner Ruhestatt: Das schaffst du, Gott, Statt Auch Sterbliche zu Rich- der an uns denkt Und Christen tern hat. zu Regenten schenkt. 2. Daß ich mein Brod darf ruhig essen Und wandeln mag auf sichrer Bahn; Daß mich das Mordschwert nicht darf fressen, Der Räuber nicht entkleiden kann, Der Lästrer mir vergeblich dräut: Das schaffst du durch die Obrigkeit. 4. Gott! dir sey Dank für solche Güte, Du schüßst durch deine Dienerin; Die ganze Welt ist dein Gebiete, Da stellst du Richterstühle hin. Es lobe dich, dich bete an, Was König heißt und Unterthan. Nach Vh. Fr. Hiller. 423 Bitte um Frieden. Mel. Herr Jesu Christ, du.( Ps. 85.) 528. Herr! der du vormals Wort Erschallen bald auf Erhaft dein Land Mit Gnaden angeblicket, Und wenn du Strafen ihm gefandt, Es wiederum erquicket; Der du die Sünd und Missethat, Die alles Volk begangen hat, Uns väterlich verziehen: den: Daß Friede sollt an jedem Ort, Wo Christen wohnen, werden! Ach daß uns doch Gott sagte zu Des Krieges Schluß, der Waffen Ruh Und alles Unglücks Ende! 4. Ach fehrte doch die böse Zeit Sich um zu guten Tagen, Damit wir in dem großen Leid Nicht möchten ganz verzagen! Doch ist ja Gottes Hilfe nah, und seine Gnade stehet da All denen, die ihn fürchten. 5. Wenn wir nur fromm sind, wird sich Gott Schon wieder zu uns wenden, Den Krieg und 2. Willst du, o Vater, uns denn nicht nun einmal wieder laben? Und sollen wir an deinem Licht nicht wieder Freunde haben? Ach geuß aus deines Himmels Haus, Herr, deine Güt' und Segen aus Auf uns und unsre Häuser! 3. Ach daß ich hören sollt das 424 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. Wird von dem Himmel schauen. alle andre Noth Nach Wunsch| Erden blühn, Gerechtigkeit und also enden, Daß seine Ehr in unfrem Land Und allenthalben werd erkannt, Ja stetig bei uns wohne. 6. Die Güt' und Treue werden schön Einander grüßen müssen; Das Recht wird durch die Lande gehn Und wird den Frieden küssen; Die Treue wird mit Lust und Freud Auf 7. Der Herr wird uns viel Gutes thun: Das Land wird Früchte geben, und die in seinem Schoose ruhn, Die werden davon leben; Gerechtigkeit wird wohl bestehn Und stets in vollem Schwange gehn, Zur Ehre seines Namens! Gerhard, g. 1606 † 1676. Dank für den Frieden. Mel. Nun danket alle Gott.( Pf. 46, 9-12.) 529. Herr Gott! dich loben| 4. Herr Gott! dich loben wir, wir Für deine großen Gnaden, Daß du das Vaterland Von Kriegeslaft entladen, Daß du uns blicken läßst Des goldnen Friedens Zier; Drum jauchzet alles Volk: Herr Gott! dich loben wir. Daß du uns zwar gestrafet, Jedoch in deinem Zorn nicht gar haft weggeraffet. Es hat die Vaterhand Uns deine Gnadenthür Jezt wieder aufgethan: Herr Gott! wir danken dir. 5. Herr Gott! wir danken dir, Daß du Land, Kirch und Häuser Und unsers Fürsten Stamm, Auch dessen grüne Reiser Bisher erhalten haft! Gib ferner Gnad allhier, Daß auch die Nachweltsing: Herr Gott! wir 2. Herr Gott! dich loben wir, Die wir in bangen Tagen Der Waffen schweres Joch Und frechen Grimm getragen; Jetzt rühmet unser Mund Mit herzlicher Begier: Gottlob wir sind in Ruh! Herr Gott! wir dan- danken dir. ken dir. 3. Herr Gott! dich loben wir, Daß du die Pfeil' und Wagen, Schild, Bogen, Spieß und Schwert Zerbrochen und zerschlagen; Der Strick ist nun entzwei, Darum so fingen wir Mit Herz, mit Zung und Mund: Herr Gott! wir danken dir. 6. Herr Gott! wir danken dir Und bitten, du wollst geben, Daß wir auch künftig stets In guter Ruhe leben. Krön uns mit deinem Gut, Erfülle für und für, O Vater, unsern Wunsch. Herr Gott! wir danken dir. Joh. Frand, g. 1618+ 1677. C. Jahreswechsel.( Jahresschluß.). C. Jahreswechsel. Jahresschluß. Mel. Seelenbräutigam.( Ps. 102, 24-29.) 530. Jeder Schritt der Zeit| 4. Hab ich, halt ich ihn, Wenn Wallt zur Ewigkeit. Tage, kaum erst angebrochen, Werden, eh mans denkt, zu Wochen; Wohl dem, der mit Fleiß Sie zu nüßen weiß! die Zeiten fliehn, Diesen Schatz vor allen Schäßen, Den nicht Raub noch Rost verlegen, Mehr als alles Gold, Das die Erde zollt? 2. Flüchtig durch die Zeit Schweben Freud und Leid; Wohin sind die Freudenstunden, Wohin Sorg und Schmerz entschwunden? Zielt nicht Freud und Schmerz Auf Gewinn fürs Herz? 3. Ob die Welt vergeht, Ein Gewinn besteht. Daß vor jedem Gut der Erde Dieser Schatz erworben werde, Dieß sucht Christenfleiß Als des Lebens Preis. 425 5. Schatz von ewgem Werth, Schaß von Gott geehrt, Ach zu oft durch Lust und Sorgen Vor des Menschen Blick verborgen, Sey du mein Gewinn! Sonst fahr alles hin! 6. Wohl mir, bist du mein! Weh mir, darb ich dein! Werd im heilgen Gottvereine Alle Tage mehr der meine, So eilt meine Zeit Froh zur Ewigkeit! Karl Bernh. Garve, g. 1763 † 1841. Mel. Von Gott will ich nicht laffen.( Pf. 126, 3.) len, Er, der den Deinen allen Ein Auferstehn wird seyn. 531. Anfang sonder Ende, Du großer Herr der Zeit, Wir preisen deiner Hände Regierung hocherfreut, Weil du uns noch ein Jahr Mit Segen läs3. Das Land ist voller Segen Und trieft von Del und Most, Man schmecket allerwegen Der sest schließen Und wir beken- Felder edle Kost. Ist da und nen müssen, Dein Thun sey wunderbar. 2. Die Kirch ist fest gegründet Durch Wort und Sakrament, Darin, stets nen entzündet, Dein Licht und Necht noch brennt. Dein Sohn, der ist der Stein, An dem die Feinde falsort ein Schwert Durch unsre Seele gangen, So hast du nach Verlangen Auch wieder Troft beschert. 4. Die Häuser sind voll Güte, Die alle Morgen neu; Woman sich treulich mühte, Da stund dein Sorgen bei. Die Kinder 426 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. wuchsen auf Und wurden stark| neuen wissen, Du seyft der am Geiste, Weil Gottes Kind alte Gott. sie weiste Auf seiner Jugend Lauf. 5. Die Herzen sind voll Gnaden, Obgleich wir Zorn verdient, Doch hast du allen Schaden Durch Christum ausgefühnt; Wenn wir bei Tag und Nacht Mit Seufzen und mit Beten Vor deinen Thron getreten, Hast du es gut gemacht. 6. Nun, Herr, dein ist die Ehre, Du heißest Wunderbar, Drum unser Flehen höre, Daß wir das alte Jahr, Befreit von aller Noth, Gnade schließen In deiner und in dem 7. Laß dir die Alten dienen, Wie Hanna, Simeon; Gib, daß die Jungen grünen, Wie dein und Davids Sohn. Nimmt eins an Jahren zu, Das soll sich auch nicht schämen, Im Guten zuzunehmen; Dieß alles wirke du! 2. Herr, der da ist und der da war! Von dankerfüllten Zungen Sey dir für das verfloßne Jahr Ein heilig Lied gesungen, Für Leben, Wohlfahrt, Trost und Rath, Für Fried und Ruh, für jede That, Die uns durch dich gelungen. 8. Und wenn wir das vollendet, Was uns dein Wort gesagt, Und unser Lauf sich endet Jung oder wohlbetagt, Dann führ uns zu der Schaar Der deinigen dort oben, Dann wollen wir dich loben Im ewgen Friedensjahr. Schmolt, g. 1672 † 1737. Neujahr. Mel. Mein's Herzens Jesu.( Ps. 28, 9.) 532. Gott ruft der Sonn| 3. Laß auch dieß Jahr geſegund schafft den Mond, Das Jahr danach zu theilen; Er schafft es, daß man sicher wohnt, Und heißt die Zeiten eilen; Er ordnet Jahre, Tag und Nacht; Auf, laßt uns ihm, dem Gott der Macht, Ruhm, Preis und Dank ertheilen! net seyn, Das du uns neu gegeben; Verleih uns Kraft, die Kraft ist dein, In deiner Furcht zu leben. Du schüßest uns und du vermehrst Der Menschen Glück, wenn sie zuerst Nach deinem Reiche streben. 4. Gib mir, wofern es dir gefällt, Des Lebens Ruh und Freuden; Doch schadet mir das Glück der Welt, So gib mir Kreuz und Leiden; Nur stärke mit Geduld mein Herz Und laß mich nicht in Noth und Schmerz Die Glücklichen beneiden. > C. Jahreswechsel.( Neujahr.) 427 5. Hilf deinem Volke väterlich| 6. Daß Weisheit und GerechIn diesem Jahre wieder; Er- tigkeit Auf seinem Stuhle throbarme der Verlaßnen dich Und ne, Daß Tugend und Zufrieder bedrängten Brüder. Gib denheit In unsrem Lande wohGlück zu jeder guten That ne; Daß Treu und Liebe bei Und laß dich, Gott, mit Heil uns sey, Dieß, lieber Vater, und Rath Auf unsern Fürsten dieß verleih In Christo, deinieder; nem Sohne! Mel. Nun laßt uns Gott, den Herren.( Klagel. 3, 22-24.) 533. Nun laßt uns gehn| Die alle Morgen neue! Lob sey und treten Mit Singen und mit Beten Zum Herrn, der unsrem Leben Bis hieher Kraft gegeben. den starken Händen, Die alles Herzleid wenden! 8. Laß ferner dich erbitten, O Vater, und bleib mitten In allem Kreuz und Leiden Ein Brunnquell unsrer Freuden! 9. Gib uns und allen denen, Die sich von Herzen sehnen Nach dir und deinen Hulden, Ein Herz, sich zu gedulden. 10. Schließ zu die Jammerpforten Und laß an allen Orten, Wo Menschen Blut vergießen, Die Friedensströme fließen. 11. Sprich deinen milden Segen zu allen unsern Wegen; Laß Großen und auch Kleinen Die Gnadensonne scheinen. 12. Sey der Verlaßnen Vater, Der Irrenden Berather, Der Unversorgten Gabe, Der Armen Gut und Habe. 2. Wir gehn dahin und wandern Von einem Jahr zum andern; Wir leben und gedeihen Vom alten bis zum neuen, 3. Durch so viel Angst und Plagen, Durch Zittern und durch Zagen, Durch Krieg und große Schrecken, Die alle Welt bedecken. Gellert, g. 1713 † 1769. 4. Denn wie von treuen Müttern In schweren Ungewittern Die Kindlein hier auf Erden Mit Fleiß bewahret werden: 5. Also auch und nicht minder Läßt Gott ihm seine Kinder, Wann Noth und Trübsal bligen, In seinem Schoose sigen. 6. Ach Hüter unsers Lebens, Fürwahr es ist vergebens Mit 13. Hilf gnädig allen Kranunfrem Thun und Machen, ken; Gib fröhliche Gedanken Wo nicht dein' Augen wachen! Den hochbetrübten Seelen, Die 7. Gelobt sey deine Treue, sich mit Schwermuth quälen. 428 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. 14. Und endlich, was das meiste: Füll uns mit deinem Geiste, Der uns hier herrlich ziere Und in den Himmel führe. 15. Dieß alles wollst du geben, O meines Lebens Leben! Dein Heil uns offenbare Zum felgen neuen Jahre! Gerhard, g. 1606 † 1676. Mel. Die Tugend wird; oder: Wie groß ist.( Pf. 143, 2. 1 Mof. 32, 10.) 534. Ach wiederum ein Jahr verschwunden! Ein Jahr, und kommt nicht mehr zurück! Ach, mehr als achtmal tausend Stunden Sind weg als wie ein Augenblick! Weg meine Tugenden und Sünden! Doch nein, der Richter aller Welt Läßt jegliche mich wieder finden, Wenn er vor seinen Thron mich stellt. Jahres, nein! Wie kann ichs dir und mir verhehlen? Ich bin nicht werth, noch hier zu seyn! zu oft ließ ich mein Herz erkals ten, Zu oft verlegt ich meine Pflicht! Ich darf vor dir nicht Rechnung halten; Ich zittre: geh nicht ins Gericht! 2. Gedanken, Worte, Thatenheere, Wie, dürft ihr Gottes Licht nicht scheun? Wenn ich dieß Jahr gestorben wäre, Wo würd jezt meine Seele seyn? Stünd ich verklärt bei Gottes Kindern? Wär ich von seiner Lieb entflammt? Wie, oder hätte mit den Sündern Der Allgerechte mich verdammt? 3. Den Gott, der liebt wie Väter lieben, Hat ihn mein Undank nie betrübt? Den Gott, der mir so treu geblieben, Hab ich ihn auch so treu geliebt? Lebtich für ihn nach seinem Willen, Stets als vor seinem Angesicht? Fromm öffentlich und fromm im Stillen, Treu dem Gewissen und der Pflicht? 4. Nein, Vater, sie sind nicht zu zählen, Die Sünden dieses 5. Nein, Vater, sie sind nicht zu zählen, Die Gnaden dieses Jahres, nein! Wie kann ichs dir und mir verhehlen? Ich bin nicht werth, mehr hier zu seyn! Wo fang ich an? Gott, welche Menge Vom ersten bis zum letzten Tag! Ich weiß, daß wenn ich Jahre fänge, Ich dir zu danken nicht vermag. 6. Ich flehe dich, ach üb' Erbarmen, Gedenke meiner Sünden nicht Und zeig dem Neuenden und Armen, Der Gnade sucht, dein Angesicht! Wie freudig will ich dann mein Leben Von nun an deinem Dienste weihn! Wie eifrig will ich mich bestreben, Durch deinen Geist ein Christ zu seyn! 7. Ich danke dir für alle Gnaden, Die du dieß Jahr der Welt erzeigt. Ach eile, Herr, die zu entladen, Die noch das Elend D. Jahreszeiten.( Frühling und Sommer.) 429 niederbengt! Ja aller, aller| Aufs neue deiner Huld empfehMenschen Seelen Will ich, len, Weil du doch aller Heimein Heiland, Jesus Christ, land bist! Lavater, g. 1741 † 1801. Mel. Jesus, meine Zuversicht.( Joh. 15, 4. 5.) mehren; Auch fürs neue Jahr uns beut Jesu Name Seligfeit. 535. Jesus soll die Lo-| Theil, Wird sich täglich bei uns sung seyn, Da ein neues Jahr erschienen; Jesu Name soll allein Denen zum Paniere dienen, Die in seinem Bunde stehn Und auf seinem Wege gehn. 2. Jesu Name, Jesu Wort Soll in den Gemeinden schallen; Und so oft wir nach dem Ort, Der nach ihm genannt ist, wallen, Mache seines Namens Ruhm Unser Herz zum Heiligthum. 4. Unsre Wege wollen wir Nun in Jesu Namen gehen; Geht uns dieser Leitstern für, So wird alles wohl bestehen, Und durch diesen Gnadenschein Alles voller Segen seyn. 5. Alle Sorgen, alles Leid Soll sein Name uns versüßen; So wird alle Bitterkeit Uns zu Ho3. Sein Verfühnen und seinnig werden müssen. Jesu Nam Heil Wollen wir im Glauben sey Sonn und Schild, Welcher ehren; Also wird es uns zu allen Kummer stillt. Schmolt, g. 1672 † 1737. D. Jahreszeiten. Frühling und 536. Der Frühling ist er schienen, Der Winter dünkt uns nur ein Traum! Nun liegt die Welt im Grünen, Und schneeweiß schimmertHeck und Baum; Hört, wie so froh die Lerche Ihr Lied erschallen läßt! Die Schwalben und die Störche Beziehn ihr altes Nest; Mit fröhlicher Geberde Geht nun der Mensch und streut Den Samen in die Erde, Der er auf Wucher leiht. ( Jat. 5, 7.) Sommer. Mel. Nun lob, mein Geel.( 1 Mof. 8, 22.) 2. Wer aber gibt aufs nene Dem Samenkörnlein das Gebot: ,, Keim auf, wachs und gedeihe Und werde Halm und Aehr und Brod!" Du sprichst den Segen leise, Allmächtiger, und sieh, Es wächst für Menschen Speise, Und Futter grünt fürs Vieh. Kein Zweifel soll uns kränken: Du wirst barmherzig seyn, Fruchtbaren Regen schenken Und milden Sonnenschein. 430 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. 3. Und wenn sich Wolken thür-| 4. Freut euch des Herrn, ihr men, Und Wetter drohn mit Gluth und Fluth, Wird deine Hand uns schirmen; Wir traun auf dich mit frohem Muth. Du hemmst des Sturmes Flügel, Du lenkst der Blizze Lauf Und stellst als Gnadensiegel Den Himmelsbogen auf; Er wölbt sich hoch und schimmert Am grauen Wolkenzelt; Und siehe, unzertrümmert Bleibt unser Haus und Feld. Frommen, Und heißt mit lautem Freudenruf Das junge Jahr willkommen Und preist ihn, der den Frühling schuf! Seht, wie im Blumenkleide Die Wiese lieblich prangt! Nur der fühlt wahre Freude, Der Gott von Herzen dankt. Auf! jeder pflüg und fäe Und singe froh dazu:„ Ehr sey Gott in der Höhe, Auf Erden Fried und Ruh!" Bürde, g. 1753 † 1831. Mel. Werde munter.( Joh. 12, 24 ic. Matth. 16. 26. Gal. 2, 20.) 537. Laß dich nicht den Frühling täuschen, Herz, der dich mit Lust umringt, Wo mit wonnigen Geräuschen Wald und Flur von Leben klingt! Diese Welt, fie muß vergehen; Früher noch der Lüfte Raub, Wirst als Asche du verwehen, Herz, wie flüchtger Blumenstaub. 2. Willst du bis zum Wesen dringen: Wende vom Erschaffnen dich! Willst du dich ins Leben schwingen: Einer zeigt als Führer sich, Der an solchem Frühlingsmorgen Hinter sich ließ die Natur Und, dem irdschen Blick verborgen, In der Himmel Himmel fuhr! ( Marc. 16, 19.) 3. Was die Jünger dort empfanden,* Als ihr Auge flog - empor, Fühl es, Herz, und aus den Banden Flüchte durch des Glaubens Thor! Mit der Ewigkeitsgedanken Bist du doch von Erde nur, Führt nicht Er alle aus den Schranken Ueber dich Kreatur.*( Luc. 24, 50-53.) 4. Was auf Erden Ihn umgeben, War Ihm Bild und Ahnung bloß, Und Er athmete sein Leben Stets nur in des Vaters Schoos. Sieh auch du im Glanz der Erde nur vom Himmel einen Traum! Gleichniß dir des Höchsten werde Haus und Heerde, Blum und Baum! 5. Deines innern Lebens Schwingen Wachsen aus dem Erdentod; Eh Er konnt- ins Leben dringen, Hat auch Ihm das Grab gedroht. Wenn aufs D. Jahreszeiten.( Frühling und Sommer.) Leben du verzichtet, Dann be- du dich als Staub vernichtet, ginnt dein Lebenslauf; Wenn Stehst du erst als Wesen auf! G. Schwab, g. 1792. 431 Eigene Mel.( Pf. 104.) ganz vom Lustgeschrei Der Schaf' und ihrer Hirten. 538. Geh aus, mein Herz,| gen hart dabei Und klingen und suche Freud In dieser lieben Sommerzeit An deines Gottes Gaben! Schau an der schönen Gärten Zier Und siehe, wie sie mir und dir Sich ausgeschmücket haben! 2. Die Bäume stehen voller Laub, Das Erdreich decket seinen Staub Mit einem grünen Kleide. Narzissen und die Tulipan, Die ziehen sich viel schöner an, Als Salomos Geschmeide. 3. Die Lerche schwingt sich in die Luft, Das Täublein fleugt aus seiner Kluft Und macht sich in die Wälder; Die hochbegabte Nachtigall Ergözt und füllt mit ihrem Schall Berg, Hügel, Thal und Felder. 4. Die Gluckhenn' führt ihr Völklein aus; Der Storch baut und bewohnt sein Haus; Das Schwälblein speist die Jungen; Der schnelle Hirsch, das leichte Reh Ist froh und kommt aus feiner Höh Ins tiefe Gras gesprungen. 5. Die Bächlein rauschen in dem Sand Und malen sich an ihrem Rand Mit schattenreichen Myrten; Die Wiesen lie6. Die unverdroßne Bienenschaar Fleugt hin und her, sucht hier und dar Sich edle Honigspeise; Des süßen Weinstocks starker Saft Bringttäglich neue Stärk und Kraft In seinem schwachen Reise. 7. Der Waizen wächset mit Darüber jauchzet Gewalt, jung und alt Und rühmt die große Güte Deß, der so überflüssig labt und mit so manchem Gut begabt Das menschliche Gemüthe. 8. Ich selber kann und mag nicht ruhn! Des großen Gottes großes Thun Erweckt mir alle Sinnen; Ich finge mit, wenn alles singt, und lasse, was dem Höchsten klingt, Aus meinem Herzen rinnen. 9. Ach, denk ich, bist du hier so schön Und läsfest uns so lieblich gehn Auf dieser armen Erden: Was will doch wohl nach dieser Welt, Dort in dem reichen Himmelszelt Und güldnen Schlosse werden? 10. Welch hohe Luft, welch heller Schein Wird wohl in Christi 432 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. Garten seyn! Wie wird es da| nen Geist Mit Segen, der vom wohl klingen, Wo so viel tau- Himmel fleußt, Daß ich dir send Seraphim Mit unverdroß- stetig blühe. Gib, daß der Somnem Mund und Stimm Ihr mer deiner Gnad In meiner Hallelujah fingen! Seele früh und spat Viel Glaubensfrucht erziehe. 11. O wär ich da! o stünd ich schon, Liebreicher Gott, vor deinem Thron Und trüge meine Palmen! So wollt ich nach der Engel Weif' Erhöhen deines Namens Preis Mit tausend schönen Psalmen. 14. Mach in mir deinem Geiste Raum, Daß ich dir werd ein guter Baum, Den deine Kräfte treiben. Verleihe, daß zu deinem Ruhm Ich deines Gartens schöne Blum Und Pflanze möge bleiben. 15. Erwähle mich zum Paradies Und laß mich, deines Heils gewiß, An Leib und Seele grünen: So will ich dir und deiner Ehr Allein und keinem andern mehr Hier und dort ewig dienen. Gerhard, g. 1606 † 1676. Gewitter. 12. Doch gleichwohl will ich, weil ich noch Hier trage dieses Leibes Joch, Auch nicht gar stille schweigen; Mein Herze soll fich fort und fort An diesem und an allem Ort Zu deinem Lobe neigen. 13. Hilf mir und segne meiMel. Es ist das Heil.( Pf. 18, 8-17.) 539. Herr Zebaoth, du starker Held. Sehr prächtig ausgeschmücket, Dem alle Welt zu Fuße fällt Und sich mit Zittern bücket Vor der so hohen Mafestät, Die über alle Himmel geht Und allenthalben herrschet! 2. Wir hören, daß sich deine Macht In dicken Wolken reget, Daß dort und da dein Donner fracht, Bald tief ins Erdreich schläget; Wir sehen, daß aus deinem Siß Herniederfährt der schnelle Bliz Bei starken Wassergüssen. 3. Hierüber will uns Muth und Sinn Fast ganz und gar versinken, Wir wissen nicht wo aus und hin, Weil du mit bloßem Winken, Ja stracks durch deine jähen Pfeil', Als Hagel, Blizz und Donnerkeil', Uns könntest all verderben. 4. Doch aber, Herr, Herr, denke nicht, Gedenke nicht der Sünden, So wir gethan; laß im Gericht Den starken Eifer schwinden! Die Gnade hebe sich empor Und gehe deinem Rechte vor, Sonst ists um uns geschehen. 5. Laß uns den harten Don D. Jahreszeiten. Sommer.( Ernte.) nerschlag Die Glocke seyn zur Buße, Damit, wann nun dein jüngster Tag Sich stellt auf schnellem Fuße, Wir allesammt bereitet sey'n, Und uns dein heller Gnadenschein Mit höchster Freud umgebe. 433 6. Halt über uns die starke Hand Und laß dir unsre Habe, Auch alle Früchte auf dem Land Als deine Gnadengabe Befohlen seyn; wir wollen dir, Herr Gott, du Helfer für und für, Mit Dank entgegen gehen. Frenzel, g. 1609 1674. Mel. Nun sich der Tag.( Sir. 43, 12-17.) 540. Du Schrecklicher, wer| tert Nund, Was in der Liefe kann vor dir Und deiner Macht lebt. bestehn? Herr! du bist groß, und Staub sind wir; Du winkst, und wir vergehn. 2. Du lagerst dich in schwarzer Nacht: Die Völker zittern schon; Geflügeltes Verderben wacht Um deinen furchtbarn Thron. 3. Allmächtig schleudert deine Hand Den Bliz aus finstrer Höh; Und Fluthen stürzen auf das Land In einem Feuersee. 4. Seht, wie der Erde fester Grund Vom Zorn des Donners bebt, Und was um ihr erschüt541. Die Ernt ist da, es winkt der Halm Dem Schnitter in das Feld; Laut schalle unser Freudenpsalm Dem großen Herrn der Welt! 2. O der du uns so freundlich liebst Und segnest unser Feld Und uns die reiche Ernte gibst, Gelobt sey, Herr der Welt! Evangelisches Gesangbuch. 5. Den Herrn und seinen Arm erkennt Die zitternde Natur, Da weit umher der Himmel brennt Und weit umher die Flur. 6. Wer schüßt mich Sterblichen, mich Staub, Wenn, der im Himmel wohnt Und Welten pflückt wie dürres Laub, Nicht huldreich mich verschont? 7. Wir haben einen Gott voll Huld, Auch wenn er zornig scheint; Er herrscht mit schonender Geduld, Der große Menschenfreund! U g. 1729 † 1796. Ernte. Mel. Du, Gott, bist über.( Pf. 65, 14.) 3. Wer machte diese Menschenwelt Zum Bau der Erde flug? Der Acker wär ein Distelfeld, Verlassen von dem Pflug. 4. O jede Kunst ist, Gott, von dir, Du hast sie uns gelehrt; Vor aller Weisheit danken wir Die Weisheit, die uns nährt. 5. Er legte in ein Korn so klein 28 434 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. Die sechzigfache Kraft, Gab| thut; Wenn Halme kärglich ihm vom Himmel Sonnen- stehn, So laß uns mit getrostem schein Und milden Lebenssaft. Muth Auf deinen Reichthum 6. O Höchster, deine Wunder sehn. find So gut, so zahlenlos, So groß im Regen, Sonn und Wind, Im kleinsten Korn so groß! 11. Bald schien es jüngst um uns gethan In unsrer Theurung Noth; Er sah die Erde segnend an, Da gab sie reichlich Brod. 7. Die Donnerwolke zog einher Und droht' Gewitterschlag, Das Kornfeld wallte wie ein Meer, Stund auf und glänzt' im Tag. 12. Du öffneteft die reiche Hand, Die uns verschlossen schien, Und ließeft im entlegnen Land Ein Kornfeld für uns blühn. 8. Lobt ihn mit Furcht, den Herrlichen, Der in Gewittern wohnt, Lobt ihn mit Dank, den Gütigen, Der donnernd uns verschont! 9. Des Schnitters Tag ist lang und schwül, Doch freudig ist sein Muth, Sein Auge sieht der Garben viel, Den Schöpfer tren und gut. 10. Dein Segen ists, der alles 13. Gott! welch ein Bild: die ganze Welt, Wohin das Aug sich dreht, Ist nur ein einzges großes Feld, Mit Menschenbein besät! 542. Nun laßt den Herrn uns preisen Für alle Lieb und milde That; Laßt uns ihm Dank erweisen Für seiner Gnade treuen Nath! Er hat uns Frucht gegeben Gar fröhlich auf dem Land, Hat unser armes Leben Erquickt mit reicher Hand. Mit Freuden ist gediehen, Was wir gefäet aus, Und nach viel Fleiß und Mühen Auch wohl gebracht nach Haus. 14. Wohlauf! das Kornfeld gelbt schon sehr, Bald wird die Ernte seyn; Du sammelst fie, der Ernte Herr, In ewge Scheunen ein. Joh. Ludwig Huber, g. 1723t 1800. Mel. Nun lob, mein Seel.( Pf. 65, 10-14.) 2. Wer sollte nicht erkennen, Was Gott an seinen Kindern thut? Wer sollte nicht ihn nennen Das einzig allerhöchste Gut? Es ist nichts, der da säet, Nichts, der da sammelt ein; Der Wind des Herren wehet, Es glänzt sein Sonnenschein, Er sendet seinen Regen Und macht uns freudevoll; An ihm nur gelegen, Wenn Gutes kommen soll. D. Jahreszeiten. 3. Wenn er denn nun gespendet Den Segen über Land und Stadt, Wenn Frieden er gesendet, Daß friedlich man geerntet hat, Dann sollen wir ihn preisen, Der in dem Himmel sigt Und auf viel tausend Weisen Uns Sünder nährt und schüßt; Dann sollen wir ihm danken Mit Herz, mit Hand und Mund, Mit Werken und nicht wanken Von seinem Gna- nem Himmelreich! denbund. Sommer.( Ernte.) 435 4. Daß solches nun geschehe, Das wollst du helfen, treuer Gott! Gib ferner aus der Höhe Uns Segen, Licht und täglich Brod. Laß Lebensbrod genießen Ein jedes Christenhaus, Laß Lebenswasser fließen Auf unsre Herzen aus; Daß wir nicht bloß auf Erden An Früchten werden reich, Nein, dort auch Bürger werden In deiMel. O daß ich tausend.( Jer. 5, 24.) 543. Wir kommen, deine| uns der Brüder Noth; Und weil Huld zu feiern, Vor deinem Antlig uns zu freun, Bei reichlich angefüllten Scheuern Dir, Herr der Ernte, Danf zu weihn, Der du mit milder Vaterhand Aufs neu gesegnet unser Land. 2. Dein Lob, das wir gerührt verkünden, Nimmt es, o Vater, gnädig an Und tiefer stets laß uns empfinden, Wie viel du Gutes uns gethan; Auf daß der Dank für deine Treu Ein dir geweihtes Leben sey. du Reich' und Arme liebst, So dien' auch beiden, was du gibst. 4. Durch dich ist alles wohl gerathen Auf dem Gefild, was wir bestellt. Doch reisen auch des Glaubens Saaten Auf deines Sohnes Erntefeld? Sind wir auch, wenn er auf uns fieht, Ein Acker, der ihm grünt und blüht? 3. Und wie du selber nur aus Liebe Uns schenkest unser täglich Brod, So weck in uns des Mitleids Triebe, Laß fühlen 544. Gott! von dem wir alles haben, Die Welt ist ein sehr großes Haus, Du aber theilest deine Gaben Recht wie Mel. Mein Jesus lebt.( Pf. 104.) Joh. Weber. - 5. Der Lift des Feindes wollst du wehren, Wenn er geschäftig Unkraut streut; Die Frucht des Wortes laß sich mehren Zu deinem Ruhme weit und breit, Damit am großen Erntetag Ein jeder Garben bringen mag. Liebich, g. 1713 † 1780. ein Vater drinnen aus; Dein Segen macht uns alle reich: Ach lieber Gott, wer ist dir gleich?. 436 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. Bis in der Ernte jung und alt Erlanget seinen Unterhalt. 2. Wer kann die Menschen| fangs schien als wär es todt, alle zählen, Die heut bei dir zu Tische gehn? Doch darf die Nothdurft keinem fehlen, Denn du weißt allem vorzustehn Und schaffest, daß ein jedes Land Sein Brod empfängt aus deiner Hand. 5. Nun, Herr, was soll man mehr bedenken? Der Wunder sind hier gar zu viel! So viel als du kann niemand schenken, Und dein Erbarmen hat kein Ziel; Denn immer wird uns mehr beschert, Als wir zusammen alle werth. 3. Du machst, daß man auf Hoffnung fäet Und endlich auch die Frucht genießt. Der Wind, der durch die Felder wehet, Die Wolke, so das Land begießt, Des Himmels Thau, der Sonne Strahl, Sind deine Diener allzumal. 6. Wir wollens auch keinmal vergessen, Was uns dein Segen träget ein; Ein jeder Bis sen, den wir efsen, Soll deines Namens Denkmal seyn, Und 4. Und also wächst des Men- Herz und Mund soll lebensschen Speise, Der Acker reichet lang Für unsre Nahrung sagen ihm das Brod; Es mehret sich Dank. vielfältger Weise, Was anKaspar Neumann, g. 1648 † 1715. Bei Mißernten. Mel. Was Gott thut.( Klagl. 3, 24-26, und 31-33.) 545. Was Gott thut, das ist wohlgethan! So denken Gottes Kinder. Wer auch nicht reichlich ernten kann, Den liebt er doch nicht minder; Er zieht das Herz Nur himmelwärts, Wenn er es läßt auf Erden Beim Mangel traurig werden. 2. Was Gott thut, das ist wohlgethan Im Nehmen oder Geben! Was wir aus seiner Hand empfahn, Genüget uns zum Leben. Er nimmt und gibt, Weil er uns liebt; Laßt uns in Demuth schweigen Und vor dem Herrn uns beugen. ( Hiob 1, 21.) 3. Was Gott thut, das ist wohlgethan! Wer darf sein Walten richten, Wenn er, noch eh man ernten kann, Den Segen will vernichten? Weil er allein Der Schat will seyn, Nimmt er uns andre Güter, Zum Heile der Gemüther. 4. Was Gott thut, das ist wohlgethan! Es geh nach seinem Willen; Läßt es sich auch D. Jahreszeiten. Sommer.( Bei Mißernten.) 437 nennt uns Gottes Erben: Wie können wir verderben? zum Mangel an: Er weiß das Herz zu stillen. Wer als ein Christ Genügsam ist, Der kann bei kleinern Gaben Doch Freud und Nahrung haben. 5. Was Gott thut, das ist wohlgethan! Das Feld mag traurig stehen: Wir gehn getrost auf seiner Bahn, Was gut ist, wird geschehen. Sein Wort verschafft Uns Lebenskraft, Es 546. Gott! der du groß von Gnad und Güte, Du gebest wenig oder viel: Hör, wie das dankbare Gemüthe Des Herbstes Zeit besingen will! Denn wär der Segen noch so klein, Soll Mund und Herz doch dankbar seyn.. Mel. Wer nur den lieben.( Matth. 6, 25 c. Rom. 8, 32.) 2. Ists gleich uns dieses Jahr ergangen Wie einem, der im Weinberg sucht Und fäh gern viele Trauben hangen, Sieht aber nichts als bittre Frucht: So ist doch auch das wen'ge mehr, Als wir um dich verdient, o Herr! 3. Wir sind, wir müssens ja bekennen, frommer Gott, selbst Schuld daran, Daß deine Hand, die viel wollt gönnen, Ein mehreres nicht geben kann. So wenig auch der Früchte sey'n, Ist unser Dank doch viel zu klein. 6. Was Gott thut, das ist wohlgethan! Laßt in Geduld uns fassen: Er nimmt sich unser gnädig an Und wird uns nicht verlassen. Er, unser Gott, Weiß, was uns noth, Und wird es gern uns geben; Kommt, laßt uns ihn erheben! 4. Wie vielmal haben wir vergessen, Daß du die Felder reich Nach Schmolt. gemacht! Wie oft mit Sünden unermessen Den reichen Segen durchgebracht Und haben uns an deiner Huld Mit unsrem Undank hoch verschuld't! 5. Verzeih, o Vater, uns in Gnaden Und segne du uns Speis' und Trank! Dem wird der Mangel selbst nicht schaden, Der wenig nimmt mit rechtem Dank Und hält das Wort in seinem Sinn:„ Verderbs nicht, weil ein Segen drin!" ( Jes. 65, 8.) 6. Du kannst auch wohl das wen'ge segnen; Wenn in der Wüste Mangel wär, So muß die Luft mit Manna regnen, Der dürre Fels reicht Wasser her; Im Wittwen- Kad und ihrem Krug Ist immer Mehl und Del genug. ( 1 Rön. 17, 10-16.) 7. Gedenke nur der lieben Armen; Schließ auf der Reichen Herz und Hand zu mildem, 438 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. thätigem Erbarmen; Befiehl| Jahr beschert! Was du im dem Himmel und dem Land, Kleinen uns erwiesen, Ist gröDaß beides deine Stimme hör ßern Danks und Lobes werth. Und künftig reiche Frucht ge- Dort, wo uns deine Fülle währ. tränkt, Wird alles uns in dir geschenkt. 8. Indeß sey herzlich hoch gepriesen Für das, was dieses Herbst und Winter. Mel. O daß ich tausend.( Ps. 136, 1. 145, 16.) 547. Wie reich an Freude, prangend unsre Gärten da; Rings winken uns in Stadt und Land Geschenke deiner Glück und Segen Ist, Schöpfer, deine schöne Welt! Im Sturm, im Sonnenschein und Regen Wirkt fort die Kraft, die uns erhält, Die, nie veraltend, stets erneut, Mit tausend Gaben uns erfreut. 2. Uns gieng aus der Verwesung Hülle Das Samenkorn gedeihend auf; In Scheunen liegt der Felder Fülle, Dein Vaterauge ruhte drauf; Im Segen floß des Landmanns Schweiß, Und reiche Zinsen trug sein Fleiß. 3. Du lenktest, Herr, der Winde Flügel, Des Regens und der Ströme Fluth; Du hieltest, Gott, des Blizes Zügel, Der Elemente wilde Wuth; Schufft selbst die Schrecken der Natur Zu Zeugendeiner Güte nur. Fischer, g. 1695 † 1773. 