Gb 1866 Geistliches Liederbuch für Schulen, Familien und kirchliche Vereine nebst einem Anhange von Schul- und anderen Gebeten. Hrsg.v. Franz Schwabe Giessen Heinemann[ um 1870] Univ. Bibl. Giessen 7 Morgen. wenn ich nur bei dir wohl steh, So acht ich gar nicht, wie es geh. 5. Hilf du in allen Sachen rathen; Denn ich bin selber mir nicht flug; Behüte mich vor Missethaten, Vor böser Menschen List und Trug; Laß mich den Tag wohl legen an Und Gutes schaffen, wo ich kann. 6. Behüte mir mein Leib und Leben, Mein Weib und Kind, Mein Hab und Gut, Und laß den Himmel Segen geben, Wenn meine Hand das Ihre thut; Hilf, daß ich alles wohl verricht! Du wirst es thun, ich zweifle nicht. C. Neumann, † 1715. Mel.: O Gott, du frommer Gott 2c. 6. Jesu, süßes Licht, Nun ist die Nacht ver= gangen; Nun hat dein Gnadenglanz Aufs neue mich umfangen; Nun ist, was an mir ist, Vom Schlafe aufgeweckt Und hat sich, Herr, nach dir Verlangend ausgestreckt. 2. Was soll ich dir denn nun, Mein Gott, für Opfer schenken? Ich will mich ganz und gar In deine Gnade senken Mit Leib, mit Seel, mit Geist, Heut diesen ganzen Tag: Das soll mein Opfer sein, Weil ich sonst nichts vermag. 3. Drum siehe da, mein Gott: Da hast du meine Seele; Sie sei dein Eigenthum, Mit ihr dich heut vermähle In deiner Liebeskraft; Da hast du meinen Geist, Darinnen wollst du dich Verklären allermeiſt. Zum Tempel 4. Da sei denn auch mein Leib dir ergeben, Zur Wohnung und zum Haus; Ach, 8 GB 1866 Morgen-, Mittag- und Abendlieder. allerliebstes Leben, Ach wohn, ach leb in mir Beweg und rege mich: So hat Geist, Seel und Leib Mit dir vereinigt sich. 5. Dem Leibe hab ich jetzt Die Kleider angeleget: Laß meiner Seele sein Dein Bildniß eingepräget Im güldnen Glaubensschmuck, In der Gerechtigkeit, So allen Seelen ist Das rechte Ehrenkleid. 6, Mein Jesu, schmücke mich Mit Weisheit und mit Liebe, Mit Keuschheit und Geduld Durch deine Geistes Triebe; Auch mit der Demuth mich Vor allem kleide an, So bin ich wohlgeschmückt Und köstlich angethan. 7. Gieb, daß mir dieser Tag Stets vor den Augen schwebe, Daß dein Allgegenwart Mich wie die Luft umgebe, Auf daß mein ganzes Thun Durch Herz, durch Sinn und Münd Dich lobe inniglich, Mein Gott, zu aller Stund! 8. Ach segne, was ich thu, Ja rede und gedenke; Durch deines Geistes Kraft Es also führ und lenke, Daß alles nur gescheh Zu deines Namens Ruhm Und daß ich unverrückt Verbleib dein Eigenthum. J. Lange, 1744. Mel.: Ich dank dir schon sc. 7. Mein erst Gefühl sei Preis und Dank; Erheb ihn, meine Seele! Der Herr hört deinen Lobgesang; Lobsing ihm, meine Seele! 2. Mich selbst zu schützen ohne Macht, Lagich und schlief in Frieden. Wer schafft die Sicherheit der Nacht Und Ruhe für die Müden? 3. Du bist es, Gott und Herr der Welt, Und Morgen dein ist unser Leben; Du bist es, der es uns erhält Und mirs jetzt neu gegeben. 4. Gelobet seist du Gott der Macht, Gelobt sei deine Treue, Daß ich nach einer sanften Nacht Mich dieses Tags erfreue. 9 5. Laß deinen Segen auf mir ruhn, Mich deine Wege wallen, Und lehre du mich selber thun Nach deinem Wohlgefallen. 6. Nimm meines Lebens gnädig wahr, Auf dich hofft meine Seele; Sei mir ein Retter in Gefahr, Ein Vater, wenn ich fehle. 7. Gieb mir ein Herz voll Zuversicht, Erfüllt mit Lieb und Ruhe, Ein weises Herz, das seine Pflicht Erkenn und willig thue. 8. Daß ich als ein getreuer Knecht Nach deinem Gottselig, züchtig und gerecht Durch Reiche strebe, deine Gnade lebe. 9. Daß ich das Glück der Lebenszeit In deiner Furcht genieße Und meinen Lauf mit Freudigkeit, Wenn du gebeutst, beschließe, Chr. Fr. Gellert, † 1769. Am Sonntag. 8. Großer Gott von alten Zeiten, Dessen Hand die Welt regiert, Dessen Treu auf allen Seiten Mich von Jugend auf geführt: Heute weckt des Tages Lauf Mich zu lauter Andacht auf. 2. Ach, wie lieb ich diese Stunden; Denn sie sind des Herren Fest, Das mit so viel Trost ver 10 Morgen-, Mittag- und Abendlieder. bunden, Da mein Gott mich ruhen läßt Und durch seinen guten Geist Mir den Weg zum Leben weist. 3. Habe Dank für diesen Morgen, Der mir Zeit zum Guten schenkt; Das sind unsre besten Sorgen, Wenn der Mensch an Gott gedenkt Und von Herzen betet, singt, Daß es durch die Wolken dringt. 4. Was ist schöner als Gott loben? Was ist süßer, als sein Wort? Da das Herz, zu Gott erhoben, Offen sieht des Himmels Pfort! Selig ist, wer Tag und Nacht Also nach dem Himmel tracht. 5. O mein Gott, sprich selber Amen, Denn wir sind dein Eigenthum; Alles preise deinen Namen, Alles mehre deinen Ruhm, Bis es künftig wird ge= schehn, Daß wir dich im Himmel sehn. C. Neumann, † 1715. Mittag. Vor Tifche. Mel.: O Jesu Christ, meins Lebens Licht 2c. 9. Gesegn uns Herr, die Gaben dein, Die Speis laß unsre Nahrung sein; Hilf, daß dadurch erquicket werd Der dürftge Leib auf dieser Erd! 2. Doch dieses zeitlich Brod allein Kann uns nicht gnug im Leben sein; Dein göttlich Wort die Seele speist, Hilf uns zum Leben allermeist. Mittag. 11 3. Drum gib uns beides, Herr und Gott; Hilf endlich auch aus aller Noth, So preisen wir dein Gütigkeit Hier und auch dort in Ewigkeit. Vor 1552. Mel.: Schmücke dich, o liebe 2c. 10. Speis uns, Vater, deine Kinder, Tröste die betrübten Sünder, Sprich den Segen zu den Gaben, die wir jeho vor uns haben, Daß sie uns zu dieſem Leben Stärke, Kraft und Nahrung geben, Bis wir endlich mit den Frommen Zu der Himmelsmahlzeit kommen. Joh. Heermann, † 1647. Mel.: Jesu, wir gehn zu 2c. 11. Herr, wir kommen zu dem Essen; Laß uns deiner nicht vergessen, Denn du bist das Himmel- Brot; Speis die Leiber, stärk die Seelen, Die wir dir jetzt anbefehlen, Steh uns bei in aller Noth; Hilf uns daß wir nach der Erden Deine Gäst im Himmel werden. Nach Tifche. 12. Wir danken Gott für seine Gaben, Die wir von ihm empfangen haben; Wir bitten unsern lieben Herrn, Er woll hinfort uns mehr beschern; 2. Und speisen uns mit seinem Wort, Daß wir satt werden hier und dort; Ach lieber Gott, du wollst uns geben Nach dieser Welt das ewge Leben, Vor 1589. 12 Morgen-, Mittag- und Abendlieder. Mel.: Lobe den Herrn, den 2c. 13. Du hast, o Güte, dem Leibe die Nothdurft bescheeret: Laß doch die Kräfte im Guten nur werden verzehret! Alles ist dein, Seelen und Leiber, allein: Werd auch durch beide geehret! 2. Lebenswort, Jesu, komm, speise die schmachtenden Seelen; Laß in der Wüste uns nimmer das Nöthige fehlen; Gieb nur, daß wir Innig stets dürften nach dir, Ewig zum Heil dich erwählen! E. Terstegen,+ 1769. Mel.: Da Christus geboren 2c. 14 Unser Vater, der uns liebt, Der uns, was uns gut ist, giebt, Gab auch jetzt uns Speis und Trank: Lobt ihn, sagt ihm frohen Dank. Aller Segen kommt vom Herrn: Dankt ihm und gehorcht ihm gern, Liebt ihn, freuet euch des Herrn! Abend. Mel.: Erhalt uns, Herr 2c. 15. Hinunter ist der Sonnen Schein, Die finstre Nacht bricht stark herein; Leucht uns, o Herr, du wahres Licht, Laß uns im Finstern wandeln nicht. 2. Dank sei dir, daß du uns den Tag Vor Schaden, Angst und mancher Plag Durch deine Engel haft behüt Aus Gnad und väterlicher Güt. 3. Womit wir, Herr, erzürnet dich, Dasselb verzeih uns gnädiglich und rechn es unsrer Seel nicht zu; Laß schlafen uns in Fried und Rüh. 13 4. Die Engel dein zur Wach bestell, Daß uns der böse Feind nicht fäll; Vor Schrecken, Angst und Feuersnoth Behüt uns heut, o treuer Gott. R. Hermann, † 1561. Abend. 16. Werde munter mein Gemüthe, Und ihr Sinne, geht herfür, Daß ihr preiset Gottes Güte, Die er hat gethan an mir, Da er mich den ganzen Tag Vor so mancher schweren Plag Durch sein gnadenreiches Walten Hat beschirmet und erhalten. 2. Lob und Dank sei dir gesungen, Vater der Barmherzigkeit, Daß mir ist mein Werk gelungen, Daß du mich vor allem Leid Und vor mancher Art So getreulich haft bewahrt, Feinde weggetrieben, Sünden Auch die geblieben. Daß ich unversehrt von dir gewichen, Doch ich 3. Herr, ich bin stell mich wieder ein; Denn dein Sohn hat ausgeglichen Meine Schuld durch seine Bein. Ich verleugne nicht die Schuld; Aber deine Gnad und Huld Ist viel größer, als die Sünde, Die ich täglich in mir finde. 4. Odu Licht der frommen Seelen, O du Glanz der Ewigkeit, Dir will ich mich ganz befehlen Diese Nacht und alle Zeit. Bleibe doch, mein Gott, bei mir, Weil es nunmehr dunkel hier; Daß kein Unfall mich betrübe, Tröste mich mit deiner Liebe. 5. Laß mich diese Nacht empfinden Eine sanfte, süße Ruh; Alles Uebel laß verschwinden, Decke mich mit Segen zu; Leib und Seele, Muth und Blut, Weib und Kinder, Hab und Gut, Freunde, Feind und Hausgenossen Sein in deinen Schuß geschlossen. 14 Morgen-, Mittag- und Abendlieder. 6. Ach, bewahre mich vor Schrecken, Schüßze mich vor Ueberfall; Laß mich Krankheit nicht aufwecken, Halte fern des Krieges Schall; Wend ab Feur- und Wassersnoth, Pestilenz und schnellen Tod; Laß mich nicht in Sünden sterben, Noch an Leib und Seel verderben. 7. O du großer Gott, erhöre, Was dein Kind gebeten hat; Jesu, den ich stets verehre. Bleibe du mein Schuß und Rath; Und mein Hort, du werther Geist, Der du Freund und Tröster heißt, Höre doch mein sehnlich Flehen! Amen, ja, es soll geschehen. 3. Rist, † 1667. Mel.: Welt, ich muß dich zc. 17. Nun ruhen alle Wälder, Vieh, Menschen, Städt und Felder, Es schläft die ganze Welt; Ihr aber, meine Sinnen, Auf, auf, ihr sollt beginnen, Was eurem Schöpfer wohlgefällt. 2. Wo bist du, Sonne, blieben? Die Nacht hat dich vertrieben, Die Nacht, des Tages Feind; Fahr hin! ein andre Sonne, Mein Jesus, meine Wonne, Gar hell in meinem Herzen scheint.. 3. Der Tag ist nun vergangen; Die güldnen Sternlein prangen Am blauen Himmelssaal: Also werd ich auch stehen, Wenn mich wird heißen gehen Mein Gott aus diesem Jammerthal. 4. Der Leib, der eilt zur Ruhe, Legt ab das Kleid und Schuhe, Das Bild der Sterblichkeit; Die zieh ich aus, dagegen Wird Christus mir anlegen Den Rock der Ehr und Herrlichkeit. 5. Das Haupt, die Füß und Hände Sind 15 6. froh, daß nun zu Ende Die Arbeit kommen sei: Herz, freu dich, du sollst werden Vom Elend dieser Erden Und von der Sünden Arbeit frei. Nun geht, ihr matten Glieder, Geht hin und legt euch nieder, Der Betten ihr begehrt; Es kommen Stund und Zeiten, Da man euch wird bereiten Zur Ruh ein Bettlein in der Erd. 7. Mein Augen stehn verdrossen, Im Nu sind sie geschlossen, Wo bleibt dann Leib und Seel? Nimm sie zu deinen Gnaden, Sei gut für allen Schaden, Du Aug und Wächter Israel! 8. Breit aus die Flügel beide, O Jesu, meine Freude, Und nimmt dein Küglein ein! Will Satan mich verschlingen, So laß die Englein singen: Dieß Kind soll unverletet sein. Abend. 9, Auch euch, ihr meine Lieben, Soll heute nicht betrüben Ein Unfall noch Gefahr; Gott laß euch ruhig schlafen, Stell euch die güldnen Waffen Ums Bett und seiner Helden Schar. P. Gerhardt,+ 1676. Mel.: Werde munter, mein 2c. 18. Unsre müden Augenlieder Schließen sich jetzt schläfrig zu, Und des Leibes matte Glieder Grüßen schon die Abendruh; Denn die trübe, finstre Nacht Hat des hellen Tages Pracht In der tiefen See verdecket Und die Sterne aufgestecket. 2. Ach bedenk, eh du gehst schlafen, Du, o meines Leibes Gast, Ob du den, der dich erschaffen, Heute nicht erzürnet hast; Buß, Geh und falle ihm zu Fuß er aus Gnaden Dich der Thu, ach thu bei Zeiten Und bitt ihn, daß Strafe woll entladen. 16 Morgen-, Mittag- und Abendlieder. 3. Sprich: Herr, dir ist unverholen, Daß ich diesen Tag verbracht Anders als du mir befohlen; Ja, ich habe nicht bedacht Des Berufes schmalen Steg, Deinen vorgeschriebenen Weg, Sondern dich, mein Gott, verlassen, Bin gefolgt der Weltlust Straßen. 4. Ach, Herr, laß mich Gnad erlangen, Gib mir nicht verdienten Lohn; Laß mich deine Huld umfangen, Sieh an deinen lieben Sohn, Der für mich genug gethan; Vater, nimm den Bürgen an! Dieser hat für mich erduldet, Was ich Armer hab verschuldet. 5. Laß mich, Herr, von dir nicht wanken, In dir schlaf ich sanft und wohl; Gieb mir heilige Gedanken, Und bin ich gleich Schlafes voll, So laß doch den Geist in mir Zu dir wachen für und für, Bis die Morgenröth angehet Und die Sonn am Himmel stehet. 6. Vater droben in der Höhe, Dessen Nam uns theuer werth, Dein Reich komm, dein Will geschehe, Unser Brot werd uns beschert, Und vergib uns unfre Schuld, Schenk uns deine Gnad und Huld; Laß uns nichtVersuchung tödten, Hilf uns, Herr, aus allen Nöthen. J. Frand, † 1677. Mel.: Werde munter, mein 2c. 19. Herr, es ist von meinem Leben Wiederum ein Tag dahin! Lehre mich nun Achtung geben, Ob ich fromm gewesen bin: Zeige mir auch selber an, So ich was nicht recht gethan, Und hilf jetzt in allen Sachen Guten Feierabend machen. 2. Freilich wirst du manches finden, Das dir nicht gefallen hat; denn ich bin noch voller Sünden In Gedanken, Wort und That, Und zu jeder Tages Abend. stund Pfleget Herz und Hand und Mund So geschwind und oft zu fehlen, Daß ichs selber nicht kann zählen. 3. Aber, o du Gott der Gnaden, Habe noch einmal Geduld; Ich bin freilich schwer beladen, Doch vergib mir alle Schuld; Deine große Vatertreu Werde diesen Abend neu, So will ich noch deinen Willen Künstig mehr als heut erfüllen. 4. Heilige mir das Gemüthe, Daß der Schlaf nicht sündlich sei; Decke mich mit deiner Güte, Und dein Engel steh mir bei. Lösche Licht und Feuer aus, Und bewahre selbst das Haus, Daß ich morgen mit den Meinen Nicht im Unglück müsse weinen. 5. Steure den gottlosen Leuten, Die im Finstern Böses thun; Sollte man gleich was bereiten, Uns zu schaden, wenn wir ruhn, So zerstöre du den Rath Und verhindere die That; Wend auch allen andern Schrecken, Den die Bosheit kann erwecken. 17 6. Herr, dein Auge geht nicht unter, Wenn es bei uns Abend wird; Denn du bleibest ewig munter Und bist wie ein guter Hirt, Der auch in der finſtern Nacht Ueber seine Heerde wacht: Darum hilf uns, deinen Schafen, Daß wir alle sicher schlafen. 7. Laß mich dann gesund erwachen, Wenn es rechte Zeit wird sein, Daß ich ferner meine Sachen Richte dir zu Ehren ein; Oder hast du, lieber Gott, Heut bestimmet meinen Tod, So befehl ich dir am Ende Leib und Seel in deine Hände. Casp. Neumann, † 1715. Mel.: Jesu, meine Freude 2c. 20. Hirte deiner Schafe, Der von keinem Schlafe Etwas wissen mag, Deine Wundergüte War mic 2 18 Morgen-, Mittag- und Abendlieder. Schild und Hütte Den vergangnen Tag; Sei die Nacht Auf der Wacht, Und laß mich von deinen Scharen Um und um bewahren. 2. Decke mich von oben Vor der Feinde Toben Mit der Vaterhuld; Ein versöhnt Gewissen Sei mein Ruhekissen: Drum vergib die Schuld! Denn dein Sohn Hat mich davon Durch die tiefgeschlagnen Wunden Gnädiglich entbunden. 3. Laß auch meine Lieben Keine Noth betrüben; Sie sind mein und dein. Schließ uns mit Erbarmen In den Vaterarmen Ohne Sorgen ein. Du bei mir Und ich bei dir: Also sind wir ungeschieden, Und ich schlaf in Frieden. 4. Komm, verschließ die Kammer Und laß allen Jammer Ferne von uns sein; Sei du Schloß und Riegel, Unter deine Flügel Nimm dein Küchlein ein; Deck uns zu Mit Schutz und Ruh, kein Grauen wecken, Noch der Feind So wird uns uns schrecken. 5. Wie, wenn ich mein Bette Heut zum Grabe hätte? Wie bald roth, bald todt! Doch, hast du beschlossen, Daß mein Ziel verflossen, Kommt die Todesnoth, So will ich nichts wider dich; Gerne weil ich dich gefunden, Sterb ich alle Stunden. 6. Nun wohlan! ich thue In vergnügter Ruhe Meine Augen zu. Seele, Leib und Leben Hab ich dir ergeben, Treuer Hüter, du! Gute Nacht, Nimm mich in Acht; Und erleb ich ja den Morgen, Wirst du weiter sorgen. B. Schmold, † 1737. Mel.: Welt, ich muß zc. 21. Herr, der du mir das Leben Bis diesen Tag gegeben, Dich bet ich kindlich an. Ich bin viel zu Abend. 19 geringe Der Treue, die ich singe, Und die du heut an mir gethan. 2. Mit dankendem Gemüthe Freu ich mich deiner Güte; Ich freue mich in dir. Du gibst mir Kraft und Stärke, Gedeihn zu meinem Werke Und schaffst ein reines Herz in mir. 3. Gott, welche Ruh der Seelen, Nach deines Worts Befehlen Einher im Leben gehn, Güte hoffen, Im Geist den Himmel offen den Preis des Glaubens sehn! Auf deine und dort 4. Ich weiß, an wen ich glaube, Und nahe mich im Staube Zu dir, o Gott mein Heil! Ich bin der Schuld entladen, Ich bin bei dir in Gnaden, Und in dem Himmel ist mein Theil. 5. Bedeckt mit seinem Segen Eil ich der Ruh entgegen; Dein Name sei gepreist! Mein Leben und mein Ende Ist dein; in deine Hände Befehl ich, Vater, meinen Geist. Chr. F. Gellert, † 1769. Am Schlusse der Woche. Mel.: Mein Herzens- Jesu 2c. 22. Gott Lob, ein Schritt zur Ewigkeit Ist abermals vollendet; Zu dir im Fortgang dieser Zeit Mein Herz sich sehnlich wendet, Quell, daraus mein Leben fließt Und alle Gnade sich ergießt Zu meiner Seele Leben. 2. Ich zähle Stunden, Tag und Jahr Und wird mir allzulange, Bis es erscheine, daß ich gar, D Leben, dich umfange, Damit, was sterblich ist an mir, 2* 20 Morgen-, Mittag- und Abendlieder. Verschlungen werde ganz in dir Und ich unsterblich werde. 3. Doch sei dir ganz anheimgestellt Die rechte Zeit und Stunde, Wiewohl ich weiß, daß dirs gefällt, Daß ich mit Herz und Munde Dich kommen heiße und darauf Von nun an richte meinen Lauf, Daß ich dir komm entgegen. 4 Ich bin vergnügt, daß mich nichts kann von deiner Liebe trennen, Und daß ich frei vor Jedermann Dich meinen Freund darf nennen, Und daß du dort, o Lebensfürst, Dich ganz mit mir vereinen wirst Und mir dein Erbe schenken. 5. Drum preis ich dich aus Dankbarkeit, Daß sich die Woch geendet, Und also auch von dieser Zeit Ein neuer Schritt vollendet; Und freudig schreit ich weiter fort, Bis ich gelange an die Pfort Jerusalems dort oben. 6. Wenn meine Hände lässig sind Und meine Kniee beben, So biet mir deine Hand geschwind, Mich wieder zu erheben; Erfüll mit deiner Kraft mein Herz, Damit ich freudig himmelwärts Ohn Unterlaß aufsteige. 7. Geh, Seele, frisch im Glauben dran Und sei nur unerschrocken; Laß dich nicht von der rechten Bahn Die Lust der Welt ablocken; So dir der Lauf zu langsam däucht, So eile, wie ein Adler fleugt, Mit Flügeln süßer Liebe. 8. Jesu, meine Seele ist Zu dir schon aufgeflogen; Du hast, weil du voll Liebe bist, Mich ganz zu dir gezogen. Fahr hin was heißet Stund und Zeit! Ich bin schon in der Ewigkeit, Weil ich in Jesu lebe. A. H. Francke, † 1727. Advent. 25 Advent. 21 II. 23. Macht hoch die Thür, die Thor macht weit! Es kommt der Herr der Herrlichkeit, Ein König aller Königreich, Ein Heiland aller Welt zugleich, Der Heil und Leben mit sich bringt; Derhalben jauchzt, mit Freuden singt: Gelobet sei mein Gott, Mein Schöpfer, reich von Rath! 2. Er ist gerecht, ein Helfer werth, Sanftmüthigkeit ist sein Gefährt, Sein Königskron ist Heiligkeit, Sein Scepter ist Barmherzigkeit; All unsere Noth zu End er bringt, Derhalben jauchzt, mit Freuden fingt: Gelobet sei mein Gott, Mein Heiland, groß von That! 3. O wohl dem Land, o wohl der Stadt, So diesen König bei sich hat; Wohl allen Herzen insgemein, Da dieser König ziehet ein! Er ist die rechte Freudensonn, Bringt mit sich lauter Freud und Wonn. Gelobet sei mein Gott, Mein Tröster früh und spat. 4. Macht hoch die Thür, die Thore weit, Eur Herz zum Tempel macht bereit; Die Palmen der Gottseligkeit Strent hin mit Andacht, Lust und Freud; So kommt der König auch zu euch, Ja Heil und Leben mit zugleich. Gelobet sei mein Gott, Voll Rath, voll That, voll Gnad. 5. Komm, o mein Heiland, Jesu Christ, Des Herzens Thür dir offen ist; Ach zeuch mit deiner Gnade ein, Dein Freundlichkeit auch uns erschein; Dein heilger Geist uns führ und leit Den Weg zur ewgen Seligkeit; Dem Namen dein, o Herr, Sei ewig Preis und Ehr! G. Weißel,+ 1635. ceulx 22 Advent. Mel.: Von Gott will ich 2c. 24. Mit Ernst, o Menschenkinder, Das Herz in euch bestellt! Bald wird das Heil der Sünder, Der wunderstarke Held, Den Gott aus Gnad allein Der Welt zum Licht und Leben Versprochen hat zu geben, Bei allen fehren ein. 2. Bereitet doch fein tüchtig Den Weg dem großen Gast, Macht seine Steige richtig, Laßt alles was er haßt; Macht eben jeden Pfad, Die Thale rings erhöhet, Macht niedrig, was hoch stehet, Was frumm ist, macht gerad. 3. Ein Herz, das Demuth liebet, Bei Gott am höchsten steht; Ein Herz, das Hochmuth übet, Mit Angst zu Grunde geht; Ein Herz, das richtig ist Und folget Gottes Leiten, Das kann sich recht bereiten, Zu dem kommt Jesus Christ. 4. Ach mache du mich Armen In dieser Gnadenzeit Aus Güte und Erbarmen, Herr Jesu, selbst bereit; Zeuch in mein Herz hinein, Mach es zu deiner Krippen: So werden Herz und Lippen Dir ewig dankbar sein. V. Thilo, 1662. Mel.: Aus meines Herzens 2c. 25. Auf, auf, ihr Reichsgenossen! Der König kommt heran; Empfahet unverdrossen Den großen Wundermann! Ihr Christen, geht herfür, Laßt uns vor allen Dingen Ihm Hosianna singen Mit heiliger Begier. 2. Auf, ihr betrübten Herzen! Der König ist nicht fern. Hinweg all Angst und Schmerzen! Dort kommt der Morgenstern. Der Herr will in der Noth 23 Mit reichem Trost euch speisen; Eräwill euch Hilf erweisen, Ja dämpfen gar den Tod. 3. Frisch auf in Gott, ihr Armen! Der König sorgt für euch; Er will durch sein Erbarmen Euch machen groß und reich; Der alles hat bedacht, Der wird auch euch ernähren; Was Menschen nur begehren, Das steht in seiner Macht. 4. Frisch auf, ihr Hochbetrübten! Der König kommt mit Macht; An uns die Herzgeliebten, Hat er schon längst gedacht. Nun wird kein Angst noch Pein Noch Zorn hinfür uns schaden, Dieweil uns Gott aus Gnaden Läßt seine Kinder sein. 5. Auf, auf, mit schnellen Schritten! Den König eilt zu sehn! Er kommt in unsre Mitten Stark, herrlich, sanft und schön. Nun tretet all heran, Den Heiland zu begrüßen, Der alles Kreuz versüßen Und uns erlöſen kann. Advent. 6. Der König will bedenken Die, so er herzlich liebt, Mit köstlichen Geschenken, Als der sich selbst uns gibt Durch seine Gnad und Wort; Ja, König, hoch erhoben, Wir alle wollen loben Dich frendig hier und dort. 7. Nun, Herr, du gibst uns reichlich, Wirst selbst doch arm und schwach; Du liebest unvergleichlich, Du eilst den Sündern nach: Drum wolln wir all in. Ein Die Stimmen hocherschwingen, Dir Hosianna singen Und ewig dankbar sein. J. Rift, † 1667. In voriger Melodie. 26. Nun jauchzet all, ihr Frommen, In dieſer Gnadenzeit, Weil unser Heil ist kommen, Der Herr 24 der Herrlichkeit; Zwar ohne stolze Pracht, Doch mächtig, zu verheeren Und gänzlich zu zerstören Des Teufels Reich und macht. Advent. 2. Kein Scepter, keine Krone Sucht er auf dieser Welt; Im hohen Himmelsthrone Ist ihm sein Reich bestellt; Er will hier seine Macht Und Majestät verhüllen, Bis er des Vaters Willen Im Leiden hat vollbracht. 3. Ihr Mächtigen auf Erden, Nehmt diesen König an, Wollt ihr berathen werden Und gehn die rechte Bahn, Die zu dem Himmel führt; Sonst wo ihr ihn verachtet Und nur nach Hoheit trachtet, Des Höchsten Zorn euch rührt. 4. Ihr Armen und Elenden In dieser bösen Zeit, Die ihr an allen Enden Müßt haben Angſt und Leid, Seid dennoch wohlgemuth, Laßt eure Lieder klingen, Dem König lobzufingen, Der euer höchstes Gut. 5. Er wird nun bald erscheinen In seiner Herrlichkeit Und euer Leid und Weinen Verwandeln ganz in Frend; Er ist's, der helfen kam; Macht eure Lampen fertig Und seid stets sein gewärtig, Er ist schon auf der Bahn. M. Schirmer, † 1673. 27.- Wie soll ich dich empfangen, Und wie begegn' ich dir? O aller Welt Verlangen, meiner Seele Zier! Jesu, Jesu, sebze Mir selbst die Fackel bei, Damit, was dich ergöße, Mir kund und wissend sei. 2. Dein Zion streut dir Palmen Und grüne Zweige hin, Und ich will dir in Psalmen Ermuntern Advent. 25 meinen Sinn, Mein Herze soll dir grünen In stetem Lob und Preis Und deinem Namen dienen, So gut es kann und weiß. 3. Was hast du unterlassen Zu meinem Trost und Freud, Als Leib und Seele saßen In ihrem größten Leid? Als mir das Reich genommen, Da Fried und Freude lacht, Bist du, mein Heil, ge= kommen, Und hast mich froh gemacht. 4. Ich lag in schweren Banden, Tu kommst und machst mich los; Ich stund in Spott und Schanden, Tu kommst und machst mich groß, Und hebst mich hoch zu Ehren Und schenkst mir großes Gut, Das sich nicht läßt verzehren, Wie irdscher Reichthum thut. 5. Nichts, nichts hat dich getrieben Zu mir vom Himmelszelt, Als dein getreues Lieben, Damit du alle Welt In ihren tausend Plagen Und großen Jammerslast, Die kein Mund aus kann sagen, So fest umfangen hast. 6. Das schreib dir in dein Herze, Tu hochbetrübtes Heer, Bei welchem Gram und Schmerze Sich häuft je mehr und mehr; Seid unverzagt, ihr habet Die Hülfe vor der Thür; Der eure Herzen labet Und tröstet, steht allhier. 7. Ihr dürft euch nicht bemühen Noch sorgen Tag und Nacht, Wie ihr ihn wollet ziehen Mit eures Armes Macht; Er kommt, er kommt mit Willen, Ist voller Lieb und Lust, All Angst und Noth zu stillen, Tie ihm an euch bewußt. 8. Auch dürft ihr nicht erschrecken Vor eurer Sündenschuld; Nein, Jesu will fie decken mit seiner Lieb und Huld. Er kommt, er kommt den Sündern 26 Advent. Zum Trost und wahren Heil, Schafft, daß bei Gottes Kindern Verbleib ihr Erb und Theil. 9. Was fragt ihr nach dem Schreien Der Feind und ihrer Tück? Der Herr wird sie zerstreuen In einem Augenblick. Er kommt, er kommt, ein König, Dem alle Macht und List Der Feinde viel zu wenig Zum Widerstande ist. 10. Er kommt zum Weltgerichte, Zum Fluch dem, der ihm flucht, Mit Gnad und süßem Lichte Dem, der ihn liebt und sucht. Ach komm, ach komm, o Sonne, Und hol uns allzumal Zum ewgen Licht und Wonne In deinen Freudensaal. P. Gerhardt, † 1676. Mel.: Der du das Loos von 2c. 28. Dein König kommt in niedern Hüllen, Sanftmüthig auf der Eslin Füllen, Empfang ihn froh, Jerusalem! Trag ihm entgegen Friedenspalmen, Bestreu den Pfad mit grünen Halmen; So ists dem Herren angenehm. 2. O mächtger Herrscher ohne Heere, Gewaltger Kämpfer ohne Speere, O Friedensfürst von großer Macht! Es wollen dir der Erde Herren Den Weg zu deinem Throne sperren! Doch du gewinnst ihn ohne Schlacht. 3. Dein Reich ist nicht von dieser Erden, Doch aller Erden Reiche werden Dem, das du gründest, unterthan. Bewaffnet mit des Glaubens Worten Zieht deine Schaar nach den vier Orten Der Welt hinaus und macht dir Bahu. Univ.- Bibl. Glessen 27 Weihnachten. 4. Und wo du kommest hergezogen, Da ebnen sich des Meeres Wogen; Es schweigt der Sturm, von dir bedroht, Du kommst, auf den empörten Triften Des Lebens neuen Bund zu stiften Und schlägst in Fessel Sünd und Tod. 5. O Herr von großer Huld und Treue, O komme du auch jetzt aufs neue Zu uns, die wir sind schwer verstört! Noth ist es, daß du selbst hienieden Kommst, zu erneuen deinen Frieden, Dagegen sich die Welt empört. 6. O laß dein Licht auf Erden siegen, Die Macht der Finsterniß erliegen, Und löscht der Zwietracht Glimmen aus, Daß wir, die Völker und die Thronen, Vereint als Brüder wieder wohnen In deines großen Vaters Haus. Fr. Rückert, † 1866. III. Weihnachten. 29., Gelobest seist du, Jesu Christ, Daß du Mensch geboren bist Von einer Jungfrau, das ist wahr; Deß freuet sich der Engel Schar. Halleluja. 2. Des ewgen Vaters einig Kind Jetzt man in der Krippen findt; In unser armes Fleisch und Blut Verkleidet sich das ewig Gut. Halleluja. 3. Den aller Weltkreis nie beschloß, Der liegt in Mariens Schooß; Er ist ein Kindlein worden klein, Der alle Ding erhält allein. Halleluja. 4. Das ewig Licht geht da herein, Gibt der Welt ein neuen Schein; Es leucht wohl mitten in der Nacht Und uns des Lichtes Kinder macht. Halleluja. 28 Weihnachten. 5. Ter Sohn des Vaters, Gott von Art, Ein Gast in der Welt hie ward, Und führt uns aus dem Jammerthal, Macht Erben uns in seinem Saal. Halleluja. 6. Er ist auf Erden kommen arm, Daß er unser sich erbarm Und in dem Himmel mache reich Und seinen lieben Engeln gleich. Halleluja. 7. Das hat er alles uns gethan, Sein groß Lieb zu zeigen an: Deß fren sich alle Christenheit Und dank ihm deß in Ewigkeit. Hall luja. Luther,+ 1546. Luther's Weihnachtskinderlied. 30. Vom Himmel hoch da kam ich her, Ich bring euch gute neue Mähr; Der guten Mähr bring ich so viel, Davon ich singn und sagen will. 2. Euch ist ein Kindlein heut geborn, Von einer Jungfrau auserkorn, Ein Kindelein so zart und fein, Das soll eur Freud und Wonne sein. 3. Es ist der Herr Christ, will euch führn aus aller Noth; selber sein, Von allen Sünden unser Gott, Der Er will eur Heiland machen rein. 4. Er bringt euch alle Seligkeit, Die Gott der Vater hat bereit, Daß ihr mit uns im Himmelreich Sollt leben nun und ewiglich. 5. So merket nun das Zeichen recht: Die Krippen, Windelein so schlecht: Da findet ihr das Kind gelegt, Das alle Welt erhält und trägt. 6. Deß laßt uns alle fröhlich sein Und mit den Hirten geht hinein, Zu sehn, was Gott uns hat beschert, Mit seinem lieben Sohn verehrt. 7. Sei uns willkommen, edler Gast, Den Weihnachten. 29 Sünder nicht verschmähet hast, Und kommst ins Elend her zu mir: Wie soll ich immer danken dir? 8. Ach, Herr, du Schöpfer aller Ding, Wie bist du worden so gering, Daß du da liegst auf dürrem Gras, Der in dem Schooß des Vaters saß! 9. Und wär die Welt vielmal so weit, Von Edelstein und Gold bereit, So wäre sie doch viel zu klein, Um eine Wiege dir zu sein. 10. Der Sammet und die Seiden dein, Das müssen Heu und Windeln sein, Worin du König, groß und reich, Herprangst, als wärs dein Himmelreich. 11. Das hat also gefallen dir, Die Wahrheit anzuzeigen mir, Wie aller Welt Macht, Ehr und Gut Bor dir nichts gilt, nichts hilft noch thut. 12. Ach, du herzlieber Jesu mein, Mach dir ein Bette sanft und rein, zu ruhn in meines Herzens Schrein, Daß ich nimmer vergesse dein. 13. Davon ich allzeit fröhlich sei, Zu springen, singen immer frei zu Ehren dir, o Gottessohn, Mit Herzenslust den süßen Ton. 14. Lob, Ehr sei Gott im höchsten Thron, Der uns schenkt seinen eingen Sohn; Deß freuet sich der Engel Schar Und singet uns solch nenes Jahr. Luther, † 1546. * 31. Lobt Gott, ihr Christen, alle gleich In ſeinem höchsten Thron, Der heut schleußt auf sein Himmelreich Und schenkt uns seinen Sohn.:;: 2. Er kommt aus seines Vaters Schooß Und wird ein Kindlein klein; Er liegt dort elend, nackt und blos In einem Krippelein.:,: 30 Weihnachten. 3. Er äußert sich all sein'r Gewalt, Wird niedrig und gering, Nimmt an sich eines Knechts Gestalt, Der Schöpfer aller Ding.;,. 4. Er wechselt mit uns wunderlich, Fleisch und Blut nimmt er an, Und gibt uns in des Vaters Reich Die flare Gottheit dran.:,: 5. Er wird ein Knecht und ich ein Herr, Das mag ein Wechsel sein! Wie könnte doch sein freundlicher Das liebe Christkindlein.:: 6. Heut schleußt er wieder auf die Thür Zum schönen Paradeis; Der Cherub steht nicht mehr dafür: Gott sei Lob, Ehr und Preis.:,: N. Hermann, † 1561. Mel.: Allein Gott in der 2c. 32. Ich steh an deiner Krippe hier, O Jesu, du mein Leben! Ich stehe, bring und schenke dir, Was du mir hast gegeben: Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn, Herz, Seel und Muth, nimm alles hin, Und laß dirs wohlgefallen. 2. Da ich noch nicht geboren war, Da bist du mir geboren und hast mich dir zu eigen gar, Eh ich dich kannt, erforen; Eh ich noch war ans Licht gebracht, Da hat dein Herze schon bedacht, Wie du mein wolltest werden. 3. Ich lag in tiefer Todesnacht: Du wurdeft meine Sonne, Die Sonne, die mir zugebracht Licht, Leben, Freud und Wonne. O Sonne, die das werthe Licht Des Glaubens in mir zugericht, Wie schön find deine Strahlen! 4. Ich sehe dich mit Freuden an und kann nicht Weihnachten. 31 satt mich sehen, Und weil ich nun nicht weiter kann, So preis ich, was geschehen. O daß mein Sinn ein Abgrund wär Und meine Seel ein weites Meer, Daß ich dich möchte fassen! 5. Wenn oft mein Herz vor Leide weint Und keinen Trost kann finden, Da ruft mirs zu:, ich bin dein Freund, Ein Tilger deiner Sünden; Was trauerst du, mein Fleisch und Bein? Du sollst ja guter Dinge sein, Ich zahle deine Schulden!" 6. Du fragest nicht nach Lust der Welt Noch nach des Leibes Freuden; Du hast dich bei uns eingestellt, An unserer Stadt zu leiden; Suchst meiner Seele Trost und Freud Durch dein selbsteignes Herzeleid, Das will ich dir nicht wehren. 7. Eins aber, hoff ich, wirst du mir, Mein Heiland, nicht versagen: Daß ich dich möge für und für In, bei und an mir tragen. So laß mich deine Wohnung sein, Komm, komm und kehre bei mir ein Mit allen deinen Freuden. 8. Zwar sollt ich denken, wie gering Ich dich bewirthen werde; Du bist ein Schöpfer aller Ding, Ich bin nur Staub und Erde; Doch bist du ein so lieber Gast, Daß du noch nie verschmähet hast Den, der dich gerne siehet. P. Gerhardt, † 1676. 33. Fröhlich soll mein Herze springen Dieser Zeit Da vor Freud Alle Engel singen. Hört, hört, wie mit vollen Choren Alle Luft Jauchzt und ruft: Christus ist geboren! 32 Weihnachten. 2. Heute geht aus seiner Kammer Gottes Held, Der die Welt Reißt aus allem Jammer Gott wird Mensch, dir, Mensch, zu Gute; Gottes Kind, Das verbindt Sich mit unserm Blute. 3. Sollt uns Gott nun können hassen, Der uns gibt, Was er liebt Ueber alle Maßen? unserm Leid zu wehren, Seinen Sohn Thron Seiner Macht und Ehren. Gott gibt, Aus dem 4. Nun er liegt in seiner Krippen, Ruft zu sich Mich und dich, Spricht mit süßen Lippen: Lasset fahren, lieben Brüder, Was euch quält, Was euch fehlt; Ich bring alles wieder. 5. Ei, so kommt und laßt uns laufen! Stellt euch ein, Groß und Klein, Kommt mit großen Haufen! Liebt den, der vor Liebe brennet, Schaut den Stern, Der uns gern Licht und Labsal gönnet. 6. Die ihr schwebt in großen Leiden, Sehet, hier Ist die Thür Zu den wahren Freuden, Faßt ihn wohl, er wird euch führen An den Ort, Da hinfort Euch kein Kreuz wird rühren. 7. empfindt Seine Wer sich Seine fühlt beschwert im Herzen, Wer Sünd Sünd Und Gewissensschmerzen, Sei getrost: hier wird gefunden, Der in Eil Machet heil Auch die tiefsten Wunden. 8. Die ihr arm seid und elende, Kommt herbei, Füllet frei Eures Glaubens Hände. Hier sind alle guten Gaben Und das Gold, Da ihr sollt Euer Herz mit laben. 9. Süßes Heil! laß dich umfangen, Laß mich dir, Meine Zier, Unverrückt anhangen. Du bist meines Lebens Leben: Nun kann ich mich durch dich Wohl zufrieden geben. 33 Ich will Mit dir Weihnachten. dir 10. Ich will dich mit Fleiß bewahren Leben hier Und mit dir heimfahren will ich endlich schweben Voller Freud Ohne Zeit Dort im andern Leben. P. Gerhard, 1676. Mel.: Lobet den Herren, den 2c. 34. Jauchzet, ihr Himmel, frohlocket ihr Engel in Chören! Singet dem Herren, dem Heiland der Menschen zu Ehren! Sehet doch da, Gott will so freundlich und nah Zu den Verlornen sich fehren. Jauchzet, ihr Himmel, frohlocket, ihr Enden der Erden! Gott und der Sünder, die sollen zu Freunden nun werden; Friede und Freud Wird uns verkündiget heut: Freuet euch, Hirten und Heerden! 3. Sehet dies Wunder, wie tief sich der Höchste hier beuget! Sehet die Liebe, die ganz sich als Liebe nun zeiget! Sie wird ein Kind, Träget und hebet die Sünd: Alles anbetet und schweiget. 4. Gott ist im Fleische! wer kann dies Geheimniß verstehen? Hier ist die Pforte des Lebens nun offen zu sehen; Gehet hinein, Eins mit dem Kinde zu sein, Die ihr zum Vater wollt gehen. 5. Hast du denn, Höchster, auch meiner noch wollen gedenken? Du willst dich selber, dein Herze der Liebe mir schenken; Sollt nicht mein Sinn Innigst sich freuen darin Und sich in Demuth versenken? 6. König der Ehren, aus Liebe geworden zum Kinde, Dem ich auch wieder mein Herze in Liebe verbinde, Du sollst es sein, Den ich erwähle allein; Ewig entsag ich der Sünde. 3 34 Weihnachten. 7. Treuer Immanuel, werd auch in mir nun geboren; Komm doch, mein Heiland, und laß mich nicht länger verloren! Wohne in mir; Mache ganz eins mich mit dir, In dir zum Leben erforen. 8. Menschenfreund, Jesu, dich lieb ich, dich will ich erheben, Laß mich doch einzig nach deinem Gefallen nun leben; Gib mir auch bald, Jesu, die Kindesgestalt, Völlig mich dir zu ergeben. G. Terstegen,+ 1769. Mel.: Vom Himmel hoch zc. 35. Dieß ist der Tag, den Gott gemacht; Sein werd in aller Welt gedacht; Ihn preise, was durch Jesum Christ Im Himmel und auf Erden ist. 2. Die Völker haben dein geharrt, Bis daß die Zeit erfüllet ward; Da sandte Gott von ſeinem Thron Das Heil der Welt, dich, seinen Sohn. 3. Wenn ich dies Wunder fassen will, So steht mein Geist vor Ehrfurcht still; Er betet an, und er ermißt, Daß Gottes Lieb unendlich ist. 4. Damit der Sünder Gnad erhält, Erniedrigst du dich, Herr der Welt, Nimmst selbst an unsrer Menschheit Theil, Erscheinst im Fleisch zu unsrem Heil. 5. Dein König, Zion, kommt zu dir:„ Ich komm, im Buche steht von mir; Gott, deinen Willen thu ich gern." Gelobt sei, der da kommt im Herrn! 6. Herr, der du Mensch geboren wirst, Immanuel und Friedefürst, Auf den die Väter hoffend sahn, Dich, Gott, mein Heiland, bet ich an! Weihnachten. 7. Du, unser Heil und höchstes Gut, Vereinest dich mit Fleisch und Blut, Wirst unser Freund und Bruder hier, Und Gottes Kinder werden wir. 35 8. Durch Eines Sünde fiel die Welt, Ein Mittler ist's, der sie erhält. Was zagt der Mensch, wenn der ihn schüßt, Der in des Vaters Schooße sitzt? 9. Jauchzt, Himmel, die ihr ihn erführt, Den Tag der heiligsten Geburt; Und Erde, die ihn heute sieht, Sing ihm, dem Herrn, ein neues Lied! 10. Tieß ist der Tag, den Gott gemacht; Sein werd in aller Welt gedacht; Ihn preise, was durch Jesum Christ Im Himmel und auf Erden ist. Chr. Fr. Gellert,+ 1769. Mel.: Aus meines Herzens Grunde 2c., oder: Schwingt, heilige Gedanken 2c. 36. Der heilge Christ ist kommen, Der theure Frommen Am Gottessohn; Deß freun sich alle höchsten Himmelsthron. Auch was auf Erden ist, Soll preisen hoch und loben Mit allen Engeln droben Den lieben heilgen Christ. 