1922 Aub dem Klienschen, Legat. öfteren 1874. Minna Weickert. Uni Sibl. Giessen Schul- Gesangbuch der Stadt Görlik. Görlik. Verlag des Waisenhauses. 1868. بار کاری 1922 12 A. Allgemeine Kirchenlieder. Adventlieder. Weihnachtslieder Passionslieder Osterlieder Pfingstlieder. Trinitatislieder. Inhalts- Verzeichniß. Allgemeine Gebet-, Lob- und Danklieder Lieder von Gott Lehramt und Wandel Jesu. Die Kirche Christi Das Wort Gottes Die heiligen Sakramente Das Gebet Gottesdienst Bußlieder Christlicher Sinn und Wandel Trostlieder Morgenlieder Abendlied B. Schullieder. Anfang des Schuljahres Anfang des Unterrichts Schluß des Unterrichts Wochenschluß Deffentliche Prüfung Reformationsfest Königs Geburtstag Sterbelieder Jahreswechsel No. 1-3 4-5 6-8 9-10 11-12 13-14 15-24 25-26 = = = = 27 28 29 30-32 33 34 35-36 37-49 50-51 53-63 64 65 66-68 69 70-71 72 73 74-76 77-82 83-86 Alphabetisches Register. Görlitzer Gesangbuch. N. Ach bleib mit deiner Gnade Alle Menschen müssen sterben Allein Gott in der Höh'. An dich, mein Gott, gedenken Auf, auf, den Herrn zu loben Auferstehn, ja auferstehn Auf Gott und nicht auf meinen Auf meinen lieben Gott Aus tiefer Noth Befiehl du deine Wege Bis hierher hat mich Gott Christus, der ist mein Leben Dein König kommt in niedern. Dein Wort, o Höchster, ist vollkommen Dem Herrn sei Dank. Der Morgen glänzt im jungen Lichte Dies ist der Tag Dir dank' ich für mein Leben Dir, dir, Jehovah, will Du sollst in allen Sachen Ein' feste Burg. Ein neuer Tag, ein neues Eins ist noth Er ruft der Sonn' und schafft Es wolle Gott uns gnädig sein .. .. 1 Nöldeke. No. GG. 1 781 54 467 693 815 471 472 391 473 8 782 100 297 N. 386 66. 696 121 699 353 67 №. 373 73 GG. 264 56 700 36 395 83 669 28 268 No. 15 80 13 38 53 82 39 40 35 41 16 81 1 29 68 54 4 55 33 - # = - - A - # ST = M # = A A M Gelobet seist du, Jesu Christ Gott, deine Güte reicht Gott des Himmels und der Erden Gott, wie flügelschnell. Halt an, mein Herz Heil unserm König. Herzliebster Jesu, was Heut öffnet sich die neue Himmelan geht.. Ich bin getauft auf Jesu Ich habe nun den Grund Ich finge dir mit Herz Jesus lebt, mit ihm Jesus, meine Zuversicht Jetzt leb' ich, ob ich In allen meinen Thaten. In deiner Stärke freue Lass' diesen Tag gesegnet sein Liebster Jeju, wir sind Lobe den Herren, den. Mache dich, mein Geist Mag auch der Glaube. Meine Lebenszeit verstreicht Meinen Jesum lass' ich nicht Mein erst' Gefühl Mir nach, spricht Christus Mit Ernst, o Menschenkinder Mit Gott gehn wir Nicht um ein flüchtig Gut Noch läßt der Herr mich leben Nun bitten wir den heiligen Geist Nun danket Alle Gott Nun laßt uns gehn und treten Nun ruhen alle Wälder. O daß ich tausend Zungen O daß von meinen Lebenstagen O Gott, du frommer Gott. No. 5 6. 129 498 No. 52569 42 57 66 50 76 6 65 43 30 37 17 9 10 24 45 78 - 322 456 30 211 212 77 767 44 526 74 661 72 N. 403 34 GG. 378 N. 197 45 GG. 534 768 770 538 710 540 110 673 38 713 250 39 674 744 43 544 44 79 46 58 47 2 84 18 59 11 19 85 64 20 48 21 705 N. 366 GG. 598 66. 174 N. 363 66.511 = F S A ✔ = 4 = # == S S H = - d O Haupt voll Blut und Wunden Oheil'ger Geist, kehr' O Lamm Gottes Schmücke dich, o liebe Seele Schon nahet sich die Feierzeit Sei Lob und Ehr'. So ist die Woche nun geschlossen Sollt' ich meinem Gott nicht So sind der Woche Stunden Inwiederbringlich schnell entfliehut Vater, kröne du mit Segen Wach' auf, mein Herz und singe. Was Gott thut, das ist wohlgethan Was mein Gott will, das g'scheh'. Welch' hohes Beispiel gabst du. Wenn ich einst von jenem Schlummer Wenn ich, o Schöpfer, deine Macht Wer nur den lieben Gott läßt. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte Wie soll ich dich empfangen. Willkommen, edles Morgenlicht Wir glauben All' an einen Gott Wir glauben All' und bekennen Zu deinem Preis und Ruhme • No. No. 7 66. 182 12 254 8 183 31 349 69 N. 397 22 66. 46 71 750 23 48 70 N. 399 86 GG. 675 75 662 60 718 51 617 52 620 27 156 61 719 26 79 49 25 3 62 14 32 63 = = 11 = = = 568 71 115 721 72 351 722 A. Allgemeine Kirchenlieder. Adventlieder. Mel. Ach Jesu, meiner Seelen 2c. Hebr. 2, 17. 1. ein König kommt in niedern Hüllen, sanftmüthig, auf der Ef'lin Füllen; empfang' ihn froh, Jerusalem! Trag' ihm entgegen Friedenszweige, bestreu' mit Maien seine Steige; so ist's dem Herren angenehm. 2. O mächt'ger Herrscher ohne Heere, gewalt'ger Kämpfer ohne Speere, o Friedensfürst von großer Macht! Oft wollten dir der Erde Herren den Weg zu deinem Throne sperren, doch du gewannst ihn ohne Schlacht. 3. Dein Reich ist nicht von dieser Erden, doch alle Erdenreiche werden dem, was du gründest, unterthan. Bewaffnet mit des Glaubens Worten, zieht deine Schaar nach den vier Orten der Welt hinaus, und macht dir Bahn. 4. Und wo du kommest hergezogen, da eb'nen sich des Meeres Wogen; es schweigt der Sturm, von dir bedroht; du kommst, auf den empörten Triften des Lebens neuen Bund zu stiften und schlägst in Fessel Sünd' und Tod. 5. D Herr von großer Huld und Treue, o, komme du auch jetzt auf's Neue zu uns, die wir sind schwer verstört! Noth ist es, daß du selbst hienieden kommst, zu erneuen deinen Frieden, dagegen sich die Welt empört. 6. D, laß dein Licht auf Erden siegen, die Macht der Finsterniß erliegen, und lösch der Zwietracht Glimmen aus; daß wir, die Völker und die Thronen, vereint als Brüder wieder wohnen in deines großen Vaters Haus! Friedrich Rückert, 1780-1866. 1 A. Allgemeine Mel. Von Gott will ich nicht zc. 1. Petri 3, 15. 2. Mit Ernst, o Menschenkinder, das Herz in euch bestellt! Bald wird das Heil der Sünder, der wunderstarke Held, den Gott aus Gnad' allein der Welt zum Licht und Leben gesendet und gegeben, bei Allen kehren ein. 2 2. Bereitet doch fein tüchtig den Weg dem großen Gast, macht seine Steige richtig, laßt Alles, was er haßt; macht alle Bahnen recht, die Thal' laßt sein erhöhet, macht niedrig, was hoch stehet, was frumm ist, gleich und schlecht. 3. Ein Herz, das Demuth liebet, bei Gott am höchsten steht; ein Herz, das Hochmuth übet, mit Angst zu Grunde geht; ein Herz, das richtig ist und folget Gottes Leiten, das kann sich recht bereiten, zu dem kommt Jesus Christ. 4. Ach, mache du mich Armen zu dieser heil'gen Zeit aus Güte und Erbar men, Herr Jesu, selbst be reit! Beuch in mein Herz hinein vom Stall und wo der Krippen: so werden Herz und Lippen dir allzeit dank bar sein. Valentin Thilo, 1607-1662. Kirchenlieder. Mel. Valet will ich dir 2c. Joh. 1, 11. 12. 3. Wie ſoll ich dich empfangen, und wie begegn' ich dir? D aller Welt Verlangen, o meiner Seelen Zier! O Jesu, Jesu, setze mir selbst die Fackel bei, damit, was dich ergöße, mir kund und wissend sei! 2. Dein Zion streut dir Palmen und grüne Zweige hin, und ich will dir in Sinn. Mein Herze soll dir Psalmen ermuntern meinen grünen in stetem Lob und Preis, und deinem Namen dienen, so gut es kann und weiß. 3. Was hast du unterlassen zu meinem Trost und Freud'? Als Leib und Seele saßen in ihrem größten Leid? Als mir das Reich genommen, da Fried' und Freude lacht, da bist du, mein Heil kommen, und hast mich froh gemacht. 4. Jch lag in schweren Banden, du kommst, und machst mich los; ich stand in Spott und Schanden, du kommst, und machst mich groß, und hebst mich hoch zu Ehren, und schenkst mir großes Gut, das sich nicht läßt verzehren, wie Erdenreichthum thut. A. Allgemeine Kirchenlieder. 3 5. Nichts, Nichts hat| und ihrer Tück'? Der Herr dich getrieben zu mir vom wird sie zerstreuen in einem Himmelszelt, als das ge- Augenblick. Er kommt, er liebte Lieben, damit du alle kommt, ein König, dem Welt in ihren tausend Pla- wahrlich aller Feind auf gen und großen Jammers Erden viel zu wenig zum Last, die kein Mund kann Widerstand erscheint. aussagen, so fest umfangen batt. 6. Das schreib' dir in dein Herze, du hochbetrübtes Heer, bei denen Gram und Schmerze sich häufen mehr und mehr. Seid unverzagt, ihr habet die Hilfe vor der Thür! Der eure Herzen labet und tröstet, steht allhier. 7. Jhr dürft euch nicht bemühen, noch sorgen Tag und Nacht, wie ihr ihn wollet ziehen mit eures Armes Macht: er kommt, er kommt mit Willen, ist voller Lieb' und Lust, all' Angst 10. Er kommt zum Weltgerichte, zum Fluch dem, der ihm flucht; mit Gnad' und süßem Lichte dem, der ihn liebt und sucht. Ach komm, ach komm, ó Sonne, und hol' uns allzumal zum ew'gen Licht und Wonne in deinen Freudensaal. Paul Gerhardt, 1606-1676. 8. Auch dürft ihr nicht erschrecken vor eurer Sündenschuld: nein, Jesus will sie decken mit seiner Lieb' und Huld! Er kommt, er kommt den Sündern zu Trost und wahrem Heil, schafft, daß bei Gottes Kindern verbleib' ihr Erb' und Theil. 9. Was fragt ihr nach dem Schreien der Feind' Weihnachtslieder. Mel. Vom Himmel hoch zc. Pf. 118, 24. und Noth zu stillen, die ihm 4. Dies ist der Tag, an euch den Gott gemacht, sein werd' in aller Welt gedacht! Ihn preise, was durch Jesum Christ im Himmel und auf Erden ist. 2. Die Völker haben dein geharrt, bis daß die Zeit erfüllet ward. Da sandte Gott von seinem Thron das Heil der Welt, dich, seinen Sohn. 3. Wenn ich dies Wunder fassen will, so steht mein 1* A. Allgemeine Kirchenlieder. Geist vor Ehrfurcht still; er ihr ihn erfuhrt, den Tag betet an und er ermißt, daß Gottes Lieb' unendlich ist. der heiligsten Geburt! Und Erde, die ihn heute sieht, sing' ihm, dem Herrn, ein neues Lied! 4 4. Damit der Sünder Gnad' erhält, erniedrigst du dich, Herr der Welt. Nimmst selbst an unsrer Menschheit Theil, erscheinst im Fleisch und wirst uns Heil. 5. Dein König, Zion, kommt zu dir. Ich komm', im Buche steht von mir; Gott, deinen Willen thu' ich gern." Gelobt sei, der da kommt im Herrn! Eigene Melodie. Offenb. 5, 12. 6. Herr, der du Mensch geboren bist, Immanuel und 5. Gelobet fei'st du, die Jesu Christ, daß du Mensch geboren bist von einer Jungfrau, das ist wahr! Deß freuet sich der Engel Schaar. Kyrie eleison! Väter hoffend sahn, Dich, Gott Messias, bet' ich an. 7. Du, unser Heil und höchstes Gut, vereinest dich mit Fleisch und Blut, wirst unser Freund und Bruder hier, und Gottes Kinder werden wir. 8. Gedanke voller Majestät! Du bist es, der das Herz erhöht. Gedanke voller Seligkeit! du bist es, der das Herz erfreut. 11. Dies ist der Tag, den Gott gemacht, sein werd' in aller Welt gedacht! Ihn preise, was durch Jesum Christ im Himmel und auf Erden ist! M. Christian Fürchtegott Gellert, 1715-1769. 9. Durch Eines Sünde fiel die Welt; ein Mittler ist's, der sie erhält. Was zagt der Mensch, wenn der ihn schüßt, der in des Vaters Schooße sitzt! 10. Jauchzt, Himmel, die 2. Des ew'gen Vaters einig Kind jetzt man in der Krippe find't, in unser armes Fleisch und Blut verkleidet sich das ew'ge Gut. Kyrie eleison! 3. Den aller Welt Kreis nie beschloß, der lieget in Mariens Schooß; er ist ein Kindlein worden klein, der alle Ding' erhält allein. Kyrie eleison! 4. Das ew'ge Licht geht da herein, giebt der Welt ein'n neuen Schein; es leucht't wohl mitten in der A. Allgemeine Kirchenlieder. Nacht, und uns des Lich-| ins Angesicht geschlagen und tes Kinder macht. Kyrie verhöhnet; du wirst mit eleison! Essig und mit Gall' getränket, ans Kreuz gehenfet. 5. Der Sohn des Vaters, Gott von Art, ein Gast in der Welt hier ward und führt uns aus dem Jammerthal, macht uns Erben in seinem Saal. Kyrie eleison! 6. Er ist auf Erden kom- 4. Wie wunderbarlich ist men arm, daß er unser sich doch diese Strafe! Der gute erbarm' und in dem Himmel Hirte leidet für die Schafe; mache reich und seinen lie- die Schuld bezahlt der Herre, ben Engeln gleich. Kyrie der Gerechte, für seine | eleiſon! Knechte. 5. Der Fromme stirbt, der recht und richtig wandelt; der Böse lebt, der wider Gott mißhandelt! Der Mensch verwirkt den Tod und ist entgangen: Christ wird gefangen. 7. Das hat er Alles uns gethan, sein' groß Lieb' zu zeigen an; deß freu' sich alle Christenheit und dank' ihm deß in Ewigkeit. Kyrie eleiſon! Dr. Martin Luther, 1483-1546. 5 Passionslieder. Eigene Melodie. Joh. 19, 4. 5. 3. Was ist die Ursach' aller solcher Plagen? Ach, meine Sünden haben dich geschlagen. Ich, ich, Herr Jesu, habe dies verschuldet, was du erduldet. 6. Ich war von Fuß auf voller Schand' und Sünden, bis zu dem Scheitel war nichts Gut's zu finden; dafür hätt' ich dort in der Hölle müssen ewiglich büßen. 7. D große Lieb', o Lieb' 6. alle die gebracht auf diese Marterstraße! Ich lebte mit der Welt in Lust und Freuden, und du mußt leiden! hast du verbrochen, daß man ein solch scharf Urtheil hat gesprochen? Was ist die Schuld? In was für Missethaten bist du gerathen? 8. Ach, großer König, 2. Du wirst gegeißelt groß zu allen Zeiten, wie und mit Dorn'n gekrönet, kann ich g'nugsam solche A. Allgemeine Kirchenlieder. Treu' ausbreiten? Kein bei Seite sehen; in Gnamenschlich Herz vermag es den wirst du dies von mir auszudenken, was dir zu annehmen, mich nicht beschenken. schämen. 9. Ich kann's mit meinen Sinnen nicht erreichen, wo mit doch dein' Erbarmung zu vergleichen. Wie kann ich dir denn deine Liebesthaten im Werk erstatten? 15. Wenn dort, Herr Jesu, wird vor deinem Throne auf meinem Haupte stehn die Ehrenkrone, da will ich dir, wenn Alles wird wohl klingen, Lob und Dank singen. Johann Heermann, 1585-1647. 6 10. Doch ist noch Etwas, das dir angenehme: wenn ich des Fleisches Lüste dämpf' und zähme, daß sie auf's Neu mein Herze nicht Mel. Herzlich thut mich 2c. Hebr. 9, 27. entzünden mit alten Sünden. 7. Haupt voll Blut nicht be und Wunden, voll Schmerz und voller Hohn! D Haupt, zum Spott gebunden mit einer Dornenkron'! O Haupt, sonst schön gekrönet mit höchster Ehr' und Zier, jetzt aber höchst verhöhnet: gegrüßest sei'st du mir. steht in eignen Kräften, fest die Begierde an das Kreuz zu heften, so gieb mir deinen Geist, der mich regiere, zum Guten führe. 12. Alsdann so werd' ich deine Huld betrachten, aus Lieb' zu dir die arge Welt verachten; bemühen werd' ich mich, Herr, deinen Willen stets zu erfüllen. 13. Ich werde dir zur Ehren Alles wagen, kein Kreuz nicht achten, keine Schmach, noch Plagen, nichts von Verfolgung, nichts von Todesschmerzen, nehmen zu Herzen. 2. Du edles Angesichte, davor sonst schrickt und scheut das große Weltgewichte, wie bist du so bespeit, wie bist du so erbleichet! Wer hat dein Augenlicht, dem sonst kein Licht nicht gleichet, so schändlich zugericht't? 14. Dies alles, ob's für schlecht zwar ist zu schätzen, 3. Die Farbe deiner Wangen, der rothen Lippen Pracht ist hin und ganz wirst du es doch nicht gar vergangen; des blassen To A. Allgemeine Kirchenlieder. des Macht hat Alles hin-| nem Kreuze hier mein Leben genommen, hat Alles hin gerafft, und daher bist du kommen von deines Leibes Kraft. von mir geben, wie wohl geschähe mir! 4. Nun, was du, Herr, erduldet, ist Alles meine Last; ich hab' es selbst verschuldet, was du getragen hast. Schau' her, hier steh' ich Armer, der Zorn verdienet hat: gieb mir, o mein Erbarmer, den Anblick deiner Gnad'! 8. Ich danke dir von Herzen, o Jesu, liebster Freund, für deines Todes Schmerzen, da du's so gut gemeint. Ach, gieb, daß ich mich halte zu dir und deiner Treu', und wenn ich nun erkalte, in dir mein Ende sei! 5. Erkenne mich, mein Hüter, mein Hirte, nimm mich an! Von dir, Quell aller Güter, ist mir viel Gut's gethan: dein Mund hat mich gelabet mit Milch und süßer Kost, dein Geist hat mich begabet mit mancher Himmelslust. 6. Ich will hier bei dir stehen, verachte mich doch nicht! von dir will ich nicht gehen, wann dir dein Herze bricht; wann dein Haupt wird erblassen im letzten Todesstoß, alsdann will ich dich fassen in meinen Arm und Schooß. 7 7. Es dient zu meinen Freuden und kommt mir 9. Wenn ich einmal soll scheiden, so scheide nicht von mir; wenn ich den Tod soll leiden, so tritt du dann herfür; wenn mir am allerbängsten wird um das Herze sein, so reiß mich aus den Aengsten kraft deiner Angst und Bein. 10. Erscheine mir zum Schilde, zum Trost in meinem Tod, und laß mich sehn dein Bilde in deiner Kreuzesnoth: da will ich nach dir blicken, da will ich glaubensvoll fest an mein Herz dich drücken. Wer so stirbt, der stirbt wohl. Paul Gerhardt, 1606-1676. Eigene Melodie. 1. Petri 2, 22. 23. herzlich wohl, wenn ich in 8. O Samm Gottes, mich finden soll. Ach, möcht' unschuldig am Stamm des Kreuzes geich, o mein Leben, an dei- schlachtet, allzeit erfunden 8 A. Allgemeine Kirchenlieder. geduldig, wiewohl du warest verachtet; all' Sünd' hast du getragen, sonst müßten wir verzagen. Erbarm' dich unser, o Jesu! 2. D Lamm Gottes, unschuldig am Stamm des Kreuzes geschlachtet, allzeit erfunden geduldig, wiewohl du warest verachtet; all' Sünd' hast du getragen, sonst müßten wir verzagen. Erbarm' dich unser, o Jesu! 3. O Lamm Gottes, unschuldig am Stamm des Kreuzes geschlachtet, allzeit erfunden geduldig, wiewohl du warest verachtet; all' Sünd' hast du getragen, sonst müßten wir verzagen. Gieb uns deinen Frieden, o Jesu! 4. Jesus lebt, sein Heil ist mein; sein sei auch mein ganzes Leben. Reines Herzens will ich sein und den Lüsten widerstreben. Er verläßt den Schwachen nicht; dies ist meine Zuversicht. 5. Jesus lebt, ich bin gewiß, nichts soll mich von Jesu scheiden, keine Macht der Finsterniß, keine Herrlichkeit, kein Leiden. Er giebt Kraft zu dieser Pflicht; dies ist meine Zuversicht. Osterlieder. Mel. Jesus, meine Zuversicht 2c. 6. Jesus lebt, nun ist der Tod mir der Eingang Röm. 6, 8. 9. Jeſus lebt, mit ihm in das Leben. Welchen Trost in er meiner Seele geben, wenn sie gläubig zu ihm spricht: Herr, Herr, meine Zuversicht! Nicolaus Decius, † 1524. 2. Jesus lebt, ihm ist das Reich über alle Welt gegeben; mit ihm werd' auch ich zugleich ewig herrschen, ewig leben. Gott erfüllt, was er verspricht; dies ist meine Zuversicht. 3. Jesus lebt, wer nun verzagt, lästert ihn und Gottes Ehre. Gnade hat er zugesagt, daß der Sünder sich bekehre. Gott verstößt in Christo nicht; dies ist meine Zuversicht. wo sind nun deine Schrecken? Er, er lebt, und wird auch mich von den Todten auf erwecken. Er verklärt mich in sein Licht; dies ist meine Zuversicht. M. Christian Fürchtegott Gellert, 1715-1769. A. Allgemeine Kirchenlieder. Eigene Melodie. Joh. 11, 25. 