4. Und neue Güter, neue Gaben Bringt auch der Herbst uns fern und nah; Uns zu ernähren, uns zu laben, Stehn milden Hand. 5. Es dränget aus dem dunklen Laube Sich buntgefärbtes Obst hervor; Es reift des Weines goldne Traube, Ein Stärkund Heil- Trank, uns empor; Von dir gesegnet und geschüßt, Gedich, was uns erfreut und nügt. 6. Froh können wir zum Himmelschauen; Was ist, das uns betrüben kann? Uns darf nicht vor der Zukunft grauen, Denn freundlich lächelt sie uns an, Und deine Huld und Vatertrei Bewährt sich täglich, stündlich neu. 7. Laßt mild wie er zu seyn uns streben, So würdig seiner Liebe seyn Und unser ganzes Erdenleben Uns unsrer Brüder Glücke weihn! Ja, Wohlthun, Thätigkeit und Fleiß Sey seiner Huld und Liebe Preis! Schint, g. 1735. E. Tageszeiten. Morgen. Mel. Ohne Raft und unverweilt.( Pf. 147, 16-18.) 548. In der stillen Ein-| Schnee Und bedecket Land und samkeit Findest du ein Lob bereit; Großer Gott, erhöre mich, Meine Seele suchet dich! See; Wehet aber Gottes Wind, So zerfließet er geschwind. 6. O Beherrscher der Natur! Allem zeigst du Zeit und Spur; Frühling, Sommer, Herbst und Eis Nahn und fliehn auf dein Geheiß. 2. Der du alle Sterne führst Und der Jahre Lauf regierst: Unveränderlich bist du, Nimmer still und doch in Ruh. 7. Folgte deines Worts Befehl Auch so willig meine Seel! O daß, Jesu, deine Lieb In mir lenkte jeden Trieb! 3. Diese kalte Winterluft Kräftig in die Herzen ruft: Seht, wo ist der Sommer hin? Nur der Herr erwecket ihn!" 4. Reif, wie Asche, nah und 8. Friert da draußen alles fern Streuet aus die Hand des ein, Soll mein Herz doch brenHerrn; Wer kann bleiben vornend seyn; Leuchte, o mein dem Frost, Wenn es weht von Heil, in mir, O so glüht und Nord und Ost? lebt es dir! 5. Gleichwie Wolle fällt der E. 439 Tageszeiten. Morgen. Mel. Nun laßt uns Gott.( Pf. 57, 8-11. 118, 25.) 549. Wach auf, mein Herz, und singe Dem Schöpfer aller Dinge, Dem Geber aller Güter, Dem frommen Menschenhüter! 2. Heut, als die dunklen Schatten Mich ganz umgeben hatten, Bedecktest du mich Armen Mit göttlichem Erbarmen. 3. Du sprachst:„ mein Kind, nun schlafe, Ich hüte meine Schafe; Schlaf wohl, laß dir nicht grauen, Du sollst die Sonne schauen." Nach J. Neander. 4. Dein Wort, das ist geschehen, Ich kann das Licht noch sehen; Von Noth bin ich befreiet, Dein Schutz hat mich ernenet. 5. Du willst ein Opfer haben, Hier bring ich meine Gaben: In Demuth fall ich nieder Und bring Gebet und Lieder. 6. Die wirst du nicht verschmähen; Du kannst ins Herz mir sehen Und weißt wohl, daß zur Gabe Ich ja nichts beßres habe. 440 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. wende! 7. So wollst du nun vollenden Ende, Ach Herr, zum Besten Dein Werk an mir und senden, Der mich an diesem Tage Auf seinen Händen trage. 8. Sprich Ja zu meinen Thaten, Hilf selbst das Beste rathen, Den Anfang, Mitt' und Mel. Meine Armuth macht. 550. Seele! du mußt munter werden, Denn der Erden Blickt hervor ein neuer Tag. Komm, dem Schöpfer dieser Strahlen Zu bezahlen, Was dein schwacher Dank vermag. 2. Doch den großen Gott dort oben Recht zu loben, Wollens nicht bloß Lippen seyn: Nein, es hat sein reines Wesen Auserlesen Herzen ohne falschen Schein. 3. Deine Pflicht, die kannst du lernen Von den Sternen, Deren Gold der Sonne weicht. So laß auch vor Gott zerrinnen, Was den Sinnen Hier im Finstern schön gedäucht. 4. Schau, wie das, was Odem ziehet, Sich bemühet Um der Sonne holdes Licht; Wie sich, was nur Wachsthum spüret, Freudig rühret, Wenn ihr Glanz die Schatten bricht! 5. So laß dich auch fertig finden, Anzuzünden Deinen Weihrauch; weil die Nacht, Da dich Gott vor Unglücksstürmen Wollen schirmen, Ist so glücklich hingebracht. 9. Den Segen auf mich schütte, Mein Herz sey deine Hütte, Dein Wort sey meine Speise, Bis ich gen Himmel reiſe. Gerhard, g. 1606 † 1676. ( 1 Theff. 5, 5-8. Eph. 5, 13.) 6. Bitte, daß er dir Gedeihen Mög verleihen, Wenn du auf was Gutes zielst; Aber daß er dich mög stören Und bekehren, Wenn du böse Regung fühlst. 7. Kränkt dich etwas diesen Morgen, Laß ihn sorgen, Der es wie die Sonne macht, Welche freundlich pflegt die Höhen Anzusehen Und auch in die Thäler lacht. 8. Es wird nichts so klein gesponnen, Das der Sonnen Bis ans End verborgen bleibt: Gottes Auge fieht viel heller Und noch schneller, Was ein Sterblicher betreibt. 9. Denk, daß er auf deinen Wegen Ist zugegen, Daß er alle Sündenlust, Ja die Schmach verborgner Flecken Kann entdecken Und errathen, was du thust! 10. Wir sind an den Lauf der Stunden Festgebunden, Der entführt, was eitel heißt, Und der dein Gefäß, o Seele, Nach der Höhle Eines Sterbgewölbes reißt. 11. Drum so seufz' ich, daß E. Tageszeiten. Morgen. 441 mein Scheiden nicht ein Leiden, Seh die Sonne, Wann des ToSondern sanftes Schlafen sey, des Nacht vorbei! Und daß ich mit heißer Wonne| Mel. Ich dank dir schon.( Pf. 59, 17. 18.) 551. Mein erst Gefühl sey Preis und Dank, Erheb ihn, meine Seele! Der Herr hört deinen Lobgesang, Lobsing ihm, meine Seele; 2. Mich selbst zu schüßen ohne Macht Lag ich und schlief im Frieden. Wer schafft die Sicherheit der Nacht Und Ruhe für die Müden? 3. Wer wacht, wann ich von mir nichts weiß, Mein Leben zu bewahren? Wer stärkt mein Blut in seinem Kreis Und schüßt mich vor Gefahren? 4. Wer lehrt das Auge seine Pflicht, Sich sicher zu bedecken? Wer ruft dem Tag und seinem Licht, Uns wieder aufzuwecken? 5. Du bist es, Gott und Herr der Welt, Und dein ist unser Leben; Du bist es, der es uns erhält Und mirs jett neu gegeben. von Canig, g. 1654 † 1699. ruhn, Mich deine Wege wallen, Und lehre du mich selber thun Nach deinem Wohlgefallen. 8. Nimm meines Lebens gnädig wahr, Auf dich hofft meine Seele; Sey mir ein Retter in Gefahr, Ein Vater, wenn ich fehle. 9. Gib mir ein Herz voll Zus versicht, Erfüllt mit Lieb und Ruhe, Ein weises Herz, das seine Pflicht Erkenn und willig thue. 6. Gelobet feyst du, Gott der Macht, Gelobt sey deine Treue, Daß ich nach einer sanftenNacht Mich dieses Tags erfreue! 7. Laß deinen Segen auf mir) 10. Laß mich als dein gehorsam Kind Dir zu gefallen streben, Gottfelig, züchtig, fromm gesinnt Durch deine Gnade leben. 11. Laß mich, dem Nächsten beizustehn, Nie Fleiß und Arbeit scheuen, Mich gern an andrer Wohlergehn Und ihrer Tugend freuen. 12. Laß mich das Glück der Lebenszeit In deiner Furcht genießen Und meinen Lauf mit Freudigkeit, Wann du gebeutst, beschließen. Gellert, g. 1715 † 1769. Mel. Herzlich thut.( Joh. 16, 24.) 552. Es hat uns heißen tre-| deinen hohen Thron Und uns ten, O Gott, dein lieber Sohn mit theurem Amen Erhörung Mit herzlichen Gebeten Vorzugesagt, Wenn man in seinem 442 XIX Besondere Verhältnisse und Zeiten. Namen Nur bittet, fleht und| Auf Sünd und schnöden Scherz; klagt. Das stets mit Liebe flammet Zu dir, Gott, himmelan, Und alle Lust verdammet Der fündenvollen Bahn. 2. Darauf komm ich gegangen In dieser Morgenstund; Ach laß mich doch erlangen, Was ich aus Herzensgrund Von dir, mein Gott, begehre Im Namen Jesu Christ, Und gnädig mir gewähre Das, was mir nüßlich ist. 3. Nicht aber mir zu geben Bitt ich aus deiner Hand Geld, Gut und langes Leben, Nicht Ehr noch hohen Stand; Denn dieses ist nur nichtig Und lauter Eitelkeit, Vergänglich, schwach und flüchtig Und schwindet mit der Zeit. 4. Ich bitte, mir zu schenken Ein fromm und kensches Herz, Das nimmermehr mag denken 5. Hernach laß mich gewinnen Nach deiner großen Kraft Kunst, Weisheit, kluge Sinnen, Verstand und Wissenschaft; Daß all mein Thun und Handeln Dir mag gefällig seyn; Laß vor der Welt mein Wandeln Seyn ohne falschenSchein. 6. So wird von jenen allen: Stand, Leben, Ehr und Geld, Auf meine Seite fallen, Soviel dir, Gott, gefällt; Man muß die Seel erst schmücken, So wirst du allgemach Den Leib auch schon beglücken: Glück folgt der Tugend nach! Neumarf, g. 1621 † 1681Mel. O Gott, du frommer.( 2 Cor. 6, 16.) 553. O Jesu, süßes Licht!| soll mein Opfer seyn, Weil ich sonst nichts vermag. Nun ist die Nacht vergangen; Nun hat dein Gnadenglanz Aufs neue mich umfangen; Nun ist, was an mir ist, Vom Schlummer aufgeweckt Und hat sich, Herr, nach dir Verlangend ausgestreckt. 3. Drum siehe da, mein Gott, Da hast du meine Seele: Sie sey dein Eigenthum, Daß fie nur dich erwähle In deiner Liebe Kraft; Da haft du meinen Geist, Darinnen wollst du dich Verklären allermeist. 2. Was soll ich dir denn nun, Mein Gott, zum Opfer schenken? Ich will mich ganz und gar In deine Gnade senken Mit Leib und Seel und Geist An diesem ganzen Tag; Das 4. Hier sey denn auch mein Leib Zum Tempel dir ergeben! Wähl ihn zur Wohnung dir, allerliebstes Leben! Ach wohn, ach leb in mir, Beweg E. Tageszeiten. Morgen. 443 und rege mich, Daß Leib und| Daß dein' Allgegenwart Mich Seel und Geist Mit dir vereine sich! wie die Luft umgebe! Damit mein ganzes Thun Durch Herz, durch Sinn und Mund Dich lobe inniglich, Mein Gott, zu aller Stund. 5. Mein Jesu! schmücke mich Mit Weisheit und mit Liebe, Mit Keuschheit, mit Geduld, Durch deines Geistes Triebe; Kleid mit der Demuth mich Und mit der Sanftmuth an: So bin ich wohlgeschmückt Und köstlich angethan. 6. O daß mir diesen Tag Stets vor den Augen schwebe: Eigene Mel.( Pf. 84, 12. 13.) 554. Die güldne Sonne, Voll Freud und Wonne, Bringt unsern Grenzen Mit ihrem Glänzen Ein herzerquickendes, liebliches Licht. Mein Haupt und Glieder, Die lagen danieder, Aber nun steh ich, Bin munter und fröhlich, Schaue den Himmel mit meinem Geficht. 7. Ach segne was ich thu, Ja rede und gedenke! Durch deines Geistes Kraft Es also führ und lenke, Daß alles nur gescheh Zu deines Namens Ruhm, Und daß ich unverrückt Verbleib dein Eigenthum. Joachim Lange, g. 1670 † 1744. 2. Mein Auge schauet, Was Gott gebauet Zu seinen Ehren Und uns zu lehren: Wie sein Vermögen sey mächtig und groß; Und wo die Frommen Dann sollen hinkommen, Wann fie in Frieden Von hinnen geschieden Aus dieser Erde vergänglichem Schoos. 3. Lasset uns singen, Dem Schöpfer bringen Güter und Gaben; Was wir nur haben, Alles das sey Gott zum Opfer gesegt! Die besten Güter Sind unsre Gemüther; Lieder der Frommen, Von Herzen geSind Opferrauch kommen, der ihn am meisten ergößt. 4. Abend und Morgen Sind seine Sorgen; Segnen und mehren, Unglück verwehren, Sind seine Werke und Thaten allein. Wenn wir uns legen, So ist er zugegen, Wenn wir aufstehen, So läßt er aufgehen Ueber uns seiner Barmherzigkeit Schein. 5. Ich hab erhoben Zu dir hoch droben All meine Sinnen, Laß mein Beginnen Ohn'allen Anstoß und glücklich ergehn! Laster und Schande, Des Seelenfeinds Bande, Fallen und Tücke Treib ferne zurücke! Laß mich auf deinen Geboten bestehn! 444 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. 6. Laß mich mit Freuden,| Mich, lenk und führe Wie dirs Ohn' alles Neiden Sehen den gefället! Ich habe gestellet AlSegen, Den du wirst legen In les in deine Beliebung und meines Bruders Hand, Güter Hand. und Haus. Geiziges Brennen, Unchristliches Nennen Nach Gut mit Sünde, Das tilge geschwinde Aus meinem Herzen und wirf es hinaus! 10. Willst du mir geben, Womit mein Leben Ich kann ernähren, So laß mich hören Allzeit im Herzen dieß heilige Wort: Gott ist das Größte, Das Schönste und Beste, Gott ist das Süßste Und Allerge= wißste Aus allen Schäßen, der edelste Hort!" 7. Menschliches Wesen, Was ifts? gewesen! In einer Stunde Geht es zu Grunde, Sobald die Lüfte des Todes drein wehn; Alles in allen Muß brechen und fallen; Himmel und Erden, Die müssen das werden, Was sie gewesen vor ihrem Bestehn. - 8. Alles vergehet; Gott aber stehet Ohn' alles Wanken; Seine Gedanken, Sein Wort und Wille hat ewigen Grund. Sein Heil und Gnaden, Die nehmen nicht Schaden, Heilen im Herzen Die tödtlichen Schmerzen, Halten uns zeitlich und ewig gesund. 11. Willst du mich kränken, Mit Galle tränken, Und soll von Plagen Ich auch was tragen: Wohlan denn, so mach es, wie dir es beliebt! Was gut und tüchtig, Was schädlich und nichtig Meinem Gebeine, Das weißt du alleine, Hast niemals einen zu bitter betrübt! 12. Trübsal und Zähren Nicht ewig währen; Nach Meeresbrausen Und Windessausen Leuchtet der Sonne erwünschtes Gesicht. Freude die Fülle Und 9. Gott, meine Krone, Ver- selige Stille Darf ich erwarten gib und schone, Laß meine Im himmlischen Garten; DaSchulden In Gnad und Hul- hin sind meine Gedanken geden Aus deinen Augen seyn ab- richt't! gewandt! Sonst, Herr, regiere Eigene Mel. 555. Morgenglanz der Ewigkeit, Licht vom unerhöpften Lichte! Schick uns diese Morgenzeit Deine StrahGerhard, g. 1606 † 1676. ( Job. 8, 12.) len zu Gesichte und vertreib durch deine Macht Unsre Nacht. 2. Deiner Güte Morgenthau Fall auf unser matt Gewissen; E. Tageszeiten. Morgen. 445 Laß die dürre Lebensau Lauter Höh! Gib, daß auch am jüngsüßen Trost genießen, Und erquick uns, deine Schaar, Imsten Tage Unser Leichnam aufersteh, Und entfernt von aller Plage, Sich auf jener Freudenbahn Freuen kann. merdar. 5. Leucht uns selbst in jene Welt, Du verklärte Gnaden= sonne! Führ uns durch das Thränenfeld In das Land der füßen Wonne, Wo die Lust, die uns erhöht, Nie vergeht. Knorr von Rosenroth, g. 1636+ 1689. 3. Gib, daß deiner Liebe Gluth Unsre kalten Werke tödte; Und erweck uns Herz und Muth Bei erstandner Morgenröthe, Daß wir, eh wir gar vergehn, Recht aufstehn. 4. Ach du Aufgang aus der Mel. Gott des Himmels.( Pf. 37, 17.) 556. Höchster Gott! durch deinen Segen Konnt ich fröhlich und gesund Diese Nacht zurückelegen; Also preist dich Herz und Mund; Denn du willst für alle Treu Nichts, als daß man dankbar sey. 2. Segne heute mich vom neuen, Weil du segnen kannst und mußt; Denn mit Wohlthun zu erfreuen, Das ist deine Herzenslust, Und du machst die milde Hand Täglich aller Welt bekannt. 3. Segne mich mit deinem Geiste, Daß er heut mit seiner Kraft Meinem Glauben Beistand leiste, Daß er gute Werke schafft und dem Bösen insgemein Mag ein wackrer Gegner seyn. 4. Segne mich mit deinem Worte, Schreib es in mein Herz hinein, Daß es mag an jedem Orte Meines Wandels Nichtschnur seyn. Leuchtet mir dieß Lebenslicht, O so fehl und fall ich nicht. 5. Segne mich in meinem Stande, Zeuch mein Herz mit Klugheit an, Daß ich solchen ohne Schande Und mit Ehren führen kann. Gib dazu mein täglich Brod Und was irgend sonst mir noth. 6. Segne mich in Krenz und Leiden Mit Vertrauen und Geduld; Segne mich in Glück und Freuden Mit dem Reichthum deiner Huld; Daß ich dir im Kreuz getreu Und im Glück voll Demuth sey. 7. So will ich für allen Segen Lob und Ehre, Preis und Dank Dir zu deinen Füßen legen- Und es thun mein Leben lang; Bis ich mit den Engeln dort Vor dir jauchze fort und fort. Erdmann Neumeister, g. 1671 † 1736. XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. Mel. Herr Jesu Christ, dich zu uns wend.( Ps. 19, 6.) 557. Die Morgensoune gehet auf Erfreut, zu wallen ihren Lauf. Kein Bräutigam kommt so geziert, Wie sie die goldnen Strahlen führt. 2. So viel der Himmel Sterne zählt Ist sie vor allen auserwählt; Es muß ein großer Herrscher seyn, Der ihr ertheilt den goldnen Schein. 3. Die Himmel rühmen Gottes Ehr Und geben uns die schöne Lehr, Daß wir ihn auch mit unfrem Mund Hoch preisen sollen alle Stund. 446 Mel. Allein Gott in der Höh.( Jes. 60, 1. Eph. 5, 9.) 558. Erheb, o meine Seele, dich! Die Finsterniß vergehet, Schon zeigt der Glanz des Tages fich, Die Sonn am Himmel stehet; zu Gott erhebe deinen Sinn, Daß er sein Werk in dir beginn Und gnädig dich erleuchte. 2. Im Licht muß alles rege seyn Und sich zur Arbeit kehren, Im Licht singt früh das Vögelein, Im Licht zu Gottes Ehren; So soll der Mensch in Gottes Licht Aufheben billig sein Gesicht Zu dem, der ihn erleuchtet. 4. Der Sonne Lauf nie stille steht Und ohne Säumen weiter geht; So sollen wir ohn' Unterlaß Ihr folgen auf der Himmelsstraß. 5. Herr! deine Gnade, Güt' und Treu Ist alle Morgen bei uns nen. Erleucht uns Herz und Angesicht Mit deinem Wort, dem Himmelslicht. 6. So wollen wir dir allezeit Hier danken in der Christenheit und dort mit deiner Engel Schaar Dich fröhlich loben immerdar. Harsdörfer, g. 1607+1658. 3. Nun laßt uns an die Arbeit gehn Und froh den Herrn erheben; In Christo laßt uns auferstehn Und zeigen, daß wir leben; Laßt uns in seinemi Gnadenschein Nicht eine Stunde müßig seyn! Gott ists, der uns erleuchtet. 4. Ein Tag geht nach dem andern fort, Doch Gottes Werk bleibt liegen, Weil ohne That, mit leerem Wort So viele sich betrügen. Herr! laß uns freudig gehn ans Werk, Verleih uns Gnade, Kraft und Stärk Im Licht, das uns erleuchtet. 5. Du zeigst, was zu verrichten sey Auf unsern Glaubenswegen. So hilf uns nun und steh uns bei, Verleihe deinen Segen, Daß das Geschäft von deiner Hand Vollführet werd in allem Land, Wozu du uns erleuchtet. 6. Ich flehe, Herr: mach mich E. Tageszeiten. Morgen. 447 bereit Zu deinem Wohlgefal-| Weisheit sprech aus meinem len; Im rechten Brauch der Gnadenzeit Laß deine Kinder wallen; Sie fürchten Tod und Sünde nicht, Geboren aus dem ewgen Licht, Das allweg ihnen leuchtet. Mund Und wohn in meines Herzens Grund; So bin ich recht erleuchtet. 8. Herr! bleib bei mir, du ewig Licht, Daß ich stets gehe richtig, Erfreu mich durch dein Angesicht, Mach mich zum Guten tüchtig, Bis ich erreich die goldne Stadt, Die deine Hand gegründet hat und ewigLackmann, † 1713. 7. Das Licht des Glaubens sey in mir Ein Licht der Kraft und Stärke; Es sey die Demuth meine Zier, Die Lieb das Werk der Werke; Die lich erleuchtet. Eigene Mel.( Pf. 17, 5. 2 Moj. 23, 20.) 559. Gott des Himmels| gen, Daß, wenn nundein ground der Erden, Vater, Sohn ßer Tag Uns erscheint und dein und heilger Geist, Welcher Gericht, Ich davor erschrecke Tag und Nacht läßt werden, nicht. Sonn und Mond uns scheinen heißt, Dessen starke Hand die Welt, Und was drinnen ist, erhält: 2. Gott! ich danke dir von Herzen, Daß du mich in dieser Nacht Vor Gefahr, Angst, Noth und Schmerzen Haft behütet und bewacht; Ach, bei aller meiner Schuld Trägst du mich mit Vaterhuld! 3. Laß die Nacht auch meiner Sünden Heut mit dieser Nacht vergehn. O Herr Jesu! laß mich finden Stets dein Herz mir offen stehn, Wo alleine Hilf und Nath Ift für meine Miſsethat. 5. Führe mich, o Herr, und leite Meinen Gang nach deinem Wort; Sey und bleibe du auch heute Mein Beschüßer und mein Hort; Nirgends als bei dir allein Kann ich recht bewahret seyn. 6. Meinen Leib und meine Seele, Sammt den Sinnen und Verstand, Großer Gott, ich dir befehle Unter deine starke Hand; Herr, mein Schild, mein Ehr und Ruhm, Nimm mich auf, dein Eigenthum! 7. Deinen Engel zu mir sende, Der des bösen Feindes Macht, List und Anschlag von mir wende Und mich halt in guter 4. Hilf, daß ich mit diesem Acht, Der auch endlich mich Morgen Geistlich auferstehen zur Ruh Trage nach dem Himmag Und für meine Seele sor- mel zu! Alberti, g. 1604 † 1668 448 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. Mel. Werde munter.( 1 Theffal. 5, 8.) 560. Gott! du Licht, das| Der ein neues Leben schafft, ewig bleibet, Das ohn' allen Daß ich himmlisch auf der ErWechsel ist, Das die Finsterniß de Und ein Geist mit Christo vertreibet, Der du bleibest wie werde. du bist; Ich verlasse meine Ruh; Nufe: werde Licht!" mir zu, Daß ich, der ich Nacht und Erde, Durch dein Licht verkläret werde. 2. Wecke, da der Leib geschlafen, Auch die Seele geistlich auf; Gib ihr deines Lichtes Waffen, Nicht und leite ihren Lauf; Laß mich seyn des Lichtes Kind; Hilf mir, weil ich geistlich blind, Jesu, daß ich wieder sehe und in deinem Lichte gehe. 3. Schenke mir, Herr, und gewähre, Was die arme Seele stillt; Ach erneure und verkläre Stets in mir dein Ebenbild! Sende mir den Geist der Kraft, fe, 4. Segne meiner Hände WerFördre mich in meiner Pflicht; Bleibe meiner Schwachheit Stärke, Meines Lebens Kraft und Licht; Laß mein Lebensziel allein Deines Namens Ehre seyn; Hilf, daß ich stets wahre Liebe Gegen meinen Nächsten übe. 5. Führ mich einst zu jenem Lichte Deiner höchsten Majestät, Wo vor deinem Angesichte Die verklärte Seele steht Heller als der Sonnenschein, Schön, unsterblich, engelrein; Laß ste seyn mit dir vereinet, Wann mein letter Tag erscheinet. Sal. Frand, g. 1669 † 1725. Mel. Nun danfet all.( 1 Petri 2, 9.) 561. Das äußre Sonnen-| genwart Die Sünd und Eigen licht ist da Und scheint mir ins Gesicht; Gott ist noch mehr dem Geiste nah Mit seinem Lebenslicht. 2. Ach wohn in mir, du Gottessonn, Mein Geist dein Himmel werd, Daß ich, o reine Seelenwonn, Ganz werd in dich verklärt. 3. Wenn sich die Sonne offenbart, So weicht die Dunkelheit; Vertreib durch deine Geheit. 4. Du bist ein Licht und wohnst im Licht: Ach mach mich licht und rein, zu schauen, Herr, dein Angesicht Und dir vereint zu seyn. 5. Der Adler schaut geradezu Die Sonne fröhlich an; Mein Geistesaug eröffne du, Daß ich dich schauen kann. 6. Wer dich in deinem Licht erblickt In seiner Seele E. Tageszeiten. Morgen.( Schluß der Woche.) Grund, Der steht, wie Cherubim, gebückt Vor dir zu jeder Stund. 7. So laß mich wandeln, wo ich bin, Vor deinem Angesicht; Mein Thun und Lassen im449 merhin Sey lauter, rein und licht. 8. Dein Auge leite meinen Gang, Daß ich nicht irre geh. Und bleib mir nah mein Lebenlang, Bis ich dich ewig seh. Tersteegen, g. 1697+ 1769. Eigene Mel.; oder: Freu dich sehr.( Pf. 17. 15.) 562. Wenn ich einst von jenem Schlummer, Welcher Tod heißt, aufersteh, Und erlöst von allem Kummer, Jenen schönern Morgen seh: O dann wach ich anders auf! Schon am Ziel ist dann mein Lauf; Träume sind des Pilgers Sorgen, Großer Tag, an deinem Morgen! wacht ich auf, Dank dir, Herr! zu dir hinauf Führ mich jeder meiner Tage, Jede Freude, jede Plage; 3. Daß ich froh gen Himmel sehe, Wann mein letter Tag erscheint, Wann zum dunklen Thal ich gehe, Und mein Freund nun um mich weint. Lindre dann des Todes Pein; Laß mein End ihm lehrreich seyn, Daß ich ihn zum Himmel weise Und dich, Herr des Todes, 2. Hilf, daß keiner meiner Tage, Vater meiner Lebenszeit, Einst mich im Gericht verklage: Er sey ganz von mir| preise. entweiht! Auch noch heute Klopstod, g. 1724 † 1803. Am Schluß der Woche. Mel. Die Nacht ist vor der Thür.( Ps. 90, 14.) 563. Die Nacht gibt gute] 3. Ach laß dir meinen Dank Nacht; Der Tag herrscht auf der Erden. Gott, der da beides macht, Soll hoch gepriesen werden. Du, Herr der ganzen Welt, Hast alles wohl bestellt! 2. Ja wohl, und mehr als wohl Hat mich dein Schild bedecket, Daß ich erkennen soll, Wie deine Güte schmecket, Und daß sonst keine Tren So groß als deine sey. In Schwachheit hier gefallen! Dein Lob soll lebenslang Aus meinem Munde schallen; Ich werde niemals mein, Nur dein auf immer seyn. 4. Du wollst mich diesen Tag Ins Buch des Segens schreiben. Daß ich so leben mag, Wie mich dein Geist wird treiben; Durch dessen Leitung führ Mich mehr und mehr zu dir. 29 Evangelisches Gesangbuch. 450 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. 5. Mein Denken und mein Thun, Mein Wollen und mein Lassen Soll gläubig auf dir ruhn Und dein Gebot umfassen. Gib mein bescheiden Theil Am Kreuz und auch am Heil. 6. Versorge meinen Mund, Doch mehr die Seel erfülle; Erhalte sie gefund In ihrer Leibeshülle; Gib einen Gnadenblick Auch zu der meinen Glück! 7. Die Woche laufet nun Mit diesem Tag zu Ende; Drum hilf, daß ich mein Thun In deiner Kraft vollende, Daß morgen mich dein Tag Gesammelt finden mag. 564. Gott! du läsfest mich erreichen Abermal die Abendzeit; Das ist mir ein neues Zeichen Deiner Lieb und Gütigfeit. Laß jego mein armes Singen Durch die trüben Wolken dringen, Und sey auch in dieser Nacht Ferner auf mein Heil bedacht. 2. Neige dich zu meinen Bitten, Stoß nicht dieß mein Opfer weg! Hab ich gleich oft überschritten Deiner Wahrbeit heilgen Steg, So verfluch ich meine Sünden Und will mich mit dir verbinden; Reiß du nur aus meiner Brust Alle Wurzel böser Lust. 3. Herr! es sey mein Leib und Leben Und was du mir sonst geschenkt, Deiner Allmacht übergeben, Die den Himmel selbst umschränkt. Einen Strahl der 8. Laß mich die kurze Zeit Des Lebens flüglich theilen Und nach der Ewigkeit Mit frohen Schritten eilen; So leb ich, weil es gilt; So sterb ich, wann du willt! Schmolt, g. 1672 † 1737. Abend. Mel. Alle Menschen.( Jes. 12, 2.) Gottheit scheinen Laß um mich und all die meinen, Die, was deine Liebe thut, Dankbar schäßen als dein Gut. 4. Laß mich mildiglich bethauen Deines Segens Ueberfluß; Schirme mich vor Angst und Grauen, Wende Schaden und Verdruß, Brand und sonst betrübte Fälle; Zeichne meines Hauses Schwelle, Auf daß keinen hier der Schlag Des Verderbers treffen mag. 5. Wirke du in meinen Einnen, Stehe mir im Schatten bei, Daß mein schlafendes Beginnen Dir auch nicht zuwider sey. Schaffe, daß ich schon auf Erden Mög ein solcher Tempel werden, Der nur dir, und nicht der Welt Ewig Licht und Feuer hält! von Canik, g. 1654 † 1699. E. Tageszeiten. Abend. Mel. Nun ruben alle. 565. Herr! der du mir das Leben Bis diesen Tag gegeben, Dich bet ich kindlich an; Ich bin viel zu geringe Der Treue, die ich singe, Und die du heut an mir gethan. 2. Mit dankendem Gemüthe Freu ich mich deiner Güte, Ich freue mich in dir. Du gibst mir Lust und Stärke, Gedeihn zu meinem Werke Und schaffft ein reines Herz in mir. 3. Gott! welche Ruh der Seelen: Nach deines Worts Befehlen Einher im Leben gehn; Auf deine Güte hoffen, Im Mel. Der Tag ist hin. Ps. 112, 1. 4. 116, 7.) 566. Der Abend kommt, die Sonne sich verdecket, Und alles sich zur Ruh und Stille strecket. O meine Seel, merk auf! wo bleibest du? In Gottes Schoos, sonst nirgends hast du Nuh! ( 1 Mof. 32, 10.) Geist den Himmel offen Und dort den Preis des Glaubens sehn. 4. Ich weiß, an wen ich glaube und nahe mich im Staube Zu dir, o Gott, mein Heil! Ich bin der Schuld entladen, Ich bin bei dir in Gnaden Und in dem Himmel ist mein Theil. 5. Bedeckt mit deinem Segen Eil ich der Ruh entgegen, Dein Name sey gepreist! Mein Leben und mein Ende Ist dein. in deine Hände Befehl ich, Vater, meinen Geist. Gellert, g. 1715 f 1769. 2. Der Wandersmann legt sich ermüdet nieder, Das Vöglein fleugt zu seinem Neste wie der, Die Schäflein ziehn in ihre Hürden ein: Laß mich zu dir, mein Gott, gekehret seyn! 3. Ach sammle selbst Begierden und Gedanken, Die noch so leicht aus Schwachheit von dir wanken; Mein Ruheplaß und Heimath, thu dich auf, Daß ich in dir beschließe meinen Lauf. 4. Recht väterlich haft du mich 451 | heut geleitet, Bewahrt, verschont, gestärket und gewaidet; Ich bins nicht werth, daß du so gut und treu; Mein alles dir zum Dank ergeben sey! 5. Vergib es, Herr, wo ich mich heut verirret Und mich zu viel durch dieß und das verwirret! Es ist mir leid, es soll nicht mehr geschehn; Nimm mich nur ein, so werd ich fester stehn! 6. Da nun der Leib sein Tagwerkhat vollendet, Mein Geist sich auch zu seinem Werke wendet: Zu beten an, zu lieben inniglich, Im stillen Grund, mein Gott, zu schauen dich. 7. Die Dunkelheit ist da und alles schweiget; Mein Geist 452 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. vor dir, o Majestät, sich beuget. I den Geist zerstreut in Unruh Ins Heiligthum, ins Dunkel schweben! Mein treuer Hirt, kehr ich ein; Herr! rede du, führ mich in dich hinein: In laß mich ganz stille seyn. dir, mit dir kann ich vergnüget seyn. 8. Mein Herz sich dir zum Abendopfer schenket, Mein Wille sich in dich gelassen senket; Begierden, schweigt! Vernunft und Sinnen, still! Mein müder Geist im Herren ruhen will. 9. Dem Leib wirst du bald seine Ruhe geben; Laß nicht| bathsruh. 10. Im Finstern sey des Geistes Licht und Sonne, Im Kampf und Krenz mein Beistand, Kraft und Wonne; Deck mich bei dir in deiner Hütte zu, Bis ich erreich die volle SabTersteegen, g. 1697 † 1769. Mel. Nun ruhen alle.( Pf. 27, 1.) 567. Die Sonne senkt sich nieder, Die stille Nacht kommt wieder Und mit ihr Schlaf und Ruh; Sie bringt uns neue Kräfte, Beschließt des Tags Geschäfte Und drückt die müden Augen zu. 2. Noch wach ich und erzähle Mit tiefgerührter Seele, Herr, was du mir gethan. Dich preiset mein Gemüthe Für alle Gnad und Güte: Herr! nimm mein stilles Loblied an. 3. Von dir kommt jede Gabe, Das Leben, das ich habe, Die Ruhe dieser Nacht. Du bist der Quell der Güter, Mein Schuß und treuer Hüter, Der, wenn ich schlummre, für mich wacht. 4. Du lässt es finster werden Und hüllst den Kreis der Erden In tiefe Dunkelheit; Doch auch in dunkler Stille Wohnst du Und zeigst mit deiner Fülle uns deine Herrlichkeit. 5. Du führst aus weiter Ferne Den Mond und tausend Sterne Mit Majestät herauf; Sie leuchten dir zur Ehre Hoch über Land und Meere, Und deine Hand lenkt ihren Lauf. 6. Als Zeugen deiner Stärke Stehn lauter Wunderwerke In deiner Schöpfung da; Und du, der sie bereitet Und Mond und Sterne leitet, Bist auch im Staub mir innig nah. 7. Groß, wenn der Morgen thauet, Groß, wenn der Abend grauet, Groß in der stillen Nacht; Im Sonnenschein, im Sturme, Am Menschen und am Wurme, Großzeigst du, Schöpfer, deine Macht! 8. Drum schwinde alles Grauen, Drum will ich findlich 453 E. Tageszeiten. Abend. trauen, Denn du versorgst auch Durch Jesum wohlgefallen mich. Ja, Vater, ich befehle Dir freudig Leib und Seele; Du bist mein Gott, ich hoff auf dich! Und segne meinen Geist, Bis er, im Grund erneuert, Den großen Sabbath feiert, Wo aller Sel'gen Schaar dich preist. vermehrt durch Junkheim, g. 1729 † 1790. ( Klagl. 3, 57.) 9. Laß dir mein kindlich Lallen Eigene Mel. Lust hat mich von dir gerissen; Es ist mir leid; ich stell mich wieder ein, Hier ist mein Herz! ich dein, Herr, und du mein! 568. Der Tag ist hin; mein| es mein Gewissen: Der Sünde Jesu, bei mir bleibe! O Seelenlicht, der Sünden Nacht vertreibe; Geh auf in mir, Glanz der Gerechtigkeit, Erleuchte mich, o Herr, denn es ist Zeit! 2. Lob, Preis und Dank sey dir, mein Gott, gesungen; Dir sey die Ehr, wenn alles wohl gelungen Nach deinem Rath, ob ichs gleich nicht versteh; Du bist gerecht, es gehe wie es geh. 3. Nur eines ist, das mich empfindlich quälet: Beständigkeit im Guten mir noch fehlet, Das weißt du wohl, o Herzenskündiger, Ich strauchle noch wie ein Unmündiger. 4. Vergib es, Herr, mir sagt 5. Israels Schuß, mein Hüter und mein Hirte! Zu meinem Trost dein sieghaft Schwert umgürte, Bewahre mich durch deine große Macht Und halt um mich mit treuen Augen Wacht. 6. Du schlummerst nicht, wann matte Glieder schlafen; Ach laß die Seel im Schlaf auch Gutes schaffen; O Lebenssonn, erquicke meinen Sinn, Dich laff' ich nicht, mein Fels, der Tag ist hin.. J. Neander, g. 1610 † 1680. Mel. O du Liebe.( Luc. 24, 29. Matth. 28, 20.) 569. Bleibe! es will Abend| ser; Ach was hab ich ohne dich? werden," Jesu, bleibe du bei mir, Mit den Deinigen auf Erden Rufe jetzt auch ich zu dir; Bleibe mir statt tausend Sonnen, Denn dein Naheseyn im Wort Hat das Herz mir abgewonnen, Und dieß läßt dich nicht me fort. Da wird nur mein Glend gröBer, Und die Hölle schrecket mich. Ohne dich bin ich verloren; Aber dein Verfühnungsblut Hat mich wieder neugeboren, Weil es Wunder an uns thut. 3. Bleibe: denn du bist mein Leben; Außer dir ist alles todt; Außer dir sind wir nur Neben, 2. Bleibe: du bist mein Erlö 454 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. Welchen Gott das Feuer droht.