Gb 1915 Univ. Bibl. Glessen Geistlicher Rathgeber. Ein Erbauungsbüchlein für Kranke und Sterbende von Dr. K. W. Wiedenfeld. Herausgegeben von dem christlichen Vereine im nördlichen Deutschland. DER CHRISTLICHE VEREIN IM NORDLICHEN DEUTSCHLAND. Vierte Auflage. 1864. Verlegt durch den christlichen Berein und zu haben in der Nieberlage seiner Schriften bei August Klöppel in Eisleben, wie auch bei G. E. Schulze in Leipzig. 201 gb 1915 dit dry sinar kl 101: 11U molis@ 801 paulidi 10 12 Igandno miselni zinalindro( 1 asdast pils] moc( S edmorsi dua shunt till minst 2( 8 sisme Hind 8419 dnu sids0 nedsat Oxidu spillin 1750 end dat bedo sisse loom Blind synonis sprak na sino12 and sisterdsattast sed mad do ( uso no mindre so luor somis paindl ta: tenis tistgigant( soitujado sd dispullsi@( 8 19 sinf sic(@ da sed siis ili( 01 Trdotenssienie do G( H ado3 and jou gantz on( S1) four& libid diuds pudron( 1 asuis insightfoddisi( S isdium d m m( 8 ( 1 ( tinding timor sed seras i od ogni mi( 1 dadid 19( 2 Boudostal ne( Inhalt. Erste Abtheilung. Ersler Abschnitt. Heilsamer Unterricht für Kranke und Sterbende. 1) Vom Verhalten in Krankheiten überhaupt 2) Vom seligen Sterben 3) Kurze Regeln für Kranke und Sterbende. Sweiter Abschnitt. Kurze Betrachtungen, Gebete und Lieder für Kranke und Sterbende. 1) Bewerbung um Geduld 2) Die Standhaftigkeit eines chriftlichen Dulders 3) Vom Segen der Krankheit 4) Von der Nothwendigkeit des Todes und des Gerichts 5) Das Andenken an den Tod macht weise 6) Selbstprüfung eines Kranken 7) Bangigkeit eines Kranken 8) Die Ungewißheit der Todesstunde 9) Die finstere Seite des Todes 10) Die lichte Seite des Todes 11) Der Tod eine Friedensfahrt 12) Das Verlangen nach dem Tode. Zweite Abtheilung. Ersler Abschnitt. Allgemeine Gebete für Kranke. Seite 1 11 17 1) Beim Anfange der Krankheit. 2) Ein anderes Gebet im Anfange der Krankheit 3) In anhaltender Krankheit 4) In Anfechtung 23 28 33 40 46 51 58 64 71 78 85 92 100 102 . 105 . 108 IV 5) Um Linderung der Schmerzen. 6) Zuflucht zum Vaterherzen Gottes in schwerer Krankheit 7) Ergebung in den Willen Gottes 1) Tägliches Morgengebet eines Kranken 2) Morgengebet nach einer ruhigen Nacht 3) Morgengebet nach einer unruhigen Nacht Sweiter Abschnitt. Gebete für Kranke und Sterbende in gewissen Zeiten und Umständen. 4) Tägliches Abendgebet. 5) Abendgebet nach einem guten Tage 118 120 122 125 127 6) Abendgebet nach einem bösen Tage 129 7) Gebet, wenn man die Glocke schlagen hört 131 8) Geistlicher Stundenzeiger. 132 143 9) Gebet beim Gebrauche der Arznei. 10) Gebet vor einer Operation 145 11) 12) nach einer glücklichen Operation 147 nach einer unglücklichen Operation 150 "" 13) Gebet um Erhaitung und Stärkung des Glaubens 152 14) Gebet um ein versöhnliches Herz gegen die Feinde 154 15) Andacht eines Kranken vor dem Genusse des heil. Abendmahls 16) Gebet nach dem Abendmahl 17) 18) nach erlangter Genesung. um Gottes Beistand im Tode wenn der Tod herannahet "" ● 19) 20) Freudigkeitsseufzer auf dem Sterbebette 21) Gebet eines Sterbenden, worin er von den Seinigen Abschied nimmt und sie segnet 22) Bibelstellen, welche einem Sterbenden vorzuspreSeite 111 114 116 chen sind 23) Trostlieder für Sterbende 24) Gebet der Umstehenden für einen Sterbenden 25) Gebet der Umstehenden, wenn der Kranke verschieden ist.. 157 164 166 168 170 171 171 174 178 186 187 OST 8£ 1 est JEL 281 spasmp sd guidni mit te for the midst og tonjug( tisdiuer ettei se ni poudag( 1 Hindidh mise d Erste Abtheilung. mgraf 8sbilge2( mis thon dagogros( S pris.bax doggral( E the J Erster Abschnitt.( stor adost spausting- nons than Heilsamer Unterricht. ( 8) 1) Vom Verhalten in Krankheiten überhaupt. 1. In aller Trübsal, vornämlich aber in Krankheit wende doch alsbald dein Herz mit Gewalt, ja mit Thränen und Klagen zu Gott, deinem Schöpfer und Heiland, wie Hiskias Jef. 38, 2. f.( 2 Mos. 15, 26.), nicht aber zu den Abgöttern, wie Ahasia 1 Kön. 1, 2. ff.*) 82. Ach! tritt in wahrer Buße, weil es noch Zeit ist, und eile recht emsiglich zur Bekehrung( Sir. 38, 9. f.), denn ohne ein reines Herz kannst du Gott nicht schauen( Matth. 5, 8. Ebr. 5, 14.). ( ss 3. Besinne dich wohl, ob du im Stande seist, den Herrn alsobald zu schauen von Angesicht zu An851 Ley 9859 e simps 190 nasor so mil and dads( 38 fe) Die angeführten Bibelstellen sind zum Nachschlagen. Sie werden dem Kranken reichlichen Stoff zu gesegnetem Nachdenken geben. Geistlicher Rathgeber ic. A Erste Abtheilung. I. Abschnitt. gesicht, wenn deine Seele in diesem Augenblick davon müßte? Bist du wohl so reines Herzens? Stehest du mit Gott und Menschen in solchem Frieden, in solcher Liebe und in solcher Heiligung? Denn ohne dieselben wird niemand den Herrn sehen( 1 Theff. 4, 7. Kol. 3, 12. ff. Psalm 17, 15. Luk. 2, 29.). 2 4. Meinest du wohl, daß irgend ein Todter selig sei, als der im Herrn stirbt( Offenb. 14, 13. 1 Theff. 4, 14.)? Wer stirbt aber im Herrn, als der, welcher von Gott geboren und göttlicher Natur im Glauben, der Wahrheit theilhaftig worden ist? Solche sind in Christo, und Christus in ihnen; sie sind aus dem Tode schon ins Leben hindurchgedrungen, che ste sterben, und sind schon hier selig( Gal. 2, 20. Eph. 3, 17. Joh. 15, 4. 14, 20. 5, 24. Röm. 8, 1, 24. Tit. 3, 5. Eph. 2, 5, 6, 8.). 5. Da denke nun nach, ob dies an dir eintreffe oder nicht, und wo dein Geist mun hinfahren wird? Hast du in täglicher Buße nach dem Kleinod gerungen, den guten Kampf des Glaubens gekämpft, und also das ewige Leben bereits ergriffen? Hast du Glauben gehalten und deine Treue bewähret dem Herrn in Freud' und Leid, am guten Tage wie am bösen( 1 Tim. 6, 11. 2 Tim. 2, 5. 4, 7, 8. Röm. 2, 7.)? Vom Verhalten in Krankheiten überhaupt. 6. Rühmest du dich des Glaubens, so stehe seine Früchte an. Hat er dein Herz gereinigt? ist er durch die Liebe thätig gewesen? Hast du wohl aufrichtig Christum in seinen Gliedern gespeiset, getränket, gekleidet, besucht und geliebt( Apostelg. 15, 9. Gal. 5, 6, 22. Luf. 7, 47. Matth. 25, 34. ff. Joh. 13, 34. f.)? 3 7. Insonderheit möchtest du auch mun gern mit Chrifto herrschen und herrlich sein, wiewohl du nicht mit ihm hast dulden und der Welt absterben wollen? Oder hast du es wohl geglaubt und erfahren, wie man nur durch viel Trübsal ins Reich Gottes eingehen könne( 2 Tim. 2, 10. ff. Röm. 8, 17. 1 Pet. 4, 12. f. Apostelg. 14, 22.)? 8. Steht es so nicht bei dir, dann betrügest du dich selbst, wenn du ohne Buße und Glauben die Seligkeit hoffest. Vielleicht wolltest du gerne, wie die Welt, selig sein, wenn nur das Kreuz nicht wäre, vielleicht wolltest du Gottes Freund sein, und doch auch der Welt Freund bleiben. Aber der Welt Freundschaft ist Feindschaft wider Gott; Ungnade und Zorn, Trübsal und Angst kommen über alle Seelen, die da Böses thun. Unreine Seelen kommen nicht zur Ruhe, noch zu Gott. Dem Allerheiligsten und sich etwas einbilden wollen, kann nicht helfen( wie du in gesunden Tagen meinteft durchzukommen), sondern es muß ein Ernst sein. A 2 Erste Abtheilung. 1. Abschnitt. Das sagt einem jeden sein Gewissen und die unbestechliche Gerechtigkeit Gottes, welche nichts Böses unbestraft läßt, so lange keine vollkommene Versöhnung und Aenderung herzukommt( Röm. 2, 5. f. 2 Theff. 1, 9. f. Matth. 25, 41.). 4 9. Deßwegen hast du höchst übel und dir selbst den größten Schaden gethan, wenn du deine Buße gesparet hast, bis du nun krank geworden bist. Jetzt wird es einen ganz besondern Ernst und doppelte Arbeit der Bekehrung kosten, wenn du noch gerettet werden willst. Du hast viel mit Leibesnoth zu thun, aber wie wird es mit deiner Seele werden Ach! deßhalb stehe wohl zu; verlaß augenblicklich den breiten, bösen Weg; bitte um die stärkste Zerknirschung, um die rechte Zermalmung deines harten Sinnes. Dein ewiges Wohl und Wehe hängt an wenigen Augenblicken! D! halte dich nicht mit fleischlichem Trost auf. Dein Wahn- und Scheinglaube reicht hier nicht aus; du hast es hier mit dem Allwissenden zu thun. Gottes Zorn scherzt nicht, er ist ein verzehrend Feuer. deine Seele( Jerem. 31, 18. 12, 29. 3, 7. f.). Darum eile und errette Pfalm 139, 1. Ebr. 10. Findest du aber in deinem Gemüthe rechtschaffene Angst und wahres Herzeleid über deine Sünde, so gieb dich nicht der Verzagung und Verläugnung der Gnade hin. Hänge dich vielmehr Vom Verhalten in Krankheiten überhaupt. mit brünstigem Verlangen, Schreien und Seufzen an dieselbe. Bleibe daran hangen, und laß nicht ab, Gott herzlich anzufleheit, daß er dir aus lauter Barmherzigkeit Frist und Kraft verleihen wolle, dich rechtschaffen zu bekehren. Hast du aber vorhin den Allmächtigen vorsäßlich gefränkt, und behältst noch eine Belialstücke in deinem Herzen, so wirst du wohl erfahren, wen du gespottet haft oder noch spottest ( Ezech. 33, 19. Jef. 41, 3. Gal. 6, 7.). 11. Wenn es dir hingegen ein rechter Ernst ist, der Sünde abzusterben und der Gerechtigkeit zu leben, so wird dir deine Krankheit dazu gesegnet und förderlich sein. Ja, es wird dir alles, auch das Schwerste zum Besten dienen, wenn du nur Gott über alles suchen und lieben willst( Ebr. 12, 11. Röm. 8, 28.). 5 12. Denke an die vorigen Tage, wie du sie zugebracht haft. Erinnere dich, womit du dich an deinem Schöpfer versündigt haft, und woher der Geist der Krankheit, ob durch irdische Lust, Geiz, Stolz, Zorn oder Neid, Macht über dich bekommen? ( Sir. 38, 15. Ps. 38, 3. Luf. 13, 11. 3 Moſ. 26, 14. ff. Pf. 107, 17. f.). 13. Laß eine recht göttliche Traurigkeit in dein Herz kommen. Sei nicht leichtsinnig, scherze nicht mit deinem ewigen Wohl und Wehe, sondern beweine und beklage mehr dein geistliches Elend als Erste Abtheilung. I. Abschnitt. dein leibliches, so kannst du dem zukünftigen Zorn entrinnen, wenn Gott rechtschaffene Buße stehet ( Matth. 3, 7. 8. 1 Kor. 11, 31. f. 2 Kor. 7, 10.). 6 14. Laß dich deine Noth treiben, brünstig zu beten, und zwar im Namen Jesu Christi. Bringe die Zeit hin mit Uebung im Glauben und Anhalten am Thron der Gnade; denn dazu giebt dir Gott noch Frist; du möchtest bald ganz untüchtig hiezu werden( Pf. 77, 2. ff. 50, 15. Joh. 16, 23. Jes. 55, 6. Offb. 2, 16.). 15. Fasse ein Herz zu Gott. Glaube, daß du nicht ewig sterben sollst, sondern leben, so du dich an Jesum, den Herrn und Bringer des Lebens, ergiebst, und dich bekehrest von allen deinen Sünden, und hältst alle seine Rechte( Ezech. 18, 21. f. Nöm. 8, 1.). Siehe Christum in seinen Schmerzen, in seiner Todesangst und Marter an, und ringe darnach, daß du durch seine Wunden heil werdest( Jeſ. 53, 3-5.). Wahrlich, es ist in keinem andern Heil oder Leben; man mag Rettung suchen, wo man will, so findet man sie nicht als bei Ihm allein( Apostelg. 4, 12.). 16. D, siehe zu, daß du alles andere für Schaden achtest, und Christum nur kräftig erkenneft, liebest und gewinnest, so wird es dir an keinem Guten mangeln( Philipp. 3, 8. Joh. 10, 11. Ps. 34, 11.). 17. Dieser Heiland will gerne deine Seele 7 Vom Verhalten in Krankheiten überhaupt. heilen, ja auch, wofern es gut ist, deinen Leib, wie er vormals that. Denn er ist des Vaters Rath und ewiges Wort, das alles schafft, heilet und wiederbringet, was sich zu ihm wendet und ihm anvertrauet( Mark. 1, 34. 6, 55. Matth. 14, 14. Apstg. 10, 38. Weish. 16, 11, 12.). 18. Er sucht auch in keinem Stück dein Verderben, sondern dein Heil. Es ist ihm ein Leichtes, deine Krankheit zu wenden, wie er andern gethan, und er auch uns, in so weit es für uns gut ist, verheißen hat. Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubet. Auf dem Glauben ruht dein geistliches und leibliches Wohlsein, der ist das rechte Heilpflafter für alle Schäden( 2 Mos. 23, 25. 15, 26. Pf. 41, 3.f. Pf. 107, 17-20. Hiob 33, 24. Jef. 38, 15, ff. Mart. 9, 23.). 19. Aber siehe ja zu, daß deine Gottesfurcht und Besserung nicht Heuchelei sei, und du nicht etwa gute Wotre gebeft, weil des Herrn Hand dich drückt; denn sonst möchte dir etwas Aergeres widerfahren. Gott hat noch mehr Zuchtruthen für falsche Menschen( Sir. 1, 34. Matth. 12, 45. 2 Petr. 2, 20. Ebr. 6, 4. ff. 10, 26.). 20. Indessen thust du am sichersten, wenn du dich recht ernstlich zum Abschied zubereiten und für die Ewigkeit fertig machen läsfest. Das muß auch in gesunden Tagen täglich geschehen, dadurch, daß Erste Abtheilung. I. Abschnitt. man der Sünde und Welt abstirbt( 1 Kor. 15, 31. 2 Ror. 4, 10.). 21. Der Tod ist gewiß, die Stunde, in der er kommt, ungewiß, darum sei doch allezeit so, wie du am Ende zu sein wünschest( Matth. 24, 43. Luk. 12, 40. Jaf. 4, 13. f. Pf. 39, 6. 90, 12. ff.). 22. Schicke dein armes Herz zu wahrhaftiger und täglicher Buße, worin der alte Sinn ertödtet werde, sammt allen Lüsten und Begierden, und täglich hervorkomme ein neuer Mensch in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit. Dazu bedenke das Ende allezeit, schaffe deine Seligkeit mit Furcht und Zittern, und bereite dich in der Gnadenzeit durch Christum also, wie du sein willst in der Ewigkeit( Offenb. 3, 19. Eph. 4, 22. ff. Phil. 2, 12. ff. 2 Kor. 5, 9.). 8 23. Insonderheit reiße dein Herz von allem Zeitlichen ab( Ps. 62, 11. 1 Kor. 27, 29. ff. Sir. 41, 1. 2.). Behalte auch keine einzige Lust zum Bösen wissentlich in dir, sondern gieb allen Sünden auf ewig den Abschied; ste hindern dir sonst den Zugang zu Gott, daß deine Seele nicht zur Ruhe kommt( 1 Petr. 4, 1. ff.). 24. Hast du jemandem etwas genommen oder Unrecht gethan, so gieb und erstatte es lieber zwiefältig wieder, ehe es dir auf der Seele brenne( Luk. 19, 8. Ezech. 33, 15.). Vom Verhalten in Krankheiten überhaupt. 25. Bestelle dein Haus wohl, laß den Armen etwas zufließen, und sei im Geringsten treu, so lange du noch Zeit hast, damit du hernach nicht vergebens wünschest, solches gethan zu haben( Dan. 4, 24. Sir. 14, 11-13. Jef. 38, 1.). 9 26. Kannst du noch jemand ermahnen, trösten, bessern, segnen, oder die Wahrheit und Gottseligkeit befördern und vertheidigen, oder Gott und seine Kirche irgend empfehlen, so säume damit keinen Augenblick( 1 Mos. 48. 5 Mos. 33. Jof. 24. 1 Kön. 2. 1 Petr. 1, 13-16.). 27. Vornämlich suche dich zu versöhnen mit deinen Feinden und beut ihnen die Versöhnung herzlich an. Fasse und bezeuge gegen alle Menschen wahre Liebe, bete für die Feinde und Lästerer, die du nicht sprechen kannst, und laß keinem einzigen widrigen Gedanken gegen irgend einen Menschen in dir Raum( Luk. 23, 24. Apostelg. 7, 59. Sir. 28, 6. Matth. 5, 25.). 28. Dies alles sollte allerdings in gesunden Tagen geschehen; wie vielmehr alsdann, wenn du etwa nahe an der Pforte der Ewigkeit stehst! Solltest du dann nicht noch einmal so großen Ernst und Eifer anwenden, wenn Leib und Seele von einander scheiden müssen( Pred. 12, 1. 2 Kor. 5, 10.)? 29. Hält nun die Schwachheit oder auch großer Schmerz bei dir lange an, so bitte desto eifriger શ 3 Erste Abtheilung. I. Abschnitt. um Gnade. Gott sieht, daß es dir Noth thut. Faffe deine Seele in Geduld. Nimm alles als eine väterliche Züchtigung an, die zu deinem Besten dienen soll, und erhebe dein Herz fleißig in das Unsichtbare hinauf zu Gott. Laß mit dir beständig beten, singen und lesen; bringe ein in das Leiden und Sterben deines Erlösers: so wird die Zeit kurz und das Leiden leicht, ja ein recht sanftes Joch werden, wie den alten Gläubigen( Ebr. 12, 1. ff. Joh. 5, 5. ff. Luf. 21, 19. 2 Kor. 4, 17. f.). 30. Uebrigens verachte und versäume feine ordentlichen Mittel und Gaben Gottes. Meide aber allen Unglauben. Verlaß dich nicht auf die Arznei, sondern vertraue nur auf die Kraft, welche der Herr in dieselbe legt. Glaube allein an Gott; den rufe an um Segen und Genesung, doch nach seinem Wohlgefallen. Denn allein Gottes Kraft in Christo fann den Fluch und Zorn vom Leibe, von der Arznei und von jeglichem Geschöpf wegnehmen und uns am Leben erhalten( Sir. 28, 1. ff. 2 Chron. 16, 12. Jer. 17, 5. ff. 2 Kön. 1, 3. f. Jef. 38, 2, 20. f.). 31. Hilft dir sodann der Herr von aller deiner Krankheit, so danke ihm ja mit Herz, Mund und That recht treulich( Luk. 17, 15. f. Pf. 107, 20 -22.). Bleibe aber auch lebenslang deinem Gott getreu, und der Welt und Sünde ewig feind, denn Ihm bist du dein Leben zwiefach schuldig, sonst 10 Bom seligen Sterben. möchte dir leicht etwas Aergeres begegnen( Joh. 5, 14.). 11 2. Dom seligen Sterben. 1. Wenn du dein Ende gewiß merkeft entweder aus äußerlichen Zeichen, oder im Herzen, so ergieb dich nur getrost in den Willen Dessen, der Tod und Leben in seiner Hand hat. Er hat jedem sein Ziel gesetzt, und das wird keiner überschreiten ( Hiob 14, 5. Pf. 39, 5. 31, 16.). 2. Nach der Natur und Eigenliebe möchte der Tod wohl bitter scheinen, und werden auch wohl Gläubige deßwegen angefochten und geängstigt, ja mancher plaget sich mit der Todesfurcht bis in die letzte Zeit( Weish. 18, 20. Pf. 55, 5. Sir. 11, 1.). 3. Hast du dich aber weisen lassen durch den Unterricht, der dir bisher gegeben worden, so wirst und kannst du dein Sterben nicht bloß für natürlich ansehen, sondern nach der Gnade, die dir gegeben ist in Christo, durch den lebendigen Glauben. Der macht den Tod zum Gewinn, zur Erlösung, ja zur Lust und zum Hingang ins Vaterland( Phil. 1, 23. Röm. 7, 24. 2 Tim. 4, 18. 2 Kor. 5, 1, 6, 8. Joh. 5, 24.). 4. Zwar kommt der Tod von der Sünde, sowohl der geistliche als leibliche, und ist also eine Demüthigung der gefallenen Natur unter Gott, dem Erste Abtheilung. I. Abschnitt. wir ungehorsam gewesen sind( Röm. 5, 12. 6, 23. Jaf. 1, 15. 1 Mos. 3, 3. ff. 5. Aber er kommt doch nicht ohne Zulassung und heilsame Regierung des Allmächtigen, der solches Gift den Seinigen zur Arznei und die allgemeine Strafe in lauter Gutes verwandelt( Hiob 14, 5. Pf. 139, 16, 78, 32. f. 90, 4, 12. Ezech. 33, 11. Weish. 1, 13. 2, 24. 2 Petr. 1, 14. 2 Tim. 4, 7, 8.). 12 6. Darum ist er den Bußfertigen und Gläubigen eigentlich kein Tod, obwohl es dem natürlichen Menschen und den Sinnen so scheint( Weish. 3, 2-4.), sondern für solche ist lauter Heil und Leben darunter verborgen( z. 18, 21, 23, 26. ff. Matth. 16, 28. Mark. 9, 1. Joh. 8,51. 5,24. 11, 25, 26.). 7. Allein du mußt wirklich in Gottes Gnade und Gemeinschaft stehen, wenn du solch einen Vorzug genießen willst. Der Glaube an Jesum muß in dir lebendig und fräftig sein, die Sünde und alles Uebel, mithin den Tod selbst zu überwinden. Alle Weisheit dieser Welt kann dir dazu nicht helfen. Du mußt aus dem Tode der Sünden ins Leben hinübergegangen und neu geboren sein( 1 Joh. 3, 14. Joh. 11, 25. Luf. 20, 36. Ps. 118, 17.). 8. Solchen zu Gute hat Jesus Christus selbst den Tod geschmeckt, ihm also die Macht genommen und ihn ganz verschlungen in den Sieg, also daß 13 Vom seligen Sterben. sie auch kein Sterben von ihm und seiner Liebe scheiden, wohl aber auf's herrlichste mit ihm verbinden mag( 2 Tim. 1, 10. Ebr. 2, 9, 14. f. Hof. 13, 14. Röm. 8, 38. 14, 7, 8. Joh. 14, 3. 5, 24.). 9. Mag es nun gleich um einen sterbenden Gläubigen noch so elend und schmerzlich oder unruhig aussehen, so fährt er doch im Frieden dahin, und hat innerlich ein ruhiges Gewissen, einen gnädigen Gott und lauter ewiges Leben in seiner Seele durch den, der sein Friede worden ist( Luk. 2, 29. Offb. 14, 13. Weish. 3, 1-7. Sir. 38, 24. Tob. 14, 4.). 10. Ja, der Tod der Gläubigen ist eigentlich keine Strafe, sondern sanfter Schlaf und selige Ruhe in Gott ihrem Ursprung und ewigen Gut, in welchem ihnen ewig wohl ist( Dan. 12, 2. 1 Theff. 4, 13. Joh. 8, 51. 11, 11, 26. Pf. 116, 15.). 11. Die Unbußfertigen, Falschen und Heuchler hingegen sterben dahin in ihren Sünden, in Zorn, Fluch, Verdammung, bösem Gewissen, Feindseligkeit gegen Gott und Menschen, ja im Verzagen und Verzweiflung; wenn sie äußerlich auch noch so ruhig zu verscheiden schienen, oder in der Herrlichkeit des reichen Mannes gelebt haben und darum von Menschen gelobt werden( 1 Chron. 11, 13. Gz. 3, 19. Amos 6, 8. f. 9, 10. Joh. 8, 21, 24. Luf. 16, 19. ff.). Erste Abtheilung. I. Abschnitt. 12. Den Befehrten aber bringt ihr Abschied ein erwünschtes Ende alles Leidens und einen Anfang der offenbaren und vollen Seligkeit, welche ste hier nur in Hoffnung verborgen geschmeckt und genossen haben( Röm. 8, 24. 5, 2. 1 Joh. 3, 2. 1 Petr. 1, 3, 4. 2 Tim. 1, 12. 4, 18. 2 Ror. 5, 1-4.). 14 13. Du must also hienieden noch durch Buße und Glauben in die Gemeinschaft treten mit Gott, seinen heiligen Engeln und Auserwählten( Ebr. 12, 22. f.). Siehe dann werden auch diese heiligen Engel deine Seele an den Ort der Ruhe tragen, die Auserwählten aber dich empfangen und Abraham selbst dich in seinen Schooß aufnehmen, wenn gleich du wie ein armer Lazarus gestorben sein solltest( Luk. 16, 22. f. br. 1, 14.). 14. Endlich wird auch Christi Geist solchen, in denen er bei Leibes Leben gewohnt, und regiert hat, eben um deßwillen ihre Leiber lebendig machen und sie verklären, daß sie ihm ähnlich, und ohne Leid oder Schmerzen ewig herrlich und selig sein sollen( Röm. 8, 11. Hiob 19, 25. 1 Kor. 15, 26, 43-58. Offb. 21, 4.). 15. Darum können berufene Auserwählte und Gläubige zur Zeit ihrer Auflösung, die ihnen zuweilen wohl bekannt werden mag, sich sehnen, ja, rechte Lust haben, abzuscheiden, wenn auch die Natur dagegen sonst äußerst zittert, denn sie wissen, e 15 Vom seligen Sterben. daß sie bei Christo sein werden( Phil. 1, 21. 1 Mos. 46, 30. Sir. 41, 5. ff. Röm. 8, 23. 2 Kor. 5, 8. Röm. 7, 24. Philipp. 3, 20. Tit. 2, 13. Offenb. 22, 17.). 16. Solche Sehnsucht ist aber um so größer, da sie einmal wissen, daß wir hier keine bleibende Stätte haben, sondern in einer armen und traurigen Herberge sind, in welcher es dem Geiste nie vollkommen wohl ist( 1 Petr. 2, 11. Ebr. 13, 14, Phil. 3, 14. 20.). 17. Daher muß es hier stets eine gottselige Uebung für uns bleiben, daß wir theils das Irdische mit Macht verachten lernen und das Herz davon losreißen, theils den Wandel allezeit im Himmel und das Herz bei unserm Schaße haben, und unverrückt suchen, was droben ist( Matth. 6, 6. 19. 20. 21. Rol. 3, 1. 2. Phil. 3, 20. 1 Mos. 5, 22. 17, 1.). 18. Und weil der Herr Jesus alle Gläubigen eben hiezu vorher schon durch die Bekehrung in das himmlische Wesen verseßt, daß ihnen solcher Aufflug leicht und möglich werde, so können sie dann auch im Leiden, ja selbst im Tode ihre Seelen dem treuen Schöpfer um so viel freudiger empfehlen, nach seinem und seiner Nachfolger Erempel( Luk. 23, 46, Apostelgesch. 7, 58. Pf. 31, 6.). 19. Wahrlich, nicht das Geringste verläugnen Erste Abtheilung. I. Abschnitt. und verlassen sie in dieser Welt, wofür sie nicht ein unvergleichliches Gut wieder bekommen( Mark. 10, 29, 30. Ebr. 10, 34.). 16 20. Nichts leiden sie auch an Leib und Seele, das böse scheinen möchte, wofür sie nicht mit ewiger Freude erquickt werden sollen( Matth. 5, 11, 12. Röm. 8, 18. 2 Ror. 4, 17. Offenb. 7, 14, 17.). 21. Und was wird das nicht für eine Freude für sie sein, wenn sie auch die Ihrigen, die sie mit Abraham dem Herrn haben aufopfern müssen, in ewiger Herrlichkeit wiederfinden( 2 Sam. 12, 23. 2 Maff. 7, 23, 29, 36. Bar. 4, 19, 23. Ebr. 11, 35. Jef. 35, 10.)! 22. Summa: Gleichwie nichts Unseligeres mag gedacht und beschrieben werden, als der Tod der Ungerechten und Heuchler, der Wankelmüthigen und Falschen; also ist die Glorie und Seligkeit der Kinder Gottes hier und dort etwas Unaussprechliches, das allein im Geiste will erkannt, geschmeckt und erfahren werden( 1 Joh. 3, 2. Eph. 1, 18. 1 Kor. 2, 9, 10. Pf. 17, 15. 36, 9. 1 Kor. 13, 12. 2 Ror. 4, 17.). Helfe es uns Gott aus Gnaden erfahren! Kurze Regeln für Kranke und Sterbende. 3) Kurze Regeln für Kranke und Sterbende. 1. Sobald dich eine gefährliche oder nicht gefährlich scheinende Krankheit ergreift, so gedenke an das Wort jenes Engels: Eile und errette deine Seele! 17 2. Gehe darauf alsbald dein ganzes Leben unparteiisch und ernstlich durch, von innen und von außen, nach dem Gesetz und Evangelio, und bitte Gott, daß er dir seinen Geist zu deiner Selbstprüfung gebe, damit dein Herz ohne Falsch sei. 3. Ruhe nicht, bis du gewiß wirst, und zwar nach der Schrift, in welchem Stande sich deine Seele vor Gott befindet, und wessen du dich zu ihm, wenn du in die Ewigkeit treten solltest, zu versehen habest. Kannst du mit dir selbst nicht eins werden, so berede dich mit deinem Lehrer und Seelsorger, oder einem andern erfahrenen Christen, mit welchem du aufrichtig umgehen mußt. Entziehe dich ja den falschen Tröstern und Seligpreisern, denn sie meinen nicht was göttlich, sondern was menschlich ist. 4. Wirf alle Hindernisse einer rechtschaffenen Vorbereitung zum Tode willigst und eiligst hinweg. Solche sind aber unter andern: die betrügliche Hoffnung eines längern Lebens; die falsche Vorstellung, es gehöre zu einem seligen Sterben nicht viel mehr, als die fünf Worte des Zöllners zu sprechen: Gott! sei mir Sünder gnädig; das schädliche Vertrauen Erste Abtheilung. 1. Abschnitt. auf das blos äußere Abendmahlhalten, ohne die rechte Beschaffenheit des Herzens; die thörichte Berufung auf das einzige Erempel des Schächers, das schon so vielen durch ihre eigne Schuld ein Geruch des Todes zum Tode worden ist. Ach! möchten doch alle bedenken, daß es Leute giebt, die sich bis an die Pforte des Himmels hin trösten, und meinen, daß sie selig seien, und sind es doch nicht. Warum? weil es ihnen an einem Beweise fehlt, daß sie in den Himmel hineingehören( Matth. 7, 21-23, 25, 11, 12, 44-46.). 5. Giebt der Geist Gottes Zeugniß deinem Geiste, daß du ein Kind Gottes seist, so wende alle Kräfte an, daß durch die dir zugeschickte Krankheit, oder auch durch den darauf folgenden Tod der Gott und Vater unsers Herrn Jesu Chrifti durch ihn, unsern Heiland, mächtig und herrlich an dir gepriesen werde. 18 6. Jede Krankheit wende an zu deiner Demüthigung und zur Beugung deines Willens unter Gott, und denke niemals, daß dir etwas von ungefähr zukomme, oder daß Gott seine Hand nicht darunter habe. 7. Deine Hauptübung laß sein, oder wenigstens noch werden, ein bußfertiges und gläubiges Gebet, mit welchem du mehr als mit allen Aerzten und Apotheken ausrichten kannst, obwohl du den Kurze Regeln für Kranke und Sterbende. rechten Gebrauch derselben nicht vernachlässigen darfst. 19 8. Uebe dich, wenn du frank wirst, auch in dem Worte Gottes, und bedenke, daß, so viel Nahrung deiner Seele abgehe, um so viel schwächer könne auch dein Leib werden; je mehr du hingegen für deine Seele sorgeft, je besser werde es mit deinem Leibe, doch alles nach Gottes Willen, stehen. 9. Laß dir die sieben Worte des Herrn Jesu am Kreuze in den sieben Wochentagen deiner Krankheit zur heilsamen und kräftigen Betrachtung em= pfohlen sein. 10. Beim Anfang, Fortgang und Ende deiner Krankheit lerne nur ein Wörtlein recht in Ausübung bringen, welches heißt: Geduld! 11. Ist noch ein Funke für die Ehre deines Gottes in dir und für den Namen Jesu Christi, von dem geschrieben steht, daß in keinem andern, als in ihm das Heil sei, so meide alle zauberische, abgöttische, segensprecherische und abergläubische Mittel und Personen; wo nicht, so denke gewiß, daß Gott wider dich sei, und daß deine Seligkeit in der allerhöchsten Gefahr schwebe. 12. Nur Einer ist, der von sich sagen kann: Ich der Herr bin dein Arzt! zu diesem wende dich von ganzem Herzen. Dieser läßt sich finden im Gebet, im Glauben, und in ordentlichen Mitteln Erste Abtheilung. I. Abschnitt. und Wegen. Die aber, welche einem andern nacheilen, werden endlich großes Herzeleid haben. 20 13. Ein jeglicher, der von einer Krankheit ergriffen wird, sei darauf bedacht, wie er in der= selben, besonders da er nicht wissen kann, ob er davon muß, nach seinem besondern Beruf und Stande, noch etwas recht Heilsames wirken oder rathen möge. 14. Ein jeglicher soll die Sünden, die er in seinem Amte, Beruf und Stande wissentlich begangen, vornehmlich Gott, und nach Umständen auch seinem Seelenhirten bekennen, damit dieser ihm rathen, jener ihm aber die Sünden, wenn er sie bereuet und unterläßt, vergeben möge. Ein jeder aber, wer es auch sein möge, wird Ursach haben zu bitten: Verzeihe mir, Herr! die verborgenen Fehler. 15. Mein lieber Christ, dem diese Zeilen in franken oder gesunden Tagen kund werden, hüte dich, daß du nicht sündigest vor deinem Tode, damit die Strafe dich nicht ereile nach deinem Tode. Darum thue alles unrechtmäßig an dich gebrachte oder unchrlich erworbene Gut von dir. Wie das geschehen solle, kann dich lehren das Wort Gottes, dein Gewissen und ein treuer christlicher Freund, den du zu Rathe ziehst. Hast du andern unbillige und unerträgliche Lasten aufgelegt oder auflegen lassen, so reiße Kurze Regeln für Kranke und Sterbende. 21 sie ab, che du hingerissen wirst, und sei hernach kein Retter mehr da. Lebst du in Unversöhnlichkeit, Rache und Feindschaft, sei es nun, daß du beleidigt worden oder andere beleidigt hast, so mache dein Herz frei von aller Bitterkeit. Der Theil aber, welcher beleidigt hat, bitte durch sich oder andere dem Nächsten das an ihm begangene Unrecht ernstlich ab. Hast du offenbares Aergerniß gegeben, und durch solches andere zu gleichen Sünden verleitet, so bist du, kraft der Buße, wenn sie redlich sein soll, verbunden, solches Aergerniß völlig aufzuheben. Solches geschieht nun durch Bekenntniß desselben, durch Bezeugung einer demüthigen Reue, durch Abbitte bei denjenigen Personen, denen du besonders ärgerlich geworden, zumeist aber durch Ablegung und Verabscheuung solcher Dinge, wodurch das Aergerniß entstanden, als da sind: gottlose Grundsäße, heidnische Gewohnheiten, zur Sünde reizende Eitelkeiten, verlockende Belustigungen, verführerische Bücher, unzüchtige, schamlose Bilder u. dgl. Auch ist es deine Pflicht, daß du nach Lage der Dinge dafür sorgest und es duldest, daß diese deine Reue öffentlich bekannt werde. 16. Verhüte, so viel du kannst, wenn du in einem höhern Stande lebest, daß man mit deinem entseelten Leibe, der Hand voll Staub und Asche, ein großes Gepränge treibe. Erste Abtheilung. 1. Abschnitt. 17. Trachte bei Zeiten darnach, daß du in die Verfassung deiner Seele kommst, worin du den Tod als eine eröffnete Pforte zum freien und herrlichen Himmelsschloß erwarten und ansehen kannst, damit, wie dich der Eingang in dieses Leben dem Tode zugeführt hat, der Ausgang aus demselben dich in das ewige Leben einführen möge. 18. Ist dein Herz so zubereitet und mit dem Sinne Jesu Christi, der voller Vertrauen, Liebe, Gehorsam, Geduld und Seufzer war, gewappnet, so fahre auf zu seinem Gott und zu deinem Gott, zu seinem Vater und zu deinem Vater. Sprich: Herr, nun läsfest du deinen Diener( deine Dienerin) im Frieden fahren, wie du gesagt hast, denn meine( Glaubens-) Augen haben deinen Heiland gesehen, welchen du bereitet haft für alle Völker, ein Licht zu erleuchten die Heiden und zum Preise deines Volkes Israel. Und hinwiederum: Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist! 22 19. Hast du dies als ein Kind Gottes gesagt oder in deinem Herzen geseufzt, so wirst du die volle Seligkeit jener Verheißung erfahren: Wer überwindet, dem will ich zu essen geben von dem Holze des Lebens; das im Paradiese Gottes ift( Offenb. 