2. Das Licht ist aufgegangen, Die lange Nacht ist hin; Die Sünde liegt gefangen, Erlöst ist Herz und Sinn. Die Sündenangst ist weg, Der Glaube geht zum Himmel Nun aus dem Weltgetümmel Auf einem sichern Steg. 3. Nun sind nicht mehr die Kinder Verwaist und vaterlos; Gott rufet selbst die Sünder In seinen Gnadenschooß; Er will, daß alle, rein Von ihren alten Schulden, Vertrauend seinen Hulden, Gehn in den Himmel ein. 3* 36 Neujahr. 4. Drum freuet euch und preiset, Ihr Seelen fern und nah! Der euch den Vater weiset, Der heilge Christ ist da; Er ruft so freundlich drein Mit süßen Liebesworten: Geöffnet sind die Pforten, Ihr Kinder, kommt herein! E. M. Arndt, † 1860. IV. Neujahr. In eigner Melodie oder: Herr, ich habe mißgehandelt zc. 37. Hilf, Herr Jeju, laß gelingen, Hilf, das neue Jahr geht an; Laß es neue Kräfte bringen, Daß aufs neu ich wandeln kann. Neues Glück und neues Wollest du aus Gnaden geben. Leben 2. Meiner Hände, Werk und Thaten, Meiner Zunge Red und Wort Müssen nur durch dich gerathen Und ganz glücklich gehen fort. Neue Kraft laß mich erfüllen, Zu verrichten deinen Willen. 3. Was ich dichte, was ich mache, Das gescheh in dir allein; Wenn ich schlafe, wenn ich wache, Wollest du, Herr, bei mir sein; Geh. ich aus, Steh mir zur Seiten, Kehr ich heim, Wollst du mich leiten. 4 4. Laß mich beugen meine Knice Nur zu deines Namens Ehr; Hilf, daß ich mich stets bemühe, Dich zu preisen mehr und mehr. Laß mein Bitten und mein Flehen Zu dir durch die Wolken gehen. 5. Laß dieß sein ein Jahr der Gnade, Laß mich büßen meine Sünd; Hilf, daß sie mir nimmer schade, Sondern bald Verzeihung find, Herr, in dir, denn du mein Leben, Kannst die Sünd allein vergeben. 6. Tröste mich mit deiner Liebe, Nimm, o Gott, mein Flehen hin, Weil ich mich so sehr betrübe, Ja Neujahr. 37 voll Angst und Zagen bin. Stärke mich in meinen Nöthen, Taß mich Sünd und Tod nicht tödten. 7. Herr, du wollest Gnade geben, Daß dieß Jahr mir heilig sei, Und ich christlich könne leben Sonder Trug und Heuchelei, Daß ich noch allhier auf Erden Fromm und selig möge werden. 8. Jesu, richte mein Beginnen, Jesu, bleibe stets bei mir; Jesu, zähme mir die Sinnen, Jesu, sei nur mein Begier; Jesu, sei mir in Gedanken, Jesu, lasse nie mich wanken. 9. Jesu, laß mich fröhlich enden Dieses angefangne Jahr; Trage stets mich auf den Händen, Halte bei mir in Gefahr. Freudig will ich dich umfaffen, Wenn ich soll die Welt verlassen. Joh. Rist, 1667. Mel.: Nun laßt uns Gott, dem Herren 2c. 38. Nun laßt uns gehn und treten Mit Singen und mit Beten Zum Herrn, der unserm Leben Bis hierher Kraft gegeben. 2. Wir gehn dahin und wandern Von einem Jahr zum andern, Wir leben und gedeihen Vom altem zu dem neuen. 3. Denn wie vor treuen Müttern In schweren Ungewittern Die Kindlein hier auf Erden Mit Fleiß bewahret werden: 4. Also auch und nicht minder Läßt Gott ihm seine Kinder, Wenn Noth und Trübsal blißen, In seinem Schooße sitzen. 5. Ach Hüter unsers Lebens! Fürwahr es ist 38 Fest der Erscheinung. vergebens Mit unserm Thun und Machen, Wo nicht dein Augen wachen. 6. Gelobt sei deine Treue, Die alle Morgen neue; Lob sei den starken Händen, Die alles Herzleid wenden! 7. Laß ferner dich erbitten, O Vater, und bleib mitten In unserm Kreuz und Leiden Ein Brunnen unsrer Freuden. 8. Gib uns und allen denen, Die sich von Herzen sehnen Nach dir und deiner Hulde, Ein Herz, das sich gedulde. 9. Sprich deinen milden Segen Zu allen unsern Wegen; Laß Großen und auch Kleinen Die Gnadensonne scheinen. 10. Sei der Verlaßnen Vater, Der Irrenden Berather, Der Unversorgten Gabe, Der Armen Gut und Habe. 11. Hilf gnädig allen Kranken, Gib fröhliche Gedanken Den hochbetrübten Seelen, Die sich mit Schwermuth quälen. 12. Und endlich, was das Meiste, Füll uns mit deinem Geiste, Der uns hier herrlich ziere Und dort zum Himmel führe. 13. Das alles wollst du geben, Lebens Leben, uns und der Christenschare selgen neuen Jahre. unsers Zum P: Gerhardt, † 1676. V. Fest der Erscheinung. Mel.: Meinen Jesum laß ich nicht zc. 39. Jeju, großer Wunderstern, Der aus Jakob ist erschienen, Meine Seele will so gern Dir an Darstellung Christi. 39 deinem Feste dienen; Nimm doch, nimm doch gnädig an, Was ich Armer schenken kann. 2. Nimm das Gold des Glaubens hin, Wie ichs von dir.selber habe Und damit beschenket bin, So ist dirs die liebste Gabe; Laß es auch bewährt und rein In dem Trübsalsfeuer sein. 3. Nimm den Weihrauch des Gebets, Laß ihn gnädig dir genügen; Herz und Lippen sollen stets, Ihn zu opfern, vor dir liegen; Wenn ich bete, nimm es auf, Und sprich Ja und Amen drauf. 4. Nimm die Myrrhen bittrer Reu; Ach, mich schmerzet meine Sünde! Aber du bist fromm und treut, Daß ich Trost und. Gnade finde Und nun fröhlich sprechen kann: Jesus nimmt mein Opfer an. E. Neumeister, † 1756. VI. Darstellung Christi. Mel.: Valet will ich dir zc. 40. Herr Jeju, Licht der Heiden, Der Frommen Schatz und Lieb! Wir kommen jetzt mit Freuden Durch deines Geistes Trieb In diesen deinen Tempel Und suchen mit Begier Nach Simeons Exempel Dich, Herr und Gott, allhier. 2. Du wirst von uns gefunden, Herr, an jedem Ort, Dahin du dich verbunden Durch dein Verheißungswort; Vergönnst noch heut zu Tage Daß man dich gleicherweis Auf Glaubensarmen trags Wie hier der fromme Greis.. 40 Passion. 3. Sei unser Glanz in Wonne, Ein helles Licht in Bein, In Schrecken unsre Sonne, Im Kreuz ein Gnadenschein, In Zagheit Gluth und Feuer, In Noth ein Freudenstrahl, In Banden ein Befreier, Ein Stern in Todesqual. 4. Herr, laß auch uns gelingen, Daß einst wie Simeon Ein jeder Christ kann singen Den schönen Schwanenton: Mir werden nun mit Frieden Die Augen zugedrückt, Nachdem ich schon hienieden Den Heiland hab erblickt. 5. Ja, ja, ich hab im Glauben, Mein Jesu, dich geschaut; Kein Feind kann dich mir rauben, Dräut er auch noch so laut. Ich wohn in deinem Herzen, Und in dem meinen du; Uns scheiden keine Schmerzen, Kein Angst, kein Tod dazu. Joh. Frand, † 1677: VII. Paffion. 41. Lamm Gottes unschuldig, Am Stamm des Wie O Kreuzes geschlachtet, Allzeit erfunden geduldig, wohl du warest verachtet: All Sünd hast du getragen, Sonst müßten wir verzagen; Erbarm dich unser, o Jesu! 2. O Lamm Gottes unschuldig, Am Stamm des Kreuzes geschlachtet, Allzeit erfunden geduldig, Wiewohl du warest verachtet: All Sünd hast du getragen, Sonst müßten wir verzagen; Erbarm dich unser, o Jesu! 3. D Lamm Gottes unschuldig, Am Stamm 3 Kreuzes geschlachtet, Allzeit erfunden geduldig, Passion. 41 Wiewohl du warest verachtet: All Sünd hast du getragen, Sonst müßten wir verzagen; Gib deinen Frieden, o Jesu! Nicolaus v. Host,+ 1541. 42. Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen, Daß man ein solch scharf Urtheil hat gesprochen? Was ist die Schuld? In was für Missethaten Bist du gerathen? 2. Du wirst gegeißelt und mit Dorn gekrönet, Ins Angesicht geschlagen und verhöhnet; Du wirst mit Essig und mit Gall getränket, Ans Kreuz gehenket. 3. Was ist doch wohl die Ursach solcher Plagen? Ach, meine Sünden haben dich geschlagen: Ich, o Herr Jesu, habe dies verschuldet, Was du erduldet! 4. Wie wunderbarlich ist doch diese Strafe! Ter gute Hirte leidet für die Schafe, Die Schuld bezahlt der Herre, der Gerechte, Für seine Knechte. 5. O große Lieb, o Lieb ohn alle Maße, Die dich gebracht auf diese Marterstraße! Ich lebte mit der Welt in Lust und Freuden, Und du mußt leiden. 6. Ach, großer König, groß zu allen Zeiten, Wie kann ich gnugsam solche Treu ausbreiten? Kein Menschenherz vermag es auszudenken, Was dir zu schenken. 7. Ich kann mit meinen Sinnen nicht erreichen, Womit doch dein Erbarmen zu vergleichen; Wie kann ich dir denn deine Liebesthaten Im Werk erſtatten? 8. Doch ist noch etwas, das dir angenehme: Wenn ich des Fleisches Lüste dämpf und zähme, Taß sie aufs neue nicht mein Herz entzünden Mit alten Sünden. in eignen Kräften, zu heften, So gib 9. Weils aber nicht besteht Fest die Begierden an das Kreuz mir deinen Geist, der mich regiere, Zum Guten führe. 42 Passion. 10. Dann werd ich dankbar deine Huld betrachten, Aus Lieb zu dir die Welt für nichts mehr achten; Bemühen werd ich mich, Herr, deinen Willen Stets zu erfüllen. 11. Ich werde dir zu Ehren alles wagen, Kein Kreuz mehr achten, keine Schmach und Plagen, Nichts von Verfolgung, nichts von Todesschmerzen Nehmen zu Herzen. 12. Dies alles, obs für schlecht zwar ist z schätzen, Wirst du es doch nicht gar bei Seite setzen, In Gnaden wirst du dieß von mir annehmen, Mich nicht beschämen. 13. Wenn dort, Herr Jesu, wird vor deinem Throne Auf meinem Haupte stehn die Ehrenkrone, Da will ich dir, wenn alles wird wohl klingen, Lob und Dank singen. Joh. Heermann, † 1647. mein 43. Wenn mich meine Sünden fränken, Herr Jesu Christ, So laß mich wohl bedenken, Wie du gestorben bist Und alle meine Schuldenlast Am Stamm des heilgen Kreuzes Auf dich genommen hast. 2. Wunder ohne Maßen, Wer es betrachtet recht! Er hat sich martern lassen. Der Herr für seinen Knecht; Selbst seinen eingen Sohn hat Gott Für mich verlornen Menschen Gegeben in den Tod. 3. Was kann mir denn nun schaden Der Sünden große Zahl? Ich bin bei Gott in Gnaden; Die Schuld ist allzumal Bezahlt durch Christi theures Blut, Daß ich nicht mehr darffürchten Der Hölle Qual und Gluth. 4. Drum sag ich dir von Herzen, Jetzt und mein Leben lang, Für deine Bein und Schmerzen, O Jesu, 43 Passion. Lob und Dank, Für deine Noth und Angstgeschrei, Für dein unschuldig Sterben, Für deine Lieb und Tren. 5. Herr, laß dein bittres Leiden Mich reizen für und für, Mit allem Ernst zu meiden Die sündliche Begier, Daß mir nie komme aus dem Sinn, Wie viel es dich gekostet, Daß ich erlöset bin. 6. Mein Kreuz und meine Plagen, Sollts auch sein Schmach und Spott, Hilf mir geduldig tragen; Gib,-o mein Herr und Gott, Daß ich verleugne diese Welt Und folge dem Erempel, das du mir vorgestellt. 7. Laß mich an andern üben, Was du an mir ' gethan, Und meinen Nächsten lieben, Gern dienen Jedermann Ohn Eigennuß und Heuchelschein Und, wie du mir erwiesen, Aus reiner Lieb allein. 8.. Laß endlich deine Wunden Mich trösten träftiglich In meinen letzten Stunden Und deß versichern mich: Weil ich auf dein Verdienst nur tran, Du werdest mich annehmen, Daß ich dich ewig schau. Just. Gesenius,+1673. Mel.: Herzlich thut mich verlangen 2c. 44. O Haupt voll Blut und Wunden, Voll Schmerz und voller Hohn; O Haupt, zum Spott gebunden Mit einer Dornenkron; Haupt, sonst schön gekrönet Mit höchster Ehr und Zier, Jetzt aber höchst verhöhnet, Gegrüßest seist du mir! 2. Du edles Angesichte, Davor das Reich der Welt Erschrickt und wird zu nichte, Wie bist du so entstellt, Wie bist du so erbleichet! Wer hat dein Augenlicht, Dem sonst kein Licht mehr gleichet, So schändlich zugericht? 44 Passion. 3. Nun, was du, Herr, erduldet, Ist alles meine Last; Ich hab es selbst verschuldet, getragen hast. Schau her, hier steh ich Armer, Zorn verdienet hat; Gib mir, o mein Erbarmer, Den Anblick deiner Gnad! Was du Der 4. Erkenne mich, mein Hüter, Mein Hirte, nimm mich an! Von dir, Quell aller Güter, Ist mir viel Guts gethan: Dein Wort hat mich gelabet Mit süßer Gnadenkost, Dein Geist hat mich begabet Mit reichem Himmelstrost. 5. Ich will hier bei dir stehen, Verachte mich doch nicht; Von dir will ich nicht gehen, Wenn dir dein Herze bricht; Wenn dein Haupt wird erblassen Im letzten Todesstoß, Alsdann will ich dich faffen In meinen Arm und Schoof. 6. Es dient zu meinen Freuden Und kommt mir herzlich wohl, Wenn ich in deinem Leiden Mein Heil, mich finden soll. Ach, möcht ich, o mein Leben, An deinem Kreuze hier Mein Leben von mir geben, Wie wohl geschähe mir! 7. Ich danke dir von Herzen, O Jesu, liebster Freund, Für deines Todes Schmerzen, Da dus so gut gemeint: Ach gib, daß ich mich halte Zu dir und deiner Treu, Und wenn ich nun erkalte, In dir mein Ende sei. 8. Wenn ich einmal soll scheiden So scheide nicht von mir; Wenn ich den Tod soll leiden, So tritt du dann herfür; Wenn mir am allerbängſten Wird um das Herze sein, So reiß mich aus den Aengsten Kraft deiner Angst und Bein. 9. Erscheine mir zum Schilde, Zum Trost in meinem Tod, Und laß mich sehn dein Bilde In 45 Passion. deiner Kreuzesnoth; Da will ich nach dir blicken, Da will ich glaubensvoll Dich fest an mein Herz drücken: Wer so stirbt, der stirbt wohl. P. Gerhardt, † 1676. Mel.: Welt, ich muß dich 2c. 45. Welt, sich hier dein Leben Am Stamm des Kreuzes schweben, Dein Heil sinkt in den Tod! Der große Fürst der Ehren Läßt willig sich beschweren Mit Schlägen, Hohn und großem Spott. 2. Tritt her und schau mit Fleiße, Wie er mit Todesschweiße Und Blut ist überfüllt; Aus seinem edeln Herzen Vor unerschöpften Schmerzen Ein Seufzer nach dem andern quillt. 3. Wer hat dich so geschlagen, Mein Heil, und dich mit Plagen So übel zugericht? Du bist ja nicht ein Sünder Wie wir und unsre Kinder, Von Uebelthaten weißt du nicht. 4. Jch, ich, und meine Sünden, Die sich wie Körnlein finden Des Sandes an dem Meer, Die haben dir erreget Das Elend, das dich schläget, Und das betrübte Marterheer. 5. Du setzest dich zum Bürgen, Ja läsfest dich erwürgen Für mich und meine Schuld; Mir läſfeſt du dich frönen Mit Dornen, die dich höhnen, Und leidest alles mit Geduld. 6. Ich bin, mein Heil, verbunden All Augenblick und Stunden Dir überhoch und sehr; Was Leib und Seel vermögen, Das soll ich billig legen Allzeit an deinen Dienst und Ehr. 7. Nun, ich kann nicht viel geben In diesem 46 Passion. armen Leben, Eins aber will ich thun: Es soll dein Tod und Leiden, Bis Leib und Seele scheiden, Mir stets in meinem Herzen ruhn. 8. Ich wills vor Augen setzen, Mich stets daran ergößzen, Ich sei auch, wo ich sei; Es soll mir sein ein Spiegel Der Unschuld und ein Siegel Der Lieb und unverfälschten Tren. 9. Ich will darin erblicken. Wie ich mein Herz soll schmücken Mit stillem, sanftem Muth, Und wie ich die soll lieben, Die mich doch sehr betrüben Mit Werken, so die Bosheit thut. 10. Ich will mich mit dir schlagen Ans Kreuz und dem absagen, Was meinem Fleisch gefällt; Was deine Augen hassen, Das will ich fliehn und lassen, Gefiel es auch der ganzen Welt. 11. Dein Seufzen und dein Stöhnen Und die viel tausend Thränen, Die dir geflossen zu, Die sollen mich am Ende In deinen Schooß und Hände Begleiten zu der ewgen Ruh. P. Gerhardt, † 1676. 46. Jeju, meines Lebens Leben, Jesu, meines Todes Tod, Der du dich für mich gegeben In die tiefste Seelennoth, In das äußerste Verderben, Nur daß ich nicht möchte sterben: Tausend, tausendmal sei dir, Liebster Jesu, Dank dafür. 2. Du, ach du hast ausgestanden Lästerreden, Spott und Hohn, Hast getragen Strick und Banden, Du gerechter Gottessohn, Nur mich Armen zu erretten Von des Teufels Sündenketten: Tausend, tausend mal sei dir, Liebster Jesu; Dank dafür. Perfett Passion. 3. Du hast wollen sein geschlagen, Mich zu lösen von der Bein, Fälschlich lassen dich anklagen, Daß ich könnte sicher sein; Daß ich möchte trostreich prangen, Hast du sonder Trost gehangen: Tausend, tausendmal sei dir, Liebster Jesu, Dank dafür. 4. Du hast dich in Noth versenket, Wurdest, ach! für meine Schuld Mit dem Todeskelch getränket, Littest alles mit Geduld; Daß ich wurde losgezählet, Hast du wollen sein gequälet: Tausend, tausendmal ſei dir, Liebster Jesu, Dank dafür. 5. Deine Demuth hat gebüßet Meinen Stolz und Uebermuth; Dein Tod meinen Tod versüßet, Es kommt alles mir zu gut; Dein Verlassensein, dein Schreien Muß zu Ehren mir gedeihen: Tausend, tausendmal sei dir, Liebster Jesu, Dank dafür. 6, Nun, ich danke dir von Herzen, Jesu, für gesammte Noth; Für die Wunden, für die Schmerzen, Für den herben, bittern Tod, Für dein Zittern, für dein Zagen, Deine tausendfachen Plagen, Für dein Ach und tiefe Bein Will ich ewig dankbar sein. E. Chr. Homburg, † 1681: Mel.: Sieh, hie: bin ich, Ehrenkönig 2c. 47. Ruhe hier, mein Geist, ein wenig Und schau an dieß Wunder groß, Wie dein Herr und Ehrenkönig Hängt am Kreuze bleich und bloß, Den sein Lieben hat getrieben Zu dir aus des Vaters Schooß. 2. Ob dich Jesus liebt von Herzen, Kannst du hier am Kreuze sehn; Schau, wie bittre Todesschmerzen Ihm durch Leib und Seele gehn! Fluch und Schrecken Ihn bedecken; Höre doch sein Klaggetön! 3. Dieß sind meiner Sünden Früchte; Die, 48 Passion. mein Heiland, ängstgen dich; Dieser Leiden schwer Gewichte Sollt zum Abgrund drücken mich; Dieſe Nöthen, Die dich tödten, Sollt ich fühlen ewiglich. 4. Doch du haft für mich besieget Sünde, Tod und Höllenmacht, Gottes ewgem Recht genüget, Seinen Willen gang vollbracht Und mir eben Zu dem Leben Durch dein Sterben Bahn gemacht. 5. Ach, ich Sündenkind der Erden! Jesu, stirbst du mir zu gut? Soll dein Feind erlöset werden Durch dein eigen Herzensblut? Ich muß schweigen Und mich beugen Für dies unverdiente Gut. 6. Seel und Leben, Leib und Glieder, Alles gibst du für mich hin; Sollt ich dir nicht schenken wieder Alles, was ich hab und bin? Ich bin deine Ganz alleine; Dir verschreib ich Herz und Sinn. 7. Zeuch durch deines Todes Kräfte Mich in deinen Tod hinein; Laß mein Fleisch und sein Geschäfte, Herr, mit dir gekreuzigt sein, Daß mein Wille Sanft und stille Und die Liebe werde rein. 8. Laß in allen Leidenswegen Deine Leiden stärken mich, Daß mein Leiden mir zum Segen Mag gedeihen stetiglich; Daß mein Herze Auch im Schmerze Ohne Wanken liebe dich. 9. Wenn mich schrecken meine Sünden, Wenn mich böse Luft anficht, Ich nicht Kraft noch Gnad kann finden, Wollst du mich verlassen nicht: Laß dein Sterben Mir erwerben Trost im Tod und im Gericht. 10. Jesu, nun will ich ergeben Meinen Geist in deine Hand; Laß mich dir alleine leben, Bis ich nach dem Leidensstand Bei dir wohne, In der Krone Dich beschau im Vaterland. Gerh. Terstegen, † 1769. Oftern. 49 VIII. Ostern. 48. Christ ist erstanden Von der Marter alle! Deß solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein. Halleluja! Wär er nicht erstanden, Die Welt, die wär vergangen; Seit daß er erstanden ist, So loben wir den Herrn Jesum Christ. Halleluja! Halleluja, Halleluja, Halleluja! alle froh sein, Christ will unser Trost sein, Deß solln wir Halleluja! Vor 1300. Mel. Nun freut euch, lieben 2c. 49. Wach auf, mein Herz, die Nacht ist hin, Die Sonn ist aufgegangen; Ermuntere deinen Geist und Sinn, Den Heiland zu empfangen, Der heute durch des Todes Thor Gebrochen aus dem Grab hervor, Der ganzen Welt zur Wonne. 2. Steh aus dem Grab der Sünden auf Und such ein neues Leben; Vollführe deinen Glaubenslauf Und laß dein Herz sich heben Gen Himmel, da dein Jesus ist, Und such, was droben, als ein Christ, Der geistlich auferstanden. 3. Vergiß nun, was dahinten ist, und tracht nach dem, was droben, Damit dein Herz zu jeder Frist Zu Jesu sei erhoben. Tritt unter dich die böse Welt Und strebe nach dem Himmelszelt, Wo Jesus ist zu finden. 4. Drückt dich ein schwerer Sorgenstein, Dein Jesus wird ihn heben; Es kann ein Christ bei Kreuzes= pein In Freud und Wonne leben. Wirf dein An 50 Ostern. liegen auf den Herrn Und sorge nicht, er ist nicht fern, Weil er ist auferstanden. 5. Es hat der Löw aus Judas Stamm Heut siegreich überwunden, Und das erwürgte Gotteslamm Hat uns zum Heil gefunden Das Leben und Gerechtigkeit, Weil er nach überwundnem Streit Die Feinde Schau getragen. 6. Drum auf, mein Herz, fang an den Streit, Weil Jesus überwinden;. Er wird auch überwinden weit In dir, weil er gebünden Der Feinde Macht, daß du aufstehst Und in ein neues Leben gehst Und Gott im Glauben dienest. 7. Ach, mein Herr Jesu, der du bist Vom Tode auferstanden, Bewahr uns vor des Feindes Lift, Rett uns aus Todes Banden, Daß wir zusammen insgemein Zum neuen Leben gehen, Das.du uns haft erworben. 8. Sei, Herr, gelobt in dieser Zeit von allen Gotteskindern, Und ewig in der Herrlichkeit Von allen Ueberwindern, Die überwunden durch dein Blut; Herr Jesu, gib uns Kraft und Muth, Daß wir auch überwinden. 2. Laurenti, † 1722. Mel.: Herzlich thut mich 2c. 50. Ich geh zu deinem Grabe, Du großer Osterfürst, Weil ich die Hoffnung habe, Daß du mir zeigen wirst, Wie man kann fröhlich sterben Und fröhlich auferstehn, Auch mit des Himmels Erben Ins Land des Lebens gehn. 2. Du liegest in der Erde Und haft sie eing weiht, Wenn ich begraben werde, Daß sich mei.. Herz nicht scheut, Auch in den Staub zu legen, Was Oftern. 51 Asch und Staub vermehrt, Weil dir doch allerwegent Die Erde zugehört. ● 3. Du schläfest in dem Grabe, Daß ich auch meine Ruh An diesem Orte habe; Du drückst die Augen zu: So soll mir gar nicht grauen, Wenn mein Gesicht vergeht; Ich werde den wohl schauen, Der mir zur Seite ſteht. O 4. Dein Grab schließt Stein und Riegel, Und - du wirst dennoch frei; Auch meines Grabes Riegel Bricht deine Hand entzwei. Du wirst den Stein schon rücken, Der auch mein Grab bedeckt; Da werd ich den erblicken, Der mich vom Tod erweckt. Bahn, kann. 5. Du fährest in die Höhe Und zeigest mir die Wohin ich endlich gehe, Da ich dich finden Dort ist es sicher wohnen, Wo lauter Glanz um dich; Da warten lauter Kronen In deiner Hand auf mich. 6. meines Lebens Leben, O meines Todes Tod! Ich will mich dir ergeben In meiner letzten Noth; Ich will meine Bette machen In deine liebe Gruft, Da werd ich schon erwachen, Wenn deine Stimme ruft. B. Schmold, † 1737. Mel.: Alle Menschen müssen 2c. 51. Zween der Jünger gehn mit Sehnen Ueber Feld nach Emmaus; Ihre Augen sind voll Thränen, Ihre Seele voll Verdruß; Man hört ihre Klageworte; Doch es ist von ihrem Orte Unser Jesus gar nicht it Und vertreibt die Traurigkeit. 2. Ach, es gehn noch manche Herzen Ihrem Allen Kummer nach; Sie bejammern voller Schmerzen Ihre Noth und Ungemach. Manches wandert gar 4* 52 Oftern. alleine, Daß es nur zur Genüge weine; Doch mein Jesus ist dabei, Fragt, was man so traurig sei. 3. Oft schon hab ich auch empfunden, Jesus läßt mich nie allein; Jesus stellt zur rechten Stunden Sich mit seinem Beistand ein. Wenn ich mich bei ihm beschwere, Gleich als ob er ferne wäre, so ist er O mehr als nah Und mit seiner Hilfe da. Treuster Freund von allen Freunden, Bleibe 4. ferner noch bei mir; Kommt die Welt, mich anzufeinden, Ach, so sei du auch allhier. Wenn mich Trübfalswetter schrecken, Wollst du kräftig mich bedecken; Komm, in meinem Geist zu ruhn: Was du willst, das will ich thun. 5. Bin ich traurig und betrübet, So gib mir in meinen Sinn, Daß mich deine Seele liebet, Und daß ich der deine bin. Laß dein Wort mich feste gründen, Laß es auch mein Herz entzünden, Daß es voller Liebe brennt Und dich immer besser kennt. 6. Tröst auch andre, die voll Jammer Einsam durch die Fluren gehn Oder in der stillen Kammer Tiefbekümmert zu dir flehn! Wenn sie von der Welt sich trennen, Daß sie satt sich weinen können, So sprich ihrer Seele zu: Liebes Kind, was trauerst du? 7. Hilf, wenn es will Abend werden Und der Lebenstag sich neigt, Wenn dem dunklen Aug auf Erden Nirgends sich ein Helfer zeigt; Bleib alsdann in unsrer Mitten, Wie dich deine Jünger bitten, Bis du sie getröstet hast; Bleibe, bleibe, theurer Gast! J. Neunherz, † 1737. Mel.: Jesus, meine Zuversicht 2c. 52. Jesus lebt, mit ihm auch ich: Tod, wo sind nun deine Schrecken? Er, er lebt und wird auch mich Jefu Himmelfahrt und himmlische Herrlichkeit. 53 Von den Todten auferwecken. Er verklärt mich in sein Licht: Dieß ist meine Zuversicht. 2. Jesus lebt, ihm ist das Reich Ueber alle Welt gegeben; Mit ihm werd auch ich zugleich Ewig herrschen, ewig leben. Gott erfüllt, was er verspricht: Dieß ist meine Zuversicht. 3. Jesus lebt, wer nun verzagt, Sündigt wider Gottes Ehre; Gnade hat er zugesagt, Daß der Sünder sich bekehre. Gott verstößt in Christo nicht: Dieß ist meine Zuversicht. 4. Jesus lebt, sein Heil ist mein; Sein sei auch mein ganzes Leben; Reines Herzens will ich sein Und den Lüsten widerstreben. Er verläßt den Schwachen nicht: Dieß ist meine Zuversicht. -> 5. Jesus lebt, ich bin gewiß, Nichts soll mich von Jesu scheiden, Keine Macht der Finsterniß, Keine Herrlichkeit, kein Leiden. Er gibt Kraft zu dieſer Pflicht: Dieß ist meine Zuversicht. 6. Jesus lebt, nun, ist der Tod Mir dein Eingang in das Leben. Welchen Trost in Todesnoth Wird er meiner Seele geben, Wenn sie gläubig zu ihm spricht: Herr, Herr, meine Zuversicht! Chr. Fr. Gellert, † 1769. IX. Jesu Himmelfahrt und himmlische Herrlichkeit. Mel.: Wie schön leuchtet 2c. 53. Ach wundergroßer Siegesheld, Du Sündenträger aller Welt, Heut bist du aufgefahren Zur 54 Jesu Himmelfahrt und himmlische Herrlichkeit. Rechten Gottes in der Kraft, Hast herrlich dir den Sieg verschafft Troß aller Feinde Scharen; Mächtig, Prächtig Triumphirst du Und regierst du; Tod und Leben Ist, Herr Christ, dir untergeben. 2. Dir dienen alle Cherubim, Viel tausend hohe Seraphim Dich Siegesfürsten loben, Weil du den Segen wiederbracht, Mit Majestät und großer Macht Zur Herrlichkeit erhoben; Singet, Bringet Jubellieder, Fallet nieder, Rühmt und ehret Den, der auf zum Himmel fähret. 3. Du, Herr, bist unser Haupt, und wir Sind deine Glieder; nur von dir Kommt auf uns Heil und Leben; Trost, Friede, Freude, Licht und Kraft Und, was dem Herzen Labsal schafft, Wird uns durch dich gegeben. Dringe, Zwinge, Ewge Güte, Mein Gemüthe, Daß es preise, Dir Lob, Ehr und Dank erweise! 4. Zeuch, Jesu, uns, zeuch uns zu dir; Hilf, daß wir forthin für und für Nach deinem Reiche trachten. Laß unsern Wandel himmlisch sein, Daß wir der Erde eiteln Schein Und Ueppigkeit verachten; Unart, Hoffart Laß uns meiden, Christlich leiden Wohl ergründen, Wo die Gnade sei zu finden. 5. Sei, Jesu, unser Schirm und Hort Und gründ uns auf dein göttlich Wort, Darauf wir uns verlassen. Laß suchen uns, was droben ist; Auf Erden wohnet Trug und List Und Feinde, die uns hassen, Lügen, Trügen, Angst und Zagen, Ach, wie plagen, Ach, wie quälen Sie die armen Christenseelen! 6. Herr Jesu, komm, du Gnadenthron, Siegesfürst, Held, Davids Sohn, Komm, stille das Verlangen! Du, du bist allen uns zu gut, O Jesu, Dut Jesu Himmelfahrt und himmlische Herrlichkeit. 30 durch dein theures Blut Ins Heiligthum gegangen. Dafür Soll dir Von uns allen Preis erschallen; Nimm am Ende, Herr, uns auf in deine Hände! E. Ch. Homburg, 1681. Mel.: Aus meines Herzens 2c. 54. Det Herr fährt auf gen Himmel Mit frohem Mit prächtigem Getümmel Lobsingt, lobsinget Gott! lobsingt mit Freuden Dem Könige der Heiden, Dem Herren Zebaoth! Und mit Lobsingt, Jubelschall, Posaunenhall: 2. Der Herr wird aufgenommen In seines Himmels Pracht; Um ihn stehn alle Frommen Die er hat freigemacht; Es holen Jesum ein Die lautern Cherubinen, Den hellen Seraphinen Muß er willkommen sein. 3. Wir wissen nun vom Siege, Der unser Haupt erhöht; Wir wissen zur Genüge, Wie man zum Himmel geht; Der Heiland geht voran, Will uns zurück nicht lassen; Er zeiget uns die Straßen, Er bricht uns sichre Bahn. 4. Wir sollen himmlisch werden, Der Herr macht selbst uns Plaz; Wir gehen von der Erden Dorthin, Wo unser Schaß. Ihr Herzen, macht euch auf! Wo Jesus hingegangen, Dahin sei das Verlangen, Dahin sei euer Lauf! 5. Laßt uns gen Himmel dringen Mit Herzlicher Begier; Laßt uns zugleich auch singen: Dich, Jesu, suchen wir! Dich, o du Gottes Weg, dich wahres Leben, Dem alle Macht gegeben, Dich, unsers Hauptes Kron. Sohn, Dich 56 Jesu Himmelfahrt und himmlische Herrlichkeit. 6. Fahr hin mit deinen Schäßen, Du truges= volle Welt! Dein Land kann nicht ergößen; Weißt du, was uns gefällt? Der Herr ist unser Preis, Der Herr ist unsre Freude Und köstliches Geschmeide; Zu ihm gilt unsre Reis. 7. Wann soll es doch geschehen? Wann kommt die liebe Zeit, Daß wir ihn werden sehen In seiner Herrlichkeit? Du Tag, wann wirst du sein, Daß wir den Heiland grüßen Und fallen ihm zu Füßen? Komm, stelle dich doch ein! G. W. Sace, † 1699. Mel.: Alle Menschen müssen 2c. 55. Siegesfürst und Ehrenkönig, Höchst verklärte Majestät! Alle Himmel sind zu wenig, Du bist drüber hoch erhöht; Sollt ich nicht zu Fuß dir fallen Und mein Herz vor Freude wallen, Wenn mein Glaubensaug entzückt Deine Herrlichkeit erblickt? 2. Weit und breit, du Himmelssonne, Deine Klarheit sich ergießt, Daß ein Strom von Glanz und Wonne Durch die Himmelsgeister fließt; Prächtig wirst du aufgenommen, Freudig heißt man dich willkommen; Schau, dein armes Kind auch hier Rufet Hosianna dir! 3. Sollt ich deinen Kelch nicht trinken, Da ich deine Klarheit seh? Sollt mein Muth noch wollen finken, Da ich deine Macht versteh? Meinem König will ich trauen. Nicht vor Welt noch Teufel grauen, Nur in Jesu Namen mich Bengen hier und ewiglich. 4. Geist und Kraft nun überfließen; Drum wirt in mir fräftiglich, Bis zum Schemel deinen 57 Pfingsten. Füßen Alle Feinde legen sich. Herr, zu deinem Scepter wende Alles bis zum Weltenende; Mache dir auf Erden Bahn, Alle Herzen unterthan. 5. Du kannst alles aller Orten Nun erfülln und nahe sein; Meines armen Herzens Pforten Stehen offen, fomm herein! Komm, du König aller Ehren, Du mußt auch bei mir einkehren; Ewig in mir leb und wohn, Als in deinem Himmelsthron. 6. Deine Auffahrt bringt mir eben Gott und Himmel innig nah; Lehr mich nur im Geiste leben, Als vor deinen Augen da; Fremd der Welt, der Zeit, den Sinnen, Bei dir abgeschieden drinnen, In das Himmelreich versetzt, Da mich Jesus nur ergötzt. G. Terstegen, † 1769. X. Pfingsten. 56 Nun bitten wir den heiligen Geift Um den. rechten Glauben allermeist, Daß er uns behüte an unserm Ende, Wenn wir heimfahren aus diesem Elende. Herr, erbarm dich unser! 2. Du werthes Licht, gib uns deinen Schein, Lehr uns Jesum Christ fennen allein, Daß wir an ihm bleiben, dem treuen Heiland, Der uns bracht hat zum rechten Vaterland. Herr, erbarm dich unser! 2. Du süße Lieb, schenk uns deine Gunst, Laß uns empfinden der Liebe Brunst, Daß wir uns von Herzen einander lieben Und in Frieden auf einem Sinn bleiben. Herr, erbarm dich unser! 4. Du höchster Tröster in aller Noth, Hilf, daß 58 Pfingsten. wir nicht fürchten Schand noch Tod; Daß in uns die Sinne nimmer verzagen, Wenn der Feind wird das Leben verklagen. Herr, erbarm dich unser! Luther, 1546, V. 1 aus dem 13. Jahrhundert. Mel.: Wie schön leuchtet der 2c. 57. O heilger Geist, kehr bei uns ein Und laß uns deine Wohnung sein, O fomm, du Herzenssonne! Du Himmelslicht, laß deinen Schein Bei uns und in uns kräftig sein Zu steter Freud und Wonne! Sonne, Wonne, Himmlisch Leben Willst du geben Wenn wir beten: Zu dir kommen wir getreten. 2. Du Quell, draus alle Weisheit fließt, die sich in fromme Seelen gießt, Laß deinen Trost uns hören, Daß wir in Glaubenseinigkeit Auch andre in der Christenheit Dein wahres Zeugniß lehren. Höre, Lehre, Daß wir können Herz und Sinnen Dir ergeben, Dir zum Lob und uns zum Leben. 3. Steh uns stets bei mit deinem Rath Und führ uns selbst den rechten Pfad, Die wir den Weg nicht wissen. Gib uns Beständigkeit, daß wir Getreu dir bleiben für und für, Auch wenn wir leiden müssen, Schane, Bane, Was zerrissen Und beflissen, Dich zu schauen und auf deinen Trost zu bauen. 4. O laß uns deine Gotteskraft Empfinden und zur Ritterschaft dadurch gestärket werden, Auf daß wir unter deinem Schutz Begegnen aller Feinde Truß Mit freudigen Geberden. Laß dich Reichlich Auf uns nieder, Daß wir wieder Trost empfinden, Alles Unglück überwinden. 5. O starker Fels und Lebenshort, Laß doch Pfingsten. dein mildes Himmelswort In unsern Herzen brennen, Daß wir uns mögen nimmermehr Von deiner weisheitsreichen Lehr Und reiner Liebe trennen! Fließe, Gieße Deine Güte Ins Gemüthe, daß wir können Christum unsern Heiland nennen. 59 6. Du süßer Himmelsthau, senk dich In unsre Seelen kräftiglich und schenk uns deine Liebe, Daß unser Sinn verbunden sei Dem Nächsten stets mit Liebestreu Und sich darinnen übe. Kein Neid, Kein Streit Dich betrübe, Fried und Liebe Müsse schweben; Fried und Freude wirst du geben. 7. Gib, daß in reiner Heiligkeit Wir führen unsre Lebenszeit; Sei unsers Geistes Stärke, Daß uns forthin sei unbewußt Eitelkeit des Fleisches Lust Und seine todten Werke. Rühre, Führe Unser Sinnen Und Beginnen Von der Erden, Daß wir Himmelserben werden. Die M. Schirmer, † 1673. 7 58. Zeuch ein zu deinen Thoren, Sei meines Mich neu Herzens Gast, Der du, da ich geboren, geboren hast, hochgeliebter Geist Des Vaters und des Sohnes, Mit beiden gleichen Thrones, Mit beiden gleich gepreist. 2. Zeuch ein, laß mich empfinden und schmecken deine Kraft, Die Kraft, die uns von Sünden Hilf und Errettung schafft; Entsündge meinen Sinn, Daß ich mit reinem Geiste Dir Ehr und Dienste leiſte, Die ich dir schuldig bin. 3. Du bist ein Geist, der lehret, Wie man recht beten soll; Dein Beten wird erhöret, Dein Pfingsten. Singen flinget wohl; Es steiget himmelan, Es steiget sonder Ende, Bis der sich zu uns wende, Der allen helfen kann. 60 A A 4. Du bist ein Geist der Freuden, Mit Trauern hältst dus nicht, Erleuchtest uns im Leiden Mit deines Trostes Licht. Ach ja, wie manchesmal Haſt du mit süßen Worten Mir aufgethan die Pforten Zum güldnen Freudensaal! 5. Du bist ein Geist der Liebe, Ein Freund der Freundlichkeit, Willst nicht, daß uns betrübe Zorn, Zant, Haß, Neid und Streit, Der Feindschaft Feind du bist, Willst, daß in Liebesflammen Sich wieder thu zusammen, Was voller Zwietracht iſt. 6. Du, Herr, hast selbst in Händen Die ganze weite Welt, Kannst Menschenherzen wenden, dir es wohlgefällt: So gib doch deine Gnad Fried und Liebesbanden, Verknüpf in allen Landen, Was sich getrennet hat. Wie Zu 7. Beschirm die Obrigkeiten, Bau unsers Fürsten Thron; Gib Glück zu unsern Zeiten; Schmück als mit einer Kron Die Alten mit Verstand Frömmigkeit die Jugend, Mit Gottesfurcht und Tugend Das Volk im ganzen Land. Mit 8. Erfülle die Gemüther Mit reiner Glaubenszier, Die Häuser und die Güter Mit Segen für und für; Vertreib den bösen Geist, Der dir sich wiederſetzet Und, was dein Herz ergößet, Aus unserm Herzen reißt. 9. Richt unser ganzes Leben Allzeit nach deinem Sinn, Und wenn wirs sollen geben In Todes Hände hin, Weins mit uns hie wird aus, So hilf uns fröhlich sterben nach dem Tod ererben Des ewgen Lebens Haus. Und P. Gerhardt, † 1676. Pfingsten. Mel.: Freu dich sehr, o meine 2c, 59. du allerjüßte Freude, du allerschönstes Unbesuchet Licht, Der du uns in Lieb und Leide lässeft nicht, Geist des Höchsten, höchster Fürst, der du hältst und halten wirst Ohn Aufhören alle Dinge, Höre, höre, was ich singe. 2. Du bist ja die beste Gabe, Die ein Mensch nur nennen kann; Wenn ich dich erwünsch und habe, Geb ich alles Wünschen dran, Ach, ergib dich, komm zu mir In mein Herze, daß du dir, Da ich in die Welt geboren, Selbst zum Tempel auserforen. 3. Du wirst als ein milder Regen Ausgegossen von dem Thron, Bringst uns nichts als lauter Segen Von dem Vater und dem Sohn: Laß doch, o du werther Gast, Gottes Segen, den du hast Und verwaltst nach deinem Willen, Mich an Leib und Seel erfüllen. 61 4. Mein Hort, ich bin wohl zufrieden, Wenn du mich nur nicht verstößt: Bleib ich von dir ungeschieden, So bin ich genug getröst! Laß mich sein dein Eigenthum; Ich versprech hinwiederum, Hier und dort all mein Vermögen Dir zu Ehren anzulegen. 5. Nur allein, daß du mich stärkest Und mir treulich stehest bei! Hilf mein Helfer, wo du merkeſt, Daß mir Hilfe nöthig sei; Brich des bösen Fleisches Sinn, Nimm den alten Willen hin, daß er sich in dir erneue, Und mein Gott sich meiner freue. 6. Sei mein Retter, führ mich eben; Wenn ich finte, sei mein Stab; Wenn ich sterbe, sei mein Leben, Wenn ich liege, sei mein Grab; Wenn ich wieder aufersteh, O, so hilf mir, daß ich geh Hin, wo du in ewgen Freuden Wirst die Auserwählten weiden! P. Gerhardt, † 1676. 62 Lob- und Danklieder. XI. Lob- und Danklieder. 60. Allein Gott in der Höh sei Ehr Und Dank für seine Gnade, Darum, daß nun und nimmermehr Uns rühren kann ein Schade. Ein Wohlgefalln Gott an uns hat, Nun ist groß Fried ohn Unterlaß, All Fehd hat nun ein Ende. 2. Wir loben, preisen, anbeten dich Für deine Ehr, wir danken, Daß du, Gott Vater, ewiglich Regierst ohn alles Wanken Ganz ungemessen ist dein Macht, Allzeit geschieht, was Du bedacht: Wohl uns des starken Herren! 3. Jesu Christ, Sohn eingeborn Deines himmlischen Vaters, Versöhner derer, die verlorn, Du Stiller unsers Haders, Lamm Gottes, heilger Herr und Gott, Nimm an die Bitt von unsrer Noth Erbarm dich unser aller! 4. O heilger Geist, du höchstes Gut, Allerheilsamster Tröster! Vor Teufels Macht fortan behüt, Die Jesus Christ erlöste Durch Marter groß und bittern Tod; Wend unsern Jammer ab und Noth; Darauf wir uns verlassen! Nicolaus von Host, † 1541. 61. Nun preiset alle Gottes Barmherzigkeit; Lob ihn mit Schalle, Wertheste Christenheit! Er läßt dich freundlich zu sich laden: Freue dich, Israel, seiner Gnaden! Freue dich, Israel, seiner Gnaden! 2. Der Herr regieret Ueber die ganze Welt; Was sich nur rühret, Alles zu Fuß ihm fällt! Viel 63 Tausend Engel um ihn schweben, Psalter und Harfe ihm Ehre geben.:,: 3. Wohlauf, ihr Heiden, Lasset das Trauern sein, Zur grünen Weiden Stellet Euch willig ein: Da läßt er uns sein Wort verkünden, Machet uns ledig von allen Sünden.:,: Lob- und Danklieder. 