10. Jesus, meine zu sein abgethan. versicht und mein Heiland, ist im Leben! Dieses weiß ich: soll ich nicht darum mich zufrieden geben, was die lange To desnacht mir auch für Gedanken macht? 2. Jesus, er, mein Heiland lebt! Ich werd' auch das Leben schauen, sein, wo mein Erlöser schwebt; warum sollte mir denn grauen? Lässet auch ein Haupt sein Glied, welches es nicht nach sich zieht? 3. Ich bin durch der Hoffnung Band zu genau mit ihm verbunden; meine starke Glaubenshand wird in ihm gelegt gefunden, daß mich auch kein Todesbann ewig von ihm trennen kann. 4. Ich bin Fleisch und muß daher auch einmal zu Asche werden; das gesteh' ich; doch wird er mich er wecken aus der Erden, daß ich in der Herrlichkeit um ihn sein mög' allezeit. 5. Dieser meiner Augen Licht wird ihn, meinen Heiland, kennen; ich, ich selbst, kein Fremder nicht, 9 werd' in seiner Liebe brennen: nur die Schwachheit um und an wird von mir 6. Was hier kranket, seufzt und fleht, wird dort frisch und herrlich gehen; irdisch werd' ich ausgesät, himmlisch werd' ich auferstehen; hier geh' ich natürlich ein: dort, da werd ich geistlich sein. 7. Seid getroft und hocherfreut: Jesus trägt euch, meine Glieder! Gebt nicht Statt der Traurigkeit! Sterbt ihr: Christus ruft euch wieder, wann die letzt' Posaun' erklingt, die auch durch die Gräber dringt. 8. Lacht der finstren Erdenkluft, lacht des Todes und der Höllen; denn ihr sollt euch durch die Luft eurem Heiland zugeſellen. Dann wird Schwachheit und Verdruß liegen unter eurem Fuß. 9. Nur daß ihr den Geist erhebt von den Lüften dieser Erden und euch Dem schon jetzt ergebt, dem ihr beigefügt wollt werden. Schickt das Herze da hinein, wo ihr ewig wünscht zu sein. Louise Henriette, Kurfürstin von Brandenburg, 1627-1667. 10 A. Allgemeine Kirchenlieder. Pfingstlieder. Eigene Melodie. Apostelgesch. 19, 2. 11. N un bitten wir den heiligen Geist um den rechten Glauben allermeist, daß er uns behüte an unfrem Ende, wenn wir heimfahren aus diesem Elende. Kyrieleison. 2. Du werthes Licht, gieb uns deinen Schein, lehr uns Jesum Christ tennen allein, daß wir an ihm bleiben, dem treuen Heiland, der uns bracht hat zum rechten Vaterland. Kyrieleison. 3. Du süße Lieb', schenk uns deine Gunst, laß uns empfinden der Liebe Brunst, daß wir uns von Herzen einander lieben und in Fried auf einem Sinne bleiben. Kyrieleison. 4. Du höchster Tröster in aller Noth, hilf, daß wir nicht fürchten Schand' noch Tod, daß in uns die Sinne nicht verzagen, wenn der Feind wird das Leben verklagen. Kyrieleison. Dr. Martin Luther, 1483-1546. Mel. Wie schön leuchtet der 2c. Röm. 8, 9. 10. 12. heilger Geist, kehr' bei uns ein, und laß uns deine Wohnung sein, o komm, du Herzenssonne! Du Himmelslicht, laß deinen Schein bei uns und in uns kräftig sein, Sonne, Wonne, himmlisch zu steter Freud' und Wonne! Leben willst du geben, wenn wir beten; zu dir kommen wir getreten. 2. Du Quell, draus alle Weisheit fleußt, die sich in fromme Seelen geußt, laß deinen Trost uns hören, daß wir in Glaubenseinigkeit auch können alle Christenheit dein wahres Zeugniß lehren. Höre, lehre, daß wir können Herz und Sinnen dir ergeben, dir zum Lob und uns zum Leben. mit deinem Rath, und führ' 3. Steh' uns stets bei die wir den Weg nicht uns auf den rechten Pfad, wissen. Gieb uns Beständigkeit, daß wir getreu dir bleiben für und für, auch wenn wir leiden müssen. Schaue, baue, was zerrissen und geflissen, dich zu schauen und auf deinen Trost zu bauen. A. Allgemeine Kirchenlieder. 11 4. Laß uns dein' edle| des Fleisches Lust und seine Balsamkraft empfinden und todten Werke. Rühre, führe zur Ritterschaft dadurch ge- unser Sinnen und Beginnen stärket werden, auf daß wir von der Erden, daß wir unter deinem Schuß begeg- Himmelserben werden. nen aller Feinde Truß mit freudigen Geberden. Laß M. Michael Schirmer, 1606-1673. dich reichlich auf uns nieder, daß wir wieder Trost empfinden, alles Unglück überwinden. 5. O starker Fels und Lebenshort, laß uns dein Trinitatislieder. Eigene Melodie. Offenb. 4, 11. himmelfüßes Wort in unfren 13. Allein Gott in der Höh' sei Herzen daß wir uns mögen nimmermehr von deiner weisheitreichen Lehr' und deiner Liebe trennen! Fließe, gieße deine Güte ins Gemüthe, daß wir können Christum unsren Heiland nennen. Ehr' und Dank für seine Gnade, darum, daß nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade! Ein Wohlgefall'n Gott an uns hat, Nun ist groß Fried' ohn' Unterlaß, all' Fehd' hat nun ein Ende. 6. Du süßer Himmels thau, laß dich in unsre Herzen kräftiglich, und schenk' uns deine Liebe; daß unser Sinn verbunden sei dem Nächsten stets mit Liebestreu' und sich darinnen übe. Kein Neid, kein Streit dich betrübe, Fried' und Liebe müssen schweben, Fried' und Freude wirst du geben. 7. Gieb, daß in reiner Heiligkeit wir führen unsre Lebenszeit, sei unsres Geistes Stärke! Daß uns forthin sei unbewußt die Eitelkeit, Gottes, heil'ger Herr und 2. Wir loben, preis'n, anbeten dich für deine Ehr', wir danken, daß du, Gott Vater, ewiglich regierst ohn' alles Wanken, ganz unermess'n ist deine Macht, fort g'schieht, was dein Will' hat bedacht, wohl uns des feinen Herren! 3. D Jesu Christ, Sohn eingebor'n deines himmlischen Vaters, Versöhner der'r, die war'n verlor'n, du Stiller unsers Haders, Lamm 12 A. Allgemeine Kirchenlieder. Gott, nimm an die Bitt'| heil'gen Geist im Glauben, von unsrer Noth, erbarm' dich unser Aller! für uns, die wir war'n verloren, am Kreuz gestorben, und vom Tod wieder auferstanden durch Gott. 3. Wir glauben an den heil'gen Geist, Gott mit Vater und dem Sohne, der aller Blöden Tröster heißt, uns mit Gaben zieret schöne; die ganze Christenheit auf Erden hält in einem Sinn gar eben; hier all' Sünd' vergeben werden. Das Fleisch soll auch wieder leben. Nach diesem Elend ist bereit't uns ein Leben in Ewigkeit. 4. O heil'ger Geist, du höchstes Gut, du all'rheilsamster Tröster, vor's Teufels G'walt fortan behüt', die Jesus Christ erlöset durch große Mart'r und bittern Tod; Abwend' all unsern Jamm'r und Noth; darauf wir uns verlassen. Nicolaus Decius, † 1524. Eigene Melodie. Jes. 6, 3. 14. Wir glauben All Amen. an Einen Gott, Schöpfer Himmels und der Erden, der sich zum Vater geben hat, daß wir seine Kinder werden. Er will uns allzeit ernähren, Leib und Seel' auch wohl bewahren; allem Unfall will er weh ren; kein Leid soll uns widerfahren. Er forget für uns, und es Mel. Christus, der ist mein 2c. Luc. 24, 19. ſteht Alles in seiner Macht. 15. Ah, bleib mit bei ner Gnade bei uns, Herr Jesu Christ, daß uns hinfort nicht schade des bösen Feindes List! 2. Wir glauben auch an Jesum Christ, seinen Sohn und unfren Herren, der ewig bei dem Vater ist, gleicher Gott von Macht und Ehren; von Maria, der Jungfrauen, ist ein wahrer Mensch geboren, durch den beschert! 2. Ach, bleib mit deinem Worte bei uns, bei uns, Erlöser werth, daß uns beid', hier und dorte, sei Güt' und Heil Dr. Martin Luther, 1483-1546. Allgemeine Gebet-, Lobund Danklieder. A. Allgemeine Kirchenlieder. 13 3. Ach, bleib mit deinem| wiesen täglich neue. In mein Glanze bei uns, du werthes Gedächtniß schreib' ich an: Licht; dein Wahrheit uns Der Herr hat Viel an mir umschanze, damit wir irren gethan, bis hierher mir genicht! holfen. 3. Hilf fernerweit, mein treuster Hort, hilf mir zu allen Stunden, hilf mir an all' und jedem Ort, hilf mir durch Jesu Wunden, damit ich sag' bis in den Tod: Durch Christi Blut hilft mir mein Gott, er hilft, wie er geholfen! 4. Ach, bleib mit deinem Segen bei uns, du reicher Herr; Dein Gnad' und all's Vermögen in uns reichlich vermehr'! 5. Ach, bleib mit deinem Schußze bei uns, du starker Held, daß uns der Feind nicht truke, noch fäll' die böse Welt! Aemilie Juliane, Gräfin von Schwarzburg- Rudolstadt, 1637-1706. 6. Ach, bleib mit deiner Treue bei uns, mein Herr und Gott, Beständigkeit ver- Mel. Lobt Gott, ihr Christen 2c. leihe, hilf uns aus aller Noth! Dr. Jofua Stegmann, 1588-1632. Mel. Sei Lob und Ehr' 2c. 1. Sam. 7, 12. 16. B is hierher hat mich Gott gebracht durch seine große Güte, bis hierher hat er Tag und Nacht bewahrt Herz und Gemüthe. Bis hierher hat er mich geleit't, bis hierher hat er mich erfreut, bis hierher mir geholfen. 2. Hab' Lob, hab' Ehr', hab' Preis und Dank für die bisher'ge Treue, die du, o Gott, mir lebenslang be1. Petri 5, 7. 17. I finge dir mit Herz und Mund, Herr, meines Herzens Lust! Ich sing' und mach' auf Erden kund, was mir von dir bewußt. 2. Ich weiß, daß du der Brunn' der Gnad' und ew'ge Quelle sei'st, daraus uns Allen früh und spat viel Heil und Gutes fleußt. 3. Was sind wir doch, was haben wir auf dieser ganzen Erd', das uns, o Vater, nicht von dir, allein gegeben werd'? 4. Wer hat das schöne Himmelszelt hoch über uns gesetzt? Wer ist es, der uns A. Allgemeine unser Feld mit Thau und Regen nett? 14 5. Wer wärmet uns in Kält' und Frost? Wer schützt uns vor dem Wind? Wer macht es, daß man Oel und Most zu seinen Zeiten find't? 6. Wer giebt uns Leben und Geblüt? Wer hält mit seiner Hand den güld'nen, werthen, edlen Fried' in unfrem Vaterland? 7. Ach Herr, mein Gott, das kommt von dir, du, du mußt Alles thun; du hältst die Wach' an unsrer Thür und läßt uns sicher ruhn. 8. Du nährest uns von Jahr zu Jahr, bleibst immer fromm und treu, und stehst uns, wenn wir in Gefahr gerathen, herzlich bei. 9. Du strafft uns Sünder mit Geduld, und schlägst nicht allzusehr, ja endlich nimmst du unsre Schuld und wirfst sie in das Meer. 10. Wenn unser Herze seufzt und schreit, wirst du gar leicht erweicht, und giebst uns, was uns hoch erfreut, und dir zur Ehr' gereicht. 11. Du zählst, wie oft ein Christe wein', und was sein Kummer sei; kein' Zährund Thränlein ist so klein, du hebst und legst es bei. Kirchenlieder. 12. Du füllst des Lebens Mangel aus mit dem, was ewig steht, und führst uns in des Himmels Haus, wenn uns die Erd' entgeht. 13. Wohlauf, mein Herze, fing' und spring', und habe guten Muth; dein Gott, der Ursprung aller Ding', ist selbst und bleibt dein Gut. 14. Er ist dein Schatz, dein Erb' und Theil, dein Glanz und Freudenlicht, dein Schirm und Schild, dein Hilf' und Heil, schafft Rath und läßt dich nicht. 15. Was kränkst du dich in deinem Sinn, und grämst dich Tag und Nacht? Nimm deine Sorg' und wirf sie hin auf den, der dich gemacht. 16. Hat er dich nicht von ernährt? Wie manchen schweJugend auf versorget und ren Unglückslauf hat er zurück gekehrt! 17. Er hat noch niemals was versehn in seinem Regiment; nein, was er thut und läßt geschehn, das nimmt ein gutes End'. 18. Ei nun, so laß ihn ferner thun, und red' ihm nicht darein; so wirst du hier in Frieden ruhn, und ewig fröhlich sein. Paul Gerhardt, 1606-1676. A. Allgemeine Kirchenlieder. Mel. Nun sich der Tag geendet 2c. Eigene Melodie. f. 51, 14. Pf. 136, 1. un danket Alle 18. i icht um ein flüch- 19. 1 Gott mit Her tig Gut der Zeit, ich fleh' um deinen Geist, ozen, Mund, und Händen, der große Dinge thut an uns und allen Enden; der uns von Mutterleib' und Kindesbeinen an unzählig viel zu gut und noch jetzund gethan. woll' uns bei unsrem Leben 2. Der ewigreiche Gott ein immer fröhlich Herz und edlen Frieden geben; und uns in seiner Gnad' erhalten fort und fort, und uns aus aller Noth erlösen hier und dort. Gott, den mir zur Selig feit dein theures Wort verheißt. 2. Die Weisheit, die vom Himmel stammt, o Vater, lehr' er mich, die Weisheit, die das Herz entflammt zur Liebe gegen dich. 3. Dich lieben, wie dein Wort gebeut, gern thun, was dir gefällt, wirkt reinere Zu friedenheit, als alles Glück der Welt. 4. Alsdann hab' ich zu dir Vertraun durch deinen freud'gen Geist; er lehret mich fest darauf baun, daß du mir gnädig ſei'st. 5. Er leite mich zur Wahrheit hin, zur Tugend stärk' er mich, und zeige, wenn ich traurig bin, auch mir als Tröster sich. jedem Schmerz mit Muth und mit Geduld. 15 6. Er schaff in mir ein reines Herz, besiegle deine 20. 0, Huld, und waffne mich in Christoph Friedrich Neander, 1723-1802. 3. Lob, Ehr' und Preis sei Gott, dem Vater und dem Sohne, und dem, der Beiden gleich im höchsten Himmelsthrone, dem dreieinigen Gott, als der ursprünglich war, und ist und bleiben wird jetzund und immerdar! M. Martin Rinckart, 1586-1649. Eigene Melodie. Jerem. 10, 6. daß daß ich tausend Zungen hätte und einen tausendfachen Mund, so stimmt' ich damit um die Wette vom allertiefsten Herzensgrund ein Roblied nach dem andern an 16 A. Allgemeine Kirchenlieder. von dem, was Gott an mir| deiner Gnade reiche Gab', gethan! die du mir in der ganzen Welt zu meinem Heile hast bestellt. 2. D, daß doch meine Stimme schallte bis dahin, wo die Sonne steht! D, daß mein Blut mit Jauchzen wallte, so lang' es noch im Laufe geht! Ach, wär' ein jeder Puls ein Dank und jeder Odem ein Gesang! 7. Mein treuster Jesu, sei gepriesen, daß dein erbarmungsvolles Herz sich mir so hilfreich hat erwiesen und mich durch Blut und Todesschmerz von aller Teufel Grausamkeit zu deinem Eigenthum befreit! 3. Was schweigt ihr denn, ihr, meine Kräfte? Auf, auf, braucht allen euren Fleiß und stehet munter im Geschäfte zu Gottes, meines Herren, Preis! Mein Leib und Seele, schicke dich und lobe Gott herzinniglich! 8. Auch dir sei ewig Ruhm und Ehre, o heilig werther Gottesgeist, für deines Trostes süße Lehre, die mich ein Kind des Glaubens heißt! Ach, wo was Gut's von mir geschicht, das wirket nur dein göttlich Licht! 4. Jhr grünen Blätter in den Wäldern, bewegt und regt euch doch mit mir! Jhr schwanken Gräschen in den Feldern, ihr Blumen, laßt doch eure Zier zu Gottes Ruhm belebet sein und stimmet lieblich mit mir ein! 5. Ach, Alles, Alles, was ein Leben und einen Odem in sich hat, soll sich mir zum Gehilfen geben; denn mein Vermögen ist zu matt, die großen Wunder zu erhöhn, die allenthalben um mich stehn. 6. Lob sei dir, allerliebster Vater, für Alles, was ich bin und hab'! Lob sei dir, mildester Berather, für 9. Wer überströmet mich mit Segen? Bist du es nicht, o reicher Gott? Wer schützet mich auf meinen Wegen? Du, du, o Herr Gott Zebaoth! Du trägst mit meiner Sündenschuld unsäglich gnädige Geduld! 10. Vor andern küß ich deine Ruthe, die du für mich gebunden hast. Wie viel thut sie mir doch zu Gute! Šie ist mir eine sanfte Last; sie macht mich fromm und zeugt dabei, daß ich von deinen Liebsten sei. 11. Jch hab' es ja mein Lebetage schon so manch lie A. Allgemeine Kirchenlieder. bes Mal gespürt, daß du| höhern Chor viel tausend mich unter vieler Plage ge- Halleluja vor. Johann Menter, 1658-1734. treulich haft hindurch geführt; denn in der größesten Gefahr ward ich dein Trostlicht stets gewahr. 12. Wie sollt' ich nun nicht voller Freuden in deinem steten Lobe stehn? Wie sollt' ich auch im tiefsten Leiden nicht triumphirend einhergehn? Und fiele auch der Himmel ein, so will ich doch nicht traurig sein. 13. Drum reiß ich mich jetzt aus der Höhle der schnöden Eitelkeiten los und rufe mit erhöhter Seele: Mein Gott, du bist sehr hoch und groß! Kraft, Ruhm, Preis, Dank und Herrlichkeit gehört dir jetzt und alle Zeit! 14. Ich will von deiner Güte singen, so lange sich die Zunge regt. Ich will dir Freudenopfer bringen, so lange sich mein Herz bewegt. Ja, wenn der Mund wird kraftlos sein, so stimm ich doch mit Seufzen ein. 15. Ach, nimm das arme Lob auf Erden, mein Gott, in allen Gnaden hin! Im Himmel soll es besser werden, wenn ich bei deinen Engeln bin. Da sing' ich dir im 17 Eigene Melodie. 2. Tim. 1, 7. 21. Gott, du from mer Gott, du Brunnquell guter Gaben, ohn' den Nichts ist, was ist, von dem wir Alles haben, gesunden Leib gieb mir, und daß in solchem Leib ein' un verletzte Seel' und rein Ge wissen bleib'! 2. Gieb, daß ich thu' mit Fleiß, was mir zu thun gebühret, wozu mich dein Befehl in meinem Stande führet. Gieb, daß ich's thue bald, zu der Zeit, da ich soll, und wenn ich's thu', so gieb, daß es gerathe wohl. 3. Hilf, daß ich rede stets, womit ich kann bestehen; laß kein unnüßes Wort aus meinem Munde gehen; und wenn in meinem Amt ich reden soll und muß, so gieb den Worten Kraft und Nachdruck ohn' Verdruß. 4. Find't sich Gefährlichkeit, so laß mich nicht verzagen, gieb einen Heldenmuth, das Kreuz hilf selber tragen. Gieb, daß ich meine Feind' mit Sanftmuth überwind', und wenn ich Rath 2 A. Allgemeine Kirchenlieder. bedarf, auch guten Rath| oben; Gott Sohn, Herr Jesu erfind'. 5. Laß mich mit Jedermann in Fried' und Freundschaft leben, so weit es christlich ist. Willst du mir Etwas geben an Reichthum, Gut und Geld, so gieb auch dies dabei, daß von unrechtem Gut nichts untermenget fei. Christ, ich will dich allzeit loben; Gott heil'ger Geist, dein Ruhm erschall' je mehr und mehr; o Herr, dreiein'ger Gott, dir sei Lob, Preis und Ehr'! Johann Heermann, 1585-1647. 18 Mel. Es ist das Heil uns 2c. Tob. 3, 23. Soll ich auf dieſer 22. Sedem höchſten ei Lob und Ehr Gut, dem Vater aller Güte, dem Gott, der alle Wunder thut, dem Gott, der mein Gemüthe mit seinem reichen Trost erfüllt, dem Gott, der allen Jammer stillt: gebt unserm Gott die Ehre! 2. Es danken dir die Himmelsheer', o Herrscher aller Thronen, und die auf Erden, Luft und Meer in deinem Schatten wohnen, die preisen deine Schöpfermacht, die Alles also wohl bedacht: gebt unserm Gott die Ehre! 3. Was unser Gott erschaffen hat, das will er auch erhalten, darüber will er früh und spat mit seiner Gnade walten. In seinem ganzen Königreich ist Alles recht, ist Alles gleich: gebt unserm Gott die Ehre! 6. Welt mein Leben höher bringen, durch manchen sauren Tritt hindurch ins Alter dringen, so gieb Geduld; vor Sünd' und Schanden mich bewahr', auf daß ich tragen mag mit Ehren graues Haar. 7. Laß mich an meinem End' auf Christi Tod abscheiden, die Seele nimm zu dir hinauf, zu deinen Freuden; dem Leib ein Räumlein gönn' bei frommer Christen Grab, auf daß er seine Ruh' an ihrer Seite hab'. 