2, 7.). Bewerbung um Gebulb. Zweiter Abschnitt. Kurze Betrachtungen, Gebete und Lieder. 1) Bewerbung um Geduld. Psalm 42, 6. Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott, denn ich werde ihm danken, daß er mir hilft mit seinem Angesicht. 23 Geduld ist mir noth, auf daß ich den Willen Gottes thue, und die Verheißung empfahe. Das ist gewiß, wer Gottes Willen vollbringen will, darf nicht widerspänstig und eigensinnig, sondern muß ihm ergeben und gelassen sein. Und wie sehr muß ich mich dazu getrieben fühlen! Ich will ein Christ sein, so darf mir denn Christi Sinn auch nicht fehlen, denn wer Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein. Als Er aber um unsertwillen gestraft und gemartert ward, that Er seinen Mund nicht auf, wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird, und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer, und seinen Mund nicht aufthut. Daher gebührt es mir auch, in Geduld zu laufen den Kampf, der mir verordnet ist, und mich als ein Glied Christi und ein Kind Gottes dadurch zu erweisen, daß ich dem Vater im Himmel getreu bin bis zum Tode. Werden wir aber mit Christo sterben, so werden wir auch mit ihm leben; dulden Erste Abtheilung. II. Abschnitt. wir, so werden wir mit herrschen. Wahrlich, es werden nicht alle, die zu ihm ,, Herr! Herr!" sagen, in das Himmelreich kommen, sondern nur die, welche den Willen thun seines Vaters im Himmel. Der ist in Christo auch mein Vater, und ohne seinen Willen fällt kein Sperling auf die Erde, ja kein Haar von meinem Haupte. Von ihm kommen Gesundheit und Krankheit, von ihm auch die Schmerzen und Plagen, mit denen ich heimgesucht bin. Er schaffet den bösen Tag neben dem guten. So viel Gutes habe ich von ihm empfangen mein Lebenlang, sollte ich das Böse nicht auch annehmen? O, auch unter der Ruthe verspüre ich seine Liebe und Vatertreue, denn die, welche er lieb hat, züchtiget er. Und wie ist die Strafe, welche er über mich verhängt hat, so gering gegen meine Verschuldigungen. Denn ich habe mich schwer versündigt, und bin nicht werth, daß ich Gottes Kind heiße. Wie sehr gebührt es mir deßwegen, daß ich stille bin vor dem Herrn und das Kreuz trage in Geduld. Alle Züchtigung, wenn sie da ist, dünket ste uns nicht Freude, sondern Traurigkeit zu sein, aber darnach wird sie geben eine friedsame Frucht der Gerechtigkeit denen, die dadurch geübt sind. Darum will ich mich rühmen der Trübsal und dem Herrn dafür danken, denn Trübsal bringt Geduld, Geduld Erfahrung, Erfahrung Hoffnung, und Hoff24 Bewerbung um Geduld. nung läßt nicht zu Schanden werden. Ich hoffe auf Gott, den lebendigen Gott. Ich hoffe auf meinen himmlischen Vater, der getreu ist und niemanden versucht über Vermögen, sondern macht, daß die Versuchung solch ein Ende gewinne, daß ich's kann ertragen. So will ich denn stille halten und hoffen, daß mein Kreuz mir durch Ungeduld nicht schwerer werde, sondern ich es tragen möge im wahren Segen und zum Preise Gottes, meines Heilandes. O, es ist ein köstlich Ding, geduldig sein und auf die Hülfe des Herrn hoffen! 25 Gebet. Allmächtiger, barmherziger und getreuer Gott! Du mein gnädiger Vater in Christo Jesu, fiche, ich liege hier vor dir in Krankheit und Schmerzen. Ich nahe mich dem Throne deiner Gnade zur Zeit, wo mir Hülfe Noth ist. Es hat dir, o Gott! gefallen, mir meine Gesundheit zu nehmen, und mir diese Krankheit zuzuschicken. Nun Herr! es geschehe dein Wille. Gieb du mir nur die rechte Geduld, daß ich alles, was du mir auflegst, tragen möge ohne Widersprechen und Murren. In guten Tagen hast du mich so manchmal durch Gesundheit erfreut und ergößt, sollte ich auch nicht jegt fürlieb nehmen mit der Plage, womit du mich heimsuchest? Treu bist du, und strafft mit Maßen, dein Gericht kann mich nicht ganz und gar verlassen. Ich weiß, mein Gott! daß du liebreich und gnädig bist, darum wirst du mir auch nicht mehr auflegen, Geistlicher Rathgeber 2c.- B Erste Abtheilung. II. Abschnitt. als ich tragen kann. Ich halte mich an dein Wort: Kann auch ein Weib ihres Kindleins vergessen, daß sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? Und ob sie desselbigen vergäße, so will ich doch deiner nicht vergessen. Siehe, in die Hände habe ich dich gezeichnet. Ich weigere mich nicht, mein Gott! zu leiden, weil ich weiß, daß du es stets gut mit mir meinst. Auch die Leiden sollen zu meinem Besten dienen. Mein Gott! hier bin ich, mach es mit mir, wie es dir wohlgefällt. Gieb mir, deinen heiligen Rath recht zu erkennen, daß diese Krankheit ein Feuer sein soll, welches alle Schlacken und Unreinigkeit meines Herzens verzehren und mich läutern möge; eine Bußposaune, die mich aufwecke aus meinen Sünden; eine Betglocke, daß ich mich zu dir aufmache und bei dir Vergebung aller meiner Uebertretungen suche um des Blutes Chrifti willen; und eine Mahnstimme, die mir zuruft: Bestelle dein Haus; denke an deinen Tod und dein Grab; bereite dich zur Ewigkeit! Wohlan, so mache du mich, o Herr! fertig und bereit, wie du mich in der Ewigkeit haben willst. Ich weiß es, daß auf die Leiden dieser Zeit eine ewige, über alle Maßen wichtige Herrlichkeit folgen soll. Darum sei stille, meine Seele, was betrübst du dich, und bist so unruhig in mir? Harre, ja harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken, daß er meines Angesichts Hülfe und mein Gott ist. 26 Gesang. Mel. Von Gott will ich nicht laffen. 1. Was willst du dich betrüben, O meine liebe Seel'? Univ.- Bibl. Glessen Bewerbung um Geduld. Ach, laß nicht ab zu lieben, Der heißt Immanuel. Vertrau' dich ihm allein; Er wird gut alles machen, Und fördern deine Sachen, Wie dir's wird selig sein. 2. Denn Gott verläffet feinen, Der sich auf ihn verläßt; Er bleibt getreu den Seinen, Die ihm vertrauen fest. Läßt sich's an wunderlich, So laß dir doch nicht grauen, Mit Freuden wirst du schauen, Wie Gott wird helfen dir. 3. Auf ihn magst du es wagen, Getrost mit frischem Muth; Du wirst mit ihm erjagen, Was dir ist nütz und gut. Was Gott beschlossen hat, Das kann niemand verhindern Aus allen Menschenkindern, Es geht nach seinem Rath. 4. Wenn auch gleich aus der Höllen Der Satan wollte sich Dir ganz entgegenstellen, Und toben wider dich, So muß er doch mit Spott Von seinen Ränken lassen, Damit er dich will fassen; Denn dein Werk fördert Gott. 5. Er richt's zu seinen Ehren Und deiner Seligkeit; Soll's sein, kein Mensch kann's wehren Und wär's ihm noch so leid; Will's denn Gott haben nicht, So kann's niemand forttreiben, Es muß zurücke bleiben. Was Gott will, das geschicht. B* 27 28 Erste Abtheilung. II. Abschnitt. 6. D'rum ich mich ihm ergebe, Ihm sei es heimgestellt; Nach nichts ich sonst mehr strebe, Denn nur, was ihm gefällt. D'rauf wart' ich und bin still; Sein Will' der ist der beste; Das glaub' ich steif und feste. Gott mach' es, wie er will. 7. Herr, gieb, daß ich dein' Ehre Ja all mein Lebenlang Von Herzensgrund vermehre, Dir sage Lob und Dank. O Vater, Sohn und Geist, Der du aus lanter Gnaden Abwendest Noth und Schaden, Sei immerdar gepreis't. 2. Die Standhaftigkeit eines chriftlichen Dulders. Psalm 73, 23. 24. Dennoch bleibe ich stets an dir, denn du hältst mich bei meiner rechten Hand. Du leitest mich nach deinem Rath und nimmst mich endlich mit Ehren an. Das ist meine Entschließung, dies meine Zuversicht. Denn der Herr ist ein Vater seiner Kinder, die noch in großer Schwachheit hier auf Erden wandeln. Oft straucheln sie, dann greift er ihnen unter die Arme, daß sie nicht fallen. Das habe ich auch schon manch Mal erfahren. Mein Fuß hat gestrauchelt, aber deine Gnade, Herr, hielt mich. Warum sollte ich denn nun verzagen, wenn mir gleich zuweilen bange wird? Der Herr ist mein Stecken und mein Stab. Die ihm vertrauen, Die Standhaftigkeit eines chriftlichen Dulders. 29 erfahren, daß er treulich hält, und die treu sind in der Liebe, läfset er ihm nicht nehmen. Da aber der Herr mir zu Hülfe eilt, und seine Hand mir darreicht, so will ich auch meine Rechte nach ihm ausstrecken, ihn ergreifen und mich von ihm halten lassen. Mögen dann auch die Wogen der Trübsal über mich herrauschen, dennoch, o Herr! bleibe ich stets bei dir, denn ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben mich von dir scheiden werde. Will mein Herz auch unter der Last der Krankheit oft matt werden, so richtet mich auf die Verheißung meines Gottes: Ich halte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit. Es ist wohl dunkel vor meinen Augen, daß ich die Wege oft nicht verstehen kann, welche der Herr mich gehen heißt, denn es ist, wie geschrieben steht: Der Herr führt seine Heiligen wunderlich. Darum ist es auch vergeblich, daß ein Mensch sich selbst leiten und führen will. Denn des Menschen Thun steht nicht in seiner Gewalt und in niemandes Macht, wie er wandle oder seinen Gang richte. Nein, der Herr allein ist es, der alle Dinge träget mit seinem kräftigen Wort. Die Gesunden macht er krank, die Kranken gesund, und während er hier einen stürzt, hebt. er einen andern dort empor. Auch mich leitet er nach seinem Rath. Ach! und wie gut ist solcher. Was sollte aus mir werden, wenn ich armer, elender - Erste Abtheilung. II. Abschnitt. Mensch mich selbst führen, wenn ich mit meinem sündigen Herzen meinen Gang richten wollte! Ich würde in das ewige Verderben gerathen. Darum will ich seufzen: Herr, zeige mir deine Wege, und lehre mich deine Steige; leite mich in deiner Wahrheit, und lehre ich, denn du bist der Gott, der mir hilft; täglich harre ich dein! Und solches zu thun, ist Gott willig und bereit. Er leitet die Glenden recht, und lehret die Elenden seinen Weg. Er zeiget uns den rechten Glaubens- und Lebensweg, wie wir sollen würdiglich wandeln dem Evangelio und dem Herrn zu allem Gefallen, unsere Füße zu richten auf den Weg des Friedens. Er weiset uns auch den Kreuzesweg, und will, daß wir durch viel Trübsal in das Reich Gottes kommen. Wie er uns aber solche Wege zeiget, so giebt er uns auch Kraft, auf denselben zu wandeln, also daß wir laufen und nicht matt werden, daß wir wandeln und nicht müde werden. Und da es so in allen Stücken nach seinem Rathe geht, hat es auch stets einen guten Ausgang; denn wiewohl sein Rath oft wunderbarlich ist, so führt er ihn doch herrlich hinaus. Zuletzt werde ich sehen, wie Gott alles wohl gemacht hat; denn ich weiß es, o Herr! du nimmst mich endlich mit Ehren an. Preis und Ehre und unvergängliches Wesen giebst du denen, die mit Geduld und Standhaftig30 Die Standhaftigkeit eines chriftlichen Dulders. 31 feit in guten Werken getrachtet haben nach dem ewigen Leben. Darum will ich in stiller, kindlicher Ergebung tragen, was der Herr mir auferlegt hat. Er ist treu und versucht mich nicht über meine Kraft. Er erweiset sich mächtig in meiner Schwachheit, und belohnet die wohl, die seinen Namen fürchten. Gebet. Allmächtiger, gütiger Gott! der du bist eine Stärke der Schwachen, ein Heil der Kranken, eine Kraft der Mühseligen, ein Trost der Betrübten, eine Freude der Traurigen, eine Zuflucht der Verlassenen, eine Hülfe der Angefochtenen, ein Leben der Sterbenden, ein Gott der Geduld und alles Trostes, du siehst und weißt, daß ich von Natur schwach, blöde und verzagt bin und im Kreuz ohne deine göttliche Hülfe nichts ausstehen kann. Deßwegen rufe ich jetzt zu dir, da du mich nach deinem göttlichen Willen und Wohlgefallen mit Krankheit heimgesucht hast, daß du mich auch darin fest im Glauben und beständig in der Geduld erhalten wolleft. Verleihe mir Gnade, daß ich deine väterliche Hand und Züchtigung mit sanftem Geist und stillem Herzen erleiden möge. Gieb mir Geduld, die mir in der Leidenszeit hoch vonnöthen ist, auf daß ich deinen Willen thue, und die Verheißung empfahe. Lehre mich, daß ich dir, meinem Gott, stille halte, wenn's mir übel geht, damit ich die Trübsal nicht achte für ein Zeichen deiner Ungnade, und nicht etwa in meinem Herzen wider dich murre oder sonst unwillig werde, sondern laß mich erkennen, daß du den, welchen Erste Abtheilung. II. Abschnitt. du lieb hast, auch züchtigst zu seiner Besserung, auf daß ich in Gottesfurcht demüthig wandle, mein Vertrauen nicht auf das Zeitliche stelle, sondern auf dich, den ewigen und lebendigen Gott, der die Todten auferwecket, und daß mein Glaube rechtschaffen und viel köstlicher erfunden werde, denn das vergängliche Gold. Denn Trübsal bringt Geduld, Geduld bringt Erfahrung, Erfahrung bringt Hoffnung, Hoffnung aber läßt nicht zu Schanden werden. Und selig ist der Mann, der die Anfechtung erduldet. Darum soll sich niemand weigern der Züchtigung des Allmächtigen; denn du, o Gott, verlegest, und verbindest, du zerschmeißest, und deine Hand heilet. Aus sechs Trübsalen wirst du mich erretten, und in der siebenten wird mich kein Uebel rühren. So hilf nun, ewiger und barmherziger Gott! daß ich meine Seele fassen möge mit Geduld und fest bleiben in gewisser Hoffnung, damit ich in findlicher Zuversicht dein väterliches Herz, unter dem Krenz verborgen, erkennen und mit aller Kraft gestärfet werden möge, nach der großen Macht deiner Herrlichkeit, in welcher dort alle offenbar werden sollen, die hier mit Christo geduldet haben. Amen. - 32 Gesang. Mel. Jesus, meine Zuversicht. 1. Ach, mein Herze! gieb dich d'rein, Nimm mit deinem Gott vorwillen, Nur dein Jesus kann allein Alle deine Sorgen stillen; Richte dich nach seiner Huld, Er giebt Trost und auch Geduld. 2. Gehst du hier die Dornenbahn, Ist dein Trank vermischt mit Gallen, Vom Segen der Krankheit. Nimm es nur geduldig an, Also hat es Gott gefallen; Glaube nur, was dieser thut, Das ist alles recht und gut. 3. Bleibe deinem Gott getren; Ob das Kreuz gleich bringet Schmerzen, Hast du dennoch stets dabei Ruh und Trost in deinem Herzen: Nichts besiegt auf dieser Welt Einen Sinn, der Gott gefällt. 4. Schicke dich in Gottes Branch, Christen müssen dulden, hoffen; Hat doch deinen Heiland auch Manches Ungemach getroffen; O, er weiß, wie dir es thut, Leide nur mit frohem Muth. 5. Kronen folgen auf den Streit, Kämpfe nur mit festem Glauben; Jesus ist ja nimmer weit, Niemand kann sein Herz dir rauben; Bete, leide, lebe rein, Selig wird dein Ende sein. 33 4) Dom Segen der Krankheit. Ebr. 12, 11. Alle Züchtigung, wenn sie da ist, dünkt sie uns nicht Freude, sondern Traurigkeit zu sein; aber darnach wird sie geben eine friedsame Frucht der Gerechtigfeit denen, die dadurch geübt sind. Es giebt kein kräftigeres Züchtigungsmittel als Krankheit, darum ist sie für den Menschen, der fie recht anwendet, ein großer Segen. Das will ich aber oft nicht recht glauben, denn manchmal finde ich nichts darin als Plagen und Ungemach. Dann B** Erste Abtheilung. II. Abschnitt. bin ich nur bekümmert, daß mein Leib abgemattet und entstellt wird, daß meine Kräfte dahin schwinden, daß ich den Arbeiten meines zeitlichen Berufs nicht nachgehen kann, daß ich viele Kosten anwenden muß und Schmerzen erdulden, und daß mein Leben in Todesgefahr schwebt. Daher verfalle ich oft in große Traurigkeit. Aber dann denke ich nicht daran, wie der Schaden des Leibes ein Heilmittel für die Seele sein, und wie gerade der Verlust irdischer Güter mir zum Gewinn der himmlischen verhelfen soll. 34 Wie stolz und übermüthig bin ich in gesunden Tagen oft dahin gegangen! Wie undankbar und lieblos habe ich meines Gottes vergessen! Ich troßte auf die Kraft meines Leibes und hörte nicht auf den Herrn, der da spricht: Ein Starker rühme sich nicht seiner Stärke. Nun ich aber mit Krankheit geschlagen bin, fühle und erkenne ich meine ganze Ohnmacht, ich sehe es, daß ich Staub und Asche bin. Der Herr hat gedemüthigt auf dem Wege meine Kraft. Er ist es, der jedermann Leben und Odem giebt allenthalben, und ohne Ihn können wir nichts thun. Darum gebührt auch Ihm allein der Ruhm und die Ehre und die Anbetung. Wohin wäre ich aber endlich gerathen, wenn der Herr den Lauf meines Uebermuths nicht ge Vom Segen der Krankheit. hemmt hätte? Die Hoffart des Menschen wird ihn stürzen( Spr. 29, 23.), denn wer sich selbst erhöhet, der wird erniedrigt( Matth. 23, 12.). Die Krankheit meines Leibes reißt die Binde von den Augen meiner Seele hinweg, denn ehe ich gedemüthigt ward, irrete ich. Wie schrecklich ließ ich mich bethören in meinem eiteln Sinn! Augenluft, Fleischeslust und hoffärtiges Leben hatten mich in ihren Dienst genommen. Ich lebte der Sünde, wiewohl sie der Leute Verderben ist. Mit mächtigem Arm hat mich der Herr vom Abgrunde des Verderbens hinweggezogen und durch diese Krankheit wie einen Brand aus dem Feuer gerissen. Wahrlich, welchen der Herr lieb hat, den züchtiget er. 35 Wie thöricht bin ich gewesen, daß ich mein Herz an die eiteln Dinge dieser Welt gehängt habe! Wie schwer habe ich mich an meinem Gott versündigt! Wie wenig, wie gar nicht habe ich mich befümmert um das Eine, was Noth ist! Aber ich will es nun anders, ganz anders machen. Ich will mich aufmachen und zu Dem hingehen, der da spricht: Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken. Meinen Jesus will ich aufsuchen, auf daß meine Seele genese. Ihn will ich bitten, daß er mit seinen Verdiensten bedecke meiner Sünden Menge und mich kleide in Erste Abtheilung. II. Abschnitt. den Rock seiner Gerechtigkeit. Sie allein ist es ja, die vor Gott gilt, sie ist das beste Theil und daß kann durch keinen Wechsel, weder durch Krankheit, noch Tod von mir genommen werden. Meine Krankheit mahnt mich: Es ist dem Menschen gesetzt, ein Mal zu sterben, darnach aber das Gericht. Vielleicht ist diese Krankheit ein Vorbote des nahen Todes, daher will ich mich um so ernster vorbereiten, daß ich durch das Gericht hindurchkomme. Christi Blut und Gerechtigkeit soll sein mein Schmuck und Ehrenkleid, damit kann ich vor Gott besteh'n, wenn ich von hinnen werde geh'n. Ich sehe und empfinde es wohl, daß ich allein auf Ihn, meinen Heiland, hingewiesen bin; aber ich weiß auch, daß nichts Verdammliches ist an denen, die in Christo Jesu sind. Darum will ich mich an Ihn halten, so mag der Tod früh oder spät kommen, ich bin bereit und werde einziehen zu den Freuden der himmlischen Hochzeit. Darum werden wir nicht müde, sondern ob unser äußerlicher Mensch verweset, so wird doch der innerliche von Tage zu Tage verneuert; denn unsere Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maße wichtige Herrlichkeit. Gebet. 36 Ich danke Dir, Herr, daß du mich gedemüthiget hast. Du zerstreuest, die hoffärtig sind in ihres Herzens Vom Segen der Krankheit. Sinn, du stößest die Gewaltigen vom Stuhl, und erhebest die Niedrigen. Du hast mich heimgesucht mit schwerer Plage, und durchbohret meine Gebeine. Aber, o Herr! du läsfest mich auch erkennen, daß der Kreuzes= weg ein Himmelsweg ist, und daß die Krankheit des Leibes ein Heilmittel ist für meine arme, sündige Seele. Du willst mich dadurch abziehen von dieser nichtigen Welt und ihrer Eitelkeit, damit ich verleugne das ungöttliche Wesen, und züchtig, gerecht und gottselig lebe. Das habe ich bisher so vielfach versäumt. Denn da mir wohl war und ich von feinem Ungemach wußte, da habe ich mit der Welt gescherzt, mich mit ihr gefreut und gesündiget. Ich war, o Herr! auf dem Wege, der zur Verdammniß führet. Du riefst mich durch dein Wort, aber ich merkte nicht darauf; du überschüttetest mich mit Gütern und Freuden, aber ich blieb kalt und undankbar gegen dich, und siche, dennoch hatte deine Barmherzigkeit und Treue über mir noch kein Ende. Denn du wolltest nicht meinen Tod und mein Verderben, sondern, daß ich mich bekehre und lebe. Darum suchtest du mich heim durch solche Trübsal. Sie aber hat mich getrieben, daß ich mein Herz erforschet und mein Leben vor dir geprüft habe. Und zu welcher Erkenntniß bin ich da gekommen! Herr! ich fühle meine Schuld, meine ganze Schuld. Ich habe gesündigt im Himmel und vor dir, ich bin nicht werth, daß ich dein Kind heiße. Aber ich habe Zuflucht zum Thron deiner Gnade. Ich komme im Namen deines Sohnes, meines Heilandes. Ach, Herr, mich verlanget nach deinem Heile! Denn, wenn Trübfal da ist, so suchet man dich, wenn du sie züchtigest, so rufen sie ängstiglich, denn allein Anfechtung lehret auf 37 Erste Abtheilung. 11. Abschnitt. das Wort merken. Aber du willst ja auch nahe sein denen, die zerbrochenen Herzens sind, und helfen denen, die ein zerschlagenes Gemüth haben. Durch deine Hülfe werde ich die Welt überwinden und ihre Eitelkeit fahren lassen. Denn wer die Welt licb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters. In dieser Liebe aber finde ich alles, was mich glücklich und selig macht; in ihr bin ich. reich genug, geehrt genug und fröhlich genug, mit ihr sammle ich Schäße des ewigen Lebens und durch diese Kraft werde ich mich von der Welt unbefleckt erhalten und dir treu bleiben bis in den Tod. Und diesen Segen hast du mir, Herr, durch meine Krankheit zugedacht. Nun erkenne ich wohl, daß du den Sohn züchtigest, den du lieb hast, und dem Sterbensgedanken eingiebst, den du erwählet haft zum ewigen Leben. So preise ich dich denn von ganzem Herzen und lobe dich, daß du mir diese Krankheit zugeschickt hast. Laß sie denn auch ferner zu meinem Besten dienen, und vollführe das gute Werk, das du in mir angefangen hast. Mache durch diese bittere. Arznei meine Seele recht gesund, vertreibe alle meine Unarten durch die scharfe Lauge meiner Schmerzen und gieb, daß ich je mehr und mehr in aufrichtiger Buße und wahrem Glauben in dieser Krankheit mich vor dir demüthige und in den Wunden meines Jesu Rath und Hülfe, Trost und Vergebung suche und finde. Amen. 38 Gesang. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 1. Krankheit, Leiden, Angst und Schmerzen, Und was sonsten mich ansicht, Bom Segen der Krankheit. Reißen mir aus meinem Herzen Gott und seine Liebe nicht. Will mein Gott mich gleich betrüben, Will ich ihn doch herzlich lieben, Er verbleibet doch mein Gottt In der größten Angst und Noth. 2. Er will durch das Kreuz mich ziehen Von der Welt und Sicherheit, Daß ich alle Sünd' foll fliehen Und nicht meine Seligkeit Mög durch eigne Schuld verlieren, Er will meinen Geist so zieren, Daß er ewig soll allein Seine reine Wohnung sein. 3. Wenn ich recht mein Kreuz besehe, Dann ist's nur ein Liebeszug, Daß ich Gottes Wege gehe, Und vermeide Selbstbetrug, Daß ich ihn erkennen lerne, Und mich von der Welt entferne, Hier seh' ich, wie Gottes Treu' Alle Morgen werde neu. 3. Jesu, schließ' in deine Wunden Meine matte Seele ein, Laß in meinen Jammerstunden Diese ihre Wohnung sein, Es sei Seele, Leib und Leben, Treuer Vater, dir ergeben, Schüß', erquick' und stärke mich In den Leiden gnädiglich. 5. Ich befehl' in deine Hände, Liebster Jesu, meinen Geist, Stärke mich bis an mein Ende; Wenn das Lebensband zerreißt, Dann laß mich mit Freuden schauen Jene schönen Himmelsauen, Führe mich durch Kampf und Streit Zu der Seelen Seligkeit. 39 Erste Abtheilung. II. Abschnitt. 4) Von der Nothwendigkeit des Todes und des Gerichts. br. 9, 27. 40 Den Menschen ist gesegt einmal zu sterben, darnach aber das Gericht. Wie wenig Menschen giebt es, die an die Nothwendigkeit des Sterbens recht gedenken, und wie wenige sind daher auch bekümmert um das Gericht, welches darauf folget. Es ist mir auch niemals so zu Herzen gegangen, wie jeßt, da ich krank bin. Denn, wenn uns gleich nichts klarer und häufiger vor die Augen tritt, als daß wir sterben müssen, so nimmt man sich's doch gewöhnlich nicht recht zu Herzen. Gatten und Gattinnen, Eltern und Kinder, Brüder und Schwestern, Jünglinge und Jungfrauen, Säuglinge und Greise fahren vor uns hin in die Grube, und dennoch kann man uns nicht oft genug sagen, daß wir sterben müssen. Denn diese Gewißheit wenden wir nur auf andere an, auf uns selbst aber macht sie keinen heilsamen Eindruck. Habe ich mein Leben bisher nicht so geführt, als wenn ich die festeste Versicherung hätte, daß ich den Tod nicht schmecken würde? Ach! solche tiefe Wurzeln hat die listige Ueberredung der Schlange in vieler Herzen geschlagen, da sie sprach: Ihr werdet mit nichten des Todes sterben( 1 Mos. 3, 4.). Doch, wenn ich auch diesen Betrug wohl merkte, habe ich dann Von der Nothwendigkeit des Todes u. d. Gerichts. 41 nicht wenigstens gemeint, daß meine Todesstunde noch lange nicht schlagen werde? Ja, die Liebe zur Welt und ein sündliches Verlangen zu leben, haben mich mit der gefährlichen Hoffnung erfüllt, daß ich so bald nicht von hier abgerufen werde. Und das hat mich gar sorglos und sicher gemacht. Wie viel Gutes habe ich unterlassen! Wie viel Böses gethan! Ach, Herr, lehre doch mich, daß es ein Ende mit mir haben muß und mein Leben ein Ziel hat und ich davon muß. Siehe, meine Tage sind einer Hand breit bei dir, und mein Leben ist wie nichts vor dir. Wie gar nichts sind alle Menschen, die doch so sicher leben ( Pf. 39, 5, 6.)! Ich sehe, ich fühle es an mir selbst: Es ist der alte Bund, Mensch, du mußt sterben ( Sir. 14, 18.)! Also hat es Gott gesetzt. Aber auch die Zeit und Art, der Ort und die Umstände meines Todes sind von ihm geordnet. Denn der Mensch hat seine bestimmte Zeit, die Zahl seiner Monden steht, o Gott, bei dir, du hast ein Ziel geseßt, das wird er nicht übergehen( Hiob 14, 5.). Daran mahnt mich meine Krankheit mit allem Ernst und Nachdruck. Auch ich werde den Tod sehen; ich gehe den Weg aller Welt. Erste Abtheilung. II. Abschnitt. Aber was sehe ich am Ziele meiner Wallfahrt? Was höre ich? Was muß ich erfahren? Die Todtenglocke wird geläutet, denn es ist dem Menschen geseßt, einmal zu sterben; aber darauf läutet auch noch eine andere Glocke, denn es stehet geschrieben: darnach das Gericht. Wenn der Mensch stirbt, so wird er inne, wie er gelebt hat( Sir. 11, 28.). Und da ist keiner, welcher sich diesem Gerichte entziehen könnte. Arme und Reiche, Hohe und Niedere, Junge und Alte, Gute und Böse müssen erscheinen vor Dem, welcher der Richter ist über die Lebendigen und die Todten. Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhle Christi, auf daß ein jeglicher empfange, nachdem er gehandelt hat bei Leibes Leben, es sei gut oder böse( 2 Kor. 5, 10.). Ich weiß es aber, daß ich in solchem Gerichte nicht bestehen kann. Mein Glaube ist so schwach, meine Liebe zum Herrn hat sich nicht bewähret und mein Leben ist wie ein besudelt Kleid. Darum will ich eilen, daß ich meine Seele errette; ich will mich zum Herrn wenden, daß er mich bekehre, damit ich befehret werde; ich will meine Seligkeit schaffen mit Furcht und Zittern. O, wie tief dringt es in meine Seele: Seid bereit, denn des Menschen Sohn wird kommen zu einer Stunde, da ihr es nicht meinet( Matth. 24, 44.). Da42 Von der Nothwendigkeit des Todes u. d. Gerichts. 43 rum soll mir keine Minute mehr verloren gehen. Ich will mich selbst richten, damit ich im Gerichte meines Heilandes nicht umkomme, und ich will wachen und beten, daß ich in der Kraft seines heiligen Geistes ihn mit rechtem Glauben ergreife und in aufrichtiger Liebe bekenne und festhalte. Ist die Lampe meines Herzens wohl gefüllet mit Glaubensöl, dann werde ich dem Bräutigam, auch wenn er um Mitternacht kommen sollte, doch mit Freuden entgegengehen können. Die Liebe Gottes, welche alsdann in mein Herz ist ausgegossen durch den heiligen Geist, wird solche Freudigkeit in mir erwecken, denn daran ist die Liebe völlig bei uns, daß wir eine Freudigkeit haben am Tage des Gerichts( 1 Joh. 4, 27.). Gebet. Herr, wo ist jemand, der da lebet und den Tod nicht sehe? Der Mensch, vom Weibe geboren, lebt nur furze Zeit. In das Land der Todten gehören beide Klein und Groß, Knecht und Herr, Weise und There. Denn du, ewiger und unveränderlicher Gott, haft dem Menschen gesegt, einmal zu sterben. O, lehre mich das recht bedenken, damit ich flug werde. Schon so mancher ist vor mir hinabgefahren, aber ich selber habe es so wenig bedacht, daß ich ihm nachfolgen, und vor dein gerechtes Gericht soll gestellt werden. DarMein über bin ich erschrecken in meinem Innern. Herz ängstet sich in meinem Leibe, und des Todes Furcht ist auf mich gefallen; Furcht und Zittern ist Erste Abtheilung. II. Abschnitt. mich angekommen, und Grauen hat mich überfallen. Denn ich fühle es, o Gott, in dieser Krankheit wohl, daß auch ich den Tedesfeim in meinen Gliedern trage, und daß mein Leben auf Erden ist wie ein Schatten und kein Aufhalten daran ist. Das aber macht mich am meisten bekümmert, daß ich in deinem Gerichte, o Herr, nicht bestehen kann. Ich bin ein großer Sünder, und habe dir alle Liebe und Treue, die du an mir gethan, mit Undank und Verkehrtheit vergolten. Wenn du mit mir rechten willst, dann kann ich dir auf Tausend nichts Eins antworten. Mein Gott, ich schäme und scheue mich, meine Augen aufzuheben zu dir, mein Gott, denn meine Missethat ist über mein Haupt gewachsen, und meine Schuld ist groß bis in den Himmel. Ach, habe Erbarmen mit mir! Du bist ja geduldig und langmüthig und von großer Treue. So erweise denn auch mir deine Gnade in Chrifto. Gieb mir den Geist der Weisheit und der Selbsterkenntniß, daß ich mich vor dir recht erforsche und prüfe, und wende dich zu mir mit Gedanken des Friedens, daß ich Ruhe finde für meine arme Seele. Mache 44 mich fertig, Herr Jesu, auf den Tag des Gerichts, und laß mich in deinem Tode Vergebung und Leben finden. Ich weiß es nicht, wann du kommst, aber das weiß ich, wer an dich glaubet, der wird nicht gerichtet. Darum erfülle mich mit solchem Glauben, auf daß, wenn du offenbaret wirst, ich Freudigkeit habe und nicht zu Schanden werde vor dir in deiner Zukunft, Amen. Gesang. Mel. Kommt ber zu mir, spricht Gottes Sohn. 1. Du siehest, Mensch, wie fort und fort, Der eine hier, der andre dort Von der Nothwendigkeit des Todes u. d. Gerichts. 45 Uns gute Nacht muß geben; Der Tod hält keinen andern Lauf, Er sagt zuletzt die Wohnung auf Uns allen, die wir leben. 2. Gedenk' es weislich in der Zeit, Und flieh' den Schlaf der Sicherheit, Sei stets bereit und wacker; Denn wiff', es bleibet dabei nicht, Daß man dich hier aus diesem Licht Trägt auf den Gottesacker. 3. Wir werden aus den Gräbern gehn Und alle vor Gerichte stehn, Das Christus selbst wird hegen, Wenn auf der Engel Feldgeschrei Die Glut das große Weltgebäu Wird in die Asche legen. 