4. Er gibet Speise Reichlich und überall, Nach Vaters Weise Sättigt er allzumal; Er schaffet Frühund späten Regen, Füllet uns alle mit seinem Segen.:;: 5. Drum preis und ehre Seine Barmherzigkeit Sein Lob vermehre, Wertheste Christenheit! Uns soll hinfort kein Unfall schaden! Freue dich, Israel, seiner Gnaden! Freue dich, Israel, seiner Gnaden! Math. A. v. Löwenstern,+ 1648. 2. 62. Nun danket alle Gott Mit Herzen, Mund und Händen, Der große Dinge thut An uns und allen Enden, Der uns von Mutterleib Und Kindesbeinen an Unzählig viel zu gut Und noch jeßund gethan. Der ewig reiche Gott Woll uns bei unserm Ein immer fröhlich Herz Und edeln Frieden geben und uns in seiner Gnad Erhalten fort und fort Und uns aus aller Noth Erlösen hier und dort. Leben 3. Lob, Ehr und Preis sei Gott, Dem Vater und dem Sohne Und dem, der beiden gleich, Im höchsten Himmelsthrone, Dem ewighöchsten Gott; Als es anfänglich war Und ist und bleiben wird Jeßund und immerdar! M. Rinkart, 1649. 6 66 Lob- und Danklieder. Lobe den Herren, der alles so herrlich reDer wie auf Flügeln des Adlers dich sicher Der dich erhält, Wie es dir selber gefällt; Hast du nicht dieses verspüret? 3. Lobe den Herren, der künstlich und fein dich bereitet, Der dir Gesundheit verlichen, dich freundlich geleitet; In wie viel Noth Hat nicht der gnädige Gott Ueber dir Flügel gebreitet? 4. Lobe den Herren, der deinen Stand sichtbar gesegnet, Der aus dem Himmel mit Strömen der Liebe geregnet; Denke daran, Was der Allmächtige kann, Der dir mit Liebe begegnet. 5. Lobe den Herren; was in mir ist, lobe den Namen; Alles, was Odem hat, lobe des Heiligen Namen! Er ist dein Licht; Seele vergiß es ja nicht; Lob ihn in Ewigkeit. Amen. Joachim Neander, † 1680. 2. gieret, geführet, Mel.: Es ist das Heil uns 2c. 65. Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut, Dem Vater aller Güte, Dem Gott, der alle Wunder thut, Dem Gott, der mein Gemüthe Mit seinem reichen Trost erfüllt, Dem Gott, der allen Jammer ſtillt: Gebt unserm Gott die Ehre! 2. Es danken dir die Himmelsheer, O Herrscher aller Thronen, Und die auf Erden, Luft und Meer In deinem Schatten wohnen, Die preisen deine Schöpfermacht, Die alles hat so wohl bedacht: Gebt unserm Gott die Ehre! 3. Was unser Gott geschaffen hat, Das will er auch erhalten, Darüber will er früh und spat Mit Lob- und Danklieder. 67 seiner Gnade walten. In seinem ganzen Königreich Ist alles recht, ist alles gleich: Gebt unserm Gott die Ehre! 4. Sch rief dem Herrn in meiner Noth: Ach Gott, vernimm mein Schreien! Da half mein Helfer mir vom Tod ließ mir Trost gedeihen. Drum dant, ach Gott, d dank ich dir: Ach danket, danket Gott mit mir, unserm Gott die Ehre! Und 5. Der Herr ist noch und nimmer nicht Von seinem Volk geschieden; Er bleibet ihre Zuversicht, Ihr Segen, Heil und Frieden. Mit Mutterhänden leitet er Die Seinen stetig hin und her: Gebt unserm Gott die Ehre! 6. Wenn Trost und Hilfe mangeln muß, Wie sie die Welt erzeugt, So kommt, so hilft der Ueberfluß. Der Schöpfer selbst, und neiget Die Vateraugen denen zu, Die sonsten finden nirgends Ruh: Gebt unserm Gott die Ehre! 7. Ich will dich all mein Leben lang, Gott, von nun an ehren; Man soll, Gott, deinen Lobge= sang An allen Orten hören; Mein ganzes Herz ermuntre sich, Mein Geist und Leib erfreue dich: Gebt unserm Gott die Ehre! 8. Jhr, die ihr Christi Namen nennt, Gebt unserm Gott die Ehre! Ihr, die ihr Gottes Macht bekennt, Gebt unserm Gott die Ehr! Die falschen Gößzen macht zu Spott; Der Herr ist Gott, der Herr ist Gott! Gebt unserm Gott die Ehre! 9. So kommet vor sein Angesicht, Mit Jauchzen Dank zu bringen; Bezahlet die gelobte Pflicht, Und laßt uns fröhlich singen; Gott hat es alles wohl bedacht Und alles, alles recht gemacht: Gebt anserm Gott die Ehre! Joh. J. Schütz, † 1690. 5* 64 Lob- und Danflieder. Mel.: Nun danket all und bringet Ehr 2c. 63. Ich finge dir mit Herz und Mund, Herr, meines Herzens Lust! Ich sing und mach auf Erden fund Was mir von dir bewußt. 2 Ich weiß, daß du der Brunn der Gnad Und ewge Quelle seist, Daraus uns allen früh und spat Viel Heil und Gutes fleußt. 3. Was sind wir doch, was haben wir Auf dieser ganzen Erd, Das uns, o Vater, nicht von dir Allein gegeben werd? 4. Wer hat das schöne Himmelszelt Hoch über uns gesetzt? Wer ist es, der uns unser Feld Mit Thau und Regen nett? 5. Wer wärmet uns in Kält und Frost? Wer schüßt uns vor dem Wind? Wer macht es, daß man Del und Most Zu seinen Zeiten findt? 6. Wer gibt uns Leben und Geblüt? Wer hält mit seiner Hand Den güldnen, edeln, werthen Fried In unserm Vaterland? 7. Ach Herr, mein Gott, das kommt von dir, Und du mußt alles thun! Du hältst die Wach an unsrer Thür Und läßt uns sicher ruhn. 8. Du nähreft uns von Jahr zu Jahr, Bleibst immer froh und treu Und stehst uns, wenn wir in Gefahr Gerathen, herzlich bei. 9. Du strafft uns Sünder mit Geduld Und schlägst nicht allzusehr, Ja endlich nimmst du unsre Schuld Und wirfst sie in das Meer. 10. Wenn unser Herze seufzt und schreit, Wirft du gar leicht erweicht, Und gibst uns, was uns hoch erfreut Und dir zur Ehr gereicht. Lob- und Danklieder. 65 11. Du zählst, wie oft ein Christe wein, Und was sein Kummer sei; Kein Zähr- und Thränlein ist so klein, Du hebst und legst es bei. 12. Du füllst des Lebens Mangel aus Mit dem, was ewig steht, Und führst uns in des Himmels Haus, Wenn uns die Erd entgeht. 13. Wohl auf, mein Herze, sing und spring Und habe guten Muth! Dein Gott, der Ursprung aller Ding, Ist selbst und bleibt dein Gut. 14. Er ist dein Schatz, dein Erb und Theil, Dein Glanz und Freudenlicht, Dein Schirm und Schild, dein Hilf und Heil, Schafft Rath und läßt dich nicht. 15. Was kränkst du dich in deinem Sinn Und grämst dich Tag und Nacht? Nimm deine Sorg und wirf sie hin Auf den er dich gemacht! 16. Hat er dich nicht von Jugend auf Versorget und ernährt? Wie manchen schweren Unglückslauf Hat er zurückgekehrt! 17. Er hat noch niemals was versehn In seinem Regiment; Nein, was er thut und läßt geschehn, Das nimmt ein gutes End. 18. Ei nun, so laß ihn ferner thun Und red ihm nichts darein, So wirst du hier in Frieden ruhn Und ewig fröhlich sein. P. Gerhardt, † 1676. 64. Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren! Meine geliebete Seele, das ist mein Begehren. Kommet zu Hauf! Psalter und Harfe, wachet auf. Lasset den Lobgesang hören! 68 Lob- und Danklieder. 66. daß ich tausend Zungen hätte Und einen tausendfachen Mund, So stimmt ich damit um die Wette Vom allertiefsten Herzensgrund Ein Loblied nach dem andern an Von dem, was Gott an mir gethan. 2. O daß doch meine Stimirli schallte Bis dahin, wo die Sonne steht! O daß mein Blut mit Jauchzen wallte, Solang es noch im Laufe geht! Ach wär ein jeder Puls ein Dank Und jeder Odem ein Gesang! 3. Was schweigt ihr denn, ihr meine Kräfte? Auf, auf, braucht allen, euern Fleiß Und stehet munter im Geschäfte zu Gottes, meines Herren, Preis! Mein Leib und Seele, schicke dich Und lobe Gott herzinniglich! 4. Ihr grünen Blätter in den Wäldern, Bewegt und regt euch doch mit mir! Ihr schwanken Gräschen in den Feldern, Ihr Blumen, laßt doch eire Zier zu Gottes Ruhm belebet sein Und stimmet fieblich mit mir ein! 5. Ach alles, alles, was ein Leben Und einen Odem in sich hat, Soll sich mir zum Gehilfen geben; Denn mein Vermögen ist zu matt, Die großen Wunder zu erhöhen, die allenthalben um mich stehen. 6. Wer überströmet mich mit Segen? Bist du es nicht, o reicher Gott? Wer schüßet mich auf meinen Wegen? Du, du, o Herr Gott Zebaoth! Du trägſt mit meiner Sündenschuld Unsäglich gnädige Geduld. 7, Auch hab ich es mein Lebetage Schon so manch liebes Mal gespürt, Daß du mich unter vieler Plage Zwar wunderbar, doch wohl geführt; Denn in der größesten Gefahr Ward ich dein Trostlicht stets gewahr. Lob- und Danklieder. 69 8. Wie sollt ich nun nicht voller Frenden In deinem steten Lobe stehn? Wie sollt ich auch im tiefsten Leiden Nicht triumphirend einhergehn? Und fiele auch der Himmel ein, So will ich doch nicht traurig sein! 9. Ich will von deiner Güte singen. Solange fich die Zunge regt; Ich will dir Freudenopfer bringen, Solange sich mein Herz bewegt; Ja wenn der Mund wird kraftlos sein, So stimm ich doch mit Seufzen ein. 10. Ach nimm das arme Lob auf Erden, Mein Gott, in allen Gnaden hin; Im Himmel soll es beffer werden, Wenn ich verklärt und selig bin; Da sing ich dir im höhern Chor Viel tausend Halleluja vor! Joh. Menzer, † 1734. 67. Wie groß ist des Allmächtgen Güte! Ist der ein Mensch, den sie nicht rührt? Der mit verhärtetem Gemüthe Den Dank erstickt, der ihm gebührt? Nein, seine Liebe zu ermessen, Sei ewig meine größte Pflicht. Der Herr hat mein noch nie vergessen; Bergiß, mein Herz, auch seiner nicht. 2. Wer hat mich wunderbar bereitet? Der Gott, der meiner nicht bedarf; Wer hat mit Langmuth mich geleitet? Er, dessen Rath ich oft verwarf; Wer stärkt den Frieden im Gewissen? Wer gibt dem Geiste neue Kraft? Wer läßt mich so viel Glück genießen? Ifts nicht sein Arm, der alles schafft? 3. Schau, o mein Geist, in jenes Leben, Zu welchem du erschaffen bist; Wo du, mit Herrlichkeit umgeben, Gott ewig sehn wirst, wie er ist. Du hast ein Recht zu diesen Freuden, Durch Gottes Güte sind 7 70 Kirche und Gnadenmittel. fie dein. Sieh, darum mußte Christus leiden, Damit du könntest selig sein. 4. Und diesen Gott sollt ich nicht ehren Und seine Güte nicht verstehen? Er sollte rufen, ich nicht hören? Den Weg, den er mir zeigt, nicht gehn? Sein Will ist mir ins Herz geschrieben; Sein Wort bestärkt ihn ewiglich: Gott soll ich über alles lieben Und meinen Nächsten gleich als mich. 5. Dieß ist mein Dank, dieß ist sein Wille: Ich soll vollkommen sein, wie er. Solang ich dieß Gebot erfülle, Stell ich sein Bildniß in mir her. Lebt seine Lieb in meiner Seele, So treibt sie mich zu jeder Psticht, Und ob ich schon aus Schwachheit fehle, Herrscht doch in mir die Sünde nicht." 6. Gott, laß deine Güt und Liebe Mir immerdar vor Augen sein! Sie stärk in mir die guten Triebe, Mein ganzes Leben dir zu weihn. Sie tröste mich zur Zeit der Schmerzen, Sie leite mich zur Zeit des Glücks, Und sie besieg in meinem Herzen Die Furcht des letzten Augenblicks. Chr. Fr. Gellert, † 1769. XI. Kirche und Gnadenmittel. A. Kirche. Streitende Kirche; Oemeinschaft der Heiligen; bei Verfammlungen kirchlicher Vereine, Missions-, GustavAdolf- Festen, Conferenzen u. f. w. 68. Ein feste Burg ist unser Gott, Ein gute Wehr und Waffen; Er hilft uns frei aus aller Noth, Die Kirche. uns jetzt hat betroffen. Der alt böse Feind ers jetzt meint; Groß Macht und viel List sam Rüstung ist; Auf Erd ist nicht seins Gleichen. 2. Mit unsrer Macht ist nichts gethan, Wir sind gar bald verloren; Es streit für uns der rechte Mann, Den Gott hat selbst erforen. Fragst du, wer der ist: Er heißt Jesus Christ, Der Herr Zebaoth, Und ist kein andrer Gott; Das Feld muß er behalten. 3. Und wenn die Welt voll Teufel wär Und wollt uns gar verschlingen, So fürchten wir uns nicht so sehr, Es soll uns doch gelingen. Der Fürst dieser Welt, Wie saur er sich stellt, Thut er uns doch nicht, Das macht, er ist gericht; Ein Wörtlein kann ihn fällen. 4. Das Wort sie sollen lassen stan und tein Dank darzu haben; Er ist bei uns wohl auf dem Plan Mit seinem Geist und Gaben. Nehmen sie den Leib, Gut, Ehr, Kind und Weib: Laß fahren dahin, Sie habens kein Gewinn; Das Reich muß uns doch bleiben! Luther,+ 1546. 71 Mit Ernst Sein grau69. Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort Und steur der Feinde Trug und Mord, Die Jesum Christum, deinen Sohn, Wollen stürzen von deinem Thron. 2. Beweis dein Macht, Herr Jesu Christ, Der du Herr aller Herren bist; Beschirm dein arme Christenheit, Daß sie dich lob in Ewigkeit. 3. Gott heilger Geist, du Tröster werth, Gib deinem Volfe einerlei Sinn auf Erd; Steh bei uns in der letzten Noth, Leit uns ins Leben aus dem Tod. Luther, 1546. Kirche und Gnadenmittel. Mel.: Erhalt uns, Herr, bei 2c. 70. Ach, bleib bei uns, Herr Jesu Christ, Weil es nun Abend worden ist; Dein göttlich Wort, das helle Licht Laß ja bei uns auslöschen nicht. ment 2. In dieser schwer betrübten Zeit Verleih uns, Herr, Beständigkeit, Daß wir dein Wort und SacraBehalten rein bis an das End. 3. Herr Jesu, hilf, dein Kirch erhalt, Wir sind gar sicher, faul und kalt; Gib Glück und Heil zu deinem Wort, Gib, daß es schall an allem Ort. 4. Den stolzen Geistern wehre doch, Die mit Gewalt sich heben hoch und bringen stets was Neues her, Zu fälschen deine rechte Lehr. 5. Die Sach und Ehr, Herr Jesu Christ, nicht inser, sondern dein ja ist; Darum so steh du denen bei, Die sich auf dich verlassen frei. 6. Dein Wort ist unsers Herzens Truß Und deiner Kirche wahrer Schuß; Dabei erhalt uns, lieber Herr, Daß wir nichts anders suchen mehr. 7. Hilf leben uns nach deinem Wort Und darauf muthig fahren fort Von hinnen aus dem Jammerthal Zu dir in deinem Himmelssaal. Nic. Selnecker, † 1592. 72 Gustav Adolfs Feldlied. Mel.: Kommt her zu mir, spricht 2c. 71. Verzage nicht, du Häuflein klein, Obschon die Feinde Willens sein, Dich gänzlich zu verstören, Und suchen deinen Untergang, Davon dir wird ganz angst und bang: Es wird nicht lang mehr währen. Kirche. 2. Tröste dich deß, daß deine Sach Ist Gottes! Dem befiehl die Rach Und laß es ihn nur walten; Er wird durch einen Gideon, Den er wohl weiß, dir helfen schon, Dich und sein Wort erhalten. 73 3. So wahr Gott Gott ist und sein Wort, Muß Teufel, Welt und Höllenpfort, Und was dem thut abhangen, Endlich werden zu Hohn und Spott; Gott ist mit uns, und wir mit Gott; Den Sieg wolln wir erlangen. Joh. Altenburg, † 1640. Mel.: Christus der ist mein Leben 2c. 72. Ach bleib mit deiner Gnade Bei uns, Herr Jesu Christ, Daß uns hinfort nicht schade Des bösen Feindes List. Bei uns 2. Ach bleib mit deinem Worte Erlöser werth, Daß uns beid, hier und dorte, Sei Güt und Heil beschert. 3. Ach bleib mit deinem Glanze Bei uns, du werthes Licht; Dein Wahrheit uns umschanze, Damit wir irren nicht. 4. Ach bleib mit deinem Segen Bei uns, du reicher Herr; Dein Gnad und all Vermögen In uns reichlich vermehr. 5. Ach bleib mit deinem Schuße Bei uns, du starker Held, Daß uns dein Feind nicht truge, Noch fällt die böse Welt. 6. Ach bleib mit deiner Treue Bei uns, mein Herr und Gott; Beständigkeit verleihe, Hilf uns aus aller Noth! Jos. Stegmann,+ 1632. 74 Kirche und Gnadenmittel. Mel.: Wie soll ich dich 2c. 73. Erhalt uns deine Lehre, Herr, zu der letzten Zeit; Dein edle Der HoffErhalt dein Reich und mehre Christenheit; Erhalte festen Glauben, nung hellen Strahl; Laß uns dein Wort nicht rauben In diesem Jammerthal. 2. Erhalt dein Ehr und wehre Dem, was dir Allwissend widerspricht; Erleuchte und bekehre, ewges Licht, Was dich noch nicht erkennet; Entdecke doch der Welt, Der du dein Licht gegönnet, Was einzig dir gefällt! 3. Erhalt, was du gebauet Und durch dein Blut gekauft, Was du dir hast vertrauet Und mit dem Geist getauft; Ob grimme Feinde stürmen Zu deiner Kirche Fall, So wollest du sie schirmen Als Hort und Felsenwall. 4. Erhalt uns, Herr, dein Erbe, Dein werthes Heiligthum; Zerbrich, zernicht, verderbe, Was wider deinen Ruhm; Laß dein Gesetz uns führen, Gönn uns dein Himmelsbrot; Laß deinen Schmuck uns zieren, Heil uns durch deinen Tod. 5. Erhalt und laß uns hören Dein Wort, das selig macht, Den Spiegel deiner Ehren, Das Licht in finstrer Nacht; Laß diesen Born uns tränken Im dürren Thal der Welt; Laß diese Stimm uns lenken Hinauf zum ewgen Zelt. 6. Erhalt in Sturm und Welten Der Kirche heilig Schiff, Und laß es nicht zerschellen An Sand und Felsenriff; Gib, Herr, daß wir entrinnen Der wilden Fluth der Zeit, Laß uns den Port gewinnen Der selgen Ewigkeit. Nach Jof. Stegmann, von A. Gryphius,+ 1664. 75 Kirche. Mel.: du Liebe meiner Liebe zc. 74. Herz und Herz vereint zusammen, Sucht in Gottes Herzen Ruh; Lasset eure Liebesflammen Lodern auf den Heiland zu! Er das Haupt, wir seine Glieder; Er das Licht, und wir der Schein; Er der Meister, wir die Brüder; Er ist unser, wir sind sein. 2. Kommt, ach kommt, ihr Gnadenkinder, Und erneuert euern Bund; Schwöret unserm Ueberwinder Lieb und Tren von Herzensgrund! Und wenn eurer Liebeskette Festigkeit und Stärke fehlt. O so flehet um die Wette, Bis sie Jesus wieder stählt. 3. Legt es unter euch, ihr Glieder, treues Lieben an, Daß ein jeder für die Brüder das Leben lassen kann. So hat uns der Herr geliebet, So vergoß er dort sein Blut; Jeder Jünger ihn betrübet, Der nicht gleich dem Meister thut. 4. Halleluja! Welche Höhen, Welche Tiefen reicher Gnad, Daß wir dem ins Herze sehen, Der uns so geliebet hat; Daß der Vater aller Geister, Der der Wunder Abgrund ist, Daß du, unsichtbarer Meister, Uns so fühlbar nahe biſt! 5. D, du treuster Freund, vereine Deine dir geweihte Schaar, Daß sie es so herzlich meine, Wies dein letzter Wille war, Und daß, wie du eins mit ihnen, Also sie auch eines sein, Sich in wahrer Liebe dienen Und einander gern erfreun. 6. Liebe, hast du es geboten, Daß man Liebe üben soll, so mache doch die todten, Trägen O Geister lebensvoll; Zünde an die Liebesflamme, Daß ein jeder sehen kann: Wir, als die von einem Stamme, Stehen auch für einen Mann! Auf so Auch 76 Kirche und Gnadenmittel. 7. Laß uns so vereinigt werden, Wie du mit dem Vater bist, Bis schon hier auf dieser Erden Kein getrenntes Glied mehr ist; Und allein von deinem Brennen Nehme unser Licht den Schein: Also wird die Welt erkennen, Daß wir deine Jünger sein. N. L. v. Zinzendorf, † 1760. Mel.: Aus meines Herzens Grunde 2c. 75. Kommt, Brüder, laßt uns gehen, kommt herbei; Es ist gefährlich stehen Wüstenei; Kommt, stärket euern Muth, keit zu wandern, Von einer Kraft zur andern: Es ist das Ende gut. Der Abend In dieser Zur Ewig2. Es soll uns nicht gerenen Der schmale Pilgerpfad; Wir kennen ja den Treuen, Der uns gerufen hat. Kommt, folgt und trauet dem! Ein jeder sein Gesichte Mit ganzer Wendung richte Fest nach Jerusalem. 3. Schmückt euer Herz aufs beste, Und mehr als Leib und Haus; Wir sind hier fremde Gäste Und ziehen bald hinaus; Wir gehn ins Ewge ein; Mit Gott muß unser Handel, Im Himmel unser Wandel Und Herz und alles sein. 4. Kommt, Brüder, laßt uns gehen; Der Vater gehet mit; Er selbst will bei uns stehen jedem sauern Tritt. Das Aug nur eingekehrt, seine Liebe winket Und dem, der folgt und sinket, Den wahren Ausgang lehrt. In Da 5. Kommt, Brüder, laßt uns wandern; Wir gehen Hand in Hand; Eins freuet sich am andern In diesem fremden Land. Kommt, laßt uns findlich 77 sein, Uns auf dem Weg nicht streiten; Die Engel selbst begleiten Als Brüder unsre Reihn. So greif Man 6. Und sollt ein Schwacher fallen, der Stärkre zu; Man trag, man helfe allen, pflanze Lieb und Ruh. Kommt, schließt euch fester an! Ein jeder sei der Kleinste, Doch wohl auch gern der Reinste Auf unsrer Pilgerbahn. Kirche. 7. Kommt, laßt uns munter wandern Der Weg nimmt immer ab; Ein Tag, der folgt dem andern, Bald fällt das Fleisch ins Grab. Nur noch ein wenig Muth, Nur noch ein wenig treuer, Von allen Dingen freier, Gewandt zum ewgen Gut! 8. Es wird nicht lang mehr währen, Harrt noch ein wenig aus! Es wird nicht lang mehr währen, So kommen wir nach Haus: Da wird man ewig ruhn, Wenn wir mit allen Frommen Heim zu dem Vater kommen: Wie wohl, wie wohl wirds thun! 9. Darauf wollen wirs denn wagen. Es ist wohl Wagens werth, Und gründlich dem absagen, Was aufhält und beschwert. Welt, du bist uns zu klein!. Wir gehn durch Jesu Leiten Hin in die Ewigkeiten: Es soll nur Jesus sein. G. Terstegen+ 1769. Mel.: O wie selig sind die Seelen 2c. 76. Bater, sich auf unsere Brüder Auch von deinem Thron hernieder, Wo sie in der Drangsal find! Schüße sie in Schmach und Schanden, Rette sie aus ihren Banden, Weil bei dir man Hilfe findt! 2. Unter ihrer Feinde Schnauben Gründ und mehre ihren Glauben, Ihre Hoffnung und Geduld; 78 Kirche und Gnadenmittel Halte sie an deinem Sohne, Mach sie froh mit jenem Lohne; Tröste sie mit deiner Huld! 3. Stärke sie mit Lebensworten, Sei ihr Licht in dunkeln Orten, Fülle sie mit deinem Geist! Höre ihr geheimes Sehnen, Zähle ihre stillen Thränen; Laß sie sehn, was du verheißt! 4. Laß sie deinen Ruf stets wecken, Daß kein Locken oder Schrecken Ihren Seelen schädlich sei! Steh im Reden und im Schweigen, Im Erdulden und im Zeugen Ihnen als Fürsprecher bei! 5. Jesu, der du selbst gelitten, Und vor uns mit blutgen Schritten Aus der Welt zum Vater gingst: Zeige ihnen vor dem Throne, Daß du dort die Lebenskrone Auch für ihr Haupt schon empfingst! Ph. F. Hiller, † 1769. Mel.: Mein Jesu, dem die Seraphinen 2c. 77. Dein Wort. o Herr, bringt uns zuſammen, Daß wir in der Gemeinschaft stehn; Es läßt an uns die heilgen Flammen Des Glaubens und der Liebe sehn. Wir werden durch das Wort der Gnaden Auch zur Gemeinschaft jener Schar, Die bei dem Herrn ist immerdar, Gelockt und kräftig eingeladen. 2. Nur Menschen, die von Gott geboren, Die unter einem Haupte stehn, Die hat der Herr sich auserkohren, Die läßt er Wunderliebe sehn: Gemeinschaft mit dem Vater haben und mit dem Sohn im heilgen Geist, Das ist, was ihre Seelen speist; Nur das kann sie vollkommen laben. 3. Der Glaubensgrund, auf dem wir stehen, Ist Christus und sein theures Blut; Das einge Ziel, darauf wir sehen, Ist Christus, unser höchstes Gut; Kirche. 79 Sein Wort die Regel, die wir kennen, Sein Geiſt das Band, das uns verbindt; Die Seefen all, die er gewinnt, Sind, was wir heilge Kirche nennen. 4. Was ist das für ein himmlisch Leben, Mit Vater, Sohn und heilgem Geist In selger Gemeinschaft schweben, Genießen das, was Gott verheißt! Wie flammen da die selgen Triebe! Gott schüttet in sein geistlich Haus Die ganze Gnadenfülle aus: Hier wohnet Gott, die ewge Liebe. 5. Der Vater liebt und trägt die Kinder Und schenkt den Geist, der Abba schreit: Des Sohnes Trene schmückt die Sünder Mit ewiger Gerechtigkeit; Der heilge Geist tritt mit dem Dele Des Friedens und der Freude zu: Die Herzen schmecken Gottes Ruh, Die Kraft durchdringet Leib und Seele. 6. Die Kinder, so ein Brod gegessen, Die stehen auch für einen Mann; Macht sich der Feind an eins vermessen, Sobald greift er sie alle an. Sie fallen betend Gott zu Füßen Und siegen in des Herren Kraft; Sie wollen von der Brüderschaft Der Heilgen nicht das Kleinste missen. 7. Sie wallen mit verbundnen Herzen Durchs Thränenthal ins Vaterland, Versüßen sich die bittern Schmerzen; Eins reicht dem andern seine Hand; Sie wollen sich mit Freuden dienen, Mit Herz und Auge, Hand und Fuß, Bis zu dem völligen Genuß Des großen Guts:„ Ich, ich in ihnen!" Joh. Ludw. Konr. Allendorf, † 1773. Mel.: Wie groß ist des Allmächtgen Güte 2c. 78. Wohlan, es müsse dir gelingen In deinem blutgen Schmuck, o Held! Laß endlich dir dein Erb 80 Kirche und Gnadenmittel. theil bringen, Erkauft um theures Lösegeld! Brich deinen Boten neue Bahnen, Zieh selbst mit ihnen aus und ein, Und sammle um des Kreuzes Fahnen Mit jedem Tage neue Reihn! 2. Beck überall in der Gemeine Den Zeugenmuth, die starke Treu! Der Liebe großes Werk vereine Getrenntes und Zerissenes neu. Auch unter uns hast du gesäet Ein Senfkorn, noch entsprosset kaum; Doch wo dein Lebensodem wehet, Da wächst das Keimlein schnell zum Baum. 3. Vollende, Herr, dein Werk auf Erden, Gieß aus in Strömen deinen Geist! Laß feiern deine Menchenheerden Das Pfingstfest, das dein Wort verheißt! Der Liebe Sternenband umschlinge Die Herzen alle, fern und nah, Und die erlöste Menschheit singe Dir jubelnd ihr Halleluja! Meta Häußer- Schweizer, geb. 1798. Mel.: Wie soll ich dich 2c. 79. Es kennt der Herr die Seinen Und hat sie stets gekannt, Die Größen und die Kleinen In jedem Volk und Land; Er läßt sie nicht verderben, Er führt sie aus und ein; Im Leben und im Sterben Sind sie und bleiben sein. 2. Er fennet seine Scharen Am Glauben, der nicht schaut Und doch dem Unsichtbaren, Als säh er ihn, vertraut; Der aus dem Wort gezeuget Und durch das Wort sich nährt Und vor dem Wort sich beuget Und mit dem Wort sich wehrt. 3. Er kennt sie als die Seinen An ihrer Hoffnung Muth, Die fröhlich auf dem Einen, Daß er Kirche. 81 der Herr ist, ruht; In seiner Wahrheit Glanze, Sich sonnet frei und fühn, Die wunderbare Pflanze, Die immerdar ist grün. 4. Er fennt sie an der Liebe, Die seiner Liebe Frucht, Und die mit lauterm Triebe Ihm zu gefallen sucht; Die andern so begegnet, Wie er das Herz bewegt; Die segnet, wie er segnet. Und trägt, wie er sie trägt. 5. So fennt der Herr die Seinen, Wie er sie stets gekannt, Die Großen und die Kleinen, In jedem Volk und Land; Am Werk der Gnadentriebe Durch seines Geistes Stärk, An Glauben, Hoffnung, Liebe, Als seiner Gnade Werk. 6. So hilf uns, Herr, zum Glauben, Und halt uns fest dabei; Laß nichts die Hoffnung rauben; Die Liebe herzlich sei! Und wird der Tag erscheinen, Da dich die Welt wird sehn, So laß uns als die Deinen Zu deiner Rechten stehn! K. J. Ph. Spitta, † 1859. Mel.: Auf, ihr Christen, Christi Glieder zc. 80. Allen ist ein Heil beschieden Und ein Erbtheil ausersehn; Darum lasset uns in Frieden, Brüder, mit einander gehn; Aller Streit Weiche weit Auf dem Weg zur Ewigkeit! 2: Eintracht ist vor allem nüße Uns, die wir nur fremd hier sind; Eintracht ist die beste Stüße, Wenn die Welt den Kampf beginnt. Herz an Herz Ist der Schmerz In der Welt nur halber Schmerz. 3. Laßt uns nicht um Worte zanken, Sind wir nur im Wesen eins! Last uns nicht am Mißtraun 6 82 Kirche und Gnadenmittel. franken, An dem Trugschluß äußern Scheins. Wo nur ist Jesus Christ, Weiche aller eitle Zwist! 4. Laßt uns trachten nur vor allen, Wie wir selber früh und spät Unserm Herren wohlgefallen, So verschwindet, so vergeht Aller Neid, Aller Streit Und mit ihm viel Herzeleid! K. J. Ph. Spitta,+ 1859: Eröffnungs- und Schlußlieder. 81. Komm, heiliger Geist, Erfüll die Herzen deiner Gläubigen, Und entzünd in ihnen das Feuer deiner göttlichen Liebe: Der du durch Mannichfaltigkeit der Zungen Die Völker der ganzen Welt versammelt haſt Zur Einigkeit des Glaubens: Halleluja! Halleluja! Alte Kirche. 82. Herr Jeſu Christ, dich zu uns wend, Den heilgen Geist du zu uns send; Mit Hilf und Gnad er uns regier Und uns den Weg zur Wahrheit führ. 2. Thu auf den Mund zum Lobe dein, Bereit das Herz zur Andacht fein; Den Glauben mehr, stärk den Verstand, Daß uns dein Nam werd wohl bekannt. 3. Bis wir singen mit Gottes Heer: Heilig, heilig ist Gott der Herr! Und schauen dich von Angesicht In ewger Freud und selgem Licht. 4. Ehr sei dem Vater und dem Sohn, Dem heilgen Geist in einem Thron; Der heiligen Dreieinigkeit Sei Lob und Preis in Ewigkeit! Herzog Wilhelm II. von Weimar, † 1662. Eröffnungs- und Schlußlieder. Mel.: Wachet auf, ruft 2c. 83. Kron und Lohn beherzter Ringer, Der Seligteit Herwiederbringer, Herr Jesu. Herr der Herrlichkeit! Hör zu deines Thrones Rufen Uns dir verbundne Herzen rufen! Wir wären gerne benedeit. Du jegneſt ja so gern, Gesegneter des Herrn! Wir begehrens: So komm herein, Wir sind ja dein, Und laß uns recht gesegnet sein! Graf N. 2. v. Zinzendorf.+ 1760. 83 Mel. Nun sich der Tag geendet hat zc. 843 Der du noch in der letzten Nacht, Eh du für uns erblaßt, Den Deinen von der Liebe Macht So schön gepredigt haft: 2. Erinnre deine kleine Schaar, Die sich so leicht entzweit, Daß deine letzte Sorge war: Der Glieder Einigkeit. Graf N. L. v. Zinzendorf, † 1760. Mel.: Wunderbarer König 2c. 85 Komm vom höchsten Throne! Odem Gottes, wehe, Komm and unser Herz durchgehe! Sieh, wir harren deiner! Gieb uns deine Fülle Bei der Herzen Sabbathstille! Laß geschehn, Was wir flehn; Schent uns allzusammen Deine heilgen Flammen! Aug. Feldhoff,+ 1846. Was Mel.: Herzlich thut mich verlangen 2c. 86. Laß mich dein sein und bleiben, Du treuer Gott und Herr! Von dir laß mich nichts treiben, 6* 84 Kirche und Gnadenmittel. Halt mich bei deiner Lehr. Herr, laß mich nur nicht wanken, Gieb mir Beständigkeit; Dafür will ich dir danken In alle Ewigkeit. Nic. Selnecker, † 1592. Mel.: Liebster Jesu, wir sind 2c. 87. Unsern Ausgang segne Gott, Unsern Eingang gleichermaßen; Segne unser täglich Brot, Segne unser Thun und Lassen, Segne uns mit selgem Sterben, und mach uns zu Himmelserben.. Hartm. Schenk, † 1681. 31 Mel.: Herr und Aeltster deiner 2c. 88. Die wir uns allhier beisammen finden, Schlagen unsre Hände ein, Uns auf deine Marter zu verbinden, Dir auf ewig treu zu sein; Und zum Zeichen, daß dieß Lobgetöne Deinem Herzen angenehm und schöne, Sage? Amen! und zugleich: Friede, Friede jei mit Euch! Graf Chr. Renat. v. Zinzendorf, † 1752. Mel.: Ach bleib mit deiner Gnade 2c. 89. Ach sei mit deiner Gnade Bei uns, Herr Jesu Christ, Daß uns fortan nicht schade Des bösen Feindes List. 2. Ach sei mit deiner Liebe, Gott Vater, um uns her; Denn wenn uns die nicht bliebe, Fiel uns die Welt zu schwer. 3. Ach heilger Geist, behalte Gemeinschaft allezeit Mit unserm Geist und walte Nun und in Ewigkeit! C. B. Garve,+ 1841. Missionslieder. Mel.: Was Gott thut, das ist zc. 90. Auf immer gilt dein Segensbund, Dein Wort ist Ja und Amen; Nie weich es uns aus Herz und Mund Und nie von unserm Samen. Laß immerfort Dein helles Wort In allen Lebenszeiten Uns trösten, warnen, leiten. 2. O sende bald von Ort zu Ort Den Durst nach deinen Lehren, Den Hunger aus, dein Lebenswort Und deinen Geist zu hören; Und send ein Heer Von Meer zu Meer, Der Herzen Durst zu stillen Und dir dein Reich zu füllen. C. B. Garve, † 1841. 85 Missionslieder. Mel.: Dir, dir, Jehova zc. 91. Bach auf, du Geist der ersten Zeugen, Der Wächter, die auf Zions Mauern stehn, Die Tag und Nächte nimmer schweigen, Und die getrost dem Feind entgegengehn, Ja, deren Schall die ganze Welt durchdringt Und aller Völker Schaaren zu dir bringt. 2. daß doch bald dein Feuer brennte! O möcht es doch in alle Lande gehn! Gib zu der Aernte doch die Hände! Gib Knechte, die in trener Arbeit stehn! Herr der Alernte, siehe doch darein: Die Aernt ist groß, die Zahl der Knechte klein. 3. Dein Sohn hat ja mit klaren Worten Uns diese Bitte in den Mund gelegt: O siehe, wie an allen Orten Sich deiner Kinder Herz und Sinn bewegt, Dich herzinbrünstig darum anzuflehn; Drum hör, o Herr, und sprich: Es soll geschehn. ou por apo dis 86 Kirche und Gnadenmittel. 4. So gib dein Wort mit großen Schaaren, Die in der Kraft Evangelisten sein; Laß eilend Hilf uns widerfahren Und brich in Satans Reich und Macht hinein. Obreite, Herr, auf weitem Erdenkreis Dein Reich bald aus zu deines Namens Preis! 5. Ach, daß die Hilf aus Zion käme! O daß dein Geist, sowie dein Wort verspricht, Dein Volk aus dem Gefängniß nähme! O würd es doch nur bald vor Abend licht! Ach reiß, o Herr, den Himmel bald entzwei, Und komm herab zur Hilf und mach uns frei! 6. Ach laß dein Wort recht schnelle laufen! Es sei kein Ort ohn dessen Glanz und Schein; Ach führe bald dadurch mit Haufen Der Heiden Füll zu allen Thoren ein! Ja, wecke doch auch Israel bald auf, Und also segne deines Wortes Lauf! 7. beffre Zions wüste Stege, Und was dein Wort im Laufe hindern kann, Das räume bald aus jedem Wege; Vertilg, o Herr, den falschen Glaubenswahn, Und mach uns bald von jedem Miethling frei, Daß Kirch und Schul ein Garten Gottes sei. 8. Laß jede hoh und niedre Schule Die Werkstatt deines guten Geistes sein; Ja site du nur auf dem Stuhle Und präge dich der Jugend selber ein, Daß treue Lehrer wir und Beter sehn, Die fräftig vor dem Riß der Kirche stehn. C. B. Bogazky, † 1774. Mel.: Gott des Cimmels und der Erden 2c. sjsid 92. Wasserströme will ich gießen, Spricht der Herr, aufs dürre Land; Kühlend sollen Quellen fließen In 87 Missionslieder. der Wüste heißem Sand; Wo jetzt Wandrer schnachtend ziehn, Soll ein Gottesgarten blüthn. 2. Ach, noch ist die Zeit der Dürre! Schwerer Fluch bedeckt das Land; Israel geht in der Irre, Seine Kraft ist ausgebrannt. Wo der Blick auch sehnend schweift, Spärlich kaum ein Früchtlein reift. 3. Dennoch wird das Wort des Treuen Herrlich in Erfüllung gehn; Jauchzend werden dann sich freuen, Die jest still mit Thränen sä'n, Wenn der Segensstrom des Herrn Alles füllet nah und fern. 4. Darum muthig stets, ihr Brüder! Eilet dem Verlornen nach! sucht des Volkes Gottes Glieder Liebend auf in ihrer Schmach! Ladet sie von Berg und Thal Zu des Königs Hochzeitmahl! 5. Scheint es oft vergeblich Mühen, Segensloses Kämpfen euch, Denkt: auf rauhem Pfade ziehen Alle in dem Kreuzesreich! Doch wer seinem König dient, Dem hat stets ein Kranz gegrünt. 6. Herr, erhöre uns und sende Deinen heilgen Geist uns zu, Der uns Muth im Kampfe spende Und in Trübsal stille Ruh; Ja, wir wollen dir vertraun: Du wirst Zion wieder baun! Sophie Herwig, † 1835. Mel.: Lasset uns den Herren preisen 2c. 93. Komm, o Herr, komm bald, du Treuer! Gib, ach gib dich allen fund, Und entzünd dein heilges Fener Auf dem ganzen Erdenrund. Großes haft du schon begonnen, Großes willst du ferner thun; Deine Liebe kann nicht ruhn, Bis die ganze Welt gewonnen, Bis ein jedes Herz besiegt, Herr. zu deinen Füßen liegt. K. A. Döring, † 1844. 88 Kirche und Gnadenmittel. Mel.: Jesus eine Zuversicht 2c. oder: Großer Gott, dich loben ic. 94. Eine Heerde und ein Hirt! Wie wird dann dir sein, o Erde, Wenn sein Tag erscheinen wird? Freue dich, du kleine Heerde, Mach dich auf und werde Licht! Jesus hält, was er verspricht. 2. Hüter, ist der Tag noch fern? Schon ergrünt es auf den Weiden, und die Herrlichkeit des Herrn Nahet dämmernd sich den Häiden; Blinde Pilger flehn um Licht: Jesus hält, was er verspricht. 3. Komm, o komm, du treuer Hirt, daß die Nacht zum Tage werde! Ach wie manches Schäflein irrt Fern von dir und deiner Heerde! Kleine Heerde, zage nicht! Jesus hält, was er verspricht. 4. Sieh, das Heer der Nebel flicht Vor des Morgenrothes Helle, Und der Sohn der Wüste kniet Dürstend an der Lebensquelle; Ihn umleuchtet Morgenlicht: Jesus hält, was er verspricht. 5. Gräber harren aufgethan: Rauscht, verdorrete Gebein! Macht dem Bundesengel Bahn! Großer Tag des Herrn, erscheine! Jesus ruft: Es werde Licht! Jesus hält, was er verspricht. 6. O des Tags der Herrlichkeit! Jesus Christus, du die Sonne Und auf Erden weit und breit Licht und Wahrheit, Fried und Wonne! Mach dich auf! Es werde Licht! Jesus hält, was er verspricht. F. A. Krummacher, † 1845. Mel.: Herzlich thut mich 2c. 95. Der du in Todesnächten Erkämpft das Heil der Welt Und dich als den Gerechten Zum Bürgen dargestellt, Der du den Feind bezwungen, den Himmel aufgethan, Dir ſtimmen unsre Zungen Ein Halleluja an! Missionslieder. 89 2. Im Himmel und auf Erden Ist alle Macht nun dein, Bis alle Völker werden Zu deinen Füßen sein, Bis die von Süd und Norden, Bis die von Ost und West Sind deine Gäste worden Bei deinem Hochzeitfeſt. 3. Noch werden sie geladen, Noch gehn die Boten aus, um mit dem Ruf der Gnaden Zu füllen dir dein Haus. Es ist kein Preis zu theuer, Es ist kein Weg zu schwer, Zu streun dein Lebensfeuer Ins weite Völkermeer. 4. So ziehen deine Flammen Wie Sonnen um die Welt; Getrenntes fließt zusammen, Das Dunkle wird erhellt; Und wo dein Name schallet, Du König Jesu Christ, Ein selig Häuflein wallet Dahin, wo Frieden ist. 5. O sammle deine Heerden Dir aus der Völker Zahl, Daß viele selig werden Und ziehn zum Abendmahl! Schleuß auf die hohen Pforten! Es strömt dein Volk heran: Wos noch nicht Tag geworden, Da zünd dein Feuer an! C. G. Barth, f † 1862. - Mel.: Wachet auf, ruft uns die Stimme 2c. 96. Einer ists, an dem wir hangen, Der für uns in den Tod gegangen Und uns erkauft mit seinem Blut. Unsre Leiber, unsre Herzen Gehören dir, o Mann der Schmerzen; In deiner Liebe ruht sichs gut! Nimm uns zum Eigenthum, Bereite dir zum Ruhm Deine Kinder! Verbirg uns nicht Das Gnadenlicht Von deinem heilgen Angesicht. de 2. Nicht wir haben dich erwählet; Du selbst hast unsre Zahl gezählet, Nach deinem ewgen Gnadenrath. Unsre Straft ist schwach und nichtig, Und keiner ist zum Werke tüchtig, Der nicht von dir die Stärke hat. 90 Kirche und Gnadenmittel. Drum brich den eignen Sinn, Denn Armuth ist Gewinn Für den Himmel! Wer in sich schwach, Folgt, Herr, dir nach, Und trägt mit Ehren deine Schmach. 3. Herr Jesu, Ehrenkönig! Die Aernt ist groß, der Schnitter wenig, Drum sende treue Zeugen aus; Send auch uns hinaus in Gnaden, Viele frohe Gäste einzuladen Zum Mahl in deines Vaters Haus, Wohl dem, den deine Wahl Beruft zum Abendmahl Im Reich Gottes! Da ruht der Streit, Da währt die Freud Heut, gestern und in Ewigkeit. 4. Schau auf deine Millionen, Die noch im Todesschatten wohnen, Von deinem Himmelreiche fern! Seit Jahrtausenden ist ihnen Kein Evangelium erschienen, Kein gnadenreicher Morgenstern. Glanz der Gerechtigkeit, Geh auf, denn es ist Zeit! Komm, Herr Jesu! Zeuch uns voran Und mach uns Bahn; Gib deine Thüren aufgethan. 5. Deine Liebe, deine Wunden, Die uns ein ewges Heil erfunden, Dein treues Herz, das für uns fleht, Seelen preisen Und auf dein Bis es durch ihr Herzen geht. Denn kräftig ist dein Wort; Es richtet und durchbohrt Wollen wir den Kreuz so lange weisen, Geist und Seele; Dein Joch ist süß, wiß, Und offen steht dein Paradies. Dein Geist ge6. Heiland deine größten Dinge Beginnest du still und geringe; Was sind wir Armen, Herr, vor dir? Aber du wirst für uns streiten Und uns mit deinen Augen leiten; Auf deine Kraft vertrauen wir! Dein Senftorn, arm und klein, Wächst endlich ohne Schein Doch zum Baume, Weil du, Herr Christ, Sein Hüter bist, Dem es von Gott vertrauet iſt. A. Knapp,+ 1864. Missionslieder. Mel.: Wie soll ich dich empfangen 2c. 97. Der du zum Heil erschienen Der allerärmsten Welt Und von den Cherubinen Zu Sündern dich gesellt; Den sie mit frechem Stolze Verhöhnt für seine Huld, Als du am Marterholze Versöhntest ihre Schuld! 