8. Wenn du an jenem Tag' die Todten wirst erwecken, so woll' auch deine Hand nach meinem Grab' ausstrecken. Laß hören deine Stimm', und meinen Leib weck' auf, und führ' ihn schön verklärt zum auserwählten Hauf. 9. Gott Vater, dir sei Preis hier und im Himmel 4. Jch rief dem Herrn in meiner Noth: ach Gott, ver A. Allgemeine Kirchenlieder. serm Gott die Ehre! nimm mein Schreien! Da der Herr ist Gott: gebt unhalf mein Helfer mir vom Tod und ließ mir Trost gedeihen; drum dank', ach Gott, drum dank' ich dir; ach, danfet, danket Gott mit mir: gebt unserm Gott die Ehre! 5. Der Herr ist noch und nimmer nicht von seinem Volk geschieden; er bleibet ihre Zuversicht, ihr Segen, Heil und Frieden. Mit Mutterhänden leitet er die Seinen stetig hin und her: gebt unserm Gott die Ehre! 6. Wenn Trost und Hilf' ermangeln muß, die alle Welt erzeiget, so kommt, so hilft der Ueberfluß, der Schöpfer selbst, und neiget die Vateraugen denen zu, die sonsten nirgends finden Ruh': gebt unserm Gott die Ehre! 7. Ich will dich all mein Leben lang, o Gott, von nun an ehren; man soll, Gott, deinen Lobgesang an allen Orten hören. Mein ganzes Herz ermuntre sich; mein Geist und Leib erfreue dich: gebt unserm Gott die Ehre! 8. Jhr, die ihr Christi Namen nennt, gebt unserm Gott die Ehre! Ihr, die ihr Gottes Macht bekennt, gebt unserm Gott die Ehre! Die falschen Göten macht zu Spott; der Herr ist Gott, 19 9. So kommet vor sein Angesicht mit jauchzenvollem Springen; bezahlet die gelobte Pflicht und laßt uns fröhlich singen: Gott hat es Alles wohl bedacht und Alles, Alles recht gemacht: gebt unserm Gott die Ehre! Johann Jacob Schütz, 1640-1690. Eigene Melodie. Ephef. 5, 19. 23. Sollt Sollt' ich meinem Gott nicht sin gen? Sollt' ich ihm nicht dankbar sein? Denn ich seh' in allen Dingen, wie so gut er's mit mir mein'. Ist doch nichts, als lauter Lieben, das sein treues Herze regt, das ohn' Ende hebt und trägt, die in seinem Dienst sich üben. Alles Ding währt seine Zeit: Gottes Lieb' in Ewigkeit. 2. Wie ein Adler sein Gefieder über seine Jungen streckt, also hat auch hin und wieder mich des Höchsten Arm bedeckt; alsobald im Mutterleibe, da er mir mein Wesen gab und das Leben, das ich hab' und noch diese Stunde treibe. Alles Ding währt seine Zeit: Gottes Lieb' in Ewigkeit. 2* 20 A. Allgemeine Kirchenlieder. 3. Sein Sohn ist ihm nicht zu theuer; nein, er giebt ihn für mich hin, daß er mich vom ew'gen Feuer durch sein theures Blut gewinn'. O du unergründ'ter Brunnen! Wie will doch mein schwacher Geist, ob er gleich sich hoch befleißt, deine Tief' ergründen können? Alles Ding währt seine Zeit: Gottes Lieb' in Ewigkeit. 4. Seinen Geist, den edlen Führer, giebt er mir in seinem Wort, daß er werde mein Regierer durch die Welt zur Himmelspfort'; daß er mir mein Herz erfülle mit dem hellen Glaubenslicht, das des Todes Reich zerbricht und die Hölle selbst macht stille. Alles Ding währt seine Zeit: Gottes Lieb' in Ewigkeit. 5. Meiner Seele Wohl ergehen hat er ja recht wohl bedacht; will dem Leibe Noth zustehen, nimmt er's gleich falls wohl in Acht. Wenn mein Können, mein Vermögen Nichts vermag, Nichts helfen kann, kommt mein Gott und hebt mir an, sein Vermögen beizulegen. Alles Ding währt seine Zeit: Gottes Lieb' in Ewigkeit. 6. Himmel, Erd' und ihre Heere hat er mir zum Dienst bestellt; wo ich nur mein Aug' hinkehre, find' ich, was mich nährt und hält, Thiere, Kräuter und Getreide, in den Gründen, in der Höh', in den Büschen, in der See; überall ist meine Weide. Alles Ding währt seine Zeit: Gottes Lieb' in Ewigkeit. 7. Wenn ich schlafe, wacht sein Sorgen und ermuntert mein Gemüth, daß ich alle liebe Morgen schaue neue Lieb' und Güt'. Wäre mein Gott nicht gewesen, hätte mich sein Angesicht nicht geleitet, wär' ich nicht aus so mancher Angst genesen. Alles Ding währt seine Zeit: Gottes Lieb' in Ewigkeit. 8. Wie so manche schwere Plage wird vom Satan hergeführt, die mich doch mein Lebetage niemals noch bisher berührt! Gottes Engel, den er sendet, hat das Böse, das der Feind anzurichten war gemeint, in der Ferne weggewendet. Alles Ding währt seine Zeit: Gottes Lieb' in Ewigkeit. 9. Wie ein Vater seinem Kinde sein Herz niemals ganz entzeucht, ob es gleich bisweilen Sünde thut und aus der Bahn entweicht, also hält auch mein Verbrechen mir mein frommer Gott zu A. Allgemeine Kirchenlieder. 21 Gut', will mein Flehen mit bis ich dich nach dieser Zeit der Ruth' und nicht mit dem lob' und lieb' in Ewigkeit. Schwerte rächen. Alles Ding Paul Gerhardt, 1606-1676. währt seine Zeit: Gottes Lieb' in Ewigkeit. Eigene Melodie. 10. Seine Strafen, seine Pf. 103, 1-5. Schläge, ob sie gleich mir 24. Pobe den Herren, bitter sind, ich's recht erwäge, sind es Zeichen, daß mein Freund, der mich liebet, mein gedenke und mich von der schnöden Welt, die uns hart gefangen hält, durch das Kreuze zu sich lenke. Alles Ding währt seine Zeit: Gottes Lieb' in Ewigkeit. den mächtigen König der Ehren, meine geliebete Seele, das ist mein Begehren. Kommet zu Hauf, Psalter und Harfe, wacht auf, lasset den Lobgesang hören! 2. Lobe den Herren, der Alles so herrlich regieret, der dich auf Adelers Fittichen sicher geführet, der dich erhält, wie es dir selber gefällt; hast du nicht dieses verspüret? 11. Das weiß ich fürwahr und lasse mir's nicht aus dem Sinne gehn: Christenkreuz hat seine Maße und muß endlich stille stehn. Wenn der Winter ausgeschneiet, tritt der schöne Sommer ein: also wird auch nach der Bein, wer's erwarten kann, erfreuet. Alles Ding währt seine Zeit: Got tes Lieb' in Ewigkeit. 12. Weil denn weder Ziel noch Ende sich in Gottes Liebe find't, ei, so heb' ich meine Hände zu dir, Vater, als dein Kind; bitte, woll'st mir Gnade geben, dich aus aller meiner Macht zu umfangen Tag und Nacht hier in meinem ganzen Leben, 3. Lobe den Herren, der künstlich und fein dich bereitet, der dir Gesundheit verliehen, dich freundlich geleitet; in wie viel Noth hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet. 4. Lobe den Herren, der deinen Stand sichtbar gesegnet, der aus dem Himmel mit Strömen der Liebe geregnet; denke daran, was der Allmächtige kann, der dir mit Liebe begegnet? 5. Lobe den Herren, was in mir ist, lobe den Namen! Alles, was Odem hat, lobe 22 A. Allgemeine Kirchenlieder. mit Abrahams Samen! Er du erschaffen bist, wo du, ist dein Licht; Seele, vergiß mit Herrlichkeit umgeben, es ja nicht; Lobende, schließe Gott ewig sehn wirst, wie mit Amen. er ist. Du hast ein Recht zu solchen Freuden, durch Gottes Güte sind sie dein. Sieh, darum mußte Christus leiden, damit du könntest selig sein. 3. Neander. Lieder von Gott. 4. Und diesen Gott sollt' ich nicht ehren, und seine Güte nicht verstehn? Er sollte rufen, ich nicht hören, Eigene Melodie. Pf. 86, 15. 25. Wie groß ist des den Weg, den er mir zeigt, Allmächt'gen Güte! Ist der ein Mensch, den sie nicht rührt, der mit verhärtetem Gemüthe den Dank erstickt, der ihm gebührt? Nein, seine Liebe zu ermessen, sei ewig meine größte Pflicht. Der Herr hat mein noch nie vergessen; Vergiß, mein Herz, auch seiner nicht. nicht gehn? Sein Will' ist mir ins Herz geschrieben, sein Wort bestärkt ihn ewiglich; Gott soll ich über Alles lieben, und meinen Nächsten gleich als mich. 5. Dies ist mein Dank, dies ist sein Wille: ich soll vollkommen sein, wie er. So lang' ich dies Gebot erfülle, stell' ich sein Bildniß in mir 2. Wer hat mich wunder- her. Lebt seine Lieb' in bar bereitet? Der Gott, der i meiner Seele, so treibt sie meiner nicht bedarf. Wer mich zu jeder Pflicht, und hat mit Langmuth mich ge- ob ich schon aus Schwachheit leitet? Er, dessen Rath ich fehle, herrscht doch in mir oft verwarf. Wer stärkt den die Sünde nicht. Frieden im Gewissen? Wer giebt dem Geiste neue Kraft? Wer läßt mich so viel Gut's genießen? Ist's nicht sein Arm, der Alles schafft? 3. Schau, o mein Geist, in jenes Leben, zu welchem 6. Gott, laß deine Güt' und Liebe mir immerdar vor Augen sein! Sie stärk' in mir die guten Triebe, mein ganzes Leben dir zu weihn; sie tröste mich zur Zeit der Schmerzen, sie leite A. Allgemeine Kirchenlieder. mich zur Zeit des Glücks,| der Sand am Meere. Bringt, und sie besieg' in meinem ruft auch der geringste Wurm, Herzen die Furcht des letzten bringt meinem Schöpfer Augenblicks. Ehre! Mich, ruft der Baum in seiner Pracht, mich, ruft die Saat, hat Gott gemacht; bringt unsrem Schöpfer Ehre! 5. Der Mensch, ein Leib, den deine Hand so wunderbar bereitet; der Mensch, ein Geist, den sein Verstand, dich zu erkennen, leitet; der Mensch, der Schöpfung Ruhm und Preis, ist sich ein täglicher Beweis von deiner Güt' und Größe. 6. Erheb' ihn ewig, o mein Geist, erhebe seinen Namen! Gott, unser Vater, sei gepreist, und alle Welt sag' Amen! und alle Welt ehr' Gott den Herrn, und hoff' auf ihn, und dien ihm gern! Wer wollte Gott nicht dienen! M. Christian Fürchtegott Gellert, 1715-1769. M. Christian Fürchtegott Gellert, 1715-1769. Mel. Nun freut euch, lieben 2c. Pf. 9, 2. 26. Wenn ich, o Schöpfer, deine Macht, die Weisheit deiner Wege, die Liebe, die für Alle wacht, anbetend überlege: so weiß ich, von Bewund'rung voll, nicht, wie ich dich erheben soll, mein Gott, mein Herr, mein Vater! 2. Mein Auge sieht, wo hin es blickt, die Wunder deiner Werke. Der Himmel, prächtig ausgeschmückt, preist dich, du Gott der Stärke! Wer hat die Sonn' an ihm erhöht? Wer kleidet sie mit Majestät? Wer ruft dem Heer der Sterne?. 23 3. Wer mißt dem Winde seinen Lauf? Wer heißt die Himmel regnen? Wer schließt den Schooß der Erde auf, mit Vorrath uns zu segnen? O Gott der Macht und Herrlichkeit, Gott, deine Güte Mel. Mir nach, spricht Christus 2c. reicht so weit, so weit die Wolken reichen! Lehramt und Wandel Jesu. Matth. 10, 38. 27. We elch hohes Bei4. Dich predigt Sonnenspiel gabst du schein und Sturm, dich preist mir, mein Heiland, durch 24 A. Allgemeine Kirchenlieder. dein Leben! Sollt' ich mit 6. Ich komme, Herr, gieb heiliger Begier nicht dir zu folgen streben? Nicht gehn den Weg, den du betratst, nicht freudig thun, so wie du thatst? Licht und Kraft, daß sich mein Glaube mehre und durch die Früchte, die er schafft, sich immerdar bewähre. Hilf, daß ich, deinem Vorbild treu, auchy Andren stets ein Vorbild sei. Karl Bernhard Garve, 1763-1841. 2. Dein Herz, von Sünde nie entweiht, war rein, wie deine Lehre; dein ganzer Wandel Heiligkeit, dein Ziel war Gottes Ehre; du gabst mit stillem, frommem Sinn dich in des Vaters Willen hin. Die Kirche Christi. 3. Der Kummervollen Trost zu sein, zu wehren Eigene Melodie. $ 1. 67. jedem Leide, stets wohlzu- 28. Es wolle Sott uns gnädig thun und zu erfreun, war deine Sorg' und Freude, und eines jeden Menschen Schmerz durchdrang dein liebevolles Herz. 4. Du trugst mit Sanft muth und mit Huld die Schwachheit deiner Freunde; mit Sündern hattest du Geduld, du batest für die Feinde; du warst gehorsam bis zum Tod und ehrtest selbst im Tode Gott. sein und seinen Segen geben; sein Antlit uns mit hellem Schein' erleucht' zum ew'gen Leben, daß wir erkennen seine Werk' und was ihm lieb auf Erden, und Jesus Christus, Heil' und Stärk', bekannt den Heiden werden. und sie zu Gott bekehren. 5. Dies große Beispiel hast du mir, mein Heiland, hinterlassen, damit ich, voll Vertrau'n zu dir, es in mein Herz soll fassen. Nimm, sprichst du, meine Last auf dich, komm, folge mir, und sich auf mich. 2. So danken, Gott, und loben dich die Heiden überalle, und alle Welt die freue sich und sing' mit großem Schalle, daß du auf Erden Richter bist und läß'ſt die Sünd' nicht walten; dein Wort die Hut und Weide ist, die alles Volk erhalten, in rechter Bahn zu wallen. A. Allgemeine Kirchenlieder. 3. Es danke, Gott, und lobe dich das Volk in guten Thaten! Das Land bringt Frucht und bessert sich; dein Wort laß wohl gerathen. Uns segne Vater und der Sohn, uns segne Gott der heilig Geist, dem alle Welt die Ehre thu', vor ihm sich fürchte allermeist. Nun sprecht von Herzen: Amen! Dr. Martin Luther, 1483-1546. Das Wort Gottes. Mel. Wer nur den lieben 2c. Pf. 93, 5. ein o 29. De höchſter, Höchster, ist vollkommen, es lehrt uns unsre ganze Pflicht, es weckt den Sünder, stärkt den Frommen, reicht Alles dar, was uns gebricht! O selig, wer es achtsam hört, bewahrt und durch Gehorsam ehrt. 25 3. Dein Wort erweckt uns, dich zu lieben, dich, der so väterlich uns liebt, mit Freuden dein Gebot zu üben, so wie dein Sohn es hat geübt; es zeiget uns den Gnadenlohn, der unsrer harrt an deinem Thron. 4. Ja, deine heiligen Gesetze sind unsrer ganzen Liebe werth, sind köstlicher, als alle Schätze Und was die eitle Welt begehrt; was aller Menschen Weisheit spricht, muß weichen, Herr, vor deinem Licht. 5. Drum soll das Wort, das du gegeben, stets meines Fußes Leuchte sein; zu dir soll es mein Herz erheben, mich stärken, trösten und erfreun; noch sterbend will ich darauf baun; was es verheißt, werd' ich einst schaun. Dr. Johann Andreas Cramer, 1723-1788. Die heiligen Sakramente. 2. Es leuchtet uns auf unfren Wegen, zerstreut des Irrthums Finsterniß; es führt uns unsrem Ziel entgegen und macht uns unsres Mel. Wer nur den lieben 2c. 1. Cor. 12, 13. ch auf deinen NaHeils gewiß; es lehrt uns, 30. 3 bin getauft Jesum unser Gott und Vater bist. men, Gott, Vater, Sohn 26 A. Allgemeine Kirchenlieder. und heil'ger Geist, ich bin 6. Weich', weich', du Fürst gezählt zu deinem Samen, der Finsternissen! Ich bleibe zum Volk, das dir geheiligt mit dir unvermengt; hier heißt, ich bin in Christum ist zwar ein befleckt Geeingesenkt, ich bin mit sei- wissen, jedoch mit Jesu Blut nem Geist beschenkt. besprengt. Weich', eitle Welt, du, Sünde, weich'! Gott hört es: ich entsage euch. 7. Laß diesen Vorsatz nimmer wanken, Gott, Vater, Sohn und heil'ger Geist! Halt' mich in deines Bundes Schranken, bis mich dein Wille sterben heißt: So leb' ich dir, so sterb' ich dir; so lob' ich dich dort für und für. Dr. Joh. Jacob Rambach, 1693-1735. 2. Du hast zu deinem Kind und Erben, mein lieber Vater, mich erklärt, du hast die Frucht von deinem Sterben, mein treuer Heiland, mir gewährt, du willst in aller Noth und Bein, o guter Geist, mein Tröster sein. 3. Doch hab' ich dir auch Furcht und Liebe, Treu' und Gehorsam zugesagt; ich habe mich aus reinem Triebe dein Eigenthum zu sein gewagt; hingegen sagt' Eigene Melodie. Offenb. 19, 8. ich bis in's Grab des Sa 31. Schmücke ich tans ab. schnöden Werken 4. Mein treuer auf deiner Seite bleibt dieser Bund wohl feste stehn; wenn aber ich ihn überschreite, so laß mich nicht verloren gehn: nimm mich, dein Kind, zu Gnaden an, wenn ich hab' einen Fall gethan. p liebe Seele, laß die dunkle Sündenhöhle, komm an's helle Licht gegangen, fange herrlich an zu prangen! Denn der Herr voll Heil und Gnaden will dich jetzt zu Gaste laden: der den Himmel kann verwalten, will jetzt Herberg' in dir halten. 5. Ich gebe dir, mein Gott, auf's Neue Leib, Seel' und Herz zum Opfer hin: erwecke mich zu neuer Treue und nimm Besitz von meinem Sinn. Es sei in mir kein Tropfen Blut, der nicht, Herr, deinen Willen thut! Gott, die Gott, 2. Eile, wie Verlobte pflegen, deinem Bräutigam entgegen, der da mit dem Gnadenhammer klopft an deine Herzenskammer; öffn' ihm bald die Geistespforten, red' ihn an mit schönen Univ.- Bibl. Glessen A. Allgemeine Kirchenlieder. Worten, sprich: mein Heil,| ob es gleich viel Tausend laß dich umfangen, laß mich nähret, und daß mit dem immer an dir hangen. Saft der Reben uns wird Christi Blut gegeben. O der großen& eimlichkeiten, die nur Gottes Geist kann deuten! 3. Zwar beim Kaufen theurer Waaren pflegt man sonst kein Geld zu sparen; aber du willst für die Gaben deiner Huld kein Geld nicht haben, weil in allen Bergwerksgründen kein solch Kleinod ist zu finden, das die blutgefüllten Schalen und dies Manna kann bezahlen. 7. Jesu, meine Lebenssonne, Jesu, meine Freud' und Wonne, Jesu, du mein ganz Beginnen, Lebensquell und Licht der Sinnen, hier. fall' ich zu deinen Füßen: laß mich würdiglich genießen dieser deiner Himmelsspeise, mir zum Heil und dir zum Preise! 4. Ach, wie hungert mein Gemüthe, Menschenfreund, nach deiner Güte! Ach, wie pfleg' ich oft mit Thränen 8. Herr, es hat dein mich nach dieser Rost zu treues Lieben dich vom sehnen! Ach, wie pfleget mich Himmel hergetrieben, daß zu dürsten nach dem Trank du willig hast dein Leben des Lebensfürsten, wünsche in den Tod für uns gestets, daß mein Gebeine sich durch Gott mit Gott vereine! geben und dazu ganz unverdrossen, Herr, dein Blut für uns vergossen, das uns jetzt kann kräftig tränken, deiner Liebe zu gedenken. 9. Jesu, wahres Brot des Lebens, hilf, daß ich doch nicht vergebens, oder mir vielleicht zum Schaden sei zu deinem Tisch geladen; laß mich durch dies Seelenessen deine Liebe recht ermessen, daß ich auch, wie jetzt auf Erden, mög' dein Gast im Himmel werden! Johann Frank, 1618-1677. 5. Heil'ge Luft und tiefes Bangen nimmt mein Herze jetzt gefangen; das Geheimniß dieser Speise und die unerforschte Weise machet, daß ich früh vermerke, Herr, die Größe deiner Stärke. Ist auch wohl ein Mensch zu finden, der dein' Allmacht sollt' ergründen? 6. Nein, Vernunft die muß hier weichen, kann dies Wunder nicht erreichen, daß dies Brot nie wird verzehret, 27 28 A. Allgemeine Kirchenlieder. Eigene Melodie. Joh. 6, 56. 32. Wi ir glauben All' und bekennen frei, daß nach Christi Wort dies Brot der Leib Christi sei, der für unsre Sünd' und Missethat litt am Kreuz den bittren Tod; 2. Desgleichen der Wein in seiner Art sein unschuldig Blut, welch's am Kreuz vergossen ward uns und allen Gläubigen zu Gut', so ihm folgen in Demuth. Michael Weiß, ums Jahr 1540. Sinnen und Verstand regier', daß ich den Frieden Gottes schmeck und fühl' und dir darob im Herzen sing' und spiel'! 