4. Alsdann wird erst der ganzen Welt Belohnung werden zugestellt, Die Sünder sollen büßen, Und ihnen, ohn' Betrug und Schein, Selbst Kläger, Richter, Henker sein, Verdammt durch ihr Gewissen. 5. Ach Gott! kommt mir dies Urtheil vor, So steigen mir die Haar' empor, Mein Herz fühlt Angst und Schrecken. Ihr hohen Hügel! heb' ich an, Ihr Berg' und was sich stürzen kann, Fahrt her, mich zu bedecken! 6. Herr Jesu, meine Zuversicht, Ach, laß dein strenges Weltgericht, Ach, laß es mir nicht schaden. Beut' an dem Vater den Vertrag, Damit ich freudig hören mag Den süßen Spruch der Gnaden. 7. Gieb, daß ich mich bei gutem Sinn Und weil ich noch bei Kräften bin, Zum Sterben fertig halte, 46 Erste Abtheilung. II. Abschnitt. Und nicht, o Jesu, meine Lust! Begriffen in der Sünden Wust Zum ew'gen Tod erkalte. 5) Das Andenken an den Tod macht weise. Psalm 90, 12. Lehre uns bedenken, daß wir sterben müssen, auf daß wir flug werden. Wie so mancher Mund hat mir in diesen Tagen schon zugerufen: Die Krankheit ist nicht zum Tode, es wird wieder besser werden! Ich weiß es nicht, aber es ist auch kein Mensch, der es wüßte, denn unser Leben steht in Gottes Händen. Aber davon bin ich überzeugt: Es ist dem Menschen geseßt einmal zu sterben. Und wie wohlthuend auch die Hoffnung der Wiedergenesung vornämlich dem natürlichen Menschen ist, so führt sie doch meistens von einer ernsten und gründlichen Vorbereitung auf den Tod ab. Darum betete der Psalmist vielmehr: Herr, lehre uns bedenken, daß wir sterben müssen; denn nur derjenige, welcher dieß recht bedenkt, handelt klug und richtet sein Leben mit Weisheit ein. Er macht sich das Sterben leicht und wird getrost, indem er sich den Tod zu einer Pforte des Lebens und des Himmels zubereitet. Worin besteht denn die Weisheit, welche dem zu Theil wird, der die Flüchtigkeit und Kürze sei Das Andenken an den Tod macht weise. ner Wallfahrt beherzigt und es bedenkt, daß er sterben, vielleicht bald sterben muß? Sterbensgedanken sind es, die uns zu wahren Bußgedanken, zur Buße selbst erwecken. Fragen wir nämlich das Wort Gottes, warum wir sterben müssen, so antwortet uns der Apostel darauf: Durch Einen Menschen ist gekommen die Sünde in die Welt, und der Tod durch die Sünde, und ist also der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, dieweil sie alle gesündigt haben( Röm. 5, 12.). Wenn wir nun weiter fragen: Warum hat denn der Tod um der Sünde willen über die Menschen kommen müssen? so erwiedert der Psalmist( 90, 7. 8.): Das macht dein Zorn, daß wir so vergehen, und dein Grimm, daß wir so plößlich dahin müssen; denn unsere Missethat stellest du vor dich, unsere unerkannte Sünde in das Licht vor deinem Angesicht. Diese aus dem Tode entnommene Erkenntniß der Sünde und des gerechten Zornes Gottes über dieselbe, kann unmöglich rechtschaffen sein, ohne daß sie zugleich eine wahre Reue über die Sünde und einen Haß und Abscheu gegen dieselbe hervorbringen sollte. Wer verabscheuet nicht einen Mörder oder Todtschläger? Und wer möchte die Sünde nicht ernstlich hassen, die so viel Mord und Todtschlag ge47 Erste Abtheilung. II. Abschnitt. stiftet hat, und noch täglich anrichtet? Wer solches recht bedenkt, dem ist der Tod ein kräftiger Bußprediger, der da ruft: Verziehe nicht, dich zum Herrn zu bekehren, und schiebe es nicht von einem Tage auf den andern; sondern ermahnet euch selbst alle Tage, so lange es heute heißet, daß nicht jemand unter euch verstockt werde durch Betrug der Sünde ( Sir. 5, 8. Ebr. 3, 13.). 48 Diejenigen aber, welche in der Kraft des heiligen Geistes bedenken, daß sie sterben müssen, werden auch ein Verlangen darnach tragen, daß sie selig sterben. Wer aber sind die, welche selig sterben? Eine Stimme vom Himmel antwortet auf diese Frage: Selig sind die Todten, die in dem Herrn sterben( Offenb. 14, 13.). Im Herrn sterben heißt aber so viel, als im wahren Glauben an Jesum Christum sterben. Von dem aber, der nicht in solchem Glauben an den Herrn stirbt, steht geschrieben: Wer dem Sohne nicht glaubet, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibet über ihm( Joh. 3, 36.); denn wer nicht glaubet, der wird verdammt werden( Mark. 16, 16.). Weiß ich dies nun aus Gottes heiligem Worte, so müßte ich ja ein Feind meiner eigenen Seligkeit sein, wenn ich nicht mit allem Ernst nach solchem Glauben trachten, und nicht allen Fleiß anwenden Das Andenken an den Tod macht weise. wollte, darin treu erfunden zu werden bis an mein Ende. Ich bin ja gewiß, daß ein solcher Glaube zum Schauen führt, und daß die, welche mit Christo sterben, auch mit ihm leben werden. 49 Ich will demnach mit allem Ernste meinen Glauben auch beweisen in der Heiligung, ohne welche niemand den Herrn schauen wird. Denn wo der Glaube sich nicht bewähret in einer heiligen Liebe zu Christo und seinen Geboten, da ist er todt, ein tönendes Erz und eine klingende Schelle. Er wird nicht gekrönet, und hilft nicht vom Sterben zum Leben. Darum will ich auf den Nath Sirachs wohl merken: Was du thust, so bedenke das Ende, so wirst du nimmermehr Uebels thun( Kap. 7, 40.). Bedenken will ich den Tod und die Auferstehung, das Gericht und die Ewigkeit, die mir bevorstehen, auf daß ich alle Sünden, auch die, welche mir am festesten ankleben, ablege und mich von der Welt unbefleckt erhalte. Kindlich fürchten will ich mich vor Dem, der Leib und Seele verderben mag in die Hölle, und bei der Kürze meiner Pilgerzeit um so mehr eilen, daß das Werk der Gottseligkeit an mir gefördert werde. Sie aber hat die Verheißung dieses und des zukünftigen Lebens. Und was ist es, das mich zu solcher heiligen, beseligenden Sinnes- und Lebensrichtung bringt? Geistlicher Nathgeber 2c. CS Erste Abtheilung. II. Abschnitt. Was, das meinen Glauben zu einer solch treuen Bewährung in der Liebe zum Herrn treibt? Die Furcht Gottes, die der Weisheit Anfang ist. Und was führt mich in die Schule dieser Weisheit? Die ernste Erwägung, daß ich sterben muß. 50 Gebet. So lehre du mich denn, o Herr, daß ich sterben muß, auf daß ich klug werde. Wirke du selbst durch deinen Geist die rechten Sterbensgedanken in meinem Herzen. Mache du sie zu meinen Lieblingsgedanken, daß sie mich erwecken zur Buße, zum Glantben und zur Gottseligkeit; damit ich mein Herz nicht hänge an die Welt und ihre Lust, sondern durch die Kraft deiner Gnade rein und unsträflich erfunden werde auf den Tag deiner Zukunft. Hilf mir den Tod lebhaft vor Augen halten, wo ich gehe und stehe; wenn ich mich zu Bette lege und aufwache, so laß mich wohl erwägen, daß ich hier keine bleibende Stätte habe, sondern suchen soll, was zukünftig ist. Unterweise mich, daß ich mein ewiges Haus wohl bestelle mit himmlischen Schätzen, die mir nicht können genommen werden, und mache mich reich an allen den Mitteln, womit ich die Schrecken und die Bitterfeit des Todes überwinden kann. Bleibe bei mir in allen Nöthen und Anfechtungen, und vereine dich je länger je mehr in der Liebe mit mir, die durch nichts von dir kann getrennet werden. Dann mag meine Krankheit zur Genesung auslaufen oder zum Tode, ich bin getrost, und gewiß, daß mein Glaube sich zum Schauen verklärt, und du, Herr Jesu, mir meine Beilage bewahrest bis an jenen Selbstprüfung eines Kranken. Tag. Das walte du in Gnaden, mein getreuer Heiland, Amen. Gesang. Mel. Herzlich thut mich verlangen. 1. O Mensch, gedenk' ans Ende. Willst du nicht lebels thun, Der Tod bringt oft behende Das allerletzte Nun; An einem Augenblicke Hängt ewig Wohl und Weh', Drum denke wohl zurücke, Wohin dein Ende geh'. 2. O Mensch, gedent' ans Ende, Wer weiß, ob nicht noch heut' Der Tod sich zu dir wende? D'rum mache dich bereit, Wenn du sollst Rechnung geben Von dem, was du gethan, Damit dein eigen Leben Dich nicht verklagen kann. 51 3. Mensch, gedenk' aus Ende, Stirb stets den Sünden ab, Gieb dich in Gottes Hände Und fürchte nicht das Grab. Sei fertig alle Stunden, Halt' dich an Christi Blut; Stirbst du in Jesu Wunden, So ist dein Ende gut. 6) Selbsprüfung eines Kranken. Klagl. Jerem. 3, 40. Laßt uns forschen und suchen unser Wesen, und uns zum Herrn bekehren. Wer nicht zur Erkenntniß seiner Gebrechen und seines Elendes gelangt, der kann auch keine Hei( S* Erste Abtheilung. II. Abschnitt. lung und keinen Frieden finden. Daß ich am Leibe krank bin, das muß ich jetzt bitter empfinden, und darum habe ich den Arzt zu mir gelassen, denn der Herr hat ihn geschaffen, daß ich ihn habe zur Zeit der Noth. Aber viel fränker bin ich noch an meiner Seele, als am Leibe; ja alle Krankheiten und Schmerzen desselben rühren von der Seele her, die in den Dienst der Sünde getreten, welcher sich meine Glieder haben hingegeben zu Waffen der Ungerechtigkeit. Es ist Zeit, die höchste Zeit, daß ich mich davon überzeuge, wie frank meine Seele ist, damit ich ihre Genesung ernstlich suche. Um aber jenes zu erfahren, ist es nöthig, daß ich mich selbst prüfe. Doch damit solches wohl gelinge, muß die Einsicht und der Segen dazu von oben kommen. Darum rufe ich, Herr, zu dir: Erforsche mich, Gott, und erfahre mein Herz; prüfe mich, und erfahre, wie ich es meine( Ps. 139, 23.). Thue mir fund den Weg, darauf ich wandeln soll; lehre mich mein Wesen aufrichtig untersuchen vor dir, und mich zu dir bekehren. Wer weiß, wie nahe ich deinem Gerichte bin! 52 Habe ich meine Buße gespart bis jetzt, wo ich frank geworden bin an meinem Leibe? Oder habe ich mich von der Sünde weggewandt, während ich die böse Lust des Herzens noch ausüben konnte? Habe ich in gesunden Tagen die Sünde verab Selbstprüfung eines Kranken. schiedet, ehe sie mich nun durch die Schwachheit meines Leibes verlassen muß?- Wie bin ich gewandelt? Habe ich den Herrn vor Augen gehabt und im Herzen? Ist meine Gottesfurcht Heuchelei gewesen, oder die Frucht einer aufrichtigen, findlichen Liebe zum Herrn? Wie habe ich gebetet? Wie habe ich dem Worte des Herrn zugehört? Wie habe ich's gelesen? Warum habe ich Abendmahl gehalten? Habe ich bei allem äußern Christenthum auch meinen Heiland im Herzen getragen, oder ihn nur verehrt mit dem Munde und zum Schein? Was habe ich auf der Welt gesucht? Um welche Schätze ist es mir zu thun gewesen? Nach welcher Ehre habe ich getrachtet? Welchen Freuden bin ich nachgejagt?- Wie habe ich mich gegen meine Nächften betragen? Habe ich sie alle herzlich geliebt? Habe ich dem Neide, dem Haß, dem Zorn, der Nachgierde keinen Naum vergönnt in meinem Herzen? Ich blicke in den Kreis meines Berufs: habe ich da gewirkt mit Fleiß, mit Ausdauer, mit Treue und mit Unverdrossenheit? Habe ich meine Zeit weislich ausgekauft und die Kräfte meines Leibes und meiner Seele als im Dienste meines Heilandes zum Heile der Menschheit angewandt? Habe ich die Wahrheit stets frei geredet und ohne Menschenfurcht? Habe ich das Recht nicht gebeugt und ohne Anschen der Person gesagt und gethan, was 53 Erste Abtheilung. II. Abschnitt. Gott von mir forderte? Ich blicke in die Gemächer meines Hauses. Wie habe ich mich da betragen gegen die Meinigen( Vater und Mutter, Weib und Kind, Bruder und Schwester)? Bin ich ih nen stets begegnet mit der Liebe, die sich gebühret, mit der Sanftmuth, Freundlichkeit und Geduld, die ich ihnen schuldig bin? Habe ich für sie gearbeitet und gebetet? Habe ich sie ermahnt und getröstet und habe sie erbauet durch das leuchtende Erempel eines gottseligen Wandels? Ich bin ein großer Sünder, aber kann ich's auch wohl leiden, wenn mir von andern meine Sünden vorgehalten werden? Bin ich auch willig, sie zu gestehen, sie zu hassen und gänzlich zu meiden? Unterwerfe ich mich in aufrichtiger Demuth unter die heiligen und gerechten Urtheile Gottes, oder lasse ich mich wohl gar durch die heimliche Hoffnung eines längern Lebens von der wahren Bekehrung abhalten? Wünsche ich mir länger zu leben aus Liebe zur Welt und Eitelkeit, oder aus dem brünstigen Verlangen, daß ich Zeit haben möge zur Buße und Besserung, zur Heiligung meines Herzens und Wandels und zur Ersegung dessen, was ich versäumt habe? Suche ich meine Seligkeit zu schaffen mit Furcht und Zittern, oder denke ich, daß es mit ein Paar Seufzern genug sei zur wahren Zerknirschung, oder daß 54 55 Selbstprüfung eines Kranten. ein flüchtiger, fruchtloser Vorsaß der Bekehrung dieselbe erseßen könne? Und wie steht es um meinen Glauben? Ist derselbe rechtschaffen und vom heiligen Geiste gewirkt? Oder ist er ein menschlicher Wahn, den des Herzens Grund niemals erfährt? Mißbrauche ich Christi Verdienste zum Deckel meiner Sünden, und will ich nicht aufrichtige Buße thun? Mache ich Christum zum Sündendiener? Verlasse ich mich auf das Wort von Menschen und auf ihren Beifall? Oder nur auf das untrügliche Wort Gottes und die Vorschrift darin zum Werke meiner Seligkeit? Halte ich die Bekehrung für ein Menschenwerk, das ich selber ausrichten könne? Oder für ein Werk Gottes, daß er wirke nach seinem Wohlgefallen? Habe ich meine Buße gespart, bis ich frank geworden bin, und bin ich unbekümmert gewesen um mein Heil, bis jetzt, da ich übel geplaget bin? Gebet. Ach, Herr Gott! barmherzig und gnädig, und geduldig, von großer Gnade und Treue, fei mir armen Sünder gnädig. Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. Gieb mir alles zu erkennen, was mein Gewissen rege macht und beschämet, damit ich mich nicht selbst betrüge. O, Herr, hilf und treibe mich, daß Erste Abtheilung. II. Abschnitt. werde. ich mich selber richte, damit ich nicht vor dir gerichtet Laß mich nicht eine herzliche und beseligende Traurigkeit fürchten, noch auch der Ueberzeugung widerstreben, die dein Geist in mir wirket, es würde mich ja sonst ewig reuen. Gieb mir Zeit und Ernst zur Buße, daß ich meiner nicht schone, sondern eile mich zu bekehren, weil es noch heute heißt, denn morgen möchte es zu spät sein. O Herr! hilf mir, daß ich mich aufrichtig zu dir bekehre, damit ich getrost sein kann im Leben und im Sterben. 56 Ach! siche, vielleicht stehe ich jetzt schon vor der Pforte der Ewigkeit, und soll bald deinen Urtheilsspruch erfahren. Ach! und ich bin so undankbar gegen dich gewesen und habe so wenig geachtet auf die Regungen deines Geistes. Hätte ich doch ein Herz, das sich willig und ganz von dir reinigen ließe. O! segne doch meine Schmerzen, daß sie mir zu wahrer Zerknirschung und Erweichung verhelfen. Gieb mir Kraft, ein neuer Mensch zu werden, der nach dir geschaffen sei in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit; denn so ich nicht von Neuem geboren werde, kann ich nicht in dein Reich kommen, und ohne Heiligung werde ich dich nicht schauen. Darum verneuere du mich, Herr, im Geiste meines Gemüths zu einem heiligen Wandel, der dir wohlgefällig ist. Sende mir dazu dein Licht und deinen Geist, der mich in deine selige Ewigkeit einführe durch die Kraft des Leidens und Sterbens deines lieben Sohnes, Amen. Gesang. Mel. Aus tiefer Noth schrei' ich zu dir. 1. Vater der Barmherzigkeit, Ich falle dir zu Fuße, Selbstprüfung eines Kranten. Verstoß nicht den, der zu dir schreit Und tout noch endlich Buße. Was ich begangen wider dich, Verzeih mir alles gnädiglich Durch deine große Güte. 2. Durch deiner Allmacht Wunderthat Nimm von mir, was mich quälet; Durch deine Weisheit schaffe Rath, Worinnen mir's sonst feblet. Gieb Willen, Mittel, Kräft' und Stärt', Daß ich mit dir all' meine Werk', Anfange und vollende. 3. O Jesu Christe! der du hast Am Kreuze für mich Armen Getragen aller Sünden Last Woll'st meiner dich erbarmen! O wahrer Gott! o Davids Sohn! Erbarm' dich mein und mein verschon', Sieh' an mein kläglich's Rufen. 4. Laß deiner Wunden theures Blut, Dein' Todespein und Sterben Mir kommen kräftiglich zu gut; Ach, laß mich nicht verderben, Bitt' du den Vater, daß er mir Im Zorn nicht lohne nach Gebühr, Wie ich es hab' verschuldet. 5. O heil'ger Geist! du wahres Licht, Regierer der Gedanken, Wenn mich der Sünden Lust ansicht, Laß mich von dir nicht wanken; Verleih', daß nun und nimmermehr Begierd' nach Wollust, Geld und Ehr' In meinem Herzen herrsche. 6. Und wenn mein Stündlein kommen ist, So hilf mir treulich kämpfen, Daß ich des Satans Trug und Lift Durch Christi Sieg mag dämpfen;" ** 57 58 Erste Abtheilung. II. Abschnitt. Auf daß mir Krankheit, Angst und Noth, Und dann der letzte Feind, der Tod, Nur sei die Thür zum Leben. 7) Bangigkeit eines Kranken. Klagl Jer. 1, 20. Ach Herr! siehe doch, wie bange ist mir, daß mir es im Leibe davon wehe thut. Mein Herz wallet mir in meinem Leibe, denn ich bin hoch betrübt. Das Krankenlager ist nicht nur eine Marterstätte für meinen Leib, sondern auch eine Schule der Angst und Bekümmerniß für meine Seele. Wenn ich mich niederlege, so weiß ich nicht, was mir daselbst begegnen werde; Bande und Trübsale warten mein daselbst( Apostelg. 20, 22. f.). Der Uebermuth meines Herzens ist dahin; früher war es ein troßiges, nun erweiset es sich aber auch als ein verzagt Ding. Denn mir ist so bange! Wenn ich zum Herrn schreie, so antwortet er mir nicht; trete ich hervor, so achtet er nicht auf mich. Ich habe mich müde geschricen, mein Hals ist heiser; das Gesicht vergehet mir, daß ich so lange muß harren auf meinen Gott. Herr! wie lange willst du mein sogar vergessen? wie lange verbirgst du dein Antliß vor mir? wie lange soll ich sorgen in meiner Seele, und mich ängstigen in meinem Herzen täglich( Pf. 69, 4. 13, 2. 3.)? Doch, fasse Muth, bange Seele! Warum betrübst du Bangigkeit eines Kranten. dich also und bist so unruhig in mir? Hat der Herr nicht gesagt: Rufe mich an in der Noth, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen( Ps. 50, 15.)? und wie köstlich läßt Er sich ferner vernehmen in seinem Wort: Er begehret meiner, so will ich ihm aushelfen, er kennet meinen Namen, darum will ich ihn schüßen; er rufet mich an, so will ich ihn erhören; ich bin bei ihm in der Noth; ich will ihn herausreißen und zu Ehren machen( Ps. 91, 14. 15.). Aber ich kann ja dieses Trostwort nicht auf mich anwenden. Meine Seele ist ja so glaubensleer, mein Herz so liebesarm, mein Vertrauen auf den Herrn so klein und schwach. Ach! ich muß mit Hiob( Kap. 30, 21.) seufzen: Du bist mir verwandelt in einen Grausamen, und zeigest deinen Gram an mir mit der Stärke deiner Hand! Ja, ich fühle es, daß der Herr wider mich ist, und daß er mich plaget durch seine erschreckliche Macht. Darum ist mir so bange in meiner Seele! Aber, wie lese ich? Der Herr verstößt nicht ewiglich, sondern er betrübt wohl, und erbarmt sich wieder nach seiner großen Güte, denn er nicht von Herzen die Menschen plagt und betrübt( Klagl. Jer. 3, 31-33.). Es ist wahr, ich bin ein großer Sünder, und habe die Strafe 59 Erste Abtheilung. II. Abschnitt. wohl verdient, unter der ich jetzt seufze, aber der Herr spricht auch: Ich wohne bei denen, so zerschlagenen und demüthigen Geistes sind, auf daß ich erquicke den Geist der Gedemüthigten, und das Herz der Zerschlagenen( Jes. 57, 15.). 60 Werde ich aber im weitern Verlaufe meiner Krankheit auch in der Verfassung meiner Seelen verharren, worin ich jetzt bin? Werde ich bewahren solche Demuth und Geduld? Werde ich stille bleiben vor dem Herrn? D, wenn er mich zerschmelzet kräftiglich, wenn ich in den Gluthofen der Schmerzen hinein muß und die Zunge an meinem -Gaumen klebt, dann fürchte ich Gott, wie einen Unfall, und möchte ihm oft so gerne entrinnen. In dem bösen Stündlein habe ich so manch Mal meinen Wankelmuth und meine Untreue wider den Herrn erfahren: darum ist mir so bange. Doch hieraus erkenne ich, wie nothwendig es ist, daß ich ganz von mir ausgehe und den Herrn ganz in mich eingehen lasse. So lange noch ein Vertrauen auf mich selbst oder irgend eine andere Kreatur in mir wohnet, kann ich die Anfechtung nicht überwinden. Aber wo der Herr alles in allem ist, da macht er, daß die Versuchung solch ein Ende gewinne, daß wir's können ertragen. Darum will ich mich an Ihn allein halten, und sein Wort zu Herzen nehmen: Bangigkeit eines Kranken. Laß dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig( 2 Kor. 12, 9.). Eins ist es noch, was mich mit großer Besorgniß erfüllt: der Kampf wider den letzten Feind, des Todes Bitterfeit. Ich fühle, daß mein Leben ein Ziel hat, und ich, wer weiß wie bald! davon muß. Der Bau meiner irdischen Hütte wird zerbrochen, darum seufze ich mit Hiskias: Meine Zeit ist dahin, und von mir aufgeräumt, wie eines Hirten Hütte, und Gott reißet mein Leben ab, wie ein Weber. Er sauget mich dürre aus. Du machst es mit mir ein Ende, den Tag vor Abend( Jeſ. 38, 12.). Wie schauerlich ist dieser Hingang aus der Zeit in die Ewigkeit! Wäre der Tod nicht fürchterlich, so wäre er nicht ein König des Schredens( Hiob 18, 14.) genannt. Auch auf mich wird er hereinbrechen: darum ist mir so bange. Allein sei getroft, meine Seele, im Glauben an deinen Heiland; denn Er muß herrschen, bis daß Er alle seine Feinde unter seine Füße lege. Der letzte Feind, der aufgehoben wird, ist der Tod( 1 Kor. 15, 25. 26.), auch ich werde ihn, in Christo überwinden, denn Er hat durch seinen Tod die Macht genommen dem, der des Todes Gewalt hatte, das ist dem Teufel und hat erlöset die, so durch Furcht des Todes in ihrem ganzen Leben Knechte sein mußten 61 Erste Abtheilung. II Abschnitt. ( br. 2, 14. 15.). Mag dann auch das Band zerreißen, welches jetzt noch meine Seele mit dem Leibe vereint, Christus wird mich dadurch völlig erlösen und mir aushelfen zu seinem himmlischen Reich, und mag diese Erdenhülle auch wieder in Staub zerfallen, wovon ste genommen ist, Christus wird diesen nichtigen Leib verklären und ihn ähnlich machen seinem verklärten Leibe. Und deßwegen fährt alle Angst meines Herzens dahin, weil ich in Dem Ruhe gefunden, der dem Tode die Macht hat genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht. 62 Gebet. Laß Siehe, D Herr! mache du meinen Glauben groß und stark, daß mich nichts von dir abreiße, weder Trübsal noch Angst, weder Tod noch Leben, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges. Bleibe bei mir, denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneiget. es dir wohlgefallen in meinem armen Herzen. ich habe es dir eingeräumt. Komm, komm, Herr Jesu, und wohne darin, dann werde ich reich genug, stark genug und muthig und getrost. Rückt auch zuweilen, so lange ich im Leibe dieses Todes bin, die Angst auf mich heran, so verzage ich doch nicht, wenn ich nur dich habe. Indem du mich demüthigest, machst du mich groß und indem du meinen Leib mit Krankheit und Schmerzen schlägst, beilest du meine Seele. Darum will ich mich an dich halten mein Lebenlang, du bist meines Herzens Trost und mein Theil in Bangigkeit eines Kranken. Ewigkeit. Lehre mich unter allen Fährlichkeiten und Trübsalen aufsehen auf dich, den Anfänger und Vollender meines Glaubens, daß ich in deinem Kreuze den Frieden, in deiner Kraft Geduld und Siegesmuth und in deinem Tode das Leben finden möge. Ja, Herr, ich fühie deine Nähe, dein Erbarmen, deine Trene. In dem geängsteten Herzen ist es stille geworden, meine Betrübniß hat sich gewandelt in Fröhlichkeit und meine Unruhe in heiligen Frieden. Erhalte mich denn durch die Macht deiner Stärke, daß mich nichts aus deiner Hand reiße, und ich dir getreu sein möge bis in den Tod, damit ich tie Krone des Lebens empfange, Amen. Gesang. Me!. Christus, der ist mein Leben. 1. Wenn ich mich im Erfranfen Zu Bette legen muß, So leg' ich in Gedanken Dir, Jesu, mich zu Fuß. 2. Herr! bet' ich, ist's dein Wille, So hilf und heile du; Wo nicht, so schweiz' ich stille, Du führst mich himmelzu. 3. Das Blut aus deinen Wunden Wäscht meine Seele rein; Dies laß in letzten Stunden Mir noch zur Labung sein. 4. Laß mir nur deine Gnade, Daran genüget mir; Der Bund im Wasserbade Giebt mir ein Recht zu dir. 5. Da lieg' ich als ein Sünder Und nehm' an dir doch Theil, Denn du bist der Erfinder Von unserm ew'gen Heil. 63 64 Erste Abtheilung. II. Abschnitt. 6. Der Geist, der uns lehrt beten Und Glauben in uns schafft, Den laß auch mich vertreten, Der geb' mir Glaubenskraft. 7. Ist mir denn nun vergeben, So geh' ich alles ein, Läff'st du mich hier nicht leben, So wird's dort besser sein. 8. Heilt dein Wort nicht die Glieder, So heilt's die Seele doch; Die geb' ich dir jetzt wieder; Ich sterb' und lebe noch. 9. Dein Wort vom Auferstehen Sei mir wie Honigseim: Dein Ruf wird einst geschehen: Steh' auf und gehe heim! 8) Die Ungewißheit der Todesstunde. Pred. 9, 12. Auch weiß der Mensch seine Zeit nicht. Nichts ist gewisser, als daß ich sterben muß, aber nichts ist mir verborgener, als wann meine Todesstunde schlägt. Kein Mensch weiß es, wann der Herr ihn abruft aus dem Lande der Lebendigen, keiner, wie bald er vor das Gericht gestellt wird. O, ich habe es an unzähligen Beispielen erfahren, wie wahr es ist, was Sirach spricht: Es kann vor Abends wohl anders werden, als es am Morgen war, und solches alles geschieht bald vor Gott ( Kap. 18, 26.). Darum seid auch ihr bereit, spricht Christus, denn des Menschen 65 Die Ungewißheit der Todesstunde. Sohn wird kommen zu einer Stunde, da ihr's nicht meinet( Matth. 24, 44.). Wie soll ich aber diese Zubereitung anstellen? Ich darf wahrlich ihrethalben nicht unbekümmert sein. Hier geht es um Fluch und Segen, um Verdammniß und Seligkeit, und das nicht für eine Hand voll Tage, sondern für die ganze Ewigkeit. Was soll ich thun, daß mich der Tod nicht unvorbereitet finde, wenn er auch plößlich hereinbricht, wie ein Dieb in der Nacht? Ich will mir das Wort des Propheten zu Herzen gehen lassen: So spricht der Herr: Bestelle dein Haus, denn du wirst sterben und nicht lebendig bleiben( Jes. 38, 1.). Das weiß und fühle ich, daß wir hier keine bleibende Stätte haben, und dennoch habe ich bisher diejenige so wenig gesucht, die zukünftig ist. Die Eitelkeit und Lust dieser Welt verwirret oft die Gedanken der Menschen dermaßen, daß sie ihr Trachten und Arbeiten so einrichten, als wenn sie niemals von der Erde weggerufen würden. Wir bauen hier so fest, und sind hier nichts als Gäst', doch wo wir ewig sollen sein, da bauen wir gar nicht hinein. Wie thöricht und verderblich ist solch ein Beginnen. Ich will mich ihm hinfort gänzlich entziehen, und am ersten trachten nach dem Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit. Ich will Schäße sammeln, mir selbst einen guten Grund auf Erste Abtheilung. II. Abschnitt. das Zukünftige, daß mir meine Beilage bewahret wird bis auf jenen Tag. Das soll meine vornehmste Sorge sein, daß ich erfüllet werde mit Gerechtigkeit und Friede und Freude in dem heiligen Geist. Wenn ich mit diesen Gütern versorget bin, dann kann mir das beste Theil nicht genommen werden, weder durch Krankheit noch durch Sterben. Auch wenn der Tod plößlich kommt, findet mein Jesus mich doch bereit, und wird mich in das himmlische Vaterhaus bringen, wo er mir eine Stätte zurecht gemacht hat, an der ich bei Ihm wohnen soll in ewiger Seligkeit. Weil kein Mensch seine Sterbenszeit weiß, ermahnt der Herr aber auch ferner: Wachet und betet. Es ist nicht genug, daß ich mein Haus bestelle und reich zu werden suche an himmlischen Gütern. Ich soll auch mit allem Fleiß darauf achten, daß mir deren keins verloren geht. Ach, daß ist so bald geschehen, denn allenthalben lauert der Versucher auf mich. In meinem Herzen werde ich gereizt von böser Lust, da mir die Sünde immer noch anklebt und mich träge macht, und von außen locken mich unzählige Stimmen und Gestalten zum Abfall von meinem Heilande. Sterben und Gericht verschwinden dann so leicht aus meinen Gedanken, und ehe ich mich's versehen habe, bin ich wieder in eine sündige Thorheit verfallen. Ich er66 67 Die Ungewißheit der Todesstunde. kenne es wohl, daß der Satan damit umgeht, mir die himmlischen Kleinodien meines Herzens zu rauben und mir elenden Erdentand dafür zuzuwenden. Darum muß ich wohl auf meiner Hut sein, daß er mich nicht betrüge; ich muß wachen über mein Herz, daß keine argen Gedanken darin aufkommen, und die verbotenen Begierden ertödtet werden, und ich muß mit aller Sorgfalt das Heiligthum meines Glaubens zu bewahren suchen, daß es mir nicht genommen werde und des Menschen Sohn mich bereit finde, welcher ja kommen wird zu einer Stunde, da ich's nicht meine. All' meine Vorbereitung auf den Tod würde mir aber nicht helfen, ja ich könnte die himmlischen Schätze weder sammeln noch bewahren, wenn mir die Weisheit und Kraft dazu nicht gegeben würde von oben her. Und deßwegen sagt der Heiland: Betet. Durch das Gebet erhole ich mir den Geist der Wahrheit und des Lebens, der mich den Tod im rechten Lichte erkennen lehrt und mir die Macht giebt, seine Schrecken zu besiegen. Das Gebet erhält mich im steten Verkehr mit Gott, meinem Heilande und reißt mich daher ab von den Sünden und Eitelkeiten der Welt; das Gebet heiligt alle meine Unternehmungen, die ich vollbringe zur Ehre Gottes und seines Christus, und das Gebet macht mich fröhlich in aller Trübsal und getrost in der Stunde meines Erste Abtheilung. II. Abschnitt. Todes. Betend will ich abscheiden, um bei Chrifto zu sein, denn in seinem Namen kann ich beten: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände! 68 Weiß ich denn gleich meine Zeit auch nicht, so weiß ich doch, daß sie in den Händen meines himmlischen Vaters steht, und daß ich in getreuem Wirken für sein Haus, in dem viele Wohnungen sind, unter Wachen und Beten dort einziehen werde zur himmlischen Freude. Gebet. Allmächtiger, ewiger Gott! der du die Menschen läsfest sterben, und sprichst: Kommt wieder, Men= schenfinder. Denn tausend Jahre sind vor dir wie der Tag, der gestern vergangen ist, und wie eine Nachtwache. Du läsfest sie dahin fahren wie einen Strom, und sind wie ein Schlaf; gleich wie ein Gras, das doch bald welk wird, das da frühe blühet und bald welk wird, und des Abends abgehauen wird und verdorrct. Du, Herr des Lebens und des Todes! hast auch mir das Ziel meiner Monden bestimmt, alle meine Tage waren auf dein Buch ge= schrieben, als derselben noch keiner da war. Wenig und böse ist die Zeit meines Lebens und vielleicht bald abgelaufen. Ach! daß ich sie doch auskaufen möchte mit allem Fleiß, und auf dich warte zu jeder Stunde bei Tag und bei Nacht, als ein getreuer Knecht. Bereite du mich also, daß mir dein Ruf aus der Zeit in die Ewigkeit nicht schrecklich werde, sondern ich ihn jederzeit vernehme mit Freuden. Hilf mir in Gna Die Ungewißheit der Todesstunde. den, daß ich dir leben möge, auf daß ich in dir sterben könne, Herr Jesu! Siche, mein Geist ist willig, aber mein Fleisch ist schwach: darum öffne die Augen meiner Seele zu getreuer Wachsamkeit, daß mich die List des Versuchers nicht berücke, und mache mich fleißig zum Gebet, daß ich allen Anläufen des Teufels Widerstand leisten möge. Gieb Gnade, o Herr! daß ich stets unter deinen Getreuen erfunden werde, und du auch mir einst zurufest: Ei, du frommer und getreuer Knecht, du bist über wenigem getreu gewesen; ich will dich über viel sezen, gehe ein zu deines Herrn Freude, Amen. Gesang. In eigener Melodie. 