| Band, Daß sie nicht zu schauen Meiner Seele schwache Triebe taugen Dich in dem VerkläGehen nur auf dich allein; rungsstand; Deffne mir indeß Wenn nicht Jesus bei mir blie- die Schriften, Daß ich Jesum be, Wollt ich lieber gar nicht glauben kann, Schauen seyn! geht ja bei Geprüften In der neuen Stadt erst an. 4. Bleibe; mußt du mir schon sagen, Daß ich unverständig sey, Denn du kannst auch Thoren tragen und bleibst unverändert treu; Ja ich will es selbst bekennen, Ja ich bins, doch bleib mir nah, Laß mir nur das Herz noch brennen, Daß ich fühl, du seyest da. 7. Bleibe mir stets in Gedanken, Daß mein Herz dich nicht verläßt; Mach es, wenn es wollte wanken, Durch dieGnade wieder fest. Bleibe bei mir, was ich schaffe; Bleibe bei mir, wo ich ruh; Bleibe bei mir, wenn ich schlafe; Weicht mir alles, bleibe du. 5. Bleibe, wenn ich gleich im Herzen Noch so träg zumGlau- 8. Ja du bleibst, du hafts verben bin, Denn ich lege dir mit sprochen: ,, Ich bin bei euch alleSchmerzen Selbst die Unart zeit;" Du hast nie ein Wort redlich hin. Hast du nicht auch gebrochen, Brichsts auch nicht mit den Trägen Noch erbar in Ewigkeit. Schlaft, ihr Gliemende Geduld? Ja selbst auf der, wache, Seele! Jesus bleibt betrübten Wegen Nahst du und hält die Wacht, Welchem ihnen voller Huld. ich euch froh befehle. Das ist 6. Bleibe; hält meine eine gute Nacht! Augen Jetzt noch ein geheimes Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Mel. Nun ruhen alle.( Hiob 8, 9. 1 Cor. 15, 10.) 570. Der Mond ist aufge- Tages Jammer Verschlafen und vergessen sollt. gangen, Die goldnenSternlein prangen Am Himmel hell und klar; Der Wald steht schwarz und schweiget, Und aus den Wiesen steiget Der weiße Nebel wunderbar. 3. Seht ihr den Mond dort stehen? Er ist nur halb zu sehen Und ist doch rund und schön! So find wohl manche Sachen, Die wir getroft belachen, Weil unsre Augen sie nicht sehn. 4. Wir stolze Menschenkinder Sind eitel arme Sünder Und 2. Wie ist die Welt so stille Und in der Dämmrung Hülle So traulich und so hold, Als eine stille Kammer, Wo ihr des E. Tageszeiten. Abend. 455 wissen gar nicht viel; Wir spin-| men Aus dieser Welt uns nehnen Luftgespinste Und suchen viele Künste, Und kommen weiter von dem Ziel. 5. Gott! laß uns dein Heil schauen, Auf nichts Vergänglichs trauen, Nicht Eitelkeit uns freun. Laß uns einfältig werden Und vor dir hier auf Erden, Wie Kinder, fromm und fröhlich seyn. men Durch einen sanften Tod; Und wenn du uns genommen, Laß uns in Himmel kommen, Du unser Herr und unser Gott! 7. So legt euch denn, ihr Brüder, In Gottes Namen nieder; Kalt weht der Abendhauch. Verschon uns, Gott, mit Strafen Und laß uns ruhig schlafen, Und unsre kranken Brüder Claudius, g. 1740 † 1815. auch! 6. Wollst endlich sonder GräEigene Mel. ( Psalm 121.) 571. Nun ruhen alle Wäl-| Christus mir anlegen Das Kleid der, Vieh, Menschen, Städt und Felder, Es schläft die ganze Welt. Ihr aber, meine Sinder Ehr und Herrlichkeit. 5. Das Haupt, die Füß' und Hände Sind froh, daß nun zum nen, Auf, auf! ihr sollt begin- Ende Die Arbeit kommen sey. nen, Was eurem Schöpfer Herz, freu dich! du sollst werwohlgefällt. den Vom Elend dieser Erden Und von der Sünden Arbeitfrei. 2. Wo bist du, Sonne, blieben? Die Nacht hat dich vertrieben, Die Nacht, des Tages Feind. Fahr hin! ein' andre Sonne, Mein Jesus, meine Wonne, Gar hell in meinem Herzen scheint. 6. Nun geht, ihr matten Glieder, Geht hin und legt euch nieder, Der Betten ihr begehrt. Es kommen Stund und Zeiten, Da man euch wird bereiten Zur Ruh ein Bettlein in der Erd. 3. Der Tag ist nun vergangen, Die gülduen Sterne prangen Am blauen Himmelsfaal. Also werd ich auch stehen, Wann mich wird heißen gehen Mein Gott aus diesem Jammerthal. 4. Der Leib eilt nun zur Ruhe, Legt Kleider ab und Schuhe, Das Bild der Sterblichkeit. Die zieh ich aus; dagegen Wird 7. Die Augen stehn verdrossen, Im Nu sind sie geschlossen; Wo bleibt dann Leib und Seel? Nimm sie zu deinen Gnaden, Sey gut für allen Schaden, Du Aug und Wächter Israel! 8. Breit aus die Flügel beide, O Jesu, meine Freude, Und nimm dein Kichlein ein! Will mich der Feind verschlingen, So 456 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. laß die Engel singen:„ Dieß Unfall noch Gefahr; Gott laff Kind soll unverleget seyn! 9. Auch euch, ihr meine Lieben, Soll heute nicht betrüben Ein Eigene Mel. 572. Werde munter, mein Gemüthe, Und ihr Sinnen, geht herfür, Daß ihr preiset Gottes Güte, Die er hat gethan an mir, Da er mich den ganzen Tag Vor so mancher schweren Plag Durch sein gnadenreiches Walten Hat beschirmet und erhalten. 2. Lob und Dank sey dir gesungen, Vater der Barmherzigkeit, Daß mir ist mein Werk gelungen; Daß du mich vor allem Leid Und vor Sünden mancher Art So getreulich haft bewahrt, Auch die Feind' hinweg getrieben, Daß ich unbeschädigt blieben! 3. Keine Klugheit kann ergründen Deine Güt' und Wunderthat; Ja kein Redner kann verkünden, Was dein Arm erwiesen hat! Deiner Wohlthat ist zu viel, Sie hat weder Maß noch Ziel; Herr! du hast mich so geführet, Daß kein Unfall mich berühret. 4. Bin ich gleich von dir gewichen, Stell ich mich doch wieder ein; Denn dein Sohn ist einst verblichen Für mich in der Todespein. Ich verleugne nicht euch selig schlafen, Stell euch die güldnen Waffen Ums Bett und seiner Engel Schaar! Gerhard, g. 1606 † 1676 ( Pf. 56, 6-8.) die Schuld; Aber deine Gnad und Huld Ist viel größer als die Sünde, Die ich immer in mir finde. 5. O du Licht der frommen Seelen, Odu Glanz der Ewigkeit! Dir will ich mich ganz befehlen Diese Nacht und allezeit; Bleibe doch, mein Gott, bei mir, Weil es nunmehr dunkel hier, Daß ich nimmer mich betrübe; Tröste mich mit deiner Liebe! 6. Wenn sich schon die Augen schließen Und ermüdet schlafen ein, Muß mein Herz dennoch beslissen Und auf dich gerichtet seyn; Meiner Seele mit Begier Träume stets, o Gott, von dir, Daß ich innig an dir hange Und auch schlafend dich umfange. 7. Laß mich diese Nacht empfinden Eine sanfte, süße Ruh; Alles Uebel laß verschwinden, Decke mich mit Segen zu; Leib und Seele, Muth und Blut, Weib und Kinder, Hab und Gut, Freunde, Feinde, Hausgenossen Sey'n in deinenSchuß beschlossen! 8. Ach bewahre mich vor Schrecken, Schüße mich vor E. Tageszeiten. Abend. 457 Ueberfall! Laß mich Krankheit| Was dein Kind gebeten hat! nicht aufwecken; Treibe weg des Krieges Schall! Wende Feu'r und Wassersnoth, Pestilenz und schnellen Tod; Laß mich nicht in Sünden sterben, Noch an Leib und Seel verderben. Jesu, den ich stets verehre, Bleibe ja mein Schuß und Rath; Und mein Hort, du werther Geist, Der du Freund und Tröster heißst, Höre doch mein sehnlich Flehen! Amen, ja es soll geschehen! Rist, g. 1607+ 1667. 9. O du großer Gott, erhöre, Mel. Allein Gott in der Höh.( Pſ. 92.) 573. Ergreife nun dein| nur im Fleische blüht, DerGott Harfenspiel, Da Licht und Tag nicht kennt, sein Werk nicht verschwindet, Und sich der lan- sieht, Noch seinen Eindruck gen Arbeit Ziel Spät in den fühlet. Schatten findet! Komm, Seele, dring zu Gottes Thron Und opfre deiner Lieder Ton, Vom Geist des Danks entzündet! 2. Nie ist man schöner aufgewacht, Als unter Preis und Loben; Nie fängt man sel'ger an die Nacht, Als wo das Herz, erhoben, Gott seine letzte Kraft noch schenkt, Die Spuren seines Raths durchdenkt Und seiner Liebe Proben. 3. Gott sorgt und waltet spät und früh, Treu, wie ein Vater pfleget; Gott wacht, er schläft und schlummert nie, Er, der den Weltbau träget. Wie ist ein Mensch so wohl daran, Der Gottes Wegen folgen kann Und sein Werk überleget! 4. Das ist nicht eines Sünders Thun, Der seine Zeit durchspielet, Den Tag verpraßt und heimlich nun Noch seine Lüste kühlet; Deß Leben 5. Doch du bleibst Gott, wenn er auch blind, Verzärtelt und verwöhnet, Frech, trozig, stolz und weltgesinnt Dich und dein Thun verhöhnet. Wie weht ihn Wind und Zeit davon! Bald welket er, er modert schon, Verflucht und unbethränet. 6. Ich bete dich im Dunklen an, Doch in dein Licht entzücket, Gott, den ich nicht satt denken kann, Deß Name schon erquiket! Wie selig ist, wer dich erkennt, Wer dich im Glauben Vater nennt, Wie hoch ist der beglücket! 7. Du hebst mein froheshaupt empor; Wer ist es, der mir schade? Nichts sieht mein Aug, nichts hört mein Ohr, Als allenthalben Gnade. Ich weiß mich mit dir ausgefühnt, Ich grüne, wie ein Palmbaum grünt, Im Alter noch gerade. 8. O möchte sich von Stund 458 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. zu Stund Mein Herz in dir| den Tag, Das meiner Nächte entzünden! O könnte doch mein Geist, mein Mund Genug des Lobens finden: Wie du so fromm, so gnädig bist, Und wie kein Unrecht an dir ist, Der Nachwelt zu verkünden. 9. Das sey mein Tagwerk jeDichten! Ob mich der Schlaf umhüllen mag, Vergeff' ich dein mit nichten. Gott! nimm dieß Abendlied von mir, Bald Morgens knie' ich neu vor dir, Mein Opfer zu entrichten. Lehmus, g. 1707 † 1788. Mel. Die Nacht ist vor der Thür.( Pf. 57, 2.) Sünd und Höll, Hier ist Immannel! 574.„ Die Nacht ist nie-| er bald zurücke. Troß Teufel, mands Freund," Doch, weil ich Jesum faffe, So fürcht ich feinen Feind Mit seinem Grimm und Hasse; Er ists, der auch die Nacht Mir stets zur Freundin macht. 4. Ich werde diese Nacht Als wie ein Todter liegen; Drum laffe deine Wacht Sich um mein Lager fügen, und deiner Allmacht Schein Bei meiner Unmacht seyn. 2. Heb alle Feindschaft auf, Freund, den mein Herze liebet; Und wo mein Lebenslauf Dich hier und dort betrübet, Sotilge meine Schuld Mit Huld und mit Geduld. 3. Zwar hab ich einen Feind, Der voller List und Tücke: Doch wo dein Antlitz scheint, Da fällt 5. Der Schlaf, des Todes Bild, Heißt mich ans Grab gedenken; Tod, komme, wann du willt, Ich will mich gar nicht kränken; Mich bringt der letzte Feind Zu meinem besten Freund! Schmolk, g. 1672 † 1737. Mel. Ach was soll ich Sûnder.( Pf. 39, 5-8.) Fluß Mit dem schnellsten Wasserguß. 575. Ach mein Jesu! sieh de, Fließt dahin, als wie ein ich trete, Da der Tag nunmehr sich neigt Und die Finsterniß sich zeigt, Hin zu deinem Thron und bete; Neige du zu deinem Sinn Auch mein Herz und Sinnen hin. 3. Aber, Jesu, fieh ich Armer Nehme mich doch nicht in Acht, Daß ich dich bei Tag und Nacht Herzlich suchte, mein Erbar2. Meine Tage gehn geschwin- mer; O wie mancher Tag geht de Wie ein Pfeil zur Ewig- hin, Da ich kalt und träge bin! keit; Auch die allerlängste Zeit 4. Ach ich muß mich herzlich Rauscht vorüber wie die Win- schämen, Du erhältst und schü E. Tageszeiten. Abend. 459 zest mich Tag und Nacht so Sonnenlicht, Das durch alles gnädiglich, Und ich will mich nicht bequemen, Daß ich ohne Heuchelei Dir dafür recht dankbar sey. 5. Nun, ich komme mit Verlangen, O mein Herzensfreund, zu dir: Neige du dein Licht zu mir, Da der Tag nunmehr vergangen; Sey du selbst mein Mel. O du Liebe.( Pf. 51, 6.) 576. Herr und Gott der Tag' und Nächte, Der du wachst im Himmelszelt Und voll Gnaden deine Rechte Ausstreckst über diese Welt, Sieh, wie deines Kindes Seele, Da der Tag fich nun geneigt, Sich nach deines Worts Befehle Dankend vor dir niederbeugt. 2. Vater! ich bin zu geringe aller Treu und Gütigkeit, Die du, Wesen aller Dinge, Mir in meiner Lebenszeit Und auch heute haft erwiesen; O daß ich recht dankbar wär! Herr! dein Name sey gepriesen; Dein Herz ferner zu mir kehr. Finstre bricht! 6. Laß mich meine Tage zählen, Die du mir noch gönnen willt; Von dir sey mein Herz erfüllt: So wird mich nichts können quälen, Denn wo du bist Tag und Licht, Schaden uns die Nächte nicht. Schlicht, g. 1681 † 1723. 3. Sieh nicht an der Sünden Menge, Ach gedenke nicht der Schuld, Die du könntest rächen strenge; Habe doch mit mir Geduld! Reinige, Herr, mein Gewissen; Leib und Seel dir heilig sey! Dein Geist mache mich geflissen, Dir zu dienen ohne Scheu. 4. Laß mich nicht dahinten bleiben, Laß mich nicht zurücke sehn; Dein Geist müsse mich stets treiben, Unverrückt voranzugehn, Jenes Kleinod zu erfassen, Das mein Heiland mir erwarb, Als er dort am Kreuz, verlassen, Unter tausend Qualen starb. 5. Drauf will ich mich schlafen legen, Laß mich dir empfohlen seyn; Vater! gönne mir den Segen, Halte Leib und Seele rein. Ja dein Engel mich bewahre, Deine Gnade sey mein Schild, Bis ich einst zum Heiland fahre Und erwach nach seinem Bild. Nach Freylinghausen. Mel. Jesu, meine Freude.( Spr. 48, 10. 14, 26.) 577. Hirte deiner Schafe, dermilde Diente mir zum Der von keinem Schlafe Etwas wissen mag! Deine WunSchilde Denvergangnen Tag; Sey die Nacht Auch auf der 460 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. Wacht Und laß mich von dei-| deine Flügel Nimm dein Kichnen Schaaren Um und um bewahren! lein ein; Deck uns zu Mit Schuß und Ruh, So wird uns kein Grauen wecken, Noch der Feind uns schrecken. 2. Decke mich von oben Vor der Feinde Toben Mit der Vaterhuld! Ein versöhnt Gewissen Sey mein Ruhekissen; Ach vergib die Schuld! Jesus Christ Mein Mittler ist; Er hat das, was ich verschuldet, Williglich erduldet. 3. Laß auch meine Lieben Keine Noth betrüben, Sie sind mein und dein! Schließ uns mit Erbarmen In den Vaterarmen Wohlgeborgen ein! Du bei mir Und ich bei dir! Also sind wir ungeschieden, Und ich schlaf im Frieden. 4. Komm, verschließ die Kammer Und laß allen Jammer Ferne von uns seyn! Sey du Schloß und Riegel, Unter 5. Wie? wenn ich mein Bette Hent zum Grabe hätte? Jego roth- bald todt? Drum, hast du's beschlossen, Sterb ich unverdrossen, Herr, auf dein Gebot! Nicht will ich, Herr, wi der dich! Hab ich Heil in dir gefunden, Sterb ich alle Stunden. 578. Herr! es ist von meinem Leben Abermal ein Tag dahin; Lehre mich nun Achtung geben, Ob ich fromm geworden bin? Zeige mir auch ferner an, So ich was nicht recht gethan, Und hilf jetzt in allen Sachen Guten Feierabend machen. 6. Nun wohlan, ich thue In vergnügter Ruhe Meine Angen zu; Seele, Leib und Leben hab ich dir ergeben, Treuer Hüter du! Gute Nacht! Nimm mich in Acht! Und erleb ich je den Morgen, Wirst du weiter sorgen. Schmolf, g. 1672 † 1737. Mel. Werde munter.( Pf. 109, 21. 26 und 27.) ich mich, Mein Erbarmer, wider dich! Wer kann merken, wer kann zählen, Wann wir und wie oft wir fehlen? 3. Aber, o du Gott der Gnaden, Hab durch Christum noch Geduld! Ich bin freilich schmer beladen, Doch vergib mir alle Schuld; Deine große Vatertreu Werd auch diesen Abend neu, So will ich, Herr, deinen Willen Künftig mehr als heut erfüllen. 2. Freilich wirst du manches finden, Das dir nicht gefallen hat; Denn ich bin noch voller Sünden In Gedanken, Wort und That. Ach wie oft vergieng| 4. Heilige mir das Gemüthe, E. Tageszeiten. Abend. 461 Daß mein Schlaf nicht fündlich| 6. Herr! dein Auge geht nicht sey; Decke mich mit deiner Güte Und dein Engel steh mir bei; Lösche Feu'r und Lichter ans Und bewahre selbst das Haus, Daß ich morgen mit den meinen Nicht im Unglück müsse weinen. unter, Wenn es bei uns Abend wird, Denn du bleibest ewig munter Und bist wie ein guterHirt, Der auch in der finstern Nacht Ueber seine Heerde wacht: Darum hilfuns, deinen Schafen, Daß wir alle sicher schlafen. 5. Steure den gottlosen Leuten, Die im Finstern Böses thun; Sollte man gleich was bereiten, Uns zu schaden, wenn wir ruhn: So zerstöre du den Rath Und verhindere die That, Wend auch allen andern Schreden, Den die Bosheit will erwecken. Mel. Nun sich der Tag. 579. Gott, der du Gnad und Weisheit hast, Hast alles wohlgemacht; Du gibst den Tag zu Müh und Last, Und dann zur Ruh die Nacht. 2. Da geht die Seele nicht mehr aus, Zieht Thür und Fenster zu Und will, wie im verschloßnen Haus, Allein seyn und in Ruh. 7. Laß mich dann gefund erwachen, Wann es rechte Zeit wird seyn, Daß ich ferner meine Sachen Richte dir zu Ehren ein; Oder hast du, lieber Gott, Heut bestimmet meinen Tod, So befehl ich dir am Ende Leib und Seel in deine Hände! Kaspar Neumann, g. 1648 † 1715. ( Pf. 3, 6.) 3. Wie wohl ruht, wer sich müd geschafft, Wen Hiß und Kummer traf; Wie fühlt der Kranke neue Kraft Auf einen sanften Schlaf! 4. Da soll dir danken, wer sich legt Und wer vom Lager steigt, Daß Gott, der alle Dinge trägt, So gütig sich bezeugt. 5. Noch mehr soll ich dir dankbar seyn In meinem Christenlauf; In Jesu Namen schlaf ich ein, Mit Jesu steh ich auf. 6. Sterb ich, so schlaf ich wie ein Kind, Das Gott besorgen mag; Denn die im Herrn entschlafen sind, Weckt er am jüngsten Tag. Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Mel. Herzlich thut mich.( Luc. 2, 29. 30.) 580. Herr! es gescheh dein| Die müden Augen zu. Erlaß Wille; Mein Leib eilt nun zur Ruh, Es fallen in der Stille mir Schuld und Strafe, Daß ich, von Sünden rein, Zum 462 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. Tode wie zum Schlafe Berei-| Ende macht, Dann stärk mich), tet möge seyn. wenn das Schrecken Der leßten Stunde droht; Du wirst mich auferwecken: Ein Schlaf uur ist mein Tod. 2. Laß, fern von Schreckensbildern Und wilder Träumerei, Die Seele nichts sich schildern, Das ihrer unwerth sey; Laß frei von eitlen Sorgen Den Tag mich wiedersehn Und auf den Kampfplag morgen Mit neuen Kräften gehn. 4. Drum fahr ich hin mit Freuden Zu Jesu, meinem Herrn! Die Welt und ihre Leiden, O Gott, verlass' ich gern. Wohl dem, der bis ans Ende Sich als ein Christ erweist: Mein Gott, in deine Hände Befehl ich meinen Geist! von Eronegt, g. 1731 † 1758. 3. Doch, wenn der Todesschlummer Für mich in dieser Nacht Den Freuden sammt dem Kummer Ein schnelles Mel. Jesu, der dy.( Jes. 60, 20.) 581. Gott der Lage, Gott der Nächte! Unsre Seele harret dein, Lehnet sich an deine Rechte, Nie kannst du uns ferne seyn; Auch in stiller Nächte Stunden Hat dich manches Herz gefunden und sich aus dem Lärm der Welt Einsam bei dir eingestellt. 2. Vater! viele Menschen weinen, Viele Kranke schmachten nun; Aber du verläsfest keinen, Heißest wachen, heißest ruhn, Trockneft viele tausend Thränen Und erfüllst das heiße Sehnen Unzählbarer Leidenden, Die um Ruh und Lindrung flehn. 3. Vater! sende Muth den Schwachen, Licht in jedes dunkle Herz. Allen, die bekümmert wachen, Lindre du den heißen Schmerz. Laß die Wittwen, laß die Waisen Deine Lieb und Treue preisen; Gönne Kranken sanfte Ruh; Sterbanden sprich Tröstung zu. 4. O du treuer Menschenhüter! Nacht ist vor dir wie der Tag; Allgewaltiger Gebieter, Du verwandelst Schmerz und Plag Unversehns in Dank und Freuden: Ach laß alle, die jetzt leiden, Bald erlöst aus ihrer Pein Deiner Vaterhuld sich freun! 5. Vater!- dieser Nam erweitert Jede Brust voll Augst und Schmerz; Wie der Mond die Nacht erheitert, Kommt die Ruh in jedes Herz, Das nach deinem Troste weinet, Eh die Sonne wieder scheinet. O wie oft verwandelst du Bangen Schmerz in süße Ruh! 6. Jesus Christus! manche E. Tageszeiten. Abend.( Schluß der Woche.) 463 Nächte Hast du für uns durch gewacht Und dem menschlichen Geschlechte Durch dein Wachen Nuh gebracht; Tröster! du willst deinen Kindern Auch durch Schlaf den Kummer lindern: Wachen oder schlummern sie, Weichst du doch von ihnen nie. Mel. Freu dich sehr.( Ps. 109, 21.) Last des Eitlen frei, Von den Bürden dieser Erde, Wann ich nun unsterblich werde. 582. Sint ich einst in jenen| ich Wanderer dann sey Von der Schlummer, Aus dem feiner mehr erwacht, Geh ich aus der Weltvoll Kummer, Todesruh, in deine Nacht: O dann schlaf ich anders ein; Weg aus dieses Lebens Pein Wall ich hin zu derer Hütten, Die, nun glücklich, hier auch litten! 3. Gerne laß den Tag mich sehen, Der als Netter mir erscheint, Wenn mit unerhörtem. Flehen, Wer mich liebet, um mich weint; Stärker als mein Freund im Schmerz Sey mein gottverlangend Herz, Daß ich, voll von deinem Preise, Ihn zu dir gen Himmel weise. Klopstod, g. 1724 † 1803. 2. Jezzo schlaf ich, aufzuwachen Noch für Tage dieser Zeit. Laß mich fertig stets mich machen, Vater, zu der Ewigkeit, Daß Lavater, g. 1741 † 1801. Am Schluß der Woche. Mel. Wer weiß, wie nahe.( Pf. 74, 16.) 583. So ist die Woche nun geschlossen, Doch, treuer Gott, dein Herze nicht; Wie sich dein Segensquell ergossen, So bin ich noch der Zuversicht, Daß er sich weiterhin ergießt Und unaufhörlich auf mich fließt. 2. Ich preise dich mit Hand und Munde, Ich lobe dich, so hoch ich kann, Ich rühme dich von Herzensgrunde Für alles, was du mir gethan, Und weiß, daß dir durch Jesum Christ Mein Dank ein süßer Weihrauch ist. 3. Hat mich bei meinen Wochentagen Das liebe Kreuz auch mit besucht, So gabst du auch die Kraft zu tragen; Zudem, es ist voll Heil und Frucht Durch deine Lieb, o Herr, zu mir, Und darum dank ich auch dafür. 4. Nur eines bitt ich über alles, O dir versagst mir solches nicht: Gedenke keines Sündenfalles Und geh mit mir nicht ins Gericht, Weil Jesus meine Missethat Durch seinen Tod gebüßet hat. 464 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. 5. Dein Eid ist ja noch nicht| meiner Zeit; Sollt es die letzte gebrochen, Du brichst ihn nicht Woche seyn, So führe mich in Ewigkeit, Da du dem Sün- zum Himmel ein. der haft versprochen: Daß er, wenn ihm die Sünde leid, Nicht sterben, sondern gnadenvoll Wie ein Gerechter leben soll. 6. Mein Glaube hält an diesem Segen Und will also den Wochenschluß Vergnügt und froh zurückelegen, Da mich der Trost ergößen muß: Daß ich ja soll in Christo dein Und schon in Hoffnung selig seyn. 8. Wenn aber morgen ich aufs neue Den heilgen Sonntag feiern kanu, So blick die Sonne deiner Trene Mich auch mit neuen Gnaden an; Dann geh ich freudig in dein Haus, Da theilst du reichenSegen aus. 9. So will ich jetzt im voraus preisen, Was du mir künftge Woche gibst: Du wirst es mit der That beweisen, Daß du mich je und immer liebst Und leitest mich nach deinem Rath, Bis Leid und Zeit ein Ende hat. Erdmann Neumeister, g. 1671 t 1746. 7. Doch da mein Leben zugenommen, So bin ich auch der Ewigkeit Um eine Woche näher kommen, Vielleicht am Ziele| Am Schluß der Woche, auch des Jahrs. Mel. Herr, wie du willt.( Ps. 43, 3.) 584. Gottlob! ein Schritt| glüht Mein Herz, das du entzündet; Du bists, mit dem sich mein Gemüth Aus aller Kraft verbindet. Ich leb in dir und du in mir, Doch möcht ich, o mein Heil, zu dir, Noch immer näher dringen. zur Ewigkeit Ist abermals vollendet; Zu dir im Fortgang dieser Zeit Mein Herz sich sehnlich wendet, O Quell, daraus mein Leben fließt Und alle Gnade sich ergießt zu meiner Seele Leben. 2. Ich zähle Stunden, Tag und Jahr, Und wird mir fast zu lange, Bis es erscheine, daß ich gar, O Leben, dich umfange, Damit, was sterblich ist an mir, Verschlungen werde ganz in dir Und ich unsterblich werde. 3. Vom Feuer deiner Liebe 4. O daß du selber kämest bald! Ich zähl die Augenblicke: Ach komm, eh mir das Herz erkalt' Und sich zum Sterben schicke! Komm doch in deiner Herrlichkeit; Schau her, die Lampe steht bereit, Die Lenden sind umgürtet! 5. Doch sey dir ganz anheimgestellt Die rechte Zeit und XX. Die letzten Dinge. A. Vorber. auf den Tod. 465 Stunde, Wiewohl ich weiß, daß dirs gefällt, Wenn ich mit Herz und Munde Dich kommen heiße und darauf Von nun an richte meinen Lauf. Daß ich dir komm entgegen. sind Und meine Kniee wanken, So beut mir deine Hand geschwind Und halt mich in den Schranken Des Glaubens, daß in dir mein Herz Sich stärke, und ich himmelwärts Ohn' Unterlaß aufsteige. 6. Ich bin vergnügt, daß mich nichts kann Von deiner Liebe trennen Und daß ich frei vor jedermann Dich meinen Freund darf nennen, Und daß du dort, o Lebensfürst, Dich ganz mit mir vereinen wirst Und mir dein Erbe schenken. 7. Drum preif' ich dich aus Dankbarkeit, Daß sich die Woch ( das Jahr) geendet, Und also auch von dieser Zeit Ein neuer Schritt vollendet; Ach führ mich eilig weiter fort, Bis ich gelange an die Pfort Jerusalems dort oben. 8. Wenn auch die Hände lässig 9. Geh, Seele, frisch im Glauben dran Und sey nur unerschrocken; Laß dich nicht von der rechten Bahn Die Lust der Welt ablocken. So dir der Lauf zu langsam däucht, So eile, wie ein Adler fleugt, Mit Flügeln süßer Liebe. 10. O Jesu! meine Seele ist Zu dir schon aufgeflogen: Du hast, weil du voll Liebe bist, Mich ganz zu dir gezogen. Fahr hin, was heißet Stund und Zeit, Ich bin schon in der Ewigkeit, Weil ich in Jesu lebe! Frand, g. 1663 † 1727. XX. Die letzten Dinge. A. Vorbereitung auf den Tod. Mel. Jesus, meine Zuversicht.( Ps. 90. 12. Gir. 1, 13.) 585. Meine Lebenszeit verstreicht, Stündlich eil ich zu dem Grabe; Und wie wenig ists vielleicht, Das ich noch zu leben habe? Denk, o Mensch, an deinen Tod, Säume nicht, denn eins ist noth! 2. Lebe, wie du, wenn du stirbst, Wünschen wirst gelebt Evangelisches Gesangbuch. zu haben! Güter, die du hier erwirbst, Würden, die dir Menschen gaben, Nichts wird dich im Tod erfreun: Dieſe Güter sind nicht dein. 3. Nur ein Herz, das Gutes liebt, Nur ein ruhiges Gewissen, Das vor Gott dir Zeugniß gibt, Wird dir deinen Tod 30 466 XX. Die letzten Dinge. versüßen; Dieses Herz, von 6. Ueberwind ihn durch VerGott erneut, Gibt im Tode Frendigkeit. traun, Sprich:„ ich weiß, an wen ich glaube, Und ich weiß, ich werd ihn schaun, Denn er weckt mich aus dem Staube; Er, der rief: es ist vollbracht! Nahm dem Tode seine Macht." 4. Wenn in deiner legten Noth Freunde hilflos um dich beben, Dann wird über Welt und Tod Dich dieß reine Herz erheben, Dann erschreckt dich kein Gericht: Gott ist deine Zuversicht! 5. Daß du dieses Herz erwirbst, Fürchte Gott und bet und wache, Sorge nicht, wie früh du stirbst, Deine Zeit ist Gottes Sache. Lern nicht nur den Tod nicht scheun, Lern auch seiner dich erfreun. 7. Tritt im Geist zum Grab oft hin, Siehe dein Gebein, versenken; Sprich:„ Herr! daß ich Erde bin, Lehre du mich selbst bedenken; Lehre du michs jeden Tag, Daß ich weiser werden mag." 2. Du Gott der Ewigkeit, Der mir dieß Leben gab, Ich geb es dir zurück Und was ich bin und hab! Ich will nur leben dir, Dir will ich sterben auch; Gib, daß ich Zeit und Kraft Zu deinem Dienst gebrauch. 3. Nnn, ich verlaff' die Welt Und will zum Vater gehn; Hier bin ich nicht zu Haus, Will nicht zurücke sehn. Der kurze Rest der Zeit Soll dir gewidmet Gellert, g. 1715 † 1769. Mel. O Sünder, denfe wohl.( 2 Cor. 5, 1-10.) 586. Sp Do gehts von Schritt| seyn: Ja, Vater, ich bin hier zu Schritt zur großen Ewig- Und dort auch ewig dein! keit! So unvermerkt verfließt/ 4. Bereite mich, und wenn Die kurze Lebenszeit! Wo blieb Dieß Leben ist vorbei, Du Herr, so mancher Tag, Und wo so mein bleibend Gut, Mein wahmanches Jahr? Was bleibt res Leben sey; Verlaß mich dann dem Sterblichen Von dem, was auch nicht Im letzten Augengestern war? blick, Daß ich auf Jesum seh Und nicht auf mich zurück. 5. Der Feind hat nichts an mir, Das Herz in Jesu ruht; Tief in mein Nichts versenkt, Ist Jesus all mein Gut. O wie verdank ichs dir, Daß du zu mir gewandt Dein offnes Vaterherz Und wurdest mir bekannt! 6. Dich, Vater, Sohn und Geist, Dich nenn ich meinen Gott, Nenn meinen Schöpfer sich, Mein Heil in Noth und A. Vorbereitung auf den Tod. 467 Tod. Es ist mir herzlich lieb,| wünsch ich mir Die ganze Daß du bist, der du bist, Und Ewigkeit. daß mein ganzes Heil In deinen Händen ist. 8. Ich lege meinen Geist In deine treue Hand; Mein Heiland, du bewahrst Dieß dir vertraute Pfand. Mein legter Athemzug Soll reine Liebe feyn! Ausgehend geh meinGeift In deine Ruhe ein! Nach Tersteegen. 7. Ich zeuge, daß du bist Das ewig sel'geGut, Darinder Geist allein Lebt und im Frieden ruht. Dich ehren nur ist Ehr, Dein Dienst ist Seligkeit, Und dazu Mel. Mein Jesu, den die.( Apostelgesch. 4, 12.) 587. Wie thöricht handelt doch ein Herze, Das außer Jesu Ruhe sucht und sich mit tausendfachem Schmerze Abmattet, und als auf der Flucht Nach einem Rauch und Schatten rennet, Bald dieß bald jenes ihm erwählt, Und doch des rechten Zwecks verfehlt, Weil es nicht seinen Ursprung kennet! 2. Ein Stein kann keine Ruhe haben, So lang er in den Lüften schwebt; Ein Thier kann nicht im Meer sich laben, Wenns von Natur auf Erden lebt; Das Vöglein schwingt sich in die Höhe; Das Würmlein kriecht in seiner Erd, Und alle Kreatur begehrt, Daß sie in ihren Ursprung gehe. 3. Und du, der du von Gott gekommen, Ein Hauch und Strahl von seinem Geist, Hast also wenig dieß vernommen, Daß man dich billig thöricht heißt: Weil du auf Erden das willt finden, Was nur der Himmel geben kann; Umsonst greifst du dieß alles an; Die Thorheit ist nicht auszugründen. 4. Wie kann das Sterbliche vergnügen Die Seele, die unsterblich ist? Soll das, was ewig, unterliegen Dem, was nur dauert kurze Frist? Wie kann, was irdisch, dich ergößen, Da du zum Himmel bist gemacht? Du bist von Gott se hoch geacht't, Und weißt nicht deinen Werth zu schätzen! 5. O Schande, du gibst deinen Adel Und deine Herrlichkeit dahin! Dein Schöpfer, der dich ohne Tadel Geformt nach seiner Weisheit Sinn, Muß selbst bei dir zurückestehen; Sein schönes Reich ist dir zu schlecht; Darum geschieht dir nur dein Recht, Wenn du dich mußt betrogen sehen. 6. Wie aber, wenn du gar daneben In Lastern suchest deine Lust, Und dich abkehrend deinem Leben, Der Sünd eröff XX. Die letzten Dinge. 468 nest Herz und Brust, Die Gott zum Tempel hat erkoren, So denk, wie groß sey deine Schuld! Wie schmähst du nicht des Schöpfers Huld;- Da wärst du lieber nie geboren! 7. Kehr dich zu Gott, verlaß die Sünden, Sag ab der Thorheit dieser Welt; Dann kann dein Herz erst Ruhe finden, Wenn dir der Himmel bloß gefällt. Die Erde wankt, drum muß man gleiten, Wenn man darauf zu ruhn vermeint; Wer aber sich mit Gott vereint, Hat Fried und Ruh zu allen Zeiten. 8. Da ruht das Kindlein recht mit Frieden Gar sanft in seiner Mutter Schoos; Der Wandersmann wird nach Ermüden Des Tages Last und Hize los; Die Fesseln werden abgenommen, Die den Gefangenen gedrückt; Das Schifflein ist dem Sturm entrückt Und nun in seinen Port gekommen. 9. Das Kichlein flüchtet zu der Hennen. Das Schäflein, wel ches sich verirrt, Kann nun des Hirten Stimm erkennen Und wird derHeerde zugeführt; Der Sohn, der sich bisher verloren und in die Ferne weggewandt, Wird von dem Vater nun erkannt und gleichsam wieder neugeboren. 10. Drum weg mit allen eitlen Dingen! Ach gehe ein zu deiner Ruh Und glaub, es muß dir hier gelingen, Sagst du nur Gott die Treue zu! Hier schmeckest du bereits den Frieden, Den alle Welt nicht geben kann; Dort gehet recht die Ruhe an, Da du von Gott nie wirst geschieden. von Bonin, g. 1682+ 1752. Eigene Mel.( 1 Petri 1, 24. 1 Job. 2, 17.) 588. Ach wie nichtig, ach| flüchtig Ist der Menschen Freuwie flüchtig Ist der Menschen Leben! Wie ein Nebel bald entstehet Und auch wieder bald vergehet, So ist unser Leben; fehet! de! Wie sich wechseln Stund und Zeiten, Licht und Dunkel, Fried und Streiten, So sind unsre Fröhlichkeiten. 4. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig Ist der Menschen Schöne! Wie ein Blümlein bald vergehet, Wenn ein rauhes Lüftlein wehet, So ist unsre Schöne; sehet! 5. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig Ist der Menschen 2. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig Sind der Menschen Tage! Wie ein Strom beginnt zu rinnen Und mit Laufen nicht hält innen, So fährt unsre Zeit von hinnen. 3. Ach wie nichtig, ach wie A. Vorbereitung auf den Tod. Stärke! Der als Löwe sich erwiesen, Gestern noch gekämpft mit Riesen, Den muß heut ein Grab umschließen! 6. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig Ifts mit unsrem Glüde! Wie sich eine Kugel drehet, Die bald da, bald dorten stehet, So ists mit dem Glücke; fehet! 7. Ach wie nichtig, ach wie 10. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig Sind der Menschen Schäße! Es kann Gluth und Fluth entstehen, Dadurch, eh wirs uns versehen, Alles muß zu Trümmern gehen. 11. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig Ist der Menschen Prangen! Der in Purpur, hoch flüchtig Ist der Menschen Eh- vermessen, Ist gleich wie ein re! Ueber den, dem man hat müssen Heut die Hände höflich küssen, Geht man morgen gar mit Füßen. Gott gesessen, Dessen wird im Tod vergessen. 8. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig Ist der Menschen Wissen! Solcher Wiß, der allerorten Sich gebläht mit prächtgen Worten, Ist gar bald zu Schanden worden. 469 ersonnen, Ist er je dem Tod entronnen? 9. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig Ist der Menschen Dich ten! Der die Künste liebgewonnen Und manch schönes Werk 2. Das, was man um dich spüret, Was dich betrüglich zieret, Dein Ansehn, deine Gunst, 12. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig Ist der Menschen Herrschen! Der durch Macht sehr hoch gestiegen, Muß sich vor dem Tode schmiegen Und im Grab erniedrigt liegen. 13. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig Sind der Menschen Sachen! Alles, alles, was wir sehen, Daß muß fallen und vergehen; Wer Gott hat, bleibt ewig stehen! Michael Frand, g. 1609 † 1667. - Mel. Nun ruhen alle.( Pf. 103, 15-18.) 589. Was willst du, armes| Ist nur ein Haus der Plagen, Leben, Dich tropig noch erheben? Du mußt ohn' Säumniß fort, Wie, ferne von der Erden, Die schnellen Wolken werden Zerflattert durch den rauhen Nord. und recht davon zu sagen: Ist nur ein Schatten, Rauch und Dunst. 3. Drum weil ich ja muß sterben, So will ich mich bewerben Um ein recht gutes Gut ,, Um ein standhaftes Leben, Das Christus mir kann geben Durch seiner Unschuld heilig Blut. 470 XX. Die letzten Dinge. 4. Herr Jesu, Schreck der Höl-| Strahlen deiner Wonne Verlen! Der du uns tausend Stel- klärst mein blödes Angesicht. len Im Himmel eingeräumt: Nimm mich in deine Hände, Weil meines Lebens Ende Vielleicht sich nahet ungesäumt. 6. So werd ich selber schauen, Worauf wir hier nur bauen Durch Glauben an dein Wort, Und mit der Schaar der Frommen Aus Sturm und Wellen kommen zu dem gewünschten Friedensport. 5. Eil aus der finstern Höhle Mit meiner armen Seele Und bring mich an das Licht, Da du, selbst Glanz und Sonne, Mit Dach, g. 1605 † 1659. Eigene Mel.( Gir. 18, 22. 26. Joh. 11, 25 2c.) 590. Wer weiß, wie nahe| len Fällen:„ Herr! wie du willt, mir mein Ende? Hin geht so schicks mitmir." Mein Gott, die Zeit, her kommt der Tod; ich bitt durch Christi Blut: Wie unvermuthet, wie behende Machs nur mit meinem Ende Kann kommen meine Todes- gut! noth! Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut! 2. Es kann vor Abend anders werden, Als es am frühen Morgen war; So lang ich leb auf dieser Erden, Schweb ich in steter Todsgefahr. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut! 5. Mach mir stets füße deinen Himmel Und bitter diese schnöde Welt; Gib, daß mir in dem Weltgetümmel Die Ewigkeit sey vorgestellt. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut! 3. Herr! lehr mich stets mein End bedenken, und ehe denn ich sterben muß. Die Seel in Jesu Tod versenken Und ja nicht sparen meine Buß! Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut! 6. Ach Vater! deck all meine Sünde Mit dem Verdienste Jesu zu, Damit ich hier Vergebung finde Und dort die lang gewünschte Ruh. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut! 4. Laß mich bei Zeit mein Haus bestellen, Daß ich bereit sey für und für Und sage frisch in al7. Nichts ist, das mich von Jesu scheide, Nichts, es sey Leben oder Tod! Ich leg die Hand in seine Seite Und sage: ,, mein Herr und mein Gott!" Mein A. Vorbereitung auf den Tod. 471 Gott, ich bitt durch Christi| 10. So komm mein End heut Blut: Machs nur mit meinem Ende gut! 8. Ich habe Jesum angezogen Schon längst in meiner heilgen Tauf; Du bist mir auch daher gewogen, Hast mich zum Kind genommen auf; Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut! 9. Ich habe Jesu Leib gegessen, Ich hab sein Blut getrunken hier; Nun kannst du meiner nicht vergessen, Ich bleib in ihm, und er in mir. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut! . oder morgen: Ich weiß, daß mirs mit Jesu glückt; Ich bin und bleib in seinen Sorgen, Mit Jesu Gnaden ausge= schmückt. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut! 11. Ich leb indeß in dir vergnüget Und sterb ohn' alle Kümmerniß; Es gehe, wie mein Gott es füget, Ich glaub und bin es ganz gewiß: Durch deine Gnad und Christi Blut machst du's mit meinem Ende gut. Emilie Juliane, Gräfin v. Schwarzburg Rudolstadt, g. 1637 † 1706. Mel. Ich hab mein Sach Gott.( Jes. 38, 1. Pf. 39, 5.) 591. Wie fleucht dahin der| wohn, So lange lehr mich, GotMenschen Zeit, Wie eilet man zur Ewigkeit! Wie wen'ge denken an die Stund Von Herzensgrund, Wie schweigt hievon der träge Mund! tes Sohn! Gib, daß ich zähle meine Tag', Der Welt entsag, Daß, eh ich sterb, ich sterben mag! 2. Das Leben ist gleich einem Traum, Gleich einem nichtgen Wasserschaum, Dem Grafe gleich, das heute steht Und schnell vergeht, Sobald nur Wind darüber weht. 5. Was hilft die Welt in lezter Noth, Lust, Ehr und Reichthum in dem Tod? Bedenks, o Mensch, was läufest du Dem Schatten zu?- So kommst du nicht zur wahren Ruh! 6. Weg Eitelkeit, weg Therenlust! Mir ist das höchste Gut bewußt; Das such ich nur, das bleibet mir So dort wie hier; Herr Jesu! zieh mein Herz nach dir. 7. Was wirds do seyn, wenn 3. Nur du, Jehovah, bleibest mir Das, was du bist; ich traue dir. Laß Berg und Hügel fallen hin: Mir ists Gewinn, Wenn ich nur bei dem Heiland bin. 4. So lang ich in der Hütte 472 XX. Die letzten Dinge. ich dich seh Und dort vor dei-| dessen lehre mich, Daß stetig ich nem Throne steh! Du unter- Mit klugem Herzen suche dich. J. Neander, g. 1610# 1680 Mel. Wer weiß, wie nahe.( Sirach. 7, 40. Ebr. 9, 27.) 592. Jest leb ich; ob ich morgen lebe, Ob diesen Abend, weiß ich nicht; O Herr, dem ich mein Herz ergebe, Lehr du mich selbst die große Pflicht: Durch deines heilgen Geistes Kraft| Mensch, dieser Augenblick ist 4. Verschiebe niemals deine Pflichten; Was jetzt zu thun du schuldig bist, Denk nicht erst morgen auszurichten; Wer weiß, obs morgen möglich ist? Stets fertig seyn zur Rechenschaft. dein; Der künftge wirds vielleicht nicht seyn! 2. Die Blume, die am Morgen stehet, Fällt vor der Abenddämmrung ab; Die Luft, die jetzt mich angewehet, Stürzt mich vielleicht ins nahe Grab; Der Jüngling, eh er sichs verfieht, Stirbt, und ist noch nicht aufgeblüht. 3. Entziehe dich dem Weltgetümmel, Hier ist der Kampf, dort ist die Ruh; Dein Wandel, Seele, sey im Himmel, Dann eilest du dem Leben zu! Nach einer kurzen Prüfungszeit Ist Ewigkeit, ist Ewigkeit! 5. Noch eh ich diesen Tag vollende, Ergreift vielleicht mich schon der Tod; Drum lehr mich denken, Herr, ans Ende, An meine letzte Todesnoth: O laß, stellt sie sich plötzlich ein, Laß Del in meiner Lampe seyn! 6. Es sey, o Vater meines Lebens, Wann einst die lette Stunde schlägt. Der schwache Seufzer nicht vergebens, Der sich in meinem Herzen regt. Und sterb ich einen schnellen Tod, Sey mir barmherzig, Herr, mein Gott! von Hippel, g. 1741 † 1796. Mel. Wenn wir in höchsten.( Pf. 39, 5. 6. Col. 1, 22. 23.) 593. Wie sicher lebt der| zu vielen noch ein Jahr, Und Mensch, der Staub! Seinleben ist ein fallend Laub, Und dennoch schmeichelt er sich gern, Der Tag des Todes sey noch fern. keiner nimmt den Irrthum wahr. 2. Der Jüngling hofft des Greises Ziel, Der Mann noch seiner Jahre viel, Der Greis 3. Sprich nicht: ich denk in Glück und Noth Im Herzen oft an meinen Tod;" Der, den der Tod nicht weiser macht, Hat nie mit Ernst an ihn gedacht. A. Vorbereitung auf den Tod. 473 4. Wir leben hier zur Ewig-| wirket fie; Du aber ringe stets feit, zu thun, was uns der Herr gebeut; Und unsers Lebens kleinster Theil Ist eine Frist zu unsrem Heil. nach ihr, Als wäre sie ein Werk von dir. ( br. 12, 14.) 10. Der Zweck des Lebens, das du lebst, Dein höchstes Ziel, nach dem du strebst, Und was dir ewig Glück verschafft, Ist Tugend in des Glaubens Kraft; 11. Ihr alle seine Tage weihn, Heißt eingedenk des Todes seyn; Und wachsen in der Heiligung, Ist wahre Todserinnerung. 12. Wie oft vergess' ich diese Pflicht! Herr, geh nicht mit mir ins Gericht! Präg selbst des Todes Bild mir ein Und lehre du mich wachsam seyn; 13. Daß ich mein Herz mit jedem Tag Vor dir, o Gott, erforschen mag: Ob Liebe, Demuth, Fried und Treu, Die Frucht des Geistes, in mir sey? 14. Daß ich zu dir um Gnade fleh, Stets meiner Schwachheit widersteh Und sterbend, in des Glaubens Macht Mit Freuden ruf: es ist vollbracht! Gellert, g. 1715 † 1769. 5. Der Tod rückt Seelen vor Gericht; Da bringt Gott alles an das Licht und macht, was hier verborgen war, Den Rath der Herzen, offenbar.( Ebr. 9, 27.) 6. Drum, da dein Tod dir täglich dräut, So sey doch wacker und bereit; Prüf deinen Glauben als ein Christ, Ob er durch Liebe thätig ist? 7. Ein Seufzer in der letzten Noth, Ein Wunsch: durch des Erlösers Tod Vor G: ttes Thron gerecht zu seyn, Dieß macht dich nicht von Sünden rein. 8. Ein Herz, das Gottes Stimme hört, Ihr folgt und sich vom Bösen kehrt, Eingläubig Herz, von Lieb erfüllt, Dieß ist es, was in Chrifto gilt. 9. Die Heiligung erfordert Müh; Du wirkst sie nicht, Gott Mel. Wer weiß, wie nahe.( Pf. 5, 5. hesef. 18, 23.) 594. Ich sterbe täglich, und| zum Sarg und Grab; Ein mein Leben Eilt immer zu dem Grabe hin; Wer kann mir einen Bürgen geben, Ob ich noch morgen lebend bin? Die Zeit geht hin, der Tod kommt her, Ach wer nur immer fertig wär! Apfel, der den Wurm schon heget, Fällt endlich unversehens ab; Ich weiß, es ist der alte Schluß: Daß ich zu Erde werden muß. 2. Ein Mensch, der sich mit Sünden träget, Ist immer reif 3. Es kann vor Abend anders werden, Als es am Morgen mit mir war; Den einen Fuß 474 XX. Die letzten Dinge. hab ich auf Erden, Den andern| niederfällt, Die Seel an Christi in der Todtenbahr; Ein einzger Kreuz sich hält. Schritt nur ist dahin, Wo ich der Würmer Speise bin. 4. Es schickt der Tod nicht immer Boten, Er kommt gar oft unangemeld't Und fordert uns ins Land der Todten; Wohl dem, der Herz und Haus bestellt! Denn ewig Weh und ewig Glück Hängt oft an einem Augenblick. 7. Vielleicht kann ich kein Wort mehr sagen, Wann Auge, Mund und Ohr sich schleußt, Drum bet ich bei gesunden Tagen: Herr! dir befehl ich meinen Geist." Verschließen meine Lippen sich, So bitte Jesu Blut für mich! ( Ebr. 12, 24.) 8. Kann ich die meinen nicht mehr segnen, So segne du sie mehr als ich; Wenn lauter Thränen um mich regnen, O Vater, so erbarme dich lasse der Verlaßnen Schrei'n Bei meinem Tod erhörlich seyn! Und 9. Dringt mir der letzte Stoß zu Herzen, So schließ mir, Herr, den Himmel auf! Verkürze mir des Todes Schmerzen Und hole mich zu dir hinauf! So wird mein Abschied keine Pein, Zwar traurig, dennoch selig seyn. Schmolf, g. 1672 † 1737. 5. Herr aller Herren! Tod und Leben Hast du allein in deiner Hand; Wie lange du mir Frist willt geben, Das ist und bleibt mir unbekannt; Hilf, daß ich jeden Glockenschlag Auf meinen Abschied denken mag. 6. Ein einzger Schlag kann alles enden, Und Fall und Tod beisammen seyn; Drum halt mich, Herr, mit Vaterhänden Und schließ in Jesu Tod mich ein, Daß, wenn der Leib daMel. Ich hab mein Sach Gott.( 1 Chron. 30, 15. Rom. 4, 8.) 595. Wir sind nur Pilger| weint; Dann kommt der Tod, der letzte Feind. in der Zeit Und wallen nach der Ewigkeit. Der Leib ist ein beseelter Staub, Ein fallend Laub Und bald, ach bald des Todes Raub! 3. Du, Gott, haft nicht den Tod gemacht: Ihn hat die Sünd auf uns gebracht; Daß er nun eine Wohlthat ist, Das dankt der Christ Dir, der du unser Vater bist. 2. Und ach wie wechseln Lust und Leid In unsrer kurzen Pilgerzeit! Bald wird ein Unglück, bald ein Freund Von uns be4. Kommt unser Ziel, so schaue dann Erbarmend unsre Seelen B. Sterblieder. 475 an. Hilf uns in unsrer letzten| Ruh; In unsern Herzen wohne Noth, Herr, unser Gott! Ein du Und laß mit freudigem Versanfter Schlaf werd uns der traun Und ohne Graun Auf Tod. unser offnes Grab uns schaun. 8. Bist du nur uns nicht fürchterlich, O Vater, und erbarmest dich, Vergibst du, führst nur du uns nicht In dein Ge= richt: So schrecket selbst der Tod uns nicht! 5. Quält uns der Krankheit herber Schmerz, So tröste das beklemmte Herz; Verleih uns einen starken Muth, Der in dir ruht Auch bei der Schmerzen größter Wuth. 6. Sey von uns Schwachen dann nicht fern, Zeig uns den Himmel, Geist des Herrn! Laß uns, wann wir zum Vater flehn, Getröstet sehn, Wie der uns liebt, zu dem wir gehn! 7. Verleih Gelassenheit und 9. So, so vollende Kampf und Lauf; So nimm zu deiner Ruh uns auf! Wann wir vor deinem Throne stehn, Wann wir dich sehn, Wie wollen wir dich dann erhöhn! B. Sterblieder. 596. Dieweil mein Stund vorhanden ist, Daß ich hinfahr mein Straßen, So bitt ich dich, Herr Jesu Christ, Du wollst mich nicht verlassen; Mein Leib und Seel, mein' Leut' und Land, Befehl ich dir in deine Hand; Du wirst es wohl bewahren. 2. Ergib mich dir nun ganz und gar, Wollst mein Gemahl behüten Vor allem Unfall und Gefahr Und vor des Feindes Wüthen; Ich bitt den lieben Vater mein: Woll meinerLandschaft Schirmer seyn In Noth und in Gefahren. Herzog Löwen, g. 1729+ 1771. ( Abschied eines christlichen Fürsten.) Mel. Wenn mein Stündlein.( 2 Tim. 4, 6. Apostelgesch. 7, 58.) 3. Mein'n Unterthanen arm und reich Will ich am lezten schenken Zum Fürsten einen Friedenreich, Mein dabei. zu gedenken. Ach Gott! wie ists ein' große Freud, Wenn Unterthan und Oberkeit Mit Frieden sind beisammen. 4. Nach Gottes Willen fahr ich hin, Denn Christus ist mein Leben, Und Sterben ist jetzt mein Gewinn: Ein Bessers wird mir werden; Und für mein zeitlich Fürstenthum Die ewig Freud ich überkomm; Das woll Gott ewig! Amen. Ludwig von Württemberg, g 1554 † 1593. 476 XX. Die letzten Dinge. Eigene Mel.( Joh. 3, 17. 36.) 597. Mitten wir im Leben| liger Herre Gott! Heiliger, starker Gott! Heiliger, barmherziger Heiland! Du ewiger Gott! Laß uns nicht verzagen Vor der tiefen Hölle Gluth! Erbarm dich unser! sind Mit dem Tod umfangen; Wen suchen wir, der Hilfe thu, Daß wir Gnad erlangen? Das bist du, Herr, alleine! Uns reuet unsre Missethat, Die dich, Herr, erzürnet hat. Heiliger Herre Gott! Heiliger, starker Gott! Heiliger, barmherziger Heiland! Du ewiger Gott! Laß uns nicht versinken In des bittern Todes Noth! Erbarm dich unser! 3. Mitten in der Höllen Angst Unsre Sünd uns treiben; Wo soll'n wir denn fliehen hin, Da wir mögen bleiben? Zu dir, Herr Christ, alleine! Vergossen ist dein theures Blut, Das gnug für die Sünde thut. Hei2. Mitten in dem Tod anficht liger Herre Gott! Heiliger, Uns der Hölle Rachen; Wer starker Gott! Heiliger, barmwill uns aus solcher Noth Freiherziger Heiland! Du ewiger und ledig machen? Das thust Gott! Laß uns nicht entfallen du, Herr, alleine! Es jammert Von des rechten Glaubens dein' Barmherzigkeit Unsre Trost! Erbarm dich unser! Sünd und großes Leid. Hei- Vers 1 war schon vor Luther bekannt. V. 2, 3 ist von Luther. Eigene Mel.( Gir. 41, 5. Joh. 17, 24.) in Todesnoth Ist des Herren Jesu Tod. 598. Alle Menschen müssen| sung funden, Und mein Trost sterben, Alles Fleisch ist gleich dem Heu; Was da lebet, muß verderben, Soll es anders wer= den neu. Dieser Leib, der muß verwesen, Wenn er anders soll genesen Der so großen Herrlichkeit, Die den Frommen ist bereit. ( Jef. 40, 6-8.) 2. Drum so will ich dieses Leben, Wann es meinem Gott beliebt, Auch ganz willig von mir geben, Bin darüber nicht betrübt; Denn in meines Jesu Wunden Hab ich schon Erlö3. Christus ist für mich gestorben, Und sein Tod ist mein Gewinn; Er hat mir das Heil erworben; Drum fahr ich mit Freuden hin, Hin aus diesem Weltgetümmel In den schönen Gotteshimmel, Wo ich werde allezeit Schauen Gottes Herrlichkeit. 4. Da wird seyn das Freudenleben, Wo viel tausend Seelen schon Sind mit Himmels B. Sterblieder. glanz umgeben, Stehen da vor Gottes Thron; Wo die Seraphinen prangen Und das hohe Lied anfangen: ,, Heilig, heilig, heilig heißt Gott, der Vater, Sohn und Geist;" 5. Wo die Patriarchen wohnen, Die Propheten allzumal, Wo auf ihren Ehrenthronen Sizet der zwölf Boten Zahl, Wo in so viel tausend Jahren Alle Frommen hingefahren; Wo dem Herrn, der uns verföhnt, Ewig Hallelujah tönt. 6. O Jerusalem, du schöne, 477 Ach wie helle glänzest du! Ach wie lieblich Lobgetöne Hört man da in stolzer Ruh! O der großen Freud und Wonne: Jego gehet auf die Sonne, Jeho gehet an der Tag, Der kein Ende nehmen mag. 599. Abschied will ich dir geben, Du arge, falsche Welt; Dein eitel böses Leben Durchaus mir nicht gefällt! Im Himmel ist gut wohnen, Hinauf steht mein' Begier; Da wird Gott ewig lohnen Dem, der ihm dient allhier. 7. Ach, ich habe schon erblicket Diese große Herrlichkeit; Jego werd ich schön geschmücket Mit dem weißen Himmelskleid, Mit der goldnen Ehrenkronc Steh ich da vor Gottes Throne, Schaue solche Freude an, Die kein Ende nehmen kann. Albinus, g. 1624 † 1679. Mel. Valet will ich.( Joh. 3, 14. 15.) Erschein mir in dem Bilde, Zum Trost in meiner Noth, Wie du dich, Herr, so milde Geblutet haft zu todt. 4. Schließ meine Seel aus Gnaden In dich, o Jesu, ein Und laß sie, los vom Schaden, Bei dir auch ewig seyn. Der 2. Rath mir nach deinem Her- ist wohl hier gewesen, Wer zen, O Jesu, Gottes Sohn! kommt ins Himmelsschloß; Soll ich hier dulden Schmer- Ewig ist der genesen, Wer zen, Hilf, Herr Christ, mir bleibt in deinem Schoos. davon; Verkürz mir alles Leiden, Stärk meinen blöden Muth; Laß selig mich abscheiden, Schenk mir dein ewig Gut. 3. In meines Herzens Grunde Dein Nam und Kreuz allein Funkelt all Zeit und Stunde; Drauf kann ich fröhlich seyn. 5. Herr! meinen Namen schreibe Ins Buch des Lebens ein; Laß mich an deinem Leibe Ein Glied mit jenen seyn, Die hoch im Himmel grünen Und vor dir leben frei, So will ich ewig rühmen, Daß tren dein Herze sey! Herberger, g. 1562+ 1627. XX. Die letzten Dinge. Eigene Mel.; oder: Mir schauert nicht.( Luc. 2, 29.) 600. Mit Fried und Freud 2. Das machet Christus, Gotich fahr dahin In Gottes Wil- tes Sohn, Der treue Heiland, len; Getrost ist mir mein Herz Den du mich, Herr, hast sehen und Sinn, Sanft und stille, lan Und machst bekannt, Daß Wie Gott mir verheißen hat; er Leben sey und Heil In Der Tod ist mein Schlaf wor- Noth und auch im Sterben. den. Luther, g. 1483+ 1546. 478 Mel. Was mein Gott will.( Joh. 11, 25-27.) benstrost verstäuben? Bist du nicht auch im Tod mein Gott, Wo soll mein Hoffen bleiben? 601. Gott! einst läsfest| der Würmer Spott, Ohn' Ledu mich hin Aus diesem Leben fahren, Der ich durchaus nicht besser bin, Als meine Väter waren.* Du reißest mir den Faden ab, Zertrennst, was du gewoben; Ich muß hinunter in das Grab, Mein Leib ist bald zerstoben.*( 1 Kön. 19, 4.) 2. Sobald des Leibes schwacher Sinn nun von mir ist gewichen, So geh ich stracks gleich denen hin, Die längst zuvor verblichen Und nun ein Tausend Jahr und mehr Wohl tief geschlafen haben; Weg ist mein Thun, Weg Stand und Ehr, Weg alle meine Gaben. 4. Das sey von dir, o Höchster, fern! Ich werde nicht verderben: Ich lebe dir nur, meinem Herrn, Und dir nur will ich sterben. Und weil wir, Vater, dich allein, Des Lebens Gott, erheben, Werd ich im Tode todt nicht seyn, Ich sterb, und werde leben. 3. Soll ich deßwegen, Herr, bei dir Nun ebenso vergehen? Wird kein Gedächtniß mehr von mir In deinem Herzen stehen? Soll denn mein Leib, 5. Mit dieser Hoffnung leg ich mich und schlaf im fühlen Grunde! O Jesu Christ, nicht säume dich Mit einer sanften Stunde! Ob Tod und Höll und Satans List Sich wider mich verbinden: Wenn du mir nur nicht schrecklich bist, So werd ich überwinden. Nach Dach. Mel. Nun laßt uns den Leib.( Offenb. 2, 11.) 602. Des Todes Graun,| Licht, Bebt vor des Leibs Zerdes Grabes Nacht Flieht, Herr, vor deiner Wahrheit Macht; Mein Geist, erhellt von deinem störung nicht. 2. Es falle nur die Hütte hin, Mit der ich hier umgeben bin; 479 Ich selber, lebend wie zuvor,| und Noth befreit, Nun reife Schwing aus den Trümmern mich empor. zur Vollkommenheit. J.S B. Sterblieder. 3. Ein inures mächtiges Gefühl Verkündigt mir mein höhres Ziel; Dieß Streben nach der Ewigkeit Erhebt mich über Erd und Zeit. 4. Es hat schon dieser Kindheitsstand Der höhern Hoffnung Unterpfand; Die Liebe, die mich hier beglückt, Die bleibt und segnet unverrückt. 603. Herr! meine Leibeshütte Sinkt nach und nach zu Grab; Gewähre mir die Bitte Und brich sie stille ab. 2. Gib mir ein ruhig Ende; Der Augen matten Schein, Und die gefaltnen Hände Laß sanft entseelet seyn. 6. Der Tod darf mir nicht schreckend seyn, Er führt zum wahren Leben ein. Durch Gottes Kraft besiegt mein Herz Der Krankheit Laft, der Tren= nung Schmerz. 5. Des freudigsten Vertrauens voll Erwart ich, was ich werden soll, Wenn ich, von Sündlich sey. 3. Laß meine legten Züge Nicht zu gewaltsam gehn Und gib, daß ich so liege, Wie die Entschlafenen. 7. Wann hier von uns, die Gott vereint, Der letzte auch hat ausgeweint, Dann wird ein frohes Wiedersehn Auf ewig unser Glück erhöhn. 4. Doch es gescheh dein Wille! Ich scheide gleich dahin Im Kämpfen oder stille, Wenn ich nur selig bin! 8. Herr unsrer Tage! führe du Uns alle diesem Ziele zu, Daß uns bei standhaft frommer Tren Des Lebens End erfreuMel. Christus, der ist.( 2 Petr. 1, 14.) Spalding, g. 1714 † 1804. 5. Bleibst du mir in dem Herzen, Dein Name mir im Mund, So sind mir auch die Schmerzen Im Sterben noch gesund. 6. Dein Blut hat mich gereinigt; Trennt Leib und Seele sich, So werden sie vereinigt Zum Seligseyn durch dich. 7. Nach deiner Gnade Größe Nimm nur den Geist zur Hand, Es reiße oder löse Der Tod des Leibes Band. 8. Ich werde auferstehen, Da gehts zum Himmel ein; Ich werde Jesum sehen, Und er mir gnädig seyn! Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. XX. Die letzten Dinge. Mel. Herzlich thut.( Ebr. 13, 14 Ps. 39, 13.) und leget, Nachdem's ihm wohlgefällt. 604. Ich bin ein Gast auf für erhält, Auch alles hebt Erden Und hab hier keinen Stand; Der Himmel soll mir werden, Da ist mein Vaterland. Hier muß ich Arbeit haben, Hier reif' ich ab und zu, Dort wird mein Gott mich laben Mit seiner ewgen Ruh. 6. Zu ihm steht mein Verlangen, Da wollt ich gerne hin! Die Welt bin ich durchgangen, Daß ichs fast müde bin: Je länger ich hier walle, Je wen'ger find ich Frend, Die meinem Geist gefalle; Das meist' ist Herzeleid! 7. Die Herberg ist zu böse, Der Trübsal ist zu viel; Ach komm, mein Gott, und löse Mein Herz, wann dein Herz will! Komm, mach ein selig Ende An meiner Wanderschaft, Und was mich kränkt, das wende Durch deines Armes Kraft. 8. Wo ich gewohnt indessen, Ist nicht mein rechtes Haus; Wenn meine Zeit durchmessen, Alsdann tret ich hinaus; Und was ich hier gebrauchet, Das leg ich alles ab; Und wenn ich ausgehauchet, So gräbt man mir ein Grab. 480 2. Was ist mein ganzes Wesen Von meiner Jugend an Als Müh und Noth gewesen? So lang ich denken kann, Hab ich so manchen Morgen, So manche liebe Nacht Mit Kummer und mit Sorgen Des Herzens zugebracht. 3. Ich habe mich ergeben In alles Glück und Leid; Was will ich besser leben In dieser Sterblichkeit? Es muß ja durchgedrungen, Es muß gelitten seyn! Wer nicht hat wohl gerungen, Geht nicht zur Freude ein. 4. So will ich zwar nun treiben Mein Leben durch die Welt, Doch denk ich nicht zu bleiben In diesem fremden Zelt. Ich wandre meine Straße, Die zu der Heimath führt, Da mich in vollem Maße Mein Bater trösten wird. 5. Die Heimath ist dort oben, Wo aller Engel Schaar Den großen Herrscher loben, Der alles ganz und gar In seinen Händen träget Und für und 9. Du aber, meine Freude, Du, meines Lebens Licht, Du ziehst mich, wann ich scheide, Hin vor dein Angesicht Ins Haus der engen Wonne, Da ich stets freudenvoll, Gleich als die helle Sonne, Nächst andern leuchten soll. 10. Da will ich immer wohnen Und nicht nur als ein B. Sterblieder. Gast, Bei denen, die mit Kronen Du ausgeschmücket haft: Da will ich herrlich singen Von Eigene Mel.( 1 Joh. 2, 1. 2.) 605. Wenn mein Stünd-| gleich sterb, so sterb ich dir: lein vorhanden ist, zu fahren meine Straße, So leit du mich, Herr Jesu Christ, Mit Hilf mich nicht verlasse; Herr! meine Seel an meinem End Befehl ich dir in deine Händ', Du wirst sie wohl bewahren. Ein ewig Leben hast du mir Durch deinen Tod erworben. 4. Weil du vom Tod erstanden bist, Werd ich im Grab nicht bleiben; Mein höchster Trost dein' Auffahrt ist, Kann Todesfurcht vertreiben; Denn wo du bist, da komm ich hin, Daß ich stets bei dir leb und bin; Drum fahr ich hin mit Freuden. 2. Die Sünde wird mich kränken sehr Und das Gewissen nagen, Denn sie ist viel, wie Sand am Meer; Doch will ich nicht verzagen, Will denken in der letzten Noth, Herr Jesu Christ, an deinen Tod, Der wird mich wohl erhalten. 3. Ich bin ein Glied an deinem Leib, Deß tröst ich mich von Herzen; Von dir ich ungeschieden bleib In Todesnoth und Schmerzen. Wenn ich 481 deinem großen Thun Und frei von schnöden Dingen In meinem Erbtheil ruhn. Gerhard, g. 1608 † 1676. 3. Nun hab ich überwunden Kreuz, Leiden, Angst und Noth: Evangelisches Gesangbuch. 5. So fahr ich hin zu Jesu Christ, Mein' Arme sich ausstrecken; So schlaf ich ein und ruhe fein, Kein Mensch kann mich aufwecken, Als Jesus Christus, Gottes Sohn, Der öffnet mir die Thüre schon, Führt mich zum ewgen Leben. Nikol. Hermann, † 1561. Eigene Mel.( Phil. 1, 21.) Bin ich versühnt mit Gott. 606. Christus, der ist mein| Durch seine heilgen Wunden Leben, Und Sterben mein Gewinn; Ihm will ich mich ergeben, Mit Frieden fahr ich hin. 2. Mit Freud fahr ich von bannen Zu Christ, dem Bruder mein, Daß ich mög zu ihm kommen und ewig bei ihm feyn. 4. Wenn meine Kräfte brechen, Mein Athem geht schwer aus, Und kann kein Wort mehr sprechen, Herr, nimm mein Seufzen auf! 5. Wenn mir Herz und Ge= danken Vergehen als ein Licht, Das hin und her muß wanken, Wann ihm die Flamm gebricht; 31 482 XX. Die letzten Dinge. 6. Alsdann fein sanft und 7. Laß an dir, gleich den Nestille, Herr, laß mich schlafen ben, Mich bleiben allezeit ein, Wann mir dein Rath und Und ewig bei dir leben Dort Wille Mein Stündlein wird in der Himmelsfreud. verleihn. Graf, g. 1603+ 1659. Mel. 3euch mich.( Joh. 5, 24.) 607. Weiche, Todesschre-| Kräften Ring ich nach Unsterblichkeit. Weiche, Furcht des Grabes, weich! Engeln macht der Tod mich gleich. 6. Frei von jeglicher Beschwerde, Losgewunden von der Nacht, Flieg ich über Zeit und Erde Voll Gefühl: es ist vollbracht! Ueber Bitten und Verstehn Werd ich fühlen, werd ich sehn. 7. Nie gehörte Preisgesänge Hört dann mein entzücktes Ohr, Und zur auserwählten Menge Tragen Engel mich empor. Selig bin ich einst, wie sie: Fliehe, Furcht des Todes, flich! ken, weiche, Freu des Grabes dich, mein Herz! Liegt sie da, die kalte Leiche, Weggeweint ist jeder Schmerz, Und der Thränen Quell versiegt, Wenn mein Staub beim Staube liegt. 2. Tod, du heilest jede Wunde, Jeden Kummer endest du! Flieht der Athem mir vom Munde, Eil ich Himmelsfreuden zu. Deckt die Grabnacht mein Gebein, Werd ich Licht und Freiheit seyn. 3. Nimm für alle Erdenfreuden, Vater, Herzensdank von mir; Dank für alle meine Leiden Bringt die frohe Seele dir. Doch, entführst du beiden mich, Preis' ich herzlicher noch dich. 4. Hier nicht, dort nur, dort nur quillen Seligkeiten ohne Zahl. Eins mit deinem Baterwillen Ernt ich Freuden, frei von Qual. Mich, von Erd und Sünde los, Nimmt die Nuh in ihren Schoos. 5. Welche Freude soll mich heften An die Erde, an die Zeit? Nein, mit allen meinen 8. Bald, o bald ists überstanden; Ruhig harr ich, Herr, auf dich! Viele Tausend überwanden, Neberwinden werd auch ich. Lauter noch als die Natur, Ruft mir Jesus: glanbe nur! 9. Soll ich zagen? soll ich beben? Du, mein Heiland, rüdest mich Durch des Todes Nacht ins Leben; Ich soll zagen, beben ich, Da mich der, der ewig lebt, Reich erhebt? zu sich in sein 483 10. Fliehe denn von meiner bes hin! Herr, du starbst, du Lippe, Lebensathem, immer- lebest mir; Freudig, frendig hin! Sink entseelet, mein Ge- sterb ich dir. rippe, In die Nacht des GraB. Sterblieder.Mel. Wer weiß, wie nahe.( Rom. 14, 8.) 608. Auf meinen Jeſum will ich sterben, Der neues Leben mir gebracht. Und mich zu Gottes Kind und Erben Durch sein unschuldig Blut gemacht. Mein Jesus ist mein Trost allein, Auf Jesum schlaf ich selig ein. 2. Auf meinen Jesum will ich sterben: In seinen Wunden stirbt sichs gut; Er läßt mich nimmermehr verderben: Ich bin erkauft mit seinem Blut. Mein Jesus ist mein Trost allein, Auf Jesum schlaf ich selig ein. 3. Auf meinen Jesum will ich sterben; Brich immerhin, mein Herze, brich! Ich fürchte mich nicht vor dem Sterben, Mit seinem Blute stärkt er mich. Mein Jesus ist mein Trost allein, Auf Jesum schlaf ich selig ein. Lavater, g. 1741 † 1801. 4. Auf meinen Jesum will ich sterben; Er kommt, wann alles mich verläßt. Er starb, das Leben zu erwerben, An ihn hält sich mein Glaube fest. Mein Jesus ist mein Trost allein, Auf Jesum schlaf ich selig ein. 5. Auf meinen Jesum will ich sterben; Durch ihn wird Sterben mein Gewinn; Den ganzen Himmel soll ich erben, Nimm, Herr, nimm meine Seele hin! Mein Jesus ist mein Trost allein. Auf Jesum schlaf ich selig ein. 6. Auf meinen Jesum will ich sterben; Wenn mir das Aug im Sterben bricht, Und meine Lippen sich entfärben, So bleibt er meines Lebens Licht. Mein Jesus ist mein Troft allein, Auf Jesum schlaf ich felig ein. 7. Auf meinen Jesum will ich sterben; Mit Leib und Seele bin ich dein: Herr Jesu, laß mich nicht verderben, Ach laß mich ewig selig seyn! Mein Je= fus ist mein Trost allein, Auf Jesum schlaf ich selig ein.. 8. Auf dich, Herr Jesu, will ich sterben; Ach hilf mir aus der letzten Roth Und lasse mich den Himmel erben, Versüße mir den bittern Tod! Du bist mein höchster Trost allein, Auf dich nur schlaf ich selig ein. Sal Frand, g. 1669 † 1725. 484 XX. Die letzten Dinge. Mel. Nun laßt uns Gott, den Herren( 1 Theff. 4, 14.) 609. Der Hirt, am Kreuz gestorben, Hat Fried und Heil erworben; Nun heißt bei seinen Schafen Das Sterben: ein Entschlafen. 2. Sie gehn nicht als Verbrecher Zur Strafe vor den Rächer; Sie gehn nur hin und liegen, Wie Streiter nach dem Kriegen. 3. Ohn'Angst vor ewgem Jammer Gehn sie in ihre Kammer, Zur Ruh sich zu begeben Auf frohes Wiederleben. 4. Sie legen ihre Glieder In Ruhebettlein nieder Und fallen ohne Kummer, Wie Kindlein, in den Schlummer. 3. Zur Reise ist mein Herze matt, Der Leib gar wenig Kräfte hat; Allein die Seele ruft in mir: Herr! hol mich heim, nimm mich zu dir. 5. Auf göttliches Erbarmen, In des Erlösers Armen, Erwählt zu Gottes Erben, Läßt sichs gar sanft hinsterben. 6. O Jesu! deine Gnade Macht, daß kein Sterben schade; Laß auf dein Todesleiden Mich einst im Frieden scheiden. 7. Laß mir auf dein Versprechen Mein Herz im Glauben brechen; Bewahre mein Gebeine, Bis ich vor dir erscheine. 8. Dann laß mich froh erwachen, Mach meinen Mund voll Lachen Und gib mir, daß ich glänze Wie Liljen in dem Lenze. Eigene Mel.( Job. 12, 26.) 610. Herr Jesu Christ, mein| Todespein; Dein Durst und bittrer Trank mich lab, Weil ich sonst keine Stärkung hab. Lebenslicht, Mein höchster Trost und Zuversicht! Auf Erden bin ich nur ein Gast, Und drückt mich sehr der Sünden Laft. 5. Wann mein Mund nicht mehr reden kann, Dein Geist im Herzen rufe dann; Hilf, daß die Seel den Himmel find, Wenn meine Augen werden blind. 