3. Verleih' mir, Höchster, solche Güte, so wird gewiß mein Singen recht gethan; so klingt es schön in meinem Liede, und ich bet' dich im Geist und Wahrheit an; so hebt dein Geist mein Herz zu dir empor, daß ich dir Psalmen sing' im höhern Chor! 4. Denn der kann mich bei dir vertreten mit Seufzern, die ganz unaussprechlich sind; der Lehret mich recht gläubig beten, giebt Zeugniß meinem Geist, daß ich dein Kind und ein Miterbe Jesu Christi sei, daher ich Abba, lieber Vater, schrei'. Das Gebet. Eigene Melodie. Ephef. 5, 19. 20. ir, dir, Jehova, 33. Di will ich singen; denn wo ist doch ein solcher Gott, wie du? Dir will ich meine Lieder bringen; ach, gieb mir deines Geistes Kraft dazu, daß ich es thu' im Namen Jesu Christ, so wie es dir durch ihn gefällig ist. 5. Wenn dies aus meinem Herzen schallet durch deines heil'gen Geistes Kraft und Trieb, so bricht dein Vaterherz und wallet ganz brünstig gegen mich vor heißer Lieb', daß mir's die Bitte nicht versagen kann, Die ich nach deinem Willen hab' gethan. 2. Zieh' mich, o Vater, zu dem Sohne, damit dein Sohn mich wieder zieh' zu dir; dein Geist in meinem Herzen wohne und meine richt't und wird gewiß von 6. Was mich dein Geist selbst bitten lehret, das ist nach deinem Willen einge A. Allgemeine Kirchenlieder. werden. dir erhöret, weil es im Na-| Erden ganz zu dir gezogen men deines Sohns geschicht, durch welchen ich dein Kind und Erbe bin und nehme von dir Gnad' um Gnade hin. 2. Unser Wissen und Verstand ist mit Finsterniß umhüllet, wo nicht deines Geistes Hand uns mit hellem Licht erfüllet; Gutes denken, thun und dichten, mußt du selbst in uns verrichten. 3. D du Glanz der Herrlichkeit, Licht vom Licht, aus Gott geboren, mach' uns allesammt bereit, öffne Herzen, Mund und Ohren; unser Bitten, Flehn und Singen laß, Herr Jesu, wohl gelingen. M. Tobias Clausniger, 1618-1684. 7. Wohl mir, daß ich dies Zeugniß habe! Drum bin ich voller Trost und Freudigkeit und weiß, daß alle gute Gabe, die ich von dir verlange jederzeit, die giebst du und thust über schwenglich mehr, als ich verstehe, bitte und begehr'. 8. Wohl mir! ich bitt' in Jesu Namen, der mich zu deiner Rechten selbst vertritt; in ihm ist alles Ja und Amen, was ich von dir im Geist und Glauben bitt'. Wohl mir, Lob dir jetzt und in Ewigkeit, daß du mir schenkest solche Seligkeit! Bartholomäus Crasselius, 1667-1724. 29 Bußlieder. Eigene Melodie. Pf. 130, 3. 4. 35. Aus tiefer Noth Gottesdienst. schrei' ich zu dir, Herr Gott, erhör' mein Rufen: dein gnädig Ohr neig' her zu mir und meiner Bitt' es öffne! Denn so du Eigene Melodie. Apostelgesch. 10, 33. 34. Liebster Jesu, wir willst das sehen an, was sind hier, dich und dein Wort anzuhören; lenke Sinnen und Begier auf die süßen Himmelslehren, daß die Herzen von der Sünd' und Unrecht ist gethan, wer kann, Herr, vor dir bleiben? 2. Bei dir gilt Nichts, denn Gnad' und Gunst, die A. Allgemeine Kirchenlieder. Sünde zu vergeben; es ist| daß wir wandeln in seinem doch unser Thun umsonst Pfad', auf daß die Sünd' auch in dem besten Leben. der Seel' nicht schad': Wer Vor dir Niemand sich rüh- das begehrt, sprech': Amen! men kann: es muß dich fürchten Jedermann und deiner Gnade leben. Dr. Martin Luther, 1483-1546. 30 Eigene Melodie. Apostelgesch. 4, 12. 3. Darum auf Gott will hoffen ich, auf mein Ber: 36. Eins ist noth! ihn Herr, dies mein Herz soll lassen sich Eine lehre mich erkennen und seiner Güte trauen, die mir zusagt sein werthes Wort: das ist mein Trost und treuer Hort, deß will ich allzeit harren. doch! Alles Andre, wie's auch scheine, ist ja nur ein schweres Joch, darunter das Herze sich naget und plaget und dennoch kein wahres Vergnügen erjaget. Erlang' ich dies Eine, das Alles ersetzt, so werd' ich mit Einem in Allem ergößt. 4. Und ob es währt bis in die Nacht und wieder an den Morgen, doch soll mein Herz an Gottes Macht verzweifeln nicht, noch sorgen. So thu' Israel rechter Art, der aus dem Geist erzeuget ward, und seines Gott's er harre. 5. Ob bei uns ist der Sünden viel, bei Gott ist viel mehr Gnade; sein' Hand zu helfen hat kein Ziel, wie groß auch sei der Schade. Er ist allein der gute Hirt, der Israel erlösen wird aus seinen Sünden allen. 6. Ehr' sei Gott Vater und dem Sohn und auch dem heil'gen Geiste, als es im Anfang war und nun, 3. Wie Maria war be flissen auf des Einigen Genieß, als sie sich zu Jesu Füßen voller Andacht niederließ, ihr Herze entbrannte, der uns sein' Gnade leiste, dies einzig zu hören, was 2. Seele, willst du dieses finden, such's bei keiner Creatur; laß, was irdisch ist, dahinten, schwing' dich über die Natur! Wo Gott und die Menschheit in Einem vereinet, wo alle vollkommene Fülle erscheinet, da, da ist das beste, nothwendigste Theil, mein Ein und mein Alles, mein seligstes Heil. A. Allgemeine Kirchenlieder. 31 Jesus, ihr Heiland, sie wollte der des Heils ich da habe belehren, ihr Alles war erlangt, worinnen mein gänzlich in Jesum versenkt, Glaube in Ewigkeit prangt. drum wurde ihr Alles in Einem geschenkt: 7. Nun so gieb, daß meine Seele auch nach deinem Bild erwacht: du bist ja, den ich erwähle, mir zur Heiligung gemacht. Was dienet zum göttlichen Wandel und Leben, ist in dir, mein Heiland, mir Alles gegeben: Entreiße mich aller vergänglichen Zust; dein Leben sei, Jesu, mir einzig bewußt! 8. Ja, was soll ich mehr verlangen? Mich umströmt die Gnadenfluth; du bist einmal eingegangen in das Heil'ge durch dein Blut. Da hast du die ew'ge Erlösung gefunden, daß ich nun der höllischen Herrschaft entbunden; dein Eingang die völlige Freiheit mir bringt, im kindlichen Geiste das Abba nun klingt. 4. Also ist auch mein Verlangen, liebster Jesu, nur nach dir: laß mich treulich dir anhangen, schenke dich zu eigen mir! Ob Viel auch umkehrten zum größe: sten Haufen, so will ich dir dennoch in Liebe nachlaufen; denn dein Wort, o Jesu, ist Leben und Geist; was ist wohl, das man nicht in Jesu geneußt? 5. Aller Weisheit höchste Fülle in dir ja verborgen liegt. Gieb nur, daß sich auch mein Wille fein' in solche Schranken fügt, worinnen die Demuth und Einfalt regieret und mich zu der Weisheit, die himmlisch ist, führet. Ach, wenn ich nur Jesum recht kenne und weiß, so hab' ich der Weisheit vollkommenen Preis. 9. Volle G'nüge, Fried' und Freude jetzo meine Seel' ergötzt, weil auf eine frische Weide mein Hirt, Jesus, mich gesetzt. Nichts Süßers kann also Herze erlaben, als wenn ich nur, Jesu, dich immer soll haben; Nichts, Nichts ist, das also mich innig erquickt, als wenn ich dich, Jesu, im 6. Nichts kann ich vor Gott ja bringen als nur dich, mein höchstes Gut; Jesu, es muß mir gelingen durch dein theures Opferblut. Die höchste Gerechtigkeit ist mir erworben, da du bist am Stamme des Kreuzes gestorben; die Klei-| Glauben erblickt. 32 A. Allgemeine Kirchenlieder. 10. Drum auch, Jesu, du alleine sollst mein Ein und Alles sein! Prüf', erfahre, wie ich's meine, tilge allen Heuchelschein. Sieh, ob ich auf bösem, betrüglichem Stege, und leite mich, Höchster, auf ewigem Wege; gieb, daß ich hier Alles nur achte für Roth und Jesum gewinne: dies Eine ist noth! Johann Heinrich Schröder, 1666-1728. 4. D Abgrund, welcher alle Sünden durch Christi Tod verschlungen hat! Das heißt die Wunde recht verbinden; da findet kein Verdammen statt, weil Christi Christlicher Sinn und Blut beständig schreit: BarmWandel. herzigkeit, Barmherzigkeit! 5. Darein will ich mich mich getrost vertraun und, gläubig senken, dem will ich wenn mich meine Sünden 37. 3 habe nun den kränken, nur bald nach Gottes Herze schaun: Da findet sich zu aller Zeit unendliche Barmherzigkeit. Grund gefunden, der meinen Anker ewig hält! Wo anders, als in Jesu Wunden? Da lag er vor der Zeit der Welt, der Grund, der unbeweglich steht, wenn Erd' und Himmel untergeht. 2. Mel. Ach, wie betrübt sind sc. Hebr. 13, 8. 3. Wir sollen nicht verloren werden, Gott will, uns soll geholfen sein. Des wegen kam der Sohn auf Erden und nahm hernach den Himmel ein; deswegen klopft er für und für so stark an unfres Herzens Thür. Es ist das ewige Erbarmen, das alles Denken übersteigt, es sind die offnen Liebesarmen deß, der sich zu dem Sünder neigt, dem allemal das Herze bricht, wir kommen oder kommen nicht. 6. Wird alles Andre weggerissen, was Seel' und Leib erquicken kann, darf ich von keinem Troste wissen und scheine völlig ausgethan, ist die Errettung noch so weit, mir bleibet doch Barmherzigkeit. 7. Beginnt das Irdische zu drücken, ja, häuft sich Rummer und Verdruß, daß ich mich noch in vielen Stücken mit eitlen Dingen A. Allgemeine Kirchenlieder. 33 mühen muß; werd' ich da-| mein Aug' auf dich. Dann durch oft sehr zerstreut, so mindert sich der Schmerz, hoff' ich doch Barmherzig- dann fliehn die bangen Sorkeit. gen, wie Nebel vor dem Morgen, und leichter wird mein Herz. 8. Muß ich an meinen besten Werken, darinnen ich gewandelt bin, viel Unvollkommenheit bemerken, so fällt wohl alles Rühmen hin; doch ist auch dieser Trost bereit: mein Herr ist voll Barmherzigkeit. 9. Es gehe mir nach dessen Willen, bei dem so viel Erbarmen ist; er wolle selbst mein Herze stillen, damit es das nur nicht vergißt: so stehet es in Lieb' und Leid in, durch und auf Barmherzigkeit! 10. Bei diesem Grunde will ich bleiben, so lange mich die Erde trägt; das will ich denken, thun und treiben, so lange sich ein Glied bewegt. So sing' ich einstens höchst erfreut: o Abgrund der Barmherzigfeit! Johann Andreas Rothe, 1688-1758. Mel. Aus meines Herzens 2c. Pf. 62, 2. 3. 38. A n dich, mein Gott, geden ken, ist Freud' und Trost für mich; wenn Gram und Angst mich kränken, so blickt 2. Denk' ich an deine Liebe, wie werd' ich dann erquickt! Ich fühl' in heil'gem Triebe mich ganz zu dir entrückt. Dir, Herr, mein Herz zu weihn, dich kindlich zu erheben, zur Ehre dir zu leben, soll meine Wonne sein. 3. Mit Hoffendem Gemüthe gedenk' ich deiner Treu', und harre deiner Güte, sie ist mir täglich neu. Werf' ich die Last auf dich, so wird die Arbeit süße, in der ich Schweiß vergieße, du unterstüßest mich. 4. Du gabst mir aus Erbarmen den Sohn, der für mich starb und gnadenvoll mir Armen auf ewig Trost erwarb. Du bist in Christo mein, nun kann ich Hoffnung fassen, du kannst dein Kind nicht lassen, wirst stets mein Helfer sein. 5. Wie gut ist's dein gedenken mit frommem Christensinn! Das Herz aufs Eitle lenken, bringt nimmermehr Gewinn. Ich halte mich an dich! dies giebt, auch wenn 3 34 A. Allgemeine Kirchenlieder. ich leide, dem Herzen Trost| seine Weisheit litte. Er und Freude, dies stärkt im sorgt für mich stets väterlich, Tode mich. Nicht, was ich mir ersehe, sein Wille, der geschehe. 4. Ist nicht ein ungestörtes Glück weit schwerer oft zu tragen, als selbst das widrigste Geschick, bei dessen Last wir klagen? Die größte Noth hebt einst der Tod, und Ehre, Glück und Habe verläßt uns doch am Grabe. 6. Drum will ich an dich denken, so lang' ich denken kann; mag man in's Grab mich senken, der Geist geht himmelan. Vergißt auch mein die Welt, gedenkst du, Herr, doch meiner, wenn auch auf Erden Reiner mich im Gedächtniß hält. Benjamin Schmolck, 1672-1737. 5. An dem, was wahrMel. Was Gott thut, das ze. haft glücklich macht, läßt Gott es keinem fehlen; Pf. 62, 2. 3. Ge39. Auf Gott, und sundheit, Ehre, Glück und nicht auf mei nen Rath, will ich mein Glücke bauen und dem, der mich erschaffen hat, mit ganzer Seele trauen. Er, der die Welt allmächtig hält, wird mich in meinen Tagen als Gott und Vater tragen. Pracht sind nicht das Glück der Seelen. Wer Gottes Rath vor Augen hat, dem wird ein gut Gewissen die Trübsal auch versüßen. 2. Er sah von aller Ewigkeit, wie viel mir nüßen würde, bestimmte meine Lebenszeit, mein Glück und meine Bürde. Was zagt mein Herz? Ist auch ein Schmerz, der zu des Glaubens Ehre nicht zu besiegen 6. Was ist des Lebens Herrlichkeit? Wie bald ist sie verschwunden! Was ist das Leiden dieser Zeit? Wie bald ist's überwunden! Hofft auf den Herrn, er hilft uns gern; seid fröhlich, ihr Gerechten, der Herr hilft seinen Knechten! M. Christian Fürchtegott Gellert, 1715-1769. wäre? Eigene Melodie. Pi. 118. 88 3. Gott kennet, was mein Herz begehrt, und hätte, was ich bitte, mir gnädig, eh 40. Auf meinen lieben Gott trau' ich's bat, gewährt, wenn's ich in Angst und Noth, der A. Allgemeine Kirchenlieder. kann mich allzeit retten aus| Namen ewiglich preisen. Trübsal, Angst und Nöthen; Amen. mein Unglück kann er wenden, es steht in seinen Händen. 2. Db' mich die Sünd' anficht, will ich verzagen Eigene Melodie. Pf. 37, 5. nicht, auf Christum will ich 41. Befiehl bu deine du Wege was dein Herze kränkt, der allertreusten Pflege deß, der den Himmel lenkt; der Wolken, Luft und Winden giebt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann. trauen. Ihm will ich mich ergeben im Tod und auch im Leben. 3. Ob mich der Tod nimmt hin, ist Sterben mein Gewinn, und Christus ist mein Leben, dem thu' ich mich ergeben; ich sterb' heut' oder morgen, mein' Seel' wird er versorgen. 4. O mein Herr Jesu Christ, der du geduldig bist für mich am Kreuz gestorben, haft mir das Heil erworben, auch uns Allen zugleiche das ewig' Himmel reiche, 5. Erhöre gnädig mich, mein Trost, das bitt' ich dich; hilf mir am letzten Ende, nimm mich in deine Hände, daß ich selig ab scheide zur ew'gen Himmels freude. 6. Amen zu aller Stund' sprech' ich aus Herzensgrund; du wollest selbst uns leiten, Herr Christ, zu allen Zeiten, auf daß wir deinen 35 Sigismund Weingärtner, ums Jahr 1609. 2. Dem Herren mußt du trauen, wenn dir's soll wohl ergehn; auf sein Werk mußt du schauen, wenn dein Werk soll bestehn. Mit Sorgen und mit Grämen und mit selbsteigner Pein läßt Gott ihm gar Nichts nehmen, es muß erbeten sein. 3. Dein ew'ge Treu' und Gnade, o Vater, weiß und sieht, was gut sei oder schade dem sterblichen Geblüt; und was du dann erlesen, das treibst du, starker Held, und bringst zum Stand und Wesen, was deinem Rath gefällt. 4. Weg' hast du allerwegen, an Mitteln fehlt dir's nicht; dein Thun ist lauter Segen, dein Gang 3* 36 A. Allgemeine Kirchenlieder. fümmert hat. ist lauter Licht; dein Werk| ausgeführet, die dich bekann Niemand hindern, dein' Arbeit darf nicht ruhn, wenn du, was deinen Kindern ersprießlich ist, willst thun. 9. Er wird zwar eine Weile mit seinem Trost verziehn und thun an seinem 5. Und ob gleich alle| Theile, als hätt' in seinem Teufel hier wollten wider stehn, so wird doch ohne Zweifel Gott nicht zurücke gehn; was er sich vorge nommen, und was er haben will, das muß doch endlich kommen zu seinem Zweck und Ziel. Sinn er deiner sich begeben, und sollt'st du für und für in Angst und Nöthen schwe ben, so fragt er Nichts nach dir. 6. Hoff', o du arme Seele, hoff' und sei unverzagt! Gott wird dich aus der Höhle, da dich der Kummer plagt, mit großen Gnaden rücken; erwarte nur die Zeit, so wirst du schon. erblicken die Sonn' der schönsten Freud'. 7. Auf, auf! gieb deinem Schmerze und Sorgen gute Nacht; laß fahren, was das Herze betrübt und, traurig macht. Bist du doch nicht Regente, der Alles führen foll; Gott sitzt im Regi mente und führet Alles wohl. 8. Jhn, ihn laß thun und walten, er ist ein weiser Fürst, und wird sich so verhalten, daß du dich wundern wirst, wenn er, wie ihm gebühret, mit wunder barem Rath die Sach' hin10. Wird's aber sich befinden, daß du ihm treu' verbleibst, so wird er dich entbinden, da du's am wen'gsten gläubst. Er wird dein Herze lösen von der so schweren Last, die du, zu keinem Bösen, bisher getragen hast. 11. Wohl dir, du Kind der Treue! Du hast und trägst davon mit Ruhm und Dankgeschreie den Sieg und Ehrenkron', Gott giebt dir selbst die Palmen in deine rechte Hand, und du singst Freudenpsalmen dem, der dein Leid gewandt. 12. Mach' End', o Herr, mach' Ende an aller unsrer Noth, stärk' unsre Füß' und Hände, und laß bis in den Tod uns allzeit deiner Pflege und Treu' empfohlen sein, so gehen unsre Wege gewiß zum Himmel ein. Paul Gerhardt, 1606-1676. A. Allgemeine Kirchenlieder. 37 Mel. Es ist das Heil uns zc.| herzigkeit vor dir im Tode finden. Pf. 36, 6. 1. Kön. 3, 9 ff. M. Christian Fürchtegott Gellert, 1715-1769. 42. weit, ott, deine Güte so weit die Wolfen gehen; du frönst uns mit BarmMel. Jesus, meine Zuversicht 2c. Ephef. 2, 6. herzigkeit und eilſt, uns bei 43. Herr, meine mein Fels und Hort, vernimm mein Flehn, merk auf mein Wort, denn ich will vor dir beten. Himmelan geht unsre Bahn, wir sind Gäste nur auf Erden, bis wir dort in Canaan durch die Wüste kommen werden. Hier ist unser Pilgrims- Stand, dro2. Jch bitte nicht um Ueberfluß und Schätze die-| ben unser Vaterland. ser Erden. Laß mir, so 2. Himmelan schwing' viel ich haben muß, nach dich, mein Geist, denn du deiner Gnade werden. Gieb mir nur Weisheit und Verstand, dich, Gott, und den, den du gesandt, und mich selbst zu erkennen. bist ein himmlisch Wesen und kannst das, was irdisch heißt, nicht zu deinem Zweck erlesen. Ein von Gott erleucht'ter Sinn kehrt in seinen Ursprung hin. 3. Jch bitte nicht um Ehr' und Ruhm, so sehr sie Menschen rühren; des guten Namens Eigenthum laß mich nur nicht verlieren! Mein wahrer Ruhm sei meine Pflicht, der Ruhm vor deinem Angesicht, und frommer Freunde Liebe. 3. Himmelan! Die Welt kann dir nur geborgte Güter geben. Deine himmlische Begier muß nach solchen Schätzen streben, die uns bleiben, wenn die Welt in ihr erstes Nichts zerfällt. 4. So bitt' ich dich, Herr Zebaoth, auch nicht um langes Leben. Im Glücke Demuth, Muth in Noth, das wollest du mir geben. In deiner Hand steht meine Zeit, laß du mich nur Barm4. Himmelan! Ich muß mein Herz auch bei meinem Schatze haben; denn es kann mich anderwärts kein so großer Reichthum laben, weil ich schon im Himmel bin, wenn ich nur gedenk an ihn. 38 A. Allgemeine Kirchenlieder. 5. Himmelan! ruft er Mel. Nun ruhen alle Wälder 2c. mir zu, wenn ich ihn im Pf. 37, 4. Worte höre; das weist mir 44. In allen meinen wo einmal hingehöre. Wenn mich dieses Wort verwahrt, halt ich eine Himmelfahrt. Thaten ich den Höchsten rathen, der Alles kann und hat. Er muß in allen Dingen, soll's anders wohl gelingen, mir selber geben Rath und That. 6. Himmelan denk' ich allzeit, wenn er mir die Tafel decket und mein Geist hier allbereit eine Kraft des Himmels schmecket. Nach der Kost im Jammerthal folgt des Lammes Hochzeitsmahl. 