1. Wer weiß, wie nahe mir mein Ende! Hin geht die Zeit, her kommt der Tod, Ach, wie geschwinde und behende Kann kommen meine Todesnoth! Mein Gott,:,: ich bitt' durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut. 69 2. Es kann vor Nacht leicht anders werden, Als es am frühen Morgen war; Denn weil ich leb' auf dieser Erden, Leb' ich in steter Tod'sgefahr. Mein Gott,:,: ich bitt' durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut. 3. Herr, lehr' mich stets mein End' bedenken Und wenn ich einstens sterben muß, Die Seel' in Jesu Wunden senken, Und ja nicht sparen meine Buß'. Mein Gott,:,: ich bitt' durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut. 70 Erste Abtheilung. II. Abschnitt. 4. Laß mich bei Zeit mein Haus bestellen, Daß ich bereit sei für und für, Und sage stets in allen Fällen: Herr, wie du willst, so schick's mit mir. Mein Gott,:,: ich bitt' durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut. 5. Mach mir stets bonigsüß den Himmel Und gallenbitter diese Welt Gieb, daß mir in dem Weltgetümmel Die Ewigkeit sei vorgestellt. Mein Gott, ich bitt' durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut. 6. Ach Vater! deck' all' meine Sünden Mit dem Verdienste Christi zu. Darein ich mich fest gläubig winde: Das giebt mir recht erwünschte Rub'. Mein Gott, ich bitt' durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut." 7. Ich weiß, in Jesu Blut und Wunden Hab' ich mir recht und wohlgebett't; Da find' ich Trost in Todesstunden Und alles, was ich gerne hätt'. Mein Gott,:,: ich bitt' durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut. 8. Nichts ist, das mich von Jesu scheide, Nichts, es sei Leben oder Tod; Ich leg' die Hand in seine Seite Und sage: Mein Herr und mein Gott! Mein Gott,:,: ich bitt' durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut. 9. Ich habe Jesum angezogen Schon längst in meiner heil'gen Tauf', Du bist mir auch daher gewogen, Hast mich zum Kind genommen auf. Mein Gott,:,: ich bitt' durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut. Die finstere Seite des Todes. 10. Ich habe Jesu Fleisch gegeffen, Ich hab' sein Blut getrunken hier, Nun kann er meiner nicht vergessen, Ich bleib' in ihm und er in mir. Mein Gott,:,: ich bitt' durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut. 71 11. So komm' mein End' heut' oder morgen, Ich weiß, daß mir's mit Jesu glückt, Ich bin und bleib' in deinen Sorgen Mit Jesu Blut schön ausgeschmückt. Mein Gott,:,: ich bitt' durch Christi Blut, Mach's nur mit meinem Ende gut. 12. Ich leb' indeß mit ihm vergnüget Und sterb' ohn' alle Kümmerniß; Mir g'nüget, wie mein Gott es füget, Ich glaub' und bin deß ganz gewiß: Mein Gott,:,: durch deine Gnad' und Christi Blut Mach'st du's mit meinem Ende gut. 9) Die finstere Seite des Todes. Röm. 6, 23. Der Tod ist der Sünden Sold. Daß der Tod ein Feind der Menschen ist, stehet fest, denn er ist geboren von der Sünde, und eine Strafe derselben. Der Tod ist zu allen Men= schen hindurch gedrungen, dieweil sie alle gesündigt haben( Röm. 5, 12.). Alle Strafen ergreifen uns aber mit Schmerz und Pein, und solche übt der Tod aus an jedermann. Die Gottlosen ergreift er mit seinem mächtigen Schrecken, und versetzt sie in die ewige Qual; er ist ihnen ein furchtbarer Bote, der sie dem Kerker der Hölle und Erste Abtheilung. II. Abschnitt. endlosen Martern überliefert, denn ihr Wurm wird nicht sterben, und ihr Feuer wird nicht verlöschen( Jes. 66, 24.). Aber auch gegen die Gläubigen tritt der Tod als Feind auf. Er zerstört die menschliche Natur und reißt Leib und Seele auf eine schmerzliche und schauerliche Weise auseinander. Bald greift er seine Beute heimlich und allmählig an, bald fällt er offenbar und plötzlich über sie her. Schon im Mutterleibe stellt er dem Menschenleben nach, und beim ersten Anblick dieser Welt wehet dem Säugling schon der Todeshauch entgegen. Dieser alte Feind wohnt bei uns in unsern Häusern, bettet sich mit uns auf unserm Lager, begleitet uns auf die Straße, schleicht sich in all' unsere Geschäfte, steckt in den Kleidern, die wir anziehen, und mischt sich sogar in den Bissen, womit wir uns sättigen, und in den Trunk, der unsern Durst stillet. Da giebt es keine Zeit und keinen Ort, wo uns der Tod nicht nachstellet. 72 Dieser Feind beraubt die Menschen aber nicht nur ihres Lebens, sondern auch aller andern Güter, die ihnen in dieser Welt lieb sind. Den Kaiser vertreibt er aus seinem Reiche, dem Könige nimmt er Scepter und Krone; den Prediger jagt er von der Kanzel; den Richter vom Stuhle; den Kaufmann von seinen Geschäften; den Handwerker aus seiner Werkstätte; den Tagelöhner von seiner Arbeit; 73 Die finstere Seite des Todes. den Ackersmann vom Pfluge und das Weib aus dem Hause. Gatten scheidet er von ihren Gattinnen, Eltern von ihren Kindern, Freunde von ihren Verwandten und Bekannten. Ja, er entblößt den Menschen von allen irdischen. Gütern: nackt, wie wir von Mutter Leibe gekommen sind, müssen wir nackt wieder dahin fahren. Wir haben nichts in die Welt gebracht, und werden auch nichts hinaus bringen. Vergegenwärtige ich mir ferner diejenigen Dinge, welche dem Tode vorhergehen und ihn begleiten, o wie schrecklich erscheint er mir dann! Welche Krankheiten, welche Zufälle, welche Schmerzen hat selbst der Gläubige zu erdulden, ehe er zum Tode reif ist, denn diese Frucht wächst unter den stechenden Glutstrahlen der Trübsal. Ach! wie langsam verrinnt dann der Sand im Stundenglase. Die Minuten dünken uns Stunden und die Stunden Tage. Das Auge wird von keinem Schlummer zugedeckt, bis die Nacht des Todes hereinbricht. Ein Heer von beunruhigenden Gedanken, die sich entweder verklagen oder entschuldigen, durchzieht die Seele; endlich wird sie von der Totesnoth selber umfangen: kalter Schweiß deckt die Schläfe, der Puls steht stille, der Odem geht aus und zerrissen sind alle Bande, die Leib und Seele zusammenhielten. Doch wer kann sie alle erzählen jene Schrecknisse, womit der Tod Geistlicher Rathgeber 2c. Erste Abtheilung. II. Abschnitt. uns überfällt, als nur der, welcher sie selbst erfahren hat? Es ist aber noch keiner aus dem Tode wiedergekehrt, der uns davon gesagt hätte. Und wie offenbart sich die Furchtbarkeit des Todes so gewaltig, wenn er endlich seine Macht an dem Menschen ausgeübt hat! Wie jämmerlich hat er den zurückgebliebenen Leib zugerichtet! Diese eingefallenen Augen, diese verloschenen Lippen, dieses bleiche, marmorkalte Antliß, diese starren Hände und diese ausgereckte, reglose Gestalt in tiefes, eisiges Schweigen gehüllt! Bald duftet sie vom scheußlichen Geruch der Verwesung, und nicht lange, so fällt sie in Moder und Staub zusammen. D, und wie weislich ist es eingerichtet, daß die Gräber zugeschlossen sind, damit wir nicht in die Gräuel hinabblicken können, die der Tod in ihrem dunkeln Schooße anrichtet! Sollte ich mir aber verheimlichen die heftige Feindschaft, welche er im letzten Kampfe mit den Gläubigen ausübt? Die finstere Macht, womit der Satan in diesem Kampfe ihnen das Kleinod ihres Glaubens zu entreißen sucht? Da bestürmt er fie mit allerlei Zweifeln, da erfüllt er sie mit Bangigfeit und Grauen, da will er sie irre machen an der Treue und Macht ihres Heilandes und sucht sie noch in den letzten Augenblicken ihres Lebens in sein höllisches Verderben zu sich herabzureißen. O Tod, 74 Die finstere Seite des Todes. wie bitter bist du( Sir. 41, 1.)! Welche giftige Frucht trägt doch die Sünde! Wahrlich, sie ist der Leute Verderben( Sprüchw. 14, 34.). Aber das wird in gesunden Tagen von so wenigen beherzigt. Da spielt man mit der Sünde, statt daß man ernstlich gegen sie kämpfen sollte; darum nimmt sie dann auch immer mehr überhand und bringt die Menschen von einer Noth in die andere hinein. Die Narren treiben das Gespött mit der Sünde( Sprüchw. 14, 9.). Das sei ferne von mir! Ich will sie vielmehr für den größesten Mörder ansehen, da sie nur Tod und Verderben in die Welt gebracht, ich will sie von ganzem Herzen verabscheuen, da sie vor Gott ein Gräuel ist, und will es mir nicht umsonst zurufen lassen: Mein Kind, hast du gesündiget, so höre auf, und bitte, daß dir die vorigen Sünden auch vergeben werden. Fliehe vor der Sünde, wie vor einer Schlange; denn so du ihr zu nahe kommst, so sticht sie dich. Ihre Zähne sind wie Löwenzähne; und - tödten den Menschen( Sir. 21, 1-3.). 75 Gebet. Ach Herr! es ist kein Friede in meinen Gebeinen vor meiner Sünde. Ihr Sold drückt mich schwer, denn ich fühle die erschreckliche Macht des Todes. Ja, das ist die Sünde, die mich so frank und elend macht. Erste Abtheilung. II. Abschnitt. Sie hat die Ruhe aus meinem Herzen gerissen und durchbohret meinen Leib mit Schmerzen, daß ich verschmachten muß. Meine Kräfte vertrocknen und meine Glieder sind matt worden, denn ich habe sie der Sünde hingegeben zu Waffen der Ungerechtigkeit. Jeder Augenblick bringt mich dem legien und furchtbarsten Kampfe näher. Wie werde ich ihn bestehen, mein Herr und mein Gott! Wohin wird der Tod meine Seele gebracht haben, wenn sie meinen Leib den Würmern zur Speise geben und ihn in die Mederkammer des Grabes hinabsenken? Ach Herr! ich babe nichts wie Seufzer und Thränen, nichts wie ein zerschlagenes Herz. Aber damit habe ich doch Zuflucht zum Throne reiner Gnade. Herr Jesu, bilf mir! denn das ist die Zeit, Sprich wo mir Hülfe mehr neth thut, als jemais. ein Wort, daß meine Seele gesund werde, und lag mich, du heiliges Getteslamm, c8 verspüren, daß du auch meine Sün'en getragen hast. Gehe eu mit mir in den Streit wider den Tod und bilf mir, daß ich ihn überwinde und alle seine Schrecken besiege in reiner Kraft. Herr, ich lasse dich nicht, es sei denn, du segnest mich, Amen! 76 Gesang. Mel. Herr Jesu Chrift, meia's Lebens Licht. 1. D lleberwinder Jefu Chrift! Der du versucht in allem bist, Den Kampf für uns am Kreuz begannst, Uns Licht und Trost im Tod gewannst; 2. Der du dich in der Marterlast Nach Ruh und Sieg gesehnet haft, In Hitz' und Durst verschmachtet bist, Um Hülfe laut zum Bater schriest; Die finstere Seite des Todes. 3. Der du erblaßt als Leiche hingst, Dem Geiste nach zum Vater gingst, Mit Sieg vom Tode auferstand'st, Die Herrlichkeit im Himmel fand'st; 4. Gönn einst mir einen Gnadenblick, Wenn in dem letzten Augenblick Mich Sterbenden die Kraft verläßt Und Todesangst mein Herz zerpreßt! 5. Wenn mich die Sündenschuld erschreckt, Mit Qual ich Sünder bin bedeckt Und seufze: Herr, erbarme dich, So eile du und tröste mich. 6. Und kann ich nicht mehr zu dir flehn, Kann keinen Zuspruch mehr verstehn, Lieg' taub und ohne Sinnen da: Bleib' du dem schwachen Geiste nah'. 7. Wenn falter Schweiß vom Haupte strömt, Der Schmerz mir alle Kräfte lähmt, Die Zunge an dem Gaumen klebt, Der Tod durch alle Glieder bebt; 8. Das matte Aug' gebrochen starrt, Ein Odem auf den andern harrt, Das müde Blut nur stockend schleicht, Die letzte Lebensspur entweicht: 9. Da sieh' mich mit Erbarmen an, Weil niemand sich erbarmen kann! Bringt sein Geschrei ein Freund vor dich, Ach, so erhöre ihn für mich. 10. Du, der den Tod für mich erlitt, Der mich so kräftiglich vertritt, Bring' mich nach deiner Liebesmacht Durch diese grauenvolle Nacht! 77 11. Den Geist, der sich vom Leibe trennt, Und nur nach dir, nach dir sich sehnt, Im Todesthal den Weg nicht weiß, Hol' zu dir in der Engel Kreis. 78 Erste Abtheilung. II. Abschnitt. 12. Das Recht an mir hast du allein, Todt und lebendig bin ich dein. O stärk' mein Herz, das an dich glaubt! Wo ist ein Tod, der dir mich raubt? 10) Die lichte Seite des Todes. Philipp. 1, 21. Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn. Es ist nichts so dunkel und so schrecklich, worauf für den Christen kein Strahl des Evangeliums fiele, der ihm Licht und Trost gewährt. Auch das grauenvolle Dunkel des Todes muß vor dieſem Lichte weichen, und er denen, die in Chrifto gerecht Sind auch die worden sind, zum Segen werden. Gläubigen nicht frei von aller Todesfurcht und kommen ste gleich in Augenblicke hinein, wo sie von Sterbensbangigkeit ergriffen werden, so können ste doch mit Paulo sich rühmen: In dem allen überwinden wir weit, um deß willen, der uns geliebet hat; denn wir sind gewiß, daß weder Tod noch Leben mag uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist, unserm Herrn( Röm. 6, 37-39.). Die Gemeinschaft, worin die Gläubigen mit ihrem Heilande stehen, ist es, die sie stark und getroft macht. Und wenn nun gleich der Tod auch ihr Feind ist, so wissen sie doch auch, daß nach demselben aller Kampf und alle Noth für sie ein Ende hat. 79 Die lichte Seite des Todes. Denn da lesen wir: Der leßte Feind, der aufgehoben wird, ist der Tod( 1 Kor. 15, 26.). Auch er muß fallen. So lange die Kinder Gottes auf Erden leben, haben sie mit vielen Widersachern zu streiten und mancherlei Trübfal zu erdulden, daß sie wohl mit David seufzen möchten: Ach Herr, wie sind meiner Feinde so viel, und setzen sich so viele wider mich( Ps. 3, 2.)! Feinde dringen auf sie ein von innen und von außen, und sie suchen alle ihnen die Krone des Lebens zu rauben. Haben sie nun den Satan, die Welt und ihr eigen Fleisch bekämpft und zum Theil überwunden, so kommt endlich noch, wenn sie an den Pforten der Ewigkeit stehen, der Tod, das ist der letzte Feind. Sind sie im Kampfe mit ihm obgelegen, dann sind alle Anfechtungen vorüber, aller Streit ist zu Ende, der ewige Sabbath ist angebrochen und die Krone des Sieges glänzt auf ihren Häuptern. Denn selig sind die Todten, die in dem Herrn sterben, von nun an; ja der Geist spricht, daß sie ruhen von ihrer Arbeit( Offenb. 14, 13.). Aus ihrem stummen Sarge heraus mahnen sie noch: Singt Sieg, singt lauter Sieg an meines Grabes Stelle: der allerletzte Feind liegt überwunden da! Wo ist dein Stachel? Tod! wo ist dein Sieg? o Hölle! Singt meiner Leiche nach: Triumph! Victoria! Erste Abtheilung. II. Abschnitt. Es gereicht aber den Gläubigen nicht ollein zum Troste, daß der Tod ihr letzter Feind ist und derselbe völlig aufgehoben wird, wenn alle duß ihren Gräbern werden hervorgehen, sondern auch, daß Christus durch seinen Tod und seine Auferstehung diesen Feind bereits überwunden hat. Nachdem nun die Kinder Fleisch und Blut haben, ist Er es gleichermaßen theilhaftig geworden, auf daß er durch den Tod die Macht nähme dem, der des Todes Gewalt hatte, das ist, dem Teufel; und erlösete die, so durch Furcht des Todes im ganzen Leben Knechte sein mußten( Gbr. 2, 14.). Er hat dem Tode die Macht genommen. und das Leben und ein unvergängliches Wesen an das Licht gebracht, durch das Evangelium( 2 Tim. 1, 10.). So wir aber sammt Ihm gepflanzt werden zu gleichem Tode, so werden wir auch der Auferstehung gleich sein( Röm. 6, 5.). Wie demnach dieser so gewaltige Heiland allein die Schlüssel der Hölle und des Todes hat, so will er die Kraft seines Lebens auch bewähren an allen, die an ihn glauben. Ich will sie erlösen aus der Hölle, und vom Tode erretten. Tod, ich will dir ein Gift sein; Hölle, ich will dir eine Pestilenz sein( Hos. 13, 13.). Also ver80 81 Die lichte Seite des Todes. Chriheißt es der treue und wahrhaftige Zeuge. stus ist mein Leben! Und wie Derselbige bereits vor unserer Zeit den Tod geschlagen, so schlägt und bestegt Er ihn auch jeßt noch in den Seinigen, indem Er ihnen zur Ueberwindung dieses Feindes die Kraft seines eigenen Todes schenkt und aneignet. Darum spricht der Apostel: So ist nun nichts Verdammliches an denen, die in Christo Jesu sind, die nicht nach dem Fleisch wandeln, sondern nach dem Geist; denn das Geset des Geistes, der da lebendig macht in Christo Jesu, hat mich frei gemacht vom Gesetz der Sünde und des Todes( Röm. 8, 1. 2.). Durch die steigende Kraft des neuen Les bens wird aber die Macht der Sünde und des Todes immer mehr geschwächt und gebrochen, daß er uns nicht verderben kann. Und will auch das bange Herz zuweilen noch über dem Anblick des Todes erschrecken, so macht doch der Geist Christi, daß die Seele gestillet wird im Glauben und Hoffnung. Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein ( Röm. 8, 31.)? Ob ich schon wanderte im finstern Thale, fürchte ich kein Unglück, denn du, mein Heiland! bist bei mir( Ps. 23, 4.). Auch in der Todesstunde verläßt Er mich nicht, und vertreibet mein Bangen. Er ruft mir zu: Ich will dich nicht verlassen noch verD** Erste Abtheilung. II. Abschnitt. säumen( Ebr. 13, 5.), und benimmt mir alle Schrecken, da er spricht: In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden( Joh. 16, 33.). Es ist wahr, der Tod ist mein Feind, aber mein lchter Feind, und ein durch Christum besiegter Feind. Er ist ein Feind, der mehr Gutes erweiset, als irgend ein Freund auf Erden, ein Feind, der mir eine goldene und sichere Brücke baut, auf der ich in den Himmel komme. Er muß mich aus diesem Lande der Leiden und Thränen ganz zu meinem Heilande in die Ruhe der Seligen bringen. Ja, auch Sterben ist mein Gewinn. Warum möchte ich mich dann vor ihm fürchten? Unverzagt und ohne Grauen soll ein Christ, wo er ist, stets sich lassen schauen, wollt' ihn auch der Tod aufreiben, soll der Muth dennoch gut und fein stille bleiben. Kann uns doch kein Tod nicht tödten, sondern reißt unsern Geist aus viel tausend Nöthen: schleußt das Thor der bittern Leiden, und macht Bahn, da man kann geh'n zu den Himmelsfreuden. Mag es dann auch sein, daß der Tod meinen Leib in Staub und Asche verwandelt, was liegt daran? Zürnen wir dem Goldschmiede, wenn er altes und brüchiges Silber in den Tiegel wirft und es zerschmelzet? Nein, denn wir wissen, daß es in einer neuen Gediegenheit und strahlenden Schönheit 82 Die lichte Seite des Todes. daraus hervorgeht. So wissen wir auch: Es wird gesäet in Unehre und wird auferstehen in Herrlichkeit. Es wird gesäet in Schwachheit, und wird auferstehen in Kraft. Denn dies Verwesliche muß anziehen das Unverwesliche, und das Sterbliche muß anziehen die Unsterblichkeit. Wenn aber dies Verwesliche wird anziehen das Unverwesliche, und dies Sterbliche wird anziehen die Unsterblichkeit, dann wird erfüllt werden das Wort, das geschrieben steht: Der Tod ist verschlungen in den Sieg. Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg? Aber der Stachel des Todes ist die Sünde; die Kraft aber der Sünde ist das Gesez. Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat, durch unsern Herrn Jesum Chriftum! Darum will ich alle Todesfurcht fahren lassen, und fest und unbeweglich sein und immer zunehmen in dem Werke des Herrn, sintemal ich weiß, daß meine Arbeit nicht vergeblich ist in dem Herrn( 1 Kor. 15, 43. f., 53-58.). 83 84 Erste Abtheilung. II. Abschnitt. Gebet. Herr Jesu, tu Fürst der Auferstehung und des Lebens! ich tanke dir von ganzem Herzem, daß tu durch deinen Tod dem Tode die Macht genommen und daß du mich zur Auferstehung des Lebens berufen hast. Nun darf ich mich vor rem Tode nicht fürchten, denn ob er gleich auf mich ankämpfen wird, so werde ich ihn doch überwinden, und er kann mir so wenig schaden, daß er mich nur näher zu dir hinführen und mich dabin bringen muß, wo ich dich schauen werde von Angesicht zu Angesicht. Ach wie freue ich mich, daß nech eine Rube vorhanden ist dem Volke Gottes! Ja, demselbigen wirst du abwischen alle Thränen von den Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Geschrei, noch Schmerzen wird mehr sein, denn das Grste ist vergangen. Co made denn dein Licht und deine Kraft, Herr Jesu! immer größer und mächtiger in mir, daß mich nichts von dir scheiden möge, und daß, wenn du, mein Leben, dich offenbaren. wirst, ich auch offenbar werde mit dir in der Herrlichkeit. Bereite du, Herr, mich zu einem getrosten und seligen Ende und hilf mir aus allem Uebel in das Reich deines ewigen Friedens, Amen. Gesang. In eigener melodie. 1. Christus, der ist mein Leben, Sterben ist mein Gewinn; Dem hab' ich mich ergeben, Mit Freud' fahr' ich dahin. 2 Mit Frend' fahr' ich von dannen Zu Christ, dem Bruder mein, Auf daß ich zu ihm komme Und ewig bei ihm sei. Der Tod eine Friedensfahrt. 3. Nun hab' ich überwunden Kreuz, Leiden, Angst und Noth, Durch seine beil'gen Wunden Bin ich versöhnt mit Gott. 4. Wenn meine Kräfte brechen, Mein Odem geht schwer aus, Und ich kein Wort fann sprechen, Herr! nimm mein Seufzen auf. 5. Wenn Sinnen und Gedanken Vergeben wie ein richt, Das bin und ber muß wanten, Wenn ihm die Flamm gebricht: 6. Alstann fein fanft und stille, Herr! laß mich schlafen ein, Nach deinem Rath und Willen, Wann kommt mein Stündelein. 7. Und laß mich an dir kleben, Wie eine Klett' am Kleid, Und ewig bei dir leben In deiner Herrlichkeit. 8 Wobl in des Himmels Throne Sing' ich Lob, Chr' und Preis, Gott Vater und dem Sohne Und auch dem heil'gen Geist. 85 11) Der Tod eine Friedensfahrt.. Luk. 2, 29. Herr, nun läsfest du deinen Diener in Frieden fahren. D, wie getroft und selig würde ich sein, wenn ich diese Worte in meiner Tocesstunde von Herzen sprechen fönnte! Möchte es mir doch gelingen, wie Simeon aus dieser Welt zu scheiden! Was muß ich thun, daß auch mein Tod eine Friedensfahrt Erste Abtheilung. 1. Abschnitt. werde? Was that Simeon? Er wartete auf den Trost Israels und hatte auf ihn geseßt seine ganze Zuversicht; denn im Spiegel des Gesetzes hatte er seine Sünden erkannt und fühlte seine Schuld, aber auch, daß er sie selber nicht zu tilgen im Stande wäre. Daher tröstete er sich mit den Verheißungen, daß kommen werde der Heiland der Völker, das Lamm Gottes, welches der Welt Sünden trug. Unsere Strafe liegt auf Ihm, daß wir Frieden hätten. Und als derselbige erschienen war, nahm Simeon ihn auf seine Arme, und war froh und selig, und lobete Gott. Willst du selig sterben, so mußt du auch den Heiland ergreifen, ihn an dein Herz drücken und ihn festhalten. Mit deinen leiblichen Armen und Händen kannst du es freilich nicht. Solches wäre aber auch dem alten Simeon nichts nüße gewesen, wenn er Christum nicht auch zugleich innerlich mit der Hand des Glaubens erfaßt und in treuer Liebe umschlungen hätte. So bitte denn Gott, daß er dir solchen Glauben schenken wolle, der den Heiland fest in die Arme schließet. Gieb aber vorher auch Raum seinem heiligen Geiste, daß derselbige eine lebendige Erkenntniß deiner Sünden und eine rechtschaffene Buße in dir wirke. Denn, wenn du deine Sünden und dein Elend nicht einsiehst und verspürest, wirst du auch kein Verlangen nach Dem bekommen, der dich davon erlösen will. 86 Der Tod eine Friedensfahrt. Aber wenn du, wie Simeon, die heilige Gerechtigkeit des Gesetzes und den Fluch wohl erkennest, den die Sünde über dich gebracht hat, so werden deine Augen mit sehnsüchtigem Verlangen auf das Heil blicken, das dir in Christo durch das Evangelium verkündiget wird. Je mehr du von seiner Barmherzigkeit hörst, um so mehr wird dich nach Ihm hungern und dürften, desto brünstiger wirst du nach Ihm verlangen; du wirst deine Glaubenshand nach Ihm ausstrecken und so lange bitten, flehen und weinen, bis du diesen Trost Israels, diesen Christ des Herrn, dieses Heil Gottes ergriffen und sein Verdienst umfaßt hast. Wenn du dann also den Heiland in deinen Armen haft und du hinwiederum von ihm in seine Arme geschlossen wirst, so darfst du dich vor dem Tode nicht mehr fürchten. Denn dieser Christ des Herrn wird dir seine Gerechtigkeit schenken und deine Sünden vor dir wegnehmen. Da nun die Sünde der Stachel des Todes ist, womit will er dich stechen? Ja, da der ganze Christus dein geworden durch den Glauben, so ist auch der Sieg über den Tod dein eigen, daß du wirst frohlocken können: Der Tod ist verschlungen in den Sieg! Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg( 1 Kor. 15, 55.)? So muthig und getrost stirbt der, welcher Jesum in seinen Glaubensarmen trägt; mit 87 Erste Abtheilung. II. Abschnitt. einem Herzen voll Frieden kann ein solcher sprechen: Da will ich nach Dir blicken, da will ich glaubensvoll Dich fest an mein Herz drücken. Wer so stirbt, der stirbt wohl! 88 Wer in seligem Frieden sterben will, der muß den Geist Gottes im Herzen haben. Simeon hatte den Heiland nicht nur in den Armen, sondern der heilige Geist war auch in ihm. Denselbigen hatte er aber in sich wirken lassen; denn wie dieser Geist den Glauben an Christum in ihm entzündet, so hatte er auch sein Herz verneuert, daß er ein frommer und gottesfürchtiger Mann geworden war, daß er sich einen Diener Gottes nennen konnte. Vom Geiste Gottes ließ er sich bewegen zu allem Guten: aus Anregen des heiligen Geistes ging er in den Temper, lobte Gott für die gnädige Sendung seines Sohnes, nahm das Jesuskind öffentlich auf seine Arme und verwandte die letzten Athemzüge zum Preise und zur Verherrlichung seines Heilandes.- Willst du selig sterben, so darfst du den heiligen Geist nicht bloß vor deinem Herzen stehen und anklopfen lassen, sondern du mußt ihm auch das Herz aufmachen, daß er Wohnung darinnen habe, du mußt dich ihm ganz hingeben, daß er allein über dich schalte und walte, damit er dich aus einem Knechte der Sünde zu einem frommen Diener Got tes mache. Von diesem Geiste mußt du dich trei 89 Der Tod eine Friedensfahrt. ben lassen zu allem guten Werke, daß du die Lüfte und Geschäfte des Fleisches tödtest, dich von der Welt unbefleckt erhaltest und das Kreuz auf dich nehmest und Christo nachfolgest. Dann wird dies ser Geist dir auch in deiner Todesstunde noch das Zeugniß geben, daß du ein Kind Gottes und ein Miterbe Christi seist, und so wirst du getroft hinfahren und in süßem Frieden. Wer darnach verlangt, der muß aber auch in Geduld und Zuversicht mit Simeon auf das Stündlein warten, daß der Herr für einen jeglichen zur Abfahrt aus dieser Welt außersehen hat. Ich weiß meine Zeit nicht, aber sie stehet in Gottes Händen. Nicht nach eigenem Gefallen darf ich sie daher abkürzen oder dem Herrn vorschreiben, wann er mich abrufen soll. Ich darf nicht weggehen, ehe er mich beurlaubt und mich nicht ausspannen, bevor er mich vom Joch frei macht. Ach, was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott. Es ist ja ein köstliches Ding, geduldig sein, und auf die Hülfe des Herrn hoffen( Klagl. 3, 26.). Darauf hoffte auch Simeon, deßwegen hat er auch die Verheißung empfangen und den Heiland gesehen. Und als die Zeit erfüllet ward, konnte er darum auch sagen: Herr, nun läsfest du deinen Diener in Frieden fahren. Dieses bescligende ,, Nun" wird auch für dich kommen, wenn du in der Ge Erste Abtheilung. II. Abschnitt. duld nicht müde wirst und dein Vertrauen auf Den nicht wegwirfft, der da spricht: Ich will euch nicht Waisen lassen; ich komme zu euch ( Joh. 14, 18.). 90 Ja, Er wird auch zu mir kommen, der treue Heiland, wenn ich mich nach ihm sehne, wie Simeon, wenn ich ihn aufnehme in mein Herz und ihn auf den Armen der Liebe trage, und er wird sich mir hingeben, wenn ich mich ihm ergebe, also daß mein Tod eine wahre Friedensfahrt für mich wird. In der Welt habe ich mancherlei Angst, aber ich will getrost sein, denn mein Jesus hat die Welt überwunden. Auf Erden muß ich allenthalben im Streit sein, aber im Tode gelange ich zur Nuhe. Die richtig vor sich gewandelt haben, kommen zum Frieden und ruhen in ihren Kammern( Jes. 57, 2.). O, wie werde ich segnen die Stunde, in der ich sagen kann: Herr, nun läsfest du deinen Diener in Frieden fahren! Gebet. Ach Herr Jesu! mache mein Herz geschickt zu solcher Friedensfahrt. Du allein kannst es. Ich bin ein armer Sünder, und nicht werih, daß du zu mir eingehest, aber ich weiß, daß du Mitleiden hast mit meiner Schwachheit, und daß du in die Welt gekommen bist die Sünder selig zu machen. Neige dich denn freundlich zu mir, und heilige mich durch deinen Der Tod eine Friedensfahrt. Geist durch und durch, daß ich nicht zu Schanden werde. Erwecke mein Herz zu reinem Glauben und inbrünstiger Liebe, daß ich deiner warten möge und dich aufnehme und dir anhange in unverbrüchlicher Trene. Stille du meine Sehnsucht, daheim zu sein bei dir allezeit. Gieb mir Willigkeit, Kraft und Geduld für dich zu wirken, so lange es Tag ist; wann aber die Toresnacht kommt, so laß mich als deinen treuen Diener heimfahren im Frieden und das Ende meines Glaubens davon bringen, nämlich der Seelen Seligkeit. Amen. Gesang.. In eigener Melodie. 1. Mit Fried' und Freud' ich fahr' dahin In Gottes Willen, Getroft ist mir mein Herz und Sinn, Sanft und stille, Wie Gott mir verheißen hat; Der Tod ist mein Schlaf worden. 2. Das macht Christus, wahr'r Gottessohn, Der treue Heiland, Den du mich, Herr! hast sehen lan Und machst bekannt, Daß er sei das Leb'n und Heil In Noth und auch im Sterben. 3. Den hast du allen vorgestellt Mit großen Gnaden, Zu seinem Reich die ganze Welt Heißen laden, Durch dein theuer heilsam Wort, An allem Ort erschollen. 91 4. Er ist das Heil und sel'ge Licht Wohl für die Heiden, Zu' rleuchten, die dich kennen nicht, Und zu weiden; 92 Erste Abtheilung. II. Abschnitt. Er ist dein's Volks Israel der Preis, Ehr, Freud' und Wonne. 12) Das Verlangen nach dem Tode. Phil. 1, 23. Ich habe Lust abzuscheiden und bei Christo zu sein. Diese Worte sprichst du Paulo nach, denn sie drücken das Verlangen deines Herzens aus. Aber ist dein Herz auch in einer ähnlichen Verfassung, wie das Herz des Apostels, als er solches Verlangen aussprach? Darüber magst du dich wohl prüfen, denn sonst wird es nicht gestillet werden. Woher entsteht die Lust in dir, von dem Schauplatze dieser Welt abzutreten und außer diesem Leibe zu wallen? Das wäre gewiß eine sündliche Lust zu sterben, die aus Ungeduld und Ueberdruß am Leben hervorgegangen. Vielleicht lebst du in drückenden Verhältnissen, vielleicht hast du mit Mangel und Noth zu kämpfen, vielleicht hast du viel Verdruß und Herzeleid auszustehen, vielleicht sind deine Plane zu Wasser geworden und deine sauren Bemühungen für dein und der Deinigen Fortkommen mißlungen, vielleicht mußt du dich mit einem stechen Leibe herumschleppen und fürchterliche Schmerzen ausstehen, oder haft Verfolgungen und andere Beschwerden zu erdulden, von denen du gerne los sein möchtest. Kommt deine Sterbenslust daher, daß es dir in der Welt nicht gehet, wie du wün 93 Das Verlangen nach dem Tode. schest, dann hat sie eine unreine Quelle: das ist die Unzufriedenheit mit Gott und den Wegen, die er dich führt, es ist der Widerwille gegen das Kreuz, das er dir aufgelegt hat und das Verlangen seiner Zuchtruthe zu entfliehen. Solches steht einem Christen aber nicht zu. Auch unter Druck und Beschwerden soll er das Leben in dieser Zeit als ein Gnadengeschenk seines Gottes achten und willig darin verharren, so lange es dem Herrn gefällig ist, soll das Kreuz annehmen und tragen in Geduld und nicht darnach trachten, c8 abzulegen vor der Zeit. Wie könntest du dich sonst noch für eine Jünger Christi ansehen, und wie dürftest du hoffen, zu Ihm zu kommen und bei Ihm zu sein allezeit? Denn wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt, und folget mir nach, der ist meiner nicht werth, spricht Er( Matth. 