2. Der letzte Gang liegt schwer sor mir Ins himmlisch' Paradies zu dir! Da ist mein rechtes Vaterland, Daran ou hast dein Blut gewandt. 6. Dein letztes Wort laß seyn mein Licht, Wann mir das Herz im Tode bricht; Dein Kreuz, das sey mein Wanderstab, Mein Ruh und Rast dein heilig Grab. 7. Auf deinen Abschied, Herr, ich trau, Darauf ich meine Heimfahrt ban: Thu mir die Thür des Himmels auf, Wann ich beschließe meinen Lauf. 4. Drum stärk mich durch das Leiden dein In meiner letzten Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. B. Sterblieder. 8. Am jüngsten Tag erweck den Leib, Hilf, daß ich dir zur Nechten bleib, Daß mich nicht treffe dein Gericht, Das aller Welt ihr Urtheil spricht. 485 9. Wie werd ich dann so fröhlich seyn, Werd singen mit den Engeln dein Und mit der auserwählten Schaar Auf ewig schaun dein Antlig klar. Nach Behemb, g. 1557 † 1622. Mel. Wer weiß, wie nahe mir.( Joh. 3, 17. 18.) 611. Ich fasse, Bater, deine| Weg zum Leben, Das du am Hände Und halte sie im Glauben fest; Verwirf den nicht in seinem Ende, Der ewig sich auf dich verläßt. Du bist mein Gott von Jugend auf, Beschleuß auch meinen Lebenslauf. Kreuze mir erwarbst. Wie du ihn sahst, will ich ihn sehn, Wie du, so werd ich auferstehn. 5. Laß Qual und Jammer mich umringen Und mir die letzten Schrecken dräun: Du hilfft mir, Herr, die Welt bezwingen, Mit dir darf ich den Tod nicht schern. So nah dem Lohn, den Gott verspricht, So nah dem Ziele sink ich nicht. 6. Du wachest über meine Seele, Wenn ihre Stärke sich verliert, Gibst deinem Engel schon Befehle, Der sie zu deinenFrenden führt, Des Todes Nacht um mich verscheucht Und mir des Lebens Krone reicht. 2. Du hast mich je und je geliebet, Versorgt, gestärkt, beschüßt, regiert, Mich oft erquickt, durch Kreuz geübet. Oft wunderbar, stets wohl geführt. Nimm, da mir niemand helfen kann, Dich meiner auch im Sterben an. 3. Gott! welche feierlicheStunden, Wenn du mich nun der Erd entziehst Und, wenn du mich getreu befunden, Erbarmend auf mich niederfiehst! Wer an den Sohn glaubt, kommt ja nicht, Allmächtiger, in dein Gericht. 4. Wie sollt ich vor dem Tode beben, Dadu, Erlöser, für mich starbst? Er ist durch dich der 7. Ich will dich noch im Tod erheben, noch an dem Grabe preis' ich dich; Denn ewig werd ich vor dir leben: Wie segnet dann dein Antlitz mich!- O Tod, o Sterben, mein Gewinn! Wohl mir, daß ich erlöset bin! Eschenburg, g. 1743 † 1820. Mel. Christus, der ist.( Luc. 2, 29.) 612. Wie Simeon verschie-| Ich führe gern im Frieden Aus den, Das liegt mir oft im Sinn: diesem Leben hin. 486 XX. Die letzten Dinge. 2. Ach laß mir meine Bitte,| den; Es rühmt: mein Freund Mein treuer Gott, geschehn: Laß mich aus dieser Hütte In deine Wohnung gehn. 3. Dein Wort ist uns geschehen, An diesem nehm ich Theil: Wer Jesum werde sehen, Dernie der Tod mehr droht. sehe Gottes Heil. 4. Ich seh ihn nicht mit Augen, Doch an der Augen Statt Kann mir mein Glaube taugen, Der ihn zum Heiland hat. 5. Ich hab ihn nicht in Armen, Wie jener Fromme, da; Doch ist er voll Erbarmen Auch meinem Herzen nah. 6. Mein Herz hat ihn gefunist mein! Auch in den letzten Stunden Ist meine Seele sein. 7. Ich kenn ihn als mein Leben, Er wird mir nach dem Tod Bei sich ein Leben geben, Dem Augen brechen, Herr, deinen Frieden fühlbar seyn! Komm, deinen Trost mir zuzusprechen 8. Mein Glaube darf ihn fassen, Sein Geist gibt Kraft dazu; Er wird auch mich nicht lassen, Er führt mich ein zur Ruh. 9. Wenn Aug und Arm erkalten, Hängt sich mein Herz an ihn; Wer Jesum nur kann halten, Der fährt im Frieden hin. Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Mel. Die Tugend wird. ( Apostelg. 7, 58.) 613. Laß mir, wenn meine[ bein. Gib Ruhe mir in deinen Armen, Darin ich Gnad und Frieden fand, Und trag mich vollends mit Erbarmen Sanft Und segne du mein matt Ge- zu dir heim ins Vaterland! Christian Renatus, Graf von 3inzendorf, g. 1727 t 1752. Eigene Mel.( Offenb. 14, 13.) 614. O wie felig seyd ihr| Kammer Sicher und befreit doch, ihr Frommen, Die ihr durch den Tod zu Gott gekommen! Ihr seyd entgangen Aller Noth, die uns noch hält umfangen. von allem Jammer; Kein Kreuz und Leiden Ist euch hinderlich in euren Frenden. 2. Muß man hier doch wie im Kerker leben, Da nur Sorge, Furcht und Schrecken schweben; Was wir hie kennen, Ist nur Müh und Herzeleid zu nennen. 3. Ihr hingegen ruht in eurer 4. Christus wischet ab euch alle Thränen; Ihr habt schon, wonach wir uns erst sehnen. Euch wird gesungen, Was durch Reines Ohr allhie gedrungen. 5. Ach wer wollte denn nicht gerne sterben Und den Himmel C. Begräbnißlieder. 487 für die Welt ererben? Wer auf und führ uns bald von wollt hie bleiben, Sich den Jammer länger lassen treiben? 6. Komm, o Herr, uns aus dem Joch zu spannen, Lös' uns dannen! Bei dir, o Sonne, Ist der frommen Seelen Freud und Wonne! Mel. Jesus, meine Zuversicht.( 1 Cor. 15, 55. 57.) 615. Von dem Grab stund Jesus auf; Friede ruht auf meinem Grabe! Auch mein Morgen eilt herauf, Wenn ich ausgeschlummert habe. Mich erschreckt der Tod nicht mehr: Heil mir, Jesu Grab ist leer! 2. Froh besieg ich nun das Graun, Das die Todtenhügel decket; Meinen Heiland werd ich schaun, Den der Vater auferwecket, Der durch seines Grabes Nacht mir mein Grab hat froh gemacht. 3. Keine Zukunft macht mir bang: Ewig, ewig werd ich leben, Will dereinst mit Lobgefang Meinen Leib der Erde geben, Weil den gottverbundnen Geist Nichts aus seinen Händen reißt. Dach, g. 1605 † 1659. 616. Geht nun hin und grabt mein Grab, Denn ich bin des Wanderns müde! Von der Erde scheid ich ab, Denn mir ruft des Himmels Friede, Denn mir ruft die süße Ruh Von den Engeln droben zu. 4. Preis ihm! Jesus hat die Macht Euch, o Tod und Grab, genommen, Hat das Leben nen gebracht, Und bei seinem Wiederkommen Werden unsre Gräber leer:- Mich erschreckt der Tod nicht mehr! 5. Wohlthat wird das Sterben mir: Gottes Liebe denkt der seinen; Ewig sollen wir nicht hier Kämpfen, dulden, flagen, weinen; Unser Abend eilt herzu Und bringt frommen Streitern Ruh. 6. Schwinge dich, mein Geist, empor; Rein und heilig sey dein Streben! Jesus gieng den Weg mir vor, Jesus lebt, und ich soll leben! Heiland, bist du nur mit mir, O so leb und sterb ich dir! Lavater, g. 1741 † 1801. C. Begräbnißlieder. Mel. Jesus, meine Zuversicht.( Job. 8, 51. 14, 2. 3.) 2. Geht nun hin und grabt mein Grah! Meinen Lauf hab ich vollendet, Lege nun den Wanderstab Hin, wo alles Irdsche endet; Lege selbst mich nun hinein In das Bette ohne Pein. 3. Was soll ich hienieden noch 488 XX. Die letzten Dinge. In dem dunklen Thale machen? eitlen Schein, Droben nur Denn wie mächtig, stolz und hoch Wir auch stellen unsre Sachen, Muß es doch wie Sand zergehn, Wenn die Winde drüber wehn. kanns ewig seyn! 4. Darum, Erde, fahre wohl, 7. Weinet nicht, daß nun ich will Von der Welt den Abschied nehmen; Daß ich aus dem Irrthum will, Aus den Schatten, aus den Schemen,* Aus dem Laß mich nun im Frieden schei- Eitlen, aus dem Nichts, Hin den! Deine Hoffnung, ach, ist ins Land des ewgen Lichts! hohl, Deine Freuden selber Leiden, Deine Schönheit Unbestand, Eitel Wahn und Trug und Tand. Wesenlose Bilder, Pf. 39, 7. 8. Weinet nicht! mein süßes Heil, Meinen Heiland hab ich funden Und ich habe auch mein Theil Anden warmen- Herzenswunden, Woraus einst sein heilig Blut Floß der ganzen Welt zu gut. 9. Weint nicht! mein Erlöser lebt; Hochvom finstern Erdenstaube Hell empor die Hoffnung schwebt, Und der Himmelsheld, der Glaube, Und die ewge Liebe spricht: Kind des Vaters, zittre nicht! Ernst Moriz Arndt, g. 1769. 5. Darum letzte gute Nacht, Sonn und Mond und liebe Sterne! Fahret wohl mit eurer Pracht, Denn ich reif' in weite Ferne, Reise hin zu jenem Glanz, Worin ihr verschwindet ganz. 6. Die ihr nun in Trauer geht, Fahret wohl, ihr lieben Freunde! Was von oben niederweht, Tröstet ja des Herrn Gemeinde; Weint nicht ob dem Eigene Mel. 1. ( 1 Chron. 30, 15.) 617. Wohlauf, wohlanzum legten Gang! Kurz ist der Weg, die Nuh ist lang; Gott führet ein, Gott führet aus: Wohlan, hinaus! Zum Bleiben war nicht dieses Haus. 2. Du Herberg in der Wanderzeit, Du gabest Frenden, gabst auch Leid. Jetzt schließe, Welt, das Haus bist du, Die Thüre zu! Dein Gast geht in die ewge Nuh; 3. Geht in ein beßres Schlafgemach; Die Freunde folgen seguend nach. Hab gute Nacht! der Tag war schwül Im Erdgewühl; Hab gute Nacht, die Nacht ist kühl. 4. Ihr Glocken, tönet festlich drein Und läutet hell den Sabbath ein, Der nach des Werktags kurzer Frist Durch Jesum C. Begräbnißlieder. 489 Christ Für Gottes Volk vor-| zu schön kein Wangenroth! Im handen ist! Finstern droht Der Tod, und überall der Tod. 2. ( br. 4, 1. 2. 9 und 11. Luc. 12, 34: c.) 5. O selig, wer das Heil erwirbt, Daß er im Herrn, in Christo, stirbt! O selig, wer vom Laufe matt, Die Gottesstadt, Die droben ist, gefunden hat! 6. Was suchst du, Mensch, bis in den Tod? Du suchst so viel, und eins ist noth! Die Welt beut ihre Güter feil,- Denk an dein Heil Und wähl in Gott das beste Theil! 7. Was sorgst du bis zum letzten Tritt? Nichts brachtest du, nichts nimmst du mit. Die Welt vergeht mit Lust und Schmerz; Schau himmelwärts! Da, wo der Schatz ist, sey dein Herz! 8. Mit Gott bestell dein Haus bei Zeit, Eh dich der Tod an Todte reiht; Sie rufen:„ gestern wars an mir, Hent ists an dir!" Hier ist kein Stand, kein Bleiben hier.( Gir. 38, 23.) 9. Vom Freudenmahl zum Wanderstab, Aus Wieg und Bett in Sarg und Grab! Wann, wie und wo, ist Gott bewußt; Schlag an die Brust! Du mußt von dannen, Mensch, du mußt! 10. Da ist kein Siz zu reich, zu arm, Kein Haupt zu hoch, kein Herz zu warm, Da blüht 11. Ach banges Herz im Leichenthal, Wo ist dein Licht, dein Lebensstrahl?- Du bist es, Jesu, der mit Macht Aus Gräbernacht Das Leben hat ans Licht gebracht! 12. Dein Trostwort klingt so hoch und hehr:„ Wer an mich glaubt, stirbt nimmermehr!" Dein Kreuz, dein Grab, dein Auferstehn, Dein Himmelgehn Läßt uns den Himmel offen sehn. 13. Wohl dem, der sich mit ihm vertraut, Schon hier die ewgen Hütten baut! Er sieht das Kleinod in der Fern Und kämpfet gern Und harrt der Zukunft seines Herrn. 3. ( Joh. 12, 26. Offenb. 22, 12-15.) 14. Nun, Thor des Friedens, öffne dich! Hinein! hier schließt die Wallfahrt sich. Ihr Schlummernden im Friedensreich, Gönnt allzugleich Auch ihm( ihr) ein Räumlein neben euch! 15. Viel Gräber sind an diesem Ort, Viel Wohnungen im Himmel dort; Bereitet ist die Stätte schon Am Gnadenthron, Bereitet ihm( ihr) durch Gots tes Sohn. - 490 XX. Die letzten Dinge. 16. Sein ist das Reich mit| komm, Herr Jesu, führ uns Allgewalt; Er zeugt und ein! Wir harren dein: Amen, spricht: ich komme bald! Ja dein laß uns ewig seyn! Dr. Chr. Friedr. Heinr. Sachse. Mel. Der lieben Sonne Licht.( Ps. 116, 15. 1 Cor. 15, 57.) 618. Die Christen gehn von| Herrn, Dir glänzt der MorgenOrt zu Ort Durch mannichfalt= stern; Euch, Glieder, deckt mit gen Jammer Und kommen in sanfter Ruh Der Liebe stiller den Friedensport Und ruhn in Schatten zu. ihrer Kammer. Gott nimmt sie nach dem Lauf Mit seinen Armen auf; Das Waizenkorn wird in sein Beet Auf Hoffnung schöner Frucht gesät. 2. Wie seyd ihr doch so wohl gereist! Gelobt sey'n eure Schritte, Du friedevoll befreiter Geist, Du jetzt verlaßne Hütte! Du, Seele, bist beim Mel. Nun sich der Tag.( Weish. 3, 1. Jes. 57, 2.) 619. Ei wie so selig schläfest du Nach manchem schweren Stand Und liegst nun da in süßer Ruh In deines Heilands Hand! 3. Wir freun uns in Gelassenheit Der großen Offenbarung; Indessen bleibt das Pilgerkleid In heiliger Verwahrung. Wie ist das Glück so groß! In Jesu Arm und Schoos! Die Liebe führ uns gleiche Bahn, So tief hinab, so hoch hinan! Nikolaus Ludwig, Graf von Zinzendorf. g. 1700 † 1760. 2. Sein Leiden hat dich frei gemacht Von aller Angst und Pein; Sein letztes Wort: ,, es ist vollbracht!" Das singt dich lieblich ein.. 4. Verbirg dein liebes Angesicht Im kühlen Erdenschoos! Wer hier gelebt in Christi Licht, Der erbt ein selig Loos. 5. Wir hoffen, daß dein Seelenfreund, Der ewig treue Hirt, Ders hier mit dir so wohl gemeint, Dich schön empfangen wird. 6. Er führe, was ihm lieb und 3. Du lässt dich zur Verwan- werth Und was sich zu ihm delung In dieß Gefilde sä'n, hält, Als seine auserwählte Mit Hoffnung und Versiche- Heerd Auch vollends durch die rung: Viel schöner aufzustehn. Welt! Gottfried Neumann. C. Begräbnißlieder. Mel. Auf, Christenmensch.( 2 Cor. 5, 4. 1 Cor. 15, 49.) 620. Mich Staub vom Staube führt mein Lauf Zum dunklen Grabe nieder; Doch die Verklärung hebt mich auf Mit glänzendem Gefieder. Wie ist der Leib der Sünde schwer! Odaß ich schon unsterblich wär! 2. Hier zähl ich meiner Stunden Zahl Und meiner Tage Sorgen; Dort öffnet sich mir ohne Qual Ein wandelloser Morgen; Die Ewigkeit ist still und hehr: O daß ich schon unsterblich wär! 3. Hier blühen Blumen und vergehn, Hier modern edle Früchte; Dort wird Verwestes auferstehn Im heilgen Lebens2. Ich weiß, an wem ich hange, Wenn alles wankt und weicht, Der, wenn dem Herzen bange, Die Nettershand mir reicht. 3. Ich weiß, wem ich vertraue, 491 lichte, Dort ist der Freuden Wiederkehr: O daß ich schon unsterblich wär! Mel. Christus, der ist.( 1 Cor. 15, 19. 20.) 621. Ich weiß, an wen ich| Daß ich ihn ewig schaue, Ihn glaube, Und daß mein Heiland lebt, Der aus dem Todesstaube Den Geist zu sich erhebt. selbst von Angesicht. 4. Er trocknet alle Thränen So tröstend und so mild, Und mein unendlich Sehnen Wird nur durch ihn gestillt. 5. Ich weiß, beim Auferstehen, Wann ich verkläret bin. Werd ich mit Jesu gehen DurchEwig4. Hier rinnt ein Quell, sein Wasser stirbt Vom Frost und von der Hizze; Dort fließt ein Strom, der nie verdirbt, Von unsers Gottes Size; Dort ist der Wonne grundlos Meer: O daß ich schon unsterblich wär! 5. Hier bildest du den schwachen Thon Zu dem verborgnen Leben; Dort wirst du Herrlichkeit und Lohn Ihm, trener Heiland, geben. O daß ich in der Engel Heer Schon jetzt wie du unsterblich wär! Johann Fried. von Meyer, g. 1772. Und wenn mein Auge bricht, feiten hin. gottlob, es ist vollbracht! Mein Heiland nimmt mich auf. Fahr hin, o Welt! ihr Freunde, gute Nacht! Ich ende meinen Lauf Dr. August Hermann Niemeyer. g. 1754+ 1828. 2. 5 neuer Zusag. Mel. Es ist genug.( Rom. 5, 1-2.) 622. Es ist vollbracht! Bei Jesu Kreuz mit tausend Frenden Und sehne mich, von hier zu scheiden. Es ist vollbracht! 2. Es ist vollbracht! mein Je 492 XX. Die letzten Dinge. sus hat auf sich Genommen| Zier; Hier hör ich mit der Selmeine Schuld; Gebüßt hat er gen Singen Den süßen Ton am Kreuzesstamm für mich, der Engel klingen. Es ist vollunermeßne Huld! Und ich hab bracht! in des Heilands Wunden Die rechte Freistatt nun gefunden. Es ist vollbracht! 3. Es ist vollbracht! weg Krankheit, Schmerz und Pein, Weg Sorg und Ueberdruß; Sein Golgatha soll mir ein Thabor* seyn, Mein matter, müder Fuß Wird hier auf diesen Friedenshöhen Frei von der Erde Banden gehen. Es ist vollbracht!(* Math. 17, 1-5.) 4. Es ist vollbracht! hier bin ich frei von Noth, Wie wohl, wie wohl ist mir! Hier speiset mich der Herr mit Himmelsbrod Und zeigt mir Salems 5. Es ist vollbracht! der Leib mag immerhin Naub der Verwesung seyn: Ich weiß ja, daß ich Staub und Asche bin; Doch Jesus ist ja mein, Der wird mich sanft im Grabe decken Und einst in Klarheit auferwecken.- Es ist vollbracht! 6. Es ist vollbracht! gottlob, es ist vollbracht! Mein Heiland nimmt mich auf. Fahr hin, o Welt! ihr Lieben, gute Nacht! Ich ende meinen Lauf Und alle Noth, die mich getroffen; Wohl mir, ich seh den Himmel offen! Es ist vollbracht! Gryphius, g. 1616 † 1664. Mel. Ruhet wohl.( Joh. 5, 28. 29.) 623. Wenn der Stifter der| raubt; Wenn des Hauses Stüz Geschlechter Unsre Lieben zu sich ruft; Wenn die Söhne, wenn die Töchter Sinken in die frühe Gruft: Ach dann fühlen unsre Herzen Unaussprechlich tiefe Schmerzen! und Krone Sinket mit des Vaters Haupt, Mütter von den Kindern scheiden: Herr, was gleichet diesen Leiden? 2. Wenn der Säugling, kaum geboren, Wieder schnell im Tod verblüht, und die Mutter nun verloren Ihre ganze Hoffnung sieht; Ach dann will ihr Herz verzagen, So viel schwere Bein zu tragen! 3. Wenn der Tod im edlen Sohne Seine Lust dem Vater 4. Ach es müßte unterliegen, Dieses arme, schwache Herz. Hülfest du nicht, Herr, uns fiegen Ueber Tod und Trennungsschmerz! Deine Rechte schlug uns nieder, Deine Rechte hebt uns wieder! 5. Ist des Trostes reiche Quelle Nicht dein Wort am finstern Grab? Strahlt, daß es die Nacht erhelle, Nicht dein Licht zu uns C. Begräbnißlieder. 493 herab? Werden, die in dir ge-| geschickt, Daß uns frühe find storben, Dort nicht wieder neu erworben? entrissen, Deren Lieb uns hoch beglückt? Wird nicht, was wir jetzt beweinen, Dort als Segen uns erscheinen? 8. Ja wer trüge nicht auf Erden Gerne den Verlust, o Gott, Da wir bald uns jenseits werden Wiedersehn auf dein Gebot? Da du wirst im bessern Leben Die Verlornen wieder geben. G. F. Ständlin, † 1795. 6. Im Genuß der reinsten Frenden Wandeln sie vor dei nem Thron; Und wir sollten sie beneiden Um den früh errungnen Lohn? Ihre Seligkeit mit Zähren Und mit bittern Klagen stören? 7. Nein! und kann der Mensch es wissen, Ob's nicht weise Huld Mel. Nun ruhen alle.( Weish. 4, 7-14.) 624. Wenn kleine Him- 1 5. Zwar wer in seiner Jugend melserben In ihrer Unschuld sterben, So büßt man sie nicht ein; Sie werden nur dort oben Vom Vater aufgehoben, Damit sie unverloren sey'n. Den Weg zur wahren Tugend Durch Jesum Christum find't, Und sich den ersten Glauben Hat niemals lassen rauben, Der lebt und stirbt auch wie ein Kind. 6. Allein wo sind die Reinen, Die jetzt noch so erscheinen, Wie sie das Wasserbad Vor Gottes Augen stellte, Und die die Welt nicht fällte Und schon in ihrem Netze hat? 7. Sich Jesu ganz verschreiUnd in der Welt zwar ben bleiben, Doch von der Welt nicht seyn, Erfordert höhre Kräfte Als menschliche Geschäfte: Das muß allein uns Gott verleihn. 2. Sie sind ja in der Taufe Zu ihrem Christenlaufe Für Jesum eingeweiht Und noch bei Gott in Gnaden: Was sollt es ihnen schaden, Daß sie die Krone schon erfreut? 3. Der Unschuld Glück verscherzen, Stets kämpfen mit den Schmerzen, Mit so viel Seelennoth, Im Angstgefühl der Sünden Das Sterben schwer empfinden: bewahrt ein früher Tod. Davor 4. Ist einer alt an Jahren, So hat er viel erfahren, Das ihn noch heute kränkt, Und unter so viel Stunden Oft wenige gefunden, Daran er mit Vergnügen denkt. 8. Wie leicht geht nicht bei Kindern Von uns erwachsnen Sündern Das fremde Feuer an! Sind sie der Welt entrifsen, Dann können wir erst wis 494 XX. Die letzten Dinge. fen. Daß sie die Welt nicht fäl-| Zeuch hin, du liebes Kind! Du len kann. gehest ja nur schlafen Und bleibest bei den Schafen, Die ewig unsers Jesu find. Johann Andreas Rothe, g. 1688+ 1758. 9. O wohl auch diesem Kinde! Es stirbt nicht zu geschwinde; Mel. Es ist genug, so nimm.( Baruch 4, 23.) 625. Zeuch hin, mein Kind! Gott selber fordert dich Aus dieser argen Welt, Ich leide zwar, dein Tod betrübet mich; Doch weil es Gott gefällt, So unterlaff' ich alles Klagen Und will mit stillem Geiste sagen: Zeuch hin, mein Kind! 2. Zench hin, mein Kind! der Schöpfer hat dich mir Nur in der Welt geliehn. Die Zeit ist aus, darum befiehlt er dir Nun wieder fortzuziehn. Zeuch hin! Gott hat es so versehen, Was dieser will, das muß geschehen; Zeuch hin, mein Kind! 3. Zeuch hin, mein Kind! im Himmel findest du, Was dir die Welt versagt; Denn nur bei Gott ist wahre Freud und Ruh, Kein Schmerz, der Seelen plagt. Hier müssen wir in Aengsten schweben, Dort kannst du ewig fröhlich leben; Zeuch hin, mein Kind! 4. Zeuch hin, mein Kind! wir folgen alle nach, So bald es Gott gefällt. Du eiltest fort, eh dir das Ungemach Verbittert' diese Welt. Wer lange lebt, steht lang im Leide, Wer frühe stirbt, kommt bald zur Freude; Zeuch hin, mein Kind! 2. Doch läsfet gleich der Glaube Sein Aug gen Himmel gehn: Was uns der Tod hier 5. Zeuch hin, mein Kind! die Engel warten schon Auf deinen zarten Geist. Nun siehest du, wie Gottes lieber Sohn Dir selbst die Krone weist. Nun wohl, die Seele ist entbunden, Du hast durch Jesum überwunden; Zench hin, mein Kind! Gottfried Hofmann, g. 1658 † 1712. Mel. Christus, der ist.( 1 Thessal. 4, 13.) stehn. 626. Die Liebe darf wohl| raube, Soll herrlich auferweinen, Wenn sie ihr Fleisch begräbt; Kein Christ muß fühllos scheinen, So lang er hie noch lebt. 3. So ists uns um die Herzen, Die Gnade macht uns so: Uns ist noch wohl in Schmerzen, Im Trauern sind wir froh. 4. Was tröstet uns? das Hofs C. Begräbnißlieder. Auf dein Wort auferstehen; Das ists, was uns erfreut. fen; Wie gut ists, Christi seyn!| säen, Das wird in Herrlichkeit Man sieht den Himmel offen, Und nicht das Grab allein. 5. Herr Jesu, unser Leben! In Thränen dankt man dir, Daß du uns Trost gegeben, Denn davon leben wir. 7. Herr! bild aus unsrem Staube Den neuen Leib, der dort, Nicht mehr dem Tod zum Raube, Dich schanet immerfort. 6. Was wir in Schwachheit Ps. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. 495 Mel. Ermuntre dich, mein.( Marc. 10, 14.) 627. Du bist zwar mein| die Jungen Und Alten sind entsprungen. und bleibest mein; Wer will mirs anders sagen? Doch bist du nicht nur mein allein: Der Herr von ewgen Tagen, Der hat das meiste Recht an dir, Der fordert und erhebt von mir Dich, o mein Sohn, mein Wille, Mein Herz und Wunsches Fülle! 4. Ich sehne mich nach meinem Sohn, Und der mir ihn gegeben, Will, daß er nah an seinem Thron Im Himmel solle leben. Ich sprach:„ ach weh! mein Licht verschwind't!" Gott spricht:„ willkomm, du liebes Kind, Dich will ich bei mir haben und ewig reichlich laben." 2. Ach! gält es Wünschen, wollt ich dich, Du Kleinód meiner Seelen, Vor allem Weltgut williglich Mir wünschen und erwählen. Ich wollte sagen:„ bleib bei mir, Du sollt seyn meines Hauses Zier, An dir will ich mein Lieben Bis in mein Sterben üben." 3. So sagt mein Herz und meint es gut; Gott aber meints noch besser. Groß ist die Lieb in meinem Muth; In Gott ist sie noch größer. Ich bin ein Vater und nichts mehr, Gott ist der Väter Haupt und Ehr, Ein Quell, daraus 5. O süßer Rath, o schönes Wort, Und heilger, als wir denken! Bei Gott ist ja kein böser Ort, Kein Unglück und kein Kränken, Nicht Angst, nicht Mangel, nicht Verfehn, Bei Gott kann keinem Leids geschehn; Wen Gott versorgt und liebet, Wird nimmermehr betrübet. 6. Wir Menschen sind ja auch bedacht, Die unsrigen zu zieren; Wir gehn und sorgen Tag und Nacht, Wie wir sie wollen führen In einen feinen, XX. Die letzten Dinge. 496 sel'gen Stand, Und ist doch selten so bewandt Mit dem, wohin sie kommen, Wie wirs uns vorgenommen. 7. Wie manches junge from me Blut Wird jämmerlich verführet Durch bös Erempel, daß es thut, Was Christen nicht gebühret! Da hats denn Gottes Zorn zu Lohn, Auf Erden nichts als Spott und Hohn; Der Vater muß mit Grämen Sich seines Kindes schämen. sind auf Erden, Nicht ausstudieren werden. 10. Ach dürft ich doch von ferne stehn Und nur ein wenig hören, Wenn deine Sinnen sich erhöhn Und Gottes Namen ehren, Der heilig, heilig, heilig ist, Durch den auch du geheiligt bist: Ich weiß, ich würde müssen Vor Freude Thränen gießen! 11. Ich würde sprechen: „ bleib allhier, Nun will ich 8. Ein solches darf ich ja nun nicht mehr flagen: Ach mein nicht An meinem Sohn erwar- Sohn, wärst du noch bei mir! ten; Der steht vor Gottes Angesicht Und geht in Christi Garten; Hat Freude, die ihn recht erfreut, Und ruht von allem Herzeleid; Er sieht und hört die Schaaren, Die uns allhier bewahren. Nein! sondern: komm, du Wagen Eliä, hole mich geschwind Und bring mich dahin, wo mein Kind Und so viel liebe Seelen So schöne Ding' erzählen." 12. Nun, es sey Ja und bleibe so! Dich will ich nicht beweinen: Du lebst und bist von Herzen froh, Siehst lauter Sonnen scheinen, Die Sonnen ewger Freud und Ruh, Hie leb und bleib nur immerzu; Ich will, wills Gott, mit andern Auch bald hinüber wandern! Gerhard, g. 1606 † 1676. 9. Er sieht und hört der Engel Mund, Sein Mund hilft selber singen; Lernt alle Weisheit aus dem Grund Und spricht von solchen Dingen, Die unser keins noch sieht und weiß, Die auch durch unsern Fleiß und Schweiß Wir, weil wir Eigene Mel.( Marc. 5, 35 2c.) Aus Dämmrung muß es tagen. 628. Mag auch die Liebe| Zur Heimath führt sein Pfad, weinen, Es kommt ein Tag des Herrn; Es muß ein Morgenstern Nach dunkler Nacht erscheinen. 3. Mag Hoffnung auch erschrecken, Mag jauchzen Grab und Tod-, Es muß ein Morgenroth Die Schlummernden einst wecken! 2. Mag auch der Glaube zagen - Ein Tag des Lichtes naht; Friederich Adolph Krummacher, g. 1767 C. Begräbnißlieder. Eigene Mel.( Joh. 11, 25. 26. 1 Theff. 4, 14.) 629. Ruhet wohl, ihr Todtenbeine, In der stillen Einsamkeit! Ruhet, bis das End erscheine, Da der Herr ench zu der Freud Rufen wird aus euren Grüften Zu den freien Himmelslüften. 2. Nur getrost, ihr werdet le= ben; Weil das Leben, euer Hort, Die Verheißung hat gegeben Durch sein theuer werthes Wort: Die in seinem Namen sterben, Sollen nicht im Tod verderben. 3. Und wie sollt im Grabe bleiben, Der ein Tempel Gottes war? Den der Herr ließ einverleiben Seiner auserwählten Schaar, Die er selbst durch Blut und Sterben Hat gemacht zu Himmelserben? Eigene Mel. 630. Aller Gläubgen Sammelplaß Ist da, wo ihr Herz und Schatz, Wo ihr Heiland Jesus Christ, Und ihr Leben hier schon ist. 497 6. Ruhet wohl, ihr Todtenbeine, In der stillen Einsamfeit! Nuhet, bis der Herr erscheine An dem Ende dieser Zeit! Da sollt ihr mit neuem Leben Herrlich ihm entgegen schweben. Friederich Konrad Hiller, g. 1662 t 1726. ( Offenb. 21, 3. 4.) 3. Doch der Herr kann nichts versehn; Und wenn es nun doch geschehn, Hat man nichts dabei zu thun, Als zu schweigen und zu ruhn. 2. Eins geht da, das andre dort In die ewge Heimath fort, Ungefragt, ob die und der Uns nicht hier noch nüßlich wär. 4. Nein, die kann der Tod nicht halten, Die des Herren Glieder sind! Muß der Leib im Grab erkalten, Da man nichts als Asche find't:- Wenn des Herren Hauch drein bläset, Grünet neu, was hier verweset. 5. Jesus wird, wie er erstanden, Auch die Seinen einst mit Macht Führen aus des Todes Banden, Führen aus des Grabes Nacht, Zu dem ewgen Himmelsfrieden, Den er seinem Volk beschieden. 4. Manches Herz, das nicht mehr da, Geht uns freilich innig nah; Doch, o Liebe, wir sind dein, Und du willst uns alles seyn! Vers 1, 3, 4 von Zinzendorf: V. 2 von Christ. Gregor. Mel Wie wohl ist mir.( Offenb. 14, 13. Jej. 35, 10. 1 Cor. 13, 12.) 631. Die Seele ruht in| sanft im Erdenschooß; Am HerJesu Armen. Der Leib schläft zen darf das Herz erwarmen, 32 Evangelisches Gesangbuch 498 XX. Die letzten Dinge. Die Nuh ist unaussprechlich| Bracht' mich heraus, hingroß, Die sie nach wenig durch, hinein! Heraus aus Kampfesstunden Bei ihrem dieser Erde Lüsten, Hindurch holden Freund gefunden: Sie durch die Versuchungswüsten, schwimmt im stillen Friedens- Hinein ins schöne Kanaan. meer, Gott hat die Thränen Da darf ich auf den grünen abgewischet, Ihr Geist wird Auen Den Helden, der mich durch und durch erfrischet, Des führte, schauen, Der große Herren Glanz ist um sie her. Ding' an mir gethan. 2. Sie ist nun aller Noth entnommen, Ihr Schmerz und Seufzen ist dahin; Sie ist zur Freudenkrone kommen, Sie steht als Braut und Königin Im Golde ewger Herrlichkeiten Dem großen König an der Seiten, Sie sieht sein klares Angesicht! Sein freudenvoll, sein lieblich Wesen Macht sie nun durch und durch genesen; Sie ist ein Licht im großen Licht. 5. Das war ein Tag der süßen Wonne, Das war ein lang ge= wünschtes Heut, Wo Jesus, meine Lebenssonne, Den ersten Blick der Herrlichkeit- Zum freudenvollen Uebergehen ließ meinen Geist durchdringend sehen; Der eilte seinem Freunde zu Und schwang sich mit den Engelschaaren, Die um mein Sterbebette waren, Ins Vaters Haus zur stolzen Ruh! 3. Sie jauchzt den Sterblichen 6. Nun kann das Kind den entgegen: Ja, ja, nun ist mir Vater sehen, Es fühlt den sanfewig wohl! Ich bin durch mei- ten Liebestrieb; Nun kann es nes Mittlers Segen Des Le- Jesu Wort verstehen: Er selbst, bens, Lichts und Freuden voll; der Vater, hat dich lieb! Ein Mein schönes Erbtheil ist mir unergründlich Meer des Guten, worden, Viel tausend aus der Ein Abgrund ewger SegensSel'gen Orden Bewundern fluthen Entdeckt sich dem verjauchzend meine Pracht. Man klärten Geist; Er schauet Gott kann in allen Himmelschören von Angesichte Und weiß, was Gleichwie mit Donnerstimmen Gottes Erb im Lichte Und ein hören: Der Herr hat alles Miterbe Chrifti heißt. wohl gemacht! 4. Ja wohlgemacht durchs ganze Leben, Recht wohl in meiner Todespein! Sein mütterliches Tragen, Heben, 7. Der matte Leib ruht in der Erden, Er schläft, bis Jesus ihn erweckt, Da wird der Staub zur Sonne werden, Den jegt die finstre Gruft bedeckt; Dani D. Auferstehung werden wir mit allen Frommen Beim großen Mahl zusammenkommen Und bei dem Herrn seyn allezeit; Da werden wir D. Auferstehung und Weltgericht. Eigene Mel.( 1 Cor. 15, 53.) 632. Auferstehn, ja aufer- Grabe Genug geschlummert stehn wirst du, Mein Staub, habe, Erweckst du mich! nach kurzer Ruh; Unsterblich Leben Wird, der dich schuf, dir geben. Hallelujah! 4. Wie den Träumenden wirds dann uns seyn: Mit Jesu gehn wir ein Zu seinen Freuden! Der müden Pilger Leiden Sind dann nicht mehr. 2. Wieder aufzublühn werd ich gesät! Der Herr der Ernte geht Und sammelt Garben, Uns ein, uns ein, die starben; Gelobt sey Gott! 5. Ach, ins Allerheiligste führt mich Mein Mittler dann, lebt ich Im Heiligthume Zu seines Namens Ruhme. Dann schau ich ihn! 3. Tag. des Danks, der Freudenthränen Tag, Du meines Gottes Tag! Wenn ich im Klopstod, g. 1724 † 1803. und Weltgericht. 499 ihn ewig sehen, Wie wohl, wie wohl wird uns geschehen; Herr Jesu, komm, mach uns bereit! Allendorf, g. 1693 † 1774. Mel. Valet will.( Joh. 6, 40.) 633. Ich geh zu deinem Grabe, Du großer Siegesfürst, Weil ich die Hoffnung habe, Daß du mir zeigen wirst, Wie man kann fröhlich sterben Und fröhlich auferstehn, Wie mit den Himmelserben Ins Land des Lebens gehn. 2. Du liegeft in der Erde Und hast sie eingeweiht: Wann ich begraben werde, Daß sich mein Herz nicht scheut, Auch in den Staub zu legen Was Staub und Asche ist, Weil du ja allerwegen Der Herr der Erde bist. 3. Du schläfft in deinem Grabe, Daß ich auch meine Ruh An diesem Orte habe; Drückst mir die Augen zu; Nun soll mir gar nicht grauen, Wenn mein Gesicht vergeht: Ich werde den wohl schauen, Der mir zur Seite steht. 4. Dein Grab war wohl ver= siegelt, Doch brichst du es entzwei; Wenn mich der Tod verriegelt, So bin ich dennoch frei; Du wirst denStein schon rücken, Der auch mein Grab bedeckt, Dann werd ich dich erblicken, Der mich vom Tove weckt. 5. Du fähreft in die Höhe Und zeigest mir die Bahn, Wohin ich endlich gehe, Da ich dich XX. Die letzten Dinge. 500 finden kann; Dort ist es sicher wohnen, Wo lauter Glanz um dich, Da warten lauter Kronen In deiner Hand auf mich. 6. O meines Lebens Leben! O meines Todes Tod! Dir will ich mich ergeben Auch in der letzten Noth; Dann schlaf ich ohne Kummer In deinem Frieden ein, Und wach ich auf vom Schlummer, Wirst du mein Loblied seyn! Schmolf, g. 1672 † 1737. Eigene Mel.