2. Damit wir Kinder würden, Gingst du vom Vater aus, Nahmst auf dich unsre Bürden Und bauteft uns ein Haus. Von Westen und von Süden, Von Morgen ohne Zahl Sind Gäste nun beschieden Zu deinem Abendmahl. 91 3. Im schönen Hochzeitkleide, Von allen Flecken rein, Führst du zu deiner Freude Die Völkerscharen ein; Und welchen nichts verkündigt, Kein Heil verheißen war, Die bringen nun entsündigt Dir Preis und Ehre dar. 4. Drum kann nicht Ruhe werden, Bis deine Liebe siegt, Bis dieser Kreis der Erden Zu deinen Füßen liegt, Bis du im neuen Leben Die ansgeföhnte Welt Dem, der sie dir gegeben, Vors Angesicht gestellt. 5. Und siehe, tausend Fürsten Mit Völkern ohne Licht Stehn in der Nacht und dürsten Nach deinem Angesicht. Auch sie haft du gegraben In deinen Priesterschild, Am Brunnquell sie zu laben, Der dir vom Herzen quillt. 6. So sprich dein göttlich: Werde! Laß deinen Odem wehn, Daß auf der finstern Erde Die Todten auferstehn; Daß, wo man Gößen fröhnet Und vor den Teufeln kniet, Ein willig Volk versöhnet Zu deinem Tempel zieht. 7. Wir rufen, du willst hören; Wir fassen, was du sprichst; Dein Wort muß sich bewähren, Womit du Fesseln brichst. Wie viele sind zerbrochen! Wie viele sinds noch nicht! O du, der uns versprochen, Werd aller Heiden Licht! A. Knapp,+ 1864. 92 Kirche und Gnadenmittel. B. Gnadenmittel. a. Wort Gottes. Mel.: Freu dich sehr, o meine 2c. dal 19 98. Rede, liebster Jesu, rede, Denn dein Kind gibt Acht darauf; Stärke mich; denn ich bin blöde, Daß ich meines Lebens Lauf Dir zu Ehren setze fort: Ach laß stets dein heilig Wort In mein Herze sein verschlossen, Dir zu folgen unverdrossen. 2. Ach, wer wollte dich nicht hören, Dich, du liebster Menschenfreund? Sind doch deine Wort und Lehren Alle herzlich wohlgemeint. Sie vertreiben alles Leid; Aller Freuden Süßigkeit Muß vor deinen Worten weichen; Nichts ist ihnen zu vergleichen. 3. Deine Worte sind mein Stecken, Dessen ich mich trösten kann, Wenn der Teufel mich will schrecken Auf der schmalen Lebensbahn; Diese führen ohne Qual Mich selbst durch des Todes Thal, Schirmen mich auf allen Wegen, Machen auch das Kreuz zum Segen. 4. Jesu, dein Wort soll mich laben, Deine trosterfüllte Lehr Will ich in mein Herze graben; Ach nimm sie doch nimmermehr Von mir weg in dieſer Zeit, Bis ich in der Ewigkeit Werde kommen zu den Ehren, Dich, o Jesu, selbst zu hören. 5. Unterdeß vernimm mein Flehen, Liebster Jesu, höre mich! Laß mich fest bei dir bestehen, So will ich dich ewiglich Preisen mit Herz, Sinn und Mund; Ich will dir zu jeder Stund Ehr und Dank in Demuth bringen und dein hohes Lob besingen. Anna Sophie, Landgräfin von Hessen- Darmstadt,+ 1680. 99. Liebster Jesu, wir sind hier, Dich und dein Wort anzuhören; Lente Sinnen und Begier Auf die Die heiligen Sacramente. süßen Himmelsiehren, Daß die Herzen von der Erden Ganz zu dir gezogen werden. 2. Unser Wissen und Verstand Ist mit Finsterniß verhüllet, o nicht deines Geistes Hand Uns mit hellem Licht erfüllet; Gutes denken, thun und dichten Mußt du selbst in uns verrichten. 3. Odu Glanz der Herrlichkeit, Licht vom Licht, Aus Gott geboren, Mach uns allsammt bereit, Deffne Herzen, Mund und Ohren; Unser Bitten, Flehn und Singen Laß, Herr Jesu, wohl gelingen. Tob. Clausnißer, † 1684. b. Die heiligen Sacramente. Die heilige Taufe. Mel.: Wer nur den lieben Gott 2c. 93 100. Ich bin getauft auf deinen Namen, Gott Vater, Sohn und heilger Geist; Und so ist alles Ja und Amen, Was mir dein theures Wort verheißt; Ich bin in Christum eingesenkt, Ich bin mit seinem Geist beschenkt. 2. Du hast zu deinem Kind und Erben, Mein lieber Vater, mich erklärt; Du hast die Frucht von deinem Sterben, Mein treuer Heiland, mir gewährt, Du willst in aller Noth und Pein, O guter Geist, mein Tröster sein. NICA 3. Doch hab ich dir auch Furcht und Liebe, Treu und Gehorsam zugesagt; Ich habe mich aus reinem Triebe Tein Eigenthum zu sein gewagt; Hingegen ſagt ich bis ins Grab Der Sünde schnöden Werken ab. 4. Mein treuer Gott, auf deiner Seite Bleibt dieser Bund wohl feste stehn; Wenn aber ich ihn 94 Kirche und Gnadenmittel. überschreite, So laß mich nicht verloren gehn; Nimm mich, dein Kind, zu Gnaden an, Wenn ich hab einen Fall gethan. 5. Ich gebe dir, mein Gott, aufs neue Leib, Seel und Herz zum Opfer hin; Erwecke mich zu neuer Treue Und nimm Besitz von meinem Sinn. Es sei in mir kein Tropfen Blut, Der nicht, Herr, deinen Willen thut. 6. Laß diesen Vorsatz nimmer wanken, Gott, Vater, Sohn und heilger Geist! Halt mich in deines Bundes Schranken, Bis mich dein Wille sterben heißt: So leb ich dir, so sterb ich dir, So lob ich dich dort für und für. J. J. Rambach, † 1735. Mel.: Liebster Jesu, wir sind hier 2c. 101. Liebster Jefu, wir sind hier, Deinem Worte nachzuleben; Dieses Kindlein kommt zu dir, Weil du den Befehl gegeben, Daß man sie zu dir hinführe; Denn das Himmelreich ist ihre. 2. Ja, es schallet allermeist Dieses Wort in unsern Ohren: Wer durch Wasser und durch Geist Nicht zuvor ist neu geboren, Wird von dir nicht aufgenommen und in Gottes Reich nicht kommen. 3. Darum eilen wir zu dir: Nimm das Pfand von unsern Armen; Tritt mit deinem Glanz herfür Und erzeige dein Erbarmen, Daß es dein Kind hier auf Erden Und im Himmel möge werden. S 4. Hirte, nimm dein Schäflein an, Haupt, mach es zu deinem Gliede; Himmelsweg, zeig ihm die Bahn; Friedefürst, sei du sein Friede; Weinstock, hilf, daß diese Rebe Auch im Glauben dich umgebe. 5. Nun, wir legen an dein Herz, Was vom Herzen ist gegangen; Führ die Seufzer himmelwärts Das heilige Abendmahl. 95 Und erfülle das Verlangen; Ja den Namen, den wir geben, Schreib ins Lebensbuch zum Leben. B. Schmold, † 1737. In voriger Melodie. 102. Nun Gottlob! es ist vollbracht und der Bund mit Gott geschlossen; Was uns rein und selig macht, Ist auf dieses Kind geflossen; Jesus hat es eingesegnet Und mit Himmelsthau beregnet. 2. O du dreimal selig Kind, Bom Dreieinigen geliebet, Dem der Vater sich verbindt, Dem der Sohn das Leben gibet, Dem der Geist ist eingeflossen Und der Himmel aufgeschlossen. 3. Nun so denk an diesen Bund, Weil du einen Odem hegest, Daß auf einen festen Grund Du stets deinen Glauben legest. Wer sich läßt auf Jesum taufen, Muß in Jesu Wegen laufen. 4. Werde fromm und wachse groß, Werde deiner Aeltern Freude, Und dein jetzt erlangtes Loos Tröste dich in allem Leide; Deine Taufe sei die Thüre, Welche dich zum Himmel führe. B. Schmold, † 1737. Das heilige Abendmahl. Vor der Feier. 103. Christe, du Lamm Gottes, Der du trägſt die Sünd der Welt, Erbarm dich unser! 2. Christe, du Lamm Gottes, Der du trägst die Sünd der Welt, Erbarm dich unser! 3. Christe, du Lamm Gottes, Der du trägst die Sünd der Welt, Gib uns deinen Frieden! Amen. Alte Kirche. 96 Kirche und Gnadenmittel. 104. Schmücke dich, o liebe Seele, Laß die dunkle Sündenhöhle Komm ans helle Licht gegangen, Fange herrlich an zu prangen; Denn der Herr voll Heil und Gnaden Will dich jetzt zu Gaste laden; Der den Himmel kann verwalten, Will jetzt Herberg in dir halten. 2. Eile, wie Verlobte pflegen, Deinem Bräutigam entgegen, Der mit süßen Gnadenworten Klopft an deines Herzens Pforten; Eile, sie ihm aufzuſchließen, Wirf dich hin zu seinen Füßen; Sprich: o Herr, laß dich umfassen, Von dir will ich nimmer lassen! 3. Ach, wie hungert mein Gemüthe, Menschenfreund, nach deiner Güte; Ach, wie pfleg ich oft mit Thränen Mich nach diesem Mahl zu sehnen; Ach, wie pfleget mich zu dürsten Nach dem Trank des Lebensfürsten, Daß mit diesem Brot und Weine Sich mein Heiland mir vereine. 4. Jesu, meine Lebenssonne, Jesu, meine Freud und Wonne, Jesu, du mein ganz Beginnen, Lebensquell und Licht der Sinnen, Hier fall ich zu deinen Füßen: Laß mich würdiglich genießen Dieser deiner Himmelsspeise, Mir zum Heil und dir zum Preise! 5. Herr, es hat dein treues Lieben Dich vom Himmel hergetrieben, Daß du willig hast dein Leben In den Tod für uns gegeben Und dazu ganz unverdrossen, Herr, dein Blut für uns vergossen, Das uns jetzt kann kräftig tränken, Deiner Liebe zu gedenken. 6. Jesut, wahres Brot des Lebens, Hilf, daß ich doch nicht vergebents Oder mir wohl gar zum Schaden Sei zu deinem Tisch geladen; Laß mich durch dieß Seeleneffen Deine Liebe recht ermessen, Daß ich auch, wie jetzt auf Erden, Mög dein Gast im Himmel werden. Joh. Frand, † 1677. Das heilige Abendmahl. Mel.: Erquicke mich, du Heil 2c. 105. Mein Jeſu, der du vor dem Scheiden In deiner letzten Trauernacht Uns hast die Früchte deiner Leiden In einem Testament vermacht: Es preisen gläubige Gemüther Dich, Stifter dieser hohen Güter! 2. So oft wir dieses Mahl genießen, Wird dein Gedächtniß bei uns neu; Man kann aus frischen Proben schließen, Wie brünstig deine Liebe sei. Dein Blut, dein Tod und deine Schmerzen Erneuern sich in unsern Herzen. 3. Es wird dem zitternden Gewissen Ein neues Siegel aufgedrückt, Daß unser Schuldbrief sei zerrissen, Daß unsre Handschrift sei zerstückt, Daß wir Vergebung unsrer Sünden In deinen blutgen Wunden finden. 97 4. Und fester, als es je gewesen, Wird nun das Band, das uns vereint; Von allem Seelenschmerz genesen Schaun wir in dir, den liebsten Freund; Wir fühlen uns in solchen Stunden Mit dir zu einem Geist verbunden. 5. Dieß Brot kann wahre Nahrung geben, Und dieser Kelch erquickt den Geist; És mehrt sich unser innres Leben, Wenn unser Glaube dich geneußt; Wir fühlen neue Kraft und Stärke In unserm Kampf und Glaubenswerke. 6. Wir treten in genaure Bande Mit deines Leibes Gliedern ein; Wir müssen all in solchem Stande Ein Herz und eine Seele sein; Der Geist muß mehr zusammenfließen, Da wird ein Fleisch und Blut genießen. 7. Dein Leib muß uns zum Pfande dienen, Daß unser Fleisch, jetzt schwachheitsvoll, Einst herrlich aus 7 98 Kirche und Gnadenmittel. dem Staube grünen Und unverweslich werden soll; Ja, daß du uns ein ewig Leben Nach diesem furzen werdest geben. 8. Otheures Lamm, so edle Gaben Hast du in dieses Mahl gelegt! Da wir dich selbst zur Speiſe haben, Wie wohl ist unser Geist gepflegt! Dieß Mahl ist unter allen Leiden Ein wahrer Vorschmack jener Freuden. 9. Dir sei Lob, Ehr und Preis gesungen! Ein solcher hoher Liebesschein Verdient, daß aller Engel Zungen Zu dessen Ruhm geschäftig sein. Wird unser Geist zu dir erhoben, So wird er dich vollkommen loben. I. J. Rambach, † 1735. Nach der Feier. Mel.: Nun laßt uns Gott, dem Herren 2c. Jeju, meine Wonne, Du meiner Seelen Laß mich dir 106. Sonne, Du Freundlichster auf Erden, dankbar werden! 2. Wie kann ich gnugsam schäßen Dieß himmlische Ergößen Und diese theuren Gaben, Die uns gestärket haben? 3. Wie soll ich dirs verdanken, O Herr, daß du mich Kranken Gespeiset und getränket, Ja selbst dich mir geschenket? 4. Ich lobe dich von Herzen Für alle deine Schmerzen, Für deine Schläg und Wunden, Die du für mich empfunden. 5. Dir dank ich für dein Leiden, Den Ursprung. meiner Frenden; Dir dank ich für dein Sehnen Und deine heißen Thränen. Wiedergeburt und Heiligung. 6. Dir dank ich für dein Lieben, Das standhaft ist geblieben; Dir dank ich für dein Sterben, Das mich dein Reich läßt erben. 7. Herr, laß mich nicht vergessen, zugemessen Die kräftge Himmelsspeise, Herz dich preise. 99 Daß du mir Wofür mein 8. Laß mich die Sünden meiden, Laß mich geduldig leiden; Laß mich mit Andacht beten Und von der Welt abtreten. 9. In meinem ganzen Leben Laß mir vor Augen schweben, Wie herrlich ich beglücket Und himmlisch bin erquicket! 10. Nun kann ich nicht verderben; Drauf will ich selig sterben Und freudig auferstehen, O Jesu, dich zu sehen. Joh. Rist, 1667. XII. Wiedergeburt und Heiligung. A. Buße. 107. Aus tiefer Noth schrei ich zu dir, Herr Gott, erhör mein Rufen! Dein gnädig Ohr neig her zu mir Und meiner Bitt es öffne; Denn so du willst das sehen an, Was Sünd und Unrecht ist gethan, Wer kann, Herr, vor dir bleiben? 2. Bei dir gilt nichts denn Gnad und Gunst, Die Sünde zu vergeben; Es ist doch unser Thun umsonst Auch in dem besten Leben. Vor dir niemand sich rühmen kann, Deß muß dich fürchten jedermann Und deiner Gnaden leben. 3. Darum auf Gott will hoffen ich, Auf mein Verdienst nicht bauen; Auf ihn allein verlassen mich 7* 100 Wiedergeburt und Heiligung. Und seiner Güte trauen, Die mir zusagt sein werthes Wort; Das ist mein Trost und treuer Hort, Deß will ich allzeit harren. 4. Und ob es währet bis in die Nacht Und wieder an den Morgen, Doch soll mein Herz an Gottes Macht Verzweifeln nicht noch sorgen. So thu das Volk von rechter Art, Das aus dem Geist erzeuget ward Und seines Gottes harre. 5. Ob bei uns ist der Sünden viel, Bei Gott ist viel mehr Gnaden; Sein Hand zu helfen hat kein Ziel, Wie groß sei auch der Schaden. Er ist allein der gute Hirt, Der Israel erlösen wird aus seinen Sünden allen. Luther, † 1546. Mel.: Erhalt uns, Herr, bei deinem 2c. 108. frommer und getreuer Gott, Ich hab geO brochen dein Gebot Und sehr gesündigt wider dich: Das ist mir leid und reuet mich. 2. Weil aber du, o gnädger Gott, Nicht Lust haft an des Sünders Tod, So ist dein herzliches Begehr, Taß ich mich wieder zu dir kehr. 3. Auf dieß Wort, lieber Vater fromm, Ich armer Sünder zu dir komm Und bitt durch deines Sohnes Tod: Erbarm dich mein in meiner Noth! 4. Verschon, o Herr, laß deine Huld Zudecken alle meine Schuld, So werd ich arm verlornes Kind Ledig und los all meiner Sünd. 5. Ich will, o Herr, nach deinem Wort Mich beffern, leben. fromm hinfort, Damit ich mög nach dieser Zeit Gelangen zu der Seligkeit. B. Ringwald(?), † 1598. Buße. Mel.: Herr, laß deines Eifers 2c. Und Ver109. Ach, was bin ich, mein Erretter treter Bei dem unsichtbaren Licht! Ich verzag in meinem Muthe; Denn das Gute, Das ich will, das thu ich nicht. 2. Ach, was bin ich, mein Erbarmer! Sieh, ich Armer Bin ein Strohhalm vor dem Wind; Wie ein Weberschifflein schießet, So verfließet Aller Menschen Thun geschwind. 3. Ach, was bin ich, mein Erlöser! Immer böser Find ich meiner Seele Stand: Drum, mein Helfer, nicht verweile; Jesu eile, Reiche mir die Gnadenhand! 101 4. Ach, wenn wirst du mich erheben Zu dem Leben? Komm, ach, komm, und hilf mir doch! Demuth kann dich bald bewegen; Lauter Segen Wirst du lassen fließen noch. 5. Troßig ist, o Gott, mein Herze, Mir zum Schmerze, Ja es ist mir leid dazu! Höre mich, hör an das Quälen; Arzt der Seelen, Schaffe meinem Herzen Ruh! 6. Gib mir, daß der Tod nicht schade; Herr, gib Gnade, Laß mich sein dein liebes Kind! Ein Demüthiger und Kleiner, Aber Reiner, Endlich Gnad und Ruhe findt. Joachim Neander, † 1680. Mel.: Wer weiß, wie nahe mir mein 2c. * 110. Ich armer Mensch, ich armer Sünder Steh hier vor Gottes Angesicht: Ach Gott, ach Gott, verfahr gelinder Und geh nicht mit mir ins Gericht! Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! 102 ( Wiedergeburt und Heiligung. 2. Wie ist mir doch so angst und bange, Wie fränkt mich meine große Sünd! Hilf, daß ich wieder Gnad erlange, Ich armes und verlornes Kind; Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! 3. Hör, ach erhör mein seufzend Schreien Und neig zu mir dein Vaterherz! Wollst alle Sünden mir verzeihen Und lindern meines Herzens Schmerz; Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! 4. Nicht, wie ich hab verschuldet, lohne, Und handle nicht nach meiner Sünd; O treuer Vater, schone, schone, Erkenn mich wieder für dein Kind! Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! 5. Sprich nur ein Wort, so werd ich leben, Sprich, daß ich armer Sünder hör: Geh hin, die Sünd ist dir vergeben; Nur fündige hinfort nicht mehr! Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! 6. Ich zweifle nicht, ich bin erhöret, Erhöret bin ich zweifelsfrei; Weil sich der Trost im Herzen mehret, Drum will ich enden mein Geschrei: Ich weiß ja, du erbarmest dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! Chr. Titius,+ 1703. Mel.: Sieh, hier bin ich, Ehrenkönig 2c. 111. Gott der Gnaden! Schwer beladen Neigt sich unser Haupt vor dir; Unsre Herzen Sind voll Schmerzen, Staub und Asch ist unsre Zier. Hab Erbarmen Mit uns Armen! Aus der Tiefe rufen wir. 2. Wir verzagen, Denn wir tragen aller Sünden Last, Aller Qualen Volle Die du ausgegossen hast. Hab Erbarmen Armen! Angst und Noth hat uns erfaßt. Auf uns Schalen, Mit uns 103 Glaube. 3. Wir bekennen, Herr, wir nennen, Lant vor dir die Missethat; Es ist keiner Hier ein Reiner, Jeder ärntet böse Saat. Hab Erbarmen Mit uns Armen! Sieh auf ihn, der für uns bat. 4. Herr, verzeihe! Jesu, leihe Uns dein priesterlich Gebet! Gott, verschone, Wenn vom Sohne Das Erbarmen zu dir fleht! Hab Erbarmen Mit uns Armen, Wenn der Mittler vor dir steht! 5. Jesu, rette! Brich die Kette. Unsrer Finsterniß entzwei, Daß der Glaube Tief im Staube Unser Trost und Zuflucht sei. Hab Erbarmen Mit uns Armen; Jesu, mach uns wieder frei! 6. Sei uns gnädig, Mach uns ledig, Führ uns aus dem finstern Thal! Du kannst lindern Und vermindern Alle Noth und Herzensqual. Hab Erbarmen Mit uns Armen; Jesu, hilf noch diesesmal! 7. Du mußt siegen, Wir erliegen; wir find in Haft: Du alleine Du bist Bist der Reine, frei, Wir sind schwach, Mit uns Armen; Dein ist die Kraft. Hab Erbarmen Denk an deine Pilgrimschaft! 8. Wenn du Frieden Uns beschieden, Fürchten wir die Strafe nicht; Dein Versöhnen Wird uns frönen Mit Gerechtigkeit und Licht; Dein Erbarmen Hilft den Armen, Du bist unsre Zuversicht! H. Puchta,+ 1858. B. Glaube. 112. Nun freut euch, lieben Christen gmein, Und laßt uns fröhlich springen, Daß wir getroft und all in Ein Mit Luft und Liebe singen, Was Gott an 104 Wiedergeburt und Heiligung. uns gewendet hat, Und seine süße Wunderthat; Gar theur hat ers erworben. 2. Dem Teufel ich gefangen lag, Im Tod war ich verloren; Mein Sünd mich quälte Nacht und Tag, Darin ich war geboren; Ich fiel auch immer tiefer drein, Es war kein Guts am Leben mein; Die Sünd hat mich besessen. 3. Mein gute Werk, die galten nicht, Es war mit ihn'n verdorben; Der frei Will haßte Gotts Gericht, Zum guten gar erstorben; Die Angst mich zu verzweifeln trieb, Daß nichts denn Sterben bei mir blieb; Zur Höllen mußt ich sinken. 4. Da jammerts Gott in Ewigkeit, Mein Elend übermaßen; Er dacht an sein Barmherzigkeit, Er wollt mir helfen lassen; Er wandt zu mir das VaterHerz, Es war bei ihm fürwahr kein Scherz, Er ließ sein Bestes kosten. 5. Er sprach zu seinem lieben Sohn: Es iſt Zeit, zu erbarmen; Fahr hin, meins Herzens werthe Kron, Und sei das Heil dem Armen Und hilf ihm aus der Sünden Noth, Erwürg für ihn den bittern Tod Und laß ihn mit dir leben. 6. Der Sohn Gott gern gehorsam ward, Er kam zu mir auf Erden, Von einer Jungfrau rein und zart; Er sollt mein Bruder werden. Gar heimlich führt er sein Gewalt, Er ging in meiner armen Gestalt; Den Teufel wollt er fangen. 7. Er sprach zu mir: halt dich an mich, Es soll dir jetzt gelingen; Ich geb mich selber ganz für dich, Da will ich für dich ringen; Denn ich dein, und du bist mein, Und wo ich bleib, da sollst du sein, Uns soll der Feind nicht scheiden. bin Glaube. 105 8. Vergießen wird er mir mein Blut, Dazu mein Leben rauben; Das leid ich alles dir zu gut, Das halt mit festem Glauben: Den Tod verschlingt das Leben mein, Mein Unschuld trägt die Sünde dein, Da bist du selig worden. 9. Gen Himmel zu dem Vater mein Fahr ich von diesem Leben, Da will ich sein der Meister dein, Den Geist will ich dir geben, Der dich in Trübsal trösten soll Und lehren mich erkennen wohl Und in der Wahrheit leiten. 10. Was ich gethan hab und gelehrt, Das sollst du thun und lehren, Das Gottes Reich hier wird gemehrt Zu seinem Lob und Ehren; Und hüt dich vor der Menschen Saz, Davon verdirbt der edle Schatz; Das laß ich dir zur Leße. Luther, † 1546. Mel.: Herzlich thut mich verlangen 2c. 113. Ich bin bei Gott in Gnaden Durch Christi Blut und Tod; Was kann mir endlich schaden? Was acht ich alle Noth? Ist er auf meiner Seiten, Gleich wie er wahrlich ist, Laß immer mich beſtreiten Auch alle Höllenliſt. 2. Was wird mich können scheiden Von Gottes Lieb und Treu? Verfolgung, Armuth, Leiden Und Trübsal mancherlei? Laß Schwert und Blöße walten! Man mag durch tausend Bein Mich für ein Opfer halten: Der Sieg bleibt dennoch mein. 3. Ich kann um dessentwillen, hat, Gnug meinen Unmuth stillen Der mich geliebet Und fassen Trost und Rath: Denn das ist mein Vertrauen, Der Hoff 106 Wiedergeburt und Heiligung. nung bin ich voll, Die weder Dank noch Grauen Mir ewig rauben soll: 4. Daß weder Tod noch Leben Und keiner Engel Macht, Wie hoch sie möchte schweben, Kein Fürstenthum, kein Pracht, Nichts dessen, was zugegen, Nichts, was die Zukunft trägt, Nichts, was da hochgelegen, Nichts, was die Tiefe hegt: 5. Noch sonst, was je erschaffen, Von Gottes Liebe mich Soll scheiden oder raffen; Denn diese gründet sich Auf Jesu Tod und Sterben; Ihn fleh ich gläubig an, Der mich, sein Kind und Erben, Nicht lassen will noch kann. S. Dach, † 1659. Mel.: Jesus, meine Zuversicht 2c. 114 Jesus nimmt die Sünder an! Saget doch dieß Trostwort allen, Welche von der rechten Bahn Auf verkehrten Weg verfallen; Hier ist, was sie retten fann: Jesus nimmt die Sünder an. 2. Keiner Gnade sind wir werth, Doch hat er in seinem Worte Eidlich sich dazu erklärt; Sehet nur, die Gnadenpforte Ist hier völlig aufgethan: Jesus nimmt die Sünder an. · 3. Wenn ein Schaf verloren ist, Suchet es ein treuer Hirte; Jesus, der uns nie vergißt, Suchet treulich das Verirrte, Daß es nicht verderben kann: Jesus nimmt die Sünder an. 4. Kommet alle, kommet her, Kommet, ihr betrübten Sünder! Jesus rufet euch, und er Macht aus Sündern Gottes Kinder; Glaubt es doch und denkt daran: Jesus nimmt die Sünder an. Glaube.. 107 5. Ich Betrübter komme hier Und bekenne meine Sünden; Laß, mein Heiland, mich bei dir Gnade und Vergebung finden, Daß dieß Wort mich trösten kann: Jesus nimmt die Sünder an. 6. Nun so faß ich frohen Muth, Auf dich werf ich meine Sünden; Dein am Kreuz vergossnes Blut Lässet mich Vergebung finden, Daß ich gläubig sprechen kann: Jesus nimmt die Sünder an. 7. Jesus nimmt die Sünder an! Er hat mich auch angenommen Und den Himmel aufgethan, Daß ich selig zu ihm kommen Und auf den Trost sterben kann: Jesus nimmt die Sünder an. E. Neumeister, † 1756. Mel.: Wer nur den lieben Gott 2c. 115. Ich habe nun den Grund gefunden, Der meinen Anker ewig hält; Wo anders, als in Jesu Wunden? Da lag er vor der Zeit der Welt, Der Grund, der unbeweglich steht, Wenn Erd und Himmel untergeht. 2. Es ist das ewige Erbarmen, Das alles Denken übersteigt, Deß, der mit offnen Liebesarmen Sich zu uns armen Sündern neigt, Dem allemal das Herze bricht, Wir kommen oder kommen nicht. 3. Wir sollen nicht verloren werden, Gott will, uns soll geholfen sein; Deßwegen kam sein Sohn auf Erden und nahm hernach den Himmel an; Deßwegen flopft er für und für So start an unsers Herzens Thür. 108 Wiedergeburt und Heiligung. 4. Abgrund, welcher alle Sünden Durch Christi Tod verschlungen hat! Das heißt die Wunde recht verbinden; Da findet kein Verdammen statt, Weil Christi Blut beständig schreit: Barmherzigkeit, Barmherzigkeit! 5. Darein will ich mich gläubig senken, Dem will ich mich getrost vertraun; Und wenn mich meine Sünden kränken, Nur bald nach Gottes Herzen schaun: Da findet sich zu aller Zeit Unendliche Barmherzigkeit. 6. Wird alles andre mir gerissen, Was Seel und Leib erquicken kann; Darf ich von keinem Troste wissen Und scheine völlig ausgethan; Ist die Errettung noch so weit: Mir bleibet doch Barmherzigkeit. 7. Muß ich an meinen besten Werken, Darinnen ich gewandelt bin, Viel Unvollkommenheit bemerken, So fällt wohl alles Rühmen hin; Doch ist auch hier der Trost bereit: Ich hoffe auf Barmherzigkeit. 8. Es gehe mir nach dessen Willen, Bei dem, so viel Erbarmen ist; Er wolle selbst mein Herze stillen Damit es dieß nur nicht vergißt: So stehet es in Lieb und Leid In, durch und auf: Barmherzigkeit. 9. Bei diesem Grunde will ich bleiben, lange mich die Erde trägt; Das will ich denken, thun und treiben, So lange noch ein Glied sich regt; So sing ich einst in Ewigkeit: Abgrund der Barmherzigkeit! J. A. Rothe, † 1758. So Mel.: Wer nur den lieben Gott 2c. 116. Mir ist Erbarmung widerfahren, Erbarmung, deren ich nicht werth; Das zähl ich zu dem Wunder Heiligung. 109 baren, Mein stolzes Herz hats nie begehrt. Nun weiß ich das und bin erfreut Und rühme die Barmherzigkeit. 2. Ich hatte nichts als Zorn verdienet, Und soll bei Gott in Gnade sein; Er hat mich mit sich selbst verfühnet, Macht durch das Blut des Sohns mich rein. Warum? ich war ja Gottes Feind! Erbarmung hats so treu gemeint! 3. Das muß ich dir, mein Gott, bekennen, Das rühm ich, wenn ein Mensch mich fragt; Ich kann es nur Erbarmung nennen, So ist mein ganzes Herz gesagt. Ich beuge mich und bin erfreut Und rühme die Barmherzigkeit. 4. Dieß laß ich kein Geschöpf mir rauben, Dieß soll mein einzig Rühmen sein; Auf dieß Erbarmen will ich glauben, Auf dieses bet ich auch allein, Auf dieses duld ich in der Noth, Auf dieses hoff ich noch im Tod. 5. Gott, der du reich bist an Erbarmen, Nimm dein Erbarmen nicht von mir, Und führe durch den Tod mich Armen, Durch meines Heilands Tod zu dir; Da bin ich ewig hocherfreut Und rühme die Barmherzigkeit. Ph. F. Hiller, † 1769. C. Heiligung. a. Nachfolge Chrifti. Mel.: Machs mit mir, Gott, nach deiner Güt 2c. 117. Mir nach, spricht Christus, unser Held, Mir nach, ihr Christen alle! Welt, Folgt meinem Ruf und Schalle; Verleugnet euch, berlaßt die Nehmt euer Kreuz und Ungemach Aufeuch, folgt meinem Wandel nach. 110 Wiedergeburt und Heiligung. 2. Ich bin das Licht, Ich leucht euch für Mit heilgem Tugendleben; Wer zu mir kommt und folget mir, Darf nicht im Finstern schweben; Ich bin der Weg, ich weise wohl, Wie man wahrhaftig wandeln soll. 13. Mein Herz ist voll Demüthigkeit, Voll Sanftmuth meine Seele; Des Vaters Will ist jederzeit Auch das, was ich erwähle; Mein Geist, Gemüthe, Kraft und Sinn Ist Gott ergeben, schaut auf ihn. 4. Ich zeig euch das, was schädlich ist, Zu fliehen und zu meiden Und euer Herz von arger List Zu reingen und zu scheiden; Ich bin der Seelen Fels und Hort Und führ euch zu der Himmelspfort. 5. Fällts euch zu schwer, ich geh voran, Ich steh euch an der Seite; Ich kämpfe selbst, ich brech die Bahn, Bin alles in dem Streite. Ein böser Knecht, der still darf stehn, Sieht er voran den Feldherrn gehn! 6. Wer seine Seel zu finden meint, Wird sie ohn mich verlieren; Wer sie hier zu verlieren scheint, Wird sie in Gott einführen. Wer nicht sein Kreuz nimmt und folgt mir, Ist mein nicht werth und meiner Zier. 7. So laßt uns denn dem lieben Herrn Mit unserm Kreuz nachgehen, Und wohlgemuth, getroft und gern In allen Leiden stehen. Denn wer nicht kämpft, trägt auch die Kron Des ewgen Lebens nicht davon. Joh. Scheffler, † 1677. 118. Durchbrecher aller Bande, Der du immer bei uns bist, Bei dem Schaden, Spott und Schande Lauter Lust und Himmel ist. Uebe ferner dein Gerichte Nachfolge Christi. 111 Wider unsern Adamssinn, Bis uns dein so treuGesichte Führet aus dem Kerker hin. 2. Ists doch deines Vaters Wille, Daß du endest dieses Werk: Hierzu wohnt in dir die Fülle Aller Weisheit, Lieb und Stärk, Daß du nichts von dem verlierest, Was er dir geschenket hat, Und es aus der Unruh führest Zu der selgen Ruhestatt. 3. Ach, so mußt du uns vollenden, Willst und kannst ja anders nicht; Denn wir sind in deinen Händen, Dein Herz ist auf uns gericht, Ob wir wohl von allen Leuten Als gefangen sind geacht, Weil des Kreuzes Niedrigkeiten Uns der Welt zum Spott gemacht. 4. der Kreatur Schau doch aber unsre Ketten, Da wir mit Seufzen, ringen, schreien, beten Um Erlösung der Natur Von dem Dienst der Eitelkeiten, Der uns noch so hart bedrückt, Ob auch schon der Geist in Zeit Sich auf etwas Beßres schickt. 5. Ach, erheb die matten Kräfte, Daß sie ganz sich reißen los Und, durch alle Weltgeschäfte Durch gebrochen, stehen blos! Weg mit Menschenfurcht und Zagen! Weich, Vernunftbedenklichkeit! Fort mit Schen vor Schmach und Plagen! Weg des Fleisches Zärtlichkeit! 6. Herr, zermalme, Herr, zerstöre Diese Macht der Finsterniß; Denn der preist nicht deine Ehre, Den sie fort zum Tode riß. Heb uns aus dem Staub der Sünden, Treib die Lust der Welt hinaus'; Laß uns wahre Freiheit finden In des ewgen Vaters Haus. Für das Fleisch 7. Wir verlangen keine Ruhe in Ewigkeit; Wie dus nöthig findest, thue Noch vor 112 Nachfolge Chrifti. unsrer Abschiedszeit; Aber unser Geist, der bindet Dich im Glauben, läßt dich nicht, Bis er die Erlösung findet, Die dein treuer Mund verspricht. 8. Herrscher, herrsche; Sieger, siege; König, brauch dein Regiment: Führe deines Reiches Kriege, Mach der Sclaverei ein End! Ach, die Last treibt uns zu rufen, Alle flehen wir dich an! Zeig doch nur die ersten Stufen Der gebrochnen Freiheitsbahn. 9. Ach, wie theur sind wir erworben, Nicht der Menschen Knecht zu sein! Drum, so wahr du bist gestorben, Mußt du uns auch machen rein, Rein und frei und ganz vollkommen Und verklärt ins beste Bild: Der hat Gnad um Gnad genommen, Wer aus deiner Füll sich füllt. 10. Liebe, zelich uns in dein Sterben, Laß mit dir gekreuzigt sein, Was dein Reich nicht kann ererben; Führ ins Paradies uns ein! Doch wohlan, du wirst nicht säumen, Laß nur uns nicht lässig sein; Werden wir doch als wie träumen, Wenn die Freiheit bricht herein. G. Arnold, † 1714. Mel.: Wachet auf, ruft uns die Stimme 2c. 119. Rüstet euch, ihr Christenleute! Die Feinde suchen euch zur Beute; Ja, Satan selbst begehrt; Wappnet euch mit Gottes Worte fämpfet frisch an jedem Orte, Damit ihr bleibet unversehrt. Ist euch der Feind zu schnell, Hier ist Immanuel: Hosianna! Der Starke fällt Durch diesen Held, Und wir behalten mit das Feld. hat eur Und 113 von euren Lüsten, Besieget fie, Und stehet in des Herren Kraft; Stärket euch in Jesu Namen, Daß ihr nicht strauchelt wie die Lahmen: Wo ist des Glaubens Ritterschaft? Wer hier ermüden will, Der schaue auf das Ziel: Da ist die Freude! Wohlan, so seid Zum Kampf bereit, So frönet euch die Ewigkeit. 3. Streitet recht die wengen Jahre, Eh ihr kommt auf die Todtenbahre: Kurz, kurz ist unser Lebenslauf. Wenn Gott wird die Todten wecken, Und Christus wird die Welt erschrecken, So stehen wir mit Frenden auf. Gottlob, wir sind versöhnt! Daß uns die Welt noch höhnt, Währt nicht lange: Und Gottes Sohn Hat längstens schon Uns beigelegt die Ehrenkron. Jun Jesu, stärke deine Kinder und mach ihren Ueberwinder, Die du erkauft mit deinem Blut. Schaff in uns ein neues Leben, Daß wir uns stets zu dir erheben, Wenn uns entfallen will der Muth. Geuß aus auf uns den Geist, Dadurch die Liebe fleußt In die Herzen, So halten wir Getreu an dir Im Tod und Leben für und für. W. E. Arends, † 1721. 2. Reinigt euch die ihr seid Christen, Liebe. b. Liebe. 120. Herzlich lieb hab ich dich, o Herr, Ich bitt, wollst sein von mir nicht fern Mit deiner Hülf und Gaben! Die ganze Welt erfreut mich nicht, Nach Erd und Himmel frag ich nicht, Wenn ich nur dich kann haben. Und wenn mir gleich mein Herz zerbricht, So bist du doch mein Zuversicht, Mein Trost und meines Herzens Theil Durch dessen ich werd heil. 8 114 Wiedergeburt und Heiligung. Herr Jesu Christ, mein Gott und Herr, Mein Gott und Herr, In Schanden laß mich nimmermehr! 2. Es ist ja dein Geschenk und Gab Mein Leib und Seel, und was ich hab In diesem armen Leben: Damit ichs brauch zum Lobe dein, Zu Nuß und Dienst des Nächsten mein, Wollst deine Gnad mir geben! Behüt mich, Herr, vor falscher Lehr, Des Satans Mord und Lügen wehr, In allem Kreuz erhalte mich, Auf daß ichs trag geduldiglich! Herr Jesu Christ, mein Herr und Gott, Mein Herr und Gott, Tröst mir mein Seel in Todesnoth! 3. Ach Herr, laß einst die Engel dein Am letzten End die Seele mein In Abrahams Schooß tragen, Den Leib in seinem Kämmerlein Gar sanft ohn einge Qual und Pein Ruhn bis zum jüngsten Tage. Alsdann vom Tod erwecke mich, Daß meine Augen sehen dich In aller Freud, o Gottessohn, Mein Heiland und mein Gnadenthron! Herr Jesu Christ, erhöre mich, Erhöre mich! Ich will dich preisen ewiglich. Mart. Schalling, † 1608. 121. Wieschön leuchtet der Morgenstern, Voll Gnad und Wahrheit von dem Herrn, Aus Juda aufgegangen! Du Davids Sohn aus Jakobs Stamm, Du Menschensohn und Gotteslamm, Erfüllst mich mit Verlangen, Lieblich, Freundlich, Schön und mächtig, Groß und prächtig, Reich an Gaben, Ueber alles Hoch erhaben. 2. Omeine Perl, du werthe Kron, Sohn Gottes und Marien Sohn, Ein hochgeborner König! Du bist des Herzens schönste Blum: Dein süßes Evangelium Ist lauter Milch und Honig. Jesu, Jesu, 115 Deiner Hosianna! Himmlisch Manna, Das wir essen, kann ich nicht vergessen. 3. Geuß sehr tief in mein Herz hinein, du, mein Herr und Gott allein, Die Flamme deiner Liebe; Und stärk mich, daß ich ewig bleib An deinem auserwählten Leib Ein Glied von Lebenstriebe; In dir Laß mir Ohn Aufhören Sich vermehren Lieb und Freude, Daß der Tod uns selbst nicht scheide. 4. Von Gott kommt mir ein Freudenschein, Wenn mich die heilgen Augen dein So mildiglich anblicken. O Jesu, du mein trautes Gut, Dein Wort, dein Geist, dein Leib und Blut Mich innerlich erquicken! Tröst mich Freundlich, Hilf mir Armen Aus Erbarmen, Hilf in Gnaden! Auf dein Wort komm ich geladen. 5. Gott Vater, o mein starker Held, Du haſt mich ewig vor der Welt In deinem Sohn geliebet; Dein Sohn hat mich ihm selbst vertraut, Auf ihn mein Herz mit Freuden schaut, Drum mich auch nichts betrübet. Heil mir, Heil mir! Himmlisch Leben Wird er geben Mir dort oben; Ewig soll mein Herz ihn loben. 6. Spielt unserm Gott mit Saitenklang Und laßt den süßesten Gesang Ganz freudenreich erschallen; Ich will mit meinem Jesus Christ, Der mir mein Eins und Alles ist, In steter Liebe wallen. Singet, Klinget, Jub liret, Triumphiret, Dankt dem Herren, Groß ist der König der Ehren. 7. Wie freu ich mich, Herr Jesu Christ, Daß du der Erst und Lette bist, Der Anfang und das Ende! Du wirst mich einst zu deinem Preis Aufnehmen in dein Paradeis; Drauf faß ich deine Hände. Amen, Amen, Komm du schöne Freudenkrone, Bleib nicht lange, Deiner wart ich mit Verlangen! Ph. Nikolai,+1608. 8* Liebe. 116 Wiedergeburt und Heiligung. 122. Schönster Herr Jesu, Herrscher aller Enden, Gottes und Mariä Sohn! Dich will ich lieben, Dich will ich ehren, Meiner Seelen Freud und Kron! 2. Schön sind die Wälder, Schöner sind die Felder In der schönen Frühlingszeit: Jesus ist schöner, Jesus ist reiner, Der unser traurig Herz erfreut. 3. Schön ist die Sonne, Schön ist der Monde, Schön die Sterne allzumal: Jesus leucht schöner, Jesus leucht reiner, Als die Engel im Himmelssaal. 4. Schön sind die Blumen, Schöner die Menschen In der frischen Jugendzeit; Sie müssen sterben, Müssen verderben, Jesus bleibt in Ewigkeit. 5. Alle die Schönheit Himmels und der Erden Ist nur gegen ihn als Schein; Keiner auf Erden' Lieber kann werden, Als der schönste Jesus mein! 6. Jesus ist wahrhaftig Hoch von uns geliebet, Jesus ist wahrhaftig Hochgebenedeit; Jesu, wir bitten dich, Sei uns gnädig Bis an unsre letzte Zeit Altes geistliches Volkslied. 123. Meinen Jesum laß ich nicht! Weil er sich für mich gegeben, So erfordert meine Pflicht, Unverrückt nur ihm zu leben; Er ist meines Lebens Licht, Meinen Jesum laß ich nicht. 2. Jesum laß ich ewig nicht, Weil ich soll auf Erden leben; Ihm hab ich voll Zuversicht, Was ich bin und hab, ergeben; Alles ist auf ihn gericht, Meinen Jesum laß ich nicht. 3. Baß vergehen das Gesicht, Alle Sinne mir entweichen; Laß das letzte Tageslicht Mich auf dieser Welt erreichen; Wenn der Lebensfaden bricht, Meinen Jesum laß ich nicht. 117 4. Ich werd ihn auch lassen nicht, Wenn ich nun dahin gelanget, Wo vor seinem Angesicht Meiner Väter Glaube pranget; Mich erfreut sein Angesicht, Meinen Jesum laß ich nicht.Liebe. 5. Nicht nach Welt, nach Himmel nicht meine Seel in mir sich sehnet; Jesum wünscht sie und sein Licht, Der mich hat mit Gott versöhnet Und befreiet vom Gericht; Meinen Jesum laß ich nicht. 6. Jesum laß ich nicht von mir, Geh ihm ewig an der Seiten; Christus läßt mich für und für Zu den Lebensbächen leiten. Selig, wer mit mir so spricht: Meinen Jesum laß ich nicht! Chr. Keymann, † 1662. 124. Ich will dich lieben, meine Stärke, Ich will mit dem dich lieben, meine Zier, Ich will dich lieben Wake Und immerwährender Begier; Ich will dich lieben, schönstes Licht, Bis mir das Herzé bricht.. 2. Ich will dich lieben, o mein Leben, Als meinen allerbesten Freund; Ich will dich lieben und erheben, So lange mich dein Glanz bescheint; Ich will mit reiner Liebesflamm Dich lieben Gotteslamm. 3. Ach, daß ich dich so spät erkannte Du hochgelobte Liebe du; Daß ich nicht eher mein ich nannte, Du höchstes Gut und wahre Ruh! Es ist mir leid, ich bin betrübt, Daß ich so spät geliebt. 4. Ich lief verirrt und war verblendet, Ich suchte dich und fand dich nicht; Ich hatte mich von dir gewendet und liebte das geschaffne Licht: Nun aber ists durch dich geschehn, Daß ich dich hab ersehn. 5. Ich danke dir, du wahre Sonne, Daß mir dein Glanz hat Licht gebracht; Ich danke dir, du Himmels 118 Wiedergeburt und Heiligung. wonne, Daß du mich froh und frei gemacht; Ich danke dir, du heilger Mund, Daß du mich machst gesund. 