10, 38.). Dann aber ist deine Begierde zu sterben rechter Art, wenn sie aus einer findlichen Unterwerfung unter den Willen Gottes in dir entstanden. So war es bei Paulo der Fall. Er lag zwar in Banden und Trübsal um des Evangelii willen, aber doch wäre er gerne noch eine Zeitlang bei den Gläubigen geblieben, um ihnen zu dienen mit der geistlichen Gabe, die er empfangen hatte, und sie zu stärken. Ja, es lag ihm hart an, noch länger im Fleische zu leben und das angefangene Werk unter Erste Abtheilung. II. Abschnitt. ihnen fortzusetzen. Aber dieses Anliegen stellte er ganz unter Gottes Hand, und nachdem er erkannt, daß dieselbe ihm winke, den Schauplatz seines Wirkens auf Erden zu verlassen, da erst sprach er: Ich habe Lust abzuscheiden und bei Christo zu sein. Steigt auch in dir der Wunsch auf, daß es dir noch eine Weile vergönnt sein möge, hienieden zu bleiben, um im Dienste deines Heilandes thätig zu sein? Möchtest du dein Amtswerk weiter führen? möchtest du deinen Eltern, deinem ehelichen Gemahl, deinen Kindern noch ferner Stüße, Rathgeber und Helfer sein? Liegt so manch' schöner Plan noch unausgeführt da, und wandelt dich die Luft an, denselben zum Heile deines Nächsten zu verwirklichen? D, läugne es nicht, wie solch' ein Verlangen dich ergriffen hat! Aber siehe, Gottes Gedanken sind nicht deine Gedanken, und seine Wege sind nicht deine Wege. Er hat deinen Tagen ein frühes Ziel gesetzt und ruft dich mitten aus deiner Arbeit hinweg. Er ruft dich, da so viel liebende Herzen dich noch hier behalten möchten und du noch so gerne bei ihnen bliebest. Aber wenn du nun ihre und deine Wünsche dem Willen des Herrn aufopferst, wenn du Vater, Mutter, Weib, Kinder, Brüder, Schwestern, auch dazu dein eigenes Leben dahingiebst um seinetwillen, und du das thust mit 94 Das Verlangen nach dem Tode. Freuden, dann gebührt es dir zu sagen: Ich habe Lust abzuscheiden und bei Christo zu sein. 95 Die Lust abzuscheiden wird aber bei dem gläubigen Christen dadurch verstärkt, weil er weiß, daß er durch seinen Hingang von allen Banden der Sünde erlöset wird. Denn obgleich ihre Macht durch die Kraft des neuen Lebens in ihm gebrochen ist, so seufzt er doch noch manch Mal. mit dem Apostel: Ich elender Mensch, wer wird mich erlösen von dem Leibe dieses Todes( Röm. 7, 24.)? Nichts wünscht er so sehr, als seinem Heilande zu dienen in vollkommener Heiligkeit und Gerechtigkeit, und wie er Ihn hier im Herzen trägt und vor Ihm zu wandeln suchte, verlangt er darnach, dort bei Ihm zu sein allezeit und Ihn mit einer Liebe zu umfassen, die durch nichts mehr getrübt wird. Darum sehne ich mich mit David: Ich will schauen dein Antlig in Gerech- tigkeit, ich will satt werden, wenn ich erwache nach deinem Bilde( Ps. 17, 15.). Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir. Meine Seele dürftet nach Gott, nach dem lebendigen Gott( Ps. 42, 2. 3.). Denn es ist bes ser, selig zu sterben und zu Christo zu kommen, als hier im Fleische zu leben. Viel besser ist es für den Leib und viel besser für den unsterblichen Geist, Erste Abtheilung. II. Abschnitt. weil beide durch den Tod von allem Uebel erlöset und zum Genuß der herrlichsten Güter gebracht werden. Sehet, wie die liebende Braut, die von dem Bräutigam fern wohnt, sich um so stärker nach ihm sehnt, wenn sie in Trübfal seufzt und er an einem Orte der Freude und Herrlichkeit lebt: um wie viel mehr verlanget die liebende Seele des Gläubigen imm Thränenthal der Erde nach ihrem Heilande, der im Himmel ist und zur Rechten Gottes sitt! Sollten die, welche Christo verlobt sind und ihm angehören, nicht ein herzliches Verlangen nach ihrer Heimfahrt haben und mit Paulo bezeugen: Wir haben Lust außer dem Leibe zu wallen, und daheim zu sein bei dem Herrn. Darum sehnen wir uns auch nach unserer Behausung, die vom Himmel ist, und uns verlanget, daß wir damit überkleidet werden ( 2 Kor. 5, 8. 2.). = 96 Gebet. So entzünde du dann selbst in mir, o Herr, die rechte Begierde nach meinem wabren Vaterlande, dem Himmel. Hilf mir in Geduld laufen den Kampf, der mir verordnet ist, und freudig ausbarren an deinem Werke bienieden, so lange es dir gefällt. Lehre mich alle meine Wünsche stille und getrost unter deinen heis ligen, allein guten Willen stellen, auch den Wunsch zu leben und den Wunsch zu sterben. Gieb mir Kraft und Freudigkeit, dir alles zum Opfer zu bringen, was Das Verlangen nach dem Tode. ich habe, und erhalte mir die gute Beilage bis auf jenen Tag. Heilige meine Sehnsucht, bei dir zu sein, mein Gott und Heiland! Und wenn dein Ruf zum Scheiden an mich ergeht, dann gib mir den Sieg über den letzten Feind, den Tod. Hilf, Herr Jesu, daß ich mit dir dulde, auf daß ich auch mit dir herrschen möge in Ewigkeit. Das walte durch deinen heiligen Geist in mir. Ja, heiliger Tröster, dazu wollest du mich vollbereiten, stärken, kräftigen, gründen, auf daß ich in meiner Todesstunde mit heiliger Sehnsucht sagen kann: Ich habe Lust abzuscheiden und bei Christo zu sein! Amen. Gesang. Mel. Herzlich thut mich verlangen. 1. Ich habe Lust zu scheiden, Mein Sinn geht aus der Welt. Ich sehne mich mit Freuden Nach Zions Heimathsfeld. Weil aber keine Stunde Zum Abschied ist benennt, So hört aus meinem Munde Mein letztes Testament! 2. Gott Vater! meine Seele Bescheid' ich deiner Hand. Führ' sie aus dieser Höhle Ins rechte Vaterland. Du hast sie mir gegeben, So nimm sie wieder hin, Daß ich im Tod und Leben Nur dein alleine bin. 3. Was werd' ich, Jesu, finden, Das dir gefallen kann? Ach! nimm du meine Sünden Als ein Vermächtniß an; Geistlicher Nathgeber zc. 97 98 Erste Abtheilung. II. Abschnitt. Wirf sie in deine Wunden, Ins rothe Meer hinein, So hab' ich Heil gefunden Und schlafe selig ein. 4. Dir, o du Geist der Stärke, Laß ich den letzten Blick. Wenn Todesangst ich merke, So sieh' auf mich zurück. Ach, schrei in meinem Herzen, Wenn ich kein Glied mehr rühr', Und stell' in meinen Schmerzen Mir nichts als Jesum für. 5. Ihr Engel! nehmt die Thränen Von meinen Wangen an. Ich weiß, daß euer Sehnen, Sonst nichts, erfreuen kann. Wenn Leib und Seele scheiden, Tragt mich in Abrah'ms Schooß. So bin ich voller Freuden Und aller Thränen los. 6. Euch aber, meine Lieben, Die ihr mich dann beweint, Euch hab' ich was verschrieben: Gott, euren besten Freund. D'rum nehmt den letzten Segen. Es wird gewiß gescheh'n, Daß wir auf Zions Wegen Einander wiederseh'n. 7. Zuletzt sei dir, o Erde, Mein blaffer Leib vermacht, Damit dir wieder werde, Was du mir zugebracht. Mach' ihn zu Asch' und Staube, Bis Gottes Stimme ruft; Denn dieses sagt mein Glaube: Er bleibt nicht in der Gruft. Das Verlangen nach dem Tode. 8. Das ist mein letzter Wille. Gott drück' das Siegel d'rauf. Nun wart' ich in der Stille, Bis daß ich meinen Lauf Durch Christi Tod vollende, So geh' ich freudig hin Und weiß, daß ich ohn' Ende Des Himmels Erbe bin. &* 99 Zweite Abtheilung. Erster Abschnitt. Allgemeine Gebete für Kranke. 1) Beim Anfange der Krankheit. Sprüchw. Sal. 14, 34. Die Sünde ist der Leute Verderben. Heiliger und gerechter Gott! ich fühle und befenne vor dir meine vielfachen und großen Sünden. Wie oft habe ich deine heiligen Gebote übertreten und wie manch Mal deine freundliche Stimme überhört, die mich zur Buße rufen wollte. Von deiner Güte habe ich mich nicht finden lassen, darum liegt deine strafende Hand nun schwer auf mir, daß ich deinen wohlverdienten Zorn empfinden möge. Ich weiß es, Herr, daß ich ihn durch die Sünde auf mich geladen, und darum diese Krankheit über mich gekommen ist. Aber wie schmerzlich ihr Anfall auch für mich ist, so erkenne ich doch darin auch ein Zei chen deiner holdseligen Gnade, da du nicht willst des Sünders Tod, sondern du mich durch meine Noth und Klagen zu dir bekehren möchtest, auf daß ich lebe und nicht sterbe. Deßhalb nehme ich, du getreuer und barmherzi Beim Anfange der Krankheit. ger Gott! meine Zuflucht in dieser Krankheit allein zu dir und wende mich, im Namen deines Sohnes, meines lieben Heilandes, an dein gnädiges Vaterherz. Laß denn diese Krankheit einen recht kräftigen und gesegneten Eindruck auf meine Seele machen, gib mir vor allen Dingen wahre, ungeheuchelte Buße und Verneuerung meines Sinnes. Mache die Schläge, welche du auf meinen Leib thust, zu einer mahnenden Bußglocke für mein Herz und laß ste einen gesegneten Wecker zu meiner Bekehrung werden. Bewahre mich, Herr, vor verdammlichem Leichtsinn, daß ich den ernsten Mahnboten, den du zu mir geschickt, nicht verkennen und den Reichthum deiner Langmüthigkeit nicht verachten möge. Drücke mir durch die Schmerzen, welche ich erleide, einen tiefen Ernst ein vor der Sünde, daß ich je mehr und mehr davor erschrecke und mich unter deine gewaltige Hand beuge und demüthige. Gib mir, Herr Jesu, den nöthigen Glauben, daß ich in völliger Zuversicht deine Gnade ergreife, einzig und allein mein Vertrauen setze auf deine Verdienste und mich dir ganz ergebe im Leben und im Sterben. Begnadige mich mit dem Geiste des Gebets, daß ich die Zeit, in der ich von äußerer Arbeit ruhen muß, mit herzlichem Seufzen und brünstigem Flehen zu dir hinbringen könne. Ja, dein guter Geist versiegle mich mit dem Troste der Versöhnung, die du 101 Zweite Abtheilung. 1. Abschnitt. auch für mich armen Sünder am Kreuze erworben hast. Hilf mir, daß ich Barmherzigkeit erlange und Gnade finde zur Zeit, wo mir Hülfe noth ist. Unterweise mich, du allein weiser Gott, daß ich alle meine Anliegen in findlichem Vertrauen unter deine Hand stelle. Und wie ich weiß, daß an deinem Segen alles gelegen ist, so segne denn auch nach deinem treuen Rathe und Wohlgefallen alles, was zur Genesung meines Leibes angewandt wird. Gieb mir, Herr Jesu, deine Geduld im Leiden und mache mich willig und ergeben, auch wenn meine Schmerzen noch zunehmen sollten. Schaffe in und mit mir, was vor dir wohlgefällig ist und heilige mich durch und durch an Geist, Seel' und Leib. Laß diese Krankheit nicht zum Tode sein, sondern daß du, mein getreuer Heiland, der du alles heilen kannst, dadurch gepriesen werdest. Kein Rath, kein Arzenei, Kein Heule noch Geschrei, Kein Bruder kann mich machen frei. In aller Welt ist nichts, das endlich mich erhält. Ach Gott! wenn alles mich verläßt, So thue du bei mir das Best'. Amen. 102 2) Ein anderes Gebet im Anfange der Krankheit. Sir. 18, 13. Gott straft und züchtiget, er lehrt und pfleget, wie ein Hirt seine Heerde. Herr! ich bin frank und elend und der Schmerz wühlt in meinen Gebeinen. Meine Kräfte vertrock Ein anderes Gebet im Anfange der Krankheit. 103 nen, wie es im Sommer dürre wird, denn deine Hand liegt schwer auf mir. Ach, mein Gott! was ſoll ich sagen? Nichts kommt von ungefähr; du sprichst, so geschieht's, du gebeutst, so stehet es da. Du bist gerecht in allen deinen Wegen und heilig in allen deinen Werken. Daher erkenne ich, daß, wenn du mich auch noch so hart heimsuchen wolltest, du mir dennoch kein Unrecht thun würdest. Ich weiß es ja wohl, daß ich nicht nur diese Krankheit mit meinen Sünden verdient habe, sondern auch den Tod, nicht nur den zeitlichen, sondern auch den ewigen. Aber, o Herr! siehe mich an in Gnaden und verwirf mich nicht von deinem Angesicht. Ich komme zit dir, mein Gott, im Geleite meines einigen Hohenpriesters, der sich für meine, ja für der Welt Sünden geopfert hat. Heile mein zerrissenes Herz mit den Wunden, die mein Jesus getragen, und gib mir die Erlösung und den Frieden, die er am Kreuze für mich errungen hat. Es ist mir unbekannt, o Herr! was du noch über mich verhänget hast, ich weiß es nicht, ob meine Schmerzen ab- oder zunehmen werden, auch nicht, ob ich wieder besser werden oder sterben soll. Mache es mit mir, wie es dir wohlgefällt; bleibe du nur bei mir und laß deine Züchtigung mir zum ewigen Segen dienen. Entziehe mir in meiner Krankheit nicht die Mahnung, aber auch nicht den Zweite Abtheilung. I. Abschnitt. Trost deines Evangeliums, pflege du mich, du guter Hirt, und mache mich voll Muth und Zuversicht, daß mich keine Plage und keine Noth aus deiner Hand reiße. Ach, Herr! ich bitte dich, verlaß mich nicht. Ich halte dir vor deine Verheißung: Fürchte dich nicht, ich bin bei dir; weiche nicht, ich bin dein Gott; ich stärke und erhalte dich; ich helfe dir auch durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit( Jes. 41, 10.). Und hinwiederum: Ich will dich nicht verlassen, noch versäumen( Ebr. 13, 5.). Dies, Herr, ist dein Wort, und du bist der treue und wahrhaftige Zeuge. Auf dich allein verlasse ich mich. Mit dir kann ich alles tragen und dulden und durch dich alle Schmerzen und Fährlichkeiten weit überwinden, ja durch die Kraft deiner Gnade muß aus aller Traurigkeit eine friedsame Frucht der Gerechtigkeit aufwachsen für die, welche dich lieb haben. Dankbar und demüthig nehme ich diese Züchtigung aus deinen Händen, denn sie macht, daß ich dich, Herr, eifriger suche, mein Vertrauen von aller Kreatur abziehe und es allein auf dich seße. Sie treibet mich, daß ich mein Herz von den eitlen Dingen dieser Welt abreiße und mit neuem Eifer trachte nach dem, was droben, was unvergänglich und herrlich ist. mir ferner bei in diesem Trachten, hilf mir, daß ich Stehe 104 2 Gebet in anhaltender Krankheit. die gute Beilage empfange und bewahre, auf daß ich dich für die Liebe, die du mir in meiner Krankheit erweisest, preisen möge in Ewigkeit. 105 Ich kenne deine Liebe, mein Heiland! mir zum Trost: Ich weiß, wie sie dich trieb, daß du dein Blut vergoss'st; Auf diese kann ich sterben, ich fürchte kein Verderben, Noch daß du mich verstoß'st. O Liebe, Wunderliebe! ich hänge mich an dich; Und wenn ich einst zerstiebe, Erweckst du dennoch mich. Liebst du uns schon auf Erden: Was wird's im Himmel werden! Du liebst ja ewiglich! Amen. 3) Gebet in anhaltender Krankheit. Psalm 6-3-5. Herr, sei mir gnädig, denn ich bin schwach: beile mich, Herr, denn meine Gebeine sind erschrocken, und meine Seele ist sehr erschrocken. Ach! du Herr, wie so lange? Wende dich, Herr, und errette meine Seele; hilf mir um deiner Güte willen. Du getreuer Schöpfer und Erbarmer! dir sollen alle, die da leiden, ihre Seelen befehlen in guten Werken. Ich liege auch hier vor deinem heiligen Angesicht in großen Leiden und Schmerzen, und sehe noch keinen Ausgang daraus. Siehe, Herr mein Gott! in deinen Händen liege ich, unter deiner Gewalt leide ich, dein Grimm drücket mich, daß nichts Gesundes ist an meinem Leibe und fein Friede in meinen Gebeinen von meiner Sünde. Ach Herr, wie fühle ich mich so schwach! Wie so &** Zweite Abtheilung. 1. Abschnitt. lange läsfest du mich leiden! Suche ich etwa, du allwissender Gott! meine Sünden dir zu verschweigen und nicht rechtschaffene Buße zu thun? Steckt noch eine heimliche Verkehrtheit in meinem Herzen? D! so gib mir sie doch aus Gnaden zu erkennen, damit ich einsehe, warum du mich also züchtigest, da du die Menschen ja nicht von Herzen plagest noch betrübest. Oder willst du mich läutern und außerwählt machen in diesem Ofen des Elends? Willst du meinen Glauben prüfen, ob er auch so rechtschaffen sei, daß er Geduld wirke, und ob diese Geduld fest bleiben werde bis ans Ende? Ach Herr! du weißt am besten deine heiligen Absichten, du allein, was mir gut ist; drum sei es dir auch heimgestellt, mache es mit mir, wie es dir wohlgefällig und mir heilsam ist. Gib mir deinen heiligen Willen in allem zu erkennen, zu lieben und anzubeten, damit du nur deinen Zweck an mir erreichen mögest. Laß mein langwieriges Krankenlager gesegnet sein zu stiller und ernster Betrachtung meines ganzen Lebens, zu täglicher Bußübung, zum Gebet, zur Erwägung deiner Güte, die besser ist denn Leben und zur Erbauung derer, die mein Elend sehen, auch zu rechter Bereitschaft auf ein seliges Ende. Verwandle mir meine Schwachheit in eine heilsame Seelenarzenei, meine Schmerzen in dein Lob, mein Sterben in dein Leben. Bewahre mich 106 Gebet in anhaltender Krankheit. vor schweren Anfechtungen des Versuchers, und wenn du mich ja damit willst üben lassen, so hilf mir doch endlich gewinnen und den Sieg behalten. Habe Geduld, o lieber züchtigender Vater! mit aller meiner Schwachheit und Ungeduld; züchtige mich mit Maßen und nicht in deinem Grimm, daß du mich nicht aufreibest. Sei mir gnädig, denn ich bin schwach. Du weißt es ja, daß mein Fleisch nicht ehern, noch meine Kraft eisern ist. Darum wirst du mir auch nicht mehr auflegen, als ich tragen kann. Heile du mich, der du mich geschlagen, so werde ich heil; hilf du mir, so wird mir geholfen. Denn ich erfahre es ja, daß mich weder Kraut noch Pflaster heilet, sondern dein Wort, Herr! welches alles heilet. 107 Lehre du mich durch deinen Geist aus solcher Erfahrung in Geduld meine Hoffnung von allen Kreaturen abziehen und allein auf dich seßen, der du allein der rechte Arzt bist, der auch vom Tode errettet. Benedeie mir mein Leiden zu kräftiger Stärkung des Glaubens und der Liebe, sammt der Hoffnung und Gelassenheit. Hilf, Herr, daß mir meine Trübsal Geduld bringe, die Geduld Erfahrung und die Erfahrung Hoffnung, die nicht läßt zu Schanden werden. Laß endlich, mein Gott, wenn das bestimmte Maß meiner Leiden voll sein wird, den seligen Tag meiner Erlösung anbrechen, Zweite Abtheilung. I. Abschnitt. daß ich zu dem ewigen und herrlichen Leben der vollendeten Gerechten eindringe. Also geschehe es mir aus lauter Gnaden, jeßt und allezeit durch meinen einigen Mittler und Heiland, Jesum Christum, kraft des höchsten Trösters in aller Noth! Amen. 108 Mußt du hier: wie lange? fragen; Warte nur, Gottes llbr Wird schon einmal schlagen: Und alsdann wirst du empfinden, Daß das Leid dieser Zeit Ewig muß verschwinden. Suche durch Geduld und Hoffen Stark zu sein; schick' dich d'rein, Bis dein Ziel getroffen; Es wird einst die Angstfluth schwinden Und du dort einen Port Voller Ruhe finden. 4) In Anfechtung. Ebr. 4, 15. Wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte Mitleid haben mit unserer Schwachheit, sondern der versucht ist allenthalben gleich wie wir, doch ohne Sünde. Ach, Herr! die Angst meines Herzens ist groß, ich muß dir offenbaren meine Noth und das Anliegen meiner Seele. Du, Herr, der du in das Verborgene siehest, bist auch um mich auf meinem Kranfenbette und weißt es, wie übel ich vom Satan geplagt werde. Bald wird er mich überreden, daß In Anfechtung. du dich gegen mich in einen Grausamen verwandelt hast, und spricht zu mir: Hältst du noch fest an deiner Frömmigkeit? Ja, entsage Gott, und stirb. Bald will er mich zweifelhaft daran machen, Herr Jesu, daß du auch für mich dein Leben gelassen und mich durch dein Blut erlöset habest. Bald flüstert er mir zu, daß meine Sünden größer seien, denn daß sie mir könnten vergeben werden. Bald will er mir den Trost einer seligen Auferstehung rauben, und bald sucht er mein Herz durch andere böse Gedanken in Verzweiflung zu bringen. Darum komme ich zu dir, mein gekreuzigter Heiland, der du ja selber versucht wardst und daher um so mehr Mitleiden haben kannst mit meiner Schwachheit. Laß mich an deinem Gnadenthron Erhörung finden, und reiche mir deine Hülfe zur Zeit, wo mir Hülfe so sehr noth ist. Fache du an das glimmende Tocht meines Glaubens, daß ich mich nicht weigere der Trübsal, sondern deine Liebeshand auch in der Züchtigung fühlen und finden möge. Stärke mich durch die Kraft deines heiligen Geistes, daß ich meine Seele fasse in Geduld, und an deinem Vorbilde es lernen möge, dem Vater im Himmel getreu zu sein bis in den Tod. Umgib mich mit deinem Schilde, daß mich die Pfeile des Bösewichts nicht verwunden, sondern daß ich möge Widerstand leisten und das Feld behalten. Laß dein 109 Zweite Abtheilung.. Abschnitt. Wort mir zu Herzen gehen: Des Menschen Sohn ist gekommen zu suchen und selig zu machen, das verloren ist. Ach, lieber Herr! meine Sünde ist wohl groß und meine Missethat ist mir über das Haupt gewachsen; aber du verheißest ja: Wenn eure Sünde gleich blutroth ist, soll sie doch schneeweiß werden, und wenn sie gleich ist wie Rofinfarbe, soll sie doch wie Wolle werden. Du Herr! bewahrest Gnade in tausend Glied, und vergibst Missethat, Uebertretung und Sünde. Ja, um unserer Missethat willen bist du verwundet, und um unserer Sünde willen zerschlagen, und wo die Sünde mächtig geworden, da ist doch deine Gnade noch viel mächtiger geworden. Das ist mein Troft und meine Zuversicht. So hilf mir denn in meiner Noth, du einiger Hoherpriester! denn darinnen du gelitten haft und versucht bist, kannst du helfen denen, die versucht werden. Erquicke mich durch die selige Gewißheit, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, und daß die Leiden dieser Zeit nicht werth sind der Herrlichkeit, die dort an denen soll offenbaret werden, die deine Erscheinung lieb haben. Laß mich nicht unterliegen, sondern im Tode einen völligen Sieg davon tragen. D, wie lieblich bringt in mein Herz dein Wort: Ich lebe, und ihr sollt auch leben, und das andere: Vater, ich will, daß, wo ich 110 Um Linderung der Schmerzen. bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, daß sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast, denn du hast mich geliebet, ehe denn die Welt gegründet ward. Dort ist der Stuhl gesetzt, Der uns mit Trost ergötzt, Besprengt mit Chrifti Blute, Den Traurigen zu gute, Die sich mit Ren' und Thränen Nach der Versöhnung sehnen! Dort ist der Gnadenquell, Ach eile! eile schnell, Wie sonst die Hirsche dürsten, Zu deinen Gnadenfürsten; Er hat ein Wort voll Leben: Die Sünden sind vergeben! Ei nun, so walle fort, Dein Jesus wartet dort; Sobald du ihn wirst sehen, Darfst du fünf Worte flehen: Gott sei mir Sünder gnädig! Das macht von Sünden ledig. Amen. 5) Um Linderung der Schmerzen. Hiob 16, 6. 111 Wenn ich schon rede, so schonet meiner der Schmerz nicht; lasse ich es anstehen, so geht er nicht von mir. Allmächtiger Gott, himmlischer Vater! du hast gesagt: Rufe mich an in der Noth, so will ich dich erretten, so sollst du mich preisen; darum schreie ich zu dir in meinen großen Schmerzen, und bitte dich Zweite Abtheilung. I. Abschnitt. durch Jesum Chriftum, deinen lieben Sohn, du wollest mich armen Menschen nicht verlassen. Was ist meine Kraft, daß ich möge beharren? Ind welches ist mein Ende, daß meine Seele geduldig sein sollte? Ist doch meine Kraft nicht steinern, und mein Fleisch nicht ehern. Ach Gott! du kennst meine Ohnmacht und weißt, daß ich Staub und Asche bin. Meine Last wird mir fast zu schwer und schier vergehe ich in meinem Elende; es ist wie ein Brand in meinen Gebeinen, daß ich so lange harren muß auf meinen Gott. Ich bin so müde von Seufzen, ich schwemme mein Bette die ganze Nacht, und nehe mit meinen Thränen mein Lager. Meine Gestalt ist verfallen vor Trauern und ist alt geworden, denn ich werde allenthalben geängstet. Ach, Herr! verzeuch nicht länger mit deiner Hülfe, du weißt es, wie wehe mir ist. Mache mir meine Schmerzen erträglich und lindere meine große Noth. Du bist ja ein getreuer Gott und willst uns nicht versucht werden lassen über unser Vermögen, sondern machen, daß die Versuchung so ein Ende gewinne, daß wir's fönnen ertragen. Laß diese Verheißung auch an mir wahr werden, und erleichtere mir mein Kreuz, daß ich es tragen möge mit Geduld und an deiner Barmherzigkeit nimmermehr verzagen. Und sollte es dir gefällig sein, daß ich noch länger Schmerzen leide, so erweise du dich mächtig in meiner Schwach112 Um Linderung der Schmerzen. heit, daß ich aushalten kann, was du mir auferlegt, und mache mich fröhlich in Hoffnung, daß alle treuen Dulder, die mit Thränen säen, mit Freuden ernten werden. Ach Herr Jesu! sprich nur ein Wort, so werde ich gesund, und frei von Schmerzen. Aus der Tiefe rufe ich, Herr! zu dir; laß deine Ohren merken auf die Stimme meines Flehens, meine Seele wartet auf den Herrn und auf seine Hülfe, von einer Morgenwache bis zur andern; denn ich weiß, bei dem Herrn findet man Hülfe. Hilf mir, Gott meines Heils! um deines Namens willen. Gib mir unter der schweren Last auch Stunden der Ruhe und der Erquickung, und laß mich bei allem, was du über mich bringst, nichts von dir scheiden, o theuerster Heiland, sondern mache mich fest in der seligen Zuversicht, daß du mich endlich erlösen werdest von allem Uebel und mir außshelfen zu deinem himmlischen Reich. Amen. Schau' deinen Heiland gläubig an; Wenn niemand dich erquicken kann, So schütte du in seinen Schooß Dein Herz aus, seine Huld ist groß. Einst hat auch er, der Menschenfreund, Im Thränenthale hier geweint; Auf deine Thränen giebt er Acht Und dir zu helfen hat er Macht. Und helfen will er, zweifle nicht! Er hält getreu, was er verspricht, Du sollest nicht verlassen sein, Dies laß dein sorgend Herz erfreu'n. 113 114 Zweite Abtheilung. 1. Abschnitt. 6) 3uflucht zum Vaterherzen Gottes in schwerer Krankheit. 2 Sam. 22, 3. Gott ist mein Hort, auf den ich traue, mein Schild und Horn meines Heils, mein Schuß und meine Zuflucht. Zu dir, du getreuer und starker Gott! mache ich mich auf in meiner großen Noth. Es ist ja keiner, der meine Leiden und Schmerzen so kennt, wie du. Du, der du in das Verborgene stehst, weißt es allein, wie mir schwachem Geschöpf zu Muthe ist. Aber es ist auch niemand, der solches Mitleid mit mir haben kann; denn du, o gnädiger Gott! bist mein getreuer Vater in Christo. Du züchtigest mich wohl hart, aber willst mich nicht verderben, du hast meinem Leibe großen Schaden bereitet, daß meine Seele geheilet werde. Ach Herr! verhilf mir dazu in Gnaden. Von Jugend auf hast du mich auf Händen der Liebe getragen, umgib mich auch jetzt in meiner großen Noth mit deinem Schilde, und laß mich Trost und Stärkung finden an deinem treuen Herzen. Wenn ein Schäflein gejagt wird, dann fliehet es zu seinem Hirten, und wenn ein Kind geängstigt wird, dann eilet es zu seinem Vater. Darum komme ich auch jetzt zu dir, mein Hirt und mein Vater! Du hast mir ja befohlen: Rufe mich an in der Noth, und mir zugesagt: Ich will Zuflucht zum Vaterherzen Gottes in schwerer 2c. 115 dich herausreißen. Du sprichst mir zu: Fürchte dich nicht, ich bin bei dir; weiche nicht, ich bin dein Gott, ich stärke dich, ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit; ich will dich nicht verlassen noch versäumen. Denn es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen. Nun, du großer Gott! jeßt ist die Zeit, wo mir Hülfe noth thut, so stehe mir denn in Gnaden mächtig bei, jetzt tröste mich kräftig mit deiner Hülfe, jetzt weiche nicht von mir, jetzt verlaß mich nicht. Ich weiß, ich bin nicht verlassen, du läsfest mich nicht alleine, du bist mein Vater, ich bin dein Kind, du liebest mich. Ach! erquicke mich in meinem Leiden, laß mich hören Freude und Wonne, daß die Gebeine fröhlich werden, die du zerschlagen hast. Errette mich, Herr! durch deine starke Hand, und erweise dich mächtig in meiner Schwachheit; decke mich mit den Flügeln deiner Gnade, daß kein Unfall mich stürze, wie groß er auch ist. Wenn ich seufze in meinem Elende: Der Herr hat mich verlassen, der Herr hat meiner vergessen so sprichst du: Kann auch ein Weib ihres Kindleins vergessen, daß sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? Und ob sie desselbigen vergäße, so will ich doch deiner nicht vergessen. Siehe, in die Hände habe ich dich gezeichnet. O Zweite Abtheilung. I. Abschnitt. Gott! versiegle diesen Trost in meinem Herzen, daß ich geduldig bin in Trübsal und mich nichts von dir abreiße. Was betrübst du dich denn, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken, daß er meines Angesichts Hülfe und mein Gott ist. 116 Seele, sei zufrieden! Was dir Gott beschieden, Das ist alles gut; Treib' aus deinem Herzen Ungeduld und Schmerzen, Fasse frischen Muth. Ist die Noth dein täglich Brot, Mußt du weinen mehr als lachen: Gott wird's doch wohl machen. Amen. 7) Ergebung in den Willen, Gotles. Matth. 26, 39. Mein Vater! ist es möglich, so gehe dieser Kelch von mir; doch nicht wie Ich will, sondern wie Du willst. O du allmächtiger und barmherziger Gott! stehe, ich leide Bein in meiner schweren Krankheit. Das Kreuz liegt hart auf mir, es ist dein Wille, daß ich schmachte in meinem Elend. Aber, was du thust, das ist wohlgethan. Wohlan denn, da es also dein Wille ist, soll es auch der meinige sein. Was dir gefällt, soll auch mir gefallen, denn dein Wille und mein Wille soll nur ein Wille sein. Nach deinem Willen bin ich in die Welt gekommen, ich will auch hinausgehen, wann es dir gefällt. Nach deinem Ergebung in den Willen Gottes. Willen bin ich lange gesund gewesen, nach deinem Willen will ich auch nun frank sein, so lange du es für meine Seele als heilsamlich erkennest. Ja, mein Gott! wenn ich wider deinen Willen könnte gesund werden, so wollte ich's doch nicht thun, sonbern lieber auf meinem Krankenbette deinen gnädigen Rathschluß vollbringen. D, mache meine Seele stille und ergeben, daß ich mit meinem lieben Heilande von ganzem Herzen zu dir bete: Vater, nicht mein, sondern dein Wille geschehe! Soll ich noch länger auf dieser Welt leben, so will ich dich noch länger loben, und jeden Tag, den du mir hier noch schenkst, in wahrer Gottseligkeit zu deiner Ehre hinbringen. Gefällt es dir aber, daß ich von diesem Lager nicht soll aufkommen, sondern daß ich an dieser Krankheit sterben soll, dann mache du mich bereit zu einem seligen Sterben. Ich weiß es, daß ich diese Hütte des Leibes einmal ablegen muß; aber ich weiß es auch, daß du deinen Gläubigen einen Bau bereitet hast, der nicht mit Händen gemacht, der ewig ist im Himmel. Im Himmel ist mein Erbe, mein Vaterland, mein Bürgerrecht; sollte ich mich nicht freuen, das mir erworbene Erbe einzunehmen, in mein Vaterland zu eilen und die Herrlichkeit der Kinder Gottes zu genießen? Habe ich Ursache, um Erhaltung und Verlängerung meines Lebens zu bitten, so liegt mir doch 117 Zweite Abtheilung. 11. Abschnitt. beides hart an, ob es nicht besser werde, aufgelöst zu werden, und bei Christo zu sein und meinen Heiland zu schauen, den ich lieb gehabt habe, obgleich ich ihn nicht gesehen. Darum, o Gott! überlasse ich dir alles; du allein weißt es, was mir heilsam ist. Siehe, hier bin ich, thue mit mir, was dir wohlgefällt! 