( Matth. 25, 1-13. Offenb. 19, 6-9.) 634. Wachet auf!" ruft| heit mächtig, Ihr Licht wird hell, ihr Stern geht auf. Nun komm, du werthe Kron, Herr Jesu, Gottes Sohn! Hoffanna! Wir folgen all Zum Freudenfaal Und halten mit das Abendmahl. " 1 uns die Stimme Der Wächter sehr hoch auf der Zinne, Dein Herr, o Zion, kommt zu dir! Mitternacht heißt diese Stunde," So rufen sie mit hellem Munde,„ Ihr klugen Jungfraun, wo seyd ihr? Wohlauf, der Bräutgam kömmt! Steht auf, die Lampen nehmt! Hallelujah! Macht euch bereit Im Hochzeitkleid; Geht ihm entgegen, es ist Zeit!" 2. Zion hört die Wächter singen, Das Herz will ihr vor Freude springen, Sie wachet und steht eilends auf: Ihr Freund kommt vom Himmel prächtig, Von Gnaden stark, von Wahr-| Hallelujah für und für! 635. Der Herr bricht ein um Mitternacht; Jezt ist noch alles still. Wohl dem, der nun sich fertig macht Und ihm begegnen will! 2. Er hat es uns zuvor gesagt Und einen Tag bestellt; Er kommt, wenn niemand nach 3. Gloria sey dir gesungen Von Menschen und von Engelzungen, Mit Cymbeln und mit Harfenton! Von zwölf Perlen sind die Thore An deiner Stadt; wir stehn im Chore Der Engel hoch vor deinem Thron. Kein Aug erblickte fie, Ein Ohr vernahm sie nie, Solche Freude! Drum jauchzen wir Und singen dir Das Phil. Nicolai, g. 1556 † 1608. Mel. Nun sich der Tag.( Matth. 25, 13-30.) ihm fragt Noch es für möglich hält. 3. Wie liegt die Welt so blind und todt, Sie schläft in Sicherbeit Und meint, des großen Tages Noth Sey noch so fern und weit! 4. Wer wacht und hält sich D. Auferstehung und Weltgericht. nun bereit Als ein getreuer| und groß; Mit Jesu wirds Knecht, Daß er in jener Rech- vollbracht, Der ein so selig nungszeit Vor Gott bestehe schönes Loos Dem Treuen zurecht? gedacht, 5. Wer gibt sein Pfund auf Wucher hin Und nützet seinen Tag, Daß er mit himmlischem Gewinn Vor Jesum treten mag? 6. Weckt ihr einander aus der Ruh, Daß niemand sicher sey? Ruft ihr einander fleißig zu: Seyd wacker, fromm und tren? 7. So wache denn, mein Herz und Sinn, Und schlummre ja nicht mehr! Blick täglich auf sein Kommen hin, Als ob es heute wär! 501 10. Dem Knechte, der auf schmalem Pfad Ihm folgte Schritt für Schritt, Fromm blieb, wenn alles übel that, Geduldig stritt und litt. 11. Dann, wenn der Richter wie ein Blig Vom Himmel niederfährt, Wenn aller Sünder Lust und Witz In Heulen sich verkehrt: 12. Dann kommt er dir als Morgenstern Mit ewgem Gnadenschein, Dann gehest du mit deinem Herrn Zu seinen Frenden ein. 8. Der Tag der Nache nahet sich, Der Herr kommt zum Gericht; O meine Seel, ermanne dich, Steh und verzage nicht! 13. Der Herr bricht ein um Mitternacht; Jetzt ist noch alles still. Wohl dem, der nun sich fertig macht Und ihm be9. Dein Tagewerk ist schön gegnen will! Eigene Mel.( Offenb. 6, 17. 20, 12.) 636. Jenen Tag, den Tag 4. Erd und Tod wird schaun der Wehen, Wird die Welt im Brand vergehen, Wie Prophetenspruch geschehen. mit Beben Alle Kreatur sich heben, Antwort vor Gericht zu geben. 2. Welch Entfeßen von der Kunde, Daß der Nichter kommt zur Stunde, Prüfend alles bis zum Grunde! 5. Und ein Buch wird aufge= schlagen, Drin steht alles eingetragen, Weß die Welt ist anzuklagen. 3. Die Posaun' im Wundertone Sprengt die Gräber jeder Zone, Sammelt alle vor dem Throne. 6. Wenn der Nichter also fizet, Wird, was dunkel war, durchblizet, Vor der Nache nichts beschüßet. 502 XX. Die letzten Dinge. 7. Ach wie werd ich Armerrem Schaden: Hör mein stehen? Wen zum Anwalt mir Flehen, Gott, in Gnaden! erflehen, Wenn Gerechte schier vergehen? 8. Hehrer König, Herr der Schrecken! Gnade nur deckt unsre Flecken: Gnade, Gnade laß mich decken! 9. Jesu, milder Heiland, stehe, Wie ich Ziel war deiner Mühe, Daß ich jenem Zorn entfliehe! 10. Bist so tren mich suchen gangen, Haft am Kreuz für mich gehangen, Nicht umsonst sey Müh und Bangen! 11. Richter mit der heilgen Wage, Tilge wider mich die Klage Vor dem großen Nachetage! 12. Sieh, ich seufze schuldbeladen, Schamroth über schwe13. Du, der freisprach einst Marien Und dem Schächer noch verziehen, Haft auch Hoffnung mir verliehen. 14. Mein Gebet gilt nicht so theuer; Aber laß mich, o du Treuer, Nicht vergehn im ewgen Feuer! 15. Zu den Schafen mich geselle; Fern den Böcken und der Hölle Mich zu deiner Rechten stelle. 16. Wenn Verworfne sich entfärben, Die du hingibst ins Verderben, Rufe mich zu deinen Erben. 17. Tief im Staub ring ich die Hände; Zum Zerknirschten, Herr, dich wende! Herr, ge= denke mein am Ende! Nach dem Lateinischen des Thomas von Celano. Eigene Mel.( 2 Cor. 5, 10.) 637. Die Welt kommt einst| der, Das Thun der Gotteskinzusammen Im Glanz der ewgen Flammen VorChristi Nichterthron; Dann muß sich offenbaren, Wer Die und Jene waren! Sie kennt und prüft des Menschen Sohn. der, Die Hand, die milde war, Das Aug voll edler Zähren, Der Mund voll Lob und Lehren, Des Christen Herz wird offenbar. 2. Der Greul in Finsternissen, Das Brandmal im Gewissen, Die Hand, die blutvoll war, Das Aug voll Ehebrüche, Das frevle Maul voll Flüche, Das Herz des Schalks wird offenbar. 3. Das Flehn der armen Süu4. Wo wird man sich verstecken? Was will die Blöße deden? Wer schminkt sich da ge= schwind? Wen kann die Lüge schüßen? Was wird ein Werkruhm nüßen? Da sind wir alle, wie wir sind! 5. Herr! diese Offenbarung D. Auferstehung und Weltgericht. 503 Drück du mir zur Bewahrung| oder stehe, Wie ich vor deiBeständig in den Sinn, Daß nem Auge bin! ich auf das nur sehe, Ich gehe Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Mel. Die Welt fommt einst zusammen.( Joh. 3, 16.) Gott, ich flieh gerade Allein zu deiner Gnade, Mein Gott, der du die Welt geliebt! 4. Du hast den Sohn gegeben, Im Sohn ein ewig Leben; Im Sohn will ich dich flehn, Dich flehn um deine Liebe, Dich flehn aus heißem Triebe: Laß mich das Heil in Jesu sehn! 5. Ich war dem Tod zum Raube; Nun gib mir, daß ich glaube, Wer glaubt, wird selig feyn. So geh ich nicht verloren, So bin ich neugeboren, So dring ich in das Leben ein. Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. 638. Viel besser, nie geboren, Als ewiglich verloren, Von Gott getrennt sich sehn, Von keinem Heile wissen, Vom Licht zu Finsternissen, Vom Leben zu dem Tode gehn; 2. Von Freuden in den Klagen, Vom Hoffen im Verzagen, Von Wollust in der Pein, Von Freiheit in den Banden, Von Ehren in den Schanden, Von Ruhe in der Qual zu seyn! 3. Im Fluch auf ewig brennen, Gott seinen Gott nicht nennen, O das ist ja betrübt! Ach Mel. O Ewigkeit, du.( Luc. 16, 19-31.) 639. Menschen! diese| Noch Fried und Heil geboten kurze Zeit Führt in die lange wird. Ewigkeit, ZuHimmel oder Hölle. So bleibts nicht, wie es jego ist; Der Feind sucht, wie er euch mit List Die Netze heimlich stelle, Drin er ein blindes Herz verstrickt und in den Schlund des Todes rückt. 3. Dann hebet ihr die Augen auf Und merket, doch zu spät, darauf, Was ihr nicht merken wolltet: Daß ihr die Herzen zu dem Mann, Der segnen und verdammen kann, Bußfertig wenden solltet; Dann ist vor= bei die Gnadenzeit, Und da des Fluches Ewigkeit! 4. Mein Herz, o fleuch in Jesu Schooß, Der ist erbarmungsreich und groß Für dich und alle Seelen! Er ists für den, der an ihn glaubt Und der sich beugt mit Herz und Haupt, 2. Die Sündenlust ist bald vorbei; Dann steigt aus Flammen ein Geschrei, Man will gekühlet werden, Und wärs mit einem Tropfen klein; Doch kann auch dieses nicht mehr seyn: Man ist nicht mehr auf Erden, Wo uns von dir, o treuer Hirt, 504 XX. Die letzten Dinge. Das gute Theil zu wählen.| dich: Oliebster Heiland, Erwähle Jesu Gnadenlicht, rette mich! So brennt für dich die Hölle nicht! 6. So lang ich noch auf Erden bin, Schick ich mein Herz allzeit dahin Und merk auf deine Worte. Du bist der Herr im Himmelreich, Du hast die Schlüssel auch zugleich Zur tiefen Höllenpforte; Hinfort bedarf ich Wunder nicht: Ich glaube was mein Heiland spricht! Nach dem großen Leipziger Gesangbuch. 5. O zeig mir, Herr, was Abram sieht, Und wie sich deine Schaar bemüht, Lobpreisend dir zu dienen; Und wie, die hier der Höll entflohn, Dort unverwelklich um den Thron Als Himmelspflanzen grünen. Für alles dieses gabst du Mel. Was Gott thut.( 1 Cor. 1, 7-9.) 640. Wir warten dein, o Gottes Sohn, Und lieben dein Erscheinen; Wir wissen dich auf deinem Thron Und nennen uns die Deinen, Wer an dich glaubt, Erhebt sein Haupt Und siehet dir entgegen, Du kommst uns ja zum Segen. 2. Wir warten deiner mit Geduld In unfren Leidenstagen; Wir trösten uns, daß du die Schuld Für uns am Kreuz getragen. So können wir Nun gern mit dir Uns auch zum Krenz bequemen, Bis du'ê hinweg wirst nehmen. 3. Wir warten dein; du haft uns ja Das Herz schon hingenommen. Du bist zwar unsrem Geiste nah, Doch wirst du sichtbar kommen; Da willst uns da Bei dir auch Ruh, Bei dir auch Freude geben, Bei dir ein herrlich Leben. 4. Wir warten dein, du kommst gewiß, Die Zeit ist bald vergangen; Wir freuen uns schon über dieß Mit kindlichem Verlangen. Was wird geschehn, Wenn wir dich sehn, Wenn du uns heim wirst bringen, Wenn wir dir ewig singen! Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. E. Ewiges Leben. Mel. Wie wohl ist mir,( Ebr. 4, 1. 9, 11.) 641. Es ist noch eine Ruh| deine, Sonne scheinet nicht. vorhanden; Auf, müdes Herz, und werde Licht! Du seufzeft hier in deinen Banden, Und Sieh auf das Lamm, das dich mit Freuden Dort wird vor seinem Stuhle waiden, Wirf E. Ewiges Leben. 505 Last und eil herzu!| sanft auf solchem ruhen kann; Wenn dieser sich darf niederseßen, An einem frischen Trunk ergößen, Wie sind sie beide so vergnügt! Doch dieß sind kurze Ruhestunden; Es ist noch eine Ruh erfunden, Wo man auf ewig stille liegt. 5. Da wird man Freudengarben bringen, Denn unsre Thränensaat ist aus. O welch ein Jubel wird erklingen, Welch Lobgetön im Vaterhaus! Schmerz, Seufzen, Leid wird ferne weichen, Es wird kein Tod uns mehr erreichen; Wir werden unsern König sehn, Er wird am Brunnquell uns erfrischen, Die Thränen von den Augen wischen;- Wer weiß, was sonst noch wird geschehn! hin Bald ist der schwere Kampf vollendet, Bald, bald der saure Lauf geendet, Dann gehst du ein zu deiner Ruh. 2. Die Ruhe hat Gott auserforen, Die Ruhe, die kein Ende nimmt; Es hat, da noch kein Mensch geboren, Die Liebe sie uns schon bestimmt: Das Gotteslamm, es wollte sterben, Uns diese Ruhe zu erwerben, Es ruft, es locket weit und breit: „ Ihr müden Seelen und ihr Frommen, Versäumet nicht, heut einzukommen Zu meiner Nuhe Lieblichkeit!" ( Off. 7, 17.) 3. So kommet denn, ihr matten Seelen, Die manche Last und Bürde drückt! Gilt, eilt aus euren Kummerhöhlen, Geht nicht mehr seufzend und gebückt! Ihr habt des Tages Last getragen, Dafür läßt euch der Heiland sagen: Ich selbst will eure Ruhstatt seyn! Ihr seyd sein Volk, er will ench schügen, Will auch die Hölle auf euch blizen: Seyd nur getrost und gehet ein! 6. Da ruhen wir und sind im Frieden Und leben ewig sorgenlos. Ach fasset dieses Wort, ihr Müden, Legt euch dem Heiz land in den Schooß! Ach Flügel her! wir müssen eilen Und uns nicht länger hier verweilen, Dort wartet schon die frohe 4. Was mag wohl einen Kran- Schaar. Fort, fort, mein Geist, ken laben und einen müden zum Jubiliren! Auf, gürte dich Wandersmann? Wenn jener zum Triumphiren! Auf, auf, nur ein Bettlein haben Und es kommt das Nuhejahr! Kunth, g. 1700 † 1779. Mel. Wer weiß, wie nabe.( Rom. 8, 17. 18.) 642. Nach einer Prüfung| Ewigkeit! Dort, dort verwankurzer Tage Erwartet uns die delt sich die Klage In göttliche 506 XX. Die letzten Dinge. Throne Gottes mich erfreun. Dann läßt Gewinn stets auf Gewinn Mich fühlen, daß ich ewig bin. 7. Da werd ich das im Licht erkennen, Was ich auf Erden dunkel sah, Das wunderbar und heilig nennen, Was unerforschlich hier geschah; Da denkt mein Geist mit Preis und Dank Die Schickung im Zusammenhang. 3. Bald stören ihn des Körpers Schmerzen, Bald das 8. Da werd ich zu dem Throne Geräusche dieser Welt; Bald dringen, Wo Gott, mein Heil, kämpft in seinem eignen Her- sich offenbart; Ein heilig, heizen Ein Feind, der öfter siegt, lig, heilig! singen Dem Lamme, als fällt; Bald sinkt er durch das erwürget ward, Und Chedes Nächsten Schuld In Kum- rubim und Seraphim Und alle mer und in Ungeduld. 4. Hier, wo die Tugend öfters leidet, Das Laster öfters glücklich ist, Wo man den Glücklichen beneidet Und des Bekümmerten vergißt, Hier kann der Mensch nie frei von Pein, Nie frei von aller Schwachheit seyn. 5. Hier such ichs nur, dort werd ichs finden; Dort werd ich, heilig und verklärt, Der Tugend ganzen Werth empfinden, Den unaussprechlich großen Werth; Den Gott der Liebe werd ich sehn, Ihn lieben, ewig ihn erhöhn. 6. Da wird der Vorsicht heilger Wille Mein Will und meine Wohlfahrt seyn, Und lieblich Wesen, Heil die Fülle Am Zufriedenheit. Hier übt die Tugend ihren Fleiß, Und jene Welt reicht ihr den Preis. 2. Wahr ists, der Fromme schmeckt auf Erden Schon manchen sel'gen Augenblick; Doch alle Freuden, die ihm werden, Sind ihm ein unvollkommnes Glück: Er bleibt ein Mensch, und seine Ruh Nimmt in der Seele ab und zu. Himmel jauchzen ihm. 9. Da werd ich in der Engel Schaaren Mich ihnen gleich und heilig sehn; Das nie gestörte Glück erfahren, Stets fromm mit Frommen umzugehn. Da wird durch jeden Augenblick Ihr Heil mein Heil, ihr Glück mein Glück. 10. Da werd ich demden Dank bezahlen, Der Gottes Weg mich gehen hieß, Und ihn zu millionenmalen Noch segnen, daß er ihn mir wies; Da find ich in des Höchsten Hand Den Freund, den ich auf Erden fand. 11. Da ruft( o möchte Gott es geben!) Vielleicht auch mir ein Sel'ger zu: Heil sey dir, denn du hast mein Leben, Die E. Ewiges Leben. Seele mir gerettet du! O Gott, wie muß dieß Glück erfreun, Der Netter einer Seele seyn! 12. Was seyd ihr, Leiden dieser Erden, Doch gegen jene Mel. Wie schön leucht't. 643. Wie wird mir dann, o dann mir seyn, Wenn ich, mich ganz des Herrn zu freun, In ihm entschlafen werde, Von feiner Sünde mehr entweiht, Entladen von der Sterblichkeit, Nicht mehr der Mensch von Erde! Freu dich, Seele! Stärke, tröste Dich, Erlöste, Mit dem Leben, Das dir dann dein Gott wird geben! 2. Ich freue mich, und bebe doch, So drückt mich meines Elends Joch, Der Fluch der Sünde nieder! Der Herr erleichtert mir mein Joch; Es stärkt durch ihn mein Herz sich doch, Glaubt und erhebt sich wieder! Jesus Christus, Laß mich streben, Dir zu leben, Dir zu sterben, Deines Vaters Reich zu erben! 3. Verachte denn des Todes Graun, Mein Geist: er ist ein Weg zum Schaun, Der Weg im finstern Thale. Er sey dir nicht mehr fürchterlich: Ins Allerheiligste führt dich Der Weg im finstern Thale! Gottes Nuhist Unvergänglich, Ueberschwenglich, Die Erlösten Wird ste unaussprechlich trösten. 507 Herrlichkeit, Die offenbart an uns soll werden Von Ewigkeit zu Ewigkeit? Wie nichts, wie gar nichts gegen sie Ist doch ein Augenblick voll Müh! Gellert, g. 1715 † 1769. ( Offenb. 2, 10. 3,5.) 4. Herr, Herr! ich weiß die Stunde nicht, Die mich, wenn nun mein Auge bricht, zu deinen Todten sammelt; Vielleicht umgibt mich ihre Nacht, Eh ich dieß Flehen noch vollbracht, Mein Lob dir ausgestammelt! Vater, Vater, Ich befehle Meine Seele Deinen Händen, Laß mich einst im Frieden enden! 5. Vielleicht sind meiner Tage viel, Ich bin vielleicht noch fern vom Ziel, An dem die Krone schimmert. Bin ich von meinem Ziel noch weit, Die Hütte meiner Sterblichkeit, Wird sie erst spät zertrümmert: Laß mich, Vater, Reiche Saaten Guter Thaten Einst begleiten Vor den Thron der Ewigkeiten! 6. Wie wird mir dann, ach dann mir seyn, Wenn ich, mich ganz des Herrn zu freun, Ihn dort anbeten werde, Von keiner Sünde mehr entweiht, Ein Mitgenoß der Ewigkeit, Nicht mehr der Mensch von Erde! Heilig, Heilig, Heilig fingen Wir und bringen Deinem Namen Preis und Ehr auf ewig! Amen. Klopfted, g. 1724 † 1803. 508 XX. Die letzten Dinge. Eigene Mel.( Offenb. 7, 14-17.) 644. O Jerufalem, du schöne, Da man Gott beständig ehrt Und das himmlische Getöne: Heilig, heilig, heilig! hört; Ach wann komm ich doch einmal Hin zu deiner Bürger Zahl? 2. Muß ich nicht in Pilgerhütten Unter strengem Kampf und Streit, Da so mancher Christ gelitten, Führen meine Lebenszeit; Da oft wird die beste Kraft Durch die Thränen weggerafft? 3. Ach wie wünsch ich dich zu schauen, Jesu, liebster Seelenfreund, Dort auf deinen Salemsauen, Wo man nicht mehr klagt und weint, Sondern in dem höchsten Licht Schauet Gottes Angesicht! 4. Komm doch, führe mich mit Freuden Aus der Fremde hartem Stand; Hol mich heim nach vielen Leiden In das rechte Vaterland, Wo dein Lebenswasser quillt, Das den Durst auf ewig stillt. 5. Oder auserwählten Stätte, Voller Wonne, voller Zier! Ach, daß ich doch Flügel hätte, Mich zu schwingen bald von hier, Nach der neuerbauten Stadt, Welche Gott zur Sonne hat! 6. Soll ich aber länger bleiben Auf dem ungestümen Meer, Wo mich Sturm und Wellen treiben Durch so mancherlei Beschwer: Ach so laß in Kreuz und Pein Hoffnung meinen Anker seyn! 7. Alsdann werd ich nicht ertrinken, Christus ist mein Arm und Schild, Und sein Schifflein kann nicht sinken, Wär das Meer auch noch so wild; Obgleich Mast und Segel bricht, Läßt doch Gott die Seinen nicht! Nach Fr. Konrad Hiller, g. 1662 † 1726. ( Joh. 17. 3. 1 Theff. 5, 8-10.) Mel. Mein Heiland nimmt. sterblichkeit ans Licht gebracht. 645. Gottlob! ich weiß mein| er aus dem Grab erwacht, UnVaterland, Dem jederTag mich näher leitet; Hier ist nur mein Erziehungsstand, Der mich zum Himmel vorbereitet; Bald, Herr, erhebst du mich zu die: Den hohen Rathschluß hast du mir So hell in deinem Wort erkläret, So fest durch Jesu Tod bewähret, Der, als 2. Dort wird in Gottes Gnadenrath Mein Geist mit sel'gem Staunen dringen, Und seiner Liebe Wunderthat Mit ehrfurchtvollem Dank befingen. Dann fühl ich, ewiglich verklärt, Der Leiden Christi höchsten Werth, Knie' vor dem Gott E. Ewiges Leben. 509 der Liebe nieder Und stimm in| Himmelsfrieden. Dort, wo der der Verklärten Lieder: Anbe- Tod kein Band zerreißt, Dort tung, Ehre, Preis und Macht werden wir, ein Herz und Sey dem Gekreuzigten ge- Geist, Zehnfältig unser Glück bracht! empfinden, Zur Liebe Gottes uns entzünden Und rühmen ihn, deß Vaterhand Zum ew= gen Wohlseyn uns verband. 6. Du hast uns nicht zum Zorn 3. Der reichsten Güter Ueberfluß Empfang ich dann aus Gottes Händen; Dort wird die Hoffnung im Genuß, Der Glaube sich im Schauen enden. gesett, Nein, Himmelswonne Die Führung, die einst wunder- zu genießen; Wie hoch sind wir bar, Zu dunkel meinem Auge von dir geschätzt! Sey innigst war, Seh ich im trofterfüllten hoch von uns gepriesen! Dein Lichte, Genieße meiner Leiden Reich, wo Heil und Friede Früchte Und preise Gottes blüht, Wie dir dein Vater es weisen Rath, Der mich so tren beschied, Das Reich voll ungeleitet hat. verwelkter Freuden, Willst du, o Heiland, uns bescheiden. Wie bietest du dem Glaubensfleiß Solch unaussprechlich hohen Preis! 7. Gott! laß mir die Ewigfeit Sammt meiner Gnadenzeit auf Erden Zum guten Kampf, der niemand rent, Stets wichtiger und theurer werden! Sie sey mein Schild im Kampf und Streit, Mein Antrieb zur Gottseligkeit, Die Würze meiner Lebensfreuden, Der Balsam meiner Pilgerleiden, Im dunklen Thal mein Freudenlicht, Im Tode meine Zuversicht! Nach Loder. 4. Dort werd ich Gottes Freundlichkeit In Millionen Freuden schmecken, Stets wachsen an Vollkommenheit Und neue Wunder stets entdecken. Mein Wissen, das hier Stück werk war, Wird himmlisch, wie die Sonne klar, Stets flammender die Lieb und reiner, Stets jeder Sinn für Wahrheit feiner, Stets weiter meiner Seele Blick, Stets herrlicher mein ewges Glück. 5. Die Lieben, die für kurze Zeit Tod oder Schicksal von mir schieden, Find ich gekrönt mit Seligkeit Im wandellosen Mel. Wie schön leucht't.( Offenb. 21, 1-5.) 646. Mein Geist, o Gott,| nach jenem Himmelblickt, Den wird ganz entzückt, Wenn er du für uns bereitet; Dort wird Die letzten Dinge. 510 erst deiner Allmacht Hand Aus neuen Wundern recht erkannt, Die du daselbst verbreitet. Herr! ich Fühl mich Ange= trieben, Dich zu lieben, Der zum Leben Jener Welt mich will erheben. 2. Was sind die Freuden die ser Zeit, Herr, gegen jene Herrlichkeit, Die wir im Himmel finden? Du stellst uns hier auf Erden zwar Viel Wunder deiner Güte dar, Daß wir sie froh empfinden; Doch hier Sind wir Bei den Freuden Noch mit Leiden Stets umgeben; Dort nur ist vollkommnes Leben. 3. Dort ist kein Tod mehr und kein Grab, Du wischest alle Thränen ab Von deiner Kinder Wangen; Dort ist kein Leid mehr, kein Geschrei, Denn du, o Herr, machst alles neu. Das Alte ist vergangen! Freundlich Gibt sich Den Erlösten, Sie zu trösten, Der zu fennen, Den sie hier schon Vater nennen. 4. In deinem höhern Heiligthum Erschallet deines Namens Ruhm Von Millionen Zungen; Da strahlt die Herrlichkeit des Herrn. Da schaut man sie nicht mehr von fern, Da wird sie ganz besungen. Heller, Schnelfer Als hienieden, Ohn' Ermüden Sehn wirdroben, Gott, wie hoch du bist zu loben! 5. Mit neuer Inbrunst lieben wir, O Gott, dich dann und dienen dir Mit freudigem Gemüthe. Nichts stört den Frieden unsrer Brust Und unsre tausendfache Lust An deiner großen Güte. Kein Neid, Kein Streit Hemmt die Triebe Reiner Liebe Unter Seelen, Die nun ewig nicht mehr fehlen. 6. Gott! welche Schaar ist dort vereint: Die Frommen, die ich hier beweint, Die find ich droben wieder; Dort sammelt deine Vaterhand Sie, die ein Sinn schon hier verband, Herr, alle deine Glieder. Fröhlich Werd ich, Frei von Mängeln, Mit den Engeln Dir lobsingen, Preis und Dank dir ewig bringen. 7. Dort ist mein Freund, des Höchsten Sohn, Der mich geliebt; wie glänzt sein Thron In jenen Himmelshöhen! Da werd ich dich, Herr Jesu Christ, Der du der Engel Wonne bist, Mir zum Entzücken sehen! Nichts kann Alsdann Mich mehr scheiden Von den Freuden, Die du droben Deinen Freunden aufgehoben. 8. Wie herrlich ist die neue Welt, Die Gott den Frommen vorbehält, Wenn sie voll Glanben sterben! Der du vorangegangen bist. Zieh dir mich nach, Herr Jesu Christ, Hilf mir E. Ewiges Leben. 511 dein Reich ererben! Laß mich zu leben Auf der Erde, Daß Treulich Danach streben, Dir ich dort dein Erbe werde! Diterich nach Dr. Ahasverus Fritsch. ( Offenb. 21, 7.) Mel. Womit soll ich. 647. Dwie unaussprech-| 4. O wer sollte sich nicht sehlich selig Werden wir im Himmel seyn! Da, da ernten wir unzählig Unsers Glaubens Früchte ein; Da wird ohne Leid und Zähren Unser Leben ewig währen. Gott, zu welcher Seligkeit Führst du uns durch diese Zeit! nen, Aufgelöst und da zu seyn, Wo nach ausgeweinten Thränen Ewge Güter uns erfreun, Wo sich unser Kreuz in Palmen, Unser Klagelied in Psalmen, Unsre Last in Lust verkehrt, Die forthin kein Kummer stört! 5. Sey, o Seele, hoch erfreuet Ueber das erhabne Glück, Das dir einst dein Gott verleihet; Richte deines Glaubens Blick Oft nach jener Stadt der Frommen, Mit dem Ernst, dahin zu kommen; Trachte, weil du hier noch bist, Nur nach dem, das droben ist! 2. Dann wirst du dich unsern Seelen Offenbaren wie du bist; Keine Wonne wird uns fehlen, Da wo alles Wonne ist; Zu vollkommnenSeligkeiten Wird uns dort der Mittler leiten, Der uns dieses Glück erwarb, Als am Kreuz er für uns starb. 3. Da wird deiner Frommen Menge Ein Herz, eine Seele seyn; Dienst und Dank und Lobgesänge Dir, erhabner Gott, zu weihn, Dir, und dem, der selbst sein Leben Willig für uns hingegeben; Mit ihm, nnfrem größten Freund, Sind wir ewig dann vereint. 6. Ohne Heiligung wird keiner, Herr, in deinen Himmel gehn; O so mache immer reiner Hier mein Herz, dich einst zu sehn: Hilf du selber meiner Seele, Daß sie nicht den Weg verfehle, Der mich sicher dahin bringt, Wo man ewig dir lobfingt! Nach Schmolf. Mel. Wenn mein Stündlein.( Joh. 17, 24.) meinen wieder sehen?" 648. Der Trennung Last deinem ewgen Königreich Die liegt schwer auf mir; Ich liebe fie, die meinen. Laß einen Lichtstrahl mir von dir, Herr, auf die Frag erscheinen:„ Werd ich nach meinem Tode gleich In 2. Ich höre schon von deinem Thron Des Geistes Stimm ausgehen; Sie zeuget mir: durch Gottes Sohn Wirst du sie wie XX. Die letzten Dinge. dersehen! Wenn du durch ihn| der sehen. Gottlose häufen nur bist Gottes Kind, Wenn sie in ihm gestorben sind, So findet ihr euch wieder. die Pein Mit ihrer Brüder Wehen; Dort fühlt der Lüstling sein Gericht, Und er verlangt die Brüder nicht zu sehn im Feuerpfuhle. 7. Drum bitt ich dich durch Christi Blut, Erbarmer in der Höhe: Mach meine Lieben fromm und gut, Daß ich sie wieder sehe! Auch mich erhalte dir getreu; Dann, Vater, bin ich auch dabei, Wann sich die Lieben finden. 512 3. Die fromme Seele trennt sich nicht Von gleich gesinnten Frommen; Sie werden all in Gottes Licht Aufs neu zusammen kommen, Von keinem Tode mehr getrennt; Denn Gottes Engel, der sie kennt, Versammelt die Erwählten. 4. DerFromme sieht den frommen Mann, Der Christ den Christen wieder; Das Weib trifft ihren Gatten an, Der Bruder seine Brüder; Die fromme Mutter küßt ihr Kind; Denn alle Auserwählten sind In Gottes Stadt beisammen. 5. Zum Berge Zion kommen wir, Zu Gottes Stadt im Himmel, Wo Engel stehen, Herr, vor dir Im jauchzenden Gewimmel; Zu der Gemeinde Strahlenchor, Zu Geistern steigen wir empor Vollendeter Gerechten. ( Ebr. 12, 22: c.) 6. Doch Frommen nur wirds Freude seyn, Wenn sie sich wie8. O Jesu, welch ein Tag für dich, Ein Festtag voll Erbarmen, Wenn so viel tausend Seelen sich Vor deinem Thron umarmen! Dann bluten Herzen nimmermehr, Dann ist das Aug von Thränen leer, Denn du haft sie getrocknet. 9. Weint nicht, ihr Lieben, denn gewiß Sollt ihr mich wieder finden In Gottes Stadt, im Paradies, Von Fesseln frei und Sünden. Auch unser Staub wird auferstehn! O Wiedersehn, o Wiedersehn, Wie tröstest du die Seele! Nach Schubart. Mel. Wachet auf! ruft.( Offenb. 14, 13. 7, 14-17.) 649. Selig find des Himmels Erben, Die Todten, die im Herren sterben, Zur Auferstehung eingeweiht! Nach den legten Augenblicken Des Todesschlummers folgt Entzücken, Folgt Wonne der Unsterblichkeit! Im Frieden ruhen sie, Los von der Erde Müh, Hofianna! Vor Gottes Thron, E. Ewiges Leben. Zu seinem Sohn Begleiten ihre Werke fie. 2. Dank, Anbetung, Preis und Ehre, Macht, Weisheit, ewig, ewig Ehre Sey dir, Verfühner, Jesu Chrift! IJhr, der Ueberwinder Chöre, Bringt Dank, Anbetung, Preis und Ehre Dem Lamme, das geopfert ist! Er sank wie wir ins Grab, Wischt unsre Thränen ab, Alle Thränen! Er hats vollbracht! Nicht Tag, nicht Nacht Wird an des Lammes Throne seyn. Mel. Nun preiset alle.( Offenb. 21.) 650. Ich hab von ferne, Herr, deinen Thron erblickt, Und hätte gerne Mein Herz vorausgeschickt Und hätte gern mein müdes Leben, Schöpfer der Geister, dir hingegeben! 2. Das war so prächtig, Was ich im Geist gesehn! Du bist allmächtig, Drum ist dein Licht so schön! Könnt ich an diesen hellen Thronen Doch schon von heute an ewig wohnen! 3. Nur bin ich fündig, Der Erde noch geneigt, Das hat mir bündig Dein heilger Geist 513 3. Nicht der Mond, nicht mehr die Sonne Scheint uns als= dann; er ist uns Sonne, Der Sohn, die Herrlichkeit des Herrn. Heil, nach dem wir weinend rangen, Nun bist du, Heil, uns aufgegangen, Nicht mehr im Dunkeln, nicht von fern! Nun weinen wir nicht mehr, Das Alte ist nicht mehr, Hallelujah! Er sank hinab, Wie wir ins Grab; Er gieng zu Gott, wir folgen ihm! Klopstod, g. 1724 † 1803. gezeigt; Ich bin noch nicht genug gereinigt, Noch nicht ganz innig mit dir vereinigt. 4. Doch bin ich fröhlich, Daß mich kein Bann erschreckt; Ich bin schon selig, Seitdem ich das entdeckt. Ich will mich noch im Leiden üben Und dich zeitlebens inbrünstig lieben. 5. Ich bin zufrieden, Daß ich die Stadt gesehn; Und ohn' Ermüden Will ich ihr näher gehn Und ihre hellen, goldnen Gaffen Lebenslang nicht aus den Augen lassen! Dr. Johann Timotheus Hermes, g. 1738 † 1821. Mel. O Jerusalem.( Offenb. 7, 9--17.) 651. Wer sind die vor Gottes Throne? Was ist das für eine Schaar? Träget jeder eine Krone, Glänzen wie die Sterne klar, Hallelujah Evangelisches Gesangbuch. fingen all, Loben Gott mit hohem Schall. 2. Wer sind die, so Palmen tragen, Wie ein Sieger in der Hand, Wenn er seinen Feind 33 XX. Die letzten Dinge. geschlagen, Hingestrecketinden| stillet ist; Denn sie sind bei Sand? Welcher Streit und Jesu Christ. welcher Krieg Hat erzenget diesen Sieg? 3. Wer sind die in reiner Seide, Welche ist Gerechtigkeit, Angethan mit weißem Kleide, Das bestäubet keine Zeit und veraltet nimmermehr; Wo sind diese kommen her? 8. Dahin reck auch ich die Hände, O Herr Jesu, zu dir aus! Mein Gebet ich zu dir wende, Der ich noch in deinem Haus Hier auf Erden steh im Streit: Treibe, Herr, die Feinde weit! 4. Es sind die, so wohl gerungen Für des großen Gottes Ehr, Haben Welt und Tod bezwungen, Folgend nicht dem Sünderheer, Die erlanget in dem Krieg Durch des Herren Arm den Sieg. 9. Hilf mir in dem Kampfe siegen Wider Sünde, Höll und Welt; Laß mich nicht danieder liegen, Wenn ein Sturm mich überfällt. Führe mich aus aller Noth Du, mein Fels, mein Herr und Gott! Reis foren 10. Gib, daß ich sey nengeboren, An dir als ein grünes Wachse und sey auserZu des ewgen Vaters so in des Lammes Nachfolg Preis; Daß ich mich bewahre Angst und Noth durchwacht; Nun sind sie erlöst vom Leid Und geschmückt im EhrenFleid. rein, Meide jeden falschen Schein. 11. Daß mein Theil sey bei den Frommen, Welche, Herr, dir ähnlich sind, Und auch ich, der Noth entnommen, Als ein treues Gotteskind Dann, genahet zu dem Thron, Nehme den verheißnen Lohn. 12. Welches Wort faßt diese Wonne, Wenn ich mit der Heilgen Schaar In dem Strahl der reinen Sonne Leuchte wie die Sterne klar! Amen, Lob sey dir bereit, Dank und Preis in Ewigkeit! 514 5. Es find Zweige eines Stammes, Der uns Huld und Heil gebracht; Es sind die, 6. Es sind die, so stets erschienen Hier als Priester vor dem Herrn, Tag und Nacht bereit, zu dienen, Leib und Seel geopfert gern; Nunmehr stehn fie all herum Vor dem Stuhl im Heiligthum. 7. Wie ein Hirsch am Mittag lechzet Nach dem Strom, der frisch und hell: So hat ihre Seel geächzet Nach dem rechten Lebensquell, Wo ihr Durst ge Cap. Vers. Erstes Buch Monis. 1 2 3 8 18 32 Zweites Buch Mosis. 15 39 20 509 23 559 33 414 Drittes Buch Mofis. Josua. 26. 27 2: 3 Psalm. 1 2 - 22 19 10 or c 2 12 20 14 26 2 271 Fünftes Buch Mosis. 4 11 5 28 29 32 29 6-21 1. 6 9 3. 4 78884 Esra. 8 Nehemia. 13 Hiob. 1 8 14 19 28 12 13 15 17 24 15 498. 502 Erstes Buch Samuelis. 69 2 6-8 Erstes Buch der Chronik. 30 595. 617 192 9 5-13 15 Zweites Buch der Chronik. 16 43 20 492 213 22 31 21 9 1. 2 25-27 28 3 6.9 1-3 Tarso 5 2. 3 10-12 Verzeichniß der Bibelstellen über den Liedern. 5-7 Nro. der Lieder. 12 63 271 5 19.77 536 500 449. 534. 565 229. 269 277 241 28. 461 493 17 457 570 79 177 436 227 222 96 579. 67. 10 48. 534 50 32.41 215 70 404 416 Pfalm. 17 18 19 20 23 24 25 26 27 28 30 31 32 33 34 36 37 38 39 40 42 43 45 46 47 31 55 56 57 59 62 65 67 Vers. 5 71 15 2. 3. 8-17 1-12 7 - 7-10 1-6 8-10 6-8 1 9 6 1-6 5 8 8 20. 10 1 3 17 37-39 22 5-11 13 11 12 3 53 7 54 8 - 5. 6 9-12 3-14 19 23 6-8 2 13N21 10-14 2.3 68 5 Nro. der Lieder. 6 559 562 346 539 60. 228. 537 525 72 92 99 18 466 52. 53 275 567 89. 532 469. 481 26. 268 297 414 94 9. 43. 260 274 8-11 17. 18: 551 364 550 568 20 440 477. 575. 