6. Erhalte mich auf deinen Stegen Und laß mich nicht mehr irre gehn; Laß meinen Fuß in deinen Wegen Nicht straucheln oder stille stehn; Erleucht mir Leib und Seele ganz, Du starker Himmelsglanz. 7. Ich will dich lieben, meine Krone, Ich will dich lieben, meinen Gott, Dich lieben auch bei Schmach und Hohne, Auch in der allergrößten Noth; Ich will dich lieben, schönstes Licht, Bis mir das Herze bricht. J. Scheffler, † 1677. 125. Eins ist Noth, ach Herr, dieß eine Lehre mich erkennen doch! Alles andre, wies auch scheine, Ist ja nur ein schweres Joch, Darunter das Herze sich naget und plaget Und dennoch kein wahres Vergnügen erjaget. Erlang ich dieß eine, das alles ersetzt, So werd ich mit einem in allem ergötzt. 2. Seele, willst du dieses finden, Suchs bei keiner Creatur; Laß, was irdisch ist, dahinten, Schwing dich über die Natur. Wo Gott und die Menschheit in einem vereinet, Wo alle vollkommene Fülle erscheinet, Ta, da ist das beste, nothwendigste Theil, Mein ein und mein alles, mein seligstes Heil. Sich Maria dort Voller Andacht 3. Wie dieß eine zu genießen, befliß, Da sie sich zu Jesu Füßen niederließ: Ihr Herze entbrannte, allein nur zu hören, Was Jesus, ihr Heiland, sie wollte belehren; Ihr alles war gänzlich in Jesum versenkt, Und wurde ihr alles in einem geschenkt. 4. Also ist auch mein Verlangen, Liebster Jesu, Liebe. 119 nur nach dir; Laß mich treulich an dir hangen, Schenke dich zu eigen mir. Wie viele dich auch mit der Menge verlassen, So will ich in Liebe dich dennoch umfassen; Denn dein Wort, o Jesu, ist Leben und Geist; Was ist wohl, daß man nicht in Jesu geneußt? 5. Aller Weisheit höchste Fülle In dir ja verborgen liegt; Gib nur, daß sich auch mein Wille Fein in solche Schranken fügt, Worinnen die Demuth und Einfalt regieret Und mich zu der Weisheit, die himmlisch ist, führet. Ach, wenn ich nur Jesum recht fenne und weiß, So hab ich der Weisheit vollkommenen Preis. 6. Nichts kann ich vor Gott ja bringen, Als nur dich, mein höchstes Gut; Jesu, es muß mir gelingen. Durch dein heilig theures Blut. Die höchste Gerechtigkeit ist mir erworben, Da du bist am Stamme des Kreuzes gestorben; Die Kleider des Heils ich da habe erlangt, Worinnen mein Glaube in Ewigkeit prangt. 7. Nun so gib, daß meine Seele Auch nach deinem Bild erwacht; Du bist ja, den ich erwähle, Mir zur Heiligung gemacht. Was dienet zum göttlichen Wandel und Leben, Ist in dir, mein Heiland, mir alles gegeben; Entreiße mich aller vergänglichen Lust, Dein Leben sei, Jesu, mir einzig bewußt. 8. Ja, was soll ich mehr verlangen? Auf mich strömt die Gnadenfluth; Du bist einmal eingegangen In das Heilge durch dein Blut; Da hast du die ewge Erlösung erfunden, Daß ich nun von Tod und Verdammniß entbunden; Dein Eingang die völlge Freiheit mir bringt, Im findlichen Geifte das Abba nun klingt. 120 Wiedergeburt und Heiligung. 9. Volles Gnügen, Fried und Freude Jeho meine Seel ergößt, Weil auf eine frische Weide Mein Hirt Jesus mich gesetzt. Nichts Süßres kann also mein Herze erlaben, Als wenn ich nur, Jesu, dich immer soll haben; Nichts, nichts ist, das also mich innig erquickt, Als wenn ich dich,-Jesu, im Glauben erblickt. 10. Drum auch, Jesu, du alleine Sollst mein ein und alles sein; Prüf, erfahre, wie ichs meine, Tilge allen Heuchelschein; Sieh, ob ich auf böjem, betrüglichem Stege, Und leite mich, Höchster, auf ewigem Wege: Laß Schmach mich nicht achten, nicht Leiden noch Tod Und Jesum gewinnen; dieß eine ist noth. J. H. Schröder, † 1699. C Gebet. Mel.: Aus tiefer Noth 2c. 126. Herr, wie du willst, so schicks mit mir Im Leben und im Sterben! Allein zu dir steht mein Begier, Laß mich, Herr, nicht verderben. Erhalt mich nur in deiner Huld, Sonst wie du willst; gib mir Geduld, Denn dein Will ist der beſte. 2. Zucht, Ehr und Treu verleih mir, Herr, Und Lieb zu deinem Worte; Behüt mich Herr, vor falscher Lehr Und gib mir hier und dorte, Was dient zu meiner Seligkeit; Wend ab all Ungerechtigfeit Sn meinem ganzen Leben! 3. Soll ich einmal nach deinem Rath Von dieser Welt abscheiden, Verleih mir, Herr, nur deine Gnad, Taß es gescheh mit Freuden. Mein Leib und Seel befehl ich dir; O Herr, ein selig End gib mir Durch Jesum Christum. Amen. Kaspar Bienemann, † 1591. Gebet. Mel.: Eingen wir aus 2c. 127. 3weierlei bitt ich von dir, Zweierlei trag Was uns ich dir für, Dir, der alles reichlich gibt, dient und dir beliebt; Gib mein Bitten, das du weißt, Eh ich sterb und sich mein Geist Aus des Leibes Banden reißt. 121 2. Gib, daß ferne von mir sei Lügen und Abgötterei, Armuth, das die Maße bricht, und groß Reichthum gib mir nicht; Allzuarm und allzureich Ist nicht gut, stürzt beides gleich Unfre Seet ins Sündenreich: 3. Laß mich aber, o mein Heil, Nehmen mein bescheiden Theil, Und beschere mir zur Noth zur Noth Hier mein täglich Bislein Brot; Ein klein wenig, da der Muth Und ein gut Gewissen ruht, Ist fürwahr ein großes Gut. 4. Sonst wohl möcht im Ueberfluß Ich emfinden Ueberdruß, Dich verleugnen, dir zum Spott Fragen: wer ist Herr und Gott? Denn das Herz ist Frechheit voll, Weiß oft nicht, wenn ihm ist wohl, Wie es sich erheben soll. 5. Wiederum, wenns stehet bloß Und die Armuth wird zu groß, Wird leicht untreu, stiehlt und stellt Nach des Nächsten Gut und Geld, Thut Gewalt, braucht Ränk und List, Ist mit Unrecht ausgerüst, Fragt gar nicht, was christlich iſt. 6. Ach, mein Gott, mein Schatz, mein Licht! Dieses beides ziemt mir nicht; Beides schändet deine Ehr, Beides stürzt ins Höllenmeer: Drum so gib mir Hüll und Füll Also, wie dein Herze will, Nicht zu wenig, nicht zu viel. 14.1 1P. Gerhardt, † 1676. طر Wiedergeburt und Heiligung. 128. Sieh, hier bin ich, Ehrenkönig, Lege mich vor deinen Thron; Schwache Thränen, Kindlich Sehnen Bring ich dir, du Menschensohn! Laß dich finden, laß dich finden, Bin ich gleich nur Asch und Thon. 122 2. Sieh doch auf mich, Herr, ich bitt dich, Lenke mich nach deinem Sinn; Dich alleine Ich nur meine, Dein erkaufter Erb ich bin; Laß dich finden, Laß dich finden; Gib dich mir und nimm mich hin! 3. Herr, erhöre, Ich begehre Nichts als deine freie Gnad, Die du gibest, Wo du liebest, Und man dich liebt in der That; Laß dich finden, Laß dich finden! Der hatt alles, wer dich hat. 4. Hör, wie kläglich, Wie beweglich Dir die treue Seele singt, Wie demüthig Und wehmüthig Deines Kindes Stimme kiingt: Laß dich finden, Laß dich finden! Tenn mein Herze zu dir dringt. E 5. Dieser Zeiten Eitelkeiten, Reichthum, Wollust, Ehr und Freud Sind nur Schmerzen Meinem Herzen, Welches sucht die Ewigkeit; Laß dich finden, Laß dich finden! Großer Gott, ich bin bereit. J. Neander,+ 1680. Mel.: Wunderbarer König 2c. 129. Gott ist gegenwärtig! Lasſet uns anbeten Und in Ehrfurcht vor ihn treten. Mitten! Alles in uns schweige Und sich innigst vor Gott ist in der Gebet. 123 ihm beuge. Wer ihn kennt, Wer ihn nennt, Schlag die Augen nieder; Kommt, ergebt euch wieder. 2. Gott ist gegenwärtig, Dem die Cherubinen Tag und Nacht in Demuth dienen: heilig! Heilig, heilig, Singen ihm zur Ehre Aller Engel hohe Chöre. Herr, vernimm Unsre timm, Da auch wir Geringen Unsre Opfer bringen. 3. Wir entsagen willig Allen Eitelkeiten, Aller Erdenlust und Freuden; Da liegt unser Wille, Seele, Leib und Leben, Dir zum Eigenthum ergeben; Du allein Sollst es sein, Unser Gott und Herre; Dir gebührt die Ehre. 4. preisen Majestätisch Wesen, Möcht ich recht dich Und im Geist dir Dienst erweisen; Möcht ich, wie die Engel, Immer vor dir stehen gegenwärtig sehen! Laß mich dir Für und für Trachten zu gefallen, Liebster Gott in allen. und dich 5. Geist, der alles füllet, Drin wir sind und weben, Aller Dinge Grund und Leben, Meer ohn Grund und Ende, Wunder aller Wunder, Ich sent mich in dich hinunter! Ich in dir, Du in mir: Laß mich ganz verschwinden, Dich nur sehn und finden. 6. Du durchdringest alles, Laß dein schönstes Lichte, Herr, berühren mein Gesichte! Wie die zarten Blumen Willig sich entfalten Und der Sonne stille Laß mich so Still und froh Deine Strahlen halten, fassen Und dich wirken lassen! 7. Mache mich einfältig, Innig, abgeschieden, Sanfte und im stillen Frieden; Mach mich reines Herzens, Daß ich deine Klarheit Schauen mag in Geist und Wahrheit; Laß mein Herz Himmelswärts Wie ein Adler schweben Und in dir nur leben. 124 Wiedergeburt und Heiligung. 8. Herr, komm in mir wohnen, Laß den Geist auf Erden Dir ein Heiligthum noch werden; Komm du nahes Wesen, Dich in mir verkläre, Daß ich dich stets lieb und ehre; Wo ich geh, Sitz und steh, Laß mich dein gedenken, Mich in dich versenken. E. Terstegen,+ 1769. Fürbitte. Mel.: Alles ist an Gottes Segen 2c. 130. Jeju, der du bist alleine Haupt und König Wollst der Gemeine, Segne mich, dein armes Glied! mir neuen Einfluß geben Deines Geistes, dir zu leben; Stärke mich durch deine Güt. 2. Ach, dein Lebensgeist durchdringe, Gnade, Kraft und Segen bringe Deinen Gliedern allzumal, Wo sie hier zerstreuet wohnen Unter allen Nationen, Die du kennest überall. 3. O wie lieb ich, Herr, die Deinen, Die dich suchen, die dich meinen: wie köstlich sind sie mir! Du weißt, wie michs oft erquicket, Wenn ich Seelen hab erblicket, Die sich ganz ergeben dir. 4. Ich umfasse, die dir dienen, Ich vereinge mich mit ihnen, Und vor deinem Angesicht Wünsch ich allen tausend Segen: Stärke sie in deinen Wegen, Führ sie selbst zu deiner Pflicht. 5. Die in Kreuz und Leiden leben, Stärke, daß fie ganz ergeben Ihre Seel in deine Hand; Laß sie dadurch werden kleiner Und von allen Schlacken reiner, Lauterlich in dich gewandt. 6. Laß die Deinen noch auf Erden Ganz nach deinem Herzen werdeu; Mache deine Kinder schön, Friede und Freude. 125 7. Abgeschieden, klein und stille, Sanft, einfältig wie dein Wille, Und wie du sie gern willst sehn. Sonderlich gedenke deren, Die es, Herr, von mir begehren, Daß ich für sie beten soll. Auf dein Herz will ich sie legen, Gib du jedem solchen Segen, Wie es noth; du kennst sie wohl! 8. Ach, besuch zu dieser Stunde Ihre Herzen, und im Gründe Sie erfreu in dir allein; Zeuch mit deinen Liebeszügen Ihre Lust und ganz Vergnügen Wesentlich in dich hinein! 9. Ach, du hast uns theur erworben, Da du bist am Kreuz gestorben; Denke, Jesu, wir sind dein! Halt uns fest, so lang wir leben Und in dieser Wüſte schweben; Laß uns nimmermehr allein; 10: Bis wir einst mit allen Frommen Dort bei dir zusammen kommen Und von allen Flecken rein, Da vor deinem Throne stehen, und in dir, dich in uns sehen, Ewig Eins in dir zu sein. 6. Terstegen, † 1769. d. Friede und Freude. Mel.: Lasset uns den Herren preisen 2c. 131. Sollt ich meinen Gott nicht singen, Sollt ich ihm nicht fröhlich sein? Denn ich seh in allen Dingen, Wie so gut ers mit mir meint. Ists doch nichts als lauter Lieben, Das sein treues Herze regt, Das ohn End hebt und trägt, Die in seinem Dienst sich üben. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 2. Wie ein Adler sein Gefieder Ueber seine Jungen streckt, Also hat auch immer wieder Mich 126 Wiedergeburt und Heiligung. des Höchsten Arm gedeckt, Alsobald im Mutterleibe, Da er mir mein Wesen gab Und das Leben, das ich hab Und noch diese Stunde treibe. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 3. Sein Sohn ist ihm nicht zu theuer, Nein, er gibt ihn für mich hin, Daß er mich vom ewgen Feuer Durch sein theures Blut gewinn; O du Brunnen ohn Ergründen, Wie will doch mein schwacher Geist, Ob er sich gleich hoch befleißt, Deines Grundes Tiefe finden? Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 4. Seinen Geist, den edeln Führer, Gibt er mir in seinem Wort, Daß er werde mein Regierer Durch die Welt zur Himmelspfort, Daß er mir mein Herz erfülle Mit dem hellen Glaubenslicht, Das des Todes Reich zerbricht Und die Hölle selbst macht stille. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 5. Meiner Seelen Wohlergehen Hat er ja recht wohl bedacht; Will dem Leibe Noth entstehen, Nimmt ers gleichfalls wohl in Acht; Wenn mein Können, mein Vermögen Nichts vermag, nichts helfen kann, Kommt mein Gott und hebt mir an, Sein Vermögen beizulegen Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 6. Himmel, Erd und ihre Heere Hat er mir zum Dienst bestellt; Wo ich nur mein Aug hinkehre, Find ich, was mich nährt und hält: Thier und Kräuter und Getreide; In den Gründen, in der Höh, In den Büschen, in der See, Ueberall iſt meine Weide. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 7. Wenn ich schlafe, wacht sein Sorgen Und Friede und Freude. ermuntert mein Gemüth, Daß ich alle liebe Morgen Schaue neue Lieb und Güt. Wäre nicht mein Gott gewesen, Hätte mich sein Angesicht Nicht geleitet, wär ich nicht Aus so mancher Angst genesen. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit: 8. An wie mancher schweren Plage Hat er mich vorbeigeführt, Daß sie mich mein Lebetage Niemals noch bisher berührt! Und der Engel, den er sendet, Hat das Böse, das der Feind Anzurichten war gemeint, In die Ferne weggewendet. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 9. Wie ein Vater seinem Kinde Niemals ganz sein Herz entzeucht, Ob es gleich bisweilen Sünde Thut und von der Bahn abweicht: Also hält auch mein Verbrechen Mir mein frommer Gott zu gut, Will mein Fehlen mit der Ruth Und nicht mit dem Schwerte rächen. Alles Ding währt seine Zeit, 127 Gottes Lieb in Ewigkeit. 10. Seine Strafen, seine Schläge, ob es mir gleich bitter scheint, Sind, wenn ich es recht erwäge, Dennoch Zeichen, daß mein Freund, Der mich liebet, mein gedenke Und mich von der schnöden Welt, Die uns hart gefangen hält, Durch das Kreuze zu sich lente. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 11. Das weiß ich fürwahr und lasse Mirs nicht aus dem Sinne gehn: Christenkreuz hat seine Maße Und muß endlich stille stehn. Wenn der Winter ausgeschneiet, Tritt der schöne Sommer ein: Also wird auch nach der Bein, Wers erwarten fann, erfreuet. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 12. Weil denn weder Ziel noch Ende Sich in Gottes Liebe findt, Ei, so heb ich meine Hände Zu 128 Wiedergeburt und Heiligung. dir, Vater, als dein Kind, Bitte: Wollst mir Gnade geben, Dich aus aller meiner Macht Zu umfangen Tag und Nacht, Hier in meinem ganzen Leben, Bis ich dich nach dieser Zeit Lob und lieb in Ewigkeit. V. Gerhardt,+ 1676. 132. Jeju, meine Freude, Meines Herzens Weide, Ist dem Jesu, meine Zier! Ach, wie lang, ach lange Herzen bange, Und verlangt nach dir! Hab ich dich, Wie reich bin ich! Außer dir soll mir auf Erden Nichts sonst lieber werden. 2. Unter deinem Schirmen Bin ich vor den Stürmen Aller Feinde frei; Laß von Ungewittern Rings die Welt erzittern, Mir steht Jesus bei, Wenn die Welt In Trümmer fällt, Wenn gleich Sünd und Hölle schrecken, Jesus will mich decken. 3. Troß des Feindes Lauern, Troß des Todes Schauern, Trotz der Furcht dazu! Tobe, Welt, geringe Halt ich dich und singe In gar sichrer Ruh; Gottes Macht Hält mich in Acht; Erd und Abgrund muß sich scheuen, Ob sie noch so dräuen. 4. Weg mit allen Schätzen, Du bist mein Ergößen, Jesu, meine Lust! Weg, ihr eiteln Ehren, Ich mag ench nicht hören, Bleibt mir unbewußt! Elend, Noth, Kreuz, Schmach und Tod Soll mich, ob ich viel muß leiden, Nicht von Jesu scheiden. 5. Gute Nacht, o Weseu, Das die Welt erlesen, Mir gefällst du nicht; Gute Nacht, ihr Sünden, Bleibet weit dahinten, Kommt nicht mehr ans Licht; Gute Nacht, Du Stolz und Pracht; Dir sei ganz, du Sündenleben, Gute Nacht gegeben! Friede und Freude. 6. Weicht, ihr Trauergeister, Denn mein Freudenmeister, Jesus, tritt herein. Tenen, die Gott lieben, Muß auch ihr Betrüben Lauter Freude sein; Duld ich schon Hier Spott und Hohn, Dennoch bleibst du auch im Leide, Jesu, meine Freude. Joh. Frand, † 1677. 129 133. Es glänzet der Christen inwendiges Leben, Obgleich es verhüllet ihr irdischer Stand; Was ihnen der König des Himmels gegeben, Ist keinem, als ihnen nur selber, bekannt; Was niemand verspüret, Was niemand berühret, Hat ihre erleuchteten Sinne gezieret Und sie zu der göttlichen Würde geführet. 2. Denn innerlich sind sie von göttlichem Stamme, Geboren aus Gott durch sein mächtiges Wort; Es lodert in ihnen die himmlische Flamme, Entzündet von oben, genähret von dort; Die Engel sind Brüder, Die ihre Loblieder Mit ihnen gar freundlich und inniglich singen; Das muß denn ganz herrlich und prächtig erklingen! 3. Sie wandeln auf Erden, und leben im Himmel; Sie bleiben ohnmächtig und schüßen die Welt; Sie schmecken den Frieden bei allem Getümmel, Sie haben, die Aermsten, was ihnen gefällt. Sie stehen in Leiden, Und bleiben in Freuden; Sie scheinen ertödtet den äußeren Sinnen, Und führen das Leben des Glaubens von innen. 4. Wenn Christus, ihr Leben, wird offenbar werden, wenn er sich einst dar in der Herrlichkeit stellt, So werden sie mit ihm als Fürsten der Erden Auch herrlich erscheinen zum Wunder der Welt. Sie werden regieren, Mit ihm triumphiren, Den Himmel als 9 130 Wiedergeburt und Heiligung. prächtige Lichter auszieren; Da würd man die Freude gar offenbar spüren. 5. Frohlocke, du Erde, und jauchzet, ihr Hügel, Dieweil du den göttlichen Samen geneußt; Denn das ist des Ewigen göttliches Siegel, Zum Zeugniß, daß er dir noch Segen verheißt; Du sollst noch mit ihnen Aufs prächtigste grünen, Wenn erst ihr verborgenes Leben erscheinet, Wonach sich dein Seufzen mit ihnen vereinet. 6. Jesu, verborgenes Leben der Seelen, Du heimliche Zierde der inneren Welt! Laß deinen verborgenen Weg uns erwählen, Wenn gleich uns die Larve des Kreuzes entstellt; Hier übel genennet Und wenig erkennet, Hier heimlich mit Christo im Vater gelebet, Dort öffentlich mit ihm im Himmel geschwebet! Chr. F. Richter, † 1711. 134. Wie wohl ist mir, o Freund der Seele, Wenn ich in deiner Liebe ruh; Ich steige aus der Schwermuthshöhle Und eile deinen Armen zu: Da muß die Nacht des Trauerns scheiden, Wenn mit so angenehmen Freuden Die Liebe strahlt aus deiner Brust. Hier ist mein Himmel schon auf Erden; Wer wollte nicht vergnüget werden, Der in dir suchet Ruh und Lust? 2. Die Welt mag meine Feindin heißen: Es sei also! ich trau ihr nicht, Wenn sie mir gleich will Lieb erweisen Bei einem freundlichen Gesicht. In dir vergnügt sich meine Seele, Du bist mein Freund, den ich erwähle, Du bleibst mein Freund, wenn Freundschaft weicht; Der Welt Haß kann mich doch nicht 131 Mir 3. Will mich der Sünde Last erdrücken, Blitzt auf mich des Gesetzes Weh, Droht mir die Strafe schon im Rücken, So steig ich gläubig in die Höh Und flich in deine heilgen Wunden; Da hab ich schon den Ort gefunden, Wo mich kein Fluchstrahl treffen kann. Tritt alles wider mich zusammen, Du bist mein Heil, wer will verdammen? Die Liebe nimmt sich meiner an. 4. Führst du mich in die Kreuzeswüsten, Ich folg und lehne mich auf Dich; Du nährest aus den Wolkenbrüsten Und labest aus dem Felsen mich. Ich traue deinen Wunderwegen, Sie enden sich in Lieb und Segen: Genug, wenn ich dich bei mir hab! Ich weiß, wen du willst herrlich zieren Und über Sonn und Sterne führen, den führest du zuvor hinab. 5. Der Tod mag andern düster scheinen, Mir nicht, weil Seele, Herz und Muth In dir, der du verläsfest keinen, In dir, mein liebstes Leben, ruht. Wen macht des Weges End erzittern, Wenn aus Gefahr und Ungewittern Er eingeht in die Sicherheit? Mein Licht, so will ich auch mit Freuden, Aus dieser finstern Wildniß scheiden Zu deiner Ruh der Ewigkeit. Friede und Freude. fällen, Weil in den stärksten Unglückswellen deine Treu den Anker reicht. 6. Wie ist mir dann, o Freund der Seelen, So wohl, wenn ich mich lehn auf dich! Mich kann Welt, Noth und Tod nicht quälen, Weil du, mein Gott, vergnügest mich. Laß solche Ruh in dem Gemüthe Nach deiner unumschränkten Güte Des Himmels süßen Vorschmack sein. Weg, Welt, mit allen Schmeicheleien! Nichts kann als Jesus mich erfreuen. O reicher Trost: Mein Freund ist mein! Wolfg. Chr. Deßler. † 1722. 9* 1131119TE 132 Wiedergeburt und Heiligung. Mel.: Seelenbräutigam 2c. 135. Wer ist wohl wie du, Jesu, süße Ruh? Für uns alle auserkoren, Leben derer, die verloren, Und ihr Licht dazu, Jesu, süße Ruh! 2. Leben, das den Tod, Mich aus aller Noth Zu erlösen hat geschmecket, Meine Schuld hat zugedecket Und mich aus der Noth Hat geführt zu Gott! 3. Glanz der Herrlichkeit! Du bist vor der Zeit Zum Erlöser uns geschenket Und in unser Fleisch gesenket In der Füll der Zeit, Glanz der Herrlichkeit! 4. Großer Siegesheld! Tod, Sünd, Höll und Welt Hast du mächtig überwunden und ein ewig Heil erfunden Durch das Lösegeld Deines Bluts, o Held! 5. Höchste Majestät, König und Prophet! Deinen Scepter will ich küssen, Wie Maria dir zu Füssen Sißen früh und spät, Höchste Majestät! 6. Laß mich deinen Ruhm, als dein Eigenthum Durch des Geistes Licht erkennen, Stets in deiner Liebe brennen, Als dein Eigenthum, Allerschönster Ruhm! 1 7. Deiner Sanftmuth Schild, Deiner Demuth Bild Mir anlege, in mich präge, Daß kein Zorn noch Stolz sich rege; Vor dir sonst nichts gilt, Als dein eigen Bild. 8. Steure meinem Sinn, Der zur Welt will hin, Daß ich nicht mög von dir wanken, Sondern bleiben in den Schranken; Sei du mein Gewinn, Gib mir deinen Sinn! 9. Wecke mich recht auf, Daß ich meinen Lauf Unverrückt zu dir fortsetze Und mich nicht in seinem Neße Satan halte auf; Fördre meinen Lauf! 133 10. Deines Geistes Fund In die Seele gib, Daß ich wachen mög nf. um Freudig vor dein Antlig treten; Ungefärbte Viez in die Seele gib! 11. Wenn der Wellen Macht. In der trüben Nacht Will des Herzens Schifflein decken, Wollst du deine Hand ausstrecken; Habe auf mich Acht, Hüter in der Nacht! Bertrauen. 12. Einen Heldenmuth, Der da Gut und Blut Gern um deinetwillen lasse Und des Fleisches Lüste hasse, Gib mir, höchstes Gut, Durch dein theures Blut! 13. Solls zum Sterben gehn, Wollst du bei mir stehn, Mich durch Todesthal begleiten Und zur Herrlichkeit bereiten, daß ich einst mag sehn Mich zur Rechten stehn. 3. A. Freylinghausen,+ 1739. e. Vertrauen. 136. Von Gott will ich nicht lassen, Denn er läßt nicht von mir; Führt mich auf rechter Straßen, Sonst ging ich in der Frr; Er reicht mir seine Hand; Den Abend wie den Morgen Will er mich wohl versorgen, Wo ich auch sei im Land. 2. Wenn sich der Menschen Treue Und Wohlthat all verkehrt! So wird mir bald aufs neue Sein Macht und Gnad bewährt; Er hilft aus aller Noth, Befreit von Sünd und Schanden, Von Ketten und von Banden, Und wenns auch wär der Tod. 3. Auf ihn will ich vertrauen In meiner schweren Zeit; So kann mir gar nicht grauen, Er wendet alles Leid. Ihm sei es heimgestellt; Mein Leib, mein Seel, mein Leben Sei Gott, dem Herrn, ergeben; Er machs, wies ihm gefällt. 134 Wiedergeburt und Heiligung. Set 4. Es kann tu gefallen, Denn was mir nüßlich ist;& l w di mit uns allen, Schenkt uns den Herren en eingebornen Sohn; C Was Leib und Seel Durch ihn er uns vejcheret, ernähret; Lobt ihn im Himmelsthron! 5. Lobt ihn mit Herz und Munde. Die er uns beide schenkt; Das ist ein selge St. Darin man sein gedenkt; Sonst ist all unsre Zeit auf Erden; Wir sollen selig werden in Ewigkeit. erloren hier und bleibn 6. Auch wenn die Welt vergehet Mit ihrer stolzen Pracht, Nicht Ehr noch Gut bestehet, Das erst war groß geacht. Wir werden nach dem Tod Tief in die Erd begraben; Wenn wir geschlafen haben, Will uns erwecken Gott. 7. Tarum, ob ich schon dulde Hier Widerwärtigkeit, Wie ichs auch wohl verschulde, Kommt doch die Ewigkeit, Ist aller Freuden voll, Die, weil ich Christum kenne Und mich von ihm nicht trenne, Mir widerfahren soll. 8. Das ist des Vaters Wille, Der uns geschaffen hat; Sein Sohn hat Guts die Fülle Erworben uns und Gnad; Auch Gott der heilge Geist Im Glauben uns regieret, Zum Reich der Himmel führet; Drum sei er hoch gepreist! Ludwig Helmbold, † 1598. 137. In allen meinen Thaten Laß ich den Höchsten rathen, Der alles kann und hat; Er muß zu allen Dingen, Solls anders wohl gelingen, Selbst geben Rath und That. 135 2. Nichts ist es, spät und frühe, Um alle meine Mühe. Mein Sorgen ist umsonst; Er mags mit meinen Sachen Nach seinem Willen machen, Ich stells in seine Gunst. Vertrauen. 3. Es fann mir nichts geschehen, Als was er ausersehen, Und was mir selig ist. Ich nehm es, wie ers gibet; Was ihm von mir beliebet, Das hab ich auch erkiest. 4. Ich traue seiner Gnaden, Die mich vor allem Schaden, Vor allem Uebel schüßt. Leb ich nach seinen Sätzen, So wird mich nichts verlegen, Nichts fehlen, was mir nüßt. 5. Er wolle meiner Sünden' In Gnaden mich entbinden, Durchstreichen meine Schuld. Er wird auf mein Verbrechen Nicht stracks das Urtheil sprechen. Und haben noch Geduld. 6. Leg ich mich späte nieder, Erwach ich frühe wieder, Lieg oder zieh ich fort, In Schwachheit und in Banden, Und was mir stößt zu Handen, So tröstet mich sein Wort. 7. Hat er es denn beschlossen, So will ich unverdrossen An mein Verhängniß gehn; Kein Unfall unter allen Wird je zu hart mir fallen, Ich will ihn überstehn. 8. Ihm hab ich mich ergeben, Zu sterben und zu leben, Sobald er mir gebeut; Es sei heut oder morgen, Dafür laß ich ihn sorgen, Er weiß die rechte Zeit. 9. So sei nun, Seele, seine, Und traue dem. alleine, Der dich geschaffen hat! Es gehe, wie es gehe, Dein Vater aus der Höhe. Weiß allen Sachen Rath. P. Flemming, t 1640. 136 Wiedergeburt und Heiligung. 138. Gib dich zufrieden und sei stille In dem Gotte deines Lebens; In ihm ruht aller Freuden Fülle, Ohn ihn mühst du dich vergebens: Er ist dein Quell Und deine Sonne, Scheint täglich hell Zu deiner Wonne; Gib dich zufrieden. 2. Er ist voll Lichtes, Trost und Gnaden, Ungefärbten treuen Herzens; Wo er steht, thut dir keinen Schaden Auch die Bein des größten Schmerzens! Kreuz, Angst und Noth Kann er bald wenden, Já auch den Tod hat er in Händen; Gib dich zufrieden. 3. Wie dirs und andern oft ergehe; Ist ihm wahrlich nicht verborgen; Er sieht und kennet aus der Höhe Der betrübten Herzen Sorgen; Er zählt den Lauf der heißen Thränen Und faßt zu Hauf All unser Sehnen; Gib dich zufrieden. 4. Wenn gar kein Einger mehr auf Erden, Dessen Treue du darfst trauen, Alsdann will er dein Trenster werden Und zu deinem Besten schauen. Er weiß dein Leid Und heimlich Grämen, Auch weiß er Zeit, Dirs zu benehmen; Gib dich zufrieden. 5. Er hört die Seufzer deiner Seelen Und des Herzens stilles Klagen, Und was du keinem darfst erzählen, Magst du Gott gar fühnlich sagen: Er ist nicht fern, Steht in der Mitten, Hört bald und gern Der Armen Bitten; Gib dich zufrieden.* 6. Was sorgst du für dein armes Leben, Wie dus halten wollst und nähren? Der dir das Leben hat gegeben, Wird auch Unterhalt bescheren. Er hat die Hand Voll aller Gaben, Davon sich Land Und See muß laben; Gib dich zufrieden. 7. Sprich nicht: ich sehe keine Mittel: Wo ich such, ist nichts zum besten; Denn das ist Gottes 137 Ehrentitel: Helfen, wenn die Noth am größten. Wenn ich und du Ihn nicht mehr spüren, Schickt er sich zu, Uns wohl zu führen; Gib dich zufrieden. 8. Bleibt gleich die Hilf in etwas lange, Wird sie dennoch endlich kommen; Macht dir das Harren angst und bange, Glaube mir, es ist dein Frommen. Was langsam schleicht, Faßt man gewisser; Und was verzeucht, Ist desto süßer; Gib dich zufrieden. 9. Es kann und mag nicht anders werden, Alle Menschen müssen leiden; Was lebt und webet auf der Erden, Kann das Unglück nicht vermeiden. Des Kreuzes Stab Schlägt unsre Lenden Bis in das Grab, Da wird sichs enden; Gib dich zufrieden. Vertrauen. 10. Es ist ein Ruhetag vorhanden, Da uns unser Gott wird lösen; Er wird uns reißen aus den Banden Dieses Leibes und vom Bösen. Es wird einmal Der Tod herdringen und aus der Qual Uns sämmtlich bringen; Gib dich zufrieden. 11. Er wird uns bringen zu den Scharen Der Erwählten und Getreuen, Lie hier mit Frieden heint gefahren, Sich auch nun in Frieden freuen, Da sie den Grund, Der nicht kann brechen, Den ewgen Mund Selbst hören sprechen:. Gib dich zufrieden! P. Gerhardt, † 1676. 139. Warum sollt ich mich denn grämen? Hab ich doch Christum noch, Wer will mir den nehmen? Wer will mir den Himmel rauben, Den mir schon Gottes Sohn Beigelegt im Glauben? Nackend lag ich auf dem Boden, Da ich kam, Da ich nahm Meinen ersten Odem; Nackend 2. 138 Wiedergeburt und Heiligung: werd ich auch hinziehen, Wenn ich werd Von der Erd Als ein Schatten fliehen. 3. Gut und Blut, Leib, Seel und Leben Iſt nicht mein, Gott allein Ist es, ders gegeben. Will ers wieder zu sich kehren, Nehm ers hin, Ich will ihn Dennoch fröhlich ehren. 4. Schickt er mir ein Kreuz zu tragen, Dringt herein Angst und Pein, Sollt ich drum verzagen? Der es schickt, der wird es wenden; Er weiß wohl, Wie er soll All mein Unglück enden. 5. Gott hat mich bei guten Tagen Oft ergößt, Sollt ich jetzt nicht auch etwas tragen? Fromm ist Gott und schärft mit Maßen Sein Gericht, Kann mich nicht Ganz und gar verlassen. 6. Satan, Welt und ihre Rotten Können mir Nichts mehr hier Thun, als meiner spotten. Laß sie spotten, laß sie lachen! Gott, mein Heil, Wird in Eil Sie zu Schanden machen. 7. Unverzagt und ohne Grauen Soll ein Christ, Wo er ist Stets sich lassen schauen; Wollt ihn auch der Tod aufreiben, Soll der Muth Dennoch gut Und fein stille bleiben. 8. Kann uns doch kein Tod nicht tödten, Sondern reißt Unsern Geist Aus viel tausend Nöthen, Schleußt das Thor der bittern Leiden Und macht Bahn, Da man kann Gehn zu Himmelsfreuden. 9. Allda will in süßen Schätzen Ich mein Herz Auf den Schmerz Ewiglich ergößen. Hier ist kein recht Gut zu finden; Was die Welt In sich hält, Muß wie Rauch verschwinden. 10. Was sind dieses Lebens Güter? Eine Hand Voller Sand, Kummer der Gemüther. Dort, dort Vertrauen. 139 sind die edeln Gaben, Da mein Hirt Christus wird Mich ohn Ende laben. 11. Herr, mein Hirt, Brunn aller Freuden, Du bist mein, Ich bin dein, Niemand kann uns scheiden. Ich bin dein, weil du dein Leben Und dein Blut Mir zu gut In den Tod gegeben. 12. Du bist mein, weil ich dich fasse und dich nicht, mein Licht, Aus dem Herzen lasse. Laß Wo du mich Und ich P. Gerhardt, † 1676. mich, laß mich hingelangen, dich Ewig werd umfangen. Mel.: Herzlich thut mich verlangen 2c. 140. Befiehl du deine Wege Und, was dein Herze kränkt, Der allertreusten Pflege Deß, der den Himmel lenkt; Der Wolken, Luft und Winden Gibt Wege, Lauf und Bahn, Der wird auch Wege finden, Da dein Fuß gehen kann. 2. Dem Herren mußt du trauen, Wenn dirs soll wohlergehn; Auf sein Werk mußt du schauen, Wenn dein Werk soll bestehen. Mit Sorgen und mit Grämen Und mit selbsteigner Pein Läßt Gott sich gar nichts nehmen: Es muß erbeten sein. 3. Dein ewge Treu und Gnade, weiß und sieht, Was gut sei oder schade lichen Geblüt; Und was du dann erlesen, treibst du, starker Held, Und bringst zum Stand und Wesen, Was deinem Rath gefällt. O Vater, Dem sterbDas 4. Weg hast du allerwegen, An Mitteln fehlts dir nicht; Dein Thun ist lauter Segen, Dein Gang ist lauter Licht; Dein Werk kann niemand hindern, 140 Wiedergeburt und Heligung: Dein Arbeit darf nicht ruhn, Wenn du, was deinen Kindern Ersprießlich ist, willst thun. 5. Und obgleich alle Teufel Hier wollten widerSo wird doch ohne Zweifel Gott nicht zurücke stehn gehn; Was er sich vorgenommen, Und was er haben will, Das muß doch endlich kommen zu seinem Zweck und Ziel. 6. Hoff, o du arme Seele, Hoff und sei unverzagt! Gott wird dich aus der Höhle, Da dich der Kummer plagt, Mit großen Gnaden rücken; Erwarte nur die Zeit, So wirst du schon erblicken Die Sonn der schönsten Freud. ¹7. Auf! auf! gib deinem Schmerze Und Sorgen gute Nacht; Laß fahren, was das Herze Betrübt und traurig macht; Bist du doch nicht Regente, Der alles führen soll: Gott sigt im Regimente Und führet alles wohl. ¹8. Jhn, ihn laß thun und walten; Er ist ein weiser Fürst Und wird sich so verhalten, Taß du dich wundern wirst, Wenn er, wie ihm gebühret, Mit wunderbarem Rath Das Werk hinausgeführet, Das dich bekümmert hat. 9. Er wird zwar eine Weile Mit seinem Trost verziehn Und thun an seinem Theile, Als hätt in seinem Sinn Er deiner sich begeben, Und solltst du für und für In Angst und Nöthen schweben, Fragt er doch nichts nach dir. 10. Wirds aber sich befinden, Daß du ihm treu verbleibst, So wird er dich entbinden, am mindsten gläubst; Von der so schweren Last, Bisher getragen hast. Er Da dus wird dein Herze lösen Die du zu keinem Bösen 141 11. Wohl dir, du Kind der Treue, Du hast und trägst davon Mit Ruhm und Dankgeschreie Den Sieg und Ehrenfron! Gott gibt dir selbst die Palmen In deine rechte Hand, Und du singst Freudenpsalmen Dem, der dein Leid gewandt. 12. Mach End, o Herr, mach Ende An aller unsrer Noth; Stärk unsre Füß und Hände, Und laß bis den Tod Uns allzeit deiner Pflege Treu empfohlen sein, So gehen unsre Wege Gewiß zum Himmel ein. Und P. Gerhardt,+ 1676. Vertrauen. Mel.: Singen wir aus Herzens Grund 2c. 141. Auf den Nebel folgt die Sonn, Auf das Trauern Freud und Wonn, Auf die schwere, bittre Bein Stellt sich Trost und Labsal ein. Meine Seele, die zuvor Sanf bis zu des Todes Thor, Steigt nun bis zum Himmelschor. te 2. Gott läßt keinen traurig stehn, Noch mit Schimpf zurücke gehn, Der sich ihm zu eigen schenkt Und ihn in sein Herze sentt: Wer auf Gott sein Hoffnung setzt, Findet endlich und zuletzt, Was ihm Leib und Seel ergößt. i bildir dan 3. Kommts nicht heute, wie man will, nur ein wenig still: Ist doch morgen auch Da die Wohlfahrt kommen mag. Gottes Zeit hält ihren Schritt; Wenn die kommt, kommt unsre Bitt Und die Freude reichlich mit Sei man ein Tag, 4. Ach wie oftmals dacht ich doch, Da mir noch des Trübsals Joch Auf dem Haupt und Nacken 142 Wiedergeburt und Heiligung: saß, Und das Leid mein Herze fraß: Nun ist keine Hoffnung mehr, Auch kein Ruhen, bis ich kehr In das schwarze Todtenmeer! 5. Aber mein Gott wandt es bald, Heilt und hielt mich dergestalt, Daß ich, was sein Arm gethan, Nimmermehr gnug preisen kann. Da ich weder hier noch da Einen Weg zur Hülfe sah, Hatt ich seine Hülfe nah. 6. Als ich furchtsam und verzagt Mich mit schwerem Gram geplagt, Als ich manche liebe Nacht Mich mit Wachen krank gemacht, Als mir aller Muth entfiel, Tratst, mein Gott, du selbst ins Spiel, Gabst dem Unmaß Maß und Ziel. 7. Nun, so lang ich in der Welt Haben werde Haus und Zelt, Soll mir dieser Wunderschein Stets vor meinen Augen sein; Ich will all mein Lebenlang Meinen Gott mit Lobgesang Hierfür bringen Lob und Dank. 8. Allen Jammer, allen Schmerz, Den des ewgen Vaters Herz Mir schon jezo zugezählt Oder künftig auserwählt, Will ich hier in diesem Lauf Meines Lebens allzuhauf Frisch und freudig nehmen auf 9. Ich will gehn in Angst und Noth, Ich will gehn bis in den Tod, Ich will gehn ins Grab hinein Und doch allzeit fröhlich sein. Wem der Stärkste bei will stehn, Wen der Höchste will erhöhn, Kann nicht ganz zu Grunde gehn. p. Gerhardt, † 1676. Mel.: Valet will ich dir geben 2c. 142. Ist Gott für mich, so trete Gleich alles wider mich; So oft ich ruf und bete, Weicht alles Vertrauen. 143 hinter sich; Hab ich das Haupt zum Freunde Und bin geliebt bei Gott, Was kann mir thun der Feinde Und Widersacher Rott? 2. Nun weiß und glaub ich feste, Ich rühms auch ohne Schen, Daß Gott, der Höchst und Beste, Mein Freund und Vater sei: Und daß in allen Fällen Er mir zur Rechten steh Und dämpfe Sturm und Wellen Und was mir bringet Weh. 3. Der Grund, da ich mich gründe, Ist Christus und sein Blut Das machet, daß ich finde Das ewge wahre Gut. An mir und meinem Leben Ist nichts auf dieser Erd: Was Christus mir gegeben, Das ist der Liebe werth. 4. Mein Jesus ist mein Ehre, Mein Glanz und helles Licht; Wenn der nicht in mir wäre, Könnt ich bestehen nicht. In ihm kann ich mich freuen, Hab einen Heldenmuth, Darf kein Gerichte scheuen, Wie sonst ein Sünder thut. 5. Sein Geist wohnt mir im Herzen, Regieret meinen Sinn, Vertreibt mir Sorg und Schmerzen, Nimmt allen Kummer hin, Gibt Segen und Gedeihen Dem, was er in mir schafft, Hilft mir das Abba schreien Aus aller meiner Straft. 6. Und wenn an meinem Orte Sich Furcht und Schwachheit findt, So seufzt und spricht er Worte, Die auaussprechlich sind Mir zwar und meinem Munde, Gott aber wohl bewußt, Der an des Herzens Grunde Ersiehet seine Lust. 7. Sein Geist spricht meinem Geiste Manch süßes Trostwort zu, Wie Gott dem Hülfe leiste, Der bei ihm suchet Ruh, Und wie er hab erbauet Ein edle 144 Wiedergeburt und Heiligung. neue Stadt, Da Ang und Herze schauet, Was es geglaubet hat. 8. Da ist mein Theil, mein Erbe Mir prächtig zugericht; Wenn ich gleich fall und sterbe, Fällt doch mein Himmel nicht. Muß ich auch gleich hier feuchten Mit Thränen meine Zeit, Mein Jesus und sein Leuchten Durchfüßet alles Leid. 9. Die Welt die mag zerbrechen, Du stehst mir ewiglich; Nicht Feur und Schwert der Frechen Soll trennen mich und dich; Kein Hunger und kein Dürsten, Kein Armuth, keine Bein, Kein Zorn der großen Fürsten Soll mir ein Hindrung sein. 10. Kein Engel, feine Freuden. Kein Thron, kein Herrlichkeit, Kein Lieben und kein Leiden. Kein Angst, kein Herzeleid, Was man nur kann erdenken, Es sei klein oder groß, Der keines soll mich lenken Aus deinem Arm und Schooß. 11. Mein Herze geht in Sprüngen Und kann nicht traurig sein, st voller Freud und Singen, Sieht lauter Sonnenschein: Die Sonne, die mir lachet, Ist mein Herr Jesu Christ; Das, was mich fingen machet, Ist, was im Himmel ist. P. Gerhardt, † 1676. 