118 Herr, wie du willst, so schick's mit mir, Im Leben und im Sterben; Zur dir allein steht mein Begier, Laß mich, Herr! nicht verderben. Erhalt' mich nur in deiner Huld; Sonst, wie du willst, gieb nur Geduld, Dein Wille ist der beste. Amen. Zweiter Abschnitt. Gebete in gewissen Zeiten und Umständen. 1) Tägliches Morgengebet eines Kranken. Psalm 55, 17. 18. Ich will zu Gott rufen und der Herr wird mir helfen. Des Abends, Morgens und Mittags will ich klagen und heulen, so wird er meine Stimme hören. Herr! wenn ich erwache, so rede ich von dir, denn du bist mein Schild und mein sehr großer Lohn. Deine Treue ist groß, und deine Barmherzigkeit ist alle Morgen neu. Das erfahre ich auch jetzt wieder. Mitten in der Dunkelheit der Nacht Tägliches Morgengebet eines Kranken. hat deine schirmende Vaterhand mich umgeben und deine Rechte mich bewahret, daß ich das Licht dieses Tages wieder anschauen kann. Wie viel Jammer und Elend hätten mich in dem Schatten der Nacht treffen, und wie leicht hätte ein schneller Tod mich hinraffen können. Aber dein Aufsehen hat bewahret meinen Odem und behütet meine arme Seele, daß sie nicht verderbe. Darum lobsinge ich deinem heiligen Namen und preise dich, Herr, daß du so gerne hilfft. Weiche auch heute nicht von mir, sondern stehe mir mächtig bei in allen meinen Nöthen. Laß mir das Kreuz nicht zu schwer werden, daß ich's mit Geduld tragen möge und an deiner Barmherzigkeit nimmermehr zweifle. O liebster Jesu! der du des Kreuzes Pein für mich gelitten, besprenge mich mit deinem theuern Versöhnungsblute, und tilge alle meine Sünden. Laß meinen Glauben an dich nicht untersinken und nichts mich scheiden von deiner Liebe. Kleide mich in den Rock deiner Gerechtigkeit und tröste mich mit dem Zeugniß deines heiligen Geistes in meinem Herzen, daß ich ein Kind Gottes und selig sei in der Hoffnung meines himmlischen Erbes. Mache mich los von allen Eitelkeiten der Welt und tödte alle Lüfte des Fleisches, die sich noch in mir rege wollen. Mache die Schmerzen meines Leibes zu einer heilsamen Arznei für meine Seele, und laß mich in allem, 119 Zweite Abtheilung. II. Abschnitt. was mir heute begegnet, die Kraft deiner Gnade reichlich erfahren. Dir übergebe ich mich ganz und gar. Siehe, hier bin ich, Herr! mache es mit mir, wie es dir wohlgefällt. Du trugst unsere Krankheit und ludst auf dich unsere Schmerzen, so laß denn auch mir den ganzen Segen deines blutigen Leidens und Sterbens zu gute kommen. In dir habe ich das Leben und volle Genüge. Herr, deine Gnade walte über mir heute und immerdar, Amen! 120 Dies Eine bitt' ich, heile nur Die Wunden meiner Seelen. Wenn auch im Leiblichen die Kur Und alle Mittel fehlen; Denn lebt der Geist in dir, mein Gott, So soll der Mund auch in dem Tod Doch deine Güte preisen. 2) Morgengebet nach einer ruhigen Nacht. Psalm 36, 8. Wie theuer ist deine Güte, Gott, daß Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel trauen! Barmherziger und getreuer Gott! ich danke dir, daß du mich diese Nacht so sanft und sicher haft ruhen lassen. Du hast erquicket meine Gebeine und gestillet mein Ungemach. O du Gott der Liebe! ich danke dir für deine Liebe; o du starker und allmächtiger Gott! ich danke dir für deinen Schutz und deine Hülfe; o du allwissender und gnadenreicher Gott! ich danke dir, daß dein Auge über mir Morgengebet nach einer ruhigen Nacht. gewacht und deine Gnade mich behütet hat. Ich will auch für die Zukunft mein Vertrauen ganz und getroft auf dich setzen. Du bist mir ja allezeit nahe mit deiner Hülfe, du hörest das Verlangen der Elenden, und verläsfest nicht, die dich, Herr, suchen. So thue auch ferner an mir nach deiner großen Barmherzigkeit. Wie die Sonne über mir aufgeht, laß auch deine Gnade neu aufgehen über mir. Segne nach deinem Wohlgefallen alles, was von Menschen geschieht, um mich wieder gesund zu machen und erlöse mich bald von meinen Schmerzen und meiner Krankheit. Ist die Züchtigung aber noch länger für meine Seele nöthig, dann fahre fort mich zu läutern im Schmelztiegel der Trübfal, und läutere mich von allen Schlacken der Bosheit, daß mein Glaube bewähret werde, wie das reine Gold. Versiegle du mich nur mit dem Troste deines heiligen Geistes, daß mich nichts aus deiner Hand reiße, sondern ich mit dir, meinem Heilande, vereinigt bleibe in Noth und Tod auf den herrlichen Tag deiner Zukunft. D! wenn ich dich nur habe, dann frage ich nichts nach Himmel und Erde. Du bist mein Hort, darum falle ich nicht, du bist der Geringen Stärke und giebst den Müden Kraft, meine Zuflucht bist du, Herr, in der Noth. Mache mir in meiner Krankheit dein Wort besonders theuer, reiche mir daraus einen Spruch nach dem andern, Geistlicher Rathgeber 2c. F 121 Zweite Abtheilung. II. Abschnitt. daß mein inwendiger Mensch sich verneuere von Tage zu Tage und ich erquickt werde zum ewigen Leben. Laß mich diesen Tag hinbringen in deiner Furcht, und an demselbigen stets erfahren deine treue Liebe, so will ich auf den Abend rühmen deine Güte und preisen deine Barmherzigkeit für alles, was du an mir gethan haft. Erhalte mich, Herr! in rechter Anrufung, heilige mich, himmlischer Tröster! mit wahrer Zuversicht, weiche nicht von mir in meiner letzten Noth, du getreuer Gott! und wenn mein Stündlein kommt, so hilf mir aus zu deinem himmlischen Reich. 122 Meinen Leib und meine Seele Sammt den Sinnen und Verstand, Großer Gott, ich dir befehle Unter deine starke Hand; Herr, mein Schild, mein Ehr' und Ruhm, Nimm mich auf, dein Eigenthum. Deinen Engel zu mir sende, Der des bösen Feindes Macht, List und Anschläg' von mir wende Und mich halt' in guter Acht; Der auch endlich mich zur Ruh' Trage nach dem Himmel zu. Amen. 3) Morgengebet nach einer unruhigen Nacht. 5 Mos. 28, 66. Nacht und Tag wirst du dich fürchten, und deines Lebens nicht sicher sein. Des Morgens wirst du sagen: Ach, daß ich den Abend erleben möchte! Des Morgengebet nach einer unruhigen Nacht. 123 Abends wirst du sagen: Ach, daß ich den Morgen erleben möchte! Ach Gott! es ist doch ein elend jämmerliches Ding um aller Menschen Leben. Nach einer schmerzlichen und schrecklichen Nacht, die ich auf meinem Krankenlager zugebracht, trete ich diesen Tag mit neuer Angst und Besorgniß an. Ich habe nicht allein die Stunden, sondern beinahe die Minuten der Nacht gezählt, bis es Morgen würde, und nun ich diesen erblicke, komme ich wohl, um dir, mein Gott, zu danken, daß du mich bis hieher so gnädiglich geführt hast, aber ich verlange auch schon wieder nach dem Abend, daß meine Leiden näher zum Ende kommen. Herr! deine Hand liegt noch immer schwer auf mir, und auch dieser Morgen hat mir neue Plagen gebracht. Nun Herr! weß soll ich mich trösten? Das Verlangen der Elenden hörest du, Herr! ihr Herz ist gewiß, daß dein Ohr darauf merkt. Das ist mein Trost, daß ich in Christo, meinem lieben Heilande, Zuflucht habe zu deiner grundlosen Barmherzigkeit. Daher wirst du mir auch geben, mein Vater, was ich in seinem Namen von dir bitte. Ach! um Trost ist mir oft so bange; verlaß mich doch nicht in meinem Elend und in meiner Schwachheit. Mache mir, Herr, die Leiden, die du mir für den heutigen Tag zugedacht haft, erträglich, und segne sie mir zu einer rechtF* Zweite Abtheilung. II. Abschnitt. schaffenen Bußübung, daß ich dadurch kräftiglich zu dir möge gezogen werden. Wenn du das thust, du gnadenreicher Gott! dann bin ich geborgen, dann ist auch die längste Krankheit ein großer Gewinn für mich und dann müssen auch die empfindlichsten Schmerzen mir zum Besten dienen. Ach Herr! die Züchtigung, mit der du mich heimsuchest, ist hart, aber ich will die Liebe und den Segen nicht verkennen, die du mir darin zuwendest. Gieb, daß ich auf alle deine Gnadenzüge fleißig achte und das Werk deines Geistes an mir nicht hindere durch Ungeduld, sondern daß ich ihm willig Raum gebe in meinem Herzen. Deiner Gnade übergebe ich mich jetzt auf's neue, sie ist besser denn das Leben; auf dich, Herr, warte ich von einer Morgenwache bis zur andern. O laß mein Harren nicht vergeblich sein! Hilf, daß ich auch heute mein Herz je mehr und mehr losreiße von der Eitelkeit dieser Welt, und reicher werde an den himmlischen Schäßen, die mir in Noth und Tod nicht können genommen werden. Sprich, Herr, wenn es dir gefällig ist, nur ein Wort, daß ich wieder gesund werde, oder erquicke meine Seele doch mit deinen Tröstungen, daß ich mich in dir freuen möge. Das ist doch das Höchste und Beste, daß meine Seele ge= nese. Wasche mich rein von meinen Sünden durch dein Blut, heilige mich durch deinen Geist, daß ich 124 Tägliches Abendgebet. mich verneuere im Geiste meines Gemüths, daß ich geduldig sein möge und fröhlich in Hoffnung. Erhalte mich, Herr Jesu! in deiner Gnade, bis der Tag meiner Erlösung anbrechen wird, und ich zum Anschauen deiner Herrlichkeit komme, wenn ich erwache nach deinem Bilde. Du kannst es thun, drum will ich hoffen: Du willst es thun, so trau ich drauf. Dein Priesterberze steht mir offen, Und du nimmst meinen Seufzer auf. Dein Wort ist mir ein sichres Pfand: Da stärkt mich Gottes rechte Hand. Amen. 4) Tägliches Abendgebet. Luc. 24, 29. 125 Bleibe bei uns, Herr! denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneiget. Ach du barmherziger Gott! ich habe nun abermals einen Tag verlebt. Herr, Herr! du hast bis auf diese Stunde mein Leben gefristet und deine Güte an mir neu werden lassen; dafür sage ich herzlich Lob und Dank deiner Vatertreue. Insbesondere preise ich deinen heiligen Namen, daß du diesen Tag mir meine Schmerzen und Krankheit haft tragen helfen. Ach Herr! du legest eine Last auf, aber du hilfft sie auch tragen. Wir haben an dir einen Gott, der da hilft, und einen Herrn Herrn, der vom Tode errettet. Der Herr betrübet wohl, aber er erbarmet sich wieder nach seiner großen Güte. Der Herr ist gnädig, gütig und freund Zweite Abtheilung. II. Abschnitt. lich allen denen, die ihn anrufen. Er hört das Schreien der Elenden, und weigert nicht, was ihr Mund bittet. Ach du großer Gott! die Nacht bricht herein und es will Abend werden, darum wende ich mich zu dir in meinem Gebete, und spreche: Mein Vater! bleibe bei mir, und weiche diese Nacht nicht von mir. Wende von mir ab alle gefährlichen und plößlichen Zufälle, lindere meine Schmerzen, bewahre mich vor Schrecken, Angst und Unfall. Ach himmlischer Vater! bleibe doch bei deinem franken Kinde. Wenn du mit deiner Gnadengegenwart mich erfreust, so fürchte ich mich nicht. Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wein sollte ich mich fürchten? Der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen? Herr Jesu! die Sonne geht unter und weicht von uns; du aber, du ewige Sonne der Gerechtigkeit! weiche nicht von mir! Gieb, daß ich mit dir einschlafe, und im Schlafe mich erfreue an deinem vergoffenen Blute und an deinen Wunden, und darin Vergebung der Sünden, Trost und Erquickung finde für meine Seele. O du werther heiliger Geist! es geht jetzt jedermann von mir, aber du Tröster der Betrübten und Beistand der Elenden, bleibe du bei mir, stärke mich, erhalte mich im wahren Glauben, in der Geduld und im Frieden. O du dreieiniger Gott! bedecke mich mit den Flügeln deiner Gnade, 126 Abendgebet nach einem guten Tage. und nimm mich in deinen allmächtigen Schuß. Der Herr segne mich und behüte mich, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über mich und sei mir gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht auf mich, und gebe mir Frieden. Sollt' diese Nacht die letzte sein In diesem Jammerthal, So nimm mich in den Himmel ein Zur auserwählten Zahl: Herr! also leb' und sterb' ich dir, Du starker Zebaoth! Im Tod und Leben hilf du mir Aus aller Angst und Noth. Amen. 127 5) Abendgebet nach einem guten Tage. Psalm 63, 7. Wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich: wenn ich erwache, so rede ich von dir. Allmächtiger und getreuer Gott, Vater unseres Herrn Jesu Christi, und durch ihn auch mein Vater! ich komme in dieser Abendstunde vor dein Angesicht, dir zu danken und dich zu preisen für alle Gnade und Barmherzigkeit, die du heute an mir armen Sünder gethan haft. Wie treulich haft du mir heute durchgeholfen, wie hast du meine Schmerzen gelindert und meine Noth gestillt! O Herr! wer bin ich, daß du dich meiner so annimmst?. Wer bin ich, daß du meiner also gedenkst? Vergieb mir all meinen Kleinmuth, all meine Verzagtheit Zweite Abtheilung. 11. Abschnitt. und all meine Ungeduld. Verwirf mich nicht von deinem heiligen Angesichte, nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. Vertreibe durch seine Kraft alles, was dir an mir mißfällig ist, und laß ihn kräftig in mir wirken, daß meine Krankheit zum rechten Segen für mich werde. Laß dieselbe, nach deinem unerforschlichen und gnädigen Willen, bald ein Ende nehmen, daß ich mich der Gesundheit wieder erfreuen könne. Ach, wie so wenig habe ich früher dies köstliche Kleinod beachtet, wie manch Mal es unterlassen, dich dafür zu preisen, wenn ich mich zu Bette legte. Nun erkenne ich es erst recht an, wie Großes du an uns thust, wenn du uns gesund erhältst. O Herr! nimm die Opfer meines Dankes gnädig an für jede gesunde Stunde, die du mir bisher geschenkt haft. Ich bin deß viel zu geringe und nicht werth deiner großen Barmherzigkeit. Wie kann ich dir genugsam danken, daß du mir so gnädig bist und mit so großer Schonung mit mir um gehest! Herr! laß auch ferner deine Gnade kein Ende haben über mir. Mache mich durch deinen heiligen Geist neu und stark an dem inwendigen Menschen und verhilf auch meinem Leibe zu neuer Gesundheit und Kraft, daß ich dir dienen möge in Lauterkeit und Wahrheit, und zu deiner Ehre wirke mit allen Waffen des Lichts. Laß mich auch des Nachts deiner begehren von Herzen, und wenn ich 128 Abendgebet nach einem bösen Tage. sie überleben soll, dann laß mich gesunder und fröhlicher das Licht des Tages erblicken, und es also anschauen, daß du als ein heller Morgenstern zugleich aufgehst in meinem Herzen. Sollte aber diese Nacht die letzte für mich sein, so laß nur meine Seele nicht im Tode entschlafen; laß vielmehr, wenn meine leiblichen Augen brechen und es finster um mich her wird, meine Glaubensaugen hell verkläret werden, daß ich, wie Stephanus, den Himmel offen und deine Herrlichkeit sehen möge. Ach Herr Jesu! erhöre mein Gebet und erfülle mein Verlangen um deines bittern Leidens und Sterbens willen. Du bist meine einzige Hülfe und meine Zuversicht für und für! Ach du Gott der wahren Ruh'! Gieb auch Ruhe mir. Was ich denk', red' oder thu', Streb' nach Rub' in dir. Gieb Ruh' dem Geist. Schließt sich dann mein Auge zu, So führ' Leib und Seel' zur Ruh', Dem Himmel zu. Amen. 6) Abendgebet nach einem böfen Tage. Psalm 119, 55. Herr! ich gedenke des Nachts an deinen Namen. 129 Nun, mein Gott! so ist denn wiederum ein Tag der Noth und Beschwerden auf meinem Krankenlager von mir vollbracht worden, und abermals stellt sich eine dunkle und betrübte Nacht ein. Ach Herr! F** Zweite Abtheilung. II. Abschnitt. daß ich Trost finden möchte auf meinem Lager, und da es nun stille um mich her wird, auch diese Nacht meinen Schmerzen Stillung brächte, daß ich mich nicht oft nach dem Morgen sehnen und fragen dürfte: Hüter ist die Nacht schier hin? Mache mir, mein Gott! denn auch diese Nacht erträglich und sei in ihrer Finsterniß mein Licht und mein Beistand. Sollte ich nicht schlafen und nicht ruhen können, oder von Angst und Schmerzen angegriffen werden, so laß mich, mein Jesu! gedenken an die Nacht, welche du in Gethsemane mit Trauern, Zittern und Zagen hingebracht hast, da deine Seele betrübt war bis an den Tod. Und wie du dort heftig betetest, so laß denn auch mich im brünstigen Gebete anhalten, bis ein Engel vom Himmel kommt, der mich stärket. Laß mich, wie Jakob, mit dir ringen im Glauben, bis du mich gesegnet hast. Höre mein Schreien und weigere nicht, was mein Mund in kindlicher Demuth und Zuversicht von dir bittet. Du hast ja keine Freude an meinen Leiden, sondern willst mich dadurch losmachen von aller Augenlust, Fleischesluft und hoffärtigem Leben. Deßhalb danke ich dir für diese bittere Arznei, welche du mir darreichst, daß meine Seele gesund werde. O mache diese Kur für sie recht gesegnet, und verhilf mir dadurch zu aufrichtiger Buße und zur Wiedergeburt in der Kraft deines heiligen Geistes. Dann wird 130 Gebet, wenn man die Glocke schlagen hört. 131 auch der Dornen- und Kreuzesweg, den du mich jetzt gehen heißest, herrlich für mich auslaufen und zuletzt werde ich dann bekennen, daß du, o Herr! alles hast wohl gemacht. Siehe, Herr, ich übergebe mich dir ganz und gar; birg mich unter den Flügeln deiner Gnade, daß mich kein Unfall treffen, sondern ich neugestärkt dich morgen mit fröhlichem Munde loben möge. Amen. Heile mich, o Heil der Seelen! Wo ich krank und traurig bin; Nimm die Schmerzen, die mich quälen, Und den ganzen Schaden hin, Den mir Adams Fall gebracht, Und ich selber mir gemacht; Wird, o Arzt, dein Blut mich neßen, Wird sich all mein Jammer setzen. Schreibe deine blut'gen Wunden Mir, Herr! in das Herz hinein, Daß sie mögen alle Stunden Bei mir unvergessen sein; Du bist doch mein schönstes Gut, Da mein ganzes Herze ruht, Laß mich stets zu deinen Füßen Deiner Lieb' und Gunst genießen. 7) Gebete, wenn man die Glocke schlagen hört. Joh. 12, 27. Jegt ist meine Seele betrübt. Und was soll ich sagen? Vater hilf mir aus dieser Stunde; doch darum bin ich in diese Stunde gekommen. Da ist, Gott Lob! abermals eine Stunde von meiner beschwerlichen Krankheitszeit vorüber. Ach Zweite Abtheilung. II. Abschnitt. ja, Herr! du läsfest noch immer eine Leidensstunde nach der andern dahingehen, bis alle unsere Trübsalstage endlich vollbracht sind. Noch aber merke ich nicht, mein Heiland! daß die Zeit meiner Hülfe gekommen sei. Ich sehne mich wohl darnach, aber du sprichst zu mir: Meine Stunde ist noch nicht gekommen. So bitte ich denn demüthiglich: Verfürze doch meine Elends- und Jammerstunden, wenn es mir an meiner Seligkeit nicht hinderlich ist und laß bald die Stunde schlagen, in der ich Hülfe finde. D, lieber Heiland! mein Herz ist so gepreßt, es ist mir um Trost so bange. Weiche darum nicht von mir, dein freudiger Geist erhalte mich, daß ich nicht untersinke in meiner Bekümmerniß. Stärke mich in der Geduld, daß ich getroft die Stunde abwarte, welche du deiner Macht und Gnade vorbehalten hast. 132 Die Stunde wird doch endlich schlagen, Wo meine Noth ein Ende nimmt, Und meine Thränen, meine Klagen In Jubel werden umgestimmt: Dann rühm' ich nach der Leidensnacht: Der Herr hat alles wohl gemacht! 8) Geistlicher Stundenzeiger. Joh. 11, 9. Sind nicht des Tages zwölf Stunden? Wenn's 1 schlägt. Bedenke, o Seele! Eins ist noth( Luc. 10, Geistlicher Stundenzeiger. 42.), nämlich das Trachten und Ringen nach dem Ewigen und Himmlischen, auf daß du eins werdest mit Christo, wie Er eins ist mit dem Vater. Vergiß es nicht, daß auch dir gesetzt ist, einmal zu sterben und darnach das Gericht( Ebr. 9, 27.) und wirf dich demnach dem Einen Mittler in die Arme, der uns von Gott gemacht ist zur Weisheit, zur Gerechtigkeit, zur Heiligung und zur Erlösung ( 1 Kor. 1, 30.). 133 Herr Jesu, mein Eins und mein Alles! ziehe du meine Seele aus den vielen eiteln Dingen dieser Welt zu dem Einen, welches noth ist, und verleihe mir die große Gnade, daß ich dir allein leben und sterben möge. Wenn's 2 schlägt. Erwäge, mein Herz, daß es nur zwei Wege giebt, auf denen die Menschen wandeln: nämlich der breite Weg, der zur Verdammniß führt, und der schmale, der zum Leben führt( Matth. 7, 13. 14.). Auf welchem befindest du dich in diesem Augenblick, und wohin ist dein Gang gerichtet? D betrüge dich in diesem Stücke doch nicht, sondern suche, so lieb dir deine Seligkeit ist, durch ernstliche Bekehrung zu Gott und zum lebendigen Glauben deinen Beruf und Erwählung fest zu machen. Allerliebster Herr Jesu! prüfe du selbst und Zweite Abtheilung. II. Abschnitt. erfahre, wie ich es meine, und stehe, ob ich auf bösem Wege bin und leite mich auf ewigem Wege. Versperre selbst meinen Weg mit Dornen, wenn mein Herz sich von dir verlieren und einem Fremden nacheilen will. Laß mich hingegen dir, dem Lamme, auf dem schmalen Wege beständig nachwandeln und dir das Kreuz immer williger nachtragen, auf daß ich dadurch gesegnet und du dadurch immer mehr verherrlicht werdest. Wenn's 3 schlägt. Drei Hauptwohlthaten sind es, welche der dreieinige Gott den Menschen bereitet hat. Die Schöpfung, Erlösung und Heiligung. Wie hast du sie benußt? Hast du deinen treuen Schöpfer gesucht in der Jugend und ihm bisher gedient? Bist du nun durch seine Gnade eine neue Kreatur worden? Bist du deinem liebreichen Erlöser auch willig gefolgt, der dich bis in den Tod geliebt und sein Blut für dich vergossen hat? Achtest du auch mit allem Fleiß auf die Gnadenwirkungen des heiligen Geistes? Hast du ihm dein ganzes Herz eingeräumt und ihn sein Werk ungestört in dir treiben lassen? Findest du einen Mangel in diesen Stücken, so eile, daß er ausgefüllt werde, ehe die Zeit deiner Heimsuchung abgelaufen ist. Dreieiniger Gott! verherrliche dich an meiner 134 Geistlicher Stundenzeiger. Seele, und laß mich dein dreifaches Zeugniß in meinem Herzen verspüren. O Vater! ziehe mich zum Sohne! O du Sohn der Liebe! offenbare mir deinen Vater. O heiliger Geist! verkläre in mir den Vater und den Sohn, und erfülle selbst mein Herz mit deiner seligen Gegenwart. Wenn's 4 schlägt. 135 Betrachte, o Seele, die vier legten Dinge: den Tod, das jüngste Gericht, den Himmel und die Hölle. Ist's möglich, daß dieselben dich nicht von Sünden abhalten und zu einem unermüdlichen Fleiß in der Heiligung antreiben sollten? Ach! siehe, mit Flügeln eilest du deinem Grabe zu, und stehst, wer weiß wie bald, vor deinem Richter, dann wird entweder ewiges Wohl oder ewiges Weh dir zu Theil werden. Darum, weil es noch heute heißt, so verstocke dein Herz doch nicht, sondern thue Buße und bekehre dich, daß deine Sünden vertilget werden. Halte dich an deinen Heiland, denn durch seine Gerechtigkeit ist die Rechtfertigung des Lebens über alle Menschen gekommen. Den Tod und die Hölle hat Er verschlungen in den Sieg, und die Seinen werden nicht in das Gericht kommen, sondern Er führt sie in den Himmel, wo Er eine Stätte für sie bereitet hat. Herr Jesu! drücke du selbst den Ernst der Ewig Zweite Abtheilung. II. Abschnitt. keit in mein Gemüth, und laß mich dieses flüchtigen Lebens so gebrauchen, daß es mich in der Stunde des Todes nicht gereue, sondern ich eine Freudigkeit haben möge, zu stehen vor deinem Angesicht. Bringe mich in solch einen seligen Zustand, daß es auch bei mir heiße: Und der Geist und die Braut sprechen: komm! Und wer es höret, der spreche: komm! Amen, ja komm, Herr Jesu! Wenn's 5 schlägt. Fünf Hallen waren an dem Teiche Bethesda, worin die Kranken und Krüppel lagen( Joh. 5, 2. 3.), und solche können ein Bild sein der fünf Wunden deines Erlösers, aus welchen, als rechten Heilsbrünnlein, die Ströme des Lebens auf deine Seele fließen. Fühlst du nun deine geistliche Krankheit, so nahe getrost hinzu, und wasche dich in dem Blute des Lammes. O wie wirst du so bald gesund, rein, helle und schön werden in den Augen des himmlischen Vaters! 136 Jesu, mein Jesu! zu dir und deinen fünf blutigen Wunden nehme ich meine Zuflucht! Mache du mich gesund, und heile alle meine Gebrechen. Errette mein Leben vom Verderben, und kröne mich mit Gnade und Barmherzigkeit. Du weißt, Herr Jesu! daß mich weder Kraut noch Pflaster heilet, sondern dein Wort, welches alles heilet, Geiftlicher Stundenzeiger. und dein Blut, welches du zum Heil der Welt vergossen. Mit diesem deinen Blute wasche mich zu einem wahrhaften Segen meiner Seele, ja es rede für mich besser, denn das Blut Abels. Wenn's 6 schlägt. 137 Sechs Krüge voll Wassers wurden auf der Hochzeit zu Kana von deinem Jesu zu Wein gemacht( Joh. 2, 6. ff.). Daran gedenke, o Seele! die du Leide trägest und deine und anderer Sünden beweinest. Wisse, daß der Geist Gottes auf solchen Wassern schwebet, und daß dein Leid in Freude soll verkehrt werden. O darum danke Gott für solche Gnade der Thränen, und harre der himmlischen Hochzeit des Lammes, auf welcher es die Ströme deiner Trübsal verwandeln wird in unbeschreibliche Seligkeit. Herr Jesu, mein theuerster Immanuel! beruhige du selbst mein Herz in deiner Liebe, und laß mich sein unter der Zahl derer, die hier Leide tragen, damit sie von dir können getröstet werden. Hast du doch gesagt: Aus sechs Trübsalen will ich dich erlösen, und in der siebenten soll dich kein Unglück treffen. Wohlan, ich halte mich an dich, meinen Erlöser, und glaube gewiß, du werdest mich nicht verlassen, noch versäumen. Zweite Abtheilung. II. Abschnitt. Wenn's 7 schlägt. Sieben Jahre diente Jakob um seine Rahel; dein Jesus aber hat länger als dreißig Jahre um deine Seele geworben, da sie doch keine Rahel, sondern eine häßliche Lea war. Er sah dich in deinem Blute liegen und sprach zu dir: Du sollst leben! Dieser Liebe erinnere dich, mein Chrift, und dabei der sieben Worte, die dein Jesus am Kreuze ausgesprochen, und womit er seine allerhöchste Liebe dir versiegelt hat. 138 Allerliebster Heiland! demüthig und dankbarlich erinnere ich mich deiner letzten sieben Worte, vornämlich wie du ausgerufen: ,, Es ist vollbracht!" D! laß nun auch das Werk der Erlösung in mir vollbracht, und mich deines ganzen Verdienstes in Wahrheit theilhaftig werden! Führe mich in die Gemeinschaft deines Leidens, deines Todes und deiner Auferstehung, und mache mich deinem Bilde ähnlich, hier in der Niedrigkeit und dort in der Herrlichkeit. Wenn's 8 schlägt. Acht Seelen wurden in der Arche Noahs bei der Sündfluth erhalten. Welch' eine geringe Zahl ist dies gegen die Menge derer, so verloren gegangen! Erinnere dich dabei, o Seele! daß, nach den Worten deines Jesu, nur wenige selig werden, und 139 Geistlicher Stundenzeiger. ringe desto ernstlicher darnach, daß du durch die enge Pforte eingehest, und auf dem schmalen Wege in das ewige Leben gelangest( Luc. 13, 24.). Jesu, mein treuester Heiland! treibe du mich selbst zu einem wahrhaften Ernst in meinem Christenthum. Was hülfe es mir, wenn ich die ganze Welt gewönne, und nähme Schaden an meiner Secle? D erwecke, o ermuntere, o rüttle und schüttele mich ohn' Unterlaß, damit ich nicht stille stehe, sondern dem vorgesteckten Kleinod meiner Berufung unermüdet nachjage, bis ich's ergreife. Wenn's 9 schlägt. Horch, die neunte Stunde ist da, in welcher dein Mittler geklaget, daß er von seinem Gott verlassen sei, und in welcher der Fürst der Ehren sein Haupt geneigt und um deinctwillen den Tod geschmeckt hat. Bewundere in tiefster Ehrfurcht dies göttliche Geheimniß, und verehre mit gebeugtem Herzen das Wunder dieser unendlichen Liebe. Laß es aber damit nicht genug sein, sondern stirb mit deinem sterbenden Heilande, und was du noch lebst im Fleische, das lebe im Glauben des Sohnes Gottes, der dich geliebet, und sich selbst für dich dargegeben hat. Herr Jesu, du ewige Liebe! mein Herz neiget sich zu deinem Herzen in diesem Augenblick und sucht Zweite Abtheilung. II. Abschnitt. sich an der Gluth deiner Liebe zu erwärmen. Du neigtest dein Haupt am Kreuze und gabst mir dadurch gleichsam einen Wink, zu dir zu kommen. Erfülle nun deine Verheißung: Wenn ich erhöhet werde von der Erden, so will ich sie alle zu mir ziehen. 140 Wenn's 10 schlägt. Zehn Jungfrauen gingen aus, dem Bräutigam entgegen, aber nur fünf unter ihnen waren klug, und hatten ihre Gefäße mit Del gefüllt. Zehn Aussäßige wurden rein, aber nur einer gab Gott die Ehre, und kehrte un zu dem Herrn Jesu. D Seele! Seele! wie steht es um dich? O mein Herz, wie sieht es in dir aus? Bist du angefüllet mit dem Dele des Geistes, des Glaubens und der wahrhaftigen Liebe zu Jesu? Wie ist es mit deiner Dankbarkeit? Suchst du dieselbe auch durch die That zu beweisen? Du wachsamer Jesu! lehre du mich selbst über mein Herz wachen, und laß mich nicht bethört werden durch Betrug der Sünde. Mache mich zu einer flugen Jungfrau, die nicht nur ihre Lampe am Brennen, sondern auch ihre Gefäße mit Del gefüllt habe, damit, Herr Jesu! es auch von mir heiße: Die bereit waren, gingen mit Ihm( dem Bräutigam) hinein zur Hochzeit. we mak Geiftlicher Stundenzeiger. Wenn's 11 schlägt. Auch um die eilfte Stunde sandte der Hausvater noch Arbeiter in seinen Weinberg, und dieselbigen bekamen gleichen Lohn mit denen, so um die dritte und sechste Stunde gedinget waren. Welch ein Trost ist dies für dich, o Seele! die du die meiste Zeit am Markte dieser Welt müßig gestanden hast! Ach! stehe, jetzt, jetzt ist die angenehme Zeit, jest ist der Tag des Heils, jetzt ist die Stunde, darinnen du heimgesucht wirst. Folge der Stimme und dem Rufe deines Jesu, so wirst du in Ewigfeit dich dessen zu erfreuen haben. Jesu! welch eine große Gnade ist es, daß du auch die geringste Treue nicht unbelohnt laffen willst. Darum erwecke du selbst mein Herz, daß ich die Zeit der Gnade nicht versäume, noch meine wenigen Lebensjahre oder Stunden in einem verdammlichen Müßiggange zubringe. Vielmehr laß mich wirken, so lange es Tag ist und das Werk meiner Seligkeit schaffen mit Furcht und Zittern. Wenn's 12 schlägt. 141 Zwölf Thore von Perlen hat das neue Jernsalem, und auf den Thoren zwölf Engel und Namen geschrieben, welche sind die zwölf Geschlechter der Kinder Israel. Und die Mauer der Stadt hat zwölf Gründe von Edelsteinen, und in densel Zweite Abtheilung. II. Abschnitt. bigen die zwölf Apostel des Lammes. Erwäge, o Seele! die Majestät und Herrlichkeit dieser Stadt Gottes, welche auf diejenigen wartet, die dem Lamme nachgefolgt. Betrachte mit Fleiß dieses ganze Kapitel( Offenb. 21.). Was gilt's? es wird ein Verlangen in dir entstehen, ein Mitbürger dieser himmlischen Stadt zu werden. 142 Mein allerliebster Jesu! in das Jeruſalem, das droben ist, soll nicht hineingehen irgend ein Gemeines, und das da Greuel thut und Lügen, sondern die geschrieben sind in dem lebendigen Buche des Lammes. O mein theuerster Heiland! wasche und reinige du mich denn selbst mit deinem Blute, und schreibe ein meinen Namen in das Buch des Lebens. Mein Herz sehnet sich nach dieser goldenen Wohnung und mein Geist verlanget darnach, seiner beschwerlichen Hütte frei zu werden. Wann, wann werde ich dahin kommen, o Jesu! daß ich dein holdseliges freundliches Angesicht schaue? Nun, vielleicht rückt die Zeit bald heran und vielleicht stehe ich bald in den Perlenthoren der frohen Ewigkeit. Zion hört die Wächter singen, das Herz thut ihr vor Freude springen, sie wachet und steht eilend auf. Ihr Freund kommt vom Himmel prächtig, von Gnaden stark, von Wahrheit mächtig, ihr Licht wird hell, ihr Stern geht auf. Nun komm, du werthe Kron', Herr Jesu, Gottes Sohn! Hostanna! and Barker Gebete beim Gebrauche der Arznei. Wir folgen all' zum Freudensaal, und halten mit das Abendmahl. 