2. Nichts ist es spät und frühe um alle meine Mühe, mein Sorgen ist umsonst. Er mag's mit meinen Sachen nach seinem Willen machen, ich stell's in seine Vatergunst. 7. Himmelan! MeinGlaube zeigt mir das schöne Loos von ferne, daß mein Herz schon aufwärts steigt über Sonne, Mond und Sterne; denn ihr Licht ist viel zu klein gegen jenen Glanz und Schein. 3. Es kann mir nichts geschehen, als was er hat versehen und was mir selig ist. Ich nehm' es, wie er's giebet; was ihm von mir beliebet, dasselbe hab' ich auch erkiest. 8. Himmelan wird mich 4. Jch traue seiner Gnader Tod in die rechte Heiden, die mich vor allem math führen, da ich über Schaden, vor allem Uebel alle Noth ewig werde triumphiren. Jesus geht mir selbst voran, daß ich freudig folgen kann. 9. Himmelan, ja himmelan! Das soll meine Losung bleiben. Ich will allen eitlen Wahn durch die Him melslust vertreiben. Himmelan steht nur mein Sinn, bis ich in dem Himmel bin. Benjamin Schmold, 1672-1737. schüßt. Leb' ich nach seinen Sätzen, so wird mich Nichts verletzen, Nichts fehlen, was mir ewig nützt. 5. Er wolle meiner Sünden in Gnaden mich entbinden, durchstreichen meine Schuld; er wird auf mein Verbrechen nicht stracks das Urtheil sprechen und mit mir haben noch Geduld. 6. Leg' ich mich späte A. Allgemeine Kirchenlieder. nieder, erwach' ich frühe wieder, lieg' oder zieh' ich fort, in Schwachheit und in Banden, und was mir stößt zu Handen, so tröstet mich allzeit sein Wort. 7. Hat er es denn be schlossen, so will ich unverdrossen an mein Verhängniß gehn; kein Unfall unter Allen wird mir zu harte fallen, ich will mit Gott ihn überstehn. 8. Ihm hab' ich mich ergeben, zu sterben und zu leben, sobald er mir gebeut; es sei heut oder morgen, dafür lass' ich ihn sorgen; er weiß allein die rechte Zeit. 9. So sei nun, Seele, seine und traue dem alleine, der dich erschaffen hat! Es gehe, wie es gehe, dein Vater in der Höhe, der weiß zu allen Sachen Rath. Dr. Paul Flemming, 1609-1640. Mel. Straf' mich nicht in 2c. Eph. 6, 10. 45. ache dich, mein Geist, bereit, wache, fleh' und bete, daß dich nicht die böse Zeit unverhofft betrete! Denn es ist Satans List über viele Frommen zur Versuchung kommen. 39 2. Aber wache erst recht auf von dem Sündenschlafe; denn es folget bald darauf eine lange Strafe, und die Noth sammt dem Tod möchte dich in Sünden unvermuthet finden. 3. Wache auf, sonst kann dich nicht unser Herr erleuchten: wache, sonsten wird dein Licht dir noch ferne deuchten; denn Gott will für die Füll' seiner Gnadengaben offne Augen haben. 4. Wache, daß dich Satans List nicht im Schlaf' mag finden, weil er sonst behende ist, dich zu überwinden: Und Gott giebt, die er liebt, oft in seine Strafen, wenn sie sicher schlafen. 5. Wache, daß dich nicht die Welt durch Gewalt be zwinge oder, wenn sie sich verstellt, wieder an sich bringe. Wach' und sich, damit nie Viel von falschen Brüdern unter deinen Gliedern. 6. Wache dazu auch für dich, für dein Fleisch und Herze, damit es nicht freventlich Gottes Gnad' verscherze; denn es ist voller List und kann sich bald heucheln und in Hoffart schmeicheln. 7. Bete aber auch dabei 40 A. Allgemeine Kirchenlieder. mitten in dem Wachen, denn so erfordert meine Pflicht, der Herre muß dich frei unverrückt an ihm zu kleben. von dem allen machen, was Er ist meines Lebens Licht: dich drückt und bestrickt, daß meinen Jesum lass' ich nicht. du schläfrig bleibest und sein Werk nicht treibest. 2. Jesum lass' ich nimmer nicht, weil ich soll auf Erden leben; ihm hab' ich voll Zuversicht, was ich bin und hab', ergeben; Alles ist auf ihn gericht't: meinen Jesum lass' ich nicht. 3. Laß vergehen das Gesicht, Hören, Schmecken, Fühlen weichen, laß das letzte Tageslicht mich auf dieser Welt erreichen: wenn der Lebensfaden bricht, meinen Jesum lass' ich nicht. 8. Ja, er will gebeten sein, wenn er was soll geben; er verlanget unser Schrein, wenn wir wollen leben und durch ihn unsren Sinn, Feind, Welt, Fleisch und Sünden kräftig überwinden. 9. Doch nun gut: es muß uns schon Alles glück lich gehen, wenn wir ihn durch seinen Sohn im Gebet anflehen; denn er will uns mit Füll' seiner Gunst be schütten, wenn wir glaubend bitten. 4. Ich werd' ihn auch lassen nicht, wenn ich nun dahin gelanget, wo vor seinem Angesicht frommer Christen Glaube pranget. Mich erfreut sein Angesicht: meinen Jesum lass' ich nicht. 5. Nicht nach Welt, nach Himmel nicht meiner Seele Grund sich sehnet; Jesum wünsch' ich und sein Licht, der mich hat mit Gott versöhnet, der mich frei macht vom Gericht: meinen Jesum Laff' ich nicht. Eigene Melodie. Röm. 8, 38, 39. 6. Jesum lafs' ich nicht von mir, geh' ihm ewig an 46. Meinen Jesum der Seiten; Christus läßt lass' ich nicht: weil er sich für mich gegeben, mich für und für zu dem Lebensbächlein leiten. Selig, 10. Drum so laßt uns immerdar wachen, flehen, beten, weil die Angst, Noth und Gefahr immer näher treten; denn die Zeit ist nicht weit, da uns Gott wird richten und die Welt vernichten. Dr. Johann Burchard Freystein, tums Jahr 1720. A. Allgemeine Kirchenlieder. wer mit mir so spricht: Meinen Jesum lass' ich nicht! M. Christian Keymann, 1607-1662. 41 der Seelen Fels und Hort und führ' euch zu der Himmelspfort'. 4. Jch zeig' euch das, was schädlich ist, zu fliehen und zu meiden, und euer Herz von arger List zu rein' gen und zu scheiden; ich bin 5. Fällt's euch zu schwer, ich geh' voran, ich steh' euch an der Seite; ich kämpfe selbst, ich brech' die Bahn, bin Alles in dem Streite. Ein böser Knecht, der still darf stehn, wenn er den Feldherrn sieht angehn! Mel. Mach's mit mir, Gott 2c. Matth. 16, 24.; 10, 58. 2. Tim. 2, 5. ir nach, spricht 47. Mir Christus, un ser Held, mir nach, ihr Christen alle, verleugnet euch, verlaßt die Welt, folgt meinem Ruf und Schalle; nehmt euer Kreuz und Ungemach auf euch, folgt mei nem Wandel nach! 2. Ich bin das Licht, ich leucht' euch für mit heil'gem Tugendleben; wer zu mir kommt und folget mir, darf nicht im Finstren schweben; ich bin der Weg, ich weise wohl, wie man wahrhaftig wandeln soll. 3. Mein Herz ist voll Demüthigkeit, voll Liebe meine Seele; mein Mund, der fließt zu jeder Zeit vom füßen Sanftmuthsöle; mein Geist, Gemüthe, Kraft und Mel. O, daß ich tausend 2c. Sir. 4, 23. Sinn ist Gott ergeben, 48. O daß von meischaut auf ihn. > nen Lebenstagen doch keiner ganz verloren geh'! Die unbenutten Stundeft nagen das Herz noch spät durch Gram und Weh', und den entfloh'nen 6. Wer seine Seel' zu finden meint, wird sie ohn' mich verlieren; wer sie hier zu verlieren scheint, wird sie in Gott einführen. Wer nicht sein Kreuz nimmt und folgt mir, ist mein nicht werth und meiner Zier. 7. So laßt uns denn dem lieben Herrn mit Leib und Seel' nachgehen, und wohlgemuth, getrost und gern bei ihm im Leiden stehen; denn wer nicht kämpft, trägt auch die Kron' des ew'gen Lebens nicht davon. Dr. Johann Scheffler, 1624-1677. A. Allgemeine Kirchenlieder. Augenblick bringt dann kein| gelobt mit Herz und Munde, leerer Wunsch zurück. kein Leichtsinn störe mein Bemühn! Dem Herrn der Zeit und Ewigkeit sei jeder Augenblick geweiht! 2. Laß jeden Theil des kurzen Lebens, o Gott, mir werth und theuer sein! Die Zeit verschwinde nicht vergebens, die meinem Heil ich sollte weihn! Die kurze Lust der Eitelkeit wird sonst zu spät von mir bereut. 42 3. Vom schnöden Dienst der Nichtigkeiten, die Schaden bringen, nicht Gewinn, die gegen deinen Willen streiten, befreie gnädig Herz und Sinn! Ja, Herr, dein Diener will ich sein; der Eigene Melodie. Ps. 37, 4. Erde Tand ist mir zu klein. 49. Wer er nur den lie4. Wenn mich die Last ben Gott läßt der Arbeit drücket und Un- walten und hoffet auf ihn dank meiner Mühe lohnt, allezeit, den wird er wunderdas Auge matt nach Ruhe lich erhalten in allem Kreuz blicket und Sorg' und Kum- und Traurigkeit. Wer Gott, mer bei mir wohnt: so ist, dem Allerhöchsten, traut, der 7. Dann seh' ich von der Laufbahn Ende einst froh auf meine Tage hin und sage: Herr, durch deine Hände empfing ich, was ich hab' und bin; auch was ich that, ist ja nicht mein, dein sei der Ruhm, die Ehre dein! Neues Berliner Gesangbuch, 1829. zu thun, was Gott gebeut,| hat auf keinen Sand gebaut. doch ein Gedanke, der erfreut. 5. Noch ist es Tag; du wollst mich stärken in rechter, gläub'ger Christentreu', auf daß ich zeig' in meinen Werken, wie heilig dein Gebot mir sei. Viel ist für mich noch hier zu thun, ich darf nicht, eh' es Nacht wird, ruhn. 6. Ich fasse Muth, es eilt die Stunde: sie soll nicht ungenügt entfliehn! Es sei 2. Was helfen uns die schweren Sorgen? Was hilft uns unser Weh' und Ach? Was hilft es, daß wir alle Morgen beseufzen unser Ungemach? Wir machen unser Kreuz und Leid nur größer durch die Traurigkeit. N 3. Man halte nur ein wenig stille und sei doch in sich selbst vergnügt, wie unsres Gottes Gnadenwille, wie sein' Allwissenheit es A. Allgemeine Kirchenlieder. 43 fügt. Gott, der uns ihm hat auserwählt, der weiß auch sehr wohl, was uns fehlt. Trostlieder. Mel. Gott Lob, es geht 2c. Offenb. 3, 10. 4. Er kennt die rechten Freudenstunden, er weiß wohl, wann es nützlich weiß 50. Halt an, mein Herz, sei; in deinem Glauwenn er uns nur hat treu ben, Beständigkeit ist Kronen erfunden und merket keine Heuchelei, so kommt Gott, eh' wir's uns versehn, und lässet uns viel Gut's geschehn. werth. Wer diesen Anker sich läßt rauben, der wird im Schiffbruch leicht versehrt; wer aber sich an Jesum hält, der steht, wenn Erd' und Himmel fällt. 5. Denk nicht in deiner Drangsalshitze, daß du von Gott verlassen sei'st, und daß der Gott im Schooße sitze, der sich mit stetem Glücke speist; die Folgezeit verändert viel und setzet Jeglichem sein Ziel. 2. Halt' ein mit deinen Jammerklagen, der Himmel liebet die Geduld; wenn wir die Last gelassen tragen, gewinnen wir des Schöpfers Huld, da der sein Herze nur verletzt, der Gott sich murrend widersetzt. 6. Es sind ja Gott sehr leichte Sachen und ist dem Höchsten Alles gleich, den Reichen klein und arm zu machen, den Armen aber groß und reich; Gott ist der rechte Wundermann, der bald erhöhn, bald stürzen kann. 7. Sing', bet' und geh' auf Gottes Wegen, verricht' das Deine nur getreu und trau' des Himmels reichem Segen, so wird er bei dir werden neu; denn welcher seine Zuversicht auf Gott setzt, den verläßt er nicht. Georg Neumark, 1621-1681. 3. Halt' aus, das Kreuze währt nicht immer, die Hoffnung sieget ganz gewiß. Auf Sturm folgt heller Sonnenschimmer, der Kreuzweg führt ins Paradies; und endlich wird nichts Andres draus, drum heißt's: Halt' an! Halt ein! Halt' aus! Benjamin Schmold, 1672-1737. Eigene Melodie. Marc. 7, 31-37. thut, 51. Was ist wohl gethan, es bleibt gerecht sein A. Allgemeine Kirchenlieder. Wille; wie er fängt meine| werd' ergötzt mit süßem Trost Sachen an, will ich ihm im Herzen; da weichen alle halten stille; er ist mein Schmerzen. Gott, der in der Noth mich wohl weiß zu erhalten, drum lass' ich ihn nur walten. 2. Was Gott thut, das ist wohi gethan, er wird mich nicht betrügen; er führet mich auf rechter Bahn, so lass' ich mir genügen an seiner Huld und hab' Geduld; er wird mein Unglück wenden, es steht in seinen Händen. 44 6. Was Gott thut, das ist wohl gethan, dabei will ich verbleiben; es mag mich auf die rauhe Bahn Noth, Tod und Elend treiben, so wird Gott mich ganz väterlich in seinen Armen halten; drum lass' ich ihn nur walten. M. Samuel Rodigast, 1649-1708. Eigene Melodie. Matth. 6, 9. 10. 3. Was Gott iſt wohl gethan, er wird mich 52. Was mein Gott wohl bedenken; er, als mein Arzt und Wundermann, wird mir nicht Gift einschenken für Arzenei, Gott ist getreu; drum will ich auf ihn bauen und seiner Güte trauen. will, das g'scheh' allzeit: sein Wille ist der beste; zu helfen dem er ist bereit, der an ihn glaubet feste; er hilft aus Noth, der fromme Gott, und züchtiget mit Maßen; wer Gott vertraut, fest auf ihn baut, den will er nicht verlassen. 4. Was Gott thut, das ist wohl gethan; er ist mein Licht und Leben, der mir nichts Böses gönnen kann, ihm hab' ich mich ergeben in Freud' und Leid; es kommt die Zeit, da öffentlich erscheinet, wie treulich er es meinet. 2. Gott ist mein Trost, mein' Zuversicht, mein' Hoffnung und mein Leben: was mein Gott will, daß mir geschicht, will ich nicht widerstreben. Sein Wort ist wahr; denn all' mein' Haar' er selber hat gezählet; er hüt't und wacht, nimmt uns in Acht, auf daß uns gar Nichts fehlet. 3. Drum muß ich hier von dieser Welt hinfahr'n 5. Was Gott thut, das ist wohl gethan; muß ich den Kelch gleich schmecken, der bitter ist nach meinem Wahn, laß ich mich doch nicht schrecken, weil doch zuletzt ich A. Allgemeine Kirchenlieder. 45 nach Gottes Willen zu mei-| nicht versagen: wenn mich nem Gott; wenn's ihm ge- der böse Feind ansicht, laß fällt, will ich ihm halten mich doch nicht verzagen; stille; mein' arme Seel' ich hilf, steur' und wehr', o Gott, Gott befehl' in meiner letzten mein Herr, zu Ehren deinem Stunden. O frommer Gott, Namen! Wer das begehrt, Sünd', Höll' und Tod hast dem wird's gewährt: drauf du mir überwunden. sprech' ich fröhlich Amen. Albrecht, Markgraf zu BrandenburgCulmbach, 1522-1557. 4. Noch Eins, Herr, will ich bitten dich, du wirst mir's B. Schullieder. Morgenlieder. 4. Send' auch auf meinen Wegen mir deinen Engel zu Mel. Balet will ich dir geben 2c. und sprich du selbst den Segen zu Allem, was ich Pf. 68, 5. 53. Auf, auf, den thu'. Verleihe du mir Kräfte aus deines Himmels Höhn, daß des Berufs Geschäfte erwünscht von statten gehn. Herrn zu loben, erwache, mein Gemüth! Dem großen Vater droben erschall' ein frommes Lied! Denn wer erhielt mein Leben in der vergang'nen Nacht? Der Herr, der mir's gegeben, der hat es auch bewacht. 5. Gieb mir vor allen Dingen getrosten Muth und Geist, das freudig zu vollbringen, was mein Beruf mich heißt. Laß mich in guten Tagen nicht übermüthig sein und nicht kleingläubig zagen, dringt gleich ein Kreuz herein. 6. Hilf, daß in meinem Stande ich thu', was dir gefällt; auch laß mich nicht in Schande gerathen vor der Welt; richt', Herr, mein ganzes Leben nach deinem Willen ein, und laß mein Haus daneben von dir gesegnet sein. 7. Vor Allem hilf mir sorgen, wie ich so leben mag, daß ich an jedem Morgen 2. Beschützer aller Welten, wie dank' ich würdig dir, wie soll ich dir vergelten, was du gethan an mir? Mein Opfer ist geringe, ein dir ergeb'ner Sinn ist Alles, was ich bringe: nimm du es gnädig hin. 3. Verzeihe mir die Sünde, die ich bisher verübt, weil ich mit Reu' empfinde, daß ich dich so betrübt; verzeihe mir und dämpfe die sündliche Begier, mit der ich täglich kämpfe, ja, hilf du selber mir! B. Schullieder. denk an den letzten Tag;| über aller Himmel Grenzen, und wird er einst anbrechen, hoch über diesem Todesthal, so gieb, daß ich erfreut von strahlt Jesu Christi GnadenHerzen könne sprechen: komm, licht, das selbst durch GraHerr, ich bin bereit. besnächte bricht. Johann Frank, 1618-1677. 47 Mel. Wer nur den lieben 2c. Hosea 6, 1. ff. 5. So gieb mir, Heiland, deine Gnade, und laß mich ganz dir eigen sein; dann bleibet auch auf dunklem 54. Der Morgen glänzt Pfade das Licht des Himim jungen Lichte durch Feld und Hain, durch Berg und Flur; ein Strahl von Gottes Angesichte durch wallt die blühende Natur, und auch in finstrer Herzen Nacht hat er sein Freudenlicht gebracht. mels ewig mein; dann bricht in mir der Morgen an, dem keine Nacht mehr folgen kann. Dr. Johann Christian Wilhelm Auguft Hopfensack, geb. 1801. 2. Erhebe dich, mein Herz, und preise den Schöpfer dieser Herrlichkeit! Sein Wort verkündet laut und Leise des treuen Vaters Freundlichkeit. D, bleib ihm auch auf ewig treu, und werde, wie der Morgen, neu! 3. Es lag die Nacht auf Höhn und Gründen, und Schweigen deckte rings das Feld; so lag auch einst die Nacht der Sünden verfinsternd auf der weiten Welt. Der Sonne weicht die Erdennacht, der Wahrheit weicht die finstre Macht. 4. Denn mehr, als Erdensonnen glänzen mit ihrem bald verglühten Strahl, weit Mel. Nun ruhen alle Wälder 2c. P₁. 40, 18. ir dank' ich für 55. 55. Dir mein Leben, Gott, der du mir's gegeben, ich danke dir dafür. Du hast, von Huld bewogen, mich aus dem Nichts gezogen, durch deine Güte bin ich hier. 2. Du, Herr, hast mich bereitet, mich väterlich geleitet bis diesen Augenblick. Du gabst mir frohe Tage, und wandtest auch die Plage zu meiner Seelen wahrem Glück. 3. Ich bin nicht werth der Treue, der ich mich täglich freue, der Huld, die mich bewacht. Damit ich Staub und Erde auf ewig glücklich werde, hast du schon ewig mein gedacht. 48 B. Schullieder. 4. Du kanntest schon| kann; denn hätt' ich seine mein Sehnen und zähltest Gnade nicht, wer gäbe mir meine Thränen, eh' ich be- denn Trost und Licht? reitet war. Noch konnt' ich 2. Jch grüße diesen lieben dich nicht denken, zu dir das Morgen und küsse Gottes Herz nicht lenken, da wogst Vaterhand, die diese Nacht du schon mein Theil mir dar. so manche Sorgen in Gna5. Für alle meine Sünden von mir abgewandt. den, Herr, ließest du mich Ach Herr! Wer bin ich Arfinden in Christo Gnad' und mer doch? Du sorgst für Huld. Höchster, welch mich, ich lebe noch. Erbarmen! Du nahmest an mich Armen und tilgtest alle meine Schuld. 6. Daß du mich liebreich führest, mit deinem Geist regierest, dies, Vater, dank' ich dir. Daß du mein Leben fristest, mit deiner Kraft mich rüstest, dies Alles, Vater, dank' ich dir. 7. Was noch in diesem Leben mir frommt, wirst du mir geben; du giebst's, ich hoff' auf dich. Ja, Vater, ich befehle dir kindlich Leib und Seele, Herr, segne und behüte mich! Neues Berliner Gesangbuch, 1829. Mel. Wer nur den lieben 2c. Ephes. 5, 9. 