143. Wer nur den lieben Gott läßt walten Und Den wird er wunderbar und Traurigkeit. Wer Gott, Der hat auf keinen Sand hoffet auf ihn allezeit, erhalten In aller Noth dem Allerhöchsten, traut, gebaut. shindra Vertrauen. 2. Was helfen uns die schweren Sorgen? Was hilft uns unser Weh und Ach? Was hilft es, daß wir alle Morgen Beseufzen unser Ungemach Wir machen unser Kreuz und Leid Nur größer durch die Traurigkeit. 145 2. Man halte nur ein wenig stille Und sei doch in sich selbst vergnügt, Wie unsers Gottes Gnadenwille, Wie sein Allwissenheit es fügt. Gott, der uns ihm hat auserwählt, Der weiß auch sehr wohl, was. uns fehlt. 4. Er kennt die rechten Freudenstunden, Er weiß wohl, wenn es nüßlich sei; Wenn er uns nur hat treu erfunden Und merket keine Heuchelei, So kommt Gott, eh wirs uns versehn, Und lässet uns viel Guts geschehn. 5. Denk nicht in deiner Drangsalshiße, Daß du von Gott verlassen seist, Und daß ihm, der im Schooße size, Der sich mit stetem Glücke speiſt; Die Folgezeit verändert viel Und sezet jeglichem sein Ziel. 6. Es sind ja Gott sehr leichte Sachen, Und ist dem Höchsten alles gleich, Den Reichen klein und arm zu machen, Den Armen aber groß und reich; Gott ist der rechte Wundermann, Der bald erhöhn, bald stürzen kann. 7. Sing, bet' und geh auf Gottes Wegen, Verricht das Deine nur getreu Und trau des Himmels reichem Segen, So wird er bei dir werden neu; Denn welcher seine Zuversicht Auf Gott setzt, den verläßt er nicht. G. Neumark,+ 1681. 10 146 Wiedergeburt und Heiligung. 144. Was Gott thut, das ist wohlgethan Es bleibt gerecht sein Wille; Wie er fängt meine Sachen an, Will ich ihm halten stille. Er ist mein Gott, Der in der Noth Mich wohl weiß zu erhalten; Drum laß ich ihn nur walten. 2. Was Gott thut, das ist wohlgethan; Er kann ja nimmer trügen, Er führet mich auf rechter Bahn; So laß ich mir gnügen An seiner Huld Und hab Geduld, Er wird mein Unglück wenden; Es steht in seinen Händen. 3. Was Gott thut, das ist wohlgethan; Er wird mich wohl bedenken; Er, als mein Arzt, der helfen kann, Wird mir nicht Gift einschenken Für Arzenei; Gott ist getreu: Drum will ich auf ihn bauen und seiner Güte trauen. 4. Was Gott thut, das ist wohlgethan; Er ist mein Licht und Leben, Der mir nichts Böses gönnen kann; Ich will mich ihm ergeben In Freud und Leid; Es kommt die Zeit, Da öffentlich erscheinet, Wie treulich er es meinet. 5. Was Gott thut, das ist wohlgethan; Muß ich den Kelch gleich schmecken, Der bitter ist nach meinem Wahn, Laß ich mich doch nicht schrecken, Weil doch zuletzt Ich werd ergößt Mit süßem Trost im Herzen; Da weichen alle Schmerzen. 6. Was Gott thut, das ist wohlgethan; Dabei will ich verbleiben; Es mag mich auf die rauhe Bahn Noth, Tod und Elend treiben, So wird Gott mich Ganz väterlich In seinen Armen halten; Drum laß ich ihn nur walten. S. Rodigast, † 1708. Lieder für besondere Zeiten und Verhältnisse. 147 XIV. Tieder für besondere Beiten und Verhältnisse. Beruf. Mel: Erschienen ist der herrlich zc. 145. Das walte Gott, der helfen kann! Mit Gott fang ich mein Arbeit an, Mit Gott nur geht es glücklich fort; Drum ist auch dies mein erstes Wort: Das walte Gott! 2. All mein Beginnen, Thun und Werk Erfordert von Gott Kraft und Stärk; Mein Herz sucht Gottes Angesicht; Drum auch mein Mund mit Freuden spricht: Das walte Gott! 3. So Gott nicht hilft, so kann ich nichts; Wo Gott nicht gibet, da gebrichts; Gott gibt und thut mir alles Guts; Drum sprech ich nun auch guten Muths: Das walte Gott! 4. Will Gott mir etwas geben hier, So will ich dankbar sein dafür: Auf sein Wort werf ich aus mein Nez Und sag in meiner Arbeit stets: Das walte Gott! 5. Anfang und Mitte sammt dem End Stell ich allein in Gottes Händ; Er gebe, was mir nüßlich ist; Drum sprech ich auch zu jeder Frist: Das walte Gott! 6. Legt Gott mir seinen Segen bei Nach seiner großen Güt und Treu, So gnügets mir zu jeder Stund; Drum sprech ich auch von Herzensgrund: Das walte Gott! 10* 148 Lieder für besondere Zeiten und Verhältnisse. 7. Trifft mich ein Unglück: unverzagt! Ift doch mein Werk mit Gott gewagt: Er wird mir gnädig stehen bei: Drum dieß auch meine Losung sei: Das walte Gott! 8. Er kann mich segnen früh und spat, Bis all mein Thun ein Ende hat; Er gibt und nimmt, machts, wie er will; Drum sprech ich auch fein in der Still: Das walte Gott! 9. Gott steht mir bei in aller Noth Und gibt mir auch mein täglich Brot; Nach seinem alten Vaterbrauch Thut er mir Guts; Drum sprech ich auch: Das walte Gott! 10. Nichts glücket ohne Gottes Gunst, Nichts hilft Verstand, Wiß oder Kunst; Mit Gott gehts fort, geräth auch wohl, Daß ich kann sagen glaubensvoll: Das walte Gott! 11. Theilt Gott was mit aus Gütigkeit, So acht ich keiner Feinde Neid: Laß hassen, wers nicht Das lassen kann; Ich stimme doch mit Freuden an: walte Gott! 12. Thu ich denn was mit Gottes Rath, Der mir beistehet früh und spat, Dann alles wohl gerathen muß: Drum sprech ich nochmals zum Beschluß: Das walte Gott! J. Betichius, um 1700. Ehe und Hausstand. Mel.: Wie schön leuchtet der 2c. 146. Wie schön ists doch Herr Jesu Christ, Im Stande, da dein Segen ist, Im Stande heilger Ehe! The und Hausstand. 149 Wie steigt und neigt sich deine Gab Und alles Gut so mild herab Aus deiner heilgen Höhe, An dich Orden Wenn sich Die im Fleißig halten Jung und Alten, Eines Lebens einig worden. 2. Wenn Mann und Weib sich wohl verstehn Und unverrückt zusammengehn Im Bunde reiner Treue, Da geht das Glück in vollem Lauf, Da sieht man, wie der Engel Hauf Im Himmel selbst sich freue. Kein Sturm, Kein Wurm Kann zerschlagen, Kann zernagen, Was Gott gibet Dem Paar, das in ihm fich liebet. 3. Sei gutes Muths! nicht Menschenhand Hat aufgerichtet solchen Stand: Es ist ein höhrer Vater; Der hat uns je und je geliebt und bleibt, wenn unsre Sorg uns trübt, Der beste Freund und Rather. Anfang, Ausgang Aller Sachen, Die zu machen Wir gedenken, Wird er wohl und weislich lenken. 4. Zwar bleibts nicht aus, es kommt ja wohl Ein Stündlein, da man Leides voll Die Thränen lässet fließen: Doch wer sich still und in Geduld Ergibt, deß Leid wird. Gottes Huld In großen Freuden schließen. Zage, Trage Nur ein wenig! Unser König Wird behende Machen, daß die Angst sich wende. 5. Wohl denn, mein König, nah herzu; Gib Rath in Kreuz, in Nöthen Ruh, In Aengsten Trost und Freude! Deß sollst du haben Ruhm und Preis; Wir wollen singen bester Weis Und danken alle beide, Bis wir Bei dir, Deinen Willen Zu erfüllen, Deinen Namen Ewig loben werden. Amen! P. Gerhardt, † 1676. 150 Lieder für besondere Zeiten und Verhältnisse. In eigener Melodie oder: So führst du doch recht 2c. O 147 jelig Haus, wo man dich aufgenommen, Du wahrer Seelenfreund, Herr Jesu Christ! Wo unter allen Gästen, die da kommen, Du der gefeiertste und liebste bist; Wo aller Herzen dir entgegenschlagen Und aller Augen freudig auf dich sehn; Wo aller Lippen dein Gebot erfragen Und alle deines Winks gewärtig stehn. 2. O selig Haus, wo Mann und Weib in einer In deiner Lieb eines Geistes sind, Als beide eines Heils gewürdigt, feiner Im Glaubensgrunde anders ist gesinnt; Wo beide unzertrennbar an dir hangen In Lieb und Leid, Gemach und Ungemach, Und nur bei dir zu bleiben stets verlangen, An jedem guten, wie am bösen Tag. 3. Oselig Haus, wo man die lieben Kleinen Mit Händen des Gebets ans Herz dir legt, Tu Freund der Kinder, die sie als die Seinen Mit mehr als Mutterliebe hegt und pflegt; Wo sie zu deinen Füßen gern sich sammeln Und horchen deiner süßen Rede zu Und lernen früh dein Lob mit Freuden stammeln, Sich deiner freun, du lieber Heiland du! 4. selig Haus, wo Knecht und Magd dich kennen Und wissend, wessen Augen auf sie sehn, Bei allem Werk in einem Eifer brennen, Daß es nach deinem Willen mag geschehn; Als deine Diener, deine Hausgenossen, In Demuth willig und in Liebe frei, Laß Ihre schaffen, froh und unverdrossen, In kleinen Dingen zeigen große Treu. 5. Oselig Haus, wo du die Freude theilest, Wo man bei keiner Freude dein vergißt; Oselig Haus, Allgemeine Noth. 151 wo du die Wunden heilest Und aller Arzt und aller Tröster bist, Bis jeder einst sein Tagewerk vollendet, Und bis sie endlich alle ziehen aus Dahin, woher der Vater dich gesendet, Ins große, freie, schöne Vaterhaus! K. J. Ph. Spitta, † 1859. Allgemeine Noth. 148. Wenn wir, in höchster Noth und Bein, Nicht wissen mehr, wo aus noch ein, Und finden weder Hilf noch Rath, Ob wir gleich Sorgen früh und spat: 2. So ist dieß unser Trost allein, Daß wir zusammen insgemein Anrufen dich, o treuer Gott, Um Rettung aus der Angst und Noth; 3. Und heben unser Aug und Herz Zu dir in wahrer Reu und Schmerz Und bitten um Begnadigung Und aller Strafen Linderung, 4. Die du verheißest gnädiglich All denen, die drum bitten dich Im Namen des Herrn Jesu Christ, Der unser Heil und Mittler ist. 5. Drum kommen wir, o Herre Gott, Und flagen dir all unsre Noth, Weil wir jetzt stehn verlassen gar In großer Trübsal und Gefahr. 6. Sieh nicht an unsre Sünden groß, Sprich uns davon in Gnaden los; Steh uns in unserm Elend bei, Mach uns von allen Plagen frei: 7. Auf daß von Herzen können wir Nachmals mit Freuden danken dir, Gehorsam sein nach deinem Wort, Dich allzeit preisen hier und dort. P. Eber, † 1569. 152 Lieder für besondere Zeiten und Verhältnisse. Mel.: Da Christus geboren 2c. Deiner 149. Trener Wächter Israel, Deß sich freuet Leib und Seel, Der du weißest alles Leid armen Christenheit; O du Wächter, der du nicht Schläfft noch schlummerst, zu uns richt Dein hilfreiches Angesicht! 2. Schau, wie große Noth und Qual Trifft dein Volk jetzt überall! Täglich wird der Trübfal mehr; Hilf, ach hilf, schüß deine Ehr! Ach, wir Arme, wir vergehn, Trost wir nicht vor Augen sehn, Wo du nicht bei uns wirst stehn! 3. Kläglich schreien wir zu dir, Klopfen an die Gnadenthür, Wir, die du zu deinem Ruhm Haft erkauft zum Eigenthum: Dein Erbarmen hat kein End, Deines Vaters Zorn abwend, Der jetzt wie ein Feuer brennt. 4. Jesu, der du Jesus heißt, Als ein Jesus Hilfeleist! Hilf mit deiner starken Hand, Menschenhilf hat sich gewandt; Eine Maur um uns bau, Daß dem Feinde davor grau Und mit Zittern sie anschau. 5. Höchster Hort, Immanuel, Du Beschüßer meiner Seel, Gott mit uns in aller Noth, Gott um uns und in uns Gott, Gott für uns zu aller Zeit! Troß dem, der uns thu ein Leid; Gottes Straf ist ihm bereit. 6. Dit, des Vaters starker Arm, Komm, und unser dich erbarm! Laß jetzt sehen deine Macht, Drauf wir hoffen Tag und Nacht; Aller Feinde Rotten trenn, Daß dich alle Welt erkenn, Aller Herren Herrn dich nenn. 7. Du bist ja der Held und Mann, Der den Kriegen steuern kann, Der da Spieß und Schwert 153 zerbricht, Der die Bogen macht zunicht, Der die Wagen gar verbrennt, Der der Menschen Herzen wendt, Daß der Krieg gewinnt ein End. 8. Jesu wahrer Friedefürst, Der der Schlange Kopf zerknirscht Und durch seinen Kreuzestod Frieden wiederbracht bei Gott, Gib uns Frieden gnädiglich! So wird dein Volk freuen sich, Dafür ewig preisen dich. I, Heermann, † 1647. Nernte. Aernte. Mel.: O daß ich tausend zc. 150. O Gott, von dem wir alles haben, Die Welt ist ein sehr großes Haus; Du aber theilest deine Gaben Recht wie ein Vater drinnen aus. Dein Segen macht uns alle reich: Ach, lieber Gott, wer ist dir gleich? 2. Wer kann die Menschen alle zählen, Die heut bei dir zu Tische gehn? Doch muß die Nothdurft keinem fehlen; Denn du weißt allen vorzustehn Und schaffest, daß ein jedes Land Sein Brot bekommt aus deiner Hand. 3. Du machst, daß man auf Hoffnung säet Und endlich auch die Frucht genießt. Der Wind, der durch die Felder wehet, Die Wolke, die das Land begießt, Des Himmels Thau, Der Sonne Strahl Sind deine Diener allzumal. 4. Und also wächst des Menschen Speise, Der Acker selbst wird ihm zu Brot; Es mehret sich vielfältger Weise, Was anfangs schien, als wär es todt, Bis in der Aernte Jung und Alt Erlanget seinen Unterhalt. Lieder für besondere Zeiten und Verhältnisse. 5. Nun, Herr, wer kanns genug bedenken? Der Wunder sind hier gar zu viel. So viel, als du kann niemand schenken, Und dein Erbarmen hat kein Ziel; Denn immer wird uns mehr beschert, Als wir zusammen alle werth. 154 6. Wir wollen es auch nie vergessen, Was uns dein Segen träget ein; Ein jeder Bissen, den wir essen, Soll deines Namens Denkmal sein; Und Herz und Mund soll lebenslang Für unsre Nahrung sagen Dank. 6. Neumann, † 1715. Mel.: Was Gott thut, das ist zc. 151. Was Gott thut, das ist wohlgethan: So denken Gottes Kinder, Wenn man nicht reichlich ärnten kann, Liebt er uns doch nicht minder. Er zieht das Herz Nur himmelwärts, Ob wir gleich oft auf Erden Bei Mangel traurig werden. 2. Was Gott thut, das ist wohlgethan; Im Nehmen und im Geben Sind wir bei ihm stets wohl daran Und können ruhig leben. Er nimmt und gibt, Weil er uns liebt, Und seine Hände müssen Wir stets in Demuth küssen. 3. Was Gott thut, das ist wohlgethan; Er zeigt uns oft den Segen, Und ehe man ihn ärnten kann, Muß sich die Hoffnung legen; Weil er allein der Schaß will sein, So nimmt er andre Güter, Und bessert die Gemüther. 4. Was Gott thut, das ist wohlgethan; Es geh nach seinem Willen; Und läßt sichs auch zum Hunger So weiß er ihn zu stillen. Obgleich das Feld an, 155 Nicht Aernte hält, Man kann bei wenig Gaben Satt werden und sich laben. Reise. 5. Was Gott thut, das ist wohlgethan; Das Feld mag traurig stehen, Wir gehn getroft auf seiner Bahn Und wollen ihn erhöhen. Sein Wort verschafft Uns Lebenskraft, Es nennt uns Gottes Erben: Wie können wir verderben? 6. Was Gott thut, das ist wohlgethan: So wollen wir stets schließen; Ist gleich bei uns kein Canaan, Wo Milch und Honig fließen, Doch haben wir Genug allhier, Wenn Gott das Wen'ge segnet Und uns mit Huld begegnet. Nach B. Schmold,+ 1737. Reise. Mel.: In allen meinen Thaten 2c. 152. Ich zieh in ferne Lande, Zu nüßen einem Stande, Zu dem mich Gott bestellt; Sein Segen wird mich lassen, Was gut und recht ist, fassen, Zu dienen seiner Welt. 2. Gott wird zu diesen Reisen Gewünschten Fortgang weisen, Wohl helfen hin und her; Gesundheit, Heil und Leben, Zeit, Wind und Wetter geben Und alles nach Begehr. 3. Sein Engel, der getreue, Macht meine Feinde scheue, Tritt zwischen mich und sie; Durch seinen Schuß, den frommen, Bin ich so weit gekommen Und weiß doch fast nicht wie. 4. Leg ich mich späte nieder, Erwach ich frühe wieder, Lieg oder zieh ich fort, In Schwachheit und in Banden, Und was mir stößt zu Handen, So tröstet mich sein Wort. 156 Lieder für besondere Zeiten und Verhältnisse. 5. Hat er es denn beschlossen, So will ich unverdrossen Än mein Verhängniß gehn; Kein Unfall unter allen Wird je zu hart mir fallen: Ich will ihn überstehn. 6. Ihm hab ich mich ergeben, zu sterben und zu leben, Sobald er mir gebent; Es sei heut oder morgen, Dafür laß ich ihn sorgen; Er weiß die rechte Zeit. 7. Gefällt es seiner Güte, Und sagt mir mein Gemüthe Nicht was vergeblich zu, So werd ich Gott noch preisen Mit manchen schönen Weisen Daheim in meiner Ruh. 8. Indeß wird er den Meinen Mit Segen auch erscheinen, Ihr Schuß wie meiner sein, Wird. beiderseits gewähren, Was unser Wunsch und Zähren Ihn bitten insgeheim. 9. So sei nun, Seele, seine, Und trane dem Der dich erschaffen hat! Es gehe, wie es Dein Vater in der Höhe Weiß allen Sachen P. Flemming, † 1640.. alleine, gehe: Rath. Krankheit. Mel.: Welt, ich muß dich lassen 2c. 153. Ich hab in guten Stunden Des Lebens Glück empfunden und Freuden ohne Zahl: So will ich denn gelassen Mich auch in Leiden fassen; Welch Leben hat nicht seine Qual? 2. Ja, Herr, ich bin ein Sünder, Und stets strafft du gelinder, Als es der Mensch verdient. Sollt ich, beschwert mit Schulden, Kein zeitlich Weh erdulden, Das doch zu meinem Besten dient? Die letzten Dinge. 157 3. Dir will ich mich ergeben, Nicht meine Ruh, mein Leben Mehr lieben, als den Herrn! Dir, Gott, will ich vertrauen Und nicht auf Menschen bauen; Du hilfft, und du errettest gern. 4, Laß du mich Gnade finden, Mich alle meine Sünden Erkennen und bereun. Jetzt hat mein Geist noch Kräfte; Sein Heil laß mein Geschäfte, Dein Wort mir Trost und Hilfe sein. 5. Wenn ich in Christo sterbe, Bin ich des Himmels Erbe, Was schreckt mich Grab und Tod? Auch auf des Todes Pfade Vertrau ich deiner Gnade; Du, Herr, bist bei mir in der Noth. 6. Ich will dem Kummer wehren, Gott durch Geduld verehren, Im Glauben zu ihm flehn. Ich will den Tod bedenken; Der Herr wird alles lenken, Und was mir gut ist, wird geschehn. Chr. F. Gellert, † 1769. XV. Die letzten Dinge. A. Tod. ● 154. Wenn mein Stündlein vorhanden ist, Und ich soll fahrn mein Straße, Geleit du mich, Herr Jefu Christ, Mit Hilf mich nicht verlasse! Mein Seel an meinem letzten End Befehl ich dir in deine Händ; Du wollst sie mir bewahren. 2. Mein Sünde mich wird kränken sehr Und mein Gewissen nagen; Denn ihr ist viel, wie Sand am Meer, Doch will ich nicht verzagen; Will denken in der letzten Noth, Herr Jesu Christ, an deinen Tod; Der wird mich wohl erhalten. Die letzten Dinge. 3. Ich bin ein Glied an deinem Leib, Deß tröst ich mich von Herzen; Von dir ich ungeschieden bleib In Todesnoth und Schmerzen; Wenn ich gleich sterb, so sterb ich dir: Ein ewig Leben hast du mir mit deinem Tod erworben. 158 4. Weil du vom Tod erstanden bist, Werd ich im Grab nicht bleiben; Mein höchster Trost dein Auffarth ist, Kann Todesfurcht vertreiben; Denn wo du bist, da komm ich hin, Daß ich stets bei dir leb und bin; Drum fahr ich hin mit Freuden. Nicolaus Hermann, † 1561. 155. Christus ist mein Leben, Sterben iſt mein Gewinn; Dem hab ich mich ergeben, Mit Fried fahr ich dahin. 2. Mit Freud fahr ich von dannen Zu Christ dem Bruder mein, Daß ich mög zu ihm kommen Und ewig bei ihm sein. 3. Nun hab ich überwunden Kreuz, Leiden, Angst und Noth; Durch seine heilgen Wunden Bin ich versöhnt mit Gott. 4. Wenn meine Kräfte brechen, Mein Athem geht schwer aus, Und kann kein Wort mehr sprechen, Nimm, Herr, mein Seufzen auf. 5. Wenn mein Herz und Gedanken Zergehn als wie ein Licht, Das hin und her muß wanken, Wenn ihm die Flamm gebricht: 6. Alsdann fein sanft und stille Laß mich, Herr, schlafen ein, Wie es deine Rath und Wille, Wenn kommt mein Stündelein. Tod. 7. Ach, laß mich gleich den Reben Anhangen dir. allzeit Und ewig bei dir leben In HimmelsWonn und Freud. Vor 1608. 159 156. Freu dich sehr, o meine Seele, Und vergiß all Noth und Qual, Weil dich Christus nun, dein Herre, Ruft aus diesem Jammerthal. Aus Trübsal und großem Leid Sollst du fahren in die Freud, Die kein Ohr hat je gehöret, Die in Ewigfeit auch währet. 2. Tag und Nacht hab ich gerufen Zu dem Herren, meinem Gott, Weil mich stets viel Kreuz betroffen, Daß er mir hülf aus der Noth. Wie sich sehnt ein Wandersmann Nach dem Ende seiner Bahn, So hab ich gewünschet eben, Daß sich enden mög mein Leben. 3: Denn gleichwie die Rosen stehen Unter Dornen spißig gar, Also auch die Christen gehen Stets in Aengsten und Gefahr. Wie die Meereswellen sind Und der ungestüme Wind, hier auf Erden Also ist allUnser Lauf voll von Beschwerden. 4. Wenn die Morgenröth aufgehet Und der Schlaf sich von uns wendt, Sorg und Kummer uns umstehet, Müh, sich findt an allem End; Unsre Thränen sind das Brot, So wir essen früh und spat; Wenn die Sonne nicht mehr scheinet, Herz und Aug noch klagt und weinet. 160 Die letzten Dinge. 5. Drum, Herr Christ, du Morgensterne, Der du ewiglich aufgehst, Sei du jetzt von mir nicht ferne, Weil dein Blut mich hat erlöst. Hilf, daß ich mit Fried und Freud Mög hinfahren aus der Zeit; Ach, sei du mein Licht und Straße, Mich mit Beistand nicht verlasse! 6. Ob mir schon die Augen brechen, Das Gehör auch gar verschwindt Und mein Zung nichts mehr kann sprechen, Mein Verstand sich nichts besinnt: Bist du doch mein Licht, mein Hort, Leben, Weg und Himmelspfort; Du wirst selig mich regieren Und die Bahn zum Himmel führen. 7. Freu dich sehr, o meine Seele, Und vergiß all Noth und Qual, Weil dich Christus nun, dein Herre, Ruft aus diesem Jammerthal. Seine Freud und Herrlichkeit Sollst du sehn in Ewigkeit, Mit den Engeln jubiliren Und auf ewig triumphiren. K. v. Warnberg(?), vor 1620, 157. Balet will ich dir geben, Du arge, falsche Welt; Dein sündlich böses Leben Durchaus mir nicht gefällt. Im Himmel ist gut wohnen, Hinauf steht mein Begier; Da wird Gott herrlich lohnen Dem, der ihm dient allhier. 2. Rath mir nach deinem Herzen, O Jesu, Gottes Sohn! Soll ich ja dulden Schmerzen, Hilf mir, Herr Christ, davon; Verkürz mir alles Leideu, Stärk meinen blöden Muth; Laß selig mich abscheiden, Schenk mir dein ewig Gut. £ 161 3. In meines Herzens Grunde Dein Nam und Kreuz allein Funkelt all Zeit und Stunde: Drauf kann ich fröhlich sein. Erschein mir in dem Bilde, Zum Trost in meiner Noth, Wie du dich, Herr, so milde Geblutest hast zu Tod. 4. Verbirg mein Seel aus Gnaden In deine offne Seit: Rück sie aus allem Schaden Zu deiner Herrlichkeit. Der ist wohl hier gewesen, Wer kommt ins Himmelsschloß; Der ist ewig genesen, Wer bleibt in deinem Schooß. Tod. 5. Herr, meinen Namen schreibe Ins Buch des Lebens ein; Laß mich an deinem Leibe Ein Glied mit jenen sein, Die hoch im Himmel grünen Und vor dir leben frei: So will ich ewig rühmen, treu dein Herze sei. Daß V. Herberger,+ 1627. Mel.: Herzlich thut mich verlangen 2c. 158. Ich hab mich Gott ergeben, Dem liebsten Vater mein; Hier ist kein Immerleben, Es muß geschieden sein. Der Tod kann mir nicht schaden, Er ist nur mein Gewinn; In Gottes Fried und Gnaden Fahr ich mit Freud dahin. 2. Mein Weg geht jetzt vorüber; O Welt, was acht ich dein! Der Himmel ist mir lieber, Da muß ich gehen ein Und mich nicht mehr beladen, Weil ich wegfertig bin; In Gottes Fried und Gnaden Fahr ich mit Freud dahin. 1 3. Ach, selge Freud und Wonne Hält mir der Herr bereit, Da Christus ist die Sonne Der ewgen Seligkeit. Was kann mir doch nun schaden, Weil 11 162 Die letzten Dinge. ich bei Christo bin? In Gottes Fried und Gnaden Fahr ich mit Freud dahin. 4. Gesegn euch Gott ihr Meinen, allzumal! Um mich sollt ihr nicht weinen; von feiner Qual. Ihr Liebsten Ich weiß Was Christus euch beschieden, Laßt nicht aus euerm Sinn; In Gottes Gnad und Frieden Fahrt dann auch ihr dahin. 3. Siegfried, † 1637. Mel.: Herzlich thut mich verlangen 2c. 159. Ich bin ein Gast auf Erden Und hab hier teinen Stand: Der Himmel soll mir werden, Da ist mein Vaterland. Hier reis ich nur zum Grabe, Dort in der ewgen Ruh Ist Gottes Gnadengabe; Die schleußt all Arbeit zu. 2. Was ist mein ganzes Wesen Von meiner Jugend an, Als Müh und Noth gewesen? So lang ich denken kann, Hab ich so manchen Morgen, So manche liebe Nacht Mit Kummer und mit Sorgen Des Herzens zugebracht. 3. So gings den lieben Alten, Au deren Fuß und Pfad Wir uns noch täglich halten, Wenns fehlt an gutem Rath. Sie zogen hin und wieder, Ihr Kreuz war immer groß, Bis daß der Tod sie nieder Legt in des Grabes Schooß. 4. Ich habe mich ergeben In gleiches Glück und Leid: Was will ich besser leben In dieser Zeitlichkeit? Es muß ja durchgedrungen, Es muß gelitten sein; Wer nicht hat wohl gerungen, Geht nicht zur Freud hinein. 5. So will ich zwar nun treiben Mein Leben durch die Welt, Doch denk ich nicht zu bleiben In 163 diesem fremden Zelt; Ich wandre meine Straße, Die zu der Heimath führt, Da mich ohn alle Maße Mein Vater trösten wird. Tob. 6. Mein Heimath ist dort oben, Da aller Engel Schar Den großen Herrscher loben, Der alles ganz und gar In seinen Händen träget Und für und für erhält, Auch alles hebt und leget, Nachdems ihm wohlgefällt. 7. Zu dem steht mein Verlangen, Da wollt ich gerne hin; Die Welt bin ich durchgangen, Daß ichs fast müde bin; Je länger ich hier walle, Je wenger find ich Freud, Die meinem Geist gefalle; Das Meist ist Eitelkeit. 8. Die Herberg ist zu böse, Der Trübsal ist zu viel: Ach, komm, mein Gott, und löse Mein Herz, wenn dein Herz will! Komm, mach ein selig Ende An meiner Wanderschaft, Und was mich fränkt, das wende Durch deinen Arm und Kraft. 9. Wo ich bisher gesessen, Ist nicht mein rechtes Haus; Wenn mein Ziel ausgemessen, So tret ich dann hinaus, Und was ich hier gebrauchet, Das leg ich alles ab, Und wenn ich ausgehauchet, So scharrt man mich ins Grab. 10. Du aber, meine Freude, Du meines Lebens Licht, Du zeuchst mich, wenn ich scheide, Hin vor dein Angesicht, Ins Haus der ewgen Wonne, Da ich stets freudenvoll, Gleich als die helle Sonne, Nächst andern leuchten soll. 11. Da will ich immer wohnen. Und nicht nur als ein Gast, Bei denen, die mit Kronen Du ausgeschmücket hast; Da will ich herrlich singen deinem großen Thun Und, frei von schnöden Dingen, In meinem Erbtheil ruhn. P. Gerhardt, † 1676. 11* Von 164 Die letzten Dinge. 160 Wer weiß, wie nahe mir mein Ende! Hin geht die Zeit, her kommt der Tod; Ach, wie geschwinde und behende Kann kommen meine Todesnoth! Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut! 2. Es kann vor Nacht leicht anders werden, Als es am frühen Morgen war; Denn weil ich leb auf dieser Erden, Leb ich in steter Todsgefahr. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut! 3. Herr, lehr mich stets mein End bedenken Und, wenn ich einmal sterben muß, Die Seel in Jesu Tod versenken Und ja nicht sparen meine Buß. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut! 4. Laß mich bei Zeit mein Haus bestellen, Daß ich bereit sei für und für Und sage frisch in allen Fällen: Herr, wie du willst, so schicks mit mir! Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut! De 5. Ach, Herr, mach süße mir den Himmel Und bitter mir die Lust der Welt; Gib, daß mir in dem Weltgetümmel Die Ewigkeit sei vorgestellt. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut! sit this 6. Ach, Vater, deck all meine Sünde Mit dem Verdienste Jesu zu, Darauf ich mich festgläubig gründe; Das gibt mir recht erwünschte Ruh. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut!) and? motoro SHOO 7. Nichts ist, das mich von Jesu scheide, Nichts, Begräbnißlieder: 165 es sei Leben oder Tod; Ich leg die Hand in seine Seite Und sage: O mein Herr und Gott! Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut! di ille) star dis 8. Ich habe Jesum angezogen Schon längst in meiner heilgen Tauf; Dubist mir auch daher gewogen, Hast mich zum Kind genommen auf. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut. 9. Ich habe Jeju Leib gegessen, Ich hab sein Blut getrunken hier; Nun kannst du meiner nicht vergessen! Ich bleib in ihm, und er in mir. Mein Gott ich bitt- durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut!! 10. So komm mein End heut oder morgen: Ich weiß, daß mirs mit Jesu glückt; Ich bin und bleib in deinen Sorgen, Mit Jesu Gnaden schön geschmückt. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut! 11. Ich leb indeß in dir vergnüget Und sterb ohn alle Kümmerniß; Mir guüget, wie mein Gott es füget; Ich glaub und bin es ganz gewiß: Durch deine Guad und Christi Blut Machst dus mit meinem Ende gut. Gräfin Aemilie Juliana von Rudolstadt, † 1706. and abond Begräbnißlieder. m noi Eigne Mel oder: Herr, ich habe mißgehandelt zc. 161 Ruhet wohl, ihr Todtenbeine, In der stillen Da der Einsamkeit! Ruhet, bis das End erscheine, Herr euch zu der Freud Rufen wird aus enern Grüften Zu den freien Himmelslüften. 2 TOTUR ANTHO 2. Nur getrost, ihr werdet leben, Weil das 166 Die letten Dinge. Leben, euer Hort, Die Verheißung hat gegeben Durch sein theuer werthes Wort! Die in seinem Namen sterben Sollen nicht im Tod verderben. 3. Und wie sollt im Grabe bleiben, Der ein Tempel Gottes war? Den der Herr ließ einverleiben Seiner auserwählten Schar, Die er selbst mit ſeinem Sterben Hat gemacht zu Himmelserben? 4. Nein, die kann der Tod nicht halten, Die des Herren Glieder sind; Muß der Leib im Grab erkalten, Da man nichts als Asche findt: Wenn des Herren Hauch drein bläset, Grünet neu, was hier verweſet. 5. Jesus wird, wie er erstanden, Auch die Seinen einst mit Macht Führen aus des Todes Banden, Führen aus des Grabes Nacht Zu dem ewgen Himmelsfrieden, Den er seinem Volk beschieden. 6. Ruhet, wohl ihr Todtenbeine In des Grabes Dunkelheit! Ruhet, bis der Herr erscheine An dem Ende dieser Zeit! Da sollt ihr mit neuem Leben Herrlich ihm entgegen schweben. F. C. Hiller, † 1726. Mel.: Nun laßt uns den Leib 2c. 162. Nun bringen wir den Leib zur Ruh Und decken ihn mit Erde zu, Den Leib, der nach des Schöpfers Schluß zu Staub und Erde werden muß. 2. Er bleibt nicht immer Asch und Staub, Nicht immer der Verwesung Raub; Er wird, wenn Christus einst erscheint, Mit seiner Seele nen vereint. 3. Hier, Mensch, hier lerne, was du bist; Lern hier, was unser Leben ist. Nach Sorge, Furcht und mancher Noth Kommt endlich noch zuletzt der Tod. 167 4. Schnell schwindet unsre Lebenszeit; Auf Sterben folgt die Ewigkeit. Wie wir die Zeit hier angewandt, So folgt der Lohn aus Gottes Hand. So währen Reichthum, Ehr und Glück, Wie wir selbst, einen Augenblick; So währt auch Kreuz und Traurigkeit, Wie unser Leben, kurze Zeit. 6. O sichrer Mensch, besinne dich! Tod, Grab und Richter nahen sich. In allem, was du denkst und thust, Bedenke, daß du sterben mußt. 7. Hier, wo wir bei den Gräbern stehn, Soll jeder zu dem Vater flehn: Ich bitt, o Gott, durch Christi Blut, Machs einst mit meinem Ende gut. Begräbnißlieder. 8. Laßt alle Sünden uns bereuen, Vor unserm Gott uns findlich scheuen. Wir sind hier immer in Gefahr; Nehm jeder seine Seele wahr! 9. Wenn unser Lauf vollendet ist, So sei uns nah, Herr Jesu Christ! Mach uns das Sterben zum Gewinn; Zieh unsre Seelen zu dir hin. 10. Und wenn du einst, du Lebensfürst, Die Gräber mächtig öffnen wirst, Dann laß uns fröhlich auferstehn Und dort dein Antlig ewig sehn. Ehrenfr. Liebich, † 1780. Eigne Mel. oder: Jesus Christus, unser Heiland xc. 163. Auferstehn, ja auferstehn wirst du, Mein Staub, nach kurzer Ruh! der dich schuf, dir geben. Unsterbliches Leben Wird, Halleluja! 2. Wieder aufzublühn, werd ich gefäet! Der Herr der Aernte geht Und sammelt Garben Uns ein, uns ein, die starben! Halleluja! 168 Die letzten Dinge. 3. Tag des Dants, der Freudenthränen Tag! Du meines Gottes Tag! Wenn ich im Grabe Genug geschlummert habe, Erweckst du mich! Der 4. Wie den Träumenden wirds dann uns sein; Mit Jesu gehn wir ein Zu seinen Freuden! müden Pilger Leiden Sind dann nicht mehr. 5. Ach, ins Allerheiligste führt mich Mittler dann, lebt ich Im Heiligthume Zu seines Namens Ruhme. Halleluja! Mein F. G. Klopstock, † 1803. Beim Tode von Ehegatten. Mel.: Wenn mein Stündlcin 2c. 164. Ach Gott, ich muß in Traurigkeit Mein Leben nun beschließen, Dieweil der Tod von meiner Seit So eilends, hat gerissen Mein treues Herz, der Tugend Schein; Deß muß ich jetzt beraubet sein; Wer kann mein Elend wenden? 2. Wenn ich an ihre Freundlichkeit Gedenk in meinem Herzen, Die sie mir hat zu jeder Zeit, In Freud und auch in Schmerzen Erwiesen ganz beständiglich, Mein Kreuz und Weinen mehret sich, Vor Angst möcht ich vergehen. 3. Bei wem soll ich auf dieser Welt Rechtschaffne Liebe finden? Der meiste Theil nicht Glauben hält, Die Treu will gar verschwinden. Ich glaub und red es ohne Scheu: Die best ist doch getrante Tren; Die muß ich jetzt entrathen. bid 4. Fürwahr, mir geht ein scharfes Schwert Jegund durch meine Seele, Die abzuscheiden oft begehrt Aus ihres Leibes Höhle; Wo du nicht, Beim Tode von Ehegatten. 169 o Herr Jesu Christ, In solchem Kreuz mein Tröster bist, Muß ich vor Leid verzagen. mist 5. treugeliebtes selig Herz, Zu dir will ich mich wenden In diesem meinem großen Schmerz, Ob sich mein Angst wollt wenden; Ich will betrachten deinen Stand, Wie Gott dir alles Kreuz gewandt. In höchste Freud und Wonne. 6 Kein Angst, kein Trübsal, Weh und Noth Kann dich jezund verlegen; Im Himmel will der fromme Gott Mit Liebe dich ergößen. Die Seele schaut mit Lust und Freud Den Herrn in seiner Herrlichkeit Mit allen Auserwählten. 7. Du kommst nicht wieder her zu mir In dieß betrübte Leben, Ich aber komm hinauf zu dir: Da werd ich mit dir schweben In höchster Freude, Wonn und Lust, Die deine Seele täglich kost; Drauf ich mich herzlich freue.[ 1] 8. wie mit großer Freudigkeit Wolln wir einander kennen; Da wird uns dann zu keiner Zeit Der bittre Tod mehr trennen. Ach, welche Freude wird dann sein, Wenn ich dich, die ich jetzt bewein, Mit Freuden werd umfangen. 9. Dieß will ich stets in meinem Leid Mir zu Gemüthe führen, Erwarten in Geduld der Zeit, Wie Christen will gebühren. Gott alles Trostes steh bei mir und mich durch seinen Geist regier, Zu seines Namens Ehren. bindur 3. Heermann,+ 1617 Mel: Wer nur den lieben Gott 2c. 165. Betrübtes Herze, sei zufrieden, Ob dich schon tausend Kummer plagt: Der Himmel bleibt dir doch Die legten Dinge. beschieden, Den dir dein Jesus zugesagt; Kein Kummer, feine Noth und Bein Kann dir, mein Herz, im Wege sein. 170 2. Zwar schwimmest du in heißen Thränen, Das ist der Wittwen täglich Brot; Du quälest dich mit bangem Sehnen, Denn dein Geliebter ist ja todt: Jsts möglich, wenn das Herz entzwei, Daß noch der Mensch lebendig sein? 3. Die Krone fiel von deinem Haupte, Der Baum starb, so dir Schatten gab; Die Sonne, die kein Nebel raubte, Geht unter und sinkt in ihr Grab: O welch ein Schmerz, welch eine Nacht, In welche dich der Tod gebracht! 4. Die armen Waisen stehn verlassen, Wie Schäflein, wenn der Hirte fehlt; Ihr Herze weiß sich nicht zu fassen, Indem es sieht, was deines quält; Ihr fragend Wort, ihr Schmerzensblick Ruft dir, was du verlorst, zurück. 5. So weine nur, betrübtes Herze, Und klage Gott dein schweres Leid; Er ist auch in dem größten Schmerze Mit seiner Hilf und Trost bereit; Er ists, der, was dich jetzt erfüllt, Er ists, der deinen Jammer stillt. 6. Drum halte ein mit deinen Thränen, Verfinke nicht in ihrem Meer; Es bringt kein Klagen und kein Sehnen Dir, was du wünschest, wieder her; Doch wirst du, glaub, es wird geschehn, Einst, den du liebest, wiedersehn. 7. Ta wird fein Tod die Herzen scheiden, Kein Kummer um das Lager stehn; Da werdet ihr in tausend Freuden Auf Salems schönen Höhen gehn Beim Tode von Kindern. 171 Und, heller als der Sterne Schein, Mann, Weib und Kinder ewig sein. 8. Indessen stille dein Gemüthe, Dein Jesus forget selbst für dich; Er hört der frommen Wittwen Bitte, Sein treues Herz erbarmet sich; Er ist und bleibet allezeit Auch dir mit Hilf und Trost bereit. G. B. Scharff, † 1744. Beim Tode von Kindern. Mel.: Ermuntre dich, mein 2c. 166. Du bist zwar mein und bleibest mein; Wer will mirs anders sagen? Doch bist du nicht nur mein allein! Der Herr von ewgen Tagen, Der hat das meiste Recht an dir, Der fordert und erhebt von mir Dich, o mein Kind, mein Wille, Mein Herz und Wunsches Fülle. 2, Ach, gält es Wünschen, wollt ich dich, Du Sternlein meiner Seelen, Vor allem Weltgut ewiglich Mir wünschen und erwählen; Ich wollte sagen:„ Bleib bei mir; Du sollst sein meines Hauses Zier; An dir will ich mein Lieben Bis in mein Sterben üben." 3. So sagt mein Herz und meint es gut, Gott aber meints noch besser; Groß ist die Lieb in meinem Muth, In Gott ist sie noch größer. Ich bin ein Vater und nichts mehr,- Gott ist der Väter Haupt und Ehr, Ein Quell daraus die Jungen Und Alten sind entsprungen. 4. Ich sehne mich nach meinem Sohn, Und der mir ihn gegeben, Will, daß er nah an seinem Thron Im Himmel folle leben. Ich sprech: ach weh, mein Licht verschwindt! Gott spricht: willkomm, du liebes 172 Die lesten Dinge. Kind; Dich will ich bei mir haben Und ewig reichlich laben. Gr 5. süßer Rath, o schönes Wort Und heilger, als wir denken! Bei Gott ist ja kein böser Ort. Kein Unglück und kein Kränken, Kein Angst, kein Mangel, kein Versehn; Bei Gott kann keinem Leid geschehn; Wen Gott versorgt und liebet, Wird nimmermehr betrübet. 6. Ach, dürft ich doch von ferne stehn Und nur ein wenig hören, Wenn deine Sinne sich erhöhn Und Gottes Namen ehren, Der heilig, heilig, heilig ist, Durch den auch du geheiligt bist; Ich weiß, ich würde müssen Vor Freuden Thränen gießen. 7. Nun es sei ja und bleib also! Ich will nicht um dich weinen; Du lebst und bist von Herzen froh, Siehst lauter Sonnen scheinen, Die Sonnen ewger Freud und Ruh: Da leb und bleib nur immerzu; Wills Gott, will ich mit andern Auch bald hinüber wandern.atis faslla 20 P. Gerhardt,+ 1676. 6.ir Taispol Mel.: Herzlich thut mich, verlangen 2c bi na 167. So hab ich obgesieget, Mein Lauf ist nun vollbracht: Ich bin gar wohl vergnüget; Nun tausend gute Nacht! Ihr aber, meine Lieben, Thut nicht so ängstiglich; Was wollt ihr euch betrüben? Stehts doch sehr gut um mich. 2. Fahr hin, o Angst und Schmerzen, Fahr immer, immer hin! Ich freue mich von Herzen, Daß ich erlöset bin; Ich leb in tausend Freuden In meines Schöpfers Hand: Mich trifft und rührt kein, Leiden, So dieser Welt bekannt. 173 Gericht und Ewigkeit. 3. Die noch auf Erden wallen In irrthumsvoller Zeit, Vermögen kaum zu lallen Von froher Ewigkeit. Viel besser, wohl gestorben, Als in der Welt gelebt; Die Schwachheit ist verdorben, Worinnen ich geschwebt.jun dop inste 4. Zum Schmucke bringt mir Kränze, Damit mein Sarg noch prangt; Aus jenem Himmelslenze Hat meine Seel erlangt Die ewig grüne Krone; Die werthe Siegespracht Rührt her von Gottes Sohne; Der hat mich so bedacht. 05. Noch neßet ihr die Wangen, Ihr Aeltern, über mir; Euch hat das Leid umfangen, Das Herze bricht euch schier. Des Vaters trene Liebe Sieht sehnlich in mein Grab; Die Mutter stehet trübe Und kehrt die Augen ab. 6. Ich war euch nur geliehen Auf eine kurze Zeit; Gott will mich zu sich ziehen, Drum werfet hin das Leid Und sprecht: Gott hats gegeben, Gott hats zu nehmen Macht; Er nimmts zum ewgen Leben; Er hat es wohlgemacht. G. W. Sacer, † 1699. 