143 9) Gebete beim Gebrauche der Arznei. Du, allmächtiger und barmherziger Gott! haft den Arzt geschaffen, und du läsfest die Arznei aus der Erde wachsen, drum will ich mich ihrer bedienen nach deinem heiligen Willen. Aber ich weiß auch, daß es mit aller Kunst des Arztes und mit aller Kraft der Arznei nichts ist, wenn du, Herr! nicht das Gedeihen hineinlegeft und deinen Segen dazu giebst. Daßhalb komme ich zu dir in aufrichtiger Demuth und bitte dich in findlichem Vertrauen, daß du dein Segenswort sprechest über die Mittel, die ich zu meiner Genesung jetzt gebrauchen will. Was du, Herr! segnest, das ist gesegnet ewiglich. So erweise denn auch an mir armen Sünder deine allmächtige Kraft zu heilen und zu helfen und führe alles mit mir hinaus nach deinem Wohlgefallen um Jesu Christi willen. Amen. Herr Jesu Christe! von dem alle Kräfte des Heils und Lebens ausströmen in die Zerschlagenen, die dein Antlig suchen, neige dich auch zu mir armen Leidenden gnädig hernieder. In den Tagen deines Fleisches machtest du die Blinden sehend, die Lahmen gehend, die Aussäßigen rein, die Tauben hörend und weckteft die Todten auf; solltest du nicht Zweite Abtheilung. 11. Abschnitt. auch an mir deine erbarmende Kraft verherrlichen? O! wenn du sprichst, so geschieht es, wenn du gebeutst, so stehet es da. Auf dich allein seße ich meine Hoffnung; laß sie nicht zu Schanden werden. Laß die Arznei rechte Wirkung thun, und durchdringe sie mit heilsamlicher Kraft, damit meine Schmerzen gestillt, meine Krankheit gehoben und meine verlorenen Kräfte mir wieder gegeben werden. Laß, o Herr! Alles, was ich thue und nehme, zu deiner Ehre gereichen. Amen. 144 Herr! ich danke dir von ganzem Herzen für die Mittel und Pflege, die du mir in meiner Krankheit darreichen läsfest. Laß dieselben nach deiner Weisheit, Gnade und Kraft in mir wirken, daß ich dich dafür preisen möge an meinem Leibe und an meinem Geiste. Mache mich getroft im Vertrauen auf deine Hülfe, und laß mich dieselbe reichlich verspüren, daß sie mir gereiche zu meiner Seelen Seligfeit. Verneuere meinen Leib zu einem Tempel deines heiligen Geistes, daß ich dein Lob verkündigen möge im Lande der Lebendigen. Herr Jesu! hilf! Herr Jesu! laß wohl gelingen! Amen. Die Menschen schreiben Mittel für, daß sich die Schmerzen legen, allein die Hülfe kommt von dir, und ohne deinen Segen macht uns kein Kraut noch Gebet vor einer Operation. Pflaster frei; dein Wort, Herr! ist die Arznei, die Anfre Schmerzen heilet. Beschließest du in deinem Rath, daß ich soll länger leben, so kannst du leicht auch in der That Kraft zu den Mitteln geben; ist aber dies dein weiser Schluß, daß ich anizo sterben muß, so bin ich's auch zufrieden. Dies Eine bitt' ich, heile nur die Wunden meiner Seelen, wenn gleich im Leiblichen die Kur und alle Mittel fehlen; denn lebt der Geist in dir, mein Gott, so soll der Mund auch in dem Tod doch deine Güte preisen. 145 10) Gebet vor einer Operation. Psalm 145, 18. Der Herr ist nahe allen, die ihn anrufen, die ihn mit Ernst anrufen. Allgewaltiger, allweiser und gnädiger Gott! Siehe, ich bin in großen Nöthen, die mich nach deinem heiligen Willen betroffen haben. Dir ist es bekannt, welcher wichtige, entscheidende Versuch mit mir gemacht werden soll, daß das gefährliche Uebel, woran ich leide, nicht weiter um sich greife, sondern ich genesen möge. Dir allein ist es offenbar, mein Gott! wie dieser Versuch ausfallen wird, glücklich, oder unglücklich, ob ich zum Leben, oder zum Tode geführt werde. In meiner großen Angst wende ich mich zu dir. Denn du hast befohlen: Geistlicher Rathgeber 2c. & Zweite Abtheilung. II. Abschnitt. Rufe mich an in der Noth, so will ich dich erretten. An wen soll ich mich auch anders wenden, als an dich? Du thuft alle Hülfe, die auf Erden geschieht, und alle Kunst der Menschen ist ohne dich nichts nüße. So erleuchte denn den Sinn des Arztes, dessen Anordnung ich mich fügen will, und regiere die Hände, welche an mir arbeiten. Ich weiß es, du allein weiser und allmächtiger Gott, daß an deinem Segen alles gelegen ist. Darum übergebe ich mich dir ganz und gar. Du mitleidiger Hoherpriester, Jesus Christus! der du selber die größten Schmerzen, Angst und Tod für mich erduldet, habe Erbarmen mit meiner Schwachheit und heile mich nach deiner Barmherzigkeit. Du haft mich zerrissen, du starker Gott! du kannst mich auch wieder heilen; du hast mich zerschlagen, du kannst mich auch verbinden; du hast mich auf das Schmerzensbette hingelegt und in Gefahr des Todes gerathen lassen, du kannst mich auch wieder aufrichten, daß ich vor dir leben möge. Herr! der entscheidende Augenblick nahet sich, darum eile du mir beizustehen, Herr, meine Hülfe! Ich hoffe auf dich, du läsfest mich nicht zu Schanden werden. Sprich zu meinem bangen Herzen: Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir! Weiche nicht, ich bin dein Gott! ich stärke dich, ich helfe dir auch durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit. 146 Gebet nach einer glücklichen Operation. 147 Sei du, starker Held, Jesus Christus! mächtig in meiner Schwachheit. Halte mich recht fest in deiner Hand, daß mich nichts daraus wegreiße. Erfülle mich mit dem Geiste des Trostes und der Geduld, daß ich alle Schmerzen standhaft aushalten und überwinden könne.. Laß mich deinen Geist in der Stunde des Jammers vertreten mit unaussprechlichen Seufzern. Erquicke mich mit der seligen Zuversicht, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, und daß dieser Zeit Leiden nicht werth sei der Herrlichkeit, die an denen offenbar werden soll, die an deinen Namen glauben. Herr! mache meine Seele stille; ich warte auf dein Heil. Der Engel des Herrn lagert sich um die her, so ihn fürchten, und hilft ihnen aus. Warum sollte ich mich denn fürchten, wovor sollte ich erschrecken? Herr! du erretteft die Elenden aus aller Noth, und bist nahe allen, die dich anrufen. Drum befehl ich dir meine Wege, und hoffe auf dich, du werdest es wohl machen. Herr Jesu! dir leb' ich, dir sterb' ich; dir bin ich todt und lebendig. Amen! 11) Gebet nach einer glücklichen Operation. Psalm 50, 14. Opfere Gott Dank, und bezahle dem Höchsten deine Gelübde. Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist seinen heiligen Namen, lobe den Herrn, meine * 148 Zweite Abtheilung. II. Abschnitt. Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Der Herr hat Großes an mir gethan, deß bin ich fröhlich. Wie theuer ist deine Güte, Gott, daß Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel trauen. Gelobet sei der Herr, denn er hat erhöret die Stimme meines Flehens. In der Angst rief ich den Herrn an und er hat sich meiner angenommen. Darum preise ich dich, Herr! von ganzem Herzen, und will deinen Namen loben ewiglich. Du hast mich errettet aus großer Bedrängniß, und haft Gedeihen gegeben zu den Verrichtungen, die an mir geschehen sind. Darum nicht uns, Herr, nein, dir allein sei die Ehre! Deine Kraft hat mich gehalten, dein Troft hat mich erquickt, deine Liebe hat mich getragen, daß ich sicher wohne. O Herr! mein Herz wallet über von Dank und Anbetung. Meine Seele erhebet den Herrn, und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilandes. Siehe, Herr Jesu! dir übergeb' ich mich aufs neue mit allem, was ich bin und habe. Du haft's wohlgelingen lassen mit dem Versuch, der zur Rettung meines Leibes angestellt worden und mich auf den Weg der Genesung hingeleitet mit starker und treuer Hand. Dir danke ich's, daß ich noch im Lande der Lebendigen bin. So gebühret es sich denn auch, daß ich dir alle Kräfte Leibes und der Seele zum Dienste weihe und sie nur zu deiner Ehre gebrauche. Gebet nach einer glücklichen Operation. Ferne sei von mir, daß ich hinfort etwas damit thun sollte, was dir mißfällig sein möchte. Ablegen will ich alle Werke der Finsterniß und anziehen die Waffen des Lichts. Durch die Kraft deines heiligen Geistes will ich vor dir heilig und unsträflich wandeln, von allem Bösen ablassen, Frieden suchen und ihm nachjagen. Die Liebe, Herr, die du mir erwiesen, will ich dir vergelten, so gut ich kann, in Herz und Leben, in Wort und That, und wie du dich meiner so treulich erbarmet in meiner Noth, will ich mich gegen alle Nothleidende freundlich, herzlich und liebevoll beweisen allezeit; ich will die Hungrigen speisen, die Durstigen tränken, die Nackenden kleiden und die Elenden ins Haus führen, ich will die Kranken erquicken und den Gebrechlichen eine Stüße sein; ich will die Traurigen trösten und weinen mit den Weinenden. Das sei mein Dank für deine gnädige Hülfe. Verleihe du mir, Herr, die Kraft, ihn dir würdiglich zu bringen und dir treulich zu bezahlen meine Gelübde. Vollende in Gnaden meine Heiligung und laß mir allewege deine Hülfe angedeihen. Sei du stets mein Fels, meine Burg, mein Erretter, mein Licht und mein Trost, und hilf mir endlich aus zu deinem himmlischen Reich. Amen. Herr, mein Gott! da ich Kranker Bom Bette zu dir schrei', 149 150 Zweite Abtheilung. II. Abschnitt. Da ward dein Heil mein Anker, Du standst mir treulich bei. Da andre fuhren bin Zur finstern Todesböble, Da bielt'st du meine Seele Und mich noch, wie ich bin. Ihr Heiligen! lobsinget Und danket eurem Herrn, Der, wenn die Noth herdringet, Bald hört, und herzlich gern Uns Gnad' und Hülfe giebt; Rühmt den, deß Hand uns träget, Und wenn er uns ja schläget, Nicht allzu sehr betrübt. 12) Gebet nach einer unglücklichen Operation. Jef. 14, 27. Der Herr Zebaoth hat es beschlossen. Wer will es wehren? Du, Herr! hattest es anders beschlossen, wie ich hoffte. Es hat dir nicht gefallen, mein Gebet zu erhören. Wir Menschen denken wohl, aber du, Herr! lenkst es. Du sprichst: Eure Gedanken sind nicht meine Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege. Du machst es, wie du willst, beides mit den Kräften im Himmel, und mit denen, so auf Erden wohnen, und niemand kann deiner Hand wehren, noch zu dir sagen: Was machst du? So will ich den schweigen und meinen Mund nicht aufthun, ich will stille sein und auf dich hoffen, ich will mich beugen un Gebet nach einer unglücklichen Operation. 151 er deinen allein weisen Rath, und meine Zuversicht seßen auf dich, meinen Herrn, Herrn, der vom Tode errettet. O du getreuer Gott! ich halte dir dein Wort vor: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöset, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, tu bist mein. Denn so du durchs Wasser ge= hest, will ich bei dir sein, daß dich die Ströme nicht sollen ersäufen, und so du ins Feuer gehest, sollst du nicht brennen, und die Flamme soll dich nicht anzünden, denn ich bin der Herr, dein Gott, der Heilige in Israel, dein Heiland. Sinken hast du mich lassen, du wunderbarer Herr! aber untersinken lassen wirst du mich nicht, denn du bist mein Gott. Deinem Willen unterwerfe ich mich mitten in meiner Trübsal. Hilf mir, daß ich mich beuge unter deine starke Hand in kindlicher Demuth, schenke mir Geduld und Standhaftigkeit, daß ich die Wege gehe, die du für mich bereitet hast und mache mich fröhlich und getrost in Hoffnung. O Herr! leuchte du mir nur mit deinem Gnadenlicht in die dunkle Trübsalsnacht hinein, daß es helle werde in meinem Herzen und ich nicht vergehen möge in meinem Elende. Du allmächtiger und getreuer Heiland, der du einst so viele Kranke gesund machtest, da du noch unter den Menschen wandeltest, es ist dir auch noch jetzt ein Kleines, mich gesund zu machen. Thue an mir nach deinem gnädigen Wohlgefallen. Das Zweite Abtheilung. II. Abschnitt. aber bitte ich insbesondere von dir, daß du durch die Schmerzen meines Leibes meine Seele genesen laffest und mein innerer Mensch im Feuer der Trübsal sich bewähren möge zur Verherrlichung deines großen Namens. Verbinde mich durch die Leiden dieser Zeit je fester und fester mit dir, Herr Jesu! daß uns nichts von einander scheide, daß ich mit dir sterben und leben, und mit dir dulden und herrschen möge. 152 Geduld! will ich indessen sprechen; Geduld! wenn sich's noch will verzieh'n; Geduld! die Zeit wird Rosen brechen, Die mir aus Gottes Liebe blüh'n. Dabei verharr' ich nnverwandt: Bald ändert's Gottes rechte Hand. Amen. 11) Gebet um Erhaltung und Stärkung des Glaubens. Lucas 17, 5. Herr stärke uns den Glauben! Herr Jesu, du Anfänger und Vollender des Glaubens! der du allen den rechten Glauben giebst, die dich ernstlich darum bitten, du weißt es, daß ich glaube, denn du hast das Glaubenslicht in mir angezündet; auch weiß ich durch ernste und aufrichtige Prüfung meiner selbst, daß ich dich als meinen einigen Heiland in mein Herz aufgenommen habe. Aber ich weiß es auch, Herr! wie leicht der schwache, sündige Mensch an seinem Glauben Schiffbruch leiden kann. Ich habe es gesehen an dem Erem Gebet um Erhaltung und Stärkung des Glaubens. 153 pel Petri und anderer Christen, wie bald das Fleisch den Sieg davon tragen kann über den Geist, und wie schnell man zum Falle kommt, wenn man nicht unablässig wachet und betet. Ach, mein Jesu! dies zu beherzigen, habe ich gerade jetzt die größte Ursache. Denn du siehest es, wie ich krank und schwach darniederliege, du weißt, daß der Bösewicht seine feurigen Pfeile bei Tag und bei Nacht auf mich abdrückt, damit er mir meinen Glauben raube und mich von dir abwendig mache. Ach, schwer, sehr schwer liegt die Trübsalslast oft auf mir, daß ich schier vor Schmerzen vergehe und keinen Frieden habe in meinen Gebeinen. Herr, du Herzenskündiger! wie hart setzt der Satan mir dann zu; wie drängt er mich, dich zu verlassen und wie bemüht er sich, mich auf seine Seite zu ziehen! D, was habe ich daher bei meiner Schwäche mehr zu befürchten, als daß mir mein Glaube genommen werde! Siehe, du treuer, mitleidiger Hoherpriester! der du allenthalben versucht worden, gleich wie ich, zum Throne deiner Gnade nehme ich darum meine Zuflucht, und bitte dich um Hülfe zur Zeit, wo mir Hülfe noth ist. Herr! ich halte dir vor dein Wort: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig, und flehe mit deinen Jüngern: Stärke mir den Glauben! Ist von dir bezeuget: ,, Das zerstoBene Rohr wird Er nicht zerbrechen, und das glim** Zweite Abtheilung. II. Abschnitt. mende Docht wird Er nicht auslöschen:" so wirst du ja auch an mir Barmherzigkeit thun, du treuer Herr! und Mitleiden haben mit meiner Schwachheit, wirst auch mich anthun mit Kraft aus der Höhe, daß ich dem Teufel widerstehe, und mich decken mit dem Schilde des Glaubens, mit welchem ich auslöschen kann alle feurigen Pfeile des Bösewichts. Ich glaube, lieber Herr! hilf meinem Unglauben. D, wie sollte ich an deiner Gnade zweifeln? denn du sprichst: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen. Warum sollte ich mich noch fürchten? denn du sagst: Ich erkenne die Meinen, sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie mir aus meiner Hand reißen. 154 Start ist meines Jesu Hand, Und er wird mich ewig fassen, Hat zu viel an mich gewandt, Um mich wieder los zu lassen. Mein Erbarmer läßt mich nicht, Das ist meine Zuversicht. Seiner Hand entreißt mich nichts; Wer will diesen Trost mir rauben? Wein Erbarmer selbst verspricht's, Sollt' ich seinem Wort nicht glauben? Jesus läßt mich ewig nicht, Das ist meine Zuversicht! Amen. 14) Gebet um ein versöhnliches Herz gegen die Seinde. Sir. 28, 6. Gedenke an das Ende, und laß die Feindschaft fahren. Du, Herr Jesu! sprichst: Ich bin fanftmüthig Gebet um ein versöhnliches Herz gegen die Feinde. 155 und von Herzen demüthig. Wie hast du das bewiesen durch dein ganzes Leben auf Erden! Du hieltest es nicht für einen Raub, Gott gleich sein, sondern entäußertest dich selbst und nahmst Knechtsgestalt an; du wurdest arm, daß wir reich würden, und erduldetest das Kreuz, auf daß du Friede machtest zwischen Gott und den Menschen. Und wie hast du, treuester Heiland! unter allen Verfolgungen, die du um deiner hingebenden Liebe willen zu den Sündern erlitten, sie dennoch getragen mit Schonung, Nachsicht und Geduld! Wie willig haft du dich gezeigt, ihnen zu vergeben, und wie gelinde, da sie dich schmäheten und mißhandelten! Du schaltst nicht, da du gescholten wurdest, und dräuetest nicht, da du littest. Aber noch in deiner Todesstunde betetest du für deine ärgsten Verfolger. Ach Herr! ich liege auch hier als ein Raub des Todes, und weiß nicht, wie bald er mich aus dieser Welt abholen wird. Allein ich verspüre in meinem Herzen doch noch nicht die Sanftmuth, den versöhnlichen Sinn und die Liebe, wovon du gegen deine Beleidiger erfüllet warst. Vielmehr fühle ich noch oft einen großen Widerwillen und eine starke Abneigung gegen ste; anstatt mit dir, Herr Jesu! zu beten: Vater vergieb ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun, möchte ich manchmal den Himmel lieber herniederreißen und seine Rache über ste herab Zweite Abtheilung. II. Abschnitt. ziehen. Ach, heiligster Erlöser! daran erkenne ich, daß ich dein Bild nicht an mir trage, und mit Beschämung muß ich daraus sehen, daß ich dein rechter Jünger noch nicht bin. O! das betrübt mich von ganzem Herzen; es ist dies eine Frucht des alten Sinnes, der noch nicht völlig gewichen, und ich bitte dich daher von Grund meiner Seelen: Gieb mir ein neues Herz und einen neuen gewissen Geist, der mich auch gegen meine Feinde mit der Liebe durchdringt, womit du mich zuerst geliebet hast. Drücke mir dein Vorbild recht tief in das Herz, daß ich dir, Herr Jesu! in der Lammesdemuth und Lammessanftmuth ähnlich werden, und so vergeben, lieben und beten möge, wie du es gethan hast. Nur im Vertrauen auf deine Gnade und Barmherzigkeit kann ich ruhig sterben, wie aber sollte ich mich darauf verlassen dürfen, wenn ich meinen Feinden ein unversöhnliches Herz behielte? Wie sollte ich auf deine Vergebung hoffen, wenn ich nicht andern auch vergeben hätte? Und wie könnte ich zu dir, o Gott, der du die Liebe bist, in den Himmel eingehen, wenn ich noch eine Spur des Hasses oder der Bitterfeit gegen andere in mir trüge? So fahre denn hin alle Feindschaft, aller unchristliche Zorn und alle unreine Glut, welche wider die Liebe Christi ist. Allen meinen Beleidigern will ich gern vergeben, alles Unrecht vergessen, das sie mir angethan, und für 156 S Andacht vor dem heil. Abendmahl. alle beten, daß du, o Gott! ihnen vergebeft und ste begnadigest, wie ich will, daß du mir Vergebung und Gnade schenkst in Christo Jesu. Ja, lieber Vater im Himmel! vergieb ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun. Verneuere und heilige sie durch die Kraft deines Liebesgeistes und laß sie einst vor dem Throne deiner Herrlichkeit ewig mit mir vereiniget werden. Amen. Verleih' mir, Jesu, deinen Sinn, Dem Feinde zu vergeben. Laß mich, der ich dein Jünger bin, Nach Fried' und Eintracht streben. Wie könnt' ich hegen bittern Zorn, Da aus der Gnade süßem Born Nur Heil mir quillt und Leben? 15) Andacht eines Kranken vor dem Genusse des heiligen Abendmahls. 1 Kor. 11, 28. 157 Der Mensch prüfe sich selbst, und also esse er von diesem Brote, und trinke von diesem Kelch. Eröffne mir, Herr Jesu! die hohe Bedeutung deines heiligen Sakraments, daß es mich fertig mache zu einem seligen Abschied aus dieser Welt, und mich speise und tränke zum ewigen Leben. Amen. Indem ich in stiller Andacht des heiligen Mahles gedenke, welches der Herr Jesus in der Nacht vor seinem Tode eingesetzt hat, erkenne ich in diesem Mahl ein unschäßbares Heilsmittel, wodurch Zweite Abtheilung. II. Abschnitt. der Glaube der Kinder Gottes gestärkt und sie zu einem getrosten und seligen Hingang aus dieser Welt zubereitet werden. Die gläubige Seele kann nicht klarer versichert werden, Jesum zu schauen und seine Herrlichkeit zu schmecken, als wenn sie durch den Genuß seines heiligen Leibes und Blutes erst auf das Genaueste mit Ihm verbunden worden ist. Was ist kräftiger, die Hoffnung des zukünftigen Lebens zu stärken? Was vermag die Sehnsucht nach dem seligen Erbe im Himmel mehr zu entflammen? Was ist geschickter dazu, uns einen Vorschmack der ewigen Freude zu geben? Und, was kann uns beherzter machen, die gebrechliche Hülle dieses Leibes im Gehorsam gegen Gott abzulegen, und mit heiligem Verlangen zu seufzen: Ach wann werde ich dahin kommen, daß ich Gottes Angesicht schaue! 158 Hieraus erkenne ich aber auch, daß es einer stillen und ernsten Einkehr in mich selbst, einer ge= nauen Forschung meines Herzens, einer sorgfältigen Prüfung meines Wandels und einer gewissenhaften und gläubigen Vorbereitung bedarf, daß der Genuß dieses köstlichen Mahls mich mit Christo aufs neue verbinde und mich zu der ewig seligen Vereinigung mit Ihm bringen und darin bewahren möge. Ich habe ein Verlangen, das Abendmahl zu Andacht vor dem heil. Abendmahl. halten. Aber woher rührt dieses Verlangen? Nührt es her von dem Vorurtheil, daß man an seiner Seligkeit nicht zweifeln dürfe, wenn man nur vor dem Ende seines Lebens das Abendmahl genossen habe? D, der bloße Gebrauch des Abendmahls kann unmöglich selig machen. Ohne Buße und Glaube kann keiner in das Himmelreich kommen. Nur bei denen will der Herr einkehren, die zerschlagenen Herzens sind, und nur so viele an seinen Namen glauben, denen giebt er Macht Kinder Gottes zu heißen. Darum will ich jeßt, da mir Gott noch Zeit und Kräfte dazu giebt, die wahre Beschaffenheit meines Herzens und Lebens ernstlich überdenken und prüfen. Dein Geseß, du heiliger und gerechter Gott! ist ein klarer Spiegel, worin ich mich selbst recht erkennen kann. Ach! was sehe ich darin! Wie oft und schwer habe ich dich, meinen Bundesgott, beleidigt! Welch ein Heer von bösen Anschlägen, Lüsten und Begierden hat mein Inneres durchzogen! wie willig und schimpflich bin ich in gesunden Tagen den Lockungen des Versuchers gefolgt! wie habe ich alle meine Sinne und Glieder dem Dienste der Ungerechtigkeit hingegeben und wie frech habe ich gegen dich, o Gott, und gegen meinen Nächsten gesündigt in Gedanken, Worten und Werken! Ach ich bin unrein, ganz unrein, und alle meine Gerechtigkeit ist wie ein un159 Zweite Abtheilung. II. Abschnitt. fläthiges Kleid! Ach Herr! ich bekenne dir alle meine Sünden und verhehle dir nicht die Wunden meiner Seele. Eile mir zu Hülfe, und erbarme dich meiner in meinem Elende. Verwirf mich doch nicht von deinem Angesicht, und bekehre du mich zu dir, daß ich bekehret werde. D Herr! wie ist es mir so herzlich leid, daß ich mich an dir versündigt, und wie aufrichtig beklage ich es, daß ich mich an meinem Nächsten so schwer vergangen habe. Höre es, o Gott, du heiliger Gott, höre es, du barmherziger Herr! ich habe gesündigt im Himmel und vor dir und bin nicht werth, daß ich dein Kind heiße! Leicht könnte mein armes Herz hierbei ans Zweifeln und Zagen kommen, denn die Sündenschuld, die mich drückt, ist entsetzlich schwer und ich werde jämmerlich geplagt von meiner Missethat. Aber ist denn meine Sünde so groß, daß sie mir nicht könnte vergeben werden? Meine Sünde ist mächtig, aber die Gnade in Christo ich noch viel mächtiger. Deß tröste ich mich, daß Christus erschienen ist, zu suchen und selig zu machen, das verloren ist, und das ist meine Hoffnung, daß der Herr spricht: Wenn eure Sünde gleich blutroth ist, soll sie doch schneeweiß werden, und wenn sie gleich ist, wie Rosinfarbe, soll sie doch wie Wolle werden. Kein Kleinmuth, keine unnöthige Furcht und keine Traurigkeit soll mich abhalten, zu Christo, meinem 160 161 Andacht vor dem heil. Abendmahl. Heilande zu fliehen. Die Strafe liegt ja auf Ihm, auf daß wir Friede hätten, und an Ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, nämlich die Vergebung der Sünden. Daher ergreife ich dich, du heiliges Lamm Gottes, in meiner Sündennoth und klammere mich fest an die ewigen Verdienste, die du am Stamme des Kreuzes für mich armen Sünder erworben haft. Auch für mich hast du in den Tagen deines Fleisches Gebet und Thränen geopfert und mir durch deinen Tod das Leben erworben. Das willst du mir vorhalten und verleihen in deinem heiligen Liebesmahle, darum begehre ich dasselbe zu genießen, daß ich auf's neue mit dir verbunden und der seligen Früchte deines Leidens und Sterbens theilhaftig werde. Mache mich dazu geschickt und bereit durch die Kraft deines heiligen Geistes! Du hast dein heiliges Abendmahl eingesetzt, als du selber mit Todesgedanken umgingst, aber auch dem Eingange zu deiner Herrlichkeit nahe warst, und deinen traurigen Jüngern die Stunde der Anfechtung bevorstand. Darum zweifle ich nicht, daß du, treuer Mittler, besonders die Kranken, die Schwachen, die Betrübten, die in Anfechtungen und Todesnöthen Ringenden in deinem Herzen gehabt, als du dieses heilige Sakrament einseßteft, und daß du es ihnen zum Troste und Labsal verordnet ha Zweite Abtheilung. II. Abschnitt. best. So wirst du denn auch mich durch den Genuß deines heiligen Leibes und Blutes erquicken, und mich in meinen Versuchungen, Trübsalen und Thränen, Todeskampf und Noth stärken, und mir helfen, daß ich die Welt überwinde und dir, wie ich fest vorhabe, diene in Heiligkeit und Unsträflichkeit, und dich preise an meinem Leibe und an meinem Geiste, im Leben und im Sterben. Ja, Herr! hilf mir mein Fleisch kreuzigen sammt den Lüsten und Begierden; hilf mir glauben, hoffen, lieben, wie es einem Kinde Gottes gebührt; hilf mir, dem Nächsten williglich dienen, mit der Gabe, die ich von dir empfangen habe, und hilf mir, auch die Beleidiger segnen und den Feinden Gutes thun. Hilf mir dazu durch die verborgenen Kräfte deines heiligen Mahles und erweise du dich durch dein Sakrament mächtig in meiner Schwachheit. Ich tröste mich damit, Herr! daß du dein Reich denen bereitet hast, welche deinen Leib und dein Blut im Glauben essen und trinken, und bin desselbigen in guter Zuversicht, daß du auch mir aushelfen werdest zu deinem himmlischen Reiche. Denn es ist unmöglich, daß die nicht an der Tafel deiner Herrlichkeit sißen sollten, die hier an der Gnadentafel das Abendmahl mit dir gehalten haben. Auch erblicke ich in dem Genusse desselben ein gewisses Pfand von der seligen Auferstehung meines Leibes 162 Andacht vor dem heil. Abendmahl. am jüngsten Tage, da meine Seele bei Jesu im Paradiese sein soll, bis er kommen wird, zu vollbringen das majestätische Werk der Auferweckung der Todten. Darum werde ich in der Gemeinschaft meines Erlösers sagen können: Ich habe den Herrn allezeit vorgesetzt vor mein Angesicht; denn er ist an meiner Rechten, auf daß ich nicht beweget werde. Darum ist mein Herz fröhlich, und meine Zunge freuet sich, denn auch mein Fleisch wird ruhen in der Hoffnung, denn du wirst meine Seele nicht in der Hölle lassen, auch nicht zugeben, daß dein( durch Christi Leib und Blut) Geheiligter die Verwesung sehe. Du hast mir fund gethan die Wege des Lebens. Du wirst mich erfüllen mit Freude vor deinem Angesicht( Ap. Gesch. 2, 25 ff.). Das ist, Herr Jesu! mein Glaube, das ist meine Zuversicht, und hiermit befehle ich meinen Geist ganz, sammt der Seele und dem Leibe in deine Hände und spreche: 163 Du Lebensbrot, Herr Jesu Christ, Komm selbst, dich mir zu schenken; O Blut, das du vergossen bist! Komm eiligst mich zu tränken. Ich bleib' in dir, du bleibst in mir, D'rum wirst du, goldne Himmelsthür, Auch mich dort auferwecken. Amen. 164 Zweite Abtheilung. II. Abschnitt. 16) Gebet nach dem Abendmahl. Cal. 2, 20. Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebet in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben des Sohnes Gottes, der mich geliebt hat, und sich selbst für mich dargegeben. Mein Jesu! mich hat herzlich verlanget, das Abendmahl mit dir zu halten, ehe denn ich sterbe. Nun, dies Verlangen hast du gnädiglich gestillet. Du hast mich jetzt gespeiset und getränket mit deinem heiligen Leibe und Blute; dafür preise ich dich von Grund meines Herzens. Ich liege hier auf meinem Siechbette, wovon ich durch deine Allmacht wieder aufkommen, worauf ich aber auch sterben kann, wenn es also dein heiliger Wille ist. Darum habe ich mich bereitet; meine Seele ist nun genesen, nachdem ich mit dir, meinem Heilande, vereinigt worden bin. Ja, ich will nun gern sterben, nachdem du mich in die genaueste Gemeinschaft mit dir versetzt hast. O wie ruhig, wie selig fühle ich mich in dir! Lobe den Herrn, meine Seele! und was in mir ist, seinen heiligen Namen! Lobe den Herrn, meine Seele! und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat! Herr! nun läsfest du deinen Diener in Frieden fahren, denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen. Jesu! lebe bu stets in mir. Erhalte mir einen gelassenen Sinn, findliche Gebet nach dem Abendmahl. Zufriedenheit und eine in den Willen des himmlischen Vaters ganz ergebene Seele. Erwecke und bewahre du in mir immerdar heilige Gedanken, und laß eine herzliche Erinnerung an dich nimmermehr in mir verlöschen. Wirst du mich, o Gott! nun durch den Tod von dieser Welt abfordern, so geschehe dein Wille. Ich weiß, meine Sünde ist mir vergeben, darum darf ich mich nicht fürchten vor dich zu treten, denn wo Vergebung der Sünden ist, da ist auch Friede, Leben und Seligkeit. Ich weiß es, Jesus hat mir seine Gerechtigkeit geschenkt, und erscheine ich in diesem Schmuck und Ehrenkleide vor dir, o Gott! so wirst du mich vor deinem Gerichte frei- und lossprechen. Nun ich bin gerecht worden durch den Glauben, so habe ich Friede mit Gott durch unsern Herrn Jesum Christum, durch ihn ist mir der Himmel und der Zugang zu dem Gnadenthore aufgethan. Ich weiß es, Jesus ist mein Fürsprecher bei Gott, ich sterbe in der Gnade Gottes und in dem Frieden mit Gott; ich bin versichert des Beistandes des heiligen Geistes. So bin ich selig, so sterbe ich selig, so fahre ich selig aus diesem Leben und werde auch dort ewiglich selig sein. Welch eine unaussprechliche Wohlthat hast du, o Gott! an meiner Seele mir gethan, daß ich jetzt bei guter Besinnung das himmlische Liebesmahl habe feiern können! O so 165 Zweite Abtheilung. II. Abschnitt. stärke und erhalte mich durch dasselbige im wahren Glauben zum ewigen Leben! Wer will mich nun scheiden von der Liebe Chrifti? Ich lasse ihn nicht, bis er mich bringet zu der Gemeinschaft der Heiligen im Lichte. 