591 593 604 46 464 584 344 0212 210 529 181 292. 301 602. 576 294. 301 112 40 367 372 574 10. 549 372. 463 267 541. 542 222 92 524 281 65 516 Psalm. 71 73 74 77 80 84 35 86 89 90 91 92 95 100 102 103 104 107. 109 110 111 112 115 116 118 119 121 123 126 127 130 132 133 136 138 139 Vers. 9 22. 23 23-26 28 16 11 15. 16 2. 3 12. 13 11 3 12 14 17 14-16 1-8 2 24-29 - 1-5 10 13 15-18 1-22 21. 26 3 1 20. 1. 4 -- 15. 16 23. 24 9 105 165 2c. 5. 6 1. 2 1-4 2 Verzeichniß der Bibelstellen. Nro. der Lieder. 321 107 68. 345. 351. 398 357 583 488 214 270 554 528 26 323 441. 585 563 514. 515 76 492 573 38 35 530 30. 55. 3. 189. 518 302 5 589 59. 538. 544 70 c. 578. 582 205 14. 437 566 504 566 520 618 167 104 549 512 206 236 8 232 340 19. 571 516 490 531 464 495 456. 499 290 283 430 27. 547 36 39. 42. 44 Píalm. 143 145 146 147 148 150 30 21 28 30 Sprüche Cap. Vers. 3 10 14 16 18 20 23 35 38 40 44 Vers. Nro. der Lieder. 45 2 46 49 216111622XERALE VS TNINER-=- 1 50 52 53 54 55 8.9 16-18 Prediger. 7 Jesaias. 5. 6 3. 9 10 6 9 11 2 12 28 17. 18 30 7-9 15 3 222 369 375. 465. 472 388 631 591 12. 470 506 26-31. 43. 58. 61. 372 42 1-3 96 43 1. 2 366 149 223 149 38 74 2 534 199. 302 47. 64 295 347 29 524 548 61 4 Salomos. 11 29 10 15-17 11 24. 25 22 5. 6 15 13 15. 16 6 13-15 4. 5 10 6 7 Nro. der Lieder. 374 499 504. 577 496. 68 377 526 400 41. 307 458 454 509 486 1. 37 102 197 158 564 522 106 482 142 129 129. 130 131. 138 51. 241 175 292 Cap. Bers. Jeſaias. 55 56 57 60 -20 63 9 2 HOUSSOAT PARH 66 Jeremias. 3 5 10 15 17 18 24 29 8. 9 10 20. 2 2 1. 2 286 543 68 212 67 80. 390 19 391 11. 22 349 250 32 69 Klaglieder Jeremiä. 3 12. 13. 24 23 20 7 31 3 Micha. 2 7 14 19 7 11 20. Hesekiel. 11 18 23 11 33 36 26. 27 Hoſea. 25 19 12 22-26 31-33 37 6 6 19. 20 Habakuk. 2 3 14 3 13 18-20 Haggai. Sacharja. [ 1] 10 10 13 1 Maleachi.. 16-18 Weisheit. 9 7-14 1 4 15 Tobias. Verzeichniß der Bibelstellen. Cap. Vers. Sirach. 1 3 22. 23 9 2 Nro. der Lieder. 74. 369 283 272 619 116. 296. 558. 581 127. 132 229 9. 533. 545 345 568 308 594 519 198. 202. 304 424 418 66 94 16 224 96. 107 90 264 158 281 467 619 19. 65 624 45 474 113 2 3 4 6 7 11 14 17 18 23 24 30 41 43 72310 5 6 50 Baruch. 4 7 1-4 23 Satthấu3. 9 10 12 13 14 10 13 3 16 6-9 11 19: c. 15 14-17 37 40 18 20 21 22. 23 28 12-14 22. 26 4-6 14-17 5 12-17 31 24-26 1-12 17 2-16 20 22 37 44 2C. 10 19. 20 25-32 33 7-11 13. 14 21 23 37. 38 28 38 2-6 26-30 20 1-2337 20. 15-21 28-31 18 24-26 34. 27 8-10 Nro. der Lieder. 436 585 366 476 509 483 228 434 256 592 226 483 232 55 14 523. 590 458 228 518 598 540 69 2. 27 231 625 115. 117 120 251. 384 392 425 517 450 426 207 21 465. 482. 489. 546 394. 453 266. 390 289. 388. 409 403 405 208. 229 450 377 101 249. 289. 328. 388. 399. 480 417 225 219 376 306 210 333. 377. 394. 308. 456. 537 147 75. 76. 413 518 Cap. Vers. Matthäus. 18 21 22 23 24 25 26 27 28 10 11 12 13 14 16 Lucas. 1 2 10 H Marcus. 5 8 9 11 12 20 21-35 1-11 15. 16 2-14 13 14 15 37 12 13 1-13 13-46 26-28 33 39 41 46 19 20 35 2c. 34 23 6-9 13-16. 1-10 32. 33 33-37 32-39 16 78.79 10. 11 14 22 25-32 35 41-52 4-6 18. 19 14 13 20. 5-15 62 23. 24 42 9. 10 185244 13 28 15-24 32 34: C 49 6-9 24 16-24 17 Verzeichniß der Bibelstellen. Cap. Vers. Lucas. 15 Nro. der Lieder. 235. 273. 276 427 90. 91. 93 505 248 288 215 408 220. 221 90. 98. 634 635. 431 252 352 370 416 144 33 206. 212. 569 628 155 387 494 244. 508. 627 92 423 438 134. 44385. 240 296 105. 108 36 119 118. 580. 600. 612 147 35. 120. 307. 513 97 230. 416 519 473 234 211 101. 112. 175 362. 385 23 15 78. 226. 277 455 213 617 208 57 412 114. 204 309 310 16 18 19 22 23 24 2 3 5 Johannes. 1 6 8 10 11 12 13 14 1510 11-32 10 19-31 7.8 16. 15-17 12-24 29: C. 42 19 20. 34. 42: 13 20... 29 1-14 16 29 75 293 515 639 213 503 444 100 311 255 144. 146 176 $ 209. 569 Nro. der Lieder. 2 2c. 5. 6 14. 15 16 17 2c. 36 24 28. 29 33-35 40 48-51 53 2c. 56 20 63 68 12 36 51 1-30 16 25-27 24. 25 26 36 1 15 34. 35 2-4 6-17 18-20 21 23 26 27. 28 7 13. 14 26 13. 14 24 12. 62. 109. 116. 227 40 135 500 239. 388 599 85. 110. 638 597. 611 607 623 258 633 257.262 255 249. 253 233 383 116. 555 389 280. 616 88. 125. 128. 207. 224. 339. 463.506 378 162. 590. 601. 629 537 610. 617 95 121 122 133. 217 181 182. 616 25. 81. 122. 126. 265. 349. 381 180 25. 152 254. 353 195 181. 330. 334 7. 250. 535 21 140 161 161 194 552 Cap. Vers Johannes. 16 17 19 20 21 2 34777 10 14 16 17 19 Apostelgeschichte. 4 5 27 3 7 9-11 15 17 19 20-23 24 26 2 5 8 26-30 17 17 24 Römer. 1 2 3 27. 31 19. 20 12 30. 31 58 36 43 17 22 31 27. 28 30. 31 16 16. 17 4-11 22-28 5 8 24. 25 1. 2 8-11 12-18 1-15 16 14-25 18-25 2 3.4 11 13. 14 15-18 Verzeichniß der Bibelstellen. Nro. der Lieder. 520 645 265 391 276. 279 401 217 183. 185. 599. 648 354 137 136 144 180. 182 356. 362. 380 193 162 303 83. 318. 362. 587 174 157. 596. 613 337 230 41 471 502 263 284 338 231 49. 311 78 313. 315 314 595 171 78 154. 622 142. 359 239 130. 138. 153. 155. 168. 172. 174. 241. 378. 401 389 299 80. 291 418 201 291 178 200 197. 378. 402. 475. 642 19-25 311 26 196 28-30 14. 17.$ 5.105. 152. Cap. Römer. 8 9 11 12 13' 36 11 14 16 Erster Corintherbrief. 1 2 6. 7 13 15 28-39 7 30 2c. 10 12 13 3 4 5 33 25. 26 6-16 Vers. 1 11. 12 8.9 20 6923 12 3 12 7-9 18-31 13 9 7 17 14 15-20 16 20. 31 23-25 26-29 4 11 12-27 1-8 12 13 3-8 10 19-23 33 49 53 55-58 6 8 9 20 21: c. 18 16-18 1-10 14-21Zweiter Corintherbrief. 1 4-10 16 Nro. der Lieder.. 331. 336. 343. 351. 373. 383. 462. 546 40 223 429. 446 527 119 150. 608 33 7 9. 10 4 5 13 45. 317 640 192. 369. 385. 437 435 356 283 459 173 358. 459. 460. 510 24 443 45.487 261 259 247 246. 249. 255. 256. 257. 259. 260 195 203 202 196. 205 422 631 422 171 570 139. 163. 621 442 519 620 632 108. 166. 168. 615. 618 230 341 334 365. 471. 475 49. 586. 620. 637 136. 151. 165. 262. 281.327. 342. 360 344 553 431 329. 386. 488. 344 326 278 520 Cap. Galater. 1 4 5 6 2 3 4 3 6 Epheser. 1 2 3 4 Vers. 3.4 16. 17 20 2 13 4. 5 3 3-5 6-8 9 14 16 2c. 24 2c.80. 140 22 2 3-12 17-23 5-7 8.9 12-18 16-19 1-6 11-16 22-24 Philipper. 1 25 30 2 9. 10 13 14 15-17 19. 20 4 5-8 10-20 6 10. 11 21 3 23 Coloffer. 9-11 12. 13 7-16 20 6 7 Verzeichniß der Bibelstellen. 10-14 19. 20 22. 23 3 6. 7 12-15 1-4 12-15 16. 17 Nro. der Lieder. 155 313 153. 256. 361. 395. 537 130 319 203 216 298 50 415 139. 327 56 184. 199. 204 87. 107 316 82 54. 287 34. 204. 425. 448. 497 216. 282. 406 407 451 201 127. 132. 424 496. 558 550 172. 285. 296.444 436 64. 66 505 517 245. 433. 438. 243. 317. 407 414 606 468 186 438 218. 392. 394 397. 413 419. 421 452 330 70. 329 88 593 359 161. 243. 359 169 179. 182. 344 446. 501 89 275. 516 Cap. Vers. Nro. der Lieder. Erster Thessalonicherbrief. 4 626 609.629 550. 560 645 5 2 Zweiter Thessalonicherbrief. 2 63 3 432 2 Erster Brief an Timotheus. 1 13-17 84. 146. 300. 332 4 13 14 5-8 8-10 17 23 2 6 Zweiter Brief an Timotheus. 9. 10 12 13. 14 5 8 3 13. 14 1. 2 4 1-4 4-6 6-10 12 2 11. 12 19 22 2 20. 6 Brief an Titus. 1 9 16 11-14 2 3 Erster Brief des Petrus. 13 16 18 2c. 22 24 9. 21-25 264 338 10. 11 12 13 17 20. 5. 6 7 335. 6. 433 86. 145 24. 453. 484 380. 386 9 113. 173 324 123 37. 379. 380 252 8.9 1. 2 164. 186. 485 240. 287. 316 311 283 596 4-6 12 283 405 103. 314 237, 238 5 Zweiter Brief des Petrus. 1 10. 11 421 14 603 57. 523 295 48 159. 160 588 242. 561 124. 131. 141. 154. : 393 3 Erster Brief des Johannes. 1 451 42. 467 31 439 445 371 114 297. 305 190. 605 123. 137. 325. 355 321 Cap. Vers. Nro. der Lieder. Erster Brief des Johannes. 2 15-17 327. 360. 396. 404 588 3 4 1 7. 8, 10 16 1920. 21 2-5 11. 12 18 Ebräerbrief. 5. 1 2 3 4 6789 10 11 28 5. 6 14-18 12 1. 2 14 1 14 20. 17 20. 13 14 16. 17 1. 2 9. 11 12. 13 15. 16 17-20 24. 25 1. 2 14. 15 27 35. 36 Verzeichniß der Bibelstellen. 6 9. 10 1-5 242. 355. 382 143 424. 428 211 423 53. 350 54. 348 121. 348. 350. 510 427 322. 387. 391 83. 108. 363 340 187 225 75 187 87 31. 309 441 259 320 617. 641 617. 641 234 417. 481. 494 188. 332 183. 265 192 156. 294 59273. 368. 447 312 365 148. 159. 386. 410 464. 478 Cap. Vers. Ebräerbrief. 12 13 3 4 5 1 Brief des Jacobus. 1 12 2 3 4 6 7 14 9 14 17 14 15 19 20 21 22 17 21. 22 25 27 13-16 8 7-11 Offenbarung Johannis. 170 4-6 4.5 10 11 3 5 10 11 19 20 11 17 9-17 14-17 13 4 Nro. der Lieder. 370 406 6-9 12 1-5 7 12-15 16. 17 21 420. 604 282 478 13 235. 292 403 272 448 345 448 412 211. 402. 643 602 288 643 139 280. 411 479 254 61 636 37. 649. 651 521 480. 644 614. 631. 649 219 634 636 630. 646 650 647 617 347 491 Verzeichniß der Liederdichter. Die Zahlen bedeuten die Numern der von jedem aufgenommenen Lieder. Adam, Albrecht. 17. Alberti, Heinrich, geb. in Sachsen. Organist in Königsberg. 559. Auch die Melodie ist von ihm. Albinus, Johann Georg, geb. bei Weißenfels( Sachsen), zuerst Reftor, später Prediger in Naumburg. 598. Allendorf, Johann Ludwig Konrad geb. bei Marburg( Hessen), gab als Hof prediger in Köthen die erste Sammlung der Kothnischen Lieder heraus; starb als Prediger und Schulvorstand in Halle ( Preußen). 631. Angelus Silesius, so nannte sich in seinen Schriften Dr. Johannes Scheffler, in Diensten des deutschen Kaisers Ferdinand des Dritten, und Leib. arzt des Herzogs Sylvius Nimrod von Württemberg Dels. Er war geboren und lebte in Breslau( Schlesien). 63. 132. 157. 233. 348. 353. 358. 360. 377. 379. Anneni, Hieronymus, Pfarrer im Kanton Basel, Herausgeber eines Ge sangbuchs. 276. 322. Anton Ulrich, Herzog zu Braun schweig Lüneburg, Stifter der Ritter. Akademie in Wolfenbüttel. 18. 448. Arndt, Ernst Moriz, geb. auf der Insel Rügen( Preußen), seit 1816 Pro. fessor der Geschichte in Bonn am Rhein. 114. 324. 616. Arnold, Gottfried, geb. bei Meißen ( Sachsen), Prediger in Perleberg. Gein Tod wurde dadurch herbeigeführt, daß preußische Werber während seiner Predigt in die Kirche eindrangen, um junge Leute unter das Militär wegzunehmen, was ihn so sebr ergriff, daß er 10 Tage nachher am Nervenfieber starb. 122 ist aus dem Holländischen des Lodesteyn übersegt. 153. 369. 398. 401. 418. Asichenfeldt, gegenwärtig Predi. ger in Flensburg( Schleswig). St. Bahnmaier, Dr. Jonathan Friede. rich, geb. in Oberstenfeld( Württemberg). Ale Professor der Theologie in Tübingen veranlaßte er die Einrichtung des Predi. ger- Instituts daselbst: starb als Defan in Kirchheim unter Teck auf einer Visita. tionsreise in Owen. 220. 221. 513. Jugendschriften, lebt nach Niederlegung seines Amtes in Calw. 222. Behemb, oder Böhme, Martin, geb. in Lauban( Lausis), Pfarrer dort. 610. Bengel, Dr. Johann Albrecht, geb. in Winnenden( Württemberg), zuerst Präceptor am niederen Seminar in Denfendorf, starb als Prälat von Alpirsbach und Consistorialrath. 40. 144. 395. Betichius, Johann. 514. Bidel, Johann Karl Daniel, geb. in Nassau, Consistorialrath und Superin. tendent in Mosbach. 282. 450. Bienemann, Dr. Kaspar, nannte sich auch Meliffander; ein ausgezeichneter Kenner des Griechischen, daher er vom Kaiser Maximilian dem 3weiten einer Gesandtschaft nach Griechenland als Doll. metscher beigegeben wurde. Er starb als Generalsuperintendent in Altenburg 26. Birken, Sigmund von, nannte sich auch Betulius, geb. bei Eger in Böhmen, das er als Kind mit seinen Eltern des Glaubens wegen verlassen mußte; Kaiser Ferdinand der Dritte erbob ihn seiner Dichtungen wegen in den Adelstand; er starb in Nürnberg 128. 131. 378. ( Sachsen). Böhmische Brüder. Gie leiten ihren Ursprung von Johann Huß, der 1415 in Konstanz verbrannt wurde, und von dessen Schülern her; seit 1457 waren sie zu einem Verein, seit 1467 zu einer firchlichen Gemeinschaft verbunden. Aus ihnen gieng die Herrnbuter Brüderge. meinde hervor. Ihre Lieder übersegte um das Jahr 1530 Michael Weiffe geb. in Schlesien, Pfarrer in Landskron und Fullneck aus dem Böhmischen ins Deutsche für seine Gemeinde, und fügte deren altece Lieder, so wie eigene binzu. 61. 303. 507. Boganty, Karl Heinrich von, geb. in Schlesien, lebte in Halle seit 1746, wo er seine Güter verfaufte und den Erlos dem daselbst von Frande gegründeten Waisenbause zukommen ließ. 208. 414. 444. Bonin, Ulrich Bogislaus von, geb., in Pommern. Nach beinabe zebenjab. Barth, Dr. Christian Gottlob, geb. rigen Kriegsdiensten in Preußen fieng er in Stuttgart, Pfarrer in Möttlingen bei in seinem 28sten Jabre an unter France Calm, Herausgeber von Missions, und T in Halle Theologie zu studieren; er starb Verzeichniß der Liederdichter. als Rath nes Grafen Neuß zu Ebers. dorf. 587. Breithaupt, Dr. Joachim Justus, geb. in Nordheim( Braunschweig), Profeffor der Theologie in Halle starb als Prálat und Consistorialrath in Magde burg( Preußen). 326. Bruiningt, von, f. Wobeser. Buchholz, Andreas Heinrich, geb. im Braunschweigischen, starb als Hofpre diger und Superintendent in Braun. schweig. 489. Bürde, Samuel Gottlieb, geb. in Breslau( Schlesien). Hofrath und Kanz leidirektor daselbst. 23. 536. Burk, Philipp David, f. Rieger, Philipp Friederich. Busch, Peter, geb. in Lübeck, Predi ger in Hannover: gab das Hildesheimische Gesangbuch beraus. 312. Canig, Friederich Rudolph Ludwig von, geb. und gest. in Berlin, war mit verschiedenen hohen Staatsämtern inPreußen betraut. 3u 550, Vers 11: Canig verschied sanft, am offenen Fenster in die untergehende Sonne blickend. 564. Chiomusus, f. Schneesing. Claudius, Matthias( Asmus, der Wandsbecker Bote), geb. bei Lübeck, lebte in Wandsbeck bei Hamburg. 570. Clausniger, Tobias, geb. bei Mei. sen( Sachsen), schwedischer Feldprediger, starb als Prediger in Weiden( Oberpfalz). 274. Cramer, Dr. Johann Andreas, geb. im sächsischen Erzgebirge, Hofprediger in Kopenhagen( Danemark), starb als Pro. feffor der Theologie und Profanzler in Riel. 38. 59. 73. 101. 238. 240. 340. 393. 399. 406. 433. 526. Erasfelius, Bartholomäus, geb. bei Meißen( Sachsen), ein Schüler von France, Prediger in Düsseldorf( Preu Ben). 330. Eronegf, Johann Friederich von, geb. zu Anspach, Regierungsrath dafelbst. 580. Crusius, Theodor. 402. Dach, M. Simon, geb. in Memel ( Preußen), Professor der Dichtkunst und Beredtsamkeit in Königsberg, gefrönter Dichter, dessen Dichtungen lange für die preußische Schule als Muster galten. 589. 601. 614. 523 vielleicht an Gift. Als Meister im Har. fenspiel feste er seine Lieder selber in Musik. 36 und 160 sind aus dem Later:@ nischen übersegt. Dann, M. Christian Adam, geb. 1758 in Tübingen, in dessen Nähe er später Pfarrer war in Deschingen und Mössingen, starb 1837 als Stadtpfarrer ju St. Leonhard in Stuttgart. 480. Decius, Nikolaus, lebte zur Zeit Luthers, und war wie dieser zuerst Mönch. starb als Prediger in Stettin( Pommern) Denike, David, geb. in 3ittan( Sach. fen), Hof und Consistorialrath in Han.. nover. Mit Justus Gesenius gab er 1659 das alte Hannoverische Gesangbuch heraus, das die ersten Veränderungen älterer Lieder enthält. 229. 297. 317. 456. Deßler, Wolfgang Christoph, geb. in Nürnberg, war zuerst Goldschmid, seine Kräntlichkeit veranlaßte ihn aber zum Studieren, starb als Conrektor in Nürn. berg. 339. Dippel, Johann Konrad, Arzt und Naturforscher, seiner Zeit durch theolo. gische Streitschriften bekannt, in denen er sich Christianus Democritus nannte, starb als Kanzleirath in Berleburg. 291. Diterich, Johann Samuel, geb. in Berlin, Probst und Consistorialrath dort; veränderte viele ältere Lieder. 298. Nach Gellerts moralischen Schriften ist 440 gedichtet. Drese, oder von Dresen, Adam, geb. in Thüringen, Kapellmeister zuerst bei Herzog Bernhard von Weimar, dann in Arnstadt( Schwarzburg- Sondershausen). Früher ein Vergnügling, wurde er durch Speners Schriften dessen Freund. 355. Auch die Melodie ist von ihm. Dürr, Leonhard Friedrich, Pfarrer in Kempten( Baiern). 512. Eber, Dr. Paul, geboren in Rigin. gen( Baiern), Melanchthons Schüler und Freund, Professor der Theologie und zu. Test Superintendent in Wittenberg. 492. Eberhard Friederich, Prinz von Hohenlohe Kirchberg, Verfaffer eines Gebetbuches und mehrerer geistlicher Lie. der. Starb mit seiner frommen Gemab. lin fast in der gleichen Stunde. 9. Edeling, Christian Ludwig. Zinzen. dorfs Hofmeister, geb. in Sachsen, starb als Prediger dort in Schwanebed. 343. von Emilie Juliane, legte Gräfin von Barby, 1665 mit Albrecht Anton Grafen Schwarzburg. Rudolstadt vermählt, dichtete 590 auf den plöglichen Tod des Herzogs Johann Georg von Sach. fen- Eisenach auf der Jagd 1686. Eichenburg, Dr Johann Joachim, geb. in Hamburg, Professor in Braun, schweig, starb nach mehr als 50jährigen Diensten als Geheimer Justizrath dort. 497. 611. Fabricius, Dr. Jakob, s. Gustav Adolph. Feddersen Jakob Friederich, geb. in 524 Schleswig, Prediger in Braunschweig, starb als Consistorialrath und Probst in Altona. 120. 522. Verzeichniß der Liederdichter. Fischer, Dr. Eberhard Ludwig, starb als Hofprediger, Prälat von Adelberg und Consistorialrath in Stuttgart. 243. 281. 546. Flemming, Dr. Paul, geb. im sächst. fchen Erzgebirge, gieng in Holsteinischen Diensten als Arzt mit einer Gesandtschaft nach Moskau, und später nach Jspaban in Persien: auf der legten Reise dichtete er das Lied 367 und die Melodie. Er starb in Hamburg. Flitner, Jobann, geb. in Sachsen, Prediger in Pommern. 115. Die Me. lodie ist von ihm; das Lied wird übrigens auch dem Laurentii zugeschrieben. Frand, Johann, starb als Bürger. meister in seiner Vaterstadt Guben( Lau. 3). 95 ist aus dem Sateinischen des Ambrofius: veni redemtor gentium über. feßt. 118. 251. 331. 529. Frand, Michael, geb. in Schleusingen ( Sachsen), wollte Anfangs studieren, mußte aber nach seines Vaters Tod das Backerhandwerk in Koburg erlernen. Nachdem er im 30jährigen Krieg um sein ganzes Vermögen gekommen war, wurde er Lehrer an der Stadtschule in Koburg. 588. Frand, Salomo, Consistorialfefretär in Weimar, wo er auch geboren ist. 20. 74. 162. 560. 608. France, Dr. August Hermann, geb. in Lübeck, Gründer des Waisenhauses und Vädagogiums in Halle im Jahr 1698, Professor der Theologie und Prediger in Halle. 372. 584. Frenzel, M. Johann, geb. in Anna, berg, Prediger in Zeiß, beides in Sachsen, gefronter Dichter. 539 ist nach Jobann Arndt gedichtet. Freudentheil. 43. Freylinghausen, Johann Anasta. slus, geb. im Fürstenthum Wolfenbüttel, Frandes Gehilfe und Schwiegersohn, und dessen Nachfolger am Waisenbaus in Halle; Herausgeber eines Gesangbuchs. 84. 88. 436. 474. 576. Freystein, Dr. Johann Burkhard, Justizrath in Dresden. 438. Fritsch, Dr. Abasverus, geb. in Thü. ringen, Consistorialpräsident und Kanz ler in Jena. 646. Frobing, Johann Christopb, geb. zu Obrdruf( Sachsen), Pfarrer bei Hildes. heim( Hannover). 25. Frommann, Dr. Johann Ulrich, geb. in Tübingen, Professor der Theologie dort. 284. Garve, Karl Bernbard, geb. bei Han nover, Prediger der Brüdergemeinden in Berlin und an andern Orten, starb in Herrnhut. 69. 77. 163. 278. 384. 515. 530. Gellert, M. Christian Fürchtegott, geb. im sächsischen Erzgebirge, Professor der Philosophie in Leipzig. Er war ein großer Verehrer der älteren Kirchenlieder; Die feinigen soll er in 11 Tagen verfaßt baben. 10. 32. 39. 53. 58. 70. 104. 178. 226. 232. 250. 266. 302. 325. 338. 374. 410. 413. 427. 428. 449. 453. 476. 483. 486. 532. 551. 565. 585. 593. 642. Gerhard, Paul, geb. im Gebiete von Meißen( Sachsen): von 1657 bis 1666 Prediger in Berlin, wurde aber vom gro. ßen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Preußen entlassen( 373, Vers 10), weil er sich der offentlichen Bekämpfung der reformirten Lebre nicht begeben wollte; starb als Archidiafonus in Lübben( Lau. 3). Seine geistlichen Lieder verfaßte er meist während des dreißigjährigen Krieges( 1618-1648). 27. 47. 64. 66. 68.93 105. 112. 113. 129. 130. 141. 142.( nach dem Lateinischen des beil. Bernhard: Sal ve caput cruentatum) 198. 199. 349.( nad einem Abschnitt in Joh. Arndts wabrem Christenthum.) 364. 371. 373. 447. 454. 462. 464. 469. 484. 487.( nach Johann Arndt.) 494. 518. 528. 533. 538.549.554. 571. 604.627. Gesenius, Dr. Justus, geb. zu Es beck( Hannover), starb als Hofprediger und Generalsuperintendent in Hannover, 1. Denife. 154. 225. Gotter, Ludwig Andreas, geb. in Gotha, starb als Hof. und Justizrath da. ſelbst. 5. 12. 315. Graf,( Gräf) Simon, geb. in Sie. benbürgen, Pfarrer in Schandau( Sach. sen), 606. Graumann, nannte sich auch Polian. der, Dr. Jobann, geb. in Neustadt( Bay. ern), führte mit peratus die Reforma. tion in Konigsberg ein. 30. Der 5. Vers wurde um 1600 hinzugedichtet. Greding, Johann Ernst, geb. in Weimar, Rektor in Hanau, starb als Pfar. rer bei Hanau. 152. Gregor, Christian. geb. in Schlesien, Musikdirektor, und seit 1789 Bischof der Brüdergemeinde, sammelte mit von Wo. beser deren Gesangbuch, in welchem viele Lieder und einzelne Verse von ihm stehen. 191. Grüneifen, Dr. Karl von, geb. in Stuttgart, Hofprediger und Consistorial. rath daselbst. 239. 525. Gryphius, Andreas, gefronter Dich. ter und vom Raifer wegen feiner Dic Verzeichniß der Liederdichter. tungen geadelt, Landsyndikus in Glogau ( Schlesien) wo er auch geboren wurde. 622. Günther, Cyriafus, geb. bei Gotha, starb als Lehrer daselbst. 252. Gustav Adolph, König von Schwe, den, geb. 1594. Er jog 1630 der durch Kaiser Ferdinand den 3weiten und seinen Feldherrn Wallenstein hart bedrängten evangelischen Kirche in Deutschland zu Hilfe, fiel aber schon in der Schlacht bei Lügen. 213 diftirte er seinem Feldpredi. ger Dr. Jacob Fabricius in seinem Zelte und dieser brachte es in Verse. Die Melodie ist wahrscheinlich von Michael Altenburg. Fabricius ist 1593 geb. in Pommern, nach Gustav Adolphs Tode war er Generalsuperintendent und Professor der Theologie in Stettin, † 1654. Hahn, Johann Michael, geb. in Alt. dorf bei Böblingen( Württemberg), hielt sich in Sindlingen auf; ein Landmann, der durch seine theosophischen, auf Heili. gung dringenden Vorträge und Schriften großen Anhang gewann. 273. 391. 437. Hardenberg, Friedrich von,( nannte sich Novalis) geb. in der Grafschaft Mans. feld( Sachsen), beim Salinenwesen in Sachsen als Assessor angestellt, starb in Weißenfels. 87. 165. 352. 363. Harsdörfer, Georg Philipp, Raths. herr in Nürnberg, wo er auch geboren ist. Stifter des pegnesischen Blumenordens. 557. Harttmann, M. Karl Friedrich, geb. 1743 zu Adelberg( Württemberg), unter Herzog Karl Professor auf der Solitude, fpäter an der Karlsakademie, als Dekan in Lauffen nahm er 1812 seine Entlassung, starb 1815. 475. Haßlocher, Johann Adam, geb. in Speyer, Hofprediger und Consistorialrath in Weilburg( Nassau), 403.( nach einem Abschnitt in Johann Arndts wahrem Christenthum), Hayn, Henriette Louise von, geb. in Jostein( Nassau), lebte seit ihrem 26. Jahre in Herrnhut, in der späteren Zeit als Pflegerin der Mädchen und ledigen Schwestern. 506. heder, M. Heinrich Cornelius, geb. in Hamburg, Pfarrer auf einem gräflich von Seckendorf'schen Gute bei Altenburg. 89. 110. 230. Hedinger, Dr. Johann Reinhard, geb. in Stuttgart, starb als Consistorial. rath und Hofprediger unter Herzog Eber, hard Ludwig. Das ,, Tausendliederbuch.. ist von ihm gesammelt. 392. 439. Heeren, Heinrich Erhard, geb. im Herzogthum Bremen, Domprediger in Bremen. 275 523 Heermann, Dr. Johann Gottfried, geb. in Sachsen, Hofprediger Dres. den. 56. Heermann, Johann, geb. in Rauden, Prediger in Koben, beides in Schlesien, lebte nach Niederlegung seines Amtes in Lissa( Posen), seine Lieder dichtete er während des dreißigjährigen Kriegs. 13. 138.( nach Augustins Meditat. Eap. 7.) 155. 173. 247. 356. Held, Heinrich, geboren und Sach. walter in Guhrau( Schlesien). 94. Helmbold, M. Ludwig, geb. in Thu. ringen, früher Professor, julegt Super. intendent in Mühlhausen. Kaiser Mari. milian der Zweite ertheilte ibm 1566 auf einem Reichstag zu Augsburg den Dich. terlorbeerfranz. 366. 503. Hensel, Louise, geb. gegen Ende des vorigen Jahrhunderts in Berlin, lebt in Köln. 127 Herberger, Valerius, geboren und Prediger in Fraustadt( Posen). 599 dich. tete er während einer Pest, die in Folge des dreißigjährigen Kriegs ausbrach. Hermann, Nikolaus, lebte zur Zeit Luthers; er war Lehrer und Borsänger in Joachimsthal( Böhmen), und mit Mathe. fius seinem Freunde, Prediger daselbst, eifriger Förderer des Kirchengesangs. Auch einige Choräle sind von ihm. 605. nach Augustins: Turbabor, sed nen perturbabor, quia vulnerum Christi recordabor etc. Hermes. Dr. Jobann Timotheus, geb. in Pommern, Superintendent in Breslau( Schlesien). 650. Hermes, Dr. Johann August, geb. in Magdeburg, Superintendent in Qued. linburg( Sachsen). 148. Herrnschmidt, Dr. Johann Daniel, geb. in Bopfingen( Württemberg), Pro. fessor der Theologie in Halle, und neben France Mitdirektor an dessen Gelehrten. schule, 29. 375. Herwig, Sophie, Tochter des verstor. benen Defans in Eslingen( Württem. berg). 223. Hey, Wilhelm, Superintendent in Jchtershausen bei Gotha. 431. Hiller, Friedrich Konrad, Kanzlei. advokat in Stuttgart. 204. 629. 644. Hiller, M. Philipp Friederich, geb. in Mühlhausen an der Enz, Pfarrer in Neckargroningen, dann in seinem Ge. burtsort und zulegt in Steinheim bei Heidenheim( Württemberg). 8. 14. 24. 35. 51. 54. 55. 79. 91. 99. 124. 137. 145. 146. 158. 183. 216. 228. 231. 264. 295 321. 323. 335. 337. 359. 376. 389. 404. 408. 415. 432. 435. 442. 452. 455. 437. 526 Verzeichniß der Liederdichter. 458. 491. 521. 527. 569. 579. 3u 603:| stian, geb. in Schlesien, Geheimerrath Hiller starb schnell an einem Schlagfluß. und Premierminister bei dem Pfalzgrafen 609. 612. 626. 637. 638. 640. zu Sulzbach. 555. Hippel, Theodor Gottlieb von, geb. in Ostpreußen, Kriegsrath und Bürger, meister in Königsberg. 592. Hofel, Dr. Johann, geb. zu Uffen. heim, Nechtskonsulent in Schweinfurt ( beides in Bayern). 473/ Hoffmann, M. Gottfried, geb. in Schlesien, mußte des Glaubens wegen mit seinen Eltern in seinem 8. Jahre nach Sachsen fliehen, starb als Rektor in 3ittan. 625. Homburg, Ernst Christoph, geb. bei Eisenach, Rechtskonsulent in Naumburg ( Preußen). 179. Hoch, M. Wilhelm Ludwig, geb. in Hornberg( damals noch zu Württemberg, jest zu Baden gehörig), Pfarrer in Ga. chingen bei Urach, zulegt in Aidtlingen bei Böblingen. 465. Huber, Karl Amadeus. 333. Huber, M. Johann Ludwig, geb. in Großheppach( Württemberg), Oberamt. mann in Tübingen, von Herzog Karl 1764 willführlich entsegt und bis 1788 auf Hohenasperg gefangen gehalten, starb in Stuttgart. 541. Jacoponus, geb. zu Lodi im nörd. lichen Italien, Franciskanermonch. 147 ist Bearbeitung des Stabat mater dolorosa. Ingolstetter, Andreas, ein gelehr. ter Kaufmann und Rathsherr in Nürn. berg. 370. 445. Jonas, Dr. Justus, geb. in Nordhau. fen( Sachsen), Freund und Gebilfe Lu. thers, Professor des Kirchenrechts in Wittenberg, starb als Superintendent und Inspektor der fränkischen Kirchen in Eisfeld. 206. Junkheim, Dr. Johann Zacharias, Consistorialrath und Generalsuperinten. dent in Anspach; mit Uz Herausgeber des Anspachischen Gesangbuchs. 3u 567 dich, tete er zwei Verse. Kern, M. Gottlob Christian, geb. in Söhnstetten( schwäbische Alp), Professor am niedern Seminar in Schönthal, starb als Pfarrer in Durrmenz- Mühlacker. 262. Keymann, M Christian, geb. in Böhmen, gefrónter Dichter, Reftor in Zittau( Sachsen). 351. Klopstod, Friedrich Gottl., geb. in Quedlinburg( Sachsen), starb in Hamburg. 167. 246. 419. 562. 582. 632.643.649. Knapp, M. Albert, geb. in Tübin. gen, Oberhelfer an der Stiftskirche in Stuttgart. 188. 192. 203. 242. 244. 279. 361.509. Knorr von Rosenroth, M. Chri. Koppe, Johann Benjamin, geb. in Danzig, Professor der Theologie in Göt. tingen, starb als hofprediger und Consi. storialrath in Hannover. 510. Krüger, Johann Christian, starb in Berlin. 341. Krummacher, Dr. Friedr. Adolph, geb. in Westphalen, Prediger in Bremen. 72. 224. 508. 628. Kunth, M. Johann Sigmund, geb. in Liegnig( Schlesien), Superintendent in Baruth( Sachsen). 641. Lackmann, Peter, Frances Schüler und Freund, starb als Oberpfarrer, und Schulinspektor in Oldenburg. 82. 558. Lange, Ernst, geb. in Danzig, Raths. herr dort. 422. Lange, Dr. Joachim, geb. in Brandenburg, Hofmeister bei Canig, mit France Professor der Theologie in Halle. 553. Laurentii, Laurentius, geb. in Hol. stein, Cantor und Musikdirektor in Bre. men. 98. 109. 149. 174. 234. Lavater, Johann Kaspar, geb. in Zürich, Prediger dort, starb in Folge ei. nes Schusses in den Rücken, den er bei der Wiedereroberung von Zürich durch die Franzosen erhielt. 159. 171. 253. 258. 261. 272. 390. 429. 477. 481. 517. 524. 534. 581. 607. 615. Lehmus, Johann Adam, geb. in Ro. thenburg an der Tauber( Bayern), Super. intendent daselbst. 42. 71. 121. 168. 495. 499. 573. Lehr, Leopold Franz Friederich, geb. bei Frankfurt am Main, Frances Schu. ler, Helfer in Köthen. 309. Leibniz, Gottfried Wilhelm von, geb. in Leipzig, wegen seiner Verdienste um die Wissenschaften von dem deutschen Raiser Karl dem Sechsten in den Adel. stand erhoben, Hofrath in Hannover. 143 dichtete er an Charfreitag 1684. Liebich, Ehrenfried, geb. in Schlesien, war bis ins 1ste Jahr Muller, starb als Pfarrer zu Lomnig und Erdmannsdorf.. 45. 308. 420. 543. Loder, Friedrich Wilhelm, geb. in Regensburg, starb als Gothaischer Hof und Consistorialrath in Ohrdruf. 227. 645. Löscher, Dr. Valentin Ernst, geb. in Sondershausen, Consistorialrath und Su perintendent in Dresden, 254. Lowen,( Löwe) Johann Friederich, geb. in Thüringen, Registrator in Ro stod. 396.( Ueberarbeitung eines al. teren Liedes). 595. Ludamilie Elisabethe Gräfin vor Verzeichniß der Liederdichter. Schwarzburg Rudolstadt, starb als Braut eines Grafen von Schwarzburg Sonders. hausen an Einem Tage mit ihrer Schwe ster. 301. Ludwig, Herzog von Württemberg, Sohn des Herzogs Christoph, regierte zuerst unter Vormundschaft, von 1572 an aber selbständig, starb am Schlagfluß, ohne Nachkommen. Sein Better Frie derich der Erste( im Lied 596 Vers 3. genannt), aus der Mömpelgarder Linie folgte ihm.) Mudre, M. Johann Friederich, gebor ren und Pfarrer in Sachsen. 116. Müller, Michael, geb. in Blanken. Aburg am Harz, starb als Hofmeister bei einem Herrn von Gaisberg auf Schaubed ( Württemberg). 117. Münter, Dr. Balthasar, geb. in Lü. beck, deutscher Prediger in Kopenhagen ( Dänemarf). 210. 245. 267. 327. 329. 380. 426. 485. Luise Henriette, geb. Prinzessin von Oranien, Gemahlin des großen Kur. fürsten Friederich Wilhelm von Preußen. 177. 292. Luther, Dr. Martin, geb. und gest. in Eisleben, Professor der Theologie und Prediger in Wittenberg. 86. 166. 206 Vers 1-3. 212. 215. 237. 290. 600. Von ihm ist übersest: Nr. 1. der Lobge. fang der Kirchenvater Ambrosius und Augustin: Te Deum laudamus. 34. das Nicanische Glaubensbekenntnis. Vor ihm war schon befannt, und ist durch ihn ver. beffert: 33. 102. 195.( V. 1. nahm Lu. ther unverändert auf), 111 nach Notters des älteren, † 912, Sequenz: Grates nunc omnes umgearbeitet, nur B. 1. wurde am Christfest lange vor Luther schon gesun. gen. 194 ist alte Bearbeitung der von König Robert von Frankreich, † 1031, ge. dichteten Sequenz: Veni s. spiritus et emitte coelitus. 597 ebenfalls nach einer alten Uebersegung von Notfers Antiphone. media vita in morte sumus. Von Luther sind auch mehrere Melodieen. Marperger, Dr. Bernhard Walther, geb. in Hamburg, Hosprediger und Con. sistorialrath in Dresden. 271. 287. 365. Mautisch, Dr. Johann, geb. in Sachsen, Professor der Theologie in Dan. * g. 425. 