3. Gericht und Ewigkeit. 168. Wachet auf! ruft uns die Stimme Der Wächter sehr hoch auf der Zinne, Wach auf, du Stadt Jerusalem! Mitternacht heißt diese Stunde; Sie rufen uns mit hellem Munde: Wo seid ihr klugen Jungfrauen? Wohlauf, der Bräutgam kömmt! Steht auf, die Lampen nehmt! Halleluja! Macht euch bereit Zu der Hochzeit; Ihr müsset ihm entgegengehn. Die letzten Dinge. 2. Zion hört die Wächter singen; Das Herz will ihr vor Freude springen, Sie wachet und steht eilend auf. Ihr Freund kommt vom Himmel prächtig, Von Gnaden stark, von Wahrheit mächtig; Ihr Licht wird hell, ihr Stern geht auf. Nun komm, du werthe Kron, Herr Jesu, Gottes Sohn! Hosianna! Wir folgen all Zum Freudensaal Und halten mit das Abendmahl. 174 3. Gloria sei dir gesungen Mit Menschen- und mit Engelzungen, Mit Harfen und mit Cymbeln schön. Von zwölf Perlen sind die Thore An deiner Stadt, wir stehn im Chore Der Engel hoch um deinen Thron. Kein Aug hat je gesehn, Kein Ohr hat je gehört Solche Freude; Drum jauchzen wir Und singen dir Das Halleluja für und für. Ph. Nicolai,+ 1608. 169. Jerusalem, du hochgebaute Stadt, Wollt Gott, ich wär in dir! Mein sehnlich Herz so groß Verlangen hat Und ist nicht mehr bei mir. Weit über Berg und Thale, Weit über flaches Feld Schwingt es sich über alle Und eilt aus dieſer Welt. 2. O schöner Tag und noch viel schönre Stund, Wann wirst du kommen schier, Da ich mit Lust und freiem Freudenmund Die Seele geb von mir In Gottes trene Hände, Zum auserwählten Pfand, Daß fie mir Heil anlände In jenem Vaterland? 3. Im Augenblick wird sie erheben sich das Firmament, Wenn sie verläßt so sanft, so wunder fich Die Stätt der Element, Fährt auf Eliä Wagen, Bis an Gericht nub Ewigkeit. 175 Mit heilger Engel Schar, Die sie in Händen tragen, Umgeben ganz und gar. 4. Ehrenburg, sei nun gegrüßet mir, Thu auf der Gnaden Pfort! Wie große Zeit hat mich verlangt nach dir, Eh ich bin kommen fort Aus jenem bösen Leben, Aus jener Nichtigkeit, Und mir hat Gott gegeben Das Erb der Ewigkeit! 5. Was für ein Volk, was für ein edle Schar Kommt dort gezogen schon? Was in der Welt von Auserwählten war, Seh ich, die beste Kron, Die Jesus mir, der Herre, Entgegen hat gesandt, Da ich noch war von ferne In meinem Thränenland. 6. Propheten groß und Patriarchen hoch, Auch Christen insgemein, Die weiland trugen dort des Kreuzes Joch Und der Tyrannen Pein, Schau ich in Ehren schweben, In Freiheit überall, Mit Klarheit hell umgeben, Mit sonnenlichtem Strahl. 7. Wenn dann zuletzt ich angelandet bin Ins schöne Paradeis, Von höchster Freud erfüllet wird der Sinn, Der Mund von Lob und Preis: Das HalleLuja reine Man fingt in Heiligkeit, Das Hosianna feine Ohn End in Ewigkeit. 8. Mit Jubelklang, mit Instrumenten schön, In Chören ohne Zahl, Daß von dem Schall und von dem süßen Ton Sich regt der Freudensaal, Mit hunderttausend Zungen, Mit Stimmen noch vielmehr, Wie von Anfang gesungen Das selge Himmelsheer. J. M. Meyfart, † 1642. O 170. wie selig seid ihr doch, ihr Frommen, Die ihr durch den Tod zu Gott gekommen! Ihr seid entgangen Aller Noth, die uns noch hält gefangen. 176 Die letzten Dinge. 2. Muß man hier doch wie im Kerker leben, Da nur Sorge, Furcht und Schrecken schweben; Was wir hier kennen, Ist nur Müh und Herzeleid zu nennen. 3. Ihr dagegen ruht in eurer Kammer, Sicher und befreit von allem Jammer: Kein Kreuz und Leiden Ist euch hinderlich in euern Freuden. 4. Christus wijchet ab euch alle Thränen; Ihr habt das schon, wornach wir uns sehnen; Euch wird gesungen, Was in keines Ohr allhier gedrungen. 5. Ach, wer wollte denn nicht gerne sterben Und den Himmel für die Welt ererben? Wer wollt hier bleiben, Sich vom Jammer länger lassen treiben? 6. Komm, o Christe, fomm uns auszuspannen: Lös uns auf und führ uns bald von dannen! Bei dir, o Sonne, Ist der frommen Seelen Freud und Wonne. S. Dach, † 1659. nije 171. Jejus, meine Zuversicht Und mein Heiland, ist im Leben; Dieses weiß ich, sollt ich nicht Darum mich zufrieden geben, Was die lange Todesnacht Mir auch für Gedanken macht? 2. Jesus, er, mein Heiland, lebt; Ich werd auch das Leben schauen, Sein, wo mein Erlöser schwebt, Warum sollte mir denn grauen? Lässet auch ein Haupt sein Glied, Welches es nicht nach sich zieht? 3. Ich bin durch der Hoffnung Band Zu genau mit ihm verbunden; Meine starke Glaubenshand Wird in ihn gelegt befunden, Daß mich auch kein Todesbann Ewig von ihm trennen kann. Gericht und Ewigkeit. 177 4. Ich bin Fleisch und muß daher Auch einmal zu Asche werden, Dieß gesteh ich; Doch wird er Mich erwecken aus der Erden, Daß ich in der Herrlichkeit Um ihn sein mög allezeit. 5. Was hier kranket, seufzt und fleht, wird dort frisch und herrlich gehen; Irdisch werd ich ausgesät, Himmlisch werd ich auferstehen; Hier geh ich natürlich ein, Dort, da werd ich geistlich sein. 6. Seid getroft und hocherfreut, Jesus läßt nicht seine Glieder; Gebt nicht Statt der Traurigkeit: Sterbt ihr, Christus ruft euch wieder, Wenn einst die Posaun erklingt, Die auch durch die Gräber dringt. 7. Lacht der finstern Erdenkluft, Lacht des Todes und der Höllen; Denn ihr sollt euch aus der Gruft Euerm Heiland zugesellen; Dann wird Schwachheit und Verdruß Liegen unter eurem Fuß. 8. Nur daß ihr den Geist erhebt Von den Lüsten dieser Erden, Und euch dem schon jetzt ergebt, Dem ihr beigefügt sollt werden; Schickt das Herze da hinein, Wo ihr ewig wünscht zu sein. Luise Henriette, Churfürstin von Brandenburg, † 1667. 172.o Ewigkeit, du Donnerwort, O Schwert, das durch die Seele bohrt, Anfang sonder Ende! O Ewigkeit, Zeit ohne Zeit! Ich weiß vor großer Traurigkeit Nicht, wo ich mich hinwende. Mein ganz erschrocknes Herz erbebt, Wenn mir dieß Wort im Sinne schwebt. 2. Kein Unglück ist in aller Welt, Das endlich mit der Zeit nicht fällt, Nicht endlich muß vergehen; Nur die unselge Ewigkeit Ist ohne Maße, Ziel und 12 178 Die letzten Dinge. Zeit, Bleibt unverändert stehen; Ja, wie mein Heiland selber spricht: Ihr Wurm und Feuer stirbet nicht. 3. Ewigkeit, du machst mir bang! O ewig, ewig ist zu lang! Hier gilt fürwahr kein Scherzen. Drum wenn ich diese lange Nacht Zusammt der großen Bein betracht, Erschreck ich recht von Herzen. Nichts ist zu finden weit und breit So schrecklich, als die Ewigkeit. 4. Ach, Gott, wie bist du so gerecht, Wie strafest du den bösen Knecht So hart mit ewgen Schmerzen! Auf kurze Sünden dieser Welt Hast du so lange Bein bestellt: Ach, nimm es wohl zu Herzen! Bedenk es oft, o Menschenkind: Kurz ist die Zeit, der Tod geschwind. 5. Wach auf, o Mensch, vom Sündenschlaf; Ermuntre dich, verlornes Schaf, Und beffre bald dein Leben! Wach auf, es ist sehr hohe Zeit; Es kommt heran die Ewigkeit, Dir deinen Lohn zu geben; Vielleicht ist heut der letzte Tag; Wer weiß doch, wie er sterben mag! 6. Ewigkeit, du Donnerwort, O Schwert, das durch die Seele bohrt, Anfang sonder Ende! Ewigkeit, Zeit ohne Zeit, Sch weiß vor großer Traurigkeit Nicht, wo ich mich hinwende. Nimm du mich, wenn es dir gefällt, Herr Jesu, in dein Frendenzelt! Joh. Rist, † 1667. 173. Alle Menschen müssen sterben, Alles Fleisch vergeht wie Heu; Was da lebet, muß verderben, Soll es auders werden neu. Dieser Leib, der muß verwesen, Gericht und Ewigkeiti 179 Wenn er anders soll genesen Der so großen Herrlichkeit, Die den Frommen ist bereit. 2. Drum so will ich dieses Leben, Weil es meinem Gott beliebt, Auch ganz willig von mir geben, Bin darüber nicht betrübt; Denn in meines Jesu Wunden Hab ich schon Erlösung funden, Und mein Trost in Todesnoth Ist des Herren Jesu Tod. 3. Christus ist für mich gestorben, Und sein Tod ist mein Gewinn; Er hat mir das Heil erworben, Drum fahr ich mit Freuden hin, Hin aus diesem Weltgetümmel In den schönen Gotteshimmel, Da ich werde allezeit Schauen Gottes Herrlichkeit. 4. Da wird sein das Freudenleben, Da viel tausend Seelen schon Sind mit Himmelsglanz umgeben, Dienen Gott vor seinem Thron; Da die Seraphinen prangen Und das hohe Lied anfangen: Heilig, heilig, heilig heißt Gott der Vater, Sohn und Geist. 5. Da die Patriarchen wohnen, Die Propheten allzumal; Wo auf ihren Ehrenthronen Sizet der Apostel Zahl; Wo in so viel tausend Jahren Alle Frommen hingefahren, Da wir unserm Gott zu Ehren Ewig Halleluja hören. 6. Jerusalem, du schöne, Ach wie helle glänzest du! Ach, wie lieblich Lobgetöne Hört man da in sanfter Ruh! der großen Freud und Wonne! Jezund gehet auf die Sonne, Jeßund gehet an der Tag, Der keine Ende nehmen mag. 7. Ach, ich habe schon erblicket Alle diese Herrlichkeit; Jezzo werd ich schön geschmücket Mit dem weißen Himmelskleid ,. Mit der güldnen Ehrenkron, Stehe da vor Gottes Throne, Schaue solche Freude an, Die tein Ende nehmen kann. J. G. Albinus, † 1679. 12* 180 Die letzten Dinge. Mel.: Ich hab mein Sach Gott heimgestellt 2c. 174. Wie fleucht dahin der Menschen Zeit, Wie eilet man zur Ewigkeit! Wie wenig denken an die Stund Von Herzensgrund, Wie schweigt davon der träge Mund! 2., Das Leben ist gleichwie ein Traum, Ein nichtger leerer Wasserschaum; Im Augenblick es bald vergeht Und nicht besteht, Gleichwie ihr dieses täglich seht. 3. Nur du, Jehova, bleibest mir, Das, was du bist: ich traue dir. Laß Berg und Hügel fallen hin, Mir ist Gewinn, Wenn ich allein bei Jefu bin. 1 4. So lang ich in der Hütten wohn, So lehre mich, o Gottes Sohn! Gib, daß ich zähle meine Tag Und munter wach, Daß, eh ich sterb, ich sterben mag. 5. Was hilft die Welt in letzter Noth? Lust, Ehr und Reichthum in dem Tod? O Mensch, du läufst dem Schatten zu! Das merke du, Du kommst sonst nicht zu wahrer Ruh. 6. Weg, Eitelkeit, der Thoren Lust! Mir iſt das höchste Gut bewußt; Das such ich nur, das bleibet mir; O mein Begier, Herr Jesu, zeuch mein Herz nach dir! 7. Was wird das sein, wenn ich dich seh Und bald vor deinem Throne steh? Du unterdessen lehre mich, Daß stetig ich Mit klugem Herzen suche dich. J. Neander,+ 1680. Mel.: Jesu, der du meine Seele 2c. 175. O wie fröhlich, o wie selig Werden wir im Himmel sein! Droben ärnten wir unzählig Unfre Gericht und Ewigkeit. Freudengarben ein. Gehen wir hier hin und weinen, Dorten wird die Sonne scheinen; Dort ist Tag und keine Nacht, Wo man nach den Thränen lacht. 181 2. Ach, wer sollte sich nicht sehnen, Bald in Zion dort zu stehn Und aus diesem Thal der Thränen An den Freudenort zu gehn, Wo das Kreuze sich in Palmen, Unser Klagelied in Psalmen, Unfre Laſt in Lust verkehrt Und das Jauchzen ewig währt. 3. O wie werden wir so schöne Bei der Klarheit Gottes sein! Wie wird uns das Lobgetöne Seiner Engelschar erfreun! Wie wird unsre Krone glänzen Bei so vielen Siegeskränzen! Wie wird unser Kleid so rein, Heller, als die Sonne sein! 4. Ach, wann werd ich dahin kommen, Daß ich Gottes Antlitz schau? Werd ich nicht bald aufgenommen In den schönen Himmelsbau, Dessen Grund den Perlen gleichet, Dessen Glanz die Sonne weichet, Dessen wundervolle Pracht Alles Gold beschämet macht? 5. Nun, so stille mein Verlangen, O du großer Lebensfürst! Laß mich bald dahin gelangen, Wo du mich recht trösten wirst. Unterdessen laß auf Erden Schon mein Herz recht himmlisch werden, Bis mein Loos in jener Welt Auf das allerschönste fällt. Benj. Schmold, † 1737. Mel.: Wie wohl ist mir, o Freund 2c. 176. Es ist noch eine Ruh vorhanden: Auf müdes Herz, und werde Licht! Du seufzest hier in deinen Banden, Und deine Sonne scheinet nicht. Sieh auf das Lamm, das dich mit Freuden Dort wird vor seinem 182 Die letzten Dinge. Stuhle weiden: Wirf hin die Last und eil ihm zu; Bald ist der heiße Kampf geendet, Bald, bald der saure Lauf vollendet: So gehst du ein zu deiner Ruh. 2. Die Ruhe hat Gott auserkoren, Die Ruhe, die kein Ende nimmt; Er hat, da noch kein Mensch geboren, Die Liebe sie uns schon bestimmt. Der gute Hirte wollte sterben, Uns diese Ruhe zu erwerben. Er ruft, er locket weit und breit: Ihr müden Seelen und ihr Frommen, Versäumet nicht, heut einzukommen Zu meiner Ruhe Lieblichkeit 3. So kommet denn, ihr matten Seelen, Die manche Last und Bürde drückt; Eilt, eilt aus euern Kummerhöhlen, Geht nicht mehr müde und gebückt. Ihr habt des Tages Last getragen, Dafür läßt euch der Heiland sagen: Ich selbst will eure Ruhstatt sein. Ihr seid sein Volk, gezeugt von oben; Ob Sünde, Welt und Hölle toben, Seid nur getrost, und gehet ein. 4. Da wird man Frendengarben bringen; Denn unsre Thränensaat ist aus. O, welch ein Jubel wird erklingen Und süßer Ton im Vaterhaus! Schmerz, Seufzen, Leid wird ferne weichen, Es wird kein Tod uns mehr erreichen, Wir werden den Erlöser sehn; Die Thräne wird vom Aug er wischen, Sein Lebensstrom wird uns erfrischen; Wer weiß, was sonst noch soll geschehn! 5. Kein Durst noch Hunger wird uns schwächen; Denn die Erquickungszeit ist da; Die Sonne wird uns nicht mehr stechen, Der Herr ist seinem Volke nah. Er selbst will über ihnen wohnen Und ihre Treue wohl belohnen Mit Licht und Trost, mit Ehr und Preis. Es werden die Gebeine grünen, Der große Sabbath ist erschienen, Da man von keiner Arbeit weiß. Gericht und Ewigkeit. 183 6. Da ruhen wir und sind in Frieden, Und leben ewig sorgenlos Ach, fasset dieses Wort, ihr Müden; Legt euch dem Heiland in den Schooß! Ach, Flügel her! wir müssen eilen Und uns nicht länger hier verweilen; Dort wartet schon die frohe Schar. Fort, fort, mein Geist, zum Jubiliren: Auf, gürte dich zum Triumphiren! Auf, auf, es kommt das Ruhejahr; J. S. Kunth, 1779. Gebete. I. Gebete am Morgen, Mittag und Abend. Morgen. Auf alle Tage. 1. Wir danken dir, Herr Gott, himmlischer Vater, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, daß du uns diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitten dich, du wollest uns diesen Tag auch behüten vor Sünden und vor allem Ucbel, daß dir all unser Leben und Thun gefalle; denn wir befehlen uns, unsern Leib und Seele und alles in deine Hand; dein heilger Engel sei mit uns, daß der böse Feind keine Macht an uns finde. Amen. 2. Ewiger, allmächtiger Gott und Vater! Ich sage dir von Herzen Lob und Dank, daß du mich auch wieder in der vergangenen Nacht vor allem Uebel und aller Gefahr Leibes und der Seele gnädiglich behütet, und bitte dich von Grund meines Herzens, vergib mir meine Sünde, womit ich dich je erzürnet habe, und zünde mein Herz an mit deinem heiligen Geist, daß ich in deiner Erkenntniß täglich zunehme und wachse. Verleihe mir auch Gnade, daß ich mich diesen Tag vor Sünden und Schande hüte und in deinem göttlichen Willen erfunden werde, damit ich also wandeln möge, daß ich, Morgen. vor allem Uebel behütet, dich stets und ohne Unterlaß in meinem Herzen und Gedanken behalte. Und wenn endlich mein Sterbestündlein sich nahet und ich von hinnen scheiden soll, so reiche mir deine Hand und laß mich im Vertrauen auf deine Gnade und auf das Verdienst meines lieben Herrn und Heilandes felig entschlafen zu dem ewigen Leben. Amen. 185 3. Ich danke dir, Herr, von ganzem Herzen, daß du mich bisher so gnädig erhalten und auch die vergangne Nacht so väterlich behütet hast. Ach Vater, vergib mir auch um Jesu Christi willen alle meine Sünde und nimm mich diesen Tag in deinen Schuß. Regiere und erleuchte die Augen meines Verstandes durch deinen heilgen Geist, daß ich im Lichte wandle, auch nichts denke, rede oder thue, als was dir wohlgefällig iſt. Behüte mich vor aller Gefahr und jedem Unfall, daß meine Tritte nicht gleiten, und segne durch deine Güte all mein Thun und alle Werke meiner Hände. Unterweise mich, daß ich bewahre dein Gesetz und es halte von ganzem Herzen, Erneuere mich im Geiste meines Gemüthes, daß ich mich dieser Welt nicht gleich stelle, sondern verleugne das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüfte. Laß mich nicht murren über deine Züchtigung, aber auch nicht stolz werden, wenn du mich segnest; richte alle meine Gedanken und Begierden auf den Himmel, und lehre du mich selbst immer besser deinen heiligen Willen vollbringeu. Begleite mich in allen Veränderungen meines Lebens, daß ich willig hinnehme, was du mir sendest, und alles zu meinem wahren Heile gereiche. Sei, lieber himmlischer Vater, auch mit allen den Meinen; erfreue fie mit deinem himmlischen Segen, und laß sie deinen 186 Gebet am Morgen, Mittag und Abend. Beistand zu allem Guten, deine Kraft auf dem Wege der Heiligung, deine Hilfe und deinen Trost in allen Nöthen reichlich erfahren. Ja, hilf uns, Gott unser Helfer, um deines Namens Ehre willen. Hilf uns, so ist uns geholfen. Schaffe Frieden allen betrübten Gewissen; hilf den Armen und Nothleidenden und allen, die keinen Helfer haben. Sättige die durstigen Seelen und erfülle die Hungrigen mit Gütern. Laß uns leben in deiner Furcht und, wenn unsere Stunde gekommen ist, selig abscheiden in deinem Frieden. Amen. 4. Barmherziger gnädiger Gott, du Vater des ewigen Lichtes und Trostes, dessen Güte und Treue alle Morgen neu ist, ich sage dir Lob und Dank, daß du mich in dieser Nacht gnädiglich behütet und mir einen sanften Schlaf und Ruhe verliehen hast, und das liebliche Tageslicht für mich wiederum anbrechen läsfest. Laß mich nun auch in deiner Gnade und Liebe, in deinem Schuß und Schirm wieder fröhlich aufstehn und das liebe Tageslicht nüßlich und froh gebrauchen. Vor allen Dingen aber erleuchte mich mit dem ewigen Licht, welches mit meinem Herrn Jesus aufgegangen ist. Bewahre in meinem Herzen das Licht des Glaubens, mehre und stärke es. Erwecke deine Liebe in mir, befestige die Hoffnung; gib mir wahre Demuth und Sanftmuth, daß ich mandeln möge in den Fußstapfen meines Herrn und Erlösers. Erwecke in mir den Hunger und Durst nach deiner Gerechtigkeit, bewahre mich vor der Sünde, behüte mich vor der Versuchung und lehre mich thun nach deinem Wohlgefallen. Dein guter Geist führe mich auf ebner Bahn. Sei du mein Schuß und Hort auf allen meinen Wegen, mein Trost und meines Herzens Morgen. 187 Theil. Ich befehle dir meine Gedanken, mein Herz, Sinne und alle meine Anschläge; ich befehle dir meinen Mund und alle meine Worte; ich befehle dir alle meine Werke, daß sie zu deines Namens Ehre und zum Besten meines Nächsten gereichen. Segne alles mein Thun; laß meinen Beruf glücklich fortgehen und wehre alle dem, so ihn hindern könnte; ich befehle dir Leib und Seele, Ehre und Gut. Herr, jei du mit mir allezeit; laß deine Gnade mich immer begleiten, und halte deine Hand über mich; behüte meinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit. Amen. 5. Herr Gott, himmlischer Vater! In dieser Morgenstunde befehle ich dir meinen Leib und meine Seele in deine liebreiche und gnadenvolle Regierung, in deinen mächtigen Schuß, in deine väterliche Aufsicht, Fürsorge und Treue. Laß mir heute nichts Uebles begegnen und keine Plage meinem Hause sich nahen, sondern nimm mich und die lieben Meinigen in deinen allmächtigen Schuß und begleite uns auf allen unsern Wegen. Laß deinen guten Geist uns kräftig regieren und unser Herz zum kindlichen Gehorsam lenken, daß wir von den Wegen der wahren Gottseligkeit nicht abweichen. Laß mir in allem meinem Vornehmen dein himmlisches Licht leuchten, deine Kraft mich stärken deine Liebe mich dringen; deine Furcht mir beiwohnen, daß ich in Gerechtigkeit wandle, meinen Taufbund stets vor Augen habe, meinem Nächsten mit Liebe, Sanftmuth, Freundlichkeit, Dienstwilligkeit und Wahrheit begegne und die Worte im Herzen habe: Wie ihr wollt, daß euch die Leute thun sollen, also thut ihnen gleich auch ihr!- Gib, daß ich die Zeit, die ich noch zu leben habe, wohl und christlich anwende, 188 Gebete am Morgen, Mittag und Abend. zu deines Namens Ehre, meines Nächsten Dienst und meiner selbst Besserung. Gib mir auch die Gnade, daß ich mich meiner Sterblichkeit stets erinnere und meine Gedanken allezeit aus dem Zeitlichen in das Himmlische und Ewige lenke. Und wenn ich dann meinen Lauf vollendet und das Ziel, so du mir in Gnaden gesetzt, erreicht habe, so verleihe mir nach deiner großen Barmherzigkeit um Jesu Christi willen ein sanftes, fröhliches und seliges Ende. Gib mir die Gnade, daß ich alles Irdische verlassen und, um bei dir zu sein, mit Lust abscheiden möge. Nun so laß mich weder Engel noch Fürstenthum noch Gewalt, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes, noch feine andre Creatur von dir und deiner Liebe scheiden, die da ist in Christo Jesu, meinem Herrn! Amen. 6. Herr, himmlischer Vater, ewiger Gott, gelobt sei deine ewige Kraft und Allmacht, deine grundlose Güte und Barmherzigkeit, deine ewige Weisheit und Wahrheit, daß du mich in dieser Nacht mit deiner Hand bedeckt und unter dem Schatten deiner Flügel haft sicher ruhen und schlafen lassen, auch vor aller Gefahr bewahret und väterlich beschirmet hast. Dafür lobe ich dich um deine Güte und um deine Wunder, die du an den Menschenkindern thust, und will dich in der Gemeine preisen. Dein Lob soll allewege in meinem Munde sein. Meine Seele soll allezeit dich, meinen Herr, rühmen, und was in mir ist, deinen heiligen Namen preisen; nimmermehr will ich vergessen, was du mir Gutes gethan hast. So laß dir nun gefallen das Lob aus meinem Munde, welches ich dir am frühen Morgen in Einfalt meines Herzens bringe. Ich rufe zu dir von Am Sonntag. 189 ganzem Gemüthe, du wollst mich auch diesen Tag be= hüten vor aller Gefahr Leibes und der Seele, und deinen Engeln über mir Befehl thun, daß sie mich behüten auf allen meinen Wegen. Umgib mich rings mit deinem Schilde und führe mich auf den Steig deiner Gebote, daß ich unsträflich wandle in deinem Dienst, wie die Kinder des Tags, zu deinem Wohlgefallen. Wehre allen Anfechtungen des Bösen und allen Aergernissen dieser Welt; steure meinem eignen Fleische und Blute, daß ich nicht, von ihnen überwältigt, wider dich handle und dich mit meinen Sünden betrübe. Regiere mich mit deinem heilgen Geist, daß ich nichts vornehme, thue, rede oder gedenke, denn allein, was dir gefällig ist und zu Ehren deiner göttlichen Majestät gereichet. Siehe, mein Gott, ich übergebe und opfere mich heute ganz und gar zu eigen in deinen Willen mit Leib und Seele, mit allem Vermögen und Kräften, innerlich und äußerlich. Mache du mich dir zu einem Opfer, das da lebendig, heilig und dir wohlgefällig sei, damit ich dir einen vernünftigen und angenehmen Gottesdienst leiste. Darum heiliger Vater, allmächtiger Gott, laß mich dein Eigenthum sein, regiere mein Herz, Sinn und Gemüth, daß ich vor allem dich suche und bewahre, wisse und verstehe. Herr, frühe wollest du meine Stimme hören; frühe will ich mich zu dir schicken und darauf merken, frühe will ich dich loben und des Abends nicht aufhören, durch Jesum Christum. Amen. Am Sonntag. 7. O du Vater des Lichts, der du das natürliche Licht dieser Welt uns scheinen läsfest, sende doch auch uns allezeit das wahrhaftige Licht, Jesum Christum, 190 Gebete am Morgen, Mittag und Abend. in unsre Herzen, und laß ihn darin leuchten und alle Finsterniß vertreiben, damit wir dich, o ewger Gott, in deinem Sohne erkennen und lieb gewinnen. Siehe wir sind noch immer in Sünden gefangen, und unsere Herzen sind durch Eitelkeit bethört und verfinstert. Darum lehre du uns selber, wie wir uns zu dir bekehren und dir im Glauben gehorsam werden können. So werden wir uns erst recht mit Lob und Dank zu dir wenden und dir in deinem Lichte dienen und gefallen können. O Herr Jesu, du Sonne der Gerechtigkeit, gehe du uns auf als Morgenstern und schenke uns dein Heil, damit uns alle Tage unsers Lebens zu rechten Sonntagen werden. Lehre uns aufwachen von allem Schlafe der Sicherheit und aufstehn von allen todten Werken, damit du uns erleuchten mögest Gib, daß wir nicht uns selber leben, sondern dir, der du für uns gestorben und auferstanden bist. Brich an, du helles Licht, in unsern Herzen, und siege über alle Finsterniß. Und du, o heiliger Geist, richte unsere Herzen heute zu, daß sie deine Tempel werden, darinnen du den ganzen Tag lehren könnest. Heilige alle Gedanken und Sinne, dein Wort zu fassen und zu behalten, auch dir ohne Falsch zu gehorchen und in täglicher Buße die ganze Woche und allezeit fortzugehen. Heiliger Gott, halte du selbst einen Ruhetag in uns, und habe dein Werk in unsern Herzen, daß wir dir gefällig seien in Zeit und Ewigkeit. Amen. für Kinder. 8. O, wie hab ich sanft geruht! Lieber Gott, du meinst es gut. Du bist mein, und ich bin dein: Hilf mir fromm und fleißig sein. Amen. Mittag. 191 9. Mein Gott, durch deine Güte und Macht Bin ich vom Schlaf gesund erwacht; Laß heut mich meines Lebens freun, Das Gute thun, das Böse scheun. Amen. 10. In Jesu Namen steh ich auf, Beginne fröhlich meinen Lauf. Dank sei dir für die Ruh der Nacht Und für der lieben Engel Wacht! Nimm mich, du Hirte treu und gut, In deine gnadenreiche Hut, Und leite mich aus dieser Zeit zu dir und deiner Seligkeit. Amen. 11. Lob und Dank sei dir gesagt, o lieber Gott und Vater, daß du mich diesen Morgen wieder gefund hast erleben lassen. Ich gebe dir mein ganzes Herz, mache es gut, gehorsam und fromm. Dich will ich findlich lieb haben, dir zur Ehre will ich leben, das Böse und allen Leichtsinn will ich meiden und am Guten meine Freude haben. Gib mir dazu deine Gnade und Kraft, so will ich dir auf den Abend fröhlich und herzlich dafür danken. Amen. Mittag. 12. Aller Augen warten auf dich, Herr, und di gibst ihnen ihre Speise zu seiner Zeit; du thust deine milde Hand auf undsättigest alles, was das lebet, mit Wohlgefallen. Amen. 13. Herr Gott, himmlischer Vater, segne uns und diese deine Gaben, die wir von deiner milden Güte zu uns nehmen, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 14. Gott, durch den wir sind und leben, Dir sei herzlich Preis und Dank, Daß du uns auch jetzt 192 Gebete am Morgen, Mittag und Abend. gegeben, Was wir brauchen, Speis und Trank. Nimm dich an der Armen Noth, Brich den Hungrigen dein Brot, Und laß allen, die noch weinen, Deine Freudensonne scheinen. Amen. 15. Danket dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich. Amen. 16. Wir danken dir; Herr Gott, himmlischer Vater durch Jesum Christum, deinen lieben Söhn, für alle deine Gabe und Wohlthat, der du lebest und regierest in Ewigkeit. Amen. 17. Wir wollen deiner nie vergessen, Da deine Gaben uns erfreun; Für unser Brot, das wir gegessen, Soll unser Herz dir dankbar sein, Und unser ganzes Leben lang Erheb dich unser Lobgesang. Amen. Abend. Auf alle Tage. 18. Wir danken dir, Herr Gott, himmlischer Vater, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, daß du uns diesen Tag gnädiglich behütet hast, und bitten dich, du wollest uns vergeben alle unsere Sünden, so wir gethan haben, und uns auch diese Nacht gnädiglich behüten; denn wir befehlen uns, unsern Leib und Seele und alles in deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit uns, daß der böse Feind keine Macht an uns finde. Amen. 19. Herr, allmächtiger Gott und himmlischer Vater, ich danke dir von Grund meines Herzens für alle deine Abend. 193 Güte und Wohlthat, die du mir auch diesen Tag wieder so väterlich erzeiget, und daß du mich vor allem Uebel gnädiglich behütet hast. Auch bitte ich dich als dein liebes Kind, du wollest mich bei deinem alleinseligmachenden Worte bis an mein Ende erhalten und mein Herz mit deinem heiligen Geiste erleuchten, daß ich allezeit erkennen möge, was vor dir gefällig ist. Du wollest auch alle meine Sünde, so ich heute wissentlich und unwissentlich gethan habe, auch die verborgnen Fehler, durch deine Barmherzigkeit zudecken und mir in dieser Nacht eine christliche Ruhe verleihen, daß ich frisch und gesund zu deinem Lobe wieder aufstehe. Hilf auch, lieber Vater, daß ich durch deine Gnade ein neues dir wohlgefälliges Leben anfange zu meiner Seelen Seligkeit, in Jesu Christo, deinem lieben Sohne, unsern einigen Helfer. Amen. 20. Ewiger, barmherziger Gott, ich hebe meine Hände auf zu dir und sage dir von Herzen Lob, Preis und Dank, daß du mich diesen Tag und die Zeit meines Lebens vor so manchem Uebel und Unfall gnädiglich beschirmet hast. Ich bitte dich, du wollest mir vergeben, worin ich Unrecht gethan habe, und mich auch diese Nacht schüßen mit deinem mächtigen Arme. Ich harre deiner Güte, und meine Seele hoffet auf dich, den lebendigen Gott; denn du bist meine Zuflucht, mein Helfer und Retter. Siehe, Herr, wir schlafen oder wachen, so sind wir dein; wir leben oder sterben, so bist du ja unser Gott, der uns erschaffen. Darum beschirme mich mit deinem Schilde, daß ich ruhig liege, sanft einschlafe und fröhlich wieder erwache. Verleihe mir deine Gnade, daß mein Leib schlafe, die Seele 13 194 Gebete am Morgen, Mittag und Abend aber zu dir wache; daß ich dich stets im Herzen habe und du nimmermehr aus meinem Gemüthe tommest. Bewahre mich vor schädlichen Träumen, vor unruhigem Wachen und unnüßen Sorgen, vor argen, schweren Gedanken und vor aller Qual. Siehe, mein gnädiger Gott und Herr, in deinen Schutz befehle ich dir mich selbst an Leib und Seele, meine Angehörigen und Freunde, meine Nachbarn und diese ganze Gemeinde. Wende deine Barmherzigkeit nicht von uns, laß deine Sorge und Treue uns allerwege behüten. Darum bedecke uns diese Nacht mit deiner Güte, umfahe uns mit deiner Gnade auf allen Seiten; trage uns mit deiner Barmherzigkeit, daß wir recht behütet bleiben. Amen. 21. Barmherziger Gott, lieber himmlischer Vater! Ich sage dir Lob und Dank für alles Gute, was du mir in meinem bisherigen Leben erwiesen hast; für allen Segen, mit welchem du mich im Leiblichen wie im Geistlichen reichlich gekrönt, für alle Hilfe und allen Beistand, den du mich immer wieder erfahren, und alle Rettungen, die du mir ohne meinen Verdienst und Würdigkeit hast zu Theil werden lassen. Insonderheit danke ich dir von ganzem Herzen für deine Guade und Wohlthat, die du mir, o Gott, an dem vergangenen Tage erzeiget hast. Vor allem Uebel Leibes und der Seele hast du mich beschüßzet, mit mannichfacher Wohlthat mein Leben erfreut und mit großer Langmuth und Geduld meine Fehler getragen. Ich bin zu geringe aller Barmherzigkeit und Treue, die du an mir gethan hast, und bitte dich mit herzlicher Reue um Vergebung alles Bösen, das ich begangen, und womit ich bis heute 195 und auch diesen Tag deine Gnade gemißbraucht habe. Herr, gehe nicht ins Gericht mit mir, sondern erbarme dich mein, und laß deine Güte und Treue mich auch diese Nacht und auch ferner behüten. In deine Hand befehle ich meinen Leib und meine Seele, mein Gut und Vermögen, mein Wachen und Schlafen, mein Leben und Sterben. Decke mich mit deinem Schilde und bewahre mich vor allem Uebel, vor Furcht und Schrecken und vor aller Gefahr. Laß mich morgen wieder fröhlich erwachen, damit ich aufs neue dir die Opfer meines Dankes bringe und meinen Christenlauf zu deinem Preise fortsetze. Und wenn einst die Nacht auch für mich kommt, da niemand mehr wirken kann, dann reiche mir deine allmächtige Hand, und nimm mich auf zu dir in dein himmlisches Reich. Amen. Abend. 22. Lieber, himmlischer Vater, du hast uns auch heute wieder mit deiner großen Barmherzigkeit geleitet; du haft uns viel Gutes gethan und unsere Herzen erfüllet mit Speise und Freude: du hast Geduld gehabt mit unserer Schwachheit und Langmuth mit unsern Sünden. Darum fommen wir in dieser Abendstunde vor dein Angesicht lobend und dankend; aber wir bitten dich auch, du wollest uns ferner deine Gnade erweisen. Errette uns aus der Finsterniß der Sünde und erleuchte und stärke uns durch deinen heiligen Geist, auf daß wir immer besser deinen heiligen Weg erkennen und deine Gebote halten und in deinem Lichte wandeln. Laß im Geistlichen uns deinen reichen Segen erfahren, und auch im Irdischen wollest du uns das aus Gnade gewähren, was du für uns heilsam findest. Wehre allen Versuchungen, die unsere Seele bedrohen, und sei 13* 196 Gebete am Morgen, Mittag und Abend. unser Beistand, unser Trost und unsere Hilfe in aller Noth und Gefahr dieses irdischen Lebens. Sei auch in dieser Nacht unser Schutz und bedecke uns mit dem Schatten deiner Flügel; laß uns alle den kommenden Morgen gesund wieder erleben, auf daß wir mit fröhlichen Herzen durch unsere Lippen und unsern Wandel dich preisen. Das wollest du geben, Herr, der du die Liebe bist. Dir sei Lob und Ehre in Ewigkeit. Amen. 23. Ich komme vor dein Angesicht, gnädiger und barmherziger Gott, in dieser Abendstunde, um dich zu loben und zu preisen für alle Wohlthat Leibes und der Seele, so du mir und den Meinen auch heute wieder haft zu Theil werden lassen. Ich weiß es wohl, daß ich nicht werth bin aller Güte und Treue, die du alle Tage über mich neu werden läsfest, aber ich kenne auch deine Erbarmung, und bitte dich darum mit getroster Zuversicht, du wollest mir auch jetzt wieder vergeben, was ich heute in Gedanken, Worten und Werken gesündigt habe. Laß dir wohlgefallen die Gelübde neuer Treue und neuen Gehorsams, welche ich dir bringe. Aber weil ich von mir selber zu schwach bin, den Weg des Friedens zu finden und zu wandeln, so verleihe du mir deinen gnädigen Beistand und gib zum Wollen das Vollbringen nach deinem Wohlgefallen. Laß deinen Segen ruhen auf mir und meinem Hause; sei mein Schuß in Gefahr, meine Hilfe in der Noth, mein Retter in den Versuchungen dieser argen Welt; lege deinen Segen auf die Werke meines Berufes, damit alles geschehe zu deiner Ehre, mir selbst zum Heile und meinem Nächsten zum Nußen. Laß deine Augen über mich wachen, auch in dieser Nacht, damit kein Unfall mich Am Sonntag. 197 betrübe; behüte mir gnädiglich Leib und Seele und alles, was mir deine Liebe geschenkt hat. Erbarme dich aller Menschen, sonderlich derer, die in Noth und Kümmerniß sind; richte sie auf in ihrem Elende und erquicke sie mit deinem himmlischen Troste. Ja, Herr, sei mit uns jetzt und immerdar, bis wir zur ewgen Ruhe kommen in Christo Jesu, deinem Sohne. Amen. Am Sonntag. 24. Dir sei allein Preis und Lob gebracht, heiliger Herr und Gott, der du mir heute dein Licht hast lassen Helle werden und so viel Gnade an Seel und Leib gegönnet. Verwahre du doch selbst in meinem Herzen, was dein Geist durch dein Wort in mich gepflanzt hat, damit ich viel Frucht bringe in Geduld zum ewigen Leben. Vergib mir alles, worin ich deinem vollkommenen Willen nicht nachgelebt habe, und laß aufs neue deine Gnade groß werden über deinem Kinde. Auch wolleft du mich heute Nacht bewahren und in Gnaden wachen über alles, was du mir gegeben und anvertraut hast. Sei mein Licht in meiner Seele, wenn es dunkel wird, und meine Kraft bei aller Schwachheit, mein Schuß, Heil und Leben. In dein liebevolles Herz, o Jesu, ergebe ich mich, du ewiges Heil meiner Seele. Seße deinen heiligen Willen in mir doch beständig fort, und laß mich auch im Schlafe nicht von dir geschieden sein. Erinnere mich des gehörten Wortes stetiglich, daß alle meine Sinnen und Gedanken zu dir gerichtet bleiben, damit es immerfort Sonntag und ein heller Schein deines Lichtes in meinem Gemüthe bleibe, der du meine wahre Ruhe und Seligkeit sein willst ewiglich. Amen. 198 Gebete am Morgen, Mittag und Abend. Am Sonnabend. 25. Allmächtiger Gott und Vater! Nachdem wir durch deine Gnade abermals eine Woche unserer irdischen Wallfahrt zurückgelegt haben so sagen wir dir von Grund unserer Herzen Lob und Dank für alle deine Güte und Wohlthat, so du uns an Leib und Seele erwiesen hast. Wir sind viel zu geringe aller Barmherzigkeit und Treue, welche du alle Tage unsers Lebens an uns thust. Alle gute und vollkommene Gabe kommt von dir, dem Vater des Lichts, wir aber sind sündig und müssen uns schämen vor deinem heiligen Angesicht. Ach, Herr, gedenke nicht unserer Sünden, aber gedenke unser nach deiner Barmherzigkeit; strafe uns nicht, wie wir es verdient haben, sondern laß uns Gnade widerfahren um des Verdienstes Jesu Christi willen. In deine Hände, Vater im Himmel, befehlen wir unser aller Leib und Seele, und bitten dich, du wolleft uns behüten und segnen, zeitlich und ewiglich. Erhebe auch in dieser Nacht dein göttlich Angesicht über uns und bewahre uns vor allem Uebel; laß uns alle in Sicherheit und Frieden ruhen und gib, daß wir das Tageslicht in guter Gesundheit und mit Freuden schauen. Mache den morgenden Sonntag zu einem Tage des Segens für uns und die ganze Christenheit. Gib deinen Geist und deine Kraft allen Lehrern und Predigern, daß durch sie dein Volk erbaut werde in Christo Jesu, unserm Herrn! Hilf, daß dein Wort laufe und die Seelen erleuchte und heilige und tröste! Bringe zurecht die Ungläubigen und Verführten, und erschüttere die verstockten und unbußfertigen Herzen; bereite eine Erquickung den Mühseligen und Beladenen, und richte auf die Niedergeschlagenen und Angefochtnen; erwecke uns 199 Für Kinder. alle, daß wir dein Wort gern annehmen, dasselbe feftiglich glauben und darnach ein gottseliges Leben führen. Das hilf uns, lieber Herr und Gott, dieweil wir in dieser Hütte wallen, und wenn einst unsere Wallfahrt vollendet ist, so laß uns sanft und selig einschlafen, und erwecke uns am jüngsten Tage zur ewigen Freude und Seligkeit. Erhöre uns um Jesu Christi willen. Amen. Für Kinder. 