166 Was will ich mehr als diesen Himmesfürsten? Mich wird hinfort in Ewigkeit nicht dürften, Weil er mich tränft, der selbst das Leben ist. Kein Hunger wird die Seele jemals drücken, Des Himmels Manna wird mich stets erquicken. Und das bist du allein, Herr Jesu Christ. Amen. 17) Gebet nach erlangter Genesung. Psalm 50, 14. Opfere Gott Dank, und bezahle dem Höchsten deine Gelübde. Du Herr! haft Großes an mir gethan, deß bin ich fröhlich. Du hast mich von meiner Krankheit wieder aufgerichtet, darum komme ich vor dein Angesicht, dich zu loben und dir zu danken. Ach Herr! wer bin ich, daß du dich meiner also hast angenommen? Wer bin ich, daß du meiner so gedacht hast in meiner großen Noth? Welche Angststunden habe ich durchbracht, welche Schmerzen ausgestanden, in welcher Gefahr habe ich geschwebt! Aber du allmächtiger und getreuer Gott! haft mich väterlich behütet, meine Schmerzen gestillt und meine Klagen verwandelt in Freude und Wonne. Die Laft der Krankheit hast du von mir genommen, 167 Gebet nach erlangter Genesung. und mich wieder gesund gemacht, darum will ich dir meinen Dank opfern und vor allem Volk verkündigen, was du an mir gethan haft. Nimmer will ich deiner Barmherzigkeit und Treue vergessen, o Herr! und mit allem Eifer bemüht sein, dir zu bezahlen meine Gelübde. Als du mich mit Krankheit geschlagen, da suchte ich dich, und erkannte, Herr! wie groß meine Missethat, und wie schwer ich mich an dir versündiget habe. Und da versprach ich dir mit Thränen in den Augen, daß ich dich hinfort nicht mehr beleidigen und der Sünde absterben wolle; da verpflichtete ich mich auf's Neue, dir alle Kräfte meines Leibes und meiner Seele zu weihen, und in gesunden Tagen, wenn ich sie ja wieder sehen sollte, dir allein zu dienen in Heiligkeit und Unsträflichkeit. So verleihe du, heiliger und allmächtiger Gott! mir denn hiezu Gnade und Segen. Erleuchte mich an den Augen meines Verständnisses, daß ich die Nichtigkeit dieser Welt recht erkenne und mein Herz nie wieder daran hänge; gieb mir Kraft, die Lüfte meines Fleisches zu bezwingen und hilf mir verleugnen alles ungöttliche Wesen und züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt. Treibe mich, Herr! durch die mächtige Stimme deines Wortes zum Wachen und zum Beten, daß ich am guten Tage nicht in Sicherheit verfalle, sondern mich stets bereit halte Zweite Abtheilung. II. Abschnitt. auf die ungewisse Stunde, in der du kommen wirst. Mache mich geduldig, wenn es dir gefällt, mich wieder mit neuen Trübsalen heimzusuchen, und mache du mein Herz getroft im Andenken an die treue Hülfe, die du mir in dieser Krankheit zugewandt haft. Erfülle, Herr Jesu! mein Herz mit der unverbrüchlichsten Liebe zu dir, daß uns nichts von einander scheiden kann und selbst der Tod mir ein Eingang zu dir werden muß in das ewige Leben. 168 Gieb mir Augen, um zu sehen Deines Reiches Gnadenschein, Gieb mir Kräfte, um zu gehen Bis ins Heiligthum hinein. Mache mich mit dir bekannt, Laß in deinen Liebesflammen Herz und Seele sein entbrannt, Knüpfe dich und mich zusammen. Amen. 18) Gebet um Gottes Beistand im Tode. Allmächtiger Gott, ein Vater der Barmherzigkeit und Gott alles Trostes! erbarme dich meiner, wie sich ein Vater über seine Kinder erbarmet. Gedenke an das theure Wort, daß du gesagt haft: meine Barmherzigkeit ist groß. Gedenke, daß dein lieber Sohn Jesus Christus um meinetwillen ist Mensch geworden. Gedenke, daß du die Welt also geliebet hast, daß du deinen eingebornen Sohn hast gegeben, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. 169 Gebet um Gottes Beistand im Tode. In diesem Glauben kommt meine Seele zu dir, und bringt mit sich deinen lieben Sohn Jesum Chri-. stum, welchen du mir geschenkt haft, um deßwillen wollest du an mich gedenken, und mich zu Gnaden annehmen. Dir befehle ich meine Seele, laß mich, dein liebes Kind, ewiglich in deiner Gnade bleiben, und thue Barmherzigkeit im Leben und im Sterben, um deines lieben Sohnes, unseres Herrn Jesu Chrifti willen! Herr Jesu Christe, mein einziger Troft und Hülfe, der du meine Krankheit getragen und um meiner Sünde willen bist verwundet! du Lamm Gottes; der du trägest die Sünde der Welt! sei du meine Gerechtigkeit, meine Heiligung und meine Erlösung. Heile meine Schmerzen durch deine Wunden, laß dein unschuldiges Blnt an mir nicht verloren sein, nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. Verlaß mich nicht in meiner letzten Noth, sondern hilf mir bald hindurch zum ewigen Leben. Gedenke daran, daß ich ein armes Schäflein bin und du mein getreuter Hirte; nimm mich auf deine Arme, und trage mich ins freudenreiche Paradies; laß mich auch dein freundliches Angesicht und deine Herrlichkeit sehen. Gott heiliger Geift, du einziger Trost aller Betrübten! stärke und tröfte mein fleinmüthiges und trauriges Herz, bewahre meinen Glauben, den du Geistlicher Rathgeber 2c. H Zweite Abtheilung. H. Abschnitt. in mir wirfest und laß das glimmende Döchtlein nicht verlöschen. Behüte mich vor des bösen Feindes Anfechtungen. Laß mein Herz vor dem Tode nicht erschrecken noch verzagen, wehre aller Ungeduld, und mache mich willig, Gott, meinem Herrn, gehorsam zu sein. Hilf mir mein Leben selig und fröhlich beschließen, bewahre mein Herz und Sinne in dem Frieden meines Herrn Jesu Christi. Und wenn ich nicht mehr reden kann, so bewahre und versiegle das Gedächtniß des heiligen Namens Jesu Chrifti in meinem Herzen, und laß mich in demselben seliglich entschlafen. 170 19) Gebet, wenn der Tod herannahet. O starker, allmächtiger Gott! du bist gnädig und barmherzig, geduldig, von großer Güte und Treue, vergiebst Sünde und Missethat! zu dir rufe ich, du wollest mir alle meine Sünden aus Gnaden verzeihen und meine Seele wider alle Anfechtung stärken und erhalten. Komm mir zu Hülfe und stehe mir bei, daß der Glaube in mir nicht wanke, die Hoffnung nicht verzage, die Liebe nicht erkalte, menschliche Schwachheit vor Schrecken des Todes nicht versinke. Und da mein Stündlein sich genaht, so laß mich in Frieden fahren, denn meine Augen haben deinen Heiland geschen, welchen du bereitet haft vor allen Völkern, ein Licht, zu er Frendigkeitsfeufzer auf dem Sterbebette. 171 leuchten die Heiden und zum Preise deines Volkes Israel. An diesen Heiland glaube ich, auf ihn hoffe ich. Ach Herr! laß mich nicht zu Echanden. werden, denn du bist meine Hülfe und Stärke. Siehe mich an mit den Augen deiner Barmherzigkeit, und wende mir zu deine väterliche Huld, durch Jesum Chriftum, deinen Sohn, der mit seinem heiligen Leiden und Sterben uns eine ewige Erlösung erworben hat. Amen. 20) Freudigkeitsfeufier auf dem Sterbebette. Wovor sollte ich mich fürchten? denn wir haben einen Gott, der da hilft, und den Herrn Herrn, der vom Tode errettet. Wie könnte der Tod mir schaden? habe ich doch Den im Herzen, der den Tod verschlungen hat in den Sieg. Warum sollte mir grauen vor dem Sterben? da Christus, das ewige Leben, auch mein Leben ist, dem ich eingeleibet bin durch den Glauben. Herr! wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde, wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Theil. Amen. 21) Gebet eines Sterbenden, worin er von den Seinige:: Abschied nimmt und sie fegnet. Nun ich befehle euch Gott und dem Wort seiner Gnade, der da mächtig ist euch zu erbauen, und zu H* Zweite Abtheilung. II. Abschnitt. geben das Erbe unter allen, die geheiligt werden ( Apost. Gesch. 20, 32.). 172 Herr! ich fühle es, daß die Stunde meines Abschieds von dieser Welt nicht mehr fern ist, darum übergebe ich mich dir auf's Neue an Leib und Seele. Bewahre und erhalte mich, du getreuer und starker Gott! und bringe du, Herr Jesu! mich durch die Kraft deines bittern Leidens und Sterbens in die himmlische Schaar deiner Auserwählten. Ich bitte aber, o Herr! nicht blos für mich, sondern auch für die Meinigen. Indem ich nun Abschied nehme von allen meinen Verwandten, Freunden und Bekannten, befehle ich sie dir, du großer und barmherziger Gott! Nimm sie in deinen Schuß und decke sie mit den Flügeln deiner Gnade. Erweise ihnen Gutes für die Liebe, die sie mir erwiesen haben; ich kann es ihnen nicht vergelten, so thue du es, o Gott! an meiner Statt und sei du ihnen ein reicher Vergelter. Ich verlaffe die Meinigen, aber du wollest sie nicht verlassen. Erhalte sie in deiner Furcht und Liebe, stärke und mehre ihren Glauben und gieb, daß sie täglich zunehmen in wahrer Gottseligkeit, damit wir uns im ewigen Leben freudig wiedersehen mögen. Ich gehe den Weg aller Welt, ich gehe vor den Meinigen her, aber alle, die dir, Herr Jesu! angehören, bleiben mit einander verbunden in dir, mögen sie im Himmel oder auf Erden Gebet vor dem Ende eines Sterbenden. sein, dort aber werden alle Kinder Gottes einst zusammen erscheinen vor den Throne deiner Herrlichkeit. Diejenigen aber, welche ich hinterlasse und denen mein Abschied von der Welt schmerzlich ist, die tröfte mit deiner Hülfe, du gnädiger und treuer Gott! und gieb ihnen deinen reichen Segen. Ja, der Herr segne euch, ihr meine geliebten Angehörigen! Er segne euch auch an Leib und Seele; er sei hinfort euer Vater, Versorger und Pfleger; er nehme euch in seinen allmächtigen Schuß; er beschere euch alle leibliche und geistliche Nothdurft und bewahre euch vor allem Uebel. Wandelt vor Gott und seid fromm, lasset nicht von ihm, so wird er nicht von euch lassen; stehet fest im Glauben an Christum unsern Heiland, auf daß ihren rechten Frieden findet und bleibet ihm getreu bis in den Tod, so wird er euch die Krone des Lebens geben. Der Gott aller Gnaden und Barmherzigkeit segne euern Ausgang und Eingang und mache euch geschickt zu allem guten Werk. Seid vollkommen, tröstet euch, habt einerlei Sinn, seid friedsam, so wird der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein. 500 173 O Herr, du getreuer und reicher Gott! ich habe sie gesegnet in deinem Namen, laß sie denn auch geſegnet bleiben. Und hiermit lege ich sie mit süßer Zuversicht in deine Arme. Nimm meine Seele Zweite Abtheilung. II. Abschnitt. hin, nimm sie auf in die ewige Freude. Ich habe Lust abzuscheiden und bei Christo zu sein. O komm, Herr Jesu! komm. Dir leb' ich, dir sterb' ich, dir bin ich todt und lebendig. Der Herr erleuchte sein Angesicht auf uns, ihr meine Theuern, und bewahre uns zum ewigen Frieden. Bleibt getreu im Glauben, daß wir uns wiedersehen im seligen Schauen der ewigen Herrlichkeit unseres Gottes und Heilandes. 174 Dort will ich nun ewig wohnen, Meine Lieben, gute Nacht! Eure Treu' wird Gott belohnen, Die ihr habt an mir vollbracht. Liebste Kinder und Verwandte, Brüder, Freunde und Bekannte, Lebet wohl zu guter Nacht, Gott sei Dank, es ist vollbracht! 22) Bibelstellen, welche einem Sterbenden vorzusprechen sind. Herr ich warte auf dein Heil. 1 Mos. 49, 18. Psalm 16, 11. Du thust mir fund den Weg zum Leben; vor dir ist Freude die Fülle, und liebliches Wesen zu deiner Rechten ewiglich. Psalm 23, 4. Ob ich schon wanderte im finstern. Thal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir; dein Stecken und Stab trösten mich. Psalm 27, 13. 14. Ich glaube, daß ich sehen werde das Gute des Herrn im Lande der Lebendigen. Harre des Herrn; sei getroft und unverzagt, und harre des Herrn. Bibelstellen für Sterbende. Psalm 25, 17. 18. Die Angst meines Herzens ist groß; führe mich aus meinen Nöthen. Siehe an meinen Jammer, und vergieb mir alle meine Sünden. 175 1 Tim. 1, 15. Das ist je gewißlich wahr und ein theures werthes Wort, daß Christus Jesus gekommen ist in die Welt, die Sünder selig zu machen, unter welchen ich der vornehmste bin. Joh. 3, 16. Also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingebornen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. 2 Tim. 1, 12. Ich weiß, an welchen ich glaube, und bin gewiß, daß er kann mir meine Beilage bewahren bis an jenen Tag. 2 Tim. 2, 8. Halt im Gedächtniß Jesum Christum, der auferstanden ist von den Todten. Joh. 11, 25. 26. Jesus spricht: Ich bin die Auferstehung und das Leben, wer an mich glaubet, der wird leben, ob er gleich stürbe, und wer da lebet und glaubet an mich, der wird nimmermehr sterben. Philipp. 1, 21. Christus ist mein Leben, Sterben ist mein Gewinn. 1 Petri 1, 3-5. Gelobet sei Gott und der Vater unsers Herrn Jesu Christi, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer Zweite Abtheilung. II. Abschnitt. lebendigen Hoffnung, durch die Auferstehung Jesu Christi von den Todten, zu einem unvergånglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das behalten wird im Himmel euch, die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahret werdet zur Seligkeit. Offenb. 2, 7. Wer überwindet, dem will ich zu essen geben von dem Holze des Lebens, das im Paradies Gottes ist. Offenb. 2, 10. Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben. 2 Tim. 4, 7. 8. Ich habe einen guten Kampf gekämpfet, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten. Hinfort ist mir beigelegt die Krone der Gerechtigkeit, welche mir der Herr an jenem Tage, der gerechte Richter, geben wird; nicht mir aber allein, sondern auch allen, die seine Erscheinung lieb haben. Röm. 8, 15-18. Ihr habt nicht einen knechtischen Geist empfangen, daß ihr euch abermal fürchten müßtet; sondern ihr habt einen findlichen Geist empfangen, durch welchen wir rufen: Abba, lieber Vater! Derselbe Geist giebt Zeugniß unserm Geist, daß wir Gottes Kinder sind. Sind wir denn Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, so wir anders mit leiden, auf daß wir auch mit 176 Bibelstellen für Sterbende. zur Herrlichkeit erhoben werden. Denn ich halte es dafür, daß dieser Zeit Leiden der Herrlichkeit nicht werth sei, die an uns soll offenbart werden. 177 Offenb. 14, 13. Selig sind die Todten, die in dem Herrn sterben von nun an. Ja, der Geist spricht, daß sie ruhen von ihrer Arbeit, denn ihre Werke folgen ihnen nach. 1 Petr. 1, 8. 9. Ihr werdet euch freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude, und das Ende eures Glaubens davon bringen, nämlich der Seelen Seligkeit. 1 Petr. 5, 10. 11. Der Gott aller Gnade, der uns berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christo Jesu, derselbige wird euch, die ihr eine kleine Zeit leidet, vollbereiten, stärken, kräftigen, gründen. Demselbigen sei Ehre und Macht, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. 2 Tim. 4, 18. Der Herr wird mich erlösen von allem Uebel und aushelfen zu seinem himmlischen Reich, welchem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigfeit, Amen. Offenb. 22, 20. Amen. Ja, komm, Herr Jesu! Luc. 2, 29. 30. Herr! nun läsfest du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt haft; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen. H** Zweite Abtheilung. II. Abschnitt. Luc. 23, 46. Vater! ich befehle meinen Geist in deine Hände! 178 23) Troflieder für Sterbende. Erstes Lied. In eigener Melodie. Wenn mein Stündlein vorhanden ist Und ich soll fahr'n mein' Straße, So g'leit du mich, Herr Jesu Christ! Mit Hülf' mich nicht verlasse; Mein Seel' an meinem letzten End' Befehl ich, Herr, in deine Händ', Du wirst sie wohl bewahren. Mein' Sünd' mich werden kränken sehr, Mein Gewissen wird mich nagen, Denn ihr'r sind viel, wie Sand am Meer; Doch will ich nicht verzagen, Gedenk'n will ich an deinen Tod; Herr Jesu, deine Wunden roth, Die werden mich erhalten. Ich bin ein Glied an deinem Leib, Deß tröst' ich mich von Herzen; Bon dir ich ungeschieden bleib' In Todesnoth und Schmerzen; Wenn ich gleich sterb', so sterb' ich dir; Ein ew'ges Leben hast du mir Durch deinen Tod erworben. Weil du vom Tod erstanden bist, Werd' ich im Grab nicht bleiben, Mein höchster Trost dein Auffahrt ist, BURS 3 Trostlieder für Sterbende. Tod'sfurcht kannst du vertreiben; Denn, wo du bist, da komm ich hin, Daß ich stets bei dir leb und bin, D'rum fahr' ich hin mit Freuden. So fahr' ich bin zu Jesu Christ, Mein' Arm' will ich ausstrecken; So schlaf' ich ein, und ruhe fein, Kein Mensch kann mich aufwecken, Denn Jesus Christus, Gottes Sohn, Der wird die Himmelsthür aufthun, Mich führ'n zum ew'gen Leben. 3 weites Lied. In eigener Melodie. Aus tiefer Noth schrei' ich zu dir, Herr Gott, erbör' mein Rufen! Dein gnädig's Ohr neig' her zu mir, Und meiner Bitt' sie öffen', Denn so du willst das sehen an, Was Sünd' und Unrecht ist gethan, Wer kann, Herr, vor dir bleiben? 179 Darum auf Gott will boffen ich, Auf mein Verdienst nicht bauen, Auf ihn mein Herz soll lassen sich, Tite Bei dir gilt nichts denn Gnad' und Gunst, Die Sünde zu vergeben, Es ist doch unser Thun umsonst, Auch in dem besten Leben; Vor dir niemand sich rühmen kann, Teß muß dich fürchten jedermann, Und deiner Gnade leben. 180 Zweite Abtheilung. II. Abschnitt. Und seiner Güte trauen, Die mir zusagt sein werthes Wort, Das ist mein Trost und treuer Hort, Deß will ich allzeit harren.d Und ob es währt bis in die Nacht, Und wieder an den Morgen, Doch soll mein Herz an Gottes Macht Verzweifeln nicht, noch sorgen, So thu' Ifrael rechter Art, Der aus dem Geist erzeuget ward, Und seines Gottes harret. Ob bei uns ist der Sünden viel, Bei Gott ist viel mehr Gnade, Sein' Hand zu helfen hat kein Ziel, Wie groß auch sei der Schade. Er ist allein der gute Hirt, Der Israel erlösen wird Aus seinen Sünden allen. Drittes Lied. In eigener Melodie. Mitten wir im Leben sind Mit dem Tod umfangen; Wen suchen wir, der Hülfe thut, Daß wir Gnad' erlangen? Das bist du, Herr, allein; Uns reuet unsre Missethat, Die dich, Herr, erzürnet hat. Heiliger Herre Gott! Heiliger, starker Gott! Heiliger, barmherziger Heiland, Trostlieder für Sterbende. Du ewiger Gott! Laß uns nicht verfinken In des bittern Todes Noth. Herr, erbarm' dich unser! Mitten in dem Tod ansicht Uns der Höllen Rachen, Wer will uns aus solcher Noth Frei und ledig machen? Das thust du, Herr, alleine. Es jammert deine Barmherzigkeit Unser Sünd' und großes Leid. Heiliger Herre Gott! Heiliger, starker Gott! Heiliger, barmherziger Heiland! Du ewiger Gott! Laß uns nicht verzagen Vor der tiefen Höllenglut. Herr, erbarm dich unser! Mitten in der Höllen Angst Unser Sünd' uns treiben, Wo sollen wir denn fliehen hin, Da wir mögen bleiben? Zu dir, Herr Chrift, alleine; Vergossen ist dein theures Blut, Das g'nug für die Sünde thut. Heiliger Herre Gott! Heiliger, starker Gott! Heiliger, barmherziger Heiland! Du ewiger Gott! Laß uns nicht entfallen Von des rechten Glaubens Trost! Herr, erbarm' dich unser! 181 Zweite Abtheilung. II. Abschnitt. Viertes Lied. In eigener Melodie. Wachet auf! ruft uns die Stimme Der Wächter sehr hoch auf der Zinne; Wach' auf, du Stadt Jerusalem! Mitternacht heißt diese Stunde; Sie rufen uns mit frohem Munde: Wo seid ihr klugen Jungfrauen? Wohl auf der Bräut'gam kömmt, Steht auf, die Lampen nehmt! Hallelujah! macht euch bereit Zu der Hochzeit, Ihr müsset ihm entgegen geh'n! 182 Zion hört die Wächter fingen, Das Herz thut ihr vor Freude springen, Sie wachet und steht eilend auf. Ihr Freund kommt vom Himmel prächtig, Von Gnaden stark, von Wahrheit mächtig, Ihr Licht wird hell, ihr Stern geht auf. Nun fomm', du werthe Kron', Herr Jesu, Gottes Sohn! Hosianna! wir folgen all' Zum Freudensaal Und halten mit das Abendmahl. Gloria sei dir gesungen Mit Menschen und mit Engelzungen, Mit Harfen und mit Gymbetń schon. Von zwölf Perlen sind die Thore An deiner Stadt; wir steh'n im Chore Der Engel hoch um deinen Thron. Kein Aug' hat je gesch'n, hled InG Trostlieder für Sterbende. Kein Ohr hat je gehört Solche Freude; D'rum jauchzen wir, und singen dir Das Hallelujah für und für! Fünftes Lied. In eigener Delodie. Jesus, meine Zuversicht Und mein Heiland, ist im Leben. Dieses weiß ich, sollt' ich nicht Darum mich zufrieden geben? Was die lange Todesnacht Auch mir für Gedanken macht. Jesus, er mein Heiland, lebt, Ich werd' auch das Leben schauen, Sein, wo mein Erlöser schwebt; Warum sollte mir denn grauen? Lässet auch ein Haupt sein Glied, Welches es nicht nach sich zieht? Ich bin durch der Hoffnung Band 3u genau mit ihm verbunden, Meine starke Glaubenshand Wird in ihm gelegt erfunden, Daß mich auch kein Todesbann Ewig von ihm trennen kann. Ich bin Fleisch und muß daher Auch einmal zu Asche werden, Das gesteb' ich, doch wird er Mich erwecken aus der Erden, Daß ich in der Herrlichkeit Um ihn sein mög' allezeit. 183 hoar 512 100 176 184 Zweite Abtheilung. II. Abschnitt. Dann wird eben diese Haut Mich umgeben, wie ich's gläube; Gott wird werden angeschaut Dann von mir in diesem Leibe; Und in diesem Fleisch werd' ich Jesum sehen ewiglich. od 80 0800 Dieser meiner Augen Licht Wird ihn, meinen Heiland, fennen; Ich, ich selbst, ein Fremder nicht, Werd' in seiner Liebe brennen; Nur die Schwachheit um und an Wird von mir sein abgethan. Was hier franfet, seufzt und fleht, Wird dort frisch und herrlich gehen; Irdisch werd' ich ausgefä't, Himmlisch werd' ich auferstehen; Hier geh' ich natürlich ein, Nachmals werd' ich geistlich sein. Seid getrost und hocherfreut! Jesus trägt euch, meine Glieder! Gebt nicht Statt der Traurigkeit. Sterbt ihr, Christus ruft euch wieder, Wenn die letzt' Posaun' erklingt, Die auch durch die Gräber dringt. Lacht der finstern Erdenkluft, Lacht des Todes und der Höllen; Denn ihr sollt euch durch die Luft Eurem Heiland zugesellen. Dann wird Schwachheit und Verdruß Liegen unter eurem Fuß. AN Trostlieder für Sterbende. Nur, daß ihr den Geist erhebt Von den Lüsten dieser Erden Und euch dem schon jetzt ergebt, Dem ihr beigefügt wollt werden. Schickt das Herze da hinein, Wo ihr ewig wünscht zu sein. Sechstes Lied. In eigener Velodie. Meinen Jesum laß ich nicht; Weil er sich für mich gegeben, So erfordert meine Pflicht, Als ein Glied an ihm zu kleben. Er ist meines Lebens Licht, Meinen Jesum laß ich nicht. Jesum laß' ich ewig nicht, Weil ich soll auf Erden leben. Ihm hab' ich voll Zuversicht, Was ich bin und hab', ergeben. Alles ist auf ihn gericht't. Meinen Jesum laß ich nicht. Laß vergehen das Gesicht, Hören, Schmecken, Fühlen weichen; Laß das leßte Tageslicht Mich auf dieser Welt erreichen; Wenn der Lebensfaden bricht, Meinen Jesum laß' ich nicht. Ich werd ihn' auch lassen nicht, Wenn ich nun dahin gelanget, Wo vor seinem Angesicht Aller Frommen Glaube pranget; 185 186 du is ster ebl Zweite Abtheilung. II. Abschnitt. Mich erfreut sein Angesicht. Meinen Jesum laß ich nicht. Bastion and Nicht nach Welt, nach Himmel nicht sin Meine Seele wünscht und sehnet, Jesum sucht sie und sein Licht, Der mich hat mit Gott versöhnet, Mich befreiet vom Gericht. Meinen Jesum laß ich nicht.rs THUI Jesum laß ich nicht von mir, Geh' ihm ewig an der Seiten, Christus läßt mich für und für m me Zu dem Lebensbächlein leiten. Hidid( 85 Selig, der mit mir so spricht: Meinen Jesum laß' ich nicht. 24) Gebet der Umslehenden für einen Sterbenden. Allmächtiger Gott, liebreicher himmlischer Bater! der du erhältst unser Leben im Tode, wir fallen in Demuth und Vertrauen vor dir nieder, und bitten dich, wende die Augen deiner Barmherzigkeit auf diesen Sterbenden, und erquicke ihn an Leib und Seele. Vergieb ihm in Gnaden alle seine Sünden, und nimm das Todesopfer deines lieben Sohnes zur Bezahlung seiner Missethat; denn auch er ist ja auf dessen Namen getauft und mit dem Blute desselben zum ewigen Friedensbunde versiegelt worden. Lindere und verkürze seine Schnerzen und erlöse ihn nun bald von des Leibes Pein und Banden. Erhalte ihn stark wider die Anklage 187 Gebet der Umstehenden für Sterbende. des Gewissens, wappne ihn gegen alle Anfechtungen des Teufels und hilf ihm, daß er im Glauben ritterlich kämpfe und überwinde. Berleihe ihm eine selige Heimfahrt zum ewigen Leben. Sende deine heiligen Engel her, daß sie ihn geleiten zu der Versammlung aller Auserwählten im Lichte, und wie wir hier vereinigt mit ihm sind im Glauben, laß uns einst auch mit ihm verbunden werden im seligen Schauen durch Jefum Chriftum, unsern Herrn. Amen. 25) Gebet der Umstehenden, wenn der Kranke verfchieden ist. Offenb. 14, 13. Selig find die Todten, die in dem Herrn sterben von nun an. Ja, der Geist spricht, daß sie ruhen von ihrer Arbeit, denn ihre Werke folgen ihnen nach. Allmächtiger, getreuer Gott und Vater! so lässest du, als der gewaltige Herr über Lebendige und Todte, einen nach dem andern dahin fahren, und sprichst: Kommet wieder, Menschenkinder! Wir sagen dir von Grund unsers Herzens Dank, daß unser armes Gebet gnädiglich erhöret und unserem lieben Entschlafenen( unserer lieben Entschlafenen) die Schmerzen des Todes aufgelöset und ihm( ihr) zur Ewigkeit durchgeholfen haft. Wir leben der guten Zuversicht, daß du seine( ihre) Seele in das Bündlein der Lebendigen eingebunden und zum hö 188 Zweite Abtheilung. II. Abschnitt. hern Frieden mit dir vereint haft. O wie selig sind, die also in dem Herrn sterben! Wie selig, die aus der Unruhe dieser Welt zur stillen Heimath abgerufen sind! p158 Gott alles Trostes, Vater der Wittwen und Waisen! der du nach deinem heiligen Rath dies theure Glied unseres Hauses von uns weggenommen, wir bitten dich in Demuth und Zuversicht, daß du uns, die gebeugten, verwaiseten Hinterbliebenen, kräftig aufrichten und trösten wolleft durch deinen heiligen Geist, daß wir uns deinem väterlichen Willen in christlicher Geduld und findlichem Vertrauen unterwerfen. Erquicke uns, Herr! mit deiner Hülfe und erseße uns, was wir vermissen, aus dem unendlichen Reichthum deiner Barmherzigkeit. Und weil allen Menschen geseßt ist, einmal zu sterben und darnach das Gericht, so laßt uns solches bei diesem Todesfall recht zu Herzen nehmen, und stets daran denken, daß auch wir sterben müſsen. Hilf uns, daß wir uns beständig auf deine Erscheinung bereit halten, daß wir dir, wenn du uns abrufest, mit Freutigkeit folgen können. Wir haben ja hier keine bleibende Stätte, sondern wir suchen die, welche zukünftig ist. Unser wahres Vaterland und Bürgerrecht ist aber im Himmel, von dannen wir auch warten unseres Heilandes Jesu surrola Gebet der Umstehenden für Sterbende. Christi, welcher unsern nichtigen Leib verklären wird, daß er ähnlich werde seinem verklärten Leibe, aus dem wir ihn schauen werden von Angesicht zu Angesicht. Id nurg J Wie wird mir sein, talajor3 bills Ho Wenn ich dich, Jesu, sebe In deiner göttlich hohen Majestät; Wenn ich verklärt vor deinem Throne stehe, Gwigkeit mich Staunenden umweht! ſein! 189 hort and rad Istina indi O Herr! ich faß es nicht, pindig aid mud Bad Nur Thränen rinnen von dem Angesicht. bu Wie wird mir ſein, Wenn ich sie wiedersehe Die Theuren alle, die ich hier geliebt; d Wenn ich mit ihnen in des Heilands Nähe sunris Lobsingend weil', von Trennung nie getrübt, Wie wird mir sein! GHE 910-15mied Freuden obne Zabl, bud Ihr strömet Licht ins dunkle Todesthal. Amen. med no biblpis bmw 30 of 130 b) olin liver dull * 00-0000- nd du mini us u the Union mit ind bloj Sum drif bun and shind Hared bu daus snind un gidnoipd- ean iar god mu i nj u mmor id nio Rod ઈને 1910 at the stunda onu Gesammt- Auflage des Buches: 13100 Erempl.dad 307 190110 o andar minil fl ginting biser sid asut nad Ismi mi do fl bom du drainst pe odmaling asur munur chun o mund Druck von Fr. Klöppel in Eisleben. alg Der christliche Verein im nördlichen Deutschland. Der Zweck dieses Vereins ist, durch Verbreitung größerer Er. bauungsschriften chriftliches Leben im Volke zu erwecken und zu unterhalten. In jedem Jahre giebt er deren zwei heraus, welche den Mitgliedern unentgeltlich zugesandt werden. Mitglied des Vereins ist jeder, der einen bestimmten Beitrag von Einem Thaler jährlich entrichtet. Anmeldungen zum Beitritt und Anfragen in Betreff des Vereins find zu richten an den Geschäftsführer desselben, Superint Westermeier in Elbeu bei Magdeburg, unter der innerhalb der preußischen Staaten vortofreien Rubrik: ,, Angelegenbetten des chriftlichen Vereins im nördlichen Deutschland." wobei jedoch der Name des Absenders auf dem( onvert zu bemerken ift. Unter derselben Aufschrift sind bei dem genannten Geschäftsführer auch nachfolgende Schriften zu bestellen, welche in der Niederlage der Schriften des christlichen Bereine zu Eisleben, in Pappe gebunden, unter beistehenden Preisen vorräthig find: * Hauspostille. 5 Bde. * Grinteipredigten. 3 Bde. * Kirchengeschichte. 7 Bde. Offenbarungen Gottes in Gesch. a. T. " reben Jesu * Die heilige Passion * Wedstimmen in bibl. Betrachtungen auf alle Tage. 3 Bde. Andenken an den h. L. der Gonfirmation Lebrkatechismus Lernfatechismus Evangelisches Kirchengesangbuch * Krankenbuch * Die Pforte. 2 Bde. * Besverglode * Gebetbuch ♦ Beicht, und Communionbüchlein * Biblische Andachten. 2 Bde. * Die Frage: Was feblt mir noch? * briftliche Unterhaltungen Bethanien Der Brorbet Jeremia * Geschichte der französischen Revolution * Des Glaubens Troft * Der Friedensbote.( Erzählungen) Neuer christlicher Rinderfreund * Cbriftlicher Unterricht vom lieben Kreuz " Troftbüchlein * Geschichte der deutschen Freiheitskriege Weisungen zur Wahrheit in Gedichten * Missionsbüchlein. 2 Bde. Geistlicher Rathgeber für Kranke u. Sterbende * Deutscher Volfsspiegel. 2 Bde. * Der evang. Glaube, dargestellt u. vertheidigt in Briefen * Auslegung der Epistel Pauli an die Colosser wf Sgr. de 20306 |||||||||||||||||||||| 12 6 12 351755475382331056 6 |||| Kamerad Hechel Beata Sturm " Das Leiden u. Sterben unsers Herrn Jesu Chrifti Kleiner Piederschat " Das bimmlische Jerusalem Gottes Die urgeschichte des Menſchengeschlechts " Ein Wildling Molleri Praris evangelica. 3 Bde.( Predigten über die Sonn- und Festtagsevangelien) * Molleri Braxis evangelica. Ar Bd.( Predigten über die ten über die Evangelien der Aposteltage) * Fluch und Segen Der heilige Advent Das menschliche Leben. 2 Bde. Ebestandsbuch * Nicolaus Lange und Matthias Bahil " Das Volf und seine Treiber * Unterricht über die Beichte u. d. Abendmahl Hirt und Heerde Blüthen aus dem Garten Gottes.( Erzählungen) * Elim.( Wanderbuch) Tägliches Kniebeugen. 1. n. 2. Heft. Apoftelgeschichte Cbriftliche Weinlese.( Erzählungen) Die Gemeinde ein Senfforn. Bibelbetbuch. 2 de. Der beilige Krieg Chriftliche Haustafel • muß Sgr. de ADIT S17912 615 1 1035274546 4 12 4 5 5 2|||||| ❤❤ 18 12 6 1 aalalilaalallal Confirmationsicheine, diverse, 100 Stüc 15 Die mit einem bezeichneten Bücher sind auch in elegantem Einbande zu mäßig erhöhten Preisen in unserer Niederlage zu Eisleben zu haben. 6 Bemerkung. Werden oben genannte Bücher durch die Buchhandlung bezogen, so tritt ein um 33¹ 3% erhöheter Ladenpreis ein. Ebenso erhöhen Portoauslagen, wo sie nöthig werden, in unbestimmter Weise den Preis. sit and ni mdad ag dun nis milih nid brud insing ( 51819 in 1sq018 Rupu is unliste mutial spoirsd Inches Centimetres Blue 2 3 2 Cyan 15 6 7 Farbkarte# 13 Green 3 8 Yellow 9 10 Red 11 12 5 13 Magenta 14 ( O 6 15 16 White 17 7 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 8