527 Oberpfarrer in Görlig. Ein Jahr vor seinem Tod erblindete er, predigte aber doch und verwaltete sein Umt fort. 493. Moser, Johann Jakob von, geb. in Stuttgart, Landschafts- Consulent, war als solcher längere Zeit von Herzog Karl willkührlich auf Hohentwiel gefangen ge halten. 207. Melissander, s. Bienemann. Menfen, Dr. Gottfried, Prediger in Bremen, wo er auch geboren ist. 471. Menger, Jobann, geboren und Pfar. rer in der sächsischen Lansiz. 4. Meyer, Johann Friederich von, Dr. der Rechte und der Theologie, geb. in Frankfurt am Main, bekleidet verschie. dene Staatsamter seiner Vaterstadt. 357. 472. 620. Möller, früßer Divisionsprediger in Münster. 175. 214. Mowes, Heinrich, geb. in Magde. burg, machte die Befreiungsfriege gegen Napoleon mit, starb als Pfarrer in Al. tenbaufen bei Magdeburg. 468. Moller, Dr. Martin,( Moller) geb. in der Nähe von Wittenberg( Sachsen), Muthmann, Jobann, Pfarrer in Sachsen. 46. Nachtenhöfer, M. Kaspar Friede. rich, geb. in Halle, Prediger in Roburg. 103. Neander. Christoph Friedrich, geb. in Kurland( Rußland), Probst daselbst. 15. 441. Neander, Joachim, geb. in Bremen, starb als Prediger dort, Speners Freund. Er feste mehrere seiner Lieder in Musik. 3. 11. 60. 548. 568. 591. Neumann, Gottfried, Mitglied der Brüdergemeinde. 619 ist 1736 auf Chriftian Ludwig Zinzendorfs Tod gedichtet. Neumann, Kaspar, geb. in Breslau ( Schlesien), Professor, der Theologie und 182. 257. 544. 578. Prediger dort. Neumark, Georg, geb. in Thüringen, Bibliothekar in Weimar. 368( auch die Melodie ist von ihm). 532. Neumeister, M. Erdmann, geb. bei Weißenfels( Sachsen), Prediger und Schulvorstand in Hamburg. 248. 249. 310. 556. 583. Neunberg, M. Jobann, geb. in Schmiedeberg, Prediger in Hirschberg, beides in Schlesien. 176. Nicolai, Dr. Philipp, geb. in der Grafschaft Walded, Prediger in Ham. burg. 37.- 634. Niemeyer. Dr. Augast Hermann, geb. in Halle, Professor der Theologie und Kanzler dort. 434. 621. Novalis, s. Hardenberg. Paske, Johann Samuel, geb. bei Frankfurt an der Oder( Preußen), Pee. diger in Magdeburg. 22. Pfeffel, Gottlieb Konrad, geb. in Kolmar( Elsaß), Consistorialpräsident dort. Von seinem 21. Jahr an war er blind. 511. Pfeil, Christoph Karl Ludwig, Graf 528 Verzeichniß der Liederdichter. von, preußischer Gesandter beim schwä., längere Zeit in genauer Verbindung mit bischen und fränkischen Kreife. 498. Poliander, f. Graumann. Rambach, Dr. Johann Jakob, geb. in Halle, erlernte zuerst bei seinem Vater das Tischlergewerbe, studierte nachher unter France Theologie, starb als Pro. feffor derselben und Superintendent in Gießen. 44. 49. 52. 85. 125. 126. 186. 190. 200. 241. 255. 314. 520. Ramler, Karl Wilhelm, geb. in Col. berg( Pommern), Professor der Aesthetik in Berlin. 135. Reuß. Ebersdorf, Gräfin Benigna von, 3inzendorfs Schwägerin. 516. Reusner, Adam, nachdem er mehrere wichtige Staatsämter bekleidet hatte, lebte er als Gelehrter in Frankfurt am Main, seiner Vaterstadt. 268. Richter, Dr. Christ. Friederich, geb. in der Niederlausis( Preußen), zu Fran. des Zeit Arzt am Waisenhaus zu Halle. Seine und seines Bruders Arzneien, die sehr gesucht waren und zum Besten des Waisenhauses verkauft wurden, verschaff. ten diesem bedeutende Einnahmen. 107. 296. 334. 344. 354. 386. 387. 388. 488. Rieger, Magdalene Sibylle, Tochter des Prälaten Weissensee. Gattin des Re gierungsraths Rieger in Stuttgart. 300. Rieger, Philipp Friederich von, geb. in Stuttgart, Günstling des Herzogs Karl von Württemberg, aber unerwartet von diesem nach Hohentwiel ins Gefäng. niß geschickt, später jedoch wieder begna. digt, starb als Generalmajor und Fe. stungskommandant auf Hohenasperg. Die meisten Verse des Liedes, aus dem Nro. 123 genommen ist, sind von ihm, einige von M. Philipp David Burk, geb. in Neuffen, gestorben als Defan in Kirchheim unter Teck, Freund und Schwie. gersohn von Johann Albrecht Bengel. Rindart, M. Martin, geboren und Archidiafonus zu Eilenburg( Sachsen). 2. Ringwaldt, Bartholomäus, Predi. ger in Langfeld( Brandenburg). 289. 294. Rist, Johann, geb. bei Altona, Pre. diger in Holstein, medlenburgischer Kir chenrath, gefrönter Dichter. 90. 260. 572. Rodigast, M. Samuel, geb. bei Jena. Neftor in Berlin. 461. Roding, Johann Heinrich, geb. in Hamburg, Lebrer dort, bildete sich durch eigenen Fleiß ohne fremden Unterricht heran. 150. Rothe, Johann, Lehrer in Beuggen, lebt in Basel. 423. Rothe, Johann Andreas, geb. in Schlesien, Pfarrer bei Bunzlau, stand 3inzendorf. 332. 397. 624. Rudert, Friederich, geb. in Schwein, furt, Professor der orientalischen Spra. chen in Berlin. 100. Sacer, Dr. Gottfried Wilhelm, geb. 1635 in Naumburg( Sachsen), Kammer. fonsulent in Wolfenbüttel, gefrönter Dichter, starb 1699. 181. Sachs, Hans, Schuhmacher und Mei. ftersänger in Nürnberg. Seine Lieder waren für die Reformation förderlich. 482. Wahrscheinlich ist auch die Melodie von ihm. Sachse, Dr. Christian Friederich Hein. rich, gegenwärtig Hofprediger in Alten. burg. 617. Schade, M. Johann Kaspar, geb. in Thüringen, Frances und Speners Freund, Diafonus in Berlin. 307. 328. 463. Schalling, Martin, geb. in Straß. burg, julegt Prediger in Nürnberg. 346. Scheffler, f. Angelus. Scheitt, Dr Christian Ludwig, Hof. rath und Bibliothekar in Hannover. 316. Schenf, M. Hartmann, geb. bei Eise. nach, starb als Helfer in Ostheim in Thü. ringen. 277. Schink, Johann Friederich, geb. in Magdeburg, Bibliothekar in Sagan ( Schlesien). 547. Schirmer, M. Michael, geb. in Leip. zig( Sachsen), Conrektor in Berlin. 96. 196. Schlegel, Dr. Johann Adolph, geb. in Meißen( Sachsen), julegt General. Superintendent von Calenberg( Hann ver). 119. Schlicht, Levin Johann geb. in Sachsen, Prediger in Berlin. 575. Schlosser, M. Johann Ludwig, geb. Schulvorstand in Hamburg. 504. im Großherzogthum Hessen, Prediger und Schmidt, Johann Eusebius, geb. in Thüringen, Schüler und Freund Frances, Pfarrer bei Gotha. 211. Schmolk, Benjamin, geb. zu Bran. chitschdorf, Prediger in Schweidnig( bei. des in Schlesien). Sieben Jahre vor sei nem Ende wurde seine rechte Seite durch Schlaganfälle geläbmt, und später erblin. dete er. 6. 65. 76. 134. 136. 164. 239. 269. 270. 350. 400, 411. 467. 478. 479. 501. 531. 535. 545. 563.- 574. 577. 594. 633. 647. Schneefing, Johann, nannte sich auch Chiomusus, zur Zeit der Reforma tion Pfarrer bei Gotha. 305. Schöner, Johann Gottfried, geb. bei Schweinfurt( Baiern), Prediger in Nürnberg. 31. 421. Schröder, Johann Heinrich, geb. im Hannoverischen, Pfarrer bei Magdeburg. 385. 417. Verzeichniß der Liederdichter. Schubart, Christian Friederich Da. niel, Organist und Musikdirektor in Lud. wigsburg, wegen einiger seiner Gedichte von 1777-87 von Herzog Karl auf Ho. henasperg gefangen gehalten, während Rieger Commandant dort war; zulegt in Stuttgart angestellt. 21. 161. 648. Schüß, Johann Jakob, Rechtskonsu. lentin Frankfurt, ein Freund von Spener; 28 ist das einzige Lied von ihm. Schwab, Gustav, geb. in Stuttgart, Professoram dortigen Gymnasium, gegen. wärtig Ober. Consistorialrath daselbst 537. Schwämlein, Georg Christoph, geb. in Nürnberg, Rektor daselbst. 362. Schwerin, Otto von, geb. zu Stet. tin, unter dem großen Kurfürsten Friede. rich Wilhelm von Preußen erster Mini. ster, über 25 Jahre in den wichtigsten Geschäften und Angelegenheiten bei Kriegs und Friedenszeiten gebraucht, zugleich Oberhofmeister der Kurfurstin Luise Henriette, auf deren Befehl er ein Gesang. und Gebetbuch sammelte. 523. Seiz, M. Johann Ferdinand, geb. ju Lombach auf dem württembergischen Schwarzwald, Helfer in Besigheim, starb als Stadtpfarrer in Sindelfingen; Schwiegersohn des Prälaten Detinger. 187. Gelneder, Dr. Nikolaus, geb. bei Nürnberg, Melanchthons Schüler und Freund, Professor der Theolo und Hof. prediger in Leipzig. Auch einige Melo. dieen sind von ihm. 209. Spalding, Dr. Johann Joachim, geb. in Pommern, Consistorialrath und Probst in Berlin. 602. Spangenberg, August Gottlieb, geb. in Sachsen, 3inzendorfs Gehilfe bei der Gründung von Brüdergemeinden in England und Nordamerika, julegt Bischof in Herrnhut. 205. Spener, Dr. Philipp Jakob, geb. in Rappoldsweiler im Elsaß, Probst und Consistorialrath in Berlin. 169. Spengler, Lazarus, vorderster Rath. schreiber seiner Baterstadt Nürnberg, Freund Luthers und eifriger Beförderer der Reformation in Nürnberg. 78. 529 einführte. Auch einige Melodieen sind von ihm. 313. 320. Speratus, Dr. Paul, aus dem schwä. bischen Geschlechte der von Spretten, durch Luthers Empfehlung Hofprediger des Herzogs Albrecht von Preußen, wo er mit Grauman c. die Reformation Evangelisches Gesangbuch. Sperl, fatholischer Priester in Bay. ern. 75. Spitta, Karl Johann Philipp, geb. in Hannover, Prediger in Hameln( Han nover). 172. 286. 382. 383. 500. 502. Stäudlin, Gotthold Friederich. Ad. vokat in Stuttgart. 623. Stegmann, Dr. Josua, geb. in Fran. fen, Professor der Theologie und Super. intendent in Rinteln( Hessen). 7. Stier, Rudolph, geb. in Fraustadt Elberfeld. 219. ( Posen), Prediger in Wichlinghausen bei Storr, Dr. Johann Christian, geb. in Heilbronn, Stiftsprediger und Con. sistorialrath in Stuttgart. 342. Vielleicht auch 19. Sturm, M. Christoph Christian, geb. in Augsburg, Hauptprediger und Schul. vorstand in Magdeburg, starb am Blut. sturz in Hamburg. 108. 285. Taddel, Christian Ludwig, geb. in Rostock( Pommern), Hofrath und Kanzlei. direktor daselbst. 170. Tafinger, Dr. Wilhelm Gottlieb geb. in Vaihingen an der Enz( Württem. berg), Prälat und Consistorialrath, gab das alte württembergische Gesangbuch heraus. 409. Tersteegen, Gerhard, geb. zu Mörs in Westphalen, besuchte bis in sein 15. Jahr das Gymnasium daselbst, trat dann zu einem Kaufmann in die Lehre, zog sich aber nachher nach Mühlheim an der Ruhr jurüc. 106. 140. 184. 201. 218. 263. 345. 416. 561. 566. 586. Thilo, Valentin, geb. in Königsberg, Professor der Beredtsamkeit daselbst. 97. Thomas von Celano, Mönch in einem Minoritenfloster, höchst wahrscheinlich Dichter der berühmten Sequenz: Dies irae etc. 636. Titius, M. Christoph( Tize), geb. in Schlesien, Pfarrer bei Nürnberg. 466. preußischer Geheimer Justizrath, Mitar. Uz, Johann Peter, geb. in Anspach, beiter am Anspachischen Gesangbuch. 540. Weber, Johann. 542. Wegelin, M. Josua, Pfarrer in Augsburg, später zu Presburg in Ungarn. 185. Wegleiter, Dr. Christoph, geb. in Nürnberg, gefrönter Dichter, Professor der Theologie in Altdorf( Bayern). 336. Weissel, Georg, geb. in Preußen Prediger in Königsberg. 83. 92. Weissensee, M. Philipp Heinrich. geb. zu Vichberg bei Schwäbisch Hall, Prälat von Denkendorf, während Bengel 34 530 Verzeichniß der Liederdichter. um dertigen niedern Seminar Klosterprä.| flen), Gründer des dortigen Waisenbau ceptor war. 265. jes. 156. 256. Wessenberg, Ignaz Heinrich von, Freiherr von Ampringen, geb. in Dres. den, 1814-27 Coadjutor in dem nun auf. gelösten Bisthum Konstanz 202. Weydenheim, Johann. 311. Wieland, M. Jobann Martin, Pfarrer in Kleinbottwar( Württemberg). 407. Wilhelm, der 3 weite, Herzog zu Sachsen- Weimar, geb. zu Altenburg, starb in Weimar. 16. Winkler, Johann Joseph, geb. im Gebiet von Meißen( Sachsen), Consisto. rialrath und Domprediger in Magdeburg. 412. 470. Wobeser, Ernst Wetislaus Wilhelm von, geb. in der Mark Brandenburg, Major, starb als Mitglied der Brüderge, meinde in Herrnhut( s. Gregor). 139 ist von ihm und seinem Freunde Heinrich von Bruining f. Wolf, Dr. Johann Gabriel, geb. in Greifswalde( Pommern), Professor der Rechtswissenschaft in Halle. 394. Woltersdorf, Ernst Gottlieb, geb. bei Berlin, Prediger in Bunzlau( Schle. Würfert, L., erster Diafonus zu Mittweyda( Sachsen). 50. 3eller, Christian Heinrich, geb. auf Hohen Entringen bei Tübingen, Gründer und Inspektor der Kinderanstalt in Beug. gen( Baden). 235. 490. 3immermann, Johann Christian, geb. im Schwarzburgischen, Probst in Uelgen( Hannover). 48. 57. 3inzendorf und Pottendorf, Nifo. laus Ludwig Graf von, geb. in Dresden, gründete im Jahr 1722 die Brüderge. meinde in Herrnhut und war von 1739 an deren Bischof. 133. 217. 236. 381. 496. 618. 630. 3inzendorf, Christian Renatus ohn und Gehilfe des Graf von, zweiter vorigen. 151. 613. 3 wid, Dr. Johann, geb. in Konstanz, war bereits Doktor der Rechte geworden, studierte aber, durch die Reformation an. gezogen, Theologie, wurde Prediger in Riedlingen an der Donau, und nachdem er 1525 dort vertrieben worden war in seiner Baterstadt. 180. Verzeichniß der Lieder. 21. Nro. 33 599 209 Abgrund wesentlicher Liebe Abschied will ich dir geben Ach bleib bei uns, Herr Jesu Ach bleib mit deiner Gnade Ach Gott des Himmels! laffe Ach Gott! gedenke mein Ach Gott! verlaß mich. Ach Gott vom Himmel, sieh Ach Jesu! gib mir sanften Ach, mein Herr Jesu 575 360 148 487 456 82 Ach, mein Jesu! sieh ich Ach sagt mir nichts von Ach sey mit deiner Gnade 278 Ach sieh ihn dulden, bluten Ach treuer Gott, barmherz. Ach treuer Gott! ich ruf zu Ach was sind wir ohne Jesus Ach wiederum ein Jahr Ach wie nichtig, ach wie Allein Gott in der Höh sey Allein zu dir, Herr Jesu Alle Menschen müsſen Aller Gläubgen Sammelpl. Alles ist an Gottes Segen Allgenugsam Wesen. Als Jesus Christus in der Also hat Gott die Welt Amen! deines Grabes Un Dein Bluten und An dir hab ich gefündigt Auf, auf, ihr Reichsgenossen Auf, Christenmensch. Auf Christi Himmelfahrt. Auf den Nebel folgt. Auf dich hab ich gehoffet Auf diesen Tag bedenken Auferstehn, ja auferstehn Auf Gott nur will ich Auf Gott, und nicht auf. Auf meinen Jesum will . 7 24 17 20 215 425 191 534 588 36 305 598 630 67 345 247 110 163 192 302 Auf, Seele, auf, und säume Auf will ich von Sünden Aus des Todes Banden Aus Gnaden soll ich ſelig Aus irdischem Getümmel. Aus tiefer Noth laßt uns. Aus tiefer Noth schrei ich zu Christen erwarten in allerlei Christ lag in Todesbanden Christus, der ist mein Leben Christ, wenn die Armen B. 9 Befiehl du deine Wege Beherrscher aller Welten Bei dir, Jesu, will ich Beschränkt, ihr Weisen Beschwertes Herz, leg ab 383 336 271 Besiß ich nur Ein ruhiges 338 369 Bleibe! es will Abend Bleibt bei Dem, der 382 6. Daß ich in deiner Christenb. Das walte Gott, der helfen Das, was christlich ist, zu Dein bin ich, Herr, dir will Dein Heil, o Christ, nicht 90 379 185 Der Abend kommt, die 469 Der am Kreuz ist meine Der du das Loos von 268 180 Der du noch in der 632 524 Der Frühling ist erschienen Der ersten Unschuld reines 374 Der Glaub ist eine Zuverf. 608 Der heilge Christ ist Dein König kommt in. Denk ich der Dornenkrone Nro. 117 293 Das äußre Sonnenlicht ist 361 510 314 • 169 316 81 ♦ 303 290 364 343 166 606 431 392 393 266 100 137 566 152 22 133 77 536 315 114 II Verzeichniß der Lieder. 609 441 120 Der Herr bricht ein um Der Herr fährt auf gen Der Herr ist Gott und Der Herr ist gut, in dessen Der Himmel hängt voll Der Hirt am Kreuz Der lezte Tag von deinen Der Mond ist aufgegangen 570 Der niedern Menschheit Der Schächer fluchbeladen Der schmale Weg ist Der Tag ist hin! Mein Der Trennung Last liegt Der Vater kennt dich Der Weltünn will vom Des Todes( Graun Dich krönte Gott mit Die Beschwerden Dieser Die Christen gehn von Ort Die Ernt ist da, es winkt Die Feinde deines Kreuzes 210 Die Gnade sey mit allen 491 Die Gnade wird doch ewig Die güldne Sonne. Die ihr bei Jesu bleibet. Die ihr den Heiland kennt Die Kirche Christi, die er. Die Liebe darf wohl weinen Die Morgeníonne gebet auf Die Nacht gibt gute Nacht Die Nacht ist niemands Die Seele rubt in Jesu Die Sonne fenkt sich nieder Dieß ist der Tag, den Gott Dieß ist die Nacht, da mir Die Sünden sind vergeben Dieweil mein Stund 618 541 ✦ Nro. 635 Du, Herr der Seraphinen 181 Du, Herr von meinen Du kanntest schon und Du flagst und fühlest Du meines Lebens Leben Die Weisheit dieser Erden Die Welt kommt einst. Dir dank ich für mein Leben Dir dankt mein Herz Dir ergeb ich mich, Jesu Dir Herr sey dieses Kind Tir versöhnt in deinem Du bist ein Mensch. Du bists, dem Ehr und Du bist zwar mein und Du, dessen Augen flossen Du gehest in den Garten Du hast ja dieses meiner 38 52 468 Durch Adams Fall Du sagst: ich bin ein Christ Du schenkst voll Nachsicht. Du Schrecklicher, wer kann Du wesentliches Wort.. 388 Du Wort des Vaters rede 393 540 146 109 568 648 43 Ein Ausblick in die Ferne 404 Ein Chrift kann ohne Kreuz 602 Ein' feste Burg ist unser 380 Eine Heerde und Ein Hirt 337 Eines wünsch ich mir 323 554 376 471 205 626 537 563 574 631 567 104 103 321 596 Einiger Mittler und ewiger Ein Lämmlein geht und Eins ist noth! ach Herr Eins nur wollen, eins nur Ei, wie so selig schläfest du Endlich bricht der heiße Ergreife nun dein Harfensp. Erhalt uns, Herr, bei Erheb, o meine Seele, dich Erheb, o Seele, deinen Sinn Er ist gekommen, Er Nro. 76 522 512 483 139 Es hat uns beißen treten Es ist das Heil uns kommen Es ist ein köstlich Ding Es ist etwas, des Heilands Es ist nicht schwer ein Christ Es ist noch eine Ruh Es ist vollbracht! gottlob 78 403 426 442 478 212 224 361 143 130 385 437 619 475 Ermuntert euch, ihr 98 3 glänzet der Christen 344 Es halten eitele Gemüther 365 573 206 538 420 101 532 313 243 342 387 641 622 435 637 32 Es jammre, wer nicht glaubt 31 Es kostet viel, ein Christ 355 Es muß ein treues Herze. 238 Es faß ein frommes 267 Ewge Liebe! mein Gemüthe 371 Ewig, ewig bin ich dein 70 627 138 Fabre fort, fahre fort 134Fall auf die Gemeinde. 284 Fortgekämpft und fortger. 477 211 16 457 386 47 193 83 240 Verzeichniß der Lieder. Freuet euch, erlöste Brüder Friede, ach Friede Fröhlich soll mein Herze Frühmorgens da die Sonn Für alle Menschen beten Geduld ist euch vonnöthen Geh aus, mein Herz, und Geht hin, ihr gläubigen Geht nun hin und grabt Geist der Kraft, der Zucht Geist des Lebens, heilge. ( Geist vom Bater und vom Gekreuzigter, zu deinen Gelobet feyst du, Jesu Christ Gerechter Gott! vor dein Getreuer Gott! wie viel Gib die Weisheit meiner Glaubiger Jesu, auf Nro. 107 Gott macht ein großes 330 Gott richtet immerdar 105 173 433 Gott! du Licht, das ewig. Gott! Erd und Himmel Gottes Führung fordert Gott! gib mir deinen Geist Gott, Herrscher über alle. Gott ist gegenwärtig Gott ist getreu! er selbst Gott ist getreu! sein Herz. Gott ist mein Hort. Gott ist mein Lied Gott lebet! fein Name gibt Gott lebt! wie kann ich Gottlob! ein neues Gottlob! ein Schritt zur Gottlob! ich weiß mein 447 338 36 616 200 203 202 480 111 49 57 436 123 10 +346 Gott! deine Güte reicht so Gott! deinen weisen Willen Gott, den ich als Liebe Gott, der du Allen gütig Gott, der du Gnad und Gott, der du groß von Gott, der du Herzenskenner 430 Gott der Macht, in deinem Gott der Lage, Gott der Gott der Vater wohn uns Gott der Wahrheit und Gott des Himmels und Gott! du bist alleine gütig Gott! du bist selbst die. Gott! du läsfest mich 69 581 317 488 293 579 33 228 539 458 501 564 360 61 496 264 527 263 46 45 232 39 40 467 89 584 643 Gott ruft der Sonn und. ott sey Dank in aller Gott, Bater, aller Dinge Hott, Vater in dem Gott! vor dessen Angesichte Gott! welcher Kampf in. Gott wills machen Größter Morgen, der die Großer Hirte deiner. Großer König, den ich ehre Großer Mittler, der zur Suter, gnädiger, getreuer. 5. Hallelujah! denn uns ist Hallelujah! Lob, Preis. Hallelujah! schöner Morgen Hallelujah! wie lieblich Halt im Gedächtnis Heiland! deine Menschent. Heilger Gott, der du Heiligster Jeſu Heil uns! des Vaters Herr! allwissend und Herr! deine Rechte und Herr! deine Treue ist so Herr! dein Wort die edle Herr! der du mir das Leben Herr! der du vormals hast Herr! dir ist niemand Herr! du fährst mit Glanz Herr! du hast für alle Herr! du wollst uns Herr! es gescheh dein Wille Herr! es ist von meinem ♦ Herr Gott! dich loben wir für deine Herr Gott! dich loben wir; III Nro. 248 50 532 94 279 23 48 299 375 168 207 338 190 231 102 37 269 188 252 123 460 122 308 42 229 311 236 565 528 59 182 237 246 580 578 529 Herr Herr! babe Acht auf mich Herr, böre! Herr, erhöre Herr Jesu Christ! dich zu Herr Jesu Christ! du höchstes Herr Jesu Christ! mein Herr Jesu, deiner Glieder. Herr Jesu! der du selbst . 281 Herr Jesu, Gnadensonne 12 Herr Jesu! Licht der Heiden 118 19 6 16 294 610 183. IV Verzeichniß der Lieder. Herr! laß mich deine Herr! lehre du mich deinen Herr! meine Leibeshütte Herr! ohne Glauben Herr und Gott der Tag Herr von unendlichem Herr, vor dem die Engel Herr! welch Heil kann. Herr! wie du willt, so. Herr Zebaoth, du starker Herzlich lieb hab ich dich Herzliebster Jesu Herzog der erlösten Sünder Herzog unsrer Seligkeiten. Herz und Herz vereint Hier bin ich, Herr, du rufest Hier ist mein Herz, mein. Hilf Erbarmer, schaue her Hilf, Gott, daß unfre Himmelan, nur himmelan Himmel, Erde, Luft und Hinab geht Chrifti Weg Hirte deiner Schafe. Höchster Gott! durch Hört das Wort voll Ernst Hüter! ist die Nacht Hüter! wird die Nacht. J. Ja fürwahr! uns führt Ja, Tag des Herrn, du Jauchzet, ihr Himmel, Ich bin ein Gast auf Erden Ich bin getauft auf deinen Ich bin in dir, mein Gott Ich bin in dir und du in. Ich danke dir für deinen Ich danke dir in glaubensv. Ich fasse, Bater, deine Nro. Nro. 391 Ich finge dir mit Herz. 66 429 603 113 594 Ich soll zum Leben dringen 406 Ich steh an deiner Krippe. 312 Ich sterbe täglich. 576 Ich suche dich, Herr, laß 14 Ich und mein Haus wir Ich weiß an wen ich glaube, ich weiß 319 502 25 419 324 621 68 318 333 463 292 26 539 346 Ich weiß, mein Gott, daß 138 Ich weiß von keinem 171 401 217 306 308 80 505 421 60 556 384 222 296 Jenen Tag, den Tag Jesu! als du wiederkehrtest Jesu, Brunn des ewgen 445 Jesu! deine Passion. 577 Jesu! deine tiefe Wunden 72 272 106 604 241 370 242 157 158 611 Ich geh zu deinem Grabe. 633 216 Ich glaube, daß die Ich glaube, Herr,( hilf. 322 Ich habe nun den Grund. 332 Ich weiß an wen ich glaube, und daß 486 472 650 Ich hab in guten Stunden Ich habe viel gelitten Ich hab von ferne, Herr Ich komme, Hert, und suche 250 Ich lobe dich; mein Auge 204 Ich ruf zu dir, Herr Jesu. 320 Ich sag es jeden, daß Gr. 165 Ich will dich lieben Ich will nicht alle Morgen Ich will von meiner Jeder Schritt der Zeit Jeder Tag hat seine Plage Je größer Kreuz Jesu! frommer Menschen Jesu! geh voran. Jesn! hilf beten Jesu! hilf fiegen Jeiu! laß mich nicht Jesu! meine Freude 131 155 Jesu! dessen Tod und Leiden 143 Jesu! du Sohn der unendl. 121 Jesu! Freund der Menschen 258 Jesu! Seelenfreund der Jesus Christus gab sich uns Jesus Christus herrscht als 530 259 479 636 513 276 Ihr Kinder, lernt von 3mmer muß ich wieder In allen meinen Thaten Inbrünstig preif' ich dich In deiner Stärke freue In der stillen Einsamkeit Ist Gott für mich, so trete 128 381 265 417 407 331 273 424 187 Jesus ift kommen! Grund 84 485 Jesus kommt von allem Jesus lebt! mit ihm auch. 178 Jefus, meine Zuversicht. 177 Jefus nimmt die Sünder. 310 Jesus soll die Losung feyn 535 Jetzt leb ich, ob ich morgen Ihr Eltern, hört was 592 503 509 127 367 227 526 548 373 K. Verzeichniß der Lieder. Nro. Kehre wieder 286 186 194 95 256 König, dem kein König Komm, beiliger Geist Komm, Himmelsfürst Komm, mein Herz! aus Komm, o komm, du Geist Komm, Segen aus der Kommt, Brüder, laßt Kommt her und laßt uns. Kommt ber zu mir, spricht 289 197 516 218 489 L. Lamm, das gelitten, und 189 Laß dich nicht den Frühling Laß irdische Geschäfte Lasset uns mit Jefu ziehen Laß mir, wenn meine Laß, o Jesu meine Jugend Liebe, die du mich Liebster Jesu, wir sind hier, deinem Liebster Jesu, wir sind hier, dich und Lobe den Herren, den mächtigen Lobe den Herren, o meine. M. Mache dich, mein Geist. Macht hoch das Thor 537 249 378 613 511 348 239 274 3 29 438 92 628 Mein Heiland nimmt die. Mein Herz, gib dich. Mein Jesu, der du vor dem Mein Schöpfer, dessen Mich Staub vom Staub 463 300 Mir ist Erbarmung. Mir nach! spricht Christus Mit dem Haufen deiner 334 646 329 307 65 74 Mit Ernst, ihr Menschenk. Mit Fried und Freud Mitten wir im Leben Mittler! alle Kraft ♦ 237 339 Mag auch die Liebe weinen Mehr sieht das Aug im Mein alles, was ich liebe. Mein Alter tritt mit Macht Meine Lebenszeit. Meinen Jefum laff' ich. 323 585 351 Meinen Jesum ich erwähle 362 Nun lob, mein Seel, den. Nun laßt uns gehn und Mein Erlöser! schaue doch 416 Mein erst Gefühl sey Preis Meine Seele ſenket sich. Meine Seel ist stille. Meine Seele, Voller Fehle Mein Friedefürst! dein. Mein Geist, o Gott, wird Mein Glaub ist meines m Gott! das Herz. Mein Gott! du bist und Mein Gott! wie bist du • Nun ruhen alle Wälder 331 Nur für dieses Leben sorgen 470 Nur wo Lieb ist, da ist. 97 600 597 144 Mit welcher Zunge, welchem 159 Morgenglanz der Ewigkeit 555 V Nro. 309 N. Nach dir, o Gott, verlanget Nach einer Prüfung kurzer Nicht, daß ichs schon Nicht der Anfang, nur Nicht eine Welt, die in ihr Nicht Opfer und nicht Nicht so traurig, nicht so Nicht um ein flüchtig Gut Nimm hin den Dank Nimm hin mein Herz Nimm von uns, Herr Noch fing ich hier aus Nun bitten wir den. Nun danket Alle Gott Nun danket all und bringet Nun freut euch, liebe Nun gottlob! es ist. 277 Nun hilf uns, o Herr Jesu 507 149 Nun ist es alles wohl Nun jauchzet, all ihr Nun last den Herrn uns Anfang sonder Ende daß ich hätte daß ich tausend Zungen drückten Jesu.. du allersüß'ste Freude 474 255 396 620 335 377 253 18 642 413 411 333 423 484 15 261 304 493 275 195 2 27 86 96 542 533 30 571 452 424 531 175 4 151 199 VI Verzeichniß der Lieder. du Liebe meiner Liebe D Durchbrecher aller Dewger Geist, des Wesen Oft klagt dein Herz wie S. Sanft, o Christ, ist Jesu Schaff in mir, Gott, ein. Schaut die Mutter voller Schmücke dich, o liebe Schwing dich auf zu Seele! du mußt munter Seelen! laßt uns Gutes Seele! was ermüdst du Seht, welch ein Mensch Sein Kampf war nun Selig sind des Himmels Sen getreu bis an das Sey Lob und Ehr dem Sichrer Mensch! noch ist Siegesfürst und Ehrenkönig 184 649 402 28 285 91 Sieh, dein König kommt Siehe, mein geliebter Sieh, hier bin ich 129 Singet Gott, denn Gott. 291 Sink ich einst in jenen. 553 So führst du doch 160 So gehts von Schritt zu. So ist die Woche nun. 126 314 So jemand spricht, ich liebe 639 So lang ich hier noch walle 288 226 Soll dein verderbtes Herz. 234 Sollt es gleich bisweilen 300 Sollt ich jetzt noch 466 327 Sollt ich meinem Gott Sorge, Herr, für unfre 64 504 So wahr der Allerhöchste. 519 245 83 156 O Jesu Christ, mein Jesu, Herr der Jesu, Jesu, Gottes Sohn Jesu, meine Wonne. Jesu, sieh darein Jesu, süßes Licht. Lamm Gottes, unschuldig Lehrer, dem kein Lehrer Mensch! der Himmel ist Menschen diese kurze O Mensch! ermuntre O Mensch! wie ist dein selig Haus, wo man süßes Wort, das Vater der Barmherzigk. D was wären meine. Nro. 132 418 44 410 459 Gott, der du mein. Gott, du frommer Gott O Gott! du gahst der Gott! einst läsfest du ( Gottes Sohn, du Licht Gottes Sohn, Herr Jesu Gott, o Geist, o Licht Gott, von dem wir alles O Haupt voll Blut und Oheilger Geist, kehr bei Ohne Rast und unverweilt 440 Jerusalem, du schöne 644 349 13 62 601 414 317 201 544 142 196 282 336 260 473 297 434 141 398 614 Welt! fieh hier dein. Dwer alles hätt verloren. Owie selig send ihr doch Dwie selig find die Seelen 354 O wie unaussprechlich selig 647 Dwundergroßer Siegesheld 179 P. Preis dem Todesüberwinder 167 Preis, Ehr und Lob sey dir 323 R. Richtet auf des Heilands Ringe recht, wenn Gottes. Ruhe hier, mein Geist. Ruhe ist das beste Gut Ruhet wohl, ihr Todtenbeine 153 412 140 328 629 Stärt uns, Mittler, dein Such, wer da will Sünder! freue dich von Thut mir auf die schöne Trachtet nicht nach bohen Trauernd und mit bangem Treuer Heiland! wir find Treuster Meister! deine Tritt her, o Seel, und dank it. Uleberwinder! nimm die Um die Erd und ihre Umgürte die, o Gott Nro. 399 301 147 251 464 550 415 394 136 150 11 54 582 369 586 583 427 8 270 446 176 233 233 63 170 75 283 Verzeichniß der Lieder. Nro. 73 Unerforschlich sey mir immer Unter jenen großen Gütern 422 Unveränderliche Liebe 520 Unverwandt auf Christum 397 Urquell aller Seligkeiten. 21 390 432 Bater! heilig möcht ich Bater! sieh auf unsre Versuchet euch doch selbst Verwirf mich nicht im 326 521 Verzage nicht, o Häuflein 213 Wer ausharrt bis ans Wenn wir in höchster Noth 638 Wer bin ich? welche Biel besser nie geboren 108 Vom Grab, an dem wir Von dem Grab stund Jesus 615 Werde munter mein Werde Licht, du Volk Von dir, du Gott der, 497 430 481 357 366 400 Wer dieser Erde Güter Wer Geduld und Demuth Wer Gottes Wort nicht Wer im Herzen will Wer ist wohl, wie du Vor dir, o Gott, sich Bor dir, Todesüberwinder. 244 Wer, o mein Gott, aus Wer nur den lieben Gott. Bon dir, o treuer Gott Von dir, o Vater, nimmt Von dir will ich nicht Von Gott will ich nicht W. Wach auf, du Geist der Wach auf, mein Herz die Wach auf, mein Herz und Wachet auf! ruft uns Walte, walte nah und fern Wandle leuchtender Wann der Herr einst Warum betrübst du dich Warum sollt ich mich Was freut mich noch Was Gott thut, das ist wohlgethan! es bleibt Was Gott thut, das ist wohlgethan! so denken Was ich nur Gutes habe. Was ists, daß ich mich Was rührt so mächtig Wasserströme will ich Was sind wir arme. Was von außen und von. Was wär ich ohne Dich Was willst du, armes Weiche, Todesschrecken Weicht, ihr Berge! fallt Weil ich Jesu Schäflein bin Welch eine Sorg und Furcht Welche Stund im ganzen. Wenn alle untreu werden. Wenn der Stifter der Wenn ich einst von jenem Wenn ich Ihn nur habe. Wenn ich mir auf viele Wenn ich, o Schöpfer Wenn kleine Himmelserben Wenn mein Stündlein. Wenn mich die Sünden 208 174 549 634 221 172 490 482 462 35 Wer sich auf seine Wer sich dünken läßt Wer sind die vor Gottes Wer weiß, wie nahe mir Wer wohl auf ist und Wie fleucht dahin der Wie groß ist des Allmächtg. Wie gut ists, von der Wie heilig ist die Stätte Wie herrlich ist, o Gott Wie könnt ich Sein. Wie lieblich klingts den Wie mächtig spricht in. Wie muß, o Jesu, doch Wie reich an Freude Wie schön ists doch, Herr. 461 545 449 Wie schön leucht't uns 476 Wie sicher lebt der Mensch 220 Wie Simeon verschieden 223 Wie soll ich dich empfangen 79 Wie sollt ich meinen Gott 372 Wie thöricht handelt doch 87 Wie wird mir dann, v dann 589 Wie wohl ist mir, o Freund Willkommen, held im. 607 VII Nro. 439 444. 352 623 562 363 455 58 624 605 154 492 408 298 116 572 428 448 325 115 88 368 340 287 443 651 590 518 591 53 389 254 41 262 99 341 405 547 494 347 593 612 93 350 587 643 339 164 31 Wir glauben all an einen 34 506 Wir kommen, deine Huld. 543 VIII Verzeichniß der Lieder. Wir Menschen sind zu dem Wir sind nur Pilger Wir sind vereint, Herr Jesu Wir singen dir, Immanuel Wir warten dein, o Gottes Wo der Herr das Haus Wo Gott ein Haus nicht. Wohlauf, mein Herz Wohlauf, wohlan zum Wohl dem, der begre Wohl dem, der richtig Wohl einem Haus, wo Womit soll ich dich wohl Nro. 225 395 219 112 640 Nro Wo regt sich noch ein guter 214 Wort des höchsten Mundes: 230 499 Beuch ein zu deinen Thoren 495 Zeuch hin mein Kind 119 Ziert das Thor mit frischen 617 3ürne nicht auf stolze 453 3um Leben führt ein 451 Zur Arbeit winkt mir 498 3ur Grabesruh 5 Zweierlei bitt ich von dir 198 625 280 71 409 315 162 454 Inches 1 Centimetres Blue 2 3 4 Cyan 2 15 444 17 3 Farbkarte# 13 Green ¹8 Yellow 19 4 10 Red 11 12 5 13 Magenta 14 6 15 White 16 17 7 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 8