56. in neuer Tag, ein neues Leben geht mit der neuen Woche an. Gott will mir heut aufs Neue geben, was mir sonst Niemand geben 3. Nun, das erkennet meine Seele und giebt sich selbst zum Opfer hin; doch, weil ich noch in dieser Höhle mit Noth und Tod umgeben bin, so weich' auch heute nicht von mir, denn meine Hilfe steht bei dir. 4. Mein Glück in dieser neuen Woche soll nur in deinem Namen blühn. Ach, laß mich nicht am Sündenjoche mit meinem Fleisch und Blute ziehn! Gieb dei nen Geist, der mich regier' und nur nach deinem Willen führ'. 5. Soll ich mein Brot mit Kummer essen, so laß es doch gesegnet sein, und was du sonsten zugemessen, das richte mir zum Besten ein. Ich bitte keinen Ueberfluß, nur was ich nöthig haben muß. 6. So thue nun, mein Gott! das Deine, und laß B. Schullieder. 49 mich auch das Meine thun; nun dein großer Tag uns behüte beide, Groß' und erscheint, und dein Gericht, Kleine, daß sie auf deiner ich davor erschrecke nicht. Huld beruhn, auf daß ein Jeder diesen Tag mit dir vergnügt beschließen mag. Benjamin Schmold, 1672-1737. Eigene Melodie. Pf. 23, 1. ott des Him57. Gott mels und der Erden, Vater, Sohn und heil'ger Geist, der es Tag und Nacht läßt werden, Sonn' und Mond uns scheinen heißt, dessen starke Hand die Welt, und was drinnen ist, erhält. 2. Gott, ich danke dir von Herzen, daß du mich in dieser Nacht vor Gefahr, Angst, Noth und Schmerzen hast behütet und bewacht, daß des bösen Feindes List mein nicht mächtig worden ist. 5. Führe mich, o Herr, und leite meinen Gang nach deinem Wort! Sei und bleibe du auch heute mein Beschützer und mein Hort! nirgends, als bei dir allein, kann ich recht bewahret sein. 6. Meinen Leib und meine Seele, sammt den Sinnen und Verstand, großer Gott, ich dir befehle unter deine starke Hand. Herr, mein Schild, mein Ehr' und Ruhm, nimm mich auf, dein Eigenthum! 7. Deinen Engel zu mir sende, der des bösen Feindes Macht, List und Anschläg' von mir wende und mich halt in guter Acht, der auch endlich mich zur Ruh' trage nach dem Himmel zu! Heinrich Albert, 1604-1668. 3. Laß die Nacht auch meiner Sünden jetzt mit Mel. Ich dank' dir schon 2c. Jac. 1, 17. bieser Nacht vergehn. 58. M Tein erst GeHerr Jesu, laß mich finden, deine Wunden offen stehn, da alleine Hilf' und Rath ist für meine Miſsethat! fühl sei Preis und Dank, erhebe Gott, o Seele! der Herr hört deinen Lobgesang; lobsing ihm, meine Seele. 4. Hilf, daß ich mit diesem Morgen geistlich auf erstehen mag und für meine Seele sorgen, daß, wenn 2. Mich selbst zu schützen ohne Macht, lag ich und schlief in Frieden; wer schafft 4 B. Schullieder. 50 die Sicherheit der Nacht und Ruhe für die Müden? 3. Wer wacht, wenn ich von mir nichts weiß, mein Leben zu bewahren? wer stärkt mein Blut in seinem Fleiß und schützt mich vor Gefahren? 4. Wer lehrt das Auge seine Pflicht, sich sicher zu bedecken? wer ruft dem Tag und seinem Licht, die Seele zu erwecken? 5. Du bist es, Gott und Herr der Welt, und dein ist unser Leben. Du bist es, der es uns erhält und mir's jetzt neu gegeben. Tags erfreue! 7. Laß deinen Segen auf mir ruhn, mich deine Wege wallen, und lehre du mich selber thun nach deinem Wohlgefallen. 10. Daß ich als ein getreuer Knecht nach deinem Reiche strebe, gottselig, züchtig und gerecht durch deine Gnade lebe; 11. Daß ich, dem Nächsten beizustehn, nie Fleiß und Arbeit scheue, mich gern an Andrer Wohlergehn und ihrer Tugend freue; 8. Nimm meines Lebens gnädig wahr, auf dich hofft meine Seele. Sei mir ein Retter in Gefahr, ein Vater, wenn ich fehle. 9. Gieb mir ein Herz voll Zuversicht, erfüllt mit Lieb' und Ruhe, ein weises Herz, das seine Pflicht erkenn' und willig thue; 12. Daß ich das Glück der Lebenszeit in deiner Furcht genieße und meinen Lauf mit Freudigkeit, wenn du gebeutst, beschließe. 6. Gelobet sei'st du, Gott Mel. Christus, der ist mein 2c. der Macht, gelobt sei deine Pj. 50, 4. Treue, daß ich nach einer 59. och läßt der Herr mich leben! Mit fröhlichem Gemüth' eil' ich, ihn zu erheben, er hört mein frühes Lied. 2. Zu ihm entzückt mich wieder der Morgensonne Pracht; ich falle vor ihm nieder, der sie und mich gemacht. 3. Du, Herrscher aller Welten, nimmst dich auch meiner an! Wie soll ich dir vergelten, was du an mir gethan? 4. Wirst du nach Opfern schauen? Sie gelten nichts vor dir; du forderst nur M. Christian Fürchtegott Gellert, 1715-1769. B. Schullieder. 51 Vertrauen, nur Liebe, Gott, o Gott, und lauter im Gevon mir! wissen, so finde mich der Tod! 5. So will ich dir lob: singen, mich deines Namens freun, nach deiner Gnade ringen, mein ganzes Herz fei dein! Eigene Melodie. Pf. 98, 1. 6. Tilger meiner Sün. 60. Wach auf, mein den, mein Mittler, Jesu Christ, laß mich den Trost empfinden, daß du mir gnädig bist! 7. Dir hab' ich mich ergeben; ich freue mich in dir, erfreuender, als Leben, ist deine Güte mir. 8. So führe mich auch heute auf deiner Tugend Pfad; du Ewigweiser, leite mich selbst nach deinem Rath! 9. Nur Eins laß mich erflehen, das christlich weise Herz, auf dich stets aufzusehen in Freuden, wie im Schmerz; 10. Daß ich am ersten trachte nach dem, was dir gefällt, mehr deinen Beifall achte, als allen Ruhm der Welt; 11. Daß ich, dir fest vertrauend, das Gute standhaft thu' und, froh gen Himmel schauend, denk: ,, Herr, mich siehest du!" Christoph Friedrich Neander, 1723-1802. 12. Bereit, den Lauf zu schließen auf deinen Wink, singe dem Schöpfer aller Dinge, dem Geber aller Güter, dem frommen Menschenhüter! 2. Heut', als die dunklen Schatten mich ganz umfangen hatten, hat mich kein Leid versehret; du, Vater, hast's verwehret. 3. Du sprachst: Mein Kind, nun liege trotz dem, der dich betrüge, schlaf wohl, laß dir nicht grauen; du sollst die Sonne schauen. 4. Dein Wort, das ist geschehen; ich kann das Licht noch sehen, von Noth bin ich befreiet, dein Schutz hat mich verneuet. 5. Du willst ein Opfer haben: hier bring ich meine Gaben; mein Weihrauch, Farr' und Widder sind mein' Gebet' und Lieder. 6. Die wirst du nicht verschmähen; du kannst in's Herze sehen und weißt wohl, daß zur Gabe ich ja nichts Bessers habe. 4* B. Schullieder. 7. So woll'st du nun| Tage, jede Freude, jede vollenden dein Werk an mir Plage, und senden, der mich an diesem Tage auf seinen Hände trage. 8. Sprich Ja zu meinen Thaten, hilf selbst das Beste rathen; den Anfang, Mitt'l und Ende, ach Herr, zum Besten wende! 3. Daß ich gern sie vor mir sehe, wenn ihr letzter nun erscheint, wenn zum dunkeln Thal ich gehe und mein Freund nun um mich weint. Lindre dann des Todes Pein und laß mich den Stärksten sein, mich, der ihn gen Himmel weise und dich, Herr des Todes, preise! Friedrich Gottlieb Klopstock 1724-1803. 52 9. Mit Segen mich beschütte, mein Herz sei deine Hütte; dein Wort sei meine Speise, bis ich gen Himmel reise. Paul Gerhardt, 1606-1676. Mel. Wie schön leuchtet der 2c. Pf. 121, 4. Mel. Freu' dich sehr, o 2c. Ps. 119, 35. 62. Will 61. We enn ich einst Tod von jenem Schlummer, welcher heißt, aufersteh' und, von dieses Lebens Kummer frei, den schönern Morgen seh', o, dann wach ich anders auf, schon am Ziel ist dann mein Lauf: Träume sind des Pilgers Sorgen, großer Tag, an deinem Morgen. illkommen edles Morgenlicht, du Schein von Gottes Angesicht, so herrlich und so milde! zu grüßen deine Freundlichkeit, sind ringsum wach und allbereit die irdischen Gefilde. Viel Sang, viel Klang, hoch in Lüften, tief in Klüften; aller Orten ist die Welt zum Tempel worden. 2. Du Herr und Geber 2. Hilf, daß keiner mei stiller Nacht, du Schöpfer, ner Tage, Geber der Under den Tag gemacht, der sterblichkeit, jenem richtenden Welt zu Nutz und Freuden; einst sage, er sei ganz von mir entweiht! Auch noch heute wacht' ich auf: Dank dir, Herr! Zu dir hinauf führ' mich jeder meiner hoch vor Allen, die da waldu Meister, dem kein and'rer gleich, du König, der mit seinem Reich umspannet Ewigkeiten; mächtig, prächtig, B. Schullieder. 53 die da wohnen in des Him-| Du thust uns wohl von mels Regionen. Zeit zu Zeit, und groß ist 3. Die weite Welt ist deine Treu'. dein Altar, mein Herz auch ewigen Gewinn; so fließe vor dir, Gott der Macht, auch dieser Tag mir hin. 3. Die Zeit, in deiner hast du wunderbar zu dei- Furcht vollbracht, bringt nem Dienst bereitet. D du, den noch kein Auge sah, du bist so hoch und doch so nah', kein Raum von dir mich scheidet. Innig fühlt dich mein Geist in sich, und wie fröhlich ist er dessen! wer kann deine Huld er messen! 4. In Allem, was ich denk' und thu', sei, Jesu, selbst bei mir; und wenn ich von Geschäften ruh', so ruh' mein Herz in dir. 5. An deiner Gnade g'nüge mir, sie ist mein bestes Theil, mein Trost und meine Zuflucht hier, und dort mein ew'ges Heil. Johann Samuel Dieterich), 1721-1797. 4. Wo brüderlich in einem Geist die Schaar der Gläubigen dich preist, eil' ich, dir zu lobsingen. Herr, deinen Tag, der sanft die Welt mit seinem heil'gen Licht erhellt, läß'st du mir Wonne bringen. Leite, weide deine Heerde; Alles werde dir zum Ruhme, Gott, in deinem Heiligthume! Christian Heinrich Fürchtegott Mörlin, 1787-1813. Mel. Lobt Gott, ihr Christen 2c. Pf. 150, 6. 63. 3¹ u deinem Preis und Ruhm erwacht, bring' ich dir Ruhm und Preis, dir, Gott, der durch die Ruh der Nacht uns zu erquicken weiß. 2. O Vater, deine Gütigkeit ist alle Morgen neu. Abendlied. Eigene Melodie. Luc. 24, 29. 1 64. un ruhen alle Wälder, Vieh, Menschen, Städt' und Felder, es schläft die ganze Welt; ihr aber, meine Sinnen, auf, auf, ihr sollt beginnen, was eurem Schöpfer wohlgefällt! Wo bist du, Sonne, blieben? Die Nacht hat dich vertrieben die Nacht, des 54 B. Schullieder. Tages Feind. Fahr' hin!| zu deinen Gnaden, sei gut Ein' andre Sonne, mein für allen Schaden, du Aug' Jesus, meine Wonne, gar und Wächter Israel. hell in meinem Herzen 8. Breit' aus die Flügel scheint. beide, o Jesu, meine Freude, und nimm dein Küchlein ein! Will Satan mich verschlingen, so laß die Englein singen: dies Kind soll unverletzet sein! 3. Der Tag ist nun vergangen, die güldnen Sternlein prangen am blauen Himmelssaal. Also werd' ich auch stehen, wenn mich wird heißen gehen mein Gott aus diesem Jammerthal. 4. Der Leib, der nun zur Ruhe, legt ab das Kleid und Schuhe, das Bild der Sterblichkeit. Die zieh' ich aus, dagegen wird Christus mir anlegen den Rock der Ehr' und Herrlichkeit. 9. Auch euch, ihr meine Lieben, soll heute nicht betrüben kein Unfall und Gefahr. Gott laß euch ruhig schlafen, stell' euch die goldnen Waffen ums Bett und seiner Helden Schaar! Paul Gerhardt, 1606-1676. 5. Das Haupt, die Füß' und Hände sind froh, daß nun zum Ende die Arbeit kommen sei. Herz, freu' dich, du sollst werden vom Elend dieser Erden und von der Sünden Arbeit frei. 6. Nun geht ihr matten Glieder, geht hin, und legt euch nieder, der Betten ihr begehrt. Es kommen Stund' und Zeiten, wo man euch wird. bereiten zur Ruh' ein Bettlein in der Erd'. 7. Mein' Augen stehn verdrossen, im Nu sind sie geschlossen: wo bleibt dann Leib und Seel'? Nimm sie Anfang des Schuljahres. Mel. Es ist das Heil uns 2c. Pf. 119, 133. 65. eut öffnet sich die neue Bahn auf meines Lebens Reise. Froh tret' ich meine Wallfahrt an, nach frommer Pilger Weise. Herr, mit Gebet und mit Gesang beginn ich muthig meinen Gang, du wirst mich sicher leiten. 2. Mich schrecket nicht der Zukunft Nacht, die mei B. Schullieder. 55 nen Pfad umhüllet; ich weiß,| sind sie hin, schneller als daß einst durch deine Macht ein mir Licht aus Nächten quillet. Jegt fass' ich deinen Rathschluß nicht: doch einst, verklärt in deinem Licht, werd' ich ihn ganz verstehen. 3. Rauh oder eben sei mein Pfad, ich will ihn freudig gehen; denn deiner Liebe weiser Rath hat ihn für mich ersehen. Giebst du mir Freude, giebst du Noth, giebst du mir Leben oder Tod, es wird zum Heil mir dienen. nem 4. Mein Ziel sei nahe oder fern, das soll mein Herz nicht quälen; dir, meiGott und meinem Herrn, dir will ich mich befehlen. In In deiner Hand steht meine Zeit; laß mich den Weg zur Ewigkeit nur selig einst vollenden. C. C. Sturm. Blitz verschwunden. Wäre doch von unsrer Zeit jede Stunde dir geweiht! 2. Lehr' uns, daß die kurze Frist, die du uns hast zugemessen, wie ein Strom vorüberfließt. Niemals laß es uns vergessen, hier sei Vorbereitungszeit für die nahe Ewigkeit. 3. Säen laß uns dann mit Fleiß zu der Ernte jenes Lebens. O wie glücklich, wer es weiß, auch er lebe nicht vergebens! Ewig freue sich der Saat, wer hier wohl gefäet hat! 3. S. Diterich. Mel. Nun ruhen alle 2c. P₁. 62, 9. 67. D u sollst in allen Sachen mit Gott den Anfang machen aus treuer Schuld und Pflicht. Wem hast du Dank zu geben, o Mensch, für Heil und Leben? Nur ihm: von dir entspringt es nicht. 2. Der Mensch mit seiMel. Jesus, meine Zuversicht 2c. nem Dichten weiß wenig auszurichten, was gut zu Luc. 16, 10. 66. Gott, wie flügel heißen sei. Was will dein schnell entfaltes Sinnen, du Staub fliehn unsre Tage, unsre der Zeit, beginnen, legt er Stunden! Eh' wir's denken, nicht seine Hilfe bei? Anfang des Unterrichts. 56 B. Schullieder. 3. Drum sei nicht zu verwegen auf deines Amtes Stegen und such' nicht eignen Ruhm: wie kannst du mit Vertrauen auf deine Kräfte bauen? Sind sie doch kaum dein Eigenthum. 4. Schlag' an die Him melspforten mit starken Glaubensworten: da bitte Beistand aus; daher wird Segen fließen und reichlich sich ergießen auf dich und auf dein ganzes Haus. 5. Wo Gott die Hand dir reget, selbst Grund zur Arbeit leget, da zieht der Segen ein: entzieht er seine Gnaden, so muß das Werk Mel. Allein Gott in der 2c. Ps. 50, 23. mißrathen, wie trefflich auch 69. Schon nahet fidy die Feierzeit, Andreas Tscherning, 1611-1659. die uns der Herr ersehen; auf, mache dich, mein Geist, bereit, mit Dank vor ihm Mel. Wie schön leucht't uns 2c. zu stehen, der dich behütet in Gefahr, dein Stab und Pf. 19, 2. 68. Dem Herrn sei Stecken täglich war, bein gnadenvoller Heiland. Dank, der uns bewacht, uns diesen neuen Tag gemacht, vor dem wir hier erschienen; wach auf, du meines Herzens Psalm, und preis' ihn, dem des Feldes Halm im Morgenstrahl muß dienen. Siehe, frühe ihn erheben, ihm nur leben ist so labend, bringet Heil am späten Abend. 2. Laß, Herr, den Schluß gesegnet sein, und schenk uns deinen Frieden, daß er mit seinem Gnadenschein erleuchte uns hienieden. Komm, Herr, der unser Heiland heißt, und gieb uns deinen heil'gen Geist zum ew'gen, sel'gen Leben. 2. Wie lieblich, ach wie wohl wird's thun, kann ich auch nach der Arbeit ruhn, die dir, mein Heil, geweihet; ist auch der Tag der Arbeit heiß, er bringt mir Segen, bringet Preis, daß sein das. Herz sich freuet; neue Treue, drum verleihe, Herr, und weihe diese Stunde uns zum Heil im Gnadenbunde. Schluß des Unterrichts. B. Schullieder. mein Dank ein süßer Weihrauch ist. 3. Hat mich bei meinen Wochentagen das liebe Kreuz auch mit besucht, so gabst 70. So find der Woche du auch die Kraft zu tragen; Stunden auch es ist wiederum verschwunden; es kommt die Zeit der Ruh. Es eilt mein kurzes Leben, das mir der Herr gegeben, dem Tode immer näher zu. Wochenschluß. Mel. Nun ruhen alle Wälder 2c. Pf. 33, 22. 2. Schleuß ferner, Herr, mich Armen aus Güte und Erbarmen in deine Arme ein. Gieb, daß kein Feind mich schrecke. Dein Heil sei meine Decke, so kann ich froh und sicher ruhn. Mel. Wer nur den lieben 2c. Pf. 74, 16. So ist die Woche 71. S⁰ nun geschlos sen, doch, treuer Gott, dein Herze nicht! Wie sich dein Segensquell ergossen, so bin ich noch der Zuversicht, daß er sich weiterhin ergießt und unaufhörlich auf mich fließt. 57 2. Ich preise dich mit Hand und Munde, ich lobe dich, so hoch ich kann; ich rühme dich von Herzensgrunde für Alles, was du mir gethan, und weiß, daß dir durch Jesum Christ Frucht durch deine Lieb', o Herr, zu mir, und darum dank' ich dir dafür! 4. Nur etwas bitt' ich über Alles: ach, du versagst mir solches nicht! ge= denke keines Sündenfalles, weil mich mein Jesus aufgericht't, mein Jesus, der die Missethat auf ewig schon gebüßet hat. 5. Dein Schwur ist ja noch nicht gebrochen, du brichst ihn nicht in Ewigkeit, da du dem Sünder hast versprochen, daß er, wenn ihm die Sünde leid, nicht sterben, sondern gnadenvoll wie ein Gerechter leben soll. 6. Mein Glaube hält an diesem Segen und will also den Wochenschluß vergnügt und froh zurückelegen, da mich der Trost ergößen muß, daß ich ja soll in Christo dein und schon in Hoffnung selig sein. 7. Doch, da mein Leben zugenommen, so bin ich auch der Ewigkeit um eine Woche näher kommen und warte 58 B. Schullieder. nun der letzten Zeit, da du| lieben deinen Willen, ihn die Stunde hast bestimmt, mit Freuden stets erfüllen. die mich zu dir in'n Himmel nimmt. 8. Und wenn ich morgen früh auf's Neue den Sonntag wieder sehen kann, so blickt die Sonne deiner Treue mich auch mit neuen Gnaden an; du theilst in deinem Wort und Haus den allerbesten Segen aus. 9. So will ich das im voraus preisen, was du mir künft'ge Woche giebst; du wirst es in der That erweisen, daß du mich je und immer liebst und leitest mich nach deinem Rath, bis Leid und Zeit ein Ende hat. M. Erdmann Neumeister, 1671-1756. vor 2. Bewahre uns Heuchelei, mach unser Herz von Ehrsucht frei, schaff demuthsvolle Seelen; umstrahle uns mit deinem Licht, laß leuchten uns dein Angesicht, und lehr uns dich erwählen: nur dir sei hier Lob mit Danken ohne Schranken froh bewiesen; ewig sei von uns gepriesen. Reformationsfest. Eigene Melodie. Pi. 46. 73. Ein' feste Burg ist unser ein' gute Wehr' und Waffen; er hilft uns frei aus aller Noth, die uns jetzt hat betroffen. Der alte böse Feind, mit Ernst er's jetzt meint; groß' Macht und viel List 72. Laß dieſen Tag ge: sein' grauſam' Rüſtung ist, fegnet sein, der auf Erd'n ist nicht sein's uns so freundlich ladet ein Gleichen. zur ernsten Prüfungsstunde; Herr, hilf, daß wir mit Freudigkeit zur Rechenschaft hier stehn bereit und geben frohe Runde, daß wir schon hier Treue üben, herzlich Deffentliche Prüfung. Mel. Wie schön leucht uns 2c. Ps. 139, 23. 24. 2. Mit unsrer Macht ist nichts gethan, wir sind gar bald verloren; es streit't für uns der rechte Mann, den Gott hat selbst erkoren. Fragst du, wer der ist: er B. Schullieder. 