26. Gott, der du heute mich bewacht, Beschüßze mich auch diese Nacht; Du wachst für alle groß und klein; Drum schlaf ich ohne Sorgen ein. Amen. 27. Lieber Gott, kannst alles geben, Gib auch, was ich bitte nun: Schütze diese Nacht mein Leben, Laß mich sanft und sicher ruhn; Sieh auch von dem Himmel nieder Auf die liebe Aeltern mein; Laß uns alle morgen wieder Fröhlich und dir dankbar sein. Amen. 28. Der Tag ist hin, nun kommt die Nacht; Nun hältst du, Herr die beste Wacht; Ich aber thu die Augen zu Und schlaf in sanfter, guter Ruh. Amen. Schließe beide Ueber meinem Sieh es, 29. Müde bin ich, geh zur Ruh, Aeuglein zu; Bater, laß die Augen dein Bette sein! Hab ich Unrecht heut gethan, lieber Gott, nicht an! Deine Gnad und Jesu Blut Macht ja allen Schaden gut. Alle, die mir sind verwandt, Gott, laß ruhn in deiner Hand; Alle Menschen, groß und klein, Herzen sende Ruh, Sollen dir befohlen sein. Kranken Nasse Augen schließe zu; Laß den Mond am Himmel stehn Und die stille Welt besehn! 200 Beicht- und Communiongebete. 30. mein liebreicher Gott, ich danke dir, daß du mich diesen Tag gesund erhalten hast, und daß mir fein Unglück begegnet ist. Bewahre mich auch diese Nacht vor allem Uebel! Laß mich und meine lieben Aeltern und Anverwandten ruhig schlafen und gesund wieder aufwachen und thue allen mir bekannten und unbefannten Menschen Gutes durch Jesum Christum. Amen. II. Beicht- und Communiongebete. Beichte. 31. Allmächtiger Gott, barmherziger Vater! ich armer elender Sünder bekenne dir alle meine Sünden und Missethaten, womit ich dich beleidigt und deine Strafe zeitlich und ewig wohl verdient habe. Sie sind mir alle von Herzen leid und reuen mich sehr; darum bitte ich dich um deiner grundlosen Barmherzigkeit und um des unschuldigen bittern Leidens und Sterbens deines lieben Sohnes Jesu Christi willen, du wolltest mir armen fündhaften Menschen gnädig und barmherzig sein und mir alle meine Sünden aus Guaden vergeben, auch den heiligen Geist zur Besserung meines Lebens mildiglich verleihen. Amen. Vor der Beichte. 32. Mein Gott, ich bitte von ganzem Herzen, sei mir gnädig und vergib mir alle meine Sünden um des theuren Verdienstes Jesu Christi, meines Heilandes, willen. Mein Heiland, du hast gesagt, wer zu dir tomme, den wollest du nicht hinausstoßen: auf diese deine tröstliche Verheißung komme ich und bitte: laß Nach der Beichte. mich Gnade finden vor deinen Augen und vertritt mich bei deinem himmlischen Vater zu meiner Seelen Heil und Seligkeit. Heiliger Geist, erwecke mein Herz, daß ich nicht allein in wahrer Bußfertigkeit mit Mund und Herzen beichte, sondern auch die Stimme deines Dieners annehme als deine Stimme, zur Stärkung meines Glaubens und zu gewisser Versicherung der gnädigen Vergebung meiner Sünden, um Jesu Christi willen. Amen. 201 Nach der Beichte. 33. D allmächtiger, gnädiger und barmherziger Gott und Vater, ich sage dir vom Grund meines Herzens Lob, Ehre und Dank für die große Wohlthat, die du mir heute väterlich erzeiget hast, indem du mich armen Sünder abermals zu Gnaden angenommen, mir durch die heilige Absolution alle meine Sünden verziehen und vergeben, und mir das ewige Leben aufs neue wiederum zugesaget und versprochen hast um deines lieben Sohnes Jesu Christi willen. Ich bitte dich herzlich, du wollest mich in solcher Gnade allezeit väterlich erhalten und mir deinen heiligen Geist verleihen, daß ich dieser jetzt empfangenen gnadenreichen Vergebung zuversichtlich glaube, mich derselben jetzt und allezeit in allen Anfechtungen und Wiederwärtigkeiten trösten und mich daher alles Guten zu dir versehen möge. Verleihe mir auch die Gnade deines heiligen Geistes, daß ich der Sünde hinfort je länger je mehr feind werde, mich davor fleißig hüte und meinem Fleische nicht mehr seinen Willen lasse zu fündigen, sondern daß ich demselben in meinem Beruf widerstehen und 202 Beicht und Communiongebete. mein ganzes Leben nach deinem Willen einrichten und führen möge. Amen. Vor dem heiligen Abendmahle. 34. Herr Jesu Christe, mein getreuer Hirt und Bischof meiner Seele, der du gesagt haft: ich bin das Brot des Lebens; wer von mir isset, den wird nicht hungern, und wer an mich glaubet, den wird nimmermehr dürften: ich komme zu dir und bitte dich demüthiglich, du wollest mich durch den wahren Glauben bereiten und zum würdigen Gast machen dieser himmlischen Mahlzeit. Du wollest mich, dein armes Schäflein, heute weiden auf deiner grünen Aue und zum frischen Wasser des Lebens führen; du wolleft meine Seele erquicken und mich auf rechter Straße führen, um deines Namens willen: du wollest mich würdig machen zu deinem Tische und mir voll einschenken den Becher deiner Liebe und Gnade. Ach, du wahres Himmelsbrot, erwecke in mir einen geiſtlichen Hunger und heiligen Durst, daß ich nach dir verlange; vor allen Dingen aber gib mir wahre und herzliche Reue und Leid über meine Sünde und wirke du selbst in mir den rechten Glauben, durch welchen ich dein heiliges Verdienst ergreife und dasselbe festhalte und bewahre, damit ich nicht ein unwürdiger Gast bin. Gib mir ein versöhnliches Herz, daß ich meinen Feinden von Herzensgrund vergebe; tilge aus meinem Herzen die Wurzel aller Bitterfeit und Feindseligkeit, pflanze dagegen in meine Seele Liebe und Barmherzigkeit, daß ich meinen Nächsten, ja alle Menschen in dir lieb habe. Nach dem heiligen Abendmahle. 203 Ach wollte Gott, ich möchte dich in einem ganz reinen Herzen bewahren! Aber du, Herr, hast ja selbst gesagt: die Starken bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken. Ach, ich bin frank, ich bedarf deiner als meines himmlischen Arztes der Seele. Du hast ja gesagt: kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken. Nun, Herr, ich komme, mit vielen Sünden beladen, nimm sie von. mir, erledige mich dieser großen Bürde, ich komme als ein Unreiner,-reinige mich; als ein Blinder, erleuchte mich; als ein Armer,- mache mich an meiner Seele reich; als ein Verlorner, suche mich; als ein Verdammter,- mache mich selig. Ach Herr Jesu, treuester Freund meiner Seele, führe mich von mir selber ab, und nimm mich auf zu dir, ja in dich. Denn in dir lebe ich; in mir selber bin ich todt. In dir bin ich gerecht; in mir bin ich voll Sünde. In dir bin ich selig; in mir bin ich lauter Verdammniß. In dir habe ich volle Genüge, du bist mir alles. Bleibe ewig in mir, und laß mich ewig in dir bleiben, wie du gesagt haft: Wer mein Fleisch isset und trinket mein Blut, der bleibet in mir und ich in ihm, und ich werde ihn auferwecken am jüngsten Tage. Amen. Nach dem heiligen Abendmahle. 35. Barmherziger, gnädiger Gott und Vater! Du haft mir aus lauter väterlicher Güte durch den Genuß des heiligen Abendmahls die Vergebung aller meiner Sünden versiegelt und mich zu Gnaden angenommen, um Jesu Christi, deines lieben Sohnes willen. Ich habe dir auch von Herzen gelobt, mein Leben dir zu 204 Beicht- und Communiongebete. heiligen. Ach Herr, mein Gott, weil das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens böse ist von Jugend auf, und wir nicht tüchtig sind, etwas Gutes zu denken oder zu thun von uns selber, so bitte ich dich demüthiglich: Gib mir ein neues Herz, daß ich aller Sünde feind werde; laß mich wandeln in dener Furcht und ein neues Leben führen in Heiligkeit und Gerechtigkeit, die dir gefällig ist. Laß mich deiner Gnade und meines Gelübdes nimmermehr vergessen. Gib mir Kraft und Muth, ernstlich zu streiten wider mein Fleisch und Blut und wider alle böse Lüste desselben, auf daß ich nicht wieder in Sünde gerathe oder gar zu muthwilligem, vorsätzlichem Unrecht mich verleiten lasse. Herr, erbarme dich, und schenke mir Gnade, daß ich gerecht und gottselig lebe in dieser Welt und warte der seligen Hoffnung und der Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unsers Heilandes Jesu Christi und dich, Gott Vater, Sohn und heiliger Geist, für alle deine Wohlthaten loben, ehren und preisen möge in Ewigkeit. Amen. Vor der Kranken- Communion. 36. Herr Gott, barmherzig, gütig und von großer Treue, ich armer Mensch habe mir vorgenommen, mich mit dir zu versöhnen, meine Sünde dir herzlich abzubitten, die ich zeit meines Leben begangen; ich will in dem Tode meines Herrn Jesu Gnade und Vergebung der Sünde suchen und also zu einem selgen Abschied aus dieser Welt mich gefaßt machen. Es hat bir gefallen, mich auf dieses Krankenbett zu legen; weil ich aber nicht weiß, ob ich davon wieder gesund aufstehen oder darauf sterben werde, so will ich vor Nach der Kranken- Communion. 205 allen Dingen meine Seele versorgen und das Uebrige dir, meinem gütigen und barmherzigen Gott, befehlen. Ich will mich mit dir und darum auch mit allen meinen Mitmenschen versöhnen, weil ich meinen Verstand noch habe, weil ich mich noch besinnen kann über meine Sünden; ich will dich um Verzeihung bitten, da ich noch beten kann, und Friede suchen mit allen, die etwas wider mich haben, ehe du meine Seele mit allen ihren Schulden von mir forderst. Darum will ich jetzt dir beichten und das heilige Abendmahl empfangen, sodann aber geduldig, freudig und gläubig erwarten, wie du es mit mir machen wirst. Deßwegen komme ich bußfertig zu dir, mein himmlischer Vater, und spreche: Ach, sei deinem Kinde gnädig, ach rechne mir nicht zu die Sünde, so ich zeit meines Lebens begangen habe. Ach, Herr, erbarme dich mein, um Jesu, meines Heilandes willen. Gib mir Gnade zu meinem heiligen Vorhaben, stärke mich zu diesem Werke, daß ich es zu deiner Ehre und zu meinem Heil im rechten Glauben vollbringen möge. Amen. Nach der Kranken- Communion. 37. O du gnädiger und getreuer Gott und Vater, ich sage dir Lob und Dank, daß du mich durch dieses heilige Mahl erquickt und gestärkt hast. Ich bitte dich um deiner Barmherzigkeit willen, du wollest durch diese himmlische Speise und durch diesen Trank des Lebens meine Seele heiligen, damit ich meinen Lauf im Glauben vollende, deinem väterlichen Willen mich demüthig unterwerfe und auch unter Kreuz und Trübsal deinen Namen preise. Gib, daß ich ewig dein Eigenthum bleibe, und daß weder Gegenwart noch Zukunft, weder Leben noch Tod mich scheiden möge von deiner Liebe in Chrifto. Ámen. 206 Gebete für besondere Zeiten und Lagen. III. Gebete für besondere Beiten und Tagen. Auf der Reise. 38. Lieber Gott, himmlischer Vater! ich sage dir von Grund meines Herzens Lob, Ehre, Preis und Dank, daß du mich auf meinem Wege gnädiglich behüttet, meinen Leib gesund erhalten und alles, dessen ich bedarf, mir bescheret hast, daß ich nun in deinem Namen mein Vorhaben fortseßen kann. Höre und erhöre auch jetzt meine inbrünstige Bitte. Sei auch heute und fortan mein Reisegefährte, und bewahre mich auf meinen Wegen. Hilf meinen Gang und Beruf also einrichten und befördern, daß es mir ersprießlich sei und ich doch dabei in all meinem Thun und Lassen, bei Gott und Menschen, Glauben und gutes Gewissen behalten möge, Laß mich redlich und klüglich mit den Menschen handeln und lehre mich in ihrem Umgang und an ihrem Beispiel Gutes und Böses, das eine lieben, das andere hassen und meiden. Sei auch indessen daheim den lieben Meinigen ein treuer Besorger und Berather, erhalte sie in Frieden und in guter Gesundheit, bewahre das Meine nach deinem Wohlgefallen, und hilf, daß ich durch deine Gnade frisch und gesund wieder heim komme und mit Frieden eines das andere empfangen und umfangen möge: so wollen wir sämmtlich mit Loben, Danken und Preisen deinen heiligen Namen erheben in Christo Jesu, deinem Sohne, unserm Herrn! Amen. In Noth und Krankheit. 39. Barmherziger Gott, der du bist die Stärke der Schwachen, die Kraft der Mühseligen, der Trost der Betrübten, die Freude der Traurigen, die Zuflucht der In Noth und Krankheit. 207 Verlassenen, die Hilfe der Angefochtenen, das Leben der Sterbenden: ich weiß, daß denen, die dich lieben, alle Dinge und also auch allerlei Trübsal und Widerwärtigkeit zum Besten dienen müssen. Denn Trübsal bringt Geduld, Geduld bringt Erfahrung, Erfahrung bringt Hoffnung, Hoffnung aber läßt mich nicht zu Schanden werden. Darum weigere ich mich auch nicht des Kreuzes, mit dem du mich heimsuchest, und bitte dich herzlich, du wollest mich im Glauben und christlicher Geduld fest erhalten, daß ich allein darauf hoffe, daß du so gnädig bist, und mein Herz sich freue, daß du so gerne hilfft. Du, Herr, bist mein Theil, spricht meine Seele, darum will ich auf dich hoffen; denn du bist freundlich dem, der auf dich harret, und der Seele, dich nach dir fragt. Du wirst des Armen nicht so ganz vergessen, und die Hoffnung der Elenden wird nicht verloren ſein ewiglich, sondern ihr Verlangen hörst du, Herr; ihr Herz ist gewiß, daß dein Ohr darauf merket. Darauf will ich leben und sterben; stärke, o Herr, das in mir angefangene Werk im Glauben, und meine Arbeit in der Liebe, meine Geduld in der Hoffnung, welche iſt mein Herr Jesus Christus, mein Leben und ewiger Trost. Amen. 40. Allmächtiger Gott, himmlischer Vater, weil du uns geboten hast und gesprochen: Rufe mich an in der Noth, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen, deßwegen ruf ich zu dir in dieser meiner großen Noth, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, und bitte dich, du wollest mich armen fündigen Menschen nicht verlassen. So nun diese meine Krankheit nicht zum Tode ist, so hilf mir auch, daß ich genese, um deiner 208 Gebete für besondere Zeiten und Lagen. Barmherzigkeit willen, auf daß ich deine Macht und Kraft an mir verkündige und preise. Wo es mir aber nüglicher ist, zeitlich zu sterben, so geschehe, o Herr, dein göttlicher Wille, wie im Himmel, also auch auf Erden. Verleihe mir nur Gnade, daß ich mich in deinen Willen, der allezeit der beste ist, gänzlich ergebe. Erhalte mich fest im christlichen Glauben und in wahrer Erkenntniß bis an mein Ende. Laß mich von dir nimmermehr abgeschieden werden, sondern nimm meine Seele zu dir in dein Reich, durch deinen Sohn Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Morgens. 41. Lieber Gott, ich habe wieder einmal, auch bei meinem kranken Leibe, eine Nacht dieses mühseligen Lebens überstanden und zurückgelegt. Dazu aber haft du mir geholfen, und deine Kraft ist in mir Schwachen mächtig gewesen, daß ich noch lebe. Darum Dank sei auch deiner großen Güte und Barmherzigkeit für den Beistand, welchen du mir diese Nacht in der Finsterniß haft geleistet, für die wenige Ruhe, welche ich dabei noch genossen, und für alle die guten Gedanken, mit welchen ich meine Zeit zugebracht habe, wenn ich aufwachte. Ach aber, mein lieber Vater, es ist wohl ein anderer Tag gekommen, aber ich bin doch noch krank, und meine Plage wird alle Morgen neu; darum hilf mir nun auch diesen Tag überstehn bis auf den Abend und verkürze mir die Zeit, wenn sie will zu lang werden; lindere meine Schmerzen; segne, was ich heute brauchen werde. Und weil es gar leicht noch vor Abend anders mit mir werden könnte, als es am Morgen gewesen ist, ach so wende du alles, was mir heute begegnen Bei innerer Anfechtung. 209 wird, zu meinem zeitlichen und ewigen Besten, damit ich dir auf den Abend könne mit Freuden danken, der du bist hochgelobet in Ewigkeit. Amen. Abends. 42. Barmherziger Gott, gnädiger Vater, der Tag hat sich geendet, aber die Krankheit, welche du mir aufgelegt hast, fühle ich noch, Jedoch ich danke dir gleichwohl von Grund meines Herzens, daß ich noch lebe, und daß du mich zum wenigsten bei solchem Verstande und so viel Kräften noch haft erhalten, daß ich jetzt an dich kann gedenken und dir danken. Ach, hilf mir nun auch die wiederum angehende betrübte Nachtzeit überwinden, und lege mir in derselben nicht mehr auf, als ich ertragen kann. Gib ferner immer das Gedeihen zu den Mitteln, die ich heute gebraucht habe; gönne meinem armen Leibe ein wenig Ruhe; gib mir gute Gedanken ein, wenn ich erwache; erhalte mich in der Geduld, wenn mir die Stunden wollen zu lang werden, und laß mich nur dir leben und dir sterben, um deines lieben Sohnes Jesu Christi willen. Amen. Bei innerer Anfechtung. 43. Lieber himmlischer Vater; ich danke dir, daß du mich zu deinem Kinde erwählet und mich durch dein Wort geheiligt und bisher erhalten hast. Weil ich aber mit großer Traurigkeit meines Herzens beladen und täglich geängstigt werde, daß ich meine Betrübniß nicht aussagen noch aussprechen kann: so bitte ich dich, treuer Gott, verlaß mich doch nicht, nimm deinen heiligen Geist nicht von mir, halte mich fest bei deiner Hand, daß ich nimmermehr sinke, noch von dir geschieden werde. 14 210 Gebete für besondere Zeiten und Lagen. Mit traurigem Herzen steh ich des Morgens auf, mit Angst und Schmerzen lege ich mich wieder nieder und habe keine Ruhe in mir: ach Gott, siehe an meinen Fammer und Elend; ich wollte dir gerne mit fröhlichem Herzen und Munde dienen, aber ich vermag es nicht; wie stark ich mich wehre und dawider streite, ich bin zu schwach zu diesem großen Kampfe. Darum hilf mir Schwachen, o du starker Gott, und gib mir deinen heiligen Geist, der mich erfreue und tröste in all meiner Traurigkeit. Ich weiß ja, daß ich dein bin, im Tode und im Leben; es kann mich nichts von dir scheiden, obgleich ich jetzt in Angst und Kümmerniß schwebe. Herr, ich hoffe auf deine Gnade, du wirst mich nicht unerhört von dir lassen, sondern alle Angst aus meinem Herzen reißen und mir ein neues Freudenlied in meinen Mund geben. So will ich dich für deine Güte rühmen, loben und preisen, dir danken und dir dienen hier und in Ewigkeit. Amen. Auf dem Sterbelager. 44. Du frommer und getreuer Gott und Vater unsers lieben Herrn Jesu Christi, ich bitte dich von Herzen, du wollest mich in meiner Noth nicht verlassen, sondern mit dem Lichte deiner wahren Erkenntniß erleuchten, daß ich in demselben aus dieser Finsterniß zu dir, dem ewigen Lichte, möchte wandeln. Herr, sei du bei mir, wenn ich sterben soll; stehe du mir zu meiner rechten Hand, wenn ich soll meinen Geift aufgeben; errette mich aus der Hand des Feindes, tröste und stärke mich, erhalte mich in deiner Erkenntniß und in festem, starkem Vertrauen auf deine große Gnade und Barmherzigkeit. Ach, Herr Gott, laß das letzte Wort deines Fürbitte für die Zurüdbleibenden. 211 lieben Sohnes am Stamme des Kreuzes auch mein letztes Wort sein, daß ich mit starkem und gläubigem Vertrauen im Herzen sagen darf: Vater, in deine Hände befehle ich meinem Geist; denn du hast mich erlöset, du treuer Gott. Und wenn ich aus Schwachheit und Größe meiner Krankheit solches mit dem Munde nicht könnte ausreden, so laß doch mein Herz also in der Stille zu dir rufen und seufzen. Amen. 45. Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände: Du hast mich erlöset und wirst mich auch jetzt eriösen, o Herr, du trener Gott! Ach Herr, erlöse mich aus allem meinem geistlichen und leiblichen Uebel, und hilf mir zu deinem himmlischen Reich! Herr, ich warte auf dein Heil, das du mir durch Christum erworben haft; führe mich nach deinem Wort ins rechte Vaterland. Herr, laß mich dein Diener ewig sein und bleiben, und in Frieden hinfahren. Laß meine Glaubensaugen deinen Heiland sehen, als mein Licht, mir vorzuleuchten bis in die Ewigkeit. Herr Jesu, dein bitter Leiden und Sterben komme mir zu Hilf in meiner Todesstunde und vor deinem Gericht. Amen. Fürbitte für die Burückbleibenden. 46. Barmherziger Gott, treuer himmlischer Vater, du eilest mit mir zum Ende, und willst mich in dein ewiges Himmelreich abfordern, dahin ich dir herzlich gern will folgen. Weil ich aber die lieben Meinigen in großer Traurigkeit zurücklasse, so bitte ich dich um meines Vertreters Jesu Christi und um seines theuren Verdienstes willen, du wolleft sie in ihrer Betrübniß reichlich trösten, dein Vaterherz nicht von ihnen wenden, 14* 212 Schulgebete. deine milde Hand ihnen nicht entziehen, sondern sie es reichlich erfahren lassen, daß du deine Vaterhand nicht von ihnen abgezogen. Laß sie endlich zur bestimmten Zeit mir in das rechte Vaterland selig nachfolgen, da wir alle mit einander dich in Freuden ohne Aufhören loben und preisen wollen. Nun, wie du sie mir gegeben und vertrauet, so gebe und vertraue ich dir sie wieder; du, trautes Vaterherz, wirst es besser machen, denn wirs meinen; ich werfe alle meine und ihre Sorge auf dich, du wirst sie wohl versorgen. Amen in Jesu Namen. Amen. IV. Schulgebete. Bu Anfang der Schule. 47. Ich komme vor dein Angesicht, Verwirf, o Gott, mein Flehen nicht; Vergib mir alle meine Schuld, Du Gott der Gnaden und Geduld. Schaff du ein reines Herz in mir, Ein Herz voll Lieb und Furcht zu dir, Ein Herz voll Demuth, Preis und Dank, Ein treues Herz mein Lebenlang. Amen. 48. Jesu, hilf uns weise werden, Unser Herz für dich erneun, Daß als Kinder wir auf Erden Frühe guten Samen streun, Bis du uns beim Aerntefest Selig dort erscheinen läßt. Amen. 49. Jesu, der du allezeit Bei den Deinen bist auf Erden, Laß auch unsre Schule heut Dir zu einem Tempel werden, Wo dein Antlig sich verklärt, Wo dein Geist die Kinder lehrt! Amen. Zum Anfang der Schule. 213 30. Ach hilf, Herr, daß wir werden gleich Allhier dem guten Lande Und an des Geistes Kräften reich Zu jedem Amt und Stande, Viel Früchte bringen in Geduld, Bewahren deine Lehr und Huld In seinen guten Herzen. Amen. 51. Führe mich, o Herr, und leite s. Liederb. Nr. 2 V. 5. 52. Gelobet seist du s. Liederbuch Nr. 7 V. 4 11.5. 53. Herr, Jesu Christ, dich s. Liederb. Nr. 82. 54. Liebster Jesu, wir sind s. Liederb. Nr. 99. 55. Das walte Gott, der s. Liederb. Nr. 145. V. 1 u. 2. 56. Wir danken dir, allmächtiger Gott und Vater, daß du uns in der vergangnen Nacht gnädiglich behütet hast. Laß uns nun den Tag, den wir durch deine Güte wieder erlebt haben, so in deinem Dienste verbringen, wie es dir wohlgefällt. Erfülle uns mit Fleiß und Eiser, daß wir die Stunden des Unterrichts treulich benußen; insonderheit aber neige unsre schwachen Herzen zu deinem Worte, daß wir es mit Lust und Liebe aufnehmen und bewahren und die Lehre unsers Heilands immer mehr zieren in allen Stücken. Sei du uns allezeit nahe mit deinem Schuße und richte unsre Füße auf den Weg des Friedens, auf daß wir ohne Anstoß in deinem Geseze wandeln mögen. Amen. 57. Lieber Vater im Himmel, wir kommen auch heute wieder vor dein Angesicht, um dich zu bitten, daß du mit uns sein und unser Tagewerk segnen wolleft. Du hast uns bisher getragen mit deiner Liebe und 214 Stire Schulgebete. Trene und haft Geduld gehabt mit unsrer Schwachheit, so entzieh uns auch jetzt nicht deine Hilfe; denn wir wissen es wohl, daß wir ohne deinen Beistand nichts Gutes vermögen. Gib uns willige Herzen, daß wir alle heilsamen Lehren, die uns heute wieder mitgetheilt werden, freudig annehmen und nach deinem Wohlgefallen anwenden. Leite uns auf allen unsern Wegen, daß sie dir zur Ehre, unsern Aeltern und Lehrern zur Freude, uns selber aber zum Segen gereichen. wollest du geben um deiner Liebe willen. Amen. Das 58. Lieber Vater im Himmel, wir sagen dir Lob und daß du uns wieder gesund und froh in der Schule versammelt hast, damit wir aufs neue in deinem seligmachenden Worte und in allerhand nützlichen Kenntnissen unterwiesen werden. Deffne du nun aber auch unsere Ohren und Herzen, daß wir williglich annehmen, was du uns durch den Mund unsers Lehrers verkündigen läsfest. Segne unsern Fleiß, und laß uns wachsen in allerlei Erkenntniß, vor allem aber in der Liebe zu dir und zu dem, den du auch um unsertwillen gesandt hast. Erhöre uns, lieber Gott, um deines Sohnes Jesu Christi willen. Amen. 39. Herr Gott, himmlischer Vater, wir danken dir, daß du auch uns unter die Zahl deiner Kinder aufgenommen und uns um deines lieben Sohnes Jesu Christi willen die Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit zugesagt haft. Erhalte uns nun auch in solchem Vertrauen auf deine Gnade und Barmherzigkeit, und erfülle uns mit deinem heiligen Geiste, daß wir dich immer vor Augen haben und mit reinem Herzen und Nach der Schule. 215 Wandel dir dienen. Segne auch diese Stunden an uns, daß wir das Eine, was noth ist, immer besser erfennen und immer williger suchen, und also durch deinen Beistand geschickt und würdig werden, dereinst in das Reich deiner Herrlichkeit einzugehen und deinen Namen zu preisen immer und ewiglich. Amen.. Nach der Schule. 60. Heilger Geist, schreib alle Worte Nun in unsre Herzen ein, Daß man stets an allem Orte Deren eingedenk mag sein; Daß wir täglich Früchte bringen Und im Himmel Amen singen. Amen. 61. Herr, segne und behüte mich! Erleuchte mich, Herr, gnädiglich! Herr, heb auf mich dein Angesicht, Und deinen Frieden auf mich richt! Amen. 62. Unsern Ausgang segne du, Segne jedes Wort der Lehre; Gib uns Sammlung, Fleiß und Ruh, Daß sich unser Wissen mehre; Präge tief dem Herzen ein: Jede Stunde, Herr, sei dein. Amen. 63. Noch einmal blicken wir Auf die enteilten Stunden; Turch dich, o Gott, sind sie Gesegnet uns entschwunden; Nimm unsern frommen Dank Für deine Vatertreu, Und steh auch morgen uns, Wie heute, huldreich bei. Amen. 64. Gott, präge alle Lehren, Die wir hier täglich hören, Tief unsern Herzen ein; Laß sie uns oft erwägen, So werden sie ein Segen Für unser ganzes Leben sein. Amen. 216 Schulgebete. 65. Vater, dir sei Preis gesungen, Daß du uns so wohl gelehrt, Daß dein Werk an uns gelungen, Daß wir jetzt dein Wort gehört; Laß die Lehr den Glauben stärken, Mach uns reich an guten Werken. Amen. 66. Laß mich dein sein s. Liederb. Nr. 86. 67. Unsern Ausgang s. Liederb, Nr. 87. 68. Herr Gott, himmlischer Vater, wir danken dir für deine unzählbaren Wohlthaten, die du uns täglich an Leib und Seele erweisest, insonderheit aber auch dafür, daß du uns in diesen Stunden beigestanden und dein heiliges Wort und allerhand nützliche Erkenntniß uns hast verkündigen lassen. Laß alles, was wir gehört und gelernt haben, auch Frucht schaffen in unserm Leben, vornämlich aber laß es wirken zur Beßrung unfres Lebens, damit wir allezeit dich vor Augen und im Herzen behalten. Dein Segen sei mit uns, wie du uns verheißen hast. Amen. 69. Herr, wir sind zu geringe aller Barmherzigkeit und Treue, die du an uns gethan hast. Auch heute hast du uns wieder deine Freundlichkeit und Güte schmecken lassen; wir bitten dich. lege nun deinen Segen auf das, was wir hier in der Schule gehört und gelernt haben, und laß es in uns die Gottseligkeit wirken, die zu allen Dinge nüße ist und die Verheißung hat dieses und des zukünftigen Lebens. Amen. 70. Wir erheben unsere Herzen zu dir, Herr unſer Gott, beim Schlusse unserer Schulstunden, und danken Am Schlusse der Woche. 217 dir für deinen gnädigen Beistand. Gib, daß wir das, was wir heute gehört oder gelernt haben, in gutem Gedächtniß behalten, und in allerhand guter und nüßlicher Erkenntniß wachsen und zunehmen. Laß uns auch außer der Schule thun, was recht und gut und dir wohlgefällig ist. Deine Furcht bewahre uns vor aller bösen Lust und Neigung, und befestige in uns die Liebe zu allem, was ehrbar und gerecht ist, was lieblich und wohl lautet. Dein Friede, o Gott, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christo Jesu, unserm Herrn. Amen. 71. Wir danken dir, lieber Vater im Himmel, daß du uns hier in der Schule den Weg weisest, den wir wandeln sollen, und bitten dich, erhalte uns das Wort deiner Wahrheit immerdar, und leite uns auf ewigem Wege. Erhalte auch jetzt, wo die Stunden des Unterrichts vorüber sind, unser Herz bei dem Einigen, daß wir deinen Namen fürchten und also in deiner Furcht diesen Tag zubringen und beschließen. Amen. Am Schlusse der Woche. 72. Mit demüthigem Danke stehen wir vor deinem Angesichte, Herr unser Gott und Vater, und preisen deine Güte, die in der zurückgelegten Woche unsern Leib und Seele vor allem Schaden und Gefahr so treulich behütet hat. Ach Herr, gedenke nicht, der Sünden unsrer Jugend und unsrer Uebertretungen, gedenke aber unser nach deiner großen Barmherzigkeit. Laß auch in der neuen Woche nicht ab, uns zu segnen, und gib, daß unser Geist ganz sammt Seele und Leib 218 Schulgebete. dir geheiligt werde zu einem lebendigen Opfer, das dir wohlgefällig ist. Dein heiliger Name sei gelobt und gepriesen von nun an bis in Ewigkeit. Amen. Beim Beginn des( Schul-) Jahres. 73. Wir heben unsre Augen auf zu den Bergen, von welchen uns Hilfe kommt. Unsre Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Darum kommen wir beim Beginne dieses( Schul-) Jahres mit unserm Gebete vor dich, Herr der Zeit und unsers Lebens, und flehen zu dir: Segne wie bisher dieses Haus aus der Fülle deiner Barmherzigkeit; segne Lehrer und Schüler; segne unsre Arbeit und unsre Ruhe. Dir befehlen wir uns heute aufs neue; fei auch in diesem( Schul-) Jahre wieder mit uns, wie du bisher mit uns gewesen bist, und laß es uns in deiner Furcht anfangen und vollenden: behüte unsern Eingang und Ausgang von nun an bis in Ewigkeit. Amen. Am Schlusse des( Schul-) Jahres. 74. Zum letztenmal in diesem( Schul-) Jahre haben wir uns vor deinem Angesichte versammelt, Herr unser Gott, um dich zu loben und dir zu danken für alles, was du an uns gethan hast von den ersten Tagen unsers Lebens bis hierher; für alle Gaben und Güter, mit welchen du uns so reichlich erfreut; für allen Schuß, den du uns gesandt, für alle Unterweisungen, die du uns hast zu Theil werden lassen; insonderheit danken wir dir, daß du uns unter die Zahl deiner Kinder aufgenommen und bisher mit Geduld und Langmuth Beim Beginn und Schlusse des( Schul-) Jahres. 219 getragen hast. Entziehe uns auch ferner nicht deine Gnade; gedenke nicht der Sünden unserer Jugend und unserer Uebertretungen, sondern erbarme dich unser um deines Sohnes Jesu Christi willen. Halte auch in Zukunft deine Hand über uns ausgestreckt, und behüte uns auf allen unsern Wegen. Amen. domes мед die mny 13-1-2mg hodou ud ECO Instag in de spind 990 taff and 37 Alphabetisches Verzeichniß der Lieder. Seite. • Ach bleib bei uns, Herr 72 Ach bleib mit deiner Gnade- 73 Ach Gott, ich muß in.. 168 Ach sei mit deiner Ach, was bin ich, mein Ach wundergroßer 101 53 . Allein Gott in der Höh. 62 Alle Menschen müssen 178 Allen ist ein Heil ● 84. 85 1 81 Auf, auf, ihr Reichsgenossen 22 Auf den Nebel folgt 141 Auferstehn, ja auferstehn. 167 Auf immer gilt... Aus meines Herzens Aus tiefer Noth schrei.. 99 #Befiehl du deine.....- 139 Betrübtes Herze, sei... 169 Christe, du Lamm Gottes 95 49 Christ ist erstanden... Christus der ist mein Leben 158 Das walte Gott, der.. 147 Dein König kommt in.. 26 Dein Wort, o Herr, bringt 78 Der du in Todesnächten 88 Der du noch in der letzten Der du zum Heil 83 Der heilge Christ ist Der Herr fährt auf • 91 35 55 3 Die güldne Sonne. * Dieß ist der Tag, den.. 34 Seite. 171 Die wir uns allhier... 84 Du bist zwar mein. Du hast, o Güte, dem.. Eine Heerde und ein Einer ists, an dem wir 12 88 89 Ein feste Burg ist .-70 Eins ist Noth, ach Herr. 118 Erhalt uns deine Lehre 74 71 Erhalt uns, Herr, bei.. Es glänzet der Christen. 129 . 181 Es ist noch eine Ruh Es kennt der Herr.. 80 • ♦ ● Freu dich sehr, o meine. 159 Fröhlich soll mein Herze. 31 Gelobest seist du.. 27 Gesegn uns, Herr, die.. 10 Gib dich zufrieden... 136 Gott der Gnaden 102 2 Gott des Himmels und. Gott ist gegenwärtig. 122 Gott Lob, ein Schritt. Großer Gott von alten 19. 9 ● Herr, der du mir das.. 18 Herr, es ist von meinem. 16 Herr Jesu Christ, dich Herr Jesu, Licht der 82 39 Herr, wie du willst.... 120 Herr, wir kommen zu 11 Herzlich lieb hab ich... 113 Seite. 41 75 36 Herzliebster Jesu, was Herz und Herz, vereint. Hilf, Herr Jesu, laß.. Hinunter ist der Sonnenschein Hirte deiner Schafe Laß mich dein sein. Liebster Jesu, wir sind hier, deinem ● 27 Jauchzet, ihr Himmel.. 33 Ich armer Mensch, ich.. 101 Ich bin bei Gott in Ich bin ein Gast auf 162 Ich bin getauft auf 105 93 Ich geh zu deinem Grabe 50 Ich habe nun den Grund 107 Ich hab in guten Stunden 156 Ich hab mich Gott ergeben 161 Ich finge dir mit Herz und 64 Ich steh an deiner Krippe 30 Ich will dich lieben... 117 Ich zieh in ferne Lande. 155 Jerusalem, du hochgebaute 174 Jesu, der du bist alleine. 124 Jesu, großer Wunderstern Jesu, meine Freude. Jesu, meines Lebens Jesus lebt, mit ihm Jefus, meine Zuversicht 176 Jesus nimmt die Sünder 106 In allen meinen Thaten 134 Ist Gott für mich, so. 142 • Komm, heiliger Geist erfüll/ 82 Komm, oHerr, fomm bald du 87 Kommt, Brüder, laßt uns 76 Komm vom höchsten. Kron und Lohn 38 128 46 -52 83 83 83 94 92 Liebster Jesu, wir sind hier, dich. 12 17 Lobe den Herren, den.. Lobt Gott, ihr Christen • Macht hoch die Thür.. 21 Meinen Jefum laß ich.. 116 Mein erst Gefühl. 8 6 97 108 109 Mein Gott, nun ist es Mein Jesu, der du.... Mir ist Erbarmung Mir nach, spricht Mit Ernst, o Menschenfinder. daß ich tausend.. du allersüßte. ааааа 221 Seite65 29 ● 22 • Nun bitten wir denheiligen 57 Nun bringen wir den Leib 166 Nun danket alle Gott.. 63 Nun freut euch, lieben.. 103 Nun. Gott Lob! es ist. Nun jauchzet, all ihr. Nun laßt uns gehn und Nun preiser alle Nun ruhen alle 95 23 37 62 14 . 68 61 110 Durchbrecher aller... D Ewigkeit du 177 58 98 frommer und getreuer 100 O Gott, von dem wir.. 153 O Haupt voll Blut.. 43 Oheilger Geist, fehr.. Jesu, meine Wonne Jesu, süßes Licht Lamm Gottes. selig Haus, wo Welt, sich hier wie fröhlich, o wie.. 180 wie selig seid ihr... 175 7 40 150 45 : Rede, liebster Jesu Rüstet euch, ihr. Ruhe hier, mein Geist. ● ... 92 112 47 • ● Ad शक Ac Ad And Ad ពី ឥ ឥ ឥ ឥ ឥ ឥ ឥ ឥ ឥត គ ៣ur • શા AI A 222 Seite. Ruhet wohl, ihr Todtenbeine .. 165 Schmücke dich, o liebe.. 96 Schönster Herr Jesu. Sei Lob und Ehr Siegesfürft und Ehren116 66 Fönig 56 122 172 125 11 152 84 12 Treuer Wächter Israel Unsern Ausgang. Unser Vater, der uns Unsre müden Augenlider. Valet will ich dir geben. 160 Vater, sieh auf unsre Verzage nicht, du Häuflein Vom Himmel hoch 15 77 85 Von Gott will ich nicht. 133 Wach auf, du Geist. Wach auf, mein Herz, die 49 Wach auf, mein Herz, und 5 Wachet auf, ruft uns 1 173 Sieh, hier bin ich So hab ich obgesieget Sollt ich meinem Gott Speis uns, Vater ♦ ♦ 72 28 Seite. Warum sollt ich mich denn 137 Was Gott thut, das ist wohlgethan, es bleibt. 146 Was Gott thut, das ist wohlgethan, so denken 154 Wasserströme will ich. Wenn mich meine Sünden Wenn mein Stündlein 86 42 157 Wenn wir in höchster 151 13 132 Werde munter, mein. Wer ist wohl wie du Wer nur den lieben Wer weiß, wie nahe Wie fleucht dahin der Wie groß ist des 144 164 180 69 Wie schön ists doch, Herr 148 Wie schön leuchtet der.. 114 Wie soll ich dich. 24 130 Wie wohl ist mir, o Wohlan, es müssen dir Wir danken Gott für 11 79 Zeuch ein zu deinen Zween der Jünger 3weierlei bitt ich. T ● . .. • ● . * 59 51 121 depart201 Im unterzeichneten Verlage sind weiter nachstehende Schriften für Schule und Haus erschienen: Bindewald, K. W., evang. Pfarrer in Arnoldshain bei Usingen, poetische Bilder aus der biblischen Geschichte alten und neuen Testaments. Mit einem Vorwort von Prof. Dr. 3ödler in Greifswald. 8°. 36 fr. oder 10 ngr. Braun, L., kindliche Erzählungen für Mädchen von 8-12 Jahren. Mit col. Bildern von Th. Rothbarth, nach Originalzeichnungen von F. C. KI msch. 8%. In illustr. Umschlag carton. 36 fr. oder 10 ngr. Curtman, Dr. W. J. G., Seminar- Direktor zu Friedberg, Lesebuch für die Stufe der Anschauung. 5. verm. Aufl. gr. 8⁰. 20 fr. oder 11gr. Geschichtchen für Kinder. 6 Aufl. Mit Illustrationen von Gustav Süs in Düsseldorf. Gr. 8º. fl. 1. 12 fr. oder 20 ngr., ohne Illustr. 36 kr. oder 10 ngr. Wohlfeile Ausgabe. 15 fr. oder 4¹2 ngr. Dichtungen, deutsche, für die Jugend. 4 Curse in 8° und zwar: 1) Vorbereitungs- Cursus, für das Alter von 6-7 Jahren. 18 fr. oder 6 ngr. 2) Erster Cursus, für das Alter von 8-9 Jahren. 7. Aufl. 18 fr. oder 6 ngr. 3) Mittlerer Cursus, für das Alter von 10-11 Jahren. 24 fr. oder 8 ngr. 4) Bweiter Cursus, für das Alter von 12 Jahren bis zur Confirmation. 3. Aufl. 24 fr. oder 8 gr. Formstecher, Dr. S., Rabbiner zu Offenbach a. M., mosaische Religionslehre für die israelitische Religionsschule. 8º. 24 fr. oder 71/2 ngr. • Ach • Ach Ach Ach Ach, Ach • Alle Alle All Au Au Au Au Au Au * B Be AAAAAAAAGM AGG B 222 24 Gedichtchen für Kinder.( Separat- Ausgabe des Vorbereitungs Cursus der deutschen Dichtungen.) Mit col. Bildern vor Th. Rothbarth, nach Original- Zeichnungen von F. C Klimsch. 80. In illustr. Umschlag carton. 36 fr. oder 10 ngr Kühn, G., Lehrer an der Stadtschule zu Offenbach, erstes Lese buch für die Elementarklassen. Zugleich Stoff zu Anschauune? Sprach-, Schreib-, und Gedächtnißübungen. Auflage. 1. Abtheil. Laute, Silben, Wörter, Säße., 6 fr. oder 2 ngr. 2. Abtheil. Lesestücke, lat. Schrift, Anheng. 8 fr. oder 2 ngr Ruh Leclercq, Th., proverbes dramatiques. Cine Auswahl für Schulen mit Anmerkungen von Gürtman und Lendroy. 80. 36 fr. oder 10 ngr. Schaumann, Dr. E., Realschuldirektor, Leitfaden für den erste. Unterricht in der deutschen Sprache. 2. Aufl. 3o. 8 fr. oder 2 ngr. Praktische Anleitung zur Abfassung von Briefen und Geschäftsauffäßen. 2. Aufl. 8°. 12 fr. oder 4 ngr. Weltgeschichte für den Schulgebrauch. 3. verbesserte Auflage. 8°. 40 fr. oder 12 ngr. Welder, J. F. C., Religionslehre in biblischen Sprüchen. 4. Aufl. 80 12 fr. oder 4 ngr. Universitäts- Buchhandlung von Ernst Heinemann in Gießen. 10 1000 70 529150 Cif 171 2 M 800 676 16 566 567 968 10 Inches Gb Centimetres Blue 2 1866 Geistliches Liederbuch für Schulen, Familien 2 3 4 Cyan 5 6 Univ. Bibl. Giessen 7 Farbkarte# 13 Green 3 8 Yellow Heinemann[ um 1870] 9 4 10 Red 11 12 5 13 Magenta 14 6 15 White 16 1,7 17 3/ Color 18 19 B.I.G. Black