59 heißt Jesus Christ, der Herr 2. Begnadigt, Herr, mit Zebaoth, und ist kein andrer Gott; das Feld muß er be: halten. deiner Kraft und deines Geistes voll, gedenk er stets der Rechenschaft, die er dir geben soll. 3. Der über Christen, Gott, von dir zum Herrn verordnet ist, sei deiner Kirche Schuß und Zier, ein echter Mensch und Christ. 4. Groß und voll Müh' ist seine Pflicht, und er ein Mensch, wie wir; ach, er bedarf vor Andren Licht und Rath und Kraft von dir! 3. Und wenn die Welt voll Teufel wär' und wollt uns gar verschlingen, so fürchten wir uns nicht so sehr: es soll uns. doch gelingen. Der Fürst dieser Welt, wie sau'r er sich stellt, thut er uns doch nicht: das macht, er ist gericht't; ein Wörtlein kann ihn fällen. 4. Das Wort sie sollen lassen stahn und kein'n Dank dazu haben; er ist bei uns wohl auf dem Plan mit seinem Geist und Gaben. Nehmen sie den Leib, Gut, Ehr', Kind und Weib: laß fahren dahin, sie haben's kein'n Gewinn, das Reich muß uns doch bleiben. Dr. Martin Luther, 1483-1546. 5. Sei du sein Licht, sein Hort, sein Schild! laß ihn dir ähnlich sein, laß menschenfreundlich ihn und mild sein Volk, wie du erfreun. 6. Er zeig' auf seinem Throne sich als deinen treusten Sohn; dem Laster sei er fürchterlich, der Tugend Schuß und Lohn. 7. Er haffe den Gewissenszwang als schnöde Tyrannei, und fördre nicht Königs Geburtstag. durch Straf und Drang der Mel. Lobt Gott, ihr Christen 2c. Spr. 20, 28. In deiner Stärke 74. 3n freue sich der König allezeit; sein Auge seh', o Gott, auf dich, sein Herz sei dir geweiht. Bürger Heuchelei. 8. Beglückter Bürger Liebe sei sein edelster Gewinn, und kein gerechter Seufzer schrei' gen Himmel wider ihn. 9. Er fördre freudig dei nen Ruhm und denke stets 60 B. Schullieder. daran, auch sein Land sei| 2. Rüst' ihn mit des dein Eigenthum und er dein Unterthan. 10. Verloren dünk ihm Kraft und Zeit, wenn er nicht Menschen nützt, nicht täglich wohlthut und erfreut und Fleiß und Künste schützt. 11. Um seinen Thron sei immerdar Recht und Gerechtigkeit. Beschütz' ihn mächtig in Gefahr, wann Feindesmacht ihm dräut! Glaubens Schilde, reich' ihm deines Geistes Schwert, daß Gerechtigkeit und Milde ihm des Friedens Heil gewährt. Mach' ihm leicht die schwere Last, die du auferlegt ihm hast. Sei in Jesu du ihm gnädig, schüße, segné unfren König. 12. Auch ihm hast du bestimmt sein Ziel, das er erreichen soll; Herr, mache seiner Tage viel' und jeden segensvoll. 3. Sammle um den Thron die Treuen, die mit Rath und frommem Flehn fest in deiner Streiter Reihen für des Landes Wohlfahrt stehn. Baue um den Königsthron eine Burg, o Gottessohn. Sei du ihm auf ewig gnädig, leite, segne unsern König! 13. Sein werd' in jedem Flehn zu dir mit Lieb' und Dank gedacht; erhör' uns, Gott; dann jauchzen wir und preisen deine Macht! 4. Nähre du die heil'ge Flamme, die das Herz des Volks erneut, daß es unsrem Königsstamme Liebe bis zum Tode weiht. In der Zeiten langer Nacht hast du über ihn gewacht, du erhielteſt ihn uns gnädig; segne, segne Dr. Johann Andreas Cramer, 1723-1788. Mel. Freu' dich sehr, o 2c. 1. Petri 2, 17. 75. Bater, fröne du unsren König. mit Segen unfren König und sein Haus, führ' durch ihn auf deinen Wegen herrlich deinen Rathschluß aus. Deiner Kirche sei er Schutz, deinen Fein den biet' er Truß. Sei du dem Gesalbten gnädig, segne, segne unsren König! 5. Fürchtet Gott, den König ehret! das, o Herr, ist dein Gebot, und du hast es selbst bewähret, warst gehorsam bis zum Tod. Wer dich liebt, der folget dir, drum so beten Alle wir: vor dem Bösen schüß' uns gnädig, Gott, erhalte unsren König! B. Schullieder. 61 6. Gieb uns Muth in 3. Gott, hoch im Sonden Gefahren, wenn der Feind uns ernst bedroht, daß wir Treue dann bewahren, gehen freudig in in den Tod. Du bist unser Siegspanier; Gott mit uns! so siegen wir. Deine Treuen krönst du gnädig, segne, segne unfren König! 7. Breite, Herr, dein Reich auf Erden auch in unserm Lande aus, daß wir deine Bürger werden, ziehen in dein Vaterhaus. Frieden und Gerechtigkeit gieb uns, Gott, zu aller Zeit. Sei du deinem Volke gnädig, segne, segne unsren König! nenglanz, Gott deines PreuBenlands, hör' unser Fleh'n: Laß, frei von Fels zu Meer, glorreich, zu deiner Ehr', zu Deutschlands Schutz und Wehr sein Banner weh'n! 4. Treue, sein Waffenkleid, sein Schwert Gerechtigkeit, Weisheit sein Helm, sein Schild, der Pflicht Ge bot, steht er in Feu'r und Tod siegreich durch dich, o Gott, König Wilhelm! 5. Herr, unsern Ruf vernimm: Segen im Kampfe ihm und Sieg ertheil! Vater des Vaterland's, Hort unsres deutschen Land's, heil ihm M. Wilhelm Hülsemann, geb. 1781. im Siegerkranz, dem König Heil! Mel. Heil unserm König, Heil 2c. 76. Heil unserm Stö Sterbelieder. nig, Heil! Segen und Sieg ertheil', Allmächt'ger, ihm! Ihm, unsrer Rechte Schutz, ihm, unsrer Feinde Truß, halt Mel. Wer weiß, wie nahe zc. deiner Gnade Schutz, Herr, 77. Jetzt lebih be Sir. 7, 40. Hebr. 9, 27. ich; ob ich morgen lebe, über ihm! ob diesen Abend, weiß ich nicht; o Herr, dem ich mein Herz ergebe, lehr' du mich selbst die große Pflicht, durch deines heil'gen Geistes Kraft stets fertig sein zur Rechenschaft. 2. Hoch über Groll und Streit, glorreich im Glanz der Zeit sein Adler flieg! Flieg uns, wenn Wetter nah'n, freudig im Sturm voran, führ uns auf sichrer Bahn zu Kampf und Sieg! 62 B. Schullieder. 2. Die Blume, die am gebens, der sich in meinem Morgen stehet, fällt vor der Herzen regt. Und sterb' ich Abenddämm'rung ab; die einen schnellen Tod, sei Luft, die jetzt mich ange mir barmherzig, Herr, mein wehet, stürzt mich vielleicht Gott! ins nahe Grab; der Jüngling, eh' er sich's versieht, stirbt, und ist noch nicht aufgeblüht. 3. Entziehe dich dem Theodor Gottlieb von Hippel, 1741-1796. dein Wandel, Seele, sei im Himmel, dann eilest du dem Leben zu! Nach einer kurzen Prüfungszeit ist Ewigkeit, ist Ewigkeit! Mel. Christus, der ist mein 2c. 1. Cor. 15, 55. Weltgetümmel, hier iſt der 78. Men ag auch der ein Tag des Lichtes naht. Nach Dämm'rung wird es tagen, zur Heimath führt der Pfad. 2. Mag auch die Liebe weinen, es kommt ein Tag des Herrn. Nach dunkler Nacht erscheinen wird ihr der Morgenstern. 4. Verschiebe niemals deine Pflichten; was jetzt zu thun, du schuldig bist, denk' nicht, erst morgen auszurich ten; wer weiß, ob's morgen möglich ist? Mensch, dieser Augenblick ist dein, der künft'ge wird's vielleicht nicht sein! 5. Noch eh' ich diesen Tag vollende, ergreift vielleicht mich schon der Tod; drum lehr' mich denken, Herr, ans Mel. Jesus, meine Zuversicht 2c. Ende, an meine letzte Todes2. Tim. 2, 11. 3. Mag Hoffnung auch erschrecken, mag jauchzen Grab und Tod, die Schlummernden wird wecken ein ewig Morgenroth. Dr. Friedrich Adolph Krummacher, 1768-1845. noth; o laß, stellt ſie sich 79. Meine Lebensner Lampe sein! zeit ver: streicht, stündlich eil ich zu 6. Es sei, o Vater mei- dem Grabe; und wie wenig nes Lebens, wann einst die ist's vielleicht, das ich noch letzte Stunde schlägt, der zu leben habe? Denk', schwache Seufzer nicht ver- Mensch, an deinen Tod! B. Schullieder. 63 säume nicht, denn Eins ist| bracht!" nahm dem Tode noth. 2. Lebe, wie du, wenn du stirbst, wünschen wirst, gelebt zu haben. Güter, die du hier erwirbst, Würden, die dir Menschen gaben: Nichts wird dich im Tod erfreun, diese Güter sind nicht dein. 3. Nur ein Herz, das Jesum liebt' nur ein ruhiges Gewissen, das vor Gott dir Zeugniß giebt, wird dir deinen Tod versüßen; dieses Sir. 41, 5. Herz, von Gott erneut, ist 80. A des Todes Freudigkeit. 4. Wenn in deiner letzten Noth Freunde hilflos um dich beben, dann wird über Welt und Tod dich dies reine Herz erheben; dann erschreckt dich kein Gericht, Gott ist deine Zuversicht. 5. Daß du dieses Herz erwirbst, fürchte Gott und bet' und wache. Sorge nicht, wie früh du stirbst, deine Zeit ist Gottes Sache. Lern' nicht nur den Tod nicht scheun, lern' auch seiner dich erfreun. seine Macht. 7. Tritt im Geist zum Grab oft hin, siehe dein Gebein versenken; sprich: Herr, daß ich Erde bin, lehre du mich selbst bedenken, lehre du mich's jeden Tag, daß ich weiser werden mag! M. Christian Fürchtegott Gellert, 1715-1769. 6. Ueberwind' ihn durch Vertraun, sprich: ich weiß, an wen ich gläube, und ich weiß, ich werd' ihn schaun einst in diesem meinem Leibe. Er, der rief: ,, Es ist voll Eigene Melodie. 3oh. 17, 24. Menschen müssen sterben, Alles Fleisch vergeht wie Heu; was da lebet, muß verderben, soll es anders werden neu. Dieser Leib, der muß verwesen, wenn er anders soll genesen der so großen Herrlichkeit, die den Frommen ist bereit't. 2. Drum so will ich die ses Leben, wenn es meinem Gott beliebt, auch ganz willig von mir geben, bin darüber nicht betrübt; denn in meines Jesu Wunden hab' ich schon Erlösung funden, und mein Trost in Todesnoth ist des Herren Jesu Tod. I 3. Jesus ist für mich gestorben, und sein Tod ist mein Gewinn. Er hat mir 64 B. Schullieder. das Heil erworben; drum Himmelskleid; mit der goldfahr' ich mit Freuden hin, hin aus diesem Weltgetüm mel in den schönen Gotteshimmel, da ich werde allezeit schauen die Dreifaltigkeit. 4. Da wird sein das Freudenleben, da viel tau send Seelen schon sind mit Himmelsglanz umgeben, nen Ehrenkrone steh' ich da vor Gottes Throne, schaue solche Freude an, die kein Ende nehmen kann. * 8. Hier will ich nun ewig wohnen, meine Lieben: gute Nacht! Eure Treu' wird Gott belohnen, die ihr habt an mir vollbracht. dienen Gott vor seinem Liebste Kinder und VerThron, da die Seraphinen prangen und das hohe Lied anfangen: Heilig, heilig, heilig heißt Gott der Vater, Sohn und Geist! wandte, Brüder, Freunde und Bekannte, lebet wohl zu guter Nacht: Gott sei Lob, es ist vollbracht! Johann Georg Albinus, 1624-1679. 5. Da die Patriarchen wohnen, die Propheten allzumal, wo auf ihren Ehrenthronen sitzt der zwölf Apoſtel 81. Zahl, wo in so viel tausend Jahren alle Frommen hingefahren, da wir unsrem Gott zu Ehr'n ewig Halle luja hör'n. 6. D Jerusalem, du schöne, ach, wie helle glänzest du! Ach, wie lieblich Lobgetöne hört man da in sanfter Ruh'! Oder großen Freud' und Wonne! Jehund gehet auf die Sonne, jezund gehet an der Tag, der kein Ende nehmen mag. 7. Ach, ich habe schon erblicket alle diese Herrlich keit: jetzund werd' ich schön geschmücket mit dem weißen Eigene Melodie. Phil. 1, 21. Christus, der ist mein Leben, und Sterben mein Gewinn; dem thu' ich mich ergeben, mit Freud' fahr' ich dahin. 2. Mit Freud' fahr' ich von dannen zu Christ, dem Bruder mein, auf daß ich zu ihm komme und ewig bei ihm sei. 3. Nun hab' ich überwunden Kreuz, Leiden, Angst und Noth; durch seine heilgen Wunden bin ich versöhnt mit Gott. 4. Wenn meine Kräfte brechen, mein Athem geht schwer aus, und kann kein Wort mehr sprechen, Herr, nimm mein Seufzen auf! B. Schullieder. 65 5. Wenn mein Herz und| meines Gottes Tag! wenn Gedanken vergehn als wie ich im Grabe genug ge ein Licht, das hin und her schlummert habe, erweckst thut wanken, wenn ihm die du mich. Flamm' gebricht: 6. Alsdann fein sanft und stille, Herr, laß mich schlafen ein nach deinem Rath und Willen, wann kommt mein Stündelein, 7. Und laß mich an dir kleben, wie eine Klett' am Kleid, und ewig bei dir le ben in Himmels Wonn' und Freud'! * 8. Wohl in des Himmels Throne sing' ich Lob, Ehr' und Preis Gott Vater und dem Sohne und dir, dem heil'gen Geist. Anna, Gräfin zu Stolberg, ums 3. 1600. Eigene Melodie, oder: Joh. 11, 25. Jeſus Christus, unser Heiland 2c. 82. Auferstehn, ja, 4. Wie den Träumenden wird dann uns sein! mit Jesu gehn wir ein zu seinen Freuden; der müden Pilger Leiden sind dann nicht mehr. 5. Ach, ins Allerheiligste führt mich mein Mittler dann: lebt' ich im Heiligthume zu seines Namens Ruhme! Halleluja! wirst du, mein Staub, nach kurzer Ruh'! Ruh'! unsterblich Leben wird, der dich schuf, dir geben. Halleluja! Friedrich Gottlieb Klopstock, 1724-1803. Jahreswechsel. Mel. Sei Lob und Ehr' 2c. amik Matth. 6, 33. Pf. 28, 9. 83. Er ruft der Sonn den Mond, das Jahr darnach zu theilen; er schafft es, daß man sicher wohnt, und heißt die Zeiten eilen; er ordnet Jahre, Tag und Nacht; auf, laßt uns ihm, dem Gott der Macht, Ruhm, Preis und Dank ertheilen! 2. Wieder aufzublühn werd' ich gesät. Der Herr der Ernte geht und sammelt Garben uns ein, die in ihm starben. Halleluja! 2. Herr, der da ist, und der da war! von dankerfüllten Zungen sei dir für 3. Tag des Danks, der das verfloss'ne Jahr ein Freudenthränen Tag, du, heilig Lied gesungen; für 5 66 B. Schullieder. Leben, Wohlfahrt, Trost| und Liebe bei uns sei, dies und Rath, für Fried' und lieber Vater, dies verleih' Ruh', für jede That, die in Christo, deinem Sohne! uns durch dich gelungen. 3. Laß auch dies Jahr gesegnet sein, das du uns nun gegeben. Verleih' uns Mel. Was Gott thut, das 2c. Kraft, die Kraft ist dein, Pf. 90, 1. in deiner Furcht zu leben. 84. Mit Gott gehn Du uns wir vermehrst der Menschen Glück, wenn sie zuerst nach deinem Reiche streben. 4. Gieb mir, wofern es dir gefällt, des Lebens Ruh' und Freuden. Doch schadet mir das Glück der Welt, so gieb mir Kreuz und Leiden. Nur stärke mit Geduld mein Herz, und laß mich nicht in Noth und Schmerz die Glücklichern beneiden. 5. Hilf deinem Volke väterlich in diesem Jahre wieder. Erbarme der Verlaßnen dich und der bedrängten Glieder. Gieb Glück zu jeder guten That, und laß dich, Gott, mit Heil und Rath auf unsren Fürsten nieder; M. Christian Fürchtegott Gellert, 1715-1769. 6. Daß Weisheit und Gerechtigkeit auf seinem Stuhle throne, daß Tugend und Zufriedenheit in unsrem Lande wohne, daß Treu' dahin, der künft'gen Zeit entgegen. Mit Gott! nimm dieses Wort zu Sinn, denn es hat Gottes Segen. Allein damit thu jeden Tritt, das Herz zu Gott erhoben, die Hilfe kommt von oben. 2. In Frieden wohnt, wer Gott vertraut, in Ruh' an allen Orten. Sein Lebensglück ist fest gebaut, ist Gott sein Fels geworden. der's Auge macht, sieht vor und wacht; der's Ohr pflanzt, wird dein Flehen, dein stillstes Wort verstehen. 3. Herz, deine Wünsche schick hinauf, Gott wird zu Allem rathen. Wohlan, mit ihm zum weitren Lauf, mit ihm in Wort und Thaten! Mit Gott allein, so deine Werke; sei mit uns, soll es fein! dich preisen Gott der Stärke! Christian Heinrich Fürchtegott Mörlin, 1787-1813. B. Schullieder. 67 Mel. Wach auf, mein Herz 2c.| mitten in unserm Kreuz und Leiden ein Brunnen unsrer Freuden. 9. Gieb mir und allen Denen, die sich von Herzen sehnen nach dir und deiner Hulde, ein Herz, das sich gedulde. 10. Schließ zu die Jammerpforten, und laß an allen Orten auf so viel Blutvergießen die Freudenströme fließen. 11. Sprich deinen milden Segen zu allen unsern Wegen, laß Großen und auch Kleinen die Gnadensonne scheinen. 12. Sei der Verlaßnen Vater, der Irrenden Berather, der Unversorgten Gabe, der Armen Gut und Habe. Pf. 103. 85. 1¹ [ un laßt uns gehn und treten mit Singen und mit Beten zum Herrn, der unserm Leben bis hieher Kraft gegeben. 2. Wir gehn dahin und wandern von einem Jahr zum andern, wir leben und gedeihen vom alten bis zum neuen; 3. Durch so viel Angst und Plagen, durch Zittern und durch Zagen, durch Krieg und große Schrecken, die alle Welt bedecken. 4. Denn wie von treuen Müttern in schweren Ungewittern die Kindlein hier auf Erden mit Fleiß bewahret werden; 5. Also auch, und nichts minder, läßt Gott ihm seine Kinder, wenn Noth und Trübsal blizzen, in seinem Schooße sizzen. 6. Ach, Hüter unsers Lebens! fürwahr, es ist vergebens mit unserm Thun und Machen, wo nicht dein' Augen wachen. 7. Gelobt sei deine Treue, die alle Morgen neue; Lob sei den starken Händen, die alles Herz'leid wenden. 13. Hilf gnädig allen Kranken, gieb fröhliche Gedanken den hochbetrübten Seelen, die sich mit Schwermuth quälen. 14. Und endlich, was das Meiste, füll uns mit deinem Geiste, der uns hier herrlich ziere und dort zum Himmel führe. 15. Dies Alles woll'st du geben, o meines Lebens Leben, mir und der Christen Schaare zum sel'gen neuen 8. Laß ferner dich er- Jahre! bitten, o Vater, und bleib Paul Gerhardt, 1606-1676. 5* B. Schullieder. 68 Mel. Vom Himmel hoch, da 20. Pf. 39, 5. 6. 5. Wir eilen mit dent Strom der Zeit stets näher 86. Unwiederbringlich hin zur Ewigkeit. Du haſt die Stunden zugezählt, die letzte weislich uns verhehlt. schnell entfliehn die Tage, die uns Gott ge liehn. Ein Jahr tritt ein und eilt davon. Wie man ches ist bereits entflohn! 6. Herr unsers Lebens mache du uns selber recht geschickt dazu, daß nicht, indem wir sicher sind, der Tod uns unbereitet find'. 2. Dank sei dir, ewig treuer Gott, für deinen Bei stand in der Noth, für tausend Proben deiner Treu'; denn deine Huld war täglich| Loos 7. Ist einst die Zahl der Stunden voll, die unser entscheiden soll, so führ' uns aus der Prüfungszeit zu deiner frohen Ewigfeit. neu. 3. Wenn unser Herz, von Schuld befreit, sich mancher guten That erfreut; weß war die Kraft, wer gab Gedeihn? Dir, Herr, gebührt der Ruhm allein! 4. Oft fehlten wir und merkten's nicht, verzeih' uns die verletzte Pflicht! Du siehst, Erbarmer, unsre Reu', um Christi willen sprich uns frei. 8. Da sind wir unsers Heils gewiß, da wechseln Licht und Finsterniß nicht mehr, wie hier. Du ew'ges Licht, Herr, unser Gott, verlaß uns nicht! Christoph Friedrich Neander, 1723-1802. Der kleine Katechismus Dr. Martin Luthers. Erstes Hauptstüdf. Die zehn Gebote Gottes, wie sie ein Hausvater seinen Kindern und Gesinde einfältiglich vorhalten soll. mir). Das erste Gebot. Du sollst nicht andere Götter haben( neben Was ist das? Wir sollen Gott über alle Dinge fürchten, lieben und vertrauen. Das andere Gebot. Du sollst den Namen deines Gottes nicht unnütlich führen; denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen mißbraucht. Was ist das? Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir bei seinem Namen nicht fluchen, schwören, zaubern, lügen oder trügen, sondern denselben in allen Nöthen anrufen, beten, loben und danken. Das dritte Gebot. Du sollst den Feiertag heiligen. Das erste Hauptstück. Was ist das? Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir die Predigt und sein Wort nicht verachten, sondern dasselbe heilig halten, gerne hören und lernen. 70 Das vierte Gebot. Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf daß dir's wohlgehe und du lange le best auf Erden. Was ist das? Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir unsere Eltern und Herren nicht ver achten, noch erzürnen, sondern sie in Ehren halten, ihnen dienen, gehorchen, sie lieb und werth haben. Das fünfte Gebot. Du sollst nicht tödten. Was ist das? Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir unserm Nächsten an seinem Leibe keinen Schaden noch Leid thun, sondern ihm helfen und fördern in allen Leibesnöthen. Das sechste Gebot. Du sollst nicht ehe brechen. Was ist das? Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir keusch und züchtig leben in Worten und Werken, und ein Jeglicher sein Gemahl lieben und ehren. Das siebente Gebot. Du sollst nicht stehlen. Was ist das? Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir unsers Nächsten Geld oder Gut nicht nehmen, noch mit falscher Waare oder Handel an uns bringen, sondern ihm sein Gut und Nahrung helfen bessern und be hüten. 71 Das erste Hauptstück. Das achte Gebot. Du sollst nicht falsch Zeugniß reden wider deinen Nächsten. Was ist das? Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir unsern Nächsten nicht fälschlich belügen, verrathen, afterreden oder bösen Leumund machen, sondern sollen ihn entschuldigen, und Gutes von ihm reden und alles zum Besten kehren. Das neunte Gebot. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus. Was ist das? Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir unserm Nächsten nicht mit List nach seinem Erbe oder Hause stehen, noch mit einem Schein des Rechts an uns bringen, sondern ihm, dasselbe zu behalten, förderlich und dienstlich sein. Das zehnte Gebot. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh, oder alles, was sein ist. Was ist das? Wir sollen Gott fürchten und lieben, daß wir unserm Nächsten nicht sein Weib, Gesinde oder Vieh abspannen, abdringen oder abwendig machen, sondern dieselben anhalten, daß sie bleiben und thun, was sie schuldig sind. Was saget nun Gott von diesen Geboten allen? Er saget also: Ich der Herr, dein Gott, bin ein eifriger Gott, der über die, so mich hassen, die Sünde der Väter heimsucht an den Kindern bis in's dritte und vierte Glied; aber denen, so mich lieben und meine Gebote halten, thue ich wohl in tausend Glied. Das zweite Hauptstück. Was ist das? Gott drohet zu strafen alle, die diese Gebete übertreten; darum sollen wir uns fürchten vor seinem Zorn und nicht wider solche Gebote thun. Er verheißet aber Gnade und alles Gute allen, die solche Gebote halten; darum sollen wir ihn auch lieben und vertrauen, und gerne thun nach seinen Geboten. 72 Zweites Hauptstück. Der christliche Glaube, wie ein Hausvater denselbigen seinen Kindern und Gesinde auf's einfältigste vorhalten soll. Der erste Artikel. Von der Schöpfung. Ich glaube an Gott, den Vater, allmächtigen Schöpfer Himmels und der Erden. Was ist das? Ich glaube, daß mich Gott geschaffen hat sammt allen Creaturen, mir Leib und Seele, Augen, Ohren und alle Glieder, Vernunft und alle Sinne gegeben hat und noch erhält; dazu Kleider und Schuhe, Essen und Trinken, Haus und Hof, Weib und Kind, Acker, Vieh und alle Güter, mit aller Nothdurft und Nahrung dieses Leibes und Lebens reichlich und täglich versorget, wider alle Fährlichkeit beschirmet und vor allem Uebel behütet und bewahret;- und das alles aus lauter väterlicher, göttlicher Güte und Barmherzigkeit, ohn alle mein Verdienst und Würdigkeit;- des alles ich ihm zu danken und zu loben, und dafür zu dienen und gehorsam zu sein schuldig bin. Das ist gewißlich wahr. Das zweite Hauptstück. Der andere Artikel. Von der Erlösung. Und an Jesum Christum seinen einigen Sohn, nusern Herrn, der empfangen ist von dem heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontio Pilato, gekreuziget, gestorben und begraben, niedergefahren zur Höllen, am dritten Tage auferstanden von den Todten, aufgefahren gen Himmel, sizzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters, von dannen er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Todten. Was ist das? Ich glaube, daß Jesus Christus, wahrhaftiger Gott, vom Vater in Ewigkeit geboren und auch wahrhaftiger Mensch von der Jungfrau Maria geboren, sei mein Herr, der mich verlornen und verdammten Menschen erlöset hat, erworben, gewonnen von allen Sünden, vom Tode und von der Gewalt des Teufels; nicht mit Gold oder Silber, sondern mit seinem heiligen, theuren Blut und mit seinem unschuldigen Leiden und Sterben; auf daß ich sein eigen sei und in seinem Reiche unter ihm lebe, und ihm diene in ewiger Gerechtigkeit, Unschuld und Seligkeit, gleichwie er ist auferstanden vom Tode, lebet und regieret in Ewigkeit. Das ist gewiß lich wahr. - 73 Der dritte Artikel. Von der Heiligung. Ich glaube an den heiligen Geist, Eine heilige christliche Kirche, die Gemeine der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen. Was ist das? Ich glaube, daß ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesum Christum, meinen Herrn, glauben 74 Das dritte Hauptstück. oder zu ihm kommen kann;- sondern der heilige Geist hat mich durch das Evangelium berufen, mit seinen Gaben erleuchtet, im rechten Glauben geheiliget und erhalten: gleichwie er die ganze Christenheit auf Erden berufet, sammlet, erleuchtet, heiliget und bei Jesu Christo erhält im rechten einigen Glauben;- in welcher Christenheit er mir und allen Gläubigen täglich alle Sünde reichlich vergiebt, und am jüngsten Tage mich und alle Todten auferwecken wird, und mir sammt allen Gläubigen in Christo ein ewiges Leben geben wird. Das ist gewißlich wahr. Drittes Hauptstück. Das Gebet des Herrn, oder das heilige Vater Unser, wie ein Hausvater dasselbe seinen Kindern und Gesinde auf's einfältigste vorhalten soll. Die Anrede. Vater unser, der du bist im Himmel. Was ist das? Gott will uns damit locken, daß wir glauben sollen, er sei unser rechter Vater, und wir seine rechten Kinder, auf daß wir getrost und mit aller Zuversicht ihn bitten sollen, wie die lieben Kinder ihren lieben Vater. Die erste Bitte. Geheiliget werde dein Name. Was ist das? Gottes Name ist zwar an ihm selbst heilig; aber wir bitten in diesem Gebet, daß er auch bei uns heilig werde. Das dritte Hauptstück. Wie geschieht das? Wo das Wort Gottes lauter und rein gelehret wird, und wir auch heilig als die Kinder Gottes darnach leben. Das hilf uns, lieber Vater im Himmel! Wer aber anders lehret und lebet, denn das Wort Gottes lehret, der entheiliget unter uns den Namen Gottes. Da behüte uns vor,( lieber) himmlischer Vater! Die andere Bitte. Dein Reich komme. 7-5 Was ist das? Gottes Reich kommt wohl ohn unser Gebet, von ihm selbst; aber wir bitten in diesem Gebet, daß es auch zu uns komme. Wie geschieht das? Wenn der himmlische Vater uns seinen heiligen Geist giebt, daß wir seinem heiligen Wort durch seine Gnade glauben und göttlich leben, hie zeitlich und dort ewiglich. Die dritte Bitte. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden. Was ist das? Gottes guter, gnädiger Wille geschieht wohl ohn unser Gebet, aber wir bitten in diesem Gebet, daß er auch bei uns geschehe. Wie geschieht das? Wenn Gott allen bösen Rath und Willen bricht und hindert, so uns den Namen Gottes nicht heiligen, und sein Reich nicht kommen lassen wollen, als da ist des Teufels, der Welt und unsers Fleisches Wille, sondern stärket und behält uns fest in seinem Wort und Glauben bis an unser Ende. Das ist sein gnädiger und guter Wille. Die vierte Bitte. Unser täglich Brot gieb uns heute. Das dritte Hauptstück. Was ist das? Gott giebt täglich Brot auch wohl ohn unsre Bitte allen bösen Menschen; aber wir bitten in diesem Gebet, daß er uns erkennen lasse und mit Danksagung empfahen unser täglich Brot. 76 Was heißt denn täglich Brot? Alles, was zur Leibes- Nahrung und Noth durft gehört, als: Essen, Trinken, Kleider, Schuh, Haus, Hof, Acker, Vieh, Geld, Gut, fromm Gemahl, fromme Kinder, fromm Gesinde, fromme und getreue Oberherren, gut Regiment, gut Wetter, Friede, Gesundheit, Zucht, Ehre, gute Freunde, getreue Nachbarn und des gleichen. Die fünfte Bitte. Und vergieb uns unsere Schuld, als wir vergeben unsern Schuldigern. Was ist das? Wir bitten in diesem Gebet, daß der Vater im Himmel nicht ansehen wolle unsere Sünde und um derselben willen solche Bitte nicht versagen: denn wir sind der keineswerth, daß wir bitten, haben's auch nicht verdienet, sondern er wolle uns alles aus Gnaden geben, denn wir täglich viel sündigen und wohl eitel Strafe verdienen; so wollen wir zwar*) wiederum auch herzlich vergeben und gerne wohlthun denen, die sich an uns versündigen. Die sechste Bitte. Und führe uns nicht in Versuchung. Was ist das? Gott versucht zwar Niemand, aber wir bitten in diesem Gebet, daß uns Gott wolle behüten und erhalten, auf daß uns der Teufel, die Welt und unser Fleisch nicht betrüge, noch verführe in Mißglauben, *) Ursprünglich: zwarten", d. i. fürwahr! Das dritte Hauptstück. 77 Verzweiflung und andere große Schande und Laster, und ob wir damit angefochten würden, daß wir doch endlich gewinnen und den Sieg behalten. Die siebente Bitte. Sondern erlöse uns von dem Uebel. Was ist das? Wir bitten in diesem Gebet als in der Summa, daß uns der Vater im Himmel von allerlei Uebel Leibs und Seele, Guts und Ehre erlöse, und zuletzt, wenn unser Stündlein kommt, ein seliges En de bescheere, und mit Gnaden von diesem Jammerthal zu sich nehme in den Himmel. Wie lautet der Beschluß? Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. Amen. Was heißt Amen? Daß ich soll gewiß sein, solche Bitten sind dem Vater im Himmel angenehm und erhöret; denn er selbst hat uns geboten, also zu beten, und verheißen, daß er uns will erhören. Amen, Amen, das heißt: Ja, ja, es soll also geschehen. Viertes Hauptstüd. Das Sakrament der heiligen Taufe, wie dasselbe ein Hausvater seinen Kindern und Gesinde soll einfältiglich vorhalten. Zum Ersten: Was ist die Taufe? Die Taufe ist nicht allein schlecht Wasser, sondern sie ist das Wasser in Gottes Gebot gefasset, und mit Gottes Wort verbunden. Welches ist denn solch Wort Gottes? Da unser Herr Christus spricht, Matthäi am letzten: 78 Das vierte Hauptstück. Gehet hin in alle Welt, lehret alle Heiden und taufet sie im Namen des Vaters, und des Sohnes und des heiligen Geistes. Zum Andern: Was giebt oder nüzet die Taufe? Sie wirket Vergebung der Sünden, erlöset vom Tode und Teufel, und giebt die ewige Seligkeit Allen, die es glauben, wie die Worte und Verheißung Gottes Iauten. Welche sind solche Worte und Verheißungen Gottes? Da unser Herr Christus spricht, Marci am letzten: Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig; wer aber nicht glaubet, der wird verdammt. Zum Dritten: Wie kann Wasser solche große Dinge thun? Wasser thut's freilich nicht, sondern das Wort Gottes, so mit und bei dem Wasser ist, und der Glaube, so solchem Wort Gottes im Wasser trauet. Denn ohne Gottes Wort ist das Wasser schlecht Wasser und keine Taufe, aber mit dem Wort Gottes ist es eine Taufe, das ist, ein gnadenreich Wasser des Lebens, und ein Bad der neuen Geburt im heiligen Geist; wie Sankt Paulus saget zu Tito am dritten Kapitel: Gott macht uns selig durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des heiligen Geistes, welchen er ausgegossen hat über uns reichlich, durch Jesum Christum, unsern Heiland, auf daß wir durch desselben Gnade gerecht und Erben seien des ewigen Lebens, nach der Hoffnung.. Das ist gewißlich wahr. Zum Vierten: Was bedeutet denn solch Wassertaufen? Es bedeutet, daß der alte Adam in uns durch tägliche Reue und Buße soll ersäuft werden und sterben mit allen Sünden und bösen Lüsten, und wiederum täglich heraus kommen und auferstehen ein neuer Mensch, der in Gerechtigkeit und Reinigkeit vor Gott ewiglich lebe. Das fünfte Hauptstück. Wo stehet das geschrieben? Sankt Paulus zu den Römern am sechsten spricht: Wir sind sammt Christo durch die Taufe begraben in den Tod, auf das, gleichwie Christus ist von den Todten auferwecket durch die Herrlichkeit des Vaters, also sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln. Fünftes Hauptstück. Von der Beichte und dem Amt der Schlüssel. 79 Wie man die Einfältigen soll lehren beichten. Was ist die Beichte? Die Beichte begreift zwei Stücke in sich: Eines, daß man die Sünden bekenne, das andere, daß man die Absolution oder Vergebung vom Beichtiger empfahe, als von Gott selbst, und ja nicht daran zweifele, sondern fest glaube, die Sünden seien dadurch vergeben vor Gott im Himmel. Welche Sünden soll man denn beichten? Vor Gott soll man sich aller Sünden schuldig geben, auch die wir nicht erkennen, wie wir im Vater Unser thun. Aber vor dem Beichtiger sollen wir allein die Sünden bekennen, die wir wissen und fühlen im Herzen. Welche sind die? Da siehe deinen Stand an nach den zehn Geboten, ob du Vater, Mutter, Sohn, Tochter, Herr, Frau, Knecht, Magd seiest, ob du ungehorsam, untreu, un fleißig gewesen seiest, ob du jemand Leid gethan haft mit Worten oder Werken, ob du gestohlen, versäumet, ver wahrlost oder Schaden gethan hast? Das fünfte Hauptstück. Wie pflegest du zu beichten? Würdiger, lieber Herr! ich bitte Euch, wollet meine Beichte hören, und mir die Vergebung sprechen um Gottes willen! 80 Sage an! Ich armer Sünder bekenne mich vor Gott und Euch aller meiner Sünden schuldig, insonderheit, daß ich Gott, meinen Herrn, nicht von ganzem Herzen, noch meinen Nächsten als mich selbst geliebet habe. Aber dagegen bin ich in Sünden empfangen und geboren, und von Jugend auf habe ich Gott mit argen Gedanken, Lüsten und arger Zuneigung, wie auch in Worten und Werken mannigfaltig erzürnet. Das reuet mich von Herzen, und glaube, daß Christus allein für meine Sünden bezahlet hat. Gedenke auch mit Gottes Hilfe mein Leben zu bessern. Bitte also, würdiger, lieber Herr! Jhr wollet mir an Gottes Statt Vergebung aller meiner Sünden sprechen, und durch Gottes Wort mein blödes Gewissen trösten. Oder: O allmächtiger Gott, barmherziger Vater! ich armer elender, sündiger Mensch bekenne dir alle meine Sünde und Missethat, womit ich dich jemals erzürnet und deine Strafe zeitlich und ewig wohl verdienet habe. Sie sind mir aber alle herzlich leid und reuen mich sehr, und ich bitte dich durch deine grundlose Barmherzigkeit, und durch das heilige, unschuldige, bittere Leiden und Sterben deines lieben Sohnes Jesu Christi, du wollest mir armen, sündhaften Menschen gnädig und barmherzig sein. Amen. Darauf soll der Beichtiger sagen: Gott sei dir gnädig und stärke deinen Glauben! Glaubest du auch, daß meine Vergebung Gottes Vergebung sei? Antwort: Ja, lieber Herr! Darauf spreche er: - Wie du glaubest, so geschehe dir. Und ich aus dem Befehl unsers Herrn Jesu Christi vergebe dir deine Das sechste Hauptstück. 81 Sünden im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen. Gehe hin in Frieden! Wo ist die Lehre von der Absolution oder den Schlüsseln des Himmelreichs begriffen? Matth. 16. spricht Christus zu Petro: Ich will dir des Himmelreichs Schlüssel geben. Alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel los sein. Joh. 20. Jesus blies seine Jünger an und spricht zu ihnen: Nehmet hin den heiligen Geist. Welchen ihr die Sünden erlasset, denen sind sie erlassen, und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten. Sechstes Hauptstück. Das Sakrament des Altars, wie ein Hausvater dasselbe seinen Kindern und Gesinde einfältiglich vorhalten soll. Was ist das Sakrament des Altars? Es ist der wahre Leib und Blut unsers Herrn Jesu Christi, unter dem Brot und Wein, uns Christen zu essen und zu trinken von Christo selbst eingesetzt. Wo stehet das geschrieben? So schreiben die heiligen Evangelisten: Matthäus, Markus, Lukas- und St. Paulus: Unser HErr Jesus Christus, in der Nacht, da er verrathen ward, nahm er das Brot, dankete und brachs, und gabs seinen Jüngern und sprach: Nehmet hin, esset, das ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Solches thut zu meinem Gedächtniß. Desselbengleichen nahm er auch den Kelch nach dem Abendmahl, dankete und gab ihnen den und 6 82 Das sechste Hauptstück. sprach: Nehmet hin und trinket alle daraus; dieser Kelch ist das Neue Testament in meinem Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Solches thut, so oft ihr trinket, zu meinem Gedächtniß. Was nüket denn solch Essen und Trinken? Das zeigen uns diese Worte: ,, Für euch gegeben und vergossen zur Vergebung der Sünden"; nämlich daß uns im Sakrament Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit durch solche Worte gegeben wird, denn wo Vergebung der Sünden ist, da ist auch Leben und Seligkeit. Wie kann leiblich Essen und Trinken solche große Dinge thun? Essen und Trinken thut's freilich nicht, sondern die Worte, so da stehen: ,, Für euch gegeben und vergossen zur Vergebung der Sünden"; welche Worte sind neben dem leiblichen Essen und Trinken als das Hauptstück im Sakrament; und wer denselbigen Worten glaubet, der hat, was sie sagen, und wie sie lauten, nämlich ,, Vergebung der Sünden". Wer empfähet denn solch Sakrament würdiglich? Fasten und leiblich sich bereiten ist wohl eine feine, äußerliche Zucht; aber der ist recht würdig und wohl geschickt, wer den Glauben hat an diese Worte:„ Für euch gegeben und vergossen zur Vergebung der Sünden". Wer aber diesen Worten nicht glaubet oder zweifelt, der ist unwürdig und ungeschickt; denn das Wort ,, Für euch" fordert eitel gläubige Herzen. Druck von H. Jungandreas in Görlig. 7 te1, 21-7 2017 Inches Centimetres Blue ¹2 3 4 Cyan 2 15 ¹6 17 Farbkarte# 13 Green 3 ¹8 Yellow 19 4 10 Red 11 12 5 13 Magenta 14 ( O 6 15 White 16 17 7 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 8